Nr. ISS ♦»2.?abrg. Musgabe A Nr. SS BezugSvretS: Wachintlick TV Dfemüs, msmeSHi 3,- 3let(fi«morf voraus»ahwar. Unter«reu, band fitr Deutschland, D-nzia. Saar, und Mcmelaebiet, Oesterreich. Litauen. Lurembura «Lst Reichsmark, für da» lldrtg« «usland 3X0 Reichsmark pro Monat. Der«aZorwürts� mit der Soilntaa«- deilaae»Boll und Keit� mit»Sied- Zun, und Kleingarten" sowie der Beilaas.�Interhaltuna und Disten" und Frauenbeilaze.Frauenstimme" erscheint wochentäalich zweimal. Eonntags und Montags einmal. Telenramm-Adresset .Sozialdemokrat Berlin' Morgenansgabe Derlinev VolksblAkt (l0 Pfennig) Anzelllcnvrelse: Die einspaltia« Nonpareille. seil« 70 Bsennia. Rrea. Die franzöfifthe Krise. Klapitalistische Widerstände gegen die Finanzreform. Poris, 8. April.(Eigener Drahibericht.) Der Finanzausschuß der Kammer ist am Mittwochnachmittag um 3 Uhr nochmals zu- sainmengetreten. Bei den starken Meinungsverschiedenheiten, die selbst unter seinen der Kammermehrheit angehörenden Mitgliedern üdcr die Zweckmäßigkeit der von der Regierung gemachten Vor- schlage herrscht, hält man es in parlamentarischen Kreisen für wenig wahrscheinlich, daß die Vorlage vor Sonnabend an das Plenum zu- rückkommen wird. Die von den Radikasiozialcn am Dienstagabend unternommenen und im Laufe des Mittwoch wiederHollen Be- mühungen, die sozialistische Fraktion zum Verzicht auf die von ihr bekundete Absicht zu bringen, an Stelle der von der Regierung in Zlussicht genommenen Zwangsanleihc eine Kapitalabgabe vorzu- schlagen, sind bisher ergebnislos geblieben. Auf der anderen Seite scheint sich der Wider st and gegen jede Erfassung des Kapitals', die schließlich auch von dem Plan des neuen Finanz Ministers, wenn auch in sehr milder Form, bezweckt wird, nicht n»r im Lager der Gruppe des Herrn Loucheur zu versteifen, sondern auch aus dem rechten Flügel der Radikalsozialen Anhänger zu ge- Winnen. J,,, Finanzausschuß ist am Mittwoch nachmittag erneut versucht worden, die Erhöhung des Notcmiinlaufs, die mit Rücksicht auf die Lage der Bant von Frankreich und des Schatzamtes einer raschen Lösung bedarf, von der Lösung des Problems der schweben- den Schuld zu trennen und damit die Entscheidung über die Zwangsanleihe und die Vermögensabgabe auf unbestimmte Z c i t z u v e r t a g e n. Ein entsprechender Antrag der Opposition ist zwar bereits am Dienstagabend abgelehnt worden: im Lager der Rechten aber glaubt man, Grund zu der höst'nung aus Z u z u g oo m rechten Flügel des Linkskartclls zu haben. Die Entscheidung über diesen Antrag, die in den Abendstunden noch nicht gefallen war, dürfte den weiteren Gang der Entwicklung aus- schlaggcbend beeinflussen. Die von der Regierung beantragte Ermächtigung zur Aus- gäbe von 4 Milliarden neuer Noten bedeutet im Giunde lediglich die nachträgliche gesetzliche Genehmigung eines bereits seit längerer Zeit eingetretenen Zustandes. Totsächlich hat die Bank von Frankreich der Regierung bereits wesentlich höhere Borsatüße gewährt als sie nach dem Gesetz berechtigt war. Dem Versuch der Rechtspresse, diese Sachlage gegen das Ministeriuni herriot auszu- beuten, hat die von offiziöser Seite gemachte Feststellung, daß bereits das Ministerium Poincar� diesen Weg der un- gesetzlichen Geldbeschaffung«ingeschlagen Halle, sehr rasch ein Ende gemacht. Allerdings werden auch von sozialistischer und radikaler Seite dem Ministerium herriot schwere Vorwürfe gemocht, daß es zu diesem Mittel scin� Zuflucht genommen hat. Vertagnug der entscheidenden Beratungen. pari«. 8. April.(Eigener Drahtbericht.) In der Mittwochnach- mittagsitzung der Kammer wurde von h c r r i o t die Erklärung abgegeben, daß mit Rücksicht aus die Arbeit des Finanzausschusses die Beratung des finanziellen Sanlerungsprogramnis vertagt werden müsse. Von der Opposition wurde darauf die Festsetzung des Ter- mins für diese Beratung verlangt und mit Zustimmung der Rc» gierung beschlossen, daß darüber ani Freitag Beschluß gefaßt werden soll. Nach dem augenblicklichen Stand der Dinge rechnet man mcht mehr damit, daß die Debatte im Plenum vor Dienstag oder Mlll- wach nächster Woche stattfinden kann. Der Finanzausschuß hat am Mitlivochnachmittag seine Arbeit fortgesetzt. Es sind sowohl von der Rechten wie Linken zahlreiche Abänderungsanträgc gestellt worden. Der Berichterstatter> des Ausschusses hat den Auftrag er? halten, auf Grund der von der Regierung gemachten Vorschläge sowie der dazu eingebrachten Zusatzanträge eine Kompromiß» f o r nie l auszuarbeiten. Die von der Opposition verbreitete Be- Häuptling, daß es zu scharfen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Finanzminister und dem Borsitzenden des Ausschnsies gekommen sei, wird von der Linken des Parlaments als jeder-tatsächlichen Be» gründiuig entbehrend bezeichnet. Der Finanzausschuß hat sich, um seinem Berichterstatter die»ölige Zeil zur Ausarbeitung seines Berichts zu lassen, auf Doimcrstagnachmittag 3 Uhr vertagt. Vor» mittags um 1» Uhr werden die Gruppen des Linkskartclls zu einer neuen gemeinsamen Beratung zusammentreten. Herriot verhandelt mit den Parteiführer». pari«. 8. April.(WTB.) Ministerpräsident herriot hat über die durch die Senatsabftimmung geschaffene Lage außer mit Kam» merpräsident P a i n l c v e auch mit den drei sozialistischen Abgeord» neten Blum. R c n o u d e l und Paul B o n c o u r verhandelt, die um neun Uhr im Ministerium für auswärtige Angelegenheilen erschienen sind Um 9,40 Uhr hat der außerordenlliche Kabinettsrat. begonnen. die diesen ahnungslosen Greis zu ihren verbrecherischen Zielen mißbrauchen. Er richtet sich gegen die hinterlistigen Feinde der Republik, die die oberste Leitung der Staatsge- schäfte dem ausgesprochensten Nicht staatsmann und U n- Politiker übertragen wollen, der in ganz Europa zu finden ist. Und die das deshalb tun, weil sie wissen, daß sie mit diesem alten Mann machen können, was sie wollen. Diese Burschen müssen am 26. April eine Lektion ex- halten, von der ihnen zeitlebens die Ohren klingen! Jede Stimme für H i n d e n b u r g ist eine Stimme für Monarchie und Krieg! Jede Stimnie für M a r x ist eine Stimme für Republik und Frieden! Nur ein ganz gewaltiger, erdrückender Sieg der Republik am 26. Slpril kann das wieder autmachen, was der deutschen Politik und der deutschen Wirtschaft durch den Streich des Rechtsblocks angetan worden ist/ Diesen Sieg vorzubereiten und zu gewinnen ist bis zum 26. April der einzige Gedanke jedes Sozialdemokraten, jedes Friedensfreundes, jedes Republikaners! Die mnerpolitiftben Wirkungen. Niederlage der Volkspartei. Die Aufstellung.fsindenburgs ist eine Niederlage der Volkspartci und ihres Führers, des Außenministers S t r e s e- mann. Der jetzt trotz aller Versprech'mgen treulos fallengelassene I a r r e s war der Kandidat Strefemanns, an ihm hielt die Volkspartei fest, solange sie konnte. Sie blieb aber im Loebell-Ausschuß allein, und ihn zu sprengen, hatte sie nicht den Mut.' Die Vorgänge, die sich gestern im Loebell-Ausschuß ab- spielten, sind noch einigermaßen dunkel. Es wird behauptet, daß sich die Vertreter der Volkspartei der Stimme enthalten haben. Zu der wahrhaft patriotischen Tat, die Hindenburg- Kandidatur, koste es, was es wolle, zu verhindern, konnten sie sich nstht aufraffen. Trotzdem klafft in ihrer Koalition mit den Deutsch- nationalen ein Riß Jeder, der von politischen Dingen auch nur eine leise Vorstellung bat, weiß, daß hier eine D u mpi beit von weltgeschichtlichen Dimensi.o- n e n verübt wurde, vor der die Feigheit kapitulierte. Wird die Vrlkspartei es den Deutschnationalen verzeihen, daß sie zu einer solchen Kapitulation gezwungen wurde? Uebrigens haben auch deutschnationale Politiker, wie z. B. der zurzeit kranke Graf W e st a r p, vor diesem Streich aufs eindringlichste gewarnt. Die Rsichsregierung hat in den Kampf um die Reichs- Präsidentschaft zweimal eingegriffen. Einmal war es Herr Stresemann, der aus ai'ßsnvolitischen Gründen vor der Kandidatur Geßler warnte. Wird er die Kandidatur Hinden- bürg„tragbar" finden? Glaubt er, nachdem die Aufstellung dieses Kandidaten von der deutschnationalen Regierungs- partei durchoesetzt und von seiner eigenen Partei geduldet wurde, seine Wißenpolstik w-iterfülnen zu können? Oder wird noch dem stellvertretenden Reichspräsidenten die Aufgabe zu- fallen, einen neuen Reichsaußenmini st er zu er- nennen? Das zweistmal war es der Rci-bskan-ler Dr. Luther, der stch zum Träacr des bayerisch-volkspmrteilichen Vorschlags nwibte, Herrn Dr. Simons z"m Reichspräsidenten zu wüMen,„um emen»weiten Wahlgang zu vermeiden, der die trennenden Momente im Volksleben zu ver- f. ch chr f e n d r o h e". Meiß die Reichsregierung, in welchem Maße die Hinden- HMg-Kandidatur..die trennenden Momente im Volksleben zu verschärfen drobt"? Was h�t sie getan, um die drohenden innen- und außenpolitischen Gemhren dieser Kandidatur ab- zuwenden? Erkennt sie ihre Mitverantwortung für die Handlungen der hinter ihr stehenden, angeblich von ihr „geführten Parteien an? Weiß sie— sie weiß es!—, daß die Wabl des Kandidaten der Regierungsparteien zum Reichs- prästbeMen ein Unglück wäre? Will sie, daß dieses Un- glück verhütet wird? Und gibt sie zu, daß es an dem Tage, an dem dieses Unglück vcrhü et sein wird, am 26. April, Zeit, höchste Zeit sein wird, sie davonzujagen? Wer Thälmann wählt, wählt Hinüenburg. Tie KPD. im zweiten Wahlgang. Im zweiten Wahlgang siegt der Kandidat, der die meisten Stimmen hat. Die Wahl von Hindcnbvrg kann nur dadurch verhindert werden, daß Marx mehr Stimmen be- kommt als Hindenburg. Wer die Wahl von Hindenburg verhindern will, muß für Marx stimmen. Er kann von Märx halten, was er will, er kann die stärkste Abneigung gegen ihn hegen, ihm hilft nichts: wenn et die Wahl Hindenburgs verhindern will, muß er für Marx stimmen! Die Logik ist unwiderstehlich: Wer Thälmann oder Meier oder Müller oder Schulze wählt, tut genau dasselbe, wie wenn er einen leeren Zettel abgibt oder ganz zu Hause bleibt. Er schließt sich vom Kampf gegen die Kandidatur Hindenburg aus und hilft damit Hindenburg zum Sieg. Hätte sich die Kommunistische Partei nicht so rettungslos in die politische Unvernunft verrannt, so müßte sie heute noch die Parole ausgeben: Gegen Hindenburg, für Marx! Sie wird es nicht tun! Indem sie versuchen wird, den ihr noch zugänglichen Teil der Arbeiterschaft zur H i l f s- dienstleistung für Hindenburg einzusaugen, wird sie einen sicheren Akt der Selbstvernichtung begehen. Daran wird sie— eine letzte großmäulige Phrase im Munde— sterben! „Netter aus öer Zwietracht!" Der Rechtsblock veröfsentlicht einen Aufruf, in dem zunächst die Entlassung des Herrn I a r r e s mit den üblichen Dankcsworten oer- kündet und dann Hindenburg als„der getreue Eckard" des deutschen Volkes gefeiert wird, den zu wählen„selbstverständliche Pflicht aller Deutschen" ist. Zum Schluß heißt es: „Mit Hindenburg zum Siege für die Einheit aller Deutschen, für christliche Art und sozialen Fortschritt, für des Vaterlandes Größe und Freiheit. Hindenburg der Retter aus der Zwie- t r a ch t. Schon der kleine Jarres deklamierte:„Der deutschen Zwietracht mitten ins Herz!" Und dann stritt nian sich acht Tage lang im Loebell-Ausschuß bis aufs Blut, bis man den kleinen Jarres hinaus- warf und der Volkspartei das Knie aus dte Brust setzte. Die Hindenburg-Kandidatur hat die Zwietracht in den Rechts- block selbst getragen und sie trägt in unerhörter Weise Zwietracht ins ganze Volk. So steht die Rettung von der Zwietracht aus! » München, 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Meldung, daß der Bayerische Bauernbund beschlossen hat, für Hindenburg einzutreten, wird in München an unterrichteter Stelle als falsch bezeichnet. Dagegen fordern, wie es selbstverständlich war. die K i l l i n g e r- Organisationen geschlossen zur Wahl Hindenburgs auf. In dem offiziellen Bericht des Loebell-Ausschuste» wird ent- gegen der obigen Meldung gesagt, daß sich auch der Bayerische Bauernbund für Hindenburg entschlossen hat. Was ist nun richtig? Oder sollte der Reichsblock wieder einmal seine„ritterliche" Kampfes- weise in Anwendung gebracht haben? Die Wirkung im �luslanü: Hindenburg— eine anstenpolitifche Gefahr. Prag. 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Der Prager„Soziäl- demokrat", das Zekttralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik, schreibt zur Kan. didatur Hindenburg: Die Kandidatur Hindenburg. der letzte Ausweg und die letzte Hoffnung der deutschen Reaktion, ist jetzt zur Tat geworden. Die Kandidatur Hindenburg ist eine schwere Gefahr für die deutsche Republik. Wird er gewählt, so ist vor allem der Eindruck tm Auslande zu fürchten. Hindenburg würde noch mehr als Jarres als der vor-Gstern. Sonzerlumschau von Kurl Singer. Felix von Weingartner hat sich nach langer Abwcsen- hell wieder einmal bei uns blicken lassen. Er ist gealtert, gibt beim Dirigieren nicht mehr sehr viele Feuer und Lebenskraft her, beherrscht aber seine Partituren so souverän und bis in die kleinste Phase hin- cm. daß artistisch die Zuverlässigkeit des Spiels eine außerordentliche wird. In seinem Musikglauben hat er sich nicht gewandelt, und es ist ihm eigentlich als ein Zeichen von Charakter anzurechnen, wenn er immer wieder Bcethovensche Sinfonien dirigiert, um deren Aus- legung er sich auch literarische Verdienste erworben hat. Was nicht lehrbar, was nicht in Worte zu fassen ist, das ist auch in Weingartncrs Jmerpretation kaum mehr zu fühlen, nämlich eine Vertiefung des Inlzalrs, eine Durchsühlung des Stoffes, eine momentane Ncugeburt des Klanges. Das absolut Richtige und Saubere wird unter einer teils eleganten, tells eckig scharfen TaktgebuNg schematisiert. Die Sicherheit und Routine des Mannes bleibt bewundernswert, auch . wenn Weingärtner den alten Ruhin an viele Jüngere abgegeben hat. Um die Ltttratlion des gesellschaftlichen Konzerts zu erhöhen, halte Weingartner Frau Sigrid Onegin als Solistin gewonnen. Zwischen 8. und 3. Sinfonie klemmten sich mühselig 5 Lieder Beet- Hävens, 2 davon orchestral beglcttct, 3 aus verschiedenen Stimlnungs- sphilren heraus, tragisch, lyrisch und graziös. Es war also alles auf- geboten, um ein Publikum, das aus jedem Konzertkuchen möglichst viele große Rosinen herausziehen will, zu befriedigen. Das tat denn die wundervolle, die schönste lebende und klingende Stimme des heutigen Deutschlands, leider ab und zu mit ein paar Ausdrucks- nuanccn und Gesten, die nicht mehr ganz stilvoll waren. Ein Lied wie„Ich liebe Dich" singt man nicht äa capo, und es gibt ja bei Beethoven noch andere Lieder, sogar zyklische. Der Erfolg war für beide Konzcrlierendcn ein außerordentlicher. Pur die Osterzeit haben die� Götter Passtons- und Kirchenmusik gefegt. Karl Thiel, der Dirigent des Madrigalchors, hatte ein ougerordenttich schönes und reiches Programm zuscmimengcslcllt, das einen Ouerschnklt kirchenmusikalischer Tätigkeit vom 16. Jahiv hundert bis zu Johann Sebastian Bach gab. Sehr wertvoll die Bereicherung unserer Kenntnis, wieviel Bachfches schon etwa bei Buxtehude oder in den geistlichen Liedern von Franck liegt, und wie doch Johann Sebastian dann nach Form und Inhalt die Ge- samtkunst der früheren Jahrhunderte in seinem Werk zur Vollendung brachte, so daß es für em Jahrtausend Markstein und Borditd bleiben wird. Zu dem Lchrwerl des Programms kam eine ebenso schlichte wie vorbildlich saubere, in der Dynamik vorsichtige, weihevolle Wiedergabe durch den Ehor. Emmi Leisner mußte den Fronck- schen Liedern ihre erhebende Stimmung zu lassen, ja die Stilschönheit ihrer Gesänge durch ihr Organ zu heben(ein Schönheilsfehter ihrer Aussprache sei vermerkt: sie singt„heilick" statt„heilich"). Um bei den großen Sängerinnen zu bleiben: Elena Gerhardt, einst durch Rikisch in die Oefsentlichkeit geführt, ist längst eine Zugkraft. Auch ihr scheint das Ausland allerdings nicht gut zu tun: ihre Stimme tiemoliert bedenklich und hat nicht mehr den Schmelz und die Trag- kraft aus früheren Jahren. Daß sie dennoch bei einigeil Wolsschen Liedern außerordentlich packte, bedarf nicht der Versicherung: sie wird bei gu:er Disposition den kleinen Rückschritt bald wieder ausgleichen ti-iinen. Je jeltener man Gertrud Bindernagel hört, um so stärker wird das Bedauern, daß sie nicht viel mehr in der Staats- oper Beiweiidung jindet. Es gibt keine Sängerinnen in Berlin, die den Monolog der Ariadne so sauber, klug disponiert und sinnlich schön, zugleich so leicht in der Tangebung vortragen, wie Gertrud Bindernagel. Max Roth hat das Gluck eines sonoren Baritons, sollte sich aber hüten, dem Publikum zu Liebe Wagnersche Tempi und Bolschri jteii so zu verachten, wie er das bei Wotans Abschied nieiberlich getan hat. Allerdings wurde er durch die kapellmeistcr- licheu Entgleisungen des begleilenden Pianisten empfindlich gestört. F i i tz K l e l n e r ist als Organist heute schon ein Name. Ein Schüler Walter Fischers, steht er seinem Lehrer kaum an Eindringlichtelt de? Spiels»acki, ja, er weiß ihm gelegentlich durch Jugendlichkeil»nd feine Schattierungen mit den Registern zu übertrumpfen. Variationen über einen Baasichen Choral waren in dieser Beziehung eine höchst erfreuliche Leistung. Die Passacaglia von Alexander I e in n i tz allerdings machte keinen Eindruck, sie ist leblose, weniger aus Empfinden, als aus Köiincu heraus geborene, motivisch belang- lose Musik. Ein H c r m a n n- Z i l ch e r- A b c n d macht« mit dein Klavierquiutett Eis-Moll wiederum bekannt. Es ist eins von den besten und dantbarsten Stücken der Nach-Brahins-Literatvr, voll innerer Lcideuschast, gesund und formschön und mit einer sehr stimmungsvoll choralischen Schlußpointe. Die Klavicrskizzen sind kecke programmatische Bildchen, bunt gezeichnet, Saiomnusik. In einem Zyklus von Marienliedern, die Rose Walier prächtig zu ge- stalten o-ußte, steckt viel Gemüt: die herbe Melodik erinnert on all- deutsche Weise» und bekommt durch die Ouartcttbcgleitung einen Zug ins Große. Das Kriege- Quartett(Will und Irmgard Kriege, Ilse Broesicke, Eva Heinitz) erwies sich als höchst diszipliniert und glänzend eingespielt. Di« Riedersöchsischc Musikver» e i n i g u n g erinnert m eine», Konzert an die leuästend schönen, aus wirtkicher. Raturliebe geborenen und von«incin feinen Dichicrkopf gestalieten Wvrpsweeder Gesänge von Franz D i c d e r i ch, die in der berannteii Komposition von Paul Schcinpflug zur Auf- sührung kamen. Julius Dahlke leitete trog seiner Erkrankung vom Klavier aus, 5l r v e rn e r, Schulz und Müller ergänzten das Kamme, orchcster. Fred Drisscn setzte einen klangvollen Bauteil für diese und für Brahmsschc Lieder ein. Atomlrümmer aus Helium. Bei seinen Bersuchen der Atomzer- trümmerung durch die radio-aktiven Wpba-Stralsten ist es Ruther- sor nachzuweisen gelungen, daß die Alpha-Geschojse aus den Atomen Repräsentant der Monarchie erscheinen, und kein Au»- länder könnte verstehen, daß Deutschland einen geschlagenen General, der in der Geschichte eine lächerliche Figur dar- stellt und mit ollen Mitteln der offiziellen Lüge zum großen Strategen gemacht wurde, während er ein Durchschntttsgeneral war, sieben Jahre nach Errichtung der Republik zum obersten Staatsmann beruft. Ungcsahr so lange hatte Frankreich nach 1876 gebraucht. um den inonarchistischen General Mac Mahon, der damals eine I ähnliche Rolle- spielte, davonzujagen. Die republikanischen Parteien haben die P f l i ch t, im Interesse des deutschen Volkes alle Krajt einzusehen, um die Wahl hindenburgs zu vermeiden. Gelingt es, ihn zu schlagen, so hat die Republik einen entscheidenden Sieg errungen und die Reaktion ist unheilbar blainiert. Es ist kein Zweifel, daß die Kandidatur Hindenburg den Kampf erbitterter macht lilid die Gefahr vergrößert, daß sie aber auch den Siegespreis, den es zu holen gitt, um vieles wertvoller macht. „Praoo Lid»", Zentralorga» der tschechoslowakischen Arbeiterpartei, äußert sich wie folgt: sstudenburg will Präsident werden. um die Rucklehr seines Allerhöchsten Herrn, des Hohenzollsrulchen Wilhelm, möglich zu machen Alle Frauen der Soldaten, die am Krieg teilnahmen, alle Mütter, Bräute, Kinder und Väter ver- fluchen den Namen Hindenburg. Im Auslände ist Hindenburg furchtbar gehaßt. Die Kandidatur hindenburg ist eine Demonstrolion der Monarchisten gegen die ganze Welt. Das deutsche Volk muß alles einsetzen, um diese Demonstralie» zu schlagen. Hindenburg will neuerdings in seine gewesene Rolle zurückkehren. Er, der als Armeesiihrer unzählige Gewalttaten vollsührte, wird nun der Führer des Heerbanns der Most- archijten, welcher die Republik stürzen und an der ganzen Welt Rache nehmen soll für die erlittene Niederlage. Die Welt wird das nicht zulassen. Wien. 8. Aprll.(Eigener Drahtbericht.) Die„Neue Fre� Presse" ist am Mittwochnachmittog das einzige Blatt mit der Nach- richt von der Annahme einer Kandidatur durch Hindenburg. Dazu bringt das Blatt auch schon einen Leitartikel, in dem es schreibt: Der erste Fehler ist leider schon begangen worden. Es ist ans das tiefste bedauerlich, daß auch der Name Hindenburg in die Politik hiiieingetragen wird. Auch Hindenburg muß es bekannt sein, Selbst der verbohrteste Deutschnationale kann darüber nicht im linllaren sein, daß alle gute Stimmungen vernichtet werden können, daß alle lauernden Feinde des Deutschen Reiches die erwünschten Muffen geliefert bekommen, wenn ein Mann zur höchsten Stell« berufen werden soll, der allgemein als der Repräsentant des nnlitärt. schen Deutschland gilt.- hindenburg als Reichspräsidenk, das wäre ein(freudenkag für PoincarS, Millerand und ihre Gesinnungsgenossen in allen Ländern. Aber selbst abgesehen von diesen außenpolitischen Gründen bleibt zu erwägen, daß Hindenburg doch keineswegs als geeigneter Kandidat angesehen werden kann, daß in einer Zeit, in der die wirtschaftlichen Probleme eine solche Rolle spielen, ein Präsident ohne lede Kenntnis der wirtschaftlichen Fragen nicht die richtige Erschci- nung wäre. Hindenburq als Bahnbrecher Wilhelms. Kopenhagen, 8 April.(Eigener Drahtüericht.)„Socialdemo- traten" schreibt zu der Meldung über Hindenburgs Ernennung als Präsidentichaflskandidat: Es kann kein Zweifel darüber bestehen. daß Hindenburg der geschworene Feind der Republik ist. Charakteristisch für ihn ist sein« Auelasiung, daß er seine» Kaisers Erlaubnis einholen müsse. Wud er ausgestellt werden, so werden hoffentlich als Gegengewicht die Wähler der Sozialdemokraten vollzählig für Marx erscheinen. Die Abendausgab« der„Notionaltidende" schreibt unter dem Titel„Hin und her" über die damals noch nicht sichere Kandidatur Hindenburgs: Man nimmt Hindenburg vom Piedestal, um ihn als eine Art Mac Mahon in der Deutschen Republik zu ge- brauchen. Es wird gemeldet, daß Hindenburg während der Be- lprechungen über seine Kandidatschast in Verbindung mit dem Exkaiser in Doorn stand, und man kann sich wohl denken, Teilchen herausschlagen, die die Eigenschaften von Wasserstoff be- sitzen. Wie Ludwig Thor in der..Leipziger Illustrierten Zeitung" niltretv, hat man den Versuchen im Wiener Institut für R..R:- forschung gefunden, daß manche Atomtrümmer Heliumcharakter aui- weisen. Bisher nahm man an. daß die Heliumteilchen, die un- zweifelhaft zum Ausbau vstichiedener Element« dienen, dort so fest gebunden seien, daß sie dura. Alpha-Geschosse aus den Atom. t herausgeschleudert werden könnten. Nunmehr ist aber auch Helium neben Wasserstoff als Produkt der Atomzertrümmerung festgestellt. Die Zahl der Helium- ltomtrümmer, die auf diesem Wege gewonnen werden, ist jedoch außerordentlich gering. Aus 1 Million primär« Alpha-Geschoßstrahleu kommen nur etwa 56 Heliumatome. Die Versuche, die sehr schwierig sind, reichen bisher nur gerade so weit, daß«in Nachweis möglich ist. Eine technische Gewinnung von Wasserstoff oder Helium auf diese Weise ist vorläufig noch nicht möglich. Der Schiffsweg durch das karische Meer. Die Ausnutzung des östlich von der Insel Nowoja Scmlja gelegenen Karischen Meeres zur Schiffahrt nach Sibirien soll von der Sowjetregierung jetzt ernstlich in Angriff genommen werden. Die großen Schwierigkeiten. welt Sibirien und für die wirtschaftliche Erschließung der nördlichsten Gebiete viel zu erreichen, jondern auch der wissenschaftlichen Forschung die Wege zu ebnen. Zn der Komödie muhte wegen plödlickier Erbankuna von slräiilcin Gertrud Kunitz die iiir Mittwoch an>-esctz>e Eriiau'sahiunq.?er lprechende �Iffe' auf Tonnerktag. abend» 7 Udi-, veilwoben wrdrn. Die für die M emiere a-Iö-'ien Karten b-bolien Gültlgfeit. jedoch werden die lüt DonneiSiag gelöslen Karten an der Kaste umgelauscht. Im Neuen Museum sind die äth-ovilchen Altertümer und die Aller. tümer der griechisch, lömi'chen Zeit Aegvpten» im Ob-rge'chob in den neuen Räumen der äanpiischcii Abt,iluna auig-ürüt worden. Sben'a ilt die PnpiiriiSausstellnng in die neuen Räume verlegt worden. Diel- sind vom 9. April ob für die Besichtigung srelgegeben. S n wlernolionoie» üiindivnkbnrcau. Tie in llondon s'attsiiidende Konferenz europäischer Rundiiinforaanitationen labte den vetchliisi. in G m ein internationale» Bmeau für drabtioien»elcpboniichcn Rundsunk einzu- richten, da» als Zentrale sür Jnsormalionen dienen soll. Da, Ial'i«t ür Sch ffs- und Iropcnkronkbe len in Hamburg feiert in diesem Jahre sein 2äjähuge» Belle' en. Im Anichiusi da, an loll Milte Oktober e ne Berlammlnng der Teullchrn Zrovenmedlzinilchen Gesellschaft ftattjiuden, über die Näheres noch bekannt gegeben werden wird. daß dieser es für die monarchistischen(Erhebungsbestrefmngen für brauchbar halt, chindcnburg als Bahnbrecher vorzm schkfcn. Was auch das Resultat der Besprechungen in Hannover sein wird, so kann die Art, wie bisher von der monarchistischen Seite gearbeitet wurde, nur die Zlussichten des republikanischen Kandidaten verbessern, womit dem ganzen Europa gedient sein wird. Antwort, �err v.Schtteben! Ein sozialdemokratischer Brief an den Reichsfinaiizmimster Ale am 2. April der sozialdemokratische Antrag auf sofortige Ermäßigung der Lohnsteuer vor dem Steuerausschuß des Reichstags beraten wurde, nahmen die Vertreter des Reichssinanzministe- riums ein- schroff ablehnende Haltung ein. Sic erklärten es für vollständig unzulässig, diese dringende Erleichterung sür die Masse der Lohn- und Gehaltsempfänger vor Durchführung der oll- gemeinen Reichssteuerreform eintreten zu lassen. Unser Antrag wurde daraufhin von den bürgerlichen Parteien abgelehnt. Im stillen aber hatte das Reichsfinanzministerium bereits am 24 Marz einen Erlaß herausgegeben— der erst jetzt verössentlicht worden ist—• durch den die am 1». April fällige Einkommensteuer-Doraus- Zahlung bei den Einkommen von 2000 bis 4000 M. vierteljährlich von 20 Proz. auf 15 Pro,}, ermäßigt wird. Bei den höheren Gehalts- cmpfungern wird also die Steuerlast ermäßigt, bei den unleren dagegen nicht. Angesichts dieser widerspruchsvollen Haltung hat die Sozialdemokratische Rcichetagssrattion an den Reichssinanzminister folgendes Schreiben gerichtet: .Sie haben durry Erlaß vom 24. März 1925 bei Einkommen aus Vermietung und Verpachtung, aus freiem Berus und anderer selbständiger Arbeit, sowie aus sonstigen Einnahmen einschließlich Lohn und Gehatt eine Ermäßigung der am 10. April 1925 säl- ligen Vorauszahlung aus die Tinkommensteuer sür das erste Kalendervierteljahr 1925 bewirkt. Danach sind sür die Em- komn'.en von 2000 bis 4000 M. vierteljährlich statt bisher 20 Proz., nur 15 Proz. zu entrichten. Wir können zwar dem Weg. auf dem diese Ermäßigung herbeigeführt w>rden ist, n i ch r z u- stimmen, erkeim aber ihre sachliche Berechtigung an, da Steuerpflichtige mir mi'tlerem Einkommen sonst nrehr in Vor- auszahlungcn entrichten müßten, als sie nach der bevorstehenden Tarifsenkrrng durch da»en, ist ihnen der im Jahre 1924 geltend« steuerfreie Lohnbetrag von 11 X 50 � 550-i- 60— 610 M. nicht voll zugute gekommen. Für diese Lohnsteuerpflichtigen gab es bisher kernen Weg, in den vollen Genuß des jährlich steuer- freien Existenzminimums zu kommen oder die überzahlten Be- rräg« zurückzuerhalten. Auch hier bietet dos von Ibnen bei der Einkommensteuervorauszahlung eingeschlagene Verfahren eine Möglichkeit, diese Härte auch bei der Lohnsteuer sofort zu be- s-iti'gen. Ich biite auch hier, 5ierr Minister, auf die gleiche Weise anzuo-dnen, daß allen derart bekrofsenen cohnsterierpsiichiigen der überzahlle Sieuerb-lrag unverzüglich erslallet wird." Man wird erwarten dürfen, daß der Reichofinanzminister die in diesem Schreiben ausgesprochenen Forderungen erfüllt und die Ermäßigung der Lohnsteucrbelastung so rechizettig anordnet, daß sie am 1. Mai in Kraft tritt. Sollte er das nicht tun. so wäre damit der deutlichste Beweis erbracht, daß die Steuerpolitik der Rechtsregierung das bestehende soziale Unrecht der Steucrbelastung nicht nur nicht mildern, sondern noch weiter verschärfen will. €s hat keine Eile... Reichsrat und Auswertung. Der Reichsrat beschäftigte sich am Mittwoch entgegen anders lauienden Meldungen nicht mit dem Auiwcrtvngscntwmf der Reichsreaierung. Die Aufwertungssroge wird vielmehr vom Reichs. rat Enoe April behandelt werden, so daß die Gesetzentwürfe frühestens Mitte Mai dem Reichstag überwiesen werden können. Die Rechtsregierung hat mit dem Entgegenkommen an die kleinen Gläubiger eben nicht solche Eile, wie sie sie bei den große» Herrschaften bewiesen hat._ Das Grunüschulgefeh vertagt. Tie Beratung im Neichsrat. Im Reichsrat. der am Mirtwochnachmittag eine öffentliche Voll- sitzung abhielt, erhob Preußen Widerspruch gegen den vom Rcichotag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommenen Gesetzentwurf über den Lehrgang der Grundschule, wo durch es besonders begabten Schülern und Schülerinnen ermöglicht werden soll, schon nach dreijährigem Besuch der Grundschule in ein« höhere Lehranstalt aufgenommen zu werden. Die preußische Regie- rung, so erklärte ihr Dertrcter, stehe keineswegs dem Gedanken einer bc sonderen Förderung der Begabten ablehnend gegenüber, sie sei aber dagegen, daß ein Punkt des Begabten-Problcms vorweg ge- regelt werde, und außerdem ipräajcii ichultcchnische Gründe gegen diese Regelung. Aus Antrag Preußens wurde die Entschei- dung über den Gesetzentwurf bis nach Ostern ausgesetzt. Wie sie lebten... «uf Kosten der Landespfandbriefanstalt. Da das Gericht die Vernehmung des verhafteten v. Carlo- witz vor dem Untersuchungsausschuß nicht gestattet, richteten der Vorsitzende des Untersuchungsou-schusses zur Klärung der Derhältnisie an der Landerpsandbriefanstalt und der Berichterstatter gestern in Moabit unler Assistenz des Untersuchungsrichkers an den Häftllno verschiedene Fragen, v. Carlowitz gab zu. 163 000 M. für sich per- iönlich oerwandt zu baben, davon einmal 20 000 M. innerbalb eine, Zeitraum« von drei Wochen und ein zweite« Myl mehr als 20 000 M. innerhalb eines Zeitraums von zehn Tagen. Rund 50 000 M. habe er dem inzwischen-gleichfalls verhafteten Herrn Wähler, dem späteren Generalbevollmächtigten des Herrn v. Zitzewitz, nach und nach in einzelnen Beträgen übergeben. Er habe sich auch ein Auto g e k a u s«. Während der ganzen Zeil habe er in Bei lin i m Hotel Adlon gewohnt und hier für Wohnung und Aekösti- aung täglich 150 bis 200 M. verbrauch». Die für feine Freundin oerwandten Beträge seien nicht sehr erheblich gewesen. Die Harmats in Bis«ach der Präsidentenwahl? Die erste Strafkammer des Landgerichts I Berlin hat am Mittwoch den Antrag der Verteidiger der Gebrüder Barmat auf Haftentlassung abgelehnt. Diese Entscheidung des Gerichts ist insofern verwunderlich, als schon vor längerer Zeit der Unter- s u ch u n g s r i ch t e r auf die Beschwerde der Brüder Julius und Henry Barmat zugeben mußte, daß der Verdacht des Kredit- betrug? und ebenso der Verdacht der Bestechung von Beamten der Staatsbank nicht mehr dringend sei und höchstens noch der Verdacht einer Bestechung des früheren Reichspostministers Dr. H ö f l e aufrechterhalten werden könne. Der Untersuchungsrichter gab ferner zu, daß Verdunkelungsgefahr nicht mehr vorliege. Der Einwand des Fluchtverdachts ist schon deshalb hinfällig, well die Ge- brüder Barmat ihr gesamtes Vermögen der Treuhändcrgesellschaft, zu der sich Reichspost, Preußische und Oldenburger Staatsbank usw. zusammengetan haben, zur Berfügung stellten. Trotz dieser Einwände wird eine Untersuchungshaft weiterhin aufrechterhaUen, deren Länge voraussichtlich in gar keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Strafmaß steht, wenn die gerichttiche Entscheidung überhaupt mit einer Strafe endet. tzelst siegen! Der Volksblock für die Reichspräsidenienwahl ruft die Volksgenossen zu einer Spende zur vcslreilung der Wahl- kosten auf. Gewaiiig sind die finanziellen Mitt?l. die dem Reichs- block von einigen Wenigen zur versügunq gestellt worden lind. Der Volksblock Ist auf die Unterstühung durch das Volk selbst angewiesen Der Sieg der vcrsassungslreuen Parleien muß überwältigend werden. Dieser Sieg sichert Ruhe und Ordnung, die Fortführung einer gesunden Außcnpolikik und den Wiederausbau einer leistungssähigen wirlschast. Darum gib nicht nur deine Stimme sür Marx, hilf auch die£nsten des Wahltampses kragen! Zahlungen erbitten wir an das vostscheckkonlo lDevlscher Volksblock) Berlin Vx. 5400. Erkelenz, M. d. R., Düsseldorf: Fehrenbach. M. d. R., Frciburg i. B.: Dr. Fischer, M. d. R.. Berlin: Dr. H a a s, M. d. R., Karlsruhe: H c r o l d, M. d. R., Loevelin- kloe: Dr. Hilferding. M. d. R.. Berlin: Koch-Stzeser. M. d. R., Berlin: Hermann M ü l l e r- Franken, M. d. R.. Berlin: Dr. B o r s ch. M. d. L.. Breslau: R o b e r t S ch m i d t. M. d. R., Berlin: Karl S e v c r i n g, M. d. R., Berlin: Dr. P e t e r S p a h n. M. d. R.. Berlin. Die Pläöopers im Tscheka-Prozeß. » Tauemde des Nechtsanwalts Wolf. Den gestrigen Verhandlungstag im Tscheka-Prozeß füllte die Fortsetzung der Ve leidigunp-rcde des R-chtsanw.rtts Dr. Wolf. Er behandelte zunächst die faschistische Gefahr im Jahre 1923. Es habe sich um«Ine allgemeine, gut vorbereitete Bewegung gehandelt, aegen die sich die Arbeiterschaft gewehrt hätte. Lm weiteren Ler- lauf seiner Ausführungen stellte er die Angeklagten König und Drener als Spitzel und unglaubwürdig hin. Die vom Staats- anwatt zum Beweise des Hochverrats angeführten S�riftstücke seien unerheblich. Alles in allem habe man nicht Aufstand, sondern Ab- wehr gewollt. Um Mß Uhr bat der' Verteidiger um Vertagung auf morgen. Nach Aufforderung durch den Präsidenten fand sich kein anderer Verteidiger bereit, mit seinem Plädoyer zu beginnen. Dr. W o l i sagte auf Befragen noch aus, daß er morgen eingehend zum Thema „Bund der roten Katzen" sprechen werde. Bisher hat Dr. Wolf in ungefähr elfstündiger Rede insgesamt die Einleitung und die beiden ersten Punkte seiner Disposttlon erledigt. Vier w e i- tere Punkte und der Schluß stehen noch aus. Die Verhandlung wurde sodann auf morgen 9 Uhr oertagt. Sitzungepottze! unö Anwaltschaft. Eine Vertreterversnmmlunsz der BerlincrAnwaltskammer Der Berliner Anwaltsverein beschäftigte sich am Don- neretag mit den Vorfällen im Tscheka-Prozeß in Leipzig. Iusüzrat Dr. Drucker lLeipzig) beschäsligte sich einleitend mit den Rechten, die der Gecichtsvorsitzende krafi seiner Volizeigewalt gegenüber den Zuhörern und den Prozeßbeteiligten besitzt. Gegen die klaren gesetzlichen Vorschriften hat der Leiter de« Tscheka-Prozesses unbedingt verstoßen, da er, ohne das Gericht zu befragen, die Anwälte aus dem Sitzungszimmer gewiesen hat. Die Anwaltschaft des Tscheka-Prozesses hat sich nun bekannt- lich an den R e i ch« j u st i z m i n i st e r gewandt und dieser hat die einzig mögliche Antwort gegeben, daß er in ein schwebendes Perfahren nicht eingreifen könne. Zluch die Deputation der straf- rechtlichen Vereinigung, die beim Reichsjustizminister war, erhielt dieselbe Antwort. Völlig unverständlich aber ist die Stellungnahme des Reichsjustizministera aus Anlaß der Interpellation im Reichstag, dort deckte er vollkommen das Gericht und stellte die Anordnungen als legal hin. Die Gerichte sind der Ausfasiung, daß nach Fortfall des Ungebührparagraphen keine Vestimmungen sür die Anwendung der Sitzungspolizci geaenüber der Anwaltschaft bestehen, und daß die Anwaltschaft gewissermaßen v o l l t a m m m e n vogelsrei sei. Diese Slufsassnng ist nicht bloß recbtsirrlg. sie entspricbt auch nicht der Würde des Gerichts und der Anwaltschaft. Die Zlnwnltschaft bedankt sich dafür, nach einmal den Ungebührparaoraphen, wie e« von richterlicher Seite gefordert wurde, wieder aufleben zu lasien. Die Vorschriften, die jetzt über die Handhabung der Sitzungzpolizel bestehen, genügen vollkommen. Der Vorsitzende kann, wenn ihm gar kein anderes Mittel mehr zur Verfügung steht, die Sitzung unterbreck'en. Das ist Ordnungshandhabe genug für ihn. Im übrigen ist festzustellen, daß 90 Proz. sämtlicher Rickter ohne Ordnung». strafen ausgekommen sind und ein mindesten» ebenso hoher Prozem- satz von Anwälten niemals eine Ordnungsstrafe erhalten hat. Ein guter Vorsitzender wird auch ohne Strafmaßnahmen mit Vcr- ieidigern, die sich nicht in die Ordnung fügen wollen, fertig werden. Das Korreserem hielt der Rechtsanwalt Dr. Thiele, der sich im wesentlichen den Anscbauungen des Iustizrats Drucker anschloß. Er verlangte, daß man sicb mit dem Richtervcrein über diese Dinge auseinandersetzen soll, und schlug die Bildung einer g-« mischten Kommission vor. Der Vertreter des Preußischen RicHerver-nns. Geheimrat O o p l e r. erklärte sür seine Organisation die Bereitschaft zur Mitarbeit. Rechtsanwalt Dr. Klee schlug die Einrichtung von st ä n d i g e n S p r u ch k a m m e r n an den ver- scbiedenen Gericht-» vor die in der Lage seien. Konflikte ioiort zu schlichten. Rechtsanwalt H« n s ch e l sprach die ichäriite Mißbilligung gegen die Anwälte aus, die als Oifizialverteidiger für die nicht an- weienden Wahlverteidiger im Tscheka-Prozeß eingesprungen seien. Sie bätlen das Ansehen des Anmaitstandes insofern herabgesetzt, als sie, kiicht vertraut mit der Materie, doch nur als Statisten wirken konnten. Geheimer Iusttzrat Rewolt, M. d. R., beklagte diese ganzen Vorgänge, weil sie nicht dem Prinzip der Gerechtigkeit dienen. Die Sitzung endet« mit der Wahl einer Kommisiion, die mit dem Richterverein über diesen ganzen Fragenkomplex verhandeln soll. Der belgische Wahlsieg. Tie Sozialisten hie stärkste Kammergruppe.— Die Schivierigtgsten der Regicruligsbildung. Brüssel,?. Aprik."sEigencr Drahtbericht.) Es steht nunmehr fest, daß die Sozialistkn d i e stärkste Kammergruppe ge- worden sind. Was da sbedsutet, zeigt die einfache Tatsache, daß seit über 40 Jahren die Katholiken stets die weitaus stärkste Partei- gruppe Belgiens bildeten. Der Bormars ck) des Sozialis- ui u s vollzieht sich in Belgien mtl elementarer Gewall. Jetzt folgt die äußerst schwere Aufgabe der Regierungsbildung. Die Sozialisten fordern zunächst van der Krone, daß nach streng ver- fasiungsreckzjlichen Grundsätzen verfahren wird: sie ihrerseits wollen sich gleichfalls an diese Grundsätze halten. Das erste Wo« ha« natürlich der zurückgetretene Ministerpräsident Theunis, der den König darüber beraten muß, welch« Politiker befragt werden sollen. Theunis selbst soll entschlossen sein, nicht wieder eine Regierungv- bildung zu versuchen. Ob dieser Beschluß endgültig ist, bleibt abzu- warten. Ziffernmäßig haben Katholiken und Liberale zusammen noch immer die Mehrheit, wenn sie auch stark geschwächt und noch stärker in Mißkredit gekommen sind. Die liberale Parteileitung hat am Mittwoch beschlossen, an keiner Regierung teilzunehmen, da die Liberalen ihre Teilnahme an der bürgerlichen Koalitionsregierung nicht mit Unrecht als Hauptursache ihres Zusammenbruchs betrach- ten. Aber Festigkeit im Beschluß ist auch bei den Liberalen Belgiens nicht üblich, so daß abzuwarten bleibt, od sie nicht noch anderen Sinnes werden. Man spricht auch von der Möglichkeit einer Geschäfts- regierung unter Theunis mit Uttierstützung der Katholiken Liberalen, was natürlich nichts anderes wäre, als die bisherige Koalition in neuer Form. Den Sozialisten könnte im Grunde eine Erneuerung der bisherigen Koalition nur recht sein. Das wäre das beste Mittel, endgültig eine Spaltung zwischen den demokratischen und reaktionären Elementen der katholischen Partei herbeizuführen und die demokratischen Miialieder zur dauernden Mitarbeit an einer sozialistischen Regierung wirklich reif zu machen. Mißlingt der Versuch der Erneuerung der bisherigen Regie- rungsmehrheit, dann fordern die Sozialisten, daß der König unmitielbar Vandorvelde als den Führer der stärksten Fraktion mit der Kabinettsbildung beauftragt. Banderveldes Aufgabe wäre unleugbar äußerst schwierig. An der Mehrheit fehlen den Sozialisten mindestens 15 Kammersitze. Zwar wäre es unseren Genossen nicht schwer, 20 und mehr demokratische Katho- liten und Liberale zu finden, die zu einer Koaliiion mit den So.zia- listen bereit wären. Auch ein brauchbares Regierungsprogramm könnte wohl mit ihnen vereinbart werden. Aber ehe sich die Sozialistische Partei auf dieses Experiment einläßt, muh sie prüfen, welche Autorität diese Bundesgenossen im Parlametzt und im Lande ge- nießen. Jedenfalls werden die sozialistischen Parteiführer keinen entscheidenden Schritt tun. ohne vorher einen außerordent- lichen Parteitag einzuberufen. Doch schon jetzt könn mit Sicherheit gesagt werden, daß für die Sozialisten sed.e Art der Re- glefimgsblldung unannehmbar ist, b>e nicht dein Führer Vcindervelde die Ministerpräsidentschaft sichert. Die Ereignisse werden sich übri- gens kaum überstürzen: vor Ostern dürften formelle Verhandlungen nicht beginnen. Die Rlgaer Generalstabs-Hespreckungep� Renal, b. April.ieiUnd»siri?!ji/u den streikenden Knpfeeschraieden die Vorbedingung stellten, die Arbeit wieder auszunehmen, wäre es nur konsequent, daß sie nnn auch die Aussperrung aufheben würden. Kommt es zu einer Verständigung, wird die Aussperrung allerdings gegenflendsios, und die lausende Arbeitswoche ist für die Ausgefprrrien ohnehin fast gänzlich oerdorbcn. «; S03 Schiedsgericht erledigte auch den zweiten Punkt seines Pro- plumms, den Ra b m e» t a r i f. Wir erfahren hierüber, daß der alle Rahmentarif bestehen bleibt. Der hauptsächlich striiiige Punkt bezüglich der Arbeitszeit würde in der Weile geregelt, daß bei grund- fötzlich-iWundiger Ärbeitstvache der Arbeitgeber in besonderen Fällen eine neunstündige Ärl'eiiszeit anordnen kann, wozu er mir dann der Zuftitnmung des Betriebsrates bedarf, wenn die ver° kängertc Arbeitczeit für rjuen größeren Zeitraum norgefehen ist. Einen vollständigen Bericht hierüber können wir erst in der heutigen Abendausgabe bringen. Die Erledigung der Kupferschmiede- onaelegenheil wurde vertagt. die Vahle« zur peusioastosse ärt lkisendahner. Tfiederlage der Kommunisten. In dem Ausbau der Sänderverstcherimgsanstaltrn der Reichs- bahn verkörperte sich noch immer ein Stülk echter aller preußischer Burcaiikratie. Und so wurde es erst in diesem Jahre möglich, die Vertreter zur Generaioersammlung der EPK. erstmalig am Z!- März durch Ur mahl zu wählen. Don den bisher vorliegenden Teil- ? e f u l t a t e n interessiert besonders stark das Ergebnis aus dem Direktionsbezirt Berlin, weil sich darin in aussälliger Weile der gewcrkschastiiche tSesundungsprozeß bei den Eiienbahnrrn wiederspiegell. Bekumulich war Berlin ja der cherd der kommunistischen Spnitmigsarbest. und allcjachliche gewerkschaftliche Arbeit sie! dem WprlradikaiismuS zum Dpier. Die Felle (ind ja den«Revolutionären" schon längst weggeschwommen, wenn ie auch mit verstärkter llungentrafl die Oessenllichkeit darüber hin- wegzittäuschen suchten. Bei ihrer bekannten Manier mußten dann auch in diesem Wahlkampf die sachlichen Momente s a u st d i ck e n Lügen weichen, und in ihrem Verhalten wurden die FEV.-.Heiden begünstigt durch die infolge der Inflationszeit geschafsene Uage der Penfionskasse, die ihnen scheinbar recht gab. Nun hatte die Wahl für die„Reooluitonäre" ein unerwartetes Ergebnis. Die Berliner Eisenbahner baden die Weiche herum- geworfen und fahren in ihrer Mehrheit wieder aus dem Gleise des DEP. Im Märchentand von Mrska». wo man mir pur alles in der Weil schimps! und prakttfekje Arbeit zugunsten der Uoklegen für totai überftüssjg hielt, wurde ihnen aar zu öd und gnwrig zu Mute. Der Nichterfüllung aller der vorn FEV. gegebenen schönen Versprechungen folgte nun die Ernüchterung. Es wurden Stimmen abgegeden im Bezirk Berlin: D«?. ffSB. AVB.«dE. penstonskaff enwohlen am-JT S. 05 WS 9337 3605 illtb SetrtebSrätewah!eno.lS/l7.S.gt 10BS7 3631 371 mithin 4-3872- 2760--?■ l'>74-f 1075 Im Mai 1024 erhielt ber FEV.»och 36 Proz. aller abgegebenen Stimmen im März Zg?S aber nur noch 36 Proz. Er hat inner- halb 11 Monaten 36 Proz. feines ursprünglichen Standes eingebüßt. Der DSV., welcher im Bezirk Leriin im Mai lS2< nur Zf> Proz. aller abgegebenen Stimmen erhielt, hat bei dieser Wahl 41 Proz. er- hallen und feinen Bestand damit viel stärker vennehrt, als der FEV. verloren hat. Was die letzt« Streikbewegung schon mit aller Deutlichkeit zeigte, nämlich, baß der FEV. nur«m schädliches Anhängsel an der Eisen- bahnerbeweguna ist, dos bekundeten jetzt die Berliner Eisenbahner aus eigener Erfahrung bei Abgäbe ihrer Stimme dadurch, daß sie den Wortradikalen die Gefolgschaft aussagten und für den DE?. stimmten. Der Stimmenverlust für die Kommunisten wäre sicherlich noch größer gewesen, wenn nicht alle die. welche zu feige sind, sich zu organisieren, ihre Stimme für den FEV. abgegeben hätten, weil sie glauben, mit dieser radikalen Geste den berechtigten Vorwürfen der organisierten Kollegen zu entgehen. In den kommenden Wochen wird den Berliner Eisenbahnern erneut und im verstärkten Maße Gelegenheit geboten, mit den Gewerkschaitszersplitterern abzurechnen. Sie werden es restlos tun. weil sie durch die letzte Bewegung er- lahren haben, daß der unausbleiblich« Kampf mit der reaktionären Reichsbahngesellschast nur erfolgreich geführt werden kann nach Herstellung der gewerkschaftlichen Einheite- front, und darum stimmen die Eisenbahner bei den kommenden Krankenkasten- und Betriebsrätewohlen für die Liste des Deuischen Elfenbahueroerbande». >von Ver„SinheitSfrou�. Im Lager der Kommunisten geht es gegenwärtig wieder einmal buwt zu. Nachdem man die Gründung von gewerkschaftlichen Sott« derorganisaiionen von Moskau aus mit allen Kräften gefördert und begüm'iigt hat, kam im Borjahr« auf einmal wieder ein Gegenbefehl. Unter denen, die nicht so ohne weiteres wieder„raus aus die Kar- tosfeln' wollten, befand sich auch der kommunistische Stadtverordnete Schumacher, das Haupt des kommunistischen Bekleidungsardeller- verbandes. Wegen dieser unerhörten Auflehnung gegen einen Befehl des Papstes Sinowjew I. erfolgte der Bannstrahl und der Ausschluß aus der KPD. Da aber besagter Schumacher sich weiter eifrig um die Gewerk- schastsspaljung verdient machte, wurde er oder seine Sonderorgani- iaiion trotzdem weiter von dein Berliner Organ der russischen Re- Pierling begünstigt. Als jedoch die orthodoxen Kommunisten in der Schumacher-Organisalion eine Zelle zu bilden begannen, wie sie das gewohnt sind, begann der olfene Krieg. In einer Versammlung wurden die moskowitischen Zellenbauer einfach hinausgewor- sen. Die„Rote Fahne" berichtet darüber: ... Es wurde nämlich in der Versammlung am 24. Mörz aegen die Genosten Paul Maslowski, Ernst Schulze, Heinrich Kapp, Otto Gruber, Wilhelm Krämer. Wando Jüngst, Georg Wals, Erich Braun und Erb ein Antrag angenommen, der dem Sinn« nach solqendes besagt: „Die netin Kollegen werden beaustragt, sich mit aller Energie dafür einzusetzen, daß sie in den alten Bekleidungsarbetter-Ber- band sSebastianstraße) wieder ausgenommen werden. Sie haben die Pilicht. dort revolutionäre Gewerkschaftsarbeit zu leisten und für die Herstellung der Einheit zu wirken. Mitgliedsbei- tröge werden von ihnen nicht mehr ange- n o m m e n." Weiter weiß das Blatt mitzuleilen, daß in derselben Verjamm- limg ein gewisser S o n n e n b u r g als absolut rein und zuverlässig erklärt wurde, obwohl er aus der KPD. ausgeschlosten worden ist, und zwar merkwürdigerweise, weil er Arbeitergelder zu seinem persönlichen Nutzen verwendet hat. Ob er wirklich deswegen aus- geschlossen wurde, erscheint uns nach dem Fall des Stadlrats und Lundtugsabgeordneten S t o l t sehr fraglich. Jedenfalls herrjcht aegenwärtig Kriegszustand zwischen Schumacher und seiner Organisation aus der einen und der KPD. aus der anderen Seite Dos find die wahren„Revolutionäre", die einander ausschließen Das siind die wahren„Revolutionäre", die einander aufschließen und einer von dein andern behaupten, daß sie beide Reformisten und unehrlich« Subjekte seien. Wenn der Schumacher sich auch heute in osseneu Gegensatz zur KPD. stellt und nach seiner ultrarevolnlio- nären Äergangenheit reformistische Anwandlungen bekommt, so wird das weder ihn noch steine Orgäniiakion retten. Der Zerfall dieser Organisation macht Riesenschritte. Die Arbeiter imd Arbeiterinnen der Bekleidungsindustrie sind über den Schumacher ebenso wie über die vrthodoren Gewerkschastsspalter längst zur Tagesordnung über- gegangen. Für sie gibt es nur eine wirkliche Gewerkschastseinheit und die besteht Im De Nischen Bekleidungsarbeiter- verband._ .JSinc kommnnifrtsche Mehrheit gebrochen". Mit dieser Ueberschrifi berichteten wir in Nr. 166 des„Vor- wärts" über den ftuskall der Bctriebsratswahl bei der Firma C. Lorenz in Tempelhos. Der kommunistisch eingestellte Betriebsrat erklärte in der„Rote Fahne" einzeln« Punkte unseres Berichts als unwahr. Es fei nicht wahr, daß der bisherige Betriebsrat fich nur aus Kommunisten zusammensetzte. Wahr ist, daß der Betriebs« rat sich aus Kommunisten und sogenannten Sympathisierenden zu- sammensetzte. Eß sei nicht wahr, daß die Angestellten bei der jüngsten Bctriebsratswahl geschloffen die Liste des AiA.-Bundss gewählt haben—„und dadurch, daß die Angestellten der Betriebs- lotswnhl ziemlich gleichgültig gegenüberstanden und nur eine Liste einreichten, war es möglich, diese einseitig zusammengestellte Liste als gewählt zu erklären." Es treffe nicht zu. daß der alte Betriebsrat, insbesondere der Arbeiterrat im Betriebe Parteipolitik getrieben haben. Wahr ist» daß sämtliche Betriebsversammlungen sich mit Moskauer Parolen zu besosien hatten. Vertreter des D MB. seien nicht aus den Betriebsversammlungen gewiesen worden. Tatsache ist, daß Kam- mann vom DMV. das Wort zur Geschäftsordnung nicht bekam. weil er Betriebsfremder sei. Doms als Obmann der frei- gewerkschaftlich Organisierten wurde aus allen Zl b t e i l u n g s- Versammlungen ausgewiesen. Daß nicht 2000 sondern 2 4 00 Personen bei der Firma beschäftigt sind, ist richtig. Was das Wahlergebnis betrifft, so haben wir über das am ersten Tage festgestellte Resultat berichtet, ohne vorher missen zu können, daß" nachdem ein verändertes Wahlergebnis festgestellt werden würde. Don einem Zusammenbruch haben wir nichts berichtet, son- dem lediglich festgestellt, daß die kommunistische Mehrheit gebrochen ist. Was die Lerdachiigung betrifft, die SPD.-Funltionäre hätten es auf die Eutlasiung des KDD.-Betricbsobmannes abgesehen, �sa sei nur an das Treiben gegen Doms im o r e n z- K o n i a k t" hin« gewiesen, das eine unverhüllle Denunziation darstellte, die allerdings wirkungslos blieb. Schiedsspntch für die Braunkohlenindustrie. Köln. 8. April. sWTB.1 Im Lohnftreii Im rheinischen �Braun» kohlenrevier fällte heute Reichskommissar Mehlich einen Schieds- fpruch, wonach u. a. die Stundenlöhne für die dem Arbeit- geberverbond im rheinischen Braunkohlenrevicr angeschlossenen Ver- bandswerke ab 14. April um 13 Proz. erhöht werden. Diese Rege« lung rft unkündbar bis zum 1. September 1023. Bon da ab soll eine monatliche Kündigung zum Monatscrsten gelten. Die Er« klärungsfrift dauert tps zum 10. April abends. Die Arbeit» g e b« r erklärten sich gegen die Erhöhung der Stundenlöhne. Deutsche Facharbeiter für Frankreich gesucht. Berlin. 8. April.(TU.) Aus Hamburg kommt die Me!« dung, daß in vielen deutschen Städten, vor allem im bo- setzten Gebiet, durch sranzösische Agenten versucht wird, deutsche Monteur« und Facharbeiter durch Prämien- und Hand- geldversprechungen für die französische Flugindustrie anzuwerben. Die Abwanderung dieser Facharbeiter, die angeblich nur für Erdarbeiten und Kraftwerke Verwendung finden sollen» würde eine schwere Schädigung der deutschen Wirtschaft bedeuten, um so mehr, als ihre Ausbildung mit großen Kosten verbunden war. Im Interesse der deutschen Wirtschaft muß deshalb nach« driirkllchst vor derartigen französischen Werbungen gewarnt werden, 4t Wir versprechen uns von solcher Warnung nicht viel, hallen sie aber auch sür überflüssig, sobald„die deutsche Wirtschast" ihr« Fach- arbeiter gehörig entlohnt._ Achtung. Bauarbeiter! Die Fachgruppe der Fliesenleger des Deutschen Baugewcrksbundes, Baugewerkschaft Berlin, befindet sich ab 8. April in Streik. Alle Flie jenarbeiten, auch die- jenigen, die bisher von Maurern ausgeführt worden sind, haben zu unterbleiben. Wir bitten, aus den Baustellen darauf �zu achten. Bangewerksblind. Fachgruppe der Fliesenleger. Zu Düsielbors sind 900 bis J000 Arbeiter der Waggon- sabrik Gebrüder Schändors A.-G. in den Streik ge- treten, weil die Firma die Lohnforderungen nicht bewilligt hat. BcraiUworjlich für Politik:«r»ft«ruter: Wirtschaft: Arthur«atrr»»»: vtiorrkschatt-beinrnüna: UrtrSr.«tzt»r«! iZruMrien: Dr. Zahn Tchito««»: Lotalr» und öoustiaes: Stift Botftäbt; Anieiarn Xft.(RUir: sämtlich in Berlin.■ Stria»; Barwärts-verlaa®. m. h.®.. Berlin. Druck: Vormärts-Buchdruckerte und Vtrlaasanstal! Bau! Sinfttr u de. Berlin S3S«S SinbenfttaRe S. Pitt»» 1 Btllugt und„Aaitrhuttuua»ud Bill«»«._ UampeötktLner Sophi en- SS I e Norden 9296* Norden 12643 IFCI* Billige Lebensmittel W-oinmU«»««T»«litLt>»o----------—""------— Ra!bskanttn ptt«« 65?«-röckfln m 70m- Kalbsbrust u,-btett.......... SOtr. 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Blumenkohl s�rro« JöUr iiistofsala i>t«i48.7Öt95i- Zitronen Darwo«»o. SS Winterspinat pr..« 10?; «alta-Kartoff.irr« ISp.' Käs« Harrerkäse....... Kitte 90». Qnadratkäse.....?,»»« 30? Kümmelkäse.....?«««« 35?, Allg, Stangenkäse pr«. 70? Oän. Gonda....pfsnä 05?-. Edamer............ pw»« 05?- Steppenkäse..... pe-n« 90? Stembuscher'"""«nnut 1°° Tilsiter»,in««...... pmna l40 Bayr. Schweizer Pfund l3® vÄ. tt Kirsch-, Himbeer- 4Q0 KonfitQre 3PM.Bim«T I Pischa Kabliau 30. Seelachs 20?-. Zander«»froi»»..?»«. 86?« Backartikel Weizenmehl?•,",?;« 21 p» Weizenmehl«?;, pw. 23?i. AsnoSaeti?«. 25,27,30?'- Kartoffelmehl i-fandZ5?(. Haispuder.... Pfand 25pt Weizenpuder Pfand 49pf. Rosinen...... ptund 45?,. Korinthen..... ptaud 63?,. Sultaninen...pm,« 65?,. Mandeln»««»... ptu», 2®® Mandeln Mt,*r..pfiiiH! 280 Mandelio.....?>»,« 65?,. Zitronat........ pfun« 301J Konserven Stangenspargel 850 Stangenspargel-tnrkS25 StangenspargelmitMS09 Brechspargel Mark.. 2TS Brechspargel de-n.. 2°° Brechspargol o. Kopf I80 .„.","?ennV"er1. BOWlen Mosel, und Rheinweine l«J"lä«tilt#!!iJtr..........«/,pi 71 Pf. iori.8,8# HJf8'». MulilBT mtttelToU»/.FI.Mp,. IOFi T.M IMJ�Meietijrt!«-............«/,Fi.J,öt iofi.J.M 1 922 er IsckntiimBiT Sinllii�i esc 4 nnn 1 922er WitBlBini'-a"«"«!}� 1" S 17''" 1921er EHiRikdbessr....... Inj n|*' l9Herft»ifiMr««Hiflia«B.i-,nU« icfi 15.98 Doli- Junge Erbsen„«hrfeir,!70 Junge Erbsen 80?, Junge Erbsen...... 80?, Gemüse-Erbsen... 56?, Gem. Gemüse£{£ 200 Gem. Gemüse mmei l00 Leipziger Allerlei 76?, U. ..Oos» Pfefferlinge........ SL?c PfIaUmeng»niePnieht80pt Mirabellen........... I40 Reineclauden....... I50 Kalif. Aprikosen... 1®° Pfirsiche"/.Pracit.-.. l85 Birnen»/, Pracht..... SOtt Tischweine Pre!?nd0nicuuer Rot- und Oeaaertwolno I922erHnlitB9-Sirtw9lB......'AFI-SSp,. ton 8,11 1922er BfirtIi8liBBr2eB8rliert..>;,n.l, 25 ioflU.C# 1922erPe!n«rol, Borteaoi.....>;,pi.l.60 topilS.IS 1921er tut F»Brt88ä-Li$tr«-;,pi.2.4i> ivpi«.kZ kliiln 9» Pwlttäa!............'t, Fi. 1,75»flIä.SI Brij. Ins«! S«a»!lnjleM......>',?i.I.9a ion.17,58 Oescnders biNIgk In betfiRT!?« spsten Qnstifitrn 11/ XI ine U/fsna C-oiwr- G«,ie»e(Kotbflaaehen, Flaschen asv.) Weine VOrn rdSS hltten wir mllaubrlngen Pf. TarraScca Vi-tle Qaalttit, titer l"5»?,* Osts, tesei Sanoi-AiHLSsTÄ 2»�?? 90 p, �tr Bahmlb n. dimkol, für Kootiuvr»� k« a c ff St«n«r nBiwllB»j, ileiws TSschvr. gevitroor, Ur. I Si Hf___ w. Roler Jö«er lohsDnübeerweiu 1 Deutscher Weinbrand4** S? 4°° Nr. 16S ♦ 42. Jahrgang Seilage öes Vorwärts vonnerstag, Nprkl 1925 Die Stuöentin in Serlin. la einem Speisehaus der Studentinnen. Blicken wir 23 Jahre zurück: Am IS. Februar 1899 verlieh die Berliner Fnedrlch-Wilbelm-UnioersiLät ihr erstes Doktordiplom an eine Dame, Fräulein Else Neumann. Noch war ein Dispens nötig, und als der Dekan der philosophischen Fakultät, der Mathematiker Professor Schwarz, nach der Verteidigung der Thesen die Doktoran- din zum hlaxisler artium liberaiiuni(der freien Künstel und zum Doktor der Philosophie ernannt hatte, bestieg die neugebackene Doktorin das Katheder, um dem Kultusministerium für den Dispens zu danken. Richten wir unsere Blicke gar auf 39 Jahre zurück, so können wir einen klassischen Zeugen in dem Memoirenwcrkc der Franziska Tiburtius anfuhren, die als eine der ersten weiblichen Aerzte nach dem Kriege von 1879/71 in Zürich sich den Doktor geholt hatte. Damals gab es nicht nur Skeptiker, sondern krasse Eegner unter den Männern, die auch die deutsche und die wejt europäische Studentin überhaupt nach den in Zürich umher- lchweiienden �Kosakenpferdchen" beurteilten, wie der Studentcnwitz die iiir den Rihrlisnuis schwärmenden und tütigen russischen Studentinnen(mit meist sehr geringer Vorbildung ober unendlichem Bedürfnis nach Zigaretten ausgestattet) getauft holte. Etwas mehr als 39 Jahre snrd vergangen— heute herrschen der weibliche Doktor, der weibliche Professor, die weibliche Assistentin in allen Kculrur- ländern, und nachdem auch in der Politik der männliche Egoismus sich als besiegt erklären muhte, gibt es tatsächlich kein Gebiet, das den Frauen verschlossen ist.... 12�0 weibliche StnüierenSe. In der Mamnmt.IIniversstotsstadt Berlin ist das äußerliche Her- vortreten des studeistilchen Lebens auf einen so kleinen Kreis beschränkt, daß die wenigsten Berliner sich der Empfindung, bier wird die neue Generation herausgebildet, klar werden können. Die Lehr- rmstaiicn und Institute liegen zerstreut, und dos Berliner Quartier iatin ist längst zur Mylhc geworden. Wie es von der verheirateten Frau gilt, daß die die beste ist, von der am wenigsten gesprochen wird, so kann man dies auch aus die Studentin anweichen. Troß ihrer großen?lnzahl— jeder siebente akademiiche Bürger ist eme Dame— spürt man sie nur st, dem allernächsten Kreise der Uni- versität und der Libliochck. Die Zahlen für diesen Winter sind: t.148(gegen 12 581 tu j vorigen Winters) beträgi die Gelamtzi-icr der immatrikulierten Studierenden, davon find enua J??3 ivclbHchlM Geschlechts. Der starke Rückgang war die Folge der Geldentwertung Und der ersten Gcburrswehen der neuen Goldberechnung. Man kann aber aus der steigenden Zahl der Reuanmeldungen schließen, daß die schlimmste Zeir auch für den Studenten der Bergangeicheit an- gehört. Im einzelnen verteilen sich die Zahlen wie folgt: Theo- logische Fakultät 279 kdavo» ,9 weibl.), juristische 10-14(78), medizinische 1810(310), pb'losophiiche 4118(806). Der Rückgang bei den Frauen ist am schärfsten in der philosophischen Fakultäl gewesen. die bekanntlich das große Sammelbecken für alle möglichen Studien bildet: die betreffenden Zahlen find: 1923/24; 1277, 1924/23: 806 Frauen. In der medizinilchcn ist dagegen nur«in Rückgang von 331 auf 310 zu verzeichnen. Die Zahl der Ausländerinnen ist hier 124 und übertrifft die der Ausländerinnen in der philosophischen Fakustät: 103. Die Gesamtzahl der Ausländerinnen ist ZZV. Daß sie— die zumeist Russinnen sind— Medizin studieren, hängt mit der dem ärztlichen Beruf eignenden Möglichkeit» verhältnismäßig lchnell zur Selbitondiakeir zu gelangen, zusammen. « Kuf sich gestellt. Da Intelligenz und Reichtum sich meist nicht zusammenfinden, die Mehrzahl der jungen Damen aus reichem Hause auch bei nor- handener Intelligenz die Ball- und Sponerfolgc höher als wissen- ichaitlichc Erkenntnis schätzen dürften, so ist es begreiflich, daß die Mehrzahl der Studenkimien ein arbeitsreiches Leben führen muß. in dem etwaiger Vcrdienil durch Stundengeben oder sonstige geistige Arbeit noch immer ein wichtiger Faktor ist. Di-�Sätze der Gebühren sind zudem hoch— etwa 150— 300 M. pro«cmester— und die oroße Zahl der Swnduna-gefuchc gibt den besten Beweis für die Knappheit der Mittel, die �en jungen Damen zu Gebote stehen. Daß unter solchen Umständen die Studentcnehc sich m neuerer Zeit eingebürgert hat, ist begreiflich: auch bei den oft gereisten Männern, die das aus den verschiedensten Gründen früher aufgegeben« Stu- i&w/ dium nunmehr vollenden, liegt der Gedanke nahe, durch Gründung eines bescheidenen Hausstandes Kosten zu sparen. Hier heißt es sehr oft im vollsten Sinnendes Wortes: Raum ist in der kleinsten Hütte... Daß der weibliche Student hinsichtlich seiner Lebensgeftoltung es schrämt hat als der männliche, ist eine Tatlache die auch das freiere geistige Verhältnis des Großstädters zu allen Lebensformen nicht befestigen kann. Roch immer wird die Studcntenmuster lieber an männliche als an weibliche Studenten vermieten, noch immer schll jene Tradition, wo eine Generation weiblicher Studierender dort einzieht, wo die andere anszieh:— wie es z. B. schon früh in Zürich der Fall mar—, und so bleibt die Studentin fast ganz auf sich gestellt und stürzt sich in die Arbeit, um dem freudekosen Leben doch das Wichtigste abzugewinnen. Bei den Ausländerinnen dürft? die Zahl derer, die bei den Estern wohnen, eine ziemlich große fein — jene viel besprochene Zuwanderung aus dem Osten bat Elter» und Ktuder gleichzeitig heimisch gemocht. Interessenvertretungen. Wohl fehlt es nicht an Vereinigungen unter den Sludeistinnsit, ober sie fchaifen doch nur iin /leinen den Zusammenhang zwischen den einzelnen: die sichtbare Vertretung der vorhandenen großen Anzahl, das starke Band, das Leben und Universität umschlingen sollte, wird erst die Zukunft schassen müssen. Da gibt es eine» .Akademischen Frauenbund", der sogar ein Bureau in der Georgen, straße besitzt, das iich aber meist verschlossen erweist, serner ein« rührige„Akademifch-wissenschaftlirlic Frauenvercinigung". die 1918 nach der Revolution gegründet, Verbrettung von wlsseuschafstichen Kenntnissen und Förderung der Geselligkeit— bald im klemcren, bald im größeren Kreise— zum Zweck hat, da besteht dir lathnstlche Vereinigung.lUechlhild". in dem bekannten kotbolischen Hause in der Lindenstraßc tagend— und endlich ruft der.Sludenltnn-n» Sporwerein" das»rohe Bild sportlich-körperlicher Pflege hervor. Einen„Vierer" nennt dieser auch dem Rudersport huldigende Ver- ein bereits sein eigen: für die Anschaffung eines zweiten Bootes wird geworben. Eine gewiss« akademische Form ist diesen Frauen» vereinen eigen: unter ihrem Wappenschilde in der Uuiversitätshalle sinder ein„Stchkonnenr" statt und die Namensunterjchriften sind mit den bekannten studentischen Geheimzeichen versehen. Erfreulich ist. daß auch sonst Wert auf sportliche llebungen gelegt wird: für die m den— bekanntlich langen— Ferien zu Hause bleibenden ist damit die Möglichkeit gegeben, etwas Lebensfreude in das strenge Arbeitsdasei» zu bringen. Auch der Berkehr mit dem männlichen (Beichiecht bahnt sich auf sportlichem Gebiet am leichiesten an. Der Typus des jungen Mädchens, das..Jeden Abend ausgeht", findet iich sicherlich nicht bei den Studentinnen, und die Gelegenheit, im Kolleg oder Laboratorium Freundschaften zu schließen, wird gerade in Berlin sich nur festen einstellen. Daß die jungen Damen dem Wahl» recht, dos ihnen gegeben, skeptisch gegenüberstehen, wird bei den eigenartigen Verhältnissen, die gerade das Berliner Unwersitäisleben ausweist, nicku wundernehmen— der sogenannte„nationale" Zug ist mit dem Geiste der Unduldsamkeit bekanntlich eng vereint. rfl Wer z. B. in der Bibliothek Öle jungen Damen beim Studium beobachtet hat, wird chre von jeder Extravaganz freie einfach prak- tische Kleidung wohlgefällig bemerkt hoben. Die frohe Lügender» trägt— mit dem Idealismus ihrer Westanschauung im HerzSn— gern die Fesseln, die Sparlamkerts- und Arbettszwang auflegt; sie weiß, daß hilster dem Dickicht der Examcirsparayrapherr das volle pulsende Leben steht, in dem sie sich alle einen Platz an der Sonne zu erobern hoffen. An Vorbildern sehst es nickst: ihnen nachzuahmen ist der große Ansporn bei der Arbeit. Betrübend ist nur, daß noch >o manche weibliche Intelligenz in den unteren Schicksten unleres Volkes von diesen Bildungsstätten ausgeschlossen bleiht— und es wäre zu wünschen, daß die materielle Krait der Frauenbewegung, die!a nun das Wichtigsie erreicht hat, sich mit dieier Frage ba- kossen würde. Ein vorurteilsfrei geleiteter, den ganzen weibsschpst Eelehrtenstand der deutschen Hochschulen ii.masscnder Verein, der, sich seiner Kraft bewußt, auch sinanztelle Mittel zusammenbringen könnte, würde so manchen Seufzer aus weiblicher Brust und manche Träne aus Frauenaugcn verhüten. verbrannte Ostereier. Kleine Ursache» haben ost große Wirkurv- gen. Das zeigte sick) auch o»i dem Wochenmarkt am Kranold- p l c tz in Neukölln wieder. Inrnlge Wegwer»cns einer brennen« den Zigarette brach Feuer aus, wodurch 2 4 Kisten mit Eiern verbrannten. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Der Schaden betragt über 1000 Mark. 18] Anthony Iohn. Roman von 3ctom? S. Jerome. Die Tante hatte nun neuttunstdreißig Jahre in der Prospeki-Hütte, Moor End-Lane, gelebt. Die Flitterwochen am Meer hatten nur einen Tag gewährt, dann war sie mit Joe rn die Hütte eingezogen, hätte seither keine einzige Nacht auswärts verbracht. In jenen Tagen war die Hütte inmitten von Feldern gelegen. Während sie im winzigen Zimmer stöberte und die wenigen Gegenstände auswählte, die sir be- halten wollte, verwünschte sie Anthony mehr als einmal. Am feftgesetzten Tag jedoch war sie mir allem fertig und bereit. Sie hatte sich sogar Handschuhe und einen neuen Hut ge- kauft. In Bruton Square muh man elegant sein. Anthony bewohnte im höchsten Stockwerk zwei Stuben, ein Schlaf- und ein Arbeitszimmer. Er hatte schon immer gern gelesen: am liebsten Geschichtswerke und Memoiren. Als Schulpreis hatte er sich Emerson und Montaigne gewählt. Als Belletristik genügte ihm„Gullivers Reisen". Auf seinem Bücherregal standen noch„Selbsthilfe" von Tmiles. Franklins„Autobiographie" und„Das Leben Abraham Lincolns". D:e Mutter- hatte� das Schneidern aufgegeben. Tetteridge führte feine junge Frau heim, und der Haushalt für fünf Personen nahm Frau Strong'nth'anns gan»e Kraft in Anspruch. Abends pflegte sie mit einer Näherei in Anthonys Zimmer zu sitzen, während er arbeitete. Es war um die Weihnachtszeit', Anchony besuchte nun die Unterprima. Er wollte zu Weihnachten die Schule cnd- gültig ver'ossen; in der Oberprima wurde die meiste Zeit auf Klassiker verwandt, und dies hatte für ihn keinen Sinn. „Was willst du tun?" stagt« die Mutter.„Host du schon einen Entschluh gesagt?" -.Ich will beim allen Mowbran im Bureau arbeiten, falls er mich nimmt," entgegnete Anchony. ..Edward wird wobl ein gutes Wort für dich einlegen." --Ja. daraus zähle ich." Anlhony wandte sich von neuem seinem Buch zu- die Nadel der Mutter jedoch ruhte. ..Das Mädchen ist dir doch auch gut gesinvi?" fragte sie. „Es heiht allgemein, daß der Balcr ihr keine Bitte abschlagen kann. Anthony gab keine Antwort, schien die Worte zu über- hören Der Mutter entglitt der Fingerhut und rollte über den Fuhboden; Anthony hob ihn aus. „Wie ist sie?" fragte Frau Strong'nth'arm. „Sie ist ein nettes Mädchen." „Sie ist älter als du, nicht wahr?" „Ja, ich glaube, aber nicht um viel.". ,�om Gripps war unlängst auf dem Moor," fuhr die Mutter fort.„Wahrfcheilich wilderte er. Er lah euch beide dort. Und ist ein Klatschmaul. Schadet es?" Anthony legte das Buch nieder und fragte unvermittelt: „War der Vater in dich verliebt, als er dich heiratete?" Die Mutter schaute ihn erstaunt an.„Was für eine seit- samc Frage! Selbsiverständlich war er verliebt, wahnsinnig verliebt. Viele behaupteten, ich sei das hübscheste Mädchen von Mittboroligh, die Herrschaften natürlich nicht inbegriffen. Weshalb fragst du?" Statt einer Antwort kam die Gegenfrage:„Was nennst du„wahnsinnig verliebt"?" Die Mutter lächelte für sich, hielt den kleinen grauen Kopf höher, als sonst. „Du weißt schon, was ich ineinc. Er legte allabendlich einen Weg von zwölf Meilen zurück, nur um fünf Minuten mit mir plaudern zu können. Und er schwor, er ginge ins Wasser, wenn ich ihn nicht heirate. Auch war er furchtbar eifersüchtig, ich durfte mit keinem Geschöpf in Hosen sprechen. Er schrieb sogar Gedichte an mich: freilich waren sie dumme? Zeug. Einmal, als ich auf ihn Höfe war, verbrannte ich sie." Anchony schwieg. Die Mutter blickte verstohlen zu ihm empor. �Uitd jählings wußte sie, woran er dachte.„Es hält nie an," sprach sie.„Biswei'en will es mir scheinen, als kämen die Menschen ohne Verliebtheit besser aus." Sie plauderte weiter, behielt den Sohn noch immer im Auge.„Als der junge Tetteridge zuerst zu uns kam, war er über beide Ohren verliebt. Aber die Ehe wird keine besonders gute fein. Und auch Ted Mowbray-— der Alte.— Er vergötterte sie, alle Leute sprachen darüber. Dennoch hinderte ihn das keineswegs, schon nach drei Jahren Seitensprünge zu machen. Sie dürfte wohl gewünscht haben, daß er an'angs weniger heiß gewesen wäre, dann bälle sie ihn vielleicht länger warm hallen können." Sie lachte.„Was am meisten zum Glück beiträgt und auch am längsten währt, ist die Ehe mit einem Menschen, den man ganz gern hat und mit dem man sich gut verträgt. Und wenn die Frau Ge'd besitzt- oder aber eln«n aus andere Art helfen kann, so schadet das weiter nichts." Sie hielt im Reden inne, um ihre Nadel einmsädeln. --Du hast dich noch nie verliebt, nicht wahr?" fragte sie dann. „Rein," entgegnete er. ,L)as stört mich ja gerade. Biel- leicht bin ich noch zu jung." Die Mutter schüttellc den Kopf.„Du bist zu vcrnünsiig, mein Junge. Wirst nie einen Narren aus dir machen lassen. und daraus geht es beim Verliebtsein meist hinaus. Du wirft mu offenen Augen heiraten, und deine Frau kann sich glücküch preisen, denn du wirst nicht einmal beiß und einmal kalt sein, und bereuen, was du getan hast. Und dos ist's, was einer Frau das Herz bricht." Sie legte die Zlrbeit zusammen und erhob sich.„Geh nicht zu spät schlafen," riet sie.„Es hat keinen Sinn, die Kerze an beiden Enden zu vorbrennen." Sie beugte sich über ihn, verharrte einen Augenblick, seinen Kops zwischen den Händen haltend.„Weißt du eigentlich, was fiir ein schöner Junge du bist?" Damit küßte sie ihn und ging. „ 8. Sie wanderten über das Moor dahin; es war an einem Mittwoch nachmittag. Betty befand sich auf dem Weg zu einem ihrer zahllosen Schützlinge; einem alte» bettlägrigen Arbeiter, der in!tner einstigen Hegcnhütte am Waldessaum lebte. Er wurde von seiner Enkelin, einem schönen, wilden sechzehnjährigen Mädchen betreut. „Was werden Sie tun, wenn Sie die Schule verlassen?" fragte Betty. Seitdem sie entdeckt Halle, daß sie um zwei Jahre aller fet. nahm sie Anthony gegenüber eine mütterliche Haltung an. die sie nur während des Unterrichts im Rad� fahren abgelegt halte. Anthony frühzeitige Erfahrungen auf dem Gebiet der Mechanik crmög'ichten ihm. allerlei Repara» llircn vorzunehmen. In seiner Eigenschaft als Lehrer forderte er völlige Autorität. Da sie ganz von seiner Geschicklichkeit und Flinkheit abhängig und häufig genötigt war, sich hllfe- suchend an ihn zu klammern, bezeigte sie Gehorsam und ein bescheidenes Benehmen. 211«. die Slunden jedoch ein Ends I nahmen, kehrte sie zu ihrer alten überlegenen Art-urück.„Sie sollten eigentlich schön darüber nachdenken," fügte sie hinzu. „Ich dachte bereits darüber nach," erwiderte Anthony. „Leider habe ich feit Sir William Eoombers Tod niemanden. 'der mir einen guten Rat gibt." „Weshalb sprechen Sie nicht mit meinem Vater?" „Daran dachte ich auch." lachte er.„Aber es erscheint mir aufdringlich." „Würden Sie gerne in seinem Bureau arbeiten?" fragte Betty nach einer kurzen Pauic. „Glauben Sie. daß er es eelauben würde?" Anthony» Stimme verriet großen Eifer. „Ich werde es herausfinden." (Fortsetzung folgt.) Religion und frieden. E'.ne Veranslaltune, der„Liga für ZNenschenrechke". Cs war eine glückliche Idee der„Liga für Menschenrechte am Vorabend des kirchlichen Aufcrstehungsfestes, das gleichzeitig auch das erste Frühlingsfest ist, die Vertreter der verschiedenen religiösen Weltanschauungen in kurzen Worten ihr Glauvensbekenntnis für den Frieden an ihre Mitmenschen äustern zu lassen. Am verständlichsten und am nächsten klangen die Worte des Monisten und Freidenkers Prof. Dr. R i e in a n n- L e i p z i g: Ueber Haeckel, der das Gute, Schöne und Wahre als das Ziel des Menschheiteprodlems hinstellte, und über Ostwald, dem das Nütz- liche und Praktische als Höchstes erschien, hat die Entwicklung schlietz- lich mit Müller-Licr dem Freidenker- und Monistenbund einen sozialen Inhalt gegeben. Das Programm der Freidenker, die dreiviertel Millionen Mitglieder zählen, verpflichtet zum Pazifismus.— Neben den cinsachen Worten Prof. Dr. Rie- manns wirkten vielleicht am eindrucksvollsten die schlichten Worte des Vertreters des„Buddhistischen Hauses Frohnau". Der Buddhismus sei bedingungslos friedlich, er lehre, daß nur durch N i ch t- H a ß der Haß zur Ruhe kommen könne. Nie habe der Buddhismus Religionskriege geführt. Einig waren in der VerHerr- lichung des Friedens und der Verurteilung des Krieges die Vertreter des Judentums(Rabbiner Dr. G o t t s ch a l k), des Protestantismus (Pfarrer Dr. Frank c) und des Katholizismus.lDr. Schwellen- b a ch). An zahlreichen Belegen aus dem Alten Testament und aus neuerer Zeit wies Dr. Gottschalk nacki, daß die jüdische Religion die Erlösung des Menschen allein in dem Frieden sehe. Heilig ist kein Krieg, heilig ist nicht der Tod, heilig ist allein dasLeben. — Für den Protestantismus sprach Dr. Franke: Die Grundidee des Neuen Tellamenls sei: es soll dem Menschen geholfen werden. Welterlösung ist identisch mit Weltbeglückung. Die evangelische Kirche ist m>r dort, wo die Wahrheit gepredigt werde. Dr. Schwellenbach legte seinen Worten den Satz zugrunde:„Was ist. wenn er die ganze Welt gewonnen und Schaden nimmt an seiner Seele?" Der größte Hebel des Forschrittes sei den Menschen, Christus fortzuleben. Das Höchste sei aber nicht da? Leben, sondern das Werk, das auch nach dem Tode weiterlebe. So waren alle Redner in der B e r n e i- nung der Menschenvernichtung einig. Und doch kamen alle zu dieser Verneinung auf verschiedenen Wegen. Aoisiben Silber und Slumen. Ein nächtlicher Einbruch. jn der Nacht zum Mittwoch suchten Einbrecher das Silberwaren- gcschäft von Posen Wwe., Unter den Linden ö, heim. Zwischen diesem Laden und dem Eingang des Hotels Bristol liegt das Blumen- gcschäft von Rothe. Es ist nur durch«in einfaches Schloß der Cingangstür gesichert, der Silberladen dagegen durch eine Roll- jalousie, die von innen verschlossen wird. Die Einbrecher wählten doshalb den Eingang durch den Blumen- laden. Hier klopften sie die Wand ab und fanden durch den hohlen Klang die Stelle, an der ein Luftschacht emporsührt. Durch die Wand und diesen Schacht kamen sie nun an die Wand des Silberladens. .Hier fanden sie die Stelle, an der ein Silberschrank eingebaut wor- den ist. An diesem Punkte bohrten sie eine Holzfüllung heraus und schafften so einen Eingang in den Laden. Unter den Warenvorräten dielten sie sorgfältige Auswahl. Manche Stücke, wie Tabletts und dergleichen, prüften sie durch Biegen auf ihre Echtheit. A'lGs, was sie zum Mitnehmen für geeignet hielten, schafften sie zu- nächst durch die Löcher wieder in den Blumenladen hinein, in dem sie schon bei Beginn der Arbeit einen großen Ständer so zurecht- gerückt hatten, daß sie von der Straße her nicht gesehen werden konnten. Für den Ausgang hatten sie aber von dem Rolloorhang im Silberladeti die Schlösser bereits abgebrochen und den Vorhang hochaeschoben. Sie müssen nun irgendwie g e st ö r t worden sein, daß sie die Beute zunächst nach dem Blumenladen hinüberbrachten, vielleicht auch in der Absicht, sie später von hier aus bequemer weg- sckmifen zu können. Dazu aber sind sie nicht mehr gekommen. Gestern früh fand man unter den Blumen zwei Säcke 'ild'lck Silberzeug. Was sie mitgenommen haben, ließ sich bis- � noch nicht genau feststellen. Ter verlorene Sohn. Nach zehn Iahren mußte sich jetzt der Schlächter L. wegen der Teilnahme an einem schweren Einbruchsdiebstahl, der im Jahre l9!Z verübt worden war, verantworten� Die Mitbeteiligte» wurden damals bereits abgeurteilt. L. war es gelungen, nach Däne- mark zu entfliehen. Nuninchr erfaßte ihn aber die Sehn- sucht nach seinen alten Eltern, und er kehrte Anfang dieses Jahres nach zehnjähriger Abwesenheit heim. Bald aber ereilte ihn das Geschick. Er wurde festgenommen, um sein altes Slrafkonto our-ugleichen. Das Schöffengericht Wedding hatte ihn zu Ist- Jahren Gefängnis verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Be- rufung ein und bat, die Strafe zu mildern, da die Sache schon lange zmiickliege. Die Strafkammer des Landgerichts hatte auch Einsehen mit ihm. Es wurde berücksichtigt, daß der Angeklagte sich seit der in früher Jugend verübten schweren Straftal ein- wandfrei geführt hat, und weiterhin wurde auch berücksichtigt, daß seitdem verschiedene Amnestien in Frage gekommen seien. Unter der Vo'auesetz'ing, daß er sich auch weiterhin bewähren werde, wurde die Strafe auf ein Lahr Gefängnis ermäßigt. Er will hingerichtet toerven. Gewöhnlich klammert sich jeder Mensch an das Leben, und cher zum Tvde Verurteilte fühlt sich meist glücklich, wenn er zu lebens- länglichem Zuchthaus begnadigt wird. Anders denkt der Kaufmann Otto Leest. Wie erinnerlich, wurde er in der vorigen Woche vom Schwurgericht dvs Landgerichts l wegen Ermordung des Brief- markenhändlers Benno Hamburger aus der Elsasser Straße zuin Tode verurteilt. Ueberrascheiidcrwelse hat Leest nach der . Urteilsverkündung sofort erklärt, daß er auf jedes Rechtsmittel ver- zichle und die Todesstrafe annehme, obwohl feine Verteidiger ihm heftig zurederen, sich an das Reichsgericht zu wenden und das Urteil ein�r Revision mitei ziehen zu lassen. Damit hätte Leest aus alle Fälle eine Gnadenfrist erhalten. Der Absicht der Verteidiger, für Leest ei» Gnadengesuch einzureichen, um die Umwandlung der Todes- strafe in lebenslängliches Zuchthaus zu bewirken, hat Leest entschieden Widerspruch entgegengesetzt. Er hat nicht nur die Einreichung eines Gnadengesuches untersagt, sondern nunmehr auch an das Gericht cin Gesuch gerichtet, die Todesstrafe schleunig st voll- st r e ck e n zu lassen._ Mit bciu Sluto gegen die KirchhofKinauer. Gestern vormittag erfolgte Ecke Linien- und Gormann- st r a ß e ein Zusammenstoß zwischen einer Kraftdroschke und einem Motorradfahrer namens Willi Menke aus der Choriner Straße 32. Der Kraftdrofchkensührer wollte den Zusammenstoß ver- meiden und bog deshalb den Wagen scharf nach rechts, rannte dabei aber gegen eine Kirch Hofsmauer. Jet diesem Zusammen- stoß erlitt ein Fahrgast Walter L o d w i g s aus der Friedrich. strvße 13 l erhebliche Schnittwunden im Gesicht und mußte nach der Eharitö gebracht werden. Der Motorradfahrer erlitt eine Deistaulbung des rechten Beines, konnte aber seinen Wen alleick fortsetzen, während das Motorrad zertrümmert wurde. Das Auto und die Kirchhossmauer wurden stark beschädigt. Bnckverbot am Karfreitag. Die Vertreter der Konditoreninnung Groh-Berlins, sowie die Vertreter der Arbeitnehmer hatten im Polizeipräsidium eine Be- spiechung, die das Ergebnis zeitigte, daß in Konditoreien am Kar- freitag von früh 6 bis mittags 1 Uhr gearbeitet werden darf. Als Entschädigung erhalten die Beschäftigten 1 M. pro Stunde auf den bestehenden Lohn. Die Brotfabrikanten haben e r g e n m ä ch- t i g ohne Zustimmung der Bäckerinnung sowie der Vertreter des Deutschen Nahrungs- und Genußmitte.arbeiterverbandcs im Polizei- Präsidium die Erlmibnis erwirkt, vom Freitag zum Sonnabend und vom Montag zum Dienstag nachts 12 Uhr mit der Arbeit beginnen zu dllrsen. Diese Abmachungen sind ungesetzlich und nach§ 7 der Verordnung vom 23. Dezember 1918 nur dann zu- lässig, wenn die Betriebsvertretung dazu die Zu- st i m m u n g gibt. Der Deutsche lliahrungs- und Ge- nußmittelarbeiterverband hat beim Handels- bzw. Arbeitswinisterium Einspruch erhoben. Ueber den Ersolg ist Iis zur Stunde nichts bekannt._ Das Ueberfallkommando. Unnötige Alarmierung wird bestraft. In allen Fällen, in denen cs sich um belanglose An- g el e g e n h e i t e n, z. B. Unfälle, hilflose oder betrunkene Per- sonen, Ruhestörung, Streitigkeiten, Zechprellereien usw.. handelt, ist stets die Hilfe des zustündigen Polizeireviers in Anspruch zu nehmen. Zu diesem Zwecke muß sich jeder Fernjprechteilnehmer die Nummer seines zuständigen Polizeireviers erfragen und diese unmittelbar am Fernsprechopparat notieren. Liegt eine unmittelbare Bedrohung von Leben und Eigentum vor, so ist das U e b e r f a l l k o m m a n d o zu alarmieren. Dieses geschieht, indem man nach Meldung des Amtes das Ueberfallkommando verlangt, woraus die Fern- sprechbeamtin ohne Nummernennung mit diesem veibindet Sobald das Ueberfallkommando sich meldet, sagt man diesem Namen, Straße, Hausnummer, Vorder- oder Hinterhaus und Etage, worauf das Ueberfallkommando in kürzester Zeit erscheint. Im Bezirk des Fernsprechamtes Zehlcndorf, das seit einiger Zeit als Selbst- anschlußamt eingerichtet ist, wird das Ueberfallkommando mit der Nummer„6" angerufen. Bei fortschreitender Antoinatisiernng der anderen Aemter wird auch für diese die Alarmierung des Ueberfallkommandos durch die Nummer„6" bewirkt. Im„Amt- lichen Fernsprechverzeichnis für Berlin und Umgegend" auf Seite 3 ist genau beschrieben, wie die Alarmiernng des Ueberfallkommandos zu erfolgen hat. Es empfiehlt sich, diesen Abschnitt auszuschneiden und neben dem Telephon zu befestigen. Es liegt im eigenen Jn- teresie, daß die Ueberfallkommandos nur in den dringendsten Fällen alarmiert werden, da sie sonst ihrem eigentlichen Zweck zu oft ent- zogen werden. Aus diesem Grunds wird eine anderweite Alarmierung als grober Unsug polizeilich be- st r a f t, und der Alarmlerende hat außerdem die durch die Ent, sendung des Kraftwagens entstandenen Kosten zu tragen. Strafporto für Osterprüste vermeiden? Es erscheint angebracht, darauf hinzuweisen, daß gedruckte Osterkarten— sowobl unter Umschlag als auch als offene Karte— wenn sie für die Gebühr von 3 Pf. befördert werden sollen. außer den sogenannten Absenderanaaben(Absend, inastag, Name, Firma, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders, seine Fernsprcchnummer, die Tclegrammanschrift und den Telegrainm- schlüsiel sowie sein Postscheck- und Bankkonto und sonstige geschäft- liche Merk- und Kennworte) keine weiteren handschrifj- lichen Aenderungen und Zusätze enthalten dürfen,«o würden z. B. Glückwunschkarten, die den Bordruck„Herzlichen Glück- wünsch" tragen und außer den Absenderangaben noch weitere Zu- sätze bis zu fünf warten enthalten, wie:„sendet" oder„zum Oster- feste sendet mit Grüßen" und dergleichen bei Versendung im Bttes- Umschlag sowohl im Orts- als auch im Fernverkehr S Pf.— Teil- diricksachc— kosten. Werden sie dagegen als offene Karten verschickt, so sind sie im Ortsbereich mit 3 Vf., im Fernverkehr mit S Pf. frei- zumachen. Bei unzureichender Frankierung wird Nachgebühr er- hoben._ Ordner der Proletarischen Feierstunden! Freitag, den 10 April, 9 Uhr, im Großen Schauspielhaus zum Ordnerdienst bei der L a s s a l l e- F e i e r. Erscheinen aller dringend notwendig. Zur Feier des 100. Geburlstages Laffalles hat die Buchhandlung I. H. W. D i e tz N o ch f.(Lindenstraße 2) eine Ausstellung der Werke Lassalles und der dem genialen Vorkämpfer der Arbeiter- bewegung gewidmeten Schriften veranstaltet. Aus dem Schaufenster der Buchhandlung grüßt eine Büste Lassalles, die umrahmt ist von älteren und neueren Ausgaben seiner Schriften. Der Gesamtcindruck ist ebenso würdig wie geschmackvoll. Jedem unserer Leser sei der Besuch der Ausstellung empfohlen. Der Berliner volks-Ehor, Berlins größter gemischter Arbeiter- chor(Dirigent Dr. E r n st Zander), nininit jetzt wieder Männer und Frauen der Arbeiterklasse als singende oder zuhörende Mitglieder auf: zur Aufnahme als singendes Miiglied sind Notenkenntnisse nicht erforderlich, doch müssen die Elementarkurse der Notenlehre, und Stimmbildung besucht werden. Die Aufnahme erfolgt in den Ehor- proben ledcn Freilag von L-8— 10 Uhr in der Aula Koppenstr. 76 beim Schlesischen Bahnhos. Zur Einübiing gelangen außer Bolls- und Freihcitsliedcrn von größere» Chorwerken das Verdische Requiem.und Tie Jahreszeiten von Haydn. Die allgemeine wasiersporlausstellung, die in der Zeit vom 16. Mai bis 2. Juni in Potsdam stattfindet, erfreut sich bereits großen Interesies in den Kreisen der sportlichen Aus- st e l l e r. Anmeldungen sofort bei der Geschäftsstelle In Potsdam, Stadtschloß C, 2 Treppen, Zimmer 280,'81.(Fernsprecher Pols- dam 4201.) Die Chirurgisch» UnlverfllSti-pnl'kOnIk in der osierwsche gelckloffen. DeS EhlrurgenkongretlcS wecien bleibt die Cbicnrgisibe Nnipelsittit-Z Poliklinik. Berlin dl. 24, Ziegelstr. 10/11, in der Osterwoche(12. bis einschl. IS. April) geschlossen. Die Arbettsgcmcwschasl für Fo-sttchnh und Naturtunde( e i e r". Beide Vorträge finden in de-- Trinitatis- lirche, C arloltenburg. statt.— Genosse Dleier lprichl Sonnlaa. o.u IS.Aprii, morgens 9 Uhr, durch den Berliner Rundjunkjenber übe: bas Thema „Auferstehung". vezlrksbildungsautschnß: Staatliches Schillerlheater. Cbarlotten bürg BiSmardstrahe. Sonntag, den 19. April,„Von morgens bis milter- nacht«" von Kaiser. Sonntag, den 17. Mai. ,N a v o 1 e o n" von Christ. irriedr. Krabbe. Preis pro Lkaite einichlrehlich Tbeater, eitel und Kebübr für Kleiderablage 1 M. Deulsches Opernhaus, Charlotlenbmg, Bismarck- strane, am Sonntag, den 3. Mai,„Zar und Zimmermann", komische Oper von ilortzing. Preis pro Karte 1,30 M., Kleiderabtog« srei. Die Vorstellungen beginnen p intllich 2'/t Uhr riachini'tags. Freitag, den 10. April(Karsi eitagl, norm. 11 Uhr. Laffalle-Feier im Großen Schauipiel- bauS. Karlstiagc PiciS pro Karte t M. Kalten sür sämtliche Veranila!- tungen sind zu haben im Bureau des BezirksbitdungsausschusseS. Linbenftr. 3, 2. Hos, 2 Treppen..Himmcr 8, Buchhandlung Vorwärts, in sämtlichei: „Vorwärts"- Speditionen, be! den M.tglirdern der BNdungSausschüsse und den Abtcilungsiührern. ßau mantd'che und hovswlr schastgche Abendkurse Neukölln Donousir. 170. Am i ounerstag, lk April, beginnen die neuen Abcndtu sc in Handels- tunde mit Schristoerlehr. K ulmännilchem Rechnen. Buchsü.aung, Kurzichrijt (Cinhe tsilenogravbie und Stoizc-schreh), Ma>chinc»Ichrelben, Schön- schreiben, Kuntlichriit, Teulsch. Englilch, Spanisch, serner in Waichincnäoen. Schneidern lind Kochen. Neben Kursen sü. Anfänger bestehen solche für Vorgelchnttene, so z. B. in Engülch vier aussteigende Kurse, in Kuizschiijt drei aussteigende Kurse(in der Oberstufe Deb.iticnschrist). An dielen Kurien tönncn Damen und Herren jeden Al'terS tcilncdmcn. Sic finden am Montag, TienStag, Donnerstag und sireilag von 6—8 Uhr bzw. von S—>0 Ubr statt. Das Schulgeld belrägt sür zweistündige Kurl« 2,40 M., sür vierstündige Kurse 4.80 M.; für Maswinelchreibcn. Mnichincnnäb-n, Schneidern und Kochen werden Zuschläge von 50 bzw. 100 M. erhoben. Ireisprnch im Herner Cifenbahnprozeß. Essen, 8. April.(TU.) Der dritte Sitzungstag beginnt mit der Vereioigung des Reseroetokomotioführers Heidbredcr und des Stell- werkspeisonols. Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt betont in seinem Plädoyer, daß weder ein Bersagen des Stellwerks noch eine Vergeßlichkeit des Stellwerkepersonals wie auch des Fahrdienstleiters vorliege. Somit liege die Schuld auf feiten des Angeklagten. Cr halte die Angaben des Angeklagten für nicht glaubwürdig und vermute, daß er die Orientierung auf der Strecke verloren habe. Mit Rücksicht aus die langjährige gute Dienst- führung beantrage er neun Monate Gefängnis, ohne ihm die Be- fähigung zum Lokomotivführer abzusprechen. Rechtsanwalt Dr. Frank trat, darauf für die Rehabilitierung des Angeklagten ein. Cin Verlieren der Orientierung sei bei der Kürze und den auffälligen Merkmalen der Strecke undenkbar. Die Aussagen des Stellwerks- Personals ständen auffällig im Widerspruch zu den anderen Zeugen- aussagen. Eine Beweisführung sei nicht mehr möglich. Da die Schuld des Augeklagten nicht erwiesen sei, müsse der Gerichtshof zur Freisprechung kommen nach dem alten Rechtssatz:„in dubio pro ree". Der 21 n g e k l a g t e fügte noch zu den Ausführungen des Berteidigers hinzu, daß er sich keiner Schuld bewußt sei und um eine einwandfreie Freisprechung bäte. Darauf tritt die Mittagspause ein. Jn der Nachmittagssitzung verkündete der Vorsitzende das Urteil. Es märe einwandfrei festgestellt, daß die Signale nach dem Unglück auf Halt gestanden und die Einrichtung vorschriftsmäßig in Ordnung gewesen sei. Die Stellwerksbeamten hätten unter Eid versichert, daß sie keine Manipulationen vorgenommen hätten. An- dererseits seiderAngeklagteeineinwandfreierMann, dem seine Vorgesetzten dos beste Zeugnis ausstellen. Die Strecke sei so alltäglich, daß ein Mann, wie der Angeklagte, der sie durch Jahrzehnte befahren habe, die Orientierung nicht hätte verlieren können. Die eidlichen Angaben des Heizers gäben dem 'Angeklagten Recht. Wegen dieses unlösbaren Widerspruchs sei der Gerichtshof nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen, zumal auf dem Herner Bahnhof im Signaldienst Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien. Da durch die unrichtige Meldung über die Ab- fahrt des Personenzuges 230 noch die Vermutung bcstärkt würde, daß vielleicht doch unlautere Manipulationen nach dem Unglück von dem Stellwerksperfonal vorgenommen feien, könnte trotz des dringenden Verdachts eine Verurteilung nicht erfolgen. Der Angeklagte wird daher kostenfrei freigesprochen. Krieg im Irleüen. Vom. 8. April.(Eigener Drahtbericht.) Aus Spezia komnrt die Meldung, daß am Mittwoch nachmittag an Bord des italienischen Kriegsschiffes„D u i l i o" ein 30,5-Zentimeter-Geschütz explodierte, wobei fünf Man»» getötet und 30 verwundet wurden. Das Kriegsschiff„Duilio" hielt außerhalb der Reede von Spezia Scharfschießübungen ab. Dabei soll nach der Darstellung der„Tribuna" ein Geschützverschluß undicht gewesen sein, so daß eine Stichflamme in den Geschützturm zurückschlug und die Kar- tuschen entzündete._ Untergang eines italienischen Dampfer». Jn den letzten Sturm- tagen ist im Schwarzen Meer der italieniische Passagierdompfer „Zlurora" gesunken. Passagiere und Ladung konnten nicht gerettet werden. parteinachrlchten für Hroß-Scrlin Elnleaduairen lvr dies««ubrlt sind «erll» e«. 68. Lindeastratz« 3. fltt*«n Do*«ezlrtdetTCtartat. 2. Hat. 2 Tee», recht».»■ richte» 2. Krel« TierqortrnI ffrtifafl, d«n 10. April, vorm. 10 Ittir, M»rüger, Putlitzilr. 10, Sitzung des Bildungsausschusses und des Maifestkomllec«. 7.»«eis abarlottenbueg. K-us«, Donnerstag, de» 9. April. 7H Ubr, Sitzung des Malfesrausschusses im Wllhelmshos, EpreesNotze. Jede Abteilung mutz vertreten sein. »»reis Wilmersdorf. Der Vorstand der Arbeitenooblkabrt slfft sich Itzrei- tag, den 10. April, vorm. 11 Ubr, bei Kroitz, Holsteinisch« Str. 00, ,u einer Besprechung. Arbeitsgemein schast der»indrrfrenad« Brenzlauer Srnr. Heut«, Donnerstag, 71!, Uhr. Helfersttzung mit den Vertretern der Porlei und de« Bildung*- misschuffe» und der Jugend tm Heim, Danziger Str. 62. heute, Donnerstag, den S. April: 33. Abt. Llctterselde. Los-Verkauf der Arbelterwohifabrislottrrie für den Osten: bei»erner. Lankwitzer Sir. 2/3; für den Westen: bei OuanM, Mollkestr. 31. Lose für die Vezirksfübrer: bei Dalier, Lorenzstr. 67. 106. Abt. Zobannlstbal. Die isahnen sind eingetroffen und stnd beim®«. nosten Lebner abzuholen. Znagsozialiften, Kruppe Sck«neberg. slür die Teilnehmer an dar Ostersahrt nach Schwedt o. d. Oder Treffpunkt Heu!« abend pünktlich 417 Ubr am Siettiner tzernbahnhof, Normaluhr. Für Nachzügler Sonnabend 7 Uhr an derselben Steile.__ ?uaenüveranstaltunaen. Teilnehmer am Osterkursns! Heute, Donnerstag, abends 6% Ahr, Treffpunkt auf der ssreitrevve des Potsdamer Bahnhofs.(Vorzug.) Das ZtißeudsekretariaL bleibt Osterfonnabend geschlossen* heute. Donnerstag, den 9. April, abends 7X Uhr: Gesundbrunnen. Schule itzotenhirrger Sir. Z, Aussprach«:„Unsere Jugend- taste."-v BaUcnplatz und Aarschau."r Mertel. ssahrt nach Lindow. Trosfpuntt 7 Nor Sietiiner Bahnhof.— Echövhauser Borstadt. Schu!« tzbienstr. 17. Vor- Irag:„Wer war Lrinnes?"— Seneselder.Bieotrl: Badvoustai: Oderderger Sir. 7. Vortrag:„August Bebel."— Südwesten. Jugendheim Linden skr/ 3. Vortrag:.,»las, iiche Sichtung."— Tempelhof. Ostcrfohrk: üdersiwide— Jreieu. nMiiMs-otrausbee«. Treffpunkt für Dvnnerstagsfahrer fi'i, Uhr Bahn. Hof Tempelhor.— tzchlend»:«. Eübschule, Wilheimstrotze. Sinsührunqoadrnd für Echuleniiassene.— ReukLlln ll. Oücrwandenina: Se.-Eis Sneberq— Wer- bestinsee— Chorrn— Ziaturschutzgebiet— Sberswalde. Treffpunkt 7 Uhr Hermann- platz. Gestdästlicke NIlveilunaen. Wir machen heute«an, besonders auf da» Inserat der llirina Bekleidung«. »rediihaa» Waiamann u.«s.. Berlin C., Neue Browen-'- 3 fnv H-ckekchei» Markt), das in der heurigen Nummer unseres Blattes enthalten ist, oufmerk» sam, weiche 3>rina zu staunend billigen Preisen Ware anbietet, und ausserdem auf beguemste Teilzahlung, sa dass jeder Arbeiter letzt in der Lag« ist, sich mit einer geringen Anzahlung«inen Anzug anzuschassen. Arbeitersport. Der Artist co-Berei»..kiniftkcit� Rentöllu, qegriind«! 1888 fM. d. LAB.) veroiist>>t.ct läht am 2. Ofterfeiertag im Moabiter Gefell- sli.oftehgus, Wielcfstr.24, abends K Uhr, bei feinem Sportfest u. o. einen erst- klasfiq befehlen Borlampf mit dem SS. Rathenow 08 vom Stapel. Es finden 7 Kämpfe statt, wobei vom Veranstalter allein 3 Krcismeister in de» Ring steigen. Es starten: Don Rathenow 08: Fliegengewicht Iackzentis, Bantam- gewicht Vicht, Federgewicht Rohrlark, Leichlgeastch, Schäplist, Weltergewicht Müller und Kahl, Riittrlgewicht Otto, gegen Eiegsried 09: Qualist, vchepp, Krc smeister 24. Kaddast, Kressmeister 23/24, Winklcr, Luckstadt, Adam Kicnirz, Kreismeister 2324, M, Kulrzack. Dei dieser Besestung ist nur mit besten, Sport zu rechnen. Auherdem tritt die Hebcrmannschaii und das Kraft-Trio des ST. S.eafricd auf, sowie die immer gern geseben« Mormorplastik. A> beitcr-Nadfahrer-Vand„Solidarität". Ociegrnppe Berlin. Touren für K» s e-ti-g, den 10. April, und Ostern, den ll., 12. und 13. April. Achtung, Not» sabrer! Arbeiter, Varleigenossen, b!e im Bcsist eines Motorrades sind, möten solgenbe Ausfahrten der Motorfahrer-Abteltung drvchlen. Auf den Fahrten stehen die Genüssen mit Rat und Silfc bei, 12. Abt., Motorfahrerl 12. April Fweitogestour über Belziq, Wiesenburo, Eisenbart, Toswig, Wit en- derg, Start 7 Uhr Potsdamer Brücke. 1. Abt. 12. April, 1 Uhr, Müggelheim, 13. April, frllh 8 Uhr, Oranienburg, 12 Uhr Virkenwerder, Popan. Starts Btilowstr. 33. 2. Abt. Vicrtogetour nach Kamburg. Start Donnerstag, den 9. April, abends 3Vi Uhr, Lehrter Bahnhof. 10. Avril Viertagestour durch da, Stcrnberger Land. Start früh 3 Uhr. 12. April Zweitagestour nach Luckenwalde. Start früh 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Andere S orts: Dieffen- bachftrahe 30. Freitag, abends 0 Uhr, Begrüsiung der Dresdener Genossen im Gewerlfchaftshaus. Sonntag, den 12. April, früh 8 Uhr, nach Potsdam. Start Dieffcnbachftr. 30. 3. Abt. 10. April Streifzüae über Dosen. Endziel Ablers- Hof(stieget. Start früh 8 Uhr. 12. April stweiiagestour durch die Dubrvw ins Storkower Land. Start früh 7 Uhr Laustger Plast. 4. Abt. Ahrensfelde (Schneider). Start 12 Uhr. 18. April Körbiskrug. Start 0 Uhr Wcderwiese. 5. Abt. 10. April, 7 Uhr, Serrentour Brenden. 12. April, 6 Uhr, Beelist. 13. April, 1 Uhr, Johannisthal(Vota). Start: Landsberger Plast. 0. Abt. 10. April Kerrcntonr. Endziel Ad Irrshof(stiege). Start 10 Uhr. 1 Uhr Domcntour(stiege). 12. April Boigsdorf. Start 9 und 12 Uhr. 1 Uhr Röntgental, Marx. Start Kopenhagener Str. 20. 7. Abt. 10. April Vier- tagestonr nach Sprembcrg. Start 3(8 Uhr früh. Rochm. 1 Uhr am Start Koloniesir. 146. 8. Abt. 10. April Biertageotour nach Planen bei Bvanben- bürg. Start früh 0 Uhr. 11. April, nachmittags 3 Uhr, Planen. 12. April, 6 Uhr früh. 10. Abt. 10. April Hirschgorlen(Keller). Start 1 Uhr. 12. April Sltenickc a. b. 91. Starr 1 Uhr. 13. Avril Adlersbof(stiege). I Uhr Com- m-nii'Splast. It. Abt. 11. bis 13. April Fllrstenwalde-Mllllrofe-Berlin. Start 11. April, 1 und 4 Uhr. Kochstr. 13. Ortsgruppe Rcnkölln. 10. April Ein- holung der Dresdener Genossen und Ausfahren des lOO-Meter-Langfamfahren». Start für beide Abteilungen 12 Uh: Scrstbcrgpfast. 12. April Nauen. Funk- siation, 9 Uhr früh. Naännitlags 1 Uhr Pichelswerdar(Freund). Beide Ab- m».»er-»» Vertretung und Lager: KarS H. Bitzenhofer, Berlin W 50 Fürlhar Straße Z. Fernsprecher: Unland 524 Glienicke a. b. 31., 12 Uhr. Sruppeniokal. Ortsgruppe Reinickendorf. 10. April, 8 Uhr Scrrentour. 10 Uhr Domcntour. 12. April, 12 Uhr, 13. Avril. 8 Uhr, Frühlingsanfahrt. Start Ncsidenzftrasii 109. Ortsgruppe Vaumschnleuweg. 19. April. 1 Uhr, am Slart Bahnhof. Ortsgruppe Lichtenberg. 1». April Serrcn frllh 7 Uhr, Tomen vorm. 11 Uhr. 12. April Lanks 7 Uhr. 18. April Kalkberge. 12 Uhr mittags Traveplast. Ortsgruppe SchZncberg. 10. April, früh 8 Uhr, durch de» Grunewald. 12. April Anfchlust an Zleulölln. 13. April stchlendorf. Karlftr. 12. Start 1(4 Uhr. Ortsgruppe Eharlottrnburg. 10. April Pornsien, 12 Uhr. 12. April Teacl-Kennigsdorf-Spandau, 12 Uhr. 13. April stehlendorf, Karlftr. 12. Start 12 Uhr, Galvaniftr. 13. Ortsgruppe Tegel. 10. April Serrcntour nach �snkeiikrua. Start 12 Uhr. 13. Avrtl, 1 Uhr, am Start Schlieperstr. 6!. Ortsgruppe Pankow. 10. April Streifzüae durch den Grunewald, frllh 9 Uhr. 12. April bei Snmt, Birkenwerder, 9 Uhr. 13. April bei Lanka, Prcnbcn, flüh 8 Uhr. Start MUHIenstr. 12. Ortsgruppe Ober- schäncweibe. 10. Lwril, 1 Uhr, Rahnsdorf. 12. April Eiertour nach Kauls- dorf-Süd, Spielwiese, ssustgönoer 718 Uhr Kafen, 7 Uhr Rodfahrer. 8 Uhr abends gemütliches Vcisammenscin Sicmensflr. 0. 13. April, 12 Uhr, Rüder»- dorf. Star! SicmcnsNr. 6. Spo'.tl. Bereinigung Norden 1893. Städtekompf im Ringen S t e t t i n— B c r l i n. Am 2. Osterfcrcrtag 1924 weilt die A-Mannschaft der Svortl. Vereinigung Norden 03 in Stcliin bei dem Kraftsportverein Selcsia 1887. Endlich Ist es der S?s»n'cheii Bee-N guna ve önii».'"!<' einen Erwiderungsiamvf im Ringen am 1. Osteefeiertag in den Germania- Sälen, Berlin 31. 4, Chaussceftr. 110, austragen zu können. Da die Stetlinsr Mannschaft eine der besten innerhalb ihres Kreises ist, so darf man folglich auf einen spannenden Kmvf rechen. Diu Norden-Mannschaft fenn'c se'-—-»it mit 318: 2!8 Punkte für sich buchen, und wird sie auch diesmal alles hergeben, um dielen Kampf zn gewinnen. Le iihtathletil-Vere! nigi-ng be, 1. Kreise»! Am Karfrcitaa. 10. April, an- schliesiend an den Frühsohrswal-lauf. Sistiing des erweiterten Eportaurschiisses auf dem Eiche-Sportplast in Köpenick. Alle Vereine und Bblelungcn müssen ihren Sportwart und Vorsistcnden dazu delegieren. Aiisiprack,e Uder die Olympia in Frankfurt. Organlsationsfrogen. Vom Bundesvorstand ist der Genosse Bühren, Vundcssportwart, anwesend. Die Klubmeisterichaflen de, Freien Keglerbnpdc». Zm Bezirk Süden kamen am Sonntag die K l u b m e i st c r s ch a f t e n zum Anstrog. Den Meiftcrtilel errang wiederum„Seselligleitr-Mariendork mit 3487 Solz gegen ,R-ri-»do-f 1919"(3400 Solz) und.Schieb leise.<8430 Solz). Die besten Einzelleistungen erzielten Bchrends(Mariendorf 1919) mit 717 Solz, Bczielslciler Blank mit 707 und B a l l e n i i n(Solide 1922) mit 703 Solz.— Der öOst-Kugel-Kampf im Osten sah Frist Wothge mit 363 Solz über Sieben an der Spistc. Am Karfreiwa kämpft die Bundesriege gegen Eberswalde, da, feine besten Kegler an den Start schickt. Freie Turners chast Groh-Berlin. Osten: Wegen JnNvndsestun« der Turn- balle Strasimannstraste 6 turn! dir Knabenabteilung vorläufig Dienstag und Freitag von 6—8 Uhr in der Turnhalle Vctersbnrgcr Str. 4. Der Arbefter-Turn- und«port-Veeetn lä'e-ihcniec veranstaltet am Karfreiiaq, den 10. April, von 6 vi» 9 Uhr in der Gemeindeturnholle, Pistoriusstr. 23.«in grosse» Werbefchauturnen. Die Arbeiierlchaft von Wcissense« ist hierzu herz- lichst eingeladen. Eintritt frei. « Vorträge. Vereine unö verfbmnthrnaen. Reichsbanner. S chwar, Rot-Gold". DefchSftsüelie. Berlin S 14. Sebastianstr. 37« M i tr. Kameradschost«renzberg, Abt. Südost. Für d!« Rst, e i n« d er g. f a h r e r werden noch Anmeldungen di» Freitag abend vom Kameraden Ncubeckcr, köpcnicker Str. IM, vorn 2 Tr., angenommen. Kosten- beitraa von 4 M. ist bis spätesten» Freitag abend zu zahlen. Kameradschaft Renkölln-Brist. Kameraden, die sich an der Fahrt nach Rh-insberg beteiligen, melden sich umge/ cnd bei Kamerad Ellert, Nansenstr. 31. Fahrtosten 4 M. Der Turnabend für die Iungmannschast am Freitag, den 10. April, fällt au». Kameradschaft Wedding. Teilnehmer zur Fahrt noch Luchen treffen sich Donnerstag, den 9. April, abends 7 Uhr, bot Müller, Uferstr. 12. Kamerad- fchast Tiergarten. Sonnabend, den II. April, abends SH Uhr, kurze Zu» fammenkunft in der Turnholle AIi-Moabii. Kameraden, die am Sonnabend nach 3theinsb«rs fahren wollen, reifefertigl Anwesenheit sämtlicher Kameraden «rforderi ch. Kamcradschatt Weissensce. Donnerstag, den 9. Avril, abend» 8 Uhr, Mitglieder-Vollverfammlung im Grünen Baum. Sömtliche stug- und Unterführer haben zu erscheinen, ebenso passive Mitglieder. Nametadschaft Pankow mit sämtlichen Untergruppen. Sonntag, den 12. April,'früh 7 Uhr. Treffen Aieianderplost zur Fahrt nach 31heinsberg. ssahrkosten 4 311. Kamerad- schaft Nicderschöncweide. Ortsgruppe Adle-shof. Freitag, den 10. April, vo» Mittag, 918 Uhr, findet im Ratskeller Adlershof, Bismarckstrasse, eine Mit- gliedetpersammlung statt. Alle Mitglieder, auch die passiven, müssen«v- scheinen. Wichtiae Taaesordnung! Betband sozialistischer Unternehmer. Scute, Donnerstag, abends 2 Uhr, lm Roieutbaler Hof, Rofenlbaler Strosse. Berfammliing. Tagesordnung: l. Stellungnahme zur Reichsvrässdentenwahl. Referent: Gen. Plottke. Leipzig. 2. Sieuerfrage». Referent: Gen. T h i i l'e. 8. Verschiedenes, stahl- reichen Besuch erwartet der Borsiand. Verband der Lungen- und Taberkulafe-Erkrankten Devtschland», vrtsgenppe Berlin.(Gefchäflsstelle: N. 29, Schiinfledtstr. 1, p. l, Zimmer 121). Freitag, den 10. April, vorm. 918 Uhr, In den Sophienfälen(Sophienstr. 17/18), Fort- sestung der Eeneralversaminlung. Wer länger al» 3 Mviiate mit seinen Bei- trägen im siillstsiande ist, ohne doss ihm dieselben geswndet sind, hat keinen Zutritt. Mitgliedskarte gilt al» Ausweis. Bereinigung ehemaliger«riegsgesangener Grass. Berit». Stiftungsfest und Gründungsfeier am 13. April(Ostermontag) im Restauranr Ostbahnhof am Küstriner Plast 11, nachmittags 3 Uhr. Verein der Freidenker für Fencrbessatrnna, Bezirk Lichtenberg,»«ranstaltet cm?. e>s,rrfc!ertag, 14. April, in Tempel» Festsiilen, Friedrichsfelde, Prinzen- allee. einen Unterhaltungsabend mit Gesang, Reziiation und Musik. Beginn 7 Uhr, Eiulass 6 Uhr. Nach dem ersten Teil gemlllliche» Beisammensein und Tanz. Eintritt 1 M. inkl. Steuer. Karten sind dei allen Funktionären und stahlstellen zu haben. Reger Besuch wird erwartet. Arbeiter- Nadio-Klub, Bezirk Krenzberg, Gruppe Ksttbnsee Ta«. Jede» Donnerstag bei Wollsthläger. Adalbertstr. 21, 3 Uhr, Treffpunkt der Radio- F'-fiint*. Werkzeug und Material zum Basteln ist mitzubringen.— Bezirk Schöneberg. Donnerstag, ben 9. April» 718 Uhr, Zusammenkunft aster werk- tätigen Radicfreunde und Mitglieder bei 3iosenlhal, Schöneber«, Edersstr. 60. Baste labend. Gäste willkommen. Deutsche Land-maunschast de« Pr»«in, Pose», Grass-verll». Verein». sistiing am Dtenstag, den 14. April— nicht 9. April—, abends 8 Uhr. in der »indlbrauerei. 3!e»lölln, S-rmannstr. 214/219.„Entschädigung für Liquidotion». und Gewaltschäden und LIguidation von Besist in Posen." Volk,»«« Südosten. Ob er.Nieder-Sckövcwride- Johannisthal.(Mitglied de, Deuisck�n Arbeiter-Sänger-Bunde».) Gemütliches Beisammensein am 1. Oiter- feirrtag im Restaurant Strandschloss in Oberschöneweide. Ab 4 Uht Kasfee- konzcrt. Tanz, Gesan«, Beriosun».— Der Berei» übt jeden Donnerstag in der Schulaul- in Niederfchöneweide. Berliner Str. 31. Männerchor 7>8 Uhr und gkinifchter Ehor 9 Uhr. Sttmmbegabte Damen und Serren werden in den Uebunqsstunden ausficnommen. Besonders erwünscht sind Tenöre. Pfingst- Sängersahrt nach Biest an der Ostbahn. Der Berein zählt zurzeit 120 Mitglieder. Dirigent: Herr Kapellmeister E. Thiel». Berband«alksgesnndheit. Ortsverein Berlin. Donnerstag, den 9. April, 3 Uhr. in der Schule Iislandstr. 9/11(nahe Jannowistbrücke). spricht Genosse vauptmann über„ftulhrcbedeutii», des Vegetarismus." Freie Aussprache. Gäste herzlich willkommen.- Treffpunkt zur Osterwanderung(4 Tage) Frei. tag frllh 618 Uhr am Stettiner Bahnhof. Normaluhr.— Für slachzllgler (2 Tag«) am Sonntag früh 318 Uhr an derselben Stelle. Diese läsen einfach» Fahrkarte bi, Alt-Lüttendorf. Weilerbericht sür Berlin. Trocken und heiter, nur zeitweilig etwa? be« bewöllt, am Tage warm.- 3&t Denilchland Im Südosten ziemlich ttiibo und vereinzelt etwa? Regen, sonst überall heiter und trocken, allenthalben sehr mild. April, nach bem Gewerlicha Ishaus ein» deru'ene Vranchenoersainmlung u»b Uerlronenomannert»»sereuz finbet nicht statt. Die Lohnoerhandlungen stnb noch nicht beendet. Weitere Nachrichten werden an dieser Stell« nach den Feiertagen bekannt- gegeben. VI« Oclaoenoalfiina, »» Hallo!!!-. Brauchen Sie einen Damenmanlcl? 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Trotz alledem lieg sich das Rad der Entwutlung nicht bis zum Jahre 1788 rückwärts drehen. In der reaktionären Kammer verfocht eine kleine, kühn« Opposition die Ueberlieferungen der Bastillenstürmer; in dem Frankreich, das ganz von Weihrauch- schwaden durchzogen war, wurden zwischen 1817 und 1824 weit mehr als anderthalb Millionen Bände des Spötters Voltaire verkauft, und in dem Schwärm literarischer Freischärler, die den vorrevolutionären Gewalten in einem munteren KleiiHüeg hart zusetzten, ragte neben dem Poeten Bäranger der Prosaist Paul» Louis Courier hervor. Am 4. Januar 1772 zu Paris geboren, erbt« er von seinen, Vater den Haß gegen einen hofsörtige» Adel und den Geschmack sür klassische Studien, aber statt iich einer wissenschastlichen Lausdahn zuzuwenden, trat er 1731 in die Artillerieschule zu Chalons ein, um rund zwei Jahrzehnte unter der Trikolore zu dienen. Aber als Offizier stach Courier gründlich von der Masse seiner ehrgeizigen, ruhmberauschten, federbebuschten Kameraden ab. Während sie sich an den Siegesbulletin» der Großen Armee entzündeten, entzückte er sich an Rabelais und La Fontaine. Montaigne und Pascal,� und während der Erdteil von Waffengeklirr und Schlachtenlärm widerhallte, unternahm er es, das Idyll der Idylle, «die naive Liebschaft von Daphnls und Chloe in französischer Prosa wiederzuerzählen"': Goethe rühmte später die glückliche Ver- wendung des Altfranzäsischen bei der Uebertragung und meinte, ..daß man nicht leicht eine vollkommenere Uebersctzung in irgend- einer Sprache von diesem Buche machen wird". Gewann Courier dem Soldotcnleben keinen Geschmack ab, so stellten ihn Schicksal oder Befehl auch nie an die Brennpunkte der Ereignisse. Seit 1804 sah man ihn hier und dort bei der Armee in Italien. Aber,.armer Artillerieoffizier ohne Artillerie", pflückte er auch in dem grausamen Bandenkrieg Calabricns keine Lorbeeren; am schmerzlichsten empfand er, daß ihm bei einem Ueberfall durch Guerilla« sein Homer abhanden kam, gerade al, er daran war, ihn auswendig zu können. In leinen sorgfältig geseilten, nach- male herausgegebenen Briefen schilderte er Szenen aus diesem Kleinkrieg: Strafexpeditionen, Raubzüge, Scharmützel, Erpreffungen, Hurerei und Tod mit einer plastischen Energie, daß sich sein Freund Stendhal ihrer nicht hätte zu schämen brauchen, und init einem verächtlichen Abscheu vor dem Schlachterhandwerk, daß sie rechtens auf» Bücherbrett der pazifistisch m Literatur gehören. 1803 nahm er den Abschied und ward volle rds von seinem Beruf angeelcrt, als er, wieder in Reih und Wied getreten, gerade zu dem furchtvaren Gemetzel aus der Insel Lobau zurecht kam. Genaues Gegenstück eine»«isenfresserischen Grognards der alten Garde, wirkte dieser Major a. D. auch weiterhin wi« ein Antimilitarist, bestritt sogar, die Gaben des Feldherrn sehr gering anschlagend, daß es überhaupt ein« Kriegskunst gebe, und blieb von den Ereignissen der Jahre 181Z, 1814 und 1815 vollkommen unberührt. Auf ein Landgut in der Touroine zurückgezogen, wollte er in den Mußestunde,,. die Acker und Weinberg ihm ließen, nur den geliebten Schriftstellern der Griechen und Römer leäen. Aber al» sich 1816 der weiße Schrecken mich auf das Dorf stürzt«, in dessen Gemarkung er wohme. und Gendarmen nachts eure Anrayl friedlicher Einwohner wegen.schlechter Gesinnung" aus den Betten rissen und fortlctsteppten, erhob er sich, aus der Still« auf den Markt tretend, in seiner.Petition an die beiden Kammern" gegen diese Gewalttat. Da das Geschehnis von Luynes nur einen kleinen Ausschnitt dessen bildete, was tagtäglich in f;anz Frankreich geschah, wurd.n Couriers paar Seiten, die mit ooiel Geist, Witz und Eleganz geschrieben waren, von ganz Frank- reich verschlungen, und bald schwirrten wettere Pfeile von der Sehne: .Briese an den Redakteur des Censeur",.Den Herren vom Präfetturrat von Tours"..Einfache Ansprache an die Gemeinderäte von Bereg", .Pamphlet der Pamphlete" und andere Schriften, deren bescheidener Umfang im umgekehlten Derhältnis zu ihrer Treffsicher- heil stand. Ob ihn fortan die Größen der liberalen Partei, wie L a f a y« t t e und Manuel, als der ihren einen betracbtelcn und ihn dl« bourbonijchen Iustizbüttel zu Bäranger hinter Gitterstäbe steckten, kam der ewige Skeptiker doch nicht ganz aus freien Stücken in dies« Front. Noch 1816 hatte er zu keiner Partei geschworen und gesunden, daß sie in gewissem Sinn- alle reckst hätten: wenn es einmal gelle, sich zu entjchelden, wollte er sich allerdings zur Partei de» Bolkes schlagen,.zur Partei dcr Baiiern, wie ich einer bin". Daß er sich im Leben wie im Schassen stets al» einfachen Bauern au» der Touraine gab. war keine Maske: dieser gelehrte Hellenist, dieser feine Stilist, dieser durchaus ottische Geist war wirk- lich aus zähestem, härtestem Bauernholz geschnitzt, und in seinem politischen Werk fanden die Urtriebe des ParzeUenbauern. wie ihn die große Revolution geschaffen hatte, ihren klassischen Niederschlag. Die soziale Grundtatsacke der Revolution, die gewattige Verschiebung in der Bcsttzverfossung der Landwirtschaft erkannte niemand so scharf wie er..Das Volk ist leit gestern Eigentümer, trunken noch, ein- genommen, besessen von seinem Eigentum: nur das hat es im Auge, träumt von nichts anderem und wirst sich, neu befreit, ganz auf die Arbett und vergißt den Rest und die Religion. Derstlavt voroem, Das pleiteschiff. Diese» Ist dir Doebell-Lark«, Und t-ana erst die LSgevfrachk— Eine ladelios« Marke. Zunge, Zooge, welche prachi l Deutschland» bester Mono an Said Leider nor, verehrt« r.errn. lMeusch, bleibt dlr die Lusl v cht sortkj, Zsl der Typ vichi ganz modern kill- und lviti ger nicht mwder Und erheblich überholt Und poNI jch« w ckellinder: Durch d«a Panzer.Schwarzrotgold'. O. K. hatte es Muße, Gottes Wort besinnlich zu vernehmen und an den Himmel zu denken, der sein Hosten und Trost war. Jetzt denkt es an die Erde, die ihm gehört und es nährt." Dieser Grundstimmung des besitz- und arbeitsfanatischerl Bauern, der, den Pflug durch seine Scholle treibend, sich um die übrige Wett nicht kümmert, entflossen alle Angiiste Couriers aus die bestehenden Mächte. Wenn er in einem bissigen und berühmten Wort sagte, daß her Hof ein lies, sehr tief gelegener Ort, wett unter dem Nioeau der Nation", sei, weshalb auch nack einem physikalischen Gesetz alles Gold des Landes dort zu- sammensträm«, schmatte der Bauer, der mtt seinem sauer Erworbenen keine Schmarotzer mästen will; wenn er den Adel aufs Korn nahm, der durck Prostttuierung seiner Frauen zu Gold und Gunst gelangt sei, wandte er sich gegen den Feudalherrn, dem der Bauer emft ge- zinsi und gefront hatte und der eben wieder nach Rückerstattung dcr Rationalgüter gierte. So enstprerng Couriers ganze Staats- und Gesellfchostsaustassung dem anarchistischen Iiidividualismus des Freibauern: sein enges soziales und politisches Ideal hieß: Wohl- stand des Landmannes und Sparsamkeit mit den östenllichen Geldern. Der die Freiheit.aus Instinkt, von Natur" vergötterte, und Republik und Kaiserreich, Bonaparte und Bourbonneu gleich unwillig ablehnte, war gegen jede Autorität..Wissen Sie," schrieb er,.ein Land, wo es weder Gendarmen noch Zollratten, wcder Bürgermeister noch Staatsanwälte, weder Streberei noch Gehälter, weder Generale noch Kommandanren gibt? Wenn Sie ein solches Land auf der Karte kennen, zeigen Sie es mir und besorgen Sie mir einen Paß!" Etwas von einem O'-rt-pour-I art-Menfchen. der mehr auf da« Wie als das Was, weniger auf den Zweck als die Form cuies Prosa- ftücks sieht, steckte in Courier. Aber da cr politischen Flunschristen eine Leuchtkraft verlieh, die die französische Sprache seit Pascal und La Fontaine eingebüßt hotte, da er die leichte gallische Ironie wieder fand, die dos donnernde Pathos des National. konvents und Napoleons verscheucht hatte, da sein Esprit nach einem Wort Heines wie der junge Wein der Touraine im Keller brauste und sprudelte und manchmal übermütig emporzischte, griff gerade durch die Form die Wirkung seiner Pamphlete wett über den Tag hinaus. Seine Volkstümlichkeit, die auch in dos oormüizliche Deutschland hinüberreichtc und 1330 und 1848 neuen Antrieb erhiett, wurde fast zum Mythos, da sein gewaltsamer Tod von der Menge dahin gedeutet wurde, daß ihn die.cagots", die von ihm am meisten befehdeten Mucker, gemeuchelt hätten. Aber der Besitzer von La Chavonniere, dcr in seiner Ideologie nicht über die Bauernpa'zelle hinauskam, war auch im Leben ein geldgieriger und geiziger, prozeßsüchtiger und hartherziger, mäkelnder und mürrischer Bauer. der seine Frau bis aufs Blut peinigte, sein Gesinde roh behandelt« und die in seinem Wald Streu suchenden Armen brutal verjagt«. Dechaßt in der ganzen Gegend, wurde er am 13. April 1825 von zweien seiner Knecht«, die auch Liebhaber seiner Frau waren, und einem Feldhüter in einem Gehölz wie ein Wild zur Strecke gebracht. Aber mit der hohen Politik hatte das nichts zu tun, sondern war ein Stück schmutziger Kriminolgeschichte., veuksche Tiesdrvck-Kvnst. Im graphischen Gewerbe Deutsch» lands sind in den letzten Jahren insbesondere auf dem Gebiete des Jllustrationswesens durch Anwendung des sogenannten Tiesdruck» außerordeMliche Fortschritte erzielt worden. In erster Linie wurde dieses neuartige Druckverfahren für die Tagespresse nutzbar gemacht, da es wie kein anderes ermöglicht, sehr große Auflagen in der bei Tageszeitungen erforderlichen kurze» Zett auf Rotationsmaschinen und verhättnismiißig billig herzustellen. Diesen Vorzügen ist es zuzuschreiben, daß namentlich seit dem vergangenen Jahr, im Zu- sammenhang mit unserer Wähningsgesundung, eine erstaunlich große Anzahl führender wie auch mittterer und selbst kleinerer Blätter un ganzen Reich den Lesern wöchentlich einmal oder hau- stger aktuelle illustrierte Tiefdruckbeilagen bieten kann. Kleinere Provlnz.zeiwngen pflegen solche Bilderbeilagen ganz oder teilweise durch einen besonderen Eildienst aus Berlin zu bezichen, wo sich eine ganze Reihe von Druckeresinlternehmen diesem Zweige widmen. Gerade in diesem Jahre kann der Tiefdruck, wenn man auf seine Anfänge zurückgeht, eine Art Jubiläum seiern. Es sind 25 Jahre, seitdem der Erfinder Dr. Eduard Merten» in Frei- bürg i. Br. das erste Patent für photochemische Kopierverfahren aus Zylinder erteilt bekam, dos den Ausgangspunkt einer damals nicht geahnten auhcroidentlichen Entwicklung bildete. Wie dem Laien wohl nicht allgemein bekannt, beruht das Tiefdruckoerfahrcn im wesentlichen daraus, daß das zum Druck bestimmte phvto- graphische Bild mit Hilfe emer Gelatineschicht und bestimmter Aetz- flüssigkeiten In Kupferwalzcn(anstatt der Verwendung von Platten wie beim langsameren Flachdruck) tief eingeätzt wird. Aus den Vertiefungen wird die eingepreßte Druckfarbe dann von dem daran vorbeigleitenden Papierstreisen gewissermaßen herausgesoqen. Um das nötige schnelle Trocknen der Farbe zu erreichen, läuft da» Papier über besondere Hdzwalzen. Durch dieses Verfahren wird selbst beim eiligen Tempo der Siotationsmaschin« eine ungemein klare und zugleich«eich und malerisch wirkende Wiedergab« der Photographie erzictt, wie sie bei früheren Druckmethoden bei der- artieer Geschwindigkett und mit so verhältnismäßig einfachen Mit- teln nicht möglich war. Daß sich unter so günstigen Umständen der Tiefdruck ganz besondere in unserer schneUebigcn Zett sür die prompte bildlich« Berichterstattung über Tagesereignisse eignet, liegt auf der Hand. Aber auch zur Jllustrierung kunstgeschichtUcher. geographischer, ethnographischer Vuchwcrke usw. ist der Tiesdruck neuerdings mtt bestem Erfolg zur Anwendung gelangt. Zm Kampfe gegen die Grippe. Das englisch« Gesundhctt»- Ministerium hcu folgendes Merkblatt für die Bekämpfung der Grippe herausgegeben: V Der Krank« soll sofort von den Gesunden getrennt werden. Dies ist bei dem ersten iluftreten der Krankheit In einem Haushalt, einer Fabrik oder einer Werkstatt« besonders wichtig. 2- Personen, die von Influenza befallen sind, sollen sofort da» Bett oufsuäien, sich warm hallen und einen Arzt zuziehen; sie sollen sich besonders darübe? klar sein, daß Rückfälle mit ihren Kompli- lationen besonders gefährlich sind. 3 Ausscheidungen non Nase»nd Mnnd soll man nicht im Taschentuch eintrocknen lassen, auch nicht Im Hause oder in der Werk- siätte ausstreuen. Der Auswurf ist in Papier oder in reinen Lappen auszunehmen und zu verbrennen Ist dies nicht möglich, so sind Papier oder Lappen mit den Ausscheidungen in ein Gesäß mit Wasser zu legen. . 4 Jnsizicrtc Gegenstände und Räume sind zu reinigen und zu desinfiziere». 5. Jnsiuenzakranke sollen während der ersten zelm Tage nach Krankheitsbeginn unter keinen Umständen an einer Versammlung teilnehmen, da sie sonst die Krankheit wahrscheinlich ans andere übertragen werden. In schweren Fällen soll der Kranke drei Wochen von der Arbeit fernbleiben. 6. In Epidcmiezeiten ist der Rcinlichteit und Lüftung in Fabriken und Werkstätten besondere Anfmerksomkett zuzuwenden. Der Arbeiterschaft wird geraten, warme Kleidung zu tragen und unnötig« Erkältungsgefahren zu vermeiden. /tuf öer Schwelle öes Lebens. gs von Eugen Tschlrikou (Autorisiert« Uebersetzung von Adel« Lampert.) (Schluß.) In der Kirch« stand Wania die ganze Zett mtt finsterm, ernsten Gesicht und wernt« nicht. Als die Zeit dazu kam— küßte er Mama dreimal auf die Stirn und flüsterte ihr etwas unmerklich zu. Rur als man de» Sarg mit Mama mit einem Deckel zudeckte und zu- zunageln begann, fing Wonja an zu weinen und rief: Mama, warum bist du gestorben? Schlimm war die erste Nacht ohne Mutterchen. Der Schlaf wollte nicht zu Wanja kommen Immer schien ihm, daß im Saal die Nonne liest, oder die Mama an sein BeUchen kommt, um Wanja zu küssen, und die Decke über die güßchen zu stopfen. Er nickt«in, und reißt dann wieder plötzlich die Augen auf. Und mit einemmal wird die Erinnerung wach, daß Mama nicht mehr im Saal ist und daß er morgen früh nicht mehr zu ihr kommt, ihr .Guten Morgen" zu sagen... Und so. wie er sich dann erinnert, steckt er das Gesicht ins Kissen und weiitt: Mutterchen, warum bist du gestorben?! Und aus der Ecke, oben, blickt wie früher.Gottesauge"... Wania stützt stch auf den Ellenbogen, dreht den Kopf nach dcm Licht und, Tränen schluckend, sagt er leise vorwurfsvoll: Du liebst mich nicht, oh, oh. Was bist du für einer... Rasch verfliegt die Zell— dcr schwarze Vogel des menschlichen Lebens. Er fliegt rastlos Tag und Nacht und trägt den Menschen mtt zum dunklen Horizont, wo traurige Wolken ziehen, ohne Farbe, ohne rätselhaste Ties«, dunkle, langweilige, grauenhafte Wollen, mtt denen die schwarze Nacht des Nichtseins hereinbricht. Fortgetragen hat der schwarz« Vogel den Vater, fortgetragen die Mutter und Aljoscha... Mtt fünfzehn Jahren liegt da» ganz« Leben von den Menschen. »nd man merkt nicht um nach dem, was hinter un» geblieben ist... Warum bist du denn. Knabe, so finster, so nachdenklich, und lachst so sellen?.,. Man soll fröhlich sein, voll Lebenslust, und vertraulich die klaren Augen dem Leben entgegenöffnen... Mtt einem Lächeln auf dem blühenden Gesicht soll man auf der Schwelle des Lebens stehen... Es ist ja so schön!... Alles vergeht, alles wird vergessen, nur diese wenigen Lebens- tags— nie. Nie! Bis in den Tod hinein, ob er nun fern ist, dieser Tod, oder nah... Die eiserne Hand eines Jemand hat dies« Tage mtt unheilbaren Wunden ms Gedächtnis und Herz geprägt. Zehn Jahre sind vergangen, ganze zehn Jahre!... Aber die Herzenswunden sind nicht geheilt. Nicht geheilt! Ost in später Nacht über dcm Buch gebeugt, ganz vertieft ins fremde Leben der vom Dichter erdachten Menschen, unterbricht Wanja das Lesen. Als ob«in Unsichtbarer sein Herz berührt und ihn bittet, stch an etwa» zu erinnern... Dcr langsame Schlag der allcrtümlichen Uhr, das brennende Lämpchen an der Decke vor dem Heiligenbild, vorsichtig« Tritte und leises Flüstern im Nebenzimmer, lautes Lesen hinter der Wand, schläfriges Kinderlallen, vielleicht habt ihr euch tn dem Unsichtbaren verkörpert, der das Herz berührt, und wortlos jagt: .Erinnere dich". Und plötzlich wird Unruhe in der Seele geboren, alles verschwindet, was in ihr der zaubernde Dichter gsschafscn... Es verschwindet die schöne Fata-Morgana und an ihrer Stelle stehen diese wenigen Tage des eigenen Lebens auf... Und mit solck grausamen Einzelheiten!... Als ob dies nicht oor zehn Jahren, sondern nur vor zehn Togen gewesen wäre... Warum bringt der dumpfe Schlag der Uhr— den Sarg, bennende Kerzen, den Leichenwagen mit silbernen Quasten mtt sich? Warum rufen Flüstern und vorsichtige Tritte im Nebenzimmer erschreckendes Zusammenfahren hervor und erfüllen die Seele mit dem Gefühl eines nichl wieder gutzumachenden Unglücks? Warum läßt das schläfrige Lallen einds Kindes ein blaues Zimmer, Zinnsoldaten, ein Gitter- bettchen,«in rotes Lichtchcn und das milde Antlitz des Heilandes mtt der segnenden Hand auferstehen?... Wenn du nur die Slugen zumachst, scheint e», als ob du noch immer in derselben Wohnung mit dem dunklen Korridor wohnst. wo es eine Tür mtt zerbrochener Klint« gibt, daß du der Mutter Stöhnen hörst, ihre weiß« Hand mtt den langen, seinen, schwachen Fingern, Aljojchas Rücken, und wie er mtt der Hand die noch vorn fallende Haarsträhne zurückschiebt, stehst... Und qualvoll schmerzen die Wunden de» Herzens, die von einer eisernen Hand geschlagen, und zwei Tränen fallen aus» geössnet« Buch, welches noch eben ein Lachen hervorrief, ein Lachen der Freiide und des Entzückens, da» die Seele eines Menschen, m der Seele des andern geweckt hatte... Heftig springt Wanja aus, schüttelt den Kopf, und geht lang« auf und ab im kleinen Zimmer. Und gibt sich den Qualen der Er- innerung an Mama und Assoscha hin und reißt immer stärker seine blutende Wunde auj mit dem ungestillte» Rachedurst... Und die Flamme der Lieb«, entbrannt aus den Funken, die das Buch in die Seele geschleudert, gießt sich zusammen mtt der Flamme der Rache, zündet m den hellen Augen des Knaben kattc blaue Lichter und hartnäckige unheilvolle Gedanken spannen alle Muskeln seines Gesichts... Von der Wand schauen auf Wanja zwet schwarzgcrahmt« Porträts herab, und als er den Kopf zu ihnen hebt, ist ihm, al» ob auch sie unverwandt und forschend aus ihrem Nahmen tief m sein« Augcn blicken... Als ob sie errate», woran dieser finstere Knabe deillt, und schon längst wissen, was geschehen wird... Meine Lieben— flüstert Wanja, und m seinem Flüstern ist so viel Zärtlichkeit und einsame Sehnsucht, daß die Bilder ausleben: und es ist, als ob auch m ihren Augen schwacher milder Antwort- schein leuchtet... Die Bilder leben auf... Jch schwäre!... Hört ihr?... Ich schwöre!... Und im Halbdunkel scheint es, als ob Alsoscha» gute» Gesicht streng, fast hart wird, und der Mutier Gesicht die ganze Tiefe de» durchlebten Kummers widerspiegelte... Still stießen die heißen Tränen, und er blickt immer noch aus die schweigenden Bilder, als ob er das Geheimnis ihres ewigen Schweigens erraten wollte... Jch schwöre... Meine Lieben!... Ich schwöre... Hört ihr»?... WLrtfthoft Frankreichs WSHrungssorge«. Vor rmHcmhr einem Jahre ist es her Bank von Frank' reich mit Ilntcrstütznng amerikanischer und englischer Finanzkreise überraschend schnell gelungen,«inen allgemeinen Angriff der 'nternotlonnlen Valutaspekulanten gegen den Frank ent- scheidend abzuwehren. Die Schlappe, dl« damals den Valuta- ichicbsrn beigebracht wurde, war eine so hestige, daß an verkchie- denen Weltbörsen der Pleitegeier reiche Ernte hielt. Besonders schwer betroffen war die Wiener Bankwelt: aber auch in Deutschland entstanden durch plötzliche Erholung des Frank betröchtsiche Verluste. Ties« derbe Lektion hat fast ein ovlles Jahr lang die Balutaspefu- kanten von weiteren Vorstößen abgeholten und auch heute noch wogt man an den nichtsranzösischen Börsen sich nur zögernd«n neue Baiile Engagements in Frank heran. In Frontr«ich selbst beurteilt man jedoch dt« währnngs- politische Lage des eigenen Landes weit üngstlicherund pessi- m i lt i 1 ch e r. Der Mangel an fliisstgen Zahlungsmitteln hat einen derartigen Ilmlong anyenomnien, daß die französische'ilegicrung sich zu einem Schritt entschließen mußte, den sibon der Finanzmtnistcr Eleinentel vor einiger Zeit empfohlen hatte. Damals allerdings war oer Vorlog einer Erhöhung de? tWotentontigents der Bank van Frankreich der Anlaß, den Finanzminifter zu stürzen. Inzwischen sind die Keldschwicrigkeiten ss gewachser., daß der neu- berufene Finanzminister de Dionzie in dem der Kammer vorgelegten Entwurf eines Finanzgrsetzes eine Erhöhung der Emtf- sionsgrrnze für Banknoten um 4 Milliarden Frank vorschlagen konnte. Die neu Zu druikenden Noten sollen in vollem Umfange zur Erhöhung der Vorichüne der Bank von Frankreich an den Staat dienen. Man sagt, dies« Maßnahme habe nur den Zweck, die augenblicklich unerträgliche Lage des Zahlungsverkehrs und vor allein die Ebbe in den staatlichen Kassen zn deHeben. In Wirklichkeit handelt es sich aber doch um eine bewußte Fortsetzung der Jnslation, du man eingesehen l)at. daß die bis- Hartgen Steiiergesehr bei weitem nicht den erhofiien Ertrag lieferten und ein gleichzeitig der Kammer vorgelegter Plan für die Erhebung einer halb freiwilttgrn Lermögensadgad« und anderer Maß- nahmen einige Zeil zur Dlirchjühnlng beansprucht. Die Jniiationstrantheit nimmt in Frmitreich einen ganz ahn- lichcn Verlaus, wie man ihn in den ergangenen Jahren in den ve.rschiedt'nen Ländern Ost- und Mitteleuropa? beobachten konnte. Man(Vnm mit einiger Sicherheit voraussagen, daß auch die jetzt von de Wonzie vorgeschlagenen Maßnahmen nickt ausreichen werden. um dos Hebel von Grund aus zu kiiriereic. Die Ursachen der Geldentwertung und Inllation in Frankreich siegen viel tiefer. Dir 'ranzöstsche BepuVlik hat im Kriege ihre Schuldenlast von 84,2 Milliarden Frank auf 17? Milliarden Frank gesteigert. In der Nachkriegszeit ist die Gesamtoerfchuldung weiter aus<18.7 M i l- liarden Papierfrank oder ll>9,Z Milliarden Goldfrank angewachsen. Roch amerikanischen und englischen Berechnungen ergeben sich sogar noch höhere Schuldsummen. Die abenteuerliche Politik Poincarös, die skandalöse kgeldwirlschait in den zrr- siorteu Gebieten und nicht zuletzt die ungeheuren laufenden Aus� gaben für den Militarismus des«igercen Landes wie der ost- europäischen Verbündeten sind die hauptsächlichsten Ursachen der In- flation gewesen. Die Verzinsung der Inlendslchuld verschlingt sährlich etwa lSB Milliarden Frank(b. h. etwa 4,5 Milliarden Goldmark). Es gehen also mehr als die hallte der vorgesehenen Staats- einnahmen für den inländisch«« SchlAdendienst draut. Dabei ist zu berfiiksichtigen, daß Frankreich für setn« Schulden an das ?ku»!and. die mehr als!» Milliarden Goldirank betragen, bis heute nock- keinen Heller Zinsen gezahlt hat, daß aber Amerika unssvnglcmd die baldige Aufnahm« dieser Zinszahlung fordern. Änö� durchgreifende Kredithilfe seitens der angelsächsischen Länder cm Frankreich ist nicht zu erwarten, solange das Problem der inter- alliierten Schulden nicht irgendwie gelöst ist. In Amerika besteht überhaupt kein« Neigung, weitere französische Anleihen unterzu- bringen, solange nicht auch Sicherheiten für«tue Einichrän- kling der Rüstungen gegeben sind. Der französischen Regierung bleibt augenblicklich kein anderer Weg zur Behebung der Schwierigkelten als die stärker« Her- anzieh ung der kapitalkräftigen Kreis« des Lan- des zu Steuerlasten. De Monzi« weiß, daß er damit heißes Eisen anioßt, denn die reichen Leute Frankreichs unterscheiden sich hinsichilich ihrer Opserfreudigteit auf dem Gebiete der Steuer- Zahlung in keiner Weise von denen anderer Staaten. Vielleicht wird die Erkenntnis von der Notwendigkeit, große Opfer zu bringen, sich in den besitzenden Klaffen der französischen Republik deutlicher bemerkbar machen, wenn der Frank erneut abwärts gleitet: denn dann droht die Entwertung der Renten und damit der Vermögens- verfall der Bourgeoisie. Vorläufig sträubt man sich aber nach Möglichkeit gegen alle Saniernngsplän«. die größere Opfer von den wohlhabenden Kreisen fordern. Es ist deshalb auch sehr zweifelhaft. ob die vom Fiiianznünister vorgeschlagene freiwillige Zeich- nung auf die jetzt auszugebenden drciprozentigen Rentenjcheine, die dem zehnten Teil der Vermögen entiprrchen soll, wirklich Erfolg haben wird. Vorläufig steht an der Poriser Börse das englische Pfund ungesähr aus 98 Papiermark und der cmmikanlsch« Dollar «iwa aus Ät Frank. Diese Kurse sind nur zu Hollen durch eine rasche und durchgreifende Saniernngsaktion mit der Aussicht auf baldige Lösung des interalliierten Schul denproblems. Hält F»-">�»'ch feine militärischen Ausgaben auch weiterhin im bisherigen Umfang« ausrecht, so sind allerdings diese Aussichten sehr in Frage gestellt. W. Vogel. Der Verein deutscher Mafchinenbeucmflaiken teilt mit, daß sich die B e r f l a u u n a des Geschäfts auch im Monat März fort- gesetzt hat. Nach seinen Feststellungen ist ein'Viertel der Firme» scklechc, die Hälfte der Finnen genügend»nd das letzt« Viertel als bester beichäftigt zu bezeichnen. Der Auslandsmarkt liegt besonders brock. Der Verein betont, daß die Ablehnung der Ratifizierung des deutsch-fpanifchen Handelsvertrages angesichts dieser Sachloge unbegreiflich erscheint, nachdem die Dichtigkeit des Vertrages für die Ausfuhr bereit? schlagend nochgewiesen wurde. ] Deutsche Wohnstätten-Sank slG. ! Ein Geschäftsbericht sehr interessanter Art liegt von der Deut- ' schen Wohnstütten-Zant A.-G. Berlin vor, der weite Kreise, ins- s besondere auch die abgebauten und verdrängten f Staatsbeamten und Beamten öfsentlicher Hnternchmun- gen angeht Die Deutsche Wohnitätten-Bank ist ein echtes Kind der höchsten Dohmings-, Währungs-. Ruhrkriegs- und auch Stabil!- sierungsnot und vereinigt in sich alle wesentlichen offiziellen Ber- suche des Reichs, der Länder und Gemeinden, der allgmeinen Wohnungsnot zu steuern. Am 20. Juni 1923 zunächst mit Mitteln des Reichsverbandes der Wohnungsfürsorgegesellichasten e. D. Berlin und der Preußi- schen Landespiandbriefonsialr gegründet, wurde das Aktienkapital im September l9?3 ouc l0 Milliarden Popiermark erhöht, wobei zum ersten Male auch das Reich offiziell Mitbesitzer der Gesellschaft wurde, indem es 2,5 Milliarden Vorzugs- aktien übernahm. Außerdem stellte es 2,5 Milliarden Elnrichtimgs- aelder zur Verfügung. In der G o l d r r ö f f n u n g s b i l a n z zum l. Januar 1924 wurden die 10 Milliarden Papiermark auf Ä>0 000 Rentenmark umgestellt und das Kapital auf IH Mill. Ren- tenmork erhöht. Davon besitzt heute das Reich.500 000. der Reichsvcrband der Wohnungsfür forge-Gescll- s ch a t t Berlin.5.50 000, die Preußische Landespfand- b r i« s a?> st a l t 200 000 und die W ü r t t e m b e r g i s ch e W o h- nungskreditanstalt 50 000 M. Von einer weiterhin bc- schlössen«» Kapitoierhöhung um 200 000 M. hat der badische Staat bereits 30000 M. übernommen. Ihre ursprüngliche Auf- gab« und Absicht, den Wahnungsfürsorgc-Gesellschaften, Kommunen, Siedlunpsgeiellschatten und Baiigenostenschaste» als zentrales Bau- ktediiinstitut zu dienen, erfuhr je länger eine desto stärkere Aus- weitung durch neue Geschäfte. Zuerst nur auf die V e r m t t t lu n g von Baukrediten jeder Art für gemeinnützige Woh- niingZbauzwecke abgestellt, fühlte die auch nach der Stabiii- sicruna, besonders für de» Baumarkt, fortdauernde Kapitalnot und die Beschränktheit der öffentlichen Mittel für Bauzwecke zu dem Zwang, die Beschaffung von Daumitteln. ähnlich wie Hypothekerl' danken, durch Ausgabe von Rentenbriefen auf Feingold zu versuchen. Die Erfolge waren aber verhältnismäßig gering und dürften erst aussichtsreicher werden, wenn die zur Durchführung diefe, Geschäfts am 15. November 1924 als völlig selbständig ye- gründete Deutsche Wohnstotten- Hypotbekenbank die Mutimgesellschast für ihre Geldbeichaifung von den Hypotheken � bankqesetzlichen Hemmungen beircit haben wird. Dennoch oer- mochte dir Wohnstcitten Bank et« Reallaslen-Kreditaefchäft von 96 Kilogramm Feingold zu entwickeln, das in der Schlußbilanz vo.n 31. Dezemdei 1924 mit 268 342 Rcnteinnark ansgewellct ist. Zur Verstärkung ihrer Mittel erwirkte sie sich dann am 14. März 1924 die Genehmigung zum Betrieb von bankmäßigen Depot- und D e p o s i t e n g c s ch ä i t e n, die ihr bis Jahres- schluß(einschließlich ionsliger Gläubiger) 290 000 Rentenmark De- positcu zuführte, die sie wieder zu Baukrcdtten verwertete. Wirklich beachiklchen und relativ großen Ilmtang gewann das Baukredlt- uermittlungsgeschöft aber erst in dem Augenblick, als die Deutsche Wohnstätten Vank im April 1924 vcun Reich mit der finanziel- len Durchführung der Leamtenansiedlungsöer- ordnung vom 11. Februar 1924 beauftragt wurde, die den abgebauten Beamten der Reichs-, Reichsbahn-, Reichspost und Reichsbankoerwaltung zur Bssterung ihrer wirtichaktlichen Lage den Erwerb und ote Bebauung van Grundeigentum zu garten- und landwirtschaftlicher Siedlung er- leichtern sollte. Damit flohen der Bank aus einen Schlag 12,35 Mill. Rentenmark verzinsliche Mittel zu. aus denen sie bis, zum 31. Dezember 1324 über 6 Millionen Beamtensiedlungs Vorschüsse und einen aroßen Teil weiterer SV Mill. Remenmark Zmiichenkredite zu ähnlichen Zwecken gewähren konnte, mit dem Erfolg, daß bis zum Jahresschluß 1924 rund 2175 S i e d l u n g s- bauten begonnen und zum Teil schon zu End« ge- führt werben konnten. Ferner wurden 265 Aufkäufe fertiger Siedlungen in die Wege geleitet. Eine weitere starke Ausdehnung der Betriebsmittel der Bank eriolgtc im Oktober 1924 mit dem Auftrag des Reichs, weitere 10 Mill. Rcntcnmarf (öir die übrigens in der Bilanz der deutliche Ausweis fehlt) für dle Wohnungsbeschaffung für verdrängte Slrbeiter, An'- gestellt« und Beantte im alt- und neubcsetzten Ge- biet zu verwalten und weiterzuleiten. Di« Arbeiten hierfür be- finden sich nach dem Geschivtsbericht noch im Stadium der Vor- bereitung. Um den lokalen Bedürfnissen der einzelnen Freistaaten bester gereckt werden zu können, hat sich die Bank schließlich d«- zentralisiert und in Sachsen sLandessiedlungsgesellschact „Sächsisches Heim" G. m. b. H.) und Württcnibero, unter Mitwirkung der Württembergischen Wohnungskreditanstalt in Stutt- gart. Zweigniederlassungen errichtet. Zu dieser or- «anilaioriich außerordentlich wcitgreisendcn Grundlage dürfte die Tockter Hvpothekenbank ein wobtoorliercitetes und erfolgreiches Arbeitsfeld vorfinden, sodaß aus der Deutschen Wohin'tätten-Bank- Unternehmung«in wichtiges Glied der zukünftigen Wohnungswirtschaft Deutschlands zu werden verspricht: Die Bilanz ber Deutschen Wohnstättcn-Bank hat leider vielfältige Mängel. Einmal wäre die?N i t t e i l u n g der Golderöffnungsbilanz, über die in ganzen lechz Zeilen berichtet wird, ein unbedingtes Erfordernis gcwelcn. Sodann rst. wie schon erwähnt, der Ruhrverdrängten-Fonds nickt deutlich aus- xcwieien, sodaß für die Zusammensetzung des für die Passiven entscheidende» Postens„Reichsfonbs" nichts entnom- nien werden kann. Weiter sind die aus den Reichsfonds gewähr- ten Kredite durchaus ungenügend gegliedert und besonders der Posten Beteiligungen mit nur 350 000 M., der doch auch den Anteil an der Deutschen Wohnslätten-Hypolhetenbonk umfaßt, durch nichts erläutert, obwohl der Gefchästsbericht ausdrücklich sagt, daß der Gesellschaft das gesamie Aktienkapital der Tochier-Hypocheken- bank von den Gründern übertragen worden ist. Die Gewinn- und Vcrlustrechnung zeigte beträchtliche Gewinne, paft 800 000 M. flössen aus Zinsen und Provisionen für die gewährten Kredite. Allgemeine Unkosten und Gehälter wx* krauchten demgegenüber 132000 M. Aus dem verbleibenden Rein- gewinn wurde das Inventar vollständig abgeschrieben, eine Til- gungsrücksiellung von 120 000 M., ein Ausqleichsfonds Beamte»- sicdwna von 43300».) und ein Pensionsiollds von 20 000 M. gebildet, sowie 25 000 M. den ordentlichen Reserven zugeführt, iüe Gesellsckiast hat also auch ziemlich erhebliche stille Rc- f e r v c n gehäuft. Auf das ausgezahlte Aktienkapital werden vom Tage der Einzahlung an 5 Praz. Dividende ausgezahlt in einem Betrag von 31 828 M._ K— r. der öslltßhe �tcbeitsmarkt Jebruar März. lieber dle Lage des deut'chcn Arbestsmorktes im Februar und Märt erstatte" das Rcichsarbeitsblati folgenden Gesamtbericht: Mit der milden Witterung hat auch die günstige Ent- Wicklung des Arbeitsmarktcs. die bereits im Vormonat zu beobachten war, den Februar hindurch angehalten. Dieses Er- gebnis konnte durch leichte Abschwachungen, die sich auf verschiedenen Gebieten andeuteten, nicht wesentlich beeinträchtigt werden. Die Mitgliederbesrandsmeldungcn der reichsgeietzlichen Kran- k« n k a s s e n lasten ein weiteres, gegenüber dem Vormonat oer- stärktes Ansteigen des Beschäftigungsgrades erkennen. Die 5509 Kasten, deren Berichte für den 1. Februar und 1. März vorlagen, zählten am erfteren Zeitpunkt 12 843 088, am letzteren 12 984 457 versicherungspflichtige Mitglieder: das bedeutet für den Februar eine Zunahme nm 141 369 oder 1,1 Proz.(gegen 0,3 Prvz. im Bormonat). Die Inanspruchnahme der Arbeitsnachweise hat sich günstig fortentwickelt. Es wurden im Februar insgesamt 533 477 offene Stellen angeboten: gegen 474 571 im Vormonat eine Ber- bcsteniv.g um 58 906 oder 12.4 Proz.(im Vormonat 22,8 Proz.). Auf der anderen Teste sank der Andrang Arbeitsuchender von 1 491 170 im Januar auf 1 463 192 im Februar, d. h. um 27 978 oder 1,87 Proz.(im Vormonat Zunahme um 14 Proz.). Die Gesam: andrangszificr besserte sich danach von 314 aus 274. Die Zahl der Bermitrlungen stieg von 393 731 aus 430 047, d. h. um 9.2 Proz., so daß im Durchschnitt 29,4 Proz. aller� Arbettsuchenden(im Vor- monai 26,1 Proz.) und 80,6 Pro;, aller Stellen(im Bormonat 82,97 Prozent) vermittelt wurden. Die Nachweisungen der Arbcitcrfachorganisationen über die Arbeitslosigkeit unter ihren Mitgliedern ergeben eine weitere leichte Besserung. Bei 40 berichtenden Verbänden waren unter 3 596 465 durch die Erhebung erfaßten Mitgliedern 264 263 oder 7,3 Proz. arbeitslos gegen S,1 Proz. im Vormonat. Zahl und Maß der'Arbeitszeitverkürzungen haben sich im Februar gegenüber dem Vormonat nur wenig oer- bessert. Es berichteten 35 Verbände über 3 098 498 durch die Er• Hebung erioßic Mitglieder. Bon diesen arbeiteten 163 345 oder 3,3 Prozent mit verkürzter Arbeit?' est(im Vormonat 5,5 Prvz.). Der Rückgang in der Inanspruchnahme der Er- werbslosenfürsorge hat mit gerinnen Sstzwankungen an- geHallen. Noch den bis jetzt abgefcklostenen Fesistellimgen emvfingen Nnterstützuna om 1. Februar 593 024, am 15. Februar 575 243. am 1. März 540 099, am 15. März 514 911 Vollerwerbslose. Die Beste» rung betrug also in den einzelnen Berichtszeiträumen 3,0 Prot— 6,1 Proz.— 4,7 Pro-. Die Rahlen repräsentieren woblaemertt ledig- lich die ans öffentlichen Mitteln der E-'wcrbslosenfürsorge unter- stützten Dollerwerbslosen(sog. Hauptunterslützungsempfän- oer), enthalten aber nicht die mituisterstützten Familienangehörigen. Ebenso sind die Zahlen keineswegs mit denen der Arbeits- losen überhaupt gleichbedeutend, da der Bezug von Erwcrbs- lojcmmiersiützung gesetzlich an bestimmte Boraussetzungen geknüp-t und zeillich begrenzt ist. Der G?schästs«ir>ng ln der Oinolenmlndvstrie. Der Generalvev- sammlung der Linoleumsirma P o p v e u. W i r t h wurde der Ge- schästsberichi für 1924 vorgelegt, die Dividend: von 12 Broz.«urd« genebmigt. lieber den Geschäftsgang tm laufenden Geschäftssahr emhäll der Bericht folgende?lngabcn: Die Umsätze des neue« Geschästsjahrres weilen gegenüber 1924 eine weitere erhebliche Steigerung ans. In den Aerkoufspreisen sind mit Rücksicht auf die allgemeinen wiriichasilichen Berhältniste Konzessionen zu machen. Wenn wir jedoch berücksichtigen, daß die besondere Belastung, welche wir im Berichtsjahr(19241 bei Inanspruchnahme fremder Gelder zu tiogen hotten, infolge der Erleichterung des Geldmarkts erheblich zujammenaeichrumvit ist, und daß'wir durch Verwertung unserer Vorratsaktien(die Gesellschaft besitzt bei einem'Aklienkapital von 1,8 Millionen Mark 246 300 Vorratsaktien) neue Mistel herein- bekommen werden, so können wir auch im Hinblick auf die guten Umsätze der ersten Monate der Entwicklung des lautenden Geschäfts- jahrcs mst guten Hoffnungen entgegensehen. Der Gefrlerflclschkonsum in Preußen. Wie das Preußisch« vtatistilche Landesamt schreibt» war vor dem Kriege das Gefrierfleisch in Deutschland kaum bekannt. Durch Teuerung und Knappheit des irischen Fleilckes hat es noch dem Kriege besonders für die städtische Bevölkerung eine bemerkenswerte Bedeutung rrlanot. Die Einfuhr an Gefrierfleisch im Jahre 1023 betrug 56,06 Millionen Kilogramm. Nimmt man an, daß hiervon entsprechend dem Ber» hällnis der Einwohnerzahlen VB in Preußen verblieben und dort allein von der städtischen Beoölkening verzehrt wurden, so erhall man einen Verbrauch von etwa 34 Millionen Kilogramm auf 28 Millionen Einwohner oder 1,2 Kilogramm pro Kops. Im Jahr« 1 9 2 4 ist der Derbrauch von Gefrierfleisch nock e'-bel''ich gewachsen. da bereits von Januar bis November 81,73 Millionen Kiloaramni eingeführt wurden, für das ganze Iah? also mit einer Gesamtmenz« von nahezu 90 Millionen Kilogramm zu rechnen ist. L n g r c> s- /. F. Rauch Aktiengesellschaft Berlin K 4 Osterwem Santa Lucia Käufl!ci\ In Felnkos'», Kolonial« und D r o g e n h a n d I un g en Ausnahine»Preise für Herren-Kleidung! M" Aus meinen großen Lagern bringe folgende billige Oster-Angebote zit> herabgesetzten Preisen. 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