Nr. 20242. Jahrg. Ausgabe A nr. 105 Bezugspreis: Bentlid 70 Bfennig. monatli 8.- Reichsmert soraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig Saar- und Memelaebiet, Defterreich, Litauen. Suremburg 4.50 Reichsmart. für das übrige Ausland 5.50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts mit der Sonntags Beilage Bolt und Reit" mit„ SiebJung und Aleingarten fowie ber Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich Aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreife: Die einfpaltige Ronpareilic aeile 70 Pfennig. Steflamescile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( auläffa awei fettgedruckte Worte), febes weitere Bort 10 Pfennig. Stellengefuche das erite Wert 10 Bfennig. jedes weitere Wort 5 Bfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die näite Summer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden.. firaße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nagm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2500-2507 Auf der Reichs Reklame: Messe: Wilhelm 5744 1 Donnerstag, den 30. April 1925 Wer rettet wen? Statt Heldenbitter" nur Milch der frommen Denkungsart". PP Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder und der| schließend wird die Beratung des Haushalts des Reichswirtschafts alte Ben Atiba wird täglich Lügen gestraft. In der Zeit", dem Sprachrohr des derzeitigen Außenministers Siresemann, wird jeht hochoffiziös auseinander gefeßt, daß es feinen treueren Hüter der republikanischen Etaatsform geben werde, als den wilhelminischen Generalissimus Hindenburg. Erst durch seinen Amisaniritt, so wird dort mit überlegener Miene dargelegt, wird die Republik richtig befestigt und sein Eid auf die republikanische Verfassung, die auch die Reichsfarben Schwarz- Rot- Cold umschließt, sei mehr wert als alle Reichsfahnen, die zu Demonstrationszwecken umhergetragen werden. Das ist eine schöne Reihe von Versprechungen. Sie wird noch unterbrochen durch die Versicherung, Hindenburg fönne gar nicht anders als rein tonftitutionell" regieren. Was so viel heißen soll, als daß Hindenburg nur das zu tun habe, was fein" Reichskanzler und feine" Minister ihm vortragen und vorschlagen. Der Glaube fann bekanntlich Berge, also auch Herrn Stresemann in einen republikanischen Glücksrausch versetzen. Dieser Glaube geht sogar soweit, daß Stresemanns Blatt der Belt versichert, die Außenpolitik der Regierung StresemannButher bleibe durch Hindenburgs Amisontritt unberührt, die Boitit der Erfüllung und der Verständigung werde mit Hindenburgs Billigung weiter getrieben, also werbe auch das unier Hindenburgs Billigung erfolgen, was Mitglieder der ftürfften Regierungspartei als endgültige Breisgabe von Elsah- Lothringen und Don Eupen Malmedy" bezeichnet haben. = Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder! Die ganze Welt hat Hindenburgs Bahl als einen Sieg des preußischen Militarismus gedeutet und leht stellt sich plötzlich heraus, daß die große Flasche mit dem Etikett, Helden bitter" mur die Milch der frommen Denkungs art" enthalte! Es soll also alles beim alten bleiben, wenn man Luthers und Stresemanns Worten Glauben schenken harf. Nur erhebt sich die Frage: Warum mußte der Reichsblod flüngel denn den„ Retter" aus seinem Altersheim in die Unraft der hohen Politif zerren? Wen soll der Heldengreis nun eigentlich retten? Nur den Doktor Stresemann vor seinen deutschnationa en Regierungsfreunden und Widersachern? Das hieße doch ein frevelhaftes Spiel mit den Interessen Deutschlands treiben, die durch das Mißtrauen der ganzen Welt aufs äußerste gefährdet wurden und durch die innenpolitische Erbitterung nicht minder. Aber da Zeichen und Bunder zur neudeutschen Errungenschaft gehören, so darf die Belt den Berficherungen Stresemanns glauben, daß es keinen treueren Hüter der Republik gibt, als den Retter" aus republikanischen Nöten! Der Kurs der Außenpolitik. Eine sozialdemokratische Interpellation. Die fozialdemokratische Fraktion hat im Reichstag folgende Interpellation eingebracht: Die Wahlagitation eines Telles der Parteien, die die Kandidatur des Generalfeldmarschalls Hindenburg aufgestellt hatten, richtete fich gegen die republikanische Staatsform und mit besonderer Heftig teit gegen die bisherige Linie der teutschen Außenpolitit. Ihr Bahlerfolg muß die Befürchtung erwecken, daß die bisherige Grundlage der auf internationale Berständigung und den Einfritt Deutschlands in den Böllerbund gerichteten Außenpolitik per Lassen wird. Wir richten deshalb an die Reichsregierung die Frage, ob sie glaubt, unter den geänderten Berhältnissen an der bisherigen Außenpolitit festhalten zu fönnen? Der Arbeitsplan des Reichstags. Der Weltestenrat des Reichstages legie am Mittwoch Der Weltestenrat des Reichstages legie am Mittwoch ben Geschäftsplan für bie nächsten Tage feft. Es ist beabsichtigt, mit furzen Unterbrechungen bis zum 4. Juli die wesentlichen Geseze zu verabschieben unb bie erforderlichen Aussprachen über die Innenbzw. Außenpolitik zu erledigen. Dann soll der Reichstag bis Mitte Not ember in die Ferien gehen. Am Donnerstag wird der Reichsfinanzminister eine große Rede über die Steuergesetze und die Aufwertung halten. AnAm 1. Mai minifteriums fortgesetzt. Am Freitag, dem 1. Mai, findet feine Sigung statt. Der Sonnabend soll zur Verabschiedung des Haushalts des Reichswirtschaftsministeriums benutzt werden. In der neuen Woche ist dann die Beratung der Finanzvorlagen usw. geplant Lediglich der Donnerstag bleibt wegen der Festlichkeiten zur Einweihung des Deutschen Museums in München sizungsfrei, da die Reichsregierung und der Reichstag an diesen Festlichkeiten teilnehmen. Vorwärts- Verlag 6.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Woftschecktonto: Berlin 37536- Bankkonto: Tirektion ber Tiekonto- Gesellschaft, Devofitentasse 2indenstraße 3 Fernsprecher: nf der Reiche Reklame- Messe: Wilhelm 5744 Gerechtigkeit im Tscheka- Prozeß? Bon Rechtsanwalt Dr. Brandt- Berlin. Der Termin für die Bereidigung des neuen Reichs. präsidenten ist noch nicht endgültig festgelegt. Der 9. Mai dürfte hierfür nicht mehr in Frage tommen, da es zweifelhaft tft, ob der Reichswahlleiter bis dahin die amtliche Feststellung des Wahlergebnisses abgefchloffen hat. Man rechnet vielmehr mit einer Ber- Ausgang dieses Prozesses nimmt freilich die Lust zu einem cibigung am 11. oder 12. Mai. In den dann folgenden Wochen wird der Haushalt des Auswärtigen Amtes zur Debatte stehen. Verletzung des Wahlgeheimnisses? Durchfichtige Stimmzettelumschläge. Bom Parteivorstand wird uns geschrieben: Der§ 45 der Reichsstimmordnung bestimmt, daß die Unifchläge für die Stimmzettel un durchsichtig sein müssen, um das Bahl geheimnis zu wahren. Aus verschiedenen Gegenden des Reiches gehen uns jezt Mitteilungen zu, daß gegen diese flare Bestimmung verstoßen morden ist. Aus dem Bezirt Magdeburg wird uns ein amtlicher Stimm Bettelumschlag mit einem Stimmzettel zugesandt. Der Umschlag ist hellgrün und von so dünnem Papier, daß man ohne weiteres jeben fann, in welgen ateis das Kreuz gemacht worden ist. Gleichzeitig wird uns berichtet, nommene Rouvert gegen das Licht gehalten und daß die Wahlvorsteher vielfach das vom Wähler entgegenge bei jedem wähler fontrolliert haben, wie er ge wählt hat Aus Halle und aus Bremen gehen uns die gleichen Meldungen zu. Es handelt fiá) um einen gröblichen Verstoß gegen den flaren Wortlaut der Reichsstimmordnung, der überall dort, wo er erfolgt ist, zur Üngültigkeit des Wahlresultats führen muß. benen derartige Kuverts verwendet worden sind, auf, uns fofort Wir fordern unsere Genossen in allen Orten des Reiches, in davon Mitteilung zu machen, damit wir beurteilen fönnen, ob die amtliche Berletzung des Wahlgeheimnisses in einem solchen Umfange erfolgt ist, daß sie von entscheidendem Einfluß auf das Wahlergebnis gewesen sein fann. Jedenfalls werden wir sofort gegen ein solches Berfahren bei den zuständigen Stellen Protest einlegen. Der Parteivorstand. Grzesinski Polizeipräsident von Berlin. Ernennung durch das Staatsministerium. Die preußische Regierung hat auf Vorschlag des Innenministers beschlossen, den Oberregierungsrat im preußischen Ministerium des Innern und preußischen Landtagsabgeordneten Grzesinfti zum Bolizeipräsidenten in Berlin zu ernennen. Die Ernennung ist inzwischen bereits vollzogen. Grzesinski wird in wenigen Tagen das neue Amt antreten. Der neue Berliner Bolizeipräsident gehört schon seit vielen Jahren der Sozialdemokratischen Partei an. Er ist aus dem Arbeiterstande hervorgegangen. Im Jahre 1922 wurde Grzesinski Präsident des Landespolizeiamis mit dem Titel Oberregierungsrat. Als die Aufgaben dieses Amtes erledigt waren, trat er als Referent in das Ministerium des Innern ein. Der sozialdemokratischen Landtagsfraktion gehört Grzesinsti seit 1919 an. Wir geben nachstehend einem der Berteidiger im Leip ziger Tscheta- Prozeß, der sich gegen die Leitung und Urteils. findung mendet. So flar die politischen Ergeb nisse dieses Prozesses sind und so wenig die Kommunistische Partei irgendeine Beranlassung hat, angesichts der Leipziger Verhandlungen sich noch als Arbeiterpartei aufzuspielen, so bedauerlich bleibt es, daß der Staatsgerichtshof durch die Einseitigkeit der Behandlung der Angeklagten und durch die Härte feines Urteils sich im Gegensaß zu feiner Haltung in anderen Prozessen, 3. B. im Rathenaumord- Prozeß oder im Barchimer Mordprozeß gesezt hat. Da eine Revision des Urteils nicht möglich ist, muß unbedingt eine Begnadigung oder Ermäßigung der Strafe durchgeführt werden. Red. d.„ V." Es ist schrecklich), teine Satire zu fahreiben. Der blutig ernste Epilog in Satirenform. Mit drei Todesstrafen und über siebzig Jahren Zuchthaus hat der Staatsgerichtshof die Bergehen der sechzehn Angeklagten fühnen zu müffen geglaubt. Es soll und fann zu diesem Urteil nicht Stellung genommen werden, ehe die schriftlichen Urteilsgründe nicht vorliegen. Die mündlich verfündete Begründung ist unzureichend und widerfpruchsvoll. Eins aber muß festgestellt werden: Das diesem Urteil vorangegangene Verfahren ist teine ausreichende Grundlage für eine objektive Feststellung, fann es nicht sein, weil es eine einzige Kette von Rechtsverstößen darstellt. Die Entscheidungen des Staatsgerichtshofes sind durch feinerlei Rechismittel anfechtbar. Um so mehr muß gefordert werden, daß die gesetzlichen Verfahrensvorschriften peinlichst beachtet werden, daß die wenigen Rechtsgarantien, welche die Strafprozeßordnung, bie moderne Magna Charia, auch dem ärgsten Berbrecher gewährt, nicht durch Will. til rafte ersetzt werden. Bräsident den von der Berteidigung über die Zulässigkeit Wie anders soll man es nennen, wenn beispielsweise der einer Frage beantragten Gerichtsbeschluß mit der Begründung verweigert, er denfe nicht daran, sich von der Verteidigung dauernd hinausschicken zu lassen". Wie soll man es rechtfertigen, wenn der Präsident die beantragte Protofollierung eines Antrages ablehnt, obwohl Anträge enthalten muß, obwohl die Nichtaufnahme des Ahnadh flarer gesetzlicher Vorschrift das Protokoll alle gestellten trages eine Protokollfälschung darstellt. Ein anderes Beispiel: Den Angeklagten war Sprengstoff vergehen zur Last gelegt. Der Sprengstoff ist zwar beschlagnahmt, aber feltsamerweise niemals untersucht. Nur eine Photographie ist bei den Atten. Die Verteidigung tritt Beweis dafür an, daß es sich bei dem beschlagnahmten Stoff gar nicht um Sprengstoff, sondern um wertlose Masse handle. Das Gericht lehnt diesen Antrag ab, da das Gegenteil bereits festgestellt sei". Jeder Renner der Reichsgerichtsjudikatur, die auch dem Staatslehnung eines Beweisantrages mit dieser Begründung unzu gerichtshof nicht unbekannt sein sollte, weiß, daß die Ablässig ist. Man kann niemals das Gegenteil einer entlastenden Behauptung als erwiesen ansehen, ohne den Entlastungszeugen überhaupt gehört zu haben. Go setzt sich der Staatsgerichtshof über einen Beweisantrag von unbedingter Erheblichkeit bei einer gefeglichen Mindeststrafe von fünf Jahren Buchthaus hinweg. beweise murden durchweg nicht erhoben. Die bereits vor der Die von der Verteidigung angetretenen Entlastungs Berhandlung beantragte Zeugenvernehmung wurde als unerheblich" abgelehnt, da es gerichtskundig sei, daß die Kommunistische Bartei einen gewaltsamen Angriff auf die Verfaffung geplant habe. Trotzdem hat man fünf Wochen über diese Frage verhandelt und damit dokumentiert, daß das Thema doch wohl erheblich sein müsse. In der UrteilsDie Pariser Wirtschaftsverhandlungen. begründung heißt es, das Gericht habe sich trotz der Gerichtsfundigkeit entschlossen, die Frage im Prozeß nochmals aufzu Paris, 29. April.( WTB.) In der heutigen Bousigung ber rollen. Warum erhebt man dann aber nicht den von der deutsch- französischen Wirtschaftsdelegationen begrüßte Handelsminister Berteidigung angetretenen Entlastungsbeweis zu diesem doch Chaumet Staatssekretär Dr. Trendelenburg und erklärte, nicht mehr unerheblichen Thema? Die Verteidigung will auf daß nach seiner Ansicht eine Verständigung darauf hinzielen müffe, den Gegenbeweis nicht verzichten. Sie fann es um so weniger, daß man troß der großen Schwierigkeiten befonders auf dem Ge- als jie während der Berhandlung mit völlig neuen brete der Zolliarife zu einer beide Teile befriedigenden Regelung Beweismitteln überrascht wird. Sie macht von dem der Interessen kommen müſſe. Es ist deshalb in beiderseitigem Ein gefeglichen Rechte Gebrauch, ihre Zeugen unmittelbar zu vernehmen beschlossen worden, die Verhandlungen in befleulaben und stellt an einem vorher avisierten Tage 18 ordnungsnigtem Tempo au führen. Der Reichstag erledigte gestern in unerheblicher Sigung die zweite Lesung des Pastetats. Heute: Rede des Finanzministers über die Steuer- und Aufwertungsvorlagen, Etat des Wirtschaftsministeriums. demonstriert die Arbeiterschaft gegen Reaktion, Militarismus und Krieg, für Frieden, Arbeiterschutz und Achtstundentag durch gemäß geladene Zeugen dem Gericht. Auf die Bernehmung dieser Zeugen, die vielleicht einen Vormittag beansprucht hätte, hatten die Angeklagten nach dem Gesetz ein Recht. Das Ge richt verschwendet nahezu einen Tag auf die Diskussion und lehnt die Bernehmung der Zeugen ab. Selbst wenn das Arbeitsruhe. Gericht einer derart bisher niemals für möglich gehaltenen Rechtsauffassung gewesen sein sollte, wäre es nicht ein un- erhörter Formalismus in einem Prozeß, in welchem fünf Todesstrafen beantragt worden sind, die Vernehmung von erschienenen Zeugen abzulehnen, die vielleicht Wesenlliches zur Entlastung der Angeklagten hätten bekunden können? Jeder dieser Fälle, die nur einen Ausschnitt aus der Fülle der Rechts- verstoße darstellen, würde die Revision begründen und zur Aufhebung des Urtells führen. Ist es nicht eine unerträg- liche Belastung unseres Rechtsgefühls, daß gegen dieses Urteil jedes Rechtsmittel oersagt ist, daß ein politischer Gerichtshof, dessen Versahrensmethode das Dogma seiner Unfehlbar- k e i t Lügen straft, als erste und letzte Instanz über Tod und Leben entscheidet? Wenn dieser Prozeß eins lehrt, so ist es vor allem die Notwendigkeit schleuniger Abschaffung des Staatsgerichtshofs. Dann wird vielleicht auch die Atmosphäre dieser Prozesse eine reinlichere sein. Dann wird man vielleicht mehr von der Spitzelwirtschaft abrücken, die in diesem Prozeß eine bedenkliche Rolle gespielt hat. Die württem» bergische Polizei, ja der Stuttgarter Untersuchungsrichter haben sich der Mithilfe von Spitzeln in einem selbst für politische Ver- fahren ungewöhnlichen Ausmaße bedient. Bei jedem Ver- suche der Verteidigung, diese Beziehungen zu durchleuchten, die Richtigkeit der„vertraulichen Mitteilungen dunkler Ge- währsmänner nachzuprüfen, verschanzten sich die Beamten hinter ihrer Aussageoerweigerung. Dieses System der Be- spitzelung machte auch vor der Verteidigung rncht halt. Eine Zeugin wendet sich auf dem Flur an einen Verteidiger. Sie sei leidend und möchte nach der Vernehmung gern entlassen werden. Schon weiß es der Präsident und inquiriert die Zeugin in hochnotpeinlichem Verhör, worüber sie mit dem Anwalt gesprochen habe. Welch eine entwürdigende DeHand- lung, wenn jemand bedenkt, daß die Frage an die Zeugin nur Sinn und Zweck haben konpte, wenn man eine Beein- flussung durch den Verteidiger unterstellt. Ein Verteidiger befonnnt ein Privattelegramm von einem erkrankten Kollegen, der ihn bittet, ihn am nächsten Tage zu vertreten. Der Prä- sident kennt dieses Telegramm, ja er macht auch von dieser Kenntnis in öffentlicher Sitzung Gebrauch und hält dem über» raschten Verteidiger den Inhalt der Depesche vor. So konnte man sich des Gefühls nicht erwehren, daß selbst die Vsrteidi- gung auf Schritt und Tritt überwacht wird. Sollte es nicht möglich sein, auch politische Prozesse in der bei deutschen Ge- richten üblichen Form zu führen? Mag auch die Frage, ob die Angeklagten zu Recht oder zu Unrecht verurteilt sind, noch nicht geklärt werden können, die verhängten Strafen sind in jedem Falle überaus hart. Sie wirken dovpelt hart, wenn man sich die Urteile gegen rechtsradikale Organisationen vor Augen führt. Die von den Führern der Organisation Consul verübten Delikte hat der Staatsgerichtehof mit Gefängnisstrafen von zwei bis neun Monaten sühnen zu können geglaubt. Dabei läßt die Begründung dieses Urteils eine unvergleichlich gefährlichere Betätigung erkennen. Man wird sich noch entsinnen, wie die Angeklagten im Mvrdprozeß Rathenau mit Liebesgaben über- hautt wurden, wie sie vergnügt Schokolade und Konfekt sogar im Gerichtssaal knabberten. Die Kommunisten durften weder Briefe noch Pakete empfangen. Sicherlich ist man ven Tschekisten nicht mehr so liebenswürdig gegenilbergetreten, damit sie nicht dem Beispiel des Herrn Ehrhardt folgend die Vergünstigungen zur Fllubt benutzen könnten. Es ist eben immer das Pech der Verschwörer von links, daß sie für den Undank büßen müssen, mit dem die Verschwörer von rechts da« behördliche Entgegenkommen gelohnt haben. Und es ist ein betrübliches Mißgeschick, daß die gegen rechts geschleuderte Waffe des Republikschutzgesetzes gleich einem Bumerang immer wieder in das linke Lager zurückschlägt. Das Urteil ist gewrochen. Todesstrafen gegen Männer, die aus politischer Ueberzeugung einen Spitzel beseitigt haben, Zuchthausstrafen gegen Angeklagte, die beim besten Willen nicht als die Drahtzieher der kommunistischen Bewegung an» Chor-Voche. Konzertumschoo von Kurt Singer. Etwa 2S k acholische Kirchenchöre Berlins haben sich zusammen- getan, um unter der Leitung des Musitdirettor» K r o m o l i ck i große Konzert« in der Philharmonie zu veranstalten. Mit einer reklam«. süchtigen Geste, die mit der Andacht und Weih«, mit Zweck und Würde derartiger Veranstaltungen nicht recht zusammenpaßt, wurde mitgeteilt, daß 1000 Sänger an den Konzerten betelligt sind. Da» stimnit nun nicht ganz, ist auch gleichgültig. Dies« etwa 500 Frauen. Mädchen und Männer singen nicht kräftiger als 200. �-capp«!!»- Gesänge des 16. und 17. Iahrhuitderts(von Pitoni, Arcadelt, Anerlo, Palestrina) kamen in ihrer herben Schönheit sauber und ausdrucke- voll zur Geltung. Die Krone gebührt dem Palostrinensischen Sank- tu», von dem aus direkte Beziehungen zu der Brucknerschen ll-Moll- Mesie hergeleitet werden können. Selbst durch Unterbrechungen mittels Orgelvorträgen wirken solche klerikal-musikalischen Abend« monoton. Es fehlt die Stimmung der Kirch«: jedenfalls sollten di« Belfallsbezeugungen abgeschafst werden. Georg Schumann brachte in seinem dritten Konzert wiederum da« Zugstück dliwa eolernni» von Bethooen zur Aufjühriing. Der Dirigent war, vielleicht angeregt durch den übervollen Saal, in so herzlicher Gebelaune, daß er di« dramatischen Akzent« viel stärker und wirkungsvoller als sonst hervorhob und beinahe sogar die hoch. sten Sopranfpitzen zu klangvollem Ausdruck gerundet hätte. Im Soloquartett störten mehrfach falsche Aussprachen: besonders aus- drucksvoll schwang sich di« schöne Tenorsttmme Adolf Löltgens empor. An der gleichen Stelle dirigiert« Bruno Kittel seinen Chor und brachte vor dem hymnisch schön gesungenen Requium Mozart» eine Erstaufführuno von Friedrich Klose.Die Wallfahrt nach ßtmla'. Dieses Stuck beginnt sehr echt mit Prozessionschorälen au» der Ferne, angeführt von den typischen Melodien eine» geistlichen Dorsänger». Soweit das ganze Wert auf diesen Ton der alten Kirchenaesänge gestellt bleibt, und so lang« sich auch der sichtbare Chor ohne orchestrale Untermalung diesem Melos anschließt, ist der legendäre Stil gut gewahrt. In dem Moment allerdings, wo die Orgel, statt Stimmungsbegleiterin zu lein, selbständige Weg« wandelt und sogar beginnt, Drama vorzuspielen, in dem Momem, wo auch da» Orechster in diese theatralische Bewegung hineingerät, verstimmt di« Aeußerlichkeit. Vielleicht wäre der Eindruck stärker gewesen, wenn die �-csppella-Gesänge durchweg ganz sauber geblieben wären, und wenn vor allen Dingen di« melodramatische Deklamation einen weniger provinzialen Klang und Stil gehabt hätte. Südböhmische Lehrer, etwa 30 an der Zahl, sangen unter Bednars Leitung heimatmustk. Fern von ollen Effekten, die uns die Kosaken gebrocht haben, fern auch von aller auf das Schöne bedachten Singekultur, streben diese Männer ganz nach sinn- vollem Ausdruck. Di? Lieder von Forster, der nach Smetana als erster und originalster Komponist dem tschechischen Chorgesang neuen Weg wies, enttäuschten, da der Ausdruck für diese allmenschlichen Empfindungen nicht gerade sehr differenziert wurde. Um so groß- artiger w�kten di« Lieder von Bonacta und Nowak. Besonder» das .fiurralied, aktuell, sinnig, auch im kriegerischen noch menschlich und gesprochen werden können. Würde der neue Strafgesetzent- wurf, der im Gegensatz zum geltenden Rocht auch beim Morde mildernde Umstände vorsieht, bereits Gesetz geworden sein, so hätte den Angeklagten die Todesstrafe erspart bleiben können. Welche Tragik, Menschen zum Tode verurteilt zu sehen, nur weil ein längst als überlebt erkanntes Gesetz noch immer in Kraft ist. Die Angeklagten haben gelächelt, als der Reichs- anmalt gegen sie die Todesstrafe beantragte, sie lächelten, als das Gericht— ohne jegliches Gefühl für die unerhörte Folter, die es damit vornahm— nach mehrstündiger Begründung endlich die Strafen verkündete, sie haben gelächelt, als sie den Saal verließen, um ihr Leben auf dem Schafott oder, weit schlimmer, im Zuchthaus zu beschließen. Nur wer diesen Moment miterlebt, wer die imponierende innere Größe er- kannt hat, mit der d.!ese Männer den Kopf freudig hinlegen in dem Bewußtsein, daß ihr Tod. wie es Margies einmal sagte, Wasser auf die Mühlen der Partei sein werde, der wird die ganze Berfehltheit dieses Urteils begreifen. Es gibt kein besseres A g i t a t i o n s m a t e r i a l als diese drakonischen Strafen, keine stärkere Werbekraft als das Märtyrertum. Durch solche Urteile schützt man die Republik nicht, sondern man beschwört Gefahren herauf, die längst nicht mehr be- standen._ Die Erhöhung öer Eifenbabntarife. Gegen de« Willen Oesers? Am 1. Mai werden bekanntlich die Personentarif« um 10 Proz. erhöht. E» ist interessant, einmal festzustellen, ob diese Erhöhung votwendig war oder nicht Diese zehnprozentige Erhöhung soll eine Mehreinnohme von 80 Millionen Reichsmark einbringen. Wahr- scheinlich wird man sich aber schwer verrechnen, denn bei der heutigen Geldknappheit muh naturgemäß die Folg« dieser Tarif- erhöhung eine vermindert« Reisezifser und ein Ab- wandern von den höheren in die niederen Wagenllassen sein. Wenn man also aus der Tariferhöhung 40 statt 80 Millionen her- ouewirtschaften sollte, dann hätte man gar nicht notwendig gehabt, dtes« Tariferhöhung durchzuführen, denn dies« 40 Millionen werden der Hauptverwaltung von dem Reichsbahnpersonal zur Verfügung gestellt. Die Hauptverwaltung zahlt z. B. an ihr Personal sage- nannte Leistungszulagen, die ungefähr, wenn matt auch die Leistungszulage der Beamtengruppen in Betracht zieht, di« unter die Parsonalardnung Tell 2 fallen. 40 Millionen im Jahr bean- spruchen. Da diese Leistungszulagen vom Personal als Korrup- tionszulagen abgelohnt werden— sämtliche Bozirksbeamtenrät« haben sich gegen dies- Auszahlung der Leistungszulagen an einzelne gewendet—, würde die erwartete Mchreinnahm« durch Streichung der Leistungszulagen erreicht werden. Dies« Leistungszulagen werden ungefähr zu einem Fünftel dem Personal zur Verfügung gestellt werden. Es ergibt sich also, daß man da» eine Fünftel in die peinliche Verlegenheit bringt, als Lieb- l i n g e* der Verwaltung angesehen zu werden, die anderen vier Fünftel aber stark verbittert und deren produktive Leistung herabsetzt. Di« Leistungszulage ist also nicht nur ein kostspieliges Ver- waltungsmittel, sondern sie wirkt geradezu Produktion» z e r- störend. Streicht man sie und schafft so wieder zufriedenes Personal, dann wird sich die Arbeitsintensität der nichtbedachten vier Fünftel heben und die Reichsbohnverwaltung wird mehr materiellen Nutzen buchen können als durch di« zehnprozentige Tariferhöhung. Sämtliche Interessenten müßten deshalb wie ein Dlann gegen diese rücksichtslose Tariferhöhung des zum Tell ausländischen Ver- waltungsrot» der Gesellschaft vorgehen. Soweit wir informiert sind, hat der Verwaltungsrat die Tariferhöhung gegen den Willen des setzigsn Generaldirektors O e f I r und des Staats- sekretärs Voigt durchgedrückt. Deutlich erkennbar wird gegen dies« beiden Beamten, die sich anscheinend zu sehr als Deutsche gefühlt haben, von einer gewissen Press« ein Kesseltreiben«öffnet, um sie nach berühmten Mistern abzubauen. Anscheinend hat man irgend einen amerikanischen Postenjäger bereit, der die Stelle de» General- direktors einnehmen möchte. Es ist hohe Zeit, daß die deutsche Oeffentlichkeit, die durch die Tariferhöhung in Mitleidenschaft ge- zogen wird, sich mit den Dingen ernstlich befaßt. Reichswehr hulöigt öem sächsischen Exkönig- Ter monarchistische Rummel beginnt. Die Hindenburg'Wahl löst in Deutschland eine militaristische und monarchistische Welle aus, wie sie wohl noch nicht dagewesen sein wird. Der Anfang wurde bereits gemocht. U. a. hatten geschickt« Drahtzieher sich bell Tag der Reichspräsidentenwahl ausgesucht, un» in dem sonst friedlichen Städtchen Großenhain im einstmals„Roten Königreich' einen»Königs- Husaren- Tag' zu veranstalten. Nach dem Bericht des hiesigen Lokalblättchsns prangte aus diesem Anlaß die ganze Stadt in schwarzweihrotem und weißgrünem Flaggenschmuck, während im Schaufenster eines Geschäftes das Bild- nis des ehemaligen Königs Friedrich August in Husaren- uniform, umgeben von Pflanzenschmuck, ausgestellt war. Ein Sym- bol. das der ganzen Veranstaltung den Stempel aufdrückte. 21 in Sonnabendabend wurde der Rummel durch einen Festkommere ein- geleitet. Im Saale»leuchtete' der Kops Hindendurgs aus dein Flaggenschmuck heraus und im Hintergründe der Bühne komite der Untertan ein„ganz vorzüglich gemaltes Bild de» Prinzen Friedrich August in Husarenuniform auf seinem Schimmel reitend' sehen. Und davor— Republik verhülle dein Haupt!— nahm das Trompeterkorps des 12. �Reichswehr-) Reiter-Regiments Platz! Unter den„Ehrengästen', die unter den Klängen des Parademarsches in den Saal zogen, befand sich auch der General Müller- Dresden. Und zu allem Ueberfluß marschierten hinter den Ehrengästen auch noch 13 Militärvereins-, Stahlhelm-, Werwols-, Iungdo- und ander« Fahnen in den Saal. Die Festrede in dieser erlauchten Dersammlung hielt„Se. Exzellenz Generalleutnant von der Decken'. Dieser politisch unreife Militär leistete sich dabei folgende Redeblüten:„Roch setzt schmäht man unser stolzes Heer. Die allgemeine Wehrpflicht wird als unwürdig hingestellt, als Leben im Zuchthaus verglichen.... Zllle Schulresormen, mögen sie heißen wie sie wollen, bellen nicht darüber hinweg, daß die wahre Grund schul« des Volkes das deutsche Heer gewesen ist (Bravo)... Wohin das Volk kommt ohne Heer, haben die letzten traurigen Jahr« vor Augen geführt. Wir find noch weiter abwärts gekommen, vom Soldatenrat zum Schieber tum. zu be- dauerlichen Vorgängen im Reichspostamt, zu Kutisker und Barmat. ... Der Krieg wurde nicht von Deutschland verschuldet, er war nur ein Verteidigungskrieg. Der Kampf gegen die Felndeslüg« von Deutschlands Kriegsschuld muh«Mich aufgenommen werden. Im Versatller Vertrag wurde unterschrieben, daß Deutschland allein kriegsschuldig sei.... Mit dieser Schuldlüg« fällt der Frledensver- trog von selbst.... Der Feind wird in seinen Bedrückungsmaß- nahmen noch unterstützt von teilenden und nicht leitenden söge- nannlcn veulschen...." Ein interessantes Streiflicht auf den echt .deutschen' Geist des schwatzenden Generals wirft folgende Stelle seiner Rede:„... 1007 kam der Jahrestag der Schlacht von Collin. Dieser Tag durfte nie gefeiert werden. Er habe sich an den König gewandt, dieser hatte die Gnade, den Kotier persönlich zu begrüßen. und«r genehmigte die Feier. Da tonnte denn das Regiment am 18. Juni die herrliche Woffentat festlich� begehen, bei der... die als unbesiegbar geltenden Grenadiere Friedrich« des Großen ge- schlagen und allein 18 Fahnen mit nach Hause genommen wurden.' Gibt«? eine größere Verrücktheit, als darauf stolz zu sein, daß damals Sachsen Preußen hinmordeten? Und welche Gesinnung zeigt sich, wenn dies« sächsischen Nationalisten sich vom König von Preußen die Erlaubnis zu einer doch immerhill für Preußen schmerzlichen Siegesfeier haben geben lassen? Es ist jedenfalls«rftannlich. mit welcher Dreistigkeit die Ro- attion sich hier breit macht. Uebte man bisher immer noch gewisse Zurückhaltung, so scheint mit der Hindenburg-Wahl nun auch der letzte Schleier zu fallen. Mag Hindenburg noch so viele schöne Manuskripte verlesen von Frieden und Verfassungstreue, seine Untergebenen im Land« sind nicht so diplomatisch und lüften den Schleier. Aber wo» meint Herr Geßler zu solchen Vor» gängen?_ Dte Regelung der Sachlteferungen an die Entente ist jetzt durch «in« neu« Dorschrist des Sondsrkomitees für Sachlieferungen v et- «infacht worden. Di« Bestimmung««, die eine leichter« Durch- führung der Sachteistungen gewährleisten. trF-n am 1. Mar 1925 in Kraft duldsam, hatte eine Leidenschaft und eine so geisternd« Färbung. daß der Dortrag dieses harmonisch außerordentlich interessanten Stückes geradezu elementar wirkte, verartig« baladesken Gesänge können wahrscheinlich nur beim Fehlen von besonders schönen Stimmen so urlebendiq vorgetragen werden. „Hart im Ranme stoßen sich die Sachen.' Nur in Berlin ist es möglich, von der dli»,a»oletnnis zu einem Abend o st j ü d i j ch e r Volkslieder zu pilgern. Stefan Wölpe zeigt in zwei So- naten für Geige refp. Eello mit Klavier, daß er«in Grübler un'' Sucher von gutem musikalischen Fundus, doch durchaus noch kein Formkünstler tst: zudem oerwechselt er entschieden Einfalt mit Lange- weil«. Die Tbemastik zerfällt ibm und dem Hörer unter den Fingern in nichts, und die Phraseologie ist nicht einmal beredsam genug, um über den Mangel an Einflüssen hinwegzubringen. Seine Bearbei- tungen der Volkslieder breiten über die wehmutige Einfalt des Ge- fanges einen Prunkmantel von ornamentaler pianistischer Deqkei- hing. Es kontrastiert hier auch das gleichförmig« diatonische Moll des Gesanges mit einer verwegenen, sprunghaften, atonalen Begleitung. Dennoch steckt hier ein Talent, das zu charakterisieren imstande ist. Rahel Ermolnikoff,«in Bild ostjüdischer Anmut, hat die Seele und das Herz, Leidensgesänge mit glühendem Aus- druck zu füllen: leid« versagt st« immer gerade da. wo der sprach- liche Ausdruck durch wirtliches Singen gehoben sein soll. Die Stimm« ist rauh, gaumig, ungepflegt. Maria Baska ist eine Sängerin von Begnadung: auch in gleichförmigen Liedern von Schubert weiß sie mit ihrer klaren. schönen und ausdrucksreichen Stimm« das Interesse lange wach zu hatten, ohne aufdringlich zu nuancieren. Es wirkt der Schmelz und der Glanz des Tones, es wirkt die Geistigkeit einer auch menjch- lich fesselnden Persönlichkeit. Nachzuholen ist«In freudige» Er- innern an die Dalila der Frau Schloßbauer- Reynolds in der Dolksopsr. Diele Stimme ist eine edle metallische Glocke. In dem immer noch lebendigen Ensemble der Dolteoper machen auch Graarud, Paechner und Blase! sehr gute Figur. Chor und Tanz allerdings zeigen Verfallssymptome schlimmster Art. und der diri- gierende Herr Galenbeck dürste in tlein«en Städten als Berlin erst seine Studien vollenden. Auch über den Liederabend von Frau Ivoaün wäre zu berichten. Charakteristisch, daß auf den Litsaß-Säulen Berlin« außer dem Namen Jvogün nichts steht: charakteristisch, daß«ine Konzert- terektion, die es gern sieht, wenn zu jeder Ueverflüssigteit die ganz Kritik erscheint, für solche Stars Einladungen nur noch an„Pro- minente'(natürlich aus der bürgerlichen Annoncenpresse) verschickt. Wir werden uns das merken. Di« tugendliche Deutfch-Ostafri- kanerin Bumby C Umbruch erwies sich nach dem Bericht meines Gewährsmannes H. M. als«in« höchst kultivierte, ernst schaffende, von jeder femininen Schwächlichkeit frei« pianistische Begabung. Si« zeigt« das besonders bei dem Vortrag der Bachschen Karfreitagssug« und den Lifztschen Armido-Barintionen. Sie ist eine Schülerin des gewissenhaften Pädagogen Kosnick. DI« Veretuigvoa sozIalbemokroNfcher Ztvdenlev Oufit in der Näb« der Universität für ein iezialillischeS Eludentetidel», zwei Räum« ZU mieten, die at» Nrdeitt- und TiSkuissonIraum ereignet sind.(Btroffrn, dl« uns diertn unlerstützen wollen, bitten wir Angaben ,u machen an Heinz Umrath, Serlw-Dahlem,«rchivstr. 4. Steglitz 58M. »Onkel Zames Erben", ein Film, den sich die Urania ver« schrieb, gewährt nicht nur eine angenehme Unterhaltung, sondern auch eine uneingeschränkte Freude. Es ist«ine Dressurkomodi« von allerfeinstem Reiz. Da» Manuskript ist leichtjlüssig. harmlos, aber nicht krampfhaft primitiv. Ganz einfach wirb dargestellt, wie ein reicher Onkel über di« Tierliebe zur Menschenliebe kommt. Es wird ihm auch so nett beigebracht, wie er olles machen muß. Kommt ihm doch eines Tages eine blutjunge Nichte ins Haus geschneit, di« n.an daheim durchaus an«inen ihr unliebsamen Freier verheiraten wollte. Sie bleibt bei dem Onkel und damit der nicht so einsam itt. holt sie kurzerhand zwei Kinder aus dem Kriegswaisenheim. Der Onkel freundet fich mit ihnen an, die erbwütigen Verwandten aber verkommen beinahe vor Wut. Onkel James lernt feine Sippschaft erst kennen, als er sich totstellt. Das Nichtchen aber wird sogar noch di« Mutter der Kinder, denn der vermißte Vater kehrt he'm und ehelicht sie. Und wer Onkel James Erben sind, ahnt man zum Schluß mit untrüglicher Sicherheit. Es ist«in paradiesisch schönes Durcheinander von Affen und Hunden, Tauben, Papageien und Menschen. Dabei tun alle Tiere nur etwa», was ibnen ofsensichllich Freude macht. Alles ist Ursprünglichkeit, gestellte Bilder lernt man nicht kennen. Die Schöpfer dieses Filme schielten nicht nach dem Geschäft, als feinfühlige, kundig« Ergründer der Tierseele, arbeiteten sie aus innerem Drang heraus. Und dieser einfache Film stimmt nachdenklich. Wie schön könnte auch das Zusammenleben in der Menschenwelt sein, wenn die Menschen e« nur ernstlich wollten. e. d. Auftreten einer neuen Krankheit In Sibirien. In den Bezirken östlich des Baikalsees Ist eine neue Krankheit in schneller Der» breitung begriffen, welche dort die„Urow-Krankheit' genannt wird. n-eil sie an den Ufern des Urow-Stromes zuerst aufgetreten ist und nur in diesem Stromgebiet sich verbreitet. E? handelt sich dabei um eine Krankheit, die sich in starken Kropfanschwellungen sowie in Anschwellungen und späterer Verkümmerung der Extremitäten öußcrt. Die von der Sanitätsverwaltung des Gebietes zum Studium der Krankheit abgesandten medizinischen Expeditionen sind bisher der Meinung, daß die Krankheit in ursächlichem Zusammen- bang mit Bestandteilen des Wassers des Urow-Flusses steht und daß es daher � die Aufgabe der medizinischen Forschung sei, diese Zu- laminenhäng« aufzuklären. Jedenfalls haben sich diejenigen Kranken, welche aus dem Gebiete dieses Flusses entfernt worden find, bald erholt und ihr Zustand hat sich gebessert. Srich Sletber M als Sten eralmustkdlrektor und Dirigent der Konzert« der Kapell« der StaatSvper auf weiter« drei Jahr« verpflichtet aordeu. SpIelplanSnderung. Di« Eriiaullührung von»Dernimonbe* im 2«ssing.Thiat«r ist aus ijreitag verschod«n. die'em Abend sind mm glücklich sechs Rovilälen. Da« nennt man in Berlin Planwirtschast l) VI« Galerl« 3 ckoiper, Kur'ürflendawm 253, eröflnete eine neue AuZ« siellung mit der Könsllervereiniguug„Der LI acte. Gruppe d-utscher Mal«r und BUdbauer. Gass piel«iner Zteger-operelte. Ein, Regerlriippe, die au« vierzig Pertenrn befledt und ein eigene« Lrcheller, Kostüme und Dekorationen besitzt, wird End« Mai in Berlin ein Kcistlpiel mit Origlnal-NegeropereUcn veranstalten Die Truppe hat in den Bereinigten Staaten von Nord- amerika mit Erfolg gastiert. lar zum Gefecht! Anfiösttngsdebatte im Landtag.— Genosie Heilmann rechnet ab. Im �auptteil seiner Rede führt« in der gestrigen Landings- fißmio Abg. o. Campe(D. Vp.) aus: Wenn Sic voranesetzea. doh Teile der Opposilionspartcicn zur Allsbauarbei» bereit sein werden, so bestreite ich Ihnen, daz diese IZrLglichkeit noch vorliegt. Lom rein parlamentarischen Standpunkt aus ist es widersinnig und absolut unparlamentarisch, uns als neues Kabinett ein alles oorzustellen, welches ein Mißtrauensvotum er- halten hat. Hätten wir einen Staatspräsidenten, so wäre es nach dem fünfmaligen oergeblichen Versuch der Regierungsbildung dessen verfluchte Pfliazt und Schuldigkeit gewesen, nach einer anderen Grundlage zu suchen.(Lärmender Widerspruch links.) An Stelle des Staatspräsidenten steht in Preußen dieses Haus, deshalb hat dieses parlamentarisch die Pflicht, ein Kabinett auf anderer Grund- läge zu bestellen.(Vielfache Rufe links: Auf welcher?) Mit dem jsßigen Vorgehen unterwühlen Sie den Gedanken des Parlamen- tartsmus. Mit unseren Vorschlägen in dieser Richtung sind wir bei den Weimarer Parteien auf keine Gegenliebe gestoßen.(Rufe in der Mitte und links: Wo waren diese Vorschläge?) Ich habe sie im Interfraktionellen Ausschuß und sogar im Aeltestenrat gemacht. Won» keiner dieser anderen Wege zum Ziele führen konnte, bleibt allerdings nichts als die Auflösung und ich sehe die Auf- lösung kommen. Abg. Bartels» Krefeld(Komm.) erklärt, seine Partei gebe dle Hofsnung nlchi auf, daß die Sozialdemokralen schließlich doch noch zur magren Erkenntnis der Dinge kommen werden, um mil der Wusse in der Hand zusammen mit den Kommunisten die Reaklion niederzukämpfen.(!) Würden die in der„Roten Fahne" abaedruck- ten Forderungen der Kommunisten erfüllt, so würde die KPD. die Regtenmg Braun unterstützen, sonst sehen die Konununisten lediglich eine Vestäliguna, daß die bisher betriebene arbeiterfeindliche Politik in der Zlera Hindenburg in verschärfter Form auch in Preußen fortgesetzt werden soll«.(!) Ei« werde bann mit allen Mitteln die Regierung bekämpfen und die Auflösung des Landtags erzwingen. Abg. Jal?(Dem.): Die dsutschdemolratifche Fraktion billigt die Erklärung des Ministerpräsidenten. Von der Regierung er- wartet sie unbeugsame Festigkeit. Meine Freunde bedauern die Schärf«, mit der Herr Campe heut« gesprochen hat. Er hat die innerpolitifchen Vorgängeoölligsalschdargestellt. Wenn dieser Geist die Volkspartei beseelen sollt«, so wird eine gedeihliche Arbeit des Landtags auf die Dauer unmöglich gemacht. Abg. Lade Udorfs(WVg.) lehnt das neue Kabinett ab. Graf von Hclldorfj(Volk.) tritt für Neuwahlen ein. Mg. Heilmann lSoz.j weist zunächst die Aeußeruug des Vorredner« zurück, der von einer Partei des organisierten Landesverrats sprach. Es werde gegen die Regierung mit Waffen gekämpft, wie sie schmutziger nicht gedacht werden können. Bezeichnend sei ein Artikel der„.Kreuz- ■8 c i i u n g*, in dem ausgeführt wurde, Marx habe nie die Absicht gehabt, sein Amt ernsthaft zu führen, und in dem die schärfsten Angriffe gegen Marx und Braun erhoben worden seien.(Die weitere Verlesung de» Artikels der„Kreuz-Zsstuna" wird mit Pfui- rufen bei den Soz. und lebh. Zuslunmung rechts ausgenommen.) Der Redner führt weiter aus: Es ist zu bezweifeln, daß Hindenburg wirtlich ehrlich vom Volkswillen gewählt wurde.(Zuruf rechts: Unerhört!) An Millionen von Wählern sind Schreiben ergangen dahin, daß, wenn sie nicht wälilen würden, dafür gesorgt werden würde, daß die Ramcn der OefsenllülckcU belaunloegeüen werben!(Hort, hört! links— Zuruf rechts: Das ist sa alles ge- fälscht.') Hallen Sie(nach rechts) auch für vertretbar, daß von dzutfchnationaler Seite Flugblätter gedruckt und verbreitet worden sind, die zur Wahl Thälmanns auffordern?(Lärm rechts. Ruf: Judenlsgende!) Herr Lud icke meinte, der deutsch national« konurmmstrsche Block sei ein« zufällige Gemeinschaft. Not schaffe sonderbar« eschlofgesellen. Die Deutschnatlonalen haben nicht immer so gedacht: sie haben seinsrzeit gegen das„zufällige" Zusammengehen mit den„Unabhängigen" Noch in der Preußi- i'chen Landesversannnlung protestiert(andauernder betäubender Lärm rechts). DI« Sozialdcmokra tische Partei ist kirchlich durchaus ueulral; sie verbietet weder Herrn Adolf Hoffmonn. für den Kirchenaustritt. noch Herrn Pastor Frank«, für den Kircheneintritt zu agitiere». (Zuluf rechts: Barmat!) Sit diese Erörterung den Namen Parmat einzuwerfen, das kriegt ausgerechnet die Deutschnationale Volke- Partei fertig: ein einigermaßen abgerichteter Papagei könnte das auch(große Heiterkeit und Beifall links). Die Hetze gegen die Sozialdemokratie mit di e s e m Namen ist mehr als skandalös. Ist Barmat schuldig, so wird ihn di« verdiente Strafe treffe». Aber jiic Herrn v. Zitzewitz haben die D e u t s ch n a t i o n a l« n eine Ehrenerklärung abgegeben: gegen den in den Tod getrubenen ehemaligen Reichspostminister H ö fl e hat ihre Preste sich die niedrig sien Beschimpfungen geleistet(große Unruhe und fortdauernde Erregung rechts). Redner geht auf Einzelsalle aus den Verhandlungen der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse naher ein und zieht u. o. ein Verzeichnis heraus, da» über geschäftliche Beziehungen einer Reihe deulschnallonaler führender Persönlichkeiten, über zweiselhaste Gesellschaslzgrün. düngen usw. Auskunft gibt. Herr RudolfWagnersei Begründer einer Gesellschaft„nationale Einheitsfront", die auch«in Blatt herausgebe. Das Unternehmen lei angeblich für die Bekämpfung der Schuldlüge bestimmt, m Wirklichkeit seien die gesammelten Gelder, zu denen auch der Exkronprinz lCXXX) M. beigesteuert habe, im eigenen Inter- esse oer wendet und im Beiseln des Untersuchungsaussä>i-h- Mitgliedes K ö n n e ck« erklärt,«r Hab« die Gelder antasten müssen, denn er habe ein vaar kolt spielige Verhältnisse(Hört, hört! links, große Unruhe rechts). Bei der von den„Rettern" und „Remigeni" des Vaterlandes beliebten Kampsmanier müsse man zur Abwehr auch in solchen Drcckereien hermnkramen. An dieser persönltchen Hetze, die mir der Gipfelpunkt der Um anständigkeit scheint, hat nun leid« auch Herr Dr. v. C a m p e heute wieder teilgenommen, und zwar durch di« Bemerkung, sie wollten nicht daß der Staat zu einer Fettweide für bestimmte Parteien werde(Sehr richtig! rechts. Unruhe und Zurufe links.) In dem- selben Atemzug hat Herr Dr. v. Campe erklärt, sie seien aus der Großen Koalition ausgetreten, weil sie sich in der Großen Koalition nicht so hatten durchsetzen können, wie das ihren Wünschen entsprach.(Hört, hart! links.) Da muß ich doch einmal ein ganz offenes Wort sagen. Wir haben drei Sahre lang zufomm« ngearbeitet, und es nicht wahr, daß die Deutsche Volkspartei In irgendeinem geringeren Maße als eine andere Partei für Anhänger ihrer Richtung Beamten- und Beförderungsstellen ge- fordert hätte.(Zurufe und Unruhe.) Eo ist nicht wahr, daß die oolkspartetlichen Minister, wie insbesondere Herr Boelitz. Anhänger ihrer Richtung weniger berücksichtigt hätten als das Minister irgendeiner anderen Partei getan haben.(Zurufe und Unruhe rechts.) Ich versteh« den Vorwurf, den Herr Dr. v. Camp« erhoben hat. doch sehr deutlich dahin: er hat der Sozialdemokratie vorgeworfen, daß sie dl- Teilnahm« an der Regierung in unerlaubter Weise dazu benutze. Anhänger ihrer Partei Beamtenstellen zu geben.(Zurufe rechts: Unfähigen Beamten!) Die Parteien der Großen Koalition waren sich vom ersten Tage an darüber einig, daß erste Voraus- setzuna für die Besetzung«in«, Amtes die persönliche Fähigkeit und Tüchtigkeit sein müsse. Za den 3H Jahren unsere« Zusammenarbeiten» hat keine der vier Parteien semal» den Vorschlag gemacht. irgendelueu Manu mit der Degrüaduag wohin zu stellen, er sei zwar «ich! geeignet, aber man müsse ihn versorgen.(Sachen und Zurufe rechts), sondern die Vorschläge der Parteien sind immer von der Ucberzeugung ausgegangen, daß de? vorgeschlagene geeignet ist. � Ich wende mich mm zu der eigentliche» preußischen Frage. Man hat gesagt, die Krise, vor der wir jetzt neuerdings stehen und die vermutlich in der Landtagsauflösung und in Neu- wählen gipfeln wird, sei unnötig gewesen, sei verschuldet worden durch de» Starrsinn der Parteien der Weimarer Koalition. Hierbei möchte ich in Ergänzung des ersten Teils meiner Red« eine Zwischenbemerkung machen: Hoffentlich gelingi, es trotz Hinden- bürg in diesem Jahre die N ä um u n g v o n R n h r u n d K ö l n zu erreichen, wie es bei einer Präsidentschaft Marx in wenigen Wochen der Fall gewesen wäre.(Stürmischer Widerspruch und andauernder Lärm rechts.) Wir werden dem neuen Reichspräsidenten die Achtung zollen, die wir von Ihnen(nach rechts) für das Amt und seinen Träger vergeblich gefordert haben.(Stürmische Zu- stimmung links.) Mr wissen, was wir der Republik, dem Staat und dem Vater- lande schuldig sind(Lachen rechts), und Sie wissen es leider noch nicht. Es ist deshalb keine Rede davon, daß wir etwa nach getätigter Wahl Hindenburgs jetzt irgendwie versuchen würden, außenpolitische Miß- erfolge zu Lasten des deutschen Volkes herbeizuführen. Im Gegen- teil, was wir tun können, um dem deutschen Volke zu helfen/das wird ganz unabhängig von der Frage, wer Reichspräsident ist, von der Sozialdemokratie nach wie vor getan werden.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Nun aber zu den preußischen Lösungsmöglich. k e i t e n. Die V o l s k p a r t e i hat es abgelehnt, wieder in die Große Koalition hineinzugehen, und das Zentrum hat es abgelehnt, in eine einfeitiae Rechtsregierung hineinzugehen. Herr von Camp« lagt, damit hätte man sich abfinden müssen, und man hätte nun die anderen Lösunasversilchs nehmen müssen. Einer dieser Losunasver- suche ist eine Reoierung wie die Luther-Regierung im Reich. Dabei weiß Herr von Camve ganz genau, daß der Luther-Regierung im Reich das Zentrum offiziell nicht angehört, und daß Demokraten und Sozialdemokraten diese Regierung aufs schärfste bekämpfen als eine ihnen feindliche reaktionäre Regieruna. Das sind Löfungsvcrsuch«. die schon, wenn man sie vorschlägt, doch einfach bemessen, daß m o» zu einer Lösung nicht kommen will.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dann hat Herr v. Campe gesagt ein Beamtenkabinett. Ausgezeichnet! Her? v. Eampe'fagt, er hätte zwanzig Barfchläge gehabt.(Lachen links.) Ja. wenn es zur fetten Staatsweide geht, haben die Herren Volksparteiler immer eine sehr große Anzahl Leute zur Verfügung.(Heiterkeit b. d. Soz.— Lachen und Zurufe reckits.— Abg. Dr. v. Eampe: Darunter si Sozialdemokraten!) Reichskanzler Marx hat uns von den Vorschlägen nur Vorschläge übermittelt, und dos waren d>e Herren August W i n n i g (Heiterkeit b. d. Soz.) und August Müller.(Erneute Heiterkeit b. d. Soz.) Ich habe daraufhin Herrn Reichskanzler Marx darauf aufmerksam gemacht, daß Herr August Minnig aegenwärtia Leiter einer Berliner B ö r s e n z e i t ü n g sst, und daß wahrscheinlich die Deutschnationalen nicht viel daaegen hätten, ihn als Vertreter ihrer Partei ins Kabinett m entsenden(Sehr gut! b. d. Soz.), daß er aber als Vertreter der Sozialdemokraten nicht angesehen werden 'annte. Ilr-> hahi- ihn dann darauf anknierkfam gemacht, dast Herr Dr. ?luflust Müller ja aus der Nortel ausgetreten ist. Ich habe mir erlaubt. Herrn Reichskanzler Marx zu sagen: Wer solche Vorschläge macht, der will uns verhöhnen, will aber nicht mit uns zu irgendeiner fachlichen vebereinltfmmung kommen. (Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Hxrr v. Eampe beschwert sich beute darüber, daß man sich nicht zusammengesetzt und verbandest habe. Ja, wer sst denn schuld daran? Solange die Große Koasttton be- stand, haben die V arteten immer miteinander verhandelt. Eines Tages ist di« Deutsch« Doltopartej weggeblieben:— die anderen Parteien haben ruhig weiter verhandest, und es hätte nur eines Wortes der Volkspartei, bedurft:„Wir wallen einmal mit euch svrechen", sofort wären die Vcrbandlunqen wieder doaswesen. Aber die Herren wollen ia nicht einmal über die harmlosesten Sachen mit uns sprechen! Gestern hatten wir die Idee, über dl« Derlänge» rung der Fahrkortendauer über den Auflösungstag zu svrechen— und nachher wurde uns aboekaat und erklärt: Nein, di« Volkopartei wolle keine Verhandlung darüber. Die Deutsche volksvarkei ist es aber gewesen, die uns in diese schwere Krise gestürzt und uns seden Weg zur Lösung verrammelt hat. (Sehr richtig! bei den Soz.) Natürlich, wenn man sich auf den Standpunkt stellt: die Lösung ist ganz leicht, wen» die anderen unseren Standpunkt annehmen.(Zurüf rechts: Das ist ia Ihr Stand- punkt auch!) O nein, Sie wissen ganz aenau, wie weit wir in den Verhandlungen gegangen sind. Sie wissen ganz genau, daß hier ein Ministerium gesessen hat. in dem mir un« m i t e i n e m ein- zigen Vertreter begnügt hatten.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aber mit der Deutschen Volkgpartei war in diesem Monat nicht zur Verhandlung zu kommen, war zu keiner vernünftigen Ein!- gung zu kommen und wenn es heute anders ist. so hängt da? offen- bar mit gewissen Vorgängen im Reich zusammen. Im Reich wird ja die Ensscheidung fallen müssen, ob der„Retter Deutschlands" (Bravo! rechts.) die bisherige Außenpolitik fortsetzt, die Außenpolitik, die, getragen von der Sozialdemokratie, gekennzeichnet ist durch die ununterbrochene Reihenfolge der Namen Erzberger, Rathenau, W i r t h, Stresemann. Jetzt wird es sich darum handeln, ob entweder die Deutsch nationalen un> fallen und der spanische Handelsvertrag, der Garantiepakt, der Eintritt in den Völkerbund mst deutschnationaler Hilfe gemacht wird, oder ob das Verlangen der Deutschoölkischen siegt. Herrn Stresemann auszuschiffen und eine ganz andere als die bisherige, im Jargon der Völkischen„landesverräterische Politik" aufzuziehen. Ich glaube, daß der Entscheidung über diese Frage die Deutsche Volkspartei mit einiger Sorge entgegensieht nach den Erfahrungen, die sie mit dem Wechsel Iarres-Hindenburg gemacht hat.(Sehr richtig! b. d Soz.) Vi« die Deussche Volkspartei oder das Zenirim ieinen Standpunkt ändert— und bei beiden zeigen sich oorläufiz'einerlei An- zeichen dafür—, ist in diesem Landtag eine Mehrheit nicht zu finden. Herr von Richter hat gefragt, warum wir nicht einmal den Versuch machen, der Rechten die Regierung zu über- lassen. Wir machten den Versuch ganz gern, ober wie sollen wir das machen? Sollen wir uns bei der MInisterpräsidcntenwahl der Stimme entbalten und dadurch indirekt dazu beitragen, daß der Kandidat der Rechten gewählt wird? Wir können es doch nicht anders wachen, als die M e h r h« i t s v e r h ä l t n i s s« in diesem Hause sind und dies« zeigen eben, daß der V o l k s b l o ck 4 0 Stirn- m e n mehr hat als der Reichsblock, und daß, wenn der Reichs- block die Mebrhest haben will, er sie nur mst Hilf« der 4L S t i m- men der Kommunisten bekommt. Nun ein Wort zu den Kommunisten. Die Kommunisten werden voraussichtlich gegen jede Regierung sein. Darum genügt es nicht einmal, wenn das Zentrum sich zur Stimmenthaltung ent- schlösse: denn selbst dann bätte di« Opposition der Linken mehr Stimmen als die Rechte. Das Zentrum müßte positiv mit ihnen zusammengehen, um eine Regierung der Rechten zu ermöglichen: das Zentrum mühte also, so verlangen sie«».«inen v o l l k o m menen Frontwechsel vornehmen, bloß damit sie ihr Ziel er- reichen können. heule haben die Kommunisten nun einen etwas anderen Aatid- puakl eingenommen. Daß sie mit ihren 2 Millionen Lelmmcu erreicht haben, daß der Minderheilskandidol hindenburg gewählt worden ist. scheint ihnen doch eirvas bedenklich zu fein.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Ich lese jetzt täglich in der„Roten Fahne" Aufrufe und Rat- schläg«, wie wir jetzt den Kampf gegen den gewählten Reichspräsi- dcnten führen sollen. Wir verzichten.(Zuruf bei den Komm.: Hätten wir für Marx stimmen sollen?) Das ist meine Meinung. Aber ich treffe mich in dieser Meinung, wenn ich nicht sehr irre, mit Sinowjew und einigen anderen.(Zurufe bei den Komm.: Nein, nein! Dann hätten Li« Ihren Kandidaten nicht ver- kaufen müssen!) Herr Pieck, ich habe in etwa einem Dutzend Der- sammluageu vor dem ersten Dohlgang au die Vertreter der kowmu- nistischen Partei die Frage gerichtet: wenn wir Braun im zweiten Wahlgang aufrechlcrhallen, besteht Aussicht, daß die Kommunsslische Partei ihren Zahlkandidateu zurückzieht und für Braun stimmt?— Ich habe in sämtlichen Versammlungen die Antwort erholten: Lieber Zarres als Braun!(Hört! hört! und Zurufe bei den Soz.) Die Kommunistische Partei, die noch heute erklärt, sie würde eventuell bereit sei», eine Regierung in Preußen zu unterstützen. wenn diese Regierung bestimmte kommunistische Forderungen erfüllt. (Zuruf bei den Kommunisten: Arbeiterforderungen!) Die Forde- rungen, die darin ausgestellt sind, entsprechen zum größte» Teil unseren Wünschen und Absichten.(Zurufe rechts.) Glauben Sie z. B., daß die strenge Durchführung des Achtstundentages dem Pro- gramm und den Anschauungen der Sozialdemokratie widerspricht oder entspricht? Aber sie können zum Test in ein preußisches Regie- rungsprogramm nicht aufgenommen werden, weil nach Lag« der Verfassung bei einer Anzahl Forderungen gar nicht Preußen. sondern d a s R e i ch zuständig ist.(Widerspruch bei den Kommu- nisten.) Aber wir brauchen die Einzelhesten der Frage gar nicht zu erörtern. Die kommunistische» Forderungen sind eine Vorhand- lungsbosis, wenn man überhaupt—(Aha! rechts). Die liedende Sorge der Deuischnationalen um den Bundesgenossen und Der- trauten, der verloren zu gehen droht, kann mich nicht in meinem Standpunkt beirren. Wenn man ein« Regierung ernsthaft unter. stützen will, wenn die Kommunisten endlich einsehen, daß sie nicht jede Linksregierung stürzen können in Preußen, weil sie dadurch nur der Rechten in Preußen Helsen, das alle Iunkerrcgiment wieder auf» zurichten(Rufs: Au, an! rechts.— Sehr wahr! bei den Sozialdemo- traten), dann muß über Bedingungen und Forderungen v e r h a n- d e l t werden, und ich erkläre noch einmal, was meine Partei während der ganzen Dauer der Preußenkrise erklärt hat: die Sozial- demokralie ist jederzeit zu Verhandlungen über die Vilduna einer tragfähigen und dauerhaften Regierung bereit. Es ist kein Gedanke daran, daß wir bloß aus liebernuit, weil es uns Spaß macht, fünf- mal im Jahre Wahlkampf zu haben, um jeden Preis die Zlufläsung erzwingen wollen, sondern die Tatsache ist, daß die Auflosmig sich im Landiage als letztes Millel aufzwingt, weil alle ehrlichen Versuche einer anderen Lösung der Krise bisher gescheitert sind. Darum glaube ich auch nicht an die Bekehrungsmöglichkeiten der letzten Stunde. Ich glaube vielmehr, daß dle Auflösung bereits unvermeidlich geworden ist(Rufe bei den Deutschnatwnalen: Gott sei Dank!) und daß wir so in kurzer Zeit den Wahlkampi zu führen haben werden. Ich kann vorläufig rnu eins sagen- die Rechtsparteien brauchen einen Gewinn vou 50 RIandaten, um in diesem Hause zur Mehrheit zu werden: die Parteien de» Volkeblocks brauchen einen Gewinn von 5 Mandaten, um zur Metjrljdt zu werde» und die ewigen Sabod lierunas- und Störung'-versuche der Rechlsparkeie» zu verellela. (Zurufs rechts: Wer die fünf werden Sie nicht bekommen!)— Sehen Sie sich vor: kluge Kinder sterben früh.(Große Heiterkeit.) Wir werden w am Schluß unseres Wahllampfes sehen, wer der lachende Sieger sst. Einstweilen gill es. klar zu machen, worum der Wahlkampf geht, und da muß ich gestehen, es ist mir nicht ganz gelungen, zu begreifen, was Herr von Eampe mit der Beseitigung der Auswüchse der Demokratie eigentlich gemeint hat. Herr von Camo« hat sich auf di« Wahl Hindenburgs berufen und gesagt, da» sei ein Beispiel dafür, daß das Prinzip der Mehrheit nicht überall hinpaßt. Ja, soviel ich weiß, ist Hindenburg mit Mehrheit, sogar mit relativer Mehrhell nur zum Reichspräsidenten gewähll, und ich Hütt« nun lehr gern von Herr von Campe gehört, wie er denn den Reichs- Präsidenten wählen will, auf welchen�Gebieten er die jetzt bestehende Demokratie zu beschneiden gedenkt.(Große Heiterkeit und Zurufe rechts.) Wenn Herr von Campe die Demokratie„beschränken" will, so wird er uns auf dem Plane finden. Auch der Arbeiterklasse darf der Weg zum Ausstieg, zur Teilnahme an der Staatsverwaltung nicht versperrt werden. Wir kämpfen für eine gerechte Justiz. Neuerdings scheint die Beugung des Reckte von gewissen Justizbeamten— ich meine den nationalistischen Oberjustizrai Kör- n« r. Mitglied dieses Hauses—(große Unruhe rechts) wissentlich und bewußt betrieben zu werden.(Zuruf des Abg. Körner: Unwahrheit!) Hoffentlich wchd uns das Justizministerium über diesen Fall Aus- kunft geben. Wir verlangen Unabhängigkeit und Unvarteilichkeit der Gerichte. Rur der dient ehrlich dem deutschen Volke, der für die Dolksversöhnung und Befriedung der �Welt eintritt. Die Herren o. Raumer und andere Vertreter der Schwerindustrie haben mit der französischen Schwerindustrie verhandelt und einen wirtschaftlichen Vertrag geschlossen: sind sie deshalb weniger deutsch? Jedenfalls ist gegen sie der Vorwurf des Landesverrat» noch nie erhoben worden. Wir werden kämpfen im Londtagswahltampf für Republik. Demokratie und Gerechtigkeit! (Stürmischer Beifall links, Zischen rechts.) Die Aussprache über die Regierungserklärung wird hierauf abgebrochen. Es folgt eine Reibe persönlicher Bemerkunaen. Hierbei be» streitet Abg. könaecke(Dnat.) die Richtigkeit der Bemerkungen de» Abg. Heilmann gegen seine Person, heilmann hält an seiner Dar- stellung fest. Abg. Dr. Körner(Natsoz.) erklärt dem Abg. Heilmann gegen- über, daß es fein gutes Recht fei, für Bekannte einzutreten. Völlig unwahr fei, daß er vom Staatsanwalt in Frankfurt a. d. O. ein Schreiben erhallen habe, m dem sich dieser eine Einmischung ver» beten hätte. Abg. Dr. Leidig(D. Dp.) erklärt gegenüber Ausführungen des Wg. Heilmann über Verhandlungen zwischen der französsschen und der deutschen Industrie, daß diese Verhandlungen auf Wunsch der deutschen Regierung statigesunden hätten. Sie'seien von der beut- schen Industrie abgebrochen worden, als am 10. Januar Köln nicht geräumt wurde.(Beifall reckts.) Auf Wunsch des Reichskanzlers Luther feien gestern die Verhandlungen wieder aufgenommen worden. Abg. Heitmann erwidert, er habe wegen der Verhandlungen keinen Vorwurf erhoben, im Gegenteil, er halle sie für wünsche»?- wert. Er fordere aber, daß aus internationalen Vereinbarungen auch der Sozialdemokratie nicht der Vorwurf mangelnder nationaler Gesinnung gemacht werde. Zum Schlüsse beschließt das Haus noch, de» Untersuchung»- ausschuß für den Fall Höfle aus 29 Mitgliedern zusam- nenzufetzen. Donnerstag 11 Uhr; Forssetzung der politischen Aussprache. Anträge. Schluß LG Uhr. Gewerkschaftsbewegung Die Christen und die Maifeier. 148,50 bis 220,00 m.; in der Tariftlasse II( fchwierige technische Arbeiten) 191,40 bis 281,60; in der Tariftiaffe I( Dispofitionstätigteit) 242,00 bis 346,50 D. Soziale Zulagen: Haushaltszulage 13,20 M.; Rinderzulage 15,40 M. für jedes Kind. Den Barteien ist zur Erflärung über Annahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs eine rift bis zum 4. Mai, mittags 12 Uhr, gefeßt. Mai- Veranstaltungen der Gewerkschaften am Freitag, den 1. Mai, vormittags 10 Uhr. Baugewerksbund. Saalban Friedrichshain. Bekleidungs- und Textilindustrie: Biftoriagarten, Treptow, Am Treptower Barf 25/26. Graphische Induftrie: Neue Belt, Eingang Wirtschaftshof. Gemeinde- und Staatsbetriebe: Bockbrauerei, Fidicinstr. 3/4. Mit ber an fich bedcuerlichen Tatsache, daß die riftlichen Gewerkschaften die Demonstration am 1. Mat ablehnen, haben wir uns gleich ber nicht minder bedauerlichen Tatsache, daß die deutsche Gewerkschaftsbewegung durch eine christliche Sonder bewegung zersplitiert ist, fängst abgefunden. 3m Arbeitgeber. Iager gibt es teine fonfeffionelle Organisationsscheidung. ir dürften nun immerhin erwarten, daß die„ chriftliche Seite die Angriffe gegen die freien Gewertschaften wegen der Maifeier den Unternehmern und ihrer Breffe über. laffen würden. Um fo mehr als es sich bei der Maifeier nicht nur um eine ibeelle fozialistische Angelegenheit handelt, unfere Maifeler vielmehr ben sehr praktischen und attuetlen Fragen des Arbeiterichuzes, vorab dem Acht stundentag, ber Railfizierung des Washingtoner Abkommens und ähnlichen für die Arbeiterschaft sehr wichtigen Dingen milt, an denen die Arbeiter in den Griftlichen Gemert aften nicht minder start intereffiert find als die Mitglieder der freien Bewerffafuifer: ten. Es geht hier in der Hauptfase um die Erfüllung von Forde rungen, una bie bie chrisiihen Gewerkschaften der Bauarbeiter, Berg arbeiter, Holzarbeiter, Metallarbeiter und anderer Berufs- und Industriegruppen mehr als einmal in barten Kampfen Schulter an Shutter fochten, wozu fie au fernerhin gezwingen fein merben: fands fhreibt inn: Das Zentralblatt ber driftlichen Gewertschaften Deutsch eber mit Treeitsruhe noch mit demonftrativen Befter blent man der Arbeiterschaft ind dem Bölkerfrieden. Wie immer, werben beshalb ich die griftlichen Gemertfchaften am 1. Mat ihrer gewohnten Arbeit nachgehen und damit demonstriezen, baß aller Fort forist nur in treuefter fliferfüllung zu gewinnen ift Lebensmittel- und Genußmiltelindustrie: Sophienfäle, Sophienstr. 18. Berkehrsbund: Gewertfdjaftshaus, Engelufer 24/25. Eljenbagnerderband: Haberlands Festfäle, Neue Friedrichstr. 36. Metallindustrie: Walhalla- Theater, Weinbergsweg. Holzarbeiter: Naye Belt, Hafenhelde. Heizer and Majchiniften: Boeker, Meberftr. 17. dürften diese Streitfälle durch nachträgliche Bezahlung zum größten Teil erledigt fein. Wo eine Bezahlung noch nicht erfolgt, müssen die Kollegen den Klageweg beschreiten. In der sehr ruhigen und fachlichen Aussprache wurde volfte Einmütigkeit über die Fortführung des Streits und über die Tafiik erzielt. Einige Unstimmigkeiten, die eine gewisse Unzufriedenheit in den letzten Tagen erzeugten, sind durch Beschlüsse der Streifleitung erledigt worden. Unter Berschiedenem wurde einstimmig beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Der Berlauf der Bersammlung gab die Gewähr, daß die Töpfer, trog Meinungsverschiedenheit über die Organisationsform, im Kampfe mit bem Unternehmertum gefchloffen im Streit verharren werden, bis zur restlosen Anerkennung ihrer Forderungen. Streifabschluß in der chemischen Industrie. Die Differenzen bei der Firma Heyderhoff, Ledfabrit, Melchiorstraße 10, find belgelegt. Der Streit bei dieser Firma ist beendet. Verband der Fabritarbeiter, Ortsverwaltung Groß- Berlin. Die Schultheiß- Brauerei am 1. Mai. In einer start befuchten Betriebsversammlung der Belegschaft der Schultheiß- Brauerei, Landsberger Alee, wurde einmütig beAndreas- Feitfäle, Andreasftr. 21. fchloffen. am 1. Mai geschlossen für den Achtstundertag, für AbFabritarbeiterverband: Dresdener Kafino, Dresdener Str. 96. rüftuna, gegen Krieg und Militarismus zu demonstrieren. Die Tore Mater: Gewertschaftshaus, Engelufer 24/25. des Betriebes bleiben am 1. Mai geschlossen. Eine fieine fommunistische Minderheit, hauptsächlich aus Hijsarbeitern bestehend, Zimmerer: Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/12. verfuchte für Postau und die Spigel im Tichetaprozeß zu demonTebafiadustele: Schweizer- Garten, Am Friedrichshain. ftrieren, fiel jedo ab. Genose Ruben als Referent fertigte die Böttcher: Rosenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/13. Disfusionstebner ab. Gegenüber den Angriffen auf die SPD wies er auf das Schuldtonto ber Rommunisten hin. Wer hat Hindenburgs Satfler: Deutscher Hof, Butauer Straße Wahl ermöglicht? Filmgewerkschaft: After Astanier, Anhaltstr. 12. Die Kommunisten! Wer hat die Braun- Regierung gestürzi? Die Kommunisten! Wer hat die Arbeiter in Dis Dadbeder: Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42. Mitteldeutschland und Hamburg in den Tod getrieben? Candwirtschaft und Gärtnerei: Doring, Naunynftr. 27. Blazarbeiter: Buisenstädtisches Klubhaus, Annenstr. 16. Kommunisten! Gr schloß mit dem Ruf zur Bildung einer Ein heitsfront unter der Führung ber Sozialdemokratischen Bartet. Steinarbelter: Musikerfäle, Kailer- Wilhelm- Straße. Die Berfammlung ftimmte begeistert in ein Hoch auf die Sozialdemokratie ein. Sollege o bapp regnete in der Discussion auch noch mit dem Angriff auf die Gewerkschaft ab. Borzellanarbeiter: Charlottenburg Wegelinstraße am Bahnhof Stergarien. haus, Meganberplag, großer Saat Rezitation: Gertrud Enfoldt. Referent: Dr. Rudolf Breitscheid, M. d. N. Berwaltungsbezirk Charlottenburg: Hohenzollernfäle, Berfiner Ede Wilmersdorfer Straße. Berwaltungsbezirk Tempelhof: im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße. Bittorlagarten, Wilmersdorf, Verwaltungsbezirt Wilmersdorf: Wilhelmsate. Unseren demonstratiren Geffen" perbanfen legten Enbes nicht mur bie christlichen Gemerffchaften ihr Entstehen, die gesamte deutsche Lederarbeiter: Reichs Festsale, Brinzenallee 33, vorm. 9 Uhr. Arbeitnehmerschaft verbanft ihnen auch eine wesentliche Bererfammlung aller A Gerafschaften: Berliner Lehrervereinsfürzung ihrer Arbeitszeit, vielfach ohne ihr Zutun. Iro tretefter flichterfüftung feiern bie Christen eine ganze Reihe von Feiertagen, die wir, gefeßlich gezwungen, mitfeiern nüffen, ohne innere Anteilnahme, die noch wett geringer ware, wenn wir nicht mehr Berständnis für diese gewohnheite mäßigen Bochenfeiertage hätten als fie bas Sentral blatt unferer Maifeier entgegenbringt. Die pharifaerhafte Ben bung, als erfüllten nur bie Mitglieder der chriftlichen Gewerkschaften, fhre Arbeitspflicht und wir Freigewertschafter verlegten sie, weil wir unferen febitbestimmten swedfbewußten Maifeiertag durd) Arbeitsruhe begehen, richtet sich von felbst Sie wollen Hindenburg feiern! Aus Gewerffchaftstreifen wird uns geschrieben: Das bile Geifen und die Furcht vor der Abrechnung der Ar beiterschaft wegen ihter monarchistischen Bahlhiffe veranlaßt die Leitung ber RBD. zu einer Massenproduktion einander überftürzen. der Barolen, Aufrufe usw. Den Konsumenten dieser affenfabri tation muß schließlich son all dem Gerede so bumm fein, ais ginge hnen ein Mühlrab ihm Stopfe herum. In dem Offenen Brief an den Bundesvorstand des ADG. und ten Borland, bez PD. auf der ersten Seite der Roten Sahne vom Dienstag wird unter anderem felgender Borschlag gemacht Am Tage des Einzugs Hindenburgs in Berlin einen 24ftün bigen energiftrei zu proflamieren. Man fann sich vorstellen, wie ein derartiger Borschlag prattijd wirfen würde. Ganz Berím märe auf den Beinen Alle Stahl heimer stünden in vorderster Front. Dahinter die große Maffe der gebantenlofen Gaffer. Es dürfle taum einen Deutschnationalen Unternehnter geben, der sich dem Bunsche bez Belegidaft, den Ein gug Hindenburgs burch Arbeitsruhe zu feiern, widerlegen mürbe. Der revolutionäre" Borschlag der PD. würde dem mit ihrer Hilfe gewählten Reichspräsidenten einen Einzug bereiten, wie ihn fich auch bie fünften Träume der Monarchisten nicht vorzustellen gewagt hätten. Soll bas vielleicht der 3med der Uebung fein? Schiedsspruch im Versicherungsgewerbe. Bom 3. d. A wird uns mitgeteilt: Das am 9. Januar b. 3. mit dem Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungsunternehmungen getroffene Lohnabkommen war non uns und den übrigen am Reichstarifvertrag für das Versicherungs gewerbe beteiligten Angestelltenverbänden zum 31. März gefündigt worden. Mit Rüdficht auf die feit Januar eingetretene Berteuerung der Lebenshaltung und die bevorstehenden weiteren Preiserhöhungen hatten wir einen Zuschlag von 20 Bros. auf die bisherigen Gehalts fäge verlangt. Diese Forderung war burdaus im Rahmen der. Leistungsfähigteit bes Gewerbes gehalten. Der Arbeitgeberverband deutscher Berficherungsunternehmungen bezeichnete demgegenüber die bisherigen Gehälter als volitommen ausreichend und schlug eine Berlängerung des Abkommens com 9 Januar bis zum 30. Zuni 1925 Doz. Es ging nunmehr am 28. April ein Schiedsspruch bes tarifvertraglichen Reichsschlichtungsausschusles", der ab 1. Aprit eine 10prozentige Behaliserhöhung borilägt. Dieser Schiedsspruch wurde, ba es nicht gelang, die Mehrheit ber Stimmen auf eine Meinung zu vereinigen, gemäß§ 21, 61. 2 ber Schlichtungsordnung vom unparteiischen Borsigenden bes Reichs Schlichtungsausschusses, Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. Lindenau, allein gefällt. Nach der vorgeschlagenen Neuregelung würden sich in Berlin die Gehälter im Berficherungsgewerbe ab 1. April wie folgt ftellen: Behrlinge und Jugendliche 23,10 bis 38,50 M; Angestellte vom pollendeten 17. bis 20. Lebensjahre 55,00 bis 99,00.; über 20 Jalyre in der Zariffiaffe IV( einfache oder mechanische Arbeiten) 112,20 bis 170,50 R.; in der Tariftiaffe III( einfache technische Arbeiten) Berwaltungsbezirk Jehlendorf: Zehlendorf, Lindenpart, Berliner Straße 8. Berwaltungsbezirt Schöneberg: Schloßbrauerel, Hauptstr. 122. Die Gewerkschaftsmitglieder, die in diesen Bezirken wohnen, nehmen an den Bezirks Matfeiern teil Mitgliedsbuch legitimiert. W Tagesordnung in alien Bersammlungen: Ter 1. Mai und die Gewerkschaften". Referenten: Dr. Ruboff Brettscheid, m. d. R., Artur Crispien. M. d. R., Gustav Sabeth, M. d. D., Dr. Löwen ftein, Landgerichtsrat Ruben, Harnisch, Landtagsabgeordneter Rogle, Adolf Hoffmann, Schlimme, Blume, ie. 10, ilms, Sint, Schiemann, Sippel, heßler, Stempel, Hildesheim, Dittmer, Sehner Fronte, Freigang, Landtagsabgeordneter Meyer. fammlungen! macht sie zu wichtigen Rundgebungen gegen die Urbetter! Ungeftelte! Gorgt für Maffenbesuch dieser BerRealtion! 2lgemeiner Denfcher Gewerkschaftsbund, Ortsausschus Berlin. Algemeiner freler Angestellfenbund, Driskartell Berlin. Der Streif ber Waschuhmacher beendet. Auf Beraniaffung des Schlichters für Groß- Berlin fanden am 25. April( 4 Etreitmodhe) erneute Berhandlungen statt, in denen fich beide Barteien bereit erflärten, fich einem durch den Schlichter abzugebenben verbindlichen Spruch zu unterwerfen, der einen Stundenlohn von 99 Bf mit den bisherigen Abstufungen vorfieht. Hierauf fällte der Schlichter folgenden Spruch: " Der bestehende anteftarifvertrag und Atterb tarif Der Maßschuhmacher werben bis zum 31. März 1926 verfängert F Keine Aussperrung in der fächsischen Metallindustrie. Dresden, 29. April.( WTB.) Die bei der letzten Berhandlung im Arbeitsministerium zwischen den Arbeitgebern der Metall. industrie und den Holzarbeitern gemachten Einigungsvorschläge haben innerhalb der festgelegten Erklärungsfrist die 3uitim mung sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer gefunden. Damit fann die, Gefahr der Ausfperrung bzw. Streits in der fächsischen Metallindustrie als beigelegt angesehen werden. Beilegung des Hamburger Hafenarbeiterstreifs. Hamburg, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) Die Hamburger Hafenarbeiter, die feit einiger Zeit in einer Lohnbewegung stehen, haben durch Schiedsspruch der Schlid terfannner eine Erhöhung ihres Lohnes um 40. Pf. erreicht. Der Schiedsspruch wurde von der Arbeiterschaft und von den Arbeitgebern angenommen, so daß ab 1. Mai d. ein Tagesschichtlohn von 6,70 M. gezahlt werden muß. Keine Einigung auf den Seeschiffswerften. Samburg, 29. April.( WTB.) Die Werftarbeiter haben in einer abilinnning ben am 22. April gefällten Schiedsspruch, für den die Ertlärungsfrist heute ablief, angenommen, dagegen wurde er von den Arbeitgebern abgelehnt. Die Handtuchfahrer und Wäschelutscher. In einer gut besuchten Gunttionafverfammmtung nahmen die Handtuchfahrer und Wäscheiiiys futscher Stellung zur Maifeter. Ginstimmig wurde befchloffen sfei dem Aufruf der Gewerkschaften Folge zu leisten und den 1. Mai burbeitsruhe zu begehen. Sur Durchführung der Kontrolle findet am 1. Mai von 8 bis 9% Uhr vormittags bei Pilzeder, Blumenstraße 34, die 20 b stempelung der Legitimations. tarten ftat Um 9% Uhr Abmarsch zur Berfammiung im Ge wertschaftshaus; fpalete Abstempelung der Kontrollfarten findet nicht fiatt. Bur Einführung der Kontroltarten selbst wurde mit großer Befriedigung feftcestellt, daß die Berliner Arbeiterschaft in den meisten Fällen die Rontrolle über die Organisationszugehörigkeit her Handtuchfahrer ausgeübt hat. Trogdem sind die Fahrer einzelner Betriebe, por allem Helgoland, Neukolln und B. Grundet, Holzmartt ftraße, nicht zu bewegen, die gemeinsame Front mit den übrigen Stolicoen herzustellen. Die Funftionare appellieren deshalb erneut an die Berliner Arbeiterschaft und Betriebstäte, ihre Leibwäjdje nur von Fahrern zu besichen, die sich im Befige der jeden Monat ab. geftempelten Kontrolltarie befinden. Freigewerkschaftliche Angestellte Berlins! Der mindest stundenlohn beträgt vom Tage der Auf zur Daiiciez am Freitag vormittag 10 be im Schzervereinshaus! Arbeitsaufnahme bis zum 25. Juli 1925 für die männlichen Zeitwistende: Gertrud Cyfeldt, Berliner Sangerhez. Feftrebe: Dr. Rudolf Lohnarbeiter und als Affordbasis für neue Arbetten 99 Bf.; für Breitscheid,. b. 9. Das Ritgliedsburg ber Anwesenden erhält ben Mai Die weiblichen Zeitlohnarbeiter und als Affordbafis für Reparaturen 94 f. Die Arbeitsaufnahme erfolgt am 28. April. Maßregelungen finber nicht ftatt. Des Arbeitsverhältnis gilt durch den Streit als micht unterbrochen. Die Bersammlung der Streifenden am 27. April beschloß die iederaufnahme der Arbeit, die am Dienstag erfolgte. Zum Streit der Töpfer. Am Dienstag, Dormittags 10 Uhr, tagie im großen Gaale des Gemerffchaftshauses eine überfüllte Berfammlung der streifenden Töpfer Berfins. Neben den Baugewerksbündlern waren auch reft Los die artdersorganisierten Löpfer erschienen. fempel. A- Bund, Drislartell Berlin. Dentfier Daugemertsbund, Baugewerelt Berlin. Gonntag vermittag 10 Uhr in ben Residenz- eftfalen. Bandsberger Str. 31, ffeiner Sani, Ber fammlung aller Alfordmaurer des Baugewertsbundes. Sagesordnung: 1. Die rechtliche Stellung bes Alfaromaurers. Referent Rollege Gehride. 2. Dis fuffion, 3. Geschäftliche Mitteilungen. Wir erfuchen unt pünktliches und be timmtes Erscheinen. Mitgliedsbuch ist am Saaleingang Borzuzeigen. Ohne basfelbe kein Auseii. Deutscher Salzarbeiterse: benb. Das Sammeln zur Maifeier im Rotal Bicherir. 61 fibet ni di statt. Die Stoliegen treffen fich am 1. Mai reaj geitig in den Betrieben und geben gemeinsam nach der Neuen Welt. Mobel und ebrittischler. Am 1. Mai, sormittags 9 Uhr, Treffpunkt fe Berbantshaus, Rungestr. 80. Bon dort gemeinsam nach der Neuen Welt, Die Branchenleitung. Safenhelde. Siemand har penten. Buicb- Ortsverwaltung Berlin. Die Gefchäftsstelle bleibt am 1. Mai ge fenoffen. Näfte bendioreſtunde: Montag, 4. Mai. Deutler Bertmeifierverband. Die Gefchäftsfielle des Bezirks I it c Freitag, ben 1. Mai, des Bellfeierages wegen gefchloffen veranstaltet am 1. Mat, abends 8 1hr, in Saverlends Festfält, cue Fried Die Bezirksgewerkschaft Berlin bez gemeinen Deutschen Bofigewerffchaft aufaefordert, fich an dieser feier au beteiligen. Der Eintrittspreis beträgt 50 Bf. und find Rarten bei den Bertrauensleuten erhältlich. John vom Baugemertsbund gab den Bericht von den Ber. handlungen, die am Montag, vormittags 11 Uhr, vom Schlichter einberufen waren. Diese Berhandlungen find nach längeren Bezie, Cingana Rochitage, the Matfeler. Alle Gemeri fdjaftsmitglieder werben ratungen gescheitert. Die Unternehiner fonnten sich nicht dazu ver stehen, annehmbare Borschläge zu machen, trotzdem die Forde rungen der Streifenden niedriger find, als die tariflichen Bereinbarungen in einer ganzen Anzahl anderer Orte. Verhandlungen der tarifüchen Schlichtungsfommiffion, die am selben Tage stattfanden, und die fich nur mit den Restiöhnen für die liegengebliebene Arbeit befaßten, führten zu feiner prinzipiellen Einigung. Doch Berantwortlich für Bolitif: Ernft Renter; Birtschaft: Arthur Saternas; Gewerffchaftsbewegung: Friebz. Chlora: Feuilleton: Dr, Sohn Gallowsti; 2otales unb Sonstiges: ri Rarftabt; Anzeigen Th. Glode; fämmtlich in Berlin. Berlag: Botwäris.Berlag G. m b. S. Berlin. Druck: Borwäris- Buchdruderet und Berlansantal Baul Ginaer u Co. Berlin SW 68 Pirke 3. Siezza 2 Beilagen, Unterhaltung und Biffen und Frauenfiimme. Lustig's Ausstattungstage Diwandecke Steppdecken Fertige Bettwäsche Überlaken Salin OberBendantsch- Bezüge ile. bordea 11.25 Oberbett.. gem.m.Fransen Kissen m Klöppel garn Damast schr 35.00 Naul eleg. in 1.Farb. Geite 13.95 8.95 in allen Farbes .& 764,50 1.65 Kissenpad 3.25 Schlafdecken Frottierhandtüch. Bettlaken alle 6.75 Bettlak. Los 4.40 5017 Erase- 1.25 VIDE. 2,98 Kissenbezüge 160x22 Daunendecken Farben Pr. Daanensati in allen 98.Lange.ben 1.55 Versidrung 2.85 i Refue Seide Racks. Batin Graue Decke mit Eanie... 3.50 Jacquarddecke Weiße Möbel Ankleideschrank Nachttisch 120 cm breit 95.00 itet 19.50 Marmor. Metallbettstellen bis Metall- Bettstelle Bogen- Bettstelle Spiralbod, 11.60 braun lackiert m. Zugfedermat 83 mm schw. weiß 18.50 Schlafzimmer, weißlack Bogenbetistelle Dieselbox19021.50 bestebend aus: 1 Arkleldeschrank mit Hatboden, m.ZugiederboStange u. Spiegeltür. 2 Nachttische mit echtem den 21mm.schw 80x130 in schönes 7.75 Marmor. 1 Waschlsch mit echtem Marmor. u. weiß 80 × 16.75 Ruhebeiten 45.00 Mustera 1 Spiegel, 2 Stühle, 2 Bettstellen mit Zugfeder böden, 1 Hand- 325.00 H'w. Decke 125.8.75 H'w. Decke Streifenkant. 12.50 tocaballer mit Bordüre. Schlafzimmer- Einrichtungen für Hotels, Pensionate und Sommerhäuser Fabrik USLI 5. TURM- ECKE Prinzen Mai LUSTIC LUSTIG Rettfedern Lustig Gustav Prinzenstr. Größtes Spezialhaus Deutschlands für Betifedern, Betten u. Schlafzimmerbedar Aufpassen! Man irrt sich- Lustig nur undvierzig "1 ♦-Ocif 00C vo°tt«stag, 30. ftprU 1925 Die Heimarbeitausstellung. Ein Kapitel vom Elendsdasein dentscher Volksgenossen. Die.Gesellschaft für soziale Reform* hat in Gemeinschaft mit einer Anzahl Arbeitnehmerorganisationen, unter denen der Deutsch« Metallarbeiteroerband, der Deutsche Holzarbeiter- verband, der Deutsche Bekleidungsarbeiter-, der Textil- und der Glasarbeiterverband an der Spitze stehen, gestern in den Aus« stellungshallen am Lehrter Bahnhof eine Heim- arbeitsausstellung eröffnet. In einer Borbesichtigung für die Presse war Gelegenheit gegeben, in aller Muße einen Gang durch die Aus- stellung zu tun, der sich für jeden objektiv Urteilenden zu einem Gang durch die Elendsbezirke Deutschlands, in denen die Heim- arbeit vorherrscht, gestaltete. In emsiger Arbeit haben die Aussteller das Anschauungsmaterial zusammengetragen, oft nur auf sich selbst und einig« wenige Derbandsfunktionäre angewiesen, denn die besuchten Heimarbeiter waren teilweise recht mißtrauisch dem.Aus» froger* gegenüber. Was aber In den drei Riesensälen gezeigt wird, vermittelt einen erschütternden Anschauungsunterricht von dem sprichwörtlich gewordenen Heimarbeiterelend. Gewiß ist seit den elften Heimarbeitsausstellungen in den Jahren 1904 und 1906 Trauriger Feierabend des Heimarbeiters. manches gebessert worden. Die Gewerkschaften haben ihren Einzug auch in die entlegensten Gebirgs« und Walddörfer gehalten, Fach« ausschüff» unter behördlicher Führung sind gebildet. Tarisvertröge abgeschlossen worden. Aber all das hat noch nicht vermocht, den Heimarbeiterfamllien annehmbar« Lohn- und Arbeitsbedingungen zu schaffen, hat ihnen noch nicht Licht und Luft und Sonn« in ihre niedrigen Hütten gebracht, läßt sie noch nicht an den Segnungen der Kultur— und fei es auch nur eine bürgerliche Scheintultur— teil- nehmen. Der.Appell an das öffenlliche Gewissen* wird wenig nützen. Wenn je einmal die.Spitzen der Gesellschaft* diese Aus- stellung besuchen sollten, werden sie ihre Neugierde befriedigt haben, ein Wort des Staunens und des Bedauerns zugleich wird fallen, aber sie werden bei Telschow oder Iosty, bei Hiller oder Dresiel, bald wieder den Rückweg zur.Kultur* finden. Helfen können sich die Heimarbeiter nur selbst, indem sie sich den großen Arbeiter- organisationen anschließen und mit ihnen für eine menschenwürdige Existenz kämpfen. Das betonte auch Profesior Dr. H e y d«, der Borsitzende der Gesellschaft für soziale Reform, in einer Ansprache an die Presse- und Behördenvertreter. wer ist Heimarbeiter! Diese Frag« ist nicht so leicht zu beantworten, wie es den Anschein hat. Daß diejenigen Heimarbeiter sind, die von einem Unternehmer Rohstoffe oder auch halbfertige Fabritale zur Weiterverarbeitung und Fertigstellung geliefert bekommen und ihre Albeitsoerrichtungen in Ihren Wohnungen vornehmen, Heimarbeiter (Ind. ist klar. Besorgen sich dagegen die Arbeiter ihre Rohstoffe elbst(Holz, Weidenruten, Wurzelfasern), oder kaufen sie halb- fabrikake selbst ein, so werden sie oft al».selbständige Hausgewerbe. treibende* bezeichnet. Mit der eigenen Rohstoff- und Halbfabrikate- beschaffung ist es aber oft eine eigene Sache. Meist ist derselbe Unternehmer der Lieferant, der auch die fertige Ware abnimmt und der selbständige.Einkauf* der Materialien wird Im Wege der Ber- rechnung vorgenommen, wobei nicht selten der Helmarbeiter beim Unternehmer in der Kreide steht. Ausschlaggebend für die Ein- reihung der Arbeiter in die Gruppe der Heimarbeiter ist ihre wirt- schastliche Stellung gegenüber dem Unternehmer. Der allergrößte Teil der Heimarbeiter, die sich oft genug noch selbst al» .selbständige Hausgewerbetreibende* oder»selbständige Hand- werter* bezeichnen, steht im Dienste eines Unternehmers und ist von diesem ebenso abhängig, wie der Letriebsarbeiter. Eine eigenartige Zwitterstellung nehmen die Heimarbeiter der Solinger Stahlwarenindnstrie ein. Von alters her wird hier die Ware im Heim des Arbeiters hergestellt. Bis In die neuest« Zeit hinein hat sich diese Betriebssorm erhalten, wobei allerding» zu bemerken ist, daß diese Heimarbeitergruppe meist den Arbeitsroum getrennt vom Wohnraum unterhält und nicht selten Gesellen und Lehrlinge de- schäftigt. Trotzdem bleiben es Zwergbetriebe, gm Gegensatz zu den meisten andern Heimarbeitszweigen, ist in der Solinger Stahl- warenindustrie eine gute, allerdings selbständige, aber freie. Orga- nisatioa zu finden. Für fast alle Arbeiten sind die Preise tariflich festgelegt: sie gellen auch für die Betriebsarbeiter, doch mit einem Abzug, wenn der Unternehmer das Werkzeug stellt. Eine Mlfchform von Heimarbeit und hausindustrieller Arbeit besteht auch in der Kleincisenzeugindustrie Thüringens. Hier haben sich die Heim- arbeiter.emporgeschwungen*, fühlen sich al« Fabrikanten und gehören teilweise sogar einem Arbeitgeberverband an, obwohl die Rot ständig in die Fenster schielt,'" StunSenverükenft elfter Mamille 5 Pf. Beglnen wir unfern Rundgang durch die schlicht aufgemachte Ausstellling beim Stand de» frelgewerkschaftlichen Deutschen Metall- ...... ier ein riesiges Ausstellung»- llwirkung der Unternehmer arbeiterverbandes. Der Borstand hat Material zusammengebracht. Auf die wurde verzichtet, ihre Angaben wären auch nur subjektiv zu be- werten gewesen. Eine um so deutlichere Sprache sprechen die kleinen apptafeln, auf denen, musterkartenähnlich, die Werkstücke nebst erstellungsart, Art der Arbeit, Preis pro Stück fder oft nur nach Dutzenden und Gros berechnet werden kann), Arbcitsdauer und der erzielle Stundenoerdienst angebracht sind. Eine große, schwere Arbeit für den Verband; hunderte Orte, aberhunderte Heimarbeiter mußten besucht werden. Genosse Handle, früher Bevollmächtigter in Berlin, ist Führer.—»Nürnberger Tand*! Eine kleine Blech- lokomotive. für 20, 25 Pfennige im Laden erhältlich, erfreut sie jedes Jungenherz, nur nicht das des Heimarbeiterkindes. Sieben einzelne Teile liefert der Unternehmer, der Heimarbeiter muß sie montieren. .zusammenzapfen*, wie der Fachausdruck lautet. Am Gros, gleich 144 Stück, arbeitet der Heimarbeiter 5 Stunden. Arbeitslohn für diese» Gros— 40 Pfennige, Siundenverdienst 5(fünf) Pfennige. Die ganze Familie, bis herab zu den fünfjährigen Kindern, arbeitet DieOcauode verdient 4 Pf. die Stunde, dleK-anke— nichts. mit, und alle zusammen verdienen pro Stunde 5 Pfennige. Ein Blechaffe, wie er in neiierer Zeit auch auf de» Berliner Straßen feilgehalten wird: er klettert selbsttätig an einer Schnur empor. Am Gros 14 Stunden Arbeit, dafür gibt es 100 Pfennige. Eine weibliche Arbeiterin von 34 Jahren, die die Angaben lieferte, verdient pro Stunde 7(sieben) Pfennige. Oder eine Kindertaschenuhr. Arbeits- Vorgang: Zifferblätter stanzen, Feder biegen— damit sie auch schnarrt beim Aufziehen!— vollständiges Zusammensetzen. Für 1000 Skück werde,» 3 Mark gezahlt, Arbeitszeit daran 27 Stunden. Stundenoerdienst 10 bis 12 Pfennige. Der Schreiber dieses hat erst kürzlich für eine solche Uhr 85 Pfennige bezahlen müssen. Dos S Stundenoerdienst 10 bis kürzlich für eine solche Werk für mechanische Spielsachen, die besonders zu Weihnachten angeboten werden, erfordert, daß in der Stunde 173 Teile zusammengesetzt werden müssen. Die Arbeit ist ein wenig qualifizierter. aber trotzdem gibt es für ein solches Werk auch nur 2,3 Pfennig« Ei, männlicher Arbeiter kommt dabei auf 22 Pfennige Stundenverdienst. d. h. er muß zehn Werke in der Stunde zusammensetzen — Ein Kulturbild aus der Rähnadelinduftrie in Ichtershausen. Tie achlköpfige Familie eines Arbeitsinoaliden reiht halbfertige Näh nadeln mit dem Oehr auf dünnen Stahldraht, damit sie in der Fabrik geschliffen werden können. Die ganze Famijie arbeitet bis 10 und 12 llhr nachts. Alle zusammen verdienen in der Woche 3,50 bis 4 Mark. Der Mann bezieht 15 Mark Monatsrenle. Von dieser Gesamteinnahme.lebt" die Familie. Die Kinder blutarm, vec- Anthony Zohn. Roman von Jerome k. Jerome. Anthony erschrak tödlich. Er hatte nie die populäre Ansicht jener Leute teilen können, die Gott für einen freund- liehen Zauberer hielten, den man als Gegenleistung für Preis und Anbetung um Wunder bitten könne, der Krankheiten heilt und den Tod vertreibt, wenn man sich an ihn wendet. Diese Auffassung widerstrebte seinem Verstand. Jetzt aber schienen ihn jeglicher Verstand, jegliche Besinnung verlassen zu haben. Hätte er im Mittelalter gelebt, er hätte Gott gelobt, eine Pilgerfahrt zu unternehmen, oder ein« Kirche zu bauen. Statt dessen plante er nun allerlei zum Wohle der Armen von Millsborough. Er wird sofort an den Bau von Muster- wvhnungen schreiten: es fiel ihm leicht, für feine Pläne die nötige finanzielle Unterstützung zu finden. Für die gleichen Beträge, die die Arbeiter den SIum-Hausbesitzern als Miete der gesundheitsschädlichen Löcher zahlten, konnten sie in an- ständigen Wohnungen untergebracht werden. Eleanors Krankheit war gefährlich: er durfte keine Zeit verlieren. Grund und Boden wurden gekauft und gesäubert. Landripp, der Architekt, machte sich voller Begeisterung an die Arbeit. Cr gehörte der Schule der Materialisten an: seine Religion war das Glück der Menschheit. Für ihn bedeutete der Mensch ein zufälliges Produkt der Erdkruste, das sich zusammen mit allen cnöeren Lebewesen auf chemischen Wege gebildet haste. Durch das Erkalten, oder durch allzu große Erhitzung der Erde, der Grund an und für sich war ja belanglos, würde das Menschengeschlecht verschwinden, zusammen mit seiner kurzen Geschichte im ewigen Schweigen begraben werden. Sein Grab wird vielleicht noch weiter durch den Aether kreisen, sich von neuem formen, aus den veränderten Gasen eine neue Rasse bilden, die sich in künftigen Aeonen für die Zlus- grabungen aus der zoologischen Periode interessieren würde. Inzwischen aber galt es, den Menschen während seiner Lebensdauer nach Möglichkeit glücklich zu machen. Dies konnte am besten erreicht werden, indem man in ihm das Gefühl der Brüderlichkeit förderte, aus dem sich Gerechtigkeit und guter Wille entwickeln. Der Mensch ist ein Herdentier. Sein Glück hängt ebenso sehr von seinen Mitmenschen als auch von den eigenen Anstrengungen ab. Elend und Leiden der einzelnen müsien letzten Endes immer zu Elend und Leiden des ganzen Gesellfchaftskörpers führen Für die Gesellschaft ist das Glück aller ebenso wichtig, wie die Gesundheit aller. Um ihrer selbst willen darf eine zivilisierte Gesellschaft das Elend und Unglück eines Teils ihrer Mitglieder ebensowenig gestatten, wie schlechte Kanalisatton. Soll eine Stadt gesund und glück ich sein, so muß dafür gesorgt werden, daß jeder einzelne'Be- wohner gesund und glücklich sei. Das eigene Glück hängt un- löslich mit dem anderer zusammen. Dies ist der Ursprung des Moralgesetzes in uns. Sobald dieses Moralgesetz als Führer für unsere Handlungen anerkannt ist, wird der Weg der Menschheit zum Glück offen liegen. Freilich mußte Herr Landripp zugeben, daß sich selbst in diesen Plan etwas ein- geschlichen hatte, das nicht in materiellen Formeln ausgedrückt werden konnte. In der Diskussion pflegte er dieses etwas als „überschüssige Energie" zu bezeichnen und so rasch wie möglich abzutun. Sich selbst jedoch gestand er ein, daß diese Erläute- rung keineswegs befriedigend sei: wurde doch auf diese Art das Ueberschüssige zum Unentbehrlichen, was lächerlich war. Sein Prinzip lautste: das moralische Gesetz in uns zwingt alle Geschöpfe, sich zum Wohle ihrer Nachkommen zu opfern. Für Herrn Arnold S- Landripp selbst, der sich desien bewußt war, daß er die eigene Existenz diesem Gesetze verdankte, sowie auch, daß es väterliche Gefühle sind, die ihn oeranlaßt, für Fräulein Emily Landripps Wohl und Zukunft zu sorgen, die dann ihrerseits für das Wohl ihrer Kinder Sorge tragen würde, und so weiter ad infiniturn, besaß dieser Lehrsatz De- deutung. Sein Verstand, die Notwendigkeit des Gesetzes an- erkennend, erfüllte die von ihm geschaffenen Berpflichtungen. Aber die anderen? Die unangenehm aussehenden Insekten, die sich erschöpfen, einzig und allein, um ein Ei zu legen, das sie nicht mehr ausgebrütet sehen werden? Weshalb schuften die in der Dunkelheit? Warum genießen sie nicht ihr kurzes Dasein im geliebten Sonnenlicht? Was bedeutet für sie die Zukunft der Hymenoptera? Und die Vogelmutter, die mit gespreizten Flügeln über dem brennenden Nest schwebt, und selbst den Tod willig erleidet, wenn es ihr mir gelingt, die Jungen zu retten? Die Mutterliebe, die für die Erhaltung der Ari«n unentbehrlich ist: aber woher kommt sie? Was ist oer Ursprung dieser blinden Liebe, dieses blinden Opferwillens, damit in der Zukunft eine unbekannte Sache triumphiere? Ober man nehme den Fall von Herrn Landripps eigener Gatsting: den behaarten Ahnen, von Aengsten verfolgt, von Hunger getrieben, der gegen ungeheuerliche Schwierigkeiten anzukämpfen hatte. Weshalb belastete er sich noch mehr deirch eine junge Brut, mit dem einzigen Zweck, daß sich als End- ergebnis Herr Arno'd S. Landripp entwickle? Weshalb tötete er nickt seine Jungen und verzehrte selbst die Beute? Wer sprack ihm ran den Menschen des Gedankens und des Wissens, die eines Tages geboren würden, und zu denen auch Herr Arnold S. Landripp gehören wird, Fleisch von seinem Fleisch, und Bein von seinem Bein? Weshalb schädigt dieser Herr Landripp seine Gesundheit, indem er bis fach in die Nacht an der Ausrottung der Slums, an dem Erbauen an- ständiger Wohnstätten für seine ärmeren Brüder in Miste. borough arbeitet? Das Dobl der künftigen Generation? Die Erhaltung und Verbestcruno der Rasse? Was sst der Zweck? Welcher vernünftige Mensch oermag sich für den Fortschritt einer Rasse zu begeistern, deren Endziel ein vergessenes Grab inmitten der Trümmer eines toten Planeten ist? Der Architekt war auch der Ansicht, daß das Glück seiner Natur nach nicht auf das Individuum beschränkt, sondern ein Teil des allge- meinen Glückes ist, das durch den Slnblick einer verwelkten Blume vermindert, durch das Betrachten der Milchstraße ge- steigert werden kann,— das mit dem ganzen Weltoll vcr- wandt ist. Ein Glück, dessen Samen mit der Schöpfung zu- sammensallen, und dos nicht durch den Tod begrenzt ist, muß notgedrungen mit dem Ewigeir verbunden sein. Wenn Anthony und der Architekt des Abends an den.Plänen arbeiteten, pflegten sie häufig ihre Beschäftigung durch eine Debatte zu unterbrechen. Landripp gab zu, daß seine Religion nicht imstande sei, olle Fragen zu beantworten: Anthonys Religion jedoch fand er noch unbefriedigender. Weshalb sollte ein gerechter allmächtiger Gott ein Geschöpf von„geringem Berstand und bösen Instinkten* geschaffen, es durch Jahr- hunderte in Blut, Grausamkeit und sinnloser Wollust waten gelasien haben, anstatt sofort ein Wesen zu schaffen, das von allem Anfang an ein würdiger Erbe der Ewigkeit war? Damit sich dieses Geschöpf selbst erlöse? Damit sich einzelne Glückliche, die weniger zum Bösen neigten, als die anderen, und die mehr Widerstandskraft besaßen, aus dem Schlamm emporarbeiten konnten, während die große Masse, verflucht von der Geburt an, dem Verderben unterlag? Auch die Christus-Legend« wollte er nicht anerkennen. Beruhte sie auf Wahrheit, so bewies dies, daß Gott irren konnte, daß feine Allwissenheit ein Mythus, und er ein Gott sei, der Irrtümer beging und sie wieder gutzumachen oersuchte. Auch das war ihm nicht gelungen. Der wahren Christen, jener, die nach Christi Lehre zu leben versuchten, gab es heute weniger, als unter den Cäsaren. Im Mittelalter waren die verlöschenden Gluten des Christentums noch einmal emporgestammt: Franziskus von Assisi hatte die Notwendigkeit der Liebe, das Brudertum aller Lebewesen verkündet. Während einer kurzen Zeit hatten sowohl Männer als auch Frauen Christus nicht als ihren Sündenbock, sondern als ihren Führer betrachtet. Auch Millsborough hatte seinen heiligen Aldys besessen, der nach seiner Bekehrung Gott sein ganzes Leben gegeben hatte. Wollte heute ein erfolgreicher Geschäfrsmann diesem Beispiel lolgen, so würde ibn der Hausarzt reif fürs Irrenhaus er- klären. Zweitausend Iabre nach Christi Tod hatte ein Russe, Tolstoi, ehrlich versucht, die Lehren Christi in seinem Leben zu befolgen: und die ganze Christenheit hatte ihn verstand- l nislos bestaunt. Wenn Gott tatsächlich vermittels Cbristi ein von ihm selbst schlecht geschaffenes Geschlecht hotte bekehren mosten, so war ihm ein tragischer Mißerfolg zuteil geworden. Das Christentum, von allem Anfang an eine schwache Flamme, war erloschen, hatte die Welt, deren Hoffnung erstorben war, � noch dunkler zurückgelassen.(Fortsetzung folgt.) � rümmert, die Bierzehnjährigen fehen wie Achtjährige aus, bie Familie verhungert langsam. Das ist tein Ausnahmefall, sondern die Regel. Jeder Kommentar ist hier überflüssig. Kann sich der Leser vorstellen, daß in der Schwarzwälder Uhrenindustrie ein Arbeiter in einer einzigen Arbeitsstunde 200 Unruhen für Weder uhren ausbalancieren muß und dafür 34 Pfennige erhält? Affordpreise sind zum geringsten. Teil tariflich geregelt. Elendsbilder. Die Stunde für 4 Pfennige. Die Gegenüber ist die Ausstellung des Holzarbeiterverbandes. Eine Arbeiterin zeigt ein Ostereierförbchen. An einem Dugend muß 1½ Stunden gearbeitet werden. Dafür gibt es 25 Pfennige, wovon 19 Pfennige für Material abgehen; Stundenverdienst 4 Pfennige Daneben stehen schöne Korbmöbel. Der Korbflechter steht in feinem Arbeitsverhältnis zum Abnehmer, er bietet seine Ware an. Wenn er viel verdient, fommt er auf 40, 45 Pfennige, er ist aber von der Konjunktur, der Mode und der Jahreszeit start abhängig. Bürstenmaren aus dem Schwarzwald! In 15 Minuten müffen in 100 Löchern die Borften eingezogen werden. Arbeitsverdienst für die Stunde 17 Pfennige. Selbst die tarifliche Regelung läßt nur 20. Pfennige Berdienst zu. Großes Elend herrscht im Schönheider Bezirk im Erzgebirge, wo die Bürftenindustrie zu Hause ist. Auch hier arbeitet alles zu House mit, die Unternehmer machen ein glänzendes Geschäft dabei, fortgesetzt entstehen neue Betriebe. In der Musikinstrumentenindustrie des Bogtlandes, wo die schönen Gitarren und Mandolinen gemacht werden, sind Stundenverdienste für die qualifizierten Heimarbeiter von 25 bis 40 Pfennigen die Regel Und so geht's in fortlaufender Reihenfolge weiter, Elendsbilder über Furchtbare Gegenfäße von Arbeitsleistung und Arbeitslohn zeigt die Knopfindustrie. Um 100 Gros Leinenwäschefnöpfe herzustellen, find 75 000 Teile zu verarbeiten und 105 000 Handgriffe nötig. Dafür zahlt der Unternehmer 5,70 Mart, die Arbeiterin verdient bei angestrengtester Tätigkeit in der Stunde 10 Pfennige. Die zu trauriger Berühmtheit gekommenen Sonne berger Spielwareninduftrie in Thüringen läßt sich in einem 3ei tungsartifel nicht beschreiben. Man muß selbst gesehen haben, melche Arbeit die Herstellung einer Knarre erfordert, daß das Holz felbst aus dem Walde geholt werden muß und daß es schließlich 5 Pfennige dafür gibt in der Stunde. Apolda ſtellt wirkwaren aus. Ein jest so modern gewordener Schlüpfer erfordert eine halbe Stunde Arbeitszeit, es gibt aber nur 10 Pfennige dafür. Aus der Berliner Konfektionsheimarbeit hat der Bekleidungsarbeiterverband und der Hirsch- Dunderſche Gewertverein Sachen ausgestellt, die für Berliner Berhältnisse äußerst niedrige Verdienste für gute Arbeit zeigen. Eine Arbeiterin aus Stolp in Pommern zeigt einen Taschentuchbehälter, an dem fie tnifflige Hohlsaumstiderei machen muß. Sie arbeitet an einem Stüd 14 Stunden, bekommt 3,15 Marf dafür, muß aber das Material teilweise stellen. Sie ist 35 Jahre im Beruf, alleinstehend, ohne sonstige Einnahmen, und verdient bei ihrer augentötenden Arbeit 20 Pfennige in der Stunde. Bem gelüfter's noch Filetstickereien" zu laufen, menn er meiß, daß die Stiderin 12 Pfennige dabei verdient? Schade, daß die Dame beim Einkauf solcher Luruswäsche nicht den Zettel mit ins Bafet gelegt erhält, der auf der Ausstellung an der Arbeit befestigt ist. In einem Nebenraum haben die Gewerbeinspektionen und die Berbände interessantes statistisches Material in graphischen Darstellungen ausgestellt. * Wer vermag all das Elend zu ermessen, das jahraus, jahrein die Hersteller dieser Niedlichkeiten und Kostbarkeiten, dieses so begehrten Zonds und dieser notwendigen Gebrauchsgegenstände, erdulden und erleiden. Der Bater bei 10, 12, 15stündiger Arbeit über den Tisch gebeugt, die Hausfrau" mit der Hausarbeit im einzigen Arbeits-, Bohn, Koch, Schlafraum der Familie bald fertig, fezt sich daneben. Die Kinder fehen die Berge uud. Läler ihrer schönen Heimat durch das niedrige Fenster und arbeiten mit. Spiel, Lanz und Froh mut, Freude, jauchzende Lebensbejahung tennen sie nicht. Dehmel fitgt fehr treffend in feinem Liede: Uns fehlt ja nur eine Kleinigkeit, um fo frei zu sein, wie die Bögel find: nur Beit!" Zeit ist nicht Geld für diese Ausgebeuteten, fondern nur Erhaltung des naten Lebens, förperlich, wie geistig. Die Photographien zeigen das ,, idyllisch schöne Familienleben" des Heimarbeiters, mofrei nach dem„ Lokal- Anzeiger" und all den füßlich- romantischen Frauen zeitungen beim traulichen Schein der Lampe im wohlig durchwärmten Zimmer der Familientisch die Geburtsstätte der tleinen Annehmlichkeiten des Lebens ist. Jawohl, die Ausstellung zeigt den „ Segen der Arbeit", der Heimarbeit, für den, der sehen will. Wer cber hier nur sieht urd nicht auch helfen lernen will, der verdient nicht, Mensch genannt zu werden. Hier in diesen Räumen schreien die Heimarbeiter, schreien deutsche Volksgenossen ihr Elend in die Welt! Die Heimarbeitsausstellung in den Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof ist vom 28. April bis zum 15. Mai, auch Sonntags, von 10 bis 9 Uhr geöffnet. Eintrittspreis 30 Pfennig. Noch immer Wohnungselend. Der Zustand der Wohnungen hat sich gegenüber 1923 ein wenig gebeffert. Die bewilligten Instandseßungszuschläge ermöglichen den Eigentümern, vereinzelt Ausbefferungen in und an den Häusern vorzunehmen. Die großen Wohnungen murden ron zahlungsfähigen Mietern gepflegt; die Mieter der mittleren und fleineren Wohnungen, die besonders in den östlichen Bezirfen der Stadt in der Mehrzahl vorhanden sind, fonnten den durch das Reichsmietengefeß auferlegten. Berpflichtungen infolge der Geldtnappheit in nicht genügender Weise nachkommen. In besonders schlechtem Zustande find diejenigen Häuser, die wiederholt den Befiger gewechselt haben oder deren Eigentümer Ausfänder sind. Letztere fümmern sich nach wie vor wenig oder gar richt um ihr Eigentum. Bei der bestehenden großen Wohnungs not mußten vielfach Räume stillschweigend zu Wohnzweden zuge laffen werden, die baupolizeilich als folche nicht ge. nehmigt wurden und deren Genehmigung auch nicht befürwortet merden fonnte. Auch mußte das Weiterbewohnen von Wohnungen und Räumen geduldet werden, die zwar zu Wohnzweden genehmigt, aber infolge ihrer Beschaffenheit eigentlich hätten gesperrt werden müssen. Die Kleptomanin. Unter einem unwiderstehlichen 3mange, behauptete die Angetlagte, Frau K., die sich vor dem Amtsgericht Berlin Mitte megen Taschendiebstahls zu verantworten hatte, gehandelt zu haben. Sie lebt als Ehefrau eines Großfaufmanns, der eigene Automobile besigt, in den glänzendsten Berhältnissen. Trotzdem hat sie zu wiederholten Malen Taschendiebstäble verübt. Immer handelte es sich um die Wegnahme geringfügiger Gegenstände. Einmal ist sie auch wegen Diebstahls bestraft worden, viermal dagegen wurde fie freigesprochen Dieses Mal handelte es sich darum, daß sie auf der Straße einer Dame ein Taschentuch aus der Tasche gezogen hatte. Die An | getlagte entschuldigte fich bamit, baß fie von einem uniber- threr Eltern ausgewählt werden müßten; en gefunbes Mustefepringtp tehlichen 3 mange getrieben werde, fich von Fall zu Fall sei aljo gar nicht möglich. Im Schlußwort verteidigte sich Andreejen gegen unberechtigte Borwürfe, zeigte aber auch noch einmal mit aller fremdes Gut anzueignen. Zu gewissen Zeiten höre sie eine Stimme, die ihr zuraune:" Nimm das" und sie tönne dann nicht anders, Deutlichkeit, was uns von ihm trennt. fie müsse der inneren Stimme folgen. Auf Grund des Gutachtens ron Med. Rat Dr. Thiele tam das Gericht zu der Ueberzeugung, paß die Angeklagte für ihre Handlungsweise nicht verant. roortlich zu machen jei und sprach sie frei. Parteiveranstaltungen 4 Uhr. - am Nachmittag und Abend des 1. Mai: Konzert, Gesang, Rezitationen, Ansprachen, turnerische Darbietungen, Tänze usw. mitte: Berliner Prater, Kaftanienallee 6/7. Anfang 4 Uhr. Tiergarten: Karlshof, Spandauer Schiffahrtskanal. Anfang 4 Uhr Wedding: Pharusfäle, Müllerstr. 142. Anfang 4 Uhr. Prenzlauer Berg, Friedrichshain: Saalbau Friedrichshain. Anfang fireuzberg: Bockbrauerei, Fidicinftr. 2/3. Anfang 4 Uhr. Charlottenburg: Spandauer Bod Anfang 4 Uhr. Spandau: Löbels Karlslust, Hakenfelde. Anfang 3% Uhr. Wilmersdorf: Biftoriagarten, Wilhelmsaue 114/115. Anfang 4 Uhr. Schöneberg: Schloßbrauerei, Hauptstraße. Anfang 6 Uhr. Steglih: Südende, Bartrestaurant Anfang 4 Uhr. Mariendorf: Graffi Gesellschaftshaus, Chauffeestr. 205. Anfang 3 Uhr. Marienfelde: Haseloff, Berliner Str. 114. Anfang 5 Uhr. Neukölln: Neue Welt, Hafenheide. Anfang 4 Uhr. Lichtenberg: Schwarz Festfäle, Möllendorfstr. 26. Anfang 7 Uhr. Treptow- Nitschke, Am Treptower art 26. Anfang 6 Uhr. Oberschönermeides Mörners Blumengarten, Ostendstraße. Anfang Niederschöneweide: Kyffhäuser, Berliner Straße Anfang 6 Uhr. Adlershof: Böllsteins Luftgarten, Bismarckstr. 75. Anfang 4 Uhr. Johannisthal: Bürgergarten, Sterndamm. Anfang 6 Uhr. Köpenid: Erholungshaus Spindlersfeld. Anfang 5 Uhr. Friedrichshagen: Familienausflug nach Ravensteiner Mühle. punft am Surparf 2 1! hr. Friedrichsfelde: Haberland, Bhelmstr. 38. Anfang 6 Uhr. Bizsdorf: Porath, Marzahner Str. 31. Anfang 7 Uhr. Weißenfee: Boruffiasäle, Berliner Allee. Niederschönhausen: Schloß Schönhausen, Lindenstr. 11. ou 6½ hr. 4 1hr. Eine kostspielige Brant. Bon einer Schwindlerin um 125 000 Mart betrogen. Das Abenteuer mit einer angeblichen Fürstin tostete einem Berliner Bantbeamten zu Anfang des vorigen Jahres 125 000 m. Ein 49jähriger, aus Budapest gebürtiger Journalist François Szell, näherte sich diesem Beamten angeblich in geschäftlichen 2ngelegenheiten und stellte ihn bei einer Privatzusammenkunft unauffällig feine Ehefrau" por. Als diese bald darauf einmal mit dem Bantbeamten allein zusammentraf, erzählte sie ihm, sie sei eine geborene Fürstin Hohenlohe- Mariac- Starnberg" und habe vor drei Jahren Szell auf dem Echlosse ihrer Bäter fennen gelernt. Sobald sie erfahren habe, daß ihr Ehemann sie mit einer Beliebten betrog, habe sie sich von ihm fcheiden lassen. Szell habe auch seine Geliebte geheiratet. Trotzdem fei zwischen ihnen eine Versöhnung zustande gekommen, und sie begleite jezt ihren früheren Mann ständig auf seinen Reisen. Des Bantbeamte fand Gefallen an der Fürstin", diese erklärte sic bereit, sich von Ezell zu trennen und ihn zu heiraten Sie ließ fich von ihm ein schriftliches Cheversprechen geben. Dann begann die Ausbeutung. Eines Tages flagte die „ Fürstin", ihr Bater habe als leidenschaftlicher Spieler große Schulden gemacht und amtliche Gelder unterchlagen, um fie zu decken. Der Bantbeamte jah natürlich nicht gern, daß sein fünftiger Schwiegervater ins Gefäng nis fäme und opferte 70000 Goldmart. Nach einiger Zeit ließ die Fürstin" ihren Vater in Meran sterben. Für die angebLiche Ueberführung der Leiche nach München und das Begräbnis zahlte der Bantbeamte 6000 Goldmart Andere Summen verschlang die luguriöse Lebenshaltung der Dame, die ihr Bräutigam ebenfalls bestritt. Endlich wurde verabredet, daß sich das Paar in London trauen lassen wollte. Die Fürstin" fuhr voraus, um unterwegs in Hannover noch einige Angelegenheiten zu erledigen. Im Savoy- Hotel in London wollte man sich wieder treffent. Der Bräutigam aber fragte dort vergeblich nach seiner Braut. Enttäuscht fehrte er nach Berlin zurüc, nachdem er eine Beile hoffnungsvoll gewartet hatte. Die Fürstin" und auch Szell waren verschwunden. Ihre Spur führte nach Italien. Dort wurden fie auch ermittelt und verhaftet. Dem Bantbeamten hatte die Ge schichte im ganzen 125 000 Goldmart getoftet. Die Fürstin, die Anfang unterdessen als eine 21 Jahre alte Marie Fürst aus Dingolfing in Bayern festgestellt worden war, und Szell wurden nach Berlin gebracht. Bei der Hauptverhandlung, die jetzt stattfinden sollte, waren sie nicht erschienen. Die Staatsanwaltschaft hat gegen fie schleunigst einen neuen Haftbefehl erlassen. Treff, Buchhol: Rossad, Hauptstr. 71. Anfang 7% Uhr. Buch: Göpfert am Bahnhof. Anfang 8 Uhr. Karom: Klir, Pantgrafenstr. 3. Anfang 7 Uhr. Relnidendorf- Dit: Schüzenhaus, Residenzstr. 1. Anfang 7 Uhr. Reinidendorf- West: Hartmanns Brauerei, Scharnweberstr. 104. Anfang 7 Uhr. Rosenthal: Schneider, Haup: ftr. 3. Anfang 6 Uhr. Tegel: Strandschloß, am See. Anfang 4 Uhr Ansprachen halten: Dr. Breitscheid, Breuer, Caffau, Crispien, Dreifel, Edhardt, Faltenberg, Frande, Gener, Harnisch, Heinig, Hoffmann, Joachim, Sornemann, Judrian, Kreuziger, Kunert, Künst ler, Landa, Litke, Dr. Löwenstein, Maderholz, Polenste, Buttkamer, Todenhagen, Wachenheim, Woywod, 3öliner, 3ubeil Vormittagsveranstaltungen der Partei: Wannsee: 10 Uhr, Reichsadler, Königstr. 26. Rudow: 10 Uhr, Lindenpart, Bendaftr. 32. Köpenid: 9 Uhr, am Bahnhof Köpenid Treffpunkt zum Spazier Friedichshagen: 10 Uhr, Schröders Gesellschaftshaus, Friedrichstr. 137. gang nach Raulstorf- Sub, Sanssouci". Bohnsdorf: 2% Uhr, Schule Bahnhofstraße. Buchholz, Blankenburg, Karow: Die Teilnehmer treffen sich um 9 Uhr am Bahnhof Blankenburg. Von dort Abholung der Genossen yon Blankenburg, dann Festumzug nach Buchholz Zehlendorf: 10 Uhr, öffentliche Versammlung im Lindenpart, Berliner Straße 8. Zehlendorf: Lindenpart, Berliner Straße 8. 3 Uhr Boltsbeluftigung mit anschließendem gemütlichen Beisammensein Referenten: Erwin Barth, Emil Barth, Frau Bohm. Schuch, Dreffel, Lempert Landerziehungsheime und Volkserziehung. Die volkserzieherische Aufgabe der Landerziehungsheime behandelte am Dienstag abend eine Versammlung der entschiedenen Schulreformer im Schöneberger Siemens- Realgymnasium. Das Hauptreferat hielt Dr. Andreesen- Bieberstein, der Leiter der von Dr. Lieg begründeten Landerziehungsheime. Er verfuchte ein Bild der fulturellen und sozialen Zerrissenheit unserer Zeit zu geben, wobei er manches Beachtliche fagte, aber doch auch vieles, was mir als Sozialisten nicht zu unterschreiben per mögen. Das Hauptziel der Erziehung scheint ihm der Mensch von mahrem Adel und menschlicher Größe, während uns mehr als an dem einzelnen an der Gemeinschaft, an der Lommenden Gesellschaft, an der Sache des Sozialismus gelegen sein muß. Das Korreferat von Dr. Fritz Koenekamp Marburg ging leider an diesem Grundfäß lichen völlig vorüber. Es blieb an Einzelheiten haften, warf, anfcheinend nicht ganz zu Unrecht, den Landerziehungsheimen einen gewiffen Nationalismus vor und erflärte die Weltabgeschiedenheit der dortigen Erziehung als für Bögling und Gesellschaft ungünstig. Mit wenigen Worten zeigte dann Genosse Professor Destreich in der Diskussion, auf was es wirklich ankommt. Er hält die Landerziehungsheime für wichtige pädagogische ersuchsstätten, glaubt aber nicht, daß sie wahr.. haft voltserzieherisch wirten fonnten. Das hindere schon die Tatsache, daß die Schüler notwendig nach dem Geldbeutel Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 30. April. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berl. Funkkapelle). 6.05 Uhr abends: Fünfzehn Afa- Minuten( Paul Morgan). 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Technik. v. Ardenne:„ Die Physik der Glühkathodenröhre". 7 Uhr abends: Vortragsreihe: Der Naturschutz". 2. Vortrag. Professor Dr. Schoenichen: Naturschutz und Erziehung 7.30 Uhr abends: II. Oratoriensendung Die Schöpfung, von Joseph Haydn: für Solostimmen, Chor und Orchester. Dirigent: Pius Kalt. Gabriel und Eva: Rose Walter; Uriel: Alfred Wilde; Raphael und Adam: Cornelis Bronsgeest. Das große Berliner Funkorchester; BasilikaChor St. Hedwig. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik Das bewährte Treibmittel Neuer Anfängerfurfus in Englisch beginnt im Mai. Melbungen minds ich oder schriftlich bei Gen. Unifomer, Berlin W 57, Rurfürftenftraße 21/22, int. Seitenfl. IL mittags 2%, br. Bezirksbildungsausschuß Groß- Bern. Sonntag, ben 17. Mai, nachim Staatstheater Charlottenburg: „ Napoleon"( oder die 100 Tage). Drama in fünf Aufzügen von Chrift. Friedr. Grabbe. Preis pro arte 1 M. Kleiderablage und Theater. zettel frei.Donnerstag, den 21. Mai( Himmelfahrt): nabmitt igs 24, Uhr, im Deutschen Opernhaus, Charlottenbura, Bismard Mufit von Franz v. Suppé. Preis der Karte 1,30 M. Stleiderablage frei. ftrake: Boccaccio", Operette in 3 Atten von Bell und Richard Benée, Starten für diese Beranstaltungen find noch in allen bekannten Berkaufs ftellen zu haben. Englisch- deutsche Luftverkehrsverhandlungen. Gestern trafen auf dem Luftmege pon London Sir Robert Edwards und Dr. Bertram bom englischen Luftministerium auf dem Flughafen Tempelhofer Feld ein. Die genannten Herren werden mit dem Reichsverkehrsministerium über Luftverkehrsfragen verhandeln. große Falschmünzerbande feffgenommen, die feit einiger Zeit Köln, 29. April.( Eigener Drahtbericht.) In Köln wurde eine Hundertdollarnoten herstellte und in den Berkehr brachte. Jugendveranstaltungen. Achtung, Drbner zum Maijugendtag! Seute, Donnerstag, pünktlich abends 149 Uhr; Rufammenkunft im Bureau des Hauptvorstandes, Belle- Alliance Blag 8, vorn 2 Tr. Jede Abteilung muß vertreten sein. Heute, Donnerstag, den 30. April, abends 7% Uhr: Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2, Bortrag: Bege gun Sozialismus". Schönhauser Borstadt: Schule Sbfenftr. 17, helm- BuschAbend. Senefelber- Biertel: Sugendheim Eberswalder Str. 10, Aussprache: „ Unsere Arbeit in der Gruppe". Südwest: Jugendheim Lindenstr. 3, Bortrag: Bir und die Kirche. 1 The nimell Sport. Rennen zu Mariendorf am Mittwoch, den 29. April. 1. Rennen 1. Corone Mc. Knney( J. Lichtenfeld), 2. Ballonfönigin ( B. Triphan), 3. Baron Klatamah( S. mins). Toto: 17:10. Blat: 13, 19. 14:10. Ferner liefen: Native Forbes, Dlley B., Prinz Kudud, Gay Child, Clärchen M., Martha III. 2. Rennen. 1. Morgentan( B. Schuller), 2. Dina Batts( 3.B.Allen), 3. Elfenkönigin( W. Lemzer). Toto: 38: 10. Blag: 14, 25, 30:10. Ferner liefen: Varajit, Lottie Anvil, Lord Bolo, Aeneas L 3. Rennen. 1. Interpellant( Ch. Mins), 2. Berdun( S. Dinse), Toto: 18:10. Ferner liefen: Amorette, Dantel, Bassander, Fistus. 3. Johannistäfer( W. Strauß). Blag: 11, 11, 12: 10. 4. Rennen. 1. Jeffries jr.( W. Lemzer), 2. Altgolb( Elias). 3. Fenelon( 2. Beiß). Toto: 100: 10. Blab: 38, 21, 28 10. Ferner liefen: Bechfadel, Mirabelis I, Angriff, Linsto, Heiderofe B., Blaumeiſe, Frundsberg. Cleo Watts, Willy I. Dollyfa. Regel, lud, Sybill 5. Rennen. 1. Rammersänger( B. Hedert), 2. Starl Allegander ( Schmidt), 3. Stōnigsabler( G. Lautenberger). Toto: 46: 10. Blaz: 17, 16:10. Ferner liefen: Stinostern, Soubrette, Broschüre. 6. Rennen 1. Baron Tregantle( 2. Haale), 2. Ddessa( Storting), 3. Barometer( Herfurth). Toto: 20:10. Blas: 14, 35, 20: 10. Ferner liefen: Freifchen, Brilon Bronz, Weinminze, Schneewolfe, Baron Batts jr, Flora Bingen, Sturm, Battchari, Armida L. 7. Rennett. 1. Alice Root( Ch. Mills), 2. Erdmann( B. Hedert), 3. Marcel( J. Mills). Toto: 13:10. Blat: 11, 22: 10. Ferner lief: To. & Rennen. 1. Flatterroje( 3 Mills), 2. Heidefee( Knöpnadel jr.). 3. Coriolanus( G. Lautenberger). Soto: 29: 10. Blat: 13, 13, 13: 10. Ferner liefen: Brilon Brinz, Champion Goud, Leuchtturm, Goudster jr, Margaret D'Donna, Gladiator I, 8igeunerbaron, Rodung. Geschäftliche Mitteilungen. Thr 10jähriges Dienstjubiläum feiert am 1. Mai dieses Jahres bie Bro Turiftin Fräulein Johanna Cohn im Hause der Massarn- Zigarettenfabrik A.-G., Berlin S. 42, Ritlerstr. 9-10. Einen intereffanten Beweis für die überragende Bedeutung der Seitungs anzeige unter der Fülle der modernen Reffamemittel liefert auf der ReichsReklame- Meffe im Haufe der Funkindustrie die bekannte Anzeigen. Expedition Ala, Scafenftein u. Bogler, in ihren Ständen 188/189. Sier wird gezeigt, daß von dem Umfak der mehr als 30 000 Stunden zählenden Ala rund 92 Proz. auf Anzeigenwerbung entfallen und nur 8 Proz. auf andere Reklamemittel. Bir empfehlen jedem unserer Leser dringend, einen Besuch der Retlame- Messe und in ihr ein Studium der lehrreiden Ala- Stände. Näheres ist aus dem Ala- Inserat im Anzeigenteil diefer Nummer zu ersehen! für jeden Kuchen, wenn er vortrefflich sein soll, ist und bleibt Mondamin- Backpulver. Ein feuchtes Backpulver wird immer versagen. Aber wenn Sie Mondamin- Backpulver trocken aufbewahren, so geben Ihnen auch lange liegende Pulver die Garantie des Gelingens. Der Kuchen wird locker und bekömmlich und kein Mensch ahnt, dass es ein Pulverkuchen ist. Darin liegt der Wert des MONDAMIN- BACKPULVER ohne Pulvergeschmack 600 Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrit sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin Theater, Lichtspiele usw. flets an das Beztrisjetretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, au richten Bezirksvorstand. Sonnabend, den 2. Mai, abends 6 Uhr, wichtige Sigung Im Jugendheim, Lindenstr. 3, II. Hof, III Treppen. Die Kreisvor fizzenden oder deren Stellvertreter müffen anwesend sein 4. Areis Prenzlauer Berg unb 5. Kreis Friedrichshain. Maifeier in God bau Friedrichshain. Referent Genoffe Pfarrer Frande. Bei ungünstiger Witterung findet die Feier im Gaal statt. Eintritt in Steuer 60 Bf. Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Heute 8 Uhr 8 Uhr: Intermezzo Der Werwolf Opernhaus am Königsplatz Morgen 7 Uhr. 7 Der Freischütz Premiere Schauspielhaus Demimonde 7 Wallenst. Tod Schiller Theater & Kreis Kreuzberg. Alle Genoffen beteiligen sich mit Familie, Freunden U. Alt- Berliner Trianon- Th. und Anhängern an dem Boltsfest in der Bockbrauerei, Fidicinstr. 2-3. Saffeeküche ab 3 Uhr. Programm beginnt um 4 Uhr. Eintritt 40 Bf.. Kinder frei. Possenabend Gr.Volksoper 11. Kreis Echöneberg- Friebenau. Am 1 Mai, nachmittags 4 Uhr, Maifeier in der Schloßbrauerei( Gartenfonzett). Die Raffeetide ift ab 3% Uhr geöffnet. Rarten zum Preise von 50 Bf. find bei ben Abteilungsführern im Theat. d Westens und an den mit Blafaten tenntlich centachten Stellen erhältlich. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Die Genoffinnen und Genossen beteiligen fich an der Vormittagsveranstaltung am 1. Mai im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffelstraße. 14. Rreis Neukölln. Die Ordner sur Maifeier treffen fich am 1. Mai, nach. mittags 2 Uhr, in der Neuen. Welt zur Einteilung. 21. Abt. Heute, Donnerstag, den 30. April: 71 Uhr: Täglich 8 Uhr: Yoshiwara Leppinger Kaiser- Titz Costa Faime Kleines Th. Volksbühne 72 Schluck u.Jau Achtung, Funktionäre! Maizeitungen von Kroll abboten. Die Deutsch. Theater Cenoffen werden gebeten, das Propagandamaterial abzugeben. 33. Abt. Die Maifeierbilletts müssen bis heute abend bei dem Rasierer abgerechnet fein. Alle nicht obgerechneten Billetts gelten als verlauft. 104. Abt. Riederschöneweide. 7% Uhr im Lotel Thiele Sigung fämtlicher Funktionäre, Beamien und Betriebsvertrauensleute. Alle Mitglieder find dazu eingeladen. 133. Abt. Die Genossen treffen fich zu einer wichtigen turzen Besprechung um 7 Uhr bei Noffad. Jungfozialisten. Gruppe Renföln: 7½ Uhr, Ganghoferfir. 9, Bericht über bie Reichskonferenz. 29 Uhr Distuffion mit Genoffen E. Marquardt über Die verschiedenen Richtungen des Sozialismus". Morgen, Freitag, den 1. mai: 110. Abt. Grünau. Die Genoffen und Reichspannerleute beteiligen fich nach mittags an der Beranstaltung in Bohnsdorf, die um 2½ Uhr von der Schule aus beginnt. Abends 8 Uhr Maifeier in Grünau bei Werner, Röpenider Straße. 112. bt. Rahnsdorf- Wilhelmshagen. Die Genossen mit Familien treffen fich abends 7 Uhr in Andrees Baldfchänke, an der Chauffee RahnsdorfEriner, aur Maifeier. 132. bt. Blankenburg. Vormittags 9 Uhr bei Alug, Derfitt. 2, mario nach Buchholz. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. 8 Uhr: Der Revisor Kammerspiele 7 Uhr. Tägi. 8 Uhr: Die Großfürstin und der Zimmerkellner Sechs Personen Residenz- Th. suchen einen Autor Die Komödie 8 Uhr: Täglich 8 Uhr: Die Nacht Regie: G Altmann Sterler, Dieterle Kurfürstendamm 266/207 der Barmherzigkeit Der sprechende Affe von Max Hochdort Theater 1. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr Franziska Komödienhaus SU.: Das silberne Kaninchen. VALHALLATHEATER Berliner Theater 7.30 Uhr: Anneliese v. Dessau Weinbergswe, Rosentha er Tor. siergart: 8ur Maifeter treffen fich bie Rinber permittags 9 Uhr Bahnhof SCALA Tiglich 74 Uhr Beuffelstraße. Sum Jugendtag in Raulsdorf am Sonnlag, ben& Mai, treffen wir uns um 28 Uhr im Aleinen Tiergarten( Ariegerdenkmal). Fahr aeld und Proviant mitbringen. Webbing: Die Rinderfreunde Wedding laden alle Gruppen, Rinder und Eltern zur Maifeier in der Jungfernheibe( an ber Militärbadeanstalt lögenfee) ein. Treffpunkt für diejenigen, die fich nicht einer geschlossenen Kindergruppe anschließen, Gee, Ede Millerstraße, vor mittags um 11 Uhr. Beginn der Feier 12 Uhr. Brenzlauer Berg: Die Gruppen beteiligen fich am 1. Mai an der gemeinsamen Maifeier in der Jungfernheide. Kinder und Eltern aller Genossen find eingeladen. Frieb richshain: Treffpunkt zur Maifeier in der Jungfernheide( Normaluhr), Balten play, 9 Uhr. Charlottenburg: Die Kinder tommen Donnerstag: um 6 Uhr zu einer furzen Besprechung betreffend Maifeier ins Sugendheim. Banlow: der Jungferenheide. Treffpunkt: Gruppe Pantow: 10 Uhr Rirche, Gruppe Niederschönhausen: 9% Uhr Friedensplak. 8 Uhr: 7% VARIETE REVUE EnsembleGastspici des Central- Theater 7 Uhr: Die Kinderfreunde beteiligen fich an der Maifeier ber Gruppe Webbing in Die versunk. Glocke Deutsch. Opernhaus 71 Uhr. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Die Fledermaus Reichsbanner Schwarz Rot- Gold". Gefchäftsft efse: Berlin G 14. Gebaftianfte. 37/38. Sof 2 r. Gauvorstand. Die Beerdigung unseres erfchoffenen Rameraden Erich Schulz findet am Sonnabend, den 2. Mai, nachmittags, ftatt. Nähere Anweisungen erfolgen noch. Sämtliche Rameradschaften haben fich so einzurichten, daß fie spätestens um 4 Uhr an einem noch zu bestimmen MetropolTheaters Der große Schlager Gräfin Mariza OriginalNeues Th. am 200 Besetzung Tägi. 8 Uhr BABY Ausstattung Preise: Den Treffpunkt im Bezirk Kreuzberg stehen müssen. Ramerabschaft Kreuz. Th. in Kommand. Str. berg: Die fortgeschrittenen Spielleute nehmen an der Uebungsstunde des PC.- Bantom im Jugendheim Breite Sft. 32 am Donnerstag, den 30. April, Zum 50. Male 0.75-4.50M. rebends 8 Ubr, tell. Gridjeinen bringend notwendig, Inftrumente mitbringen. USCHI Apollo- Theater Die Beerdigung des erichoffenen Kameraden Sonra findet am Sonnabend ben 2. Mai, flatt. Diejenigen Rameraden, denen es möglich ist, finden sich von Jean Gilbert Sonnabend um 12 Uhr mittags auf dem Friedhof Schöneberg, Enthftoaße, ein. Der Rest der Rameradschaft sammelt fich von 2 bis 3 Uhr Trebbiner Str. 8. Sämtliche Fahnen find mitzubringen. Kameradschaft Friedrichshain: Sonn- Dia- Palast 7 and 9 Uhr: am Zoo Wege zu Kraft abend, den 2. Mai, nachmittags 2½ Uhr, Treffen der gefamten Rameradschaft im Bereinslokal, Fruchtfit. 36a, aur Bestattung des Rameraden Schulz von Areuzberg. Gauveranstaltung. Rameradschaft Weißensee: Donnerstag, den 30. April, abends 8 Uhr, Grüner Baum, Uebungsabend und Mitgliederverſammlung. Sämtliche Kameraben werden gebeten, zu erscheinen. Achtung, Breffe beachten, zweds Beerdigung des erfchoffenen Kameraden. Ramerad schaft Mitte: Donnerstag, den 30. April, abends 7 Uhr, Turnabend Alle 30. April, abends 7 Uhr, Ueben der Spielleute mit Charlottenburg und Strenzberg im Jugendheim. Sonnabend, ben 2. Mai, abends 7 Uhr, Mitgliederversammlung bei Meier. Sämtliche Mitglieder müffen erfdreinen. Mitgliedstarten sind mitzubringen. Ramerabschaft Wilmersdorf: Die Turnund Sportilbungen finden his auf weiteres noch jeden Freitag abend von 8 bis 10 Uhr in der Oberrealschule am Seepart statt. Rahlreiche Beteiligung, auch der Altzameraden, dringend erwünscht, da neue Uebungen aufgenommen fired( Medizinball, Boren). Ramerabschaft Charlottenburg: Freitag, den haben baran teilzunehmen. Rameradschaft Bankow: Donnerstag, den Und Schönheit 1 Mai, abends 6% Uhr, Abmarsch sämtlicher Rameraben vom Wilhelmshof, Berliner, Eingang Spreeftraße. Kameradschaft Eichwalde: Sonnabend, den 2. Mai, abends 8 Uhr, Bellversammlung bei Lindner. Borstandssigung eine Stunde früher dafelbft. Berliner Sängercher. Seute, Donnerstag, abends 8 Uhr, wichtige Ber. fammlung im Gewerkschaftshaus, Gaal 1. Freitag vormittag 10 Uhr Mit wirkung bei der Maifeier Des AfA- Bundes im Lehrervereinshaus, Alexanderplat. Männerchor Brenzlauer Berg. Sämtliche Gangesbrüder nehmen an ber Maifeier des Baugewerfsbundes teil und treffen sich am 1. Mai vormittags 9 Uhr im Gaalbau Friedrichshain. Bollzähliges Erscheinen Pflicht. Männerdor Colidarität". Alle Sänger treffen fich am 1. Mai pormittags 10 Uhr auf der Bühne in der Reuen Belt, Eingang Jahntor. Erscheinen ist Bflicht. Die Arbeitsgemeinschaft für das arbeitende Balästina bei bem Jüdischen Stubentennerein veranstaltet Freitag, ben 1. Mai, 8 Uhr, im Bereinslofal, Friedrichstr. 115, ant Oranienburger Tor, eine 1.- Mai- Feier. Festrebner: 1. Dr. Rudolf Samuel: Ueber die Bebeutung des 1. Mai 2. Ch. R. Affoff ( Leiter des allweltlichen Komitees für das arbeitende Balästing): Ueber den Dichter Jofeph Brenner". 3. Ch. 3. Joelsohn: Ueber die Palästina- Arbeiter. Fond Gäfle herzlich willkommen. Deutscher Monistenband, Drtsgruppe Berlin. Dr. Mar Deri spricht am Donnerstag, den 30. Apri, 8 Uhr, über das Thema Des Gottlosen Belt anfchauung und Lebensgeftaltung" in der Aula des Friedrich- Wilhelm- Gymna frum, Rochftr. 13( nahe Friedrichstraße). Anschließend Diskussion. Vortrag der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, e. B. Am Freitag, den 1. Mai, 48 Uhr, findet im Braukischen Oberverwaltungsgericht, Sardenbergstraße 31( Nähe Bahnhof Soologischer Garten), ein Bortragsabend der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, e. B., über Rreditfrogen der Gegenwart" fatt. Bortragender Dr. Dalberg. Arbeitersport. hodni Arbeiter Mandolinenflub Stern( Mitgl. 8. DAMB.). Am Freitag, ben 1. Mai, fällt der Uebungsabend ans. Dafür am Sonnabend, den 2. Mai, alle Spieler und Aursusteilnehmer abends 8 Uhr bei Schulze, Embener Gir. 32. Jiu- Jitsu- Kursus. Infolge technischer Schwierigteiten fonnte ber JiuJitsu Rurfus des Sport- Club Libertas 96", Jiu- Jitfu- Abteilung, Charlottenburg, nicht, wie bereits bekanntgegeben, am 24. April pouftatten gehen. Der eigentliche Beginn dieses Rurfus ist auf den 1. Mai festgelegt. Er beginnt abends 8 Uhr in der Turnhalle der 15. Gemeindeschule, Charlottenburg, Spree Ru diesem Kurius fönnen fich noch einige neue Teilnehmer melden. Da erst ffaffige Lehrkräfte fomie gutes Mattenmaterial zur Berfügung stehen, ist für eine genügende Ausbildung Gorge getragen. Die Trainingsabende der JiuJitfu- Abteilung find Diens.ags und Freitags von 8-10 Uhr in obengenannter Surnhalle. Kurjustag nur jeden Freitag von 8-10 Uhr. Gäste find willtommen. Vorverkauf 11-2 Uhr. Dirikt. James Klein 8 Uhr. 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Premiere Die OriginalKlabrias- Partle Der blonde Engel ausierer jokele LUNAPARK Eröffnung 2. Mai Sonnabend ALA TOR Die zweite Frau Deutsch. Künstlertbeat. Tägi.- 8 Uhr Die Bar auf Montmartre Freitag, d. 1 Mai Premiere Monsieur Troulala Operettevon Rich Keß er und Kurt Robitschek Musik von Hugo Hirsch Max Ada bert Trude Hesterberg Curt Bois Edith Schollwer Halm, Neuhoff Lustspielhaus Donnerst 30.April Zum 150. Male 3 Uhr Guido Thigischer D. wahre Jakob Operettenhaus am Schiffbanerdamm 8 Uhr: Der blonde Traum Wallner Theat. 28 Uhr: Romeo u. Julia Rose- Theater T8 Paar Schuhe nolfsmotni sanu Ocb Jus ſtraße 28. alle hierzu gemeldeten Zeilnehmer wollen fin bort infimben. Stand 188/189 Sportlartell Charlottenburg, 7. Bezirk. Montag, den 4. Mai, 8 Uhr, Sigung im Wandererheim, Rosinenstraße. Zu dieser Sigung sind die Tech riter mit eingeladen, um zu den örtlich zu treffenden Beranstaltungen zum RAST. Stellung zu nehmen. Touristenverein„ Die Naturfreunde"( Zentrale Bien), Bezirk Rorben. Heute pilnftlich 8 Uhr lester Bortragsabend von Dr. Alose im Ledigenheim. Abteilung Gesundbrunnen: 3. Mai Fahrt nach Meißners Sof. Abfahrt 6.56 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen bis Borgsdorf. SB. Sparta 1911. Beichtathletit, Fußball, Soden, Sandball. Donnerstag, 30. April, pünktlich 7½ Uhr, bei Gollmann, Rigaer Straße, Quartalsvollverjammlung. Seber muß erscheinen, da wichtige Beschlüsse zu fallen find.. Briefkasten der Redaktion. 3. S., Berlin. 3hre Frage tanu gewissenhaft nur von einem Arat beant. wortet werden. Weifer für Berfin und Umgerend. Beitweise etwas aufflarenb, aber nnbeständig und fübl, fpäter wieder Neigung zu Regen. Für Deutsch land. Anfangs im Nordosten, dann wieder im Beften leichte Regenjälle. Ueberall fühl auf der Reichs- Reklame- Messe Beachtenswert für jedermann, der Reklame brauchen kann! 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Ihnen als Führern der Biriffaft ift es eine geläufige Wahrheit, daß zwischen Bolitik und Wirtschaft ein unlösbarer Zusammenhang besteht. Die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen jegt in der einen oder enderen Form nahezu alle Länder zu fämpfen haben, tragen dazu bei, diefe Wahrheit überall in ber Belt lebendig werden zu lassen. Jeder Einsichtige erkennt, daß die Ge. sundung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu einem wesentlichen Teile von der Gestaltung der großen internationalen Probleme abhängt, welche die europäische Bolitik beherrschen. Die Bemühungen für den wirtschaftlichen Wies beraufbau würden vergeblich sein, wenn es nicht gelänge, die richti gen Wege und Methoden für die Lösung jener Probleme zu finden. Benn nan die internationale Gesamtfituation mit einer Formel umschreiben will, fo läßt sich vielleicht lagen, daß die Bölter tminer stärker das Bedürfnis empfinden, die in den großen politischen Fragen auf Europa lastende ungewißheit und Untlarheit beseitigt zu leben. Eine dahingielende Bolitit aus selbstverständlich vom Gefeß der Kontinuität beherrscht sein und fann nicht willkürlich ihre Richtung ändern. Das Gesamtproblem zerlegt fich für die praktische diplomatische Behandlung in eine Reihe von Einzelfragen. Von diesen Einzelfragen will ich zunächst auf die Räumungsfrage eingehen, die Sie, jehr verehrter Herr Präsident, bereits mit Recht hervorgehoben haben, und dann noch ein Wort über die Sicher heitsfrage anschließen. Wenn ich das Bedürfnis der Böfter nach Klärung der politifchen Berhältnisse hervorgehoben habe, so ist allerdings die Tatfache, baß es eine Räumungsfrage gibt, nicht das Zeichen eines Fortschritis, sondern ein Beweis dafür, welche ernsten hem. mungen noch zu überwinden find. Man dursie im vorigen Herbste annehmen, daß die Entwicklung der internationalen Beziehungen über das Stadium derartiger Schwierigkeiten bereits hinaus. gewachsen sei. Diese Erwartung ist zu Anfang dieses Jahres enttäuscht worden, und das Deutschland angetane Unrecht besteht noch immer fort. Seit mehr als breieinhalb Monaten warten wir vergeblich auf eine fubstantiierte Begründung für die Richträumung, eine Begründung, bie uns in den allierten Noten zwar wiederholt als bevorstehend angekündigt, aber bis heute nicht eingetroffen ist. Man hat van schweren Verfehlungen Deutschlands in der Entwaffnungsfrage gesprochen und die alliierte Presse hat es fich vielfach angelegen sein lassen, alsbalb die ungeheuerlichsten Behauptungen hierüber in die Welt zu fezen, allem Anschein nach hat es jedoch monatelanger Erörterung bedurft, um die gegen Deutschfand zu erhebenden Bormürfe auch nur au formulieren. Die Reichsregierung ist nicht müde geworden, in ihren öffent fichen Auslaffungen und ihren diplomatischen Borstellungen immer wieder darauf hinzuweisen, daß es fchlechterdings unhaltbar ist, einem Lande megen angeblich mangelhafter Bertrags. erfilitang Represalien aufzuerlegen und ihm zugleich die Mog. liteit der Rechtfertigung wie auch die Möglichkeit ber fachlichen Auseinanderjesung zu nehmen. Mir nuijsen bestimmt erwariert, daß die allierten Stegierungen nicht länger zögern, diesem Zustande ein Ende zu machen. Die Notwendigteit einer schnellen Berwirklichung der Räumung Preise, Löhne und Zollpolitik. Die Standgebung des Industrie und Handelstags. Auf der 45. Bollversammlung des Spizenverbandes der Auf der 45. Bollversammlung des Spigenverbandes der teoffchen Handelstammern, des Deutschen Industrie und Handelstages murde eine Entschließung einstimmig an genommen, deren Inhalt in wichtigen Buntien für die Arbeiter haft von Intereffe ist, weil sie die im Untenehmerlage vertretenen Auffassungen über Wirtschafts, Sozial- und Steuerpolitit aufs neue tennzeichnet. Die Resolution beginnt: „ Die deutsche Wirtschaft ist durch die Berfufte der Kriegs und Nachfriegszeit und die Opfer, die zur Aufremierhaltung der politischen und wirtschaftlichen Einheit des Reiches zu bringen waren, aufs tieffte geschwächt. Jndustrie und Handel, Banten, Schiffahrt, Berkehrs- und Versicherungsgewerbe haben an ihrem Bermögen, insbesondere dem flüssigen Betriebsfapital schwere Einbußen erlitten. Das erschwert not wendige technische Berbesserungen der Betriebe und eine für den Abfaz ermünschte Gestaltung der Zahlungsbedingungen. Gleichzeitig beschränkte die Schwachung der inner. deuifen auftraft und die handelspoliitsche Abschließung großer Staaten den Marft. Wiederansammlung von Sapital, ohne das die Fortführung einer hochentwickelten Wirt. fchaft und die leberwindung von Rrijen unmöglich ist, Mehrung, Verbesserung und Berbilligung der Produtton, Minberung ber auf 4 ist indes feineswegs nur ein deutsches Sonderinteresse. Die gefamte europäische Bolitit trantt an der Verzögerung dieser Frage. Die Reichsregierung hat um fo mehr ein Recht, dies festzulegen, als auch der Ausbruch des Räumungstonflittes fie nicht davon abgehalten hat, an der Lösung der fonftigen europäischen Fragen nach besten Kräften pofitio mitzuarbeiten. Diesem Ziel sollten die bekannten Bemühungen der deutschen Regierung in der Sicherheitsfrage bienen. Deutschland fann in seinem entwaffneten Zustand auch feinerleits mit Recht eine Forderung nach Sicherheit erheben. Es hat um so mehr ein Interesse daran, sich auf dem Bertragswege gegen zukünftige Angriffe zu schützen, als es, wie auch bei dieser Gelegenheit wiederholt fei, teinen Krieg führen will, und, wie jeder wirklich Sachverständige weiß, felnen Krieg führen fana. Die deutsche Regierung wollte in ber realen Erfenntnis der Notwendigkeiten, denen fich tein deutscher Staatsmann verschließen tann, und andererseits unter offener Darlegung der legitimen Ziele, auf die fein deutscher Staatsmann verzichten tann, mithelfen, um einen Weg zu finden, der im Interesse aller europäischen Böller zur Beseitigung der immer noch vorhandenen internationalen Spannung führt. Unsere Stellungnahme in dieser Frage ist jo flar und deutlich, daß in teiner Richtung ein Zweifel an unseren Absichten möglich sein sollte. Es ist selbstverständlich, daß der von der Reichsregierung eingenommene Standpunkt unverändert besteht Donnerstag, 30. April 1925 Zur Abdeckung der notwendigen Einfuhr wie zur Abtragung der Reparationslaften ist für Deutschland eine starte Ausfuhr notwendiger als je. 3hr Mangel bedeutet madjende Ver. fchuldung, Verkümmerung der nationalen Produftion und Lebens haltung, Gefahr der Ueberfremdung und Verschleuderung. Die fezige paffive Handelsbilanz in ihrer hohen Einfuhr durch den Kapitalbedarf mii verursacht, ist ein Warnungszeichen. Gleichzeitig mit der Pflege des inneren Marties muß fid) Deutschland daher bemühen, durch Handelsverträge auf dem Boden ber Meistbegünstigung feinen Erzeugnissen, besonders denen hochwer tiger Arbeit, Aufnahme im Auslande zu erschließen. Deshalb mus ein für Berhandlungszwede geeigneter 3011tarif endlich ver. abfajiebet und am endgültigen 3olltarif beschleunigt weiter. gearbeitet werden. In der Frage der Getreidezölle, der wegen der Veränderungen der agrarpolitischen Lage Deutschlands und der großen Getreideausfuhrländer gegenüber der Zeit vor dem Kriege einer eingehenden allgemein volkswirtschaftlichen Prüfung bedarf, wird, mie in lebereinstimmung mit dem Beschluße des Hauptaus fchiffes vom 23. September 1924 betont jei, ber Landwirtschaft einzuräumen fein, was fie braud; t, um im allgemeinen die vor dem Kriege erlangte Intensität wiederzugewinnen und zu steigern und den Einfuhrbedarf zu verringern, zugleich wird jede hiernach nicht nofwendige Zollbelastung zu vermeiden sein, die die deutsche Arbeit für den Inlandsmarkt wie für den ohnehin sehr erschwerfen Abjah im Ausland verfeuern und mit der deutschen Gesamtwirtschaft auchy die Landwirtschaft schädigen würte." Löhne und Preise. Hammi zeigt auch der Wortiaut der Resolution zur Handelspolitit, daß Ebenso wie das Referat des früheren Reichswirtschaftsministers Tung einzunehmen. Sind Agrarzölle fchädlich, so muß man es nicht magt, zu diefer dringenden Frage eine tlate Stel. ihnen entgegengewirkt werden. Das ist möglich, wenn man die nicht auf dem Gebiete der golfpofitif, ſondern auf Förderung der landwirtschaftlichen Probutiion anderen Gebieten sucht. Wissenschaftler wie Aereboe, Sebring und Jastrow haben ebenso wie Genoffe Otto Braun als preußischer Landwirtschaftsminister Borfchläge dazu gemacht, wie der Landwirt Im übrigen ist die Sicherheitsfrage ein zu fchwieriges Problem, fcheft ohne Schutzölle geholfen werden fann. Ein lnding ist es als daß es ratfam wäre, fie unnötig durch das hineinziehen anderer ferner Agrarzölle abzulehnen, wenn man nicht einmal den Mut bazu Probleme zu belasten, die entweder mit ihr überhaupt in feinem findet, die Berteuerung der zur landwirtschaftlichen Güter Zusammenhang stehen, oder doch zweckmäßig eine gesonderte Beerzeugung notwendigen Rohstoffe, maschinen usw. durch handlung erfahren. Zölle abzulehnen. Um dieie sehr wichtige Frage wird hier ein Auch die Frage der Räumung der nördlichen Mheinlandzone Epiel mit Worten anstatt positiver Borschläge gemad; t. leberbies enthält die Stellungnahme des Deutschen Handels fann selbstverständlich nicht in dem Sinne mit dem Zustande tommen eines Sicherheitspattes verknüpft werden, daß die Räutages insbesondere auch auf dem Gebiete der Lohn politit Wenn aber die Aniierten die Behandlung der Sicherheitsfrage so mung Don einem solchen Sicherheitspatt abhängig wäre. foldje Halbheiten, die schlimmer als Irrtümer find. befchieunigten, daß fie zugleich mit der selbstverständlich nicht zu verzögernden Räumungsfrage erledigt werden fönnte, und wenn auf diese Weise die Gesamtverständigung erleichtert route, fo wäre das von Deutschland durchaus zu begrüßen. Die bisherigen öffentlichen Acußerungen der allierten Staatsmänner haben mehr fach die grundsätzliche Bereitschaft zur Beschreitung eines gemeinfemen Weges mit Deutschland zur Lösung der Sicherheitsfragen er fennen faljen oder wenigstens feinen grundsäglichen Widerspruch ausgedrückt. So bleibt, wenn wir auch zur Stunde auf die end gültige Stellungnahme der alliierten Regierungen noch warten, die Aussicht offen, daß ein positives Ergebnis erzielt wird. Sobald diese beiden dringendfien Probleme geregelt find, scheint mir der Weg offen zu sein zu dem Biederaufbau Europas in politischer, wirtschaftlicher und moralischer Beziehung. Erst dann wird die Erfenntnis der gemeinsamen Interessen, welche die Länder Europas verbinden, zu voller Auswirkung gelangen Rirgends wird eine Beschleunigung diefer Entwicklung mehr gewünscht als in Deutschland. Die beutschen Staatsmänner und, wie Sie, meine Herren, mir bestätigen werden, auch die beut schen Wirtschaftler merden es niemals baran fehlen laffen, ihren Zeil zur friedlichen Verständigung und aur foli barisen Zusammenarbeit der Bolter beigumaren diese nach Deutschland hereinbringt. Sein mit der Niedrig tragen. der Wirtschaft liegenden Lasten und die handelspolitische Erschließung von Märften find daher dringendes Gebot Denn es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß die notwendige Abfah fteigerung allein von der Brobuftionsseite her erfolgen tann. Die Breise für Tertilwaren 3. B. find fa nicht allein deshalb jenseits jeben Berhältniffes zur Rouftraft der breiten Massen, weil die Probuftion vernechläffigt ist obwohl hier gewiß vieles nicht stimmt fondern auch deshalb, weil die Rohstoffpreise zu hoch sind. Auf diese aber haben wir teinen Einfluß, da wir barin volltemmen von der Einfuhr aus dem Ausland abhängig sind. Mindestens so weit, als die Berteuerung wichtiger Bedarfswaren vom Weltmarkt her bittiert ift, muß die Stärkung der Kauftraft auf der Lohnfeite nicht minder wie auf der Seite der Preise gesucht werden. Treffend meinie Hamm, daß wir heute viel zu viel Fertigwaren einführen, daß roir also eine Beridwendung auf einem Gebiet trelben, wo wir fie uns am allerwenigsten leiften fönnen: denn in den Fertigwaren be zahlen mir ja die doppelt, dreimal und niermol so hohen Löhne, die bee ausländife Fabritani feinen Arbeitern zue wendet. Wie unfinnig ift es dann aber, menn man immer wieder deutschen Arbeitern gegenüber behauptet, man tonne teine höheren Löhne zahlen Die Wirtschaft zatli fie la doch, aber an den Aus landsarbeiter, indem fie bei günstigerem Bréisstand der Auslands. haltung der Löhne und mit der wohlwollenden Anerkennung, dog is eigentlich auch der deutsche Arbeiter ein befferes Schidial der biene, ist es nicht getan. An dem Tage, wo auch das beuffte Unters nehmertum ertennt, daß der Arbeiter nicht nur in feiner Werfftctt, Hinter der Maschine Bertzeug der Probuftion ist, sondern daß niel Wie die Wirtschaft felbft biefen totwendigkeiten in scharfer Selbstprüfung durch Einfag aller Kräfte und mehr er mit feiner Rauffraft die stärkste Triebfeber mittel für die technische und wirtschaftliche Bernreiz zur erroünichten Betriebsvervolltommnung ist, des industriellen Absages ist, daß ferner ein hoher Lohn der größte befferung bes Brobuftionsganges, buro fparerit dann wird man davon, reden tönnen, daß die deutschen Unterfamite Preisgestaltung und dementsprechende serbands. nehmer die Voraussetzung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit ertannt, führung zu gemügen hat, fo folgen daraus auch für die Gefes Boltswirtschaft zu treiben gelernt habent. Borläufig find wir noch gebung und öffentliche Berwaltung Erforderniffe. meit davon entfernt. Mis folche Erforderniffe merden bezeichnet: Aeußerste Spar. famteit in ben öffentlichen Haushalten, Beteuerung nach dem Ertrag unter Berücksichtigung der Kapitalbildung. Obwohl die Notwendigkeit günstiger Einfommens und Berfor gungsverhältnisse der Arbeiter bejaht wird, müsse. so heißt es weiter, auch in Lohnwesen und Arbeitszeit das Erfordernis billiger Broduttion beachtet werden; Begünstigung des Leistungslognes. Verzicht auf neue fozialpolitische Belastungen, bis der Fortgang und die Beschäftigung der Arbeiterschaft gesichert sind. Beiter wendet fich die Entschließung gegen eine über die Borschläge der Reichsregierung hinausgehende Aufmertung: fie verlangt weiter das Entgegentommen der Reichs bant in der Krebitfrage und von der Reichsbahn Er mäßigung der Frachttarife. Bon besonderem Intereffe ist bie Stellungnahme des Industrie- und Handelstages zur Zoufrage. Diefer Tell der Entschließung lautet: Löhne und Sparkraft. DON Ein anderes brängt zu der Forderung nach höheren Löhnen im Interesse der Gesamtwirtschaft. Es war Reichstangler& uther, der im wirtschaftlichen Teil feiner Ausführungen ganz zutreffend bemerfte:„ Die Notwendigkeit, auf die Berbraucher Rücksicht zu nehmen und ihre Kraft zu stärken, bedeutet nicht nur Starfung Der Kauftraft, fondern sie ist zugleich der Angelpunti, um zur Bildung Diefe Spartapital gu tommen. barf nicht vernachlässigt werden, um auch durch Ersparniffe Be triebsfapital zu schaffen." Würde man etwa die Arbeiter bazy mingen fönnen, auch bei niedrigen Löhnen zu sparen, mas wäre dann die Folge? Das Geld wandert in den Strumpf oder in die Spartaffe, um denselben ersparten Betrag aber verfürzt fig der industrielle Abjag, die ohnehin schon zu reichlich vorhandenen Produktionsmittel merden noch weniger ausgenug Arbeitslosigkeit und Betriebsstillegungen find die Folge 杯 Ein Weiser spricht: Den Schuh braucht man nicht zu erproben, Den Tack kann man Vorm Abend loben! E Ausschneiden! TACK SCHUH Der gute Louward Aufbewahren! Dies ist Inserat Nr. 4 von einer Serie von sechs Inseraten, die in dieser Zeitung vierzehntägig erscheinen. Sommeln Sie diese Inserate, denn Inserai Nr. 6 wird ein Preisausschreiben enthallen, an dem sich jeder be. teiligen kann, der uns dann mindestens drei Inserate dieser Berte ein. schickt. Wenn Sie sich schon jelzi über das Preisausschreiben informieren wollen, verlangen Sie in den Tack Filialen die Conrad Tack- Blätter( grafis und ohne Kaufzwang). inserat Nr. 6 erscheint in dieser Zeitung am 27. Mai SOHJ im Ketail fainns Zeitounoffen DU Loneers SW, Friedrichst, 240/ 41 W, Potsdamer Str. 50 W, Schillstr. 16: NW, Beusseisti. 29 Nicht lange fragen.. Tack- Schuhe tragen! Braun echt Chevr. Spangenschuh, aparte Ausfahrum, 1050 Spangenschaf Ausführung. Brauner DamenHalbschuh, edf Cheoreau in feiner Ausführung • Brauner HerrenHalbschuh, edt Chepreau mit sand. farben Finsatz 18.50, echi Rindbox. Schuhfabuit mit ff. 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Von der Preisseite fann sie nicht erfolgen, so lange man mit einer ausgesprochenen Schuzzollpolitit, also nicht nur mit einem Zolltarif zu Berhandlungszweden arbeiten will Von der Lohnfeite aber her wollen die Unternehmer gar nicht ernsthaft die Stärkung der Rauftraft, die ihnen erhöhten Absaz, verbesserte Ausnuzung der Produktionsmittel und sogar erhöhte Rente bringen tann. Hernach wundern fie fich über den Absatzmangel, anstatt alle Rraft daran zu segen, einen lebendig pulsierenden Warenmarkt zu schaffen. Daß man sich dieser Aufgabe erst ganz allmählich bemußt wird, zeigen die Ausführungen Hamms, soweit fie erfreulicherweise die Bervollkommnung der Produktion fordern. Wir sind aber nicht optimistisch genug zu glauben, daß bie Preisüberspannung in Industrie und Handel mit gutem Zureden aus der Welt geschafft wird. Dazu bedarf es einer großen Umstellung in der Dentweise der Unternehmer, wenn die Krise am Barenmarft nicht unnüg verschärft und verlängert werden soll. Sarotti A.-G. 14 Proz. Dividende. Durch den Geschäftsbericht der Sarotti A.-G. geht eine freudige Stimmung. Die Attionäre erhalten 14 Proz. Dividende. Das ist auf das verdoppelte Rapital mehr, als im Durchschnitt in der Nachkriegszeit ausgeschüttet wurde. Die Gesellschaft hätte eine noch höhere Dividende ausschütten tönnen, und zwar etwa 20 Bro3. Sie hat es aber Dorgezogen, zum Teil stille Refernen, zum Teil eine offene Sonderreferve zu bilben, nachdem die gefeßliche Reserve bereits die in den Sagungen vorgesehene Höhe von 10 Prog.( 800 000 m.) bes Aftien tapitals( 8 Millionen) hat. Die Bildung stiller Referpen liegt einmal in der Sonderabschreibung von 0,5 millionen auf die Gebäude, nachdem schon die Normalabjchreibung von etwa 5 Broz. auf den Buchwert erfolgt war. Die Sondertbschreibung wird zwar damit gerechtfertigt, daß es sich nur uni die volle Abschreibung von Brandreparaturen handle, die nicht als werterhöhende Erweiterung der Betriebsanlagen angefehen werden dürfe. Die Gefellschaft überfieht aber, daß in der Golderöffnungsbilanz alle zurüdliegenben Brandschäden schon berücksichtigt wurden und daß in den porgenommenen Ausbauten deshalb tatsächliche Ermeiterungs. bauten vorliegen, die den Betriebsmert erhöhen. Auf die MaIchinen- und Sonstigen Fabrikationseinrichtungen werden nicht die normalen 10, sondern 25 Broz. abgeschrieben. Endlich wird eine Sonderreserve von einer halben million aus dem Brutto erträgnis gebildet, in der ebenfalls eine Sollabschreibung über Betrieb von Betriebserweiterungen liegt, die erst in der 3ufunft durchgeführt werden sollen. Rechnet man die stillen und Sonderreserven dem ausgewiesenen Reingeminn hinzu, so erhöht fich dieler auf etwa 2,2( statt 1,33) Millionen Mart, was rund 20 Broz. Dividendenausschüttung erlaubt hätte. Trotzdem wird auch Don der Sarotti A.-G. über die hohen Steuerlasten" geflagt, was bazu beitragen muß, daß man solchen Klagen immer meniger Glauben schenkt. harpener Bergbau 2.-G. ohne Dividende. Die dem Aufsichtsrat ber Harpener Bergbau A.-G. Dortmund vorgelegte Bilanz für bas Geschäftsjahr 1924 läßt die Aktionäre ohne Dividende. Soweit bis jetzt erkennbar ist, ergibt sich nach der relativ niedrigen Abschrei. bung von 7% Millionen auf über 108 Millionen Anlagewerte der Goldbilang ein Reingewinn von 1,03 Millionen Marf, der gegenüber dem Attienpafital von 100 millionen nicht ins Gewicht fallen fann. Der Dividendenausfall muß als Ausdruck der schweren Strise gemertet werden, die über dem Ruhrtohlenbergbau liegt. Die Harpener Bergbau 2.-G. ist die größte Gruppe Don privaten reinen Zechen des Ruhrgebiets und hat im Synditatsvertrag Don 1924 eine Berkaufsbeteiligung von 9,1 Millionen Tonnen und gleichzeitig ble relativ geringste Berbrauchsbeteiligung aller Ruhr. Sonntag, den 3. Mai MAIJUGENDTAG in Kaulsdorf- Süd, Restaurant Sanssoucie Treffpunkt aller Abteil. 10 Uhr vorm. am Bhf. Kaulsdorf. Umzug durch Kaulsdorf Gesang Gemeinsame Spiele Festansprache. Festbeitrag 20 f. Extrazug ab Halensee: 8.16 Uhr. Friedrichfir. 8.40 Uhr, Aleganderplay 8.45 Uhr, Salefischen Bahnhof 8.51 Uhr, Stralau Rummelsburg 8.58 Uhr. Alle Parteigenoffen find herzlichst eingeladen. gechen überhaupt, nämlich nur 45 000 Tonnen. Dabei verfügt die Harpener Bergbau 2.-B. über gute und abfagfähige Sohle. Seit 1916 hat sie sehr große Anstrengungen gemacht, meniger die Kohlenförderung als die Rohlenverwertung und die Kohlen verschiffung in eigenen Betrieben auszubauen. So hat sie die Briketterzeugung um 50 Broz. erhöht und die Ammoniakprodut tion verdreifacht. Gleichzeitig stieg die Gesamtbelegschaft von 28 000 auf 40 000 Mann. Es handelt sich also um Bechenfemplege, die unter den reinen Zechen auch hinsichtlich des technischen Ausbaus an erster Stelle stehen. Der Dividendenausfall darf daher wohl als charakteristisches Symptom für die Lage des Ruhrbergbaus, soweit er sich von der Angliederung an verarbeitende Unternehmungen freigehalten hat, angesehen werden. Sintende Wollpreise. Die durch Spekulation auf den großen Bedarf der breiten Boltsmaffen hochgetriebenen Preise des Weltwollmarktes find seit Monaten im Abbrödeln. Es scheint, daß diese Preissenfung, von der wir wünschen, daß fie auch balb einer Er mäßigung der Tuch- und der Wollwarenpreise nach sich zieht, noch lange nicht zu Ende ist. Kabelnachrichten von den Ueberfeemärkten laffen jedenfalls übereinstimmend eine erneute Abschwächung der Bollpreise erkennen. Die Mitteilung, daß in Australien zwischen dem 1. Mai und dem 16. Juli noch 337 000 Ballen zur Bersteigerung tommen follen, hat, wie Die Tertilwoche" meldet, niederbrückend gewirtt. 3mar fonnten sich die feinsten Sorten in Sidney noch einigermaßen halten. Handelswollen dagegen gingen um 5 Proz zurüd. Die Preise für 10 und 12- Monats- Schuren am Kap sind um fast 10 Broz. feit der ersten Aprilhälfte zurüdgegangen, und auch am La Plata herrscht bedeutend schwächere Stimmung. Die Preise gingen im Laufe des Monats um 12% Proz. meiter zurüd. In Argentinien ist noch ein Drittel, in Uruguay noch ein Biertel der Schur zu verkaufen, was für den gegenwärtigen Zeitpunkt anormal viel ist. Bis Anfang April find in Buenos Aires 121 000 Ballen abgesetzt worden, verglichen mit 228 000 Ballen im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Infolge diefer ungünstigen Entwicklung erwartet man auch für die fommenden Londoner Versteigerungen Dom 5. bis 21. Mai niedrigere Preise. Es werden bort 135 000 Ballen, darunter 51 000 Ballen aus Neuseeland, zur Versteigerung tommen. Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser. In der Funkhalle am Kaiserdamm in Berlin hielt der Berband deutscher Waren und Kaufhäuser, der die Waren und Kaufhäuser ganz Deutschlands umfaßt, seine 22. ordentliche Generalversammlung ab. In seinen einleitenden Worten führte der Borsitzende Althoff aus, daß die Barenhäuser zurzeit sich in einer Krisis befinden. Angesichts der Berarmung Deutschlands müsse eine Einschräntung des & onfums erfolgen. die fich natürlich im Geschäftsgang durch macht. Aus dieser Krisis tann der handel heraustommen, und scharf talkuliert und dadurch leistungsfähig wird. Die Kalkulationsmethoden der Inflationszeit müssen verschwinden. Es ist notwendig, daß durch Steuern teine Berteuerung der Waren eintritt, es ist deshalb unbedingt zu fordern, daß im Haushalt des Reiches, der Staaten und der Kommunen die sparsamste Wirtschaft eintritt. In Ergänzung des Geschäftsberichts führte der Synditus des Berbandes, Direttor Bach, aus, daß der Einzelhandel bei der Stabilisierung die Situation nicht begriffen hatte und nicht habe begreifen fönnen. Nach der Stabili fierung feßte zunächst eine rege Rauftätigkeit des Bublifums ein. Der Einzelhandel schloß daraus, daß die Mark die Kauftraft der Friedenszeiten erreicht habe und disponierte danach. Er machte umfangreiche Bestellungen und Eintäufe, ohne sich zu vergewissern, ob für die bestellten Waren eine Umfagmöglichkeit vorhanden war und ob er in der Lage sein merde, die ihm daraus erwachsenen Berpflichtungen zu erfüllen. Es trat dann befanntlich auch eine Sta. gnation des Geschäftslebens ein. Die Situation des Einzelhandels ist augenblicklich eine ähnliche. Die Ursachen liegen darin, daß wir einmal nicht die Umlaufmittel wie vor dem Kriege haben und außer dem, daß die Rauftraft der Umlaufmittel nicht an die der Friedenszeiten heranreicht. Dem Einzelhandel stehe ein schwerer Sommer bevor, das müsse er bei seinen Dispositionen berücksichtigen. schloß sich dann ein Vortrag des Professors Frenzel über Zu jammenhänge zwischen Geschäftsführung und Reflame an. Er stellte dabei u. a. fest, daß man die Scheu der deutschen Kaufleute, ihre Einrichtungen und Umfäße der Deffentlichkeit preiszugeben, in Dort gäbe es fein Geschäfts. Amerika nicht tenne. geheimnis. Du fragst Warum? Ich sage: Reiche Deinen Kindern ft und den Erwachsenen ebenfalls Einen Oetker- Pudding. Tatsächlich wirst Du bald bemerken, wie Kräftig sich die Kleinen entwickeln. Erwachsene loben den Wohlgeschmack und Reiche Auswahl in vielen Geschmacksarten Sorgt für angenehme Abwechselung. Pudding stellen Sie aus Dr. Oetker's Puddingpulver mit Milch, Butter und Zucker her. Es ist das este, was Sie auf den Tisch bringen können. Nur In Original- Päckchen( niemals lose) mit der Schutzmarke „ Oetker's Hellkop!" in allen einschlägigen Geschäften zu haben ,, Dr. Oetker's Puddingpulver" kommen in den Berliner Hausfrauen- Vereinen zur Verwendung. Verlangen Sie ebendaselbst kostenlos die beliebten Oetker Rezeptbücher oder, wenn verg Iffen, umsonst und portofrei von Dr. A. Oetker, Bielefeld. Es MAUXION ,, D 514" in der Deutschen Rundflug- Propagandastaffel Hannover- Hamburg- Berlin- Dresden Leipzig- Weimar Donnerstag, den 30. April und Freitag, den 1. 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Fontane läßt in seinem Roman„Cccile" einen ziemlich draufgängerischen Oberst etwa folgendes sagen:„Es ist tomisch, daß der deutsche Zivilist eine weit blutrünstigere Phantasie besitzt als der Vsrufsklieger." Das gehört mit zum Wahrsten von dem. was je über den deutschen Spießer gesagt wurde. Wer erinnerte sich nicht aus den Zeiten des Weltkrieges an jene Stammtisch-Schmalzbürger, denen kein Heeresbericht schrecklich genug sein konnte und die gemeinhin einen„einfachen" Schützengrabenkamps mit fachmännischem Lächeln als nicht der Erwähnung wert zu erachten pflegten. Es ist eine überaus traurige Tatsache, daß kein Appell-an die Menschlichkeit, kein Appell an Würde und Kulturbewußtsein(und der deutsche Spießer ist von seiner„deutschen Kultur" in einem phan- tastischen Grade überzeugt), kein Appell an den gesunden Menschen- verstand bei unserem Bürger auf ein so hohes Entgegenkommen stößt, wie die einfachste Herausiorderung seiner Kriegs- und Klamauk- Phantasie, jenes ungeistigen, unfruchtbaren Gewächses des Chauvi- nismus. Als Daudet in seinem„Tartarin aus Tarascon" die überaus köstliche Charakteristik des füdfranzösijchen Spießbürgers schuf, konnte er ihn wohl herzhast lächerlich niachen in seinem angstvollen Krait- msiertum, seiner schlotternden Ruhmsucht und seinem Tatendurst, dessen heldische Vorstöße immer sanft in den milden Polstern seines Kanapees endeten, aber jene— es gibt keinen anderen Ausdruck dafür— verworfene Phantasie, die sich austobt in der Vorstellung moderner Kriege und Kriegsmittel, die mit wahrem Heißhunger jede Schundlektüre verschlingt, die sich mit der Darstellung moderner Zukunftsschlachten befaßt, konnte er seinem braven, phlegmatischen und prahlerischen Dummkopf Tartarin nicht nachsagen. Diese geistige Anomalie zu betätigen mußte dem deutschen Hurrabürger oorbe- halten bleiben. Seit geraumer Zeit erscheinen in immer neuen Variationen und sehr hoben Auslogeziffern eine Anzahl von Machwerken wie z- B.„Die Macht der Drei",„Auf den Svuren Dschingis Khans", „Feuer am Nordpol" und wie sie alle heißen mögen. Sie trogen meillens den dos brave Bürgertum lockenden Untertitel„Technisch- politischer Zukunftsromon". Die Verfasscr sind, was das Technisch- Phantastische anbetrifft, überaus klägliche Rachtretcr des in seiner Art genialen Jules Verne oder aurb Curd Laßwig'. Jedoch besaßen weder Derne noch Laßwitz die Banalität, die notionalistische Platt- form zum Schauplatz ihrer Handlungen zu macben, um oui diese klotzgrob« und einfältige Art ihr Mütchen am politischen Feinde zu kühlen. Der Inhalt dieser Zukunftsromane ist im allgemeinen immer derselbe: Sämtliche Feinde Deutschlands, die wir in der Praxis fatalerweise nicht besiegt haben, werden teils von uns in Grund und Joden zerschmettert, teils fressen sie sich gegenseitig selber aus. So- dann werden sie unsere gehorsamen Bundesgenossen und man schreitet vereint zur Vernichtung der„fremden Rassen" Das Rezept ist auch immer dasselbe: Ein deutscher Erfinder(er ist natürlich blond, bat stahlgraue oder-blau« Augen und trägt nur klangvoll-symbolische Namen Isenbrandt, Kemper oder so...) entdeckt irgendein wunder- schönes Mittel, von dem eine Messerspitze voll hinreichend ist, die halb« Nett und einige andere Kleinigkeiten in ein Häuschen Schutt zu verwandeln. Der Erfinder geht nun daran und verbreitet mit Hilfe dieses Mittels Kultur. Deutsche Kultur. Nicht etwa, indem er das Mittel zweckmäßig peaen den Schädel seines Autors anwendet, sondern indem er einige lästig« Völkerschaften stielend leicht— so zwischen erstem und zweitem Frühstück— ausradiert. Zwischendurch sieht sich dann noch mein eine unsäglich banal» Liebesgeschichte im Rudolf-Herzog-Stil, die sämtlichen ideellen Ansprüchen des goldenen Spießergemüts vollkommen Rechnung tränt. Selbstverständlich handeln alle Helden nur aus höchst idealen Motiven. Es ist— das leuchtet jedem ein— sehr le! ht und primitiv, seine Phantasie meinetwegen an den Forschungen über Atomzertrümme- rung zu entzünden. Und es ist mir ein dürftiges Maß an Geist erforderlich, um die intellektuellen Kosten eines solchen Machwerks zu bestreiten. Der Sahnhof. vou Franz Rotheafelder. (Schluß.) Der Maler brach verlegen das Gespräch ab. Er fühlle sich unbehaglich. Die Leute würden es doch nicht begreifen. Dem Armen und Unglücklichen hängen sich alle Laster an, beim Reichen nennt mans gesellschaftliche Gewandtheit. Und Ich bleib« bei euch, rief es in ihm, ihr Berber. Dogobunden und Freudenopfer— auf Gedeih und Verderben. Ist es mir doch. als müßte ich mit jedem Schritt ein Unrecht des Staats, der Gesell» schast, der Menschen zertreten. Eine Reih« von Berbern drängte sich, vergnügt kreischend, durch die Türe des Kellers. Sie hatten so lange einem Amerikaner mit der Schilderung deutschen Elends zugesetzt, bis er ihnen einen Dollar geschenkt Halle. Den hatte man gleich gewechselt, und es dauerte kaum eins halbe Stunde, da war er In der Kasse des Wirtes und in der Tasche des Fürsorgezöglings verschwunden. Aber der Bahnhof rief wieder. Er barg unermeßlichen Lebens- reichtum in sich— und schien doch ein gefährlicher Brotgeber zu sein, denn die Leute, die ohne polizeiliche Erlaubnis von ihm lebten, waren alle sehr bleich und keiner von ihnen kam aus den Lumpen heraus. Und die Polizei bemühte sich vergeblich, die menschlichen Hornissen zu verjagen— traf man eine, dann stach eine ander« und zum Schlüsse war der ganze Schwärm wohlbehatten beisammen. III. In das Nebenzimmer des Wartesaals verirrte sich kein Reisender. Schlug einer zufällig die Türe auf, so wandte er sich sogleich wieder um, ohne sie zuzumachen. Das sind Leute für sich, dachte man, das kann eigentlich keine geschlossene Gesellschaft sein, aber es ist mehr als das, es wirbett einen zurück, wenn man mit der Nase darauf stößt. Weltstadt. Wann fährt nur der Zug? Dicke Luft, sagten die Berber und ihr« nächtlichen Brüder und Schwestern. In einem Zug müßte man uns gefesselt weisen. Wir kommen nie mehr von diesem Fleck weg. Der Polizeigewahrsam. das Gefängnis, das Krankenhaus speit uns immer wieder hierher zurück. Sie werden hier noch einen Friedhof für uns anlegen müssen. Der Maler sah im Nebenzimmer, starrte vor sich hin und bewegte aus Zwang kauend die Lippen. Seine großen Augen hatten den Ausdruck wissender Angst. Und er sah auch mehr, als er hätte ertragen können. Es war ein schweres und fahle« Licht, in dem die menschlich«! Körper mit dumpfer Plastik wirkten. Und olle» war im Raum erschreckend laut. Der Rote, der über den Tisch lümmelte, schlief mit Wenn man nun die genannte Atomzertrümmerung oder irgend- eine ander« Großtot der Wissenschaft wenigstens in"der Art lite- rarisch verwerten wollte, daß man sie produktiv in den Dienst der Kultur stellt, um große Menschheitswege und-ziele aufzuzeigen, so wäre moralisch nichts dagegen einzuwenoen. Aber, du lieber Gott, wer würde sich solche zahme Chose kaufen, in der sich die„vater- ländischen Belange" beim besten Willen nicht unterbringen lasseu? Nein— man mischt einen schauderhasten wissenschaftlichen Dilettantis- mus mit nationalen Sehnsüchten und wirft einen„technssch-poliiischen Zukunftsroman" auf den Markt, der den wissenschaftlichen Bedarf d«? Spießbürgers vollständig deckt und seiner Klamaukphantaste«in« einzige Orgie von der blutrünstigsten Engrosvernichtung de« politischen Feindes bietet. Ist es nur die Quintessenz der heutigen Zeit oder wird es immer so sein, daß der Bürger den wissenschaftlichen Fortschritt nur bewertet in seiner Anwendung als robustes Gewaltmittel in irgendeinem Maebtinteresse, d. h. also, mit der einen Erscheinungsform des Fort- schritts, dessen Gesamtbegriff niederzuschlagen trachtet? Denn das ist das entsetzliche Krtteriiim unserer Zeit: Gewiss« Teil« der technischen entarten hypertrophisch auf Kosten der sittlichen Entwicklung: mehr noch: drängen die legiere zurück, erdrosseln sie. dem Röcheln eines Tieres. Man hätte ihn erschlagen können, wäre einem im Herzen nicht die allgütige Liebe gesessen. Dort lehnte ein blasser Junge mit dem Hinterkopf an die Wand— krampfhaft reckte sich dies oerzerrte Gesicht in die Höhe, der Hals schien häßlich lang und nichts von Anmut war da, wo diese Anmut Ware bedeutete. Der große starke Mensch, der auf seine Braut wartete, war im Schlaf ein Bild brutaler Verkommenheit. Im Gesicht eines jungen Mädchens, das im Halbschlaf aufgerichtet saß. lag vergrämte Mütter. lichteit. Und kein Mensch sprach«In Wort. Die Luft verdickte sich, als wottte sie die Menschen zum Ersticken bringen. Auch der Kellner kam nicht mehr herein. Gesunde Menschen fürchteten sich, eine Totenkommer zu betreten. Hölle, Hölle, schrie der Maler und wankte auf. Er glaubte es wenigstens gerufen zu haben, darauf geachtet hatte niemand. Was t a t man hier und was dachte man nur, wenn man etwa« erlebte? Der Gedanke war das eigentliche Leben und dieser log jede Wirklich- keit fort. Wenn man es merkte und sich darüber entsetzte, griff man zu gesteigerten Dosen des Giftes, bls man zuletzt eine eigen« Wett in das Wettbild warf, die ihren Schöpfer zermalmte. Bis der Irrsinn in Schöpferlaunen des Wellurhebers schwelgte, um Qual am Geschaffenen zu empfinden und auch dann nicht daran zu glauben, wenn e» in erschreckender Deutlichkett dastand. Als der Maler die Tür dos Nebenzimmers zuwarf, prallte er vor dem leichenfahlen Riesenraum des Wartesaals, in dem alle Lichter brannten, zurück. Hier sollte er durch... Der Wirt, die Kellner, die Mägde, sahen auf ihn und sprachen von ihm, an den Tischen saßen die Kriminalbeamten und wollten ihm übel, und, was gab es nicht alles für Achterl Wie schlau, wie täuschend echt wußte sich nicht einer als Gannove zu benehmen— und jetzt sah man es ganz deullich: er spielte nur, um sich elende Blutsgroschen zu ver- dienen. „Verzeihen Sie, Entschuldigung," rief der Mann und bog, wahrend er die Truppe hinunterstürntte, vor Leuten aus, die gar nicht vorhanden m.„Was wollen Sie?" rief er dem Partier zu, der ihn nicht seh. konnte, weil er eben im Stehen eingenickt war, und hastete ins Freie. Aus der nächsten Bant brach er zusammen und begrub das Gesicht in den Händen, um nicht mehr sehen zu müssen. „Hilf, Gott, hilf, oder du, Teufel, aber einer muß helfen, ich werde wahnsinnig, wahnsinnig, wahnsinnig." „Aber ich werde mich vorher töten, ihr Hunde!" lV. Genug, e« gelang: man kam über Straße und Straßen hin« über und wußte nicht wie. Der Hindernisse waren unzählig« zu überwinden: solche, die wirklich vorhanden waren und solche, die nur das Auge des Kokarnisten sah. Es war ein Durchschlängeln Und der nationalistischen Perspektive erscheint das als harmonische Gliederung. Und hier liebst der Umstand, der diese„technisch-politischen Zukunftsromane" über die Grenze der Lächerlichkeit in die Sphäre des Verbrechens treibt: sie peitschen die gemeinsten Gewallinstinkte auf bis zum Exzeß und tragen ihr gutes Teil dazu bei, das Auf- dämmern besserer Erkenntnis zu sabotieren. Diese Romane sind der tiefste Punkt in der seelischen und geistigen Oed«, die unser« nationalistische Literatur darstellt. Die Zahl der fliegenden Tiere. Unter den bekannten Tier- arten können nach einer Zusammenstellung in„Recloms Umversum" rund 60 Prozent fliegen. Die Gesamtzahl der lebenden Arten schätzt man aus 420 000: dayon kommen auf die Insekten 280 0») und auf die Vögel 13 000 Arten. Di« kleine Zahl der Fledermaus- arten, die etwa 600 beträgt, fällt bei dieser Rechnuno kaum ms Gewicht. 30 000 bis 40 000 Arten der Vogel- und Infektenklaste inuß man in Abzug bringen, well sie das einstige Flugvermögen wieder eingebüßt haben. Es bleiben also rund 260 000 slugbegabi« Arten übrig. durch Dickichte der Widerstände, aber das rechte Bewußtsein für Aufregendes fehlle. Ja. so oft sich eine Erscheinung als Täuschung erwies, regte sich Freude wie über«in ulkiges Spiel. Dann aber kam plötzliches Zusammenknicken, ein Einschlafen im Gehen, aus das durch das jähe körperliche Erschrecken wieder Belebung für kurze Zell folgte. Was geeignet war, Gestalt anzunehmen, wurde zu klar ge- schauter Erscheinung: Die Baumstämme standen als Personen da. die Lehnen der Bänke täuschten Sitzend« vor. Wie ein Kreisel ging es dahin, wie im Kinderspielzeug summt« es, um ab und zu mit dem Umfall zu drohen, und das war das Schöne: Es gab kern Ziel und das Gefühl stand wider Erkennen. Ich weiß, daß all das nicht ist, aber ich erlebe es, es zerstießt, wenn ich hinkomme, ich habe es aber ganz klar gesehen. Nicht alltägliche Leute sah der Maler vor sich, nein, sie hatten alle etwas Sellsames und Wunderbares: Es waren gebeugte, gekrümmte Menschen, die leidenden Ausdruck be< kündeten. Auf einmal glühte der Bahnhof riescichaft wie eine leuchtend« Heilandswunde vor dem dahintaumelnden Menschen auf. Keime- rüden, die ich lieb«, schwelgte und jubelte es in ihm, ich will zu euck, zur heiligen Gemeinschaft der Ausgestoßenen und Gepeitschten. O, wie schön ist es, zugrunde gehen zu dürfen, denn es war die Liebe, die mich unter«ich zwang. Seid ihr nicht auch, seid nicht gerad« i h r meine Brüder. Ihr Schlachtseldleichname des heimatlichen Friedens, ihr Kleinen, die ihr sterben müßt, damit die Großen ver- wirttes Lebensrecht zurückgewinnen? Er wandte flch dem Bahnhof zu und achtete nicht auf die Er. scheinung um sich. Plötzlich schwoll fieberhafte Erregung in ihm. Dort vorne am Bahnhosstor stand der gespenstig dunkle Polizei- wagen und einer nach dem andern winkte seinen Gefährten durch das enge Gittertor. Zuletzt der rote Fürsorgezögling. Unbeachtet von den Polizeibeamten hatte der noch ein weißes Päckchen von sich geschleudert. Es lag vor den Pferden. Der Maler taumsll« danach, die Pferde setzten sich in Bewegung. Die Umstehende» schrien, die Räder gingen über den Körper hinweg. Der Maler war unverletzt geblieben. Mit krampfhaften Händen riß er das Päckchen auf und schlang den reichen Inhast hinunter. Dann verließen ihn die Kräfte, er schlug hin. ober sein Bewußtsein erhöhte sich. Der Bahnhof schien so gewollig, daß Ihn niemals menschliche Hände und Maschinen hätten errichten können und glühte in goldenen Feuern. Und rauhe jugendliche Kehlen sangen wunderschöne Lieder vou Liebe und Freiheit, in die ein prachtvoller Wasserfall hlneinrouschte. Als st« den Sterbenden aufhoben— übersahen sie nicht das Lächeln, das in so eigenartigem Gegensatz zu den ernsten Leidens- zögen stand. Sie umerließen es auch nicht, reichlich mit den Köpfen zu schütteln, aber gesprochen hat niemand ein Wort. Besonders preiswerte Angebote Kasak gate lunstseidenen Crêpe, 975 waschbar, in entz.hell. Streifen Kasak ans gutem baumwollen. Masselin, In schönen Dessins. Vollebluse mit farb. Knöpten reich garniert L 808 245 90 Hemdbluse 450 gutem Panama.m.Täschek..gute Verarb. 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