Abendausgabe Nr. 185 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 91 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Montag 20. April 1925 Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Verlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Hindenburgs Fiasko. Mißglückte Vorstellung des Reaktionskandidaten in Hannover. Der Rechtsblod hat Hindenburg in Hannover der Auslandspresse vorgestellt. Er hat ihm eine Rede gegeben und Hindenburg hat sie vorgelesen. Es waren etwa 500 Personen anwesend. Darunter befanden sich hervorragende Vertreter der Weltpresse, die sich über die Bedeutung der Kandidatur Hindenburg informieren wollten. Es gibt politische Fragen, die das deutsche Bolt brennend intereffieren. Es gibt politische Fragen, deren Beantwortung für die Zukunft Europas von nicht minderer Bedeutung sind wie für die Zukunft Deutschlands. Die Osterbotschaft Hindenburgs ist die Stellungnahme zu diesen Fragen bewußt ausgewichen. Die Programmrede, die Hindenburg in Hannover vorgetragen hat, hat ebenfalls feine Antwort gegeben. Oder, wenn man mill, doch eine Antwort. Dieselbe Antwort, die der Reichskanzler Michaelis im Kriege auf den Friedensschritt des Papstes gab, jene bewußt ausmeichende und verschleiernde Antwort, in der der andere nur den bösen Willen hörte. Der Wille, sich vor der Wahl nicht zu decouvrieren, der Wille, die Stellungnahme zu den brennendsten politischen Pro blemen dem eigenen Volfe und der Welt zu verbergen, ist der wesentliche Inhalt dieser Rede. Die folgenden Säße zeigen den Grundton, auf den sie abgestimmt war. ,, Als ruhiger Beobachter der politischen Entwicklung der letzten Jahre habe ich geglaubt, immer wieder eine falsche Auffaffung vom Wesen und von der Bedeutung der politischen Parteien im parlamentarisch regierten Staat feststellen zu müssen. Diese führte dazu, das an sich schon zum Zwiespalt neigende deutsche Bolt noch weiter zu verwirren. Weite Kreise ftreben aber nach großem, gemeinsamem Ziel. Darum scheint mir der Reichsblod, der diesem Gedanken dienen will, die For derungen des Tages richtig erfannt zu haben. Erwarten Sie also, meine sehr verehrten Herren, nicht von mir das Programm eines Parteimannes, der sich mit politischen Fragen auseinandersetzt." Der Monarch eines scheintonstitutionellen Staates fann das Wesen der Demokratie nicht schärfer ablehnen, als es der Statthalter der Monarchie im Auftrage des Reichsblods in diesen Sägen getan hat. Diefe wenigen einfachen Säge enthalten den ganzen grundfäßlichen Unterschied zwischen der Kandidatur Marg und der Kandidatur Hindenburg. Es ist der Unterschied zwischen der demokratischen Republif und der scheinkonstitutionellen Monarchie, zwischen freier Selbstbestimmung des Volkes und Obrigkeitsherrschaft einer Herrenschicht. Hinter der Betomung dieses Unterschiedes treten die allgemeinen, nur auf Täuschung abzielenden Phrasen dieser Rede zurück. Dies Programm paßt nicht in das Deutschland der Weimarer Verfassung, nicht in die demokratische Welt. Hindenburg, die Monarchie und der Sicherheitspakt. Der Reichsblock hat jedoch nicht vermeiden können, wenigfens einem Bertreter der öffentlichen Meinung eine Anzahl bestimmt formulierten Fragen vorlegen zu lassen. Der Vertreter des Reuter Bureaus hatte folgendes Interwiem mit Hindenburg: Frage: Wird Ew. Exzellenz bereit sein, den vorge. schriebenen Eid zu leisten, worin es heißt, daß der Präsident die Verfassung und die Gefeße des Reiches mahren, seine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde"? Antwort: Natürlich bin ich dazu bereit, denn im anderen Falle hätte ich gar nicht das Recht gehabt, mich als Kandidat aufstellen zu lassen. Frage: Würde Em. Erzellenz es vorziehen, den früheren Raiser wieder auf den Thron zu sehen, lieber als jelbst Präsident der Republif zu werden? Antwort: Die Frage Republit oder Monarchie steht m der deutschen Politik gegenwärtig nirgends zur offi atellen Erörterung. Persönliche Wünsche spielen deshalb feine Rolle. Frage: Ift Ew. Exzellenz bereit, den vorgeschlagenen Sicherheitspaft zu unterzeichnen, der Frankreichs und Belgiens Grenzen garantiert? Antwort: Die Sicherheitsfrage befindet sich gegen wärtig noch im Stadium der internationalen Erörterun gen. Ich fann infolgedessen durch eine eigene Stellungnahme nicht in solche Fragen eingreifen, die zunächst Sache der Regierungen sind. Selbstredend verfolge ich diese wichtige Auseinandersetzung mit besonderer Aufmerksamkeit. Frage: 3ft Em. Erzellenz der Ansicht, daß die gegenwärtigen Grenzen im Osten zugunsten Deutschlands geändert werden Grenzen im Osten zugunsten Deutschlands geändert werben müssen? Antwort: Dieser Ansicht bin ich ebenso wie jeder Deutsche, ohne Unterschied der Partei. Damit der Friede dabei nicht gefährdet wird, muß man den Berhandlungsweg einschlagen. Frage: Bird Ew. Exzellenz als Präsident alles, was in seiner Macht steht, tun, daß die militärischen Klauseln des Verfailler Bertrages erfüllt werden? wählt werden soll. Hindenburg sagte ungefähr: Antwort: Der Versailler Vertrag ist solange für uns| nes, der nach Ansicht vielet Leute zum Reichspräsidenten gebindend, bis er durch neue Abmachungen zwischen den Bertragsmächten geändert wird. Zur Bertragserfüllung gehören natürlich auch die militärischen Bestimmungen. Frage: Wird die Politik Ew. Exzellenz den früheren Feinden Deutschlands gegenüber eine der Verständigung und der Bölferverföhnung gewidmete sein? Antwort: Ich habe schon in meiner Osterbotschaft an das deutsche Volt gesagt, daß ich dem inneren und äußeren Frieden dienen will. Frage: Ist es die Ansicht Ew. Exzellenz, daß Deutschland nur etwas von einer friedlichen Entwicklung nach innen und außen zu erwarten hat, und daß es töricht sein würde, Deutschland in friegerische Abenteuer zu stürzen? Antwort: Ich bin dieser Ansicht durchaus und habe mich in den ganzen Nachkriegsjahren gegen friegerische Abenteuer gewandt, weil ihr Verlauf für Deutschland nur unglücklich sein fönnte. Frage: Ist Deutschland nach Ew. Exzellenz Meinung imstande, auch nur einen Berteidigungsfrieg gegen irgendeinen seiner Nachbarn zu unternehmen. tärischen Ansicht nicht einmal in der Lage, sich gegen Antwort: Deutschland ist nach meiner fachmännischen miliirgendeinen fleinen Nachbarstaat friegerisch zu nerteidigen, denn auch Staaten wie etwa Polen und die Tschechoslowakei haben ein viel größeres stehendes Heer als wir und find durch militärische Bündnisse gesichert, so daß wir uns in jedem Falle einer weit überlegenen Kriegsmacht gegenübersehen würden. In den beiden entscheidenden Bunkten weichen die Ant norten Hindenburgs aus. Immerhin lassen sie zweierlei ertennen: Er bekennt sich persönlich zur Monarchie, verSchantzt sich aber dahinter, daß die Frage Republik oder Monarchie nicht zur offiziellen Gröterung stände. Natürlich nicht, ein Antrag auf Abschaffung der Republik liegt nicht vor. Aber inoffiziell" steht sie schon zur Erörterung mit der Präsidentschaftskandidatur des Monarchisten. Die Politit des Sicherheitspattes verfolgt er, aber er unterstügt sie nicht. Er nimmt flar Stellung est grenzen. Das Ausweichen hier ist so beredt wie das zu der Frage der Ost grenzen, aber nicht zur Frage der Reden dort. Vor den Kulissen und hinter den Kulissen. Es versteht sich von selbst, daß vor den Kulissen für Aufmachung gesorgt war. Kundgebung vor der Stadthalle in Hannover. Filmregie: " Da steht auf dem Treppenaltan der schlichten Billa ein Mann, schon förperlich weit über seine Umgebung ragend. Straff aufgerichtet die mächtige Gestalt, wie einst, als er die Parade ab. abnahm, Hand auf den Degentnauf. Scharlachtof leuchten die klappen des Generalmantels, die Ordenssferne, Denkmäler weltgeschichtlicher Siege funkeln im Sonnenlicht." Das ist der Hindenburg, den man dem Bolte zeigt. Diese Regie ist Programm genug. Der Reichstagsabgeordnete Schmidt- hannover redet: „ Er hielt euch die Treue in schwerster Zeit, nun haltet sie ihm. Geächtet sei der Deutsche, der am nächsten Sonntag nicht seine vaterländische Pflicht tut." Aechtung für alle, die nicht Hindenburg wählen! Kom mentar zu den Sägen der Hindenburg- Programmrede über die Einigkeit. Ankündigung neuer gefährlicher nationalistischer Berhebung. Rillinger- Methoden. Auch ein Progromm! Aber die Journalisten des Rechtsblocks verderben die schönste Regie. Kaum haben sie die, riefenhafte Perfönlichkeit" herausgestellt, so machen sie ihn schon wieder klein: „ Nur eines prägt sich noch tief in die Erinnerung ein: Wie der Atchundfiebzigjährige, der sich nach seiner Rede wieder in den Lehnftuhl niedergelassen hatte, als der erfte der Redner sich persönlich an ihn wendet, aufsteht und eine Stunde hindurch an ihn die ihn Jünglinge beneiden tönnten." gerichtete Worte in einer Straffheit anhört, um " So zu lesen im Lokal Anzeiger". Der große Menn hat eine Stunde lang Reden anhören tönnen. Rön nen! ,, Bon einem alten Soldaten fönnen Sie nicht viele Worte er marten. Was ich will, habe ich gesagt. Ich will Frieden in Ehren. Ich will nicht militarist sein. Ich habe in meiner Jugend und im After genug Krieg und Elend gesehen, um ihn nochmals erleben zu mollen. Aber wie ich nicht der Massenmörder bin, so bin ich auch lange nicht der alte Mann, der im Rollmagen gefahren werden muß." An dieser Stelle verlor Hindenburgden Faden und wandte sich an einen Herrn zu seiner Rechten mit den Worten: " Ja, was war das doch, woran Sie mich erinnern sollten, was ich noch sagen sollte?" Der Herr zur Rechten flüsterte Hindenburg einige Morte zu und dann sagte der Präsidentschaftskandidat des Reichsblockes in dieser Rede an die Bertreter der Presse des Auslandes noch folgendes: Ja, richtig! Einzelfragen! Auf Einzelfragen lasse ich mich nicht ein. Das wäre gegen die Berfassung, die ich beschwören muß. Da muß ich zuerst mit meinem Ranzler und mit meinen Ministern sprechen. Also, gute Nacht, meine Herren! Ich habe mich gefreut, sie fennen zu lernen!" Diese traurige Nebenzimmergeschichte ist teine Erfindung: denn die Telegraphen- Union berichtet: ,, Während des Zusammenseins bei einem Glas Bier empfing Generalfeldmarschall von Hindenburg die Vertreter der Presse noch einmal besonders in einem anderen Saal, um einige Worte an sie zu richten: ,, Bon einem alten Soldaten fönnen Sie nicht viele Worte erwarten. Ich will den Frieden in Ehren halten und ich hoffe, daß der Versuch, ihn zu erreichen, gelingen wird. Sie werden sehen, daß ich nicht der Militarist bin, der Krieg will. Ich habe ihn( den Krieg), in meiner Jugend und im Alter fennengelernt, und ich kenne das Glend, das er unvermeidlich mit sich bringt. Schon deshalb wünsche ich ihn nicht noch einmal zu erleben. Wenn man etwas anderes behauptet, so sind das Verleu.ndungen, die ich zurückweise. Ich bin nicht der Massenmörder, zu dem man mich gestempelt hat. Ebensowenig bin ich auch der alte Mann im Rollwagen. Mein politisches Programm steht fest, soweit man ein solches Programm Cache." feststellen kann; denn die rauhe Wirklichkeit ist eine vielgestaltige Generalfeldmarschall von Hindenburg schloß mit einer humorvollen Wendung, in der er sagte, auf Einzelheiten fönne er sich deshalb jetzt nicht einlassen, weil das gegen die Verfassung verstoße." Sein Reichstanzler, seine Minister! Wie Wilhelm II! Wer wird es sein? Tirpig und West ar p und Loebell? Ludendorffs Erledigung im Nebenzimmer des Bürgerbräufaales war fomischer, verdienter, und darum Anlaß zu befreiendem, politisch reinigendem Gelächter. Hindenburgs Zusammenbruch im Nebenzimmer in der Stadthalle in Hannover ist tragischer. Das Versagen des alten Mannes, mit dem gewissenlose politische Spieler ein Volk betrügen wollen. Sie streichen die schwarzweißrote Flagge! Bei der Hindenburg- Ausstellung in Hannover war in dem Saale, in dem Hindenburg sprach, feine einzige schwarzweißrote Fahne zu fehen. Die Leute, die täglich deflamieren, man müsse dem Ausland schwarzweißrot fommen, fürchteten sich, den Bertretern der Auslandspresse die schwarzweißrofe Fahne zu zeigen! Sie ffreichen ihre Parteifahne, fie streichen die schwarzweißrote Flagge vor dem Ausland! Stresemann gegen Hindenburg. Eine lendenlahme Zustimmung. Der gegenwärtig noch immer als Außenminister amtierende Dr. Gustav Stresemann seine deutschnationalen Freunde fordern offen, daß er mit der Präsi dentenwahl erledigt werde veröffentlicht in seinem Leibblatt einen Auffah über die Präsidentenwahl, in dem er den ganzen Schmerz einer vergewaltigten Partei zum Ausdrud bringt. Bis zuletzt hat Stresemann an Jarres festgehalten, von dem er sagt, daß er glaubte, mit ihm siegen zu können". Aber: Die Aufstellung der Kandidatur des Generalfeldmarschalls von Hinter den Kulissen aber spielt sich eine Tragitomödie ab, die Illustration zu der Persönlichkeit des denburgkundgebung in Hannover hat ihre Nebenzi mim Gegenfah zu uns Bedenken über die Sicherheit des Sieges von geistigen Riesen, der Hindenburg ist. Die Hin Hindenburg geschah von denjenigen Gruppen des Reichsblocks, die mergeschichte, wie die Bürgerbräuversammlung Hit Dr. Jarres halten. Sie glaubten, daß der Name des verehrten lers und Ludendorffs beim Novemberputsch von 1923, Generalfeldmarschalls weit über alle Barteien und Spaltungen des Die Montagspost" berichtet: deutschen Volkes hinaus cuf der weitesten Linie einigend wirken würde. So sehr wir uns in dieser Hoffnung mit anderen Parteien einig wiffen, so start haben wir andererseits die Bedenken betont, die wir gegen die Kandidatur geltend zu machen hatten... Wir haben diese Bedenken auch nicht irgendwie hinter den Kulissen geltend Spät abends wurden Bertreter der Presse in ein Nebenzimmer gebeten und hier hielt hinden burg eine furze Ansprache. Gie foll im Wortlaut folgen, denn es handelt sich doch schließlich um Gedanken eines Man gemacht, sondern in offener Aussprache mit ben Anhängern| Wählerversammlung statt. Damals waren auf den Gutshöfen Ost. des Reichsblods und in offener Aussprache mit dem Generalfeld- elbiens die sogenannten Baltitumer einquartiert. Am Tage marschall durch Persönlichkeiten unserer Partei. Nachdem jedoch die Entscheidung von den Tirpitz- Leuten gegen die Stresemänner gefällt war, blieb auch der Volkspartei trog ihrer Bedenten" nichts anderes übrig, als für Hindenburg einzutreten. Sie haben sich also troß ihrer besseren Ueberzeugung breitschlagen laffen, für einen Mann zu zu ftimmen, gegen den sie schwerste politische Be benten haben! $ Um aber diese unverständliche Haltung noch noch halbwegs verständlich zu machen, fucht Stresemann in seinem Berteidigungsartifel Hindenburg politisch festzulegen. Er erflärt zwar, daß er als Außenminister der Republit der Den Eid auf sie geleistet hat, fich nicht ein byzanti nisches Lippenbekenntnis für die Republit" vorschreiben lasse. Aber- und das gilt den Treibern der Hindenburg- Randidatur: In diesem Sinne werden wir die republikanische Staatsform nicht nur gegen verfassungswidrige Experimente, sondern auch gegen alle diejenigen verteidigen, die etwa glauben, die Frage der Staatsform überhaupt in die Debatte dieser Gegenwart hineintragen zu müssen. Sehr schön gesagt! Jedod) wird Stresemann noch hinzu. Fügen müssen, wie er sich solche Berteidigung" der Staatsform denkt, nachdem er nicht einmal seinen Kandidaten Jarres gegen die Balfenbieger hat erfolgreich verteidigen können! Die außenpolitische Ratastrophe, die eine Präsidentschaft Hindenburgs bedeuten würde, sucht Stresemann wegzutuschen, indem er behauptet, daß über die Richtlinien deutscher Außenpolitif eine meitgehende Uebereinstimmung" der großen Mehrheit des Boltes bestehe. Diemenigen Gruppen, diegrundsäglich anbers denten", tönnten an dieser lebereinstimmung nichts ändern. Das ist für einen Außenminister ein sehr leicht. fertiges Wort, um so mehr, als er weiß, daß diese wenigen Gruppen" gerade ihn selbst und seine Bartei fchon bei der Randidatenaufstellung grundsäglich besiegt haben! Stresemann tritt jekt für Hindenburg ein, weil er zuge stehen muß, daß seine Partei nicht genug Selbstgefühl und Etärte hatte, um ihre Bedenfen" gegen die Kandidatur des alten Soldaten durch Aufrechterhaltung der Jarres- Kandidatur praktisch zur Geltung zu bringen. Eine greisenhafte Bartei fritt für den unpolitischen Greis ein! So gestaltet sich die Berteidigung Stresemanns zu einem„ byzantinischen ippenbetenntnis" für und zu einer tatsächlichen und ernsthaften Ertlärung gegen bie Kandidatur Hindenburgs! Hindenburgs Schwiegersohn. Ein Protektor der Baltikumer. Man schreibt ums: . vor dieser Wählerversammlung fand nun auf dem Gute des von Brodhusen in Justin, das nahe bei Treptow a. b. Rega gelegen ist, ein Tanzvergnügen statt, wozu die Baltikumer vom Gute Justin und den benachbarten Gutshöjen eingeladen und auch erschienen waren Nach reichlichem Alkoholgenuß die ganze Nacht hindurch und den üblichen„ nationalen Ansprachen" über den Kampf gegen den inneren Feind, wurden etwa drei Dugend dieser Baltitumer, ausgerüftet mit Schießzeug, Dolchen und eigenen Knuppeln in die sozialdemokratische Wählerversammlung ab. tommandiert. In dieser Bersammlung fonnte der Genoffe Georg Schmidt, Vorsitzender des Landarbeiterverbandes, trotz der geplanten Berfammlungssprengung sein Referat halten, weil diese sehr gut von der Diskusston sprach, fam es, rerursacht durch die Baltikumer, zu der Diskussion sprach, tam es, verursacht durch die Baltatumer, zu einer regelrechten Keilerei, bei der glüdlicherweise die be waffneten Freunde des Schwiegersohnes von Hindenburg den Kürzeren 30gen und schleunigst Reißaus nahmen. Ein Arzt war. längere Zeit damit beschäftigt, die vom Alkohol und durch die gratis verabreichte Massage von pommerschen Landarbeiterfäuften etwas erhigten Köpfe einiger Baltikumer und Landbündler zu fühlen. Ais Siegestrophäen verblieben auf dem Schlachtfeld mehrere, den Freun den des Hans Joachim abgenommene Revolver, Dolche und Knüppel. Die volle Verantwortung für diese Gewaltalte verhetzter und ausgehaltener Volksgenossen trifft in erster Linie den Schwieger rohn von Hindenburg und seine Junkersippschaft. Dieser Mann und seine Rafte haben das Recht verwirft, fid) als Sittenprediger des deutschen Boltes aufzuspielen. Daruin wird das deutsche Wolf nicht dem von der Junterpartei, den Deutschnationalen, einpfohlenen Kandidaten Hindenburg seine Stimme geben, sondern wird am 26. April stimmen für den Republikaner Wilhelm Marx denn dann find Ruhe und Ordnung in Deutschland gesichert. Wotansgläubige als Gottesstreiter. Zeichen und Wunder. Die Hafentreuzler, die sich auf ihre altgermanische Bergangen heit etwas zugute tun und mehr als einmal den herrlichen triegetischen Wotansdienst dem verweichlichenden pazifistischen Christentum gegenüberstellten, fühlen sich plöglich, in ihrem Christentum gekränkt. Grund: Die Präsidentenwahl. Anlaß: Ein Flugblatt, das von Freidenfern gegenwärtig verbreitet wird und das eine Kirchenaustrittswoche einleiten foll. Pharifäische Entrüftung über dieses Flugblatt und diesen Plan ficht besonders der alldeutschen hakenkreuzlerischen Deutschen Zeis tung" gut zu Gesicht. Sie regt sich über so viel Gottlosigkeit gewaltig auf, um dann mit frommem Augenaufschlag zu versichern: Und das find die sozialdemokratischen Hilfstruppen für den frommen Marr! Diese dummdreiste Art erfordert einige grundsätzliche Bemerfungen: 1. Für die Sozialdemokratie gilt noch immer Religion als Privatsache! Ob jemand religiös fatholisch, proteftantif. jüdisch, buddhistisch oder freidenferisch gesonnen ist, das spielt für die jozialistische Bewegung gar feine Rolle. Sie alle tönnen Mitglieder der Partei sein, wenn sie das Parteiprogramm anerkennen und in feinem Sinne wirfen. In der deutschnationalen Kreuz- Beitung" trat dieser Tage auch Hindenburgs Schwiegerjohn in die Arena, um für seinen Schwieger rater zu werben. Der Schwiegerjohn hat die flaffischen Junkernamen Hans Joachim. Sonst heißt er noch von Brod husen und ist Besizer des Gutes Justin in Pommern. Hans Joachim Scheint außer der deutschnationalen Bommerfchen Tagespost tein anderes Breffeerzeugnis zu lesen, von einem politifdjen Buch gar nicht zu reden. Er bezeichnet nämlich Wilheim Marg als den Batér und Bertreter des Marrismus". Dabei war Hans Joachim tönig licher Landrat, einer der Röpfe" des wilhelminischen Systems. Dieser von Brochusen aus Juftin in Bommern feiert indentische Partei oder ihre Instanzen haben auf die Beschlüsse der Freiburg als den Dietrich von Bern" und sagt, das deutsche Volt müsse die Diftatur der Marristen, der Börsenjobber und Schieber von fich abfchutteln. Wie sich aber Hans Joachim, der Schwieger. Sohn von Hindenburg, die Junter diftatur denft, und wie er und feinesgleichen sie ausüben will, dafür fönnen wir ein Beispiel anführen. Am dritten Pfingstfeiertag 1920 fand gelegentlich der damaligen Reichstagswahlen in Treptowa. d. Rega eine sozialdemokratische Laffalle- Feier in Ronsdorf. Die große zweite Agitationsreise Lassalles ins rheinische Industriegebiet fand am 22. Mai 1864 in der bergischen Kleinstadt Nonsdorf ihr Ende. 2. Die Freidenfer- Bereinigung, die das erwähnte Flugblatt rer breitet, ist eine fozialdemokratische Einrichtung, so wenig etwa wie die Trinitatisfirche, in der Pfarrer Bleier amtiert, oder irgend eine andere religiose Rorporation. Die Sozialdemokra bentervereinigung feinerlei Einfluß, find also auch für ihre Veranstaltungen nicht verantwortlich. 3. Das Flugblatt ist zwar in der Borwärts"-Druderei hergestellt, wie dort tausenderlei verschiedene Drucksachen im Auftrage produziert werden, ohne daß ihr Inhalt von der Partei irgendwie zur Kenntnis genommen oder gar zensiert würde. Die Druderei ist nicht einmal mit dem Berlag des Vorwärts" identisch, mit der Redaktion des Vorwärts" schon gar nicht. " wesentlich älter sind als er, und auch manchen Jungen als maß gebend. So wie den Ronsdorfer Arbeitern blieb der ganzen rheinischen Arbeiterschaft Lassalles Wirken am Niederrhein ein teures Andenken und Vorbild. Fast alljährlich versammelten sie sich im Frühjahr in Ronsdorf, um ihres großen Vorfämpfers zu gedenken und der proletarischen Bewegung ihren Treuefchwur zu erneuern. Ein Jahr vorher, am 23. Mai 1863, war der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein" gegründet und Laffalle zu feinem ersten Vorsitzenden gewählt worden. Die erfte Agitationsreise, auf der Bajjalle mit feinem Bertrag„ Die Feste, die Presse und der Frant. furter Abgeordnetentag", gehalten in Barmen, Solingen und Düffel dorf, mit der fortschrittlichen Partei abrechnete, hatte ihm den Haß tes Bürgertums und eine Antiage wegen Aufreizung gebracht. Im Frühjahr 1864 war er vom Landgericht Düsseldorf in der ersten instanz zu einem Jahr Gefängnis, in der Berufungsinstanz zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Am 12. März 1864 war er von Berliner Staatsgerichtshof wegen Beleidigung der Mit- prachen zogen die Teilnehmer, auch die vielen, die in den Sälen glieder des Staatsministeriums, Berhöhnung der Monarchie( begangen durch die Berfaffung und Beröffentlichung feiner Broschüre Ar die Arbeiter Berlins") zu drei Jahren Zuchthaus, 100 Taler Geldstrafe und fünf Jahren Bolizeiaufficht verurteilt, dagegen von ber Antlage des Hochperrats freigesprochen worden. Die zweite Agitationsreife Lassalles an den Niederrhein gab ben rheinischen Arbeitern Gelegenheit, ihren großen Borfämpfer zu feiern. Tausende von Arbeitern holten Lassalle von den einzelnen Crien ab und gaben den festlich geschmückten Wagen, in denen er mit seinen Bertrauten die Reise machte, durch das bergische und rheinische Land das Geleit. Aus dem ganzen Rheinland war die erwachende Arbeiterschaft zum ersten Stiftungsfest des„ Allgemeinen Deutschen Arbeiternereins" nach Ronsdorf gekommen. Lassalles Fahrt von Elberfeld nach Ronsdorf glich einem Triumphzug. In funfundzwanzig Bagen fuhren die Delegierten der einzelnen Orts vereine. Tausende und aber Taufende mit roten Fahnen brachten unter dem Gefang des Kampfliedes diese Wagen von Elberfeld nach Ronsdorf, we Laffalle in dem größten Saal des Städichens, im Lofal des Herrn Abraham Mesenholl, feine große Ronsdorfer Kede":" Die Agitation des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und das Bersprechen des Königs von Breußen" hielt. 2 Stoch leben Beugen jenes großen Tages. Heute sind sie Beteranen unferer fozialbemokratischen Bewegung am Niederrhein: bie Genossen Rarl Henning, Jatob Putsch und Hart mann Ebert. Sie find Bandwirter wie die meisten Ronsdorfer Arbeiter und erzählten mir von ihren jugendlichen Eindrücken von Laffalle. Der Bater des Genossen Henning, der Patronier" in der 23eberei war, war der erste Bevollmächtigte des Ortsvereins Ronsborf des ADA. Er fuhr mit Raffalle in einem Wagen und mußte, da er Witter war, feinen fleinen Jungen mitnehmen. Diese Fahrt mit Laffalle trug dem Genoffen Henning die ungeteilte Bewunberung der anderen Arbeiterfinder ein. Stolz antwortete er nach fangen Jahren, so erzählen die beiden anderen Veteranen, auf die Brage, mer er fei, in seinem bergischen Platt:„ En Lusnidel, en armse Stümmel und en Lassaller". Jahrzehntelang hat er, verfolgt von den Arbeitgebern, während des Sozialistengeleges schizaniert von der Behörde, in den vordersten Reihen der Bewegung gestanden. Heute noch gilt sein Urteil den anderen beiden Alten, die den rheinischen Sozialdemokraten zum ersten Male seit dem Der hundertjährige Geburtstag Lassalles gab Kriege Anlaß, den Brauch der Ronsdorfer Feste wieder aufzu nehmen. Trohdem am gleichen Tage in Duisburg eine überaus start besuchte Kulturtagung stattfand, hatten sich in Ronsdorf einige Tausend rheinische Arbeiter zusammengefunden. In drei über. füllten Sälen( im Ratskeller, im alten historischen Saal und im Rheinischen Hof sprachen die Genoffen ente. Bremen, SanitMinden und Engelbert Graf- Stuttgart. Nach diesen Anfeinen Platz gefunden hatten, unter dem Gesang der Arbeiter. Denkmal Aufstellung. Allgemeines Aufsehen erregte die alte zerMarseillaise zum Marktplay. Die Fahnendelegationen nahmen am fetzte Fahne des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins". Nach cinem von Genoffen Schreiner- Düsseldorf ausgebrachten Hoch auf des„ Sozialistenmarsches" fand die würdig verlaufene Feier ihr Ende. die internationale Sozialdemokratie und dem gemeinsamen Gefang Bezirks Niederrhein im historischen Saal zu einer internen Feier Am Abend vorher hatten sich einige Hundert Funktionäre des zufammengefunden. Genoffe Swolinszty Ronsdorf begrüßte die Gäste und ehrte die Beteranen. Die Feftrede hielt Genolie Beter Berten- Düsseldorf: Ein Streichorchester spielte ernste Weisen und ein Genosse rezitierte aus den Werken der Arbeiterdichter. Gerth Schreiner Düsseldorf. Tagung der Boltshochschule Groß- Berlin in Granfee. Es war den fleinen Arbeitsgemeinschaften sich zu einer großen Tagung zu ein Wagnis, aus der stillen Arbeit und engen Berbundenheit in sammenzuschließen, die Dr. Lange und der Obmann der Lehrstätte Treptow, Erich Schröter, angeregt und organisiert hatte. Wird nicht die enge Bindung zwischen Mensch und Mensch aufgehoben, wenn die fleinen Gruppen sich in der großen Zahl verlieren? So dachte mancher Teilnehmer. Indeffen gerade dies war das Ermutigende der Tagung. Es gibt etwas Gemeinsames über alles Trennende des Alters, des Berufes, der Klasse und der Familie, aus dem die einzelnen fommen, etwas Gemeinsames, das über die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften hinauswächst. Davon spürte man etwas an dem Sonntag nachmittag, als sich alle draußen auf dem großen Wiesenplan am Wartturm zu Bolkstanz, Gefang und Spiel vereinigten. Der Gedanke pon Volkshochschulgemeinschaft flang durch die Rede Dr. Langes, der Ostern und den Auferstehungsgedanken in der Natur als symbolisch für die Volkshochschule wertete. Es war der Grundton der Worte Dr. Geigers, der darüber sprach, wie arbeiten wir in der Volkshochschule?" Die Erfüllung des Lebens mit einem Ginn ist notwendig foziales Wert der Menschengemein schaft, tann nicht Wert des einzelnen fein. Daraus ergibt sich die für die Volkshochschule charakteristische Methode, durch die nicht fertiges Wissen übermittelt oder Gesinnungspropaganda getrieben 4. Einer der befanntesten sozialdemokratischen Frei benter, Genosse Adolf Hoffmann, hat sich mehr als einmal und mit aller Wärme für die Wahl des republitanischen Einheitstandidaten ausgesprochen. Das gleiche tun hunderttausende ihm religiös gleichgesinnte. Zu allem aber eine Frage an die Hakenkreuzpharifäer: Wie weit wird die Befähigung des Reichsfanzlers Marg für das poli. tische Amt des Reichspräsidenten dadurch beeinflußt, daß zu seinen Wählern religiös Andersgläubige oder gar Frei benter gehören? Ist nicht den frommen Gottesftreitern mit dem unchristlichen Hakenkreuz die hegerische Beschimpfung der fatho lischen Kirche bekannt, die wir im Auszug hier wiederholen: Rom hat das deutsche Volk zerrissen, Rom ist auch heute der entschlossenste Gegner deutscher Einheit, Größe und Unabhängig. feit. Wir warnen mit heiligstem Ernst davor, unser deutsches Baterland zu einem Bajallenstaat des Papstes zu machen. Diese Beschimpfung der fatholischen Kirche und ihres Kandidaten steht nicht in einem Freidenferflugblatt zu lesen, sondern in einem Wahlaufruf des Evangelischen Bundes. unterzeichnet von dem Hof- und Dompeediger Dr. Dveh ring in Berlm! „ Diener des Kaisers". Hindenburg, wie wir alle...! .Gewiß ist und bleibt der Feldmarschall ein freuer Diener feines Saijers, wie wir alle es sind und bleiben werden, die dem Kaiser, unserem Herrn, den Eid der Treue geschworen haben, der für uns, als Ehrenmänner, teine wefenlose Formel bedeutet. Ich frage, welcher Republikaner fönnte auch nur einen Funken von Achtung vor denen haben, die ihr ganzes Leben, ihr ganzes Sein dem Dienfle des Kaifers gewidmet haben, aber jetzt, wo der Stern der Hohen. zollern verdunkelt ist, alles das, wofür sie gelebt haben und zu sterben bereit waren, wie einen Handschuh auszögen und fortwürfen!" So schreibt einer der Hauptwahlmacher Hindenburgs, der Generalleutnat v. Cramon, in der Deutschen Zeitung". Damit tein Zweifel besteht, sagt er es ausdrücklich: Hindenburg, ber bereit ist, der Republit den Eid der Treue zu leisten, hält sich gleichzeitig wie wir alle" an den Eid gebunden, den er dem weggelaufenen gefrönten Narren geleistet hat! Ein ehrliches Wort ist immer anerkennenswert, auch wenn es von einem Manne gesprochen wird, der nur 3 u sterben bereit" war, aber im Kriege die Millionen anderer sterben ließ und sich auch beim Zusammenbruch so wenig wie Ludendorff und die anderen mit ihrem fostbaren Korpus schüßend vor die Person des Kaisers stellten, dessen Dienst ihr ganzes Sein" angeblich gewidmet war! Republik und Sozialpolitik. Marg vor den Republikanern Magdeburgs. Magdeburg, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Reichstanzler a. D. Marg traf am Sonntag vormittag, von Dresden fommend, in Magdeburg ein. Das Reichsbanner hatte vor dem Bahnhof in Stärte von 8000 Mann Aufstellung genommen und empfing dea Randidaten des Bolfsblods mit stürmischer Begeisterung. Die Straßen zeigten reichen Flaggenschmud. In der offiziellen Bersamm lung führte Marg u. a. aus: Wir haben Schweres erduldet im Kriege an Blut und Guf, schwer waren die letzten Jahre zu tragen, doppelt fchwer von jener. die durch ihrer Hände Arbeit vom Tageslohn leben mußten. Schwere Opfer hat der Staat von ihnen verlangt, um die Währung zu sichern und den Staatshaushalt auszugleichen. Diese Opfer zu verlangen, war Staatsnotwendigkeit, der jeder verantwortungs. Lewußte Staatsmann nachfommen mußte, selbst auf die Gefahr hin, unpopulär zu werden. Mit aller Entschiedenheit habe ich mich während meiner Kanzlerschaft gegen jene Bestrebungen gewandt, die den Zeitpunkt für gekommen glaubten, mit der Sozialpolitit überhaupt Schluß zu machen. Wenn ich heute unser wirtschaftliches Leben wieder langsam hebt, so wird es unsere Pflicht sein, gerade jener am meisten zu gedenken, die am stärksten unter der Not der Vergangenheit gelitten haben. wird, sondern die die Menschen selbst um die Lösung der Probleme ringen läßt. Weiter erwächst daraus die Aufgabe der Medung des Gemeinschaftsgefühls durch die gemeinsame Arbeit und die darüber hinausreichenden menschlischen Beziehungen, die sie knüpft. Das Bewußtsein der Gemeinschaft trug die Worte von Else Hilde brandt, in der sie Beziehungen zwischen Jugendbewegung und Bolkshochschule zeigte: Das Zentrum des Seelischen liegt im Triebbewegung. Die Triebe jedoch verlangen Richtung und Ordnung leben diefe Wiederentdeckung verdanten wir auch der Jugend durch das geschaute Menschenideal. Obgleich die Bolkshochschule Groß- Berlin frei von Partei und religiösen Programmen ist, fo scheint ihre Glieder doch alle bewußt oder unbewußt das gemeinsame Bild des schöpferischen" Menschen zu binden, der mit Freude wirkt, und dessen höchster Beruf die Selbstentfaltung in der Gemeinschaft ist. Das Gemeinsame spürte man beim Abschiednehmen: Kraft war gewonnen, dem Berte treu zu bleiben und neue Wege zum Schaffent zu finden. 3wanzig Millionen Deutsche in Europa zu viel." Immer wieder hört und liest man in Reden und Kundgebungen deutscher Politifer George Clemenceau habe den unmenschlichen Ausspruch getan, in und Staatsmänner, der frühere Ministerpräsident der Franzosen Europa lebten 20 Millionen Deutsche zu viel. In Wirklichkeit hat auf Clemenceau zurückgehe. Wie Dr. Hans Helmolt jüngst nach. bis heute noch niemand den Nachweis erbracht, daß diefes Mort erstenmal gesprochen worden, allerdings nicht von Clemenceau oder gewiesen hat, ist dieses geflügelte Wort schon vor dem Kriege zum sonst einem franzöfifchen Staatsmann. Im Jahre 1913 veröffent lichten zwei französische Schriftsteller, Jean Frederic und Begameŋ, ein Buch unter dem Titel:„ Das feindliche Deutschland"( L'allemagne ennemie). Dort heißt es auf Seite 300: Es gibt in Europa zwanzig Millionen Deutsche zu viel." Clemenceau hat diesen Ausspruch in amtlicher oder nachprüfbarer Form nicht getan. Der einzige Sap in feinen Reden, der eine entfernte Aehnlichkeit damit hat, findet fich in seiner Rede vor dem Senat am 11. Oftober 1919 und lautet: Clemenceau in Brivatgesprächen den Satz Begamens wiederholt hat, Im übrigen, 60 Millionen Menschen brauchen viel Blah." Daß ist nicht erwiesen. Bisher hat lediglich ein deutscher Journalist in unkontrollierbarer Form ihm eine Wiederholung dieser Aeußerung in den Mund gelegt. Alexander Granach vom Staatstheater wurde für die Spielzeit 1925/26 ant der Boltsbühne, Theater am Bülowplatz, verpflichtet. Die Galerie Dr. Goldschmidt Dr. Wallerstein, Schöneberger Ufer 36a, zeigt zum ersten Male in Berlin die Gemälde und Zeichnungen des Holländers Adriaan Bubber baneben Aquarelle von Emil Nolde und neue Radierungen von Erich Hedel 3m Ceffing- Museum lieft am 23., 8 116r, Sans esmer, ber Dramaturg der Dresdener Staatsoper, aus feinem Schumann- Roman begleitet von Martha Steinmet Der Hingende Weg". Lieder von Schumann singt my v. Stetten, galerie hat eine Ausstellung von Zeichnungen Ludwig Richters zufammen Ludwig Richter Banderausstellung der Nationalgalerie. Die National luftrationen des alten Lieblings des deutschen Hauses. Diese als Wandergestellt, Blätter aller Art, auch Landschaftsaquarelle, dann vor allem ausstellung gedachte Schau von Arbeiten, die, um mit Ludwig Jufti zu reben, wertiger zum Auge als zum Herzen sprechen wollen, ist dieser Tage im Kestner- Museum in Hannover eröffnet worden. Srianüs Außenpolitik. Und Hiudenburgs Kandidatur. pari». 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Vriand hat laut ..Petit Parisien* am Sonnabend erklärt, daß er entschlossen sei, die Außenpolitik Herriots konsequent fortzusühren. An dieser Ab- ficht ist um so weniger zu zweifeln, als Briand in seinen Konseren- zen mit Lloyd George um die Wende 1921/22 jene PoU'ik des inter- nationalen Ausgleichs und der Bölkerversöhnung einzuleiten versucht hat, deren Anbahnung Herriot erst nach der Niederlage des Natio- nalen Blocks möglich gewesen ist. Auf der anderen Teste wird man in Deutschland nicht vergessen dürfen, daß die durch das deutsche Garanticangebot geschaffene günstige Atmosphäre für eine PoNklk deuksch-fraazösischer ver- fiändigung seit der Aufstellung hiudenburgs völlig in lhr Gegen teil umgeschlagen ist und man infolge dieses Narrenstreichs heut« bis in die Reihen der äußersten Linken Deutschland mst weit größerem Miß. trauen gegenübersteht als zuvor. Der Monarchist hmdenburg wird mit seiner Loyalitätsverstcherung gegenüber der Republit weder die unheilvollen Folgen, die seine Aufstellung bereits gehabt Hot, beseitigen können, noch den im Werden begriffenen Prozeh eines neuen Zusammenschlusses der Entente gegen Deutschland im Falle der Wahl hindenburgs aufhalten können. Im Falle einer Wahl hindenburgs, die in ganz Europa als offenes Bekenntnis Deutschlands zu Revanchephantasten gedeutet würde, wird lein verantwortlicher französischer Politiker daran denken, die Kölner Zone zu räumen. Wie versichert wird, ist Briand fest«nt» I ch l o s s e n, seine künftige Politik von dem Ausfall des deutschen Volksentscheids am nächsten Donntag abhängig zu machen. Falls er, wie hier allgemein angenommen wird, zu. gunsten der Republik und des Frieden» ausgeht, wird von Briand eine im besten Sinne des Wortes europäische Politik zu erwarten sein. Im Falle der Wahl hindenburgs ist zweifellos mit einer scharfen deutsch-französischen Spannung zu rechnen. Interpellation gegen Caillaux. Paris, 20. April.(Eigener Drahtbericht.) In der Kammer haben die Poincaristen im Anschluß au die morgen, Dienstag abzu- gebende Regierungserklärung eine Interpellation über.die Anwesenheit eines vom Obersten Staatsgerichtshcfe wegen Einver- nehmen» mit dem Feinde verurteilten Polstikers im Kabinest* an- gelündigt. Für die Dienstagsttzung haben sich die bekanntesten S chreier der Opposition bereits als Redner angekündigt, die Kammersißung dürfte sehr stürmisch verlaufen. Dem neuen Kabinett, las eine Mehrheit von etwa 300 Stimmen haben wird, droht daraus jedoch keinerlei Gefahr. Tie Regierungserklärmig. Paris. 20. April.(WTB.) Räch dem„Journal* wird die Regierungserklärung vor allen Dingen sich mit der Finanzlage, der Herabsetzung der Militärdienstzeit, der Sicher- h e i t s f r a g e und mit Elsaß und Lothringen beschäftigen. Die Suche nach öen Attentätern. Weitere Kommunistenverhaftungeu in Bulgarien. Unter den Opfern des Attentats waren der Bürgermeister, der P r ä f e k t des Departements, der Polizeipräfekt und der Unterpräfekt, vier Abgeordnete, dreizehn Gene- räle, acht Ober st e und neun ander- Osfizicre, zwei Advokaten und vier Sekretäre von Ministern. Aus den nun zahlreicher werdenden bulgarisch-offiziösen Mel- düngen über das Attentat und seine Folgen seien noch folgende wiedergegeben: In den Vierteln, wo Freitag wegen polizeilicher Untersuchungen der Verkehr für einige Zeit unterbrochen worden war, sind bedauerliche Zwischenfälle zu verzeichnen, die«ms den Wider- slaud ousgeregler Zodividuen gegen die behördlichen Maß- nahmen zurückzuführen sind. (Zuerst waren nur diese merkwürdigen Worte gemeldet worden. Spater werden sie durch die Angabe ergänzt, es sei Berhastungen Widerstand geleistet worden, worauf die Polizei von ihren Waisen Gebrauch gemacht Hab«. Red.) Nach einer..Matin*.Meldung hat die Polizei die Urheber des Attentats entdeckt, und zwar in der Person des Vorsitzen- den und des stellvertretenden Vorsitzenden des lommunisttschen Zentraltomstees in Sofia. I a n k o f f und M i n k o f f. Letzterer, ein ehemaliger Pionieroffizier, soll die Höllenmaschine am Tage des Verbrechens auf dem Dach der Kirche untergebracht haben. Aufgefundene Dokumente bewiesen, daß das Attentat auf die Kam- mumsten zurückzuführen sei. Gegenwärtig befänden sich alle Führer der kommunistischen Bewegung hinter Schloß und Riegel. Roch einer Belgrader Meldung des„Petit Parisien* beläust sich die Zahl derFestgenommenenaufmehralsSOO. In der Wohnung einer Französin habe man Schießbaumwolle und eine Bombe entdeckt. Am Bahnhos Zwstonotz-Bania sei eine Frau ver- hastet worden, die Explosivstoffe bei sich führt«. Militärputsth in Portugal. Nach kurzer Dauer niedergeschlagen. lieber Paris erfährt man. daß am 17. April einige hundert Offiziere mit einem Major C a m o r r a an der Spitze in Lissabon geputscht und— offenbar nach spanischem Borbild— ein Direktorium eingesetzt haben Der Präsident der Republik, Gomez, und die Minister zogen sich in eine Kaserne verläßlicher Truppen zurück. Die Putschisten sind von diesen Truppen umzingelt, ob ihnen Entsatz wird, ist die Frag«. Es hat einige Zusammenstöße gegeben. Der Abg. C u n h a Leal, der als Führer der Bewegung gilt, ist von der republikanischen Garde gefangen genommen worden. Der Verkehr in Lissabon ist vollständig normal. Die Banken sind geöffnet. Die Kämpfe begannen nach Ablauf des von der Regierung den Ausständischen gestellten Ultimatums, nachdem gleichzest'g K r i c g s r e ch t und Belagerungszustand verkündet worden waren. Es sind 2 0 Tote und 200 Verletzte zu verzeichnen. Eine nach der Niederlage der Aufständischen veröffent- lichte offizielle Mitteiluno erklärt, daß die Regierung auf die Treue der Wehrhest der in Lissabon liegenden Truppen rechnet. Hitler-Krach ,'n yalle. Hitler nicht erschienen.— Statt Reden Tumulte. Halle a. S, 20. April.(Eigener Drahtbericht.) Adolf Hitler. der für vier Massenversammlungen Sonnabend und Sonntag an- gesagt worden war, hat seine zur ersten Versammlung zahlreich herbeigeströmten Freunde bitter enttäuscht. Di« preußischen Behörden waren auf dem Posten und hasten tn München die not- wendige Fühlung genommen, wo man den Hakenkreuzführer schein- bar in sehr unzweideutiger Weise auf die eventuellen Folgen seines polstischen Austretens außerhalb der bayerischen Grenze als lästiger Ausländer aufmerksam machte. Der Hallesche Versammlungsleiter teilt« deshalb der enstäuschten Menge am Sonnabend mit, daß Hitler aus polizei-technischen Gründen am Erscheinen verhindert sei. Darob große Empörung. Di« Versammelten verlangt en ihr Geld zurück. Die Versammlung selbst endet« als Sauf- g e l a g« bei Münchener Bier. Ein Zwischenfall hätte allerdings leicht zu blutigen Folgen führen können. Der Tambourmafor des Stahlhelms, ein berüchtigter hallescher Rowdy, unternahm eine« Revoloerangrifs auf Reichsbannerkameraden: er wurde jedoch zu Boden geschlagen, entwaffnet und der Schupo übergeben, die seine Uebersührung in» Polizeigewahrsam übernahm. Die Jugenö für Marx! Eine machtvolle Kundgebung. Tin« Veranstaltung bedeutsamer Art fand amSonntagvor-l mittag im früheren �Herrenhaus* statt: Jugend der Sozialdemokratie. der Demokraten und des Zentrum» fand sich im Zeichen Schwarz-Rot-Gold, um für die Kandidatur Marx zu demonstrieren. Jugend des Bolksblocks, Jugend einer Nation, wie wir sie auffassen. Dr. Gertrud Bäumet hob als erste Rednerin aus der Verfassung von Weimar die Tatsache hervor, daß sie vom Reichspräsidenten den Einsatz eines persönlichen Führertums oerlangt. Je klarer un» die Notwendigkeit solchen polstischen Führertums wird, um so mehr müssen wir dafür sorgen, daß der Träger dieser hohen Idee durch eine große Persönlichkeit gestellt wird. Die K a n d i- datur hindenburg ist eine Zerstörung des wahren Sinnes der Präsidentenwürde.(Langaichastender stürmi- scher Beifall.) Da» Reichsprästdentenamt ist gedacht als ein Mit- leben und Mstbewegen der Gegenwart im Hinblick auf die Zukunft. Sieben Jahre kostbarer Geschichte soll der nächst« Reichspräsident mst- bestimmen. Hinoenburg aber«st der geschichtliche Träger einer Auf- gab«, die längst tragisch gescheitert«st. Republikanisches Führertum würde bei ihm, dem asten Greis, dem man politische Realstäten nur in Dosen verabreichen kann, zur Karikatur werden. Die Jugend wehrt sich dagegen, daß das Gefühl für klare politisch« Verantworllichkest durch Sentimentalität und Romantik verdrängt wird. Das Hangen und Bangen zwischen Astem und Neuem ist so unwahr, ungesund und gefährlich, daß ihm ein Ende gemacht werden muß. Wer an die Formen der Vergangenheit nicht mehr glaubt, wirke am Aufbau des neuen Staates mit! Di« Jugend kann nicht ihre politische Ausgabe darin sehen, die Hülle der Vergangenheit so lange wie möglich in mumienhaftem Zustande«inbalsamiert zu sehen. Sie muß dafür sorgen, daß das«teuer des Reiches in die Hand eines fortschrittlichen und besonnenen Men- s ch« n k o m m t. Die Jugend sbtzt sich für Wilhelm Marx ein, weil er sein Amt tm Zeichen des Werdenden und nicht im Zeichen des Vergangenen vermalten wird.(Stürmischer Beifall.) Dann kamen die eigentlichen Parteivertreter zu Wort, al» erster von ihnen sprach für die Sozialdemokratie Dr. Otto Fried- länder: Der Staatsfreudigkest der deutschen Arbeiterschaft wurde in den letzten Jahren eine schwere Belastungsprobe auferlegt. Aber die Staatsfreudigkeit steht heute und in Zukunft in absolutem Verhältnis zu der Mögllchkett, den Boden für eine bessere Zukunft im Rahmen der Demokratie zu erkämpfen. Wenn Politik die Kunst des Mög- lichen ist. ist es die Pflicht aller Anhänger der Demokratie, die Möglichkeiten zu Ihrer Erhaltung in weitestem Maße, d. h. ge- m e i n s a m, auszunutzen. Bisherige» gemeinsame. Wollen der setzt im Dolksblock vereinigten Parteien reicht bereits in die Zeit der Friedensresolution von 1917 zurück, und bisheriges gemeinsames Wollen fand drei große stumme Zeugen: Erzberger, Rathenau, Cbertl(Beifall.) Auch Marx ist ein Mann, von dem wir überzeugt sind, daß er Hüter der Verfassung von Weimar ist. Er hat uns lein Wort vexpfändet, und wir glauben keinem Wort.(Beifall.) hindenburg aber ist die gasfade der militaristischen Reaktion, deren Hand' lungen in erster Linie aus rechtswidrigen Eingriffen in die Politik des Staates besteht. Da» Säbelrasieln in der Politik läßt sich der deutsche Arbeiter nicht mehr gefallen, und deshalb ist j e d e S t i m m e für h'indenburg ein Stein zu einer Mauer, die un- weigerlich die deutsche Arbeiter'chaf-t vom beut- scheu Staate trennt. Wer das Wohl des Volkes will, wählt Wilhelm Marx!(Stürmischer, sich stets er- neuernder Beifall.) Dr. Weber vertrat das Zentrum, das sich klar darüber sei, daß unter Schwarz-Weiß-Rot neue europäische Verwicklungen heraus- gesührt, unter Schwarz-Rot-Gold aber Wege des Friedens betreten werden. Die Demokratie, die allein den Frieden sichert, so fuhr er fort, ist die Forderung der Gegenwart, und weil Demokratie nur in der Republik gesichert ist, sind wir mit vollem Herzen Republikaner. Freuen wir uns, daß es uns möglich fft, auf dem Wege der Republik«in Stück gemeinsam zu gehen, denn der Idealismus der Jugend kennt gemeinsame Ziele. Eine der Vor- aussetzungen, sie zu erreichen, ist die Wahl von Wilhelm Marx!(Lebhafter Beifall!) Die Demokraten vertrat Ernst Lemmer, das jüngste Mst- glied des Reichstages. Im Anschluß an die Ausführungen des Sprechers vom Zentrum formulierte er unter dem Jubel der Der- fainmlung: Der Bolksblock für die Erhaltung der Republlk muh bleiben nicht nur für die Wahl, londern den Gegnern zum Trotz für alle ZukunftI Die Westanschauungen sollen sich orten- tieren und sie muffen sich orientieren, aber die Kräfte gemeinsamer Staatsgesinnung gehören im Dolksblock zusammen. Die Forderung der Jugend ist es, daß di« Idee des Volksblpcks nun in der Stratcgi-- des Parlaments nicht untergeht. Wir sind die Stärkeren, wenn wir jung bleiben und im Geiste wahrhafter Jugend auch den jetzigen Kamps führen für das jung« Deuischland. für dos Banner S ch wa rz- R o t- G o ld I Es lebe die Republik! E, lebe Wilhelm Marx! Zrühlingsfeier. Dt« Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Derffns brachte gestern ihren ersten Gruß der erwachenden Natur dar. Und Muster Sonne sandte freudig ihre Strahlen aus die Züge der Jugend hinab, als sie von überall her zum Großen Schauspielhaus strömten. Bald war der große Raum bis auf wenig« Plätze voll lachenden und scherzenden Burschen und Mädeln gefüllt und zwischen den bunten Kleidern und Kitteln sah man so manchen Graukopf. der hergekommen war, um mit der unaufhaltsam vorwärtsstürmenden Jugend sich wieder jung zu kühlen. Und das konnte er auch. Zu- schauerraum und Bühne waren eins— Jugend und Frühling. Tanz und Spiel, Wost und Melodie auf der Bühne fanden lauchzenden Widerhall in dem Zuschauerraum. Hier waren nicht Zuhörer und Zuschauer: in bunter Reihenfolge, aber einheillich und harmonisch aufgebaut, wickelte sich ein Stück ihres eigenen Iugenderlebens ab. Und wie alles kloppt«— wehe euch, ihr bösen Geigen—, wie sicher und deutlich klang der Gesang, wie rhythmisch und neckisch wiegten sich im Volkstanz Burschen und Madel, wie lockend schlugen die Töne der Klampfen ans Ohr. und bald jubelnd und trotzig, bald drohend und verheißend kündeten die Worte der Dichter aus dem Mund« der Rezstatoren. Und gar das Märchenspiel:»Frühling im Waldreich*— der Komps des lebenerweckenden Südwinds mst dem besiegten und entweichenden Nordwind. Das muß mal für die Kleineren wiederHoll werden— das Ganze müßte wiederholt werden. Und alles ein Stück wahrer Gemeinschaftsarbeit. Man mußte sich lagen: was liegen nicht alles für Möglichkeiten brach in der Arbester- sagend an Rhythmus. Stimmenklang und Wortgestaltungskraft— wieviel Schätze, die noch gehoben werden müssen Den tieferen Sinn der Feier löste W e st p h a l in seiner wie immer prächtig- jungen Ansprach«. Trotz Kümmernisse und Mllhsals des proletari- lchen Daseins freudige Lebensbcjahung, Sinneslust an Sonne und Licht, an Berg und Tal. an Spiel und Tanz, gesund an Körper und Geist, opferwillige und opferfreudig« Streiter und endlich auch Sieger im Kampf für den Sozialismus.— Wer zu Hause geblieben war, der darf» bedauern. Und«er von den Eltern seine Kinder nicht in die Sozialistische Arbeiterjugend schickt, weih nicht, was ihnen gut tut. Die alten im Kampfe er- flauten Streiter konnten sich ober sagen: wir haben nicht um- onst gekämpft: sie rufen den Jungen zu:„Trotz alledem— Frei Heil!*__ Hakenkreuzlerubcrfall auf das Reichsbanner. Zu einem Zusammenstoß zwischen Hakenkreuzlern und Reichs- bannerleuten kam es gestern abend gegen 7 Uhr an der Ecke K o m- Mandanten- und Alexandrinenstraß«. Ein mit etwa SO Reichsbannerleuten besetztes Lastauto wurde von Hakenkreuz- lern, die in zehnfacher Stärke feldmarschmäßig ausgerüstet di« Oranlenstraße entlang zogen, wie von wilden Tieren überfallen. Obwohl sich die Reichsbannerleute energisch zur Wehr setzten, gelang es doch erst der herbeieilenden Schutzpolizei, die Ordnung wieder her- zustellen. Bei dem Lastauto wurden von den Hakenkreuzlern der Motor stark beschädigt und die Schutzscheiben zertrümmerst Einem mst einigen Mann besetzten Personenauto des Reichsbanners gelang es. nach hartem Kampf mst zertrümmerten Schutzscheiben zu«nt- kommen und weitere Hilfe herbeizuholen. Mehrere Reichsbanner- leiste wurden bei der Schlägerei zum Teil erheblich v e r l e tz st vi« bru'ig« flnubartung de- Relchsdanaer für dl« Sandidator vlarr in der Bock-Brauerei. Fidicinftrahe S— 5 tSelle-.'Illiance. Strahe) beginnt 7»', Uhr. Ale K a m n i I» e r bringt Rezitationen S» sprechen die Abgeordneten Künstler, Frecher, von 3U ch t h o f e n(DDP) und Zimmermann(Zentrum). Heute, Montag, üeu20.�pril, abenüs 7'/z Uhr Tiergarken: Frauenversammlung. Artushof. Perleberger Straße 26. Sreuzberg: Bockbrauerei. Fidicinstr. 2/3. Spandau: Germaniasäle, am Hauptbahnhof. Wilmersdorf: FlorasSle in Halensee. Johcum-Georg-Straße. Zehlendorf: Lindenocrk, Berliner Str. 8. Wannfee: Reichsadler, Königftr. 26. Schoneberg-Friedeuau: Bürgerfaal. Rathaus Friedenau, am Lauterplatz. Frledrichshagen: Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. Redner: Clara Dohm-Schuch, Erispien. Francke, Faltenberg, Künstler. Lemperst Schiff, Wiffell. Ein doppelmöröer. Alikglled der Oberschlesischen Selbskschußqrganisalion. An schönen Tagen, cm denen die Ausflügler in Schalen ins Freie pilgern» finden sich an besonders belebten Ausflugsorten Bauernfänger ein, die mst dem alten, aber immer noch zugkräftige« Spiel»Kümmelblättchen* die Mitspieler prellen. Gegen dieses „Monte Carlo im Grünen* wird scharf eingeschritten, doch hat es sich bisher nicht ausrotten lasten. Al» ein besonder» eifriger Lpielhaller wurde am 22. März ein junger Mann in der Glienicker Forst von einem Schutzpolizisten, der sich trotz der Spanner herangepirscht hoste, festgenommen. Auf dem Weg« zur Wache versucht« er zu flüchten, wurde aber nach tangerer Jagd wieder ergriffen. Einen Monat zuvor war er schon einmal bei verbotenem Glücksspiel in der Nähe der Oberförsterei Gcunewald ertappt worden. Der Festgenommene nannte sich Fritz Emler au» Bromberg,«r hatte sich aber einmal auch den Namen Gustav Them» beigelegst Sie ganzes Gebahren steh aber oermuten, daß«r etwas auf dem Gewissen haben mußte. Jetzt ist es gelungen, da« Geheimnis de» Unbekannten zu lüften. Er ist einwandfrei festgestellt als der 26 Jahre alle au» Dzielau im Kreise Cosel gebürtige berufslose Alois Klein, der fett dem Jahr« 1921 vom Landgericht Oppeln wegen Doppelmordes gesucht wird. Klein, der seinerzeit dem oberschlesischen Selb st schütz angehörte, war mst mehreren Kameraden auf einem Gute einquartierst Er erfuhr eines Mittags, daß zwei Stoffhändler aus Königshütt« lieh im Dorf« befanden. Mst vier Kameraden zusammen faßte er den Plan, die beiden zu berauben. Einer lockte sie unter der Bo.- spieaelung, daß ste im Forsthaus««in Geschäft machen könnten, in den Wald.� Klein und zwei andere folgten. Nach verabredetem Plan holten die nachfolgenden di« Händler im Walde ein, töteten den«inen durch Kopfschuß soforst während der andere a u s der Flucht erschossen wurde. Die Leichen wurden dann in der Nähe vergraben, nachdem die Mörder sie ausgeraubt hatten. Die Festnahme seiner Mittäter gelang nach verhältnismäßig kurzer Zell. Klein dagegen hat es verstanden, sich vier Jahre lang den Nachforschungen zu entziehen, einmal dadurch, daß er einem Toten seine eigenen Papiere zusicckie und deshalb für tot erklärt wurde, ein andermal dadurch, daß er einem Auswanderer einen von ihm selbst geschriebenen Brief aushändigte, den dieser in Amerika zur Post geben sollte. So glaubten die deutschen Empfänger, daß Klein sich in Amerika aufhalte. Klein hat besondere Kennzeichen: im Oberkiefer fehlen ihm mehrere Zähne, die jetzt durch Goldzähne er- setzt sind. Unterhalb des linken Augenwinkels hat er eine deutlich erkennbare Narbe. An der rechten Halsscit« hat er eine Narbe von einem Granatsplitter. Er ist vielfach tätowiert. Mitteilungen über etwaige weiter« Straftaten des Klein werden an Kriminalkommissar Gennat im Zimmer 10S de» Polizeipräsidiums erbeten. Lustmord in Thüringen. Ermordet aufgefunden wurde am Donnerstag, den 16. d. M.. nachmittags gegen 6 Uhr, im Walde bei E i s e n b e r g i. Thür. an der Mühltalswand oberhalb der Waldmühle die zehn Jahre alte Schülerin Gertrud Frank aus Eisenberg. Es liegt«in Lustmord vor. Das Mädchen wurde vergewalligt und mit einem Tuch erdrossest. Das Mädchen wurde zuletzt am Dienstag, den Ist. nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, in der Nähe des Fund- orte» mit einem lungen Manne zusammen gesehen, der jetzt als mutmaßlicher Mörder gesucht wird. Er ist etwa 20 Jahre all, 1,67— 1,70 Meter groß und schmächtig, hat einen gestutzten dunkelblonden Schnurrbart und trug einen dunkelblauen Anzug mit langer Hose. Auf die Ergreifung des Mörders ist eine Belohnung vonLVOMark ausgesetzt. Man vermutet, daß er sich nach Berlin gewandt hast um in der Großstadt unterzutauchen. Grausame Eltern. Das Martyrium eines Kindes verriet eine gestern bei der Polizei gemachte Anzeige. Gestern vormittag machten die Rachbarn des Architekten Z. und seiner Frau in der P r o v i n z st r a ß e bei der Polizei die Anzeig«, daß di« zwölfjährige Tochter Gertrud dieses Ehepaares seit längerer Zeit in der schwersten Welse von den Ellern mißhondell werde. Zeugen haben beobachtet, daß da« Kind am Sannabend derart mißhandelt worden war, daß«» im Gesicht und an den Händen blutend aus die Straß« gelaufen war. Die ihm folgende Mutter hat die Deine dann an den Haaren wieder in di« Wohnung zurückgeschleppt. Am nächsten Tage(Sonntag) wiederholte sich der Dorfall. Das Kind gab an, mst einem Spazlerftock geschlagen worden zu sein. Es mußt« di« Nacht von Sonnabend zu Sonntag auf dem Korridor schlafen. Gestern vormittag nach 8 Uhr hat dann der Dater das Kind erneut mit der Hundepeitsche geschlagen und mst den Füßen getreten. Di« Polizei führt« das Kind einem Arzt zu, der erhebliche Körperverletzungen feststellte. Da» bedauernswerte Kind wurde einem Jugendheim zugeführst Gegen die Ellern ist das Der- fahre»«ing«testest Großfeuer in einem Hamburger Waisenhaus. Am Sonntag früh entstand in Hamburg aus bisher unbefannten Gründen, wie man vermutet durch Kurzschluß, in der in der Heinrich Herzstraße gelegenen Doppelbarade 8 des Waisenhauses ein Feuer, das sich infolge der reinen Holzfonstruktion des Bauwerkes rasch über die ganze Baracke verbreitete. Der Feuerwehr gelang es unter großen Mühen, ein lebergreifen des Feuers auf die nur zirka drei Meter entfernte Holzbaracke Nr. 7, in der 40 vier- bis fünfjährige Kinder schliefen, zu verhüten und sämtliche Kinder in Sicherheit zu bringen. Auch die in der brennenden Baracke schlafenden 3öglinge von 16 bis 18 Jahren fonnten gleichfalls sämtlich durch Polizeibeamte mar infolge des ungünstigen Windes, bei dem der Brand auf die und Feuerwehrleute gerettet werden. Die Bekämpfung des Feuers benachbarten 8 oder 9 Baraden sich auszudehnen drohte, sehr schwierig. Jedoch gelang es der Feuerwehr gegen 11 Uhr des Feuers Herr zu werden. Einige Personen haben leichte Brandwunden erhalten. Dampferfahrten nach Werder veranstaltet die Stern und Kreisschiffahrt" während der Baumblüte vom Dienstag, den 21. April ab täglich. Die Dampfer verkehren ab Potsdam Havelhof im Anschluß an die dort eintreffenden Züge stündlich und Sonntags halbstündlich nach der Blütenstadt. Auch die Dampfer der Reederei Nobiling" stehen im Dienst der Werder Blütenfahrten. Groß- Berliner Parteinachrichten. 13. Abt. Die heutige Funktionärfonferenz fällt aus. Die Funktionäre merden ersucht, an der Frauenveranstaltung im„ Artushof" teilzunehmen. 78. Abt. Zehlendorf. Der für heute angefegte Frauenabend findet nicht statt. Die Genoffinnen beteiligen fich an der öffentlichen, Bersammlung. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianftr. 37/38, Sof 2 St. Kameradschaft Mitte. Montag, den 20., abends 7 Uhr, Antreten vor dem Gaubureau, Sebaftianstr., zum Auszug mit Musit. Dienstag, ben 21., abends 7 Uhr, Antreten vor dem Gaubureau zur Diensteinteilung. Sport. Rennen zu Grunewald am Sonntag, den 19. April. 1. Rennen. 1. Oberon II( Barga), 2. Beryl( Huguenin), 3. GeisenBeim( Bachmeier). Toto: 15: 10. Blab: 12, 15, 45: 10. Ferner liefen: Luftpoft. Sanna Anna, Whatagirl, Laufeya, Sheitan, Frigga II. 2. Rennen. 1. Perlentrone( Torte), 2. Lava( Jentsch), 3. Stegl. Dieselburg( Gabor). Toto: 19:10. Blag: 14, 33, 21: 10. Ferner liefen: Magnus Rebus, Taigo, Ego, Feingold, Hermes, Peter Moor, Bohnenteufel, Annabell. 3. Rennett. 1. Hampelmonn( Kasper), 2. Caprivi( Hahnes), 3. Freis geist( Dinter). Tato: 24: 10. Blaz: 15, 34, 22: 10. Ferner liefen: Fundin, Idomeneus, Barde, Katchine, Habicht, Heldraftein, Storm Cloud, Ban Robert, Bendein, Traumdeuter. 4. Rennen. 1. Roland( E. Haynes), 2. Stönigl. Hoheit( Grabfd), 3. Fanal( M. Schmidt). Toto: 18: 10. Plat: 13, 42, 32: 10. Ferner liefen: Menelaus, Belfenroß, Aviator, Troja, Belagia, Humor, Lancabe, Flieg. Fuchs. 5. Nennett. 1. Tod und Leben( D. Schmidt), 2. Blat Bridge ( A. Ebert), 3. Banter(. Zarras). Toto: 47: 10. Blak: 13, 16, 12: 10. Ferner liefen: Melante, Grand Mosseur, Gourmed, Wippizio. 6. Rennen. 1. Träumer( Torte), 2. Theofrit( Kasper), 3. Bardes Bruder( H. Blume). Toto: 20:10. Blag: 13, 18, 25: 10. Ferner liefen: Nobelmann, Sternschnuppe, Dollar, Labrador, Lenor, Döberiz, Escorial 7. Renne it. 1. Barus( H. Blume), 2. Stummer Teufel( Stajper), 3. Karawanta( Albers). Toto: 146: 10. Blaz: 46, 20, 43: 10. Ferner liefen: Eichtage, Zappenhurg, Mumpiz, Calderon, Eisenritter, Amana, Favilla. " Die geftrigen Rennen auf der Olympiabahn hatten infolge der mirklich guten Besetzung der Dauerrennen ein zahlreiches Bublifum angelodt. Immerhin tonnte der Besuch noch stärker sein. Das Programm sah neben Fliegerrennen drei Dauerrennen vor. 3mei fonnten nur ausgetragen, das Hauptrennen, der Preis der Extraklasse" über 50 Kilometer, mußte wegen Regenschauer auf heute abend 6 Uhr verlegt werden. Im 20- Kilometer- Rennen gab es zunächst einen Fehlstart, dem ein zweiter bald folgte. Samalls Motor wollte diesmal nicht mit. Die Rennleitung läutete nicht ab. Darüber Protest des Publikums Saldom, der bekanntlich einen eindrucksvollen Sieg in Paris davontragen durfte, bestimmte das Rennen für sich. Wohl gelang es Wynsdau( Belgien) gleich die Führung des Feldes zu übernehmen die er bald wieder an Weiß abgeben mußte. Dann aber ging Saldom vor, verdrängte Weiß und hielt feinen Blaz gegen Wynsdau, Wegmann, Weiß und Sawall, die in dieser Reihenfolge das Ziel passierten. Defekte hinderten die volle Kraftentfaltung der einzelnen Fahrer. Auch das 30- Kilometer- Rennen holte sich Saldom. Bald segte der Regen ein und das Rennen mußte abgebrochen werden. Beim nächsten ( fliegenden) Start zog Walter Sawall gleich tapfer los gegen Weiß, der zugleich von Wegmann arg bedrängt wurde. Der Frank furter ging, schwimmen" und wurde überrundet. Zum Schluß gab es noch sportlich interessante Kämpfe zwischen Weiß, Wynsdau und Sawall. Lezterer verlor hierbei eine Runde. Mehrere 100 Meter Verlust mußte auch der Belgier noch einstecken. Flieger rennen füllten das Programm weiter aus. Ergebnisse: Preis von Carlshof. 20 km 1. Saldom, 18 Min., 39,1 Set; 2. Wynsdau 210 m; 3. Wegmann 920 m; 4. Berg 2230 m; 5. Samall 3900 m zurüd Preis von der Jungfernbeide, 30 km; 1. Saldom, 26 Win., 18,1 Set; 2. Wynsdau 580 m; 3. Samall 910 m; 4. Weiß 1100 m; 5. Wegmann 2100 m zurüd. Hauptfahren. 1200 m: 1. Hahn; 2. Münzner; 3. Techmer, 4. Erg leben. 8 weifiker- Prämienfahren. 15 Runden: 1. Schwabe Peter; 2. Hahn- Krahner; 3. Techmer- Häusler; 4. Freiwald- Linsener. Entschädigungsjahren. 1200 m: 1. Rubel; 2. Strüger; 3. A.Meher; 4. Schulz. Reichshalien- Theater Allabend! 8 U. u. Sonntag nachm. 3 Uhr Stettiner Sänger ALHALLATHEATER Nachmittags halbePreise weinbergsweg, volles Abendprogr.! Rosenthaler Tor. Dönhoff- Brett'l: April- Programm! Falkner- Orchester 12 WINTRTEN Enrico Rastelli im Rahmen des unerreicht April- Spielpl. Stg. 32 halbe Prelse. Rauchen gestattet Theater am Kottbusser Tor. Tägl. 8 Uhr und Sonntag nachm. 3 Uhr Elite- Sänger. Kolossales April- Programm. schlager auf Schlager. Volkstümliche Preise. A. Beheim- Schwarzbachs Kaufmännische Privatzirkel ( Inh. F. Eggert) Heukölln. Anmeldung. Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 32( Privatwohnung) Täglich 7% Uhr EnsembleGastspiel des Metropol Gewerkschaftsbewegung Generalaussperrung der Bauarbeiter in Pommern. Berlin Filiale des Reichslandbundes. Stettin, 20. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Kampf im Baugewerbe Pommerns hat sich nunmehr auf die ganze Provinz ausgedehnt. Die Aussperrung ist heute in allen Provinzorten durch. geführt worden. Eine Berbindlichkeitserklärung des von den Arbcifgebern abgelehnten Schiedsspruches wurde abgelehnt, da, wie es in der Ablehnungsbegründung heißt, nicht mit genügender Sicherheit festgestellt sei, daß sämtliche in dem Schiedsspruch enthaltenen Beftimmungen für das Baugewerbe in Pommern tragbar seien. Die Bauarbeiter Pommerns sind sich bewußt, um was es geht und sind entschlossen, den von den Unternehmeru provozierten Kampf aufZwischen der Berliner Stadtgüter G. m. b. H. und dem Verbande der Gemeindes und Staatsarbeiter wurde nach der Gründung der Berliner Stadtgüter G. m. b. H. am 6. Dezember 1922, ein Lohn- und Manteltarifvertrag abgeschlossen, der bis zum 31. März 1924 in Geltung war. Mit Ablauf dieses Vertrages lehnte die Berliner Stadtgüter G. m. b. H. den Abschluß eines neuen Tarifvertrages ab, auf Anordnung der Direktion den Kreisarbeitgeberverbänden zunehmen. mit der Begründung, die einzelnen Gutsverwaltungen hätten sich ( Landbund) angeschlossen und werden durch diesen ver treten. Nach umfangreichen Bemühungen des Verbandes der Gemeinde arbeiter murde dann mit den Arbeitgeberverbänden Teltow und Niederbarnim, die als Beauftragte der Berliner Stadtgüter G. m. b. H. verhandelten, ein Tarif= Dertrag abgeschlossen, mit der Bestimmung über Geltungsbereich im§ 1, daß die Vorschriften des Tarifvertrages für alle Arbeitnehmer der Betriebe und Verwaltungen der Stadtgüter G. m. b. H., mit Ausnahme der Beamten, Bureauangestellten und mit Aufsichtsposten betrauter Personen, Geltung haben. Die Berliner Stadtgüter G. m. b. H. hält es aber trot des abgeschlossenen Vertrages nicht für notwendig, diesen Vertrag zu erfüllen Die Gutsverwaltung Bansdorf hat die Erfüllung des Bertrages grundsäglich abgelehnt, mit der Begründung, daß sie dem Landbund für Osthavel Iand angehöre und nur die von diesem geschaffenen Tarifverträge anwende. Alle Schritte des Verbandes, die Gutsverwaltung zur Erfüllung des Vertrages anzuhalten, waren auch bei den Vertragsfontrahenten erfolglos. Im Gegenteil, als von der Organifation am 6. November 1924 an die Arbeitgeber- Berbände als Unterzeichner des Lohn- und Manteltarifvertrages, Lohnforde rungen gestellt wurden, erklärten sie in den darauf folgenden Verhandlungen, daß fie überhaupt nicht mehr die Ab. ficht haben, den Lohnteil des Bertrages zu erneu ern, da sie eine Bindung für die gesamten Berwaltungen der Berliner Stadtgüter G. m. b. 5. nicht haben wollen und die Lohn verhandlungen an dieser Erklärung scheiterten, d. h., daß auch die Unterzeichner des Vertrages, der Arbeitgeberver band Teltow fomohl, wie Niederbarnim, dem ersten Tarif bruch durch die Stadtgüter G. m. b. S., den zweiten von sich aus hinzufügten. Bisher waren außerdem die Verhältnisse für die auf den städti schen Gütern beschäftigten Schnitter tarifvertraglich geregelt. Die in diesem Jahre erneut erhobene Forderung auf Abschluß eines Tarifes, wurde von der Stadtgüter G. m. b. S., wie auch den Arbeitgeberverbänden, rundweg abgelehnt. Die Löhne für die ständigen Gutsarbeiter betragen zurzeit für Deputanten 11 Bf., für Frauen ohne jedes Deputat 11 Pf., für verheiratete Freiarbeiter 25 Pf., wozu ein äußerst geringes Deputat gewährt wird. putanten beträgt unter Abzug der Steuern usw. bei 56 st ün Der Wochenlohn eines vollbeschäftigten verheirateten De biger Arbeitszeit 14,55 m. laut Lohntüte der Gutsverwal tung Faltenberg. Die Löhne der Schnitter bewegen fich, da fie tariflich nicht geregelt find, zwischen 11 und 14 Pfennigen pro Stunde, wozu ein Deputat gewährt wird im Werte von 8 M. pro Woche. unter den Schnittern, eine große Fluftuation herrscht. DaEs versteht sich von selbst, daß bei solcher Bezahlung, zumal zu kommt noch, daß die Gutsverwalter der Berliner Stadtgüter G. m. b. 5. als städtischer Betrieb die Schnitter nicht pon den städtischen Arbeitsnachweisen beziehen, sondern von der vom Reichslandbund und vom Pommerschen Landbund gegründeten Reichsvermittlungsstelle für deutsche landwirtschaftliche Wanderarbeiter. Da von der Organisation nicht angenommen werden konnte, daß der Aufsichtsrat der Berliner Stadtgüter G. m. b. 5. einem derartigen Verhalten seine Zustimmung gibt, mu den Mitgliedern des Aufsichtsrates der oben geschilderte Bustand unter breitet, in der Erwartung, daß der Aufsichtsrat die Direktion bzw. die Verwaltungen anweift, den Tarifvertrag zu erfüllen, die Tarifbrüche also beseitigt und ferner den Neuabschluß des im Vertrag enthaltenen Lohntarifes und den Abschluß eines Schnittertarifes vorzunehmen. Unbegreiflicherweise ist das Ge genteil geschehen. Der Aufsichtsrat hat in feiner legten Sigung das Verhalten der Direttion und der Verwaltungen gebilligt, damit also selbst die Bertragsbrüche fanttioniert und die Neuregelung der Löhne und den Abschluß eines Schnittervertrags abgelehnt. 4 Die städtischen Körperschaften, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, müssen sich einmal gründlich mit dieser Bragis auf den städtischen Gütern beschäftigen und sich die Frage vorlegen, was städtische Betriebe im Landbund zu fuchen haben und ferner, ob die enormen Beiträge an den Landbund nicht besser zu Lohnerhöhungen für die auf den städtischen Gütern beschäftigten Arbeitnehmer angewendet würden. Dem Standal, daß die Stadt Berlin als Filiale des Reichslandbundes agrarische Scharfmachereien mitmacht, muß schnellstens ein Ende gemacht werden. Zum Streit in der Bielefelder Metallindustrie. Bielefeld, 18. April.( TU.) Nachdem der Einigungsvorschlag des Reichsarbeitsministeriums durch die Urabstimmung in der Metallindustrie abgelehnt worden ist, haben sich beide Parteien wegen Einsetzung eines Schiedsgerichts an das Reichsarbeitsministerium gewandt. Tapeten 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Preislagen herrliche Mufter Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße nur 1. Etage, tein Laden. ( Ringfrei, daher konkurrenzlos billig.) Borzeiger erhält 5% Rabatt. Theaters Berliner ElektrikerDer große Schlager Genossenschaft angeschl, dem Verb, sozialer Baubetriebe Gräfin Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Mariza Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, KraftOriginal- und Signalanlagen Verkauf aller Besetzung a elektrischer Bedarfsartikel Ausstattung Ausführung sämtl. Reparaturen Lory Leux Elly Hoffmann Inge Bleichen Bozina Bradsky Gustav Hatzner Emil Gulimann Max Hansen Paul Morgan usw. 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Eine Ausnahme machen, wie üblich, die im Betrieb von Altmann- Charlottenburg Beschäftigten, indem hier wieder Sonderabmachungen getroffen worden sind. Daraus ergibt sich, daß dem Aufruf der Streifleitung forrett Folge geleistet worden ist. Einige Firmen haben die aufgestellten Forderungen als bered) tigt anerkennt und unterzeichnet. Bei diesen unterzeichneten Firmen sind die Arbeitenden im Besize von roten Arbeitsbe rechtigungstarten, unterzeichnet von der Streitleitung. Jeder in Arbeit Stehende, der sich durch diese Karte nicht ausweisen fann, gilt als Arbeitswilliger. In der Diskussion, die sehr fachlich und lebhaft sich gestaltete, wurde der Streiftleitung das Vertrauen ausgesprochen und gewünscht, die Bewegung bis zum endgültigen Siege durchzuführen. Inzwischen sind nochmalige Verhandlungen aufgenommen wor den. Es ist schließlich damit zu rechnen, daß, wenn die Arbeitgeber von dem bisherigen Standpunft abgehen, eine Einigung erzielt werden kann. Aus dem Kohlengebiet in Westvirginien. ( JGB.) Das mestvirginische Kohlengebiet ist seit längerer Zeit der Schauplaz eines hartnäckigen Kampfes zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Einige Streits ziehen sich schon monate lang hin. Ein großer Teil der Streifenden hat anderwärtig Arbeit gefunden, aber noch immer müssen 20000 Arbeiter von der United Mine Borfers", dem amerikanischen Bergarbeiterverband, unterſtügt werden. Allen Streifteilnehmern wurde ihre Be haujung, die Eigentum der Bergwertsgesellschaften sind, ge. fündigt und die Streifenden wurden von der Bergarbeiter= organisation untergebracht und verpflegt. Die Ursachen des Kampfes sind folgende: In Jadson. ville, im Staate Florida, wurde im Jahre 1924 eine Vereinbarung angenommen, derzufolge der durchschnittliche Tagelohn für die Bergarbeiter in Westvirginien auf 6,90 Dollar und der Durchschnittslohn per Tonne auf 94 Cents festgescht wurde. Die Gesellschaften verfolgen jedoch seither die Politif, Un nehmer Gerichtskommissare und Schuhleute aufstellen lassen, um die organisierte einzustellen. Auf einer Zeche haben die UnterArbeiter mit Gewalt zu verhindern, sich in irgendeiner Weise zu organisieren. In einigen Gruben mit unorganisierten Arbeitern wurden derartige Abzüge gemacht, daß die Arbeiter dadurch in eine solche Notlage gerieten, daß sie sich feinen anderen Arbeitsploz suchen tonnten. In dieser Sachlage bedeutet der Kampf in Weftvirginien eine Art Entscheidungskampf für oder gegen die Organisation der Bergarbeiter. Zwei vom amerifanischen Bergarbeiterverband für die Ortsgruppen in Westvirginien abgeschlossene Vereinbarungen wurden von den Unternehmern gleichfalls in der schmählichsten Weise gebrochen. John L. Lewis, der Präsident der„ United Mine Workers of America", der soeben eine Reise durch das westvirginische Kohlengebiet beendet hat, fündigt an, daß der Bergarbeiterver. band fest entschloffen ist, auf seinem Standpunkt zu bes harren und feinerlei Lohnreduktionen zu akzeptie= ren. Es sei unglaublich, mit welchen Gewaltmitteln die Ge sellschaften arbeiten, um die Bergleute einzuschüchtern und von der Organisation fernzuhalten. Ich fonnte meinen Augen nicht trauen." fagte Lewis, als ich die Scheinwerfer und die aui, gestellten Maschinengewehre sah." Ungeachtet dieser Sachlage ist es den United Mine Worters" gelungen, ein erstes Lohnabkommen mit den Roksindustriellen abzuschließen. Die Vereinbarung ist bereits in Kraft und bleibt bis 1927 in Geltung, zu welchem Datum das Jacksonville- Abkommen zu Ende geht. Die Arbeitslosigkeit in Rußland. Der„ Trud" brachte am 7. März einen Artikel über die Arbeitslosigkeit in Rußland, dem wir folgende Angaben entnehmen: Am 1. Januar 1925 waren bei den Arbeitsnachweisen 658 000 Arbeitslose eingetragen, die sich wie folgt verteilten: 29,1 Proz. Industriearbeiter; 31,8 Proz. Kopfarbeiter; 23,4 Proz. Taglöhner usw. und 15,7 Proz. andere Gruppen. 22,6 Proz.( also noch nicht ein Biertel) erhalten aus den allgemeinen Arbeitslosentassen Unterstügung. Der Prozentjag derjenigen, die von Gewerkschaften eine Unterstügung erhalten, ist nicht genau bekannt. Der Verfasser hält ihre Zahl jedoch für ziemlich flein und jedenfalls unter dem Prozentsaz derer, die aus den allgemeinen Arbeitslosenfassen unteritüßt werden. mit Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eslora: Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderef und Berlagsanstalt Vaul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstroke 3 ARNO HOLZ ins Traumland unserer Kindheit! 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