Abendausgabe Nr. 159 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 79 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-298 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin SW Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Freitag 3. April 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Otto Braun preußischer Ministerpräsident. Sieg im ersten Wahlgang! Bei der Ministerpräsidentenwahl im preußischen Landtag wurde im ersten Wahlgang Otto Braun mit 220 Stimmen gewählt. Die absolute Mehrheit betrug 216 Stimmen. betrug 216 Stimmen. Auf den Kandidaten des Rechtsblocks Peters entfielen 170, Preußen hat wieber einen Ministerpräsidenten. Es hat den Ministerpräsidenten, deffen staatsmännische Begabung und dessen Treue zur Republit Breußen in der Zeit der schwersten Krise des Reichs die politische Stabilität gegeben hat, die das Reich zusammenhielt. Otto Braun ist wieder preußischer Ministerpräsident. Wir hoffen, daß diese Wiederwahl, und mit ihr fommende Neuwahlen des preußischen Landtags eine neue Periode der politischen Sta bilität in Preußen einleiten wird.. Wenn der preußische Landtag heute Otto Braun abermals zum Ministerpräsidenten gewählt hat, so hat er als Boll. streder des Boltswillens gehandelt. Hinter Otto Braun steht nicht nur die Mehrheit dieses Landtags. Sie ist nur ein unvollkommener Ausdrud für das Gewicht des Willens des Volkes. Otto Braun war der wahre Sieger des ersten Wahlganges der Präsidentschaftswahl. Hinter ihm steht die stärkste Partei des deutschen Bolkes, und mit ihr die Anhänger der republikanischen Parteien für die das Bolt im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl mit erheblicher Mehrheit entschieden hat. A Die Wiederwahl Otto Brauns war deshalb eine Notwendigkeit und eine Selbstverständlichkeit, eine Konsequenz der Demokratie. Die Preffe der Rechten, die sich vor wenigen Tagen noch als Schüzerin der Demokratie aufwerfen wollte, hat dafür kein Verständnis. Sie hat manövriert, um die Wiederwahl Brauns zu durchkreuzen. Sie hat Differenzen zwischen den republikanischen Parteien herbeizuführen gesucht. Sie hat heute morgen noch hämisches Gift gegen die republikanischen Parteien versprigt, hat von Aemter schacher, von Parteifchacher, von barer Bezahlung gesprochen. Sie hat vor der Präsidentenwahl fo viel vom Volkswillen, vom Recht der Demokratie, von der Verfaffung gesprochen. Warum nun der Lärm, wenn nach demofratischen Grundsägen, nach Sinn und Wortlaut der Verfassung, nach dem erklärten Willen des Boltes Preußen seinen neuen Ministerpräsidenten wählt? Wo sind die hohen Töne der Rechtspresse geblieben? Warum ist sie so schüchtern geworden mit dem Rufe nach der Landtagsauflösung? Warum redet sie nicht mehr vom Staatsgerichtshof und Verfassungsbruch? Der Rechtsblock ist der Geschlagene des Wahlkampfes um die Präsidentschaftswahl. Er hat nach der Volksentscheidung verlangt, er hat eine erste Entscheidung erhalten! Das Gleiche gilt für die Kommunisten. Dies Häuflein, das zusammenschmilzt wie der Schnee in der Sonne, hat sich im Breußischen Landtag als Steigbügelhalter der Rechten sehr wichtig gefühlt. Noch sizen Rechte und Kommunisten in der gleichen FraktionsStärke im Landtag, noch haben sich die parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse im Landtag nicht geändert. Die parlamentarischen Machtverhältnisse aber haben sich entscheidend verschoben. Die Wiederwahl Otto Brauns ist Die Folge davon. Die Sozialdemokratie sieht diese Wiederwahl mit Ge nugtuung. Aus der Entscheidung des Volkes vom 29. März und aus der Wiederwahl Otto Brauns nimmt sie die Gewißheit, daß ihre Arbeit für den neuen Staat, ihre Opfer für die Erhaltung der Stabilität in Preußen und die Einheit des Reiches im ganzen Bolte verstanden werden. Nun ist es genug der Krisen in Preußen! Die Sitzung des Landtages wurde vom Präsidenten Bartels 12,25 Uhr eröffnet. Das Haus ist vollzählig besest. Es wird sofort in die Wahl des Ministerpräsidenten eingetreten. Da die Verhandlungen zwischen den Demokraten, 3entrum und Sozialdemokraten Uebereinstimmung er geben haben, daß Otto Braun wieder das Ministerpräsidium übernehmen soll, stimmen diese Barteien geschlossen für Braun. Die Rechtsparteien für Peters, die Kommunisten für Bied. Es fällt auf, daß die Führer der Kommunisten und der Deutschnationalen eifrig miteinander verhandeln. Man nimmt an, daß sie durch Verlassen des Saales bei einer zweiten Abstimmung das Haus beschlußunfähig machen wollten. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Es wurden 432 Stimmen abgegeben, von denen zwei ungültig Die abfolute Mehrheit beträgt 216, auf Otto Braun entfielen 220 Stimmen, auf Peters 170, auf Bied 40. Otto Braun ist also im ersten Wahlgang zum Ministerpräsidenten gewählt. Die Berkündung des Wahlresultats rief bei den Deutschnationalen und Kommunisten offensichtliche Bestürzung hervor. Sie hetten mit Bestimmtheit mit einem zweiten Wahlgang gerechnet und dafür ein taftisches Bündnis abgeschlossen. Der Landtag vertagte sich dann bis zum 28. April auf den Kommunisten Pieck 40 Stimmen. Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages hat heute vor der Plenarsizung eine Besprechung abgehalten. An der Ver. tagung des Hauses bis zum 28. April wurde grundfäglich festgehalten. Für den Fall, daß der heute gewählte Ministerpräsident die Wahl nicht annimmt, soll am 15. April bereits eine neue Sizung wegen der Neuwahl stattfinden. Es wurde ferner mit Zustimmung der Deutschen Volkspartei befchloffen, die Not verordnungen, die der ständige Ausschuß beschlossen hat, zur Weiterberatung dem Hauptausschuß zu überweisen. Ein plumpes Täuschungsmanöver. Braun, Jarres und die besetzten Gebiete. Jarres ist der Vater der, Versackungspolitik. Er schlug im Jahre 1923 vor, Rheinland und Ruhrgebiet preiszugeben, um die Gebiete in 10 bis 20 Jahren durch eine neuen Krieg wiederzuerobern. Deß Jarres' Borschlag vollendeter Wahnfinn war, wird heute nicht mehr bestritten. Selbst Jarres jieht das heute ein. Er versuchte sich zu Beginn des Präsidentfchaftswahlkampfes herauszuschwindeln und sich später zu entfchuldigen, indem er andere Politiker bezichtigte, auf demselben Standpunkt gestanden zu haben wie er. Auch das Manöver mißglüdte und Jarres verstummte mitten im Wahlkampf. Jarres wird, wie es scheint, von dem Rechtsbloc auch im zweiten Wahlgang nominiert werden, weil man feinen anderen Kandidaten findet. Aber man fühlt den Mann, der weite Gebiete feines Vaterlandes in schwerster Boden unter den Füßen schwanken. Man fühlt, daß ein Stunde mit dem leichtfertigen Troft auf einen späteren Strieg Boltes verdient. Um so weniger, wenn es ihm dann später an Mut fehlt, zu seinem Vorschlag zu stehen oder den begangenen Fehler einzugestehen. Deshalb versucht man von neuem, den Tatbestand zu verdunkeln, Braun ist mitschuldig, verbreitet heute die deutschnationale Presse. Auch Braun ist für die Versackungspolitif eingetreten! einen Kabinettsrat vom 20. Oftober 1923, in dem auch Anlaß zu dieser Behauptung gibt ein Protokoll über Braun den Standpunkt vertrat, daß das Reich teine Leistungsverpflichtungen im Ruhrgebiet habe, da Frankreich und Belgien sich die Rechte des Reiches angeeignet hätten. Was hat das mit der Versackungspolitik zu tun? Der passive Widerstand war aus Mangel an finanziellen Mitteln zusammengebrochen. Es hatte sich gezeigt, daß die Schwerindustriellen zum großen Teil die Unterstügungsgelder des Reiches zu Devisens petulationen mißbrauchten. Man stand vor der Frage, wie man aus der Leichtfertigen Inflationspolitit Cunos, die das Reich an den Rand des Abgrunds brachte, herauskommen sollte. Die Frage einer Aufgabe der befezten Ge. biete war in der Kabinettssigung vom 20. Oftober nicht Gegenstand der Besprechungen. Finanzminister Luther hatte die Zahlungen an das besetzte Gebiet eingestellt. Braun hat dem wie die anderen Minister zugestimmt. Die Ber fadungspolitik des Herrn Jarres wurde erst ein bis zwei Monate später, Ende November, Anfang Dezember 1923, diskutiert. Braun war ihr schärfster Gegner. Das sind die Tatsachen, und wenn die Rechtspresse diese Tatsachen um zufälschen versucht, so ist das der deutlichste Beweis dafür, daß auch die Führer des Rechtsblocks innerlich den Bersadungspolitiker Jarres für einen unmöglichen Kandidaten halten, an dem man nur aus Berlegenheit festhält. Aber eine andere Frage. Das Protokoll, mit dem die Rechtspresse Mißbrauch treibt, ist unseres Wissens dem Ministerpräsidenten Braun unbekannt. Da es üblich ist, Sigungsprotokolle den Teilnehmern vor ihrer aftenmäßigen Registrierung vorzulegen, erhebt sich die Frage, Don mem, in welchem Zeitpunkt und zu welchem 3 med das Protokoll angefertigt wurde. Gestern und heute. Gestern Stimmvieh heute Diktatoren. was sie tut. Beweis: Die Rechtspresse weiß von gestern auf heute nicht mehr, Bas ist Demokratie? Da ist die Sozialdemokratische Partei mit ihren fast 8 Millionen Stimmen. Reinster Ausdrusch demofratischen Wollens, nicht wahr? Darüber sind Freunde und Feinde einig. Der sozialistische Wahlerfolg troß der zum Himmel stinkenden Barmat- Skandale, erweist, über wie geduldiges Stimmvich die SPD. verfügt. Die Klique rechnet, ihrer Geschäftigkeit werde es auf jeden Fall gelingen, hinreichend viel dafür in Gehorsam auch für eine Kandidatur Marg z. B. erhalten zu fönnen, um dieser die Mehrheit in der zweiten Wahlschlacht zu sichern." Also der„ Lofal- Anzeiger" vom Dienstag. Die Sozialdemokraten geduldiges Stimmvieh für Marg. Heute: " Da die Demokraten ihren Parteiausschuß erst für Sonntag einberufen haben, wird man also noch mit etwa zweitätigen Berhandlungen im Linksblock rechnen müssen, ehe es sich übersehen läßt, ob 3entrum und Demokraten fich wirklich endgültig den Sozialdemokraten mit Haut und Haaren verschreiben wollen. Also der neueste Lokal- Anzeiger". Marg läßt sich von den Sozialdemokraten diktieren! Mit dem Lokal- Anzeiger" deckt sich die " Deutsche Tageszeitung": ,, Damit hat das Zentrum vor den Machtansprüchen der Sozialdemokratie fapituliert, hat sich zwar mit dieser Kapitulation die fozialdemokratische Unterstügung seiner Reichspräsidentschaftskandibatur Marg erfauft, geht aber in den zweiten Wahlgang als Leib. eigene diefer religions und christentumsfeindlichen Gesellschaft. Es ist also ein herzlich schlechtes Geschäft, von der moralischen Seite ganz abgesehen, das das Zentrum mit seinen gewalttätigen Roalitionsgenossen gemacht hat. Es hat sich aus seiner Sadgaffe nicht wieder herausgefunden und wird sie nicht ohne schwere Beschädigungen verlassen." #F tittieren. Gestern schrieb die Rechtspreffe so wie heute die Rote Fahne": das Zentrum diftiert, die Arbeiter Stimmich für das Zentrum. Heute läßt sie uns und die Arbeiter Gemeinschaft mit der Roten Fahne" schreibt. Es ergibt sich Bekanntlich ist alles wahr, was die Rechtspresse in holder demnach folgendes Bild: Zentrum hat den Fuß auf unserem Naden. Gleichzeitig liegt Mie liegen vor dem Zentrum auf dem Bauch und das das.Zentrum vor uns auf dem Bauch und wir haben den Fuß auf seinem Naden. Das ist doch noch eine bemerkenswerte gymnastische Leistung, die uns die Rechtspresse da zuschreibt! Ausgejarrest? Oder doch letter Notbehelf? Jarres ade! oder Jarres wieder da? Sie wissen es selber nicht. Sie sind so einig, daß sie sich vor der Deffentlichkeit verbergen, damit man die Hypertrophie von Einigkeit bei ihnen nicht bemerkt. Sie haben geschworen und wissen selber noch nicht, werden sie den Eid brechen oder wird es zufällig ein echter Eid werden? Ihre Wähler wissen nicht, ob es sich ausgejarrest hat. Die Es wird Zeit! Schon ist die Jarres- Front in Berwirrung. Rechtspresse fängt voller Verzweiflung an zu rufen: nehmt Rechtspreffe fängt voller Verzweiflung an zu rufen: nehmt um Gottes willen Jarres wieder, besser als gar feiner ist er schließlich doch! Die Kreuzzeitung" schreibt ungeduldig: Jarres steht außerhalb aller Machinationen der letzten Tage. blods. Wir erwarten heute noch den Entschluß und seine selbstEr bleibt nach wie vor die Kandidatur des Reichsverständliche Proklamation." Nach wie vor ist sehr gut! Er war es doch schon nicht mehr! Nun soll er wieder aus der Ede herausgenommen werden? Nur zu! Erfahrung in Niederlagen ist ja beim Rechtsblock schon vorhanden. Das Geld ist alle! Keiner will mehr zahlen! H Aufruf, der um Geld für den Loebell Block schnorrt. Die Berliner Rechtspreffe veröffentlicht heute einen langen Darin werden die offenkundigsten Tatsachen dreist und gottesfürchtig abgeleugnet, nämlich etwa so: Es ist nicht wahr, daß die Wahlkosten des Reichsblocks einfach aus dem angeblich unerschöpflichen Topf der Schwerindustrie und des Großagrariertums gebecki werden, wie es die rote Lügenpresse behauptet. Wir haben die deutschynationale Anweisung an die Bertrauensleute im Lande veröffentlicht, in der flipp und flar zu lefen stand: Berlinbezahlt alles! Heute soll das alles nicht wahr gewesen sein? Tatsächlich hat der Loebell- Blod mit den ihm anver trauten, überall im Lande bei Industriellen und Großagrariern tausendmartweise zusammengefochtenen Gelbern in unperantwortlicher Weise gewüstet. Mehr als 500 perschiedene Flugbätter ließ er bruder, die wahllos auf die Straße geschleudert wurden. Ja, einmal versuchte er durch die deutschnationale Hauptgeschäftsstelle in Berlin fogar dem Borwärts" eine Zuwendung zu machen! Was dieser nat lich dankend ablehnte, da er nicht zu den Stipendiaten des Loebell- Blocks gehört! Da ist mun augenscheinlich den müchtern rechnenden Schwerindustriellen die Erkenntnis gekommen: Für all unser Geld fahen wir nur die fichere Niederlage Jarres' voraus- ba verzichten wir lieber und unterstüßen den Wahlkampf nur noch durch belanglose, weil tostenlose Sympathieerklärungen. Ein Geschäft, das teinen Erfolg verspricht, pflegen fo gewiegte Rechner nicht mehr zu finanzieren! Folglich muß sich der Rechtsblod jetzt öffentlich an die Wähler wenden und um milde Gaben flehen. Deswegen macht er sogar das famose Eingeständnis: Nur mit reichen Mitteln ist gegen die schwarzrotgoldene Uebermacht aufzukommen. Also doch lebermacht! Also doch ein Anerkenntnis, daß die Republikaner fich nicht durch die Monarchisten erbrücken lassen! Also doch das Eingeständnis, daß nur reiche Mittel" den Jarresisten zur Verfügung gestellt werden müssen, mit Pfennigen und Groschen ist nicht gedient gegenüber dem arbeitsfreudigen Eifer der sozialdemokratischen Massen, die nian schon durch reiche Mittel" des Geldes und der Berleum dung in Grund und Boden geritten zu haben glaubte und die doch zum Schrecken aller Reaktionäre wie eine Mauer standen! Nur reiche Mittel! Die Industrie will ihre Gelder nicht mehr in den hohlen Jarres- Topf werfen. Also sollen die Stillen im Lande jetzt in den Beutel greifen! Viel Vergnügen! Inzwischen macht sich die ehrenwerte Rumpanei Sorge um die Stimmung der- sozialistischen Arbeiter! Folgender Schreibebrief, der an eine Reihe von Arbeitern in Industriebetrieben geflattert ist, wehte uns zu: 3entralfommission Arbeitsstelle IV Tel. Kurfürst 143 Gü/ B. Igb.-Nr. 71 Berlin, den 31. März 1925. Kaiserin Augusta- Straße 80. Sehr geehrter Herr! Wir bitten höflichst um sofortige Mitteilung über die Stimmang innerhalb der Arbeiterschaft zu ben Wahlergebnissen. Wir bitten Sie, diese Mitteilung unter folgenden Gefichtspuntten zu machen: 1. Wie wird sich die sozialdemokratische Arbeiter. schaft verhalten, wenit Braun nicht aufgestellt wird? 2. Wird sie bei Aufstellung einer Kandidatur Marg oder einer Kandidatur Wirth zu Thälmann übergehen? 3. Wie würde sich die Arbeiterschaft zu einer Kandidatur Geßler verhalten, wenn dieser als Einheitstandidat vom Reichsblod, Demotrafie und Zentrum herausgebracht würde? 4. Halten Sie auf Grund Ihrer Kenntnisse der politischen Ein. stellung Ihres Bezirkes und insbesondere der Einstellung der Arbeiterschaft die Aufrechterhaltung der Kandidatur Jarres für rich fig oder unbedingt erforderlich? 5. Besteht die Möglichkeit, einen weiteren Teil ber Arbeiterschaft im zweiten Wahlgang für eine Randi. datur Jarres zu gewinnen, wenn die nötige finanzielle und technische Unterstüßung vorhanden ist? Wir bitten, uns die gestellten Fragen möglichst umgehend be antworten zu wollen, damit wir sie noch für die in diesen Tagen stattfindenden Berhandlungen verwerten fönnen. Mit deutschem Gruß " Frh. v. Hodin. Da befragt man also die Arbeiter, ob man den Mann, den deutschen Mann, den ganzen Mann!" wieder aufstellen fann oder ob nicht doch vielleicht Geßler beffer wäre. Biel leicht veröffentlicht die Zentralfommiffion oder Frhr. v. Hodin persönlich die Antworten, die auf diesen Schreibebrief eingelaufen find? Es müßte doch für die Mit- und Nachwelt interessant sein, festzustellen, mit welcher inneren Geschlossenheit der Kandidat der Schwerindustrie und des Agrariertums von den eigenen Anhängern beurteilt wird! Der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts ist heute zu einer Tagung zusammengetreten. Es wurden vier neue Ratifi. fationen der internationalen Arbeitstonvention registriert, so daß ihre Zahl nunmehr 145 beträgt. Der Tod in der Weser. Bon Erich Grisar. Minden, den 1. April. Die Truppen, die vor Tagen froh und abenteuerluftig die Stadt verließen zur großen Ererzierübung im lippisch- westfälischen Grenz gelände, find norzeitig zurüdgefehrt. Mit hartem, todernstem Gesicht zogen sie in die Stadt. Nicht begrüßt durch die belebenden Klänge der Militärkapelle. Alle, die die Stadt verließen, fehrten zurüd. Erleichtert atmeten alle auf. Alle, die da marten. Und schon schleicht müdes Bergessen in thr Herz. Schon verdämmert die Trauer der anderen in ihnen vor der Freude der Wiederkehr der bekannten Gesichter. Und erft, als die Bagagewagen durchnäßte Soldaten heranfahren mit fremden Achselstücken, wird die Erinnerung an den Schmerz der anderen wieder wach. Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt Und darinnen ein Golbat... flingt leise ein Lied über die träumerisch spielenden Bellen der Wefer. Und er muß marschieren in den Krieg... tönt es weiter, da steht auch schon wieder das Unglüd vor aller Augen. Da wächst mieder Frage auf Frage ins Dunkel hinein. Aus Detmold zogen ja die anderen. die Toten, in den Krieg, in den fröhlichen Krieg. Den Krieg im Frieden. Und nach Detmold find jene zurückgezogen, die die Kunde heimtragen von den toten Kameraden. Langsam tommen dann auch die Heimgekehrten aus ihren Quartieren. Ueberall umſtanden und befragt von den vielen, die sich nicht erklären können, daß mitten bei einer harmlosen Uebung unter den Augen Hunderter fast achtzig junge Menschen ins Nichts versinken. Chne gerettet werden zu können. Auch die Heimgekehrten wissen nichts. Ein Gefecht jenseits der Weser. Die bedrängten Truppen der roten Armee vermögen fich nicht mehr zu halten. Verstärkung muß herbei. Es geht um das Ganze, um einen Ackerstreifen. Flurschäden find möglichst zu vermeiden, summt es im Kopfe des Führers der Truppe. Quatsch, der Staat bezahlt alles, wenn nur Verstärkung herantommt, ehe es zu spät ist. Sie tommt. Sie tommt. Auf einer eiligst erbauten Fähre werden die Truppen übergesezt. Ein 3ug. Das dauert zehn Minuten. Zurück. Der Fluß ist reißend, aber die Zeit drängt. Verstärkung muß heran. Die Fähre trägt mehr als einen Zug. 3mei Züge auf das schwankende Floß. Was t, liegt zu tief? Wer schwagt solchen Unsinn? Drüben fämpft die Schlacht ohne uns. Ohne uns! Wer weiß, was das heißt? Noch ein Zug auf die Fähre. Zwei Zivilisten? Gut, laßt sie mitkommen. Loslassen. Langsam gleitet die Fähre über das Wasser. Langsam. Nun die Mitte. Wer schreit da voin Ufer? Was sinft? Die Kuppelung der Pontons ist geriffen. Ein Bonton fact. Wer ruft das? Unfinn. Diese Zivilisten. Hunderte stehen da und halten Maulaffen feil. Es fintt, mahnt es wieder, und wirklich, das Gleichgewicht scheint Neuer Verleumdungsfeldzug in Sicht! Achtung, es wird wieder geschwindelt! Nach dem Zusammenbruch der Hehe gegen die Sozialdemokratie, die von dem Staatsbankstandal abgeleitet wurde, verändern die gewohnheitsmäßigen Verleumder von der Rechten das Ziel. Jetzt gelten ihre Rotwürfe Herrn Marg. Die„ National post" schreibt unter der Ueberschrift:„ Ein neuer politischer Standal": Wie wir hören, sind in den Wandelgängen des Reichstages Gerüchte verbreitet, die sich mit einem neuen politischen Standal befassen, in dessen Mittelpunkt der politische Ber. traute des ehemaligen Reichsfanzlers Marg, der frühere Pressechef Spieder sich befindet. Die Gerüchte, die ver. mutlich in den nächsten Tagen zu einer größeren Enthüllung führen werden, betreffen die Tätigkeit des Herrn Spieder als Chef der Abstimmungspropaganda in Oberschlesien. Sie hängen mit dem Namen eines gewiffen Mar Hochfeld zusammen, deffen Identität Herrn Spieder vermutlich bekannt sein dürfte." Sie reden von Herrn Spieder, aber fie meinen Marg! Sie wollen wieder verleumden und lügen, nach der gemeinen Manier ihres niederträchtigen Feldzugs gegen die Sozialdemokratie. Achtung, es wird von der Rechten wieder gelogen werden! Stresemanns Dolchstoß. Neues Verratgeschrei der Alldeutschen. Die„ Deutsche Zeitung" führt ihre Kampagne gegen den Sicherheitspatt weiter. Heute läßt sie einen Kaiserlich Ge heimen Rat" Frih dagegen schreiben. Er sagt Herr Strese mann folgende Liebenswürdigkeiten: „ Ebensowenig verfängt die Ausrede, vielleicht verfolge Herr Stresemann mit seinem Sicherheitspaft Ziele, die er nicht sagen fönne. Hute dich, deutsches Bolt, vor solchen Ausreden und argliftigen Mahnungen zu einer Einigkeit im Verzichte und in der schimpflichen, dabei 3 wedlojen Breisgabe deutschen Bodens und Boltstums! Gegen diese furchtbare Gefahr muß der Wille des ganzen Boltes Denn noch gemedt und zu lodernder Flamme geschürt werden. schläft er trotz der Barnrufe der Deutschen Zeitung" und unferer Brüder in den geraubten Ländern, daß wir im Begriffe feien, Berrat an ihnen und den kommenden Ge schlechtern zu begehen und den deutschen Namen mit Schande zu bededen." Sehr schön, Herr Kaiserlich Geheimer Rat. Gilt das alles auch für Herrn Schiele, der feine Zustimmung zu den außenpolitischen Aktionen der Reichsregierung gegeben hat? Ein Landfriedensbruchprozeß. Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Stahlhelm Gefängnis für die Kommunisten, Stahlhelm außzer Anklage Steffin, 2. April( Eigener Drahtbericht.) Bor dem hiesigen erweiterten Schöffengericht wurde am Donnerstag abend nach viertägiger Berhandlung ein Prozeß beendet, in dem sich 11 Angeklagte wegen Landfriedensbruch und Rädelsführerschaft zu verantworten hatten. Am 14 September 1924 war es anläßlich einer Fahnenweihe des Stahlhelms im benachbarten Bodejuch zu einem ufammenstoß zwischen Stahlhelmern und Kommu niften getommen, wobei ein Kommunist, der 27jährige Schuhmacher Karl Schiewe, erschossen wurde. Merkwürdigerweise fianden nur Kommunisten vor dem Gericht, obwohl die Stahlhelmer scharf bewaffnet zu dem Stahlhelmtage aus der Umgegend zusammengefommen waren und erwiesen wurde, daß der Kommunist von einem der Stahlhelmer erschossen worden ist. Einer von den Angeklagten, ein Sozialdemokrat Genosse No. bert Fride, der an dem betreffenden Tage gar nicht in Bodejuch anwesend war, wurde freigesprochen. Seine Anflage war auf eine Denunziation von bürgerlicher Seite zurückzuführen. Zwei meitere gestört. Schnell auf die andere Seite. Himmel, nicht so weit. Es ist zu spät. Das Boot hat sich überschlagen. Die Mannschaften gleiten ab. Ruhig bleiben, stehen bleiben die anderen. Das Seil ist los. Die Fähre treibt und sinkt. Bis an den Bauch steht schon alles im Wasser. Um den Hals das Gewehr. Der Rüden bepadt. Jungs, tredt die Stäbeln ut," ruft es vom Ufer. 3u spät, alles versinit. Hundert schreiende Köpfe überragen den reißenden Strom, der hier eine Geschwindigkeit von zwei Metern in der Sefunde hat. Mutter, tönt es, Bater. Gellende Schreie am Ufer stehender Frauen. Pioniere retten, was zu retten ist. Zu viel santen hinab. Fast die Hälfte sah man nicht wieder. Verschleppt auf einzelne Höfe die anderen. Mitgenommen von den erschreckten Zuschauern, warm gefleidet fehren sie erst später zu ihrer Truppe zurüd. Von den Ertrunkenen sieht man nichts mehr. Sie liegen am Grunde des Stromes, der sie fortschleppt. Weit, weit zurüd liegt dies alles. Barum daran denken. Heute wurde wieder egerziert. Morgen ist wieder Appell. Es ist Krieg. Es ging um die Ehre der roten Partei. Vielleicht um mehr. Bir wissen es nicht. Wir trauern um die toten Kameraden und wissen nicht, warum sie starben. Das Drama mit dem Revolverschuß. Das Drama, das fich gestern in den, a mmerspielen den Pfiffen einiger Unzufriedenen preisgab, heißt:" Sie selber nennt sich Helsinge." Ich wette, daß hinter diesem rätselhaften Titel ein komplizierter, symbolischer Sinn steckt. Da ich leider nicht weiß, was Helsinge" ist, muß ich auf die Lösung des Symbols verzichten und mich auf eine materialistische Deutung beschränken. Die Frau, um die es sich dreht, trägt standesamtlich den Namen Dalbrigkeit oder so ähnlich. Man tonnte es gestern nicht genau verstehen. Aber man fann es verstehen, wenn sie sich, von dem Klang bes Namens nicht entzückt, dafür helsinge" nennt. Dies zur Klärung der Sachlage. In der Handlung selbst spielt die Umtaufe teine Rolle. Herr Wilhelm Stüdlen, ein nicht unbekannter Schrift steller, der sich selber wahrscheinlich Dichter nennt, macht uns in feinem Stückchen, das er selber ernsthafte Komödie" nennt, mit einem Problem bekannt, das seinerzeit Henrik Ibsen unseren Bätern nahegelegt hat: daß nämlich in manchen Frauen, soweit sie denkende reiche wie verwitwete und schöne Frau Dalbrigkeit hat sich mit einem Wesen sind, eine verhängnisdrohende Dämonie steckt. Die ebenso Stab von drei Freiern umgeben, heren einen Herrn Waal fie hinauswerfen läßt, bevor sie die zwei anderen empfängt. Nur der eine steht auf der Bühne, als plöglich ein unaufgeklärter Schuß fällt. Der auf die Bühne geschleppte angeschoffene Herr Waal beschuldigt in seinen letzten Borten den zweiten Konkurrenten namens Frisac, ihn niedergeschoffen zu haben. Das wäre eine faule Sache für Herrn rifac gewesen, wenn Frau Dalbrigkeit ihn nicht herausgelogen wesen, das bemeineidet sie vor Gericht. Sie findet es nämlich schic, hätte. Als der Schuß ertönte, jei er in ihrem Schlafzimmer gewenn einer aus lauter Liebe zum Mörder wird. Damit beginnt in Stüdlens Stück die Psychologie. Der dritte Bewerber träufelt ihr aus Reid auf Frifac die Erkenntnis in die problematische Seele, daß n. Angeflagte murben ebenfalls freigesprochen. Gegen ei geflagte wurde folgendes Urteil gefällt: Der Arbeiter Aßmann wird wegen Landfriedensbruchs zu 9 Monaten Gefängnis, der Arbeiter Mecklenburg wegen Rädelsführerschaft zum Landfriedens. bruch zu 1 Jahr Gefängnis, der Arbeiter Rummel wegen Land friedensbruchs zu 9 Monaten Gefängnis, Rosenfeld zu 9 Monaten Gefängnis, Willi Wittig wegen Rädelsführerschaft zum Land friedensbruch zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis, Priente und Dinse megen einfachen Landfriedensbruchs zu je 3 Monaten Gefängnis und Schulz zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Dem Angeklagten Dinse wurde eine dreijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Die Untersuchungshaft, die bei einigen Angeklagten sieben Monate dauerte, wird angerechnet. In der Urteilsbegründung wurde erflärt, daß den Angeklagten sämtlich mildernde Umstände zugebilligt wur den, da es sich um politische Bergehen handle. Der deutschnationale Sparerbetrug. Offener Brief an die deutschnationale Reichstagsfraktion. Aus Kreisen des bayer. Sparerverbandes werden wir gebeten, folgenden offenen Brief an die Reichstagsfraktion der Deutsch. nationalen Volkspartei zu veröffentlichen. Sie haben uns, sowie einigen unserer Mitglieder im Novem. ber 1924, anläßlich der Reichstagswahl, auf unsere bezm. deren Anfrage mitgeteilt, daß Sie unbedingt in der Aufwertungsfrage bahnbrechend vorangehen werden und unter allen Umständen folgende Punkte vertreten werden: 1. Die dritte Steuerverordnung ist sofert aufzu heben. 2. Hypotheten find auf mindestens 25 Bros. aufzu merten. 3. Industrie obligationen unter Umständen bis 85 Proz. 4. Rommunalanleihen find nach Möglichkeit voll auf. zumerten. 5. Anleihen des Reiches und der Länder fb sofort wenigstens für den Altbesitz zu verzinsen. Für die Zukunft allige meine Anerfenmug der Schulden nach festen rechtlichen Grund fäßen. Außerdem find Distontierungsanstalten zu errichten, monach notleidende Besitzer ihre Anleihen zu billigen Zinsfähen verwerten tönnen. Wo bleiben die Ausführungen zu diesen Versprechungen? Ich stelle nun an die Deutschnationale Reichstagsfrattion öffentlich die Frage, ob fie gewillt ist, auch heute noch nach diesen Punkten zu handeln, nachdem bis heute gar nichts in all biefen Buntten von Ihnen unternommen wurde. D der follte dies nur Wahlmache gewesen sein? Die Manöverkatastrophe. Sozialdemokratische Anfrage im Reichstag. Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: „ Bei einem Manöver am 31. März 1925, das Teile der 6. Diolfion bei Beltheim a. d. Wefer in Form eines Weserüberganges veranstalteten, find nach Mitteilung des Herrn Reichswehrministers in der Sihung des Reichstags vom 1. April 1925 1 Offizier und 78 mann ertrunten. Die Ursachen diefes schrecklichen Unglüds, das bisher in der Geschichte militärischer Friedensübungen in Deutschland allein dasteht. find offenbar in einer unzulässigen Ueberlastung der benutzten Fähre zu suchen. Auch scheinen Sicherheitsvorrichtungen fo gut wie gar nicht vorhanden gewesen zu fein. Was gedenkt der Herr Reichswehrminister zu tun, um die wiederholung solcher Katastrophen unmöglich zu machen?" hat beschlossen, dem König am nächsten Sonntag die Demission des Rüdfritt der belgischen Regierung. Der belgische Ministerrat Kabinetts zu überreichen, und zwar noch ehe die Ergebnisse der Kammer- und Senatswahlen vom nächsten Sonntag bekannt sind. Herr Waal sich selbst erschossen hat. Nun macht ihr Frisac feinen Spaß mehr. Ihr Traum vom Mörder als Ehemann ist zerronnen, was sie sehr tränkt und trübe ſtimmt. Es ist ein nachdenkliches Stück, diese ernsthafte Komödie. Der Zuschauer verläßt das Theater mit der quälenden Frage: Wer ist nun wirklich der Mörder? Und wieso kommt das Gericht nicht auf die naheliegende Kombination von einem Selbstmord? Weiter wäre festzustellen, daß außer der verstiegenen Psychologie die Sprache, der Titel, die Bersonennamen, furz und gut das ganze Stud ge fünftelt sind. Dem Regisseur A. E. Licho werden einige Hinweise von Nuzen fein. Agnes Straub ist eine unvergleichliche Darstellerin hyste rischer Weiber mit feifender Zunge. Für Frau Helsinge paßt fie nicht. Da ihr die Allüren der gewandten Dame von Welt fehlen, wirft fie noch unglaubhafter als die Rolle selbst. Auch in überflüssigen Dramen ist es wertvoll zu hören, was gesprochen wird. Herr icho ſetze sich ins Parkett und versuche die auf der Bühne geflüfter. ten Worte zu verstehen. Walter Frand versöhnte, solange er auf der Szene stand, mit dem gespreizten Geschwafel der Komödie. Ein beängstigend düsterer Intrigant mit messerscharfer Stimme und Ernst Degner. bedrohlich lauernden Gesten. Eduard Grühner t. In München ist im Alter von 79 Jahren der Altmeister der deutschen Genremalerei gestorben. Eduard G'izner war so recht ein Sohn der Zeit, die im Gemälde eine nette fleine Geschichte, eine hübsche Anekdote und vor allem Humor und Be hagen liebte.( Eine gute Charakteriftit, ein sauberes Kolorit und eine feinpinselige Technik verstand sich bei ihm von selbst.) Der ge borene Schlesier war mit 18 Jahren auf die Münchener Alademie gekommen und Pilotys Schüler geworden. Er lernte sein Handwerk von Grund aus, und einige rein aufs malerische gestellte Bilder der Frühzeit zeigen, was der junge Grüner hätte werden können. Aber feine Kloster- und Jägerbilder, die immer auf eine Pointe und gar tiket, daß er sie immer wieder malen mußte, nachdem er mit feinem zu gern auf eine Weinprobe ausgehen, wurden ein so beliebter йrFalstaff- 3yflus( die Kartons im Breslauer Museum) einmal diese freuchtfröhliche Richtung eingeschlagen hatte. Durch unzählige Re produktionen wurde Grügner in den Bürgerkreisen außerordentlich populär, ja, die Freunde eines guten Trunts und einer breiten Behaglichkeit erklärten ihn für den größten Meister. Immerhin, er verstand ein Bild( im alten Malerfinn) zu malen und im Drum und R. H. D. Dran feine malerische Wirkung zu erzielen. Julius Unruh liefst Freitag 8 Uhr im Auguft- Förster Saal, Keithstr. 11, Rainer Maria Nille und Stefan Zweig. Ludwig Hardt beendet seine Vorträge mit drei Abenben in der Berliner Sezession, 8 Uhr. Sonntag, den 5. April: Baladen und Grotesken von Goethe bis Morgenstern. Dienstag, den 7. April: Dit und westjüdische Dichtung. Starfreitag: André Gide, Rille, Hölderlin u. a. Zum 100. Geburtstag Ferdinand Cassalles am 11. April bringt ber rel Junder Berlag demnächst das Wert Raffalles letzte Tage, nach den Driginalbriefen und Dokumenten des Nachlasses. Tromso aus seine Nordpolerpedition antreten. An dem Bolarflug wird auch ein deutscher Mechaniker teilnehmen. Der Dampfer Baja ist mit den beiden in Italien hergestellten Flugmaschinen in Norwegen inzwischen eingetroffen. Amundsens Nordvolegpedition. Amundsen wird Ende dieser Boche von Ist das Rechtssicherheit? Die Geschichte einer Verhaftung. Welch einen fast nicht glaublichen Grad der Eifer mancher Bes hörden erreicht, wenn es sich darum handelt, der Republik oder ihren Vertretern etwas am 3euge zu flicken, dafür liefert einen neuen Beweis die folgende Verhaftungsgeschichte, die jetzt erst befannt wird.. JOGOO Am 14. Februar wurde der Raufmann Alfred Gold Id, midt, der Bruder des ehemaligen Direktors der Marmorhaus Gesellschaft", Siegbert Goldschmidt, in seiner Wohnung telephonisch angerufen, von unbekannter Seite. Man suche seinen Bruder und müsse ihn in dessen Angelegenheiten dringend sprechen. Eiegbert Goldschmidt ist nach langem Aufenthalt im Sanatorium schwer nervenleidend, die Sorge um ihn bewog den Bruder, dieser dubiosen Einladung, die ihn nach der Ede der Rankestraße bestellte, Folge zu leisten. Dort angekommen, näherte sich ihm ein massiver Herr mit der Frage:" Sind Sie Alfred Goldschmidt? Ja? Dann müssen Sie sofort zu einer Bernehmung mit hinaus nach Moabit fommen!" Ir diesem Augenblic trat noch ein Kriminalbeamter an G. heran, legitimierte sich durch seine Erkennungsmarte und fagte: Sie sind sistiert, aber nicht verhaftet." Die Finrede Goldschmidts, daß er freiwillig dieser Siftierung nicht Folge leisten würde, wurde von den Beamten mit der Drohung beantwortet, daß sie dann Gewalt anwenden würden. Nun fügte sich G., der nicht noch mehr auffallen wollte. Er gab außerdem die Adresse seines Bruders Siegbert, die man von ihm verlangte, und mies ausdrücklich auf den schwerleidenden Zustand seines Bruders hin, bei dem jede besondere Aufregung tatastrophale Folgen zeitigen fönne. Unnötig zu sagen, daß solcher Hinweis die Beamten der Staatsanwaltschaft irgendwie beeinflussen, noch in ihren wichtigen Entschlüssen hindern fonnte. Nach wiederholtem Proteft wurde Alfred Goldschmidt, der vergeblich die Vorzeigung eines Haftbefehls verlangte, von den beiden Kriminalbeamten nach Moabit geschafft. P Ganz ähnlich geschah es auch seinem Bruder Siegbert. Diesen holten die Organe der Herren Staatsanwälte aus seiner Wohnung in Halensee, Markgraf- Albrecht- Straße 3. Mit dem schmerfranten Mann entwickelte sich etwa folgende Unterhaltung: Wir fommen von Ihrem Bruder, der ist auch schon oben! Sie müssen mit!". Warum?" esen Sie die Barmat- Affäre, dann wissen Sie auch warum!" Ohne einen Haussuchungsbefehl vorzulegen, stöberten die beiben Herren dann alle Behältnisse durch, fragten nach Waffen und be gannen das Berhör: Waren Sie mit dem Polizeipräsidenten Richter befreundet? Wie lange? Sie haben doch damals im Lunapart eine größere Entschädigungssumme bekommen?" Ja." -Biepiel war denn das?" Das kann ich so aus dem Kopf nicht sagen. Einmal wohl 30 000 m. oder 40 000, später 300 000 oder 400 000 m. vielleicht, es steht in den Lunapart- Aften. „ Na, wir wissen, daß es 800 000 m. maren." Möglich, aber es waren Papiermart. Im übrigen war es die Entschädigung für bie im Rapp- Putsch von den Ehrhardt Truppen angerichteten Schäden. Der Militärfistus hat nach Anhörung vieler Sachver ständigen und Zeugen selbst die abgeschäßten Summen angewiesen. Hat Ihnen der Polizeipräsident Richter dabei Beihilfe geleistet?" - Den fannte ich doch damals noch gar nicht!"-" Kennen Sie Barmat?"" Ja, er hat mal auf der Lunapark- Terrasse( S. Goldfamibt war seinerzeit Mitbefizer des Lunapartes) gegessen." „ Sind Sie oft mit Richter spazierengejahren?" Ich glaube, ein mal. Nach dieser anmutigen Auseinandersetzung wurde Siegbert Goldschmidt ebenfalls gezwungen, die Reise nach Moabit anzutreten. Er durfte sogar die Untoften in Höhe von 7,65 m. felber bezahlen. In Moabit, wo ein ganzer Sizungsfaal für die sistierten Beugen eingerichtet mar, amtierte der deutschnationale Kommissar Hermann. Ob die, für diese wie für ähnliche übereilten und gesetz widrigen Verhaftungen verantwortlichen Staatsanwälte Caspary, Kußmann, Hoelz und Oberstaatsanwalt Binde zugegen maren, wissen die verhafteten Brüder Goldschmidt, die jetzt Strafanzeige gegen die Schuldigen erstatten werden, nicht anzugeben. Beide Brüder sind, wie gesagt, ohne Haftbefehl festgenommen worden. Das ist aber der gesetzlichen Vorschrift absolut zumider. Nach dem§ 112 der StrẞO. V. darf ein Angeschuldigter nur dann in Haft genommen werden, wenn dringende Verdachtsgründe gegen ihn vorhanden sind, wenn er fluchtverdächtig oder wenn Kollusions. gefahr vorliegt. Ein 3euge tann nach§ 50 Strẞ0. V. zwangs weise vorgeführt werden, wenn er vorher durch das Gericht, nicht etwa nur durch die Polizei, ordnungsmäßig geladen wurde. Rechtliche Bürger von der Straße weg verhaften, weil irgendein beliebiger Staatsanwalt oder Kriminal tommissar ihr Zeugnis eben zu benötigen glaubt, das gibt es in einem Rechtsstaat nicht! Es gibt aber einen Paragrapher der Str.PO. unter der Ziffer 341, der heißt: Ein Beamter, der vorsäglich, ohne hierzu berechtigt zu sein, eine Verhaftung oder vorläufige Ergreifung und Fest nahme oder 3wangsgestellung vornimmt oder vornehmen läßt usw., wird nach§ 239, jedoch minde stens mit Gefängnis von drei Monaten bestraft Die Brüder Goldschmidt haben beide feste Wohnungen. Alfred G. wohnt Rantestraße 3 im eigenen Domizil. Von irgendeinem drin genden Verdacht fonnte bei Siegbert G. gar keine Rede sein. Denn die angeblich durch Richter ihm zugewendete Entschädigung war bei gutem Willen ganz leicht als zu Recht vom Militärfiskus geleistet zu erkennen. Und ein anderer Verdacht lag überhaupt nicht vor. Gegen den Alfred G. aber lag gar nichts vor! Ihn konnte man höchstens beschuldigen, der Bruder Siegbert Gs. zu sein, des Schwer franken, der rücksichtslos vor Gericht geschleppt wurde, weil dod) vielleicht eine Möglichkeit bestand, dem vielgehaßten Polizeipräfidenten etwas zu beweisen. Diese beiden Verhaftungen sind vielleicht das Tollste, was sich die Behörde bis jetzt geleistet hat. Wenn jeder unbescholtene Mensch und Bürger auf irgendwelchen Verleumderflatsch aus der nationalistischen Drecksprize in seinem Hause oder von der offenen Straße weg verhaftet werden kann, dann ist die bürgerliche Freiheit beim Teufel! Regierungsumbildung in Frankreich. Rücktritt des Finanzministers. Paris, 3. April.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag| suchte. Charakteristisch für die Haltung der rechtsstehenden vorbereitet, der die Erhöhung der im Jahre 1920 auf 41 milliar- wurden, als er gestern in später Abendstunde nach dem Senat wurde amtlich mitgeteilt, daß die Regierung einen Gesetzentwurf Elemente des Senats sind die Vorwürfe, die Herriot gemacht den festgesetzten Höchstgrenze des Notenumlaufs bezwedt. Die eilte, um persönlich in die Debatte einzugreifen. Eine Gruppe Angaben über den Betrag, der an neuen Zahlungsmitteln in Umlauf von Senatoren umringte ihn und machte ihm in bitteren gefeht werden soll, schwanken zwischen 4 und 6 Milliarden. Worten Vorwürfe über die verfehlte Finanzpolitik der RegieDer Entschluß der Regierung, die augenblickliche Kreditkrise durch rung. Der Senator Langlois sagte zu Herriot mit erinflationistische Mittel zu beheben, hat in den späten Abend hobener Stimme:„ Es gibt nur die eine Lösung, ffunden des Donnerstag noch zu einer schweren kabinetts. daß Sie zurüdtreten." Darauf entgegnete der linksfrise geführt. Der Finanzminister Clementel, der sich im stehende Senator Tissier, die Reaktionäre feien noch nicht Senat offen über die Gründe der Regierung zu der von ihr ein- die Herren des Senats, es gäbe noch genug Laternen, geschlagenen Taffik ausgesprochen hatte, wurde in einer persönlichen an denen man sie auftnüpfen tönne! Diese Intervention von Herriot desavouiert. Der Ministerpräsi- Aeußerungen, die die TU. berichtet, find charakteristisch für die mittel, als den vom Finanzminister geplanten, der Schwierigkeiten dent kündigte an, daß die Regierung entschlossen sei, durch andere Erbitterung, mit der die Parteien sich gegenüberstehen. Herriot hat nun den Borstoß, der gegen ihn geführt Herr zu werden. Er beabsichtigt vor allen Dingen eine Er- wurde. dadurch pariert, daß er sich gegen den Versuch Clehöhung der Steuern, um damit die krise zu überwinden. mentels, eine inflationistische Politif zu betreiben, gewandt und Der Finanzminister gab auf Grund dieser Erklärung Herriots seine die Notwendigkeit einer Steuerreform, wie sie von den LinksDemission. Abends um 11 Uhr trat auf Grund dessen das parteien gefordert wird, betont hat. Noch gestern hat die Kabinett zu einer internen Sigung zusammen. Ein Teil der Minister fozialistische Rammerfrattion der Regierung zur verlangte den Rücktritt der Gesamtregierung. Das wurde jedoch von Kenntnis gebracht, daß sie auf der Aufrechterhaltung einer der Mehrheit abgelehnt, weil Herriot in der Kammer nach wie vor Budgetreform bestehe, die eine Herabsetzung des steuerfreien zweifellos das Bertrauen befigt. Eine endgültige Beschlußfaffung Eriſtenzminimums bei der Einkommensteuer und eine Ber wurde schließlich auf heute vormittag vertagt. pflichtung zur Abgabe einer eidesstattlichen Erflärung über die Guthaben im Auslande vorfehe. In der Richtung dieser Erflärung hat nun auch Herriot fich dahin geäußert, daß die finanziellen Schwierigkeiten nicht mit Hilfe inflationistischer Mittel, sondern durch Erhöhung der Steuern überwunden werden müßten. Er hat gleichzeitig, gestützt auf das Vertrauen des Linksblods, deren Vertreter gestern in später Nachtstunde fonferierten, die durch den Rücktritt des Finanzministers Clementel heraufbeschworene Regierungskrise schnell lokalisiert und an die Stelle Clementels den bekannten Finanzpolitiker de Monzie auf den Poften des Finanzministers berufen. Durch bas energische Auftreten Herriots wird wahrscheinlich der Borstoß der Poincaréisten gegen die Regierung Herrict abgewehrt werden. De Monzie Nachfolger Clementele. Paris. 3. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Kouflift innerhalb der Regierung hat sich am heutigen Vormittag lokalisiert. Das Kabinett bleibt in der bisherigen Form bestehen. Nur der Finanzminister fcheidet aus, und an feine Stelle fritt der bekannte Senator de Monzie Er ist nicht nur ein hervorragender Finanzpolitiker, fondern auch ein Mann mit großem Einfluß im Senat. * Die plötzlich heraufbeschworene Kabinettstrise in Frant reich ist darauf zurückzuführen, daß die Mehrheit des Senats burch Streichung der von der Kammer beschlossenen Budgetreform der Regierung Herriot Schwierigkeiten zu bereiten Aufs Land. Eine Menschenansammlung vor dem Potsdamer Bahnhof in Berlin. Man sieht viele Frauen und ein paar Männer. Ringsherum Neugierige. Immer wieder stellen sich neue Bassanten an, die mit den Borortzügen nach Berlin gekommen sind, wollen wissen, was hier los" ist. Dann sieht man einen Mann mit langen Listen in der Hand, man hört Namen aufrufen und hört, wie dünne Stimmhen antworten. Das Rätsel löst sich leicht, wenn man näher tritt und eine Schar Kinder erblickt, die in Reih und Glied aufgestellt find und die zu ihrer Erholung auf das Land geschickt werden. Kleine Kinder, in der Hauptsache kleine Mädchen, mit der fahlen Gefichtsfarbe der Großstadtfinder aus Hinterhäusern, mit matten und müden Augen in den jungen Gesichtern. Die Kleidung der meisten, die hier auf den Abtransport warten, und deren Namen vorher aufgerufen werden, ist mehr als bescheiden Und merkwürdig, auch hier mieder sieht man, wie so häufig bei Kindern, die in die Ferienfotonien geschickt werden, einen ängstlichen Zug auf den Ge fichtern. Es iſt, als wenn fie fragen: Was geschieht mit uns? Mo tommen wir hin? Viele Mütter haben ihre Kinder begleitet und bringen fie an den Bug. Sie wissen, daß den Kindern, denen bereits allerhand Krankheitsteime in den kleinen Körpern fizen, durch ein paar Wochen Aufenthalt in gesunder Luft und bei guter Soft Farbe und Frische zurückkehren werden. Diese Mütter freuen sich gemiß darüber, daß gerade auch ihr Kind ein paar Wochen sich in Wald und Feld erholen kann. Aber eine reine Freude ist es nicht. Auch bie Blicke der Mütter sind ein wenig umschattet, als wenn sie fragen: Barum find wir nicht selbst imstande, wie Tausende von anderen Müttern, für unsere Kinder zu sorgen, warum müssen wir angewiesen sein auf fremde Leute und deren Wohltätigkeit. Schicksal der Armut, die über jedes Geschent erfreut sein muß. Der Meister als Richter. Ein Streif um das Hochzeitsgeschent. In einer Abteilung des Betriebes von Siemens a Halste Kollegin ein Hochzeitsgeschenk zu machen. Von dem Ertrage der veranstalteten die Arbeiterinnen eine Geldsammlung, um einer Sammlung murde Wäsche gekauft und der jungen Frau durch eine Deputation, die auch an der Hochzeitsfeier teilnahm, überreicht. Doch als das fröhliche Fest vorüber war, regte sich Mißtrauen im Herzen der jungen Frau. Sie ließ in dem Geschäft, wo die Wäsche gekauft war, nach dem Preife fragen und erfuhr, daß fie mit 23,90 Mart bezahlt worden ist. Da die Sammlung 32,50 Wart ergeben hatte, der Rest aber nicht für einen Karton mit Seife, der dem Hochzeitsgeschent beigegeben war, draufgegangen sein fonnte, fo entstand bei der jungen Frau der Verdacht, der sich in ihrer Fantasie zur Gewißheit verdichtete: Unterschlagung. Zwar wagte sie nicht, der Kollegin, welche die Sammlung geleitet hatte, ihre Meinung ins Gesicht zu sagen, sie sorgte aber dafür, daß der Kollegin der Verdacht auf einem Umwege zur Kenntnis gebracht wurde. Nun gab es große Entrüftung gegen die Beschenkte. Anstatt sich aber mit Meister und beklagte sich. diefer persönlich auseinanderzusehen, lief die Beschuldigte zum Der Meister verhörte die Streitenden und stellte feft, daß außer dem Geschent noch Blumen zur Ausschmückung der Hochzeitstafel getauft wurden, der Ertrag bei Heller und Pfennig ausgegeben und alles mit rechten Dingen zugegangen war. Wäre der Meister ein Menschenfenner und lebensfluger Mann, dann würde es ihm Frieben wieder herzustellen. Aber der Meister hatte kein Talent gewiß gelungen sein, die streitenden Frauen zu versöhnen und den zum Friedensstifter. Er fühlte sich als Richter, meinte, es könne der sammenzuarbeiten und sprach das Urteil: Entlassung. Beleidigten nicht zugemutet werden, mit der Verleumderin zu Der Arbeiterrat sah die Entlassung als unbillige Härte an und flagte beim Gewerbegericht. Hier wurde die Klage abge: wiesen, mit der Begründung, die Handlungsweise der Entlaffenen fei nicht zu billigen, es könne des Firma nicht verbacht werden, daß sie von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch gemacht habe. Wie uns zu dieser abfolut verbürgten Verhaftungsgeschichte von berufener Seite mitgeteilt wird, ist seitens des Juftizministeriums Vorsorge getroffen worden, daß die start impulfiven Maßnahmen der jüngeren Staatsanwälte oder eigentlich Assessoren, die mit vorläufigen Kommissarien betraut find Aufklärung des Einbruchsdiebstahls in Sobrechtsfelde. fich nicht mehr derart antibürgerlich auswirken können. Man hat nämlich durch generelle Verfügung den Herren verboten, politische Berhaftungen vorzunehmen, zu denen nicht vorher der GeneralStaatsanwalt Lindow seine Genehmigung erteilt hat. Borbildliche Schulreform in Wien. Der Wiener Stadtschufrat beschloß die endgültige Einführung der neuen Volksschullehrpläne, welche von dem sozialdemokratischen Präsidenten des Stadtschulrates Glodel als Unterstaatssekretär für Unterrichtswesen vor vier Jahren zur Erprobung an den Wiener Schulen herausgegeben morden waren. Vor einigen Tagen war auf dem Stadtgut Hobrechts. felbe ein Geldschrankeinbruch versucht worden, der aber durch einen Wächter vereitelt worden war. Der Wächter hatte beobachtet, daß an dem Fenster des Kaffenraumes die Schiene eines Feldbahngleises angelehnt war. Seine Kombination, daß an der Schiene die Einbrecher hochgeklettert seien, erwies fich als richtig. Als er dann die Treppe zum Kassenraum emporschlich, hörte er, wie innen eine Männerftimme flüsterte:„ Gib mir mal den Revolver her!" Darauf schoß der Wächter durch die nur angelehnte Tür in den Kassenraum hinein. Als er darauf ein Wimmern vernahm, rief er den Hofvermalter zu Hüfe. Beide suchten jetzt die Räume ab, fanden aber niemand mehr. Gegen 6 Uhr morgens entdeckte ein Riefelwärter ein Kilometer vom Gutshof entfernt in einem Wäld chen einen Mann, der schwer stöhnend an einen Baum gelehnt saß. Der Mann behauptete, daß er auf dem Riefelfelde in der Nacht angeschoffen worden sei und bat, ihn zu dessen auf dem Gute eingetroffen waren, gestand er aber bald, daß einem Arzt zu bringen. Den Kriminalbeamten von Buch, die unter hieß Richard Schmidt. Die Gutsverwaltung brachte ihn nach dem er den Schuß bei einem Einbruch erhalten hatte. Der Verwundete Krankenhaus Buch, wo er nach einer Operation zwar noch schwer, aber nicht mehr in Lebensgefahr darniederliegt. Die Kriminal polizei sah sich nun unter den ihr bekannten Geldschrankeinbrechern um und stellte fest, daß der Bruder Erich des Angeschossenen erst spät in der Nacht nach Hause gekommen war. Die Beamten nahmen wiffen, aber es ftellte sich bald heraus, daß er in der fraglichen ihn fest. 3war leugnet er, von dem Einbruch irgend etwas zu Nacht mit seiner Schwägerin im Auto nach dem Wäldchen gefahren wissen, aber es ftellte sich bald heraus, daß er in der fraglichen mar, um den verlegten Bruder abzuholen. Als sie hinaustamen, war der Verwundete aber schon aufgefunden und ins Lazarett transportiert worden. Die Polizei fucht jeht nur noch nach dem Chauffeur der Autodroschke. Ein Prozeß gegen Gerichtsbeamte. Der Kaffendireffor und sechs weitere Beamte unter Unklage. Mit großer Spannung und lebhaftem Interesse sieht man in der Beamtenschaft, insbesondere unter den Justizzbeamten, dem Ausgang des Strafprozesses entgegen, der heute früh vor dem Schöffengericht mitte unter Borsiz von Amtsgerichtsrat Kestner seinen An fang nahm, und der sich gegen den Kassendirektor des Amtsgerichts mitte in der Grunerstraße sowie gegen den gesamten Beamtenaus schuß richtet. Angeklagt find: der Kassendirefior Leopold 3irke, Justizobera rentmeister Baul Szorowiti, die Justizobersekretäre Karl Bi. galfe, Hermann Riebach, Otto Beyer und Ernst Hoeft, somie Justizoberinspektor Oswald Dierich. Die Anflage, die durch Staatsanwaltschaftsrat Polzin vertreten wird, steht im engen Zu fammenhange mit den Unterschleifen, die in letzter Zeit beim Amtsgericht Mitte vorgekommen sind, und zwar ist diese Antlage auf begründet. Jigner ist inzwischen bereits abgeurteilt worden. Er eine Begünstigung des Justizoberietretärs Jigner Beamten gefälscht und für sich nerwendet. Als die Sache entdeckt hatte Wohnungsgeldanweisungen auf den Namen eines anderen murde, hat der Beamtenausschuß den Kassenbirektor veranlaßt, die Sache zu vertuschen, nachdem sich der Vater Jlgners bereit erflärt hatte, den Schaden gutzumachen. Ilgner wurde schleunigst versetzt und tam zum Staatsanwalt nach Moabit. Nachdem aber die Riesenunterschlagungen Susters aufgedeckt worden waren, fam aber auch nachträglich der Fall lgner zur Kenntnis der Behörde. Szofowski wird besonders vorgeworfen, daß er die gefälschten Belege beiseite geschafft habe und die Unterschleife durch Rückbuchungen ver daß sie durch ihr Bertuschungsmanöver bestrebt gewesen seien, fich deckt habe. Ferner wird den Angeklagten aber noch zur Last gelegt, der Bestrafung zu entziehen. Der Verhandlung wohnen zahlreiche Vertreter der Justizbehörden, des Justizministeriums und des Kam merpräsidenten, sowie an der Spize von diesen Amtsgerichtspräsident Lieber bei. „ Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und " Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Zu dem Zusammenstoß der Straßenbahnlinien 76 und 3 an der Ede Kurfürstendamm- Wilmersdorfer Straße teilt uns die Straßen bahndirektion mit, daß die Ursache des Zusammenstoßes night der Führer unvorschriftsmäßig schnell gefahren ist, so daß er nicht in dem Bersagen der Bremse beruht, sondern darin, daß mehr in der Lage war, vor der Straßenfreuzung rechtzeitig zu bremsen. Mord und Selbstmord. In der Greifenhagener Straße 9 hat der 52 Jahre alte Metallarbeiter Otto Hellmann erst seine Frau und dann sich selber erschossen. Nach Angabe seines Stiefsohnes hat Sellmann die Tat aus unbegründeter Eifersucht begangen. Schließung des Johannisthaler Friedhofes. Mit Rücksicht auf die spätere Einbeziehung des Friedhofs Johannisthal in die im Bebauungsplan vorgesehenen Grünflächen wird dieser Friedhof ge mäß Beschluß des Bezirksamts Treptom vom 1. April ab für weitere Bestattungen gefchloffen. Von diesem Zeitpunfte ab sollen nur noch Bestattungen in Familiengräbern, Bors behaltsstellen und in besonders begündeten Fällen stattfinden. Wieder eine Gastragödie, Heute vormittag gegen 10% Uhr wurden der 45 Jahre alte Schlächtermeister Emil Grothe und seine beiden Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren in dem Schlafzimmer der Wohnung Grothes im Hause Buschallee 42 in Weißenfee durch Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Grothe hatte sich mit den Kindern eingeschlossen und den Schlüssel von innen steden lassen. Er hat unzweifelhaft mit Absicht seinem Leben und dem seiner Kinder ein Ende gemacht. Der deutschnationale Stadtamtmann. In der letzten Charlottenburger Bezirksversamm ( ung wurde u. a. auch die Affäre einer deutschnationalen Parteizierde, des Stadtamtmanns Köhler, verhandelt, der in der Charlottenburger Verwaltung tätig ist und gleichzeitig als Mitglied der deutschnationalen Fraktion der Bezirksversammlung angehört. Köhler hat unter Verlegung der Dienstvorschriften während des Dienstes politische Propaganda getrieben. Die entsprechende Vorschrift, die im Jahre 1920 vom Charlottenburger Oberbürgermeister Scholz erlassen wurde, untersagt das Berteilen politischer Zeitschriften und Flugblätter innerhalb der städtischen Diensträume und während der Dienststunden. Trotzdem hat Köhler ein Flugblatt, das zur Wahl von Jarres auffordert, wie ein amtliches Schrift: stück durch die Geschäftsstellen 10 bis 18 in Umlauf gefeht. Köhler ist derselbe, der vor wenigen Wochen in öffent licher Sigung der Bezirksversammlung, ohne vom Vorsteher gerügt zu werden, die Reichsfarben beschimpfte. Die energische Abwehr der Sozialdemokraten hat damals dazu geführt, daß dieser deutschnationale Musterbeamte in der nächsten Sigung einen feigen Rückzug antrat und die Erklärung stammelte, es habe ihm fern gelegen, die Reichsfarben zu beleidigen. Köhler hat früher bereits politische Zeitschriften mit mehr oder weniger törichten Randbemerfungen in Umlauf gefegt. Die besondere Borliebe Köhlers für diesen reizvollen Sport, dessen Ausübung er in die Dienststunden verlegte, ist der Personalstelle I des Bezirksamts Charlottenburg bekannt. Auf die sozialdemokratische Anfrage, was das Bezirksamt zu tun gedenkt, um eine Wiederholung solcher Knabenstreiche unmöglich zu hobenen Borwürfe leider zutreffen. Er glaubt das Bersehen ausreichend bestraft zu haben durch einen scharfen mündlichen Verweis Köhlers. Die Sozialdemokraten waren damit nicht einverstanden. Sie brachten zum Ausdruck, daß man gegen einen Beamten, der etwa für den Kandidaten der republikanischen Parteien In dieser Form Stimmung gemacht hätte, viel schärfer vorgegangen wäre. Der Bürgermeister ist bereit, den Fall nochmals zu prüfen und insbesondere festzustellen, ob Köhler öfter die in bezug auf diese Angelegenheit erlassenen Dienstvorschriften verlegt hat. Weitere Punkte der Berhandlungen in der Bezirksversammlung betrafen das zurzeit unbenußte Schloß Ruhwald mit dem dazu gehörigen prachtvollen Part, das, wie mitgeteilt, die Stadt Berlin gekauft hat. Das Schloß soll ausgebaut und als Erholungsheim für tuberfulös gefährdete Kinder benutzt werden. Ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten für solche Kinder in der Zeit zwischen dem Säuglings- und Schulalter fehlten bisher fast ganz. Die erforderlichen Mittel betragen 180 000. und wurden einstimmig Ferner lehnten die Sozialdemokraten den Plan einer bewilligt. Umgestaltung des Reichstanzlerplates, dessen Durchführung 500 000 m. erfordert, ab, weil sie der Ansicht sind, die dazu nötigen Mittel fönnten zur Erledigung sozialer Aufgaben zweckmäßiger verwendet werden. Außerdem wird in Berlin ein Plan vorbereitet, den ganzen Straßenzug vom Brandenburger Tor bis zum Reichstanglerplatz zur Erledigung des start gesteigerten Verkehrs zwed mäßig umzugestalten. Die Vorlage wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Der gefährliche Damenabjah. Am Nachmittag des 1. April überschritt die Frau Helene Amberger aus Mariendorf vor dem Hause Rottbuser Damm 7 den Fahrdamm und blieb dabei mit einem bsag in den Straßenbahngleifen hängen. In diesem Augenblid näherte sich ein Wagen der Linie 48. Troy sofortigen scharfen Bremsens gelang es dem Führer nicht mehr, den Wagen ganz zum Stehen zu bringen. Frau Amberger wurde zu Boden geschleudert; sie trug einen rechten Oberschenkelbruch davon und wurde ins Urbantrantenhaus gebracht. Ein Kesselhaus in die Luft geflogen. Tote und Schwerverletzte. Heute, Freitag morgen, gegen 10 Uhr, erfolgte in der Automobilfabrik Rudolf Ley in Arnstadt eine gewaltige Explosion. Die Detonationen waren weithin in der Stadt vernehmbar. Das ganze Resselhaus flog in die Luft. Die Trümmer bergen eine Anzahl von Arbeitern unter sich. Es gab neben Schwerverletzten auch Tote, deren Anzahl noch nicht feststeht. Die Aufräumungsarbeiten sind in vollem Gange. Nach einer weiteren Meldung ist das Unglück darauf zurückzuführen, daß der Gasfeffel des Heizapparates explodierte. Bis jetzt wurden fünfzehn Verwundete festgestellt. Ergebnislose Bergungsarbeiten auf der Weser. Minden, 3. April. Troß der fortgesetzten Bergungsversuche durch den Reichswasserschuh, die Technische Nothilfe und die übrigen an den Bergungsarbeiten Beteiligten ist es bis heute nicht ge= Beck Fungen, außer den bisher aufgefundenen brei Leichen weitere Leichen an Land zu bringen. Nach wie vor wird die Weser Strede für Strede abgesucht. Auch die Hebung der Pontons hat nicht zur Auffindung weiterer Leichen geführt, da sie sicherlich von der reißenden Strömung der Weser fortgespült worden sind. Aus diesem Grunde werden die Bergungsversuche in weitem Umkreise der Unglücksstelle fortgesetzt und die Weser bis Dörverden, das 150 Kilometer von der Unglüdsstätte entfernt liegt, abgesucht. Das negative Ergebnis der Bergungsarbeiten laßt also auf die traurige Tatsache schließen, daß von den 80 Bermißten fein einziger mehr lebend aufzufinden sein wird. Heute mittag findet, wie bereits mitgeteilt, die Trauerfeier für die Todesopfer des Unglücks im Landesfrankenhaus in Detmold statt, zu der der Reichswehrminister Dr. Geßler und der Chef der Heeresleitung, General v. Seedt, in Detmold eingetroffen sind. Die Bekämpfung der Roheitsverbrechen in Finnland. Neuerdings erheben sich in der finnländischen Bresse immer lautere Klagen über das zunehmende un mesen verwilderter Trunken bolde, gegen welche die Polizei machtlos fei. Besonders wurde auch von der bürgerlichen Presse ein Artikel des„ Sozialbemotraten" bemerkt, in dem dieser im Namen der Allgemeinheit zu schärfsten Maßnahmen gegen den Abschaum der Gesellschaft aufrief, der sich wie ein Sieger im Staat gebärde. Um diesen Wün schen aller Kreise entgegenzukommen, arbeitet das Justizminifterium perfchärfte Strafbestimmungen für Roheitsperbrechen aus. Der Artikel 21 des finnländischen Strafgesetzes foll bahin verändert werden, daß alle Verbrechen, die mit Anwendung liegen. lebensgefährlicher Waffen verübt werden, strengeren Strafen unterGeschäftliche Mitteilungen. Aufsehen erregende Ofterangebote im Räumungsverkauf wegen Umbau finden Sie bei der Herren- und Knabengarderobenfirma S. Joseph, Schöneberg, Hauptstr. 1, Ede Grunewaldste. Alles Nähere im Inserat der heutigen Nummer. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Gaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eslorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski: Lokales Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Sonstiges: Fris Rarstäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. Bierzu 1 Beilage. 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Einem Bericht der heutigen„ Roten Fahne" über eine Ronferenz der KPD.- Funktionäre am Donnerstag abend, in welcher Herr Scholem seinen Getreuen den Rüdgang der KPD. um zwei Millionen Stimmen als möglichst bedeutungslos darzustellen hatte, entnehmen wir: „ Der alte Fehler der mangelhaften Durchführung der Gewerkschaftsarbeit hat sich zu einem Krebsschaden ausgewachsen. Es taucht die Gefahr auf, daß die Genossen in den Gewerkschaften nur Gewertschaftler" werden. Wir müssen mit eiserner Fauft unsere Genossen in den Gewerkfchaffen zwingen, dort revolutionäre Politik zu treiben. Die Angst vor dem Herausschmiß darf nicht dazu führen, daß man sich drückt." Das Bild, das der Werner Scholem als starter Mann mit der eisernen Faust abgäbe, reizt geradezu zu einem Lachkrampf. Doch eisernen Faust abgäbe, reizt geradezu zu einem Lachkrampf. Doch zeigt seine Rede auch eine andere Seite. Hat Wernerchen auch kein eisernes Fäustchen, so hat er doch, von seinem großen Mund abgesehen, eine eiserne Stirn. Die kommunistische Einheitsfront Attion hat eine ganz andere Wirkung gehabt, als sie die Drahtzieher erwartet haben, indem sie tatsächlich verschiedentlich zu einer gewissen Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Einheitsfront geführt hat, enstatt zur Eroberung der Gewerkschaften" durch die KPD. Deshalb sollen die in der KPD. politisch organisierten Mitglieder der freien Gewerkschaften mit eiserner Faust gezwungen werden", in ihrer Gewerkschaft, entgegen der Gewerkschaftspolitit, kommunistische Parteipolitik zu treiben, und zwar in einer solch unverschämten Weise wie ein Werner Scholem, daß sie ihren Ausschluß ous der Gewerkschaft provozieren, die Gewerkschaften zwingen, sie wieder auszuschließen. Nur eine so totale Untenntnis der Gewerkschaftsbewegung wie sie Scholem offenbart in Verbindung mit einem derart fanatischen Haß gegen die reformistischen" Gewerkschaften, wie ihn die um Scholem hegen, fann zu derart wahnwißiger Parole führen. Den Gewerkschaften fann es nur recht sein, wenn diese Sorte von Arbeiterführern wie Scholem ihr wahres Gesicht zeigen und ungeniert zugestehen, was hinter ihren Einheitsfront"-Parolen steckt. Da auch den Arbeitern in der KPD. das Hemd näher liegt als der Rod, der Zwang zur Erringung günstigerer Lohnund Arbeitsbedingungen stärker ist als der so gar schwache Trost auf die abgesagte Weltrevolution, wird die Drohung mit der eisernen Faust die meisten unserer früheren Genossen dazu veranlassen, in ihrer Gewertschaft mitzuarbeiten und hinter ihre KPD. Episode einen Strich zu machen. So manchen hält lediglich noch die Scheu zurück, sich mieder offen auf unsere Seite zu stellen. Es ist keine Schande, einen erfannten Irrtum einzugestehen, doch ist es Feigheit aus falschem Schamgefühl heraus, eine Verbindung aufrechtzuerhalten, die man als fehlerhaft, als verkehrt und schädlich erfannt hat. 1 Mit einem befreienden Lachen auf den Lippen, das der Scholem mit der eisernen Faust abnötigt, tehrt ihm jeder vernünftige Arbeiter den Rücken, als Antwort auf seine Drohung. Gegen die Verlängerung der Polizeistunde. Die Deputation für Handel und Gewerbe des Berliner Magistrats Hat in einer Sigung vom 19. März auf Antrag einer Berliner Arbeitgeberorganisation im Gastwirtsgewerbe beschlossen, die Ausdeh= nung der Polizeistunde bis 2 Uhr nachts zu emp fehlen. Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten wendet sich mit aller Entschiedenheit gegen den Beschluß der obigen Deputation. Nach der von dieser Dr= ganisation vertretenen Auffassung tann es nicht geduldet werden, daß eine Arbeitgebergruppe, die sich über Arbeiterschutzbestimmungen ganz glatt hinwegfeßt, die Nacht zum Tage macht. Die gastwirtschaftlichen Arbeitgeber, insbesondere die der fleinen und Mittelbetriebe, find an Bezahlung ihrer Arbeitnehmer und Innehaltung der Arbeiterschutzbestimmungen nicht gewöhnt. Sie haben ihre Arbeitsträfte auch in der Vorkriegszeit in einer Weise ausgenutzt, die zu einer Gefahr für Leben und Gesundheit der Arbeitnehmerschaft wurde. Es ist nur zu oft nachgewiesen, daß eine Arbeitszeit von 16 bis 20 Stunden pro Tag von den gastwirtschaftlichen Arbeitgebern als üblich betrachtet wurde. Diese Zustände würden sofort wieder einreißen, wenn an eine Verlängerung der Polizeistunde über 1 Uhr nachts hinaus herangegangen würde. Der Verbandstag des Zentralverbandes der Hotel, Restaurant- und Café angestellten, der im Mai 1924 in Raffel stattfand, der Polizeistunde in den Großstädten über 1 Uhr nachts hat deswegen schon beschlossen, daß eine Berlängerung hinaus auf jeden Fall verhindert werden müsse. Die Organisation wünscht nicht, daß Deutschland ein großes Dorf wird, in dem der Gendarm abends um 9 Uhr Feierabend gebietet, damit die Bauern und Knechte frühzeitig und ausgeschlafen an die Arbeit gehen. Aber ebenso wenig ist es nötig, daß erwerbsfüchtige Unternehmer die ganze Nacht zum Tage machen, benn schließlich gehört auch das gastwirtschaftliche Personal nicht zu den Nachttieren. Wenn man sich mit einem Geschäftsschluß um 1 Uhr morgens einverstanden erklärt, so ist das mehr, als man verantworten kann und sollte eine Polizeiſtunde bis 1 Uhr nachts nur gefeßliche Arbeitszeit nicht überschritten wird. bort gestattet werden, wo eine Garantie dafür gegeben ist, daß die Die längere Offenhaltung der Betriebe als bis 1 Uhr nachts ist aber auch vom Unternehmerstandpunkt nicht zu wünschen, weil sich die Offenhaltung nicht rentiert, es sei denn, daß fie auf Kosten der Arbeitnehmerschaft geschieht. Die Aufwendungen an Licht, Unterhaltung, Arbeitskräfte usw. stehen in feinem Verhältnis zu den nach 1 Ühr zu erzielenden Umfäßen. Meinung, daß die Bolizeistunde bis 1 Ihr nachts genügt. Fast alle großen Betriebe Berlins sind ebenfalls der Eine ganze Reihe von guten Betrieben, auch die Caféhäuser der Firma Aschinger- des größten gastwirtschaftlichen Unter nehmensschließen jetzt noch um 12 Uhr nachts ihre Pforten. Die Unternehmer erflären mit Recht, daß sich selbst die Stunde von 12 bis 1 Uhr nicht mehr lohnt. Schließlich ist die Frage der Verlängerung der Polizeiffunde eine Frage der Verkehrsmöglichkeiten. Die Berliner Hochbahngesellschaft und die Reichsbahngesellschaft haben gegenüber Beschwerden wegen nichtgenügenden Verkehrs nach 1 Uhr darauf hingewiesen, daß die Betriebspause nach ihr nachts im Interesse der Betriebssicherheit unbedingt notwendig ist. Sie wird gebraucht, um die Bauarbeiten, Instandhaltungsarbeiten ordnungsgemäß ausführen zu fönnen. Die Verlängerung der Polizeistunde ist auch aus diesen Gründen eine glatte Unmöglichkeit. Die Gäste würden sich in den Lofalen nicht mehr aufhalten können, weil eine Fahrgelegenheit fehlt. Die Angestellten würden über haupt nicht mehr nach Hause kommen. Es ist deswegen zu hoffen, daß die preußische Regierung eine Verlängerung der Polizeistunde auf jeden Fall ablehnt. Arbeitslosenversicherung und Landarbeiter. Freitag, 3. April 1925 74, im Freistaat Medlenburg- Schwerin: Lübz 100, Schwerin 83, Teterom 74, im Freistaat Bayern: Passau 95, Fürth 92 Proz. aller Mitglieder. Es ist unmöglich, daß in dem Maße, wie es die vorgenannten Bahlen zeigen, Krantentassenmitglieder vorhanden sind, auf die die Voraussetzungen der Verordnung für die Beitragsbefreiung zutreffen. In diesen landwirtschaftlichen Kreisen hat man vielfach bewußt falsche Angaben gemacht oder mit seinen Arbeitnehmern Scheinverträge geschlossen, in denen eine fechsmonatige Kündigung vorgesehen ist. Das Reich wird also glatt um die Beiträge geschädigt; denn in logischer Folge müssen diese nun den Betrag zur Erwerbslosenfürsorge, der von der Landwirtschaft verweigert wird, außerdem aufbringen. Man denke bei dieser Tatsache an die schönen Worte von Volksgemeinschaft, chriftlicher Weltanschauung usw., wie sie so gern von den Landbündlern, den Deutschnationalen gebraucht werden. Heute genügt schon ein Arbeitsvertrag mit dreimonatiger Ründigung, um beitragsfrei zu sein. Die Zustände bei der Beitragsethebung dürften darum nicht besser, sondern voraussichtlich schlimmer geworden sein. Trotzdem hat die Zustände bei der Beitragseihebung dürften darum nicht besser, Reichsregierung die bisherige Art der Beitragserhebung und damit des Umfanges der fünftig Bersicherten in ihrem Entwurf zur Arbeitslosenversicherung erneut aufgenommen. Der Betrug, den die Landwirte nach den vorstehenden Angaben ausüben, soll nach dem Entwurf der Regierung gesetzlich sanktioniert werden. Dagegen muß auf das schärfste protestiert werden. Einmal im Interesse des Reichs, das leider durch die jetzige Regierung nicht genügend gewahrt wird, dann aber auch, um weiten Kreisen der Landarbeiter die Unterstüßung in Fällen der Arbeitslosigkeit zu sichern. Unbillige Härte.. Eine Dame, die mit ihrem Gemahl im Hotel Adlon wohnte und anscheinend zu der Art von vornehmen Gästen gehört, die mit dem Bedienungspersonal nie zufrieden sind, beschwerte sich beim Hoteldirektor, weil in ihrem Zimmer nicht ordentlich Staub gemischt worden sei. Du lieber Himmel! So etwas fann schon einmal vorkommen, menn ein 3immermädchen, wie in diesem Falle, täglich 15 3immer und 10 Baderäume zu reinigen hat und das Reservemädchen, welches ihr sonst Hilfe leiſtete, a us Gründen der Sparsamteit entlassen wurde. Aber die Direttion verlangt eben, daß die Arbeiten, die sie der einzelnen Arbeitstraft zuteilt, tadellos ausgeführt werden und das Mädchen erhielt infolge der Beschwerde eine Verwarnung. Am folgenden Tage, als die Dame nebst Gemahl noch im Schlafzimmer der Ruhe pflegten und das Zimmermädchen den Salon aufräumen wollte, wurde ihr das nur unter der Voraussetzung gestattet, daß sie tein Geräusch mache. Das Mädchen arbeitete auch geräuschlos, Ueber die fünftige Arbeitslosenversicherung ist schon viel veraber der Hund der„ Gnädigen" bellte sie unausgesetzt an, handelt und geschrieben worden. Die Regierung hat schon eine ganze so daß das Mädchen es für ratsam hielt, die Arbeit nicht fortzusetzen, Anzahl von Entwürfen aufstellen laffen. Aus allen Entwürfen geht damit die Herrschaft" nicht durch das Hundegebell gestört werde. jedoch hervor, daß die Landarbeiter nur zu einem kleinen Als die Herrschaft" ausgeruht hatte und im Salon das Frühstück Teil in die Versicherung einbezogen werden sollen. Große Teile einnehmen wollte, war derfelbe natürlich noch nicht völlig aufder Landwirtschaft sind jetzt schon von der Beitragserhebung für die geräumt und gesäubert. Wieder gab es eine Beschwerde Erwerbslosenfürsorge befreit. Dieser Zustand ist im Augenblid für beim Direktor, der nun das Zimmermädchen den Launen feiner die Landarbeiter noch gerade tragbar. Er wird aber unerträg Gäste zum Opfer brachte, indem er das Mädchen sofort entließ. Das Gewerbegericht, wo die Entlassung als unbillige Härte an= lich, wenn nach der fünftigen Arbeitslosenversicherung die Unter- gefochten wurde, hielt die beiden angeführten Vorfälle nicht für stüßung abhängig wird von der Beitragsleistung. einen ausreichenden Entlassungsgrund und Die bisherige Beitragsbefreiung hat zu den schlimmsten Beurteilte die Firma, die Klägerin wieder einzustellen oder ihr eind trugsfällen gegen das Reich Anlaß gegeben. Das Verbands- Entschädigung von 115 M. zu zahlen. organ des Deutschen Landarbeiterverbandes,„ Der Landarbeiter", berichtete dazu bereits am 16. November 1924: Die Berordnung vom 13. März 1924( jetzt abgeändert) hat schon viel Unheil angerichtet. Zunächst ist die Berordnung von vielen landwirtschaftlichen Kreisen glatt umgangen worden. Die Einhebung der Beiträge erfolgt durch die Krankenkassen. Eine Untersuchung des Deutschen Landarbeiterverbandes bei den Kranfentassen hat ergeben, wie von der Landwirtschaft Gesetze und Berordnungen der Regierung sabotiert werden. Es gibt Landfrantentassen, in denen entweder alle Mitglieder oder ein unverhältnismäßig großer Teil feine Beiträge zur Erwerbslosenfürsorge leisten. Folgende Zahlen sollen unsere Ansicht beweisen. Es sind von der Beitragsleistung in der Provinz Ostpreußen befreit: in der Landkrankenkasse Heiligenbeil 100, Osterode 90. Mohrungen 88, Heilsberg 87, Goldap 83, Stallupönen 83, Rosenberg 77, in der Provinz Pommern: Usedom- Wollin 80, in der Prvinz Brandenburg: Angermünde 100, Prenzlau 100, Perleberg 90, in der Provinz Schlesien: Jauer 84, Leobschüz Der= Achtung, Buchbinder! Die über die Betriebe Stella Vers Iag, Alte Jakobstr. 11/12, und die Firma Herdegen, Alte Jakobftr. 9, verhängte Sperre ist mit dem heutigen Tage aufgehoben. 3um Streit der Töpfer ist mitzuteilen, daß die 3entrale sich im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, 3immer 52, befindet. Tel: Morizlaz 4093. Deutscher Holzarbeiter Verband, Verwaltungsstelle Berlin. Erweiterte Ortsverwaltung, Gigung heute abend 7 Uhr im Berbandshaus, Rungestr 30. Charlottenburg S. 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