Kr. 173 ♦»2. Musgabe A Nr. BezugSvreiS: SBöchurtliS 70 Pfennig, monatllch 8,— SeiAsmati voraus zahlbar. Unter Sreuzband Hlr Deiulchlanb, Danzi». Saar, und Memelaediet, Oekerreich. Litauen. Luiemburg <30 Seidismatt, für das übrig« Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. ker �ZorroSrts' mit der Sonntag». beilage Jßclt und Reit' mit»Siedlung und Kleingarten� sonne der Beilage»Unterballung und Wissen" und Frauenbeilage.Frauenstinime" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: »Sozialdemokrat Berlin" Sonntags ausgäbe Derlinev VollrsblÄkt (15 D Auzeigcnvrclse: Die elnsvaltta« Ronvareille. »eile 70 Pfennig. RcOamezeile <,— Reichsmark.»Kleine Ln, eigen" des fettgedruckte Wort 2S Pfennig lzuläfsig zwei feltacdruckte Borte). jedes weiter, Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort lO Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig, Worte über 75 Buch- slaben zählen für zwei Worte. Familienanzcigen für Abonnenten geile Zl> Pfennig. 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Oer Mufruf von Wilhelm Marx.- ..Das Vertrauen weiter Volkskreise hat mir die Kan- didatur sür die Präsidentschait des Deutschen Reiches angcbosen. !>ch bin diesem Rus gefolgt in vollem Bewußtsein, daß dieser Wahl- kämpf nicht nur um das höchste, sondern auch um das schwerste und verantwortungsvoll st e Amt der Deutschen Republik geführt wird. Ich sehe in dem frei gewählten Staatsoberhaupt das Sinnbild. aber auch den Hüter der deutschen Volkseinheit. Diese Einheit darf sich nicht in sprachlicher und staatlicher Gemeinschaft erschöpfen. Einheit des Volkes ist Einheit des Geistes. Einheit des Geistes aber ist Ucbcrcii?stimmung oller über die Grund- lagen des menschlichen Zusammenlebens im eigenen Volk und über die Ziele für das Zusammen- wirken mit anderen Völkern. Die Grundlagen der sozialen Gemeinschaft im Volke aber scheinen mir zu sein: Freiheit des einzelnen und yslicht gegen die Gesamtheit. Wer sich dieser Pflicht bewußt ist, wird ethisch handeln, und inner- halb dieses Rohmens darf es keinem einzelnen und keiner Gruppe verwehrt sein, nach freiem Ermessen seinem religiösen Bekenntnis zu folgen. Ein Volk, das von diesem Geiste erfüllt ist, wird ohne Schwan- ken auch das richtige Verhältnis zu den anderen Völkern finden. lind hier hat das deutsche Volk zwei Aufgaben: Es muß seine Freiheit erringen, um dann seine Pflicht gegen die Gc- samtheit, die Menschheit, zu erfüllen und erfüllen zu können. Die deutsche Verfassung, die der Präsident des Reichs beschwören muh. zeigt den Weg, das alle schwarzrotgoldene Symbol groß. deutscher Einheit das Ziel: die Freiheit Deutschlands und die.Mi«. arbeit dieses freien Deutschlands an einer glücklicheren europäischen Zukunft. Das deutsche Volk wird die Bestätigung seines berechtigten Selbstbewußtseins und die Ersüllung seiner nationalen Bestimmung künftig darin suchen, daß es mit anderen Völkern Ach- tungumAchtungtauscht. Die Zeit, in der wir leben, ist nicht nur eine Zeit des Leides, sondern auch der Größe. Ist wahrhaft österliche Zeit. M i l l i o n e n arbeitender Menschen suchen nach Verständnis, verlangen Vertrauen und sind auch bereit, neuer Fübrcrschaft ihr Vertrauen zu schenken. Aber Millionen 5)erzcn, die bisher im All- täglichen besangen und gesangen waren, suchen heute auch wieder den Weg aus den Wirrnissen des materiellen Daseins zur höheren Erkenntnis. Möchte dieses Suchen und Sehnen nun auch seine mutige Stimme finden, setzt, wo es die höchsten Lebens- und Zu- kunftsfragen der Nation gilt. Nicht um der einzelnen Person, nein, um der Nation willen. Mögen Freiheit und sittliche Pflicht über alle Interessen und Parteien hinweg zum Bekenn tnis des gan- zen deutschen Volk es werden. An diesem Ziel mitzuwirken, ist mein ganzes Streben, wohin auch der Wille und das Vertrauen des Volkes mich stellen mag. Wilhelm Marx." Einheit und Freiheit! Ueber beiden fliegt als Synrbol das schwarzrotgoldene Banner. Einheit und Freiheit— das sind die großen Ideale der besten Deut- schen in der Geschichte. Einheit und Freiheit, untrennbar ver- Kunden. Das Volk, das einig fein will, muß frei fein. Nur Freie und Gleichberechtigte können sich als einiges Volk, als Nation fühlen. Einheit und Freiheit unter dem schwarz- rotgoldenen Symbol— die Deutsche Republik soll und will sie verwirklichen. Die Deutsche Republik! Ihr gilt das Bekenntnis des Kandidaten des Volksblocks. Ihr zu dienen, hat er die Kandidatur angenommen. Die Republik— das ist das neue Deutschland. Die Deutsche Republik, frei nach außen und frei nach innen, erfüllt von gegenseitiger Achtung der Bürger, auf- gebaut auf dem großen Grundsatz der Freiheit und Gleich- berechtigung aller, der sozialen Gerechtigkeit, das ist das Zu- kunstsbild des vorwärts und aufwärts strebenden deutschen Volkes. Mögen auch unter den im Volksblock oerbitndcnen Par- txien die Meinungen über die Wege auseinandergehen, mögen sie sich unterscheiden in den Ansichten über den Aus- hau des großen Gebäuhes des neuen Deutschland— es eint sie der Wille, gemeinsaln die Grmrdmauern dieses Gebäudes zu sichern. Dieser Gemeinsamkeit des republikanischen Willens verleiht Reichskanzler a. D. Mar x Ausdruck. Sem Bekenntnis zur Republik unter dem schwarzrot- goldenen Banner, zur Einheit und Freiheit schließt das Be- kenntnis zur Demo-kratie ein. Der Gesamtheit dienen, aber in der Gesamtheit als. Freier und Gleichberechtigter zu stehen und zu wirken, das ist der Sinn der Dentokratie. Wahre Freiheit ober kann in einem Volke nur bestehen, wenn nicht die Massen des arbeitenden Volkes von der Teilnahme am Staatsleben ausgeschlossen sind. Ihr Ringen um Gleich- berechtigung und Aufstieg verstehen und fördern ist die Vor- aussctzung der Freiheit des Volkes. Demokraiie kann be- gründet werden nur auf sozialer Gerechtigkeit. Demokratie und Gerechtigkeit nicht nur im eigenen Volke, sondeni unter den Völkern der Erde, Gleich- berechtigung aller Deutschen, aber Gleichberechtigung Deutsch- lands auch im Bunde der Völker— das ist das große Ideal, das vor dem Voiksblock steht. Der Aufruf des Reichskanzlers a. D. Marx zeigt in eine bessere Zukunft im Zeichen dieses Ideals. Ein neues freies Deutschland, ein neues freies Europa, eine neue f.reie Welt, m der Gerechtigkeit zwischen den Völkern herrscht— das ist unser Ztikunnsbild- Die Zukunft des deutschen Volkes steht im Zeichen der Freiheit. Wir wollen ein freies Volk fein! Wir wollen nicht Knechte eiiier Herrenschicht sein. Darum wählen wir am 26. April Marx! Oer Mufrvf für hinüenburg. Der Ausruf von Wilhelm Marx ist B e k e n n t n i s. Die Kundgebung, die der Rechtsblock für Hindenburg ver- öffentlicht, ist Verschleierung. Im Lager des Volksblocks und im Ausruf seines Kandidaten lebt die Republik und die De- mokratie. lebt der Geist der Freiheit, der Wille, eine große Zukunftsvision des deutschen Volkes zu verwirklichen. Ilm f i e ringen wir. Worum ringt der Rechtsblock mit Hindenburg? Die Verfasser des Ausrufs für Hindenburg haben sich bemüht, die Ziele des Rechtsblocks zu verschleiern. Und doch spricht dieser Aufruf eine deutliche Sprache, und doch charak- terisiert er gerade durch die gervollte Unklarheit und Unehr- l:chr.cit den Rechtsblock und seine Ziele. Dieser Aufruf lautet:,," Vaterländisch gesinnte Deutsche aus allen Gallen und Stämmen Höchen inir das höchste Amt im Reiche angelragen. Ich folge diesem Ruf nach ernster llebcrlegung in Treue zum Bckterlond. Mein Leben liegt klir vor aller Welt. Ich glaube auch, in schweren Zeiten meine Pflicht getan zu haben. Wenn diese Pflicht mir nun gebietet, Hvs dem Baden der Verfassung, ohne Ansehen der Partei, der Person, der Herkunft und des Berufes als Reichs- Präsident zu wirken, so soll es nicht an mir fehlen. Als Soldat habe ich immer die ganze Ration im Auge gehabt, nicht die Par- teien. Sie sind in einem parlamentarisch regierten Staate not" wendig, ober das Staatsoberhanpl mnh über. ihnen stehen und im abhängig von ihnen für jeden Deutschen walten. Den Glauben an das deutsche Volk und an den Beistand Gottes habe ich nie verloren. Ich bin ober nicht mehr jung gc- n u g, um a it«inen plötzlichen Umschwung ver Dinge zu glauben..Kein Krieg, kein Zlusstänsi im Innern kann unsere gefesselte, leider durch Zwietracht zerspaltete Nation befreien. E s bedarf langer, ruhiger, s r i e d l i ch e r Ar b e i ,i. E's bedarf o« r« l l-e m d e r- S a-B b e r in» g unseres Staatswesens von denen, die ans der Politik ein Geschäft gemachr habe n." Ohne Reinheit des öffcnt lichen Lebens und Ordnung kann kein Staat gedeihen. Der Reichs- Präsident ist besonders dazu berufen, die Heiligkeit des Rechtes hoch zu halten... Wie der erste Präsident auch als Hüter der Verfafiung. feine Herkunft aus der sozialdemokratischen Arbeiterschaft nie verleugnet hat, so wird auch mir niemand zumuten können. daß ich meine politische Ueberzeugung ausgebe. Gleich dem von mir hochgeschätzten Herrn Dr. Iarres erachte auch ich in jetziger Zeil nicht die Staatsform, sondern den Geist sür entscheidend, der die Staatsform beseel i. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national Doumergues verhanölungen. Zusammenhalt des Linksblocks. Paris, 1l. April.(Eigener Drahtbericht.) Der Pröstdent der Republik, Doumerguc, hol heute die Präsidenten von Kammer und Senat empfangen, mit jedem von ihnen etwa eine halbe Stunde kontenert und daraus mit den pronnnentesten Politikern des Par- laments beraten, so vor allem mit den Abgg. B r i a n d, L o u ch c u r. V i o l e t und A u r i o l Alle diese Politiker haben es abgelehnt, itgend etwas über ihre Unterredung mit dem Präsidenten mitzuteilen. Lcdiglick, Kammerpräsident P a i n l e v ö erklärte, mit dem Präsiden- ten der'Republik darüber einig geworden zu sein, daß die Krise s o t o s ch w i e m ö g l i ch gelöst werden niüsse. Dafür scheinen die Aus- lichten im Augenblick jedoch nicht sehr groß zu sein. Der jcharfe Gegensatz zwischen Kammer und Senat läßt daraus schließen, daß die Bildung' eines neuen Kabinetts ungewöhnlich schwierig sein �oird, da es ein Kabinett, wie es die Kammermehrheit wünscht, im rocnot auf schwerste Opposition zu rechnen hätte und umgekehrt. Entscheidend ist. daß die vier Gruppen der Linken am Sonnabend morgen beschlossen hoben, unter ollen Umständen an dem Karleil festzuhalten und es gegebenenfalls auf einen Konflikt mit dem Senat ankommen"zu lassen. Eine am Sonnabend nachmittag verbreitete Ministerliste des künftigen Kabinetts mit Painlevö als Ehef und mit den drei Sozialisten Paul Boncour, Varenne und Buisson als Mi- nistern entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage. In der sozialistischen Fraktion besteht nach wie vor nicht die geringste Neigung, an einem Koalitionsministcrium aktiv teilzunehmen. In parlainentarischsn Kreisen glaubt man, daß, wenn es gelingen sollte, in den nächsten Tagen ein Kabinett zustande zu bringen, dieses jeden- falls nur vorläufig sein würde, und daß die endgüttige Lösung der Krise nicht vor dem ö- Mai, d. h. nach den Gcmcindewahlcn in Frankreich erfolgen wird. Bolkswille oder Senatstvtlle? Paris. II. April.(Havas.) Kammerpräsident Painlevö erinnerte den Präsidenten der Republik daran, daß dem Kabinett Herriot, bevor es im Sengt in die Minderheit gesetzt wurde, die Kammer ihr Vertrauen ausgesprochen habe Wenn das Mißverständnis zwi- scheu den beiden Parlamenten andauere, wäre dies außerordentlich bedauerlich, besonders wenn man nicht der o f t zum Ausdruck gebrachte« Äussassung der aus dem allgemeinen Stimm» recht hervorgegangenen Parlametttsmttglieber Rechnung trag«. TankcSvotum für Herriot. Paris, Ii. April.(WTB.) Die Vorstände der vier zum Kartell der Linken gehörenden Kamiiiersraktionen sind heute vormittag zu- saminengetreten. Nach einem Meinungsaustausch ist eine Tagesord- nimg angenomnien worden, i» der Ministerpräsident Herriot der Dank dafiir ausgesprochen wird, �doß er sich um das Friedens- werk nach außen und um die Verteidigung des b c m o> kratischen Ideals nach innen bemüht habe. Dir Delegierten betonten als ihren unerschütterlichen Entschluß, die Politik des Kar- tells der Linken als ein Politik, die das Land am lt. Wai gewünscht hol e, fortzusetzen. Die R a d i k o l e Fraktion, die eine getrennte Sitzung abgehalten hat, hat ebenfalls Herriot Dank und Ergebenheit ausgesprochen. Havas glaubt mitteilen zu können, daß der Tagesordnung, die die vier Kammerfraktioncn der Linken festgelegt haben, gewisse Vorbehalte einiger Mitglieder der radikalen Linken(Gruppe Lauche ur) und der sozialistisch-rcpublikanischen Fraktion(Gruppe B r i a n d- V a i n l e v e) entgegengesetzt worden seien. Sic hätten erklärt, der Text der Tagesordnung greife dein Entschluß des Präsidenten der Republik vor. Tie Beratung der Sozialisten. Paris, II. April.(Havas.) Die sozialistische Kanunersraktion hielt heute nachmittag eine Sitzung ab, in deren Verlaus die W cji r> heil unter Führung von Leo» B l u m»nd R e n a u d e l die Fort Varenne, sei für die Erweiterung des Kartells der Linien und für die D e t e i l i g u n g der Sozialisien an der Regierung ein- getreten. Die elftere Meinung hat in der Fraktion gesiegt. Wenn die Frage der Beteiligung der Sozialisten an der Regierung ausgerollt werde, müßte, wie im Lause der Sitzung erklärt wurde, der N a- t t o n a l r a t der Partei darüber Beschluß fassen. Fochs Bericht der Botschafterkonferenz überreicht. Paris, II. April.(TU.) Die Antwort des Versailler Militär. komitecs auf die Ergänzungsfragen zum Bericht über die Entwatt nuna Deutschlands ist heute der Botschafterkonferen; überreicht worden. denkt, die Würde des deutschen Namens nach innen und auhen wahrt und den konfessionellen und sozialen Frieden will, und bitte ihn:„Hilf auch du mit zur Auferstehung unseres Vaterlandes!" gez. v. Hindenburg." Die Verfasser dieses Aufrufes für Hindenburg stellen fest: es ist keine Zeit zum Kriege, es gilt lange, ruhige, friedliche Arbeit. Sie legen diese Kundgebung einem Manne in den Mund, mit dessen Namen die Erinnerung an den Krieg untrennbar verknüpft ist. Sie wollen an die Spitze des Staates, dessen Aufgabe lange und sried» l i ch e Arbeit ist, einen Soldaten stellen, der nichts als Soldat ist und nach seinem eigenen Geständnis von Politik nichts versteht. Er sagt es selbst: »Bestätigung innerhalb der Eegenwarts» Politik widersprach meinen Neigungen. Vielleicht war hierfür mein Hang zur politischen Kritik zu schwach� vielleicht auch mein soldatisches Gefühl zu stark entwickelt. Auf letzter« Ursache ist dann wohl auch meine Abneigung gegen alles Diplomatische zurück- zuführen. Man nenne dies« Abneigung Vorurteil oder Man» gel an Verständnis. Die Tatsache hätte ich auch dann an dieser Stelle nicht abgeleugnet, wenn ich ihr während de» Krieges nicht so oft und so laut hätte Ausdruck geben müssen." (Hindenburg, Aus meinen, Leben.") Kein Krieg kann uns befreien— so sagen die Verfasser des Hindenburg-Aufrufs. Warum dann die Kandidatur des Mannes, dessen Verständnis nur der Kriegführung gilt. Wenn es wahr ist, daß der Rechtsblock nur an lange, ruhige, fried- liche Arbeit denkt, warum dann die Provokation der ganzen Welt, die in dieser Kandidatur des Heerführers aus dem Weltkrieg das Werk kriegslüsterner Kreise sieht? Lange, ruhige und friedliche Arbeit— warum will der Rechtsblock an die Spitze des deutschen Staates den Mann stellen, der selbst weiß, daß er dies höchste und ver- antwortungsvollste Amt nicht ausfüllen kann? In dieser Kandidatur und in diesen Sätzen des Aufrufs, den der Rechtsblock von Hindenburg hat unterzeichnen lassen, liegt der lßersuch einer Täuschung des deutschen Volkes. Parteigeist ist es, der diese Kandidatur und diesen Auf- ruf erzeugt hat, Parteigeist, der um der eigenen Ziele willen die allgemeinen beiseite schiebt. Trotz aller Versuche, über die reaktionären Ziele des Rechtsblocks hinwegzugleiten, spricht dieser Geist aus jedem Satze. Die Verfasser des Hindenburg-Aufrufs sprechen von der „Säuberung unseres Staatswesens von denen, die aus der Politik ein Geschäft gemacht haben". Das ist der Satz aus dem deutschnationalen Wahlprogramm, auf den die gemeine und verlogene Verleumdungskampagne gegen die republikanischen Parteien aufgebaut wurde. Die Verfasser des Aufnifs machen damit Hindenburg mit verantwortlich für diese niedrige Kampagne. „Säuberung von denen, die aus der Po- litik ein Geschäft gemacht haben." Der Lorwurf, aus der Politik ein Geschäft gemacht zu haben, ist untrennbar verknüpft mit dem Hindenburg-Programm aus der Kriegszeit. Die Verfasser des Aufrufs haben Hindenburg einen schlechten Dienft erwiesen! Sie lassen ihn erklären, daß er seine politisch« Ueherzeu- gung nicht aufgeben werde, daß nicht die Staatsform. sondern der Geist entscheidend sei, der die Staateform be- s« e l t. Der strenge Monarchist soll den Geist des Obrigteitsstaates in die Republik tragen. Er soll an der Unterminierung des demokratischen Geistes arbeiten. Die Kandidatur Hindenburg» wird mit diesem Aufruf offen zur Kandidatur der Monarchisten gegen die Republik erklärt. Die Verfasser des Hin- denburg-Aufrufs wollen Hindenburg zum deutschen Kohr machen! � mmmmmmimmmm—mmmmmmm—mmmmmmmm Der Soldat an die Spitze eines friedlichen Staates, der Monarchist an die Spitze der d e m o k r a- tischen Republik! Zum Schluß lassen die Verfasser Hindenburg den Teil des Volkes beschimpfen, der ihn nicht wählen will und nicht wählen wird. Sie lassen ihn, und sei es auch in versteckisr Form, die Parole ausgeben: wer nicht wählt, ist nicht national. Das ist der Geist, der dies verantwortungslose, unehr- liche und hinterlistige Machwerk erfüllt, unter das die Verfasser die Unterschrift Hindenburgs erhalten haben. Sie sind die treibenden Kräfte, aber der Unterzeichner trägt die V e r a n t w o r t u n g mit ihnen. ch W i r wollen frei sein! Die Wahlkundgebung des frühe- ren Reichskanzlers M a r x ist beseelt vom Geiste der Freiheit. Die Wahlkundgebung Hindenburgs atmet den Geist.der Unfreiheit, der Rechten, des Obrigteitsstaates. Der Volksblock richtet fein Gesicht vorwärts auf ein neues Deutschland, frei im Innern, und darum frei nach außen. Der Rechtsblock blickt zurück in die Zeiten des Kaiser- reichs, der inneren Unfreiheit. Er will die Demokratie zer- brechen, die innere Freiheit durch ein neues Herrenregiment efetzen. Er wird deshalb niemals das deutsche Volk zur äußeren Freiheit führen können. Kein Wort in der Wahlkundgebung Hindenburgs von der inneren Freiheit! Kein Wort von der Republik, kein Wort des Verständnisses für die nach Freiheit und Gerechtig- keit ringenden arbeitenden Massen des Volkes! Der Soldat, der Konservative, der Monarchist kennt nur ews: zurück zum Geiste des Kaiserreichs. Republik oder Kaiserreich!' Freiheit oder innere Knechtschaft! Das ist die große Alternative, vor die das denkfche Volk gestellt ist. Diese Wahl entscheidet über die deutsche Zukunft. Läßt sich �inüenburg so etwas gefallen? Ter Rechtsblock stellt ihn als Idioten hin— und er schweigt dazu! In dem von der„Telegraphen-Union" am Donners- tag abend veröffenllichten Briefwechsel zwischen Jarres und Hindenburg befand sich bekanntlich im Antwortschreiben des neuen Rechtsblockkandidaten der Satz: »Unendlich bedauere ich den ungünstigen Stand Zhrer Wahl- ausfichlen, die Sie veranlaßt hat. in so hochherziger Welse zurückzutreten." Eine halbe Stunde nach der Veröffentlichung ließ der Locbell-Ausschuß die Presse ersuchen, den Hindenburg-Brief, in dessen erstem Satz ein Uebermittlungsfehler«nt- hallen sei, nicht zu veröffentlichen. Fast alle Blätter der Re- oktion sind dieser Aufforderung wenigstens in der Form nach- gekommen, daß sie diesen ominösen Einlellungssatz einfach unterdrückten. Für jeden denkenden Menschen war es klar, daß die Ge- schichte vom Uebermlltlungsiehler nur eine plumpe Aus- rede war, um die mll T a t r l o s i g k e i t gepaarte grenzen- lole Naivität Hindenburgs zu oertuschen. Wir forderten indessen bereits, am Freitag morgen den Loeboll-Ausschuß auf, .den richtigen Wortlaut dieses angeblich falsch Übermittellen Satzes zu verSffentllchen. Dieser Aufforderung sind die Macher der Kandidatur Hindenburg näch 48 Stunden no ch immer nicht nachgekommen. Sie werden ihr selbstverständlich auch weiterhin nicht Folge leisten, wgil dys einfach ein Ding der Unmöglichkeit ist Oder wollen sie ellpa der Oeffentlichkeit ein- reden, daß der Satz richtig gelautet habe: »Unendlich bedauere ich den günstigen Stand Zhrer wahlau». sichten, der Sie veranlaßt hat, in so hochherziger Weise zurückzu- treten." .Es gibt aber noch andere Varianten, die wir dem Loebell- Ausschuh für seine fällige Berichtigung anheimstellen möchten: »Unendlich begrüße ich den ungünstigen Stand Ihrer W a h l a u s s i ch t e n. der Sie veranlaßt hat, in so hoch- herziger Weise zurückzutreten?" Oder: »Ich begrüße den günstigen Stand Ihrer Wahlaussichten. der Sie veranlaßt hat. in so hochherziger Weis« endlich zurück- zutreten." Oder: � „Unendlich bedauere ich den ungünstigen Stand der Wahlaus- sichten I h r e r G e g n e r, der Sie veranlaßt hat. in so hochherziger Weise zurückzutreten." Oder: »Hochherzig bedauere ich den unendlichen Stand Ihrer Wahlaussichten, der Sie veranlaßt hat. i n s o ungünstiger Weise zurückzutreten." Wir verzichten auf weitere Kombinationen und hoffen, daß die obigen Anregungen die Aufgabe des Loebell-Aus- fchusses erleichtern werden, wenn es gilt, den fatalen Satz in seinem ursprünglichen Wortlaut wiederherzustellen und der Oefsentlichkeit endlich bekanntzugeben. Aber Scherz beiseite: Mll seiner Erklärung hat der söge- nannte Reichsblock nicht nur d u m m u n d d r e i st g e l o g e n. sondern er hat obendrein vor aller Well bekundet, daß e r den 78jährigen Hindenburg als einen Tapergreis behandell. dessen erste Aeußerung im Wahlkampf eine solche Katastrophe war, daß sie dem deuffchen Dolle vorenchalten werden mußte. Damit keine Geschichtsklillerung entstehe, stellen wir hiermit ausdrucke lich fest, daß die ersten, die Hindenburgs Senilität vor aller Welt dokumentiert und unterstrichen haben, die Herren vorn Loebell-Ausfchuß selbst sind._■ Wir stellen weiter fest: Der„Reichsblock hat den Wahl- feldzug für Hindenburg mit einer faustdicken Lüge eingeleitet — undHindenburghatihnlügenlassen! Er Hot den Wahlfeldzug mll einer schallenden Ohrfelge für Hindenburg eröffnet— und Hindenburg hat diese Ohrfeige seiner Freunde demütig ein- gesteckt!' Kein Mensch, der wirklich Achtung vor Hindenburg empfindet, hätte sich so etwas geleistet— der Loebell-Ausschuß h a t es sich geleistet!. Kein Mensch, der einen Funken von Selbstbewußtsem be- sitzt oder selbständig zu denken imstande ist, würde sich so etwas gefallen lassen— Hindenburg läßt es sich gefallen? ArmerHin den bürg! hindenburgs Iufage- ein Nißverftändnis? Hat's der„Marxismus" ihm angetan? Bekanntlich war es sehr schwer, Hindenburg zur Annahme der Kandidatur zu bewegen. Erst als man ihm klargemacht hatte, daß die Iarres-Kandidatur ohne Aussicht aus Erfolg war— wofür später Tirpitz und er selbst Zeugnis ablegten—. entschloß er sich, in die Bresche zu springen. Es bleibt ober die Frage, warum der greife Feldmarschall, der noch seiner eigenen Erklärung seit seiner KadeUenzell kein anderes Buch mehr als militärisch« gelesen hat, es für notwendig hielt, soweit seine Kraft dazu reichte, hie Wahl von Marx unter allen Umständen zu verhindern. Aus diese Frage gibt es nur eine Antwort: Offenbar hat der alte Herr.sich einreden lassen, Wilhelm Marx sei der Begründer des so oar- abscheuenswiirbigen„Marxts'mus".-":V' Manche mögen da» für«wen Wtz halten. Die abet über- schätzen den Gräd der polnischen Bildung, wl« sie in den- Spieß. bürgerkreisen um Hindenhur.g zu Haus« ist. Erläßt hoch spÄea. der Vorstand des Deutschen Handwexterbunde-i einen Aufruf, worin es wörtlich heißt: In schwerster Zeü und tiefster Not erwartet da» Handwerk schnellste Rettung. Die unserm Stande durch den Morxti» mus geschlagenen Wunden werden tödlich fem, wenn nicht.bal- dig« und durchgreifende Hilfe kommt. Wiederum droht die Gefahr. daß ela vortreter der marxlfklfchea Weltanschauung die höchfkc Stelle im Reiche erringt. Hierdurch wäre unser Schicksal besiegelt. Lohengrin. »Nun sei bedankt, mein Iarres-Schwan" Sang Lohengrin, entstiegen seiner Kutschen. „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Jetzt kommt die Sache von allein in» Rutschen. Als bester aller Deutschen Wie konntest du enttäuschen? Drum, lieber Schwan, mach keine Geschichten,— Ich beklag' dein« schlechten Wahlaussichten." Mit Rundfunksender und T.U.-Fanfaren Ging dieser Sang ins deutsche Vaterland. Doch kaum war Lohengrin das Wort entfahren, Da stöhnt der Regisseur:»Wie umgewandt!" Funkt rasch an die Wähler: Es war«in Uebermittlungsfehler! Denn mit dem letzten Satz vernichten Wir völlig unsre Wahlaussichten!" Die Mannen schlugen eifrigst an die Schilde Und taten ihrem Heros also kund: ,.O Lohengrin, du bist nicht recht im Bild«: Wir singen, doch du halt den Telramund! Nie sollst du etwas sagen! Es wäre nicht zu tragen. Denn öffnest du den Mund, verzichten Wir auf die letzten Wahlaussichten!" Mich.»»« Li»Z>cnhi»en. Psalm öes Zruhlings. von Cola Landau. Frühling. Frühe der wiedergeborenen Well! Ist es nicht der ewige blaßrofa Morgen? Tag, auszwitschernd vor unseren blind- gewordenen Fenstern? Bäum«, die ein regloses Netz von schwarzen Strahlen quer durch den Himmel spannen, fangen darin das flockig- Licht. Durch die kahlen, blätterlosen raschelt der laue Wind und über- schüttet sie mit dem klirrenden Laub einer süßen Musik. In einem großen Sausen fährt der Duft heran von allen Morgen der Erde. Die Bäume beben, biegen sich, die Stümpfe der Aeste stöhnen auf aus ihrem verkrüppelten Schlaf. Nun beginnt der Saft in ihnen zu sieden, strömt» stürzt aufwärts, bis er ausbricht in grünen Knospenspitzen, in zarten, grünen Lebensspitzen, alles VfeUe in das . Herz der Finsternis und des Todes. Alle Pappeln rauschen Aufruhr. Alle Sträucher schäumen auf in Blüte. Und der drohende Frühling peitscht die grauen und roten Rosse der Wolken über den rauschenden Acker. Frühling— sst es nicht die ewig« Früh« nach der endlosen Nacht! Die Gesichter der Menschen sind welk geworden und rissig. Schon die sanfte Haut der Jugend, geritzt von Gram, klafft auf in kleinen Sprüngen. Das Lächeln fallet sich in einer bitteren Runzel um den Mund. Zerrende Hast oerzetrt die Ruhe der Stirn. Aus dem Auge quillt Wut der Eile. Und allmählich flattert Blall für Blatt, Stück für Stück der Seele zu Boden,«ingeschrumpft, zu. sommengekrümmt vor dem fliegenden Staub der Straße. Dieser graue Pilz des Staubs, Mühsal und tägliche Sorge hat die Gesichter mit Schimmel überzogen und mit zerzausten Zügen, verwaschen vom Regen des Weinens stehen die Menschen kalt, entblättert in pfeifen- dem Frost. Jeden langen Tag sterben sie in den Abend ob. Hängen reglos im Schlaf wie Gehängte, erdrosselt von dem Stnck ihrer Sorge. Sie leben kaum. Bis wieder einmal der zornige Frühling an die Fenster schlägt und ewige Frühe hie Scheibe der Rächt zertrümniert. Erde spaltet sich. Di« kreißende Erde wirft Lehen aus, und wieder hebt Schöpfung an aus dem Chaos, ein Erdbeben, in dem die armseligen Blöcke der Städte zittern vor dem lautlosen, erschütternden Donner des Wachs- tums. Da kriecht auch der Mensch aus der Erde, hebt fein verfall«. nes Gesicht und steht aufrecht. Da fühlt er den Morgen in seinen Gliedern, daß er mit starken Armen die Schale des Tages hält, die überlaufen will von Licht, daß ein Lächeln hinspringt auf feiner Wange und breite Güte sich ausruht auf feiner Stirne. Und daß alle Geschöpfe sich an den Händen halten zu dem Kreisspiel eines ewig bewegten Taktes. Dann stürzt Sonne aus dem Auge des Menschen aufwärt» in die Sonne des Himmels, und tausend Tode wieder in das Leben hinein peitscht die schimmernd« Geißel des Frühlings. Renalssance-Thealer.(»Dos romantische Alter' von M i l n e r.) Da unser Bedarf an Naschwerk außerordentlich stark ist, wurde aus England ein arg überzuckertes Lustspiel importiert. Das junge Mädchen, das vom Prinzen, Mondschein und allen anderen Mär- chen träumt, wird zu einem anständigen Börsianer und zum Kocbbuch bekehrt. Die Bekehrung geschieht. Indem der blonden jungen Dom- alle Romantik aus dem Herzen und dem Bubikopf entführt wird. Aufregend mag diese Geschichte für Leute sein, denen es zu gut geht. Deren Zahl ist in Deutschland nicht sehr groß, und darum könnten wir auch dieses englische Lustspiel entbehren. Wir möchten aber Eräulein Erika v. Thellmann, die sich dar höchst angsnehmen »rlobungs- und Bekehrungstortur unterzieht, lächelnd lobpreisen. Sie hat entzückende Dinge aus faden Dingelchen geformt., und da- durch drei Akten, die sonst bedenklich abgefallen wären, einigen Erfolg verschafft. M. H. Zm Lessinq-Thealer ging gestern Victor Hahns fünfaktige Tragödie»E e s o r e B o r g i a" in Szene. In den ersten beiden der fünfeinhalb Akte ging da» zahlreich« Publikum, unter dem man auch den Reichspräsidentschaftskandidaten Dr. Marx bemerkte, noch willig mit, da es von der ereignisreichen Handlung aus der Schreckensherr- fchaft der italienischen Renaissance gepackt wurde. Allmäblich ober ermüdeten die endlosen Tiraden. Das hohle Pathos des Hauptdar- stellcrs Theodor Becker, die Unbeholfenheit der übrigen Darsteller grenzten ans Unerträgliche. Trotzdem wurde der Autor an den Aktschlüssen mehrfach gerufen. Dgr. Ein Ferienkur» für Ausländer an der Londoner Universiköt. Die Universität London häll vom 17. Juli bis 13. August einen Ferienkurs für Ausländer ab, der in erster Linie dazu bestimmt sein soll, die Kenntnisse der englischen Sprache zu vertiefen und sich daher für neusprachliche Philologen besonders eignet. Di« Kosten für den Kurs belaufen sich aus süns Pfund. Nähere Auskunft erteilt das Auslandsamt der Studrirtenschaft, Verlin-Charlotteuburg, Kurfürstenallee, Bau 12. Der Anfrage sind Marken für Antwort beizufügen. Statistik der amerikanischen Kaffeehäuser. Seit der»Trocken- legung" Amerikas hat der Kaffeekonsum dort zugenommen. Das Washingtoner Handeleamt gibt eine Statistik heraus, wonach im vergangenen Jahre 1 381 787 285 Pfund verbraucht wurden, was kb Millarden Tassen ergibt, womit auf den Kopf der Bevölkerung SSO Tassen jährlich kommen. Waan lit der früheste Oslertermlu? Nach der Festsetzung des Konzils zu Nicäa muß Ostern auf den ersten Sonmag nach Vollmond nach Frülssingsonfong fallen, d. h. daß der früheste Ostertermin der 2?. März ist. Dieser Termin ist zugleich der seltenste, da es nur alle 50 bis 100 Jahre einmal vorkommt, daß Ostern auf den 22. März fällt. Monchnial dauert es sogar mehr als 100 Jahre, bis dieses Er- eignis eintritt. IM Jahr« 1818 war Ostern das letztemal aus den 22. März gefallen. Wir augenblicklich lebenden Menschen werden den nächsten derartigen Terinin nicht mehr erleben, denn er findet erst im Jahre 2085 statt, das nächstcmal 70 Jahre später, ebenjo wie die vorhergehenden Male in die Jahre 1761 und 1603 fielen. Der nächste Ostertermin ist der 23. März. Dieser kommt allerdings häufiger vor als der 22.. denn das letztemal fand Lstern an' 23. März 19 13 statt, und es dauert aber �och fast ruud 100 Jahre, nämlich bis zum Jahre 2008, bis der 23. März wieder als Ostern gefeiert wird, falls bis dahin der Ostertermin nicht genau festgelegt wird. SwatSeper. Die Intendanz«acht darauf aufmerksam, daß daS 10. Slnsonie-Konzert am Freitag, den 17.. nicht wie üblich um 7A Uhr. solcher» um S Uhr beginnt.— Leo Slezat absolviert am Sonolag, den 13.,«in einmaliges Gastspiel alz„Radamez". in der„Aida*., Ter frühere Leiter per GrvKen voMooer. Wilhelm Lange, wird nicht für die Reinhardt-Bühnen verpslichtet werden. Eine nru« elektrisch« Gütcrzuglolomotivc. In Schlesien ist«in« neue elektrische Güterzuglokomotiv« der Deutschen Reichsbahn in Betrieb ge- nommen worden. Es bandelt sich um«ine schwere GebirgS-Güterzug- lokomotive, die«in Gewicht von 120 Tonnen hat. Sie ist sür die Be- förderung schwerer Güterzüge auf schwierigen Strecken bestimmt und er- reicht«in« Höchstgeschwindigkeit von 55 Kilometern. Di« neu« von der AEG. erbaute Lokomotive befördert zurzeit Güterzag« zwischen Hirsch- berg und Görlitz-Tckssauroth. Münchener Wagner- und Mozart-Festsptele. Di« Generaldirektion der Bayerischen StaaiStheater veranstaltet auch in diesem Jahr« in der Keit vom 1. August bis 9. September festlich« Ausführungen von Werten Richard Aagnera und W. A. Mozarts. Es finde» im Prinzregenten- theater 20 Ausführungen statt. Eine wissenschaftlich« Expedition nach Nord TvchaNn wird in Leytn- arch» unter BMeiligung namhaftester Gelehrten vorbereitet, um die Mineralreichtüm« und den Waldbeftand der Insel und die Möglichkeit der Ausbeut« und der Prüfung der von den Japanern gesunden«« Raphthagirellen zu erforschen. Wilhelm Marx,„der zähe und geschickte Dundesgenosse der Sozialdemokratie", wie es kürzlich im„Berliner Lokalanzeiger" hieß, ist nun gar„schon ein Vertreter der marxistischen Weltanschauung"! Es wäre unbillig anzunehmen, der Vorstand des Deutschen chandwerkerbundes sei politisch weniger gebildet als Hindenburg. Also...? Wilhelm will zurück! Wittert er Morgenluft? Als Hindenburg vor fünf Iahren zum erstenmal die Möglichkeit erwog, als Präsidentschaftskandidat in Erscheinung zu treten, meldete die ihm nahestehende„Deutsche Zeitung" (Nummer vom 10. März 1920). er habe„bei seinem Kaiser, dem er den Treueid geschworen, die Genehmigung zur Annahme Eingeholt". In Anknüpfung an diesen Vorgang verbreitete sich von Hannover aus das Gerücht, Hindenburg habe sich diese Genehmigung neuerdings bestätigen lassen, worüber sich die Auslandspresse, voran die amerikanische, nicht wenig amüsierte. Dadurch sah sich der deutschamerikanische Journalist Viereck(ein illegitimer Enkel Wilhelms I. und somit Wilhelms II. leiblicher Vetter) zu einer Anfrage in D o o r n veranlaßt, auf die dann folgende Antwort erging: Telegramm erhalten. Geschichte absolutes Märchen. Seine Majestät hatte kein« Mitteilung irgendwelcher Art von Feld- Marschall chindenburg bezüglich seiner Kandidatur. Keine Mit- leilungen wurden in Doorn erhalten. Admiral v. Tirpitz war nicht i» Doorn. Seine Majestät erhält Information über Präsidentenwahl in Deutschland ausschließlich aus deutscher und ausländischer Presie. Seine Majestät in keiner Verbindung mit irgend jemandem, der zu aktuellen politischen Kreisen in Deutschland oder mit Parteiführern. Seine Majestät hat es sich ein für allemal Grundsah gemacht, sich nicht in interne deutsche Angelegenheiten zu mische». > solange er in Doorn wohnt. Im Austrage Seiner Majestät: Oberst v. Kleist. Daraus ergibt sich, daß der Verzicht Wilhelms II., sich in deutsche Angelegenheiten zu mischen, nur für Zeit und O r t gilt. Wilhelm II. rechnet damit, daß er einmal nicht mehr in Doorn wohnen wird. Dann will er sich aber wieder in interne Angelegenheiten Deutschlands mischen.' Erst soll Hindenburg dran, dann kommt ER selbst wieder. Und dann gehen wir noch einmal„herrlichen Zeiten" entgegen. Der hinüenburg-Terror. Sie knirschen mit deuZSHneu, aber sie schweigen ansAngst. Die Ausstellung Hindenburas ist ein Verbrechen am deutschen Volke. Das wissen nicht nur wir. das wissen auch die Leute in der Regierung, das wissen die Vertreter der Wirtschaft.„Hindenburg leben lassenund Marx wähle n!" ist heute schon die Parole Ungezählter. Aeußerlich beugt sich drüben alles dem Terror des nationalistischen Götzendienstes. Keiner wagt sich mit seiner Person hervor, keiner tritt mit seinem Namen ans Licht. In der„Dossischen Zeitung" z. B. stellt sich jemand als „namhafter Interessent der deutschen Wirtschast, ehemasiger Offizier und Träger des E. K. 1" vor, der auseinandersetzt, die Hlndenburg-Kandidatur fei eine Katastrophe, kaum weniger schjunm als die im Sommer 1914. Das werde von vielen ein- gesehen, die sich mit der Erklärung, da sei„doch nichts mehr zu machen", hinter einer gefährlichen Resignation versteckten, statt schleunig st zuhaudeln. Sitte, die eine Ahnung von der Weltmeinung hätten, müßten sich zusammentun und offen hervortreten, um Hrndenburg zum Verzicht zu bewegen. Dieser Aufforderung zum moralischen Mut fügt jedoch der T 8 Z zeichnende Verfasser folgende Bitte an die Redaktion der„Vossischen Zeitung" hinzu: „Ich bitte Sie, diesem Schreiben Raum zu gewähren, ohne melneu Namen zu nennen, da die blinde Verhetzung vor- läufig noch leider zu tief wirkt, als daß nicht Kritik au» dem eigenen Lager als„verbrechen" empfunden und nach bewährten Mustern .gerächt" würde." So also diese Leute! Das Eiserne Kreuz erster Klasse tragen sie stolz auf der Brust, aber wenn sie mutig sind, so reicht es gerade so weit, daß sie über die Hintertreppe zu einer demo- kratischen Redaktion hinaussteigen und zum Schluß bitten: „Aber, bitte, verratet mich nicht!" So find die„W i r t s ch a f t s f ü h r e r". So sind die po l i t i f ch en„Führer der Ration", soweit sie im Rechtslager stehen. Die Intrige hat diese Kandidaten erzeugt, der Terror hält sie austecht, dieFeigheitbeugtsich ihm! Em« der Deutschen Volkspartei angehörende Persönlichkeit, die in der praktischen Wirtschaft tätig ist, schreibt in einer Korrespondenz folgendes: „Die Ausstellung der Kandidatur Hindenburg hat in den maß- gebenden Wirtschaftskreisen geradezu lähmendes Entsetzen hervor- gerufen. Wir alle stehen unter dem Eindruck, daß allein schon durch' die Totsach« dieser Aufstellung wirtschaftspolitisch ein ganz unge- heurer Schaden angerichtet worden ist. Wir ringen und kämpfen seit Jahr und Tag um die Ueberwindung der Schwierigkeiten, die sich aus Inflation und Stabilisierimg ergeben haben, wir kämpfen um die Steigerung des Exports, und immer wieder haben wir wegen der Unsicherheit der innen- und außenpolitischen Lage zu geordneten Derhältnijsen es nicht bringen können. Nun zerschlägt die Kandidatur Hindenburg alles, was bisher in mühseliger Arbeit geschaffen wurde. Di« Folgen sind unübersehbar. Meine im Wirtschaftsleben tötigen Freunde und ich haben Iarres gewählt und würden ihn auch jetzt wieder gewählt haben! Nun aber wählen wir Marx. Der Sieg von Marx ist auch das Gebot der Wirtschaft." Und auch hier— keine Unterschrift! Keine Parteipolitik! Reichsblock und der Wahlaufruf„Hindenburg". Hindenburg werde keine Parteipolitik treiben, sagen die Verfasser der Osterbotschaft Hindenburgs. Dos ist ohne wei- teres zu glauben. Hindenburg wird überhaupt keine Politik betreiben. Das wird der R e i ch s b l o ck für ihn besorgen. Er hat zu diesem Zweck bereits eine Filiale im Hause, des Landbundes in Hannooer errichtet. Die Frage Hindenburg und die Politik hat damit eine sehr einfache Lösung erfahren. Der alte Herr steht von jetzt ab unter örtlicher Zensur. Er wird die deutschnationalen Redaktionen nicht mehr durch allzu offenherzige Telegramme durcheinanderbrin- gen. Er wird schweigen. Er wird sich damit begnügen, seinen guten Namen für eine schlechte Sache herzugehen. Und die Politik machen die anderen, die Deutschnationalen im Landbundhaus. Die Deutfchnationolen haben das Heft in Händen, nachdem sie den Kandidaten der Volkspartei niedergeboxt haben. Und wie ihre Politik aussehen wird, braucht man nicht erst abzuwarten: echt deutschnatlonal. echt Manipe: halb und halb, wenn es gilt, das Rich- tige zu treffen, aufs ganze gehend, wenn Dummheiten gemacht wer- den sollen. Keine Parteipolitik: sagen die Verfasser der Osterbotschaft Hindenburgs.„Durch die Ausstellung des Generalfeldmarschalls von Hrndenburg hat die vom Reichsminister a. D. Dr. Iarres vorgezeich- nete schwarzweißroze Linie im Wahlkampf um den Reichspräsidenten die höchste Steigerung erreicht." heißt es im Wahl- ausruf der Vaterländischen Verbände. Und was das heißt, kann sich leder an den fünf Fingern abzählen, der weiß, daß die Vaterländischen als Anhängsel der Deutschnationalen bei jedem Rechtsputsch aus dem Sprung standen, um mitzumachen, wenn die Sache gut ging. ch Iarres, der Mann der schwarzweitzroten Linie, rächt sich mit einer kleinen Bosheit an dem neuen Kandidaten der Schwarzweißroten, dessen öffentliche Tätigkeit für Schwarzweitrot mit einem Dolchstoß gegen Iarres und seine schwarzweißrot« Linie begann.„Unendlich bedauere ich den ungünstigen Stand Ihrer wahlanssichlen. der Sie veranlaßt hat. in so hochherziger weise zurückzutreten," hatte Hindenburg an Iarres gedrahtet, nach- /lrbeiter! wenn einer zu Ludcndorss geht und ihn fragt: „hindenburg kann ich nicht wählen, wen soll ich nun wählen. Marx oder Thälmann?". so wird dir Ludendorfs sagen: „Lieber Zreunü, wähle Thälmann wenn da zn Killinger, dem Kapitän der Chrhardt-Brl- ganten, kommst und ihm dieselbe Frage stellst, so wlrd er dir sagen: „Lieber Lreunü, wähle Thälmann 1# wenn du zu Herrn v. Borsig, dem Oberscharsmacher, kommst. was wird er antworten? „Lieber Ireunö, wähle Thälmann!'' Lad wenn du zu hindenburg kommst, was wird der sogen? Der wird gar nicht» sagen, denn der kapiert da» nicht. Du aber. Arbeiter, kapierst es: Ml AiiliM NM. NM Menlilllg! dem er der Nachfolger Iarres' geworden war.„Der erste wahlgaag hat der durch mich vertretenen Sache einer überparteilichen Kandidatur des Reichsblocks mit lOch Millionen Stimmen schönen Erfolg gebracht," sagt Iarres in einem Aufruf, in dem er seine Wähler zur Wahl Hindenburgs auffordert. Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, weiß Bescheid.„Keine Parteipolitik! Ueberparteiliche Kandidatur!" behaupten die vereinigten Schwarzweißroten. Der Kandi- dat der Deutschnationalen und der Kandidat der Daltspartei desavouieren sich indessen gegensestig— trotz der Zensur. * Die Vaterländischen Verbände nennen Hindenburg in ihrem Auf- ruf«in höheres Sinnbild der nationalen Einheit und den Inbegriff christlichen deutschen Wesens Man kennt die Tonart. Bei der Kandidatur Iarxes hat der Rsichsblock dasselbe Lied gesungen, während hinter der Front bereits der Dolch für Iar« res geschliffen wurde. Der Reichsblock braucht ein Götzenbild für die Masse, um zu verbergen, welches Wesen sich hinter dem Götzenbild verbirgt. Werden diejenigen, für die die Pupp« auf den Thron gesetzt wird, merken, wie sie betrogen werden? Mit uns die Welsen, mit uns der B a u e r n b u n d, mit uns die Bayerische Volkspartci! versichert« der Reichsblock, als er Hindenburg für sich gepreßt hatte. Die Welsen haben in» zwischen einen süßsauren Aufruf erlassen, der nur zu sehr durch- blicken läßt, mit welch gemischten Gefühlen man in der Provinz Hannover dem Mißbrauch des Namens Hindenburg gegenübersteht. Die Bayerische V o l k S p a r t e i hat soeben noch durch eines ihrer Organe wissen lassen, durch welche Intrigen ihr Name bei der Kandidatur des 78jährigen Generals eingefangen wurde, und der „Germania" gehen Stöße von Zuschriften aus Kreisen der Baye- rischen Volkspartei zu, in denen auch nicht der leiseste Zweifel daran gelassen wird, daß man einer Kandidatur Hindenburg ablehnend gegenübersteht. Und der Bayerische Bauernbund? Er empfiehlt nunmehr seinen Anhängern offiziell, am 2K. April ihr« Sttmme für— Marx abzugeben! Es scheint also, daß der Volksbetrug, den der Reichsblock mit dem Namen Hindenburg im großen zu betreiben vsrfucht, auf wenig Gegenliebe stößt. Trotz aller„Ueberporteilichkeit", nationalen„Ein- Heft" und deutschen„Ähristlichkeit"! Erziehung zum Staatsvolk. Durch Martin Schiele, Minister des Inner«. Die„ De u t s ch e Zeitung", das Organ des Wdeutjchen Ber- bandes. der erst kürzlich den Außenminister Stresemann als Hochverräter vor den Staatsgertchtshof zstieren wollte, gibt aus Anlaß seines dreißigjährigen Bestehens eine Festnummer heraus. Die Forderungen des Alldeutschen Verbandes, unter denen die „Wiedergewinnung" der verlorenen Gebiete von Elsaß-Lothringen bis Schleswig-Holstein an der Spitze marschiert, werden bei dieser Gelegenheit von neuem erhoben, und der Alldeutsche Aer- band stattet aus diesem Grunde der Zeitung seinen Dank ab„für die mutige Vertretung seiner Ansichten und Ziele". Das wäre nicht interessant, wenn nicht in derselben Nummer und auf derselben Seite der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Schiele mit einem Beitrag erschiene, in dem er auseinandersetzt, wie er sich die Er- ziehung zum Staatsvolk denkt. Schiele ist nicht nur Reichstagsabgeordneter, er ist auch Innenminister in demselben Kabinett, in dem Stresemann Außenminister ist. Stresemann hat Frankreich einen Pakt an- geboten, in dem das Deutsche Reich noch einmal feierlich auf die ver- lorenen Gebiete von Elsaß-Lothringen bis Schleswig-Holstein ver- zichtet. Der A l l d e u t s ch e P e r b a n d hat deswegen Stresemann als einen Hochverräter bezeichnet und die Einleitung eines Per- fahrens vor dem Staatsgerichtshof gegen ihn verlangt. Die„Deut- s ch e Zeitung" hat sich zum Tröger dieser gegen Stresemann ge- richteten Politik gemacht. Sie nimmt die olldeutschen Forderungen in ihrer Festnummcr noch einmal osstziell auf, während sie der All- deutsche Verband ausdrücklich als sein Organ bestätigt. Und Herr Martin Schiele, Reichsminister des Innern, Ministerkollege des Herrn Stresemann, Gratulant und Mitarbeiter diese» Blatte«? Was soll das bedeuten» Will Herr Schiele damit etwa sagen, daß er mit der Außenpolitik seines Kabinetts nicht einverstanden ist? Oder folgt er mir einer lieben allen Gewohnheit, um nicht aus der Uebung zu kommen: immer Mampe, imnier halb und halb, mit der Linken drückt er hinter dem Rücken den Alldeutschen die Hand, die Strese- mann lynchen möchten, während er mit der Rechten echt treu, echt teutsch, Herrn Stresemann die Hand schüttell und ihm fem Ein- Verständnis mit dem„Schandpakt", dem„dritten Versailles" versichert. Der„Tug* gegen Anüenburg. Der Hugenberg-„Tag" schließt seine Betrachtungen zum Rücktritt Herriots mit den Worten: „Für Deutschland besteht ein dringendes Interesse daran, daß die Krise so schnell wie möglich beigelegt wird, damit die außenpolitischen Verhandlungen wieder in Gang kommen." Dieser Satz in einem Blatte, das sich zum Ziel gesetzt hat. Hindenburg zum Siege zu verhelfen, ist h ö ch st s o n o e r b a r. Die außenpolitischen Verhandlungen, an deren Fortgang Deutschland ein so dringendes Interesse hat, betreffen in erster Linie das Sicherheitsantzebot der Regierung Lucher- Strefemann-Schiele. Wir registrieren mit Genugtuung das Eingeständnis eines deutschnationalen Organs, daß der Erfolg dieser eingeleiteten Schritte im deutschen Interesse liegt. Damit dürfte allerdings der„Tag" im Gegensatz zu den All- deutschen und überhaupt zum größten TeU der Befürworter der Kandidatur Hindenburg geraten. In seinem Aufruf für Hindenburg hat Ludendorff noch ausdrücklich seine Gegnerschaft gegenIarres damit begründet, daß der bis- herige Kandidat des Rechtsblocks die Politik der Erfüllung gleichfalls verkörperte. Die Wahl Hindenburgs würde also den Bruch mit jener Ersüllungspolitik bedeuten, die im Stresemannschen Sicherheitsangebot ihren Höhepunkt gefunden hat. Wenn der Erfolg der außenpolitischen Verhandlungen im Interesse Deutschlands liegt— und darüber stimmen wir aus- nahmsweise mit dem„Tag" überein—, dann liegt auch die Niederlage Hindenburgs im deutschen Inter- « s s e._ Interview mit Tirpitz. Wiederaufrichtung der Monarchie?— Phantastische Träume.— Schmutzige Verleumdung! New Bork, 11. April.(TU.) Der Berliner Korrespondent des „International News Service". S. D. Weyer, tabell seinen Blättern ein Interview mit Großadmiral v. Tirpitz. Auf den Hinweis. daß im Ausland die Behauptung weitverbreitet sei, Hindenburg habe erst bei dem früheren Kaiser angefragt, ob er die Kandidatur annehmen„dürfe', antwortete Tirpitz:„Der Kaiser hat ebensowenig mit Hindenburgs Annahme zu tun gehabt, wie Präsident Coolidge, Poincarc oder der Mann im Monde. Die Meinung des Kaisers ist weder erstagt noch gegeben worden." Der amerikanische Berichterstatter erwähnte dann die im Ausland gehegten Befürchtungen, daß Hindenburgs Wahl die Frage der Wiederaufrichtung der Monarchie aufrollen würde. „Das ist schmutzige Verleumdung," erwiderte der Admiral.„Zeder, der die Lage in Deutschland wirklich kennt, weiß. daß— abgesehen von ein paar Fanatikern und phantastischen Trän- mern, zu denen wir nicht gehören— niemand dies für ratsam oder durchführbar hält. Alle, die Hindenburg kennen, wissen, daß er vöWg außerstande ist. sein gegebenes Wort zu brechen. Was aber das deutsche Volk oerlangt, das ist Schluß mst der Herrschaft der Parteipolitik und an der Spitze des Staates eine« Mann, der über de» Parteien steht- Die WahlHindenburgs wird den Frieden im Land«, die Aufrechterhallung von Gesetz und Ordnung gewähr» leisten. Dieser Gesichtspunkt dürfte gerade für Amerika wichtig fein. in seiner Bedeutung für die Durchführung des Dawss- Planes. Ich gestehe Ihnen ganz offen, daß ich persönlich den Dowes-Plan nicht für durchführbar Halle. Immerhin Haben wir unseren guten Willen damit gezeigt, daß wir ihn annahmen und bisher erfüllt haben. Hindenburg wird der Garant diese« guten Willens sein: denn gewiß zweifell niemand, daß er ein Mann von Wprt ist, der, wenn er einmal ja gesagt hat, sein» ganze gewallige Energie daran setzen wird, feierlich gegebene Versprechen einzulösen." * Es ist bekannt, daß die D e u t f ch n a t i o n a l e und die Boltspartei in ihrem Programm die Wiederaufrich- tung der Monarchie fordern. Demnach bleibt die Frage, ob der Rechtsblock seine Wähler belügt oder ob Tirpitz das Aus- land belogen hat. Wahrscheinlich ist beides der Fall. Uneriind- lich bleibt nur. weshalb sich der Vertreter des Slmerikamschen Dienstes gerade an Ti r p i tz gewandt hat, um die Wahr- h e i t zu erfahren.__ B«ctz Hitler für hmüenburg! Im Münchener„Völkischen Beobachter" fordert Adolf Hitler seine Mannen auf. einmütig für Hindenburg zu stimmen. Ludendorff. Knüppel-Kunze, Hitler, im Hinter- grund, laut Hugenberg-Pressc, sogar auch Mussolini— wer kommt dagegen auf?! $rei heil üer Republik! Reichsbanuerkundgebnug in Halle. Halle. 11. April.(Eigener Drahtbericht.) Heute abend S Uhr veranstattete das Reichsbanner einen gewalligen Aufmarsch zur Wahl in Mitteldeurschland. Zirka ISOOo Mann zogen unter Begleitung von ca. 10X1 Fackelträgern und unter Vorantritt von klingendem Spiel durch die Stadt. Auf dem H a l l- M a r t t nahmen die Trupps Ausstellung. Nachdem die brennenden Fackeln zu einem flammenden Berge zusammengeworfen waren, nahm Kamerad Schulz das Wort zu einer Rede, in der er zuerst de» Todestages Ferdinand Lassalles und dann der großen Aufgabe ge- dachte, die das Reichsbanner gemeinsam mit den republitanischen Parteien am 28. AprU zu erfüllen hat. Ein stürmisches„Frei Heil" war die Antwort aus die markigen Worte. Störungsversuche �vereinzelter Kommunisten und Monarchisten wurden im Keime erstickt._ Im Leipziger Ischeka-Prozeß wurden am gestrigen Tage die nicht endenwollenden Plädoyers der Verteidiger fortgesetzt. Recht«- anwall Schindler beendete sein« Verteidigungsrede für Poege und Rechtsanwall Bagnato begann sein Plädyer für Szon. Gegen mittag wurde die Verhandlung auf Dienstagmittag 12 Uhr vertagt. Es hat den Anschein, daß der Prozeß bei diesem Tempo erst gegen Ende der Woche zum Abschluß kommen wird. Der zwischen Frankreich und der Schweiz geschlossene Schied». vertrag ist unterzeichnet. Er bestimmt u. o. die Einsetzung einer ständigen Ausgle>chsk»mmisston. die die Konflikte regeln soll, die in einem diplomatischen Verfahren nicht geregell werden können, bevor man zum Schiedsgerichtsverfahren schreitet. Maifeier 1925* Der Znlernakionale Gcwerkschasksbund(Silz Amsterdam) sowie die Vorstände des Allgemeinen Deutschen Eewerkschaslsbundes und de» Allgemeinen freien Angestelllenbundes haben die gesamte Ar- beiinehmerschkft ausgerufen, auch in diesem Jahre am 1. Mai durch machtvolle Kundgebungen für ihre sozialen Forderungen und gegen den Krieg zu demonstrieren. Mir schliefen uns diesen Aufrufen an und erwarten, dast die Berliner Arbeitnehmerschast ihnen einmütig und geschlossen Folge leistet. Die würdigste Form der Mai-Kundgebung ist die Arbeitsrnhc. Mir rufen deshalb die Berliner Arbeitnehmerschast auf, am I.Mai dicArbei« ruhenzu lassen. Die Kundgebung am Vormiliag des t. Mai ist nach jahrelangem Brauch eine Ängelegenheil der Gewerkschasteu. Im Einverständnis mit den angeschlossenen Organisalionen haben ivir beschlossen, die gewerkschaslliche Maifeier wie im Vorjahre in Sälen zu veranstalten. Die Jnduslriegruppen bzw. Gewerkschaften versammeln ihre Mitglieder in von ihnen selbst auszuwählenden Lokalen. Diese Versammlungslokale sind uns umgehend, späicsteus bis zum 20. April. bekanntzugeben, damit der Gesamtplan rechtzeitig veröffentlicht werden kann. Bachmitlags- und Abendveranstaltungen werden von den JJarteien getroffen. Mir fordern aus, ungesäumt ans Werk zu gehen und alle er- forderlicheu Vorbereitungen für diese Kundgebung am 1. Mai zu treffen. Sie musz zu einer eindrucksvollen Demonstration der Berliner Arbellnehmerschafl gestaltet werden. Orksausschuß Berlin des Allgemeinen Deutschen Gewerkschastsbundes. S a b a l h. Allgemeiner freier Augestelllenbund, Orkskartell Berlin. Flatau. Reichelt. Oer Konflikt in üer Metallinöustrie. Der Stand der Aussperrung ist unverändert. Am Dienstag finden Verhandlungen zwischen den Parteien statt, um gemeinsam die durch den letzten Schiedsspruch etwa nötig gewordenen redaktionellen Aenderungea vorzunehmen. Da es sich um eine reine Formsache Handell, wird der sachliche Kern des Kampfes nicht zur Diskussion stehen. Am Mittwoch findet eine Funktionärversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes statt, die zu dem Schiedsspruch Stellung nehmen wird. Die Stellungnahme der Funktionäre kann gar nicht zweiselhast sein. Weiter dürsten sich die Funktionäre der Metallarbeiter mit der Situation im allgemeinen befassen. Bekanntlich sind außer der Arbeitszeit auch der 11 r l a u b und die Löhne gegenwärtig scharf umstritten. Die Unternehmer rechnen mit der Gleichgültigkeit der Metallarbeiter gegenüber ihrer gewerkschaftlichen Pflicht. Der Anschauungsunterricht, den die Unlernehiner den Arbeitern durch die Aussperrung, du.ck) Ablehnung jeder Lohnerhöhung. durch raffiniertes System der schwarzen L i st e n. durch den beabsichtigten Raub des Urlaubs erteilen, dürste jedoch seine Wirkung nicht verfehlen. Jetzt gilt es mehr als je, die Gleichgültigen auszurüllelu. sie für die Gewerkschaft zu gewinnen, den Propagandisten der Arbeiterzecsplilkcrung den Mund zu stopfen, um mit j der geschlossenen Macht der Gewerkschaft die Unternehmer zum nachgeben zu zwingen. Der Augenblick ist günstig. Er darf nicht versäumt werden! Zur„Eroberung" der Gewerkschaften. Der Ortsoerein Berlin des Verbandes der Lebensmittel- und Getrankearbeiter hatte am Karfreitag seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Geiceraluersaminlung im Gcwerkschaftshause ein- geladen, die sich mit der Aufstellung der Kandidaten und der Wahl der Verbandsdelegierten befaßte. Genosie ch o d a p p teilte den Beschluß der erweiterten Ortsverwaltung, der Vertrauensleute und Betriebsräteocrsammlung mit, wonach den Mitgliedern in der Generalversammlung cnipfohlen wird, die Delegierten zum Ver- bandstag dieses Mal nich' in Stimmbezirken durch Ucwahl zu wählen, sondern die Wahl der Delegierten in der Geueraloersamm- lung vorzunehmen. Die genannten Körperschaften unterbreiteten der Generalversammlung zugleich Vorschläge zur Auswahl der Kan- didaten für die Delegicrteinvahl. Jede der einzelnen Gruppen der Organisation soll durch mindestens einen Delegierten auf dem Ver- bandstage vertreten sein. Weiter wurde empfohlen, außerdem noch einen Berbandsangestellten als Delegierten zu wählen. Die zur Kommunistischen Partei zählenden Mitglieder ergingen sich in wüsten Beschimpfungen gegen die Vorschläge, wie auch gegen die vorgeschlagenen Kandidaten. Vor Eintritt in die Versammlung hatte» sie ein Flugblatt verteilt, worin nach der bekannten kommunistischen Methode über die Berbandsangestellten H o d a p p und S ch in i tz hergezogen und die einzelnen vorgeschlagenen Kandidaten heruntergerissen wurden. Die Abstimmung der Generalversammlung ergab die Zustimmung zu den Borschlägen der Funktionäre. Gewählt wurden die der Amsterdamer Richtung angehörenden Vorgeschlagenen: ch o d a p p, Verbandsangestellter, Fischer, Flaschenkellerarbeiter, Groß- in a n n, Müller und P i r, Emma. Sprit- und Likörarbeitcrin. Auch die vorgeschlagenen Ersatzleute wurden gewählt. Bei Bekanntgabe diel'es Resultats forderte Röhn seine kommu- nisth'chen Freunde auf, den Saal zu verlassen. Etwa 20 Rtitglieder folgten dieser Aufforderung. Damit erübrigte es sich, über die in der Münzstraße fabrizierten und eingereichten Anträge zum Ver- bandstag noch weiter zu diskutieren. Nachdem diese Anträge verlesen waren, die sich u. a. mit der Roten chilfc, Befreiung der' politischen Gefangenen usw. befaßten, wurden sie von den Versammelten ab- gelehnt. Einige zum Statut vorliegenden Abänderungsanträge zum Verbandstag wurden angenommen. Nachdem chodapp noch auf den Gedenktag L a f f a t t e s hingewiesen und aufgefordert hatte, bei der Wohl des Reichspräsidenten die Republik zu stützen und Marx zu wählen, wurde die Ver- sammlung geschlossen.__ „Nachklang zum Böitcherstreik". Mit dieser Ueberschrist brachten wir in Nr. 138 des„Vorwärts" eine Mitteilung des Böttcherverbandes, wonach u. a. die Essig- f a b r i k E. T i m n e r, Berlin, Büschingstr. 6, gesperrt sei. Die genannte Firma ließ uns daraufhin durch ihren Rechtsbeistand eine Berichtigung zugehen. Die Angabe, daß die Firma sich»och 14 Tage nach beendetem Streik geweigert habe, ihre Böttcher wieder einzustellen, entspräche nicht den Tatsachen. Unsere Notiz oerschweige „daß die Einstellung von Böttchern nicht zu erfolgen braucht, so- sern sie aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich ist. Dies ist tatsächlich der Fall, da meine Auftraggeberin während des sechswöchigen Streiks die Böttcherorbeiken außer dem Hause ver- geben mußte, so daß sie zurzeit für ihre Böttcher im Hause keine Beschästigung hat. Daher ist auch die Sperrung des Betriebs für Böttcher ungerechtfertigt". Der Verband der Böttcher teill uns hierzu mit, daß die Firma C. Timner nicht Mitglied der bestreikten Arbettgebcrvcrcini-� gung ist. Die Firma wurde deshalb mitbestreitt, weil sie eine« streikbrecherischen Böttcher einstellte. Dem Verband teilte die Firma mitj daß sie ein ehemaliges Mitglied des Derbandes als Beamten engagiert habe. Die in den Streik getretenen Böttcher hat die Firma nach Beendigung des Streiks nicht wie- der e i n g e st e l l t, da sie keine Böttcher mehr brauche. Daraufhin wurde der Betrieb als gesperrt erklärt. Der Vorbehalt bezüg- lich der Wiedereinstellung ist lediglich mit dem A r v c i l- geberverband vereinbart worden, nicht aber mit N i ch t v e r- bandssirmen wie die Finna T j m n e r, deren Betrieb daher vom Verband der Böttcher weiterhin als gesperrt erklärt wird._ Fragt die Handtuchfahrer nach ihrer Kontrollkarte! Mehr und mehr versuchen die Wäscheocrleihgeschäfte wieder Eingang in den Betrieben zu finden und ihre Ware i» Arbeiter. kreisen abzusetzen. Die organisierten Handtuchfahrer habe» deshalb beschlossen, wieder die Kontrollkarte einzu- führen. Jeder organisierte Handtuchfahrer, der für die taris- tichen Bedingungen arbeitet, ist im Besitze einer Legitünationskacte von grauer Farbe, welche jeden Monat abgestempelt wird. Wir richten an die A r b c i t n eh m c r s ch a f t, soweit sie Leihhandtücher bezieht, die Bitte, jeden Fahrer nach der Kontrollkarte zu fragen und nur von denen, welche die Karte vorweisen können, Wäsche zu nehmen. Die Branchenleitung der Handtuchfahrer: Deutscher Verkehrsbund, Sektion I. Achtung. Zimmerer!. Bei der Firma Haus- und Fabrik- bau Zl.-G.. Berlin, Defsäuerstraße 9, wird in Neukölln aus der Baustelle Zigrastrahe wegen Lohndisserenzen gestreikt. Die Firma hat die Arbeiten einen, Arbeitswilligen übertragen, und zwar den, Gemüsehändler Joses Kolodziej. Neukölln, Käiser-Friedrick- Straße 99/190. Dieser Kolodziej mußte am Karfreitag durch die Polizei von der Baustelle geholt werden, trotz seiner Kirchcnsrömmig- keit. Er gibt an, Zimmerer zu sein und hat nach seinen Angabän noch mehrere Arbeitsstellen, darunter eine auf dem Güterbahnhof Ostbahn. Kameraden! Die B a u st e l l e Z i g r a st r a ß e sowie die Arbeitsstellen von Kolodziej sind gesperrt! Zcntralocrband der Zimmerer Berlin und Umgegend. Achtung. Mitglieder des Baugewerksbundes! 3unat butditeifcBbt Solle««— Maurer— Nndcn«Ute Arbritowöalick- keit io Stuttgart. Keilbronu und im Schwarzwald. Ztöh-r- Auskuust im Verbaudoburcau des Deutsch«» Baugewerksbundes, Baugrwerk- schalt Berliu, Sngelufcr Ziwwer 53. Der Bar stand. t Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) Bcrautworilich sitr Politik:«rast Reuter: Wirtschaft:«rthur Tatrru»,: E-wertlchaftsbewcguna: ffriedr. Etikorn: Feuilleton: Dr. Zodu Schikowski: Lokales und Sonlliacs: Krid Sarftüdt: Anzeigen Tb. Stocke: sämtlich in Beilin. Derlag: Lokmarts-Berlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Verlaosanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68. Lindenslrabe 3. Hierzu 2 Beilagen,„Unterhaltung und Wisse»-' und„Blick w dt« Bücherwelt". Das sieghafte Lavaren hat sich innerhalb einiger Wochen und Monate als Haarwaschnitiet ersten Ranges im Reich und darüber hinaus eingeführt. Welche Frau würde wieder von ihm abgehen, die es einmal gebrauchte und die erkannte, wie vorzüglich es die Haare wäscht, wie schnell sie trocknen, wie leicht sie sich durchkämmen und wie weich und glänzend sie werden. 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Braun, mit glänzender Schokolade überzogen, oder weiß in glitzerndem Zuckerguß oder buntschillernd in allen Farben, so liegen sie zu Bergen aufgestapelt in den Schaufenstern, die Ostereier, die die verlangenden Augen oller Kinder und manches Erwachsenen aus sich ziehen. Aber daneben bleibt doch das Berlangen nach richtigen, natürlichen Hühnereiern zum Ostersest bestehen, und niemand mag sie gerade zu dieser Zeit missen. Leider haben die Eierpreise einen recht hohen Stand. Wie tcest die tatsächlichen Verhältnisse dazu berechtigen und wieviel die Ausnutzung der jetzt allerdings geringeren Knappheit mitspielt, sei im Augenblick nicht untersucht. Jedenfalls muß die Hausfrau in der Großstadt mindestens das Doppelte des Vorkriegspreises zahlen. Da erhebt sich die Frage: soll man denn überhaupt Eier kaufen und essen? Was enthält üas Cl! Hauptsache ist, daß man über den sogenannten Nährwert der Eier genau unterrichtet ist. Wir wissen, daß ein Ei etwa t4 Proz. richtige Eiweißskosse. die der Fachmann Proteine nennt, enthält, und daß außerdem etwa 11 Pro;. Fette darin sind. Der Rest wird aus- �schließlich von Wasser gebildet. Dabei ist noch zu bemerken, daß im ' Dotter andere Eiweißstosfe stecken als im Eiweiß, daß im Dotter der gelamtc Fettgehali steckt und daß das Weiße des Eies wasserreicher ist. Aber alles dieses interessiert für die Ernährung weniger, da wir ja im allgemeinen ganze Eier, also Eiweiß und Eigelb gleichzeitig genießen. Bor allem aber enchalten die Eier ziemlich beträchtliche Mengen von Vitaminen, olio von denjenigen Stossen, über die uns erst die neueste Zeit ausgeklärt hat und die zur Erhaltung und namentlich zum Ausbau des wachsenden Organismus unbedingt er- forderlich sind. Aus den angeführten Zahlen geht zunächst hervor, daß der Nährwert der Eier ziemlich hoch, aber doch nicht so hoch ist. wie er sälschlicherweise früher angenommen wurde. Man kann, wenn man die entsprechenden Vergleichszahlen heranzieht, nach ganz grober Schätzung sagen, daß etwa doppelt soviel Nährwert im Ei enthalten ist als in"der gleichen Gewichtswenge Fleisch. Ein Ei, das durchschnittlich etwa 50 Gramm wiegt, entspricht deshalb. Utfge- fähr 10p Gramm rohem mageren Rntdileisch, Aber es kommt.ja nicht allein auf deckNährwcn eines Nahrungsmittels an. foiidernaiich darauf, wieviel von den wertvollen Stossen ausgenvßl werden können. Und in dieser Beziehung stehen die Hühnereier, Gänse- und Enteneier lehr günstig da. Werden doch sowohl Eiweiß wie Fett bei ihnen fast vollständig im Magen- und Darmkanal ausgenutzt. Das Eiweiß und Eigelb gelangt entweder, weil es gekocht oder ge- Braten ist, schon in geronnenem Zustand in den Magen oder gerinnt dort erst unter dem Einfluß der Magensäure. Es wird dann von dem im Magensaft enthaltenen Pepsin verdaut und in Peptone ver- wandell: dann wird im Dorm die Peptonisterung der Eiweißstosfe durch den Salt der Bauchspeicheldrüse sortgesetzt. Daraus erfolgt die Aufsaugung der Peptone durch die Darmwand und ihre Uebernahmc ins Blut. Es ist nun�klar, daß die Berdauung dann am intensivsten sein kann, wenn die Säfte am Innigsten auf die Speisen einwirken können. Unter welchen Umständen das geschehen kann, ist in der Hauptsache von der Zubereitung und von der Art der Ausnahme der Eierspeisen abhängig. Hartgekochte, womöglich wochenlang in Salz- wasser gelegte Sooleier, die in großen, schlecht gekauten Stücken in den Magen gelange», bieten natürlich dem Berdauungssast einigen Widerstand. Desgleichen sind auch Trinkcier. die ans einmal her- untergeschluck« werden und sich>m sauren Mageninhalt zusammen- ballen, nicht sehr günstig für die Ausnutzung. vie nützlichste Zubereitung. Welche Zubereitungsorten wir wählen, hängt von verschiedenen Umständen ab. Es kommt darauf an, für wen die Eierspeise be- stimmt ist, für welche Zwecke sie genossen wird und unter welchen Verhältnissen sie aufgenommen wird. Es fei hier auf einige dem Russisches EierfrübstGck Im Hühnerbof. Organismus besonders zuträgliche Methoden hingewiesen, und zwar auf die Bereitungsarten, die mit einer feinen Verteilung der Eiweiß- stoffe verbunden sind. Für Kinder wähle man möglichst das ge- quirlte Ei mit Zucker, dem man noch einige Tropfen Zitronensaft hinzufügen kann. Das Ei muß aber richtig gequiMt oder geschlagen sein: d. h.� eine innige Vermischung mit der Luft und den hinzu- gefügten vtossen muß erfolgt sein. Ferner darf das Ei nur in kleinen Happen gelöfiell werden und soll nicht in den leeren Magen kommen. Es wird also am besten nach oder zu einer anderen Speise genossen. Auch die Verquirlung eines Eies in Fleischbrühe ist für Kinder sehr zu empfehlen. Hier kommt noch die anregende Wirkung der in der Bouillon enthaltenen Extraktivstoffe hinzu, welche eine starke und günstige Absonderung des Magensaftes hervorrufen. Bei Erwachsenen ist ebenfalls die Herstellungsart die beste und bekomm- lichste und damit also bie billigste, welche die größte Ausnutzbarkcit ergibt. Man greift also auch"hier zum Verrühren, Verquirlen und Mischen des Eic? mit anderen Stoffen. Zuckerei ist nicht jedermanns Biae Eroberung Im Wüstensand. Geschmack, aber eine Bouillon init Ei wird sehr gern genommen. Für Erwachsene erreicht man derr Zweck dir besten Ausnutzung wohl noch am ehesten mit der Zubereitung von Rühreiern, wobei man die Eier mit Salz und etwas Milch erst tüchtig schlägt und dann auch in dem heißen Fett auf der Pfanne noch ordentlich durchmengi. Ab- wechselung kann man sich leicht durch Veränderung der Zulätze schaffen, indem einmal Schnittlaiich, Zwiebelgrün oder dergleichen, ein anderes Mal Bücklinge oder Wurstresle beigemengt werden. Auch durch Veränderung der verwendeten Fette, BuUer und Speck, oder durch Wechsel der Belkost wird die Genußfreude erhöht. Rechnet man auf die Person zwei Eier und bereitet daraus in der ange- deuteten Art Rührei, so ergibt dies mit Brot oder Semmel zusammen ein nicht nur wohlschmeckendes, sondern auch ein vom ernährungstechnischen Standpunkt glänzend ausnutzbares Essen, das im Ver- hästnis zu seinem Nährwert auch bei den heutigen Preisen als nicht zu teuer erscheint. Namentlich für geistig Angestrengte ist dieses out verdauliche und gehaltvolle Gericht zu empfehlen, während für körperlich Arbeitende eine stärkere Beigabc von Kohlehydraten erforderlich wird, was wir gewohnheitsgemäß am besten durch Zugabc von Bratkarwfieln erreichen. In geeigneter Zubereitung sind also die Eier auch bei den jetzigen Preisen ein recht schätzenswertes Nah- rungsmitlel. Trotzdem wird man sie auch in gekochter Form nicht missen mögen, namentlich zu Ostern, wo wir sie gelb, rot, blau oder bemalt uns auf den Tisch setzen können. wie andere Völker Eier essen. Symptomatisch für die Verschiedenheit der Geschmacksentwick- lung der Völker und darüber hinaus von erheblichem psychologischen Interesse ist die Art, wie man im Osten, im Norden, im Süden und Westen der Welt die Eier zum Genüsse herrichtet. Seltsam extra- vagant erscheinen uns hier die Ehinefen, die die Eler nicht, wie es der Westeuropäer gewöhnt ist, kochen, sondern in rohem Zustande in mit bestimmten Chemikalien durchtränkte heiße Erden stecken, wo sie sie mehrere Wochen ruhen lassen. In völlig verfaultem Zustand, einen starken Geruch ausströmend, wird das Ei aus seinem Erdkäfig herausgeholt, entschalt und dann mit größter Sorgsalt als Delikatesse den Magenquantitäte» einverleibt. Fabelhaft ist, mst welcher Aus- dauer der Chinese die Eiervertilgung betreibt. Es gibt Chinesen. die zum Frühstück 30— 35 solcher in Fäulnis übergegangener Eier verzehren, und man versichert, daß diese Engroskonsumcnten sich bei ihrem verheerenden Handwerk überaus wohl fühlen. Im östlichen Rußland ist man der Einfachheit Kalber auf das auch in Westeuropa populäre Eieraustrinken spezialisiert Bekanntlich hat Rußland eine überaus stark entwickelte Hühnerzucht und damit auch Eierproduktion. Vor dem Krieg versorgte der Osten u. n. fast den gesamten Kontinent mit den notwendigen Eiermengen. So wurden beispielsweise im ?ahre Illgy itztzz Millionen Stück Eier, das sind für 5,04 Millionen Pfund Sterling, aus Rußland nach Zemraleuropa, Frankreich sowie England ausgeführt. Auf dem Valkan bildet das Ei ein überaus häufig verlangtes Nahrungsmittel. Hier orientiert man sich nach der französischen Küche, die in jeder Beziehung tonangebend ist. In England und in Amerika ist der Eierkonsum ebenfalls ein sehr starker, da der Brite wie auch der Amerikaner erst in später Nachmittags- stunde feine Hauptmahlzeit einnimmt, tonzentriert sich fein Haupt- interesse auf ein kräftiges Frühstück, das neben Wurstworen meist aus mehreren Eiern,, fei es in gebackenem, fei es in rohem Zustand, besteht. In Afrika kennt man das hühne-ei überhaupt nicht, doch befa� das nicht, daß sich der Afrikaner nicht von den Erzeugnissen ähnlicher Tierarten smon verzehrt z. B. das Straußenei) ernährt. Ueberau» reizvoll ist es. in das Tausenderlei unserer Eierspeisen. tultur näher einzudringen, hier sind seit vielen Jahrzehnten findige Köpfe am Werke, um immer neue Speisenkombinationen zu schaffen. Die amerikanische und europäische Küche kennt über 15äg Ejer- spclsenrezeptc und keine Laienseele vermag sich das Raffinement auszudenken, mit dem die Diener des Maaens am Werte sind, immer neue Bariationen zu lchasfen, um den Geschmack des übersättigten Lurusmenschcn zu befriedigen. Man teilt das große und überaus reichhaltige Gebiet der Eierspeisen i« neun Hauptgruppen«in. 1. Setzeier, Spiegeleier, Eier aus Butter, Ochsenaugen: 2. Eier in Kästchen, in Näpfchen oder Kokotten(was fern jeder pikanten An spielung gesagt sei): 3. Rühreier: 4. weiggekochtc Eier: 5. hart- gekochte Eier: 6. Verlorene Eier(pochiert): 7. Gebackene Eier: 8. Gefrorene Eier(gestürzte Eier): 9. Omeletten(Eierkuchen). wenig bekannte Eierrezepte. Es iolgen jetzt einige besonders prägnante und gängige Eier- speisen: Amerikanische Setzeier. Dies sind Setzeier, die mit gcrösietem Speck garniert sind. Nach Salles et Montaains müssen jedoch di Eier mit gerösteten Tomaten und gerösteten Champignons garniert � und mit Tomatensauce serviert werden. Aegyptische Setzeier.' Pom und Zwiebel werden dünn geschnitten, mit Butter ge- dünstet und mit Bcchamel gebunden. Damit bestreicht man den Boden der Eierschüssel, schlägt die Eier darauf und macht sie gar. Spanische Setzeier. Dünne Zwiebelringe werden in Mehl gewendet und in heißem Oel gebacken. Halbe Tomaten werden mit Oel ge röstet, gesalzen und gepfesiert. Die wetzeier werden aus die halben Tomaten gelegt, diese im Kranze angerichtet und die Zwiebclringc in die Mitte gegeben. Türkische Setzeier. Gekochte Hühnerlcbern werden mit gedünsteten Zwicbelscheiben vermischt und mit legierter Kallisjus angemacht, die man mit etwas Tomatenpurec verkocht hat. Die Eier werden um dieses Ragout herum angerichtet. Eierkästchen nach Pariser Art. Sauerampserpüree wird mit Sahne fertig gc� wacht, die Kästchen damit angestrichen, die Eier hineingeschlagen und gar gemacht. Portugiesisches Rührei. Das fertige Rührei wird in: Kranze angerichtet. In die Mitte kommen würjlig geschnittene, in Butter gekochte Tomaten, die mst gehackter Petersilie bestreut werden. harte Eier(dänisch). Die Eier werden gespalten, das Gelbe heraus- genommen und durchgestrichen. Kleinwürflig geschnittener Salm wird mst Majonaise angemacht. Der Salat wird über die Eier gr füllt, glattgestrichen und beliebig garniert. Gebackene Eier aus chilenische Art. Hartgekochte Eier werden gespalten und das Eigelb herausgenommen. Gekochter Reis wird mit Zwiebelpüree, Tomatenpüree, dem durchgestrichenen Eigelb und etwas rohem Eigelb ver milcht und in die Eier gefüllt, die dann mit etwas Eiweiß zusammengeklebt werden. So werden sie garniert und im heißen Schmalz ge- backen. Dazu Tomatensoße.— Dieser knappe Querschnitt gibt ein: leise Ahnung von der vielgestaltigen Maschinerie der Eierspeisenküche. wenn es sich auch nicht um Dinge handelt, die auf dem bürgerlichen Tisch eingeführt sind. Wie üas süße Ei wird. Als die Menschen noch ihre weihnachtlichen Pfesserkuchen ver- >ehrten> gab es fchan. Leute in Berlin, die sich tagaus, taoein mit der erstellung der Schakoladesteiitr beschäftigten. Sie nahmen schöne braune Schokolade, warm und weich wie Tan, und formten sie jn zwei Zinkblechformcn, von denen jede die. Hälfte eines Eies dar stellte. Sie modellierken die Schokolad? säuberlich in die ännrnflächr der Blechformen hinein nyd ließen die Mille unaucgesüllt. Die Blcchiormen wanderten dann in Kühlschränke und die Schokolade wurde hart und spröde. Das war eine Etappe auf dem Werdegange des Ostereis. Und dann klopien die Leute mit geschickten Fingern an den Blechiormen herum, drückten sie und halfen mst Messerspitzen nach, bis blank und ichön die hohlen Schokoladeschalen herausfielen Jede dieser Schalen lüllten sie nun mst Konsekt, mst winzigen Tubcr- röschcn aus Fondant, mst Nüssen, die in Karamelgehäusen behaglich sitzen und mit Kllgelchen aus Nougat. Und dann klebten sie die Schalen mit Hilse feinslüssigcr Schokolade auseinander. Das gab nun ein Ei. ein richtiges Schokoladene!, blank und bebäbig. Das war die zweite Etappc. Aber das Ei war schwer und groß, es konnte nicht aus der Breitseite stehen und nicht aus der Längsseite: darum bekani es einen Sockel mit Schokolade angeleimt, der wieder aus einer kleineren halben Schokoladetajel bestand. Und die ganze Außenfläche des Eies besetzten die Leute mit köstlichen Pralines, die mit Veilchenfondant gefüllt waren, und aus federn PralinL prangte eine richtige kandierte Leilchenblüte, eine richtige Fliederblüte in Zucker gekocht. oder das zusammengedrehte, mit Zucker überzogene Blütenblättchen einer Rose. Und andere Eier wurden mit spiraliichen Linien aus gespritzter Schokolade umwunden und fcingehucktc moosgrüne Pistazienkerne, so lange die Schokolade»och weich war, darani ge streut-, das sah aus wie eine Girlande aus frischem Grün. Dazwischen % China- rr Oh stück: Eine Sthaie famer Eier. blinkten spitzkantige Nougat-fours in blankem Stanlol. Und klein? billige Schokoladeneier gibt es, mit kleinen rosenroten Häschen in Rs> liefmanier, mit saftgrünen Schwänen auf dunklem Grunde und Vögeln in violetter Farbe, die über weiße Baumwipfel dahinfliegen. Alle diese Schönheiten garnierte der Künstler„aus freier Hand" auf die kleinen hohlen braunen Eier. Sein Handwerkszeug bestand allein aus kleinen Düten von Pergamentpapier, gefüllt mit der bunten. festgeschla-,enen Glasur, nur an der Spitze hatten die Düten eine Oessnung, groß genug, dah eine Stricknadel sie schtoh. Mil dem Daumen drückte er aus den oberen Teil, da löste sich an der Spitzen- Öffnung ein Faden aus Glasur, der legte sich in der Form, die ihm die Hand wies, auf das dunkle Osterei; wenn der Druck stärker wurde, ward der Faden dicker, er rmgeltc sich zu Punkten, zu körperlichen Halbkugeln und Ellipsen, ein Hase, ein Schwan, ein Vogel entstand aus ihm. Und das M a r z l p a n e i.— In den Marzipanfabriken Norddeutschlands wurde die susje und die bittere Mandel, die unter dem blauen Himmel Apuliens gereist war, zu Brei zerquetscht. Dieser Brei wurde geröstet und mit Zucker oersetzt. Dann nahm er seinen Weg ln die Kleinbetriebe, wo ihn fleißige Hände unter Zu- hilfenahme von sehr viel Staubzucker zu zartem, weißem, modellier- festem Teig verarbeiteten. Das war das Material für die Marzipan- eier. In hölzernen Rollapparaten entstanden aus würfeligen Mar- zipanklößen schöne, rundli-be Eier, die man aus spitze Nadeln spießte, die wieder in kleinen quadratischen Brettchen steckten. Dann traten geschickte Leute in Tätigkeit, die drehten dos Brettchen und tauchten die aufgespießten Eier in große Behälter voll aufgelöster, dünn- flüssiger Schokolade. Jetzt präsentierten sich die Eier im neuen, schwarzbraunen Kleide, wurden abgenommen von den Nadelspitzen. nachdem sie erkaltet und mit glänzendem Lack uberzogen werden. Die kleineren der Gattung verblieben in unocrzierter Spiegelglätte; aus den größeren schuk die Phantasie des Konditors eigenartige Ge- bilde. Er bemalte ihr breiteres Ende mit Kakaobutter und tauchte es in seingekörnte Schokolade, setzte ein Stilendc von Marzipan daran und freute sich, aus dem Marzipane! eine Eichelfrucht von täu- schender Echtheit gebaut zu haben. Aber die neuesten unter den Ostereiern sind von bescheidenster Winzigkeit. Nur in kleinen Kisten wie seltene Südfrüchte mit Watte verpackt, sieht man sie hier und da in den Auslagen. Sie präsentieren sich im bunten Staniolkieide, darüber ein Papierbändchen, woraus verlockend in kleinen Buch- staben der Inhalt angedeutet ist: Malaga, Sherry, Rum und Port- wein. Eine dünnwandige Kokaoschale umschließt den flüsiigen In- halt. Neu sind auch die ebenfalls recht Neinen und teuren Pasten und Fruchteier. Die in Rum konservierte Frucht, sehr beliebt ist: Zngwerwurzel, wird in der Form eines Eies zurechlqeschnitten und mit einem dünnen Zuckerüberzug bedeckt. Dieses kandierte Fruchtet gelangt in ein Bad von ganz feinem, aufgelöstem Kakao, in dem un- geröstete Mandclspäne schwimmen. Nachdem es herausgenommen ist, wird es entweder mit grobgehackten Pistazienkernen oder mit echtem Blattqvld ganz dünn bestreut. Wieder andere Eier sind mit pikanten englischen Marmeladen gefüllt. » Ts gibt noch mancherlei Eiliches. Jedermann kennt das Ei des Kolumbus, das eigentlich trotzdem noch niemand entdeckt hat. Dem alten Bismarck(er ist augenblicklich sehr aktuell, der Alte im Sachsen- wald) schickten seine Verehrer Kiebitzeier, im Zeitungsgewerbe schätzt man die Enteneier, die insbesondere die nationalistische Hilgenberg- presse mit unermüdlichem Eifer legt. Allerdings wollen wir uns durch das Monarchistenhuhn des Rechtsblocks die Osterstimmung nicht verstümmeln lasten. Die Zukunft soll leben. Die Zukunft des 2K. April! Für jetzt laßt uns in der sicheren Hoffnung auf den Sieg der Vernunft unsere republikanischen Ostereier mit Appetit oerzehren. Ostern öer Veltstaöt. Es ist ein Fest der Vielheiten, das jedem etwas bringen will: dem einen, der Auferstehung in der Kirche feiert, dem anderen, der sie In der Natur begrüßt. Ein Fest der vielen Religionen und Be- kenntnisse, ein Fest der Freidenker, das Fest der Menschen mit seinem für suchende Herzen erkennbaren, mit immer noch nicht er- faßten Sinn. Das Fest der Liebe, jagen die Leute, und wenn die Feiertage vorbei sind, haben sie es vergessen. Aber dies allgemeine Fest birgt mehr Verschiedenheiten al» Irgendein anderes im langen und lauten Jahr. Religionen und Be- kenntnisse trennen sich scharf, Vielstämmigkeit deutscher Lande, tritt im Unterschied der Bräuche in Erscheinung und nicht zuletzt scheiden sich Stadt und Land und mit ihnen Romantik und Nüchternheit, Stimmungszauber und Wirklichkeitserfassen. Wir begehen— wir können kaum sagen: feiern— das Auferstehungsfest in einer Welt- stadt, und da kommt noch etwas ganz anderes hinzu: die Kluft, die zwischen den Besitzenden usid den Armen liegt, die zwischen den Menschen, die jedem Feste mühelos Festgenuh abringen können, und denen, die nie frohen Herzens und sorglosen Sinnes einem FMag entgegensehen dürfen. Und wir empfinden den herben Gegensatz weniger, wenn Arbeit rauh und rasch Schritte zu den Fabriken lenkt oder müd und wankend in freudloses Heim zurückkehrt. Ostern in der Weltstadt— eine stumme Sprache, die viel lauter «I Anthony Zahn. Roman von Zerome K. Zerome. „Zch bin froh, daß er es nicht tut," lachte Edward.„3ch hasse Millionäre." r Betty war zugegen; die drei kehrten eben von einem Spaziergang auf dem Moor zurück. Edward oerlangte nach Wind, behauptete, in Oxford gebe es keinen. Es dämmerte bereits: vor ihnen lag die Stadt. „Es kommt ganz darauf an, wozu man die Millionen verwendet," warf Betty ein.„Geld ist eine Waffe. Man kann sie verwerten, um immer mehr für sich selbst zu er- rjngen, aber auch zur Befreiung der Gesesselten, zum Schutz der Unterdrückten, zum Ko�zpf für die Ausgebeuteten." „Äch kenne die Theorie," meinte Edward..L)er edle Räuber Nobin Hood, man nimmt den Reichen und gibt es den Armen. Zuerst aber muß Robin hood mit den Seinen Feste feiern, das ist nur gerecht. Und muß auch für schlechte Zeiten etwas zurücklegen, das gebietet die Klugheit. Und dann kommt der treue kleine John und will seinen Teil, und auch der liebe alte Mönch Tuck. Den dürfen mir nicht ver- gössen, sonst wird uns Gott das nächste Mal. feinen Segen vorenthalten. Und die Jungfrau Marion muß ein neues Gewand haben und einige Seidenbänder, um das schöne braune Haar festzubinden. Und auch Robin will für sich dies und jenes. Ist das alles erledigt, so bleibt für die Armen nichts übrig."> Anthony lachte: Betty jedoch nahm die Sache ernst. „Du träumst von der Zukunft," wandte sie sich an den Bruder.„Ich will dem Volke jetzt schon helfen. Ein reicher Mann, insbesondere ein guter Geschäftsmann, könnte in Mills- borough bereits morgen den Grundstein zu einer neuen Welt legen. Er brauchte nicht erst auf andere zu warten, könnte für die Arbeiter schöne gesunde Häuser bauen. Ich denke keineswegs an Wohltätigkeit. Deshalb soll ein Geschäftsmann die Sache in die Hand nehmen, ein nüchterner, sparsamer Mensch, der den Leuten die Wohnungen für eine erschwing- lichc Summe vermietet. Ich weiß, daß es getan werden kann, habe die Frage studiert. Er kann Klubs bauen, um . die Schenken zu ersetzen, Räume, wo die Menschen zusammen- kommen, lesen, plaudern, Konzerte und Aufführungen veran- stalten können. Weshalb sollte es kein Theater für die Ar- oeiter geben? Denkt doch an das. Gest», das sie fürs Trinken vergeuden: sie tun es nur. um aus ihren elenden Heimen fort- und beredter stt als der wohlklingende Schwall der Glocken oder das feierliche Wort von namenlosem Leiden und dem Sieg des Märtyrertums. Da» Volk steht immer noch mitten drinnen in seinem Dulden und hofft auf ein Ostern. Noch ist sein Auf- erstehen nicht ganz gekommen— und wenn das eigentliche Volk hübsch bescheiden lustwandeln geht, dann spricht es nicht von großen Dingen draußen in der Welt, dann schüttet man sich die Herzen aus und sucht sich von harten und häßlichen Sachen wenigstens in Ge- danken zu befreien. Dann denken die Arbeiter und die kleinen Bürger an die glücklichen Industriellen, die reich bedacht von den Segnungen ihrer Regierung, nicht so plebejisch sind, das Fest der Liebe in einem freudlosen grauen Steinhaufen zu verbringen— nein, die ferne, die.feindliche' Well, die man immer noch haßt und bekämpft, birgt so unendlich viel an Wundern des Schönen, daß man gerne das Opfer bringt und aus dem Ertrag der Arbeitsmühen und de« dornenvollen Steuerzahlens der Kleinen eine Reise wagt. Nicht die Kranken unter den Arbeitern, den Handwerkern, den Be- amten, den Künstlern und Gelehrten holen sich dort Freude und Stärkung— die bleiben daheim und müsien froh sein, wenn es wenigstens zu reichlicher Kost langt. Und wie viele haben auch diese nicht, an wie vielen geht nicht das Fest der Liebe ohne Herz und Erbarmen vorbei! Denken wir an sie, für die eigentlich dies Oster- begehen geschaffen ist, geschaffen sein müßte, an die Asylisten und die Gefangenen, an die armen Insassen der Siechenheime und Spi- täler, dann wogen Kampfgedanken in das Fest des Friedens, dann schüttelt man den Kopf und fühlt das Herz reger pochen, daß noch fo wenig, so herzlich wenig von all dem erreicht ist, was einst die Well mit Kunde von Freude und Liebe erschütterte. Ostern in der deutschen Weltstadt— so war e» einmal und so varf es nie wieder werden: höfischer Prunk, militärisches Spiel, Freudenfeste der Besitzenden, alles, was das Auge betören tonnte, nur eins nicht: nur nicht ein bescheidenes Abbild von dem, was das Osterfest doch eigentlich sein sollte. Nichts, gar nichts von Er- lösung der Menschen, von Befreiung der Böller aus den Ketten. in die wellgebietende Toren und gewissenlose Machthaber des Kapitals ihre.Untertanen" in Reich und Fabrik schlugen. Diese Osterzelt muß dem deutschen Volke, muh der am meisten leidenden Großstadtbevölterung Tage des Aufstiegs und der Aus- sicht auf glücklichere Entwicklung bringen— und darum müsien die Ostertage auch Tage helligsten Kampfe» sein, darum soll«in jeder werben und wirken. Wie bitter notwendig solche Wandlung ist, wir empfinden es an den Ostern, die in das Gedenken an die Passion den Gedanken der Passion des deutschen Lölkes und aller kriegführenden Völker werfen— er fehlte uns gerade noch, der Name Hindenburg, aber es ist recht gut. daß man Torhett und Verblendung genug besesien hat, um ihn den Massen wieder zum Bewußtsein zu bringen. Einem neuen Karfreitag entgegenführen, da» vermöchte dieser Wahlsieg— aber zu Ostern des Friedens und der Liebe würden wir nicht mehr kommen. Beherzigt es— da» deutsche Volt hat übergemig gelitten und will und muß endlich Auserstehung seiern. ,Vie Republik— ein MWhaufen!' Das sich ein Deutschvölkischer vor Gericht erlaubt. Was geschieht den Feinden der Republik, wenn sie über die Republik sich öffentlich in herabsetzenden Worten äußern? Für groß halten sie die Gefahr wohl nicht, sie würden sonst mit ihrer Schimpferei gewiß vorsichtiger sein, als ste es zu sein pflegen. Ein Fall, den wir als Zeichen der Zeit zur Beachtung empiehlen, wird uns aus Alt-Landsberg(bei Berlin) bekannt. Vor dem Schöffen. gericht Alt- Landsberg hatte sich der deutschoölkifche Ge- ineindeoertreter Stadioberinspeklor Garst« aus Neuenhagen als Echristleiter de».Neuenhagen-Hoppegarlener Wochenblattes" auf eine Anklage wegen Beleidigung des Gemeinde- Vertreters Breitinger, des Borsitzenden der Neuenhagener Ortsgruppe des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, zu verantworten. In der Ver» Handlung erklärte der Angeklagte Garske, in seinen Augen sei die Republik ein Misthaufen mit der Jakobinermütze obenauf. Der Vorsitzende rügte das Verhallen des Angeklagten Garske als ungehörig und drohte bei weiteren Unaehörigteitea dieser Art mit der Entziehung de» Wortes. Wir zweijeln nicht, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft von dieser Aeußerung des deutschvölkischen Stadtoberinspektors gebührend Notiz genommen hat. Aber man stelle sich einmal vor, daß in den Zeiten der Mouarchie einer auf der Anklagebank die Kühnheit gehabt hätte,.die Man- archie einen Mi st Hausen' zu nennen. Was hätte da die Etaatsanwaltjchaft mit dem Mann gemacht? zukommen. Bietet ihnen etwas Besseres, etwas, das ihnen wirklich Freude bereitet, dann werden sie ihr Geld dafür aus- geben. Ich würde nichts unternehmen, das sich nicht mit der Zeit bezahlt macht; gelingt dies nicht, so Hai sich die ganze Sache nicht gelohnt. Es könnten auch Läden eröffnet, Rah- rungsmittel und Kleider zu gerechten Preisen verkauft wer- den. Betriebe, die anständige Löhne zahlen, ihre Arbeiter be- teiligen. Es hat gar keinen Sinn, wenn wodlmeinende ge- fchäftsuntüchtige Leute derlei Dinge versuchen: sie macben ihre Sache schlecht, und dann heißt es:„Seht doch welch ein Miß- erfolg! Nicht die Träumer, die Theoretiker werden die Welt verändern. Das Leben ist«in Geschäft, bedarf des Geschäfts- mannes, um es neu zu gestalten. Dieser Mensch braucht gar nicht erst auf die Revolutton zu warten, auch nicht aus das Parlament. Er kann die Welt nehmen, wie sie ist, sie mit den ihm zur Berfügung stehenden Werkzeugen formen. Eines Tages wird einer kommen und euch den Weg weisen. Wir bedürfen einzig und allein eines wahrhaft großen Mannes; das ist alles. Sie hatten den Saum der Stadt erreicht: hier trennten sich ihre Wege. Anthony hatte der Mutter versprochen, zum Tee heimzukehren. Die Tetteridges waren fort, und die Mutter hatte einige ihrer früheren armen Nachbarn aus Snelling-Row eingeladen. Edward war um einige Schritte voraus. Betty streckte Anthony die Hand hin. Sie zitterte, erweckte den Eindruck, als würde sie fallen. Anthony legte den Arm um ihre Taille und hielt sie fest. „Wir stark Sie sind," sagte Betty. Das Bureau von Mowbray u. Cousins befand sich in einem viereckigen roten Ziegelgebäude inmitten der Stadt, gegenüber der Kirche. Anthony bekam feinen Platz an einem Schreibtisch in der Vorballe, die nach Herrn Mow'rays Privatümmer im ersten Stock führte. Herr Mowbray schien ihn mehr als Privatsekrelär. denn als Angestellten ,zu betrachten. Anthony hielt Herrn Mowbrays Papiere in Ordnung, er- innerte ihn an feine Verabredungen, schrieb jene Briese, die der Rechtsanwalt selbst beantworten wollte. Herr Mowbray war zu ungeduldig, um diktieren zu können. Mit Hilfe eines Briefftellers gelang es Anthony gar bald, nach kurzen An- deutungen die richtigen Schreiben abzusassen. Herr Mow- bray pflegte ihn zu seinen auswärtigen Besprechungen mitzu- nehmen: Anthony mußte darauf achten, daß alle Akten in der Tasche lagen, mußte die passenden Züge heraussuchen, alle Einzelheiten regeln. Anthonys Position war trotz seiner Unerfahrenheit eine einzigarttge. Er rechnete mit dem Neid der anderen Angestellten, doch wurde seine Begünstigung �utoschieber. Ein Geschäft mit faulen Dechseln. Ein Konsortium betrieb umfangreiche Schwindeleien mit Auto» mobilen. Die im Jahre 18-18 gegründete Benzin-Vertriebs-Geseil- schast G. Apel u. Co. in der Sellerstr. 27/28, die sich des besten Rufes erfreute, ging vor einem Vierteljahr in den Besitz eines krühcren Automobil-Rennfahrers Heinz von Lehn über. Die- fcr, selbst nicht sehr geschäftskundig, gewann als Teilhaber einen gewissen Pfeil vom Kaijerdamm, der auch Geld einlegte. Direk- tcren und Prokuristen wurden ein 52 Jahre alter, aus Riga ge- bärtig« Kaufmann Johannes Krakau, der zuletzt in der Frie- dtichstr. 250 wohnte und ein 36 jähriger Kaufmann Tally Selig. der sich Steffen Müller nennt, aus Brandenburg a. d. H. stammt und seine Wohnung in der Bchrenstr. 27 hatte. Unter dem neuen Inhaber inserierte die alte Firma, die über- all großes Vertrauen genoß, daß sie Automobile zu kaufen suche. Andererseits aber meldete sie sich auch, wenn Autos zum Kauf angeboten wurden. Die Käuferin erklärte bei den Verhandlungen, die zunächst schriftlich oder durch den Fernsprecher geführt zu wer- den pflegten, gleich, daß sie den Kaufpreis nicht sofort bar zahlen. sondern nur eine kleine Anzahlung leisten könne und für den großen Rest Wechsel geben müsse. Die Verkäufer erkundigten sich dann nach der Firma Apel. wenn sie ihnen noch nicht betannl war, und erhielten stets die beste Auskunft. So wurden dann die Wechsel in vollem Vertrauen in Zahlung genommen. Das Ende aber war. daß keiner eingelöst wurde und daß die Wagen ver sch wunden waren. Reklamationen blieben er- soiglos. Das letzte Opfer dieser Autokäufer war ein Herr aus Rostock. Auch dieser erklärte sich nach den Vorverhandlungen be- reit, bei einer geringen Anzahlung für sein Personenauto einen Wechsel über 8200 M. zu nehmen und erhielt ebenfalls kein Geld. Weil der Wagen sein letztes Dermögensstück gewesen war. so fuhr er nach Berlin, um hier persönlich nach dem Rechten zu sehen und zu oersuchen, den Wagen noch zu retten. Herr von Lehn war unterdessen, wie er aus Erkundigungen durch den Fernsprecher schon erfahren hatte, nach Amsterdam abgereist. Der Rostocker be- gab sich in das Geschäft in der Sellerstraße. traf aber hier nur noch Leute, die nicht Bescheid wußten. Die Herren Krakau und Müller waren nicht mehr da und auch aus ihren Wohnungen, in denen er sie noch zu finden hoffte, verschwunden. In der Behren- straße 2? ersuhr der Verkäuser nur noch, daß sein Wagen dort in der Nacht zum 6. d. Mts, auf dem Hofe gestanden habe. Am nächsten Morgen hatte Müller mit ihm eine.Spazierfahrt' engetreten, von der er nicht wieder zurückkehrte. Eine Freundin hatte er mitgenommen. Auch Pfeil hatte seine Wohnung ver- lassen. Wohin er. Krakau und Müller sich gewandt haben, weiß man nocb ebensowenig, wie den Verbleib von Lehn?. Ob di-lcr sich wirklich in Amsterdam oushält, steht nock, dahin. Auf Anzeige des Rostocker Herrn sah sich die Kriminalpolizei sofort die ganzen Geschäfte des Betriebes an und stellte fest, daß die gegen faule Wechsel getauften Aittomobile, Versonen- und Lastkroi'wr-",,, Kort wieder verkauft oder lombardiert worden waren. Auch die mbardicheine waren gleich wieder weiter beliehen worden. Bis jetzt wurden 80 Besitzer ermittett. die um ihre Wagen betröge,» wurden. 10 Autos wurden von der Kriminalpolizei wieder er- mittelt und für die Betrogenen beschlagnahmt. Die Slodlverordnelenversammlung hat in dieser Woche eine Sitzung am Donnerstag um 6 Uhr. In ihr wird der Stadt- kämmerer den Houshaltplan für 1325 vorlegen. Die Spandauer Feuerwehr hatte mit der Wehr von Siemens- stadl in der R e i ß st r. 14 einen Brand zu löschen, der in einem Drogenkeller entstanden war und an Oelen und Drogen schnell reiche Nahrung gefunden hatte, so daß mit mehreren Schlauch- lettungen längere Zeit tüchtig Wasser gegeben werden mußte. Nachts kam auf den Pichelsbergcn im neuen Wohnhaus neben dem Nestau- ranr Kalsergorten Feuer au», das bei Ankunft der Spondauer Wehr schon das erste und zweite Stockwerk mit einem Teil des Dache» ergnsfen hatte. Auch hier hatte die Feuerwehr mit mehreren Rohren kräftig zu loschen. Selbstmordversuch im Grunewald. Vi« Kinderpflegerin Frido K. aus der Bayernallee in Charlottenburg o e r g i f t e t e sich vor- mittags im Grunewald niit einem noch nicht ermittelten Gifte. Sie wurde auf der Straße nach Paulsborn in besinnungslosem Zuftanoe aufgefunden und nach dem Krankcnhause in der Achenbachjiraße gebracht. Zusammenstoß zweier Kraftdroschken. Bor dem Hause Weiden- dämm l.i stießen zwei Kraftwagen zusammen. Einer der Führer, Johann P a u l i t s ch aus der Cadiner Straße 5. zog sich einen doppelten Schädelbruch zu und fand Aufnahme in der Kiiuik in der Ziegelstrahe. Ein Fahrgast, der Kausinann Martin Pich aus der Goethestr. 34 in Charlottenburg, kam mit S ch n i t t- wunden an beiden Händen davon. Di« Schuld soll beide Auto- führer treffen. irgendwie als etwas Natürliches aufgefaßt. Sogar der alte Abraham Johnson, der Buyeauvorsteher, der den Ruf eines Tyrannen hatte, war von allem Anfang an zu Anthony freundlich. Er schien es als selbstverständlich anzusehen, daß Anthony Jurisprudenz studiere und später bei einem Rechts- anwalt praktizieren werde. „Auch ich hatte dies vor, als ich ins Bureau kam,' erklärte der alte Herr Johnson eines Tages, da sie zusammen heim- gingen: Herr Johnson lebte ebenfalls in Bruton Square. Er war Junggeselle und wohnte mit seiner unverheirateten Schwester zujammen. Das war vor vierunddreißig Iahren, zur Zeit des ersten Herrn Mowbray. Aber damals waren die Bureaustunden länger, und wenn ich heimkam, fühlte ich mich zu müde. Es kam auch noch allerlei hinzu. Außerdem hatte ich nicht Ihren Ansporn.' Er lachte, schien zu erwarten, daß Anthony den Witz verstehe.„Wenn Sie sich bei irgend- etwas nicht auskennen," fügte er hinzu,„so suchen Sie mich auf. Ich kann Ihnen behilflich sein." Die Leute hatten recht: Anthony studierte Jurisprudenz. Dennoch wunderte es ihn. daß alle dies so selbstverständ ich fanden. Er hatte vorgehabt, Edward in seinen P'an ein'u- weihen und dessen Hilfe zu erbitten. Allein Edward kam ihm zuvor. „Ich freue mich darüber, daß du beim Vater arbeitest." sagte er einige Tage nach seiner Rückkehr aus Or?ord. Er hatte Ins Bureau eine Botschaft des Vaters gebracht, der mit Kopfschmerzen zu Bett lag.„Ich hätte dir auch selbst den Vorschlag gemacht, würde ich gewußt haben, daß du an diesen Beruf denkst. Auch Betty ist darüber froh Sie meini. es sei gut für den Vater, du würdest ibn günstig beeinflussen." Er lachte.. Du solltest setzt ordentlich büfleln. Ich werde dir eine Liste der notwendigen Gegenstände Zusammen- stellen: Betty kann sie dir geben, falls ich dich nicht mehr sehen sollte. Und wenn du Bücher brauchst, die es im Bureau nich! gibt, so lasse es mich wissen; ich werde sie dir schicken." „Du hast recht," entgegnete Anthony.„Ich werde fleißig sein. Das ein-ige, was mich stört, ist. daß ihr mw alles so teichl macht. Es verdirbt meinen Charakter." Er b'ickte lächelnd auf. Edward faß mit baumelnden Beinen auf dem Schreibtisch des Daters.„Du bist mir ein guter Freund ge- wcsen. feit jenem Tag, da du zum ersten Male mit mir sprachst und ich den jungen Penlove verprügelte." Anthony sprach mit einem bei ihm ungewohnten Gefühl. (Fortsetzung folgt.) / Zeigt Schwarz-Not-Golü! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold erlabt folgenden Aufruf: .Der Entfcheldungskamps um die Präsidentschaft verlangt von jedem treuefte Pflichterfüllung im Dienste der deutschen Republik. Die Schlacht wird im Zeichen von Schwarz-Rot-Gold geschlagen wer- den! Wir fordern alle Besinnuiigssreunde aus, sich schon jekl mit den notwendigen Fahnen zu versehen, damit wir in den letzten Tagen vor der Wahl schon äußerlich bekunden können, daß das deutsche Volt in seiner Mehrheit republikanisch gesinnt und gewillt ist, am 26. April im Zeichen von Schwarz-Rot-Gold zu siegen. Fahnen sind in jeder Preislage im Warenvertrieb des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Berlin S. 14, Sebustianstr. S7/38, zu haben. Wettere Verkaufsstellen werden demnächst bei den republikanischen Parteien errichtet und bekanntgegeben werden."_ SezirkSbildungS»u«sa>uft SroßBcrsin. EtaatllcheS Schillertheater Eharlottenburg, BiSmarUftrabe, Sonntag, den Ig. April,„Bon mor- genS bis mitternachts' von tkaiser. Sonntag, den 17. Mai,„N a- p o l e o n', von Christian Friedrich Grabb«. Preis pro Karte einschltest- lich Theaterzeuel und Webflbr für Kleideravlage 1 Mt. Deutsches Opernhaus Eharlottenburg. Bismailtstraße, am Sonntag, den S. Mai,„Z a r und Zimmermann�, komische Oper von Lortzing. Preis pro Karte 1.30 M.. Kleiderablage frei. Di« Vorstellungen beginnen pünktlich VA Uhr nachmittags. Karten siir sämtliche Veranstaltungen stnd zu haben im Bureau des Bezirksbildungsausschuffes, Lindenstr. Z. 2. Hof II, Zimmer 8. Buchhandlung„Vorwärts', Lindenstr. 2. in sämtlichen Vorwärts- Speditionen, bei den Mitgliedern der Bildungsausschüfl« und den Ab- teilungsführern._ ?uflenüveranNattunaen. Acht»»«,«bteitu-g-k-ssiererl Mittwoch, den IS. April, von 5 bis 7 Uhr, Abrechnung der Beitragsmarten, Ausgabe der„Jugend voran" und der„Ar- bcttrr-Iuaend". Gefangschor»nd Mustker! Mittwoch, den IS. April, abend» IM Uhr, Ueben im Zeichenfaal der Schule«ochstr. IS. Dienstag, den 14. April, abends 7H Uhr: Nordost Ii Jugendheim Neue«Snlgstr. 21. Auosprache:„Warum bin ich In der SAJ.?'— Nordoft II: Jugendheim Danzlaer Str.„LSns-Abend."— Rordri»«: Borwärts-Spediilon, Dreifenhagener Str. 22. Bortrag:„Der Lehr- ling einst und legt."— Senefelter viertel: Badeanstalt Oderberqer Str. S7. Aussprach«:„Warum bin ich in der SAZ.?"— Westen: Baugewerksschule, Kursllrstenstr. 141. Aussprache: ,Zlnser« Osterfahrt."— Mariludors! Alte Schule. Dorsstr. 7. Vortr»g:„Da» Eogialistengekeh.'— RenUll» IN: Jugendheim Nogatstr. SS. Bortrag:„Wa, wir wollen!"— NeukSll» V: Jugend- heim Schiertestr. 44. Einfllhrungoabend für die Schulentlassenen.— NrI»It«». dors-vft: Jugendheim„Seebad", Restdenzstr. 46. Sinführungsabend für die Schulentlassenen.— SUsenthal: Schul« Kastanienalle«. Bortrog:„Astronomie." Mittwoch, den IS. April, abends 7K Uhr: ««»ding: Schul« Ruheplat,-. Set« Antonstrahe. Bortrag:„Semeinschaft in der Iugendbewogung."— Südost R.-v.: Jugendhelm Reichenberger Str. SS: Leiterer Abend mit besonderem Brogramm.— Lantwih: Demeindeschule Schul- strahe. Sinführungsabend für Schulentlassen«.— Wa»»se«: Schule Sharlotten- strah«. Bortrog:„Unser Wandern.'— strkner: Restaurant Grund. König- strahe. Bortrag:„Warum find wir in der SAJ.?"— Kalke»berg.Ast-GK«»i»»! Jugendheim Am Falkenberg 117. Bortrog:„Tinsührung In d>« sozialiltische Dedantenwelt."— isriedrichsseld«: Jugendheim Berliner Str. 4S. Aussprach«: „Gewerlschaftsbewegun».'— Kaulodorf: Schule Adolfftr. 2S. Bortrag:„Ge- 'sichtliche Entwicklung de» Sozialismus bis Zur Gegenwart.'— stuft«»»»«- Nord: Jugendheim Partau« 10. Einführungsabend für Schulentlassen«.— Sc». Sichtend««: Knabenmittelschule Marltstrohe. Vortrag:„stiele der SAJ." II Wo Ardeitoqmnelnschaft de» Genossen Abraham im Jugendheim f?t Andenstrah« beginnt nicht heut«, sondern wegen der bevorstehenden sZ Wahl«n am M:::woch. den 2 t». A p r i l. abend» TA Uhr. Anmeldungen werden dl» dahin noch entgegengenommen. ßrieffoßen der Redaktion. «.«. st. t. Beide Schiffe befanden stch auf d» Fahrt,«ehrte» aber nach wohlbehalten in ihren Scimaihafen Zurück._ übergibt man nur dem Nachweis deS Deutschen Mustker- Verbände» Berlin YSI.AndleaSstr. 21 fKSnigstadl 4316). GeschästSzeit 9— 5, Sonnlag» 10-2 Ubr. Aus Wunsch Vertrkterbesuch AllWeive ZuMMlHiiW Mittwoch, den 15. April, abends 7 Uhr, im Lehrervereinshaus. Alexanderstr. 41/42 läge* ot»»ang: Die Reichspräflöentenwahl— eine Lebensfrage für Sie Republik. Referent: Reichstagsabgeordneter Gen. Mfhäuser. Aoiritt nur mit Mitgliedsbuch uud Aunktionärauswe!» für 1S2S. Der Bezirksvorstand. Vorträge, vereine und Versammlungen. Reichsbanner»Schwarz Roi-Golb". TeschSftestei,«. Berlin S 14 Sebasttanftr. Z7/M Kok 2 Tr «»»»adschaf,»ee»,b«r, Südost. Dienstag, den 14. April, abend, ».'"7' 7 W9»„Uhr. Turmlbend In der»omelndefchule Skoliptt Strahe. Erscheinen filmllichcr Kameraden BNicht. Kameridschast K-ppegarten. Dienstag, den 14. April, abends S Uhr, int Lolal SchweiZerhauschen. Wichtige Besprechungen. Boll, ählige» Erschelnen aller Mitglieder Pflicht. Kameradschaft Tempelhof. Mittwoch, den Ib. April, abends 8 Uhr, stusammenkunft oller Kameraden bei Kranich, Mariendorf. Chaussee.. Eck« KurfürstensNafi«. Kamerad- schast Neutölla-Bri», 2. stua. Mittwoch, den Ib. April, abends 8 Uhr, in der Turnhalle Mahlower Strasse. Kameradschaft Lichtenden,»ebst Untergruppe». Mittwoch, den IS. April, abend» 7 Mi Uhr. Antreten der gesamten Kamerad- schaft einschließlich Untergruppe» in der Turnhalle Lllckstr. SO Zwecks Einteilung füt den 19. April. Silmtlich« Sonderveronstaltungen haben für Mittwoch Zu unterbleiben. Nach dem Turnen B-rstandosshunq. Daran nehmen sämtlich« stua- und Gruppenführer de» aesamten Orlsverein» teil, stu dieser Beran- stoltuna haben auch sämtlich« vasssven Mitglieder vollzählig Zu erscheinen. Kameradlchas««I»ig»»»sterha»sen. Mittwoch, den IS. April, abend« 7 Ml Uhr. 2.talieberversammlung im Bereinshejm, Berliner«tr. 17. Ausgab« von Windiacken. Erscheinen aller Kameraden unbedingt erforderlich. Betrl«b»k»»»k«»kasf» de, Stadt Beel!». Montag, den 20. d. M.. nachm. S Uhr, im Rathaus«. Känigstrasse Id/IS: Auoschuhfigung. «e.'e S-chschnIe. Mittwoch, den IS. April,« Uhr. Sophienschul«,«ein- meisterstraße IS/17, Dr. med. et lur. Rudolf Buhmann. Thema:„Rudolf Steiner, Tod und die steltgenossen.' Arbeitersport. Radebenl-Dre�ea— Licht»»de rg i. Lichtendevg I hat am 2. VNerfelertog Radebeul Zu Gast. Da« Spiel findet in der Knimststraß« am Bahnhof Stralau- Rummelsburg statt. Rodebeul ist«in starker Segner und Zählt in Sachsen mit ZU den stärtsten Bereinen. Lichtenberg I hat ihr« Mannschaft durch«inen iunaen Sturm verstärkt. Es ist deshalb«in scharfer Kampf ZU erwarten. Srtelanfang: Ilss Uhr Lichtenderg I(Schüler) gegen Teutonia(Schüler). 2ih Uhr Lichtenberg I gegen Brttannta. 4 Uhr Radkbeul-Dresden gegen Lichtenderg I. Um 7 Uhr abend» findet«in Komm er» bei Rikufch. Haupt- ftraß« 82, statt. Gäste willkommen. Langstreckenläufer»nd Geher. Am Mittwoch, den 1». April, abend»« Uhr. allgemeiner Treffpunkt Zum Training im Restaurant„Erholung", Serstroß«, Eck« Afrikanische Straß«. All« Langstreckler müssen daZu unbedingt erscheinen. Anschließend«in« kurz« Besprechung. Gestbästlicbe Mitteilungen. »«»«» Rtsdetendtea»«. Es» wichtig«« Gebiet, auf dem oirt« Fehler ge- macht werden, die st» Vit er oft schwer rächen I«ranke«inber gehören sofort in ärZtlich« Behandlung. Londelk e» stch um Darmflörungen der Säugling«, dann wirb der Ar« da» in fast 40 Zobren millionenfach bewährt« Prof. Bieder'» Ramogen verordnen, welches ietrm Kind« individuell angepaßt werden kann und meist sofort seine oute, in schwersten Fällen oft lebenorettend« Wirkung tut. Gesund« Kinder, die nicht genügend an Gewicht Zunehmen oder blaß und schwächlich stnd,«edeihen d«l Ramogen-Ernährung vorZllglich. Wer stch ein- aehend über Prof. Biedert'» Ramogen informieren will, verkma« von der Firma Deutsche Milchmrrt« A..G., Jwingenber«(Kessen), die ausführlichen Schriften: 1. Wie ernähr« Ich meinen Säugling? 2. Ramogen als Krankenkost, welch« ledermann ohne ied« Bervflichwng kostenlos zugesandt worden. Der Sommer-Kawlog der Firma N. Jirael ist soeben erschienen: er wird allen denjenigen besonder« willkommen sein, die stch über die Richtlinien der neuen Mode unterrlchlen und«eschmaavov« Neuheiten»»rtelkhak» einkoufen wollen. Do» Aeußer« dieses Katalog» Ziert«in in skchsfarbigcm Offsetoruck hergcs'.elllcr Umschlag, dessen Titel- und Rückseite geschmackvoll« Svniinert.'eldcr sowie reizende Strand-Neuheiten naturgetreu wiedergeben. Sich: minder interessant ist der Inhalt de» Aatalogcs, der«Ine ausführliche Beschreibung oller von der Firma geführten Artikel enthält. Einen breiten Raum nehmen die Abteilungen für Damcnkleidung und Wäsche ein. in denen alle Neuheiten durch tünstlcrtsch« Zeichnungen vor Augen geführt werden. Ebenso große An- rcaung bieten auch alle übrigen Ableilungen, von denen besonder« Kleider- ftofic und Scidenwarcn, Trikotagen und Strümpfe sowie Gardinen. Möbel- stoffe und Teppiche erwähnt seien. Bon den für den häuslichen Bedarf de- stimmten Gegenständen stnd die Abteilungen für Tischzeug«, Leinen- und Ba»m- wollwaren durch ihre Reichhaltigkeit bemerkenswert. Der Interessante und pielfeitig« Katalog wird von der Firma N. Israel auf Wunsch kostenfrei»u- gesandt. Eeschäklliche Mitteilungen für Sonntag-— Die Geschäftsstelle des Beibande» Deutscher vstseebäder(E. B.) legt Unter den Linden R— erteilt Interessenten Auskunft über alle Vstseebäder. In die Hand de» Radfahrer» Ist es gegeben, sich die Errungenschaften moderner Technik, die allein Bequemlichkeit und BnuehmIIchkelt de» Ledens rrhähen, zunuße zu Machen. Darum stnd„Komet'-Freilauf und„Komet". Vorderrad-Nabe», die den legten Fortschritt moderner Nabentcchnik vertörpern. für jede» Fahrrad unentbehrlich, wenn man leichtesten Laus und absolut wirkungsvolles und stets zuverlässtges Bremsen erzielen will. 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Senossin Baray: �Lieder zur Laute", Genosse Abraham:«Die Jugend- bewegung." Rezitationen, Polksianze der Arbeiterjugend.— Die Abtei- tungsleiter werden gebeten, die für die Besprechung am Donnerstag, den l6. April, in Betracht kommenden Genossen möglichst bald einzuladen und sich selbst eine halbe Stunde vor der Besprechung, also um 7!n Uhr, am angegebenen Orte einzufinden. 14.«reis Neukölln. Donnerstag, de» 18. April, 7H Uhr, erweiterte»reis- vorstandssitzung au der bekannten stelle. Iii.»reis. Dienstoff, den 14. April, 7% Uhr, Sitzung mit dem Bolksblock. den Abteilungsleitern oder einem Stellvertreter, Reichsbannerleuten und Srupvenführern bei Robert Wende, Niederschöneweide, Hasselwrrder Straße 13. 17.»reis Lichtenberg. Die für Mittwoch anberaumte»'orstandssttzung findet der großen Funktionärlonferenz wegen am Donnerstag, den 18. April, abends 8 Uhr, an bekannter Stelle statt. Mittwoch, den 15. April: 21. Abt. 715 Uhr Fahlabende in den bekannten Lokalen. «. Abt. 7 Uhr Schulaula Forster, Ecke Reichenberger Strafte. Stellungnahme zur Retchspräsidenienwahl. Neuwahl der?lbteilungslcitung. SS. Abt. Schömberg. 7>,5 Uhr bei König, Feurig., Ecke Prinz-Eeorg-Strcje, Frauenabend. Bortrag des Genossen Adler:«Die Frau in der Re- publik."- IM. Abt. Iohauuisihal. 714 Uhr Seneralversammluug bei Schreiner, Friedrichstr. 6. IM. Abt. Kövrnick. 714 Uhr Seneralverfammlung im Stadtiheaier. kleiner Saal, Friedrichstr. 8. Neuwahl der Abteilungsleitung. Die Bezirkssllhrer laden ein. Donnersiag. tßen 16. April: ZI. Abt. Die nächste Funktianärsitzung findet 714 Uhr bei Soldschmidt, Stolptsche Straße 36, statt..._ 33. Abt. 7 Uhr Mitgliederversammlung Schulaula Hohenlohestr. 16. Thema: «Die Rcichspräsidentenwahl und die Partei." Ref.: Genosse Ziotzur. Die «Borwärts".Leser sind hierzu eingeladen. s Srerdelafel Ser Groß-Serliner partei.Grganisation 139. Abt. Tegel. Genossin Genz, Rosensteg 3, ist plötzlich an einer Opera. tton oerstarben. Einäscherung Mittwoch, den 1Z. April, abends 6 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Das Runcifinikprogramm. Sonntag, den 12. April. 9 Ubr vorm.: Morgenfeier. 1. Präludrara, Artur BöLme(Di. Artar Böhme am Uarmoniam). 2. Largo, Händel(Gerda Reichert, Violine; Herta Mack-Keiohert, Klavier). 8. a) Kein Hälmchon wächst auf Erden, Friedemann Bach, b) Feldeinsamfceit, Brabms (Erika Helmcke. Sopran). 4. Ansprache des Herrn Pfarrer Pfeiffer. Berlin-Tempelhof. o. Auf, auf zxt Gottes Lob. Job Wolfg. Frank (Erika Helmcke, Sopran). 8. Bibelreritation(Bibel Sprech er Job. Bchulzke). 7. Bondc ooncertant, Vozart-Martcau CGerda Reichert. Violine; Herta Mack-Reichert. Klavier), 3 30 Uhr nachm.: Die Funkprinzessin erzählt: Die alto deutsche Ostormär von der versunkenen Glocke, bearbeitet von Villaroaria.(Die Funk- Prinzessin; Adele Proesler). 4 30— 6 Uhr abends: Unterhalfcungs- mustk(Berliner Funkkapelle). 7.15 Uhr abends: Finführung zum Sendespiel. 7.30 Uhr abends: Sondespielbühne Abteilung: Oper. Leitung: Cornelis Bronsgreest. KV. Veranstaltung..Zar und Zimmermann1'. Komische Oper in zwei Teilen von Albert Lortzing für der. Rundfunk bearbeitet von 0. Bronsgeest. Pirigen'; Selmar Moyrowitz. Personen; Peter der Erste. Zar �on Rußland, unter dem Namen Peter Michaelow als Zimmergeselle. Comolis Bronsgeest: Peter Iwanow, ein junger Russe. Zimmergeselle, Waldemar Henke; van Bett. Bürgermeister von Saard.rm, Leo Schützendorf; Marie, seine Nichte, C arlotte Boerner: Marouis von Chateauneuf. französischer Gesandter. Maximilian Willnnsky: Lord Syndham. englischer Gesandter. Martin Ahendrcth; Admiral T.efort. russischer Gesandter. Rudolf Krasa; Witwe Brown, Therese Rothauser. Zimmerleute. HochzeitsgSste. Einwohner von Faardam, holländische Soldaten. Matrosen. Die Handlung spielt in Sanrdam im dahro 1698. Anschließend: Theater- und Filmdienst.*0.30 bis 12 Uhr abends: Tanzmusik. Konluswusterhausen, Sonntag, den 12. April. 1 1.30— 12.50 vorm.: Konzert der Kapelle Hans Brand. 1. H-Moll» Sin fönte, Schubert 2. Freischütz-Ouvertüre, Weber. S. Einzug der Gäste auf der Wartbnrg. Wagner. 4. Fantasie aus der Oper .Aid«", Verdi. 5. Celebre-Serenade, Tarenghi. 6. Nibelungen- Marsch, Sonntag. 12 Uhr mittags: Esperantoeinlage. Montag, den 13. April. 9 Uhr vorm.: Morgenfeier, t. a) Angelus domini deseendit de coelo. Offertoriura des zweiten Ostertages. Wilhelm Schosland, b) Victimao pascbalo laudes. Sequenz des Osterfestes mit Oster- allelnia. Gregorianisch. Editio vaticana, c) Das ist der Tag. den der Herr gemacht. Lasset uns frohlocken f achtstimmig für gemischten Chor) Franz Bühning'Per Ffarrkirchencl/or St. Matthias, a cappella, Dirigent: Dr. Wilhelm Schosland). 2. Vortrag des Heim Dr. Oskar Gehring;.Ostern in der Kunst". 3. a) Ich weiß, daß mein Erlöser lebt, Händel, b) Osterfest(Test 13. Jahrhundert) Conrvoisier.(Aonne Mancher. Gesang). Am.Flügel: Rudolf Pokorny. 4 30— 6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik(Berliner Funk- kapelln). 7.30—8.20 Uhr abends: Hans-Bredow-Schnlo.(Abteilung Bildungskurse). Literatur und Kunst. 7.30 Uhr abends: Professor Dr. Kurt Goldschmidt:.Skandinavische Literatur". 1,— 3. Vortrag. .Die großen Norweger". 2. Vortrag..Der reife und der alte Ibsen*. 8 Uhr abends: Dr. Richard H Stein:.Einführung in die rassische Musik". 3. Vortrag.»Michael Glinka". 8.30 Uhr abends: Ludwig-Fulda-Abend unter persönlicher Mitwirkung des Dichters. 1. Aus dem Buche.Melodien": Ernste und heitere Gedichte, Der Spuk. Wir alle. Im Schnellzug, Definition, Die geizige Welt(Dr. Ludwig Fulda, Rezitation). 2 ai Fantasie. Saint-Saens. blJMazurka, Schueckcr(Anna Hopf-Goidel, Harfe). 3. a) Abend, Willi Becker, b) Verlarvung, H. Molbe, c) Dank, H. Molbe, d) Lenzstimmung. Aug. Ludwig(Marie FIocke-Hag«- mann, Sopran). 4. Aus dem Buche.Melodien"; Der Froschkömg. Wenn, Das erste Mal, Schulreminiszenz, Die Erschaffung des Weibes. Gleichberechtigung(Dr. Ludwig Fulda, Rezitation). 5, a) Legende. Zabel, b) Nocturne, Hasselmanns, c) Chaconne, Durant(Anna Hopf-Geidel). 6. a) Nachtlied, E. v. Strauß, b) Das Gärtchen, W. v. Möllendorf, c) Tausenderlei, Bogumil Zepler. d) An Marianne(Standchen) Bogumil Zepler(Marie Flocbe-Hage- tnann). 7. Petersilie. Humoreske(Dr. Ludwig Fulda). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Hekanntgabeder neuesten Tagesnachriehten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdionst. 10.30— 12 Uhr abends: Tanzmusik. Königswusterhausen, Montag, den 13. April. 11.30— 12.50 Uhr nachm.: Konzert Mitwirkende: Gertrud Hirsch felder-Langcr, Konzert- und Oratoriensängerin; Otto Hutschen- renter, Violoncello; Hans Matthies, Organist am Ibach-Flügel. 1. Fantasie in C'-Moll(für Klavier) J. S. Bach. 2. a) Rezitativ und Arie aus»Der Tod Jesu":.Singt dem göttlichen Propheten", 0 H. Oiauri. b) Lan daraus te, ans der großen Messe in C-MoU (für Klavier) W. A. Mozart. 3. a) Konzertantante, G. Goltermann. b) Menuett(für Violoncell) H. Becker. 4. Thema con variazioni (für Klaiier: H. Matthies. 5 a) Arie aus.Die Jahreszeiten", J. Haydn, b) Arie der Agathe aus.Der Freischütz"(für Sopran) C. M. v. Weber. 6. Romanze und Gavotte(für Violoncelli Popper. 7. Cavatine der Agathe aus.Der Freischütz"(für Sopran, Ueno, Klavier) C. M v. Weber. 12 Uhr mittags: Esperantoeinlage. Dienstag, den 14. April. Äußer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30— 6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik(Berlin er» Funkkapelle). 8.40 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Ernst Marshall;.Die afrikanische Schlafkrankheit und ihr« Bekämpfung". 7—7.50 Uhr abends: Hans-Brodow-Sohulc.(Abteilung Bildungskurse). 7 Ulir abends: Technik. Ingenieur Joachim Boohmer: nDer kritische Ingenieur"(Technische Wochenplauderei i. 7.30 Uhr abends: Dr. Kurt Magnus:„Was muß man von den Steuern wissen?" 8 Uhr abends: Vortrag des Herrn Dr. Köhler:„Ich und mein Auto". 8 30 Uhr abends: Russischer Abend. 1. a) Nacht- dämmemng, Archangelski, d) Die Abendglocken(Sopransolo mit Chor) Androjewski. c) Stenka Easin(Baritonsolo mit Chor)(Großrussischer Gesangschor, Dirigent: P. I. Androjew.fci) 8- a) Arie der Liza aus der Oper.Pique Dame. Tschaifcowsky, b) Ob beller Tag(Anuchtin) Tschaitovrsfey(Berta M alkin. Sopran). 3. a) Wohin. wohin 1 aus der Oper.Eugen Onegin" Tschaikowsky, b) Dir dient' ich gern! aus der Oper.Pique Dame", Tschaikowsky. c) Lied aus der Oper.Sadko", Rirasky-Korssakow(Petar Rait- scheH, Tenor) 4. i riefszene der Tatjana aus der Oper.Eugen Onegin" Tschaikowsky(Berta Malian). 5. a) Ich bin allein, Raohmaninow, b) Persische Lieder. Rubinstein(Petar Raitscheff). 6. a) Chembimerlied. Archangelski, b) Die grüne Wiese, Archangelski c) Der fromme Josef. Turtsohaninow(Großrussischer Ge sangschor). Am Flügel: Otto Uiack. Anschließend: Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 8ad Sehtniedeberg Bez. Halle— Bahn Wlttenberg-Ellenburg EiS8nmootbadE'£™Ä" tS1 Vollständig renoviert Frauenleiden usw. Kurzeit März-Okt. Herd. Waldgeg.Somtnerfi., Touristenort Kurhaus mit Kongretzsä'f n. Pm 75 i stsit. Wnonltg. Ich habe mich als Rechtsanwalt niedergelas«en. Me n Bureau befindet sich Berlin NO IS, Landsberger Straße 82 Fernspiecher: Alexander 5364 Dr. lur. Margarete Bcrent f 1560 Sprltz-Pumpeo tum Kcklamepre s von M.5.— an, zum Selbstaufstellen. Fllteisauger Schläuche Krüger Nathan Pumpenfabrik lleianderstr. 14 ZHimiteii t.JanDOV.-Br. «uier Sdilai'ÄS" Mcallbctten für Groß und Kle»n, mit oder ohne Zubehör, S'ahimatratz� an Private Bequeme Bedingungen Kataloe 3hA fie'. Sisenmübelfabrik Suhl(Thür.) 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Auch das republikanische Deutschland hatte es aus Takt und Rücksicht auf den alten Haudegen bis jetzt unterlassen, den Feldherrn Hindenburg unter fre kritische Lupe zu nehmen, da man Ludendorff als die treibende Kraft der politischen und militärischen Sünden der dritten Obersten Heeresleitung erkannte, und da man in der widerlichen Art, mit der sich Ludendorfs über seinen Dienstvorgesetzten hinweg- setzte, von selbst den wirkungsvollsten Angriffspunkt gegen die Auswüchse der Milttärdiktatur im Weltkrieg fand. Hindenburg selbst hat diese unsichtbare Barriere des Taktes und der menschlichen Anteilnahme eingerisien durch seine Präsidentschaftskandidatur. Es wäre ein Verbrechen gegen das deutsche Volk und das friedlose Europa, wenn wir nun nicht die Kraft aufbrächten, über den künstlichen Nebel des einstigen Kriegspresieamtes und über den blauen Dunst neudeutscher Heldenverehrung hinweg dem deutschen » Volk den Feldherrn Hindenburg zu zeigen in seiner wahren Gestalt. Hindenburg war vom Tage seiner Betrauung mit einem Feldkommando an die ehrwürdige Attrappe für seinen heiß- blutigen Stabschef Erich Ludendorff: das drückt sich schon in der Art der Berufung aus, übe? die„ein Stabsoffizier", der sich durch die Beherrschtheit und die strenge Objektivität seiner Auffätze das volle Vertrauen des freiheitlichen Restes des einstigen Offizierskorps erworben hat, in seinem Buch„Das alte Heer", Verlag der Weltbühn«, Charlottenburg, 1920 sol- gende Sätze schreibt: „Man hatte bei Hindenburg stets den Eindruck eines be- dächtigen, erfahrenen, braven und tüchttgen Fochtuannes, der weder etwas Dummes sagte, noch im Manöver Fehler machte: aber n i e ging von ihm auch nur ein Schimmer von Genialität aus. In Karlsruhe war er Dwifions- krmmandeur gewesen unter v. Bock und Pollach, der als einer der klügsten Generale galt. Der alte Dock hat Hindenburg die Qualifikation zum Kommandierenden General gegeben, aber nicht ganz leichten Her- z e n s.„Ich mache mir manchmal Vorwürfe, daß ich ihm die Qualifikation gegeben habe." hat er einmal im Kreise seiner Generalstabsoffiziere geäußert—„er ist ein zu großer Pedant."---- Als Prittwitz mit seinem Chef Waldersee in Ostpreußen geschlagen zurückzugehen schien, mußte schleu- nigst dorthin ein Mann geschickt werden, der etwas konnte. Im Großen Hauptquartier fiel der Name Ludendorff. Daß der etwas konnte, wußte man. Aber er galt als unwilliger und schwieriger Untergebener.— r— Wer sollte mit ihm zusammenarbeiten? Ein Prinz kam nicht Frage, den hätte Ludendorff in zwei Tagen an die Wand gedrückt. Da nannte der Generalquartiermeister v. Stein den Namen seines Freundes Hindenburg. Der war mit dem Feuerkopf Bern- hardi so gut fertig geworden und würde auch mit Ludendorff zirsammenarbeiten können. Dieser grollte.„Ich habe wenig Vertrauen zu der Geschichte," sagte er seinem Nach- svlgec als Oberquartiermeister der 2. Armee...Ich kenne Hindenburg gar nicht, und er ist schon seit drei Jahren in- aktiv." Also schon vor den, Zusammentreffen der beiden Dtos- füren in Hannover in Ludendorffs Extra zu a wußte der„un- willige und schwierige" Generafftarbschef, daß man für ihn den gutmütigen Beschwichtigungsonkel ausgesucht hatte und n i ch t H i n d e n b u r g als die eigentlich treibende und v e r- ontwortliche Kraft im Armeeoberkommando des Oft-ns ansah. Somit war Hindenburg yom ersten Tag seines Feldkommandos an Attrappe und zweite Garnitur. Und so konnte sich Ludendorff mit Recht vor dem Münchener Gericht aufblühen als eine gigantische Blas« Und die Worte in den Saal schmettern:„In mir sieht man Tannenberg, die Musterschlacht der modernen Geschichte!" Stimmt das? Werden die Sieger von Tannenberg mit Recht gefeiert als die Schlachtengenies im Weihrauch der unvermeidlichen„Oftpreußentage" auf den Schlachtfeldern im Osten? Gewiß— Tannenberg war ein kübner Husaren- sireich, eine technisch und taktisch vorzügliche Führerleistung. Der Kenner des Getriebes der modernen Heeresmaschinen aber lächelt, wenn er die Ergüffe der Begeisterung über die gottbegnadeten„Schlachtenlenker" von Tannsnberg liest. Das affhielle Generalstabswcrk über den Weltkrieg, dessen ersten beiden Bände im Herbst vorigen Jahres vom Reichsarchiv herausgegeben wurden, beweist in Uebereinstimmung mit dem Buch des Generals Hoffmann»Der Krieg der versäumten Ge- legenheiten" klipp und klar: 1. daß die Abberufung des Ge- nerals v. Prittwitz und seines Stabschefs und damit die Be- rufung Hindenburgs und Ludendorffs durch ein Mißver- ständnis erfolgte: 2. daß General v. Prittwitz keineswegs endgültig hinter die Weichsel gehen wollte, sondern in den letzten Stunden seiner Kommandotätigkeit durch sein« Anord- nungen die Schlacht von Tannenberg so einleitet«, wie sie dann von seinem Nachfolger geschlagen wurde: Z. daß Hindenburg und Ludendorff jeden Funkspruch des Gegners auffingen und dadurch einem Spieler glichen, der die Karten seines Partners kennt, ohne die eigenen Karten aufzudecken. General Hoffmann, der 1. Generalstabsoffizier der Ost- arme«, aber beantwortet die Frage: Wäre es mich ohne den Wechsel im Oberbefehl zu einem Sieg von Tannenberg ge- kommen? mit einem glatten„Ja". Wo bleibt nun noch der Glorienschein des Siegers von Tannenberg, de» gefeierten Feldherrn und weltberühmten Strategen? Die gesamte in- und ausländische Militärtritik aber ist entsetzt darüber, mit welcher zynischen Offenheit General Ludendorff und Oberst Bauer ihren einstigen Oberbefehlshaber als eine strategische Null entlarven. Professor Hans Delbrück— weiß Gott, kein Pazifist und Sozialist— staunt in feiner Schrift„Ludendorffs Selbstporträt' darüber, daß Hindenburg in dem Bauerfchen Buch als„eine e h r w ü r- d I g e Rull" erscheint. Er bestimme niemals selbst, sondern lasie sich bestimmen.„Wir haben ihm zuletzt gar nicht mehr gesagt, wo die Armeekorps standen", hat Oberst Bauer dem Profeffor Delbrück über den»Feldmarschall" berichtet.(Siehe Ludendorffs Selbstporträt S. 9.) Und General Bnat schreibt in seinem Buch»Ludendorff" (S. 254) als einer der besten Kenner der Befehlsverhältnisse in den höchsten Kommandostäben über diesen in der Kriegs- gefchichte unerhörten Skandal:.Daß Ludendorff auf dem Gebiet der Entscheidung sich seinem Borgesetzten derart unter- schiebt, daß er ihn praktisch vernichtet und daß diese unausstehliche Anmaßung kein Erstaunen hervorruft, so etwas fft vielleicht nur im deutsche» Heer« möglich." So tastet sich der 70jZhrige Greis, der alte, ehrlich« Hau- degen durch das Meer von Blut des großen Krieges, von an- deren getragen und gestoßen und als Aushängeschild benützt. Er hat seine Heldensigur auszuleihen— um das»Hinden- burg-Programm" schmackhaft zu machen, um die„Hinden- burg-Stellung" zu glorifizieren, um die geistlose, starre Ab- wehrschlacht des Jahres 1917 zu beräuchern und um uns dann endlich hineinzustoßen in das Jahr des letzten Einsatzes „um die Bank" und in de» Zusammensturz voller Tränen und Blnt. Als eine»ehrwürdige Rull" sitzt er in seiner Billa in Spa, von feinem Stabschef zur Seite gestoßen, während Ludendorff vorn in Avesnes seinen eigenen Laden aufmacht und sich in eine Angriffsschlacht stürzt, ohne die Mittel zum Sieg. Wo war er, die e h r w ü r d i g e N u l l. als Ludendorff das strategische Ziel Amiens und die Küste aus dem Aug« verlor und herumtastete an der Front, bald im Süden, bald im Norden, wo war er, als fein Stabschef die Infanterie auspumpte und seine Reserven zermürbte: wo war er, als dieser die Heranziehung der österreichischen Truppen aus« schlug in feiner Ueberheblichkeit: wo war er, als Ludondorff die Tankstage auf die leichte Schulter nahm, die doch kriegs- entscheidend war: wo war er. als man die falschen Berech- nungen aufstellte über das Eintreffen der Amerikaner— olles erhärtete Tatsachen, die General v. Kühl dem Unter- suchungsausschuß des Reichstags als»Ursachen des Zu- sammenbruchs" unterbreitet hat— wo war er, als es bieß. die Front zurück, zureißen auf die Maas, um die Waffen- streckung zu verhindern; wo war er damals— die„ehrwürdige Rull" in Spa? Jeder alte Soldat hat bis jetzt gern die Waffen gesenkt vor dem grauen Haupt des Generalfeldmarschalls v. Hinden- bürg und Beneckendorff. Jetzt aber geht es um die Zukunft des deutschen Bolses. um die nächste Generation. Danim ist es Zeit, die alten Soldaten aus den Trichtern und Stollen der vierjährigen großen Schlacht zu Zeugen aufzurufen— gegen das, was hinter uns liegt und für ein neues Geschlecht! HermannSchützinger. Die Demagogen am Pranger. Zum dentsch-spanischen Handelsvertrag. Aus Gewerkfchr itskreifen wird uns geschrieben: Die demagogische Ablehming des deutsch-fpanifchen Handelsvertrages durch die Deutschnationalen und Kommu- nisten im Reichstagsausschub am 1. April wird— von den Winzern abgesehen— in allen Wirtschaftskreisen gebührend gebrandmarkt. Hatte doch dieser Handelsvertrag in einer ganzen Reihe wichtiger Industriezweige eine bedeutende Erporterhöhung herbeigeführt. Aus einem Arbeiter- fekretariat des Westens wird uns mitgeteilt, daß an dieser Erporterhöhung insonderheit die Schloßfabrikatiost von Velbert die Stahlwaren von Solingen, die Werkzeugindustrie Rem- ichcids und die Industrie von Schmalkalden beteiligt feien. In diesen Industrien erhöhte sich der Expott nach Inkraftsetzen des Handelsvertrages um etwa 290 Proz. Bei einer einzigen Firma der Schlohindustric von Belbcrt erhöhte sich die Einfuhr nach Spanien von 8997 Kilogramm in den vier Monaten vor Abschluß des Vertrages auf 55 649 Kilogramm in den vier Monaten nach Abschluß dcs Vertrages. Also schon in den ersten mer Monaten nach Inkraftsetzen des Vertrages hatte sich die Ausfuhr nach Spanien um das Sechsfache gesteigert. Die Gewerkschaften als wirtschaftliche Vertretung der Ar- heiter und Angestellten haben daher an der Ratifizierung des deutsch-spanischen Handelsvertrages ein besonderes Interesse. Um so größer ist jetzt in der Arbeiterschaft der Unwille über das demagogische Ränkespiel der Deutschnationalen und Kommunisten. In einer weiteren Anzahl von Zuschriften aus Wirffchafts- und Arbeiterkreisen kommt dieser Unwille lebhast zum Ausdruck. So heißt es in einer Zuschrift aus der Silberwaren» i n d u st r i e: »Das im Juli 1924 abgeschlossene deutsch-spanische Handelsab- kommen, welches der deutschen Edelmetallwarenindustrie den Absatz nach diesem Land« wieder möglich machte, ist augenblicklich in großer Gefahr. Der Handelevettrogsausschuß des Reichstages hat da» Ab- kommen abgelehnt, wobei sich die sozialdemokratischen Mitglieder der Stimm« enthielten. Der Grund zu dieser Stellung ist nach meiner Information der folgende: Die Deutschnationalen treiben emdoppeltesSpiel, sie treten für die Interessen ihrer landwirtschaftlichen Mit- g l i e d e r(der Weinbauern und Winzer) ein und wollen der Oeffent» lichkeit gegenüber sich für die einzig berufenen Hüter der deutschen Interessen aufspielen, andererseits aber wäre es einem großen Teil der Dcutschnationalen sehr unangenehm, wenn der Vertrag scheiterte, da sie als Industrielle an ihm sehr iuteresssett sind. Die Sozial- demokratische Patte! will die Deutschnationalen nun m. E. mit vollem Recht veranlassen, klar und deutlich zu reden, und es ist zu be. fürchten, daß, falls die Deutschnationalen dies nicht tun, die Sozial- demokraten gegen den Vertrag stimmen, wie es bereits einmal eine ähnliche Lage beim Handelsvettrog mit Siam gab. Für die deutsche Edelmetallwarenindustrie ist Spanten ein unentbehrliches Absatzgebiet. Nach meinen Nachrichten würde die Nichtbestätiguna des Bettrages die sofortige An- nullierun g von Ordners nach sich ziehen, die ollein für den Bezirk Pforzheim die Summe von 1�5 bis 2 Millionen Goldmark ausmacht. Kommt der Vettrog nicht zustande, so verlieren wir dieses Land, denn es ist gar nicht daran zu denken, daß sich die Spanier auf andere Bedingungen, wie die augenblicklichen, einlassen Die spanische nationale Industtte ist sowieso sehr erstarkt, und diese würde sich freuen, wenn es zum Bruch käme." In einer weiteren Zuschrift, die aus der Metall- warenindustrie stammt, wird folgendes ausgeführt: »Di« Reichstogsabgeordneten, welche sich zu einer derartig ent- scheidenden Abstimmung entschließen konnten, scheinen über die Wir kung derselben völlig im unklaren zu sein. Das Land, welches im Kriege trotz größter Schwierigkeiten neutral blieb, soll nicht einmal den Handelsvertrag erhalten, der unseren eigensten Interessen ent- spricht. Wegen einiger Winzer, welche die Gefahr des spanischen Weines wirtlich nicht zu fürchten brauchen, wird hierdurch die nachSpanienexportierendeIndustrievölliglahm- gelegt. Die vielen, in Spanien gern gesehenen Deutschen werden in ihrer Tätigkeit nicht nur behindett, sondern müssen entweder das Land verlassen oder als Wirkung der Ablehnung im Kampf gegen berechtigt feindliche Gesinnung an Stelle der deutschen Erzengnisse nunmehr die Fabrikate anderer Länder einführen. Der Expott deutscher Waren ist nach dem Kriege auf ein Mi nimum herabgesunken und in dem Land, in weichem wir die Wog- lichkeit hätten, durch den neuen Zolltatts unsere alten, uns wohl gesinnten Kunden wiederzuerobern, werden wir nunmehr den Er pott für Immer verlieren. Wie soll eine Handelsbilanz aktiv werden, wenn uns die Export Möglichkeiten genommen werden? Wie sollen wir Steuern zahlen, nachdem die Kanskroft der deutschen Abnehmer auch nicht zum Teile ausreicht, unsere Betriebe zu füllen? Denken die Reichstagsabgc- ordneten denn gar nicht daran, daß die Arbeitslosigkeit die Folge so kurzstchtiger Maßnahmen ist? Die Spanier haben sich während des Krieges und nach dem Kriege infolge unserer damaligen Lieferungs- Unmöglichkeit und infolge der unglücklichen Valutaverhältnisse sehr gut mit den Erzeugnissen der eigenen Industrie behelfen können Die spanische Fabttkation, welche gegenüber der Vorkriegszeit be- tanntlich gewachsen ist, besteht auch heute noch: nur reichte schon die Möglichkeil des neuen Handelsoettroges au», um der besseren Qua- lltSt des stets gern gekauften deutschen Fabrikats den Vorzug zu geben, nachdem wir deutsche Fabttkanten zu Preisen angeboten haben, welche den Selbstkosten entsprachen, um uns den Markt wieder zu erobern. Diese Preise im Zusammenhange mit dem in Aussicht stehenden Zolltarif ermöglichten es den Spanlern wiederum, sich für die deutschen Erzeugnisse zu interessieren Mit wesentlichem Kostenaufwand haben wir eine Reihe span! scher Austrüge in Erwartung des neuen Vertrages hereingeholt: dies« Austräge müssen wir nunmehr wieder aus dem Betriebe ziehen, weil wir das Risiko der Annullation und Differenzen nicht auf uns nehmen können. Aber nicht nur dos spanische Absatzgebiet werden wir durch die Kurzsichtigkeit der Politiker verlieren. Wir werden uns auch das Wohlwollen aller Latein-Amerikaner spanischer Provenienz ver scherzen und hiermit eins der wenigen Absatzgebiete, in welchen! deutsche Waren noch gekaust werden. Wir werden auch logischer- weise durch diese kurzsichtige Maßnahme die spanische Industtte so stärken, daß dieselbe uns in Latein-Amerika, Nordafrika und Por tugal ein« nicht zu unterschätzende Konkurrennz machen wird. Sollte« die deutsch« Industtte und der deutsche Handel denn nicht soviel Macht besitzen, um sich nicht durch wenig« kurzsichtige Politiker den Lebensnerv abschneiden zu lassen? Sollte es nicht im Deutsch«: Reiche Politiker geben, welche erkennen, daß wir unabhängig von der Wirtschastsfrag« auch auf das Wohlwollen der wenigen Staaten angewiesen find, welche uns bisher nicht in der üblen Weis« b». handelten wie unsere früheren Feinde? Es scheint uns der letzte Augenblick gekommen zu sein, durch Industrie und Handel in Ge- meinschast mit weitsichtigen Politikern einen Fehler zu vermeiden. welcher nie wieder gut zu machen ist." Aus diesen Zuschriften geht unzweideutig hervor. welcf)ss Frevelspiel von den Ablehnern des Handelsvertrages im Reichstagsausschuß getrieben worden ist. Handelsverträge sind das Mittel, die deutsche Wirtschaft unter möglichst niederen Zollbelastungen in die Weltwirtschaft einzugliedern. Wer in der Weis«(wie DeutschnaUonale und Kommunisten) gegen sie Stellung nimmt, schädigt nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern in erster Linie die deutle Arheiter- schaft. Das aber war ja auch der Zweck m-r Ablehnung des Vertrages durch Deutscynationale und Kommunisten. Die Arbeiterschaft sollte sich diesen Vorgang für die Wahl am 26. April merken und den Demagogen von rechts und links die gebührende Antwort erteilen. kinüerfreunüe und �lrbeitertmliz. Parteiarbeit in Teutschösterreich. Wenn auch der Vergleich zwischen der Taktik der reichsdeutschen und der deutschösterreichischen Sozialdemokratie bei der großen Ver- schiedenheit der politischen Verhältnisse hier und drüben— z. A. 9 bis 10 Parteien im Reich, 4 in Deutschösterreich, aber nur 2 davon ernstlich in Betracht zu ziehen— der Grundlage entbehrt, jo kann doch nur immer wieder auf die Vorbildlichkeit der Partei- Organisation und Parteiarbeit in Deutschösterreich mah- nend hingewiesen werden. Heute geschehe das an zwei Beispielen: Die Kinderfreundebewegunq in Deutschösterreich. Der Reichskonferenz der Freien Schnlc-Kinderfreunde in Deutschösterreich wurde berichtet, daß in dieser Organijatlon jetzt durch 355 Ortsgruppen mit 91 513 Mitgliedern in 15 323 Voran- staltungen 690 404 Kinder ersaßt wurden. Ständig erfahl wurden mehr als 16 000 Proletarierkinder. Wenn sich in dieser Tätigkeit das Leben in Spieltagen, den proletarischen Festen mit ihrer Festkultur. in ungezählten Wandertagen spiegelt, so sagt die Zahl von 185 Horten mit 234 Angestellten und 274 3 freiwillig Mitarbeitenden, daß der intensiven Beeinflussung der prole- tarischcn Kinder auch heuer neue Stätten gewonnen wurden. Die Kinderbibliotheken haben 65 000 Kinderbücher. Die Sominersürsorge 1924 hat 4499 Kinder, um 1003 Kinder mehr als im Vorjahr, wäh- rend der Ferien bcrreut und ihnen Kraft und Gesundheit für die schweren Wintettage in den rauchigen Industriezentren geschenkt. Trotz der Teuerung und des oerhältnißmäßig kleinen Milglieder- Zuwachses— 3,6 Prozent— find die E i n n a h m e n um 50 Proz., die Ausgaben allerdings um 57 Proz. gestiegen. Die Gesamteinnahmen sind 1 772 139 Schilling(1 063 313 Mark). Die Konserenz wurde durch eine Trauerfeier für den Gründer der Organisation, Anton A s r i t s ch. Graz, eingeleitet. Der Vor- sitzende, Reichsobmann Max Winter, gedachte dabei auch der übrigen verstorbenen Mitkämpfer, darunter des Genossen M. L. H a r t m a n n. In der Debatte erklärte der Sekretär der Landesorganijatton Wien:„Die Erfolge Wiens werden es ermöglichen, den schwäche- ren, unter so großen Schwierigkeiten kämpfenden Gruppen z u Hilfe zu kommen." Aus allen Berichten klang starke und frohd Zuversicht für ome g-dfjhiichs ZLywärtsentroicklung der Freien Schule-Kindersreund«. De« Repltblikaaische Schutzbund. Zum Unterschied vom Reichsbanner Schwär z-Rot- Gold ist der �««ublikanische Schutzbund die rein sozialdemokratische Ordnerorme« unserer deutschösterreichischen Bruderpartei. An seiner soeben im Wiener Parteihaus abgehaltenen Parteikonferenz nahm auch, in Erwiderung des Magdeburger Besuchs der Schutzbundler. für das Reichsbanner Schworz-Rot-Gold Paul Crohn(Magdeburg) teil, der herzlichst willkommen geheißen wnrde und eine kurze Be- grüßungoansprache hielt. Aus dem Geschäftsbericht der Zentral- leitung, den Heinz erstattete, geht hervor, daß der Republikanische Schutzbund In dem letzten Jahr an innerlicher Geschlossenheit und damit an Schlagkraft wesentlich zugenommen hat. Die Neuemfüh- rung der Monatszeitschrift»Der Schutzbund" stellt einen vollen Erfolg dar. Die Einrichtung des Unter st ützungs- fonds, bisher in Wien und einigen Provinzortsgruppen ein- geführt, hat sich bestens bewährt. Die Ordncrorganisation ist heute im täglichen Leben der Partei unentbehrlich geworden. Abg.� D e u t s ch sprach über die nächsten Aufgaben des Schutzbundes. Er führte u. a. aus: Die Gefahr, die von den H a k c n t r e u z l e r n drohte, war nie bdonders groß und ist heute geschwunden. Die Umtriebe der M o n a r ch i st c n sind aber auch weiterhin von Bedeutung, weil die Lage in Ungarn noch ganz ungeklärt ist. Wenn es wirklich dazu kommen sollte, dag Horthy in Ungarn von einem Regime Habs bürg abgelöst wird, dann stehen wir wieder vor unmittel- baren Gefahren. Die einheimische Reaktion hat in der letzten Zeit ihre Tätigkeit besonders in die Kameradschaftsverein« verlegt, die über ihre politische Zielsetzung jeden Zweifel selbst da- durch beseitigt boben, daß sie seit einigen Wochen das Organ der österreichischen Monarchisten als ihr Publikatiansorgan benützsn. Daher hat der Schutzbund auch weiterhin die Aufgab«, Wall)« zu halten und Aufklärung zu verbreiten. Dem Schutzbund sind nach und nach andere Tätigkeitsgebiete 'wwachsen. Die Tätigkeit der Ordner bei den Wahlen und Demon- stratianen sowie bei den gewerkschaftlichen Kämpseu wird immer unenibehrUcher. Die Ordner wurden so die proletarische Miliz, das Erekutivoraan der vrolctarischsn Organisationen. Be- sanderer Wert ist daher der Erziehung zur Ordnung, Punkt- l i ch k e i t und P s l i ch t t r c u c sowie der Heranbildung der Jugend beizumessen. Die Verbindung mit der Partei und den Gewerklchasten mutz so Innig als möglich gestaltet werden. Durch Veranstaltung von republikanischen Kundgebungen wirkt der Schutzbund helanders in jenen Schichten aufrüttelnd, die durch die Dersammlungstätigkeit nickt ersatzt werden. Bei diesen Kund- gedungen tritt deutlich in Erscheinung, dntz die sozialistische Bewe- guny«ine wirkliche Volksbewegung darstellt. Nach Erörterung einiger organisatorischer Detailprobleme schloß Deutsch seine Ausführungen mit der Aufforderung, so wie bisher auch weiterhin den Republikanischen Schutzbund auszubauen, damit die Arbeiterklasse, unbebindert von den gewaltsamen Anschlägen der Reaktion, ihre letzten Ziele zu verwirklichen vermag. GswerMastsboVegtmg (Siehe auch 4. Seite Hauptblatt.) Cine Gsterbotsihast Mocüöaalüs. Tßr bessere Arbeilsbrdingungen in Deukfchland. Das Unternehmertum in England bemüht sich, die englisllie Arbeiterschaft davon zu überzeugen, daß ihr. aus der Umerbictung durch die deutsche Industrie die Gefahr größerer Arbeitslosigkeit vnd. verschlechterter Arbeitsbedingungeif droht. Da diese Angelegen, dsit bereits im Parlament zur Sprache kam» nahm Macdonald in seiner diesjährigen Osterbotschaft dazu Stellung. Nach einem Tele- gramm des Korrespondenten des»Berliner Tageblatts" vom 11. April bezeichnet Macdanald Deutschland als den tndustrlc- ellen Gefahrenpunkt Europas. Das Dawes- Ab kommen habe mit der schlechten wirtschaftlichen Lage der deutschen Arbeiter- schaft nichts zu tun Denn gerade die Konferenz habe den deutschen Arbeitgebern»jede berechtigte Entschuldigung genommen, ihr« Ar- bcitcr sür diese Hungerlöhne arbeiten zu lassen. Maedonald will nichts davon wiflen, die für die niedrigen Löhne hergestellten Waren aus England auszuschließen, da die deutsche« Kapitalisten dann ja noch den ganzen übrigen Weltmarkt zur Verfügung hätten. Das einzige Hilfsmittel fei, die Arbeitsbedingungen in Deutschland zu heben. Deshalb müßt« die»britische Ar- belterpartei die deutsche» Gewerkschaften in ihrem Kamps gegen die Hungerlöhne und sür bessere Arbeitsbedingungen unter» stützen". Wenn die englische Arbeiterschaft dies nicht tue und der deutsch« Arbeiter dem deutschen Kapitaliften allein gegenüberstehe, je könne der deutsche Arbeiter sich nicht durchsetzen. Die Arbeiterpartei müsse deshalb sofort ein« De- putaHon nach Deutschland schicken und sich mit den G e m« r k s ch a s t e n beraten Außerdem müsse die A m st e r- dg m« r International« hierfür in Anspruch genommen wer- den. Roch Maedanalds Ansicht ist diese Frage die wichtigst« Arbeiterfrage der Jetztzeit und bedeutender sogar als di« Frage des Verhältnisses zu Rußland. Deutschland»bringe durch schlecht« Arbeitsbedingungen auch den englischen Arbeiter.herunter". Wir würden es nur begrüßen, wenn die englische Arbeiterpartei der Anregung Macdonalds folgte. Nach dem Umfang«, den die Er- firjeruna dieser Angelegenheit in England angenommen hat, ist eine Aussprache zwischen den Vertretern der englischen und der deutschen Gewerkschaften notwendig. Sowohl im Hinblick auf die offenbar übertriebenen Darstellungen der englischen Unter- nehmer im Schiffsbau und anderer Industrien, wie auch zur Ab- fchwächung der Befürchtungen, die die englische Arbeiterschaft daraus herleilet. Die deutsche Arbeiterschaft weih sehr wohl, bah«ine Verbesserung der Wirtschaft lichen Lage not- wendig ist, und daß eine absichtliche Schmutzkonturrenz auf dem Weltmarkt aus die Dauer unmöglich und ebenso zweischneidig wäre, wie«s die kurzsichtige Lohnpolitik der deutschen Unternehme? ist, di« die Kaustrost der großen Masse der Bevölkerung herabdrückt und damit den Inwndsmarlt lahmlegt. verbanSstog der öankangefteUten. Berlin, 11. April. In seinen weiteren Ausführungen zum Gefchäktsbericht(stehe gestriges Abendblatt des„Vorwärts") sprach Marx den aus- ländischen Bruderorgan.isationen den Dank des All- gemein«! Verbandes der Bankangestellten aus für ihre Hilf« während der Jnflationskrise in Deutschland. Der Vcr- band hat seinen abgebauten Mitgliedern außer den lokalen Unter- AflPTWimMl R0<* Sllsaun« ieii'C ivinsckta'IIIch-n La«, kann IM,» Wl«4»l"HiHtll t-de-niann w d»? PraufNfch-Tlldbeiiksch«» Klaff»». lagrete kr'iilll Verden. Ue�kr W Millionen Neichsinark werdon inogosanit in btr bkoorftkK-nixn iÄi.) Kingenlsiterie auea Ip olt Dornnter SellnSen fich Gewinne von ioocoo, MXKZi, eooooo. koooo Slelchkinn?, tfrrrr an den so sehr Vliebi-n Mitte>o»winnkn II« tu 5000 Noichomark, killt zu.i»0» Jitltfunnori. 537 u 2000 Reick, z- matt, loft za W O Rkichomark und noch loljlttichc an»»:« D-wInne. S-r griifti» Gewinn im«ünftiali-n Xailf bfträqt S Millionen Reichsmark auf«in»anze« VappcllM t Million Reichsmark ans»in»anze» Lo» Schon in!»0»r der»irr Borki allen kann ein HIch--aew!nn von 100 000 Reich». Bm<,«Neil werden In der Haup:- und EchluD lasle allein werten IS>000 Se> Winne und 2 Prämien van»usammen Uder 29 Millionen Reichomarl auoaelpiell Wer noch an dem Spiel dlf'er orodlen und gewinnreich en Soft fei« teiinedmen Will, muß Och beeilen, da de- Aneverkaul der Lol, bepprslel» Di« riollst» Räch- t-a ch s b a h n g e i st". Sic unterscheiden sich damit auch m nichts mehr von den völkischen Werkvereinen. Dies« Tatsache muß den Eisenbahnern scharf vor Augen ge- führt werden, um Klarheit zu schassen sür die kommend« Bewe- qung. Denn gegen dieses zusainmengekommene Gemisch von Haken- kreuzlern, ileverradikalen und ACD.-Leuten hilft nur das geschlosiene Zusammenarbeiten aller freigewerkschaftlich or- ganisiertenKollegen. Jedes denkenden Eisenbahners höchst« Pflicht muß es sein, unverzüglich und mit aller Kraft bei jeder Ge- legenhett für den veulschen Cisenbahnerverband ,u werben, der einzigen Gewerkschaft, die der Reichsbahngesellschost in ihren reaktionären Machinationen entgegentritt. Die Hamburger BauarbeiterauSsperruttg. Hamburg. 11. April.(Eigener Drahtbericht.) Di« Aussperrung erstreckt sich auf die Bauarbeiter im Städtegebiet Hamburg. Altona. Wandsbek, Harburg, auf die Provinz Schlcswig-Holstein, das ganze Unterelbegebiet und aus Teile der. Provinz Hannover einschließlich Lüneburg. Der Baugewerksbund bittet all« Bauarbeiter dringend, da» vussperrungsgediet streng zu meiden._ Die Löhue in England im Iannar 1925. (3GB.) Einer vom englischen Arbeitsministerium heraueaege« denen Statistik über die Lohnänderungcn von 1066000 Arbeitern im Januar 192S zufolge, nahm der Wochenlohn von S80000 A r b e i t e r n um insgesamt 62 000 Pfund oder um durchschnitt- lich 1 SchillingZPencezu und von 86 000 Arbeitern und 7400 Pfund oder durchschnittlich 1 Schilling 8 Pence ob. Ueber die verschiedenen Industrien wird folgendes gesagt: Im Bergbau stiegen die Wochenlöhne von 374 000 Arbettern um 7100 Pfund und sanken die Wochenlöhne von 6000 Arbietern um 600 Pfund. In der T e x t i l i n d u st r i e beliefen sich die entsprechenden Ziffern aus 90 000 und 3S00 Pfund und 57 000 und 400 Pfund. Im Bau- und Transportgewerbe sowie in öffentlichen Betrieben werden ausschiießlich Lohnerhöhungen ge- meldet. Die Summ« der Lohnerhöhungen pro Woche beziffert sich sür 46 000 Bauarbeiter aus 5000 Pfund, die entsprechenden Zahlen im Transportgewerbe sowie bei öffentlichen Betrieben sind 21 1 000 und 20 000 bzw. 137 000 und 14 900 Pfund. Aus obigen Zahlen ist somit ersichtlich, daß da» totale Wocheneinkommen von 1066 000 Arbeitern um durchschnittlich 1 Schilling per Arbeiter ge st legen ist. Allein die Arbeiter in der T« x t i l- i n d u st r i« oerzeichnen einen Rückgang des Gesamtwochenein- kommen». UsA-AunkLonSre der MetoMndustrie. »te Berbavblva««»»tt be»«PPtZ.»ur Scartvilft dre Rpril-KrhäUre finbrn a» tt. Rpr« statt.«» alelchra Sa««, all» an Mittwoch, den N>.«»HI. abrvba 7H llhr, slabet in»loßen Saal»«» Kaverlovb, Zcftsön», Reue grirdrich-, tat Rochstraß«, ein« AsA-zknnktionir.Scrlamw- lnn» statt. Dir Mitalirber bra AsA-MrtalkartrtlO treffen stch bereit» nni B'Z Aste in einte Bordcfprechnng im«lciiben Lotai. Vir erwarten b-ftimmt das Srfchrinen-Her Znnktionärr, ba an» ein Vertreter de, Denifch-n Metall- arbeiter-verbandes über die Anslperrnna Per 7000 Aandar better berichten wirb. Sfl-Metalllartell. Sünche«, Sanne, Sache. Serbeansschriß der Post, nnb releprapste-cheantten. Mittwoch, ben 15. April, abend» ll'Z Ul>r. in der Inristifchen Epreckiftuirde, Linden str. 3, mickitlflf Per- fammwna.„Warum wNiien wir den Repudlidaner Marx jum Reichs» priiädenten?" Gäste willkommen l Norden 9296« Norden 12643 IC fi 4 C 1• WEITAUS GRÖSSTE PRODUKTION DER WtlTl NUR EDELSTE ARBEIT FÜHRT ZU SOLCHEN ERFOLGEN (&ausietiJ>eim�lbbir&ter-unotonvaqpnfbbfik General-Vertrelong and Fabrildager: Rlefcard Stcberl, BerUa SW. öl. Belle- Alüanca-Str S. Thealer iiidUfpielel Bl'iV. iTmrrärrr Staats- Theater Opern baiu Heute und morgen 3L!hr Parslfa) Opernhaa« am Kdnlgcpiatz SUUr Mona Lisa Montag< Ufr Madame Battertlj Schaaapleltiaa* 71/, Uhi; Fauat. I. Monta■?>/, Prinz tou Hornburg Schiller•Theater 7'/,. Ciiarley* Tante Mtg.I't Dr. Klau« 71, Ubr Napoleon Mm ünTbeat. d Westens Uhr. Carmen Volksbühne 21 jUhr Sakuotala 7>/,U. r; HAMLET Montae zt,, Schneltt.Wlbbel ?>,, Schluck o. Jao Deutsch. Theater 8 Ufr Oskar Wilde Nacnm Z'itUhr; Alt. Heidelberg Montag J"» Uhr Die heilige Jobann* Nacnm«Uhr- Alt-Heidelberg Kammersplel« Heute ui.d morgen o Uhr: Der Diener twelcr Hei reo Die KomSdie hrnniicHgiB M/2H 8 Uhr: Der sjrätotfe M Nac m. 3 Uhr Bh Bldisi dB Ptndm Montag 8 Unr Der sprechend- Alle Nacnm.> Uhr: D. nQchsed.Pandora Tlmhr Lt. ÜBiiHiltm Ib. 8 Unr Fraualsita Komödienhaus 8 Uhr HAREM Berliner Theater 7J0 Uhr: Anneliese r. Dessau 8 Uhr: VARiCTt- REVUE An beiden F e e r t a ge n 2 IniäeUnpI 1_10 zu trmiülrt Preisen das rolle Prozramm Tha ia-TA. Vit Uhn Der iilooiie Ense! DAS HAUS DER GUTEN QUALITÄTEN SCHUTZ DIE WARE SEI ,'Ö V-'tipS1'■:; TJ'l■') : ci'y-;■■■-c.:■■'-■.A •: m*•■■■>-Vj.•. i -t''''' i".:. i DtS PREISES WERT ''w.••; '|.''■:.y PREISWERT GUSTAV MARKE Oer GeMmange!, die Notwen��beit, die Lebenshaltang trfrt* scbaitllcbza gestalten, zwingt zum Ankauf von Q u a Ii t S t g« ware. Es ist ersebretkend. zu sehen, wieviel Geld(ährltcb für minderwertige Ware ausgegeben wird. Immer noch finden skh Menschen, die beim Einkauf nur auf die Billigkeit sehen. Man sagt:.Gut. aber teuer!', dabei müßte es heißen: g u t und billig, schlecht und teuer. Den Beweis hierfür birgt tedeg Stück in sich selbst: Das Gute, indem es sieb bewährt; das in der Anstbafiung Billige, indem es nach kurzer Zeit unbrauchbar wird. ZWEI BEISPIELE» STOFFE Was wird nicht allein beten Kauf von Wasch Stoffen gesündigt; einige Pfennige für das Meter mehr und bei teder Wäsche erfreut das Stück durch sein frisches Aussehen, wie neu beißt es dann. Und billige Ware? Belm ersten Regen kommt die Reue über den Kauf! BEKLEIDUNG. Nkht der billige Preis allein, sondern wie ein Kostüm, ein Mantel verarbeitet,» i e besonders jetzt in der Zeit der Herrenformeo ein Revers, ein Kragen gefertigt wurde, gibt hier den Ausschlag. Alles das und che Tatsache, daß die Mängel eines Kleidungsstückes oft erst beten Tragen sich zeigen, zwingen den Nichtkundigen, nur in soliden Häusern zu kaufen, in denen durch streu ge Kontrolle der Waredle Gewähr für unbedingte G ü te der Erzeugnisse gegeben Ist BesidenzTli. Tägl. 8 Uhr; Bit M te Banitizltft Leltnar. Dltierl« Central• Thoatcr in beid, Felerucen 3U: G'wlzs entwune 7'.Uhr: Die versank. Glocke CORDS BERLIN W 8• LEIPZIGER STR. 33-35 KÖLN A/RHE1N. NEUMARKT 4-6 WOLLE SEIDE■ BAUMWOLLE BEKLEIDUNG KLEIDER• KOSTÜME- MANTEL WÄSCHE■ STRÜMPFE ia-, u. abend«> Uhr: Tansenflstiee Belnt&en Neues Theat. amZoo PSCniGBE TÄgt. 8 Uhr BABY ne Id. lilkü. FrUiHind ,nusiK von Wilry Engel-Brrger Tb. ia Koinniand. Sir. An Qeid Feiertagen Nac m J'f, Uhr; Mein Leopold (K eine l-reisc) Tggllcn 8 Uhr USCHI voiv Jean Gilbert Tluater 1 Weitem ÜerL Uoerngastsp. 1. Oster'eiertag 2 Oster.eiei tag Nschm. 3 Uhr Martha mit Mini Fink Ola-Palss am Zoo 7 und 0 Uhr: TerTarksnf 11—2 Uhr Konische Oper 8 U. Dir: Jame» Klein 8 U An beiden Feiertagen Der Sensationserfolg d. Berliner Theaterleben» Die gewaltigste aller kernen Das hat die Welt noch nicht gesehen Ueber 2SO Mitwirkende IMM« We! parReUäMh. :eieitags3'L0. bastie Preite Jed.Erwachsene lllnd treti Apollo-Theater 8U Dir: Jamc* kiel" 8U Qr. Ausstattungsoperette Uebei 100 Mitwirkende Preise J bis 10 File. • orveik ununterfcr geöflmt 4 Wege zu Kraft Schönheit Raj in:W. Präger/ Maoaakr.: Dr.N.Kaiifraaaa Oer erlelorelcbe Ufe-Piim Wocbent 7 u.• Ulir/ Sonntus* 5, 7 u»Uhr Vosverk- 1 1—2 Uhr u. eiae Stcusde vor Bcgiau und UFA AN PALAST ZOO Trabrennen Sßariendorf Sonntag, den 12. Iprii nachmittags ZV« Uhr Tbealer am üottliass&r Tor lägL ij Uhr und Sonctac nschm. 8 übt Eitle- Säuger. K iloßgalea Ap.l]- Hroiframn) söilaje aal SAldger. __ yolkbtflmiichw Pretge Marienbad- Palast Flim-LlOhnensch»B,6riiir.3S-35 Das Oianz. esfcr-Protr. LYA MAUA In Die Venns vom Honhnartre (Ein Mad der Mi I Uii in Ob Zlrkoi- l (Eta klad der Maaete) VoiitüiUi EinirSK(reit Sonnabend n. Sonn Htag I M. VrSU« Bier- iiteiiarefi Berlins! zoologisdierfiarleD An tclbcu CRarfrUrtogta ab 4 Uhr Großes Konzert A q q• r I a m Vier- Kunst• AussteiiHiut ®at»rt«nrle«, hültio com Oiteher 1924 Fi« 30«rptrmbet 1925, twtbrn (SbL an den®Qnt;i'cfTtn abfirstben Pt« e tür Cnnodiient.... 80— ik.. für»tnbrr unte 16 Iah»n 15—. Dir Auesabtbebtgunarn fmb an ben Raden trhaittldi. RwoiiiWonl Ostermontaz. 13. April. nacbn.S l). Osterpreis. Jlttsgl I. R«lchs>iPSOS Kleidersdiollen�. neue hübsche Stellungen Meter cb.45 /�Uovirt� reine Wolle, v�llCVlUl schwere Kostüm- r\ QK wäre. ca. 150 cm breit. 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Die Btesafraa vom PoisdamcrPlafz NoacKsLldtlspiele Brannenstrafte 10 Die Sensation von Berlin! Die Bluineitlraa vom Potsdamer Platz Scala-Udiispiele ümomuniserAUeeso.aJterürtBg Der große Ufa-Film« ?Uro der Korsar KalsemolUdilspleic HOpmdiB. erOftitrafte 10 Der Heirats» Schwindler mit Reinh. Schfintzel öentsdLKSBstlsrtltiit 8 Unr• �Rlquetle" Um««« m ätta 9r«u Lastsplctbaus ■< Uhr Seih IkicUSKt D- wahr» Jakob Opereltcnhaas M JtltftsurSiBB 8 Uhr; Der blonde Traum Wallner.Tbcat. ><,8 Uhr: Romeo o Julia Kerrnfeid V/t Tbeatc» 0>/« Im Intimen Theater Bülowstr. 6. im eint nadit Herrn b Iciiade i 3A 71ora-Siehtspiele Landsberger Allee 4U/4t Das lustige Oiterprosraram: OssiOswalda■„Hin che" und SimiiarTQliiSstnJieLielieslalle" AnUngand Fe ertigen«Jo.'-Jö.e 4; Olivaer Siehtspiele OUvacr PfaU 7 mit Lya tf« Puttl sotoie das achte Vellsnmder . �_ HrMatwerflteffsr drsilit VOM SCNNAaEND.ÜS.Amn BIS SCNNTAO.S.M A1 1925 IM HAUSE OER FUNKlNDUgTRIR «SUTSTEUUNOTHAUIN AM lUtfCkMMMt TSg'icb: BaamblOlcnlesf 2 grobe Musikkapellen Tiroler Blasorscfaester «ad Andreas Hofer mit seiner berd mten Tiroler iaCer-«ad Tanzmmpe Neue Dekorationen I Anfang 7 Uhr— Sonntag» 4 Uhr ElntHN frei« piilU- n IBEIICR I Welnborsswen, 'Retantbt ar Tor T&gllob 7* Ohr Eniemüle- Gasisptel Hefropol- Ittcolers See aroSe Schlager Grfilin Mariza Original- Besetzung o. 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II, 88 rill ßatphs sa'ante Abenteuer SCH AUBURG Königurätzer Straße>21. 'Das grofie Osierfest-Programm: UrauffüSirung, Der > C R M AN I A. 1 Pracht alle Chausaeeatr 110" fivht Snlij «rriamph- • Singer SjuaxriHslU. Nachdem Großer BALL InuiftfpeM eber An itertrt p c e i«» e r Panl Galletz. oortnalD Rabtrt Mmr Marianncnsir.ö im: 3Rorittül. lOSÖß Kordseebad Ma läse« da. dp.ru... Dl. Stuta klaaaUcker Uuslk Seeweg Ober Bremea-Brameihsven-Belgolaad. Direkte Sebsellsugs- u. Dampderrorblndung Norddeleh-Norderney ad KUDOWA Aeiiesfes aeraiielibad SdHeiieos Aach aoadeseidbaeie Heilertolgc bei Arterien-, Blut-, Nerve»-, Niere»-. Frauen- und rhenmai. Krankbeilen Stärkste Arsen-Eisenquelle DeuhdbJcnds NdtarUAc koblcnsAmre Miseral« and Koorbdder. Prospekte durch Reise* burenas and BedcverwalNui«.«so AiUlZtflUiger Unfbetlieü» NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN 1 DnljiorkstünUc�t CrftoüuiQsrcissn zur«Ssc««y: Preis M SÖ�o—| und höh Kostenlose Auskucß I und Prospckle durch unsere Vertrctussen 1 t. 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Dies« Ansicht Ist aar zum Teil richtig. Kur I Kuklrot-Primrat dient der BeseUlguog dar Hübnorangen und Hornhaut. Wir bringen aber noch 2 weitere. In unsarcr Pabri« unter ständiger Aulsicht eines approbierten Apothekers und «Inns Chemikers hergestellte Präparate In den Handel, und zwar: Ersten: das Kuklrol-Pnebad. Dieses wohl- tneade. In vielen Millionen Pällcu bewährte Präparnt reinigt und stärkt dl« Füße, und es ist alles zu emplehlen, die vlal gehen und stehen müssen und„schjaeht zn Fuß" sind. Zweitens: den Kuklrol-Streupuder. Dieses Präparat seilten Sie täglich anwenden und mh diesem Ihre Fiißc einpudern. Wenn Sic den Kuklrol-Streupuder auch In Ihre Strümpfe und Schuhe einstreuen, dann werden Sie Viel Geld spare». dann der Schweiß zerfrißt Strümp!» und Schübe. Wenn Sie über Brennen. Wandlsulen oder übermäßiges Schwitzen Ihrer Füße ru klagen haben, oder wenn dies« leicht ermüden, dann Kolwirolen Sief Kuklrolen betßtr richtige, also Knklrol-Fußpflege he» treiben. Sie werden sich beim Gebrauch dieser von zahlreichen Aerztao empfohlenen. In der ganzen Well bekannten Präparate viel wofaler fühicq als vorher. Die ganze Körperhaltung bessert sich, denn die krumme. schialle Haltong rührt meist von Schmerlen oder Ermüdung der Füße bar. Dies zur Tnlortaatlon lür alle, die en dem Prclsbewerb teilnehmen wallen., Erdenken Sie sich eine karre, witzige Antwort, die den naseweisen Vorkäuler glatt uidwIzIII Zeigen Sie der W»lt, was Berliner Humor Ist. Sorgen Sie daiür. daß niemand behaupten kann, dieser sei ausgestorben. Das PrelsansfChrelbet! gilt nur lür Dreß. Bertin. In der Provinz wagen es die Verkiuler gar olehl, dla Wünsche Ihrer Kunden zu Ignorieren, well sie dort aul Ihre Stamm-Kundschall angewiesen sind. Aber In Berlin gibt es— wenn auch verhältnismäßig wenig«— Verkiuler, dl« Ihren eigenen Vorteil dem Verteil ihrer Kunden voranstellen... Zeige« Sie diesen Leuten, daß SM sieh nicht bevor. munden lassen. Sie können verlangen, daß man Sie eis Kunden«eh tot und Ihnen lür Ihr gutes Geld die War» verablolgt, die SM zu erhalten wünschen. DM Knklrol-Präparale sind die am meisten gekaultee Fußpflege-Prä parate. Eine ganze Kuklrol-Kur kostet nur 2 Mark. Sie erhalten diese In einer Spezlnlpsckang vereinigt In jeder Apotheke und Fachdrogerle. Kukirol>Fabrik Kurt Krisp Verkautsbureau Berlin W 62, Kleiststraße 25, 1 Telephon: Stephan 5471. 3 Punkte| G nTenm lieben Genossen % Henn. Bauer u. krau t \t> die herzlichste» Glückwünsche zu\lf W ihrer Silbernen Hochzeit.«/ Ä. Die Genossen de» lZ«. Bezirk» �SSSSSSS Ott eeezeee* K Heinrich Worncr «Sic areae A. us wähl« -----• die bimsen Preise• Zahlung s- «SSSSSS » 90. Ubleilung(Itentölln)«j iv Unser Genosse, Tischler lv « V sohr. Dem alten Vcicranen. der lcit lv 33 Iahren unserer Partei angehört. 0/! vl)( unsere herzl. Glüetwünsche! Ml �»»»SSKO o Am 3. April starb plötzlich, mitten tn seiner Leben»- arbeit, Wöhren d eine« Bortrag» sür seine Idee, mein lieber Gatt« und Batcr vr. Georg zcpler. Di« Einäscherung fand, gemäß dem Willen de« Verstorbenen, in aller Stille statt. gugleich im Ziamen aller Hinterbliebenen undgreunde Wally Zepler. Nora Zcpler. Eharlottenburg.oenlll. April 1925. OiSSSSSeesr ' M Unserem lauajähr. Parteigenossen, «"'--- it> \l/ 1® V Silberhochzeit; Ö Mehrere Parteigenossen. Freunde ! üV. und Kollegen lieben Freund und guten ssollcgen tioOa» kianaiev und seiner lieben Frau PNere»« die herzlichsten Gliickmiinschc zu der am 14. April ftattsindendc» systexn® ermöglichen jedem die Anscliaffung M von gediegenen Speise-| V Herren- Z S SchZaszimmern O Küchen, bipec.: h!u?.elm6hel, 2? Schränke, Veriikows, Veiten etc. w neik! eiche nnSbaum® Am Mittwoch, den 8. Zlprtl. ver- schied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser Bater. Schwiegervater und Großvater, der ssupserschmiedrmeister Hermann Walter Dies j;eigt tiefbclrüM an IScria Wfllter nebst Kindern. Die Beerdigung findet an: Dienstag. den l4. April, nachni. t Uht, auf dem St.-PaulS'Kirchhof. Seestrafie, statt. �nissiwnz nach Uebcrelnkunft>D G Moabiter| Eredithaus{ DI Turswstr�ile VI J eine Treppe gegenüber Anniniosplatz d, 0»G»»0G0»»G A Am 10 April verstarb nach schwerem Leiden im Kl. Lebensjahre mein lieber Mann, unser guter Batcr, Echwieger» und Großvater, der Lithograph Hermann König Grünau. Aönigsir. 3 90 0 Die tratiunden Uinterbliebeiien. Die Einäscherung findet Mittwoch, de« 15. April, nachm. 5>>, Uhr. im Krematorium Baumschulenweg statt. ifäii€• Ii< bb«s nit ina aini j Küche Lottciicn mit Rahmen... 35 in M. Esmcralila mit Anrichte..05 VS, Hcrminc mit Anr.chie. 68 loo„ .Magdalena mit Anrichte.. 75 125„ Alma m. Seite;, scnränlien Anr. 125 175.. Riesenausevahl roher, lackierter, lasierter Kücbcn u. ein eetn. 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April, vor- schied im 5l Lebensjahre unter lieber Kollege und Mitglleb der Bezlrls- Verwaltung, der Postarbitter »«den Walter. (rem Wirken für die Interessen der Postangostcllten und der(Sc- famtmitgliedschaft wird nie vergessen werden. Die Cinäsdiernng erfolgt am Dienstag, den 14. Äpril, mittags 121/j Uhr, im Krematorium Baum- schulemoef. Um zalilreiche Beteiligung wird gebeten. Deutscher VerhehrsduoO tte�lrksverwaltun� tirofl-ßerün. Am s. April entschlief sanft nach kurzem, schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter. Groß- mutier ttnd Schwiegermutter llenui keutx Schettler !m Alter von 17 Jahren 775d In tiefster Trauer Kuckoll Gcntz nebst Kindern. Berlin-Tegel. Rosensteg 8. Die Einäscherung findet Mittwoch, den lö. April, abends 6 Uhr, im Krematorium Berlin, Gerichtftraße, stau. Metalltartell. Am Mittwoch, den lS. Bprll, abends 6 Uhr, tn ben Germanlafälen, Chaussee st r. IIS: Versammlung aller Vertrauensleute und Delriebsrals- delegierien aus den Selrieden des Verbandes Leeltner Melalllndusttleller. Tagesordnung; Stellungnahme ,ti den verhnndlnngrn über den R nhmcntotli und Cohnlatifoctlrca ||SP~ Intritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches einer dem Metall. lartell aitgeschlosseiteu«ewerlschaft und der mit dem V.B M.I-Stempel versehenen LegllimatlouSlarie. 0.» Melallkartell. Eiulad-ttg ordentlichen ölusschahfitzung der Lelriebskrankenkasse der Stadt Berlin am Montag, den 20.«pell,»ochm. 5 Ahr, im Rathonse zu Sctltn tZlmmee 109), Känigstraß« 15/18. Eingang Jildenuraße. Tagesordnung: l. Abnahme der Iahresrechnung lSZ4. 2. Satzungsänderung (§§ 2 und 22). 3. Verschiedenes. Anfragen oder Beschwerden, zu deren Erledigung Akteneinsicht oder auderweite Feststellungen eesoederlich stnd, müssen mindestens drei Tage vorher beim Bor- sitzenden des Borstandes eingereicht werden. Vor der Sitzung findet tu» 3 Uhr in demselben Zimmer drs Rathauses die übliche Vorbesprechung unter den Aus» schußmitgliebern statt. B e r I t n, den ü. April 1325. Set Vorsitzende de» Vorstandes»er velriebstranten- lasse der Stadt verlin. it Zenl BivR 25 Mit Eos-Extra� Politur Braucht man an Zeit Sekunden nur Und jeder fchmutzige, farbige Schah Wird strahlend neu und blank im Nut ♦ ♦ ♦ UeberaU käuflich. Auch Trikotagen, Handschuhe, Wolle. Strickkleidung seit 52 Jahren in bewährten Qualitäten sehr preiswert. 'KOMICSTR. ECKE SPANDAUERSTR BP • F. P. Winkier's Nerven- Elixier hat sich bestens bewährt bei: Neurasthenie, Neuralgie, Neurose, Melancholie, Hypochondrie, Hysterie, Gedächtnisschwäche, Platzangst, Herzklopfen, Angstzuständen, Schwäche, Ermattungszusländen, Energie- und Schlaflosigkeit usw. In allen Apotheken crhä'tlich, bestimmt: Elefanten-Apotheke. Berlin SW 19, Leipziger Straße 74.- Ausfuhrliche Prospekte kostenlos und portofrei durch P. P. WlnlUer dt CO., Chem■ Pharm. 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Die Toten drängen zum Licht heraus. _______ Karl Lröger. Gsterbetrachtung. von M. Todenhagen. Wer durch dieses frühlingsirohc Ostern sorglos wandert, dem muh das Leben eine beglückend? Tatsache scheinen. Eine» unserer Krlegsostern tot es diesem gleich im Sprießen und Knospen und lachender Sonne. Damals traf ich auf einem Spaziergange an einer der Brücken des Teltower Kanals mit drei jungen Müttern zusammen. Die lange Reihe der Spaziergänger stockte etwas ihret« wegen. Alle drei schoben Sportwagen, mit kleinen Menschenkindern belastet, vor sich her. Alle drei trugen au ihren Hüten lange schwarze Trauerschleier— drei junge Kriegerwilwen aus einmal—. Em veinvoller schmerzlicher Kontrast zur jubelnden Lebensbejahung hes Oftertages. Manch« Ostern haben seitdem fern«, junge»rtber mit fremch» lichem Grün gefchinückt. Wunden beginnen allmählich zu ver- narben. Die Welt sucht Heilung, der Mensch besinnt sich auf das Leben— oerlangt aus den Händen der Mütter Befreiung vom Kainslos. Nach ewig sich wiederholenden Gesehen hat das im Sturz aller «m tiefsten gestürzte Volk die höchste Aufgabe: durch die Karwochen bis zur Auierstehung aller allen voranzuschreitcn. Das deutsche Volk durchschritt die Karwochen des Ruhrkampfes und offenbarte schließlich der Welt, daß menschlicher Wille militärischer Gewalt Grenzen zu stecken vermag. Was will es besagen, wenn an solcher Erfahrung nicht olle teilhaben, nicht alle den Geist neuen Deutschtums erfassen. Die Kains sind auch in Deutschland noch nicht ausgestorben. Mitten in die ersten Ansäße einer Verständigung unter den Völkern stellt ein kleiner Kreis die militärische Gewoll wiederum als Mittelpunkt deutschen Seelenlebens heraus. Er w>l die mannigfachen Ergeb- niste langsam sich gestaltenden.Tat-Seins" im deutschen Volksleben nicht sehen, will- olle, deren Seele in diesem neuen deutschen Tat- sein noch nicht fest wurzelt, täuschen, zurückreihen in die ver- aangenc Scheinwelt verklungen«? Heldentaten. Der Name hindcnburg ist das Schild einer Zeit, tn der das Leben für die große Mäste des Volkes eine Tatsache war, mit der sie sich willenlos abzufinden hatte, auch wenn sie nicht beglückend war. Vielem Namen können nur die folgen, die nicht zum„Tat- sein" mst ousantanden sind. Wir fühlen uns hineingestellt in neue Lebensbejahung. Unser« Lieb« baut dem Menschen neue Tempel der Gemeinschast mit seines- gleichen, in denen ihm Gott zum Erlebnis wird, wie der Dichter Karl BrSger fingt: heißt nicht Gottes anderer Name: Du? Jeder Weg rührt auf ihn zu. Mündet still in leine tiefe Ruh. Du dunkler Bruder! Gottes anderer Name:„Du* verpflichtende Erkenntnis zur Ehr- furcht vor dem Leben— Grundton unseres Tatseins! Du und ich— die einzelnen einer Gemeinschaft— eines Volkes, feine bewußten Träger, von denen die Staatsgewalt ausgeht, erfahren im Volk Auswertung ihres Einzelwcrtes, erfahren höchste Steigerung, wenn unleres Volkes Geist sich auswertet in der im Tatsein verbünde- neu Menschheit! Militärische Gewalt ist kein Tatsein. Sie ist Zufallslösung, träge Lebensocrneinung, die der Lösung aus Kraft oder Vernunft und Sittlichkeit aus dem Wege geht. Wir aber ringen auf dem Loden der republikanischen Volksgemeinschaft nach Lösung aller Prodleme durch Vermach und Sittlichkeit. Der Bode« ist uns teuer— aus ihm sproßt junge isaat neuen Volks- und Msnschtums. Wir werden sie zu hüten wisten vor dem Tritt des Militärstiesels! Jede proletarische Stimme gehört der Republik— gehört am 26. April dem Republikaner Wilhelm Marx! GleichnOTe. von klabund. Kämpfen. Seth sprach: Von Hu geht das Gerücht, daß er ein gewaltiger Krieger jei, Er bot aber noch»le einen Kampf bestanden: wie kann man ihn so einen gewaltigen Krieger nennen? Mir scheint das logisch so unrichtig, als wolle man eine Jungfrau Mutter und einen Kapaun Hahn nennen. Li sprach: Hu hat schreckliche Waffen ersunden, gegen die es keinen Schuß gibt. Man muß sich hüten, ihn zu reizen, daß er sie anwendet. Er kann mit Blicken schießen und mit Gedanken töten. Seine Feinde legen die Wafken nieder, wenn er nur die Nasenflügel und die Wimpern bewegt. Der wahrhafte Held kämpft nicht. Er hat es nicht nötig, zu kämpfen. Es genügt zu wisten. daß er ein heU ist. So wird er waffenlos auf dem Felde pflügen und niemand wird es wagen, das Schwert gegen ihn zu richten. R u h m. Seth sragte: Soll dpr Weise nach Ruhm streben? Wenn man seinen Kindern fernst nichts vermacht, ist es nicht wünschenswert, ihnen einen großen Namen zu hinterlassen? Li sprach: Kung ordnete den Staat und sammelt« die Ideen der Vorzen in den heiligen fünf Büchern: Liederbuch, Buch der Urkunden, Buch der Waiüdlungen, Buch der herbst- und Frühlingsannalen. Buch der Riten. Woher datiert nun sein Ruhm und wie wurden diese Bücher befolgt? Aus einem gewisien Ort, der zur Regeluno der Verdauung dient, hängen seine Schriften, man reiht sich die Blätt- chen ab und, ehe man sich den A---- damit wischt, liest man den einen oder anderen Spruch. So ist Kung, so sind die alten Schriften berühmt geworden. Der Weise versäimäht diese Art Ruhm, die nach Kot stinkt. Er zieht es vor, verborgen zu bleiben wie Re, der l-ü Jahre unter den Menschen lebte, ehe man durch einen Zufall dahinter kam, daß er der Äerfasser der� Frühlingsmusik sei. Als leine Matte nicht leer wurde oon den Schuhen der bewundernden Besucher, rollte er sie eines Tages ein und ging in die Einöde. Da waren es nur die Jahreszeiten noch, die ihm einen Besuch abstatteten uufc der Frühling selbst spielte ihm seiu« Fruhlingsmusik. Sonntag 12. fiprtt 1925 Unterhaltung unö Wissen Seilage öes vorwärts Der gejchunüene voltshelö oder: Me man präsiüentsthaststanüiöat wird. »Rrrrrrrchchch— rrrrrrchchch— rrrrrrchchch——— „Noch immer kein Ja? Da müssen wir stärker« Druck- mittel anwenden—" »Exzellenz, wachen Sie auf! Das Vatettand ruft Sie!" »her mit ihm— ich werde den alten Knaben schon auf den Schwung bringen—" neu ,No endlich! Aber jetzt wei ausbügelu lassen müssen.. werden wir ihn wohl erst mal »Wie—'Sie lehnen ab? wir lassen nicht locker!" vTrarETwERr? die kleine Auferstehung. Auch eine Oskergeschichte. Aus dem literarischen Nachlaß von Kurt QEisner. Die Wohnung, in der ich damals hauste, war nicht allzu ge- räumig, aber vielseitig. Aus ein paar Quadratmetern zwischen den gleichen vier Wänden oereinigte sie: Salon und Bibliothetzimmer, Schlafstube und Küche, Werkstatt, Speisekammer und Vorrats- räum. Selbst ein kleiner botanischer und zoologischer Garten war darin durch besondere Gunst des Hauswarts untergebracht, in der sorgsältigen Auslese eines Blumentopfes und eines Kanarienvogels lfür de» die Wohnung also auch noch ein Musitzimmer darbot). Schließlich war sogar für landschaftliche Schönheit in Gestalt eines aufziehbaren Wasserfalls gesorgt, der in inniger Verbindung mit einem schaurigen Abgrund stand, den schamhafte Leute wohl„Toi- leite" nennen. Mit allen diesen Segnungen waren aber die Borzüge meiner Wohnung noch nicht erschöpft. Ich war geradezu lückenlos gegen Einbruch versichert, indem Tag und Nacht königliche Staatsbeamte mein Anwesen bewachten. Auch war ein Weckapparat vorhanden, der mich unfehlbar um Uhr morgens, wenn nicht aus den Federn, so doch von dem Bette brachte Einen etwas störenden Nachteil darf ich allerdings nicht verschweigen: man tonnte in die Wohnung zwar hinein, aber nicht heraus. Insofern mußte man von Freiheitsberaubung mit allerhöchsten königlichen Privilegien sprechen. Meine Wohnung hatte eines Tages in der Wandlungsfähigkeit ihrer Bestimmungen die Natur eines Bibliothek- und Schreib- zimmers erreicht. Ich las in einem dicken Schmöker, der auf einem Tisch von 4 Quodratdezimetern Fläche wuchtete. Da begab es stch, daß meine Kopfhaut plötzlich von Gefühlen beseligt wurde, als ob an ihr(die damals freilich noch nicht erfundene) Operation vor- genommen würde, einige taufend an goldenen Widerhaken be- festigte Haare aufzuforsten. Ich kann nicht leugnen: ich kratzte mich heftig, obwohl diese Tätigkeit in der Hausordnung keineswegs kon- zessioniert war. Die Gefühle wurden aber durch diese Eingnsse nur gesteigert. Mein nächster Gedanke war, als ich daran ging, die Kausa- lität der befremdenden und unbehaglichen Erscheinung zu erfor- schen, ein« leidenschaftliche Anklage gegen die Justiz. Wie hätte man auch schuldlose Insekten widerrechtlich und gesetzlos in diesen Raum eingesperrt, die doch schon deshalb nicht zu Gefängnis verurteilt werden durften, weil das Strafgesetzbuch nur für M e n- schen gilt! Ich beschloß, diesem empörenden Akt von Ungerechtig. keit aus den Grund zu gehen. Ich nahm einen Kamm, beugte mein Antlitz tief auf das aufgeschlagene Buch und striegelte mich bis zur Erschöpfung. Dann legte ich ein Zeichen zwischen die beiden Seiten und klappte das Buch zu und drückte es stark. Ich lauschte. Um- sonst. Ich vernahm kein Todesröcheln. Ich öffnete das Buch. Keinerlei Befund. Nicht der blasseste Blutstropfen. Aber die Empfindlichkeit der Kopfhaut steigerte sich ins Un- erträgliche. Waren das etwa Gewissensbisse, die sich verkörperlicht hatten? Sicher war: es wurde immer quälender. Ich tonnte nicht mehr lesen, schreiben, schlafen, essen. Meine ganze Existenz war nur noch ein Stück ewig zuckender Kopfhaut. Und ich grübelte vergebens über die Ursache. Zum Arzt wollte>ch nicht gehen. Der hätte mir doch nur Bittersalz verordnet. Oder: Senfpflaster. Einmal schien es mir wieder, als ob das Jucken neue Nahrung erhielt. Verzweifelt sah ich zur Decke empor oder auch, wie es niancherorts auf gut Deutsch heißt, zum Plafond. Da gewahrte ich eine sonderbare Erscheinung: Unhörbar löste stch ein Blättchen des dünnen Anstrichs, zerstäubte, und wirbelte langsam, fast feier- lich, herunter: und, da ich gerade den Blick aufwärts gewandt, nicht wie sonst, zwischen das Haar, sondern auf die Augengläser. Nun kannte ich die Quelle meiner Qual und auch den Weg der Abhilfe: Ich rückte Tisch und Schemel ein wenig seitwärts, nicht allzu weit: denn erstens verstieß die Verrückung des Inventars gegen die feit jeher feststehende Ordnung des Hauses und war folglich verboten. zweitens aber war überhaupt für die Willkür der Ansicdlung der Raum eng und sparsam bemessen. Einen Tag lang glaubte ich Ruhe zu haben. Aber dann zeigte es sich, daß der Krebs oben an der Decke unheilbar um sich fraß— und auch an meiner neuen Stätte seine Gaben herab- sandte Da nahm ich ein Taschentuch und tat. wie Ich's als kleiner Knabe im Regen getan: knüpfte in die vier Ecken Knoten und zog die Zipfelmütze über das Haupt. Das half ein Weilchen. Aber meine ganze Aufmerksamkeit blieb an die abblätternde Decke ge- bannt. Mit schmerzhaft ängstlicher Spannung wartete ich nur noch auf den Augenblick, wann eine neue Sendung des weißen Staubes käme. Und das Taschentuch bedrückte mich, als ob es mir den Atem nähme. Ich warf es beiseite und fühlte wieder, mit unbedecktem Haupte, durch Hin- und Herrücken des Schemels den Kampf wider den tückischen Feind, der mich immer gerade dann erwischlc, wenn ich ihm entronnen zu sein glaubte. Als mich schließlich der Wahn zu packen begann, nicht nur die mürbe Tünche, sondern das ganze Haus mit den vielen hundert Zellen würde auf mich herabfallen, faßte ich einen Entschluß: Ich meldete mich vorl Dieser techmiche Ausdruck schließt eine Reihe höchst umständ- licher Handlungen>n sich, deren Endergebnis ist. daß man eines Morgens laut aalgerufen, durch die erschlossene Tür in einen sich fortwährend mehrenden Zug blauer Gestalten eingegliedert und durch endlose Gänge geschleppt wird die das G.anze be» einer geheimnis- vollen Tür haltmacht. Dort wartet man, bis man an der Reihe ist. Dann dars man hinein, steht vor einem grauen Recken in Uni- forni, d:r blaue Aktcnhefte aus dem Tisch vor stch hat, und dich durchdringend— du stehst sechs Schritt entfernt vor dem Tisch, in strammer Haltung— anglotzt: „Was wolle» Sie?" „Ich möchte meine Decke weißen lassen!" Die Neuheit des Anliegens bringt den erfahrenen Greis etwas aus der Fassung, und um Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen, schreit er mich an: „Sie möchten? Sie wollen sagen, ich bitte darum, daß— was war es?" „Jawohl, Herr Inspektor, ich bitte darum(Ich lege meine ganze Seele in das„Bitte"), daß meine Decke geweißt wird." Der Herr Oberinspektor ist immer noch überrascht:„Wollen Sie nicht lieber gleich, daß die Decke getäfelt wird? Oder Klub- sefsel gefällig? Oder marmornes Badezimmer?" Ich bemühte mich, bescheiden und umständlich auseinander- zusetzen, was die Ursache meines Begehrens wäre, wahrhaftig nicht der überreizte Schönheitssinn eines vom Komfort der Neuzeit ver- weichlichten Umstürzlers, sondern durchaus gediegene medizinisch- hygienische Gründe, und außerdem— das Argument schlug durch! — die Rücksicht auf meinen Unternehmer, der meine Arbeitskraft gepachtet und� ein Anrecht auf meinen ungestörten Fleiß hatte. So kam endlich der protokollarische Vermerk In den Akten zu- stände:„Auf Station VI 173 soll schadhafte Stelle der Decke frisch geweißt werden!" Nach einigen Tagen stellte sich auch in meiner Klause eine Untersuchungskomm.ssion ein, die zwar nach eingehender Prüfung zu dem Ergebnis gelangte, daß der Schaden nicht so groß und die Ausbesserung»uhig bis zu meiner fünfeinhalb Monate später er- folgenden Entlassung vertagt werden könnte, die aber mit Rücksicht auf meine dringenden Vorstellungen und weil ich mich im übrigen musterhaft geführt hatte, mir doch verhieß, dem Uebel alsbald abzu- helfen Es kam aber nichts, weder alsbald, noch überhaupt. Ich versank in Trübsinn. Die schrecklichen Gaben aus der Höhe kamen immer häufiger und üppiger. Mein Schädel ward ein Hexentanzplotz, und die Hexen waren uralt, hatten ungewaschene Füße mit unoerschnittenen Nägeln. Nach weiteren peinvollen Wochen entschied ich mich, wiederum mich vorzumelden. Ich wies darauf hin. daß doch Ostern bevor- derEngelmacher s-sRechtöblocks stände und daß man mir eine rechte Festfreude bereiten würde. sofern.... Es stellte sich heraus, daß auf dem Instanzenweg irgendwo ein Akt liegen geblieben war. Man versprach jetzt die möglichste Beschleunigung des Verfahrens. Richtig, am Ostersamstag kam ein Kalfakter mit einem Eimer weißer Tünche, einer Leiter und einem umfassenden Pinsel. Er malte mit Feuereifer, daß die weißen Tropfen überall hinflogen, auch auf meine ohnehin überlastete Kopfhaut. Es entstand oben an der Decke ein mächtiger feuchter Fleck. Das sah gewiß nicht schön aus, dennoch legte ich mich in dieser Nacht in seliger Erwartung auf meine Pritsche und schlaflos fieberte ich von der glücklichen Zukunft: morgen wirst du ruhig arbeiten können, die Decke wird halten. Ich habe nie einen fröhlicheren Ostersonntag erlebt. Ich fühlte mich wie erlöst, wie auferstanden. Alle Qual war ver- gangen, und mit stürmischem Jubel las ich im„Faust"... Kein Stäubchen rieselte herab! Welch Uebermaß von Seligkeit! Die Erde, die Freiheit, das Leben hotte mich wieder! * Später, als ich längst wieder draußen war. hatte ich noch häufig mit solchen belästigenden Schäden zu ringen, und immer dauerte es unendlich lange und erforderte ein umständliches müh- seliges Verfahren, bis der Tüncher kam und die Decke festigte. War dann das Uebel schließlich behoben, so gab es wohl immer für einen Augenblick jenes tröstende aufrichtende Gefühl befreiter Pein. Darüber aber rann die Zeit dahin, und bisweilen schien es mir, als ob das ganze Dasein aus solchen lächerlichen Deckendefekten Gestünde und aus all� den kleinen Auferstehungen, die wir uns mühsam schafften, um die große Auserstehung in alle Ewigkeit zu verlieren. Ich gebe meinen Mitmenschen anheim, ob es sich nicht doch vielleicht ermöglichen ließe, die schadhaften Decken rascher zu weißen. Goethe als Großvater. Von seinen Enkeln liebte Goethe den kleinen Walter am meisten und war nach dem Zeugnis von Ecker- mann l„Gespräche mit Goethe")„unermüdet, ihm alles zu Willen zu tun!" Walter durste auch kommen, wenn Goethe beschäftigt war oder gar Besuch hatte, und der Großvater freute sich seiner lebhaften Fragen.. Wenn du kommst, unruhiger Geist, so verdirbst du gleich jedes Gespräch!" das war Goethes einzige gutmütige Abwehr, wenn Wolter allzu aufdringlich wurde. Auch Taschenspielerkunstflückchen, darin Walter besonders geübt war, sah sich der Olympier freundlich an.„Es Ist," sagte er,„ein herrliches Mittel zur Uebung in freier Ride und Erlangung körperlicher und geistiger Gewandtheit, woran wir Deutschen ohnehin keinen Ucberfluß haben. Der Nachteil allen- falls entstehender kleiner Eitelkeit wird durch solchen Gewinn voll- kommen aufgewogen!" Bekannilick war Goethe der Jugend über- Haupt wohlgesinnt und gönnte ihr das Toben auf der Straße selbst unter seinen Fenstern.„Die Polizei störe ihre Freude nicht", bat er oft gesagt Auf der anderen Seite war Goethe durchaus nicht für zügellche Freiheit. Als Zelter dem Enkel ins Stammbuch geschrieben hatte,„Lerne gehorchen'.", meinte der Großvater:„Das ist doch das einzige vernünftige Wort, was im ganzen Buch steht!" wenn wir zum nächsten Fixstern wanderten, würden wir natür- lich zu unseren Lebzeiten niemals ankomnien. Doch ist es nicht ohne Interesse, zu hören, wie lange eine solche Wanderung dauern würde. Sie würde für einen Läufer 120 Millionen Jahre dauern, für einen gewöhnlichen Fußgänger, der im Armeemarschtempo gehen würde, nahezu 700 Millionen Jahre. Das Licht dagegen kyrrchläuft die Eni- fernung in vier Iahren. Ostern im Wiesengraben. Von Dozent Ewald Schild. Neues Leben und frisches Keimen webt durch die erwachende Natur, und nach allzu langer Wintersruhe rüstet auch der Wiesen- graben für den Beginn der erwachenden Frühlingsherrlichkeit. Das legte schon sehr löcherige und poröse Eis liegt Heuer noch hie und da in höher gelegenen Gegenden wie ein schmutziger Schlamm auf dem Wa'fer uno gibt so oen Userpflanzen inaum zur neuen Entsastuag. Die Schwertlilien benützen diese Gelegenheit und durchstechen mit ihren breiten, hellgrünen Dlattspigen den Userschlamm, der auch den Blattern des Froschlöffels Platz machen muß. Auch die Weide am Grabenrand zeigt ihre silbernen Kätzchen, die bald goldig auf- blühen und damit den vorerst noch vereinzelten Bienen und Hummeln die Möglichkeit geben, in der langentbehrten Süßigkeit zu schwelgen und den kostbaren Blütenstaub einzutragen. Aber nicht nur am Wasser, sondern auch im Wasser keimt's und knospet'» nach der langen, trostlosen Oednis des Winters. Die Wujserpest erwacht aus ihrer Trägheit und bildet neue Triebe, um womöglich heuer den ganzen Graben für sich zu erobern. Im Jahre 185» aus Kanada eingeschleppt, hat sie es fertiggebracht, sich über einen großen Teil der Gewässer Mitteleuropas zu verbreite». Sie hat wahrscheinlich mit Fijchfutter die Reise übers große Wasser ange- treten und dürfte heute selbst in den entlegensten Tümpeln anzu- treffen sein. Ihr Siegeszug durch Europa wurde oftmals sogar zu einer nicht zu unterschätzenden Gefahr für die Flußjchifi- fahrt und Fischerei: brachte sie es doch fertig, mir ihren Sproßgcwirrcn Kanäle, Flüsse und Seen buchstäblich zu verstopfen. Allerdings ist an manchen Orten zu konstatieren, daß ein merkbarer Rückgang der Wasserpest stattfindet. Seine Ursachen sind nicht leicht zu ergründen. Da die Wasserpest merkwürdigerweise nur in weib- lichen Exemplaren nach Europa kam, demnach nur auf ungeschlccht- lichc Vermehrung angewiesen ist, dürften gewisse Ermüdungserschei- nungen bei der sonstigen Dermehrungssreudigkeit dieser Pslanw nicht von der Hand zu weisen sein. Daß an dem Rückgang der Wasserpest auch die Erschöpfung an notwendigen mineralischen Substanzen, oie durch die große Entwicklung der Pflanze in manchen Gewässern be- dingt sein soll, beteiligt ist, kann man wohl nur mit Vorbehalt an- nehmen. Für die Tierwelt des Wassers besitzt die Pflanze eine be- sondere Bedeutung. Nicht zuletzt sorgt sie dafür, daß die Wasjertiere an der Lebenslust keinen Mangel leiden. Als lebend«„Sauer- stofsabrik" erzeugt sie, besondeis ausgiebig im Sonnenschein,>miner neuen Sanerstosi, den sie ans Wasier abaibt und der nicht selten in langen Reihen silberartig glänzender Bläschen an die Oberfläche steigt. Auch die Teichrose beginnt bereits ihre eingerollten Schwinnnblätter aus dem Schiommgrunde hervorzustrecken, um sich die beherrschende Wasterobersläch« zu erobern. Einen ausgiebigen He>ter im Zudecken des Wasser» findet sie in den seerosenähiiltchen Blättern des Frosckibiffes, der im Verein mit den kleinen W a s s e r l l n s e n in verhältnismäßig kurzer Zeit den freien Wasser- fpiegel mit einer dichten, saftig grünen Decke überzieht. Dem Nalur- kündigen sind die so unscheinbaren Wasserlinsen ein donkbares Studienobjekt, zeigen sie ihm doch eine Fülle interessantester An- passungserschcinuncjen, die diese Pilänzchen mit der Außenwelt oer- bindet. Selbst bei den größten Arten kann man deren Größe nur mit wenigen Millimetern angeben. Eine in Bengalen heimische Alt mit knapp 1� Millimeter Svroßausmaß kann das Recht für sich in Anspruch nehmen, als klein st eBlütenpslanzeder Welt zu gelten I Doch nicht nur das Pflanzenleben, sondern auch die Tierwelt erwacht in diesen Tagen wieder zu neuem Leben im ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Die behende Tätigtest des krabbelnden Kleingetiers macht sich dem Auge wieder bemerkbar. Hier der Tauinelkäfer, schwarmweise in fortwährenden Kreiselbewe- gungen, dort der Rückenschwimmer, stets, den Bauch nach oben, emsig rudernd, bevölkern in kurzer Zeit da» Wasier. Da ist einer, der«inen Luftsack wie eine silbern« Kugel am Hlnterleibe haften hat und eine gelbe Bort« an der Kopfseite und den Körperrändern zeigt. Ein Wasielkafer, der Gelbrond, ist es, dessen ganze raitlole Tätigkeit dem Fräße dient. Wasierschnecken, verschiedenen Larven, wobl auch l leinen Fischchen bläst dieser Vielfraß das Lebenslicht aus. Auch die„Langsamsten", die Wasserschnecken, zogen sich am Schluß der vorjährigen Saison in ihr Haus zurück und verklebten die Tür von innen her: nunmehr schleichen sie schon wieder bedächtig durchs Wasser und entschädigen sich an dem saftigen Grün für die überstandene„Fastenzeit" Soll ich noch berichten über die Wunderwelt der Kleinlebewesen des Eraberis. die uns das Mikroskop nahebringt, oder versuchen, das Liebes- und Eheleben de» heimischen S t i ch l i n g s, der jetzt an die Gründung eines eigenen Hausstandes denkt, zu schildern? Wohl manchem werden dabei seine„Expeditionen" zu Teich und Tümpel in frühen Iugendtagen in Erinnerung kommen, als es galt, bewaffnet mit Fischnetz und Musters Einmacheglas, auf Abenteuer auszugchen. Und nicht wenige sind ja Zeit ihres Lebens diesen kleinen natur- wissenschasilichen Forscherfreuden treu gebliebtn. Gfterhumor. Eine schöne Ostersage erzählt uns, daß die Freude In der Natur an diesem Fest so allgemein sei, däß sogar die Sonne am Oster- sonntagmorgen drei Freudensprünge mache. Diese allgemeine Freude hat in zahllosen lustigen Sitten ihren Ausdruck gesunden und hat die Blüte des Osterhumors reich«sprießen lassen. Auch die Kirche nahm an dieser Frcudenstimmung Anteil, und sie führte in den Gottesdienst offiziell jenen berühmten rizus pascbaiis, das Oster- aelächter ein, das die Gemeinde während der Osterpredigt an- stimmen mußte. Der Geistliche aber hatte die Aufgabe, durch alle möglichen drolligen Possen und Witze dieses Osterlachen hervor- zurufen, und die Prediger haben sich in früheren Zeiten die seltene Gelegenheit nicht entgehen lassen, aus der Kanzel einen guten Humor zu entfalten. Ein beliebter Kanzellvitz war z. B. die Nach- ahmung von Tierstimmon, in der es manche Geistliche zu hoher Vollkommenheit gebracht hatten. Da hörte man an dem heiligen Ort das 2— a des Esels, der den Herrn getragen, ganz naturgetreu, und darein mischte sich das Muhen der Kühe, das Grunzen der Schweine, Schnattern der Gänse, Krähen der Hähne und der Ruf des Frühling verkündenden Kuckucks. Besonders aber wurden der Teuf->l und seine Großmutter sowie Judas, auf den man ja zu Ostern besonders böse war, die Zielscheibe des Spottes, und ein/ Meister derben Volkshumors, wie Abraham a Santa Clara, hat darin Unvergängliches geleistet. Kein Wunder, daß die Ausgelassenheit In der Kirche manchmal zu toll wurde und daß die Prediger sich zu derben Späßen hin- reihen lieh--n. Daher wurden Ende des 16. Jahrhunderts zahlreiche Verbote gegen dos Ostergelochter erlassen: aber der Brauch hatte sich so eingebürgert, daß verschiedene Hirtenbriefe der Päpste notwendig wurden, ehe der Brauch aus den Kirchen verschwand, und mancher- orts hat er sich sehr lange erhalten, wie z. B. Rosegger noch aus seiner Jugend von der Freude des Oftergelächters in der Kirchs be- richtet. Doch das Volk ließ sich auch nach dem Kirchenverbot seinen Humor nicht verkümmern, und noch heute ist es in manchen Gegen- den Eitle, daß sich zwei Leute, die sich am Osiermorgen begegnen, allerlei Witzworte zurufen und sich anlachen müssen. Die Neckerei--» richteten sich mit Vorliebe gegen die jungen Mädchen, die sich am Ostersoni-tag gar nicht auf der Straße sehen lassen dursten, ohne gehänselt und verspottet zu werden. Viel Anlaß zu Spaß gab auch die sogenannte„Ostersticpe", nämlich die Verteilung von Ruten- streich»», die am Ostersonntag ungestraft verabfolgt werden dürfen, nicht nur oon Eltern den Kindern, sondern auch umgek»hrt, und von Burschen den Mädchen._ Die niedrigste Todeszisser. Neuseeland, dessen Todeszifser sür !924 8,29 pro IlXH) beträgt, rühmt sich, damit die niedrigste Sterb- lichkeit in der ganzen Welt erreicht zu haben. Die Säuglingssterblich. keit hat in vier Jahren von 56 bei 1000 Geburten auf 40 abgenommen. Die Geburtenziffer von 1924 ist mit 21,57 pro 1000 die geringste, die bisher In Neuseeland oerzeichnet worden ist..