Abendausgabe Nr. 181 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 89. Bezugsbedingungen unb Anzeigenstelle And in der Morgenausgabe angegeben Rebettion: S. 68, Lindenstraße 3 Jerufprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Hoceffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Freitag 17. April 1925 Berlea und Angetgenabteilung Gefchäftszett 9-5 Uhr Beeleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Cindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Politik und Geschäft. Widerwärtiger Streit ums Geld.- Laverrenz gegen Loebell. Reichsblod Wahlausschuß Groß- Berlin. Berlin W. 9, Schellingstr. 1. Sehr geehrter Herr! Der Loebell- Ausschuß hat den unwahrhaftigen und fläg.| Berbung mehrerer Stellen bei ber gleichen Firma fichen Bersuch unternommen, der Deffentlichkeit einzureden, vermieden werden fall. Es wurde daher vorgesehen, baß er merde nicht von Schmerindustrie und Großfapital finanziert. ausschließlich unsere Zentralleitung des Reichsblocks fich mit der Diefer Bersuch ist bereits Lügen gestraft durch den Schnorrer Bitte um finanzielle Unterſtügung an Sie wenden solle. Wir müssen brief des Herrn Don Loebel 1, den mir veröffentlichten. verschiedene Herren beauftragen, zur Unterstügung unserer WerbeDieser Schnorrerbrief hat einen anderen Brief, unterschreiben auch noch persönlich bei denjenigen Firmen vorzu. zeichnet von Herrn Laverrenz, hervorgerufen, der einen sprechen, die uns nicht unmittelbar auf unser Schreiben einen Betrag mütenden Protest gegen die Behauptung des Herrn von überweisen. Diese Herren legitimieren sich durch eine Karle 20ebell darstellt, er allein sei zum Bettel berechtigt. des Herrn Staatsministers v. Coebell und durch einen Ausweis, der Wir sind in der Lage, auch diesen Brief der Oeffentlichkeit von Herrn Staatsminister von Loebell persönlich unterzeichnet ist. im Wortlaut mitzuteilen. Hier ist er: Die Unterschrift des Herrn Staatsministers von Loebell ist Ihnen aus dem oben erwähnten Schreiben befannt Wir bitten Sie, Unterstühungsbeiträge für die Reichs: präsidentenwahl nur denjenigen Herren gegenüber zulagen zu wollen, die fich in der vorgezeichneten Weise ausweisen fönnen, und fnüpfen Sehr geehrte Firma! Wie uns mitgeteilt wird, hat sich der Hauptausschuß des daran die Bitte, uns fo schnell wie möglich und so großzügig wie Wie uns mitgeteilt wird, hat sich der Hauptausschuß des möglich zu unterstüßen, da wir nur dann den Wahlkampf fo intensiv Reichsblods für die Wahl des Herrn Generalfeldmarschalls führen können, wie es in Anbetracht der Wichtigkeit der bevorstehen von Hindenburg zum Reichspräsidenten auch an Sie mit einem Briefe gewandt, in dem er sich als allein berechtigt zur Samm- Person des zufünftigen Bräsidenten, sondern vor allem um die den Entscheidung notwendig ist. Der Kampf geht nicht nur um die lung von Geldern für diese Wahl bezeichnet. Wir möchten nicht Frage, ob für die nächsten sieben Jahre die Sozialdemokratie mit den unterlassen, Ihnen mitzuteilen, daß diese Auffaffung auf einem grundfählichen 3retum beruht. Die im Groß- Berliner Bahlauschen Bolles die fünftigen Beschide bestimmen soll, der sozialistische von ihr abjolut abhängigen Gruppen oder ob derjenige Teil des deut schuß zusammengeschlossenen Parteien und Verbände sind selbstver- Experimente, Klassenkampfgedanken und fonfessionelle Zwietracht fländlich mindestens ebenso fehr berechtigt, sich an die ihnen nahe- auf das entschiedenste ablehnt. stehenden Firmen und Einzelpersönlichkeiten mit der Bitte um Bahlspenden zu wenden, wie der Hauptausschuß bes Reichsblocks. Mit vorzüglicher Hochachtung Sie halten sich dazu sogar um so mehr verpflichtet, als der Ausfall des ersten Wahlgangs in Groß- Berlin wesentlich infolge un= genügender Finanzierung für die im Reichsblod zu sammengeschlossenen Parteien feineswegs befriedigend mar. Bir müssen im zweiten Wahlgang wesentlich mehr für die nationale Sache aus Groß- Berlin herausholen, als dies am 29. März mög fich mar. Sollten auch Sie auf diesem Standpunti stehen, so bitten wir Sie, unabhängig von einer etwaigen Spende an den Haupt ausschuß( Loebell- Ausschuß uns sofort einen möglichst hoben Betrag auf das Konto Reichspräsidentenwahl Hinden burg" bei der Diskonto- Gesellschaft, Potsdamer Str. 129/130( Postjchedtonio Berlin 137 334) zu übermeifen. Zur näheren Erläuterung wird fich einer unserer Beauftragten in den nächsten Tagen bei Ihnen einfinden. Bir bitten, ihn freundlichst empfangen zu wollen. Mit ausgezeichneter Hochachtung und deutschem Gruss! der Vorsitzende Laverrenz Oberregierungsrat M.d.R. Herr von Loebell aber hat als Antwort auf dies Ronkurrenzmanöver einen neuen Brief abgesandt, in dem er nochmals vor unlauterer Bettelfonfurrenz warnt. Dieser Brief lautet: Reichsblod zur Vorbereitung der Reichspräsidentenwahl. Berlin, den 15. März 1925. Sehr geehrter Herr! Berschiedene Anfragen veranlassen uns, auf unser Saret. ben vom 9. d. M.( Das wir veröffentlichten. Red. d.„ Borm.") zurüd zulommen. Wir haben Ihnen mitgeteilt, daß laut einem zwischen uns und dem Propaganda- Ausschuß Groß- Berlin sowie den beteiligten Parteien getroffenen Abkommen eine gleichzeitige Das Verbrechen von Sofia. ( gez.) v. Coebell, Staatsminister, Vorsitzender des Reichsblods. Gibt es etwas Widerwärtigeres, als diese unlauteren Konkurrenzmanöver der Rechtsparteien untereinander, um ein ander beim Bettel übervorteilen? Muß nicht jedem Deutschen, gleichpiel welcher Partei er angehört, die Schamrote ins Ges fich fteigen, menn er fieht, mie fich die Herren v. 2Debell und Laperrenz ums Gelb raufen und einander in Bettelbriefen der unlauteren Konfurrenz bezichtigen und vor Industrie und Großkapital anschwärzen? Und das alles unter der Flagge: Für Hindenburg! Zusammenbruch des Marschalls. Für eiligfte Kapitulation. Machen Sie schnell! Stresemann gegen Hindenburg. Ludendorffs Nervenzusammenbruch bei Berlust des Weltfrieges ist bekannt und aus den Dokumenten des amtlichen Weißbuchs" der deutschen Regierung oft dargestellt worden. Aus einer erklärlichen schonenden Absicht wurde tisher fast stets übergangen, daß Hindenburgs 3u. fammenbruch noch größer als der Ludendorffs war. Diese Schonung tann heute nicht mehr gelten, nachdem Hindenburg sich in den Mittelpunkt der politischen Auseinanderfegungen hat zerren lassen. " Es soll hier die völlig topflose und geradezu fatastrophale Haltung des Feldmarschalls in den letzten Monaten des Weltfrieges dargelegt werden. Wir halten uns dabei genau an die amtliche Urkundensammlung: Amtliche Urkunden zur Borgeschichte des Waffenstillstandes 1918"( 3weite vermehrte Auflage). Herausgegeben vom Auswärtigen Amt und vom Reichsministerium des Innern. In jedem Fall wird die Nummer des Dokumentes beigefügt. sekretär v. Hinge auf deffen Anfrage, ob er sicher wäre, mit Mitte Juli 1918 hatte Ludendorff den damaligen Staatsbesiegen, erflärt: Darauf antworte ich mit einem bestimmten ber jetzigen Offenfive den Feind endgültig und entscheidend zu Ja"( Dokument Nr. 2). Am 8. Auguft erfolgte dann die Hauptquartier vom 14. August 1918 unter Borsiz bes fürchterliche Niederlage, die eine Besprechung im Großen Raisers zur Folge hatte. In dieser Besprechung gab Ludendorff seine Siegeszuversicht preis und erflärte, daß mit der Zeit die Uebermacht der Gegner die Mittelmächte zerschmettern müffe.( Nr. 1.) Das amtliche Protokoll der gleichen Be sprechung jagt über Hindenburg: „ Generalfeldmarschall v. Hindenburg führt aus, daß es ge. lingen merde, auf franzöfifchem Boden stehen zu bleiben und dadurch ichließlich den Feinden unseren Billen aufzuzwingen." Zu dieser Stelle bemerkt der amtliche Herausgeber, die Reichstanzlei, in einer Fußnote: Zu dieser nach Dieser Sag des Generatfeldmarschalls lautete in dem Protofol ursprünglich: Generalfeldmarschall v. Hindenburg„ hofft, daß es bennoch" gelingen werde usw. Die Aenderung in die bestimmtere Alles wird unter den Händen der Rechtsparteien zum Ge- Form: führt aus, daß es gelingen werde", fiammi nad) Schrift und schäft! Die Wah Iniederlage des Rechtsbinds in benugtem Stift von General Ludendorffs Hand. Berlin, die Laperrenz offen eingesteht, wird zum Geträglichen Menderung hat sich Ludendorff bekannt. schäft, zum Mittel für verstärkten Bettel. Der Name Hinden burg wird zum Geschäft, er soll die Parteikassen der Rechts parteien füllen. Geschäft ist alles! Hindenburg ist nichts, nur zugfräftige Reflame fürs Geschäft. Ums Geschäft, nicht um politische Zwecke handelt es sich. Herr Laperrenz ist der Berleger der Nationalpoft". Diese deutschnationale Zeitung ist in chronischer Geldverlegenheit. Sie fann weder Lieferanten noch Mitarbeitern zahlen. Der Name Hindenburg, der Hindenburg- Bettel follte fie fanieren. Der Brief Loebells, der den Bettel durch Laperrenz als unlauteren Wettbewerb von vornherein tennzeichnete, hat die Absichten des Verlegers der„ Nationalpost durchkreuzt. Nun fezt a perrenz fich zur Wehr und beteuert fein heiliges Recht auf den Bettel. Das find nicht Politiker, die so handeln, sondern gewiffenlose Geschäfte macher! Hier ist unmoralische Berquidung von Politik und Geschäft! Hier ist finanzielle und moralische Korruption! Unter dem Dedmantel Kandidatur Hindenburg", unter dem Decmantel der nationalistischen Phrase suchen die Herrschaften vom Rechtsblock an der Wahl und an Hindenburg zu verdienen. Im Osteraufruf von Hindenburg heißt es: ,, Es bedarf vor allem der Säuberung unseres Staatswesens von denen, die aus der Politit ein Geschäft gemacht haben." Ludendorff forrigierte also schon damals die Aeußerun gen des Feldmarschalls fo, wie es ihm paßte. An seine Stelle ist jetzt der Loebelliche Reichsblod getreten, wie die Zenfurie. rung und nachträgliche Fälschung des Briefes Hindenburgs an Jarres beweist. Für die geistige Selbständigkeit des Feld: marschalls immerhin ein erhebendes Bild! Am 25. September 1918 erläßt dann Hindenburg einen ft reng geheimen Armeebefehl( Nr. 10d), in dem er bas Nachlassen der Zucht im Heere beklagt und diesen Umstand- man höre und staune auf das Bersagen der Offiziere zurüdführt. Es heißt da: Mit besonderer Garge erfüllen mich die sich häufenden Melbun gen, daß das Bertrauen zwischen Führung und Truppe, zwischen Offizier und Mann nicht mehr überall das alte fei. Die Truppe mus das Mitfühlen ihrer höheren Borgelegten in allen Offiziere für sein leibliches Wohl, namentlich für die Ber Bagen, der Soldat insbesondere die rastlose Fürsorge seiner pflegung, jederzeit erkennen. Scharfe Aufmerksamkeit auf unrichtiges Verhalten von Offizieren jeden Alters, die dadurch der Gesamtheit des Offizierstorps und damit dem inneren Gefüge des Heeres schaden. ist geboten. Niemand wird an diesem Erlaß etwas auszusehen haben - außer dem Umstand, daß er juft einige Tage vor dem völli Hier ist Gelegenheit zur Säuberung! Hier sind Berfonen, gerügten Mißständen rechtzeitig seine Aufmerksamkeit zugegen Zusammenbruch erfolgte! Hätte Hindenburg den von ihm die aus der Politif ein Geschäft machen. Wird Hinden wandt, so hätte der Zusammenbruch vielleicht vermieden burg Herrn& averrenz hinausfäubern? Wir nehmen es nicht an. Wir beschuldigen deshalb in aller Deffentlichkeit den werden können. Aber immerhin ist es bezeichnend, daß der Rechtsblock und den Wahlaufruf für Hindenburg der Unschaftlichkeit der Offiziere für das Bersagen der Disziplin ver wahrhaftigkeit und der Unehrlich feit. Fort mit diesen üblen Geschäftemachern! Wählt den Kandidaten der republikanischen Parteien, Wilhelm Marg! den anwesenden Ministern drei leicht verleht Unter den Toten befinden sich außer dem Polizeipräfetten mehrere höhere Referveoffiziere und Abgeordnete. Die Regierung hat Maßnahmen getroffen, um die Ordnung überall aufrechtzuerhalten Ueber 100 Zote. 200 Verwundete. Sofia, 17. April.( WTB.) Meldung der bulgarischen Telegraphen- Agentur. Sofort nach der Explosion in der Kathedrale Das fürchterliche Attentat in Sofia lenft die Aufmerk. begab sich der König an die unglüdsfielle, wo er von der ver- famteit der Welt in verstärktem Maße auf die unerträglichen Jammelten Menge lebhaft begrüßt wurde. Das Werkzeug der Ex- Bustände in Bulgarien, bas in letzter Zeit zu einem Gefahrenplosion, eine mit einem Uhrwert versehene Höllenmaschine, war herd für den ganzen Balkan geworden ist. Mord und Totunter dem Dache des füdlichen Telles der Kathedrale versteckt. Da schlag stehen dort an der Tagesordnung, von einem geordneten die offiziellen Persönlichkeiten um die Bahre Koftas in der Mitte Staatswesen fann faum mehr gesprochen werden. Bei allem der Kirche flanden, waren fie der Wirkung der Explosion viel Abscheu gegen das in der Kirche von Nedilia begangene weniger ausgefeht, als die, die fich in der Aktionsfpäre der Maschine Attentat wird man die Ursachen in Betracht ziehen müssen, befanden. Die Zahl der Toten beträgt etwa Hundert, die der Ber- die in gewiffen Bevölkerungsfreifen eine Attentatsstimmung wundeten Zweihundert. Der Ministerpräsident, der Kriegsminiffer hervorgerufen haben. und der Innenminiffer frugen leichte Berwundungen davon. Sofia, 17. April.( WTB.)( Meldung der Bulgarischen Telegraphenagentur.) Bei der Explosion in der Kathedrale nedilia, die während der Begräbnisfeier für den ermordeten Abgeordneten Kofta geffern um 3 Uhr erfolgte, wurden nach den letzten Nachrichten von Es ist anzunehmen, daß bei der Fortdauer des jetzigen Terorregimes die Berhältnisse in Bulgarien sich noch mehr zuspigen und zu einer allgemeinen Egplofion führen, die ernste internationale Verwidlungen nach sich ziehen förinte. antwortlich macht, ein Jahr später vor dem Untersuchungsausschuß die Dolchstoßlegende nachbetete. Wir kommen nun zu der deutschen Waffenstreďung von Anfang Oktober, die auf das fortgefezie Drängen Ludendorffs erfolgte. Bekanntlich hat sich Bring Mag von Baden mit Händen und Füßen gegen die Kopflo figfeit und lebereifung der von Ludendorff ver langten Baffenstillstandsbitte innerhalb 24 Stunden gewehrt, er mußte jedoch dem Drängen der Obersten Heeresleitung weichen. Daß an diesem Drängen auf fofortigen Waffenstil ftand auch Hindenburg start beteiligt mar, bat ber Staatssekretär Dr. Solf in der Besprechung beim Reichs. fangler am 11. Oftober 1918 bezeugt.( Nr. 42.) Das amiliche Protokoll fagt: Dr. Golf: Er habe ebenfalls den Feldmarschall v. Hindenburg gefragt, ob mir nicht acht oder wenigstens vier Tage Zeit hätten Der Feldmarschall habe erwidert, darauf fönne er feine beffimmte Antwort geben und seine Erwiderung mit den Worten geschlossen. Machen Sie schnell, machen Sie schnell! Also nicht acht, nicht einmal vier Tage wollte Hindenburg zur diplomatischen Borbereitung der Kapitulation einräumen. Sein ängstliches: Machen Sie schnell, machen Sie schnell" spricht über seine geiftige Berfassung Bände. Am 12. Oktober 1918 telegraphierte Hindenburg an den Reichskanzler Prinz Mar von Baden(Nr. 4K): Großes Hauptquartier. 12. Oktober 18. Ich und General Ludendorff stimmen dem von Obersten v. Haesten am 1Z. Oktober 12 Uhr 30 Minuten telcphonlsch mitge- teilten Wortlaut der Antwort an Wilson zu. gez. o. Hindenburg. Nun aber beginnt das Schwanken nach der anderen Seite. Nachdem Hindenburg und Ludendorff die Reichs- regierung zu dem überstürzten Waffenstillstaiidsangebot gezwungen haben, treten die vorauszusehenden Folgen des von der ganzen Welt als Kapitulation aufgefaßten Schrittes ein. Nun möchte Hindenburg, nachdem das lln- glück geschehen, wieder zurück. In einem Brief an den Reichskanzler vom 14. Oktober 1918(Nr. 49n) spricht Hinden» bürg dem Reichskanzler feine„ernste Sorge" aus. daß die gegenwärtige Stimmung im Innern des Reiches unsere militärische Lage und unsere Aussichten bei Verhandlungen immer ungünstiger gestaltet. Die„gegenwärtige Stimmung"— nämlich völlig« Panik — war aber durch nichts anderes erzeugt als durch die Kopflofigkevt und den Nervenzusammen- bruch der Obersten Heeresleitung. Am Schlüsse des telegraphierten Briefes heißt es aber: Dieses Telegramm war bereits verfaßt, als die Ausführungen des Staatssekretärs Erzberger für die.Norddeutsche Allgemein« Zeitung" zu meiner Kenntnis kamen. Ich begrüße diese Ausführungen..„ Das ist, wie wir noch sehen werden, nicht das einzige Mal, daß sich Hindenburg an den später geschmäh- ten und zu Tode gehetzten Erzberger klammerte. Wie es damals gerade mit dem Per- trauen rechtsgerichteter Kreise auf Hindenburg und Luden» dorff stand, das zeigt folgender Protokollauszug aus der Sitzung des engeren Kabinetts vom 17. Oktober 1918(Nr. 33): Staatssekretär Solf berichtet, daß ihn heute morgen zu unge- wohnlich früher Stund« der Abgeordnete Rieß er aufgesucht und ihm gesagt habe, das Vertrauen der RalionoMberalen Partei aus General Ludendorss sei so erschüttert, daß sie erwarte, die Regierung werde sich bei ihrem Entschluß nicht nur ans Hindenburg und Luden- dorss stützen, sondern auch andere Feldherren hören. „Nicht nur auf Hindenburg und Ludendorff stützen-.." Die Nationalliberale Partei heißt heute Deutsche Volks- partei und hat den Feldherrn als Präfidentschaftskandi- daten aufgestellt, zu dem sie am 17. Oktober 1918 alles Vertrauen verloren hatte! Aber vielleicht erinnern sich doch einige Mitglieder, daß in einer Führerbesprechung der Nationalliberalen Partei vom 13. Oktober 1918 kein geringerer als der jetzige Vorsitzende der Deutschen Volkspartei, Herr Dr. Gustav S tiefe.- mann, erklärt hatte: Es ist in der Oeffentlichkeit behauptet worden, der R e i ch s t a g habe wieder einmal die Nerven verloren. Demgegenüber nmß doch betont werden, daß das Parlament ohne Unterschied der Parteien in dieser Krisis die festesten Nerven gehabt hat. Die Srschüllcrung des letzten Restes von Siegeswillen ist ausgegangen von der Obersten Heeresleitung und von niemand ander». Und weiter beklagte Herr Dr. Gustav Stresemann, daß dep-Reichstag von der Obersten Heeresleitung belogen "Und betrogen worden sei. Herr Stresemann sagte: Man kann verstehen, wenn im Hauptausschuß gesagt wurde, daß unsere Nachrichtenabteilung nicht schlechter hätte sein können, wenn dort bezahlte Spione der Entente gesessen hätten. Ein Beispiel ist folgendes: An demselben Tage, an dem der Lyoner Funkspruch die Nachricht von dem Beginn der großen Ententeoffensive in Maze- donien in die Welt sandte, behauptete der Vertreter der Obersten Heeresleitung in Berlin, die bulgarische Front sei sieben Kilometer von der feindlichen entfernt, und es handle sich lediglich um belanglose Patrouillengefecht«. 48 Slonden später war die bulgarische Front durchbrochen und die Ulkte um Waffenstillstand ausgesprochen. So bitter hat sich Stresemann damals darüber beschwert, von der Obersten Heeresleitung belogen worden zu fein. Heute proklamiert Herrn Strefemanns Partei Hindenburg als Prä- sidentschaftskandidaten!_. die Volkspartei bettelt. Die Teutschnationalen solle« sich zu Stresemann bekennen. Die Reichsregierung hat in der Außenpolitik die Führung verloren. Der völkische Flügel der Deutschnationalcn unterminiert das außenpolitische Gebäude und macht täglich Fortschritte. Die Agitation gegen Strefemanns Außenpolitik wird hemmungsloser und hemmungsloser. Auch die Kreise der Deutschnationalen, die sich bei dem Intrigenspiel bisher neutral verhalten haben, werden mit fortgerissen. Unwidersprochen dürfen die Rechtsdeutschnationalen Hindenburg als Kampfkandidaten gegen Stresemann bezeich- nen. Die sich nährenden Proteste gegen leinen Kurs finden feit einiger Zeit auch in der amtlichen Presse der Deutsch- nationalen Eingang. Das Parteiorgan der Deutschnationalen Partei, die„N a t i o n a lp o st", macht sich zum Sprach- r o h r des Führers im Streit gegen Stresemann, v. Freytagh- Loringhoven. Und die Reichs regierung? Sie schweigt. Ihr Innenminister aber, Martin Schiele, schickt der er- bittertsten Gegnerin Strefemanns. der»Deutschen Zeitung", wohlwollende Beiträge. Und Stresemann, der Außen- minister, der von der deutschnationalen Fronde beseitigt werden soll— er hält in Hamburg eine nichtssagende Rede, in der er von seiner Außenpolitik sagt: »Die Grundlagen dieser Außenpolitik können auch durch ein Volksvotum über innerpolitische Anschauungen nicht geändert weiden."/ Das heißt um den heißen Brei herumgehen. Die deutsch- nationalen Frondeure haben Hindenburg als den Kandidaten gegen die bisherige Außenpolitik aufgestellt. Diese Anschau- ung gewinnt in der Partei an Boden. Selbst Graf W e st a r p bekennt sich in der„Kreuz-Zeitung" zu chr. Die Reichs- regierung, die die Führung in der Außenpolitik haben sollte, ist in die Defensive gedrängt. Zlber sie verteidigt sich noch nicht einmal. Sie schweigt. Das kann in dieser Lage nur da- mit zu erklären sein, daß sieselbstinzroei feindliche Lager gespalten ist. Die„Nationolliberale Korrespondenz", der amtliche Presse- dienst der Volkspartei, versucht, Stresemann zu Hilfe zu kommen. Sie fordert, „daß die Deutschnationale Volksparlei von Herrn von Frey- tagh-Lorringhoven abrückt und ihrerseits um unumwunden zum Ausdruck dringt, daß sie als Regierungspartei auch hinler der Außenpolitik der Regierung steht." Eine selbstverständliche Forderung. Aber die Deutsch- nationalen müßten nicht die Deutschnationalen sein, wenn sie nicht darauf pfeifen würden. Man hat nicht umsonst Iarres in die Ecke gestellt und Hindenburg an seine Stelle gesetzt. Hindenburg ist Attrappe. Die Deutschnationale Partei aber will herrschen. Sie will den Sieg über die Volkspartei ausnutzen. Die Bolkspartei soll in Zukunft dieselbe Rolle spielen, wie sie Hindenburg zugedacht ist. Dekoration, nichts mehr. Die schüchterne Forderimg des volkspartei- lichen Presseamtes wird im deutschnationalen Lager nur Ge- lächter auslösen._ Hannover für Marx. Der Bolksblock marschiert. Hannover, 17. April.(Eigener Drahtbericht.) Als ein Erfolg für die Kandidatur Marx kann die am Donnerstag abend in der Stadt Hannover vom Wahlverein unserer Partei veranstaltete öffent- liche Wahlkundgebung gewertet werden. Vor einer vieltausend- köpfigen Menge sprach Oberpräsident, Genosse H ö r s i n g, über die Zukunftsfrogen des deutschen Bolkes, die mst d« Enifcheidung über das Reichspräsidium zusammenhängen. Immer wieder von stürmischem, langanhaltendem Beifall wurde er unterbrochen, wenn er die Sünden des Reaktionsblockes und die Absichten der Gegner schilderte. Dos von dem Redner abgelegte Bekenntnis zur Wei- marer Verfassung, zum sozialen Fortschritt und zum Frieden fand ausnahmslos feierliche Zustimmung bei den Anwesenden, die sich aus Angehörigen aller republikanischen Parteien zusammensetzten und klang aus in ein dreifaches Hoch auf die Republik, die es zu erringen und auszugestalten galt. Die Massenversammlung bedeutet eine verheißungsvolle Eni- Wicklung des Wählkampses für den republikanischen Gedanken in Hannover. In den nächsten Togen werden weitere 20 Wahl- Versammlungen der sozialdemokratischen Partei in Hannover einberusen. Auch das �Zentrum und die Demokratische Partei wer- den große Kundgebungen veranstalten, in denen der frühere Reichs- kanzler Dr. Bell und der Reichstagsabgeordnete Dr. Haas sprechen werden. An diesen Kundgebungen wird sich auch das Reichsbanner beteiligen. Die Wahlarbeit der Gegner sst bisher in der Oeffentlichkeit wenig bemerkt worden Die ersten Kundgebungen des Reaktions- blocks werden in den nächsten Tagen veranstaltet. Unö tzmüenburg! Saßt schlafe» mir de« Alte»... Hannover, 17. April.(Eigener Drahtbericht.) Hindenburg fft am Donnerstag von einem Besuch bei seiner verheirateten Tochter in Lüneburg zurückgekehrt. Seine Stimn'ung fft sehrun- wirsch. Besonders hat ihn der katastrophale Eindruck seiner Knu- didatur bei der Auslandspresse verstimmt. Er lehnt zurzeit jede Unter redung mit den zahlreichen ausländischen Pressevertretern, die in seinem Hause vorsprechen, a b und sein Adjutant, der Oberst- lcutnant v. Kuegelgen, ein früherer aktiver Offizier, der setzt von der Republik seine Pension bezieht, schickt selbst die deutschnationalen Propheten, die bei Hindenburg ein- treffen, ohne sie irgendwie berücksichtigt zu haben, an das W a h l- bureau des Reaktions blocks. das in Hannover ein- gerichtet ist und politische Auskünfte in orakelhafter Form zu er- teilen hat. Bor dem Hause Hindenburgs stehen auf Anordnung des Hannoverschen Polizeipräsidenten v. Beckrath zwei grüne Schutzpolizeibeamte, die dafür zu sorgen haben, daß keine unberufenen Leute Hindenburg belästigen und daß vor seinem Hause olles in Ordnung bleibt.'_ �___ Eitler in Halle. Exzesse gegen«user Parteiorgan. Holle, 17. April(Eigener Drahtbcricht.) Halle scheint der Tummelplatz der extremen politischen Parteien bleiben zu sollen. H i t l e r. der bekaniillich in Bayern nicht sprechen darf und der auch alle Ursache hat, politisch weiter in der Versenkung zu bleiben, ist für Sonnabend»nd Sonntag in vier öffentlichen Versamlungen in Halle als Redner angesetzt. Die Propaganda für den Putschisten hat in der vergangenen Nacht damit begonnen, daß die Hakenkreuzler der Buchhandlung des„Volksblattes" wieder eine Scheibe einschlugen. Wir fürchten, daß, wenn die preußischen Behörden sich nicht schnell besinnen und das öffentliche Auftreten Hitlers in Preußen un- möglich machen, es am Sonnabend und Sonntag in Halle zu neu«» Exzess'-t kommt, deren Folgen angesichts der bevorstehenden Wahl besonders schwer sein könnten....... Ermäßigung der inkernationalen Postlarise. Wie der Amster- damer..Telegraf" berichtet, sind Erwägungen im Gange, die inter- nationalen Posttariso zu ermäßigen. Man beabsichtigt, das gegen- wärtig geltende Brksporto von 20 auf 15 Cents uild für Postkarten von 12,'5 auf 10 Cents herabzusetzen. Wenn dieser Borschlog an- genommen werden sollte, so dürfte er doch nicht vor Oktober in Kraft treten. Alexandra Sollonloy, die rusfisSe Gesandte in Norwegen, ist abberufen und durch Nikolajew abgelöst worden. der gute Richter. Bon Paul Gutmonn. In München ist am Ostermontaa Obirlandesgerichtavrästdent Wilhelm Mayer gestorben. Er siihrte u. a. den Vorsty im Euleuburg-Prozeß und im Prozeh gegen den Dichter Georg Kaiser. Er selbst war unter dem Namen Wilhelm Herbert als Dichter bekannt. Jeder Gebildet« in München kannte ihn unter dem Namen: der gute Richter. Seine Objektivität war bewundernswert. Der , Künstler in ihm stand dem Richter würdig zur Seite. Im Nebenberuf langjähriger Mitarbeiter der„Fliegenden Blätter", war er ein dramatischer Dichter der Prozeßführung. In politischen Prozessen der jüngsten Zeit ist er im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen rühmenswert hervorgetreten. Aber seine Laufbahn will ich nicht schildern. Ich möchte hier nur aus der Erinnerung das Bild eines Prozesses wiedergeben, den er leitete und der für München in seinen Ursachen und Wirkungen etwa das bedeutete, was eine Ratssitzung in dem Städtchen Schilda gewesen sein mag. Es handelt sich um den aus der Entfernung der Jahre grotesk anmutenden Veleidi- gungsprozeß Max Halbe gegen Friedrich Frekfa. Wer München kennt, weiß, daß in dieser Stadt das Unzuläng- lichste Ereignis werden kann. Eine Tänzerin entfesselt eine Revo- lution. Ein Literat, der gestern im Kaffeehaus vor einem lauten Geräusch zusammenschreckte, fährt heute mit einer roten Schärpe und einem alten Schleppsäbel als Kriegsminister durch die Straßen, ein worttrunkener Bereinsredner wird im Bierkeller als Diktator ausgeriisen Das Maß für die Wirklichkeit verschiebt sich hier, das Kleinste nimmt abenteuerliche DimeiisianeV an. So war es auch t» jenem Prozeß vor etwa sechzehn Jahren, der heute nach so viel weltumwölzenden Ereignissen geradezu als köstlicher Witz anmutet. Daß ein Dichter einen Kollegen verklagt, weil dieser von ihm. nota- bcne ohne Namensnennung, als von einem dicken Dramatiker ge- sprachen hat, der auf die Erfolge der anderen mit Neid blickt, eine solche Empfindlichkeit ist eben nur aus der Münchener Atmosphäre zu erklären. Daß aber die Beweisführung von Morgens bis in die Nacht dauert, daß fast das ganze literarische München die Zeugenbänke füllt und der Verhandlungsleiter, selbst ein Dichter, den Chor widerstrebender Personen und Cliquen wie ein genialer Kapellmeister dirigiert, das ist phantastisches Künstlerwescn in höchster Vollendung In jeder andern Stadt würde man über die Fragestellung: ist Halbe neidisch, ist er es nicht, mitleidig lächeln. Dielleicht ist er es. Jeder von uns, wenn er aufrichtig ist, wünscht sich den Erfolg seines Konkurrenten. Aber hier, so stelle man sich vor, treten die ersten Schauspieler des Hoftheaters und Schauspiel- Hauses, die von Halbe geförderten jungen Dichter, ferner Maler. Zeitungsmenschen, Direktoren usw. vor die Schranken und be- künden unter Eid, daß Halbe nicht neidisch sei.' Eine Sensation: Roda Roda, herrlich geschmückt mit seiner roten Weste, versichert mit feierlichem Pathos, was bei ihm besonder» großartig wirkt: Halbe ist nicht neidisch! Der gute Richter sitzt da und schmunzelt. Man hat bei chm das Gefühl, daß er über dem Ganzen als ge- nießender Schöpfer thront. Jede Aussage in diesem Literatenpro- zeß fft ein kleines Essay, das er befriedigt herunterschlürft. Der Kampf tobt weiter. Die Anhänger Ruederers. zu denen der Be- Nagte Frekfa gehört, und die Anhänger Halbes tauschen feindliche Blicke aus. Aber ein paar hundert Meter von der Gcrichtsstättc entfernt, hat Frank Wedekind in einer Kneipe fein Standquartier und läßt sich durch Freunde von Zeit zu Zeit berichten, wie die Dinge stehen. Denn um keinen Preis der Welt würde er seinem Freund Halbe, mit dem er seit Wochen wieder einmal verfeindet ist, das geringste Interesse zeigeil. Er lächelt nur diplomatisch, wie ein Japaner über jeden Schlachtbericht, der ihm zugetragen wird. Spräche aus den Zwischenbemerkungen des Berhandlungsleiters nicht eine so erfrischend humorvolle Ueberlegenheit, man wäre am Abend längst totoräde. An der Neidlosigkeit Halbes besteht ja nun- mehr wohl kein Zweifel. Man könnte die Sache als erledigt be. trachten. Ein vom Richter vorgeschlagener Vergleich der beiden Parteien wäre nicht so übel. Aber nein, nach solchem dramatischen Szenenaufbau darf der effektvolle Aktschluß nicht fehlen. Das fühlt der Dichter Freksa, und so springt er. nachdem der Wortlaut des Vergleichs bereits aufgesetzt, um neun Uhr abends plötzlich auf und ruft in die bereits ermattete Schar das heroische Wort:„Nie- nials. Ich bin eine Michael Kohlhaasnatur!" Darauf war keiner gefaßt. Das wirkt wie eine Bombe. Der gute Richter, offenbar ent- zückt über diese neue dichterische Wendung, fährt in der Berhand- lung hilmorvoll fort. Aber die Kohlhaasnatur hält dem Bedürfnis nach dem gewohnten Kaffeehaus nicht stand, und um 10 Uhr ist der Vergleich zwischen den feindlichen Parteien geschlossen. Halbe ist nicht neidisch. Freksa trägt die Kosten. Der giitc Richter hat eine Komödie zur Aufführung gebracht, worauf die Dichter der beiden feindlichen Gruppen, auch wenn sie offiziell als neidlos da- stehen, mit Neid hätten blicken können. Ein lustiger ftaozöststher Schwank. Sallenburgs„Deutsches K ü n st l e r t h e a t e r" hat wieder seinen Dauererfolg. Der dreiaktige Schwank der Franzosen Mau- rice Hennequin und Pierre Väber„Die Bar auft Montmatre" ist ein Volltreffer. Gleich in den ersten Szenen beginnen sich von der Bühne in den Zuschauerraum Fäden zu spannen, die das Publikum gefangen nehmen. Die auf der Bühne tollende Ausgelassenheit steckt an. Dem Griesgrämigsten vergehen die Grillen. Man kommt in Rauschstimmung, man denkt nicht mehr nach, man lacht bloß. Nachdenken darf man auch nicht» sonst würde man merken, daß die Autoren zu sehr auf unsere Naivität bauen. Sie muten uns Unwahrscheinlichkeiten zu, die wir bei erhaltener Kritikfähigkeit entrüstet ablehnen würden. Originell fft die Sache auch, nicht aufgezogen. Die Lustigkeit beruht auf Verwechslungs- tricks, dein bewährten Rezept für Schwänke. Die lockere Ginette, der ihr reicher Geliebter ein« Bar eingerichtet hat, verliebt sich in einen sehr kindlichen Dichter. Er ist so blöd, ihr« von A bis Z er- logene Lebensgeschichte sühr wahr zu halten und an ihre jungfräuliche Unberichrtheit zu glauben. Er bringt sie zu der wohltätigen, Harm- losen Frau eines Bankdirektors, die das tugendhafte Mädchen adop- tieren will. Der Bankdirektor ist aber GtnetteS Geliebter. Ausgerechnet. Das gibt ein tolles Durcheinander. Jeden Augenblick wartet man auf eine neue blödsinnige Verquickung der verzwickten Situation. Die Schauspieler unterstreichen die faustdick aufgetragen« Komik des Schwank?. Allen voran die Ginette der Erika G l ä ß n e r. Diese unbezahlbare Darstellerin kesser Puppchen fühlt sich in ihrem Element. Sie besitzt ein unerschöpfliches Register von Ausdrucks- mitfeln. Sie spielt mit den Füßen, mit den Fingern, mit den Augen. mit der Stimme. Gurrend und klucksend spricht sie. scharwenzelt wippend und tänzelnd auf der Bühne herum, stelzt als große Dome und wiegt sich kokett als Luderchen. Wenn sie, sich aüf den Fuß- sohlen drehend, sagt:„Gestern noch lasterhast, und heute schon tugend- sani," erntet sie Beifall auf offener Szene. Das zweite lustige Er- lebnis des Abends fft Hans Waßmann. Er gibt mit grotesker Komik die Karikatur eines abgeschabten, verknöcherten Beamten. In seiner hostigen Hilflosigkeit fft er das Urbild emes spießigen Trottels. IohannesRiemann.Hons Junker mann und Erika Unruh konnten sich neben diesen beiden für den starken Applaus bedanken._ Dgr. Deutsche Kunst in Rloskan. Was wird in Moskau in den Theatern und Konzerten gespielt? Darüber gibt uns ein Blick in die Moskauer Zeitung„Jswestija" Auskunft. In der Oper Wagners „Walküre" und„Tristan und Isolde": im Konzertsaal Beechovens „Neunte Sinfonie" unter Klempercrs Leitung, Liszts„Mozeppa" und„Les preludes", Wagners„Meistersinger"- Vorspiel und die „Tannhäuser"-O>ivertüre. Das„Sinfonische Orchester ohne Dirigent" zählt zu den meisigespielten Koinponisten Beethoven und Wagner. Das größte Kinotheater Moskaus bringt in seinem Spielplan den „Nibclungen-Film". In den Anzeigen wird er als das größte Werk der Kinokunst bezeichnet. Wie man sieht, besteht also auch im Heu- tigen Rußland ein erfreulich großes und vielseitiges Interesse für die deutsche Kunst. welche Länder haben das Frauenskimmrechl? Das Frauen- stimmrscht ist viel weniger verbreitet, als man gewöhnlich annimmt. Bon den größeren Ländern Europas haben nur Deutschland und die drei nordischen Reiche ein uneingeschränktes Frauenstiinmrecht. In England sind die Frauen erst vom 30. Lebensjahr an stimmberechtigt, in Frankreich und Italien überhaupt noch nicht. Die Frauenorganisationen dieser Länder führen Im Augenblick einen an- scheinend nicht erfolglosen Kampf für das Frauenstimmrecht, so daß es bald wohl überall eingeführt fein dürfte. Zm Schausplelhouse mußte infolge techniicher Schwierigkeiten biö Neu- «instudierung des„John Gabriel Lorkmann" auf Montag, den SO. Zlpril verlegt werden.— Sonnabend:„Prinz Friedrich von Homburg-. Der neue Kölner Intendant. Der Kölner Theaterautfchuß wählte den früheren Generaliniendanten de« Weimarer Naiionoltbeater». Ernst Hardt, üum Intendanten de» Kölner Schaufpielhaufe«. Di« Wahl war sehr um- stritten. Räch Snstav Härtung, der der Theaterkunst neue Wege gewiesen bat. wird es Ernst Hardt schwer werden, dem Köln« Schauspiel den weiteren Aufstieg zu sichern. 0 Der Untersuchungsausschuß in Moabit. Bernehmung Barmats. Im großen Schmurgerichtssaale von Moabit sejte heute der Reichstagsausschuß für die Kreditangelegenheiten feine Ber handlungen fort. Abg. Saenger eröffnete um 94 Uhr die Sigung. Er belehrt den inzwischen aus der Untersuchungshaft vorgeführten Julius Barmat, daß er unvereidet vernommen werden solle; der Untersuchungsausschuß habe andere Aufgaben zu erfüllen, als die Untersuchungsbehörden; sie seien vorwiegend moralischer Art. Barmat erklärt, daß er begreiflicherweise sehr aufgeregt, da er auf so geheimnisvolle Weise verhaftet worden sei. Er habe um Material gebeten, damit er es für seine Aussage verwenden fönne, das sei aber abgeschlagen worden. Ueber seine Bersonalien sagt B. aus: Er fei 37 Jahre alt. 1906/07 jei er aus Barschau nach Amsterdam getommune, wo er in Verbindung mit der Sozialdemokratischen Partei traf. Er war erst nereidigter Dolmetscher für die russische und polnische Sprache, später gründete er ein Exportgeschäft, zunächst jur Blumenzwiebel. Das Geschäft vergrößerte fidh; als seine Firma während des Krieges Lebensmittel nach Deutschland lieferte, fei fie von England auf die fdyrarze Lifte gefeßt worden. Neben anderen prominenten deutschen Bersönlichkeiten sei im Jahre 1916 Professor Brintmann, jegt in Heidelberg, zu ihm gekommen, damit er auf die Stimmung in Holland, die damals gegen Deutsch. land gerichtet mar, einmirten jolle. Während des Krieges habe er nach Deutschland besonders an Konsumvereine geliefert. Ueber die politischen Beziehungen zu Deutschland während des Krieges berichtet B.: Nach dem Friedensschluß hätten die Herren Brinkmann und Malhahn ihm angeboten, die Interessenvertretung der Ukraine in Holland zu übernehmen. Die Führer der Holländischen Komm. Partei Byntopp und Radenftein hätten ihn miederholt besucht, damit er Lebensmittel nach Sowjetrußland liefern solle. Sein Geschäft habe einen großen Aufschwung genommen, die 2 merima murde gegründet, es wurden Lebensmittel, Baren und Rohstoffe exportiert. Barmat schildert dann die freundschaftlichen Beziehungen, die er mit sozialistischen Führern unterhalten habe. Auf Einladung von Bels und Hermann Müller sei er 1919 nach Deutschland er gekommen, über Geschäfte jet mit beiden niemals ge sprochen worden. Die Einreise erlaubnis habe er auf Beranlassung des Herrn v. Malzahn bekommen. Als Parteigenosse( er mar Mitglied der holländischen Partei) habe Barmat wiederholt Angelegenheiten der sozialistischen Bewegung er: lebigt. Er sei mit den Reichsstellen in Verbindung getreten und habe Lieferungen für das Reich übernommen. Mit Herrn Portschom jei er als dem Leiter des diftatorischen Ausschusses zusammengekommen, und zwar deshalb, meil er als einziger fich damals angeboten habe, die Waren in deutscher Mark zu liefern. Mit Heilmann sei er bekannt geworden, weil dieser der Berliner Korrespondent des von Barmat finanzierten sozialdemokratischen ,, Booruit" in Rotterdam war. Niemals habe er eine Bevorzugung verlangt, er wünschte lediglich, daß seine Offerten objektiv geprüft werden. An Geschäften habe Heilmann niemals teilgenommen. Als Barmat seinerzeit in der Volkszeitung" angegriffen wurde, sei er mit Bauer befannt geworden. Die neue französische Regierung. Painlevé Briand Caillaug. Die sozialistische Partei hat auf Grund des Beschlusses des Nationalrates die aktive Beteiligung an der Bildung mit dem Finanzministerium, der ein grundsählicher Gegner des Kabinetts abgelehnt. Für sie bildet die Befrauung Caillaug jeder Bermögensabgabe iff, eine fiarte Belaffung. Die fozialistische Fraktion ist jedoch ist jedoch nach eingehender Beratung zu der Auffaffung gelangt, daß nach Lage der Dinge zunächst und unter allen Umständen der Fortbestand des karPolitik der Unterstützung nicht von der Zusammensetzung des Kabitells gesichert werden muß. Sie hat deshalb die Fortjehung der netts, sondern lediglich von deffen Politik abhängig zu machen befchloffen. Paris, 17. April.( Eigener Drahtbericht.) Das Kabinett| cheur, dem der Posten des Handelsministers angeboten war, hat Painlevé ist in der Nacht zum Freitag nach erneuten endlosen seine Mitwirkung abgelehnt. Der Parteiangehörigkeit nach jest fich Berhandlungen und Besprechungen, die fich bis gegen 1 Uhr nachts das neue Ministerium zusammen aus 11 Radifaljozialen, 4 republihinzogen, endgültig zuffande gekommen. Es ist Painlevé gelungen, tanischen Sozialisten, 4 Mitgliedern der radikalen Linfen und einem fich Politiker allerersten Ranges als Mitarbeiter zu sichern und damit den republikanischen Sozialisten naheftehenden unabhängigen Sozia. feinem Minifterium, das zunächst lediglich dazu bestimmt ist, die liffen( Caval). furze Zeilspanne bis zu den am 4. Mai stattfindenden Gemeindewahlen, von denen erft eine endgültige Klärung der Lage zu erwarten ist, auszufüllen, eine ungewöhnliche Widerstandskraft und alle Aussicht auf längere Dauer zu geben. Painlevé selbst hat außer der Ministerpräsidentschaft das Kriegsministerium übernommen, Briand nach langem Zögern. das die Kabinettsbildung am Donnerstag abend erneut in Frage zu stellen drohte, das Ministerium des Aeußeren angenommen. Caillaug, der damit noch vor seiner des Aeußeren angenommen. Caillaug, der damit noch vor seiner Rüdtehr ins Parlament eine Rehabilitierung erfährt, die einem Triumph gleicht, hat als Finanzminister die schwere Aufgabe der Sanierung der französischen Finanzen auf fich genommen. Bon den Ministern des Kabinetts Herriot gehört dem neuen Ministerium lediglich Senator de Monzie, der nur kurze Zeit Finanzminister war, als Unterrichtsminister an. Das neue Kabinett zählt im ganzen 13 Minister und 7 lnterstaatssekretäre. Außer den bereits Genannten gehören ihm an bekannten politischen Persönlich teilen au: die Senatoren Steeg( Juffiz), Schramet( Janeres), Chaumet( Sandel), Durand( Landwirtschaft), die Abgeordneten Borel( Marine), Durafour( Arbeit), Hesse( Kolonien), Caval( öffentliche Arbeiten) und Anterion( Penfionen). CouBarmat: Nein. lichkeiten, insbesondere Angehörige der Sozialdemokratischen Bartei, Breitscheid: Ist Ihnen etwas bekannt, daß politische Persön ich besonders für Sie eingesetzt haben, im Gegensatz zu anderen Kaufleuten? Barmat: Nein, das erste Bifum habe ich ohne weiteres erhalten, es ist möglich, daß später, bei entstehenden Schwierigkeiten Herr Heil mann mir dabei behilflich war. Den Abg. Heilmann hat Barmat überhaupt erst nach seiner Einreise nach Deutschland tennen gelernt. Auf Befragen des Abg. Schred( S03.) fagt Barmat, daß er zuerst einen Stampf fonimen hätten, während man es ihm zuerst verweigert hatte. Er um das Dauervisum geführt habe, da seine Bekannten es leicht behabe später davon dem Abg. Heilmann erzählt, und es sei möglich, daß er sich deswegen telegraphisch an den Abg. We Is gewandt habe. Der Ausschuß wendet sich jetzt der Frage zu, welche Beziehungen politischer Art zu Deutschland während des Krieges Barmat schon unterhalten habe. Auf Befragen der Abgg. Breitscheid und Aufhäuser sagt Barmat, daß er verhindert habe, daß russische Staatsangehörige in die Armeen der Entente eintraten, und zwar deshalb, meil er gegen den Krieg überhaupt war. Er habe mit den deutschen amtlichen Stellen darüber zwar nicht geprochen, es sei ihnen aber bekannt gewesen, und man sei ihm dafür fehr dankbar gewesen. Er habe Lebensmittel an deutsche Firmen geliefert, an das Reich jedoch nicht. Es kommt die Erörterung der Auf Befragen des Vorsitzenden, wie er in den Besitz vertraulicher Mitteilungen gelangt sei, erklärt B., daß er sich auf Einzel. heiten nicht erinnern fönne. Er fönne niemals Herrn Rommel gefagt haben, daß Hermann Müller ihm etwas aus den Aften des Auswärtigen Amtes mitgeteilt habe, niemals habe er mit Hermann Müller über solche Dinge gesprochen. Barmat habe gemußt, daß Graf Baffenheim in der deutschen Botschaft im haag politisch vor. eingenommen gegen ihn gewesen sei, woher er das mußte, fönne er nicht fagen. An Abg. Heilmann habe er sich gewandt, damit dieser feststellen laffe, was ihn vorliege, bestimmte, vertrauliche Berbindungen gehabt. Bergütungen habe Heilmann niemals lich zu haltende Einzelheiten habe er aber nicht gefannt. Es sei schmer für ihn, sich ohne Einsicht in das Material daran zu er innern, ob der frühere Reichstanzler Bauer sich für ihn verwandi habe. Barmat schildert auf Befragen einige Geschäfte mit dem Reich. Es sei eine Liige, daß er bei dem Kondensmilchgeschäft das Reich betrogen habe. Er habe stets nach Bertrag geliefert, bei dem Milchgeschäft hätten ihn zwei holländische Fabriken gefchädigt, fie hätten ihm später auch den entstandenen Schaden erjeht. Auch nach diesem Falle habe er sowohl mit dem Reich mie mit Ländern und Kommunen in geschäftlicher Beziehung gestanden. Er habe zu günstigen Bedingungen geliefert, das Reich habe stets Bor. teile gehabt, häufig habe er zu entwerteter Mart liefern müssen. Dieselben Leute, die sich jest über die Art der Lieferscheine entrüften, häften fie selbst entworfen und aufgestellt. Auf Grund der Lieferfcheine feien zwar Atzepte gegeben worden, fie wurden aber erst freigegeben, nachdem die Waren non den deutschen Behörden als ordnungsgemäß abgenommen maren. leber feinen angeblichen schlechten Ruf in Holland sagt Barmat: Aus Konkurrenzgründen habe man zwar ungünstig über ihn gesprochen, aber es gab doch weite Kreise, die ganz anders über ihn geurteilt hätten. Borf. Saenger: Haben irgendwelche Parteien an dem Gewinn teilgenommen, den Sie aus Ihren Geschäften mit dem Reich oder anderen Behörden gezogen haben? Barmat: Meine Beziehungen zur Sozialistischen Partei Hollands oder zur deutschen Sozialdemokratischen Partei haben niemals etwas mit meinen Geschäften zu tun gehabt. Sie ist eine dieser Barteien oder eine andere politische Organisation an den Gewinnen beteiligt gewesen, nie ist an sie Provision oder dergleichen gezahlt worden. Bohl habe ich gelegentlich auf Sammellisten Beiträge gezeichnet, z. B. bei Wahlen, wie ich auch zur Gründung des Rotterdamer Parteiblatts 50 000 Gulden gegeben habe. Borf.: Wie steht es mit den Liebesgabenpateten? Barmat: Ich habe ohne Rücksicht auf die politische Zugehörig. feit der Empfänger Liebesgabenpafete nach Deutschland in großer Menge gefandt. So hat das Kinderheim Birna zahlreiche Batete erhalten, ich erinnere mich ferner an einen Herrn Gläser und Ge heimrat Schulze. Ich habe mich lediglich bemüht, Gutes damit zu tun, und nun werde ich jetzt deswegen beschuldigt! Barmat bestreitet dann ganz entschieden, daß er aus feinen Beziehungen zu politischen Persönlichkeiten geschäftliche Vorteile gezogen habe. Es kommt nun zu einer Auseinandersetzung zwischen Barmat und dem Zeugen Rommel, der behauptet hatte, Barmat habe ihm einen Gesandtenposten in Aussicht gestellt. Es stellt sich heraus, daß Rommel selbst gewünscht hatte, als früherer Offizier und Auslandsdeutscher im Ausland befchäftigt zu werden. Barmat scheint ihm lediglich versprochen zu haben, daß er ihm dabei helfen wolle. Es sei ganz ausgeschloijen, daß er fich auf feine guten Beziehungen zum Bräsidenten beri berufen habe, denn diese hätten niemals eriftiert, und wenn sie mirtlich eristiert hätten, so würde er sich gehütet haben, sie zu ermähnen. Er habe. auch einen Brief von Ebert erhalten. Die Erörterung wendet sich dann der Frage der Einreise nach Deutschland Abg. Breitscheid: Ihnen ist das Visum zur ersten Einreise nach Deutschland nach dem Kriege von Herrn v. Malgan erteilt worden. Ist Ihnen bekannt, daß irgendeine Stelle auf die Erteilung besonders eingemirft hat? Barmat: Ich glaube nicht, ich gab als 3wed geschäftliche Ange. legenheiten an, und darauf befam ich das Visum. Breitscheid: Sagten Sie damals, baß Sie Geschäfte machen mollten? politischen Beziehungen nach dem Kriege. Auf die Fragen des Abg. Rosenberg( Komm.), mann er Bauer fennengelernt habe, erklärt Barmat, erst nach seiner Tätig feit als Minister. Zu Heilmann habe er nur freundschaft erhalten. Ob es Belege darüber gebe, das müsse die Staatsanwalt schaft am besten miffen.( Heiterfeit.) Uleber Geschäfte habe er mit Heilmann schon deshalb nicht sprechen können, weil dieser nichts davon verstanden habe. Weder mit Krüger, noch mit Wels oder Hermann Müller hätten jemals geschäftliche Berbindungen beſtanden. Eine längere Erörterung entspinnt sich auf Beranlassung des Abg. v. Freyfag- Loringhoven darüber, ob die Geheimräle Schultz und Gläser, die von Barmat Liebesgabenpakete erhalten haben, der Deutschnationalen Partei angehören. Die beiden sollen als Beugen geladen werden. Auf Fragen des Abg. Hampe sagt Barmat, daß an einem Essen im Zentralhotel u. a. die Abgg. Heilmann, Neumann und Müller teilgenommen haben. Wenn er jemand eingeladen habe, fo habe er selbstverständlich für sie bezahlt. Irgendeine Gegen Leistung habe er meder verlangt noch erhalten, sowohl zu Heilmann wie zum früheren Polizeipräsidenten Richter habe ein remes Freundschaftsverhältnis bestanden. Abg. Bauer habe Bro visionen für Vermittelungsgeschäfte erhalten, daß er ihm die Wohnung eingerichtet habe, jei nicht wahr. Die bayerischen Gemeindewahlen. Eine Statistik des Gesamtergebnisses. München, 16. April.( Eigener Drahtbericht.) Auf Grund einer Umfrage des Bayerischen Städtebundes gewinnt man jetzt einen Ueberblick über das Ergebnis der am 7. Dezember v. 3. porgenomme nen Gemeindemahlen in den 212 bayerischen Städten, die mit rund 3 Millionen Einwohnern etwa die Hälfte der bayerischen Bevölkerung ausmachen. Es wurden insgesamt 3810 Stadträte ( Stadtverordnete nach norddeutschem Sprachgebrauch. D. Red.) gewählt, von denen 3024 politischen Parteien und 784 Wirtschafts und Interessentengruppen angehören. Von den großen politischen Barteien erhalten die Bayerische Bolfspartet 870 Sige, Deutschnationale, Deutsche Volkspartei und Nationalliberale 191, rechtsstehende Wahlgemeinschaften, zu denen sich in einer Reihe von Städten die obengenannten Parteien zusammengeschloffen hatten, 520 Sige, die Sozialdemokratische Partei 922, der Böltische Blod und die Nationalsozialisten 124, die Demokraten 145, die Kommuniften 126 und der Bayerische Bauernbund 61 Size. Das partei: politische Bild ist nach diesen Zahlen allerdings nicht ganz flar, weil viele Anhänger in Wahlgemeinschaften, bürgerlichen Bereinigungen, Wirtschaftsgruppen usw. enthalten sind. Wenn man die politischen Parteien und die sonstigen Gruppen zusammennimmt, so erhält man über die Stadträte Bayerns politisch ungefähr folgendes Bild: über die Stadträte Bayerns politisch ungefähr folgendes Bild: rechts stehende bürgerliche Parteien und Gruppen 52 Broz, Sozialdemokraten 27 Pro3., Demofraten 11,5 Braz., Völkische 6,5 Proz. und Kommunisten 3 Proz Vanderveldes Regierungsprogramm. Beschlüsse der sozialistischen Partei. Auf dem Gebiete der auswärtigen Politik bietet das neue Minifterium Painlevé volle Bürgschaft für die Fortführung der von Herriot begonnenen Politif des internationalen Ausgleichs und der Berständigung. Der Gedante einer deutsch- franzōfischen Annäherung findet besonders in Painlevé felbff, daneben aber auch in dem neuen Außenminister Briand und in Caillaug überzeugte Anhänger und Borkämpfer. Wohnungspolitif. Rampf gegen die Lebensmittelteuerung. Aus der großen Kriegsgewinne. Verschiedene Maßnahmen zugunsten der gleich des Budgets burd) eine gerechte Steuerpolitik und Erfassung fleinen Handwerfer und Bauern. Brüffel, 17. April.( EP.) Der Bollzugsausschuß der Sozialistischen Partei hat sich gestern nachmittag im Boltshause ver sammelt, um den Bericht Banderveldes über seine Bemühungen für die Bildung des Kabinetis anzuhören. Der Bollzugsausschus beschloß, am nächsten Montag den Rationalrat der Partei einzuberufen und am nächsten Donnerstag den erweiterten Parteifongreß. Vandervelde hat erfiärt, daß, wenn es ihm nicht gelingen Bartei in der Kammer gegen jede Regierung, die ohne die Unterwürde, ein Kabinett auf sozialistischer Grundlage zu bilden, die stützung der Sozialisten gebildet würde, in Opposition treten werde. Konferenz der Kleinen Entente. Wichtige Verschiebungen in Südosteuropa. Prag. 17. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Konferenz der Kleinen Entente, die ursprünglich für den 10. April geplant war. wurde infolge unvorhergesehener außenpolitischer Berwicklungen um einen ganzen Monat verschoben, so daß sie erst am 3. Mai in Bukarest stattfinden wird., Unter den Schwierigkeiten, die sich ihr in den Weg gestellt haben, steht vor allem die plötzlioje Bendung Englands gegenüber dem Genfer Protokoll. Die Folge davon ist, daß Polen Anschluß an seine nächsten Nachbarn, por allem an die Tschechoslowakei fucht. Es perhandelt bereits über den Eintritt in die Kleine Entente, und es scheint, daß Einw.ndungen über seine Aufnahme nicht erhoben werden. Es hat dieser Tage auch in volkswirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht beide Staaten den Handelsvertrag mit der Tschechoslowakei vereinbart, so dass gebunden sein werden. Durch den Hinzutritt Polens zur Kleinen Entente wird selbstverständlich ihre Bedeutung steigen, denn sie wird einen Länderfomplex vorstellen, der sich vom Baltischen bis zum Adriatischen Meere und vom Erzgebirge bis zum Schwarzen Meere erstreckt. In dem Gebiet dieser vier verbündeten Staaten wohnen derzeit mehr als 60 Millionen Menschen. Der Kampf um den Anschluß. Die Sozialdemokratic gegen eine Donauföderation. Wien, 17. April:( Eigener Drahtbericht.) In der Sigung des Hauptausschusses des Nationalrates berichtete der Bundeskanzler über die Absicht der Regierung, vom Bölkerbundsrat eine Unterfuchung über die wirtschaftspolitischen Verhältnisse Mitteleuropas zu verlangen. Der sozialistische Redner hatte dazu eine Era flärung feiner Partei abgegeben, worin sie sich bereit erflärte, jebe Aktion zu unterstützen, die die Berbefferung der Handels beziehungen Desterreichs mit dem Auslande erleichtert. Sie erflärte aber gleichzeitig, daß fie in dieser Untersuchung eine Gefahr sehe, da sie einen Anlaß zu einer weiteren Einmischung des Auslandes in die inneren Angelegenheiten des Landes biete, und daß diese handelspolitische Aktion von den Gegnern des Anschlusses an Deutschland zu ihren politischen Zweden mißbraucht werde. Im übrigen miesen sie darauf hin, daß Aeußerungen des Außen ministers, die er in Rom abgegeben hat, darauf hindeuten, daß der Schritt der Regierung nicht nur rein handelspolitischen Zwed habe, fondern vielmehr geeignet sei, die Anschlußbewegung an Deutschland einzudämmen, und zwar zugunsten der Bildung einer Donau ? onföderation, wie sie anscheinend von der Regierung, durch Sollbündnisse vorbereitet werde. Sozialistenverfolgung in Sowjetrußland. 12 Wie uns aus Mosfau mitgeteilt wird, hat die Sowjetregierung einen neuen infamen Gewaltaft gegen den Bruder Martows, den bekannten sozialdemokratischen Schriftsteller Cedera baum- Jeshow und seine Angehörigen verübt. Genosse Jeshow, der seit einigen Jahren in der Stadt Kaschin, Gouvernement Imer, in administrativer Berbannung lebt, sollte Anfang Mai seine Freiheit wiedererlangen. Am 29. März ist er plöglich, zusammen mit feiner Frau und seinem 18jährigen Sohne, verhaftet worden, und zwar auf Befehl der Staatspolitischen Verwaltung( der jetzigen Tscheka), die ohne irgendwelchen Grund und ohne welche Berechtigung anordnete, daß Genoffe Jeshow und seine Angehörigen für die Dauer von drei Jahren nach Minufinjt, Gouvernement Jenisfeiff in Sibirien, deporfiert werden. Diese Maßnahme, die nicht einmal unter dem 3arismus gegenüber politischen Gefangenen angewandt wurde, bedeutet natürlich eine ungeheure Berschlechterung der Lage des Genossen Jeshow. Gie ist ebenso ungefeßlich wie grausam und erklärt sich lediglich aus der fanatischen Rachsucht, die die Sowjetbehörden gegenüber dem Bruder Martoms mie gegen alle Sozialisten an den Tag legen. Brüffel, 17. April.( TUL) Das Ereignis des vorgestrigen Tages war die Ablehnung der Christlichdemokraten, sich an der Regierungs bildung zu beteiligen. Die Liberalen haben sich noch nicht end. gültig entschieden. Das Programm Bandervelbes läßt sich wie folgt jusammenrassen: Festhalten an den demokratischen Errungerschaften und den gesellschaftlichen Freiheiten. Einschranfung der Militärdienstzeit. liebernahme der Sohlengruben durch eine autonome Regie zugunsten des Staates. Beibehaltung des Achtstundentages. Reform der Versicherungseinrichtungen. Soziale Tscheka in Wirklichkeit aussieht. Die englische Gewerffchaftsdelegation hat in ihrem Bericht über Rußland unter anderem erflärt, daß die Staatspolitische Verwaltung nicht berechtigt fei, Urteile gegen politische Gefangene zu erlassen. Der vorstehend geschilderte Gewaltatt gegen den Genossen Jeshom einer von vielen- zeigt, wie die Praris der modernisierten russischen Bewerkschaftsbewegung Reichskonferenz der Bergarbeiter Für die Grubensicherheit. eRonferenz nahm zur Frage der Grubensicherheit folgende 6.fließung an: Der Bergarbeiterverband fordert die baldige Einführung nes Reichsberggefeges. Die reichsgefeßliche Regelung t beshalb gebeten, weil der heutige Zustand besonders im Berg olizeiverordnungswesen verworren ist und feinen genügenden Un fallschutz bietet. Die neu zu schaffende Berggefeggebung muß die wichtigsten Schußbestimmungen, soweit die Eigenarten des Berg baues es zulaffen, zentral regeln. Nachfolgende Forderungen müffen im Reichsberggeleg berücksichtigt werden. Bis dahin erwarten wir von den gefeßgebenden Körperschaften bzm. den Bergbehörden der Bänder, daß fie auf dem Gefezes oder Berordnungswege unfere orberungen verwirklichen. Diese find: 1. Im unterirdisch betriebenen Bergbau sind Grubenkontrolleure aus den Reihen der Bergleute u bestellen. Borbedingung für dieses Amt muß eine entsprechende Dauer bergmännischer Tätigkeit( untere Grenze beim Hauer) fein. Diefe Grubentontrolleure dürfen in fein Beamtenverhältnis gestellt werden; fie werden von den der Tarifgemeinschaft angehörenden Bergarbeiterorganisationen den Oberbergämtern benannt und müffen von ihnen zurüdberufen werden können. 2. Den einzelnen Mitgliedern der Grubensicherheitskommissionen und den Beiräten bei den Oberbergämtern muß das Recht unbe ( chränkter Grubenbefahrung eingeräumt werden 3. Den Betriebsräten find zur wirksamen Bekämpfung der un fallgefahren weitergehende Rechte einzuräumen. Auch ist ihnen ein größerer Schutz gegen die Behinderung durch die Unternehmer in ber Ausübung dieser Rechte zu gewähren. Die Gebingeregelung hat fo zu erfolgen, daß Arbeiten, bie für die Sicherung von Leben und Gefundheit erforderlich sind, besonders bezahlt werben. 4. Beeinflussungen der Tätigkeit verantwortlicher Aufsichtsperfonen durch Androhung oder Zufügung wirtschaftlicher Nachteile find zu bestrafen. Prämienfyfteme find zu verbieten. 5. Das Gesteinstaubverfahren ist, nachdem es fich bei verschiebenen Anläffen als wirffam ermiefen hat, obligatorisch einzu. führen. Mit der Instandhaltung dieser Einrichtung sind befonders gefchulte Bergarbeiter zu betrauen. Wo infolge besonders starter Staubbildung eine unerträgliche Belästigung der Ortsbelegschaft auf. tritt, ift von ber Drtsstreuung abzusehen und die Wasserrieselung vor Ort beizubehalten. Zur Befämpfung der Kohlenstaubbildung ist das Ueberlabent ber Förberwagen zu verbieten. 6. Hinsichtlich der Bergarbeiterausbildung fordern mir neben den bestehenden Einrichtungen folgendes: a) Ausbildung der Schießmeister durch besonders hierfür zu Shaffende Einrichtungen. b) Besondere Ausbildung ber Hauer; nach erfolgter Ausbildung und Befähigungsprüfung ist ein Hauerschein auszustellen. Bergfremde Arbeiter dürfen erst dann zur unterirdischen Grubenarbeit zugelaffen werden, wenn sie über die Betriebsgefahren hinreichend unterrichtet sind. c) Unterrichtung der Belegschaften über die Unfall. gefahren durch: I. Offene Schießvorführungen hinsichtlich der Kohlenstaubgefahr auf den Gruben. II. Benugung des Bildes( Blafate) und geeigneter Merkblätter. III. Barträge mit Lichtbildern. 7. Die vorhandenen Einrichtungen zur Rettung Bedrohter bei Grubenerplosionen oder bränden müssen meiter ausgebaut werben. Die Rettungsmannschaften find nur aus den Reihen ge Schulter Bergleute zu entnehmen; die Gruppenführer müssen bie Drientierung nach dem Grubenbild beherrschen. Zum 3mede eines prattischen Schuges gegen Erftidungsgefahr durch Nachschmaden ist von dem Grubensicherheitsamt und dem Reichstohlenrat ein Brets ausschreiben zu erlaffen. ., Ein neuer Trid." Die in der Notiz mit dieser lleberschrift nebenbei erwähnte Firma Asatrum, Berlin W. 50, Kurfürstendamm 14/15 fendet uns folgende Berichtigung: Herr Ahlborn, von welchem in dem Artikel die Rede ist, fft Geschäftsführer des Europäischen Zollbau- Syndikats. Diefes Zollbau Synbitat ist ein Konzern, welcher sich mit der Berwertung Don Batenten befaßt. Dieser Konzern hat mit unferem Baugeschäft. ber fatrum Baugesellschaft m. b. 5. nicht das minbeste zu tun, insbesondere steht Herr Ahlborn in teinerlei Beziehungen zu unserer Firma. Es ist alje tatsächlich unrichtig, wenn mir mit der ganzen Angelegenheit in Berbindung gebracht worden find." % Diese falsche Berbindung" ist offenbar von Dent genannten Herrn Ahlborn gegenüber der Stenotypistin hergestellt worden; sonst wäre die Erwähnung der Firma Asatrum wohl faum erfolgt. Wir finden es freilich begreiflich, daß diese Firma sich gegen eine folche Verbindung mendet, zumal in dem Zusammenhange, in dem fie erfolgt ist. Mit derartigen Praftiten, wie sie in unserer Notiz 1 Don der betroffenen Angestellten geschildert wurden, will tein an ständiger Mensch etwas zu tun haben. " Zufall oder Syftem?" ciner Buschrift Raum, die sich mit den Entlassungen im Müllbetriebe Mit dieser Ueberschrift gaben wir in Nr. 175 des„ Bormärts" des Bezirksamts Charlottenburg befaßte. Demgegenüber erflärt der Betriebsrat, daß irgendwelche Entlassungen zum Zwecke der Urlaubsvorenthaltung oder sonstiger sozialer Kürzungen nicht vorgenommen worden fund. Der Betrieb murbe für den Win. terbetrieb peritärft. Die zur Einstellung Stommenden merden bei Einschräntung des Betriebes als Dienstjüngsten, und nur auf Bettvertrag Angestellte zum Frühjahr wieder entlaffen. Die Entlassenen konunen vor dem Herbit nicht wieder zur Einstellung. Demzufolge ist die Angabe unzu treffend, daß Arbeiter mieber nach zwei Tagen mit neuen Rechten eingestellt werden. Dieser Grundlaß wäre auch tarifrechtlich binfällig, ba nach dem Tarifvertrage die Arbeitszeit weiter zu rechnen ist, falls für dieselbe Arbeit nachträglich, innerhalb 4 Bochen, eine Reueinstellung oder Wiedereinstellung erfolgt. Damit ist die Angelegenheit geflärt und die an die Ent laffungen gefnüpften Schlußfolgerungen als hinfällig erwiesen. Lohnerfolg der Kölner Metallarbeiter. Söln, 17. April.( Eigener Drahtbericht.) In der Kölner Metall. industrie ist die vom Deutschen Metallarbeiterverband eingeleitete Lohnbewegung für die Gruppe der Heizungsindustrie erfolgreich beendet worden. Das neue Lohnabkommen sieht Lohnerhöhungen bis zu 16 Prog vor. Wurfifabrik und Stahlhelm. Man schreibt uns: Die Balis L.-G. Fleischwerke, Diben burg, versuchte in der Breffe, fich als arbeiterfreundlich zu empfehlen. Besonders Bertretern der Breffe gegenüber legt man Bert darauf, als gewerffchaftsfreundlich zu gelten und ist sehr zu vorfommend. Anders ist die Direttion, wenn die zuständige Gewert fchaft Betriebsversammlungen einberuft Sofort hält man nach Arbeitsschluß eine Bersammlung im Betrieb ab, der erste Direttor fchimpft auf die Gemertschaft und deren Bezirksleiter und sagt, der. jenige Gefelle, der die Einladung befannigegeben, hat es verschuldet, menn nächste Woche 50 Mann entlassen werden müssen. Die Ent laffenen follen sich dann bei dem bebanten. ber für den Sentral verband der Fleischer agitiert. So sieht die Pragis aus. -ww Die Firma weigert fich aus Brinzip, die gefeßliche Arbeits. zeit anzuerfennen, ebenfalls einen Tarifvertrag. Bor dem Schlich tungsausschuß benahm sich ihr Bertreter, geschmückt mit einem recht großen Abzeichen des Stahlhelm, recht reattionär. Zu nächst bestreitet man die Aftiplegitimation des Berbandes. Man führt ins Feld, daß ein Zarifvertrag jedem Rechts. empfinden ins Gesicht schlägt, meil es auch gelbe und unorganisierte Arbeiter gibt. Diefe müßten vor dem Terror der Gemerfschaft geschüßt" werden. Auf sehr sonderbare Weise hat man dann Unterschriften der Beschäftigten gesammelt. 50 Mann follen entlassen werden. Der Verband ist daran schuld. Durch dieses reaktionäre Auftreten sind die Differenzen noch nicht beigelegt. Der Schlichtungsausschuß hat die Verhandlung vertagt, er will selbst Fühlung mit den Beschäftigten nehmen. Die Firma Bolts, die ein Doppelspiel treibt, die ihre Bertreter mit dem Stahlhelmabzeichen zur Verhandlung schidi, versucht ander meitig ihre Waren an die Arbeiterschaft abzusehen. Die Arbeiter fhaft wird menig Appetit auf Stahlhelm- Burftmaren haben. Die Arbeitszeit in Nordamerika.*) Die Reihe der Studien, bie bas 3221. über die Arbeitszeit in den verschiebenen Ländern herausgegeben hat, ist nimmehr burch eine Arbeit über die Arbeitszeitverhältnisse in Amerita vernollständigt worden. Schon bei der Bearbeitung des Materials zeigte fich, daß es unmöglich ist, die amerikanischen Berhältnisse mit europäischen Maßstäben zu meffen. Schon deshalb, weil man von einer allgemeinen Arbeitszeitregelung in Amerila faim fprechen fann. Soweit eine gefegliche Regelung besteht, bezieht sich diese nur auf Frauen und Kinder, ober auf gefährliche und gesundheitsschädliche Gewerbe. Außerdem ist auch diese Beleggebung außerordentlich verschiedenartig, ba die gefeßliche Rege lung nicht einheitlich ist, jondern eine Angelegenheit der einzelnen Bundesstaaten. Auch die bestehenden tarifvertraglichen Regelungen biefer Frage find in ihrer Anwendung und Umfang auf Orte oder Provinzen beschränkt und sehr verschiedenartig. Ein Ueberblid über die Arbeitert fonnte Daher mur gegeben werden durch eine fleißige Sammlung aller bestehenden gesetzlichen und anderen Regelungen, unter Benutzung amtlicher und privater Quellen. Nach den Erhebungen arbeiten heute in Amerita mehr als milion Arbeiter möchentlich zwischen 44 bis 48 Stunden. Das grausame Zweischichtensystem ist in ben meisien Industrien bereits durch das Dreischichtensystem zu je 8 Stunden ersetzt worden. Gerade auch die von den Arbeitgebern eingefeßten Untersuchungsausschüsse haben die produktionsfördernde Wirkung der verfürzten ArbeitsWirtschafts- und Sozialpolitiker unentbehrlich. zeiten unterstrichen. Das mit reichhaltigem Tabellenmaterial verfehene Buch ist jedent Aus der Partei. Barteitag der lettijchen Sozialdemokratie. Am 4 und 5. April fand in Riga der zehnte Kongreß der Sozialdemokratischen Bartei Lettlands statt. Der Rechenschaftsbericht, der auf dem Kongreß erstattet murde, zeigt ein schnelles Anwachsen dieser Partei, die in ihrem Kleinen Lande einen zu nehmenden politischen Einfluß ausübt. Gegenwärtig zählt die Partei 93 örtliche Organisationen, außerdem gehören der Partei Organisationen des Jüdischen Arbeiterbundes und 19 Jugend organisationen an. Im lettländischen Barlament zählt die Partei 33 Abgeordnet von insgesamt 100. Sehr ftard ist der Einfluß der Sozialdemokratie auch in den städtischen und ländlichen Selbst perwaltungsorganen. Das täglich erscheinende Zentralorgan der Bartei, Sozialdemokrats", meist eine steigende Berbreitung auf. Außer diesem Organ gibt die Partei periodische Zeitschriften heraus, die der Gewerkschafts, Frauen, Jugend- und Sportbewegung ges widmet find. Fragen: bie nächsten Aufgaben der Partei und die im Herbst bevor Auf der Tagesordnung des Kongreffes standen als michtigste Stehenden Barlamentswahlen. Zu diesen Fragen nahm der Kongres eine Resolution an, in der der Partei empfohlen wird: 1. die demoaller außerordentlichen Gefeße, die unter dem Namen von Gefeßen fratische Republik zu schüßen und zwar unter fategorischer Ablehnung fiber die staatliche Sicherheit die bürgerliche Freiheit einschränten; 2. einen hartnädigen, ununterbrochenen Rampf gegen Faschismus und Reaktion zu führen; 3. den geistigen Kampf gegen die fommu nistische Butschpolitit zu verstärken; 4. eine Friedenspolitit zu führen und insbesondere danach zu ftreben, friedliche mirtschaftliche Be siehungen mit Sowjeirußland herzustellen. Außer diefer Resolution nahm der Kongreß noch eine Reihe weiterer Beschlüsse auf sozial politischem und ökonomischem Gebiete an Auf dem Kongreß waren als Gäste anwesend: bie Delegierten der Sozialdemokratischen Barteien Deutschlands, Rußlands, Schwedens, Finnlands, Polens, Estlands und Lettlands. Begrüßun gen hatten gefandi: das Bureau der Sozialistischen Arbeiterinternationale fowie die Vorstände der englischen, französischen, belgischen und österreichischen Sozialdemokratie. Während des Kongrefies fand ein internationales Meeting statt, auf dem die ausländischen Gäfte als Redner auftraten. Der Kongreß. der am zweiten Todestage martoms eröffnet wurde, ehrte das Andenten des großen Toten, indem er seine Berdienste um die internationale Arbeiterbewegung und speziell seine bedeutende Rolle in der sozialdemokratischen Bewegung Lettlands würdigte. Die erste sozialistische Jugendkonferenz in England. Im Zusammenhang mit dem Parteitag der englischen Unabhängigen Arbeiterpartei( Independent Labour Party), der zu Ostern in Gloucester tagte, fand auch die erste Konferenz der im vorigen Jahr gegründeten Jugendgilben" ftait, die in engster Verbindung mit ber Bartei stehen. Damit ist nun auch in England eine Arbeiter jugendbewegung ins Leben gerufen morben, die freilich erst in ben Anfängen steht, aber schon nach ihren ersten Schritten eine erfreu liche Entwicklung verspricht. Die innige Berbindung der Jugend. organisation mit der Partei fam audh barin zum Ausdrud, daß bie Jugendgilben zu ihrem Ehrenvorsitzenden einen der Gründer und ältesten Führer der Independent Babour Party, den Genoffer Arbeiter, mie es einer der Jugendlichen jo hübsch sagte, zugleich Robert Smillie, mählten- meil biefer Bortämpfer der englischen bas porbildliche Leben des englischen Arbeiters gelebt hat" Sozialbemotraten in Reval hat ben Zusammenschluß der Sozial Zusammenschluß in Eiland. Die Ronferenz der estnischen demokratischen Partei mit der Unabhärgigen Sozialbemofratie be schlossen. Ferner wurden die Prinzipien der internationalen Ar beiterbewegung gemäß den Beschlüssen der Amsterdamer Tagung anerkannt. Aus Bolen, Finnland, Schweden und Lettland maren Bertreter erschienen. Berantwortlich für Bolitik: Gral Renter: Wirtschaft: Arthur Caternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eslora: Feuilleton: Dr. John Shilomsti; Solales und Sonstiges: Fris Rarftabt; Anzeigen Sh. Glade; familie in Berlin. *) Studien und Berichte. Serie D, Nr. 14, 120 Seiten Groß. Berlag: Borwärts.Berlag 6. m. b. S., Berlin, Drud: Bormärts- Sudbruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin B. 68, Sindenstraße& Dftan. Herausgegeben vom Internationalen Arbeitsamt. Bierzu 1 Beilage. Frühjahrs- 9Flodelle Die fachmännisch geleitete anfertigung in eigenen Werkstätten garantiert bei forgfältig ausgewählten Stoffen richtigen Schnitt- quten Sitz- billige Preise Sacco- Anzug mittelgrener Cheviot, Grätenmuster mit Streifen .. branner Che Sacco- Anzug vit mit de zentem Ueberkaro M. gestreifter 5600 6800 Sacco- Anzug modeforbig, Cheviot, prima Qualitat 8500 Sacco- Anzug m fein. Streifen, sehr eleg. 12000 swellcllig, mod Sport- Anzüge führung, in gemus. 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Werbe und tämpfe unter den Fahnen der Republit für einen überwältigenden Sieg unseres Präsidentschaftskandidaten Dr. Wilhelm Marg! Bestellungen auf schwarzrotgoldene Fahnen werden entgegengenommen bzw. ausgeführt: Warenvertrieb des Reichsbanners, Berlin S. 14, Sebastianstr. 36/37; Ortsgruppe Westen der Deutsch. Demokratischen Partei, W. 62, Schillstr. 3 I; Bezirksverband 9 der Deutsch Demokratischen Partei, Grunewald, Schaperstr. 33; Bezirks. verband der Sozialdemokratischen Partei, S. 68, Lindenstr. 3; Regler, Treptow, Stiefholzftr. 18 b; Breuer, Köpenid, Freiheit 7; Baul Rathmann, Schöneberg, Belziger Str. 27. Ferner in Berlin NM. 52, Calvinstr. 20 I, links, und in allen Bertaufsstellen der Ronfumgenoffenschaft. Weitere Bertaufsstellen werden eingerichtet, Wieder einmal Oerthel- Egloffftein. Als Entlastungszeuge. Der vielgewandte Hochstapler Ludwig Derihel, der seine„ Helden taten" unter verschiedensten Namen, vorwiegend als Freiherr v. Egloffftein, verübt hatte, mußte vor dem Schöffengericht wieder eine Gastrolle geben. Diesmal trat er in der Rolle eines Entlastungszeugen auf, was dem Gericht Anlaß gab, seine Glaubwürdigkeit in 3weifel zu ziehen, worüber Derthel- Egloffftein berart ausfallenb wurde, daß das Gericht es vorzog, ihn hinausführen zu lassen. Nach her befann er sich eines Befferen und machte in Ruhe seine Aussagen. Zur Berhandlung ftand eine Antlage gegen die Händler Theodor Baefer, Bernhard Dade und Paul Simon wegen Münzverbrechens. Sie wurden beschuldigt, gefälschte 50 und 20 Dollar Roten in den Berfehr gebracht zu haben, und zwar follen sie zu der bereits abgeurteilten Falschmünzerbande des früheren Leutnants Rotitta gehören. Nach dem Sachverständigengut achten find diese Dollarnoten mit demselben Klischee, das die Bande Rofitta verwendet hat, angefertigt worden. Baecker und Genossen wurden festgenommen, als fie in Leipziger Freudenhäusern und ferner während der Frankfurter Messe die falschen Noten unterzu bringen fuchten. Zur Berteidigung berief fich Baeder darauf, daß er die Noten gutgläubig erworben hätte, und zwar sollte der Verkäufer fein anderer als Derthel- Egloffftein gewesen sein. Derthel habe er am Anhalter Bahnhof tennen gelernt und dieser habe ihn 15 Fünfzig Dollar- Noten und 3 3wanzig- Dollar- Noten verkauft. Während Baeder früher angegeben hatte, daß er die Noten gefunden hätte, behauptete er jegt, daß er erst aus dem Prozeß Egloffftein erfahren hätte, daß der Berkäufer, ein gewisser Dr. Mackenry, identisch mit Egloffstein sei. Damals habe der angebliche Mac Kenry ihm einen Brief geschrieben, in dem er ihn warnte, die Noten umzufetzen, da fie falsch feien und er selbst, wie er es nachträglich erfahren habe, betrogen worden sei. Der Angeklagte will nun die Noten ein Jahr liegen gelassen haben und erst im Anfang 1924 weitergegeben haben. Eine Berbindung mit der Rofitta- Bande bestritt er und wollte nur sich des Abschiebens von eingehandelten falschen Noten schuldig gemacht haben. Der aus dem Gefängnis porgeführte Derthel Egloffftein bestätigte die Angaben des Angeklagten. Interessant war es, daß Egloffftein behauptete, daß er einen umfangreichen Handel mit Dollarnoten Anfang 1923 getrieben habe. Er habe auch dieselben falschen Noten nach seiner Verhaftung in Blauen bei der Berliner Gerichtstaffe aur hinterlegung einer Raution vermendet. Dort müßten diefe Noten noch liegen. Er habe auch in Blauen dem Untersuchungsrichter die Noten gegeben und man habe sie bort für echt gehalten. Infolgebeffen fei auch das Berfahren in Blauen gegen ihn eingestellt worden. Das Gericht hielt es für notwendig, Amtsgerichtsrat Dr. Neumann, den Borsitzenden in dem großen Egloffftein- Brozeß, als Zeugen über die Glaubwürdigkeit Eglofffteins zu vernehmen. Nach der Meinung dieses Zeugen ist es Egloffftein zuzutrauen, daß er aus Abenteuerlust, Gutmütigkeit oder Edelmut für andere eintrete, auch wenn er sich felbst belaste. Derthel tönne in demselben Atemzuge die Wahrheit fagen und zugleich die phantastischen Dinge vorbringen. Rechtsanwalt Dr. Baeder und Dr. Breuß hielten einen Beweis dafür, daß die Angeklagten sich des Münzverbrechens schuldig gemacht hatten, feines megs für erwiesen und waren der Meinung, daß Egloffftein in diesem Falle durchaus zu glauben sei, da er mit diesen Angeklagten feinerlei Beziehungen gehabt habe und sich doch nicht selbst belasten merde. Das Schöffengericht tam zu der lleberzeugung, daß die falfchen Dollarnoten nicht von Derthel.Egloffftein stammen, sondern aus der Falschmünzfabrit Rotiita es verurteilte unter Zubilligung Voranzeige 12 Damen- Borträge mit 100 Lichtbildern nur für Frauen u. Mädchen über 16 Jahre von Minna Kube Frauenheilkundige, Direllorin des Frauen- Heilinftituis W, Botsdamer Straße 88. 20. April, abends 7, Uhr, Brachtsäle bes Oftens", Montag rantfurter Allee 48. " Dienstag Bantom. Breite Str. 34. 21. April, abends 7%, Uhr ,,, Binbers Ronzerthaus", 22. april, abends 7 Uhr, Mufifer- Feftfäle", abel. 1: Mittwoch aiser Bilhelm.Str. 31. 23. April, abends 7% Uhr,., Gesellschaftshaus", Donnerstag winemünder Str. 42 24. April, abends 7, Uhr. Dohenzollern- Festfäle", Freitag Charlottenbg, Berliner Str. 105( Ede Wilmersdorfer). 27. April, abends 7 Uhr, Schloßbrauerei", Montag Shaneberg, Sauptstr. 122/128. 28. April, abends 7%, Uhr ,,, brechtshof", Steglts, Dienstag bredtraße 1a. 29. April, chenbs 7%, Uhr, Rachs Festfäle", Mittwo Spandan, felbfir 52. Donnerstag be, buffhäuſer", Rieberschönemeibe, Berliner Straße. 1. mai, abends 7%, Uhr, Germania- Brachtfäle", N, Freitag Chauffeeftr. 110. Montag 4. mai, abends 7 Uhr. Rammer- Gale", Keltomer Straße 5( an der Belle- Alliance- Straße). Dienstag bs 7%, hruſteins Luftgarten", Ablershof, Bismardite. 73-75. Frauenleiden Die Frauen und Mädchenkrankheiten. Wechseljahre. Die Behandlung ohne Operation. Warum das Weib am Manne leidet und der Mann am Weibe. Die Verjüngung der Frau. Bitte genau auf die Anzeige am Sonntag, 19. April, zu aditen Ausschneiden mildernder Umstände wegen Falschmünzerei Baeder zu 2 Jahren 3 Monaten und Dace zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis. Simon erhielt wegen Beihilfe 6 Monate Ge fängnis. Große Republikanische Wahlkundgebung Das Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold veranstaltet heute, Freitag, abends 8 Uhr, im Sportpalast die erfte große Kundgebung der republikanischen Parteien zur Reichspräsidentenwahl. Es sprechen: Hermann Müller- Franken, M. d. R. Anton Erkelenz- Düsseldorf, M. d.R. und der republikanische Ome Präsidentfchaftskandidat Wilh. Marx Berliner, erscheint in Massen! Zeigt, daß 3hr nicht gewillt feid, Euch durch einen alten General als Reichspräsident für die Monarchie einfangen zu laffen. Wieder$ 218. Berhaftung eines Arzt- Chepaares. Der prattische Arzt Dr. Landau aus ber Mozitraße 41 und seine Ehefrau, die ebenfalls Aerztin ist, wurden heute verhaftet. Dr. Landau betrieb seine Bragis in der Tempelhofer Str. 21, feine Frau in der Mogstr. 41. Ein reger Berfehr von Frauen und Mädchen an beiden Stellen hatte schon seit einiger Zeit Berdacht erregt. Auch die Kriminalpolizei erhielt mitteilung von diesen Borgängen und stellte ihre Ermittelungen und Beobachtungen an. Besonders schwerwiegend war, daß zwei Frauen, die von dem Arzt- Ehepaar behandelt worden waren, unter verdächtigen Um ständen starben. Die Obduktion der Leichen ergab, daß der Tod auf Eingriffe gegen das teimende Leben zurückzu führen sei. Eine Durchsuchung der Räume an beiden Stellen för derte dann auch eine korrespondenz zutage, die auf einen regen Betrieb schließen ließ. Die Angelegenheit wurde mit dem ganzen Verdachtsmaterial, bas beschlagnahmt werden konnte, der Staatsanwaltschaft übergeben, die daraufhin einen Saftbefehl gegen das Ehepaar erließ. Auf Grund dessen wurden Dr. Landau und Frau von der Kriminalpolizei festgenommen und nach Moabit gebracht. Ein Mordgerücht. Washington gebürtige Frau Rofa Bendel, geb. Beschte, tot auf In ihrer Wohnung wurde gestern eine 62 Jahre alte, aus gefunden. Sie war von ihrem Manne geschieden und haufte für fich allein im britten Stod. Beil die Frau seit einiger Zeit nicht mehr zum Vorschein gekommen war, fchöpfte man Berdacht und benach Benbel entfleibet tot im Bette liegen. Alsbald verbreitete fich das richtigte das 28. Repier. Kriminalbeamte öffneten und fanden Frau Gerücht, daß sie ermordet worden sei. Ein Arzt, der hinzugezogen ftellen, daß der Tod schon vor mehreren Tagen eingetreten sein muß. wurde, fonnte bei der vorgeschrittenen Bermejung nur noch festDie Tobesursache konnte er jedoch nicht bestimmt angeben. Bahr fcheinlich ist es ein Herzschlag. Die Leiche wurde beschlagnahmt, vorläufig aber in der Wohnung gelaffen. Was sollen Kinder anziehen? Das Berlin, das teine Sorgen tennt, hat sein behagliches Amüsement. Im Orientsaal des Warenhauses A. Wertheim, Leipziger Straße, ließ man gefchmadvolle Toiletten sehen. Für Rinder und Badfische. Der Nur- Aesthetiker muß sicherlich rüdhaitlos anerkennen, der Sozial- Aesthet manches peinlich finden. Modenschau und Modenschauteln ist halt ein Unterschied. Es gab Sinfonien in Crepe Marocaine, Popelin, Rips, Mouline, Eolienne, Crepe- de- chine, Boile, Boll- Crepe, und nur der Fein fühligere fonnte inmitten dieses mundervollen stofflichen Gezwitschers erhebliche Dissonanzen vernehmen. Kinder, 3, 5, 12 und mehr Inhaber: J.Berndt Ella Dehmel Neukölln Niemetzstraße 9( Nähe Richardplatz) Neuheiten in Kleiderstoffen! Karierte Kleiderst. Mir. 3.60, 240, 1.60 Gestreifte Kleiderst. Mtr. 4.00, 3.00, 1.50 Popeline 105 cm br Mtr. 5.20, 3.95 Gabardine 130 cm br Mtr. 8.00, 6.00 Hrepp- Marokain Mtr. 450, 3.20, 2.00 Mtr. 360. 3.00 Wollmousseline Foulardine Mtr. 4.50, 400, 3.00 Baumw.- Mousseline Mtr. 1.10, 95, 85 Pf. Tellzahlung gestattet! frids Ranmar Neukölln, Reuterstraße 53 die billige Bezugsquelle für Best- Wäsche Wäschestoffe jeder Art2. Geschäft: Anzengruber Straße 27 Z ähne 1.2M Teilzahlung gestattet b. kl. Anzahl u. wöchentl. Abzahlung von Hosen- Anders Beusselstraße 25 Inlerieren bringt ERFOLG! Gardinen Sonderangebote Freitag, 17. April 1925 Jahre alt, murden auf die Bühne gebracht und versuchten Bose und Theatralit zu martieren. Man sollte diese honorierten Bewegungen doch lieber den Mannequines überlaffen. Dazwischen trieb bas fanierte Berlin Ronversation. Man sollte die Lurusindustrie sich en menig verschnaufen lassen. Badfisch und Kinderwahn. Sehr schön. Aber wie wäre es mit einer Arbeitslosenmoche? Denn es gibt noch immer Leute, die hungern müssen. Wenn einem dies auch nach alledem feltsam erscheint. „ Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und „ Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Ein Rouletteklub, der Herren und Damen als Mitglieder zählte und unter der Leitung eines gewiffen 3immermann stand, beschäftigte schon seit geraumer Zeit die Kriminalpolizei. Es war ihm aber schwer beizukommen, weil er bald hier, bald dort spielte. Zuletzt hatte er in der Speyerer Straße sich niedergelassen. Hier ent. bedten ihn jetzt die Beamten und beschlagnahmten das ganze Inventar. Die Mitglieder wurden festgestellt und die Atten der Staatsanwaltschaft übergeben Die Leiter der Heilsarmee in Deutschland, Kommandeur und Frau Ogrim, die feit 1919 die Oberleitung der Heilsarmee in Deutschland inne haben, verlassen gegen Ende Mai ihren Wirkungsfreis, um nach Schweden, ihrem Heimatlande, zurüdzukehren. Die Einladungen, die die Scheidenden an deutsche Kinder nach dem Kriege ergehen ließen, sich auf einer schönen, der Heilsarmee gehörigen Insel, nahe Stockholm, zu erholen, werden den inzwischen herangewachsenen Jungen und Mädel unvergessen bleiben. Zuchthaus für einen Stadtfetretär. Der ehemalige Raffierer des städtischen Arbeitshauses Rummelsburg, der Stadtsekretär Griebrich Lochte, wurde vom Schöffengericht Berlin- Lichtenberg megen fortgesetter Unterschlagungen und Urfundenfälschungen zu 1 Jahr 4 Monaten 3uchthaus, unter Anrechnung der Unter. fuchungshaft von 4 Monaten, 100 M. Geldstrafe und Tragung ber Koften des Verfahrens verurteilt. Der Berein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Schöneberg. ber bereits vor vielen Jahren von dem früheren Stadtmedizinalrat Gen. Dr. Rabnom gegründet wurde, hat seine Seilstätte in Byt auf Föhr weiter ausgebaut. Es ist eine neue Station eingerichtet worden, die unter fachärztlicher Leitung steht und der Betreuung von 40 an Gelent und Knochentubertulose leidenden Kindern dient. Die Bläge für den Kuraufenthalt im Frühjahr und Sommer sind noch nicht voll besezt. Einweisungen fönnen durch die Bezirksgesundheitsämter erfolgen. Entsprechende Anträge sind dorthin zu richten. Die ärztliche Oberaufsicht der Anchardt, der jedes Kind vor der Entsendung persönlich untersucht. ftalt führt der Direktor des Krantenhauses Moabit, Prof. M. Bor. R. 33 in Lowestoft gelandet. Nach einer legten Meldung ist das Luftschiff R. 33 in Lowestoft bei Norfolt gelandet. Die Besagung ist unverlegt, das Luftschiff start beschädigt. Ueber die Rückfahrt berichten folgende Meldungen: Condon, 17. April.( WTB.) 1,30 Uhr nachts bat das abgleitung. Um 3% Uhr fam die Nachricht in Bulham an, daß getriebene Luftschiff R. 33 das Schiff Godetia" um seine Bedas Luftschiff mit 15 Knoten Geschwindigkeit auf Lowestoft fliege und von Berstörern begleitet werde. Um 4,30 Uhr ersuchte das Luftschiff die Godetia", sich ihm zu nähern. Noch ein Ausreißer. Nach einer Meldung aus Belleville ( Illinois, USA.) landete ein amerikanisches Luftschiff vom Bigscotte 11 top, bas fich von seinem Anfer losgerissen hatte und mit fieben Mann Befagung davongetrieben mar, ohne Unfall in Blad- Balnytasdarė der amerikanischen Riste einen Schaden am Kübler. Unfall des 3. R. III. 3. R. III erlitt bei einer Brobefahrt an Er mußte daher seine Fahrt nach den Bermudasinseln verschieben. Schweres Eisenbahnunglüd in England. Durch den Zusammen stoß eines Güterzuges mit einem Personenzug sind in der Nähe von Boncastor drei Reisende getötet und mehrere verlegt worden. Sport. Preis der Erftaflaffe auf der Olympiabahn. Der nächste Renntag auf der Olympiabahn, der am fommenden Sonntag vor fich geht, bringt ein faum zu überbietenbes Brogramm. Im Breis der Egtrallaile". einem Dauerrennen von über 50 Stilometer, stößt Saldom auf seinen alten Biberiacher Balter Sawall Ferner erscheinen am Start der Frankfurter Jean Beiß, der Belgier Bnsdau, ber bereits in Treptow feine bestechende Fahrweise zeigte, und als fünfter Teilnehmer der Schweizer egmann Ein 20 und 30 kilometer Dauerrennen wirb vor bent Breis ber Extrallaffe" von den gleichen Dauerfahrern ausgefahren. Die Belegung der Fliegerrennen steht noch nicht endgültig fest. Beginn der Rennen 3%, Uhr. Schlafzimmer! Biche, prima Arbeit, kompl. mit Federboden Auflage, echtem Marmor, Stühle, Handtuchhalt 160 cm 180 cm gr. Schrank 640 Mk. 670 Mk. frei Haus Auch Einzelstücke werden hiervon abgegeben. Paul Neugebauer G. m. b. H. Charlottenbg., Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schillerstraße Erste Etage Kein Laden Gelegenh- Hante Ad. 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