Nr. 209 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 108 Bezugspreis: 93öchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreusband für Deutschland, Danzig. Gaar und Memelgebiet, Desterreich, Sitauen, Zuxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ Gied lung und Aleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Billen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Gozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille zeile 70 Biennia. Reflamezcile 4.- Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Biennia ( auläffia zwei fettgedrudte Borte). febes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das crffe Wort 10 Bfennig. jedes weitere Bort 5 Pfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Hauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früb bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönbeff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Aufder Reichs- Reklame- Messe: Wilhelm 3744 Dienstag, den 5. Mai 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Fernsprecher: Anf der Reichs- Reklame Messe: Wilhelm 5744 Die Steuerreform des Rechtsblocks. Gestern war es ein Jahr, seitdem am 4. Mai 1924 die Deutschnationalen ihren großen Wahlfieg errangen. Der Vormarsch der Reaktion unter schwarzweißroter Fahne und dem Kampfruf Nieder mit der Erfüllungspolitik! Nieder mit dem Versailler Vertrag!" hat von all dem, was dem Bolte als deutschnationales Rampfziel gepredigt wurde, nichts, aber auch gar nichts übrig gelassen. Die Deutsche Zeitung" selbst muß feststellen, daß ein großer Scherbenhaufen" übrigge blieben und ein großer Aufwand schmählich verian" ist. Es ist nichts aus dem Kampf gegen die Erfüllungspolitik geworden. Die Deutschnationalen haben die Dames- Geseze an genommen, und ihr erwählter Reichspräsident schickt sich an, unter den schwarzrotgoldenen Fahnen der Republik den Treueid zu schwören. Daß es so fam, war vorauszusehen. Die nationalistischen Phrasen haben ihren 3wed erfüllt. Welcher deutschnationale Führer hat im Ernste an sie auch nur eine Stunde geglaubi? Der Vormarsch der Rechten sollte nicht mit der Erfüllungspolitik Schluß machen. Selbst auf die Restauration merzichtet man gerne, wenn sie als zu riskant erscheint. Der Sinn des deutschnationalen Angriffs war ein anderer, und die Kämpfe um die Steuerpolifit des Reiches, die jetzt im Reichstag begonnen haben, enthüllen das, was in Wirklich feit hinter der demagogischen Heze der Monarchisten ver borgen war. Der Kampf der Rechten gegen die Republik mar der Kampf um die Macht in der Republik. Niemand hat drastischer als Stresemann mit der Treffsicherheit des Unternehmersyndikus in den Wahlkämpfen des vergangenen Jahres den Zwed der Auseinandersegungen der kapitalistischen Parteien mit der Sozialdemokratie gekennzeichnet: Mit der Sozialdemokratie zu= sammen fann man feine Wirtschaftspolitit betreiben, kann man feine Steuergesetze beschließen." Das Steuerprogramm des deutschnationalen Finanzministers v. Schlieben setzt das in die Tat um, was Stresemann im Wahlkampf gegen die Sozialdemokratie durchsetzen wollte. Diefes Steuerprogramm fann in der Tat nicht mit der Sozialdemokratie, es fann nur gegen die Sozialdemokratie erzwungen und durchgeführt werden. Sozialdemokratische Kritik. | | Auf die Lohn und Umfassteuer, die ihrem ganzen Charafier nach auf der Masse des Volkes liegen, entfallen allein 3,1 milliarden, die fünf wichtigsten Befihsteuern haben dagegen nur 1,7 milliarden erbracht.( hört! hört! b. d. Soz.) Benn man bebenkt, daß die Vorauszahlungen für die Einfommensteuer zum großen Teil abgewälzt worden sind, dann finft die Laft, die der Besitz aufgebracht hat, auf weniger als die Sälfte der Umfassteuer.( Hört! hört! b. d. Soz.) In England gibt es überhaupt feine Umsatzsteuern, Verbrauchs steuern und Zölle nur für wenige entbehrliche Massenbedarfsartikel. gefeßt gewachsen ist, sehen wir in England die entgegenährend bei uns der Umfang der Massenbelastung unausgefeßte Entwicklung. 1913 bis 1914 entfielen in England 52,1 Brozent auf Berbrauchssteuern und Zölle, auf Befigsteuern nur 47,9 Bro3. Im Budget für das Jahr 1925 aber ist der Anteil der Berbrauchsbelastung auf 37 Proz. zurückgegangen, der des Besiges auf 62,7 Pro3. gestiegen.( hört! hört! b. b. Goz.) In England find alle Einkommen unter 2700 art völlig ffeuerfrei; nach den neuen Vorschlägen des englischen Finanz ministers sollte ein Einkommen bis zu 4500 2. der Steuer nicht steuer eine Belastung von faft 1% Milliarden Goldmark tragen, unterliegen. Die Arbeiterschichten also, die bei uns durch die Löhn find in England vollkommen steuerfrei.( Sört! höril b. d. 03.) daß das Reich die Einnahmen erhält, die es aus außen- und innenpolitischen Gründen zur Führung der Geschäfte braucht. Die Bäter des Rechtsblocks haben den Versuch gewagt, die Finanzen des Reiches auf Kosten der Massen durch die Parteien der Steuerdrückeberger zu sanieren. Die nächsten Monate werden zeigen, ob ihnen dieser Versuch gelingen wird. Bisher hat der Rechtsblock in feiner einzigen wichtigen Frage gezeigt, daß er in sich eine regierungsfähige Mehrheit darstellt. Der Kampf um die Steuern wird an ihn noch ganz andere Anforderungen stellen. und wo es fich wirklich um grundlegende Fragen, wie z. B. Und wo es sich wirklich um grundlegende Fragen, wie z. B. beim Finanzausgleich handelt, da muß selbst Herr v. Schlieben auf Erzbergers Leistungen zurückgreifen und sich um den Nachweis bemühen, daß die Finanzreform von 1919 überhaupt erst die Grundlage für eine wirkliche Reichsfinanzpolitit geschaffen hat. Das Steuerbufett des Rechtsblods ist die Kampfansage gegen die arbeitenden Massen. Die Sozialdemokratie wird diesen Kampf führen, und die Bäter der famosen Idee, daß man Steuergeseze nicht mit, sondern nur gegen die Sozialdemokratie machen könne, werden in den kommenden Auseinandersehungen noch manchesmal wünschen, diese Auseinanderſézungen noch manchesmal wünschen, diefe geniale Idee nicht gehabt zu haben. Immer noch war bei ben großbürgerlichen Parteien die Verantwortungslosigkeit Benn trotzdem die englische Einkommensteuer so Riesenerträge stärker als die Anerkennung der Staatsnotwendigkeiten. bringt, so deshalb, weil der übrige Teil der Bevölkerung zur di Und wenn wirklich der Block der Steuerbrüdeberger zu retten Einfommenbesteuerung in einem Maße herangezogen fammenhalten sollte, die Folge wird nur sein, daß nach einem wird, das wir in Deutschland weder früher noch jezt kennen. Es weiteren Jahre der deutschnationale Vormarsch vom Mai 1924 ist nicht allein der Reichtum des Landes, sondern die Höhe des Steuertarifs und die exakte Beranlagung und Ausführung der fich in die fatastrophale Niederlage verwandelt, die den De= Steuern, die die Gesamteinnahmen aus der Einkommensteuer in magogen der schwarzweißroten Kapitalistenfahne gebührt! England von einer Milliarde Goldmark im. Jahre 1913 auf jetzt fast 7 Milliarden gesteigert hat.( Hört, hört! b. d. Eoz.) 1913 zahlte der englische Einkommensteuerpflichtige pro Biund 12 Schilling, während des Krieges 6 Schilling und jetzt 4 Schilling, alfo 20 Proz. tatsächlicher Belaffung bei allen Einkommen, die über die Mindestgrenze hinausreichen. Die Erbschaftssteuer bringt dort mehr als bei uns die Einkommensteuer. 1924 brachte " 字 Der Sigungsschluß brachte noch einen stürmischen Zwischenfall. Zunächst stellte Genoffe Keil gegenüber dem deutsch nationalen Königsberger Professor Breyer fest, daß die Sozialdemokraten nicht über die Annahme der Dames- Gesetze, fendern nur über die Entlarvung der deutschnationalen Des magogie und ihren schmählichen Umfall bei dieser Gelegenheit gejubelt" hätten. Dann nahm der Reichskanzler a. D. Dr. Birth das Wort, um niederträchtige Verleumdungen zurückzuweisen, die derselbe Herr Preyer vor einiger Zeit in deutschnationaler Seite der Versuch unternommen worden, aus den Holzlieferungsgeschäften der Freiburger Firma Himmels bach eine Art Barmat- Affäre" zu konstruieren und Wirth hineinzuverwickeln. Breyer hatte in seinem Vortrag statt von Josef Birth" immer von Josef Himmelsbacher" geBirth" immer von Josef Himmelsbacher" ge= den deutschnationalen Herrn Breyer auf seine buben haften Berleumdungen" fest. So war es selbstverständlich, daß der gestern begonnenen Debatte die Rede unseres Genossen Dr Herz das Gepräge gab. Das Steuerprogramm des Rechtsblocks ist das Programm der großfapitalistischen Parteien gegen die arbeitenden Massen. Der Blod der Inflationsgewinnler schließt sich zu fammen, um in der Krise der Wiedergesundung unserer Wirtschaft die Kosten der Stabilisierung auf die in ihrer Widersprochen. Unter stürmischem Beifall der Linken nagelte Birth standskraft geschwächten Massen abzuwälzen und um darüber hinaus den günstigen Moment zu benutzen, eine dem Großfapital günstige Dauerregelung der deutschen Steuerverhältnisse zu erzwingen. Der Reichsfinanzminister hat es gestern vorgezogen, zu schweigen. Auf die nicht zu widerlegenden Vergleiche, Die Dr. Her zwischen dem deutschen und englischen Steuerfystem zog, fonnte nur sein Staatssekretär Dr. Popig mit einer belanglosen Einzelerwiderung antworten. Das, was in dem Schliebenschen Steuerprogramm versucht wird, ist dasfelbe, was unter Helfferich das deutsche Bürgertum während des Krieges mit Erfolg durchgeführt hat, was die Großbourgeoisie in den Steuerkämpfen der Inflationszeit immer wieder durchzusehen vermochte, es ist die Berewigung der Steuerscheu und Steuerbrüdebergerei. Es wirft wie eine Jronie, daß in der ausgezeichneten Begründung zum Finanzausgleichgefez Herr v. Schlieben die unselige Steuerpolitik des Reiches in der Kriegszeit selber mit den fchärfften Worten brandmarken mußte, während seine eigenen Steuervorschläge ihrem sozialen Charakter nach aus demselben Geist der Verantwortungslosigkeit der befigenden Klassen gegenüber dem Staat entspringen. In seiner Entgegnung bemerfte der Herr Breyer, er habe eben damals so gesprochen, weil der Fall noch nicht geflärt gewesen sei! Solange ein Fall„ noch nicht geflärt" ist, beanspruchen also die Leute vom Schlage Preyers für sich unbeschränkte Berleumdungsfreiheit. Diese grundfäß liche Erklärung wurde von der Linken sofort verstanden und mit einem Hagel treffender Burufe gebührend gekennzeichnet. Ein Wort der Zurücknahme, der Entschuldigung fand der deutschnationale Bolfsvertreter und Jugenderzieher nicht. Unter Entrüstungsrufen und Hohngelächter zog er wie ein begoffener Budel ab. Bräsident Löbe eröffnet die Sigung des Reichstags um 2 Uhr 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der ersten Lesung jämtlicher Steuervorlagen. Jede Fraktion wird zwei Redner vorschicken, die insgesamt anderthalb Stunden sprechen dürfen. Abg. Dr. Hertz( Soz.): die deutsche Erbschaftssteuer ganze 26 Millionen, also nur 2,5 Broz. des Betrages, der in England durch die Steuer aufgebracht wurde. Die Erbschaftssteuer in England hat allein den doppelten Ertrag der Erbschafts- und Bermögenssteuer in Deutschland zusammen gebracht.( hört! hört! b. d. Soz.) Noch eine Bemerkung über die Ausgaben im englischen Budget. Trotzdem in England die Einnahmen zum größten Teil aus den Besitzsteuern kommen, ist festzustellen, daß der Umfang der sozialen Lasten in Deutschland wesentlich hinter find allein 3 Milliarden Goldmark für Erwerbslofenunterstützung England zurückbleibt. In dem von Churchill aufgestellten Budget enthalten.( hört! hört! b. d. So3.) Auch der Bergleich mit den Steuersystemen anderer Länder fällt zuungunsten Deutschlands aus. In Frankreich ist das Existenzminimum wesentlich höher als bei uns; der Tarif beginnt mit 2 Broz. und endet mit 50 Proz. Selbst in Desterreich, das gleich uns große Lasten aus dem Kriege zu tragen hat, ist das Lohneinkommen nicht im entferntesten jo angespannt wie bei uns. Wenn man die Belastung zusammenrechnet, so ergibt sich, daß das Rettoeinkommen eines gedes Arbeitseinkommens durch Lohnsteuer und Verbrauchssteuern fteuert wird, d. h., daß ihm der Aufwand für seinen Lebensunterlernten Arbeiters in Deutschland gegenwärtig mit 40 Proz. be halt für volle zwei Monate weggesteuert wird.( Hört! hört! b. b. Soz.) Wenn man bei den Vorschlägen des Reichsfinanzministeriums feine Milberung, sondern nur eine Verschärfung dieser Sachlage entdecken faun, so erhält man erst ein Bild von der Not und Schidialsgemeinschaft", von der der Reichsfinanzminister in feiner einleitenden Rede gesprochen hat.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Diese Ueberbelastung der Masse ist in erster Linie aus jozialen Erwägungen zu beklagen, sie ist aber auch die wichtigste Ursache unserer Wirtschaftskrise, die aus der fehlenden Kauffraft der Maffen unserer Bevölkerung hervorgeht. ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Einsichtige Unternehmertreife find längst für die Herauffeßung der öhne eingetreten, weil sie ohne Belebung des Binnenmarites feine volle Beschäftigung der Gesamtproduktion erwarten. Unsere Steuerbelastung aber tut das Gegenteil, fie geht von außerordentlich In allen modernen Staaten stehen die Finanz- und Steuerprobleme gegenwärtig im Bordergrunde. Eine der bedeutungsAbbau der Besitzsteuern, Ermäßigung der Einkommen vollsten Reden aus der leßten Zeit, die des englischen Finanzsteuer für die Veranlagungspflichtigen und Aufrechterhaltung ministers Churchill, beweist, daß die englische Finanzpolitit sowohl der. Maffenbelastung das ist mit dürren Worten der Inhalt fozialen Erwägungen bei der Verteilung der Steuerlaften vor. in bezug auf die allgemeinen Steuerprinzipien als auch für die in bezug auf die allgemeinen Steuerprinzipien als auch für die der Steuervorlagen. Reiner der Redner in der gestrigen bildlich ist. Obwohl England gegenwärtig eine tonfermiedrigen Löhnen aus, raubt den Maffen ein Sechstel bis em Achtel gestrigenzialen Debatte hat gewagt, dieser Feststellung zu widersprechen. Dative Regierung hat, ist das englische Steuersystem von Dazu find die Tatsachen viel zu offenkundig. Die billigen Späße, mit denen der deutschnationale Fraktionsredner durchsetzt. Während bei uns der Ueberschuß aus der stärksten Anheit, in die die deutschnationalen Demagogen dadurch verjet worden sind. So billig und so dumm wie die Deutschnationalen ihre hemmungslose Opposition gegen den Staat betrieben haben, als sie noch in der Opposition waren, werden die SozialFemotraten den Kampf nicht führen. Genosse Dr. Herz ere Plärte, daß bie Sozialdemokratie immer dafür eintreten merbe, starken fozialen Erwägungen spannung der Maffensteuern stammt, rührt der Ueberschuß im englischen Budget lediglich aus außerordentlich hohen Beträgen der Besitzenden her. In Deutschland sind 1924 fast 5 milliarden Goldmart ans diefen Maffensteuern aufgebracht worden, also feft 70 Bros. der gesamten Einnahmen des Reiches.( hört! hört! h. d. Sag.) ihrer Kauftraft, führt zur Abfagstodung in den Konsummittelindustrien und verstärkt die Tendenz zu Breissteigerungen, weil der Leerlauf in der Wirtschaft nicht beseitigt wird. Dazu weil eine Ronkurrenzfähigkeit die volle Beschäftigung der Unter kommt die Erschwerung der Absazfähigkeit auf dem Weltmartt, nehnungen und die Bertilligung der gesamten Produktion voraus setzt. Die Borschläge des Reichsfinanzministeriums erföten aber auch den Sparwillen unserer Bevölkerung. Die Vorschläge sehen zwar eine Begünstigung der Kapitalbildung vor, aber nur bei denjenigen Heinen Schichten unjeres Boltes, bie es verstanden haben, ihr Ber mögen durch den Krieg und die Inflation hinaus zu erhalten.( Sehr mahr! bei den Sozialdemokraten.) Das Reichsfinanzministerium meint, ohne diese Borschläge gebe es feinen Weg, die Steuer. moral zu heben. Die Reichsregierung sollte sich doch aber in England darüber unterrichten, wie dort die Steuermoral zustande getommen ist. Der Reichsfinanzminister sollte sich nicht dem Standpunit des Führers des Brandenburgischen Landbundes annähern, des Herrn von Nahmer, der erst fürzlich wegen Aufforderung zur Steuerhinterziehung eine erhebliche gerichtliche Strafe erhalten het.( hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Durch den Abbau der Steuern fann die Steuermoral nicht gehoben werden. Auf diesem Wege werden Sie feine Grenze finden und zu der idealen Steuermoral erst dann kommen, wenn Sie feine Steuern mehr er heben.( Bustimmung und Heiterfeit links.) Der Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion zu der Reform der Reidsregierung ist der: Angesichts der bisherigen Entwicklung unserer Finanz- und Steuerverhältnisse halten wir jede Ermäßigung der Befihfleuern für unerträglich, folange nicht die Maffenbelastung erheblich gemildert worden ist. Wir verlangen, daß die Cohnsteuer in fürzester Frist erheblich abgebaut wird. Die daß die Umsatzsteuer zuerst auf Prozent herabgefeht wird mit dem Ziel, fie ganz zu beseitigen.( Sehr richtig! b. d. Soz.) bisherigen Ermäßigungen der Umsatzsteuer haben gezeigt, daß nur ein Teil des erwarteten Ausfalls eintritt und daß dieser Ausfall durch eine ebung der Produktion, durch eine Berstärkung der Kauftraft und durch eine Vermehrung der steuerpflichtigen Umsagafte wieder mettgemacht wird. Bir glauben, daß jezt ein Steuerverhältnis zu finden ist, bei dem der Abbau der umfassteuer auf dieses geringe Maß sich durchführen läßt. Wenn der Reichsfinanzminister sagt, daß der Abbau dieser beiden Steuern taum möglich ist, wenn man das Bleichgewicht im Budget aufrechterhalten will, so erkläre ich ganz offen: Wir haben vom Reichsfinanzministerium so oft falsche Angaben und so felten richtige bekommen, daß die herren faum von uns erwarten fönnen, daß wir ihre Angaben als sichere Unterlagen werten können.( Bustimmung b. d. Soz.) Wenn wir erst zu dem Zustand tommen, wie ihn Churchill jezt mitgeteilt hat, daß bei einem Budget von 16 Milliarden Marf die tatsächlichen Einnahmen von dem Voranfchlag nur um 6 Millionen Mart abweichen, dann werden wir auch Ihren Angaben unbedingtes Vertrauen schenfen.( Sehr gut! und Heiterfeit b. b. Soz.) In den Berhandlungen des Ausschusses werden wir die An gaben des Reichsfinanzministers noch zu prüfen haben; aber schon will ich einige Andeutungen machen, wie unzuverlässig feine Bahlen find. Bei dem vom Finanzminister genannten Ueberschuß von 334 Millionen fehlt der Vortrag der Minderausgaben, es fehlen die Angaben über die 3inseinnahmen für die aus geliehenen Gelder, für die lleberschüsse aus den Münzgewinnen, es fehlt das Guthaben bei den Repara. fionsagenten, es fehlen die Angaben, welche Erträge aus den zahlosen Steuerstundungen noch zu erwarten sind. Ich komme nach alledem zu einem ( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ohne Kenntnis des Reichstags und ohne gefeßliche Ermächtigung hat das Reichsfinanzministerium die Einkommensteuer für die Borauszahießt lungspflichtigen ermäßigt, gleichzeitig aber auch das von der Sozialdemokratie gestellte Berlangen nach Ermäßigung der Lohnsteuer abgelehnt.( Hört, hört! bei den Sozialdemo iraten.) Die Lohnsteuer wurde bei der Beratung der 3meiten Steuernotverordnung auf einen jährlichen Ertrag von 720 Millionen gefchäßt, sie hat 1329 millionen erbracht, also etwa das Doppelte Dieser Mehrertrag ist erzielt worden, obwohl im vergangenen Jahre Die Steigerung der Löhne nur eine Steigerung der Nominal löhne war und nicht eine Steigerung des Reallohnes. Cie ist nur zum kleinen Teil durch stärkere Beschäftigung erbracht wor Den, in erster Linie aber dudurch, daß sich die tatsächliche Belastung der Lohn- und Gehaltsempfänger um 1,5 Broz. erhöht hat. 3ur Lohnsteuer verlangt die sozialdemokratische Frattion die Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages von 60 m. monatlich auf 100 m. Ferner prozentuale Ermäßigungen für Frau und Kinder durch fefle Beträge und die Wiederanrechnung erhöhler Werbungskosten. Wir verlangen ferner die volle Gutbringung der Lohnsteuerermäßigungen auch bei Ausfall an Arbeitseinkommen infolge Erwerbs losigkeit, Kurzarbeitszeit, Krankheit usw.( Sehr richtig! bet den Sozialdemokraten.) Das Reichsfinanzministerium hat in früheren Beratungen demgegenüber auf den voraussichtlich dadurch entstehenden Ausfall verwiesen, den es bei Erhöhung des steuerfreien Betrages von 50 auf 60 m. auf 200 millionen errechnete. Ein getreten ist kein Ausfall, sondern eine wesentliche Erhöhung.( Sort, hört! bei den Sozialdemokraten.) Für die Erhöhung von 60 auf 100 m. sekt das Reichsfinanzministerium den Ausfall auf 600 Millionen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, was von den Schätzungen des Reichsfinanzministeriums zu halten ist, besonders wenn fie von der Absicht geleitet werden, dem Abbau der Lohnsteuer Schwierigteiten zu bereiten.( Sehr richtig! bei den Goz.) Wir fordern neben der Ermäßigung der Lohnsteuer den Abbau der Umfahsteuer. Die Umsatzsteuer hatte nur eine Berechtigung in der Seit eines durch die Berhältnisse bedingten rohen Steuerfystems. Wenn das Reichskabinett in seinen jezigen Borlagen nur bei der Umsatzund der Lohnsteuer nicht an Revisionen gebacht hat, so darf es sich nicht wundern, wenn in der Deffentlichkeit der Einbrud entsteht, es molle die bisherigen unerträglichen Säße bei der Lohn- und der Umsatzsteuer aufrechterhalten. Die Umfahfleuer ist der wirkliche Feind der Wirtschaftsgefundung. Es ist fein Zweifel, daß besonders die Fertigfabritate durch die zahlreichen Umfagsteuerafte faft mit 10 Prog. Steuern befaftet sind. Gleichzeitig ist fie eine ungeheure Sondergewinnsteuer für Diejenigen Unternehmungen, die die Umfahsteuerafte bon fich aus ersparen fönnen Damit wird die Ronzentration der Unter nehmungen, die Gewalt tleiner Kreise über die gesamte Wirt. fchaft ungeheuer gestärkt, das Kartellmesen geradezu verewigt.( Sehr richtig! b. b. Soz.) Im übrigen wird das gesamte Wirtschaftsleben mit einem piel höheren Betrag belastet, als tatsächlich in die Reichsfaffe fließt, weil zu jeder Erhebung der Umfabffeuer noch ein Sondergeminn hinzutritt. Wir halten daher die Forberung für berechtigt, Der private Musikunterricht. Ein neuer preußischer Erlaß. Bon Siegfried Günther, Berlin Wer täglich mit musikalisch interessierten Menschen aller Stände zu tun hat, der spürt in deren privater Mufitausbildung scharf einschneidende Unterschiede sehr deutlich. Fast durchgehends schlecht gefördert werden die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen der musikalischen Kreise des Proletariats. Gerade in den wenig bemittelten Schichten unseres Boltes macht sich eine Tiefe des Riveaus aller Musikerziehung bemerkbar, die auf den Geschmack verheerend wirken muß. Entscheidend hat der Staat bisher hier nicht ein gegriffen. Die Notwendigkeit dazu lag bis vor wenigen Jahren auch nicht in dem Maße vor wie jegt. Denn einmal wurde der Musik im Boltsganzen vom Staate bei weitem nicht die Bedeutung zugemessen, die man ihr heute zuerkennt. Auch fonnten die Miß stände im privaten Musiferziehungswesen sich erst unter dem Einfluß von Krieg und Inflation zu so grotesken Formen auswachsen. Regelnd greist jetzt der preußische Staat ein und erläßt eine dahin gehende Verordnung. Bedenkt man vor allem, welche Wichtigkeit für unsere Er. neuerung der Musik in Haus, Schule und Leben zugeschrieben wird, so erscheint der nun ergangene Erlaß als eine unumgängliche und gar nicht hoch genug zu schäßende Tat. Er spricht von der entscheidenden Wende im Gesamtwert der Mufiferziehung, denn Erziehung zur Menschlichkeit mit und durch Musik ist das leßte Ziel, dem jeder Musikunterricht zustreben sollte". In diesem Sinne nun fucht er auch in das Chaos der Gelegenheiten zur Privat- Musikunterweisung eine gewiffe Ordnung, Zielstrebigkeit und Einheitlichkeit der Richtung zu bringen. Wo bis jetzt planloses Hin und Her war, da soll an dessen Stelle ein Birken und Streben im Sinne eines großen, zu erreichenden Zieles treten. Das wird in dem Erlaß nicht angestrebt durch rücksichtslose, tief einschneidende Maßnahmen, die plöglich ergriffen werden sollen. Bielmehr wird eine verhältnis mäßig reich bemessene Uebergangszeit gelassen, die den betroffenen Lehrkräften und Instituten genügend Zeit gibt, sich auf die neuen Forderungen umzustellen. Weiter wird auch nach erfolgtem völligen Infrafttreten des Erlasses nun aller privater Mufitunterricht, er fei Einzel- oder Massenunterweisung, nicht etwa mechanisch oder bureaufratisch eingeengt. Die Freiheit und Wirkungsmöglichkeit führender Künstler und Pädagogen" werden gewahrt. Normen werden aufgestellt, in beren weitgespannten Rahmen den jeweiligen örtlichen Verhältnissen und Anlagen in toleranter Weise nachgegeben werden fann. Prüfung aller Lehrenden, soweit ihre musilpädagogischen Fähigkeiten nicht staatlich anderweitig. anerkannt wurden, An meldung alles Brivatunterrichts wird gefordert. Der Unterrichts. erlaubnisschein wird Wirklichkeit. Die Auflösung der Winkel fonjervatorien und minderwertigen Musikschulen wird herbeigeführt, da der Staat alle Konzessionen nach vorheriger genauer Prüfung Ueberschuß von rund 1 milliarde 200 000 Mart.( Hört! hört! b. d. Soz.) ungeheure Berarmung der gesamten Boltsschichten hervorgerufen mit Ausnahme jener tleinen Kreise, die sich ihr Vermögen erhalten haben oder gar noch vermehren fonnten. Trotzdem soll an der durch die Inflation hervorgegangenen Steuerverteilung nichts gebessert, aber alles verschlechtert werden. Die Reichsregierung hat sich die falten und unehrlichen Argu. mente jener gewerbsmäßigen Steuerbrüder zu eigen gemacht, die ganz vergessen haben, daß nach einem verlorenen Kriege der Neuaufbau der Wirtschaft von allen Laften und Opfer verlangt ( Sehr wahr bei den Soz.). Der Finanzminister hat ausgeführt, daß foziale Anforderungen stellen eine Verkennung unserer wirtschaftlichen und finanziellen Situation bedeuten. So brutal ist es wohi noch nie ausgesprochen worden, daß die Hermften, die Schwächsten, die Widerstandsunfähigsten durch ihre Schwäche dazu verpflichtet sein sollen, das zu fragen, was die anderen vermöge ihrer Macht von sich abwälzen können. Die Vorschläge der Reichsregierung sind auf jedem Gebiet eine Be. günstigung des Besizes( Sehr richtig bei den Soz.). Bei der Einkommensteuer bleibt der Tarif für die Lohn- und Ge haltsempfänger unverändert, für alle übrigen wird er auf etwa die Hälfte ermäßigt( Hört, hört bei den Soz.). Die Besizsteuern werden herabgefeßt, gemilbert oder ganz beseitigt. Keine Besteuerung ist vorgesehen für die Inflations. gewinne der Landwirtschaft, feine für die sonstigen Ingewinne der Landwirtschaft, feine für die sonstigen Inflationsgewinne. Jeder Aft in diefen Steuervorlagen afmet den Geist, der die Jnflation in Deutschland heraufbeschworen hat( Sehr richtig bei den Sozialdemokraten). Für den Besiz sollen die Lasten ermäßigt, für die Masse der Bevölkerung erhöht werden. Die Hauszinssteuer foll erhöht, die Begrenzung der Mieten auf Friedenshöhe soll befeitigt, auch die Versorgungsbetriebe der öffentlichen Körperschaften besteuert werden. Es fehlt nur noch eine Steuer für Licht und Luft. Ich habe kein Verständnis dafür, daß nach dem UeberleitungsRüderstattungen an den Befih gefeß vorgesehen find. Insgesamt sind durch Vorauszahlungen nur 862 Millionen eingefommen, das gibt 116 Mart auf den Kopf dieser Steuerpflichtigen gegenüber 60 M. im Durchschnitt der Lohndas Reichsfinanzministerium bei den Lohn- und Gehaltsempfängern mit einem Durchschnittseinkommen von 1381 M., bei den übrigen von 1410 M. rechnet. Gibt es einen Menschen, der es für möglich hält, daß zwischen diesen beiden Steuerpflichtigen nur eine Differenz von 29 m. im Jahre fein foll? Haben wir es nicht vielmehr mit der Tatsache zu tun, daß das Lohneinkommen bis zum letzten Pfennig besteuert wird, während die übrigen Steuerpflichtigen fich ihrer Steuerpilicht in ft är fftem Maße entziehen tönnen? In den jezigen Ausgaben des Reichs stedt noch der Betrag von 31 Millionen Mart Bandabgabe. Von dieser Landabgabe sind im legten Rechnungsjahr 42 Millionen eingegangen, davon wurden 31 Millionen wieder zurüdgezahlt.( hört! hört! und Zuruf: Aber nicht an die fleinen Bauern!) Ich sehe teinen Anhaltspunti dafür, daß die, Steuereinnahmen geringer sein sollten als im Jahre 1924. Ich widerspreche dem Reichsfinanzminister auch, daß die Biersteuer( hört, hört bei den Soz.). Es ergibt sich die Tatsache, daß und Tabatbesteuerung weiter anzuspannen fei, die sozial demokratische Fraktion wird solchen Absichten energischen Biber stand entgegensetzen.( Sehr richtig! b. d. Soz.) Der ungeheuerliche Zustand, daß es reiche und arme Gemeinden gibt, wird nicht beseitigt, ein Ausgleich zwischen den armen Wohngemeinden und den reichen Beschäftigungsgemeinden ist in feiner Weise gelungen. Dem Finanzausgleichsgesetz treten wir aber auch deswegen entgegen, weil in ihm die Erhöhung der Hauszinssteuer enthalten ist. Zusammenfassend will ich sagen: Im Gegensatz zur Steuerreform von 1919, die den Versuch machte, soziale Be lichtspuntte zu verwirklichen, sehen wir hier den Versuch, den tapitalistischen Erwägungen in den Sattel zu helfen. Diese Steuerreform ist die Stenerreform des Großbefizes! ( Sehr richtig! b. b. Soz.) # Wenn ich mir weiter vergegenwärtige, daß die Reichsregierung auch noch 3ölle auf Lebensmittel plant, fo hätte die Regierung boch offen fagen sollen: Wir wollen einen Zustand herbeiführen, bei dem alle Lasten der Wirtschaft, alle Basten des Staates Don den Besitlofen getragen werden. Wir wollen, daß der Besiz völlig frei von Besteuerung wird!( Unruhe und Buruf, rechts.) Die Gewertschaften aller Richtungen haben die Steuerpläne der Reichsregierung abgelehnt und die gleichen Auffaffungen vertreten, die ich zum Vortrag gebracht habe. Bir Sozialdemokraten find für Sicherung der Einnahmen, aber wir fordern. Verteilung der Lasten nach dem Maßstab der sozialen Leistungsfähigteit. Die Steuervorlagen ftreben bas Gegenteil an. Sie zwingen uns, alles zu tun, um diese Vorlagen zu Fall zu bringen. Der Reichsfangler Marg hat bei seiner legten Rundgebung an die Parteien, die feine Kandidatur getragen haben, gesagt: Der Gelft wahrhaft demokratifcher und fozialer Gefinnung foll lebendig bleiben. Jeht ist Gelegenheit, diesen Grundfab, dem wir zustimmen, zur Taf werden zu laffen.( Lebh. Beifall b. b. Goz.) So wenig die Steuervorschläge der Regierung vom wirtschaft lichen Gefichtspunte zu rechtfertigen find, noch weniger find fie es vom sozialen Gesichtspunkte. Jahrelang haben die Besizlojen in Deutschland alle Lasten allein getragen, die Inflation hat eine der tünstlerischen und außermusikalischen Borbedingungen erteilt, und da alle Musiklehranstalten unter staatliche Aufsicht fallen. Auf das Gebiet des mufitalischen Lehrlingswesens und der zweckmäßigen Heranbildung des Orchesternachwuchses hinüber spielt die Forderung des Befähigungsnachweises für Leiter von Musikkapellen, in denen Jugendliche spielen. So bedeutet der Erlaß eine fünstlerische und soziale Tat für alle, für die Musiklehrer selbst und für die minderbemittelten Streife des Boltes besonders. Die im Sinne einer großen und tiefen musikalischen Volksbildung unzulänglichen Kräfte sozial anders ein zuordnen, das wird in erster Linie Sache ihrer selbst, dann aber auch Aufgabe der zeitlichen Verhältnisse und vielleicht auch des Staates fein Fordert der Erlaß aber von allen Mufitlehrkräften einen Beweis ihrer Eignung, so wird dadurch das Ansehen des Standes, zugleich auch seine soziale Stellung und seine wirtschaftliche Lage wesentlich gehoben. Diejenigen Boltsschichten, die nicht in der Lage sind, bei der musikalischen Unterweisung Spreu vom Weizen zu sondern oder von vornherein wertvollen aber fostspieligen Privatunterricht zu wählen, sind einmal vor Ausbeutung, zum andernmal aber vor einer Bertitschung und Verwässerung ihres musikalischen Innenlebens bewahrt. Die Rechte, die der Staat mit Bezug auf andern Privatunterricht schon lange wahrnahm, dehnt er endlich nun auch auf den Musikunterricht aus. Seiner Pflicht, eine gewisse tulturelle Höhe auf allen Geistesgebieten dem Volfe zu wahren, tommt er nun endlich nach), da er den volksbildenden Wert auch der Mufit erkannt hat. Möge die neue Regelung sich bald durchsetzen und zum Heile des Bolles und der Mufit in Kraft treten! 25 Jahre Kunstseide. 25 Jahre ist die Fabrikation der Kunstfeide nunmehr alt. Aus ganz fleinen Anfängen hat sie sich zu einem Fabritationszweig entwickelt, der den der natürlichen Seide an Pro duftion fast um das Doppelte übertrifft. Mancherlei Vorzüge, die die Kunsiseide vor der Naturseide voraus hat, haben dazu beigetragen, vor allem der höhere Glanz und die bessere Färbbarkeit. Auch von einer größeren Haltbarkeit wird hie und da gefprachen, obwohl in dieser Beziehung nicht alle Kunst- und alle Naturseidearten gleich find. hergestellt wird, von denen aber mindestens zwei als veraltet ange Es gibt vier verschiedene Verfahren, nach benen die Runstseide sprochen werden müssen, während ein drittes erft noch die Bewäh: rungsprobe abzulegen hat. Meist mird heutzutage das sogenannte Biscofeverfahren angewandt. Der Grundstoff dieses Verfahrens ist Bellstoff, der mit Natronlauge und Schwefeltohlenstoff behandelt wird. Der Vorzug dieses Verfahrens ist vor allem seine große Einfachheit. Im allgemeinen stellt es sich auch am billigften, wenngleich natürlich die mehr oder minder bequeme Beschaffung des Zellstoffs bet der Preisbildung eine Rolle spielt. So ungünstig das Urteil über den Finanzausgleich lauten muß, fo ist doch die Feststellung wichtig, daß das Fundament der Steuerreform, das im Jahre 1919 geschaffen wurde, auch jeht bleibt, nachdem die Herren, die jetzt zur Macht gekommen find, sechs Jahre lang nichts anderes getan haben, als Diefem Steuerfystem Schwierigkeiten aller Art zu bereiten. Wir halten an dem bisherigen Ueberweisungsfystem fest und werden die Zuschläge zugunsten von Ländern und Gemeinden mit aller Kraft befämpfen. Sie gefährden die Reparationsverpflich tungen, fie verhindern die gleichmäßigen Wirtschaftsbedingungen. Es ist nicht nur eine sittliche, sondern auch eine nationale Forderung, daß im ganzen Deutschen Reich alles gleichmäßig zu diesen Laften beiträgt. Abg. Dr. Preyer( Din.): Ein Vergleich der englischen mit ber deutschen Steuerpolitik ist so verfehlt, als wenn man Rotschild mit einem armen Krämer vergleichen wollte. Die von bem fozialdemokratischen Redner betämpfte Lohn- und um. fassteuer find ja von der Sozialdemokratie in ihrer Sünden Matenblüte geschaffen worden. Abg. Dr. Herh scheint die lehten Jahre verfchlafen zu haben, sonst müßte er wissen, daß der Rid gang des Ertrages aus den Befigsteuern einfach daraus fió erklärt, daß die Bir wollen eine soziale Ausgestaltung des Steuerfystems, aber Vermögen zum großen Teil fich verflüchtigt haben. teiten und die Basten berüdsichtigen, die auf der anderen Seite müssen wir die Staatsnotwendig. das von den Sozialdemokraten fo freudig begrüßfe Dawes Abkommen uns auferlegt.( Unruhe b. d. Soz.) schützt. Die deutsche Produktion ist eine Kleinigkeit geringer. Ber hälimismäßig sehr hoch ist die belgische Produktion: fast 8 Millionen Pfund jährlich. Frankreich und Italien erzeugen etwa ebensoviel. Demgegenüber ist die Weltproduktion an Naturfeide als gering zu bezeichnen. Sie betrug im Jahre 1922 nur 59 Millionen Pfund und wird auch für die späteren Jahre nicht höher geschäßt. Nicht ganz mit Unrecht befürchten die Naturfeidefabrikanten, daß bei fortschrei tender Berbesserung der Kunstseidefabritation die Nachfrage nach Naturseide inimier weiter sinkt, so daß in absehbarer Zeit einmal mit dem völligen Aufhören der Naturseideproduftion gerechnet werden muß. Welch einen Siegeslauf die Kunsijeide besonders in dem letzten Jahrzehnt genommen hat, mag die Tatsache veranschaulichen, daß im Jahre 1913 die Erzeugung von Kunstseide nur 1½ Millionen Pfund betrug. amt der Stadt Berlin teilt mit: Der Aufsichtsrat der Stadtoper Der Intendant des städtischen Opernhauses. Das Nachrichten Aktiengesellschaft hat dem Intendanten Tietjen Breslau die Leitung des fünftigen städtischen Opernunternehmens angeboten. Intendant Tietjen hat Montag telegraphisch mitgeteilt, daß er grundfäßlich bereit ist, dieses Angebot anzunehmen. Die Vertrags. verhandlungen werden demgemäß in den nächsten Tagen vor sich im Gange und dürften unter Mitwirkung des fünftigen Inten gehen. Die Verhandlungen mit Orchester und Chor sind bereits banten alsbald zur abschließenden Berständigung führen. Ein Jahr mit 13 Monaten. Der Direttor der Internationalen Liga für den festen Kalender", der sich einige Monate in Genf aufgehalten hat, um hier beim Bokterbund für die Kalenderforin zu wirten, hat sich jest nach Kanada und den Vereinigten Staaten begeben, um dort für seinen Plan Propaganda zu machen. Dieser möchte, sieht dreizehn Monate im Jahr vor, von denen jeder aus neue Kalender, den die Liga in der ganzen Welt eingeführt wissen 28 Tagen besteht. Bei dieser Einteilung ist nur ein Tag im Jahre zuviel, der Jahrestag" genannt werden soll und auf den legten Tag der letzten Woche des letzten Monats fällt. Dieser Jahrestag" foll als internationaler Fest- und Feiertag begangen werden. In dem neuen Kalender wird auch das Osterfest auf einen ganz be stimmten Tag gelegt, nämlich auf den zweiten Sonntag im April. Da mir bisher mur 12 Monate besigen, so muß ein neuer, Monat ersten beiden des Juli umfaßt und den Namen Sol" führen soll. eingeführt werden, der die legten beiden Wochen des Juni und die Durch die Kalenderform wird es ermöglicht, alle Termine auf ganz bestimmte, ftets gleich bleibende Tage zu legen und so die Berech nung der einzelnen Daten außerordentlich zu vereinfachen. öffnet. An ber Ausstellung haben sich breiundzwanzig Staaten beteiligt. Die Infernationale Buchausflellung wurde in Florena feierlicht erSu ber deutschen Abteilung, die von Brosessor Thiemann, Leipzig, bortrefflich angeordnet ist, haben 102 Verlage ausgestellt. In der Abteilung Bennsylvanien. Ueberhaupt steht Amerika in der Kunstseideerzeugung treten. Die größte Kunstseidefabrik der Erde liegt in Marcus Hoot in für neue Maschinen für Drud und Graphit ist Deutschland sehr gut ver. an der Spize. Bon den etwa 100 Millionen Pfund Kunstseide, die jährlich auf der ganzen Welt erzeugt werden, erzeugt Amerita allein mehr als ein Biertel Englands Erzeugung betrug im Jahre 1922 15 Millionen Pfund und wird heute auf 18 Millionen Pfund geM. Wachsmann) veranstaltet am 9. Mai in der Aula ber Albrecht Dürer Die Neue Orchester- Vereinigung Neukölln( Dirigent Musikbirektor Dberrealschule Neuföün einen Kammermufit. und Drchesterabend unter Mitwirkung der Konzertjängerin Gertrud Bohfe Zlbg. Dr. Veusch(Ztr.): Die Steuerreform steht im Zeiten des Steuerabbaues, nicht des Aufbaues. Die Möglichkeit dazu hat uns die Annahme der Dawes-Gefetze gewährt. Es ist darum kein Zeichen politischer Einsicht, wenn man auch bei dieser Gelegenheit eine rein parteipolitisch eingestellte Agitation gegen das Dawes-Abkommen führt. Es darf nicht vergessen wer- den. daß der Ruhrkampf uns 15% Goldmilllarden gekostet hat. Wir dürfe» nicht den U e b e r s ch u ß des Jahres 1024 als die dauernde Grundlage unserer Finanzpolitik für die nächsten Jahre an- sehen. Ein Finanzminister, der so handeln würde, würde die größten innerpolilischen Gefahren, ja eine Gefährdung unserer Währung heraufbeschwören Die falsche Beurteilung unserer Finanzlage hat der Finanzminister selbst teilweise dadurch verschuldet, daß er die Einnahmen vielzu gering in den Etat eingestellt hat. Hätte er sie richtig eingestellt, dann wären auch auf der Ausgaben- feite die Ueberweisungen um 800 Millionen höher erschienen, und wir härten ein klares Bild. Wenn der Vorredner über man- gelnde Sparsamkeit der Länder und Gemeinden klagte, so muß doch daran erinnert werden, daß der mit vielen Härten ver- bundene Beamtenabbau durchgeführt worden ist, daß aber seine finanzielle Wirkung kaum ins Gewicht gefallen ist. Beim Ueberleitungsgesetz ließe sich vielleicht ein Mittelweg in der Weise finden, daß man bei den großen Einkommen und Lerinögen mit der Veranlagung weiter zurückgeht. Die Einkommensteuer muß die Zenkralsteuer unseres ganzen Steuersystems werden. Um so schneller kann die Umsatzsteuer abgebaut werden, deren Verschwinden wir alle wünschen. Abg. Rolle(Wirtsch. Vgg.) verlangt größere Klarheit und Einfachheit in der Steuergesetzgebung. Den unteren Steuer- behörden fehlt vielfach das Verständnis für die wirtschaftlichen Nöte des Mittelstandes. Die Weiterberatung wird gegen 6 Uhr ausDienstag,2Uhr nachmittags vertagt. Oilanz. Ein Jahr Verantwortung. Ein Jahr ist seit dem Wahlerfolg der Deutschnationalen vom 4. Mai vergangen. Sie sind nach diesem Wahlerfolg in die Reichsregierung eingetreten und haben die Verantwortung für die Reichspolitik auf sich nehmen müssen. Was ist von ihren Zielen, ihren Wahlversprechungen, von den Illusionen, die sie in verantwortungsloser Agitation als Oppositionspartei bei ihren Wählern hervorgerufen haben, übrig geblieben? In der„D e u t s ch e n Z e i t u n g" gibt ein Deutschnatio- naler selbst darauf die Antwort: „Laut, scharfgefaßt und unmißverständlich waren die deutschen und nationalen Grundforderungen der Deutschnatio- nalen Partei all den Scharen der auchdeulschen Internationalisten und ihren Schildhaltern entgegengeschleudert worden, u. a.: Be- freiung von Rhein und Ruhr, Revision des L e r s a i l l e r Vc r t r ag s, Zurückweisung des Dawes-Gutachtens und des Londoner Abkommens, Kampf gegen die Erfüllungspolitik überhaupt, Kampf besonder» gegen die Kriegsschuldlüg«, Verweigerung des Eintritts in den Völkerbund. So waren sie noch vor einem Jahr die Vorkämpfer nationaler Ehre und Selbstbestimmung. Was ist von jenen Kampfzielen, von jenem trotzigen Nein und aber Nein heute übrig geblieben? Wahrheitsgemäß gibt es nur eine Antwort: EinBergvonScherben." „Grell trat bei dem Siamesischen Handelsvertrag hervor, wie man sich im eigenen Netz rettungslos verstrickt hatte. Von. der Kriegs s chultilüge.jst es oölllg�till.gemarden über den Nöwässernr so still, als säße rächt ein einziger nationaler Mann in Ter Regrerung. Es folgte das schmähliche Garant keange» bot, die freiwillige Bästätigung und Verewigung des Dersailler Zwangsfriedens. Wieder einmal machen wir größte Einräumungen. sprechen unerträgliche Verzichte aus, ohne irgend etwas anderes da- für einzutauschen als vage Aussichten, eitle Hoffnungen, bestenfalls billige Versprechungen. Auch diese neuest« Leistung von Herrn Stresemann hat kaum mehr als ein Murmeln der Unzufriedenheit von feiten der durch eigene Schuld und Schwäche gebundenen Partei ausgelöst. Und doch ist das nicht die bloße Forlsetzung der Wirth- Miarxschen Erfüllungspolitik, sondern eine Steigerung, ihr Som- varatio. wie ihn vielleicht kein deutscher Außenminister in» werk zu setzen gewagt hätte, solange die venlschnationalen in Opposition der Regierung fern und gegenüber standen." Eine melancholische Bilanz! Der Artikelschreiber der ..Deutschen Zeitung" spricht von einer Hekatombe nationaler Opfer, alles ohne den geringsten Gegenwert,.ein großer Auf- mänd schmählich ist vertan." Das, was von den Parteien der Weimarer Koalition, vor allem von der Sozialdenwkratie, in verantwortlicher Arbeit gegenüber der verantwortungslosen Opposition der Deutsch- nationalen geschaffen worden ist, hat sich als st ä r k e r u n d dauerhafter erwiesen, als die deutschnationalen Agitationsphrasen. Es hat die Deutschnationalen gezwungen. ihre Illusionen und ihre demagogischen Versprechungen selbst zu erledigen. Mögen sie deswegen ein Jahr nach ihrem Wahl- erfolg vom 4. Mai«ine melancholische Bilanz aufmachen: wir sehen um so siegessicherer in die Zukunft. Rückkehr nach öpzanz. Der rasende Poet bei Hiudeuburg. Die Monarchie sind wir bis auf weiteres los, ober der B y- zantinismus ist schon wieder da. Er feiert rund um den n e u en Reichspräsidenten seine Orgien. Einer, der„das Glück hatte, vom Feldwarschall selbst empfangen zu werden", gießt in die Nachtausgabe des„Tag" seine Gefühle aus. Er hat bemerkt, daß Hindenburg„der größte lebende Deutsche" ist. Sein Auge ist„weise und gütig", sein Schritt ist „rüstig", sein Händedruck— ach!—„krafwoll und warm". Seine Worte, von denen keines wiedergegeben wird, sind teils„herzlich", teils„von tiefcmpolitischenVerständnis zeugend". Sein Arbeitszimmer ist„ein Museum" und darin: „Das Packendste: Der durchschossene Gardehelm, den Hinden- bürg bei Königgrätz trug. Ein paar Millimeter tiefer, und«in törichtes Bleistückchen hätte vielleicht ein heldisches Leben im frohen Beginn jäh unterbrochen und damit der Welt- gefchicht« einen anderen Lauf gegeben." Die„törichten Bleistückchen" haben seit 1866 den Reiz der Seltenheit verloren und haben gründlich Geschichte gemacht. Im übrigen ist der rasende Poet von der Nachtausgabe des„Tag" sehr im Irrtum. Auch ohne Hindenburg hätte die Weltgeschichte den- selben Lauf genommen, auch ohne ihn wäre der Krieg so aus- gegangen, wie er ausgegangen ist. Ein Boll, das so im Geiste kritik- loser Götzenanbetung erzogen war und zur Vergötterung alles dessen, was Offiziersuniform trug, vom„Obersten Kriegsherrn" bis herunter zum jüngsten Leutnant, ein solches Volk muhte ja den Krieg verlieren! Den Krieg vom 1866 hat bekanntlich„der preußische Volksschul- kehrer" gewonnen. Aber den Krieg von 1914—1918 hat letzten Endes der deutsche Zeitungsschmock verloren. Ja, rasender Poet von der Nachtausgabe des„Tag"— du hast diesen„Lauf der Weltgeschichte' bestimmt!____...... r die kritische Lage in Preußen. Zur Sluflösung entschloffeu. Am Montag fand im Preußischen Landtage eine i n t e r- fraktionelle Sitzung der drei preußischen Regierungs- Parteien statt, an der auch der Ministerpräsident Otto Braun teil- nahm. Es bestand bei ollen Beteiligten volle Einmütigkeit darüber, daß endlich auch in Preußen klare Verhältnisse geschaffen und die Zeit der ewigen Regierungskrisen beendet werden müsse. Bleibt die Regierung bei der Abstimmung am Freitag in der Minderheit, so muß nach einmütiger Auffassung der Betelligten die Auflösung des Parlaments erfolgen. Der preußische Ministerpräsident schloß sich dieser Auffassung an und teilte mit, daß der Auflösungzausschutz (Ministerpräsident Braun, Landtogspräsident Bartels und Staats- ratsprästdent Dr. Adenauer) am Frettag zusammentreten und im gegebenen Falle unverzüglich die Auflösung vornehmen werde. Die für den S. Mai einberufene Sitzung des Reichspartei. ausschuffes der Zentrumspartei ist um eine Woche oerschoben worden, well der Parteioorsitzende Dr. Marx erkrankt ist. Die Rechtspresse hatte schon sehnsüchtig gewünscht, das Zentrum möchte tn dieser Sitzung der Sozialdemokratie eine Absage erteilen, am Frettag die Regierung Braun stürzen und in Gemeinschaft mit den Hinden- burgern auch dem Freistaate Preußen eine Rechtsreglerung be- scheren. Einstweilen sind die Rechtser also„aus Wartegeld" gesetzt worden. Deutsthnationale Konkurrenzmethoüen. Das Gericht fährt duzwische«. Vor einigen Wochen erschien die erste Nummer der von Frau Katharina v. Oheimb herausgegebenen„Aktuellen Bilder- zettung"(„21. B. Z."), die sich einer überparteilichen Haltung auch im Präsidentenwahlkampf befleißigte. Daraufhin wurde von deutschnationaler Seite ein äußerlich ähnlich aufgemachtes Blatt in den Straßenhandel geworfen, lytt dem Titel„A. B. E." Dieses auf plumpe Täuschung ausgehende Organ machte natürlich eifrige Reklame für die Kandidatur Hindenburg. Ein solches Beispiel unlauteren Wettbewerbes ist nach dem Urteil von Fachleuten des Zeitungswesens noch nie dagewesen. Indessen dürste der Schwindel am längsten gewährt haben, nach- dem die Herausgeber der„A. B. Z." durch Anrufung der Gerichte eine einstweilige Verfügung erwirkt haben, die das Erscheinen des„A. B. C." unter Geldstrafe in unbegrenzter Höhe stellt. Es ist kaum anzunehmen, daß die deutschnationalen Zeitungs- Unternehmer große Lust verspüren werden, eine Sache durchzusech- ten, die für jeden Menschen mit normalem Rechtsempfinden von vornherein aussichtslos erscheint. Jedenfalls bleibt diese Epi- jode kennzeichnend für die Unanständigkeit der Mittel, mit denen die Deutschnationalen ihre Wahlpropaganda betrieben haben. Zweifelhaste Geschäfte öee Lanübunübant. Unsere Veröffentlichungen über die merkwürdigen Umstände bei der Einverleibung der Potsdamer Kreditbank in die Bank für Landwirtschast durch Erwerb der 2lktienmehrhett haben bei den früheren Aktionären der Potsdamer Kreditbank nicht geringeres Aufsehen erregt, wie bei den Inhabern der Aktien der Bank für Landwirtschaft, denen allmählich das schlechte G e- s ch ä f t, das sie mit der Potsdamer Fusion machten, zum Bewußt- sein kommt. Die Bank für Landwirtschaft zeigt ja auch, wie wir aus eingeweihten Kreisen erfahren, das Bemühen, die Vorgänge vor und beim Erwerb restlos aufzuklären und die Verantwor. lung diejenigen tragen zu lassen, die dazu berufen sind. Zunächst hat sie ihre Beziehungen zum früheren Börsenvertreter der Potsdamer Kreditbank gelöst, dem ja die Lage der Bank unter dem Regime Gebhardt nicht unbekannt sein konnte. Die Agrarbank ist jetzt auf der Suche nach Beweisunterlagen für die Bedenk- ttchkest der Mittel, mit denen damals die Fusion eingelettst wurde. Anderseits beabsichtigt die Minderheil der Aktionäre der Potsdamer Kreditbank, die vor dem Abschluß der Fusion nicht zu Worte ge» tonunen ist. auf Grund eines Zehntels des Aktienbesitzes eine Gene- raloersammlung der Bank für Landwirtschaft zu erzwingen, um die ganzen Berhällnisse der Potsdamer Kredttbank vor dem Uebergang an die Rechtsnachfolgerin gründlich zu beleuchten. Ins- besondere soll die Kreditsähigkeit einiger Eroßkunden nachgeprüft werden. Man weiß auch in Akttonärkreisen, daß eine erhebliche Ab» f i n d u n g an andere Danken, die am Konkursverfahren gegen die Bureaumöbelfabrik Bero in Trebbin nttsrefsiert sind, geleistet werde» muß, wenn die Bank für Landwirtschaft als Hauptgläubigerin den Betrieb ausrecht erhallen will, um aus dieser von Anfang an zweifelhaften Forderung besser herauszukommen. Ferner soll über die gegenwärtige Lage einiger mtt der der Kredttbank übernommenen Eroßkunden Auskunst verlangt werden. Prozesse, die vor dem Potsdamer Landgericht schweben, dürsten näheren Auf- schluß geben. Für verschiedene Interessenten ist es kein Geheimnis mehr, daß mtt der Potsdamer Kreditbank die Bank für Landwirtschaft eine arge Belastung übernommen hat. Umso begreiflicher ist es. daß sie mit ihren Regreßansprüchen nicht zurückhallen will. Ob sie aus der Transaktion mit der Kreditbank mit einem Verluste herauskommen wird, der weit.unter 1 Million bleibt, ist noch sehr ungewiß. Ehemische Werke Michendorf und Bero-Trebbin sind starke Passiv- Posten, mit denen die Reihe der Enttäuschungen noch nicht abge- schlössen sein dürste. Das Inflationsgebaren mancher Bank hall eben einer strengen Kritik nach der Rückkehr zur festen Währung nicht mehr stand. Die Potsdamer Kreditbank wird sicher gewußt haben, warum sie unter die Fittiche der Agrarierbank flüchtete. Hoffentlich haben es die Herren der Bank für Sandwirtschaft auch gewußt. Attentate oüer Schlamperei? Tie polnischen Eisenbahnkatastrophen. lvarschan. 4. Mai.(OE) Der Eisenbahnminister hat für heute eine Konferenz aller Eisenbahndirektoren einberufen. Nach der Zeitung„Warszawionka" oertrill das Eisenbahnministerium auch weiterhin den Standpunkt, daß die Schnellzugentgleisungen bei R o g o w(Linie Warschau-Krakau) am 22. März und am 23. April sowie die Stargarder Katastrophe durch verbrecherische A n s ch l a g e herbeigeführt worden seien, und zwar von geschulten Leuten, die von einer Zentralstelle geleitet würden. Die „Rzeczvospolita" berichtet, die polnische Polizei hätte unweit der Unglücksstelle Fußspuren von süns Personen gefunden, in denen sie die Attentäter vermute. Unterdessen ist nun bei Minke- wicze ein Attentat auf den Lubliner Schnellzug im letzten Augen- blick oerhinder t worden, das durch große, auf die Schienen gelegte Steins verübt werden sollte: durch diese Mitteilung ist die Aufregung über die Bombenexplosion in der Wohnung des Redarteurs Trojanowski noch gesteigert worden, und Go- rüchte über geplante Attentate mehren sich. Es heißt jetzt, Troja- nowski habe an der Herstellung einer Höllenmaschine gearbeitet, um nach bulgarischem Muster den Festgottesdienst in der Kathedrale am gestrigen Nationalfeiertage zu einem großen Mord- anschlage zu benutzen. Infolgedessen wurde die Kathedrale vor dem Fest von der Polizei genau durchsucht. Nach dem Festgottesdienst verhaftete die Polizei in der Kathedrale mehrere Personen, die Mitwisser der angeblichen Trojanowskischen Mordpläne gewesen sein sollen. Trojanowski soll eine Zeitlang Polizeispitzel gewesen sein! Die Untersuchung des Stargarder Unglücks. Danzig, 4. Mai.(TU.) Die Polnische Telegraphenagentur Niel- det:„Die Untersuchung des Eisenbahnunglücks bei Stargard hat als feststehende Ursache einen verbrecherischen Anschlag festgestellt. Im Zusammenhang hiermtt wurden bisher z w e i P e r- Ionen verhaftet, die der Betetti�ung an dem Verbrechen ver- dächtig sind."— Die ministerielle Untersuckungs- k o m in i s s i o n weilt immer noch am Orte des Unglücks. Sie dürfte sich also über die Ursache der Katastrophe noch nicht schlüssig ge- worden sein.— Warschauer Blätter melden, daß am Tatorte Werk- zeuge gefunden worden seien, die vom Gut Kokoschken in der Nähe Ende vorigen Monats gestohlen worden, fein sollen.— Ferner will man ein geheimnisvolles Auto gleich nach dem Passieren des vorhergehenden Zuges auf dem Wege zur Eisenbahn- strecke gesehen haben. Das Lluto soll dort eine Zeitlang gestanden haben. Alle diese Gerüchte sind bisher von keiner amtlichen Stelle bestätigt. Die polnische Eisenbahnbehörde hat die Belohnung für die Aufklärung des Unglücks auf 20000 Zloty«höht. ßafchiften in Litauen. Abg. Gea. Tarkelis überfalle» trab schwerverletzt. S o tv u o, 4. Mai.(Eigener vrahlberichi.) Der sozlaldemokraiische Sejmabg. varkells leitete am 1. Mai in Schauten eine Volks. Versammlung. Auf dem Helmwege wurde er gegen 12 Uhr nachts aus der Straße von'zwei mit Schußwaffen bewaffneten Männern überfallen und in bestialischer Meise zugerlchiek. Der Schwerverlehke blieb aus der Slraße liegen und wurde am nächsten Morgen von p a f s a n l e n gefunden und ins kranken« haus gebracht. Als Täler kommen faschistische Elemenke in Frage. Der Sieg öer französisthen Linken. Vormarsch auch in Paris.— Schwere Niederlage der Kommunisten. Paris, 4. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Wenn auch noch immer zahlreiche Gemeindewahlergebnisse ausstehen und bei der großen Zahl der erforderlichen Stichwahlen das Wahlergebnis ziffernmäßig genau noch nicht erfaßt werden kann, so steht doch der e n t s ch e i- dende Sieg der Linken bereits außer Zweifel. Nach einer vorläufigen Statistik haben von den Gemeinden mtt dem Sitz einer Profektur oder Unterpräfektur bereits in 12 die Sozia- listen, in 4 die republikanischen Sozialisten, in 91 die Radikal- sozialisten und in 8 die radikale Linke die Mehrheit. Das macht 118 Gemeinden, in denen sich das Kartell den enifcheidenden Einfluß zu sichern vermocht hat gegen 21 Gemeinden, in denen die gemäßigten Republikaner und 32, in denen die Rechte die Mehrheit erlangt haben. Auch in Poris selbst ist die Lage für das Kartell weit besser, als nach den ersten Ergebnissen zu erwarten war. In den 49 Bezirken, in denen bereits der erste Wahlgang entschied, hat zwar der Nationale Block seinen bisherigen Besitzstand zu behaupten und 39 Kandidaten gegen 8 Mitglieder des Kartells und 2 Kommunisten durchzubringen vermocht. Dagegen stehen die Kandidaten der Links. Parteien für die Stichwahl durchweg sehr günstig, so daß auch für Paris, das von jeher eine Hochburg der Reaktion ge- wesen ist, eine nicht unbeträchtliche Verschiebung nach links zu erwarten ist. Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse ist neben der Nieder- läge der Reaktion die Massensluchi aus den Reihen der Kommunisten. In Paris sind ihre Stimmen von 131 386 am 11. Mai 1924 aus 96 739 zurückgegangen, während die sozialistische Liste mit 117 327 an 20 000 neue Anhänger gewonnen hat. Roch empfindlicher ist die Niederlage der Kommunisten in der Pariser Umgebung. Dort hatten sie bei den Kammerwahlen 1924 nicht unbeträchtliche Stimmen- erfolge, aus Grund dessen sie sich zu der Hoffnung berechtigt glaubten, den größten TeU der meist von Arbeitern und Angestellten bewohnten Gemeinden der nächsten Umgebung der Hauptstadt zu erobern Seit Wochen hatte die„Humanitä" damit geprahlt, daß die Kommu- nisttsche Partei die Hauptstadt mit einem„roten Gürtel" kommu- uistischer Gemeindeverwaltung«» umgebe» werde. Moskau hatte, wie die intensive Agttation der Kommunisten gezeigt hat, mtt Geld und Propagandamaterial nicht gespart. 2lber der erhoffte Erfolg ist ausgeblieben, und auch in d« Pariser Umgebung haben die Kommunisten«inen starten Rückgang an Stimmen zu verzeichnen, der ausschließlich dem Kartell, und insbesondere den sozialistischen Kandidaten zugute gekommen ist. Eine ganze Reihe ihrer Führer, an deren Erfolg die Kommunisten nicht ge- zweifelt hatten, sind bereits im ersten Wahlkampf durchgefallen oder sind zwar in die Stichwahl gekommen, haben dort aber keinerlei Aussicht, gewähll zu werden. Der„Paris Söst" mag nicht ganz Unrecht haben, wenn er diese neue schwere Niederlage des Kommunismus zu einem Teil auf die Wahlhilfe zurückführt, die „ie deutschen Kommunisten dem Kandidaten der Reaktion und des Militarismus geleistet haben, und als eins der erfreulichsten Ergebnisse der Wahl die Tot- jach« bucht, daß man in den Kreisen der französischen Arbeiterschafl endlich zu begreisen beginnt, daß der Kommunismus, sei es aus Dummheit oder politischer Berechnung, der gefährlichste Bundes- genösse der Reaktion ist. Nach einer am Montagabend um 7 Uhr vom Ministerium des Innern herausgegebenen amtlichen Statistik hat der erste Wahlgang der Gemeinderatswahlen in 181 von insgesamt 382 Kreishaupt- städten die endgültige Entscheidung gebracht. In 204 Städten ist erst die Stichwahl entscheidend für die Zusammensetzung des Gemeinderats. In den 131 bereits gewählten Gemeinderätcn haben die absolute Mehrheit errungen- Die Sozialisten in 12(-st9), die Republikanischen Sozialisten in 2(+ 1). die Raditalsozialisten in 03(4-8), die Radikalen Republikaner in 8(—2), die Linksrepubli- kaner in 25(— 14), die Nationalrepublikaner in 29(— 8), die Konservativen tn 6(— 4), die Kommunisten in 0(— 0.) Demnach hat das Kartell bereits im ersten Wahlgang in 28 Gemeinden die bisherigen reaktionären Mehrheiten ver- drängt. Einen besonders starken Zuwachs haben die Linksparteien m E l s a ß- L o t h r i n g e n. Da die Parteien dort vielfach den Wahlkampf getrennt geführt haben, wird sich dieser Erfolg allerdings erst in der Stichwahl auswirken. I Gewerkschaftsbewegung Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn. Um 7. und 8. Mai werden im ganzen Reiche rund 350 000 wahlberechtigte Arbeiter der Reichsbahn zur Entscheidung darüber aufgerufen, wer in der fommenden Wahlperiode ihre Interessen im Betriebe wahrnehmen soll. Dieser Wahl tommt erhöhte Bedeu hung zu, weil es die erste allgemeine Neuwahl der Betriebsräte nach der Umwandlung der Reichsbahn in ein Gesellschaftsunternehmen ist. Es stehen zur Wahl: rund 6400 örtliche Betriebsvertretungen bei den einzelnen Dienst stellen und Werkstätten, 30 Bezirksbetriebsräte bei ebenjoviel Reichsbahndirektionen, und der Hauptbetriebsrat bei der Hauptverwaltung in Berlin und der Gruppenverwaltung Bayern und München. Die Wahl dieser drei Arten von Betriebsvertretun gen erfolgt gleichzeitig in einem Wahlgange. Im Wahlkampfe der bereits seinen Höhepunkt erreicht hat stehen sich leider immer noch vier Gruppen gegenüber, und zwar der freigewerkschaftliche Deutsche Eisenbahnerverband( DEV.) als die weitaus führende und größte Organisation, die christliche Gemerfschaft Deutscher Eisenbahner( GDE.), der Allgemeine Eisenbahnerverband( AEB.) Hirsch- Dunderscher Richtung und der Freie Eisenbahnerverband( FEB.). eine mit großen Hoffnungen ins Leben gerufene Schöpfung von Mostaus Gnaden. Erfreulicherweise setzt sich auch bei den Eisenbahnern in steigen dem Maße die Erkenntnis durch, daß nur der innigste 3u sammenschluß in einer star fen Gewerkschaft den not. wendigen Schutz bieten fann gegen die brutalen Metho. den und Gewaltmittel eines herrschsüchtigen Unternehmertums. Die Eisenbahner haben diese von der oberen Bureaukratie willig übernommenen und zu einem raffinierten System ausgebauten Methoden am eigenen Leibe fennen gelernt und tönnen täglich neue Erfahrungen auf diesem Gebiete fammeln. Mit dem Raub des Achtstundentages wurde ein rüd fichtsloser Personalabbau eingeleitet. Uebermenschlich Iange Dienstschichten bei niedriger Entlohnung, Gedingeverfahren und wissenschaftliche" Betriebsführung bei neun und mehrstündiger Arbeitszeit sind die Mittel, um die Arbeitskraft reftlos auszupressen. Ungewöhnlich starke Steigerung der Kranten- und Unfallziffern bilden den untrüglichen Beweis für unsere Behauptungen. Sn tann es nicht weitergehen! Die Arbeitstraft, das mertvollste Gut der Menschheit, muß gegen Raubbau geschützt werden. Die Eisenbahner fordern deshalb sofortige Berkürzung der Arbeitszeit bei ausreichen. ber und gerechter Entlohnung, Aufhebung der Personalabbauverordnung und Einstellung des Personalabbaues und damit Wiederherstellung der vollen Rechte aus dem Betriebsrätegeseg. Der Kampf der Eisenbahner gegen Ausbeutung und Willkür, für emne menschenwürdige Existenz und Ausbau der sozialen Rechte wird geführt vom Deutschen Eisenbahnerverband. Die Eisenbahner wiffen, daß der DEV. sowohl in der Inflationszeit wie in der Abbauperiode alles getan hat, was in feinen Kräften stand, um ihre Interessen wahrzunehmen und das Los der vom Abbau Betroffenen zu mildern. Der DE B. als die jüngste freie Gewerfschaft hat in dieser schweren Zeit, wie jeder Kenner der Verhältnisse zugeben wird, die Feuerprobe glänzend bestanden. Die obere Verwaltungsbureaufratie hat während der Dauer der Ermäch tigungsgesetze im edlen Wettstreit mit den Geheimräten der übrigen Reichsrefforts jede sich bietende Gelegenheit wahrgenommen, um wichtige Positionen des allgemeinen Arbeitsrechts für die Eisenbahnarbeiter vorübergehend aufzuheben oder ganz zu beseitigen. Wir erinnern nur an die Beseitigung des Einspruchsrechtes bei Entlaffungen in den Fällen unbilliger Härte. Die Benachteiligung von Schwerbeschädigten und an die ungeheuerliche Verschlechterung bes Arbeitszeitrechts durch das Reichsbahngefeh vom 30. Auguft 1924. Die Eisenbahner sind nicht gewillt, sich diese Ausnahmegejeggebung auf die Dauer gefallen zu lassen. Die mit gutem Erfolge beendete März bewegung ber Eisenbahner ihr Kampf um Verkürzung der Arbeitszeit und gerechten Lohn hat gezeigt, daß ein hartnädiger Gegner wie die Reichsbahngesellschaft nur durch Einigkeit und Gefchloffenheit zum Nachgeben gezwungen werden kann. Diese Bewegung hat auch Klarheit geschaffen über den Charakter und den Kampfwert der be teiligten Gewerkschaften. Die überwiegende Mehrheit der am Streif beteiligten Eisenbahner ist im DEB. organisiert. Die übrigen am Streit beteiligten Gewerkschaften haben in den vom Streif betroffe nen Gebieten sehr wenig Mitglieder. Die Mitglieder des tommu nistischen Freien Eisenbahnerverbandes waren nur in Berlin und in einzelnen Orten Sachsens durch den Kampf in Mitleidenschaft geangen. Sie spielten dabei faum eine Rolle, weil zum Streifen mehr gehört als ein großer Mund. Es steht fest: Der DEB. hat bei diesem Kampfe wie auch bei allen früheren Bewegungen die Interessen der Eisenbahner mit Energie und Tatkraft wahrgenommen. Das wird auch in Zukunft fo bleiben. Wenn es gelingt, die Kräfte zu steigern, werden sich auch bie Erfolge mehren. Grundbedingung für weitere Erfolge ist jedoch, daß mit der Zerfplitterung endlich Schluß gemacht wird. Auch der legte Eisenbahner muß wissen, daß es seine Pflicht ist, sich den tämpfenden Kollegen anzuschließen, dem Verbande beizutreten und am Wahltage feine Stimme zu geben: dem Deutschen Eisenbahnerverbande. Aus den demokratischen Siemens- Betrieben. Aus dem Kabelmert der Siemens- Schudert G. m. b. 5. mird uns folgender Vorgang berichtet: Am Montag, den 4. Mai 1925, wurden beim Betreten des Bertgeländes Arbeiter und Arbeiterinnen vom Wertficherheitsdienst angehalten, welche Abzeichen in den Reichsfarben, das des Reichs. banners oder folche anderer proletarischer Organisationen trugen, und aufgefordert, diese Abzeichen abzunehmen, widrigenfalls fie das Werf nicht betreten dürfen. In der ersten Verblüffung sind die meisten der Betroffenen dieser Aufforderung nachgekommen, haben sich allerdings nachträglich bei ihr Betriebsvertretung über dieses Vorgehen beschwert. Die Berhandlung des Arbeiterrats mit der Werfleitung brachte fein befriedigendes Ergebnis zutage. Es wurde dem Arbeiterratertlärt, daß die Anweisung bestehen bleibt. Die Herren- Anzüge, Paletots L. Sonnenschein, Potsdamer Straße 33 I nach Maß in vollendeter Paßform M. 85 ( Ecke Firma sehe sich zu dieser Maßnahme gezwungen, um die Bolitit und damit die Unruhe aus dem Betriebe fernzuhalten. Zur besonderen Begründung gibt sie an, daß seit einiger Zeit einige Reichsbannerleute in poller Uniform sowie auch Leute mit Sowjetstern und Frontfämpferabzeichen zur Arbeit erschienen feien. Demgegenüber sei aber hier festgestellt, daß der große Sozialpolitifer dieses Bertes, der auch die Verhandlun gen mit der Betriebsvertretung zu führen hat, im Betriebe mit feinem Stahlhelmabzeichen herumläuft. Bir glauben, daß die Werkleitung des Kabelwertes besseres zu tun hätte als sich um die Art der Straßenkleidung ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen und ihren Abzeichen zu fümmern. Meit notwendiger und für die Arbeiterschaft wesentlich dringlicher wäre es, wenn die Werffeitung sich einmal mit der brennenden Frage der Lohnfäße und Attordverdienste befaßte. Wo bleibt die SiemensSozialpolitit, wenn ein Familienvater mit 16 Mart Wochenverdienst nach Hause gehen muß? Benn aber schon Abzeichen an der Straßenkleidung der Belegschaft verpönt sein sollen, dann müßte zunächst mit der während der Arbeitszeit begonnen werden. Sonst muß diese neueste Beseitigung der Stahlhelm und ähnlicher Bleche Maßnahme als eine ungerechtigkeit und eine nichtsnuhige Schifanierung der republikanisch gesinnten Arbeiter aufgefaßt werden. Entlarvter Wahlschwindel der Kommunisten. Die Pensionstaffenwahlen brachten dem DEB. einen gewaltigen Stimmenzumachs im Direktionsbezirt Berlin, dem FEB. dagegen eine bedeutende Stimmeneinbuße. Um bei der kurz darauf ſtattfindenden Wahl zur Betriebstrantenfasse besser abzuschneiden, griffen die Kommunisten zu den schofelsten Mitteln. Kurz vor der Wahl gaben sie ein Flugblatt heraus, in welchem bem Kollegen Hausmann, Mitglied des DEV. und Vorstandsmitglied der Betriebstrantentaffe, die Aeußerung in den Mund ge= legt wurde: Wer nicht für die drei Karenztage stimmt, ist nicht wert, Ausschußmitglied zu sein." Zweifellos ist eine Anzahl Kollegen auf diesen Schwindel herein gefallen. In der Vorstandssigung der Krankenkasse am 27. April wurde dieser Schwindel daher zur Sprache gebracht. Hausmann legte Mert auf eine Klarstellung. Diese Klarstellung ist erfolgt und auf Wunsch wurde dem Kollegen Hausmann eine Abschrift von dem Brotokoll der Borstandsfizung zugestellt. Dem Protokoll entnehmen mir: Das Borstandsmitglied Rasch( Rommunist): ,, Nach Lage der Berhältnisse tönne der Berdacht, diesen Bemerkungen im Flug blatt nahezustehen, nur ihn treffen. Er wolle deshalb feststellen, daß er diese Aeußerung in der Form nicht verbreitet habe. Er will nur erklärt haben, daß Hausmann sich äußerte: ,, Bersichertenvertreter, welche die Selbstverwaltung der Kasse aus der Hand geben, sind nicht wert, Bersichertenvertreter zu sein." Da diese Aeußerung etwas ganz anderes und Selbstverständliches zum Ausdrud bringt, so ist wieder einmal bewiesen, auf welche gemeine Art und Weise die von Mostau inspirierten Kommunisten arbeiten. Die Eisenbahner werden daraus die richtigen Schlüsse ziehen und bei der kommenden Betriebsratswahl geschlossen die Liste des DEV. wählen, nachdem sie wieder einmal gesehen haben, wie es um die Wahrheitsliebe des FEB. bestellt ist. Der 12. Gewerkschaftskongreß. Der in diesem Jahre fällige Gewerkschaftstongreß wird im Auguft in Breslau abgehalten, und zwar entweder noch vor der Bres louer Herbstmesse oder im Anschluß an dieselbe, | ift reichhaltiger, besteht mehr ans Fleischnahrung. Der amerikanische Arbeiter gibi trotzdem nur 38 bis 42 roz. seines Einkommens für die Ernährung aus, der deutsche Arbeiter dagegen 60 bis 70 Prozent. Die Ausgaben für Wohnung und Kleidung sind in Amerika wesentlich höher als bei uns, dafür aber um so größer und besser. So tommt bei der Feststellung der Lebenshaltungskosten der deutsche Reichs inder auf eine Wohnung von zwei Zimmern und Küche, das Bulletin des amerikanischen Arbeitsamts auf eine durchschnittliche Arbeiterwohnung von 4,1 3immern! Wenn trotz der relativ hohen Löhne die amerikanische Industrie auf dem Weltmarkt durchaus fonkurrenzfähig ist, wenn sie sogar, wie Ford mit seinen Automobilen, jede Konkurrenz aus dem Felde schlagen tann, so liegt das nicht allein an dem unendlich größeren Reichtum der amerikanischen Wirtschaft, sondern in der Hauptsache an der amerikanischen Wirtschaftlichkeit. Und auch Röttgen muß mit einigen Wenn und Aber die deutschen Unternehmer mahnen, dort Mengen zu schaffen und die Betriebe zu verbessern, zu rationalisieren, wo es nur möglich ist. Die Normungsarbeiten, find bisher nur von gewissen privatwirtschaftlichen Kreisen geſtüßt die Bestrebungen zur wirtschaftlichen Verwaltung und Fertigung und gefördert worden. Es gilt, diese Anschauungen, die Erkenntnis der Notwendigkeit dieser Entwicklung und der Wege, fie durchzuführen, in alle Wirtschaftskreise zu tragen. Hinzufügen wollen wir, was auch das amerikanische Beispiel lehrt, daß mit diesen Bestrebungen der Drud auf den Arbeitslohn unvereinbar ist. Das Maifeiernachspiel in Paris. Paris, 4. Mai.( Eigener Drahibericht) Der Konflikt zwischen der Direktion der Bariser Be fehrsgesellschaften und ihren Angestellten hat eine wesentliche Berschifung erfahren, Inicige der Weigerung der Gesellschaften, die gelamter., wegen Beteiligung an der Maifeier gemafregelten Angestellten wieder einzufiellen, haben am Montag vormittag etwa 5000 Mann die Arbeit aieter. gelegt. In den von einer Abordnung der Angestellten mit der Direttion geführten Verhandlungen hat diese sich bereit erffäu, sämtliche Angestellte wieder e: 13ufe en unter der Be= bingung, daß diese einen Revers unterzeichnen mit der Verpflichtung, fünfiig am 1. Wat nur mit ausdrüc licher Genehmigung der Geichischaften an der Arbeitsruhe teilzunehmen. Diese Forderung ist vom größ ten Teil der Angestellten abgelehnt worden. Die der konunu nistischen Gewerkschaftszentrate angeschlossenen Organisationen haben daraufhin den Generaistrett" erflärt, während die Verbände des Allgemeinen französischen Gewerkschaftsbundes ihre Entschei dung von dem Ergebnis eines neuen Bermittlungsversuches abhängig machen. Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Heute vormittag 10 Uhr Versammlung sämtlicher Streifenden im Gewerfschaftshaus, Saal 4. Die Streifleitung. Achtung, Bauarbeiter! Bei der Firma Becker u. Fiebig, Bauunion, Baustelle Reinickendorf, Ragager Straße, bestehen mit der Firma und den dort im Afford beschäftigten Maurern Differenzen wegen Nichteinhaltung des Affordtarifvertrages. Wir ersuchen alle Bauarbeiter, Arbeit dort nicht anzunehmen. Deutscher Baugewertsbund, Baugewerkschaft Berlin. Berband der Affordmaurer Groß- Berlin. Sattler, Tapezierer- und Portefeuillerverband. Achtung, Sinoleumleger! Monatsversammlung am Mittwoch, den 6. Mai, abends 7 Uhr, bei Rathmann, Wilhelmstr. 118. Erscheinen Aller unbedingt, notwendig. Die Brauchenleitung. Nordwesten: Often: Adreas- Festfäle, Andreasstr. 21, Beginn 7% Uhr: PrivattapibaY und Genossenschaftswesen." Referent: Dr. Theodor Caffau. Wirtschaftsfragen und bie Angestellten." Referent: Rollege Saußherr. 2. Rieder zur Laute. Ober ichöneweibe, Ricberschöneweibe, Johannisthal, Banmshalenweg, Starishorfi: Räthel, Niederschöneweide, Bridenstr. 15, Beginn 8 Uhr, Lichtbildervarfrog: Verhandlungen über Verbindlichkeitsanträge. Der Arbeitgeberverband deutscher Bersicherungsunter Bezirksversammlungen des 3d2. am Dienstag, den 5. Mai: nehmungen hat den Schiedsspruch vom 28. April abgelehnt, der für die Monate April, Mai, Juni eine zehnprozentige Gehaltserhöhung für die Angestellten vorfieht. Die Angestelltenorganisationen Nordwest- Cafino, Alt- Moabit 55, Beginn 8 Uhr. 1. nahmen den Schiedsspruch an. Aus ihren Reihen wurde die Ver= bindlichkeitserklärung beantragt, worüber heute verhandelt wird. Die Hamburger Werftleitungen haben den Schieds- Eine Reife in das Riefengebirge." Referent Rollege Brebow. spruch des Schlichters in der Lohnfrage abgelehnt. Die Vertreter der Werftarbeiter haben daher ebenfalls beim Reichsarbeitsministerium die Berbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs beantragt. Auch hierüber foll heute in Berlin verhandelt und beide Parteten gehört merden. Deutsche und amerikanische Löhne. Der ftellvertretende Borsigende des Reichsturatoriunts für Wirtschaftlichkeit, Dr. Ing. Carl Köttgen, hat im Herbst des vorigen Jahres eine Reise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika unternommen, um einen Maßstab zu gewinnen für die bei uns mögliche Lohnhöhe, wie für die Einführung von weitgehenden maschinellen Berfahren. Röttgen hat die Ergebnisse seiner Feststellungen fürzlich veröffentlicht( ,, Das wirtschaftliche Amerita", 1925, BDI.- Berlag, Berlin). Uns interessieren weniger seine Schlußfolgerungen, die dem Unternehmerstandpuntt gerecht zu werden suchen, als die uns übermittelten Tatsachen. Danach beträgt der Lohn des amerikanischen Arbeiters im Durchschnitt von 23 Industrien dreieinhalb mal so viel wie der des deutschen Arbeiters. Selbst wenn man die Rauftraft des amerikanischen Geldes als nur halb so hoch annimmt wie die des deutschen Geldes, so betragen die Löhne in Amerifa immer noch das 1,7fache der deutschen Löhne. Da jedoch bei der Bergleichung des Anteils des Lohnes an den Produktionskosten in den verschiedenen Staaten der innere Kaufwert feine Rolle spielt, so fann festgestellt werden, daß die Klage der deutschen Unternehmer, fie feien wegen der zu hohen Löhne" night tonturrenzfähig, ganz und gar unbegründet ist. Aus den von Röttgen wiedergegebenen amtlichen Materialen haben wir die folgende Tabelle zusammengestellt. Die Angaben beziehen sich bei Amerika auf August, bei Deutschland auf November 1924. Es betrug der Industriezweig Bergbaut. Durchschn. Stundenlohn in Ber. Staaten Deutschland 9. m 3,46 0,83 Baugewerbe 4,44 0,86 Metallindustrie 2,48 0,73 Textilindustrie. 1,95 0,55 Chemische Industrie. 2,27 0,68 Bapiererzeugung. 2,05 0,52 Buchdrud 2,91 0,80 Eisenbahn 2,44 0,64 Ueber die Ernährung des amerikanischen Arbeiters hören wir: Die absolute Summe, die er für Nahrung ausgibt, ist mehr als das 3weifache der deutschen; feine Ernährung Augen auf! Briefkasten der Redaktion. 6. S. 1874. Rechtsanwalt Treitel ist Varteigenoffe; Tr. ist aber nicht mehr Dezernent des Städtischen Gesundheitsamts. Wetter für Berlin und Umgegend. Heiter und froden. Wetter für Deutschland. Im Rheingebiet wolfig und vereinzelt etwas Regen. Sonjt heiter. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Reuter: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Shikowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Die echten DUNLOP CORD Tagesleistung Über 100 000 Reifen für Fahrrad, Motorrad, Auto und Lastwagen Die Weltmarke bürgt für Qualität! MAGGIS Fleischbrühwürfel tragen auf der rot- gelben Packung den Namen MAGGI. Andere Würfel stammen nicht von der Firma MAGGI. MAGGI Fleischbrüh Würfel MAGGIS gute, sparsame Küche" nr.M.v.ww 1. Heilage ües Vorwärts D:enstag, S. Mai 1Y2S Ms am 27. August des Jahres 1782 der französische Physiker Charles zum ersten Male einen mit Wasserstoffgas gefüllten Luftballon in die Lüfte steigen lieh, nachdem einige Monate früher sein Landsmann Stephan Montgolfier seinen Heißluftballon hotte hoch- gehen lassen, ist wohl keiner von beiden, am wenigsten vielleicht Charles, so kühn in seinen Erwartungen gewesen, um anzunehmen. daß 142 Jahre später bald jedes Kind so einen Vallon, wenn auch nur en miniature, haben würde. Am allerwenigsten haben sicher beide vermuten können, daß die Herstellung von Luftballons zu einem Industriezweig werden würde und daß die Füllung der Ballons in jeder Hinterstube eines Ladens möglich wäre. Heule hat es Wissenschaft und Technik erreicht. Und wenn auch der Lustsegler von damals w der Form und zu den Zwecken von früher fast ausgestorben ist und dem Zeppelin und der Flugmaschine Platz gemacht hat: Im Kinderluftballon lebt Grundform und Grundgedanke fort. früher. Cr war immer die Wann mit der Riefentraude aus der Kinder von ehemals, der uftballons. Zur Zeit der er- wachenden Frühlingslüfte kam der Kinderlustballon ebenso sicher, wie zur Horbftzeit, mit dem Beginn der Herbststürme, der Drachen kam. Sic paßten beide in ihre Zeit: der Drachen in setner eckig. kantigen Form trotzig und böse wie die Jahreszeit, der er zugehörte; der muntere, rundliche Lustballon dagegen freundlich und bunt, als wolle er seinem Zeitgenossen, dem Frühling, nichts nachgeben. So war denn auch ein runder Luftballon am weißen Faden das Sehn» der Kinder. Am Knöpfchen des kleinen Mäntelchens, am Zerdeck des Kinderwagens war er rot, blau, grün in leuchtender Farbe verankert— ein unruhiger, freiheitsdürstiger kleiner Aus. reiß«, der in die Lüfte- strebte und die Fesselung nicht gern ertrug. Besonders an den Sonntagen blühte dem Luftballonmann das Ge. schär. Auf dem Nachmittagsspaziergang kam es Vater wohl auch mal nicht auf 2t>, 20 Pfennige an; stolz zog der Zögling mit seiner Neuerwerbung von bannen, mit Verachtung auf jeden AÜersgenossen herabblickend,"der Nichtbesitzer war. Ja— und dann passierte recht oft das Molheui, das die Äindcrherzen bis in die tiefsten Tiefen auswühlte und oerletzte, wenn nämlich ein ungeschickter Handgriff den dünnen Faden vom Ankerplatz trennte und dem Aufwärts- strebenden die Freiheit gab. Blitzschnell war er in Haushöhe: ehe der kleine schreiende Valloneigner zum zweiten Schreistoß Luft holen konnte, schwebte schon hoch oben über de» Telcphondrähten als rotes oder grünes Pünktchen das ehemalige Unterpfand des Glückes. Eise Weile waren noch die Schleusentore der Tränenkanäle weit offen, ab« schließlich verstummte das Weinen mit dem Quadrat der Entsrnrnny. Vergebens suchten noch einige hochgereckte Zeigefinger dem unglücklichen Besitzer den immer kleiner werdenden Punkt zu zeigen— die Freude war vorbei. In irgendeiner Höhe ist dann das dünne Gumnnhäutchen geplatzt, wenn sich innerer und äußerer Luitdruck nicht mehr trennen ließen. Od« dem prallen Luitiws war das ewige Vetasten und Streicheln zuviel geworden. Mit lautem Protest entwich die Füllungsfeele aus einer selbstgewählten Oeff» nung dem drangsakl«ten Körper und als doppelt entschwundene Pracht lag ein Fetzen Gummiblase auf dem Pflaster. Gleich un- rühmlich war aber auch das natürliche Ende der rot-grün-blouen Freude, wenn der Heimtransport gelang. Dann wurde wohl noch den Abend über damit gespielt, aber schon mühselig fand der Ballon den Weg bis zur Stubendecke: selbst das kleine Endchen Schnur wurde ihm zuviel. Morgens war die schöne pralle Haut schon run- zelig geworden. Matt und welk hüpfte er am Boden umher, wie ein Bogel, dem die Flügel beschnitten wurden. Bis er schließlich ganz «schläfst seinen Lebensgeist völlig ausgehaucht hatte— ein bißchen Pelle, ohne die stolze, pralle Rundung des vorigen Tages. Unbe- achtet verlor es sich in ein« Ecke, bis sein Wiederauffinden die Er. innerung und den Wunsch wach riefen, noch einmal glücklicher Ballonbesitz« zu sein. Llaü jetzt--- 1 Der bunte Kindertraum von damals ist heuer industrialisiert. Schon ist's auch aus mit dem Träumen. Wo soll die Begeisterung für etwas Seltenes, Neuzu«lebendes herkommen, wenn das Sellens Die Füllung an der Wasserst offflascbe. Anthony)ohn. Roman vou Jerome&. Jerome. „Ich verstehe." Wer anscheinend verstand John doch nicht recht, was er durch seine nächste Frage bewies:«Sind alle Menschen, die jetzt hier leben, glücklich?" Sie waren unter» dessen etwa an zwanzig Leuten vorbeigekommen.„Weshalb sehen sie dann nicht glücklicher aus?".. Und nun mußte Anthony erklären, daß die Reichtümer des Tales nicht den Menschen gehörten, die hier lebten und starben, die Kohle und Eisen zutage förderten und damit arbeiteten. Er mußte gestehen, daß die traurig blickenden Männer und Frauen, die heute am Ufer des schmutzigen, stinkenden Wyndbeck leben, vielleicht noch viel schlechter daran waren, als einst ihre vorfahren in jenen Tagen, da der Wyndbeck zwischen sonnenhellen Wiesen und schattigen Wal- dern geflossen war und niemand die unter der Erde liegenden Reichtümer geabnt hatte. Einige freilich gab es, die in schönen Häuser«, in fernen Städten und auf prächtigen Landgütern lebten: diese Wenigen waren durch die Schätze des Tales bereichert und beglückt worden. Dje Arbeiter des Tales aber kannten kaum die Namen dieser Leute. Anthony wollte es eigentlich nicht auf diese Art erklären; doch warf der klein« John nach Kinderart immer wieder direkte Fragen ein: und schließlich war es ja die Wahrheit. Außerdem, berichtete er werter, waren nicht alle diese schmutzigen, stumpfblickenden MSrrner und Frauen, die häßliche Kleider trugen und in häß- kichen Häusern und häßlichen Straßen unter einem verrußten Himmel wohnten, unglücklich. Einige verdienten hohe Löhne, hatten, wenn man ihre Bedürfnisse als Maßstab nahm, Geld im Ueberfluß. „Ich verstehe." Mit diesen Worten pslegte der kleine Jobn stets unbequeme Fragen einzuleiten.„Macht es jeden gkückkich, wenn er Geld hat?" Die Worte lagen Anthony auf der Zunge, er wollte sie eben aussprechen: der kleine John solle sich nicht über Dinge den Kopf zerbrechen, die kleine Johns nicht verstehen können. Klein« Jungen müssen warten, bis sie erwachsen sind, dann werden sie alle diese heute so schwierig scheinenden Fragen begreisen. Aber als er den Mund öffnete, schien vor ihm auf ftem Bürgersteig ein kleiner Knabe zu stehen, der die Hosen des Vaters trug, ein verwirrter kleiner Knabe, der einst eben» f«lls die armen Erwachsene« mit Fragen geplagt hatte und für den es bester gewesen wäre, wemr er auf seine Fragen eine Antwort erhalten haben würde. „Nein, John," erwiderte er.„es macht die Menschen nicht glücklich. Ich selbst frage mich ost, wozu der Reichtum gut ist. Wie können die Wenigen glücklich sein, selbst wenn sie viel Geld verdienen, so lange um sie das Elend und die Häßlichkeit bestehen? Wie könnten sie anderes zeugen, als ein niedriges, freudloses Geschlecht? Sie vergeuden ihr Geld auf dumme und gemeine Dinge; was sonst kann man von ihnen erwarten? Wenn ein Kind im Rinnstein aufwächst, so, lernt es mit Schmutz spielen und diesen lieben." Sie schritten die Strohe entlang, die sich den Hügel hinaufchlängelte. vor ihnen lag ein mit Staub und Asche bedeckter Bauplatz, über den sie fern nach Osten und Westen blicken konnten. Anthony blieb stehen und streckte den Arm aus:„Das Tal des Wyndbeck, so heißt es auf der Landkarte; aber es mußte der Rinnstein des Wyno- steck heißen! Ist es doch nichts anderes, als ein langer stinkender Rinnstein, wo Männer und Frauen in Dunkelheit wandeln und Kinder mit Schmutz spielen." Er hatte John völlig vergesten. Das Kind legte die Hand in die seine. „Werden die Wiesen nie wieder kommen?" fragte es. 2lnchony schüttelte den Kopf.„Rein, es bleibt uns nur eines übrig, John, den Dingen die beste Seite abzugewinnen. Es wird ja immer eine Art Rinnstein sein, unten Kol, über den Häuvtern Rauch und in der Lust Gift. Es muß aber zumindest in einen möglichst behaglichen Rinnstein oerwandelt werden, mit wafferdichten Dächern und Fußböden, mit einer guten Kanalisation, mit Bädern, wo der Arbeiter den Schmutz aus den Boren waschen kann, bevor er sich in seine Haut«in- frißt." Sie konnten von hier aus die Musterhäuser sehen, die hoch über die übrigen Gebäude aufragten. „Wir werden auch ein Theater erbauen, John; die Menschen inüsten Musik und Dichtung haben. Und Spielplätze, wo die Kinder tollen und laufen können. Und eine Gemäldegalerie, sowie einen schönen hellen Saal zum Tan-en." Anthony stockte plötzlich.„Mein Gott, als ob es auf diese Art nicht schon versucht worden wäre!" stöbnte er in jäher Erkenntnis. „Bor zweitausend Jahren baben sie geglaubt, damit Rom zu retten. Rein, Brot und Zirkus vermögen nicht die Welt zu erlösen." Sie waren in Platis-Lane angelangt. Die Tür der Werkstatt stand wie immer offen. Sic hörten Mathews Hammer niederfallen, sahen die rote Glut des Herdes. John ließ die Hand des Baters los und rief an der Tür nach Mathew. Dieser wandte den Kopf. In seinen Augen lag wohlfeil wie Mücken ist, die zp Tausenden die Lust durchschwärmen. Plötzlich, so üder Rocht fast, waren sie da, die vielen Luftballons; nicht von den Mten an der belebten Straßenecke am langen Besenstiel in die Luft gereckt, sondern auf geheimnisvolle Art gekommen wie die Zugvögel, die auch am Morgen im Dorf sind, während noch abends zuvor der Winter da war. Sogar weiße Schrift war darauf gedruckt— und dann sah man es wirklich und richtig, daß die In- dustrie chre Hand im Spiele hatte:„Warenhaus Müll« u. Co." stand darauf. Findige Köpfe hatten den runden Ball zur Reklame benutzt. Reklame ist eine todernste Angelegenheit, wenn sie sich auch noch so originell gibt, ist eine Angelegenheit des Denkens, der Rechenmaschine, des Hauptbuches. Der Kinderluftballon ist nicht mehr der Kindcrfreude, sondern kalter, nüchterner Geschäftlichkeit wegen da.„Kauft bei Schulze und Lehmann" geht die Kind« nicht an, sondern die Großen. Erwachsenen. Bei dieser geschäftlichen An gelegenheit werden die Kinder nur als Objekt mit in den Kauf ge nommen, sie werden zum zwar willigen, aber doch unbewußten Träger und Berbreuer d« Geschästsreklame benutzt. Mit viel psychologischem V«standnis hat man gerade die Kinderlustballons gewählt, dieses Objekt heißester Kinderwünsche, um für weiteste Ber- breitung der Reklame zu sorgen. Das Kind wünscht einen Ballon, drängt seine Mutter dazu, ihm den Besitz zu ermöglichen; es kümmert sich den Teufel um die Aufschrift auf seiner runden Gunaniseligkeit. sieht nur den Gegenstand, nicht den Zweck. Keinem Kinde fiele es ein. seine Mutter am den Ankauf eines Bilderbuches einer bestimmten Druckereifirma zu bitten, ab« den verhältnismäßig billigen Einkauf eines Luftballons fordert er mit dem ganzen jugendlichen Ungestüm. Um die letzten finanziellen Bedenken der Eltern zu beseitigen, haben die schlauen Geschäftsleute den Erwerb eines Ballons „weitesten Kreisen der Bevölkerung" ermöglicht: Man Hot„Zugabc- ortikel" daraus gemacht, die bei Zahlung eines bestimmten Kassenbc träges„gratis"(aus reiner Noblesse heraus!) dem kaufenden Publi- kum zugegeben werden. Der heiße Wunsch des Kindes hilft tüchtig nach, den Einkaufsbetrag auch so boch zu machen, daß ein Luft ballon dabei abfallt. Nicht weil die Sachen unbedingt gebraucht werden, sondern um den Geldbetrag zugabepflichtig hoch zu treiben. wird dies und jenes noch gekauft. Der rechnende Geschäftsmann hat den doppelten Borteil davon. Er wird einmal seine Ware los, steigert seinen Umsatz, trägt dafür allerdings die Unkosten d« Luft ballonreklame, weis aber, daß das„beschenkte" Kind für weiteste Berbreituna der Aufschrist„Warenhaus Billigkauf" sorgt. Der„Zu gabeartikel tut seine Wirkung bestimmt. So ist nicht nur der de gehrte Kinderluftballon, sondern das Kind selbst zum Werber für das Geschäft geworden. Die Reklameunkosten haben sich glänzend verzinst. Berechnung, Geschäftssinn haben sich den Kindergeist er- folgreich zunutze gemacht. Sallonmanie. �Tiefer Sinn liegt ost im kindlichen Spiel." Es soll Leute geben, die aus der Beobachtung des kindlichen Spieles starke An regungen für ihre Berufstätigkeit ziehen. Ob man das von den Leuten, die selbst zum Spielen mit Luftballons übergegangen sind, auch behaupten. kann, ist schwer zu sagen. Jedenfalls läßt die Art der Beschäftigung nicht darauf schließen und es ist viel eher anzunehmen, daß all die großen Kinder, die setzt in Gaststätten und Br. rietes, auf Gesellschaftsabendcn und Bällen den Luftballon als Attri- but modern en Geistes betrachten, diesen modernen Geist auf den Um fang eines Kinderhirns beschränkt haben. Doch soll in diesem Zu- sammenhang nicht von einem„beschränkten Geist" die Rede sein. Tatsache ist, daß auf der eleganten Redoute sowohl wie aus den Borstadtmaskenball der bunte Luftballon so sich« zu finden ist, wie früh« d« bedruckte Lcinewandfäch«. Hier wie dort erfreut der aufmerksame Tänzer seine Dame mit der wasscrstoffacsüllten Gummu hülle. Doch entgcg«igeletzt wie beim Kinde, herrscht großer Jubel. wenn der Ballon platzt, oder an der Saaldccke hängen bleibt und er infolge der heißen Temperatur dort das gleiche tut. So wie fühcr die weißbeschürzten Mädchen mit Radt und Schokolade handeln gingen, bieten sie heute Kinderballons an. Mancher Ballon, der als Prüfmittel für die Geneigtheit der Auserwählten gekauft und üb« reicht wurde, ist von einem„Versuchsballon" zum„Fesselballon" geworden, der seine Wirkung auf das ganze fernere Leben des Paares ausübte.„Ballonschlachten" sind das Neueste in diesem Zweig der Aeronautik: was dabei gemacht wird, ist für gewöhnliche Sterbliche, die die Nächte zum Schlafen zu benutzen pflegen, nicht recht klar. Die Entwicklung dieses Spielzeuges für große und klsne, junge und alte Kinder scheint durchaus noch nicht abgeschlossen zu sein. Man fabriziert Ballons in Form von Gänsen mit roten Schnäbeln. ein seltsamer Ausdruck. Das Kind lachte, und Mathew erkannte es. Da die Nacht bereits hereinbrach, begnügten sie sich mit einer kurzen Begrüßung und schritten dann weiter. Plötzlich packte John den Vater beim Aermel.„Glaubst du. daß Jesus Christus noch lebt?" Anchony hatte es eilig; in Bruton Square wartete der Wagen auf sie.„Weshalb fragst du das?" „Mathew glaubt es," entgegnete das Kind.„Er glaubt. Christus wandere noch umher. Deshalb läßt er immer die Tür offen, damit Christus, wenn er einmal vorbeikommt, ihn sieht und ihn zu sich ruft." Anthony hatte keine Zeit; er mußte noch eine Geschäfts- angelegcnheit erledigen: deshalb versprach er dem kleinen John, die Frage ein anderes Mal zu erörtern. Aber dieses andere Mal kam nie. 16. Eines Tages kehrte Betty zurück und bezog die Priory. Sie war feit dem Tode des Baters umhsrgereist. Zuerst hatte sie regelmäßig mit Anthony korrespondiert; in ihren Briefen besprachen sie Politik, Religion, die Dinge Im allgemeinen; er berichtete die Ereignisse daheim, sie erzählte von ihren Er- fahrungen im Ausland. Sie wollte alles feben, was es zu sehen gab und später ihr Wissen verwerten. Selbstverständlich würde sie ein Buch schreiben. Nach dem Tod seines ältesten Sohnes jedoch, der mit acht Jahren starb, empfand Anthony eine Zeitlang keinen Wunsch, ihr zu schreiben. Außerdem gab es Zeiten, da Betty dem Bereich des Briefträgers eni- schwand. Die Zeiträume zwischen ihren Briefen wurden immer länger, schließlich schrieb Anthony nur mehr üb« gc schäftliche Dinge. Es erschien ihm sinnlos, über sich selbst. seinen eintönigen Woblstand und sein häusliches Glück zu berichten. Bisweilen fühlte er den Mangel eines vertrauten Freundes, aber der Faden zwischen ihm und Betty war zerrissen. Er erkannte, wie seltsam er sich selbst verändert hatte, und konnte nicht wissen, ob nicht auch Bettn anders geworden war. Ihre Briefe klangen stets freundschaftlich, manchmal auch herzlich, dennoch war ihm, als kenne er sie nicht mebr. Ja bis- weilen deuchte es ihn, als hätte er sie niemals wirklich gekannt. An einem Winternackmittag strebte er von sein-'m Bureau nach der Priorn. Betty war seit einer Woche zurück: Anthony hatte sich Geschäfte halber im Norden aufgeha'ten. Sie empfing ihn in ihrem alten Wohnzimmer; der Raum war völlig unverändert. Im Kamin brannte ein Feuer. Betty stand inmitten des Zimmers; sie kam mit ausgestreckten Hän- den auf ihn zu.(Fortsetzung folgt.) schwarzen Beinen und angeklebten Flügeln. 3. R. III hat seine Form als Muster einer anderen Art hergeben müssen. Es gibt Riesenformate, die ein Netz und eine Gondel tragen; man sieht meiße, gelbe, gold. und filberfarbige. Die Warenhäuser und großen Geschäfte blasen die Hüllen selbst auf. Sie kaufen nur die Gummiblasen mit der Reklameaufschrift und haben dann eine Abteilung eingerichtet, in der aus großen Stahlflaschen auf dem Ummeg durch einen Druckregulator das Wasserstoffgas eingefüllt wird. Die Untoften sind nicht gerade gering zu nennen; ein Ballon in der jetzt üblichen Größe fostet in der Herstellung einschließ. lich der Füllung etwa 40 bis 60 Pfennige. Plakat und Flugzettel. Die hohen Anforderungen, die von der aufstrebenden Reklame= industrie in den letzten Jahren an das Druckgewerbe gestellt wurden, haben in ganz überraschend furzer Zeit zu einer gewaltigen, überaus schnellen, beinahe sprunghaften Aufwärtsentwicklung des graphi schen Gewerbes geführt. Nicht, daß in technischer Hinsicht besonders neuartige Berfahren ersonnen wurden, man ging angesichts der überraschend geforderten Mehrleistung an Quantität und Qualität an eine gründliche Modernisierung und Ausnutzung der vorhandenen Mittel. Die neuesten technischen Erfahrungen wurden dem Gewerbe nuzbar gemacht und bald hatte der Anblick, den eine mit den modernsten Hilfsmitteln für Sazz, Druck und Auslieferung der Arbeiten ausgestattete Druckerei nichts mehr mit dem Bilde der Offizin aus der guten alten Zeit" d. h. der Anfangsjahre dieses Jahr hunderts gemein. Daß es gerade die Ausbreitung der Reklame und die Ausnugung ihrer mannigfaltigen Möglichkeiten war, die unserem Druckgewerbe den Aufstieg wiesen und noch weiter weisen werden, das zeigt in fonzentrierter Form das große Bild der ReichsReflamemeffe. Gewiß, so ein Handzettel auf einfachem Papier in Ein, höchftens Zweifarbendruck erscheint auf den ersten Blick recht unscheinbar. Aber schaut man näher hin, dann entdeckt man unter brei, vier Exemplaren so verschiedenartige Wirkungen, hier sorgfältig betonte Details, dort eine eigenartige Farbenwirtung und anderswo eine seltsame Linie, die den Blic fesselt, zum Lesen reizt, interessant wirft trotz ihrer Kleinheit. Und damit ist ja die Werbewirtung erreicht, die bei einem ohne Berständnis, ohne Liebe zur Arbeit hergestellten Handzettelchen fehlt, so daß man es achtlos fortwirft. Meist wird für das große Blatat auch heute noch der Steinbrud verwandt; fleinere Formate wirken sehr gut in Offset, dem Gummidruckverfahren, deffen Wirtschaftlichkeit in neuefter Zeit außerordentlich gesteigert worden ist und kaum noch viel teurer fommt als andere Herstellungsarten. Mit ihm laffen fich hauchzarte Farbtöne in taum begrenzter Naturtreue wiedergeben. Aber auch der Tiefdruck behauptet sich neben dem modernen Kollegen durchaus siegreich. Zunächst der Kupfertiefbrud, der sich heute überall Eingang verschafft hat und mit dem fast alle illustrierten Zeitschriften und Zeitungsbeilagen hergestellt werden. Auf der Messe sind ganz vorzügliche Arbeiten ausgestellt, die fo recht zeigen, ein wie wertvolles Mittel man in ihm befißt, um Bilder in natur getreuer Form gleichfalls mit zartesten Licht- und Schattenwirtungen in verhältnismäßig turzer Zeit und sauber auszuführen. Eine befannte Firma zeigt jogar eine fleine Tiefbrudpresse im Bes trieb. Sehr hübsche Wirkungen laffen sich namentlich für Illustrationen mit dem Dreifarbenbrud erzielen. Obwohl es zu den älteren Farbdruckverfahren gehört, findet es doch auch heute noch viel Bermendung. Ein reiches Betätigungsfeld für den Reklame- und Dructünstler bilden ferner die Kartons der 3igarettenfirmen, die Schokoladen- und Ronfettpackungen, die entzückende miniaturbildchen ergeben und gar nicht aussehen, als ob sie nur zum Wegwerfen, zum Berbrennen wären, wenn der Mensch fie des Inhalts beraubt hat. Darin( legt eben ein gewiffer tragischer Zug desjenigen Drud werks, das der Reklame dient. Wenn es seinen Zweck erfüllt hat, ist sein praktischer Wert verloren. Nationalistische Gosse. Dit welch unerhörter Nieberträchtigkeit der Hindenburgwahlkampf der Rechten geführt worden ist, erweist aufs drastischte ein rotfarbiger luggettél, der uns von Freunden unseres Blattes zugeht. Man muß staunen: ist die 3 bio tie oder die Bösartig keit dieses Gesindels, das mit solchen 3oten fämpft, größer? Diese Sudelei, die aus einem eleganten Brivatauto des Westens am Wahlfonntage in Maffen auf die Straße geworfen worden ist, ist psychia: trisch zu ergiebig, als daß wir es übers Herz bringen fönnen, dieses Erzeugnis der nationalistischen Propagandaschmierer unseren Lesern vorzuenthalten: Bon unserer Flagge schwarz- weiß- rot, Da stahlen fie uns das Weiße; Und wischten sich den A... damit Jetzt haben sie schwarz- rot- sch....!" Mit solchen Produkten ist der Dornehme" Wahlkampf der Reaktion geführt worden! Heute aber will man nichts mehr gefagt haben! Mit allen Schlammfluten verderbter Monarchistengehirne hat man die Gaffe geebnet für Hindenburg. Ob der neue Präsident der Republik mit dieser Charakteristik der Farben, unter denen er sein Amt anzutreten hat, einverstanden ist? Wir möchten es jeinem Intereffe aufs stärtste bezweifeln. Schwarzweißgroter Nachwuchs. Die politische Berhebung der Jugend hat bei den Schwarz- Weiß- Roten eine Höhe erreicht, die faum noch zu über bieten ist. Sie erstreckt sich bereits auf die kleinen, die noch nicht mal das schulpflichtige Alter haben. fanern herannahte. Ein Leser teilt uns ein Erlebnis mit, das dieses jugendver giftende Treiben republikfeindlicher Kreise in erschreckender Weise beleuchtet. Bei einer Straßenbahnfahrt von Charlottenburg nach Steglik wurde er in der Wilmersdorfer Straße nahe dem Kur fürstendamm durch ein plöglich einfegendes Trillerpfeifen Fonzert bemügter atentreuzier darauf aufmertfam gemacht, daß. ein Demonstrationszug von Republi. Im Wagen rief hierbei eine Dame ihrem 4 bis 5 Jahre alten Knaben zu:„ Siehst du, da fommen die Lumpen!" Sie stachelte den Jungen an:„ Ruf' nieder, nieder, nieder!" Das auf so etwas wohl schon hinreichend dressierte Kind rief beim Anblick der mit schwarzrotgoldenen Fahnen vorüberziehenden Demonstranten in höchster Aufregung: Nieber, nieber, nies ber, nieber, nieder!" und jo fort in sich überftürzender unauf. hörlicher Wiederholung dieses Wortes. Bon der gebildeten" Frau Mama immer wieder angefeuert bearbeitete schließlich das Bürsch chen in maßloser But mit den Fäusten die Wagenfenster und schrie: Ich schlag' dich tot, ich schlag' dich lot!" Ein Fahrgast verfuchte, dem widerlichen Auftritt ein Ende zu machen, mit der an die Mutter gerichteten Frage, ob sie es für ihren Beruf halte, Mörder zu erziehen. Aus solchem Holz feien, sagte er, auch die Erzbergera und Rathenau- Mörder geschnigt gewesen. Eine andere Dame, die Beugin des Auftrittes war, griff ein und ihr gelang dann die Still legung der Sprechwerkzeuge des hoffnungsvollen schwarzweißroten Spröhlings. Wastannaus Rindern werden, die fp ergogen" werden? Darüber belehrt eine Beobachtung, bie ein anderer Leser unseres Blattes zu macher Gelegenheit hatte. In Steglig gingen zwei Damen durch die Thorwaldenstraße mit ihren Kindern, von denen eins, ein fünfjähriger Knabe, sich an einem schwarzrotgoldenen Fähnchen erfreute. Ein etwa dreizehn jähriger Schuljunge, der auf seinem Fahrrad vorbei tam, musterte beim Anblick des Fähnchens in der Hand des Kindes unverschäme die Damen, rief ihnen das Wort„ Schweinehunde!" zu und suchte feige davonradelnd das Weite. Ihn sofort beim Kragen | = zu nehmen, war den Damen nicht möglich. Es gelang aber nachträg| als Bote in einer Schokoladenfabrik gefunden. Beim Austragen der Waren war er auch mehrfach zu der genannten Frau Randt in der lich, Name und Wohnung zu ermitteln, so daß Anzeige gegen den Lothringer Straße gekommen. Eines Tages reifte in ihm der verJungen erstattet werden kann. Blätter der rechtsstehenden Parteien lieben es, über Berbrecherische Entschluß, die Frau zu überfallen und zu berauben. Er wahrlosung und Verrohung" der Jugend zu flagen. paßte die Gelegenheit ab, als der Ehemann der Frau Randt wegWir sehen täglich, wie berechtigt diese Klage gegenüber dem Nach gegangen war, verstand es, sich bei der Frau Eingang zu verschaffen wuchs gerade der Schwarz- Weiß Roten ist. Wenn Arbeiter- und versette dann der erschreckten Frau mit einem Stemmeisen finder jo„ erzogen" würden und sich so benähmen, wie in den hier wuchtige Schläge über den Kopf, so daß die Ueberfallene bewußtlos geschilderten Fällen, dann wäre man rasch bereit, nach Fürsorge wurde. Dann stürzte er sich auf die von ihm selbst erst vor einigen erziehung zu rufen. Aus geringeren Anlässen, als es die Frech. Tagen abgelieferte Schokoladenfiste mit 30 Pfund Inhalt und wollte heit des dreizehnjährigen Jungen ist, find Arbeiterfinder in Für mit ihr davonlaufen. Die Flucht gelang ihm jedoch nicht, und er forgeerziehung genommen worden. Und eine Erziehung", wie die wurde ergriffen. Vor Gericht erklärte er, er wisse nicht, wie er dazu jenige, die jene Mutter im Straßenbahnwagen ihrem Söhnchen zuteil gefommen fei, die Tat auszuführen. Einen Mord oder eine werden ließ, gälte bei einer Arbeiterfamilie sicherlich als hinreichender Tötung stellte er in Abrede. Der Verteidiger versuchte Grund, eine Gefahr der Verwahrlosung anzunehmen und als Bor- nachzuweisen, daß der Angeklagte vollkommen unsinnig und zweifelbeugungsmittel die Fürsorgeerziehung zu fordern. Rennt jemand los in einem Zustande der Unzurechnungsfähigkeit gehandelt habe, den Fall, daß gegen eine Familie„ besserer" Kreise schon mal aus da er für seine Firma dauernd große Summen eintassiert habe, die er sehr leicht hätte unterschlagen fönnen. Der medizinische Sachver solchen Gründen zu dieser Zwangsmaßregel geschritten worden ist? ftändige, Dr. Ludwig Hirsch, erklärte den Angeklagten für volltommen zurechnungsfähig. Staatsanwaltschaftsrat Latté beantragte 8 Jahre Zuchthaus. Das Gericht verurteilte Bärwaldt zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Der Angeklagte erklärte fich mit dem Urteil einverstanden. Die überfallene Frau Randt ist übrigens wieder vollkommen hergestellt. Angeklagte Beamte. = Ein Finanzidyll vom Landratsamt Belzig. Raum glaubliche Zustände der 3 auch Belziger Kreis. fassen verwaltung famen in der Verhandlung vor dem Potsdamer Schöffengericht zur Sprache. Wegen Amtsunterschlagung in drei Fällen war der 32jährige Bureaugehilfe Karl B. vom Landratsamt Belzig angeklagt. Zu seinen Obliegenheiten gehörte es, mehrere fleinere Raffen wie Jagdschein, Chauffeestraßengeldtaffe usw. zu verwalten. Die vereinnahmten Gelder wurden nur am 1. und 15. jeden Monats an die staatliche Der Kampf um die Hochbahn. Eine offizielle Aeußerung des Magistrats. Die Deutsche Bank versucht, durch die zahllosen Kanäle, die ihr als der Bertreterin privattapitalistischer Interessen zugänglich find, die Deffentlichkeit über die Ursachen des Konflikts in der letzten Generalversammlung der Hochbahn irrezuführen. Dem tritt jetzt endlich der Berliner Magistrat mit einer offiziösen Allgemeine Funktionär- Bersammlung ustaffung entgegen. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt mit: heute, 5. Mai 1925, abends 7 Uhr, in den Germania- Sälen, Chauffeeftr. 110 Tagesordnung: Was lehrt uns die Reichspräsidentenwahl? Referent: Reichstagsabgeordneter Alfred Henke. Zutritt haben alle Bartei- und Gewerkschaftsfunktionäre sowie die Betriebsvertrauensleute der SPD. Parteimitgliedsbuch und Funk tionärausweis für 1925 muß an der Kontrolle vorgezeigt werden. Der Bezirtsvorffand. Kreisfaffe abgeführt. Die Art und Weise, wie der Angeflagte dabei verfahren durfte, fann man faum anders denn als polnische Wirt schaft bezeichnen. Dem Angeklagten sowohl als auch den anderen Beamten standen feinerlei Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Gelder zur Verfügung. Sie trugen mit wissen der vorge. fetten Behörde die Gelder tagelang in ihren Brieftaschen herum und vermischten so Amtsgelder mit eigenem. Wechselgelder stellte das Landratsamt den Angestellten nicht zur Verfügung, fie nahmen daher ihre eigenen Gelder dazu. Es war üblich, daß sich die Beamten gegenseitig aus den Kaffen Darlehengaben. So erhielt nicht nur der Angeklagte aus zwei verschiedenen Ressorts vor seinem Urlaub Geld geliehen, sondern er nahm auch die gesamte Chauffeestraßengelder faffe auf seinen Urlaub mit, da er nicht wußte, wohin mit dem Geld. Durch Krankheit verlängerte sich der Urlaub und eines Tages war der Krach da. Zum Termin war eine große Anzahl von Kreisbeamten geladen, auch der Landrat, ber sich durch dringende Amtsgeschäfte entschuldigen ließ. Nach alledem mußte selbst der Staatsanwalt die Freisprechung beantragen, da der Angeklagte gar nicht das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit haben fonnte. Der Angeklagte wurde auf Staatstoften freigesprochen. Beruntreuungen eines Steueroberinspektors. Vor dem Großen Schöffengericht Lichtenberg hatte sich der 45 Jahre alte ehemalige Steueroberinspektor Ernst Engel megen fortgefenter Unterschlagung und schwerer lr. ber aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, ist 30 Jahre bei der Behörde tätig gewesen. Im vorigen Jahr war er in tundenfälschung im Amt zu verantworten. Der Angeklagte, der Möllendorfstraße au Lichtenberg im Finanzamt, Abteilung Kirchensteuer, als Kaffenleiter bzw. Oberinspettor beschäftigt. Während dieser Zeit nun geschah es, daß. zwei Beruntreuungen beging. Er unterschlug im ganzen 17 000 R.-M., die er für seine persönlichen Zwecke verbrauchte. E. bezog ein Gehalt von etwa 500 m. im Monat, war verheiratet und hatte zwei Kinder, hatte aber auch noch eine Freundin. Um vor vorläufiger Entdeckung feiner begangenen Unterschlagungen gesichert zu fein, nahm er falsche Buchungen vor. Der Angeklagte, der einen ziemlich nervösen und zerfahrenen Eindrud machte, behauptete in der Berhandlung, bas unterschlagene Geld für Wetten auf der Rennbahn verbraucht zu haben; im ürigen feien die Unterfchlagungen nur bes wegen begangen worden, um die ständigen Defizite, die er in seiner Staffe hatte, zu verdecken. Er habe nicht daran gedacht, daß er durch feine Straftaten ein immer größeres Loch aufriß. E. foll während feiner Dienstzeit ein überaus tüchtiger und gewissenhafter Arbeiter gewesen sein, der sich aus fleinsten Anfängen heraus zu der Stellung, Die er feinerzeit befleidete, emporgearbeitet hat. Der Staatsanwalt beantragte gegen den ungetreuen Beamten eine Zuchthausstrafe von 2½ Jahren. Das Gericht jedoch nahm in weitgehendstem Maße mildernde Umstände an und verurteilte ihn zu 1 Jahr 9 Monate Gefängnis, wovon 3 Monate burch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet wurden. Der Raubüberfall auf einen Schokoladenhändler. Ein Raubüberfall, der am 13. Dezember v. 3. in der Lothringer Straße 10 verübt worden und dem eine Frau Randt, die Inhaberin eines fleinen Schokoladenhandels zum Opfer gefallen war, fand jetzt vor dem Schwurgericht des Landgerichts I feine Sühne. Bu verantworten hatte sich ein 20jähriger früherer Banfangestellter illi Bärwaldt. Der junge Mann, der bis dahin unbestraft war, hatte infolge Abbaues seine Stellung verloren und eine neue Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 5. Mal. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert des Berliner Funkorchesters, Dirigent: Dr. Wilhelm Buschkötter. 6.30 Uhr abends: Humoristisches Funkallerlei( Georg Bamberger). 6.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Heilkunde. Dr. Schweers: Mutterschutz und Säuglingsfürsorge", 2. Vortrag. Mutterschutz und Gesetzgebung". 7.30 Uhr abends: Sendespiele. XIX. Veranstaltang. Fidelio". Oper in zwei Teilen. Text nach dem Französischen von G. Fr. Treitschke. Musik von L. v. BeetDirigent: Selmar Meyrowitz. Don Pizarro. Gouverneur eines hoven. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Staatsgefängnisses: Eduard Habich; Florestan. ein Gefangener: Eugen Transky; Leonore. seine Gemahlin, unter dem Namen Fidelio": Emmy Bettendorf; Rocco, Kerkermeister: Otto Helgers; Marzelline. seine Tochter: Anni Frind: Jaquino, Pförtner: Waldemar Henke; Don Fernando, Minister: Cornelis Bronsgeest. Staatsgefangene. Ein Hauptmann, Offiziere, Wachen, Volk. Ort: Ein spanisches Staatsgefängnis in der Nähe von Sevilla. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Experimentalvortrag des Herrn Prof. Dr. Gustav Leithäuser: Drahtlose Empfangsversuche ferner Stationen". die Das Borgehen der Stadt Berlin in der Generalversammlung der Hochbahn ist in der Deffentlichkeit vielfach unrichtig beurteilt worden. Die Stadt hat nicht die Absicht, ihren Einfluß zu be. nutzen, um durch herabdrücken der Dividende oder des Kurses der Aktien das Unternehmen über. nahmereif zu machen. Die Stadt hat deshalb in den Ber handlungen, die am 23. April, also eine Woche vor der Generalver. fammlung, begannen, angeboten, fich auch beim Erwerb einer etwaigen Mehrheit in der Generalversammlung jedes Einflusses auf die 3usammenfegung des Aufsichtsrats und Dividende zu enthalten. Die Deutsche Bank hat zwei Tage vor ber Generalversammlung einen Bertragsentwurf ausgearbeitet, bem die städtischen Vertreter zustimmten. Dabei wurde namentlich fest. gelegt, daß die Stadt einer Dividende von 1 Proz. über Reichsbanfsatz nicht widersprechen würde. Das wären 1924 10 Broz. gewesen, während die Verwaltung bekanntlich nur 5 Pro 3 vorschlägt. Die Stadt wehrt sich aber dagegen, daß ein Attionär der Hochbahn, der mit eigenem Rapital nur in ganz geringem Umfange an dem Unternehmen beteiligt ist, durch Attien mit 1000fachem Stimmrecht, die ihm nur 50 000 mart to steten, die Herrschaft über die hochbahn gewinnt, deren Vermögen in der Goldmarkbilang mit 157 Millionen festgestellt werden soll. Die Generalversammlung hat gezeigt, daß auch an bere Attionäre eine solche Form der Beherrschung eines großen Unternehmens als den Aktionären schädlich ansehen. Die Stadt hat der Deutschen Bant angeboten, im Falle der Einziehung oder Stilllegung dieser 1000flimmigen Attien pon ihren 25 millionen in allen Fragen der Verwaltung und der obengenannten Dividendenpolitit nicht gegen die Verwaltung zu stimmen. Die Deutsche Bank hat jedoch verlangt, daß diese Berpflichtung bis zu 50 mil. lionen ausgedehnt würde. Dies mußte die Stadt ablehnen, da es in anderer Form dasselbe bedeutet hätte wie die 1000ftimmigen Aktien. Mit welchen Mitteln übrigens vom Privattapital ber Kampf geführt wird, geht daraus hervor, daß jetzt auf Beranlassung der Deutschen Bant eine umfassende Erweiterung des Kreises der Banten beschlossen ist, bei denen die Hochbahnattien für die nächste Generalversammlung deponiert werden fönnen. Die Deutsche Bank hofft auf diese Weise als Stimmführerin beträchtlicher Aktienmengen auftreten zu können, die sich in privaten Händen be4 Bro 3. Offenbar werden Engros- Einkäufe von den Banken vorgenommen, um sich zum zweiten Gefecht zu rüſten. finden. An der Börse stiegen sie um nicht weniger als Ein rätselhafter Todesfall. Inter äußerst verdächtigen Umständen wurde der 56 Jahre alte Kaufmann& rang abschies in seiner Wohnung in der Osnabrücker Straße 25 tot aufgefunden. Der Tote lag etwa einen Schritt von der Tür entfernt in einer großen Blutlache auf dem Rücken. Er hatte eine flaffende Stirnwunde, die vom Saaranjak bis zur Nasenwurzel reichte. Sein ganzer Körper war mit blutunterlaufenen Flecken befät. Bahlreiche Schnittwunden hatte er am Bauch, an den Hüften, an den Baden und an den In der Wohnung herrschte ein wüstes Durcheinander. Füßen. Das Waschgeschirr war zertrümmert und die Scherben in eine Ede geworfen. Mehrere große Basen, Wafferkaraffen, Teller und Taffen, ein großer Spiegel, alles, was sich irgendwie zerschlagen ließ, war zerschmettert. Es besteht wohl die Möglichkeit, daß Labichies in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag einen Tob. suchtsanfall erlitten und in seiner Raserei seine Einrichtung zertrümmert hat. Die Wunden, die seinen Rörper bebeden, lassen es anderseits möglich erscheinen, daß sie ihm von fremder Hand im Berlaufe eines Rampfes beigebracht worden sind. Der 2. Propagandaumzug der Reichsreklamemeffe. Der gestrige zweite Reflameumzug, veranstaltet von der Reichsreklamemeffe, die noch bis zum 10. Mai geöffnet bleibt, besuchte diesmal die Straßen im Süden, in Neukölln und im Often. Der Zug felbft mies einige neue Reklamewagen und Typen auf. Die Biedermetergestalten, die schon beim ersten Male mitwirften, waren auch gestern wieder zu finden. Ueberall, wo der Zug hinfam, so besonders im Osten, erregte er allgemeines Aufsehen und wurde freundlich empfangen. Durch Mitwirkung des 3irtus Busch erhielt diese Demonstration" eine besondere Note. Bleibt noch zu er= wähnen, daß der ,, olle Boetel", der augenblicklich bei Buschs gastiert, ebenfalls dabei war. Mit Geschick leitete der bekannte Reklamefach. mann und Mitführer des Berbandes Deutscher Rettamefachleute Baron die ganze Angelegenheit. Am Friedrichshain wurde dann der Zug aufgelöst. Bezirksamtes Tiergarten tommen in den nächsten Wochen etwe Zweihundert Offpreußenkinder in Berlin. Auf Einladung des weihundert Ostpreußenfinder nach Berlin. Es ist dies ein Dani Des Bezirksamtes Tiergarten an die Ostpreußen, die während der Sommermonate unzähligen Großstadtfindern mit feltener Opferfreudigkeit die Möglichkeit geben, Wochen, ja jogar Monate auf dem hat Borforge getroffen, den Ostpreußenfindern den Aufenthalt in Lande sorglose Stunden zu verleben. Das Bezirksamt Tiergarter Berlin so angenehm als möglich zu gestalten. Der Cuna- Park, der jetzt wieder eröffnet wurde und eine Reihe neuer Apparate sehen läßt, um die Bergnügungsfüchtigen nad Verlangen zu martern oder in fliehenden Schreden zu verfegen veranstaltet heute, Dienstag, den ersten Boitstag der neuen Saison. Der Eintrittspreis ist mit Rücksicht auf den volkstümlichen Charakter der Veranstaltung dieses Tages mit 60 Pf. für Er. mwachsene und 40 Pf. für Kinder festgelegt. Bon 5 bis 11 Uhr findet ein Konzert des Philharmonischen Blasorchesters unter Leitung Franz von Blons statt. Anschließend an ein großes Brillantfeuerwert, bas um 9 Uhr abends beginnt, wird die Automobilfahrt in der Luft die sensationelle Anziehungskraft, wie feit Eröffnung des Partes sein. Achtung, Typographiefänger! Dienstag nachmittag 5 1hr im Strematorium Wilmersdorf Witwirtung bei der Trauerfeierlichkeit für Kollegen Eugen Gegus. Erscheinen aller Sänger Ehrenpflicht! Freunde der internationalen Kleinarbeit. Mittwochabend 8 Uhr in dea Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, I. Hof lints. Das Deutsche Museum in München. Wenige Tage trennen noch von der Eröffnung des Deutschen Museums. Am Montag fand unter Führung des Schöpfers des Museums, Exzellenz von Miller, eine Borbesichtigung des Museums statt, zu der die aus dem ganzen Reich und dem Auslande in München weilenden Pressevertreter geladen waren. Die Reichhaltigkeit der Ausstellung machte auf die Besucher einen über wältigenden Eindruck. Am Schlusse der Führung sprach der Reichs pressechef, Ministerialbirektor Dr. Riep, im Namen der Pressever treter Exzellenz von Miller für alles Gebotene den Dank aus. • Das Museum stellt einen gewaltigen Bau auf der von der grünen Ifar umrauschten Museumsinsel dar. Mit seinem 65 Meter hohen Turm, einer 30 Meter hohen Wendeltreppe, die bis tief in die Erde führt, umfaßt der Bau vier Stockwerfe. Bon seiner Ausdehnung zeugt die Länge der Führerlinie, die etwa 14 Kilometer beträgt. Man hätte also drei Stunden zu gehen, nur um diese Strecke abzulaufen. In den Ausstellungsobjeften wechseln um diese Strecke abzulaufen. In den Ausstellungsobjekten wechseln wertvolle Originalmaschinen, getreue Nachbildungen, Modelle die Maschinen sind durchweg betriebsfähig mit Dioramen und Wandbildern. Die Sammlungen beginnen im Erdgeschoß mit der Geologie, die in Gemälden und Modellen veranschaulicht ist, und denen sich eine fleine Erdbebenwarte anschließt. Dann geht's hinab in die Schächte zum Bergwert. Der Besucher fann hier dem Bergmann in die tiefsten und engsten Stollen folgen, er sieht die Schwierigkeiten und Gefahren der Arbeit sowie alle ihre technischen Hilfsmittel. Bis nahezu 10 meter unter die Erde find die Schächte eingebaut. Logisch gliedert sich das Hüttenwesen mit der Metallgewinnung an. Bom prähistorischen Ofen bis zum modernen Hochofen, bis zur Gewinnung des Edelstahls sind alle Entwicklungs. stufen vorhanden; dann geht es weiter zu Schmiedewerkstätten und Schloffereien, zu Dampfhämmern und Walzwerken, Wasserkraft. anlagen und Dampfmaschinen, den Dampfturbinen usw. Es fommit der Ehrensaal des Verkehrs. Hier sieht man die Entwid lung von Fahrrad und Auto, die Lokomotive von den allerersten Maschinen bis zu den Riesen von heute, das Bahnwesen, Brüden und Straßenbauten, Schiffahrt und Kanäle. Diese Fülle von Erscheinungen nimmt nur das Erdgeschoß ein. Ueber diesem, im ersten Stode folgen: Der Ehrensaal der Erfinder und der Bilder faal, das Meßwesen, Mathematit, Mechanit, Elektrizität, Optit, die Mufit, die Alchimie und die moderne Chemie, dann die Aftronomie und endlich in den oberen Geschoffen Buchbrucerfunft, Landwirt schaft, Brauerei, Brennerei und die Textilindustrie. Eine Riesen halle ift dem Flugwefen und der Luftschiffahrt eingeräumt. Neben Flugzeugen der verschiedensten Ronftruftionen sieht man hier auch das Original U- Boot Nr. 1. Reichstanzler Dr. Luther, Reichsverkehrsminister Dr. Krohne, Reichstagspräsident Löbe, der bayerische Gesandte Dr. v. Preger, der bremische Gesandte Dr. Rebelthau, die Reichstagsabgeordneten Graf Lerchenfeld und Exzellenz Wallraf und einige andere Herren werden sich heute vormittag 10 Uhr vom Flugplatz auf dem Tempel hofer Feld mit Junkers- Flugzeugen nach München begeben, um an der Einweihung des Deutschen Museums teilzunehmen. Küsten- Segelflug- Wettbewerb in Roffiten. Roffiten, 2. Mat.( Eigener Drahtbericht.) 3um diesjährigen Segelflugwettbewerb find bereits 30 Segelflugzeuge eingetroffen, auch eine große Bahl der gemeldeten Führer. Am 24. April bereits sollten die Berfuchs und lebungsflüge beginnen, jedoch war das Wetter zu stürmisch und regnerisch, daß an Segeln oder Fliegen nicht gedacht werden fonnte, nur" Espenlaub 7" machte einen Furzen Flug, auch Kranich 2" einige Schulflüge. Das Barometer verspricht Besserung. An den drei Tagen vom 29. April bis 1. Mai waren Bersuchs- und Uebungsflüge vorgesehen. Infolge des ungünstigen Wetters werden diese Flüge fortgesetzt. Sobald es nur die Witterung zuließ, war lebhafter Start. Es starteten am 1. Mai 14, am 2. Mai 18 Segelflugzeuge. Den eigentlichen Wett bewerb heute eröffnete u chs auf dem„ Allten Dessauer", landete infolge eingetretener Flaute nach 7 Stunden 45 Minuten 55 Sefun den bei anfangs füdöstlichen Winden( 12-13 Metersekunden). Auch der andere alte Rhönflieger Martens fegelte 9,35 Uhr und landete 12,15 ihr abseits. Der alte Jagdflieger Ledermann landete nach zwei guten Segelflügen nicht ganz glücklich. Espenlaub", der biedere schlesische Drechsler, segelte 46 Minuten 36 Sefunden um einen Sonderofterpreis. Sein E. 7" mit dem deutschen 500- ccmBiftoria- Motor von 1,9 Steuer 10 bis 12 PS ist unter seiner Führung recht schnittig. Ein sogenannter Schwingenflieger ging heute bei seinem zweiten Flug zu Bruch. Reu und bewährt ist die Startbahn. Auf ihr erheben fich die Segelflugzeuge troy, des Gandes auf dem Bredienberg nach taum zwei Meter Anlauf. Die Startbahn ist ein Läuferteppich und besteht aus schmalen Brettchen, die auf ein Eifenband aufgenagelt find. Bei wirklich regstem Flugbetrieb find oft 6-7 Segelflugzeuge zu gleicher Beit am Himmel bei glänzender Sonne angesichts zweier herrlich blauer Meere. Ein unvergeßlich schöner Anblick! Reichsmietertag in Hamburg. Arbeiter sort Boxsport und Leibesübungen. Eltern werden daher gebeten, mit ihren Kindern dort zu erheinen und dadurch die Bestrebungen der Freien Turnerschaft zu unterftüßen. Der Eintritt ist frei. Die Freie Turnerschaft Behbenid 05 feiert am 9. und 10. Mai ihr Awanzigstes Stiftungsfeit in Form eines Sportfestes. Sonnabend von 8 Uhr ab Rommers. Gonntag vormittag von 8 bis 12 Uhr Wettkämpfe. Männer: Fünftampf; Jugend: Dreikampf: Frauen: Dreibampf. Nachmittags Uhr Feitaug durch die Stadt nach dem Sportplag. 2 Uhr: allgemeine Dinmpische Stafette: Jugend: Schwebische Stafette; Frauen: 4 × 100- meterFreiübungen, Eingelwettkämpfe, Stafetten. Männer: 4 x 100- meter- Stafette, Stafette. Sandball- oder Raffballmannschaften tönnen sich noch melben, ba Aum Schluß Turnspiele folgen. Der Vorstand bittet die Berliner Vereine bie Veranstaltung zu unterſtüken. Schwimmserein Vorwärts Berlin 1897, Grupep Süben, Gemeinschaft für Körperkultur. Sonnabend, den 9. Mai, abends 8 Uhr, im großen Gigungsfaal des Bezirksamts Kreuzberg, Bordir. 11, erſter Bildungsabend. Abolf Red wird über Lebenserneuerung durch Körperbildung und Sadikultur" fprechen an Hand von 120 Lichtbildern der törperbildenden Gruppen Adolf Roths. Es wird hier allen Gelegenheit geboten, sich über das Thema„ Radtfutur" ein Urteil au bilden. Cinlaß 8 Uhr. Karten find Mittwochs und Freitags abends ab 7 Uhr, im Stadtbab Streusberg, Bärwaldstraße, und an der Abendkaffe erhältlich. Cintritt 30 Pf. Die jüngste Entwicklung auf sportlichem Gebiet verlangt jetzt fozusagen an der Peripherie der sportlichen Betätigung in Arbeiterauch einmal die Beschäftigung mit Dingen, die bisher immer noch freisen schwebten und einen durchdringenden Einfluß noch nicht auszuüben vermochten. Eine besondere Beachtung verdient heute in dieser Hinsicht der Borsport. Dieser beherrscht in weiten Kreisen sportlich interessierter Menschen gegenwärtig das Feld. Auch die Arbeitersportler fönnen sich seinen Einflüssen selbstverständlich nicht entziehen, sondern haben ihre Stellung zu präzisieren, um alles Gute für die eigene körperliche Durchbildung dienstbar zu machen. Wie Auswüchse. Der Zug des sportlichen Interesses gruppiert sich heute überall, zeigen sich jedoch auch hier die gröblichsten Berfehlungen und leider zumeist um die Erzielung von Höchstleistungen und die Er ringung von Preisen. Auch die Arbeitersportler sind nicht immer frei von diesem Geist, und hierin liegt eine Gefahr, der alle Arbeiter porilerorganisationen ihr besonderes Augenmert zuwenden müssen. Das sportliche Interesse in der Arbeiterschaft kann sich nicht allzu start auf Individualleistungen fonzentrieren, die den einzelnen herausheben aus dem Kreise seiner Sportgenossen. Dieses Streben läuft dem Prinzip der Solidarität und Gemeinschaftlichkeit zuwider, das selbstverständliche Geltung in allen Zweigen der Arbeiterbewegung besitzen muß. Glücklicherweise hemmt das tägliche Lebensbasein des Proletariers schon ganz bedeutend den Trieb zur Züchtung von Sporttanonen, wenngleich gar zu oft noch eine freiere Auswirkungs Forderung des Tages: mehr Zeit! Das Wertvollste im Sportbetrieb möglichkeit zu wünschen wäre. Auch hier ist für den Arbeiter die der Arbeiterschaft ist neben der guten törperlichen Durchbildung jedes einzelnen jedoch die Massendarstellung und Gemeinschafts wirkung, die auch die kleinsten Leistungen zu einer prachtvoüen Gesamtleistung vereinigt. Die sportliche Arbeit in Arbeiterfreifen. von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, gestattet auch die Heran ziehung des Boxsports als Hilfsmittel. Ausscheidungstämpfe für Turner unb Turnerinnen aur Olympiabe im 1. Kreis. Wie alle Sparten, fo haben auch die Turner Aure Diympiade Ausfcheidungskämpfe vorzunehmen, die dafür im 1. Rreis am 24. Mai stattfinden sollen. Borhergehende Melbungen find notwendig, bie bis zum 17. mai für Turner und Turnerinnen an G. Bundtfe, Berlin GD, Faldenſteinſtr. 42, einzureichen find. Ausscheidungen finden statt für ben Acht ub zwölftampf. Erfterer sekt fich aus je einer Pflicht und Rürübung an Red, Barten und Pferd zusammen, einer Freibungsgruppe aus den allgemeinen Freiibungen und einem Pferdsprung. Die Pflichtübungen find file Surnerinnen im Borbekanntgegeben. Für den Zwölftampf die feichen Geräte vont Acheampf turner" vom November und die der Turner im Borturner" vom Dezember kommen. Alle Genoffen und Genoffinnen werden erfucht, ble in Frage tommogu noch 100- Meter- Lauf ,, Rugelstoßen, Weitsprung und Hochsprung hinzumenden Turner und Turnerinnen darauf aufmerksam zu machen. 4. Bezirk, Brenzlauer Berg. Am Mittwoch, den 6. Mai, Kartelligung bei Werner, Senefelberstr. 31, 8 Uhr. Abrechnung vom Rartellfeft, Stait, Berfchiedenes. 1. Streis, Turnerfparte. am Sonnabend, Mai, 8 br, bet, Ottmann, Dresdener Str. 105. Bezirksmännere marte find ebenfalls eingeladen. 334 Athletik- Sportklub E. B. Leichtathletik Soden Rubern. Männer, Tilsiter Str. 46. Dienstag, den 5. Mai, Training und Borstandsfizung auf Frauen- und Jugendabteilung. Geschäftsstelle: Rurt Liebruds, Berlin D 34, bem Fichteplak. Donnerstag, den 7. Mai, Training auf bent Fichteplan in Baumfdulenweg. Folgende Geräte merden geibt: Distuswerfen und Soch8 thienftr. 56. Schriftführer ber Sodenabteilung: But miette, Berlin 93, Beidenweg 27. Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch, 7% Uhr, Sigung ber Nordgruppe bei Braffer, Michaeltirch. Ede Wusterhaufener Straße. Dazu jeder Bezirk einen Beriveter. Freitag, 714 Uhr, Frauenausschußigung Schule. Gipefir. 32a. Freitag, 7 1hr, engerer Borstand Gigung Gefchäftsstelle. Musterriegenturnen ber Rinber ber F2GB. am 10. mai. Mittwoch, 7 Uhr, Gigung aller Turnwarte und Rampfrichter Schule Gipsstraße. Am Sonntag erscheinen alle Musterriegenturner, Turnwarte und Rampf. ridrier um 14 Uhr Turnhalle Wrangelstraße. Der Der Borsport zeigt fich heute gerade in Deutschland gewöhnlich noch in den rohesten Formen, die nur Befriedigung finden im Knoodout, in der völligen Kampfunfähigmachung des Gegners. Die Begleiterscheinungen spotten oft auch den geringsten ästhetischen Anstandsregeln und der Logit sportlicher Gestaltungsnotwendigkeitent. In diese Front auchsportlicher Ausbeutungsluft darf sich die Arbeiter schaft unter feinen Umständen einreihen. Für sie kommt der Bor port nur als Training, nie als Selbstzwed in Frage. Das Training aber fann vorzügliche Erfolge zeitigen, sofern es dem 3mede bient, ben Muskeln zur Ausbildung und Kräftigung zu ver helfen und die Entwicklung einer gewissen Geistesgegenwart und geistigen Energie zu fördern. Diesem Zwede angemessen wird das Training im Boren reine Leibesübung und als solche ohne weiteres gute sportliche Leistungen im Gefolge haben. Eine besondere Beachtung verdient noch die Frage, ob der Boriport der Jugend in ihrer förperlichen Entwicklung förder: lich sein kann. Die Jugend neigt aus Veranlagung und Triebhaftig feit ihres Alters zu erzentrischer Ausbeutung aller Betätigungs möglichkeiten. So aud) im Sport. Bisherige Erziehungsformen awangen den Geist oft in vehrte Auffassungen von Wesen und Sein des Heldentums, und laen so das Rohe und Kriegshafte als naturnotwendige Begleiterscheinung der jugendlichen Entwicklung erscheinen. Auch das sportliche Interesse gewinnt dann solche Formen. Die Sportorganisationen aber tragen jenem Geist nur Rechnung, Kleemaner( Mariendorf 1819) mit 1045 Sols. wenn man aus ihren Verlaufbarungen folgendes entnehmen muß: Wir bezwecken durch die Pflege des Boxsports die Ertüchtigung der Jugend!" und weiter im engsten Zusammenhang dainil: Um den Boxsport zur Geltung zu bringen, veranstaltet die Borabteilung Kampfabende, die in erster Linie dazu dienen, den Mitgliedern( also auch den Jugendlichen. D. R.) Kampfgelegenheit zu geben." In diesem Geifte betrieben, wächst der Borfport über den Begriff der gefunden Leibesübung hinaus und wird zur schädlichsten Beeinflussung für die geistige und förperliche Entwicklung des jungen Menschen. Sportkämpfe im Freien Reglerbunb. Am Sonntag fanden im FRBD. aahfreiche größere Rämpfe auf den Bahnarten Bohle, fphalt und Gdere ftatt. Am Reglerheim Sufeland starteten die Bezirke Rentrum und Often um die Figurenmeisterschaft. Die Meisterschaft des Bezirks Bentrum errang H. Köhler( Luft. Dr. B.) mit 286 Buntten. Ralfer( Bökom) 261 B., Liefe( 3. a. R.) 258 V., Klemple( 2. Br. W.) 258 B., Figurenkampfriege gehören weiter an: Jandt( Scharfe Rante 9.) 266 B., Bazat( Böhow) 245 B., Boppe( Fib. Br. Reuton) 241 B., Steiner( Bökom) 234 B., Bintotofsti( Gaba. C.) 282 B. und Seraon( Dökow) 231 Bunkie. Arbeitersportler werden derartige Tendenzen immer und mit aller Energie ablehnen müssen. Glücklicherweise haben sich auch schon oft Jugendämter einer solchen Stellungnahme angeschlossen und es abgelehnt, den Borsport als im Interesse der Jugendpflege gelegen zu betrachten. Diesem Standpunkt fann sich jeder flar denkende Arbeitersportler nur anschließen. Fußballergebnisse vom Sonntag. Alemania gegen Sparta A 1: 3, Neukölln- Brig gegen Abler 08 5: 1, Morbista gegen 3BC. 5: 2, Lichtenberg III gegen Adler 12 1: 5, Astania gegen Teutonia 09 1: 1, Woltersdorf gegen Altglienicke 14: 0, Brandenburg 02 gegen Frischauf 1: 0, Vorwärts gegen Germania 3: 6, Mariendorfer Sportgruppe gegen Concordia 2: 1, Fußballring gegen Hansa 3: 4, Beuthen gegen Teltow 5: 2, Tas mania gegen Sparta B 4: 2, Retichendorf gegen Lichtenberg I 2: 3, Lichtenberg I gegen Steglig 5: 0, Hertha 22 gegen Rüftig Vorwärts 2: 3, Fichte- Südost gegen Arminia 3: 1, Elsthal gegen Amateure 3: 0, Charlotttenburg gegen Birkenwerder 0: 5, Stern gegen Wader 20 1: 2, Minerva gegen Britannia 6: 1, BfB. Köpe= nic gegen Banfom 08 1: 5, Staaten gegen TBC. 2: 8, Stralau gegen Bernau 1: 2, Dresden gegen Berlin 4: 0. 30 Jahre Arbeifer- Ruderverein. Ein großer Teil der Arbeiterschaft in Werkstatt und Bureau verein seine finanziellen Mittel allzu starf in Anspruch genommen werden. Dies mag wohl zutreffen, wenn er dabei die hochfeudalen und bürgerlichen Bereine als einzige Vertreter dieser Sportart be trachtet. Es gibt aber in Berlin 10 Arbeiter- Rudervereine mit über 1000 Mitgliedern. Diese Vereine find mit gutem und reichhaltigem Bootsmaterial aller Gattungen ausgestattet, stehen also den bürgers lichen Bereinen in bezug auf Bootsmaterial in feiner Weise nach. 2m 3. Mai fonnte der Ruderverein Collegia e. V., dessen Bootshaus an der Havel liegt, auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken. Auch wird der Erweiterungsbau des Bootshauses noch in diesem Monat vollendet sein, so daß für 40 Boote Play geschaffen ift. Wer seinen Körper stählen und sich in Licht, Luft und Wasser baden will, der ist in unserem und in den Brudervereinen Cberspree und Havel- willkommen Auskunft erteilt gern: Walter Szumann, Berlin, Borhagener Straße 24. an ber In Hamburg hat der vom Reichsbund Deutscher Mieter e. V. einberufene außerordentliche Mietertag, der von zahlreichen Delegierten aus allen Teilen des Reiches besucht ist, mit einer Konferenz der Mietervertreter in den Geist noch heute der Auffassung, daß durch Anschluß an einen Rudermeindeförperschaften begonnen Stadtv. kugler- Stiel erörterte in großen Bügen das Wohnungselend in den Städten, das sich außerordentlich schwer 3. B. bei den schulpflichtigen Kindern auswirft, und ging dann ausführlich auf Steuerfragen ein. Er schilderte den Fall eines Kieler Hausbesizers, der monatlich mehr als 9000 M. an feinen zahlreichen Häusern allein aus der Haus zinsiteuer verbient. Bon besonderem Interesse waren die Leitsätze, die Medizinalrat Dr. Engelmann- Kiel in seinem Referat„ Die Arbeit der Gemeindevertreter in der Wohlfahrtspflege und in der Gesundheitsfürsorge" aufstellte: In der Wohlfahrtspflege fommt es por allem darauf an, die ausreichenden Unterstützungs fäge für die Wohlfahrisempfänger festzusetzen. Es fommen in Betracht, die Armenunterstützungen im engeren Sinne und die er weiterten Unterftügungsempfänger. Für die ersteren muß das Existenzminimum, für lettere Geld und Naturalunterstüßung in befonberen Notfällen sichergestellt werden.( Wochenfürsorge für nunderbemittelte Nichtversicherte.) Das Eristenzminimum ist ein bisher nicht figierter Begriff; es muß sich aber nach der Familiengröße richten. Die Art der Erwerbslosenunterstügung ist unfozial, da sie nur einschl. bas vierte Kind eingestellt ist. Im selben Sinne ist die heutige Entlohnung unjozial Bei der bisher bestehenden Art fallen die finderreichen Familien zwangsläufig dem Wohl fahrtsamt zur Last. In der Gesundheitsfürsorge ist auf Unter. ftühung der Schwangeren, der Mütter und Säuglinge besonders zu achten. Bon besonderer Wichtigkeit ist die Schaffung Don Badegelegenheiten in gefchloffenen und offenen Räumen, Schaffung von Blägen für Ausübung des Sports für die Jugend und die Schuljugend. Die Sicherung der schulärztlichen leberwachung ist eine der Haupt aufgaben. Bon besonderer Wichtigkeit ist ferner bie Sorge für ge sunde Wohnungen. Gesundheitliche Fürsorge und vorbeu gende Wohlfahrtspflege verlangen weiter Schaffung von Eigenheimen, in denen die bodenständige Familie den besten Schuß gegen Krankheit und gegen Berarmung bietet. Musterturnen der Kinder. Am fommenden Sonntag veranstaltet die Freie Turner. fchaft Groß Berlin eine Mustervorführung ihres Kinderturnens, zu der insbesondere alle Eltern eingeladen sind. Die Veranstaltung findet in der Turnhalle des Leibniz- Gymnasiums ( Eingang Wrangelstraße an der Thomas- Kirche), nachmittags 2 bis 5 Uhr, ftatt. Einlaß 1% Uhr. Das vielseitige Programm umfaßt ziemlich alle Uebungsformen des Kinderturnens. Einleitend werden die Festfreiübungen vom Brandenburger Kinderturnfest, das im Juni stattfindet, gezeigt. Eine große Anzahl Riegen zeigen Uebungen an den Geräten, die gewertet werden, um die besten Leistungen festzustellen. Die Knaben sind mit 6, die Mädchen mit 10 Riegen beteiligt. Berschiedene Abteilungen zeigen Sondervorführungen, Bolts tänze usw. Der 3med dieser Beranstaltung besteht darin, die weitesten Kreise der Berliner Bevölkerung auf die Notwendigkeit des Kinderturnens hinzuweisen. An der Freude der Kinder bei den verschiedenartigen Borführungen soll die Nüßlichkeit der Belbes. übungen für die Schuljugend praftisch demonstriert werden./ Alle Bezirksmeister Des Oftens wurde Oswald Sease( 2. Stamm 13) mit 305 Bunften, zur Figurentampfriege plasierten fich noch: Schneider( 6 Falte) 294 B., A. Frand"( a. St. 13) 261 B., Witt( Luft. Neun( 9) 250 B., Gla biszewski( Often 22) 278 B., Fichter( ha) 273 P., Domning( Often 22) 283 P., Schulz L. Br. 04) 202 B., Paftuftat( Sarmonie) 256 P., Frenzel( 8. Br. 04) 255 Punkte. Jm Steuerhaus wurden die Rämpfe um bie meist c.rfchaft bes Beatris Süben abgefchloffen. Den Stiel sicherte sich Intereffante Rämpfe ergab bas Figurentegeln auf Asphalt. Die vorgefchriebenen zehn Bilber erfüllten R. Hoffmann( Alt. Stamm 13) mit 13 Rugeln, Ridel( Bökom) mit 14 Rugeln und Sticher( Bow) mit 15 Rugeln. Ferner erfüllten noch fechs Regler in einem Gang fämilide Figuren. Auf ber in Berlin Teiber noch recht seltenen Scherenbahn erreichten in offener Ronkurrenz in R. Hoffmann( Alt. Stamm). Am fommenden Sonntag ftarten die Bezirke bie Rämpfe auf Afphalt und Schere fortgefest. Sämtliche Kon8 Rugeln 10 Starter je 24 Sola. Burzeit führen: Sanfe( Sechs Kalte) und Rorben und Weit en um die Figurenmeisterschaften. Gleichzeitig werden urrenzen werden wiederum im Reglerheim Sufeland ausgetragen. Intereffenten ist der Zutritt gestattet. Gin Blikturnier fowie ein Simultanfpiel bes Berliner Klubmeisters D. Deutschmann an 30 Brettern, veranstaltet bie Abteilung Often des Berliner Arbeiter- Schadyflubs am 5. ai, 7 Uhr, in ihrem Klubheim Große Front furter Str. 10, bet Ranter. Freunde des Schadspiels find herzlich eingelaben. Kukirol Stamm tisch HB 189 Aus Dr. Unblutigs Praxis. Aufheben! 12. Fortsetzung folgt! Ste ahnen nicht, meine Herren, und viele andere ahnen nicht, wie tief die Erkenntnis der Notwendigkeit einer planmäßigen Fußpflege bereits ins Volk gedrungen, oder wie man sich früher, in einer gottlob run schon verflossenen Zeit aasgedrückt hätte, im Volksbewußtsein verankert ist. Ich, als Hühneraugenspezialist, bin viel stärker beschäftigt, als mancher berühmte Guckaugenspezialist, und habe deshalb einen Assistenten anstellen müssen, Herrn Dr. Wohltäter, den Ich Ihnen in den nächsten Tagen vorstellen werde. Ein außerordentlich gelehrtes Haus, aber keine solche männliche Schönheit wie ich. Er hat seinen Wert in sich, wie die Ziege das Fett. Sie verstehen nicht, wie das große Publikum aut einmal so für die richtige Fußpflege begeistert ist, nachdem sich bisher die wenigsten darum gekümmert haben Ich sage thnen: Kukirolen Sie, dann werden Sie es verstehen! Mit kekirolen" bezelelimet nämlich die moderne Wisseuschalt die sachgemäße Fußpflege und in der nächsten Auflage des Welsheitsmeyer und des Bildungsbrockhaus werden Sie das Wort schon finden, sonst wären eben diese Wetke nicht vollständig. Zum Kuktiolen gehören folgende drei Präparate: Erstens das wohltuende Rukirol- Fußbad Es verhütet das Schwitzen, Schmerzen and Biennen der Füße Ich weiß nicht, ob jemand von Ihnen an Fußschweiß leidet Jedenfalls kann es nicht arg sein, denn ich rieche bis jetzt nech nielits, Aber selbst wenn Sie nur in geringem Grade daran leiden, werden Sie bemerken. daß Sie im Winter immer kalle Füße haben, weil sie immer feucht sind Das verhütet das Kakirol Fubbad Außerdem stärkt es Sehnen, Neiven und Gelenke Sie fühlen sich danach ulcht nur in den Füßen, sondern im ganzen Körper ve Irischer und elastischer DaB es Zwellens geho zum Kukliolen das tägliche Einpudern der Füße mit Kukirol Streupuder, wenigstens sollte das bei starkem Fußschweiß nie unterlassen we den Der Mensch altet nicht nur durch die lungen, sondern auch durch die Haut und was durch die Haut eindringt, gelangt direkt in die Blutbahn nicht gesundheitsforderlich sein kann, wenn die Gase ins Blut gelangen, die sich aus dein in Verwesung übergegangenen Fußschweiß entwickeln, ist klat Drittens gehört zur Kukirolkur das millionenfach bewährte Kukirol Hühner angen- Pilaster, das auch veraltete Hübneraugen in wenigen Tagen, ohne Schneiden und ohne Entzündung, also gefahrlos und schmerzlos entfernt Wichtig ist es aber. daß Sie nicht etwa irgendwelche unbekannten Präparate kaufen, sondern aut den Namen Kukirol" und auf die Schutzmarke Hahnenkopt mit Fuß achten Sle könnten sonst schmerzliche Enttäuschungen erleben. Eine vollständige Kukirolkur kostet in jeder Apotheke und Drogerie nur 2 Mark. Verlangen Sie noch heute unser neues, wichtiges Büchlein, betitelt..Kukirolen Sie". Dieses gibt Ihnen wichtige Aufklärungen über die Notwendigkeit der Fußpilege und enthält u. a auch einige Photographlen unserer Fabrik Kukirol- Fabrik, Groß- Salze( Bad Elmen). Eigenes Verkaufsbureau: Berlin W. 62, Kleiststr. 23 1. Billige Preise für Wassersportkleidung Ruder Jacketts aus blauem Cheviot 36.-, 33.- 30.Ruderhosen blau Cheviot in vorschriftsmäßig. Form Satindüffel 78.-, blau Cheviot 17.50 Yachtklubanzüge mit Rundbundhose, blau 48.Tussorart.- Anzüge dreitellig, in allen Größen 40.-, 36-, 33.vorrätig, je nach Qualität, 28.Segler- Anzüge elegante Ausführung, aus Segler- Hosen weiß Satin 12.-, 10.-, weiß Sporthosen graugestreiften Cheviots Köper 7aus weißem Cheviot, elegant. Sitz, je nach Qualität 20.-, 19.-, 16 50 für Herren u. 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Sein parlamentarischer Untersuchungsausschuß ist durch die lächerliche und unmögliche Verhandlungsweise im Fall Barmat um den Kredit gekommen, der ihm von Rechts wegen nach den Aufgaben zustehen müßte, die er auf Grund der Verfassung erfüllen follte. Bei der Untersuchung der Ursachen des Ablebens des früheren Reichspostministers Dr. Höfle handelt es sich nicht nur um Höfle allein. Angesichts des tragischen Todes dieses Mannes ist das ganze Elend unferer Gerichtsverhältnisse und unseres Strafvollzuges auf gewühlt worden, und die ungeheure Erregung, die dieser Tod hervorgerufen hat, gilt nicht nur der Tatsache, daß dieser Minister das Opfer einer infamen und niederträchtigen Hezze feiner politischen Gegner geworden ist; fie gilt auch der Tatsache, daß die Handhabung der Unterfuchungshaft und die Entwicklung, die unsere Rechtspflege in der letzten Zeit genommen hat, immer mehr den schärfsten Widerspruch aller Kreise hervorgerufen hat, die sich noch einen Rest Gefühl für Anstand und Gerechtigkeit bewahrt haben. Das Panama unserer Justiz, das der Höfle und Barmat- Standal darstellt, muß wenigstens das Gute haben, daß endlich einmal gründlich aufge= räumt wird. Es würde ein Hohn auf die Empfindungen aller ehelich und anständig Denfenden im Lande fein, wenn das Ergebnis dieser Untersuchung das lebliche sein würde: es bleibt alles beim Alten. Die Sprache der Atten und die Sprache der Tatsachen ist zu offenfundig, und feine stumpfsinnige bureaukratische Korrektheit kann die Ungeheuerlichkeit dieses infamen Justizmordes hinweg leugnen. Der Untersuchungsausschuß fann eine Tat voll bringen, die endlich im Lande ein Echo finden würde. Man dente sich nur den Fall Höfle etwa nach Frankreich oder England übertragen; wer würde dort ruhen tönnen, bis die Quelle dieser grauenhaften Vorgänge endgültig und für immer verstopft wäre? Endlich einmal wird auch Deutsch Land zeigen müssen, daß der leidenschaftliche Wille zur Gerechtigkeit und zum Anstand im politischen Kampfe start genug ist, um die Eiter beule auszubrennen, die sich an unserem Rörper aufgetan hat. Der Untersuchungsausschuß hat es in der Hand; möge er die Erwartungen nicht enttäuschen! Wir bringen zunächst einen Auszug aus den Gutachten der Gerichtsärzte Dr. Thiele und Dr. Stormer, die wir wegen ihres Umfangs nicht im vollen Wortlaut veröffentlichen fönnen. Beide Herren tamen befanntlich zu dem Ergebnis, daß Dr. Höfle ha ftfähig sei! Beide vertraten diese Ansicht noch vier Tage vor Höfles Tode! Das sind die Männer, Denen nach dem Willen des Wohlfahrtsministeriums das Schicksal der Untersuchungsgefangenen ausgeliefert ist. Wehe dem, der in die Hände dieser Gerichtsärzte fällt! Gilt für fie nicht der Spruch vor dem Eingang in Dantes Hölle: Laßt alle Hoffnung fahren!" Wer fann es wagen, zu widersprechen, wenn immer stürmischer von allen Seiten ver langt wird, daß diesen Methoden ein für allemal das Handwerk gelegt wird? Aus den Gutachten Dr. Thieles. I. Abschrift Dr. Hans Thiele. Berlin- Moabit, den 23. März 1925. Untersuchungsgefängnis. T An den Herrn Untersuchungsrichter beim Landgericht I zu Berlin. Betr. 2 3. 25. 25. Objektiv ift der Untersuchte ausreichend ernährt und von Blaffer Gesichtsfarbe. Die Herzgrenzen find beiderseits mäßig verbreitert; der etwas hebende Herzspißenstoß befindet sich in 6 3. K. R., annähernd innerhalb der 1. Arillarlinie. Die Herztöne find ziemlich leise, aber rein. Der erste Ton an der Herzipize ist burch ein leises systolisches Geräusch ersetzt. Der Buls ift meift beschleunigt( 84), ziemlich flein, ungleid), aber meist regelmäßig. Blutdruck nach Riva- Rocci zirka 105 mm. Heller Lungenschall in erweiterten Grenzen: R. V. 7 R. L. V. 5 R., H. U. 12 Brufiwirbel. Nitgends Schalldifferenzen, überall reines Atemgeräusch. Reine pathologischen Reflere. Psychisch: Haftpfycholliche Reizerfcheinungen in Form von depreffiven Berftimmungen im Verein mit hypochondrischen Vorftellungen. Meine Diagnose lautet daher: Herzmuskelschwäche, Lungenlähmung, psychische Depreffion. Gutachten: Soweit fich im jetzigen Stadium der Krankhett mit Sicherheit überhaupt eine Brognose stellen läßt, fo ift anzu nehmen, daß die Folgewirkungen auf das Leiden des Gefangenen vorzugsweise psychischer Art sein dürften, da voraussichtlich die De preffionen bel Fortdauer der Haft an Intensität zunehmen werden. Befonders die neuropathichen Symptome bei dem Untersuchten dürften wahrscheinlich in Zukunft durch die schädigenden Einflüsse der Haft verstärkt werden. Die durch eine weitere Untersuchungshaft für den Gefangenen bedingte Absonderung von der Außenwelt wird voraus fichtlich in der Folgezeit noch mehr als bisher eine starke Scheinstel lung hervorrufen, welche zum übertriebenen Grübeln Beranlaffung gibt, einerseits über die vermeintlich durch die Haft bewirkte Schädigung der Gesundheit, anderseits über das unrecht, das dem Häftling in feiner Straffache angeblich widerfahren ist. Die voraussichtliche Haftreaktion bei weiterem Berweilen in der Untersuchungshaft dürfte sich bei Dr. Höfle in einer weiteren zu nahme feiner Empfindlichkeit und Uebererregbarkeit auf dem Gebiet der nervöjen Sphäre zeigen. Bei der Frage der zu erwartenden Haftschäden ist in erster Mißtrauen im Verein mit sogenannten paranoiden Linie zu denken an das Zustandekommen von tranfhaftem been oder an das möglicherweise Auftreten von tranfitori schen oder chronischen geistigen Störungen, hervor. gerufen durch Haftnoren. Hierzu ist schließlich noch zu bemerken, daß durch Haftnogen auf nervösem Gebiet hervorgerufene Haftschäden nach Ausschaltung der ursächlichen Faktoren meist überraschend schnell beseitigt werden fönnen. Dr. Hans Thiele. II. gez.: Thiele, Dr. med. Berlin- Moabit, den 16. 4. 1925. Untersuchungsgefängnis, 9,45 vormittags. Bezüglich der Frage der Haftfähigkeit des U. G. Höfle ver weise ich auf meine geftrigen fernmündlichen Ausführungen( d. h Haftfähigkeit bejaht, da Fluchtverdacht durch die Erkrankung nicht beseitigt ist. gez. Bülly 16. 4.) Sein Zustand ist heute noch im ganzen unverändert. 5. leidet vorzugsweise an depressiven Berstimmungen und an Störungen der Herztätigkeit. Ein ausführliches Gutachten habe ich bereits zu den Aften ein gereicht. gez. Dr. Thiele. Das Gutachten Dr. Störmers. Medizinalrat Dr. Störmer. Berlin, den 15. April 1925. 2. 3. 25. 25. Alt- Moabit 21/22. Objektiv ist Dr. H. 177 cm groß, mit einem Nachtgewicht von 72 kg. Man merkt ihm besonders an der Bauchhaut an, daß er haft etwa um 20 Pfund abgenommen habe, bas ist sehr wohl glauberheblich an Gewicht verloren hat. Er behauptet, daß er in der haft, denn er sieht jegt fränflich, ja jogar am Tage der Vorführung in der Charité dirett frant aus. Die Gesichtsfarbe ist eine völlig unfrische, graugelbliche, bie Augenlider find start umfchattet und die Haut ist gerunzelt, die Schleimhaut der Lungen und der Zunge zeigt einen ins bläuliche spielenden Farbton. Dienstag, 5. Mai 1925 nicht für vorliegend, aber der Zustand bedarf auf alle Fälle dringend der Behandlung, damit Dr. H. überhaupt in Zukunft erhandlungsfähig bleibt. Bei weiterem Berbleiben in der Haft wird die Herzschwäche auch unbedingt zunehmen, vor allem ouch die Schlaflosigkeit und fchen und allgemeinen nervösen Beschwerden gehen und dadurch damit wird Hand in Hand eine Steigerung der allgemeinen psychiwiederum wird das Herz immer mehr geschwächt. Es besteht demnach wie man fagt ein Schadenfreis, der schon binnen furzem wesentlich gefährden dürfte. nach nnjerer Ueberzeugung die Verhandlungsfähigkeit des Dr. H. Die Behandlung, die H. braucht, fann im Gefängnis nicht durchgeführt werden; er tönnte wohl ffthmolysin- Einspritzungen und einige Medikamente gegen Herzschwäche auch im Gefängnis haben, aber eine Behandlung mit Inhalation, von der wir uns den größten Erfolg versprechen, forte er dort nicht haben. Uebrigens ist das Asthma gegenwärtig auch nicht das Bichtigste, stehen und die hebung des allgemeinen Buftandes, namentlich Be fondern im Vordergrunde muß die Bekämpfung der Herzschwäche feitigung der Blutarmut. Alfe diese Leiden fönnen bei dem Grandleiden des H. erst recht nicht im Gefängnis erfolgreich behandelt werden, vielmehr können wir einen durchgreifenden Erfolg uns nur versprechen von einer baldigen Wiederholung einer fur in Nauheim, die, wenn sie einen Dauererfolg bringen fann, efwa vier bis fünf Wochen dauern muß. Wenn dann das Herz hinreichend gekräftigt fein wird, kann man von weiteren Heilproguduren, wie namentlich einer Liegefur in der Sonne und von medikamentöjen Einatmungen, eine weitere Hebung des Allgemeinzustandes bis zu dem Grade erwarten, die für die erfolg reiche Durchführung der Verhandlung nötig ist. Bir glauben also im Interesse der Erhaltung der VerhandlungsGründen befürworten zu follen. fähigkeit, wenn es sonst angeht, aus dringenden medizinischen Wir erheben hiermit Gebührenansprach. Geheimer Medizinalrat Diretior der II. med. Ritmit der Charité. gez Krauß gez. Med.- Rat Dr. Stormer. Auf Grund dieser Gutachten ist der HaftentlassungsDie Schleimhäute find gänzlich ungenügend durchwollte sein Opfer nicht freilaffen, fein Prestige hätte dar antrag Dr. Höfles abgelehnt worden. Der Staatsanwalt blutet. Der frisch entleerte Urin ist auffallend duntel, faft rotgelb. Er wurde in der Charité zentrifugiert und dann von uns gemeinfam mifroskopiert, er enthielt eine mäßige Menge von weißen Blutzellen und eine Anzahl hyalinen Zylindern, die zum Teil mit weißen Blutzellen besetzt war. Gutachten. Hiernach erachten wir die von S. getlagten subjektiven Beschwerden für durchaus glaubhaft; denn sie werden durch den objettiven Befund in jeder Beziehung unterftüht. 1. Rein objektiv handelt es sich bei Dr. Höfle vor allem um ein typisches Lungen- Emphysem mit ausgesprochenem bronchialen Asthma. hebliche Breite der Zwischenrippenräume, ferner die dunklen Lungen Dafür spricht das Röntgenbild, vor allem die sehr er und deren Tiefstand( infolge der Blähung), ferner die geringe Bemeglichkeit bes 3werchfells und vor allen Dingen der faßförmige und tiefe Thorag. Er spricht dafür, daß das Asthma nich erft in den letzten Monaten eingetreten ist, sondern daß es in der Tat seit Jahr zehnten besteht; denn so schwere Veränderungen an der Gestalt des Bruftforbes brauchen zu ihrer Entwicklung fehr lange Zeit. 2. Besteht bei S. eine erhebliche Herzschwäche bei leichter Er. weiterung des Herzens und ein frankhaft niedriger Blutdruck. Für die Herzschwäche fpricht insbesondere die Tatsache, daß die Herztöne übermäßig lelse find; ferner ist der Puis außerordent lich dünn, leicht unterdrüdbar und die Glieder find auffallend kühl, auch bei warmer Außentemperatur. a Hieraus ist zu folgern, daß die Herzfraft( vis à tergo) erheblich daniederliegt. 3. Auch die Blutbildung liegt danieder. Dafür spricht die ganz unfrische Gefichtsfarbe und das träntliche Rolorit, die ganz mangelhafte Durchblutung der Schleimhäute, und die oben genannte Herzschwäche offenbart fich vollends noch an dem blaulichen Farbenton von Zunge und Lippen. 4. Ferner enthält der Urin fremdartige Bestandteile, nämlich weiße Blutzellen und hyaline 3ylinder, wenn diese auch feine große Bedeutung haben, so müssen fie doch im Rahmen des ganzen Beachtung verdienen. 5. Endlich ist ein tranfhafter Seelenzustand bei H. etwa um eine tonographische und abfichtliche Darbietung, wenn in Entwicklung. Es handelt sich bei ihm nach unserer Ansicht nicht er fortwährend meint, sondern da diese Weinanfälle mit erheblichen Kongestionen einhergehen und da auch an der Schleimhaut der Augenvindehäute die feinsten Gefäße fehr start gefüllt sind, halten wir diese Weinanfälle für echte Gefühlsausbrüche und sie sind ja auch hinreichend feelisch motiviert. Einengung der Gefichtsfelder ergeben hat. Da auch sonst ernfte byDazu jei bemerkt, daß die Untersuchung am Perimeter feine sterische Anfälle gänzlich fehlen, jo haben wir um jo mehr Grund, die Weinanfälle für Zeichen echter psychischer Depreffion au halten. getünfteltes. Es liegt überhaupt im ganzen Gebaren des Dr. H. nichts Es ist auch wichtig zu registrieren, daß Dr. H. den ganzen Gang der ärztlichen Untersuchung von A- 3 mit befonderer Serg falt überwachte, so wie man es bei leichter Hypochondrie findet, Es liegen also bei Dr. H. eine ganze Reihe recht erheblicher objektiver Veränderungen vor, die in ihrer Gesamthelt die Diagnose Herzschwäche durchaus rechtfertigen. Daneben besteht objettive Blutarmut, Streislauf schwäche mit teilweisen Blutstauungen. Endlich verdient der Umstand, daß ich selbst( Dr. St.) am 11. April 1925 einen Herzschwäche an fall objettio Gelegerheit hatte, zu beobachten, Beachtung. Hierdurch gewinnen die Angaben bes Dr. H. jehr an Glaubwürdigkeit. Was hiernach die Haftfähigkeit anlangt, jo adhlen wir zwar bei weiterem Verweilen des Dr. H. in Haft eine nahe Lebensgefahr unter leiden tönnen, und die Herren Gerichtsärzte sie haben sich wohl durch ihre Gutachten zur Genüge felbft charakte rifiert. Der Untersuchungsausschuß des Landtags hat das Wort. Von ihm erwarten wir endlich Taten! Der Ausschuß an der Arbeit. Durchführung des Haftverfahrens gegen den verstorbenen Reichs Der Untersuchungsausschuß des Landtags zur Prüfung der poftminister Dr. Höfle hielt am Montag unter dem Borsiz des Abg. Geelmann( Dntl.) feine erste Sigung ab. Der Ausschuß; beriet zunächst über die rage, in welcher Weise die Beweisaufnahme durchgeführt werden soll. minifterium und das Wohlfahrtsministerium Dor Abg. Schmidt( 3tr.) wünscht, daß zunächst das Justiz machen, damit der Ausschuß das richtige Bilb gewinue. dem Ausschuß allgemeine Ausführungen fiber den Fall Höfte bg. Eberlein( Komm.) verlangt untersuchung darüber, ob nicht vielleicht das ganze Syftem der Behandlung der Gefangenen änderungsbedürftig fel. Die Untersuchung dürfe fich demgemäß nicht allein auf den Fal! Höfle beschränken, sondern müsse darüber hinaus die Dienst- und Strafvollzugsverord nungen der preußischen Strafanstalten zum Gegenstand haben. Abg. Dr. Kriege( D. Bp.)( chließt sich den Ausführungen des Abg. Schmidt an. Abg. Went( Soz.) verlangt zunächst fettens des Justizministeriums Borlegung des Erlasses vom 23. Juli 1924. Das jei wichtig infofern, als dieser Erlaß den bisherigen Erlaß des Ministeriums des Innern vom 20. März 1907 umstoße. Abg. Schmidt( 3tr.) wendet sich dann gegen das tommunistische Berlangen, die Untersuchung auf alle vorgekommenen Ber fehlungen in den preußischen Strafanstalten auszubehnen. Das sei nicht Sache des Ausschuffes, diefem liege lediglich die Untersuchung im Falle Höfle ob. Im weiteren Verlauf erhält dann das Wort zu eingehenden Ausführungen über das Strafverfahren gegen Dr. Höfle ein Bertreter des Juffizminifteriums. Er erflärt, daß eine Abschrift des Erlaffes des Juftizminifteriums weiter aus: vom Juli 1924 dem Ausschuß überreicht werde und führt dann Im Dezember vorigen Jahres wurde am Strafverfahren eingeleitet gegen Barmat und Genossen, das zunächst zum Gegenstand hatte die Anschuldigung des Kredit betruges zum Nachteil der Staatsbant. Im Verlauf bieses Berfahrens trat ban der Werdacht auf, daß Straflägen und weiter ber Berdacht, daß auch Dr. Höfle an diesen taten feitens Barmats auch zum Nachteil des Boftfistus vor Straftaten beteiligt sei. Es tam in Betracht, der Berdacht der Untreue zum Nachteil des Reichspoftministeriums, der Berbacht der passiven Bestechung und schließlich der Betrugs verdacht zum Nachteile der Abteitung Bayern des Bost minifteriums. Um 7. Februar murde von der Staatsanwaltschaft der Antrag geftelt, die 3m munität Dr. Höfles aufzuheben. Der Antrag wurde dadurch gegenstandslos, daß Dr. Höfle am 9. Februar ein Mandat niederlegte. Als Minister war er aber bereits am 9. Januar ausgefchieden. Am 10. Februar erfolgte die Boruntersuchung gegen Dr. Höfte und feine Berhaftung durd den Untersuchungsrichter. In der Bresse sind Mitteilungen dahin gehend gebracht worden, Dr. Höfle fei, sagen wir einmal, in eine Falle gelodt worden. Diese Mitteilungen entbehren der Be gründung. Am 10. Februar gegen Abend erfolgte die Berhaftung Dr. Höfles und feine Aufnahme in das Untersuchungs gefängnis Moabit. Am 11. Februar frühmorgens flagte er gegenüber den ihm besuchenden Vorsteher der Anstalt über Herz beschwerden. Der Vorsteher veranlaßte sofort seine Bor S.J. ARNHEIM BERLIN N. 20 BADSTRASSE 40-41 GELDSCHRÄNKE GEGR 1833 STAHLKAMMERN GEGR. 1833 Büro- Ausstellung am Kaiserdomen Stand 169 stellung bei dem Arzt des Untersuchungsgefängniffes Dr. Hirsch, der ihn untersuchte und anordnete, daß er in das Lazarett des Untersuchungsgefängnisses aufgenommen wurde. Das ist auch am 11. Februar geschehen. Weiter erklärt der Vertreter des Justizministeriums: Eine Reihe von Mitteilungen, die in der Presse über die Art der Untersuchungshaft gegen Dr. Höfle erschienen, seien nicht richtig. So z. B. die Mitteilung, daß Dr. Höfle die Sprecherlaubnis beschränkt wurde. Wie jedem anderen Gefangenen, so war auch Dr. Höfle alle neun bis zehn Tage zehn Minuten lang die Sprecherlaubnis gewährt gewesen. P Unrichtig sei es auch, daß Dr. Höfle nur zweimal vernommen wurde. Er sei im ganzen siebenmal in der Voruntersuchung gehört worden. Unrichtig sei ferner die Pressemeldung, daß die Boruntersuchung zehn Tage geruht habe. Der Untersuchungsrichter sei nur während zweier Tage frant gewesen. Es find zwei Gutachten über den Gesundheitszustand Dr. Höfles ein geholt worden, und zwar von Geheimrat Kraus und Medizinalrat Stürmer. Das letzte Gutachten stammt vom 15. April und hejagt, daß Lebensgefahr nicht vorliege, wohl aber Zunahme der Herztätigkeit und daß die Verhandlungsfähigteit ge fährdet sei. Es wurde eine Wiederholung der Kur in Nauheim empfohlen. Die Staatsanwaltschaft erklärte sich gegen eine Haftaufhebung und dem trat die Straffammer des Landgerichts am 17. April bei. Es wurde Fluchtverdacht als gegeben erachtet. Am 18: April verschlimmerte sich der Zustand. Eine abermalige Untersuchung stellte wiederum fest, daß Cebensgefahr nicht vorliege. Im Verlaufe der Nacht wurde der Erkrankte von Dr. Schirmer erneut untersucht. Abends trat dann eine weitere Verschlimmerung ein, so daß der Gefängnisarzt herbeigerufen wurde, und am 20. April wurde Dr. Höfle ins Hedwig- Krankenhaus übergeführt, wo er starb. Es wurde eine Sektion vorgenommen, über die ein Protokoll vorliegt. Abg. Wefter( Str.) macht hierauf eine Reihe von Vorschlägen, um eine Klarstellung der Vorgänge herbeizuführen. Es müßten dem Ausschuß Abschriften jämtlicher Unterlagen vorgelegt werden. April handhabte, und ferner mitzuteilen, mie groß ber 2uft. raum in der Zelle Dr. Höfles war. Wesentlich für die ganze Untersuchung sei auch, zu erfahren, wieviel Untersuchungsgefangene in den Berliner Untersuchungsgefängnissen im Zeitraum vom 1. Januar 1924 bis 1. September 1924 und wieviel vom 1. September 1924 bis 1. Mai 1925 gestorben und wieviel Untersuchungsgefangene wegen Haftunfähigkeit entlassen worden sind. Gehört werden müsse ferner besonders Berteidiger Dr. Ahlsberg über den Verlauf der Haftentlassungsangelegenheit. Abg. Wefter( 3.) beantragt, sämtliche Gutachten, die nach dem Geheimerlaß durch die Sachverständigen Kraus, Stör mer und Thiele in bezug auf die Haftunfähigkeit erstattet wurden, zur Berlejung zu bringen. Abg. Menzel( Komm.) verlangt auch Bernehmung des Laza. rettmachtmeisters, der sicher wichtige Aussagen über die Behandlungsart wird machen können. Abg. Wester( 3.) regt ferner Bernehmung des General direttors Sermfe über die Art der Verhaftung Dr. Höfles an. Im weiteren Berlauf bemängelt Abg. Wefter( 3.), daß im Obduktionsprotokoll gesagt werde, es handle sich um einen 1 Meter 82 Zentimeter großen Mann von regelmäßigem Körper bau und gutem Ernährungszustande. Demgegenüber müsse er feststellen, daß Dr. Höfle kurz vor seinem Tode von dem untersuchenden Arzt auf 120 bis 130 Pfund im Nacktzustande gefchäßt worden fel. Dr. Höfe habe zwei Tage vor seiner Berhaftung mit Bekleidung 195 Pfund gewogen, also etwa 185 Pfund im Nadt gewicht gehabt. Am 4. April sei das Gewicht bereits auf 154 bzw. 144 Pfund zurückgegangen. Auf eine Erklärung des Vertreters des Justizministes riums, daß er zunächst nur imftande sei, über die objektive Todesursache zu berichten, da die Ermittlungen über die sub. jeftive Todesursache noch nicht abgeschlossen seien, zieht Abgeordneter efter( 3.) feinen diesbezüglichen Antrag, die sämt lichen Krankheitsbefunde im Prozeß zur Berlesung zu bringen, zurüd, mit der Bemerkung, daß es dann der Presse überlassen merden müsse, diese Berichte morgen zu veröffentlichen. Hierauf vertagt sich der Ausschuß auf Dienstagvormittag 10 Uhr, Es soll dann in die Beweisaufnahme eingetreten werden. Als Zeugen sind zunächst vorgesehen Just izbeamte, die über den Gang des Strafverfahrens Auskunft geben fönnen, und zwar Oberstaatsanwalt Linde, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Pelzer, jomie der Untersuchungsrichter Dr. Höfles. Das von dem Vertreter des Justizministeriums perlesene Obduftiosprotofoli fommt zu dem folgenden vorläufigen Gutachten: Die Leichenöffnung hat eine bestimmte Todesursache nicht ergeben. Der Leichenbefund miderspricht nicht der Annahme, daß der Tod durch Einnahme eines narkotischen Mittels erfolgt ist. Der Genossenschaftliche Großeinkauf. Jahresbericht der G. E. G. Unendlich mühenoll mar der Rampf, den die großen Berbrauchergenossenschaften gegen die verheerenden Wirkungen und Folgeerscheinungen der Inflation zu bestehen hatten. Das Bild, das man von diesem Kampfe bei der Groß- Berliner Konsumgenossenschaft erhielt, trifft auf alle größeren Verbände zu. Langsamer Aufaber noch immer gilt es, ver Geheimrat Krohne vom Wohlfahrtsministerium erflärt, daß sein stieg wurde in zäher Arbeit erreicht, Ministerium den Fall Höfle lediglich von den Zeitungs- forenen Boden wiederzugewinnen, um eine Erweiterung des Abberichten her tenne. Bor etwa einem Jahr sei das Justiz fazes nach der Breite hin, also des genossenschaftlichen Kundenkreises, ministerium aufmerksam gemacht worden auf misstände in der zu erreichen und den Absatz an die bereits organisierten gerichtsärztlichen Begutachtung. Eine Versammlung höherer Berbraucher so zu steigern, wie es der Bedeutung der bereits geGerichtsbeamter beschäftigte fich u. a. auch mit dieser Beschaffenen Produktions- und Berteilungsbetriebe entspricht. Das schwerde, und das Justizminifterium ftellte dem Wohlfahrtsmini- felbe ergeben die Zahlen, die jetzt über die Geschäftstätigkeit der fterium ein reiches Material zur Verfügung. Es gebe danach eine große Anzahl von Aerzten, die vor Gericht Gutachten abgeben über genoffenschaftlichen Einkaufszentrale des Zentralverbandes deutscher das Borliegen von geistiger Minderwertigkeit, Beschränkung der Konsumvereine befannt werden. Die Großeintauisgefell Haft und Verhandlungsfähigkeit. Auch von einem Wirtschafts- fchaft deutscher Konsumvereine, meist turz GEG. geverbonde wären Mitteilungen gemacht worden, daß eine große An- nannt, erzielte im Jahre 1924 einen Warenumfag von zahl schwerster Verbrecher in Berlin ihr Unwesen treibe, 168466278 m. gegen 154 047 316 m. im Jahre 1913. namentlich solche, die sich des Metalldiebstahls schuldig gemacht hätten. Bom Umsatz entfielen auf die Bärden sie verurteilt, so würde ein ärztliches Zeugnis vorgelegt, daß die Berurteilten nicht haftfähig seien. Das Gericht mußte den rechtskräftig Verurteilten entlassen, und es wurde gebeten, diesen Dingen näherzutreten. Deshalb wurde ein Erlaß Kreisrür notwendig erachtet, in dem den Medizinalbeamten und Gerichtsärzten die Bestimmung des Erlasses vom Jahre 1853 noch einmal ins Gedächtnis zurüdgerufen wurde. Das Justiz minifterium hatte den Erlaß drei Bogen lang vorher geprüft und nur einige Zufäge rein rechtlicher Natur eingefügt. Der Erlaß ging dann am 23. August hinaus. Ein weiterer Ge. heimerlaß ist, was in der Deffentlichkeit behauptet wurde, niemals erfolgt. 1924 arenabteilung.... 142 167 953 m. 84.39% Broduktionsbetriebe 26 298 325 M. 15,61% 1913 143 936 279 M. 93,44% 10 111 037 R. 6,56% An Einzelheiten aus dem Warengeschäfte seien hervorgehoben: Der Absatz an Fleisch und Wurstwaren betrug 6,7 Millionen Kilogramm, darunter 3,4 Millionen Kilogramm Gefrierfleisch, gegen 800 000 Kilogramm im Jahre 1913. Das Snitem der SchmalzKonsignationslager wurde meiter ausgebaut. Der Umsatz an erin gen betrug 31 000 Tonnen( 1913 10,000 Tonnen), der Umsatz in frischen Fischen 13 400 3entner. Die Gewürzmühle fonnte nicht voll beschäftigt werden, obwohl der Umjak jeit 1913 von 322 000 Kilogramm auf 616 000 Kilogramm stieg. In der Gewürz abpaderei murden 5% Millionen Beutel Gewürze abgepact. Auch Die Kaffeeröstereien maren nicht voll beschäftigt. Die BeinGeheimrat arohne verlas einige Stellen aus dem Erlaß, in denen besonders betont wurde, daß der Sachverständige vor Geridit in der Hauptsache eine Hilfe des Gerichts zur Durchführung einer ordentlichen Rechtspflege jei. Dieser Standpunti müsse bestehen bleiben. Hierin tönne man fein angreifbares Moment er. bliden.( 3urufe: Doch! Do!) Eine Reihe von Gerichtstellerei steigerte ihren Umfag, namentlich in Süßweinen, er ärzten hatte ihre Befugnis erheblich überschriften heblich. und por Gericht Ausführungen gemacht, die die Angeklagten ent lasten sollten, die aber mit ihren eigentlichen Aufgaben nichts zu tun gehabt hatten. In dem Erlasse wird auch erklärt:„ Manche Aerzte erbliden grundsäglich in jeder Gesundheitsstörung einen hinreichenden Anlaß für die Frage, ob der Berhaftete haftfähig fei. Sie übersehen, daß felbft schwere Gefundheitsstörungen nicht ohne weiteres das Recht geben tönnen, für Haftunfähigkeit einzutreten." ( zurufe: Man muß warten bis er tot ift!) Im Erlaß wird weiter hervorgehoben, daß, wenn die Anstalt nicht nur ärztliche Versorgung, fondern auch die Möglichkeit einer Behandlung habe, fein genügender Grund für die Berneinung der Hafifähigkeit gegeben sei. Besonders wurden die Medizinalbeamten erneut darauf aufmerksam gemacht, daß eine Nichtoollstreckung nur eintreten könne, wenn die Heberzeugung vorhanden sei, daß vor der Haftvollstreckung eine nicht wieder gut zu machende Gefahr für Leben und Gesundheit zu befürchten sei. Ueber den letzten Erlaß hinaus wurden lediglich noch folgende vier Punkte den Medizinalbeamten zur Beurteilung anempfohlen: 1. Die Ausstellung amisärztlicher Atteste über Haft fähigkeit, geistige Minderwertigkeit usw. lediglich auf Privaterfuchen find unzulässig. 2. Das Gutachten eines beamteten Arztes ist nur auf Anordnung einer Gerichtsbehörde oder der Staatsanwaltschaft abzugeben. 3. Unzulässig ist es, den Bersonen, über deren Geifteszustand ufm. Gutachten ausgestellt sind, ohne Genehmigung der Gerichtsbehörde Einsicht in das Gutachten zu gewähren. 4. Wonach Staatsanwaltschaft oder Gericht die Befugnisse haben, einen anderen Gerichtsarzt zuzuziehen, wenn der in Frage kommende Privatpatient des Gerichtsarztes. Zu der Darlegung des Medizinalrats Kuhnt ist noch nachzutragen, daß Dr. Höfle aus der Gefängnisapothefe bereits vom 11. Februar ab Schlafmittel erhalten habe. Um 18. April, als die Berschlimmerung des Zustandes eingetreten war, hat auch der behandelnde Arzt Dr. Thiele Lebensgefahr für vorliegend erachtet. Am 19. April wurde Frau Dr. Höfle erst von dem schwerkranten Zuffande ihres Mannes benachrichtigt. Abg. Dr. Böhm( D. Bp.) schließt sich im allgemeinen den Anträgen Dr. Wester( 3.) an. Es fönne nicht verzichtet werden auf die Ergebnisse der Obduktion, die in einem Proto= foll niedergelegt sind. Der Vertreter des Justizministeriums erflärt darauf, daß das Ergebnis über die objektive Todesursache vorliege, dagegen Ermittlungen über die subjektive Todesursache noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Abg. Eberlein möchte wissen, wie die Berhaftung Dr. Höfles vor fich gegangen ist und wie oft ihm Sprecherlaubnis erteilt murde. Den Gerichtsärzten sei im übrigen nicht viel Vertrauen zu schenfen, man fönnte an ihre Stelle ebenso die Scharfrichter feizen. Abg. Dr. Weŋl( Soz.) bringt sodann zu den Anträgen des Abg. Wefter noch einige Ergänzungsanträge ein, die ver. langen, daß die Anhörung des Hausarztes Dr. Höfles, Stauter. Lichterfelde, erfolge, da dieser genaue Auskunft geben fönne, mie es, mit der Herzverfassung Dr. Höfles bestellt war, und in melchem Maße er den verschiedenen Giften, wie Rifotin, Biro. nai usm., gefrönt hat, sowie des Gefängnisgeistlichen Dr. Galz geber, der bis zum letzten Augenblick der Vernehmungsfähigkeit fich sehr häufig mit Dr. Höfle über alle Fragen, die hier eine Rolle fpielen, unterhalten hat. Dem Ausschuß müsse ferner der Befund bei der Aufnahme im Untersuchungsgefängnis vorgelegt werden, wie auch der des fatholischen Krantenhauses. Auch der Bericht müsse dem Ausschuß zur Kenntnisnahme eingereicht werden, der die zur Behandlung verwandten Medikamente angibt. Abg. Dr. Schmidt( 3.) bittet darauf, dem Ausschuß bekannt zu geben, wie es sich mit der normalen Bewegungsfreiheit im Untersuchungsgefängnis verhielt, und mie man die wirkliche Bewegung in den Monaten Februar, März und Bon der Entwicklung der Einkaufsvereinigungen ist zu berichten: Der Mengenumfaß der Lager betrug 21,8 Proz. des Gesamtumfaßes, gegen 10 bis 12 Broz. in der Borfriegszeit. Er stieg von 21 917-814 Kilogramm im ersten auf 24 892 078 Rilogramm im zweiten Halbjahr. In Minden wurde ein neues Lager mit Schrotmühle errichtet, das ostpreußische Lager wurde von Billau nach Königsberg verlegt. Die Konsignationslager wurden( bis auf die in Schmalz) aufgehoben. Der Geschäftsbereich der Abteilung Rheinland- Westfalen wurde im wesentlichen auf das be fetzte Rhein- und Ruhrgebiet beschränkt. Das Lager Mannheim fonnte seit dem 1. Mai wieder ungehindert benutzt werden. Lieferungen an ausländische Genossenschaften fanden nur in geringem Umfange ftatt, während der Bezug von solchen ausgedehnter war und sich auf Belgien, Dänemart, England, Holland, Litauen, Rußland, Desterreich, Ungarn, Schweiz und Tschechoslowakei bezog. Bel den Produktionsbetrieben erfüllten fich die auf die Wiederkehr stabiler Währungsverhältnisse gefeßten Hoffnungen noch nicht. Ueber die Entwicklung der Umjazz. verhältnisse im letzten Geschäftsjahr gibt die nachstehende Tabelle Aufschluß: Eigenbetrieb Mengenumfak 1925 14 373 Mille 487 428 Pfd. 85 162 34 466 Mille 7 143 244 kg Bigarrenfabriken... Rauchtabatfabriken. Rautabatfabrik Bigarettenfabrik Seifenfabriken Chemische Fabrit Bündholzfabrik. Weberei u. Konfektion Kleiderfabrik. Weberei( Scheuertücher) 1099 209 Sägewerku.Kistenfabrit Holzindust.( Dortmund) Bürstenfabrik Fleischindustrie Fischindustrie 5749 Stift. 315 000 m 111 918 Std. 74 347 " " 1924 Gesamtwert b. Umfakes 1924 M. 19 376 Mille Mit b. SandelsSonubftabatu. 693 089fb. 98 758 35 742 Mille 8 591 588 kg 5 700 000 Bad. 6 528 Kift. 368 676 m 111 523 Std. 162289 " 409 000 Rift. 1010 000 Std. 775 344 kg 1372 954 Std. 873 186 kg Teigwarenfabrik Gröba 2 982 177 kg Nährmittelf. Magdebg. Moftrichfabrit. Rudern. Schofoladenf. Malakaffeefabrik. Bankabteilung • 822 158 kg 530 235 kg Giroumsätze. 1913 1924 3 479 369 kg 525 491 kg 516 285 kg 1 396 630 kg Jm Debet 907. erlöfen für Rauchutenfilien 4 647 538 8 073 641 705 877 1 176 495 } 809 035 1 144 174 497 686 285 605 463 548 567 960 1900 544 1 395 987 2.254 236 529 280 315 357 914 138 738 503 Im Kredit 340 025 000 218 045 000 rund 838 885 000 232 433 000 Banteinlagen. Höchst. Stand Niedr.Stand 205 1914 1924. rund 34 345 000 8 954 000 12 902 25 236 000 4 732 000 In Bau und Grundstüdsangelegenheiten wurde manches Neue unternommen und vieles ergänzt. Die Zahl der beschäftigten Personen stieg von 2986 auf 3598; davon waren 1915 männliche und 1683 meibliche. Es waren im Handelsgeschäft 1260, in der Eigenproduktion 2338 Personen beschäftigt. An Gehältern und Löhnen wurden 5 717 475,30 m. ausgezahlt, an Benfionen und Unterstügungen 34 219,45 m., während an Beiträgen zur Sozialversicherung 561 652 m. abgeführt wurden. An Steuern waren zu zahlen 1 690 572,43 m., wovon allein auf die Umsatzsteuer 975 867,04 m. entfielen. Die Bilanz schließt in Aktiven und Passiven mit 45 051 864,16 m. ab. Für die Verteilung des Ueberschusses wird der General versammlung vorgeschlagen: . 1816 840,05 M. 134 699,64 Bom Ueberschuß aus 1924 find abzusehen: 5% Binfen auf eingezahltes Etammkapital Davon zu überweisen: dem Reierbefonds. R Dispositionsfonds. Produktionsfonds. Bantreferbefonds. " 1681 640,41 M. 250 000,00 532 663,71 683 662,95 215 313,75 1 681 640,41 M. Die Ergebnisse der ersten Monate des Jahres 1925 lassen hoffen, daß es fünftig wieder raicher borwärts gehen wird. Der Berliner Arbeitsmarkt. Der günstige Stand der Arbeitsmarktlage in Berlin ist im allgemeinen fernerhin vorherrschend geblieben. Die lehthin gemeldete zahlenmäßige Zunahme der Arbeitsuchenden ist durch erhebliche Anforderungen wieder ausgeglichen morden. Ebenfalls hat die Zahl der Erwerbslosenunterstüßungsempfänger eine immerhin beachtenswerte Abnahme erfahren. Es darf ohne meiteres angenommen werden, daß die Vermittlungsergebnisse eine noch günstigere Gestaltung erfahren hätten, wenn dieselben nicht durch die bestehenden Differenzen in verschiedenen Berufen beeinflußt worden wären. Bemerkenswert ist auch, daß sehr viel Aufträge zur Gestaltung von Arbeitskräften fur afristiger Natur Arbeitskräften zu verzeichnen. Dieses deutet unter anderem auf eine waren: Demgemäß war auch eine erhebliche Fluktuation unter den gemisse Unsicherheit im Wirtschaftsleben hin. Her vorgehoben zu werden verdient noch der schlechte Geschäftsgang in der Textilindustrie, der in recht erheblichem Maße, ins. besondere den Stellenmarkt für Angestellte, ungünstig beeinflußte. Es. maren 43 448 Bersonen bei den Arbeitsnachweisen eingetragen, gegen 43 788 der Borwoche. Darunter befanden sich 31 729 ( 32 622) männliche und 11 719( 11 168) meibliche Personen. Unter ftügung bezogen 15 626( 16 455) männliche und 3426( 3529) weib* liche, insgesamt 19 052( 19 984) Personen. Die Zahl der zu gemeinnüßigen Pflichtarbeiten Ueberwiesenen betrug 135 gegen 143 der Borwoche. Für die Landwirtschaft und Landschaftsgärtner lagen erhöhte Bedarfsmeldungen vor. In der Industrie der Steine und Erden waren die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Glasindustrie sowie für Steinmegen günſtig; dagegen herrschte für Schleifer und Fräser für die Marmorinduſtrie so gut wie gar feine Nachfrage. Gut beschäftigt ist weiterhin die Metallindustrie. Eleftorindustrie und Werkzeugmaschinenbau stehen an erster Stelle bei den Anforderungen nach hochqualifizierten Kräften. Ebenfalls gut beschäftigt war der Turbinenbau und die Eisengießereien. Im Autobau sind für erstklassige Autoschloffer mit Führerschein gute. Beschäftigungsmöglichkeiten vorhanden. Das Spinnstoffgewerbe verzeichnete insbesondere für Färbereiarbeiter und Strider sowie für Seidenspulen- und Maschinenstiderinnen günstige Bermittlungsergebnisse. Der Be schäftigungsgrad in der Zellstoff und Papierherstel. Iung und Berarbeitung ist weiterhin als günstig anzu sehen. Durch die Beendigung des Streits im Tapezierergewerbe war für die Lederindustrie und Industrie lederartiger Stoffe eine umfangreiche Bermittlungstätigkeit zu verzeichnen. Nach Sattlern, außer Wagenfattlern, herrschte nur geringe Nach frage. Die Lederarbeiter melden ein weiteres Nachlassen in der Anforderung von Arbeitsfräften bei steigender Arbeitslosigkeit. Das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe nerzeichnete noch einen günstigen Stand der Beschäftigungsmöglich feiten. Das Bekleidungsgewerbe ist weiterhin noch gut be schäftigt. In der Wäschebranche fowie für Kürschner und Mützenmacher war jedoch die Nachfrage äußerst gering. Das Baugewerbe meldete weiterhin fteigende Bermitte lungsergebnisse. Aeußerst günstig war die Lage bei den Malern. Bei den Stuckateuren und Glasern ist die Arbeitsmarktlage noch ungünstig. Der gute Geschäftsgang im Bervielfältigungsgewerbe ist vorherrschend geblieben. In der Gruppe Lohnarbeit wechselnder Art lagen weiterhin günstige Arbeitsangebote für männliche und weibliche Arbeitskräfte vor. Es fehlt an jugendlichen Kräften für alle Branchen. Starte Nachfrage herrschte nach geeigneten Kräften für dic Metallindustrie. Die Aufwärtsbewegung im Handels gewerbe und im Bureaufach ist zum Stillstand gekommen. Junge Stenotypisten und stenographietundige Kontoristen fonnten In der Anforderung pon techgut untergebracht werden. nischen Angestellten wurde in fast allen Branchen eine Zurüdhaltung in der Erteilung der Aufträge beobachtet. $ Das deutsch- franzöfifche Kaliabkommen. Wie die Kölnische Zeitung" erfährt, ist Freitag Generaldirektor Diehm vom Kalijnndifat in Begleitung zweier weiterer Synditatsmitglieder nach Paris gereift, um dort die inzwischen zum Abschluß gebrachten Bereinbarungen über das deutsch elfäffische Raliabtommen durch ihre Unterschrift abzuschließen. Die Ratifitation des Abkommens werde im Beisein des französischen Regierungsver treters und der Vertreter der elfäffischen Kalimerke auf der deutschen Botschaft erfolgen. Der wesentlichste Bunft dieses Abkommens jet die endgültige Berteilung des amerifanischen Absages, die in einer Relation von 70:30 erfolge, wobei das deutsche Kalifyndikat fämtliche Lieferungsrückstände der französischerfeits getätigten Abschlüsse außerdem mit übernehme, um auf diese Weise die elsässische Kaliindustrie für den französischen Markt zu entlasten. Zur Beseitigung der Handelsbeschränkungen zwischen Deutschland und der Schweiz. Am 7. Mai beginnen in Baden- Baden Berhandlungen zwischen deutschen und schweizerischen Regierungsver tretern über einen weiteren 26 bau der noch bestehenden beiders feitigen Einfuhrbeschränkungen. Dienstag 5. Mai 1925 Unterhaltung und Wissen Das Deutsche Museum und die Arbeiterschaft. Bom 5. bis 8. Mai findet in Münden die feierliche Eröffnung des seit rund zwei Jahrzehnten im Bau befindlichen Deutschen Museums ftatt. An den Feierlichkeiten nimmt die gesamte deutsche Deffentlichkeit teil. Diese Schöpfung des Iebendigsten Lehrmittels auf technischem Gebiet was bis heute fertig murde, ist erst ein fleiner Teil des großzügig angelegten Blanes, ist in der Hauptsache der jugendlichen und zielbewußten Spannkraft des bald 70jährigen Ostar Don Miller zu danken, der sich damit ein dauerndes Dentmal im deutschen Bolt gefchaffen hat. Ostar von Miller hatte die Freundlichkeit, über fein" Museum dem Bertreter des SPD." in München folgende Auskunft zu geben: Das Deutsche Museum, das die Entwicklung der verschiedenen Zweige der Naturwissenschaft und Technik darstellt, ist im wahren Sinne des Wortes ein Arbeitermuseum, nicht weil es wie sonstige Arbeitsmuseen Wohlfahrtseinrichtungen zeigt, sondern weil es eine Anstalt ist, in der in erster Linie der Arbeiter Belehrung und Anregung findet, weil es eine Sammlung ist, die dem ganzen Bolk Kenntnis gibt von der oft so mühsamen, schwierigen und gefährlichen Tätigkeit der Arbeiter und dadurch dazu beiträgt, die Achtung vor dem Arbeiter in allen Kreisen des ganzen Voltes zu erhöhen. Bon diesen Gedankengängen lebendig durchdrungen, waren es gerade auch die Arbeiter, die den Bau des Museums gefördert haben. Nicht nur reiche Unternehmer und leistungsfähige Firmen haben das Museum unterstützt, nein, gerade in den Zeiten der schlimmsten Not, in denen die Museumsleitung faum wußte, wie sie die Arbeiten fortsetzen sollte, haben Arbeiter und Lehrlinge die Samstagnachmittage und die Sonntage geopfert, um die Maschinen aufzu stellen, die Apparate herzurichten und zu montieren. Das Erhebende für mich: dafür nahmen diese Arbeiter teine Bezahlung an, denn sie wollten zeigen, daß sie bereit sind, eine große Idee, eine große Kulturaufgabe mit Opfern zu fördern. Die Museumsleitung hat in voller Erfenntnis der Bedeutung, die das Deutsche Museum gerade für die Arbeiterschaft hat, bestimmt, daß das Museum jeden Tag geöffnet ist, und zwar an Werktagen von 9 Uhr früh bis 9 Uhr abends und an Sonntagen von 10 Uhr früh bis 6 Uhr abends, damit auch der Arbeiter nach Schluß feiner Arbeitszeit das Museum besuchen und auf diese Weise eine Mehrung seines Wissens nach des Tages Last und Mühen viel einfacher sich verschaffen fann, als wenn er aus Büchern und theoreti schen Bemerkungen lernen und studieren muß. Dieses lebendige Buch der Wissenschaft, der Technit und des Fortschrittes wird eine Förde rung und Hebung der Kultur im allgemeinen und insbesondere auch eine Hebung des Arbeiterstandes begünstigen, wie es fein anderes Wert zu leisten vermag. 19 Der Eindrud bei dem erstmaligen Rundgang durch das Museum ift überwältigend. Die ganze Strede, die bei einem solchen Rundgang zurückzulegen ist, beträgt nicht weniger als 16 Kilometer. Man braucht also nahezu 4 Stunden, um das Museum nur zu durchwandern und dabei einen flüchtigen, ja ganz flüchtigen Blick auf seine ungeheuren Schäße, die munderbaren Anlagen der Maschinen und Apparate aus der frühesten Zeit der Naturwissenschaften und der Technik bis herauf in die jüngste Gegenwart zu werfen. Staunend hält man bei dem einmaligen Rundgang da und dort an, um dies oder jenes Meisterstück zu bewundern Bom Keller bis zur Dachtuppel findet man einen so unermeßlichen Reichtum aufgehäuft; daß man gerne glaubt: diefes Museum mit seinem fezt schon 40 000 Quadratmeter Ausstellungsraum ist das größte und bedeutendste seiner Art auf der ganzen Welt. Auf dem Plaze vor dem Museum soll später ein Bibliothefbau mit Vortragssälen und anderem errichtet werden. Alles ist in erstklassiger Form von erstklassigen Kräften dargestellt. Bei pielen Maschinen und Apparaten fann der Besucher selbst Experimente anstellen und überall find die Vorgänge in den Maschinen deutlich erkennbar gemacht. In die Tiefe des Bergwerks gelangt man mit Hilfe einer Rutschbahn. In naturgetreuer Größe und Aufmachung sieht man hier den Bergarbeiter bei seiner schwierigen und gefahrvollen Tätigkeit. Der Einblick in die verschiedensten Arten von Bergwerfen ist vollkommen. Man sieht, wie Salz, Kohle und Erze gewonnen und verarbeitet werden. Eine fulturhistorische Bergmannsstube mit einer Orgel leitet zum Hüttenwesen über. In der Halle der Kraftmaschinen befinden sich historisch wichtige Originale, so die Wassersäulenmaschine von Reichenbach aus dem Jahre 1817, die erste in Deutschland gebrauchte Wafferturbine und eine genaue Nachbildung der in London stehenden Dampfmaschine von Watt aus dem Jahre 1788. Die Ent wicklung des Fahrrades und des Automobils wird gezeigt an Hand der Laufmaschine von Drais, daher die Draisine, bis zum voll endetsten Auto. Bitte, kein Mißverständnis! Beilage des Vorwärts House Erst komme ich... Und dann käme ja zunächst noch der Herr Papa!" Es ginge zu weit, alle Einzelheiten des Museums so aufzuzählen, daß man einen einheitlichen Gesamtüberblick erhält. Man möchte jedem Deutschen wünschen, daß er einmal in seinem Leben seine Schritte in das Deutsche Museum lenten tann, um staunend die Werke körperlicher und geistiger Arbeit, die hier beisammen sind, zu bewundern. Dieser schaffende Geist ist es, der die Volksgenossen einer Nation und die Zeitgenossen aller Länder zusammenführen foll zu frohem, schaffendem Leben. Buchhändlerreisen in alter Zeit. B. Im Keller befindet sich auch eine Erdbebenstation. Am Eingang zur Geologischen Abteilung bleibt man mit Bewunderung vor einem Modell stehen, das einen vollendeten Einblick in den Aufbau unserer händler zu Leipzig gegründet, deffen großartige Organisation heute Am 10. Mai 1825 wurde der Börsenverein der Deutschen BuchErde gewährt. Auf allen Gebieten werden hier nicht nur die neuesten den ganzen Buchhandel zusammenfaßt. Das hundertjährige Einrichtungen vorgeführt, sondern immer in naturgetreuen oder echten Modellen gleichzeitig die Entwicklung des betreffen zurück zu den mühseligen Anfängen, aus denen sich diese Einrich Jubiläum wird festlich begangen werden, und die Blicke schweifen den Zweiges gezeigt. Gerade diese Darstellungsart macht den Besuch des Deutschen Museums so außerordentlich lehrreich. tung, namentlich durch die tatkräftige Mitwirkung von Friedrich In der Abteilung Schiffbau und Luftschiffahrt findet man alle Andreas Berthes, entwickelt hat. Leipzig ist schon seit dem 16. Jahrdiese Verkehrsmittel vertreten. Bom Einbaum bis zum vollendeten hundert die Messestadt der Buchhändler gewesen, aber erst gegen Baffagier- Ozeandampfer und dem modernen Linienschiff. Im UnterEnde des 18. Jahrhunderts führte der Wunsch nach einem gemeingeschoß befindet sich auch das erste deutsche Unterseeboot U I, das fchaftlichen Abrechnungslokal, nach einer Buchhändlerbörse, zu einzige U- Boot, das nach dem Diftat der Entente nicht zerstört wereinem Zusammenschluß, der bis 1924 ein Privatunternehmen blieb. den mußte. An der Decke des Gewölbes winimelt es von Flug- Hier kamen nun die Buchhändler aus allen Teilen Deutschlands zeugen aller Art; man sieht hier das Originalflugzeug von Lilien- usammen, und es war ihnen in jenen fernen Tagen wahrlich nicht thal, die erste Metallmaschine von Junkers, und dazwischen den leicht gemacht, das„ Meffa des Buchhandels" zu erreichen. Apparat Blériots, mit dem er den ersten Flug über den Kanal ausführte. lleberall dazwischen sind die Modelle der Zeppeline und der anderen Luftschiffsysteme, sowie Freiballons und zahlreiche Originalförbe von Ballons, mit denen frühere Rekordfahrten ausgeführt wurden. Interessant ist das perspektifische Deckengemälde im Saale für Mathematik. Das erste elektrische Telegraphon Sömmerings aus dem Jahre 1809 erweckt in uns ein überlegenes Lächeln; Sömmering brauchte 25 Drähte, für jeden Buchstaben einen besonderen Draht. Bei den Musikinstrumenten findet man die primitivsten Negertrommeln, die gerade so flingen, als ob man ein Bierfaß anzapfe, und daneben ein großartiges Orgelwert, das sogar Glockentöne mit Fernwirkung nachahmt. Ferner fann man auch den klängen des Hammertlaviers, auf dem Mozart spielte, lauschen. Das alchimistische Laboratorium enthält alle Einrichtungen des alten Goldfuchers und die berüchtigten Herenküchen des Mittelalters. Gleich daneben gewährt der Saal Nahrungsmittel einen Ueberblick über die Physiologie der Ernährung und der Untersuchung der Nährstoffe. Das Prachtstück des Museums bildet aber in der großen Mitteltuppel das von der Firma Zeiß in Jena geftiftete Planetarium. Man fann hier tatsächlich um die Erde fahren und fieht, wie die Blaneten mit ihren Trabanten sich in Wirklichkeit bewegen. In vier Minuten fann man ein ganzes Erdenjahr bewegen. Und wer glaubt, daß sein Schicksal in den Sternen geschrieben sei, der kann genau sein Horoskop stellen, denn mit Hilfe des Planetariums fann die Stellung der Weltförper für jeden beliebigen Zeitpunkt vor oder nach Chriftus festgestellt werden. Wer dann, voll von den Wundern der Technif, ausruhen und feine leiblichen Bedürfnisse befriedigen will, findet dazu in einer eigenen Restauration Gelegenheit, Von den beschwerlichen und gefährlichen Reisen der Buchhändler plaudert Richard Alberti in einem Aufsatz des BörsenLeipzig besuchte, so machte sich die schlechte Jahreszeit unangenehm blattes für den Deutschen Buchhandel. Da man zur Ostermesse bemerkbar, und ältere Leute fonnten sich bei der mehrtägigen Fahrt im flapprigen Bostwagen, gar wenn sie durch Eis und Schnee wie durch hohe Mauern fahren mußten", leicht Erkältungen zu= ziehen. Im 16. Jahrhundert legten die Buchhändler die Reise rielfach zu Pferde zurück. Manchmal machte ihnen die schlechte Witterung die Fahrt auch ganz unmöglich; so berichtet z. B. der Breslauer Buchhändler Joh. Ernst Meyer aus dem Jahre 1785, er hätte mit seinen Kollegen nur bis zur ersten Station tommen fönnen, weiter ging es nicht, weil man wegen Wasser und Schnee nicht die mindeste Spur eines Weges fand". Während des Dreißig jährigen Krieges mußte der Messebesuch der Buchhändler wegen Unsicherheit für Leib und Leben oft unterbleiben, und auch später nech brachten Kriegsereignisse große Gefahren mit sich. So machte während des Siebenjährigen Krieges der Vertreter pen Friedrich Nifolai in Berlin auf der Reise zur Leipziger Messe eine recht peinliche Bekanntschaft mit einer 12pfündigen Kanonenkugel, die während des Aufenthaltes in Wittenberg in seine Stube flog und ihn beinahe im Bette erschlagen hätte. Die Reise, die heute so leicht und schnell zurückgelegt wird, war immer ein großes Ercignis, bei dem man von der Familie gerührten Abschied nahm und sein Haus für alle Fälle" bestellte. Umständliche Vorbereis tungen mußten getroffen werden. So ließ fich Nikolai einen be sonders eingerichteten Reisewagen bauen und schaffte sich auch für die Fahrt eine Taschenschreibfeder an, die beständig Tinte enthielt. Weniger begüterte Buchhändler mußten in der Postfutsche Plaz nchmen, und vorsichtige Leute nahmen Schinken und Würste mit, um nicht Hunger zu leiden. Raffenhygienische Familienberatung. Unsere Kenntnis von der Bererbbarfeit vieler Krankheiten ist schon so groß, daß es den Aerzten gestattet werden fann, Ehekandidaten mit gutem Gewissen zu einer ehelichen Verbindung zu raten bzw. abzuraten. Dies trifft ganz besonders für die Geistestrankheiten zu. Grundsäglich soll der Geistes- oder Gemütskranke nicht heiraten, vor allem aber feine Kinder in die Welt setzen. Ebensowenig sind die sogenannten Psychopathen für die Ehe und Kindererzeugung geeignet( hierher gehören Morphinisten, Kofainisten. Alkoholisten, Willensschwache, Leute mit feruellen Triebanomalien usw.). In ist aber der Einzelfall fachärztlich zu prüfen, ehe ein Rat erteilt diese Gruppe der Gefährdeten gehören auch diejenigen, die franke oder halbkranke Blutsverwandte haben. Bei allen diesen Menschen wird. Die Folgefrankheiten, der Syphilis an sich, wie Paralyse nicht besonders zu fürchten. Von den eigentlichen Geisteskrankheiten ( Gehirnerweichung) und Hirnsyphilis find als erbliche Belastung besitzt das manisch- depressive Irrfein eine starte Vererbungskraft, weshalb hier vor einer Ehe dringendst zu warnen ist. Bei der Schlaffrankheit" und Geistesstörungen nach schweren Kopfverlegungen können sehr häufig die Bedenken nach eingehender Untersuchung zerstreut werden. Bei Hilfsschulkindern soll den Eltern rechtzeitig eingeprägt werden, daß der heranwachsende Mensch darauf vorbereitet wird, niemals zu heiraten. Bei Ausbruch einer vererblichen Geisteskrankheit davon absehen, weiter Kinder zu zeugen. während der Ehe ist vom Arzt darauf zu dringen, daß die Eltern Diese Sanierung der breiten Massen ist aber erst durchzuführen, wenn das sozialpolitische Programm des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen in die Praxis umgesetzt wird. " Entdederfreuden. Eine neue wissenschaftliche Entdeckung be deutet für den Forscher die größte Freude des Lebens. Einige Beispiele für dieses Entzücken führt Dr. Federschmidt in der Frankfurter Wochenschrift„ Die Umschau" an. Kepler, der Entdecker der Planetenbewegung, begann seine Weltharmonie" mit den Worten: Hier werfe ich die Würfel und schreibe ein Buch, zu lesen für die Mitwelt und Nachwelt oder die Nachwelt allein. Es wird seiner Lejer Jahrhunderte marten, wenn Gott selbst 6 Jahrtausende den erwartet hat, der sein Werk beschaute." Als der Naturforscher Leeuwenhoef die Infusorientierchen in einem Tropfen Waffer unter dem Mitrastop entdeckte, geriet er darüber in solches Entzücken, daß der würdige Gelehrte zu tanzen anfing. Der große Botanter Linné war auf seine Entdeckungen so stolz, daß er unter dem Titel loras Leibregiment" eine Rangordnung der Botanifer nach militärischen Graden aufstellte, in der er selbst als General den obersten Blas einnahm. Auch Goethe hat die Entdeckung des Zwischentieferfnochens am menschlichen Schädel stets als einen der glücklichsten Momente seines Lebens gepriesen. Seine Freude darüber beschreibt er mit den Worten: Mir bewegten sich alle Eingeweide." Der dänische Naturforscher Der steb nannte das Jahr 1828, in dem er Den Elektromagnetismus entdeckte, jein Glücksjahr." Nichts", sagt er, fann feelenstärkender sein als die große Wahrheit, welche die Naturwissenschaft nicht bloß lehrt, sondern auch beweist, nicht bloß beweist, sondern auch vor Augen stellt, nämlich die Wahrheit, daß die Natur ewigen Gefeßen gehorcht, und daß diese Gesetze so beschaffen find wie die Geseze einer ewigen Bernunft." Die Heimarbeitausstellung. Eine Mahnung an die Gesetzgebung. Es ist das vierte Mal, daß in Deutschland an der Hand von Arbeitserzeugnissen aus der Heimarbeit die Arbeitsbedingungen biefer Ermerbszweige bekanntgegeben werden. Das erste Mal geschah es durch die Generalfommission der Gewerkschaften im Anschluß an den von ihr veranstalteten ersten Heimarbeiterius fangreß im März 1904. Die zweite Seimarbeiteraus. stellung, die eindrucksvollste, die bisher veranstaltet worden ist, fand im Jahre 1906 statt. Beranstalter waren damals, wie auch diesmal, die Gemert[ aften aller Richtungen unter der Regie der Gesellschaft für foziale Reform. Die dritte Ausstellung wurde nur für das Gebiet des Rhein- und Maingates im Jahre 1908 veranstaltet. Eine vierte Heimarbeiter austeilung, die in Berbindung mit der Internationalen Hygieneausstellung in Dresden im Jahre 1911 stattfinden sollte, fam nicht zustande, meil auf Beranlassung der unter nehmerorganisationen, insbesondere auf eine Eingabe des Berbandes sächsischer Industrieller, die Ausstellungs leitung ihre vorherige 3ustimmung zurüdzog und Bedin gungen stellte, die von den Gewerkschaften nicht erfüllt werden fonnten. arbeit vorhanden war. Diese forderten aber gebieterich Kenderung. Auf das wiederholte Diängen der Gewertschaften entschloß sich daher das Reichsarbeitsminifterium im Jahre 1923, dem Reichstage den Entwurf eines Heimarbeiterlohngefeges vorzulegen, der für die Fachausschüsse eine günstigere Zusammensetzung vorsah und auch das Recht, Löhne feftfeßen zu fönnen, um das die Sozialdemokraten 1911 fast allein und vergeblich gekämpft hatten. Es gibt zu denken, daß das Heimarbeiterlohngefeh einstimmig angenommen worden ist. Es ist am 30. Juni 1923 in Kraft getreten. Trotzdem hat es noch 17 Monate ge= dauert, bis zum 28. November 1924, ehe die Reichsregierung eine Berordnung herausgebracht hat, nach der Fachausschüsse auf Grund des Heimarbeiterlohngesetzes errichtet werden fönnen. Die Gejez gebung arbeitet auch in der Republit immer noch recht langjam, wenn es sich um den Arbeiterschutz handelt. Trog alledem immer noch erheblich schneller als im faiserlichen Deutschland. z. 5. Rzeis Griebrichshain. Donnerstag, ben T. Mat, 7% Uhr, erweiterte Reis Dorstandssigung bei Rofin, Gubener Straße 19.-5. Rreis. Achtung Abteilungstaffierer! Die Maifeierbilletts müssen bis heute abend bein Genoffen Günther abgerechnet werden. 5. Rreis. Mittmoch, 7% Uhr, Bezirksversammlung Rathaus, Königstraße. Tribünentarten find bein Genoffen Fischer oben am Eingang zu erhalten. 9. Kreis Wilmersdorf. Erweiterte Kreisvorstandssigung Mittwoch, den 6. Mai, abends 8 Uhr, bei Arois, Holsteinische Straße 60. 11. Rreis Schöneberg- Frieben w. Beitungskommissionsfizung Mittwoch, den 6. Mai, 8 Uhr, Zeitungs/ pedition. Heute, Dienstag, den 5. mai: 95. Abt. Neuföln. 7% Uhr Funktionärßigung bei Rösler, Steinmenftraße 45. Alles einladen. Jungfozialisten! 7 Uhr Sugendheim Barfaue 10 Literarischer Abend.Gruppe Niederfchöneweide 8 Uhr Generalversammlung. Der Arbeits. ausschuß trifft sich 7% Uhr im Jugendheim. Gruppe Tempelhof- Mariendorf. 7 Uhr Jugendheim Enzeum, Germaniaftt. 4/6, in Tempelhof, Aussprache: Hannover- Kreis- Hofgeismar- Kreis. Morgen, Mittwoch, den 6. Mal: 23. Abt. Mittwoch 7% Uhr Bezirksführer bei Lewandowski, Geestraße 109. Sämtliches Wahlmaterial und Fahnen find abzuliefern. Maizeitungen müffen abgerechnet werden.. 27. Abt. 8 Uhr Funktionärfonferens bei Rarl Woßmann, Gleimstr. 10. Tagesordnung: Stellungnahme aus Neuwahl der Abteilungsleitung. 7 Uhr Vorstandssigung ebenba. 58. Abt. Charlottenburg. 7% Uhr Sigungsfaa! Rantestt. 4, vorn 4 Trp., Funktionärsigung. 136. Abt. Reinidenborf- Oft. 82. Abt. Steglik. 8 Uhr bei Thiele Funktionärsigung. und Abends 7% Uhr im Restaurant Schüßenhaus, Residensstr. 1/2, Generalversammlung. Tagesordnung: GeschäftsRaffenbericht. Neuwahl des Abteilungsvorstandes. Stellungnahme au Neuwahl des Kreisvorstandes. Es ist Pflicht aller Mitglieder zu er scheinen. Die Mitglieder des engeren Abteilungsvorflandes werden ge befen, bereits um 7 Uhr pinktlich zu erscheinen. 141. Abt Rofenthal. 7% Uhr Funktionärsigung bei Frische, Niederstr. 5. Frauenveranstaltung morgen, Mittwoch, den 6. Mai: 14. Kreis Reukölln. Funktionärinnenßigung 7% Uhr Nedarftt. 2 Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. Abt. Am 1. Mai verstarb unfere Genoffin Marie Echwabe, Mustauer Straße 18, im Alter von 33 Jahren. Beerdigung am Donnerstag, den 7. Mai. Endstation Linie 15. Gefundene Gegenstände auf dem Maijugendtag find im Jugendfekretariat, Glücklicherweise sind die Fachausschüsse nicht die einzigen Mittel, um auf die Lohnbedingungen der Heimarbeit einwirten zu können. Das wichtigste mittel bleibt die Organisation. Bo fie gänzlich fehlt, können auch Fachausschüsse nichts ausrichten. Wo aber die Organisation die Mehrzahl der Heimarbeiter umschließt, geht es auch ohne Fachausschüsse. Die Organisation der Heimarbeiter läßt jedoch noch viel zu wünschen übrig, in der Hauptsache dort, wo die Arbeit überwiegend oder gar ausschließlich von Frauen Der Gebante, durch eine Ausst effung die Aufmerksamkeit ausgeübt wird und in Gebirgsgegenden und dort, wo sie Füllarbeit auf die Arbeitsbedingungen der Heimarbeit zu lenfen, war entstanden, ift. Dort tönnen im Zusammenwirken von Organisation und Fach meil sich gezeigt hatte, daß die üblichen von den Gewerkschaften an ausschüssen die noch immer traurigen Lohnbedingungen der Heimgewendeten Mittel nicht ausreichten, um für die Mehrheit der in der arbeit gebessert werden und wenn dies gelingt, auch die übrigen, Heimarbeit tätigen Männer und Frauen Verbesserungen der Arbeitsmit den Lohnbedingungen eng zusammenhängenden Arbeitsbedin bedingungen zu erreichen. Die Organisationen famen an die gungen und die Wirkungen schlecht bezahlter Heimarbeit, u. a. die Heimarbeiter und-arbeiterinnen nur sehr schwer heran, die ihre immer noch stark vorhandene Kinderarbeit. Arbeit als Füllarbeit ausübten, neben der Hausarbeit, zum Die Organisation der Männer und Frauen in der Heimarbeit nachmittags 5 Uhr, auf dem Reuen St. Michaeltirchhof, Mariendorfer Weg. Hinzuverdienen. Dazu fam, daß in der Deffentlich feit ein hat feit 1906 erfreuliche Fortschritte gemacht, und mit ihr sind Fort ganz falsches Bild von den Arbeitsbedingungen in der Heimschritte Hand in Hand gegangen bezüglich der Regelung und Ber Heimarbeit galt als die idealfte Form beijerung der Arbeitsbedingungen der Heimarbeit. In allen Be- indenstr. 3, zu haben: Fauftball, Brillenetui, Schlüffel, Taſchenkamum, Kinderunselbständiger Arbeit. Der Mann oder die Frau oder auch rufen bestehen heute 3. B. Tarife, die 3. T. den Heimarbeitern beide fönnten im Kreise der Familie zufrieden und glüd höhere Breise für Arbeitsleistungen gewähren, als Werkstattarbeitern lich) arbeiten, dies sei doch schöner und bequemer als die Arbeit in gezahlt werden, als Entgelt für Wohnungsmiete, Beleuchtung, HeiFabritbetrieben mit ihrem Zwange. Dabei wurde jedoch übersehen, zung usw. Auch Ferien unter Fortzahlung eines bestimmten Lohn daß Heimarbeit in der Regel dhlechtest bezahlte Arbeit fages für Heimarbeiter sind heute durchaus teine Seltenheiten. mar, die den Arbeitsträften kaum das nadie Leben bot, so daß zahl- Diese Erfolge gewertschaftlicher Organisation find lose Männer und Frauen und viele, viele Kinder trotz fleißigfter nicht zuletzt auf die Bekanntgabe der traurigen Arbeitsbedingungen Arbeit aus Mangel am Nötigsten buchstäblich bah tnftechten. der Heimarbeit durch die Heimarbeitsausstellungen zurückzuführen, Wiederholt war die Gesetzgebung auf das Elend dieser die das öffentliche Gewissen gemeckt und die auch die organisierte Heimarbeitergruppen aufmerffam gemacht worden. Insbesondere Arbeiterschaft veranlaßt haben, sich mehr den Arbeitsbedingungen war in Reichstagsverhandlungen in den Jahren 1885, 1887 und der Heimarbeiter und arbeiterinnen anzunehmen. nach dem großen Streit der Berliner Konfettions. arbeiterinnen im Jahre 1896 Don sozialdemokratischer Seite und durch Dentschriften der Gewerkschaften das Heimarbeiterelend eingehend beleuchtet worden. Alle Versuche, die Gesezgebung mobil zu machen, blieben ohne Erfolg. Die Gewerkschaften aber waren damals noch zu schwach und infolge der Wirkungen des Sozialisten gesetzes und der vereinsgefeßlichen Bestimmungen besonders schwach in Berufen mit starter Frauenarbeit, um gegen die Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in der Heimarbeit mit größerem Erfolge anfämpfen zu können. Die Gefeßgebung griff nur ein, wenn es galt, den Gewerkschaften Schwierigkeiten zu machen. Was wir heute an gefeßlichem Heimarbeiterschuß besigen, ist auf die Heimarbeitausstellung von 1906 zurückzuführen. Es find jedoch nahezu 18 Jahre seitdem vergangen, ehe eine Gefetzgebung zustande gekommen ist, von der eine Mithilfe zur Besserung der Arbeitsbedingungen der Heimarbeit erwartet werden tann. Die Reichsregierung ließ vier Jahre auf sich warten, ehe sie dem Reichstage einen Entwurf eines Hausarbeitgefeges porlegte. Allein nirgends ist die Konkurrenz so groß und das Unterbieten der Arbeitsuchenden so start vorhanden wie unter den Arbeitskräf ten, die Berdienstgelegenheiten in der Heimarbeit suchen. Diese Menschen, in der Hauptsache Frauen, stammen zum Teil aus so verschiedenen Gesellschaftsschichten mit so unterschiedlichen Ansprüchen und sie fommen aus so verschiedenen Anlässen zur Heimarbeit, daß ein Solidaritätsgedante unter ihnen sich von selber kaum entwickelt. Jugendveranstaltungen. Renton IV: Lotal Heute, abends 7% Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Wedding- Norb: Schule Millerstr. 48. Rosenthaler Borstadt: Schule Gips. a 23. Schönhauser Vorstadt: Schule Jbsenstr. 17. Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10. Westen: Baugemertsicule, Aurfürstenstr. 141. Bilmersdorf: Jugendheim Hildegardstr. 4. Marienbors: Alte Schule, Dorf" Bum Barwinfel", Steinbodfit. 10. 10.- Reukölln V: Jugendheim Schierkeftr. 44. Röpenid: Jugendheim Grilnauer Straße 5. Treptow: Jugendheim ElfentResibengite. 46, Aussprache: Warum feiern wir ben 1. Mai?" Straße 3, Vortrag: Freigeistige Strömungen." Reinidendorf- Oft: Secbad", Rofenthal: Schule Kastanienallee. Buchholz: Lokal von Roffad, Hauptstraße. Span. dau: Altes Echüttenhaus, Neuendorfer Straße 5. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Mittwoch, den 6. Mai, abends 8 Uhr, im Jugendheim Bindenftr. 3. IT. Sof, 3 Treppen: Bentral- Helfersizung. Thema: Bie bauen wir unsere Elternorganisation auf?" Umständehalber mußte die Sprechstunde unferer Sentrale fünftig auf Freitag, jeweils von 6-7 Uhr, umgelegt werden. Wir bitten alle Selfer hiervon in Renntnis au sehen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Darum soll aufs neue eine Heimarbeitausstellung zeigen, wie sehr auch heute noch Heimarbeit Gelegenheit zur Ausbeutung menschlicher Arbeitstraft gibt, und fie foll ferner zeigen, daß und mit welchen Mitteln mit Erfolg dagegen angefämpft werden tann. Schon heute steht fest, daß durch die Heimarbeitsausstellung hineingeleuchtet werden wird in Arbeitsgebiete und Berufszweige, deren Arbeitsbedingungen dringend verbesserungsbedürftig find, und daß für diejenigen, die ein Herz für ihre Mitmenschen haben und die Faftoren fennen, die im Wirtschaftsleben wirken, sich die Notwendigkeit ergeben wird, die Kräfte mobil zu machen, die helfen können, die zur Berfügung stehenden Mittel zur Besserung Raishorit. Mittwoch, den 6. Mai, abends 8 Uhr, Monatsversammlung der Arbeitsbedingungen der Heimarbeit auch anzuwenden. Aber weder die Regierung noch die bürgerliche Mehrheit des Reichstags waren gewillt, durch das Gefeß auf die Löhne einzumirten. Den einzigen, wenn auch nur ganz minimalen Lohnschutz boten die Bestimmungen, die den Aushang von Lohntafeln in den Räumen, wo Heimarbeit ausgegeben ober abgenommen wirb., Parteinachrichten oder die Ausgabe von Lohnbüchern oder Lohnzetteln an die Heimarbeiter vorschrieben und die Vorschriften über Fachaus schüsse, die aber nur als Gutachter in Frage fommen sollten. Die Sozialdemokraten und einzelne bürgerliche Abgeordnete forder ten vergeblich für die Fachausschüsse die Rechte und Befugnisse von Bohnämtern. Das Hausarbeitsgeleb trat am 1. April 1912 in Kraft; die Bestimmung über Lahntafeln und Lohnbücher aber erst im Jahre 1918 und die Bestimmung über Fachausschüsse sogar erst nach der Revolution. Der Bundesrat hat die zum Infrafttreten dieser Bestimmung notwendige Berordnung nie erlaffen. Ohne die Befugnis von Lohnämtern tonnten die Fachausschüsse feinen Einfluß auf die Lohnbedingungen der Heimarbeit ausüben. Trauerfpenden 承 jeber Art Iterest preiswert normals Robert Meyer, WANZEN Ginsenbungen für diese Rubrik find Berlis 68. 68, Sindenstraße 3, Gertrud Hanna. für Groß- Berlin fets an Das Bezirksjekretariat, 2. Sof, 3 Trep. rechts, zu richten Die Abteilungen, melche das Rundschreiben der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen( Bezirk Groß- Berlin) noch nicht beantmortet haben, werden dringend gebeten, dies noch in dieser Woche zu tun. 4. Reefs Brenzlauer Berg. Mittwoch, ben 6. Mal, 7 Uht, Gigung bes et weiterten Kreisvorstandes bei Klug, Danziger Straße 71. Abrechnungen und Berzeichnisse der evt. neugewählten Abteilungsleitungen mitbringen. Achtung Abteilungstaffieret! 4. Rreis. Die Maifeierkarten müssen bis( pätestens Dienstag, den 5. Mai( heute), beim Genossen Moranz abe gerechnet werden. Bahlungserleichterung, Möbel. Rredit und bar, billig und nut Qualitäts- out. Möbel- Bedner, Brunnenstraße 7 Speisezimmer, Rahe Rofenthaler Blak. Sabr fant Brut. Motten, Gin Anzahlung. Läufe, Flöge usw. Meinfe tann Schlafzimmer, jeder Laie möbel. Besichtigung Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefäftsstelle: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 87/38. Sof 2 Tr. Ramerabschaft Behlendorf. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet in der nächsten Bodje ftatt. Näheres an diefer Stelle. Samerabidhaft Wedding. Mittwoch, den 6. Mai, abends 6 Uhr, treffen fids fände Kameraden am Bahnhof Buttigstraße aur Fahrt nach Spandey. Bollaähliges Erscheinen notwendig. Samerabschaft Neukölln- Brig 1. und 2. Zug. Mittwoch, den 6. Mat, abends 8 Uhr, Turnen im Enzeum Berliner Straße. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen. Mittwoch, den 6. Mai, abends 7 Uhr, Turnen in der Lüdstraße. Bollzähliges Antreten auch der Unfer gruppen ift unbedingt nötig, ba wichtige Mitteilungen. Untergruppe bei Hausmann, Trestowallee 34. Ramerabfchaft Kreuzberg, Abteilung Südoft. Heute, Dienstag, den 6. Mai, 7 bis 0 Uhr, Turnabend in det 115. Gemeindeschule, Staliker Eit. 55/56. Berein der Freibenter für Feuerbestattung Ortsgruppe Lichterfelbe. Die fällige Monatsversammlung findet am Donnerstag, den 7. Mai, abends 71 Uhr, bei Lenski, Hindenburgdamm 55, statt. Um vollzähliges Erscheinen wird gebeten. Theosophische Gesellschaft, Zweig Berlin. Mittwoch, den 6. Mai, 7% Uhr, in den Gesellschaftsräumen Wilhelmftr. 120, öffentlicher Bortrag: Rein Senfeits gibts, fein Wiedersehen?" Mit Disfuffion. Eintritt frei. Arbeiterverein für Biochemie und gebensreform L. B. B., Bezirk Neukölln. Donnerstag, den 7. Mai, 7 Uhr, bei Raffun, Donau- Ede Erdstraße, fon. stituierende Bezirksversammlung. Erfcheinen der Mitglieder in Bricht. Berein felbständiger Handwerker fibischen Glaubens G. B. Mittmod, ben 6. Mai, findet im jüdischen Gemeindehaus, Rofenftr. 2/4, pintlich& Uhr. eine Mitgliederversammlung ftatt. Sahlreiches Erscheinen erbeten. Geschäftliche Mitteilungen. Als günftige Einkaufsquelle wird von unferer Frauenwelt bie Firma C. u. A. 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