Nr. 178 42. Jahrg. Ausgabe A fr. 92 Bezugspreis: adhentlich 70 Pfennig, monatlich 3. Reichsmart voraus zahlbar. Infer Rreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Buxemburg 4,50 Reidsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormöris" mit der Gonntags beilage Bolt und geit mit„ Sieb Tung und eingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbellage Frauenftimme" erfcheint wochentäglich ameimal, Sonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Cozialdemokrat Berlin" 2, Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 70 Bfennig. Reflamegeile 4 Reichsmart. Aleine Anzeigen" bas feftgebrudte Wort 20 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedrudte Worie), febes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Mort 10 Bfennig, febes weitere Wort 5 Vfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müssen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftrake 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Douboff 292-295 Berlag: Donhoff 2506-2507 Donnerstag, den 16. April 1925 Für den Kandidaten der Republik! Ein Aufruf der Gewerkschaften. Die Wahl des Reichspräsidenten macht ein flares, eindeutiges| Berfaffung nach ihren Wünschen umzugeftalten, einmütigen WiderBekenntnis zum fozialen und demokratischen Bolfsstaat erforderlich. ftand entgegenfehen müffen. Die Gewerkschaften haben sich bei mehr als einer Gelegenheit in den letzten trifenreichen Jahren Monarchie oder Republik? als Verteidiger der Republit, als Hüter der EinAbsolutistischer Obrigkeitsstaat oder Volksherrschaft? heit des Reiches, als mächtige und zielbewußte Schüber der Demokratie bewährt. Sie dürfen auch in dieser entscheiMilitarismus oder Völkerverföhnung? denden Stunde nicht verjagen. Die demokratischen Einrichtungen der deutschen Republik find die Grundlagen einer befferen Zukunft für das arbeitende Bolt, an ihnen darf nicht gerüttelt werden. das find die Fragen, die das merkfötige Bolf am 26. April zu enffcheiden hat. . Die Mitglieder der Gewerkschaften werden nicht dulden, daß an die Spitze des Reiches ein Repräsentant jener Parteien fritt, die ausschließlich Unternehmerintereffen vertreten und ihre Machtstellung im wirtschaftlichen und polifischen Leben zu verstärken trachten. Die Gewerkschaften rufen deshalb ihre Mitglieder auf, fich gefchloffen für Der sogenannte Reichsblod, der vom Reichslandbund und vom Reichsverband der Deutschen Industrie gefragen wird, ist für die furchtbare Not und das große Elend der Inflationsjahre verantwortlich. Er hat die Aussichtslofigkeit feines ersten Kandidaten Jarres erkannt. Es ließen sich mit seiner Kandidatur teine parteipolitischen Geschäfte machen. So ist der Reichsblod auf den überschlauen Gedanken verfallen, Sindenburg als kandidaten aufzustellen, einen Mann, den Kandidaten der republikanischen Parteien einzusehen. der in richtiger Selbsterfenatnis bisher nic den Anspruch erhoben hat, eine politische Rolle zu spielen, einen Manu, deffen ehrwürdiges Alfer ihn davor schützen sollte, ein Opfer der Ratlosigkeit angeblich nationaler Parteien zu werden. Diese Spefulation auf den Jamen. Hindenburg dient nur dem 3wed, hinter einer fáeinbar überparteilichen Kandidatur zu verbergen, was der Reichsblock beabsichtigt: Die Borherrschaft der wirtschaftlichen und politischen Reaffionäre, die diese Schiebung suftaude gebracht haben, die Feftigung ihres unfontrolierbaren Einfluffes auf die Führung der Reichsgeschäfte Denn darüber faun fein 3meifel bestehen, daß Hindenburg nur dem Namen nach Präsident des Reiches sein soll. In Wahrheit wäre die Führung des Reiches den geschworenen Gegnern feiner Berfaffung überantwortet, die jede sich ihnen bietende Gelegenheit benutzen würden, an Stelle der demokratischen Republif das alte Herrschaftsfystem wieder aufzurichten und die Rechte der Arbeitnehmer zu beseitigen, die in mühevollen Kämpfen den Feinden ihres Aufstiegs abgerungen wurden. Für die Gegner der Republik ist gerade Hindenburg der geeignete Mann. Schon während des Krieges hat er sich von C udendorff, Tirpik und den übrigen Kriegsverlängerern dazu mißbrauchen laffen, alle Maßnahmen mit feinem Namen zu deden, durch die das deutsche Bolt in das tiefste Elend gestürzt wurde: In diesem Kampf fann es für die in den Gewerkschaften zufammengefchloffenen Arbeitnehmer feinen Zweifel geben, daß fie dem dreisten Verfuch des Reichsblods und feiner Mitläufer, sich der Führung der Republif zu bemächtigen und auf Schleichwegen die Es lebe die Republik! Marg in Stettin. Wilhelm Marx, Arbeiter, Angestellte, Beamte! Ihr habt die Macht, die Pläne der Reaktion zum Scheitern zu bringen! Denti an den Weltkrieg und seine entschlichen Folgen! Denkt an die Millionen von Toten, Krüppelu, Witmen und Waisen! Denti an die finnlose Zerstörung von Kultur und Wohlstand! Wieviele diefer Opfer wären den Bölfera erspart geblieben. wenn fie fich rechtzeitig von dem verhängnisvollen Einfluß der Militariffen freigemacht hätten. Im Kampfe gegen den Imperialismus, Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenste.3 Boftschecktonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Painlevés Kabinett. Caillaur Finanzminister? Paris, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Painlené hat in Laufe des Mittwoch zahlreiche Unterredungen mit Führern der vier Parteien des Linksblods gehabt und daraufhin am Nachmittag den uftrag zur Bildung des Kabinetts angenommen. Da der Nationalrat der sozialistischen Partei die Beteiligung an einem bürgerlichen Ministerium endgültig abgelehnt hat, wird sich das neue Kabinett in gleicher Weise wie das kabinett Herriot aus Politikern der drei bürgerlichen Gruppen des Kartells zusammensetzen. Trotz der ablehnenden Haltung, die Herriot am Dienstag eingenommen hat, glaubt man in parlamentarischen Kreisen Grund zu der Annahme zu haben, daß er doch noch das Auswärtige Amt übernehmen wird. Für das Gerücht, daß Painlevé die Absicht habe, Caillaug als Finanzminister in das Kabinett aufzunehmen, war bis Mittwoch abend eine Bestätigung nicht zu erlangen. Tatsache ist jedoch, daß Caillaug von Painlevé für Mittwoch abend zu einer Unterredung gebeten worden ist. Die vom Nationalrat der sozialistischen Partei am Mittwoch auf Antrag des Genossen Marquet einstimmig angenommene Entschließung hat folgenden Wortlaut:„ Der Nationalrat der sozialistischen Partei billigt die Durchführung, welche die Beschlüsse der Partei durch den Borstand unserer Parlamentsfraktion erfahren haben. Durchdrungen von dem außergewöhnlichen Ernst der augenblidlichen politischen und finanziellen Lage ist der Kongres der Auffassung, daß das Aftionsprogramm, das die Partei nach den Wahlen vom 11. Mai beschlossen hat, in Kraft bleiben muß und daß demgemäß die politik der Unterstützung jeder Regierung gegenüber fortzusehen die Pflicht hat, welche die von der Partei seit zehn Monaten aufrichtig geforderte Politik weiterzuführen entfchloffen ist. Der Kongreß beauftragt die Parlamentsfraktion und Den Borfland, in engfter Fühlungnahme mit dem französischen Gemerkichatsbund die politliche Entwicklung wachsam zu verfolgen und gemäß den Beschläffen des Parteitages vom Juni 1924 im Jnterwartung des Zusammentritis eines neuen Bartellages." Der Nationairat beauftragte eine Sommission, zusammengefeht aus den Genossen Baut Faure, Leon Blum, Renaudel, Auriol, Brade und gegen die Borherrschaft des Unternehmertums und seiner poli- elle der Partei der Arbeiterklasse und des Landes zu handeln in Erfischen Hilfstruppen, im Kampfe für die politische und wirtschaftliche Freiheit ist es eine Pflicht der Selbsterhaltung aller Gewerkschafter, am 26. April gegen Hindenburg für Wilhelm Marx zu ffimmen. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund. Graßmann. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Aufhäuser. Stähr. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Faltenberg. Kozur. öffentlichen Aemtern unabhängig von dem religiösen Bekenntnis ist. Gerade diese Berfassungsbestimmungen müffen mit peinlichster Sorgfalt gewahrt werden, fie entsprechen dem von mir stets verfochGrundsaße der bürgerlichen Toleranz. Ihre Inne Stettin, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsidenthaltung in der Borauslegung für das friedliche Nebeneinanderleben fchaftsfandibat ber republifanischen Parteien Marg traf am der Konfeffionen in unserem Vaterlande, das nicht durch die Ent. Mittwoch, abends furz nach 7 Uhr, von Königsberg kommend, hier fejfelung foufessioneller Leidenschaften gestort werden darf. Das jedem ein. Auf dem Bahnhof hatten sich die Bertreter der preußischen Be- Deutschen in der Berfaffung ebenfalls verbriefte Recht der freien hörden, der Gewerkschaften und des Reichsbanners zum Empfang Meinungsäußerung wird dadurch nicht im geringften be eingefunden. Bor dem Stationsgebäude, wo Tausende von einträchtigt, es gilt auch in Fragen der Religion. Wie sich der Menschen und Reichsbannerleuten Aufstellung genommen hatten, einzelne auch zu diesen lezten und tiefsten Fragen stellen mag, in wurde Marg ähnlich wie in Königsberg ein begeisterter Empfang dem einen Wunſche sollten wir uns alle finden, daß die positiven zuteil. Die Rundgebungen wurden auf dem Wege zur Turnhalle, religiöfen Krafte in unserem Bolte auch nutzbar gemacht werben für mo die eigentliche offizielle Feier vorgesehen war, fortgefeßt. Hier den Wiederaufbau unferes Baterlandes. erwarteten wiederum Tausende von Republikanern den gemeinjamen Kandidaten der republikanischen Parteien. Marr dankte der begeisterten Menge in furzen Worten und forderte sie dann zu einem hoch auf die Republit auf. Neben der offiziellen Rundgebung mußte er u. a. noch in mehreren Parallelversamm lungen sprechen. In der Hauptveranstaltung äußerte er u. a.: Der Gedanke, die in der Weimarer Verfassung für das Deutsche Reich festgelegte Staatsform mit Gewalt zu ändern, ist so ab: surd, daß er heute selbst von folchen fallen gelaffen wird, die lange Zeit mehr oder weniger ernsthaft mit ihm gespielt haben. Wir follten Gott danken, daß nach dem militärischen Zusammenbruch im Herbst des Jahres 1918 nicht das Chaos über uns hereingebrochen ist und daß es gelang, in Weimar eine staatliche Ordnung neu zu begründen. An dieser Ordnung müssen mir festhalten, wenn wir unser Land und unser Bolf vor neuen schweren Erschütterungen bewahren wollen. Bir müssen uns aber auch peinlich hüten, diese Ordnung in den Augen des deutschen Volkes und des Auslandes ais minderwertig herabzusehen. Die Loderung der Moral im privaten wie im öffentlichen Leben ist tief zu beflagen. Sie ist eine der traurigen Folgen des unglüdjeligen Krieges, an deren Beseitigung wir alle ebenso mitarbeiten müssen, wie an dem wirtschaftlichen Wiederaufbau deffen, was durch den Krieg zerstört wurde. Ich halte es für eine Ehrenpflicht aller Bekenntniffe, hier mit gutem Beispiel voranzugehen. Mit der Kritik allein ist es nicht getan. Die Weimarer Berfaffung gewährleistet allen Bewohnern des Reiches polle Glaubens: und Gewissensfreiheit und die ungeftörte Religionsübung; fie bestimmt ferner, daß der Geng Bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte fomie die Zulaffung zu Wichtige Beratungen in Wien. Wien, 15. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Parteiführer find telegraphisch nach Wien zu einer Sigung des Hauptausschusses berufen worden. Der Hauptausschuß will sofort alle noch erforderlichen Maßnahmen durchführen, damit der Vertreter Desterreichs beim Bölferbund erflären kann, daß Desterreich alle im auferlegten Berpflichtungen restlos erfüllt hat und infolgedeffen die wirtschaftliche und finanzielle Selbständigkeit Desterreichs wieder hergestellt werden soll. Die belgische Regierungsbildung. Vandervelde verhandelt mit den Parteiführern. Brüssel 15. April( Eigener Drahtbericht.) Bandervelde hatte im Laufe des Mittwoch Besprechungen mit dem Führer der flämisch katholischen Demokraten, dem Antwerpener Bürgermeister van Gauvelaert, und dem liberalen flämischen Demokraten, dem früheren Kolonialminifter Frand, ohne ihnen jedoch einen Minister posten anzubieten. Beide erklärten, sich erft mit ihrer Parteigruppe beraten zu wollen. Ferner hatte Bandervelbe eine Aussprache mit dem liberalen Justizminister Masson und dem christlichen Arbeitsminister Tschoffen. Bie zu erwarten war, gestalteten sich diese Verhandlungen Banderveldes mit den führenden bürgerlichen, Politikern ziemlich schwierig. Sie werden aber fortgesezt merden. Barenne, eine an das Land zu richtende Erklärung zu entwerfen. Für den Präsidenten der Deputiertentammer Paul Painlevé bedeutet es tein leichtes Opfer, seinen gesicherten Bosten gegen das Amt des Ministerpräsidenten einzutauschen, das in der gegenwärtigen Situation mehr eine Bürde als eine Würde ist, und obendrein eine sehr unsichere. Denn durch die Tatsache der Neubildung des Kabinetts wird die andere Tatjache des Konflittes zwischen Senatsmehrheit und Kammermehrheit nicht beseitigt. Es ist daher erklärlich, daß Bainlevé zunächst das Angebot Doumergues, die neue Regierung zu bilden, fategorisch abgelehnt hatte. Wenn er sich jetzt, zumal nach dem Mißerfolg Briands, von seinen Freunden hat breitschlagen laffen, den abermals an ihn gerichteten Auftrag doch anzunehmen, so dürfte der Grund dafür darin liegen, daß er mie faum ein anderer in der Lage ist, die Politik des Kartells der Linken, also die Politit Herriots fortzusehen und dabei trotzdem die widerstrebende Mehrheit des Senats zu besänftigen. Wie lange ihm dies gelingen wird, ist aber eine andere Frage, deren Beantwortung weniger von der Programmerklärung als von den Namen abhängt, die auf seiner Ministerliste stehen werden. Wenn z. B. Briand, wie allgemein erwartet wird, ein Ministeramt, vielleicht sogar das wichtige Ressort des Außenministeriums übernimmt, so würde dies auf gewisse schwankende Elemente des Senats zunächſt einen gewissen Eindrud machen. Außerdem bedeutet der Abgang Herriots vom Ministerpräsidentenposten jedenfalls eine Entspannung in diesem Konflikt zwischen Senat und Kammer. Andererseits hängt die Wirkung der Painlevéschen Kabinettsbildung auf die Gesamtlage in erster Linie davon ab, ob sich die Gerüchte bestätigen, monach Caillaug das Finanzministerium angetragen werden soll. Zur Stunde, in der diefe Beilen geschrieben werden, ist das Ergebnis der Unterredung, zu der Painlevé Caillaur gebeten hat, in Berlin noch nicht be= fannt. Daß der neue Ministerpräsident auf diese Mitarbeit fein eigenes Dienstauto nach dem etwa 200 Kilometer von einen ganz besonderen Wert legt, geht daraus hervor, daß er Baris entfernt liegenden Städtchen Mamers, dem ständigen Wohnsiz Caillaur in seiner Berbannungszeit, entsandt hat, damit dieser noch am Mittwochabend in Baris eintreffen fonnte. Dank seiner außerordentlichen finanziellen Fähigkeiten gilt Caillaur allgemein als der einzige Retter in der Not. Auch er würde allerdings Rettung nur mit solchen radikal- demokratischen Mitteln bringen können, gegen die sich die Senatsmehrheit gefträubt und deretwegen sie Herriot gestürzt hat. Ueberhaupt würde die Berufung des von der Reaktion am meisten gehaßten Mannes auf die Rechte wie eine Brovokation wirken, zumal es noch immer sehr viele Franzosen gibt, die überzeugt sind, daß Caillaug sein Land während des Krieges an Deutschland verraten hat. Indessen ist der gleiche irrsinnige Vorwurf von den Faschisten um Léon Daudet auch gegen Painlevé im Jahre 1917 erhoben worden, weil er eine fiegreich eingeleitete Offensive in der Champagne infolge alar mierender Nachrichten über hohe Berliste vorzeitig gestoppt haben sollte. Daraus kann man übrigens ersehen, daß mahn- sinnige Verleumdungen nicht nur ein deutschnational-völkisches Monopol, sondern eine international-nationalistische Erschei- nung sind. Die Berufung Caillaux' würde für Frankreich, aber auch für ganz Europa ein politisches Ereignis ersten Ranges fein. Sie würde sogar einer nur selten durchbrochenen Gepflogen- heit widersprechen, wonach Minister nur aus den Reihen des Varlaments entnommen werden; allerdings hätte Caillaux jederzeit die Möglichkeit, ein Mandat für eine der beiden Kammern zu erlangen. Aber selbst, wenn die Berufung Caillaux' aus diesem oder jenem Grunde nicht erfolgen sollte, so würde schon die Absicht Painlcoös, dessen Mitarbeit zu gewinnen, den klarsten Beweis dafür liefern, daß er ent- schloffen ist, die P o l i t i k des Linksblocks fortzusetzen. Painleoch der übrigens als Gelehrter einen bedeu- tenden Ruf genießt.— er war Professor der Mathematik und Physik an der Pariser wissenschaftlichen Fakultät— gilt allgemein auch politisch als ein a u f r e ch t e r Mensch und ein mutiger Kämpfer für die demokratischen Ideale. Gegen ihn könnte höchstens eingewendet werden, daß er, ebenso wie cherriot, oft schwankend und beeinflußbar ist. Daß er aber reinen Willens ist, das wird sogar von seinen Gegnern an- erkannt. Den Sozialisten, die wieder einmal beschlossen haben, sich an der Regierung aktiv nicht zu beteiligen, aber das neue Kabinett zu unterstützen» dürfte die Unterstützung Pain- levels wesentlich leichter fallen als eine Unterstützung Briands imd jedenfalls nicht schwerer als die bisherige Unterstützung cherriots. Die Frage, wie der neue französische Mnisterpräsident über Deutschland denkt, wäre bereits durch den Hinweis auf die nahezu vollkommene Ideengemeinschaft zwischen ihm und seinem Vorgänger Herriot ausreichendcheant- wartet. Indessen dürfte es, namentlich in der gegenwärtigen Situation, von Interesse sein, einige Stellen aus den E r k l ä- r u n g c n abzudrucken, die Painleve unmittelbar nach den Neuwahlen, am 2». Mai 1924, einem Mitglied der„Vorwärts"- Redaktion gegenüber in Paris getan hatte: .Nichts wäre verhängnisvoller als eine Disharmonie von der Art, daß in Deutschland ein« am Ruder befindliche Regierung eine entgegenkommende Haltung Frankreichs als Schwäche aus- lrgen würde, die man nun ausnützen könne. Eine.wahre Kata- st r o p h e niit unübersehbaren Folgen könnte aus einer solchen Dissonanz zwischen beiden Regierungen entstehen, und ich habe die unbedingte Hoffnung, daß die demokratischen Parteien in Deutsch- lond saoiel psychologisches Verständnis aufbringen werden, um die wirkliche Geistesverfassung Frankreichs, so wie sie durch die letzten. Wahlen enthüllt wurde, zu begreifen und genügend Kraft, um ihre Anschauungen den os jenen und versteckten Chauvi- nisten aufzuzwingen: also nicht nur denen, die gewaltsame Revanche predigen, sondern auch denen, die die loyale Aus» führung des Sachoerständigcngutachtens und überhaupt icdc fried- liehe Vereinbarung sabotieren möchten. W�nn es anders kommen sollte, und wenn die Parteien der Gewalt und der Li st einen wirklichen Einfluß auf die deutsche Politik ausüben sollten, dann würde sich die französische Demo- lratie nicht täuschen lassen und jede friedliche Regelung der zwischen beiden Ländern schwebenden Fragen wäre auf un- bestimmte Pest hinausgeschohen. Dos wäre eine billere Enl- täujchuug für alle diejenigen, die glauben, daß eine aufrichtige Annäherung zwischen den drei Demokralien Frankreich. Deutschland und «Snyland allein die Zukunsk für die Zivilisation Europas zu gewähr- leisten vermag." In dem Augenblick, in dem Painlev� die Geschicke der sranzöfischsn Politik übernimmt, und im Hinblick auf die Ent- fcheidung vom 2K. April ist«s wohl nicht überflüssig, an diese Erklärungen zu erinnern._ Onkel Sem meldet sich. Eine Note Nordamerikas macht die rumänische Regierung darauf aufmerksam, daß Rumänien zwar mit anderen Nationen Verhandlungen geführt habe, um seine Schulden zurückzuzahlen, jedoch bisher keinerlei Schritte zur Rück- zahlung seiner Schuldon an Amerika unternommen habe. Die schrittweise Lösung. von Richard Rainer. Ich schlendere mit dem jungen, sympathischen Tobias Fog, Bickbey near London, Oak Tree house, der schlichten Fassade des neuen Weimarer Bahnhofsgebäudes zu. deren harmonische Architektur den schmucken, zu beiden Seiten einer ansteigenden Avenue durch grüne Inseln ausgeweiteten Vorplatz abschließt. Tobias Fog ist frisch in Eton graduiert, erfüllt von Traditionsstolz und Wellreichsbewun- derung, sozialpolitisch dagegen ganz ahnungslos: er spendet seine Ostersreiheit für einen interessanten Trip durch die Stätten des deut» ichen Kulturlebens. Er weiße nicht anders, als daß nächst Börlin hier Ucimar zuallererst zu berücksichtigen sei. German poetry. Ueimar, Dschössie and Sköller sind ein untrennbarer literarhistorischer Komplex. An die Peripherie der hier miigeteillen Beobachtungen rückt er höchst unfreiwillig und nur vermöge seines ausfallenden Mangels an Scheu vor den Repräsentanten der öffentlichen Einrichtungen, von denen er als Sohn eines freiheitlichen, demokratisch regierten Volkes bereitwillige Auskunft und dienliche Unterstützung in tausend Lerkehrseinzelfällen zu heischen gewohnt ist. Tobias Fogs Augen bleiben nämlich plötzlich ganz unmotiviert an den Fahnen haften, die an vier Pfosten zu beiden Sellen der Auffahrt sich sanft im Winde bewegen. Dann geht er stracks auf den Stadtpolizisten zu, der den Platzdienst versteht, und lüftet höflich die Mütze vor dem mit einen» türmartigen Gebilde bewehrten Helm. „Uollen Sie sagen, bitte, uas sein das für Flaggen?" Tie sportliche Unbefangenheit, der Akzent— Weimar als Frsmdenstadt. Die strenge Miene des Hermandadjüngers erklimmt auf der dürftigen Skala der ihr gegebenen Ausdrucksmöglichkesten die schwindelnde Sprosse ungewohnter Zuvorkommeicheit. „Das da— weiß und rot— sind die Farben von Thüringen, und das andere sind die Reichsfarben." „Schuarz-Gold-Rot", zählt Tobias Fog hinerhobenen Armes auf, ..ich haben' gehört, daß die Farben von die deutsche Republik sein Schuarz-Rot-Gold!" Der Schutzmann blickt auf, die Dienstmänner sehen hin, die Hoteldiener recken die Köpfe, der Taxchausfeur beugt sich aus dem Sitzr alle bemerken verdutzt, daß rechts und link, die Floggen des Reiches die Farbenfolge Schwarz-Gold-Rot aufweisen. Der Schutzmann ist es, der sich verpflichtet fühlt, in seiner Eigen- schaft alf. nächster Repräsentant der in Frage stehenden Staatsmacht die peinliche Beobachtuckg durch eine ebenso knapp«'wie überwästi- gende Antwort aus dieser Welt der Widersprüche und Verlegenheiten zu schassen. „Eigentlich." sagt er,„ja. eigentlich haben wir Schwarz-Rvt» Gold". tzinöenburg soll reüen... Sogar politisch! Vom„Reichsblock" wird mitgeteilt: Am Sonntag abeiid findet in Hannover ein Empfang statt, zu dem der„Reichsblock" Vertreter der ausländischen und inländischen Presse und Vertreter der Wahlkreisausschüsie in großem Umfange einladen wird. Auf diesem Empfang wird Hindenburg eine politische Rede halten. Da hat der alte Mann so und so oft erklärt, daß er sich um Politik sein Leben lang nicht bekümmert habe. Und nun soll er bei einem so illustren„Empfang" gar noch eine poli- tische Rede halten! Man wird sich schon im voraus freuen über die Iubelhymnen, die am Montag in den Blättern des Rechtsblock? angestimmt werden über die„markigen Worte", wie der„Jubel aufflog" und so weiter. Das Schmalz um die Jarresrede ist eingetrocknet, jetzt kommt der Honig, um die „politischen" Aeußerungen des unpolitischen Loebell-Gefange- nen zu versüßen. Golöene Hinöenburg-Vorte III. Lieber Mstengunft als Volksgunst. Nach der Befreiung Ostpreußens erhielt Hindenburg aus der oft- und westpreußischen Bevölkerung Zeichen dankbarer Verehrungen. In den Erinnerungen von Tirpitz heißt es darüber: „Es ist rührend anzusehen, wie dos Bokk ihn hier auf Händen trägt, jung und alt, Greise und Mütterchen, geschweige denn die Jugend machen Front, wo er sich nur blicken läßt. Er kann sich gar nicht bergen vor Blumen." Als Hindenburg auf die Kundgebungen der Bevölkerung hingewissen wurde, sagte er: „3a, die Leute sind rührend, aber ich würde gern darauf oerzschien, wenn mein kaiserlicher Herr mich weniger disian- zierte." Um einen gnädigen Blijk, einen Händedruck von Wil- Helm II. hätte Hindenburg die dankbare Verehrung eines Volkes hingegeben! Lieber Fürstengunst als Volksgunstl Heute werben die Macher der Kandidatur Hindenburg um die Gunst und um die Stimmen des Volkes für Hindenburg, dem die Volksgunst nichts, die Fürstengunst alles ist. Denkt an seine Geringschätzung der dankbaren Verehrung eines Volkes am 25. April. Der Mann der Fürsten- gunst kann nicht Präsident der deutschen Re- publikwerden. WLH!t Wilhelm Marx! Mes für tzinöenburg. Auch die Lüge. Die reaktionäre Presse ist in Verzweifkung, da sie sieht, wie die Kandidatur Hindenburg dem Eifer der republikanischen Parteien einen mächtigen Anstoß gegeben hat. Sie sucht deshalb Gerücht« auszustreuen, daß die Sozialdemokratische Partei st» der Frage der Wohltoktlt uneinig sei. Die„Pommers che Tagespost" erfindet eine Entschließung des. Wahlvereins Halle gegen Marx. Das ist Schwindel: eine Mit- gliederversammlung des Wahlverein» Halle vom 9. April hat bewiesen. daß die Halleschen Genossen sich mit aller Kraft f ü r M a r x. gegen Hindenburg einsetzen werden. Di«„München-Augsburger Abendzeitung" läßt sich— wahrscheinlich aus derselben Quelle, die die„Pommersche Tagespost" bedient mitteilen:„Der Widerstand innerhalb der Sozialdemokratie gegen die Prästdenischastskandidatur Marx wird jetzt auch von sozialistischer Seite bestätigt." Das ist natürlich ebenso Schwindel. Tobias Fog schlägt sein Notizbuch auf und trägt auf der Seite mit dem Kopfvermerk: Weimar, Thuringia, April 12th, die ichlichten Worte ein: Colours oi the German republic; „eigentlich Schwarz-Rot-Gold". Worauf er höflich die Mütze gegen den Helm lüftet. Irrtum? Versehen? Oder vielmehr ein Symbol der schritt- weisen Reaktion: Schwarz-Rot-Gold/ Schwarz-Gold-Rot/ Schwarz- Weiß-Rot! Der Weg der zeitgemäßen Umstellung, der legalen Restauration, des trocknen Putsches. Das Weimarer Farbenbild der modernisierten Weimarer Verfassung, des Gewissenskompromisses zwischen dem doppellen Eid: gegenüber der Dynastie und der Republik. Die Patenllösung, das Lösungspatent der inneren Konflikte. O Weimar, welch einen geschickten Sattler hast du! Ehorkonzerle. Die Bereine des Deutschen Arbeiter-Sänger- bundes entfalleten noch einmal ein« rege Tätigkeit. Ich hörte den Schöneberger Männerchor„Freundschaft, dessen, Konzert im Festsaal des Neuen Rathauses Schöneberg das lockende Wetter merkbar beeinflußte. Und doch sang der Verein auch vor der kleinen Zuhörerschar mit Begeisterung und in Festesstimmung. Er wird geführt von Fritz Stempel, der alles frisch und kräftig, aber ein wenig viereckig und robust anfaßt. Natürlicher, schlichter Männergesang ist mehr seine Sache al» künstlerisches Fein» empfinden und Gestatten. Sein Berein hat aber überall Klang und Farbe, wenn er auch dem Uebel der meisten Männerchöre nicht eingeht, daß im Forte die zahlenmäßig überwiegenden Mittel- stimmen dominieren. Das Berliner-Vokal-Terzet.t fLili Wickop, Käthe Aulich, Irmgard Rühle) sang alte und auch neuere Volksweisen sehr schön in Ton und Empfinden, vollendet in der Gemäßigtheit des Stils, wenn auch nicht immer in sehr wertvollem Satz.— Der Meinetesche Männerchor vollendete die Reihe seiner überreichen Iubiläumsveranstaltungen mit einem Konzert in der Hochschule für Musik. Programm und Ausführung haben bei P. A. Joseph immer ein eigenes Gesicht, das man nun aber doch einmal gern missen möchte. Er bevorzugt die Werk« des jüngeren deutschen Volksliedes, Sachen aus der Liedertafelbewegung, Inftrumentolkompositionen, die in Stil und Geist des Nachwagner- wm, segeln. Man mächte wünschen, daß er sich in seinen Ber- anstallungen einmal gründlich zum älteren Voltsliede bekennt, das doch bei'weitem größere und stärkere geineinschastbildend« Wert« birgt. Man möchte Hosten, daß er mit der instrumentalen Rur- Virtuosenkunst einmal gründlich aufräuint und auch in diesem, und seinen anderen Chören des Arbeiter-Sängerbundes eigenen Stil und eigene Hallung findet, sa wie sie im Wesen dieser Sänger- und Musitbewegung liegen. Von seinen eigenen Kompositionen haben wir nun diesen Winter reichlich viel gehört. Sluch der letzte brachte zwei: beide mehr Unterhallung als hohe Kunst. Der Chor zeigte sich stimmlich und m der Disziplin wieder auf einer achtbaren Höhe. Carola Zelenka spielle Kompositionen, die sich dem Charakter des Abends ganz anpaßten, aber«benfall» mehr unter- Die Herren vom Rechtsblock, die chre letzten Hoffnungen auf solche Lügen setzen, mögen doch den Kopf nicht in den Sand stecken. Wenn etwas geeignet war, den letzten sozialdemokratischen Wähler für Marx an die Wahlurne zu bringen, dann ihre famose Kandidatur Hindenburg! Empfang in Hannover. Hindenburg unter der Zensur des Kammerdieners. Man schreibt uns: Der Korrespondent einer der größten Zeitungen der Welt fühlt sich sicher. Mit einem Präsidentschaftskandidaten zu sprechen stößt ja auf keine Schwierigkeiten. Außerdem sst er in diesem Fall mit einem Brief versehen, den ein Verwandter (ein alter Bekannter des Korrespondenten) an den Kandidaten schrieb. Jedoch ist der Dieyer in dem kleinen Haus in Hannooer ob- weisend:„Exzellenz empfängt nicht." „Bitte, geben Sie dann Exzellenz diesen Brief von Herrn v, T. Er wird mich sicher empfangen." Der Diener reißt den adressierten Brief auf und liest.„Sie sind von einer Zeitung. Ausgeschlossen. Ex- zellenz kennt schon die Journalisten von früher. Er spricht mit keinem." „Ich bin aber doch aus Berlin eigens deswegen gekommen." „Und wenn Sie aus Afrika gekommen wären, Exzellenz emp- sängt Sie doch nicht." Der Korrespondent wird diplomatisch.„Sehen Sie, Exzellenz ist doch jetzt kein Privatmann. Zeigen Sie ihm diesen Brief." „Exzellenz bekommt täglich Hunderte von Briefen, er liest keinen." „Vergessen Sie doch nicht, dieser Brief ist von einem nahen Verwandten." Dies wirkt. In einer halben Minute ist der Diener wieder da. „Exzellenz sagt, er kennt den Schwindel, daß solche Zeitungs- leute zu seinen Verwandten heraufgehen und ohne sie zu kennen Empfehlungen verlangen." „Dann werde ich Herrn v. 1. bitten, Exzellenz telephonisch an- zurufen und mich als alten Bekannten legitimieren." «Auf Wiedersehen. Telephon hat keinen Sinn. Exzellenz geht nicht zum Telephon, und er wird schon Herrn v. T. seine Meinung sagen, was er von Verwandten denkt, die ausländischen Iourna- listen Empfehlungen gehen. Auf Wiedersehen! Wenn Sie wollen, können Sie in drei Tagen, wenn der Adjutant Sr. Exzellenz zurückkommt, wiederkommen. Auf Wieder- sehen!"—dach, Nicht verpflichtet! Die Bayerische Bolkspartei bröckelt ab! München, 15. April.(Eigener Drahtbericht.) Der„B a y«- r i s ch e Kurier", das Münchener'Organ der B a y e r i ich t n Volkspartei, gibt in einem Artikel„Parteidisziplin und un- mittelbare Volkswahl" vor der OesfenUichtell zu, daß das Ein- treten der Bayerischen Volkspartei für Hindenburg in den Wähler- kreisen der Partei nicht jene einhellige Zustimmung gefunden habe, wie sie die Befürworter des Beschlusses wohl erwartet hätten. Durch den Beschluß der zuständigen Parteiinstanzen sei die Angelegenheit rein parteipolitisch zunächst entschieden. Di« Parteidisziplin verlange, daß diese Emscheidung respektiert werde und eine öffentlich« Er- örietung der Tedeisten. die gegen die getroffen« Löiuya sprechest. bis: nach der Wahl zurückgestellt würden./!) Sehr deutlich aber gibt das Blatt dann zu erkennen, daß die Partetdisziplin noch keines- weg» zur Wahl Hindenburgs verpflichte: ve! der parlameularischea Wahl gebe der Wähler der Partei sein« Stimme. bei der umnillelbareu Volkswahl aber nehme ex Stellung zu einer bestimmkeu Einzelfrage und entscheide sich für ein« bestimmte Einzel- Persönlichkeit. Immer sei bei der unmittelbaren volkseostcheidung da» Verhältnis de» Eiazelwilleu» zum Parkeiwlllen ein loseres.— Das offizielle Parteiorgan gibt also den Wählern indirekt den Rat, sich um hie Parteiparole nichit zu kümmern. hiellen als packten. Ihr Ton erschien in Mozarts„Rondo" recht spitz und unangenehm. Vielleicht war auch der nur halbgefüllte Raum der Natur ihres Instrumentes nicht günstig. S. G. Deutscher Ehirurgeukongreß. Mittwoch vormittag wurde im Langenbeck-Birchow-Hause die 49. Tagung der Deutschen Gesellschaft iür Chirurgie unter sehr starker Beteiligung, auch ausländischer Chirurgen, eröffnet. Professor L e x e r- Fretburg i. B. eröfsneie die Verhandlungen mir dem Vortrag„2 0 Jahre Transplorfta- tionsforschung". Bei der Transplantation handelt es sich — fo führte er aus— im wesentlichen um die Verpflanzung von Gewebs- und Organteilen bei ein und demselben Menschen oder von einem Menschen auf den anderen. Es haben sich im Lause dieser 20 Jahre erstaunliche Ergebnisse, aber leider auch Mißerfolge herausgestellt, denn die An- und EinHeilung der überpflanzten Teile läßt sich sehr schwer im voraus beurteilen. Die Verhältnisse liegen durchaus verschieden, je nachdem es sich um Haut, Schleimhaut, Knochen oder andere Gewebsarten handelt. Wenig glücklich hat sich die Verpflanzung ganzer Gelenke gezeigt. Besser gelang die Heilung einzelner Gelenkteile. Man tonn jetzt sehr gut Knorpel trans- planieren, so an Nase und Ohr. auch hat die Sehnenplastik an Armen und Beinen nach Verletzungen, Eiterungen und Lähmungen gleich- falls günstige äußere und funktionelle Resultate gezeitigt. In kos- metischer Hinsicht ist wichtig, daß sich auch künstliche Fettpolster herstellen lassen, dagegen ist das Urteil Über die Aussichten des Nsrvenersatzes noch nicht abgeschlossen. Vieles ist auf diese!» wichtigen Arbeitsgebiet der Chirurgie geleistet worden, doch bleibt für die weitere Forschung noch manches Problem zu lösen, besonders soweii die Stofswechseloerhältnisse in den überpflanzten Testen in Frag« kommen. Zahlreiche Mitglieder ergänzten den fesselnden Vortrog, dem sich eine längere Aussprache anschloß. Der erste wellcrrückschlag. Nach dem heiteren und beständigen Hochdruckwetter der ersten Aprilhälstc. in dessen Verlauf bei meist wolkenlosem Himmel in weiten Teilen Mitteleuropas 29 Grad Celsius erreicht worden waren, sst nunmehr ein Rückschlag erfolgt, der erste nach dem Eintritt frühlingshaftcr Witterung. Während in Süd- deusschland schon vor einigen Tagen Regensälle und Abkühlung ein- getreten sind, in Mitteldeutschland am Montag Gewitter dem schönen Wetter ein Ende machten, hat sich im Norden des Landes am Dienstag der Umschwung in Gestalt von Trübung, Äbkühlttng und Regen vollzogen. Die Ttefdrucksurche, die langsam von Westen nach Osten vorrückt und uns von den trockenen Landwinden a:««' dem Bereich des kontinentalen Hochdruckgebiets abgeschnitten da», sst aber nur flach, und das von Südwcsteuropa heranziehende Azoren- Maximum wird-ms wahrscheinlich sehr rasch wieder Aufheiterung bringen. An seiner Nordsette. zwischen Island ui