Nr. 114. Erscheint täglich außer Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich z,so Mark, monatlich 1,10 Mk., wöchentlich 2S Pjg. frei in'S Haus. Einzelne Nummer b Pfg. SonntagS- Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Posi-Abonnement: 3,30Mt. proQuartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich, Ungarn 2 Mk., für das übrige Ausland oMk.pr.Monat. Eingetr. w der Post-ZeitungS-Preislift» für lsso unter Nr. 7123. IZ. Jahrg. JnfcrtionS-tSebiihr beträgt für die srinfgespaltsne Petitzetls oder deren Raum ro Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abacgebe» werden. Die Expedition ist an Wochen« tagen bis 7 Uhr AbendS, an Sonn- und Festtage» bis s Uhr Vormittags geössuet. Fernsprecher: Amt I, Ur. 1508. Eriegra»»»- Adresse: „Soiialdemolirat Kerli»!' Berliner Volksblall. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. JtedaKtion: LV.!3, Aeuth-Straße 2. Freitag, de» iv. Mai 1893. � KLpedition: SW. 19. ZZettth-Straße s. Zur Fandagitation. Von eineni Genosscn, der durch seine Thätigkeit viele Er- fahrungen in der L cr n d a g i ta t i o n gesammelt hat, gehl uns folgender Artikel zu: Die Frage der Landagitation ist schon häufig er- örtert worden, ohne deshalb zum Abschluß gekommen zu sein. Immer zeigten sich neue Gesichtspunkte, von welchen aus die- selbe in Angriff genommen werden konnte. Nirgends aber war es möglich, ein fiir alle Fälle giltiges Schema auszustellen. Diese Möglichkeit scheitert, wie von allen Seiten zugegeben wird, an der verschiedenartigen Gestaltung des Landes, der jeweiligen Eigenart seiner Bewohner und den besonderen Ver- Hältnissen, unler denen sie leben. Infolge dessen muffen fich fast alle die aus die Landagitation bezüglichen Schriften nach der einen oder der anderen Seite als unzureichend erweisen. Das kann am besten derjenige bemerke», der zum ersten Male mit frohem Muthe hinauszieht, um das Land zu erobern. Er findet sehr bald, daß er gut daran thut, diese Schriften in die tiefsten Tiefen seines Koffers zu versenken und in seinem Verkehr und seiner Agitation bei der Land- bevölkcrung an die praktischen Fragen des Lebens anzuknüpfen, wenn cr Erfolge erzielen will. Die Landagitation hat ihre Schwierigkeiten, bei deren Ueberwindung mehr, wie bei allem anderen, die praktische Erfahrung eine Rolle spielt. Mit etwas gutem Willen und Fleiß kommt man aber vorwärts, selbst wenn man das Pech hat, ein„Großstädter" zu sein. Und die Erfahrungen eines solchen sind am Ende auch geeignet, einige Hinweise zu geben, wie und wo am besten eingesetzt werden kann. Daß die ländliche Agitation sich von der in der Stadt üblichen ganz gewaltig unterscheidet, braucht nicht besonders betont zu werden. Es liegt klar auf der Hand, daß man sein Vorgehen der Landbevölkerung gegenüber entsprechend ihren eigenartigen Verhält nisseu einzurichten hat. Je nachdem der Landagitator den richtigen Ton zu treffen, die Verhältnisse derjenigen Gruppen, denen er fich gegenüber be .......'"st"......"~ findet, richtig aufzufassen versteht, wird sein Erfolg sein. Falsch ist es von ihm, wenn er glaubt, daß, weil es ihm gelang, an einem Orte die Leute sür sich zu gewinnen, dies ihm nun in der- selben Weise auch an einem anderen Orte gelinge» muß. Unterläßt er es in diesem Glauben, sich über die einschlägigen Zu- stände vorher tgenau zu erkundige», so wird das stiesultat dieser Unterlassung meist ein mehr oder minder klägliches sein. Mit schwülstigen Theorien ist dem Bauer nicht beizu- kommen, dafür hat er kein Verständniß. Er ist von Natur aus praktisch und nüchtern veranlagt und dementsprechend soll, wenn er sich von der einen Partei ab und der andere» zuwende» soll, etwas für ihn Borthcilhaftes dabei Heranskommen. Das ist auch das Moment, wobei alle gegnerischen Parleicn, vor allem die Antisemiten und der Bauernbund, einsetzen und sür sich Erfolgs erzielen. Die hohen Steuern, die Pensionen und Gehälter der höheren Beamten und Ossiziere, die hohen Gerichtskosten, die schlechten Korn- und Viehpreise und was häufig genug der Fall ist, die Uebervortheilung und Auswuchernng durch die Händler erscheinen dem Bauer als dasjenige, gegen das er sich vor alle» Dingen zu wenden hat. Die Partei, die ihm verspricht, in dieser Beziehung Hilfe zu schaffen, für billigen Zins und höhere Getreidcpreise einzutreten, Feuilleton. lNachdrucl pcrbolen.j Kerlwer Marztage." Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Vielleicht, daß sie das Volk auch� diesmal um den Preis seines Sieges bringen," so schloß Hans Härtung seine Rede,„aber dann ist wenigstens ein Anfang ge- macht— das Proletariat hat in nnzwcidentiger Weise zu verstehen gegeben, daß es seiner Allfgabe und seiner Kraft sich bewußt geworden." „Und die schönen Sachen da," meinte Vater Wernicke mit einer geivissen Aengstlichkeit,„die Ringe, und die Uhr, und die Tabakdose... die sind wohl.. „Gemopst, meinen Sie, Vater?" ergänzte Hans hell auflachend den halb ausgesprochenen Gedanken des Alten. „Nein, Vater Wernicke— die waren schon zu Weihnachten angeschafft, nur konnte ich damals noch nicht loskommen, um Euch zu besuchen. Wir sind ja doch K o m m u n i st e n, Vater, und keine Diebe und Räuber!" V. Es war bereits spät am Nachmittag, als Hans sich erhob und zum Fortgehen anschickte. „Ich habe noch ein paar Gänge vor", sagte er,„zu einem Freunde und zu meinem lieben Schwager Kowalla. Für die Nacht will ich dann Eure Gastfreundschaft in An- sprnch nehmen." Als Hans den Namen Kowalla nannte, sahen die beiden Mädchen überrascht ans: hatte der Mann, der„zum König wollte", sich nicht gleichfalls Kowalla genannt? Lotte wußte, daß Hartung's Schwester Elsbeth an einen Maschinenbauer oder Schlosser da draußen im Voigtland verhcirathct war, einen heftigen, leichtlebigen Menschen, der mit Hans von jeher nicht im besten Einvernehmen gelebt ist für den Bauer die allein richtige. Für diese tritt er ein und giebt seine Stimnie ab. Dieses Spiel wiederholt sich bei jeder Wahl, und immer wieder wird der Bauer betrogen, weil er stets wieder auf die Lockmittel einer andere» Partei hineinfällt. Hier gilt es einzusetzen und zwar derartig, daß wir unsere Krafl nicht blos zur Zeit der Wahl und für die Agitation bei derselben in Anwendung bringen, sondern, daß die Hauptarbeit schon vorher gethan wird; schon ans dem Grunde, weil die Agitation außer der Wahlperiode weit vortheilhaster sür uns ist. Während der Wahl stürmt alles auf den Bauer ein. Jede Partei sucht dem Bauer ihre Vorzüge vor einer andern klar zu machen. Hiervon wird dem Bauer der Kopf so dumm und wirbelig, daß er sich gar nicht mehr herausfinden kann und schließlich von all dem ihm zum Lese» gebrachten überhaupt nichts mehr liest. Dazu kommt nun noch, daß wir in der Wahlperiode insofern im Nachtheil sind, als uns die Versammlungslokale verboten oder abgetrieben werden. Die beste Arbeit, auch die des tüchtigsten Agitators, wird dadurch in hohem Grade illusorisch gemacht, weil es gar nicht möglich ist, den Leuten mit einer einzige» Rede diejenige feste Ueberzeugung beizubringen, welche nothivcndig ist, sie an die Sozialdemokratie zu fesseln. Kommen doch die Gegner drei bis vier mal auf einen Ort und meist immer dann, wenn ein Sozial- demokrat dort gesprochen hat. Was dann an Verdrehungen und Berläumdunge» geleistet wird, ist einfach nicht wiederzugeben. Wenn wir trotzdem ein recht günstiges Resultat bei der Wahl erzielen, so liegt dies daran, daß ein etwas intelligenterer Stamm von Bauer» vorhanden ist, der sich nicht so leicht brcitschlagen läßt. Zwar hat auch von diese» ein Theil das Wesen des Sozialismus nicht rollständig begriffen; cr ist aber auf dem beste» Wege dazu. Einen großen Vortheil haben wir vorläufig van diesen Leuten bezüglich der Agitation aus dem Lande nicht zu erwarten. Es fehlt ihnen an Bewegungsfreiheit, sie stehen zu ifolirt da, und laufen beständig Gefahr, wirthschastlich geschädigt zu werden. Werden sie als Sozialdemokraten erkannt, so sind sie förmlich geächtet, weswegen sie nur im Stillen und auch nur sehr vorsichtig wirken können. Hierzu kommt noch eine gewisse Aengstlichkeit und Unselbständigkeit, die ihre Brauchbar- keit schmälert. Trotzdem lassen sie sich als Vertrauensmänner zum theil sehr gut verwenden, nur darf man ihnen keine schwie- rigeren Aufgabe» übertragen. Will man auf dem Lande Erfolge erzielen, so muß die Agitation dazu in ein bestimmtes System gebracht, eine Organi- satio» geschaffen werden, natürlich so, daß man mit den bestehenden Gesetzen nicht in Kollision geräth. Am besten geschieht dies von den Städten oder den größeren Orten aus, wo sich schon ein fester Stamm von überzeugten Ge- »offen vorfindet. Von hier aus muß das Land in bestimmten Zwischenräumen besucht werden. Selbstverständlich darf dies nicht in größeren Trupps, sondern nur in beschränkter Zahl nach den einzelnen Ortschaften hin geschehen. Im anderen Falle wird der gewollte Zweck nicht erreicht, dazu ist der Bauer viel zu zurückhaltend und gegen alles Auffällige eingenommen. Am besten sind für jede Ortschaft zwei Mann, bei deren Auswahl man natürlich vorsichtig sein muß. Unzuverlässige Eleniente sind streng zurückzuweisen. Diese zwei Mann haben den Ort immer wieder zu besuchen um Fühlung niit den Bauern hatte. Die Schuld harte nicht an Hans gelegen, der seiner um einige Jahre älteren Schwester und deren Kindern herzlich zugethan war und in den nicht seltenen Verlcgeuheitsfällen den Verwandten gern geholfen hatte. Lotte hatte diesen Schwager niemals ge- sehen— wie, wenn es thatsächlich jener Unglückliche war, den die Gendarmen auf dem Schloßplatze abgeführt hatten? Sie theilte Hans ihre Vermnthung mit und schilderte ihm die Szene der Verhaftung. „Das sieht ihm schon ähnlich", meinte Hans,„und auch die Beschreibung trifft zu. Ein maßloser, leiden- schaftlichcr Mensch— und doch dabei gutmüthig und brav von Gemüth." Dora beschrieb in launiger Weise die Rolle des Moral Philisters, die Herr Gotthold Plüddemann auf dem Schloß- platz gespielt hatte— wie er in scheinheiliger Entrüstung seinem Abscheu vor der Verworfenheit des„Gesindels" Aus- druck geliehen hatte. „Ja", sagte Härtung,„wenn ein Mensch von Kowalla's Schlage zu den Vornehmen, Besitzenden gehört und seine Thorheiten niit etwas mehr Eleganz auszuführen versteht, dann nennt man ihn einfach einen„liebenswürdigen Schwercnöther", einen„flotten Bruder" oder„Tollkopf" und bewundert gar seine albernen Streiche. Beim Arbeiter dagegen spricht man sofort von Rohheit, von Abschaum, Gesindel." „Schön kann ich's wirklich auch nicht finde», was der Mensch da gethan hat," versetzte Vater Mathias miß- billigend.„Er sollt' auf sich selber halten, sollt' an Frau und Kinder denken, die vielleicht jetzt noch hoffen, daß der Vater ihnen ein Stück Brot mit heimbringt." „Ganz nieine Meinung, Vater Wernicke," entgegnete Hans lebhast.„So sind wir doch e i n ni a l derselben An- ficht! Auch ich mag solche Dinge nicht entschuldigen oder gar loben, und darum verlange ich eben, daß der Proletarier sich selbst erziehe, daß er das Gefühl für persönliche Würde und Selbstachtung in sich erwecke und stets lebendig erhalte. zu gewinnen. Sehr gut ist es, wenn die für eine» Ort be- stimmten auch ans demselben oder wenigstens aus der Gegend gebürtig sind. Ihre Arbeit wird ihnen dann um vieles er- teichlerk. Ferner ist es erforderlich, daß sie möglichst klar über die politischen und wirthschaftlichen Ziele der Sozialdemokratie Auskunst gebe» können und in diesen Fragen gut beschlagen sind. Gerade die persönliche Agitation bringt die größten Vortheile und da die Bauern gewöhnlich gut fragen können, heißt es gut antivorten. Ein Bauer kann noch so dumm sein, von den Sozialdemokraten setzt er voraus, daß jeder von ihnen in allen politischen, wirthschaftlichen und juristischen Fragen Be- scheid weiß. Neben der persönliche» Agitation muß auch die durch Bro- schüren und Flugblätter erfolgen. Dabei ist es nicht nothwendig, daß das ganze Dorf belegt wird. Man kann dabei sparen, es genügt auch schon die Belegung eines Theiles desselben. Das übrige besorgen die Bauer» dann schon von selbst, in- dem sie sich über das Gelesene unterhalten und die- jenigcn, welche nichts erhielten, zum Lesen veranlassen. Hat man jedoch genügenden Vorraih an Flugblättern, so schadet selbstverständlich eine vollständige Belegung nicht. Mit den Broschüren thut man gut, sparsam umzugehen und sie nur an solche zu vertheilen, bei denen man eine etwas höhere Intelligenz voraussetzt. Es sind dies meist die Handwerker, die Arbeiter und die jüngeren Bauern des Dorfes, namentlich solche, welche noch nicht lange vom Militär los sind. Diesen gegenüber ist auch eine etwas weitergehende Erklärung des Gebotenen angebracht. Sie zu einer solchen heranzuziehen, ist nicht allzu schwer. Bei der Militär. zeit findet sich leicht ei» Anknüpfungspunkt, um die Leute, welche erst nicht so recht heraus wolle», zu einem Gespräch zu veranlassen. Das weitere crgiebt sich dann von selbst. Unter den zur Vertheilung zu bringenden Schriften muß eine gute Auswahl getroffen werden, namentlich sind allzu umfang- reiche Broschüren zu vermeiden. Der Bauer liest nicht gern lang hintereinander und kann auch den Zusammenhang längerer Ab- Handlungen nur schwer verstehen. Slm besten sind solche Schriften, die auf acht bis höchstens 15 Seiten eine bestimmte de» Bauern interessireude Frage behandeln. Der Bauer liest gern, wenn er Zeit hat, und was er liest, behält er auch. Daß dies der Fall, kann mm» daran beobachten, daß viele Bauern Flugschriften und kleine Broschüren von gegnerischer, namentlich antisemitischer Seite, die ihnen gefallen haben, fast auswendig kennen. Als eine der besten Agitationsbroschüren auf dem Lande hat sich die„Thätigkeit des Reichstages vom Jahre 1890—1835" n> wiesen. Gute Dienste leistete ferner die Broschüre„Nieder mit der Sozialdemokratie" und„Mutter, was läuft der Gendarm so", nur sind auch diese noch zu umfangreich sür den allgemeinen Verbrauch. Die Vertheilung unserer Witzblätter„Der Wahre Jakob" und„Süddeutsche Postillon" hat gar keinen Zweck, unter Uni- ständen können sie sogar schaden. Die Leute verstehen die Bilder meist doch nicht, obgleich sie die Blätter der bunten Bilder wegen sehr gern nehmen. Hat der Bauer nur einige Mal von denselben Personen Schriften erhalten, so zeigt er auch Lust, sich mit ihnen über das Gelesene zu unterhallen und seine Meinung zum besten zu geben. Bei dieser Gelegenheit läßt sich viel berichtigen und nachhelfen. Der Glaube, daß der Bauer unzugänglich sei, ist verfehlt, nur muß man ihn richiig anfassen und darf nicht die Geduld Nicht, damit die„vornehmen Leute" ihm von oben herab ihre wohlwollende Anerkennung zu theil werden lassen, sondern damit er sich seines gesellschaftlichen Werthcs be- wnßt werde und durch dieses"Bewußtsein seine Kraft ver- doppele, verdreifache, verzehnfache. Licht und Luft muß eindringen in diese dunklen, unterdrückten Massen, geistiges Brot� muß ihren verkümmerten Seelen geboten werden in reichstem Maße. Dann werden sie schon lernen, auch dcS Leibes Sorgen ans der Welt zu schaffen und einerseits Hunger und Gier, andererseits Habsucht und Geiz aus der 'menschlichen Gesellschaft zu verbannen. Doch da rede ich ein langes und breites von zukünftigen Dingen," unterbrach er sich plötzlich,„und die arme Elsbeth hat vielleicht wirk- lich kein Stück Brot für ihre Kinder im Hause." Er hing seinen Mantel um und machte sich zum Gehen bereit. Florian Schnick und Ferdinand erboten sich, ihn zu begleiten. „Wir gehen über die„Linden" und die„Friedrichstraße", meinte Ferdinand,„da können Sie gleich sehen, wie's in Berlin jetzt aussieht, ob wir wirklich solche Schlafmützen sind, wie Sie denken." Lotte und Dora blieben mit dem Vater zurück— sie schienen für den Abend etwas ganz besonderes vorzubereiten. Sie hatten mit dem Gesellen in der Küche eine kleine Be- sprechung gehabt, die damit endete, daß Schnick unbemerkt feinen, Koffer einen Besuch abstattete und gleich darauf mit einer Hand voll Silbcrstncke in die Küche zurückkehrte. Dieser unscheinbare, gutherzige Mensch war nun einmal der stille, glückschaffendc HauSgeist in der Familie des Meisters. Er war das sorgende Heinzelmännchen, der Helfer in jeder Noth, ob es sich um eine häusliche Verrichtung oder»m Geld, Verlegenheiten, oder um sonst etwas handelte. Er fühlte sich in seiner Manucswürde nicht gekränkt, wenn Dora, den schweren Wassereimer die Treppe cmporschleppcnd, ibm ächzend zurief:„Schnick, so kommen Sie doch, helfen Sie mir"— sondern er sprang dann flink ans sie zu und»ahm ihr die Last ab, oder machte ihr gar Vorwürfe, daß sie ihn ecvTieven, weiin der Erfolg s!ch nicht gleich bemerkbar machte Äuf einen Hieb snllr kein Baum und nnl einer Rede geivinnt mau keinen Bauer. � Es braucht bei dem Bauer alles seine Zeit. Er muß das Gelesene und Gehörte erst richtig verdaue» und darüber nachdenken können. Tiefe Zeit muß man ihm lassen, alles dringende Einreden hat reinen Zweck, es macht ihn nur störrisch. Läßt man den Bauer aber nach einer längeren Auseinandersetzung zufrieden, so wird man finden, wie er. obgleich er erst schembar gar nichts davon wissen wollte, nachher doch insgeheim zu einem anderen sagt:„Der Mann hat recht, er ist ei» tüchtiger Kerl!" Geht man auf diese Weise vor. läßt man bei dem Verkehr mit den Bauern, den Städter zu Hause und ist mit ihnen gleicher unter gleichen, so wird man den Bauer bald zum Freunde haben. Alles Bornirte, Gekünstelte wird von dem Bauer gehaßt. Er ist stolz, seine Eigenliebe verträgt es nicht, weniger zu sein, als andere. Der Hinweis auf das Verhallen der großen Herren ihm gegenüber kann ihn bitterböse machen. Selbst wenn man den Bauer nicht gewinnt, bringt er einem eine gewisse Herzlichkeit entgegen, er ist wenigstens davon überzeugt. daß man es ehrlich meint und freut sich, wenn man ihn besucht. Durch den Erfolg werden die Bemühungen reichlich belohnt. Daß diese Belohnung erst nach schwerer Arbeit und vieler Mühe erfolgt, ist richtig; es ist aber für uns kein Grund vorhanden, diese Arbeit und Mühe zu scheuen. Gilt �es doch dabei nicht blos für das Wohl und die Befreiung der Landproletarier, sondern auch für unser eigenes Wohl, für die Besreiung der Ge' sammthelt einzutreten. VolLliszhv UeberftOlzt. Berlin, 16. Mai. Im Reichstage wurde heute über die Verwaltung des Nordostsee- Kanals verhandelt. Als der Reichstag in die Verhandlung des Zuckerprämien- Nothgesetzcs eintrat, wurde den nach Sicherung der Liebesgabe lüsternen Agrarier» ein Strich durch die Rechnung gemacht. Singer bezweifelte die Beschlußfähigkeit des Hauses und der Reichstag mußte sich auf Morien vertagen. So erhielten die volksfeindlichen Agrarier für ihre gestrige Obstruktionstaktik die wohlverdiente Quittung.— „Konfliktsliisteru" nennt die„Kreuz-Zeihmg" heute in ihrem Abeud-Leitartikel den— Reichstag. Natürlich einer muß anfangen, und nun soll der Reichstag das Kar- nickel sein. Ob die„Kreuz-Ztg." klug thut, ihre Absichten und Hoffnungen so plump zu v:rrathen, das bleibe dahin- gestellt. Das Spielen mit dem Feuer galt allezeit für etwas ungesund.— Die Stichwahl im Wahlkreise Köln- Stadt findet am 27. d. M. statt.— AuS dem 14. württembergische» ReichstagS-WahlkreiS. Bei der am letzten Dienstag stattgesundenen Stichwahl wurde der volksparteiliche Kommerzienrath Hänle mit 9626 Stimmen gewählt gegen de» Mischmaschkandidaten Ehmann, welcher 7626 Stimmen erhielt. Der Wahlkreis war von I87l— ISS0 in den Händen der Nationalliberalen und Konservativen; 1890—93 war er volksparteilich vertreten und wird wohl auch in Zukunft von der Volkspartei behauptet werden.— Aon den 17 wttrttem- bergischen Reichstags-Wahlkreisen ist jetzt nur noch der erste (Siegle-Stuttgart) in den Händen der Nationalliberale», welcher wohl bei der nächsten Wahl an die Sozialdemokraten übergehen wird, den 7. Wahlkreis vertritt noch der reichsparteiliche Freiherr v. Gültlingen.— Die Wahl des Abgeordneten Reichniuth werden unsere Parteigenosse» im Kreise Weimar- Apolda an- fechten.— Das preußische VereiuSgesep. Es wird jetzt von mehreren Seiten berichtet, daß von der Einbringung eines Vereinsgesetzes im Landtage„endgiltig" Abstand genommen sei,— woraus sich ergiebt, daß ein solches Gesetz immerhin geplant war. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß die Regierung aus das Vereins- gesetz dauernd verzichtet. Denn die Stetigkeit ist nicht die dem neuen Kurse eigenthttmliche Tugend. Sonst wäre es ja nicht der Zickzack-Kurs.— Wie bekämpft man den Umsturz? Die Lösung dieser Preisfrage macht jetzt den Politikern der verschiedenen politischei» Parteien schwere Sorge. Währeild die Frei- nicht au den Brunnen geschickt habe. Was auch vorkommen mochte in dem kleinen Hauswesen— Schnick war stets derjenige, der mit Rath und That einsprang und alle Un- ebenheiten nach Kräften glattzumachen suchte. Als die drei bereits an der Thür waren, lief Ferdinand noch einmal nach der Küche zurück und erschien gleich darauf mit dem Veilchenstranß, de» Herr Plüddemann Lotten ver- ehrt hatte. „Den muß er doch zurück haben," meinte der Schalk lachend—„ich trag' ihn Frau Muckenich'rüber." Lotte widersetzte sich seinem Vorhaben, das, wie sie meinte, Herrn Plüddemann tödtlich beleidigen mußte. „Was? Den alten Blaubart, der Dich u»S wegschnappen wollte, kannst Du noch vercheidigen?" versetzte Tora in ihrer entschiedenen Weise. Auch Schnick war dafür, daß Herr Plüddemann wieder zu seinem„Eigenthum" käme, während Härtung und Vater Mathias sich auf Lotten's Seite stellten. Ferdinand aber war bereits die Treppe hinunter und hörte nicht mehr. „Aus Rand und Band ist daS," grollte Vater Mathias, „diese heutige Jugeud. Das hält' sich zu meiner Zeit solch' ein Bürschchen herausnehmen sollen! Und wer hat ihn ver- dorben? Kein anderer als der Schnick mit seinen Weitling'schen Dummheiten." Der Geselle schritt lachend mit Härtung davon. Aus der Straße erwarteten sie Ferdinand, dessen Stimme sie vom oberen Stockwerk des Vorderhauses her vernommen hatten. Hans betrachtete sinnend dieses kleine grün an- gestrichene Häuschen. Es unterschied sich in nichts als dem frischen Anstrich von den übrigen Häusern, die sich zu beiden Seiten des engen Gäßchens erhoben. HanS verglich diese Zivergnester im Geiste unwillkürlich mit den Bau- werken der Großstädte, die er kennen gelernt hatte. „Klein und erbärmlich", dachte er bei sich,„wie die Menschen, die sie gebaut haben." Auch in Paris und London gab es Armenviertel mit engen Straßen und kleinen, elenden Häusern, allein diese selbstbewnßle, protzenhaste Kleinheit, die gar noch etwas bedeuten wollte, war ihm dort nicht begegnet. Es lag etwas Tückisches, Verstecktes in diesem grün angestrichenen Plüddcmann'schen Hause mit seiner füuffeustrigen Front, der niedrigen Oberetage und dem zurücktretenden rothen Ziegeldach, aus dem zwei Viansardenvorsprünge mit kleinen, trüben Fenstern wie ein paar kranke, halbblinde Augen herausschauten. Alles schien eingeschnürt und zusammen- gepreßt in der Bauweise dieses Häuschen. Sie erschienen wie eine Verkörperung der„guten, alten Zeit",— dieser srend- und trostlosen Zeit der Unfreiheit, der wirthschast» sinnigen das langsame Absterben der Sozialdemokratie beim Vorhandensein einer„liberalen" Regierung prophezeien, halten es die Konservativen, voran die„Krenz-Zeitnng", mit dem„Gottvertrauen und feste Umsichhauen". Während die Christlich-Sozialen von der Richtung der Zeitung „Voll" die Ueberwindung der Sozialdemokratie in der Anwendimg der wahren christlichen Grundsätze durch den Staat, in sozialpolitischen Reformen erblicken, glauben wieder die unverfälschten Großkapitalisten und deren Preß- lakaien, wie z. B. die„Rhcinisch-Westfälische Zeitung", daß die Aktion gegen die Sozialdemokratie an der über- großen Arbeiterfreundlichkeit der Regierung gescheitert ist. In diesem Sinne schreibt heute das letztgenannte Organ der westfälischen Kohlenbarone: „Vieles und das Entscheidende kann auf dem Gebiete der Verwaltung und durch die Gesetzgebung der Einzel- st a a t e n geschehen. Versagt die Reichsgesetzgebung, wer kann es tadeln, falls eine entschlossene Regierung die von ihr begriffene Zeitaufgabe löst, indem sie den Reichstag distanzirt und die Land- tage in Aktion treten läßt? Drn-t aber wäre nicht genug geschehen. Ans all dem Ge- rede über den Fall der Umsturzvorlage, deren Fehler, Mängel und Schwächen und die taktischen Mißgriffe der Regierung und Parteien leuchtet hervor, daß nur sehr wenige den letzten Grund begreisen, wegen dessen der König diese Bataille verlieren mußte. Man kann nicht gleichzeitig den sozialrevolutionären Umsturz bekämpfen und jene„V e r s ö h n u n g s p o I i t i k" weiter spinnen wollen, der 1390 Fürst Bismarck das Feld geräumt hat! Die aber, welche jetzt das Schicksal der Umsturzvorlage bedauern, was empfehlen sie: nationale Politik— die ist gewiß und zu allen Zeiten gut— und soziale Reformen, d. h. solche im Sinne der antikapitalistischen Tendenzen. Es sind das sehr gefährliche Rathgeber für die Re- gierung und den König: denn was noth thut, ist der Bekäinpfnng der Uinsturzparteie» Freunde zu gewinnen für Tage, welche kommen werden. Daran ist die Vorlage zu gründe gegangen, daß bei vielen Gegnern ihr die Freunde fehlten. Diese fehlten jedoch, weil nicht erkennbar wurde, daß der Bruch mit der Versöhnungs- Politik von 1890 und den antikapitalistischen Lieb- ä ug el ei en ein definitiver sein solle. Das Ministerium Hohen- lohe hätte die Bataille seines Königs nicht verloren, wenn nicht in ihm noch die Träger derselben Versöhnungspolitik gesessen hätten, welche die Nothwendigkeit des Kampfes gegen die Um- sturzparleien wesentlich verschärft hat. Ja, wem soll es die arme Regierung da noch recht machen. Dem einen ist sie nicht liberal genug, dem andern haut sie nicht genug mit dem Säbel dazwischen, dem dritten treibt sie zu wenig„christliche" Sozialpolitik und in den Augen des vierten liebäugelt sie gar mit antikapitalistischen Tendenzen. Die deutsche Reichsregierung antikapitalistisch — vielleicht gar sozialdemokratisch! Wer lacht da? Aber nun begreift sich doch wenigstens die Schwierigkeit der Sozialdemokratcnvernichtung, wenn von den besten Freunden so verschiedenerlei Mittel angepriesen werden. Da ist die schmähliche Niederlage der Regierung bei der letzten„Aktion" und der Zickzackkurs ja am Ende verzeihlich.-- Manchmal schläft nicht blos der alte Homerus, sondern auch die alte Tante Voß. Am Mittwoch nahm sie der Sozial- deinokratie über S00 000 Wähler, und, nicht zufrieden hiermit, erklärte sie die 1'/«(statt l3/*) Millionc» Wähler vom IS. Juni 1893 für„zum theil Wähler anderer Parteien", als ob am IS. Juni 1893 Stichwahlen geweseu wären! Doch das war der schlaftrunkenen Taute noch nicht genug; sie entdeckte einen „klügsten Kopf der(sozialdewokratischen) Partei", der seinerseits entdeckt habensollte,die englische Chartistenbewegung sei blos deshalb von der englischen Regienmg überwunden worden, weil diese sich den Muth der Kaliblütigkeit bewahrt, und nicht einen Finger breit vom Pfade der Tugend— Verzeihung des Rechts abge- wichen sei. Wir erkundigten uns nach dem„klügsten Kops", der diese» patriarchalischen Unsinn geschrieben oder gesprochen habe, und kamen auch endlich hinter den Schuldigen: es ist der Urheber des bekannten verspäteten Aprilscherzes der„Preußische» Jahrbücher". Dort kommt in der That ein solcher Passus vor Wir würden die Sache garnicht erwähnt haben, wenn wir nicht inzwischen in der„Vossischen Zeitung" gelesen hätten, daß dieses Blatt, welches sich telegraphiren lreß, daß es als Vor kämpfer im Kampf gegen das Umsturzgesetz sich den Dank der zivilisirten Welt verdient habe, unserem Genossen Volkmar lichen und geistigen Armuth, deren Kinder ohne Licht und Lust heranwuchsen, gleich den Kaninchen, die aus ihren Verschlagen nur herauskommen, um von ihren Züchtern verspeist zu werden.(Forts, folgt.) KiiH u) WisseilM. Die Alterthiimev von Pergamou. An die Dringlichkeit der seit vielen Jahren geplanten Erbauung des Pergamon- Mu- senms gemahnt folgende Mitlheilung des„Reichs-Anzeigers": Seitdem die Ausgrabungen in Pergamon nach fast 14 jähriger Dauer im Jahre 1886 vorläuflg abgeschlossen wurden, ist die stille Thäligkeit in den königlichen Museen zur Verwerthung der Funde stetig fortgeschritten. Die Bruchstücke der gewaltigen Skulpturen sind so weit wieder zusammengefügt, vor allem die Hochreliefe derGigantomachie vom großenAltare, daß ihrerAnfrichtnng in einem Neubau seitens der Museumsverwaltung längst nichts mehr im Wege steht, wenn auch des kleinen immer noch hinzuzuthun bleibt. Auch die Herausgabe des großen Werkes der„Alterthümer von Pergamon" geht ihren Weg weiter, mit den Hemmnissen, die solchen Unternehmungen selten erspart bleiben. Dem bereits im Jahre 186S erschienenen Bande II, Athen a-Heiliathum von Richard Bohn, mit einem Beitrage von Hans Troysen, ist im Jahre 1890 der erste Halbband der Jnscbnsten, VIII, S, herausgegeben von Max Frnnkel unter Mitwirkung von Ernst Fabricius und Karl Schuchhardt. gefolgt; die zweite Hälfte dieses Bandes wird binnen kurzem ausgegeben werden. Inzwischen ist soeben der t albband V, 2, das Trajaneum von Hermann Stiller mit einem eitrage von Otto Raschdorff. fertig geworden und erschienen. Der Text ist begleitet von einem Foliobande mit 34 Tafeln. Hiermit ist die bereits vor Beginn der Ausgrabung einigermaßen äugen- fällige Ruine auf dem höchsten Gipfel des pergamenischen Stadt- berges zur Wiederherstellung gebracht, und es ist gezeigt, wie diese gewaltige Anlage in der letzten Glanzzeit von Pergamon unter' römischer Herrschast, mit theilweiser Verdrängung und Benutzung«tterer Prachtbauten der Königszeit, dominirend durch Lage und Aueslaltung, geschaffen wurde. Charakterische Theilc der Architektur dieses Heiligthums, des Tempels selbst, auch mit Resten der kolossalen Tempelfiatuen des Trajan und Hadrian,.der den Tempelhof umgebenden Hallen, eine, sowelterbalten,vollständige halbrunde Exedra noch nus der Königszeit, liegen i» den Magazinen der königlichen Museen zur Ausstellung berert. Mit den übrigen zahlreichen Archrteklurstücken, ganzen Ausschnitten mehrerer Hauptgebäude Pergomons, wozu jüngst noch bedeutendes durch die Ausgrabung in Magnesia am Mäander hinzugekommen ist. werde» sie dereinst in einem Neubau der königlichen Museen eine Sammlung von antiker Architektur in Originalen bilden, wie eine solche kein zweites Mnseum auszuweisen hat. Wie aller Welt bekannt, liegt die Sache so, daß vorab in keiner Weise daran zu denken ist, den unschätzbaren Alter- thünicrn eine ihrer würdige Statte zu bereiten. Dazu hat man im Mililürfiaat Preußen kein Geld. die Beleidigung anthuk, ihn als Verfasser jener Mystifikation zu bezeichnen und dies als notorische Thatsache hinzustellen. Das ist denn doch zu arg, so zu schlafen und im Schlaf s o zu träumen, dazu hat— trotz allen Respekts, den das Alter beanspruchen kann, nicht einmal die Tante Voß das Recht. Vermehrung des PensionsetatS. Nicht weniger wie 3 General-Lieutenants, 7 General-Majors, ein Kavallerie-Qberst, der Kommandeur einer Kavallerie-Brigade war, 3 Obersten oder Oberst-Lieutenants, die Kavallerie- Regimenter besehligteu, 2 Obersten, die Jnfanterie-Regimenter kommandirlen, 2 Oberste» von der Artillerie, außerdem verschiedene Obersten und Oberst- Lieutenants, die Kommandanten an Truppenübungsplätzen, Konr- mandeure von Landivehrbczirken«, waren, haben den Abschied erhalten.— Die Bimetalllsten an der Arbeit. Vom Abg. Dr. Arendt und Genossen ist im Abgeordnetenhause folgender WährungS- antrag eingebracht worden:„Das Haus der Abgeordnete» wolle beschließen: Die kgl. Staatsregierung aufzufordern, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, ungesäumt und nachdrücklich alle die- jenigen Schrille zu thun, welche geeignet sind, zu einer iiiier- nationalen Regelung der Währungssrage mit dem Endziel eineZ internationalen Bimetallismus zu führen." Mcnschenjagd. Ob es einen Sinn hat, daß die Schildwachen vor Gefängilissen mit geladenen Gewehren versehen sind, wollen wir hier unerörtert lassen. Jedenfalls aber ist es geradezu barbarisch, daß auf entsprungene, wehrlose Gefangene, nachdem dieselben bereits eingeholt und in die Unmöglichkeit versetzt sind, zu entfliehen, noch gefenert wird, wie das dieser Tage in G r a u d e n z geschehen ist. T er „Gesellige" schreibt darüber: In einem Saale, der durch eine Wand in zwei Theile ge- schieden ist, waren am Sonntag die beiden Slräslinge Vabiuski und Lewandowski kurz nach dem Mittagessen mit dein Reinigen von Eßgeräthen beschäftigt. Als sich der Ausseher in dem eut- gegengesetzten Theile des großen Saales befand, gelang es den beide» unbemerkt eine Thür, die zum Gange nach der Sakristei der Zuchlhauskirche führt, zu öffnen und in die Kirche zu ge- langen. Auf ganz raffinirte Weise ist der Aufseher, welcher am Sonnabend in der Buchbinderei die dort verwendeten Messer bund- weise abnahm und zählte, getäuscht worden, indem einer der beiden Zuchthäusler nur eine Scheide statt des Messers ablieferte, was in dem Bündel nicht aufgefallen ist. Mit einer Leiter, die ste ans dem verschlossenen Rondengange sich verschafft hatten, traten sie in der Nähe der Militärwache aus dem von ihnen ge- öffneten Haupteingange der Kirche. Die Ausbrecher hatten auf- gepaßt, bis der Posten, welcher die ganze Front des Gebäudes abzupatrouilliren hat, sich nach der anderen Seile begeben halte. Als er zurückkam, konnte er gerade noch bemerken, wie einer der Sträflinge auf der Leiter über die hohe Umsaffungsmauer des Hofes nach dem Jsraelowitz'schen Grundstücke zu herllbersteigm wollte. Der Posten, Musketier Millack von der 10. Kompagnie des 14. Regiments, gab Feuer; der Schuß streifte aber ivohl nur den oberen Mauerrand, hinter welchem Lewandowski gerade verschwunden war. Durch den Schuß wurde die ganze Wache alarmirt und sofort wurden zwei Patrouillen nachgesandt. Die Flüchtlinge durcheilten den Scharlock'schen und den anstoßenden Basarke'schen Garten und gelangten von dort nus über de» Zaun »ach dem Reiß'schen Garte», wo eben ein Bau ausgeführt wird. Lewandowski erschien gleich darauf im Hoffmann'schen Garten. Den Professor Sk., der dort spazieren ging, bedrohte L. mit einem gezückten Messer und gelangte in den French'sche» Garten und von dort aus nach der Mühlenstraße, wo er schließlich auf dem Eller'schen Felde festgenommen wurde. Ein Gefreiter des 141. Regiments, der gerade des Weges kam, zog sein Seiten- geweht und stellte den L. Inzwischen war eine Patrouille mit Aufsehern herbeigeeilt und»ahm den Flüchtling, der aus Zuruf eas Messer niederwarf, fest. Der zweite Flüchtling, Bablnski, der nicht so schnellfüßig wie L. war, hatte sich inzwischen im Hoffmann'schen Garten verborgen. Hoffmann, der sich mit S' irschfänger und Revolver versehen halte, machte die mit dem avnudowski von der Mühlenstraße zurückkehrenden Beamte» darauf aufmerksam, daß der zweite Flüchtling wahrscheinlich in seinem Garten sei, und nach kurzer Suche fand man den Babinski in einein Holzschuppen zusammengekauert. Der Musketier Block forderte den Babinski mehrmals auf, hervorzukommen, ungefähr mit den Worten;„Komm' raus, oder D u wirst g e- schössen!" Als B der Aufforderung nicht Folge leistete, gab der Soldat einen Schuß ans ihn ab, der durch den linken Arm hindurch ging. Da Babinski auch jetzt nicht hervorkam, zog man ihn hervor und es stellte sich heraus, daß er t o d t mar. Der Zuchthäusler konnte aus dem rings umstellten Schuppen nicht herauskommen. ohne seinen Verfolgern in die Hände zu fallen. Lewandowski war 28 Jahre al t, Schlächter- geselle, mit acht Jahren Zuchthaus wegen wiederholten schweren Diebstahls bestrast, von denen er bereit? drei Jahre verbüßt hatte. Babinski war 33 Jahre alt, Arbeiter, und eben- falls wegen wiederholten schweren Diebstahls mit fünf Jahren Zuchthaus bestrast und hatte erst kürzlich seine Strafe an- gelreteu. Ter nach dem mißglückten Fluchtversuch in Unter- iiichnngshaft gebrachte Lewandowski hat sich in der Nacht zu Montag, vermuthlich auS Furcht vor der ihm zunächst drohenden Tisziplniar-Prügelstrafe. in seiner Zelle erhängt, obgleich er in Kreuzeisen gelegt war. Eine rothe Fahne hat die Honoratioren de? schlesischen Städtchens Hayna» rn einen höchst bedauernswerthe» Bruder- zwist verwickelt. Der dortige gut konservative Bürgermeister iind Polizeiverwalter Müller hatte unlängst gestallet, daß bei der Beerdigung eines Sozialdemokraten die rothe Fahne des Arbeitervereins, dessen Mitglied der Verstorbene gewesen war, dem Zuge vorangetragen werden durfte. Obgleich nun gleichzeitig angeordnet worden war, daß ein Polizeibeamter im telm dem Leichenzuge voranschreiten mußte, daß die Fahne nach eendigung der Leichenfeier auf dem Kirchhofe sofort wieder ver- hüllt werde, und daß die Rückkehr der Leidtragende» nicht im Zuge geschehen dürfe, so wurde dennoch von konservativer Seite der Bürgermeister in heftiger Weise angegriffen und gegen ihn ein E n t r ü st u n g s st u r m in Szene gesetzt, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Diese Hetze hat nun zu- nächst zur Folge gehabt, daß eine Anzahl Reserve- und Land- ivehr-Offiziere, sowie der Bezirkskommandeur Oberstlieutenant v. Hobe zu Liegnitz die Erklärung abgegeben haben, daß sie dem an, 26. Mai d. I. stattfindenden Fahncnmeihfeste des Haynauer Militärvereins, dessen Vorsitzender der lonservarive Bürgenneister Müller ist, nickt beiwohnen könnten. Un» aber die Theilnahnie dieser„hohen Herren" dennoch zu ermöglichen, so hat sich Herr Muller geopfert und hat den Vorsitz im Militärverein nieder- gelegt, während der Kriegerverein, tapfer»vie nur Krieger sind, einen Generalappell abgehalten und einstimmig ein Ver- traucnsvotum für den Bürgermeister Müller beschloffen hat. »velckes demselben mit dein Ersuchen übermittelt»verde» soll, das Amt des Vorsitzenden weiterzuführen.— So haben oft kleine Ursachen große Wirkungen, und selbst eine harmlose Leichenfeier kann die besten staniserhaltendcn Elemente, den Bürgermeister, die Reservelieutenanls und den Kriegerverein, in einen heillose» Krieg aller gegen alle verivickeln.— Tie Hätz gegen die Christlich- Sozialen hat ein Disziplinarverfahren gegen den bekannten Pastor Schall in Bahrdorf gezeitigt.— Zur Berufszähluug. Innerhalb der Regierimgen ver- schiedener Einzelstaaten»vi'rd der Gedanke erwogen, in der Mitte des J»ll»i für einzelne Tage de» Unterricht in den Volksschulen ans sollen zu lassen, um den Volksscknllehrer» die ungestörte Mit- Wirkung bei der an» 14. J»»i vorj»>nehnienden Berus?- und Gcwerdezählung zu ermöglichen.— Vottzei ftfftftt Studenten. Dezüglich der gestern ge- meldte«» Auflösung der ersten Vortrngkvcrsammlung des gegen- »värtigen Semesters der sozialwissenschaftlichen Studenten- Vereinigung in Halle wird mitgelheilt, daß die Polizei diese Bereinigung als eine politische betrachtete, deren Bersamm- lungen angemeldet werden müssen. Verfolgung polnischer Studenten an preußischen Nni- versuaten. Den polnischen Sludirenden an der Berliner Universität ist, ebenso wie kürzlich den polnischen Stndirenden an der polytechnischen Hochschule, auf grund ernes Ministerial- erlasses der sofortige Austritt auZ dem polnischen wisienschast- licden Verein in Berlin ausgegeben worden. Im Falle der Nicht» befolgunz dieses Befehls ,ft vom Universitätsrichter sofortige Relegation angedroht worden. Mit solchen Verfügungen erweist man sich dem russischen .Erbsreund" gefäüig, wie man auch gleichzeitig einheimische .Poienpolitil' treibt.- Oestcrreichische Minlsterkrise. Die Krise scheint nun in der Weise gelöst zu sein, daß Kalnoky geht und Banffy bleibt. Aus Wien wird heute telegraphirt: Der Minister des Auswärtigen Graf Kalnoky hat gestern Abend dem Kaiser neuerdings sein Entlassungsgesuch unterbreitet, welches der Kaiser annahm. Die amtliche Veröffent- lichung des kaiserlichen Handschreibens wird in den nächsten Tagen erfolgen. Wie in Wiener gut unterrichteten Kreisen ver» lautet, ist zum Nachfolger Kalnoky's Graf Agenor Goluchowsky, der vormalige österreichische Gesandte in Bukarest, ausersehen.— Ccmpuis. Das schmachvolle Vorgehen gegen Robin, den Direktor der Waisenschule in C« m p u is(F r a n k r e i ch), ist in frischem Gedächtniß. Und unsere Leser«rinnern sich auch, daß die französische Regierung damals unter dem Einflüsse der Pfaffen gehandelt hatte— einzig auS Angst vor den Sozialisten. Eine nach der anderen wurden die frivol erhobenen Beschuldigungen als nichtig erwiesen. Jetzt ist der 34S Seiten lange Bericht der amtlichen Untersuchungskommission an den Generalrath erschienen. Der Bericht erklärt, daß die Behörden von allen Vorkommnissen in der Anstalt genau unterrichtet waren, und daß sie die Grund- losigkeit der Beschuldigungen hätten kennen müssen; und dem Seinepräsekten. der den Direktor Robin abgesetzt hat. wird ein Tadel ausgesprochen. Wir werde» aus die für die Urheber dieser„frommen" Hetze so blamable Angelegenheit noch zurückkommen, sobald der Bericht uns vorliegt.— Ringbildungen aus allen Gebiete«. Die Vertreter der amerikaiuschen ttnpserproduzenten beschlossen in einer am Witt- woch in London abgehaltenen Versammlung, die Metall- Verschiffungen auf 60 000 Tonnen jährlich einzuschränken. Der Vertrag bleibt ein Jahr lang in kraft. Die europäischen Produ- zenten erllären sich bereit, die Förderung um ungefähr 7 pCt. jährlich zu verringern. Der Zweck ist natürlich die Ausbeulung des Publikums durch die erwartete kolossale Preissteigerung, ähnlich wie beim Petroleum.— x>arlanre»rkslrepiilike. Herrenhaus. 14. Sitzung vom 16. M a i 18SS. IL Uhr. Am Regierungstlsche: Fürst zu Hohenlohe. Miguel. Eingegangen ist eine Interpellation des Herrn von Hertzberg, betreffend die Ausführung von Maßregeln zur Hebung des Nolhstandes der Landwirthschaft. Eine neu eingegangene Vorlage über Abänderung von Amts- gerichts-Bezirken wird auf Borschlag des Präsidenten der Justiz- kommission überwiesen. Es folgt der mündliche Bericht der Kommission über den Antrag des Grafen v. Mirbach: die Regierung aufzufordern, den Reichskanzler zu ersuchen, ungesäumt und nachdrücklich alle diejenigen Schritte zu lhun. welche geeignet sind, zu einer inter- nationalen Regelung der Währungssrage mit dem Endziel eines internationalen Biinetallismus zu führen. Berichterstatter v. Groß beantragt, de» Antrag unverändert anzunehmen. Oberbürgermeister Becker-Köln beantragt, aus dem Antrag Gras Mirbach die Worte„mit dem Endziel eines interiiationalen Bimelallismus", zu streichen. Reichsdankpräsident Dr. Koch kann dem Kommissions- beschluffe nicht zustimmen. Das HauS thäte besser, de» ab- wartende» Standpunkt einzunehmen, der von dem wirlhschaft- lichen Ausschusse des Elaalsraths eingenommen ist. Es handelt sich doch nur darum, den Silberpreis wieder zu hebe»; aber zu diesem Zwecke ist doch der Binietallismus nicht das einzige Mittel, es giebt zahlreiche andere Mittel; ja der Biinetallismus würde sogar gegenwärtig ein ungeeignetes Mittel sein, weil England sich demselben entschieden ividersetzen wird. Der Bimetallismus aber würde auch, wie die Dinge jetzt liegen, die erwünschte Hilfe gar nicht bringen. Tie Entwerthung des Silbers hängt nur zum thcile mit der Temonetisirung zusammen, viel einflußreicher ist die fortgesetzte Steigerung der Silberproduktio». Der ÄimetallismnS hat mir kein« Aussicht: Rußland hat die Goldklausel zugelassen, Oesterreich geht entschieden zu Gold- Währung über, England ist dem Bimelallismus abgeneigt. Bis jetzt hat ein internationaler BimetalliSmus noch nie bestanden und es fragt sich, ist eine gesetzliche Werthfestsetzung zwischen Gold und Silber möglich ¥ Wie man hierüber denken mag, sicher ist, daß bei Festsetzung eineS solchen Werthverhältnisses unser aufgesammeltes Gold ins AuSland abfließen würde. Gerade für unsere Landwirthschaft würde der BimetallismuS gefährlich fein, er würde zum Unheil und zur Venvurung gerade für die Landwirthscdaft führen.(Bravo l) Graf Mirbach bringt die bekannten Argumente für den Binietallismus vor. Ministerpräsident Fürst Hohenlohe? Zwischen dem vor» liegenden und dem im Reichstage eingebrachie» Antrag« besteht «>» ivesentlicher Unterschied; während der Autrag im Reichstage nur die baldihunliche Einleitung zu einer Münzkonserenz fordert, geht dieser Antrag weiter und fordert ungesäumt Schritte zu dcm Ziele eines internationale» BimetalliSinus. Das ist etwas ganz anderes nud neues, lieber diese» Antrag hat sich die Staats- regier, mg»och nichlschlüssig gemacht, sie hält fest an der im Reichstage abgegebenen Eiklärung, daß in der seit L0 Jahre» sortgeschrilteneil Eiiliverthiing des Silbers die Ursache wirthschaftlicher Nachtheile gesunden wird und daher Erwägungen zur Abhilfe statlfinde» sollen. Für diese Erivägungen müssen die Grundlagen geschaffen werden und hierbei ist der internationale Charakter der Silber- frage ausschlaggebend. Ter Schlußpassus des Antrages läßt nun dessen Annahme zur Zeit unthunlich erscheinen. Sobald mir die zustilnmenden Erklärungen sämmtlichcr verbündeten Re- gierungen zugegangen sein werden, will ick eine inter» nationale Regelung herbeizusühren suchen. Ich kann also dem Hause nur rathen, die Worte:„mit dem End- ziele eines internationalen Binietallismus" zu streichen. Eine solche Fassung könnte der weiteren Eutwickelung der Angelegen- heil nur nachtheilig sein. In namentlicher Abstimmung wird der Antrag Becker (auf Streichung des Passus: mit dem Endziele«ines inter- nationalen Bimetallismus) mit 72 gegen 4ö Stimmen abgelehnt und der Antrag Mirbach unverändert angenommen. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr: Gerichtskoften- Gesetz. Nolariatsgebühren-Ordnung und kleine Vorlagen. Schluß Sh» Uhr. z?«rlc>lnrenkavikichlvs. Tie WahlprüfungS-Kommission beschloß in ihrer Sitzung am Mittwoch Abend, nach Verlesung mehrerer Berichte, die Wahl des Abg. Himburg(Stendal) für giltig zu erklären. In der Sitzung am Donnerstag früh stand an erster Stelle die Prüfung' der Wahl des Abg. Möller(Dortmund). Gegen diese Wahl war seinerzeit ein Protest eingegangen, infolge dessen der Reichstag Erhebungen beschloß. Dies« lagen nunmehr der Kommission vor. Es ist festgestellt, daß besonders im Wahlbezirk Dorstfeld I, seitens der nationalliberalen Wahlmacher wieder die gröblichste Beeinflussung der Arbeiterwähler stattgefunden hat. Dort wurden die Vertrauensmänner der sozialdemokratischen Partei grundsätzlich durch Polizei aus dem Wahllokale ver- trieben, während die Zechenbeamten am Eingange der Thür zum Wahllokal postirt waren und in der Thür zu einem Nebenzimmer des Wahllokals ebenfalls die Vertrauensmänner der Nationalliberalen standen. Jeder Arbeiter erhielt an der Thür einen Möllerzettel, den zu ver- tauschen bei der strengen Kontrolle unmöglich war. Die Kommission beschloß wegen dieser Kontrolle und dem Ausschluß der Oeffentlichkeit der Wahlhandlung, den Wahl- Akt in Dorstfeld zu kassiren. Da Möller in dem Wahlbezirk 332 und Tölke nur 130 Stimmen erhalten hat, die Möller'sche Majorität aber nur 33 Stimmen beträgt, so hat Möller die Mehrheit nicht mehr und die Kommission beschloß deshalb mit neun gegen zwei Stimmen die Wahl für ungiltig zu erklären. Die zwei Stimmen wurden von den Partei- genossen Möller's abgegeben, während alle anderen Parteien, mit Einschluß der Konservativen, dem Antrage auf Ungilligkeil zustimmten.— Weiter wurden noch die Wahlen der Abgeordnete» Hermes(Jauer) und Casselmann(Eisenach) für giltig erklärt. »« Tie lvrannilveinsteuer-Kommisston hat am Donnerstag die zweite Lesung des Gesetze ntivurss beendet und nach Abänderungen, welche den ostelbischen Brennereien noch nianche neu« Vergünstigungen brachten, während die Schädigung der gewerblichen besonders der große» Hefe-»nd Melassebrennereien nicht gemindert wurde. Nationalliberale und Konservative triebe» dabei unverhüllte, wenn auch offiziell bestrittene äo ut äos»(ich gebe, damit du giebst) Politik: Giebst du mir nicht die Brannt- wei»-Exportpräi»ie, gebe ich dir nicht die Zncker-Exportprämie. Das Zentrunl stimmte wiederholt getheilt; d»e süddeutschen Zentrums- Mitglieder konnten sich für die ostelbischen Junkerinleressen doch nicht ganz erwärmen. Von den sozialdemokratischen K o in- mifsionsmitgliedern wurde wiederholt, aber vergeblich, beantragt, daß für Spiritus zur Essigfabrikatio» und sür gewerbliche Zwecke ein der Exportprämie entsprechender Betrag zurück- vergütet werden muß. Die überhand nehmende Verfälschung des Trilikbranntweins(besonders mit Pfeffer, Paprika u. s. w.), die vom Vertreter des Steichs-Gesundheilsamls konstalirt wurde, veranlaßte die Konmusston in erster Lesung zu einer Gesetzes- bestimmung, welche den Gnstwirthen bei Strafe bis IV0 M. die Angabe des Alkoholgehalts des gcivöhnlichen Trinkbranntiveius auferlegen sollte; in zweiter Lesung wurde auf Vorschlag des Zibg. Wurm diese Bestimmung wieder gestrichen und eine Resolution augenommen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, ent- sprechend dem§ 5 des Nahrungsmittel-Gesetzes baldigst Maßnahmen gegen die Verfälschungen des Trinkbranntweins zu treffen.— Vor- aussichtlich soll Anfang nächster Woche die Plenarberathung des Branntiveiusteuer-GesetzeutwurfS, an dessen Durchdrückung de» Junkern und der Regierung viel liegt, beginue». In der JustlznovcNen-Kouimissto» wurde gestern der s 273 Etr.-P.-O.(Gestaltung des Protokolls) debattirt. Von unseren Genossen war u. a. cm Antrag dahin gestellt, gegen An- ordnuugen des Vorsitzenden, ivelche die Form oder den Inhalt des Protokolls betreffe», einen Beschluß des Gerichts zuzulassen. Be- gründet wurde der Antrag damit, daß insbesondere unter Leitung des Herrn Brausewetter wiederholt Anträge und Erklärungen des Angeklagten unberücksichtigt geblieben seien, daß der Vorsitzende auch offenbar gegen das Gesetz eine Protokollirung solcher Anträge und eine Beschlußfassung gegen sein« Weigerung, die i!lu- träge gesetzmäßig zu behandeln, verhindert habe. Gegen solche gesehwidrige Verhandlung habe der Angeklagte zur Zeit nur die Rüge bewußter Protokollfälschung. Das Reichsgericht nehme in solchen Fälle» aber leider zu gunsten des Vorsitzenden an, er habe aus Unkenntniß, nicht aus bösem Willen gehantelt. Dieser Vermuthung, daß der Richter die Gesetze nicht richtig verstehe, müsse durch ausdrückliche Klarlegung des RechlS des Angeklagten geschützt werden. Tie Regierungsverlreter und die Vertreter aller Parteien waren darin einig, daß das geschilderte Verfahren schon fetzt zweifellos gesetzwidrig sei. Eden deshalb sprechen sich aber mehrere gegen den Antrag auS: gegen Gesetzes- unkenntniß und gegen falsche Interpretation seitens der gelehrten Richter gebe es keine Mittel, lrotz lebhafter Vertheidignng des gestellten Antrages siel er mit 11 gegen 9 Stimmen. Desgleichen siel ein illnlrag, das Protokoll verlesen zu lassen. Endlich halten Stadlhagen. Bueb, Klees und Metzger zu 8 273 beantragt, hinzuzusetzen:„Auf Verlange» des Angeklagte» oder des Verlheidigers muß diesen eine Abschrift des Protokolls«rtheilt werden." Tie Regierungsvertreler bekämpften den Aulrag, weil er nur ein bereits bestehendes Recht ausdrücke. Nachdem aber konstalirt war, daß insbesondere die Brause wettersche Kammer die Erlheilung von Abschriften des Protokolls ablehne, wurde der Antrag unserer Genossen einstimmia angenommen. Dann wurde beantragt, mit Rücksicht aus die voraussichtlich« Schließung des Reichstages am 23. oder 24. d. Mls. die Kommission bis nach Pfingsten zu vertagen. Mit Rücksicht darauf jedoch, daß der Schluß des Reichstages in nächster Woche noch nicht offiziell mit- getheilt, eine Vertagung auch nicht unbedingt aus- geschlossen sei, da der Reichskanzler dem Vor- sitzenden ausdrücklich aus Anfrage erklärt hatte, daß weder der BuiideSrath noch das preußische Ministerium s i ch bislang darüber schlüssig gemacht habe, ob der Reichstag ver- tagt oder geschlossen werden solle, lehnte die Kommission diesen Antrag ab. vertagt sich aber aus de» 21. Mai 10 Uhr. VnrkeinnÄzriiftken. Die„Germania" thut fürchterlich entrüstet, daß wir den Verstoß gegen die Vertragstreue rügten, der von klerikaler Seite in K ö l n bei der Reicksiagswahl durch die Ausgabe von andere» als den zwischen den Parteien vereinbart gewesene» Stimm- zetteln vorgekommen ist. Sie erklärt unsere Notiz sür„Schwindel", muß aber gleichwohl selber zugeben, daß die Sache vorgekommen ist. Zur Entschuldigung führt sie»ach der„Kölnische» Volks- Zeitung" an, daß nur„ein einziger" Vertrauensmann die ver- iragsividrigen Stimmzettel ausgegeben habe, und zwar weil er um die Sache nicht gewußt hätte. Wenn das zutrifft, und wir wollen, weil die Mittheilung von der sonst passabel anständigen „Kölnischen Volts-Zeiluug" kommt, nicht a» der Triftigkeit der Entschuldigung zweiseln, dann steht die Sacke aber ebenso schlimm, denn dann hat das klerikale Wahlkomitee in Köln nicht genügend dafür gesorgt, daß alle Vertrauensmänner über den Bertrag unterrichtet waren. Tie„Germania" wird hiernach einsehen, daß es sür sie als angeblichen Haupt-Bannerträger der katholiscken Moral würdiger gewesen wäre, de» Mund zu halten. Der„Kölnischen Volls-Zeitung" dagegen wollen wir bemerken, daß es uns nicht eingefallen ist, den Pnrteivorsland des Zentrums iür den Vorfall verantwortlich zu machen. lieber die Maifeier ging uns aus Lauenburg noch ei» Bericht zu, woraus zu ersehen, daß in diesem etwa 6000 Ein- wohner zählenden Städtchen am Nachmittag des 1. Mai Maurer. Zimmerer. Böttcher. Metallarbeiter und Ardeiter anderer Branchen. im ganzen etwa lö0 Mann feierten. In der Versammlung am Nachmillag sprach Bömelburg aus Hamburg. Tie Abend. sestlichkeit fand bei gesülltem Lokale statt. Alles verlief bestens. Da» ist jedenfalls sehr erfreulich, aber noch erfreulicher wär'I gewesen, wenn die Lauenbnrger Parteigenossen den Bericht 14 Tage früher gesandt hätten. In N e w- Y o r k ist die diesjährige Maifeier unter sehr be« deutender Betheiligung vor sich gegangen. In Bilbao in Spanien sollte es am 1. Mai zu einem Zu« sammenstohe feiernder Arbeiter mit solchen, die arbeiteten, ge- kommen sein. Das ist aber nicht wahr, sondern die gegnerische Presse hat nur folgenden Vorfall aufgebauscht: Als die Feiernden von ihrem Feste heimkamen, wurden sie von irgend einem in schmählichster Weise beleidigt. Dies halte zur Folge, daß man diesen zur Seite stieß, vielleicht gerade nicht sehr sanft, denn er fiel zu Boden. Aus diesem Umstand nahm der Gouverneur An- laß, das sozialistische Komitee verhaften zu lassen. Es wurde aber auf Befehl des Untersuchungsrichters sofort wieder entlassen. Der Gouverneur hatte durch die Verhaftung die Führer der Sozialdemokraten für die Zeit der Wahlen unschädlich machen wollen. Nun, es ist ihm nicht gelungen. ** Polizeiliches, Gerichtliches te. — In der bürgerliche» Presse ist ein mächtig Gezeter dar- über, daß in E l b i n g bei einer polizeilichen Beschlagnahme von Büchern und Schriften, die auf Requisition der Berliner Polizei erfolgt war, dem betreffenden, bei dem gehaussucht wurde, auch eine Ausgabe des preußischen Vereinsgesetzes, und zwar die vom Amtsrichter Lisco verfaßte, beschlagnahmt worden ist, und daß er dieses am 20. November 1894 beschlagnahmte Buch erst Ends März dieses Jahres wieder erhielt. Wir finden daran gar nichts Verwunderliches, denn bei den Beschlagnahmen von Schriften, womit unsere Parteigenossen heimgesucht werden, kommt ähnliches so oft vor, daß es uns wundern würde, wenn das Gegentheil der Fall wäre. — In Solingen hat daS Schöffengericht die Parteigenossen Lohr und Jung aus Gräfrath zu je 5 M. Geldstrafe oder 2 Tagen Haft verurtheilt, weil sie bei einer Versammlung 10 Pf. Entree ohne polizeiliche Erlaubniß erhoben hatten. Ihr Einwand, daß in Urlheilen des Kammergerichls nur das frei- willige Eutree als der polizeilichen Erlaubniß bedürftig erklärt sei, wurde zurückgewiesen. Die„Bergische Arbeiterstimme" hat nicht den geringste» Zweifel, daß die von beiden Verurtheilten ein- gelegte Berufung von Erfolg sein wird. Sie erinnert dabei an ein anderes Urlheil desselben Gerichtshofes. Danach halte das Schöffengericht de» verautworilichen Redakteur der„Äergischen Arbeiterstimme" verurtheilt, weil er das Pflichtexemplar nicht rechtzeitig an die Polizei abgeliefert hatte, eine Sache, die be- kanntlich nnr de» Verleger, nicht den lliedakleur angeht. Das Elberfelder Landgericht hob natürlich das scltsanie Urtheil auf und erkannte außerdem auf Erstattung der Vaarauslagen jc., die der Angeklagte durch de» Prozeß gehabt hatte. — Bei der Gemeiuderathswahl in dem sächsischen Orte Reinsdorf hatten b0 Personen ihr Wahlrecht nicht ausüben können, weil der'Andrang so groß war, daß sie bis zum Schluß der Wahl um 6 Uhr nicht chatten an die Urne kommen können. Irotzdem sie sämmtlich im Wahllokal anwesend waren. Obwohl das Dorf fast eine Stunde lang ist, war nur ein Wahllokal beschafft. Die so um ihr Wahlrecht gekommenen beschwerten sich darüber bei der Amtshauptmnnnschaft, was nichts half, und hieraus bei der Kreishauptmannschaft, die ihre Beschwerde gleich- falls zurückwies. Tie Amtshauplinannschast hat es überdies ab- gelehnt, dem Gemeinderath anheimzugeben, wie früher die Mahlzeit bis um 7 Uhr auszudehnen oder ein zweites Wahllokal zu errichten. — In G e r a hat der Stadtrath durch den Dr. jur. von W u r in b folgende Bekaimtmachung erlasse»:„Aus grund 8 30, 2 des Reichs- Preßgesetzes vom 7. Mai 1374 ist der 8 � des h i e r l än bis ch en Gesetzes vom V.Juli 1852, die Regelung der Presse betreffend, nicht berührt worden. Wir machen darauf aufmerksam, oaß 8 � des letzterwähnten Gesetzes lautet:„„Niemand darf auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen Druckschristen oder andere Schriften oder Bilder- werke aiisrnfen, verkaufen, vertheilen, anheften oder anschlagen, ohne daß er dazu die Erlaubniß der Oris-Polizeibehörde erlangt hat und ohne daß er de» Erlaubnißschein, i» welchem sein Name ausgedrückt seW muß, bei sich führt. Die Erlaubniß kann jeder- zeit zurückgenommen werde»."" Zuwiderhandlungen müssen nach l 8 26 der uurgedachten Bestimmung bestraft werden."— Die „Reußische Tribüne" weist dem gegenüber darauf hin, daß das ganze reußische Gesetz vom 5. Juli l3S2, also auch dessen 8 � durch das reußische Preßgesetz vom 15. Juni 1863 aufgehoben sind, was im 8 22 dieses neueren Gesetzes auch noch groß und deutlich gedruckt steht. Man werde sonach zugeben müssen, daß auf dem von Herrn v. Wurmb eingeschlagenen Wege nichts gegen die öffentliche Verbreitung von Ausrufen-c. zu machen ist. zZo»tt»»rn»rc»les. Stadtverordneteu- Versa, nmluug. Oeffentliche Sitzung voni Donnerstag, den 16. Mai 1395, nachmittags 5 Uhr. Eine große Anzahl von Gesuchen um Urlaub(darunter einS um Urlaub bis September) gelangt zur Verlesung. Der für die die H e r a b s e tz u n g der G a s p r e i s e be- treffenden Vorlagen eingesetzte Ausschuß hat die vom Magistrat vorgelegt« anderwcite Fassung der Bedingungen sür die Abgabe des Leuchtgases an Private und für die Abgabe des Kraftgases zum ermäßigten Preise von 10 Pf. pro Kubikmeter im ganzen ohne wesentliche Aenderung angenomme». Nur hinsichtlich der Herstellung von Zuleilungsröhren für das Kraftgas ist versucht worden, den Gasverbraucher» gegenüber ein größeres Entgegenkommen zu beweise», als es der ängstliche Vorschlag des Magistrals enthält. Dieser will die unentgeltliche Zu- leitung nur„in geeigneten Fälle n" zugestehen; nach dem Beschlüsse des Ausschusses soll aber die«neutgeliliche Zuleitung „in der Regel" stattfinden und die Ablehnung bezüglicher Anträge von Gaskonsumenten nur durch die Gasdeputation, nicht aber durch die Revierinspektionen ausgesprochen werden können. Die Ausschußanträge gelangen ohne jede Debatte zur An- nähme. Vor mehr alS einem halben Jahre hat die Versammlung für den Aulrag Wohlgemuth auf Verbreiterung des Fabrdammes der Potsdamer Straße von dem Potsdamer Platz bis zur Lätzowstraße einen Ausschuß eingesetzt. Dieser tagte am 6. November v. I. und ist dann am 7. Mai dieses Jahres wieder zusammengetreten. Nach längerer Erörte- rung der Hauptfrage, nämlich des Kostenpunktes sür die Er- Werbung des nicht freiwillig und»ueutgelllich abgetretenen Bor» garteulandes, hat der Ausschuß einstinimig beschlossen, der Ver» sammlnng zu ewpfehlen, den Magistrat um baldigste Einbringung einer Vorlage zu ersuche», die die Verbreiterung des Fahrdamines aus jeder Seite um zwei Meter und die Terrainerwerbung im Wege des Euteiguungsvcrfahrens in Auesicht nimmt. Auch hier leitt die Versammlung dem Ausschußantrage ohne Diskussion bei. Der Magistrat hatte in einer Vorlage den Ankauf des 2153 Quadralmeter groben Hinterlandes deS GriuidstückeS M arkusstr. 36 zum Preise von 140 M. pro Quadratmeter zu G emeindezwecken vorgeschlagen. Der Ausschuß hat das Bedürsuiß sür eine neue Schule in diesem Theile der inneren Stadt nicht anerkennen können, auch den Preis für einen so exorbitanten angesehen, daß er e i n st i m m i g die Ablehnung empfiehlt. Tie Versammlung beschließt demgemäß. Zu dem mit den Testamenlsvollstrkckern deS verstorbenen Geh. Kommerzienraths Bleichröder über die Errichlung einer in i l d e n Stiftung zur Heilung n u d P s l e g c von brustkranke» Personen zu schließende» Vertrag irird von ehreren Seiten Slus/chußberalhung beantiagt, während ander- 'veite Anträge auf vorherige Begutachtung des Vertrages durch die Krankenpflege-Deputatio» gerichtet sind. Es handelt sich um die Verwendung eines Legats von einer Million Mark, welches nach der Ansicht der Testamentsvollstrecker iinr Errichtung einer selbständigen Anstalt von wirklicher Be- dentinlg nicht ausreicht. Sie haben deshalb mit Magistrats- konnnissaren über eine Kombination dieser Anstalt mit den städtischen Krankenpflege-Jnstitntionen verhandelt und die Frucht dieser Verhandlungen ist der vorgelegte Vertrag. Derselbe nimmt den Vau des Stiftungshauses im Anschluß an das vierte städtische Krankenhans an der See- und Triftstraße als be- sonderen Pavillon in Aussicht; es sollen etwa S0 Personen Auf- nähme finden. Stadtv. Dr. Bergmann ist sehr befremdet darüber, daß der Vertrag unter Uebergehung der Krankeuhausdeputation ab- geschlossen ist. Er lehnt es durchaus ab, dieJdee desMagistrats auch nur als erwägenswerth anzuerkennen; Sanatorien für heilbare Brust- kranke gehörten nicht in ein Berliner städtisches Krankenhaus hinein. Es sei ein mehr als zweifelhaftes Experiment, welches der Magistrat hier vorschlage. Stadtv. Ka lisch schließt sich dem Antrage des Vorredners an, die Sache dem Magistrat zurückzugeben. Stadtv. Dr. Zadel: Wenn der Magistrat wirklich geglaubt bat, der sehr wichtigen und immer dringlicher werdenden Frage ter Pflege unbemittelter Schwindsüchtiger von Stadt wegen auf diesem Wege näher zu treten, so hat er sich doch mit allem in Widerspruch gesetzt, was der Sachverständigen Meinung ist. Hat der Magistrat überhaupt einen Sachverständigen wie Koch, Coruet gefragt? In Frankfurt a. M. hat man das bei der Aufmachung einer solchen Slnstalt nicht verabsäumt; bei uns scheint man dergleichen für überflüssig zu halte». Die Sachverständigen sind darüber einig, daß solche .Anstalt nicht als Appendix von Krankenhäusern, sondern selbständig errichtet werden muß(Zustimmung); sie darf nicht mitten in einer großen Stadt mit ihreni Staub und Schmutz, sondern muß auf staubfreiem, klimatisch geschütztem, 'valdreichem Terrain liegen. Die Angliederung an Kranken- Häuser widerspricht allen Ansichten, die heute über Sanatorien herrschen. Finanzielle Bedenken bestehen thatsächlich nicht. Mit 40 000 M. läßt sich in der Nähe von Berlin eine Station mit 30— SV Personen sehr wohl unterhalten, das lehren die Ergebnisse der vorhandenen Volksheilstätten. Das Terrain hätte die Stadt ja hergeben können, wenn es nicht z. B. Gütergotz vergeben hätte, ohne an diesen so naheliegenden Zweck zudenken. Jedenfalls würde die Million zu einem Ansang genügen, und nvchher stände doch nichts entgegen, aus dem Sladtsäckel für diese» humanen Zweck weitere Mittel zuzuschießen. Stadtrath B a i l: Die Stadt kann nicht allein über die Art der Einrichtung befinden; die Testamentsexekutoren haben ein gewichtiges Wort mitzureden. Den Verhandlungen mit ihnen hat Professor Leyden beigewohnt, und der hat die vor- getragenen Bedenken gegen die geplante Art der Errichtung nicht. Auf dem Terrain des Krankenhauses— 1S0 Morgen— läßt sich das Slistungshaus niit Anlagen in jedem gewünschten Umfange umgebe». Stadtv. Sachs! hält dafür, daß die Vorlage den idealen Gedanken des Sliflerp nicht verwirkliche, sondern schließlich darauf hinauskomme, der Stadt eine Million an dem Bau des Krankenhauses zu ersparen.(Sehr richtig!) Stadtv. Meyer 1 tritt gleichfalls dein Antrag Bergmann bei, ebenso Stadtv. Spin o l a, der den Magistratsvorschlag für einen in der Wurzel total verfehlte» erklärt und de» Pro- fessor Leyden, wenn er anders dem Plan zugestimmt haben sollte, für ungenügend informirt hält/ Nachdem noch Stadtv. Dr. Neumann gesprochen, wird der Autrag Bergmann angenommen. Ter Antrag Wohlgemuth, den Magistrat zu er- suchen, die Stelle eines Direktors der st ä d t i- schen Gasan st alten öffentlich auszuschreiben, wird nach längerer Debatte abgelehnt. Den Kostenanschlag für die neue G e m e i n d e- D 0 p p e l- schule in d e r S t r e l i tz e r st r a ß e 4Ia/42 mit 510 000 M. bemängelt Stadtv. Vogtherr als zu hoch, wie er den» schon wieder- holt im Rechnungsausschuß die Anschläge für einzelne Positionen als unverhältnißmäßig hoch habe bezeichnen müfleM Der Vortheil, daß nachher an den Schulbauten so und so viel erspart sei, sei in der Hauptsache imaginär, da vorher die Stenerlraft der Bürgerschaft aus grund der zu thenren Anschläge zu stark in Anspruch genommen sei. Redner beantragt zur Erörterung dieser Verhältnisse Ausschußberathung. Sladibanrath B l a n ck e n st e i n: Derartige Disserenzen kommen stets vor und werden immer wiederkommen. Will man die Details aller Kostenanschläge ins Plenum bringen, so werden wir mit den städtischen Baute» nicht weit kommen. Die Prüfung besorgt die Baudepulation. Stadtv. E s m a» n widerspricht dem Antrag auf Ausschußberathung. Stadtv. Vogtherr hebt den Widerspruch zwischen dem Stadlbauralh hervor, und bestreitet, daß bei den Submissionen das richtige getroffen werde. Ihm habe sich aus dein Studium de? Rechnungen ergeben, daß gerade die theuersten Lieferungen immer von denselben Lieferanten stammten und daß vielfach die Sätze ohne jede Rücksicht auf die veränderte Konjunktur dieselbe» geblieben seien. Der Antrag auf Ausschußberathung wird abgelehnt, das Projekt und der Kostenanschlag genehmigt. Auf arund eines dringlichen Antrages wird noch die Angelegenheit wegen der Vergebung der Kleinbahn nach Treptow dcrathen, da man in der nächsten Woche die Sitzung aus Mangel an weiterem Arbeitsmaterial ganz ausfallen lassen will. Der Ausschuß hat die Ertheilung des Zuschlags an Siemens u. Halske genehmigt, desgleiche» den Zonen- tarif, woneben dem Unternehmer überlassen bleiben soll, den Zehnpfennigtaris einzuführen; auch wegen der Aus- gäbe von Zeitkarten ist ei» besonderer Zusatz zu den Kon- zessionsbedingungcn nicht gemacht; vielniehr soll sich der Ma- gistrat in dieser Beziehung weiter bemühen. „Schwere» Herzens", erklärt der Referent D i n s e, habe der Ausschuß dem Zonentarif zugestimmt, da an diesem Punkte sonst das ganze Unternehme» gescheitert wäre. Auch bezüglich der Zeitkarten habe ein absolut ablehnendes Votum der Firma vorgelegen, so daß man sich auf eine Resolution beschränken mußte. Die Anträge des Ausschusses werden ohne Debatte genehmigt. Schluß 8 Uhr. Soziale Uebevfichk; Die Väckergenossenschaft Stuttgarts hatte den Gemeinde- rath ersucht, entgegen der rcichsgesetzlichen Bestimmung dasür z» wirken, daß Sonntags anstatt um 8 Uhr der Bäckereibelricb und das Austragen der Vackwaare erst um 9 Uhr eingestellt zu werden brauche; außerdem wurde gewünscht, es solle auch noch die Stunde von 9—10 Uhr nachts zur Arbeit freigegeben werde». Trotzdem die Sonntagsruhe der Gehilfen infolge dessen nur eine zwölsstündige wäre, hat der gefällige Gcmeinderath doch be- schloffen, das Gesuch höheren Orts zu befürworten. Wir wolle» boffen, daß man dort die soziale Bedeutung der Sonntagsruhe besser zu schätzen weiß, als im Gcmeinderath der Hauptstadt Schwabens. Die Aiifhebnug deö Schulgeldes in den Volksschulen ist auch in C a n n st a d t in Württemberg beschlossen worden. Weiter beschloß man, die Gehälter der Volksschul- und Mittel- schul-Lehrer aufzubessern. Ein Denkmal der vor Jahresfrist in Mährisch- Ost ran bei einem Zusammenstoße mit der Gendarmerie ge- fallenen zwölf Arbeiter wurde am!2. Mai unter Theilnahme vieler taufender von Arbeitern auf dem Friedhofe von P 0 l n i s ch- Ost ra u enthüllt. Zuvor fand in einem ge- schloff enen Räume eine, Versammlung statt. Dann zogen die Arbeiter unter Vorantragen von Kränzen mit riesigen rothcn Bänder», die von der Arbeiterschaft der meisten Grubenreviere, ferner von den organisirtcn Metallarbeitern in Pkziwos, Witkowitz, Bielitz und Biala gewidmet worden waren, in ge- schlossenen Reihe» nach dem Friedhofe. Hier hielten Vertrauens- leute trotz der großen Menschenmenge vollkommene Ruhe und Ordnung aufrecht. Nach vollzogenem Aufmarsch und nach Niederlegung der Kränze fiel die Hülle des Denkmals, das sich als einfacher schwarzer Marmorobelisk mit der Inschrift prä- sentirt:„Den gefallenen Genossen im Ausstande der Bergarbeiter am 9. Mai 1894 von der zielbewußten Arbeiterschaft des Reviers. Ehre' ihreni Andenken!"(Folgen die Namen der zwölf Ge- fallenen.) Die Feier verlief ohne jede Störung. Genrerkslhaftliiktss. An die Btreau- Angestellten Teutschlands? Eine sehr stark besuchte öffentliche Versammlung von Berufsgenossen, die im Februar d. I. in Berlin tagte, hat die Gründung eines Zeutralvereins der Bureau-Angestellten, der sich über ganz Deutschland erstrecken soll, beschlossen. Nicht nur auf die An- gestellten der Rechtsanwälte oder Gerichtsvollzieher, der Berufs- genossenschaften oder Kraukenkassen oder auf die Angestellten sonst irgend eines Spezialfaches unseres Berufes soll sich der Zenlralverein erstrecken, nein! alle Arbeiter der Feder, soweit sie nicht gelernte Kaufleute sind, ganz gleich, an welchen Unternehmer sie ihre Arbeitskraft verkaufen, sollen sich zusammenfinden in der Organisation; denn sie alle leiden gleichmäßig unter den in unserem Berufe herrschenden menschenunwürdigen Zuständen, sie alle haben gleiche Interessen. Es ist jedem Kollegen ermöglicht, vorläufig als Einzelmitglied sich der Organisation anzuschließen, bis es uns gelungen sein wird, in allen größeren Städten Zahl- stellen zu errichten. Darum Kollegen, die Ihr nicht gewillt seid, das immer schwerer lastende Joch stillschweigend zu tragen, die Ihr durch Eurer und Eurer Familien Roth zu der Erkenntniß gelangt seid, daß unser jetziges Leben eine end- lose Kette von Leiden und Trübsal, von Elend und Entbehrung ist, schließt Euch Mann für Man» der Organisation an und es wird dann gelingen, unsere Lebensverhältnisse zu verbessern. Nur durch gemeinsames Handeln werden wir vorwärts kommen. Alleinstehend müssen wir dem Drucke erliegen. Einigkeil führt zum Siege. Beitrittserklärungen sind an den Unterzeichneten zu richten. G. Bauer, 14., Bergslr. 2, II, Vorsitzender des Zeutralvereins der Bureau-Angestellten Teutschlands(Sitz Berlin). blH. Alle Arbeiterblätlcr werden freundlichst um Abdruck gebeten. In Osterwieck am Harz habe» sich den seit 14 Tage» streikenden 46 Zurichter» und Tollircrn der Knabe' schen Lederfärberei am Dienstag SS Färber angeschlossen, weil ein Arbeiter, der in einer Gewerkschnstsversammluug die verbesserungsbedürftigen Lohn- und sonstigen itirbeitsverhältnisse der genannten Fabrik einer Kritik unterzogen halte, gemaßregelt worden ist. Ferner handelt es sich bei dem Ausstand um das Verlangen nach Lohnaufbeffernng, paffenderer Behandlung der Arbeiter und besserer Reinigung der Werkstätte. Die Streikenden bitten ihre auswärtigen Kameraden um Vermeidung des Zuzugs. Die Maurer und Stciuhaner Nürnbergs haben zum theil die Arbeit niedergelegt und ersuche», de» Zuzug fern- zuhalten. In Karlsruhe habe» sich die Ri a le r, A..» c-c ch er und Lackirer der in diesem Geiverbe vor sich gehenden Be- wegung um Verkürzung der Arbeitszeit nugeschlosscn. Sie fordern g>/sstüudige Arbeitszeit für Malergehilfen und Mindestlohn von 38 Pfennigen pro Stunde; für Anstreicher einen Lohn von SS Pfennigen. Die Textilarbeiter Rheinland- Westfalens halten am ersten Pfingstseiertage von vormittags 9 Uhr an iuCreseld im Lokale von Nebert eine Konferenz ab. In Wien haben 47 Gehilfen der Sch»hwaaren-Fabrik von Albert G s ch w i n d in Mariahilf die Arbeit eingestellt, weil ma» ihnen verboten hatte, ihre Speisen und Getränke zum Früh- stück und Vesper ans dem Gasthaus holen zu lassen. Ans Mährisch-Ostrau wird unterm 16. Mai gemeldet: Nachdem mehrere Führer der K 0 h l e n a r b e i t e r den Zeit- punkt als ungünstig bezeichnet hatten, ist der für gestern angesagt gewesene Ausbruch eines Streiks unterblieben. Die tvestböhmischen Vrrgarbeiter faßten am 12. Mai auf einer Vertrauensniäuner-Konfercnz in G r a n e s a u in Be- ziehung auf die Frage eines Massenstreiks, als des letzte» Mittels zur Erringung wirthschaftlicher Forderungen, sowie des all- gemeinen Wahlrechtes, den cinslimmigcn Beschluß, sich nur dann für dieses Mittel zu entscheiden, wenn die am 16. d. M. in Pilsen tagende Konferenz der Bergarbeiter Böhmens aus allen Orten besucht ist und wenigstens zwei Drittel der anwesenden Delegirten zum Massenstreik ihre Znstimmnng gebe». Ans der Schweiz. Der Dachdecker streik in G e n f ist durch Vermittlung des Staatsralhes Palru beendigt. Die Schneider in Luzer» haben durch gütliche Unterhandlung mit den Meister» eine Lohnerhöhung errungen; nur in dem Ge- schäste von J.Krell konnte nichts erreicht werden, iveshalb der Schneiderfachverein über dasselbe die Sperre verhängt hat. Die Brauer in Bern haben»ach der nun vorliegenden Arbeits- ordnung erreicht: einen Miuimallohn von 66 Fr. für 12 Arbeits- tage für Brauer, die in der Brauerei, und von 71 Fr. für die, die außerhalb der Brauerei wohnen; ferner die 10 stündige Ar- beitszeit, Entschädigung der Ueberstunden mit 7S Cts. resp. 90 Cts. und die Beschränkung der Sonntagsarbeit auf 2 Stunden, sowie Entschädigung jeder weiteren Stunde mit 90 Cts. Die Maurer in Bern sind, ermuthigt durch den Erfolg ihrer Basler Kollegen, nun ebenfalls in die Lohnbewegung eingetreten. Verls intttluttgen. Ter deutsche Holzarbeiter- Verband nahm in seiner außerordentliche» Geueraivcrsamiulung am 23. April den Bericht der Delegirten vom Verbandstag entgegen. Allgemein wurde von den Delegirten geklagt, daß nian den Anträgen der Berliner Zahlstelle gegenüber eine Voreingenommenheit bekundete. Es sind deshalb auch alle Anträge bis auf diejenigen, betreffend die Reiseunterstützung abgelehnt. In der Diskussion sprachen sich die Redner zustimmend zu der Stellung der Delegirten aus und ge- langte sodann folgende Resolution zur Annahme: Die General- Versammlung billigt das Verhalten ihrer Delegirten auf dem Kongreß zu Erfurt, vcrurtheilt dagegen ganz entschieden die Voreingenommenheit, mit welcher die Mehrzahl der Berliner Anträge abgelehnt wurden, die nach bester Ueberzeugnng zum Nutzen des Verbandes gestellt wurden. Hieranf wurde die Mahl des Ausschusses vollzogen, in welchen die Mitglieder Hinz, Schmidt, Grunert, Schneider, Fröhlich, Koblenzer, Neuman» und Dost gewählt wurden. Am 7. Mai tagte die ordentliche Generalversammlung des Verbandes, um zunächst den Kaffenbericht entgegen zu nehmen. Der Bericht gestaltet sich folgendermaßen: Einnahme für die Hauptkaffe 8467,72 M.. Ausgabe S604.80 M.; bleibt ei» Bestand von 2362,92 M. Für die Lokalkasse ginge» ein 3463,76 M., die Ausgabe betrug 2063,13 M.; bleibt ein Bestand von 1400,57 M. Sodann giebt der Vermittler vom Arbeitsnachweis- Bureau eine Uebersicht über den Gcschästsvcrkehr. Es gingen 898 Offerten ein, während sich 1812 Arbeitsuckende im Bureau meldeten. Die Werkstatt- Kontrollkommission hielt 42 Sitzungen ab, zu welchen 84 Werkstätten mit 673 Kol- legen eingeladen waren. Belheiligt haben sich an diesen Sitzungen nur 375 Berufsgenossen, und waren von diesen 200 orgauisirt. Von den. Beisitzern wird vielfach über den schlechten Besuch der Versammlungen geklagt. Eine Ausnahme bilden die Kollegen der Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt. Die Ver- sammlung beschloß sodann, die Mitglieder Lehmann, H. Pretzel, Munto, Schirmer, W. Donath, H. Döring und Naß, da sie in der Werkstatt von Weiß als Streikbrecher die Interessen der Organisation verletzt haben, vom Verband auszuschließen. Ein Antrag, für die hiesige Zahlstelle eine obligatorische Extrasteuer einzuführen, wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. Der Vorsitzende Glocke giebt am Schluß bekannt, daß für die streiken- den Kollegen in Schmölln Sammellisten ausgegeben sind. Er ersucht die Mitglieder, recht fleißig hiervon Gebrauch zu machen. Mit der Abrechnung und Neuwahl der Agitations- kommission befaßte sich eine öffentliche sehr mangelhaft besuchte Branereiarbeiter- Versammlung am Mittwoch Abend. Vom 15. Oktober 1893 bis 15. Mai 1394 hatte die Kommission verausgabt 632,40 M., die Einnahme schließt mit derselben Summe ab. In der Zeit vom 19. April 1895(die Abrechnung vom 15. Mai 1894 bis 19. April 1395 ist schon früher ersolgt) bis 15. Mai 1895 wurden eingenommen 2164,69 M. Darunter der auf die Brauer entfallene Restbetrag aus den all- gemeinen Sammlungen im Betrage von 1007,72 M., vom Ver- band 600 M., freiwillige Beiträge 501,65 M. Für Unterstützuiigen sind in dieser Periode ausgegeben 1570,70 M. Mit den anderen kleineren Beiträgen ist die Gesammtausgabe 1785,60 M. Der Kassenbestand ist demnach 379,09 M. Zu unterstütze» sind noch 26 Mann mit 32 Kindern. Der Kassierer Eiermann ersucht zur Revision eine dreigliedrige Kommission zu wählen, die in nächster Versammlung Bericht erstatten soll. Gewählt wurden: Steiner, Käppis ch und V 0 g e l. Die Wahl der neuen Kommission unterblieb. Als die Vorschläge dazu gemacht wurden, entstand eine ausschweifende Debatte, die wiederzugeben darum kein Anlaß vorliegt, weil persönliche Diffc- renzen zum Ausdruck gebracht und die Fehler einzelner Personen während des Boykotts erörtert wurden— Dinge, die meist schon wiederholt vorgetragen und de» Lesern des„Vorwärts" zur ge- nüge bekannt sind. Da es nicht möglich war, die sieben Personen, welche die Kommission bilden sollen, zusammenzubringen, so wurde schließlich ein Antrag Strigg angenommen, der besagt, daß die Hilfsarbeiter und die Brauer in separaten Versammlungen ihre Vertreter wählen sollen. Solange bis die neue Kommission zusamnientritt, soll S ch» e i d e r die Kassengeschäfte weiterführen. — Um Mitternacht fand die Versammlung ihr Ende. Der Punkt: Anträge zum Arbeitsnachweis, wurde gleichfalls bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. GevilfckSrBeiknng. Das amtliche Versehen eines Amtsvorstehers hat dem Vorsitzenden der Orts-Krankenkasse in Marzahn, dem Schneider- meistcr Karl Lehmann daselbst, eine Menge ganz überflüssiger Bemühungen gemacht. Lehman» stand heute wegen Beleidigung des Ehren-Amtsvorstehers von Marzahn, Bauer Dubick, vor der dritten Strafkammer am Landgericht II. Es war ein charakteristisches Bild, welches der Verlheidiger, Rechtsanwalt Dr. Grelling, dem Gerichtshöfe aus der Prozeßgeschichle des An- geklagten hervorhob. Der letztere hatte einen Gesellen, der sich auf die Wanderschaft begab und nnterwegs sein Arbeitsbuch verlor. Der Geselle schrieb an den Amtsvorsteher in Marzahn und bat um Aus- stellung eines neuen Arbeilsbuches. Der Amtsvorsteher, welcher dem Vorsitzenden der Orts-Krankenkasse nicht den gewünschten Einfluß auf die Verivaltung abringen konnte, war auf Meister Lehmann ohnehin nicht gut zu sprechen. Jetzt mag er wohl kalkulirt haben:„Das Arbeitsbuch hat der Meister gewiß in Händen gehabt und nicht herausgegeben", er erließ daher sofort ei» Strafmandat gegen den Meister, doch frug er erst einige Tage später bei dem Gesellen in der Fremde an, ob seine Kalkulation richtig sei. Dieser er- widerte ihm umgehend, er habe das Buch, wie bereits angezeigt. verloren. Dasselbe schrieb der Geselle aber auch an den Meister und nun schrieb dieser— der indessen gegen das Mandat Ein- spruch erhoben hatte, um die Rechtskrast aufzuhallen— an den Amtsvorsteher, derselbe möge der Kürze halber das zu unrecht erlassene Mandat zurückziehen, damit er nicht erst zum Gericht müsse, andernfalls würde er bei der vorgesetzten Behörde, dem Landrath, Beschwerde führen. Ter Zlmtsvorsteher zog das Mandat nicht zurück, es kam der erste Termin und Lehmann wurde auf grund des klare» Sachverhalts ohne weiteres freigesprochen. Der Staat mußte die Kosten tragen. Nun kam der zweite Termin, denn der Amtsvorsteher hatte wegen Nöthigung Anzeige erstattet, die in dem Gesuch un> Zurücknahme des Mandats gefunden werden sollte. Der Gerichtshof fand darin eine Nöthigung nicht, sondern war der Meinung, der Angeklagte habe nur von einein ihm zustehenden Rechte Gebrauch gemacht. Es wurde aus Freisprechung erkannt und der Staat trug die Kosten des Versahrens. In der Zwischenzeit hatte Lehmann mit einem Gendarmen im Lokale Bier getrunken und hatte, als die Rede auf de» Aintsvorsteher kam, geäußert:„Der Amtsvorsteher ist seinem Amte nicht gewachsen, er unterschreibt unbesehen, was ihm seine Leute vorlegen!" Das wurde dem Amtsvorsteher hinter- bracht, der sofort Strafantrag wegen Beleidigung stellte. Der dritte Termin fand vor dem Schöffengerichte statt. Dasselbe fand in den inkriminirten Worten nur eine Kritik der Befähigung des Amtsvorstchers. die noch keine Beleidigung enthalte. Es wurde auf Freisprechung erkannt und dem Staate wurden die Kosten auserlegt. Nun legte der Staatsanwalt Berufung ein und heute— im vierten Termin— beantragte er Bestrafung. An diese Sachdarstellung knüpfte der Bertheidiger die Ueber- zeugung, daß aus verschiedene» juridischen Gründen eine Ver- urtheilung nicht erfolgen könne. Nach langer Berathung erkannte die Straskammer, daß eine Kritik der Fähigkeit eines Beamten »och keine Beleidigung sei, hier'verde aber dem Beamten eine Pflichtwidrigkeit vorgeworfen, insofern, als ihm nachgesagt werde. er gebe seine Unterschrift her, ohne zu prüfen, zu welchem Zweck. Eine Beleidigung liege daher in objektiver Hinsicht vor. Indessen war dem Angeklagten nicht zu bestreiten, daß er in Wahr- nehmung berechtigter Interessen handelte. Ihm war offenbar Unrecht geschehen und im Verfolg seines Rechtes habe er die inkrimin irte Aeußernng gethan. Der Angeklagte war daher frei- zusprechen, die Kosten fallen der Staatskasse zur Last! DezreNften. Wolff'S Telegraphen-Bureau. Laibach, 16. Mai. Geringe Erdschwankungen dauern noch fort. Jede Nacht 2 bis 3 leichte Stöße zu verspüren, welche jedoch keine Beunruhigung niehr hervorrufe». Auf den Sirocco folgte während der Nacht Nordsturm mit Gewitter und Regen- güssen. Um 10 Uhr vorniittags trat Schneefall ein. Tie Unter- bringnng der Wohnungslosen in die Baraken erfolgt nunmehr mit größerer Beschleunigung. (Devescheu-Rureau Herold.) PariS, 16. Mai. Heute wird in die Kammer die von den sozialistischen Abgeordneten angekündigte Interpellation über die Rede des Ministerpräsideutcn Ribot in Bordeaux eingebracht werden. Fast sämmtliche sozialistische Abgeordnelen werden das Wort ergreifen. Die Debatte über die Interpellation dürfte lyehrere Sitzungen in Anspruch nehmen, wird voraussichtlich aber er» nach Beendigung der Diskussion über die Getränkesteuer statt- finden. Verantwortlicher Redakteur: I. Ticrl(Cmil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Vadivg iu Berlin L)V.. Benthstraße 2. Hierzu eine Beilage. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 114. Freitag, den 1?. Mai 1893. 12. Jahrg. Pni'Iamcnf�ttecirtjfc. Deutscher Reichstag. 94. Sitzung u o m 16. M a i 1893, 1 Uhr. Am Bundesralhstische: v. Bvtticher.v. Marschall. Bronsart v. Schelle Udorfs, Holl mann, Nieder- ding, Graf P o s a d o w s k y. In der dritten Berathnng des Gesetzentwurfs über den Beistand bei Einziehung von Abgaben und Voll st reckung von Vermögens st rasen ergreift das Wort Abg. Stadthagen(Soz.) hat gegen die Vorlage erhebliche Bedenken. Diese richten sich namentlich gegen die Bestimmung, daß die Behörden verschiedener Bundesstaaten einander ans Er- suchen Beistand zu leisten zum Zweck der Durchführung des Ber- waltungs-Strafverfahrens und zum Zweck der Vollstreckung von Vermögeusstrafen, welche gemäß Z 453 der Straf-Prozeßordnung durch polizeiliche Verfügung oder gemäß§ 191 der Seemanns- Ordnung vom 27. Dezember 1872 durch Bescheid eines Seemanns- Amtes festgesetzt worden sind und daß auch die durch ein gerichtliches oder Vcrwaltungsverfahren entstandenen Gebühren und Auslagen unter dies Gefetz faste» sollen. Die einzelnen Bundesstaaten würden ihren Arm zum Vollzüge von Strafen fauch dann Herl geben müssen, wenn ein materielles Unrecht vorliege. Im Grunde komme dies Gesetz nur auf eine Machlverstäckung des preußischen Staates zn Ungunsten der übrigen deutschen Patrikularstaaten hinaus und diese Machtcrweileruug sei um so bedenklicher, als in Preußen die Verwaltung höher stehe und weiter gehe, als die ordentlichen Gerichte. Wieder- holt hat man sicb in Preußen sogar über Reichsgesetze hinweggesetzt, was Redner durch mehrere Beispiele erläutert. Nun soll auch noch das geringe Maß von Selbständigkeit, welches die kleinen Staaten Preußen gegenüber noch besitzen, vernichtet werden. Tie sozialdemokratische Partei kann einem solchen Ver- such nicht zustimmen. Das Haus genehmigt die Vorlage in dritter Berathung end- giltig; ebenso ohne weitere Debatte die Gesetzentwürfe betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Personen des Soldaten st andes vom Feldwebel ab wäris und betreffend Aenderungen des Reichsinvaliden sondsgesetzes. Es folgt die erste Berathnng des zweiten Nachtrages zum R e i ch s h a u s h a l t s- E t a t(betreffend das Kanalamt für de» Nordostsee-Kanal. und Zuschuß zu den Ausgaben für die Kolonien) und des Nachtragsetats für die Schutz- gebiete. Abg. Graf Limburg-Ttirum(k.): Die Vorschläge der ver- bündeten Regierungen, in bezug auf die Verwaltung des Nord- ostsee- Kanals sind mir vom budgetmäßigen Standpunkt so be- deuklich, daß ich beantrage, den Etat der Budgetkommmission zur Prüfung zu überweisen. Tie Verwaltung des Nordoslsee-Kanals ist viel zu großartig und viel zu opulent ausgestattet. Man scheint zu glauben, daß, weit der Kanal an sich ein großartiges Werk ist, nun auch die Verwaltung desselben eine großartige sein müßte. Das ist aber nicht der Fall; was der Kanal gekostet hat, ist in die Erde hineingesteckt worden, erzeugt aber keine großen Verwaltungs- und Betriebskosten. Wir haben bisher noch keine Reichs- Baninfpcktoren, Reichs- Maschineninspektoren, Reichs-Lootsen u. s. w. gehabt, und diese Beamten werden höher besoldet, als die neben ihnen amtirenden entsprechenden preußischen Beamtenkategorien. Das muß Uuzu- friedenhcit erregen. Wäre der Kanal von Preußen erbaut worden, dann würde er erheblich billiger verwaltet werden. Staatssekretär v. Bötticher: Gegen den Vorschlag des Vorredners habe ich einen Widerspruch fnicht zu erheben, ob- gleich es für die Verwaltung sehr wünschenswerth ist, angesichts der bevorstehenden Eröffnung des Kanals zu wissen, wie die Stellen dotirl werden sollen.(Zuruf des Grafen Limburg: Wenn die Regierung alles überhetzt, dann soll der Reichstag es nachher büßen!) Das klingt beinahe so wie die gestrige Aeußerung des Herrn Singer, daß der Bundesrath den Reichstag mit souveräner Verachtung be- handelt. Ich habe einen Widerspruch gar nicht erhoben und werde also die Kommissionsberathung mit Gelassenheit ertragen. Von einer unerhörten Opulenz bei der Ausstellung des Etats ist gar keine Rede, denn für jede einzelne Etatsposition ist ein Analogon aufgeführt worden; man hat nicht blas die Gehälter einfach festgesetzt, sondern die Festsetzung genau begründet. Der Grund, daß Preußen billiger verwalten könnte, ist nicht geltend gemacht und auch nicht begründet. Mit dem 1. Juni wird die volle Tiefe des Kanals hergestellt sein und die volle Breite, die größer ist als die des Suez- kanals. Daß Rutschungen eintreten können, kann ich nicht in Abrede stellen. Abg. Lieber(Z.): Wenn eine so große Fraktion, wie die der Konservativen, die Ikommissionsberathung beantragt, so ent- spricht es der Gewohnheit des Hauses, dem nicht zu wider- sprechen. Die Organisation einer ganz neuen Reichsbehörde muß in der Budgetkommission eingehend geprüft werden. Es wird untersucht werden, ob zweckmäßiger durch das Reich oder durch Preußen zu verwalten ist. Abg. Hamwacher(natl.) erkennt das Bedürsniß für den Nachtragselat an, hält aber eine Koiinnissionsberalhung für nolhwcndig. Auch nach meiner Ueberzengung ist der Rahmen der Kanalverwaltung viel zu weit gefaßt worden; man kann die Verwaltung viel einfacher und billiger gestalten. Es scheint auch hier ein bureaukratischer Geist vorgewaltet zu haben, der weniger den praktischen Bedürfnissen als allgemeinen Vorurtheilen gefolgt ist. Es wird sich bald an der Hand der Erfahrung zeigen, daß der Organisationsplan der Reform bedürftig ist; deshalb sollte die Organisation so lose und leicht wie möglich gestaltet werden, damit sie leicht geändert werden kann. Abg. Richter(srs. Vp.): Herr Lieber hat es mit Recht ge- tadelt, daß die Einzel-Landte.ge sich in die Angelegenheilen des Reiches mischen."Das trifft auch zu in bezug auf den Währungsantrag im Abgeordnerenhause. Es handelt sich dabei um eine Reichsangelegenheit; leider aber trägt dieser Antrag auch die Unterschrift des Abg. Libcr(Heeiterkeit). Was die Ausgaben für die Kanalverwaltung betrifft, so würde es wünschenswerth sein, die Verwaltung so zu gestalten, daß einer definitiven Entscheidung nicht vorgegriffen wird. Wir kennen jetzt den Abschluß der Reichseinnahmen im Jahre 1834/95, wir werden auch morgen vielleicht die Einnahmen des April erfahren und daraus wird sich ergeben, daß die Mehreinnahmen diese Ausgaben decken. Ich begreife die Herren vom Bundesrath nicht. Sonst klagen sie immer über die Höhe der Matrikularbeilräge und namentlich über deren nach- träglich« Erhöhung, die so schlimm einwirkt; wen» das Automaten- gesetz schon in kraft wäre, müßten neue Einnahmequellen eröffnet werden. Das muß auch jetzt möglich sein. Abg. Graf Limburg-Stirum(k.): Ich bin einer der Antragsteller des Währungsantrages und muß erklären, daß wir es uns nicht nehmen lassen, die preußische Regierung darüber zur Rede zu stellen, welche Haltung sie im Bundesraih zu diesen Fragen einnimmt. Wie soll das Geld für die Kanalverwaltung anders beschafft werden als durch die Matrikularbeilräge; die künstliche Vermehrung der Einnahme, die Herabminderung der Spannungen war nur darauf berechnet, die Tabaksteuer zu Falle zu bringen. Das haben Sie erreicht, was wollen Sie also noch mehr.(Sehr richtig! rechts; Heiterkeit.) Ich will nicht die ganze Verwaltung des Kanals an Preußen übertragen. Die Entscheidung über die Tarife u. f. w. würde Reichssache bleiben und Preußen würde nur mit der einfachen Verwaltung beauftragt werden. Es wird wohl nichts anderes übrig bleiben als ein Pauschalquantum zu bewilligen und die definitive Entscheidung uns vorzubehalten. Denn wenn die Position bewilligt und die Stelle eingerichtet ist, wie sollen wir sie nachher wieder beseitigen? Abg. Lieber(Z.): Das Recht der Einzellandtage, ihre Ne- gierungen wegen ihrer Abstimmung im Bundcsrath vor das Form zu ziehen, habe ich niemals bestritten. Ich stehe nur als Unterstützer unter dem Währungsnntrage im Abgeordneten- Hause; das ist mehr oder weniger ein Akt der Höflichkeit, damit die Sache zur Verhandlung kommt. Staatssekretär v. Bötticher: Der Gedanke, ein Pausch- qnantum zu erbitten für die erste Zeit lag außerordentlich nahe) Wenn ivirs diesem Gedanken nicht Folge gegeben haben, so hat das seinen Grund darin, daß wir auf die Beamten Rücksicht nehmen wollten, die bei der Kanalkommission kommissarisch mitgewirkt haben, und die sich danach sehnten, definitiv angestellt zu werden. Ich hoffe, daß wir die Herren davon überzeugen werden, daß es doch wohl gerathener ist, eine definitive Organisation zu schaffen. Abg. Richter(srs. Vp.): Das formelle Recht der Einzel- landtage, Reichstags-Angelegenheiten zur Sprache zu bringen, habe ich nicht bestritten, es fragt sich nur, welchen Gebrauch man davon macht. Darauf werden beide Nachtragsetats an die Bndgetkommifsion verwiesen. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend Abänderungen des Zucker st euer-Gesetzes. Nach den gegenwärtig geltenden Bestimmungen beträgt bis zum 31. Juli 1895 die Zuckerstenerausfuhr-Prämie für Rohzucker und raffinirten Zucker von 99 bis 93 pEt. Zuckergehalt 1,25 M.; für Raffinaden- und Krystallzucker von mindestens 98 pEt. Zucker- gehalt 2 M.; für sonstigen Zucker von mindestens 93pCt. Zucker- gehalt 1,65 M. für 199 Kilogramm. Vom 1. August ab sollen sich die Prämien um je 25 Pf. ermäßigen. Die Vorlage will die jetzt bestehenden Prämien bis zum 31. Juli 1397 unverändert lassen. Ein Antrag des Abg. Paaschs(natl.) will die Prämien in den drei Klaffen auf 4, 5,25 und 4,69 M. festsetzen und zur Deckung der dadurch entstehenden Mehrausgaben eine Betriebs- abgab« von den Fabriken erheben, die mehr als 29 999 Doppel zentner Zucker produziren und zwar für die ersten 5999 Doppel- zentner über 29 999 hinaus 19 Pf., für die zweiten 29 Pf. u. s. w., für jede ferneren 5999 Doppelzentner je 19 Pf. mehr. Dieser Antrag wird zusammen mit der Vorlage berathen. Abg. Paasche beantragt, seinen Antrag von der Tages ordnung abzusetzen, weil dadurch die Erledigung der Regierungs- vorläge gefährdet werden könne. Abg. Meyer-Halle(frs. Vg.): Wenn der Mantel fällt, muß der Herzog nach; deshalb beantrage ich, auch die Vorlage von der Tagesordnung abzusetzen. Abg. Lieber(Z.) hält die gleichzeitige Berathnng beider Dinge für nothwendig. Präsident v. Buol erklärt, daß er auf Wunsch von ver schiedenen Seiten, namentlich auch des Abg. Paasche selbst, den Antrag mit auf die Tagesordnung gesetzt habe, weil derselbe eng mit der Vorlage zusammenhänge. Abg. v. Frege(k.) schließt sich den Ausführungen des Abg. Lieber vollständig an. Abg. Paasche: Ich hoffte, daß mit der Vorlage mein Antrag an eine Kommission verwiesen werden könnte; da eine Kommissionsberathung nicht mehr möglich ist, so wollte ich meinen Antrag heute nicht zur Berathung stellen. Ich ziehe meinen Widerspruch zurück. Abg. Meyer-Halle hält seinen Antrag aufrecht. Die Absetzung der Vorlage von der Tagesordnung wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen ad gelehnt. Abg. Singer beantragt darauf die Vertagung der Sitzung und bezweifelt gleichzeitig die Beschlußfähigkeit des Hauses. Der Namensaufrus ergiebt die Anwesenheit von nur 169 Mitgliedern, während 199 zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind. Die Sitzung muß abgebrochen werden. Schluß 31/2 Uhr. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr. (Novelle zum Zuckersteuergesetz; Petitionen.) Uoktsles. In Köpenick soll am Sonntag ein Flugblatt verbreitet werden. Die Parteigenossen werden um rege Betheiligung er "licht. Tresspunkt früh 7 Uhr im Restaurant Schulz, Schöner- linderstraße. Vereine it., welche nach H e e g e r m ü h l e AuSflüge machen wollen', werden ersucht, sich vorher an den Vertrauens mann Jakob H ä rsi n g, Maschinist zu Heegermühle, zu wenden, da den Parteigenossen im Orte selber kein einziger Saal zur Verfügung steht. Tritt der Magistrat in die Fußstapsen der maßregelnden Kühncmänner? Fast möchte man es glauben, wenn man die folgende vom„Berk. Tagebl." gebrachte Nachricht liest:„Ein eigenartiger Konflikt ist zwischen der Direktion des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain und dem daselbst angcstcUten Assistentenpersonal zum Ausbruch gekommen. Wie uns berichtet wird, ist sämmtlichen Assistenzärzten seitens des Magistrats zum 1. Juni gekündigt worden, weil dieselben sich angeblich eines unbotmäßigen Verhaltens gegen die Direktion schuldig gemacht haben." Es muß denn doch irgend ein Grund zum unbotmäßigen Verhalten vorgelegen haben. Sache der Parteien wird es sein, schleunigst die Angelegenheit aufzuklären. Die freie Wissenschaft im Polizeistaate. Ten polnischen Stndirenden der Berliner Universität, ebenso wie kürzlich den polnischen Stndirenden der polytechnischen Hochschule, ist ans grund eines Ministerial-Erlasses der sofortige Austritt ans dem polnischen wissenschaftlichen Verein in Berlin aufgegeben worden Im Falle Nichtbefolgung dieses Befehls sei vom Universitäts- richter sofortige Relegation angedroht worden. Das ist preußische Kultur! Veachteuötvcrthe Nuschanunaeu hegt das hiesige Polizei- Präsidium über das in Arbeiterlokalen verkehrende Publikum. Der Schankwirth Grube in der Maricndorferstr. 5 hatte um Verlängerung der Polizeistunde bis 12 Uhr nachgesucht. Er er- hielt einen abschlägigen Bescheid mit der Motiviruug, daß für das bei ihm verkehrende Publikum die Polizeistunde 11 Uhr genüge; überdies sei er wiederholt wegen Uebertretung der P-lizeistunde bestraft worden. Für Lokale, in denen Dirnen sich zahlungsfähigen Lüstlingen feilbieten, genügt selbst die Polizei- stunde bis 12 Uhr nicht; die Fleischmärkle dürfen im Gegensatz zu anständigen Arbeiterlokalen vielmehr die ganze Nacht hindurch geöffnet bleiben. Die Extrafahrt des Dampfbahnkönigs. Die Zustände auf der Berliner Dampfstraßenbahn werden recht drastisch durch folgenden Vorfall illustrirt: Herr Hermann B a ch st e i n, der Eisenbahnbau-Unternehmer und Herrscher über die Dampfstraßen- bahnen unternahm am verflossenen Sonntag eine Extrafahrt aus der Strecke Steglitz— Nollendorfplatz. Der Wagen, in dem er fuhr, kollidirte an der Akazienstraße beinahe mit einem fahrplan- mäßigen Zuge. Der Streckenwärter, der nämlich nichts von der Ankunft des Wagens wußte, war im Moment gerade zum Wasserholen fortgegangen, da die Kurve begossen werden mußte. Herr Vachstein ordnete die sofortige Entlassung des alten Mannes an, der gewiß seinen Posten nicht verlassen haben würde, wenn er von der Ankunft des Extrawagens eine Ahnung gehabt hätte. Im weliteren Verauf der Fahrt traf der Wagen an der Kreuzung der Goltz- und Grunewaldstraße mit einem zweiten Wagen der Wilmersdorfer Strecke zusammen, dessen Schaffner gleich den meisten anderen Angestellten den„Chef" noch nie gesehen hatte und auch sonst über die Jnspektionsfahrt nicht unterrichtet war. Diese Umstände führten dazu, daß der Schaffner das Verbrechen beging, den Herrn„Ches" aus der Fahrt nicht zu grüßen. Sogleich mußte ein anderer Angestellter den Namen des Frevlers nennen, und es erging dann der höchsteigeuhändige Auftrag an den Verkehrsinspektor Stavenow, dem betreffenden Schaffner, dem „Ochsen", zu sagen,„daß er ein großer Stiesel sei". Am Morgen des 14. Mai rief der Verkehrsinspektor den Schaffner zu sich und empfing ihn vorschriftsmäßig mit den Worten:„S.. Sie haben am Sonntag den Chef nicht gegrüßt, Herr Hermann Bachstein läßt Ihnen sagen, Sie seien ein ganz großer Stiesel; der Kutscher B. ist Zeuge, daß mir dieser Auftrag zn weiterer Bestellung zu theil geworden ist." Ans die Entgegnung des Schaffners, daß er den Ches ja garnicht gekannt habe, hatte der Inspektor keine andere Antwort, als die, daß er sich dem Aus- sprnche des Chefs für seine Person anschließe. Außer dieser Verbalinjurie wurde dem Schaffner, der seinen Ches nicht ge- grüßt halte, noch eine vierwöchentliche Strafversetzung nach Hnndekchle zur Koaksausgabe zudiktirt. Den Schaffnern, die dorthin versetzt werden, entgeht natürlich das Trinkgeld, das das Publikum während der 16- bis 18stündigen Arbeitszeit ihnen auf der Fahrt spendet. Der Angestellte zog es vor, auf die ihm zu- diktirte Strafversetzung zu verzichten und strengte gegen den Herrn Chef, den Eisenbahnkönig Bachmann, eine Privatllage wegen Beleidigung an. ES soll beim alte» bleiben mit der Besuchszeit in der Charitee. Trotz aller Meldungen, die infolge des von uns mit- gelheilten Skandalfalles dieser Tage in die Presse gebracht wurden, soll die Besuchszeit auf Mittwoch und Sonnabend Nach- mittag von 2—3 Uhr beschränkt bleiben. Der Geheimrath Spinola hatte über diese Frage in der städtischen Deputation für die Verwaltung der Krankenhäuser Vortrag gehalten und sämmtliche Anwesende, zu denen u. a. Geheimrath Virchow, Geheimrath Hahn und Professor Sonnenburg gehörten, haben sich gegen eine tägliche Besuchszeit in den Krankenhäusern Berlins ausgesprochen. Maßgebend hierfür ist angeblich die Belästigung der Kranken, die„Rücksicht auf den Reinigungsdienst" und die Beeinträchtigung, welcher die Aerzte in Ausübung ihrer Berufs- Pflicht ausgesetzt seien. Man mag diese GriSide gelten lassen, aber Ausnahmen könnten immerhin in dem Falle gemacht werden, wo z. B. ein Sterbender seine Lieben sehe» will. Aber auch darüber, daß derartige Ausnahmen gestattet sein sollen, verlautet kein Wort. Es bleibt also wohl alles beim alten in der Charitee und der Bureaulratismus feiert über die Mensch- lichkeit einen neuen Triumph. Der Nationalverein znr Hebung der Volksgcsundheit theilt uns mit, daß er morgen, Sonnabend Abend, sein Vereins- lokal im alten Reichstagsgebäude durch eine Festlichkeit eröffne. Das Aussehen deS alten ReichStagSgebändeö wird von der„National-Zeitung" wie solgt geschildert:„Dieses Haus, in welchem sich ein wichtiger Theil der deutschen Geschichte des letzten Vierteljahrhunderts abgespielt hat, sieht aus wie ei» Tingeltangel auf einer Schützenwiese; von oben bis unten mit reklamehaftcn Schildern einer von dem sog. Nationalverein für Gesundheitspflege veranstalteten hygienischen Ausstellung und mit Plakaten bedeckt, neuerdings auch durch ein schreiend buntes Reklamebild einer Sport- und Spielausstellung geschändet, erregt das Gebäude denZorn jedes Menschen, der eine Spur von historischem Sinn oder auch nur von gewöhnlichster Pietät besitzt; es fehlt blos noch, daß aus den Fenstern die weibliche Bedienung einer Animirkneipe hcrausblickte, um das unwürdige Schauspiel zu vervollständigen. Das Haus soll für ein paar tausend Mark an den genannten Verein vermiethet worden sein; wir finden schon dies unangemessen; so arm sind das Reich und Preußen doch trotz aller Defizits noch nicht, daß man diesen historischen Bau nicht bis zu seiner Beseitigung in zwei Jahren einfach hätte zuschließen und in würdiger Stille dastehen lassen." Im weiteren Verlaufe der Strafpredigt wird die„Nat.-Ztg." leider beinahe ebenso geschmacklos, wie das alte Reichstagsgebäude selber, sie erinnert nämlich pathetisch an jene, nach ihrer Angabe imvergeß- liehe Sitzung,„in welcher Fürst Bismarck dem in schweigender Trauer versammelten Reichstag die Mittheilung vom Tode Kaiser Wilhelms 1. machte." Theatcrchronik. Am Schanspielhanse wie am Opernhause dauern die Commerferien vom 1. Juni bis Ende Juli.— In der künstigen Saison des Berliner Theaters wird ein neues Stück von Wildcnbrnch,„Heinrich IV.", gegeben. Das Stück soll zwei Abende ausfüllen.— Das Schiller-Theater beabsichtigt am Sonntag durch sdie Ausführung der„Journalisten" mit voran- gehendem Prolog eine Gedächtnißfeicr für Gustav Freytag zu veranstalten.— Die Neuausführung von„Der Widerspenstigen Zähmung", welche das Deutsche Theater heute, Freitag, ver- anstaltet, beruht aus dem reinen Shakcspeare'schen Text, nicht auf den willkürlichen Bearbeitungen oder Umdichtungen von tolbein, Demhardstein u. a., wie sie selbst aus ersten deutschen ühnen noch ihr Unwesen treiben. Im übrigen folgt die Auf- führung des Deutschen Theaters der Jnszenesetzung, welche August Förster noch für diese Bühne geschaffen hatte, und auch die beiden Darsteller der Hauptrollen, Agnes Sorma und Hermann Nissen, sind die nämlichen, welche in zahlreichen früheren Vorstellungen das Werk trugen. Wir haben'S ja. Am 15. Juli soll an der Schloßfreiheit die Grundsteinlegung des Denkmals für de» seligen Heldengreis von statten gehen. Die Kosten für diese Festlichkeit sollen auf nicht mehr als 129 999 M. veranschlagt sein. Ein netter Beitrag zur Finanznoth, die auf immer neue Steuern sinnen läßt. Mit rührender Sorgfalt ist die Leitung der Großen Berliner Pserde-Eiseubahn-Gesellschaft auf das Wohl ihrer Fahr» gäste bedacht. Das hat sie schon oft im großen und am Mitt- wach und Donnerstag wieder einmal im kleinen bewiesen. Am Mittwoch hat es den ganzen Tag, und mitunter recht kräftig, geregnet. An diesem Tage lief auf der Strecke Rixdorf-Schön» hauser Allee ein Wagen Nr. 676, dem man durch das Dach sehen konnte. Wo die Lichtstrahlen durchdrangen, machte das Wasser nicht Halt, und so geriethen die Fahrgäste, die sich im Pferdebahn-Wagen gegen die Unbill der Witterung schützen wollten, vom Regen in die Traufe. Dem Schaffner wurden wiederholt Vorstellungen gemacht; ser wird also den Schaden wohl gemeldet haben. Am Donnerstag aber erschien ganz derselbe Wagen in der gleichen Verfassung wieder, ver- ninlhlich, weil der Wetterbericht wenigstens zeitweilig klares Weller in Aussicht gestellt hatte. Einem Mordversuche ist seiner Darstellung nach in der Nacht zum Donnerstag der Glasmacher Albert Leitet ausgesetzt gewesen. Leitet, ein ZSjähriger Mann, wurde gegen II Uhr nachts von einem unbekannten Manne ans dem Humboldthafen gezogen und durch einen Schutzmann des 40. Polizeirevieres in ein Krankenhaus gebracht. Hier gab er an, er sei mit fünf Personen, die er sännntlich nicht kenne, in verschiedenen Wirths- Häusern gewesen. Schließlich hätten ihn seine Zechgenossen der Baarschaft von 15 M. beraubt und ihn ins Wasser geworfen. Von dieser Angabe wurde die Kriminalpolizei in Kenntniß gesetzt, von der am Donnerstag Vormittag Kommissarius Feige im Krankenhanse erschien, um Leite! zu vernehmen. Der angeblich Beraubte liegt jedoch in starkem Fieber und ist nicht ver- nehmungsfähig. Die Kriminalpolizei glaubt aber der Dar- stellung, die er bei seiner Einlieserung in das Krankenhaus gegeben hat, von vornherein nicht recht. Es handelt sich um einen wohnungslosen Mann, bei de», nicht recht ersichtlich ist, wie er zu den 15 M. gekommen sein sollte. Leitet ist außerdem schon vielfach bestraft und hat sich auch schon im vorigen Jahre wegen Geistesgestörtheit in einem Krankenhause befunden. Erschossen hat sich der llKjährige Krankenwärter Fritz Sack, der in der Mantcnffelstraße in Schlafstelle wohnte. Am Donners- tag früh gegen 4 Uhr fanden ihn Hausbewohner ans dem Flur mit einer Schußwunde in der Schläfe als Leiche auf. Der Man» war seil längerer Zeit ohne Beschäftigung und es scheint, daß ihn NahrungSsorgen zum Selbstmord getrieben haben. Sprache und Verstand hat die 84 Jahre alte Arbeiterin Johanna Genz infolge eines Ueberfalles verloren, dem sie aus- gesetzt war. Sie diente früher bei einem Gärtner in Nieder- schönhauscn. Dort wurde sie vor einigen Wochen, als sie im Keller mit dem Abputzen von Gemüse beschäftigt war, von einen, Manne, der ihr Gewalt anzuthun versuchte, rücklings überfallen. Der Einfluß, den die schreckliche Situation aus das Opfer des Wüstlings gehabt hat, obwohl dieser durch die Hilferufe der Uebcrfallenen verscheucht wurde, ist so stark gewesen, daß das Mädchen die Sprache verloren hat und anscheinend auch geistig dauernd gestört bleibt. Die Unglückliche ist einem Krankenhause überwiesen worden. Eine der Edelsten«nd Besten will versuchen, sick, auf beinahe ehrliche Weise selber ihr Brot zu verdienen. Eine Lokal- korrespondenz weiß nämlich zu melden, daß die Baronesse Nini von E., die an den einer der ersten Finanzfamilien Europa's angehörigen Baron von E. verheirathet ist, sich auf den welt- bedeutenden Brettern eines Spezialitäten-Theaters zu produziren geruht. Verhandlungen mit kiesige» Tingeltangel-Direktoren schweben der Korrespondenz zufolge bereits und dürften vorans- sichtlich schon in allernächster Zeit zum Abschluß kommen. Tie Baronesse, die sich als Sängerin und Tänzerin produziren würde. verlangt die Kleinigkeit von 0000 M. pro Monat. Vielleicht thut sie es aber auch billiger. Vermißt wird feit Dienstag die 17 jährige Martha Brehmer, die bei Herz in der Wallstraße Nr. 52/33 als Dienstmädchen in Stellung war. Gesperrt ist vom 20. d. M. ab für Fuhrwerke und Reiter die Straße Neu-Köln a. W. von der Jnselstraße bis zur Neuen Roßstraße, sowie vom 21. d. M. ab die Großgörschenstraße von der Steinmetzstraße bis zur Kulmstraße. Polizribericht. Am 15. d� M. nachmittags fiel auf dem Bellenlliance-Platz ein Kaufmann beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen hin und erlitt eine bedeutende Verletzung an der Stirn.— Am Humboldthafcn wurde abends ein anscheinend betrunkener Mann aus dem Wasser gezogen, der kurz vorher von mehreren Männern seiner Baarschaft beraubt und ins Wasser gestoßen worden zu sein behauptet. WitternngSiiberficht vom IS. Mai I8VS. Wetter- Prognose für Freitag, 17. Mai I8VZ. Kühles, veränderliches. vorwiegend trübes Wetter mit Regen und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Ein Stück jener Tchneidigkeit, bekannten zeitgemäßen Militärmucken behaftet find, Gevickks�Zettung. Die Waschküche in baupolizeilicher Beleuchtung. „Gehört eine Waschküche zu denjenigen Räumen, die in baupon- zeilichem Sinne als zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt anzusehen sind 1" Diese Frage hat das Ober-Verwal- tungsgericht bejaht. Das Polizeipräsidium hatte den Konsens zur Einrichtung einer Waschküche, die abwechselnd von etwa 20 Miethsparleien benutzt werde» sollte, versagt, weil hier die Bestimmung zum dauernden Ausenthalt von Menschen zweifellos sei und den betreffenden Vorschriften der Baupolizei-Ordnung durch das Bauprojekt nicht genügt werde. Aus die von dem Hausbesitzer gegen das Polizeipräsidium angestrengte Klage erkannte der Bezirksausschuß auf Außerkraftsetzung dieser Ver- fügung mit der Begründung, daß der Raum abwechselnd von verschiedenen Personen je eine kurze Zeit benutzt werden solle, daß er sonach wohl dauernd dazu bestimmt sei, zum Aufenthalt von Menschen zu dienen, nicht aber zum dauernden Aufenthalt von Menschen, nämlich derselben Menschen, bestimmt sei. Das Urtheil wurde auf die Berufung des Polizeipräsidiums von dem Ober-Vcrwaltungsgericht nicht gebilligt, vielmehr auf Klage- abweis,>ng erkannt. Der Gerichtshof führte aus, daß zur Er- süllung des Begriffs keineswegs erforderlich sei, daß dieselben Individuen sich ununterbrochen in dem Räume aushalten; es genüge vielmehr, wenn er dauernd von einem in sich geschlossenen Personenkreise(den Miethern und deren Hausgenossen) zum Aufenthalt benutzt werde. h welche Leute, die mit den behaftet find, schon oft zu Ausschreittiiige» bedenklichster Art geführt hat, trat in einer Ver- Handlung zu tage, welche gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Die Anklage richtete sich gegen den Kutscher Heinrich Kilian, den Möbelpolier Max Kammer und den Buchdrucker Albert Kahlberg. Dieselben waren des gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs, der Körperverletzung und des unbefugten Eindringens in einen für den öffentlichen Dienst bestimmte» Raum, fiahlberg war außerdem der Beleidigung des Predigers Griese beschuldigt. Durch die umfangreiche Beweis- aufnähme wurde folgender Sachverhalt festgestellt: Am Morgen des 5. November v. I. hatten die Angeklagten sich zur Kontroll- versanimlung auf einem Kasernenhofe in der Bärwaldstr. zu stellen. Nach Beendigung derselben besuchten die Angeklagten, die früher zusanimen gedient hatten, eine Anzahl Wirthschaflen, wobei dem Schnaps und Bier fleißig zugesprochen wurde. Arn, in Arm schlenderte das Kleeblatt dann durch die Straßen. Als die An- geklagten die Kirche„Zum heilige» 5freuz" erreicht hatten, faßte Kilian den unglücklichen Gedanken, hineinzugehen. Die Thür war offen, er und Kahlberg, der ihm auf dem Fuße folgte, kamen in den Konfirmandensaal, woselbst der Prediger Griese den Kon- firmandinnen gerade Unterricht erlheilte. Der Prediger sagte: „Was wollen Sie hier? Entfernen Sie sich wieder!" Kahlderg schwenkte seinen Hut und rief:„Wir wollen hier predigen." In ernste», Tone wiederholte der Prediger seine Aufforderung, und nun zog Kahlberg seinen Genossen wieder zur Thür hinaus, wobei er dem Prediger eine landläufige Redensart unfläthigster Natur zurief. Draußen trafen Kilian und Kahlberg wieder mit Kammer zusanimen. Alle drei gingen nach dem der Kirche gegenüber- liegenden Kolonialwaaren-Geschäft von Schulz. Kilian stellte sich vor den Eingang zum Laden und rief demKommiS zu. er möchte jhm Feuer geben. Als der Aufforderung nicht gleich Folge ge- leistet wurde, machte Kilian Skandal, der Kommis rief den Hans- diener zur Hilfe, der zunächst von den drei Angeklagten gemiß- handelt wurde, dann kamen aber andere Personen de», Unterlegenen zur Hilfe, das Blatt wendete sich, die Angreifer zogen den kürzere» und wurden arrelirt. Im Verhandlungstermine entschuldigten dieselben sich mit Trunkenheit. Der Angeklagte Kannner hatte die bezeichnende Dreistigkeit, zu seiner Entlastung anzn- führen, daß ihnen erst kurz zuvor die Kriegsartikel vor- gelesen worden seien, worin einem Soldaten u. a. auferlegt werde, daß er nie einen Kameraden im Stich zu lassen habe. Deshalb hätte er für Kilian eintreten müssen, als� dieser e befand. Der Staats- die Angeklagten eigent sich mit dem Hansdiener im Handgeme» anwalt erklärte in seinem Plaidoyer, da lich dem Militärgericht nnterständen, weil die Ausschreitungen an. Tage der jsontrollversammlung begangen seien, das Militär- gerichl habe die Sache aber dem Zivilrichter überwiesen. Er beantragte gegen Kilian und Kammer je sechs Monate, gegen Kahlberg ein Jahr Gefängniß. Der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagten nach den An- trägen des Staatsanwalts. Der Angeklagte Kahlberg wurde sofort in Haft genommen. Unter ungewöhnlich erschwerenden Umständen wurde gestern vor der zweiten Strafkainmer hiesigen Landgerichts I eine Anklage wegen Beleidigung des preußischen Richter- st an des gegen den Hauptmann a. D. Gustav v. Bröcker zu Charloltenburg verhandelt. Der im Jahre 1854 zu Torgau als Sohn des Majors a. D. v. B. geborene Angeklagte hat auf grund eigener Erfahrungen und der Erlebnisse dritter Personen bei Dewald ein 213 Seiten umfaffendes Buch unter dem Titel „Allgemein üblich" erscheinen lassen, welches sich mit Mißständen in der Jrrenpflege beschäftigt und schwere Anklagen gegen zahl- reiche, bei eingeleitete» Entmündigungsverfahren gegen angeblich Irre beschäftigte Richter enthalten soll. Infolge dieser Angriffe haben sich vier der zur zweiten Strafkammer gehörenden Richter für befangen erklärt und es hat daher eine Strafkammer gebildet werden müssen, die sich aus Beisitzern anderer Strafkammern zusammensetzt. Den Vorsitz führt Landrichter Lieber, die Anklage vertritt Staatsanwalt D i e tz.— Noch vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses stellte der Angeklagte einen Vertagungs« antrag, den er etwa wie folgt begründet: Seine Broschüre, welche sich mit großen Mängeln der Jrrenrechtspflege und der mangelhaften Sorge des Staats für die Geisteskranken sowie dessen unzureichenden Maßnahmen gegenüber der All- macht der Irrenärzte beschäftige, sei nicht ohne Ver- anlassung geschrieben. Er wolle den Nachweis führen, daß thatsächlich zahlreiche rechtswidrige Akte gegen angeblich irr- sinnige Personen gerichtet worden seien. Namentlich sei der gegen ihn selbst gerichtet gewesene Angriff wegen angeblichen Irrsinns ein durchaus unerhörter. Er könne seine Beweise natürlich nur auf grund ganz sorgfältigen Aktenstudiums führen und wenn ihm auch die Akteneinsicht gewährt worden sei, so sei er doch nicht so weit fertig geworden, um seine Beweisanträge formuliren zu können. Ein Fall der Entmündigung eines seiner Freunde habe ihn ganz besonders stark empört, ihm selbst habe man ein so inkorrektes Verhalten gegen seinen Vater vor- geworfen, daß man daraufhin meinte, er müsse verrückt sein. In dieser Sache stehe übrigens im Juni ein Termin vor dem Kammergericht an. Er beabsichtige, vier Gruppen von Beweis- antrügen zu stellen.— Der Gerichtshof beschließt, zunächst in die Verhandlung einzutreten und je nach dem Gange derselben sich weitere Beschlüsse vorzubehalten.— Der Angeklagte lehnt nun- mehr den ganzen Gerichtshof als befangen ab. I» seinem Buche seien die Verhältnisse des Richlerstandes in scharfen Worten angegriffen worden. Die entsetzlichen Zustände in unserer Jrren-Rechtspflege wären nicht möglich, wenn der Richterstand sich seiner Aufgabe bewußt wäre und sich nicht der Willkür der Psychiater beugte. Schon aus diesen Angriffen, die einen durchaus berechtigten Kern hätten, ergebe sich die Befangenheil des Kollegiums. Dazu komme, daß er eine Strafanzeige wegen Rechtsbeugung erstattet'habe. die noch immer nicht erledigt sei und daß seine im Vorverfahren aufgestellte Be- hauptung, daß der Untersuchungsrichter geisteskrank sein müsse, nur mit einer ganz unzureichenden Begründung zurückgewiesen worden sei. Der Gerichtshof beschließt, die Verhandlung auf eine Stunde zu vertagen, um über den Ablehnungsantrag Be- schluß zu fassen. Dies geschah durch drei besonders dazu be- rufene Landrichter Fromm, Thinius und Burghardt, welche nach Anhörung der das Kollegium bildenden Richter den Ablehnungs- antrag ablehnte»._(Forlsetzung folgt.) VevpennnLlungen. Jentrat-ziireln drr S»rra«-Zt»g-ft»Uten P-uttchland«. Freitag. den 17. Ma«. abends» Uhr, bei Rölltg, Neue Friedrichstraß- 4i: Eieuna, Bortrag. Mäste willkommen. AUgemeine Kranlien- und SfetbeholT« der WetaUardeiter. (®. H. 28.) Mtiglied-rversammlung am Sonnabend, den is. Mai. abends 8 Uhr, bei Fieltcke, iltrchhoftlrabe 2».«astenbericht. Berschiedenes. Lamverein der N»Iz- und Kretterträoer Berlin» und Ilnigegend. Sonntag, den ,8. Mai. vormtltags Ichj Uhr. bei«raag, Schönletnftraße«: Mitglteder-Versammlung. Z-n«ral-Krai>ken. und Kterb-Kasse der rischter. Alle Verwaltungen Berlins werden ,u heute Freilag. den 17. Mai. abends s Uhr, nach der slallschreiberftraße 28 zu einer kombtntrten Sitzung eingeladen. Ardeiter-Kiidung» schul». Fretlag. Abend« von 7£—«K Uhr: Lektüre. «!(— io)£ Uhr: Nord-Schule, Müllerstraße nea: Keschichte ineueste), S üdon-Schule, Waldemarstr. l«: Deutlch(LUeralur.) Bei allen Unier- richlssächern werden neue Zheilnehmer, Tarnen und Herren, jeder Zeit aufgenommen. Eingesanfene Druckschriften. Der SoiiaidemoKrat, Zentral-Wochenbtatt der sozialdenivkratischen Barlei Teutschlands sErpeditton in Berlin SW., Beuthstraße S). Nr. 20 vom I». Mai hat folgenden Inhalt: Wochenschau.— Aus dem Reichstag.— Sin Nalionalliberaler über Propaganda der That.— Partei- Nachrichten. Tie sozialdemokratischen Btldungsveretne.— Tie Frauenarbeit in der deutschen Großindustrie— Arbeiterorganisationen.— Wie man uns be- handelt.— Todtentiste.— Literarisches.— Bermtschte«. Die Bekämpfung der Kchwindfucht von Pros. Tr. Ernst Leyden, Berkin W. Verlag des„Menschenfreund"»abend. 18. Mai, abend» 8>/s Zlhr, bei Kiemald, Manteuffclstr. 40: NNft g N«iten» V v i»s s m m I un g. Tages-Ordnung: !. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. Aach» über:„Die Genuß- Nuttel". 3. Verschiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 1121b Die Vrtsverwaltung. y iinatf 7ä]ino2M- Vollst. schmerzl. Zahnziehen IM. Plomben l.SOM. Rep IVUllsll.liallllCgQf.xheilz. Zahnarzt Wolf, Lelpziyerstr.22. Spr. 8-7übr. Vereinszimmer zu vergeben, Aorkstr. 01. f1134b Empfehle mein 8 c k u k lager, führe nur gute Arbeit, kein Ramsch. Reparaturen billigst. Müller, Schuh- machermeister, Schlesischestr. 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K�nnabcnd, 18. Mai, abends 8 Uhr: Die zärtlichen Derwandte« und Ein Htrafrapport._ Centrai-Theater A Ite Jal.obstratz» Dr.»0. NovitSU Zum 14. Male: Novität! Unter artrstischer Leitung des Herrn Molt Brahl vom königl. Gärtnerplatz- Theater i» München: k'igsno Kei«c,f. (Roreoro.) Operette in 3 Akten(nach Beaumarchais' Memoire») von Bodmaull-Bivgell. Musik von Allred Müller-Norden, Morgen: Dieselbe Borstellung. National-Theater. Grobe Frankfnrterslraße 132. Direktion: Mar Samst. Nur noch 2 Aufführungen! Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calder, Die lebende Brücke. Grobes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akte»(11 Bildern), nach dem Eng» lisch«» von Sntto» Baue, übersetzt von '.Schwab. Dirigent: Adolph Wiedecke. lektr. Beleuchtnngsessekt« v. Lakowsky. Regie: Max Samst. Im Sommer- Garten: 1'Kestsi' uvä 8peül3lttäteU'VorLteIIulig. Die Theaterbesucher haben freien Ziu tritt zum Sommergarten. Kassenöffnnng L Uhr.— Anfang beS Kouzerls 6 Uhr, der Vorstellung 7'/- Uhr Morgen: Dieselbe Vorstellung. kSMsse-l'siiiMm. Vileu! Eine Met auf dem Golf von Neapel. BSQ Kaufmann's Variete. Königstrasse, Kolonnaden. Täglich: Neumann- BSiemchen's LtiiiizttBttikilillt- ßtsdiWl: Neumann, Wilh. Wölfl, Horvätb, Glpner, Lemke, Feldow und Ledermann. Anfang 8 Uhr, Sonntags'/s8 Uhr. Entree 30 Pst, Sonntags 50 Pf. Direhtor Bimmei's Tpezilllitiiten-Thellter. Humoristisches Gesammlspiel von Wild. Wollt. iU i' s n i s �U8tstt tür vollestnümllode nsturkulllie. Am Landes An»»t«llung»parle (Lehrter Bahndol). Geöffnet von 5—10 Uhr. INglich Vorstellung Im wlssensoüaft- Uchen Tbeater. Näheres die Anschlagsettel. Reichshallen. Im prachtvolle» Garten Täglich: KWsrißislde Eoirte Klst�fliielitaelieii yuartett- Uul U y. Couplet-Sänger Hoffmann, Wölfs, Führmann, Walde, Horst, Betz u. Frische. Anlang 8 Ukr. Entree 30 Ff. Reservirter Platz 50 Pf. Sonntags: Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pst, ab 9 Uhr 30 Pf. Castan's Panoptikum. Ein Flug durch die Luft! Chamly's mysteriöse K a takombe. Reidiskanzler Fürst Holienlolie. Volksgarten (ehem Weimann's Volksgarten) Gesundbrunnen. Kadstr. 66. Direktion: Max Samst. Gr. Konzert u. Spezialitäten- Vorstellung. Aufführung von Schwänken, Posten und Schauspielen. Am Sonnabend, den 18. Mai er.: tzroßer dreischcr Ringkamps zum Abschiedsbenefiz für de» Meister- schastsringer Ernst Eoelln mit dem Herrn Abs II aus Hamburg(Folll), Paul Paetke und Conrad Lux. Elysium 9226 Landsberger Allee|lr. 40. Großer Garten u.Säle für Vereine und Privatfestlichkeiten. ÄV Entert ni Bill. Wtii-«. Kl>irisih-Bin-8»ll>> mit geräumigem Vereinssimmer, besonders bei Beerdigungen zum Aufenthalt für größere Gesellschafte». Für gute Speisen u. Getränke ist stets gesorgt. 24621.' J. Naumann, Klücherstr. 42, unmittelbar an der Hasenhaide. Krnchbandagen aller Art(eigenes Fabrikat), sowie sämmtliche Artikel zur Krankenpflege empfiehlt •I.Cii.I'ellMnn. A'.'»». Lieferant lür Orts- n. Hilfs-Krankenk. Verband aller im Handels- und Transportgewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter. Den Verbandskollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied L.. Heinemann am 14. d. M., früh 2 Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Freitag Nachmittag 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Friedrichshain, Landsberger Allee, nach dem Zions- kirchhof, Weißensee. statt. s136/13 Um zahlreiche Betheiligung ersucht Der Dorstand. Allen Freunden und Genossen, ins- besondere den Arbeitern der Düsberg- schen Fabrik und dem Metallarbeiter- Verband für die zahlreiche Betheiligung und die Kranzspenden bei der Beerdi- gung unseres Sohnes und Bruders Wilhelm Schmidt unseren besten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Winz, Moabit! SangeSbriider welche gewillt sind, einem neu zu gründenden Verein beizu- treten, sind willkommen Thurmstr. 82. ___ Achtung I Zahnersatz, auch Theilzahl., wöchentl. l Mark, G u ck e l, Lansiher Platz 2, Elsasserstr. 12. OeLvII. Verew„rroksiim" Treptow. (Restaurant: Zum Karpfenteich.) Allen Freunden und Gönnern des Vereins zur Nachricht, daß der Frühlings- Ball zum 18. d. MtS., IMF" polizeilich verboten"9>B worden ist.[93/15 Paul Mätschke, 1. Vorsitzender. Täglich, auch Sonntags vormittags von 7 bis 9 Uhr: Verkiuis voll gtkoßtevl Kind- u. Schweinefleisch & 30—40 Pf. per Pfd. RQckenfett ä 45 Pf. per Pfd. Vervattullg üer Kochanstalt Centrai-Viehhof. Julius Peterson, Stettinerstr. 17, Ecke Bellermann- Straße, empfiehlt Freunden und Bekannten sein' Weist-». Bairisch-Bierlokal. Alit» �flt'sl'l �usw. Best. u. Zul. �Ulffi, Reparat, reell u. bill. Runge, Abalbertstr. 86.[1228b Achtung! Achtung! Oeffentliche Versammlung «auepei Hilfsapbeiti der Bna Könning, den 19. Mal, nachmittag« 2 Zllzr.__ im Lokale des Herrn Wllke, Andreasstraße Nr. 26. Tages-Ordnung: 1. Wahl der Agitationskommission. 2. Anträge zum Arbeitsnachweis der ringfreien Brauereien. 92/12 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Hie Agltations-Kommlssion. Achtung! Hutmacher! Achtung! Mitglieder- Versammlung � des Unterstützungsvereins deutscherHutmacher (Filiale Berlin) Konntag, den 19. Mai 1895, vormittag« 10 Uhr. in Bötzow's Brauerei, vor dem Prenzlauer Thor. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Sieichstags- Abgeordneten F. I.eglen über: Die ?lrbeit«rkiimpfe der Gegenwart. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver ündung des Wahlresultats. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, in der Versammlung zu erscheinen 148/13 Der Vorstand. Verein der Schäftebranche. Sonnabend, den 18. d. M., abends 9 Uhr, ien Lokole des Herrn Wernau, Rosenthalerstra.ae Ho. 57 1 ÜÜr Verfsttnnlung."WK Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Br. Wo?! über Lungenkrankheiten. 2. Verschiedenes. Die Billets zu der am 23. Juni stattfindenden Dampfer- Partie nach Nedlitz werden in dieser Versammlung ausgegeben. 33/5 Fachverein n« Stellmacher Berlins und Umgegend. Konnfag, den 19. Mai, vormittags 9'/, Uhr, bei KrLff, Lothringerstr. 41: MM" Versammlung.""MÜ Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Schnear. über:„Vortheile beim Zeichnen im Wagenbau". 2. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gäste sind willkomnien. 215/7 Der Uorstand. xluhotrein der Do!;-«ni> DttttkrtrSger Berlins und Umgegend. Sonntag, den 19. Mai, vormittags 10'/» Uhr, Schdnleinotrasse 6 hei Kraatzs Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 146/14 1, Vereinsangelegenheiten. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Verschiedenes. Gäste herzlich willkommen. Der Vor.tand Freie Volksbühne. Soimtag, den 19. Mai, nachmittags 2'/- Uhr: VI. Abtheilung(Le.sing-Theater) i 301/9 Der Pfarrer von Kirchfeld. An dir Mitglirdrr anderer Abtheilnngrn werdr» Grtrakarte» verkauft. »• • Dir Mitglieder, dir im Kefitze von rothen Zettel« stnd, werden nunmehr dringend gebeten, stch für die Zettel in den Zahlstellen Marke« einkleben zu lasten. Laut Kefchlutz der letzten Generalversammlung werden für die Monate, in denen Uorflellungen nicht stattflnden, 20 Pf. Beitrag gezahlt. Dir 20 Uf.-Marken befinden sich jetzt in den Zahlstellen, so daß die Mitglieder nun die Keiträge leisten können. Den Vorstand der Freien Volksbühne. _ I. A.: Julius Türk, 0., Blumenstraße 21. Die Kunst dem Dolke J Nene freie Volksbühne. Kountag, den 19. Mai, von abends 6 Uhr ab, in Keller'« Festsülen, Koppen st raße 29: Große Frühlings-Feier"WW mit Kilustlor-Kousort, Deklamationen, gr. Verloosung, Tanzkränzchen etc. Killet«(inkl. Tanz und P r o g r a m ni). auch für Gäste, ä 50 Pf. in allen Zahlstellen. Jeder Deberfttllung ist dieses Hai vorgebeugt. 68/4 Freitag, den 17. Hai abends, im Restaurant Znr neuen Post, Bentbstr. 21: Außerordentliche Versammlung und Vortrag über die proletarische Dichterin flda Negri. Näheres Säulenplakate. Der Uorstand. Teutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Vertrauensmänner-Versammlungen: Naeden» Kchunhanser und Uosrnthaler Vorstadt: Montag, den IlOllall. 20. Mai, abends S'/s Uhr, bei Mörschel, Schönhauser Allee 23. Weße» ml Alstßt«: U!"- FritlriPkrs ml tamrilhrj: if/'ü;«'"«SS Heintcke, Friedrich-Karlstraße 11. Tages-Ordnung: Besprechung von Werkstattangelegenheiten.— Alle Werkstellen der Bezirke müssen sich durch eine» Vertrauensmann ver« treten lassen. Kezirks-Versammlmtgen: Äioülifl* Konutas, den 19. Mai, vormittags 10'/, Uhr, Stromstraße 28 Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Kleinhandwerk und Groß- kapital". Reser. Kollege Millarg. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. iZlnbasto,,» Montag, den 20. Mai. abends 3�2 Uhr, im Lokal von Henke, ISVllllklU Naunynstraße 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Die Abzüge in der Spiezelrahmen-Fabrik von Mester.— Sämmtliche Kollegen dieser Branche werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. Parquetbodenleger-Versammlung Montag, den 20. Mai. abends 3 Uhr, bei Schöning» Stallschreiberstr. 29. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 240/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Berbaud. (Verwaltung Berlin Zentruni.) Am Sonnabend, den IS. Mai, abends 8'� Uhr, bei Ehrenberg Nachfolger, Annenftrahe 1« Mitglieder Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Ver» schledenes.— In anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder nothwendig. Gäste willkommen. 49 4 Die Ortsvrrwaltnng. Achtung! �ammsrarl Achtung! Mmn der Zimmerer Derlins und Umg. Sonntag, den 19. Mai, vormittags pünktlich 10 Ubr, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstraße Nr. 20: |f®r Mitglieder-Versammluug.�W� Tages-Ordnung: I. Vereinsangelegenheiten. 2. Gewerkschaftliches. 3. Vortrag. Die Mitglieder werden ersucht, für diese Versanimlung zu agitiren, da eine weitere Einladung nicht stattfindet. Zutritt hat jeder Zimmerer. 238/9 Cor Vorotand�_ Fachverein der Musikinstrumenten-Arbeiter. Sonoabend, den 18. Mai 1895, abends präzise 8Vs Uhr, in den Oranienhallen, Oranienstraße 51, zweite Etage: UeOmmIlmg slir deil SVen. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genosse» Dr. med. 6. Heymann:„Die Anpassungsfähigkeit des Menschen an das heiße Klima." 2. Diskussion. 3. Ergänzungs- wähl zur Werkstalt-Kontrollkommisfion. 4. Vereinsangelegenheiten. Donnerstag, den 23. Mai 1895(flimmelfahrtskag):*�1» Herrenpartie nach Müggelheim unter Betheiligung des Mueik- Verein»„Frisch auf". Treffpunkt morgens 8 Ubr in Grüna», Friedrichstr. 1 Restaur. B. Lledtke. Abfahrt der Züge: Vom Bahnhof Friedrichstraße., „„ Alexanderplatz.. „ Schlesischen Bahnhos... „ Görlitzer Bahnhos.... Ankunft in Grünau...... Zahlreiche Betheiligung wird erwünscht. Sonnabend, den 25. Mai, abend« präzis» 8�/2 Uhr, bei Mitzel, Ackerstr. 145» vis-A-vis der Markthalle): Versammlung für den Morden. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen zu den Versammlungen ersucht 197/3 Der Vorstand. Kaufen Sie nicht ' anderwärts, bevor Sie sich nicht überzeugt haben, dass bei mir die„billigste Bezugsquelle für Hüte« ist, und nur streng reelle Waare bei reichhaltigster Auswahl geführt wird: Herrenhüte steif und weich.•«« ä 2}— 2,50 de. in ff. HaarlUz„.,.,. a 5,— 5,50 de. in Loden.,., a 1,25 1,60 1,75 2,— Hinderhüte........ a 1,— 1,25 1,50 Conflrmandenhüto......... 1,50 1,75 i Cjlinderhüte....... i> 6,— 7,50 U,— Fabrlkkomtoir bei_dX-X'l3.ol— 2,i,0 Dresdenerstr.°116 ' KoHtroiimarkenhüte zu den billigsten Preisen! Lager von Rathenower Brillen und Pincenez. Kruchbänder, kLnstlich- Arme nnd Keine. Mast- Kidetv, darm- und V-rfall» Kandagen, Stech- brckrn. 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