Nr. 19842. Jahrg. Ausgabe A nr. 103 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Bfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntagsbeilage Boll und Reit" mit„ Gied. Tung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Gozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille. zeile 70 Bferig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Porte). jedes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Bfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für Sie nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292–295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Auf der Reichs- Reklame: Meffe: Wilhelm 5744 Dienstag, den 28. April 1925] Parteigenosinnen, Parteigenossen! Am 26. April wurde der monarchistische General| Arbeiter müssen unter den sozialdemokratischen Fahnen die Reihen von Hindenburg zum Präsidenten der deutschen Republik ge- schließen. wählt. Hindenburg war der Kandidat aller schwarzweißroten Reaktionäre, die aus dem furchtbaren Zusammenbruch des faiserlichen Systems nichts gelernt haben. Die Welt wird in dieser Wahl das Wiedererwachen des militaristischen Geistes in Deutschland fehen. Ungünstige Folgen, die daraus entstehen können, wird das deutsche Volk wieder in seiner Gesamtheit zu tragen haben. Wir aber sagen euch heute schon, daß wir zum Schuhe der deutschen Republik auf der Wacht sein werden. Wir werden alle Versuche der Vorbereitung einer monarchistischen Reaffion ebenso offen und eindringlich bekämpfen, wie wir die Pläne jeder sich etwa aus der junkerlichen und monarchistischen Umgebung Hindenburgs bildenden Nebenregierung durch. freuzen werden. Unser deutsches Vaterland fann nach dem Zufammenbruch des Kaiserreiches im Rahmen der europäischen Bölkerfamilie nur als Republik leben. Genoffinnen und Genossen! Die monarchistischen Junker und Bourgeois hätten ihren Hindenburg aber am 26. April 1925 allein nicht durchbringen können. Ihr Kandidat hat nicht die Hälfte der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt. Wenn Hindenburg gewählt wurde, so ist daran allein die kommunistische Partei Deutschlands schuld, die auch in diesem Falle der Reaktion zu einem Erfolge verholfen hat. Hindenburg ist der Präsident von Gnaden Moskaus. Hierüber muß im deutschen Bolte Aufklärung verbreitet werden. Als Helferin Hindenburgs muß die Kommuniẞlische Partei alleroris vor den arbeilenden Massen gekennzeichnet werden. Dieser neueste Verrat der Lebensintereffen der Arbeiterklasse muß zu einer gründlichen Ab. rechnung mit dem Kommunismus führen. Alle flaffenbewußten Genoffinnen und Genoffen! Die deutsche Arbeiterklasse geht schweren Zeiten entgegen. Ihr droht: das neue Hindenburg- Programm: Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Divektion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Fernsprecher: Auf der Reichs- Reklame- Messe: Wilhelm 5744 Mut zur Ehrlichkeit! Hindenburgs Sieg die moralische Niederlage der Kommunisten. Es gibt zwei Lager in Deutschland, in denen man heute den Sieg bei der Präsidentenwahl registrieren fann: das Lager der Reaktion und das Lager der Kommunisten. Siegen heißt, das gesteckte Ziel erreichen. Die Reaktion hat ihr WahlErhöhung der indirekten Steuern bei Erziel erreicht, und die KPD. auch. Die Reaktion wollte haltung der unsozialen Gestaltung der die Ar- Hindenburg zum Reichspräsidenten wählen. Er ist gewählt. beiter, Angestellten und Beamten so schwer Die Kommunisten wollten die Wahl des Kandidaten des Boltsdrückenden Cohnsteuer, blocks verhindern. Sie haben ihr Ziel erreicht. Also sind auch sie Sieger. Wiedereinführung der den Haushalt des einfachen Mannes schwer belastenden Brofgetreidezölle zugunsten der Agrarier, Berweigerung der gesetzlichen Festlegung des Achtstundentages. Daneben werden die enteigneten Sparer und Rentner im Interesse des Kapitalismus und der Großlandwirtschaft durch Berhinderung einer sozialen Lösung der Aufwerfungsfrage um ihre Ansprüche betrogen werden. Diese Zeit, in der so schwere neue Lasten drohen und in der der soziale Gedanke in Gesetzgebung und Verwaltung immer mehr verloren geht, ist für die werbenden Gedanken des Sozialismus außerordentlich günstig. Es gilt diese Zeit zu nühen. In unferen Reihen müssen die Millionen Anschluß finden, die ihrer Klaffenlage nach zu uns gehören. Dabei ist den Schichten besondere Aufmerksamkeit zu widmen, die durch den krieg und die kriegsfolgen proletarisiert wurden. Je stärker wir werden, desto mehr wird es uns gelingen, der demokratischen Republif einen fozialen Inhalt zu geben. Wir, die aufrichtigen Republikaner, sind unterlegen. Wir flar vor uns. Wir werden weiter arbeiten für die Republik. haben unsere Pflicht getan. Die Aufgaben der Zukunft liegen Die Episode der Präsidentschaft Hindenburg wird vorübergehen. Wir, heute die Unterlegenen, werden die letzten Sieger sein. Darum ist in unserem Lager die Sicherheit und die Zuversicht. In den Lagern der Sieger aber ist die Unsicherheit und Verlegenheit. Im Lager der Reaktion: Hindenburg ist Präsident. Aber die Mehrheit des Volkes steht nicht hinter ihm. Die Reaktion hat ein Symbol erkämpft. Aber das Kräfteverhältnis im Bolke ist gegen sie. Im Lager der Kommunisten: das Ziel ist erreicht. Der Kandidat des Bolfsblods ist unterlegen. Aber dieser kommunistische Sieg ist zugleich die schwerste moralische Niederlage, die die Kommunistische Partei bisher erlitten hat. Dank der Taftik der Kommunistischen Partei ist Hindenburg gewählt. Er steht auf Thälmanns Schultern. HindenIn diesem Sinne, Genoffinnen und Genoffen, an die Arbeit für burg hat 900 000 Stimmen mehr als Mary. Auf Thälmann unsere großen Ziele! fielen rund zwei Millionen Stimmen. Jede dieser Stimmen hat dazu beigetragen, daß Marg nicht gewählt wurde. Das ist die eine Seite der Bilanz. Die andere Seite: hat diese unter politischem Gesichtspunkt wahnwißige Taktik Es lebe der Sozialismus, es lebe die Republik! Berlin, den 27. April 1925. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. der Kommunistischen Partei einen Partei einen agitatorischen Der Volksblock an Marx. Der Volksblock hat gestern nachmittag folgendes Telegramm an den Präsidentschaftskandidaten, Reichskanzler a. D. Marg in Sigmaringen gerichtet: Reichstanzler Marg, Sigmaringen. Notwendigkeit eines Rücktritts gefolgert werden; aber auch diesem Rüdtritt tommt in einem parlamentarisch regierten Staat, wie es Deutschland heute ist, nur formelle Bedeutung zu, da der Reichspräsident die Minister lediglich auf Vorschlag des Reichskanzlers ernennt und dieser wiederum Vorschläge nach Rücksprache mit den Parteien macht. Der Boltsblod dankt in Treue seinem Führer für die große, Die Einstellung Hindenburgs und vor allem die Absichien der Drahtzieher seiner Kandidatur dürften sich vorerst aus der aufopfernde, vaterländische Arbeit. Wir haben eine Schlacht verLoren, aber der Kampf sei nicht vergebens. Gerade Ihre Ernennung des Staatssetretärs im Reichspräsidium ergeben. Persönlichkeit hat in diesem Kampf den Endsieg unserer Vorläufig heißt es, daß Hindenburg ein Barlamentarier als demokratischen und republikanischen Sache gewährleistet. In dieser Berater beigegeben werden soll, der Fraktionsmitglied der Deut. leberzeugung entbieten wir heute herzlichen Gruß und Handschlag.chen Bolts partei ist. Ein derartiges Versprechen soll der Boltspartei vor der endgültigen Nominierung Hindenburgs gegeben Der Ausschuß. worden sein. Es heißt, daß u. a. auch der politisch äußerst weit rechtsstehende ehemalige Reichsjustizminister und überzeugte Monarchist Dr. Heinze für das Amt des Staatssekretärs in Frage fommt. Ferner wird der frühere Reiche wirtschaftsminister Dr. Scholz als Staatssekretär Hindenburgs genannt. Dittmann. Ertelenz. Fischer. Spieder. Stephan. Bodel. Nach der Wahl. Preußen. Amtsantrift Reichsregierung Der neue Reichspräsident wird voraussichtlich am 8. Mai nach Berlin übersiedeln und am folgenden Tage durch den Reichstagspräsidenten Genossen 2öbe vor versammeltem Neichstag vereidigt werden. Ein früherer Termin kommt taum in Frage, weil der Reichswahlleiter mindestens noch 6 bis 7 Lage zur endgültigen amtlichen Feststellung der Wahlergebnije traucht. Erst wenn diese amtliche Feststellung getroffen ist, fann Hindenburg das höchste Amt der Deutschen Republit antreten. In zwischen hat sich der Reichswahlleiter schriftlich an ihn gewandt und ihm die Frage vorgelegt, ob er bereit ist, das Amt anzunehmen. Es handelt sich hier selbstverständlich nur um eine Formsache. Die preußischen Regierungsverhältnisse dürften durch die Bahl Hindenburgs fa um beieinflußt werden. Zweifellos werden die Rechtsparteien jetzt versuchen, den Volksblock zu sprengen und das Sentrum zu sich herüberzuziehen. Aber es hat den Anschein, daß diese Verfuche vergebens sein werden, da die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags in ihrer Mehrheit die feste Ab ficht hat, den Block der republikanischen Parteien auf absehbare Zeit auch weiterhin aufrechtzuerhalten. Es ist unter diesen Umständen nicht ausgeschlossen, daß die Debatte über die am Dienstagnachmittag zu erwartende Regierungserklärung des erwartende Regierungserklärung des Preußischen Ministerpräsidenten mit einer Ueberraschung endet. Erfolg verschafft? Der Anteil der kommunistischen Stimmen an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen ist' auch am 26. April weiter zurückgegangen. Nicht in demselben Tempo wie vom 7. Dezember zum 26. April, aber dennoch zurückgegangen. Der Verfall er Kommunistischen Partei geht unaufhaltsam weiter. Das Endergebnis der Bilanz ist: die Kommunistische Partei hat Hindenburg zum Siege verholfen. Sie hat durch ihre Wahltaktit sich selbst nicht genützt. Wir nehmen an, daß sie kommunistischen Wähler- und es sind zum großen Teil Arbeiter nicht bewußt den Sieg von Hindenburg herbeiführen wollten. Wir nehmen nicht an, daß sie sich in der Rolle des unbeteiligten Dritten fühlen, der mit Schadenfreude den Sieg Hinde: burgs über den KandiDaten des Volksblocks sieht. Wir nehmen an, daß sie heute alle empfinden: zwar hat die Taktik der kommunistischen Zentrale das gesteckte Ziel erreicht, die Wahl von Marr zu verhindern, aber der Sieg Hindenburgs ist zugleich der Sieg der Reaktion über alle Arbeiter. Bor jedem Thälmann- Wähler steht deshalb heute die Frage: warum hast du Thälmann deine Stimme gegeben und damit Hindenburg gewählt? Warum hast du diesen Streich gegen die Republik, gegen die Arbeiterschaft, gegen dich sellbst geführt? Diese Frage stellen nicht nur die sozialdemokratischen. Arbeiter an die kommunistischen Arbeiter. Sie ist eine Gewissensfrage für jeden Kommunisten. Sie läßt sich nicht zurückdrängen. Jeder Thälmann- Wähler, er mag wollen oder nicht, muß vor sich seibst die Frage beantworten: warum und wozu hast du das getan? Ja, warum! Was sind die Motive der ThälmannWähler? Ihre Haltung erklärt sich zunächst aus einer Beschränktheit des politischen Gesichtsfelds. Sie sehen nur sich und ihre eigene Partei. Sie sehen nicht das wahre KräfteDas Abstimmungsergebnis vom 26. April für sämtliche verhältnis in Deutschland, und erkennen darum nicht den 9,3 Millionen Stimen für Marg, 9,2 Millionen Stimmen für Hindenburg, 1,2 Millionen Stimmen für Thälmann Der Empfang Hindenburgs in Berlin wird durch die Behörden, pre inßischen Wahlkreise beträgt: insbesondere den stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. Simons, den Reichskanzler und die Reichsminifter erfolgen. Aus diesem Anlaß sollen die Behörden angewiesen werden, die Reichsfahnen zu hissen, so daß der schwarzweißrote Reichspräsident unter schwarzrotgoldenen Fahnen seinen Einzug halten wird. Die Reichswehr wird natürlich ebenfalls aufgeboten, und zwar ist geplant, aus jeder Garnisonstadt ein Kommando nach Berlin zu beordern. Insbesondere die Stahlhelmparteien beabsichtigen, Hindenburg einen großen Empfang zu bereiten und vom Bahnhof bis zum Palais des Reichspräsidenten Spalier zu bilden. Für den Abend des Einzugstages ist ein Fackelzug vorgesehen. Die Wahl Hindenburgs wird auf die Zusammensetzung. der Reichsregierung faum Rüdwirkungen ausüben. Das Kabinett hat sich zwar noch nicht endgültig entschieden, ob es formell demissionieren joll; aber es scheint jezt, daß Neigung hierzu nicht besteht. In der Verfassung ist ein Rücktritt der Regierung im Falle der Wahl eines neuen Reichspräsidenten nicht ausdrücklich norgesehen. Dagegen heißt es, daß der Reichspräsident die Reichsminifter ufm. zu ernennen hat. Aus dieser Formulierung fönnte bie Der Rechten ist es also nicht gelungen, die Weimarer Koalition zu zerschlagen. Berücksichtigt man, daß es sich am Sonntag weniger um eine politische, als um eine Gefühlswahl gehandelt hat, dann ergibt sich, daß eine Landtagsauflösung in Preußert zu einem Siege der Weimarer Koaliton führen muß. Mittwoch Beratung des Kontrollberichts. Teilweise Veröffentlichung bevorstehend. richtigen Weg, auf dem sie auf dies Kräfteverhältnis einwirken fönnen. Ihre politische Betätigung ist deshalb nicht Handlung, sondern leere Demonstration. Indem sie sich aber der Handlung enthalten, stärken sie die Wirkung der Handlung ihrer natürlichen Gegner. Bundesgenossen suchen gegen die Reaktion, einrücken in die republikanische Front, die Stimme für Mare abgeben das wäre Handlung geweien, die aus der klaren Erkenntnis der Lage und Kräfteverteilung hervorgegangen wäre. Die Stimme für Thälmann war eine leere Demonstration, sie wurde zur Handlung für Hindenburg. Diese Beschränktheit des politischen Gesichtsfelds entspringt der allgemeinen Taktik der Kommunistischen Partei. Einer Taktik, die einen unmoralischen Kern hat. Man rerläßt sich darauf, daß die sozialdemokratischen Arbeiter die notdes Kampfbodens der Arbeiterschaft, in zäher Ausdauer und Hingebung leisten werden. Man verläßt sich auf ihre Arbeit, um sie dann um so energischer zu beschimpfen und ihre Partei um so heftiger anzugreifen, je mehr sie Erfolg hat. Man fühlt sich in der Position des grundfahreinen, alles und echt Paris, 27. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Botschafter- wendige Gegenwartsarbeit zur Verteidigung der Republik, fonferenz wird am Mittwoch vormittag mit der Prüfung der von Marschall Foch im Namen des Versailler Militärkomitees vorberei teten Antwortnote beginnen. Diese enthält eine ausführliche Analyse des Berichtes der Militärkontrollkommiffion, der zum Teil wörtlich zitiert wird. tlassenbewußten Arbeiters, der sich mit den aufreibenden Notwendigkeiten des täglichen Kampfes gegen die Republik nicht abgibt. Man wählt Thälmann in der Hoffnung, daß genug von den anderen Mary wählen werden, so daß man sich das Bergnügen leisten fann, sich als flaffenbewußter und reiner zu fühlen als die Arbeiter, die um der Republik und der Notwendigkeiten des Kampfes gegen die Reaktion willen Marr ihre Stimme gegeben haben. In dieser Haltung ist weder Mut, noch Verantwortungsgefühl, noch Solidarität, noch Ehrlichkeit. Nicht einmal Ehrlichkeit vor sich selbst. Es ist die im Grunde tief unmoralische ., Entlarvungstaktik" der Kommunistischen Partei. Eine dummschlaue Spekulation auf das Verantwortungsgefühl der anderen. Diese dummschlaue Spekulation aber hat diesmal ein Loch gehabt. Die verantwortungslosen tommunistischen Hasardeure haben sich verschätzt. Ihre Stimmen haben den Ausschlag für den Sieg der Reaktion gegeben. Statt sich nun als die allein echten flassenbewußten Vertreter der Arbeiterschaft aufspielen zu können, stehen sie vor den Augen der gesamten Arbeiterschaft, vor den Augen des gesamten republikanischen Deutschlands als die gewissenlosen Helfers helfer der Reaktion. Und die Reaktion jubelt über die Gewissenlosigkeit der Kommunisten, die ihr zum Sieg verholfen hat. Die kommunistischen Arbeiter waren ernst und eindring lich gewarnt. Sie fonnten über die Größe ihrer Berantwortung nicht im Zweifel sein. Nun sind die Folgen da, und nun rufen fie nach der Hilfe der großen Organisationen der verantwortungsbewußten sozialdemokratischen Arbeiterschaft. Im ersten Schrecken über den Zusammenbruch ihrer fläglichen Spekulation schrie die Rote Fahne" nach der Hilfe des ADGB. Er soll helfen, foll wiedergutmachen. Ein flägliches Armutzeugnis! Wir sind sicher, daß die fommunistische Zentrale bald Barolen fabriziert haben wird, in denen sie der Arbeiterschaft weise Ratschläge über die allein richtigen Methoden des Rampfes gegen die Reaktion geben wird. Wohin fie führen, bas haben ihre Anhänger am 26. April erfahren. Es ist selbstverständlich, daß die großen Organisationen ber Zirbeiterschaft nun erst recht den Kampf gegen die Reaktion führen werden. Es ist selbstverständlich, daß sie die Republik verteidigen werden. Es ist aber ebenjo selbstverständlich, daß sie die weisen Ratschläge der gewissenlosen Hasardeure der tommunistischen Zentrale beiseite schieben werden. Es ist ihnen bisher gelungen, trotz des Treibens der fommunistischen Bartei, die Republik zu verteidigen. Es wird ihnen auch jetzt gelingen. Bon den kommunistischen Arbeitern aber fordern sie, daß jie Rechenschaft ablegen Dor Rechenschaft über den Schlag, den sie gegen die Arbeiterschaft, gegen die Republik geführt haben. Sie fordern von ihnen, baß sie sich einreihen in die große Front und in Reih und Blied marschieren. Sie fordern Solidarität, Ehrlichkeit und Mut zur Berantwortung. Den Mut der Verantwortung, der ein für allemal dem Sput der Kommunistischen Partei ein Ende bereitet, der Hindenburg zum Siege verholfen hat. " Morgenrot? Es geht bei gedämpfter Trommelflang. Hindenburg, der Retter", hat gefiegt. Kein Wunder, daß die Preise des Rechtsblods, die die Errettung Deutschlands nun schon seit Jahren fordert, den Sieg als einen Sieg ihrer großen Sa ch e" feiert. Ehrlich gesagt, wir hätten mehr Begeisterung und mehr Siegesjubel im Lager der Rechten nach diesem Sieg erwartet, auf den der Loebell- Block selber nicht gehofft hat. Was macht es schon, wenn eine Hymne der Deutschen Tageszeitung" durch die Ueberschrift Morgen to t" andeuten will, daß eine Art Weltenwende beginne. Zwischen den Zeilen selbst dieser Hymne schaut das Ein geständnis heraus, daß diese Weltenwende vorläufig noch weit April. Bon Jwan Heilbut. Wie ein seltsamer Morgen in meiner Kindheit, dessen ich mich erinnere, geht das Leben vorüber. Damals erwachte ich und war fröhlich. Denn durch die Gardinen schien die Sonne des Frühlings. Ich schloß die Augen und schlummerte noch einmal ein. Als ich die Lider öffnete, mar es dunkel im Zimmer, die Sonne war aus der Welt verschwunden. Da wollte ich überhaupt nicht aus dem Bette, so traurig machte mich das. Nach wenigen Minuten tat ich die Augen unversehens wieder auf und sieh, die Sonne war wieder gekommen. Wie munderbar, dachte ich, und schloß die Augen nicht wieder zu. Ich blidte auf die Gardine. Da sah ich nach furzer Zeit die Sonne verschwinden. Als ich aber darüber traurig geworden war, tam fie wieder. Sie will mich trösten, sagte ich zu mir selber, sie will nicht, daß ich traurig bin. Aber immer wieder verschwand sie und machte das Zimmer düster und machte mich traurig, daß ich mir nicht zu helfen wußte. Aber immer wieder fam sie zurück und • machte mich wieder glückselig und gab mir die Hoffnung, sie würde nun für den ganzen Tag in der Stube bleiben. So lag ich wohl drei Stunden lang in meinem fleinen Bett und sah, wie mich die Sonne täuschte und immer wieder fröhlich machte. Ich mußte nicht, wie es am Ende bleiben sollte. Das Licht und die Dunkelheit famen und gingen. 1 Dann meinte ich endlich, es würde über den langen Tag nicht mehr enden, dies ewige Wechseln. Ich stand auf und fleidete mich an und fümmerte mich nicht mehr darum, was die Sonne tat. Genau so hat sich die Sache im ganzen zugetragen. In meiner Jugend sah ich die Welt und war fröhlich. Die Berge und die Täler und Berge und Täler untereinander, sie Menschen und die Tiere und alle untereinander sah ich verbunden m Liebe. Als ich einmal aus einem schönen Schlummer die Augen öffnete, sah ich plötzlich nichts als Zerrissenheit, Haß und Getrennt heit. Da verging mir die Freude am Leben, ich machte die Augen zu. Aber ich tat sie bald wieder auf und alles war wieder vor mir ein einiges Leben in Liebe. Da hielt ich die Seele wach und merkte mun, daß darin ein ewiger Wechsel war. Wenn die Liebe mit ihrem Glück mich ganz erfüllte, weckte der Haß mich auf. Ich", schrie er mir in das Herz, bin die Wirklichkeit der Welt." Wenn ich ihm hingegeben war und nichts als 3wietracht sah und nichts als Bitteres hörte und sprach rief mir die Liebe in die Seele: Narr, in welcher Täuschung lebst du gefangen. Ich, die Liebe, bin die lebendige Triebfraft der Welt. Ich bin die Wirklichkeit. Siehst du mich nicht überall!" Aber immer wieder rief der Haß mir in's Herz und zeigte mir die einzelnen Wesen, wie sie sich schlugen und bien, von ihm erfüllt. Dann wandte ich mich vom Leben ab und suchte den Ausweg aus solcher Welt. Aber immer ist. Gerade die„ Deutsche Tageszeitung" jetzt auseinander, daß bei dieser Wahl nicht politische Motive ausschlaggebend waren, sondern daß allein die Persönlichkeit Hindenburgs und ihre Wirkung auf bestimmte Kreise der Wählerschaft den Ausschlag gegeben hat. ,, Weil diese Wahl frei von allen parteimäßigen Bindungen erfolgt ist, deshalb haben auch die rechtsstehenden aẞrteien keine Veranlassung, Thriumphgefänge auf sich selber anzustimmen. Es ist ein so tiefgehender Unterschied zwischen der Hindenburgwahl und irgendeiner parlamentarischen, daß es zu ganz falschen Schlüssen bezüglich der inneren Situation führen mußte, wenn man die Stimmziffer Hindenburgs in die Reihe der übrigen Wahl ergebnisse stellen wollte." sie nicht. Lag ihr vielleicht Preußen auf der Zunge? Woran die Deutsche Tageszeitung" gedacht hat, verrät Jedenfalls hält sie es für notwendig, dem Zentrum gut zuzureden, daß es reuig befehrt in den Schoß des Reichsblocks einfehren möge. So ähnlich flingen auch die Stimmen anderer Rechtsblätter. Auch der„ Lokal- Anzeiger", der sonst morgens und abends die Linke vernichtet, bittet um gut Wetter. Die„ Germania" freilich scheint darüber etwas anders zu urteilen, als wie die Rechte es gerne möchte. „ Die Republik hat eine Bataille verloren. Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Wir bitten darum." Dieses Blatat tönnte man heute, nach berühmtem Vorbild, anschlagen lassen. Die Re publikaner sind gestern unterlegen, aber sie haben nicht den mindesten Grund, ihre Sache verloren zu geben. Die Bahlen sprechen eine deutliche Sprache. 14 600 000 für Hindenburg, 13 700 000 für Mary. Das ist ein so geringer Vorsprung, daß die„ Sieger" sich hüten werden, zu jubeln, und die Unterlegenen nicht entmutigt zu sein brauchen. Zumal, wenn man weiß, wer letzten Endes den Ausschlag gegeben, wer den Kampf entschieden hat. Das waren jene unpolitischen Leute, die heute der Name Hindenburg lockte, die morgen aber auch anders können. Und unter denen, die Marg teilen, die aber nicht den Katholiken Marg wählen zu Hause geblieben sind, gibt es noch piele, die die Ziele von wollten. Die Rechte hat, indem sie einen flangvollen Namen mißbrauchte, noch einmal einen Sieg errungen. Es ist ein Pyrrhusfieg." Deutschland sollte gerettet" merden und die Ret tung" Deutschlands nach der Wahl Hindenburgs, worin besteht sie: Der Tag" gibt darauf die Antwort: „ Es ist selbstverständlich, muß aber gerade deshalb heute noch einmal betont werden, daß in der politischen Führung des Reiches durch die Wahl Hindenburgs keine Aenderung eintreten wird. Der fierung der Regierung Cuther. Innen- und außenpolitisch liegen die Sieg Hindenburgs bedeutet nach Vernunftbegriffen eine StabiliRichtlinien der Regierung Luther- Stresemann- Schiele flar vor Birklich, es bleibt alles beim alten? Das war das " Augen. Der Reichspräsident Hindenburg wird, wie hier schon am Scnntag gejagt, die politische Führung seinem verfassungsmäßigen Reichskanzler und dem verfassungsmäßigen Parlament überlassen." Kampfziel der Rechten, die Stabilisierung der Regierung Luther- Stresemann? Sollten wir uns fo in unseren Freunden getäuscht haben? Daß die 3eit" zu demselben Ergebnis kommt, daß auch sie die Beibehaltung des bisherigen außenpolitischen Kurses müde Resi= gnation" nannte ihn Hindenburg für selbstverständrlich hält, das fonnte man erwarten. Daß aber der, Tag" jetzt in dieselbe Kerbe haut, daß der„ Lotalanzeiger" um Berföhnlichkeit bittet, das läßt tief blicken. Dachten fie etwa bei der Ueberschrift ihrer Jubelhymne daran, daß es in dem bei der Ueberschrift ihrer Jubelhymne daran, daß es in dem schönen Soldatenlied heißt: 1 Morgenrot, Morgenrot, 17 leucht est uns zum frühen Tod!? Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages fah von einer Stellungnahme über Kreis und Provinzialwahlen ab, nachdem der Berichterstatter darauf verwiesen hatte, daß es vielleicht nötig werden tönnte, den Wahltag für die Provinziallandtage und Kreistage zu gleich für andere Wahlen festzusetzen. wieder fam die Liebe zurück und fam eben dann, wenn der Haß mich zerstören wollte. Und dann meinte ich, sie wollte immer in mir bleiben und in der Welt. Denn wenn die Liebe in meinem Herzen war, war die Liebe auch in der Welt. Biele Jahre hat mich die Liebe getäuscht und wieder versöhnt, über die Abgründe hat sie Brüden geschlagen, um alles Lebendige dann tam der Haß hat sie ein Band geschlungen, das alles hält mit Meiſeru statt Händen und riß es entzwei. Alles Lebendige fiel auseinander, mitten im Raume stand ich vereinsamt zwischen Vereinsamien, die sich betriegten. Es wird niemals enden, dies ewige Wechseln Darum versuche ich täglich, zu werden wie ich damals als Knabe ich weiß es. war: Ich stand auf und ließ die Sonne tun wie sie wollte. Was gingen mich ihre Launen an? Aber in mir weiß ich gewiß, daß die Frage: ob Haß oder Liebe allem Lebendigen innewohnt als das Herz, das diese Frage rascher bewegt, selber zur Ruhe nicht eher zur Ruhe geht. gegangen ist. Eine Kommission zur Entlarvung von Medien, die im November 1923 in Wien zur Untersuchung offulter Phänomene ein gesetzt wurde und aus hervorragenden Gelehrten besteht, hat jetzt einen Bericht über ihre Ergebnisse veröffentlicht. Es gelang zwei in Fällen, vielgenannte Medien, die ganz überraschende Phänomene gezeigt hatten, zu entlarven. Das eine Medium fonnte bei der Ausführung verschiedener Tricks ertappt werden. Bei dem anderen wurde eine ganz genaue Feststellung dadurch verhindert, daß es sich lehnte es überhaupt ab, sich der Kommiffion zu stellen, und diese den Kontrollmaßnahmen der Kommission entzog. Ein drittes Medium hat daher beschlossen, ihre Tätigkeit aufzugeben. Die älteste Republif in Europa. 3wischen den franzöfifchen dorra, eine demokratische Bauern- und Hirtenrepublik von etwa Departements Ariège und Katalonien liegt das Gemeinwesen An500 Quadratkilometern Ausdehnung, mit rund 18 000 Einwohnern. Dies winzige, in die große französische Republif eingesprengte Staatsgebilde ist so ziemlich das älteste demokratische Gemeinwesen, das man fennt. Es hat bis heute noch den Verwaltungsapparat und die militärische Einrichtung, die ihm im Jahre 808 Ludwig der Fromme gegeben hat, und wird auf Grund der Verfassung regiert, Bauernrepublik, für sie ausarbeitete. die Karl der Große, der Begründer der Unabhängigkeit dieser walt und der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten ist ein LandMit der vollstreckenden Gevogt, der sogenannte Viguier, betraut. Die Gemeindeverfassung der Andorraner ist im übrigen eine friegerische; denn jeder Mann vom 16. bis zum 60. Jahre ist militärpflichtig und gehalten, sich auf eigene Roften zu bewaffnen Troß diesem urwüchsigen Militarismus sind die Andorraner ein friedliches und gastfreies Naturvolt, das tatalonisch und kastilianisch spricht. Das Land steht jetzt po litisch unter dem Schutz von Frankreich. Frankreich erhält für die treibeeinfuhr und eine jährliche Abgabe von 960 Frank. Dieser Tribut wird an den französischen Präfekten des Departements OstPyrenäen abgeführt. Um aber die Kosten der Uebermittlung herLuther an Hindenburg. Reichskanzler Dr. Luther hat an Generalfeldmarschall von Hindenburg folgendes Telegramm gesandt: ,, Als Erwählten für das höchste Amt, das das deutsche Volk zu vergeben hat, Sie zu begrüßen, ist mir als Reichskanzler eine besondere Ehre.( Auch Freude? Red. d.„ B.") Boll Dankbarkeit und Verehrung gedenke ich alles dessen, was Ihre Person und Ihr Name für unser Vaterland in Zeiten höchſter Kraftanstrengung und tiefster Not bedeutet hat. Ich gebe der aufrichtigen Hoffnung Ausdruck, daß unter Ihrer Reichspräsidentschaft das deutsche Volk durch wachsende Einigkeit im Innern erstarken und daß auch sein Wiederaufstieg im Kreise der anderen Völker auf den scheidende Fortschritte“ machen wird. Bahnen friedlicher und gerechter Entwicklung entReichskanzler Dr. Luther." Tariferhöhung der Eisenbahn. Steigerung der Personentarife um 10 Prozent. fonentarife mit Wirkung vom 1. Mai um 10 Prozent erhöhen muß. Die Deutsche Reichsbahngesellschaft teilt mit, daß sie die PerDie Bekanntgabe dieser Tariferhöhung wird von einer Erläuterung begleitet, die zum schärfsten Widerspruch herausfordern muß. Die Erläuterung ist ganz offenbar nur zu dem 3wed geschrieben, um eine materielle Berbesserung der Lebenshaltung des Eisenbahnpersonals möglichst unpopulär zu machen und nach beliebtem Muster die Schuld an der Tariferhöhung allein bahn behauptet, daß nur die Steigerung der Ausgaben für perauf die nimmersatten Arbeiter zu schieben. Die Reichsfönliche Rosten die Veranlassung zur Tariferhöhung gegeben habe und daß bei den heute geltenden Arbeitsbestimmungen" auch gründung liegt viel zu sehr auf der Hand, als daß fie irgendwie feine Abhilfe geschaffen werden könnte. Der Zwed dieser Beindustrieller Interessen. Sie benutzen dort ihre Machternsthaften Eindrud machen könnte. Im Aufsichtsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft figen ausschließlich Bertreter schwer= position, um zu verhindern, daß dem Privatapital in der Privatindustrie durch Lohnbewegungen Schwierigkeiten gemacht werden. Die Tariferhöhung ist nach dem Gesetz an die Zustimmung der Reichsregierung gebunden. Die Regierung wird dem Reichstag jedenfalls andere Unterlagen vorlegen müssen, als fie die Reichsbahn bei ihrer offensichtlich nur von scharfmacherischen Gedankengängen diftierten Mitteilung der Deffentlichkeit unterbreitet hat. Reichsblock- Rowdytum. Zusammenstöße in Stettin. Was die im Reichsblock vereinigten Stahlhelmer und Werwölfe in Berlin fönnen, das können sie draußen im Lande selbstverständlich auch. So wurde am Wahlsonntag in Stettin ein ganz besonders gemeiner Ueberfall von einer Lastkraftwagenfolonne des Reichsblocks, die aus fünf Fahrzeugen bestand und mit 180 mann besezt war, auf einen Personenkraftwagen des Boltsblocks ausgeführt. Nach dem amtlichen Polizeibericht spielte sich dieser Ueberfall so ab, daß beim Ueberholen der Kraftwagenkolonne sperrt wurde, so daß er anhalten mußte. dem Reichsbannermagen von den Reichsblockleuten der Weg verEisenstod über den Kopf, daß er für fünf Minuten beDer Führer des Wagens erhielt einen Schlag mit einem mußtlos wurde. Auf die übrigen Infassen wurde ebenfalls eingeschlagen, zwei wiesen bei der Vernehmung Berlegungen am Kopf und an der Hand auf, ein weiterer hatte starke Beulen auf dem Kopfe. Bei der polizeilichen Untersuchung der Angehörigen des Reichsblods wurden 2 Pistolen, 12 Gummifnüppel, 2 Stahlruten, 6 Totschläger, 1 Nicker, 1 Schlagring und 1 Stod mit 30 Zentimeter langer Eisenspiße festgestellt; bei den Angehörigen des Volksblocks wurden feine Waffen gefunden." So find sich die nationalistischen Rowdys überall gleich. Mit Revolvern und Gummifnüppeln erfechten sie ihre Siege. abzusetzen, geschieht das so, daß alle zwei Jahre je zwei Jahres. taten, jeweils also 1920 Frant, abgeführt werden. Das ist auch in diesen Tagen wieder geschehen. Unter Führung ihres Biguiers" traf die Abordnung der Andorraner mit den Gelde bei dem Präliches Frühstück statt. fetten ein, und zu Ehren der Gesandtschaft fand, wie üblich, ein fest1000 Gewitter in der Minute. In jeder Minute entladen fich kommen 100 Blige, 360 000 Blize auf die Stunde. Diese erstaundurchschnittlich auf der Erde 1000 Gewitter, und auf die Sekunde lichen Zahlen finden sich in einer statistischen Abhandlung von C. P. Brooks, die das Meteorologische Amt des englischen Luftminiman im ganzen Jahr 16 Millionen Gewitter oder 44 000 fteriums veröffentlicht. Nach den Feststellungen von Brooks zählt täglich. In dieser Statistit sind die Berichte von mehr als 3000 Wetterstationen verarbeitet. Auf einzelnen tropischen Stationen sind in den Regenzeiten Gewitter fo häufig, daß die Beobachter sie garnicht alle in ihre Register eintragen fönnen. Die gewitterreichste Land bei der Wahl der Luftwege nach Australien möglichst vermeiden. Gegend der Erde dürfte Java sein, und deshalb wird man dieses Gegenden, in denen Gewitter felten oder nie vorkommen, sind der Nordpolars und der Südpolartreis. Während einer Polar- Expedition, die zwei bis drei Jahre dauert, erlebt man ein oder höchstens zwei Gewitter. Der " Ferdinand Laffalle, der Mensch und Politifer in Selbstzeugniffen. Unter diesem Titel hat Konrad haenisch eine Ausleje aus den Schriften, Briefen und Tagebuchaufzeichnungen Lassalles als Band 43 von Kröners Taschenausgabe( Alfred Kröner Verlag in Leipzig) herausgegeben, aus der wir den Werdegang, das politische Wirken und die menschliche Persönlichkeit des großen Vorfämpfers Herausgeber hat der Sammlung eine verständnisvolle, die Eigenart des modernen Sozialismus sehr lebendig verfolgen können. Don Laffalles schöpferischer Leistung anschaulich würdigende Einleitung vorausgefchickt und läßt in den nachfolgenden Selbstzeugnissen tragischen frühen Tode vor uns erstehen. Dabei sind nicht nur die das Bild Lassalles von seinem fünfzehnten Lebensjahre bis zu seinem wichtigsten politischen Bekenntnisse berücksichtigt, sondern auch die menschlichen Leidenschaften dieses Stürmers und Drängers und sein Berhältnis zu bedeutenden Künstlern wie Richard Wagner, Hans v. Bulow u. a. Das in schönem, flarem Druck und vorzüglicher Ausſtattung erschienene Halbleinenbändchen, das zu dem billigen Preise Don 2 Mart erhältlich ist, bildet eine wertvolle Einführung in Lassalles Lebenswert und zugleich einen schönen Besitz für die Bücherei jedes Sozialisten. Kolbes Ebert- Büffe. Der Stellvertreter des Reichspräsi benten stattete Prof. Kolbe in seinem Atelier einen Besuch ab und besichtigte dort unter anderen Werken dieses Bildhauers die für den Reichstag bestimmte Büfte des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert. Sunfiffandal in Darmstadt. Als Protest gegen die geplante Inter nationale Kunstausstellung des Hess. Künstlerfartells wird in Darmstadt beifischen Staatsanwaltschaft im Falle Dir. eine„ Großdeutsche Kunſtvon einem Zeichenlehrer und dem Prof. Adolf Beher, dem Angeber bei der ausstellung beranſtaltet werden. 10 000 m. wurden diesen beiden Herren von der Stadtverwaltung bewilligt! Die Witwe Emile Zolas ist im Alter von 80 Jahren in Paris ge torben Die Stimme ües Nheinlanös. Köln, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Der Ausfall der Reichspräsidentenöxchl hat die Gefahren für das befetzte Gebiet wieder stark akut werden lassen. In Köln tonnte schon am Montag früh beobachtet werden, wie von separatistischer Seite die Wahl des Generals chindenburg benutzt wurde, um erneut Wühl- arbeit gegen die Deutsche Republik zu leisten. Im Stadtinnern kam es an mehreren Stellen zu stärkeren Menschenansammlungen, wobei separatistische Sendboten beobachtet wurden, die offen- bar nach einem bestimmten Plan für eine neue separatistische Bewe- gung im Rheinland Propaganda trieben. Es ist zu befürchten, daß unter dem frischen Eindruck des Wahlausfalls diese Propaganda ver- hüngnisvolle Wirkungen hat. Das führende rheinische Zentrumsblatt, die„Konische Bolkszeitung", betont am Montagabend zu dem Ausfall der Reichs- Präsidentenwahl, daß man im Zentrum ein scharfes Auge auf alle diejenigen haben werde, von denen man wisse, daß sie in der Präsidentschaft chindenburg etwas anderes sehen als die Sach- wallerin der Republik. Man werde sich von diesen politischen Hintermännern nicht übertölpeln lassen und jede politische Bewe- gung mit Aufmerksamkeit verfolgen. Man werde dieser Bewegung dann in den Arm fallen, wenn sie das eben erst gebildete und in der Weimarer Verfassung geeinte Reich etwa abwegig« Straßen führen wolle._ öarmat... Tie Ausschuharbeit beginnt wieder. Der preußische Untersuchungsausschuß nahm am Montag seine Arbeiten wieder auf. Die geplante Vernehmung des Reichsaußen- Ministers Dr. Stresemann mußte wegen Erkrankung des Zeugen verschoben werden. Freiherr v. R e i b n i tz, Direktor und späteres Ausichtsratsmitolied der Merkurbank, bekundet, daß ihm Dr. Stresemann lediglich eine Empfehlung für den deutschen Bot- schafter in London mitgegeben habe. Nicht wegen Kreditgewinnung, sondern zur Durchführung wissenschaftlicher Studien habe er sich seinerzeit nach England begeben. Mehrere Zeugen werden dann vernommen über eine Unter- redung, die Julius B a r m a t im Jahre 1920 in Begleitung des Reichskanzlers a. D. Bauer mit dem damaligen Reichsernährungs- ministers Dr. Hermes hatte. Im sächsischen Wirtschaftsministc- rium war seinerzeit der stellvertretende Borsitzende der Reichsfettstelle v. Lossow erschienen und warnte vor weiterer Geschäftsverbin- dung mit Barmat. Der sächsische Wirtschaftsminister Schwarz verlangte daraufhin von der Reichsfettstellc Belastungsmaterial. Die Antwort der Reichsfettstelle war, daß Herr o. Lossow nicht im Aus- trage der Reichssettstelle, sondern als Privatperson gehandelt habe. Eine zufriedenstellende Antwort hat Schwarz, wie er vor dem Ausschuß bekundet, nie erhalten. In einer persönlichen Unterredung mit dem Reichsernährungsminister Hermes, die in Gegenwart des Reichskanzlers a. D. Bauer stattfand, wurde Schwarz auf eine Aus- kunft des Auswärtigen Amtes verwiesen. Dort wurde ihm jedoch erklärt, daß gegen Barmat keine positiven Anschuldi- g u n g e n vorlägen. Minister a. D. Hermes erklärt, daß Reichs- kanzler a. D. Bauer bei den verschiedenen Besprechungen mit ihm niemals versucht habe, auf ihn einen Druck.zugunsten Barmats auszuüben. Auf eine Frage des Abg. M a r k w a l d(Soz.) über die Erfahrung des sächsischen Wirtschaftsministeriums mit Barmat erklärt Schwarz, daß die Geschäste von Barmat in der ein- wandfreie st en Weise abgewickell worden seien. Weiter be< kündet er, Barmat für wohltätige Zwecke interessiert zu haben. Dieser habe für ein Tuberkulosekinderhoim der Amtshauptmannschast Pirna bedingungslos 2S0 0V0 Mark zur Verfügung gestellt. Ihm sei nicht eine elegante Wohnung in diesem Heim zur Verfügung gestellt worden, sondern nur ein Zimmer zur Be- sicht'gung und Beobachtung des Betriebes. Es kommt dann ein Bericht des deutschen Generalkons u- lats in Amsterdam über Barmat zur Erörterung. Darin wird behauptet, daß Barmat von einer Auskunftei als.Schieber schlimm st erSorte' bezeichnet worden sei. Reichskanzler a. D. Bauer stellt als Zeuge fest, daß Staatssekretär Boy« diesen Bericht nicht als Hindernis für Geschäftsabschlüsse bezeichnet habe. Direktor P r i t s ch a w erklärt, im Sommer 1919 sei die Lage so schlimm ge- wesen, daß man froh war. als Barmat als erster den Mut hatte, mit dem Reich Geschäste gegen Akzepte zu machen und dem Reich tatsächlich Kredit zu geben. Abg. Robert Schmidt(Soz.) weist darauf hin, daß der deutsche Handel damals angesichts der politischen Unruhen, deren eigentliche Ursache die Ernährungsschwie- rigkeiten waren, keinen Kredit im Auslande bekam. Er habe als Reichswirtschastsminister verlangt, daß Barmat wegen seiner poli- tischen Stellung kein Geschäft abgelehnt werden dürfe, sondern daß er ebenso behandelt werden müsse wie jeder andere. verhaftet, erschossen, verhaftet... Bulgarischer Tagesbericht. Sofia. 27. April.(MTB.) In Gabrowo wurde ein Kommu- nlstcnnest entdeckt, in dem sich sünf Berschwörer versteckt hatten. Bei der Aushebung durch die Polizei wurden drei Berschwörer getötet, da sie sich widersetzten.— Der Kriminalpolizei ist er gelungen, verschiedene Mitglieder der ehemaligen agrarkommu- nistilchen Vcrschwörerorganisation, darunter den I u st i z m i n i st e r der Regierung Stambuliski, Dr. Zarwulonoff, zu ver- haften. Die bulgarische Gesandtschast in Berlin dementiert alle Meldun- gen über Iudenversolgungen. Die bulgarische Zensur über Auslandsdepeschen soll aufge- hohen sein �_. Bezeichnend genug für die bulgarischen Zustände ist eine offiziöse Sofia-Meldung wonacki eine Abordnung der Bauernpartei dem Ministerpräsidenten Zankoff versichert hat, daß sie mit Gewalttaten nichts zu tun habe, sie verurteile und um die Erlaubnis bat, eine Kundgebung in diesem Sinn oeröffentlichen zu dürfen!... Die bulgarische Regierung hat letzthin bestritten, daß bulgarische Minister Parlamentsreden gegen die südslawische Regie- rung gehalten haben. Jetzt hat der bulgarische Gesandte dem südslawischen Außenminister Dr. N i n t s ch i t s ch das B c d a u er n über die Erklärungen des bulgarischen Außenministers Kalzoff und des Innenministers Russoff ausgesprochen. Alussolini will üeuscbe Hlätter kaufen. Wie wir hören, hat das Presseamt des italieniischen Außenministeriums die diplomaOsche Bertretung in Berlin angewiesen. vorsichtig zu sondieren, ob nicht ein großes Berliner Blatt zu kaufen wäre, Dcrmsttler für diese Transaktion soll ein Mitglied der faschistischen Organisation in Berlin sein. In Frage sollte, nach italieniischer Ansicht, vor allem die..Deutsche Allgemeine Zeitung"' kommen, die die Stinkiesschen Erben schon seit geraumer Zeit gegen ein lohnendes Angebot abstoßen wollen. Mit der bisherigen Propaganda ihrer Berliner Agenten ist die italieni- sche Regierung in höchstem Grade u-üzufrieden. Parallel mit dem Versuch, die faschistische Propaganda in Berlin zu verstärken, laufen ähnliche Bestrebungen in P a r i?, wo ein gewisser Mazzotti Biancinelli, dessen Reichtum von recht zweideutiger Herkunst ist, sich um den Ankauf von Pariser Zeitungen bemüht hat. Vorderhand hatte er hierbei allerdings keinen Erfolg zu oerzeichnen. 3« Kurdistan arbeiten jetzt noch Niederwerkung des AufstandeS die türklichen Kriegsgerichte mit Massenhinrichtungen. Der gescheiterte INililärpulsch in Lissabon hat zum Rücktritt des Kriegsmlmsters geführt.— Nach englisch-mesopatamischsm Muster wurden wegen Widersetzlichkeit von Eingeborenen zweier portugiesi- schen Inseln an der Guineaküste(Westafrika) mehrere Dörfer mit Flis�erbombeu beworsew Mslanöswirkung öer Wahl. Jubel der Dentschenfeinde. Paris, 27, April.(Eigener Drahtbericht.) Hier erwartet man von der Tatsache der Wahl Hindenburgs eine Besserung und Festi- gung der französisch-englischen und der französisch-amerikanischen Be- Ziehungen. Allerdings glaubt man auch, daß eine Rückwirkung auf die am 3. Mai stattfindenden französischen Gemeindewahlen nicht ausbleiben wird; die Stellung der Regierung würde im Falle eines Rucks nach rechts erheblich erschwert werden. In den französischen Linksparteien gibt man der Befürchtung Ausdruck, daß die A n n ä h e r u n g s p o l i t i k, die in der letzten Zeit immer mehr an Boden gewonnen hat, in Frage gestellt werde. Andererseits stellt man mit Befriedigung fest, daß die Zahl der Stimmen für Marx und Thälmann die Stimmenzahl Hinden- burgs übersteigt nnd daß das Wahlergebnis also von einer ausge- sprachen a n t i m o n a r ch i st i s ch c n Stimmung Deutschlands zeugt. Auch der Umstund, daß Hindenburg sich selbst verleugnen und mit einem republikanisch-pazisistischen Programm austreten mußte, wird hier als ein Beweis für die Stärke der demokratischen Idee in Deutschland gedeutet. Die Wahl, schreibt der linksstehende „P a r i s- S o i r", erscheint als ein Zwischenfall in dem Kampf des demokratischen Deutschland gegen die Reaktion und es kommt ihr daher eine symbolische Bedeutung zu. Dos Blatt hat Vertrauen in das demokratische Deutschland. Die Gefahr werde die Energie der Republikaner und Pazifisten nur stärken. Die„In» f o r m a t i o n" erklärt, die Wahl Hindenburgs werde keineswegs die deutsch-franzöfifche Annäherung und die Wiederherstellung eines normalen Zustandes in Europa fördern. Der Name allein bedeute ein Programm, das der N i ch t e r f ü l l u n g. In dem Eintritt Deutsch- lands in den Völkerbund habe man einen Weg zur Wiederverföh- nung finden wolle», aber die Deutschnationalen seien gegen diese Politik, die Deutschland noch einmal zu einer Anerkennung des gegenwärtigen Status in Europa führen müsse. In den rechtsstehenden Kreisen legt man über den wahlausfall eine große Befriedigung an den Tag. Die rechtsstehende Presse läßt sich die Gelegenheit nicht entgehen, von einem Zusammenbruch der Annäherungspolitik zu sprechen. Der„Temps" bezeichnet die Wahl Hindenburgs als«ine Herausforderung an die Alliierten, überhaupt ganz Europa und Amerika. Die Lage sei nunmehr geklärt. Deutschland habe sich selbst die Maske herunter- gerissen, die manche an die Aufrichtigkeit seiner republikanischen uiO demokratischen Gefühle glauben ließ. Hinter dieser Maske sehe man nunmehr das Antlitz Hindenburgs, das davon zeuge, daß Deutschland sich selbst treu geblieben sei in seinen kriegerischen In- st i n k t e n und seinem Willen zur Macht. Eine offiziöse englische Erklärung. London. 27. April.(Reuter.) Hiesige politische Kreise, die von der Wahl Hindenburgs keineswegs überrascht sind, geben der Ucberzeugung Ausdruck, daß die bisherige Außenpolitik Deutsch- lands durch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl keinerlei Änderung erfahren wird. Sie betonen, daß die Regierung die- selbe ist und daß die deutschen Sicherheitsvorschläge weiterhin„aus dem Tisch liegen". Wenn auch kein Hehl aus der Uebsrzeugung gemacht wird, daß die Aufstellung Hindenburgs im gegenwärtigen Augenblick ein„psychologischer Fehler" sei, dessen Aus- Wirkung auf die französische öffentliche Meinung und einen Teil der englischen öffentlichen Meinung die Bemühungen der britischen Regierung, in der durch die deutschen Vorschläge gegebenen Richtung fortzufahren, nicht gerade erleichtert, so wird doch die Auf- sossung vertreten, daß nach der Absage der britischen Regierung an das Genfer Protokoll ein a n d e r e r Plan als der von der britischen Regierung befürwortete Sicherheitspakt der Westmächte nicht in Betracht kommt. Dem europäischen Frieden werde am besten dadurch gedient, wenn nach dem Abflauen der Erregung eines Teils der öffentlichen Meinung in den alliierten Ländern über die Entscheidung des deutschen Volkes in der bisherigen Richtung fort» gefahren wird. Man vergißt keineswegs, daß der Paktvorschlag schließlich von einer Rechtsregicrung in Deutschland stammte: es scheint kein Grund zu der Annahme zu bestehen, daß Deutschland irgend welche Absicht hat, seine bisherige 5ialtung in einer der bisherigen Fragen zu ändern. Wie weit die Wahl vielleicht künftige Erörte- rungen mit der französischen Regierung in Fragen beeinflußt, die für den Augenblick mehr oder weniger'ruhen, kann nicht vorausge- sehen werden. Aber der Ton gewisser Organe jenseits des Kanals deutet darauf hin, daß eine Tendenz besteht, die die künftigen Be- sprechungen nicht leichter gestalten wird. „Selbstverschuldete Isolierung Deutschlands". London, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Wahl Hinden- burgs trifft die öffentliche Meinung Englands völlig unvor- bereitet, da man in allen Kreisen bis in die letzte Stunde mit einem Sieg von Marx gerechnet hatte. Die Londoner Abendpresse kommentiert am Montag in ausführlichen Artikeln die durch Hinden- burgs Wahl geschaffene Lage. Der liberale„Star" weist auf das Verhängnisvolle dieser Lage hin, das darin besteht, daß die Wahl Hindenburgs dieoerspäteteFruchtdesPoincaris- mus sei und wieder zu Poi.ncarö zurückführen werde. Der Ausgang der Wahl werde zweifellos für Deutschland innen- und außenpolitisch katastrophale Folgen haben. Wörtlich schreibt das Blatt:„Seit durch die große Um- wähzung des Jahres 1918 die alle Welt zerschlagen wurde, sind die Nationen Europas durch die Bande des Selbstinteresses und der Menschlichkeit aneinander gekettet. Wir bedauern, daß die deutschen Wähler ein hölzernes Götzenbild über diese gemeinsamen Interessen gestellt und damit den Frieden und das Wohlergehen für ihr Land vertagt haben." „Evening News" warnt die englischen Landsleute vor einer Panik und erwartet die Erkenntnis von Hindenburg, daß Frieden und Sicherheit nicht nur im Interesse Europas und der Well liegen, sondern auch für Deutschland wünschenswert seien. In allen politischen Kreisen Englands herrscht Be- st ü r z u n g. da man in dem Ausyang der Wahl die Rückkebr zum alten Deutschland der Machtpolitik sieht. Es kann keinem Zwoiscl unterliegen, daß die deutsche Diplomatie schon in der aller- nächsten Zeit die Wirkungen dieses Mißtrauens spüren wird, dos durch Hindenburgs Wahl erzeugt wurde. In den diplomatischen Kreisen Londons wird der Tag, der die Wahl Hindenburgs brachte, als Beginn einer neuen, vom deutschen Volke selbstverschuldeten Zsolierung Deutschlands bezeichnet. In den britischen Regierungskreisen ist man zurück- haltend, jedoch verhehlt Man nicht die Ausfassung, daß man die Niederlage von Marx bedauere. Außerdem befürchtet man von einem Regime Hindenburgs, daß unkontrollierbare Rat- g e b e r des neuen Reichspräsidenten mitspielen. Erste Stimmen aus Nordamerika. ?1ew Jork. 27. April.(MTB.)„New Port Times" meldet aus Washington: Hindenburgs Wahl wurde mit verschiede- nen Gefühlen aufgenommen. Die allgemeine?lnsicht war aber, daß diese Wahl mit einer reaktionären Bewegung oder mit der Aushaltung der wirtschaftlichen Erholung Deutschlands nicht notwendigerweise gleichbedeutend sei. Abg. Fish, Mitglied des Kongrehausschusses für auswärtige Angelegenheiten, erklärte, daß er nicht glaube, die Wahl Hinden- burgs sei von großer Bedeutung. Er hosse und glaube viellnehr, daß sie, was die Haltung der amerikanischen Regierung und der amerikanischen Bankiers betreffe, nicht ein Jota ausmache. Auch bedeute sie nach seiner Ansicht keine Gefahr für die republikanische Regicrungsforni. Der ehemalige Außenminister La n sing erklärte, er habe großes Vertrauen zu dem gesunden Menschenverstände des deutschen Volkes und glaube nicht, daß das Wahlergebnis eine reaktionäre Bewegung bedeute, wenn es anch k o n s e r v a- tioe Anschauungen zum Ausdruck bringe. New Park. 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Wahl Hindenburgs hat hier geradezu B e st ü r z u n g und E n t- t ä u s ch u n g hervorgerufen. Die ganze Presse bringt das Bild Hindenburgs in K r i e g s n n i f o r m mit M a r s ch a l l st a b. Die propagandistische Wirkung dieser Bilder ist aus dem Krieg bekannt. Die Wahl hat Deutschland ein gut Stück der freundlichen Be- urteilung in der letzten Zeit gekostet. „New Pork Herald" schreibt, daß-die Wahl Hindenburgs geradezu die Politik der Nichterfüllung bedeute. Der Stimmungs- Umschwung in Amerika werde in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht großen Schaden für Deutschland anrichten. Deutsch- land habe sein wahres Gesicht gezeigt und die ganze Well zu äußerster Borsicht gemahnt. Die Montagabendblätter signalisieren den völligen Um- s ch w u n g der amerikanischen Stimmung gegen Deutschland. General Allen äußerte: Ganz Amerika bekrachte die Wahl hindenburgs als einen Schlag gegen die deutsche Republik. Die„Chicago Tribüne" kündigt die neue wirtschaftliche und politische Isolierung Deutschlands an. Deutschland habe die M o n a r ch i e gewachlt, deren Platzhalter Hindenburg sei. Besorgnisse der Deutschschweizer. Bern. 27. April.(MTB.) Die„Neue Zürcher Zeitung" be- merkt zur Wahl Hindenburgs: Der erste Eindruck dieser Wahl ist lähmend. Wer im Auslände der Auffassung ist, daß das Ver- trauen in den Bestand der deutschen Republik eine Voraussetzung des europäischen Friedens darstellt, kann die gestrige, von politischer Sentimentalität gekennzeichnete Entscheidung des deutschen Volkes nur als verhängnisvoll betrachten. Die„Basier Nachrichten" schreiben: Wenn der deutsche Wähler aus da» Stichwort Caillaux mit hindenburg antwortet, werde der französische Wähler dann nicht Poincare antworten? Bestürzung in Prag. Prag, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Di« Wahl Hinden» burgs hat in der demokratischen Tschechoslowakei tiefste Bestürzung hervorgerufen. Besonders die Freunde des friedlichen Ausgleichs mit Deutschland, deren Position durch' die Hindenburg- wahl wesentlich geschwächt wird, sind geradezu konsterniert. Di« Ehauvinisten benutzen das Wahlergobnis zu einer Hetze gegen Deutschland, dem Krieg sgelüstc vorgoworsen werden. Ein tschechi- sches Abendblatt läßt sich z. B. aus Berlin melden, daß unter einer anscheinend ruhigen Oberfläche krieoerssch« Stimmung Herr- sche; besonders gegen Polen. Gegenüber dieser unoer- antwortlichen Hetze einiger Blätter, bewahren die amllichen Kreis« ruhiges Blut: ihr« Meinung geht dahin, daß man abwarten müsse, was der neue Reichspräsident sprechen und tun werde. Das tschechische sozialdemokratische„Praoo Lidu"(Volksrecht) erklärt die Wahl iur geeignet, die Seele der ganzen Welt zu er. s ch ü t t e r n. Das politische Antlitz Europas nehnte neue Formen an; die ganze fortschrittliche welk müsse auf der wacht sein. Die"Plätter verweisen auf das traurige Verdienst der Kommu» n i st e n: sie nennen Hindenburgs Wahl eine nur schlecht verhüllte Rückkehr zum Kaisertum. Auch die Prager Börse reagierte auf die Wahl Hindenburgs durch eine Baisse, die aber bei Börsenschluß teilweise wieder ein- geholt war. In den Finanzkreisen herrscht eher eine optimistische Auffassung. So schreibt der Prager„Börsenkurier": Man darf den Einfluß eines Staatspräsidenten nicht überfchätzen. Man darf nicht glauben, daß Hindenburg ab heut« die deutsch« Polttit machen wird. Das Wachlresultat sei politisch für Deutschland sicher- lich negativ, well die Welt aufs neue Mißtrauen gegen Deuifchland fassen und well es geraumer Zeit bedürfen werde, dieses Mißtrauen zu zerstören. Das Blatt warnt ober davor, das Wahl- ergebnis zu überschätzen. deutschösterreich und Sie Wahltorheit. Wien, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Alle Wiener Blätter geben der M i ß st i m m u n g über die Wahl Hindenburgs Aus- druck- Die„A r b e i t e r-Z e i t u n g"(soz.) schreibt: Was immer im Auslande den Haß gegen Deutschland predigt, wird aus dieser Wahl unendliche Nahrung gewinnen. Den Imperialisten in West und Ost, den Todfeinden Deutschlands in. Paris und War- schau, hat der Wahltag einen unschätzbaren Erfolg berettet. Sie werden es nun als erwiesen erklären, daß das kriegerische, krieg- drohende Deutschland von einst wieder lebendig und machtvoll auf- erstanden sei. Sie haben für die Agitation für dauernde Be- s a tz u n g des Rheinlandes, für die Hetze gegen de» Dawes-Plan wertvolle Waffen gewonnen. In Wahrhett ist freilich der Sieg Hindenburgs der Sieg einer«Stimmungsmache, da die politijch Indifferenten diesmal zur Wahlurne gegangen sind, um für den Sieger von Tannenborg ihre Stimme abzugeben und doch hätte dieses Aufgebot von Gssühlsstimmungen für einen hilflosen Greis den Sieg nicht entschieden, wenn nicht die Kommunisten Hindenburg zu Hilfe gekommen wären. Die„Neue Freie Presse"(lib.) schreibt: Die Wahl Hindenburgs ist ein Rückstoß. Allein die Dinge sind stärker als die Menschen. Der Fortschritt wird sich verlangsamen, aber er ist nicht a u f z u- halten. Das„Neue W. Tagblatt"(dem.) schreibt: Daß die deutsch« Wählerschaft die naheliegenden und ernsten Bedenken in den Wind schlug, die gegen den Namen Hindenburg sprechen, ist zu beklagen. Die Brandstifter und Brunnenvergifter in den Entente- ländern werden die Wahl Hindenburgs als ein Zeugnis dessen hin- stellen, daß Deutschlands Demokratisierung nur Trug war und die militärischen Instinkte, die monarchistischen Neigungen, die Hoff- nungen auf blutige Revanche in einem einzigen ungeheuren Auf- flammen alle staatsmännischen Regungen zurückgedrängt haben. Die„Reichspost"(chr.-soz.) erklärt, die größte Volkstümlichkeit hat gesiegt und die volitik ist unterlegen. Die Rücksicht auf den politischen Eindruck im Ausland habe einer Wahl Hindenburgs widerraten. Es kommt weniger darauf an, was Hindenburg' wolle oder zu wollen erklärt, als darauf, was ihm die Welt zuschreibt und von ihm befürchtet. Es fei n a t i o- n a l e Pflicht gewesen, auf diese Dinge aufmerksam zu machen und zu warnen. Die relative Mehrheit habe das Risiko auf sich genommen. Wien, 27. April.(Eigener Drahtbericht.) Die Deutschnation- nalen(eine kloine Parteigruppe) wollen aus Anlaß der Wahl Hin- denburgs eine besondere Propagandaaktion für den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland einleiten. In den ersten Maitagen beabsichtigen sie große Demonstrationen zu diesem Zweck. Die stärkste Anschlußfroundin, die österreichische Sozialdemokra- t i e. würde sich einen Anschluß an das Deutschland Hindenburgs stark überlegen. Gewerkschaftsbewegung Zum 1. Mai. Die Kappisten und Faschisten fühlen sich wieder. Sie haben mit Hilfe der Geldsäcke der Unternehmer, der Gefühlsduselei der politischen Analphabeten und der KPD. einen Sieg errungen. Es ist Sache der klassenbewußten gewerkschaftlich und politisch geschulten Arbeiterschaft, allen Reaktionären und allen Helfershelfern der Reaktion zu zeigen, daß ihre Bäume nicht in den Himmel wachsen. Dazu bietet der 1. Mai die nächste und beste Gelegenheit. Die freigewerkschaftlichen Spikenorganisationen haben für ihre Mitglieder und Berufsangehörigen Versammlungen einberufen, um der Arbeiterschaft Gelegenheit zu geben, diese internationale Kundgebung würdig zu begehen. Es ist notwendig und wichtig, daß die Funktionäre in den Betrieben, soweit es nicht schon geschehen ist, alle Kollegen und Kolleginnen auf diese Versammlungen hinweisen und veranlassen, daß der 1. Mai in diesem Jahre durch allgemeine Arbeitsruhe zu einer wuchtigen kundgebung wird. Es ist jetzt notwendiger als je, daß sich die deutsche Arbeitertiaffe darauf besinnt, daß ihre Kraft in ihrer Geschlossenheit liegt, die die einzige, aber auch sicherste Bürgschaft ihrer Unüberwindlichkeit ist. Die deutsche Arbeiterklasse muß am 1. Mai dem internationalen Proletariat den Beweis liefern, daß sie der militaristischen Berhimmlung nicht unterliegt, fondern nach wie vor für den Verständigung der Bölfer, für de Frieden einzutreten bereit und entschlossen ist. Die deutsche Arbeiterklasse muß auch der inneren Reaktion den offensichtlichen Beweis liefern, daß sie entschlossen ist, am Achtstundentag festzuhalten und ihn zurudzuholen, da, wo er ihr vorübergehend entrissen worden ist. Sie muß auch am 1. Mai demonstrieren für den sozialen Fortschritt, für den Wiederaufbau und den Ausbau der Arbeiterschutzgesetzgebung. Darüber hinaus soll uns der 1. Mai als Auftakt dienen zur Stärkung der politischen und gewerk schaftlichen Organisationen. Es muß wieder zur Selbstverständlichkeit werden, daß jeder Arbeiter, jede Arbeiterin, daß die Angestelltenschaft gewerkschaftlich organisiert ist, daß sie den Millionen der Industriellen bei politischen Wahlen die Millionen der politisch organisierten Sozialdemokraten entgegenstellen. Mit verstärkter Kraft müffen wir auf allen Arbeitsplägen für die sozialdemokratische Presse werben. Die Scharte vom 26. April muß ausgewegt werden. Gewerkschaften und Partei müssen eine Macht werden, an der alle Versuche der Reaktion zerschellen. Die Zeiten der Verbrossenheit und der Kleinmut müssen endgültig abgeschlossen sein. Die Banner hoch! Am 1. Mai muß die deutsche Arbei: terklasse ihren Aufmarsch beginnen. Vorwärts zum Kampf und zum Sieg! Ende des Metallarbeiterkampfes. Der Streit der Kupferschmiede beendet. Die Berhandlungen, die am Freitag zur Beilegung des Kupfer schmiedestreits mit dem Verband Berliner Metallindustrieller gepflogen wurden, hatten das Ergebnis, daß die Unternehmer ihre bisher vertretene Auffassung aufgaben, nach der eine Revidierung der Ukkordpreise und eine Aufbesserung des allgemeinen Lohnniveaus der Kupferschmiede nicht erfolgen dürfe. Der VBMI. erflärte fich grundfäßlich bereit, eine Aufbefferung der Affordpreise porzunehmen; Art und Umfang dieser Ausbesserung soll Ver handlungen mit den einzelnen Wertsleitungen Dorbehalten sein. Die Firmen sollen vom VBMJ. angewiesen werden, sich mit den Kupferschmieden auf eine annehmbare Basis zu einigen. Vereinbart wurde ferner, daß der Streit nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses ange sehen wird. Maßregelungen dürfen nicht stattfinden, die Arbeitsaufnahme erfolgt gemeinsam. Eine Kupferschmiedeversammlung nahm gestern mittag nach ein gehender Aussprache das Verhandlungsergebnis an. Mit der die oben erwähnte Mitteilung an die Arbeiter machte, fie aber nicht ausdrücklich aufforderte, die Arbeit aufzu nehmen, das Verhalten der Arbeiter nicht als beharrliche Arbeitsverweigerung angesehen, so daß also ein wichtiger Entlassungsgrund nicht vorlag. Die Kammer 7 hatte sich mit einem Prozeß aus Anlaß der Kundgebung im Betriebe von Borsig zu beschäftigen. Hier wurden der Borsigende des Arbeiterrats, der Vorſizende des Betriebsrats und ein Mitglied desselben entMai- Veranstaltungen der Gewerkschaften am Freitag, den 1. Mai, vormittags 10 Uhr. Baugewerksbund: Saalbau Friedrichshain. Bekleidungs- und Textilindustrie: Bittoriagarten, Treptow, Am Treptower Part 25/26. Graphische Industrie: Neue Welt, Eingang Wirtschaftshof. Gemeinde- und Staatsbetriebe: Bockbrauerei, Fidicinstr. 3/4. Lebensmittel- und Genußmittelindustrie: Sophiensäle, Sophienstr. 18. Eisenbahnerverband: Haberlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 36. Verkehrsbund: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Eisenbahnerverband: Haberlands Festsäle, Neue Friedrichstr. 36. Metallindustrie: Walhalla- Theater, Weinbergsweg. Heizer und Maschinisten: Boeker, Weberstr. 17. Holzarbeiter: Neue Welt, Hasenheide. Musiker: Andreas- Festsäle, Andreasstr. 21. Maler: Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25. Fabritarbeiterverband: Dresdener Kasino, Dresdener Str. 90. Zimmerer: Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/12. Tobafindustrie: Schweizer- Garten, Am Friedrichshain. Böttcher: Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/13. Filmgewerkschaft: Alter Askanier, Anhaltstr. 12. Sattler: Deutscher Hof, Luckauer Straße. Dachdecker: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Glasarbeiter: Luisenstädtisches Klubhaus, Annenstr. 16. Landwirtschaft und Gärtnerei: Döring, Naunynstr. 27. Steinarbeiter: Musikerfäle, Kaiser- Wilhelm- Straße. Porzellanarbeiter: Charlottenburg, Wegelinstraße am Bahnhof Lederarbeiter: Reichs Festsäle, Prinzenallee 33, vorm. 9 Uhr. Tiergarten. Versammlung aller Af- Gewerkschaften: Berliner Lehrervereinshaus, Alexanderplatz, großer Saal. Rezitation: Gertrud Berwaltungsbezirk Charlottenburg: Hohenzollernfäle, Berliner Ecke Ensoldt. Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. R. Wilmersdorfer Straße. Verwaltungsbezirk Tempelhof: im Birkenwäldchen, Tempelhof, Berwaltungsbezirk Wilmersdorf: Manteuffelstraße. Wilhelmsaue. Biftoriagarten, Wilmersdorf, Verwaltungsbezirk Zehlendorf: Zehlendorf, Lindenpart, Berliner Straße 8. Berwaltungsbezirk Schöneberg: Schloßbrauerei, Hauptstr. 122. nehmen an den Bezirks Maifeiern teil. Die Gewerkschaftsmitglieder, die in diesen Bezirken wohnen, legitimiert. Mitgliedsbuch = Tagesordnung in allen Bersammlungen: ,, Der 1. Mai und die Gewerkschaften". Referenten: Dr. Rudolf Breitscheid, m. d. R., Artur Crispien, M. d. R., Gustav Sabath, M. d. L., Dr. Löwenstein, Landgerichtsrat Rubens, Harnisch, Landtagsabgeord loch, Wilms, Lint, Schiemann, 3ippel, Heßler, neter Kofe, Adolf Hoffmann, Schlimme, Blume, Wie Stempel, Hildesheim, Dittmer, Sehner. Arbeiter! Angestellte! Sorgt für Massenbesuch dieser Versammlungen! Macht sie zu wichtigen Rundgebungen gegen die Reaktion! Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin. Algemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin. lassen. Sie flagten auf Grund von§ 90 BRG. Die Kläger, die der PD. angehören, haben in ihrer Betriebsratseigenschaft dem Direktor im Voraus von der beabsichtigten Arbeitsruhe Kenntnis gegeben und dabei der Wahrheit zumider behauptet, die BelegStreit der Lackierer der Straßenbahn. Vom Verband der Maler und Lackierer wird uns geschrieben: Ein städtischer Betrieb, wie er nicht sein soll, ist die Hauptwertstätte der Berliner Straßenbahn in der Uferstraße. Gesundheits vorschriften existieren für sie nicht. Die im Bleiweißgefeß vorge sehenen Umkleide- und Speiseräume für die Beschäftigten der Lackiererei sind nicht vorhanden. In der kleinsten Bude wird schon aus hygienischen Gründen für genügende Waschgelegenheit gesorgt. In der Werkstätte in der Userstraße waschen sich noch heute 5 bis 6 Arbeiter in einem Spüleimer. Für alles mögliche ist Geld vorhanden; für die Anlage einer Wascheinrichtung scheut man die Kosten. Troß mehrmaligem Borstelligwerden der Arbeiter im Betriebe wurde nichts erreicht. Die Regelung der schlechten Akkordpreise wurde abgelehnt, trotzdem die Verdienste meit unter denen gleichartiger Betriebe liegen. Die von mehreren Verbänden beantragten Verhandlungen zwecks Beilegung der Differenzen wurden abgelehnt, weil man Herr im Hause" sei. Darum legten die dort Beschäftigten einmütig die Arbeit nieder. Die Lackierer werden vor Arbeitsannahme bei der Straßenbahn gewarnt. Streik in der Berliner Schuhindustrie. Die gesamte Arbeiterschaft der Schuhfabriken Rosenberg und Röschke, Dirdsenstraße 47, und Schach u. Co., Münzstraße 4, stehen seit dem 27. April im Streit, weil die beiden Firmen den Schiedsspruch des Reichsarbeitsministeriums vom 20. März 1925 nicht erfüllen und somit fa rifbrüchig geworden sind. Alle Schuhfabrikarbeiter und-arbeiterinnen, insbesondere die Heimarbeiter, werden aufgefordert zur Solidarität, feine Arbeit in den bestreikten Firmen anzunehmen. Internationale Straßenbahnerkonferenz. Die Internationale Transportarbeiter- Föderation wird Dom 18 bis 20. Juli in Brüssel eine Internationale StraßenbahnerKonferenz abhalten, auf der 165 000 Straßenbahner, die den der ITF. angeschlossenen Straßenbahner- Verbänden angehören, vertreten sein werden. Behandlungsgegenstände sind: die Frage des Einmannwagens; gefeßliche Bestimmungen für die Straßenund Kleinbahnen und für die Autobusunternehmungen in den verblick auf die Entwicklung des Autotransports; Berschiedenen Ländern; Eisenbahn- und Straßenbahnprobleme im Hineinheitlichung der Straßenbahnwagen und ihrer Einrichtung; Art bahnen sowie von Autobuslinien in verschiedenen Ländern; Aktionsder Unternehmungen und Betriebsart von Straßen- und Kleinprogramm für Straßenbahner. Drohender Generalstreik im belgischen Bergbau. liche Kongreß der belgischen Bergarbeiter hat einstimmig be Brüffel, 27. April.( Eigener Drahtbericht.) Der Außerordentschlossen, angesichts der einseitigen Kündigung des. Tarifvertrages durch die Grubenbefizer und der zum 1. Mai angedrohten weiteren Lohnverkürzung die Frage der Proklamierung des Generalstreits einer Urabstimmung durch die Arbeiter zu unterbreiten. Sollte die Mehrheit für den Generalstreif sein, dann wird die Verbandsleitung ermächtigt, den Zeitpunkt der Proflamierung zu bestimmen und inzwischen noch den letzten Versuch zur Einigung zu machen. Angesichts der unversöhnlichen Haltung der Grubenherren hegt man in den Kreisen der Bergarbeiterführer trog weitgehenden Entgegenkommens wenig Hoffnung, daß der Generalstreif vermieden werden kann. Achtung, Bauarbeiter! Die Verhandlungen mit dem Verband der Baugeschäfte, mit Rücksicht auf den 1. Mai die Lohnzahlung bereits am Donnerstag, den 30. April, zu vollziehen, sind ergebnislos besondere die Baudelegierten, mit ihren Firmen sofort in Verbindung verlaufen. Wir fordern deshalb unsere Kollegen nochmals auf, ins 1. Mai, sondern am Donnerstag, den 30. April, erfolgt. Deutscher zu treten, um durchzufezen, daß die Lohnzahlung nicht Freitag, den Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Verband der Akkordmaurer Groß- Berlins. []}}}}}} Achtung, SPD.- Holzarbeiter( östliche Bororte)! Mittwoch abend 7 Uhr bei Döhring, Rigaer Str. 46, wichtige Bersammlung aller SPD.Genossen. Sympathisierende können eingeführt werden. Der Fraktionsvorstand. Die Mitglieder des Zentralverbandes der Schuhmacher und alle Beschäftigten in der Schuhindustrie und Handwerk treffen sich, gemäß eines Beschlusses der Funktionärversammlung, am 1. Mai, vormittags 10 Uhr, vor der BözowBrauerei am Prenzlauer Berg. Dortfelbft findet eine Ansprache des Genossen Gäbel und Uebergabe der den Berliner Leder- und Schuhindustriearbeitern von der russischen Bruderorganisation übersandten Fahne ftatt; anschließend Demonstration im Luftgarten. Abmarsch 11% Uhr. Der Verband der LederWiederaufnahme der Arbeit wird auch die Aussperrung schaftsversammlung habe die Arbeitsruhe beschlossen. Der arbeiter schließt sich nach feiner Bersammlung, die um 9 Uhr in der Prinzender übrigen Metallarbeiter gegenstandlos. Eine KPD.- Kundgebung. Urteile des Gewerbegerichts. Die Parteileitung der KPD. hatte seinerzeit durch Aufruf in der Roten Fahne" die Arbeiter aufgefordert, zu Ehren der bei dem bamals viel besprochenen Vorgehen der Polizei in Halle gegen eine Rommunistenversammlung ums Leben gekommenen Versammlungsteilnehmer am 19. März eine Arbeitspause von 15 Minuten zu halten. Diese Demonstration hat Anlaß zu einer Reihe von Klagen vor dem Gewerbegericht Berlin gegeben. Mehrere Arbeiter der Siemens- Betriebe, die ohne Einwilligung der Betriebsleitung die Arbeitspause gemacht hatten und deshalb entlassen wurden, klagten bei der Rammer 11 auf Grund des§ 84 BRG.( unbillige Härte). Diese Kläger wurden sämtlich abgewiesen. Demnach hält es das Gericht nicht für eine unbillige Härte, wenn Arbeiter, weil sie ohne Zustimmung der Betriebsleitung während Der Arbeitszeit feiern, entlassen werden. In einem anderen Falle, der ebenfalls die Rammer 11 be= fchäftigte, handelte es sich um wegen Teilnahme an der Arbeitsruhe entlassene Betriebsratsmitglieder, deren Klage die Firma Siemens Schuckert mit einer Gegenflage beantwortete, durch die festgestellt werden sollte, daß ein wichtiger Grund (§ 123 GO.) zur Entlassung vorgelegen habe. Die Betreffenden hatten gefeiert, obgleich ihnen der Meister gesagt hatte, es jolie gearbeitet werden, wer feiere habe die Konsequenzen zu tragen. In diesem Falle wurde die Feststellungsflage der Firma abgewiesen, so daß also die entlassenen Demon stranten die obsiegende Bartei waren. Eine Urteilsbegründung wurde mcht verkündet. Wahrscheinlich hat das Gericht, da der Meister nur Erschöpfte Nerven, ihre Kräftigung und Wiederauffrischung. Für alle Vorgänge und alles harmonische Zufammenarbeiten der Organe im menschlichen Körper sind die Nerven von der allergrößten Bedeutung. Arbeit wie Genuß, die doch beide das Menschenleben regieren und gestalten, verlangen Kraft und Leistung der Nerven. Frische des Geistes und des Körpers, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, ein frohes Gemüt, selbst ein guter Appefit das alles sind Folge und Aeußerung wahrhaft gesunder Nerven. Ihre Gesundheit aber hängt eng zusammen mit der Ernährung des Rörpers. Nervengesundheit ist lekten Endes die Lösung eines Ernährungsgeheimnisses. Direktor verweigerte seine Zustimmung zur Arbeitsruhe und forderte die Kläger auf, als Betriebsräte der Belegschaft von seiner Weigerung Mitteilung zu machen. Sie taten das in einer Form, die mehr einer Aufforderung zur Arbeitsruhe als einer Absage derselben gleichkam. Dem Sinne nach etwa so: Laut Beschluß herrscht Arbeitsrulfe, aber die Direktion hat es untersagt. In bezug auf einen der Kläger wurde festgestellt, daß er sich den Arbeitern gegenüber auf einen angeblichen gemeinsamen Beschluß der KPD. und der SPD.- Funktionäre berief. Es haben aber, wie gleichfalls festgestellt wurde, weder die SPD.- Funktionäre, noch die SPD. Fraktion des Betriebes Gelegenheit gehabt, zu der Angelegenheit Stellung zu nehmen. Das Gericht wies die Klage der Entlassenen ab mit der Begründung: Nach dem Arbeitsvertrage sei die in der Fabrifordnung festgesetzte Arbeitszeit innezuhalten. Indem die Kläger zur Arbeitsruhe aufforderten, hätten sie einen zur fristlosen Entlassung berechtigten Grund nach§ 123 Abs. 7 GD. gegeben, welcher besagt, daß fristlos entlassen werden könne, wer Mitarbeiter auffordert zu Handlungen, melche gegen das Gesetz, verstoßen. Wenn auch das Verhalten der KPD.- Anhänger, die die Arbeiter durch die wahrheitswidrige Angabe, es liege ein Beschluß auch der SPD.- Funktionäre vor, täuschten, im höchsten Grade verwerflich) ist, so halten wir doch dies Urteil des Gewerbegerichts für sehr anfechtbar. Die juristische Konstruktion, wonach eine Aufforderung zum Verstoß gegen eine Bestimmung des Arbeitsvertrages eine Aufforderung zu einer gesegwidrigen Handlung sein foll, ist zwar nicht neu, denn solche Urteile sind schon vor Jahren von ordentlichen Gerichten gefällt worden. Aber diese juristische Konſtruttion steht im Widerspruch zu dem natürlichen Rechts empfinden, das unter gesezwidrigen Handlungen doch etwas ganz anderes versteht als Berstöße gegen einen Arbeitsvertrag oder cine Fabrikordnung. Quälende Sorgen, förperliche und geistige Leberanstrengung, Schlaflosigkeit und manch' anderer Kummer des irdischen Lebens reizen und erschöpfen die Nerven vor der Zeit. Nervöse Beschwerden aller Art stellen sich ein. Mattigkeitsgefühl, Arbeitsunluft, Aufgeregtheit und Reizbar= feit, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und derlei Uebel mehr folgen sich und wechseln sich ab. Bald macht sich ihr zerstörender Einfluß auf das Aeußere geltend. Das Geficht erhält eine nervöse Prägung, leidende Züge, den Ausdruck des Gequältseins, die unvermeidlichen vorzeitigen Alterserscheinungen. = Will man nun etwas Energisches tun, dann follte man mit einer Nerven Nähr und Auffrischungsmethode ganze Arbeit allee 33 stattfindet, den Schuhmachern an. Deutscher Holzarbeiterverband. Bodenleger: Branchenversammlung am Mittwoch 5 Uhr im Verbandshaus, Rungestr. 30. Bericht über die Lohnverhandlungen. Achtung, Tapezierer! Rieberversammlung heute abend 7 Uhr Rosenthaler Str. 11. Erscheinen aller Kleber ift Pflicht. Die Branchenleitung. Baugewerksbund, Fachgruppe der Glaser. Die Kollegen treffen sich am nach dem Versammlungslokal des Baugewerksbundes: Am Friedrichshain. 1. Mai, vormittags 9 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Abmarsch Punkt 9 Uhr Die Fachgruppenleitung. männerversammlung, Rofenthaler Str. 12, Alle Arbeitsstellen müssen vertreten sein. Achtung, Zimmerer! Berbandskameraden, heute abend Uhr Vertrauens Verband der Zimmerer. Berantwortlich für Politit: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5.. Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei und Verlaasanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". DUNLOP CORD Die Weltmarke bürgt für Qualität! machen, und das geschieht durch richtige Verwendung von Biomalz mit Lecithin, einer Nerven- Nahrung von denkbar größter Volltommenheit. Biomalz mit Lecithin ist durch deutsches Reichs patent gefeßlich geschüßt, und feine Erfindung ermöglicht die völlige Aufnahme des Lecithinstoffes in die Säfte, die die Nerven ernähren, zu gleicher Zeit mit dem Einsehen der fräftigenden Wirkung des Biomalzes auf den ge= famten Körper. 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Nr.?HS 4 42.�ahrgaitg �01? tÖOt�S dkeastag, SS. �tpri! 1H2S Me das Aug« des Menschen als Spiegel der Seele bezeichnet wird, muh das Schaufenster der Spiegel des Geschäftes ge- nannt werden. In früheren Jadren trachtet« der Geschäftsmann danach, möglichst viel« Gattungen seiner zu verkaufenden Waren ins Schaufenster zu stellen und dazu noch die Preieaus- Zeichnungen in vielfach recht bunten, schreienden Farben zu halten. Mit anderen Worten: Der Geschäftsmann glaubte, durch die Aus. stellung vieler Gegenstände auf verhältnismäßig kleinem Naum am meisten Eindruck zu erwecken und dadurch die Käufer heranzulocken. Das Schaufenster wirkte durch diese Methode zwei- fellos als Reklame für die ausgestellten Gegenstände, ohne jedoch beim Publikum irgendwelchen Eindruck zu hinterlassen. An- scheinend bestand eine solche Absicht auch gar nicht, denn es kann wohl ohne Uebertreibung gesagt werden, dah in allen Geschäften ohne Ausnahme gleichartige Schaufensterdekorationen üblich waren. Höchster Grundsatz war eben: Größtmöglichste Ausnutzung des Fensters. Und so kam es. daß dem Dekorateur, wenn er einmal etwas Besonderes schaffen wollte, häufig Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden,.well der Platz zu teuer war'. Dekorative Kunst. Im Laufe der Jahre nahm dann schließlich, mit dem Vorwärts- gehen auf technischen und allen anderen Gebieten Schritt haltend, auch die Schausensterdekoration andere Formen an. Es brach sich niehr und mehr die Ansicht Bahn, dah das Schaufenster nicht nur einzig und allein der.Reklame' dienen soll, sondern daß es da- neben auch eine kulturelle Aufgabe zu erfüllen habe. Beson- ders in den letzten ca. 13 bis 20 Iahren ist ein völliger Wandel zu verzeichnen. Richt mehr das.rein geschäftliche', sondern das künstlerische Moment rückt mehr und mehr In den Vordergrund, ohne natürlich das erstere ganz außer Acht zu lassen. Der zur gcnann- ten Zeit beginnende Umschwung tonnte sich aber nicht mehr voll entfalten, weil die Entwicklung zum Schönen durch den Krieg eine lange Unterbrechung erfahren mußte. Mangel an geschuftem Per- jonäl, und vor allem Mangel an Waren ließ die Schaufensterbeko. ration wieder zurückfallen in.Großvaters Zeiten. Nach dem Kriege, mit fortschreitender Geldentwertung, brachten dagegen die Geschäfte aus anderen Gründen der Schaufensterdekoration nicht das nötige Interesse entgegen. Erst mit der Stabilisierung der Währung wurde allen Ernstes daran gedacht, auch dem Schau- fenster wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Die zum Still- stand gebrachte Entwicklung wurde wieder zum Vormarsch getrieben und es kann jetzt gesagt werden, daß sich der Geschmack in der Schausensterdekoration in aufsteigender Linie befindet. Wer e» noch im Gedächtnis hat, wie großspurig und überladen früher die Fenster dekoriert waren und wer heute die Jahre an seinem Geiste vorbei ziehen läßt, wird, auch wenn er kein künstlerisch geschultes Auge hat, ohne weiteres den verbesserten Geschmack feststellen tonnen. Die heutige Schaufensterdekorotion Ist auch von jedem Laien leicht feststellbar, keine schematisch auszuübende Tätigkeit, sondern eine Arbeit, die an den Dekorateur höchste künstlerische Anforderungen stellt. So ist es zwar im Grunde schon immer gewesen, oder besser gesogt, so hätte es schon immer sein sollen. Der Dekorateur war aber ganz einfach nicht in der Lag«, sein künstlerisches Empfinden in feiner Beschäftigung voll und ganz zum Ausdruck zu bringen. Nicht nur die großen Geschäfte, auch mittlere und kleine, ja selbst die kleinsten wetteifern untereinander mit ihren Auslagen. Wohl fast jedes Geschäft trachtet heute danach, das Schaufenster zu einer Stätte der Kultur zu formen. i.. Die Wandlung in 25 Jahren. Wer heute eine Photographie in die Hand bekommt, die vor 20, 23 und noch mehr Jahren angefertigt ist, lächelt über die For- men der Kleidung, besonders der Frauen. Weite, bauschige Aermel, Spitzen und Rüschen, Schleifchen usw. bilden die Verzierung. Im gleichen Stile etwa präsentierten sich zu damaliger Zeit auch die Schaufenster, besonders jene, in denen Kleiderstoffe und fertige Kleider feilgeboten wurden. Große und kleine Schleifen oder Schluppen, große und kleine Tuff» und Rosetten in überreicher Menge herrschten vor. Und dann noch etwas, was heute beinahe in keinem Schaufenster der angeführten Art von Geschäften mehr zu finden ist- Die großen Beleuchtungskörper(Bogenlampen). Diese brachten in das Bild stets eine häßlich« Rote und trugen natürlich nicht zur Verschönerung des Fensters bei. Die als Beispiel ge> nannte Kategorie von Geschäften hatte von jeher die mannigfaltigste Bewegungsfreiheit in ihren Dekorationen. Die Vielseitigkeit der vorhandenen Farben und Stossarten läßt in Verbindung mit entsprechender Beleuchtung die vornehmsten Wirkungen erzielen. Die Zeitschrift.Der Konfektionär' brachte in einer der letzten Rummem eine Zusammenstellung von Schausensterdekorationen au» den Iahren 1899 bis 1924. Diese Uebersicht läßt deutlich erkennen, welche ge- waltigen Umwandlungen das Schaufenster durchgemacht hat. Zu- erst wurden die bereits geschilderten Dekorationen gezeigt. Mit der Zeit wurde dann eine ganz andere Methode«ingeführt. Während sich zuerst alles dem Beschauer recht prall entgegenstellte, bieten sich nach und nach dem Auge andere Linien, schwungvollere For- men dar. Möbel und Blumen werden als Beiwerk verwendet und, wie man sich denken kann, nur zum Vorteil. Besonder« Sorgsalt auf die Schausensterdekoration verwenden bekanntlich neben den Spezialgeschäften die Warenhäuser. Abgesehen davon, dah diese am ehesten in der Lag« sind, sich wirklich tüchtige Dekorateure zu halten, stehen Ihnen auch im reichsten Maße, mehr wie jedem anderen Geschäft, die erforderlichen Ausstellungsgegenstände und Hilfsmittel zur Verfügung. Zugegeben muß allerdings werden, dah hier in erster Linie der Lupus zu feinem Recht kommt. Wenn sich dieser aber dem Aug« in künstlerischer Form darbietet und somit zur Erheiterung des menschlichen Gemütes beiträgt, kann und darf auch ein— nach unserer Ansicht sonst überflüssiger Luxus— nicht ohne weiteres abgelehnt werden. Mehrere stattgefundene Wettbewerbe im Schaufensterdekorieren sind natürsich nicht ohne Einfluß auf die Neugestaltung der Formen gewesen. Die öranchenfenster. Neben den angeführten Geschäften haben auch alle anderen Branchen tapfer Schritt gehalten. Besonders sind es die Blumen- geschäfle, die sich ohne Ausnahme zum guten verändert haben Die Raumverhältniss« spielen hier allerdings eine noch größere Rolle als wo anders. Je größer das Schaufenster ist oder wenn, wie es in der Regel anzutresjen ist. der Blick von außen gleich den ganzen Ladenraum umfassen kann, desto nachhaltigere, ein- drucksoollere Ausschmückungen können vorgenommen werden. Uhren- und Goldwaren-, Lebensmittel-, Spielwarengeschäfte, alle, alle haben sich den verfeinerten Geschmack zu eigen gemacht. Wer turzein hatte Berlin eine Ausstellung ganz besonderer Art, die unter dem Motto»Einst und Jetzt' veranstaltet wurde. Die Aus ftellungsräum« waren die Schaufenster in der Leipziger Straße und somit jedermann leicht zugänglich. Eine Besprechung erübrigt sich hier, es soll aber daran erinnert werden, weil sie in der Rubnk .Kultur des Schaufensters' einen besonderen Platz einzunehmen berechtigt ist. Leider sind im allgemeinen von der.Kultur des Schaufensters" immer noch die Gegenden ausgeschlossen, in denen da» Schaufenster nicht nur zum Beschauen und zur Freude der Borübergehenden verwendet wird, sondern wo es seine Haupt- aufgäbe dadurch zu erfüllen hat, die Stratzenpassanten auf die praktischen Gegenstände, die im Gefchäft zu haben sind, aufmerksam zu machen. Ein Gang vom Norden oder Osten Berlins quer durch dir Stadt nach dem Westen läßt die Unterschiede leicht erkennen. Auch der Arbeiter soll nicht an der Tatsache vorübergehen daß sich das Schaufenster immer mehr dazu eignet, auf seine» Farben» und Schönheitssinn befruchtend zu wirken. Bei dem schwer schafsenden Fabrikarbeiter, der sich tagsüber in grauer, nüchterne! Werkstatt befindet, oft genug umgeben von schweren, körperlicher Gefahren, flnd gerade diese Eigenschaften häufig sehr wenig durch gebildet, was natürlich durch feine Beschäftigung sehr leicht zu er klären ist. Er soll deshalb, auch wenn er nach des Tages Arbei ermüdet ist, nicht mit geschlossenen Augen durch die Straßen gehen Sein innerstes Gemüt kann dadurch leicht anderen Regungen zw gänglich gemacht werden. Dadurch wirkt ein guidekoriertes Schau fenster nur bildend auf den Arbeiter und steht somit zwcifello- im Dienste der Kultur. Der ReNameumzug. Heut« nachmittag 2 Uhr beginnt der van Verband Deutscher Reklamefachleute oeranstoltst« originelle Re kameumzug durch die Straßen Berlins. Er beginnt in"der Strahl Alt-Moabit, passiert Strom- und Lessingstraße und führt über di> Berliner und Bismarckstraße nach dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm. Von hier geht es über Kantstraß«, Olivaer Plötz. Hohenstausenstraß«, Porkstraß« nach dem Süden, um am Hertzberg platz in Neukölln zn enden. Ans einer Schwarzfahrt verunglückte am Sonntag abend ein Auto. Gegen 9 Uhr abends fuhr es in Wannsee gegen eine» Prellstein, überfchlug sich und wurde zertrümmert. Eine der Insassen, eine Kontoristin Alma Knulh aus der Nordhaufener Straße in Charlottenburg, wurde schwer verletzt und nach ihrer Wohnung gebracht. Der Chauffeur wurde festgestellt. 32] Anthony Zohn. Roman von Jerome K. Ierome. 13. Sie heirateten nn Ausland. Jim befand sich bei seinem neuen Regiment in Malta, und hier war die ganze Familie zusammengekommen. Das Schicksal ersparte Sir Harry die letzte große Enttäuschung seines Lebens. Jim hatte mit ihm nicht über Eleanors Pläne gesprochen; er ließ sich Zeit. Und Sir Harry starb im Frühling nach kurzer Krankheit. Er hatte noch vorher mit seiner Schwester Mary besprochen, daß Eleanor dieses Jahr in die Londoner Gesellschaft eingeführt werde. Der arme alte Herr starb ganz zufrieden. Cleanor und die Mutler blieben in der kleinen Villa auf dem Hügel. Anthony kam Im Spätsommer nach Malta, und sie heirateten dort in der kleinen englischen Kirche. Anthony hatte nicht zu hoffen gewagt, Eleanor nach der Äbbey zurückzubringen, doch war er im Sommer von besonders viel Glücksfällen begünstigt war- den. Augenblicklich schien ihm alles zu gelingen. Es begann ihm bereits selbst unheimlich zu werden; er fragte sich, wie lange das Glück wohl anhalten könne? Es freut« ihn, daß er Jim für das Landhaus einen guten Preis zu geben vermocht hatte; freilich würde ihnen, wenn Lady Coombers Rente aus- gezahlt war, nicht viel übrig bleiben. Anthonys Mutter weigerte sich trotz Eleanors Bitten, in die Villa zu ziehen. Anthony wußte nicht, ob sie daran zweifelte, daß Eleanor sie tatsächlich gerne dort sähe, oder ob die von ihr angegebenen Gründe die echten waren.„Ich würde unbewußt immer nach der Küche streben,' erklärte sie. „Oder aufschnellen, wenn es klingelt. Oder vielleicht," sie lächelte,„des Abends durch die kleine Hintertür zum Stall schleichen, wähnend, im Schatten der Ulmen deinen Bater zu sehen, der dort immer auf mich zu warten pflegte. Ich werde mich hier im alten Haus viel glücklicher fühlen. Hier gibt es keine Gespenster, zumindest nicht für meine Augen.' Und auch auf die Tante mußte Rücksicht genommen werden. Anthony wollte sie zuerst im Hause von Dissidenten- freunden unterbringen. Aber Frau Rewt war der Gnade Gottes verlustig gegangen, das heißt, sie befand sich nicht mehr in Berührung mit ihren früheren Freunden. Sie hatte auch Batson, dem Steinmetz, den schönen alten Grabstein zurück- gegeben: dieser wußte nickt, was er damit anfangen sollte, und verwandte ihn dazu, die zerbrochen« Treppe vor seinem Bureau zu repariere». Frau Rewt dacht« mit immer gerta- aerer Freude an ihr« Ankunft vor den Toren der ewigen Seligkeit. Sie war ihres Willkomms nicht mehr recht gewiß. „Ich habe ihn nicht oerdient,' meinte sie.„Tat in dieser Welt nichts anderes, als mir das Leben angenehm machen und dafür sorgen, daß ich mich auf dem rechten Weg nach der anderen Welt befinde. Früher glaubte ich, alles hänge vom Glauben ab: man brauche einzig und allein glauben. Aber dein armer Onkel sagte stets, dies könne nicht wahr sein, sei eine allzu billige Art. Sollte er recht haben und Gott tatsächlich auch gute Werke fordern, so werde ich mich gar armselig aus- nehmen.' Sie hatte auch daran gedacht, die optimistische In- schrift auf dem Grabstein durch die bescheidenen Worte:„Herr, erbarme dich meiner, eines armen Sünders' zu ersetzen. Der Friedhofswächter jedoch, des geholt hatte, war gegen die den guten Ton des Friedho So blieben denn die en freundschaftlichen Rat sie ein e Vitt«, da er meinte, sie würde s beeinträchtigen. ____________... beiden alten Frauen in Druton Square, bewohnten das Erdgeschoß und die drei kleinen Man» forden. Anthony ließ ihnen noch eine Küche einrichten und vermietete das Haus an einen Architekten, Herrn Arnold Landripp. Dieser, ein Witwer, benützte bereits seit zwei Iahren die beiden großen Klassenzimmer als Bureau. Seine Tochter, die an der Universität studiert hatte, war heimge- kommen: sie zählte etwa zwanzig Jahre und galt allgemein für„intellektuell'; diese Bezeichnung wurde eben damals modern. Sie war ein hochgewachsenes blasses Mädchen mit kohlschwarzen Augen, trug das Haar aus der Stirn gekämmt; es wurde gemunkelt, daß sie heimlich Zigaretten rauche. Betty und ihr Bater hielten sich fast immer im Ausland auf. Sie hatten in Florenz ein« Wohnung gemietet, und die Priory möbliert einem Better von Herrn Mowbray überlassen, der eines der großen Stahlwerke in Shawley besaß. Anthony erwies sich als großmütiger Kompagnon, und Herr Mowbray war mehr als zufrieden.„Ich steuerte auf Klippen zu,' ge- stand er.„Es wäre für Betty herzlich wenig übriggeblieben. So aber kann ich, dank Ihnen, beruhigt sterben.' Er streckte Anthony die Hand hin; die beiden plauderten im großen Zimmer mit den drei Dogenfenstern, das früher Herrn Mow- brays Privatbureau gewesen und das nun Anthonys war. Betty und ihr Bater wollten am folgenden Morgen nach Italien abreisen. Herr Mowbray zögerte einen Augenblick, dann sagte er, noch immer Anthonys Hand in der seinen haltend:„Jch� hatte einmal gehofft, daß wir in ein noch engeres Berhältnis treten würden. Aber Betty ist ein seit- fames Mädchen. Ich glaube nicht, daß sie je heiraten wird. Ich fürchte, ich habe ihr dies«, Sedanten unheimlich gemacht." Er lachte.„Sie weiß, daß ich ihre Mutter liebte, wie nur jemals eine Frau geliebt wurde, dennoch hinderte mich dies nicht daran, ihr ganzes Leben zu einem kummervollen zu machen. Wissen Sie, was im apostolischen Glaubensbekenntnis fehlt? Der Teufel wurde ausgelassen. Verfallen nicht auch Sie, mein Junge, in den Irrtum, nicht an den Teufel zu glauben. Er will ja, daß wir an ihm zweifeln, ihn für ein Altweibermärchen halten. Wir reden von der leisen kleinen Stimme des Guten; ja, wenn wir angestrengt lauschen und alles ringsum ruhig ist, dann vermögen wir sie zu hören. Wie aber steht es um die unermüdliche, eindringliche Stimme des Anderen, die uns Tag und Nacht zuflüstert, neben uns am Tisch sitzt, mit uns ins Bett hüpft? David irrte; er hätte sagen müssen: JDie Furcht des Teufels ist der Weisheit Ansang.' Di« Sache begann schon im Garten des Paradieses Hätte doch Gott nicht die Schlange vergessen! Das war auch das Unglück aller Reformer. Sie hätten etwas zu leisten vermocht, würden sie nicht den Teufel vergessen haben. Alle die Jungen, die das ganze Leben vor sich haben, vergessen den Teufel." Anthony lacht«.„Welche Taktik soll man anwenden, um ihn zu besiegen?" „Ich selbst war in dieser Angelegenheit zu wenig erfolg- reich, um Ratschläge erteilen zu können. Ich kann Ihnen nur verraten, daß der Teufel allerlei Gestalten annimmt. Bis- wellen verkleidet er sich als sympathische alte Dame und nennt sich„Mutter Natur. Manchmal trägt er einen glänzenden Zylinder und gibt vor, ein gewöhnlicher Geschäftsmann zu sein. Und mitunter erscheint er, in Herrlichkeit gcwandet, und nennt sich.Liebe". Der alte Mann griff nach seinem Hut. „Sie hätten nicht erwartet, mich unter den Propheten zu finden, nicht wahr?" fragte er lächelnd. Er war in der letzten Zeit stark gealtert; Anthony begleitete ihn bis zur Priory. Sic kamen an dem St. Aldys Friedhof vorüber. „Ich will einen Äugenblick hineingehen, meiner Frau Lebewohl sogen." meinte Herr Mowbray.„Ich tue es immer, bevor ich verreise." Schon vor Iahren hatte Herr Mowbray die letzten drei freien Gräber auf dem Friedhof erstanden; seine Frau lag in der Mitte, rechts von ihr Edward.. Die beiden verharrten eine Weile stumm, dann sprach Herr Mowbray:„Ich weiß nicht, ob es meine Einbildung ist, aber mir scheint, daß Sie mit jedem Jahr Ted ähnlicher werden. Ich meine nicht dem Aeußeren nach, obgleich ich bisweilen in Ihren Augen einen Ausdruck sehe, der mich an ihn geinahnt. Aber in anderen Dingen; manchmal könnte ich fast glauben, er sei es, der zu mir sprüht,"(Fortsetzung folgt.) Hakenkreuzlerwut. Cine merkwürdige Auffaffung vom„ groben Unfug". Es scheint die Hafenfreugler start verschnupft zu haben, daß das Herz der deutschen Republik republikanisch gewählt hat, troz der zahl reichen schwarzweißroten Fahnen, die die Borderhäuser zierten". Die Aufforderung des Borwärts", nach dem Siege Hindenburgs erst recht die schwarzrotgoldenen Fahnen wehen zu lassen, hat die besondere Wut nationalistisch Verheger erregt. So wurden gestern abend gegen 10 Uhr in der Gegend der Spichernstraße die Häuser mit schwarzrotgoldenen Fahnen von größeren Trupps Hafenfreuglern nicht nur mit Johlen und Schimpfwörtern bedacht, sondern auch mit Steinwürfen. Selbst Wohnungen, die im zweiten Stod gelegen waren, wurden mit Steinen beworfen, so daß Lebensgefahr für die Bewohner bestand. In einem anderen Falle, der sich bereits am Sonntag zutrug, hat ein Polizeileutnant eine mehr als feltsame Hal. tung eingenommen. In der Tauenzienstr. 11 und 12a hingen republikanische Fahnen heraus, die wiederum ben nationalistischen Mob jener Gegend veranlaßt, wahre Trillerpfeifenorgier zu ver anstalten und die Reichsfarben, die der von ihnen gewählte Präfident ja nun schützen soll, in der üblichen Beise zu beschimpfen. Die Republikaner des Hauses 12a erwiderten diefe Schimpfereien lediglich durch Schwenken fleiner schwarzrotgoldener Fähnchen. Pöglich wurde an der Wohnungstür geflingelt. Sie wurde nicht geöffnet, da man nicht wissen fonnte, wer dort erschienen war. Durch die geschlossene Tür wurde den Wohnungsinhabern von an geblichen Kriminalbeamten und einem Schupobeamten mitgeteilt, doß der Polizeileutnant, der hier das Kommando hatte, ihnen fagen lasse, daß die Leute sowohl das Winken mit den chwarzrotgoldenen Fahnen unterlassen und die zum Fenster herausgehängte Fahne einziehen sollten, sonst würden sie wegen groben Unfugs" bestraft. Der Bohnungsinhaber ließ den. Leuten sagen, daß es merkwürdig sei, daß das Zeichen der Republik von einem Leutnant als provozierend empfunden merden könne. Er ersuche den Herrn Leutnant, fich persönlich zu ihm heraufzubemühen und selbst diese seltsame Ansicht mitzuteilen. Der Wohnungsinhaber hat selbstverständlich gegen diesen Beutnant, der in so gröblicher Weise seine Pflicht verlegte und eine fo merkwürdige Auffassung vom groben Unfug" hatte, Beschwerde eingelegt, die um so berechtigter erscheint, als dieser Vertreter der Bolizei durchaus die Möglichkeit hatte, gegen die sich ansammeinde nationalistische Menschenmenge, die die Republik und ihr Symbol befchimpften, einzuschreiten, oder hält der Herr Leutnant etwa die Republik für groben Unfug"? Dann sollte er schleunigst seine Uniform ausziehen. Soll das so weiter gehen? Die nationalistischen Ausschreitungen im Besten find anscheinend tägliches Abend programm geworden. Auch geſtern fam es wieder zu erheblichen Ausschreitungen völkischer Abteilungen. Nachdem sich schon vorher eine Brügelei in der Nähe des meniger berüchtigten als lächerlichen Spettafelcafés Bihelma" abgespielt hatte, bewegte sich gegen 49 Uhr ein Zug Nationalisten unter Niederrufen auf die Republik und Absingen ihrer Heglieder über den Kurfürstendamm zum Bittenbergplay. Republikanischer Gesinnung verdäch tige Baijanten wurden belästigt, ein Auto, das ein schwarz rotgoldenes Fähnchen am Kühler trug, wurde angehalten, die Fahne zerrissen und die Insassen des Kraftwagens tätlich bedroht. Natürlich fehlte auch die start aggressive antisemi tische Note nicht. Mit welcher Infamie die Bölkischen arbeiten und wie sehr ihnen der Kamm geschwollen ist, beweist die Tatsache, baß die Rotten, die gestern am Kurfürstendamm spettafelten, ganz ernsthaft erörterten, daß man den Borwärts" stürmen müsse". Wir raten den Burschen jedoch nicht zu diesem Ausflug, der unter Umständen für fie fehr übel auslaufen fönnte. Der falsche Jockey. Das fichere Wettsystem. Vor dem Schöffengericht Mitte hatte sich der Kaufmannslehrling Rurt Behlfe wegen Befruges, schwerer Urkundenfälschung und Unterschlagung zu verantworten. Der erst 20jährige junge Mann war vom März 1924 bis Februar 1925 als falscher Jodeŋ aufgetreten und hatte zahlloje Personen aus allen Berufstreifen, deren Beichtgläubigkeit Erstaunen erregen muß, mit angeblich toisicheren Renntips hineingelegt. Behlke behagte es in der Kaufmannslehre nicht, denn er fühlte sich durchaus zur Rennbahn hingezogen. Seinen sehnsüchtigen Wunsch, selbst Jocken zu werden, hafte sein Vater nicht erfüüt. Deshalb ließ er seine Lehre im Stich und trieb sich ständig in Hoppe garten herum, wo er auch bald in allen Ställen bekannt war. Gelegentlich hatte er auch aushilfsweise Beschäftigung im Stalldienst. Um nun aber selbst als großer Wetter aufzutreten, zumal da er glaubte, ein„ lich eres Bettsystem" entdedt zu haben, fehlte es ihm an Geldmitteln. Daher legte er sich auf Schwindeleien. Die ihm zur Last gelegten 30 Betrugsfälle waren alle nach demselben System abgestimmt. Er erschien in Berlin in Geschäften, um Bestellungen zu machen. Dabei ließ er gelegentlich einfließen, daß er Joden in Hoppegarten sei und immer totsichere Tips an der Hand habe. Aus Gefälligkeit wollte er die Laute dann an seinen Kenntnissen teilnehmen leisen. Zufällig hatte er immer gerade an dem Tage auf ein Bferd eine erhebliche Summe gesetzt. Die Wettzettei, die ursprünglich auf fleine Summen lauteten, waren durch geschickte Zufügung einiger Rullen gefälscht. Auf diese Weise er longie er von feinen Opfern mehr oder weniger große Geldbeträge. Einige eifrige Better wollten sich die Gelegen heit nicht entgehen lassen und opferten fogar 300 und 400 m. Die Hauptmasse seiner Opfer juchte er in Lehrertreifen. Er erschien dort unter dem Bergeben, daß er Sprach oder Musikunterricht nehmen wolle. Als Zeugen traten in der Verhandlung gegen ihn zahlreiche Schul- und Mufifdirektoren, Studienräte, Lehrer und Lehrerinnen auf. Bald nannte sich der Angeklagte Joden Baer" und hatte auch Visitenfarten auf diesen Namen, bald gab er sich für den bekannten Joden Otto Schmidt aus. Nur in wenigen Fallen gelang ihm sein Schwindel nicht. Behlte bekam mit Rücksicht auf seine Jugend und die Leichtgläubigkeit der Leute, die ihm die Sache gar zu leicht gemacht hatten, vom Schöffengericht mildernde Umstände zugebilligt und murde wegen vollendeten Betruges in Verbindung mit schwerer Urkundenfälschung in 23 Fällen und versuchten Betruges fomie Unterfchiagung zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr fed) s Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurteilt. Die Moschee ant Ferbelliner Plas. Auf dem Grundstück Brienner Str. 7 wurde am regenreichen Wahlsonntag eine Moschee eingeweiht. Friedlich umgibt außen noch das Gerüst den Bau und innen ist noch fein Fußboden gelegt. Doch Manlvi Sadr nd Din, der zähe seinem Ziel zu ftrebte, in Berlin eine moslemische Gemeinde um sich zu sammeln und die Moschee errichten ließ, win in sein Heimatland Indien zurück tehren. Daher hatte man es etwas eilig mit dem Eröffnungsaft. In der geschmackvollen Moschee, die ein Zeugnis für die islamische Baufunft ist, waren Inder, Aegypter, Araber, Türken, Turtestaner, Tataren und Deutsche versammelt. Auf dem bei dem schlechten Better recht unangenehm bemerkbar werdenden märkischen Sand fagen prächtige Teppiche der türkischen Botschaft. Manivi Sadr- ndDin sprach ruhig, fachlich und gerade darum so werbend von ber Toleranz als der Grundlage des Islams. Die demokratischen mohammedanischen Bölfer fennen feinen Erbabel, ja, bei ihnen ist nicht einmal die Armut ein Hindernis zur Erringung einer gefellschaftlichen Stellung. Dann wurden noch zwei Reden in perfifcher, wet in Hirttider Sprache umb eine in Urbu gehalten, ble atejant im Dant für die Erbauung der Moschee und im Lob des Islams aus flangen. Störungen, die man auf Grund bisheriger Erfahrungen Don nationalraditaler ägyptischer Geite befürchtete, fanden nicht statt. Die einzige Entgleisung passierte einem deutsch sprechenden Berser, der unflugerweise sich auf das Gebiet der Bolitik verirrte. Er pries u. a. die Mohammedaner als die echten Sozia liften im Gegensatz zu den Marristen, lobte die Deutschen sehr und wünschte dann Deutschland unter dem neuen Banner Glüd. Die Moschee foll auch für Andersgläubige geöffnet sein. Mißhandlungen auf der Polizeiwache. Ein Unfug, mit dem aufgeräumt werden muß. Ein böses Abenteuer auf der Polizeimache in der Frankfurter Straße beschäftigte das Schöffengericht mitte. Wegen schwerer Körpermißhandlung im Amt war der Schupowachtmeister Gustav arbege angeflagt. In der Nacht zur Reichstagswahl am 4. Mai vorigen Jahres waren bekanntlich Klebefolonnen der Bar. feien eifrig tätig, und es fam häufig zu Zusammenstößen. Der Angeflagte hatte Außendienst, und mehrere junge Leute, die fommu nistiche Wahlaufrufe anflebten, festgenommen. Zuerst waren es brei, dann brachte er noch einen vierten zur Wache. Diese vier jungen Leute traten hinterher mit der Anschuldigung auf, daß fie auf der Bolizeiwache aufs schwerste mit Gummifnüppeln be. arbeit worden seien, und es wurde von ihnen Hardege als der Täter mit Bestimmtheit bezeichnet. Nach ihren eidlichen Bekundungen habe Hardege, als er fie auf der Bache ablieferte, in erregter Weise gerufen: Habt Ihr denn feinen Gummifnüppel da?" Einer der Festgenommenen wurde nach den Bekundungen der Zeugen über den Stuhl gelegt und so lange mit dem Gummischlauch bearbeitet, bis er herunterfiel. Die eitgenommenen mußten sich in Reih und Glied aufstellen und auf Kommando Egerzierübungen machen. Wenn sie es nicht gut machten, befamen sie Büffe und Schläge. In einem Falle fagte ein Beamter, als er nachträglich auf einen Fehler eines der Gequälten aufmerksam gemacht wurde:„ Nun gut, das nächsiemal bekommst Du einen Hieb meniger." Wahlmerkwürdigkeiten. Der„ Boffischen Zeitung" entnehmen wir folgende Bahlmert würdigkeiten", für die auch unsere Leser Interesse haben dürften Ein philosophischer Wahlleiter. In dem Wahllofal im Domgebäude auf dem zirtes mitteilt. Gendarmenmarkt hatte wie uns ein Wähler dieses Begandazettel mit der Aufschrift: Hindenburg, der Retter - der dort amtierende Vorsteher eine Anzahl Propavor fich auf dem Tische liegen. Als der demokratisch gesinnte Wäh ler nun seiner Wahlpflicht genügt hatte und gegen diese Beeinflussung Brotest erhob, erflärte der Herr: Sie haben doch schon gewählt, Sie tann ich doch nicht mehr beeinflussen!" Die Hausangestellte muß wie die Herrschaft wählen. Merkwürdig ist auch folgender, fennzeichnender Borfail, den uns ein Leser mitteilt: Meine Braut, die als Dienstmädchen in B. Hildebrandts Konditorei, Glogauer Straße 17, in Stellung iſt, wurde gestern. Sonntag, mittag von ihrer Herrschaft aufgefordert, mit zur Wahl zu gehen. Ihren Einwand, daß sie dazu ja noch bis 6 Uhr abends Zeit habe, ließ die„ Gnädige" nicht gelten. Im Wahiiotal fah Frau Hildebrandt, daß meine Braut ihr Kreuz neben dem Namen von Dr. Wilhelm Marg gezeichnet hatte. Darauf entriß fie sie ihr den Stimmzettel mit den Worten:„ Wer nicht Hindenburg wählt, der muß aus meinem Hause". Das Wahlbureau und der Wahlvorsteher des Lotals( Glogauer Straße 21) sahen den Borsall mit an und lachten, nur darüber. Meine Braut hat daraufhin überHaupt nicht gewählt, sondern ist erst nachmittags mit mir zusammen zur Wahl gegangen. Später äußerte Frau Hildebrandt noch:„ Ich wähle Hindenburg nur, damit die Dienstbolzen Soldaten haben zum Unterfriechen. Noch am Abend desselben Tages erhielt meine, Braut Zeugnis und Papiere und mußte sofort ausziehen." I Beeinflussung im Wahllotal Ein Fall von Wahlbeeinflussung hat sich, schreibt ein Leser, im Wahllokal des Bezirts 9 Ansbacher Straße 39 ereignet. Dort hat der Wahlvorsteher von Beginn der Wahl an bis 22 Uhr neben den Wahlzellen den Berliner ,, Lokal- Anzeiger" ausgelegt, der die Ueberschrift trägt:„ Wählt Hindenbury". Die Auslegung mar so erfolgt, daß die Aufforderung, Hindenburg zu Der Leiter des Agiwählen, an jeden Wählenden gerichtet war. Eine Reihe öffentlicher Versammlungen der Arbeitsgemeinschaft freigeistiger Berbände der deutschen Republik werden heute und morgen, abends 7 Uhr, veranstaltet. Wir empfehlen unseren Genessen, diese Versammlungen rege zu besuchen. Die Lokale der heutigen Versammlungen find: C., Sophiensäle, Sophienstr. 17/18; W., Wiclefftr. 24, Moabiter Gesellschaftshaus; N., Müllerstr. 142, harusfäle; N., Bappelallee 15, Kasinosäle; D., Frankfurter Allee 46, Brachtfäle des Oftens; SD., S. und Neukölln: Hasenheide 14, Erbes Festfäle; Charlottenburg: Schillerstr. 26, Aula; Schöneberg: Hauptftraße 13, Lindenpark; Tempelhof: Kaiſerin- Augusta- Straße, Aula des Gymnasiums; Zehlendorf: Berliner Straße, Lindenpart. Hardegen soll so fürchterlich geschlagen haben, daß einer seiner Ranieraden ihn sogar mahnte, es nun genug sein zu lassen. Die Seugen hatten später erhebliche Spuren schwerer Mitationsbureaus des Volfsblocks für die Bezirke Charlottenburg handlung an ihrem Körper. Trogdem bestritt Hardegen, ge1-20, Dr. Goet, hat darauf an den Wahlvorsteher ein Schreiben hlagen zu haben. Die sämtlichen Schupobeamten, die geladen gerichtet, in dem er auf die Unzulässigkeit der Auslegung auf. wurden, einschließlich des Wachthabenden Telsche, wollten nichts merksam macht, dagegen protestiert und die Entfernung der gehöri und gesehen haben. Bei ihm und bei Echupowacht Nummer des Lofal- Anzeigers" fordert. Der Wahlvorsteher hat menter 3immermann hatte der Staatsanwalt Bedenten daraufhin endlich den Lokal- Anzeiger" weggenommen und den gegen die Bereidigung. Das Gericht nahm auch von der Brief des Herrn Dr. Goetz im Wahllokal bekannt gemacht. Bereidigung des Zimmermann Abstand. Trotz der Mahnungen des Borsigenden und der Beisitzer vor den Folgen eines Meineides aus falschem Kameradschaftsgefühl blieben sämtliche Schupobeamte dabei, nichts gesehen zu haben. Es standen sich demnach vier Eide vier anderen Eiden gegenüber. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Wasmus hatte feinen Zweifel, daß auf der Polizeimache geschlagen worden sei. Es sei das ja schon ein altgewohntes Bild, daß die Beamten nachher nichts gefehen haben wollen. Er hielt es aber außer Zweifel, daß die vier jungen Leute Schläge bekommen haben und daß Hardegen als Täter überführt worden sei, weshalb er vier Monate Gefängnis beantragte. Das Gericht fam zu der Ueberzeugung, daß es sich um Aus daß die vier Zivilisten, einen durchaus glaubwürdigen Eindruc fchreitungen gröbster Art auf der Polizeiwache handele und machten. Der Aussage des Wachtmeisters Zimmermann hat das Gericht feiner Glauben geschenft, meshalb er auch unvereidigt geblieben ist, denn er muß bei der Prügelei im Zimmer gewesen sein. Leider sei es, so hieß es in der Urteilsbegründung, eine gerichtsnotorische Tatsache, daß solche Prügeleien auf der Polizei mache nicht zu den Seltenheiten gehoren. Mit diesem Unfug müsse aufgeräumt werden. Das Gericht ging daher über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und perurteilte Hardegen megen fortgejezter Körperverlegung im Ante zu 6 Monaten Gefängnis und erflärte ihn auf drei Jahre unfähig zur Belleidung öffentlicher Aemter." Dabei hat das Gericht, jo erklärle Amtsgerichtsrat Dr. Neumann zum Schluß, den Angeklagten noch fehr milde angefaßt." Die Heimarbeitausstellung. Parteinachrichten Sinfendungen für dieſe Rubrik find Berlin 68. 68. Sindenstraße 3. ali i silodaghup, avons für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten. 3. Atreis Bebbing Achtung, Parteigcnoffen! Frühlingsfeierstunden der Rindergruppen am Mittwoch, ben 29. April, 7% Uhr, in der DiesterwegRealschule, Sütticher Ste. 38. Brogramum: Gologefänge, Chöre, Rezita tionen, rhythmische Tänze Lichtbildervortrag: Durch Thüringen". 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Bichtenrade. Mittwoch, den 29. April, abends 7% Uhr, Sigung des Bildungsausschusses bei Niendorf, Mariendorf, Chauffee, Ede Streligstraße. Bestimmtes und pünktliches Erfcheinen ist Pflicht. Die Demonstrationsversammlung der Gewerkschafts genoffen findet am 1. Mai vormittags im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße, ftatt. Alle Parteigenossen nehmen daran teil. Die Nachmittagsfeier des 1. Mai findet im Garten und allen Räumen des Gesellschaftshauses Graßl, Mariendorf, Chauffeeftr. 305, ftatt und beginnt um 3 Uhr. Ronzert, Chorgefang, Festansprache: Genosse Adolf Soffmann, große Berlofung, Raffectüche, Tanz. Eintritt 50 Bf., an der Kaffe 75 Bf. Arbeitslofe Genoffen frek.. Heute, Dienstag, den 28. April: 44. Abt. Maffeizeitungen und-marken find beim Raffierer, Genossen Schymolinsky, Raunnftr. 41, zu haben und von den Bezirksführern ab. zuholen. Gestern nachmittag um 4 Uhr fand die Eröffnung der„ Deutschen Heimarbeitausstellung 1925" in den Ausstellungsräumen am Lehrter Bahnhof von Professor Dr. Ludwig He y de von der Gesellschaft für soziale Reform statt. Prof. Heyde schilderte in furzen Ausführungen die soziale Bedeutung dieser Ausstellung, die keine Messe sein soll, sondern die ein objektives Bild von Art und Umfang Jungfosialisten. Gruppe Süden: 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, der Heimarbeit in Deutschland, vom Produktionshergang und von den Lohn- und Arbeitszeitverhältnissen geben soll. Am Schluffe feiner Ausführungen betonte Prof. Hende die Notwendigkeit von Tarifverträgen für die Heimarbeit, damit es nicht porfommen fönne, daß viele durch allergeringsten Stundenlohn taum ihr Leben fristen fönnen. Heute findet die Eröffnung der Ausstellung für das Publikum statt. Umleitung von Straßenbahnlinien wegen Bauarbeiten. Infolge ron Bauarbeiten in der Blücherstraße werden in den Nächten vom 29. zum 30. April und vom 30. April zum 1. Mai ab 10 Uhr abends die Linien 4, 15, 21, 31, 32, 95 in beiden Richtungen durch die Bellealliance, Gneisenaustraße, Kaiser- Friedrich- Blaß und Camphausenftraße umgeleitet. Um während der Dauer der Gleisbauarbeiten in der Beuthstraße den Fuhrwertsverkehr während der Geschäftszeit nicht zu behindern, werden die Linien 27, 47, 48, 147, 148 in Richtung Neukölln vom 28. d. M. ab an Werktagen non 9.30 Uhr vor mittags bis 4.30 Uhr nachmittags über Leipziger, Jeru folemer, Krausen, Kommandantenstraße umgeleitet. Der Verkehr der genannten Linien für die Gegenrichtung bleibt un terührt. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 28. April. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.30 Uhr abends: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 7-8.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7 Uhr abends: Abteilung Heilkunde. Dr. Schweers: Mutterschutz rad Säuglingsfürsorge". 1. Vortrag. Warum brauchen wir Mutterschutz? 7.30 Uhr abends: Abteilung Handel. Dr. Kurt Magnus: Was muß man von den Steuern wissen?" 8 Uhr abends: Abteilung Musikwissenschaft. Dr. Richard H. Stein: Einführung in 8.30 Uhr abends: Moderne Lyrik. 1. Zur Einführung( Hermann die russische Musik". 7. Vortrag. Cui, Balakiroff und Borodin". Kassack). 2. a).Der Aufbruch, Ernst Stadler, b) Aus, Gesammelte Dichtungen, Georg Traki( Sybille Binder, Rezitation). 3. a) Aus Die Leibwache und Weiß und rot". René Schickele, by Aus Der himmlische Zecher, Der Held der Erde und„ Atair", Alfred Mombert( Wolfgang Zilzer, Rezitation). 4. Improvisationen aus der Violin- Klaviersonate, Richard Strauß( Professor Robert Zeller. Violine). 5. a) Aus, Wolkenüberflaggt" und aus dem Nachlaß nach den Veröffentlichungen im Buch der Toten", Ernst Wilhelm Lotz. b) Aus Jugendgedichte, Vermischte Gedichte und Schöpfnng aus Liebe, Rudolf Borchardt( Sybille Binder). 6. a) Ans, Die gesammelten Gedichte, Alfr. Lichtenstein, b) Aus Die Himmelsleiter und Der himmlische Vagant, Klabund ( Wolfgang Zilzer). 7. Reve d'enfant, Eugène Ysai( Prof. Robert Anschließend: Dritte BeZeiler). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini dienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. kanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetter10.30 Uhr abends: Rechtsanwalt Dr. John Wolfsohn: Die Aufwertungsentwürfe. 2. Vortrag. Die Aufwertung öffentlicher Anleihen. Lindenstr. 3, Gruppenabend:" Jugendinternationale und Antimilitaris. mus". Gruppe Lichtenberg: 7% Uhr im Jugendheim Barkane 10, Bericht des Genoffen Otto Lamm von der Reichstonferenz". Gruppe Tempelhof Mariendorf: 7% Uhr im Jugendheim, Enzeum, Tempelhof, Germaniaftr. 4-6, Bortrag des Genossen Lepinsti: Margistische Staats. auffaffung" Gruppe Niederschönemeibe: 7 Uhr Referat über Ditta. tur oder Demokratie". Gruppe Norden: Die Genoffen beteiligen fich heute abend an der öffentlichen Bersammlung für Rirchenaustritt in den Bharus Gälen, Müllerftr. 142. Morgen, Mittwoch, den 29. April: 12. 6. 7 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 17, Abteilungsversammlung. Tages ordnung: Reiwohl des Abteilungsvorstandes. Die Bezirksführer laden ein. 16. bt. 7 Uhr bei Arüger, Suffitenftr. 34, Mitgliederversammlung. 28. t. 7 Uhr bei Büttner, Gamebter Git. 23, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Neuwahl der Abteilungsleitung und der Delegierten zur Areisversammlung. 45. 96t. 7 Uhr Mitgliederverfammlung in der Schulanla Reichenberger, Ede Forster Straße. Vortrag des Genossen Breuer: Das Ergebnis der Präsidentenwahl". Bormärtsleser und Gympathisierende find eingeladen. 46. Abt. 7% Uhr Sahlabende bei Eichholz, Cuvryftr. 25 und bei Walentyn, Görliger Str. 72. 55. bt. Charlottenburg. 7 Uhr bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, he teilungsversammlung. Tagesordnung: Die nächsten Aufgaben der Sozialdemokratie". Referent Genosse Buttkamer. 79. Abt. Schöneberg. 8 Uhr im Gesangfaat der Uhland- Schule, Rolonnen ftraße, Jahresgenevalversammlung. Neuwahlen. Bolitische Aussprache. 83. Abt. Lichterfelbe. 7% Uhr Mitgliederversammlung in Hertels Feftfälen, Behlendorfer Str. 5. Wichtiger Bortrag. 30. Abt. Reukölln. 7 Uhr in der Aula der Knabenmittelschule Dondu ftraße 120, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genoffen Judrian: Bas lehren uns die legten Wahlen?" 139. bt. Tegel 8 Uhr im Lokal Schade, Berliner Str. 17, Mitgliederver fammlung. Tagesordnung: Jahres- und Raffenbericht. Neuwahl der Abteilungsleitung. Frauenveranstaltung morgen, Mittwoch, den 29. April: 80. Abt. Schöneberg. 7 Uhr bei Gürlich, Rubens., Ede Begasstraße, Bor trag des Genoffen Ruben: Unsere nächsten Aufgaben". * 136. bt. Reinickendorf- Oft. Donnerstag, den 30. April. 7% Uhr, Funktionär. fikung im Lokal Dölschner, Residenzstr. 53. Wichtige Tagesordnung. Die Bezirksführer müssen die Selfer einladen. Sport. 1. Rennfag der Treptower Rennfahrerschule. Am 1. Mat; abends 6 Uhr, tritt die von Direktor Schwarz und Balter Rütt ins Leben gerufene und seit vier Wochen bestehende Rennfahrerschule zum ersten Male in die Deffentlichkeit. Die Schüler follen nun zum ersten Male einen Renntag für sich haben. Es ist das folgende, interessante Brogramm zusammengestellt, und zwar ein Vorgabefahren über vier Runden für Mulstreifenfabrer, ein Bunktefahren über 30 Runden für Fahrer mit Drahtreifen, sogenannte Shaßenrennmaschinen. Ein Hauptfahren über drei Runden und ein Prämienfahren über 15 Runden; beide offen für Fahrer mit Rennmaschinen und Schlauchreifen. Begen der starten Beteiligung am Hauptsabren sind mehrere Vorläufe ers forderlich. Für die einzelnen Rennen sind eine grönere Anzahl Ehrenbreile ausgelegt, die in der Hauptfache aus praktischen Gegenständen, die die jungen Fahrer für ihr Weiterfommen im Rennsport benötigen, be ſtehen. Einheitseintrittsgeld 50 Pf. Die Radrennen in Treptow, die am Sonntag Infolge des Regens aus. fallen mußten, finden nun am Mittwochabend 6%, Uhr statt. Die Motorradrennen auf der Olymplabohn, die ebenfalls verschoben werden mußten, gehen heute nachmittag vor fich Beginn 5 Uhr. . Der Feuerschuh in der Industrie! Wie sehr der Feuerschutz der Industrie vernachlässigt wird, hat fich bei vielen Bränden in der letzten Zeit gezeigt. Oft hat das Feuer von dem Stodmert der Entstehung auf andere Stockwerfe übergegriffen, ehe die Feuerwehr hilfe bringen fonnte. In Hamburg ist am 15. April im Kaufmannshaus" ein großes Geschäftshaus im Lagerraum der Bergmann A.-G. ein Feuer eniftanden, das an dem vorhandenen Badmaterial reiche Nahrung fand, über offene Türen und einen Lichtschacht die oberen Stod werke in Brand setzte und Treppen und Korridore verqualmte. In folge dieser Berqualmung konnte das Personal die Ausgänge nicht mehr benutzen und mußte von der Feuerwehr über vier mechanische Leitern in Sicherheit gebracht werden. Durch das Hochschlagen der Flammen waren in jedem Stodwerk Brände entstanden und der Feuerwehr ist es nur unter Aufbietung aller Kräfte gelungen, die vollständige Zerstörung des Hauses zu verhindern, nachdem sie das bedrohte Personal in Sicherheit gebracht hatte. In dem Betrieb der AEG. Berlin in der Aderstraße ist am 23. April abends gegen 9 Uhr ein Schadenfeuer entstanden, das sich ebenfalls zu einem umfangreichen Großfeuer entwidelte, einen Sachschaden von etwa einer Million Mark anrichtete und zu schweren Rauchvergiftungen führte. Dank dem energischen Ein greifen eines Angestellten konnte sich die Belegschaft noch im legten Augenblick in Sicherheit bringen, wobei 4 Personen infolge Rauchvergiftung ohnmächtig wurden. Die Tätigkeit der Feuerwehr wurde erschwert, weil der umfangreiche Bau, der drei Höfe umfaßt, nur eine Einfahrt hat und die Höfe so mit allem Möglichen angefüllt waren, daß die Feuerwehr nur mit einer einzigen Motor prize in den Hof einfahren und das Feuer von dort angreifen fonnte. Die übrigen Fahrzeuge der Feuerwehr es waren deren mehr als fünfzig erschienen mußten in der Aderitraße liegen bleiben und die Mannschaften lange Schlauchleitungen bis zur Brandstelle legen, mit denen sie zum Angriff auf das Feuer über Kisten und sonstige Barrikaden vordringen und über Stedleitern zum infolge des ansteigenden Geländes tiefliegenden Erdgeschoßz hinabsteigen mußten. Auch hier ist es der Feuerwehr nur mit Aufbietung aller Kräfte gelungen, das Feuer um Mitternacht zum Stehen zu bringen und die dem Wert drohende Gefahr abzumehren. Eine natürlich offenstehende Tür, denn dafür ist sie ja da, und eine Treppe gaben den Flammen Gelegenheit, ungehindert auf Del und Badmaterial in den an und überliegenden Räumen überzugreifen. -W Und nun fragen wir: Hält es die Industrie nicht für notwendig, Betriebsstätten, Rohstoffe und Fertigfabritate vor der Zerstörung durch Schadenfeuer und die Betriebsbelegschaften vor den mit der Zerstörung verbundenen Gefahren zu schüßen? Hält sie es nicht für reiwendig, in den Betrieben wenigstens die Einrichtungen zu treffen, die zur erfolgreichen Bekämpfung von entstandenen Schadenbränden erste Boraussetzung find? Und die Feuerversicherer? Sind sie der Meinung, daß mit dem Abschluß der Versicherung die Erhaltung der vorhandenen Werte gesichert ist? Und wie sind diese Zustände mit der Gewerbeordnung vereinbar? Waren alle Vorrichtungen getroffen, die zum Schuße der Arbeiter gegen Gefahren infolge Fabritbrände getroffen werden können? Haben die vor. Harbenen Vorrichtungen einen Wert, wenn sie im Augenblick der Gefahr unbrauchbar find? Wie sah es aber mit diesen Vorrichtungen bei der AEG. aus? Feuerlöscheinrichtungen zur Be fämpfung von Delbränden( Schaumlöscher) waren nicht norhanden. Die vorhandenen Löscheinrichtungen erfüllten ihren 3wed nicht, weil sie unzugänglich waren und die Feuerwehr nur mit einem Fahrzeug in das tiefe Fabrikgrundstüd einfahren konnte. Eine Feuermeldeanlage mit Nebenmeldern, durch die neben der Werksfeuerwehr sofort auch die städtische Feuerwehr alarmiert wird, ist nicht vorhanden. Die Wertfeuerwehr war zuflein und mit geeigneten Löschmitteln nicht ausgerüstet. Die Tür, die bestimmt war, das Umfichgreifen des Feuers aufzuhalten, stand offen, obwohl sie so sein müßte, daß fie von felbst aufchlägt. Die Bor richtungen, die geeignet sind, die Gefahren bei. Fabritbränden abzu wehren, schwere Berluste an Sachwerten zu verhindern, waren nicht vorhanden oder haben versagt. Die Einstellung der Deutschen Wirtschaftsführer zur Sicherung her Großbetriebe gegen Schadenbrände kommt an deutlichsten zum Ausdrud in einem Kündigungsschreiben, das am 17. April d. I. den Feuerwehrleuten der Deutschen Werte in Span dau zugestellt wurde. Dort ist gefagt:„ Da wir unser Feuerrisiko bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften eingededt haben und wir nicht in der Lage find, nebenher noch die Unkosten einer eigenen Feuerwehr weiter zu tragen, sehen wir uns zu unserem Bes dauern genötigt, Ihnen Ihr Arbeitsverhältnis zum 16. Mai 1925 zu fündigen. Während die Bersicherungsgesellschaften 10 und mehr Brozent Dividende verteilen und allein der Gerling- Konzern einen Gewinn von fünf Millionen Mart ausweist, sehen sich die Unternehmer gezwungen, den Feuerschutz im Betrieb abzubauen, weil fie Dividenden für die Feuerversicherer und Kosten für den Feuer schutz nicht aufzubringen vermögen. Die Werte aber, die im Schweiße der Arbeit geschaffen wurden, um das Deutsche Wirtschaftsleben zu heben, gehen in Flammen auf. Leben und Gesundheit der Arbeiter werden bedroht. Und das nennt man„ Wirtschaft". Der Rundfunk zur Eröffnung des Deutschen Museums! Anläßlich der Einweihung des Deutschen Museums am Donnerstag, den 7. Mat, wird der Rundfunk, das jüngste Kind der Technik, die in den weiten Hallen des Museums eine würdige Heimstätte gefunden hat, weite Kreise an den Festvervanstaltungen teilnehmen laffen. Wie die Reichszentrale für Deutsche Verkehrsmerbung erfährt, wird der Münchener Rundfunksender an diesem Tage folgen des Programm verbreiten: 10.15 vormittags Festspiel von Gerhart Hauptmann mit Mufit von Geheimrat Prof. Her. wann 3ilcher, Chorgesang mit Orchester vom Münchener Lehrergesangverein, verschiedene Ansprachen, Schlußchor des Lehrergesang vereins. 1.15 bis 3 Uhr nachmittags Orgelfonzert, gespielt von Prof. Lenz auf der neuen elettrischen Fernorgel des Deutschen Museums, das Birtigt- Quartett, das Soloquartett des Münchener Lehrergesangvereins, das Bläferoftett der Bayerischen Staatstheater und Klaviersoli von Prof. Bilcher. 7.30 Uhr abends Fest auf führung in der Bayerischen Staatsoper. Kreis- Rinderturn- und Sportfest. Bom 13. bis 15. Juni wird zum ersten Male ein großes Pro ragandafest für die Leibesübungen der Kinder in Brandenburg a. d. 5. flattfinden. Eingeladen sind hierzu alle Kinderabteilungen der Turn, Schwimmvereine usw., welche dem 1. Kreise des Arbeiter- Turn- und Eportbundes angeschlossen sind. Die Brandenburger Arbeiterschaft hat sich für dieses Fest, das etwa 5000 Kinder erfassen wird, zur Verfügung gestellt und wird alle Kinder in Privatquartieren unter bringen. Die Beförderung per Bahn wird in Sonderzügen erfolgen, die bereits am Sonnabend vormittag 10 Uhr im Feftort eintreffen. Nachmittags um 2 Uhr beginen die Borfämpfe und Wettspiele, denen sich um 6 Uhr Bühnenvorführungen der Bundesschule, Brandenburger Kinder und der Bezirke anschließen. Am Sonntag findet das cigentliche Propagandafest ftatt mit einem außerordentlich reich haltigen Programm. Am Montag ist vormittags Baden im Blauer See vorgesehen, und um 4 Uhr nachmittags erfolgt die Rückfahrt in die Heimat. An alle Eltern wird die Bitte gerichtet, ihren Kindern die Teilnahme an diesem Werbefest zu gestatten, das allen Teil nehmern eine bleibende Erinnerung sein wird. Alle Teilnehmer find bis 15. Mai durch die zuständigen Jugendleiter an Genossen Karthäuser, Brandenburg a, d. H., Wilhelmsdorfer Str. 38a, zu melden, damit die Quartierfrage zur allgemeinen Zufriedenheit gelöſt werden kann. Kurzarbeiterwochenfarten. Die Frist für die Ausgabe von Kurzarbeiterwochenfarten ist nach Bekanntmachung der Reichsbahn direktion in Berlin sowohl für den Berliner Stadt, Ring. und Borortverfehr als auch für den allgemeinen Berfehr bis zum 31. Dezember 1925 verlängert morden. Arbeiter Sport Die Luzerner Sportinternationale. daß hier von einer Kulturorganisation wirklich produktives Schaffen Die Internationale des Arbeitersports ist noch jungen Datums, ebenfalls im Juli, die erste Arbeiterolympiade abgehalten. Aus im Bordergrund steht, wird in diesem Jahre in Frankfurt a. M., wie das Bestehen von Arbeitersportorganisationen überhaupt. Eine allen Ländern werden die Turner und Sportler zusammenströmen, Ausnahme macht nur Deutschland, wo durch die Unterbrüdung der um in Einzel- wie Mannschaftstämpfen die Leistungen zu prüfen. allgemeinen sozialistischen Bewegung und die arbeiterfeindliche Ein- Im Vordergrund wird die Leichtathletig stehen. Die großen stellung der bürgerlichen Sportverbände bereits 1890, nach dem Fall Ausscheidungsspiele über die Meisterschaften in den Bewegungsspielen des Sozialistengefeßes, an die Gründung von Arbeitersportvereinen nehmen einen nicht unwesentlichen Teil des Programms in Anspruch. und im weiteren Verlauf des Arbeiterturnerbundes herangegangen murde. Im Jahre 1913 erging erstmalig von belgischer Seite der hergehenden Jahre in Prag abgehaltene und von deutschen ArbeiterWar schon das erste Bundesturnfest in Leipzig und das im vorAufruf zu einer internationalen Konferenz nach Gent, an der turnern und Sportlern besuchte internationale Sportfest geeignet, Bertreter aus Belgien, Frankreich, England und Deutschland teil- Fühlung zwischen den Arbeitersportlern des Auslandes zu nehmen, nahmen. Die hier gegründete Internationale war aber nur von furzer Lebensdauer, da der 1914 ausbrechende Weltkrieg alle inter- weit größerem Maße zu tun. Welch überwältigenden Eindruck hat so wird die Arbeiterolympiade in Frankfurt a. M. gestatten, dies in nationalen Verbindungen wieder zerstörte. Aber bereits im Früh doch das Bundesfest in Leipzig seinerzeit hinterlassen. Der Festzug jahr 1919 erging aufs neue von belgischer Seite der Ruf nach Schaf durch die Stadt hinaus zum Messegelände am Fuße des Völkerschlacht fung einer Internatinale. Im April 1919 fand zunächst eine Kondentmals und der Aufmarsch der 16 000 Turner zu den Freiübungen ferenz der belgischen und französischen Genossen in Baris statt, auf dem geräumigen Festplaß waren Ereignisse. Sie sind noch in die einstimmig beschloß, die Arbeitersportler aller Länder zu einer frischeſter Erinnerung bei allen Arbeiterturnern und Sportlern, bei internationalen Konferenz in Luzern für den Herbst 1919 einzu den Radfahrern, Schwimmern und Wasserfahrern. Da scheint es laden. Auf dieser Konferenz waren vertreten: Belgien, Frankreich, nicht zu viel gesagt, wenn der Arbeiter- Turn- und Sportbund die England, Tschechoslowakei, Finnland und Deutschland. Die hier Veranstaltung in Frankfurt a. M. als das größte sportliche aufs neue gegründete Internationale erhielt den Namen: Luzer. Ereignis des Jahres anspricht. Mit Eifer wird von allen ner Sportinternationale. Aus den Programmjägen Seiten an der Ausgestaltung des Festes gearbeitet. Die zu leistende dieser neuen Internationale sei hervorgehoben: deutschen Arbeiter- Turn- und Sportbundes. Daß sie übernommen Borarbeit ist riesengroß und liegt voll und ganz in den Händen des und geleistet werden konnte und geleistet wird, zeigt am deutlichsten, welchen Aufschwung die Bewegung der Arbeitersportler genommen hat, nachdem der größte Teil der einengenden Fesseln gefallen ist und den Arbeitersportorganisationen eine Mitarbeit in den Jugendpflegeorganisationen in Staat und Kommunen möglich gemacht ist. Jetzt dem aus eine vorbildliche Erziehungsarbeit und Ausbildung von wird eifrig am Baudes Bundesschulhauses gearbeitet, Don Sporttechnifern, Turnwarten und Borturnern für die männlichen omohl wie für die weiblichen Organisationsangehörigen in die Wege geleitet werden soll. Die ersten Früchte dieses eifrigen Bemühens merden sich in Frankfurt a. M. zeigen. Auf dem großen Stadionplaz draußen im Frankfurter Stadtwald wird es sich zeigen, welche Fortschritte in den letzten Jahren zu verzeichnen find und wie weit der internationale Gedanke und die Annäherung unter den Sportlern der ehemaligen Feindstaaten wieder gediehen ist Allerdings wird in solchem Umfange mit der Beteiligung der Ausländer Balutageschäfte sind heute in Deutschland nicht mehr zu machen wie wie zum Bundesfeft 1922 wahrscheinlich nicht zu rechnen sein. Denn zu den Zeiten der schlimmsten Inflation. Und die Ausländer, die heute nach Deutschland kommen, müssen schon ziemlich erhebliche Opfer bringen. Nach allem, was sich bis heute übersehen läßt, wird in organisatorischer und sportlicher Beziehung Großes geleistet werden. 2m 28. Juni findet im voraus das Spiel um die Bundes Sonntag die leichtathletischen Ausscheidungskämpfe für die Olympiade meisterschaft im Fußball statt, dem am darauffolgendes folgen. Das ganze Fest wird die Tage vom 24. bis 28. Juli umfaffen. Die Bundesmeisterschaften in den Turnspielen werden im Verlauf der Festtage vor sich gehen. Bietet schon der historische Boden Frankfurts manches Angenehme, um wieviel mehr noch feine Umgebung. Und wenn das Sportfest sein Ende erreicht hat, werden nicht wenige der Teilnehmer noch für einige Tage Fahrten nach dem Taunus, ins Mainviered, den Schwarzwald, an den Rhein oder noch weiter hinab zu den Alpen unternehmen. Wir werden in diesen Rahmen weiter über die Vorbereitungen zu der ersten Arbeiter C. 3m. olympiade berichten. Der „ Der Internationale Arbeiterverband für Sport und Körperpflege wird gebildet aus den Landesverbänden für förperliche Erziehung: Turnen, Sport und Wandern.... Die Arbeitersport bewegung ist nicht minder wichtig als die politische, gewerkschaft liche und genossenschaftliche Bewegung der Arbeiterschaft; es gilt auch auf dem Gebiete der Leibesübungen den Kampf zu führen gegen Kapitalismus, Nationalismus und Militarismus. Bund erblickt die Möglifcheit der Verwirklichung seiner Ziele erſt in der sozialistischen Gesellschaft. Es tönnen daher nur Personen Mitglieder des Bundes werden, die dieses Ziel erstreben. An die sozialistischen Parteien und Gewerkschaften aller Länder richtet der Bund die Aufforderung, daß fie alles tun, damit die Forderungen des Bundes, die ein Lebensinteresse des Brole. tariats wahrnehmen, alsbald verwirklicht werden. Weiter fordert er die Parteien und Gewerkschaften auf, darüber zu wachen, daß teins ihrer sporttreibenden Mitglieder bürgerlichen Verbänden und Vereinen angehört, da diese seit jeher die stärksten Stügen des Nationalismus waren; sie haben die Jugend für den Militarismus begeistert und sind nicht zuletzt mitschuldig an dem großen Unglüd des Weltfrieges. Sekretär Bridoug. Das Bureau der Internationale verblieb in Belgien unter dem Im Jahre 1920 wurde eine Konferenz in Brag abgehalten und ein Jahr später ein kleiner Kongres in Leipzig im Anschluß an das 1. Arbeiter- Turn- und Sportfest. Im Früh jahr dieses Jahres fand eine Konferenz in Frankfurt a. M. statt; Eine große Heerschau des gesamten Arbeitersports wird die im der nächste ordentliche Kongreß tagt im September 1925 in Paris. Juli stattfindende 1. Internationale Arbeiterolym. piade bilden. Da Kaum war die Luzerner Internationale gegründet, als auch schon die Kommunisten die Spaltungsarbeit begannen. Unter der befanten Begründung, daß dadurch die Einheitsfront des Proletariats" hergestellt werden sollte, ging unter Leitung Ber liner Kommunisten mit Unterſtügung Sowjetrußlands die Grün dung der Roten Sportinternationale por fich. noch keine tömmunistischen Turnverbände porhanden waren und rein militärischen Erziehung föfte, so gründete man zunächst ein in Rußland die Körpertultur fich erst langjam von der bisherigen Propaganda bureau unter Leitung von Lieste in Berlin Die erste Tat war die Spaltung des tschechoslowakischen Turnverbandes, die gleichzeitig mit der Spaltung der tschechoslowakischen Sozialdemokratie erfolgte. Später wurde dann auch die Spaltung des Arbeitersports in Frankreich erreicht, und in Norwegen trat ein Teil des bürgerlichen Verbandes zur Noten Internationale über. In Deutschland hat man sich bisher auf den Zellenbau beschränkt, der ebenfalls in Berlin den stärksten Einfluß hat. Die Naturfreunde Organisation( Wanderer) hat diesem Zellenbau durch Ausschluß ein Ende gemacht. In den anderen Verbänden blüht der Zellenbau aber noch üppig, da man sich hier noch nicht zu einer energischen Attion gegen die sabotierenden Elemente entschließen tonnte. In Belgien und Desterreich haben die Kommunisten gar nicht Fuß fassen nationale die erdrückende Mehrheit der Arbeitersportler umfaßt und fönnen. Im allgemeinen fann man sagen, daß die Luzerner Interdie Weltolympiade in Frankfurt a. M. wird nach den schon jezt vor. liegenden Meldungen ein gewaltiges Propagandafest internationaler Solidarität werden. Kartellverband Groß- Berlin. Bon der Zentralfommiffion für Arbeiter- Sport und Körperpflege" wurde den Arbeiter- Sportkartellen aller Orte Deutschlands aufgegeben, die Vorarbeiten zur Olympia, abgehalten zu Frant furt am Main vom 24. bis 28. Juli à. A, zu organisieren. Für Groß- Berlin fommt der Kartellverband für diese Vorarbeiten in Frage. Ich fordere nun die der 3.-K. angeschlossenen Organisationen auf, mir sofort für den zu bildenden Arbeits- Ausschuß je einen Bertreter namhaft zu machen. Außerdem muß dieser in der am 30. April bei Prasser, Michaelfirchstraße Ede Wusterhausener Str., abends 8 Uhr, stattfindenden Sizung zugegen sein. Organisationen, bie einen Vertreter nicht entsenden, haben tein Anrecht auf die Benutzung der Sonderzüge. Es ist weiter in den Organisationen festzustellen, wieviel Personen nur die Hinfahrt, und wieviel Hinund Rückfahrt mitmachen. Die ganze Fahrt toftet von Berlin Anhalter Bahnhof 21,60 Mart. Nach Anzahl der gemeldeten Personen werden die Sonderzüge bestellt. Da diese einen Mona vorher gemeldet werden sollen, um gute Wagen zu bekommen, ist es notwendig festzustellen und mir fofort zu melden, wieviel Personen, eventuell mit Gästen die Fahrt mitmachen. Die Ruderer und Radfahrer haben anzugeben, wieviel Boots- und Rädermaterial mitgeführt wird, um die entsprechenden Wagen zu bestellen. Genossen, die Vorarbeiten haben begonnen, über Fortgang wird laufend in der Arbeiter- Sportzeitung berichtet werden. aber dem Kartellverband infolge dieser Arbeiten große Geldays. gaben erwachsen, um so mehr, da ja bei Bestellung der Sonder züge eine gewisse Summe angezahlt werden muß, ist es notwendig, daß die Vereine nun sofort die Kartellbeiträge abzuführen haben. Dieser Beitrag beträgt pro Mitglied über 17 Jahren und 1 Vierteljahr 10 Pfg. Vereine, die die Beiträge nicht zahlen, oder rechtzeitig genug einsenden, so daß dem Kartellverband daraus Schaden erwächst, werden von der Benutzung der Sonderzüge ausgeschloffen. Die Beiträge sind an den Kartellfaffierer Gen. Heinrich Meßdorf, Charlottenburg, Schloßstraße 33, Stflg.( 3), einzusenden. Vereinsvorsitzende, wartet nicht bis zum legten Augenblic. Beginnt auch ihr sofort mit den für die Mitglieder notwendigen Vorarbeiten zur restlosen Beteiligung an der Olympia. Auskünfte und Anschriften: Robert De Ischlager, Berlin N. 65, Hochstädter Str. 10. Da nun Die erste Arbeiterolympiade in Frankfurt a. M. Nach der ersten großen Heerschau der Arbetterturner und sportler in Leipzig im Juli 1922, die dem Arbeiter- Turn- und Sportbund Gelegenheit gab, seine Ebenbürtigkeit auf dem Gebiete der Leibesübungen und Körperfultur im Vergleich mit allen anderen Organi. fationen auf diesem Gebiete darzutun und den Beweis zu erbringen, Die Verteuerung des Jugendwanderns. Schon fürzlich wurde darauf hingewiesen, daß manche im Staate der Allgemeinheit verantwortliche Stellen sich ihrer Aufgaben gegenüber der Jugend absolut nicht bewußt sind. Der Staat fowohl wie die in engster Gemeinschaft mit staatlichen Institutionen arbeitenden Körperschaften und Gesellschaften sollten es als eine ihrer bedeutsamsten Aufgaben betrachten, der Jugend in ihrer Ent midlung jebe erdentliche Erleichterung zukommen zu lassen. Dessen muß fich auch im Zeitalter des größten Verkehrs die Reichsbahn. gesellschaft bewußt sein. Durch eine Verfügung, die seit dem ersten 18 Aus Dr. Unblutigs Praxis. Aufheben! 11. Fortsetzung folgt! Wenn ich Lehrer wäre, wie Sie, verehrter Herr, so würde ich dem jungen Nachwuchse mindestens einmal wöchentlich die Wichtigkelt planmäßiger Fußpflege klarmachen. Kukirolen nennt das die heutige Wissenschaft. Ich würde die Kinder Aufsätze über das wichtige Thema schreiben lassen: Kukirolen bedeutet richtige Fußpflege. Die Wichtigkeit der Zahnpflege bei Kindern hat man erkannt und es finden in den Schulen regelmäßig Zahnuntersuchungen statt. Die Fußpflege ist aber noch viel wichtiger, denn mit künstlichen Zähnen kann man sich schließlich leichter abfinden als mit künstlichen Füßen. Versuchen Sie es bitte einmal an sich selbst. Kaufen Sie sich in der nächsten Apotheke oder Drogerie für 2 Mark eine vollständige Kukirolkur. Zunächst nehmen Sie ein Kukirol- Fußbad. Sie müssen in Ihrem Berufe so viel stehen und umhergehen, daß ihnen diese Wohltat aufrichtig zu gönnen ist. Sie werden dann nicht mehr über Schmerzen und Brennen der Füße zu klagen haben, aber auch nicht über Fußschweiß und kalte Füße. Das Gehen und Stehen wird Sie viel weniger anstrengen, denn das Kukirol- Fußbad kräftigt die Sehnen, die Gelenke und die Nerven. Nach dem Fußbade und ferner jeden Morgen pudern Sie die Füße mit Kukirol- Streupuder ein. Sie werden sich danach viel frischer und elastischer fühlen, denn Schmerzen und Müdigkeit in den Füßen verursachen allgemeine Mattigkeit und Unbehagen im ganzen Körper. Das werden Sie besonders empfinden, wenn Sie Hühneraugen haben. Diese beseitigen Sie in wenigen Tagen ohne Schneiden, also unblutig und gefahrlos mit dem vielmillionenfach bewährten Kukirol- Hühneraugen- Pflaster. Benutzen Sie aber niemals unbekannte Präparate, sondern achten Sie auf den Namen„ Kukirol und auf die bekannte Schutzmarke„ Hahnenkopf mit Fuß. Sie bewahren sick dadurch vor Schaden und vor Enttäuschungen. Es wird Sie auch interessieren, daß die Kukirol- Fabrik die größte der Welt auf diesem Spezialgebiete ist. Sogar eine Kukirol Straße gibt es schon in der schönen Badestadt Groß- SalzeElmen und ein neues Postamt wird dort auch gebaut. Das beweist, daß Millionen kukirolen", und was Millionen für richtig befinden, das wird auch Sie zufriedenstellen! Versuchen Sie es einmal mit einer Kukirolkur für 2 Mark. Verlangen Sie noch heute user neues, wichtiges Büchlein, betitelt., Kukirolen Sie. Dieses gibt Ihnen wichtige Aufklärungen über die Wichtigkeit der Fußpflege und enthält u. a. auch einige Photographien unserer Fabrik. Kukirol- Fabrik, Groß- Salze( Bad Elmen). Elgenes Verkantaburcan: Berlin W. 62, Kiciststraße 23, L Reichs- Arbeitersporttag. 28. April, Vorstandssigung. Abschluß bringen fonnte. Anfäßlich des RAST treten die Berliner Arbeitersportler mit einer Sport Werbewoche auf dem Plan. Den Abschluß bildet eine große Beranstaltung im Stadion Grunemalb am Sonntag, den 28. Juni. Schon jetzt muß auf die Wichtigkeit dieser Veranstaltung hingewiesen werden. Es gilt, der Berliner Arbeiterschaft, die wie in den Vorjahren Zeuge der Beranstaltung fein wird, zu beweisen, daß die Arbeitersportbewegung marschiert Jeber bewußte Arbeitersportler wird an dem großen Aufmarsch teilnehmen, der von der Größe der Arbeitersportbewegung Beugs nis ablegen foll. Durch eine große Stafette, bei der Baddler, Ruderer, Schwimmer, Radfahrer und Läufer mitwirken, wird für den Arbeitersportgedanken geworben. Das Ziel dieser Stafette ist das Stadion Grunewald. Zur Erledigung der Vorarbeiten treffen sich die Technifer aller an der Stadion- Veranstaltung intereffierten Berbände und Sparten am Donnerstag, den 30. April, abends 7 Uhr, auf dem Fichteplay in Baumschulenweg. Turnerschaft Wilmersdorf. April Geltung befigt, ist bekanntlich bie Fahrpreisermägi. gung im Interesse der jugendpflegerischen Arbeit bedeutend gefügt. Es ist ein schlechter Aprilscherz, in dieser Weise mit den Interessen der Jugend zu spielen. Die Jugendwanderungen sind ein äußerst wichtiges Glied in der Entwicklung weiter Kreise der jungen Generationen geworden. Nicht nur gesundheitlich ward die förperliche Entwicklung günstig beeinflußt, sondern auch geistig und ethisch entspringen dem Jugendwandern beträchtliche Werte, die ganz bedeutend zur guten Entfaltung einer freien Charakterbildung bei getragen haben. Ein hauptsächlicher wirtschaftlicher Stüßpunkt für bie Jugend- und Schülerwanderungen aber wurde die bis dahin gewährte Fahrpreisermäßigung für Fahrten im Interesse der Jugendpflege von 50 Prog. Heute soll nunmehr nur noch eine Fahrpreisermäßigung von 33 Proz. gewährt werden. Schon immer war die Frage der Ausbringung des nötigen Reisegeldes in der Seit des größten sozialen Notstandes außerordentlich schwer zu lösen. Viele der Bedürftigsten mußten immer wieder bei größeren Wanderungen die von Kreisen der Jugendbewegung oder der freien und behördlichen Jugendpflege eingeleitet waren, zu rückstehen, weil die wirtschaftliche Not der Eltern derartige Extravaganzen der Kinder nicht gestattete. Hin und wieder war es möglich, durch die Unterſtüßung der Kommune oder sonstiger Wohl tätigkeitsverbände resp. Arbeiterorganisationen einige Hilfe zu leisten; Hilfe, die immer noch nicht genügte, um allen Anforderungen auch nur einigermaßen gerecht zu werden. Durch die erneute un erhörte Maßnahme der Reichsbahngesellschaft aber ist dieser Not stand direkt zu einer allgemeinen Gefahr für die fernere Entwidlung des Jugendwanderns geworden; ein Notstand, dessen Wellen wiederum gerade auch zuungunsten der behördlichen Jugendpflegearbeit den ruhigen Aufstieg dieser wichtigen Arbeit stören dürften. Die von den Jugendämtern geftüßten Jugendwanderungen sind der Gefahr einer ungeheuren Verteuerung ausgefeßt, den Jugendämtern selbst aber sind demgegenüber abfolut nicht mehr Mittel zur Verfügung gestellt, um evtl. durch größere Zuschüsse einen Ausgleich zu schaffen. So fann der Erfolg diefer Maßnahme nur eine allge meine rüdläufige Bewegung sein. Ganz besonders werden des weiteren die Schulen betroffen. Gerade in den letzten Jahren hatten Dank der Initiative der Lehrerschaft die Schülerwanderungen oft unter den größten Opfern einen gewaltigen Aufschwung genommen. Es bedurfte auch hier mehr wie gewöhnlich der größten persön lichen Opferwilligteit der Lehrkräfte, die es durch persönliche Zuschüsse manchen Rindern ermöglichten, an größeren Wanderungen teilzunehmen. Auch dieses wird fünftig in Fortfill kommen müffen, denn auch der größte Opfermut hat seine Grenzen in der wirtschaftlichen Tragfähigkeit dieser Kreise. Bum legten aber werden in unerhörter Weise die Arbeiterorganisationen von jener Berteuerung betroffen. Man kann durchaus mit Recht behaupten, daß sich jene Verfügung der Reichsbahndirektion in überaus einfeitiger Weise gegen die arbeitenden, wirtschaftlich also am schwächsten dastehenden Kreife richtet. Auch die proletarischen Jugend- und Sportorganisationen haben in den letzten Jahren gewaltiges geleistet, um die von ihnen erfaßten Streife aus den gesundheitlichen und geistigen Gefahren der Großstadt hinauszuführen in die freischt, würzige Luft unserer Allmutter Natur. Durch die Verteuerung der Fahrpreise ward auch dieser Arbeit schon in den vergangenen Ostertagen bedeutenden Abbruch getan. Biele geplante Wanderungen mußten unterbleiben oder eingeschränkt werden. Zehntausende wanderten in den Oster tagen hinaus, und dennoch mußten nach unseren Feststellungen in folge der unverständlichen Berteuerungsmaßnahmen der Reichsbahn Taufende den Plan ihrer Osterwanderung, ausgeben, weil nunmehr im letzten Moment die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu start wurden. Es wird eine dankbare Aufgabe für alle parlamentarischen Kreise fein, gegen die unerhörten Maßnahmen der Reichsbahn. gesellschaft entschieden Stellung zu nehmen, damit derartige, jedem fozialen und pädagogischen Verständnis hohnsprechenden Berfügungen schleunigst rüdgängig gemacht werden. Thr Mehr als je gilt's mit dem Pfennig zu rechnen. Mehr denn je muß deshalb die tüchtige Hausfrau die vorteilhafteste Einkaufsquelle mit den zeitgemäßesten Preisen benutzen Bei uns kaufen heißt Pfennig auf Pfennig, Mark auf Mark Ihrem Sparbuch anvertrauen. C& A BRENNINKMEYER An alle Vereine des 1. Kreises im Urbeiter- Turn- und Sportbund. Der Kreistag vom 24. und 25. Januar 1925 hat beschlossen, die Arbeiter- Sport- Zeitung" als das offizielle Mitteilungsblatt des 1. Kreises anzuerkennen und auszubauen. Die Erfahrungen haben gelehrt, daß ein großer Teil der Vereinsfunktionäre über die Gefamtbewegung nicht genügend unterrichtet ist, was wohl zum großen Teil darauf zurückgeführt werden kann, daß unserer Bresse zu wenig Beachtung geschenkt wird. Hier ist Sparsamfeit nicht am richtigen Orte. Da von nun an sämtliche Bekanntmachungen des Kreisrates, fcwie der neuen Bezirksleitungen in genannter Zeitung veröffentlicht werden, ist es Bflicht ciler Bereine, mindestens für ihre Funktionäre die Arbeiter- Sport- Beitung" zu abonnieren. Wir verlangen, daß der Bereins- sowie die Abteilungsvorsitzenden, der Kassierer und die technischen Leiter in den Besitz der Arbeiter- Sport- Zeitung tommen müssen. Für die Technifer ist dieses um so mehr zu be achten, da unsere Zeitung bereits das Publikationsorgan für sämtliche Turnspieler und Leichtathleten ist. Noch heute gefangen Mitteilungen an den Kreisrat, die von großer Unkenntnis der Funktionäre zeugen. Die Benutzung der Arbeiter- Sport- Beitung" heißt Vereinfachung und Erleichterung der gesamten Kreisarbeit. Wir erwarten in Rukunft, daß die Vereine unserer heutigen Aufforderung Folge leisten und die Arbeiter- Sport- Zeitung" als offizielles Mitteilungsblatt einführen und abonnieren. Der Kreisrat. Eiswald, Ruberverein Collegia,. B.( Bootshaus an der Savel). In dieser Woche findet die Gigung am Donnerstag im Restaurant Thunad, Charlottenburg, Bielanbftr. 4, statt. Dortfelbst aufnahme neuer Mitglieder. Am Dienstag, Einzelmeisterschaften im Freien Reglerbund. In drei Berliner Bezirken tamen fürzlich die Beairt seinaelmeisterschaften im Steuerhaus, Beair! 24 Regler, die sich ihre Startberechtigung in den Bortämpfen erwarben. Landsberger Allee, über 150 Rugeln zum Austrag. Rugelaffen waren in jedem Die Meisterschaft im Bezirk Norden errang Mallwig( Luftige Brüder Tegel) mit 1047 Sola, im Weften der vorjährige Meister Kurzhals( Frohsinn, abit), während der Süden die Kämpfe wegen Reitmangels nicht zunt folat zufammen: Norden: Mallwis. Kühn, Schulz, Stein, Die Bezirtstampftiegen fezen sich wie Megow, Schelewski, Milfried, Köppe, M. Schulze, Soffmann und Riftow; eft en urshals, B. Schmidt, Scharf, Bodel, Hannemann, Menz, Finger, Bezirks Rentrum über 1000 Kugeln auf verschärfte Gasse, an dem 17 SportRarszinsti, Röderis, Koch, Weise und Cobin. In dem großen Kampf des tegler teilnahmen, siegte Bezirksmeister Herzog mit der überraschend hohen Solazahl von 7082 bei 974 Gaffenwürfen vor Raiser und Nicel mit 6936 ( 947 Gaffen) bam. 6915 Sola( 947 Gaffen), fämtlich vom Ep.-K.-K. Bögow. Es fei allerdings vermerkt, daß die Sieger mit den Bahnverhältnissen im Hufeland gut vertraut sind. 9. Bezirt. Am 10. Mai Rartellsportfeft auf dem Turnplatz der Freien Borverkaufskarten( für Jugendliche 25 Pf., fülr Erwachsene 50 Pf.) find bei jedem Mitglied der angeschlossenen Arbeitersport und Kulturorganisationen au haben. Raffenpreis 50 und 75 Pf. Organifationen, bie noch nicht im Besige von Borverkaufstarten find, wollen die felben von der Raffiererin Ch. Parlow, 28. 30, Barbarossastr. 45, abholen. Frauen- und Jugendabteilung. Geschäftsstelle: Kurt Liebruds, Berlin D. 34, Athletik- Sport- Club, e. B. Leichtathletik, Hocken, Rudern. Männer, Tilsiter Str. 46. Dienstag, den 28. April, Badeabend in der Badeanstalt Schillingsbrüde um 8 Uhr. Donnerstag, den 30. April, Training sämtlicher Abteilungen auf dem Fichteplag in Baumschulenweg. Beginn 6 Uhr. Schriftführer der Sockenabteilung: Willi Mielke, Berlin D. 34, Weidenweg 27. Die Rusammenkunft der technischen Funktionäre der am NASE. beteilig 18 Uhr, findet nicht auf dem Fichteplag, sondern bei Braffer, Michael ten Berbände und Organisationen am Donnerstag, den 30. April, abende tich, Ede Busterhausener Straße, statt. mittwoch, 29. April, 8 Uhr, in der Aula des Sophien- Lyzeums, WeinmeisterTouristenverein Die Naturfreunde"( Zentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. ( Butane, Erdbeben, Gewitter). Einlaß frei. Freunde unserer Bewegun Straße 16-17, Bortragsabend von Prof. D. Baschin: Gewalten der Erde" willkommen. Beichtathletik- Bereinigung. Vereinssportwarte, Borsigende der Spore Am Montag, den 4. Mai, beginnt die Kampfrichtervereinigung der LB. einen abteilungen und Vereine im 1. Kreise des Arbeiter- Turn- und Sportbundes: neuen Kampfrichterkursus. Die Einteilung für die kommende Sportsaison erfolgt ebenfalls. Es müssen also außer den Stammfunktionären von jedent Berein zwei ständige Rampfrichter für die LB. delegiert werden. Wer hat von den einzelnen Mitgliedern Lust, bei den größeren Veranstaltungen der 28. als Rampfrichter mitzuwirken? Auch Sportlerinnen tönnen sich melden. Staliger Str. 59a, notwendig. Die Sigung am 4. Mai findet auf dem Fichteum Weiterverbreitung gebeten. Cine vorherige Anmeldung ist an die Adresse von A. Hurtig, Berlin 69. 33, Turnplak in Treptow, abends 7% Uhr, statt. Die Vereinsfunktionäre werden fikung. Arbeiter- Sport- und Kulturkarten, 5. Bezirk( Friedrichshain). Montag, Tagesordnung: Unsere Werbewoche vom 7. bis 14. Juni. Es ist unbedingt nötig, daß alle im Bezirk bestehenden Zurne, Sport- und KulturWir beabsichtigen, zu unferer Werbemode urn, Sport, Wander, Gefang-, Mufit, Schach- und übrigen Kultur- und organisationen vertreten find. eine Werbefchrift herauszugeben. Alle im Bezirk Friedrichshain bestehenden Gesellschaftsorganisationen, die Wert darauf legen, in dieser Werbefchrift aufgeführt zu werden, müssen ihr Adressenverzeichnis umgehend einsenden. Anfchriften an S. Kirchmann, D. 34, Weidenweg 44. Borläufige Terminliste für die Spielleute- Vereinigung bes 1. Areifes. 3. Bezirk. Am 10. Mai, vormittags 9 Uhr, im Voltsgarten in Nauen, BeJeder Verein muß wenigftens zwei Delegierte senden. E. Gebhardt, Spandau, Rurze Str. 8, Bezirksführer. airtsübungsstunde. Anschließend Sigung und dann Zug durch die Stadt. An die fußballspielenden Vereine des 1. Kreises( Märkische Spielben 4. mai, abends 7% Uhr, bei Mechler, Bothagener Str. 114, Rartellvereinigung). Durch das passive Verhalten der Leitung der Märkischen Spielvereinigung( Fußballsparte) im 1. Kreise des Arbeiter- Turnder Gesamtbewegung außerordentlich erschwert. Es dürfte nicht und Sportbundes wird die Arbeit der Fußballsparte im Rahmen allen Vereinen bekannt sein, daß die Leitung der Fußballsparte die Sizungen des Kreisrates systematisch sabotiert und somit das Zufanimenarbeiten im Interesse des Arbeiter- Turn- und Sportbundes unmöglich macht. Wir erwarten von den Bereinen, daß sie in ihren Sitzungen zu dieser Frage Stellung nehmen und darauf hinDeifen, daß die Beschlüsse des Bundestages nicht von einzelnen zufällig an der Spize stehenden Funktionären außer acht gelaffen werden. Die Tagung des 3. Bezirks am 22. März in Brandenburg hat bewiesen, daß bei einigermaßen Bernunft ein Zusammenarbeiten auch für die Fußballbewegung möglich ist. Die Vertreter der Fußballspieler im 3. Bezirk erklärten sich gegen die Sabotageverfuche Wollt Ihr die Einigkeit der augenblicklichen Leitung der MS. und ein gedeihliches Zusammenarbeiten aller Sparten im 1. Kreis, dann stellt Euch dementsprechend ein, und wollt Ihr dieses nicht, dann entscheidet Euch gegen uns! Der Kreisrat( G. A.). Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Am Sonntag, 8. Mai, Sportfest und Unturnen in Rehagen( Ubf. Botsd. Bhf. 7 und 11.58 Uhr vorm.) feitens der uns augeteilten Oftgruppe. Sierzu alle Bezirke eine Bertretung. Brogramm: Männer Fünftampf, Frauen, Jugendliche und Kinder Dreifampf. Ferner Stafetten. 2½ Uhr nachmittags Feftaug. Stadtgruppe Groß- Berlin. Am 17. Mai Gruppenfibungsstunde und Fami Tienausflug. Treffpunkt 9 Uhr am Bhf. Wannsee. Anschließend Marsch nach Bornim Bornstedt aur Beteiligung am 20. Stiftungsfest. Abmarsch Don Wannsee, Bereinslokal, um 12 Uhr. R. Oehlschläger, Gruppenführer. tag am 28. Juni stattfindenden Demonstrationszug nach dem Stadion GruneStadtgruppe Groß- Berlin beteiligt sich an dem zum Reichsarbeitersportmalo. 1. Bezirk( vormals 5. Bezirk): Am 5. Juli Bezirksübungsstunde in Friedrichshagen. Gleichzeitig Beteiligung am 20. Stiftungsfest der Freien Turnerschaft Friedrichshagen. R. Fiebig, Neukölln, Siegfriedftr. 23-24, Bezirksführer. Die gelambe Spielleute- Bereinigung des 1. Areifes beteiligt fich an der Olympia in Frankfurt am Main in der Reit vom 24. bis 28. Juli. Die Fahrt Don Berlin Anhalter Bahnhof bis Frankfurt toftet hin und zurüd 21,60$ 02. Stadtgruppe Groß- Berlin( auch andere Vereine find hierzu eingeladen): Am 16. Auguft Beteiligung an dem Festzug des Vereins Fichte" anläßlich feines 85jährigen Bestehens. berbud Mäntel ab Donegal 5" Ripsware 1950 6" Mouline 3250 Covertcoat ab Tuchware ab 975 Ottoman 50 Kunst selde ab 00 45% Gabardine 170 Lederol 1750 ab Kleider Waschkleid. Cheviot 50 ab Kostüme 2° Donegal 50 9" 50 3" Cheviot 14" 00 ab Gabardine 9 Gabardine 1900 ab ab Ripsware 12" Ripsware 3900 ab Trikotid ab 50 be 4" Complets 37" Kasacks/ Blusen 50 ab Röcke MALTET ( IN N RUFEMIFRO ΠΑΙΔΙ ΚΛΑΣ // U14 M 75 Perkala 1 Fantasie 1" Bw. Mussel. ab Voll- Voile ab Trikot Kunst seide ab Cr. de Chine ab 90 1" Cheviot 50 2" Gabardine 75 ab 35 50 ab 6 00 2" Ripsware 99 ab 75 9" Weihe Röcke ab 50 Flotte Linic verbürgt dieser schlankmachende Mantel auch Königstraße 33 Ihrem Aeußeren. Seine Am Bahnhof Alexanderplatz relche Tressengarnie rung zeichnet die neue Kasackform. Er ist das Chausseestr. 113 gute Stick von prokt. Beim Stettiner Bahnhof Wert Schönes Tuch 1750 D3 A Schriftliche Bestellungen können nicht berücksichtigt werden! Str. 198 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 28. April 1925 Schafft Wohnungen! Heraus aus der Wohnungsnot! Der Artikel 155 der Reichsverfassung sichert jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den finderreichen, eine ihren Bedürfnissen entspechende Wohn- und Wirt fchaftsheimstätte zu. Trotz dieses schönen Programms verschärft sich das Wohnungselend immer mehr, und tausende Familien hausen zusammengepfercht in ungeeigneten, engen und ungesunden Räumen; ein Hohn auf Sittlichkeit und Kultur. Um die Wohnungsnot zu beheben und bas veraltete unsoziale Mietrecht zu ändern, hat die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag ein umfangreiches Wohnungs- und Bodenreformprogramm eingebracht, die Erhebung einer Wohnungsbauabgabe in Höhe von 20 Proz. der Friedensmiete zum ausschließlichen Wohnungsbau verlangt und eine grundsägliche Neuregelung des gesamten Miet- und Wohnrechts gefordert. Der Mieterschutz Beschränkung des Kündigungsrechts des Hausbesizers ist nur bis 1. Juli 1926 befristet. Das Reichsarbeitsministerium, die bürgerlichen Parteien und die Grund- und Hausbefizer verlangen Beseitigung des Mieterschutzes, Aufhebung der gebundenen Wohnwirtschaft, mindestens beschleunigten Abbau, Freigabe der Mietbildung und des privatfapitalistischen Wohnungsbaues. Sie meinen, in der freien Wirtschaft werden die fehlenden Wohnungen schneller beschafft werden. Durch Freigabe der Mietbildung und Steigerung der Mieten würden größere Wohnungen frei, weil hohe Mieten ein Zusammendrängen der Mieter bedingen und auch dadurch der Wohnungsbedarf gemindert werde. Eine Reihe Anträge in dieser Richtung sind von allen bürgerlichen Parteien im Reichstage gestellt worden. Anstatt nun materiell hierzu im Wohnungsausschuß des Reichstags Stellung zu nehmen, beschloß die bürgerliche Mehrheit, alle Anträge mitsamt den vom Reichswirtschaftsrat in gleicher Absicht aufgestellten Richtlinien der Regierung als Material zu überweisen, die Regierung aufzufordern, eine Wohnungsenquete zu veranstalten und bis zum 30. April dem Reichstag entsprechende Gesezesvorlagen zugehen zu lassen. Bürgerliche Parteien und Rechtsregierung arbeiten sich gegenseitig in die Hände, werfen sich die Bälle zu, um die Sache zu verschleppen, und prompt erklärt das Reichsarbeitsministerium, daß bis zum 30. April die Sache nicht gemacht werden kann. Im übrigen hat der Reichstag zu den Anträgen seines Wohnungsaus schusses noch Stellung zu nehmen. Auf diesem Gebiet zeigt sich, welches Unheil die verärgerten Wähler mit der Abgabe ihrer Stimmen für die nationalistischen, reaktionären Parteien angerichtet und welche Suppe sie sich selbst eingebrodt haben. Um so zwingender ist es, im Zusammenhang das ganze Problem zu behandeln. Wie groß ist die Wohnungsnot? 3mar foll erst durch eine Enquete der Wohnungsbedarf festgestellt werden, allein schon vorhandene Unterlagen reichen aus, den dringenden Wohnungsbedarf annähernd zu ermitteln. Das Arbeits- und Wohlfahrtsministerium Sachfens hat den Wohnungsbedarf nach dem Stande vom 15. Januar 1923 festgestellt. Dieses Ergebnis dürfte sich wenig verändert haben, da infolge der Inflation, der geringen Summe der Mietsteuer, die für den Wohnungsbau verwendet worden ist, und den Baustoffwucher durch Neu- und Umbauten kaum der zuwachsende Wohnungsbedarf gedeckt sein dürfte. | Wohnungsnot und Wohnungsrecht. pelte bis Dreifache der Friedensmiete betragen.| Darlehen für den Wohnungsbau verwendet und die Wohnungs Eine Miete, die häufig das Gesamteinkommen des Arbeiters verschlingen würde und deshalb nicht gezahlt werden kann. Die Baukosten einer mittleren Arbeiterwohnung betragen heute, je nach der Gegend, 8000 bis 12 000 M., im Durchschnitt 10 000 Mart. Tilgungshypotheken als Reichsdarlehen, die nur bis 40 Proz. des Ertragswertes gegeben werden, müssen mit 5 Proz. verzinst und amortifiert werden. Der Bauherr, der diese günstigen Tilgungshypotheken erhielt, müßte noch für die übrigen 60 Proz. des Ertragswertes eigenes oder Leinkapital aufbringen, das er kaum unter 10 Proz. Zinsen erhalten dürfte. Für eine Wohnung im Herstel lungswerte von 10 000 m. müßten also aufgebracht werden 4000 m. zu 5 Proz. gleich 200 m., 6000 M. zu 10 Proz. gleich 600 M., zusammen wären an Zinsen 800 M. pro Jahr aufzubringen. Dazu 1000 m. betragen würde. Sie mindert sich, wenn erheblich eigenes Betriebskosten, Instandsetzungskosten, so daß die Miete mindestens Kapital in den Wohnungsbau gesteckt werden kann. Das Einkommen der Arbeiter schwankt aber zwischen 1200 bis 1500 m. pro Jahr. Damit kann der Arbeiter diese Miete nicht zahlen. Von den vorhandenen Wohnungen entfallen aber 80 bis 90 Proz. auf Leute mit niederem und mittlerem Einkommen. Für den Jahresbedarf von 160 000 Wohnungen müßten also 1,6 Milliarden Privat- oder BankUnmöglichkeit. fapital aufgebracht werden. Nach dem zuvor Dargelegten eine völlige Das beschritten werden kann, so lange Privatfapital für den WohnungsAlle Einsichtigen sind sich darüber flar, daß dieser Weg nicht bau nicht flüssig gemacht werden kann, sondern daß öffentliche Mittel für den Wohnungsbau freigestellt werden müssen. wissen die Interessentengruppen, aber der privatwirtschaftliche Woh mungsbau soll für sie nur das Mittel sein, die von der Allge meinheit für den Wohnungsbau aufgebrachten Gelder sich anzueignen und den Vorwand geben, die Mieten der Altwohnungen auf den Friedensstand zu bringen und möglichst den hohen Mieten der Neubauten anzupassen. Bleibt aber fein anderer Weg, als für die Minderbemittelten und Kinderreichen Wohnungen aus Mitteln der Allgemeinheit zu erbauen, so müssen diese auch der Allgemeinheit gesichert bleiben. Die Gemeinden und Siedlungsgenossenschaften müssen die Träger des Wohnungsbaus und die Eigentümer der Wohngebäude bleiben. Der Spekulationsbau muß ausscheiden. Durch eine gute Bodenvorratswirtschaft, gute Baupläne, dem neuzeitlichen Städtebau angepaßt, Straßenanlagen, Verbesserung der Berkehrseinrichtungen, Herabdrückung der Baustoffpreise, even tuell durch eigene Ziegelproduktion und Regiebauten können die Gemeinden viel zur Herabminderung der Baukosten beitragen und dadurch helfen, die Beseitigung der Wohnungsnot zu beschleunigen. Die Aufbringung der Mittel. Durch die Dritte Steuernotverordnung ist an Stelle der Woh nungsbauabgabe die Mietsteuer getreten, die den Ländern und Gemeinden zu ihrem Finanzbedarf zur Ausbeute überlassen worden ist. Mindestens 10 Prez. der Mietsteuer( nicht der Friedensmiete) follten Länder und Gemeinden zum Wohnungsbau ver. wenden. Dadurch würde die Wohnungsbauabgabe von 10 Proz. auf 2-3 Proz. der Friedensmiete herabgedrückt und der Wohnungsncubau lahmgelegt, die Wohnungsnot verschärft. Die Länder haben die Miete für Ende 1924 auf 60-65 Proz. der Friedensmiete festgefeßt. Seit dem 1. Januar 1925 sind die aufgewerteten Hypotheken mit 2 Broz. zu verzinsen, und die Mieten sind jezt auf 70-75 Pro3. der Friedensmiete erhöht worden. Von diesen Hundertsätzen entfallen 16 bis 27 Proz. auf die Mietsteuer, von dieser wieder verbleiben in den einzelnen Ländern 1,4 bis 11 Broz. der Friedensmiete für den Wohnungsbau. Dem Hauseigentümer verbleiben 38 bis 55 Pro3. der Friedensmiete, von denen er 15 bis 40 Broz. für Instandsetzungsarbeiten verwenden soll. Ihm verbleiben 15 bis 31 Proz. der Friedensmiete für eigene Verwendung und zur Deckung der Betriebskosten. Nach der Erhebung schwankt der Wohnungsbedarf in den einzelnen Gemeinden von 0,8 bis 17,8 Wohnungen auf je 1000 Einwohner. Der Landesdurchschnitt beträgt 10 fehlende Wohnungen auf 1000 Einwohner. In den Indu strieorten ist der Bedarf größer als in den Kleinstädten und Dörfern. In der Stadt Leipzig fehlen bei 636 000 Einwohnern 12 000 Wohnungen, und alljährlich entsteht ein neuer Wohnungsbedarf von Der Reinertrag der Wohnungsbauabgabe( nicht 1400 Wohnungen. Legt man, trog der verschiedenen Bevölkerungs- der Mietsteuer) ergab für Sachsen im Rechnungsjahr 1924 im dichtigkeit die Ergebnisse der sächsischen Erhebung für das Reich Landesdurchschnitt eine Belastung von 7,2 m. auf den Kopf der zugrunde, dann fehlen im Reich 600 000 Wohnungen und es fommt Bevölkerung. Im Reichsdurchschnitt würden bei dem gleichen Veralljährlich durch die Eheschließungen ein neuer Wohnbedarf von hältnis der Verwendung der Mietsteuer wie in Sachsen 432 Mil72 000 Wohnungen hinzu. Nach dem Verhältnis für Leipfienen Mart für den Wohnungsbau zur Verfügung gestanden haben. zig würde sich die Zahl gerade verdoppeln. Die Wohnungsnot hätte erheblich gemindert werden können. Da aber die Länder bis zu 1,5 des Sakes der Friedensmiete heruntergegangen sind, so ist der Ertrag für den Wohnungsbau jo gering, daß oft nicht einmal der Zuwachs an Wohnungsbedarf gedeckt worden ist, geschweige denn die alte Wohnungsnot gelindert werden konnte. Das Wohnungsprogramm der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion will den bestehenden und zuwachsenden Wohnungsbedarf in sieben Jahren decken. Es würde dann der Zuwachs das Siebenfache des Jahresbetrags: Altbedarf Zuwachs • 600 000 Wohnungen 504 009 1 104 000 Wohnungen " Es müßten all jährlich 160000 Wohnungen neu erbaut werden. Im Frieden sind jährlich 200 000 Wohnungen erbaut worden, so daß unter Berücksichtigung der geringeren Zahl von Bauhandwerkern der Wohnungsneubau voll gedeckt werden könnte, Dann wäre zwar noch fein Ueberschuß an Wohnungen wie vor dem Kriege vorhanden, aber die dringendste Not wäre beseitigt. Dem idealen englischen Wohnungszustande wären wir auch dann noch sehr fern. In England wohnen 53 Proz. der Familien in Einzelhäusern. Bei nur 45 Millionen Einwohnern wird dort ein Bauprogramm gesetzlich durchgeführt, das 2 Millionen neuer Wohnungen zu erstellen vorsicht. Privatwirtschaftlicher oder gemeinwirtschaftlicher Wohnungsbau? Die bürgerlichen Parteien und die hinter ihnen stehenden Wirt: schaftsgruppen verlangen den Wohnungsbau für die freie fapitalistische Wirtschaft zur Ausbeute. Rann das Privatfapital den Wohnungsbau finanzieren und kann es die Mieten niedrig halten? Vor dem Kriege fonnten die Banken Baugelder vorstrecken und Hypotheken waren zu haben, galten sie doch als wertbeständige Kapitalsanlage. Hypotheken wurden mit 4-5 Broz. verzinst. Die Riesenpleite, die Deutschland hinter sich hat, zwingt die Banken, nur kurz fristige Darlehen zu geben, um mit knappen Mitteln vielen zu helfen. Die Geldknappheit zeigt sich auch in den hohen Diskontfäßen der Reichsbant. Während vor dem Kriege der Diskontsaz 3½ bis 4 Broz, nur in Krisenzeiten mehr betrug, beträgt er jetzt 9 Proz. Für Bank kredit müssen jetzt an 3ins- und Provisionssägen annäherno 14 Proz. gezahlt werden. Sypothekenbanken verzinjen die ausgegebenen Pfandbriefe mit 9 Proz. Dabei stehen die Pfand briefe im Kurse erheblich unter dem Nennwert. Die Hypothekenbanken können Hypotheken taum unter 10 bis 11 Broz. 3ins ausleihen. Die Sparkassen zahlen für langfristige Einlagen bis zu 12 Broz. Zinsen, sie sind dadurch auf furzfristige Bankgeschäfte angewiesen. Für langfristiges Leihfapital, als solches sind die Hypothefen zu betrachten, ist also das Doppelte bis Dreifache des Friedenszinssatzes zu zahlen. Die Herstellung von Arbeiterwohnungen foftet heute annähernd Das Doppelte des Friedenssages. Die Mieten für privat tapitalistijo erstellte Bohnungen müßten alja bas Dop. 7 bis 18 Proz. der Friedensmiete ist rein als fistalische Einnahme für Länder und Gemeinden verwendet worden. Die Mieter haben also annähernd% Milliarden Mark zum Haus halt der Länder und Gemeinden beigetragen. Für das Reich tragen die Mieter den Löwenanteil der Einkommensteuer und aller indirekten Steuern und obendrein müssen sie auch noch die Gemeinde- und Länderlasten tragen. Die Aufrechterhaltung der Mietsteuer würde den Wohnungsneubau weiter hemmen. vou Mieterbelastung nur für Wohnungsneubau. Hiergegen wendet sich die Sozialdemokratische Partei. Die Reichstagsfraktion beantragte, eine Wohnungsbauabgabe 20 Proz. der Friedensmiete zu erheben und sie ausschließlich für den Wohnungsbau unter Mitwirkung des Reiches zu verwenden, die Verwendung der Mietsteuer zu fistalischen Zwecken aber auszuschließen. Der Wohnungsausschuß des Reichstages hat sich zwar mit der Mehrheit der Sozialdemokratie, Kommunisten und Demokraten für die Erhebung der beantragten Wohnungsbaualgabe entschieden, aber der Reichstag selbst hat noch nicht zugestimmt, und der Reichsfinanzminister ist Gegner der Vermendung dieser Abgabe. Nimmt man einen Mietertrag von 5 Milliarden im Frieden an, dann würde die Wohnungsbau'abgabe eine Milliarde für den Wohnungsbau ergeben. Diese Summe würde aber noch nicht ausreichen, um bei den heutigen Baukosten 160 000 Wohnungen zu erbauen, wie es das sozialdemokratische Wohnungsbauprogramm versieht. Es müssen also andere Quellen erschlossen werden. Die Landesversicherungsanstalten und andere sozialen Einrichtungen haben im Frieden von ihren angesammelten Beständen Hypotheken zu billigem Binsfuß gegeben. Dazu sollen sie auch in Zukunft durch Gesetz angehalten werden. Sie können dies tun, weil sie für das angesammelte Kapital nicht wie die Sparkassen und Banken Zinsen zahlen müssen, und die Beträge ja von den Minderbemittelten, also den Kreisen der Mieter, aufgebracht werden und ihnen, soweit sie nur als Reserven für die sozialen Verpflichtungen in Betracht fommen, zur Linderung der Wohnungsnot ohne Schaden zur Verfügung gestellt werden können. Will das Reich die Mietsteuer als Finanzausgleich für die Länder und Gemeinden, so wollen die Deutschnationalen ( Antrag Behrens) mit der Miefsteuer erst die durch die Inflation weggeschwemmten Bermögen der Invaliden- und An. gestelltenversicherung auffüllen und den Wohnungsbau biejen Organisationen übetragen. Ein Teil der Mietsteuer foll als | awangswirtschaft planmäßig ausgebaut werden. Ein demagogischer Borschlag, der das Wohnungselend verewigen würde und den Mietern und Sozialversicherten doppelte Lasten( Beiträge und Mietſteuer) auferlegen würde. Im Hintergrunde schlummert das Verlangen, damit auch die Zuschüsse des Reichs für die Erwerbslosen auf Kosten der Mieter abzubauen, denn die Sozialversicherung foll später auch die Erwerbslosenbeihilfe nach den deutschnationalen Wünschen übernehmen. Die von der Allgemeinheit aufgebrachten Mittel müssen auch von den Gemeinden für die Allgemeinheit verwendet werden. Die Wohnungsnot ist durch den Krieg verschuldet. Sie entstand durch das Bauverbot und der Beschlagnahme der Baustoffe Wohnungsnot herbeigeführt, so muß das Reich auch mit Zuschußfür den Kriegsbedarf. Hat das Reich durch seine Kriegspolitik die mitteln helfen, das Wohnungselend schnell zu beseitigen. Die Höhe der Mieten. Grundbesitz im Jahre 1913 schägungsweise mit 65 milliar. Nach der Aufwertungsdenkschrift der Reichsregierung war der dürften 30 Milliarden Mart abgestoßen worden sein und durch die den Mark Hypotheken belastet. Durch wertlose Papiermart Inflation sind weitere 30 Milliarden Mark Hypothefen abgewertet, hypothefen belastet ist. An Hypothekenzinsen hatte der so daß der gesamte Grundbefiz nur noch mit etwa 5 milliarden Grundbesitz 1923 bei einem Durchschnittssag von 5 Broz. insgesamt der Grundbesig ab 1. Januar 1925 nach der Regierungsvorlage nur 34 Milliarden zu zahlen. Für die aufgewerteten Hypotheken hat noch 105 Millionen Mark Hypothekenzinsen zu zahlen. Damit haben Billigerweise muß auch der Schuldner sein im Grundstück nur die Gläubiger der Hauseigentümer ihr Vermögen verloren. angelegtes Rapital als entwertet betrachten. Von dieser Vorausfegung geht auch das Vermögenssteuergeseh aus, denn es ermäßigt die Steuerauflage der Grundbefizer um 70 bis 80 Proz und geht bei fleinen Bermögen bis zu 3 vom Tausend herunter. Der Gesamtwert des Grundbejizes ist also um 80 bis 85 Proz. a b gewertet worden, aber dem Hauseigentümer ist doch das Hausgrundstück voll erhalten geblieben. Ihm ist durch die Inflation ein Gnadengeschenk zugefallen. In dem Mietbetrag sind erhebliche Teile für die Instandssetzungsarbeit vorge schen, während ihm 30 Broz. der Friedensmiete verbleiben. Benn der Reichskonkurs volkswirtschaftlich ausgenutzt würde, dann müßte, da die Allgemeinheit die Konturslasten des Reiches zu tragen hat, der abgewertete Teil des Grundbefizes in die öffentliche Hand übergehen und die Mieten müßten dauernd weit unter den Friedensstand heruntergesetzt werden. Das wäre möglich, wenn auch der Neubau von Wohnungen von den öffentlich- rechtlichen Körperschaften ausgeführt und im Besitz der Gemeinden und Länder verblieben. Dieselben Gruppen, die sich mit allen Mitteln wehren, eine Aufmertung ihrer Schulden vorzunehmen, verlangen mit der Freigabe der Mieten das Recht, diese in die Höhe zu treiben, um sich auf Rosten der Mieter wucherisch zu bereichern. Die Sozialdemokratie fann für die Altwohnungen nur eine Miete als gerechtfertigt anerkennen, soweit die Erhaltung der Gebäude, die Deckung der Betriebskosten und die Berzinsung des abgewerteten Hypotheken- und des im Grundstücd angelegten eigenen Kapitals nach Maßgabe der Entwertung fie bedingt. Den Satz im einzelnen festzustellen muß der Mitwirkung der Länder und der Mieter überlassen bleiben. Die Mieter müssen auch ein Kontrollrecht über die Verwendung der für die Instandsehungsarbeiten ausgeworfenen Mietsteile haben, denn sie haben ein Interesse daran, daß durch absichtlichen Verfall der Altwohnungen die Wohnungsnot nicht verschärft wird und daß der Hauseigentümer auf Kosten des Hausverfalls sich nicht bereichert. Ebenso wichtig wie die niedrigen Friedensmieten ist die Herabdrückung der Mieten in den Neubauten. Da deren Erstehungskosten doppelt so hoch wie im Frieden sind, so würden die Mieten der freien Wohnwirtschaft das Doppelte der Friedensmieten übersteigen. Schon aus diesem Grunde müssen die allgemeinen Mittel für den Wohnungsbau durch die Gemeinden gemeinwirtschaftlich verwendet werden, damit die Ueberteue rungsfosten auch von der Allgemeinheit getragen werden können. Das ist zu erreichen, wenn die Mittel der Wohnungsbauabgabe als amortifierbarer Zuschuß zum Wohnungsbau verwendet werden. Würde eine Arbeiterwohnung 10 000 m. foften und wird diese Summe mit 2 Pro3. amortisiert, so würde die Miete 200 M. betragen. Dazu kämen die Betriebskosten, so daß diese Miete den geminderten Hundertsatz der Friedensmiete nicht wesentlich zu übersteigen brauchte. Mit dem Ertrage könnten die Wohnungen erhalten werden. In 50 Jahren wäre das Grundstück lastenfrei und aus den aus dem Amortisationssatz zurückgewonnenen Mitteln könnte der neue Wohnbedarf leicht durch die Gemeinden gedeckt werden. So könnte der Anteil der Miete on dem Einkommen dauernd wesentlich niebirger als vor dem Kriege erhalten werden. Würden aber durch die Freigabe der Wohnwirtschaft die Mieten in die Höhe getrieben werden, so müßten Löhne und Gehälter um den gleichen Satz gesteigert werden. Die Be siger der Altwohnungen würden sich dann unangemessen bereichern und die sozialen Kämpfe würden eine Heftigkeit und einen Umfang erreichen wie nie zuvor. Volkswirtschaftlich betrachtet ist die Freigabe der Miethöhe Unsinn. Das Wohnrecht. Der Mieterschuh, d. h. die Beschränkung des Kündigungsrechtes des Hauseigentümers, wird mit allen Mitteln bekämpft und seine Aufhebung gefordert. Es ist zuzugeben, daß bösartige Mieter das Leben der anderen Mieter zur Hölle machen können und daß hier Abhilfe nötig ist. Im allgemeinen wird die Not anernicht verallgemeinern, so schwer der einzelne darunter zu leiden hat. Solange die Wohnungsnot besteht, muß eine EinIhränkung des Rechtes erfolgen, denn wichtiger als der Rechtsschutz des einzelnen ist für die Allgemeinheit, daß Menscher Obdach haben und Familien nicht auf der Straße liegen bleiben. Das Verlangen nach Aufhebung des Mieterschutzes ist abzulehnen, folange die Wohnungsnot nicht beseitigt ist. fannt und ihr Verständnis entgegengebracht. Ausnahmen darf man Wichtiger als die Beseitigung dieser Einschränkung des Rechtes ist die Reform des gesamten Mietrechts. Die Vor schriften des Bürgerlichen Gesetzbuches gehen zu starr vom Eigentumsbegriff aus, laffen soziales Verständnis vermissen. Hier muß reformierend eingesetzt werden. wuchers und soziale Ausgestaltung des Wohnrechts, das sind die Beseitigung der Wohnungsnot, Verhinderung des WohnungsAufgaben, die in kürze, gelöst werden müssen, und hierfür muß der Sampf mit aller Energie aufgenommen werden. Rich. Lipinsti Ein Notschrei aus Sachsen. Die Notlage der sächsischen Bergarbeiter. Wie im nieberschlesischen Steinfohlenrevier, dessen unheil volle Lage jüngst hier beleuchtet wurde, ist die Lage der Bergarbeiter auch im sächsischen Steinfohlenrevier fast uner träglich. Durch die Absazkrise im gesamten deutschen Bergbau ist seit Monaten jede Verbesserung der Arbeitsverhältnisse und Erhöhung der Löhne erheblich erschwert worden. Nur Massenabwanderungen der Arbeiter vom Bergbau in andere Berufe konnten das Einlegen von Feierschichten bisher verhindern. Der Verbrauch ausländischer und oberschlesischer Steinkohle und Braunkohle, nicht nur im Hausbrand, sondern auch zu einem erheblichen Teil in der sächsischen Industrie gefährdet den Absatz der Steinfohle immer mehr. Trog Unterbietung der Preise bestehen große Absazschwierigkeiten für bestimmte Sorten. Selbst die Stadt 3widau als größter Arbeitgeber im fächsischen Steinkohlenbergbau verwendet zur Bergafung in der Gasanstalt in 3midau zum Teil oberSchlesische Kohlen, da der Heizwert der Zwickauer Kohle bedeutend geringer ist. Das Hauptabsaggebiet, die banerische Industrie, ist in der Nachkriegszeit dem sächsischen Steinkohlenbergbau als Kohlenabnehmer verloren gegangen, und die Sparmaßnahmen im Kohlenverbrauch infolge der Kohlennot während und nach dem Kriege, die Einrichtung der Del- und Wärmewirtschaft verringern den Kohlenverbrauch erheblich und hemmen alle Maßnahmen, die zur Besserung der Lage der Arbeiter beitragen könnten. Die Bergarbeiterlöhne im sächsischen Steinfohlenbergbau sind für den weitaus größten Teil der Belegschaften vollständig unzureichend und derart niedrig, daß eine Erhöhung um 40 bis 50 Proz. die Differenz gegenüber den Löhnen anderer Industriearbeiter faum ausgleichen würde. Die Arbeitgeber erkennen die Notlage der Bergarbeiter an, behaupten jedoch, daß jede tarifliche Lohnerhöhung für den fächsischen Steinkohlenbergbau unerträglich sei und nur bei Steigerung der Leistung ein Mehrverdienst erreicht werden fönnte. Nach Mitteilung der Arbeitgeber find im sächsischen Steinfehlenbergbau etwa 80 Pro3. der Borkriegsleistung in der Kohlengewinnung erreicht. Der Leistungslohn einschließlich Soziallohn betrug je Schicht im Januar 1924 für den Grubenarbeiter im Durch schnitt 4,01 m., im Dezember 1924 im Durchschnitt 5,30 M., der Durchschnitt aller Arbeitergruppen betrug 5,41 M. bei einer Stunde Mehrarbeit. Das Arbeitseinkommen eines erwachsenen männlichen Bergarbeiters im sächsischen Steinkohlenbergbau betrug im Jahre 1913 unter Tage. 1540 M., über Tage 1350 m., im Durchschnitt verdienten alle Arbeiter 1472 m., gerechnet bei 300 Arbeitstagen je Schicht unter Tage 5,13 M., über Tage 4,50 M., im Durchschnitt 4,91 m. Im Jahre 1924 betrug das Arbeitseinkommen eines Hauers im Durchschnitt 1554 m., eines Arbeiters über Tage 1371 M., im Durchschnitt aller Arbeitergruppen 1353 M., gerechnet bei 300 Arbeitstagen je Schicht unter Tage für Hauer 5,18 M., Tagearbeiter 4,57 m. bei neunstündiger Arbeitszeit, im Durchschnitt aller Arbeitergruppen 4,51 m. roz. Die Abzüge für Gezähe, Beleuchtung, Lampenrepa ratur, Steuer und Beiträge zur Sozialversicherung betrugen im Jahre 1913 etma 9 Proz., im Jahre 1924 etwa 20 des Schichtverdienftes. Der Nettolohn eines Ar beiters verringert sich somit im Durchschnitt um 90 Pf. je Schicht. Laut einer Statistit pom Ottober 1924 erreichten etwa 25 Proz. der Arbeiter in der Grube einen Verdienst über den Durchschnittslohn, 13 Proz. erreichten den Durchschnittslohn und 62 Broz der Arbeiter standen unter dem Durchschnittslohn. Jm Togesbau erreichten etwa 75 Proz. der Arbeiter den Durchschnittslohn nicht, 15 Broz. erreichten ihn, 10 Broz. verdienten über den Durchschnittslohn, insbesondere die Handwerker und Facharbeiter, Plazarbeiter erreichen in der Regel einen Nettolohn von 3,20 m. bis 3,67 M. je Schicht bei einer Stunde Mehrarbeit. Bon den etwa 29 000 beschäftigten Bergarbeitern über und unter Tage erreichen nur annähernd 50 Pro8. den Durchschnittslohm im Revier. Der Lohn des Bergarbeiters steht in feinem Berhältnis zu den Löhnen der Arbeiter anderer Industrien. Anders steht es bei der Preisbildung aller Lebensund Bedarfsartifel im fächsischen Revier. 40 bis 80 Proz Steigerung der Lebenshaltungskosten gegenüber 1913 stellt die Erhebung der Reichsstatistik fest. Durch diese Preisbildung merden viele Bergarbeiterfamilien in geradezu elende Verhältnisse gedrängt. Die Beseitigung der Familienhilfe Ende des Jahres 1923 hat in vielen Bergarbeiterfamilien den Gesundheitszustand der Familienangehörigen erheblich gefährdet. Das Wohlfahrtsamt in 3widau und andere größere Bergorbeitergemeinden haben Aerzte gewonnen, die das Heilverfahren nach Anweisung der Wohlfahrtsämter verbilligen mußten, um in dringendsten Fällen noch Hilfe leisten zu fönnen. Rosten, die durch ein Heilverfahren in Krankenhäusern und Kliniken durch Behandlung der Familienange hörigen entstanden, wurden von den Wohlfahrtsämtern vorschußweise gezahlt und der betreffende Bergarbeiter muß ratenweise die Gelder wieder zurückerstatten. Das auch das Arbeits- und Wohlfahrts. ministerium von diesen trostlosen Zuständen Kenntnis und Verständnis für die Notlage der Bergarbeiter hat, zeigt nachstehendes Schreiben an die Bezirksfürsorgeämter im Freistaat Sachsen: Unterstübungen an ertrantte Bergarbeiter! Seit Ende 1923 ist die Familienhilfe der Bergarbeiter bei den Krappschaftskrankenkassen aufgegeben. Daraus ist eine erhebliche Gefährdung des Gesundheitszustandes der Fa= milien der Bergarbeiter erwachsen. Die sächsische Regierung hat sich an den Vorstand des Reichsknappschaftsvereins zu Charlottenburg mit dem Ersuchen um baldige Wiedereinführung der Familienhilfe gewandt. Bis zu deren Wiedereintritt haben die Bezirfsfürsorgeverbände pflichtgemäß die Kosten der Krankenhilfe bei folchen Personen zu tragen, die selbst oder deren unterhaltspflichtige Der Lebenslauf der Haare ist ein verhältnismäßig furger. Bei Frauen beispielsweise wird oft bereits nach dem erften Bochenbett ein ftartes Burüdgehen beobachtet und mit jedem weiteren Rinde merben die Haare schwächer. Da gilt es, biefe ganz besonders pflegen und vorsichtig behandeln. Als ganz hervorragendes Haarpflegemittel ist daher folchen Frauen das Lavarenfalz zu empfehlen, das man heute in den Apotheten und vielen guten Drogerien erhält. Man löst hiervon 10 Gramm in einem halben Liter Waffer und mäscht hiermit unter späterem Nachspülen mit Wasser die Saare. Der Erfolg ist in bie Augen springend: die Saare werden fauber, glänzend, bleiben weich und schmiegsam und lassen sich sofort, ohne im Ramm haften zu bleiben, fämmen und frisieren. Reine Frau wird an derartigen Borzügen achtlos vorübergehen. Angehörige hierzu nicht imftande sind. Um eine weitere Verschlechtetung des Gesundheitszustandes zu verhindern und vorbeugend noch mit geringeren Mitteln zu beheben, späterhin aber langwierig und festspielig werdende Gesundheitsstörungen zu beseitigen, wollen die Bezirksfürsorgeverbände im weitherzigen Maße erfrankten oder gesundheitsgefährdeten Familienangehörigen von Bergarbeitern Unterstützung zufommen lassen. Dresden, den 13. Oftober 1924. Arbeits- und Wohlfahrtsministerium. Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 28. April, abends 7% Uhr: Norbost I: Jugendheim Neue Rönigstr. 21, Vortrag: Unsere Lebens. reform". Rorbring: Jugendheim Greifenhagener Str. 22, Vortrag:„ Lebenserinnerungen von Friedrich Ebert". Rosenthaler Borstadt: Schule Gipsftraße 23a, Vortrag: Bedeutung des 1. Mai". Schönhauser Borstadt: Echule Jbfenftr. 17, Vortrag:„ Warum müssen wir in der Gewerkschaft sein?" Senefelder- Biertel: Jugendheim Eberswalder Str. 10, Aussprache:„ Warum feiern wir den 1. Mai?" Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4, Gerhart- Hauptmann- Abend. Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10, GlasbrennerAbend. Westen: Baugemertsschule, Rurfürstenstr. 141, Vortrag: Die Bedeutung des 1. Mai". Steglig I: Jugendheim Albrechtstr. 47, Bortrag: trag: Sozialistische Vorkämpfer", Neukölln IV: Lokal Rum Bärwinkel". Bon Weimar bis Samburg". Rentöln III: Jugendheim Nogatstr. 53, BorSteinbockstr. 21, Bortrag:„ Jugend und Lebensreform". Neukölln V: Jugendheim Schierkestr. 44, Bortrag:„ Bom Zunftaesellen zum freien Arbeiter". Köpenid: Jugendheim Grünauer Str. 5, Löns- Abend. Rosenthal: GSchule Raftanienallee, Aussprache: Warum tanzen wir Bolfstänze?" Bankow: Das Lohnsystem im sächsischen Steinkohlenbergbau, das Lohnerhöhung nur bei entsprechender Erhöhung der Leistung gewährt, ist für die Dauer für die Bergarbeiter unerträglich. Der Gesundheitszustand der Arbeiter wird immer mehr gefährdet. Zu Tausenden lösen die Bergarbeiter ihr Jugendheim, Breite Str. 32," Bortrag:„ Friedrich- Coert und fein Berhältnis Arbeitsverhältnis. zur Jugendbewegung". Aufgabe des Reiches, des Staates und der Städte 3 wickau und Leipzig als größte Arbeitgeber im fächsischen Steinkohlenbergbau ist, trotz der Absazkrise Maßnahmen zu ergreifen, die hier die Verhältnisse verbessern und die Arbeiter nicht noch weiter verelenden laffen. LLLCCLETE Parteiveranstaltungen am Nachmittag und Abend des 1. Mai ( Konzert/ Gesang/ Rezitationen/ Ansprachen/ turnerischa Darbietungen/ Tänze). Kreuzberg: Bockbrauerei, Fidicinstr. 2/3. Wilmersdorf: Biftoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. Schöneberg: Schloßbraueret, Hauptstr. 122. Steglit: Südende, Parfrestaurant. Mariendorf: Gesellschaftshaus Graß'l, Chauffeeftr. 305. Marienfelde: Haseloff, Berliner Str. 114. Treptow: Nitschke, Am Treptower Park 26. Oberschöneweide: Mörners Blumengarten, Oftendstr. Köpenid: Erholungshaus Spindlersfeld. Biesdorf: Lofal Borath. Marzahner Str. 31. Mahlsdorf Süd: Heidekrug Heidekrug, Kövenider Allee. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstr.. 11. Buchholz: Rossad, Hauptstr. 71. Weißensee: Boruffia- Eále, Berliner Allee. Buch: Göpfert, am Bahnhof. karow: Klir, Banfgrafenstr. 3. Reinickendorf- Oft: Schützenhaus. Residenzstr. 1. Reinidendorf- West: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 104. Rosenthal: Schneider, Hauptstr. 3. M Werbebezirk Often: Abends 8 Uhr in der Schule Tilsiter Str. 4 öffentlige Sugendversammlung. Bortrag:„ Die Forderungen der, Jugend". Referentin Genossin Mathilde Wurm". Achtung, Arbeiter- Jugend, Wedding, Wedding- Nord! Frühlingsfeierstunde der Kindergruppen am Mittwoch, den 29. April, abends 7% Uhr, in der Diesterweg- Realschule, Lütticher Str. 38. Brogramm: Sologefänge, Chöre, Rezitationen, rhythmische Tänze, Lichtbildervortrag: Durch Thüringen". Rommt alle! Werbt! Vorträge. Vereine und Verfammlungen. bie Berbreitung der fo nüklichen Aurafchrift ift, eröffnet am Mittwoch, den Die Stenographische Gesellschaft Stoize- Schren von 1889, deren Endzwed 6. und 13. Mai, 8 Uhr, in der Luisenstädtischen Oberrealschule, Berlin G. 14, Dresdener Str. 113, einen Anfängerkursus für Damen, Herren und Schüler. Die Unterrichtsstunden finden jeden Mittwoch abend von 8 bis 10 Uhr statt. Der Unterricht wird nur von bewährten Kräften erteilt. Außerdem ist den Teilnehmern am Mittwoch und Montag in den Fortbildungs- und Diktatfurfen des Vereins genügend Gelegenheit geboten, fich eine höhere Schnelligfeit anzueignen. Nähere Auskunft erteilt schriftlich der Vorfigende für den Unterricht, Erich Jsbrecht, Berlin G. 14, Prinzenstr: 57. Jm Funktechnischen Berein, Ortsgruppe Berlin, hält am Dienstag, den 28. April, 7½ Uhr, im großen Hörsaal des Rentralinstituts für Erziehung und Unterricht, Potsdamer Str. 120, Professor Dr. Leithäuser, Boftrat im Tel graphentechnischen Reichsamt, einen Experimentalvortrag über Kurze Welle Freie Hochschule. Mittwoch, den 29, April, 8 Uhr, in der Sophien- Schule, Weinmeisterstr. 16-17, Bortrag von Dr. med. et jur. Rud. Bußmann:„ Das Unrecht an der Frau und ihre weltenhafte Erlösungsbedeutung". Gäste haben Butritt. Schugverein der Hunde- und Tierfreunde, e. V. Alle Tierfreunde treffen fich am Dienstag, den 28. April, 8 Uhr, im Meistersaal, Röthener Str. 36. Magnus Schwantje spricht über„ Die Tierquälerei im deutschen Strafrecht". Tierfreunde, erscheint in Massen! Mieterverband Deutschlands, 3. Berwaltungsbezirt, Nazarethkirchstr. 48. Die Generalversammlung findet am Mittwoch, den 29. d. M., 7 Uhr, in den Bharusfälen, Müllerstraße, statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Geschäftliche Mitteilungen. Ansprachen halten: Bohm Schuch, Breuer, Dressel, dhardt, Falkenberg, Frau Geyer, Hoffmann, anfäßlich des Sohensyburg- Rund- Rennens bei Dortmund von dem aus dem Judrian, Kreuziger, Künstler, Landa, Litke, Dr. Löwenstein, Maderholz, Bolenste, Putt: famer, Riedger, Todenhagen. Woywod, 3ubeil. Vormittagskundgebungen der Partei. Wannsee: 10 Uhr, Reichsadler, Königstr. 26. Bohnsdorf: 9% Uhr, Schule, Bahnhofstr. Buchholz, Buch, Karow: 9 Uhr, bei Roffad, Buchholz, Hauptstr. 71. Referenten: Ermin Barth, Frau Bohm- Schuch, Emil Barth. Der erste Sieg des Kleinen 4 PS Opel fonnte am Sonntag, den 19. April, Borjahre bestens belannten Rennfahrer Hans von Opel gewonnen werden. Er errang unter der stärksten in- und ausländischen Konkurrenz, wie Mathis, Citroen, Renault, Amilcar usw. in der Klasse bis 4 Steuer- PS den ersten Breis. Der Altmeister Herr Carl Joerns witrde ebenfalls den ersten Blak behauptet haben, wenn er nicht durch einen Rabelbefeft gezwungen worden märe, feine Fahrt zu unterbrechen und mußte fich so mit einem zweiten Preise begnügen. Nebenbei sei no bemerkt, daß die Opel- Werte in Riffelsheim zurzeit alle 6 Minuten einen leinen Wagen fertigstellen und ihre Produktion von Woche zu Woche steigern. Ein Beweis zielbewußter Organisation und unübertrefflicher Qualitäts- und Präzisionsarbeit. Aus Erfahrung weiß die Sausfrau, daß rasch ein Baar Schuhe verdorben find, wenn diefelben mit schlechter Schuhcreme behandelt werden. Dieser Gefahr fehen Sie fich nicht aus, wenn Sie die wirklich gute Erbal Echuhpasta, Marke Rotfrosch, verwenden. 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An Giebeln und Firsten kroch die Sonne entlang, tastete sich zum Gitterfenster ins Gefangenenzimmer der Charitä. Longsam beginnen sich die Lider zu weiten, das Glasige wandelt sich, die Starre wird weicher und schwindet. Ein seines Zittern läuft über die Wangen und halboffenen Lippen. Angestrengt sucht der leere und doch so schwere Kopf, sich zurecht zu finden, zu denken. Es glüht und knistert in ihwi tausend Fragen wollen Antwort, überstürzend, jagen und durchkreuzen sich.„Lebe ich?— Wo— die Kinder?— Ich bin so müde.- Worum?— Das Geld?—" Ein Fragesturm durchrast das Hirn.„Was war geschehen? — Heute, gestern, vorgestern, vor acht Tagen, vor Jahren?—" Das Erinnern hat keinen Halt und kein Maß. ,Flch liege im Bett. Die Sonne scheint— scheint herein. Dann bin ich nicht zu Hause.— Wie kam ich aber hierher?— Herrgott, diese Müdigkeit!— Warum kommen die Kinder nicht?— Der Mund ist s» bitter, der ganze Mensch so leer und schwer. Das Geld?— Höschen habe ich gekauft: billig für eine Mark, wo sie überall viel teurer u<,ren. Und den Bubikopf habe ich der Ulla schneiden lassen, bei Winters."— Wie äne unbekannte, welke Blume leuchten die gelben, reglosen Frauen- Hände auf den bunten Karos des Anstaltsbezuges.„Gestern war das, gestern abend! Der Dassen habe ich die Mark zurückgegeben. Weshalb tut meine Schulter bloß so weh? Und der Bauch? Und der Kopf?— Gepackt haben sie mich, geschüttelt. Gehauen? Warum?— Viele fremde Männer waren da. Sipo?— Gebrochen habe ich, ge- brachen, schrecklich gebrochen. Mein Gott, die Kinder!—" Es flackert auf in den matten Augen, flackert, um gleich wieder zu verlöschen. Regungslos liegt das zerschundene Frauenkörperchen. Kein Finger- glied rührt sich. Ein Sonnenkringel huscht über die fleckigen, schon ergrauenden, braunen Haarsträhnen. Wie Tropfen fallen die Gedanken und sammeln sich: fremd, in- haltslos. Sic lösen keine Bewegung und kein Gefühl aus, weder Schmerz, noch Angst, noch sonst etwas.„Die Kinder sind sicher tot, und ich liege hier im Bett. Im Krankenhaus oder im Gefängnis. Ganz sicher sind sie tot. Das Gas hat es schon gemacht. Es war bloß ein bißchen zu wDnig. Sieben Groschen im Automaten sind eben zu wenig für olle. Noch drei Groschen, dann hätt's gelangt. Dann war alles gut. Drei Groschen zu wenig!— Ich hätte den Kaffee nicht taufen sollen! Ob Maxl nicht noch ein paar eiserne in seinem Schweinchen gehabt hätte? Drei Groschen—* Bild reiht sich an Bild, wie im Kino. In einer Zigarettenfabrik arbeitete sie als Tabaksortiererin. Seit vier Jahren und früher die ganze Kriegszeit hindurch sortiert« sie inimer in derselben, alten, etwas verbauten Fabrik, immer in denselben staubigen, dunstigen Arbeitsräumen, immer auf demselben wackligen Schemel. Jeden Tag von acht bis fünf für achtzehn Mark die Woche. Im Winter war's ja schön warm und beim Klatschen und Witzereißen mit den Kalle- ginnen gemütlich: der Sommer ober quälte mehr als das bißchen Husten. Der Sommer mit Sonnenschein und Kinderlachen, mit dem Spazierengehen der„Andern". Da kam man sich wie eingesargt vor. Für achtzehn Mark in der Woche. Gelb wurden Gesicht und Hände in der ewigen lougigen Tabaksluft. Oft bekam man die Augen kaum auf vor dem beizenden Staub, und Kleider und Schuh, Haut und Haar strömten Tabaksdunst aus. Als blühendes Mädel von achtzehn Iahren hatte man sie im Kriege eingestellt, und jetzt nach zehn Jahren war sie nur noch ein erbärmliches, stinkendes Arbeitstierchen, das sich freuen durfte, Brot zu haben. Achtzehn Mark die Woche! Gewiß, andere von den Kolleginnen hatten es besser ausgehalten. Die sind noch heute drall und keß und nicht auf den Mund gefallen. Die sind »och begehrenswert. „Aber man war nun mal„so": immer ein bißchen ängstlich und still. Herrgott, waren die Zeiten schön, als ich mit Otto ging, als er mich heiratete und ich mit Muttern zu Hause wirtschaften konnte und nicht mehr in die Fabrik brauchte. Mächtig viel Geld hotte das Brautkleid gekostet und fünfzehn Mark der Schleier. Einen Hut für Mutter und einen Plüfchmantcl hatte er auch gekauft, alles hott« Otto bezahlt. Alles. Er schuftete sich und rackerte sich ab. Jeden Freitag hat er den Lohn abgegeben und immer noch was mit- gebracht: Pfannkuchen. Parfüm und mal ein Bild, immer etwas anderes. Nie ist er saufen gegangen oder mit anderen Weibern. Sonntags hat er den Fenstertisch gebaut, die Ofenbank und dann das Bettchen, als Maxl kam. Wer das ein Glück! Rumgehopst ist er mit dem Jungen wie ein Verrückter, gesungen und gepfiffen hat er die ganzen Abttzdc, wenn er sich den Schmiederuß abgewaschen und die neue Joppe angezogen hatte."— Die Inflation wuchs und wuchs. Es langte nicht mehr, weder zum Leben noch für Anschaffungen, die doch so dringend nötig waren. Die Frau mußte dazu oerdienen und ging wieder in die Fabrik. Jeden Tag von acht bis fünf ging sie sortieren. Das half und mußte helfen: denn das zweite Kindchen war unterwegs. Schiimm kam beiden ihr Arbeitsaussetzen durch die Geburt an. Möglichst schnell ging sie wieder sortieren, sortieren, sortieren. Die Hände grissen und ordneten, die Gedanken spielten und sorgten sich um die Kinder. Großmutter zog sie zu Hause auf, und abends, wenn alle drei todmüde beim Mittagessen saßen, sich an den Kindern freuten und Pläne machten, war es noch immer schön. Bis zum wilden Streik. Gerade zu Weihnachten! Es hatte eigentlich zu nichts gereicht. Am Heiligen Abend früh'war noch der Gasmann gekommen und hatte das„Geschenkgeld" genommen, sonst hätte er zumachen müssen. Da hatte sie der Otto in den Arm ge- nommen und gestreichelt. Geschluckt hat er und ihre Hände gepreßt. die Tränen sind ihm über die Backen gerollt, und Maxl hat auf den Weihnachtsmann gewartet. Der ist nicht gekommen und hat auch nichts gebracht. Monatelang war der Mann arbeitslos, ohne Unterstützung. Die Kinder immer abwechselnd krank. Mutters Begräbnis muhte auch bezahlt werden. Armensarg? Lieber Kommode, Schrank, Wäsche oder sonst etwas verkaufen! Man hatte doch seinen Stolz! Die Kinder wollte die„Fürsorge" wegholen und in ein Heim stecken. Da hatte sie sich gewehrt, gewehrt bis zum Aeußersten. Angst und Ver- zweiflung packte den Mann. Ein Zufall kam hinzu und er-- stahl, wurde gefaßt und saß seit März in Tegel. Acht Monate soll er abbüßen, der„Verbrecher". Ihr Otto! Acht Monat«!— Sie pwllte arbeiten, nur arbeiten und schon mit ihm über den Berg hin- Sem„Siegeszuij*! Ludtnäerff \ der Transportarbeiter Thälmann bei üer Arbeit. wegkommen. Die Kinder wurden von den Nachbarsleuten so einiger- maßen versorgt. Es ging ja ein bißchen vorwärts, sogar zu einer Tafel Schokolade nach Tegel hatte es jede Woche gelangt. Da kam das„Gestern". Diesmal konnte sie nicht, wie sonst all- wöchentlich, für den Mann der Nachbarin 100 Hauszigaretten kaufen, ihre Kinder sollten doch auch ein paar Ostereier haben. Ulla brauchte doch so dringend ein paar Höschen und in der Küche war auch fast nichts mehr. Ein Gang führte sie an einem Berg loser Zigaretten auf einem der Packtische vorüber. Die Hand griff zu, schloß sich, fuhr in die Kittellasche: die Oberpockerin schrie gellend auf, sprang zu. hielt ihr Schultern und Arm fest umklammert, und eine Flut von Schimpswarten durchheultc den Saal. Schnell duckten sich die Köpf« der aufgeschreckten Packerinnen: mit krampfhaftem Eifer wurde weiter einkartonniert. Dann sah sie alles nur noch wie in weiter Ferne, die anderen und sich selbst wie im Film. Sie stand im Privat- kontor vor den beiden Inhabern, hörte das wichtigtuend höhnende. sich übersprudelnde Gekeife der Oberpockerin, sah die golden« breite Uhrkette auf dem Bauche des einen Chess. im Takt hin und her schaukelnd, sie hörte die eisig ruhige Diskantstimme seines Druders. Das ging sie alles gar nichts mehr an. Man zog ihr die Hand aus der Tasche, durchsuchte diese, riß die noch immer geschlossenen mürben Finger auseinander und fand.... sieben Zigaretten. Sieben Zigaretten rollten aus den Tisch. Man lachte nicht. Sieben Zigaretten im Werte von vierzehn Pfennigen. Man lachte nicht, bei Gott, man lachte nicht! Man schimpft« und schrie nur noch mehr vor Entrüstung über diesen Diebstahl, diesen Vertrauensbruch, diesen Geschäftsverlust! Sieben Zigaretten hotte sie gestohlen bei vierjähriger anstandsloser Arbeit. Siebe» Zigaretten! Für Augenblicke haßte sie diese Frau, die Oberpockerin. Schon immer hatte sie sich geekell vor dieser Vier- zigerin, fett, frech und falsch, die sich hier am tollsten entrüstete, die sicher selbst itie sauber war, die in den Frühstückspausen die häus- lichen Schlägereien mit ihrem Geliebten prahlend breitgetreten hatte, der man unzählige Male ins Gesicht gesogt hatte, daß sie auch für den dreckigsten Mann zu haben sei, wenn er nur zahlle. Zlus dem Wege war sie dieser Frau gegangen, die das ganze Haus tyrannisierte, den Chefs jeden Klatsch und jede Kleinigkeit zutrug, vorlog und aus- bauschte, die immer auf dem Sprunge lag, andere in den Dreck zu treten, um die eigene„Tüchtigkeit" zu beweisen. Sie hörte die Brüder was von Entlassung. Papieren in den langen Schlitz des Kontors rufen, hörte was von Kindern, Gemeinheit, Gerechtigkell und Undankbarkeit, hörte etwas wie„meschugge, sie wird noch mehr geklaut haben", sie fühlte nicht die Trönen über die abgehärmten Backen fließen, sie wußte nur eins, wußte nur, daß sie nie mehr Arbeit in einer Zigarettenfabrik bekommen würde. Nie mehr! Nie mehr Brot für die Kinderl Sie hatte ja sieben Zigaretten gestohlen. Dann war sie auf der Straße, ging sie ein Stück wie im Traum herunter, stand vor dem Schaufenster eines Kaufhauses und buch- stabierte ein Aushangschild in ihm. Sie buchstabierte, buchstabierte. Sie buchstabierte und— las: Engel. Sie las Engel und immer wieder Engel..... dachte an ihre Kleinen. Papiere fühlt« sie in der Hand und Geld, zähtte es mechanisch. ging ins Geschäft, kaufte ein Trikothöschen, kam heraus, ging von Geschäft zu Geschäft und kaufte ein. Fleisch, Kartoffeln, Margarine, Kinderballon-, Murmeln, Lebensmittel.. Sie ging und kaufte— wie «in Automat. Sie kam nach Haus, kocht«, unterhielt sich mit der Nachbarin, nahm die Kleine und ließ ihr beim Friseur die Haare schneiden, zog ihr die neuen Höschen an. spielle mit den Kindern und fütterte ste.vih selbst und spielte dann weiter. Wie ein Automat. „Ich habe sieben Zigaretten gestohlen und bekomme nie mehr Arbeit. — Engel—", das ließ sie nicht mehr los. Dann kam der Abend. Sie brachte die Kinder ins Bett, betete mit ihnen, räuntte auf, wusch ab— wie ein Automat. Sieben Mark hatte man ihr wegen des Mietsvorschusses ausgezahll. Die letzten sieben Groschen steckte sie in den Münzgasmesser, ging in die Stube, drehte den Hahn auf, nahm sich die Kinder in den Arm und schlief ein. Nun lag sie hier.„Drei Groschen zu wenig— sieben Ziga- retten—", die Lider sinken, die Fragen werden leiser und matter, Nacht kommt heraus. Sie schläft. Stundenlang. Arzt und Schwester vom Dienst stehen am Bett zur Abendvistte. Der Puls geht matt aber gleichmäßig. „Wie Nymphenburger Terrakotta sieht die alle Frau aus. Nicht wahr: Herr Doktor?" Jäh erschrecken beider Blicke vor der Tafel- ausschrift zu Häuptcn des Bettes:„28 Jahre". „Morgen können wir sie rübertransportieren lasten. So jämmer- lich wie sie ist. die kommt durch! Machen sie ruhig die Papier« fertig." „Mein Gott! Was wird sie denn bekommen?" „Doppeller Anschlag mit mildernden Umständen? Na, mit zwei Jahren ist's billig." „Wie kann bloß eine Mutter--?* „Wie kann bloß?— Solche Leute hoben doch keine Hemmungen. Die sind eben robuster als wir." Aus der Geschichte des Walzers., Man sollte e» kaum glauben. daß unser Walzer, dieser Patriarch unter den modernen Tänzen, seinerzeit auch Anlaß zu allerlei Beanstandungen gegeben hat. Ur< sprünglich kannte man eben noch gar keine Drrhtänze. Dl« ersten Tänze wurden„getreten", d. h. die Paare nahmen sich an der Hand und trippelten im Kreise herum; daher auch der Name„Reigen für diese älteste Art der Tänze. Erst im fünfzehnten Jahrhundert taw«n die„Drehtänze" aus. bei denen sich die Paare umeinander drehten. zunächst ohne sich anders als bei den Händen zu fasten. Diese Dreh- länze erregten schon Aergerni», und es wurde in vielen Verordnun- gen gegen sie eingeschritten. Sie gaben die erst« Veranlassung, von em Viervierteltakt, der bei den„getretenen" Tänzen üblich war, zu dem Dreioierteltcckt überzugehen, und damit war die Bahn für die Entwicklung des Walzers frei. Doch erst im 18. Jahrhundert, nach- dem die Herrschaft der französischen Tanze gebrochen war. begann der Walzer seinen Siegeslaus. Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker. 1924: 13500 Besucher. Theater, Lichtspiele usw. Wildunger Helenenquelle WALHALLAWeinbergsweg, Staats- Theater Lessing- Theater Rosenthaler Tor. Opernhaus Tägi. 8 Uhr: 72: Cavaller. rusti- Der Werwolf Taglich 7 Uhr cana Bajazzo Opernhaus von Lothar Schmidt Ensembleam Königsplatz Arnstädt, Kassner 7: Mad. 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April verstarb plöglich meine liebe Frau, uniere gute Mutter, Schwägerin, Tante und Schwiegermutter, Frau Hedwig Bock. Dies zeigt tiefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Otto Bock, Weinstraße 15. Cinäscherung am Mittwoch, den 29 April, nadjm. 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Unserem Genossenpaar Wilh. und Helene Schickgramm zur heutigen Silberhochzeit herzliche Glückwünsche. 95. Abt. Schriften und Nachweis billigster Bezugsquellen durch die Kurverwaltung Deutscher Metallarbeiter- Verband Achtung! Ausgesperrte der A.E.G. Hennigsdorf. Ale Bad Wildungen. Ein Jahr Rahlungserleichterung, fleinste Anzahlung, nut Qualitätsmöbel, Schlafzimmer, Speisezimmer, Serrenzimmer, Wohnzimmer, Küchen, Einzelmöbel. Tischlermeister Schu mann, Rionstirchstraße 30, Ede TempTinerstraße. Metallbetten 19.00, Meffingbetten, Rinderbetten, Teilzahlung, Wenger, Auguftstraße 26. Windhorft Möbeltischleret, Brunnenftraße 162, verkauft direttan Brivate Möbel. Großläger in Speisezimmern, Serrenzimmern. 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