Abendausgabe Nr. 19542. Jahrgang Ausgabe B Nr. 96 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Fernsprecher auf der Reichs- Retlame- Meffe: Wilhelm 5744 Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Sonnabend 25. April 1925 Berleg und Anzeigenabteilu Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmbh. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Ferafprecher: Dönhoff 2506-2507 Ferusprecher auf der Reichs- Retlame- Meffe: Withelm 3744 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Rettet Volk und Land! Arbeit für Hindenburg ist Selbstmord aus Dummheit! ,, Dem deutschen Michel der Bergangenheit hatte es gar sehr an Gehör gefehlt. Er war oft fo lange taub für das, was in der Welt vor ging, bis fremde Reiter ihre Rosse in den deutschen Strömen tränften." Der Engländer Sidney Whitman, der im Jahre 1912 in seinen Deutschen Erinnerungen" diefe Worte niederschrieb, war fein Deutschenfeind. Er hatte einen großen Teil seines Lebens in Deutschland verbracht, war mit der Familie Bismard befreundet und hegte für das deutsche Volk eine an Bewunderung grenzende Zuneigung. Trogdem sah er seinen größten Fehler des deutschen Volkes, seine politische Blindheit, so scharf. Was er 1912 niederschrieb, war nicht nur ein historisch richtiges Urteil, sondern leider auch eine richtige Prophezeiung für die Zukunft. wird im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags nachgeprüft werden, dem Herr Stresemann wohl die Borlegung der Gesandtschaftsberichte nicht wird verweigern fönnen. Bon der sogenannten nationalen" Presse wird das deutsche Volt, mie im Kriege, in der schamlosesten Weise belogen und betrogen. Ganz vereinzelte Stimmen im Ausland, die von der allgemeinen Weltmeinung abweichen und die gibt es natürlich auch werden unter Riesenüberschriften in fettestem Drud als typisch und allgemein gültig wiedergegeben. Ganz ähnlich, wie man auch während Wollt ihr Republik oder Monarchie? Was die ,, Landesväter gekostet haben. Die Kandidatur Hindenburg bedeutet nichts Geringeres, als ber hohenzollern zu iegen. Der Brief, den er am 28. Juli den Versuch, auf den Präsidentenstuhl einen treuen Plazhalter 1922 an den davongelaufenen Erlaiser schrieb, sagt ja mit aller Deutlichkeit, daß der alte Generalfeldmarschall sein ganzes Leben lang in unbegrenzter Treue au seinem„ Kaiser, König und Herrn stehen werde. Hindenburg würde also als Präsident der deutschen Republi! in Konsequenz dieses erneuten Kreugelöknifies die wiederkehr der Monarchie vorzubereiten haben. In diesem ZuWürde Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt, fo müßte er schwören, daß er den Nugen des deutschen Boltes mehren ,,, Schaden von ihm menden" merde. Dieser Eid wäre aus seinem Munde ebenso ein innerer Widerspruch wie der Eid auf die Republik. Hindenburg hat dem deutschen Bolte bereits Schaden zugefügt, als er sich von den deutschnationalen Intriganten dazu überreden ließ, die Kandidatur anzunehmen. Seine Wahl wäre erst recht ein ungeheurer, gar nicht abzuschäzender Schaden für das deutsche Bolf. Nein, Hindenburg tann feinen Schaden vom deutschen Bolt wenden, er fann ihm nur Schaden zufügen. Der Kandidat des Volksblocks, Wilhelm Marg, hat gestern in seiner Rundfunkrede in würdiger, aber nicht mißzuverstehenden Weise auf die ungeheure Gefahr der HindenburgKandidatur hingewiesen, indem er sagte: Wir dürfen in dieser Welt, von der wir uns politisch und wirtFremdförper dastehen. Schaftlich in feiner Weise abschließen fönnen, nicht wie ein Mit seinem persönlichen Regiment, seinem Klaffenwahlrecht, feiner Neigung, sich in Gesten und Phrasen einer blinden Machtpolitik zu berauschen, hat Deutschland vor dem Krieg in der Welt wie ein Fremdförper" dagestanden. Wer für Hindenburg arbeitet, der arbeitet dafür, daß Deutschland abermals in der Welt wie ein Fremdkörper" dastehen soll. Wer aber an die Schicksalsgemeinschaft der Jahrzehntelang hatte das deutsche Bolt einen Mann an feiner Spige geduldet, der die Bertörperung eines blinden Machtrausches war. Wer sich mir entgegenstellt, den zerschmettere ich!"„ Das Pulver troden und das Schwert gefchliffen!" Bardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht! Wie einst die hunnen zu König Ezels Beiten, so sollt ihr deutsche Soldaten in China hauſen, daß tausend Jahre lang fein Chineſe es wagen darf, einen Deutschen Mit Phrasen und Geften solcher Art torfelten mir in fammenbang ist es interessant, die nachstehende Zusammenstellung Bölker glaubt, an die Zukunft einer demokratischen den Weltfrieg. Später wurde uns gesagt, wir seien über die Summen zu betrachten, die das deutsche Boll früher für Bölfergemeinde, in die sich jedes Bolt eingliedern muß. ringsum von lauernden Feinden umgeben gewesen. War das feine Landesväter aufwenden mußte: richtig, so erhebt sich mit doppelter Berechtigung die Frage, ob nicht etwas mehr Vorsicht in der Behandlung der auswärtigen Politit am Blaze gewesen wäre. Scheel anzusehen!" Nun stand Deutschland im Kampfe gegen eine ganze Welt. Wer von den gegebenen Kräfteverhältnissen auch nur eine Ahnung hatte, der mußte, daß nur ein höchstmaß poli tischer Klugheit verbunden mit einem Höchstmaß militärischer Tüchtigkeit Deutschland vor einer furchtbaren Niederlage und einem harten Frieden bewahren fönne. Die militärische Tüchtigkeit war da, die politische Klugheit fehlte. Ebert und Scheidemann wurden von der nationalen" Bresse als Landesverräter" beschimpft. wie es heute eben auch Herrn Stresemann passiert und mit dem Erschießen bedroht, weil fie für einen Frieden ohne Eraberungen eintraten. Herr v. Hindenburg drohte noch im Januar 1918 mit dem Generalstreit", daß heißt mit dem Rücktritt, menn die Regierung auf annexionistische Ziele verzichte. Damals mußte der Borwärts" den alten Herrn darauf aufmerksam machen, daß der Soldat im Großen Hauptquartier ebensowenig, meil ihm dies oder jenes nicht passe, davonlaufen dürfe, wie der Soldat an der Front. " Alle Mahnungen der Verständigen waren vergeblich, sie galten als naterlandslos, antinational, undeutsch. So tam, mas fommen mußte. Der deutsche Michel... war solange taub für das, was in der Welt vorging, bis fremde Reiter ihre Rosse in deutschen Strömen tränften." Heute stehen Engländer und Franzosen am Rhein. In dieser Situation heulen die Tauben und Blinden, Hindenburg müsse Präsident der deutschen Republik werden. Jede Warnung vor der verhängnisvollen Auslandswirkung dieses tollen Plans wird als Beweis ,, nationaler Würdelosigkeit zurückgewiesen und als Zusammenarbeiten mit dem Feinde" denunziert. Taube und Blinde! Jeder politisch denkende Amerikaner, Engländer oder Franzose wird sich bei jedem feiner Schritte fragen, wie er in die Welt hinausmirft. Dieie Frage zu stellen ist einfach Pflicht im Interesse des eigenen Boltes. Natürlich hat jedes Volk das Recht, über seine innere Angelegenheiten selbst zu entscheiden. Aber jedes hat auch die Bflicht, daran zu denken, daß es nicht allein auf der Welt lebt und daß es Vertrauen und Freundschaft im Ausland braucht, wenn es nicht in feindliche Isolierung geraten und in ihr zugrunde gehen will. Nun ist es Tatsache, daß die Weltmeinung zu neunzig oder neunundneunzig Brozent die Kandidatur Hinden burg als ein Stüd aus dem Tollhaus betrachtet und daß die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten für die Stellung Deutschlands in der Welt einen furchtbaren Schlag bedeuten würde. Das weiß man im Auswärtigen Amt. Hatte doch Herr Stresemann sogar den Reichswehrminister Dr. Geßler als Bräsidentschaftskandidaten abgelehnt, weil er außenpolitisch untragbar sei. Dabei ist Herr Beßler gegenüber Hindenburg doch nur ein ganz harmloses Kind. Die Erklärung, die das Auswärtige Amt gestern in später Nachtstunde herausgab, ist geradezu die Berkörperung des schlechten Gewissens. Sie bestreitet, daß die Kandidatur Hindenburgs im Ausland wie eine Ratastrophe" geSwirft hat, sie spricht nur von Bedenken" und" Beunruhi gung", die fich aber schon wieder gemildert" hätten. " Wer die Auslandspresse verfolgt, weiß, daß diese Dar ftellung objektiv unwahr ist. Ihre subjektive Aufrichtigkeit König von Preußen. Kronfideitomißrente 7719 926. 10 000 000 Jm Etat von 1914 finden sich noch mehrere Millionen an Bosten für Theaterbauten, die eigentlich die Krone zu zahlen hätte. Nach E. Friedegg Millionen ufw." traten zu diesem 17,7 Millionen vom preußischen Staat bingu 900 000 M. Bantzinsen und 3 500 000 m. Bachtund Grundertrag, zusammen 22 100 000 m. Den Kronenfchaz schäßte er auf 175 Mill. M. König von Bayern Außerdem( 1915) Apanagen & önig von Sachsen Apanagen ( Privatvermögen außerdem 30 Millionen M.) König von Württemberg Apanagen. Großherzog von Baden Apanagen. Großherzog von Hessen mit Apanagen Großherzog von Oldenburg Großherzog von Sachfen- Weimar Herzog von Braunschweig Herzog von Sachien- Meiningen Herzog von Anhalt Herzog von Sachfen- Altenburg Herzog von Coburg- Gotha Boller Domänenertrag Wechselnde Erträgnise aus Kammergütern. Fürst von Schwarzburg- Sondershausen Fürst von Schwarzburg- Rudolstadt.. Fürst von Reuß Fürst von Lippe Die nicht genau zu ermittelnden Zivillisten und Staatseinkünfte der obigen Aufstellung ( Altenburg, Reuß, beide medlenburg usw.) schäßungsweise Statthalter von Elsaß- Lothringen 884 305 m. Hierzu schäßungsweise volle Steuer- und Portofreiheit der 22 Fürsten, auch für Warensendungen der Jagd. usw. Produkte • Summe 17 719 926 M. 5.400.000 1 465 734 3778 877 629 000 2 150 000 " 257 000 1589 000 150 000 1841 412 665 000 " " " " 1 020 000 1 125 822 " 814 765 990 000 515 034 336 667 500 000 5 000 000 D 5 000 000 50 948 720 M. Ueber fünfzig Millionen wurden jährlich an die fürstlichen Müßiggänger verschwendet. Wer Hindenburg wählt, bereitet die Wiederkehr der Monarchie vor, hilft dazu, daß dem deutschen Boll wiederum diese höchst überflüssige Belastung für die Unterhaltung seiner, Landesväter" aufgebürdet wird! des Weltkriegs immer wieder geheimnisvoll mächtige Freunde im feindlichen Ausland auftauchen ließ. Man erinnere sich der Reklame, die mit dem unglücklichen Sir Robert Casement getrieben wurde! Ganz ähnlich, als ob schon ganz Irland zugehen! und halb England im Begriffe feien, zu Deutschland über Das alles ist niederträchtige Stimmungsmache, schamloser Betrug. Verübt von Leuten, die fein sehendes Bolt wollen, fondern ein blindes, das bereit ist, sich für ihr frevethaftes Hazardspiel immer wieder als Einsatz herzugeben. Hätte Deutschland eine ihrer Berantwortung bewußte Regierung, fo.wäre sie diesem Lügenspiel entgegengetreten und hätte das deutsche Boll von dem Abenteuer einer Hinden burg- Randidatur bewahrt. Aber diese unglüdliche Regierung, die angeblich die Führerin der Rechtsparteien sein soll, ist selber die Ueberrumpelte, die Geführte. Auf ihre Berant wortung hingewiesen, weiß sie nichts anderes vorzubringen als verlegene Ausreden wenn es nicht zugrunde gehen will, der weiß, daß die Entschei dung für Hindenburg eine selbstmörderische Dumm= heit ist und daß wir alle verpflichtet sind, unser Bolf zu retten durch unser gefchloffenes Eintreten. für Wilhelm Marx. Die Junker sehen Silberstreifen. Hindenburg einer der Ihren. Um die Präsidentschaftskandidatur Hindenburg noch rechtzeitig in ihrem wahren Charakter erscheinen zu lassen, hat der am Donnerstag in München versammelte sogenannte ,, Adelstag" einen Beschluß gefaßt, der die Lage bligartig beleuchtet. In dieser Entschließung fagen die vereinigten Junker zur Kandidatur Hindenburg: Zum ersten Male mischt sich in die tiefernste düftere Stimmung, die die nachrepolutionären Adelstage beherrschte, ein hellerer Ton. Der Widerhall, den der Name Hindenburg im deutschen Bolke gefunden hat, läßt uns mit froherem Auge in die Zukunft blicken. Und dieser Silberstreifen am Horizont hat seinen Urspung nicht in vagen Hoffnungen auf die Einsicht unserer Feinde, sondern in dem Bertrauen auf das Erwachen unseres Boltes aus den revolu tionären Nebeln, in die zumeist landfremde Elemente es eingehüllt haben. Wenn die Junter„ Silberstreifen am Horizont" fehen sogar diese Wendung haben sie von einem bürgerlichen Minister entlehnt, dann ist das für das schaffende Bolt ein Zeichen, daß Gefahrim Berzug ist. Zu allem Ueberfluß ist die Veröffentlichung des Adelstages unterzeichnet von dem Adelsmarschall" Herr v. Berg Marfienen! Dieser Berg Martienen ist fein anderer als der Generalagent der Hohenzollern in ihrem Prozeß gegen den preußischen Freistaat! " = " Der Generalagent der Hohenzollern sieht Silberstreifen am Horizont", indem er die Kandidatur Hindenburgs preist! Danach ist Hindenburg der Kandidat der Hohenzollern, was auch ohnehin schon bekannt war, aber durch den„ Adelsmarschall" noch besonders unterstrichen wird! Kommunistisches Verlegenheitsgestammel. Die Rote Fahne" unterschlägt immer noch Sinowjews Rede. Ruth Fischer hat sich endlich in der Roten Fahne" zu einem Artikelchen von glücklich einer halben Spalte Länge aufgeschwungen. Die wortreiche und temperamentvolle Führerin der Kommunisten kann sonst viel mehr von sich geben, wenn sie dazu in Stimmung ist. Augenblicklich scheint es nicht zu langen. Sie begnügt sich mit einer, wie gewöhnlich sehr liebevollen Schimpftanonade gegen den Vorwärts". Unsere Ausnutzung der Sinowjew- Rede soll ein grotester und unsinniger Tric" sein. Warum, verehrte Hindenburgfreundin, sorgen Sie dann nicht dafür, deß die Rate Fahne" diese Sinomjew- Rede endlich ab brudt? Bis heute ist sie den fommunistischen Lesern unterschlagen. Sonst wird jede Aeußerung Sinomjems als unum stößliche Weisheit behandelt und spaltenlang ausführlich wiedergegeben. Wir fönnen doch nicht dafür, daß Sinowjem feine Rede gehalten hat. Kann die Rote Fahne" leugnen, daß Sinowjem noch vor der Aufstellung Hindenburgs erklärt hat: In Deutschland entsteht jetzt für eine Zeitlang die Alternative: bürgerliche Republik oder Monarchie? Für uns Kommunisten besteht natürlich ber Hauptgegensatz in folgendem: Broletarische Dittatur aber bürgerliche Staatsformen? Dadurch unterscheiden sich die Rommunisten von allen anderen Parteien. Dieser Standpunkt bleibt noch wie vor für uns bestehen. Aber es tann auch eine folche Cage entflehen, wo die Alternative„ bürgerliche Republit oder Monarchie" für eine gewiffe Zeit lebendig wird und für die Maffen in dem einen oder anderen Cande aktuelle Bedeutung gewinnen. So ist jetzt die Lage in Deutschland. In dieser Phase der geschichtlichen Entwicklung hat die Frage der Diktatur des Proletariats nur eine propagandiflische Bedeutung. Die Arbeiter Deutschlands fühlen instinktiv, daß die Frage bürgerliche Republik oder Monarchie" jeht in ihrem Cande zur Entscheidung gestellt ist. Aus Furcht, daß zu den Herrlichkeiten des Dames- Blanes nicht auch noch die Schrednisse der Monarchie hinzukommen, stimmen fie für die Sozialdemokratie, indem sie darin ihre Rettung suchen. Wenn unsere Partei das nicht begreift, und nicht versteht, die Frage bolschewistisch zu erfaffen, werden wir auch welter Anhänger verlieren. Es handelt sich hier nicht um die Zahl ber Stimmen mit Stimmenverlusten fann man sich hier noch ab* finden es handelt sich vielmehr um die Gefahr der Entfremdung non einigen Schichten des Proletariats selbst. Wir, müssen so vorgehen, daß wir in möglichst enger Fühlung mit dem Proletariat stehen. Ich habe von Genossen Einwendungen folgender Art gehört: 3ft es nicht einerlei, ob das schwarzrotgoldene Banner der bürgerlichen Republit oder das schwarzweißrote Banner der Monarchie flegt? Nein, es ist nicht einerlei! Das ist teine margiftische Auffassung ber Frage. Eine solche Betrachtungsweise erinnert an die alten Streitigkeiten der Marxisten mit den Lassalleanern, oder richtiger mit den Bulgarisatoren der legteren. Penfion belohnt zu werden; es ist zudem zu befürchten, daß feine franzöfifchen und belgischen Amtskollegen in Kenntnis diefer Tatfache mit der Bekanntmachung ihrer Nichträumungsabsichten möglichst lange zuwarten werden, um Stresemann nicht vorzeifig zu verlieren. Beugt diese Unterstellung eines Reichsblödlers gegen den andern nicht von einer abgrundtiefen Niedertracht? Ein Hindenburg- Jünger wirft dem andern vor, daß er mur deshalb die Räumung des Ruhrgebiets bis zum 15. Auguft habe hinauszögern laffen, weil er an diesem Tage penfionsberechtigt werde! Wir gratulieren Herrn Stresemann zu dieser Bett genossenschaft im Reichsblodlager! Und wir sehen mit Neugier dem Berlauf der Dinge entgegen, wenn Hindenburg anfängt, als Herkules den Augiasstall der reattionsblödlichen Gesinnungsgemeinschaft auszumisten! Der Wunsch eines Deutschenfreundes. Ein Gruß aus England. Im allgemeinen pflegen wir nicht die recht zahlreichen Zuſchriften in unserem Blatte abzudrucken, bie wir aus dem Auslande erhalten. Wenn wir für den nachstehenden Brief eine Ausnahme machen, so wegen der ebenso vornehmen wie herzlichen Gesinnung, die aus seinen Zeilen spricht: London N. 7, 33 Hillmarton Road, 23. April 1925. An die Redaktion des Bormärts"! Sehr geehrte Herren! Menschen und als Bewunderer der hohen Eigenschaften des Als überzeugter Anhänger der Brüderlichkeit unter den meine guten Wünsche für den bestmöglichen Ausgang diefes fritischen beutschen Volkes erlaube ich mir durch die Vermittlung Ihres Blattes Moments Ihrer Geschichte auszusprechen. Ruth Fischer bei ihrer erstaunlichen Intelligenz wird doch nicht leugnen fönnen, daß jeder Sag ihres Phrasen gefchwulstes, mit dem sie für die Wahl Thälmanns eintritt und Ich hoffe, daß ein jeder für den Mann stimmen wird ihn cuseinanderseßt, daß Marr genau dasselbe wie Hinden zu nennen, würde meine Zuständigteit überschrei burg fei, in direktem Widerspruch zu diesen Aeußerungenten, ber das größte Bohl über die größte Sahl von steht. Sie hat auch nicht den Mut, unsere Mitteilung zu Menschen bringen wird. Dementieren, die bie fommunistische Erefutive in Mos. fau der KPD.- Zentrale nahegelegt hat, die Kandidatur Thäl mann zurückzuziehen und daß die deutsche KPD- Zentrale diesen Borschlag abgelehnt hat. In einer Rede im Sportpalast hat fie gestern versichert, daß nach dem 26. April der Kampf in Deutschland weitergehe. Damit hat fie ausnahmsweise recht und wir wünschen ihr und der KPD. viel Glüd zu den Kämpfen, die in der KPD. angesichts der Wahnsinnstaktit der jegigen Parteizentrale unvermeidlich sind. Reinigung des öffentlichen Lebens." Eine Aufgabe für Hindenburg. Der einzige Programmfaß aus Hindenburgs Wahlaufruf, der von allgemeinerem Interesse ist, war die Behauptung von der Notmendigkeit, daß öffentliche Leben zu reinigen". Hindenburg hätte allen Grund, mit dieser Reinigung" in seinem eigenen Lager anzufangen. Die hundsgemeinen Flugblätter", die vom Reichsblock unter deutschnationaler Führung massenhaft probuziert werden, dürften schon ein Grund sein, daß Hindenburg um feines Namens willen mit der Reinigung des Rechtsblods beginnt Er hat bisher nichts in der Richtung getan, also darf man an nehmen, daß er mit der Schmußerei einverstanden ist. Heute ein neues Beispiel, das außer Hindenburg auch den Reichsaußenminister Stresemann interessieren dürfte. Im Böllischen Kurier", dem für Sindenburg begeister. ten Hitler- Blatt in München, findet sich eine Bolemit gegen Strefe mann, weil dieser daran glaubt, daß die Entente ihre Zusage, das Ruhrgebiet spätestens am 15. August 1925 zu räumen, halten merde. In diesem Zusammenhang heißt es dann: Es ist ein merkwürdiger Zufall, daß Stresemann gerade um die Zeit der Nichträumung des Ruhrgebiets am 15. August 1925 nach zweijähriger, für das deutsche Bolf 30 erfolgreicher" minifterfätigkeit penfionsberechtigt wird. Da spätestens mit der Nichträumung des Ruhrgebiets Etresemanns unheilvolle Tätigkeit" ihr Ende erreichen dürfte, blüht ihm das unverdiente Glüd, für die zwei Jahre politischer Mißerfolge mit einer lebenslänglichen Das Junge Rheinland. ( Ausstellung in der Berliner Gezeffion) Das Rheinland ist uns durch die politischen Ereignisse so fern gerüdt, daß wir erst jetzt eine Ausstellung seiner jüngsten Runft in Berlin zu sehen bekommen, und daß dieje so überraschend wirkt, wie es nur eine wirklich neue Bekanntschaft tut. Die Gezeffion hat ihre Räume am Kurfürstendamm gastfrei diefen jungen Malern geöffnet, die fast alle in Düsseldorf wohnen. Bielleicht rührt die Stärte ihres revolutionären Elans von der Oppo fation her, die fie gegen das stärkste Bollwert fünstlerischer Reaktion säglich und stündlich auszufechten haben: gegen die Düsseldorfer Mlademie. Nirgends in Deutschland( und anderswo) finden wir eine so geschloffene Gruppe junger eroberungsluftiger Künstler, die sich permanent und prinzipiell in Angriffsstellung gegen das„ Alt bewährte und Eingesessene" behaupten muß und darum frisch und jung bleibt. Dies ist nämlich der nachhaltigste Eindruck dieser Schau des Jungen Rheinland: daß wir schon seit undenklichen Zeiten teine so jugendstarte und aufrührerische Ausstellung in den Mauern der Reichshauptstadt" gehabt haben. Man hört endlich Gott lob! wieder einmal das beleidigte Gelächter der alten Kunstbonzen, die die Welt nicht mehr verstehen, weil sie sich ewig erneuert und nicht auf ihrem Standpunkt von Anno Tobod stehen bleiben will. Man hat wieder etwas, um das man fich raufen kann. Das bedeutet nicht etwa, daß wir hier die Auferstehung eines meuen Jsmus zu feiern haben. Das ist ja gerade das Empörende für alle Kunsthämorrhoidarier, daß man hier keine neue oder alte oder noch neuere Richtung mit Hallelujah feststellen kann. Es gibt feine Schule, es gibt feine Richtung; aber es gibt ein paar verdammt junge Burschen, die aufrecht und aufrichtig etwas zu sagen haben, jeder etwas anderes und jeder auf eigene Faust. Die meisten find in den neunziger Jahren geboren, einer erst 1907; also lauter wirklich junge Leute, und Bater Trillhaase ( dalbert), der das stattliche Alter von 67 Jahren erreicht hat, thront mit seinen entzückenden Bildchen von Rousseauscher Naivetät wirklich wie ein heiliger Großpapa. über dem bunten Durcheinander. Einen Führer haben sie auch, obwohl dagegen mancher opponieren wird: das ist Gerb Bollheim, nicht nur die organisatorische Seele der Bereinigung, sondern ganz sicher auch ihre stärkste künftle In den großen Bildern von Wollheim sind Dinge, die fortan nicht mehr übersehen werden können; eine Schrantenlosigkeit der bilbenden Phantafie, die an die Dämonie von Fueßli aus der Shurm und Drangzeit erinnert. Die tolle Berkürzung der Reiterin, den Wirbelsturm der Tanzenden im Alpen- Notturno", die abgründige Tragit des Baares in Sandnacht" vergißt man so wenig wie den Hellblauen Frühlingssturm", der am Städtemüll zupft. Die Phantastik der Titel gehört zu Wollheims Kunst. Die ungemeine An chaulichteit seiner pastosen Malerei, das technisch Grandiose und Frappierende seiner Bilder steht doch nur im Dienste einer sputhaft hemmungslosen Borstellungskraft, die uns in jedem Bilde neue Er schütterungen bereitet. Der andere Bol der Gruppe ist Mar Ernst, von schneidender Wir hoffen hier, Deutschland möge zu dem großen Wert bei tragen, Europa zu einem dauernden Frieden zu verhelfen. Ihr aufrichtiger 3. D. Dillfen Der Briefschreiber brauchte in der Tat feinen Namen zu nennen: aus feinen Worten geht deutlich hervor, worauf die wahren Freunde Deutschlands und der Menschheit hoffen. Ein deutschnationaler Wahlkrieg. Die Deutschnationalen in Potsdam haben mit ihren Steuerbewilligungen vor den Wahlen dank ihrer un sozialen Einftellung sehr schlechte Erfahrungen gemacht, und das Anschwellen der republikanischen Stimmen dem Umstand zugeschrieben, daß sie fich mit ihrem Botum in fommunalen Steuerfragen unpopulär machen mußten. Gestern war eine Stadtverordneten fizung anberaumt, auf deren Tagesordnung unter anderem mehrere Steuerfragen ftanden. Obwohl das Plenum fast vollzählig per fammelt war, zogen es die Deutschnationalen vor, dem Sigungsfaal fernzubleiben und die Versammlung beschlußunfähig merden zu laffen. Diese Sabotierung aus Angst vor dem Obium der Steuer bewilligung gelang ihnen. Die Bersammlung mußte ausfallen Wieder ein Beispiel, wie rüdsichtslos Deutschnationale an der Mehr heit ihre Macht mißbrauchen und mit den öffentlichen Intereffen spielen, um ihren Vorteil einzuheimjen. Nach der Wahl merden fie natürlich prompt die Steuervorlagen schinden. Von Jagow in neuer Funktion. Er wird Landbunddirektor. Der Kapp- Rebell v. Jagow, dessen Feftungshaft bekanntlich türglich auf Grund einer Amnestieverfügung endigte, hat ein neues, ganz zu feiner Person passendes Tätigkeitsfeld gefunden. Die Deutsche Tageszeitung", Nr. 177, vom 16. April, berichtet hierüber: Berstandesschärfe, ein Erzentrit des Geistes und der Linie. Ernst wird die Kunstphilister jeder Art am stärksten schockieren; bier ist die Probe zu bestehen, ob man Höchstpersönliches und Irrationales ver tragen fann. Die Malerei grenzt bei ihm allerdings hart an die Literatur. Aber sie bleibt Malerei und steht hoch über allem, was die heutigen Italiener der mechanistisch- tlaffischen Richtung, die de Chirico, Carrà usw. je geschaffen haben. Weil sie aus einer unerschöpflichen Fruchtbarkeit des bildenden Talentes ftammt. ist, daß sie etwa Nachahmer oder schwächer find. Hans Rilte Die übrigen gruppieren fich um diese beiden; womit nicht gefagt variiert das Graufige in Wollheims Welt mit geschmackvoll- wißigen Aquarellen, Siegfried Trillhaase( Sohn) bastelt in raffi nierter Technik allerhand Beinlichkeiten. Martha Hegemann mandelt das Mechanische bei Mar Ernst zu weiblicher Anmut. Stärfere und selbständigere Charaktere bemächtigen fich der Wirklich feit und übersehen sie in geiftvolle Malerei. Bernhard Gärt ners zärtliche Fraulichkeiten, die Bildnisse von Schwesig, Ster. mann, Ludwigs find besonders hervorzuheben. Der Begabtefte scheint unter diesen Malern einer intensivierten Wirklichkeit Peter Ludwigs, dessen Friedhof und Duisburg- Ruhrort" einen ebenso eigenwillig starten Eindruck machen wie seine Menschen gestalten, von denen besonders" Der Koftgänger unterm Dach zu nennen ist. H. B. Hundt vermischt seine ausgezeichnet malerischen Erlebnisse in der Ausführung etwas starter als nötig scheint im malerisch- Interessanten, und Josef Bell nähert sich in anmutigen Südlandschaften dem Gewohnten. Dr. Paul F. Schmidt „ Die Wollust der Anständigkeit." Wie sonderbar! Jegt am Ende der Saison befinnen fich die Rammerspiele" auf ihre Mission. Endlich bringen sie eine Komödie heraus, die die frohe Hoffnung aufteimen läßt, daß die heutige Dramatik doch noch nicht sanft entschlafen ist. Die 28 o Ilust der Anständigkeit" stammt von L. Pirandello, dem italienischen Dichter, dem plößlich die ganze Welt voll Anteilnahme zuzuhören gelernt hat. Ein abgerundetes Urteil über die Komödie fann der gewiffenhafte Kritiker von der geftrigen Erftauf führung allein nicht ableiten. Mißgriffe der Regie, Fehlbesehung der Hauptrolle, Unverstand des Hauptdarstellers verwischen das Bilb des Bühnenwertes. Trotzdem erwacht das Intereffe des Zuschauers, hozdem wird an sein Inneres geklopft, so daß er, seltsam gebannt, Komödie sind eigentümlich bizarr. Ein gewitterbrohender Dialog den Hauch eines Dichters verspürt. Schon die ersten Szenen der versezt den Zuschauer in qualende Ungewißheit, weil die Personen auf der Bühne in haftigen Sägen und abgehackten Worten von Dingen reden, die er noch nicht fennt. Ein alter Dramatiferirid, Spannung zu erzeugen, immer wieder wirtsam. Allmählich flärt fich die Handlung auf. Der verheiratete Marchese mill Agatha, feiner Geliebten aus achtbarer Familie, die Schande ersparen, ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen. Er findet in Angelo Baldovini, einem Herrn mit fadenscheinigem Rod und abgeschabter Ruf, den Mann, der Agatha der Form halber heiratet. Baldovini ist ein verstiegener Idealist, der feine materiellen Borteile für seine Leistung einhandeln will. Er empfindet tiefe Genugtuung darüber, daß er, der Ausgestoßene, für würdig gehalten mird, einer Schande | Mit Wirkung vom 1. April d. I. hat Herr Regierungspräsident & D. v. Jagom die Leitung der Hauptgeschäftsstelle bes Bommerschen Landbundes in Stettin übernommen. Herr v. Dewig bleibt Mitglied der Bundesleitung und des Bundes vorstandes und behält den Titel„ Direktor des Bommerschen Landbundes." Zu dieser neuen Leistung kann dem Direfiorium des Bommer. schen Landbundes nur gratuliert werden. Es wird nun schon burch die Person des Hauptgeschäftsführers befundet, wes Geistes. tinder diese Herrschaften sind und zu welchen Tendenzen sie sich hingezogen fühlen. Hoffentlich geht wenigstens den im Pommerschen Landbund organisierten 2 andarbeitern ein Licht auf und er tennen sie, welchen zweifelhaften Menschen sie ihr Schicksal anvertraut haben. Gegen das Leipziger Todesurteil. Eine Erklärung der Verteidiger. Wir werden um Abbrud der nachstehenden Erklärung ersucht: Berlin Leipzig, ben 23. April 1925. Stoblemiti, der in dem sogenannten Tschefaprozeßz von, dem Als Berteidiger des russischen Staatsangehörigen Beter Merander Staatsgerichtshof zum Schuße der Republik wegen Anstiftung zum Morde und zu Mordabreden zum Tode und zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, erheben mir gegen dieses Urteil, das nach unferer festen Ueberzeugung ein Fehlurteil ift, öffentlich Ein.. spruch. Der jezt zum Tode Berurteilte bestritt die ihm zur Laft gelegten Unschuld noch in dem letzten Wort, das er vor Gericht sprechen durfte. Taten vom Augenblic seiner Berhaftung an und er beteuerte seine bedurft, um feststellen zu tönnen, daß der Angeklagte der ihm vorBei dieser Sachlage hätte es eines einwandfreien Beweises geworfenen strafbaren Handlungen überführt ist. Ein solcher Beweis wurde aber trok zehnwöchiger Verhandlungen nicht erbracht. Mehr fönnen und wollen wir vorsichtigerweise im Augenblid nicht fagen, da die schriftliche Urteilsausfertigung, auf deren Begründung bei der mündlichen Verhandlung des Urteils ausdrücklich verwiesen wurde, noch nicht vorliegt. Sobald fie uns zugestellt wird, werden wir von neuem an die Deffentlichteit treten und die Unhaltbarteit des Urteils nachweisen. Schon jetzt aber wenden wir uns, da wir glauben, feinen Tag verstreichen lassen zu dürfen, ohne die Deffentlichkeit auf das Fehl urteil hinzuweisen, an die Vertreter der öffentlichen Meinung mit der Bitte, uns in unseren Bemühungen, eine Aufhebung des Urteils herbeizuführen, zu unterſtüßen. Alfred Marschner Leipzig. Dr. Kurt Rosenfeld. Rechtsanwälte. Der bulgarisch- jugoslawische Konflikt. Bulgarischer Rückzug. Frankfurt, 25. April.( TU.) Die Frankfurter Zeitung" meldet aus Belgrad: Nach einem gestern eingetroffenen Bericht des füdflawischen Gesandten aus Sofia, Ratitsch, hat die bulgarische Regierung durch den Gehilfen des Ministers des Aeußern dem ferbischen Gesandten eine Erklärung abgeben lassen, daß der zwischen Bulgarien und Südslawien entstandene diplomatische Zwischenfall durch eine irrige und ungenaue Uebermittlung der Aeußerungen des Ministers des Innern in der Sobranje hervorgerufen seien. Der bulgarischen Regierung habe jebe Absicht, Südslamien zu beleidigen oder zu verdächtigen, ferngelegen. Der Minister Rusom habe nicht nur teine Anflage gegen die füdslawische Regierung erhoben, fondern auch nicht die Absicht gehabt, ben Gindrud zu erweden, als ob Südslamien an den lezten Vorgängen irgendwelche Schuld trage. Die Entschädigung der Witwe Helfferichs. Die Schweizer Bundesbahn hat der Mitme bes por einem Jahre beim Eisenbahnunglüd von Bellinzona getöteten Reichstagsabgeord neten Helfferich 250 000 Goldfranken Entschädigung gezahlt. Die Schweizer Breffe beanstandet diese Summe, um jo mehr, da die Hinterbliebenen anderer Berunglüdier noch nicht entschädigt sind und weit geringere Abfindungen erhalten sollen. das Odium zu nehmen, einen honorigen Ruf zu retten. Eine Forderung stellt er allerdings: Solange er als der Scheingatte im Haufe meilt, darf die Schande nicht erneuert werden. Der Marchese muß Enthaltsamkeit üben. Ueberhaupt ergibt sich, daß der Mann aus der Gosse einen sauberen Charakter hat, die Leute aus den besseren Kreisen dagegen verfappte Lumpen sind. Herr Baldovini schwelgt sogar im Besiz seines ethischen Verantwortungs gefühls, er empfindet die Wollust der Anständigkeit. Bewundernd Scheingattin wird die liebende Ehefrau. erfennt das Agatha. Sie jagt ihren Marchese davon. Aus der Die Romödie enthält in grotesten Barabogen ingende, glitzernd aufleuchtende pinchologische Feinheiten, und nachdenklich ftimmende Charakterisierung. Aus jeder Szene spricht abgeklärte Rlugheit. Auch aus dem unoriginellen, ein wenig sentimentalen Schluß. Daß Untlarheiten den Genuß an dem festen dramatischen Gefüge stören, ist dem Baldovini Eugen Klopfers aufs Konto zu sehen. Durch feine lebertreibungen und leberspigheiten nimmt er der Komödie den Charakter. Ist es ein Schauspiel oder eine Groteste? Er illustriert pantomimenhaft bis zur Ueberdeutlichkeit die Säße seiner Rolle, ja, einzelne örter. Er pumpt um jeden Breis Wirkungen aus sich heraus. Er verkrampft die Gesten und Mienen, er vertrampft sogar die Stimme. Er ist unecht. Man glaubt ihm nicht. Man glaubt auch nicht, daß sich die schöne Agatha einem solchen Kerl an den Hals wirft. Margarete Christians ist in dieser Rolle über sich hinaus gemachsen. Dies mal ist sie ein wahrer Mensch, voll leuchtender Innigfeit. Monna Vanna". " Ernst Degner. Erffaufführungen der Woche. Dienstag. Deutsches Th.: Der Ne Donnerstag. Goethe- Bühne: bifor. Große Bolksoper: atme roulala. Tribüne: Freitag. Deutsches Künstler- Tb.: Monsieur Frau 2h. a. Kurfürstendamm: Der Bater. Schloßpark Th.: Die beiden erren der gnädigen Die goldene& ba". Dverettenhaus: Die Bar auf Mont martre.. Sonnabend. Sentral- Th.:.irfel Ein Kind ist vom Himmel gefallen". Urania- Borträge. Mont. bis Freit.( 6 Uhr), Sonnab. t. Sonnt.( 5 u. 7): Onlel James Erben"( Dressurlomödie). Mont. bis Sonnt.( 8): New Port und die New Porter Mittw.( 8): Goethe und die Liebe und Goethe und die Frauen. B Die Staatlichen Museen find am abltag wie folgt geöffnet: Schloßmuseum 10-2, Altes und Neues Muſeum, Kaiser- Friedrich- Muſeum, Muſeum Umzugs zurzeit überhaupt geſchloſſen. Bring Albrechtstraße 7 und Sammlung für deutsche Boltskunde 11-2 Uhr. Das Zeughaus bleibt gefchloffen. Das Museum für Böllerkunde ist wegen Ana Tschechische, Slowakische und Mährische Boltslieder fingt Stammersängerin ratty am Mittwoch, abends 7%, Uhr, in ber Stunftausstellung Der Sturm", Potsdamer Str. 134a Am Rlabier: Miroslav Banc Das Graphische Kabineff J.B. Neumann, Surfürfienbamm 282, beranstaltet zum 50 jährigen Geburtstag von Arthur Sega I eine Ausstellung von Delgemälden aus den Jahren 1911-1925. 23 i en hat eine Bilderaussteüung Stunft ins Bolt" veranstaltet. Die Arbeiter als Bilderfäufer. Die Stunfiftelle unferer Barteiorganisation der Sozialdemokratischen Bartei ausweisen mußten, haben ein vielfaches Besucher, die sich bei Erwerbung der ausgestellten Originale als Mitglieder ber Bilbergahl erwerben, bie gleichzeitig auf der Jahresausstellung im Künstlerhaus verlauft werden lonnte. Serlm wählt de 3n den Hinterhäusern. Di« in den Höfen wohnen, brauchen nicht zu flaggen. Die Armen. Die ohne Straßenjonn« zwischen Häusermauer» leben, die heute um Licht und Befreiung kämpfen. Jene, denen es um Frie» den und Brot geht, nicht um verlorene Macht. Und ihr« Zahl geht in die Millionen. Die vorn heraus wohnen, alle Fenster mit Fahnen behängt haben, sind zu zählen. Don Aeußerlichkeiten hängt unsere Gesinnung nicht ab. Deshalb bleiben unsere Flaggen auch schlicht und unausfällig. Gönnen wir doch den Rechtsleuten diese letzte schwarzweitzrote Parade. Es ist ja nur der verzweifelte Trotz eines sterbenden Körpers, der sich noch einmal wild aufbäumt. Schwarz. Rot-Gold würde ganz Berlin überfluten, hätten feine Anhänger nur bester« Gelegenheit, ihr« politische Gesinnung zu zeigen. Aber in den Höfen der großen Mietkasernen zu flaggen, erscheint mit Recht ziemlich nutzlos. Der oberflächlich« Spaziergänger sieht bloß die Borde» Häuser. Mag der Schein auch trügen— der 26. April wird beweisen, daß die eigentliche Mass« des Volkes republikanisch denkt und fühlt. Der haß gegen Schwarz- RoKSold. Räch dem Gesetz zum Schutze der Republik können auch Be» schimpfungen der republikanischen Fahne durch Strafe geahndet wer. den. Aber das hindert die Feind« der Republik nicht, immer wieder in Schmähungen des Schwarz-Rot-Gold und sogar in B e s ch ä d i- gungen schwarzrotgoldener Fahnen ihr Mütchen zu kühlen. Ein Bubenstreich dieser Art ist in Berlin im Hause Mol» k e nm a r k t 7/8 verübt worden, wo die Firma Kroner u. Co. aus ihren im vierten Stockwerk gelegenen Geschäftsräumen eine schwarz- rotgoldene Fahne herausgehängt hat. Diese Fahne ist so long, daß sie vom vierten Stockwerk über das dritte hinwegreicht, in dem die Tuchfirma W. Schuster ihr« Geschäftsräume hat. Gestern tonnte nun der Inhaber der Firma Kroner u. Co. zu seiner lieber» raschung und Bestürzung feststellen, daß die Fahne in dem vor dem dritten Stockwerk hängende» Teil arg beschädigt war, und zwar anscheinend durch Saurespritzer. Große Stücke des Tuches lösten sich in Fetzen heraus, so daß die Fahne vernichtet war. Herr Kroner hat die Hahne so. wie sie ist. dem Gauoorstond Berlin des .Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold" überwiesen, die sie zur Kenn- Zeichnung der Kampfesweise republikseindlicher Halunken öffentlich ausstellen will. Die zerstörte schwarzrot- goldene Fahne ist von Herrn Kroner sofort durch eine neue ersetzt worden, die in gewaltiger Länge von dem vierten Stockwert herab- weht. hladenburg im vlumenkopf. Doch das Neueste ist hindenbury im Blumentopf, kleine schwarzweißrote Fähnchen, die auf ihrem unschuldigen Weiß in großen Buchstaben für hindenburg werben. Arme Blumentöpfe, die keine anderen Stecklinge tragen. Wo der Krieg hinkommt,„der grausamste Krieg ist der humanste", da wächst nicht Gras und Blume mehr. Und einer dieser Blumentöpfe in einer Kellerwohnung in der Zimmerstraß«, so tief und dumpf gelegen, daß kein Sonnen- strahl sie trifft. Das ist ein erschütterndes Bild politischer Der» blendung und läßt einem an die Hindenburg-Töpfe der Besitzenden in Licht und Lust, in blendendem Sonnenschein denken. Es gibt noch viel Arbeit zu leisten, um die Köpfe zu erhellen. Jede Stunde ist kostbar, denn der Kampf geht fiebernd seinem Höhepunkt zu. Wer es ernst mit der Republik meint, der sorge dafür, daß hindenburg am Wahltage keinen Blumentopf ge» winnt. Der schwarzweihrote Schupotwuw. In den in der Freiwginorgennummer hier wiedergegebenen Instruktionen de» Berlmer Polizewizepräsidenten Dr. Friedens» b u r g an da» Kommando der Schugnolizei Berlin wird u. a. gesagt: „Die Farben„Schwarz-Rot-Gold" stehen als Wahrzeichen von Staat und Verfastung unter dem besonderen Schutz des Gesetzes zum Schutz« der Republik. Die Achtung vor diesen Wahrzeichen zu sichern, gehört zu den vornehmsten Pflichten der Polizei, die sich ihres Charakters als des vollziehenden Organs der Staatsgewalt bewußt fein muß." So der Polizeivizepräsident. Einzelne Beamte der Schutzpolizei scheinen aber anders über die Achtung vor den Wahrzeichen der Republik zu denken. Da ist beispielsweise draußen in der h ä s e l« r» kl Republikaner. st r a ß« in Charlottenburg die Ansiedlung des Berliner Spar- und Bauvereins, dessen Mitglieoerschaft sich ausschlleßiich aus Arbeitern und Angestellten zusammensetzt In dieser Straße erregt es allgemeinen lebhaften Unwillen, daß bei jeder Wahl von, Balkon der W o h n u n g« iues Schupowachtmsisters eine große schwarzweißrote Fahne Herausgehangl wird. Diesmal tut der treue Beamte der Republik noch ein übriges, indem er außerdem noch seinen ganzen Balkon dicht mft schwarzweißroten Fähnchen und der Auftorderung„Wählt hindenburg" besteckt hat. Die Be- wohnerschast der Ansiedlung empfindet diese provokatorische heraus- stellung der Farben des allen kaiserlichen Deutschland gerade durch einen republikanischen Polizeibeamten als eine unerträgliche Berhöhnung der Republik, die schlecht zu den vom Polizeimzepräsidenten betonten vornehmsten Pflichten der Polizei, „sich ihres Charakters als des vollziehenden Organs der Staats- gewall bewußt zu fein" und den Farben Schwarz-Rot-Gold die gebührend« Achtimg zu sichern, paßt. Wenn ihm die Republik so sehr zuwider ist. wie man nach seiner aufdringlichen Propaganda für Schwarz-Weiß-Rot und Kaiserreich doch annehmen muß. warum oerhisit man ihm dann nicht dazu, den Dienst in der oerbaßten Republik zu quittieren? Gut gegeben! Es saßen vier Herren in der Straßenbahn zusammen, je zwo, einander gegenüber. Drei, die zusammen geborten, unterhiellen sich über die erregten Wahlzeiten und oer eine„nahm übel". Er erregte sich darüber, daß man„die verfluchte Bande mit den schwarzrotgoldenen Fahnen" soviel herumziehen sehe. Plötzlich mischte sich der vierte Herr, der nicht zu dieser Gesellschaft gehörte, ei» und verbat sich derartige Bemerkungen. Der erste Sprecher tot sehr erstaunt und sagte, daß er ihn doch gar nicht persönlich gemeint Halle. Darauf der Republuäner:„Das ist mir auch sehr gleichgüllig, aber die Straßenbahn gehört uns allen und nicht Ihnen allein und ich brauche mir so etwas nicht mit anzuhören." Zur Antwort erhielt er:„Ich kann doch reden, was ich willl'„Rein, das können Sie nicht. Dieselbe Berechtigung hätte ich auch und ich würde dann m« inerseit» Leute mit schwarzwerßroten Fahnen für«ine„verfluchte Bande" erklären." Einen Augen- blick Stillschweigen— dann zieht einer aus der Gesellschaft ironisch den Hut und bedankt sich für die„freundliche Bezeichnung". Darauf der Republikaner gelassen:„Sie dürfen Ihren Hut ruhig aufbehallen. Ich ziehe meinen Hut auch nicht vor Ihnen." „Polilifches" Gespräch im Bäckerladen. Die Bäckersfrau im Gespräch mll ihrer Kundin:„Wifsen Sie es schon, hindenburg spricht heute abend nicht im Rundfunk!" Dt« Kundin:„Unmöglich, heute ist es doch noch durch Rund- funk angesagt worden, doß„Er" bestimmt um 8 Uhr 13 Min. sprechen wird." Die Bäckersfrau:„Ja, aber sehen Sie doch hier. Wir bekommen jetzt den„Vorwärts", und da steht's doch: Ruth Fischer spricht für hindenburg." Schweigen. Dann meint die Kundin:„Ich kenne Fräulein Fischer gar nicht. Na, wir Werdens ja hören." Sprach's und ging. Der völkische Unfug aus dem Potsdamer Platz hat die zu- ständigen Polizeibehörden veranlaßt, die Zahl der Polizeibeamten auf dem Potsdamer Platz zu erhöhen und auch mehrere Kriniinai- bcamten, darunter auch höhere dort zu postieren, die gegen jede Be- lästigung der Pasianten sofort einzuschreiten haben. Wir hören diese Botschaft zwar, wollen sie auch glauben, aber da sich aus diesem Platz wiederholt dieser Unfug breitgemacht hat, so scheint es dringend notwendig, daß nunmehr die Leitung des zustän- digen Polizeiamtes für olle erneut vorkommenden Fälle unverzüglich verantwortlich gemocht wird. Polizeiliche Behinderung sozialdemokratischer Wahlagitation. Wie man uns von zuverlässiger Selle mllteilt, vertrieben in den Mittagsstunden Polizeibeamte die vor dem Bahnhof Aleronderplatz Dienst taten, unsere Fwgblälleroerteiler. die die Sonderausgab« des„Vorwärts" verteilten, indem sie sie ständig aufforderten, weiter zu gehen. Wir protestieren entschieden gegen dies« merkwürdige Behinderung der erlaubten Wahl- Propaganda. völkische M-röbuben. Ei» ReichsblUlnermaun erschösse«. Me uns kurz vor Schluß de» Blatte» mitgeteilt wird, wurde gegen 2 Uhr nachmittags aus dem Bayertscheu Platz elu Ueichsbauuermauu. der sich auf einem Propagandawageu des Volksblockes befand, von einem völkischen erschossen. Weitere Einzelheilen fehlen zurzell noch. Fuaterparaüies. Wer Hindeuburg wählt, wählt die Jmikerherrschaft. In einer Dolkeblockkundgebung in Görlsdorf m der Reu- inark hiell der dort ansässige Rillergutsbesitzer Eberhard von der L a n g ck e n folgende, wörtlich wiedergegebene Diskussionsrede, nachdem er wüst auf Kathollken und Zentrum geschimpft hall«: „WähU chindenbura, dann kommt wieder Ordnung! Dem Aus- land ist es lieber, mll Hindenburg zu verhandeln als mit Budikern. Sattlern und Stromern. Di« General«, die der Republik dienen, sind niederftächlige Waschlappen. Für uns gibt es keinen Acht- stundenlag: das geht nicht! Belriebsräle find Nichtstuer. Die Sozialdemokraten sind solch« Louis mit schieser Ulütze und Zigarette im Maul. Di« Sozialdemokratie hat uns alles Elend eingebrockt, weil Ebert und Scheidemanu die deutsche Niederlage gewollt haben, um ans Ruder zu kommen. Die republikanischen Minister hoben es alle verstanden, sich die Taschen zu füllen und ibr Schäfchen ins trocken« zu führen. Gerade die Besitzend�, werden heule von den Steuern gedrückt; die Sozialdemokratie schrell immer„Siedeln, Siedeln" und will die Rittergüter zerschlagen. Landarbeiterl Ihr hängt doch auch an Eurer(!!) Scholle. Nach einem Hoch auf Hindenburg verlleß Herr von der Langcken mll seinem Anhang den Saal, in dem die Doiksblockkund- gebung für Mar; dann ungestört vor sich ging. Dieser selbe Herr von der Langcken verweigerte kürzlich der Frau eines seiner Landarbeller, die wegen einer Dlinddarmentzün- dung in Lebensgefahr schwebte und zu einer schnellen Ope- ratio» in die Stadt gefahren werden sollte, seine Kutsche und bot der weinenden Frau höhnend den M i st w a g« n an. Er gab die Kutsche trotz allen Bittens nicht, bis sich schließlich ein Bauer der Frau erbarmte. Der durchaus ebenbürtige Sohn des Herrn von der Langcken hat am 7. Dezember die Landarbeiter bedroht: . Wenn Ihr nicht denifchnallonal wählk. gibt's was mlk der Snnket" Dieser Sohn schlägt die Arbeiter tatsächlich. Zwischen- rufe in der Versammlung nahmen darauf mehrfach Bezug. Di« erbillerten Landarbeller riefen: „Augen blau schlagen..' Einen Landarbeiter hat von der Langcken mll einem Knüppel über- fallen und ihn von hinten niedergeschlagen und ihn am Misthaufen. wo er besinnungslos zusammengesunken war. liegen gelassen. Das'ist das wahre Junkerparadies. Wir wollen es ausrollen. Die Rechtsparteien aber wollen es wieder im ganzen Lande einführen. Wer den Junker mit seiner ganzen Brutalität wiederhaben will, wählt Hindenburg. Wir anderen wählen den Republikaner Rtarx! Kunögebungen in potsüam. In zwei großen öffentlichen Wählerversammlungen hat gestern der Volksblock in Potsdam zu den republikanischen Parteien gesprochen und die Gründe für die Kandidatur Marx in eingehender Weise dargelegt. Im Konzerthaus stand die stark besuchte Versammlung unter dem Borsitz der SPD. Im„Allen Fritz" wurde die Versammlung von einem Zentrumsverftetsr geleitet. Nach einer Cröffnungsanfprach« des Wahlvereinsvorsitzenden der SPD. nahm namens des Zentrums der G«w«rtschaftss«rretär Winter das Dort. Er kennzeichnete die Ziel« des Wahlkampfes beim Reichsblock als das Bestreben, beide Hebel der Gewalt, nämlich die Ge- setzesmaschin« des Reichstages und da« Amt de» Reichspräsidenten, in eine Hand zu bekommen und dann die Verhältnisse wieder nach rückwärts zu revidieren. Dies« Parteien, die für Lohnerhöhungen nie Geld haben, verfügen über Geld im Ueberfluß für Wahlzweck«. Genosse Redakteur K l ü h s beleuchtete in scharfen Ilmrissen die Verhältnisse beim Reichsblock, der sich gegenüber dem als Muster- beispiel der Eignung und Tüchtigkell gepriesenen Ja r res der größten Untreue schuldig gemacht und ihm schließlich einen Fußtritt versetzt habe, um den 78iährigen Hindenburg als sogenannten über- parteilichen Kandidaten aus der Versenkung zu holen. Der Reichs- block müsse sich mit seinem Kandidaten darum auch die Kritik der Republikaner gefallen lassen. Hindenburgs Aufstellung fei das größte Armutszeugnis für die Kreise des Reichsblock», die aus den inneren Zwistigkellen im Loebell-Ausschuß nicht heraus- kämen. Seine Geldschnorrerei kennzeichne am besten die Uneinig. kell, und Hindenburg habe allen Anlaß, als das gepriesene Vorbild für Sauberkeit und Reinlichkell de» öffentlichen Lebens mll der Reinigungsarbell unter seinen Anhängern zu beginnen. Der Redner bewies an der Hand verschiedener Flugblätter die Niedertracht der Kampsesweis« des Reichsblocks, der in einer Schlammflut von Verleumdungen und Fälschungen nach seinem Erfolge strebe. Die Wahl Hindenburgs würde nur inneren Kampf entfesseln und jede Entwicklung hemmen. Hindenburg sei polllisch nicht s o harmlos, wie man ihn hinstelle. Mll Ludendorff habe er in der Obersten Heeresleitung stch als Kanzlerstürzer betätigt und seine Einmischungen in die Poiillk, sein Hervortreten als Gegner der Friedensresolution gestatte es keinem Republikaner, diesen ausgesprochenen Anhänger der Monarchie in die Verlegenheit zu bringen, einen Eid auf die Verfassung der Republik zu leisten. Am 26. April müßten all« Hoffnungen der Monarchisten zuschandeu werden. Hindenburg sei die letzte Karte der Reaktion im großen polllischen Spiel und sie müßt« entscheidend gestochen werden. Die Ausführungen des Redner» lösten starten Beifall au». Nach ihm wandte sich Staatsminsster a. D. Dernburg namens der Demotraten an die Zuhörerschaft. Er schilderte an unwlderleglichen Belegen die polllische Rolle Hindenburgs im Krieg«, kennzeichnete ebenso wie der Vorredner den Mangel seder polllischen Vorbereitung des allen Marschalls, und warnte im Hinblick auf die außen- politischen Folgen, auf die wertere Verzögerung der Ruhrrlumung und der Befreiung der Rheinland«, auch di« Störungen in den Handelsbeziehungen, einen Mann wie Hindenburg in da» oberste Reichsamt zu berufen, der nur Figur, Programm und Lautsprecher für T i r p i tz sein würde. Ein Republikaner dürfe niemand ander» wie Wilhelm Mar; als gelernten Reichspräsidenten sein« Stimme geben. Die Kundgebungen hinterließen einen starken Ein. druck und waren erfolgreicher als die paar armseligen Per- onstaltungen des Reichsblocks, der sich noch heute Abend mll Musik und Umzug bei der Wählerschaft bemerkbar machen will. Be» der Heidelberger Bürgermelsierwahl ist gestern durch di« Voltsblockparteien Regierungsrat Dr. Amberger- Offenbura zum 3. Bürgermeister gewählt worden. Der bisherig« Stelleninhaber, der der Rechten angehört«, war verstorben., Der Bau des WitleNandkanol». Der Provinzialausschuß von Hannover beschloß, von dem für den ö. Mai«inberufenen Provin- ziallandiag die Ermächtigung zur Uebernohme der Garantie für eine Anleihe zum Bau des Mittellandkanals der Gene A (11 Millionen) einzuholen. Retchs-Reklame-Neffe. Zu einem nicht sehr glücklich gewähllen Zeftpunkt, einen Tag vor der Wahl des Reichspräsidenten, hat die Reichsreklamemesse, oer- austaltet vom Verband Deutscher Reklamefachleute unter der Direktion des Berliner städtischen Messeam- tes ihre Pforten geöffnet. Das Haus der Funkindustrie auf dem Messegelände am K a i s e r d a m m ist mll den tausenderlei Werbe- Mitteln gefüllt, di« eine in der Wiederaufrichtung begriffene Wirt- schaft wie die deutsch« nötiger denn je gebraucht, um dem Konkurrenz- kämpf auf dem Inlands- und Auslandsmarkt begegnen zu können. Mit allen Mitteln ist versucht worden, eine Uebersicht über das ungemein verzweigte Gebiet der Reklame, ihrer heutigen Aufgabe und ihrer psychologischen Möglichkeiten zu geben. Der äsihcnsche Eindruck mag im allgemeinen befriedigend sein, im einzelnen spielt aber das Werk des Künstlers immer noch eine sehr geringe Rolle — Reben der Fülle der Werbemittel für den Handel, di« Plakate, Handzettel. Broschüren. Kalender und Zugabeärtikel, die wechselnden Schrift- und Bildformen, den gedruckten, aus dem Nichts entstehen- den erleuchteten Schriften ist ein« gute Schau über das gesamt« well verzweigte deutsche Zeitungswesen vorhanden. Die sozialdemokratische Press« hat auf der Galerie eine gaftz« Koienslucht in»«, die in außerordentlich übersichtlicher und gefchmack- voller Weise das Anwachsen dieser Zeitungen und ihre Werbekroft vor Augen führen. Auch der„Vorwärts" zeigt in einem gemütlichen Lesezimmer ein« Auswahl feiner besten Plakate.— Ein« hübsche Neuerung,«in amüsantes Reklametheater, ist mll der Metze verbunden und zeigte gestern vor geladenen Gästen fein erstes Spiel: „Ist denn hier der Teufel los?" Das Spiel, das August Neidhardt geschrieben und Ernst Hauke musikalisch umkleidet hat. zeigt neben der gedruckten Reklame zum ersten Male auch die gesungene, geianzle und gesprochene Werbekunst. Man hatte mll der Aufführung Künstler wie Fritz Langendorff, Dora Hrach, Emil Ludwig, Gertrud Lieste und Heinz Lingen in den Dienst der Sache gestellt. Man kann ruhig behaupten, daß es di« munterste und lustigst« Sache ist. Auf dieses und vieles andere, was die Messe bietet, zurückzukommen, wird nach den Wahlen noch Gelegenheit sein.. Die Messe bleibt bis zum Z. Mai geöfsnet und kann von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends besichtigt werden. Heute vormittag fand in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Behörden und der Presse nochmals eine größere Eröff- nungsfeierlichkeit statt. Oberbürgermeister Dr. Boß überbrachte di« Wünsche der Stadt Berlin, ferner sprach namens der preußischen Staatsregierung Handelsminister Dr. Schreiber. Im Anschluß daran fand ein Rundgang durch di« Messe statt. die letzte« Versammlungen. Man erkennt di« nationalistische Hochburg Wilmersdorf kaum wieder. Im großen Saal des Viktoria- Gartens Kopf an Kopf.. Bürger, Handwerker, Arbeiter, alle durchglüht von ein- heitlicher Begeisterung für die Republik. Unter sudelndem Beifall zieht da» Reichsbanner ein. Ein Wald schwarzrotgoldener Fahnen um die Tribüne. Karl Ebeit rezitiert. Sein von innerer Ueber» Zeugung durchglühtes Pathos läßt die Versammlung aufjubeln. Dann spricht Abg. K n t t» e r für di« SPD. Ein kraftvoller Appell: da» neue Deutschland der Arbell und der Geistigkeit gegen da» ungesstige System der Uniform, des Korporalstocks und des Anbindens. Für die Demokraten spricht, lebhaft applaudiert Hugo Preuß, der Schöpfer der Weimarer Verfassung Kluge, sympathische Worte. Er begrüßt als Resultat der direkten Präsidentenwahl durch das Volk, daß die Republikaner— alle sonstigen noch so tiefen Gegensätze zurückstellend— sich zu einer einheitlichen Front zusammengesunden haben. Für das Zentrum spricht Reichstagsabg. Dr. R ä u s ch e r. Als«r in hoher Anerkennung seiner Verdienste den Namen des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert erwähnt, erhebt sich die Bersammlungspontan von den Sitzen und applau- dlert minutenlang. Zum Schluß wendet sich ein Bertretcr des Mittelstandes gegen die Ludendorff-Partei, die die Parole für Hindenburg ausgegeben und damit die Interessen des Mittelstandes verraten hat. Alle Redner finden brau- senden Beifall, der sich oft spontan nach einzelnen Sätzen entlädt. Musik umrahmte die Veranstaltung, die auf olle Anwesenden un- anslöschlichen Eindruck gemacht hat. Auch in Wilmersdorf herrscht schon der republikanische Gedanke. Die vom Volksblock und Reichsbanner in Pankow veranstaltete Volksversammlung war ein voller Erfolg. Di« Ausrnbrungen der Referenten Zimmermann vom Zentrum, Frl. Fisch von den Demokraten. Genosse Dr. Weyl fanden ungeteilten Beifall. Als Schlußredner sprach ein Kamerad vom Reichsbanner. Die über- füllte Versammlung stimmte begeistert in dos vom Borsitzenden ausgebracht Hoch auf di« Republik. Di« Versammlung, die in völligster Ruhe verlief, sst als ein gutes Vorzeichen für die am Sonntag stattfindende Wahl zu betrachten. Gegnerisch« Dersamni- lungen am Ort hatten bisher nicht die Besucherzahl auszuweisen. wie sie gestern durch den Volksblock in Erscheinung trat. In einer bi» auf den letzten Platz gefüllten Wählerversammlung in der Schulaula Oranienstraß« in Charlottenburg sprachen für die Zentrumspartei Dr. Steiger, für die Demokraten Otto R u j ch k e und für die SPD. Genosse Lempert. Auch hier bot die Aula mit ihrem reichen schwarzrotgoldenen Flaggenschmuck ein eindrucks- volles Bild. Den Reden folgt« jubelnder Beifall. Die Dersamm- lung war«ine würdig« Kundgebung für die Republik. Auch in der Schulaula der Fürstin-Bismarck-Schule in Charlottenburg sprach für die Zentrumspartei Dr. Steiger, für die Demokraten N u s ch k c, dagegen für di« SPD. Genosse Barth. Sie fanden ebenfalls die volle Zusliminunq der Bersammelten. Mit einem Hoch aus die jung« deutsch« Republik schloß die Kundgebung. Auf z tun letzte« Appell? Heute abend findet die letzt« große Wahlkundgebung in Berlin statt. Da« Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold ruft alle Republikaner auf. heute abend im Sportpalast zu erscheinen, um noch einmal ihren Willen kundzutun. Es sprechen Reichskanzler a. D. Dr. Josef Wirth, Frau Mimsterialrat Dr. Gertrud Bäumer und Genosse Artur Crispien. Die Kundgebung beginnt pünktlich um 8 Uhr und wird von Dar- bietungen des Berliner Bläferchors umrahmt. Das angekündigre Standkonzert der Reichsbanner-Kapelle vor dem Sportpalast kann leider nicht abgehalten werden, da d l e Polizei ihre Genehmigung verweigert hat. Schwere Bluttat im Spreewald. Zwei Männer erstochen der Täter verhaftet. Eine furchtbare Bluttat, die sich bereits am Mittwoch im Spreewuld an der Chaussee Freienwalde- Golßen ereignet hat und der zwei Menschenleben zum Opfer fielen, hat heute mit der Festnahme und dem Geständnis des Täters, eines 17jährigen Schlächter lehrlings namens Wischer aus Berlin ihre Aufklärung gefunden. Bisher fonnte folgendes festgestellt werden: Hermann Wischer war schon bei verschiedenen Schlächtermeistern in der Lehre und schon sieben Mal entlaufen. Zuletzt lernte er bei einem Meister Rohloff in Ströbiz in der Kottbuser Gegend. Auch diesem entlief er aus bisher noch nicht aufgeklärten Gründen und wanderte dann die Chaussee entlang in der Richtung auf Berlin. Hier begegnete ihm am Mittwoch nachmittag ein junges Mädchen auf ihrem Rad. Mit einem großen Schlächter. messer im Stiefelschaft und anderen Werkzeugen ausgerüstet trat er an die Radlerin heran, um ihr das Rad zu rauben. Als sie Biderfand leistete, verletzte er sie leicht durch einen Messerstich, entwand ihr dann das Rad und fuhr davon. Die Ueberfallene, eine 15 Jahre alte Else Richter aus Schönwalde, lief nach Hause und schlug Lärm. Mehrere Drtsbewohner, darunter ihr 24 Jahre alter Bruder Arthur und ein 18 Jahre alter Dewald Freigang aus Freiwalde bei Schönwalde nahmen die Verfolgung auf. Wischer bog von der Landstraße ab und schlug eine Seitenchauffee ein. Hier begegneten ihm die beiden Berfolger, die sofort das geraubte Rad erfannten. Wie Wischer behauptet, stießen sie ihn vom Rad herunter und fielen laffen. So tam es zu einem heftigen Rampfe. Wischer hörte, daß einer der beiden dem anderen zurief:" Nimm dein Taschenmesser!" Er selbst stach mun, immer nach seiner Darstellung, mit seinem Schlächtermesser blindlings um sich. Einen feiner Gegner jah er zusammenbrechen. Er ergriff nun eins der Herren räder seiner Verfolger und jagte davon nach Berlin. Hier fam er om Donnerstag früh an. Weil er kein Geld mehr hatte, fp verfaufte er das Rad in der Münzstraße für 10 M. und irrte nin planlos umher. Inzwischen war die Berliner Kriminalpolizei bènachrichtigt worden und gestern( Freitag) fanden die Beamten die Spur des jugendlichen Täters im Nordosten der Stadt, ermittelten ihn endlich auf dem Koppenplay, nahmen ihn fest und brachten ihn nach dem Polizeipräsidium. Die beiden Berfolger Richter und Freigang wurden an der Seitenchauffee tot auf. gefunden. Sie hatten 5 bis 6 Stiche nicht nur in die Bruit und den Leib, sondern auch in den Rücken erhalten und waren an Berblutung gestorben. Gewerkschaftsbewegung Eröffnung der Heimarbeit- Ausstellung. Am kommenden Dienstag wird in Berlin in den Landes= ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof die„ heim. arbeitausstellung" eröffnet. Sie wird von der Gesellschaft für soziale Reform" unter Mitwirkung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der anderen Gewerkschaftsrichtungen veranstaltet und soll, wie ihre Vorgängerinnen, die breiteste Deffentlichfeit auf die furchtbaren Zustände in der Heimarbeit aufmerksam machen. Sie foll aber auch Gesellschaft und Staat an ihre Pflich. ten gegenüber den Heimarbeitern erinnern. Noch immer wartet diese Arbeitergruppe in Deutschland auf ein wirkliches Heimarbeiterschuhgesez, obwohl die Notwendigkeit dafür durch das Sprichwörtliche Elend der Heimarbeiter längst allen bekannt ist. des Urlaubs und des Lohnzuschusses in Rran: heitsfällen und vieles anderes. Angesichts der gezahlten Löhne ist es tein Wunder, wenn heute weder ein Handwerker noch ein Arbeiter bei der Hochbahn Arbeit annehmen will; die vorhandenen verlassen fluchtartig den Betrieb. Das Lohnabkommen läuit bis zum 15. Mai, es tann aber geändert werden, wenn Veränderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse eintreten. Die Arbeiterschaft vertritt den Standpunkt, daß fie an dem Segen, den die Geschäfisbilanz ausbreitet, teilnehmen will, daß vor allen Dingen die Löhne den wirtschaftlichen Verhältnissen angepaẞt werden müssen. Die Arbeiter haben deshalb Berhandlungen zur Aufbesserung der Löhne verlangt; der Arbeitgeberverband hat aber im Auftrage der Hochbahn Verhandlungen abgelehnt. Für die Hochbahn scheint es feine Verteuerung der Lebenshaltung, feine Mietsteigerung zu geben. Sollte zwischen den Parteien eine Einigung nicht zu erzielen sein, so fann der Vorsitzende des Schlichtungsausschusses Groß- Berlin eine Entscheidung treffen. Herr Gewerberat Körner hat mit ganzen zwei Sägen entschieden:„ Eine wesentliche Veränderung der mirtschaftlichen Verhältnisse ist nicht eingetreten, die Voraussetzungen für eine Nachprüfung des Schiedsspruches vom 14. Januar d. J. find daher nicht gegeben." Also trog glänzender Geschäftsbilanz feine Berücksichtigung der gesteigerten Lebenshaltungspreise, teine Ausgleichung der höheren Mieten und Einbeziehung der Bekleidung. Das ist die Antmort an die Bediensteten und Arbeiter der Hochbahn. Mögen sie endlich erkennen, daß die Erringung günstigerer Lohn- und Gehaltsverhältnisse nur durch eine starte gemertschaftliche Schon im Jahre 1904 fand in Berlin die erste Heimarbeitausstellung statt, die ebenso wie die 1906 folgende eine wahre Ausstellung des Elends war. Die Forderung des ersten allgemeinen Heimarbeiterfchugtongresses 1904 nach einem wirksamen Schutzgesez murbe damals durch das Gesez vom Jahre 1906 nur in unvolltommenster Weise erfüllt, es blieb für die Heimarbeiter ohne jeden praktischen Wert. Die Grundursache des Heimarbeiterelends ist in ben niedrigen Löhnen zu suchen, die die Mitarbeit aller Familienmitglieder, ganz besonders der Kinder, zur Regel machen. Den Heimarbeitern ist nur mirklich zu helfen, menn bezirksmeise unter Mitwirtung der Arbeiterorganisationen aufzu. stellen sind. Diese Mindestlöhne würden die Heimarbeiter vor der größten Ausbeutung schützen und ihnen die Möglichkeit geben, darauf aufbauend, sich höhere Löhne zu erfämpfen. Nur so wird das Elend in den Heimarbeitergegenden Deutschlands zu bekämpfen und abzuschaften zwingen nicht selten jogar tommunistische Gewerkschafts. ändern sein. Wie dringend notwendig die baldige Schaffung eines mirtlichen Heimarbeiterschutzes ist, wird die Ausstellung beweisen. Der Besuch fann jedermann dringend empfohlen merden. über ihn her. Er wollte aber das geraubte Rad nicht im Stich ihnen Mindestlohne gefeglich garantiert werden, die Organisation möglich ist, die Rämpfe zu führen versteht. Der Wintergarten hat eine geradezu einzig dastehende Dressur in der Form von Billy Judge's dressiertem Seelöm en engagiert, einem großen Einzeleremplar, deffen Leistungen mit den legtbin gezeigten Zauchexperimenten nichts zu tun haben, sondern sich vielmehr auf dem Trockenen abspielen. Diese höchste Merkwürdigkeit auf zoologischem Gebiete wird in aller Kürze auftreten. Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Abt. Alle Wahlhelfer treffen fich Sonntag früh 8 Uhr bei Mathia, Linien. ftraße 29. 7. Abt. Treffen der Wahlhelfer Sonntag früh 8 Uhr bei Dahms, Schlägerſtraße 9. 34. t. Sonntag früh treffen fich fämtliche Genoffen zur Mehlhilfe um 9 Uhr bei Lüde, Warschauer Str. 17. Vorträge, Vereine und Derfammlungen. Reichsbannes Schwarz- Rot- Gold". t. Gefchäftsstefie: Berlin G. 14, Gebaftianftr. 37/38, Sof 2 Rameradschaft Charlottenburg. Gonntag, 26. April, früh 8 Uhr ab, müssen sämtliche Kameraden im Vereinslo al sein Bormittags 10 Uhr Abmarsch mit Mufit. Kameradschaft Köpenick und Untergruppen. Sonntag, 26. April, vormittags 88 Uhr, Antreten der Köpenicker Kameraden und Tambour forps mit Fahnen am Bahnhof Röpenic. Empfang der Berliner Kameraden. Um 9 Uhr Abmarsch durch Köpenick. Theater der Woche. Vom 26. April bis 4. Mai 1925. Boltsbühne: 26., 28. und 4. Hamlet. 29. und 3. Datteria. 1. Schneider Wibbel. 2. Eegel am Horizont. 2. Gegel am Horizont. ut Die Bankangestellten für Marx. Russische Gewerkschaftsbureaukratie. Kommunistische Klagen. ( RSD.) Die unleidlichen Zustände in den russischen Gemerf. führer zu einer heftigen Kritit der bestehenden Verhältnisse. Im Zentralorgan der russischen Gewerkschaften„ Trud" vom 26. März charakterisiert Melnischansti, einer der Führer der russischen Gemertschaftsbewegung, der jetzt auch an den Verhandlungen mit den englischen Gewerkschaften beteiligt ist, die lebermacht der Bureaufratie in den russischen Berbänden folgendermaßen: Gegenüber dem Eintreten einer völlig bedeutungslosen gelben ( Geislerschen) Bantangestelltenorganisation für Hindenburg hat der Allgemeine Berband der deutschen Banfange- zirfen ist bei uns eine Schicht von Gewerkschaftsbeamten entstanden, stellten beschlossen, im Einklang mit dem Aufruf der freigemertschaftlichen Spitzenverbände die Banfangestellten aufzufordern, gegen Hindenburg für Marg ihre Stimme abzugeben. Maßgebend für diesen Beschluß war die aus allen Betrieben und Bantplägen berichtete Geschäftsstagnation im Bankge werbe, wie sie seit der Propaganda für eine Hindenburg Kandidatur in Verbindung mit dem Stoden der Anleihe- und Kreditverhandlungen an allen Plätzen des internationalen Geldmarktes beobachtet werden mußte. # Wenn schon die Proklamation Hindenburgs als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten zu derarlig schweren Schädigungen des Wirtschaftslebens geführt hat, so muß eine neu etablierte Herr schaft Hindenburgs und der hinter ihm stehenden Kreise zu diretten Katastrophen für die deutsche Volkswirtschaft führen. Die Bantangestellten wären die ersten Leidtragenden derartiger Zustände. Sie werden daher aufgefordert, am Wahltage ihre Stimme restlos für Wilhelm Marg abzugeben. Glänzendes Elend bei der Hochbahn. Glänzende Bilanz. Elend der Angestellten. Bei der Veröffentlichung des Geschäftsberichts der Berliner Hochbahn muß sich die werktätige Bevölkerung der Vorgänge er. innern, die sich bei der im Februar vorgenommenen Tariferhöhung abspielten. Anfänglich wehrten sich damals alle Instanzen, vom Magistrat Berlin bis zum Ministerium des Innern, gegen eine Tariferhöhung. Der Geschäftsbericht bestätigt, daß eine zwingende wirtschaftliche Notwendigkeit für eine Tariferhöhung nicht Dorlag. Die Behörden verlangten von der Hochbahndirektion genaue Unterlagen, aber die Tariferhöhung wurde noch vor der Bilanzeröffnung bewilligt, ja, der Hochbahngesellschaft wurde noch Renaiffance Theater: Das romantische mehr zugeschanzt als sie verlangte. Nachdem nunmehr der Schleier Dom Geschäftsbericht gefallen ist, steht der Fernstehende den Dingen - der Eingeweihte nicht sprachlos gegenüber. Deut sches Sheater: 27., 29., 1., 2. und 4. Die heilige Johanna. 28., 30. und 3. Der Revisor. Sammerspiele: 27., 28., 30. und 3. Sechs Perfonen fuchen einen Autor. 29., 1., 2. und 4. Die Wolluft der Anständigkeit. Die Komödie: Der sprechende Affe. Leffing- Theater: Cesar Borgia. Theater in der Königgräge: Straße: Franzista. Deutsches Opernhaus: 26. un 4. Der Rigeunerbaron. 27. Zar und Zimmermann. 28. Bohème. 29. Tristan und 3folde. 30. Die Fledermaus. 1. Margarethe. 2. Aiba. 3. Die Zauberflöle. Großes Schauspielhaus: An alle.! Theater des Bestens: 26. und 29. Carmen. 27. Mignon. 28., 30. und 3. Fatme. 1. Samson und Dalila. 2. Fidelio. 4. Rigoletto. Alter. Die Tribüne: Bis 30. Ueberfahrt. Ab 1. Die beiden Herren der gnädigen Frau. Deutsches Künstler- Theater: Die Bar auf Montmartre. 26 1. Monsieur Troulala. Komödienhaus: Das filberne Raninchen. Ber lince Theater: Anneliese von Dessau. Neues Theater am 300: Baby. Trianon- Theater: Yoshiwara. Resibenz- Theater: Nacht der Barmherzigfcit. Rentral- Theater: Die verfunkene Glode. Ab 1. Moral. Theater in der Kommandantenstraße: Uschi. Romische Opet: Das hat die Welt noch nicht gefehn! Luftspielhaus: Der wahre Jakob. Metropol Theater: Operettenhaus: Der blonde Traum. Ab. 1. Die Bar auf Montmartre. Thalia- Theater: Der blonde Engel. Theater am Kurfürstendamm: Bis 30. Phi- Phi. Ab 1. Der Bater. Kleines Theater: Die Großfürstin und der Bimmerfellner. Wallner- Theater: Romep und Sulia. Walhalla- Theater: Ensemble- Gastspiel des Metropol- Theaters: Gräfin Mariza. Nose- Theater: 26. bis 4. Drei Paar Schuhe. Rafino Theater: Der Oberschieber. Ab 1. Mädels vom Rurfürstendamm. Intimes Theater: Gastspiel des Herrnfeld- Theaters: Nur eine Nacht. Schloßpark- Theater Steglig: Der Soldat der Marie. 1. bis 3. Die goldene Eva. ApolloTheater: Die Nächte von Paris. Opernhaus: 26. Walfire. 27. Butterfin. 28. Cavalleria. Bajazzi. 29. Tristan. 30. Intermezzo. 1. Tosca. 2. RosenLavalier. 3. Meistersinger. 4. Fledermaus. Schauspielhaus: 26., 29. und 3. Bring Fr. von Homburg. 27., 1. und 4. John Gabriel Borkmann. 28. Wallen. fteins Lager. Die Piccolomini. 30. Wallensteins Tod. 2. Peer Gynt. Kroll- Oper: 26. Margarete. 27. Fliegende Holländer. 28. Madame Butterfin. 29. Rauberflöte. 30. Freischüß. 1. Fledermaus. 2. Troubadour. 3. Baltire. 4. Verkaufte Braut. Schiller- Theater: 26. Das Konzert. 27. und 3. Char Tausend füße Beinchen. Die Arbeiter und Angestellten der Hochbahn haben bei jeder Verhandlung nachgewiesen, daß die Berliner Hochbahn das bestflorierende Bertehrsunternehmen ist. Die behördlichen Schlichtungsinstanzen hatten aber stets ein williges Ohr für die notleidende" Hochbahngesellschaft. Die unmöglichsten Schiedssprüche trieben die Arbeiter alljährlich in den Streif. Wenn die Hochbahngesellschaft im Geschäftsbericht einen Ausfall an Einnahmen durch Streit von 700000 m. betlagt, so war in erster Linie ihr scharfmacherisches Verhalten und das Verhalten der Schlichtungsbehörden daran schuld. Troß Krieg und Inflation teine Zusammenlegung der Aktien, aber Erhöhung des Kapitals von 60 auf 113 Millionen, Herabdrudung der Vortriegsschulden von 80 auf 9 Millionen, Erhaltung und Erneuerung sämtlicher Berte im Gesamtbetrage von 165 Millionen, Ausschüttung von 5 Broz. Dividende, Abschreibungen in Höhe von 4 Millionen und Tens Tante. 28. Torquato Sasso. 29., 1. und 4. Napoleon. 30. Alt- Berliner Entschädigung der vielbeschäftigten Aufsichtsratsmitglieder mit 125 000 Mart Tantieme. Jedes Mitglied des Aufsichtsrats( 11 an der Zahl erhält rund 11 000 Mart. Für diese Summe muß der Handwerfer im Spigenlohn 17% Jahre, der ungelernte Arbeiter aber 27% Jahre bei der Hochbahn arbeiten. Für die Arbeiter hatte man Erhöhung der Arbeitszeit, Herablegung Boffenabend. 2. Minna von Barnhelm. 1 Rachmittagsvorstellungen. Bollsbühne: 26. Schneider Wibbel. 3. Gatuntala. Deutsches Theater: Mt- Seidelberg. Die Rombbie: 3. Die Büchse der Pandora. Deutsches Opernhaus: 26. Figaros Sochzeit. 3. Bar und Rimmermann. Rentral- Theater: 26. und 3. Der G'miffenswurm. Nose- Theater: 26. und 3. Der eingebildete Rrante. Kroll- Oper: 26. und 8. Alt- Berliner Bossenabend. Schiller- Theater: 26. Faust L Berliner ElektrikerGenossenschaft angesdil. dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 ˚ Gelegenheit Ottomane- Seide, Rips- KostümStoffe, Gabardine, Wollschotten Futterseiden u. Halbseiden bedeutend unter Preis. Herstellung elektr. Licht-, Kraft- Haarpuder, Goltzstr. 2 und Signalanlagen Verkauf aller " elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Oefen Eiserne Oefen Kacheloefen Kochherde ( Grunewaldstraße) Berliner Töpferhütte G. m. b. H. angeschlossen dem Verband sozialer Baubetriebe Berlin SO. 26, Waldemarstraße 14 Fernsprecher: Amt Moritzplatz 9314 Ausführung sämtlicher TöpferR.Zechlin arbeiten. Neue Oefen u. 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Die willkürliche und verantwortungslose Geschäftsführung vieler Funktionäre, die liederliche Wirtschaft mit den Gewerkschaftsgeldern, die einen epidemischen Charakter angenommen hat, hat gleichfalls ihre besonderen Ursachen." Noch schärfer werden dieselben Erscheinungen in den fürzlich vom Alrussischen Zentralrat der Gewerkschaften herausgegebenen Büchlein Fragen der Massenarbeit der Gemertschaften in den Betrieben" charakterisiert. Hier wird ganz cffen darauf hingewiesen, daß bei den fommunistischen Gewerschafts funktionären häufig die Angst herrscht, von den Arbeitern fritifiert zu werden. In folchen Fällen werde in der Regel gar nicht versucht, die Fehler der Kritiker zu widerlegen( daß die Kritiker recht haben fönnten, hält der kommunistische Verfasser anscheinend für ausgeschlossen). Wir fuchen feineswegs geduldig und torreft den Kern der Frage zu erläutern, sondern beschimpfen einfach die Kritiker als Egoisten, Tagediebe oder gar Konferrevolutionäre. ( S. 39.) In ähnlicher Weise charakterisiert der Vorsitzende des russischen Eisenbahnerverbandes, Andrejew, der gleichzeitig auch Sekretär bes Kommunistischen Zentralfomitees ist, in seinem Bericht auf der Anfang April stattgefundenen Vorstandssigung des Verbandes die Verhältnisse in den Gewerkschaften: Sehr häufig denten unsere Gewerkschaftsfunktionäre bei der Durchführung unserer Anträge in den Generalversammlungen gar nicht daran, daß diese Anträge erläutert und von der Masse wirt. lich begriffen werden müssen; sie lassen sich vielmehr von dem Wunsch leiten, ihren Antrag, foste es, was es wolle, durchzudrücken und fürchten hierbei jede lebendige Diskussion. Angesichts dieser Berhältnisse bedeutet die einstimmige Annahme dieser Anträge oder der vorg schlagenen Listen bei den Wahlen häufig nur eine einfache Formalität, feineswegs aber eine Anteilnahme der breiten Maffe." ( Trud", vom 5. April.) Ein Kommentar zu diesen Darstellungen von kompetenter fommunistischer Seite ist wohl überflüssig. Delegiertenkonferenz der englischen Bergbauarbeiter. London, 25. April.( TU.) Auf der gestrigen Zusammenkunft der Exekutive der Bergarbettervereinigung wurde der Beschluß gefaßt, eine Delegiertentonferenz am 20. Mai einzuberufen, um die gesamte Lohnfrage in der englischen Rohlenindustrie erneut zu erörtern. Gleichzeitig wurde beschlossen, eine allgemeine Gewertschaftskonferenz einzuberufen, um die Frage neuer Bündnis. perträge zwischen den großen Arbeitnehmerorganisationen zu erörtern. Die besonderen Schwierigkeiten der Bergarbeiter ergeben fich daraus, daß 400 Bechen in den letzten Jahren stillgelegt worden find, so daß 142 000 Bergarbeiter arbeitslos geworden sind, während weitere 300 000 Bergleute Kurzarbeit leisten. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Cytorn: Feuilleton: Dr. John Schitowsti; Botales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. 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