Abendausgabe Nr. 18942. Jahrgang Ausgabe B Nr. 93 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoch 22. April 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Cindenstraße 3 Fernsprechet: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Der bayerische Abfall. Reichstagsabgeordneter Leicht gegen Hindenburg. Leute für, gelinde gefagt, ein wenig verrückt halten. Wenn sie untereinander reden, sagen sie sich das selbst ins Geficht. Die Nation alliberale Rorresponden 3" schreibt unter der Ueberschrift Die wahren Saboteure: München, 22. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Welle des| Direktionslosigkeit in den letzten Tagen beobachtet, muß diese Widerspruchs gegen die unter der Diktatur Heims erlassene Hinden burg- Barole der Bayerischen Volkspartei wird allmählich zur Sturmflut. Jeder Tag bringt dafür neue Belege aus allen Teilen des Landes. Am Mittwoch werden zwei Kundgebungen bekannt, die um der Persönlichkeiten willen, von denen sie ausgehen, für die Entscheidung der Wähler der Volkspartei am 26. April von ganz besonderem Gewicht sein werden. Der Fraktionsführer der Bayerischen Volkspartei im Reichstag, Domtapitular Leicht in Banberg, lehnte in einer Versammlung vor hervorragenden Parteimitgliedern Oberfrankens im Kalholifchen Kasino in Bamberg Hindenburg glatt ab, während er die persönlichen, politischen und kulturellen Berdienste von Marg hervorhob. Die Phrasen vom Margismus in der Rechtspresse seien nur auf Sti: nmenfang berechnet. Bon der Versammlung wurde in einer eingehenden Aussprache allgemein anerkannt, daß der Beschluß der Parteileitung in München nichts weniger als glüdlich gewesen sei. Die Gefahren einer Reichspräsidentschaft Hindenburg wurden in folgenden Punkten zusammengefaßt: 1. Ein Mann von 78 Jahren, der 60 Jahre lang Soldat gewesen, fann seinen Beruf nicht mehr mit Erfolg wechseln. Hindenburg, der sich eingestandeners mazen niemals um Politif gefümmert hat, wird dem verantwortungsvollsten Posten in der deutschen Politik niemals gewachsen sein. 2. Wenn Hindenburg Präsident wird, ist zu befürchten, daß der alte Herr das Werkzeug einiger weniger Rechtsstehender sein wird. 3. Hindenburg, der langjährige Bertrauensmann der Hohenweniger übrig haben als Marr: ersterer will ein Großpreußen, letterer ein Großdeutschland. 4. Die ausländischen Pressetimmen zeigen, daß die Kandidatur Hindenburg als ein Ausleben des alten preußischen Militarismus aufgefaßt wird. Der völkische Der völlische Spruch, daß man nach dem Ausland nichts zu fragen hätte, ist Unsinn. Die Versammlung wurde geschlossen mit der Feststellung, daß für einen Katholiken die Gewissens bedenken, einem Manne wie Marg das Vertrauen zu versagen, größer sind als die Nichteintaltung der nur anempfohlenen Parteidisziplin. „ Ein Teil der Rechtspresse sucht ausgerechnet in den Kreisen des Reichsblocks nach Saboteuren der Kandidatur hin. denburg. Diejenigen, welche diesem sonderbaren politischen Sport huldigen, machen sich keine Gedanken darüber, wie ihr Vorgehen innerhalb und auch außerhalb des Reichsblocks wirken muß. Zweifellos wollen sie nicht durch ihren Ruf„ Berrat" Berwirrung im Reichsblock hervorrufen, sondern glauben in ihrer naiv- findlichen Weise diejenigen, die sie für fäumig halten, durch öffentliche Berdächtigungen zu größerem Eifer anspornen zu können. In dieser Weise betätigt sich nach wie vor Herr Dr. Desterreich in der Börsenzeitung", dann aber auch das" Deutsche Tage blatt" u. a. m. Wir wollen aber hier auf die Dinge nicht näher eingehen, da es sich zweifellos um frankhafte Erscheinungen handelt, für deren Behandlung nicht die Politiker, sondern der Arzt in Betracht kommt." Na also, wenn sie untereinander sich schon selber für verrückt erklären mer kann dann einem vernünftigen Menschen noch zumuten, auf ihren Leim zu kriechen? Bollste Harmonie und Loyalität in der Verrücktheit! zollern, der Preuße in Reinzucht, wird für uns Bayern beſtimmt Todesurteile im Tschekaprozeß. 3ur gleichen Zeit hat der Vorsitzende des Bayerischen Priester vereins, Dom probst Stahler in Regensburg, in einer Zuschrift an das Präsidium der katholischen Arbeitervereine Bayerns fich mit der Aufstellung Hindenburgs durch die Bayerische Bolts: parici nicht einverstanden erklärt und das Eintreten der fatholischen Arbeitervereine für Marg lebhaft begrüßt. In gleichem Sinne sind auch von vielen Bezirksgruppen der Partei zu schristen an die Leitung der katholischen Arbeitervereine in Bayern gerichtet worden. „ Vollste Harmonie und Loyalität." Der Reichsblock gegen sein Wahlmaterial. ,, Es ist aber ebenso festgestellt worden, daß, nachdem die Entscheidung gefallen war, sämtliche beteiligten Gruppen und Personen jegt in vollster Harmonie und Loyalität und mit gleichem Eifer und Hingabe zusammenarbeiten." So steht zu lesen in der komischen Beschwichtigungsproflamation des Reichsblocks, die den Krach im Reichsblock verberger. soll. Die 3eit", das Organ der Volkspartei, gibt dies Berlegenheitsprodukt fommentarlos wieder. Bollste Harmonie und Loyalität! In der Nationalliberalen Korrespondenz", der Parteiforrespondenz der Volkspartei, aber steht zu lesen: „ Der Vorwärts" bringt in Nr. 96 Auszüge aus dem angeblichen Wahlmaterial des Reichsblocks. Darin wird Herr Marg persönlich in scharfer Weise angegriffen und u. a. als Reichskanzler, der uns„ verknechtenden Dawes- Politit" bezeichnet. Zu den Veröffentlichungen des„ Vorwärts" haben wir zu erklären: Der Reichsblod hat nur einen einzigen Redeentwurf herausgebracht mit der Ueberschrift„ Verfall oder Aufbau?"( Druc nummer 210.) In diesem Entwurf befindet sich kein einziger der Dom„ Vorwärts" zitierten Sätze. Sollte aber eine der dem Reichsblock angeschlossenen Bar teien von sich aus tatsächlich Material versandt haben, das die vom„ Borwärts" zitierten Behauptungen und Angriffe gegen die Regierung enthält, so würden wir das aufs schärffte verurteilen. Der Reichsblock selbst und auch die Deutsche Volkspartei würden die Berantwortung dafür in aller Form abzulehnen haben." So geht es, wenn die Deutschnationalen im Reichsblock die Führung an sich gerissen haben und sie nicht wieder abzugeben gedenken! Dann machen sie, was sie wollen, und Herr Stresemann hat nur noch die Fußtritte einzu stecken. Wir sind auf die schärfste Verurteilung wirklich gespannt. Die Deutsche Volkspartei gegen das Wahlmaterial ihrer unbestrittenen Führung im Reichsblod: welche Harmonie und welche Loyalität, welcher Eifer und welche ing abe! Sie halten sich selber für verrückt. Wer die Tätigkeit des Rechtsblods jeit der Entstehung des Loebell- Ausschusses verfolgt, und seine Zerfahrenheit und Neumann, Skoblewski, Poege zum Tode verurteilt. Im Tscheka- Prozeß verkündete der Borsitzende folgendes Urteil: Neumann wegen Mordes in einem Falle, Berabredung in 6 Fällen, Vorbereitung zum Hochverrat und Bergehen gegen§ 7 Ziffer 4 und 5 des Republikschuhgesetzes zum Tode, 8 Jahren Zuchthaus und 500 Mark Geldstrafe. Poege wegen mordes in einem Fall, Berabredung in 6 Fällen und Bergehen gegen§ 7 3iffer 4 und 5 des Republitschuhgefehes, 3 um Iode, 7 Jahren Zuchthaus und 500 M. Geldstrafe. Stoblewski wegen in stiffung zum Mord in einem Fall und 5 Fällen von Berabredung zum Mord zum Tode, zwölf Jahren Zuchthaus, 500 m. Geldstrafe und Ausweisung aus dem Reichsgebiet. margies wegen Beihilfe zum Mord in einem Fall, Verabredung in fünf Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus, 500 m. Geldstrafe, Ehrverlust auf 10 Jahre aberkannt und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufficht. Mörsner zu 1 Jahr 9 Monaten Zuchthaus und 200 m. Geldstrafe. strafe. König zu 5 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 300 M. GeldDiener zu 5 Jahren einen Monat Zuchthaus und 300 m. Geldstrafe. strafe. Lesnisse( Ehemann) zu 1 Jahre Gefängnis und 100 2. Geldstrafe. Lesniffe( Ehefrau) zu 6 Monaten Gefängnis und 100 m. Geldstrafe. Meus zu 3 Jahren Zuchthaus und 300 m. Geldstrafe. Huke zu 2 Jahren 9 Monaten Gefängnis und 200 m. GeldHallup zu 2 Jahren Gefängnis und 300 m. Geldstrafe. 3ntorf zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und 200 M. GeldS3on zu 8 Jahren Zuchthaus und 500 M. Geldstrafe. Mayer zu 6 Jahren Zuchthaus und 500 mt. Geldstrafe. Kuhls zu 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis und 200 m. Geldffraſe. straje. Die Begründung teilen wir auf der zweiten Seite mit. Generalleutnant gegen Feldmarschall. ,, Widerstand gegen erneute Betörung." Die Schuld Hindenburgs und Ludendorffs an dem Zusammenbruch Deutschlands ist bekanntlich auch von vereinzelten deutschen Offizieren rückhaltlos anerkannt worden. zu ihnen gehört der Generalleutnant a. D. Otto Löffler, von dem die folgenden Worte stammen: Für den Zusammenbruch trifft gewiß die ursächliche Verantwortung die Führung. Aber eine Schuld liegt auch auf dem Volke. Es hat sich treiben und von einer lauten Stimmungsmache urteiletos betören laffen. Diese Stimmungsmache ist mit fast vermehrtem Eifer wieder am Werk. Wenn ihre Strömung richtung gebend wird, zieht sie nach innen wie nach außenrettungslos in den gleichen Sturz. 11 Davor muß in Gorge um unser todwundes Volk und unser verstümmeltes Baterland die warnende Stim me erhoben werden. Für unsere Rettung ist eine ruhige Entwicklung die erste Loraussetzung. Ohne sie geht es in das Berderben. Das ruft zu besonderem Widerstand gegen erneute Betörung auf. Dazu braucht man nur die wahren Ursachen des Zusammenbruchs nicht zu ver geffen. Diefe Worte stehen in der Schrift des Generalleutnants Löffler„ Die Ursachen des Zusammenbruchs. Eine Barnung vor neuem Sturze!" Sie sind vor fünf Jahren geschrieben, gelten aber heute noch mit verstärkter Kraft. Wann wäre Widerstand gegen erneute Betöung" nötiger gewesen als eben jett? Pariser Einzugsmarsch. Hindenburgs Revancheträume. Die Welt ist bekanntlich zum Wahlkampf auf den Kopf gestellt. Die größten Hetzer verwandeln sich in harmlose friedfertige L. bürger. Niemals. hat der Reichsblock Revancheanwandlungen gehabt. Hindenburg ist kein General, sondern ein braver 3ivilist im Gehrod und wer an seiner Friedensliebe zweifelt, ist ein Landesverräter. Wie jeder, der nicht deutschnational ist. Vor Tisch hörte man's anders. Im Hannoverschen„ Volkswillen" finden wir die folgenden Worte aus Hindenburgs Rede an die Musiker der Peiner Stadtkapelle, die er im Sommer 1924 begrüßte. Damals war er noch nicht Zivilist, sondern noch General und deshalb sprach er: " Ihr seid alles junge Leute und habt mir den Bariser Einzugsmarsch so gut gespielt. Ich hoffe aber, daß Ihr den Pariser Einzugsmarsch auch einmal da spielen werdet, wo er hingehört, an Orf und Stelle und wo ich schon 1870 gewesen bin." Welcher Hindenburg ist nun echt? Der General des Jahres 1924, der hofft, daß die Musiker der schönen Stadt Peine bei Hannover den Pariser Einzugsmarsch in Paris spielen mögen oder der Zivilist des Jahres 1925, der frei nach Tirpiz - den europäischen Frieden bringen will? Friedrich- Ebert- Straße in Berlin. Neue Budapester Straße im Westen. Der Magistrat von Berlin hat in seiner Sizung am 22. April dem Beschluß der Stadtverordnetenversammlung, die Budapester und Sommerstraße in Friedrich Ebert Straße umzubenennen, zugestimmt. Er hat aber beschlossen, dem Teil des Kurfürstendammes zwischen der Kaiser- Wilhelm- Gedächtniskirche und der Cornelius- Brücke den Namen Budapester Straße zu geben. Eine neue Enttäuschung für Hindenburg. Die Sparer geben die Stimmabgabe frei.. Bom Hypothekengläubiger und Sparerschutzverband wird uns geschrieben: " Die Delegiertenversammlung des Hypothekengläubiger- und Sparerschutzverbandes für das Deutsche Reich( Sparerbund), Berlin W. 66, Wilhelmstraße 49 II, hatte in ihrer Sigung vom 4. April d. I. folgende Entschließung. gefaßt: " Da der zweite Wahlgang eine Entscheidung bringen muß, glaubt der Verband, die Barole der Stimmenthaltung für den zweiten Wahlgang nicht wiederum ausgeben zu fönnten und überläßt die Stellungnahme im zweifen Wahlgange dem freien Ermessen jedes Mitgliedes." Borstand und Beirat haben diesen Beschluß in der Sizung am 21. d. M. endgültig bestätigt. Der Sparer bund erwartet, daß jedes Mitglied am 26. April seiner a 1. pflicht durch Stimmabgabe genügt und ohne Gewissens: zwang den Mann wählt, von dem es die Ueberzeugung hat, daß er die Rechte der Sparer. Rentner und Gläubiger nach Recht und Gerechtigkeit, Treu und Glauben wahrnehmen wird." Im ersten Wahlgang hatte die Sparerorganisation trotz ihrer ausgesprochen rechtseingestellten Leitung sich gezwungen gesehen, die Barole der Stimmenthaltung auszugeben, weil nach dem Auftreten der Deutschnationalen im Reichstag tein Mensch mehr darüber im Unflaren sein konnte, wo die größten Feinde der Aufmertung fizzen. Marx im Rheinland. Riefenversammlungen in Neuwied und Koblenz. Koblenz, 22. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Präsidentschaftskandidat des Volksblocks, Reichskanzler a. D. Wilhelm Marg, erlebte am Dienstag bei seiner Fahrt durch das Rheinland geradezu einen Triumphzug. Er legte die Fahrt von Köln nad Koblenz mit dem Automobil zurück: Ueberall begeisterter Empfang. Bu vielen Tausenden waren die Anhänger der republikanischen Parteien in Neuwied und Koblenz zusammengeströmt, von Rhein, Mosel und Lahn, rom Westerland, von der Eifel und vom Hundsrück. In Neuwied hörte eine Riesenversammlung der Rede von Marg mit Begeisterung zi: In Koblenz erwarteten unzählige Tausende den Kandidaten des Volksblocks an der Schiffs brüde. Auf dem Wege zum Versammlungslokal wurden Marg laute Kundgebungen bereitet. Die Schiffshalle war überfüllt. Zu 3000 Menschen im Saal und ebenso vielen am anstoßenden Gorten sprach Marg, häufig von tosendem Beifall und Zustimmungsrufen unterbrochen. Genosse Kleinmeyer, der nach Marr sprach, erntete ebenfalls starken Beifall und feuerte die Versamm lung zu einem begeisterten Gelöbnis an, für den Sieg der Republik am Wahltage alle Kräfte aufzubieten. Die Masse feierte Marx mit Begeisterung. Auf ihn und auf die Republik wurden Hochrufe ausgebrad und unter dem Klang rheinischer und republikanischer Lieder verlief sich die Masse in Festtagsstimmung. Höfles Ende. Noch kein endgültiges Obduktionsergebnis. Die BS.- Korrespondenz meldet: Der Hausarzt Dr. Höfles, Dr. med. Staudacher, Lichter felde, teilt uns mit, daß bei der Obduktion eine bestimmte Todesursache nicht festgestellt worden ist, das zweitens Dr. Höfle im Verlauf der Haft ziemlich 50 Pfund an Körpergewicht verloren hat, daß er eine schwere Haftpsychose hatte und daß es nicht ausgeschlossen sei, daß er mely: Schlafmittel genommen hat, als er nehmen durfte. # gegen die Staatsanwaltschaft zu tun, da doch über den Charakter und über die Ursachen ihrer sogenannten Reinigungsaktion nicht der geringste 3 weifel mehr besteht? Will der preußische Justizminister weiter zusehen, daß die Rechtspflege heillos fompro: mittiert wird, daß wir weiter in Zuständen leben, wo nicht mehr von Rechtspflege, sondern nur noch von Banditentum die Rede sein fann! Will der preußische Justizminister nicht endlich von sich aus die Untersuchung darüber aufnehmen, wer diese forrupte Rorruptionsfampagne eingeleitet hat, wer fie finanziert und nach wessen Direttiven sie erfolgt? Will der Justiz miniſter weiter mit ansehen, daß jedes Bertrauen in die Db jeftivität der Staatsgewalt und der übrigen Gerichtsbehörden vollkommen verschwindet? Dr. Hoefle ist auf faltem Wege ermordet worden. Die Kampagne gegen ihn galt nicht der Befriedigung des staatsanwaltschaftlichen Reinigungsbedürfnisses, die Kampagne galt politischen Zweden. Wir haben dieses Treiben gründlich satt und die, die es angeht, fönnen sicher sein, daß es die längste 3eit gewährt hat! Urteilsbegründung in Leipzig. In Ergänzung hierzu erfährt die Korrespondenz noch folgendes: Da das Justizministerium nach dem Vortrag des Oberstaats: anmaltes Linde eine genaue Untersuchung des Falles münschte, wurde seitens der Staatsanwaltschaft die Obduktion der Leiche Dr. Hofles im Hedwig- Krankenhaus angeordnet. Geitens der Staatsanwaltschaft wurden die Gerichtsärzte Dr. Straß mann, Störmer und Thiele herangezogen, während Rechts anmalt Dr. Alsberg den Hausarzt der Familie Höfle, Dr. Staudacher, Lichterfelde, hinzugezogen hatte. Wetter wohnten der Obduktion je ein Vertreter des Justizministeriums und des Reichspostministerims(?) bei, während die Staatsanwaltschaft durch Oberstatsanwalt Linde und Staatsanwaltschaftsrat Belzer vertreten war. Die Obduktion selbst wurde durch Dr. Kramez vom Hedwigfrankenhaus ausgeführt. Wie bereits oben mitgeteilt, fonnte als Todesursache eine Lungenentzündung mit Sicherheit nicht festgestellt werden. Die GerichtsAnklage gegen KPD.- Zentrale und Sowjetbotschaft. ärzte haben deshalb auch ein amtliches Gutachten noch nicht abgeBS. Leipzig, 22. April. geben, sondern beantragt, daß der Inhalt des Magens und Darms, Bereits lange vor 10 Uhr standen Scharen von Menschen vor fowie Blutproben chemisch und mitroskopisch auf das Vor- dem Reichsgericht. Die Mehrzahl aller Anwesenden mußte allerhandensein gewisser chemischer Stoffe geprüft werden. Diese Unterdings vor dem Reichsgericht wieder umfehren. Um 11 Uhr wurden suchung dürfte vor Mittwoch mittag faum abgeschlossen sein. Es die Angetlagten in den Saal geführt, um 11% Uhr betrat besteht der Verdacht, daß Dr. Höfle größere Mengen pon das Gericht den Saal. Der Präsident begann sodann mit der Pantophon und Veronal zu sich genommen hat, denen seine Begründung des Urteils. ohnehin gesamächte Konstitution nicht gewachsen war. Es hat sich ferner bei einer Durchsuchung der Zelle Dr. Höfles ergeben, daß er über größere Mengen von Narkotiken verfügte, die offenbar nicht aus den Beständen des Lazaretts stammen, sondern die auf eine noch näher zu klärende Art und Weise ihm zugetragen sein müssen. Nach sachverständiger Ansicht reichen die in der Belle Dr. Höfles aufgefundenen Mengen an Schlafmittel hin, mehrere Menschen zu töten. Die Staatsanwaltschaft ist jetzt bemüht, auf zuklären, wie es möglich gewesen ist, Dr. Höfle diese großen Mengen Schlafmittel zuzuführen. Aus dem Tagebuch, das man in Dr. Höfles Besiz fand, geht hervor, daß er wiederholt von seinem Ende spricht, und in einigen zurüdgelaffenen Briefen schrieb der durch die lange Haft zusammengebrochene Mann, er habe alles Vertrauen zu feiner Sache und feinen Anwälten, glaube aber nicht, daß die Staatsanwaltschaft ihn bald auf freien Fuß fehen werde. Weiter beflagt er sich, daß die Staatsanwaltschaft nicht sein Verfahren von dem der Barmats abtrennen wolle, und daß er infolgedessen bis zur Hauptverhandlung noch lange Monate in Untersuchungshaft werde bleiben müssen. Weiter spricht aus seinem Tagebuch die hange Sorge um seine und seiner Familie Zukunft selbst in dem Salle, daß er freigesprochen werden sollte. Nach Ansicht des Hausarztes hat bei Dr. Höfle, wie bei allen herzfranken Leuten, die ungeheure starte Abmagerung während der Haft dazu geführt, den Gesundheitszustand vollends zu zerrütten. Immerhin haben die Gefängnisärzte doch offenbar mit einer ernsten Gefahr für das Leben des Untersuchungsgefangenen nicht gerechnet. Toch am Sonnabend Abend erklärte der Gefängnis. arzt Dr. Thiele dem Hausarzt Dr. Staudacher gelegentlich eines telephonischen Anrufes. daß es Dr. Höfle feiner Ansicht nach ganz gut gehe, während der Cazarettwärter Frau Dr. Höfle davon benachrichtigte, daß es mit ihrem Manne offenbar zu Ende gehe. | darüber hinaus wollte sie für ihre Zwecke tämpfen und eine Rätere publif errichten. Es ist von der Verteidigung geltend gemacht worden, es sei ihr die Möglichkeit zur Führung ihres vollgültigen Beweises für ihre Behauptungen genommen worden. Da durch ist eine Jrieführung der öffentlichen Meinung erfolgt, die um jo bedauerlicher ist, da die Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen. Das Bestehen der faschistischen Gefahr und der gute Glaube der Angeklagten, dagegen zu kämpfen, ist als wahr unterstellt worden und damit war schon den Beweisanträgen genügt. Damit befindet sich der Staatsgerichtshof auch in Uebereinstimmung mit der Praxis des Reichsgerichts. Angeklagte, die hervorragende Funktionäre der Partei sind, haben zugegeben, daß das, was der Staatsgerichtshof festgestellt hat, durchaus den Tatsachen entspreche. Ferner sind eine Reihe von Urkunden verlesen worden, aus denen flar das Ziel der KPD. hervorgeht, und zwar handelt es sich uni Urkunden, die bis in das Jahr 1924 hincin produziert worden sind. Ferner sind eine Reihe von Tatsachen unter Beweis gestellt, die darauf schließen lassen, daß die KPD. im Jahre 1923 eine Revolutionspartei war, vor allem die Tatsache, daß 1923 eine Kommission in Berlin begründet wurde, die den Namen Revolutionsfomitee trug, welche von der Zentrale der KPD. und der " Komintern" unterstützt wurde. Auf Veranlassung des Revolutionsfomitees von Moskau murden in allen Bezirten Deutschlands Revolutionsfomitees gegründet und gespeist mit fremder Baluta, mit Dollars, die aus Rußland famen, um die Revolutionsbewegung in Deutschland zu ermöglichen. In der Russischen Botschaft in Berlin haben gemeinsame Besprechungen mit der Zentrale der KPD. und dem Revolutionsfomitee ftattgefunden. Bei diesen Bersammlungen wurde die Mobilmachung, Parteibefehle zur Revolution, Aufrufe und Operationspläne an Hand von militärischen Karten ausgearbeitet, um die Revolution zur Durchführung zu bringen. Die Hauptverhandlung hat ergeben, daß die KPD. nur eine In dieser Zeit wurde in Deutschland die Tscheka nach russischem Sektion der Kommunistischen Internationale ist, die ihren Sitz in Borbild gegründet. Es ergab sich in der Hauptverhandlung. baß es Rußland hat und deren Weisungen für alle Seffionen binzu einer Gründung gekommen ist. Es ist festgestellt worden, daß dend sind und befolgt werden. Die Komintern" hat sich als Ziel die Terrorgruppen es fich zur Aufgabe machten, Spizel gefeßt, die zurzeit bestehenden, seien es monarchistische oder parla- und prominente Persönlichkeiten, die der Partei ge mentarische, Regierungen zu stürzen und an die Stelle eine fahrlich werden konnten, zu vernichten. Es sind Schriftstide Räteregierung nach ruffischem Muster zu sehen. gefunden worden, aus denen flar hervorgeht, daß die Partei damit Dieses Ziel folle mit allen Mitteln, auch mit Gewalt, verfolgt den sogenannten individuellen Terror auf ihre Fahne ge werden. Um dieses Ziel zu sichern, ist dafür gesorgt, daß Abgeschrieben hat. In Berlin wurde von der Zentrale die sogenannte ordnete von der Kommunistischen Internationale in die einzel- Tscheta- Gruppe gegründet. nen Sektionen eingegliedert werden. So find auch bei uns in Deutschland Herren kommunistischer Herkunft der Zentrale einge. gltebert worden. Im September 1923 ist die RBD. auf Bei dazu übergegangen, daß Ziel, die deutsche Regierung zu stürzen, als fung der Komintern" und auf eigene Initiative ein ganz Bestimmtes aufzufassen, das in unmittelbare Nähe gerückt sei. Es sind um diese Zeit umfangreiche neue Organisationen " Helmuth" ist persönlich mit dem Angeklagten Stoblewski identisch. An dieser Tatsache kann es feinen 3weifel geben, Stoblemiti Meumann hat zur Unterſtüßung Geldmittel, und zwar machte Neumann mit den Aufgaben der Ticheta- Gruppe befannt. wiederum russisches Geld erhalten. Die Tschefa- Gruppe ist entsprechend ausgestattet worden, um ihre Ziele verwirklichen zu fönnen. Sie war mit Waffen hinreichend versehen. Bei dem Angeklagten Meus ist ein Patet mit Hunger vorgenommen worden. Die KPD. hat sich damals zu einer staats- typhusbazillen gefunden worden, von denen die Sachver feindlichen Verbindung entwickelt, deren Ziel war, die Republit zuständigen festgestellt haben, daß sie tödlich sind. Die Tscheka war untergraben. Es ist eine Verbindung im Sinne des§ 7 Abs. 5 des ferner mit einem Kraftwagen ausgerüstet, der jederzeit zur Republifschutzgesetzes. Alles dos hat dazu geführt, daß die KPD. Verfügung stand. Sie war also in technischer und militärischer Beam 20. November 1923 verboten wurde. Sie hat damit feines zichung gut ausgerüstet. In der Zentrale der KPD. befand sich eine falls aufgehört, ihre Pläne aufzugeben. Die bereits vorher illegale fogenannte Paßfälscherzentrale, in der zahlreiche falsche Partei ist Pässe gefunden worden sind, die den 3wed haben sollten, die Angehörigen nach Ausführung ihrer Taten in Sicherheit zu bringen. zum Zwede der Erledigung Seedts hatte sich Szon mit Neumann und Meus in Verbindung gefett. Seedt foute im Tiergarten er: mordet werden, und Szon hatte sich mit einem Kraftwagen por dem Tiergarten aufzustellen. Eine anderer follte die Beobachtung des Reichswehrministeriums besorgen, und der tödliche Schuß follte aus einem Busch fallen, es fam jedoch nicht dazu, meil rof. metter eintrat und es sich herausstellte, daß Seedt sich auf einer Reise befand. Auch die geplante Ermordung des Generals von Seedt in seiner Wohnung schlug Margies vor. Charatteristisch ist wieder, daß der Befehl zum Abbruch der Pläne im Falle Seedt ven feiten der Parteileitung gegeben wurde. Diese gab dann den Befehl aus, jest zwei prominente Führer der Wirtschaft zu be feitigen. Stoblemfti gab den Befehl für Stinnes. Man be, sorgte sich Bässe für das befehte Gebiet und fuhr dort hin. Zur Erledigung fam es aus unbekannten Gründen nicht. Aehnlich liegen die Dinge im Falle Borsig. von einer staatsfeindlichen zu einer geheimen Berbindung gemorden. Jeder Funktionär mußte sich damals sagen, daß er sich fpfern er die Ziele dieser Berbindung fannie Trogdem diese Tat im Sinne des Republifiqußgefeges strafbar machte, fachen zum Teil gerichtsnotorisch maren, hat der Staatsge: richtshof es vorgezogen, noch einmal erneut in eine gründliche Bemeisaufnahme einzutreten. Alles, was in früheren Berhandlungen festgestellt worden ist, ist in dieser Berhandlung bestätigt worden, insbesondere ist der Einwand der Kommunisten, daß sie nicht die Absicht gehabt hätten, mit Gemalt ihre Ziele zu verwirklichen, wider legt worden. Die Verteidigung hat erwähnt, daß die Verfassung schon von rechts her durchlochert worden sei. Es sind umerhoben und behauptet worden, daß die KPD. lediglich das Ziel gehabt habe, die Regierung gegen diese Gefahr zu unterstützen. In der Berhandlung ist einwandfrei festgestellt worden, daß dem nicht fo ist. Allerdings hat die RBD. mit der faschistischen Gefahr ge rechnet und sie wollte die faschistischen Gegner vernichten. Aber Die Herren Aerzte werden sich wahrscheinlich noch längere Zeit darüber den Kopf zerbrechen, moran nach ihrer Ansicht der Minister verstorben ist. Es genügt vollständig, daß noch am Sonnabendabend der Gefängnisarzt Dr. Tiele erflärt hat, es gehe dem Minister nach seiner Ansicht ganz gut. Am Montag war Dr. Hoefle eine Leiche.. Barum ist gegen diesen Herrn noch kein Verfangreiche Beweise für das Bestehen der faschistischen Gefahr fahren eingeleitet worden? Was hat der preu Bische Justizminister in dieser Angelegenheit bisher getan? Die Deffentlichkeit wartet vergeblich auf eine amt liche Darstellung. Was gedenkt der preußische Justizminister Das Angebinde". Bon Emil Rath. Ob Bater Hindenburg" die Niederlage Deutschlands letzten Endes doch noch hätte aufhalten fönnen, wenn er 1918 zu dem schon wiederholt bemährten" Mittel gegriffen hätte, widerspenstige Feldgraue anbinden zu lassen? Es versteht sich von selbst, daß diese Strafe nur an den Gemeinen, schlimmstenfalls auch an Gefreiten, ausgeführt werden durfte. Unteroffiziere und Feldwebel waren vor einer solchen Spezialbehandlung sicher. Ich kann aber Bater Hindenburg" nicht zupflichten, daß da durch die Disziplin beffer geworden wäre. Denn diese Strafe des Anbindens wir sagten auch wohl das Angebinde" mar bei uns bereits 1915 äußerst beliebt. Herr Oberleutnant von Hinkelden wußte sich feinen besseren Zeitvertreib als dieses Anbinden. Ec hatte zu dieser Luftbarkeit schon immer einige Sündenböcke in Bereitschaft. Da war zum Beispiel Schleining, ein hochgewachsener, rotblonder Füsilier von der Waterkant, der das Leben immer von der leichten Seite nahm und es sich bequem machte, wo er nur konnte. Das sollte ihm zum Verhängnis werden. Im Schüßengraben gibt es selbstverständlich auch einen Ort, der clles andere, nur nicht verschwiegen ist. Zur Winterzeit ist die zu gewissen menschlichen Verrichtungen bestimmte Siggelegenheit zum mindeſten mit Schnee bedeckt, unter ungünstigen Umständen gar mit Eis. Schleining war der Ansicht, daß man seine Gesundheit nicht unnötig dieser Sitzgelegenheit anvertrauen sollte und benutzte zu kleinem Geschäft die nächste Grabenede. Aber o Pech! Just fam der Unteroffizier vom Grabendienst des Weges, hörte verdächtiges Blätschern, nahm das berüchtigte Aergernis und stellte den armen Sünder fest. Großer Kriegsrat im Kompagnieführerunterstand. Herr OberTeutnant von Hinfelden verkündet das Berdikt: Drei Tage strengen Arrest. Das bedeutete in Galizien: während dreier Tage je zwei Stunden Angebinde". Der Pranger war günstig gewählt. Es war die auf einer Anhöhe stehende, dicht bei dem Quartier des Hinkelden gelegene Feldtüche, an deren Radspeichen sich mit Hilfe eines derben Strices das Urteil an den armen Sündern oft wurde an seder Seite einer angebunden vollführen ließ. Es mar, wie gesagt, Winter. Zehn, fünfzehn, ja, zwanzig und mehr Grad Kälte. Der Feldwebel war fein Unmensch. Er erleichterte nach Möglichkeit das Los der Angebundenen. Aber oft machte er die Rechnung ohne Hinfelden, der, satt gefressen und mit wärmen dem Pelz umhüllt, aus seinem Quartier zur Feldküche emporstieg und prüfte, ob die Fesseln der Angebundenen auch nicht zu lodder maren. Nach Möglichkeit mußten die Angebundenen auf den Behenspigen stehen, und das Urteil galt als besonders gut ausgeführt, menn die Opfer nach Beendigung der zwei Stunden, der Fesseln ledig, vor Rälte erstarrt, umfielen. Feldwebel Walter ließ sie wenn Hinfelden nicht in gerade in der Nähe war in seine Stube führen, wo er schon Essen für sie bereithielt. Es war ein„ Spieß", mie man ihn wohl selten findet! Aber Befehl ist eben Befehl, da muß auch ein Spieß gehorchen. Schleining hat oft dort oben an der Feldküche gestanden, an der die Straße, die einzige Straße der Stadt J. vorüberführte. Und wenn die Banjes mit ihren dicken Schafpelzen dort vorüber stapften, sahen sie wohl voller Schauder und Mitleid zu den armen Angebundenen dort oben empor und befreuzten sich innerlich vor den Segnungen einer solchen Kultur, deren Wiederkehr hirnverbohrte Monarchler durch die Wahl eines unpolitischen Reichspräfidenten erwirken möchten. Wir einstigen Feldgrauen haben von jenem Angebinde" noch jetzt genug! Pikanterie für Spießer. Alfred Möller, der die in geistiger Not seufzenden deutschen Bühnen mit seichten Theaterstücken versorgt, verhalf gestern dem Komödienhaus mit seinen Silbernen Kaninchen zu einem billigen Premierenerfolg. Der Autor geht auf Nummer Sicher und benutzt den anerkanntermaßen für Lustspiele beliebten und bewährten Ehescheidungsstoff. Hier handelt es sich um eine erzwungene und setzt ihn daher eine hohe Geldsumme für den Fall aus, daß er Scheidung. Der reiche Bapa fann feinen Schwiegerjohn nicht leiden sich scheiden läßt. Auf dieses verlockene Angebot geht der verliebte Ehemann auch ein, aber mie spaßig um die geschiedene Frau nach dem Einstreichen der 100 000 m. fofort wieder zu heiraten. Das wäre an sich noch nicht komisch. Es ist bloß albern. Den Spaß schöpft Herr Möller aus der Schwierigkeit der Beschaffung seiner Diva, die den nötigen Ehebruch verüben und damit den Schei dungsgrund verkörpern soll. Keine Angst! Die Sache verläuft höchst anständig, Herrn Möller schwebt die lüfterne Atmosphäre der leicht sinnigen Pariser Boulevardposse vor, die graziös mit Obszönitäten spielt und bis an die Grenze des Erlaubten geht. Herr Möller traut sich nicht. Alles bleibt legitim. Ehebruch mit sittlichem Gehalt. Pifanterie mit ethischem Hintergrund. Langeweile. Wieso aber, fragt man, der tatsächlich vorhandene Heiterfeitserfolg? Erstens liegt das an der rührenden Anspruchslosigkeit des eleganten Publiku as, zwei tens an dem Schauspieler Vespermann. Bejpermana hat einen unerschütterlich- elegischen Blick. Er erfindet im Augenblik ulfige Extempores. Er fagt nicht Hinz und Kunz, sondern mit unsäglich trauriger Miene Kinz und Hunz, turz, Vespermann adelt eine Plattheit durch Quatsch. Die übrigen Darsteller glichen sich mit bemerkensmertem Anpassungsvermögen dem traurigen Niveau des öden Schwants an. Dgr. Blanet Saturn in seiner größten Erdnähe und wird durch seine Der Ring des Saturn. In diesen Tagen befindet sich der Stellung die Möglichkeit bieten, seine Ringe zu studieren. Diese Ringe gehören zu den größten Rätseln der Bildung der Gestirne. Sie wurden zuerst Don Galilei entdeckt, der allerdings fie als Teile des Planeten selbst ansah. Erst Hunghens stellte im Jahre 1655 fest, ( Schluß im Morgenblatt.) daß es sich bei dieser eigenartigen Bildung um einen Ring handle, der um den Planeten selbst in elliptischer Form schwebt. Der Astronom Caffini fezte diese Forschungen weiter fort und erkannte im Jahre 1715, daß der Ring doppelt sei. Andere entdeckten bei weite rer Beobachtung schließlich noch andere dunkle Streifen. Der Ring hat einen Halbmesser, der für den äußeren Hauptring ungefähr 137 000 Kilometer beträgt. Man nimmt als den größten Durch messer ungefähr 277 000 Kilometer an. Ueber die Dicke des Ringes sind die verschiedensten Auffassungen vorhanden, denn während Bond die Dice nur mit 70 Kilometer annimmt, stellte der berühmte englische Astronom Herschel sie auf 160 Kilometer fest und heute hat man eine Dicke von 350-400 Kilometern festgestellt. Eine Zeitlang glaubte man, daß der Ring eine feste Scheibe sei, die sich um den Planeten befinde, dergestalt, daß in der Scheibe ein großes Loch ist und daß in diesem Loch von einer geheimnisvollen Gewalt der Planet gehalten werde. Heute weiß man, daß diese Auffassung falsch ist und falsch sein muß. Es handelt sich vielmehr um eine ungeheure Anzahl von Satelliten, die ungefähr in Aequatorhöhe sich um den Saturn bewegen. Diese Feststellung fonnte man aus der Schnelligfeit treffen, mit der sich die einzelnen Teile des Ringes um den Blaneten bewegen. Wäre der Ring ein fester Körper, so müßten sich die äußeren Teile mit der größten Geschwindigkeit bewegen, während sie tatsächlich eine geringere Geschwindigkeit haben als die inneren Teile. Es handelt sich tatsächlich bei dem Ring um einen meteorischen Charakter und es tommen nicht mehrere Ringe in Betracht, wie man anfangs annahm, sondern eine große, durch Millionen von kleinen Weltförpern gebildete ringförmige Fläche, die in teter Bewegung um ihren Zentralkörper sich befindet, Bon den Monden des Saturn fennen wir 10. Der sechste ist der hellste. Sichtbewegen sich um den Saturn in dem Zeitraum von einem Tag bis bar für Fernrohre sind aber nur wenige, da sie sehr klein sind. Sie ungefähr 79 Tagen. Der Geburtstag Roms wurde Dienstag in ganz Italien feierlich begangen. Der Einweihung der Forum Augusti, das nach langer Ausgrabung freigelegt wurde, wohnten der König, Mussolini und die Mitglieder der interparlamentarischen Handelskonferenz bei. Darauf begab sich die Versammlung in 300 Automobilen zur ehedas zur Römerzeit wegen seiner Schönheit, besonders wegen seiner maligen Küste von Fregenum, 30 Kilometer von Rom entfernt, Jetzt foll Fregenum als Pinienwälder und Küste berühmt war. neue Stadt auferstehen, zu der der Grundstein gelegt wurde. Dieses Ereignis wurde mit einem großen Essen gefeiert, bei dem mehrere Reden gehalten wurden. illuminiert. Alle Städte waren abends glänzend Jm Theater am Kurfürffendamm beginnt am 1. Mai Paul Wegener etn bierwöchentliches Gastspiel mit einem eigenen Ensemble. Englands Anteil an der Welthandelsflotte. Die heutige britische umfang nur um 40 000 Tonnen. Sie konnte infolge der währende bes Handelsflotte mit etwa 19 Millionen Tonnen übertrifft ihren Vorkriegs. Strieges erlittenen starten Verluste mit der Entwidlung der BelthandelsHafen" ausgeführt wird, der Anteil Großbritanniens an der Belitonnage flotte nicht gleichen Schritt halten. So hat sich, wie in Werft, Reederei, beträchtlich verringert und ist von 44,4 Proz. auf 32,9 Proz zurüdgegangen. Vertrauensvotum für Painlevé. Mit 304 gegen 218 Stimmen. Paris, 22. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Kammerbebatte ist nach zehnffündiger Dauer mit der Annahme eines Bertrauensvotums mit 304 gegen 218 Stimmen für das neue Minifterium beendet worden. Für das Ministerium haben gefchloffen die vier Gruppen des Linkskartells gestimmt. Die Haltung der Sozialisten begründete Leon Blum in einer furzen Rede, in der er erklärte, daß die Partei das Ministerium Painlevé zu unterstützen gedente, wie sie das Ministerium Herriot unterstützt habe, nicht nur wegen der persönlichen Beziehungen, welche die Partei mit dem Chef der neuen Regierung verknüpfe, sondern vor allem wegen der Gemein schaftlichkeit, wenn nicht der Auffassungen, so doch des politi schen Wollens. Diese Haltung der Sozialisten bedeute jedoch keineswegs Berzicht auf ihre eigene Politik, die fie nach wie vor mit größter Energie im Parlament und vor dem Lande verteidigen werde. Die Opposition habe erneut den Kampf, den sie seit 10 Jahren gegen die Führer der republikanischen Parteien führe, in aller Schärfe wieder aufgenommen. In diesem Kampf werden die Sozialisten zur Regierung stehen. Wenn die Regierungserklärung felbst in der Mehrheit vielleicht einige Berwirrung ausgelöst habe, so habe die Haltung der Rechten in der Debatte bewirkt, daß die Cage volle Klärung gefunden habe. Die Sozialistische Partei werde in enger Zusammenarbeit mit der Regierung fortfahren, die Politif durchzuführen, für die fich die Wähler am 11. mai entschieden haben. Eine Rede Briands. Im Laufe der Debatte, in der auch Herriot gesprochen hatte, fom Außenminister Briand auch auf den Völkerbund zu sprechen und sagte über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Bolterbund: Wenn Deutschland wie die übrigen Nationen im Bölkerbund sizen wird, sind die Aussichten dafür, daß der Friede nicht mehr gestört wird, wesentlich größer. Was aber von hwerwiegender Bedeutung ist, das ist die Tatsache, daß gemisse große Kräfte immer noch außerhalb einer gemeinsamen Gruppierung bleiben und sich dieser Gruppierung entgegensetzen. Iaraus entstünden die Gewitter. Briand erklärt, daß Frankreich gegenüber Deutschland alle Vor. fichtsmaßregeln ergreifen, daß es aber auch dabei auf das äußerste bemüht sein werde, die öffentliche Meinung der Welt nicht zu beunruhigen, denn die gesamte Welt habe das Bedürfnis nach Frieden und Ruhe, damit sie arbeiten könne. Bulgarien und das Ausland. In Bulgarien regiert, zumal seit dem fürchterlichen Attentat, tatsächlich eine Militärdiktatur, deren Repräsentanten der Kriegsminister Boltoff und der General& a sareff sind. Bor mehreren Wochen hat die bulgarische Regierung durch den Hinweis auf innere Gefahren die Erlaubnis der Entente erlangt, das zwangsweise in der Höchstzahl beschränkte Heer um 3000 Freiwillige" zu ergänzen; nach dem Attentat hat sie die Entente gebeten, ihr nochmals eine Heeresverstärkung von 10 000 Mann zu gestatten und das Foch- Komitee soll dazu bereit sein. Ob Militär, Gendarmen, Polizei und was es sonst noch an bewaffneter Regierungsmacht in Bulgarien geben mag, mirtlich nicht ausreichen, u meinen Umsturz zu verhindern, der die durch Umsturz zur Herrschaft gelangte Militärdiftatur ftürzen würde, läßt sich von hier aus nicht entscheiden. Jeden folls ist die Regierung 3antoff noch am Ruder und fie läßt Maffenhinrichtungen vornehmen, über die man phl erst in einiger Zeit Benaueres erfahren wird. Der König Boris soll, meil er. Einbeziehung der gemäßigten Oppofition in die Regierung wünscht, im aẞlast eingesperrt und an der beabsichtigten Auslandsreise verhindert sein. Monarchist Hindenburg. Ein Brief Hindenburgs an den Kaiser. Der Berliner Lokal- Anzeiger" veröffentlichte am 12. Sep tember 1922 folgenden Brief Hindenburgs an den Kaiser: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Für den von Curer Majestät am unseligen 9. November auf Grund des einstimmigen Borschlages fämtlicher befugter Berater gefaßten Entschluß, ins Ausland zu gehen, frage ich die milverantwortung. Wie ich bereits früher näher begründet habe, drohte ernstlich die Gefahr, daß Euere Majestät über kurz oder lang von Mcuterern aufgehoben und dem inneren oder äußeren Feind ausgeliefert würden. Solche Schmach und Schande mußle dem Vaterlande unter allen Umständen erspart werden! Aus diesem Grunde habe ich im Vortrag am 9. November nachmittags in unserer aller Namen den Ueberfritt nach Holland, den ich damals übrigens nur für einen vorübergehenden hielt, als äußersten Ausweg empfohlen. Noch heule bin ich der Ansicht, daß dieser Borschlag der richtige war. Daß ich am 9. November abends zur fofortigen Abreise gedrängt hatte, ist ein Irrtum, der fürzlich gegen meinen Millen öffentlich erwähnt worden ist. Für mich besteht tein Zweifel darüber, daß Euere Majestät nicht abgereift wären, wenn 211er höchstdieselben nicht geglaubt hätten, daß ich in meiner Stellung als Chef des Generalstabes diesen Schrift für den im Intereffe Euerer Majestät und des Vaterlandes gebotenen anfähe. Schon in dem Protokoll vom 27. Juli 1919 ist ausgesprochen worden, daß ich von Euerer Majestät Abreise erst Kenntnis erhielt, nachdem sie ausgeführt war. Euerer Majestät bitte ich am Schluffe dieser Darlegung ehrerbietigst nochmals versichern zu dürfen, daß ich mein Leben lang in unbegrenzter Treue zu meinem Kaiser, König und Herrn geftanden habe und stehen werde und daher auch immer und überall die Mifverantwortung für den Entschluß am 9. November zu fragen gewillt bin. In fieffter Chrfurcht und größter Dankbarkeit verharte ich allezeit afs Euerer Kaiserlichen und Königlichen Majestät allerunterfänigster von Hindenburg, Generalfeldmarschall. Hannover, 28. Juli 1922." Dieses Dokument spricht deutlicher als alle bisherigen Osterbotschaften und Sonntagsreden des Generalfeldmarschalls. Dieser Brief beweist alles andere als die Eignung Hindenburgs zum Reichspräsidenten der deutschen Republit. Der Präsident der Republik muß ein Republikaner sein, also gehört an die Spike des Staates der Kandidat des Boltsblocks, Wilhelm Marx! Hoch die Republik! Wer hätte das gedacht, daß es so schnell bergab gehen würde mit unseren Gegnern nämlich, in den Wählerversammlungen? Noch im Dezember, bei der Reichstagswahl, wagte sich doch einmal ett politischer Selbstmordfandidat als Debatteredner hervor, um menn auch feine Weisheiten zu verzapfen, so doch wenigstens die Ehre feiner Bolts partei( natürlich!) zu retten, Ja, und im Mai vorigen Jahres, als der alte Inflationsreichstag eingegangen war ( und ein neuer gewählt wurde): du lieber Gott, es gehörte. nicht mur politische Erfahrung und eine Rednergabe, sondern direkt auch persönlicher Mut dazu, in unsern Wählerversammlungen als Referent aufzutreten. Bersammlungssprengungen, gestürmte Rednerpulte, Schlägereien unter der Parole Hakenstern und Sowjetkreuz gehörten mit zur Tagesordnung, wenn sie auch von der Versammlungsleitung nicht genehmigt waren. Wir mußten noch fämpfen für unsere Ueberzeugung. Heute brauchen mir nur noch die Kämpfer überRegie- zeugen. Sie stellen sich freiwillig als Streiter für die Republie, Zwangsaushebung, wie bei Berwölfen und Stahlhelmern( mit ber fleinen Hutnummer!) und ohne Androhung von politischer Todes. Die längst zur Erhaltung ihres Lebens nach Südflawieft geflüchteten ehemaligen Bauernminister Oboff und Theo doroff, die in bulgarischen Meldungen als Führer einfalls bereiter Emigrantenbanden in Südflawien hingestellt werden, richten folgenden Hilferuf an die Westmächte: Erbiffen Intervention im Jnteresse der Menschheit. rungstruppen haben gestern 5000 neue Verhaffungen vorgenommen, 500 Personen wurden unverzüglich ffandrechtlich erschossen. Die südslamische Regierung erläßt folgende bezeich nende amtliche Rundgebung: Infolge der Gemalttätigkeiten in Bulgarien verbreiten bulgarische Kreise unaufhörlich Gerichte, wonach eine terro ristische Aktion geführt würde, um Unruhen und Bürgerkrieg hervorzurufen und auf diese Weise der südslawischen Armee zu ermöglichen, die Grenze zu überschreiten und Bulgarien zu besetzen. Es ist überflüssig, diese Behauptungen zu dementieren, die an sich so wenig ernst zu nehmen sind, daß kein vernünftiger Mensch ihnen Glauben schenken fann. Unser Heer dient ausschließlich der Berteidigung des Landes, und unsere Regierung hat bis jezt genügend Beweise für ihren Wunsch erbracht, auf dem besten Juße mit ihren Nachbarn zu leben. Unser Staat hat beständig gute Beziehungen mit Bulgarien unterhalten, obgleich auf bulgarischem Gebiet und unter den Augen des amtlichen Bulgarien Affentate und blutige Angriffe von Räuberbanden auf unser eigenes Gebiet vorbereitet worden sind. Trotz der beständigen Herausforderungen haben unsere amtlichen Vertreter niemals ihre Kaltblütigkeit verloren, sondern haben jedes Abenteuer vermieden. Wenn es auch verständlich ist, daß die tiefe Erregung, die fich infolge der letzten Ereignisse aller Kreise Sofias bemächtigt hat, zu gemissen Uebertreibungen Anlaß geben fonnte, so ist es nichtsdestomeniger notwendig, der Empfindlichkeit der Nachbarn Rechnung zu tragen, die so viele Beweise ihrer friedlichen Politik gegeben haben und weiterhin geben. Sihung der Sobranje. Der Innenminister greift Südslawien an. Sofia, 22. April.( EP.) Gestern um 4 Uhr begann die Sigung der Sobranje, die das Regierungsdekret über den Belagerungszu stand genehmigen sollte. Ministerpräsident Bantoff führte aus, daß durch die blutigen Ereignisse der letzten Zeit, durch die die besten Söhne Bulgariens den Tod gefunden haben, die Regierung genötigt fei, den Belagerungszustand zu verhängen; der Ministerpräsident schäme fich, weil dieses Attentat von Bulgaren ausgeführt wurde, die vom Ausland bezahlt worden sind. Innenminister Rus foff erhob Beschuldigungen gegen die südslawische Gesandtschaft Er teilte mit, daß der Kirchendiener bei der Untersuchung gestanden habe, daß der Kapitän Miakoff, der Hauptattentäter, ihm erklärt habe, nach dem Attentat würden die die Teilnehmer der Verschwörung bei der südslawischen Gesandt schaft Reisepäife befommen. Der Sobranje genehmigte hierauf das Regierungsdefret und vertagte fich bis zum 6. Juni. Ob außer den Ministern jemand gesprochen hat, geht aus dieser Meldung nicht hervor. strafe, mie bei den Moskausemiten. Die Republik ist in Gefahr! Der Alarmruf genügt, um auch politisch Gleichgültige machzurütteln. Die Republik ist in Gefahr gegen Hindenburg: Es kann ja auch niemanden geben, der das nicht versteht. So haben's auch unsere Redner verhältnismäßig leicht. Material liefert der Rechtsblod wirklich im Ueberfluß; seine Leute müssen den Brand im eigenen Hause löschen und sind für den Außendienst"( es sei denn zum Einsammeln von Wahlbeiträgen") nicht frei. Und dann müssen auch gelegentlich die eigenen Versammlungen vollgemacht werden nach dem Rezept: Es tommt wieder einer angeströmt um dem Herrn Erfandidaten Jarres für seine eigene Leichenrede als Hintergrund zu dienen. Die noch überlebenden Kommunisten wo sind sie denn? Wo sind denn die„ Borkämpfer des Margismus" mit ihren Sympathifierenden" und ihren flassenbewußten Unorganisierten"? Schall und Rauch! Verklungen und verflogen-! Sie gingen hin und sangen nicht mehr. Aber die Demokratie und die Republik leben, leben als Majsenbewegung, die im Bolte wurzelt und zu der fich das Volk bekennen wird. -w Die gefirigen Wählerversammlungen. In Biesdorf sprach gestern in einer gut besuchten WählerDersammlung für die Demokraten Wagner und für die Sozialdemokraten Genoffin Luise Kähler. Darbietungen des Biesdorfer Arbeitergesangvereins leiteten die Kundgebung ein. Die Versammlung war von dem einmütigen Willen getragen, für den Präsidentschaftskandidaten des Volksblocks der deutschen Republit für Wilhelm Marg mit ganzer Kraft einzutreten. In treffenden Worten wurden die verhängnisvollen Folgen einer etwaigen Präsidentschaft Hindenburgs, der Marionette der Schwerindustrie und der Großagrarier, geschildert. Mit der Parole, am 26. April einzig und allein für einen wahren RepuMarg zu stimmen, schloß die Versammlung. Reichsbanner hatte blikaner, der auch mit dem Herzen bei der Sache ist, für Wilhelm den Saalschutz übernommen, so daß es nirgends zu Störungen fam. in Mahlsdorf- Süd sprach Genosse rille. Hie Mary In einer gleichfalls gut besuchten Wählerversammlung bort Hindenburg." Niemals hat die Rechte provozierender mit einem Militär wie Hindenburg als Präsidentschaftskandidaten an die Deffentlichkeit treten fönnen wie in diesem Augenblid. Die Realtion rechnet auf die Sentimentalität des deut. fchen Michels. Sie foll aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht haben. Das wird die Wahl des Boltsblodstandidaten Wilhelm Marg beweisen. Wirkt auch auf die Wahlmüden ein, denn jeder Republikaner gehört am 26. April an die Wahlurne. Hier Republik dort Monarchie! Sezt alles für Wilhelm Marg, den Mann mit dem wahren republikanischen Gesicht, ein schloß die eindrucksvolle Versammlung. Auch hier hatte das Reichs und gebt nur ihm eure Stimme. Mit einem Hoch auf die SẞD. banner den Saalschutz übernommen. Nationalistische Wahlausschreitungen. Der Rechtsblod veranstaltete gestern abend im Lehrervereinshaus eine Wahlfundgebung, die sehr dürftig besucht war und in der wiederum nach altbekannter Manier ganz unmäßig gehezt wurde. Vor Beginn der Kundgebung überfiel ein Zug von etwa 150 uniformierten Rechtsblodfern eine Propagandaabteilung des Reichsbanners. Die Abwehr der angegriffenen Republi faner war aber eine so nachhaltige, daß die monarchistischen Strauchritter in fürzester Frist ihr Heil in wilder Flucht suchten. Hierbei 30g ein völkischer Rowdie einen Revolver und feuerte einen Schuß auf die Bannerleute ab, glücklicherweise ohne jemanden zu verletzen. Publikum begreiflicherweise in helle Erregung. Leider gelang es Das heimtückische Attentat des nationalistischen Gesellen brachte das nicht, den Revolverhelden polizeilich feststellen zu lassen. Nach Versammlungsschluß provozierte ein etwa 200 Mann starker Zug der Rechtsblödler, der aus dem Lehrervereinshaus tam, das größtenteils republikanische Straßenpublikum. Es kam zu einem heftigen Zufammenstoß. Die Polizei mußte eingreifen und nahm einige Siftierungen vor. Es gab mehrere nicht unerhebliche Berlegungen. Den Vater erschossen. Eine Familientragödie in Friedenau. Ein bisher noch unaufgeflärtes Familiendrama spielte sich gestern abend in Friedenau ab. Der 54 Jahre alte Rentner. Baul Diebel am Dürerplatz 4 zu Friedenau, der mit seinem verheirateten Sohne, dem 30 Jahre alten prattischen Arzte Dr. med. Johann Diebel, zusammenwohnte, wurde von diesem nach einer Auseinonderlegung erschossen. Der alte Diebel, der durch die Inflation fein Vermögen verloren hatte, fühlte sich in dem Abhängigkeitsmorden. Die Folge war, daß er mit dem Sohne ständig in Unerhältnis von seinem Sohne nicht wohl und war sehr nervös gefrieden lebte. Wie schon öfter, so fam es auch gestern abend gegen 8 Uhr, angeblich durch den Vater, der wiederholt Drohungen ausgestoßen haben soll und auch eine Schußwaffe besaß, in den Zimmern des Rentners zu einem heftigen Zusammenstoß. Der Sohn fühlte sich schwer bedroht und gab auf den Vater einen Pistolenschuß ab, der diesen tot zu Boden streďte. Ein Arzt konnte nicht mehr helfen. Beamte des 171. Reviers nahmen den Sohn vorläufig.feft. Ob er, wie er behauptet, in der Notwehr gehandelt hat, ist noch Gegenstand der Ermittlungen, die Kriminalfommissar Weigt vom Polizeiamt Schöneberg leftet. Dr. Diebel wurde einstweilen in Haft behalten. Warum hat Berlin kein Fremdenverkehrsamt? Es geht nichts über die deutschnationale Kommunalpolitif im Berliner Rathaus und über die Berlogenheit, mit der sie betrieben wird. In der Nationalpost" wird eine heftige Polemit„ aus Streifen des Detailhandels" veröffentlicht, in der entrüstet darüber geflagt wird, daß Berlin immer noch nicht" ein Fremdenverkehrsamt hat und daß die Durchführung der der Deffentlichkeit mitgeteilten Blane immer noch aussteht. Es wird gefragt, welche Widerstände hier am Werte seien. Der Nationalpoft" tönnen wir nur empfehlen, sich an die deutsnationale Frattion im Rathaus zu wenden. Ste und die Fraktion der Deutschen Bolkspartei sind hier wie überall bie Bremstlöge, anderen Widerstand jede pernünftige Sache icheitert. Im vorliegenden Fall hat der deutschnationale Borfizende des Hotelierverbandes, Herr Hampe, seine Fraktion mobilisiert und mit dem lächerlichen Hinmeis auf eine angeblich drohende ,, Sozialisierung des Hotelgewerbes" gegen die Pläne des Magistrats Stellung genommen. Wenn der blödsinnige Schlachtruf„ Sozialisierungsgefahr ertönt, fann natürlich die Bolkspartei nicht hinter den Rettern des Privateigentums zurüd bleiben und so fezten die vereinigten Antimarristen der beiden Rechtsparteten mit einer Zufallsmehrheit im Rathaus Ausschußberatung perfehrs außerordentlich wichtige Plan des Berliner Magistrats um durch. Die Folge ist, daß der zur Hebung des Berliner FremdenBochen und Monate verzögert wird. Das find die Widerstände, nerehrte Rationalpost", schreiben Sie doch bitte an Ihre Freunde aus den Kreifen des Detailhandels, daß die Deutschnationalen felber schuld find. Einsturz der Notbrücke am Zehrter Bahnhof. Ein Brüdeneinsturz, der leicht schpere Folgen hätte nach sich brüde in unmittelbarer Nähe des Lehrter Bahnhofs. ziehen können, ereignete fich heute vormittag an der MotteNeben der Moltfebrüde, die bekanntlich wegen ihrer Baufälligkeit erneuerungsbedürftig ist, wird eine Notbrüde errichtet. Diese war bereits über den Kanal montiert, als aus bisher noch ungeklärten Ursachen die stark versteiften Bohlen genau in der Mitte der Brücke wie Streichhölzer einknickten. Nach Aussagen des Bauführers sollen fache des Einsturzes muß erst eine genaue baupolizeiliche Unteralle bautechnischen Maßregeln vorgesehen gewesen sein. Die Urjuchung ergeben. Arbeiter find glücklicherweise nicht zu Schaden gefommen. Eine Monatspflanzen- und Blumenschan. Im großen Saal des Jugenieur7 Uhr, die Deutsche Gartenbaugesellschaft, Berlin, Invalidensir. 42, anläßlich Hauses, Berlin, Sommerstr. 4a, beranstaltet am Donnerstag, den 23. April, ihrer Monatsversammlung eine Monatspflanzen und Blumenschau. Zu dieser Veranstaltung, in deren Rahmen Gartendirettor Fris 3 a hn, Abteilungsvorsteher an der Schr- und Forschungsanstalt für Gartenbau zu Dahlem, einen Lichtbildervortrag über„ Die Bilanze als Schmuck für Straße und Haus hält, hat jedermann freien Zutritt. Im Luftschiff über den Atlantik. ,, Los Angeles" auf den Bermuda- Inseln gelandet. Latehurst, 22. April.( Durch Funkspruch.) Das Luftschiff Los Angeles" hat mit einer Mannschaft von 50 Köpfen einschließlich der Beobachter und acht. Sack Boft seinen Flug nach den Bermuda- Inseln angetreten. Die stärkste Bemannung, die das Luftschiff bisher an Bord hatte, betrug 43 Mann. Ein weiteres Telegramm meldet: New Yort, 22. April. Das Luftschiff Los Angeles" ist nach ungefähr 3 wölfftündiger Fahrt heute nacht auf der 3nfel Bermuda angekommen. Zwei Kinder durch ein Auto getötet. in dem Dorfe Landwehrhagen bei Hannoverisch Ein schweres Automobilunglück ereignete sich gestern nachmittag Münden. Bier Kinder wurden dort von einem Kraftwagen überfahren. Zwei Kinder waren auf der Stelle tot, die beiden anderen wurden schwer verlegt. Wie das Unglück geschehen konnte, ist noch nicht geflärt. Das Automobil, das einer Kajjeler Wurstfabrit gehört, fuhr nach übereinstimmenden Befundungen von Augenzeugen in mäßigem Tempo. Es wich jedoch plötzlich vom geraden Wege ab und fuhr in eine Gruppe von Kindern hinein, die am Gartenzaun eines Gehöftes ftanden. Der Wagenführer wurde festgenommen und nach Münden gebracht. Groß- Berliner Parteinachrichten. 13. Streis Temvelhof, Mariendorf. Marienfelde, Lichtenrade. Die Gigung des Bezirksbildungsausschusses findet heute nicht statt. 14. Abt. Seute Mittwoch 8 Uhr Generalversammlung Schule Buttbuser Str. 3 30. bt. 7 Uhr heute Zahlabend Bezirke 813-815 bei Bobft. Lychener Str. 103. 816-819 bet Schmidt, Pappelallee 64. 824-827 bei Hoffmann, Lychener Str. 8. 847-855 bei Mahnkopf, Carmen- Sylva- Str. 123. 856--859 bei Riebergall, Carmen- Sylva- Str. 22. 55. Abt. Charlottenburg, 10. Gruppe. Heute 7%, Uhr Zahlabend bei Bohne, Schloßstraße 45 71. Abt. Wilmersdorf. Heute 7%, Uhr, Abmarsch des Reichsbanners vom Hohenzollernolak. Die Genoffen begleiten den Zug 104. Abt. Niederschöneweide. Heute 7%, Uhr im Ayffhäuser" Niederschöneweide, öffentl. Bersammlung des Boltsblods. Referenten: Gen. Kurt Heinig, Birger meister Heslein( Demokrat), Dr. Weber( 8entrum). Sunglozialisten. Gruppe Charlottenburg. 138. Abt. Hermsdorf. Donnerstag. 8 Uhr, Funktionärsizung bei Eggebrecht, Albrechtstraße 1. 8 Uhr, Gruppenabend( heute) Bollshaus, Rofinenstraße& Vortrag: Mir unb bas Ronforbat. Um die öffentliche Gesundheitspflege. In der letzten Sigung der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege sprach der städtische Gewerbearzt Dr. Brodmann Rohne über die gewerbeärztlichen Aufgaben in der Kommunalverwaltung. Er hob die Wichtigkeit der ärztlichen Fürsorge auf den Gebieten der Berufsberatung, der Berufsumleitung und der Erwerbslosenfürsorge hervor und verlangte daneben eine gewerbeärztliche Tätigkeit in den Kliniken. Der frühere Stadtmedizinalrat von Berlin, Genosse Dr. Rabnow, forderte eine straffere Eingliederung des Dienstes des Gewerbearztes in den Aufgabenkreis des Hauptgesundheitsamtes, und warnte im übrigen vor der Errichtung besonderer Gewerbefliniken.- Der Direktor des Hygienischen Universitätsinstituts Prof. Hahn betonte die Notwendigkeit der Forderung des Studiums der Gewerbefrankheiten, das jetzt arg vernachlässigt sei. Stadtarzt Genosse Dr. Korach: Der städtische Gewerbearzt muß Berufsfürsorgearzt sein, daneben aber auch Betriebshygieniter und Gewerbeflinifer. Als Betriebshygienifer soll er sich vor allem der Hygiene in den städti schen Werksverwaltungen annehmen. Die Einrichtung neuer Gewerbefliniken ist nicht zu empfehlen, auch nicht notwendig. Es ist aber zu fordern, daß der städtische Gewerbearzt Gelegenheit hat, in einem großen Krankenhause, das möglichst viele Spezialstationen umfaßt, gewerbemedizinisch tätig zu sein. Er muß dort die klinische Behandlung der an Gewerbefrankheiten leidenden Menschen beob= achten fönnen. Dies läßt sich am besten erreichen, wenn er den Gewerkschaftsbewegung Das anglo- russische Abkommen. Wie aus London gemeldet wird, hat der Generalraf der englischen Gewerkschaften in seiner geftrigen Sitzung das von der Anglo- Russischen Gewerkschaftskonferenz vorgeschlagene Abkommen angenommen. Diese Borschläge haben folgenden Wortlaut: 1. Wir werden das Ziel verfolgen, mit allen Mitteln, die von Fall zu Fall zweckmäßig erscheinen im Interesse der Förderung der internationalen Einheit, die Zusammenarbeit zwischen dem Generalrat des Britischen Gewerkschaftsbundes und dem Allrussischen Gewerkschaftsrat anzustreben. 2. Zu diesem Zweck sind wir darin übereingekommen, daß der freie Austausch von Dotu. menten und anderen Denkschriften betr. spezieller prinzipieller Fragen zwischen der Gewertschaftsbewegung Rußlands und Großbritanniens möglichst erleichtert werden soll. Dies gilt auch für die Sammlung von Kopien der administrativen Dokumente, in denen die Sagungen und Regelungen der britischen Gewerkschaften sowie Angaben über das Versicherungswesen usw., die Beiträge und Unternehmen und sich anderweitig Arbett au juchen, nicht nachfommen würden. Diese Rechnung hat sich als falsch erwiesen. Sämtliche Feilenarbeiter in den maßgebenden Betrieben haben den Abkehrschein genommen. Ein großer Teil ist bereits in anderen Industrien in Arbeit getreten. Bei der Firma Mägdefrau mußte die Arbeiterschaft entlassen werden, da die Schleifer aus dem Betriebe ausge schieden sind. In verschiedenen Klein- und Mittelbetrieben wird gearbeitet, da die Inhaber die aufgestellten Preise bewilligt haben. Sollten die Arbeitgeber der Großbetriebe nicht bald zum Nachgeben bereit sein, dann werden fie in Berlin teine Feilenhauer mehr finden. Bei der starken Nachfrage nach Arbeitskräften in der Metallindustrie ist es auch den noch arbeitslosen Feilenarbeitern möglich, anderweitig in Arbeit zu treten. Zur Lage in den Berliner Meiereien. In der vom Berkehrsbund einberufenen und von etwa 1000 Personen besuchten Branchenversammlung der gewerblichen Arbeitnehmer in den Meiereien am letzten Montag im Moabiter Gesellschaftshaus gab Genosse Reißner einen Ueberblick über die jüngsten leitenden Aerzten beigeordnet wird. In Berlin eignet sich für eine Deutsche Heimarbeit- Ausstellung 1925 iungiten wirtſchaftstämpfe in den Meiereien Große = klinische und polyflinische Arbeit ouf gewerbemedizinischem Gebiete am besten das Rudolf Birchow Krantenhaus, das diesen wichtigen Zwecken nutzbar gemacht werden sollte. Das gesamte ge= werbeärztliche Aufgabengebiet ist aber so groß, daß in Bälde eine größere Anzahl von Gewerbeärzten von der Stadt angestellt werden muß, wenn es bewältigt werden soll. Prof. v. Bagedes Spandau verlangte die schleunige Einstellung städtischer Fortbildungsschulärzte, ohne deren Mitarbeit die gewerbemedizinische Fürsorge bei der Berufsberatung Stückwerf bleibt. Auch die Verbesserung der gewerbemedizinischen Statistik hielt Prof. v. Vagedes für dringend erforderlich. Denn hielt der frühere Chef der preußischen Medizinalverwaltung, Ministerialdirektor a. D. Prof. Dr. Gottstein, einen Vortrag über die Kosten der Krankenhausbehand lung. Er forderte die unentgeltlichkeit der Behandlung, wie sie seit Jahrzehnten von sozialdemokratischer Seite bereits verlangt wurde. Er schlug aber vor, von den Selbstzahlern die Kosten für die Verpflegung in den Krankenhäusern, die für Erwachsene in Berlin zur zeit etwa 1,50 m. täglich betragen, einzuziehen. Auf den interessanten Vortrag Prof. Gottsteins werden wir noch ausführlicher zurückommen. Der neue Berliner Rundfunksender. Bekantlich wird in naher Zeit auf dem Ausstellungsgelände am Bahnhof Wizleben ein neuer Rundfunksender in Betrieb genommen werden, der eine wesentlich größere Sendeenergie haben wird als der bisherige Berliner Sender. Aber auch dieser neue Sender in Wizleben wird nur fürzere 3eit als Berliner Rundfunksender Verwendung finden, seine eigentliche Bestimmung ist, als Ausstellungsfender für die alljährlich geplanten Funkaus stellungen im Hause der Funkindustrie zu dienen. Der auch schon in Borbereitung befindliche endgültige Berliner Sender soll noch wesentlich stärker werden. Sein Aufstellungsplay steht noch nicht fest. Die Reichweite dieses Senders. wird für DetektorEmpfangsgeräte ohne Verstärker voraussichtlich mindestens 100 Kilometer, wahrscheinlich noch erheblich mehr, betragen. Mit der Inbetriebnahme dieses Senders wird vor Ende dieses Jahres nicht gelaufen Arbeiten zur Errichtung eines weiteren Rund. funtfenders großer Leistung, der bestimmte Nachrichten usw. für ganz Deutschland auf einer größeren Belle( voraussichtlich über 1000 Metet) verbreiten soll. Welchen Dienst dieser vielleicht als Deutschlandsender" zu bezeichnende neue Sender ausüben wird, steht noch nicht fest. Mit der Inbetriebnahme des„ Deutschlandsenders" in nächster Zeit ist zu rechnen. rechnet werden können. Neben den vorstehend dargelegten Plänen Eine großze republikanische Kundgebung in Potsdam anlaßlich; der Reichspräsidentschaftswahl veranstaltet am Freitag der Boltsblock. In einem heute veröffentlichten Aufruf wird auf diese Veronstaltung hingewiesen Am Freitag werden sowohl im Konzerthaus, wie ich im Lokal ,, Alter Frih" in Potsdam Parallelversamm lungen stattfinden, wobei für die SPD. Redakteur Klühs, für die Demokraten der Reichsminister a. D. Dernburg und für das Zentrum der Geschäftsführer der Windthorst- Bünde, Dr. Kroner, über das Thema„ Warum wählen mir Marg?" sprechen werden. Aus der Partei. Wilhelm Kiefewetter gestorben. Aus der deutsch- böhmischen Industriestadt Trautenau erhalten wir die erschütternde Nachricht, daß einer der ältesten und bewähr testen Vorfämpfer der sudetendeutschen Sozialdemokratie, Benosse Wilhelm Kiese wetter, gestorben ist. Er hat ein Alter von einigen 70 Jahren erreicht, aber noch vor kurzem fonnte man dem lebhaften Mann trog feiner weißen Mähne sein Alter nicht ansehen. Riesewetter stammte aus Nordböhmen, und wie so viele andere seiner Mitkämpfer war auch er ein Reichenberger Tuchmachergeselle. Gleich als unter der Nachwirkung der Lassalleschen Agitation die sozial demokratische Bewegung in Nordböhmen Fuß faßte, schloß er sich ihr in jugendlicher Begeisterung an, und er gehörte schon in den siebziger Jahren zu ihren Führern, zusammen mit Jojef Hannich, mit dem unvergeßlichen Schiller- Seff, mit dem heute noch in Wien lebenden und tätigen Eduard Rieger und vielen anderen. Auch Kiesewetter hatte den dichterischen Hang des nordböhmischen Webervoltes, und wie seine Reden von höherem Schwung getragen waren, jo liebte er es auch, bei Parteifesten und auch im fleineren Kreise, Freiheitsgedichte zu rezitieren. Schon 1897, als ein Wahlkörper des allgemeinen Wahlrechts dem österreichischen Privilegienparlament angeflickt wurde, war Riesewetter einer der vierzehn Sozialdemofraten, die damals in ganz Desterreich gewählt wurden. Nach der Errichtung der tschechoslowakischen Republik wurde er in ihren Senat gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehört hat. Die Trauer um ihn wird Hunderttausende bewegen. Ungewitter Kautabak seit 1815 Bestes Erzeugnis wohlschmeckend bekömmlich ausglebig Berliner ElektrikerGenossenschaft angeschl. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str. 86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4- Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer BedarfsartikelAusführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Deutsch. Werkmeister- Verband Düsseldorf Abt. Stellenvermittlung Kostenfreier Nachweis von Metallbetten Werkmeistern u. Betriebsbeamten Stahlmatratz., Kinderbetten dir. an Priv Kat.30A frei. Elsenmöbelfabr. Suhl Thir. aller Industrien. Berlin 28. April bis 15. Mai Landesausstellungshallen am Lehrter Bahnhof Bei der Erörterung des letzten Bolle- Streifes wies der Redner darauf hin, daß nur die Arbeiterpresse die Streifenden in ihrem Rampfe unterſtüßte. Trozdem seien noch viele Arbeiter so unglaublich töricht, in der Unternehmerpresse, die ihnen bei ihren Kämpfen stets in den Rücken fällt, ihre Leftüre zu suchen. Es sei höchste Zeit, daß diese geradezu selbstmörderische Gewohnheit aufgegeben werde. Berlins. den Arbeiterorganisationen gemachte Vorwurf, fie schürten den Klassentampf, falle auf seine Urheber zurüd. Die rücksichtslose Ausbeutung zwinge die Arbeiterschaft, sich zur Wehr zu setzen, um ihre färgliche wirtschaftliche Existenz und ihre Gesund heit zu erhalten. Insbesondere die größte Berliner Meierei, die Firma Boll e sei auf diesem Gebiete bahnbrechend. Bei einer ftügungen, die Rechnungsführung, die Zusammensetzung der lokalen 2Arbeitszeit von 13 bis zu 17 Stunden werden die und Distriktsorganisationen, die bei der Ernennung von Gemert- Kräfte des einzelnen Arbeiters rasch verbraucht, seine Arbeitskraft schaftsbeamten in Frage kommenden Methoden usw. bekanntgegeben zermürbt und dann setzt man ihn auf die Straße, um mit frischen werden. 3. Je nach den bestehenden Möglichkeiten kann im Inter- Kräften das üble Spiel fortzusetzen. Der menschenökonomischen effe der größtmöglichsten gegenseitigen Hilfe zwischen den beiden Forderung des Achtstundentages unter auskömmlichen LohnbedinLändern eine Erweiterung des gegenseitigen Kontaktes begungen stellt das Unternehmertum sein Profitinteresse entgegen, schlossen werden. 4. Soweit Gelegenheit dazu vorhanden ist, möge das es bei recht langer Arbeitszeit und äußerst niedrigen Löhnen am besten wahrzunehmen glaubt. Alles Klagen habe feinen Sinn man eine weitere Ausdehnung der gemeinsamen Berührungspunkte und Zweck, die Gegensäge müssen ausgekämpft werden, wozu vor ersinnen zwecks Entwicklung einer möglichst engen gegenseitigen allem die geschlossene Organisation aller Arbeitnehmer auf Hilfe zwischen den beiden Ländern. 5 Im Interesse der Behand freigewerkschaftlicher Grundlage erforderlich sei. lung irgendwelcher Fragen, die sich im Zusammenhang mit den in den vorangehenden Paragraphen aufgeführten Punkten ergeben fönnen, und im Interesse spezieller unvorhergeschener Fälle sollte ein gemeinsames beratendes Komitee als Vertretung der russischen und englischen Gewerkschaftsbewegung gegründet werden, bestehend aus den Vorsitzenden und Gekretären beider Störperschaften sowie je drei Mitgliedern des Allrussischen Gewerkschaftsrates und des Generalrates des Britischen Gewerkschaftsbundes. Wir veröffentlichen die an sich harmlosen Vorschläge im Wortlaut schon wegen der Fälschungen, die von der kommunistischen Bresse verbreitet werden. Wir freuen uns, daß die englischen Gewerkschaften nunmehr endlich praktisch Verbindungen mit den russischen Gewerkschaften aufnehmen. Soweit es sich um den Austausch von Publikationen der Gewerkschaften handelt, ist dies cine selbstverständliche Praxis, die auch anderwärts geübt wird. Benn in der englischen Gewerkschaftsbewegung heute noch über die Bolschewisten Illusionen bestehen, dann werden sie nach kurzer drift verflogen sein. Wir in Deutschland, die wir den russischen Belschemisten leider Gottes erheblich näher find, wir können ein Lied davon singen. Die Engländer müssen offenbar ihre Er fahrungen selbst machen. Die Londoner Meldung jagt jedoch nicht, cb der fünfte Bunft, daß ein gemeinsames beratendes Komitee gebildet werden sollte, ebenfalis angenommen worden ist. Wir würden es wünschen; denn je enger der Kontakt ist, desto größer und schneller wird die Enttäuschung kommen. Krankenpflege und Politik. Zu der von uns unterm 10. Februar veröffentlichten Notiz hat nunmehr der Oberbürgermeister Böß an die Republitanische Beschwerdestelle folgenden Bescheid ergehen lassen: Nach Mitteilung des Bezirksamts Spandau handelt es sich bei der Einziehung von Parteibeiträgen für die Deutschnationale Boltspartei nicht um einen regelmäßigen, sondern um einen einmaligen Borgang. Auch war die Schwester hierzu nicht von der Oberin beauftragt, sondern sie ist selbst Angehörige der Deutschnationalen Volkspartei und befand fich am Gehaltszahlungstage nicht im Dienst. Trotzdem halten mir es für unzulässig, wenn Angehörige politischer Parteiensich während der Gehaltszahlung zur Einziehung der Parteibeiträge in den Diensträumen aufhalten. Von dieser Auffassung ist das Bezirksamt Spandau in Kenntnis gesetzt worden. Damit ist das Verhalten der Oberin des Krankenhauses bzw. des Bezirksamts Spandau, das diese deckte, in einem Puntte forrigiert. Wie aber steht es mit dem Abzug der Beiträge zur Komba" vom Gehalt? Wird dieser Skandal noch weiter geduldet? Jüngst mußten wir die beschämende Tatsache mitteilen, daß die Stadt Berlim sich die Arbeitsbedingungen für die Gutsarbeiter vom Reidslandbund und vom Pommerschen Landbund vorschreiben läßt. Die republikanische Bevölkerung Berlins hat diese deutsch nationale Bellenbauerei nachgerade satt. Wenn der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung den Deutschnationalen Berlin ausliefern, dann wird es Zeit, daß die Arbeiterfchaft selber einmal nach dem Rechten sieht. Die Berliner Feilenarbeiter vor der Abwanderung. Die arbeitslosen Feilenhauer versammelten sich am Montag im Berbandshaus der Metallarbeiter. um zu der eigenartigen Situation Stellung zu nehmen. Der Deutsche Feilenbund rechnete, damit, daß die Arbeiter ihrem Beschlusse, ihre Entlassung zu Schlafzimmer! Eiche, prima Arbeit, kompl. mit Federboden- Auflage, echtem Marmor, Stühle, Handtuchhalt. 160 cm 180 cm gr. Schrank 640 Mk. 670 Mk. frei Haus Auch Einzelstücke werden hiervon abgegeben. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen, worauf der Vorsitzende, Genosse Vorwig über den Tarifstand bei Bolle berichtete. Nachdem die Tarife bei der Firma Bolle am 1. April abgelaufen find, wurde der Firma am 4. April ein neuer Lohntarifentwurf nebst Abänderungsanträgen übermittelt. Die beteiligten Organisationen erwarteten bis zum 7. April den Bescheid der Firma über einen Verhandlungstermin. Die Firma gab teine Antwort, weshalb die Angelegenheit am 8. April dem Schlichtungsausschuß überwiesen wurde. Am 15. April lief dann beim Verkehrsbund ein Entwurf zu einem neuen Manteltarif ein und der Entwurf eines Lohnabkommens, der eine Lohnkürzung von 10 Pro 3. Dorfieht. Diese Absicht wurde in der Diskussion gebührend erörtert. Die beteiligten Organisationen( außer dem Verkehrsbund, dem Metallarbeiterverband und dem Zentralverband do: Maschinisten und Heizer) wurden beauftragt, nur auf der Grundlage der Arbeitnehmer Entwürfe zu verhandeln. Sollte die Firma Bolle ihren Standpunkt nicht aufgeben, mürde sie damit einen neuen Kampf heraufbeschwören. Die morgigen Verhand lungen por dem Schlichtungsausschuß werden darüber Klarheit schaffen. Aussperrung im Braunschweiger Baugewerbe. Braunschweig, 22. April.( TU.) Die dem Arbeitgeberverband für das Baugewerbe angeschlossenen Firmen haben die Gesamtaussperrung der Arbeiter beschlossen. Die Aussperrung soll am Mittwoch beginnen. Diese Maßnahme gilt als Antwort auf den Lohnstreit der 3immerer bei einer Braunschweigischen Firma. Auch in anderen Teilen des Landes Braunschweig sind wilde(?) Streits ausgebrochen, so daß der Arbeitgeberverband erwägt, die Aussperrung auf das ganze Land auszudehnen. Nach dem staatlichen Schiedsspruch erhalten die Facharbeiter im Baugewerbe einen Stundenlohn von 86 Pfg. Diese Abmachung ist bis zum 29. April gültig. Aussperrung in der Kölner Gummiindustrie. Köln, 22. April.( Eigener Drahtbericht.) Wegen Lohnreduzierung ist es in der Kölner Gummiindustrie zu einer Aussperrung gekommen, durch die etwa 700 Mann auf die Straße geworfen werden. Schiedsspruch für das Bergbaurevier Ibbenbüren. In den Lohnstreitigkeiten im Bergbaurevier Ibbenbüren fällte die Schlichterkammer folgenden Schiedsspruch: 1. Die tariflichen Säße der Lohnordnung der Berginspektion Ibbenbüren vom 22. Dezember 1924 sowie die der Ibbenbürer Privatgruben aus dem 24. Nachtrag zur Lohnordnung werden mit Wirkung ab 1. April 1925 um durchschnittlich 10 Proz. erhöht. 2. Diese Regelung läuft unlündbar bis zum 31. August 1925. Abgelehnter Achtstundentag. Halifax( Neufchottland), 21. April( WTB.) Der von Mite gliedern der Arbeiterpartei eingebrachte Gefeßentwurf über den Achtstundentag ist bei der zweiten Lesung mit 14 gegen 6 Stimmen abgelehnt warden. Berantwortlich für Politik: Ernst Renter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lofales und Sonstiges: Frih Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstraße 3. Trauerfpenden jeder Art liefert preiswert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr. 3. Amt Morigpl. 10303 KrausePianos Zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstetralens Paul Neugebauer Putlierlappen G. m. b. H. Charlottenbg., Wilmersdorfer Str. 128 Ecke Schillerstraße Erste Etage Kein Laden Schleifertuche Bad Schmiedeberg Bez. Halle- Bahn Wittenberg- Eilenburg glänzend be bewärt bei Gicht. 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