Abendausgabe Nr. 167 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 83 = Vorwärts Bezugsbedingungen und Anseigensreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoc 8. April 1925 Betlee und Angetgenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Hindenburg- Kandidat der Reaktion. Eine außenpolitische Katastrophe. Bom Reichsblod wird 3 Uhr mitgeteilt: Der Reichsblod hat heute vormittag entscheidende Beratung über die Kandidatur für den zweiten Wahlgang abgehalten. Im ganzen Verlauf der Verhandlungen hatte Dr. Jarres feinen Zweifel darüber gelaffen, daß an feiner Person eine Erweiterung der Bafis des Reichsblodes nicht scheitern dürfe. Nachdem die Bayerische Volkspartei mitgeteilt hatte, daß sie einer Kandidatur des Generalfeldmarschall von Hindenburg zuffimmen würde, bat Dr. Jarres felegraphisch, von feiner Aufstellung Abstand zu nehmen und empfahl dem Reichsblod dringend, dem Generalfeldmarschall von Hindenburg die kandidatur zu über. geben. Der Reichsblod beschloß daraufhin heute mittag, die Kandidatur dem Generalfeldmarschall von Hindenburg anzubieten. Dieser hat foeben angenommen. Die Bayerische Volkspartei, die Wirtschaftspartei, der Bayerische Bauernbund und die deutsch- hannoversche Partei haben sich außer den im Reichsblod vereinigten Parteien dieser Kandidatur angeschlossen und sind damit dem Reichsblod beigetrete Die Aufst. aung des Generalfeldmarschalls v. Hinden burg als Kandidaten zur Reichspräsidentschaft durch die der= zeitigen Regierungsparteien ist eine außenpolitische Katastrophe.. Für diese Katastrophe trägt die Reichsregierung die volle Verantwortung. Wohl hat sie durch Herrn Strefe mann mit allen möglichen fleinen Mitteln gearbeitet, am diesen aberwijzigen Beschluß des sogenannten„ Reichsblocks" zu hintertreiben. Sie hat u. a. den Brief Hindenburgs in Umlauf gefeßt, in dem sich der alte Herr scheinbar endgültig für Ablehnung entschied, und sie hat das in der Absicht getan, diese Ablehnung wirklich unwiderruflich zu machen. Sie hat sich aber auf solche fleine Mittel der Intrige be fchränkt, sie hat nicht den Mut gehabt, offenen Widerstand zu leisten, der zweifellos von Erfolg gewesen wäre. Selbst eine eindringliche Vorstellung der Reichsregierung an Hindenburg ist offenbar nicht ergangen. Andernfalls märe der politisch vollkommen ahnungslose Herr, der auch heute noch nicht weiß, was für ein Spiel mit ihm gespielt mird, höchstwahrscheinlich bei seinem Nein geblieben. Hindenburg ist für alle Welt das Symbol des friegerischen Raiserreichs. Seine Proflamierung zum Kandidaten reißt alle Wunden des Weltfriegs auf: außen und innen. Draußen wird man jede Stimme, die für Hinden burg abgegeben wird, als ein unzweideutiges Bekenntnis zu Monarchie und Revanchetrieg betrachten. Im Inneren wird ein Wahlkampf geführt werden, wie ihn Deutschland noch nicht erlebt hat und dessen Folgen unab sehbar sind.3 Der Boltsblod muß diesen Kampf mit aller Rraff und Würde führen. Mehr denn je hängt von seinem Sieg die Zukunft Deutschlands ab. Mehr denn je zeigt sich, daß diese Zukunft den alten Vabanque- Spielern um Tirpit nicht anvertraut werden darf. Mehr denn je müssen alle Kräfte angespannt werden für einen vollkommenen, glänzen den Sieg der Republit und des Friedens am 26. April Wer heute morgen den Versuch gemacht hat, sich aus der Breffe des Rechtsblods über den Stand der Kandidatenschmerzen der Rechten zu informieren, dem bot sich ein Bild, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Lachen über die Berwirrung in den Reihen unserer Gegner, über so viel Dummheit, Undiszipliniertheit und unfreiwillige Romit; meinen über den Zustand der deutschen politischen Berhältnisse und eines Teils der deutschen Presse, der damit der ganzen Welt vor Augen geführt wird. Drei Zeitungen der Rechten, nur Kopf und Ueberschrift zeile, und drei verschiedene Sachdarstellungen! So sieht dies Bild aus: Nationalpoft." Hindenburg zur Annahme bereit. „ Die Zeit." Hindenburgs endgültige Ablehnung. Berliner Lokal- Anzeiger".. Hindenburg behält sich seine Entscheidung vor. Drei verschiedene Behauptungen, und zu jeder hmg eine Erläuterung und Standpunkterklärung. Die Nationalpost" schreibt: Generalfeldmarschalls, zu fandidieren, in der Links- und einem Teil der Rechtspreffe verbreitet wurde, nicht den Tatsachen ent. spricht, auch dann nicht, wenn es amfierende Minister bestätigen. für den Reichsbiod gibt es jetzt nur eine Wahl: Hinden burg. Das nationale Deutschland wird seinem Rufe dann einhellig mit Jarres, nieder mit dem amtierenden Minister StreseAlso: Hindenburg ist der einzig mögliche Kandidat. Nieder mean! Die 3eit" jedoch beharrt auf Jarres, auch jetzt folgen." noch": 19 „ Der Reichsblod wird heute seine Entscheidung zu fällen haben. Der deutschnationale Parteiausschuß hat gestern getagt und für den Fall eines endgültigen Berzichts Hindenburgs beschlossen, den deutschnationale Vertretern im Reichsblock die Aufstellung von Beratungen ab, und wir sind überzeugt, daß Karl Jarres, Karl Jarres zu empfehlen. Wir warten das Ergebnis der sönlichkeit der Sache des Reichsblocks zur Verfügung stellen wenn man ihn ruft, sich auch jetzt noch mit seiner ganzen Berwird. Eins ist jedenfalls notwendig: daß heute unbedingt Klarheit geschaffen wird!" Der, Lokal Anzeiger" schließlich hält es mit dem Saz, daß Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit ist und stimmt einen Lobgesang auf die Einmütigkeit des Reichsblocks an: Auch die gestrigen Besprechungen haben wieder auf allen Seiten den Willen ergeben, unter allen Umständen in einmütiger Gefchloffenheit vorzugehen. Die Meinungs fägliche Einigkeit in feinem Stadium der Ber verschiedenheiten, die aufgetreten find, haben diese grund handlungen jemals gefährdet. Es ist erfreulich, fest stellen zu können, daß in all diesen Tagen nichts geschehen ist, was die geschlossene Einmütigkeit des Reichsblock's für die Entscheidung, die heute zu treffen sein wird, erschüttern tönnte." Wer lacht da nicht? Und die Wähler? Die Wähler besigen ebenfalls das Wort des LoebenAusschusses. Feierliche Rundgebungen haben ihnen im ersten Wahlgang, am Wahliag und unmittelbar nach dem Wahltag versprochen, daß die Person des Kandidaten nicht geändert werde. Rechtsblockkomödie über ihr feierliches Wort hinweg. Sie Mit souveräner Rücksichtslosigkeit gleiten die Spieler der fchäßen die Wähler wahrhaftig niedrig ein! Warum Marx? Für die Republik, nicht für das Zentrum. Von Wilhelm Sollmann. lung der Republikaner zur Sicherung und zum ſoziaDie Präsidentschaftskandidatur Marg dient der Sammlen Ausbau der Republif. Wir Sozialdemokraten wählen Marg, weil seine demokratische, republikanische und religiössoziale Personlichkeit den Volksmassen unzweifelhaft genehmer fein muß als ein Kandidat, dessen Wahl von den verbündeten Großkapitalisten betrieben und finanziert wird. Es ist die beste Anerkennung für Marg, daß in den vielfachen taktischn Manövern dieser Wochen niemals die Schwerindustrie, niemals das Juntertum, niemals auch nur eine Stimme aus den Rechtsparteien für die Kandidatur dieses Mannes sich erhoben hat. Er ist wie Wirth und Joos und Imbusch jener Tempel für unwürdig befunden, in denen dem Kult des goldenen Kalbes und den blutigen Gößen des Krieges gehuldigt wird. Es gibt feinde der politischen Gleichberechtigung des feine beffere Empfehlung für Marr, als daß die Tod= Bolkes und seines sozialen Aufstiegs ihn entschieden ab= lehnen. Diesen Marr, nicht das Zentrum, wählen wir am Die Einmütigkeit besteht darin, daß die eine Seite gegen die andere intrigiert, um 2 gitationsmaterial 26. April. So wenig das Zentrum sozialdemokratisch wählte, gegen die andere intrigiert, um 2gitationsmaterial als es in der Nationalversammlung seine Stimmen dem Gofür fommende parteipolitische Auseinander zialdemokraten Ebert zuführte, und später durch Neichstagssegungen zu gewinnen. vorwerfen, fie hätten die Kandidatur Hindenburg sabo trumspolitik einzusehen. Man braucht sich nur vorzustellen, Die Deutsch nationalen wollen der Bolkspartei beschluß die Präsidentschaft des Sozialdemokraten verlängerte, fo wenig muten wir unseren Anhängern zu, fich für die ZenDie Volkspartei verweist auf die feierlichen fandidaten vorgeschlagen hätte, um zu wissen, daß wir niemals auf die feierlichen daß das Zentrum etwa Stegerwald oder Herold als Gammel. Schwüre des Loebell- Ausschusses für Jarres und hat den für einen dieser Männer gestimmt haben würden. Dem RepuBorwurf des Wortbruchs in Reserve. aber ist nicht die unserige. Marr ist der geeignete Sammelblikaner Marg gilt unser Vertrauen, die Politik seiner Partei fandidat, weil er etwa in der Mitte der sammeinden Parteien steht. Auch die Deutschnationalen haben ja in Jarres einen Wer einigen will, muß immer die mittlere Linie suchen. Mann proklamiert, der einer schwächeren Partei angehört. Die Deutschnationalen loben deshalb Jarres, den sie los werden wollen, die Volkspartei hat deshalb durch ihre Mitglieder Scholz und Remptes erklären lassen, daß anderen Faktoren des Reichsblocks einhellig dafür entschließen eine Kandidatur Hindenburg, falls fich sämtliche sollten, an einem volksparte ilichen Widerstand nicht scheitern dürfte. Hindenburg und Jarres. Das Berhalten der beiden Prätendenten für den Kandibald nimmt er an. Die Zeit" gibt folgenden Brief wieder, datenposten ist nicht würdig. Hindenburg lehnt bald ab, den er gestern an den Reichsblock gesandt hat: Ich erkläre hiermit, daß ich wegen meines hohen Alters den verantwortungsvollen Posten des Reichspräsidenten zu übernehmen nicht in der Cage bin. Ich halte unentwegt an der Kandidatur Jarres feft und spreche die dringende Bitte an alle, denen das Baterland über der Partei steht, aus, sich mir anzuschließen und dadurch eine verhängnisvolle Zersplitterung zu verhüten. Wer sich ohne 3wang von der Wahl fernhält, vergeht sich in entscheidender Stunde auf das schwerste am Vaterland. Generalfeldmarschall v. Hindenburg. Trok dieses Schreibens dann noch den Vorbehalt der Entschlußfreiheit das ist mehr, als sich Hindenburg, als sich ein mutmaßlicher Präsidentschaftskandidat gestatten dürfte. Herr Jarres ist auch jetzt noch" bereit, anzunehmen. In dieser Reserve auch jeht noch" liegt das Eingeständnis, daß mit ihm gespielt, daß seine Würde tangiert worden ist. zu allen Kränkungen, die er erfahren hat, schreibt heute morgen der Tag": " Im Reichsblod beurteilt man, wie uns mitgeteilt wird, die Situation so, daß auf Grund der Einigung über die politische Arbeit des Reichsblodes und auf Grund eines sehr engen persön lichen Einvernehmens zwischen dem Generalfeldmarschall und Dr. Jarres die Frage, ob von Hindenburg oder Dr. Jarres zum Kandidaten bestimmt wird, nur eine Personenfrage ist, deren Entscheidung natürlich zunächst Hindenburg zusteht." Herr Jarres besitzt die feierlichen öffentlichen BerBehaup- ficherungen des Loebell- Ausschusses, daß er der Kandidat des zweiten Wahlganges sei. Er fann sich auf das Wort des Herrn von Loebell berufen. Trotzdem tommt es auf ihn erst in zweiter Linie an. Ift er wirklich nach einem solchen Fußtritt ,, auch jetzt noch bereit"? Obige Meldung( Hindenburg zur Annahme bereit. Red. d. 3.) zeigt deutlich, daß alles, was über eine Ablehnung des Niemand mutet der Partei und ihren Wählern zu, auch nur einen Sag des Zentrumsprogramms zu billigen oder gar zu vertreten. Das Zentrum bleibt eine bürgerliche Partei, wie unsere eine sozialistische. Insbesondere bleiben wir scharfe dung kulturpolitischer Fragen fann aber jeder Abgeordnete Gegner der Kulturpolitik des Zentrums. Auf die Entscheigrößeren Einfluß ausüben als der Reichspräfident, dem die Verfassung feinerlei firchen-, schul- oder kunstpolitische Aufgaben zugewiesen hat. Wir brauchen an der Spitze der Republik einen Mann, der fich an die Verfassung nicht nur durch die juristische Form eines Eides gebunden hält, sondern Republit und Demokrat in sich erlebt. Es spricht viel dafür, daß Marg ein solcher Mann ist. Warum wäre er sonst lieber von feinem Reichskanzlerposten zurückgetreten, als daß er mit den Rechtsparteien gegen die stärfite republikanische Partei regierte? Warum hätte er sonst Monate hindurch mit unseren preußischen Genossen den Kampf um die Ministerpräsidentschaft gegen den Rechtsblock und deffen kommunistische Hilfs= völker geführt? Der Rechts blod will einen Bräsidenten, der als Oberbefehlshaber der Reichswehr, als Gebieter über den militärischen Ausnahmezustand, als außenpolitischer Repräsentant des Reiches, als sieben Jahre gefestigter Fels in den Erschütterungen der Kabinettskrisen, als Herr über die vorzeitige Auflösung des Parlaments für eine militaristische, antidemokra tische Republik zu haben ist. Weil der Rechtsblock solche Gefügigkeit Herrn Marg nicht zutraut, dürfen wir von diesem Manne erwarten, daß er sich, gestützt auf die Republikaner Deutschlands, dem Herrenmenschentum widersetzt. Die Präsidentschaftswahlen sind ein Stück Kampf um die Staatsgemalt, die möglichst ganz zu erobern der Hochkapitalismus seit Jahren alle Einrichtungen der Demo fratie zu mißbrauchen sucht. Das Ringen um die junge Republik, die mir zu einem sozialen Boltsstaat er heben wollen, steht im Vordergrunde allen politischen Ge fchehens. Reiner von uns glaubt an die Voltsgemeini haft bes Herrn Marg in dem zerflü teten Klassenstaate, aber wir wiffer auch, daß im Zentrum manche ernste und entschlossene Geister menn auch nicht aus margiftischen Erkenntnissen, so doch aus ihrem christlichen Gewissen gegen die wa ch sende tapitatistische Dittatur fich auflehnen. Diese geistig und fittlich hochstehenden und strebenden Menschen sind für die soziale und sozialistische Entwicklung sicher wertoller als der keinerlei gestaltende Arbeit zeigende Radaufommuinsmus. Mit diesen Männern und Frauen gehen wir nun ein Stud Weges zusammen, um einen sozial gesinnten Menschen, einen erprobten Demokraten über den Bormann des Großfapitals iegen zu lassen. Will einer, der gegen die Kandidatur Marg Bedenken hat, daß am 26. April die Schwarz- weiß- roten jubeln? Das fann fein Sozialist und ein Republitaner wollen. Darum geht jeder zur Wahl und stimmt gegen den Rechtsblod und gegen dessen kommunistischen Vorspann, für Marg, den sozialen Republikaner! Kirchen- Miebach. Ein Nachklang aus Wilhelms Glanzzeit. In Boisdam ist gestern Freiherr Ernst von Mirbach im 81. Lebensjahre gestorben. Man wußte bis dahin faum, daß er noch am Leben war. Und doch hat dieser frühere„ Oberhofmeister" ber erfien Frau Wilhelms II. jahrelang einen unheilvollen Einfluß auf das öffentliche Leben Deutschlands und besonders Berlins ausgeübt. Wie feine Herrin im Volfowitz die Kirchen- Gufte" hieß, so ihr Oberhofmeister der Kirchen- Mirbach". Er fand seinen Ehrgeiz darin, der frömmelnden Raiserin mögichft viele Kirchen in Berlin zu erstellen. Zu dem Zwede veran italtete er eine Sammlung nach der anderen, gründete Kirchenbauvereine und handelte daneben mit Orden und Titeln gegen entprechende Zahlung in einem seiner Baufonds. Ob der Spender Thrift oder Jude war, danach fragte der Höfling nicht. Ihm tam is darauf an, daß„ Geld in Kasten flingt" und dadurch die Gnadenonne für ihn höher steiget Der Kampf im Finanzausschuß. Keine Inflation ohne Deckung. Paris, 8. April( WTB.) Im Finanzausschuß der Kammer hat nach Wiederaufnahme der Sigung um 9 Uhr abends Finanz minister de Monzie feine Erklärungen über den Sanierungsplan fortgesetzt und eine Reihe von Fragen beantwortet. Um 11,45 Uhr verließ der Finanzminister die Sizung, worauf die Kommiffion in treffend die Erhöhung des Notenumlaufs um vier Milliarden von die Einzelberatung des Entwurfs eintrat. Der Antrag, Titel 1 bedem Gesetz abzutrennen und ihn allein vorher raschestens zu verabschieden, wurde mit 18 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Da mit hat die Kommission ihren Willen fundgegeben, den Gesezentwurf als ein unteilbares Ganzes zur Sanierung der Finanzlage zu betrachten. Die Kommission wird heute nachmittag 3 1hr ihre Beratung fortsetzen. Frauenwahlrecht in den Gemeinden. Paris, 8. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat beschlossen, den Frauen vom 21. Lebensjahr ab das attive und passive Wahlrecht für die Gemeinde und die Generalratswahlen zuzuerkennen. Der Antrag des Berichterstatters, das Gesetz innerhalb drei Tagen in Kraft zu setzen, wurde mit 297 gegen 247 Stimmen abgelehnt. Die Bauernbewegung in Rußland. Die gesamte Sowjetpresse berichtet seit einigen Monaten fortgefeht über die Bauernbewegung in Rußland, die sich gegen die bolichemiftische Regierung richtet. Diese Erscheinung ist tatsächlich den Fortbestand der Regierung in Sowjetrußland. von höchster Bedeutung und von größter Wichtigkeit für Besonders merkwürdig sind die Formen, die diese Bewegung angenommen hat. Bauernaufstände, die seinerzeit ganze Gouverne ments erfaßten und mit militärischer Gewalt niedergeworfen wurden, haben schon längst aufgehört. Die Bauernbewegung hofft nicht mehr auf den Erfolg einer Aufstandsbewegung. Andererseits die der In Anbetracht dieser Tatsache hat die Somjetregierung befchlof fen, besondere Schuhmaßnahmen für die Dorfforrespondenten einzuführen und ihren Angreifern die härtesten Strafen, bis zur Todes ftrafe aufzuerlegen. Indessen werden diese Repreffalien faum einen Erfolg zeitigen. Man kann eine spontane Bewegung nicht mit polizeilichen Maßnahmen unterdrücken. Wenn die Regierung der Bauernschaft nicht die Möglichkeit geben wird, ihre wirklichen Stimmungen auf legalem, verfassungsmäßigem Wege frei zum Ausdruck zu brin gen, wird sie gegen die elementare terroristische Bewegung auf dem flachen Lande vergebens anfämpfen. Das Militär im Saargebiet. Waun hört dieser Kriegszustand auf? Saarbrüden,&. April.( Mtb.) zu Mag Neills Erflärung im englischen Unterhaus, daß ein Bataillon französischer Trup pen aus dem Saargebiet zurückgezogen werden wird, weist die Landeszeitung"( Zentrum) darauf hin, daß die Anwesenheit französischer Truppen im Saargebiet überhaupt gegen den flaren Wortlaut des Bersailler Bertrages verstoße und fragt deshalb, wann endlich der selbst nach Bersailler Tert rechtmäßige Zustand hergestellt wird. Englands Anteil steht fest. Was darüber ist, ist von Uebel- fagt der Transferausschuh London, 8. April. Unterhaus. WTB.) Nach Churchill erflärte Graham( Arbeiterpartei), er unterstüße die Resolution. lond George brüdte ebenfalls seine Zustimmung aus. Gir Frederic Wise erklärte sich gegen die Resolution. Ramsay Macdonald fagte, er bezweifle, daß die finanzielle Sicherheit für England ebenjogut sei, wie die Frankreichs gemäß dem DawesPlan. Kenworthy bezeichnete den neuen Plan als eine Erleichterung, bedauerte aber zugleich, daß die Regierung nicht die ganze Reparationsabgabe aufgegeben habe. Churchill ergriff abermals das Wort und führte u. a. aus, es bestehe teine Gefahr, daß die neue Vereinbarung die Ausführung Daß das Geld zum guten Teil durch zweifelhafte Bantiers, Regierung gegenüber dem ländlichen Rapitalismus die Rampf des Dames- Blanes behindere. Der Transferausschuß habe sie ein benen Mirbach gleichfalls zu Titeln verholfen hatte, in wenig firchstimmung der Bauernschaft in gewissem Sinne gemildert. Indessen liche Kanaäle wanderte, hat seinerzeit großes Aufsehen erregt und jchließlich zum furzen Abschied des Kirchen- Mirbach geführt. So tark auch der bigotte Wilhelm unter dem Einfluß seiner Frau an sem fleißigen Sammler fefthielt, einmal mußte er sich doch entchließen, ihn in die Wüfte zu schicken. Seit der Zeit war Mirbach ein stiller Mann geworden. Und zur gelegentlich, wenn die Hafenkreuzler um die Gedächtniskirche m Westen toben, dachte man daran, daß auch dieses Bauwerk„ bei Jub' und Christ" zusammengefochten worden ist. Was der Frömmig leit ihrer wohlhabenden Besucher keinen Abtrag zu tun braucht. Das Echo der Aufwertungsgesetze. Aufnahme der neuen Aufwertungsgesehentwürfe bei den Sparern. Die Landesverbände Groß- Berlin und Brandenburg des Onpothefengläubiger- und Sparerschutzverbandes( Berlin W. 66, Bilhelmstraße 49, und S. 47, Dorfstraße 10) hielten am 1. April 13. in Berlin eine aus der ganzen Provinz start besuchte Dele. giertenverfammlung ab, die ihre Stellung zu den neuen Selegenwürfen der Regierung in folgender Entschließung zum Aus. bruck brachte: Die am 1. April 1925 in Berlin tagende Delegiertenversammung der Landesverbände Groß- Berlin und Brandenburg des Hypohefengläubiger- und Sparerschutzverbandes lehnt die neuen Ge agentwürfe der Regierung zur Aufwertung mit aller Ent ichiedenheit ab. Sie fordert nach wie vor die sofortige Aufhebung der 3. Steuernotverordnung und die Rüdtehr zum alten deutschen Recht. Der gegenwärtigen Regierung verfagt sie das Bertrauen, daß le ben Millen hat, das Recht wiederherzustellen." Reine Beschlagnahme der Kaufhold- Broschüre. Wie mitgeteilt mirb, entspricht die Nachricht der BS- Korrespondenz, daß die Barmat- Broschüre des Abgeordneten Dr. Kaufhold beschlagnahmt morden sei, nicht den Tatsachen. Tirpitz bei Hindenburg. Eine wellgeschichtliche Konverfation. Gestern abend ist Großadmiral von Tirpig in Hannover eingetroffen, um im Auftrage der Deutschnationalen Bartei den Generaffelbmarschall von Hindenburg zu ersuchen, seine endgültige Ablehnung der Präsidentschaftskandidatur wieder rückgängig zu machen. Bie uns von zuständiger Seite aus Hannover gefunkt wird, hat sich bie Aussprache wie folgt abgespielt: Tirpit( betritt den Raum). Hindenburg( stürzt an's Telephon): Ueberfall! Tirpit: Was fällt Ihnen denn ein? Erkennen Sie mich benn nicht? Hindenburg: Ja, gerade deshalb.... Ich nehme an, Gie Ich nehme an, Gie mollen bei mir Aften flauen. Zirpig: Zufällig nicht, aber aus Ihren Morten müßte ich eigentlich entnehmen, daß auch Sie Liebhaber sind...! Hindenburg: Lieber Tirps, laffen wir das. Die Zeiten ber gegenseitigen Berdächtigungen find vorüber. Wir sind doch nicht mehr im Großen Hauptquartier. Sagen Sie mir lieber, was führt Sie hierher? Tirpit: Ihre Kandidatur! Hindenburg: Schon wieder einer! Ich habe doch zum britten Male endgültig abgelehnt und Euch aufgefordert. Jarres wieber aufzuftellen. Tirpit: Das ist es aben. Sie sollen zum vierten Male annehmen. Aber diesmal unwiderruflich! Hindenburg: Das fann ich doch nicht mehr. Ihr macht mich ja lächerlich! fühl! Tirpiz: Ach was, dafür haben unsere Wähler gar fein GeHindenburg: Wird denn den Wählern dabei nicht schwindlig zumute? Das ist doch zum Geetrantwerden. Lirpig: Ach, woher denn! Das haben sie sich abgewöhnt, Jeitdem ich wieder in der Leitung der Deutschnationalen Partei fize. Hindenburg: Aber Ihr seid doch nicht allein. Und die Deutsche Bolkspartei? sucht die allgemeine unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung nach einem Ausweg, und da es feine freien Wahlen und feine legalen Oppositionsparteien gibt, so finden die oppofitionellen Stimmungen der Bauern feine legale Auswirkungsmöglichkeit. Sie richten sich deshalb sehr häufig gegen die örtlichen RegierungsDertreier, mehr aber noch gegen die Korrespondenten der kommunistischen Zeitungen. „ Dorftorrespondenten geschaffen, die dem Staate erhebDie städtische kommunistische Bresse hat ein ganzes Netz von liche Summen foften. Diese Korrespondenten, die zum größten Teil Rommunisten find, erscheinen der Dorfbevölkerung als die Bertreter der Zentralgewalt, während sie der Presse gegenüber die Rolle der Bertreter der Dorfbevölkerung spielen. Ihre Informationen sind oft von entscheidender Bedeutung. Sie richten sich aber häufig gegen diese oder jene Schichten des Dorfes, bald gegen die Befigenden, bald gegen die Befizlojen, niemals jedoch spiegeln sie die wirt fchaft betrachtet diese Korrespondenten nicht als ihre wirtlichen Ber lichen Stimmungen der Dorfbevölkerung wieder. Die Bauerntreter und als Sachwalter ihrer Interessen; eine andere Presse jedoch als die kommunistische gibt es in Rußland nicht und andere Infor mationen als die der kommuni eu Korrespondenten find nicht vorhanden. Es ist unter diesen Umständen begreiflich, daß der fleinste Konflift tragische Folgen zeitigt. stimmig genehmigt. Wenn England infolge der Steigerung bes Handels mit Deutschland eine weit größere Summe Bfund erhalten werde, als der britische Anteil aus dem Reparationstopf ausmache, werde der Ueberschuß der Summe in der Reichsbant bleiben, und soweit es irgendeine Ueberschreitung über die Grenze des britischen Anteils hinaus gebe, werde der Prozeß automatisch unwirtsam und die Operation zwischen dem deutschen Exporteur und dem britischen Käufer werde lediglich den Charakter eines geregung Lloyd Georges, daß England irgendwelchen Ueberschuß aus wöhnlichen Handelsgeschäftes haben. In Erwiderung auf eine Ander Reparationsabgabe benutzen sollte, um den allgemeinen Umfang der Sach lieferungen Deutschlands zu steigern, fagte Churchill, nach dem Londoner Abkommen sei es England nicht erlaubt, Maßnahmen über seinen Anteil hinaus zu treffen, ohne dem TransferAusschuß darüber Rechenschaft abzulegen, und dieser habe endgültig erklärt, daß er eine Einsammlung über den britischen Anteil hinaus grundsätzlich miß billigen würde. Auch aus anderen Gründen würde dies nicht in Englands Intereffe liegen. Die spanische Diktatur. Sie tut harmlos. Madrid, 8. April.( WTB.) Das Direktorium t eine StundAuf diesem Boden vollzieht sich seit einiger Zeit in Rußland gebung veröffentlichen lassen, in der betont wird, d das Diref eine massenhafte Ermordung der Dorftorrespondentorium teine Partei sei, sondern eine vorbereitende ten. Der Bertreter des Justizrefforts, Staatsanwalt nichinsti, Organisation, die sich die Schaffung zufünftiger politischer Grupptehat am 13. März erklärt, daß in den letzten drei Monaten 1924 in Großrußland allein 99 2ttentate auf Dorftorrespondenten, von faffung dürfe nicht durch Detret aufgehoben werden, sondern aus. rungen zum Ziel gesezt habe. Die zeitweilig aufgehobene Berdenen 9 einen tödlichen Ausgang nahmen, und 13 Attentatsversuche schließlich durch die Cortes, und zwar im Einvernehmen mil der zu verzeichnen waren. Ferner fanden in den ersten zwei Monaten Krone. In der äußeren Politif empfiehlt das Direktorium die Auf1925 weitere 67 Attentate statt. Im Verlauf von fünf Mo- rechterhaltung der Freundschaft mit Portugal, England, Frankreich, naten sind es insgesamt 166 Attentate, die in Moskau bekannt sind. Stalien sowie ein Zusammengehen mit Lateinamerika im Bölterbund. Berücksichtigt man außerdem, daß diefe Zahlen sich nur auf das eigent liche innere Rußland beziehen, und daß noch die Ultraine, Sibirien, der Rautasus und Weißrußland in Betracht kommen, so ist es flar, daß in dieser terroristischen Bewegung eine oppofitionelle Massenbewegung der Bauernschaft gegen die bestehende Gewalt in die Erscheinung tritt. Der Staatsanwalt Byschinski erklärt dann auch: Der Kampf gegen die Dorfforrefpondenten ist ein Rampf gegen die Sowjetgewalt."( Prawda", 15. März 1925.) In den deutsch- französischen Wirtschaftsverhandlungen waren neue Schwierigkeiten entstanden, weil die Delegationen über die Bedeutung eines Teils der am 28. Februar getroffenen Abmachungen nicht einig waren. Es ist aber ein Weg dafür gefunden worden, troß dieser Meinungsverschiedenheiten die praktischen Arbeiten fort zufezen Tirpit: Das habe ich ja immer gesagt: die Deutschen sind die Einzelstaaten! Es herrscht feine Gemütlichkeit Juftiz- und nicht reif für die Demokratie. Standalaffären! Es zieht zuweilen Butschet Die Ursachen liegen teils in der Handhabung der Hausordnung, der Verfassung, teils an dem Hauswirt, der bürgerlichen Regierung. Hindenburg: Also steht unsere Sache günstig? Tirpit: Jedenfalls hängen unfere legten Erfolgsaussichten von dem Vertrauen in die Führung ab. Sie sind unser bester Mann. ( Auf den Knien.) Erzellenz, Sie sind unser letzter Trumpf! Sticht er nicht, dann sind wir verloren, dann ist die Monarchie erledigt auf Jahrhunderte hinaus. Hindenburg: Bitte, feine traurigen Reminiszenzen! Tirpit: Exzellenz, faffe Sie am Bortepee! Ich appelliere feierlich an Ihre beschworene Treue zum Allerhöchsten Kriegsherrn, der die letzten Aussichten verliert, seinen Thron jemals wieder zu besteigen, wenn die Marristen am 26. April siegen. Nur wenn Sie gewählt werden und den Eid auf die republikanische Verfassung leisten, hat Majestät eine legte Möglichkeit, die Kaifertrone wieder aufzusetzen. Hindenburg: Ich finde Ihre Beweisführung nicht gerade überlegen. Tirpit( stürzt hinaus). Im Borzimmer empfangen ihn die dort wartenden Journalisten. Er erflärt ihnen:„ Meine Herren, mein Gespräch mit dem Herrn Generalfeldmarschall war naturgemäß streng vertraulich. Ich fann Ihnen nur eine fleine Andeutung machen, die Sie ins Bild feßen wird. Das letzte Wort des Herrn Generalfeldmarschalls lautete: überlegen"! Die Journalisten stürzen, zum Telegraphenamt und telegraphieren: Hindenburg hat erflärt, er wolle sich die Sache noch einmal überlegen." In den Räumen sämtlicher Redaktionen biegen sich die Balfen. Die Notwohnung. Hindenburg: Aber ich fann mich doch unmöglich viermal Biele Menschen haben heute ein unfreundliches Heim, eine Notin brei Tagen umgruppieren! wohnung. Sie ist eng und unbehaglich, falt und dunkel Und wenn Zirpig: Warum denn nicht? Der Loebell- Ausschuß grup- die Befizer dieser Wohnungen an prächtigen Häufern vorüber. piert sich viermal an einem Tage um. tommen, in denen weite. geräumige, helle Zimmer liegen, dann regt sich mit Recht der Wunsch im Herzen: hätte ich doch ein fleines freundliches Heim, in dem ich mich wohl fühlen tann nach den Stunden harter Arbeit." Heraus aus der Notwohnung! Taufenden. Das ist der Schrei von vielen Das ist auch der Schrei aller wahren Republikaner. Unsere deutsche Republik die Spießer wagen fie gar nicht so zu nennen ist auch nur eine Notwohnung, die in der Revolutions zeit rasch zusammengezimmert wurde, um zunächst unter Dach zu fommen. Damals war die größte Sorge, schnell einen Staal zu bilden, der mit den Gegnern verhandeln konnte. Wäre das nicht geglüdt, jo hätten wir heute überhaupt kein Deutschland mehr, was gewisse Leute, die damals den Kopf verloren hatten, heute vergessen haben. Nun ist die Wohnung zu flein Deutschösterreich mußte draußen bleiben! Es sind zu viele fleine muffige Kammern darin Tirpig: Die Bande muß man eben auf die Knie zwingen. Gott ftrafe Stresemann! Hindenburg: Bitte, feine traurigen Reminiszenzen! Tirpit: Unter uns gesagt: find wir denn nicht zwei lebende traurige Neminiſzenzen? Hindenburg: Offenbar nicht. Sonst würde man nicht ausgerechnet mich zum Präsidenten machen wollen und ausgerechnet Gie diejerhalb zu mir schicken. Dieser Hauswirt will Herr im Hause sein, unbeschränkt regieren. Bas scheren ihn die Nöte der Mieter! Und doch braucht er sie notwendig. Denn sie leisten überall die Hauptarbeit. Der Zustand ist unhaltbar. Das Haus muß ausgebaut werden, und zwar nach fachlichen Gesichtspuntten. Die Notwohnung muß Derschwinden, ein wohnliches Heim entstehen, ein Heim, in dem alle Blag haben, in dem weite helle Räume sind, wo jeder sein Recht findet und gerne weilt. Wir wollen als Baterland eine wahre deutsche Republit. Wir wollen die Durchführung der Verfassung von Weimar! Die Grundrechte der Bürger dürfen nicht mehr angelastet werden! Dann erst fann Frieden im Hause fein! Ernst Schermer. Protest der deutschen Schriftsteller. Die Hauptversammlung des Schußverbandes deutscher Schriftsteller hat die Bedrohung der schriftstellerischen Freiheit im Falle des Dichters Karl Reichle mit folgender Resolution beantwortet, die auch den württembergischen Behörden zugestellt wurde:„ Die Generalvernach einem Bericht des Stuttgarter Polizeipräsidiums am 29. März fammlung des SDS. nimmt mit Bedauern davon Kenntnis, daß d. 3. in Feuerbach eine Theaterprobe von der Polizei gesprengt, der anwesende Dichter und die Mitglieder des Sprechchors, die das Stück aufführten, verhaftet worden sind. Die Präventivzenfur für Bühnenwerte ist abgeschafft; fie darf nicht unter Umgehung der gefeggebenden Körperschaften auf dem Wege der bewaffneten Erelutive wieder eingeführt werden. Der SDS. erwartet, daß das würt tembergische Kultusministerium den Schutz der literarischen und fünstlerischen Freiheit gemäß der Reichs- und Landesverfassung im Falle des verhafteten dramatischen Schriftstellers Karl Reichle ficher ftelt." Yvonne Georgi, bas bekannte frühere Mitglied der Bigman- Tanz gruppe, bringt ein Brogramm neuer Tänze am Ostersonntag, mittags 1,12 Uhr, in der Matinee der Boltsbühne im Theater am Bülowplat Es ist dieses die einzige Berliner Beranstaltung, in der die Stiinftlerin in biefer Saison auffritt. Starten zu 1,25 M. in den Startenausgabe- und Bahlstellen der Boltsbühne erhältlich. Die Nationalgalerie bat ein aus dem Sabre 1909 ftammenbes Werk Koloschtas, das Bildnis des Wiener Architelten Adolf Loos, fäuflich erworben. Gleichzeitig gelangt bort als Leibgabe ein weiteres Bert Stofoschtas, das Porträt des Komponisten Jos. Mathias Hauer aus dem Jahre 1916 zur Ausstellung. Zum 100. Geburtstag Lassalles erscheint im Berlage bon Rt. 2. Prager eine Mappe mit 12 Bildern von Lassalle, der Gräfin Hazfeldt, Helene von Donniges mit einleitendem Zert in drei Sprachen und einer chrono logischen Tafel von B. Thompson. Einmalige Auflage in 400 numerierten Exemplaren. Preis vor Erscheinen M. 4, später M. 5. Gleichzeitig wird von der gleichen Firma in ihren beiben Geigästen( Mittelstraße 21 und Kantstraße 27 am Bahnhof Savignyplat) eine Ausstellung von Werten Lassalles und über ihn veranstallet. Die Frühjahrs- Ausstellung der Berliner Seceffion, Kurfürstendamm 232, die am 19. April geschlossen wird, ift fomobl am starfreitag, als aud an beiden Dsterjeiertagen bon 11 bis 2 Uhr geöffnet. Der Wahlfieg in Belgien. 22 Proz. sozialistischer Stimmenzuwachs. Brüssel,&. April.( Eigener Drahtbericht.) Das Gesamtergebnis der Wahlen ist jetzt ziemlich übersehbar. Der fojialiftische Erfolg übersteigt alle Erwartungen und ist weit größer, als die ersten Teilergebnisse er tennen ließen. Die Sozialisten gewinnen vorläufig 10, wahrfcheinlich fogar 11 Mandate, nämlich zwei in der Provinz Cüttich, zwei oder drei in Brabant, je eins in den Provinzen Antwerpen, Westflandern, Ostflandern, Hennegau, Kamur und Luxemburg. Die Katholiken buchen vermutlich einen Verlust von zwei Mandalen, fo daß ihre Kammervertretung auf 78 herabfinkt. In der Stimmen zahl überflügeln die Sozialisten die& atholiten beträchtlich. Sie dürften rund 820 000 Stimmen, also einen Jumadhs von 150 000 oder 22 Pro3 aufweisen, während die Katholifen nur 750 000 aufbringen. Die Sozialisten werden also zum ersten Mal die stärkste Partei Belgiens. Man muß die überhebliche Wahlkampagne der Katholiken mit erlebt haben, die die absolute Mehrheit in der Kammer erobern mollien, um die ganze Größe ihrer Niederlage zu würdigen. Die Liberalen verlieren 10 Mandate, finten also von 33 auf 23 herab. Die Kommunist en erobern cin Mandat in Lüttich und vermutlich auch eins in Brüssel, wo ihr Führer Jacquemotte vielleicht doch noch mit knapper Not durchkommt; sie erhielten insgesamt rund 30 000 Stimmen gegen 820 000 sozialistische. Die Flämische Frontpartei erhöht ihre Mandatszahl von 4 auf 6, was hinter ihren Erwartungen zurückbleibt; aber ihr Stimmenzuwachs scheint bedeutender. Die vermutliche Zusammensetzung der neuen Rammer ist also: 78 bis 79 Sozialisten, 78 Katholifen, 23 Liberale, 6 flömische Frontpartei, 2 Kommunisten, zusammen 187. Die bisherige tatholischliberale Regierungsmehrheit fintt non 113 auf 101, bie Opposition steigt auf 86 oder 87. Märe die Koaluionsmehrheit einheitlich, dann könnte trog des Linksruds an eine Er neuerung der alten Regierungsmehrheit gedacht werden, aber man weiß, daß sie schon im alien Parlament nicht leben und nicht flerben fonnten. Jetzt würde die Aufrechterhaltung der Einigkeit zwischen Liberalen und Kathoiifen und zwischen den verschiedenen Gruppen der Katholischen Partei ein noch viel größeres Kunststüd sein. Reiner weiß deshalb, wie die Regierung gebildet werden soil Die Ratholiten streden bereits Fühler aus, um die Sozialisten zum Eintritt in eine fatholisch- sozialistische Roalition unter der Präsidentschaft des katholischen Führers van de Bŋvere zu bewegen. Die Auffassung der Sozialisten ist, daß streng tonstitutionell verfahren werden müsse und die zunächst noch immer bestehende, obschon verminderte Regierungsmehrheit zeigen foll, ob Sie regierungsfähig ist und falls sie verjagt, die Sozialisten regierungsfähig ist und falls sie verjagt, die Sozialisten Die Regierungsbildung übernehmen. Sie würden versuchen, mit Hilfe der demokratischen Elemente der fatholischen und liberalen Partei eine homogene Mehrheit zu bilden, aber den Auftrag zurückgeben, falls eine derartige Mehrheit nicht erreichbar ist. Auf das Experiment einer jozialistischen Minderheitsregierung nach dem Muster Macdonalds und Brantings dürften sich die belgischen Genossen ta um einlassen. Mißglücktes Wahlmanöver der belgischen Regierung. Brüssel, 8. April.( WTB.) Die Regierung veröffentlichte dieser Tage eine endlose Liste von Personen, die nachträglich Orden erhielten, weil sie während der Besetzung Arbeitsdienste für Deutschland verweigerten und deshalb deportiert worden maren. Die Toten erhalten das Ritterkreuz des Leopoldordens, die noch Lebenden dagegen die sogenannte decoration civique Der fozialistische Beuple" nennt die Beröffentlichung der Orbens. liste vier Tage vor den Wahlen ein plumpes Wahl. manöver. Sicherheitspakt und Kontrollbericht. Immer noch Phafen und Stabien. Paris, 8. April.( WTB.) Ministerpräsident Serriot hat gestern den Antwortentwurf auf die deutsche Anregung, betreffend den Abschluß eines Sicherheitspafts, mit Anmertungen versehen, an feine Berfasser, den politischen Direktor im Ministerium des Aeußern, Larode, den Stabinettschef Sergery und den Justiziar Fro magent zurückgegeben. Nach dem Matin mird noch eine 3 meite Storreftur mit weiteren Abänderungen erfolgen, so daß, wie es scheint, die französische Antwort nicht sofort den Alliierten zugeht, was die lleberreichung der Antwortnote in Berlin etwas verzögert. Wie die Morgenblätter, offenbar beeinflußt, mitteilen, wird das von dem Versailler Militärtomitee geforderte ergänzende Gutachten über die Entwaffnung im Laufe der nächsten Woche der Botschafterfonferenz vorgelegt werden, um dieser als Unterlage für die Deutsch land zu erteilende Antwort zu dienen. Diese Antwort wird dem Journal" zufolge vor der deutschen Präsidentschaftswahl über. mittelt merden. Erklärungen Vanderveldes. Paris, 8. April.( BT.) Der belgische Sozialistenführer Banberpelbe hat dem Brüsseler Vertreter des Petit Parisien zur Frage des Sicherheitspattes erklärt: Ich habe die vollkommene Ueberzeugung, daß die belgische Regierung, welche Männer sie auch bilden mögen, auf alle Fälle auch ferner mit der französischen Regierung eine Bolitit des Friedens und der internationalen An= näherung fortfehen wird. In diesem Geifte wird man morgen mie gestern Garantien für die Sicherung Europas suchen. Auf die Frage, ob Deutschland in den Kombinationen, die sich vorbereiten, eine Rolle spielen tönnte, antwortete Bandervelde: Niemand dentt in unserem Lande daran, eine Beteiligung Deutschlands an einem eventuellen Bertrage abzulehnen. Ich verstehe natürlich darunter ein Deutschland, das im Osten den territorialen Status quo annimmt und sich verpflichtet, ihn nicht mit Gewalt ab. zuändern, sondern eine zufünftige Revision des Versailler Bertrages abzuwarten. Einige werden natürlich sagen, daß selbst unter diesen Vorausfegungen ein Garantiepaft, der von Deutschland unterzeichnet ist, nur ein neuer Fetzen Papier sein wird. Nach Ansicht der Sozialisten bestehe ein Unterschied zwischen einem Deutschland des Jarres und einem Deutschland der Weimarer Koalition. Bander velbe fuhr fort: Ein auf Gegenseitigkeit beruhender Sicherheitspalt zwischen den Mächten würde für die Sozialisten nur unter folgenben Bedingungen annehmbar sein: Zuerst dürfte er teine Spize gegen Rußland enthalten, außerdem fönnte Deutschland mur auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit allen anderen Nationen bezüglich seiner Verpflichtungen und seiner Rechte in ben 23ölferbund aufgenommen werden. Es sei endlich nötig, daß der Paft in den Rahmen der Abkommen eingeschlossen sei, die durch das( Genfer) Protokoll vorgesehen feien, und daß es einen Weg zur späteren Annahme des Protofolls gebe. Die Annahme des Protofolls sei ein wesentlicher Grundsat Wir möchten die Aufmerksamkeit der Sozialisten, ja aller Befenner des Selbstbestimmungsrechts der Bölker in den Ententeländern darauf lenken, daß der tschechische Außenminister Benesch letzthin deutlich die Absicht ertennen ließ, im Garantiepakt Deutsch land und Deutschösterreich abermals einen ewigen Berzicht auf ihre Bereinigung aufzuerlegen. Wir betonen: eine solche Belastung vertrüge der Garantiepatt teines falls! Das Osterwetter. Jahreszeit außergewöhnlich schöne Witterung und der Ausflugs Schon die Ostertage des vergangenen Jahres boten eine für die verfehr entwickelte sich zur Höchstleistung. Es ist vorgekommen, daß Lokale in der Umgebung Berlins, die ja immer noch für die Mehr heit der Ausflügler zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse in Frage kommen, ihre Bestände an Getränken und Nahrungsmitteln völlig ausverkauft hatten Angeregt durch das in den letzten Tagen herrschende Better dürfte auch an den kommenden Osterfeiertagen der Bug ins Freie" sich ungehemmt entroideln. Wenn auch die Wettervoraussage ein undankbares Geschäft ist, so kann doch mit einiger Bestimmtheit angenommen werden, daß das schöne Better auch an den Osterfeiertagen anhält. Dieses faft abnorm schöne Wetter mit seiner verhältnismäßig hohen Tagestemperatur ist darauf zurückzuführen, daß durch die Luftdruckver hältnisse jede stärkere Wolfenbildung verhindert wird. Die Abdie durch Ausstrahlungen besonders morgens und abends hervor fühlungen, die in dieser Jahreszeit immer zu beobachten sind und gerufen werden, dürften es trotzdem zulassen, daß tagsüber eine milde warme Temperatur herrscht. Es ist also mit einiger Beftimmtheit damit zu rechnen, daß Berlin seine gewohnten Pfingst. ausflüge in diesem Jahre schon zu Ostern machen kann. Ostern im Freibad. Die Verwaltung des städtischen Freibades Wannsee teilt uns mit, daß sie bei dem schönen Frühlingswetter es für richtig gehalten hat, den Badestrand schon jett freizugeben. Zwar ist es noch nicht so warm, daß jemand sich versucht fühlen tönnte, schon ein Wasserbad im offenen Gewässer zu nehmen. Über wer Sonnenbäder nehmen will, findet dazu beste Gelegenheit find geöffnet, so daß auch für Erfrischungen hinreichend gesorgt sein am Strand des Freibades Wannsee. Restaurant und Kaffeeküche mird. Bleibt das Wetter günstig, so darf das Freibad Bannsee fchon am Karfreitag und an den Osterfeiertagen auf starten Besuch rechnen. Geheimnisse einer Sudelküche. Größere er feit einigen Lagen auch ein Unterfommen gewährt hatte, einmal die Werkstatt aufzuräumen. Dabei fand der junge Mann unter Dollar aufbewahrte. Er erbrach die Kassette, nahm den Inhalt her der Hobelbant eine Staffette, in der der Meister über 5000 Mart in deutschem Papier, Gold- und Silbergeld und amerikanischen aus, hörte mit dem Aufräumen auf und verschwand mit dem Gelde. Mitteilungen über den Verbleib des undankbaren Gesellen angaben des Flüchtigen richtig sind, ist wohl sehr zweifelhaft. an das Polizeiami Berlin- Mitte, 4. Rriminalbezirk. Ob die PersonalKennt ihr fie? und Jumpern hat der junge B. in Berliner Kleinhandelsgeschäften Bald ein Dutzend fleiner Diebstähle von Blusen ausgeführt, bevor er ermischt worden ist. Nun steht der Zwanzig jährige vor dem Richtertisch in Moabit und meint. Ein Berbrecher" ist er wirklich nicht, sonst würde er sich nicht so dumm, nämlich gar nicht, verteidigen. Leider finder auch der große Bruder", der Angst hat, seine Stelle zu verlieren, wenn's raustommt", fein Wort des die Mutter sehr zeitig verließ, weil sich's mit einem Verhältnis wohl erstehens Wenn da nicht ein guter Freund des Hauses, so eine Art ungefeßlicher Vormund, märe, erführe man nie, daß der Bater flotter lebte, daß auch der Vater sehr leichtsinnig ist und weit eher ein daß sein Junge nie eine wirtliche Erziehung geno Freund von Autofahrt und Seftgelagen als von ernster Arbeit, und Von der Echule an auf eigene Füße gestellt, trugen die ihn schnell auf eine schiefe Kahn. War es aber so schlimm, daß nur ein Jahr und sechs Wernate Gefängnis die Diebereien fühnen fönnen? der nun schon siet, aber auch der Staatsanwalt hat protestiert. Man Jegt wandern die Arten, Berufung" steht drin; der Angeklagte, weiß nicht, wie der Kampf ausfällt, aber diese Beilen, die in der Zelle entstanden und die die Mutter uns übergab, geben das Recht, an den jungen Mann zu glauben: Kennt ihr sie, die trüben Gefängniszellen? Ein Tisch, eine Schüssel, ein Bett. Alles so öde, nichts heimisch, nichts nett. Steine Tapete, tein frohes Schimmern, Nur vier graue schmutzige Bände. Und wie im Sarge verharrst du in einsamer Welt. Leichtverletzte bei einer Straßenbahnentgleisung. Vor dem Hause Schönhauser Allee 172 entgleiste gestern abend ein Straßenbahnwagen der Linie 49 E, angeblich durch Berfagen der umgebogen wurde, und dann auf den Bürgersteig. Hierbei wurden Bremse, fuhr gegen einen Straßenbahnmast, der zum Tei 5 Infaffen leicht verlegt, die nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden fonnten. Ein Unbefannter ist mit Nervenchod und Unterarmbruch in das Krankenhaus Friedrichshain übeigeführt worden. eingerichtet, weist ständig unentgeltlich innerhalb des Praktische Altershilfe. Möblierte Zimmer, preiswert und gut Brenzlauer Berg, Danziger Straße 64, Hof 1 Tr., Zimmer 119. Bezirts Prenzlauer Berg nach die Kleinrentnerfürsorge Sprechstunden werttäglich 9-1 Uhr. Bei der Preußischen Staatsbant( Seehandlung) und der Preußischen 3entralgenossenschaftsrasse bleiben die Bureaus und Kaffen für die Kundschaft am 11. April 1925, den Sonnabend vor Ostern, geschlossen. Wie man Lungenhaschee und Falschen Hafen macht. tigten das Amtsgericht mitte. Die Gastwirtin Bahl betreibt in Die Küchengeheimnisse einer größeren Speisewirtschaft beschäf. der Warschauer Straße eine vielbesuchte Speisewirtschaft, deren Mittags- und Abendtisch von Hunderten von Perso= nen in Anspruch genommen wird. Durch frühere Küchenangestellte gelangte es zur Anzeige, daß die Inhaberin des Restaurants etwas allzu sparsam gewesen war. Sie wurde beschuldigt, Ueberreste, die aus der Wirtschaft in die Küche zurückgekommen haben. Die Beweis aufnahme ergab, daß Speisereste von den waren, wieder verwertet und den Gästen von neuem vorgefeßt zu Tellern auf Anweisung der Wirtin zu Lungen haschee und Falschen Hafenbraten" verwendet wurden. Fleischstücke, die auf den Tellern liegen geblieben waren, wurden in den Fleischtopf zurückgeworfen und später anderen Gästen vorgesetzt. Die übriggebliebenen Kartoffeln wurden gefammelt und zu Kartoffelsuppe weiter verwendet. Die Angeflagte Bahl ist bereits elfmal wegen Ruppelei und Shantvergehens vorbestraft, hatte jedoch merkwürdi gerweise, als schon dieses Strafverfahren gegen fie schwebte, noch die Ronzeffion für ihre jezige Wirtschaftshaltung. Eine Küchenmamfell fagte aus, daß die Angeklagte sie angefahren hätte, als sie Ueberreste in den Abfall tun wollte und daß sie erklärt hätte, was megzumerfen fei, beftimme fie allein. Das Amtsgericht hielt die Angeflagte schuldig nach§ 10 Abs. 2 des Nahrungsmittelgeleges. Ein Nahrungsmittel sei, wie Amtsgerichtsrat Dr. Cohn im Urteil ausführte, nach anerkannter Rechtsprechung verdorben, wenn sein Genuß efelerregend sei. Maßgebend dafür sei die allgemeine Aufmachungen mit Berliner liniten und Bolliniten getroffent, fallung der Konsumenten. Der Gast würde sich mit Etel abwenden, menn er müßte, wie es in der Küche zugehe. Derartige Elemente müßten aus dem Gastwirtsgewerbe ausgemerzt werden. Deshalb hat das Gericht neben der Geldstrafe auch auf eine Gefängnisstrafe ertannt. Das Urteil lautete gegen Frau Bahl auf 1 Monat Gefängnis und 800 m. Geldstrafe. Ein falsches Mordgerücht. Das Gerücht von einem Morde war gestern nachmittag im Norden der Stadt verbreitet. In dem Hause Brunnenstraße 95 mohnt ein Arbeiter August Plum mit seiner 50 Jahre alten Frau Baula. Als er gestern um 5 Uhr nachmittags von der Arbeit zurückfehrte, fand er die Frau in der Küche am Tische fizend tot auf. laufene Stellen entdeckte und die Mordfommission benach Er benachrichtigte die Polizei, die an der Leiche blutunter richtigte. Der Gerichtsarzt Geheimrat Dr. Störmer begutachtete, törperlichen Zustande der Frau herrühren. Die Todesursache fonnte daß die Flecke wohl nicht von äußerer Gemalt, sondern von dem förperlichen Zustande der Frau herrühren. Die Todesursache fonnte er nicht bestimmt feststellen. 3u ihrer Ermittlung wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhaufe gebracht, um hier obdu ziert zu werden. Die genaue Besichtigung der Wohnung ergab, daß ein Gashahn geöffnet war. Bermutlich ist die Frau beim Deffnen des Hahns von einem Unwohlsein befallen worden. Sie hatte immer kein Reisegeld. Einen Schwindel besonderer Art betrieb seit 5 Jahren eine 24 Jahre alte, aus Bodenbach gebürtige ehemalige Kontoriffin Fran zista Anna Sperch. Sie trieb sich in Berlin und anderen deutschen Städten auf den Bahnhöfen vor den Fahrkartenschaltern umher und erspähe, wohin Reisende Karten 2. Klasse löften. Dabei hatte sie die Tasche voll von vorher geschriebenen Briefen, die angeblich an Berwandte in dieser oder jener Stadt gerichtet waren. Sah sie nun, daß ein Reifender eine Fahriarte nach einer dieser Städte löfte, so nach Raffel, Malmö usw., so sprach sie ihu an, erzählte ihm, daß sie dort daß fie augenblicklich fein Geld habe, um sich eine Fahrkarte laufen Berwandte habe, die sie besuchen molle, und flagte ihm ihr Leid, und, je nachdem, einen Baß besorgen zu fönnen. Durch Borzeigen des en sprechenden Briefes machte sie jedesmal ten Reifenden sicher, und fast stets erhielt sie den erbetenen Befrog. Nachweislich erbeutete sie auf diese Weise in Bodenbach allen von 13 Berfonen zusammen 2000 Goldmart. Die Schwindlerin trat unter verschiedenen Namen auf. So nannte sie fich Schifferfrau Bellrich aus Elster bei Wittenberg, Hanni Wagner aus Hamburg, Frau Haas aus Sangerbaufen, Frau de Waat aus Holland usw. usw. In Bodenbach war fie unter dem Spitznamen„ Sperch- Fanny" bekannt. Trogdem fuchte fie die dortige Behörde schon seit fünf Jahren vergehlich. ebenso cutfche Staatsanwaltschaften. Jest gelang es, die Gaunerin in Dresden festzunehmen. Mit ihr verhaftet wurde der 30 Jahre alte, aus Elster gebürtige Schiffer Wilhelm Bellrich, der sich bet ihren Schwindeleien auf den Bahnhöfen stets im Hintergrunde auf hielt und von der Beute mitlebte. Er räumte gründlich auf. Ein Tischlermeister, der in der Weberstraße einen Handel mit gebrauchten Möbeln betreibt und zu deren Aufbesserung eine Wertstatt unterhält, wurde in seinem Vertrauen arg getäuscht. Bei ihm sprach ein junger Mann, der sich Tischler Erich Bergmann nannte und am 4. März 1903 in Sagan geboren zu sein angab, um Arbeit vor. Er erzählte, daß er in der Hoffnung, hier leicht Be tommen sei, daß er aber trog aller Bemühungen noch nichts habe schäftigung finden zu fönnen, aus seiner Heimat nach Berlin gefinden fönnen, und daß es ihm deshalb sehr schlecht gehe. Der Meister hatte Mitleid mit ihm und stellte ihn in seiner Werfstatt ein, obgleich er nicht gerade viel Arbeit für ihn hatte. Als er außerhalb zu tun hatte, beauftragte er den neuen Gehilfen, dem Humboldt- Hochschule. Das neue Frübjahrsprogramm mit zahlreichen Führungen, Wanderungen, Reifen und 125 Borleiungen ift foeben erschienen Jebe Auskunft durch das Hauptbureau Köpenider Str. 108.( Morizplatz 2050.) und fostenlos in zahlreichen Buchhandlungen und Geschäftsstellen zu haben. Herz liche Beratungsstelle der Gesellschaft.Die. Die Gesellschaft für Gefundheitsschus der Juben Die" bat eine Beratungsstelle für Ditjuden in Berlin, Gormannstr. 29, eröffnet. Die in Berlin ansässigen Ditjuben, welche mit den Berhältnissen des Landes wenig vertraut sind, wissen überhaupt nicht, an men sie sich au wenden haben, falls jemand von ihnen frant wind. Die Gesellschaft Dfe" hat baber beschlossen, den Eingewanderten aus dem Dfen zu Hilfe zu lommen. Sie hat Ab. auf Grund welcher die stranden, die yon ber Beratungsstelle gejchidi werden, dort sorgfältig untersucht und behandelt werden. Die Herner Eisenbahnkatastrophe vor Gericht. Herne,&. April.( TU) Die Nachmittagssigung beginnt mit bem Bericht des Oberbahnrats St a st ner über die Einrichtung des Signalwesens, wobei der Zeuge die Möglichkeit einer Falschstellung mie des Versagens der Tastensperre zugibt. Der Obera bahnmeister Arstein von Herne verneint nicht, daß unregel mäßigfeiten bei dem Herner Bahnhof oorgekommen find. Dar auf folgen die Gutachten der Sachverständigen über das Signalwesen, die weder die Möglichkeit eines Berjagens der Signale noch eines Berschuldens des Stellmerfpersonals für ausgeschlossen Ueberfahren des Signals unter den obwaltenden Verhältnissen für halten. Dagegen erachten die Eisenbahnbetriebsfachverständigen ein ganz undentbar und glauben die Schuld nur in der Signa stellung suchen zu sollen, da seit dem Herner ünlüd beretis 46 Meldungen über unvorschriftsmäßige Signalstellung im Eisener Bezirt vorliegen. Der Maschineninspektor Ronzen, der direkte Borgefehte des Angeklagten Haverkamp, stellt diesem das beste 3eugnis aus. Er schildert ihn als zuverlässig, nüchtern und glaubwürdig in jeder Beziehung. Dasselbe träfe auf seinen Heizer Heidbrecher zu. Das Gericht lehnt darauf die Ladung neuer Zeugen und Sachverständiger ab und stellt die Bereidigung des Stell merfpersonals und des Heizers Heibbrecher bis hinter die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Berteidigung zurüd. Wie die Drei Tote bei einer Handgranatenexplosion. Schlesische Zeitung" aus Dels meldet, wurden bei der Vernichtung von schadhaft gewordenen Handgranaten beim Reiters regiment 8 brei Unteroffiziere tödlich und ein Gesichtig vorzeitig aus den Deckungsgraben gefrochen. freiter schwer perlegt Die vier Soldaten waren unvon Das Zwei Todesurfelle wegen gemeinschaftlichen Mordes. Rosmierzat und die Witwe des Grubenarbeiters infler Schwurgericht in Rottbus verurteilte gestern den Grubenarbeiter aus Sedlig bei Senftenberg in der Lausitz wegen gemein fchaftlichen Mordes zum Tode. Rosmierzat, der verheirotet war, hat am zweiten Weihnachtsfeiertage des vergangenen Jahres den Ehegatten der Bintler erwürgt, während Frau Winkler dafür sorgte, daß niemand die Stube betrat. Einige Wochen vorher hatten beide Angeklagten versucht, Winkler durch Gift umzubringen. banner Schwarz Rot Gold und der Deutiae Repu Republikanischer Tag am 18. Oftober in Leipzig. Das Reiche blitanische Reichsbund veranstalten am 17. unb 18. D. tober in Leipzig grobe republilanische und gebungen. Die Vorarbeiten sind bereits seit längerer Zeit in Angriff genommen. Befannie Republikaner und erfte Künstler baben ihre Mitwirinng zugelagt. Es wird zahlreiche Beteiligura aller repu blilanischen Vereinigungen und Verbände, nicht nur aus der weiteren Umgebung Leipzigs, sondern aus allen Gauen Deutichlande und Deutschösterreichs erwartet. Zunahme der Chefcheidungen in den Bereinigten Staaten, Der Prozentiaß der Chefcheidungen in den Vereinigten Staaten zeigt nach den legten Veröffentlichungen des Waibingtoner Standesamtsregifters eine ständig aufsteigende Kurve. Im Jahre 1870 betrug. B. die Anzahl der Ebescheidungen auf 100 000 ber auf 100 000 Ghen. Bezüglich der Uriachen der Chefcheidungen bat heiratete Bersonen nur 80, im vergangenen Jahre dagegen 830 fich ebenfalls ein Wandel vollzogen insofern, als früber Untreue und Erunten beit. gegenwärtig in der Hauptface grausame Behandlung und böswilliges Berlaffen als Gründe für die Ehescheidung angegeben worden. menn auch nicht ans marristischen Erkenntnissen, so doch aus ihrem christlichen Gewissen gegen die wa ch fende tapitalistische Dittatur fich auflehnen. Diese geistig und sittlich hochstehenden und strebenden Menschen sind für die soziale und sozialistische Entwicklung sicher wertoller als der feinerlei gestaltende Arbeit zeigende Radaufommuinsmus. Mit diesen Männern und Frauen gehen wir nun ein Stück Weges zusammen, um einen fozial gesinnten Menschen, einen erprobten Demokraten über den Bormann des Großkapitals iegen zu lassen. Will einer, der gegen die Kandidatur Marg Bedenken hat, daß am 26. April die Schwarz- weiß- roten jubeln? Das tann fein Sozialist und ein Republikaner pollen. Darum geht jeder zur Wahl und stimmt gegen den Rechtsblock und gegen dessen kommunistischen Vorspann, für Marg, den sozialen Republitaner! Kirchen- Mirbach. Ein Nachklang aus Wilhelms Glanzzeit. In Potsdam ist gestern Freiherr Ernst von Mirbach im B1. Lebensjahre gestorben. Man wußte bis dahin faum, daß er noch am Leben war. Und doch hat dieser frühere„ Oberhofmeister" ber erfien Frau Wilhelms II. jahrelang einen unheilvollen Einfluß auf das öffentliche Leben Deutschlands und besonders Berlins aus= geübt. Wie feine Herrin im Volfswiß die Kirchen- Gufte" hieß, so ihr Oberhofmeister der Kirchen- Mirbarh". Er fand feinen Ehrgeiz darin, der frömmelnden Raiserin mögichst viele Kirchen in Berlin zu erstellen. Zu dem Zwecke verantaltete er eine Sammlung nach der anderen, gründete Kirchenbauvereine und handelte daneben mit Orden und Titeln gegen entprechende Zahlung in einem seiner Baufonds. Ob der Spender Thrift oder Jude war, danach fragte der Höfling nicht. Ihm tam is darauf an, daß„ Geld in Kasten flingt" und dadurch die Gnaden onne für ihn höher steiget Daß das Geld zum guten Teil durch zweifelhafte Bankiers, denen Mirbach gleichfalls zu Titeln verholfen hatte, in wenig firchliche Kanaäle wanderte, hat seinerzeit großes Aufsehen erregt und jchließlich zum furzen Abschied des Kirchen- Mirbach geführt. So tark auch der bigotte Wilhelm unter dem Einfluß seiner Frau an sem fleißigen Sammler fefthielt, einmal mußte er sich doch entchließen, ihn in die Wüfte zu schicken. Seit der Zeit war Mirbach ein stiller Mann geworden. Und zur gelegentlich, wenn die Hafenkreuzler um die Gedächtniskirche m Besten toben, dachte man daran, daß auch dieses Bauwerk„ bei Jub' und Christ" zusammengefochten worden ist. Was der Frömmige leit ihrer wohlhabenden Besucher keinen Abtrag zu tun braucht. Das Echo der Aufwertungsgesetze. Aufnahme der neuen Aufwertungsgesehentwürfe bei den Sparern. Die Landesverbände Groß- Berlin und Brandenburg des Onpothefengläubiger- und Sparerschutzverbandes( Berlin M. 66, Bilhelmstraße 49, und S. 47, Dorfstraße 10) hielten am 1. April 3. in Berlin eine aus der ganzen Provinz start besuchte Delegiertenverfammlung ab, die ihre Stellung zu den neuen Selegenwürfen der Regierung in folgender Entschließung zum Ausbruck brachte: Der Kampf im Finanzausschuß. Keine Inflation ohne Deckung. Paris, 8. April( WTB.) Im Finanzausschuß der Kammer hat nach Wiederaufnahme der Sigung um 9 Uhr abends Finanz minister de Monzie feine Erklärungen über den Sanierungsplan fortgefeßt und eine Reihe von Fragen beantwortet. Um 11,45 Uhr die Einzelberatung des Entwurfs eintrat. Der Antrag, Tiiel 1 beverließ der Finanzminister die Gigung, worauf die Kommission in treffend die Erhöhung des Notenumlaufs um vier Milliarden von dem Gefeß abzutrennen und ihn allein vorher raschestens zu verabschieden, wurde mit 18 gegen 14 Stimmen abgelehnt. Da mit hat die Kommission ihren Willen fundgegeben, den Gesezentwurf als ein unteilbares Ganzes zur Sanierung der Finanzlage zu betrachten. Die Kommission wird heute nachmittag 3 Uhr ihre Beratung fortsetzen. Frauenwahlrecht in den Gemeinden. Paris, 8. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammer hat beschlossen, den Frauen vom 21. Lebensjahr ab das attive und passive Wahlrecht für die Gemeindes und die Generalratswahlen zuzuerkennen. Der Antrag des Berichterstatters, das Gesetz innerhalb drei Tagen in Kraft zu setzen, wurde mit 297 gegen 247 Stimmen abgelehnt. Die Bauernbewegung in Rußland. Die gesamte Sowjetpresse berichtet seit einigen Monaten fortgefekt über die Bauernbewegung in Rußland, die sich gegen die bolichemistische Regierung richtet. Diese Erscheinung ist tatsächlich den Fortbestand der Regierung in Sowjetrußland. von höchster Bedeutung und von größter Wichtigkeit für angenommen hat. Bauernaufstände, die seinerzeit ganze Gouverne Besonders merkwürdig sind die Formen, die diese Bewegung ments erfaßten und mit militärischer Gewalt niedergeworfen wurden, haben schon längst aufgehört. Die Bauernbewegung hofft nicht mehr auf den Erfolg einer Aufstandsbewegung. Andererseits hat die Einführung des freien Handels und die Nachgiebigkeit der Regierung gegenüber dem ländlichen Kapitalismus die Kampf sucht die allgemeine unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung nach stimmung der Bauernschaft in gewissem Sinne gemildert. Indessen einem Ausweg, und da es feine freien Wahlen und feine legalen Oppofitionsparteien gibt, so finden die oppositionellen Stimmungen der Bauern feine legale Auswirkungsmöglichkeit. Sie richten sich deshalb sehr häufig gegen die örtlichen Regierungsvertreier, mehr aber noch gegen die Korrespondenten der kommunistischen Zeitungen. Die städtische kommunistische Bresse hat ein ganzes Netz von Dorftorrespondenten" geschaffen, die dem Staate erhebliche Summen foften. Diese Korrespondenten, die zum größten Teil Kommunisten sind, erscheinen der Dorfbevölkerung als die Vertreter der Zentralgewalt, während sie der Bresse gegenüber die Rolle der Bertreter der Dorfbevölkerung spielen. Ihre Informationen sind oft von entscheidender Bedeutung. Sie richten sich aber häufig gegen diese oder jene Schichten des Dorfes, bald gegen die Befigenden, bald gegen die Befiglojen, niemals jedoch spiegeln fie die wirt schaft betrachtet diese Korrespondenten nicht als ihre wirklichen Ber lichen Stimmungen der Dorfbevölkerung wieder. Die Bauerntreter und als Sachwalter ihrer Interessen; eine andere Presse jedoch als die fommunistische gibt es in Rußland nicht und andere Infor mationen als die der kommun eu Korrespondenten find nicht vorhanden. Es ist unter diesen Umständen begreiflich, daß der fleinste Konflift tragische Folgen zeitigt. In Anbetracht dieser Tatsache hat die Comjetregierung befchlof fen, besondere Schußmaßnahmen für die Dorfforrespondenten ein zuführen und ihren Angreifern die härtesten Strafen, bis zur Todes strafe aufzuerlegen. Indessen werden diese Repreffalien taum einen Erfolg zeitigen. Man kann eine spontane Bewegung nicht mit polizeilichen Maßnahmen unterdrücken. Wenn die Regierung der Bauernschaft nicht die Möglichkeit geben wird, ihre wirklichen Stimmungen gen, wird sie gegen die elementare terroristische Bewegung auf dem auf legalem, verfassungsmäßigem Wege frei zum Ausdrud zu brin flachen Lande vergebens anfämpfen. Das Militär im Saargebiet. Waun hört dieser Kriegszustand auf? Saarbrüden, 8. April.( Mtb.) zu Mag Neills Erflärung im englischen Unterhaus, daß ein Bataillon französischer Trup pen aus dem Saargebiet zurückgezogen werden wird, meist die Landeszeitung"( Zentrum) darauf hin, daß die Anwesenheit französischer Truppen im Saargebiet überhaupt gegen den flaren Wortlaut des Bersailler Bertrages verstoße und fragt deshalb, wann endlich der selbst nach Bersailler Tegt rechtmäßige Zustand hergestellt wird. Englands Anteil steht fest. Sir Was darüber ist, ist von Uebel- fagt der Transferausschuh London, 8. April. Unterhaus. WTB.) Nach Churchill erflärte Graham( Arbeiterpartei), er unterstüße die Resolution. Lloyd George brückte ebenfalls feine Zustimmung aus. Frederic Wise erklärte sich gegen die Resolution. Ramsay Macdonald fagte, er bezweifle, daß die finanzielle Sicherheit für England ebensogut sei, wie die Frankreichs gemäß dem DamesPlan. Kenworthy bezeichnete den neuen Plan als eine Erleichterung, bedauerte aber zugleich, daß die Regierung nicht die ganze Reparationsabgabe aufgegeben habe. Churchill ergriff abermals das Wort und führte u. a. aus, es bestehe teine Gefahr, daß die neue Bereinbarung die Ausführung des Dawes- Planes behindere. Der Transferausschuß habe sie einHandels mit Deutschland eine weit größere Summe Pfund stimmig genehmigt. Wenn England infolge der Steigerung des erhalten werde, als der britische Anteil aus dem Reparationstopf ausmache, werde der Ueberschuß der Summe in der Reichsbank bleiben, und soweit es irgendeine Ueberschreitung über die Grenze des britischen Anteils hinaus gebe, werde der Prozeß automatisch unwirtsam und die Operation zwischen dem deutschen Exporteur und dem britischen Käufer werde lediglich den Charakter eines ge wöhnlichen Handelsgeschäftes haben. In Erwiderung auf eine Anregung Lloyd Georges, daß England irgendwelchen Ueberschuß aus der Reparationsabgabe benutzen sollte, um den allgemeinen Umfang der Sach lieferungen Deutschlands zu steigern, fagte Churchill, nach dem Londoner Abkommen sei es England nicht erlaubt, Maßnahmen über seinen Anteil hinaus zu treffen, ohne dem TransferAusschuß darüber Rechenschaft abzulegen, und dieser habe endgültig erklärt, daß er eine Einsammlung über den britischen Anteil hinaus grundsätzlich mißbilligen würde. Auch aus anderen Gründen würde dies nicht in Englands Interesse liegen. Die spanische Diktatur. Sie tut harmlos. Madrid, 8. April.( WTB.) Das Direktorium t eine Stund Auf diesem Boden vollzieht sich seit einiger Zeit in Rußland gebung veröffentlichen lassen, in der betont wird, dB das Direk „ Die am 1. April 1925 in Berlin tagende Delegiertenverfamm- ten. Der Bertreter des Justizrefforts, Staatsanwalt nichiniti Organisation, die sich die Schaffung zukünftiger politischer Gruppieeine massenhafte Ermordung der Dorftorrefpondentorium teine Partei sei, sondern eine vorbereitende urg der Landesverbände Groß- Berlin und Brandenburg des Hypohefengläubiger- und Sparerschutzverbandes lehnt die neuen Gefaffung dürfe nicht durch Detret aufgehoben werden, sondern aus. rungen zum Ziel gesetzt habe. Die zeitweilig aufgehobene Ber agentwürfe der Regierung zur Aufwertung mit aller Ent fchließlich durch die Cortes, und zwar im Einvernehmen mil der Ichiedenheit a b. Sie fordert nach wie vor die sofortige Krone. In der äußeren Politik empfiehlt das Direktorium die AufXufhebung der 3. Steuernotverordnung und die rechterhaltung der Freundschaft mit Portugal, England, Frankreich, Rüdtehr zum alten deutschen Recht. Stalien sowie ein Zusammengehen mit Lateinamerika im Bölterbund. Der gegenwärtigen Regierung versagt sie das Bertrauen, daß le ben Millen hat, das Recht wiederherzustellen." Reine Beschlagnahme der Kaufhold- Broschüre. Bie mitgeteilt nirb, entspricht die Nachricht der BS- Korrespondenz, daß die Barmat- Broschüre des Abgeordneten Dr. Kaufhold beschlagnahmt morden sei, nicht den Tatsachen. Tirpitz bei Hindenburg. Eine wellgeschichtliche Konversation. Gestern abend ist Großadmiral von Tirpitz in Hannover eingetroffen, um im Auftrage der Deutschnationalen Partei den Gene raffelbmarschall von Hindenburg zu ersuchen, seine endgültige Ablehnung der Präsidentschaftskandidatur wieder rückgängig zu machen. Bie uns von zuständiger Seite aus Hannover gefuntt wird, hat sich bie Aussprache wie folgt abgespielt: Tirpis( betritt den Raum). Hindenburg( ftürzt an's Telephon): Ueberfall! Tirpit: Was fällt Ihnen denn ein? Erkennen Sie mich benn nicht? Hindenburg: Ja, gerade deshalb.... Ich nehme an, Gie mollen bei mir Aften flauen. Tirpig: Zufällig nicht, aber aus Ihren Morten müßte ich eigentlich entnehmen, daß auch Sie Liebhaber sind...! Hindenburg: Lieber Tirps, laffen wir das. Die Zeiten ber gegenseitigen Berdächtigungen sind vorüber. Wir sind doch nicht mehr im Großen Hauptquartier. Sagen Sie mir lieber, was führt Sie hierher? Tirpit: Ihre Kandidatur! Hindenburg: Schon wieder einer! Ich habe doch zum britten Male endgültig abgelehnt und Euch aufgefordert. Jarres mieber aufzustellen. Tirpit: Das ist es eben. Sie sollen zum vierten Male annehmen. Aber diesmal unwiderruflich! Hindenburg: Das tann ich doch nicht mehr. Ihr macht mich ja lächerlich! füht! Tirpit: Ach was, dafür haben unsere Wähler gar kein GeHindenburg: Aber ich fann mich doch unmöglich viermal in brei Tagen umgruppieren! Zirpig: Warum denn nicht? Der Loebell- Ausschuß gruppiert sich viermal an einem Tage um. Hindenburg: Wird denn den Wählern dabei nicht schwindlig zumute? Das ist doch zum Seefrantwerden. Zirpig: Ach, woher denn! Das haben sie sich abgewöhnt, jeitdem ich wieder in der Leitung der Deutschnationalen Partei size. Sindenburg: Aber Ihr seid doch nicht allein. Und die Deutsche Bolkspartei? Hindenburg: Bitte, feine traurigen Reminiszenzen! Tirpit: Unter uns gefagt: find wir denn nicht zwei lebende hat am 13. März erklärt, daß in den letzten drei Monaten 1924 in Großrußland allein 99 Attentate auf Dorftorrespondenten, von denen 9 einen tödlichen Ausgang nahmen, und 13 Attentatsversuche zu verzeichnen waren. Ferner fanden in den ersten zwei Monaten 1925 weitere 67 Attentate statt. Im Verlauf von fünf Monaten sind es insgesamt 166 Attentate, die in Moskau bekannt sind. Berücksichtigt man außerdem, daß diese Zahlen sich nur auf das eigent liche innere Rußland beziehen, und daß noch die Ultraine, Sibirien, der Kautasus und Weißrußland in Betracht fommen, so ist es flar, daß in dieser terroristischen Bewegung eine oppofitionelle Maffenbemegung der Bauernschaft gegen die bestehende Gewalt in die Erscheinung tritt. Der Staatsanwalt Wyschinski erklärt dann auch:" Der Kampf gegen die Dorfforrespondenten ist ein Kampf gegen die Sowjetgewalt."( Prawda", 15. März 1925.) In den deutsch- franzöfifchen Wirtschaftsverhandlungen waren neue Schwierigkeiten entstanden, weil die Delegationen über die Bedeutung eines Teils der am 28. Februar getroffenen Abmachungen nicht einig waren. Es ist aber ein Weg dafür gefunden worden, troß dieser Meinungsverschiedenheiten die praktischen Arbeiten fortzufezen. Tirpit: Das habe ich ja immer gesagt: die Deutschen sind die Einzelstaaten! Es herrscht teine Gemütlichkeit- Juftiz- und nicht reif für die Demokratie. Hindenburg: Also steht unsere Sache günstig? Tirpit: Jedenfalls hängen unsere legten Erfolgsaussichten von dem Vertrauen in die Führung ab. Sie sind unser bester Mann. ( Auf den Knien.) Exzellenz, Sie sind unser letzter Trumpf! Sticht er nicht, dann sind wir verloren, dann ist die Monarchie erledigt auf Jahrhunderte hinaus. Hindenburg: Bitte, teine traurigen Reminiszenzen! Tirpit: Erzellenz, faffe Sie am Portepee! Ich appelliere feierlich an Ihre beschworene Treue zum Allerhöchsten Kriegsherrn, der die letzten Aussichten verliert, seinen Thron jemals wieder zu besteigen, wenn die Marristen am 26. April siegen. Nur wenn Sie gewählt werden und den Eid auf die republikanische Verfassung leisten, hat Majestät eine legte Möglichkeit, die Kaiserkrone wieder aufzusetzen. Hindenburg: Ich finde Ihre Beweisführung nicht gerade überlegen... Tirpiz( stürzt hinaus). Im Borzimmer empfangen ihn die dort wartenden Journalisten. Er erflärt ihnen:„ Meine Herren, mein Gespräch mit dem Herrn Generalfeldmarschall war naturgemäß streng vertraulich. Ich fann Ihnen nur eine kleine Andeutung machen, die Sie ins Bild feßen wird. Das letzte Wort des Herrn Generalfeldmarschalls lautete: überlegen"! Die Journalisten stürzen, zum Telegraphenamt und telegraphieren: Hindenburg hat erklärt, er wolle sich die Sache noch einmal überlegen." In den Räumen sämtlicher Redaktionen biegen sich die Baffen. Die Notwohnung. Biele Menschen haben heute ein unfreundliches Heim, eine Notwohnung. Sie ist eng und unbehaglich, falt und dunkel Und wenn die Befizer dieser Wohnungen an prächtigen Häusern vorübertommen, in denen meite. geräumige, helle Zimmer liegen, dann regt sich mit Recht der Wunsch im Herzen: hätte ich doch ein fleines freundliches Heim, in dem ich mich wohl fühlen tann nach ben Stunden harter Arbeit." Heraus aus der Notwohnung! Das ist der Schrei von vielen Tausenden. tommen. Das ist auch der Schrei aller wahren Republikaner. Unsere deutsche Republik die Spießer wagen sie gar nicht so Tirpig: Die Bande muß man eben auf die Knie zwingen. zu nennen ist auch nur eine Notwohnung, die in der Revolutions Gott ftrafe Stresemann! zeit rasch zusammengezimmert wurde, um zunächst unter Dach zu Damals war die größte Sorge, schnell einen Staal zu bilden, der mit den Gegnern verhandeln konnte. Wäre das nicht geglüdt, so hätten wir heute überhaupt tein Deutschland mehr, was gewisse Leute, die damals den Kopf verloren hatten, heute vergessen haben. Nun ist die Wohnung zu flein Deutschösterreich mußte Deutschösterreich mußte draußen bleiben! Es sind zu viele tleine muffige Kammern darin traurige Reminiszenzen? Hindenburg: Offenbar nicht. Sonst würde man nicht ausgerechnet mich zum Präsidenten machen wollen und ausgerechnet Gie biejerhalb zu mir schicken. Standalaffären! Es zieht zuweilen Butschet Die Ursachen liegen teils in der Handhabung der Hausordnung, der Verfassung, teils an dem Hauswirt, der bürgerlichen Regierung. Dieser Hauswirt will Herr im Hause sein, unbeschränkt regieren. notwendig. Denn sie leisten überall die Hauptarbeit. Was scheren ihn die Nöte der Mieter! Und doch braucht er fie Der Zustand ist unhaltbar. Das Haus muß ausgebaut werden, und zwar nach fachlichen Gesichtspuntten. Die Notwohnung muß verschwinden, ein wohnliches Heim entstehen, ein Heim, in dem alle Plaß haben, in dem weite helle Räume find, wo jeder sein Recht findet und gerne weilt. -www Wir wollen als Vaterland eine wahre deutsche Republik. Wir wollen die Durchführung der Verfassung von Weimar! Die Grundrechte der Bürger dürfen nicht mehr angelastet werden! Dann erst tann Frieden im Hauſe ſein! Ernst Schermer. Proteft der deutschen Schriftsteller. Die Hauptversammlung des Schußverbandes deutscher Schriftsteller hat die Bedrohung der schriftstellerischen Freiheit im Falle des Dichters Karl Reichle mit folgender Resolution beantwortet, die auch den württembergischen Behörden zugestellt wurde:„ Die Generalvernach einem Bericht des Stuttgarter Polizeipräsidiums am 29. März fammlung des SDS. nimmt mit Bedauern davon Kenninis, daß d. 3. in Feuerbach eine Theaterprobe von der Polizei gesprengt, der anwesende Dichter und die Mitglieder des Sprechchors, die das Stück aufführten, verhaftet worden sind. Die Präventivzenfur für Bühnenwerte ist abgeschafft; sie darf nicht unter Umgehung der gefeggebenden Körperschaften auf dem Wege der bewaffneten Erelutive wieder eingeführt werden. Der SDS. erwartet, daß das württembergische Kultusministerium den Schutz der literarischen und tünstlerischen Freiheit gemäß der Reichs- und Landesverfassung im Falle des verhafteten dramatischen Schriftstellers Karl Reichle ficher ftelt." Yvonne Georgi, das bekannte frübere Mitglied der Bigman- Tanz gruppe, bringt ein Brogramm neuer Tänze am Dstersonntag, mittags 1,12 Uhr, in der Matinee der Boltsbühne im Theater am Bülomplat. Es ist dieses die einzige Berliner Beranstaltung, in der die Künstlerin in dieser Saison auffritt. Starten zu 1,25 2. in den Startenausgabe- und Bahlstellen der Boltsbühne erhältlich. Die Nationalgalerie hat ein aus dem Jahre 1909 flammendes Berl Koloschtas, das Bildnis des Wiener Architelten Adolf Loos, fäuflich erworben. Gleichzeitig gelangt bort als Leibgabe ein weiteres Bert Stofoschkas, bas Porträt des Komponisten Jos. Mathias Hauer aus dem Jahre 1916 zur Ausstellung. Zum 100. Geburtstag Lassalles erscheint im Berlage bon N. 2. Prager eine Mappe mit 12 Bildern von Lassalle, der Gräfin Hazfeldt, Helene von Donniges mit einleitendem Zegt in drei Sprachen und einer chrono Einmalige Auflage in 400 numerierten Exemplaren. Preis vor Erscheinen M. 4, fpäter M. 5. Bleichzeitig wird von logischen Tafel von B. Thompson. der gleichen Firma in ihren bei den Geigäften( Wittelstraße 21 und Kantstraße 27 am Babnbof Savignyplat) eine Aus ftellung von Werken Lassalles und über ihn veranstaltet. Die Frühjahrs- Ausstellung der Berliner Seceffion, Surfürstendamm 282. die am 19. April geschlossen wird, ist sowohl am starfreitag, als aud an beiden D sterjeiertagen bon 11 bis 2 Uhr geöffnet. Der Wahlsieg in Belgien. 22 Proz. sozialistischer Stimmenzuwachs. Brüssel, 8. April.( Eigener Drahtbericht.) Das Gesamtergebnis der Wahlen ist jetzt ziemlich übersehbar. Der fojiafiffifche Erfolg übersteigt alle Erwartungen und ist weit größer, als die ersten Zeilergebnisse er tennen ließen. Die Sozialisten gewinnen vorläufig 10, wahrfcheinlich fogar 11 Mandate, nämlich zwei in der Provinz Cüttich, zwei oder drei in Brabant, je eins in den Provinzen Antwerpen, Westflandern, Ostflandern, Hennegau, Kamur und Luxemburg. Die Katholiken buchen vermutlich einen Verlust von zwei Mandalen, fo daß ihre Kammervertretung auf 78 herabjinkt. In der Stimmen zahl überflügeln die Sozialisten die& atholiten beträchtlich. Sie dürften rund 820 000 Stimmen, also einen Zuwachs von 150 000 oder 22 Pro3 aufweisen, während die Kalho lifen nur 750 000 aufbringen. Die Sozialisten werden also zum ersten Mal die stärkste Partei Belgiens. Man muß die überhebliche Bahliampagne der Katholiten mit erlebt haben, die die absolute Mehrheit in der Kammer erobern mollien, um die ganze Größe ihrer Niederlage zu würdigen. Die Liberalen verlieren 10 Mandate, finten also von 33 auf 23 herab. Die Kommunisten erobern cin Mandat in Lüttich und vermutlich auch eins in Brüssel, wo ihr Führer Jacquemotte vielleicht doch noch mit knapper Not durchkommt; sie erhielten insgesamt rund 30 000 Stimmen gegen 820 000 sozialistische. Die Flämische Frontpartei erhöht ihre Mandatszahl von 4 auf 6, was hinter ihren Erwartungen zurückbleibt; aber ihr Stimmenzuwachs scheint bedeutender. Die vermutliche Zusammensetzung der neuen Kammer ist also: 78 bis 79 Sozialisten, 78 Katholiken, 23 Liberale, 6 flömische Frontpartei, 2 Kommunisten, zusammen 187. Die bisherige tatholisch liberale Regierungsmehrheit fintt non 113 auf 101, bie Opposition steigt auf 86 oder 87. Wäre die Koaluionsmehrheit einheitlich, dann fönnte trog des Linksruds an eine Er. neuerung der alten Regierungsmehrheit gedacht werden, aber man weiß, daß sie schon im alten Barlament nicht leben und nicht flerben fonnten. Jetzt würde die Aufrechterhaltung der Einigkeit zwischen Liberalen und Kathoiifen und zwischen den verschiedenen Gruppen der Katholischen Partei ein noch viel größeres Kunststüc sein. Keiner weiß deshalb, wie die Regierung gebildet werden soil Die Katholiken streden bereits Fühler aus, um die Gozialisten zum Eintritt in eine fatholisch- sozialistische Roalition unter der Präsidentschaft des katholischen Führers van de Byvere zu bewegen. Die Auffassung der Sozialisten ist, daß streng tonstitutionell verfahren werden müsse und die zunächst noch immer bestehende, obschon verminderte Regierungsmehrheit zeigen foll, ob sie regierungsfähig ist und falls sie verjagt, die Sozialisten die Regierungsbildung übernehmen. Sie würden versuchen, mit Hilfe der demokratischen Elemente der tatholischen und liberalen Partei eine homogene Mehrheit zu bilden, aber den Auftrag zurückgeben, falls eine derartige Mehrheit nicht erreichbar ist. Auf bas Experiment einer fozialistischen Minderheitsregierung nach dem Muster Macdonalds und Brantings dürften sich die belgischen Genoffen ta um einlassen. Mißglücktes Wahlmanöver der belgischen Regierung. Brüffel, 8. April.( WTB.) Die Regierung veröffentlichte dieser Tage eine endlose Liste von Personen, die nachträglich Orden erhielten, weil sie während der Befezung Arbeitsdienste für Deutschland verweigerten und deshalb deportiert morden maren. Die Toten erhalten das Ritterkreuz des Leopoldordens, die noch Lebenden dagegen die sogenannte decoration civique Der sozialistische Beuple" nennt die Beröffentlichung der Ordens. liste vier Tage vor den Wahlen ein plumpes Bahl. manöver. Sicherheitspakt und Kontrollbericht. Immer noch Phafen und Stadien. Das Osterwetter. Schon die Ostertage des vergangenen Jahres boten eine für die Jahreszeit außergewöhnlich schöne Witterung und der Ausflugs. verfehr entwickelte sich zur Höchstleistung. Es ist vorgekommen, daß Lotale in der Umgebung Berlins, die ja immer noch für die Mehr heit der Ausflügler zur Befriedigung der leiblichen Bedürfnisse in Frage kommen, ihre Bestände an Getränken und Nahrungsmitteln völlig ausverkauft hatten Angeregt durch das in den letzten Tagen herrschende Better dürfte auch an den kommenden Osterfeiertagen der Bug ins Freie" sich ungehemmt entroidein. Wenn auch die Wettervoraussage ein undanfbares Geschäft ist, so tann doch mit einiger Bestimmtheit angenommen werden, daß das schöne Better auch an den Osterfeiertagen anhält. Dieses faft abnorm schöne Wetter mit seiner verhältnismäßig hohen Tages temperatur ist darauf zurückzuführen, daß durch die Luftdruckver hältnisse jede stärkere Wolfenbildung verhindert wird. Die Abfühlungen, die in dieser Jahreszeit immer zu beobachten sind und die durch Ausstrahlungen besonders morgens und abends hervor gerufen werden, dürften es trotzdem zulassen, daß tagsüber eine milde warme Temperatur herrscht. Es ist also mit einiger Bestimmtheit damit zu rechnen, daß Berlin seine gewohnten Pfingst. ausflüge in diesem Jahre schon zu Ostern machen tann. Offern im Freibad. Die Verwaltung des städtischen Freibades Wannsee teilt uns mit, daß sie bei dem schönen Frühlingswetter es für richtig gehalten hat, den Badestrand schon jetzt freizugeben. Swar ist es noch nicht so warm, daß jemand sich versucht fühlen tönnte, fchon ein Wafferbad im offenen Gemässer zu nehmen. Aber mer Sonnenbäder nehmen will, findet dazu beste Gelegenheit find geöffnet, so daß auch für Erfrischungen hinreichend gesorgt sein am Strand des Freibades Wannsee. Restaurant und Kaffeetüche mird. Bleibt das Wetter günstig, so darf das Freibad Wannsee fchon am Karfreitag und an den Osterfeiertagen auf starten Besuch rechnen. Geheimnisse einer Sudelküche. er feit einigen Lagen auch ein Unterkommen gewährt hatte, einmal die Werkstatt aufzuräumen. Dabei fand der junge Mann unter der Hobelbant eine Staffette, in der der Meister über 5000 Mart in deutschem Papier, Gold. und Silbergeld und amerikanischen Dollar aufbewahrte. Er erbrach die Kassette, nahm den Inhalt herDollar aufbewahrte. Er erbrach die Kassette, nahm den Inhalt her Gelde. Mitteilungen über den Verbleib des undanfbaren Gesellen aus, hörte mit dem Aufräumen auf und verschwand mit dem an das Polizeiamt Berlin- Mitte, 4. Kriminalbezirt. Ob die Personalangaben des Flüchtigen richtig sind, ist wohl sehr zweifelhaft. Kennt ihr fie? und Jumpern hat der junge B. in Berliner Kleinhandelsgeschäften Bald ein Dugend leiner Diebstähle von Blusen ausgeführt, bevor er erwischt worden ist. Nun steht der Zwanzig jährige vor dem Richtertisch in Moabit und meint. Ein Berbrecher" ist er wirklich nicht, sonst würde er sich nicht so dumm, nämlich gar nicht, verteidigen. Leider finder auch der große Bruder", der Angst bat, seine Stelle zu verlieren, wenn's rauskommt", kein Wort des Verstehens Wenn da nicht ein guter Freund des Hauses, so eine die Mutter sehr zeitig verließ, weil sich's mit einem Verhältnis wohl Art ungefeßlicher Bormund, märe, erführe man nie, daß der Bater flotter lebte, daß auch der Vater sehr leichtsinnig ist und weit eher ein Freund von Autofahrt und Settgelagen als von ernster Arbeit, und daß sein Junge nie eine wirtliche Erziehung genoß. Bon der Echule an auf eigene Füße gestellt, trugen die ihn schneil auf eine schiese Fahn. War es aber so schlimm, daß nur ein Jahr und Jechs Wernate Gefängnis die Diebereien fühnen fönnen? der nun schon siet, aber auch der Staatsanwalt hat protestiert. Man Jeßt wandern die Arten, Berufung" steht drin; der Angeklagte, weiß nicht, wie der Stampf ausfällt, aber diese Beilen, die in der Belle entstanden und die die Mutter uns übergab, geben das Recht, an den jungen Mann zu glauben: Kennt ihr sie, die trüben Gefängniszellen? Ein Tisch, eine Schüssel, ein Bett. Alles so öde, nichts heimisch, nichts mett. Steine Tapete, tein frohes Schimmern, Nur vier graue schmutzige Bände. Und wie im Sarge verharrst du in einsamer Welt. Vor dem Leichtverletzte bel einer Straßenbahnentgleisung. Hause Schönhauser Allee 172 entgleiste gestern abend ein Straßenbahnwagen der Linie 49 E, angeblich durch Bersagen der umgebogen wurde, und dann auf den Bürgersteig. Hierbei wurden Bremse, fuhr gegen einen Straßenbahnm a st, der zum Tei 5 Infaffen leicht verlegt, die nach Anlegung von Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden konnten. Ein Unbefannter ist mit Nervenchod und Unterarmbruch in das Krantenhaus Friedrichshain ütergeführt worden. Praktische Altershilfe. Möblierte Zimmer, preiswert und gut eingerichtet, weist ständig unentgeltlich innerhalb des Bezirts Prenzlauer Berg nach die Kleinrentnerfürsorge Sprechstunden werttäglich 9-1 Uhr. Brenzlauer Berg, Danziger Straße 64, Hof 1 Tr., Zimmer 119. Bei der Preußischen Staatsbank( Seehandlung) und der Breußischen 3entralgenossenschaftstasse bleiben die Bureaus und Kaffen für die Kundschaft am 11. April 1925, den Sonnabend vor Ostern, geschlossen. Wie man Lungenhaschee und Falschen Hafen macht. tigten das Amtsgericht Mitte. Die Gastwirtin Bahl betreibt in Die Küchengeheimnisse einer größeren Speisewirtschaft beschäfder Warschauer Straße eine vielbesuchte Speisewirtschaft, deren Mittags- und Abendtisch von Hunderten von Personen in Anspruch genommen wird. Durch frühere Küchenangestellte gelangte es zur Anzeige, daß die Inhaberin des Restaurants etwas allzu sparsam gewesen war. Sie wurde beschuldigt, Ueberreste, die aus der Wirtschaft in die Küche zurückgekommen maren, wieder verwertet und den Gästen von neuem vorgesetzt zu Tellern auf Anweisung der Wirtin zu Lungenhafchee und haben. Die Beweis aufnahme ergab, daß Speisereste von den Falschen Hasenbraten" verwendet wurden. Fleischstücke, die auf den Tellern liegen geblieben waren, wurden Größere in den Fleischtopf zurückgeworfen und später anderen Gästen vor, gefeßt. Die übriggebliebenen Kartoffeln wurden gefammelt und zu Kartoffelsuppe weiter verwendet. Die 2ngeflagte Bahl ist bereits elfmal wegen Ruppelei und Shantvergebens vorbestraft, hatte jedoch merkwürdigerweise, als schon dieses Strafverfahren gegen fie schwebte, noch die Ronzeffion für ihre jezige Wirtschaftshaltung. Eine Küchenmamfell fagte aus, daß die Angeklagte sie angefahren hätte, als sie Ueberrefte in den Abfall tun wollte und daß sie erflärt hätte, mas wegzumerfen fei, beftimme fie allein. Das Amtsgericht hielt die Angeflagte schuldig nach§ 10 Abs. 2 des Nahrungsmittelgesetzes. Gin Nahrungsmittel sei, wie Amtsgerichtsrat Dr. Cohn im Urteil ausführte, nach anerkannter Rechtsprechung verdorben, wenn sein Genuß efelerregend sei. Maßgebend dafür sei die allgemeine Aufmachungen mit Berliner Kliniten und Bolliniten getroffen, fallung der Konsumenten. Der Gast würde sich mit Efel abwenden, menn er müßte, wie es in der Küche zugehe. Derartige Elemente müßten aus dem Gastwirtsgewerbe ausgemerzt werden. Deshalb hat das Gericht neben der Geldstrafe auch auf eine Gefängnisstrafe ertannt. Das Urteil lautete gegen Frau Bahl auf 1 Monat Gefängnis und 800 m. Geldstrafe. Ein falsches Mordgerücht. Paris, 8. April.( WTB.) Ministerpräsident Serriot hat gestern den Antwortentwurf auf die deutsche Anregung, betreffend den Abschluß eines Sicherheitspafts, mit Anmerkungen versehen, an Das Gerücht von einem Morde war gestern nachmittag im feine Berfaffer, den politischen Direktor im Minifterium des Aeußern, Norden der Stadt verbreitet. In dem Hause Brunnenstraße 95 arodje, den Stabinettschef Sergery und den Justiziar rowohnt ein Arbeiter August Blum mit seiner 50 Jahre alten Frau magent zurüdgegeben. Nach dem Matin wird noch eine Baula. Als er gestern um 5 Uhr nachmittags von der Arbeit zurüd 3 weite Storreftur mit weiteren Abänderungen erfolgen, fo daß, fehrte, fand er die Frau in der Küche am Tische fizend tot auf. wie es scheint, die französische Antwort nicht sofort den Alliierten Er benachrichtigte die Polizei, die an der Leiche blutunter zugeht, was die lleberreichung der Antwortnote in Berlin etwas ver. laufene Stellen entdeckte und die Mordkommission benach zögert. daß die Flede wohl nicht von äußerer Gemalt, sondern von dem richtigte. Der Gerichtsarzt Geheimrat Dr. Stormer begutachtete, förperlichen Zustande der Frau herrühren. Die Todesursache fonnte er nicht bestimmt feststellen. Zu ihrer Ermittlung wurde die Leiche beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht, um hier obdu ziert zu werden. Die genaue Besichtigung der Wohnung ergab, daß ein Gashahn geöffnet war. Bermutlich ist die Frau beim Deffnen des Hahns von einem Unwohlsein befallen worden. Wie die Morgenblätter, offenbar beeinflußt, mitteilen, wird das von dem Versailler Militärtomitee geforderte ergänzende Gutachten über die Entwaffnung im Laufe der nächsten Woche der Botschafterfonferenz vorgelegt werden, um dieser als Unterlage für die Deutsch land zu erteilende Antwort zu dienen. Diese Antwort wird dem Journal" zufolge vor der deutschen Präsidentschaftswahl über. mittelt merden. Erklärungen Vanderveldes. Sie hatte immer kein Reisegeld. Humboldt- Hochschule. Das neue Frühjahrsprogramm mit zahlreichen Führungen, Wanderungen, Reifen und 125 Borleiungen ift foeben erschienen und fostenlos in zahlreichen Buchhandlungen und Geschäftsstellen zu babett. Sede Austunst durch das Hauptbureau Köpenider Ett. 108.( Morizplak 2050.) Alerz liche Beratungsstelle der Gesellschaft.Die. Die Gesellschaft für Gesundheitsschus der Juden Die" bat eine Beratungsstelle für Ditjuden in Berlin, Gormannstr. 29, eröffnet. Die in Berlin ansässigen Oftjuben, welche mit ben Berhältnissen des Landes wenig vertraut sind, wissen überhaupt nicht, an men fie fich au wenden baben, falls jemand von ihnen frant wird. Die Gesellschaft Dfe" hat baber beschlossen, den Eingewanderten aus dem Ofen zu Hilfe zu lommen. Sie hat A5. auf Grund welcher die stranden, die von der Beratungsstelle geschidi werden, bort sorgfältig untersucht und behandelt werden. Die Herner Eisenbahnkatastrophe vor Gericht. Herne, 8. April.( TU.) Die Nachmittagssigung beginnt mit dem Bericht des Oberbahnrats St a stner über die Einrichtung des Signalwesens, wobei der Beuge die Möglichkeit einer Falschstellung wie des Versagens der Tastensperre zugibt. Der Obera bahnmeister Arstein von Herne verneint nicht, daß Unregel auf folgen die Gutachten der Sachverständigen über das mabigfeiten bei dem Herner Bahnhof vorgekommen sind. Dar Signalwesen, die weder die Möglichkeit eines Verfagens der Signale noch eines Verschuldens des Stellmerfpersonals für ausgeschlossen halten. Dagegen erachten die Eisenbahnbetriebsfachverständigen ein Ueberfahren des Signals unter den obwaltenden Verhältnissen für tellung suchen zu sollen, da seit dem Herner unglück beretis ganz undentbar und glauben die Schuld nur in der Signa 46 Meldungen über unvorschriftsmäßige Signalstellung im Essener Bezirt vorliegen. Der Maschineninspektor Konzen, der direkte Borgefeßte des Angeklagten Hapertamp, stellt diesem das beste 3eugnis aus. Er schildert ihn als zuverlässig, nüchtern und glaubwürdig in jeder Beziehung. Dasselbe träfe auf seinen Heizer Heidbrecher zu. Das Gericht lehnt darauf die Ladang neuer Zeugen und Sachverständiger ab und stellt die Bereidigung des Stell werfpersonals und des Heizers Heidbrecher bis hinter die Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Berteidigung zurüd. Drei Tote bei einer Handgranatenexplosion. Wie die Schlesische Zeitung" aus Dels meldet, wurden bei der Bernichtung von schadhaft gewordenen Handgranaten beim Reiters regiment 8 drei Unteroffiziere tödlich und ein Gefreiter schwer verlegt. Die vier Soldaten waren unvon fichtig vorzeitig aus den Dedungsgraben gefrochen. Das Paris, 8. April.( MBT.) Der belgische Sozialistenführer Ban bervelde hat dem Brüsseler Bertreter des Petit Parisien zur Einen Schwindel besonderer Art betrieb seit 5 Jahren eine Frage des Sicherheitspattes erklärt: Ich habe die vollkommene 24 Jahre alte, aus Bodenbach gebürtige ehemalige Kontoristin FranUeberzeugung, daß die belgische Regierung, welche Männer fie auch zista Anna Sper dh. Sie trieb sich in Berlin und anderen deutschen bilden mögen, auf alle Fälle auch ferner mit der französischen Re Städten auf den Bahnhöfen vor den Fahrtartenschaltern umber und gierung eine Politit des Friedens und der internationalen Anerfpähe, wohin Reifende Karten 2. Klaffe löften. Dabei hatte sie die näherung fortfehen wird. In diesem Geiste wird man morgen Tasche voll von vorher geschriebenen Briefen, die angeblich an Ber mie gestern Garantien für die Sicherung Europas suchen. Auf die wandte in dieser oder jener Stadt gerichtet waren. Sah sie nun, daß Frage, ob Deutschland in den Kombinationen, die sich vorbereiten, ein Reifender eine Fahriarte nach einer dieser Städte löfte, so nach eine Rolle spielen tönnte, antwortete Bandervelde: Niemand Raffel, Malmö usw., so sprach sie ihn an, erzählte ihm, daß sie dori dentt in unserem Lande daran, eine Beteiligung Deutschlands an Berwandte habe, die sie besuchen molle, und flagte ihm ihr Leid, einem eventuellen Vertrage abzulehnen. Ich verstehe natürlich daß sie augenblicklich fein Gelb habe, um sich eine Fahrkarte laufen darunter ein Deutschland, das im Often den territorialen Statuss und, je nachdem, einen Paß besorgen zu können. Durch Borzeigen quo annimmt und sich verpflichtet, ihn nicht mit Gemalt abdes en sprechenden Briefes machte sie jedesmal den Reisenden sicher, zuändern, sondern und fast stets erhielt sie den erbetenen Befrog. Nachweislich erbeutete fie auf diese Weise in Bodenbach allen von 13 Bersonen zusammen Die Schwindlerin trat unter versch ebenen 2000 Goldmart. Namen auf. So nannte sie fich Schifferfrau Bellrich aus Elster bei Wittenberg, Hanni Wagner aus Hamburg, Frau Haas aus Sangerhausen, Frau de Waat aus Holland usw. usw. In Bodenbach war fie unter dem Spitznamen Sperch- Fanny" befannt. Trogdem fuchte banner Schwarz Rot Gold und der Deutiae Repu Republikanischer Tag am 18. Oftober in Leipzig. Das Neiche fie die dortige Behörde schon seit fünf Jahren vergehlich. ebenso blilanifde Reichsbund veranstalten am 17. und 18. Di cutsche Staatsanwaltschaften. Jegt gelang es, die Gaunerin intober in Leipzig große republitanische Kundgebungen. Dresden festzunehmen. Mit ihr verhaftet wurde der 30 Jahre alte, Die Borarbetten find bereits feit längerer Zeit in Angriff geaus Elfter gebürtige Schiffer Wilhelm Bellrich, der sich bet ihren Schwindeleien auf den Bahnhöfen stets im Hintergrunde auf hielt und von der Beute mitlebte. eine zufünftige Revision des Versailler Bertrages abzuwarten. Einige werden natürlich sagen, daß selbst unter diesen Vorausfegungen ein Garantiepaft, der von Deutschland unterzeichnet ist, nur ein neuer Fehen Papier sein wird. Nach Ansicht der Sozialisten bestehe ein Unterschied zwischen einem Deutschland des Jarres und einem Deutschland der Weimarer Roalition. Bandervelbe fuhr fort: Gin auf Gegenseitigkeit beruhender Sicherheitspalt zwischen den Mächten würde für die Sozialisten nur unter folgen ben Bedingungen annehmbar fein: Zuerst dürfte er teine Spike gegen Rußland enthalten, außerdem könnte Deutschland nur auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit allen anderen Nationen bezüglich seiner Verpflichtungen und seiner Rechte in ben ölferbund aufgenommen werden. Es fei endlich nötig, daß der Baft in den Rahmen der Abkommen eingeschlossen sei, die durch das( Genfer) Protokoll vorgesehen feien, und daß es einen Weg zur späteren Annahme des Protofolls gebe. Die Annahme des Protofolls fei ein wesentlicher Grundsat Wir möchten die Aufmerksamkeit der Sozialisten, ja aller Befenner des Selbstbestimmungsrechts der Völker in den Entente ländern darauf lenten, daß der tschechische Außenminister Benesch letthin deutlich die Absicht ertennen ließ, im Garantiepakt Deutsch land und Deutsch österreich abermals einen ewigen Berzicht auf ihre Bereinigung aufzuerlegen. Wir betonen: eine solche Belastung vertrüge der Garantiepaft teines falls! 4 Er räumte gründlich auf. Ein Tischlermeister, der in der Weberstraße einen Handel mit gebrauchten Möbeln betreibt und zu deren Aufbesserung eine Werfftatt unterhält, wurde in seinem Vertrauen arg getäuscht. Bei ihm sprach ein junger Mann, der sich Tischler Erich Bergmann nannte und am 4. März 1903 in Sagan geboren zu sein angab, um Arbeit vor. Er erzählte, daß er in der Hoffnung, hier leicht Beschäftigung finden zu fönnen, aus seiner Heimat nach Berlin getommen sei, daß er aber troz aller Bemühungen noch nichts habe finden können, und daß es ihm deshalb sehr schlecht gehe. Der Meister hatte mitleid mit ihm und stellte ihn in seiner Wertftatt ein, obgleich er nicht gerade viel Arbeit für ihn hatte. Als er außerhalb zu tun hatte, beauftragte er den neuen Gehilfen, dem Zwei Todesurfelle wegen gemeinschaftlichen Mordes. Schwurgericht in Rottbus verurteilte gestern den Grubenarbeiter Ros mierzat und die Witwe des Grubenarbeiters inter aus Sedlig bei Senftenberg in der Laufiz wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode. Rosmierzat, der verheirotet war, hat am zweiten Weihnachtsfeiertage des vergangenen Jahres den Ehegatten der Wintler erwürgt, während Frau Winkler dafür sorgte, daß niemand die Stube betrat. Einige Wochen vorher hatten beide Angeklagten versucht, Winkler durch Gift umzubringen. nommen. Bekannte Republikaner und erfte Künstler baben ihre Mitwirkung zugefagt. Es wird zahlreiche Beteiligurg aller republikanischen Bereinigungen und Verbände, nicht nur aus der weiteren Umgebung Leipzigs, sondern aus allen Gauen Deutichlande und Deutschösterreichs erwartet. Zunahme der Chefcheidungen in den Vereinigten Staaten, Der Prozentiaß der Ehefcheidungen in den Vereinigten Staaten zeigt nach den legten Veröffentlichungen des Waibingtoner Standesamisregifters eine ständig aufsteigenbe kurve. Im Jahre 1870 betrug z. B. die Anzahl der Ehescheidungen auf 100 000 ber beiratete Berfonen nur 80, im bergangenen Fabre dagegen 830 auf 100 000 Chen. Bezüglich der Uriachen der Chefcheidungen bat fich ebenfalls ein Wandel vollzogen infofern, als früber Untreue und Eruntenbeit. gegenwärtig in der Hauptface grausame Behandlung und 58 swilliges Berlassen als Gründe für die Ehescheidung angegeben worden. Gewerkschaftsbewegung Der Konflikt in der Metallindustrie. In der Aussperrung in der Berliner Metallindustrie find irgendwelche Veränderungen nicht eingetreten. Heute vormittag trat das Metallfartell zu einer Beratung zusammen. Die Berhandlungen vor dem Schiedsgericht über den Rahmentarif und die Cohnfragen in der Metallindustrie haben um 1 Uhr mittags begonnen und dürften sich voraussichtlich sehr langwierig gestalten. Bei der bekannten Einstellung der Metallindustriellen ist zu erwarten, daß sie den Forderungen der Arbeiterschaft, insbesondere bezüglich der Löhne, einen hartnädigen Widerstand entgegensetzen. Allerdings müßten auch die Metallindustriellen begriffen haben, daß die Situafion beute eine andere als vor einem Jahre ist und daß auch das Organisationsverhältnis sich erheblich gebeffert hat. Es ist vorauszusehen, daß die Verhandlungen sich bis in die späten Abendstunden hinein hinziehen werden. Wiederherstellung des Achtstundentages. Jm Berliner Braugewerbe. da ja ein Streif nicht geführt wird, un tas Arbeitsverhältnis auf zulösen, sondern um es zu verbessern. Demnach müssen nach der Beilegung eines Streits alle Rechte der Arbeiter ohne Ausnahme fortbestehen. Von dieser Auffassung ausgehend flagten einige Betriebsratsmitglieder bei der Eisenbahnfachlammer des Gewerbegerichts auf Anerkennung ihrer Betriebsratsämter. Die Kammer tam aber nach langer Verhandlung zu der Entscheidung, daß sie feine rechtliche Grundlage zu einem Urteil in dieser Angelegenheit habe. Wenn die Betriebsratsmitglieder der Meinung seien, daß ihre Aemter fort bestehen, dann könne dies nur durch das ordentliche Gericht ( Amtsgericht) mittelbar festgestellt werden im Wege einer Klage auf Lohnzahlung für die Betriebsratstätigkeit. Die kleinliche und gehässige Buchstabentlauberei der Reichsbahn direktion ist nicht dazu angetan, einen vollen Frieden in ihren Be trieben herzustellen. Wenn die Direktion gut beraten wäre, dann mürde sie nicht auf einem Prinzip herumreiten, dessen Durchführung neuen Unfrieden stiften muß, ohne irgendeinen tatsächlichen Nugen zu gewähren. Tagung im ZDA. Die am 2. April in Berlin tagende Konferenz des Verband sDorstandes und Beirates des Zentralverbandes der Angestellten faßte folgende Beschlüsse: Der Manteltarifvertrag für die in den Brauereien Groß- Berlins Nach dem Boranschlag der Reichsversicherungsanstalt für Anbeschäftigten gewerblichen Arbeitnehmer ist nach Verhandlungen zwi- geftellte für 1925 steht einer Einnahme von 131 Millio. schen den Tarifparteien bis zum 31. März 1926 verlängert nen eine Ausgabe an Rentenleistungen von 20 400 000 worden. Der Verband der Lebensmittel- und Getränfearbeiter hat arf gegenüber. Es ist für die Angestellten unerträglich. erreicht, daß die eberarbeitszeitbestimmung, die den große Summen für Zwede der Kapitalanfammlung aufzubringen, Brauereibesizern das Recht gab, in den Sommermonaten eine während die Rentner der Angestelltenversicherung sich in bitStunde täglicher Mehrarbeit zu verlangen, die aller. terfter Rot befinden. Die Konferenz fordert vom Reichstage dings mit 10 Proz. Aufschlag bezahlt werden mußte, beseitigt eine Verdoppelung der Renten ohne Beitragserhöhung, wird. In dem neuen Tarifvertrag heißt es, daß die tägliche Ar- Streichung der Versicherungspflichtgrenze, Verkürzung der Bartebeitszeit acht Stunden beträgt. Eine Funktionärfonferenz zeit für die Hinterbliebenenrente auf 60 Beitragsmonate, Aus. der Brauereiarbeiter stimmte nach einem Bericht, den Genosse Hogestaltung des Heilverfahrens zu einem Rechtsanspruch, dapp gab, dem neuen Tarifvertrag zu. Damit haben sich die Anrechnung der Beiträge zur Invalidenversicherung auf die WarteBrauereiarbeiter, dank ihrer guten Organisation, den zeit der Angestelltenversicherung bei den Wanderversicherten und uneingeschränkten Achtstundentag zurückgeholt, ohne in den Kampf dirette Wahl des Verwaltungsrats durch die Vertreten zu müssen. Der geschlossene Kampf, den die Berliner Brauer sicherten. im Borjahre führten, hat auch heute noch nachgewirkt. Die Braue reien wissen, daß fie es mit einer festgefügten Kampftruppe zu tun haben, an der alle tommunistischen Spaltungsversuche immer wir fungslos abgeprallt find. Die Reichsbahn ohne Betriebsräte. Buchstabenklauberei der Direktion. Nachdem der Streif der Eisenbahnarbeiter ausgebrochen war, erflärte die Reichsbahndirektion Berlin die Streifenden als ent. laffen. Das geschah nicht in der Absicht, das Arbeitsverhältnis totsächlich aufzulösen, sondern im Gegenteil, die Direktion wollte durch die Entlassung die Streifenden einschüchtern und sie zur Wiederaufnahme der Arbeit bewegen. Schließlich ist ja, wie befannt, der Streif beendet worden durch den allgemeinverbindlichen Schiedsspruch, der unter anderem bestimmt, daß Maßregelungen aus Anlaß des Streits nicht erfolgen dürfen und daß die in folge des Streits ausgeschiedenen Arbeiter in ihr altes Arbeitsverhältnis wieder einzusehen sind". Diese Bestimmung fann doch nur den Sinn haben, daß die er. worbenen Rechte der Arbeiter bestehen bleiben, so, als wenn eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses gar nicht stattgefunden hätte. Aber die Direktion will es anders. Sie hat zwar die Arbeiter mieder eingestellt und ihnen die aus dem Arbeitsvertrage er worbenen Rechte guerfannt, macht ihnen aber die aus dem Betriebsrätegelet erworbenen Rechte streitig, indem sie sagt: Durch die Entlaffung ist das alte Arbeitsverhältnis aufgelöit. Damit find nach§ 39 BRG. die Aemter der gleichfalls entlassenen Betriebsratsmitglieder erloschen. In dem leit Beendigung des Streits bestehenden neuen Arbeitsverhältnis tönnen die erloschenen Rechte der Betriebsratsmitglieder nicht wieder aufleben. Wenn sie noch weiter Betriebsrat spielen wollen, dann mögen sie es tun, über die Direktion er tennt diese Betriebsräte nicht an und zahlt feinen Lohn für in Ausübung der Betriebsratstätigkeit aufgewandte Arbeitszeit. Nach dieser Auffassung der Direktion gibt es also in allen ihren Dienststellen, die vom Streif betroffen waren, zurzeit feine Be= triebsräte und die Arbeiter find infolgedeffen, bis eine Neumahl erfolgt, phne die gesetzliche Betriebsvertretung. Es leuchtet ein, daß das feine finngemäße Auslegung der Friedensbedingungen und fein wirklicher Friedensschluß ist. Die Bertreter der Arbeiter mehren sich natürlich gegen diese Buchstabentauberei der Direktion, die sie als eine Friedens törung ansehen. Sie berufen sich auf namhafte Kommentatoren her einschlägigen Geseze, die den Streit nicht als eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses ansehen, Die Reichsregierung versprach Anfang 1924, dem Reichswirt schaftsrat und Reichstag den Entwurf eines Gefeßes über die Berufsausbildung zugehen zu laffen. Dieses Versprechen ift bis heute unerfüllt geblieben. Angesichts der bestehenden Mißstände im Lehrlingswesen und bei der Beschäftigung jugendlicher Angestellter fordern Verbandsvorstand und Beirat des Zentralverbandes der Angestellten auf ihrer Konferenz die Reichsregierung auf, nunmehr unverzüglich diesen Gesezentwurf herauszubringen. Sie erwartet von den Länderregierungen und unteren Verwaltungsbehörden, daß sie bis zur Verabschiedung des Gesetzes ron den Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung mehr als bisher Gebrauch machen. es Verbandsvorstand und Beirat des ZDA. stellen auf ihrer Konferenz erneut fest, daß die entscheidenden Bestimmungen der vom Reichsarbeitsministerium am 21. Februar 1924 erlassenen Richtfinien über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe im Widerspruch zu den geseglichen Vorschriften stehen. Die Konferenz begrüßt, daß die Länder Hessen, Sachsen und Anhalt aus diesem Grundbuch ablehnen, unter Mißbrauch des 8105e der Gewerbeordnung die Borschriften über die Sonntagsruhe außer Kraft zu sehen. Sie erhebt Einspruch gegen die dem bayerischen und württembergischen Landtage porliegenden Anträge, die dahin gehen, im Widerspruch zur Reichsverfaffung auf dem Wege der Landesgefeggebung Reichsrecht außer Kraft zu setzen. Die Konferenz erflärt sich mit dem von der sozialdemo tratischen Reichstagsfrattion eingebrachten Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe einverstanden und erwartet dessen baldige Annahme durch den Reichstag. Ein kommunistischer Sieg". eine besondere Liste aufzustellen. Kunz selbst verfaßte ein Flug. blattgegen die Einheitsliste der Gewerkschafter und veranlaßte dessen Bezahlung aus der Fraktionskasse. Die Liebe zu diesen gelbroja Sumpfpflanzen ging so weit, daß er der Spizzenkandidatin der gelben Liste ihre Sammelliste, die sie seit Jahren abzurechnen vergessen hatte, bezahlte. Leider reichte das Geld nicht so weit, um noch weitere ähnliche Rückstände von„ Sympathisierenden" mit der KD. zu bezahlen. Der Klassenkampfgeist dieser Elemente betätigt sich recht rege bei der Enteignung von Geldern der Arbeiterschaft. Bezeichnenderweise steht auch ein Parteifommunist auf der Liste 2, die, wie ihre Nummer schon bejagt, als zweite Liste Damit bricht der ganze Schwindel zusammen, eingereicht wurde. denn die Vertreter der Liste 3 stehen laut ihrem Flugblatt im schat. fen Gegensatz zu jeder politischen Partei. Sonderbar mutet e an, daß die KPD auf dem Boden des bürgerlichen Rechtes steht. Doch liegt in der gleichen Sache der Neuwahl ein Urteil vor, das genau das Gegenteil besagt. Ein„ Sieg" ist mit allen schoflen und schmie rigen Mitteln erreicht worden. aber die Belegschaft und die Organisation haben das letzte Wort. Verhandlungen im Bielefelder Metallarbeiterstreik. Bielefeld, 8. April.( TU.) In den bereits über sechs Wochen undauernden Konflikt in der Metallindustrie von Bielefeld und Um gebung hat das Reichsarbeitsministerium eingegriffen. Das Ministe rium hat an beide Parteien die Einladung zu Berhandlungen ergehen lassen, die heute ihren 2nfang nehmen. " Aus der Partei. Parteispaltung in Ungarn. Der ungarische Parteistreit hat mun zum Austritt der Radikalen geführt. Sie haben sich als Ungarische sozialistische Arbeiterpartei" fonftituiert, die bei den bevorstehenden hauptstädtischen Kommunalwahlen eine eigene Liste aufstellen wird. Die Landespartei bezeichnet das Ausscheiden dieser Gruppe als eine erfreuliche Tatsache, zumal diese den Raffenschülern gegenüber hinter dem Rücken der Parteileitung schon längst die Berpflichtung zur Bildung einer neuen Partei übernommen haben soll. Die neue Partei, die hauptsächlich aus Bauarbeitern besteht, zählt 300 bis 400 Mitglieder. Die Sozialdemokratische Partei erklärt, sie werde den Kampf mit den„ Renegaten" energisch aufnehmen. Groß- Berliner Parteinachrichten. 111. Abt. Bohnsdorf. Der 8ahlabend findet erst am Mittwoch, 15 April, ftatt. Briefkasten der Expedition. Eugen Enthoven. Ihr Inferat fann nicht aufgenommen werden. Betrag fteht zur Verfügung. Verantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Sonstiges: Frik Karstäbt; Anzeigen Th. Glode: sämtlich in Berlin. und Berlaasanstalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW 68, Lindenftrake 3. Ungewitter Kautabak seit 1815 Bestes Erzeugnis wohlschmeckend bekömmlich ausgiebig Es wird uns geschrieben: Die„ Rote Fahne" vom 23. März AufTeilzahlung! brachte eine Notiz über die Betriebsratswahl bei Osram. Da der Einsender dieser Notiz selbst der Urheber des Kurioſiums der drei Listen ist, muß er, getreu den Weisungen seiner Partei, einen RPD.- Sieg" zusammenreimen. Wie ist der Sachverhalt? Obwohl die KPD.- Frattion taum über ein Duhend Mitglieder im Betriebe verfügt, verlangten diese in threr Bescheidenheit die absolute Mehrheit im Arbeiter und Betriebsrat einschließlich der Angestellten. Als sie in der freigewerkschaftlichen Mitgliederversammlung dieses Ziel nicht erreichten, veranlaßte der Auchgewerkschafter Rung einige zweifelhafte Elemente, die mit ihm sympathisieren, Herren- u.BurschenGarderobe! Kleine Anzahlung! * Bequeme Abzahlung! CAMNITZER Schönhauser Allee 82, I am Hochbahnhof Nordring Zum Osterfest! Große Auswahl in allen Schuharten schwarz, farbig und Lack, nur Quali tä: sware zu billigsten Preisen: Streng reelle sachgemäße Bedienung, keine Abfertigung, kein Aufdrängen unpassender Ware. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. Vorzeiger dieses Inserats erhält 5 Proz. Rabatt. Schuhvertrieb Steglitz Düppelstraße 41, Hof- Etage 1 Minute vom Wannseebahnhof. Berliner ElektrikerGenossenschaft geschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. 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