Abendausgabe Nr. 205/206+ 42. Jahrg. Ausgabe B Nr. 101 Bezugsbedingungen und Anzelgenprete Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Cindenstraße 3' Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemofrat Berlin Fernsprecher auf der Reichs- Retlame- Messe: Wilhelm 5744 Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Sonnabend 2. Mai 1925 Berlag und Anzetgenabteil Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2537 Fernsprecher auf der Reichs- Rellame- Mefie: Withelm 5744 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Die Maifeier. Starke Beteiligung- ungestörter Verlauf. " = In der Republik Polen verlief die Maifeier der sozialdemokratisch organisierten Arbeiterschaft in vollkommener Ordnung. In Warschau versuchten Kommunisten aus den Vororten auf den Theaterplatz zu gelangen, um die sozial demokratische Kundgebung zu stören. Die Bolizei trieb die Kommunisten auseinander, wobei auf die Polizei gefchoffen, aber niemand getroffen wurde. Gegen 100 Personen wurden verhaftet. Das Eisenbahnunglück im Korridor. Die politische Seite. Die furchtbare Eisenbahnkatastrophe, die sich in der Nacht zum 1. Mai im polnischen Korridor ereignete, und über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, hat auch ihre bedeutungsvolle politische Seite Ein deutscher Zug, von polnischen Eisenbahnern durch polnisches Gebiet geführt, war es, der von diesem grauenvollen Unglüd betroffen wurde. Die 28 Toten find zum größten Teil Deutsche, die auf diese Weise aus einem Teil ihres Vaterlandes nach dem an dern reisten! Nach den uns vorliegenden Berichten ist die Maikund| Ludauer Straße zu einer Feier, an der auch der neue Gegebung der organisierten Arbeiterschaft in ganz Deutschland sandte, Prof. Dr. Krofta, und das gesamte Personal der ungestört verlaufen und übereinstimmend wird aus vielen Gesandtschaft teilnahm. Städten gemeldet, daß die Beteiligung an der Kundgebung größer gewesen set, als im vorigen Jahr, was ein Zeichen für die gesteigerte Kampfbereitschaft der fozialdemofratischen Massen nach dem Ausgang der Präsidentenwahl ist. In Braunschweig, wo die reaktionären Parteien im Landtagsausschuß mit einer Stimme Mehrheit eine Rotver ordnung" im Interesse des Staatswohls beschloffen hatten, wodurch de m 1. Maider Charatter als Staatsfeier tag aberfannt wurde, hatte diefer Anschlag auf die hergebrachte und den Arbeiterherzen teuere Kundgebung die Kluft zwischen unseren eGnossen und den Kommunisten für diesen Tag überbrückt und statt der vorher geplanten getrennten Beranstaltungen demonstrierten sie gemeinsam in Bersammlungen und durch einen Umzug, und gemeinsam waren auch die abend lichen Beranstaltungen, da das Gewerkschaftskartell die Leitung der Maifeier übernommen hatte. Aus dem Groß- ham burger Städtegebiet wird ein überaus imposanter Berlauf der Kundgebung gemeldet, den selbst das besonders schlechte Wetter dieses Maientages nicht beeinträchtigen konnte. In Leipzig war die Festversammlung im Parlmengarten" überfüllt, die Abendveranstaltungen überaus stark besucht, während die Kommunisten faum 2000 Personen, darunter Hunderte Kinder vor das Reichsgericht entbieten konnten. In Mainz maren fommunistische Störungsversuche gegen unsere eindrucksvelle Maifeier erfolglos. Zu einer großen Manifestation für die Bereinigung Deutsch österreichs mit dem Deutschen Reiche wurde die Maifeier unserer Stutt garter Genossen in der Liederhalle". Die Festrede hatte der eine Präsident des deutschösterreichischen Nationalrats, unser Genosse Mathias Eldersch Wien, übernommen. Ueber den Anschluß gebanken erklärte er, daß die bürgerlichen Barteien in Desterreich mit der Annahme der Weimarer Betfaffung die Luft zum Anschluß verloren hätten, weil ihnen die Deutsche Republit zu freiheitlich war. Die Christlichsozialen hätten schon mit dem ersten französischen Gesandten in Wien pattiert und den Anschluß verraten. Genosse Eldersch forderte unter begeisterter Zustimmung der Versammlung den Anschluß aus nationalen, fulturellen, politi schen und wirtschaftlichen Gründen. Aber, fügte er hinzu, die Begeisterung der großen Masse der Bevölkerung in Desterreich ist etwas gedämpft durch die Wahl Hindenburgs. Sie will feinen Rechtsfurs und ist anschlußfreudiger, wenn der Kurs links geht. Uns. zwingt zum Anschluß die Lebensunfähigkeit des österreichischen Wirtschaftstörpers, dessen Arterien durchschnitten find. Am Schluß forderte Eldersch auf, der Reaktion den Krieg zu erklären und zu demonstrieren gegen den Zug nach rechts, der sich in der Hindenburgwahl zeigt. Zu gleicher Stunde demonstrierten auch die Arbeiter Wiens für die Vereinigung mit der Deutschen Republik. In Wien hat von jeher die Maifeier den allergrößten Umfang angenommen, und es wird uns berichtet, daß die Teilnahme an dem Marsch aus den Stadtbezirken auf die Ringstraße und an den vier Masseyversammlungen vor dem Parlament, dem Rathaus, dem Burgtheater und der Universität noch stärker gewesen sei als im vorigen Jahre. Eine besonders würdige Kundgebung für den Anschluß an Deutschland war die Verjammlung vor dem Parlament. Außer dem Genossen Dr. Deutsch sprach Genosse Hölter mann aus Magdeburg. Vorsitzender des dortigen Reichsbanners. Dr. Deutsch erklärte, daß auch nach dem Siege Hinden burgs der Anschlußwille der österreichischen Arbeiterschaft hier feierlich befundet werden müsse: Feierlich erklären wir, daß wir an der Seite der deutschen Genossen in einer großen, einigen deutschen Republik fämpfen wollen. Wir geloben, daß wir treu und fest zur, Republik stehen und sie mit allen Mitteln verteidigen wollen!" Genoffe öltermann überbrachte die Grüße der reichsdeutschen Sozialdemokraten und Republikaner, insbesondere die Grüße des Reichs bånners an den österreichi schen Republikanischen Schutzbund.„ Wir haben," sagte er, ..eine Schlacht verloren. Aber Hindenburg hat im Kriege manche Schlacht gewonnen und den Krieg doch verloren. Hindenburg het eine Schlacht gegen die Republik gewonnen; er wird den Krieg gegen Die Republik verlieren, wenn er ihn versuchte. Wir in Deutschland find nicht entmutigt. Wir werden uns von neuem messen im Kampfe um Breußen, und diese Schlacht werden wir nicht verlieren." Die Rede Holtermanns wurde mit großem Beifall und Hochrufen auf die reichsdeutsche Sozialdemokratie aufgenommen. Vor dem Rothaus Sprach Bürgermeister Genoffe Seiß, der ebenfalls die Solidarität mit den reichsdeutschen Arbeitern und die Entschlossenheit zum Rampfe für den Anschluß cn Deutschland fundgab. Es dauerte sehr lange, bis die riesigen Versammlungspläge von den Maffen geräumt waren. Am Nachmittag fand vor dem Rathaus ein großes Schauturnen der Wiener Arbeiterturner statt. Abends waren in zahlreichen Theatern und großen Sälen Festlichkeiten und Theatervor Stellungen. Die tschechoslowakische Republik hat schon im Beginn ihres Bestehens auf sozialdemokratischen Antrag den 1. Mai zum Staatsfeiertag der Arbeit erhoben. Dem entsprechend trug das Leben in den Stätten unserer Nachbarrepublik Sonntagscharakter, und in imposanten Umzügen marschierten die Arbeiterparteien der Völker dieses Staates auf. Die in Berlin lebenden Tschechoslowaten versammelten sich aus Anlaß des Staatsfeiertages in einem Saal in der Kein Wunder, daß nun das Korridor- Problem lebhaft erörtert wird. Dieses Problem ist ja schon durch Stresemanns GarantieDorschlag neu aufgerollt worden, der in Bolen vielfach als eine Aktion zur Herbeiführung einer ander weitigen Grenzregelung im Osten aufgefaßt wurde. Nun hat weitigen Grenzregelung im Osten aufgefaßt wurde. Nun hat die Strömung im deutschen Bolke, die nach dieser neuen Grenzregelung hinstrebt, durch das Unglüd im Korridor neue Nahrung erhalten. Protestantische Katholiken. Bayern und Hindenburg. Bon Alwin Saenger München. Fürwahr! Dieser fönigliche Freistaat Bayern ist gefegnetes Land, und die Geschichte politischer Charaktere wird Anfang und Ende dem fröhlichen Treiben der bajuwarischen Hemisphäre entnehmen. Kaiserreich, dessen Sturz Rupprecht von Wittelsbach 18 Mo Zunächst einige Erinnerungen. Das hohenzollernsche nate vor dem Dolchitoß" in seinem Schreiben an Hertling Eine schwarzweißrote Fahne wurde da an einem wilhelmianfündete, war in das dritte Jahrzehnt längst eingetreten. nischen Geburtstag in der Residenzstadt Würzburg auf einem föniglich banerischen Regierungsgebäude aufgezogen. Die Treue zum Reiche, in der wir Bayern uns von feinem übertreffen lassen", holte sie in 10 Minuten herunter, und ein föniglicher Regierungserlaß mußte erst 25 Jahre nach der Reichsgründung!- Schwarz- Weiß- Rot feierlichst im weißblauen Land sanktionieren. Daher eben stammt heute schen Imperiums und die freundliche Beschimpfung des das rasende Begehren nach der Flagge des protestantis Schwarz- Rot- Gold in der Ordnungszelle. Und dann überhaupt die Preußen. Das fatholische Gerstenberger fegnete das Kaifertum des MarschallFränkische Volksblatt" des verstorbenen Abgeordneten präsidenten in bayerisch- vorbildlicher Weise in der guten alten Beit des Jahres 1891: Deutschland bleibt immer, nur die Form muß wechseln; die preußische Hegemonie ist reif für müsse seine Beute von 1866 herausgeben und Bayern die Bernichtung Es fann alles unblutig gehen." Preußen fatholische Vormacht eines, füddeutschen Bundes" werden. Treue am Münchener Hauptbahnhof noch refpefivell ausge Wilhelm, der Bielfältige im Herbst 1888 von der teutschen piiffen- bemühte sich. Kaiserliche rKeuze und Abtstäbe wanderten in katholische Klöster. Und siehe: auf der Rückreise von Palästina, 12 Flaschen Jordanwassen, versiegelt unter der Die polnische Regierung hat sofort erklärt, daß das Un Bagage für fünftige Taufzwecke führend, konnte der Herrlicheglück auf einen verbrecherischen Anschlag zurüdseiten Mann bereits im Fürstensalon des Münchener Hauptzuführen fei. Auch in diesem Fall würde die Verantwortung Militärgerichtshoheit verfrühſtüden. Aber er blieb ein zurüdbahnhofes mit dem alten Regenten die ganze bayerische der polnischen Regierung bestehen bleiben, die nicht für die protestantischer Preuße und genügende Sicherheit des Betriebs in ihrem Gebiet zu sorgen Kirche, doch wohl nur weiß: Andere Stimmen, auch polnische, behaupten, das Unaus der er glüd sei auf eine ungeheuerliche Mißwirtschaft der polnischen Eisenbahnverwaltung und auf die völlige Vermorschtheit der Eisenbahnschwellen zurückzuführen. In diesem Fall würde die Sache für Bolen noch ungünstiger liegen, da Polen zu sorgfältiger Instandsetzung der Durch fuhrftrede nach Ditpreußen vertraglich verpflichtet ist. Auf der anderen Seite versteigt sich ein polnisches Blatt zu der Behauptung, es sei ein Attentat ausgeführt worden usw. von -preußischen Agenten", die damit die Unmöglich feit des Korridors beweisen wollten! Schon diese durch feinen Beweis gestützte Behauptung zeigt, welche politische Aufregung durch das Unglück hervor gerufen worden ist. Wenn aber ein an sich unpolitischer Vorfall, wie eine Eisenbahnkatastrophe, sofort zu politischen Erregungszuständen führt, so ergibt sich schon daraus allein ein Rückschluß auf die Ungesundheit der gegebenen Verhältnisse, aber die nachzudenken nun auch das Ausland einigen Anlaß finden wird. Dennoch wäre es falsch, zu glauben, daß das Unglüd im Korridor zur Ursache einer entscheidenden Wendung werden könnte. So sehr mir auch eine im Ein verständnis der Beteiligten getroffene Neuregelung begrüßen würden, so sehen wir doch einstweilen noch nicht die Ansätze zu ihr. Marx und Hindenburg in Preußen. Tros Oftelbien Vorsprung der Republikaner. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind nach amt. licher Zusammenstellung auf Grund des vorläufigen Ergebnisses der Reichspräsidentenwahl am 26. April im Freistaat Breu Von diesen entfielen auf: Ben insgesamt 19054 502 gültige Stimmen abgegeben worden. Hindenburg Marg Thälmann 3ersplittert waren $ 827 155 8 984 030 1 231 451 11 866 Stimmen. Nach Prozenten berechnet hat Hindenburg 46,3, Marr 47.1, Thälmann 6,5 Prozent erhalten; auf die zersplitterten Stimmen fällt 0,1 Prozent. Das Wahlrecht der Alten. " Was nie im Vorwärts" gestanden hat. Der Tag" zitiert einen angeblichen Ausspruch des Borwärts: Mit dem begonnenen 66. Lebensjahre hätte unbedingt das Bahlrecht aufzuhören." " Wir stellen fest, daß ein derartiger Unsinn niemals im Vormärts gestanden hat. In einer nicht parteioffiziellen Zeitschrift, der Glocke", hat ein Jungfozialist, Gen. Walter Schuhmann, einen wohl nur ironisch gemeinten Gegenstoß gegen die Forde rung der Alten gemacht, den Jungen das Wahlrecht zu nehmen. Seinen Vorschlag, es lieber den Alten zu entziehen, wird er wohl felber nicht ganz ernst gemeint haben. Wenn der„ Tag" daraus eine, Aeußerung des Borwärts" macht, so ist das, wenn nichts schlimmeres, eine nicht zu überbietende redaktionelle Leicht fertigteit. " Im Geschenkte die katholische aus der Gesinnung heraus, Borern die gepanzerte Fauft und irgendeinenm ihm geistig franzöfifchen Kadetten Schokolade, ben verwandten Drientalen einen Springbrunnen gab: Grunde blieb es bei der evangelischen Berachtung der ll I tramontanen, die wert find, alle aufgehängt zu werden!( Siehe Näheres: Briefwechsel mit dem liebsten Nifi" und Bannfluch über die fatholisch gewordene Landgräfin von Hessen.) Bon allem aber: die Katholifen fonnten nichts werden. Mit jenem lutherischen Dünkel, der sellschaftsschicht ist, sah man im Katholiken den intellektuell Tradition der sogenannten gebildeten" protestantischen Ge stets und immer Minderwertigen, den Dummen, der nicht ' ran durfte. Der hofpredigende Gärtner im verwelften Weinberg des faiserlichen Herrn, Döring, der taptere Mitstreiter für die fatholische Sache, gibt uns ja noch angemessene Proven, berg des faiserlichen Herrn, Döring, der tapfere Mitstreiter wie es sein soll. Gottlob, daß einer von den Reformierten der Bayerischen Volkspartei den Ruhm auf sich nahm, den Feldmarschall nach dreimal gegebenem Wort umzustimmen. Was wäre aus der feit 60 Jahren ob fonfeffioneller Imparität kochenden bayerischen Bolfsieele geworden, wenn sie statt des protestantischen Preußen, des wilhelminischen Generals, den überzeugten Katholiken des Rheinlandes, den katholischen Staatsmann hätten wählen müffen! der lind so erschien dieses Mysterium murde in einer Hofbräuhausversammlung der katholischen Bolkspartei inmitten Bierbonzen feierlich verkündet- dem ertranften Dr. Heim im Fieber Hindenburg, und der Führer der katholischen Sache ließ die Kunde wörtlich übermitteln: Mary bedeute eine nationale Gefahr. Natür lich dachte Herr Heim bei dieser Feststellung an die Rede Bismarcs, die am 13. Februar 1872 im preußischen Abgeordnetenhaus über die nationale Gesinnung des bayerischen Klerifalismus gehalten wurde. Es ist doch wahrlich ein erbärmliches Spiel, daß sich unter den Epigonen der Schädler, Daller und Drterer Leutlein befanden, die jene den Präsidentschaftskandidaturen anwandten; diese Helden Nomenklatur non national" und" unnational" gegenüber vergessen in ihrer Begeisterung für den Stockpreußen, daß das Bekenntnis ihrer lleberzeugung einft mit ,, nationaler" Berachtung geschmäht wurde. Und die jüngste Bundesgenossenschaft des bayerischen Ordnungszellen- Katholizismus hat es ja an artigen Romplimenten über Roms Zepter" ,,, deutsch proteftantische Kulturintereffen" ,,, fatholische Pfaffen" usw. nicht fehlen lassen. Was Wunder? Schildträger und Knappen der überparteilichen, deutschnationalen Barteikandidatur waren ja die Autochthonen des spezifisch preußischen Proteftantismus; wer sich in diese Gesellschaft begibt, muß fich schon etwas Los- von- Rom- Beschimpfung gefallen lassen. Und menn Wilhelm Marg am Abend des Wahltaaes non einem offiziellen Führer der Bayerischen Volkspartei öffentlich durch die dreiste Behauptung verdächtigt werden konnte, die Kommunisten hätten für ihn gestimmt, dann fann man auch den Evangelischen Bund, Erich Ludendorff und die lutherischen Hofprediger a. D. in die fatholische Anti- Marr Runde mit einbeziehen. Herr v. Heim freilich nahm in der Zeitung, die ihn zwei Jahrzehnte hindurch in beispielloser Meise beschimpft hatte, den Kampf für die preußische Restauon auf und warf gegen Marg die Frage auf: Sage mir, wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bift! Da dachte die protestantische Ueberzeugungstreue des erischen Ratholiten an das klassische Worf feines verftor nen Parteifreundes Dr. v. Daller: Mir sind drei Ezialdemokraten lieber mie fünf Liberale", an das Betenntnis des einstigen Herrn Stadtpfarrers Ingolstadt und bayerischen Landtagsdeputierten Rohl: ur die Sozialdemokraten tommen in Beacht als wadere Bundesgenossen", an den merzensschrei seines Parteifreundes Lochbrunner in entlicher Volksversammlung zu München ob der Niederlage Sozialdemokraten bei den Landtagswahlen 1907: Der liberale Bahlsieg ist errungen worden mit Unterstützung der hsten Latholischen geistlichen Behörden( stürmische Pfui! ufe). Es wird aber die Zeit fommen, wo diese ,, Herren", rfere angeblichen Freunde, froh sein werden, wenn wir wieder unterstüßen." Herr Dr. Georg Heim dachte an die der sozialdemofra ichen Parteileitung der Rheinpfalz übermittelten Bitte des ein fleines später zum hochwürdigen Kardinal ernannten O v. Bettinger: bie roten Stimmzettel ihm echtzeitig zusenden, damit er sie am Sonn tag nach der Kirche an seine Pfarrtinder ab= geben tönne." Und an manches andere dachte Herr r. Heim auch noch... Welche Farbenechtheit dieses töniglich bayerischen chwarz- Rot gegenüber dem heutigen Zusammengehen, um cr einen einzigen legitimen Frage der Verfassungsintegrität illen! Die schwankende KPD. Für Selbstkritit, Kompromisse(!) und Unterstütungsangebote. Der Zentralvorstand der Berliner KPD. hat am 29. April nach einem Referat Ruth Fischers und ausführlicher De batte eine filometerlange Resolution beschlossen, in der es u. a. heißt: Die Berluste, die mir bei perschiedenen Parlamentswahlen, in einzelnen Gemerfschaften und Betrieben erlitten haben, zwingen zu einer ernsthaften Prüfung der Parteiarbeit. Das Wesen der Bolschewisierung besteht in erster Linie in einer rücksichtslosen Selbsttritit, und wir können und müssen diese Kritik um so schärfer ansezen, als wir wissen: Die Linie unserer Partei, die Linie Frankfurts und des 5. Weltkongresses ist absolut richtig. An ihr darf nicht gerüttelt werden! Es ist eine etwas fomische Selbsttritif", die an vorgefaßten Beschlüssen nicht rütteln" darf. Aber hebt man vielleicht die radikalen Grundsäge deshalb so hoch, weil man in den Niederungen einer opportunistischen Tages politit möglichst wenig von ihnen gestört sein will? Wiederholt wird in der Resolution betont, daß die ,, ideologische Festigkeit" der Manövrierfähigkeit der Bartei nicht zum Schaden gereichen dürfe. Ausführlich heißt es darüber: Bei jedem Manover, das die Partei zur Vorbereitung und Organisierung der Revolution durchführt, gelten für uns folgende Grundsäße, die die bolfchemistische Tattit von der Brand lers unterscheiden: der Monarchie. 1. Die Partei muß lernen, daß Kompromiffe, Unterstützungsangebote und dergleichen gegenüber dem scheinrepublikanischen Flügel der Bourgeoifie( zu dem selbstverständlich die SPD. als bürgerliche Ber am 1. Dezember 1918 im„ Bayerischen Kurier" Arbeiterpartei gehört), zum Zwecke der Entlarvung ihrer ScheinJerdings den patriotischen Gedanken der vorübergehenden" oppofition möglich und nühlich find. Dabei fönnen wir niemals auf eichszertrümmerung mit Eifer verfocht, mag fich willig mit unser selbständiges Auftreten als Klaffenpartei des Proletariats ver. en protestantischen Kräften der preußischen Restauration verzichten, wird dürfen niemals in der Republit ohne Republikaner ünden. Solche fatholischen Kämpfer mißbilligen selbstredend die wahren Republikaner" sein. Wir müssen immer betonen, daß Die großen Aufgaben eines republikanischen Deutschland, die wir in der bürgerlichen Republif, weil in ihr die Klaffengegensätze dentisch mit den Zielen sind, die man im Friedenshirtenbrief am schärfften hervortreten, nur einen befferen Rampfdentisch mit den Zielen sind, die man im Friedenshirtenbrief boden zur Erreichung unseres Zieles der Rätemacht sehen als in Des deutschen Epiffopats 1923 nachlesen kann. Die ,, Gesellschaft" hes Herrn Wilhelm Marr hat immerhin nach dem Zeugnis Des- Bayerischen Kurier"( 24. April 1925) dieses Berbrechen terübt:„ Der Batikan weiß sehr wohl, daß die katholische Kirche in Deutschland unter der Weimarer Berfassung mehr Rechte und Freiheiten genießt als früher. Er weiß auch, daß die deutsche Zentrumspartei in der Zeit ihres Zufammen Jehens mit der Sozialdemokratie niemals firchliche Intereffen reisgegeben habe oder gering geachtet hat. Er hat aber auch noch nicht vergessen, daß die päpstliche Friedensaftion während des Weltkrieges nicht von denjenigen Kreisen ge= hemmt und gestört worden ist, die jezt Marg zum Reichs präsidenten wählen wollen." Bleibt als Endergebnis die mehr ernfte als heitere Frage: was ist erträumter, erhoffter oder versprochener Preis für Diese urbanerische Metamorphose im Schatten des hannover schen Generalshauses? Etwas muß doch wohl im Hintergrunde warten, wenn man Tradition, Hoffnung, Ansprüche, wenn man schlechthin alles, was im Namen des Katholizismus jeit zwei Menschenaltern verlangt und begehrt wurde. unter freundlichem Zuniden der Verkünder des Herrn Doftor Martin Luther in die Risten padt. Sollte etwa der Dank für edle Selbstverleugnung, für diefe felbstlose Hingabe an das Bert des in Bayern ja immer heißgeliebten Otto v. Bismard cinst dem Hause Wittelsbach zufallen? Ronvertiten zweds Ficherung des Rupertus Reg? Ausgeschlossen! Diefe proteftantischen Ratholiten tum alles nur ,, um des Baterlandes willen". Die Interparlamentarische Friedensunion hält in Paris eine Leitungssigung ab, an der u. a. Dr. Wirth und unsere Genoffen Löbe, Breitscheid teilnehmen. Unserm gefallenen Kameraden! Hie Schwarz- Rot- Gold! Laßt uns die Fahnen neigen, Dem toten Freunde legten Gruß zu bringen. Er fiel in einem weihevollen Ringen, Und höchstes Zeugentum war ihm zu eigen. Es raft durchs Land in grauenvollem Reigen So Trug wie Mord, die Freien zu bezwingen. Doch nimmerdar wird es dem Haß gelingen, Zum Sieg sein blutbefleckt Panier zu zeigen. Du bist als Proletar dahingesunken Im großen Kampf für einen freien Staat, Den nie die frechen Schelme uns zerstören. Wohl prahlt der Feind gebläht und siegestrunken. Und doch! Die reinen Schwüre soll er hören: Wir halten Treue, toter Ramerad! Henning Duberstadt. Maifeier von Trude Hesterberg, Mag Abalbert and Kurt Bois. Im Deutschen Künstler Theater murde dieser Mat gefeiert zusammen mit einem neuen Theaterstück von Richard Keßler und einer neuen Musik von Hugo Hirsch. Das heißt, beides ist nicht neu und nur wieder hüsch aufgebügelt. Der Titel über dem Ganzen Monsieur Trulala". Es foll französisch sein, es ist Gottfeidant ziemlich berlinerisch. Herr Emil, sonst Herren- und Damenichneider, geht nachts auf den Montmartre und da passiert ihm allerhand, was den Finanzen nicht dienlich ist. Oben auf dem Montmartre reißen sich die Mädel um ihn, indem sie ihn Herr Trulala taufen. Unten, im Zentrum von Paris, fleidet er Kardinale und Könige ein. So fontmt auch der König von Batalonien zu Trulala, Bummelbrüder sind beide natürlich, und aus dieser, Ber: randtschaft folgt alles andere: die Tänzerin, mit dem schönen aber deutlichen Namen Cléo, und die Betschwester mit dem geschwollenen Schedbuch usm ufm, Kurz, man amüsiert sich über Adalbert, Bois und Hesterberg, die sich selber parodieren die prächtig bei Stimmung sind, die wirklich einen famofen Big repräsentieren, sehr gut. Die Operette ist dabei gleichgültig. Bon diesen drei Künstlern geht un unterbrochen Heiterfeit aus. Man lacht und danft. Man tut es im Deutschen Künstler- Theater übrigens sehr laut, und plöglich steht an jedem Artschluß auf der Bühne eine glückliche Familie von Coupletreimern und Kapellmeistern und Tanzmeistern, die offenbar alle zum Gelingen diefer Maifeier beitrugen. M. H. " Der Obersteiger." Wir sind durch die Operettenaufführungen Sladets im Großen Schauspielhaus" so verwöhnt, daß pir nur mit Vorsicht feststellen: dieser Obersteiger" ist ein Herableiger. Das gilt zunächst vom Wert selbst. Gewiß hat es Wiener Schwung und echte Dreiviertelbewegung, hat jüßen Schmelz und heitere Beigaben. Aber bis zu dem großen Schlager, der einst den Belterfolg bestimmte, dauert es gemessene zweieinhalb Stunden, die ausgefüllt, ausgepalzt fein mollen, und dafür reight, bei aller | 2. Während die Reformisten in der bürgerlichen Demokratie den Weg zum tampflosen Hineinwachsen in den Sozialismus er blicken, darf die Kommunistische Partei niemals verschleiern, daß sie zwar bereit iff, für jede, auch die kleinste Reform( zum Beispiel Steuererleichterungen), die dem Proletarigt nühen tönnte, zu fämpfen, daß man aber niemals im Rahmen der Demofratie", fondern nur durch das Berschlagen des bürgerlichen Staatsapparates und seine Ersetzung durch den proletarischen das Ziel der Arbeiter. flaffe erreichen kann. " 3. Die Kommunistische Partei ist die einzige proletarische Arbeiterpartei. Sie fann also niemals die Sozialdemokratie, die eine bürgerliche Arbeiterpartei ist, vom linken linken Flügel der Bourgeoisie auf den rechten Flügel der Arbeitertlaffe herüberziehen". Deshalb ist jede Berföhnung mit der SPD. und den opportunistischen Elementen in den Komintern, die die von uns an gestrebte proletarische Einheitsfront in den Betrieben und Gewerk. fchaften in eine Berföhnungspolitik zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Arbeiterpartei verfälschen wollen, unmöglich. Das ist ein ganz niedlicher opportunistischer Eiertanz! Zunächst wird die Sozialdemokratie, bie bisher schlechthin eine bürgerliche Partei" war, um einen heraufgesetzt; sie heißt jetzt bürgerliche Arbeiterpartei"( was etwa fo finnvoll ist, wie„ trodenes Wasser" oder viereckige Kugel".) Dann er. flärt man sich bereit, genau so wie es diese ,, bürgerliche Arbeiterpartei" tut, für jede, auch die fleinste Reform zu fämpfen, die dem Proletariat nüßen fönnte". Man erklärt sich bereit die Feder sträubt sich, es niederzuschreiben Kompromisse einzugehen und Unterstütungsangebote an die Sozialdemokratie zu richten. Aber in demselben Atemaug predigt man„ Unverföhnlichkeit" nicht nur gegen die Sozialdemokratie, sondern auch gegen die opportu= feinen Arbeit des begaben Strauß- Nachfahren, Zeller, der Gehait an sanft überstaubten Weisen und Liedern nicht mehr. Ein Girardi fönnte das alles noch retten. Johannes Müller, der Oberteiger", ist ein so begabter, dabei natürlicher und angenehmer Spieler, daß man ihm nur wünschen muß, so schnell als möglich feine larmoŋanten und näselnden Singmanieren abzulegen. Mit dem Refrain feines Schlagers: Sei nicht bös", rührte er empfindlich an die Nerven.( Sei nicht bös'.) Kuhner ist neben diesem schlecht entipicellen Tenor ein Gigli in der Westentasche. Die beiden Frauen Appelt und 3ampa fonnten an einer Stätte, wo sonst die Millowitsch und Tellmann wirften, weder nach dem Gejez der optrichen, noch nach dem der akustischen Schönheit Glanz ausstrahlen. Eine befiere Regie hätte die beiden Frauen, besonders Lotte Appelt, auch ftilgemäßer anziehen lassen. Josefine Dora, Wilhelm Bendow und Julius Brand regten die Lachmustein an, oft improvisierend; Hermann Ludwig dirigierte behutsam, sachlich, gut vorbereitet, ohne das Tempo so zu beflügeln, daß aus alten Saatförnern frische Halme geschossen wären. K. S. nistischen Elemente der eigenen Partei, und versichert, bie Kompromisse und Unterstügungsangebote feien gar nicht ernst gemeint, sondern dienten nur dem mit Recht so be= liebten Zweck der Entlarvung". Sachlich bedeutet diese Resolution eine Verurteilung der Thälmann- Kandidatur. Denn wenn man bereit ist ,,, auch für die kleinfte Reform zu kämpfen, die dem Proletariat nüglich sein könnte", dann darf man den Weg zu solchen Reformen nicht verbauen, indem man dem Prole tariat mit Borbedacht einen Hindenburg vor die Nase seßt. Damit soll nicht gesagt sein, daß den Berfassern der ResoLution diese Konsequenz zu Bewußtsein gekommen ist. Ihre Abficht war offenbar nur auf das eine Ziel gerichtet, fich irgendwie herauszuschwindeln. Das Ergebnis ist ein Schriftftüd, das zehn Meilen gegen den Wind nach Oppoturnis mus" stinkt. Man weiß, daß es nicht weitergeht, mie bisher, hat aber nicht den Mut, es gerade herauszusagen. Das ist nicht mehr der Anfang vom Ende, das ist schon das Ende vom Ende! Konrad Haenisch's letzte Fahrt. Trauerfeier in Wiesbaden. Wiesbaden, 2. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag vormittag fanden im großen Sizungsfaal des Regierungsgebäudes die Trauerfeierlichteiten für den verstorbenen Regierungspräsidenten Genossen Konrad Haenisch statt. Der Parteivorstand war durch den Landtagspräsidenten Genossen Bartels vertreten. Er legte am Sarge des allzu früh verstorbenen Parteifreundes als letzten Dank für die der Partei geleisteten treuen Dienste einen großen Lorbeerfranz nieder. Endlos war die Fülle an Blumen und Kränzen, bie für die Anhänglichkeit des großen Freundeskreises sprach, dessen sich Haenisch immer gern erinnert und dessen er stolz war. Der große Sigungssaal des Regierungsgebäudes war im Sinne des Berstorbenen mit schlichtem Trauerschmuck ausgestattet. Die Reichsfarben Schwarz- Rot- Gold, für die Haenisch auch in den schlimmften Beiten einstand, bedeckten feinen Sarg. Die eigentliche Trauer feierlichkeit wurde durch einen Trauermarsch von Beethoven, vor getragen vom städtischen Kurorchester, eingeleitet. Anschließend schilderte der Bizepräsident der Regierung in Wiesbaden die Persön lichkeit und das Wirten des Regierungspräsidenten Dr. Haenisch. Shm folgte als zweiter Redner der preußische Kultusminister Dr. Beder, der lange Jahre als Staatssekretär mit Haenisch zusammengewirkt und den Verstorbenen besonders zu schäzen gelernt hatte. Der Priester- Gesang aus der Bauberflöte" schloß die einfache, aber würdige Feier. Dann bildete sich ein gewaltiger Trauerzug unter Borantritt des Reichsbanners, der die Leiche nach dem Nordfriedhof geleite Der Reichsvorstand des Deutschen Republitanijchen Reichsbundes erläßt anläßlich des Todes seines ersten Bor fizenden, Haenisch, eine Trauerfundgebung, in der es heißt: Mit Konrad Haenisch, dem unermüdlich Schaffenden und raftlos Wirfenden, tragen die deutschen Republikaner einen ihrer Besten zut Grabe. Hervorgegangen aus den breiten Schichten der sozia listischen Kämpfergemeinschaft, an der er in treueſter Kamerabschaft stets festhielt, wurde er zum Bannerträger der großen Idee eines neuen Deutschlands, eines Deutschlands der nationalen republikanischen Staatsidee, des fulturellen und sozialen Fortschrittes. Wie die unendliche Güte und Weite seines Herzens und die Abgeklärtheit seines Wiffens ihn zum treuen Berater und Bater seiner Freunde werden ließen, mard er zugleich durch die Kraft der ihn beherrschenden Idee zum Meister des geistigen politischen Stampfes. Der Deutsche Republikanische Reichsbund trauert gemein. fam mit allen Republifanern in Groß- Deutschlands Gauen um seinen so früh verlorenen Führer." In der Wahlprüfungsfache, betreffend die Wahl des Reichspräsidenten, ist Termin zur öffentlichen mündlichen Berhand lung auf Freitag, den 8. Mai 1925, vormittags 11% Uhr, anberaumt worden. System ist sie mit der Newa, dem Finnischen Meerbusen und der Ostsee verbunden. Russisches Getreide geht aber in großen Mengen auch nach Italien und Südfrankreich. Hauptsächlich für diese Trans porte ist der neue Kanal gedacht. Er soll in einer Ausdehnung von 100 Kilometern zwischen den Städten Sarepta an der Wolga und Ralatsch am Don gebaut werden und die Wolga mit der offenen See bei Noworoffist am Schwarzen Meer verbinden. Der Hasen von Noworossist soll ebenfalls umgebaut werden, um die Einfahrt von großen Seedampfern zu ermöglichen. Sobald auch der RheinDonau- Kanal fertiggestellt sein wird, werden die russischen Exportwaren hauptsächlich Getreide und Rohstoffe von der Wolga und aus Südrußland durch den Don- Kanal über Noworoffist auf direktem Wege durch die Rhein- Donau- Wasserstraße über Deutschland nach der Ostsee und weiter nach England, Holland, Belgien und Nordfrankreich verschifft werden können. Denselben Weg tönnen waren aus den genannten Ländern nach Südrußland benußen. Die Roften des gewaltigen Projektes find auf 150 Millionen Rubel veranschlagt. Die mutmaßliche Arbeitsdauer dürfte fünf bis sechs Jahre betragen. Bühnenplunder. Nachdem Alexander Dumas mit seiner„ Kameliendame troß der Bergner por turzem im Deutschen Theater burchgefallen war, reifte bei der Direktion Rotter der Wunsch, die Ueberlebtheit des franzöfifchen Autors vollends zu erweisen. Gdjon stubiert sie feine Demimonde" ein. Und richtig. Der gute Dumas erlebt den zweiten Durchfall. Diesmal im Lessing Theater. Das einzige, was an bem 1855 entstandenen und heute bereits jahrhundertalten Stück wertvoll erscheint, ist das von Dumas erfundene, nunmehr geflügelte Wort„ Demimonde". Das allein hat feine Zeit überlebt. Im übrigen erscheint uns seine Diskussion über feine Zeit überlebt. Im übrigen erscheint uns jeine Diskussion über das äußerlich glänzende und innerlich angefaulte Milieu der eleganten Halbwelt wie eine langweilige Vorlesung über einen jeder mann betannten Gegenstand. Immerhin Leopoldine Die voilendete Dame von Welt, bestridend, reizvoll im instinfificheren Konstantin hat eine Bombenrolle. Wie immer ist sie bezaubernd. Flirten und im berechneten Schmollen. Sie fofettiert mit ihrer ge wollt affettierten Aussprache und mit einem Singen in der Slimme. volle Gestait heraus, ein großsprecherisches, ewig haftendes Damchen 3hr galt der Beifall. Auch Olga Limburg stellte eine lebens- ozeit vor der he". mit haut gout, die noch was gelten will, auch wenn ihr das Wasser bis an die Kehle steht. Adele Sandrod rief frohe Erinnerungen an den großen Emanuel Reicher wach. Auch der hatte seine Rolle nie gelernt. Wie bei ihm hörte man bei der Sandrod ein Echo. Einiener Gumor". Mittw. 8: Goethe und die Liebe". perfehrtes Echo. Leise und zischend der Urton( vom Souffleur), lant und tonend das glücklich erhaschte Bühnenwort. Schröder Schrom eine glatte Fehlbescgung. Statt eines weltgewandten Ravaliers mimte er den öligen Geschäftsführer eines Beinrestaurants, der verpflichtet ist, mit schlecht angelernter Eleganz die Gäste zu begrüßen. Dgr. Maffen- Selbstmord als Streiffundgebung. Der die japanische Provinz Hachioji durcheilende Expreßzug wurde dieser Tage etma 30 Kilometer vor Tofio durch ein ungewöhnliches Verkehrshindernis zum Halten gezwungen. Fünfzig toreanische Arbeiter, die Grund zu haben glaubten, mit ihrem Arbeitgeber unzufrieden zu fein, hatten nämlich ben sonderbaren Entschluß gefaßt, sich zum Zeichen des Proteftes fiberfahren zu laffen. Zu diesem selbstmörderischen Zwed legten sie sich in zwei Reihen nebeneinander rechts und links vom Bahn geleise hin. Den Kopf auf die Schienen gebettet, erwarteten sie ruhig den Tod. Mit fnapper Not gelang es dem Lokomotivführer, den 3ug noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. In der Geschichte der modernen Arbeiterbewegung dürfte dieses Ereignis sicher einzig in Jeiner Art dastehen. Ein Wolga- Don- Kanal. In Rußland beschäftigt man sich zurzeit mit einem Projekt, das große Bedeutung für die Welthandelsbeziehungen haben fann. Es handelt sich um eine Kanalverbindung zwischen der Wolga und dem Don, die den Wolgafchiffen die freie Ausfahrt zur offenen See im Süden ermöglichen foll. Die Wolga, bekanntlich der größte Fluß Europas, ist die wichtigste Waffer perfehrsstraße Rußlands, Durch das sogenannte Marien- Kanal " Erftaufführungen der Woche. Mont. Tribüne:, Die beidenherren der gnädigen Frau. Dienst. Stomödie: Robert und Ber. ram". Th. am Kurfürstendamm: Sacqueline.-Nose- Th.: Schloßvarttheater:" Die goldene Eva". Freit. Kammerspiele: iebfrauenmilch". Urania- Vorträge. Connt. 5 t. 7, Dienst., Donn., Sonnab. 5:„ Dntel James Erben". Connt, Mont., Dienst., Freit.: New Yort", Mont bis Donn., Sonnab.: 3 um Gipfelber Belt". Dienst., Donn. 7: Bühnenchronit Direktor Arthur Helmer hat Baul Wegener dem Leffin theater verpflichtet. Wegener mird in der Eröffnungsvorstellung den Götz und später den Lear, den Falstaff und Hannibal darstellen. In der Großen Boltsoper geht am Corntag statt Fatme Straußen's Fledermaus" um 7%, Uhr in Ezene. Den Eisenstein spielt Robert Philipp von der Staatsoper. Ucht", die Gilbert- Dpperette bes Theaters i. b. Stommandanten ftraße", bie Donnerstag in der Bremierenbelegung mit Uchi Ellot und riz Schulz ihre 50. Aufführung erlebte, wird auch während des Mais weitergespielt. Eine Ebert- Brüde in Mannheim. Für die neue große Rheinbrüde in Mannheim, die den Namen Friedrich Ebert- Brüde tragen soll, wird ein ettbewerb ausgeschrieben. Im Breisgericht fist u. a. Bonas in Stuttgart, Gaber in Karlsruhe, Seleiulogel in Darmstadt, Sigler in Mannheim. Die Ruhrtreölte vor öem Reichstag. Vernehmung von Dr. Luther und Robert Schmidt. Der Reichstagsausschuß zur Untersuchung der Ruhrkredite setzte om Freitag vormittag seine Verhandlungen fort. Die Sitzung be- ginnt mit den Vernehmungen über das Belveisthema: Ist das Schreiben des Reichskanzlers Dr. Skresemann vom l.November I92i in Gemätzheit des Kabineltsbeschlusses vom gleichen Tage. d. h. unter Zuziehung de? ilusschusses. in dem die Reichskanzlei, das Reichewirlschaftsministerium uno das AUniflerium für Wiederausbau vertreten waren, abgesoht worden? Als erster Zeuge wird Ministerialdirektor Dr. Ritter vom Auswärtigen Amt vernommen, der das bestätigt und hinzufügt, daß natürlich auch dos Auswärtige Amt an der Abfassung des Schreibens beteiligt war. Es war damals das federführende Ressort, und die übrigen Ressorts wurden zu seiner Unter- stützung in den Ausschuh herangezogen. Später ging die Feder- führung auf das W i e d e r a u s b a u m i n i st e r i u m und dann auf das R e i ch s f i n a n z m i n i st e r i u m über. Als Teilnehmer an der Kabinettssttzung erklärt der Zeuge auf eine Frage des Abg. Esier(Ztr.): Für mich bestand sowohl nach dem Gang der Kabinetts- fitzung, als auch nach der Art, wie das Schreiben zustande ge- kommen war. kein Zweifel darüber, daß es sich nicht darum ge- handelt hat, eine allgemeine moralisch-polttische Lerpflichlung, son- dern eine rechtlich bindende, evtl. cinklagbare Wer- p s l i ch t u n g zu übernehmen. Auf eine Frage des Abgeordneten Sloecker(Komm.) erklärt Ministerialdirektor Dr. Ritter. Stinnes habe gemeint, man müsse das Abkommen nach außen hin so aufmachen, daß das Reich eine Verpflichtung nur unter der Voraussetzung übernimmt, daß die Leistungen auf Reparationskonto gutgeschrieben wer- den. Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge, die Bergherren legten deshalb Wert auf das Schreiben des Reichskanzlers, well sie meinten, durch die Vorlegung eines solchen rechtlich bindenden Dokuments würde ihnen die Erreichung eines ausländischen Kredits erleichtert werden. Dr. Hertz(Soz.): Warum ist an den ersten Besprechungen mit Stinnes nicht das für diese Dinge zuständige Aufbaumini st e- ri u m hinzugezogen worden im Gegensatz zu den übrigen Mi- nisterien? Dr. Ritter: Aus diese Frage bin ich nicht vorbereitet, da sie über das mir gestellte Beweisthema hinausgeht. Vors.: Ich Halle es auch für bedenklich, das Beweisthema so weit zu überschreiten durch Fragen, die im wesentlichen politisch- agitatorischen Zwecken dienen. Dr. Hertz(Soz.) bestreitet, daß seine Frage nur polllisch-agita- torische Bedeutung habe. Es sei für die sachliche Würdigung von größter Bedeutung, aus welchen Gründen die Minister Sollmann und Schmidt, ganz besonders der zuständige Ressortminister Schmidt nicht zu den Besprechungen hinzugezogen wurde. Der Vorsitzende stellt anHeim, entsprechend« Beweisanträge zu stellen. Ministerialdirektor Dr. Kiep, der ehemals der Reichskanzlei an- gehörte, bekundet daraus zu dem Beweisthemo, daß er bei der Ab- fnssung des Schreibens mitgewirkt habe. Das Konzept wurde vom Ministerialdirektor Ritter entworfen, in der Reichskanzlei geschrie- ben, dann gemeinsam besprochen, mit einigen Korrekturen ver- sehen, alsdann von den mitwirkenden Referenten mit der Paraphe gezeichnet und dem damaligen Reichskanzler zur Unterschrift vor- gelegt.— Auf eine Frage des Abg. Stoecker, ob ihm erinnerlich sei, daß der Reichsfinanzminister in der Miiiisterbesprechung gesagt habe, es könne sich nur um ein vorläufiges Anerkenntnis handeln, und das Reich sei vor zwei Iahren zur Zahlung nicht in der Lage, verwies der Zeuge auf das Protokoll. Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß diese Frage über das Be- weisthema hinausgehe, zu dem der Zeuge die schriftliche Aussage- gcnebmigung habe. Auf die Vernehmung der weiteren Zeugen zu diesem Punkt wird verzichtet. Es tritt dann eine kurze Pause ein. Nach der Pause wird Reichskanzler vr. Luther vernommen. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß festgestellt werden solle, welcher Art die Bindungcu gewesen sind, die damals zwischen der Rcichsregierung und den Ruhrindustriellen eingegangen worden sind. Reichskanzler Dr. Luther: Der Zweck des damaligen Abkommens war nach den ausdrücklichen, von den Vertretern der Sechser- Kommission geäußerten Wünschen, eine Erklärung der Reichsregie- rung herbeizuführen, auf Grund deren der Kohlenbergbau sich K r e- d i t e befchasfen konnte. Rur wenn er in den Besitz solcher Kredite kam, erklärten sich die Herren imstande, Verträge mll den Besatzung?- mächten über die Weiterführung der Kohlenlieferungen abzu- schließen. Daß es sich um Abmachungen gehandelt hat, die im p r i- vaten Wirtschaftsle ben ihre Auswirkung finden sollten, geht auch aus der Ausdrucksform der verschiedenen Briefe hervor. Run ist die Frage gestellt, ob es sich um v r i o a t r e ch t l i ch e Bin- düngen gchandell hat. Ich habe mir damals nur klar gemacht, was ich sachlich wollte. Wenn ich mir oie Sache juristisch über- lege, würde ich wohl das Vorliegen einer prioatrechtlichen Bindung anerkennen. Vorsitzender: Es wird nicht leicht fein, hier stritt zu unterscheiden zwischen Bekundung von Totlachen und gewissen i n n e- ren Vorgängen. Ich glaube aus Ihrem legten Satz entnehmen zu dürfen, daß kein Zweifel darüber bestand, daß Sie den Indu- striellen dafür, daß sie dem Reiche zu hilf« kamen und chren Kredit zur Verfügung stellten, ein unmittelbarer, eintlagbarer An- j p r u ch gegeben werden sollte. Landsberg(Soz.): Ich habe den Reichskanzler etwas anders »erstanden, nämlich so i Wir waren uns darüber einig, daß wir den Industriellen eine Rückendeckung geben müßten. Wir haben aber n i ch t g e p r ü s t. ob wir uns juristisch, politisch oder moralisch binden wollten, hinterher hat der Herr Reichskanzler dann gesagt, als Jurist würde er sich die Frage dahin beantworten, daß eine piivatrechtliche Bindung vorliege. Dr. Lulher: Was wir damals gewollt haben, heißt in der Sprache der Jurisprudenz: privatrechtliche Bindung. Wir hoben ohne jede» Zweifel nach Lage der Dings der anderen Seile einen Anspruch geben wollen, der unmittelbar klagbare Rechte erzeugte. Denn der Zweck war ja. etwas Diskont- f ä h r g e s zu schaffen, auf dessen Grundlage man Geld belommen konnte. Auf Befragen des Vorsitzenden fügt der Reichskanzler noch hinzu: Nach dem Inhast der damaligen Erörterungen ist die Mäg- lichkeit gar nicht erwogen worden, daß die Reichsregierung bei der Dahl eines anderen Reichstags diese Versprechungen etwa nicht erfüllen könnte. Stoecker(Komm.) erinnert den Reichskanzler daran, daß er in einer Kabinettssitzung ausgeführt habe, daß die Zahlungen uitter ollen Umständen einzustellen seien: auch bei den'So- ztalrentnern müsse man eine Einschränkung od« Einstellung der Zahlungen vorsehen. Sonst bestebe nur noch die Aussicht auf ein allgemeines Chaos. Den Vorschlägen des Herrn Stinnes stimme er bei. und zwar deshalb, weil der Plan der Bergherren keine unmittelbare Be- lastung der Reichsfinanzen mit sich bringe. Dr. Luther: Meine ganzen Ausführungen bezogen sick> doch auf den damaligen Zustand. Nach Sanierung der Reichs- sinanzen fällten die Zahlungen' erfolgen. Das war aber«in anderer tatsächlicher Zustand. Vorsitzender: Die Bedeutung liegt bei den damaligen Ausfüh- rungen des Reichskanzlers aus dem Wort„unmittelbaren". Abg. Stoecker(Komm.): Rechnete der Zeuge nicht damals mit einer Nichtzahlung der Reparationen? Am 2l). Oktober erklärte er: Der Erfolg der Aktion der Bergherren sei sehr z w e i f e l- Haft. Nach seiner Meinung komme es nur daraus an, die Los- lösung der besetzten Gebiete vom Reich in einer besonders schonenden Weise zu ermöglichen. Man rechnete damals also nicht mit einem Vervleiben der besetzten Gebiete beim Reich. Dr. hilferdlng(Sdz.): Für das Reichskabinett waren damals offenbar zwei Erwägungen maßgebend: 1. Wir wissen heute noch in keiner Weise, ob das oesetzte Gebiet mit dem übrigen Deutschland verbunden bleiben wird: 2. wir wissen nicht, in welcher Zeit wir den Ueb e rschüssen i m.Budget kommen werden, die di Dorausstzung für die Entschädigung bildet. Die ganze Sache ist also eine cura posterior. Wir werden in zwei bis drei Iahren, wenn die Finanzen saniert sind, überhaupt erst diese Frage definitiv entscheiden können. War das die tatsächliche Aussassung bei den Abmachungen? Es handelte sich doch dabei um emen der vielen politischen Versuche, das besetzte Gebiet beim übrigen Deutschland zu erhatten. Dr. Lulher: Der Zweck dieses Borganges war gewiß ein p o- litischer, aber der Inhast war eine bindende Abmachung mit den Ruhrindustriellen. Es war nicht eine politische Abmachung in dem Sinne, daß man über die Sache in Wirklichkeit erst später entscheiden wollte, sondern es war eine Abmachung, die die Grundlage für ein Geldgeschäft darstellen sollte und die ihrer Idee nach die Zurückgewährung von Leistungen darstelle» sollte, die die Ruhrindustriellen für das Reich gemacht hatten. Es handest sich auch nicht um zwei Voraussetzungen, sondern der Brief enthäst nur die eine Boraussetzung, daß di« Reich ssinanzen saniert werden. Das Gelingen der Rettungsaktion für das besetzte Gebiet war keine Voraussetzung. Stoecker(Kam.): Der Reichskanzler hat doch in seinen Aus. führungen als damaliger Finanzminister über den Haushaltsplan erklärt, er rechne dabei mit einem Rumpf-Deutschland ohne Reparationslasten. Wie dachte er sich bei einer solchen Perspektive di« Erfüllung des Abkommens? Dr. Luther: Meine Ausführungen bezogen sich nur auf den Reichshaushaltsplan und da mußte ich, um rechnungsmäßig ein klares Bild zu gewinnen, mit diesem Rumpf-Deutschland rechnen. Das besagte aber keineswegs, daß wir nicht alles mögliche wn soll- ten, um das besetzte Gebiet beim Reich zu erhalten. Weim ich von einer„vorläufigen Anerkennung" sprach, so bedeutet das nichts weiter, als daß ich damals noch nicht zahlen tonnte, son- dern damit bis zur Sanierung der Finanzen warten wollte. Dr. Hertz(Soz.): Sie haben vorhin erklärt, daß es sich nach Ihrer Meinung damals um eine bindende Abmachung gehandcst habe. Wie erklärt sich dies damit, daß einige Monate nach dem Zu- standekommen des Briefwechsels mit Stinnes einzelne Minister und überhaupt die Reichsregierung öffenllich den Standpunkt vertreten hat, daß von einer Tragung der Wicumlasten durch das Reich nicht die Rede fein könne, und daß Sie in einer Besprechung mit den Bergarbeitervertretern erklärt haben, daß der finanzielle Zustand des Reiches einen Bestrag zur Milderung der Micumlasten schlechtweg unmöglich mache? Dr. Luther: Das galt nur für die damalige Zeit. Damals konisten wir nichts zur Erleichterung der Micumlasten tun. Wir haben die Verpflichtung ja auch für die Zukunft übernommen. Dr. herz(Soz.): Wir werden später noch diese damaligen Aeußerungen vergleichen müssen: ich habe sie so in Erinnerung, als wenn sie nicht von der damaligen Lage, sondern von der allgemeinen handesten. Das scheint auch aus dem Zusammenhang hervorzugehen. Aber etwas anderes. In einem Schreiben heißt es u. a.: Den Zechen des Ruhrbergbaues wird in Ansehung ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage auf die ihnen erwachsenden Micum- Losten eine Abschlagszahlung von 133 Millionen Mark ge- währt, hier wird also als Grund für die Zahlung des Vorschusses die wirtschaftlich schwierige Lage, nicht aber eine b i n- dende Abmachung angegeben. Wie erklärt sich das? Dr. Lulher: Das erklärt sich daraus, daß die Sanierung der Reichsfinanzen, in dem Sinne, wie er die Voraussetzung für die end- güstige Zahlung darstellen sollte, zu dem damaligen Zestpunkte, wo die Dawcs-Anleihe noch nicht abgeschlossen war, noch nicht eingetreten war. Es wurde also auf eine zukünftige Verpflich- tung eine Abschlagszahlung geleistet. Dr. herz(Soz.) kommt dann auf eine Sitzung des A u f m e r- tungsausschusses vom 24. September zu sprechen und er- klärt: Der damalige Reichssimmzministec hak in dieser Sitzung eine genaue Ausstellung über die Ausgaben des Reiches vorgelegt. Cr verfolgte dabei den Zweck, die A n s- gabenb es anders hoch erscheinen zu lassen, well es sich doch um die Auswertungssrage handelte. Trotzdem hat er die Zahlung für die Ruhrabwicklung nur mit 100 Millionen Mark eingesetzt. Er mußte doch wissev, wenn eine bindende Abmachung vorlag, daß die Verpflichtung des Reiches für die Ruhrenlschädigung viele hunderte von Millionen betrug. Dr. Luther: Ich habe die Vorgänge nicht in allen Einzelheiten >m Gedächtnis. Soweit ich aber mir im Augenblick die Dinge vor- stellen kann, würde es sich damals darum gehandelt haben, auf der Ausgabcnseite die Summen einzusetzen, die im Etatsjahr vor- a u s s i ch t l i ch noch zu zahlen waren. Die Summe ist dann höher geworden, weil eben die Sanierung der Reichsfinanzen schnellere Fortschrstte gemacht hat. Schlimmstenfall» beweist diese Angabe des damaligen Rcichsfinanzministers. daß die Finanzlage von seilen der Retchsregierung unrichtig beurteill worden ist. Dr. Hertz(Soz.): In den Akten des Reichsfinanzministeriums befindet sich eine Aufzeichnung vom 24. Oktober 1924, in der es u. a. heißt: Die allgemeinen Erhebungen zu denen die Vorarbeiten be> reits im Gange sind, erleiden durch die Auflösung des Reichstages «ine erheblich« Verzögerung. Da kaum damit zu rechnen sein wird, daß der kommende Reichstag vor Ende Februar arbeitsfähig sein wird, wird dadurch auch vor Cude Mär, die endgültige Abgeltung der Ruhrverpslichtungen nicht zu erwarten fein. Ministerialdirektor v. B r a n d t, der Verfasser dieser Aufzeichnungen, hat vor dem Ausschuß mstgeteilt, daß im Reichsfinanzministerium bei der Bearbeitung der Micum. Entschädigungen ursprünglich mit der Mitwirkung de» Reichstage» gerechnet worden fer. Wie erklärt es sich, daß das Finanzministerium auf dem Stand- punkt stand, die Mitwirkung des Reichstages ist notwendig, wenn im November 19?3'bcrests bindende Abmachungen privatrechtlicher Natur getroffen worden fein sollen? Dr. Luther: Ich habe aus den Fragen des Herrn Dr. Hertz nicht entiunnmen, daß bei dieser Notiz sich die Bindung fände, c? sei notwendig, den Reichstag zu befragen: es ist nur von einer A b- ficht gesprochen worden, den Nesthsrag zu beteiligen. Diese Absicht kann bestehen, auch ebne daß die iurtstische Notwendigkest gegeben ist. Dr. Laad'-bcrg(Soz.): Ist Ihnen das Guta chten der Herren v. Stöfs und h e y m o n n bekannt geworden? Dr. Lulher: Rein. Von diesem Gutachten i�t mir gegenüber gesprochen worden, gelesen habe ich es nie. Dr. Landsberg(Soz.): Es ist damals von Nathusius eine kritische Bemerkung zu diesem Gutachten gemacht worden: an chrer Spitze heißt es: die Schwächen des Gutachtens bezüglich der Stützung auf Vertrag liegen so offen zutage, daß ein Eingehen daraus s i ch e r ü b r i g t. Ist Ihnen diese Kritik bekanntgeworden? Dr. Luther: Rein. Dr. Luther: Die Ruhrindustrie wollte eine Grundlage dafür haben, daß das Reich, sobald es in der Lage war, zu zahlen, auch zahlte. Die Frage der Gutschrift auf Reparationskonto ist verwendet worden in den Verhandlungen gegenüber dem Ausland, den Franzosen. Ich habe nicht die Vorstellung gehabt, daß die Gutschrift eine endgültige Voraussetzung gewesen sei für die Ver- vflichtung des Reiches zur Zahlung. Zur endgülligen Beantwortung der j u r i st i f ch e n Seite der Frage müßte ich mir die Gegen» stände noch einmal ansehen. Esser(Z.). In der Sitzung des Aufwertungsausschusses am 24 September 19 24 Hot der damalige Direktor im Reichs« sinanzministerium, v. Schlieben, eine genaue Aufstellung über die damalige Finanzlage des Reichs gegeben. Er hat dabei die gegenüber der Ruhrindustrie eingegangenen Verpflichtungen nicht erwähnt. Das wäre aber unbedingt notwendig gewesen, wenn er der Ueberzeugung war, daß es sich um p r t v o t r e ch t l i ch c Schuld- Verpflichtungen des Reichs handele. War dem damaligen Direkwr v. Schlieben dieser Charakter der Vereinbarungen vielleicht nicht bekannt? Dr. Luther: Es handelte sich wahrscheinlich bei der Aufitellunq des Herrn v. Schlieben um die Beträge, mit deren Zahlung noch im laufenden Etatsjohr gerechnet wurde. Es handelte sich also nicht um eine Bilanz in dem Sinne» daß sämlliche Schulden und Forderungen aufgeführt wurden» sondern um einen Kassen» plan für das laufende Jahr. Herr o. Schlieben hat damals offenbar nicht die Borstellung gehabt, daß die Gesamtschuld fällig wäre oder bald fällig wurde. Als nächster Zeuge folgt der fibg. Robert Schmidt(Soz). der zu der fraglichen Zell MinisterfürWiederaufbau war. Er bekundet auf Fragen des Vorsitzenden: An den mündlichen ver- Handlungen mit den Herren der Sechserkommission habe ich nicht tell- genommen. Das gab mir Veranlassung, in der entscheidenden K o« b i n e t t s s i tz u n g am 1. November zu erklären, daß ich gegen den Abschluß der Abmachungen Einwendungen erhebe, weil ich als zuständiger Wiederaufbauminister zu den Vorberatungen nicht hin- zugezogen worden sei. Auch das Schreiben des Herrn Stinnes war mir vorher nicht bekanntgegeben worden. Ich konnte auch zu dem verlesenen Entwurf des Aittwort- schreiben« nicht Stellung nehmen, weil ich ohne Kenntnis der Vorverhandlungen im Augenblick der Verlesung d i« T r a g- weite der Abmachungen nicht zu überblicken ver- mochte. Mit dieser Begründung erklärte ich, daß ich mich der Stimm« enthalten würde. Eine Ablehnung wollte ich nicht aussprechen, weil ich die Trag- weite der Sache im Augenblick nicht übersehen konnte und natürlich auch ein Interesse daran hatte, daß die Industrie wieder in Gang käme. Der Innenminister S o l l m a n n schloß sich meinem Standpunkte an und erklärte gleichfalls Stimmenthaltung. Daß meine Stimmenthaltung vielleicht auch darauf zurückzuführen fei, daß schon elngewisserBruch zwischen uns und den llbrlgen Mitgliedern des Kabinetts vorhanden gewesen wäre, glaube ich nicht. Mindestens wurde in der Kabinettssitzung erklärt, daß e» . nur ein versehen gewesen sei, dos; ich zu den Vorbesprechungen nicht hinzugezogen worden war. Differenzen, glaube ich, waren noch nicht vorhanden, sonst wäre von dem Reichskanzler klipp und klar gesagt worden. weshalb mein Ministerium nicht hinzugezogen worden sei. Esser(Z.): Haben Sie über den Grad der Verpslichtungen aus der damaligen Kabinettssitzung ein Bild gewonnen, ob privat« rechtliche oder politisch. moralische Verpflichtung vorlag: ferner: ist der damalige Iustizminister über die juristische Seite der Frage gehört worden? Robert Schmidt: Mein Kollege Radbruch hat sich meines Wissens darüber nicht geäußert. Ich habe später mit ihm darüber gesprochen, wie er diese Sache auffasse. Nach dem flüchtigen Ein- druck hatte ich nur die sehr großen Bedenken, ob man hier in der Kablnettssitzung. ohne daß den einzelnen Ministerica vorher fchrifklich die ganze Sache unterbreitet war. ein« solche Zusage machen konnte. Ich hielt die Verantwortung für zu groß. Ich halte den Eindruck, daß über die Einzelheiten der Ausführung später noch gesprochen werden konnte, besonder» hinsichtlich der Höhe, des Berechnnagsmodus usw. (Aus eine Frage des Abg. Stoecker:) Sachliche Einwendungen gegen den Vorschlag des Reichskanzlers bzw. de» Reichssinanz- Ministers sind in dieser Kabinettsitzung nicht gemacht worden, weil wir uns in die Einzelheiten überhaupt nicht eingelassen haben. Wir hätten in einer folgenden Kabinettssitzuna unsere Monita noch vor- gebracht. Das war nicht möglich, weil das Kabinett ja dann i n- folgeunseresRücktritts ausflog. Daß ich und meine sozial- demokratischen Kollegen auch zu den übrigen Vorbesprechungen nicht herangezogen worden waren, ist mir nicht aufgefallen: meine Kollegen hallen ja mit der Sache nichts zu tun. Ressortminister war nur ich. Mein Kollege Sollmann war der Meinung, daß mindestens aufrecht- erhalten werden müßten die Zahlungen an die Sozialrentner und an die ausgewiesenen Beamten. Wir hatten aber den Ruhrindustriellen erklärt, wir seien nicht tu der Lage— besonders soweit die Kohlenliefeningen in Betracht kämen— irgendwelche finanziellen Leistungen fetzt zu üdernehmcu. Sie müßten zusehen. wie sie mit den Micumverträgen allein weiterkämen. Die Verhandlungen im Ministerium kamen ja erst zum Abschluß, als Stinnes als Vertreter der Sechfer-Kommtssion da» Schreiben an das Ministerium richtete, tn dem gesagt wurde, daß di« Micum« kommission weitereZugestöndnissealsausgeschlossen bezeichnet habe. Der Vorsitzende stellt zusammenfassend fest: Der Zeug« erklärt also, jedenfalls nach seiner Kenntnis von Art und InHall der bisher geführten Verhandlungen habe er keinen Anlaß gesehen, eine stärkere Beteiligung seines Reslorts zu fordern. Dabei bleibt immer noch die Möglichkeit offen, daß er bei voller Kenntnis der Vorgänge die Ansprüche seines Ministeriums an- gemeldet hätte. Dr. Landsberg(Soz.): Haben Sie die Vorstellung gehabt, daß aus dem Brief vom 1. November klagbar« vor Gericht verfechlbare Ansprüche gegeben waren? Roberl Schmidt: Dazu bin ichzu wenigIurist. Eine starke moralische Bindung war jedenfalls vorhanden.(Auf ein« Frage des Abg. Dr. Hertz.) Die Frage, ob in der Kabinettssttzung vom 1. November von irgendeiner Seil« positiv oder negativ da- von gesprochen worden ist, daß eine Auszahlung von Ansprüchen ohne wettere Prüfung durch den Reichstag vorgenommen werden könnte, ist meines Wissens nicht erörtert worden. Wir standen ja alle unter dem Eindruck, daß sich die Herren noch einige Zahre würden gedulden müssen. (Fortsetzung im Morgenblatt.) Kabylen-Auffland tn Franzöflsch-Marokko. Seit einigen Tagen ist ein allgemeiner Aufstand der Rifskabylen auch in der französischen Zone Marokkos im Gange, der dem französischen Militärbefehlshaber zu umfangreichen Gegenmaßnahmen veran- laßt hat. Gewerkschaftsbewegung „ Ein völkisches Paradies." Mit dieser Ueberschrift brachten wir in Nr. 163 des Vorwärts" einen Bericht über die Zustände in dem Stahl- und Walzwert Hennigsdorf, wobei insbesondere auch auf die Unterkunft der aus Oberschlesien und anderen Gegenden herangeholten Arbeiter hingewiesen wurde. Der Landrat des Kreises Osthavelland hat daraufhin einen Bericht des Amtsvorstehers eingefordert. Nach diesem Bericht sind die herangezogenen Arbeiter in Steinbaraden, je nach Größe der Stuben, zu sechs bis achtzehn Mann untergebracht. Um reichlichen Wohnraum zu haben, stehen überall zmei Betten übereinander. Für Forderungen stellen und beim Einzug des Reichspräsidenten den 24- Stunden- Generalstreif proflamieren müssen, um den von der KPD. Zentrale mitherbeigeführten Uebeln auf diese Weise zu begegnen. Unsere Genossen in den Betriebsräten laffen sich von der Münzstraße aus zu Zusammenfünften irgendwelcher Art nicht einladen, weil sie sich und ihre Zeit zu schade halten, um sich der KPD.- Zentrale als Stoffage zur Verfügung zu stellen. Da jedoch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, ist, daß der eine oder andere nichtkommunistische Betriebsratsmann mit viel Gefühl und wenig Willen nach der Leimrute hinlaufen möchte, sei davor gewarnt. Wo Dumme gesucht werden, drängen sich vernünftige Leute nicht vor. liegt jedoch nicht der Feststellung durch das Gewerbegericht, sondern darüber entscheiden die Spruchbehörden der Ange= stelltenversicherung. Sind aber die Feuerwehrleute rerficherungspflichtig nach§ 1, Abs. 1 des Angestelltenversicherungsgesetzes und nach Gruppe XVIII der„ Bestimmungen von Be rufsgruppen der Angestelltenversicherung vom 8. März 1924" ( RGBI. I, S. 274, 410) sind sie es, so fann ihnen auch die Entlohnung als Angestellte nicht vorenthalten werden. Der Spruch des Gewerbegerichts ist also ein Fehlspruch. Ueber die Frage, ob die Feuerwehrleute Angestellte sind, be= stand zunächst tein Streit. Die Firma" Deutsche Werke" hatte mit dem 15. September v. J. die Angestelltenversicherung vollzogen, und zwar nicht aus Entgegenkommen, wie sie angibt, sondern unter Würdigung der angeführten gefeßlichen Bestimmungen. Wenn die Firma jezt vorbringt, daß für ihre Berufsfeuerwehrleute die er Einwendungen im September v. 3. machen müssen. Unmöglich fann sie aber heute geltend machen, daß die Feuerwehrleute invalidenversicherungspflichtig sind, weil die Feuerwehrleute mit vollem Recht verlangen, als Angestellte entlohnt zu werden. Geräte Bir bas Bohnen, die Benuzung der Wäsche und ſonſtiger Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin forderlichen Borauslegungen nicht gegeben find, fo hätte file biefe zahlt jeder Arbeiter wöchentlich 1,25 M. Täglich läßt die Bertsverwaltung die Räume reinigen. Brennmaterialien werden den Arbeitern in diesen Baraden gratis geliefert. Bei der sehr geringen Ordnungsliebe dieser Arbeiter ist es zu. verstehen, daß die Räume gleich Biehställen aussehen. So lagen in verschiedenen Räumen Sachen aller Art auf dem Fußboden umher. Mehrere Eimer mit Schmutzwasser und sonstigen Abfällen ftanden in fast allen Räumen. Troß vieler Fenster, ist wenig Ber ständnis für eine ordentliche Lüftung vorhanden. Da die Arbeiter in mehreren Schichten arbeiten, find in den seltensten Fällen die Hälfte der Leute auf einer Stube. Neben diesen Steinbaraden be findet sich auf dem Gelände noch eine Wellblechbarade, welche in der gleichen Beise hergerichtet ist. In lezter Zeit sind auf der maffin gebauten Regelbahn girta 48 Mann, zum größten Teil aus Polnisch Oberschlesien stammend, untergebracht. Die legtgenannten Arbeiter sind nicht hergeholt, sondern freiwillig gefommen. Umfangreiche Wohnungs- und Baradenbauten sehen in Kürze ihre Bollendung entgegen. Auf dem in Frage kommenden Wertsgelände ist fein Arbeiter in einem Bichstall, noch in einer Holzbarade untergebracht. An diesen Baraden befinden sich voll. C Sonntag, den 3. Mai MAIJUGENDTAG in Kaulsdorf- Süd, Restaurant„ Sanssouci". Benutzt den Extrazug, der nachstehende Stationen wie folgt passiert: ab Halensee 8.16, Friedrichstraße 8.40, Alexanderplatz 8.45, Schlesischer Bahnbef 8.51, Stralau- Rummelsburg 8.58 Uhr. Umzug durch kaulsdorf. Und nur diese Frage lag dem Gewerbegericht zur Ent erledigt, die von der Rechtslage wesentlich abweicht. scheidung vor. Das Gewerbegericht hat sie aber in einer Weise Nach§ 2 des Tarifvertrages für Angestellte gilt dieser für alle im örtlichen Geltungsbereich beschäftigten Angestellten im Sinne des § 12 des Betriebsrätegefezes, soweit sie in den vertragschließenden Treffpunkt aller Abteilungen: 10 Uhr vormittags am Angestelltenverbänden organisiert find oder nach deren Sagungen Bahnhof& aulsdorf. organisiert sein tönnen. Gemäß§ 12 des Betriebsrätegesetzes find Angestellte im Sinne dieses Gesetzes Personen, welche eine der im -Gejang.- Gemeinsame Spiele.§ 1, Abs. 1 des Angestelltenversicherungsgefeßes angeführten BeFestansprache. fchäftigungen gegen Entgelt ausüben, auch wenn sie nicht verfiche. rungspflichtig find. Daß die Feuerwehrleute in Ausübung des Feuerschutzes, sowohl des vorbeugenden( feuerverhütenden) als des abwehrenden( Feuerbekämpfung) verantwortungsvolle Tätigkeit ausüben, unterliegt feinem Zweifel. Sie gelten als technische Angestellte in gehobener Stellung". Bringt Eure Eltern und Freunde mit! Treffpunkt der Abteilungen zum Maijugendtag: Moabit II: 7.30 Uhr, Strom Ede Turmstraße. Schönhauser Borstadt: 7 Uhr, Bahnhof Schönhauser Allee. Straße Ede Pappelallee( Normaluhr). Köpenid: 8 1hr, Bahnhof. tändig abgeschlossene Bedürfnisanstalten. In der Heimstättenfied Mordring, Prenzlauer Berg. Senefelder Biertel: 8 Uhr, Danziger gehen. Sie hat ihren Unmut über die„ Begehrlichkeit der Feuerlung( Marwizer Siedlung) sind in den Beamtenwohnungen Riofetts mit Spülung angebracht. Die Arbeiterwohnungen haben innerhalb der Wohnung einen Klosettraum nach dem EimerInftem, welcher täglich geleert werden muß. Diese Bauten find feinerzeit baupolizeilich abgenommen worden. Bon einer Unterbringung entfaffener Arbeiter im Lager Döberig ist hier bisher nichts befannt geworden. Aus fanitären Gründen würde die Herrichtung eines afchraumes angebracht sein. Den Berheirateten find, foweit, wie es nur möglich war, Familienwohnungen überwiesen worden. Feststellungen, welche dem Artikel bezüglich der Unterbringung der Arbeiter nur einigermaßen entfprechen, sind nicht gemacht worden." Der Landrat fügt dem hinzu, er habe wegen der Einrichtung eines gemeinsamen Waschraumes Anweisung gegeben. Unsere Stritit richtete sich nicht gegen die Gemeindebehörde Hennigsdorf, sondern gegen die Firma Stahl- und Walzwert 21. G., die eine Mißwirtschaft eingeführt hat, bei der es ar beitslosen Berliner Arbeitern nicht möglich ist, dort Arbeit zu nehmen. Deshalb werden fulturell rückständige Arbeiterschichten herangezogen. Von einem„ freiwilligen" Zuzug fann doch die Rede nicht sein. Arbeiter in Bolnisch- Oberschlesien gehen doch nicht in Deutschland auf die Wanderschaft und finden rein zufällig, dieses Baradies", in dem sie sich ohne weiteres niederlassen. Irgendwie werden sie doch herangezogen. Und eben dagegen menden Gewährte das Werf nur die in Groß Berlin üblichen Löhn und Arbeitsbedingungen, in Verbindung mit einer ordentlichen Behandlung der Arbeiter, dann brauchte es feine Arbeitsträfte nicht aus Polnis. Oberfchlesien heranzuholen, während arbeitslose Berliner Ar beiter der Erwerbslojenfürsorge unterworfen sind. Die„ völkischen" Methoden dieser Firma sind daher verwerflich. wir uns. Alexander Schlicke im Ruhestand. Der bisherige Leiter des Berliner 3meigantes bes Internationalen Arbeitsamtes in Genf, der ehemalige Reichsarbeitsminister und langjährige Borsitzende des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Genosse Alexander Schlice, schied mit dem 1. Mai aus diesem Amte aus. Genosse Schlice hat im März 1921 das Berliner Amt des JAA. in dessen Auftrag aufgebaut und hat bis heute an der Spize dieses Amtes erfolgreich gewirkt. Bei den Behörden, den Berbänden der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer und besonders im Parlament hat Genosse Schlicke in dieser bewegten Zeit wesentlich dazu beigetragen, den Gedanken des internationalen Arbeitsrechts zu stabilisieren und das im Teil XIII des Versailler Bertrages begründeie Werf des Internationalen Arbeitsamts in Deutschland öffentlich zu verbreiten, dafür Intereffe zu meden und ihm Freunde zu werben. Sein Nachfolger wird Herr M. Donau, bisher Regierungsrat in der Reichsarbeitsverwaltung. Eine Leimrute für die Betriebsräte. Das„ Oppositionelle Betriebsrätefomitee" in der Münz= Straße schlägt Alarm und sucht die Berliner Betriebsräte für die 24- Stunden- Generalstreitparole der KPD.- Zentrale einzufangen. Unter Hinweis auf die angeblich große monarchistische Gefahr durch die mit gefälliger fommunistischer Untere it ügung erfolgte Wahl von Hindenburg zum Reichspräsidenten und auf die mit gleicher Unterstügung inszenierte Krise in Preußen soll eine Betriebsrätevollversammlung am Montag in Aftion treten. Die große Zeitgenosfin Ruth Fischer will in dieser Versammlung den Betriebsräten beibringen, daß sie etliche Damen- Kleidung Halensee: 8 Uhr, Bahnhof Halensee. Worauf es der Firma ankommt, beweist far ihr weiteres Bor mehrleute dadurch zu erkennen gegeben, daß fie fofort nach Rüdfehr von der Berhandlung sämtlichen Feuerwehrleuten troffenen zustehenden Rechtsmittel sind in Anspruch genommen. Wir werden nichts unversucht laffen, um unseren Mitgliedern zu ihrem Recht zu verhelfen. Weffen: 6 Uhr, Bahnhof Bilowmstraße. Nachzügler: 7 Uhr, Bahn- 3 um 16. Mai fündigte. Die gegen diesen Willkürakt den Behof 300. Steglit I: 9 Uhr, Bahnhof Südende. Tempelhof: 9 Uhr, Bahnhof Tempelhof. Friedrichshagen: 9 Uhr, Bahnhof. Lichtenberg- Nord: 8 Uhr, Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde, Buchholz: 7.27 Uhr, Abfahrt Bahnhof Blankenburg. Werbebezirk Westen: Arbeiterjugend, Jungjozialisten und Kinderfreunde: Treffpunkt 8 Uhr, Bahnhof Charlottenburg, Bahn fteig Kaulsdorf, mit Fahrschein. Werbebezirk Kreuzberg: Treffpunkt 8% Uhr, Morigplatz. Südost- Gruppen: 7% Uhr, Spreewaldplay. Südwest: 7% Uhr, vor dem Vorwärtsgebäude. Luisenstadt: 8 Uhr, Morigplay. Werbebezirk Neukölln: Treffpunkt 8 Uhr, Bahnhof Neukölln. Jugendgenoffen, vergeßt die Banner und Fahnen nicht! Chorteilnehmer und Musiker: Montag, den 4. Mai, abends Uhr: Uebungsabend im Jugendheim, Lindenstr. 3. Sänger und Sängerinnen, sowie Musiker fönnen sich noch melden. 7 Erwerbslosenversicherung! nicht„ Fürsorge". Berlin, 30. April.( WTB.) In der Zeit vom 1. bis 15. April hat sich die Zahl der Hauptunterstüßungsempfänger in der Erwerbs lofenfürsorge von 466 000 auf 394 000, d. h. um rund 15 Pro3. Dermindert. Im einzelnen hat sich die Zahl der männ lichen Hauptunterstüßungsempfänger von 427 000 auf 359 000, die der weiblichen von 38 000 auf 35 000 gesenkt, die Zahl der Zus fchlagsempfänger( interſtügungsberechtigte Angehörige von Hauptunterstüßungsempfängern) ist von 661 000 auf 553000 zurüdgegangen. Die günstige Entwicklung entspricht der Jahreszeit. Zum Kampfabbruch der Bielefelder Metallarbeiter. Der Streit wurde abgebrochen und die Arbeit am Dienstag wieder aufgenommen, weil die Urabstimmung über das Verhand lungsergebnis nicht die zur Weiterführung des Kampfes erfor derliche Mehrheit ergab. Bon den in der Liste der Streifenden und Ausgesperrten eingetragenen Verbandsmitglieder hatten sich allerdings 60 Proz. für die Fortführung des Kampfes entschieden. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wurde nicht erreicht ,,, was aber auf erklärte die Ortsdiesem Wege für die Zukunft vorbereitet ist" verwaltung des Deutschen Metallarbeiterverbandes jeder Arbeiter zu mürdigen." Für die sechs Stunden Mehrarbeit ,, das weiß muß jedoch fortab Mehrbezahlung erfolgen, die in die Stundenlöhne eingerechnet ist. Das KPD.- Organ faselt von Berrat an den Metallarbeitern und das Hugenberg- Organ von einem verlorenen Streit. Die Bewertung des Rampfabfchluffes sollen die guten Leute ruhig den Beteiligten selbst überlassen." Sind Berufsfeuerwehrmänner Angestellte? Bom Berband Deutscher Berufsfeuerwehrmänner wird uns geschrieben: Das Gewerbegericht Berlin( Stammer 7) hat in einer Streit frage über die Entlohnung der Feuerwehrleute der Deutschen Werfe in Spandau fiehe Gewerkschaftsbewegung, Borwärts" Nr. 184 entschieden, daß es eine rechtliche Verpflichtung, die Feuerwehr leute als Angestellte zu entlohnen, auf Grund der gegenwärtigen Sachlage verneinen müsse. Die Frage, ob Feuerwehrleute versicherungspflichtige Angestellte find, unterSelten Fantasic- Mäntel in verschiedenen 650 günstige Ausführung. von an 70 Bergarbeiterkündigungen im Ruhrgebiet. Aus Gelsenkirchen wird gemeldet, daß in den letzten Tagen etwa 6000 Bergarbeitern gefündigt wurde, weil die Absatzmöglichkeiten immer geringer würden und eine große Krise bevorstehe. In der Hauptsache seien die Zechen des RheinElbe Konzerns betroffen. Die Bauarbeiter im Wuppertal, der Städte Barmen, Elberfeld. Stundenlohn von 1,25 M. für Maurer und 1,12 M. für Hilfsarbeiter. Schwelm und Bohwinkel, traten in den Ausstand. Sie fordern einen Die Löhne betrugen 88 bzw. 75 Pf. Die Steffiner Hafenarbeiter haben den Schiedsspruch bes Schlichtungsausschusses, der ihnen einen Zuschlag von 40 Bf. auf den Tageslohn zuerkannte, abgelehnt und werden heute in den Streit treten. Theater der Woche. Bom 3. bis 11. Mai 1925. Bollsbühne: 3., 5., 9., 10. Datterich. 4., 11. Samlet. 6. Gegel an Sorizont. 7. Schlud und Jau. 8. Schneider Wibhel. Deutsches Opernhaus: 3. Meistersinger. 4. Fledermaus. 5. La Traviata.( Gastspiel Gigli). 6. Galome. 7. Martha.( II. Gastspiel Gigli). 8. Die verkaufte Braut. 9. Jute mezzo. 10. Rigoletto,( III. Gastspiel). 11.( 8. 1. Mate) Der ferne Klang. Oper am Aönigsplay: 3. Baltice. 4. Die verlaufte Braut. 5. 8ar und Zimmermann: 6. Tosca. 7. Bauberflöte. 8. Cost fan tutte. 9. Margarete. 10. Troubadour. 11. Fledermaus. Schauspielhaus: 3., 6., 8. u. 10. Priva 7 n. Somburg. 3. u. 7. John Gabriel Bortman. 4. 1. 11. Beer Gynt. 9. Wilhem Tell. Echiller Theater: 3., 5., 7., 9. Charlens Tante. 4., 6. 11. 10. Napoleon. 8. Alt- Berliner Poffenabend. 11. Torquato Taffo. Deutsches Theater: 5., 7., 9., 10. Der Revisor. 4., 6., 8., 11. Die heilige Johanna Kammerspiele: 4., 5., 6., 7., 9., 11. Die Wollust der Anständigkeit. 8. 10. Liebfrauenmilch. Die Komödie: 4. Der sprechende Affe. Sechs Personen fuchen einen Autor. Ab 5. Robert u. Bertram. Leffing- Theater: Demimonde. Deutsches Theater in der Königgräger Straße: Franzista. Opernhaus: 3. Zauberflöte. 4., 9. Sigeunerbaron. 5. Lohengrin. 6. RigoTetto. 7. Boccaccio. 8. Mastenball. 10. Don Giovanni. 11. Orpheus in der Unterwelt. Gr. Schauspielhaus: Der Obersteiger. Theater b. Beftens: 3. u. 8. Fatme. 4. Rigoletto. 5. Der Troubadour. 6. Mignon. 7., 11. Julius Caesar. 9. Carmen. 10. Die Fledermaus. Das romantische Alter. Frau. Renaissance- Theater: Die Tribüne: Die beiden Herren der gnädigen Deutsches Künstlertheater: Monfieur Troulala. Komödienhaus: Das filberne Raninchen. Berliner Theater: Anneliese von Dessau. Reues Theater a. 300: Babn. Trianon- Theater: Yoshimara. ResidenzTheater: Die Nacht der Barmherzigkeit. Zentral Theater: Silfe, ein Kind ist vom Himmel gefallen. Theater in der Kommandantenstr.: Uschi. Lustspielhaus: Komische Oper: Das hat die Welt noch nicht gefehn! Der wahre Jacob. Metropol- Theater: Tausend füße Beinchen. Opetettenhaus: Die Bar auf Montmartre. Thalia Theater: Der blonde Engel Theater am Rollendorfplak: Film: Rum Gipfel der Welt. Theater am Kurfürstendamm: Der Vater. Kleines Theater: Die Großfürstin und der Zimmerfellner. Wallner- Theater: Romeo und Julia. WalhallaRoseTheater: Ensemble- Gaftfpiel des Metropoltheaters. Gräfin Mariza. Theater: 2., 3., 4., 9. Drei Paar Schuhe. 5. u. 10. Sochzeit vor der Che. Kafino- Theater: Mädels vom Kurfürstendamm. Intimes Theater: Gast spiel des Herrnfeld- Theaters: Alabrios Partie. Saufierer Joteles. Die zweite Frau. Apollo- Theater: Die Nächte von Baris Schloßparktheates Steglik: Der blonde Engel. b 6. Die goldne Eva. Rachmittagsvorstellungen: Bolfsbühne: 3., 10. Gakuntala. Oper am Königsplag: 3. u. 10.( 2% Uhr) Alt- Betliner Boffenabend. Schiller- Theater:( 21 Uhr) John Gabriel Dorfman. Deutschs Opernhaus: 3. Zar und Simmermann. 10. Entführung aus dem Serail. 3entral- Theater: 3. u. 10. Der G'wissenswurm. Rofe Theater: 3. Hochzeit vor der Ehe. 10. Drei Baar Schuhe. Berantwortlich für Politit: Ernst Renter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebr. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin, Drud: Vorwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Einger u. Co. Berlin GB. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. Angebote! Wasd- Kleiderstofic Covercoat- Mantel te Quali- 985 Kasak zirka 7 cm lang 295 Vollvoile- Kleid täten mit Einsatz und Hohlsaum. Strickfrotté- Kleid Knopfgarnierung. mit weißer Rips- und an 950 1050 Vollvoile- Kleid gemustert, 1195 Kasakform Seldentrikot- Kleid form mit Seidenborie. Backfischkleid Crepp- Frotté m we B. Ripsgarn. gestreift Chemise Kasak sehr hübsche Must: 495 Schulkleid Frotté farb ( Steigerung 50 Pf.) Frotté, farb. garn., Gr.60 B 545 Zephir- Bluse schlossen zu tragen Kasak Opalbatist, Hemdblusenform. Zephir einfarbig, Kleiderware Meter .... Meter Wasch- Volle gemustert, 110 cm Kiciderleinen offen u.ge345 750 750 Strickfrotté Schulkleid Crepp- Frotté mit Knopfgarnierung Gr. 60( Steigerung 75 Pf.) KAUFHAUS TEMPEL HOF Kate imitiert feine Rippe.. Meter zirka 105 cm breit .. 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Schon vor 10 Uhr war der Saal, seine Galerien und Kampflieber zielbewußter und fordernder als sonst, sechsunddreißig Gänge mit Maifeiernden überfüllt. Als auf der mit frischem Grün mal fragten sie mit der ganzen Inbrunst ihrer Herzen: Wie lange sein Festlied anstimmte, mußte im Nebensaal eine Parallelversamm und roten Draperien geschmückten Bühne der Berliner Sängerchor noch? Auch heute fönnen wir nicht voraussehen, wann die Tage verlung aufgemacht werden. Gertrud Ensoldt trug Dichtungen edelter Gemeinsamkeit, die Tage des Sozialismus endgültig revolutionärer Dichter vor, Genosse Breitscheid hatte die Fest anbrechen werden, denn die Entwicklung der Wirtschaft und der rede übernommen. Im Saalbau Friedrichshain waren Saal und Politik hängt nicht allein von unserem Willen ab, aber mail mir Garten von den Brauereiarbeitern befezt. Nach einem wissen, daß bessere Zeiten, daß unsere Zeiten trotz aller Widerstände Eröffnungschor des Männergesangvereins Prenzlauer Berg" hielt fominen, fämpfen wir und feiern wir zugleich. Kämpfen und Beste bahner und die Schornsteinfeger hatten die Räumlichkeiten Genosse Dr. Löwenstein den Maifestvortrag. Die Eisen feiern gehört bei den Sozialisten zusammen. Kampf gilt nicht nur der Realttát, sondern auch den Idealen, und unsere este sind nicht Auch hier starke Beteiligung und glänzende Stimmung. Ein von Haberlands Festsälen" für ihre Maiveranstaltung gemietet. nur heiter, nein, sie haben auch ihren ernsten Sinn. Niemals offen riesiger Andrang herrschte in den„ Sophiensälen". Die Arbeiterschaft Ein bart sich diese Einheit deutlicher als jedes Jahr am 1. Mai! Start der Lebensmittel- und Genußmittelindustrie, Brauer, Mühlen und machtvoll war in Groß- Berlin gestern der Eindrud bei allen arbeiter, Bäder, Konditoren und die Gastwirts Beranstaltungen der Sozialdemokratischen Partei und der Gemert- angestellten füllten große und kleine Säle und den Hof. Die schaften. Ob man vormittags zusammenfam, ob nach Brauereien waren, dem Antrag der Belegschaften entsprechend, gemittags oder abends, ob unter freiem Himmel oder in schlossen worden, die Mühlenarbeiter hatten die Absicht ihrer Unter rauchigen Saal, ob's draußen schön war oder trübe- laut erschaffte nehmer, den Zwölfftundentag einzuführen, mit der Arbeitsruhe laut erschaffte nehmer, den Zwölfftundentag einzuführen, mit der Arbeitsruhe überall der Ruf der Massen, von den Führern begründet, beträftigt: beantwortet. Genosse Adolf Hoffmann hielt hier die Festrede. Im naheliegenden Rosenthaler Hof" hatten die Böttcher mit Achtstundentag! Weltfrieden! Demokratie! Bunt der Maifeier die Feier ihres 40jährigen Verbandsjubi die Umrahmung der inhaltsschweren Worte: Musit, Gesang, Reziläums verbunden. Dieje fleine Berufsgruppe hält feit zu tation, Turnvorführung, Belfstanz der Jugend Arbeitstag, Feier sammen. Eine stattliche Schar der Verbandsmitglieder blickt auf tag! Nicht einmal jede Bezirksgruppe hatte eine rote Fahne, aber eine über ein Bierteljahrhundert währende Mitgliedschaft zurüd, der Geist, den sie verförpert, der lebt überall. Feiertag- obwohl darunter 11 Mitbegründer mit 40jähriger Mitgliedschaft. Der Ber: das Gespenst des Hungers durchs Fenster vieler Brüder von uns liner Arbeitersekretär Genosse Gustav Link hielt die Festrede, grinst. Hetertag Der Rosenthaler Platz und der Weinbergsmeg hatten gern bei dieser Gelegenheit geputzt und geschmückt hätten. Feiertag durch den Anmarsch der Metallarbeiter, die zu ihrer obwohl gar häufig der gute Anzug" längst am Schraubstod Maifeier ins Walhallatheater strebten, ein start verändertes alt und schmutzig wurde. Proletarischer Feiertag in des Wortes Aussehen erhalten. Biele Branchen und Betriebe erschienen im ge wahrster Bedeutung, gewiß, und dennoch- nein, gerade deswegen: fchloffenen Zuge mit Tafeln und roten Fahnen. Im Riesentheatersaal höchster Feiertag! Nur daß das Gebet des Armen ganz anders ist eine drangvoll fürchterliche Enge, der nicht kleinere Tunnelsaal und der Garten waren nicht imstande, die Menge der Feiernden zu fassen. Tausende und Abertausende demonstrierten in ruhiger Geschloffen. heit auf der Straße, während von der stimmungsvoll dekorierten Bühne Genosse Crispien der Bedeutung des Tages gedachte. Der Männerchor Fichte- Georginia" hatte freundlicherweise die Mitwir fung übernommen. Das Gewertschaftshaus war von den Malern und vom Verkehrs bund in allen seinen Teilen gefüllt. Auf dem Hof sprach Genosse Ortmann zu seinen Transportern", bei den Malern referierte Schiemann. Die Gemeinde- und Staatsarbeiter feterten ihren 1. Mai auf dem Tempelhofer Bod. Die Gartenbühne trug im Hintergrunde den Reichsadler, daneben flatterten unsere roten Fahnen luftig im Maiwinde. Eine von Berbandsmitgliedern gestellte Musikkapelle und ein Gesangverein sorgten für musitalische Unterhaltung. Die Belegschaften der einzel nen Betriebe und Werte waren zum Teil in geschlossenen Zügen erschienen. Genosse Dittmer hielt das Referat. hilfsarbeiter, 2ithographen und Buchbinder ihr Maijest. Das Borwärts" Berfonal war im geschlossenen Buge von der Lindenstraße zur Hasenheide marschiert. Der Bor fizende der Berliner Gewerkschaftskommission, Genosse Sabath. beiter, Schneider, Kürschner, Hutmacher und Friseure waren hielt die Festrede. Die Bekleidungsindustrie, Tegtilar, im Biftoriagarten am Treptower Barf, gut vertreten. Genosse Kohte hielt die Festrede. Draußen zog eine fingende fommunistische Gruppe vorüber, als beutliche Mahnung, daß die wirkliche Einheitsfront miederhergestellt werden muß. Bei den Dach dedern im Swinemünder Gesellschaftshaus sprach Genpise densten Stadtteilen Maifeiern, die durchweg glänzende Beteiligung Feßler. Die fleineren Verbände veranstalteten in den verschie fanden. Bekannte Redner aus der Gemerffchaftsbewegung wiesen Reaktion, die Stärkung ihrer Position durch die Wahl Hindenburgs auch hier auf die Bedeutung des Tages hin. Das Erstarken der zum Reichspräsidenten, der soziale und politische Rüdschritt gab unseren Rednern Anlaß, auf die Bedeutung starter Arbeiterorgani fationen, die auch internationale Beziehungen anknüpfen und ere halten, hinzuweisen. Ueberall in den Versammlungen wurden die Hochs auf die deutsche und die internationale Arbeiterbemeging mit Begeisterung aufgenommen. ST obwohl Tausenden die Wohnung fehlt, die sie fo und der Schubert- Chor trug zur Erhebung der Feiernden mann, die von der Neuen Welt zum Luftgarten zogen, haben als das des Gatten.... Der Verlauf des Maifeiertages. Die Berkehrsbetriebe, wie Straßenbahn, Untergrund- und Hoch bahn, Stadtbahn und Autobus, hielten im Einverständnis mit den Gewerkschaften ihren Betrieb aufrecht. Von der neunten Morgenstunde an zogen überall größere und fleinere Züge feiernder Arbeiter, meist mit Mufit an der Spize und mit zahlreichen roten Jahnen, von ihren Betrieben zu den Versammlungent. Der Nach nittag und der Abend galt geselligen Veranstaltungen der Partei. In 35 Sälen hatten sich über ganz Groß- Berlin die Männer und Frauen des arbeitenden Boltes zusammengefunden, um ihren ureigenen Feiertag in geselliger Weise zu begehen. Die Feiern felbft find sowohl am Bormittag wie am Nachmittag überall ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen, obwohl es die Kommu nisten, die ihre zusammengeschmolzene Schar nach dem Lust= garten aufgeboten hatten, an Provokationen nicht fehlen ließen. Diese galten allerdings weniger dem Kapitalismus als vielmehr den der Sozialdemokratie angehörenden Arbeitsbrüdern. Ihr Benehmen verriet wieder zur Genüge, daß die Phrasen von der Einigung nur hohles Geschwäß sind, daß sie ihre ganze Stoßfraft, soweit sie noch vorhanden ist, allein gegen die im fozialdemokratischen Lager stehende Arbeitnehmerschaft einsehen. Die Echußpolizei mar zibar in großer Zahl über die Stadt verstreut aufgeboten, brauchte aber nirgends ernsthaft eingesetzt zu werden. Zu einer gemeinsamen Maifeier hatten sich die Abteilungen Blantenburg, Buchholz und Karom vereinigt. Ein langer zug mit flatternden roten Fahnen unter Voranziehen einer Musikkapelle bewegte sich durch die Straßen der Vororte. Im Restaurant Roffat in Buchholz, wies nach Beendigung des Umzuges Genosse eine an Stelle des verhinderten Genossen Barth in eindrucksvollen Worten auf die große Bedeutung des 1. Mai für das Proletariat und das schaffende Bolt hin. Der Arbeiter- Gesangverein brachte vollendete Darbietungen und erntete dafür reichen Beifall. Zum Schluß der Feier wurde von den Festteilnehmern die Internationale stehend gesungen. Besondere Erwähnung verdient die geschmackvolle Ausschmüdung des Saales. Die Seitenwände maren mit roten Bannern dicht behängt. In der Mitte der Bühne, zu beiden Seiten je ein Reichsbannermann, stand von frischem jungen Grün umgeben, die Büste August Bebels. Die Maifeier der Berliner Gewerkschaften. Gestern sind Berlins Arbeiterbataillone wieder einmal marschiert. In 24 der größten Säle hatten die Organisationen ihre Mitglieder gerufen. Die Gewerkschaftsgenossen folgten der Aufforderung in einer so großen Zahl, die die Beteiligung an den Maifeiern der letzten Jahre bei weitem übertraf. Ganz besonders die Bauarbeiter, die Metall- und Holzarbeiter, dann aber auch die Mitglieder des Verkehrsbundes, die Gemeinde und Staats arbeiter und die in der graphischen Industrie Beschäftigten hatten die Arbeit ruhen lassen. Die verfügbaren Bersammlungs. räume reichten nicht aus zur Aufnahme der Massen, sodaß in den Gärten der Lokale, in weiteren Sälen und auf den Höfen Barallelversammlungen veranstaltet wurden, die ebenfalls überfüllt maren. Biele Tausende mußten umfehren. Sie belebten das Straßenbild feiertäglich. Ueberhaupt war der Fuhrverkehr sehr start eingeschränkt, die vielen Laft- und Arbeitsmagen fehlten vollständig, ein Beweis für die Treue, mit der die Transportarbeiter dem Gedanken der Arbeitsruhe nachhängen. Die Verkehrsinftitute waren im Betrieb. Sie hatten aber in den sonst so unruhigen Stunden der An- und Abfahrt zu den großen Fabrifzentren wenig zu tun: Berlins Arbeiterschaft feierte den Ersten Mai. In der Holzindustrie mar die Arbeitsruhe vollständig Die Scharfmachereien der Metallindustriellen, die es sich ja ftets besonders angelegen fein ließen, die Maifeier ihrer Arbeiter mit allerlei Repreffalien zu beantworten, hatten nicht vermocht, den von ihnen gewünschten Drud auf die Metallarbeiter auszuüben. In der Unzahl der fleineren und mittleren Betriebe ruhte die Arbeit ganz, die Riesenbetriebe der Siemens, G.- und Borsig. Berte hielten wohl ihre Fabriftore offen, aber mir ein geringer Teil der Arbeiterschaft trat die Schicht an. Die vielen, vielen anderen Branchen, Gewerbe und Industriegruppen waren an den Feiern ihrer Berbände ebenfalls start beteiligt. Die Berliner Arbeiter und Angestelltenschaft hat fich nach den Kämpfen im eigenen Lager, erst recht aber trog der Kämpfe, die ihnen das Unternehmertum aufzmingt, am gestrigen Ersten Mai in achtunggebietender Stärfe gezeigt, ein lebendiger Beweis für die Solidarität, die Liebe und Achtung untereinander, aber auch des Rampfwillens gegen wirtschaftliche Ausbeutung und politische Unterdrüdung. bei. Wer den ungeheuren Saal der Neuen Welt" in der Hasenheide fennt, weiß, was es bedeutet, ihn zu füllen. Die Berliner Holzarbeiter aber fanden nicht einmal alle Plaz. Der Hegar- Chor sang mit großem Beifall aufgenommene Mailieder und Genosse Freigang fand treffliche Worte in seiner Ansprache. Im Nebensaal feierten die graphischen Arbeiter, Buchdruder, Die Feiern der Gemertfchaftsunterfommissionen in den Bororten nahmen durchweg einen guten Berlauf. In Charlottenburg, wo Genosse Hildesheim sprach, holten sich die Kommunisten eine glatte 2bfage mit ihrer Aufforde folgte der freundlichen Einladung: die Versammlung ging ohne rung zu Sonderdemonstrationen. Ein Bäderdugend folgte der freundlichen Einladung; die Versammlung ging ohne Störung weiter. Bei den Holzarbeitern mußte sich der Kommu nistenhäuptling Bauernfänger" titulieren laffen. Die paar hundert den kommunistischen Kohl auch nicht fett gemacht. Im Lustgarten, der von der KPD.- Zentrale als Bersammlungsplatz bestimmt wor ben war, hatten sich zur festgesetzten Zeit, um ½1 Uhr, etwa 3000 Männlein und Beiblein eingefunden, die sich durch Kindergruppen verstärken ließen. Vor der großen Granitschale stellte eine fleine Bersammlung die Bedeutungslosigkeit der Kommunisten zur Schau. Eine Anzahl Schauluftiger, terlief sich auch wieder, als es nichts zu sehen gab. Die Maifeier in Potsdam. 2m Einen glänzenden Verlauf nahm die Maifeier in Boisdam, die gemeinsam vom Gemertschaftstartell, AfA und Sozial Demokratischer Partei veranstaltet wurde. Am Vormittag sprach in einer start besuchten Bersammlung auf dem Bassinplas Genosse Aufhäuser. Ein Umzug durch die Stadt zeigte der Potsdamer Realtion den Kampfwillen der Arbeiterschaft. Abend fanden Feiern in drei Sälen statt. Im außerordentlich start besuchten Konzerthaus, dem größten Saal Botsdams, feierte Genpfje Bissell in begeisternden Worten den 1. Mai als den Tag der Völferversöhnung. Genoffe Maret bot eine glückliche Folge pow Rezitationen. Der Arbeiterturnverein erntete reichen Beifall, be sonders mit seinem lebenden Bild Sozialismus", einer geschict gestellten Arbeitergruppe, die sich um das Banner der SPD. Schart. Begeistert scholl ein vom Genossen Queisser ausgebrachtes Hoch auf die freie Gewerkschaftsbewegung und die Sozialdemokratische Partei durch den mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen ge schmückten Gaal. D- Zug- Katastrophe im polnischen Korridor. 28 Tote, 30 Schwerverlette. Schneidemühl, 2. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag entgleifte im Polnischen Korridor zwischen den Stationen Swarofchin und Preußisch- Star. gard auf freier Strede der abends um 8 Uhr von Königs berg abgehende D- 3ug nach Berlin. Die Lokomotive und mehrere Wagen stürzten den ffeilen Abhang herunter. Nur ein Schlafwagen und ein Wagen erfter Klasse blieben auf dem Bahndamm. Die polnischen Eisenbahnbehörden nehmen an, daß es fich um ein Verbrechen handelt. Aus ihren Mitteilungen ergibt sich, daß auf einer längeren Strede zwischen Preußisch- Stargard und Swarofchin die£ aschen der Geleise gelodett worden sind. Die Zahl der Toten beträgt vorläufig 25. Von ihnen find. 16 bereits namentlich fegestellt, während der Rest jo verstümmelt ist, daß eine Identifizierung erst möglich sein wird, wenn sich die Angehörigen der Berunglüdten auf Grund der Kenntnis von de Reise ihrer Familienmitglieder in dem verunglückten Zuge gemeldet haben. Als schwerverletzt sind 12 Personen gemeldet. Sie befinden fich refflos im Dirschauer krantenhaus. Bon Augenzeugen wird mitgeteilt, daß die ersten Wagen des D- Juges vollkommen ineinandergetrieben wurden, so daß die Toten fast refflos auf der Stelle ihr Leben aushauchten. Das Wehgeschrei und die Hilferufe der Eingeklemmten foll herzzerbrechend gewesen sein. Eine Haftung fommt für die Deutsche Reichsbahngesellschaft nicht in Frage. Sie besteht jedoch für die polnische Regierung, die laut Artifel 36 des von Deutschland, Polen und Danzig unterzeich neten Bertrages die Haffung bei Unfällen im Eisenbahnbetrieb auch für durchfahrende deutsche Züge übernimmt. Die Todesopfer. 1. Dr. Frik Neumann, Berlin, Urbanffraße, 2. Alois Scharfenort, Gut& lenau, 3. Julius Ma B. Berwaltungsfekretär, Elbing. 4. Arthur Malivid, Pofthetretär, Ziffit, 5. Arthur Lewin, Kaufmann, Saalfeld( Offpr.), 6. Herbert Brettschneider, Elbing 7. Theodor Krüger, Bibliothetsrat, Königsberg, 8. Paul Helbig, Kaufmann, Magdeburg, 9. Kain Ehrhardt, Student, Marienburg, 10. Herbert Cau, Drogeriebefizer, Heiligenbeil, 11. Mag Wollermann, Gewerkschaftsbeamter, Danzig, 12. ein polnischer Zollbeamter, 13. ein zweijähriges Kind, 14. eine Dame mit Wäschezeichen M. H., 15. eine Dame mit Wäschezeichen£. 16. eine Dame mit Ring. gezeichnet 2. S., 17. ein fleines Kind, 18.- 25. a cht unbekannte Frauen. Bon den Unbekannten find nachträglich noch refognosziert worden: zwei männliche Personen namens Éisiau und Gerlach, Ein verbrecherischer Anschlag? Ruth& eilig mit Tochter, Marie Wichmann. Elfriede Rus dusch aus Elbing, Frau Dr. Gerach und Sohn aus Offerode. ― Die Namen der bei dem Eisenbahnunglüd find: Schwerverletzten Fabrifbefizer Werner Höffmann. 3nfferburg, Mar kohnel, Student, Berlin O. 112, Cademeister Wiffigteit, Königsberg, Frik Laabs, Drogist, Elbing. Mag Ceipenach, Stallupönen, Wilhelm 3erdid, Marienburg. Gymnasiallehrer, Prof. Mar Henfel, im Umzug von Elbing nach Breslau be griffen, Frih Radtfe, Graudenz, Mowfa 3egur, Kaufmann, Riga, Andreas Haufe, 3olbeamter onih. Frau Gertrud Raijer, Königsberg. Bofibeamtin Elisabeth Dzialkomiti, Königsberg, Eisenbahndienstfran Emma Wogram, Berlin, Bernburger Straße 7, Lehrerin Dorothea mandler, Effen( Ruhr). Leichtverletzte: Kaufmann Ceopold her 3, zurzeit wohnhaft Berlin, Neustädtische Kirchstr. 18, Pension Schollin, Maurermeister Albert Guttmann. Charlottenburg. Congo bardenallee 6, Walter Jacobstal, wohnhaft Berlin, Tile- Wardenberg- Str. 29, Frau Ingenieur Wift, wohnhaft Wilmersdorf, Holsteinische Str. 49, Frau Margarete Kauffmann, zurzeit wohnhaft Königsberg, Fließftr. 43, vom 15. Mai ab wohnhaft Wilmersdorf, Gabels. bergerstr. 3. Die Schwerverlehten wurden in einem Hilfszug, der später aus Ditschau tam, ins Dirschauer Krantenhaus gebracht. Reichstanzler Dr. Luther hat der Deutschen Reichsbahngefell schaft bereits am Freitag vormittag die Anteilnahme ber Reichsregierung zum Ausdrud gebracht. Die bl nische Gesandtschaft in Berlin teilt mit, daß den Am gehörigen der Berunglüdten jederzeit das erforderliche Einreise vifum fostenlos erteilt wird. Die Reichsbahndirektion hat die Eisenbahnverwaltungen im Reich angewiesen, den Angehörigen der Inten und Berlegten meitgehend entgegenzukommen und sie zum Besuch ihrer Familienmitglieder frei zu befördern. In unmittelbarer Nähe der Unglüdsstelle haben fich Ichon früher amei folgenfchwere Unfälle ereignet. Der eine am 20. Januar 1920, und zwar infolge eines räuberischen An schlages. Damals waren zwischen Schönlante und Schneidemühl die Schienen gelockert worden. Ein Eilgüterzug entgleiste, so daß der ihm folgende Personenzug in die Trümmer des Güterzuges hineinrafte. 18 Personen wurden getötet, 20 verlegt. ■üte Urheber des Anschlages konnten bald ermittelt werden. Der eine ist gestorben, bevor seine Einrichtung erfolgen konnte, während das Verbrechen der anderen durch den Henker gesühnt wurde. Die Vollstreckung bei einem der Attentäter wurde erst im März dieses Lahres vollzogen.— Ein weiterer Unfall ereignete sich wenige Tags später, am ZS. Ja n ua r 1 92». An diesem Tage führ der v-Zug iir. 4 zwischen Könitz und Preuhisch-Stargard auf einen Militär- zug auf. Auch hier waren 9 Tote und 17 Schwerverletzte zu be. klagen. Einzelheiten von Üer Unglücksstelle. Der Schnellzug D 8 Manenburg— Berlin hatte 20 Mt- nutenvordsrKatastrophedieStreckepasfiert. ohne dag irgendeine Störung gemeldet wurde. Da die Strecke Dirschau— Pr.-Stargard«ine starke Steigung aufweist, kann der Zug mit höchstens 60 Kilometer Schnelligkeit gefahren sein. Dem deutschen Zugführer, der den Zug in Könitz übernehmen sollte, v e r- weigerten die polnischen Beamten jede Auskunft. Polnisches Militär hat die Unfallstelle abgesperrt. Das zweite Eisenbahngleis ist unbeschädigt, der Verkehr ist ausrecht- erhallen. Di« als tot gemeldete Etsenbahnbedienstete. Frau Dahl- st r o e m< Schneidemühl, ist Mutter von sechs Kindern. Noch Aus- sagen des Bahnpersonals sind ihr beide Beine abgefahren. Donzig. 2. Mai.(TU.) Wie die„Danziger Neuesten Nach- richten" hören. istderDanzigerPolizeipräsident von den polnischen Behörden telegraphisch ersucht worden, einen Polizeihund und Kriminalbeamte an die Unfallstelle zu entsenden, um an der Aufklärung des Unglück, mitzuwirken. Der Polizeipräsident hat im Einvernehmen mit dem Senat befchlosien. diesem Ersuchen zu«nt- sprechen. In Sachverständigentreisen stößt die Annahme, daß es sich um«in Attentat handele, auf Zweifel. Die drei geretteten Schlafwaaensäiaffner flames, Drechsler und Grub« aus Berlin führen dagegen das Unglück auf einen A n s ch l og zurück. Es sollen abgelöst« Schienenlaschen im nahen Walde aufgefunden war- den sein. Der erste polnische Hilsszug traf zwei Stunden nach der Katastrophe ein. Der polnische Eisenbahnminister ist im Flugzeug nach Stargard geeist und nimmt an den gerichtlichen Unter- suchungen mit einer Eisenbahnkommisston teil, zu der auch Mitglieder der Danziger Direktion gehören. An der Unfallstelle sperren Truopen au, Stargard das Gelände ob. Aus der Stadt sind viele Menschen herbeigeströmt und umlagern die einen entsetzlichen Anblick bietende U n f a l l st ä t t e tn weitem Bogen. Auch Photgrapben und Kinooperateure arbeiten dort. Man sieht Betten, Kinderspielzcug. Lebensmittel, Koffer, Schirm« ufw. tn grausigem Durcheinander. Im Zuge befanden sich drei Diakonissinnen, die, unverletzt geblieben, so- fort hilfsbereit an« Werk gingen, um den Verletzten zu Helsen. In den Schlafwagen des Zuges wurden folgende Personalien gefunden, deren Besitzer nicht ermittest werden konnten: Fräulein Valentins S o u l i n a, eine Französin, Sichtoermerk 784 vom 6. März lS2ö Moskau, Deutschs Botschaft: Frau Estella Kälbl. geb. am 25. Oktober 1888 tn Frankfurt a. M.. wohnhaft Königsberg: Fraulein Elta G i n s b u r g aus Rußland. Krisaiww. geb. am 4. April 1906. Die Aalst der Toten hat sich auf 28 erhöht. Lm Elisabeth-Krankenhauz zu Stargard befindet sich ein Knabe, der sich Gerlach nennt. Ein weiterer Verletzter, Werner Heinrich, stuck, weck., ist im Städtischen Krankenhaus zu Stargard untergebracht. Die Strecke Dirschau— Stargard ist gesperrt, der Verkehr wird durch Umleitung aufrecht- erhalten. Attentat auf einen Personenzug im Ruhrgebiet. Essen. 2.Mai.(TU.) Wie die«Frankfurter Zeitung" meldet. wurde auf der Strecke Bottrop— Osterfeld auf einen Per- sonenzug«in Attentat verübt. Auf die Strecke war ein mit S t e i n e n bepackter Rollwagen geschleppt und mti Eisenstangen und Seilen verankert worden. Dem Lokomotivführer gelang es, den Zug 20 Meter vor dem Hindernis zum Halten zu bringen. Auf die Ermittlung der Verbrecher ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. letzter Gang. Dl« Fahnen senken sich... Die Trommeln wirbeln dumps. Schwer ringt sich der trauernde Schritt der Massen durch die S-raßen. Der ermordete Nelchsbannermann Erich Schulz geht heute nachmittag seinen letzten Gang. Cr starb im Kampf für Ehre und Freiheit der Republik. Nicht jedoch fiel er im Ringen mit ebenbürtigen, ehrlichen Gegnern. Namenlose Feigheit wirkte sich hier in unmenschlichen Haß aus. Durch die Kugel eines nationalistisihen Mordbuben wurde dieses Leben voll Opferbereit- schoft, voll Tatensinn und proletarischen Treuegefühls ausgelöscht. Erich Schulz fiel unter dem Banner der Freiheit, fiel unter Schwarz, Rot-Gold. Unter fenem Banner, dos den Barrikadenkämpfern von 1848 voronleuchtete, als sie in den Tod gingen, lachenden Auges. bereit, für das köstliche Gut der Freiheit zu sterben. Lasset die Trauer- flore wehen! Ein treuer Sohn des deutschen Volkes wird heute zu Grab« getragen. Ein Kämpfer— für Frieden. Ein Streiter— für Gerechtigkeit. Laßt uns die Fahnen senken am offenen Grabe von Erich Schulz.-- Und dann wollen wir sie heben. Sicher, unge- beugt, siegesbewußt. Eingedenk der schweren Kämpf«, die un» bevorstehen. Eingedenk aber der felsenfesten Gewißheit, daß dem Volke die Zukunft ist— trotz alledem!— Der ermordete Republitauer Schulz aber soll uns in diesem Kampfe Ansporn und seinen Manen Bannerträger sein! Erich Schulz stand im 27. Lebensjahr. Gebürtiger Berliner. war er während des Krieges bei den Demnnner Husaren«ingezogen worden, und von 1916 bi» Kriegsende anderFront. Im Jahre 1919 aus dem Heeresdienst entlassen, trat er in die Düsseldorfer Schutzpolizei«in, wo er bis 1920 verblieb. Dann wurde er Lageroerwalter bei einer Firma in Berlin NO. Obwohl in der Sozialdemokratischen Partei nicht organisiert, stand er unserer Bewegung sehr nahe und bewies es. indem er bald nach dem Auf- ruf zur Gründung de» Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold diesem beitrat. Er war eines der eifrigsten, ausopferungeoollsten Mit- glieder der Kameradschaft Kreuzberg, in deren Block Hl er eingeteilt war. An jeder, auch noch so kleinen Veranstaltung des Reichsbanners nahm er aktiven Anteil und besonders in den Wahl- wachen zum ersten wie zum zweiten Dahlaang war er u n e r- müdlich tätig. So hatte er sich, obwohl mcht Parteimitglied, noch wenig« Tage vor seinem Tode freiwillig zu einer von der fügung geSPD.-Organisation veranstalteten Flugblattverbreitung SPD.- Organisation veranstalleten Flugblalloerbrettung zur Ver- fügung gestellt. Ain vergangenen Sonnabendmittog verließ zur Begleitung eines Prvpagandawagens de? Volksblocks. In der Gegend des Bayerischen Platzes ereignete sich der blutig« Vorfall. Erich Schulz war«in von Natur aus überaus ruhiger, lie- benswurdiger und besonnener Mensch und felbst wenn nicht Zeugen genug dafür vorbanden wären, daß er ohne jeden Grund erschossen wurde, so würde sein Wesen allein dafür Zeugnis ablegen, daß bei dem schietzwütigen Wikinger, der ihn niederstreckte, von Notwehr keine Rede sein konnte. So mußte er sein junges Leben als Opfer»Zpes grünen Jungen einbüßen, der noch auf der Schulbank saß zu einer Zeit, als er. der r e p u b l i k a n i- fche Frontkämpfer, seine Pflicht am Vaterland erfüllte. � Einst hatten ihn die französischen Kugeln verschont,---- er fiel durch das Bei eines jener.nationalen" Raufbolde, bei denen die Verachtung des Lebens pokttifcher Geaner planmäßig gezüchtet wird- Er hinterläßt eine Mutter, ein« Braut und zwei Brüder —— aber auch Zehntausend« ihm selbst größtenteils unbekannter S'reunde und Kameraden, die ihm heute das letzte Gelelt in dank- arer Erinnerung geben.___ fvnnbertiohtfeier des„Urban". Dos Erziehungsheim für ver- «ohrloste Kinder«Am Urban", das sich in Zehlendorf befindet, ftnatte tm gsstrißt» Freitag in Mchtester Form seine Hundertjahrfeier begehen. Der Ehrenvorsitzende des Vereins. Geh. Oberfinanzrat Koech, gedachte besonders des unvergeßlichen Direktors. Pastor P l a ß, der sich in hingebender Weise der sittlich verwahrlosten Kinder angenommen hatte. Was in der Festoersammlung leider aber nicht zum Ausdruck kam, ist die Tatsache, daß es der K r i e g war, der das große segensreich« Werk sehr schnell zum Erliegen gebracht hat._ der AlorÜ Im Tegeler Valüe. 1000 Mark Belohnung. Das schwere Verbrechen, das im Walde bei Tegelort verübt wurde, beschäftigt« die Mordkommission der Kriminalpolizet die ver- gangene ganze Nacht hindurch, ohne daß es bisher gelungen ist, eine Spur des Täters zu finden. Auch das Motto ist noch gar nicht klar. Es kann sich um einen Racheakt handeln. Aber auch hierfür haben die Ellern des ermordeten Schwenke, die vollkommen nieder- gebrochen sind und von der Mordkommission noch gehört wurden, leine Erklärung. Es ist möglich, daß der Täter es auf«inen Raub abgefchen hat, durch das rasche Hinzukommen anderer aber verhindert wurde, diese Absicht auszuführen. Denn allem Anschein nach ist dem C r m o r- deten nichts geraubt worden. Der jung« Schwenk«, der augenblicklich außer Stellung war, fuhr in der letzten Zeit jeden Nachmittag über Iörsfeld« nach dem See, um feinem Schwager beim Bootsbau zu helfen. Er pflegte, wie sein Dater mitteill, einen kleinen Revolver mitzunehmen. Diese Waffe ist ober bei der Leiche nicht gefunden. Am Dienstagnachmsttag fuhr Schwenk« gegen 1*3 Uhr von der elterlichen Wohnung in Waidmannslust ab. Um die Fahrt abzukürzen, schlug er den„Schwarzen Weg" ein. den nur Fußgänger und viel« Radfahrer benutzen. Hinter ihm fuhr ein Radler, der. wie mehrere Zeugen übereinstimmend bekunden, etwa 25 bis 27 Jahre all sein mag und einen braunen Anzug und keine Kopfbedeckung trug. Als die beiden Radler etwa 300 Meter in den Forst hineingekommen waren, hörten«in paar Arbeiter, die nicht well ab im Walde lagerten, und zwei Schüler m e h r« r« Schüsse fallen. Sie machten noch einen anderen Mann daraus aufmerksam, gingen mtt ihm der Knallrichtung entgegen und f a n- den Schwenk« in seinem Blut daliegen. Auch der Arzt Dr. Matzdorf aus der Pankstraße zu Berlin, der im Walde spazieren ging, kam rasch hinzu. Der jung« Mann gab noch schwache Lebenszeichen von sich, starb ober gleich darauf. Den Mörder sah man noch davonfahren. Sein Rad an der Hand, hatte er sich über den Sterbenden gebeugt, etwa als ob er ihm die Taschen durchsuchen wollte. Beim Herannahen der Leute hatte er sich auf das Rad geschwungen und mit ihm durch das Unterholz einen kleinen Wildpfad seitwärts eingeschlagen. Wie festgestellt wurde, hatte Schwenk« hinterrücks aus nächster Näh««inen Schuh erhallen. Die Nachforschungen der Streifbeamtenschast hatten bisher keinen Erfolg. Die Obduktion der Leiche soll im Lauf« des heutigen Sonnabends stattfinden. Schwenke war verheiratet, aber schon»och 114 Iahren geschieden. Das Gerücht, das in der Forst noch ein« zweite Leiche gefunden worden sei, ist leeres Gerede. Für die Auf- kläruno des Verbrechens ist eine Belohnung von tausend Mark ausgesetzt worden: sie ist für Leute aus dem Publikum be- stimmt, die durch zweckdienlich« Angaben zur Ergreifung des noch unbekannten Mörders beitragen. Mitteilungen an die Mordkommission, die Kriminalkommissare Geißel und Johannes Müller im Zimmer Z6 des Polizeipräsidiums, Hausanruf 195 und 434. �oheitsatt eines Lehrmeisters. linker dem verdacht de» Totschlag, verhastet. Unter dem Verdacht des Totschlags wurde gestern der Schlächter- meister Junghänel aus der Wollankstraße 101 in Pankow ver- haftet. Wir erfahren hierzu folgendes: Am 23. April abends wurde der 17 Jahre all« Lehrling Her- mann Kühne, der bei seinem Meister in Kost und Logis stand, in das Pankower Krankenhaus eingeliefert. Vereiis um Xl Uhr morgens trat der Tod«in. Vom Meister war als. Krankheits- Ursache Kopfgrippe angegeben. Auch der vom Arzt ausgeftellle Totenschein lautete auf Koofgrippe und Herzschwäche. Die Ellern des Lehrlings, die im Noroen in der Stolpifchen Straße wofinen. erhielten jedoch«in anonymes Schreiben, daß der Tod ihres Kindes unnatürliche Ursachen gehabt hätte. Die Kriminalpolizei wurde ver- ständigt. und ihr gelang e» überraschend schnell, den geradezu empörenden Vorfall, der sonst vielleicht ungcsuhnt geblieben wäre, aufzuklären. Die Sache hatte sich folgendermaßen zugetragen: Am 22. April schlug Junghänel den Lehrling eines geringfügigen Ver- sehen» weaen mit einem Besenstiel mehrmals über d e n K o p f. so daß dieser ohnmächtig zusammenbrach. In besinnungslosem Zustand« lag dann Kühne bis zum 23. abends im Bell, bis die Ueberführung ins Krankenhaus und auch kurz darauf der Tod erfolgte. Die Obduktion der Leiche, die bereits auf dem Friedhof in der Leichenhalle lag, ergab«inen Schädel» bruch, der den Tod unbedingt herbeiführen mußte. Es wäre zu wünschen, daß sich auch die Handwerkskammer mit diesem Falle beschäftigt._. £et Kampf um das Kind. Durch eine Einmischung in«inen fremden Ehezwist hat sich der Schupowachtmeister V. in«in« üble Lage gebracht. Er hatte sich vor dem Schöffengericht Mitte wegen Nötiaüng zu oerantworten. Ein Ehepaar K. lebte in Unfrieden. Prügelszenen waren an der Tages- ordnung. Die vom Ehemann angestrengt« Scheidung scheiterte an den' Widerstand der Ehefrau, obwohl sie allen Grund hatte, selbst die Ehe scheiden zu lassen, da der Ehemann Beziehungen zu einer anderen, und zwar zu der Schwester des V-, unterhielt. Der Mann wollte das Kind aus der Ehe zu feiner Mutter nach Ostpreußen bringen. Um da, zu verhindern, hatte die Frau da» Kind zu einer Freundin gebracht und hiell es versteckt. Nunmehr Holle sich A. seinen Freund 2. zur Hille, um das Kind mtt Gewall herauszubekommen. Beide begaben sich tn die ehelich« Wohnung, und dort soll der Wacht- meister die grau in barschem Diensttone aufgefordert haben, das Kino herauszugeben, tonst würde ft« verhaftet werden und habe«in« Strafe zu erwarten. Die grau ließ sich aber nicht einschüchtern. Sie flüchtete aus den Balkon und schrie um Hilfe. Sämtliche Hausbewohner. die ohnehin auf feiten der Frau standen, eillen zu Hilfe und befreiten sie. Die Zeugin behauptete auch vor Gericht, ihr Ehemann habe auf sie eingeschlagen und in Gegenwart des Poll- zisten erklärt:„Ich kann dich schlagen, soviel ich will." Dazu habe der Schupabeomt« genickt. Die Anklage erkannte darin eine Beihilfe zur Mißhandlung. Der Angeklagt« bestritt, die Frau bedroht zu haben. Er sei nur von seinem Freunde mitgenommen worden und will der Zeugin zugeredet haben, das Kind gutwillig herauszugeben. Staatsanwallschaftsrot van Haut hiell den An- geklagten in vollem Maße für überführt und beantragie mtt Rück- ficht auf die Brutalität feines Vorgehens und den Mißbrauch der Uniform ein Jahr Gefängnis. Rechtsanwoll Dr. Arthur Brandt trat aus rechttichen und tatfächllchen Gründen für Freisprechung ein, da der Ehemann Anspruch auf das Kind hatte und somit eine Wider- rechtlichkeit nicht vorlag. Dos Gericht erkannte auf 300 Mark G e l d st r a f e. Es hielt es für erwreien. daß der Angeklagte die Zeugin durch Drohungen zu nötigen versucht hatte. Nur im Hinblick auf seine bisherige gute dienftsichs Führung und das Fehlen jeder gewinnsüchtigen Absicht wurde von einer Gefängnisstrafe abgesehen. Verlängerung der Reichsretlamemesse biS 7. Mai 1025. Die Reich sreklamomess« im Funkhaus« am Kaiserdamm. auf der bekanntlich auch die deutsch« sozialdemokratisch« Parteipress e in außerordentlich Wirkung«, und eindrucksvoller Weife ver- treten ist», ist bis zum Donnerstag, den 7. Mai. verlängert worden. Die Veranstotter der Messe, das Berliner Messeamt und der Verband deutscher Reklamesachleute. haben sich aus einen Kollektivschritt der Ausstellerfirmen hin zu diesem Entschluß bewegen lassen. Der Hcuptgrmch der Verlange rung liegt in hm autzerordeuittche» Intet« esse, das diese 7. Fachmesse des Berliner Messeanus in Wirtschosts- kreisen, im Fochpublikum und darüber hinaus in allen Kreisen der Bevölkerung gefunden hat. Früchte üeutfchnationaler»Erziehung". Schuljungen verhöhnen die Zarben der Republik! Die Hineinzerrnng der Schuljugend in die polttischen Kämpfe der Erwachsenen hat uns Zustände gebracht, die unter der Monarchie unmöglich gewesen wären. Wir haben das den S ch w a r z w e i ß- r o t e n zu danten, die planvoll und zielbewußt durch Verhetzung der unreifen Jungen und Mädel höherer Schulen ihre republikseindlichen Parteizwecke zu fördern sich bemühen. Was wäre in den Zetten der Monarchie solchen Schülern und Schülerinnen geschehen, wenn sie über die schwarzweißrote Fahne des deutschen Kaiserreiches Öffentlich zu höhnen sich erdreistet hätten? Mit Schimpf und Schande hätte man sie von der Schule gejagt, und kein« höhere Schule un ganzen Deutschen Reich hätte sie noch aus- nehmen dürfen. Heute aber, wo wir seit nun bald sieben Iahren die Republik haben, glaubt man Duldsamkett predigen zu müssen, wenn eine gewissenlos oerhetzte Schuljugend die höhnenden Reden Er- wachsener über das Schwarz-Rot-Gold der Republik nachschwatzt. Ein Republikaner und Mttglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold schildert uns, was er erlebt«, als er, das Reichsbannerabzeichen am Mantel tragend, einer Klasse des Prinz-Heinrich-Gymna- s i u m s begegnete. Die Jungen, deren Aller er auf erst zwölf Jahre schätzte, warteten am Wannseebahnhaf Großgörschenstratze, von wo aus sie wohl einen Ausflug machen wollten. Als sie sein Reichs- bannerabzeichen sahen, rief ihm einer zu: Schwarz-Rot- Mostrich! Der Republikaner stellte den Jungen zur Red« und wandte sich dann mit einer Beschwerde an den Lehrer, der die Leitung der Klasse auf ihrem Ausslug hatte. Der ober erklärte, er Hobe nichts gehört, und auf die Aufforderung des Republikaners, nun wenigstens den Jungen zurechtzuweisen, antwortete er, darin brauche er sich nichts vorschreiben zu lassen. Kann jemand sich denken, daß in den Zeiten der Monarchie bei einer von einem Schuljungen gewagten Verhöhnung der Farben des deut- schen Kaiserreiches«in Lehrer auf die Beschwerde eines Monarchisten eine derartige Antwort gegeben hätte—? Die Jungen jener Klasse des Prinz-Heinrich-Gymnasiums trugen an ihrer Kleidung schwarz- weißrote Abzeichen, obwohl st« in diesem Augenblick unter der Schuldisziplin standen. Ein Ausflug, den ein« Klasse an einem Wochentag morgens 8 Uhr macht, ist selbswerständlich keine Privatangelegenheit, sondern ein Teil des Schulunterrichts. Ist dem Lehrer nicht bekannt, daß es Schülern v e r b vt« n ist, mit solchen Abzeichen zum Unterricht zu kommen?_— öerliner Straßenöurchbriiche. Im Verlage der Derkehrstechnik hat Prof. Dr. G i e s«, der bekannte Berliner Derkehrsfachmann. ein« umfassende Darstellung aller Projekt« für Straßendurchbrüch« in Groß-Berlin verösfenUicht. Di« 122 Seiten starke Denkschrift ist mtt ungewöhnlich vielen Textabbll- düngen, Tabellen, einer Karte usw. versehen. Sie gibt«in voll- ständig erschöpfendes Bild aller mtt dem Problem der Straßmdurch- bräche zusammenhängenden Fragen. Sie entwickelt keineswegs etwa vollkommen neuer Ideen, sondern stützt sich klugerweise auf die zahl- reichen, bereits in der Dorkriegszett ooraearbetteten Pläne. Diese legt das Hauptgewicht auf den Durchbruch nördlich der Leipziger Straße, d. h. auf die Verlängerung der Französischen Straße durch die Mintstergärten und auf die Schaffung einer Parallel st raße zur König st raße im Zug« der Rathaus-. Gruner- und Elisabethstraße. In zweiter Linie kommen nach ihm in Betracht der von der Stodtverordnetenversanunluag bereits im Prinzip beschlossen« Tunnel unter der Po t s- damerBahnols südliche Entlastung, der Ausbau der Wall- und Insel st raße mtt Umgestaltung de» Eptttelmarkts und die Herstellung einer Verbindung» st raße von der Joachimsthaler Straße durch den Tiergarten zur Klopft ock st raße längs der Stadlbahn. Di« Kosten dieser dringendsten Maßnahmen schätzt Giese auf rund 4 7,5 Millionen Mark. Er nimmt nicht mit Unrecht an, daß ein erheblicher Teil dieser Kosten von der Straßenbahn getragen werden kann, daß«in anderer Teil, namentlich bei der nördlichen Entlastungslinie für die Leipziger Straße, aus Wertzuwachsgewinn der Grundstücke wieder herauszuholen ist. Die Endbelastung der Stadt würde sich wahr- scheinlich auf nicht mehr als höchsten» 30 Millionen stellen. Sehr energisch rückt Giese der durch einsettige Propaganda in der Oessent- lichkeit weitverbreiteten Aussassung zu Leib«, als ob der Berliner Verkehr durch Beseitigung der Straßenbahn aus dem Innern der Stadt und durch ihren Ersatz mit Autobussen bewälligt werden könne. Er betont, daß dos Berkehrsproblem von Groß-Berlin nicht durch irgendeine bestimmte Maßnahme zu lösen ist, daß vielmehr verschiedene Maßnahmen zweckmäßig ineinander greisen müssen. Dazu gehört der beschleunigte Ausbau de» Unter- arund- und Schnellbahnnetzes, die Derstärtung des Autobusverkehrs und die Schossung von Entlastungsstroßenzügen namentlich für den vollkommen überlasteten westöstlichen Straßenzug van der Potsdamer über die Leipziger Straße nach dem Alexander- platz. Die Stadt Berlin steht vor einer gewaltigen Auf- gäbe, die in den nächsten Iahren ungeheure finanzielle Anforde- rungen stellen wird. Es ist aber nicht möglich, weiter die Hände in den Schoß zu legen, die Entwicklung des Verkehrs ist«ine so stürmische, daß die Dinge uns sonst über den Kopf Achsen wurden. Dieses fleißige und erschöpfende Zusammenfassen ist für die mter- essierten Kreise«ine außerordentlich dankenswerte Unterlage und wird sicher ollgemein bei der Behandlung dieser Fragen sehr be- achtet werden.__ Blumen bei Kroll. Eine ungemein liebenswürdig wirkend« und sympathisch« Lu<- stellung— um die» berechtigte Lob vorwegzunehmen— ist soeben in dem schönen Garten des Krolletabllssement» eröffnet worden. Und zwar geht die Leranstottung aus von der Deutschen Gartenbau. Gesellschaft in Gemeinschaft mtt der Gruppe Berlin des Reichsoerbondes des deutschen Garten- baue». In seiner Eröffnungs- und Begrüßungsansprache wie» der Präsident der DSV., Sartendirettor S e s s« r, darauf hin, daß es heute mehr denn s« notwendig fei, baß die grauen und un- ansehnlichen Häuserreihen Berlins»um mindesten mit Blumen ge- schmückt werden. So wolle es sich die DGG.,«in« Leretnigung von Wisienschastlern. praktischen Gärtnern und idealistischen und schön- heitsfreudigen Gartenfreunden, angelegen sein lassen, den Sinn und das Lerständnis für Blumen. Blumenzucht und Blumenpfleg« in möglichst weite Kreise des Volkes*u bringen. Oberbürgermeister Dr. B ö ß uberbrachte die Grüße und Wünsche der Stadt Berlin und er- öifnete sodann die Ausstellung. Man sah viel« blumengärtnerrsch« Einzelerzeugnisse, die Freude'und Bewunderung erwecken mußten. Rlesentvpfe mtt Pelargonien. Orchideen in ihren verschiedenen bi- zurren Formen. Hortensien in zärtlichein Blau und Rosa. Petunien. Lilien. Kletterrosen, Geranien. Zinerarien. Ziergewächse und Pal- men. Tritt die Ausstellung in ihrer Gesamtheit raumlich auch keineswegs besonders hervor, so ist dennoch der GesanUeindruck«in sehr erfreulicher, besonder» in der angenehmen Umgebung des Kroll« Gartens. Di« Ausstellung ist bis zum 11. Mai geöffnet. Der Ein- trittspreis von 1.— M. ist jedoch gerade für die kleinen Leute zu hoch._ Mnkterschvlkurtv» Lrn Anqurie-Bittoria.Heole, Marlettei-Zurg. Nrenk- ftrafte 6l»d«. Abteil»»o! Sämtliche NaiSarte» wit> Lese«»ch bi« öennrng, vormitt-a 1# Uhr, bestimmt mit de« Sen»sse» Urb»,«l» 2(1, CfeflUMfeVMb Die Familienversicherung der Krankenkassen. Das Oberversicherungsamt in Berlin gegen den Ausbau. Mit großer Mühe ist es den Krankenkassen vor einigen Monaten gelungen, die langerfehnte Familienversicherung einzuführen. Welche Kämpfe es getoftet hat, die Ambulatorien, die heute zur größten Zufriedenheit der Mitglieder und Angehörigen arbeiten, aufrechtzuerhalten, wissen die Leser des Vorwärts" zu genau. Jetzt beabsichtigen auch die fleineren Kassen Mehrleistungen in der Familienpersicherung einzuführen. Die Sagungsänderungen sind längst be. fchloffen und den Bersicherungsämtern zur Genehmigung eingereicht. Die Aufsichtsbehörden scheinen aber teine große Reigung zu haben, hier schnell zu arbeiten. Ber an dieser dilatorischen Behandlung ein Interesse hat, zeigt ein Schreiben vom Oberversicherungsamt, das wir hier wiedergeben: Oberversicherungsamt Berlin. Charlottenburg, den 19. 3. 25. Berliner Str. 11. und Beides feßt aber die Anstellung Dort meiteren Ambulatoriumsärzten Die Erholungsstätte Hafenheibe wird eröffnet. voraus. ie die Rasse dies ausführen will, ist noch ungeflärt. Auch wird es zur Beschäftigung weiterer Aerzte in Fürsorgestelle zur Betämpfung der Tuberkulose in Neukölln unterDas Bezirksamt Neukölln teilt mit: Die von der städtischen jedem Falle einer Bereinbarung mit den Aerzten bedürfen, da eine haltene Erholungsstätte Hasenheide, neben dem türkischen Fried solche durch die vom Reichsschiedsamt in seiner Entscheidung vom hoj am Tempelhofer Felde, wird am Montag, den 4. Mai ,, 26./27. Januar 1925 der Ziffer B XI Absatz 3,4 gegebenen Fassung eröffnet. In Der ,, die Honorierung der hierdurch in den Ambulatorien beschäftigten Kindern, die tuberkulos erkrantt, tuberkulös verdächtig bzw. Erholungsstätte wird Frauen Aerzte ist besonders zwischen den Kassenverbänden und der Wirt bedroht find, vom genannten Tage ab von morgens 8 Uhr bis schaftlichen Abteilung vor dem Vertragsausschuß zu vereinbaren abends 7 Uhr unter fachverständiger Aufsicht Aufenthalt und Berausdrücklich vorgeschrieben ist. pflegung gewährt. Die Berpflegung besteht aus einer torgen Zur Förderung der Angelegenheit hat das Oberversicherungsamt fuppe, reichlicher und fräftiger Mittagstoft und nachmittags Liter die Borstände des Verbandes der Kranfenfaffen und des Betriebsmith. Für Frauen wird ein Tagesfas Don 1 mi. und für frantentaffenverbandes fowie der Wirtschaftlichen Abteilung des Kinder ein folcher von 70 Bf. erhoben. Die Erholungsstätte, im Groß- Berliner Aerztebundes auf Sonnabend, den 28. d. M., vor parfartigen Balbgelände ganz abseits vom lärmenden Berfehr ge mittags 11 Uhr, zu einer Besprechung über die zu treffende Berlegen, besigt u. a. eine große nach Süden offene Liege halle für einbarung eingeladen. Weiterer Bescheid wird dem Rassenvorstand girta 100 Batienten. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle der bemnächst zugehen. gez. Engelhardt. Erholungsstätte Neukölln, Erfstraße 27, Erdgeschoß, Zimmer 5, während der Dienststunden täglich von 8-1 Uhr entgegen. " Antal sen., der„ virtuofe" ungarische Zigeunerprimas, stellte sich Zigeunerfunft im Caféhaus. Der Zigeunerprimes Rocze in den Räumen des Cafés Tonndorf, unter den Linden, wo er zu gaftieren gedenkt, einem geladenen Kreis von Bresseleuten uns Runftinteressenten vor. Rocze Antal sen., der Mann mit dem verteufelt gebauten Ramen, ist ein Meister der Nuance, ber sich weniger der Bravour des Rhythmus, als der fultivierten Ausarbeitung aller Tönungen hingibt. Ein Musiker ursprünglichfter tufifalität, ein Birbuose, nicht im Sinne des Blenderhaften, sondern einer der egatten Kleinmalerei. Leider sind die Tonndorf Betriebe, die uns Mfo: Die Gewährung von Mehrleistungen unterliegt an fich Die von der Kasse beschlossene Sagungsänderung, durch die Herren Kopfschmerzen. Ist etwa, wir wissen es nicht, auch die feinen grundfäßlichen Bedenken." Aber die Aerztefrage macht den neue Mehrleistungen durch Gewährung der Heilmittel und dergleichen ausgesprochen werden soll, die in den Ambulatorien ver- Wirtschaftliche Abteilung der Herzteorganisation", die ja immer noch ordnet werden, unterliegt an fich feinen grundsäglichen Bedenten. nicht ben Stampf gegen die Ambulatorien und den Ausbau auf Die tatsächliche Ausführbarkeit dieses Beschlusses erscheint aber einft. gegeben hat, zum Teil an dieser Berzögerung beteiligt? Das Dber weilen in Frage gestellt. Die bereits vorhandenen Ambulatorien versicherungsamt hat unseres Erachtens fein Recht, die Genehmigung find nach ihrer Zahl und nach der Zahl der in ihnen beschäftigten einer Sagungsänderung abhängig zu machen von der Zustimmung Merzte nicht imftande, auch noch die gedachte ambulatorische Beder Aerzteorganisation. Diese Zumutung ist ungefeßlich und in handlung usw. es fommen 33 Krantentassen mit rund 260 000 der Reichsversicherungsordnung nicht begründet. In einer Zeit, wo Mitgliedern in Frage zu übernehmen. Es müssen demnach, um die Sagungsbestimmung zu verwirklichen auf die Erfüllung einer in den Arbeiterfamilien, die hier ja faft ausschließlich in Betracht die Bekanntschaft mit Rocze Antal fen. Dermittelt haben, alles fommen, jeder Pfennig für den Lebensunterhalt ausgegeben werden muß, ist es unverantwortlich, den Versicherten diese Bergünstigungen folange vorzuenthalten. 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