Nr.176 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 91 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, onaffi 8, Reichsmart voraus zahlban. Unter Kreusband für Deutschland, Danzig, Eaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Suremburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormärts" mit der Sonntags bellage Boll und Zeit mit„ SiedKung und Aleingarten fowie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme" ericeint mochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialbemotrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Ronpareille. aeile 70 Pfennig. Reklamegeile & Reidsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Bort 20 Pfennig ( zuläffa awei fettgebrudte Sorte), jebes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 10 Pfennig, jebes meitere Bort 5 Bfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 414 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werben. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 15. April 1925 Vorwärts- Verlag G.m. b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Voftfcheckfonto: Berlin 37536- Banffonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Die Pflichten des Reichspräsidenten. Mary vor den Republikanern in Königsberg. Königsberg, 14. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsidentschaftskandidat der republikanischen Bar teien, Reichskanzler a. D. Marg, traf am Dienstagabend um 7% Uhr in Königsberg ein. Tausende von Reichs bannerleuten hatten am Bahnhof zu seiner Begrüßung Aufstellung genommen. Lange vor Eröffnung der in der großen Stadthalle vorgesehenen Versammlung war der Saal dicht besetzt. Bor den Eingängen drängten sich die Massen, so daß Marg gezwungen war, auch noch in zwei Barallel. verfammlungen zu furzen Ausführungen das Wort zu nehmen und in einem anderen Saal Bertreter der Parteien für sich fprechen zu lassen. Der offiziellen Versammlung stellte fich Marr mit folgender Rede vor: Es mar mir ein Bedürfnis des Herzens, meine erste Rede vor find durch den verlorenen Krieg ein schwaches und ständig umdrohtes Bolf geworden, und darum müssen wir mit peinlicher Sorg falt alles vermeiden. was dem wachsamen Auslande Anlaß geben tann, zu glauben, daß wir nicht mehr eine Politik der Verständigung, fondern der Revanche führen wollen. Die Fortsetzung und Sicherung der Berständigungspolitik muß auch der Leitgedanke der Präsidentenwahl sein, menn anders nicht großer Schaden für das Gesamtwohl erwachsen soll. Der Reichspräsident ist dem Auslande gegenüber der Vertreter des deutschen Belles, und dorum muß das Ausland in ihm eine Gewähr für die Fortführung der Berständigungspolitif erbliden fönnen. Außenpolitische Experimente darf sich unser Bolt nicht mehr erlauben, denn wir haben, weiß Gott, genug Lehrgeld gezahlt für die Erkenntnis, daß nur eine auf wirtschaft unjeren nationalen und wirtschaftlichen Aufstieg bewährt. infere wirtschaft ist das Rückgrat unseres Staates: von ihrem Bestand und ihrem Blühen hangt in erster Linie unsere. Wiedergejundung ab. tehr denn je aber bedarf unsere Wirtschaft der Ruhe nach innen und außen, wenn fie die ihr oliegenden Aufgaben erfüllen foil. Wie aber jollen wir wieder au finanzieller und wirtschaftlicher Stärke und Bluite gelangen, wenn wir fcibir die gesunde Entwicklung in impér nüniliger Weise fisten und kommen! dem zweiten Wahlgang, aus dem der deutsche Reichspräsident herliche Berständigung abzielende Außenpolitik sich als erfolgreich für norgehen soll, hier in der deutschen Ost mark zu halten. Wiederholt war es mein Wunsch und meine Absicht, als Reichstanz fer nad) Königsberg zu fommen, und die ostpreußischen Lande zu besuchen. Jedesmal aber hat mich die Pflicht dringender Dienst: geschäfte von der Ausführung meines Borsages abgehalten. Die sicherste Gewähr für eine regelmäßige und gesunde Fort entwicklung im Innern ist eine geiicherte Berfaffung als Grundlage faatliser Ordnung. Das deutsche Bolt hat fich in Weimar die Beriosung gegeben, die fein staatliches Leben ordnen und festlegen felt. 2in ihr muß jeder Deutsche, der sein Bater: land liebt. festhalten, und für sie sich mit der ganzen Kraft, die er im öffentlichen Leben zu betätigen imstande ist, einsehen. Der gefchloffene Wille, die Perfafung gegen jeden Eingriff zu schützen, hat auch die Parteien, die seit 1919 unentwegt zur Verfassung ge: standen und auf ihr ausgebaut haben, im Bolfsblock für die Reichspräsidentenwahl zusammengeführt Unbedingtes Festhalten an den Grundsähen der Weimarer Verfassung, das ist das starte Band, das diefe Parteien zufammenhält. hat die Verpflichtung, hier so meit als irgend möglich aus gleichend zu mirten und die entstandenen Schäden zu beseitigen. Unser Bolt muß meit mehr als bisher zu echter und wahrer Staatsgesinnung und zu gemeinsamer Arbeit am Wohle des Baterlandes erzogen werden. Nicht jeder, der sich national nennt, ist darum auch schon ein wahrhaft vater landsliebender Mann. Nur der hat berechtigten Anspruch auf den Ehrentitel eines Vaterlandsfreundes, der bereit ist, Opfer für das Volk zu bringen und feine Kraft überall da einzusetzen, mn es erforderlich ist. Wahrhaft national haben darum die verfaffungstreuen Parteien am deutschen Volke gehandelt, als sie bald nach dem Zusammenbruch fich in den Dienst des Gesamtwohls gestellt und alles daran gesetzt haben, um das deutsche Volk zu retten und wieder zu Wohlfahrt und neuer Blüte emporzuführen. War das Verhalten dieser Parteien nicht nationaler als die Einstellung anderer Parteien, die das Wort in der Fima führen, sich aber in ebenso tatenloser wie wortreicher Kritik une Opposition gefielen? In der Berweigerung positiver Mitarbeit an der Ausgestaltung der Gesetzgebung vermag ich feine nachahmensmerte Betätigung vaterländischer Gesinnung zu erblicken, zumal wenn die Absage nur erfolgt, weil die neugeschaffene Form des Staates nicht den eigenen Wünschen entspricht. Nicht auf Phrasen und Worte fommt es bei der Wiederaufrichtung eines zu Boden geworfenen Rolfes an, Taten müssen zur Rettung des Boltes geschehen, und mit Recht schenft es dem sein Bertrauen, der überall Hand anlegt, um eine zu bewirken. Befferung seiner bedrängfen Lage jezigen Wahl eine Reichspräsidenten gegenüber. Möge der WahlIn zwei großen Heeringern steht sich das deutsche Bolt bei der tampf auf beiden Seiten im Geiste der Duldung und der Gerechtig eine Fortsetzung der bisherigen bewährten Außenpolitik der Berfeit geführt werden. Möge die Entscheidung so fallen, daß sie uns ständigung und der Befriedung der Welt verbürgt. Möge sie im Snnern die Erkenntnis befestigen, daß das Wohl der Gesamtheit wie tes einzelnen nur gefördert werden kann, wenn echt nationaler vaterländischer Geist das deutsche Volt in seiner Gesamtheit beseelt und feme Tätigkeit im öffentlichen Leben bestimmt. Sie verlangen von mir, das ich vor Ihnen bekennen, wie ich Ben Beg febe, auf den Deutschland nach den schweren Jahren des Leibes in eine heffere und gesicherte Zukunft dreiten sell. Benn ich dieser Forderung entspreche, brauche ich feine Offenbarungen zu machen, denn meine. politische Einstellung und mein politisches Programm find aller Welt bekannt. Aus pollster leher zeugung habe ich immer betont, daß bei Deutschlands ungünstiger geographischer Lage und im besonderen yaó dem Verlust des Krieges gegen eine Welt von Feinden die Außenpolitit in allen unse ren politischen Erwägungen und Entschließungen den Borrang haben muß. Bon Brimat der Außenpolitit sprechen bei uns sehr viele und dennoch handeln viele so, als brauchten wir uns um das Ausland jehr wenig zu fümmern. Unfere politische Lage ist aber dech unverkennbar immer noch derart, daß unser politisches Vor gehen in allererster Linie von der Außenpolitik bestimmt wird. Wir find in sehr wichtigen Beziehungen von der Einstellung ausländischer Mächte abhängig. Eine Abhängigkeit, die durch den Berlust des Krieges start vergrößert und zum Teil erst verursacht worden ist. Wir sind ein entwaffnetes Bolt und fönnen leicht zum Spielball fremder Machthaber werden, wenn im Ausland wieder einmal imperialistischer Eroberungsdrang und rohe Gewalt vernünftige leberlegung und wirtschaftliche Notwendigkeiten verdrängen sollten. Bei manchen Parteien vermißt man ein ehrliches und rückhalt. Daß mir aber bei aller durch unser ureigenstes Intereffe gebotenen Rücksicht auf das Ausland unsere nationale Ehre und Würde wah- lojes Bekenntnis zur Beimarischen Verfassung, wie es von jedem ren, das sind wir dem deutschen Volke, seiner großen Vergangenheit verlangt werden muß. Man erklärt mohl, daß man auf dem Boden und feiner weltgeschichtlichen Bedeutung schuldig. Unsere nationale der Beimarischen Berfassung steht, betont aber zugleich, daß ihre Ehre verlangt aber nicht, daß wir eine Macht vortäuschen, die mir Niemand wird die Weimarische Verfassung als so vollkommen be: Reform und Umgestaltung ein dringendes Gebot der Stunde sei. nicht besiken. Es ist lächerlich, mit Waffen zu rasseln, die mir nicht trachten, daß sie nicht in einzelnen Buntien verbesserungs. Die Präsidentenwahl als Faktor im Wirtschaftskampf. haben und darum ist es auch töricht, mit großen Worten, hinter bedürftig erschiene. Aber an diese Berbesserungsarbeit wollen denen feine Kraft und Macht steht, das argwöhnische Ausland immer wir erst herangehen, wenn wir unser Haus gesichert wieder mißtrauisch zu machen. In Deutschlands gegenwärtiger Lage haben und unsere politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse mehr iſt nichts falscher und schädlicher als hohles Pathos und große Geften. gefestigt und beruhigt find. Noch sind wir nicht so weit, und darum Unserer deutschen Ehre sind wir nicht große und hohle Worte schuldig, muß sich jeder sozial denkende Mann entschlossen auf den Boden fondern opferwillige Taten, die unser Land und Bolt wieder vorder Berfassung stellen und märis und aufwärts bringen. Unsere Baterlandsliebe muß mit Klugheit gepaart sein und darum muß unsere Außenpolitik nach wie vor auf Berständigung mit unseren früheren Gegnern gerichtet sein. Dahin zielte die Politit meiner Borgänger im Reichsfanzleramt, und ich habe sie während des Jahres 1924 mit aller Entschiedenheit festgehalten und weitergeführt. Diese Politik hat uns auch Erfolge gebracht. In London sind wir zum erstenmel afs gleichberechtigte Berhandlungsteilnehmer an den Konferenztisch getreten. Das deutsche Volf wird mohl teran fun, gerade diese Parteien start ein ftartes nazionales Leben aufblühen kann. und geschlossen zu erhalten, weil nur auf einer gesicherten Verfassung sein. zur Verteidigung der Republik bereit Leider gibt es noch viele, die mit dem Voltsstaat, wie ihn sich das deutsche Bolk geschaffen hat, nicht zufrieden sind. Wenn man in der Verlegenheit um geeignete Männer auch nicht mehr recht von der Wiedereinführung der Monarchie ſprechen wagt, so ist das Bestreben doch sichtbar, der deutschen Republik ihren demokratischen Charakter zu nehmen. Zu schön und lebhaft find noch die Träume von früheren Zeiten, wo die macht und die Herrschaft nur bei wenigen war und die Maffen der Boltsgenoffen nur zum Gehorchen geboren waren. Die Errungenschaft der Demokratie aber wird sich das deutsche Bolt nicht mehr nehmen lassen. Jeder Beeinträchtigung der erworbenen Rechte wird es entschieden Widerstand entgegenstellen. Diesen Willen wird es auch bei der Reichspräsidentenwahl be funden, weil es weiß, daß der Reichspräsident dazu berufen ist, die Verfassung zu wahren und zu schützen. Verfassung Pflicht des Reichepräsidenten ist Schaden vom deutschen Bolte abzuwenden wie es nach der heißt auch, Sorge dafür tragen, daß die Gefeße des Reiches von wahrhaft fozialem Geiste durchweht und getragen sind. Seit je mar es ein Ruhmesblatt der deutschen Gesezgebung, daß fie in fozialer Beziehung bahnbrechend und vorbildlich in der Welt dastand. Bornehmste Aufgabe muß es auch in Zukunft sein, daran festzuhalten müssen von echt sozialem Geifte getragen sein. Auch Steuern und Finanzgefege Gemiß gibt es wirtschaftliche Kreise. die über die Erfolge der Londoner Konferenz geringer denken als die Politiker, und auch unter den politikern fann man den Grad des in London Erreichten durchaus verschieden beurteilen. Ehrlicherweise aber sollten wir alle anerkennen, daß wir durch unsere Außenpolitit ein gutes Stüd Doran gekommen sind, und zum Beweise dafür brauchen wir es nur den gegenwärtigen Stand unserer Wirtschaftslage zu vergleichen mit den geradezu verzweifelten Zuständen in den Monaten Sep tember, Oktober und November 1923. Jede Familie, jeder Einzelne von uns, die weitesten Kreise der deutschen Wirtschaft litten damais unfäglich unter den unheilvollen Folgen der Inflation. Heute aber ift in das tägliche Leben und in den Wirtschaftsverkehr wieder Ruize und Sicherheit eingefehrt, und wenn auch die Einkommensverhältnijie gegenüber der Vorkriegszeit noch recht schlecht zu nennen sind, so fann doch jeder Einzelne, die Hausfrau und der Kaufmann, wieder mit festen Zahlen im Haushalt und im Geschäftsverkehr rechnen. Die erniteite Pflicht aller, die Einfluß auf die Politik und das öffentliche Leben haben, muß es fein, alles zu vermeiden, was die Feftigkeit unserer Wirtschaft und das ruhige Fortschreiten unferes wirtschaftlichen Lebens zu stören in der Lage wäre. Unab fehbare Foigen tönnte es für uns haben, wenn das wiedererwachte Bertrauen des Auslandes zur deutschen Bolitik und zur deutschen Währung erschüttert minte Pelitit it in erster Linis eine Sache bes Verstandes, und je sdmächer die Stellung eines Bolles ist, um fo mehr müffen Klugheit und fühler Berstand seine Politit leiten. Bir und weiterzubauen. Die Cast der schwächeren Schultern muß möglichst erleichtert, das Maß der Leistungen der Tragfähigkeit des einzelnen angemeffen sein. Dem Reichspräsidenten steht ein direkter Einfluß auf die Gefeizgebung nur in besonderen Fällen zu. Aufgabe und Pflicht aber ist es, feinen Einfluß auf die Geschgebung im Sinne seines Eides mittelbar anzuwenden. Im Bordergrunde des Interejjes steht in meiten Boltstreifen die Frage der Aufmertung. Der Staat Die ungeheure und begeisterte Teilnahme der Wählermassen an der Wahlversammlung des Boltsblocks und die einbrudsvollen Demonstrationen für Marg bzw. die Republik. leffen für den Wahlfonntag die Aussichten des republikanischen Kandidaten in günstigstem Lichte erscheinen. Gewerkschaften und Republik. Bon Th. Leipart. = Die Gewerkschaften sind neben den Genossenschaften und der politischen Partei die Pioniere des sozialistischen Gedankens. Ihre besondere Aufgabe ist die Erkämpfung und Sicherung der wirtschaftlichen Freiheit der Arbeiter, ohne die der politischen Freiheit die feste Grundlage und den Bestrebungen der Genossenschaften der Rückhalt fehlt. Um der wirtschaftlichen Freiheit des arbeitenden Volkes willen find sie bei der konsequenten Verfolgung ihres Bieles vor wachsende Aufgaben gestellt worden. Es handelt sich für sie nicht mehr nur darum, die größtmögliche Freiheit der Arbeitnehmer innerhalb des kapitalistischen Systems durchzujetzen und den Kampf um deffen Umgestaltung der politischen Partei und den Genossenschaften zu überlassen, sondern sie find schon längst und in den letzten Jahren mehr als je die eigentlichen Vorfämpfer der Wirtschaftsdemo fratie. Der Gegensay, den dieser bewußt geführte Kampf zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft aufgerissen hat, ist muchtiger und tiefer als der ursprüngliche Kampf gegen die schlimmsten Wirkungen der Ausbeutung, der vornehmlich, wenn nicht ausschließlich, dem unmittelbaren Schutz der Arbeitskraft galt. Wenn er in rechtlich gemilderten Formen ausgefochten werden kann, so ist das dem Umstand zu danken, daß die Gewerkschaften bereits eine Macht im wirtschaftlichen Leben geworden sind. Ihrem Wirken ist es gelungen, in den Arbeitern und Angestellten das Bewußtsein zu wecken, daß sie zu Hauptträgern der Wirtschaft werden können, wenn fie nur die Kräfte entwickeln, die ihrem Streben nach wirtschaftlicher Demokratie Geltung verschaffen können: Klarheit über das Ziel wie über die Mittel zu seiner Berwirklichung. unter denen die geistige Schulung an erster Stelle steht. Das Hineinwachsen in sich ständig erweiternde wirtschaftspolitische Aufgaben bringt es von selbst mit sich, daß die Gewerkschaften sich auch mit den allgemeinen politischen Fragen auseinandersetzen müffen. Wirtschaftspolitik und Sozialpolitit sind von der Gesamtpolitit der Nation nicht mehr zu trennen. Die Gewerkschaften könnten ihren Zwecken nicht gerecht werden, wenn sie sich von politischer Stellungnahme fernhielten. Sie müssen auch politisch Farbe bekennen. Nicht politische Neutralität, sondern politische Unabhän- g i g k e i t ist das Vorrecht und die Freiheit, auf der sie be- stehen müsien. Der Internationale Gewerkschaftskongreß in Wien hat sich mit Recht in diesem Sinne ausgesprochen. Die Gewerkschaften sind ihrem Wesen nach d e m o k r a- tische Organisationen. Sie waren bereits ein Stück leben- dige deutsche Demokratie, ehe an eine demokratische deutsche Republik zu denken war. Sie haben ein weites Gebiet der Selbstverwaltung neu erschlossen, zunächst durch die Organi- salion der Arbeitskraft, durch die sie von selbst zu gegebener Zeit zu den Trägern des autonomen Arbeitsrechts wurden, das sich in den Tarifverträgen auswirkt. Es verstand sich daher von selbst, daß sie in einem be- sonderen Sinn zur Vormacht des demokratischen Gedankens wurden und in den mannigfachen Krisen, die das Reich nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges und dem Zusammenbruch der alten Gewalten durchlebte, mehr als einmal die Millionen ihrer Mitglieder zum Schutz der Republik mobilisierten. An dem raschen und durch- greifenden Einsatz ihrer Macht scheiterte im März 1920 der erste gegenrevolutionäre Versuch, durch den Kapp der noch nicht gefestigten Republik den Todesstoß zu versetzen hoffte. Der Leipziger Gewerkschaftskongreß beauftragte nach der Er- mordung Rathenaus durch Angehörige monarchisti- scher Organisationen ausdrücklich den Bundesvorstand, ge- meinsan mit dem AfA.-Bund und den sozialistischen Arbeiter- Parteien wirksame Maßnahmen vorzubereiten, deren Ziel die Sicherung der Republik und der Rechte der Arbeiter gegen jeden reaktionären Angriff sein müsse. Dieser Beschluß ist kennzeichnend. Die Gewerkschaften waren sich durchaus im klaren, ein wie unlösbarer Zusammenhang zwischen dem Schutz und der inneren Festigung der Republik und der Verteidigung cher Rechte der Arbeiter besteht. Die politische Demokratie ist die formale Bürgschaft dafür, daß die Gewerkschaften ohne die äußeren Hemmnisse des Obrigkeits- staates den Kampf um die Macht innerhalb der Wirtschaft aufnehmen können. Sie bietet die Gewähr, daß ihrem Streben nach Demokratisierung der Wirtschaft nicht der feste Grund entzogen wird, der ihnen in der Weimarer- Verfassung und in den Gesetzen, in denen das neue Arbeitsrecht niederdelegt ist, gesichert und von ihnen im Bunde mit der Sozialdemokratie erobert worden ist. In der demokratischen Republik können die Gewerkschaften am besten und erfolgreichsten die Aufgaben erfüllen, die im Jnteresse der Arbeiterklasse wie des gesamten Volkes gleicherweise notwendig sind. Die Gewerkschaften haben daher allen Grund, für die Erhaltung und Stärkung der Republik einzutreten. Die Wahl des Reichspräsidenten ist ein neuer Anlaß für die Mitglieder der Gewerkschaften, ihren ganzen Einfluß für die Republik einzusetzen. Der erste Präst- dent der deutschen Republik entstammte den Reihen der Arbeiterschaft. Er hat, gestützt auf die Sozialdemokratie, ans die Gewerkschaften und die anderen republikanischen Parteien die demokratische Tradition in Deutschland geschaffen. Dar Weg zur wahren Volksrepublik, den er gewiesen hat, ist der einzige Weg zu einer ehrlichen und freien Demokratie in Staat und Wirtschaft. Für die Mitglieder der Gewerkschaften kann daher nur ein republikanischer Reichspräsident in Betracht kommen, ein Mann, der entschlossen ist, an dar Wsimarsr Verfassung festzuhalten. Es ist eins Frage der politischen Konstellation, ob der Kandidat den eigenen Reihen «ntnontmen werden kann oder den bürgerlich-re publi kam sch en Parteien. Entscheidend ist bei dieser Wahl, die mcht ch sehr unter parteipolitischen als gesamtrepublikanischen Gass« pspunkten betrachtet werden darf, welcher republikanische Kandidat die meisten aller republikanischen Stimmen auf sich oereinigen wird. Der republikanische Gedanke ist ein altes geistiges Gut der Arbeiterbewegung. Sein Sieg bei dieser Wahl ist auch Gestörte Ruhe. Pseiseroucheud in der Sofaeck- Träumt«in Greis von mächtiger Statur, Zahlt die Schnörlel an der Zimmerdecks: „Ach, das Leben ist'ne Badekur!� Frei nach Voß gebückt auf die Postille Hebt die Kaffeetass« er zum Mund, Als vor ihm— zerreihend die Idylle— Jäh ein Admiral im Barte stund Und ihn anbrüllt:»Mann, raus aus die Betten, In Kanonenstiefel— märsch— und Wichs! Denn das deutsche Baterland zu retten Äst die Forderung des Augenblicks!" Iarre» hat die ganze Tour vermasselt, .Sudenburg wird nun bereitgestellt! Mit dem.besten Deutschen" reingerasselt Wählen wir die Marke:„Deutscher Held!" „Aber bin dem Amte ich gewachsen? Achtundsiebzig Jahre ruh'n aus mir."— „Hindenbnrgchen. mache keine Faxen, Wirst D u Präsident, regieren wir! Dich wird das Geschäft nicht weiter plagen, Wenn's zum Schein auch Deinen Namen trägt. Du hast nur zu allem„Ja" zu sagen Und zu zeichnen, was w i r vorgelegt. Eile, Deinem Vaterland zu dienen. Auf, ich fasse Dich am Portepee!"— Seufzend fährt der Greis in die Pantinen: „Nun, m Gottes Namen--- Ach. herrje!" Mühsam hochgestrafft als deutscher Necke Wankte aus dem Zimmer die Gestalt. Einsam trauerte die Sofaecke, Und der schöne Kaffee wurde tall... Mich, von Lindenhecke». Nüncheaer hekratsgesthichten. Bon Anna Rubner-Schaoh. Wie der Großvater die Großmutter nahm. Die Sopherl kam mit einem roten Gesichtorl in die Flickschuster- Werkstatt, setzte das Einkaufskörbel hin und sagt«:„Bater, wie ich jetzt beim Buchner-Tischler vorbei bin, hat er mir zug'rufen: Zieh dir dein weiß'» Eonntagskleidel an und nimm'» Gebetbuch, dann kommst zu mir herüber, mir heiraten z'samm." dann eine Etappe auf dem Wege zum Volksstaaf, wenn nicht ein Vertrauensmann der Arbeiterschaft, ein Sozialist an die Stelle Friedrich Eberls tritt, sondern ein bürgerlicher Republikaner. Denn in Deutschland bedeutet jeder Sieg des republikanischen Gedankens eine innere Festigung der politischen Demokratie. Die politische Demo- kratie aber ist die Vorbedingung für alle Bestrebungen zu einer Demokratisierung der Wirtschaft. Indem die Gewerkschaften für den republitamfchcn Gedanken eintreten, bekämpfen sie zugleich die Vorherrschast des kapitalistischen Unternehmertums auf allen Gebieten des poli- tischen und wirtschaftlichen Lebens. Diese Vorherrschaft würde stabilisiert durch den Sieg des Reichsblocks, der seinen Namen zu Unrecht führt, da er gerade die Parteien in sich vereinigt, die Gegner des Reiches in seiner jetzigen Verfassung sind. Diese Parteien haben bei mehr als einer Gelegenheit das Verantwortungsgefühl vermissen lassen, das sich im Steuerzahlen tatkräftiger äußert als in dem Klappern der nationalistischen Phrasenmühle, die zu drehen sie nicht müde wurden. Dieser Reichsblock wider das Reich darf nicht siegen. Unter seiner Fahne sammeln sich alle, die aus Jnteressenpolitik für sozialen Rückschritt sind. Seinen Parolen folgen die geschworenen Gegner des Volts- staates, der wirtschaftlichen Demokratie. Der Sieg des Reichs- blocks würde unter allen Umständen eine Macht st ärkung des Unternehmertums bedeuten, die den schweren Kampf der Arbeitnehmer für ihre wirtschaftliche Freiheit noch mühsamer gestalten würde als er ohnehin in den letzten Iahren war. Dem Reichsblock wider das Reich ein« empfindliche Niederlage beizubringen, den Feinden der Demokratie die Lebenskraft des demokratischen Gedankens zu beweisen, die Monarchisten zu schlagen, ist eine Pflicht der Gewerkschaften. Weil das ihre Pflicht ist, haben sie auch das Recht, ihre Mitglieder aufzurufen, für den republika- nischen Kandidaten in diesem Wahlkampf einzutreten. � Loebell spricht. Hindenburg, antisozialdemokratischer Sammelkandidat. Herr v. L o e b e l l, der vor dem 29. März wiederholt feierlich erklärt hatte, der nach ihm benannte Ausschuß werde „dem besten Deutschen", Herrn I a r r e s, unbedingt auch im zweiten Wahlgang die deutsche Treue halten, setzt jetzt in den „Düsseldorscr Nachrichten" auseinander, warum und wieso es doch schließlich zur Hindenburg-Katastrophe ge- kommen ist. Endscheidend war dafür, nach Loebell, die Angst vor der So.zialdemokratic: Nach einer nicht ganz richtigen Darstellung der Vorgänge bis zum 29. März schreibt Herr v. Loebell: Gegen meinen Willen hat sich dann in einer n n h e l l- vollen Woche die?oron den deutschen Links- blättern zugeworfenen Boll auf. Daß die Kritik der englischen Presse von völlig falschen Voraussetzungen ausgeht, bedarf kaum einer erneuten Feststellung. In Deutschland denkt niemand daran, einen Krieg zu führen oder vorzubereiten, wie zurzeit auch die Frage Republik oder Monarchie gar nicht zur Diskussion steht. Wi- groß muß die Verwirrung im deutschnationalen Lager sein, wenn man in dieser unwürdigen Weise das Aus- lond um gut Wetter anbettelt! Wie kläglich muß es um die deutschnationale Sache bestellt sein, wenn man die Ziele, die man jahrelang nicht laut genug herausschreien konnte, aus Angst vor dem Ausland ableugnet. Di« Deutschnationale Partei wagt ihre schwarzweißroten Farben dem A u s l a n d e gegenüber nicht zu zeigen. Feigheit und Würdelosigkeit feiern bei ihr Orgien. Aehnlich hält sich die„D e u t s ch e Allgemeine Z e i- t u n g": „Man merkt die Absicht nur zu sehr, die au« diesen(englische») Vressestimmen spricht: Mit allen Mitteln soll dem deutschen Volt« der Weg zur innerpolitischen Ecsundung versperrt werden, um es dauernd in dem Zustand außenpolitischer Ohnmacht halten zu könycn, in dem es sich zurzeit befindet.' Das ist dasselbe Lied, das man täglich in der deutsch- nationalen Presse finden konnte, solange die Deutschnationale Partei noch in der Opposition war. Nach ihrem Eintritt in die Regierung war bei ihr so etwas wie der Wille da, einen außenpolitischen Kurs aufzunehmen.„M t t England gegen Frankreich!" schien ihr Programm zu sein. Aus! Vorbei! Zurück zur alten Leier: Frankreich ist unser Feind, Amerika ist unser Feind, England ist unser Feind! Nach halb- Mrigem Versuch zu einer positiven Außenpolitik zurück zum Phvasendnisch von den Fsinddundstaaten, die Deutschland nicht hochkommen lassen wollen. Dieselbe Tirpstz-Mslodie. mit der man in den Krieg Hineintorkelle. Deutfchnationale Außenpolitik! Als man noch unter volks parteilicher Kontrdlle stand, war man so vorsichtig, bei England anzufragen, ob Tirpitz als Minister- kandidat im Ausland tragbor sei. Kaum sitzen die Schiele, Neuhaus und Schlieben int Sattel, vergißt man die Streie- mannschs Realpolitik und den eigenen Kurs und kommt mit einer Provokationskandidatur heran, deren Wir- kung überall vorauszusehen war, Weshalb also das betretene Gejammer der„Deutschen Allgemeinen Zeitung".?ist ee nicht ihr Verdienst, wenn die Bolkspartei die Stresemannsche Realpolitik den deutschnationalen Kürassiersiiefeln anvertraute? Weshalb die lächerliche Behauptung, die Linkspresse habe der englischen Press« das Stichwort gegeben? Gibt dieses Stichwort nicht vielmehr der deutfchnationale Reichstagsab- geordnete v. Freytag h-Loringhoven, wenn er in der »Deutschen Zeitung" schreibt: Herr Marx gitt persönlich mich als voterwndsligbender Mann. Aber er ist der Kandidat der Partelen, die auf den bedingungs- losen Eintritt in den Völkerbund und aus die Annahme des van Frankreich ersehnten Sicherheitspakts hindrängen. Erhält er die Mehrheit, so wird hieses Drangen sein Ziel erreichen, Deutschland wird in den Völkerbund eintreten, wird den Dersaitler Die Hoffnung öer Reaktionäre. Was die Unternehmer von Hindenburg erwarten. Die besondere Schärfe, mit der sich der Aufruf des Rechts- blocks für Hindenburg gegen jede Lerquickung von Politik und Geschäft wendet, hätt'e zum mindesten erwarten lassen, daß dos Großkapital sich über seine Hofsnungen von der Wahl dieses Kandidaten zunächst einmal ausschweigen würde. Aber auch dieses Maß von Klugheit bringt man im Lager des Unternehmertums nicht auf. Im Gegenteil hielt es die „Deutsche Tageszeitung" bereits am Sonntag für notwendig. gleichsam als Kommentar zu Hindenburgs Osterbotschaft die Erwartungen auszusprechen, mit denen die„Wirtschaft" die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten verknüpft. Klipp und klar werden hier die Programmpuntte aufgezählt, die der Arbeiterschaft aus den Kundgebungen der reaktionären Unternehmeroerbände bekannt sind: Abbau der Besitz-, Erhöhung der Verbrauchs st«uern,, Deseiti- gung jeder Beschränkung der Arbeitszeit, Ablehnung des Washingtoner Abkommens. Und damit das beste nicht fehle, verlangt man auch eine Han- dcleoertragspolitik. die, weil sie sich auf H o ch s ch u tz z ö l l e n für alle Agrarprodukte aufbaut, bei den gegenwärtigen 23er- Hältnissen den Verzicht auf jede Ausdehnung des deutschen Außenhandels bedeuten würde. Jetzt wissen wir es also: für die agrarischen Hinter» männer der„Deutschen Tageszeitung" ist die Kandidatur Hindenburgs ein Vorstoß zur Beseitigung aller so- z i a l e n Rechte, die sich die Arbeiterschaft in sahrzehnte- langem Kampfe erworben hat, zur maßgebenden Einfluß- nähme des Großkapitals auf die Regierung. Denn man sieht in der Kandidatur des Generalfeldmarschalls den Anfang zur Wiederaufrichtung der alten unumschränkten Klas- senherrschaft. Hochschutzzölle auf Nahrungsmittel sind Vertrag erneut und dieses Mal freiwillig unterschreiben, wird aus das geraubte Land verzichten und endgültig zu einer Kolonie des Feindbundes werden. „Feinde ringsum!" jammern,„Kreuzzeitung" und „Deutsche Allgemeine Zeitung.„Feinde ringsum? Mag es sein!" antwortet Freitagh-Loringhooen darauf in der „Deutschen Zeitung". „Hindenburg bedeutet nicht den Krieg!" beschwört die„Kreuzzeitung" das Ausland.„Hindenburg— das ist das Ende der Stresemannschen V c r st ä n d i g u n g s- Politik!" sagt Freitagh-Loringhooen. Republik oöer Kaisertum l England und die Kandidatur Hindenburgs. Wir veröffentlichten im Abendblatt Pressestlmmen aus England über die Kandidatur Hindenburgs. Wir lassen die Kommentare der „Times" und des„Daily Expreß' in der ausführlicheren Fassung des WTB. noch einmal folgen. Sie zeigen, wie katastrophal der Eindruck in England ist. London, 14. April.(WTB.) In einem Leitartikel mir der Ueberschrist„Republik oder Kaisertum" führt die„Times" aus, es bestehe nicht länger der Schatten eines Zweifels darüber, vor welcher Enlscheiduna das deutsche Volk stehe. Die Wahl des General- seldmarscholls von Hmdenburg zum Gegenkairdidaten von Marx habe (�a nz Europa verkündet, um welche Frage es gehe, eine Frage, die sowohl für Europa wie für Deutschland sehr ernst sei. Es sei ein offener Kamps zwischen Monarchie und Republik, zwischen „preußischem Militarismus" und parlamentarischem System, zwischen Reaktion und Regierung des Volkes durch das Volk. Es sei nicht anzunehmen, daß diese Wahrheit den Massen des deutschen Volles durch irgendwelche Sophismen oder falschen Darstellungen verheimlicht werden könne, 2lvs jeden Fall könne sie niemand auch nur sür einen Slnaenblick vor den Augen Europas verhehlen. Europa wjrd, so schreibt das Blatt, in dem neuen Präsidenten eine reifliche und wohlüberlegte Wahl Deutschlands erblicken, die erfolgt ist in voller Keiinlnis ihrer Folgen und im vollen Bewußtsei» der damit uerbundenen Verantwortlichkeiten.„Times" führt weiter aus. was die iinterstützung der Kandidatur Hindenburgs durch Groß- admiral von Tirpitz für England und Amerika bedeute, sei in alle» Ländern außer, wie es scheine, in Deutschland bekannt. Die Ersetzung des Zivilisten Iarres durch den Soldaten 5) l n d e n b u r ff habe fostm den Beitritt L u d e n d o r f f« und zweiselloo mit oder- nach ihm der Führer der Freikorps, der Letter des Kapp- Putschs», der Schüler Hitlers und des Schwarmes der Un- versöhnlichen und der ZUnkeschmiede zur Folge gehabt.„Times" schließt, die deutschen Wähler wurden' instinktiv wissen, daß die Wahl eines erklärten Monarchisten und erklärten Dieners des Hauses Hohenzollern zum vereidigten Präsidenten der deutschen Republik allgemein als Warnung und Herausforderung Europas aufgefaßt werden würde. „Daily Expreß" bringt in der vollen Breite der ersten Seite in Fettdruck die steberschrtft:„Der Schalten de» vormaligen Kaisers legt sich über Europa" und führt aus. ein Erfolg des Feld- marschelis von Hindenkmrg bei der'Wahl würde ein« sofortige Rückwirkung a u s. F r a n k r et ch s P o l t t i-k utch feine Haltung in der Schulden frage haben. Frankreich würde sich nur sicher fahlen, rpenn es bis.zu den Zähnen bewaffnet sei. und die' Aussicht auf Zahlung der französifchox Schuld an. England würde m weite Ferne rücken. In eMem Leitartikel sagt„Daily Expreß". die bdtischejjalltik habe die Erholung Deutschlands erwZzlichk, aber diese Erholung scheine für Deuttstilauds Seelenheil allzu rasch erfolgt zu fem. Die Tatsache, daß»ine Reichsmark fünf französische Frank wert s«!. habe eine ähnliche Wirtunx auf die' nationale Psychologie wie die alten Potsdamer Paraden. Die Deutschen mochten sich nicht klar, daß die Wahl Hindenburgs gleich- bedeutend mit einer Wahl des Marschalls Fach zum Prösi- deuten von Frankreich fein würde. Hindenburzs Dahl würde ein lluglück erster Ordnung sein, seine Niederlage würde, wenn sie nicht. übcrwa lügend ausfallen sollte, die üble Wirkung seiner Nominiening nicht beseiligen. Selbst wenn lediglich eine starke Minderheit des deutschen Volkes ihn als Präsidenten wünsche, werde die Rückwirkung in Frankreich sofort zu verspüren sei». Poincaräs Rückkehr zur Macht würde unvermeidlich sein, der schwindende französische Militarismus würde wiederbelebt und die Stimme der Gemäßigten vom„Brausen ver Flugzeuge" erstickt werden. Da? Blatt tchliesik, vvern Hindenburg wirklich seinem Lande einen Dienst zu erweisen msinschc, könnte er nichts Besseres tun. als seine Kandidatur zurückzuziehen. ja bekanntstch das beste G e s ch ä f t, das die Großagrarier auf Kosten der übrigen Landojirtschast und der breiten Vor- brauchermassen machen könyen. Zu solch edlem Geschäft und zur Durchsetzung der sozialen Reaktion ist der Name eines Hindenburg diesen Leuten ebenso recht, wie. seinerzeit zu dem großen kapitalistischen Raubzug, der mit dem Namen Hindenburg während des Krieges verknüpft wurde. Dabei find im Lager des Rechtsblocks bekanntlich gerade in den entscheidenden Fragen unserer Außenhandelspolitik die Meinungen durckzcus geteilt. Einige Reaktionäre kriegen es fertig, die Ablehnung des deiitsch-spaiiischgn Handelsvertrages durch den Reichstagsausschuh noch als eine„nationale Großtat" zu feiern, während der über- wiegende Teil der Industrie und darunter auch solche Unter- nehmer, die politisch weit rechts stehen, aus dem mit Sicherheit zu erwartenden Zollkrieg bei einer Ablehnung des deutsch-spanischen Vertrages die schwersten Gefahren für die deutsche Wirtschaft befürchten. Diesen letzteren wird bei den Hymnen der Agrarier aus Hindenburg nicht sehr wohl zumute sein. Man weiß ja auch, daß viele von ihnen sich gegen die Kandidatur Hindenburgs ausgesprochen haben. Natürlich bringen diese Leute nicht den Mut auf, ihre Stellung zu Hindenburg öffentlich zu bekunden. Nachdem aber die reaktionäre agrarische Presse aus den Hoffnungen kein Hehl mehr macht, die sie auf Hindenburg setzt, wird wohl den Herren von der Industrie auch nichts anderes mehr übrig bleiben, als klar auszusprechen, ob sie die schwere Schädigung der deutschen Wirtschaftsinteressen mitmachen wollen, die die agrarische Reaktion von- einem Sieg« Hürden- burgs erwartet. Die Arbeiterschaft jedoch sie� worum es geht. Sie wird ihre ganze Kraft aufbieten, um die Siegeshoff- nungen der wirtschaftlichen und sozialen Reaktion zunichte zu machen. Bewerkschaftsbewegung Schwarze Listen in der Metallindustrie. Erst vor furzem haben wir auf Grund einer Berhandlung vor em Gemerbegericht feststellen fönnen, daß der Berband Berliner Retallindustrieller ein raffiniertes System schwarzer isten organisiert hat. Eine Bestätigung dieser Tatsache finden bir in einem uns zugegangenen Rundschreiben des BBMI., datiert om/ 3. April 1925. Da werden eine Reihe von Firmen angeführt, bo die Arbeiter megen irgendwelcher Differenzen entlassen wurden der ihre Entlassung genommen haben. Nach Angabe der Firma, ler Berufsgruppe und der Anzahl der Arbeiter heißt es: „ Die Arbeiter sind am 2. d. M. wegen Ueberstundenverweige ung entlassen worden." " Bei der nächsten Gruppe:„ Die Arbeiter haben am 2. d. M. auf Brund von Lohndifferenzen ihre Entlassung genommen. Bei der folgenden Firma heißt es:" Die Arbeiter sind wegen Bohndifferenzen in paffive Resistenz getreten und demzufolge ent affen." Bei der vierten Gruppe, wo es sich nur um vier Arbeiter kombelt, mird diesen folgendes Verbrechen angerechnet: Die Arbeiter jaben megen Lohndifferenzen ihre Entlassung genommen." Wenn also als Folge non Lohndifferenzen, was bei der in der Berliner Metallindustrie vorherrschenden Akkordarbeit eine täglide Erfcheinung ist, einige Arbeiter es vorziehen, ihre Entlassung zu tehmen, oder meil sie sich weigern, die Arbeit zu dem festgesetten Iffordpreis zu machen, entlassen werden, das wird an alle Mitglieder les BBMJ. als Urias- Brief geschickt, der diese Mitglieder ver lichtet, teinen dieser Arbeiter einzustellen. Wie ein derartig raffi tiertes System der Berrufserklärung wirken muß, wenn die Arbeiter ticht durch eine machtvolle Organisation geschügt find, brauchen wir richt näher darzulegen. Es gibt leider unter den Berliner Metall. rbeitern heute noch eine große Anzahl, die der Meinung sind, sie amen auch ohne gewerkschaftliche Organisation aus. Dieses Rund threiben zeigt, daß sich alle Arbeiter, die es versäumen, ihrer gewerk chaftlichen Organisation beizutreten, den Unternehmern gefeffelt an bänden und Füßen ausliefern. Der Achtstundentag zurückgeholt. In dem großen Ringen der deutschen Arbeiterklasse um die Trbeitszeit und die grundlegenden stabilen Löhne war auch vom Deutfchen Metallarbeiterverband, Berwaltung Bremerhaven, mit Jem Arbeitgeberverband der Landbetriebe für das einheitliche Wirthaftsgebiet an der Untermefer( Bremerhaven, Geestemünde und Bohe) eine tarifliche Bereinbarung getroffen porden, nach der die Krbeitszeit von 8 auf 9 Stunden erhöht werden konnte. In der origen Woche ist nun der Tarifperirag neu abgeschlossen worden. Die Bestimmung des§ 2( Arbeitszeit) lautet:„ Die Arbeitseitheträgt täglich 8 Stunden, wöchentlich 48 Stun ten. Damit ist der Achtstundentag zurüderobert. rerlangen. Die Ginigung erfolgte dahingehend, daß die neuen Löhne bis zum 26. Juli gelten follen. Fromfe erklärte am Schluß seines Berichtes, daß das mangelhafte Ergebnis der Berhandlungen meder bie Lohnfommission noch die Geftionsleitung befriedige. Die bestehenden Verhältnisse in der Industrie laffen aber die Annahme des Abkommens geboten erscheinen. Die Diskussionsredner brachten wieder einmal das ganze Elend der Transportarbeiter in den Betrieben des BBMI. zum Ausdrud. Demzufolge mar es auch verständlich, daß eine Anzahl Redner für die Ablehnung und den tariflosen Zustand eintraten. Für die Ab. lehnung des Spruches fand sich aber bei der Abstimmung nicht die fagungsgemäß vorgesehene Mehrheit; der Spruch ist also at ge nommen. Ein syndikalistischer Kongres. Während der Osterfeiertage fand in Dresden der 15. Kongres der Freien Arbeiter Inion Deutschlands stait. Vielen unserer Leser wird selbst der Name dieses Gebildes unbekannt sein. Als nach dem Fall des Sozialistengejeges im Jahre 1891 auf der Berliner Gewertschaftskonferenz die Zusammenfassung der Fachvereine in 3entralorganisationen und diese in die Generalfommission der Gewerkschaften beschioijen murbe, verirat eine fleine Minderheit vornehmlich Maurer und Metallarbeiter den Standpunkt der Lofalorganisationen, die mur durch Vertrauensmänner miteinander verbunden sein soliten. Diese Minderheit schied nach dem Halberstädter Gewertschaftsfongreß aus. Die Lokalisten wollten vor allem als sozial demo trafiche Gewerkschafter auftreten, was ihnen bei dem damaligen Siende ber Geleggebung als Zentralorganisationen nicht möglicy war. Die Absplitterung brachte sie aber nicht nur in immer schärferen Gegenfag zu den Gemerfschaften, sondern schließlich auch zur Bartei, die endlich gezwungen mar, den Trennungsstrich zwischen ihr und den inzwischen ins Lager der Anat choinnbifalisten abgewanderten Lokalisten zu ziehen. Es ist ein ehernes Gesez in der Arbeiterbewegung. daß, mer sich einem Mehrheitsbeschiuß nicht unterroirit, schließlich in Gegenfab gerät zur Arbeiterbewegung überhaupt. Die der FAUD, daß die Führer das Eingeständnis machen mußten, man Bemerkenswert ist an deni an sich bedeutungslosen Osterfongres müije fich michr den praktischen Tagesfragen zuwenden. der FAUD, daß die Führer das Eingeständnis machen mußten, man Anarchisten sind hinausgemorfen morden. Der Kongres zeigt, zu welcher Bedeutungslosigkeit sich eine Gruppe selbst verurteilt, wenn sie aus taftischen Meinungsverschiedenheiten sich absondert. Streifbrecherorganisationen im Reichsbahnbetriebe. Unter diefer Ueberschrift veröffentlichten wir in unserer Sonn tagsnummer eine Zuidhrift des Deutschen Eisenbahnerverbandes, die fich gegen die Salamg von Mitgliedern des Allgemeinen Eisenbahner: verbandes menbet. Der AEB. fchidt uns dazu eine Berichtigung, in der er zunächst bestreitet, eine Hirsch- Dundersche Organisation zu sein. Richtig sei, daß er mit dem Verband der Hirsch Dunderschen Gemertnereine dem Gewerkschaftsring angeschlossen ist. Bir ner= mögen nicht zu erkennen, inmiefern sich der AEV. affo von einer Hirsch- Dunderschen Organisation unterscheidet. Die Zuſchrift bestreitet, daß es während des Kampfes Edywierig. feiten gegeben habe, meil seine Mitglieder angeblich den Anordnungen der Organisationen nicht gefolgt seien. Nur eines bestreitet leider der AEB. nicht: doß feine Mitglieder und Funktionäre jezi, nach dem Streif, das Borgehen gewisser Dienststellen der Reichs. bahn gegen die Betriebsräte und gemertschaftlichen Funktionäre des DEV. miima den. Darum allein dreht es fich. Wenn der AEB. als gewerffchaftliche Arbeiterorganisation noch weiter angesehen werden will, muß er hier schleunigst Remedur schaffen. Zur Sonntagsruhe im Fleischergewerbe. Die Metalltransportarbeiter zum Lohnschiedsspruch. In einer Funktionärtonferenz der im Deutscher Verlehrsbund kaanifierten Transportarbeiter aus den Betrieben des Verbandes Berliner Metallindustrieller berichtete gestern abend From fe über ke fürzlich stattgefundenen Lohnverhandlungen. Der BBMI. hatte rflärt, daß ohne einen Rahmentarifvertrag auch fein Lohnablommen ür die Transportarbeiter abgeschlossen werden könne. Schließlich jelang es den Parteien, ein Schiedsgericht zusammenzubringen, Rachdem die Vertreter der Transportarbeiter die Forderung nach iner Erhöhung der Löhne um 15 Pf. begründet hatten, bezeichnete Der Zentralverband der Fleischer, Drisvermaltung Berlin, ieiit Rechtsanwalt Oppenheimer vom BBMJ. die Löhne der Transmit: Der Schlächtermeister Rudolf Magies, Reutolin, Herinannportarbeiter amar nicht als hoch, aber anstämmlich" Herr Direttor Straße 214, gehört zu denen, die hie Einführung der Sonntagsruhe im töttgen von den Siemensmerten ging gleich aggreffiv vor und Schlachtergewerbe befämpfen. In einem Artikel, den er in der Fach rohte mit der Schließung der Betriebe. Auch der Un presse gegen die Einführung der Sonntagsruhe brachte, schreibt arteiische Gothein faßte feine Meinung dahin zusammen, daß feber Bfennnig Lohnerhöhung in der Metallindustrie die Gefahr iner neuen Inflation heraufbeschwöre". Schließlich tam denn der Schiebsspruch zustande, der alle Löhne in der 4. Klasse um 3 Bf. no in der 5. Klasse um 4 Bf. erhöht. Der Einstellungslohn mürbe ich auf 56 reip. 54 Bf. stellen. Die Unternehmer besaßen munmehr ke Unverfrorenheit, den Abschluß dieser Löhne auf ein Jahr zu er..: „ Der fleine und mittlere Schlächter soll ruhig, wie er es bisher wahrscheinlich auch mit guten Erfolge getan hat, die zwei Stunden am Sonntagvormittag dem Bublifum opfern. Das kann nur für ihn von Nuzen sein. Die Konsumenten werden wohl gut tun, wenn sie dem Fleischermeister bedeuten, daß fie auf sein Opfer" für sie verzichten. Der Achtstundentag in der Handelsmarine. ( SGB.) Als auf der Washingtoner Arbeitskonferenz im Jahre 1919 für die Arbeiter in Handel, Industrie und im Transportgewerbe der Achtstundentag festgelegt wurde, wurde die Seech if f= fahrt ausgenommen, ba für dieses Gebiet spezielle Regelungen getroffen werden sollten. Zu diesem Zwecke wurde im Juni 1920 eine fpezielle Arbeitsfonferenz in Genua abgehalten, wobei diese Frage ausführlich besprochen und festgestellt wurde, daß der Augenblick für definitive Beschlüsse noch nicht gekommen war. Hierauf beschloß der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts, im Mai 1926 eine Arbeitskonferenz zur speziellen Besprechung der die Seeleute betreffenden Fragen chzuhalten. 4 Unter den Seeleuten bestand allgemein die Hoffnung, daß es bann möglich sein werde, ihre Arbeitszeit dem Prinzip der 48- Shmden- Woche gemäß zu regeln. In diesem Zusammenhang muß auch auf die wichtigen Beschlüsse hingewiesen werden, die die Internationale Transportarbeiterföderation im August 1924 in Ham burg gefaßt hat und die auch in der im September in San Sebastian abgehaltenen Sitzung der paritären Seeleutekommission des Internationalen Arbeitsamts sowie fürzlich in der Verwaltungsrats: fizung des Internationalen Arbeitsamts ausführlich zur Sprache fament. Auf der letzteren Sizung wurde mit Stimmengleichheit beschlossen, die Frage der Regelung der Arbeitszeit der Seeleute nicht auf die Tagesordnung der Arbeitskonferenz des Jahres 1926 zu setzen. Da faum die Möglichkeit besteht, daß in den nach dem Jahre 1926 tagenden Arbeitstonferenzen die Interessen der Seeleute in abfehbarer Zeit zu Sprache fommen werden, ist durch diesen Beschluß die internationale gefeßliche Regelung der Arbeitszeit in der Handels. marine auf absehbare Zeit hinausgeschoben. Die Seeleuteorgar fationen der verschiedenen Länder werden angesichts dieser Haltur des Verwaltungsrats des Internationalen Arbteisamts ihre Haltung so bald als möglich festlegen müssen. Berbindlich erklärter Schiedsspruch. Duisburg- Ruhrort fann jetzt als beseitigt gelten. Der Reichs. Duisburg, 14. April.( T.) Die drohende Streitgefahr in fommilar hat den Schiedsspruch für die Hafenarbeiter, der eine achtprozentige Lohnerhöhung vorfieht, für verbindlich erklärt. Lohnkonflikt in den Saargruben. Saarbrüden, 14. April.( Mtb.) Am Sonnabend murde den Bergarbeiterorganisationen von der Direktion der französischen Saargruben mitgeteilt, daß infolge Abjaßmangel am 20. bam. 27. April eine Feierschicht eingelegt werden müßte. Für Mai werden weitere Feierschichten als unvermeidlich bezeichnet. Man geht wohl nicht fehl, men man diese Ankündigung als eine taftische Maßnahme mertet, die den 3wed verfolgt, den schwebenden Lohnforderungen der Organisationen zu begegnen. Bekanntlich wurde den Bergarbeitern bei der letzten, nur mit Widerwillen angenommenen, Lohnerhöhung von dem franzöfifchen Arbeitsminister das Versprechen gegeben, daß die Löhne mit einer eventuell meiter anziehen. den Leuerung in Einflang gebracht werden sollten. Dieser Hall ist schon seit Wochen eingetreten: die Zunahme der Teuerung beträgt 6,1 Broz. Die versprochene Lohnerhöhung ist jedoch noch nicht durchgeführt. Achtung, SPD.- Rimmerez! Donnerstag. Den 16. April, abends 8 Uhr, bei Dhngemach. Rommandantenfir. 88. Sigung der SPD.- Frattion der Rimmerleute Berlins. Erscheinen Bflicht. Der Fraktionsvorstand. #FFFFFFSEA Achtung, Zimmerez! Verbandstameraden! Am Donnerstag abend 7 Whe finden in folgenden Beairfen Versammlungen ftatt: Bezirk 1, 2, 4, 5, 6 und S in den bekannten Berkehrslokalen. Berband der Zimmerer.. Berband der Budbinder und Papierverarbeiter. Galanteriebrandie: Donnersten, ten. 18. Bori um 7 Uhr, bei Brefer, Beberir. 17, gemeiniam mit den Gattlern und Portefeuitern, Branchennerfammlung. 1. Bortrag. 2. Bericht über den Urlaub nom Jahre 1924 3. Stellungnahme zum Ablauf Des hysblommens. Die Brandenleitung. Berantwortlich für Bolitif: Ernit Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewettichaftsbewegung: ziedr. Ekkoru: Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lotales unb Gonkiges: Frih Sarkiädt; Anzeigen Th. Glade; fämtlich in Berlin. Berlag: Barwärts- Berlag S. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet unb Berlagsanfalt Paul Einger u. Co. Berlin G 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Mufilaufträge übergibt man mir dent Nachweis des Deutschen Mufifer Verbandes Berlin O 27.Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310). Geschäftszeit 95, Sonntags 10-2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbefum.. ZUM SCHULBEGINN Mengenabgabe vorbehalten Kinder- Kleidung Kittelform, Matrosenkleider 50-90 aus marine Cheviot........ 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Beilage des Vorwärts Blitzend 70d Die schwere Blitschlagfatastrophe auf dem König. stein in der Sächsischen Schweiz. der mehrere Ausflügler zum Opfer fielen, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Maßnahmen, bie angewendet werden können, um eine Gefahr für Leib und Leben abzuwenden. Eine genaue Kenntnis der Blizeigenschaften die„ Blizbereitschaft" ist vor allem notwendig. Gerade die Angit der Menschen ist es, die vielfach dem Blizz die verderbliche Wirkung verleiht; gerade der Schreck tötet oft die Menschen, die vom Blitz getroffen werden. Diese und manche andere wichtige Lehren vermittelt ein Besuch des einzigartigen Elektro- pathologischen Museums in Wien. Blitzbereitschaft. Die frühere Einsegnungstapelle des Garnisonspitals Nr. 1 in Wien muß heute der Wissenschaft dienen. Dort find heute mit be. wundernswertem leiß gesammelte Gegenstände untergebracht, bie her menschlichen Forschung und Erfenninis dienen. Aquarelle hängen an den Wänden, Bilder, die Unglüdsfälle und ihre Folgen darstellen. Unter ihnen sind manche Kunstwerte, die bedeutende Maler geschaffen haben. Verlegungen an allen Körperteilen, Ropf, Brust, Rüden, Fuß, find dargestellt. Da ist das Bild eines Offiziers, der im Unterstand beim Telephon saß, als der Blitz in das Telephon einschlug. Er ist nicht bewußilos geworden und hat überhaupt zunächst feine Wirkung des Blißschlages verspürt. Nach sechs Wochen hatte er Sehstörungen. Bei der Untersuchung wurde grauer Star festgestellt. Er war die Folge des Blitzschlages. Am Kopfe des Offiziers ist ein freisrunder Haarausschlag zu sehen, der einer Ton fur ähnlich ist. Keine Spur einer Brandwirtung. Daß der Mann nicht bewußtlos geworden ist, ist darauf zurückzuführen, daß er norbereitet war, daß er mit der Gefahr des Blizfchlages rechnete, daß er fozusagen Blihbereitschaft hatte. Ein anderes Beispiel: Ein Profeffor fam auf dem Matterhorn in ein Gewitter. Er wurde viermal vom Blig getroffen, ohne ein einziges Mal bewußtlos zu werden. Der Schred, der eine verhängnispalle und oft entscheidende Rolle spielt, hat bei ihm gefehlt. Bei vielen Menschen, die getötet wurden, findet man an der Körperoberfläche überhaupt feine Spur des Blizes. Ein zwanzigjähriges Mädchen wurde auf dem Felde tot aufgefunden. Am Körper war feine Berieizung zu finden. Alle möglichen und unmöglichen Vermutungen über die Todesursade murben laut. Schließlich wurden am Hemd einige Riffe, die ein bischen angejangt waren, entdeckt. Auch daraus mar nichts zu fchließen. Über baneben. find das Hemd ist jetzt im Deuseum ganz leine, freisförmige Löcher zu sehen, die scharf abgegrenzt find, mic menn fie mit dem Locheilen geschlagen worden wären. Diese Löcher find die fennzeichnenden Spuren des Blizes. Das Mädchen wurde jedenfalls nur von einer unbedeutenden Energie des Blikes getroffen, aber der Schred hat es getötet. Daß der Schred ein gefährlicher Begleiter des Blizes ist, beweist auch der Tod einer Frau, die vor Schre gestorben ist, weil es im Hause gegenüber eingefchlagen hat. Gine Muttergoffeskirche. Bor einer Kirche werden leblose Menschen aufgehoben und weggetragen. Der Bliz hai fie getötet. Aber fiehe da! nach einiger Zeit stehen die Toten mieder auf. Die Gnade der heiligen Maria" hat sie gerettet. Ind es ist nur eine Dantes chuid, die fromme Wallfahrer abstatten, menn fie fortan zu dieser Kirche pilgern. Oder follie auch das kein Wunder fein? Nun ja: die Wissenschaft, die on Bunder nicht glaubt, fagt, daß diese Menschen wie alle, die von einem elektrischen Schlage 21] -O Anthony John. Roman von Jerome K. Jerome. Edward errötete. Ich habe nur zwei Menschen auf ber Belt wirklich lieb, dich und Betty. Aber ich dente nicht nur an did. llebernehme ich die Firma, so wird es angenehm sein, mit dir zufammen zu arbeiten. Tue ich es nicht Er verftummte. Was willst du damit sagen?" fragte Anthony. Du willst die Sache doch nicht aufgeben? Dein Bater zählt auf dich. Deshalb nimmt er feinen Kompagnon. Er sagie es mir felbft. ,, Selbstverständlich werde ich in die Firma eintreten wenn nichts Unvorhergesehenes geschieht." www Er sah zum Fenster hinaus. Anthonys Blicke folgte den seinen; der graue ftille Plazz war verödet, nur ein paar Droschten standen in Reih und Glied. Was kann denn geschehen?" erkundigte sich Anthony. ,, Nichts; es ist nur eine andere Art ,, mit Gottes Billen" zu sagen. In früheren Zeiten wurden diese Worte allen Kundmachungen beigefügt. Wir sind weniger fromm." Er griff nach hut und Stod, streďte Anthony die Hand hin. Bergiß nicht die Bücher. Sie sind teuer, und ich brauche die meisten nicht mehr. Anthony dankte und schüttelte ihm die Hand. Sie sahen einander nie wieder. 9. Kurz vor Ostern schrieb Edward seinem Vater und Betty, er sei zuderfrant geworden und werde einige Wochen in einem Sanatorium in Malvern verbringen. Der Arzt hoffe, ihn durch forgfältige Pflege bald wieder herzustellen. Jedenfalls molle er bas Sommersemester in Orford verbringen. Bis Beihnachten würde alles wieder in Ordnung sein. Der Brief, den er an Anthony richtete, lautete ganz anders. Selbstverständlich hatte der Arzt ihm hoffnung gemacht, dies fei ja sein Beruf: er aber fühle selbst, daß es für ihn nur wenig Chancen gebe. Verbote es der Arzt nicht, so würde er nach Orford zurückfehren, Betty zuliebe, er wolle sie nicht beunruhigen. Es sei ja auch möglich, daß er durchkomme. Wenn nicht, so folle Anthonn seine Studien so rasch wie möglich beenden und als jüngerer Kompagnon in die Firma eintreten Aus dem Brief ging hervor, daß sich Edward und Betty über diesen Bunft einig waren, und daß Betty beim Vater den Weg ebuen werde. Herr Mowbrays Leidenschaft für alten Bortwein wurde immer stärker; er vernachlässigte seine Geschäfte täglich mehr und mehr. Jemand mußte die Sache in die Hand nehmen. Ich weiß, daß Betty dich gern hat und viel von dir hält," versuche gerettet. Mittwoch, 15. April 1925 Die Waggonwerkstätte im Florisdorf( Wien). Auf den Geleisen stehen viele Waggons. Es tommt ein Gewitter und die meisten Arbeiter verlassen die Werkstätte; nur in drei Waggons bleiben Arbeiter zurück. In diese Wagen schlägt der Blig ein. Run eben: die Menschen sind schlecht und der Bliz ist die strafende Hand des Himmels! Nein, sagt der Professor, wenn der Mensch auf der Erde steht, hat er schon elektrische Spannung Die Kleider find infolge des Gewitterregens feucht, der aus em Menschen aufsteigende Dunst erhöht das Leitungsvermögen der Luft, die Spannung des Bodens wird der Wolfe geradezu entgegengetragen. Daher zieht der ruhig stehende Mensch den Blih an. Man soll sich affo, wenn man auf dem freien Felde von einem Gewitter überrascht wird, nicht unter einen Baum stellen, man foll überhaupt nicht stehen bleiben, sondern ruhig weitergehen. Die Metallgegenstände( metallbeschlagene Feidgeräte, Bergftöde imd ähnliche Gegenstände, auch Hearnadein), die man bei sich trägt, muß man ablegen. Metall zieht den Blih an! Das Edbauernhaus. bei Mürzzuschlag( Steiermark). Neben dem ( aus der Blitzschlag ist ein elektrischer) getroffen werden, nur schein- Hause steht eine große Linde, die berühmte Kudlichlinde, benannt fot waren und daß fie deshalb wieder das Bewußtsein erlangen fonnten. Die Tatsache, daß das auch ohne ärztliche Hilfe möglich ist, darf freilich niemand abhalten, an Menschen, die infolge eines belebungsverfuche zu machen. Biele fönnten gerettet werden, wenn Blitzschlages bemußtlos geworden sind, sofort ausdauernde Wiederbiese Versuche nicht unterlassen oder vorzeitig abgebrochen würden. Wo der Blitz einschlägt. drähten und in der Nähe einen Baum, unter dem vier Berlonen Auf einem Bilde sehen wir einen Bahnförper mit Telegraphenstehen. In den Baum schlug der Blitz ein und die vier Bersonen wurden fáywer verlegt. Man fönnte meinen, daß der Bliz eher von ben Telegraphendrähten angezogen worden wäre. Ein zweites Bild. Zahlreiche Bäume. Unter einem Baum spielen Kinder, Die Häng lampe leitet den Blitz. RK ebenso inter einem zweiten Baum, der aber ziemlich weit entfernt ist. In diese zwei Bäume fchlug der Bliz ein. Eine Allee. Unter einem Baum stehen fünf Feldarbeiter. Gerade in diesen Baum fuhr der Blitz. Die Arbeiter wurden. zum Glück durch Biederbelebungsschrieb Edward. Ich hoffte immer, ihr würdet heiraten, und als der Arzt mir fagte, woran ich leide, war es mein erster Gedante, an each beide zu schreiben, euch zuzureden; es schien mir, als wäret ihr für einander geschaffen. Dann aber ertannte ich, wie fremd wir selbst unseren liebsten und nächsten Menschen sind; wir wissen nicht, wie es in ihren Herzen ausficht. Ich fürchtete, du fönntest die Che mit Betin für deine Pflicht halten, sie aus Dankbarkeit oder vielleicht aus einem weniger guten Beweggrund heraus heiraten. Ich weiß, du wäreft auf jeden Fall gut zu ihr, und noch vor kurzer Zeit hätte mich dies genug gebeucht. Jetzt aber bin ich deffen nicht mehr so gewiß. Bielleicht ist die Liebe das einzige Bichtige, und wir bedürfen ihrer so sehr, wie wir Gottes bedürfen Du wirst darüber ftaunen, diese Borte von mir zu hören; aber seitdem ich zu denken begonnen habe, suche ich im Leben einen Sinn, und ohne das Göttliche erscheint mir alles bedeutungs los und töricht. los und töricht. Erst wenn wir uns als Teil der Gottheit fühlen, wiffen, daß wir stets in ihr leben, für fie arbeiten werden, wird alles interessant, ja sogar spannend. Vor allem aber gilt es, lieben zu lernen; dies ist das große Geheimnis. Berzeih meine Beitschweifigfeit, doch habe augenblicklich nichts anderes zu tun, als in den Hügeln umherzuwandern und nach zudenken. Wenn ihr, du und Betty, einander lieb hättet und ich es erführe, so wäre das für mich eine große Freude. Jedenfalls aber bin ich überzeugt, daß du bei ihr meine Stelle ein nehmen und für sie forgen wirst. Die Leute glauben, fie fei die Berkörperung der zulänglichkeit und der Vernunft; das stimmt auch, soweit es andere betrifft. hat sie aber für sich felbst zu forgen, fo ist sie vollkommen dumm." Edward schrieb noch, daß er Anthony auf dem Laufenden halten werde, damit sie vor dem Ende noch einmal miteinander sprechen fönnten. Anthony las den Brief ein zweites Mal. Die Freundschaft mit Edward hatte ihm mehr bedeutet als er wußte. Ihm war zumute, als werde ihm ein Teil seiner selbst entriffen, und der Schmerz, den er empfand, verfekte ihn in Er staunen. Anscheinend war er dennoch weniger egozentrisch, weniger unabhängig von anderen, als er geglaubt hatte. Aeußerlich würde sein Leben das gleiche bleiben; er würde planen manövrieren, fämpfen, fiegen. Aber es gab noch den anderen ihm allein bekannten Anthonn, den er von Reit zu Reit unflar erfannte: Anthony, den Träumer. Auch dieser fchien heranzureifen. feine eigenen Hoffnungen und Sehn füchte zu haben. Und dieser verlor feinen Freund und wollte fich nicht irösten affen. Fast schien es, als wäre der zweite Anthony, durch diesen Kummer gestärkt worden. Denn er erschien immer häufiger und griff auf störende Art in Geschäftsangelegenheiten ein. Anthony wäre gern nach Malvern gefahren, un Edward nach dem Bauernführer Kublich. Obwohl die Linde un mehrere Meter höher ist als das Haus, schlug der Blizz in das Haus ein; der Rauchfang hatte einen Auffah aus Metall. In der Gesinde stube des Haufes faßen neun Personen. Unter ihnen war die Tochter des Besizers. Sie trug eiferne Nadeln im Haar. Die Nadeln zegen den Blizz an, das Mädchen wurde getötet. Da ist eine alimodische Hängelampe mit eisernem Gestänge. Unter der Er wurde er: schlagen. Metale leiten den Bli wie die Meilensteine einen Lampe faß während eines Gewitters ein Bauer. Touristen. Das hat schon Benjamin Franklin gewußt, als er den Versuch machte, den Bliz durch einen eisernen Ableiter„ einzufangen".( 1752) Schlechte Blizableiter. Der Blizableiter hat auch schon den ganzen Glanz verloren, denti das Bauerlein, und läßt die Spize abschrauben und frisch vergolden. Und bedenti dabei nicht, daß er den Hebel am verfehrien Ende angefeht hat. Beim Blizableiter ist der Fuß, ist das Ende das Wichtigste. Es gibt nicht wenige Blizableiter, die in einem Steinhaufen, im Geröll, das schlecht leitet, enden. Der Blizz gerät in eine Sacgaffe und richtet erst recht Unheil an. Die Energie des Blites muß Bahn und Raum haben, muß sich ausbreiten fönnen, am besten im feuchten Grund. Drum ist es gut, wenn der Blizzableiter mit seinem Ende zum Beispiel an die Eisenrohre einer Wasserleitung angeschlossen ist. Mindestens zehn Meter sollte man ihn in der Erde fortlaufen lassen. Sehr gut ist es auch, wenn, mic das jetzt schon häufig geschieht, Gasrohre in die Erde eingetrieben merden und die Erde aufgefodert und mit Rochfalz vermischt wird. Das Rocfaiz zieht die Feuchtigkeit aus der Luft an und erhält die Erde ringsum feucht. Damit ist die gute Ableitung gewährleistet. Ein schlechter Blihableiter ist eher eine Gefahr denn ein Schuß. Die Spuren des Blizes. Der Blik hinieriäßt die merkwürdigsten Zeichen. Er schreibt eine Geheimhrift, die fich freilich entziffern läßt, wenn man den Schlüffel hat. Das ABC dieser Schrift sind die strenge Gerade, in Beton festgehalten, der seine Jugend und fein Leben überhaupt in Boton festgehalten, der seine Jugend und sein Leben überhaupt auf den Hadersfelder Höhen bei Greifenstein in der Nähe Biens verbracht hat. Er ist nicht weniger als 9% Meter hoch. Mon fonn fich vorstellen, welche Mühe es getostet hat, bis man den Riesen im Dufeinn unterbrachte, wo er nun ben Stolz der Blikabieilung ausmacht. Natürlich verbanft er das einem Bliglalag. Die Zeichnung, die der Blizz in den Baum eingegraben hat, mollen wir näher br sehen. lleber den ganzen Baum zieht sich eine Spirale als ununterbrochene Linie in vier Gewinden. Das Holz ist nicht herausgeriffen, sondern es ist geradezu eine bestimmte Architettur zu beobachten. In der Mitte ist eine tiefe Rinne, rechts und finis Steigen schräg die glatten Holzwände an. Keine Spur eines Bran bes. Der Blik meißelt feine Zeichen nach ganz bestimmten Gefegen ein. Aehnliches sehen mir an einem vom Blize getroffenen Menschenrüden. Von der rechten Schulter zieht sich eine Spirale bis zur linken Hüfte hinad. Wenn man näher hinfieht, merfi man, daß die Spirale viele Unterbrechungen aufweist, daß sie aus lauter fleinen, gekrümmten. Linien besteht. Wir tönnen danach heute schon von einer Spurenkunde der Elektrizität sprechen. zu besuchen; Betty befand sich dort. Aber seine Anwesenheit war im Bureau erforderlich. Herr Mowbray flagte oft über Kopfchmerzen und hütete das Haus; dann sandte er nach Anthony, und sie arbeiteten zusammen in der Bibliothek. In der legten Zeit pflegte Herr Mowbray ganze Tage fortzubleiben, erilärte, es handle fich um Privatangelegenheiten. Anthony war der einzige, der seine Adresse fannte für den Fall, daß er ,, unbedingt" zurückkehren müsse. Anthony glaubte zu wissen, was das Ziel dieser Reisen sei. Er machte sich Sor gen. Beitn fam aus Malvern zurüd; Edward hatte ihr versichert, daß es ihm besser gehe. Anthony, der die Frage von allen Gesichtspunkten aus betrachtete, war der Ansicht, er müsse Betty die Wahrheit sagen. Früher oder später wurde fie es ja doch erfahren. Betty bezeigte feinerlei Berwunde rung: Ich fürchtete es immer," sagte sie. Edward hielt ihn im Baum. Er war uns beiden ein guter Bater. Bollte Ebwarb ein gutgehendes Bureau hinterlassen. Seitdem uns aber dieser Schlag getroffen hat. liegt ihm nichts mehr daran." ,, Edward wird doch das Bureau übernehmen," warf Anthony ein, ohne aufzublicken. " ,, Könnte ich den Bater davon überzeugen. Ich versuchte es, aber jebesmal, wenn ich darüber sprach, regte er sich auf. Rehauptete, es sei die Strafe Gottes für seine Sünden Anfcheinend zieht er daraus die Folgerung, daß er jetzt ruhig weiter fündigen darf. Wäre Edward gefund genug, um heimzufommen, wenn auch nur auf ein paar Tage, so würde dies einen gewaltigen Unterschied machen." ,, Geht es nicht?" fragte Anthonn. 14 ,, Nicht nach Millsborough." Betty blidte aus dem Fenster auf den ewigen Rauch, der sich langsam durchs Tol dem Meer zuwälzte. Ich wollte, daß der Vater die„, 2bben" mietet, Sir William Coombers altes Landhaus auf dem Moor; es ist noch immer unbewohnt. Aber diese Frau scheint ihn ganz in der Hand zu haben. Ich fürchte, daß sie ihn heiraten wird. Armer Bater: er ist ein rechtes Kind." Rennt er fie schon lange?" erfundigte sich Anthony. ,, Sie war unsere Erzieherin, a's wir noch flein waren, eine hübsche Frau, doch haßte ist sie schon damals, wahrscheinlich instinktiv. Sie heiratete bald nachdem sie uns verließ und fehrte nach Frankreich zurück. Als ihr Mann vor etwa sechs Jahren starb, tam fie nach London. Alles wäre mir lieber. als daß er sie heiratet. Sie im Zimmer meiner Mutter zu sehen! Das ertrüge ich nicht. Ich würde Betty stodte; sie zitterte' am ganzen Körper. ,, Diese Gefahr besteht nicht," meinte Anthony. ,, Er liebt Ihre Mutter noch immer. Ich sage das nicht, um Sie zu beruhigen. Es ist seine beste Seite. Und er hat auch Sie lieb. Würde Rücksicht nehmen." ( Fortsetzung folgt.) So ist das Museum ein« wahre Fundgrub« wissenfchastNcher Erkenntnis. Dennoch ist es wenig bekannt. Aber in der letzten Zeit haben bereits einig« Arbeiterorganisationen Besichtigungen des Museums veranstaltet. Die Arbeiter haben nicht zuletzt ein prcrkti- sches Interesse an dieser wissenschastlichen Tätigkeit. Märtifthe Gftern. Sieh, das Gute liegt so nahe... Die Straßenbahn und der Autobus führen dich schon meilenweit hinaus, dorthin, wo die schrillen Stimmen der Weltstadt nicht mehr hörbar sind, wo der Frühlings- wind die lungen Triebe der Sträucher und Bäume in pendelnde Be- wcgung setzt, wo die Sonne auf der Wiese und dem Wasser zarte Farbenreflexe malt, die wie Gemälde von Meisterhand wirken. Ein berühmter Landschaftsmaler rief einmal aus: Gebt mir ein flaches Kartoffelfeld und ich will euch ein Meisterwerk schaffen. Und die Natur ist nun doch einmal die größte Künstlerin. In Milliarden- fachen Nuancen— wir sind ja jetzt an hohe Ziffern gewöhnt— streut sie mit verschwenderischer Hand ihren Reichtum aus, hier ein helles Grün auf mattblintendem Schaft, dort ein dunkles Blatt, das zu dem ernsten Charakter des Baumes paßt. Eigentlich gehört der so einfarbig monoton gekleidete Städter gar nicht in diese von den Küssen der Sonne wachgerufene Natur. Seht dort, jene alte Bäuerin, die in klarem Licht auf dem Vorplatz sitzt und mit der Hand über den Flachskopf ihres Enkels fährt— sie weiß schon ganz richtig, daß tn diesen Blätter- und Knospen-Prunkschrein ein färben- froher Mensch gehört: ihr Rock leuchtet im satten Rot durch die Lücken des Staketenzauns und das Gelb des umgehängten Tuches wetteifert mit der Farbe des Sandes, der, von keinem Schmutzflecken getroffen, sich zu ihren Füßen dehnt. In hellem Blau schimmert das Wasier des Sees, die Halme des Schilfrandes halten Zwiesprache, beugen sich nach rechts und nach links, an der Fährstelle rauscht das Wasser leise gegen die in den Rand geschlagenen Pfosten— weit dehnt sich der Blick über die Wasierfläche und bleibt an der dunkel schimmernden Masse des Wal- des haften, der die jenseits leicht ansteigende Höhe krönt. Unbelästigt von der Sonne, geborgen gegen den Atem des Win- des wandern wir am Ufer, suchen Schleichwege im Walde aus, springen über moosbewachsene Steine und klettern kleine schmale Abgründe hinab und hinauf, Hand in Hand mit dem lieben Men- schenkinde, das zu uns gehört und das ganz erfüllt Ist von dem Wunsch, Andenken an diesen Ostergang, Erinnerungen an die so sel- rene Zwiesprache mit der Natur zu sammeln. Da rafft es einen nadelbewehrten Zweig, dort einen flach geschliffenen Stein: hier rupft.es die Blüten und Knospen, die sich seinen Blicken bieten. Aus dem Sacktuch hat sich die Kleine einen Pompadour geknotet. In den sie wahllos die Schätze hineintut. Am liebsten möchte sie auch die Käfer des Waldbodens und die in der Luft spielenden Bewohner des Wasserrandes einstecken, wenn sie nicht für die Weiße ihres Tüchelchens fürchtete. Wir kreuzen die Chaussee— tüh, tllüh— da kommen sie an- gesaust, die Autofahrer in ihren Taucherkostümen, auf dem Wege zur nächsten'kable ö'bote begriffen. Sie haben für die kleinen Freuden der Wanderung kein Verständnis, was kümmert sie das fproffende Grün, der leise Wellenschlag, der in den Lüften sich wie- genden Vögel?— Haben wir uns verirrt? Wir sind vor den Autos in das Walddickicht geflüchtet— der Weg ist plötzlich kein Weg mehr und um uns herum eine Stille, die beängstigend wirken könnte, wenn wir uns nicht in der lieben Mark befänden. Hier führen alle Wege nach Rom, d. h. nach irgendeinem Dorfchen, besten Krug noch die alte Einfachheit aufweist, dafür aber die dörflichen„Delikatesten der Saison" in bester Güte zutage fördert. Bouillon und Filet- beeffteak gibt's nicht— dafür aber Eier, Landschinken, Landbrot, Landbutter, alles Cigengewächse, und der Kaffee, die Milch und der Kuchen sind tadellos. Aus der erst wenig begrünten Laube blicken wir auf den Wirtschaftshof, sehen die vor wenigen Tagen ausgekrochenen Küchelchen von der Mutter behütet sich im Sonnenschein ihres Lebens erfreuen und begreifen den urewigen Trieb nach Erneuerung olles Irdischen.— Neue Gäste kommen, frohe Wanderer, denen der Marsch Durst gemacht hat. Bald steigt eines der alten Volkslieder, dann fcsttf ein Lied der Freiheit. In diesen.alten und jungen Männern verkörpert sich unsere Volkskraft: in wenigen Tagen werden sie das Geschick Deutschlands In Händen haben. Möge die helle Sonne, die dieses Auserstehungsfest begnadet hat, ein guter Vorbote für unsere Zukunft sein! Republikanische Vahlkunögebung! Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Gau Berlin- Brandenburg, veranstaltet am Freitag, den 17. April, abends 8 Uhr im Sportpalast die erste große republikanische Kund- gebung zur bevorstehenden Präsidcntschastswahl. In dieser Kund- gebung werden die Reichstagsabgeordneten Hermann Müller, Anton Erkelenz und der Präsidentschaftskandidat Dr. Marx das Wort ergreifen. Um 8 Uhr erfolgt unter den Klängen des Reichsbannermarsches der Aufmarsch sämtlicher Berliner Fahnen. Karl Ebert vom Berliner Staatstheater wird einen für diesen Abend besonoers verfaßten Prolog zum Vortrag bringen. Nach den Reden bringt das Berliner Sinfonie-Orchester die Vaterländische Hymne unter Leitung des Komponisten Haefslin zum Vortrag. An alle Republikaner ohne Unterschied der Parteien ergeht hier- mit die Aufforderung, mitzuhelfen, um diese Kundgebung zu einem gewaltigen Austakt der Prästdentschaftswahl zu gestalten. jj Korl L'jcher| Der Tod hat wieder ein«n treuen Kämpfer aus unserer Mitte gerissen. Genosse Karl Fischer, in weiten Kreisen der Vorwärts- loser bekannt durch seine literarischen Beiträge, ist im Alter von 53 Jahren einer rasch verlaufenen Lungenentzündung zum Opftr gefallen. Er Hütt« die Krankheit vielleicht überstehen können, wäre er nicht durch ausreibende Berufsarbeit, von der er sich auch durch ein altes schmerzvolles Leiden nicht zurückschrecken ließ, zermürbt gewesen, so daß der Tod in ihm eine leichte Ernte fand. Noch am Sonntag vor Ostern brachte.Volk und Zeit" eine seiner kleinen tiefempfundenen sozialen Skizzen aus dem Arbeiter- leben. Er hat in seinem Wirken, neben vielen literarischen Bei- trägen, die dem Schaffenssreudigen größei Befriedigung gewährten, «ine unermeßliche Fülle jener namenlosen täglichen Kleinarbeit des Journalisten geleistet, die von Außenstehenden selten gewürdigt werden kann. Durch seine willige Hingabe an das gemeinsam« Wert erwarb sich Karl Fischer die herzliche Sympachie oller, die mit ihm zusammen arbeiteten: auch der vielen, mit denen er durch sein« Tätigkeit als Berichterstatter in Berührung kam. Fischer, der in Friedeberg(Neumark) geboren wurde, wandte sich schon in jungen Jahren dem Journalismus zu, nachdem er das juristische Studium an den Nagel gehängt hatte. Wir betrauern, mit der Witwe, di« er zurückläßt, einen ehrlichen Mitstreiter und Kollegen. Die Einäscherung findet am Freitag, den 17. April, nachmittags 2 Uhr, im Wilmersdorfer Krematorium statt. Hefahr für Sie Strafrechtspflege. Geheimerlasse gegen ärztliche Sachverständige? In letzter Zeit häuften sich die Klagen der Aerzte, daß es un- möglich sei, Haftentlassungen zu erwirken. Für den Eingeweihten unterlag es keinem Zweifel, daß hier ein System waltete. Vor kurzem hat nun Dr. K r o n f e l d im Haeckel-Saal des Instituts für Sexualwissenschaft in einem Vortrag der Meinung Ausdruck ge- gebe» daß die oberen Justizbehörden gegen die. ärztlichen Sachvcr- ständigen einen regelrechten Feld'zua eröffnet haben. Für die Haftentlassung lauten die Richtlinien: Haltentlassung kann nur dann erfolgen, wenn die bestehende Krankheit> e d e n Fluchtverdacht unmöglich macht. Damit aber dieser Fall eintritt, müßte der Patient bereits endgültig von den Aerzten ausgegeben sein. In be- zug auf die Strafoollzugsunterbrechung Ist dekretiert worden: nur wenn nah« Lebensgefahr droht, soll ihr stattgegeben wer- den. Jedoch nur in den allerseltensten Fällen wird das unbedingt gegeben sein. Die Lebensgefahr kann eintreten bei unnötiger Ver- zögerung von ärztlichen Maßnahmen, nur wenige Stunden genügen unter Umständen, damit das Krankheitsbild sich drohend gestalte. Endlich werden die Grundsätze für die Sachverständigentätlgkeit in einem preußischen Geheimerlaß festgelegt, der für die Staatsanwälte verbindlich ist und von den'Richtern nicht ohne weiteres abgelehnt werden kann. Diese Grundsätze besagen: auf Guiachten von nicht- beamteten Aerzten überhaupt nichts zu geben, sie können inter- essiert sein: beamtete Aerzte dürfen keine Gutachten auf Ersuchen des Angeklagten und der Verteidigung abgeben, vom Begriff „geistige Minderwertigkeit" soll so wenig als möglich Ge- brauch'gemocht werden. Die hohe Behörde merkt nicht, daß in diesen Sätzen ein herabwürdigendes Mißtrauen geaenüber den beamteten und nichtbeamteten Aerzten liegt, eine Nichtachtung der medizinischen Wissenschaft in der Person ihrer hervor. ragendsten Vertreter, eine Ueberschätzung des Könnens der Gerichts- ärzte, die selbstverständlich nicht in allen Spezialgebieten beschlagen sein können und eine Vergewaltigung des Gewistens, des sachver- ständigen Arztes, der ja geschworen hat,„nach-bestem Wissen und Gewissen" sein Gutachten abzugeben und nun veranlaßt wiid, minderwertige Menschen als normalwertig anzuerkennen. Der Cr- laß bedeutet aber nicht allein eine Herabwürdigung des Aecztestan- des, sondern auch«ine Gefahr für die Strasrechtsoflege, gegen die die Anwaltschaft energisch Front machen müßte. Der Er- laß der Justizbehörden ist schließlich auch ein trauriges Zeichen der Zeit. Anstatt sich die neuesten Errungenschaste» der Wissenschast zu eigen zu machen, stellt sie sich in direkten G-gensag ,.u flnen. Daß dos Gewissen der Justizbehörde dabei nicht ganz rein lein muß. beweist schon allein die Tatsache, daß bis zum Augenblick in der weiten Oeffentlichkeit nichts von diesen neuen Verfügungen bekannt geworden ist. Hoffentlich führt ein energischer Protest des Aerzte- standes, der Anwaltschaft und der weiten Oeffentlichkeit zur Wider- rusung dieser gemeinschädlichen Verordnung.. Im Zoologischen Garten ist von den beiden kleinen„Mampe- Elefanten" vor einigen Tagen das Weibchen einem Darmleidcn erlegen, das ihm schon längere Zeit zu schassen machte. All« mögliche» Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 15. April. Außer dem üblichen Ta�esprogratnni: 3.30 Uhr nachm.; Die FunkprinzeBsin erzShlt: Nene dent?che Mftrohen für unsere jüngsten Hörer. 1. Albert Ousig: Trippstrille. i. Berta Brunetti: Naschkiiteohen. 3. Luise Weber: Der Kasperl. (Die Pnnkprinzossin; Adele Proosler). 4.30— 8 Uhr abends: Unter- haltungsrausik(Berliner Funkkapelle). 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow-Schule.(Abteilnne ßildunsrskurse). Spiel und Sport: Brich Schnitze:„Deutschlands Stellung im internationalen Schwimmsport". 7.30 Uhr abends: Sendcspielbühna. Abteilung: Oper. Leitung: Cornelia Bronsgeest XVI. Veranstaltung. ,0r- phous in der Unterwelt", Burlesfco-Oper in zwei Akten. Noch dem Französischen des Hector Cremioux. Musik von J. Olkenbach, Dirigent: Georg Szöll. Aristeus und Pluto: Bernhard Bötol; Jupiter Eduard Kandl; Orpheus; Waldemar Henke; Sty*; Hermann Boettcher; Eurydioe: Margaret Wollerstein; Diana nnd Venus: Emmy V.Stetten; Oupido: Charlotte Lindemann; Die iiSontliche Meinung Charlotxo Froyer. Merkur, Morpheus, Bacchus, Mars, Juno. Götter,' Göttinnen usw. Anschließend: Dritt« Bekanntgabe der neuesten Tagasnaohrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theator- und Filmdienst. Medikamente wurden angewendet, und es hat den beiden felbstver» ständlich niemals an mannigfaltiger und zuträglicher Nahrung ge- fehlt. Aber afrikanische Elefanten sind eben leider erfahrungsgemäß in der Gefangenschaft nicht so leicht am Leben zu halten und groß- zuziehen wie indische, die in der Regel gar keine Schwierigkeiten machen, im Zoo oft mehrere Direktoren zu überleben. Die Vor- gängerin der beiden.Mampes", die alte Afrikanerin Mary, hat übrigens auch einige dreißig Jahre hier gelebt und war lange Jahre das„dienstälteste" Mitglied des Tierbestandes. Jerienveranflaltungen für Sie flrbeiterflhast. Der Reichsausschuß für sozialistische Bildung s- arbeit veranstaltet in diesem Jahre wiederum eine Reihe von Ferienoeranstaltungen, die wir der Arbeiterschaft zur besonderen Be- achtung empfehlen. In schön gelegenen Orten, im Gebirge oder an der See, finden unter Leitung hervorragender sozialistischer Wissen- schaftler Ferienkurse statt, die in zwangloser Fonn Gelegen- heit zur geistigen Vertiefung bieten. Verbunden nnt diesen Kursen sind Ausflüge und gesellige Zusammenkünste, die der Pflege des sozialistischen Gemeinschaftslebens dienen. Reben den Kursen sind ferner eine Reihe sozialer Studienreisen im In- und Aus- land unter sachkundiger Führung vorgesehen. Bei den Reisen Ins Ausland werden Sprachkenntnisse nicht verlangt. Die Kosten für die Veranstaltung sind bei bester Verpflegung und Unterbringung so niedrig als möglich geholten. Bei der Zusammenstellung der Ver- anstaltungen ist aus alle Ansprüche Rucksicht genommen worden. 1. Ferienkurse: Prof. Anna S! e m s e n:„Sozialismus und Erziehung', vom 15. bis 20. Juni, im Fürftenlager Auerbach im Odenwald(Berg- ftraße). Redakteur Stein:„Der Sozialismus in Vergangenheit und Gegenwart", vom 22. bis 27. Juni, Jugendburtz Hohnstcln in der Sächsischen Schweiz. Joseph LuipolL Stern-Wien:„Arbeiter- bildung und Arbeiterbewegung", vom 22. bis 27. Juni, Kurhaus Bad Centnsrbrunn bei Neurode(Grasschaft Glatz). Prof. Leo Kesten- b e r g:„Sozialismus und Kunst", vom 29. Juni bis 4. Juli, Cisenach, Hotel„Gute Quelle". Reaierungsrat R. W o l d t:„Die Lebens- welt des Industriearbeiters, vom 29. Juni bis 4. Juli, Burg Altena im Sauerland(Westfalen). Engelbert Graf- Stuttgart:„Moderne Probleme des Sozialismus", vom 29. Juni bis 4. Juli, Hannover- Münden(Weiergebirge). Josef Luitpold Stern- Wien:„Arbeiter- bildung und Arbeiterbewegung", vom 27. Juli bis 1. August. Frei- bürg i. V.(Baden). Dr. Karl Renn er- Wien: Staat und Sozia- lismus", vom 2. bis 8. August, Landesjugendheim in Cismar an der Ostsee(Holstein). Regierungsrat R. W o l d t:„Die Lebenswelt des Industriearbeiters", vom 17. bis 22. August, Blankenburg i. Harz, Prof. Dr. E r I k- Nöltina: Einführung in die Politik", vom 7. bis 12. September, Soltou in der Lüneburger Heide. Dr. Heller- Leipzig:„Einführung in die Politik", vom 7. bis 13. September, Bitte auf der Insel Hiddensee(Ostsee). 2. Ferienreisen Ins Ausland: Nach England:(Rotterdam, London, Oxford) vom 31. Juli bis 8. August. Nordlandreise:(Kopenhagen, Christiania, Bergen, Besuch der norwegischen Fjords, Rückreise zur See nach Hamburg) vom 27. Juni bis 9. Juli. Nach Dänemark: (Esbjerg, Kopenhagen, Helsingoer) vom 9. bis 17. August. Nach der Schweiz:(Zürich, Luzern, Dierwaldstätter See, Bern, Basel) vom 26. Juli bis 4. August. P r a g- W i e n:(Salzburg, Berchtesgurden) vom 16. bis 25. August. 3. Reifen im Inland: R h e i n f a h r t(Köln, Koblenz, Rüdesheim, Mainz, Frankfurt a. Main) vom 14. bis 20. Juni H a m b u r g—H e l g o l o n d— Bremen: vom 19. bis 25. Juli. Schwarzwald: vom 2. bis 8. August. Harz: vom 23. bis 29. August. Städtefohrt: (Rothenburg, Nürnberg, Wcißenburg) vom 23. bis 29. August. Rieseng ebirge: vom 31. August bis 5. September. Ein ausführliches Programm über die Veranstaltungen wird durch den Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit(R. Wei- mann), Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, unentgeltlich abgegeben. Dorthin sind auch olle Anmeldungen für die Veranstaltungen zu richten._ TaS Geheimnis eines Selbstmordes. Ein unaufgeklärter doppelter Selbstmordversuch beschäftigt die Kriminalpolizei. Aus dem Dache der Badeanstalt in der Krummen Lank« wurde gestern ein junger Mann in einer Blutlache hilflos aufgefunden. Weil seine Kleidung durchnäßt war, so ist anzunehmen, daß er vorher vom Ufer aus ins Wasser gegangen war, um sich zu ertränken. Er muß dann das Dach bestiegen haben, um sich von hier nach Aufschneiden der Puls- ädern ins Wasser zu stürzen. Blutverlust und Erschöpfung haben ihn daran wohl gehindert. Man brachte den Lebensmüden nach dem Sanatorium..Waldfrieden", wo er als ein 18 Jabre alter Handlungsgehilfe Fritz Mau aus der Uhlandstraße 130 festgestellt wurde. In der Nähe der Badeanstalt fand man eine Damen- Handtasche. Es wird vermutet, daß Mau dt« Absicht gehabt hat, mit einer Begleiterin in den Tod zu gehen. Ob diese ins Wasser aegangen und ertrunken ist oder sich entfernt und den jungen Mann seinem Schicksal überlassen hat, wird setzt von der Kriminalpolizei von Zehlendorf weiter untersucht. Mau selbst konnte noch nicht vernommen werden. Tie Reklamestadt am Kaiserdamm. Der große Funkturm auf dem Messegelände am Kaiser- dämm geht.seiner Bollendung entgegen. Die gewaltige Wir- kuna im Gesamtbilde der Stadt läßt ein Blick von der Halenseer Brücke erkennen. Aber auch die Umgebung de» neuen Funkturmes mackt eine eigenartige Wandlung durch. Das Haus der Funk-Jndustne wird mit seiner Zufahrtsstraße m«In o r i g i> nelles Reklamelager umgewandelt, in dem ein edler Weit- streit führender Reklamesirmen bevorsteht. Neben Zeitungsoerlaaen und Firmen der Plakat- und Lichtreklame wird auch die Hochbahn-Gesellschaft das Modell eines modernen Hoch- und Untergrundbahnhofes mit Wagenpark auf- stellen. Vor der Messehalle wird ein Siemensscher R i« s e n l a u t- fWessor Dr. med. Hueppe erklärt, daß zur notwendigen, regelmäßigen Desinfektion des Mundes und der Zähne sich Zahnpasten und Zahnpulver nicht eignen, weil man damit nicht zwischen die einzelnen Zähne, nicht hinter die Zähne, nicht in die feinen Spalten und Risse der Zähne gelangen kann. Es müsse jedem einleuchten, daß nur ein flüssiges Desinfektionsmittel, das aber nicht giftig sein dürfe, sich zum täglichen Gebrauch eigne. Als das beste, ja als das einzige, bezeichnet Professor Dr. � � med. Hueppe auf Grund seiner Unter- suchungen das weltbekannte O d o L c Sonntag Allgemeine Flugblattverbreitung Groß Berlin den 19. April: [ precher für die neuesten Reflamemöglichkeiten wirken und im Reflametheater durch Radiovorträge für Kürzung der Bausen gesorgt werden. Ein großer und in seiner Ausstattung für Berlin völlig neuer Reklamezug durch die Straßen wird befondere Anziehung ausüben. Für das leibliche Wohl ist durch ein modernes Restaurant unter freiem Himmel gesorgt. Hinter den Kulissen der Rennbahn. Ein Riefenbetrugsprozeß gegen Jodens. Turfgeheimnisse werden in der am 28. d. M. vor dem Großen Schöffengericht mitte beginnenden Verhandlung des Betrugspro. zesses gegen die Jockeys Paul Lewicki, Erich und Alfred Lüneburger und den gewerbsmäßigen Rennbahnbefucher Julius Bautsch zur Erörterung tommen. Die Berhandlung begegnet in Eportfreisen dem größten Interesse. Ein Beweis dafür ist, daß schon, bevor die Hauptverhandlung angesetzt worden war, Hunderte 122. bt. Diesdorf. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Porath, Marzahner Straße 31. Thema:„ Die staatsrechtliche Stellung des Reichspräsidenten". Referent Genosse Rogge. 188. bt. Sermsdorf. 8 Uhr bei Böttcher, Waldsee, Ede Berliner Straße, Mitgliederversammlung. Referent Genoffe Hirschberg. Allgemeine Funktionär- Bersammlung 111. Abt. Bohnsdorf. 8 Uhr Rahlabend bei Heimann, Waltersdorfer Straß Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. 139. bt. Tegel. 7% Uhr Funktionärfinung im Jugendheim Bahnhofstr. 15 Schwarzrotgoldene Fahnen in allen Größen find bei den Bezirksführer au haben. Frauenveranstaltungen, morgen, Donnerstag, den 16. April 53. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr bei Sur Ufnau, Ede Suttenstraße. Bor. trag: Frauenfrankheiten und soziale Bekämpfung". 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr bei Bufe, Werderstraße. Bortrag der Genoffin Geyer:„ Die Präsidentenwahl". ( Porte- Gewerffchaftsfunktionäre, Betriebsvertrauensleute d. SPD) 109. Abt. Friedrichshagen, 7% Uhr bei Otto, Kirch, Ede Wilhelmstraße. Bor heule, Mittwoch, den 15. April, abds. 7 Uhr, im Lehrervereinshaus, Alexanderstr. 41/42 Tagesordnung: Die Reichspräsidentenwahl- eine Lebensfrage für die Republik. von Gesuchen aus diesen Kreisen an das Gericht gelangt find, um Referent: Reichstagsabgeordneter Gen. Aufhäuser. Bulaffung zu den Eigungen. Lewidi, der zu den bekanntesten Jodays Deutschlands ge hört, wird beschuldigt, den Justizoberfekretär Huster um 36 000 Wtart durch Vorspiegelung falscher Tatsachen betrogen zu haben. Außerdem wird er bezichtigt der gewerbsmäßigen Voraussage von Rennweiten. Die vor Huster erlangten großen Beträge stammten aus den Riesensummen, die dieser als Beamter der Gerichtstasse des Amtsgerichts Mitte unterschlagen hatte. Auch Alfred Lüneburger und Bautsch haben es nach der Antiage verstanden, von Hufter 4000 m. herauszuloden. Diese beiden Angeklagten haben außerdem auch von dem Kassenbeamten Diez 45 000 m. zur angeblichen Berwendung von Rennwetten erhalten. Die Sumine war von Duez bei der Städtischen Girofasse in Krimmitschau unterschlagen worden. Erich Lüneburger ist nur ber gewerbsmäßigen Boraussage von Wetten beschuldigt, was auch feinem Bruder Alfred und Pautsch zur Last gelegt wird. Huster war auf den Rennbahnen, namentlich in Karlshorst, sehr bekannt, da er versuchte, die durch sein lockeres Leben verursachten Ber= untreuungen durch Rennwetten wieder gutzu machen. Es drängten sich an ihn alle möglichen Leute heran, die ihm Tips geben wollten. Zu diesen Leuten gehörte auch Lewidi, der auch nach der Behauptung Husters diesen in seiner Wohnung aufsuchte und veranlaßte, ihm nach und nach 36 000 m. zu geben. Obwohl die ersten Wetten auf einem Dresdener Rennen von Mißerfolg begleitet waren, wurde Huster überredet, noch weitere Gelder für Rennen in Berlin herzugeben. Es wurde ihm gesagt, daß man in Berlin die Jodens besser in der Hand habe", um fie zu bestechen, daß sie ein bestimmtes Pferd gewinnen lassen. Lemidi aber bestreitet, daß er derartige Pläne Huster entwickelt hätte, und nach seiner Behauptung soll es fich lediglich um das Langmachen" von Betten gehandelt haben. Bon der Berbindung zwischen Huster und Lewicki hatten auch Alfred Lüneburger und Bautsch Kenntnis erhalten und sollen nun selbst mit Geldforderungen an Hufter herangetreten sein. Da fie mit einem Krach drohten, soll Huster, der allen Anlaß hatte, die Aufmerksamkeit nicht auf sich zu lenten, gezwungen morden sein, auch ihnen Geldbeträge zu ähite lichen Zweden gegeben zu haben. Bautsch und Alfred Lüneburger haben dann auch Duez in derselben Weise vorgespiegelt, daß sie ihm fichere Rennen geben fönnten, wozu fie aber größere Gummen zur Bestechung der Jockeys brauchten. Zu diesem 3wed haben sie Duez in Krimmitschau felbft mehrfach aufgesucht und ihm im ganzen 45 000. entlodt. Die von Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wasmund vertretene Anklage nimmt an, daß die Angeklagten genau gewußt haben, woher die von ihnen erlangten Gelder stammten. Die Ver. handlung dürfte intereffante Aufschlüsse über das Treiben hinter den Kulissen des grünen Rafens bringen. Berhaffung eines Privatlehrers. Aufsehen erregte in 3 ehlen. dorf die Verhaftung eines Privatlehrers Ferdinand Göße aus der Düppelstraße, der in verschiedenen Familien Schülern Nachhilfe. unterricht erteilte. Einem Vater fiel fürzlich der frankhafte Zustand feines Sohnes auf. Zur Rede gestellt, offenbarte fich der Knabe feinem Bater, der dann bei der Staatsanwaltschaft Anzeige machte. Die Zehlendorfer Kriminalpolizei forschte weiter nach und ermittelte bisher noch zwei Knaben, an denen sich der Privatlehrer ebenfalls vergangen hat. Schwerer Unfall auf einer Rufschbahn. Auf dem Rummelplatz in Potsdam vergnügte sich vorgestern ein Student mit Hinabgleiten von einer Rutschbahn. Dabei drang ihm ein großer Holzsplitter so tief in den Oberschente! ein, daß die Spize des Splitters aus der Hüfte heraustam. Der Bewußtlose wurde ins Krantenhaus geschafft und die Rutschbahn polizeilich geschlossen. Einen Mozart.Abend veranstaltet der Volkskraft- Bund Mittwoch, ben 15. April, 8 Uhr, im Rönisch- Saal, Leipziger Str. 110. Zur Aufffihrung gelangen Lieber, Arien und Duette, Soloftüde für Geige, Klavier und Gello und das B- Dur- Trio. Mitwirkenbe: Frieda Siewert- Michels, Freb Destal, Curt Vogel, Maz Schulz- Fürstenberg, Hans Philipp Hofmann. Zu einer großen Rundgebung für die republikanische Einhellsfandidatur Marg am Mittwoch, den 15. April, 8 Uhr, in den Spidernsälen, Berlin W., Spidernitr. 3( am Untergrundbahnhof Nürnberger Blah) ladet der DemoIratiste Berein Walbed" alle Republikaner Groß- Berlins ein. Es spreden für die Demokratische Partet: Chefredakteur und Landtagsabgeordneter Nuichte, für die Zentrumspartel Riffta, Bauvorfizender des Windt. horft Bundes, und für die Sozialdemokratische Partei Reichsminister a. D. Reichstagsabgeordneter BiffelL Englischer Anfängerfurjus W, NW( Reiter Genoffe Unifower) sucht noch einige Teilnehmer. Unterrichtszeit: Montag und Donnerstag 6-8; Drt Begelbftraße( Staatl. Borzellanmanufaftur, direlt am Bahnhof Tiergarten. Berloren hat ein Funktionär bes Steinarbeiterverbandes am Freitag, ben 10. April, vormittags zwischen 8 und 9 Uhr in der Gleftischen, Linie 36, ein fleines Batet mit acht Verbandsbüchern. Der ehrliche Finder wird gebeten, bie Bücher an das Berbandsbureau der Steinarbeiter, 60. 16, Engelufer 24/25, Gewerkschaftshaus, abzuliefern. Parteinachrichten Einfendungen für diese Rubrif finb Berlis 28. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirksietretariat 2. Sof, 2 Tres. rechts, an richten 13. Kreis Tempelhof, Marienbest, Marienfelde, Lichtenrabe. Donnerstag, den 16. April, 7% Uhr, Sihung des Bildungsausschuffes im Sathaus Mariendorf. Rimmer 25. Wichtige Tagesordnung. Erscheinen Bflicht. 107. bt. Alt- Glienice.fallenberg. 7½ Uhr bei Thieme in Fallenberg, Gdirnerftraße 28, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genoffen Dreuce: Barum müffen wir Marr wählen?" Heute, Mittwoch, den 15. April: 49. Abt, Schwerhörigengruppe. Blinktlich 7 Uhr im Jugendheim Bindenstr. 3, 2. Sof, 3 Tr., Generalversammlung. 57. bt. Charlottenburg. 2. Gruppe: Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. Thema: Bahl des Reichspräsidenten". 80. bt. Schöneberg. 7 Uhr im Gefangfaal des Helmholt- Onmnafiums, Rubensstoße, Mitgliederversammlung, Neuwahl der Abteilungsleitung. 81. Abt. Friebenan. Sozialistisches Seminar: 8 Uhr bei Alabe, Bandjern ftraße 60-61. Thema:" Die bürgerliche Klaffe im Volkswig". Referent Genoffe Friebrich Bendel. Borher bort, um 7 Uhr, Sigung des Bildungs ausfdruffes, su bee bie Bertreter der Arbeiterturner, ber Jugend, Jungfozialisten, Rinderfreunde, Naturfreunde, Kriegsbeschädigten unb Arbeiterfänger dringend eingeladen find. Tagesordnung: 1. Gründung des KulturBartells, Abteilung Friedenau. 2. Stellungnahme zu einem gemeinsamen Waldfeft. 84. Abt. Lantwis. 8 Uhr Funktionärsigung bei Lehmann. Die Bezirksführer müffen bie Wählerlisten mitbringen. 88. Abt. Marienborf. Seute, Mittwoch, Verteilung der Handaettel file die affentliche Bersammlung am Donnerstag, den 16. b. M. Das Material ift von Niborf abzuholen. 99. Abt. Briz- Badow. Mit Rücksicht auf die allgemeine Funktionärverfamm Jung im Lehrervereinshaus findet ber Rablabenb aller Besirle erit Donners. fag, den 16. April, ftait. Der 2. und 4. Bezitt tagt gemeinfam bei Ropp Low, Rudower Str. 61; ber 3., 5. und 6. Bezirk bei Beutner, ChauffeeStraße. Tagesordnung: Warum find wir für Marg?" Zutritt nur mit Mitgliedsbuch und Funktionärausweis für 1925. Der Bezirksvorstand. Morgen, Donnerstag, den 16. April: e. st. 7% Uhr Mitgliederversammlung im Altersheim Danziger Str. 62. Referent Genoffe Landa. Thema:„ Warum muß ein Republikaner Reichse präsident fein?" bt. 7% Uhr Berfammlung fämtlicher Funktionäre bei Aromphard, Grüner Weg 49. bt. 7% Uhr Rahlabende: Stofin, Gubener Str. 19; Müde, Warschauer Straße 17; Seese, Memeler Str. 61. Wichtige Tagesordnung. Abt. 7% Uhr bei Nagel, Manteuffelstr. 47, Gigung der Funktionäre, Beiriebsvertrauensleute und Elternbeiräte. Tagesordnung: Vorstandswahl Mitgliederversammlung Montag, den und Reichspräsidentenwahl. 20. April, Oranienstr. 180. trag des Genossen Ruben: Die Rechtslage der Frau". * 82. bt. Steglik. Die am Freitag, den 17. April, angefeste öffentliche Ber fammlung fällt aus. Alle Genoffen beteiligen sich an der Beranstaltur im Sportpalaft. Jugendveranstaltungen. Die Arbeitsgemeinschaft bes Genoffen Abraham beginnt nicht heute, sonbern erst am Mittwoch, den 29. April. Geschäftliche Mitteilungen. Die Mafary" Bigarettenfabrit, Berlin, Ritterstr. 9-10, blidt nunu auf ein 20jähriges Bestehen zurüd. Während im schwersten Eriftenglamp. eine ganze Anzahl gleichartiger Fabriken genötigt war, Anschluß an Ron zerne au fuchen, haben es bie Begründer und alleinigen Inhaber bes Unter. nehmens, die Herren A. und B. Schlodauer, in unermüdlicher Tätigkeit in dieser Zeitspanne nicht nur verstanden ihre Gelbständigkeit au erhalten. fondern auch bie Firma Maffarn" zu einer der größten Fabriken Deutschlands emporzuführen, deren fabrikate, die mit Recht als Qualitätsmate an Aufprechen find, Weltruf" befizen. Denn„ ebel", wie ihr Name, sind auch ihre Erzeugniffe. Wefter für Berlin und Umgegend. Meift ettmas wolliges Wetter, tags. über fühler, später zeitweise furze Regenfälle. Für Deu fchland. In ganz Deutschland vorwiegend wolkig bei Temperaturen um 10 Grab. Bettweise furze Regenfälle. Straße Das 37 m lange und 13 m tiefe in der Kukirol- Straße gelegene Fabrikgebäude der Kukirol Fabrik; links daneben die Garagen und Wohlfahrtsräume. 6 Das etwa 30 m lange, in der Reltbahnstraße gelezene Verwaltungsgebäude der Kukiro!- Fabrik, in welchem ungefähr 100 kaufmännische Beamte beschäftigt sind. 1000 Mark in bar für die schärfste Schwertschnute und weitere 9000 Mark hat die Kukirol- Fabrik für die, die Ihr an Schärfe am nächsten kommen, ausgesetzt. Die Kakirol- Präparate sind weltbekannt. Planmäßige and zweckmäßige Fußpflege mit den richtigen, also den Kukirol- Präparaten betreiben, nennt man jetzt: ,, Kuklrolen" Drel Präparate gehören dazu: nämlich: 1. Das KukirolFußbad, 2. der Kukirol- Streupuder, 3. das Kakirol- Hühneraugenpflaster. Sie erhalten diese drel Präparate neuerdings in einer Spezialpackung vereint als Kukirol- Kur- Packung für nur 2 Mark in jeder Apotheke und Drogerle, außerdem In den Drogenabtellungen der größeren Berliner Warenhäuser Mit diesen drel Präparaten zusammen, die selbstverständlich auch einzeln zu haben sind, können Sie nicht nur Ihre Hühneraugen beseitigen, sondern eine richtige KukirolFußpllege- Kur machen. Es gibt nun- zwar nicht viele, aber immerhin doch einige Verkäufer, dle, sobald ein Kunde Kukirol, verlangt, Dinge reden, um die sie niemand gefragt hat, und dabei eins von den weniger guten Präparaten anbieten mit der Behauptung, es sei ,, auch sehr gut". Im stillen denken solche Verkäufer: ,, Für dich Ist's lange gut, du kommst ja doch nicht wieder, also kann ich heute einmal ein paar Piennige mehr verdienen." In der Meinung, das Publikum könne nicht selbst denken, erzählen sie ihm: ,, Kuklrol, warum denn gerade Kukirol? Das kauft doch jeder. Frau Nachbar'n, nehmen Sle mal dleses hier, das ist auch sehr schön. Bel Kukirol müssen Sle bloß die Rehklahhmeh( Reklame) mltbezahlen." Das ist natürlich, wie leder gebildete Mensch längst welß, glatter Unsinn. Es träle nur zu, wenn die Kukirol- Fabrik nicht die gewaltigen Umsätze erzielte, die jährlich mehrere MI Ilonen Goldmark betragen, und über dle sich diejenigen, dle dle gewaltige Ausdehnung der Kukirol- Fabrik gesehen haben, nicht mehr wundern. In dem oben abgebildeten, mit Rücksicht auf den hierfür zur Verfügung stehenden Raum recht klein erscheinenden, In Wirklichkelt aber 37 m langen und 13 m tlefen, dabei Insgesamt 6 Geschosse umfassenden Fabrikgebäude steht neben zahlreichen anderen Maschinen auch eine Spezialmaschine, die an einem einzigen Tage etwa 20 000 Beute! Kukirol- Fußbad füllt und diese Beutel auch gleichzeitig automatisch schlleßt. Wir versenden unsere vlelmilllonenfach bewährten Prä parate waggonweise in alle Telle der Welt. Die Postverwaltung Ist gezwungen, In Groß- Salze ein neues Postamt zu bauen, um unseren Riesenversand be wältigen zu können. Bel solchen Umsätzen in wirklich guten Präparaten ver teuert elne erfolgreiche Propaganda die Ware nicht, sonderr verbilligt sle. Sich regen, bringt Segen, und ohne gewaltige Anstrengungen können selbstverständlich solche Umsätze nicht erzielt worden. In Amerika wels ledes Kind, daß nur rührige Fabri kanten auch die beste Ware Hefern, ganz einfach deshalb, well sich für schlechte Ware dle Propaganda höchsteneinige Monate lohnen würde, nicht aber, wie es bisher bel der Kakirol- Fabrik der Fall war, etwa 6 Jahre lang. Das alles wissen die Verkäufer, dle behaupten, Kukiro werde durch die Reklame vertenert, genau so gut wie das intelligente Publikum. Da sie sich aber für die Gescheiteren halten, und da einige ganz besonders Kluge sich sogar In ihren Kreisen öffentlich rühmen, den tüchtigen Verkäufer erkenne man daran, daß er dem Publikum etwas anderes zu verkaufen verstehe, als es eigentlich wünsche, so versuchen es einige Immer wieder. Diese gewiß nicht reelle Denkungsweise wollen wir gebührend kennzeichnen und setzen deshalb folgendo Prelse aus: Einen ersten Preis im Betrage von 1000 Goldmark M. 1000 zweiten dritten " 99 99 " 99 750 500 99 99 " 99 9 99 99 99 750 » 500 99 vlorten 99 99 9 99 350 99 350 ferner: Zwei Preise im Betrage von le 250 Goldmark M. 500 669 44 50 100 4400 99 9 29 " 99 99 99 99 50 "" 2500 99 " 10 000 also Insgesamt: 100 Preise Im Gesamtbetrage von Goldmark s Preisthema lautet: 99 Was würden Sie einem Verkäufer antworten, der Ihnen, wenn Sie elas der drel Kukirol- Präbarate verlangen, anstatt dieser guten, echten Kukirol- Präparate etwas anderes aufzureden versucht?" Antwort soll möglichst kurz, witzig und wirksam seln. Sie soll für den Verkäuler, der Sle für weniger Intelligent hält als sich selbst, eln rednerischer Kinghaken" seln. Sie sollen dadurch die Lacher auf Ihre Seite bringen. Bedenken Sie dabel, daß nicht nur Sle diese Preisfrage studieren, um dle 1000 Mark zu verdienen, sondern daß auch dle Verkäuter, die sich mit diesem Preisausschreiben schr eingehend beschäftigen, sich genau überlegen werden, wie ste einen solchen Hieb( Marke Breltensträter, aber ohne Fausthandschuh) am besten parleren. Der Witz muß also sehr schlagfertig sein, so echt berlinerisch, daß, wenn Ste lan bel einem solchen Verkäufer anbringen, diesem gleich Hören und Sehen vergeht. Sein Gosicht muß 30 lang werden wie eine Wahlliste, und alle Anwesenden müssen mindestens In eln 15-20 cm bretes herzliches Lacben ausbrechen, so daß die Ohren Besuch krlegen. Präparleren Sle cline solche, den Verkäufer nlederschmetternde Antwort, und Sie verdienen sich eine Summe, von der manche Beamtenfamilie ein halbes Jahr leben muß. Selbst die größten Redner( von Dauerrednern ganz za schwelgen) haben noch nie einen solchen Betrag für wenige Worte bezahlt bekommen. Hier kann lede mit Mutterwitz begabte Person eine größere Summe verdienen. Sie darf elbstverständlich nicht auf den Mund, oder den sogenannten Brägen gefallen sein. werden Die besten, preisgekrönten Einsendungen wir nit den Namen der Preisträger veröffentlichen. Nur Einwohner Groß- Berlins können sich ad dlesem Prelsbusschreiben betelligen. Die näheren, leicht, zu erfüllenden Bedingungen veröffentlichen wir in Kürze. Kukirol- Fabrik Kurt Krisp Verkaufsbureau Berlin W. 62, Kleiststraße 23, I. Telephon: Stephan 5471. Stammhaus Groß- Salze bei Magdeburg. GU Arbeiter- Sport Reichspräsident und Arbeitersport! ujs neue steht das beutsche Bolf vor einer großen Entscheidung burch die Wahl des Reichspräsidenten der deutschen Republit. Zmei große Heerlager werden den Entscheiburgstampf führen; auf der einen Seite die Anhänger des alten Obrigkeitsstaates, Monarchisten, Militariften, Großfapitalisten, Großagrarier, alio der gefamie reattionare Regis blod; auf der anderen Seite die Anhänger der nach dem Zusammenbruch 1918 erstandenen jungen Republi? auf demokratischer Grundlage, die Masse ber politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten smd Beomien, das freiheitlich gesinnte Bürgertuan, alfo der gesamte Sintsblod. Der Kampf geht nicht um die Borte: Republik ober Monarchie?", sondern um den Inhalt unferes neuen BoltsStaates, um die sozialen Errungenschaften, gleichberechtigte Mit arbeit der großen Masse in Reich, Staaten und Kommunen, Aufrecht erhaltung hes freien und gleichen Wahlrechts für Männer und Frauen, Abwehr der reaktionären Bersuche, die Lasten des WeltPrieges ftatt den Kriegsgewimlern ber proletarischen Maffe aufzuer Legen, Reaktion war. non Berlin Bundessorigenber Röhler, soit Cbetswalde Droguin. Die RT 1 Be meinetimaft im Bezirk Westen errang Schieb du se init 3487 Sols. In Gruppe A famen weiterhin S. d. F.( 8482), Dinle Ede( 8469), Freie Bohn ( 3448) und um ihn 18/19 3401 Sols). Cobin( S. d. f.) erzielte 721 Holz ver Schwachenwalb mit 719 Sola. Freie Turnerschaft Charlottenburg. Die Mitgliederversammlung findet nicht am 25., fondern an 18. April im Birnbaum, Guerideftr. 13, abends 8 Uhr, statt. Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Marubern des Rudervereins Collegia, e. B., Charlottenburg( Bootshaus Riefwerber 7a bei Spandau) findet am Sonntag, den 13. April, ftatt. Sizung leben Freitag 8% libt im Restaurant Thuned, Charlottenburg, BieYanbitt. 4. Dortselbst Aufnahme neuer Mitglieder. Bereinsaufchrift: Walter Saumann, Berlin, Borhagener Str. 24. Freie Zuznezschaft Lichtenberg- Friedrichsfelbe. Freitag, den 17. April, von 8-10 Uhr, in der Turnhalle von 2. Bezirf, Bartaut, Rufammenturnen Der Bereins- Männerredriege und der Vereins- Jugendbarreuriege, die am 18. April zum Saalsportfest hei Tempel. Friedrichsfelde, Brinzenallee, turnen. Montag, ben 20. April, 7% Uhr, tm Lotal non S. Wegener, Frankfurter Auce 286, Sigung des erweiterten Techniferausschusses. zu erscheinen haben die Vereinsturnwarte für Männer, Frauen, Jugend und Kinder, der BereinsSport- und Spielwart, der Bereinsgerätewart, der Obmann der Breffcrommillion, ie ein Obmann ber brei Fußballabteilungen, die Bezirksturnwarte und her Frauenturnaussous. Cine befonbere Einladung erfolgt nicht. Arbeiter- Sport- und Kulturfarten Sichterberg, 17. Berwaltungsbezirk. An Sonnabend. ben 18. Avril. abends 8 Uhr, findet bei Tempel, Friedrichsfelde, Es mizden mit Artisten. Turner, Rade Brinzenallee, das Saalsportfeit statt. Anschließend Tanz Eintritt fahrer, Athleten, Ringer, Jiu- Jitsuer usw. Da folgende M. Das Erscheinen aller angeschloffenen Organisationen fit Bflicht. Der Uebersdug ist für die Arbeitersport- Zeitung bestinant. Organisationen, tros schriftlicher Mahnung und Aufforderung, fich der Kartell Abhilfe dieses Rofstandes plant die Stadt Berlin das Aufstocken von 50 Turnhallen. Bewilligt ist das Aufstoden aber zurzeit nur für fünf Turnhallen, und während der Umbauten werden wieder diverse Abteilungen obdachlos. Jede Unterbrechung des regelmäßigen lebungsbetriebes schädigt bie davon betroffenen Abteilun sen auf das schwerste. Die mühevolle Arbeit der Turnwarte im Interesse der Jugendpflege wird dadurch fortgesezt illusorisch gemacht. Diese scharfen Bestimmungen find wohl in der Hauptsache barauf zurückzuführen, daß Zeit zur genügenden Reinigung der Turnhalen geschaffen und den Hausmeistern auch in ber Modhe cin freier Lag gewährt werden soll. Aber diefes Ziel geht auch auf anderem Wege zu erreichen, nämlich dadurch, daß der Turnfpielerei ber Jugendflubs und Schulver eine ein Ende gemadjt wird! In der größten Anzahl diefer Klubs" und sogenannten„ Bereine" fann von einer fyftematischen Körperpflege gar keine Rede sein. Entweder sind es Spielereien von Jugendlichen oder Liebhabereten von einzelnen Lehrern oder Lehre rinnen, die bas dringende Bedürfnis haben, einen eigenen Laden" aufzumachen. Da turnen" dann Jugendliche und Kinder bunt burcheinander, der Leiter erscheint zumeist gar nicht in Turnfieidung, sondern spaziert in Straßenffeidung in dem Saal herum. Wir haben in Berlin eima 150 folcher Jugendklubs, dazu in fast jeder sogenannten Bereine die Anzahl von 30 aftiven Teilnehmern auf Schule noch Schulvereine"! Dabei dürften nur ganz wenige diefer bringen, deshalb werden auch Kinder und Erwachsene noch mit einbezogen, um einigermaßen diefe 3ohl zu erreichen. Diesem ganzen Unfug wäre fängst ein Ende bereitet, wenn die Turnvereine GroßBerlins fich einmal zu einer einheitlichen Aktion zusammenschließen würden, mit der Forderung: Die Turnhallen müssen in erster Linie den in großen Turnverbänben zusammengeschlosse nen Bereinen zur Verfügung gestellt werden, da hier einzig und allein eine systematische Rörperpflege betrieben mird!" In dieser Frage müßten die Arbeitersportler gemeinsam mit den bürgerlichen Turnverbänden vorgehen, um endlich der die All- Mittwoch, den 22. Aprit, abends 7 1hr, in der Aula Straßmannstr. 6, Ber gemeinheit schädigenden Bereinsmeierei und der Turnhallenknappheit ein Ende zu machen. Fortbildungslehrgänge für Herzte in Leibesübungen. Die gefante Realtion holt zum ersten energischen Schlage aus. Alle die Helden", die nach der Revolution mit oder ohne blaue Brille flüchteten, glauben sich wieder start genug, um bas Boll in die alten Fejfein der Anechtschaft zu schlagen. Rotleidende Indu strielle und Agrarier werfen Millionen ins Sand, faufen die Lages preffe auf und arbeiten mit allen Mittein der Berleumdung und Demagogie, um die Republik zur Attrappe der alten wilhelminifchen Sera zu machen. Ind dabei foll das merftätige Bolt bebfiflich fein! Man rechnet auf die Bergeßlichkeit der Masse, Die heute schon alle die Leiden vergeffen hat, die ihr gestern zugefügt wurden. Diefe gleichgültige Maffe foll am 26. April dem Helden des Beftfrieges ihre Stimme geben, jenem bedauernswerien echizigjährigen Greile Hindenburg, der schon während des Welt. frieges nur das Aushängeschild der militärischen und kapitalistischen Arbeitersporiler, feld auf der Hut! Schon regen sich die Kräfte her Borfriegszeit, die mit Iurnverboten den Kampf gegen mure Organisation aufnehmen.. In Bayern, dem Ideal der Firma Ludendorff- Hindenburg, verbietet man den Arbeiterturnvereinen bas Jugend und Kinderturnen, entzieht Turnhallen usw. unter den Die fich immer stärker ausbreitende Pflege der Leibesübungen gleichen Borwänden mie in der Borfriegszeit. In den ofteloischen hat in meitesten Sport? reisen den Wunsch hervorgerufen, ärzt Gefilden ist man feit längerer Zeit mit den gleichen Mitteln tiein fiche Ratgeber beim praktischen Betrieb zur Verfügung zu ficher Schifane bemüht, den Arbeiterrereinen das Leben so schwer haben. Der Arbeitersport hat anläßlich der Arbeiter Bintersportwie irgend möglich zu machen. Und die Simgbeutschlandverbände Diympiade in Schreiberhau bereits ärztliche Untersuchungen vor bringen sich bereits wieder in empfehlende Erinnerung. Die Deutsche nehmen lassen. Leider stehen gerade den Arbeitersportvereinen, fast Turnzeitung brachte anläßlich des ersten Wahlganges bereits einen gar feine Bergte zur Berfügung, während der bürgerliche Sport in Wahlaufruf, der alle deutschen Turner auffordert, vollzählig zur dieser Beziehung wesentlich günstiger gestellt ist. Es sei daher an Wahl zu gehen und nach eigenem Gewißen zu wählen, gleichzeitig biefer Stelle an die Aerztejchaft, besonders die parteigenössischen cher mit ciner eingehenden Empfehlung des Rechtsblodfandidaten. Aerzte, aber auch an Studierende die Bitte gerichtet, im Interesse des So heuten alle Anzeichen darauf hin, was dem Arbeitersport benor Boltswohls fich den Eportorganisationen zur Verfügung zu stellen. steht, wenn die Rechtstreife in noch größerem Maße als bisher die Um das Interesie der Aerzte für das Gebiet der Leibesübungen Staatsgewalt in die Hand befommen. zu fördern, hat der Minister für Bolkswohlfahrt zmei Fortbit. Arbeitersportler, tut eure Pflicht! is Borfämpfer für den freibungslehrgänge in Aussicht genommen, und zwir vom heitlichen Ausbau unserer jungen deutschen Republit im sozialistischen 6. bis 18. Juli d. 3. an der Breußischen Hochschule für Leibes: Sinne rufen wir euch zum Kampf gegen die Reaktion auf! Tragt übungen, Spandau, Radelandstr. 59, und vom 20. Juli bis 1. August nicht durch Gleichgültigkeit dazu bei, daß eure ärgiten Feinde wieder d. 3. an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, Charlotten. ens Ruber fomumen. Schließt die Bhalang mit dem sozialistischen burg 9, Deutsches Stadion. Die Lehrgänge find für beamtete Werzte, und demokratischen Deutschland, vereinigt euch mit den politischen für Schulärzte fowie für solche prattische Aerzte bestimmt, die im amb gewertschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft zu einer Turn, Spiel, Sport- oder Bandermelen sich bereits bewährt haben. geldloffenen Rämpferfar für die Erhaltung und Auch solche Polizeiärzte fönnen daran teilnehmen. Meldungen cus Den Ausbau der Republi!! Groß- Berlin werden bis zum 10. Mai d. I. entgegengenommen. Deutschböhmen für Luzern. Breg. 14. April.( Eigener Drahtbericht.) In Aufsig fand nom 11. bis 13. April eine außerordentliche Sagung des Turn- und Sportverbandes Deuficher Arbeiter in der Tschechoslowakischen Republit statt. Das Hauptintereffe beanspruchten die Berhandlungen bes Ostersonntags, in denen es zu einer ausführlichen Aussprache über die Stellung des Berbandes zu den proletarischen Bartelen fam. it 104 gegen 39 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen wurde beschlossen, die seit dem Jahre 1921 bestehende Neutralität, die sich in Laufe der Zeit als eine schwere Schädigung der Arbeiterturn bewegung erwiesen hatte, aufzugeben, fich rüdhaltlos auf den Boden der Luzerner Sportinternationale zu stellen und im engen Anschluß an die Londoner und mit er bamer Internationale zu arbeiten. Die Mitglieder des Verbandes find nunmehr verpfligh fet, im Sinne der Luzerner Sportinternationale su wirken, jede weitere Bropaganda für die Moskouer Spoitmernationale sicht hen Ausschluß nach sich. Aeußerst eindrudsvoll waren die Auss führungen des Bertreters der reichsdeutschen Arbeiterburner, des Genossen Gellert Leipzig, der scharf mit den Treibereien der roten Sportinternationale abrechnete. Mit den Rommunisten, so fchloß Gellert, gibt es nach ihrem Berhalten auch in der Turnbe wegung feine Zusammenarbeit. Neue Bestimmungen für Turnhallen. Die Stadt Berlin hat neue Bestimmungen für die Benugung ber städtischen Zurnhallen durch Vereine erlassen, die am 1. April b. J. in Kraft getreten sind. Die wesentlichen Zeile lauten: Gelangs- und Zeichenfäie werden ausnahmsweise, Turn hallen in der Regel nur für Zurn und Sportzwede bergeben. Sonn- und Feiertags foll in der Regel teine Benugung erfolgen! Mindestens an zwei Wochentagen sollen die Räume der Benuhang durch die Bereine entzogen werden. Turnhallen dürfen von Bereinen in der Regel nur bei Anwesenheit von mindestens 30 attiven Teilnehmern benugt werden. Bei der Ueberlaffung von Aulen, Klassenzimmern, Turnhallen, Schulhöfen usw. an Jugendabteilungen, Turnvereine usw. sind die Räume bis zur Anwesenheit Erwachsener nicht zu öffnen. Unentgeltli ist die leberlaffung der Schulräume für die Benugung von Klaffenräumen und Turnhallen durch Jugendliche. Die Benutzungsgebühr für Turnhallen durch Erwachsene beträgt für je eine Stunde 53 Bf. Den Schulhausmeistern, Tarnhallenaufsehern, die mehr als zwei Rilometer von der Schule entfernt wohnen, find von ben Bereinen auch die Fahrtosten zu vergüten." Mit diesen neuen Bestimmungen hat die Stadt Berlin den Turnvereinen ein nettes Osterei beschert! Benn die Turnhallen an zwei Wochentagen ber Benuzung durch die Bereine ent 30gen werden, so werden dadurch eine große Anzahl Abteilungen obdachlos! Schon jetzt ist es nicht möglich, Turnhallen für den Bereinsbetrieb zu erhalten, da sämtliche Hallen befezt sind.. Zur Fabrikniederlage Berlin, Invalidenstrane 139 Pernsprecher: Herdea 11 120, 11 121 Freice Reglerbuah. 3 Stadtametitamoi Berlin- bers palbe, der am Rarfreitag in Gbersmelde stattfand, siegte die Berliner Sampfringe mit 7766 gegen 7261 Sola. Die besten Einzelleistungen erzielten nicht neu angeschlossen haben, find ab 10. April aus gefIoffen: 1. Arbeiter- Abstinentenbund, Gruppe Lichtenberg, 2 Rommunistische Jugend, 17. Areis. Folgende Organisationen baben Rarengzeit bis zum 22. April die Fragebogen einzufenden: 1. Arbetter- Wanderbund Naturfreunde, Gruppe Lichtenberg, Gosialistische Proletarier- Jugend Lichtenberg. Ebenfalls hiel ten folgende 8.- R.- Vereine nicht für nöfig. die Fragebogen auszuflen: 1. Saad- Eidienbera. 2. Sparta, familiche Abteilungen, Jugendkraft- Friedrichs. Es wird erwartet, daß aufmerksam machen. Ferner find die Beiträge( 10 Bf. für Mitglieder über felde, TC Britannia, Touristenverein Lichtenberg. die Mitglieder der genannien Vereine ihre Funktionäre auf ihre Pflichten 14 Jahre jährlich) fofort beim Rassierer Georg Gerhard, Rantitr. 3, abzuführen. 1. Rreis. Die Rreisschule der Jugendlichen turnt bereits wieder am Mittwoch, ben 15. April, in der Turnhalle Doucheftraße. Fichte, Musterriegenwetturnen am 19. April in der Prinzenfr. 10, nadjmitbags von bis 5 Uhr. Die Rampfrichter dag, für jede gemeldete Riene einer, treffer fich am Sonnabend, den 18. April. 7 Uhr, in der Geschäftsstelle und am Sonntag nachmittag um 1 Uhr in der Turnhalle. Die Riegen ireten un Buntt 2 Uhr an und turnen in drei Abteilungen. Freitag, den 17., werden in der Geschäftsstelle die Programme dazu und die Mitteilungsblätter abacholt. Ebenso find die ausstehenden Gharigelber einzuzahlen. Eintritt inkl. Brogramm 50 Bf. Anfchließenb im Gewerkschaftshaus, Gaal 1. Resultat verkündung und geselliges Beifammenfein. Eintritt frei. Frichte, 10. Gruppe: und die Mitglieder der Frauen und Männerabteilungen). Bortrag bes Sportgenoffen Rektor F. Gchmidt über„ Der Feind, den mir am tiefften haffen. Bortrag und Aussprache über proletarische Bildungsarbeit, Kirche, Schule, Berein. Alle Altersklassen müssen erscheinen. Fichte, 4. Gruppe: Mittwoch, den 22. April, 81 Ubr, Gruppenversammlung bei Gorgas. Diensfammlung aller Gruppenangehörigen( Rinder und Jugendliche mit ihren Eltern tag den 21. April, urut 10 Uhr. Bierteljahresversammlung der 4. Männerfommiffionsfigung nicht in der Geschäftsstelle, sondern bei Braffer, Michael firchi. 29. Am 18. Aprit Bierteljahresverfamanlung der 12. Männerabteiund bei Brozreda. abteilung. Berwaltungskommission: Am 15. April, 7 Uhr, Berwitungs Sport. Rennen zu Strausberg am Dienstag, den 14. April. 1. Rennen. 1. Diamant. Dersua), 2. Zorbas( Briehel). Bus sadis gef.( Hartmannshemi). Toto: 14:10. Drei liefen. 2. Rennent. 1. Drplib( W. Klose), 2. Ai me quid( Müschen). 8. 2orette( Thielemann). Foto: 48: 10. Blat: 29, 27: 10. Ferner Itef: Savitri 3. Rennen. 1. Miameidr( alter Saner), 2. Anarchist II( Billi Seuer), 3. Brise( Freytag). Toto: 34:10. Blak: 18, 15:10. Ferner lief: Wilhelma. Thielemann). Toto: 55: 10. Plot: 21, 21:10. Ferner liefen: Oceana, 4. Rennen. 1. Twoftes( B. Ludwig). 2. Biasti( Olejnil), 3. Meffina Drfaira. . Rene M. 1. Rilewitt( R. Edler), 2. Graciosa( E. Eichhorn): 3. Zauberflöte( Mela). Loto: 24:10. Blag: 14, 18: 10. Ferner Hefen Gebria, Sulbo, Lotterbube. 6. Rennen 1. Solider( D. Schmidt), 2. Chronos( Thielemann), 3. Rebes Trumpf( B. Ludwig). Zoto: 16:10. lag: 12, 24: 10. Ferner Itejen: Hanka, Merander der Große. 7. en te it. 1. Brimavera( E. Elchborn). 2. Maitrant( Deriel). Foto: 27: 10. Plak: 14, 18: 10. Ferner liefen: Küraffier, Shaun Aboo, Cistreiben. Nimmer zagen!- Immer wagen! 251. Preuss.- Südd. Staats- Klassenlotterie 550 000 Loss mit 195 606 in 5 Klassen verteilten Gewinnen d. 2 Främien. Die Loseenrah! basteht aus 2 Parallelabteilungen Io. I za je 275 000 Losen( Nr. 1 bis 275 000), also Doppelissen Ziehung I. Klasse bereits am 17. und 18. April Ziehung H. Klasse 15.u. 16. Mal, Zichung IN. Klasse 9. u. 10. Juni, Ziehung IV. Klasse 10. u. 11. Jull, Ziehung V. Klasse 11. bis 31. August Insgesamt gelangen zur Ausspielung über 38 Millionen Reichsmark Grösster Gewinn auf ein Doppelios 2 Millionen Reichsmark 2 Prämien ZU 2 Gewinne ZU 2 Gewinne zu 500000 500000 300000 M. Grösster Gewinn auf ein ganzes Los 1 Million Reichsmark 10 Gewinne 100000 ZU 4 Gewinne zu 14 Gewinne M. M. ZU 12 Gewinne M. ZU 2 Gewinne 200000. zú Lospreise für jede Klasse: Halbe 12 M. Viertel Ganze Lose 24 M. Halbe Lose Achtel 6 M. 1 3 Lose Ganze Doppelleze= 40 M. Lose 75000 50000 25000 Lospreise für alle 5 Klassen: M. ΣΣ M. M. M Ganze 120. Halbe 60M. Viertel 30 M. Achtel 15 M. M. Lose M. Lose Ganze Doppellose= 240.M. Lose Friedrich Müller Berlin( 19 Staati. Lotterie- Einnehmer Postscheck- Konto 31158 Endlif Sorby is Die Buste Jerusalemerstr. 18 nächst der Leipzigerstr. 3.8 ZIGARETTE LANDE WOOG ZIGARETTEN wood Nr. 176 42. Jahrgang Wirtschaft Die internationale Kohlenkrise. 2. Beilage des Vorwärts Der deutsche Rohlenbergbau leidet bekanntlich unter einer schweren Abfahtrise. Im Ruhrgebiet liegen trog der bereits eingetretenen Arbeitseinschränkung rund 8 Millionen Tonnen Kohle auf den Halden; die Absazschwierigkeiten wirten auch auf die Verhandlungen über die Neubildung des Rheinisch- Westfälischen Kohlen lyndifats zurück, die noch immer nicht vom Fleck lommen. Die Kohlenfrise, die in ihrer ganzen Schwere unsere Bergarbeiter jeti au ertragen haben, ist jedoch nicht nur auf Deutschland beschränkt, fie erstreckt sich vielmehr, wie die folgenden Feststellungen zeigen, auf die meiften europäischen Länder. Die englische Rohlenausfuhr ist neuerdings zurüdgegangen und betrug im Februar nur 4,3 Millionen Tonnen gegen 4.4 Millionen Tonnen im Januar, obwohl die Zechen bet sofortiger Abnahme der bestellten Mengen die Prämie auf% Pfund erhöht haben. Beunruhigt hat in Kreifen der englischen Exporteure auch die in Frankreich angekündigte Einführung einer ziemlich hohen Abgabe für Importtohle. Die Haldenbestände find bei den englischen Zechen bereits sehr bedeutend. Der Kohlenerport Eng lands ist bereits im Borjahre stark gesunten und betrug 61,6 Millionen Tonnen gegen 79,5 Millionen Tonnen pro 1923. Der Ausfall entfällt faft ganz auf die geringere Ausfuhr nach Europa( 49,9 Millio. nen Tonnen gegen 67,4 Millionen Tonnen pro 1923). In den polnischen Revieren sind troß Feierschichten die Grubendepots auf 1 Million Tonnen gestiegen. Auch der Absatz der tschechischen Reniere läßt riel zu wünschen übrig, und die meisten Gruben müssen bereits zwei Wochen schichten ausfallen lassen. Die Förderung der Ostrauer Reviere bleibt bereits hinter der vorjährigen Durchschnittsförderung um 1,7 Millio nen Tonnen Doppelzentner zurück im Monat. Die Vorräte sind besonders im Kofs sehr groß. 24 Proz. Dividende. Goldmillionen leicht ein Dußend gewinne gemacht. Bielleicht werfen die Obligationsgläubiger Die Frage auf, ob auch für die Roddergrube mit ihren 24 Proz. Dividende eine höhere Aufwertung als die der 3. Steuernotverord nung ,, untragbar" gewesen wäre. Mittwoch, 15. April 1925 Inflations. Marienthal a. d. Ahr anzulegenden Schnittmeingärten von amerikanischem Unterlagsholz fo auszugestalten, daß sie zum Teil auch die privaten Winzer an der Ahr mit Pflanzmaterial versorgen fönnen. Die Maßnahmen, die hier in Aussicht gestellt werden, find geeignet, der Krise im deutschen Weinbau zu steuern oder fie wenigstens zu mildern. Die deutsche Reichsbahn im März. Für die Reform des Affienrechtes. Im deutschen Aktienwesen haben sich seit den Inflationsjahren schmere Misstände herausSparer, für den die Aktie eine besonders wichtige Form der Kapitalanlage bedeutet, fommt unter den gegenwärtigen Berhältnissen nicht zu feinem Recht. Er hat vielfältige Schädigungen erleiden müffen und ist der Gefahr weiterer Benachteiligungen ausgesetzt. Die da durch hervorgerufene Beunruhigung droht den Kredit und die finanzielle Entwicklung der foliden deutschen Gesellschaften in Mitleidendaft zu ziehen und die gesamte deutsche Boltswirtschaft zu schädigen. Daher ist es dringend an der Zeit, Abhilfe zu schaffen. Aus dieser Ueberzeugung heraus hat eine Reihe von Persönlichkeiten der Wissenschaft und der Wirtschaftspraris die Gründung einer Bereinigung für Attienrecht" beschlossen, die auf dem Boden fachlicher Arbeit die Probleme flären und auf die Besserung der bestehenden Zustände hinarbeiten soll. Sie wird insbesondere geeignete Anträge bei den Organen der Gesetzgebung und Berwaltung zu stellen und auf eine Beseitigung mancher in der attienrechtlichen Bragis verbreiteten ungefunden Gewohnheiten hinzuwirten haben. Diesem Ziele foll namentlich eine fachtundige öffentliche Erörterung der schwebenden Fragen dienen. Interessenten richten Beitrittserklärungen und andere Buschriften an die Adresse des Herrn Rechtsanwalts Dr. Hoffnung, Berlin, Wilmers dorfer Straße 79. Der im Laufe des März regelmäßig einsehende stärkere Frühgebildet, bie auch bei uns lebhaft fritifiert worden sind. Der deutsche jahrsverfehr verzögerte sich infolge der plötzlich auftretenden Rälteperiode. Dies führte jedoch wiederum zu einem stärkeren Bezug pon Kohlen zu Hausbrandzweden und begünstigte durch den Schneefall die Holzabfuhr aus dem Balde und ihre Berladung. Als Folgen des milden Winters waren nicht unbeträchtliche Eingänge von Blod eis für das Binnenland aus Norwegen in den Seehäfen festzustellen. Nach den vorläufigen Ergebnissen der Wagengestellung find im Monat März über 307 000 Wagen mehr als im Februar gestellt worden, d. i. eine arbeitstägliche Berfehrszunahme von 1,2 Proz. Der Frachtstück gutvertehr stieg 3. T. um 15 bis 25 Broz. Die Bagengestellung begegnete feinerlei Schwierigteiten. Hinsichtlich der Massengüter ist auf folgendes hinzinweisen: Die Absazkrije im Ruhrfohlenbergbau hat sich gesteigert. Feier schichten mußten in immer größerem Umfange eingelegt werden. Die Haldenbestände an der Ruhr stiegen auf 7 500 000 Tonnen von 5 800 000 Tonnen im Februar gegen 1589 000 Tonnen Ende 1913. Der arbeitstägliche Versand aus dem Ruhrgebiet ist schmächer geworden. In den übrigen Rohlengebieten hat der Versand um ein Geringes zugenommen und zwar hauptsächlich infolge des erhöhten Bedarfs zu Hausbrandzweden nach Eintritt der Märzfälteperiode. Auch in Deutsch Oberschlesien stiegen die Halbenbestände weiter an. Bei der vorgeschrittenen Jahreszeit nahm auch der Versand on fünstlichen Düngemitteln besonders in der zweiten Hälfte des Monats ab. Wenig Veränderungen zeigten sich im Versand von Brotgetreide, Mehl und Zucker. Der Zementbedarf blieb hinter den Erwartungen zurück. Die Bautätigkeit leidet unter der neuerdings aufgetretenen allgemeinen Leuerung aller Baustoffe. Es wurden nur 3200 Wagen 3ement mehr als im Bormonat zur Beförderung aufgegeben. Der Eisenbahnbetrieb war im Monat März im allgemeinen flüffig. Die Stärke des Güterzugverkehrs war nahezu die gleiche wie im Bormonat. Die Gilgüterzüge wurden zur Verbesserung der Beförderungsmöglichkeiten, insbesondere auch für Gemüse, Mitte März ab vermehrt und befchleunigt. Auch im Fahrplan der Durchgangsgüterzüge, 3. B. Oberberg- Brodou Hamburg, fonnten Berbesseringen erzielt werden. Neue regelmäßige Bichzüge wurden zur Entlastung der Eilgüterzüge für den Nord Süd- Berfehr eingelegt. Soviel tönnen die Braunfohlen und Brifettwerte Roddergrube A. G. in Brühl für das Geschäftsjahr 1924 ihren Attionären auszahlen. Das sind auf 1000 m. nominal 240., auf 18 Millionen Mart Aftienfapital 4,32 Millionen oder fast ein Biertel des Aftientapitals. Da der Reingewinn nach 3,4 Millionen Mark Abschreibungen 4,8 Millionen Mart beträgt und die ordentliche Reserve von 5 Millionen un perändert getassen ist, bleibt rund eine halbe Million Reichsmart für Borstands und Aufsichtsratstantiemen. Diese 24 Proz. Dividende find erwirtschaftet trotz des mehr als Die Entwicklung des Kunze Knorr- Bremsbetriebes fechswöchigen Streits der Belegis aft gegen die Berschreitet fort; rund 96 Proz. der deutschen Wagen waren mit der längerung der Arbeitszeit, die unter dem Zwange der K- Bremse oder Luftleitung ausgerüstet. In den Zügen waren rund 77 Proz. der Wagen an die Luftbremse angeschlossen. Wirtschaftslage notwendig" geworden sei, wie der Geschäftsbericht Der Personenverfehr war etwas lebhafter als im Vorjagt. Die 24 Broz. Dividende sind jedenfalls eine Illustration monat. zu der unter dem 3mange der Wirtschaftslage notwendig gewordenen Arbeitszeitverlänge rung, die sich die Arbeiter und Angestelltenschaft merken wird. Für die Höhe der Dividende beruft sich die Gesellschaft in ihrem Geschäftsbericht allerdings auf ihren Interessen und Betriebsgemeinschaftsvertrag mit der Rheinisch- Weft fälischen Elektrizitätswerte A.G. in Effen, die ihr für die ersten zehn Jahre des Interessengemeinschaftsvertrages eine Dividende Don 24 roz. garantiert und zwar gegen das Recht, nach Berlauf 10 Jahre sämtliche Aktien der Roddergrube zu erwerben. Diese Berufung auf die Garantie des Interessengemeinschaftsvertrages hätte sich die Gesellschaft schenten können; denn die Garantie wurde nicht wirksam, weil der Nettogewinn an sich höher ist als die Dividendengarantie. Die Höhe der Dividende, die noch um 10 Broz. höher liegt als die letzten Borkriegsdividenden( 12 und 15 Bros.) ist an fid) nicht verwunderlich. Hat doch die Bertriegsproduktion an Roh braunkohle von 3,7 millionen Tonnen sich bis zum Jahresschluß 1924 auf 8.6 Millionen Tonnen erhöht, während das Bor friegsfapital non 21 Millionen und fast 6 Millionen Obligatio: nen in der Golberöffnungsbilanz auf 18 Millionen reduziert wurde; ein Bermeis dafür, welche immens hohen stillen Referven die Gesellschaft in ihrer Eröffnungsbilanz verborgen hat, und ein Schulfall dafür, wie das Steuerinteresse des M Die Berwendung von Aluminium macht immer weitere Fort schritte. Go nimmt es fein Wunder, daß die Aluminiumindustrie Aktiengesellschaft Neuhausen fich einer günstigen Entwicklung erfreut. Besonders viel erwartet man von der weiteren Ausdehnung der Automobil- und Flugzeugindustrie, die das Aluminium in erheblichem Maße als Rohmaterial zur Verarbeitung verwendet. Die steuerliche Belastung dürfte zu einer Umorganisation des Unternehmens führen, und zwar derart, daß entweder Beteiligungen abgetreten werden oder der Siz der Gesellschaft verlegt wird oder das Unternehmen in eine Holding Gesellschaft umgewandelt wird. Der Bruttoertrag des Unter nehmens ist von 14,1 Millionen im Vorjahr auf 20,5 Millionen ge stiegen. Infolge des Ridganges des englischen Pfundes hatte die Gesellschaft von den höheren Berlaufspreisen feinen Rußen. Die Beteiligungen fehen sich wie folgt zusammen: 7,9 Millionen Schweizer Beteiligung, 1,8 Millionen deutsche Beteiligung und 0,2 Millionen französische Beteiligung. Für die deuifchen Beteiligungen mußten 1,875 Millionen Industriehypotheken gezeichnet werden. Die deutsche Hypothet auf Golpa- Tschornewig ist zurückgezahlt worden; sie stand mit 6 Millionen zu Buch. Die Gesellschaft hat hierbei 300 000 ch meizer Franten zurüdgezahlt. Zur Erweiterung ihrer Broduktionsbasis plant das Unternehmen Neuanlagen, die durch eine Kapitalserhöhung gedeckt werden sollen; sie dürften der Gesellfchaft 6 Millionen Frant einbringen. Ermäßigung der Dawesbelaffung für die Industrie. Beim Eindaß die Belaftung des Betriebsvermögens der nach dem Industriegang der Industrieobligationen aus dem Damesplan hat fich gezeigt, Industriezweige mit 17,1 Bros. einen lieberschuh ergeben hat. Dieser Ueberschuß gestattet eine Herabfebung der Industrielast ung s prozenijah sinkt dadurch von 17,1 auf 15,8 Proz. Damit obligationen um 8 Proz. ihres Rennbetrages. Der Befintt auch der Aufbringungsprozentia entsprechend, der für die gesamten Industries, Handels- und Berkehrsunterneh rücksichtigen die Unternehmer das für ihre Wirtschafts-, Steuer- und mungen mit über 20 000 m. Betriebsvermögen gilt. Hoffentlich behaben. Sozialpolitik. Die Arbeiterschaft wird sie sonst daran zu erinnern Amerikanische Rebpflanzungen an der Ahr. Wie in einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag ausgeführt wurde, sind die Winzerpflanzung ameritanischer Rebstäde genötigt. Der Anbau dieser an der Ahr infolge unausrottbarer Strankheit der Reben zur An fuchs station, und das Staatsministerium wurde gebeten, unReben stehe und falle jedoch mit der Unterstützung durch eine Berbelastungsgefeß vom 30. August 1924 der Belastung unterworfenen fuchsstation, und das Staatsminifterium wurde gebeten, un verzüglich die zu einer Erweiterung der bestehenden Einseiner Antwort weist der Breußische Landwirtschaftsminister darauf richiungen in Ahrweiler erforderlichen Schritte einzuleiten. In hin, daß die genannten Einrichtungen in Ahrweiler nicht staatseigener Statur jeien, sondern der Rheinischen Provinzial unterhält. Sollte diese Provinzialverwaltung ihre dortigen Ein verwaltung gehörten, die dort eine Wein- und Obstbaumschule richtungen durch vermehrte Anlagen von Rebiuttergärten aus amerikanischem Unterlagsholz zu erweitern beabsichtigen, so wird der Minister die der zuständigen Landesbehörde vorbehaltene Ge. nehmigung erteilen lassen, sofern die im allgemeinen Intereffe hieran zu füpfenden Bedingungen erfüllt werden. Darüber hinaus will der Minister erwägen, ob es angezeigt und möglich sei, die auf dem fürzlich vom Staate erworbenen Weingut in Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Staates durch die Bewertungsmethoden der Schwerindustrie Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels angesichts der Sicdung, die in der Krediteinräumung der ameri bei der Aufstellung der Golderöffnungsbilanz systematisch verletzt worden ist. Die Roddergrube A.-G. beschäftigt heute 3231 Arbeiter und Angestellte gegenüber 1527 im Jahre 1913. In ihren vier Abteilungen Roddergrube, Brühl, Vereinigte Bille und Berrenrath mit einer Sohlenmächtigteit von 35-40 Metern und einem Deckgebirge, das überall den Tagbau erlaubt, in 13 Brifettfabriken mit eima 106 Breffen birgt sie heute eine Förderfähigkeit von 10 Millionen Tonnen Braunkohle und eine Britetlier fähigtett von 1,8 Millionen Tonnen jährlich. Die Produktionsfähigkeit wurde im Jahre 1924 mit 8,6 millionen Tonnen Braunfehle und 1,3 Millionen Tonnen Briteits aus genußt. An dem Rohfohlenabjah des Rheinischen Braunkohlensyndi fats Köln war fie 1924 mit 56 Broz.( in den beiden Borjahren 35,2 und 43,3 Broz.), cm Brifettabsag mit 20,5 Proz.( 21,4 und 21,1 Proz.) beteiligt. Die Verlängerung der Arbeits6 eit allein fcheint der Gesellschaft einen Abbau der Belegschaft um menigstens oder 20 Pro8. erlaubt zu haben. Auch die Obligationsgläubiger fönnen aus den Be schäftsberichten der Roddergrube eine wertvolle Belehrung über die Gewinne der großen Industriegesellschaften aus der Inflationswirt schaft erhalten. Die Roddergrube- Bilanzen der Borkriegszeit weißen etwa 6 Millionen, die Bilanz von 1921 meist 22,3 millionen festverzinsliche Anleiheschulden der Roddergrube aus. Ende 1923 find mit starten Entwertungsgewinnen davon über 11 Millionen getilgt und weitere 10,7 Millionen noch ausgewiesen. In der Golderöffnungsbilanz sind auch diese 10,7 Millio nen zusammengeschmolzen auf ganze 700000 Reichsmart, während für die Obligationensteuer 873 000 m. zurückgestellt sind. Die Roddergrube hat also auf Kosten ihrer Obligationsgläubiger viel per Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose. 19.30 24,75 Gerstengrütze, lose.. 19,00- 20,50 Haferflocken, lose... 20,60-20,50 Hafergritze, lose... 22,25- 23,00 Roggenmehl 0/1... 18,00-19.50 Weizengries 22,00-24,00 Hartgrieß 25,00- 27,50 19,00-20,50 21,50- 25,00 70% Weizenmeh! Speiseerbsen, Viktoria 16,50- 21,00 Weizen Auszugmehl Speiseerbsen, kleine. Bohnen, weiße, I erl. 20,00-- 21,50 Langbohnen.handvert. 27,00-29,00 Linsen, kicine Linsen, mitte! Linsen, große. Kartoffelmehl 18,00-23,50 39,25-43,00 44.00- 52,00 20,50-23,73 Makkaroni, Hartgrieß. 45,00-$ 8,50 Mehlnudeln,... 25,30- 29,00 Eiernudeln ****... 44,25- 71,00 15,00-15,75 17,75-18,75 Bruchreis Tafelreis, glasi. Patna. 24,50 32.00 Rangoon Reis Tafelreis, Java 32,75-39,75 Ring& pfel, arnerik. 74.50-29,00 Getr. Pilanmen 90/100 38,00-40, 0 Pflaumen, entsteins.. 74,00 78,00 $ 7,50-62,50 Cal. Pflaumen 40/50 Rosineni Kist., Candia. 60,00 75,00 Sultaninen Caraburnu, 70.00-89,00 Korinthen, choice. 49,00-68,00 Mandeln, süße Bari.. 188,00-200,00 . Mandein, bittere Bari. 135,00-198,00 Zimt( Cassia). 100,00-10,00 Kümmel, holländischer 44,00-47,00 Schwrz Pfeffer Singap. 95,00-100,00 Weißer Pleffer. 148,00-160,00 Rohkaffee Brasil 210,00-236,00 Rohkaffee Zentralam 230,00-320,00 Röstkaffee Brasil... 250,00-300,00 Röstkaffe Zenetralam. 315,00-400,00 Röstgetreide lose 21,00- 22,00 .. 35,00-39,25 33,00-34,00 31,00-36,75 25,00- 28,00 84,00-94,00 35,00- 40,00 37,00- 52,00 3,10- 3,60 3,70- 4,20 4.40- 5,00 5,20 5,80 91,00- 91,50 91,75- 92,25 89,00 Kakao; fettarm..... 50,00-90,00 Kakao, leicht. entolt.. 95.00-120,00 Tee, Souchon, gepackt 380,00-405,00 Fee, indischer, gepackt 413,00-475,00 inlandszucker bas mel. 81,75-83,75 Inlandszucker Raffina. 32,50-33,25 Zucker Würfel...... Kunsthonig Zuckersirup hell L. Elm. Speisesirup dunk.i.Eim Marmelade Einfr. Erdb. Marmelade Vierfrucht Pflaumenmusi. Eimern Steinsalz, in Säcken. Siedesalz in Säcken Bratenschmalz I, Tiers. Bratenschmaiz i. Kübl. Purelard in Tierces Purelard in Kisten. Speisetalg in Packung Speisetalg in Kübeln Margarine, Handelsm. i 65,00 desgl. 11. Margarine, Spezialm. 80,00-34,00 desgl. II. 69,00-71,00 Molkerei butterli, Fäss. 181.00-187,00 Molkerelbutter, i. Pck 192,00-196,00 Molkereibatter fiai. Ps. 172,00-180,00 Molkereibutter, I.Pck. 178,00-185.00 Auslandbutter in Fassr 192,00-203,09 Corned beef12/ 6 lbs p.K. 38,00-42,00 Ausl.Speck, geräuchert 95,00-101,00 Quadratkäse. 25,00 36,00 Tilsiter Käse, vollfett Echter Emmenthaler 165,00-173,00 Echter Edamer 40%- 105,00-110,00 89,50-92,00 65,00 66,60 60,00 63,00 120,00-132,00 20% 70,00- 75,00 Aust, ungezucker. Condensmilch 48/16 20,00-22,50 Inl. gez. Conds-M.48/ 14 21,00 25,00 ... Nehmen Sie Biomalz Umerikanische Banken in Dentschland? Kürzlich hat eine amerikanische Finanzgruppe die Mehrheit der Halleschen Effekten und Bechselbank erworben. Dieselbe Gruppe soll sich nun audy den entscheidenden Einfluß auf das Berliner Banthaus 2. Busse u. Co. gesichert haben und zwar mit der Absicht, das Berliner Bankhaus zur deutschen 3entrale für die finanziellen Unternehmungenderameritanijen Finanzgruppe auszubauen. Die Nachricht überrascht etwas fanijchen Bantmelt gegenüber Deutschland eingetreten ist. Da diese Stoffung nicht zuletzt auch durch die große Entfernung des ameri fanischen Kapitalmarktes von seinen deutschen Kreditobjekten ver anlaßt ist, darf diese Interessennahme amerikanischer Finanzgruppen an deutschen Banfen wahrscheinlich ais ein Verfuch betrachtet werden, diese Schwierigkeiten durch dirette Informationen und birette Rapital permittlung zu überwinden. Ein Weg, der immerhin besser und billiger fein dürfte, als der von anderen amerikanischen Finanzkonfortien ins Auge gefaßte, die Amerifafredite an Deutschland über englische Banten zu leiten. Auslandsaufträge für die Waggon- und Schiffsindustrie. Bie gemeldet wird, haben die bulgarischen Staatseisenbahnen bei ber Eisen- und Stahl- A.- G., Wien, die eine Tochtergesellschaft des OttoWolff Konzerns ist, 2250 Baggons bestellt. Die Sannoversche Waggonfabrit A... hat von der Berwaltung der Staatlich- Türkischen Eisenbahn in Kleinasien einen Auftrag für 460 Eisenbahnwaggons erhalten. Die Deutsch- Ameritanijoje Petroleumgesellschaft, Tochtergesellschaft der Standard Oil Company, gab der Germaniawerft Bauauftrag für sieben Tantdampfer Don 16 500 bzw. 12 000 Tonnen. Gegen flaallide Egporipramien wendet sich eine interessante Entscheidung des spanischen Wirtschaftsrates. Die spanische Regierung hatte fürzlich eine Summe von 6 Millionen Beletas als Exportprämie für die spanische Tertilindustrie zur Berfügung gestellt, um den hauptsächlich in Ratalonien anfäffigen Betrieben erhöhte konkurrenzfähigteit auf dem Weltmarkt zu sichern. unmehr hat laut Madrider Bericht des Konfektionär" der spanische Wirtschaftsrat entschieden, daß die Ausfuhrprämien fein ge. eignetes Mittel zur Lösung der Krise in der Textilindustrie bilden und daß daher das Exportprämiensystem fallen gelassen werde. wenn Sie Ihre Gefundheit und ein gutes, blühendes Musieben erhalten wollen. Ihre| Biomals fräftigt und erfrischt den ganzen Körper ungemein. Schlaffe, welle Züge Nerven erholen sich, Ihre Arbeitsfräft hebt sich. Sie leisten mehr in Ihrem Beruf. verschwinden, die Gesichtsfarbe wird frischer und rofiger, ber Teint reiner. Bei mageren, in der Ernährung beruntergekommenen| 2.20., mit Rolf extra( für Zungenteidenbe) 2,50 Mt. Man verlange nur bas ete Berionen macht sich eine Hebung des Appetite. des Getvicb18 und infolgedeffen eine Biomala. nichts anderes, angeblich Ebensogutes". Achte genau auf das Etifett. Drudmäßige Rundung der Formen bemerkbar, ohne daß überflüssiger und läftiger Fettanfaz fchriften versenden wir auf Wunsch umsonst und postfrei. die Schönheit der Formen beeinträchtigt. Biomalz ist allen durch eberarbeitung, Rrantbeit, Rerboiitat aeiwädten Berfonen zu empfehlen. Bon Professoren und Aerzten glänzend begutachtet. Erhältlich in allen Apotheken unb Drogerien. Breis einer Dofe 1,90 ML, mit Lecithin 5 Mt., mit Eifen( für Blutarme und Bleichsüchtige) d Ren: Biomala Bonbons, bestes Linderungsmittel bei Suften und Heiser feit, vorzüglicher Geschmad, je Beutel 30 Pf. und Biomala Sotolabe je 100- Gramm- Tafel 60 Bf. Gebr. Batermann, Teltow- Berlin 10. Biomalz E Aus der Partei. Der internationale sozialistische Kongreß. Die Geschäftskommission der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat sich in ihrer jüngsten Sizung neuerlich mit dem Datum des Internationalen Kongresses beschäftigt, un zu vermeiden, daß sich eine Kollision mit der Feier des vierzigjährigen Jubiläums der belgischen Arbeiterpartei ergebe, die am 15. und 16. Auguft in Brüssel veranstaltet wird. Um zu ermöglichen, daß möglichst viele Bertreter der sozialistischen Parteien aller Länder auf ihrem Wege zum Internationalen Kongreß an den Jubiläumsfeierlichkeiten der belgischen Bruderpartei teilnehmen können, beschloß die Geschäftskommission der SAJ., das Datum der Eröffnung des Internationalen Kongresses nicht, wie ursprünglich in Aussicht genommen, auf den 15. August, sondern auf den 22. August festzusetzen. Der Ort, wo der Kongreß stattfindet, wird von der Erefutive der SAI. in ihrer nächsten Sigung bestimmt werden. Fünfzig Jahre im Dienste der Arbeiterbewegung. Bor furzem waren es fünfzig Jahre, daß Genosse Eugen V. Debs, seit einem Menschenalter der Führer der amerikanischen Sozialisten, im Dienste der Arbeiterklasse steht. Er beging diesen Tag im Kreise der Genossen der amerikanischen Partei und erließ ein Schreiben an die Parteimitglieder, das er„ Grüße an meine Genossen" nannte und das ein wahrhaft rührendes Dokument der Treue zur Arbeiterbewegung ist. Es lautet: Heute ist der rote Tag im Kalender meines Lebens. Es ist mein fünfzigster Geburtstag als Mitglied der Arbeiterbewegung. Am Ende der ersten fünfzig Jahre gehe ich in das zweite Halbjahrhundert hinüber mit der flammenden Kampfbegeisterung eines revolutionären Kreuzfahrers, dessen Herz und Seele ter Sache gehören und dem Niederlage ein unbekanntes Wort ist und bleiben wird. Ich beginne das zweite Halbjahrhundert mit dem festen Entschluß, es zu vollenden, es sei denn, daß es vorher mit mir fertig wird. Ich beuge mich nur dem Tod und ihm auch nur im unbezwinglichen und unbezwungenen Geist des Sieges. Hier stehe ich an diesem Gedenktag inmitten meiner treuen Genossen von der Partei und erkenne und erkläre, daß ich mich aufs neue ihrem Dienst midmen will mit jedem Blutstropfen, jedem Funken Kraft und dem letzten Schlag meines Herzens. Hier ist unsere Sache; die Stunde ist da; die große Gelegenheit ist gekommen. Reicht mir die Hand, Genossen. Meine ist nach allen Seiten hin ausgestreckt. Niemals habe ich euch, niemais haben wir einander so nötig gehabt wie jetzt. Einigkeit ist unsere Losung. Vorwärts ist unser Ruf. Sieg ist unser Ziel!" Die Internationale an die effländische Sozialdemokratie. Am 9. und 10. d. M. fand in Reval der Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Estlands statt. Die Geschäftskommission der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat aus diesem Anlaß an die estländische Partei ein Begrüßungsschreiben gerichtet, in dem es heißt: Die Geschäftskommission ist sich vollständig der ganz außer erdentlichen Schwierigkeiten bewußt, die in einem kleinen Staate bestehen, der eben der Gefahr der Eroberung durch einen großen Nachbarn entronnen ist. Andererseits aber verkennt sie nicht die Gefahren, die aus dieser tragischen Lage entspringen, vor allem die Gefahr, daß die Panitstimmung der Bevölkerung von der Reaktion gegen die Interessen der estnischen Arbeiterklasse ausgenügt werden tönnte. Selbstbestimmungsrecht der Nationen in der Form der Autonomie In Estland wurde vor kurzem der Versuch unternommen, dem für nationale Minderheiten in einem Maße Raum zu schaffen, das noch nirgends sonst verwirklicht ist und bei den sozialdemokratischen Parteien Europas berechtigtes Aufsehen erregt hat. Möge es der estnischen Sozialdemokratie auch gelingen, möglichst bald wieder normale demokratische Bedingungen in der inneren Politik herzustellen und vor allem zu verhindern, daß die Abwehr des kommunistischen Putschverjuches in einen Rachefeldzug der Reaktion münde. Die Geschäftskommission erhielt beunruhigende Nachrichten über die Zustände in den Gefängnissen Estlands. Die Sozialistische Arbeiterinternationale hat das dringendste Intereffe daran, daß nichts in Estland geschieht, was eine Folie zu dem, was in den Gefängnissen Sowjetrußlands geschieht, bilden würde. Die Geschäftskommission hofft daher, daß es ihrem Parteitag möglich sein werde, in diesem Sinne zu wirken und damit den Interessen der politischen Gefangenen in den faschistischen und bolschewistischen Kerfern zu dienen, für die die Sozialistische Arbeiterinter-. nationale im Gegensatz zu den Kommunisten gleichermaßen eintritt. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsftelie: Berlin G. 14, Gebaftianfte. 37/38, Sof 2 r. Rameradschaft Wilmersdorf: Mittwoch, den 15. April, abends 7% Uhr, Antreten auf dem Sohenzollernplag zur Teilnahme an der Kundgebung in den Spichernfälen. Bollzähliges Erscheinen erforderlich. Sämtliche Fahnen mitbringen. Die Gruppenführer laden ein. Kameradschaft-Steglig: Donnerstag, den 16. April, werden beim Turnabend wichtige Mitteilungen Rame. radichaft Bankow ucbit Untergruppen: Donnerstag, den 16. April, abends ausgegeben. Vollzählige Beteiligung deshalb dringend erforderlich. 7 Uhr, Kameradschaftsvollversammlung im Türkischen Zelt, Bankow, Breite Straße 14. Sämtliche Mitglieder müssen erscheinen. Begetarier- Bereinigung Berlin. Mittwoch, den 15. April, abends 8 Uhr, bei Homann, Botsdamer Str. 26a, Vortrag des Herrn Alfred Grabe über „ Erkennung der Krankheiten aus der Regenbogenhaut des Auges". Fragenbeantwortung. Gäfle willkommen. Verein für Deutsche Schäferhunde( GV.), Ortsgruppe Moabit. Monatspersammlung am Mittwoch, den 15. April, abends 8 Uhr, im Infelrestaurant in Plögensee, Geestraße. Dafelbft Schuß- und Polizeihund- Uebungskurse für Mitglieder an jedem Dienstag und Freitag nachmittags von 6 bis 8 Uhr fowie Sonntags vormittags von 9 bis 12 Uhr..Auskunft daselbst. In der Gesellschaft für Sexualreform spricht am Donnerstag, den 16. April, abends 8 Uhr, in der Schulaula Friedrichstr. 126( Oranienburger Tor), Bictor Sutritt. Noad über Wohnungsnot und Unsittlichkeit". Eintritt 50 Bf. Gäste haben " Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, den 17. April, abends 8 Uhr, im Reichensaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53, 3 Tr., Versammlung. Frau Dr. Maria Lewin: Kindliche Charakterfehler". Eintritt frei. ftraße 11. Vortrag mit Lichtbild am 17. April. Arbeiter Radioklub, Bezirk 2idtenberg. Jeden Freitag 7% Uhr, WeichselBen der Partelen Gunft und Saß verwirrt, schwankt fein Charaffesbild in der Geschichte... Das mag auf manchen Großen der Zeit paffen, aber ben die Gefighte noch nicht das letzte Wort geforochen hat. Aber das Urteil einer 400 jährigen Geschichte fiebt nnumöglich fest und lentet: Die Schofolabe ist der Liebling bou Jung und Alt."- 3ore bote Entwicklung bat fie in der belanaten Tell Schotolabe" gefunden, welche bie in der Kataobohne enthaltenen Rährwerte za höchfter gefchmadlicher Bollendung veredelt.- Zell Ghetolaber bee Bartwig& Bogel A.-G., Dresden Generalvertretung: Beffer& Müller, Berlin S. 61, Bärwaldstr. 69. Fernraf: Umt Morigplatz 9651. Theater, Lichtspiele usw. omische Oper Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus 7% U.: Carmen Opernhaus Tägi. 7 Uhr: Cesar Borgia am Königsplatz von Victor Hahn 7 Uhr: Tiefland Else Heims. Bonn, Klein- Rohden, Loos, Schauspielhaus Th. Becker, Lange 7% Uhr: Sintilut Dieterie, Starnburg Schiller Theater 72: Charley's Tante Kleines Th. Gr. Volksoper im Theat. d Westens 74 Uhr: Troubadour Volksbühne 7½ Uhr: HAMLET Deutsch. Theater 8 Uhr: Oskar Wilde Kammerspiele 8 Uhr: Der Diener zweier Herren Die Komödie Kurfürstendamm 206/207 8 Uhr: Tägl. 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Die Großfürstin und der Zimmerkeliner Trianon- Th. Täglich 8 Uhr: Yoshiwara Arnold Kori! Kaiser- Titz Costa SCALA 8 Uhr: Der sprechende Affe VARIETETheater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Franziska Komödienhaus 8 Uhr: HAREM Berliner Theater 7.30 Uhr:. Anneliese v. Dessau Flose- Theater 7 Uhr: REVUE Residenz- Th. Tägl. 8 Uhr: Die Macht der Barmherzigkeit Graupen müller Leitner, Dieterle 8 U. Dir: James Klein 8 U. Ueber 200 mal Der Sensationserfolg d. Berliner Theaterlebens Die gewaltigste aller Revuen: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Ueber 250 Mitwirkende! Herabgesetzte Preise! Parkett 6 Mk. Sonntags 3'12 U. halbe Preise Jed.Erwachsene 1Kind frei! 2 WINTE PORTEN Enrico Rastelli im, Rahmen des unerreicht April- Spielpl. Stg. 31 halbe Prelse. Rauchen gestattet Apollo- Theater 8 U Dir: James klein 8 U Die Nächte v. Paris Gr. 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Wie schon der Name sagt, stammt der Vogel ursprünglich von den Kanarischen und diesen benachbarten Inseln, auf denen heute noch sein Stammvater, der grüngefärbte wilde Konarienvogel, lebt. Wahrscheinlich wurde er einstmals von den Bewohnern jener Inseln gezähmt und im Käsig zur Freude und Unterhaltung gehallen. Wie weit diese Zeiten zurückliegen, läßt sich nicht mehr feststellen. Vom Ende des 15. bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts sollen die Spanier einen eifrigen Handel mit wilden Kanarienvögeln ge- niebcn haben. Ein Jahrhundert hatten sie das alleinige Monopol. lTamit es ihnen nicht abgenommen werden konnte, führten sie zu- nächlt nur Männchen ein und liehen die Weibchen in ihrer Heimat. vm die Züchtung des Vogels zu verhindern. Dann aber machte ein Sturm auf dem Meere diesem Monopol ein Ende. Ein spanisches Schiff, das unter anderem eine größere Anzahl Kanarienvögel an Bord hatte, zerschellte an der italienischen Küste. Die freigewo'rdenen Vögel siedelten sich auf der Insel Elba an. Da auch einig« Kanarien- 'veibchen darunter waren, vermehrten sie sich infolge des ihnen zu- sagenden Klimas schnell, worauf die Italiener aufmerksam wurden. Auch sie machten aus dem Fang und Verkauf der Vögel ein Gewerb« und versuchten sie bald in Käfigen zu züchten. Die Zucht des Konarienvogels hatte sich schnell über Norditalien und einige Teile Deutschlands oerbreitet.. Sie nahm besonders in Tirol, Innsbruck, Augsburg und Nüniberg«inen großen Aufschwung. Ueber dies« Städte führten die großen Handelsstraßen, und der Absatz war ver- hältnismäßig leicht. Bereits am Ende des 18. Jahrhunderts bestand in Nordtirol eine Gesellschaft, die den Aufkauf gezüchteter Vogel betrieb. Die gezüchteten Vögel waren ursprünglich wie der wild« Kanarienvogel gefärbt. Bald aber traten in Folge der langen Ein- bürgerung gelb und grün gescheckte auf. Diesen fehlt an den gelb gefärbten Teilen der blaue Farbstoff, denn das Grün setzt sich aus Blau und Gelb zusammen. Die erst« Kunde von dem Austreten der Gescheckten stammt aus Nürnberg. In der letzten Hälft« des 17. Jahrhundert scheinen auch gelbe Kanarienvögel schon ollgemein bekannt gewesen zu sein, und neben ihnen wurde die Zucht von meißgefärbten betrieben. Letztere waren anfangs sehr selten, wurden aber später in Nördlingen häufig gezüchtet. In allerneuester Zeit ist auch die Zucht von blauen Kanarienvögeln gelungen. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts hat die Kanarienzucht einen großen Umfang angenommen, sie ist über alle Kulturstaaten verbreitet. Eine große Anzahl verschiedener Nasien, die sich durch Eleftalt und Färbung unterscheiden, sind gezüchtet worden. In Holland und Frankreich, in England und Deutschland finden wir heute Vögel, die eine größere Gestalt haben als die ursprünglich«. Andere wieder tragen Hauben auf dem Kopf und Federkrausen auf der Brust. Der gehaubte Kanarienvogel ist bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannt gewesen, und soll von Nürnberg noch Holland gebracht worden sein. Daneben wurde, besonders in Deutschland, viel Wert auf die Ausbildung des Gesanges gelegt. Heute gibt es eine groß« Anzahl von Stämmen, die sich besonders durch die Gesangstourcn unterscheiden. In letzter Zeit ist es auch gelungen, sogenannte.Nachtigallschläger" zu züchten. Außerordentliche Geduld und Liebe zur Sache konnte solche Erfolge zeitigen. Aus diesen kurzen Ausführungen sehen wir, wie unser Haus- freund, der Kanarienvogel, nicht nur mit der kulturellen Entwick- iung der Völker eng verknüpft ist, sondern auch als Handelsware wirtschaftlich eine Noll« gespielt hat und heute noch spielt. ___ Neunzig. TP\e die Eskimos sich Brillen mache«. Das glänzend« Weiß des Schnees wirkt auch auf das daran gewöhnt« Auge des Eskimos oft schädigend ein. Daher sind die Eskimos schon lange daraus ge- ver golöene Sali. von Han» Traufil. Ein lichter Mainachmittag in einem babydurchwühlten Großstadt- park. Hinter dem sandgelben Spielplatz, von Bänken umstanden. fließt der smaragdene Schwabinger Bach, augenblicklich im hellen Lärm der Kinder unhörbar: am Abend aber, allein mit den immer karnevalistisch aufgeputzten und gelaunten Entenpaaren, leise plätschernd, frivol geschwätzig, ollen Liebespärchen vom Glück der Liebe gurgelnd. Ich lasse mich aus einer Bank zwischen Bonnen, Müttern und Großmüttern nieder, müde von den schweren leeren Büchern der Bibliothek, diesen nie enden wollenden, monoton schwarzweißen Lügnern, die durch die Jahrhunderte den Verstand aus Kosten der Sinne verdorben haben. Meine Seele sehnt sich nach farbigen Spiegelungen. Das Kind in mir will neugierig schauen, bctappen, etwas umwerfen, kaputt machen, ganz kaputt, bis die Sägespäne aus dem Balg der Spiel- puppe fließen. Dieser erste herrliche, kompromihsrcie Akt des Schaffens, dessen Radikalität im Leben nie wieder erreicht wird! Doch jetzt, sagt man, sei ich nun endlich ein reifer Mann ge- worden. Also nahm man mir schon längst alles Spielzeug weg. Zum Schaden meiner lesenden Mitwelt. Es ist verkehrt. Kinder- Händen Spielzeug zu entreißen— auch ist es stets ein Akt Uinstls- rijcher Vergewaltigung. Die Menschheitsgeschichte wäre blutloser oerlaufen, ließe man uns bis ins reife Alter hinein die harmloseren Spieldinge unserer Jugend. Ich bin also ein reifer Mann. Und als solcher verführt mich meine Sehnsucht dazu, stundenlang auf Bänken zu verbummeln, um welche Kinder spielen. Dann erst hat meine.Seele Spiegelung und ich blättere in einen, großen Bilderbuch. Da kommt auf einem grotesken Holzkomel mit meckerndem Maul ein kleiner blonder Junge dahergeritten. Sein durchsichtiges Antlitz schimmert von zager Empfindsamkeit. Ich fürchte für ihn: er ist Romantiker, womöglich Lyriker, und er wird sich nickst lange da oben im sicheren Sattel behaupten. Schon raschelt ein kleine» Mädchen von etwa vier Iahren aus dem nahen Gebüsch, erledigt die ganze Karawane, teils mit Worten, teils mit der Ueberzeugungs- kraft seiner rosanen Patschsäustchen. Di« Kleine schwingt sich triumphierend auf das geduldige Wüstentier, purzelt auf der anderen Seile sogleich wieder herab, heult kläglich auf... Zwei bestürzte Mutterarme bringen etwas am Boden Strampelndes wieder ins Gleichgewicht, glätten daran herum: Frisur und Kleidchen. Und wieder ist ein oufrechtstehendes kleines Mädchen daraus geworden, das unter striktester Befolgung des Graoitationsgcsetzes dem heimlich davonschleichenden Kamel nachsetzt. Edith, zweifelsohne das Töchterchen eines Schieber«, mit vcker- grüner Pelerme mit raffiniertem Pelzbesatz, sieht dieser Szene kommen, sich Schutzbrillen gegen die Lichtüberfüll« des in der Sonn« besonders leuchtenden Schnees anzufertigen, und zwar benützen sie vier verschiedene Brillenformen, die allerdings zum Teil recht primitiv gearbeitet sind. So ist das einfachst«„Modell" überhaupt nur aus einem Stück Holz hergestellt, das, in seiner Form un- gefähr dem oberen Teil des Gesichts angepaßt, einen einzigen Schlitz enthält, durch den man hindurchsehen kann. Eine andere und schon etwas bester« Brillenart besteht aus einem Knochenstück, dos mit einem runden Loch versehen ist. Dann gibt es eine Knochenbrille mit zwei länglichen Löchern, die sogar auf ihrer Außenseite einfache Verzierungen ausweist! Am vollkommensten ist jedoch eine vierte Brille, die schon beinahe unseren neuzeitlichen Schutzbrillen gleich- kommt. Sie besteht aus zwei durch Schnüre miteinander ver- bundensn Einzelteilen, und zwar ist für jede» Auge eine Holzscheib« mit einem Schlitz bestimmt. Um die Schutzwirkung noch zu ver- stärken, wird die Innenseite der Brillen manchmal auch geschwärzt. Die Befestigung der Brillen erfolgt durch Anbinden am.Kosif, wobei als Bindematerial Renntiersehnen dienen. In ihrer Einfachheit erfüllen alle diese Brillen ihren Zweck recht gut. werden jedoch nur von Leuten mit empfindlichen Augen getragen, denn im allgemeinen hat sich das kleine Schlitzauge des Eskimo dem Schneelicht ohnehin ziemlich angepaßt. Zentralheizung vor 1600 Zahre«. Bei den, englischen Städtchen Chedworth wurde kürzlich unter merkwürdigen Begleiterscheinungen rein zufällig eine römische Siedlung aus dem 3. Jahrhundert ans Licht des Tages befördert. Während einer Jagd auf wilde Kaninchen war nämlich ein Treiber, als er aus den Kaninchengängen heraus- steigen wollte, in dem nachgebenden Erdreich versunken. Der Mann, der nichts anderes dachte, als daß sein Ende gekommen sei, schrie er- miserabel durchgeführter Wegelagerei verächtlich zu. Sie schiebt auch schon. Sie schiebt einen Puppenwagen mit drei sehr gepflegten mondänen Puppen vor sich her. Ich seh« mir die Finger der Puppen genauer an.(Man soll zur unfehlbaren Beurteilung der sozialen Stellung zweifelhafter Damen diskret deren Hände betrachten.) Ganz wie ich vermutete: die Fingernägel sind noch neuestem amerikanischen Schnitt'manikürt. Dem Dämmer des Puppenwagens entströmt bourdoirhaftes Parfüm: Jacques Minot.(Hat man gelegentlich eine Novelle günstig verkauft und leistet sich in Berlin ein Auto, so schlägt einem zur Stund« der Oper dieser Duft zuweilen entgegen.) Doch Ediths dekadent sensitive Nerven haben schon mein lsterarisches Intereste an ihren Puppen bemerkt. Mich streift ein nicht ganz vor- wurfsfreier Blick aus ihren großen strahlenden Augen taubenetzter Veilchen. Daß doch die Mondänen zugleich immer die Empfind- samen sind! Wie schwer für die bürgerlich Pflichtgetrcuen und Moralischen! Ich wende mich also von dem schönen Kinde. Da ist auch schon der kleine Ludwig unter meine Bank gekrochen und sammelt wieder Steine in seinen blauen Blecheimer..Seine Großmutter erzählte mir neulich, daß er nach König Ludwig benannt sei, dem Erbauer jener weltberüchtigten Schlösser, dessen geistigem Erbe auch seine Sammelwut entspringt. Der Kleine in seinen ersten Pumphöschen zeigt ausgezeichneten ästhetischen Sinn in der Auswahl seiner Mine- ralien. Keuchend bückt er sich nur nach den einfachen Ursarben. Leider wird der kleine Ludwig niemals König«erden und Schlösser niederreißen dürfen. Zu welch höherfl, Zwecken ist Dei/tschland eigentlich Republik geworden? Hat sich dies« Frage jemand schon einmal gestellt? Ich mein« mit Rücksicht aus Architektur. Denkmäler und ähnliches. Methodisch zählt der kleine Bubi mit fragend trotzigem Blick die Steine und Steinchen vor mich hin. Nein, mein Kind, du hast nicht den Geschmack der Könige... Da kommt ein bleiches Proletarierkind in schäbig grauem Winter- kittet über den Steg gesprungen. All« Kinder wenden sich nach dem Mädchen: vergessen ihre Puppen, chre Tiere, ihre bunten Reifen. Das zerlumpte Kind trägt in fahlen, hageren Händen einen großen, wundervoll leuchtenden Ball. Wie eine klein« Heilige mit einer Historie schreitet sie heran. Sie ist ganz allein. Ihre Mutter steht vielleicht in einer dumpfen Kellerwohnung über einem Waschtrog gebückt. Das brünette Mädchen beachtet nicht die Kinder, die sich um sie scharen. Ihr« dunklen tragischen Augen lauschen jetzt dem Jülmsellied Im Fliederbusch. Sie ist ganz ollein, wunschlos verzückt. Sie spielt nicht mit dem Ball. Er ist ihr kein Spielding. Er ist ihr köstlicher Besitz, ihr Traum, ihre Notwendigkeit, wichtiger als das tägliche kärgliche Stück Brot. Sie schreitet ausrecht... In verkümmerten Händen trägt sie ihr goldenes Wunder, ganz allein. Mit dem schmächtigen grauen Kind« ist auf einmal ein« Seligkeit da. ein« Illusion von Schönheit, die sich in großen stouenden Kinderaugen widerspiegelt. dämlich um Hilfe. Die Jäger bewaffneten sich daher sofort mit Schaufeln und gingen daran, den Treiber auszugraben. Zu ihrer nichl geringen Verwunderung förderten sie dabei mit der Erde buiü- farbige Steinchen herauf, die in ihrer regelmäßigen Gestalt keinen Zweifel daran ließen, daß sie Teile eines Mosaikpflosters darstellten. Man befleißigte sich deshalb beim Weitergraben der größten Vor- si'ht und hatte bald die Genugtuung, eine römische Villa freizulegen, die von kleineren Bauten umgeben war. Ohne Zweifel hatten diese einst eine fabrikmäßige Anlage gebildet, wahrscheinlich— mehrere künstliche Brunnen lasten darauf schließen— eine Wollfärberei� In den 16 Zimmern der Villa sind man eine finnreich angelegteZentrol- Heizungsanloge, die sich noch 1666 Jahren auch heute noch in tech- nischer Beziehung sehen lassen kann. Die Rückwanderung aus Amerika. Die neuen Einwanderung�. und Rückwonderungszisfern haben überraschenderweise ein geradezu ruckartiges Herausschnellen der Rückwanderung im Verhältnis zur Einwanderung ergeben. Während im vorvorigen Jahr die Ein- Wanderung noch New Port 166 006 Personen und die Rückwände- rung 28 000 betrug, belies sich die Zuwanderung im verflossenen Jahre auf nur 32 000 Personen, während die Rückwanderung 24 000 betrug. Ja, die Rückwanderung nach manchen Staaten, besonder» nach dem südlichen Europa und den asiatischen Staaten, übertrifft sogar die Zuwanderung, und zwar um insgesamt 32 000 Personen. Die Nordslaaten Europas dagegen weifen immer noch eine starke Auswanderungsziffer auf. Die Bestimmungen über die Rücksendung von„unerwünschten" Eingewanderten sind übrigens in jüngster Zeit wiederum erheblich verschärft worden. U. a. wird jeder zurückgesandt, der zu insgesamt 18 Monaten Strafzeit ver- urteilt worden ist. Da erhebt sich eine elegant gekleidete, wohlgenährte Dame von einer Bank, geht auf das Proletarierkind zu und sagt freundlich: .Wo hast du denn den Ball her, Kleine?" Das Kind stutzt, blickt ängstlich. „Hat ihn dir jemand geschenkt? So sprich doch. Ich tu' dir ja nichts zuleide." „Mein Papa hat mir den Ball mitgebracht." „So, so. Dein Papa? Wo wohnt denn dein Papa?" Das Mädchen wittert Gefahr. Es zieht den Ball dicht an die schmale Brust. Die kleinen knöchernen Finger krampfen sich in das Gold und machen Dillen. Der Ball verliert seine vollkommene Rundung. Die Dame wendet sich ihrer Freundin auf der Bank zu: „Es gibt bestimmt nur einen solchen Ball in ganz Deutschland. Das wäre doch sonderbar. Unser Lottchen hat ihn sich aus Venedig mitgebracht. Dann ist er auf einmal verschwunden und..." In diesem Augenblick kreischt das Proletarierkind auf in mark- erschütternder Verzweiflung, als sei es von einem Pfeil ins Herz getroffen. Ein etwa siebenjähriges, modisch gekleidetes Mädchen hat den Ball umklammert und versucht, ihn an sich zu reißen. Doch das Lumpenkind will nicht von ihrem Balle lassen. Die Mutter stellt sich dazwischen: „Na, in Gottes Namen, so laß ihr den Ball. Komm, Engel, nächstes Jahr kaufen wir dir einen schöneren, viel schöneren als den da. Du weißt doch, in Venedig..." Doch Lottchen läßt nicht locker. Stampfend und beißend will sie sich ihr Spielzeug zurückerobern. Da, im Gebalge, entgleitet plötzlich der Ball dem krampfhaften Griff des schreckerbleichten Proletarierkindes. Er rollt davon, erst longsam— aller Augen starren entsetzt—, er rollt weiter, immer schneller, wie von einer inneren Magik bewegt. Ein letztes Aufflammen seines Goldes im Rasen und er schwankt auf dem smaragdgrünen Wasser des Baches. Schon hat ihn die Strömung in die Mitte gerissen, und stromabwärts tanzt er seinen goldenen Tanz auf schwanken Wellen... , Eine uralt« Großmutter, die gewiß vieles hat wegschwimmen laufen ans Ufer, Erwachsene greifen zu Stöcke», um den Ball weiter stromabwärts aufzufangen, denn etwas unterhalb ergießt sich der Bach in unterirdisches Gemäuer. Ich weiß, es ist vergeblich. Das Schicksal will wieder einen Traum jäh zerreißen. Ein« uralte Großmutter, die gewiß oiveles hat wegschwimmen sehen— die einzige, dl« mit mir sitzen geblieben ist—, sagt mit stoischer Logik:„Lieber ein Ball weg als Kind." Und mich erhebend. sage ich:„Da müssen wir das Kind dort fragen." Und über den gleichen Steg, über den es uns die Schönheit hergetragen, schwankt, plötzlich wieder verarmt und träneublind. das graue Proletarierkind mit verkümmerten, leeren Händen, wild schluchzend bis in die dumpfe Kellerwohnung in einer schmutzigen, engen Gast«, über der morgen früh keine goldene Sonne auf- steigen wird. 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