Menöausgabe Nr. 165 ♦ 42. Jahrgang Ausgabe g Nr. S2 B«>us«bei>in g allzulange an V e r l e g e n h c i t s- kandidate» klammert, um erst nach dem Scheitern wieder zu ihm zurückzukommen, dann glaubt er. daß man ihm seine Ausgabe aussichtslos macht, kein Kandidat kann es ertragen, eine Woche long nur als Itatsigur behandelt zu werden. An seiner Person liegt Dr. Jarres nichts, aber er will natürlich auch nicht seine Person für ein« dann ganz aussichtslos gewordene Sache verbrauchen." Endlich hat er es also satt! Wir erlauben uns nur hinzu- zufügen, daß er nichtnureine Woche lang als Rot- f i g u r behandelt worden ist. Vor dem ersten Wahlgang hat man ihn bald vorgezogen, bald wieder zurückgestellt. Zu den feierlichen Versicherungen des Reichsblocks, daß seine Kandi- dawr auch im.zweiten Wohlgang selbstverständlich sei. hat jeder politisch denkende Mensch sofort hinzugesetzt: Wer's glaubt! Run hat eres endlich satt. Wir meinen, daß er jetzt weder mit der Rücktrittsdrohung noch mtt einem wirklichen Rücktritt die Würde zurückgewinnen kann, die er verloren hat. Die Charakterprobe, die die VerHand- lungen des Rechtsblocks in der Kandidatenfrage ihm aufer- legten, hat er nicht b e st a n d e n. Mit Herrn Jarres droht auch Herr v. Loebell von seinem Amt als Wahlmacher des Reichsblocks zurück- zutreten. Als stärkstes Druckmittel jedoch dient die Drohung Stresemanns mit seinem Rücktritt. Darüber heißt es in der„V- Z": „wie uns ferner angedeutet wird, ist Reichsaußen- minister Strescmaon durch die dauernden Schwierig. k e i t« a. die sich au« dem Zusammenarbeiten mit den Deutschnationalen Immer wieder ergeben, stark ver- stimmt, weno auch diese Mißstimmung in ihrer Bedeutung für den Weiterbe st and der Reich sregierungs-koalition im sehigen Augenblick nicht überschätzt werden soll, so ist sie doch ein inleressanies Symptom für die ll e b e r r a s ch n n g c n. die man vielleicht schon kurz nach der Reichs- präsidealenwahl erwarten darf." Damit ist der Konflikt im Loebell-Ausschuß auf der Spitze. Es gibt nicht mehr viel zu verbergen. Der große Riß ist der ganzen Oeffentlichkeit sichtbar. Wir sehen nicht. w> e nach solchen Auseinandersetzungen, solchen Manövern und solchen offenen Drohungen noch eine Einigkeit im Rechtsblock zu stände kommen könnte. Die Gruppen des Rechtsblocks hoben sich vortrefflich auseinander manövriert. Selbst für den Fall, daß sich der Loebell-Ausschuß und die beteiligten Organisationen noch einmal zusammen- reißen sollten, damit dem Kandidaten der republikanischen Parteien wenigstens ein Anstandskandidat entgegengestellt gestellt wird, so ist doch ihre Front gebrochen. Da Hilst dann weder das Geld der Schwerindustrie, noch die Hugenberg- Preste, noch die Papierslut des Reichsbwcks. Da hilft keine Schnellzugssahrt durch Deutschland, kein Bannerschwenken und kein Suggestivartikel über den sicheren Sieg. Jetzt ist die Geschichte drüben ins Rutschen gekommen! Jetzt gilt es. fest hineinzuswßen! Wer wird Anstandskandidat? Immerhin nehmen wir noch an. daß der Rechtsblock schließlich einen Mann finden wird, der sich dereit erklärt, die Ztolle des Durchfallskandidaten zu übernehmen, sei es nun Herr I a r r e s, sei es Herr Hindenburg oder der Fürst Hatzfeld. Begeisterung für diesen Kandidaten wird wobl der optimistischste Mann aus dem Loebell-Ausschuß nicht mehr erwarten. Niemand kann im Ernst wollen, daß eine der Personen, die zu dem unwürdiaen Spiel des Rechtsblocks sich haben gebrauchen lassen, Präsident des Deutschen Reiches werde. Denn es ist das reinste Puppenspiel, das der Rechts- block mit seiner Kandidatur aufführt, mit Jarres, aber auch mit Hindenburg. Würde einer von beiden Präsi- dent— er würde nicht ein Repräsentant des deutschen Volkes, sondern eine Puppe im Spiel eines verantwortungslosen und unfähigen Klüngels sein. Die Kaudidatenverhandlungen des Rechtsblocks sind eine Probe auf seine politischen Fähigkeiten— noch mehr ober noch eine Probe auf die Würde, den Charakter, den politischen Verstand der Männer, mit denen er spiest. Es ist schon zu entscheiden, wer diese Probe schlechter bestanden crt: der Loebell-Ausschuß oder die Jarres und H i n d e n- u r g._ Die Metallarbeiter im stampf. Gegen Lohndruck nnd Arbeitszeitverlängerung. Morgen wird ein Schiedsgericht zusainmentreten, um den Versuch zu machen, ein« Einigung in dem Gesamt- konflikt der Berliner Metallindustrie herbeizuführen. Soweit die Betriebe dem Verband Berliner Metallindustrieller �ange- schlössen sind, beschäftigen sie über LOOliOsi Arbeiter und Arbeiterinnen. Für diese ungeheure Masse besteht gegenwärtig keinerlei Tarifvertrag. Weder die Arbeitszeit noch die Löhne oder irgendwelche andere Bestimmungen des Arbeitsvcrhält- nisies sind vertraglich geregelt. Die Berliner Metallindustriellen haben sich die Inflation und deren Folgen zunutze gemacht, um zunächst die Löhne zu drücken und dann von jedem tariflichen Verhältnis loszu- kommen. Dieses Bestreben der Unternehmer wurde gefördert durch die Zerstörungsarbeit der Kommunisten. Durch die systematische Hetze gegen die Organisation und durch dys Auf- ziehen von Spastungsorganifationen ist es den Kommunisten gelungen, einen erheblichen Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen der Metallindustrie aus der Organisation hinauszuekeln. Die Unternehmer haben zunächst versucht, dem Deutschen Metallarbeiterverband und den im Metallkartell vertretenen Organisationen«inen Lohntarif aufzuzwingen, wodurch die Tariflöhne der Metallarbeiter nicht allein weit unter die Friedenslöhne, sondern auch weit unter die Löhne, die in den anderen Industrien Berlins gezahlt werden, hinabgedrückt worden wären.. Einen derartigen Lohntorif abzuschließen haben sich die im Metallkartell oereinigten Gewerkschaften— es kommen außer dem Deutschen Metallarbeitervcroand ins- besondere noch der Zentralverband der Maschinisten und Heizer und der Deutsche Bcrkehrsbund in Betracht— entschieden geweigert. Do jedoch infolge der schlechten Kon- junktur und der Schwächung der gewerkschaftlichen Organi- sationen die Ausnahme des Kampfes nicht zweckmäßig erschien, trat vor ungefähr Jahresfrist für die Löhne ein tarisloser Zu- stand in der Berliner Metallindustrie ein. Für die H i l f s- a r b e i t r r, soweit sie dem Deutscheu Verkehrsbund ange- schlössen sind, wurde dann später ein neuer Lohntaris abge- schlössen, der nominell wohl eine geringe Lohnerhöhung vor- sah, aber praktisch durch den Abbau der Sozialzulagen teilweise sogar eine Lohnmindervuig zur Folge hatte. Die Unter- nehmer hatten sich wohl verpflichtet, derartige Härten zu ver- meiden, diese Verpflichtung jedoch nickst eingehalten. Am I. April lies nunmehr auch der Rahmenvertrag ab, der sowohl die Arbeitszeit, wie aurb den Urlaub vertraglich regelte. Im Anschluß an den Lahnkonflikt der Kupferschmiede in den Lokomotivfabriken, worüber heute zwischen den Organisationen verhandelt wird, soll nun der gesamte Komplex aufs neue ge- regelt werden. Die Berliner Metallindustriellen, die einen Bortrupp der deutschen Unternehmer der Fertigindustrie bilden, behaupten stets, daß sie schlecht beschäftigt sind, und zwar vor allem, weil ihre Konkurrenzfähigkeit dem Auslände gegenüber vermindert ist. Deshalb müßten die Löbne gedrückt und die Zahl der Arbeitsstunden erhöht werden. Ein anderes Heilmittel kennen sie nicht. Run ist es eine unleugbare Tatsache, daß die industrielle Konjunktur sich seit dem Dezember v. I. im stetigen Auf- schwung befindet, wenn wir auch weit entfernt sind, eine Hoch- konjunktur zu haben. Aber andererseits herrscht insbesondere in der Berliner Metallindustrie seit langem ein Mangel an Facharbeitern. Dieser Mangel an Facharbeitern. der für die Konkurenzfähigkeit unserer Fertigindustrie ein schweres Hemmnis und eine Gefahr bildet, ist ausschließlich auf das Konto der U n t e r n e h m c r zu setzen. Sie haben nicht nur während des Krieges und in den Jahren nach dem Kriege die Ausbildung von Facharbeitern vernachlässigt, sie haben gleichzeitig die Lehrlingsentschädigunq so niedrig gehasten, daß es den Arbeiterfamilien insbesondere angesichts der Hunger- löbne, die während der Jnflationsperiode gezahlt wurden, un- möglich gemacht wurde, ihre Söhne als Lehrlinge mehrere Jahre vollständig über Wasser zu halten. So trat ein lieber- angebot von ungelernten Arbeitskräften und ein Mangel an Facharbeitern ein. Aber das ist gegenwärtig noch nicht die wichtigste Ursache der von den Unternehmern mit so viel Uebereifer heraus- U gestellten verminderten Konturensfähigkeit. Zunächst muß| sazkrise. Wenn sich die Arbeiterschaft gegen diefes Verfahren festgestellt werden, daß die Behauptungen der Unternehmer, zur Behr seht und sie muß sich schon im eigenen Interesse die Löhne und die Arbeitszeit feien der wesentliche, wenn dagegen zur Wehr sehen- so hardelt fie dabei im wohl nicht alleinige Faktor dieser verminderten Konturrenzfähigkeit, verstandenen Interesse der deutschen Wirtschaft. ganz offensichtlich falsch sind. In den Konkurrenzländern des Auslandes herricht überall der Achtstunden tag, teilweise sogar eine noch fürzere Arbeitszeit durch früheren Arbeitsschluß am Sonnabend. Soweit die Löhne in Betracht kommen, sind sie gerade in den Ländern, die in der Maschinenindustrie am tonfurrenzfähigsten. sind, nämlich in England. und in den Bereinigten Staaten, weit höher als in Deutschland. Auch ein Vergleich bezüglich der Soziallasten würde feineswegs ergeben, daß diese die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Weltmarkt gefährden. Die Ursachen dieser beklagten und teilweise tatsächlich vor handenen Verminderung der Konkurrenzfähigkeit sind andere. Wenn wir die deutsche Produktion untersuchen, so fallen uns zwei Umstände besonders auf: 1. die Verminderung bes Anteils der Löhne am Preis des Produktes und 2. das außerordentliche Steigen der Regieuntoften im Verhältnis zur Vorkriegszeit. Diese beiden Tatsachen be= dingen einander. Würden die Regieunfosten wieder auf das normale Maß zurückgebracht, dann stiege der Anteil der Löhne. Das Zurückgehen des Anteils der Löhne hat zur Folge, daß es den großen Maffen der Arbeiterschaft weit weniger als vor dem Kriege möglich ist, die von ihnen erzeugten Produkte zu kaufen. Damit entsteht ein weiter Abstand zwischen Produktionsmöglichkeit und Absatz. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die deutsche Industrie während der letzten zehn Jahre ihre Betriebe außerordentlich ausgebaut hat. Die Produktionsfähigkeit der Industrie ist erheblich gestiegen. Die Verkürzung der Arbeitszeit, die feit 1914 eingetreten ist, war dabei feineswegs ein Hindernis, sondern hat im Gegenteil fördernd gewirkt. Die erweiterten Betriebsanlagen, die nur zum Teil ausgenugt werden, verursachen jedoch ganz erhebliche Verwaltungskosten. Zu diesen gesteigerten Verwaltungskosten kommt der in Deutschland höhere 3insfag, der gleichfalls verteuernd wirft. Es tommt weiter hinzu, daß die Kartell- und Monopolwirtschaft der Schwerindustrie eine große Belastung für die Fertigindustrie bedeutet. Durch die fogenannte vertitale Konzentration, d. h. durch die Angliede rung der Fertigindustrie, der Banken und Transportgeschäfte an die Schwerindustrie ist die Fertigindustrie ganz ins Schlepp tau der Schwerindustrie gelangt und heute weder fähig noch gewillt, gegen die preisverteuernde Politik der Schwerindustrie anzufämpfen. Wir haben uns in Deutschland daran gewöhnt, bei Unterfuchungen über die Wirtschaftslage zum Bergleich den Vorfriegsstand heranzuziehen. Seit 1914 ist die Welt jedoch nicht stehen geblieben. In anderen Ländern ist man rastlos bemüht gewesen, den Massenkonsum zu steigern, und zwar vornehmlich durch die Ausschaltung aller unratio nellen Kosten der Produktion. In Deutschland dagegen hat sich die Industrie hauptsächlich während der Inflation beTastet mit fogenannten Sachwerten, und zwar durch Erweiterung der Betriebsanlagen, die heute nicht ausgenutzt werden, aber die Produktionskosten verteuern. Statt nun darauf bedacht zu sein, diese vergrößerten Betriebsmittel auszunuzen und, soweit sie unmodern geworden sind, zu erneuern oder abzustoßen, pfuschen die Unternehmer fortgesezt an den Löhnen und der Arbeitszeit herum, wodurch die Abfagmöglichkeit und die( Ausnutzung der vergrößerten Betriebsmittel nur verringert werden. Das Verfahren, das die deutschen Unternehmer unter der Führung der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, deren Borsigender bekanntlich gleichzeitig Borsitzender des Verbandes Berliner Metallindustrieller ist, anzuwenden bemüht sind, führt nicht zu einer Erhöhung, sondern zu einer Verminderung der Ronkurrenzfähigkeit und zu einer Berschärfung der. AbDie erste Frühlingssonne. Bon Henni Lehmann. Heut, als ich erwachte, schien sie in mein Zimmer. Nach falten Tagen die erste Frühlingssonne, und es war Sonntag. Da be schloß ich, mich um nichts weiter in der Welt zu sorgen und spazieren zu gehen. Wohin? In den alten Bart, in dem das Flüßchen heut ficher unter den überhängenden Bäumen so luftig plätschert, als ficherte es in heimlicher Lenzfreude? Den alten Bart, in dem die Amsein jetzt fingen? Nein, nicht dorthin! Durch die schön gepflasterten Straßen des vornehmen Biertels, in dem die Häuser frisch und blant zwischen den Gärten stehen, Gärten, in denen Schneeglöckchen, blaue Scylla, gelbe, lila und weiße Strofus in gepflegten Reihen geordnet wachsen, beinahe wie ein Regiment von Blumensoldaten, das zur Parade aufmarschiert? Nein, auch dorthin nicht!- Ich gehe in die engen, winfeligen, frummen Straßen der alten Stadt, dhe Straßen, in denen die aimen Leute wohnen. Da hängen die kleinen verwitterten Häuserchen oben ein bißchen vornüber, als feien sie müde geworden Dom Alter. Da sind die kleinen Scheiben der Fenster ein wenig blind und trübe wie Augen, die viel gemeint haber. Da stehen die Steine des Pflasters auf dem Fahrdamm spitz und höckerig heraus, so daß ich daran denken muß, wie wehe sie müden Füßen tun mögen, die auf zerrissenen Sohlen darüber wandern. Doch heut sehe ich das alles nicht, denn heut ist die alte Straße, die im Winter schläft wie ein müder Maulwurf, aufgewacht und lebendig geworden. Alle die Blumen und Blüten, die da innen die engen Räume hell und froh machen, auch in dunkeln Tagen, laufen heraus aus den Häusern auf kleinen Buben- und Mädelbeinen, rennen durcheinander, purzeln übereinander, greifen einander, fliehen einander, fichern luftiger als das plätschernde Flüßchen, haben hellere Stimmchen als die Amseln im Bart. Wie viele, viele Kinder gibt es in den alten Häusern der Armut Straße! Da stehen zweie auf dem höckerigen Pflaster des Fahrdanums. Sie dürfen das ruhig tun, denn die Straße ist zu eng, als daß Fuhr werk hindurch fahren möchte, das dort nichts zu suchen hat. 3wei find es, der Bub vielleicht vierjährig. Er hat ein rundes wichtiges Gefichtchen, mit dem er sich über den Korb beugt, den er mit beiden Händen vor sich hätt. Ihm gegenüber das Mädelchen mit dem Blondkopf und den dünnen frummen Beinchen fuckt auch begierig in den Korb, über deffen Rand ihre Augen eben hinausreichen. Ja, da gibt es freilich etwas Schönes zu sehen! Jetzt greift der Junge mit der einen Hand hinein, schiebt das Brot, das er für die Mutter gehelt, beiseit und holt mit fpigen Fingern etwas heraus, das er dem Mädelchen in den Mund schiebt ein Zuderbonbon ein andres, das stedt er in den eigenen Mund. dann Daß es auf einem anderen Wege geht, daß man durch Rationalisierung der Produktion eine Berbilligung der Produfte, somit ein Steigen des Anteils der Löhne erzielen fann, was wieder ein Steigen des Absages und der Konkurrenzfähigfeit überhaupt nach sich zieht, das haben insbesondere die Deutschen Werte auf dem Gebiete der Automobilindustrie bewiesen. Auch die Deutschen Werke waren ganz ungeheuer lich belastet mit Betriebsanlagen, die sie übernommen haben und die für ihre gegenwärtige Produktion völlig ungeeignet waren. Und doch haben sie in sehr kurzer Zeit es verstanden, die Automobilindustrie meit zu überflügeln. eine Beispiel zeigt mit schlagender Deutlichkeit, wo eingefekt werden muß, um eine Steigerung der Konkurrenzfähigkeit zu erzielen. Es ist nicht nur das Recht, es ist die Pflicht der Arbeiterschaft, sich gegen die furzsichtige und verhängnisvolle Politik der Unternehmer mit allen Kräften zur Wehr zu sehen. Wie sie sich lieben. Stresemann belehrt die ,, Nationalpoft". Dieses Die deutschnationale Bresse hat am Sonntag wieder eine gesammelte Offensive gegen die Außenpolitik der Regierung und den Sicherheitspaft angesetzt, voran die National: poft". Darauf erhält sie von der Nationalliberalen Correspondenz" folgende Belehrung: " „ Eine deutschnationale Zeitung Berlins beflagt sich über Geheim diplomatie in der deutschen Außenpolitif. Das betreffende Blatt hätte sich die Druckerschwärze sparen fönnen durch eine Anfrage bei den zuständigen Stellen der eigenen Partei, die über Ziel und Tattif der deutschen Außenpolitik auf das genaueste unterrichtet sind. Es dürfte auch in deutschnationalen Kreisen Berlins bekannt sein, daß man gerade in den Ostmarken für die Politik Stresemanns volles Berständnis hat. Mangelt es an genügender Auftlärung, dann empfehlen wir, noch nachträglich die Rede Stresemanns im Auswärtigen Ausschuß nachzudrucken, die durch WTB. verbreitet wurde." Herr Stresemann und Herr Schiele find also einig, Herr Schiele ist auf das genaueste unterrichtet" und billigt die Politit Stresemanns. Die deutschnationale Breffe aber liebt weder Stresemann, noch seine Politik, noch die Entente Stresemann- Schiele. Wenn nach den Reichstagsferien die deutschnationale Reichstagsfraktion zu sammentritt, wird das eine brüderliche Begrüßung geben! Jarres und Adenauer. Eine vielsagende Erklärung. Köln, 7. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Presse wird heute früh folgende Erklärung der Herren Adenauer und Dr. Jarres übergeben: „ Die Herren Dr. Adenauer und Dr. Jarres find in Gegenwart der Borsitzender der Rheinischen Zentrumspartei und der Arbeitsgemeinschaft des Rheinischen Provinzialverbandes zu einer ein= gehenden Ausfprache über die in der letzten Zeit zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten, betreffend die Rheinlands. politik an Jahre 1923, zusammengetreten. Insbesondere wurden die Borgänge in Barmen und Hagen am 24. und 25. Oftober 1923 erörtert. Cine Ginigung über den Wortlaut der damals gemachten Aeußerungan wurde dabei nicht erzielt. Beide Herren Auf zur Wahlarbeit. Das Bureau des Boltsblods für die Wahl des republifanischen Präsidentschaftstandidaten Dr. Wilhelm Marg befindet sich im Reichstagsgebäude, Obergeschoß. Zimmer 14. Dort in der Haustür steht ein größeres Mädchen. Sie trägt eine verwaschene Schürze, die fast so lang ist wie sie selbst. Aber wenn die Kleidung grob und fadenscheinig ist, das Gefichtchen ift Welt hinein, als wollte sie zuerst von allen alle Sonnenstrahlen frisch und fein, und die kleine schmale Nase sticht so lustig in die fangen. Und dort eine Gruppe von Knaben. Sie halten in den Händen tieine runde Kügelchen Murmeln! Die lassen sie hinrollen zu der fleinen Grube, die sie dicht vor dem Hause in einen schmalen Erdstreifen gegraben haben. Keinem feudalen Herrenreiter beim Wettrennen ist seine Aufgabe und ihr Erfolg wichtiger und bedeut samer als ihnen der ihrige! Wer trifft zuerst in das Loch? Neben mir malt einer mit einem Stüdchen weißer Kreide Vierecke auf das Pflaster des Bürgersteiges und schreibt hinein: Himmel, Hölle" Drüben sitzt einer platt auf dem Pflaster und läßt sich von der Sonne bescheinen. Dort haben sich welche an den Händen gefaßt, tanzen herum und singen. Da hat eine einen Strid, den sie über das Haupt schwingt, durch den sie springt. Ach ihr lieben Frühlingstinder, ihr junge Menschheit! Mag euch lange die Sonne scheinen, ihr gehört in die Sonne! Kinder follen Sonne haben. die Lebenssonne verdunkelt werden mag. Etmas trauriger gehe ich Das denke ich, und ich denke daran, wie oft diesen Kindern nach Hause, als ich gekommen. Ganz traurig bin ich nicht. Wer fann ganz traurig sein, wenn die erste Frühlingssonne scheint? Die Neuordnung der Berliner Antifenfammlung. Die Antifenfammlung der Berliner Museen umfaßt Schäße, wie fie felten vereinigt werden. Die Vasensammlung hat schwerlich ihresgleichen; Bronzen, Geräte, Gläser und Waffen sind reich vertreten, und manche Abteilungen, die bisher noch in den Magazinen schlummern, werden große Ueberraschung hervorrufen, wenn sie erst einmal aufgestellt find. Daß alle diese Schäße nicht völlig zur Geltung tommen, liegt an der Raumnot, zum Teil aber auch an der unübersichtlichen Aufstellung. So tritt die Stulpturensammlung erst jetzt in das rechte Licht, nachdem ihre Neuordnung von Prof. Bruno Schröder vollendet worden ist. Wie Anton Mayer im„ Sammlerfabinett" bes richtet, find alle Räume des Schinkelhauses nach und nach vollständig ufngestaltet worden. Nach dem Willen des Erbauers wurden in der Rotunde alle Zwischenräume der Säulen mit großen Skulpturen, die wiedergeöffneten Nischen des oberen Umgangs mit fleineren Werten idyllischen Charakters gefüllt, in allen Sälen fielen die schweren Scherwände und Vorhänge, die die edle Architektur zerrissen, alle Reliefs wurden in Seitenlicht gerüdt, der ganze Bestand wurde nach der Entstehungszeit gesichtet und das fünstlerisch Bedeutende ausgewählt. Dabei wurden die einzelnen Stücke in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder hergestellt, falsch aufgesezte Köpfe richtig verteilt, falsche Ergänzungen entfernt usw. Auch die häßlichen Sintertrusten, die manche Werte ganz entstellten, wurden vorsichtig beseitigt, aber nicht, wie früher, durch Säuren, sondern mit mechanischen Mitteln. | erffären aber ausdrüdlich, daß fie nach diefer Aussprache überzeugt find, daß alle bei den Verhandlungen in Barmen und Hagen ge äußerten Gedanken nur aus den Beweisgründen entsprungen sind, das Rheinland dem Reiche zu erhalten. Die von Herrn Dr. Jarres seinerzeit vorgeschlagene Lösung fann vom Zentrumsstandpunt aus nach wie vor ausdridlich nicht gebilligt werden. Es wird aber anerkannt, daß Herr Dr. Jarres die Rheinlande niemals hat versaden laffen wollen.(: 2. Red.) Die Herren Adenauer und Dr. Jarres haben sich verpflichtet, jede Erörterung dieser Frage abzubrechen, und sie erfuchen hiermit die ihnen nahestehende Bresse und ihre politischen Freunde, ihnen darin zu folgen." Die Erklärung entbehrt nicht eines pitanten Reizes. Als Jarres beim ersten Wahlgang, nach vergeblichen Leugnen seine erfadungspolitit eingestehen mußte, verfiel er auf die dumme Ausrede, Adenauer sei auch ein Verfadungspolitifer gewesen. Nunmehr erklärt Adenauer schriftlich, daß Herrn Dr. Jarres mitzumachen und Jarres erklärt sich damit er gar nicht daran gedacht habe, die Versadnngspolitik des einverstanden! Schweigen, um Gotteswillen Schweigen und fich nicht verantworten müssen!", ist die Parole des schwarzweißroten Präsidentschaftskandidaten. Dem zuliebe steckt er auch die schwungvolle Ohrfeige ein, die ihm Adenauer durch die Erklärung berabfolgt. Wirklich, ein echter Mann, ein ganzer Mann, ein Mann, der dem Rechtsblock wie auf den Leib zugeschnigt ist. Landbundskandale. Ungetreue Direktoren und leere Kaffen. Es hat bekanntlich niemand mehr über die Zwangswirtschaft, über die Bureaukratie und Unrentabilität kommunaler und gemeinnütziger Betriebe gewettert, als die echt deutschnationalen Herren Dom Landbund. Und es ist noch allzu bekannt, daß gerade die Herren vom Landbund und der hinter ihm stehenden Kreise sich nicht genug tun fonnten in der Aufdeckung von„ Korruptions". und anderen„ Standälchen". Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, wirft es sehr eigenartig, menn man da z. B. aus Kottbus erfährt, daß in der Niederlaufiger Landbundgenossenschaft„ die Lage sehr ernst" sei, daß im Laufe von 5 Jahren drei Direttoren wegen Untreue entlassen werden mußien( alles gut national abgestempelte Herren!) und daß trotz gioßer Umjaze faum Betriebskapital mehr vorhanden set. Auch fam in der am 28. März 1925 in Ströbizz bei Kottbus stattgefun denen Generalversammlung zum Ausdruck, daß der ganze Apparat zu teuer arbeite", in den fleinen Lagern seien zu viel Beamte, man werde von einem zum anderen geschickt usw. Infolge dieser Zustände betonten verschiedene Diskussionsredner, daß das Vertrauen und zum Landbund schwächer werde mancher Bauer würde austreten. Diese Borgänge zeigen jedenfalls wieder aufs neue, wie weit es mit der Remheit" und Fähigkeit" der Herren von Rechts bestellt ist. Sie können nicht einmal eine landwirtschaftliche Genossenschaft in Ordnung halten und mit Ruzen führen. Aber das hindert sie nicht, fräftig gegen die gemeinnützigen Bestrebungen der deutschen Arbeiterschaft und der Kommunalvermaltungen anzufämpfen. Erfreulich ist es, daß es jetzt auch endlich auf dem Lande zu tagen beginnt. Die kleine und mittlere Bauernschaft fängt an zu begreifen, für meffen Interessen der Landbund in Wirklichkeit eintritt, Derartige Borkommnisse fördern die Erkenntnis beffer als alle Propaganda. Bei der Bürgermeisterwahl in Sonderburg( Dänisch- Schleswig) wurde der bisherige Bürgermeister Johann Jacobsen( Sozialdemokrat) auf vier Jahre wiedergewählt. Zum stellvertretenden Bürgermeister wurde an Stelle des Kaufmanns Rod( Rons. Däne) der deutsche Justizrat Alexandersen mit den deutsch- bürgerlichen und sozialistischen Slimmen gewählt. Ein deutsch- estnischer Schiedsvertrag ist im Entwurf dem eſtnischen Außenminister Busta übergeben worden, als er letthin den deutschen Außenminister in Berlin besuchte. Da der künstlerische Unmert der Kopien immer deutlicher hervortritt, je mehr Originale bekannt werden, so wurde unter den Kopien aufgeräumt und alle entbehrlichen Stüde wurden im Neuen Museum Eine besondere Porträtgalerie murde Werke nunmehr nach der Zeit geordnet, nach ihrem Wert gesiebt und zur Deforierung verwandt. eingerichtet. Auf diese Weise wurde erreicht, daß die griechischen murde umgeordnet. in geschlossener Harmonie aufgestellt sind. Auch der römische Saal wurde umgeordnet. B. Ein Film über erste Silfe bei Unglüdsfällen. Unter dieser Titel hat die Gervid- Film" im Auftrag des Roten Kreuzes" einen Film geschaffen, der in der Urania vor einem Kreise von Interessenten und Fachleuten zum ersten Male Dorgeführt murde. Einleitend sprach Camilia Spira vom Leffing Theater einen packenden Vorspruch, der Präsident des Reichsgesundheitsamts, Professor Bumm, mies auf dre Bedeutung der gesundheitlichen Belehrung des Volfes hin, Sanitätsrat Dr. Cramer, der ärztliche Berater für den Film, gab einige einführende Erklärungen. Der Film veranschaulicht in populärer Form die ersten Hilfsmaßnahmen, die bei den häufigsten Unglücksfällen des täglichen Lebens vor Eintreffen des Arztes vorzunehmen sind. Eindringlich aber wird dem Laien an der Spizze des Films zugerufen: Lieber feine als falsche Maßnahmen! Die Der erste Teil zeigt Biß und Schnittmunden, der zweite Teil Knochenbrüche und Ferienfungen, der dritte Teil behandelt Er. licher Zufall häufig mit sich bringen fann. So z. B. leichte Schnittfrieren, Ertrinken und Ohnmachtsanfälle. Dargestellt werden ni.hi nur die leichten, sondern auch die schweren Fälle, wie sie ein unglüdmunden neben Verlegung der Schlagader mit der Gefahr des Werblutens, neben der Verrenkung der offene Knochenbruch. Regisseurin des Films, Frau David, hat es meisterhaft verstanden, die Hilfeleistungen auch technisch so flar herauszuarbeiten, daß sie ohne weiteres verständlich sind. Einzelne de dargestellten Hilfeleistungen lönnen allerdings mur ärztlich vorbereitete Laien vornehmen, worauf im Film jedesmal besonders hingewiesen ist. Borbereitungsfurse dieser Art veranstaltet das Rote Kreuz, daneben auch unsere Arbeiter famariterorganisation. Der Film wirkt tro seiner manchmal etwas zu bescheidenen Aufmachung feineswegs trocken und lehrhaft, die einzelnen Fälle sind vielmehr in geschicier Weise von fleinen Handlungen umrahmt. Dem geschulten wie ungeschulten Laien bringt der Film so wertvolle Winke und Ratschläge, daß seine Vorführung vor weitesten Kreisen zu wünschen ist. Be sonders zu empfehlen ist er zur Vorführung in den Betrieben sowie in unseren Sport, Wander- und Jugendorganisationen. R. W. Austausch von Kölner und amerikanischen Studenten. Die Wirtschaftsund Sozialpolitische Fakultät der Universität Stöln bereitet einen regelmäßigen Studentenaustausch mit den Vereinigten Staaten vor. Es ist beabsichtigt, beutiche Studierende auf etwa zwei Semester, die ihnen später auf ihr Studium angerechnet werden, nach Amerifa zu fchiden. Als Gegenleistung für ihre freie Aufnahme müßten in Stöin einige Freistellen für amerikanische Studierende geschaffen werden. Ein Einstein- Inftitut in Jerusalem. In Jerusalem wurde auf dent Brunditud der Universität in Anwesenheit Lord Balfours der Grundstein des Einstein- Instituts für Mathematit und Physit gelegt. Die Feier mar turz und einfach. £m üeutsckcc Richter. Gilt für ihn das Republikschutzgesetz? Schon seit mehreren Jahren wird in der Oefsentlichkeit Klage geführt über einen Amtsrichter B e i n e r t aus Wernige- rode. Seine. Urteilsbegründungen, die auch schon im Preußi- scheu Landtag Gegenstand der Erörterung waren, zeigen deut- lich, baß dieser Herr seine antisemitische und völkische Voreingenommenheit auch in seiner richterlichen Tätigkeit ganz ungeniert und ohne jede Rückficht auf die Unparteilichkeit, zu dvr sein Amt ihn verpflichtet, zum Ausdruck kommen läßt. Nunmehr hat dieser cherr am l. April 1925 zu einer Bismarckseier auf dem Brocken die Festrede gehalten, die auch im Druck erschienen ist(Buchdruckerei HGK.-Wernigerode) und den bezeichnenden Titel führt:„Bismarcks �Äampf gegen Schwarz-Rot-Gold". Aus Raumgründen können wir nur einige Probestellcn der im übrigen gleichmäßig hetzerisch und un- fiätig gehaltenen Rede wiedergeben, lieber den ermordeten Erzberger wird darin gesagt: „Don allen den Männern, die am Niedergang Deutschlands schuld waren, hat keiner einen so verhängnisvollen Einfluß ausgeübt wie Matthias Erzberger. Wir wissen von ihm, daß er kurz vor dem Tage, an den, der Machtspruch von Versailles unterzeichnet wurde, in das Gastbuch zu Weimar eingetragen hat: „Erst schaff dein Sach, dann trink und lach'!" Wenn wir von ihm auch nichts weiter wüßten, als diese eine Tatsache, so würde das für die Geschichte genügen, um den Namen Erzbergers neben E p h i a l t e s und ch« r o st r a t von Jahrhundert zu Jahrhundert > als den Ztamen eines Halunken zu überliefern, wie ihn die Sonne nur selten beschienen hat." An anderer Stelle erklärt Herr Beinert, daß in der heutigen Republik Zuchthäusler Ministerpräsidenten würden, Minister und Polizeipräsidenten bestechlich und b e- st o ch e n seien. Gegen Schluß droht er: „Die Weltgeschichte würde ihren Sinn verloren haben, wenn die Männer, die Deutschland in Not und Knechtschaft gestürzt haben, in hohen Ehrenstellen, die vielfach im um- gekehrten Verhältnis zu ihrer Bildung stehen, verherrlicht und ge- priesen ihr Leben beschließen würden. Der Tag der Abrechnung kommt, der Tag, da sich das deutsche Volk auf sich selbst besinnt und Rechenschaft von denen fordert, die Bismarcks großes Erbe zerstört haben. Dieses Tag vorzubereiten, ist der Zweck unseres heutigen Beisammenseins." Wir glauben, daß der preußische Iustizminister A m Z e h u h o ff nicht ohne Interesse von dieser Gesinnung eines Richters Kenntnis nehmen wird, für dessen polstische Tendenz- urteile das Justizministerium schon bei der letzten Etatsbe- ratung hat abrücken müssen. Ein Einschreiten gegen Herrn Beincrt auf Grund der Disziplinar- und Republikschutzgesetz- gebung ist unumgänglich notwendig, wenn anders die Justiz nicht sich selber als Instrument des fanatisch st en Parteihasses vor der Oesfentlichkeit bloßstellen will. die harthörige Justiz. Nochmals: der Staatsanwalt von Schneidemühl. Wir berichteten vor ewiger Zeit über den Fall des Post- fchaffners Zank in Deutsch-Krone, der seine amtliche Stellung zur avtirepublikanischen Propaganda mißbrauchte. Er überreichte einen, Mitglied« des Reichsbanners das Verbandsorgan mit den Worten: �„Was, Sie halten dieses Iudenblatt und.u n tcrstü tz e n die Rc- publik?" Beim Tode des Reichspräsidenten äußerte er sich: „Gott sei Dank, daß der Hund krepiert ist!" Gegen den Postschaffner wurde Strafantrag gestellt.~ Der Obetstaatsanwalt i n Schneidemühl lehnt« es ab, einzugreifen. Darauf hat, mie wir nunmehr erfahren, das Reichsbonner Dcutlch-Krone Beschwerde beim General st aatsanwalt in Marienwerder er- hoben. � Der. Generalstaatsanwalt traf folgende Entscheidung: DerGeneral st aatsanwalt. Z. 42/25. Marienwerder, 17. März 1925. Fernsprecher Nr. 37. Betrifft: Die Ermittlungssache wider Zank. Aus die Peschwerde vom 11. März 1925. Ihre Beschwerde wird als unbegründet zurückgewiesen. Durch die Verfügung des Oberstaatsanwalts zu Schneidemülil vom 6. März 1925 sind Sie mit Recht auf Ihre Anzeige gegen den Postschaffner Zank in Deutsch-Krone abschlägig beschiedc» worden. Der Begründung dieser Verfügung trete ich bei. Es steht Ihnen frei, den Vorfall der vorgesetzten Dienst- behörde anzuzeigen. I. D.: gez. Fortlage. (Stempel.)■ Beglaubigt: F engler, Kanzleisekretär. Damit wird dem Postschasfiier Z. also bestätigt, daß er sein öffentliches Amt zur ontirepublitanischen Propaganda und zur Be- leidigung des Repräsentanten des Reiches mißbrauchen darf. Der Oberstaatsanwalt von Schneidemühl«chat inzwischen den Landgerichtsbczirksverband Schneidemühl des Preußischen Richter- Vereins zu seiner Ehrenrettung mobilisiert: Der Verband veröffentlicht eine Erklärung, in der gesagt wird, das Republikschutz. g e s e tz käme in diesem Falle nicht in Betracht, weil Friedrich Eberl nicht mehr Mitglied der republikanischen Regierung gewesen sei. als Z. die unflätige Aeußerung getan habe. Aber auch hiervon abgesehen, habe sich Z. deshalb nicht strosbor gemacht, weil er beide Aeußerungen weder in einer Versammlung, noch öffenUich getan habe. Es ist rührend, zu beobachten, mst welcher..Sorgfalt" die Staatsanwaltschaft die Gesetze auslegt, wenn es daraus ankommt. Feinde der Republik vor einer Bekanntschaft mit dem Republikschutzgesetz zu bewahren! Im Sinne des Re- publikschuggesetzes ist Friedrich Ebert zweifelsohne von dem Z. als Repräsentant der deutschen Republik verunglimpft worden, wie es dem Z. seiner ganzen Gesinnung nach nur darauf ankommen konnte, nicht den toten Menschen Ebert, sondern den Vertreter der Republik herabzusetzen. Rur Böswillig- kcit kann den Fall der Oefsentlichkeit als nicht gegeben an- nehmen, wenn ein Beamter in seiner amtlichen Eigenschaft den Staat und die Repräsentanten des Staates schmäht. Das Verhalten der Staatsanwaltschaft im Falle Z. bleibt ein öffentlicher Skandal, der die Justiz aus das empfindlichste bloßstellt. Ohrfeigen gegen üas Recht. Wofür ein mecklenburgischer Richter freispricht. Dieser Tage wurde in N e u st r e l i tz vor dem Schöffengericht ein Prozeß verhandelt, den der sozialdemokratische Land- rat a. D. Tensseld gegen einen deutschnationalen Parteiselretör, Stahlhelmorgonisator und Oberleutnant a. D. Kletschke angestrengt hatte. Tensseld hotte am 19. Februar mit zwei Bekannten aus der Straße gestanden und sich zufällig über einen V« r l e u md n„ g s f e l d z u g der„nationalen" Kreise in Mecklenburg gegen ihn unterhalte». In diesem Auaenblick kam Kletschke um die Eck«, der einer der chaupckreiber in dieser Affäre war. Tensseld sagt« halblaut zu seinen Bekannten:„Da kommt ja gerade der Richtige!" Kletschke fing diese Worte aus, ging zunächst vorüber, kehrte aber' nach einiger Zeit zurück, stürzte auf Te,'.sfeld zu und fragte ihn, was er non ihm wolle. Der Gefragte antwortete ihm:„Ich' will gar. nichts von Ihnen." Die Amwort des Herrn Oberleutnants a. D. war. daß er Tensseld ins Gesicht schlug. Tensseld strengte eine Privottlage an, in der dieser Tatbestand durch mehrere Zeugen bestätigt wurde. Die Zeugen bekundeten auch übereinstimmend, daß der Kläger den Beklagten keineswegs habe reizen oder provozieren wollen. Das Urteil, das nach der„Voss. Ztg." der Amtsgerichts- rot D c t t in o n n als Eklizelrichter am Schöffengericht in Neu- ftrelitz sällte, ist wert, weiteren Kreisen � bekannt zu werden. Der Oberleutnant a. D. Kletschke wurde straffrei«rtlört. Er habe sich durch die Bemerkung des Klägers provoziert fühlen können. und„man könne es ihm nicht verdenken, wenn er darauf mit einer leichten Körperverletzung erwiderte." Zudem hat der M i ß h a n- d e l t e auch noch die Koste i, des Verfahrens zu trogen. Das ist die Proklamation des Rechts auf Ohr- feigen! Das ist nichts anderes, als jedem Stahlhelm-Lümmel das „Recht" ertellen, sich,„ach vorschriftsmäßigen Provoziertfühlen selbstverständlich, auf irgendeinen Passanten zu stürben und ihn zu verhauen. Die Reform des Strafrechts beginnt in Mecklenburg mit der Aufrichtung des Faustrechts! Was ist im Jinanzministerium los! Abbau der Lohnsteuer von oben her? Die unerträgliche Höhe der Lohnsteuer hat die s o z i a l d e n, o- k r a t i s ch c Reichstogsfrallion veranlaßt, mehrfach einen Vor- stoß zur schleunigen Ermäßigung der Lohnsteuer zu unternehmen. Bisher aber waren alle diese Versuche, besonders den unteren Schichten der Lohn- und Gehaltsempfänger die dringend notwendige steuerliche Entlastung zu verschaffen, vergeblich. Die Reichsregierung vertritt den Standpunkt, daß die Neu- regelung des deutschen Steuerwefens einheitlich erfolgen müsse, und daß die vorherige Regelung der Lohnsteuer unzweckmäßig sei. Auch die bürgerlichen Parteien haben diesen Standpunkt im all- gemeinen vertreten. Erst in der letzten Sitzung des Steüerausschusses des Reichstages wurde infolgedessen das verlangen der sozialdemokratischen ver- treter nach sofortiger Ermäßigung der Lohnsteuer abgelehut. Es wird also mindestens für die Monate AprU und Mai bei der bis- herigen Regelung bleiben. Die Reichsregierung wurde lediglich aufgefordert,„Borbereiwngen" zu treffen, daß dringliche Materien. insbesondere die Lohnsteuer, die Umsatzsteuer und die Steuerübcr- leitung vor Erledigung der gesamten Steuerreform in Form eines Notgesetzes geregelt werden. Wa n n das geschehen wird, ist nicht bestimmt worden. Daß der Zeitpunkt dafür nicht in naher Aussicht steht, ist sicher. Somit werden die unleren Gruppen der Lohn- und Sehalts- empfänger noch weller höhere Steuerlasten tragen müssen, als sie durch das Reichsinteresse erforderlich sind. Und da die Lohn- und Gehaltsempfänger nur Vorauszahlungen leisten, die später bei der Veranlagung abgeändert werden können, wird damit eine ueue schwere Ungerechtigkeit begangen. Das Reichsfinanz- Ministerium aber hat darüber hinausgehend eine weitere Maßnahme getroffen, die den höheren Gruppen der Lohn- und Gehalts- empfänger die Milderung ihrer Steuerlast gewährt, die den unteren Gruppen verweigert wird. In einem Erlaß vom 24. März, der erst jetzt bekannt wird, Hot das Reichsfinanzministeriun, angeordnet, daß die Lohn- und Ge- Haltsempfänger mit Einkommen über 2009 Mark viertetjährlich für die über 2999 Mark hinausgehenden Beträge künftig nur 15 praz, stall der jetzt geltenden 20 Proz.. zu zahlen haben. Die restierenden 5 Proz. sollen gestundet werden, und zwär ohne besonderen Antrag./ An und für sich Haben wir gegen eine Milderung der Einkommen- steuer. bei den höheren Gruppen der Lohn- und Gehaltsempfänger nichts einzuwenden. Die Art des Vorgehens des Reichsfinaaz- Ministeriums ist jedoch fkaudalös. ja gesetzwidrig. Für seine An- ordnung fehlt jede gesetzliche Unterlage und anläßlich ähnlicher W sichten der Reichsregierung bei der Stundung der Vermögenssteuer hat der Protest der sozialdemokratischen Fraktion auch bewirkt, daß man diese Pläne fallen ließ. In diesem Falle aber kommt hinzu, daß dasselbe Finanzministerium, das den Massen der Lohn- und Gehaltsempfänger jede Ermäßigung der Lohnsteuer brutal verweigert, für alle höheren Angestellten und Beamten, also die Herren von Gruppe 11 ab aufwärts, diese Er- Mäßigung von sich au» anordnet. Angesichts dieses Tatbestandes kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als ob den dafür ver- antwortlichen Herren das eigene Interesse nicht so in den Hintergrund gedrängt worden ist, wie es ihre Stellung verlangt. Zu dieser Vermutung ist um so mehr Veranlassung gegeben, als die Herren des Reichsfinanzministeriums bei den Beratungen des Steuerausschusses des Reichstages am 2. April mit keinem Wort davon Kenntnis gaben, daß sie den oberen Beamten und Angestellten das bereits gewährt haben, was die Sozialdemo- kraten für olle verlangen. Es dürfte deshalb zweckmäßig sein, ein solches Verhalten auch im Reichstage kritisch zu besprechen. Die betrogenen Sparer. Protest gegen die Aufwertung. Der Hypothekengläubiger- und Sparerschntz- verband für das Deutsche Reich(Sparerbund) schreibt: „Die beabsichtigte Regelung der privaten Schuldverpflichtungen ist nichts weiter als eine verschleierte Aufrechterhal- tung der 3. Steuernotverdnllng mit nur geringen Der- bessemngen, dafür aber auch wesentlichen Verschlechte- r u n g e n. Für die privaten Schuldverpflichtungen gibt es nur eine einzige Fiögliche Lösung: die individuelle, die aus Grund oerein- fachender Richtlinien ohne Schwierigkeiten durchzuführen ist. Auch die für die öffentlichen Anleihen vorgeschlagene Losung ist völlig unbefriedigend und unannehmbar. An die Stelle der beabsichtigten Gleichmacherei muß eine unterschiedliche Behandlung der Schulden des Reichs, der Länder und der Gemeinden nach der Leistungskraft treten. Das wesentlichste ist die sofortige Wiederaufnahme des Z i n se n d i e n st e s nach der Leistungs- sähigkeit. Der Hypothekcngläubiger- und Sparerschutzverband erwartet von den gewählten Vertretern des deutschen Volkes, daß sie allein das Recht zur Grundluge ihrer Entscheidungen machen und an Stelle der unzulässigen Gesetzentwürfe der Regierung eine Lösung setzen. die Treu und Glauben und dem Rechtsempfinden des deutschen Volkes entspricht." Unterürückung üer Ukrainer und Weißrussen Marschau, 7. April.(OE) Im Zusammenhang mit den ftu den Frühling befürchteten revolutionären Unruhen in W o l h y n r e n bat die polnische politische Polizei in den ersten Apriltagen zahl- reickie Hauesuchliiigen bei den dortigen Ukrainern vorgenommen. Ueber 159 Personen sind oerboftet; Beziehungen zu sowjetrussischen Organisationen füllen fistgestellt worden sein. Gleichzeitig wurde auch in der vorivicgend wcißrufsischen Wojewodschaft Nowogrudek mit Einsetzung von Militär vorgegangen, die Zahl der Verhafteten übersteigt dort 200. Sicherheit und Friedensverträge. Bedeutsame Erklärungen des britischen Nuftcnniinisters. London, 7. April.(MTB.) Der Staatssekretär des Aeußern, 'Austen Chamberlain, sagte in einer Rede in seinem Wahl- kreise Birmingham u. a.: Sechs Jahre nach Unterzeichnung der Friedensverträge herrsche immer noch keine Atmosphäre des� Frie- dens. In Europa herrsche die große Furcht vor einem neuen Krieg«, wenn dieser auch nicht mehr zu seiner(Chan»- berlains) Zeit kommen werde. Wenn man diese Befürchtungen nicht zerstreuen könne, so steuere Europa— das werde jeden Tag tlarcr— einer neuen Katastrophe entgegen. Hinsichtlich der Frage der Sicherheit, der Schiedsgerichts- barkeit und der Abrüstung, auf die das Genfer Protokoll hinziele, erscheine es der britischen Regierung, wie schon vorher den Per- einigten Staaten und anderen Großmächten, daß gewisse Fragen für die Nationen zu wichtig seien, als daß sie zustimmen könnten, sie einem Schiedsgericht zu überweisen. Wenn sie es tun sollten,. so könnte die Zeit kommen, wo eine Nation vorschnell gemachte Versprechungen vielleicht nicht erfüllen könne. Die Regierimg er- hebe keine Einwe>ü>ungen gegen den Zweck des Protokolls, sondern gegen die vorgeschlagenen Methoden. Die Vervielfältigung der Sanktionen scheine heute die fundamentale Stellung des Völker- bundes als Werlzeug des Friedens zu gefährden. Er habe gefühlt, daß die Sicherheitsfrage durch die Unterzeichnung des Protokolls nicht gelöst werde. Man könne keine Sicherheit erlangen durch Bündnisse mit den Freunden von gestern gegen die Feinde von gestern. Wenn die Friedensverträge geändert werden sollten, so würden sie geändert werden nur im Laufe von Zahren. wenn alle in Betracht kommenden Barlissen der Ansicht seien, daß eine Aendc- rung wünschenswert sei. Die französische Sanierung. Die Kammermehrheit hinter Herriot. Paris, 7. April.(Eigener Drahtbericht.) Der zweite K a b i- nettsrat, der am Montag abend stbttsand, hat in den großen Linien die vom neuen Finanzminister ausgearbeiteten Vorschläge .zur Sanierung der französischen Finanzen angenommen. Allerdings wurde dabei eine recht bedeutsame Aenderung oorgenomitzen. die von den Sozialisten und dem linken Flügel der Roditalsozialen gefordert wurde. Die für die Zwangsanleihc ur- sprünglich in Aussicht genommene Verzinsung von 4 Proz. hpt die recht beträchtliche Herabsetzung auf 2 Pro,}, erfahren. Die Anleihe soll in zwei verschiedenen Sorten ausgegeben werden: die eine mst einer festen Verzinsung von 214 Proz.. die andere in der Form von Prämienlosen und nur einprozentiger Verzinsung. Im unmistelbaren Anschluß an den Ministerrat haben bis nach Mstternocht neue Besprechungen zwischen Herriot und den Führern der Linksparteien stastgesunden. Herriot hat zunächst eine Abordnung der radikalen und radikalsozialen Fraktionen von Kam- mer und Senat empfangen und später als Vertreter der Sozialisti- scheu Partei die Genossen Blum und A u r i o l. Auf Grund dieser Aussprachen wird erklärt, daß für die Erhöhung des Notenumlaufs und für die Zwangsanleihen in der Kammer eine Mehrheit als gesichert anzusehen sei, obwohl die Sozialisten und ein Teil der Radikalsozialen stall der Zwangsanleihe eine reine Vermögens- abgab« vorgezogen hätten. Von den Vertretern der demokratischen Linken des Senats sind wiederum sehr starke Bedenken gegen das von Herriot in Aussicht genommene Kompromiß wegen der Gesandtschaft im Vatstan erhoben worden. Doch wird Voraussicht. lich diese Frage bis noch der Entscheidung über die finanzielle Reformvorlage im Senat vertagt werden. tzeeresreform in Frankreich. Herabsetzung der Dienstzeit. pari». 7. April.(WTB.f Kriegsminsster Genera! Rollet hat gestern dem Präsidenten der Republik den Gesetzentwurf über die allgemeine Organisierung der Armee, der soeben vom Obersten Kriegsrat geprüft worden ist, zur Unterzeichnung unterbreitet. Die Reform der milllärischen Institutionen umfaßt drei Gesetzentwürfe, einen Gesetzentwurs betreffend die allgemeine Organisierung, der die Grundlagen der neuen Armee festlegi und der heute nachmillag dem Bureau der Kommer vorgelegt werden wird. Einen weiteren Gesetzentwurs betreffend die Rekrutierung, der gegenwärtig dem Obersten Kriegsrat vorliegt, in dem die militärischen Verpflichtungen der Staatsbürger festgelegt werden und der die Herabsetzung der Militärdien st zeit vor- sieht. Schließlich einen Gesetzentwurf betreffend die Cadrcs und die Effektivbestände, der später vorgelegt werden wird, und der die Natur und die allgemeine Zusammensetzung der Heereseinhesten für ein Jahr eisthält. Englisch-indische Verständigung. Parlamentsauflösung und Neuwahlen in Indien. London, 7. April.(Eigener Drahlbericht.) Der Unterstaats» sekretär für Indien gab im Unterhaus die Erklärung ab, daß es zwischen der englischen Regierung und den indischen Nationalisien unter Führung von Das zu einer Verständigung gekommen sei, wonach das indiinze Patlamen' in nächster Zeit aufgelöst und Reu- mahlen durchgeführt werden. Manifestationen in Italien. Rom. 7. April.(Eigener DrohtberichtI Außer in Rom fanden am Sonntag auch in anderen größeren Städten des Landes, so in Malland, Genua, Palermo und Neapel, Demonstrations» Versammlungen der Opposition statt. Mussolini will in den nächsten Tagen einen Eiholi-ngsurlaub antreten. /lussibreitungen in Prag. Prag, 7. AprU.(WTB.)(Tschechoslowakisches Pressebureau.) Die Kommunistische Partei hatte zu gestern 2 Uhr nachmillags eine Arbeitslosenversammlung in der Industriehalle ange- kündigt, der sich ein D e m o n st r a t i o n s z u g in die innere Stadt anschließen sollte. Dieser Zug wurde von- der Polizeidtrektimi ver- boten. Nach der Versammlung, an der ungefähr 799 Personen teil- genommen hallen, versuchten die Versammlungstellnehmer trotz des Verbots einen Demonstrationszug zu veranstalten. Die Demonstranten bewarfen in der Münzgrabenstroße die Wache, die ihnen den Zutritt zur inneren Stadt verwehrte, mit Steinen, so daß die Wach- Mannschaft van der Hiebwaffe Gebrauch machen mußte. Durch die Steinwürfe wurden mehrere Wachlleute getroffen und verletzt. Ein Wachtmann, der vom Pferde stürzte, ertill gleichfalls Verletzungen. Eine Anzahl Demonstranten, die schließlich zerstreut wurden, wurden durch Säbelhiebe verletzt. Elf Personen wurden wegen Gewalllätig- kellen verhastet. Aushebung des Berboks deutscher Zeitungen in Elsaß-Lothringen. Wie von zuverlässiger Seite uciloulet, wird die französische Re- gierung auf eine Eingabe des eisäßischen Abgeordneten �veltz hin in ollernächster Zell die' immer«rock; in Elsaß-Lothringen bestehende» Verbote deutscher Zellungen, wie der„Germania" der und„Kölner Volkszellung" usw., aushebe». Gowerkschaftsbewegung Crot Lohnerhöhung keine erhöhten Löhne. Das scheint ein Widerspruch zu sein, ist aber Tatsache. Der Verband Berliner Metallindustrieller ist es, der den in seinen Betrieben beschäftigten Transportarbeitern gezeigt hat, wie man eine Lohnerhöhung bewilligen fann, chne daß man baran denkt, den Arbeitern mehr als den alten Lohn zu 3a1 Datober D. I forderte ber Berfehrsbund für die in der Wietallindustrie beschäftigten Transportarbeiter, deren Tariflohn Damals 45 bis 48 Pfennig betrug, eine zeitgemäße Schnaufbcfferung Während der Verhandlungen erilärten sich die Unternehmer zu einer Lohnzulage von Pfennig bereit. Als die Vertreter der Arbeiter erklärten, fie fönnten damit nicht zufrieden sein, denn Löhne von 50 bis 53 Pfennig feien doch unter den gegen märtigen Verhältnissen nichts anderes als Hungerlöhne, da versicherten die Vertreter der Unternehmer im schönsten Bieber meierton, die Tariflöhne ständen doch nur auf dem Papier, es feien Mindestlohne zu denen Leistungszula. gen hinzufämen, so daß die tatsächlich gezahlten Löhne durchweg höher feien wie der Tariflohn, zum großen Tell fogar höher wie die Säße von 50 bis 53 Pfennig. Hierdurch sollen also die Arbeiter in den Glauben verseht werden, daß sie auch zu den Tariflöhnen von 50 bis 53 Bfennig die Leistungszula gen, affo eine allgemeine Aufbesserung zu warten hätten. Es tam dann auch ein Schiedsspruch bes Shlichtungsausschuffes zustande, der den Tariflohn auf 1 er Lotal- Anzeigers wird behauptet, daß eine Entlassung in dem Efa- Atelier erst dann erfolgt sei, nachdem die Arbeitnehmer in die Abwehrbewegung eingetreten sind. Diese Behauptung stellt die Tatsachen vollständig auf den Kopf. Am Montag, den 30. März, hatte die Direttion, mie inzwischen andere Betriebe ebenfalls, ein Schreiben zum Aushang gebracht, daß nur die Arbeitnehmer die Arbeit aufnehmen, dürfen die willig find, zu den niedrigeren Lohnfäßen zu arbeiten. Erst als am selben Tage alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft waren, mußten die Arbeitnehmer der Revolverpolitik der Unternehmer weichen und den Betrieb verlassen. Es fann gar feine Rede davon sein, daß dieser Streit ein sos genannter wilder Streif ist, da der Hauptvorstand der Deutschen Filmgewerkschaft die Abwehrbewegung anttioniert hat und nehmerorganisationen geführt wird. Benn weiter im lezten Absatz tiefer Kampf mit Kenntnis und Einverständnis der übrigen Arbeit. der„ Lokal- Anzeiger Notiz die Hoffnung ausgedrückt ist, daß der sogenannte Streif schon am Montag zusammenbrechen wird, so dürften inzwischen die Arbeitgeber der Filmindustrie eines ande sammlung der Deutschen Filmgewerkschaft nahm folgende Reren belehrt worden sein. Eine am Sonntag abgehaltene Vollversolution an: " Die am 3. April 1925 tagende Bollversammlung spricht den Ateliers ihre volle Sympathie aus. Die Anwesenden geloben, alle im Abmehrkampf befindlichen Kollegen und Kolleginnen des 300311 Gebote stehenden Mittel anzumenden, um diesen Abwehrkampf zu einem fiegreichen Ende zu führen. Die Versammlung beauftragt die Ortsverwaltung, fofort alle anderen Betriebe her anzuziehen und wenn nicht anders möglich, die Verbreiterung der Aktion vorzunehmen." 2 des DIB. waren. Den Jubilaren wurde zur Erinnerung an ihre vierzigjährige Mitgliedschaft ein Gedentblatt überreicht. Der Anschluß an das Arbeiterfulturfartell Groß- Berlin wurde vollzogen. Die Ortsverwaltung Berlin hält für ihre Mitglieder arbeitswissen schaftliche Kurse ab. Der ersten Bortragsreihe Betriebswirtschaftslehre" folgt zurzeit die zweite:„ Taylor, Ford und was weiter?" Das unter dem Namen„ Berliner Mit teilungen" herausgegebene Informationsblatt hat bei der Kollegen. schaft gute Aufnahme gefunden. Dem Ortsvorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt; ebenfalls einstimmig erfolgte die Bestätigung des Geschäftsführers Kollegen Rogaz. Danach gelangten mehrere vom Ortsvorstand gestellte Anträge, die fast ausnahmslos die Verwaltungsordnung angingen, zur Annahme. Bei der später folgenden Wahl des Ortspor einstimmige Annahme. Die Konstituierung des Drisvor it a ndes fand die vom Ortsvorstand eingebrachte Borschlagsliste ſtandes blieb den Gewählten selbst vorbehalten. Generalversammlung des Bekleidungsarbeiterverbandes. In der Delegiertenversammlung am Donnerstag, den 2. April. welche Stellung zum Geschäfts- und Kaffenbericht und Neumahl der Filialleitung nahm, murde vom Borsitzenden, Genossen Lehfilialleitung im abgelaufenen Geschäftsjahr belastet war. mann, eingehend dargelegt, mit welcher Fülle von Arbeit die Bum Schluß seiner Ausführungen ging er darauf ein, daß das Jahr eine Stabilität nicht nur der Währung, sondern auch der Gewerkschaften herbeigeführt hat. Auch hat sich eine innere Reinigung in der Organisation vollzogen, die notwendig war, um vor größerem Schaden bewahrt zu bleiben. Mit dem Appell, im neuen Geschäfts. jahr sich der Wiederaufbauarbeit zu widmen, schloß er seinen Geniederzwingen zu können, so werden sie sich bald davon über- chäftsbericht. Benn die Unternehmer der Filmindustrie glauben, die Arbetter. zeugen müssen, daß sie falsch falfuliert haben. Wir machen noch einmal die gesamte Arbeitnehmerschaft Berlins auf den in der Film industrie ausgebrochenen Lohntampf aufmerksam und warnen vor Arbeitsannahme in allen Filmbetrieben. 50 bis 53 Bfennig fefifezte. Als dann der für allgemeinschaft verbindlich erklärte Schiedsspruch in Kraft trat, da zahlten die Unternehmer wahrscheinlich auf Anweisung des BBMJ. nur den neuen Larifiohn aber feine Beistungs= zulagen. Auf diese Weise haben also die weitaus meist en Arbeiter feinen Pfennig mehr bekommen als sie vor der Erhöhung des Tariflchnes hatten. Nach dieser Praris des BEMI scheint es feineswegs ausg schlossen, daß manche Arbeiter na der Lehnerhöhung segar niedrigere Löhne als vor derfelben bet men haben fönnen. Jahresversammlung des Butab. Am 27. März fand im Deutschen Hof" die Jahresgeneralper beiter der AGG., welche der Meinung sind, daß sie Anspruch sammlung der Ortsverwaltung Berlin des Bundes der technischen auf die ihnen früher gewährten Leistungszulagen haben, flagten Angestellten und Beamten statt. Der Berwaltungsbericht des Gedeswegen beim Gewerbegericht. Die Klage wurde aber abfchäftsführers Kollegen Rogat zeigte, daß nach einer notwendig ge gemiefen mit der Begründung: Da im Shiedsspruch nicht von mejenen Mitgliederbereinigung wieber eine begrüßenswerte Festigung Mir des löhnen die Rede fei, fo bestehe fein Regtsanspruch und ebung des Mitgliederstandes eingetreten ist. Das auf h here Lohnfäße als die des Schiedsspruches. Das frühere Jahr 1923 wird nicht nur die Schäden der Inflation ganz weit hablommen sei als Ganzes gedürdigt worden, es fönnten des machen, sondern darüber hinaus die Ortsverwaltung Berlin und halb nicht einzelne Teile desselben als in Zufunft weiterbestehend durch sie den Bund zur stärksten freigemertschaftlichen angesehen werden. Interessenvertretung fämtlicher technischen An geftellten werden lassen Das Endziel des Bundes, alle ted) nischen Angestellten zu erfassen, kann jedoch nur mit Hilfe der Gesamtheit der bereits organisierten Kollegen erreicht werden. Rogat schloß mit dem Appell an die Kollegen, auch weiter. hin mitzuarbeiten am Ausbau des Bundes. Nach diesen Erfahrungen werden Arbeiter den Zusicherungen Don Unternehmervertretern, wenn sie nicht schwarz auf weiß feft, gelegt find, fein Vertrauen schenken fönnen und der Trid, eine ohnerhöhung" bei gleichbleibenden Löhnen zu gewähren, darf den Unternehmern nicht zum zweitenmal ge= lingen. Ein schwerer Konflikt in der Filmindustrie. Bon der Deutschen Filmgewerkschaft wird uns geschrieben: Das Film- Echo, Beilage zu der Montagsausgabe des Berliner Lofalanzeiger", bringt in feiner Nummer vom 6. April eine Notiz Ein wilder Streif" und beruft sich dabei auf die von uns am Donnerstag in Ihrer Zeitung gebrachte Notiz bezüglich des Lohnabbaues in der Filmindustrie In der Notiz des Der Tätigkeitsbericht des Borsigenden Kollegen Snell gab mit größter Genauigkeit Rechenschaft über die Arbeit des Ortsvorstandes im Jahre 1924. Erwähnt sei die aus freiwilligen Spenden der Kollegenschaft aufgebrachte Weihnachtssammlung für erwerbslose Kol. legen sowie der Umsatz von Achtstundentagsmarten zur Durchführung eines pom Bund beim AfA- Bund angeregten Volksentscheids über das Washingtoner Abkommen. Im vorigen Jahr fonnte der DIB., mit dem sich der Butib 1919 zum Butab verschmolzen hat, auf ein vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Der Ortsverwal tung Berlin gehören noch heute elf Kollegen an, die Mitbegründer In der Diskussion wurde die Arbeit der Filialleitung restlos anerkannt und bei der Neumahl die alte Filialleitung wiedergewählt, mit Ausnahme von zwei Kollegen, die megen Ueberlastung ausscheiden. Bon der Zentrallettung murbe noch befanntgegeben, daß fie bereit ist, den irregeführten Mitgliedern der Opposition, mit Aus= nahme der von der Organisation Ausgeschlossenen, den Weg gum Uebertritt zu erleichtern, und zwar dadurch, daß die frühere Mitgliedschaft im Deutschen Belleidungsarbeiterverband ihnen an gerechnet wird. Es soll jedoch der Filialleitung das Recht des lebertritts in den einzelnen Fällen vorbehalten bleiben. Der Hamburger Berkehrsarbeiterftreit geht weiter. Hamburg. 7. April.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem die Ber handlungen im Hamburger Berkehrsarbeiterstreif vor dem Bertreter des Reichsarbeitsministers erfolglos geblieben sind, geht der Streif in allen Verkehrszweigen unvermindert weiter. Bisher ist es der Hochbahndirettion nicht gelungen, auf irgendeiner Strede einen Notbetrieb herzustellen. Da durch das Berhalten der Hochbahngesellschaft die Streifenden auch den Verkehr auf der Langenhorner und der Weißdörfer Bahn stillegten, wodurch die Bewohner dieser Ortschaften polllommen vom Verkehr abgeschnitten sind, hat der Hamburger Senat selbst auf diesen Strecken die Einfeßung der Technischen Nothilfe angeordnet.. Jm odbahn und Straßenbahnbetrieb ist die Genehmigung zum Einsatz der Technischen Nothilfe bisher versagt. worden. Gewerffchaftsbewegung: Friebz. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilomsti: Lotales und Sonfliges: Frig Karstäbt; Anzeigen Th. Glade; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger u Co. Berlin EB. 68, Linbenftrake 3. Sierzu 1 Beilage. Berantwortlich für Bolitif: Ernst Reuter: Birffchaft: Arthur Saternus; Billige Oster- Preise Sehr gute Tisch- Butter Tafel- Butter. 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Zwet Heilfattoren find es hauptsächlich, die diese wunderbaren Heilmirtungen hervorbringen, die tünstliche Höhensonne und die Diathermie. Crsiere dient hauptfachlich zur Berbefferung des Blutbildes, bas ja von größter Wichtigteit für die Frau ist, denn das meibliche Geschlecht leidet am aller meisten unter Blutentartungen, Schon das junge Mädchen in den Entwicklungsjahren hat besonders darunter zu leiden. 3ft bei fonft voll entwicellen jungen Mädchen von 14 bis 18 Jahren( oft auch schon früher) die Menstruation noch nicht einge treten nder tritt fie fpârlich oder mit großen Schmerzen im Kreuz und Unterleib auf, oft unter heftigen Kopfschmerzen, so ist es höchste Zeit, daß Lichterfelde Hindenburgdamm 77a Südende Potsdamer Str. 28 Auf Teilzahlung Bett- und Leibwäsche, Inlette. Gardinen, Teppiche, Stepp-, Bett- und Diwandecken, Strickwesten usw. gegen. Erfinder Vorwärts ftrebende gute Berdienstmöglichkeit! Auftlärung und Anregung gebd. 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Aehnlich liegt es mit den Wechseljahren, der Beit, die oft ent fcheidend ist, ob die Frau einen gefunden Lebens abend haben wird oder nicht. Hier find Bestrah. Lungen mit Höhensonne auch von wunderbarer Wirkung. Der Eintritt der Wechseljahre wird oft hinausgeschoben. Aber auch in den Swischenaltern soll die Frau bei Störungen immer Höhenjonne nehmen und wird stets prompten Erfolg haben. Sind jedoch dirette Erfranfungen der Unterleibs. organe vorhanden, Entzündungen, Ausfluß, Geschwülste usw., so tommt noch die Behandlung • mit Diathermie hinzu, die schmerzlos und schneil die örtlichen Ertranfungen beseitigen und selbst Geschwülste zur Zurückbildung bringen. Auch innere Bestrahlungen, Blaulicht und Sollug- Lampe fommen evtl. in Frage. Gerade bei Frauenirani heiten handelt es sich darum, so bald man etwas spürt, zur Behandlung zu fommen, um schnellen Erfolg zu haben. Wartet man zu lange, so muß fchließlich doch das Messer in Funktion treten. Die Kosten der Behandlungen find viel geringer, als die meisten annehmen. Im fünftlichen Höhen. Sonnenbad Attis, Belle- Alliance- Plaz 6a( Sprech itunden 10 bis 1 und 4 bis 7, Sonnabend 10 bis 4), toften& B. die Höhensonnenbestrahlungen nur 2 Mt. und die Diathermiebehandlungen 3,50 TL, Nr. 165 42. Jahrgang Das Strafgericht. Der Friedhof von Hannover. Beilage des Vorwärts Ein Sarg ein Massen sarg. Ein Grab ein Massen grab. Nur wenige sterbliche Reste sinnenfreudiger junger Menschen. Dürr- trocenes Gebein von mehr als zwanzig Knaben in wirrem Durcheinander. Ein Häuflein Knochen hart, fleischlos, nackt, geeint vom gleichen Schicksal. Haarmann heißt es. Haarmann... Einmal, ein einzig Mal, als er vor Schreden starr, das Unheil seines Tuns am Opfer ermaß, als das Gewissen noch nicht ganz überwuchert, noch menschlich in ihm sprach, begrub er den Kopf des ersten Knaben feiner Gier auf dem riedhof. Der Uebrigen Gebeine verfenfte er ins fühle Wasser. Es ward ihn dann entnommen und soll nun in der Erde ruhen Der Pfarrer spricht. Der allzu früh erloschenen Lebenssehnsucht der Gemordeten, der Seelenqual der Hinterbliebenen läßt er dies lezte Abschiedsmort erflingen, Ein Trost den Müttern, Bätern und Geschwistern? Versöhnend mit dem harten Schicksal des Geschehens? Den Wunden Balsam und Genesung? Nein! Der Pfarrer geißelt! Die Neuzeit jei an allem schuld. Die frei heitlichen Stromungen des Lebens hätten Elternhaus. Autorität, auch Sittlichkeit und Zucht zermühlt und untergraben. Er klagt die Opfer an, die Eltern jener Opfer. Und wieder bluten faum ge= schlossene Wunden, aufs neue wird die Liebe auf die Folterbant gestreckt. Ein Strafgericht! Und mer der Richter? Der Kirche Diener, jener Kirche, die jeder Aufdeckung des wahren Wesens der Ge Schlechter stets nur ihr ein starres Nein entgegenschrie? Jener Kirche, die aller Menschen irdisch- schmeren Jammer durch Paradiesver heißungen zu lindern entspricht? Wo war der Diener Gottes, als jene Jugend, abgeirrt vom Pfad des cigenen Lebens, sich in die Arme jenes fremden Mannes stürzte? Weshalb besaß nicht er die allzuleicht geneigte Liebe der jungen zutraulichen Herzen? Berfor er sie nicht einst schon in der Schule? Und war er denn, der Seelsorger pon Gottes Gnaden, Seelenberater jener Jugend? Berstand er ihre Leiden, ihre Nöte, ihre Wege? Der Pfarrer ist verstummt. Ein Murren zieht durch das fleine Häuflein der Geschlagenen. Sie fühlns: Wir famen her mit unserem Schmerz, um Trost zu finden. Wir fanden Spott und Hohn. Wir fennen unsere Schuld und missen auch, woran es uns gefehlt. Bir brauchen nicht die Worte. Wir Bäter, Mütter haben längst uns bitter angeklagt. Wir tlagen aber auch die Menschen, die Behörden an, die durch Gesetz zum Schutz des Bürgers auserforen, aufs schlimmste uns verrieten. Um die Verlängerung der Polizeistunde. Die gestrige Senferenz über, die vom Gastwirtsgewerbe ge. forberte Beilängerung der Polizeiftunde in Groß- Berlin ist vor laufig ergebnislos geblieben, und der Minister des Innern wird in den nächsten Wochen eine Entscheidung zu fällen haben, ob die Gaststätten im cligemeinen nur bis 1 Uhr nachts ge= öffnet bleiben dürfen, oder ob große Lofale, mie es in der Weltstadt Berlin früher gebräuchlich war, eine verlängerte Konzession erhallen. Nachtarbeit der Feuerwehr. Die Berliner Feuerwehr hatte in der letzten Macht ununterbrochen an verschiedenen Stellen mehrere sehr gefährliche und größere Brände zu löschen. l. a. zwei Dachstuhlbrände in der Raugarder Straße 5 und Wiclefstraße 9, ferner einen Kellerbrand in der Göbenstraße 8 und einen Staubrand in der Lothringer Straße 9, mo außer Fourage noch Säde u. a. einer Sackhandlung in solcher Ausdehnung brannten, daß der 17. Bug mit mehreren Schlauchleitungen längere Zeit träftig loschen mußte. Die Pferde konnte in Sicherheit gebracht werden. Bei dem Kellerbrand in der Göbenstraße 8, wo eine Menge Hausrat in Lattenverschlägen brannte, schwebten die angrenzenden Wohnungen und Bewohner infolge der großen Hige und mächtigen Berqualmung in Gefahr, weshalb Besonderes an die Bachen gemeldet wurde. Die Hausbewohner tonnten beruhigt und in Sicherheit gebracht werden. Der Dachstuhlbrand in der Wiclefstraße entstand um ½ Uhr abends, ber Stallbrand in der Lothringer Straße um 10% Uhr, der Dachstuhlbrand in der Naugarder Straße 5 um 2 ihr nachis. Als die Feuerwehr an der Brandstelle der Naugarder Straße 5, einem großen Mietshause, antam, stand der Dachstuhl des Borderhauses und des Seitenflügels schon in hellen Flammen. Die Treppen waren verqualmt, die Mieter aufs höchste erschroden. Alle in großer Aufregung. Die Entstehung dieser Brände fonnte in feinem Falle aufgetlärt werden, weil die Flammen bei Ankunft der Löschzüge längst über ihren Herd hinaus waren. Ferner wurde gestern abend gegen 10 Uhr die Feuerwehr nach dem Hause Linienstraße 146 gerufen. Im 5. Stockwerf war SEIT 1869 JUHL Fur Feinrauc von Hausbewohnern in der Toilette Feuer bemerkt worden. Beim Eintreffen der Feuerwehr wurde die Ehefrau Monika Prozzam ganzen Köper verbrannt aufgefunden. Frau P. hatte die Toilette mit einem Licht aufgesucht. Durch Gegenzug ergriff die Flamme die Kleider, die sofort Feuer fingen, so daß die Frau in einem furzen Moment in hellen Flammen stand. Sie wurde nach dem Hedwigs- Krankenhaus geschafft. Die Angehörigen der Frau fonnten noch nicht ermittelt werden. Zwei Mörder? Das Geheimnis der Unbekannten. Bon der Berliner Kriminalpolizei wurden zwei Männer fest genommen, deren Personalien trotz aller Bemühungen noch nicht fest. gestellt werden konnten. Der eine verschweigt seinen Namen absichtlich, der andere ist augenscheinlich geistest rant. Der erste hält sich bereits seit 1% Jahren unter den verschieden ften falschen Namen ohne feste Wohnung in Berlin auf. Er lebt in der Hauptsache vom Spielen. Sein Tätigkeitsfeld ist befonders der Grunewald, wo an schönen Tagen die Ausflügler bei dem beliebten Kümmelblättchen gerupft werden. Als er fürzlich von einem Beamten der Schußpolizei wieder als Spielhalter betroffen und festgenommen murde, riß er sich los und blieb auch dann nicht stehen, als der Beamte ihm mehrere Schüsse nachsandte. Erst nach langer Jago gelang es, den Flüchtigen wieder zu ergreifen. Er geboren. Auch diese Personalien sind falsch. Seine richtigen zu ver nennt sich jetzt Felig Emler, am 7. November 1902 in Bromberg schweigen, hat der Festgenommene offenbar allen Grund. Dem Bernehmen nach wird er wegen Mordes oder einer schweren Straftat gesucht. Er soll einem Toten seine Papiere zugestedt und dadurch erreicht haben, daß dieser unter seinem Namen beerdigt wurde. Der Festgenommene dürfte also unter seinem richtigen Namen als verstorben gelten und sich dadurch mit Erfolg allen bis herigen Nachforschungen entzogen haben. Er stammt anscheinend aus Oberschlesien und hat die Straftat vermutlich als Mit: glied des dortigen Selbstschuhes begangen. Mit bem richtigen Bornamen dürfte er Alois, Alexander oder so ähnlich heißen, fein Batersname soll auf" fi" endigen. Der Mann ist etma 25 Jahre alt und schiant, hat oben mehrere Zahnlücken, die durch Goldzähne ersetzt sind und verschiebene Tätowierungen, die nadie Frauen darstellen. Seine Angabe, daß er falsche Personalien führe, weil er im Jahre 1920 vom polnischen Militär desertiert sei, ist nicht glaubhaft. Der zwei te Unbefannte, der am 12. März im städtischen Obdach aufgegriffen wurde, scheint geiftestrant zu fein. Er nannte sich bisher Schmidt, Koch, Schulz, Krüger, Krause und 3obe. In seinen Reden ist er sehr geschickt, und es fehlt ihm nie an Ausflüchten. Eine Spezialität von ihm ist, sich zu irgend einem Namen rasch zu melden, wenn die Gefangenen im Gewahrfam aufgerufen werden. So ist er unter den verschiedensten Namen bald in diefes, bald in jenes Gefängnis hineingekommen, bis der Irrtum aufgeflärt war. Angeblich hat der Mann eine ganze Anzahl Mordtaten auf dem Gewissen. Bekannt ist ihm die Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt Aplerbed. Aber auch hier konnte nicht festgestellt werden, um wen es sich handelt. Er ist etwa 35-40 Jahre alt und scheint an- Gehirnerweichung zu leiden. Sachdienliche Angaben über diese beiden Unbekannten präsidiums entgegen. nimmt Kriminalkommissar Gennat im Zimmer 105 des Polizei Wegen roher Mihhandlung mit tödlichem Ausgang murde, wie gestern gemeldet, der Schlosser Gustav Dietrich aus der Reinidendorfer Straße 74 festgenommen. Wie Sie Ermittlungen ergaben, gehörten Dietrich und der von ihm erschlagene Schmelzer Maurp chat einem Brieftaubenverein an. In der Nacht zum Sonntag gerieten sie in einem Lotal in der Schulstraße in Streit, weil einer bem anderen vormarf, ihm Brieftauben meggefangen zu haben. Auf der Straße vor dem Lokal sette sich der Zwist fort und ging in Tätlichkeiten über. Hierbei stredte Dietrich seinen Gegner mit einem wuchtigen Faustschlag zu Boben, vertrat ihm mit dem Stiefelabfaz das Nasenbein und verlegte ihn durch mehrere Tritte auf den Kopf so schmer, daß auch das Gehirn perlegt murde. Dietrich behauptet, in der Notwehr gehandelt zu haben. Die Mißhandlung ist aber so roh, daß er in haft behalten murde. Oster- Erholungsfahrten der Grünen Heimat". Die„ Grüne Heimat" tritt auch in diesem Jahre wieder mit den billigen Erholungsfahrten ihres Motoitabinenschiffes„ Baldur" auf den Plan. Die ersten Fahrten finden am Karfreitag bis Ofier. sonnabend, Ostersonntag bis Oftermontag und Ofterdienstag bis Mittwoch statt, und zwar auf den Havelseen. Abfahrt: Lindenufer Dienstag, 7. Fpril 1925 in Spandau am Karfreitag, am ersten Ostertag, am dritten Ostertag stets früh 9% Uhr. Die Preise sind, um Jugendlichen und Minderbemittelten die Mitfahrt zu ermöglichen, auf nur 1,10 m. bis 2,50 M. je Bett festgesezt, also Fahrt und Schlafen für eine Nacht. Mittag essen gibt es auf vorherige Anmeldung für 60 Bf. an Bard. Die Küche hat der Berliner Frauenverein gegen den Alkoholismus über nommen, der auch Kaffee, Tee, Katao, warme Würstchen usw. zu allerbilligsten Breisen liefert. Anmeldungen sind bis 7. April an die Grüne Heimat A.-G., Breite Straße 36, zu richten. " Die Arbeitsgemeinschaft für Forstschuh und Naturkunde E. B., Berlin- Friedrichshagen, veranstaltet am Sarfreitag, den 10. April, eine Borfrühlingsmanderung durch die herrlichen Baldungen des Blumentales( Führung Dr. Stachowi). Es wird Gelegenheit sein, die Schönheit der Vorfrühlingsflora des Buchenwaldes zu genießen. Abfahrt von Berlin, Schles. Bahnhof( Wriezener Bahnsteig) 8 Uhr 42 min. nach Tiefensee. Sonntagsrüdfahrtarte. Freunde der Bewegung willfammen. Sprechstunde des Zentralamtes für Wohnungswesen. Die Verteilungsstelle beim Städtischen Zentralamt für Wohnungswesen ( Stadthaus. Eingang Jüdenstr. 34/42, III. Stod. Zimmer 378), bei der sich jeder von außerhalb nach Berlin 3uziehende, der Anspruch auf eine eigene Wohnung in Berlin erhebt, melden muß, ist in Bufunit außer am Dienstag und Freitag auch am Mittwoch für das Publikum geöffnet. In der Zeit von 8 bis 10 Uhr wird eine Anzahl Karten ausgegeben, deren Inbaber am gleichen Tage zur Abfertigung kommen. Wer nach 10 Uhr ericheint, tann mit einer Abfertigung an demselben Tage nicht rechnen. 14 Die Herner Eisenbahnkatastrophe vor Gericht. Herne, 6. April.( TU) Vor dem erweiterten Schöffengericht begann heute vormittag der Herner Eisenbahnprozeß. Angeflagt ift wegen fahrlässiger Eisenbahntransportgefährdung, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverlegung der Lokomotivführer des Berlin- Kölner D- 3uges 5a bertamp aus Hamm, der auf den fahrenden Personenzug Herne- Wanne- Gelsenkirchen mit voller Bucht aufgefahren ist. Den Berhandlungen wohnt eine große Anzahi höherer Eisenbahnbeamten bei. Den Borsiz führt Amtsgerichtsrat essels. Die Anflage vertritt Staatsanwalt rens.. Die Verteidigung hat Rechtsanwalt Frank Dortmund übernommen. Der Angeflagte verharrt auf seinen Aussagen in der Voruntersuchung. daß bei der Einfahrt des D- Buges in den Bahnhof Herne sowohl das Vorfignal, als auch das Hauptfignal auf Fahrt frei! gestanden habe. Er sei des dichten Nebels wegen mit geringer Geschwindigkeit in den Bahnhof eingefahren. Die roten Schlußlaternen des im Bahnhof haltenden Personenzuges habe er erst auf etwa 15 bis 20 Meter Entfernung gesehen, so daß er trotz Einsatzes der Schnellbremse den Zusammenstoß nicht mehr habe vermeiden fönnen. Die Anklage hält diese Angaben für unzutreffend und durch Feststellun gen widerlegt. Das tadellose Funktionieren der Signale und be: ftimmte Wahrnehmungen der Eisenbahnbeamten ließen erkennen, daß beide Signale auf Halt gestanden haben. Unmittelbar nach dem Unglüd habe ein Beamter festgestellt, daß beide Signale die vorgeschriebene Haltstellung hatten. Die Anklage kommt zu dem Schluß, daß beide Signale in Wirklichkeit auf Halt gestanden haben. Erwiesen sei, daß der Zug trotz des dichten Nebels mit großer Ge schwindigkeit in den Bahnhof eingefahren fei. Bei diesem Wetter habe der Angeflagte auch mit der Möglichkeit des verspäteten Ab fahrens des vor ihm liegenden Bersonenzuges rechnen müssen. Das unglüd sei ausschließlich auf das Verschulden des Lokomotivführers Haberkamp zurückzuführen. Die Zahl der Todesopfer des Grubenunglüds auf der 3eche Matthias Stinnes hat sich auf 12 erhöht Von den Schmer verlegten schweben zwei bis drei noch in Lebensgefahr. Die übrigen Verletzten hofft man durchzubringen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 31. Abt. Die Bezirksflihrer Taben zu ber morgen stattfindenden Mitgliederser fammlung ein. Nähere Notiz morgen. Geschäftliche Mitteilungen. Großdetail Schuhlotal Behrudt, Mün: ftraße 25, mit seinen Filialen Rottbuser Schuhe und Stiefel in den neuesten Frühjahrsmodellen bringt das bekannte Damm 13 und Frankfurter Allee 54, zu erstaunlich bill gen Breifen für gute Ware. 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