Nr. m. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel- jährlich z,zo Marl, monatlich t.td Mr., wöchentlich ZS Psg. frei iu'S Haus. Einzelne Nummer s Psg. Sonntags-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Nene Welp'ivPfg. Poft-Abonnement: s.ZoMl. proQuartal. Unter Kreuz- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland ZMk.pr.Monat. Eingctr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für liSS unter Nr. 7128. 12. Jahrg. Jnsertions-lSebühr beträgt für die sünfgespaltene Petttzetle oder deren Raum 40 Pfg., für Voreins- und Vorsammlungs- Anzeige» 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtaqe» bis 0 Uhr Bor- mittags geöffnet. Lernfprechrr: Amt l, Ur. 1508. Telegran»»- Adresse! „Kojtaldemolirat Kerlt»!' VeMner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZtedaKtion: LV.!9. ZZeuth-Straße 2. Dienstag» den 2t Mai 1895. Expedition; SW. 19, Penth-Straße 3. Die Denolte des französtschen Klerus. Paris, den 17. Mai 1895. Die katholischen Priester haben einen Genius mit zwei Gesichtern: sie weihen ihr Leben der Erwerbung des Himmels, ohne jedoch die Erde aus deni Gesicht zu ver- lieren. Sie geben uns in diesem Augenblick merkwürdige Proben ihrer zähen Anhänglichkeit an die grobmateriellen Güter dieses irdischen Jammerthals. Die Kammer, der das Gleichgcivicht des Budgets um so niehr Sorgen macht, je tiefer das Loch des Defizits wird, hat in jüngster Zeit eine Steuer auf das Eigenthum der religiösen Körperschaften(Orden u. s. iv.), ein sogenanntes Znwachsrecht(droit d'accroissement) beschlossen. Damit bat sie eine wahre Revolution in der heiligen Armee der Mönche, Nonnen, Bischöfe und Erzbischöfe� hervorgerufen. Eine Steuer auf die Güter der Kirche legen, die Güter der Armen sind, welche Gottlosigkeit! So lange die Steuer noch nicht beschlossen war, suchte man die Abgeordneten dnrch eine Bolksknndgebnng— in Deutschland nennt man das Entrüstungssturm— einzuschüchtern. Die katholischen Zeitungen— sie sind in Paris zahlreich— forderten die Armen auf, in Massen vor das Parlament zn ziehen, und gegen das Attentat auf ihr— der Armen— Eigenthnm zu protestircn. Die katholischen Agenten legten sich ins Zeug, um dem Proteste der Armuth einen imposanten Charakter zu verleihen; sie warben die Canielots*) an und verbreiteten in den Volksvierteln Plakate, auf denen die Armen, Mühsellgen und Beladenen eingeladen wurden, sich auf dem 5?onkordienplatze. zu versammeln zur Vertheidigung ihrer Güter. Die Manifestation fiel erbärmlich ins Wasser, da die Armen niemals begriffen hatten, was das für ein Eigcnthunl war, das sie vcrtheidigcn sollten. Da die Armen sich nicht erheben wollten, so beschlossen die Priester und Mönche, als das Gesetz angenommen war, in ihrer Weise eine Revolte zu machen. Bor kurzem fand in Paris ein Kongreß von Delegirten aller religiösen Körperschaften von Frankreich statt, um über Mittel und *) Camelot(sprich: Kammloh) ist der Pariser Ausdruck für das, was Marx das Lumpenproletariat nennt: Leute, die von der Hand in den Mund leben, das erste beste sich ihnen dar- bietende Geschäft betreibe», Zeitungen verkaufen, �Annoncen ver- theilen, die Kutschenschläge öffnen und den Pferderennen bei- wohnen, wo sie allerhand Verrichtungen und Geschäfte betreiben, die sie vor die Zuchtpolizei bringen. Der Boulangismus hatte die Camelots in seine Dienste ge nommen für die Manifestationen in Paris und in der Provinz; er hatte sie nach Art der alten Landsknechte organisirt mit Führern, die jedem für den Tag 2—5 Fr. bezahlten, je nach der Wichtigkeit der Manifestation. Tie Camelots zeichneten sich durch ihre glühende Begeisterung für Boulanger aus. Louillotoil. lNächdrua verboten. l Kerlwer Marztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. 17 Das erste Glas Branntwein that ein übriges— dem ersten folgte ein ziveites, zehntes, hundertstes. Zwar ar- bettete Kowalla zur Abwechslung einmal bald in dieser, bald in jener Fabrik, aber sobald wegen stillen Geschäfts- ganges Leute entlassen wurden, war Anton Kowalla ganz sicher mit unter den zuerst Entlassenen. Sprach er seine Verwunderung darüber aus, so hielt man ihm ein- fach sein Zengniß aus der königlichen Gießerei vor, in dem ihm bei sonstiger Tüchtigkeit„Aufsässigkeit und widersetz- licher Geist" nachgesagt ivurde, und er mußte schweigen. Er ivar ja nur gelitten, lebte von der Gnade diesernndustriellen Magnaten, gehörte nur der„Reservc-Armee" ihrer dampfen- den Schlote an. Und so ivar er denn der komplette großstädtische Proletarier geworden, und zwar einer der unglücklichsten seiner Klaffe— einer von denen, die nur ein Schritt noch vom Lumpenthume oder vom Verbrechen trennt. Hans Härtung klopfte an die Thür der Dachwohnung, die Kowalla in der Jnvalidenstraße innegehabt hatte, und nach der er von Zeit zn Zeit Geldunterstützungen ans dem Auslände gesandt hatte. „Wer ist da?" fragte eine fremde Stimme. Eine mürrische alte Frau erschien an der Thür und gab Hans die Auskunft, daß„der Kowalla, der Strolch", seit Neujahr aus dein Hause geworfen sei. „Aber wohin ist er denn gezogen? Das werden Sie doch wissen!" rief Hans ungeduldig. Tie Alle znckte brummend die Achseln: irgendwo in Wege zn berathen, wie der infamen Steuer auf die Güter Gottes Widerstand zu leisten sei. Tie Bischöfe nahmen Partei für jene Diener der Armen, die der Fiskus be- rauben wollte; sie hätten gern selbst einen Kongreß ab- gehalten, aber das Konkordat verbietet ihnen jede Kollektiv- knndgebung, da sie Angestellte des Staates sind. Sie entschädigten sich für diese erzwungene Mäßigung dadurch, daß sie Kreisschrciben, apostolische Briefe und andere geistliche und mystische Schriftstücke anssandtcn, die ausnahmslos von demselben irdischen Geiste weltlicher Eigenthumsliebe durchdrungen waren. Ein einziger, der Bischof von Beanvais, hielt sich zurück und ricth den Körperschaften seines Spreugels, sich dem Gesetze zn unterwerfen, wie hart es auch sei. Alle seine Kollegen und Oberen, die Bischöfe und Erzbischöfe, sind wüthend auf ihn; sie haben ihn mit fulminanten Briefen, voller evangelischer und christlicher Beleidigungen und Be- schimpfnngen, überschüttet. Man hat ihn mit Exkonimuni- ziruug bedroht, mau hat ihm ins Gcdächtniß gerufen, daß ein Konzil befohlen habe, jeden Priester, der das-Eigen- thum der Kirche schmälere, ans der Kirchengemeinschaft auszustoßen. Aber was all' diese, ron den irdischen Gütern los- gelösten, frommen Leute am meisten erschreckt, das ist, daß der Staat, nm jedes Jahr die Steuern dem Anwachsen der Ordcnsgemeinschaftcn anzupassen, Erhebungen über die Größe der Bcsitzthümer wird anstellen müssen; und da es unter den Ordensgemeinschaftcn, die am lautesten schreien, eine stattliche Anzahl giebt, die Handel, natürlich sehr frommen Handel, mit Likören, Zahn- waffer, Leinwaaren u. f. w. treiben, so wäre es in der That eine verzweifelte Geschichte, erführe die Welt, wie hoch die jährlichen Profite find. Diese Einmischung des Staates in die Vermögensverhältnisse der kirchlichen Körper- schaften ist für sie der schrecklichste der Schrecken. Die Priester denken an vergangene Zeiten. Als die Feudal-Könige die Inden tüchtig ausgepreßt hatten, hielten sie sich an die Reichthümer der Kirche:„Nach dem zu schätzen, was man der Kirche genommen hat— sagt Montesquieu— hätte man ihr zwei- bis dreimal daS Königreich geben müssen." Die revolutionären Bourgeois plünderten die Kirche mit derselben Gewissen- haftigkeit ans wie die katholischen Könige des Mittel- alters. Der Reichthnm ist die Wurzel alles Nebels für die Besitzer— er bringt ihnen immer Unglück. Egypten wurde während des ganzen Alterthums seiner Schätze wegen verwüstet und ausgeplündert; England und die anderen zivilisirten Nationen unseres Jahrhunderts brandschatzen das arme reiche Pharaoneuland weiter; das gleiche Schicksal hatte Italien im Alterthum und im Mittelalter; das Gold Galliens zog Cäsar an, wie das Aas die Schmeißfliegen. Die religiösen Körperschaften wollen nicht, daß die Kunde ihrer Reichthümer in die Welt dringe, damit sie vor gierigen Fingern geschützt seien. Galhis. der Nachbarschaft solle er wohnen, in einem Stall oder Schuppen... HanS begann Umfrage zn halten, aber niemand konnte ihm Bescheid geben. Endlich verwies man ihn nach einer Branntweinschänke. „Ach, der verrückte Pollacke," hieß es dort—„der wohnt mit Kind und Kegel im Hofe nebenan." Im abendlichen Halbdunkel tastete sich Hans über den übelriechenden, kothigen Hos, in dessen Pfützen er bis an die Knöchel einsank. Ein großer, lahmer Hund fuhr ihm knurrend ans Bein und hinkte darauf ärgerlich zur Seite. Kein Mensch war zu sehen, kein Licht. Schon wollte Haus Kehrt machen, nm vorn im Hanse Erkundigungen ein- zuziehen, als er das Priisten eines Pferdes vernahm mid gleich darauf aus einer Thürspalte ein matter Schimmer hervordrang. Er trat durch die Thür in den Raum, einen kleinen, behaglich warnien Pferdestall, in den: ein Droschken- kutscher. seinen Gaul einlogirt hatte, welcher soeben beim Schein der Laterne aus dem Hen in der Raufe die Klee- blätter herausschnnpperte. Hans fragte nach dem Maschinenbauer Anton Kowalla. „Die Herrschaften? Janz recht, die wohnen bei mir Schamber jarnie, for naß", versetzte der grauköpfige Rosse- lenkcr mit dem gutmüthigen, leicht gerötheten Gesicht. „Wo denn?" fragte Hans, der seine innere Bewegung kaum beherrschen konnte. „Klingeln Se man jleich hier, nächste Thier rechts, patterre", meinte der Droschenkutscher mit einer ganz ver- kniffenen Grimasse. Er trat mit Hans aus dem Stalle und öffnete eine nur angelehnte, ans rohen Brettern zusammen gezimmerte Thür, die zu einem Holzstall oder einem ähnlichen Behält- niß zn führen schien. Zögernd blieb Hans vor der geöffneten Thür stehen: da drinnen in dem Verschlage, der für einen Hund zn schlecht schien, sollten Menschen wohnen? Volikisiche MevevstÄit. Berlin, 20. Mai. Ans dem Reichstage. Als der Kolonialschwindcl begann, war es besonders der Hinweis auf die„Greuel der Sklaverei", womit Stimmung zn niachen versucht wurde. Heute weiß alle Welt, daß Kolonien in West- und Ostafrika ohne das Institut der Sklaverei bis auf weiteres überhaupt nicht denkbar sind. Wer aber noch im Zweifel sein sollte, daß dem so ist, der kann sich ans der Vorlage eines besseren belehren, die heute in erster und zweiter Lesung im Reichstag verhandelt wurde. Die skandalösen Vorgänge ans dem Gebiete des Sklaven- raubes und-Handels, welche sich in unseren Kolonien abgespielt haben, und wobei deutsche Reichsangehörige und speziell Hamburger Firmen hervorragend bctheiligt waren, hat die Regierung veranlaßt, wenigstens so zu thnu, als wollte man der Sklaverei zu Leibe gehen. Daß das aber nicht der Fall ist, zeigt am besten die Ueberschrist der heute verhandelten Vorlage. Dort ist nämlich nur von Sklaven- raub und Sklavenhandel die Rede, während der Besitz von Sklaven nach wie vor auch in unseren Kolonien ge- stattet sein soll. Da aber die-Existenz der Sklaverei den Handel mit Sklaven, und dieser wieder den Raub derselben zur Voraus- sctzung hat, so hatte unser Genosse Molkenbnhr ganz recht, wenn er die Vorlage ein Dekorationsstück nannte, hinter der die Thatsache versteckt werden soll, daß unsere Kolonien ohne Sklaverei nicht bestehen können. Natürlich waren alle Parteien, mit Ausnahme der unseren, in der Vertheidigung der Sklaverei für die Kolonien einig und wurde dementsprechend der von Molkenbnhr und Stadthagen gestellte Antrag, den Besitz oder die Erwerbung eines Menschen durch ein Rechtsgeschäft unter Strafe zu stellen, abgelehnt. Ohne Sklaverei kein Profit in den Kolonien; was aber nützt unseren allerchristlichsteu Ordnunzsstützen eine Kultur, bei der kein Profit abfällt! Die Debatte über das Sklavereigesetz nahm einen so breiten Rahmen ein, daß, nachdem vorher noch der Entwurf eines Gesetzes über die Schutztruppen für Südwestafrika an die Budgetkommission verwiesen war, die namentliche Ab- stimmnng über die Znckerprämien- Vorlage erst kurz vor 5 Uhr begann. Dieselbe wurde niit 191 gegen 45 Stimmen angenonimen. Die Zuckerbarone können also auch weiterhin die ca. 4 Millionen Mark pro Jahr einsacken. Da die Rechte sehr stark vertreten war, stimmte sie nunmehr gegen die Vertagung, damit für den Margarine- Antrag demonstrirend, welcher nun an der Reihe gewesen wäre. Die Entscheidung mußte per Hamuielsprnng— der erste im neuen Gebäude— herbeigeführt werden. Mit 110 gegen 90 Stimmen wurde die Vertagung beschlossen.— Kein Prcnstischcs Bereinsgesetz? Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Links der Pferdestall, in dem bei guteni Futter und angenehmer Wärme ein Droschkengaul seine Ruhezeit ver- brachte, rechts ein riesiger Haufen Dünger, der mit seinen Pestdünsten die Umgebung vergiftete— und in der Mitte diese niedrige, enge fensterlose Höhle, in welcher Elsbeth wohnte— seine Schwester Elsbeth, das schönste Mädchen weit und breit in seinem schlesischen Hcimathsgau, in das einst alle jungen Männer, darunter sein Jugendfreund Hermann Rehberg, der Sohn des gräflichen Güterdirektors. und sogar der junge Graf Wildstein felbst verliebt gewesen waren! Hans trat einen Schritt vor, doch vermochte er in dem völlig dunklen Rann: nichts zu erkennen. „Bist Du... endlich da?" hörte er aus der einen Ecke heraus eine schwache Frauenstimme.„Hast Du... Brot... gebracht? Der Droschkenkutscher trat neben Hans und leuchtete mit seiner Stalllaterne in das Dunkel hinein. Ein er- schlitterndes Bild des Jammers bot sich Härtung dar: ein abgezehrtes, bleiches Weib lag mit vor Schwäche geöffnetem Munde und geschlossenen, vom Lichte geblendeten Augen auf einem breit über den Fußboden hingestreuten Strohlager. Neben ihr lagen vier Kinder, abgemagert, bis zum äußersten vernachlässigt, vor Ermattung schlafend, und nur ein fünftes, ein kräftiger Säugling von acht Monaten, saß wach und munter neben der Mutter. Er kante an einem Strohhalm und schaute nut seinen erstaunten dunklen Augen auf die beiden Fremden. Alte, zerrissene Kleidungsstücke und ein Haufen Lumpen von unbestimnibarer Farbe und Form mußten den unglücklichen Wesen statt der Betten dienen. Keine Spur von Hansrath war zu sehen, nur etwas zer- brochcnes Gerumpel stand in den Ecken umher. Bis ins Innerste getroffen und keines Wortes mächtig, stand Hans Härtung vor dem grauenhaften Bilde. „Warum bist Du... so lange geblieben?" fuhr die vom Fieber geschüttelte Frau, die den Eintretenden für .�»rck, die freisinnige Presse macht eine angebliche ans a�eVdcster Quelle geschöpfte Mittheilung der Berliner„Volks- Zeilung" die Runde, wonach im preußischenMinisterium des Innern üußerst intensiv gearbeitet wurde, uin eine Novelle zum Bereinsgesetz so schnell zu stände zu bringen, daß sie un- inittelbar nach Pfingsten im Landtage eingebracht werden könne". Diese Nachricht beruht, wie wir hören, ans Erfindung. Vielleicht war die Mittheilung der„Volks- Zeitung" aber aus besserer Quelle, wie diejenige ist, von deren Murmeln die„Norddeutsche Allgcmciue"Letwas„gehört" zu haben behauptet. Mit dem Offiziösenthum der„Nord- deutschen" soll es ja sehr bergab gehen.— Noch ein Dementi! Ter„Ncichs-Anzeiger" schreibt: In der Presse ist in letzter Zeit wiederHoll der Gedanke zum Ausdruck gekommen, daß bei der Berathnng des Reichstags über den§ 112 der sogenannte» Umsturzvorlage der Kriegsminister als BundesrathS-Bevollmächtigter eigenmächtig und gegen die Absichten des Reichskanzlers Politik getrieben habe. Dem gegenüber sind wir in der Lage. auf das bestimmteste versichern zu können, daß die Erklärung des Kriegsministers über die Unannehmbarkeit des Z1I2 der Vorlage in der Kommissions- fafsung in vollster Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler ab- gegeben worden ist. Unerfindlich und nicht zu begreifen ist dann mir, warum der Herr 5kriegsminister in der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 11. Mai dies nicht gleich gesagt hat. Damals erklärte er im Gegentheil, als er über die Stellung der Regierung zu dem Z 112 der Kommissiousfassuug gefragt wurde, nur in seinem eigenen Namen die Unannehmbarkeit erklären zu können. Vernnithlich haben sich der Reichskanzler und der Kriegsniinister post festurn über die Sache in Güte geeinigt— und daher nun das Dementi.— Die Niederlage der dentschen ttmstiirzgesetzler hat überall in der Welt, wo nicht öder Kuechlsiuu oder tyrannische Herrschsucht die Geister vergiften, die lebhafteste Freude erregt. Und überall erkennt man die Bedeutung des Ereignisses an. Nächst Rußland, das aber infolge seiner Halbabgeschiedenheit von Europa und seiner kulturellen Znrückgebliebenheit kaum zu den europäischen Kulturstaaten gerechnet werden kann, ist Deutschland der- jenige Staat Europas, in welchem das antidemokratische Prinzip— als persönliches Regiment, Militarismus, Bureankratie, Polizeiwirthschaft u. s. w.— noch am festesten wurzelt. Es ist dies in so hohem Grade der Fall, daß Deutschland heutzutage für die internationale Rc- aktion ungefähr dieselbe Rolle spielt, wie vor 40 und 50 Jahren Rußland, ehe die thönernen Füße des ungeschlachten Kolosses aller Welt offenbar waren. Ter Hanptpseiler der internationalen Reaktion hat eine,: schweren Stoß erhalten und er besitzt nicht mehr die Festigkeit, die man ihm zugetraut hatte. Das ist es, was die Niederlage unserer Umsturzgesetzler zu eineni so wichtigen Ereignisse macht. So groß der Aerger der Reaktionäre, so groß die Freude aller freiheitlich Gesinnten— und in erster Linie der Sozialdemokraten aller Länder. Abgesehen von den Kundgebungen der Presse, sind uns und unseren Kollegen und Genossen in Teutschland persönlich auch in den letzten Tagen wieder zahlreiche Jubel- und Sympathie bekundende Zuschrfften und Telegramme ans England, Schottland, Frankreich, Belgien, Amerika, Italien, Polen und anderen Ländern zugegangen.— Krisengerüchte durchschwirren die Luft. In sogenannt „leitenden Kreisen", die freilich mitunter genasführte Kreise sind— wird der Rücktritt des Reichskanzlers und Platz- Halters Fürsten Hohenlohe als sicher, ja als that- sächlich vollzogen betrachtet. Blos über den Nachfolger sei man noch nicht im reinen— Waldersee oder Rado- w i tz(jetzt Botschafter in Madrid)?— das sei die Frage. In denselben Kreisen verlautet, K ö l l e r' s Entlassung sei beschlossene Sache. Um die Verworrenheit der Lage zu kennzeichnen, sei noch bemerkt, daß unter den möglichen Nachfolgern Hohenlohe's auch— C a p r i v i genannt wird. Nun— der wird sich hüten!— An Kölkers Adresse. Unter der Ueberschrift:„Der öffentliche Frieden und der preußische Minister des Innern bringt die neueste Nummer der„Ethischen Kultur" einen Artikel, der so treffend und wahr ist, daß wir ihn zum theil zum Abdruck bringen: ihren Gatten hielt, fort.„Annchen hat die Masern, scheint mir... und Hansel hat nichts gegessen... nur ein Bissel Suppe... von Frau Schulze.. Hansel ivar offenbar der Kleine, den Härtung noch nicht kannte. Sie hatten ihm geschrieben, daß sie ihren Jüngsten„nach Onkel Hans" taufen lassen wollten. Erhob das kleine Bürschchen in die Höhe, küßte es zärtlich und setzte es wieder auf den Boden, wobei er es sorgsam gegen die Kälte zu schützen suchte. Der Droschkenkutscher hatte die Laterne an einen Nagel gehängt und war hinaus- gegangen. „Elsbeth l" flüsterte HanS leise, indem ein wildes, nie gekanntes, unendliches Weh seine Brust zusanimenschnürte— „ich bin es ja, Elsbeth— ich, der Hans!" Elsbeth öffnete die geisterhaft großen Augen und starrte ihn wie in zähem Schrecken an. „Hansel! Mein Junge!" klang es schrill aus ihrer Kehle. Sie streckte dem Bruder ihren Arm entgegen und brach in ein lautes, hysterisches Schluchzen aus, das ihren ab- gezehrten Körper krampfhaft schüttelte. Hans sank neben der unglücklichen in die Knie und schmiegte sein Gesicht an ihr bleiches Antlitz, während die Zähren ihm über die gebräunten Wangen in den Bart rannen.— VI. Eine Stunde später war Elsbeth samnit ihren Kindern in einem sauberen Stübchen untergebracht, das zufällig vorn im Hause leer stand und von Hans gemiethct worden war. Droschkenkutscher Schulze nebst Frau halsen, so gut sie konnten, liehen Tücher und Betten und sogar eine Bett- stelle für die Kranke, während eine andere Nachbarin einen Waschkorb als Lagerstatt für den Kleinen hergab. „Wir haben selber nich ville zu knabbern, bei die faulen Zeiten," brummte zwar Vater Schulze, doch ließ er feine Gattin, die dem stattlichen Fremden geschäftig zur Hand ging, stillschweigend gewähren. Die Nachbarinnen kanien, um zu sehen, was es gäbe, und legten nach kurzem Besinnen mit Hand an. Es war, als ob es erst eines be« sonderen Ereignisses, wie es Hartung's Erscheinen für diese Leute war, bedurft hätte, das' natürliche Mitgefühl in ihren Herzen auszulösen. Ter beständige Anblick des Elends „ES wird allmälig Zeit, baß das deutsche Volk sich der wachsenden Gefahr bewußt wird, mit welcher die Regierung und die Prinzipien des Herrn Ministers von Köller den öffentlichen Frieden in unserem Valerlande bedrohe». Ter herausfordernde Hohn in der Behandlung der Arbeiterbewegung im Par- lament, die ständige Verfolgung der gewerkschaftlichen Organisationen, welche der geordneten Emporentwickelnng der Arbeiterklasse dienen, ihre Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und ihre geistige Aufklärung in die Hand genommen haben, das launische Hintertreiben und Auflösen ihrer Versammlungen, die unberechenbaren Beschlagnahmen ihrer Presse, endlich die politische Denunziation ihrer Bildungs- und Gesangvereine— kurz, das ganze System planlosen Chikanirens, mit dem dieser Staatsmann in einer aufgeregten Zeit die mit der Roth des Lebens ringenden und von neuen Menschheitshoffnungen tief- bewegten Seelen zn mißhandeln wagt— alles das reift unauf- haltsam in den betroffenen jene erbitterte Verzweiflung, welche die Hände erlahmen läßt in der Mitarbeit an gegenivärtigen Rettungswerken und den Bau der Freiheit erst auf den Trümmern des Bestehenden emporsteigen sieht. Man redete in den Umstnrzdebatten viel von den Volks- Verführern, vor denen das neue Polizeigesetz die Massen be- wahren sollte. Nun— wir meinen, es wäre nach den anarchistischen Grenelthaten in Frankreich am Platze gewesen, der deutschen Sozialdemokratie nicht die Umsturzvorlage, sondern den öffentlichen Dank der ganzen Nation darzubringen dafür, daß sie die zum Bewußtsein ihrer Menschen- würde erwachten Massen durch hohe soziale Ideale und geistige Belebung vor niederer Begehrlichkeit beivahrt hat und durch den Hinweis auf die Bedingtheit des einzelnen durch die übermächtige ökonomische Entwickelnng die von der Roth Erregten über kurz- sichtige Rachegedanke» hinweggeführt und für eine verzeihende Beurtheilung der P e r s o n e n empsänglich gemacht hat. Wer daher im Ernste will, daß die auf der Bahn besonnenen Fortschrittes begriffenen Massen nicht sittlich verivildern, der ver- einige sich mit Gleichgesinnten zum Protest gegen die Amtsführung eines Mannes, der durch seine Politik alle wilden Racheinstinkte weckt, die Brücke der Versöhnung abbricht und damit laut und deutlich die Revolution als den einzigen Weg zur Erlösung predigt. Freilich, das deutsche Bürgerthum verdient seinen Köller. Es hat sich jahrelang erfreut an den gewissenlosen Greuelbildern, welche gerade in der freiheitlich gesinnten Presse von den sozialen Idealen der Arbeiter entivorfen wurden und es hat hazu das Beispiel gegeben, die Arbeiterbewegung mit groben Mitteln und ohne brüderliches Verständniß zn belämpsen; darf man sich da wundern, wenn die Regierung sich auf dem Wege geistig- sittlicher Heilung ohne ehrlichen Beistand glaubt und in der Verzweiflung nach den Männern von Blut und Eisen ruft?" Daß die deutsche Sozialdemokratie den Anarchismus nicht auskommen ließ, das gerade war ihr Verbrechen. Unseren Junkern geht es, wie weiland dem dritten Napoleon, die Gesetzlichkeit tödtet sie. Bei ruhiger, friedlicher Entwickelnng sind sie verloren. Und darum suchen sie dieselbe um jeden Preis zu stören.— Tie Umstnrzdebatten wurden, wie unsere Genossen wissen, schon im Januar von der Vorwärts-Buchhaudlnng in Massenauflagen herausgegeben, und auch die Reden, die von Freund und Fm>d bei Gelegenheit der letzten Ab- schlachtung des geplanten neuen Sozialistengesetzes gehalten wurden, werden jetzt von uns in Heften herausgegeben. Welche Partei, außer der nnserigen, könnte es sich erlauben, die Reden ihrer Gegner in alle Welt zu schicken und selbst bei den gegnerischen Reden noch einer agitatorischen Wirkung für die eigene Partei gewiß zn sein? Das kann sich nur die Sozialdemokratie- mit ihren guten, stich- haltigen Argumenten gestatten. Auf'.diese merkwürdige Erscheinung machen selbst vie Gegner verschiedentlich auf- merksam. So schreibt z. B. die„Zukunft" in ihrer letzten Nummer folgendes: „Tie sozialdemokraiische Partei wird wieder, wie im Januar, die Reichslagsberichie in Maffennusgabcn vertreiben. Eine Partei, die sich gestatten darf, die Reden ihrer Gegner in hundert- taufenden Exemplaren nuter die Menge zu werfen, muß ihrer Sache sehr sicher sein. Leider ist diese stolze Sicherheit nicht unberechtigt, heule noch weniger als vor vier Monaten. Im Januar sprachen die Herren von Stumm, von Bennigsen und Gras Limbnrg-Stirnm: mit ihnen konnte man rechten und es konnte sogar lohnend erscheinen, sich mit Herrn Gröber ans- einanderzusetzen. Tiesmal sieht man in eine Wüste: nichts, kein Gedanke, nicht einmal ein glückliches Wort. Die Rollen waren vertauscht und die Angeklagten hielten den Gerichtstag, während die Kläger verlegen schwiegen oder durch Schreien ihren Unmuth kühlten. Das angesammelte Material wurde vernichtet, die Argumente der Staatserhalter wurden mit spitzem Messer zer- trennt. Das soll man nicht offen sagen; aber es ist ganz gleich- hatte ihr Empfinden abgestumpft und sie gleichgiltig ge- macht— sie, die selbst kaum das Nothweudigste hatten. Jetzt schienen sie sich auf einmal ihrer Gleichgiltigkeit zn schämen und durch verdoppelten Eifer das Versäumte gut machen zn wollen. „Wentt's man d t e bkos alleeue wären," meinte Frau Boll, eine robuste Arbeiterfrau aus dem Nebcnhause, die einen großen Topf Milchsuppe für die Kinder gekocht und einen Tisch nebst zwei wackeligen Stühlen irgendwo in der Rumpelkanimer aufgetrieben hatte.„Aber jehn Se man von Hans zu Haus, hier in unsere Straßen: nichts wie Elend und Armuth! Wie das noch werden soll!" „Ja, thut denn der Rath nichts für die armen Leute?" fragte Hans. „Tet is wie'n Droppen Wasser uf'n Heeßen Ofen," ver- setzte die heißblütige, kräftige Frait.„Jeht in't Arbeets- hans", hceßt et immer; wat soll'n aber aus Frau und Kindern werden und aus't Familienleben? Da find't doch unsereens noch sein bisken Glück drin, weiter hat man doch nischt hier uf Erden." Elsbeth lag ruhig und zufrieden in ihrem Bett, ohne zu sprechen. Mit einem glücklichen Lächeln sah sie zn Hans auf, der sich in Gemeinschaft mit den Frauen da und dort zu schaffen machte. Wie ein Prinz im Märchen war er gc- kommen, als sie in heller Verzweiflung die letzte Hoffnung aufgegeben hatte. Sie fühlte es, wie sie durch den Um- stand, daß sie einen solchen Bruder besaß, in den Augen dieser schlichten Frauen stieg. Und dieses Gefühl war mehr für sie als Arzenei, denn es gab ihr die Sicherheit, daß sie nicht mehr die verachtete Bettlerin war, die von fremden Gnadcnbrocken lebte. Ihr Blick schweifte über die Kinder hin, die seit langer Zeit wieder einmal satt waren und mit zufriedenen Ge- sichtern um den kleinen warmen Ofen saßen. Sie blickten bald in das lustig flackernde Feuer, bald auf den großen Onkel Hans, der sie aus dem schrecklichen, ewig finstern Loche da draußen ans Licht hervorgeholt hatte. Der Arzt war dagewesen und hatte Elsbeth Ruhe und kräftige Nahrung verordnet—„es ist nichts als Schwäche," meinte der gutmüthige alte Graubart,„infolge von Ent- behrungen— Hab' jetzt recht viel solche Patienten." (Fortsetzung fokgt.j giltig, ob wir es ängstlich vertuschen, da c? jedem doch, der die Berichte liest, in die Augen springt und nicht unser Urtheil, sondern der Eindruck der Massen entscheidend ist. Die werden den Inhalt des Heftes verschlingen, die iverden sehen, wie ihr August Bebel den ganzen Aktenhaufen zersetzt und zerstampft hat und wie kein einziger ihm auch nur ein einziges Wörtchen ent- gegnen konnte. Auch außerhalb der sozialdemokratischen Partei sollte man die Broschüre fleißig kaufen und lesen, damit man auch da noch bei Zeiten erkennt, wie die bürgerliche Gesellschaft von der Regierung und dem Parlament vertreten wird. Aus dem dichten Papiergestöber blieb kaum ein Blättchen unversehrt, die Minister rührten keinen Finger, um ihr Material zn retten. und Herr Bebel konnte, ohne auf irgend einer Seite des Hauses Widerspruch zu finden, von der Leichtfertigkeit sprechen, mit der dieses Material zusammengestellt worden sei. Ist's da ein Wunder, wenn in den Tiefen des Volkes das Mißtrauen gegen alles, was osflziell mitgelheilt wird, beständig wächst und die „Hetzer" dann bequeme Arbeit haben? f Ist's ein Wunder, wenn auch in dem gebildeten Leser, der die Rede des Ministers des Innern mit der des Drechslermeisters vergleicht, der Eindruck entsteht. daß da eine neue Weltanschauung einen alten Wahn kräftig zu Boden ringt?" Das Zentrum gegen de» Staatsstreich. Zu den blödsinnigen Vorschlägen der Konservativen, zuletzt der „Schlesischen Zeitnng", das allgemeine Wahlrecht dadurch aus der Welt zu schaffen, daß die betheiligten Einzelstaatcn das Deutsche Reich auflösten und dann ein neues Reich ohne Wahlrecht gründeten, schreibt heute die ultramontane „Kölnische Volks-Zeitung": Wenn bei diesen Leuten der Haß gegen den Reichstag größer ist als die Liebe zum Reich, so danken wir wenigstens für ein Reich nach ihrem Sinne. Wenn wir dergleichen über uns ergehen ließen, so verdienten wir, in unserem Wappen die m e ckl e n b u r g i schen Ochsen zu führen. Auch parteipolitisch haben wir alle Ursache, fest zum Reichstag zu stehen; denn dieser Ansturm richtet sich nicht nur gegen die Sozialdemokraten, sondern ebenso sehr gegen das Zentrum. Es soll im Reichs- tage keine Sozialdemokraten geben und das Zentrum in ihm nicht die führende Rolle spielen. Das ist der Zweck dieses ganzen Aufgebotes. Wir werden uns hüten, den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen. Selbstverständlich! Ten Ast abzusägen, auf dem sie selber sitzen, überlassen verständige Leute hübsch der„Schle- sischen Zeitnng" und der übrigen staatsstreichlüsternen Sippe.— Alte Taktik. Ein Theil der reaktionären Parteien verfolgt jetzt, nachdem der Reichstag sich in Sachen der Uiltstnrzvorlage, untraktabel gezeigt hat, augenscheinlich die Politik der Bosheit, d. h. er sucht den Reichstag— durch Auszählungen u. s. w.— an gedeihlichem Arbeiten zu hindern und vor dem Lande bloßzustellen, damit im Falle des Staatsstreichs, der dieser vornehmen Umsturzgesellschaft doch immer als letztes Ideal der Staatsrettung vorschwebt, der Reichstag beim Volk keine Sympathien finde. Es ist das beiläufig ein uraltes Junkerspiel. Als der Staatsstreich und General-Umstnrz des Jahres 1806 von den preußischen Reaktionären vorbereitet wurde, lief die ganze preußische Politik darauf hin, den Bundestag in Frankfurt(dem wir sonst gewiß nicht das Wort reden ivollen) zu diskredi- tiren. Zu diesem Zweck hatte die preußische Diplomatie die Instruktion, in Frankfurt alle Reformen zn verhindern, damit ver Bundestag als Hinderniß jedes Fortschritts erscheine. Namentlich Bismarck, der reaktionärer war, als irgend ein anderer Bevoll- mächtigter am Bundestag, spielte dieses Spiel mit zynischem Gusto. Und schließlich wurde der Bundestag von denselben Leuten, die ihn an Reformen verhindert hatten, angeklagt keine Reformen gemacht zu haben! Alles im Interesse des Umsturzes. Damals ivar die Zerreißung und Verwüstung Deutsch- lands, der Bürgerkrieg das Ziel; heute ist's die Ver- nichtung des allgemeineil Wahlrechts, der Staatsstreich.— Das Dortmunder Reichstags-Mandat. DasMandat des Herrn Möller ist bekanntlich von der Wahlprüfnngs- Kommission für ungiltig erklärt worden. Unser Dortmunder Partei-Organ, die„Rheinisch-Westfälische Arbeiterzeitung". servirt nun dem Herrn Vertreter der patentirten Partei der bürgerlichen Ordnung den säuern Apfel der Mandats- niederlegung in Gestalt folgender Notiz: „Jedenfalls wird das Plenum des Reichstags noch in dieser Session die eudgiltige Eutscheidiing treffen, wenn Herr Möller es nicht vorzieht, dieser Entscheidung durch Niederlegung seines Mandats zuvorzukommen. Das Ehrgefühl müßte Herrn Möller gebieten, so zu handeln. Als die hiesigen liberalen Parteiführer TkzeAkev. SchansPiekhanS. Wer sich zu vornehm hält fiir's mühselige Tagewerk und nicht Geist genug besitzt, sich als Tages- schriststeller von Selbständigkeit zu behaupten, der wird heut- zutage mit Vorliebe Bühnendichter. Weil irgend einem aus- gemachten Flachkopf einmal ein ergiebiger Treffer beschieden ivar, so jagt eine ganze Schaar von Flachköpfen aus einmal nach dem Preis. Was bei dem Geschnatter herauskommt, läßt sich denken. So ist es möglich geworden, daß man am Sonntag im wohlunterstützteu Hoftheater, im Schauspielhause eine Novität erleben durste, wie Wendtlandt's Schauer- Spiel„Alt Berlin." Nicht dem Kunstkritiker mehr inter- essirt dieses höchst merkwürdige Stück. Es kann vielmehr als das markanteste Zengniß dafür gelten, welchen Unsegen ein Fürstenwort anrichten kann, wenn es einen Grundirrthum eut- hält und doch von verrottetem Höflingssinn in blanke That um- gesetzt wird. Seit der kunstfeindliche Spruch gefallen war, die Bühne zur Dreffuranstalt für vaterländische, das ist preußisch- dynastische Anschauung zu machen, ist manche leidvolle Geschichts- klitternng an uns vorübergezogen. Aber zu solchem Nngeschmack war man doch noch nie gekommen, wie mit„Alt Berlin". Wenn ich meinen Wendtlandt nicht ganz bestimmt kennen würde, wenn ich nicht wüßte, daß dem Guten nichts ferner liegt, als kleine Teufeleien, so wäre ich versucht, anzunehmen, ein satirischer Schalk hätte eine tolle Parodie aus das wüste Lärmen der neu- berlinischen Hurrah- und Rädaukomödie schreiben wollen. Man denke sich Wildenbruch's Kraftmeierei ohne Wildeusbruch's Können; man denke sich, diese patriotische Eisensresserei in schrillem Lärm heftig überboten; das alles in eine Atmosphäre blutrünstiger Wnth gerückt— und man hat Wendtlandt's„Alt- Berlin". Die grausamen, höchst martervollen Vorgänge sind aus der Zeit entnommen, da das Berlinische Patriziat, der Berliner Rath, übermächtig wurde und, auf die Hansa gestützt, selbst den Hohenzollern zu trotzen wagte. Kein Verbrechen gab es, dessen die Ralhsherren nicht fähig waren. Als Irmgard, die Tochter des kurfürstlichen Burghauptmanns von Cölln, eines Tages auf dem Berliner Mühlendamm betroffen wurde, was wider das Gebot des Rathes war, so wurde sie wie eine Dirne von der damaligen Schntzmannschaft vors Gericht geschleppt. Tie Kursürstlichen nämlich hatten keinen freien Eintritt durch die Stadtthore und im Drang,«in barm- herziges Werk zu thun, übersah Fräulein Irmgard das Gebot. Vor dem Gericht aber erstanv dem schönen Engel ein Retter in der Roth, Herr Joachim Rieke, des tyrannischen Oberbürgermeisters einziger Sohn. Das konnte mit natürlichen Dingen nicht zugehen. Frl. Irmgard mußte Herrn Joachim zur die Herren Bäumer. Dr Haarmann, Täglichsbeck u. a. ihr Siegesfest gefeiert hatten, richrete einer unserer Parteifreunde einen offenen Brief an Herrn Möller, worin der Erwartung Zlusdruck ge- geben war. daß er das durch die schlimmsten Wahlbeeinflussungen gewonnene Mandat nicht annehmen werde. Zum Schlüsse hieß es: �.Sollte ich mich in Ihnen getäuscht haben, sollten Sie wider Erwarten das Mandat ausüben, so werden Sie auch gestatten müssen, daß ich Sie in meiner Achtung sinken lasse." In einer Zuschrift an einen anderen Genossen hat Herr Möller seinerzeit erklärt, daß ihm von Wahlbeeinflussungen nichts bekannt sei. Sollten die unsererseits darüber aufgestellten Behauptungen sich als wahr erweisen, so werde er selbstverständlich das Mandat niederlegen. Unsere Behauptungen sind erwiesen. erwiesen durch eidliche Vernehmung ein wandsfreier Zeugen, erwiesen durch den Beschluß der Wahlprüfungs-Kom Mission des Reichstages. Herr Möller, Sie haben Ihr Mandat sofort niederzulegen." Herr Möller scheint es aber wie sein Fraktions- genösse Dr. Böttcher trotz alledem und alledem auf eine Abstimmung des Reichstages ankommen lassen zu wollen, die ihm sein Mandat abnehmen muß.— Herr von nnd wosz« Hanimerstein hat eine so freche' Stirn, daß er vom 1. Juli ab ein Engagement in der Redaktion der„Post" oder der„Norddeutschen All- gemeinen Zeitung" finden könnte. Wagt doch der Edelmann von altem Schrot und Korn den Vertretern unserer Partei im Reichstage den ebenso frechen wie leichtfertigen und abgedroschenen Vorwurf zu machen, daß sie„Verzehrer von Arbeitergroschen" seien. Dieser Vor- wurf wirkt im Munde des Hammerstein erheiternd, hat er sich doch noch nicht von den Vorwürfen reingewaschen, daß er den Pensionsfonds der„Kreuz-Zeitung" verjuxt habe, daß er zum Schaden der„Kreuz-Zeitung" Verträge mit einem seiner Gläubiger, einem großen Papierlieferanten, abgeschlossen habe:c. Wenn ein solcher Mann die Vorkämpfer unserer Partei besudeln will, so gereicht ihnen das nicht zur Schande.— Zur preßgesetzlichenZ Verantwortlichkeit des Druckers, die in dem Falle Babing zu einem bösartigen Präzedenzfall wurde, schreibt die„Leipziger Volkszeitung": Daß der Drucker für den ihm notorisch unbekannt gebliebenen Inhalt einer Druckschrift, deren verantwortlicher Redaklenr bekannt ist. verantwortlich gemacht wird; daß damit immer wieder Gerichtshöfe ihre völlige Unkenntniß des Verlags- geschäfls, das Fehlen jeder Einsicht in die Geschäststhätigkeit eines Betriebs, den sie aus staatserhaltendeu Gründen fort und fort z» behandeln veranlaßt sind, bekunden: das eröffnet die holde Aussicht auf die unbegrenzte Anwendung des ciolus eventualis(des„fahrlässigen bösen Willens"), auf die kriminelle Hastung des Setzers und Stereotypcurs, des Briefträgers und der Selterswasserjungfrau, daß jedem rechten Kriminalisten das Herz im Leibe lachen muß. Denselben Kriminalisten, deren Vertreter in den.Strafkammern vor einem Jahre freisprachen und dieses Jahr verurtheilte», die im lkulturkampf für das Verbrechen der unerlaubten Beichtabnahme oder der Tröstung des Sterbenden auf viele Monate Gefängniß erkannten, um nach dem ruhmvollen Kirchensriedeu dasselbe leichte Delikt mit einige» Tagen Freiheilsstrafe zu sühnen. Nicht als ob wir an- nehmen wollte», daß auch der Nichter dem„Zuge der Zeit" nicht zu widerstehen vermöge, daß auch unter dem- Talar politisch empfindende Herzen schlagen. Nicht als ob wir es seltsam finden sollte», daß ungestraft Blätter der Ordnung zu Gewalt und Verfassungsbruch aufrufen dürsen, während Sozial- demokraten selbst durch die Warnung vor Straßenkämpfen„eine Gährung unter den einfältigen Arbeitern", wie der Staatsanwalt so schön sagte, hervorrufen. Es ist so. und es ist gut so. Wir sind Unterthanen, und billig überlassen wir es dem Zufall, ob die Wiederholung freigesprochener Sätze eine strafbare Handlung sein wird, ob man unwissend zu Gewaltlhätigkeiten anreizen kann. „Meine Herren, wir leben im Rechlsstaale", sagte vor einigen Jahren Herr v. Bötticher im Reichstage. Wen» Herr Schönstedt oder Herr v. ftöller es im Reichstage wiederholen sollten: wer möchte an dem Worte solcher Horte des Rechtsgesühls mäkeln?— Handwerker- Kammer». Ein im Neichsamt des Innern ausgearbeiteter Gesetzentwurf über die Handwerker- Kammern liegt jetzt dem preußischen Staatsministerium vor. Wie der „Köln. Volks-Ztg." geschrieben wird, soll in den Kammern den Innungen eine der Zahl ihrer Mitglieder im Verhältniß zur Gesammtzahl der Handwerker des Bezirks entsprechende Zahl von Mitgliedern vorbehalten bleiben. Außerdem solle» die Liebe behext haben. Als Hexe wird das arme Ding zur Folter geschleppt und Joachim, ihr Schützer, ruft das kleine Volk, die Masse der Gedrückten, zur Empörung nnd wird vom eigenen Vater wegen Landfriedensbruchs zum Tode verurtheilt. Glück- licherweise erfährt der Eiserne Kurfürst Friedrich zu Branden- bürg rechtzeitig noch, was sich an Grausamkeit in Berlin abspielt, und er in seiner Heldengröße, in seinem Mulh, in seinem reinen Guadensinn, dem keine menschliche Schwäche anhaftet, eilt nach Berlin, sprengt die Thore und befreit die Stadt von der Gewaltherrschaft der Geschlechter. Ihm jubelt die Jugend zu in Joachim und um Joachim's Fürstentreue zu erproben, schickt der Kurfürst Herrn Joachim selber aus, den flüchtigen Oberbürgermeister, Joachim's eigenen Vater, todt oder lebend einzufangeu. Für Joachim,' der den Gedanken des einigen Staates unter Hohenzollerns Leitung gegen den Stadlherrnlrotz seines Vaters vertheidigt, gicbl es lein Besinnen. Es ehrt den Mustersohn der Auftrag des Fürsten und wirklich fängt er den flüchtigen Vater ein. Damit ist der Trotz der märkischen Städte eudgilrig gebrochen und das schwarz- weiße Banner weht über Berlin-Cölln. Ueber die Schauspielerei sei kein Wort verloren. In dem Genre, wie das vorbezcichnete, siegt, wer die gewaltigste Lunge hat. Am lebhafteste» zeichnete das Publikum nur einen Mit- spieler aus; das war der fromme Schimmel, aus dem der Kur- sürst Friedrich ins eroberte Berlin einritt. Literarisches. NcichcSberg, Raum, vr. zur., Dozent für Nationalökonomie und Statistik an der Univcrsiät Bern, Sozialismus. und A n a r ch i s n» u s. Bern und Leipzig lögv. Aug Siebert, 40 S. 8°. In dem empfehlenswerthen Schriftchen, daß die Wieder- gäbe eines vor einem überwiegend bürgerlichen Publikum ge- haltenen Vortrages bildet, wird in klarer und gemeinverstäud- licher Weise der Unterschied zwischen Sozialismus und Anarchismus erörtert. Die Fragen der theoretischen National- ökonomie— Mehrwerth. Entwickelung der Profitrate— werden etwas zu flüchtig gestreift. Auch mancher derjenigen, denen die Schrift nichts neues bietet, wird an der Anlage der Arbeit Ge- fallen finden. Leider ist die Broschüre durch so viele Druckfehler, die hier und da sinnstörend wirken, verunziert. daß man an- nehmen muß, der Verfasser habe gar keine Korrektur gelesen. — n. Dem liebe« deutsche» Michel. FiirstenanSspriiche. Zeit- gemäße Betrachtungen über gewisse Vorkommnisse im Reiche. Eine Stimme aus Süddentschland. Stuttgart 1S9S. Verlag von Robert Lutz. 2. Auflage. 32 S. kl. 8". Preis 30 Pf. In dieser Schrift wird vom Standpunkte der süddeutschen Volks Partei an einigen Aussprüche» des Kaisers Kritik geübt. Jnnungsmitglieder sich an der Wahl der übrigen Kammer- Mitglieder betheiligeu.— Die Zerreibnng der Nationalliberale« soll ihren Fortgang nehmen. Die„Franks. Ztg." meldet aus Freiburg i. B.: In der gestern stattgefundenen Landesversammlung der Zentrums- Partei sprach der Pfarrer Wacker bezüglich der Wahlen für ein Zusammenstehe» der Linksliberalen gegen die Nationalliberalen. Ter Säbelheld Major von Schnltze- Klosterfclde, der im Streite mit dem Bankbeamte» Rieckhoff auf der Straßenbahn diesen mit dem Säbel verwundete, ist durch kaiserliche Bestätigung des kriegsgerichtlichen Urtheils wegen gefährlicher, unter rechts- widrigem Waffengebrauch begangener Körperverletzung zu zwei- monatiger Eesängnißstrafe und Tragung der Kosten verurtheilt worden.— Tic österreichisch-ungarische Ministerkrise hat bekannt- lieh dadurch ihre Erledigung gefunden, daß der gemeinsame Minister des Aeußern, Graf Kalnoky, entlassen, der ungarische Ministerpräsident Baron Banffy geblieben ist. Heute kam die Sache nun, wie lange erwartet, im ungarischen Abgeorduelenhause zur Sprache, indem Banffy interpellirt wurde. Dieser beantwortete die Interpellation betr. die Älgliardi-Affäre dahin, daß nach der vorhergegangenen Diskussion eine Antwort überflüssig erscheine; jedoch könne er sagen, daß das Ansehen der ungarischen Regierung keinerlei Abbruch erlitten habe. Tie Opposition war über diese Autwort sehr erregt, während die Liberalen sie mit Beifall ausnahmen. Der Interpellant, Helsy, vermißte einen Ausschluß über de» gegenwärtigen Stand der Agliardi-Assäre; er fragte:„Ist eine Demarche in Rom erfolgt oder nicht?" Der Interpellant, Abg. Ugron, vermißte ebenfalls eine Auskunft über die beim Vatikan erhobene Beschwerde. Ministerpräsident Baron v. Banffy erwiderte, es liege nicht im Interesse des Landes und der fraglichen Angelegenheit, in Details derselben einzugehen. Die Majorität nahm sodann die Antwort zur Kenntniß, womit die Angelegenheit im Abgeordnetenhausc erledigt ist.— Zur Kirchenpoliiik in Ungarn. Die„Budapester Kor- respondenz" meldet, die Regierung beabsichtige, die beiden von dem Magnatenhanse abgeänderten kirchenpolitischcn Vorlagen unverändert aufrecht zn halten. Es sei nunmehr zweifellos, daß auch die Majoriät der Magnaten die Vorlagen in ihrer ur- sprünglichen Fassung annehmen werden. Die Vorlagen, welche voraussichtlich von dem Abgeordneteuhanse iviedcr angenommen werden würden, würden an das Magnatenhaus zurückgelangen. welches sich jedoch wegen der im Juni stattfindenden Delcgations- sitzungen, voraussichtlich erst im Herbste mit den Vorlagen be- schäftigen wird.— Volksabstimmung im Kanton Zürich. Zn der am Sonntag staltgefundenen Volksabstimmung im Kanton Zürich wurde das Gesetz über die Erbschastssteuer mit obligatorischer Jnventarisation in jedem Todesfall und Besteuerung auch des elterlichen Erbtheilcs mit Lt IVO gegen 21 373 Stimmen ver- worfen. Bei einer Stichwahl, die am Sonntag in Thuir, in Belgien stattgesnnden hat, ist der Ultramontane Bailly gegen den Sozialisten Leken gewählt worden. Es konnte dies allerdings nur mit Hilfe der gesammten„Liberalen" geschehen und selbst so siegte er nur mit einer Majorität von 5 Stimmen, indem er 22 133, unser Genosse aber 22 133 Stiminen erhielt. Trotz dieser Niederlage zeigt aber auch diese Wahl, wie der Sofialismus überall mit der bürgerlichen Gesellschaft um die Palme ringt und, wo es noch nicht geschehen, überall nahe daran ist, als Sieger aus dem Kampfe hervorzugehen.— Eine Nachwahl und ihre Lehre». Aus London schreibt unser Korrespondent: Die Wahl in W a l iv o r t h hat, wie zu erwarten war, mit dem Sieg des Torykandidatcn geendet, aber unerwartet groß ist dessen Mehrheit. Herr James Bailcy, ein reichgewordener Ncstauratenr, ist Sieger über den Liberalen und den Sozialisten zusammengenommen. Letzterer erbiclt von 5218 abgegebenen Stimmen 347. nicht ganz 6 pCt. Und dies i» einem Wahlkreis, der wie kaum ein zweiter für die sozialistische Agitation günstig gelegen ist. Er deckt nur ein sehr kleines Areal, hat zwei Geschäftsstraßen und der Liest sind enge, verräucherte Straßen, wo Arbeiter und kleine Leute aller Art dichtgedrängt ihr Heim haben. Dabei halle der Kandidat der Sozrnldemo- kratischcn Föderation, George Ladsbrny, noch viele Chancen siir sich. Er ist ei» bekannter und beliebter Redner, hat sich als Armenrath sehr thätig gezeigt, und wurde arißcr von den Sozialisten aller Richtungen auch von namhaften Vertreter» der Gewerkschaftsbewegung, sowie von etliche» Sozialresormern unter- stützt. Die Agitation für ihn ließ an Energie nichts zu wünschen übrig, daS ganze sozialistische London war in diesen Tagen in Walivorlh zu sehen, um an den Straßenecken für George Lausbury Stimmen zn werbe». Und trotzdem nur 347 Stimmen. Das ist, wenn auch die größte Stimmenzahl, welche die Sozialdemokratische Föderalion bisher in London erreicht hat, doch ein wenig befriedigen- des Resultat. Allerdings überraschend kann es nur den Ausländern kommen, Kenner der örtlichen Verhältnisse wußten im voraus, daß an einen Sieg Lausbury's gar nicht zu denken war, wenige rechneten auf mehr als 3—400 Stimmen für ihn. London ist eben noch nicht sozialdemokratisch, und noch weniger scheint es reif zu sein für die Taktik der Sozialdemokratischen Föderation. Ich verkenne nicht die Schwierigkeiten der heutigen Situativ», aber ich möchte doch bezweifeln, daß es eine kluge, der Sachlage angemessene Taktik war, die Geschosse so einseitig gegen die Libe- raleu zu richten, wie dies von den maßgebende» Rednern der Sozialdemokratische» Föderation— ganz zweifellos in ehr- lichster Absicht— bei dieser Wahl geschah. Tie Reden, die ich von ihnen gehört, unterschieden sich durchaus nicht von denen, die den Führern der Judepeudent Labour Party den Vorwurf zugezogen haben, Agenten der Tories zu sein. Unsere hiesigen sozialrstischen Freunde gehe» von der Voraussetzung aus, daß sie die Geschicks der beiden großen bürgerlichen Parteien quasi in der Tasche hätten und daß somit die Hälfte ihrer Arbeit schon gethan sei, sobald es ihnen erst gelungen, die liberale Partei, die zwischen ihnen und den Arbeiter» stehe, zu„vernichten", mit den Tories würden sie alsdann im Handumdrehen fertig werden. Bei dieser Rechnung scheine» aber verschiedene Posten nicht zu stimmen, so auch der nicht, daß cs vorwiegend die Liberale» sind, die dem Sozialismus bei den Arbeitern im Wege stehen. Bielleicht, ja, wahrscheinlich, daß es für die Arbeiter zutrifft, die an der Politik ernsthaft lheilnehme», aber die sind selbst nur eine Minder- heit ihrer Klasse. Was aber die Masse anbetrifft— nun, so haben am Dienstag sicher bedeutend mehr Arbeiter konservativ gestimmt als liberal— von sozialistisch gar nicht zu reden, und es hieße sich sehr täuschen, wenn man annehmen wollte, sie hätten dies etwa aus Protest gegen den erkalteten Reformeifer der Liberalen, gegen die Matiherzigkeit des liberalen Kabinets gethan. Für solche Protestler war ja der sozialdemokratische Kandidat da. Tie„Daily News" mag übertreiben, wen» sie sagt, daß diejenigen Arbeiter, die von den Tories zur Wähl gebracht wurden, die Hefe ihrer Klasse bildeten, das rohcste, verkominensie Element derselben; aber wahr ist, daß die Kunden der Bier- und Schnapshäuser, der Buchmacher und dergleichen, fast Mann für Mann mit den Konservativen gehen, und dieses Element ist nur zu zahlreich im Lande. Dazu kommen dann noch die Slipendiaten der von den Konservativen ver- walteten Untcrstützuiigsvereine und die nicht geringe Zahl der Jingoes, so daß die Tories,»»> die sich immer mehr der gesammte investirte Besitz gruppirt, auch über eine sehr stattliche Gefolgschaft von Arbeitern verfügen. Es liegt also schwerlich im Interesse des Sozialismus, ihnen noch Wähler aus der Arbeiter- klnsse zuzutreiben. Das aber ist nur zu oft das Resultat so ein- seiliger Angriffe. Trotz unendlich stärkerer Agitation haben am Dienstag Liberale und Sozialisten zusammen in Walivorlh nicht so viele Stimmen bekommen als 1öv2 der Liberale allein ans sich vereinigte. Natürlich hat die Wahl, und die gleichzeitig in Dorsetshire erfolgte Wahl eines Konservativen mit bedeutend erhöhter Mehr- heit gegen 1392, die Aktien der Tories sehr erhöht, und in der liberalen Partei arge Verstimniüng hervorgerufen. Der linke Flügel der Partei erklärt den Mißerfolg durch die Lahmheit der seit über Jahressrist beobachteten Haltung der Partei- leilung, der rechte aus dem zu großen Radikalismus der Partei. Die„Daily News" z. B. meint, der liberale Kandidat in Walworth sei im lobensrverthen Eifer, dem Sozialisten Konkurrenz zu machen, zu weit gegangen und habe dadurch viele gemäßigte Liberale veranlaßt, für de» Konservativen zu stimmen. Beide Theile haben hier recht, aber das Hin- und Herziehen bringt die Partei nicht vorwärts. Es giebt für sie nur eine Rettung: die baldigste Ablösung durch die konservative Partei. Je schneller diese wieder an's Ruder kommt, um so mehr wird der Zersetzungs- prozeß der liberalen Partei hinausgeschoben. Und gerade deshalb wird es mir so schwer, einzusehen, welches Interesse die Sozialdemokratie daran haben soll, die Tories vor der Zeit in Doivningstrcet zn sehen. Die Nüssen stänkern noch immer in Ostasien. Der unvorsichtige Eifer, mit dem das Deutsche Reich ihnen seine Dienste anbot, hat sie üppig gemacht und sie bieten jetzt alles auf, um die Situation für sich auszunutzen. Ihr Stieben geht daraus hin, die Japaner einerseits zu schwächen, anderseits sie mit den Chinesen in Streit zu bringen. Vorläufig haben sie damit aller- dings nichts anderes bewirkt, als die Japaner den Engländern und Amerikanern näher zu bringen. Jedenfalls aber ist die Rückkehr fester, friedlicher Zustände in die Ferne geschoben— und das hat der famose„neue Dreibund" gethan. der, gleich dem alten, ein„Fricdensbund" sein sollte.— Z?avkeittc»cki«.'ickike»r. Wahlbeeiiiflnss, tilge» sollten sich im Wahlkreise Esch» w c g e nach der Behauptung des Anlisemiten Liebermann v. S o n n e n b e r g Sozialdemokraten haben zu schulden kommen lassen. Dazu schreibt man uns von dort: Wer unseren Wahl- kreis nur einigermaßen kennt, weiß, daß die Beschuldigung nicht auf Wahrheit beruhen kann, sondern, gelinde gesagt, der reinste Mumpitz ist. Thalsache ist vielmehr, daß selbst in der Stadt die Mehrzahl der Arbeiter sich fürchtet, bei der Wahlbewegung mit einem bekannten Parteigenossen auch nur zu sprechen, damit sie bei ihrem sogenannten„Arbeitgeber" nicht in den Geruch kommen. sozialdemokratisch gewählt zu haben. Noch viel weniger ist es daher möglich, sie truppweise zur Wahlurne z» ziehen. Daß auch auf dem platte» Laude Wahlbeeinflussungen von unserer Seite ausgeschlossen sind, bedarf bei dem Schreckensregiment, das von unseren Gegnern dort bekanntermaßen geübt wird, gar keiner Beweisführung. � Die ZeutrumSpartei ist im Reichstags- Wahlkreise A s ch a s f e ii b u r g bei der Auswahl der Mittel, ihren Besitz- stand der Sozialdemokratie gegenüber zu behaupten, nichts weniger als schüchtern. Was an unzutreffenden Behauptungen über die Ziele und das Wirken unserer Partei nur erdenklich ist, das wird in den Zentriimsversammlungeii den Wählern im Brusttone der Ueberzeugung zn Gcmüthe geführt. Meldet sich aber ein Sozial- demokrnt zum Wort, um den Wählern reinen Wein eiiizuschänkeu, so läßt mau ihn nicht reden, wie das jüngst unserem Partei» genossen Hoch aus Hanau in einer Versammlung im Dorfe Kahl am Main widerfuhr. Dort hatte der Pfarrer Gerstenberger, der Kandidat des Zentrums, über die Sozialdemokratie das ungereimteste Zeug zum beste» gegeben; als aber unser Parteigenosse Hoch das Wort verlangte, da erklärte man ihm, die Diskussion sei mir vor der Rede des Kandidaten gestattet gewesen. Die das sagten. waren dazu noch Geistliche, Leute also, deren Zunge gemeinhin nicht so schwer ist, um ein Lledcturnier ausfechten zu können. Wenn sie also trotzdeni dem Sozialdemokraten nicht das Wobt zur Erwiderung gestalteten, so kann die Ursache nur darin liegen. daß sie fürchten, selbst in einer Versammlung ihrer Wähler könnten ihre Argumente gegen den Sozinlismns nicht mehr ziehen, wenn sie von einem Sozialdemokraten beleuchtet weiden. ** Von der Ngitation. sfer Parteigenosse Bebel hielt letzten Sonntag in Hamburg zwei große Volksversammlungen ab, worin er über die politische Lage referirte. Die erste Ver- sammlung begann vormittags �/s12 Uhr nnd endete um I Uhr; die zweite begann um 2 und endete kurz vor 4 Uhr. Diskussion fand nicht statt. Beide Versammlungen waren sibersüllt. Viele mußten wegen Mangels an Platz wieder umkehren. Sächsische Landtags Kändidatnreu. Für den 16. flädti- scheu Landtags- Wahlkreis ist wieder der bisherige Landtags- Abgeordnete A u g u st C o l d i tz als Kandidat aufgestellt; für C h e m n i tz- L a n d Reichstags- Abgeordneter Franz Hof- mann ans Chemnitz; für C h e m n i tz- S t a v t Reichstags- Abgeordneter Seisert�ans Zwickau. � Noch einmal die Straßburger Wahl zum Bezirkstag. Man schreibt uns: Dcr Genosse B ö h l e hat in der letzten Sonnabend- Nummer des„Vorwärts" die Taktik desjenigen Theils der Straßburger Genossen zu rechtfertigen versucht, der sich an der zweiten Wahl zum Bezirkstag bclheiligte, obgleich offenbar war, daß die Äelheilignng an dieser Wahl für uns keinen praktischen Nutzen haben nnd daß nur der Regierung Vorlheil daraus erivachfen konnte. Böhle brauchte uns nicht auseinander zu setzen, welchen Vortheil die Bcthciliguug au Wahlagitalioneu im allgenieineu für uns hat. Dagegen hat sich Ii i e m ä Ii d ausgesprochen. Auch sind wir über den Werth der Straßburger Freisinnigen nicht im Zweifel; den kennen wir so gut wie Genosse Böhle; sie uiilerscheidcii sich in nichts von den Frei- sinnigen anderwärts. Slber vor die Wahl gestellt, ob ein Liegierungs- kandidat oder ei» Freisinniger gewählt werden soll, hat die ge- sammte Partei in Teutschland in solchen Fällen sich für das letztere entschieden. Im Elsaß liegen obendrein die Dinge so, daß jede Wahl eines Liegierungskaiididateii für die Aufrecht er Haltung der Diktatur und des d a in i t verknüpften V e r w a l t n n g s s y st e m s a u s g e n u tz t w i r d, n n d s o g e b o t e n die speziellen Z u st ä n d e E l s a ß- L o t h r i n g e n s e r st recht, die Wahl eines R e g i e r u n gs- K a n d i d a t e n zu verhindern. Könnte noch ein Zweifel darüber bestehen, wem die Taktik Böhle's und Genossen zu stalten kam, so i st e r in der Rechtfertigung geliefert, welche die„Straßburger Po st"— die als offiziöses Regier ungsorgan angesehen wird— Böhle und Genossen zu t h e i l werden ließ. Es ist immer unangenehm, von dem ausgesprochensten Gegner vertheidigt und gelobt zu werden. Tie betreffenden Straßburger Genossen mögen in künstige» Fälle» sich genauer die Kousequenzcn ihres Handelns überlegen. * Ein neneS VolkShanS erbauen sich die Brüsseler Parteigenossen. Das alle(La. Maieon du Peuplo), das allen Besuchern des Brüsseler Kongresses in gutem Gedächtniß ist, hat einen ziemlich bescheidencii Umfang und genügt nicht zur Auf- »ahme größerer Volksmassci,. Das neue Volkshaus, für dessen Bau die staatlich garanlirle Sparkasse von Belgien der Cooverativ- Genossenschast der Idaiscrn du Peuple 500 000 Franks vorgestreckt hat, wird, außer den nöthigeii Wirthschnfts-, Gcsclätts- und sonstigen Räninlichkeitcu cineu Versainmliingssaal für 7000 Personen eiithaitcu. den größten in ganz Brüssel. A ?»»erikiNtt'sche Pnrtciprcsse. In Brooklyn ist am 1 UKrti die erste Ninmner des skandiixu'iscljcn Partei- Organs herausgegeben worden. Die Redaktion befindet sich in New-Iorb �odtenliste der Partei. In N ew-York ist kürzlich der Parteigenosse Th. Schräder gestorben. Er war seinerzeit Be- riolkinächtigtcr des allgemeinen deutschen Arbeitervereins, wirkte nach der Vereinigung zwischen Lassalleanern und Eisenachcrn als Vertrauensmann der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands in Wandsbeck und wurde nach deni Erlab des Sozialistengesetzes ausgewiesen. •• Polizeiliches, Gerichtliches ic. — Ein Wurm, der nicht sterben kann, schreibt das„Hain- vurger Echo", ist der„Aufreizungs">Prozeß gegen Paul Wein- beb e r. Gegen diesen Parteigenossen war bekanntlich in seiner Eigenschaft als Verleger des Flugblattes zum 18. Marz v. I. Anklage auf grund des§ 130 des Reichs-Strafgesetzbuchs erhoben worden, weil nach Ansicht der Staatsanwaltschaft in Hamburg durch den Inhalt des Flugblattes der öffentliche Friede gestört und verschiedene Bevölkerungsklassen zu Gewaltthätigkeiten gegen einander angereizt sein sollten. Das Hamburger Landgericht konnte in dem Flugblatt ein derartiges Delikt nicht entdecken und sprach am 25. Oktober vorigen Jahres Weinheber von der erhobenen Anklage frei. Gegen das freisprechende Urtheil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein nnd das Reichsgericht erachtete in seiner Sitzung vom 7. Januar d. I. diese Revision für begründet und verwies die Sache an das Landgericht Hainburg zurück. Aber trotz der Ausführungen des Reichsgerichts konnte das Landgericht auch diesmal nichts Strafbares in dem Flugblatt entdecken und sprach den Angeklagten am 27. April abermals frei. Aber die Staats- mnraltschaft kann sich noch immer nicht zufrieden geben, und so hat denn der Herr Oberstaatsanwalt Keßler sich veranlaßt ge- fühlt, auch gegen dieses freisprechende Urtheil Revision ein- zulegen. — In Düsseldorf ist seit Januar über das Lokal„Reue Welt" der Boykott verhängt. In Zlnfrusen nnd Artikeln hat die.Fiiederrheinische Volkstribüne" dafür gesorgt, daß der Boykott durchgeführt wird. Die Staatsanwaltschaft hat nun befunden, daß dabei„grober Unfug" begangen worden sei und das Schöffengericht war derselben Meinung, indem es den Lokal- redakteur der„Tribüne", Wessel, zu 10 M. Geldstrafe und in die Kosten verurtheilte, weil durch die Boykottnotizen das Publikum belästigt worden wäre. Ter milangeklagte Vertrauens- mann H ii h n wurde freigesprochen. — Wegen Beleidigung des Kohlenhändlers Schmitt in Weisenau hat der Redakteur der„Mainzer Volkszeitung", Gustav Sprenger, laut Urlheil des Schöffengerichts 40 M. Geldbuße und die Kosten der Urtheilspnblilation zu tragen. SoZiQle LteberZllbk. Zum Rückgang des Banarbeiter-EinkommeuS. In der nordöstliche» Baugewerks-Berufsgenossenschaft ist die Summe der Löhne für 1894 nach der„Baugewerks-Zeitung" niedriger als für 1893. Ueberhanpt ist die Lohnsumme schon seit 1891, wo sie den höchsten Stand erreicht halte, von Jahr zu Jahr gesunken. Sie betrug im Jahre 1891: 107 731499 M.; im Jahre 1892: 104 761 062 M.; im Jahre 1893; 103 643 124 M.; im Jahre 1894: 97 031 584 M. Es ergiebt sich demnach ein Lohnrückgang von mehr als OVe Millionen Mark im Jahre 1894 allein gegen das Jahr 1893, welche Summe fast ganz aus Berlin kommt. GewcrKMlAftliiZjes. Die Arbeiter der Kammgarnspinnerei in Karlsruhe, annähernd 600 Mann, sind in den Streik eingetreten. Alle Textilarbeiter werden ersucht, den Zuzug von Karlsruhe fern- zuhalten. A«S Ostertvieck wird uns über den Streik in der Leder särbcrei von C. Knabe geschrieben, daß die Zahl der Aus- ständigen ungefähr 110 Mann beträgt, während etwa 40—50 weiter arbeiten. Unterstützung der Ausständigen ist dringend nölhig, weshalb die Ausständigen nicht nur an die Bernfsgcnossen, sondern an alle Arbeiter die Bitte richten, sie nicht nur durch strenge Fernhaltnng des Zuzugs, sondern auch durch finanzielle Hilfeleistung in ihrem Kampfe so zu fördern, daß sie den Sieg erlangen. Die Mainzer Tachdeckcrgehilfeu haben ihren Meistern ein Zirkular zugesandt, worin unter Beziehung auf die ständige Arbeitslosigkeit im Winter, sowie in Hinsicht auf die theueren Lebensverhältnisse und die gedrückten Löhne folgende Forde- rungen gestellt worden: 1. Eine allgemeine Lohnerhöhung von � 80 pCt.; 2. Abschaffung aller Akkordarbeiten und Ueberstunden; Ueberstunden, die unbedingt nolhwendig sind, sollen mit je 10 Pf. pro Stunde erhöht werden; 3. Einführung einer Mittagspause von 1V2 Stunden, jedoch unter Beibehaltung der gegenwärtigen Arbeitszeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Das Zirkular ist von sämmtlichen Mainzer Dachdeckergehilfen gutgeheißen. Die Bergarbeiter- Konferenz in Pilse» hat beschlossen, die Ablehnung der Forderung der Achtstundenschichl durch die Grubenbarone zunächst nicht mit dem Streik zu beantworten, sondern einen Zeitpunkt abzuwarten, der mehr Erfolg verspricht. Die Konferenz hat auch die Mißhelligleiten beigelegt, die auf dem Wiener Bergarbeitertage zwischen den czechischen und den übrigen Telegirten ausgebrochen waren. In Budapest sind, wie uns telegraphisch gemeldet wird, 800 Spengler nnd Installateure in den Streik ein- getreten. Die Aussichten aus den Sieg sind gut, wenn, wie die Ausständigen bitten, der Zuzug sireng ferngehalten wird. Der Uhreuarbeiter-AuSstand in der Schweiz war durch Termittelung der Solothurner Regierung auf grund folgender Bedingungen beendigt worden: Slushebung des Streiks in der Kummer'schen Uhrenfabrik in Bettbach, mit dem Vorbehalt der Arbeiter, die statutarische Buße von den zwei Streikbrecherinnen auf dem Rechtswege einzutreiben; Aushebung der'Aussperrung durch das Fabrikantenkartell in Grenchen; Festsetzung der Zahl der wiedereinzustellenden Arbeitskräfte in den einzelnen Fabriken durch die Fabrikanten(die Arbeiter hatten die Wiedereinstellung aller Arbeiter gefordert und die Reduktion der Arbeitszeit, falls nicht ge- nügende Beschäftigung vorhanden sei); die Mitgliedschaft beim Uhren- arbeiter-Vcrband darf weder Grund zur Entlassung noch zur Richtwiederaufnahme der Arbeiter sein, aber ebensowenig die Bedingung zur Anstellung(die Arbeiter forderten, daß die Nicht- Zugehörigkeit zur Arbeiterorganisation nicht zur Bedingung der Einstellung gemacht werden dürfe); bei Nichteinstellung aller aus- gesperrten Arbeiter darf der betreffende Fabrikant innerhalb der nächsten 6 Monate keinen neuen Arbeiter einstellen, auch darf in keiner Fabrik über die gesetzliche Arbeitszeit hinaus gearbeitet . werden; jede Tarifänderung muß den Arbeitern durch die Fa- brikanten wenigstens acht Tage vor dem Beginn der letzten vier- zehntägigen Kündigungsfrist zur Kenntniß gebracht werden; Streitigkeiten wegen der Wiedereinstellungs-Bedingnngen werde» durch ein fünfgliedriges Schiedsgericht geschlichtet, wovon je zwei Mitglieder die Arbeiter nnd die Unternehmer und das fünfte, den Vorsitzenden, die Regierung wählt; Ver- pflicktung des Fabrikanlenkartells, dafür zu sorgen, daß in den Uhrenfabriken das eidgenössische Fabrikgesetz genau durch- geführt werde, und endlich Wegfall aller etwaigen Rechtsansprüche, die ihren Ursprung in der letzten Streikbewegung nnd Aussperrung hatten.— Die Arbeiter haben demnach die in Bettlach gestellte Forderung, daß der Fabrikant Kummer für die Zahlung der den beiden Slreikbrechcrinnen auferlegten statutarischen Buße hafte. nicht durchsetzen können; dagegen hatten sie die An erkennung des Uhrenarbeiter-Verbandes durch die Fabrikanten erreicht. Am 15. Mai sollte nun in allen Fabriken die Arbeit wieder aufgenommen werden. Der Fabrikant Schild in Grenchen öffnete aber seine Fabrik nicht, im Gegentheil zeigte er den Re- monteurs eine 12— 15prozentigeLohnrednktion an! Ferner sucht man in fast allen Fabriken die Arbeiter zum Austritt ans dem Uhrenarbeiter-Verband zu zwingen; in Langendorf hat der Fabrikant Familienväter mit 5— 6 Kindern, sogar Wittwen mit 7— 8 Kindern, die zwanzig und mehr Jahre in der dortigen Fabrik gearbeitet haben, nicht wieder aufgenommen. Die auf diese Weise so schmählich betrogenen Arbeiter haben nun die Intervention der Solothurner Regierung angerufen. Der schweizerische Ttzpographenvund hatte Ende des vorigen Jahres 1328 Mitglieder gegen 1283 am Schlüsse des Jahres 1893. An Reise-Unterstützunq zahlte er im verflossenen Jahre 6691 Franks(1893: 4841 Franks), mit den anderen Unterstützungen(für Krankheit:c.) insgesammt 49 549 Franks. An den Pfingstfeiertagen hält er in B a s e l seine Delegirten Versammlung ab.' Der schweizerische Metallarbeitcr-Verband hält seine diesjährige Delegirtenversammlung zu Pfingsten in Lnzern ab. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem: Bericht des inler- nationalen Jnformationsbureaus, Regelung der Wanderunter- stützung, Arbeitsnachweis, obligatorische Berufsgenossenschaften, Abschaffung der Akkordarbeit. Petition für staatliche Arbeits- Vergebung, Stellung zur sozialdemokratischen Partei der Schweiz. In Amsterdam stehen die M ö b e l s ch r e i n e r, die Bau Hand werker und die S t e i n h a u e r im Streik. Eine von 40 Gewerkschaften einberufene und von Tausenden besuchte Versammlung beschäftigte sich nun mit der Frage, was zu thun sei,»m die Streiks, die nicht sonderlich gut stehen, zu einem günsiigen Ende zu führen. Als das Mittel hierzu war ein Aus- stand aller Arbeiter Anisterdanis, also der wirkliche General- streik aufs Tapet gebracht. In der Erkenntniß aber, daß für dieses bedenkliche Mittel die Arbeiterschaft vorläufig noch nicht reif ist. begnügte sich die Versammlung mit der Annahme einer Resolution, worin gesagt ist, daß man auf die organisirlen Arbeiter dahin einwirken soll, daß der Generalstreik„sobald wie möglich", proklamirt werden kann. Es ist kaum nöthig zu bemerken, daß in der Versanunlung D 0 in e l a Nienwenhuis, der Führ er der holländischen„Unabhängigen", den Generalstreik, in dem er „die Revolution" sah, beredsam feierte. Hoffentlich sind die holländischen Arbeiter gescheidter als er. Von weiteren Streiks in Holland wird gemeldet, daß der Ausstand der Weber in Enschede, der der Z i g a r r e n a r b e i t e r in Boksmeer, der der Torfarbeiter in einzelnen Dörfern noch fortdauert, daß da- gegen die Z i m m e r l e u t e in Haarlem die Arbeit wieder auf- genommen haben, ohne daß sie die geforderte Lohnerhöhung be- willigt bekommen hätten. Devsammluttac»,. Die Protcstvcvsammlnng gegen die Beschlüsse der Bräunt- wtinsteuer-Konimission hatte eine erhebliche Anzahl von Vertretern der Spiritusindustrie und verwandten Branchen zusammengejührt. Aus Köln, Bremen, Mannheim, Posen und Heilbronn waren zu- stimmende Erklärungen eingelaufen. Der Vertreler der Berliner ~irma Schlohmann, Herr P h i l l i p p. reserirte: Ter Preis des Spiritus ist jetzt schon seit der Kommissionsberathung ganz wesentlich gestiegen.„Die Ausschreitungen der Börse", die von agrarischer Seile angeblich so enischiedeu bekämpft werden, er- fahren durch die Beschlüsse der Kommission entschiedene Förderung. Der Artikel II in der Kommissionsfassung, wonach der Bundesrath ermächtigt werden soll...„die Vergütung der Maischbottich-, Ma- terial- und Brennstener schon dann zu gewähren, wenn Branntwein mit der Bestimmung zur späteren Ausfuhr zu einem steuerfreien Lager abgefertigt wird. Der Branntwein ninmit durch die bezeichnete Abfertigung die Eigenschaft einer ausländischen Maare an—" begünstige nur die Preistreiberei; von den Konsumenten können dadurch enorme Preise erzwungen werden. Vortheile erlangen nur die schon ohnehin begünstigten Kartoffelbrenner und die Börsenspekulanten. An der Debatte betheiligte sich Stadtv. Schulz und der Abg. F i s ch b e ck- Bielefeld. Reichstags- Abgeordneter Z u b e i l rügte es, daß die Interessenten erst in letzter Stunde die Agitation gegen die Novelle inszcnirt haben. Die Konsumenten haben noch größeren Schaden durch die kritisirte Bestimmung, da die sPro- duzenten den Verlust auf deren Schultern abwälzen. Der Protest würde kaum helfen, da die konservativ-ultramontane Mehrheit jetzt nicht mehr erschüttert werden kann. Warum haben die Interessenten der Branntweinbranche nicht so opponirt wie seiner- zeit die Tabaksinteressenten? Der Redner hält das Monopol für nahe bevorstehend. Gegen den Vorwurf Zubeil's, daß die Zeit verpaßt sei, bemerkt Schulz, daß nur die von der Kom- Mission gegebene Fassung den scharfen Protest herausgefordert habe; der ursprünglichen Vorlage gegenüber habe man den Widerstand von vornherein aufgegeben. Die nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme. Die heutige große Versammlung von Interessenten des Branntwein-Gewerbes protestirt gegen die durch Kommissions- Beschlüsse noch verschärfte Branntweinsteuer- Novelle wegen der damit in Aussicht genommenen neuen Belastung des Gewerbes chwohl, wie der Konsumenten! Die Stenervorlage beabsichtigt wiederum eine Preiserhöhung des Spiritus für Genuß- und technische Zwecke. Sie ermöglicht durch Beschränkung der Produktion nnd erleichterte Einsperrung der Rohwaare Ring- bildungen und unabsehbare Preistreibereien zu gnnsten einzelner Spekulanten. Sie bildet eine permanente Gefahr und Beunruhigung für das reelle Geschäft! Bei der ohnehin schwierigen Lage des- slben wird der hohe Reichstag dringend ersucht,„die Brannt- weinsteuer-Novelle abzulehnen". y Die Filiale„Berlin Nord" der Vereinigung aller in der Schmiederei beschäftigten Personen hielt am 12. d. M. eine Mit- gliederversammlnng ab, in welcher Genosse Sassen dach über: „Die heilige Inquisition" sprach. Da dieser Vortrag ein leb- Haftes Interesse erweckte, wurde der Referent beauftragt, in einer pateren Versammlung dieses Thema noch einmal zu behandeln. Als Delegirler zur Generalversammlung nach Hamburg wurde Kollege Förster, als Stellvertreter Kollege Kronhagel gewählt. Auf eine Anfrage des Hauptvorstandes über die Stellung zur Generalkommission erklärte sich die Versammlung für die fernere Beitragsleistung. Ter Verein znr Regelung der gewerblichen Verhältnisse der Töpfer hielt am 15. Mai eine Versammlung ab. Zunächst verliest der Kassircr Topf den Kassenbericht vom 1. Quartal 1895. Danach betragen die Einnahmen mit einem vorhandenen Bestand vom vorausgegangenen Quartal 2587,50 M., die Aus- gaben 1382,76 M.; mithin Bestand 1204,74 M. Hierauf wurde die Wahl eines Beisitzers vollzogen, mit welchem Amt das Mit- glied Mehls betraut wurde. Von dem Mitgliede Malzer wird des näheren mitgetheilt, weshalb die Arbeiter auf dem Bau des Herrn O h l e m a n n die Arbeit niedergelegt haben. Wie ferner bekannt gegeben wurde, soll der Töpfermeister Fritsche nach den gesperrten Bauten Arbeitskräfte vermitteln. Den Schluß der Versammlung bildet ein recht beifällig aufgenommenes Referat des Genossen Hoffmann. Die Dekateure hörten in ihrer am 19. d. M. abgehaltenen öffentlichen Versammlung einen Vortrag des Reichstags-Ab- geordneten R 0 b e r t S ch m i d t, in welchem derselbe in an- chaulicher Weise den Zweck und den Nutzen der gewerkschaft- lichen Organisation erläuterte. Den Unterschied der heutigen moderne» Arbeiterorganisationen von den mittelalterlichen kraft» vollen Gesellenorganisationen, wie auch von den verwässerten Hirsch- Duncker'schen Gewerkvereinen vor Augen führend bezeichnetederVor» tragende als dieZwecke derersteren:ErringuiigbessererLohn-und Ar- beitsverhältnisse, Befriedigung des Bildungsbedürfnisses der Arbeiter und Pflegung des unter Umständen nothwendigen Unterstützungs» wesens. Wenn auch Redner die Schwierigkeiten nicht verkannte, die sich durch die Entwickelung der Produktionsverhältnisse der Erreichung des erstgenannten Zweckes immer mehr entgegen- stellen, so war er doch der Meinung, daß man nicht umthlos die Flinte ins Korn werfen dürfe und daß es ohne Vorhandensein gewerkschaftlicherOrganisationen um dieArbeiter noch weit schlechter bestellt sein würde, als es jetzt der Fall ist. Hand in Hand mit der Verbesserung der Lage der Arbeiter in inaterieller Hinsicht gehe die Forderung einer angemessenen Verkürzung der Arbeit?- zeit, welche beiden Nothwendigkeiten der Vortragende in ein- gehender Weise begründete. Auch die beiden letzten der eingangs erwähnten Zwecke erläuterte Redner in kurzen Zügen nnd forderte er die Dekateure auf, auch in ihren Reihen den Jndifferentismus zu bekämpfen und mit Nachdruck für die Organisation trotz aller Anfeindungen einzutreten. Dem sehr beifällig aufgenommenen Vortrage folgte eine kurze Diskussion, in welcher besonders betont wurde, daß nicht in der Harmonie mit den Unternehmern, fondern in der eigenen Kraft die Arbeiter ihr Heil zu suchen hätten, wie die letzten Vorgänge in der Branche, die durchgeführte Verkürzung der Arbeitszeit, hinlänglich bewiesen haben. Ohne Organisation wäre dieselbe nicht erreicht worden. Im weiteren wählte die Versammlung eine Rechtsschutzkommission, bestehend aus den Kollegen Braun, Barschack und Lukofchck. Tie Brauer hielten am Sonntag Nachmittag im Wilke'schcn Lokal eine Versammlung ab, in der die Wahl zur neuen Agitationskommission ihre Erledigung fand. Beim Eintritt in die Tagesordnung erstattete Steiner Bericht über die statt- gefundene Revision; es ist alles in Ordnung befunden. Der Kassenbestand beträgt gegenwärtig 224,39 M. Einstimmig wurde die Techarge ausgesprochen.— W i e d e m a n n unter- breitete den Anwesenden den Vorschlag, die Kommission statt aus 7 aus 9 Personen zu bilden. Die Böttcher haben die Absicht geäußert, sich gleichfalls vertreten zu lassen; jede Kategorie (Brauer, Hilfsarbeiter nnd Böttcher) würde dann drei Personen in die Kommission entsenden. Mit großer Mehrheit stimmte� die Versammlung schließlich dem zu. Ein weiterer Antrag Träger verpflichtet die Agitationskommission, nach Jahressrist Ab- rechnung zu leisten und die Neuwahl vorzubereiten. Gewählt wurden als Tclegirte der Brauer: Eiermann, Träger und Steiner, lim die Mitglieder der Kommission möglichst gegen Zufälligkeiten sicher zu stellen, wurde auf Antrag K l i e- mann die Bestimmung getroffen, daß dieselben das Borrecht bei der Einstellung auf den ringfreien Brauereien genießen. Der folgende Punkt betraf die Regelung des Arbeits- Nachweises. Von Richter wurde der folgende Antrag vorgelegt: Der Arbeitsnachweis bei den ringsreien Brauereien ist so zu ge- stalten, daß 1. diejenigen in Arbeit kommen, welche noch vor dein 16. Mai(94) vorhanden sind; 2. die Personen, welche aus der alten Arbeitsnachweisliste verzeichnet sind; 3. die durch die schwarze Liste Geächteten, die auf den Ringbrauereicn keine Beschäftigung finden; 4. solche, welche von den Ringbrauereien permanent ab- gelehnt werden; 5. die nach dem 16. Mai Ausgesperrten der Reihe nach. In der Diskussion kehrten die Klagen wieder über die rigorose Handhabung des Nachweises bei den vereinigten Braue- reien. Man verfährt, so äußerten mehrere Redner, nach dem Modus der schwarzen Liste, die noch in Kraft ist, obgleich man deren Weiterführung offiziell bestritten hat. Von der Brauerei Stralau sollen 13 Personen— viel mehr als die zulässig« Zahl— mit Umgehung des Arbeitsnachweises eingestellt sein. Allgemein wurde dafür plädirt, daß in jedem Falle der Ab- lehnung durch eine Brauerei der davon betroffene Arbeiter den Entscheid des Kuratoriums anrufen soll. Der Antrag 3! i ch t e r gelangte zur Annahme, nachdem ein Znsatzantrag hinzugefügt war, wonach bei den unter Absatz 4 genannten Personen die Agitationskommission in jedem einzelnen Falle über die Gewährung des Vorzugsrechtes beschließen soll; der zurückgewiesene Arbeiter hat sich zunächst an das Kuratorium zu wenden. Nach kurzer Diskussion wurde auch ein Antrag Gan dorfer angenommen, der ausspricht, daß denen die Vorrechte im Arbeitsnachweis der ringfreien Brauereien und die Unterstützungen entzogen werden, welche ihren Pflichten egenüber dem Nachweis der Ringbrauereicn nicht gerecht werden. xi ermann ermahnte, die Sammellisten den in Arbeit besind- lichen Kollegen zu unterbreiten. Vielfache Klagen gehen dahin. daß in manchen Brauereien die gedruckten Einladungen zu den Versammlungen von den Wänden gerissen werden; man will deshalb die Agitation künftig durch Handzettel viehr als bisher betreiben. Deirelrhen. Wolff's Telegraphen-Bnrea». Wien, 20. Mai. Abgeordnetenhaus. Am Schluß der Sitzung stellte Abgeordneter Schlesinger(Antisemit) einen dringlichen Antrag betreffend die Verbilligung des Petroleums durch Aushebung der Verbrauchssteuer und Verstaatlichung der Mineralölgewinnung. Während seiner Rede wurde Schlesinger wegen Schmähung des Hauses Rothschild zur Ordnung gerufen. Abg. Süß(liberal) bekämpfte die Dnnglichkeit. Der Antrag auf Dringlichkeit wurde abgelehnt. Budapest, 20. Mai. Wie der„Budapesti Hirlap" meldet, ist Szeles, welcher das Attentat gegen das Hentzi-Monumcnt verübt hatte, aus französischem Boden bei Annemasse verhastet worden. Prag, 20. Mai. In der ethnographischen Ausstellung stimmten gestern Abend 80 bis 100 Burschen Nationallieder mit theilweise verbotenem Texte an. Trotz des Verbots des Polizeikommissars setzten sie den Gesang fort. Das Publikum nahm gegen die Ausschreitenden Stellung. Vier derselbe» wurden verhaftet und nach Feststellung ihrer Person wieder frei» gelassen. Agram, 20. Mai. In der Nacht vom 17. zum 18. d. M. durchbrach die Sawe einen Damm bei Velesevec, südöstlich von Agramm. 50 000 Joch Saaten sind vernichtet. Das Elend ist groß. Paris, 20. Mai. Deputirtenkammer. Geranlt Richard (Sozialift) beantragt Aufhebung der infolge der a n a r ch i st i s ch e n Attentate im Jahre 1893 und 1894 genehmigten Gesetze und verlangt die Dring- l i ch k e i t, denn diefe Gesetze seien gegen die wahren Republikaner gerichtet. Der Justizminister Trarieux bekämpft die Dringlichkeit und weift nach, daß die betreffenden Gesetze keinen Mißbrauch herbeigeführt hätten, sie seien einfach Gesetze, die zum Schutze der Bürger gegeben seien, hieraus wird die Dringlichkeit mit großer Majorität abgelehnt. Im weiteren Verlause der Sitzung interpellirte Radier (radikal) über die klerikale Propaganda in der Armee und griff besonders den Kommandeur des 5. Armeekorps an, der seine Mannschaften veranlaßt habe, religiösen Zeremonien beizuwohnen. Itriegs- minister General Zurlinden antwortete, die von dem Redner angeführten Thalsachen wären übertrieben. Die Soldaten des 5. Anneekorps hätten an religiösen Feierlichkeiten theilgenonimen, die Feierlichkeiten hätten aber zu Ehren der Jungfrau von Orleans stattgefunden. Der Kriegsminister lobte am Schlufse seiner Rede den Patriotismus der Armee.(Beifall.) Washington, 20. Mai. Der Oberste Gerichtshof erklärte das ganze Ein kommen st euer-Gesctz für ver» f a s s u n g s w i d r i g. Verantwortlicher Redakteur� I. Dirrl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hierzu zwei Beilagen. i. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 117. Dienstag, den 31. Mai 1893. 13. Jahrg. Dovlmnenksvevichke. Deutscher Reichstag. 96. Sitzung vom 20. Mai 1895, I Uhr. Am Bundesrathstische: Nieberding, Kayser, Graf Posadowsky. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Vcrathung des Gesetzentivurfs betreffend die Bestrafung des Sklavenraubes und des Sklavenhandels. Abg. Riinpau(natl.) hält es nicht für nothwendig, die Vor läge an eine Kommisston zu veriveisen; Redner meint, daß eine strengere Bestrafung des Sklavenraubes, wie sie die Vorlage cnt> hält, nothwendig sei. Abg. Gröber(Z.): Das Bedenkliche der Vorlage liegt im Z 5, nach welchem auch die außerhalb des deutschen Schutzgebietes be- gangenen Thaten betroffeu werden sollen, denn die Sklavenjagden finden ja meist außerhalb des Schutzgebietes statt. Die Ver- ordnung darüber soll vom Kaiser allein erlassen werden; es müßte wegen der schweren Strafen aber der Bundesrath mit- wirken. Redner kündigt einige Aenderungen für die zweite Lesung an, namentlich wünscht er die Einführung recht hoher Geldstrafen, wie sie in den Kolonien anderer Staaten bereits bestehen. Ferner sollte nicht blos der Veranstalter solcher Sklavenjagden be- straft werden, sondern auch diejenigen, welche das Geld dazu hergeben. Abg. Graf Bcrnstorff« Lauenburg(Rp.): D i e B e seitigung der Sklaverei mit einen» Schlage ist nicht möglich, ,v e i l dadurch z»» viele I n t e r- essen geschädigt»vür den und die Sklaven selbst vielleicht in Ü n g e l e g e n h e i t e n k ä in e n. Aber ein Zeitpunkt für den Wegsall der Sklaverei wird baldigst festgestellt werde» müssen. Hoffentlich macht die Regierung bald eine Vor- läge. Redner bemängelt, daß nur der Sklavenhandel, aber nicht der Sklavenkauf bestraft werden solle. Direktor der Kolonialabtheilung Kayser: 1393 hat der Reichstag eine Resolution angenommen, in welcher e.in Strafgesetz gegen Sklavenraub und Sklavenhandel ge- fordert wurde. Auf grund einer vom vorigen Reichskanzler angeordneten Enquete und nach Befragung des Kolonialraths ist die Vorlage gemacht worden; die Untersuchungen haben ergeben, daß die soziale Frage der Sklaverei nicht auf eininal gelöst werde» kann, daß sie schrittweise vorbereitet und durchgeführt werden muß. Ei» Verbot des Sklavenkaufs sei nicht nothwendig für die Deutschen in den Schutzgebiete», da diesen das Sklaven- hallen und Sklavenkausen durch das Strafgesetzbuch verboten sei. Gegen die Anträge des Herrn Gröber hat Redner persönlich nichts einzuwenden. Abg. von Buchka(k.) begrüßt die Vorlage namens seiner Freunde mit großer Bcsriedigung. Abg. Molkenbiihr(Soz.): Deutschland tritt durch die Vor läge in die Reihe der zivilisirten Staaten, welche ein Gesetz gegen Sklavenraub und Sklavenhandel haben, aber an den that- sächlichen Verhältnissen wird dadurch wohl kaum etwas geändert, denn die Sklavenhändler werden sagen, was sie treiben, sei nicht Sklavenhandel, sondern Arbeitsvermittelung. Vom Sklavenhalten ist in der Vorlage nicht die Rede; die losgekauften Sklaven, welche nachher ihr Kausgeld abverdienen müssen, die Pfandweiber in Kamerun sind doch keine freien Arbeiter; sie sind Sklaven, die für europäische Rechnung ausgebeutet werden. Die Vorlage gehe nicht weit genug. Alle anderen Kolonialstaaten haben schärfere Strafbestimmungen. Aber freilich, in diesem Gesetz könnte sich einmal ein Kapitalist verfangen. Deshalb ist man sehr vorsichtig. Redner beantragt Kommissionsberathung. Direktor der Kolonialabtheilung Kayser: Die Frage, ob Sklavenhandel oder ein Arbeitervertrag vorliegt, ist eine rein thatsächliche, die nur durch de» Richter gelöst werden kann. Daß andere Staaten in ihren Strafbestimmungen weiter gehen als Deutschland, ist nicht richtig. Die Verweisung der Vorlage an eine Kommission wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt. Für die zweite Lesung sind mehrere Aenderuiigs- antrüge eingebracht. Nach der Vorlage soll„die Theilnahme" an eine», Sllavenraub bestraft werde»; Abg. Gröber(Z.) will nur„die vorsätzliche Mitwirkung" bestrafen. Die Abgg. Stadthagen(Soz.) und Genossen beantragen, die gegen die Veranstalter und Anführer in Aussicht genommene Todesstrafe zu beseitigen, einmal aus prinzipieller Abneigung gegen dieselbe, dann aber auch, weil eine so strenge Strafe hindern würde, daß Anklagen erhoben werden. Man habe es ja erlebt, wie milde die von Beamten in den Kolonien begangenen bestialischen Rohheiten beurtheilt sind. Direktor Kayser tritt für die Todesstrafe ein. Abg. Gröber(Z.) hält es für nicht recht verständlich, den Veranstaltern von Raubzügen gegenüber die Todesstrafe nicht anzuwenden: er empfiehlt seinen Antrag, den der Staatssekretär Nieberding für nicht nothwendig hält. Der Antrag Sladthagen wird abgelehnt, der Antrag Gröber angenommen. Nach§ 2 soll mit Zuchthaus bestraft werden, wer Sklaven- Handel treibt oder bei der diesem Handel dienenden Beförderung von Sklaven vorsätzlich mitwirkt. Abg. Stadthagcn(Soz.) meint, daß hier diejenigen, welch« den Sklavenhandel bekämpfen, zeigen können, ob es ihnen ernst dainit ist; wer Scham hat, sollte endlich dieser Haussklaverei ein Ende machen und nicht durch die Annahme der Vorlage die Haltung derselben sanktioniren und die Heuchelei begünstigen. (Präs. v. B u o l ruft den Redner wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung.) Redner beantragt zu bestrasen,„wer einen Menschen besitzt oder durch ein Rechtsgeschäft erwirbt oder veräußert hat." Abg. v. Buchka(k.) hält die sofortige Beseitigung der Haus- sklaverei für unmöglich. Abg. Gröber(Z.) beantragt folgende Resolution:„Die verbündeten Regierungen um Einbringung eines Gesetzentwurss zu ersuchen, welcher die in den deutschen Schutzgebieten unter den Eingeborenen bestehende Hanssklaverei und Schuldknechtschast einer ihre Beseitigung vorbereitenden Regelung unterwirst.� Die plötzliche gewaltsame Aufhebung der Haussklaverei sei mit dem Kulturzustande der dortigen Völkerschaften nicht vereinbar; die Menschen müßten erst dazu vorbereitet werde», ehe man zu diesem schließlichen Ergebnisse kommen könne. Die deutschen Behörden haben niemals dazu initgewirkt, die be- stehende Sklaverei durch amtliche Akte anzuerkennen. Wenn ein- mal der sozialdemokratische Zukunftsstaat eingeführt sein wird, dann werden die Menschen Sklaven sein, aber nicht eines Ein- zelnen, sondern des Staates. Ob man dann von Sklaverei spreche» wird oder nicht, ist ziemlich gleichgiltig. Die Rechts- gewohnheiten der Schuldknechtschast und der Sklaverei bestehen; es muß aber daraus hingewirkt werden, daß sie allmählich in Wegsall kommen. Rechte und Pflichten des Eigenthümers müssen festgelegt und die Möglichkeit geschaffen werden, daß der Sklave sich selbst sreikaufen kann. Mehr zu fordern würde nur dekoratives Beiwerk der Gesetzgebung sein. Abg. Stadthagcn(Soz): 1891 wurde eine Resolution wie die des Herrn Gröber abgelehnt, die Kommission war damals der Mciüung. daß am 1. Oktober 1895 die Skaverei ausgehoben sein müsse. Sollte vom 20. Mai bis 1. Oktober nicht etwas durchgeführt werden können, was 1891 alle Parteien für durch- führbar hielten. Auf die Resolution legt die Regierung kein Gewicht. Wenn Sie einen eutscheidenden Schritt thun wollen, müssen Sie eine Bestimmung in das Gesetz aufnehme». Unter dem Zukunfts- staat hat Herr Gröber wohl den durch die Umsturzvorlage zu schaffenden klerikalen Zukunstsstaat verstanden, der aller- dings eine noch größere Sklaverei herbeiführen würde, als sie jetzt schon herrscht.(Widerspruch im Zentrum.) Wenn die Haussklaverei beseitigt iverden soll, muß Herr Gröber seine Resolution auch auf Deutschland ausdehnen; denn es be- steht bei uns durch die Gesinde-Ordnung eine Haussklaverei— (Präsident v. Bnol ruft den Redner zur Sache). Von katholischer Seite hat man längst die Aushebung der Sklaverei verlangt und sie auch für ausführbar gehalten. Das schrittweise Vorgehen, wie die mecklenburgische Verfaffung eingeführt werden soll, möchte ich Ihnen nicht empfehle»; wenn etwas für richtig gehalten wird, muß es sofort durchgeführt werde». Abg. v. Bnchka(k.) versteht nicht, was die mecklen burgifche Verfassung mit dieser Vorlage zu thun habe.(Heiter- keit.) 8 2 wird unter Ablehnung des Antrages Stadthagen un- verändert angenommen. Nach Z 3 der Vorlage kann in den Fällen dieses Gesetzes neben der Freiheitsstrafe auf Polizci-Aufsicht erkannt werden. Abg. Stadthagc»(Soz.) will auch den Verlust der bürger- lichen Ehrenrechte und Geldstrafe bis 100 000 M. zulassen; die Einziehung der gebrauchten Gegenstände soll immer erfolgen. Abg. Gröber(Z.) will neben der Freiheitsstrafe auch Geldstrafen von 10 000—100 000 M. zulassen. Abg. Stadthagen(Soz.) hält es für bedenklich, ein so hohes Minimum der Strafe festzusetzen, weil dadurch leicht Anklagen zurückgehalten werden. Die Möglichkeit, daß einem am Sklaven- Handel Betheiligten sein Schiff belassen werden kann, sei eine zu zarte Rücksichtnahme ans die an Mcnschenfleischhandel Be- theiligten, z. B. auf Herrn Wörmann, der in Dahomey am Sklaventransport betheiligt war. Staatssekretär Nieberding: Auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte kann der Nichter bereits auf grund des Straf-Gesetz- buches erkennen. Grundsätzliche Bedenken gegen die Einführung einer Geldstrafe bestehen nicht, aber bedenklich ist, daß der Richter auf Geldstrafe erkennen muß neben der Freiheitsstrafe. Da, wo der Bestrafte nichts besitzt, muß die Geldstrafe in Freiheilsstrafe unigewandelt werden; die Zusatzstrase ist aber dann verhältniß- mäßig sehr hoch. Soll die Geldstrafe eingeführt werden, so muß die Fassung dahin gehen, daß der Richter nicht gezwungen ist, neben der Freiheitsstrafe ans Geld zu erkennen. Direktor im Kolonialamt Kayser bestreitet, daß Wörmann sich an strafbaren Dingen betheiligt habe. Die Untersuchung hat er- geben, daß die Firma Wörmann nicht der leiseste Schatten eines Verdachts trifft. Die Rhedereicn unserer norddeutschen Häfen könne» nicht veranwortlich gemacht werden für die Verträge, welche die Schiffsführer an der westasrikanischen Küste völlig selbständig abschließen. Abg. Meyer-Halle(frs. Vg.) hält ein richtiges Strafmaß für das beste Mittel, um die Strafthaten zu hindern. Ein solcher Raubzug auf Sklaven ist nicht möglich, ohne daß ein reicher Mann dahinter steckt. Wird diesem das Unternehmen ver- leidet, dann haben wir»ms um seine Komplizen nicht mehr viel zu bekümmern. Daß die Umivandlung der hohen Geldstrafen in Gefäugnißstrasen zu hohen Gefängnißstrafen führt, schreckt mich gegenüber diesen Strafthaten nicht ab. Es seien manche richter- liche Urtheile der letzten Zeit namentlich in bezng auf die Höhe der Strafe einer berechtigten Kritik unterzogen worden. Im Interesse der Ehre des deutsche» Nanlens sollte man eine nach- drückliche Bestrafung eintreten lassen. Abg. Gröber(Z.) freut sich, daß der Vorredner seinem An- trage zugestimmt und empfiehlt mit Rücksicht aus die Bedenken des Staatssekretärs die Minimalstrase in seinem Antrage zu streichen. Staatssekretär Nieberding räth dringend die Annahine des letzteren Vorschlages an, wenn man den» Entwnrf nicht ernste Hindernisse bereiten wolle. Redner bestreitet, daß richterliche Urtheile mit recht einer abfälligen Kritik unterzogen seien; sie seien besser geworden und abfällige Kritiken seien nur ganz un- berechtigterweise in der Presse vorgekomme». Abg. Stadthngen: Ich habe nur angenommen, daß es sich um eine Rücksichtnahme auf Herrn Wörmann handelte; die Ver- theidigung des Herrn Direktor Kayser hat die Sicherheit ge- schaffen, daß es nur diese Rücksichtnahme ist, welche die assung des ß 3 bedingt. Herr Wörmann habe von diesem cklaventransport Vortheil gehabt, und wer seine Schiffe in gewinn- süchtiger Absicht für den Sklavenhandel hergiebt, dem soll das Schiff, welches sich an einem Verbrechen betheiligt hat. zu gunste» der Reichskasse entzogen werden. Deshalb soll die Konfiskation, wie sie die Regierung früher vorgeschlagen hat, unbedingt vor- geschrieben werden. Abg. Prinz Arenberg(Z.) hält es für unzulässig, de» Schiffscigenthümer verantwortlich zu machen für das, was seine Leute in der Küstenschifffahrt treiben, wo es schwierig ist, zu unterscheiden zwischen Sklaven und Arbeitern. Abg. Meyer-Hnlle: Der Staatssekretär meinte, daß nicht die öffentliche Meinung, sondern»ur die böse Presse die gerichtlichen Urtheile abfällig beurtheilen. Wie hat der Staatssekretär von der öffentliche» Meinung Kenntniß erhalten anders als durch die Presse? Eine Presse, die sich dauernd mit der öffentlichen Meinung in Widerspruch setzen würde, ist nicht gut denkbar. Abg. Molkenbiihr(Soz.): Die zarte Rücksichtnahme aus die Interesse» der Rheder, für die eine Hinterthür gelassen werden soll, durch die sie entschlüpfen könne», beweist, daß es Ihnen nicht ganz ernst mit der Bestrafung des Sklavenraubes ist. ß 3 wird mit dem Antrag Gröber unter Weglassnng des Strafminimlims von 10 000 M. angenominen; die Anträge Stadthagen werden gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. In ß 4 wird der Antrag Gröber angenommen, daß die kaiserliche Verordnung zur Verhütung des Sklavenhandels n. s. w. mit Zustimmung des Bundesraths erlassen werden solle. Nach§ 5 soll der§ 4 des Strafgesetzbuches, nach welchem ein Deutscher oder Ausländer verfolgt werden kann, der als Beamter des Deutschen Reiches oder eines Bundesstaates eine Handlung begangen hat, die nach den Gesetze» des Deutsche» Reiches als Verbrechen oder Vergehen in» Amt anzusehen ist, auf die in diesem Gesetz vorgesehenen Handlungen Anwendung finden. Abg. Stadthagcn beantragt, in diesem Fall auch solche Handlungen mit Strafe zu bedrohen, welche nicht als Vergehen oder Verbrechen im Amt anzusehen sind. Redner veriveist darauf, daß in verschiedenen Fällen, z. B. in dem Fall Wehland und in den Fällen Wöller und Brohm, nicht vorgegangen morden sei, trotzdem vorgegangen iverden konnte. Glaube man, daß die Negierung dadurch an Ansehen so gewonnen habe, daß man ihr jetzt auch die Befugniß geben müsse, Sklavenhändler straffrei zu lassen? Es ist dies der letzte Versuch, die Vorlage so zu ge- stalten, daß die Sklavenhändler auch wirklich bestraft werden. Direktor Kayser: Der Vorredner hat es g e w a g t zu be- haitpten, daß die Regierung notorische Verbrecher unter ihren Schutz genommen und der Verfolgung entzogen habe.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Leid-r!) Gegen Leist ist disziplinarisch vor- gegangen. Der Fall Wehland entzieht sich der Besprechung, weil er noch nicht zur endgiltigen Entscheidung gekommen ist. Der Fall Wöller und Brohm konnte nicht zur Verfolgung ge- zogen werden, weil eine Lücke in unserem Strafgesetzbuch das verhinderte. Damit schließt die Diskussion. Persönlich weist Abg. Stadthage» die Bemerkung des Direktor Kayser zurück, daß er etwas geivagt habe. Zu dieser Wendung habe der Kommissar absolut kein Recht und er bäte ihn, das nicht noch einmal zu sagen.(Großes Gelächter rechts.) 8 5 wird darauf unverändert angenommen; ebenso die vom Abg. Gröber vorgeschlagene Resolution. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfes betreffend die kaiserliche Schutztruppe für Südwestafrika und Kam er un. Abg. Nichter(srs. Vp.): Es handelt sich hier nicht um kolonialpolitische Gegensätze, sondern um verwaltnngstcchnische Bedenken, welche auch von Freunden der Kolonialpolitik getheitt werden. Es wurde in der Bndgelkommission bedauert, daß das erste Gesetz für Ostafrika ohne weitere Beanstandung das Haus passirt hat; es ist nicht genug gewürdigt worden, daß durch dieses Gesetz der Monarch als oberster Kriegsherr für die Schutz- truppen hingestellt wird, so daß die zu den Schutztruppe» abkonimandirtcn Personen des Heeres und der Marine für die Dauer dieses Kommandos der Reichs-Marineverwaltung unter- stellt sind. Durch dieses Recht kann ein Offizier ohne weiteres ohne Gegenzeichnung eines verantwortlichen Ministers, des Reichs-- kanzlers oder eines Vertreters der Kolonialverwaltung eingestellt werden. Die Oifizicre gehen hervor aus der Auswahl des- Reichs-Marineamts oder des Vorstandes des Marinekabinets. Hierdurch wird ein Dualismus in die Kolonialverwaltung hinein- getragen. Das Reichs-Marineamt hat es nicht nothwendig. sich mit dem Kolonialamt über diese Auswahl ins Einvernehmen zu setzen und es hat selbst zu beurtheilen, ob der betreffende Offizier die nöthigen Vorkenntnisse für Afrika besitzt.'' Infolge dessen ist es möglich, daß Offiziere ein Kommando er- halten, welche das Kolonialamt selbst nicht für geeignet für einen solchen Posten erachtet. Einen Vorwurf gegen das Reichs-Mariiic- Amt will ich damit nicht erheben. Es entsteht nun in Afrika selbst eine scharfe Scheidung zwischen Militär- und Zivilverival- tung. Es kann zwar Militärpersonen in Afrika eine Zivilver- waltung in Afrika übertragen iverden von dem dortigen Gou- verneur, aber nicht umgekehrt. Keine Zivilperson kann den Befehl über die einfachste Patrouille übernehmen, wenn sie nicht zugleich den entsprechenden»nilitärischen Rang hat. Auch Peters kann dies nicht, es muß ein Sergeant damit beauftragt iverden. Es ist über die wunderbaren Folgen, die das Dienstaltersprinzip mit sich gebracht hat, schon gesprochen worden; danach ist es nicht gestattet, daß ein Offizier, der einige Dienstjahre weniger hat, eine höhere Stellung bekleidet als der, welcher ein älterem Patent hat. Es muß also ein alter Afrikaner sich einem un- erfahrener Offizier unterordnen, der ein älteres Patent hat. Die Mitglieder der Schutztruppe stehen allein unter dem Reichs- Marincamt; diesem Amte müssen sie genehm handeln und sie sehe» weniger auf de» Gouverneur. Daraus folgt eine stramme Beobachtung der militärischen Reglements, aber eine Bernach- lässigung der wirthschaftlichen Interesse». Da wird es klar, woher die zunehmenden Klagen über den Militarismus in Afrika komme». Es ist eine eigenartige Zumuthung, ein Gesetz, welches so zweifelhafte Erscheinungen an den Tag gebracht hat, auf West- afrika, Kamerun und Togo anzuwenden. Selbst wenn das Gesetz für Ostasrika nothwendig war, so braucht man es nicht anzu- wenden aus die kleinen Schutz- oder vielmehr Polizeitruppen in Kamerun und Togo, wo bei geringerer Personen- zahl der Dualismus noch viel schlimmer wird. Da müssen noch viel mehr Irrungen und Wirrungen entstehen. Ich bin der Meinung, daß wir in die ziveite Berathung unmög- lich eintrete» können. Ich möchte bitten, das Gesetz an die Budgetkommission zu verweisen, selbst auf die Gefahr hin, daß das Gesetz in dieser Session nicht zu stände koinmt. Abg. v. PodbielSki(k.): Eine Regelung dieser Verhältnisse erscheint nothwendig; aber wir werden heute roohl bei der vorgerückten Zeit nicht dazu kommen, zu prüfen, wie weit man gehen muß. Wir werden für kommissarische Berathung stimmen. Direktor Kayser: Ich würde es sehr bedauern, wenn der Gesetzentwurf in dieser Session nicht zu stände kommen würde. Nur die Disziplin und Organisation ist eine militärische, die Verwendung der Truppe steht aber in der Hand des Gouverneurs und des auswärtigen Amts. Von der Vor- läge wird das Budgetrecht des Reichstages nicht berührt; der Reichstag kann in jedem Jahre darüber bestimmen, ob eine Schutztruppe vorhanden sei» soll oder nicht. Unbedingt nothwendig ist die Schaffung einer Gerichtsbarkeit und einer Versorgung der Mitglieder der Schutztruppe. Für die Gerichtsbarkeit fehlt aber die Grundlage, wenn die Vorlage nicht genehmigt wird. Abg. Prinz Arenberg(Z.): Die Kritik der Vorlage durch Herrn Richter ist allerdings zum theil berechtigt; aber die Marineverwaltung hat auch dargelegt, daß sie sich um dicVerwendung der Schutztruppen in den Kolonien nicht kümmert. Ich beantrage auch die Verweisung der Vorlage an eine Komniffsion. Abg. Gras Arnim(Rp.) schließt sich diesen» Antrage an. Abg. Hammacher(natl.): Die Mehrheit des Hauses wird das Gesetz an die Kommission verweisen und damit ist es be- graben. Ich bedaure das, weil dadurch unsere Schutztruppe in Südwest-Afrika ohne Pensionsansprüche u. s. w. bleibt, abweichend von der Schutztruppe in Ostasrika. Abg. Richter(frs. Vp.): Wenn die Sache solche Eile gehabt hätte, hätte die Regierung darauf dringen können, daß das am 1. März eingebrachte Gesetz schon früher zur Verhandlung gekommen iväre. Damit schließt die Debatte. Die Vorlage wird der Budget- kommission überwiesen. Es folgt die Abstimmung über die N o v e I l e zum Zucker- st e u e r g e s e tz, welche am Freitag voriger Woche wegen Be- schlußunfähigkeit des Reichstages zu keinem Ergebnisse geführt hat. In namentlicher Abstimmung wird die Vorlage niit 101 gegen 45 Stimmen angenommen. Darauf wird ein Vertagungsantrag gestellt; bei zweifelhafter Abstimmung erfolgt die Zählung des Hauses, welche die An- Wesenheit von 200 Mitgliedern und die Annahme des Antrages aus Vertagung mit 110 gegen 90 Stimmen ergiebt. SchlußZ gegen 5� Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr. (Zweite Berathung der Novelle zum Bran>itwi."isteuer-Gesetz.) HerrenhatiS. 17. S i tz nn g vo m 20. M a i 1895, 1 Uhr. Am Negierungstische: Schönstedt. Eingegangen sind ein Antrag des Grafen v. d. Schtilen- bnrg-Beetze ndorf, betr. Maßregeln gegen die anwachsende Bodenverschuldung; ein Antrag des Grafen zu Inn- und K n y p h a u s e n, betr. Bemessung des Stempels für die Bildung bäuerlicher Fideikomniiffe; ein Antrag des Grasen v. Mirbach, betr. die Bemessung des Stempels für ländliche Fideikommiffe. Tie vcm Abgeordiieteuhciuse noch zu erwartenden Vorlagen werde» an verschiedene Kominissionen überwiesen. Die Handels- und Gewerbekommission beantragt durch ihren Berichterstatter v. d. Osten, die Petition der Weser-Schifffahrts- interessenten, betreffend die gleichmäßige Vertiefung der Ober- Weser, der Regierung als Material zu überweisen. Dement- sprechend wird beschlossen. In einmaliger Schlußberathung wird der Gesetzentwurf, betreffend die Fischerei der Ufereigenthümer in den Privatflüssen der Rheinprovinz, auf Antrag des Berichterstatters von B e m> berg-Fla Mersheim ohne Debatte angenommen. Die Petition des ehemaligen Bürgermeisters Horn in Halle a. S., die Gewährung einer Entschädigung für ihn aus dem für unschuldig Verurtheilte bestimmten Fonds des Staatshaushalts« Etats zu erwirken, beantragt die Petilionskommission durch ihren Berichterstatter Oberbürgermeister Westerburg der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Der Berichterstatter schildert eingehend den der Petition zu gründe liegenden That- bestand; tvonach der frühere Bürgermeister von Torgau Horn, wegen widerrechtlicher Zuwendung eines Stipendium an seinen Sohn zu Gesängnißstrase verurtheilt, später aber durch Reichsgerichlserkenntniß wieder freigesprochen, sein Ami niedergelegt habe und nun um eine Ent- schädigung für den ihm dadurch entstandenen Ausfall an Gehalt und Pension petitionire. v. Diest vertritt sehr warm das Interesse des Petenten. Justizminister Schönstedt: Ohne mit den Etatsgrundsätzen flch in Widerspruch zu setzen, könne die Regierung dem Kommissions- autrag nicht Folge geben. Oberbürgermeister Westerburg meint, daß nach den Erkennt- nißgründen des Reichsgerichts dem Bürgermeister Horn zweifellos nicht das geringste Verschulden treffe. Auch Unmoralität könne man ihm nicht vorwerfen, wenn er auch vielleicht taktvoller hätte handeln können. Graf v. Schlieben meint, daß der Bürgermeister Horn ebenso beurtheilt werden müsse, wie ei» rechtskräftig Ber- urtheilter. Jnstizminister Schönstedt erwidert, daß er nicht aus juristischen, sondern aus etatsrechtlichen Gründen die Entschädigung ablehnen müsse, denn nach den Etatsbestimmungen dürfen aus den Dispositionsfonds nur Entschädigungen für„ohne Ber- schulden" durch em Strafverfahren erwachsenen Nachtheil gegeben werden. Nachdem Herr v. Diest nochmals für die Entschädigung des Horn eingetreten ist, wird der K o ni m i s s i o n s a n t r a g a n g e n o m m e n. Die Denkschrift über die gemäß§ 20 des Gebändesteuer- Gesetzes ausgeführte zweite Revision der Gebäude- steuer-Veranlagung beantragt der Berichterstatter der Finauzkommission, v. Durant, durch Kenntnißnahme für erledigt zu erklären, und das Haus beschließt ohne Debatte denigemäß. Hierauf ging man über Petitionen zur Tagesordnung über. Schluß 4V« Uhr. Nächste Sitzung uubestiinmt. Toksles. Wie verschiedene Blätter mitlheilen, soll der Zwischenfall km städtischen Krankenhause am Friedrichshain jetzt dadurch glatt erledigt sein, daß die königlichen Assistenzärzte ihr Verhalten der Direktion gegenüber„in einer befriedigenden Form" ent- schuldigt haben. Ist dem so, so könnten die Unternehmer staats- erhaltender Kouleur sich an dem Verhalten der Krankenhaus- Direktion ein Beispiel nehmen, wie man auch in Streitfällen mit Arbeitern flch zu benehmen hat. Es kommt, dank der tüchtigen Schulung der klassenbewußten Arbeiterschaft, außerordentlich selten vor, daß sie ans unangebrachten Kneip- gelogen oder Dummejungensstreichen heraus Konflikte mit dem Unternehmerlhum heraufbeschwört. Diese entstehen vielmehr fast immer aus bitter ernsten Ursachen. Zum Ausstand wird der Arbeiter in neunundncunzig Fällen von hundert aus der verzweifelten Einsicht heraus getrieben, daß es ihm unter den bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen oder auch unter der vom Fabrikanten angekündigten Verschlechte« rung derselben mit dem besten Willen nicht mehr möglich ist, sich mit seiner Familie durch des Lebens Elend hindurch zu würgen. Es ist allerdings im deutschen Unternchmerjargon Brauch, einen jeden Ausstand frivol zu nennen, aber der Einsichtige weiß auch, daß dies eine der landesüblichen Schändungen der Mutter- Sprache ist, die nun ja einmal zum Zwecke der Staats- und Gesellschaftserhaltung im sozialen und politischen Kampfe unerläßlich sein sollen. Ausgemacht ist es aber, wie gesagt, selbst in den verbissensten Untcruehmerkreisen, daß es aus Ursachen heraus, wie denen, die im Kampfe der Krankenhaus- Direktion mit den wenigstens der Tradition nach hochgebildeten Aerzten bestanden haben sollen, fast nie zwischen dem f Fabrikanten und dem Arbeiter zum Konflikt kommt. Und ei alledem betrachte man die Behandlung, die aus- ständigen Proletariern oft unter Beihilfe der Behörden von feiten "der Unternehmer zu theil wird. Wer als Fabrikant ganz staats- erhaltend sein will, der hält es überhaupt unter seiner Würde, mit Arbeitern, welche das Elend zum„frivolen" Ausstand getrieben hat, zu unterhandeln. Es wird die Hilfe der Polizei fast bei jedem derartigen Konflikt mit Erfolg angerufen, und der Fabrikant betrachtet mit Wohl« gefallen vom Fenster aus, wie Arbeiter von Schutzleuten fort« getrieben oder gar sistirt werden, die etwa Unkundige oder auch Streikbrecher auf die Sachlage aufmerksam machen wollen. Und dann gar die Verrufserkläruugen, welche die„Unbotmäßigen", gnädig nach Verführten und„Rädelsführern" klassifizirl, ver- zeichnet enthalten, und weit und breit in der Runde versandt werden, damit uur ja keiner der Arbeiter, die ihr gesetzliches Recht wahr- genommen haben» an anderer Stätte ein kärgliches Stück Brot bei saurer Arbeit finde. So handelt der mustergiltige Unter- nehmer, wenn er staatserhaltend sein will und nach dem Kommerzienrathstitel schielt. Solchem Gebahren gegenüber nimmt sich das Verhalten der Krankenhaus- Direktion, dem wie verlautet der Magistrat sich anschließen wird, in der That aus, als ob man die Absicht habe, das Unternehmerthum einmal aus tiefster Seele zu beschämen. Wir sind uns allerdings nicht klar darüber, ob diese Herrschaften überhaupt noch fähig sind, über ihre sozialen Sünden zu erröthen. Städtisches Obdach. Im April 1598(verglichen mit 1594 und 1593) stellte sich der Besuch der Abtheilung für nä cht- lich Obdachlose und die Auslieferung Obdachloser an die Polizei(wegen zu häusigen Besuchs) folgendermaßen. Es nächtigten: Davon ausgeliefert: Männer Frauen Personen Personen von je 1000 1898: 20 848 1247 21 798 438 20 1894: 20183 1298 27 443 802 20 1893: 27 829 1214 28 743 020 22 Das Verhältniß der Auslieferungen zur Frequenz zeigt diesmal nicht die für alle Monate des Winters 1894/98 beobachtete Steigerung gegen die Vorjahre. Es läßt sich zunächst nicht beurtheilen, ob das zu erklären ist aus einem freiwilligen Verzicht der Obdach- Verwaltung auf die im Winter als nothwendig erachtete schärfere Anwendung des Auslieferungsparagraphen oder aus einem inzwischen ein- getretenen Mangel an Platz in den Gefängnissen und im Arbeits- Hause. Dagegen weist die Frequenz wiederum den vom Winter her bekannten Rückgang gegen die Vorjahre auf. Das scheint die Vermuthung zu widerlegen, daß die Auslieferungen die Frequenz wesentlich beeinflussen. Aber für die Frühjahrs- monate kommt die gänzlich veränderte Situation in betracht, die der Eintritt wärmeren Wetters und die Wieder- aufnähme der Arbeiten im Freien für die Arbeits- und Obdach- losen mit einem Schlage herbeiführt. Für 1398 ist außerdem noch zu beachten, daß das Osterfest, dessen Vorbereitungen manche Gelegenheit zu vorübergehender Beschäftigung und kleinem Ver-' dienst geben.diesmal in den April, 1894 dagegen in den März fiel. Wer aber Arbeit und Verdienst findet, der verlangt auch dann nicht nach den zweifelhaften„Wohlthaten" der Obdach-Ver- waltung, wenn er weniger zu fürchten braucht, daß er an die Polizei ausgeliesert wird.— Im F a in i l i e n- O b d a ch waren: am 1 April am 1. Mai 1893; 48 Familien mit 150 Pers, 19 Familien mit 48 Pers. 1894:80„„ 190„ 47„„ 108„ 1893 80.,.. 170 49.,„ 138„ Hier ist der Rückgang so siark, wie in keinem der letzten Monate. Leider läßt sich auch hier zunächst nicht beurtheilen, ob er durch eine andere Handhabung der Hausordnung oder durch sonstige Einflüsse zu stände gekommen ist.) Die AtteutatSgcschichte der verhafteten Anarchisten T ö b s und Krebs erweist sich im weiteren Verlaufe der gerichtlichen Untersuchung augenscheinlich immer mehr als„Mumpitz". Die vielgenannte Kellnerin Flügel, auf welche anfänglich die ganze Affäre zurückgeführt wurde, will nun nicht mehr das„Karnickel" sein. Sie hat bekundet, in der Wohnung des Töbs jemals weder Dynamit gesehen, noch auch von einem Attentate, welches geplant worden sei und zur Ausführung gelangen sollte, etwas gehört zu haben. Ihrer Angabe nach sei die Denunziation von einem ihrer verflossenen Liebhaber, dem schon gedachten Tanzmaiter Sachs ausgegangen, welcher damit eine» Racheakt vollführt habe. Da auch die neueste Bezichtigung der Flügel, die auf Kuppelei hinausläuft, nur den Töbs betrifft, so wird von den An- verwandten des Krebs dessen sofortige Haftentlassung durch einen Rechtsanwalt beantragt werden. Man giebt sich der Hoffnung hin, daß diesem Antrage Folge gegeben wird, namentlich da das „Tynamitlager im Friedrichshain" bisher noch nicht entdeckt zu werden vermochte und lediglich die Angabe des Tanzmaiters wohl kaum als ein ausreichender Grund sür die Fortdauer der Untersuchungshaft angesehen werden könne. Es wird also wohl bald die ganze Attentatsgeschichte in nichts zerfallen. Es gelingt der Reaktion eben nichts mehr, selbst die süße Freude am Dynamitradan wird ihr zu Wasser. Ter Kampf«m die Miillabfnhv wird gegenwärtig mit großer Heftigkeit zwischen der Wirthschafts-Genossenschaft Ver- liner Grundbesitzer und einer Reihe von Abfuhr-Unteruehmern ge- führt, die sich den Bedingungen der Genossenschaft nicht fügen wollen. Eine Folge dieses Kampfes scheint es auch zu sein, daß die Genossenschaft für die wöchentlich dreimalige Abfuhr eines 200 Literkastens den Fuhrlohn, der bisher gegen 0 M. betrug, auf 4,00 M. herabgesetzt hat, nachdem die Privatunternehmer die ansängliche Ermäßigung auf 8,20 M., welche die Genossenschaft vorgeschlagen, ihren Privatkunden gegenüber ebenfalls zu- gestanden hatten. Tie Genossenschaft rechnet nun den Abfuhr-Unternehmern nach, daß diese bei ihrem Geschäfts- betriebe einen jährlichen Reingewinn von 200 000 M. machen. Tie Genossenschaft hat zugleich die gesetzlich nicht unbedenkliche Verpflichtung übernommen, sür alle Polizeistrasen aujzu- kommen, die denjenigen Hanswirth aus Anlaß der Müllabfuhr treffen, der diese von der Genossenschast besorgen läßt. Ueber die Rechtsgiltigkeit dieses Abkommens, als eines Vertrages über strasbare Handlungen, kann man juristisch streiten; von praktischer Bedeutung wird dieses Slbkommen zweifellos werden, wenn es von der Genossenschaft prompt erfüllt wird; diese bemüht sich gegenwärtig darum, den Preis für die Abfuhr noch weiter dadurch zu verbilligen, daß sie Müllabladestellcn an den Wasserläufen der Stadt zu erhalten sucht. Gelingt dies, so würden sich die Abfuhr- kosten noch erheblich geringer gestalten, da die Besördernng der Abgangsstoffe in geschlossenen Kästen nicht die vielen Bedenken gegen sich hat, wie die Ausladung des Mülles auf den Müll- platzen und Umladung und Transport in offenen Kähnen. Ten NestanrationSpächtcrn auf den Bahnhöfen der preußischen Staats-Eisenbahnen ist vor kurzem von der Eisenbahn- Verwaltung aufgegeben worden, dafür zu sorgen, daß sie den Reisenden jederzeit Schreibutensilien(Papier, Kouverts, Feder und Tinte), sowie Freimarken, Postkarten:c. zur Verfügung stellen können, gegen Zahlung von 10 Pf. für einen Briefbogen nebst Umschlag' und Benutzung des Schreibzeugs. Diese Be- stimmung der Eisenbahn-Verwaltung ist veranlaßt worden durch zahlreiche Klagen und Beschwerden darüber, daß die Reisenden, wenn sie unterwegs dringliche Meldungen absenden wollten, auf den meisten Bahnhöfen nicht einmal Postkarten, geschweige denn Schreibmaterial erhalten konnten, und daher besonders bei nur kurzem Aufenthalt auf den Stationen ganz außer stände waren, die beabsichtigten Mittheilungen zur Post zu geben.— Sehr schmeichelhaft ist es für die preußischen Eisenbahn- Zustände gerade nicht, daß derartige selbstverständliche Dinge erst besonders amtlich angeordnet werden müssen. I» der städtischen Gasanstalt, Müllerstr. 184, sind am Sonnabend 18 Arbeiter entlassen worden, von denen einige 5, 7 ja selbst bis 12 Jahre ohne Unterbrechung in der Anstalt gearbeitet haben. Diese Entlassungen, denen noch weitere folgen sollen, werden mit Arbeitsmangel begründet. Es scheint, daß die stetig fortschreitende Verwendung des elektrischen Lichtes und des Gasglühlichtes auf den Gaskonsum einwirkt, aber kaum glaublich ist es, daß aus diesem Grunde ältere Arbeiter entlassen werden mußten. Ob auch in der städtischen Gasanstalt die Praxis, den Arbeiter nicht„alt" werden zu lassen, geübt wird? Ein Bild furchtbarsten Jammers boten zwei obdachlose Wöchnerinnen, die am Sonnabend und Sonntag in eine hiesige Anstalt eingeliefert wurden. Die eine,' namens Marie Schlicht, hatte das städtische Obdach in Anspruch genommen und mußte von da aus mit einem Krankenwagen der Anstalt zugesührt werden, wo sie alsbald einem Knaben das Leben schenkte. Die andere, Marie Glasmann, die aus Jasmund auf Rügen stammt und 32 Jahre alt ist, hatte auf einem Hausboden genächtigt und wurde am Sonntag früh gegen 8 Uhr vor dem Hause Weißen- burgerstraße 19 hilflos aufgefunden. Ein Schutzmann brachte sie nach einem Krankenhanse, wo sie ein Mädchen zur Welt brachte, noch bevor sie in einem Zimmer Ausnahme gesunden hatte. A»S gekräuktem Ehrgefühl hat. wie berichtet wird, der 01 Jahre alte Schlosser Eduard Paul Hand an sich gelegt. Paul wohnte in dem Hause Wrangelstr. 08 und arbeitete in einer Fabrik in der Köpenickerstraße. Hier gerieth er nnt dem Werkmeister in Zwistigkeiten und erhängte sich infolgedessen am Sonn- abend in seiner Wohnung. Vielleicht hat auch die Aussichtslosig- keit, sich und seine Familie nach erfolgter Entlassung ernähren zu können, zu dem Selbstmord das Motiv gegeben. A«S der Welt des llcberflusscs. Arbeilslosigkeit und Roth haben nach einem binterlafsenen Zettel einen 28 jährigen Tischlergcscllen Hermann T. zum Selbstmörder werden lassen. Die Leiche des jungen Mannes, bei der man einen Zettel mit der Ausschrift:„Ich scheide aus dem Leben, weil ich nichts mehr zum Leben habe und ich ineine Mitmenschen nicht bestehlen oder betrügen will, auch das Betteln verboten ist! Hermann T.", und ein Strafmandat von 1 Tag Hast wegen Lettelns vorfand, wurde am Sonnabend früh in der Jungfernhaide hinter den Fuchsbergen, an einer Kiefer hängend, vorgefunden. Ein Einbruch ist in der Nacht zum Sonnabend in der Wohnung des Herrn v. C a r st e n n-Lichterfelde, Altonaerstr. 37, ausgeführt worden. Die Diebe, die bisher noch nicht ermittelt werden konnten, erbeuteten 250 M. Das Ergebniß ihrer unheil- vollen Thätigkeit scheint den Herren Langfingern indessen nicht genügt zu haben, worauf der Ümstand hindeutet, daß sie in den ihnen zugänglichen Räumen sämmtliche Polstermöbel zerschnitten haben. Außerdem haben sie, einem unter Einbrechern weit ver- breiteten Aberglauben folgend, die Wohnung in nicht wieder- zugebender Weise besudelt. Aufsehen erregte am Montag Vormittag ein Vorfall in der Friedrichstraße am Eingänge der Markthalle. Gegen ll'/e Uhr votirte ein Schutzmann, der vor der Markthalle Dienst hatte, eine Händlerin, die gegen die straßenpolizeilichen Vorschriften verstoßen haben sollte. Ein Mann, der in der Nähe war, legte zu gunsten der Händlerin bei deni Schutzmann gegen dessen Ver- fahren Verwahrung ein. Die Anweisung des Beamten, seiner Wege zu gehen, ließ er unbeachtet. Das veraulaßte den Schutzmann, den Unbekannten aufzufordern, ihm zur Feststellung seiner Persönlichkeit auf die Wache in der Wilhelmstraße 10 zu folgen. Als der Beamte dazu schritt, ihn dorthin zu führen, leistete er Widerstand und es kam zu einem Handgemenge zwischen dem Beamten und dem Zivilisten, in dessen Verlauf der Schutzmann von seiner Waffe Gebrauch machte. Es hatte sich rasch eine große Menschen« menge angesammelt und ein Theil der Zuschauer nahm für den Zivilisten thätlich Partei. Man entriß dem Beamten die Waffe und griff ihn auch selbst an. Der Angegriffene gab ein Roth- zeichnen, auf das hin ein Beamter der Marklpolizei aus der Halle herbeikam. Beide bemächtigten sich nun des Unbekannten und brachten ihn in einer Droschke zur Wache. Die Waffe des ersten hatte das Publikum dem zweiten Beamten ausgehändigt. Die Untersuchung des Vorfalles hat der Vorstand des'33. Polizeireviers sofort begonnen; sie ist jedoch noch nicht zum Abschluß gelangt, weil viele Zeugen vernommen werden müssen. Die Strömung, die sich unter dem Publikum draußen gegen den Beamten gellend machte, fand auch in der Markthalle, namentlich bei den Händlerinnen, starken Widerhall. Traurige Pfingstcu sind der Familie des 49 Jahre alten Stallmanns'Wilhelm Wappke aus der Blumenthalstraße 3 in diesem Jahre beschieden worden. Wappke, der auf dem Depot V der Allgemeinen Berliner Omnibusgesellschaft in der Kurfürsten- straße angestellt� war, erhielt dieser Tage den Husschlag eines Pferdes vor den Leib, während er seinen dienstlichen Obliegen- heiten nachkam. Infolge dessen stellte sich eine Bauchfell- Entzündung ein, an der Wappke am Sonnabend in der Charitee gestorben ist. Er hinterläßt eine Ehefrau mit fünf Kindern. Eine Ncvolversrhiesierei hat sich am Sonntag spät abends in dem Hause Gipsstr. 21 abgespielt. Der 48jährige Maurer Albert Wilke erhielt von dem 24Jahre alten Zigarrenfabrikanten Bernhard Berg einen Schuß in die rechte Seite. Ursache des Streites waren Zwistigkeiten zwischen zwei Familien, die in dem winkligen alten Gebäude eng aneinander hausten. Wilke ver- mundete den Berg mit dem abgeschossenen Revolver durch Schläge auf den Kopf. Eine in den Streit verwickelte Frau Nichter hat ebenfalls von W. Schläge erhalte». Mit geladenem Gewehr wurde am Sonntag Mittag der Sergeant Koczeck von der 11. Kompagnie des Garde-Füsilier- Regiments in Begleitung zweier Unteroffiziere in das Militär- Arrestlokal, Liudeustraße 37, abgesühri. Wie erinnerlich, ent- ferute sich K. am Donnerstag Morgen von seinem Truppentheil; er hat sich in der Zeit bis zum Sonntag planlos in Berlin herumgetrieben. Von einem Schutzmann wurde er dem Regiment übergeben, welches seine sofortige Verhaftung verfügte. Es ver- lautet, daß Koczeck in mehrfacher Weise Schulden gemacht habe, worauf er sich in dieser leichtsinnigen Art von seiner Kompagnie entfernte. Er sieht nun einer strengen Bestrafung entgegen. Auf Berliner Sicherheitsznstäude wirft die folgende Mittheilung einiges Licht: Wüsten Lärm erregten eine Anzahl junger Burschen in der vergangenen Nacht in der Gegend der Schönhauser und der Kastanien- Allee. Obwohl sie schon über den Durst getrunken zu haben schienen, begehrten die Skandalmacher noch Einlaß in eine Schankwirthschast an der Schönhauser Allee, aus der sich eben die letzten Gäste ent- fernen wollten. Der Wirth verwehrte ihnen den Eingang. Tie Burschen aber gaben sich damit nicht zufrieden, singen vielmehr sofort Händel an und zwar nicht allein mit dem Wirthe, sondern auch mit den Gästen, die aus dem Lokale herauskamen. Als diese den Eingang gegen das versuchte gewaltsame Einbrechen zu schützen unternahmen, griffen die Eindringlinge zum Meffer und verletzten drei Gegner durch Stiche. Leider gelang es ihnen dann, zu entkommen. Da aber auch die Messerhelden Verletzungen davongetragen haben, so hat die Polizei sofort morgens in den Krankenhäusern, auf den Sanitätswachen und bei den Heil- gehilfen nach den Personen Nachforschungen angestellt, die sich etwa haben verbinden lassen, um die Nowdies nachträglich fest- zustellen. Ein verheerendes Feuer kam Sonntag Vormittag fgegen 10 Uhr in der Birkenstr. 53 zum Ausbruch, wodurch das Holz- zementdach des umfangreichen Grundstücks und eine Menge aus dem Boden des Hauses lagernder Gegenstände ein Raub der Flammen wurden. Die Feuerwehr mußte geraume Zeit thätig sein, ehe es gelang, die Glnth zu dämpfen. Der Schaden wird auf etwa 00000 M. geschätzt; zum Glück sind die Ab- gebrannten versichert. Belheiligt sind mit größeren Summen die Aachen- Münchener, die Berlinische, die Gorhaer und die Feuer- versicherungs-Gesellfchast„Union". Ueber die Entstehnngsursache verlautet, daß durch die Unvorsichtigkeit eines Hausbewohners. der mit offenem Licht auf dem Boden geiresen ist, das Feuer entstanden ist. Verschwunden sind zwei junge Mädchen, die von den An- gehörigen gesucht werden. Es sind die 18 Jahre alte Else Schmidt aus Schöneberg, die in dem Hause Goltzstr. 20 wohnt und die 23 Jahre alte unverehelichte Frida Werner aus der Grunewaldstr. 109. Aiifforder»»!). Genossinnen und Genossen, welche der am Dienstag, den 20.'Februar in den Viktoria- Sälen zu Rixdorf stattgehabten öffentlichen Versammlung(Referentin Fr. Ihrer) bis zum Ende derselben beigewohnt, werden gebeten, ihre Adressen an F. Siegerist, Hermannstr. 93, Rixdorf, bis Donners- tag, den 23. d. M., gelangen zu lassen. Eine Abnormität. Einen Schüler mit zwei Händen und einem Arm hat die Gemeindeschule in der Müllerstr. 48. Ter Knabe, der 10jährige Sohn Bernhard des vor zwei Jahren ver- nnglückten und seitdem arbeitsunfähigen Zimmermanns Walthcr, stellt eine interessante pathologische Abnormität dar. Tie rechle Hand des im übrigen wohlgebildeten und recht hübschen Jungen ist oben direkt an dem Schnlterknochen angewachsen, es fehlen ihm somit der rechte Ober- und Unterarm. Die Hand ist voll- ständig beweglich, der Puls deutlich fühlbar und der Knabe kann mit der armlosen Hand ganz tüchtig zufassen. Poli.zcibericht. Am 18. d. M. früh geriethen zwei Schüler auf dem Wege zur Schule in Streit, wobei der eine durch einen Messerstich anscheinend schwer verletzt wurde.— Gegen Mittag fiel in der Wasserthorstraße ein Kutscher beim Absteigen vom Wagen hin und brach den linken Oberschenkel.— Am 19. d. M. nachmittags wurde in der Nähe des Grundstücks Urbanstr. 98/101, wo mehrere Knaben mit Deschings nach der Scheibe schössen, eine Frau im Gesicht getroffen.— Abends stürzte sich ein Mann aus dem Fenster seiner im dritten Stock eines Hauses in der Dragonerstraße belegenen Wohnung auf den Hof hinab und zog sich schwere Verletzungen zu.— In einem Hanse in der Gipsstraße drang nach voraufgegangenem Streite ein Maurer in die Wohnung eines Zigarrenhändlers und bedrohte diesen mit einer Eisenstnnge; der Zigarrenhändler gab mehrere Revolver- schüsse auf seinen Gegner ab, ohne ihn zu treffen, verletzte ihn jedoch durch Schläge mit der Waffe im Genick, während er seinerseits durch Schläge mft der Eisenstange am Kopfe verletzt wurde.— In der Nacht zum 20. d. M. drang eine Anzahl junger Leute in eine in der Schönhauser Allee belegene Schank- wirlhschast, welche bereits geschlossen werden sollte, mit Gewalt ein, warfen drei ihnen entgegentretende Personen zn Boden und verletzten dieselben durch Mcffcrstiche, worauf sie die Flucht er- griffen.— Am 18. und 19. d. M. fanden auf den Grundstücken Norkstr. 72 und Civfeuftt. 58 kleinere Feuer ftntt. größere, und außerdem noch vier WitternugSübersicht vom SV. Mai Ein menig wärmeres Wetter mit schwachen östlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Gevickks-�eikuirg� Die Blutthat dcS städtische» Stenercrhebers Llldwig Grebe beschästigte gestern die erste Strafkammer des Land- gerichts I. Tie Anklage lautete ans vorsätzliche Körperverletzung mittels eines Dolches und mit dem Erfolge, daß die Verletzte in dauerndes Sicchlhum verfallen ist. Der Angeschuldigte, der im Jahre 1862 zu Kombach, 5kreis Biedenkopf, geboren ist, befindet sich nach zurückgelegter Militär-Dienstzeit seit etwa 2 Jahren in städtischen Diensten. Beinahe ebenso lange ist er mit seiner Ehefrau Klara geb. Wiesener verheirathet. Es war ein trübes Ehestands- Drama, welches der Angeklagte mit thränenerstickter Stimme vortrug. Schon wenige Wochen nach der Hochzeit habe seine Ehefrau ihm den Anstoß zu dem Ver- dachte gegeben, daß sie ihm die Treue nicht bewahre. Dieser Verdacht habe immer neue Nahrung erhalten und sei schließlich bei ihm zur Gewißheit geworden. Das Verhältniß zwischen ihm und feiner Ehefrau habe sich immer unleidlicher gestaltet, schließ- lich habe er die Scheidungsklage eingereicht, die noch schwebe. Am Abende des 24. März dieses Jahres habe er mit einem Bekannten verschiedene Restaurants besucht, zunächst eins, welches in der Tresckowstraße i» der Nähe seiner Wohnung sich befand. Hier habe er schon seitens anderer Gäste Andeutungen hören müssen, welche sich auf die Moral seiner Ehefrau bezogen. Sein Bekannter habe ihm dann später auch vorgehalten, daß seine Ehefrau bereits von der Nachbarschajl kritisirt werde. Hierdurch, sowie durch reichlichen Genuß von spirituösen Getränken habe er sich in einem Zustande hoch- gradiger Erregung befunden, als er nach Mitternacht seine Wohnung betrat. Es sei zivischen ihm und seiner Ehefrau zu einer hesligen Auseinandersetzung gekommen, er habe schließlich erklärt, daß er ein s solches Leben nicht länger ertragen könne und sie gefragt, ob sie mit ihm in den Tod gehen wolle. Sie habe sich wiederholt dazu bereit erklärt. Er habe dann einen langen Dolch aus seinem Schrank geholt und seine Ehefrau noch einmal gefragt, ob sie mit ihm sterben wolle. Sie habe wieder eine bejahende Antwort in festem Tone gegeben, sich dann in sein Bett gelegt und ihm gesagt:„Stich zu. aber so. daß ich gleich todt bin!" Er habe zugestoßen, der Dolch sei ihr tief in die linke Seite des Halses gedrungen. Er habe angenommen, daß die Verletzung tödtlich sein müsse und nun habe er Anstalten ge- macht, sich zu erhängen. Hierzu habe er einen Kleiderriegel benutzt und schon sei ihm das Bewußtsein fast geschwunden gewesen, da sei der Kleiderriegel abgebrochen und er zu Boden gefallen. Nun habe er gesehen, daß seine Ehefrau noch lebte, sein Vorhaben sei ihm leid geworden, er habe schleunigst ein Handtuch genommen, es benetzt und damit seine Frau nothdürftig verbunden. Dann sei er nach der benachbarten Unfallstation geeilt und habe einen Arzt geholt, welcher die Ueberführung der Verletzte» nach der Charitee anordnete. Bei dem Geständnisse des Angeklagten er- übrigte jede Beweisaufnahme, nur die protokollarische Aus- sage der Ehefrau Grebe wurde verlese». Sie befindet sich noch im Krankenhause in schwer leidendem Zustande. Ter Dolchstich hat eine Verletzung des Rückenmarks bewirkt, ivo- durch eine Lähmung des unteren Körpers, sowie der linken Seite eingetreten ist. Sie hat aber bei klarein Verstände entschieden versichert, daß sie ihren Mann wiederholt gebeten hat, sie zu tödten. Staatsanwalt Oppcrmann hob hervor, daß dieser letztere Umstand den Angeklagten nicht straffrei machen könne, derselbe müsse die volle Verantwortung für seine Handlung tragen. Er beantrage gegen denselben eine Gefängnißstrafe von 3 Jahren. Der Verlheidiger, Rechtsanwalt Rick. G o l d st e i n, plädirte aus juristischen Gründen für Freisprechung. Es liege nicht ein Verbrechen, fondern nur der Versuch zu einem Vergehen vor und hierfür habe der Gesetzgeber eine Strafe nicht augedroht. Der tz 216 des Slr.-G.-B. laute:„Ist jemand durch das aus- drückliche und ernstliche Verlangen des Getödteten zur Tödtung bestimmt worden, so ist auf Gefängniß nicht unter drei Jahren zu erkennen." Von einem strafbaren Versuch enthalte das Strafgesetzbuch nichts und müsse deshalb trotz der entgegengesetzten Entscheidungen des Reichs- gerichts angenommen werden, daß der Gesetzgeber die ohnehin unglücklichen Personen, welche einen Versuch in erwähntem Sinne begingen: nicht bestraft wissen wolle. Ter Gerichtshof trat dieser Ausführung nicht bei, verkannte aber nicht, daß dem Angeklagten mildernde Umstände zur Seile ständen, vernrtheilte ihn zu einer Gefängniß st rase von nur sechs Monaten und setzte ihn cinweilen auf freien Fuß. Der Schlächtergeselle Otto Müller, welcher am 3. Mai vom Schwurgericht wegen Ermordung der Frau Rentiere Mewers aus Westend zum Tode verurtheilt wurde, hat durch seine» Ver- theidiger daS Rechtsmittel der Revision einlegen lassen. Müller befindet sich in der Lazarethstation des Untersuchungsgefängnisses, wo er noch immer dasselbe apathische krankhafte Wesen zur Schau trägt, wie während des letzten Theiles der Schwurgerichts- Verhandlung. Der Gastwirth Stark ist am Sonnabend von der achten Strafkammer am Landgericht I wegen Wuchers zu einem Jahre Gefängniß und 1SOO M. Geldstrafe verurtheilt worden. Zwei Mitangeklagte wurden freigesprochen. Magistrat kontra Oberbürgermeister. Bekanntlich ist der Magistrat gegen den Oberbürgermeister klagbar geworden, weil er de» Beschluß des Magistrats vom 24. April auf Absendung einer Petition an den Reichstag gegen die Umsturzvorlage nicht zur Ausführung brachte. Das Obcr-Verwaltungsgericht hat nun in dieser Sache Termin auf de» 28. Mai, 2 Uhr, festgesetzt. In der Strafsache gegen den Stadtverordneten Ricuier wegen Beleidigung des Dr. E v e r s jc. hat der Rechtsanivalt Hugo Sachs die Verlheidigung übernommen. Der Verlheidiger hat in einem längeren Schriftstrick den Schutz des ß 1S3 für den Angeklagten in Anspruch genommen und den Wahrheitsbeweis für die vom Stadtverordnete» Riemer behaupteten Thatsachen an- geboten. Wegen Vergehens gegen daö Krankcukassengcsctz wurde der Bauunternehmer Karl Teunilich vom Schöffengericht zu einer Woche Gefängniß verurtheilt, weil er 7,50 M. Krankenkassen- beiträge, die er seinen Arbeitern vom Lohne gekürzt hatte, nicht an die zuständige Ortskasse ablieferte. Er erklärte, von der ganze» Angelegenheit nichts zu wissen, da er die Lohnauszahlungen seinem Polier übertragen habe. Dieser bekundete, daß die 7,50 M. dem Deumlich bei der Lohnabrechnung zu gute gekommen seien. Da D. wegen Unterschlagung und strafbaren Eigennutzes vorbestraft ist und Exekution gegen ihn fruchtlos war. so halte der Staatsanwalt einen Monat Gefängniß beantragt. DaS verkörperte Elend saß vor einigen Tagen in der Person einer zum Tode vernrthcilten Frau Müller vor den Geschworenen in Zwickau auf der Anklagebank. Tie blasse, zum Skelett abgemagerte Mörderin war durch widrige Verhältnisse niit ihrem vierjährigen Knaben in das Armenhans gekonime», wo ihr der Zlusenlhalt jedenfalls nicht behagte. Sie erwürgte das nach Aussage des Arztes ziemlich kräftige Kind, langsam mit einer Schnur, um, wie sie angab, es vor weiterem Elend und Hunger zu bewahren. Da sie aber Arnieuunterstützung genossen, auch von verschiedenen tcrrschasten, wo sie Dienstleistungen verrichtete, ab und zu mit ebensmitteln unterstützt wurde, nahmen die Geschworenen»ach dem Plaidoyer des Staatsanwalts an, daß sie nicht die Roth zu dem grausigen Schritte getrieben und daß sie wegen vorbedachten und mit Ueberlegnng ausgeführten Mordes, ohne Annahme mil- dernder Umstände, zu verurtheilen sei/ Ein zweiter Holzrechtlcrprozest ist kürzlich in Bayern ent- schieden worden. Es handelt sich um ganz ähnliche Vorgänge wie in Iuchsmühl. 3g Gemeindeholzrechtler in der oberfränkischcn Ort- schast Hohen-Mirsbcrg hatten sich das von der Gemeinde ihnen vorenthaltene Rechtholz selbst geholt und den ganzen Wald durch- geschlagen, und waren deshalb wegen Forstfrevels zu je 110 M. Geldstrafe und zu de» Kosten ini Betrage von 11 000 M. ver- urtheilt worden. Prinzregent Luitpold hat bei ihnen jedoch eine Begnadigung eintreten lassen, indem er die Strafe aus je 3 M. und die Kosten ans je 1 M. herabsetzte. In Hohcn-Mirsberg ist kein Militär eingeschritten, ohne daß darum die Sicherheits- zustünde gestört worden sind. verlÄ»»«ttluttaen. Aau»»r»in K,rlin«r Kildlin»«. Heute, Dienstag, den 21. Mai, Diwe"! straße ls: Versammlung. Tage?-Ordnung: i. Slatulenberalhung. 2. Wah eines Schriitsührere und Verschiedenes. Siehe auch Inserat vom Sonnabeno. Beutrchcr Senrfeldrr Ä,»,». Mitgliedschaft Berlin. Heute Abend S Uhr im Restaurant Rölltg. Reue Frtedrichstr. Mitgliederversammlung und Vorstandssltzung._, Nationale kaufmännische Kranken- und Kterbeliasse. iE H. 71) Bureau t 0. Holzmarttstr. 67. Dienstag, den 21. Mai, abends X? Uhr, im Restaurant Stuhler, Reue Erünstr. ss: Borstands-Sigung und Ausnahm- neuer Mttgltever......... ü-rsniiaungsverein sZemiithlichlieit. Sitzung am Dienstag 9� Uhr. Langestr. 2« bei Jeralfch. 6. Slifiungssest am 2, Juni(J. Pstiigstseierlag). Vevnristtzkes. Vom Ulitergang der„Elbe". Aus Brügge wird vom Montag berichtet! Heute erfolgte der Entscheid des Zivil- gerichtshofes in Brügge in dem Rechtsstreite des Deutschen Reiches gegen de» Ostender Rheder Hamnian wegen der zurück- behaltenen Briessäcke aus dem verunglückten Dampfer„Elbe". Der Beschluß lautet folgendermaßen: Nach Anhörung des Staatsanwalts- Vertreters Smeesters schließt sich das Gericht dessen Gutachten an und erklärt sich zuständig, mn über den Ausspruch auf Giltig- kcit der Beschlagnahme zu erkennen, aber unzuständig in der Hauptsache. Der Gerichtshof erklärt die 5ilage für zulässig und spricht aus, die Verhandlung sei zu vertagen bis zur Entscheidung des i» der Hanptklngesache zuständigen Nichters, welche auf die Rückerstattung der fraglichen Schriftstücke an den 5lläger abziele. Der Kläger sei aufzufordern, seine Ansprüche binnen 14 Tagen zu beweisen, widrigenfalls in Form rechtens erkannt werde. Ter Kostenvorschuß werde zurückbebalten. Teutschlands Größe. Oskar Panizza's„Teutscher Michel und römischer Papst" wurde in Leipzig mit Beschlag belegt auf grund des§ 166(Gotteslästerung). In Kirchbühl bei Scmpach stürzte am Sonntag infolge Lockerung des Zements eine neue Scheune zusammen und begrub 24 Personen unter ihren Trümmern. Eine Person wurde gc- tödtet, eine schwer, die übrigen leichter verletzt. I» Florenz erfolgte am Sonnabend Abend kurz vor 9 Uhr ein heftiges Erdbeben, dem ein fünf Sekunden lang an- haltendes," unterirdisches Grollen voranging. In der Umgegend der Stadt sind vier Personen getödtet und mehrere, meistens nur leicht, verletzt worden. Nach allen von dem Erdbeben betroffenen Ortschaften wurde Hilfe enlsandt. In Florenz selber wurden in der Rue Carmine vier Personen verwundet, davon eine erheblich. In dem benachbarte» Städtchen Galu-zo wurde eine Frau schwer verletzt und nach hier in das Krankenhaus gebracht. In dem Marktflecken Grassina wurden noch mehrere'Per- sonen unter dem Schutt der eingestürzten Gebändc öc- graben. Von hier aus wurden zur ersten Hilfe Kara- inierie und eine Konipagnie Genietruppen dorthin gesandt. Die Bevölkerung von Florenz verbrachte die Nacht auf den Straßen. Gegen II Uhr abends erfolgte ein weiterer leichter Erdstoß. Viele Häuser sind in der Stadt beschädigt. Weitere Nachrichten besagen folgendes: Die größten Berheernngen hat das Erdbeben in den umliegenden Ortschaften, namentlich in Grassina, Sa» Martina, Galluzzo und Bandino angerichtet. Füus Personen sollen getödtet und viele verwundet sei». In Grafsina sind 40 Häuser, in San Martiuo ist die jiirche ein- gestürzt. Auch in Lappaggi sind mehrere Häuser eingestürzt, wo- bei drei.Persone» unter den Trümmern begraben wurden. Mehrere Personen sollen in Lappaggi getödtet und verwundet sein; die Zahl ist noch unbekannt. Vom Montag meldet ein Telegramm: Die Bevölkerung ist beruhigt liud i» ihre Wohnungen zurückgekehrt. Die angestellte Unterfnchuug ergab, daß durch das Erdbeben das National- limseum, die Knrthause, die Gallerte der Usstzieu und mehrere historische Villen in der Umgebung beschädigt sind. Nach Berichte» aus der Umgegend sind dort die entstandenen Schäden bei weitem größer, als bisher angenommen wurde. Ans de».Trümmern der niedergebrannten Stadt Brest- L i t e w s k sind, wie ans Petersburg berichtet wird, bereits über 50 Leiche» hervorgeholt. Kaum ein Drittel der Stadt ist ver- schont geblieben. Der materielle Schaden wird auf einige Millionen Rubel geschäht. Durch eine ansgcdchnte FenerSbrunst in Saint-Albans im Staate Vermont, Rord-Aincrika, wurden 500 Personen ob» dachlos. Ter Schaden wird aus 750 000 Dollars geschätzt. Vviefksflen dvv föctraltficm. Wir bitten bei jeder Ansrage et»« Ehtssre(Zivet Buchstaben oder ein« Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erlhetlt werden soll. Schneider. I. Die Sorge. 2. Fragen Sie einen sieben- jährigen Schuljungen. Nnnchklnb. Geben Sie Ihr Eingesandt als Annonce ans. Redaktionell müssen wir die Aufnahme verweigern. H. M. Die verlangten Bücher sind im Buchhandel vergriffen Lo�ialäsmokratisekkr Uadlverew für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Versammlungen� Sudost. Dieuftag, 21. Mai, abends SV» Uhr, beim Gen. Ullrich, Utaldrmarstr. 75. Tagesordnung: I. Tie freie Aerztewahl, eine Antwort an den Genossen Dr Gustav H e y m a n n. Referent Reichstags- Abgeordneter Genosse «»bert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Vcreinsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Mitglieder von Südost werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen Osten. Dienstag, 21. Mai, abends 8'/- Uhr, im„F r e i s ch ü h", Frnchtstr. Ig». Tadcsordnung: I. Vortrag des Genossen K. Tabdert über: Heinrich Heine. 2. Diskussion. 3. Verschiedene?. 231/10 Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht __ Der Vorstand. Sozialdrmokrati scher M nlsivereiu für den 6. Kerl. Reichstags-Wal, lkrris. Dienstag, den 21. Mai, abends 8'/- Uhr, im Lokale oLsUnen Hot, Cöslinerstraße Nr. 8: IM" Versammlung."MU Tages-Ordnung: 1. Vortrag de? Genossen Pät.el über:„Zeichen der Zeit". 2. Dis- kussion. 3. Bereinsangclegenheiten und Fragekasten.. 303/15*__ ger Uorstand. Achtung: Maurer. Achtung: Doniierstag. den S3. Mai. vormittags Uhr: s: Ordentliche Mitglieder-Versammlung 3« iirS Bcniis pc Wchmg itc Zutmßt» kr imrtt Kerlins und Umgegend in Biihler's Lokal, Rose»»thalerstraße 38. Tages- Ordnung: 1 Vortrag des Genossen Eiriindel. 2. Diskussion. 3. Wahl des I. A.; SN« Achtung! Achtung! Uereitt der Former. AM 2l»i H i m m e I f a h r t s t a g: pusepartis. Abfahrt: Görlitzer- resp.Schlesiicher Bahnhof nachJohannis- thal 7C/2 Uhr; Treffpunkt dort am Bahnhof. Nachzügler zum Frühstück: Adlctshos, Wöllstein, dann nach Grünau und Friedrichshagen. 1230b Um rege Äctheiligung ersucht D e r V o r st a n d. I. A.: A. Meives. Bei der Maifeier in„Weimann's Volksgarten", Badstr. 56, sind 1 grauer Schlapphnt und 1 Paar Kinder- schuhe zurückgelassen morde». Diese Gegenstände können beim Vertrauens- mann Helbig, Rügenerstr. 23, abgeholt werden. Arbtitsiilllrkt. Karton- Arbeiterinnen, geübte, verl. M. Wolfs, Neue Friedrichstr. 43. Korbmacher auf Banibusarbeitcn verl sof. C. Nösemann, Brückeustraße Iva. Kordmachergesellen auf Bambus- arbeit verlangt 1227b A. Marwau, Ritterstr. III. Blousen- Arbeiterinnen werden gegen Vor- zeigung von Probearbeit bei hohen Löhnen dauernd beschäftigt. vnstav kromderg, 1225b Kroneustr. 31. Maschinen- und Hewdennäherin verlaugt Hahm, Admiralstraße Nr. 1. Justirer a. Ringschiffchen-Maschinen verlangt G. Stein, Blumenstr. 24. Barock- Vcrgolder u. Vergolderinnen verlangt Barnimsir. 2. I223d 4. Wahlkreis! Mittwoch, den 22. Mai, abends 8 Uhr, im Concertliaiise Sanssouci, Kottbuserstrasse 4a: Wlltliche Partei- VechllmlW. Tages-Ordnnng: 201/6 I. Neuwahl eines Vertrauensmannes. 2. Berichterstattung der Fünf- zehner-Kommission über den Stand der Partci-Speditionen, sowie Neuwahl einer Zeitungs-Koinmission. Kri der Wichtigkeit der Tagesordnung ersucht NM pünktliche» und zahlreiches Erscheinen Die Vertraueusperaeii. Moiiöfc KrankenW kr DMeu Gold- und Tilkrorkittr und verwandter Berufsgenossen.(E. H.) Mittwoch, den ÄS. Mai 18i)5, abends präzise 8'/s Uhr: GkNtral-Nklsliimiliutig im Loiileenstüiliischen Klubhaus, Annrnstraszr 16(oberer Saal). T a g e s- O r d n u ii g: I. Anträge bezw. Statutenänderung. 2. Wahl von vier Vertretern zu der am 15. Juli d. I. in München stattfindenden 7. ordentlichen General-Versaiinnluiig. 3. Innere Angelegenheiten. Tie verehrlichen Mitglieder werden dringend ersucht, in anbctracht der wichtigen Verhandlungen recht zahlreich lind pünktlich zu erscheinen. Das Krankenkassen-Buch legitimirt. Minderjährige haben keinen Zutritt. sDrr Uorstnnd der Mitglirdschast Krrlin. 1221b I. A.: C. Holtkamp, Vorsitzender, Admiralstraße 18o. Jubiläums- 25 Ausgabe. 1D Soeben erschien die siittfundzwanzigste Auflage von August Kevel: Die Frau und der Sozialismus. Heft- Ausgabe. Komplet in 16 Heften ü 20 Pfennig. UM- Zu beziehen durch alle Kolporteure. Für de»Jnhalt der Inserate über nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. D i e n st a g, d e n 2U M a i. Gpernha'ns. Frauenlolx Süianfpielliaus. Der Revisor. Dentschcs Tsteater. Das Lumpen- gesindel. Kevliner Theater. Madame Sans- Gäne. Lesstiig-Theater. Sodoms Ende. �Irne» Theater. Tata-Toto. K chiller-Theater. Zopf und Schwert. Alrranderplab- Tbrater. Durch- gegangene Weiber. Fernand's Ehekontrakt. Zille 5 Barrison. Das Blumeniahr. Central-Theater. Figaro bei Hof. Friedrich- Wilhelnistädt. Theater. Der Obersteiger. Zlrstdenz-Theater. Fernand's Ehe- kontrakt. Mationat» Theater. Die lebende Brücke. Im Garten Gr. Konzert und Spezialitäten-Vorstellung. Theater Unter de» Finde». Der Zigeunerbaron. Deutsches Uolüa- Theater. Der Schmied von Rolaudseck. Apollo- Theater. La, Puce(Der Floh).__ Schiller-Theater. (WaElr.cs'- Theater.) Dienstag, 21. Mai. abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Zopf»nd Ach wert. Mittwoch» 22. Mai, abends 3 Uhr: Der Herenkessrl. Der kündende Fnnüe. Donnerstag, 23. Mai, abends 8 Uhr: Don Carlos. Freitag, 2t. Mai, abends ö Uhr: Zopf und Zchwc.'t. Sonnabend, 25. Mai, abends 6 Uhr: Zopf«nd Schwert._ Centrai-Theater Alte Ja stobst raste U r. SO. Novität! Zum 17. Male: Novität! Unter artistischer Leitung des Herrn Aäoll Lpabl vom königl. Gärtnerplah- Theater in München: k'igsi'o bei Hof. (Uoecoro.) Operette in 3 Akte»(nach Beaumarchais' Memoiren) vor, Bolirmim-Riogoii. Musik von Alfred Müller Norden. Morgen: Dieselbe Vorstellung. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion; Max Samst. QV Nur noch einige Tage:"Wß Gastspiel der amerikanischen Gesellschaft William Calder. Die lebende Brücke. Großes Sensationsschauspiel mit Musik in 4 Akten(II Bildern), nach dem Eng- lischen von Sntton Vane, übersetzt von H. Schwab. Dirigent: Adolpli Wiedecke. Elektr. Beleuchtungseffekte v. Lakowsky. Ansang 7'/s Uhr. Nationaltheater-Garten, Großes Konzert u. Spezialitäten-Vorstellung. Die Theaterbesucher haben freien Zu- tritt zum Garten mit seinen Spezia- litäten. Morgen: Die lebende Brücke. Kluismsnn'z Varize. Rönigstrasse, Kolonnaden. Täglich: Neumann- Bliemchen's 'LeiMerVMeMe- GesMllft: Nenmann, Willi. Wölkt, _ Horväth, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermann. Anfang 8 Uhr. Sonntags>/sS Uhr. Entree 30 Pf., Sonntags 50 Pf. Diresttor Bimmel's Zpezilllitiltell-Theilter. Humoristisches Gefammtspiel von Wilh. Wolff. Urania istalt für volksthümliche Naturkunde. n Landes Ausstellungspark (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 5—10 Uhr. stich Vorstellung im wiSBenBChaft- liehen Theater. Näheres die Anschlagzettel. Castan's Panoptikum. Ein Flug durch die Luft! Chamly's mysteriöse IC a takombe. ßeicliskanzler Fürst Hohenlolie. Passage- Panoptlcum. Neu! Cillk Iflljtt auf dem Golf von Neapel. Reichshallen* Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal) Täglich: KWoristislhe Soiree Wf-u«-IlIeiitsclien Quartett- HUI U ,1. Couplet-Sänger Hoffmann, Wolff, Führmann, Walde, Horst, Vetz U.Frische. Anfang 3 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 50 Ps. Sonntags: Ansang 7 Uhr. Entree 50 Pf., ab 9 Uhr 30 Pf. Vtalksganfen (ehem. Weimann's Volksgarten) Gesundbrunnen. Kadstr. 56, Direktion: Max Samst. Der Trompeter von Säkkingen. Romantisches Schauspiel in 5 Akten. Gr. Konzert it. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang des Konzerts 4 Ühr, der Vor- fiellung 5 Uhr. Kassenöffnung 3 Uhr. F. Nagel's Sommer-Theater Schwedterstr. 23|24. Heute, Dienstag: Hamburger Sänger beliebteste Gesellschaft(8 Herren). Anf. 8 Ohr. Näheres die Anschlagsäule». 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Küche bill. zu vermiethen._ 1027b Durch die Geburt eines munteren Söhnchen wurden hoch erfreut Adolf Adler und Frau Johanna. geb. Simon. Berlin, 13./5. 1895, Weißenburgerstr. 25. Zentral-Krankenkasse der Tabakarbeiter. Am 17. d. M. verstarb nach langen schweren Leiden das langjährige Mit- glied unserer Kasse. Frau Louise Generscb, im Krankenhanse am Friedrichshain. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. Mai, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses aus, nach dem Kirchhof der Andreasgemeinde in Wilhelmsberg, statt. 241/3 Her Vorstand. Krailzbitlderei u. Bliliilenhiilg. Rchenf Meyei*| Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. ? KB. Um häufigen Jrrthum zu ver- meiden, bitte ich meine Freunde und Genossen, genau auf meine Adresse zu achten._ Arbeiter- MWsmei« für Friebrichsberg. Dicnstng, 21. Mai, abends 8>/s Uhr: Vereinsversammlung bei Fnchs, D o r f st r. 2. Tagesordnung: I. Vortrag des Genossen I. Türk über„Klassenkämpfe". 62/20 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht __ Der Uorstand. Ugemeiner Verm ber Töpser ». Die Filiale unternimmt am 23. Mai (Himmelfahrtstag) einen Ausflug nach Stolpe a. Nordbahn. Abfahrt um 8'/2 Uhr vom Bahnhof Bernauer- straße. Erste Ankehr bei Bergemann in Stolpe. Für Nachzügler Treffpunkt nachmittags 1 Uhr im Paradiesgarten in Äirkenwerder. Der Vorstand. MfMuro. Die Mitglieder der Krauken- nud Sterbekaffe der Metallarbeiter E. H. Nr. 29) veranstalten am 23. Mai (Himmelfahrt) eine Herren-Fußpartie nach Saat- Winkel-Tegel. Tresspunkt früh 7 Uhr bei H. Krause, Bismarckstr. 74. 173/10 I? ist wstn-Stoffreste 1 vRK Elea. Neuheiten ,i Eleg. Neuheiten zu - Hosen, Anzügen, Paletots sc. Gelegenheitskäufe spottbill. Tuchl. Hob. Steinweg 11, 1, nahe Rathh. Uohtavak. Grösste Auswahl I Billigste Preise i Lager in Formen, Bockfagons. g Heinrich Franck, |lr. 185, Krunnenstrahe Hr. 185. 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Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 22. Spr. 8-70hr, Schweizer Garten Am Königsthor— Am Friedrichshain. Jede» Sonntag Gr. Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Volksbelustigungen| Im neuen Saale aller Art. I B A I. f.» Anfang 4 Uhr."Hä gM" Entree 30 pfenntg. Au den Wochentagen ist das Etablissement an Vereine, Gesell» schaften zur Abhaltung von Sommerfesten zu vergeben. Gozialclemokratisoher Wahlverein für Teltow- Beeskow- Charlottenhurg. Mittwoch, den 33. d. M., abends 8 Uhr. im Lokale Bismarckshöhe, Wilmersdorferstraße Nr. 39: yersammiung*"HÜ Tages-Ordnung: 286/11 !. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Bericht des Vorstandes u. des Kassirers. 4. Neuwahl desselben. 5. Verschiedenes. ver Vorstand. Freie Vereinigung der Zivil-Berufsmusiker. Heute, Dienstag, vormittags 10'/, Uhr, im Lokale des Herrn Gründel, Brunnenstraße 188: üfff Vertcnnnrlung."1ü Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Kanitz über Naturheilkunde. 2, Regelung der Orchesterproben. 3. Die Sterbeunterstützungsfrage. 100/13 Um zahlreichen Besuch bittet vor Verstand. Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Heute, Dienstag, den 31. Mai, al>?ndv S1/: Uhr, Bezirks-Versammlung für den Süden in Kliem's Uolüvgarte«, Halenhaide 14|15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen A. Hoffmann über: „Recht und Gesetz". 2. Diskussion. 3. Die Zustände bei der Firma Speyerer u Co, 4. Ausnahme neuer Mitglieder, Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes.„ Branchen-Versammlung der Metalldrücker in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Dr Zadek über:„Der Achtstundentag und seine Bedeutung." 2. Diskussion. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 194/15 vor Vorstand: nitrnnk frisch, ausgezeichnet ä Flasche 60|lf. inkl., 10 Fl. Mk. 5,50� Johannioberrwri», herb, Fl. 60 Pf. Desertwen», süß, Fl. 75 Pf. 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Plötz: Die Staatsregierung aufzufordern, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, ungesäumt und nachdrücklich alle diejenige» Schritte zu thun, welche geeignet sind, zu einer internationalen Regelung der Währungssrage mit dem Endziel eines internationalen B i ni e t a l l i s m u s zu führen. Abg. Ninteleu beantragt die Streichung der gesperrten Worte. Abg. Dr. Arendt(fk.): Der Reichskanzler hat feine persön- liche Stellungnahme im Reichstage und im Herrenhause klar- gelegt; es scheint deshalb nölhig, daß auch die Bolls- Vertretung zu dieser Frage Stellung nehme. Das Haupt- gewicht lege ich auf den erste» Thcil des Antrages. Bisher ist praktisch von der Regierung wenig geschehen; was geschehe» ist. hätte schon vor drei Jahren veranlaßt sein können. Ohne das End- ziel des internationalen Bimetallismus ist die Ausführung des Antrages gar nicht denkbar.(Sehr richtig.) Die Streichung dieses Passus scheint eines der bekannten heimlichen Mittel der Goldwährungspartei zu sein, die zu ohnmächtig geworden ist, um mit offenen Mitteln zu kämpfen.(Oho! links.) Gewiß, sonst würde» Sie Tagesordnung beantragen oder die Wiederaufnahme der Silberverkäufe beantragen. Seit dem Bestehen des Herrenhauses ist es wohl zum ersten Male vorgekommen, daß ein von dem Ministerpräsidenten befürworteter Antrag abgelehnt wurde. Eine bloße Hebung des Silberpreises nützt uns nichts; wir verlangen die Festlegung des Silberpreises, uni den beständigen Schwankungen ein Ende zu machen, denen der internationale Verkehr nach den Ländern mit Silberwährung— und das sind die meisten— unterivorfen ist. Der Antrag Ninteleu ist lediglich eine Demonstration für die Goldwährung; würde er angenommen. so wäre damit der ganze Antrag bedeutungslos. Das beständige Sinken des Silberpreises hat erst den Raubbau aus Silber zur Folge gehabt. Beim Gold- wie beim Silberbau kommt es auf schnelle Gewinnung an; denn eine Goldmine rentirt am besten, je kürzer die Zeit ihrer Ausbeutung ist und die Silbergewinnung in einem Lande mit Silber- Währung wird stets eine ziemlich gleichmäßige bleiben. Berhängnißvoll wäre es, wenn Teutschland unter der Goldwährung einen 5tueg führen müßte; heute prägt Deutschland Fünfmarkstücke, die um 50 pCt. uutcrwerthig sind; zu solchen Mitteln hat Friedrich der Große selbst in der größten Roth nicht gegriffen. Und kommt denn der deutsche Silberbau nicht auch in betracht? Wir haben stets beobachten können, daß mit dem Steigen der Silberpreise anch alle Äaarenpreise steigen, und diese Preissteigerung er- warten wir vom Bimetallismus. In dieser Frage sind denn auch die Landwirthe aller Länder einig, die doch gewiß ihre eigenen Interessen am besten verstehen werden. Wir wollen keine Geldverschlechlerung, sondern eine Geldverbesserung. Man könnte auch, um die Preissteigerung bei Einführung der Doppelwährung laugsainer sich vollziehen zu lassen, Garantien schaffen, obwohl ich glaube, daß das schwer sein wird.— Redner erörtert dann den Gang der Währungs- frage in Frankreich und England und betont als Aufgabe Deutsch- lands, in dieser Frage die Initiative zu ergreifen; die Augen von ganz Europa sind auf uns gerichtet.(Heiterkeit, Sehr richtig und Bravo!) Eine Doppelwährnugs-Vorlage wäre die beste Vorlage gegen den Umsturz; denn die Goldwährung ruinirt den Mittelstand und deshalb wird sie von der Sozialdemokratie be- sürwortet. Lehnen Sie die Doppelwährung ab, so nehmen Sie der Landwirthschast die letzte Hoffnung und weihen dieselbe dem Untergange.(Bravo! rechts.) Es wäre das beste Geschenk, welches die Gesetzgebung dem deutschen Volke machen könnte, wenn sie ihm zu dem 25)ährigen Bestehe» des Reiches die Doppclwährung schenkte. Zum Schlüsse erklärt Redner, daß er mit dem von dem Abg. Frhrn. v. Zedlitz(frk.) gestellten Antrage einverstanden sei: zu beschließen, daß hinter dem Worte Bimetallismus eingeschoben wird„einschließlich Englands". Abg. v. Eyner»(natl.): Nach der schlicßlichen Erklärung des Vorredners ist es überflüssig, über die Sache weiter zu reden und aus all das krause Zeug einzugehen, das zur Begründung des An- träges vorgebracht ist. Es handelt sich für uns gar nicht um eine internationale, sondern um eine durchaus nationale Angelegen- heit, die durch englische, französische und amerikanische Interessen von Silberleuten nicht beeinflußt werden dürfe; es wäre ein verhängnißvolles Vorgehen, wollten ivir durch Rücksichten auf ausländische Verhältnisse unsere soliden Geldverhältnisje ge- fährden.(Bravo!) Abg. v. Mendel-Steinfeld(k.) erklärt im Namen zahl- reicher Freunde, daß sie im wesentlichen die Ausführungen des Abg. Dr. Arendt billigen. Abg. Brömel(fr. Vg): Am besten wäre es, den Antrag Arendt ganz abzulehnen; will man das nicht, so soll man die beiden Anträge Ninteleu und Zedlitz annehmen. Abg. Freiherr v. Zedlitz(frk.): Die Herbeiführung einer Doppelwährung ohne Beistinnining Englands ist Chimäre. Auch wird sich die 20jährige Periode der Goldwährung nicht einfach durch ein Gesetz beseitigen lassen, eben so wenig läßt sich das Werthverhältniß von Gold zu Silber an; l zu 15 gesetzlich sixiren. Ten» ruinösen Preisrückgang für alle Produkte muß entgegengetreten»verde» und»ven» die Währungs- frage hierzu eine Handhabe bietet, so sollte deren Erörterung nicht verzögert werden; diese Erörterung»vird sich mit Nolh- wendigkeit uin die Frage des internationalen Bimetallismus drehe» müssen und deshalb»vürde der Antrag Rintele» eine falsche Deutung von der Meinung dieses Hauses geben. Gegen»/es Uhr»vird die Forlsetzung der Debatte auf Diens- tag II Uhr vertagt. GetVerKsdrnjtliifres. Der Zentralverbaud der Steinsetzer(Pflasterer) und Berufsgeuosseu Deutschlands hält am 3. und 4. Juni in H a l l e a. S. iin„Kühlen Brunnen" seinen ordentliche» B e r b a n d s t a g ab. Auf der Tagesordnung steht auch der Punkt: Stellungnahme zur Generalkommifsio» der Ge»verkschafteii Deutschlands. Ter Lohutarif der Zimmerer Hamburgs und die dort anläßlich der Einiveihung des Nord-Ostsee-Kanals bevorstehende F ü r st e n z u s a m n, e n k u n f t ist Gegenstand eines Eingesandls, das von den organisirten Z i n» in e r l e u t e n Hamburgs im„Hamburger Echo" veröffentlicht wurde. Danach wird vom hamburgischen Staat zu Ebren der Fürstlichkeiten aus der Binnen- Alster eine schwimniende Insel— Aegir-Jnsel soll sie heißen— hergestellt. Tie Hauptarbeit daran ist Zimmerarbeit und dem Maurer- .aeister Kindler übertragem Man sollte nun glauben, heißt es in dein „Eingesandt", daß bei derartigen Arbeiten, wozu die Gesamml- Einwohnerschaft Hamburgs ja auch ihr Scherflein, vielleicht in Form eines„Steuer-Einheiissatzes" mehr, mit beitragen muß, auch der o r t s ü b 1 i ch e T a g e l o h n gezahlt würde. Dies ist jedoch nicht der Fall. In dem von der Baugewerks-Jnuung „Bauhütte" zu Hamburg im Oktober des Jahres 1894 heraus- gegebenen Lohntarif heißt es ausdrücklich in dem Absatz 7 der dazu gehörenden„Arbeitsordnung":„7. Bei Wasserarbeiten wird den Zimmergesellen während der Tagesstunden von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends ein Zuschlag von 10 Pf. pro Arbeitsstunde bezahlt, im übrigen gellen die Bestimmungen aä 4, 5 und 6." Herr Kindler will jedoch diesen so geringfügigen Zuschlag nicht zahlen, weil die Arbeil keine Wasserarbeit wäre. Wann nach ihm die Wasserarbeit beginnt, verschweigt er. Jedenfalls erst dann, wenn die Zimmerlcute bis unter die Arme im Wasser oder Schlamm stehen müssen, um zu arbeiten. Es vergeht kaum ein Tag, wo nicht der eine oder andere ins Wasser fällt und Alster- wasser schlucken muß. Vorgekommen ist es sogar schon, daß einer der ins Wasser Gefallenen von einem seiner Berussgenossen nur unter Nichtachtung des eigenen Lebens gerettet werden konnte. Herr Kindler selbst versteht es aber ganz gut, die„Nichtwasser- arbeit" für sich auszunutzen, indem jedes Stück Meister- geschirr, das in die Alster fällt, von den» betreffenden Arbeiter ersetzt werden muß, wogegen die Gesellen, deren Werk- zeug ins Wasser fällt, sehen können, wie sie es wieder erhalten. Die Zimmerer stellen nun die Forderung: Wenn Feste gefeiert werden sollen, zu denen die Steuerzahler hundertlausende von Mark mit beizutragen haben, so muß in erster Linie anch den bei den beireffenden Vorbereitungen beschäftigten Arbeitern der vereinbarte Lohn gezahlt werden. Man sieht hieraus wieder, wie wenig sich die herrschende Gesellschaft um das Wohl der Arbeiter kümmert. Hundert- tausende aus dem Staatssäckel für Festlichkeiten, um sich den Fürsten im ganzen Glänze des„Patriotismus" zu zeigen, aber dem Arbeiter, ohne dessen Thätigkeit die festliche Veranstaltung gar nicht möglich wäre, nicht die lumpigen 10 Pfennig Lohn, die »hm gebühren. Zur sächsische» Koalitions-Nnfreiheit. In Chemnitz verbot die Polizei die für den Nachmittag des 14. Mai geplante B ä ck e r v e r s a m m l u»i g auf grund des§ 5 des Vereins- gesctzes, wonach Versammlungen verboten werden können, deren Zweck es ist, Gesetzübertretungen oder unsittliche Handlungen zu begehen, dazu auffordern oder doch dazu geneigt zu machen.— In Niederpesterwitz bei Dresden wurde eine Metallarbeiterversammlung wie folgt vereitelt. Bei der Amlshauptmannschast wurde von» Einbernfer rechtzeitig Anzeige erstattet. Daraus bekam er die Anzeige mit deni Be- merken zurück, er solle erst seine Dispositionssähigkeit nachweisen. Ein Verbot der Versanimlung wurde jedoch nicht ausgesprochen. Einen solchen Nachweis halte aber der Einberufer dieser selben Behörde erst 14 Tage zuvor bei Gelegenheit einer anderen Ver- sammlung geliefert. Trotzdem hätte er sich nochmals eine Be- scheinigung über den Besitz der erforderlichen Eigenschaften vom Gcmeindevoistand verschafft und der Amtshauptmannschaft zu- gesandt, wenn die Zeit dazu nicht zu kurz gewesen wäre. Da er sich nun im Besitze der nöthigen Eigenschasten wußte und auch die sonstigen gesetzlichen Vorschristen erfüllt waren, ein Verbot auch nicht erfolgt war, glaubte er sich vollauf berechtigt, die Versanimlung abzuhalten. Der erschienene Gendarmerie- brigadier verbot jedoch die Versammlung, obgleich der mit- anwesende Gcmeindevorstand, die einzige hierzu sähige und be- rechtigte Person, bestätigte, daß der Eiiiberufer dipositionsjähig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Von der Anarchie, die in Bayern hinsichtlich der polizeilichen Auslegung des Versammlungsrechts herrscht, liegen wieder einige Beispiele vor. In Münchs n durften einer Ver- sammlung der Schneider, die über das fürchterlich gefährliche Thema der Forderung von Betriebswerlstätten verhandelte, Frauen und Minderjährige nicht beiwohnen. Ebenso in Fürth. Dagegen dursten in Nürnberg, wo die polizeiliche Jnter- prelalionskunst des Versammlungsrechts in dieser Beziehung doch auch schon erkleckliches geleistet hat, bei einer Schneiderversamm- lnng mit gleicher Tagesordnung Frauen und Minderjährige da- blieben und man hat" bis dato nichts davon gehört, daß dadurch der bayerische Staat aus den Fugen gegangen wäre. Hoffentlich ist der Bundesbevollmächtigte Bayerns bereits tüchtig an der Arbeit, um dafür zu sorgen, daß dort den Gewerkschaften keine Hindernisse bereitet werden, was nach seinen Angaben nicht der Fall sein sollte, aber doch der Fall ist. Mindestens müssen die bayerischen Arbeiter doch wissen, was im Gebiete der blauweißen Flagge eigentlich rechtens ist und was nicht. Aus Cliarleroi wird gemeldet: Ein großer Theil der streikenden Glasarbeiter hat die Arbeit bereits wieder ans- genommen. Für Montag hoffte man, daß auch die noch seiernden 2000 Mann zu ihren Gewerken zurückkehren würden.— Für die deutschen Glasarbeiter besteht natürlich nach wie vor die Verpflichtung, den Zuzug nach Charleroi so lange zu unterlassen, bis die Organisation der Glasarbeiter den Streik für beendet erklärt hat. versiammlunaen. Vou der Firma Oeser«. Ko. erhalten wir folgende Zu- schrift:„Auf grund des ß 11 des Preßgesetzes ersuchen wir mit bezug auf den in Nr. 115 vom 18. d. M. in Ihren» Blatte ge- brachten Bericht über die„öffentliche Versammlung aller in der Luxus- und Spitzenpapier- Branche bcschüstigten Arbeiter und Arbeiterinnen" um Ausnahme der nachfolgenden Berichtigung: 1. Ter Wochenverdienst beträgt bei ncnnstündiger Arbeitszeit für die weiblichen Arbeiter zwischen. 9—17 M.; „„ männlichen Arbeiter„. 18—40„ Geringere Verdienste können sich nur auf unausgebildete und jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen beziehen, deren zur Zeit acht bei uns beschäftigt werden. 2. Strafgelder werden für Zuspätkommende bis zu 10 Pf. erhoben und sind Strafen im Laufe dieses Jahres überhaupt nicht in Abzug gebracht worden; die aus früheren Jahren vorhandenen Strafgelder sind von uns den gesetzlichen Bestimmungen gemäß angelegt worden. 3. Es ist absolut unwahr, daß"wir unseren Angestellten gegenüber Ausdrücke des Inhalts gebraucht haben sollen, daß sich „die Mädchen nach 9 Uhr abends noch auf der Straße etwas hinzuverdienen sollten" und weisen wir diese Unterstellung mit Entrüstung zurück! 4. Es ist ebenfalls unwahr, daß der Arbeiter Hartwig von uns beaustragt wurde, die Versammlung zwecks Berichterstaltnng au uns zu besuchen. 5. Feiner ist es unwahr, daß wir ein Verbot an unsere Arbeiter und Arbeiteriimeu haben ergehen lassen, die Versammlung zu besuchen. In der Braucheuversamuilung der Rohrleger und G e h i l s e n, einberufen vom„Verband aller in der Metall« industrie beschäftigten Arbeiter Berlins und der Umgegend" a»n 12. Mai, referirte Genosse Wagner unter allseitigem Beifall über das Thema„Vollsbildung und Klasseubewnßtsein". Zu Punkt„Verschiedenes" wurde von Scheffler ausgeführt, daß die Akkordpreise von den einzelnen Unternehmern dermaßen herunter- gedrückt seien, daß es nicht möglich sei, reell zu arbeiten, wenn die Kollegen einigermaßen zu ihrem Lohn kommen wollen. Ferner müsse nian bedauern, daß es die Herren Rohrleger bereits schon so weit gebracht haben, die Werkzeugtasche, Material ec. sich selbst aufzuhucken, um die Arbeiten ohne Helfer auszuführen. Wie schädlich eine derartige Handlung auf der Branche lastet. .das sehen die Berufskollegen nicht ein, wenn sie sich nur dadurch bei dem Herrn Arbeitgeber beliebt machen können; ja sie arbeilen sogar noch billiger, als wenn ein Gehilfe mitginge. Von einigen Rednern wurde gewünscht, einen Lohntarif aufzustellen. Der Vorschlag fand jedoch vielfachen Widerspruch. Man war allseitig gegen Aufstellung einer derartigen Lohntabelle, da Akkord- arbeit auf alle Fälle von der Hand zu weisen sei. Tie Kollegen wurden ersucht in ihrem Kreise thatkräftig für die Organisation zu werben. Wären die Arbeiter besser gewerk- schaftlicb organisirt, würde sich kein Unternehmer erlauben, der- artige Schundlöhne zu zahlen, wie es jetzt leider seit einiger Zeit der Fall ist, auch die anderen tieftraurigen in der Branche ein- gerissenen Vcrhältniffe ließen sich wieder beseitigen. Kollege Ficius theilte mit, daß die Rohrleger jeden ersten Sonntag im Monat Krautstr. 48, eine Vertrauensinänuer-Sitzung abhalten. Etwaige Beschwerden sind in dieser Sitzung anzubringen. Die- jenigen, welche am 1. Mai gezwungen waren zu arbeiten, köniien die Maimarken beim Kollegen Ficius entnehmen. Mitgelheilt wurde, daß am Himmclfahrlstage eine Fußpartie nach Schmöckwitz stattfindet. Zum Schluß wurde aufgefordert, zu der am 9. Juni statlfindeiiden Branchenversammlung wieder recht zahlreich zu erscheinen, sowie in» Kreise der Kollegen die Laufzettel fleißig zu verbreiten. Der Fachverei» der Bäcker beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 15. Mai mit der Regelung einiger Vereins- angelegenheiten. Zunächst verlas der Kassirer den Kassenbericht. Dieser ergiebt für den Monat April eine Einnahme von 49,85 M. und eine Ausgabe von 43,34 M. Sodann wird die Wahl eines Bibliothekars vollzogen, mit welchem Amt das Mit- glied Zinke betraut wurde. Vom Verein ist mit der Innung eine Regelung des„Sprechwesens" versucht. Die Verhandlungen sind noch nicht beendet und wird die Berathung fortgesetzt.— Am 16. Juni beabsichtigt der Verein eine Wasserpartie nach Grünau zu arrangiren. Die Zimmerer hielten am 15. Mai eine Versammlung der Platzdeputirten ab. Der Vertrauensmann machte die Anwesenden mit dem Zweck dieser Versammlungen bekannt. Es soll von jedem Bau oder Platz zu dieser Konferenz ein Delegirtcr entsandt werden. Die Vereinigung will dadurch die Schäden in dem Beruf besprechen und soweit als möglich die Beseitigung derselben an- streben. Ferner will man über die Höhe der Löhne Informationen einziehen und soll für die Organisation eine lebhafte Agitation betrieben werden. Die Diskussion förderte sogleich eine Reihe von Mißständen zu tage, die sich auf städtischen und Staats- bauten bemerkbar gemacht haben. Zur Kontrolle sollen an die Telegirten Legitimations-Karten verabfolgt werden, und sind die Delegirtcn angehalten, Vertreter zu den Sitzungen zu entsenden, sobald sie am Erscheinen verhindert sind. Im Verband deutscher Zimmerer beschäftigte man sich am 15. Mai mit der Besprechung der Beschlüsse, die am 23. April in einer öffentlichen Versammlung der Zimmerer angenommen wurden. Nach einem einleitenden Referat des Mitgliedes Rickert, dem sich eine längere Diskussion anschloß, stimmte die Versammlung folgender Resolution zu: Die Ver- saininlung verurtheilt entschieden das parteiische und ein- seitige Vorgehen des Vertrauensmannes Fischer und bedauert, daß derselbe seine unparteiische Stellung zwischen den beiden Organisationen zu gunsten der einen ausnutzt. Ferner weist die Versammlung alle die gehässigen Angriffe, welche in der letzten öffentlichen Zimmerer- Versammlung dem Verband gegenüber gefallen sind, mit Entschiedenheit zurück und protestirt dagegen, die Anhänger des Verbandes als Fanatiker zu be- zeichnen. Ferner treten die Verbandsmitglieder dafür ein, daß laut Beschluß der öffentlichen Zimmerer- Versanimlung aus allen Plätzen Platzdeputirte gewählt werden, sofern dieselben zur Hebung der beiden Organisationen beitragen sollen. Die Töpfer(Zentralisation) hatten am 16. Mai eine Ge- neralversammlung einberufen. Den ersten Gegenstand der Tages- ordnung bildet der Kassenbericht vom 1. Januar bis 1. Mai d. I. An Einnahmen weist die Abrechnung 327,31 M. auf. Davon sind 200,36 M. nach dem Hauplvorstand gesandt und 70,40 M. zu Lokalzwecken verwendet. Nach einem Referat des Kollegen I a h n k e über die Konferenz erklärt sich die Versammlung in einer Resolution mit den Beschlüssen einverstanden. Hierauf giebt der Kollege M a n t h e einen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes, worauf die Wahl des Vorstandes vollzogen wird, die folgendes Resultat ergab: Manthe erster. Thiele zweiter Vorsitzender; Zwerg erster, Babiel zweiler Kassirer; Legawa, Schrififührer; Burginann und Kahlmann Beisitzer; Kästner und Pietroivski Revisoren. Zur Ergänzung des Vorstandes wurde» die Milglieder Hilscher und Weikert gewählt. An die Streik- kommission wurden 50 M. überwiesen. Ein Autrag, die Mit- glieder P. Müllerstädt und E. Rapputhan aus dem Verband auszuschließen, erledigt sich, nachdem der Vorstand erklärt, daß die betreffenden seit Jahresfrist keine Beiträge zahlen. Eine öffentliche Versammlung der Bildhauer, die ain 16. Mai im Louisenstädtischen Klubhaus stallfand, hörte zunächst einen Vortrag des Genoffen Schlaikjer über Gerhard Haupt- mann's Drama„Die Weber" und deren Vcrhältniß zur Sozial- demokratie; auf eine Diskussion des beifällig entgegengcnonimeneii Vortrags wurde verzichtet. Hieraus gab D o n a t h bekannt, daß anläßlich der Maifeier mehrere Kollegen gemaßregelt wurden. Da sie erst nachträglich der Organisalion beigelreten sind, könne die Vereinigung die Unterstützung nicht auf sich nehmen, daher habe die Kommission beschlossen, Sammellisten auszugeben; sie sind bei dem Kollegen S a n d v o ß er- hältlich.— Nach Wahl eines Revisors zur Kommission, aus der H e m p e l hervorging, erstattete W i n k l e r Bericht über die Vorarbeilen zur internationalen Konserenz der Bildhauer, welche im Anschluß an die Generalversammlung des Zentralvereins am 5. Juni in Nürnberg stattfindel, und gab die provisorische Tagesordnung bekannt. Die Versammlung bekundele ihr Ein- verständniß mit den Vorschlägen der Kommission und wählte W i n k l e r als Delegirten.— Nach Entgegennahme des Berichtes des Vertreters in der Gewerkschastskomniisfion erhob die Ver« sammlung noch den Antrag: den gemaßregelt»» verheirathetcu Kollegen zu der Vereinsunterstützung(10,50 M.) pro Wochen 5 M. Zuschuß aus öffentlichen Mitteln zu gewähren, zun» Beschluß. Charlottenburg. Die hiesige Filiale der Maler med ver» wandten Bcrufsgenossen tagte am 15. Mai im Lokale des Hern» H. Krause, Bisniarckstr. 74. Nach einem Referat des Kollegen Wcnzel-Berlin, dem sich eine längere Diskussion anschloß, wurde die Wahl eines Revisors vollzogen, mit welchem Amt der Kollege Andrup betraut wurde. Hierauf gab der Kollege Düker den Bericht vom Provinzialtag in Guben. Die Diskussion hierüber wurde wegen vorgerückter Zeit bis zur nächsten Ver- sammlung vertagt. Sodann verlas der Kassirer Busse den Kassenbericht vom letzten Quartal. Die Einnahme betrug SSiS M., die Ausgabe 11,20 M. Bleibt milhin. ein Bestand vch» 4MS M. Die Mitglieder werden ersucht, bei vorkommender nicht Pünktlicher Lieferung des„Vereins-Anzeigers" sich sofort an Flsmuiiug, Wckiwrrsdorferstr. 124, Quergeb. 3 Treppen, zu Ivitzh»». I O° Jhde Brunnenstrasse 1 am Rosenthaler Thor Eingang Weinbengsweg (nicht Weinbergsweg No. 1!!) Plomben Zatinzielien prima (exkl. Gold) 2 Mark mmois Elektrizität 1 Mk. 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Die Generalversammlung besteht aus allen Kassenmitgliedern, welche groß- jährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind, und den Arbeitgebern oder deren Vertreter, welche für die von ihnen beschäftigten Mitglieder Bei- träge an die Orlskasse der Stellmacher zu zahlen verpflichtet sind. In der Generalversammlung führt jeder zur Generalversammlung berech- ligte eine Stimme. 'Das Stimmrecht ist von jedem per- sönlich auszuüben. Die§§ 47a und 47b fallen fort. § 51. Beschlüsse der Generalversammlung werde» mit einfacher Stimmenmehrheit der Anwesende» gefaßt. Getrennt von den Kassemmigliedern und den Arbeitgebern muß Beschluß gefaßt werde», wenn es sich handelt: um: u. s. w. s 62 wird der letzte Satz, beginnend„Außer- dem werden" bis zu Ende gestrichen. Der Vorstand. P. Howe, Vorsitzender. G. K e s e l e r, Schriftführer. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch genehmigt. Berlin, den 1. Mai 1895. Her Bezirks-Anssohuss: K a y s e r. J.-Nr. 20. 19. II. Nachtrag. Laut Erlaß des Herrn Ober-Präsi- deuten vom 1. Mai 1395— O. P. Nr. 3034— müssen die nachstehenden Paragraphen des Kaffenstatuts vom 13. d. Mts. ab folgendermaßen lauten: § 13 Absatz 2. Tie Krankenunterstützung wird für die Daner der Krankheit gewährt; sie endet spätestens mit dem Ablauf der 13. Woche nach Beginn der Krankheit, im Falle der Erwerbsunfähigkeit spätestens mit dem Ablauf der 13. Woche nach Beginn des Krankengeldbezuges. Endet der Bezug des Krankengeldes erst nach Ablauf der 13. Woche nach den, Beginn der Krankheit, so endet mit den, Bezüge des Krankengeldes zugleich auch der Anspruch auf die in Absatz 1 unter t und 2 bezeichneten Leistungen. § 16 fällt fort. s IS. Mitgliedern, welche gleichzeitig ander- weitig gegen Krankheit versichert sind. wird das Krankengeld soweit gekürzt, als dasselbe zusammen mit dem aus anderweiler Versicherung bezogenen Krankengelde de» vollen Beitrag ihres durchschnittlichen Tagelohnes übersteigt. § 19 Absatz 1. Für den Todesfall eines Mitgliedes wird ein Sterbegeld im zwanzigfachen Betrage des durchschnittlichen Tage- lohnes gewährt. s 20. Diejenigen, welche auf grund des ß 5 freiwillige Mitglieder der Kasse werden, haben keinen Unterstützungsanspruch, wenn der Nnterstützungsfall eintritt, bevor sechs Wochen seit ihrer Anmeldung verstrichen sind. § 21 Absatz 2 fällt fort. 8 23. Die wöchentlichen Kassenbeiträge be- tragen: 1. für erwachsene Mitglieder ans- schließlich der Lehrlinge 51 Pf., 2. für Mitglieder unter 16 Jahren und für Lehrlinge 21 Pf. vor Ober-Fräsident Staats minister v. Achenbach. Dieses wird laut§ 62 des Statuts bekannt gemacht. 1229b Der Do» stand. P. Howe. 8&f~ Achtung.__ Empfehle den Genossen des 4. Berl. Zieichstags-Wahlkreises 0. mein Schuh- geschält nebst Reparatur- Werkstatt. Streng reelle Bedienung. Billigste Preise. Bei etwaigem Bedarf bitte mein Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. W. 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