Abendausgabe Str. 212 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 104 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dongo 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Fernsprecher auf der Reichs- Netlame- Meffe: Wilhelm 5744 Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Mittwoch 6. Mai 1923 Berlag und Angetgenabteilune: Geschäftszeit 9-3#h: Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Danboff 2506-2007 Fernsprecher auf der Reichs- Reilame- Meffe: Withelm 5744 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Justizmord an Dr. Höfle. Die Zustände im Untersuchungsgefängnis. fönne, meinte diefer, es habe sich feine auffallende Veränderung tuberkulose Frau und ein Säugling geftorben. So lange der Strafabteilungsvorsteher Schmidt in der Höfle machte den Verfuch zu sprechen, aber es gelang ihm nicht. heutigen Sigung seine vorher wohlüberlegten eigenen Aus- Er habe Schmidt verständnisvoll angesehen, während er noch am jagen machte, verliefen die Verhandlungen des Ausschusses Abend vorher den Eindruck eines verständnislosen Schwertranfen ziemlich eintönig. Sie befamen erst dann eine andere auf ihn gemacht habe. Abends 9 Uhr wurde wiederum gemeldet, Färbung als die Abgeordneten zu fragen begannen. daß sich der Zustand Höfles nicht verschlimmert habe. Erst am So erfuhr man, daß Höfle in der Zeit vom 14. Februar bis Montag früh erfolgte dann seine Ueberführung ins Hedwig- Krantene 3. April nach den Biegungen im Gefängnis 23 Pfund ab- haus. Auf Befragen des Borsitzenden, ob der Zeuge über etwaige genommen hatte. Trotzdem will der Gefängnisvorsteher fchlechte Erfahrungen nach dem Erlaß vom 23. Auguſt berichten Peine Veränderung im Aussehen von Höfle bemerkt haben. Bei der Wiegung am 3. April wurde im Ge gezeigt, es feien im vorigen Jahre in der Krankenabteilung eine fängnis ein Nadtgewicht von 77 Kg. festgestellt, ein Tag nachher wurde er in der Charité gewogen, dort ermittelte man aber nur ein Gewicht von 72 Kilo. Auf noch viel eigentüm lichere Zustände läßt aber der folgende Borgang schließen, der, wenn er nicht eine so traurige Begebenheit zum Anlaß hätte, stürmische Heiterfeit auslösen müßte. Herr Schmidt hatte angegeben, daß er erst am Sonnabend vor der schweren Erkrankung von dem schlimmen Zustande Höfles erfahren habe. Aus dem dem Ausschuß vorliegenden Krankenblatt geht aber hervor, daß Höfle schon einen Tag früher bewußtlos gewesen ist. Wörtlich heißt es in diesem Krankenblatt: " Höfle gibt an, bewußtlos zu sein und demonstriert ein zerrissenes Hemd." Bei Beginn der heutigen Verhandlungen teilte der Vorsitzende, Abg. Seelmann mit, daß heute nachmittag einer der Anwälte Dr. Höfles, Dr. Peschte vernommen werden folle. Die Berhandlungen des Ausschusses würden voraussichtlich noch 10 bis 12 Gigun gen in Anspruch nehmen. Als erster Zeuge wurde heute der Strafabteilungsvorsteher Schmidt pernommen. Er berichtete über die Einzelheiten der Einlieferung und des Aufenthalts öffes im Gefängnis. Am 10. Februar abends sei ofle ins Gefängnis gelommen. Er habe sich wie jeder andere neu eingelieferte Untersuchungsgefangene in einem erregten Zustande befunden. Als Schmidt ihn am nächsten Bormittag be juchte, flagte Höfle über ein altes herzleiden. Schmidt hat bann die sofortige Untersuchung durch Dr. Hirsch veranlaßt. Er habe dem Dr. Hirsch auch vorgeschlagen, Höfle in die Krankenabteilung zu überführen, weil er es verhindern wollte, daß er zum Schau objekt für andere Gefangene werde. Bei der Untersuchung habe Dr. Hirsch einen Herzfehler festgestellt, der aber nicht schwer gewesen sei. Dr. Hirsch habe Dr. Höfle beruhigt, er brauche sich feine Sorgen zu machen. Schmidt habe Höfle im Laufe seiner Haft fünf bis sechsmal gesprochen. Er habe oft geflagt, daß es ihm nicht fehr gut gehe. Ach: Tage vor der schweren Erkrankung habe er die Hoffnung auf Entlassung ausgesprochen. Damals habe Höfle auf Schmidt einen frischen Eindrud gemacht, er schien mehr Lebensmut zu haben. Etwa zehn Tage vor der schweren Erkrankung wurde berichtet, daß Höfte einen verworrenen Eindrud mache. Ein Abteilungswachtmeister meldete, er glaube, daß Höfle betrunken fei. Man fand auch in der Zelle von Höfle vier bis fünf Flaschen Bier und eine Flasche Wein, sie waren aber voll, so daß von einer Betrunkenheit teine Rede sein konnte. Höfte durfte auf Anordnung des Arztes täglich eine bis zwei Flaschen Bier trinken, es sei also möglich, daß es sich um einen aufgesparten Vorrat ge: handelt habe. Am 18. April nachmittags gegen 4 Uhr meldete der Oberwachtmeister Döring Höfle als schwer erkrankt. Schmidt ging sofort zum Oberdirektor und besprach die weiteren Maß nahmen. Inzwischen war schon einmal an Dr. Thiele, den ersten Gefängnisarzt, telephoniert worden. Als der Oberdirettor noch einmal bei Dr. Thiele anrief, zeigte der sich bereits als informiert. Schmidt habe darauf hingewiesen, daß das sofortige Erscheinen des Arztes unbedingt notwendig sei. Thiele, der in Steglig wohnt, wies aber auf die weite Entfernung hin und meinte, daß er vor 6-7 Uhr nicht da sein könne. Der Vorsigende stellt bei dieser Gelegenheit durch Befragen des Zeugen fest, daß der damalige zweite Arzt Dr. Hirsch auch recht weit entfernt wohnte, nämlich in Charlottenburg. Seit dem 1. April amtiert in neuer Arzt Dr. Bürger, der in Wilmersdorf wohnt, aber die Absicht geäußert hat, in die Nähe des Gefängnisses zu ziehen. Der Zeuge muß bestätigen, daß immer Not war, die Gefängnisärzte herbeizubringen, in dringenden Fällen habe man sich allerdings an einen in der nähe wohnenden Arzt gewandt. Die ärztliche Versorgung der Krantenabteilung, die 80-90 Personen umfaßt, liegt lediglich in den Händen dieser beiden Aerzte, dazu kommen bann noch vier Bflegepersonen. Der Zeuge fagt dann weiter, daß aus der Meldung des Oberwachtmeisters hervorgegangen fei, daß Höfle fich in bewußtlofem Zustande befunden habe. Als zwischen 6-7 Uhr Dr. Thiele erschien, ging er mit diesem in die Zelle. Höfle bot das Bild eines Schwertranfen. Er atmete schwer, der Pals war herabgefeht, er hatte Fieber. Dr. Thiele ftellte aber feft, daß eine Reaktion des Auges vorhanden sei. Er ordnete ftändige Ueberwachung an. Dr. Thiele äußerte den Berdacht, daß der Zufland Höfles durch übermäßige Benuhung narkotischer Mittel entstanden sei. Um eine Durchsuchung der Zelle Höfles zu ermöglichen, wurde diefer im Bett in eine andere 3elle verlegt. Bei der Durch fuchung fand man 33 Tabletten, die in einem start abgenugten Briefumschlag lagen. Als sich Schmidt am Sonntag früh nach dem Befinden von Höfle erfundigte, wurde ihm gesagt, daß sich sein Bustand gebeffert zu haben scheine. Gegen 11 Uhr machte er Höfle einen Besuch. Als Laic erhielt er ein günstigeres Bild als am Abend vorher. 3 Abrüstung und Waffenhandel. Die Konferenz beim Bölkerbund. ( Bon unserem Genfer Rorrespondenten.) Am 4. Mai begann in Genf, unter den Auspizien des Bölferbundes, eine Internationale Konferenz zur Kontrolle des privaten Waffenhandels. Einundvierzig Staaten lassen sich vertreten, darunter sämtliche europäischen Großmächte, mit Ausnahme Rußlands, und die Bereinigten Staaten von Nordamerita. Dieser legte Faktor mird naturgemäß den Berhandfungen der Konferenz eine besondere Bedeutung verleihen, um fo mehr da die Bereinigten Staaten wiederholt ihrem Wunsche Ausdruck gegeben haben, jede Arbeit zur Herbeiführung der allgemeinen Abrüstung tatkräftig unterstützen zu wollen. Die Vorgeschichte dieser Konferenz geht ziemlich weit zurück. Schon im Jahre 1887 wurde ein Abkommen zwischen verschiedenen Großmächten getroffen, in dem diese sich verflagt habe. Er behauptet, die Zahl der Beamten im Gefäng hinderung des illegalen Waffenhandels zu schaffen. Diese Der Zeuge gibt weiter an, daß Höfle nicht über die tot gepflichteten, eine Internationale Kontroll- Institution zur Ver nis sei nicht ausreichend, um einen ordnungsgemäßen Behinderung des illegalen Waffenhandels zu schaffen. Diese trieb durchzuführen. Jezt sei die Lazarettapotheke unter Ronvention ist jedoch niemals in Kraft getreten. Es blieb besonderem Verschluß, der nur von den drei Wachtmeistern geöffnet dem Belieben der einzelnen intereffierten Staaten überlassen, werden könne. Die Möglichkeit liege aber vor, daß früher die mit welchen Mitteln sie den Waffenschmuggel( es handelte Pfleger Zutritt zu den Apothekenbeständen gehabt hätten. Ein fich hierbei in erster Linie um Kolonialgebiete) entgegentreten agerbuch über die Apotheke in Verbindung mit einem ärat molien. lichen Verordnungsbuch gäbe es nicht, da zu ihrer Führung eine besondere Person notwendig sei. Abg. Dr. Fester( 3.) stellt aus den Akten fest, daß Höfle nicht bei der Einlieferung, sondern er st am 4. Tage gewogen wurde. In den ersten acht Tagen hat er 8 Pfund, in den zweiten 7 Tagen 7 Pfund, bis zum 3. April weitere 8 fund, insgesamt also vom 14. Februar bis 3. April 22 Pfund abgenommen. Mis Radfgewicht wurde am 3. April im Cazareff 77 Kilo festgestellt, bei einer Biegung in der Charité die einen Tag nachher stattfand, dagegen nur 72 kilo. Nach dem Krantenblatt hat Höfle fchon am Freitag vor seiner lleberführung ins Krantenhaus einen Zusammenbruch erlitten. Aus den Krankenblatt liest Dr. Fester vor: Höfte gibt an, bemußtios zu fein". ( Heiterfeit.) Der Zeuge Schmidt erklärt dazu, daß ihm nichts von diesem Anfall am Freitag bekannt gewesen sei. Die bei Dr. Höfle vorgefundenen Tabletten hätten die gleiche Stärfe und Form gehabt, wie die Tabletten aus der azarettapothete. Schmidt fellt noch mit, daß Dr. Thiele bei der Untersuchung am Sonnabend. abend erklärt habe, es fomme teine Ueberführung in Frage, weil Dr. Höfle im Krankenhaus auch nicht eine andere Behandlung finden könne. Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge Schmidt, daß Höfle außer der Bewilligung von 1 bis 2 Glas Bier pro Tag niemals einen besonderen Wunsch geäußert habe. Er sei also in einer Weise anders behandelt worden, als andere Unterfuchungsgefangene, habe also auch feine Bevorzugung erfahren. Die Sicherheitsdiskussion. Briands Antwort an Stresemann. Paris, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Nach den Matin ist die Fertigstellung der französischen Antwort auf das deutsche Garantieangebot noch im Laufe dieser Woche zu erwarten; ihr Tert, der von Briand stammt, soll sehr erheblich abweichen von dem Wortlaut, den noch Herriot ausgearbeitet hatte. Die Haupt schwierigkeiten, schreibt das Blatt, liegen in der Frage, welche Berpflichtungen Deutschland für seine Oft grenzen zu übernehmen bereit ist. Das von der deutschen Regierung seinerzeit überreichle Memorandum enthalte darüber feinerlei genaue Aufklärung, da Stresemann sich lediglich zum Abschluß von Schiedsgerichtsverträgen mit den in Frage kommenden Ländern bereit erklärt hatte. Die Eröffnung direkter Verhandlungen fönne erst in Frage tommen, wenn eine Berständigung darüber zustande gefommen sei, daß das Schiedsverfahren sich nicht auf eine Menderung der Grenzen erstrecken dürfe und daß der territoriale Statusquo ausdrücklich als unantastbar bezeichnet werde. Die Note wird vor ihrer Absendung den alliierten Kabinetten mitgeteilt werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese Darstellung des Matin" bestätigt. Eine solche Antwort Frankreichs würde natürlich die Ausfichten auf das Zustandekommen eines Sicherheitspattes außer ordentlich verringern, denn eine nochmalige, ausdrüdliche und freiwillige Anerkennung der deutschen Oftgrenzen tommt für feine deutsche Regierung in Frage. Damit würde die franzöfifche Regierung lediglich beweisen, daß ihr die militärische Bündnispolitik mit Polen, die angeblich für die Sicherheit Frankreichs unentbehrlich ist, höher steht als die eigentliche und beste Sicherheitsgarantie, bie Deutschland bieten kann, nämlich die freiwillige Anerkennung feiner Weſtgrenze. Ein solcher Ausgang der Angelegenheit würde vor allem die Deutschnationalen in höchstem Maße befriedigen und ihnen aus ihrer Berlegenheit heraushelfen. Indeffen sind Zweifel an der Richtigkeit dieser Bersion des Matin" insofern berechtigt, als es taum anzunehmen ist, daß Briand die Antwort seiner Regierung ohne Fühlungnahme mit Chamber Iain erteilen wird. Eine solche Antwort würde aber den diplomati schen Absichten der englischen Regierung zweifellos widersprechen. Auf der anderen Seite wird aus London gemeldet, daß der deutsche Botschafter Sthamer im Auswärtigen Amt einen Schritt unternommen hat, um auf eine baldige Beantwortung der deutschen Vorschläge zu bringen. Das ist ein neuer Beweis da für, daß entsprechend den Erffärungen des Reichstanzlers Luther der bisherige außenpolitische Kurs der Reichsregierung, besonders hinsichtlich des Sicherheitspattes, trotz der deutschnationalen Opposi tion beibehalten wird. Im Zusamenhang mit der Rede Houghtons meldet der Washingtoner Korrespondent der Londoner Times", daß Bräsident Coolidge die Wiederaufnahme der Verhandlungen über den Eicherheitspaft lebhaft wünsche Erst seit dem Bestehen des Völkerbundes wurde der GeAuf den ersten beiden Tagungen des Völkerbundes und bei danke an eine internationale Regelung wieder aufgenommen. verschiedenen Sikungen des Völkerbundrates wurde wiederholt die Notwendigkeit einer internationalen Regelung te font, ohne daß jedoch praktische Konsequenzen aus diesen Resolutionen gezogen worden wären. Es murde allerdings im September 1919 in SaintGermain eine Konvention abgeschlossen, die das Problem des Die Ronvention wurde unter der Boraussetzung geschaffen, privaten Waffenhandels von zwei Seiten aus lösen wollie. daß sie non den Regierungen aller Länder angenommen würde. Natürlich tam es dabei in erster Linie auf die Zu. ftimmung der Hauptindustrieländer für Waffen und Munition an, es war aber nicht weniger wichtig, auch die anderen Länder ohne eigene Waffenindustrie, zum Anschluß an diese Ronnention zu bemegen. Tatsächlich haben aber nur 11 Staaten, und zwar alle feinstaaten, die Stonvention ratifiziert, während der Rest, darunter alle Großmächte. außer den Bereinigten Staaten von Amerifa, ihre Zustimmung davon abhängig machten, daß alle anderen Staaten mit Waffenindustrie gleichfalls ratifiziert würden! Das bedeutet natürlich eine Berzögerung bis zum Nimmerleinstag. Eine einzige Aus nahme machen hierbei Deutschland und Oesterreich. beide früher große Waffenproduzenten; sie wurden entsprechend den Bestimmungen des Friedensvertrages ge= nötigt, die Konvention von Saint- Germain zu unterzeichnen. Weitere Schwierigkeiten für eine Ratifizierung der Ronvention entstanden aus der Haltung der Bereinigten Staaten, die wiederbolt erklärten, daß sie auf feinen Fall die Bestimmungen der Konvention annehmen könnten, die eine wirksame Kontrolle des Staates über die privaten Waffenindustrien vorsahen. fämtlicher Staaten( Mitglieder und Nichtmitglieder des Jezt hat das Bölferbund- Sekretariat die Regierungen Bölferbundes) eingeladen, ihre Meinung darüber zu äußern, in welcher Weise fie an der Lösung des Broblems des privaten Waffenhandels und der privaten Waffenindustrie mitzu arbeiten geneigt seien. Als Mittel hierzu murde die Inter nationale Konferenz vorgeschlagen. Man wollte damit in erster Linie eine Sonderaktion der Vereinigten Staaten von Nordamerika verhindern, an deren Mitarbeit dem Bölferbunde mehr als an allen anderen gelegen ist. Es ist vorauszusehen, daß die Arbeit der Konferenz, wenn fie überhaupt zu einem Erfolg führen soll, nicht an die eigentlichen Probleme der Abrüstung rühren darf. Ganz abgesehen davon, daß die Frage der Waffen fabrikation felber, die ja erst die Borauslegung für den Waf fenhandel ift. überhaupt nicht aufgeworfen wird, bleibt der legale Waffenhandel, der mit ausdrücklicher Ermächtigung der Regierungen vor sich geht, außerhalb jeder Beein trächtigung. fchenden fapitalistischen Syftem wird es nur mit den größten Bei dem heute in fast allen europäischen Ländern herrSchwierigkeiten möglich sein, die Privatwaffenindustrie durch ftaatliche Verbote und Gefeße zu fcntrollieren. Als Produ genten tommen fast ausschließlich europäische Staaten in Be fracht. Als Abnehmer in erster Linie erotische Länder ohne eigene Waffenindustrie. Aber auch viele füdamerikanische Staaten beziehen fast ausschließlich das Kriegswerkzeug jeder Art von ihrem großen Bruder Jonathan im Norden. Es iſt bei den in Frage kommenden großen Intereffen sehr begreiflich, daß die Vereinigten Staaten z. B. ihrem Delegierten für die Konferenz die ausdrückliche Beisung mitgegeben haben, keiner Bertragsbestimmung zuzustimmen, die eine Kontrolle oder ein Eingriffsrecht des Staates in die private Waffenindustrie por. sieht. Für Europa und für Amerika bleibt nach wie vor das Broblem der Abrüstung völlig ungelöst. Was würde es schließlich auch nühen, wenn man hier zu einer internationalen Regelung für den privaten Waffenhandel käme? So lange die großen staatlichen Unternehmungen wie Armstrong, Creu zot, Stoda und Schmab Jahr für Jahr phantastische Mengen von Kriegsmaterial jeder Art herstellen, so lange die Budgets aller Länder durch irrsinnig hohe Militärausgaben jede wirt liche Kulturarbeit unmöglich machen, so lange bleiben alle| Riffmeister von Pfeil, Oberst von Hagmann, Baron Versuche, dem großen Grundproblem der Abrüstung mit Raulbar B, von Schlippe, Baron Wrangel, von Palliativmitteln beikommen zu wollen, unzulänglich und Belgard. lächerlich. Nur auf der Grundlage einer ehrlichen und entschiedenen Abrüstung aller Staaten kann Europa die Sicherheit bekommen, ohne die es nicht leben fann. Späte Erkenntnis. Deutschnationale Warnung vor den Weißgardisten. In der Nationalpost" bezeichnet der deutschnationale Landtagsabgeordnete Eduard Kenkel die russischen Emigranten als eine politische Gefahr für Deutschland. Er führt an und beweist es durch zahlreiche fonkrete Angaben, daß zahlreiche ehemalige russische Offiziere, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben, nichts anderes find als Agenten und Spione in französischen und polnischen Diensten, denen obendrein der Verkehr mit rechtsgerichteten Kreifen Deutschlands nur Mittel zum Zwecke der militärischen und politischen Spionage sei. Barnung An der Berechtigung dieser Warnung ist gar nicht zu zweifeln. Nur vergißt Herr Rentel hinzuzufügen, daß jene weißgardistischen Kreise in den Jahren 1919 bis 1921 mit offenen Armen gerade von den deutschen Rechtsradikalen aufgenommen wurden. Unter dem Vorwand des gemeinsamen Zieles der Bekämpfung des Bolfchemismus und sogar der Wiederherstellung der Monarchie in beiden Ländern wurden sehr enge Beziehungen zwischen den ehemaligen faiserlich- russischen und kaiserlich- deutschen Offizierfreifen gefnüpft und gepflegt. Dieser Kontakt war besonders eng im Baltikum, wo die Truppen des Generals von der Golz, des jezigen Führers der Baterländischen Berbände" auf das engste mit den Truppen des weißgardistischen Häuptlings Awalow Bermont zusammenwirften. Russische Offiziere und Mannschaften standen unter deutschem, deutsche Offiziere und Mannschaften unter russischem Kommando. Einer der hauptsächlichsten Verbindungsmänner zwischen russischen und deutschen Reaktionären war jener Scheubner Richter, der beim Ludendorff- Hitler- Butsch in München am 9. November 1921 fiel. Die meißgardistischen Kreise erfreuten sich bei den deutschen Reaktionären einer so großen Beliebtheit, daß sie zum Begräbnis der ehemali gen Kaiserin in Potsdam eine besondere Abordnung von Offizieren in der weißen zaristischen Friedensuniform entsenden und einen riesigen Kranz niederlegen durften. Und jetzt erlassen selbst Deutschnationale Warnungen vor diesen Leuten, die nur Entente- Spione seien. Eine späte Erfenntnis, nachdem fie in ihrem reattionären und monarchisti schen Fanatismus diese Spione selbst gezüchtet haben. In einem breizeiligen Schlußsah versucht Herr Kentel einen Unterschied zwischen den von ihm gebrandmarkten Weißgardisten und den Deutschbalten zu machen: Die deutschfühlenden und ganz auf deutsches Wesen eingestellten Balten sollen durch diese Betrachtungen nicht betroffen werden." Herr Kenkel macht es sich gar zu leicht. Denn ebenso wie vor dem Kriege und während des Krieges jene angeblich deutschfühlenden Balten am 3arenhofe, in der zaristischen Diplomatie und im zaristischen Heere die wildesten Kriegstreiber gegen Deutſchland waren, fo iſt auch und spionierenden Weißgardisten außerordentlich schwer. Während des Krieges hießen russische Armeeführer oder Botschafter Rennenkampf, Fürst Lieven, Giers, Bennedendorff( nicht Hindenburg!) und ähnfich. Nach dem Kriege entdeckten viele dieser ehemaligen Kriegsheher ihr deutschfühlendes Herz und fanden nicht nur kritiklose, sondern geradezu brüderliche Aufnahme bei den gleichgesinnten Reaktionären Deutschlands. Aber gerade unter den Namen, die Herr Kenkel in seinem Artikel erwähnt und vor denen er am eindringlichsten warnt, sind die meisten un-. zweifelhaft deutsch, resp. deutsch- baltisch: Oberst Lampe, Maifest in Oberösterreich. Bon Hermann Schüzinger. Baron Linz, Anfang Mai. Wir sausen im Kraftwagen des Landeshauptmanns die große Heerstraße von Linz nach Salzburg, der Traun entlang, in die Berge hinauf. Reste ehemaliger Russenlager rechts und links der Fahrbahn mahnen an die herrliche, an die eiserne Zeit; schwarzblaue Wälder, lachende Seen, blühende Gärten und braune Aecker fliegen vorbei im Maiennebel wie Schatten. Da jagt die Sonne die letzten Wolkenfezen weg und die Bergwelt des Salzkammergut steht vor uns, silberklar und hell, in ihrer schönsten Maienpracht. Die Hügel: melt des Hausruck baut sich als Vordergrund rechts der Traun und der Vöckla auf, dahinter bäumt sich der massige Traunstein, das lang gezogene, mit Neuschnee überschüttete Höllengebirge empor, der Schafberg, der Bahmann, der sagenumjponnene Untersberg nischen sich in die leuchtende Landschaft und wie eine schneeige Wolfe breitet fich der Dachstein darüber. Dieses herrliche Maienpanorama dient heute als Hintergrund" einem höheren Zweck, dem Maifestspiel der oberösterreichischen Arbeiterschaft, dem Spiel vom Bauernfrieg" auf dem Haus hamerfeld. Und so sind die Straßen zwischen Enns und Inn überfät von einem Heer von Radfahrern, Autos und Bauernwagen, das samt und sonders nach diesem„ Oberammergau" der oberösterreichischen Genossen strebt mit Mann, Weib und Kind. Die Kinderfreunde" jubeln mit ihren Schützlingen, den Buben und Mädels, ihr frohes Freindschaft!" in unseren Wagen, die Arbeitersportler und Turner schmettern uns ihr Frei Heil!" entgegen, die Eisenbahner, die Bostler" und der Schutzbund" ziehen in feftem Marschtritt die Straßen hinauf das ganze schaffende Bolt Oberösterreichs ist auf den Beinen, um am Haushamerfeld das Maifestspiel mit zu erleben. Hier, auf dem Blachfeld oberhalb Böcklamarkt, erhebt sich als ein feit Generationen heilig gehaltenes Mal eing uralte Linde neben cinem mächtigen Stein. Vor 400 Jahren, Anfang Mai 1525, hatte der Statthalter von Oberösterreich die Führer der um ihres Glaubens willen revoltierenden Bauernschaft an den Aesten des Baumes hängen lassen, nachdem er sie zuvor noch zu einem grausamen Würfelfpiel gezwungen hatte. Genosse Dr. Slekow- Linz hat dieses Motiv zu einem Maifestspiel mit Musik und Gesangschören verarbeitet und mit den Kameraden des Schutzbundes" und dem Wehrmännerfängerbund" mustergültig einstudiert. Pünktlich um die Mittags stunde füllen die zehntausend Zuschauer den von der Natur und der Bergwelt in der Ferne gestellten Theaterraum- Bauern, Arbeiter und Kleinbürgern der umliegenden Städte, voller Erwartung auf das seit Wochen durch Handzettel und Broschüren angefündigte und erläuterte Spiel. Ein Versuch, aus der Heimatgeschichte und aus Jahrhunderte altem Bolksempfinden zu schöpfen für die Verinnerlichung und Vertiefung der Siegesfeier des Proletariats. " Einige knappe Reden gehen vorauf, General Körner spricht zu ben unter„ Hab Acht!" erstarrenden Schutzbundkolonnen von seinem Bekenntnis zum Sozialismus und zur Republif; ich rufe den Massen im Auftrag des Reichsbanners" einen fröhlichen Heimatgruß zu " Die versuchte Ehrenerklärung des Herrn Kenkel für die guten" Deutschbalten ist zwar wohlgemeint, aber sie vermag nichts an der Tatsache zu ändern, daß man in Zukunft auf Grund seiner eigenen Warnungen, allen engeren Landsleuten seines Parteifreundes v. Freytagh Loring= hoven, der bekanntlich auch Deutschbalte ist, mit erhöh= fem Mißtrauen wird begegnen müssen. Hindenburg- Amnestie? = Jubel im Rechtsblock. Der„ bedeutsame Finger". Die Rechtspreffe verkündet jetzt mit dem üblichen Aufmand an Tamtam und Reklame, daß Hindenburgs Amtsantritt von einer Amnestie begleitet sein werde. Diese Reklame geht von den gleichen Blättern aus, die früher nicht genug über jede Amnestie geifern fonnten. Ein Beispiel statt vieler: Die Kreuz- Zeitung" veröffentlichte am 19. Juli 1924 einen Artikel über„ Die Begnadigung in Preußen", aus dem wir nur einige Stichproben geben wollen: " Die republikanische Milde ist allumfassend gegenüber den armen Berurteillen. Nur mit Beschädigten und Verletzten hat sie fein Erbarmen. Bald wird sich die ganze Strafrechtspflege in ein duftiges Nebelgebilde auflösen und man wird die Strafgerichte zu angenehmen Erholungsstätten umgestalten können." Weiter heißt es in dem gleichen Artikel: „ Es wird zuviel begnadigt. Das Schwert der Gerechtigkeit wird stumpf. Man pfeift allgemach auf den Richterspruch. Es kommt ja doch anders. Wozu erst Berufung einlegen, sagen viele, die Gna deninstanz ist bequemer und billiger. Und am Schluß des Artikels wird folgendes Resumee gezogen: „ Die Parlamente vermehren noch ihrerseits... das Heer der zum Schaden des Volkes Begnadigten, der hohnlachenden und wieder fündigenden Frevler, die mit größter Mühe durch all die Schwindeleien und Tride ihrer Verteidigung(!!) endlich mal ans Messer gebracht worden sind. Diese Erscheinungen gehören mit zu den schlimmsten Gebresten des herrschenden Systems und es sollte sich wirklich mal ein bedeuffamer Finger finden, der sich auf diese üble Wunde unseres geplagten Staatsförpers legt. Der„ bedeutsame Finger" ist da oder ist Hinden burg der Kreuz- Zeitung" nicht bedeutsam genug? angefündigt und die Rechtspresse blast dazu Jubel und Für Hindenburg wird jetzt jedoch eine neue Amnestie Reklamefanfaren! Es geht eben nichts über eine grundsahfeste Politik, wie sie nur im deutschnationalen Schlangen- Lager möglich ist! Hindenburg und der Mietwucher. Der Marschall versprach's, wird's der Präsident halten? Der Bund Deutscher Mietervereine hat fürzlich in einer Sigung des Gesamtvorstandes eine Entschließung angenommen, Borsitzenden des Bundes Deutscher Bodenreformer", Dr. Abolf worin Hindenburg an das in seinem„ Offenen Briefe" an den Damaschte, abgegebene Gelübde erinnert wird, dafür einzuDamaschte, abgegebene Gelübde erinnert wird, dafür einzutreten, daß„ das Baterland je de in, der von ehrlicher Arbeit leben mitt, bazu verhelfe, ein vor Wucherhänden geschütztes Heim zu gewinnen, in dem deutsches Familienleben und der Aufwuchs an Leib und Seele gesunder Kinder möglich ist". und Seele gefunder Kinder möglich ist". In der demnächst erscheinenden Nr. 18 der Bodenreform" berichtet nun Damaschte interessante Einzelheiten über das Hindenburg nicht nur unterschrieben, was andere ihm Zustandekommen des erwähnten Hindenburg- Briefes. Danach hat vorgelegt haben. Damaschte schreibt: In meinem Vortrag im Großen Hauptquartier hatte ich natürlich unseren Gegensatz zu dem Schuh bund für Haus und Grundbesih" scharf herausgearbeitet, der in bekannter Art unser Heimstätten recht der Spekulationsfreiheit gegenüber als„ minderes" Recht bezeichnet hatte. Hindenburg von daheim, vom Reich und dann setzt das Spiel vom Bauernfrieg" ein. Und wie sie spielen, diese Desterreicher, von denen jedermann einige Tropfen Schauspielerblut in sich trägt! Mit welchem Ernst, mit welch verbissener Wut! Bauernhaufen in historischer Tracht sammeln sich um den altehr würdigen Baum. Ritter und Knechte umstellen sie. Und dann hält der Statthalter sein grausames Gericht. Zu zweien aneinandergebunden werden die Führer der Bauernschaft, die Richter, Schöffen, Schultheiße und Räte unter die Linde geführt und zum Würfeln gezwungen. Wer verliert, wird gehenft. Der Tod tritt auf, um ihre Geelen zu holen. Da steht nach einem Donnerschlag, wie vom Himmel ausgefpien, auf der Szene, von der Sonne umstrahlt, im Licht der Berre das Proletariat. Und während der Statthalter, der Bischof, der Abt und ihre Knechte winselnd in den Staub sinken, zerschneidet der Arbeiter, der Proletarier des neuen Geschlechts, die Fesseln seiner gefnechteten Väter, des„ vierten Standes" im heiligen römischen Reich, und hält denen, die Ohren haben zu hören, einen dröhnenden Epilog. Der liebe Gott von Oberösterreich scheint allerdings nicht so recht einverstanden gewesen zu sein mit unserem Spiel vom Bauernfrieg". Denn in die letzten Worte des allegorischen Proleten mischt sich ein toller Wassersturz von oben. Und Männlein und Weiblein, Arbeiter und Bauer, Postler und Eisenbahner ergreifen notgedrungen die Flucht. Der Abt" schleppt mühsam seine triefenden Gewänder ins Tal hinab, hinter ihm die Ritter und Knechte wie das wilde Heer dem„ Statthalter" hängen die Hahnenfedern gar traurig vom Helm und dem Tod flebt die schwarze Schminke gar traurig ums Maul. Und doch war's eine gewonnene Schlacht, dieses Maifest am Haushamerfeld! Die Bergbauern, die da oben an den Hängen des Amphitheaters standen, sie haben über das Schicksal ihrer Urgroß väter nachdenken gelernt und über das Los ihrer Brüder in den Schächten und in den Fabriken. Robert und Bertram. -| " hatte mir die Hand gegeben umb gefagt, daß to thn für diesem Gedanken ganz gewonnen hätte. Ich hatte ihn gebeten, mir das in einem Briefe auszusprechen, damit ich seine Worte ver breiten könne. Am Morgen nach dem Vortrag wartete ich vor meiner Fahrt zu dem Generalstabsarzt von Schjerning im Vorzimmer Hindenburgs. Er kam mit dem offenen Briefe an mich in der Hand heraus und las ihn noch einmal durch. Als er an die Stelle fam: Das Baterland soll jedem, der von ehrlicher Arbeit leben will, dazu verhelfen, ein Heim zu gewinnen..." sagte er:„ Nein, da ist ja die Hauptsache vergessen!" und fügte mit seiner großen charakteristischen Schrift quer in den Brief die Worte: Bor Wucherhänden geschüßt ein. Dabei sagte er lächelnd: Ich weiß, man wird mich gerade für diese Worte angreifen; aber fie sollen hinein, damit jeder erkenne, daß ich in dieser Frage auf Ihrem Standpunkt stehe." Und der Feldmarschall wurde angegriffen. Der Schußver band für Grundbesiz" hat eine höchstbewegliche Eingabe an die Oberste Heeresleitung gerade megen dieser Worte gerichtet. Die Antwort, die er darauf erhielt, hat er nie in die Deffentlichkeit gebracht. Sie war so scharf und schneidend, daß die Herren sie schweigend eingesteckt haben!" Damals nahm Hindenburg gegen den Mietwucher und den Bucher der Spekulationsgewinne Stellung. Allerdings handelte es fich zu jener Zeit darum, die Stimmung" des Boltes zu ermuntern, Heute ist Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt, und zwar als Vertrauensmann jenes„ Schuhverbandes für Haus- und Grundbesig", dessen Macher in der„ Wirtschaftspartei" die eifrigsten Förderer des Rechtsblods waren. Nun fragen die Bodenreformer nicht mit Unrecht, ob Hindenburg als Reichspräsident, mit Hilfe des Schutzverbandes gewählt, zu halten gedenfe, was er seinerzeit als Marschall den Bodenreformern zusagte! Völkische Fälscherwerkstatt. Erft der Talmud, dann ein Gerichtsurteil! Bir berichteten dieser Tage von dem Urteil des Landgerichts Leipzig( 6. Zivilfammer), das den antisemitischen früheren Reichstagsabgeordneten Theodor Fritsch zur Zahlung von einer von ihm öffentlich aus gelobten Summe von 10 000 Papiermark nach dem Stande vom Mai 1922 verurteilte. Dem Fritsch, der in seinen Schriften fortwährend Zitate aus dem Talmud und anderen jüdischen Schriften veröffentlicht, um die jüdische Unmoral" zu erweisen. wurde in dem Prozeß nachgewiesen, daß wenigstens eines dieser Zitate gefälscht ist. Das Gericht hat diesen Nachweis als erbracht anerkannt und den Fritsch zur Zahlung der ausgelobten Summe von 10 000 Papiermart( umigere: fnet in 146,26 Goldmarf) verurteilt. " Die völkische Presse fälscht aber sogar Gerichtsurteile. Im Deutschen Tageblatt" wird unter gehässigen Ausfällen auf den Fritsch abgewiesen. Und Theodor Fritsch habe der Redaktion ,, Borwärts" behauptet, das Landgericht Leipzig habe die Klage gegen tes Bulle- Blattes das telegraphisch bestätigt. Da ist nur eins möglich: Entweder schwindelt das„ Deutsche Tageblatt", oder, was wahrscheinlich ist, der Fritsch hat sein eigenes Parteiblatt bewußt angelogen! Bir überlassen es den beiden, den Streit unter sich auszumachen. Uns liegt der Wortlaut des Urteils vor. Wenn Fritsch ihn dem Bulle- Blatt ebenfalls zur Verfügung stellen wird, sind wir ftellung der Fälschung und die Berurteilung ihres Hammer. überzeugt, daß selbst die Wotansanbeter die gerichtliche Fest= Fritsch anerkennen müssen. Sozialdemokratischer Bürgermeister in Kehl Mannheim, 6. Mai.( SK.) In Rehl wurde gestern im dritten Bahlgang der Sozialdemotrat Dr. Kraus Mannheim mit 39 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Der Gegentandidat erhielt 33 Stimmen. Dr. Kraus ist der Vorsitzende des Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold, Gau Baden. Die belgische Dauertrije. Der Katholikenführer Bam de Dyvere, dessen Bemühungen, eine Regierung zustande zu bringen, sehr schnell gescheitert sind, hat dem König geraten, den bisherigen Arbeitsminister Tschoffen, der dem demokratischen Flügel der fatholischen Partei angehört, mit der Kabinettsbildung zu betrauen, da dieser der einzige sei, der nach Lage der Dinge einige Aussichten auf Erfolg hätte. schlagen. Mit viel Geschid und bestem Gelingen. Die lustigen Streiche der luftigen Spizbuben Robert und Bertram sind mit tausend Beziehungen ins Heute gestellt. Spielerisch und tabarettisch entsteht vor unseren Augen ein luftiges Zeitbild voll froher Lune und leichtsinnigem Uebermut, dem die Alt- Berliner Posse nur den spaßigen Rahmen gibt. Heutige Staatsanwaltspraktiken, Literatur snobbismus, Theaternöte bekommen ihren Hieb weg, Strejemann und Sternheim müssen daran glauben. Vielleicht haben mir in Morgan einen hoffnungsvollen Nachfolger für den zu früh verstorbenen attualisierten Dichter Julius Freund, dessen Metropol- TheaterRevuen früher ein Ereignis der Saison waren. Regisseur A. E. Lich o geleitet, von Hans May mit jazzbandDie Aufführung in der Komödie, mit leichter Hand vom mäßiger Musik aufgefrischt, versetzt die Zuschauer durch ihre tändelnde Beschwingtheit in einen Zustand von behaglichem Frohsinn. und Baul Graeh. Waßmann entzüdte mit seiner quirligen BeDas Bagabundenpaar Robert und Bertram sind Hans Waß mann weglichkeit und mit seiner hell quarrenden Stimme, mit der er sich Clown aus der Glanzzeit des Deutschen Theaters schien auferstanden. sprudelnd überhaftet und ganze Wörter verschluckt. Sein klassischer Graeg lieh der Bosse seine dreckige Berliner Schnauze. Jeder hatte an dem Erfolg teil, die lesse Lilli Flohr, der dümmliche Walter Brand, die aufgetakelte hedmig angel und alle anderen Beteiligten. Ein gelungener Abend. Ernst Degner. Bom Nordpolflug. Bon Amundsen traf die Meldung ein, daß seine beiden Flugmaschinen flugbereit sind. Die Wetterlage sei günstig. Sobald am Rande des Backeises ein Startplatz gefunden fei, würden beide Flugzeuge die erste Etappe der Reise unternehmen, nachdem die Begleitschiffe bereits vorausgefahren sind. Ein Flug über den Nordpol hinaus nach Alaska sei wegen der knappen Benzinvorräte ausgeschlossen. Die Heimvolkshochschule Tinz ladet zur Teilnahme an ihrem VIII. Männertursus ein. Die Lehrfächer find: Wirtschaftslehre, Geschichte, Kulturlehre, Verfassungs- und Verwaltungstunde, Arbeitsrecht, Gewerkschaftswesen, Erziehungsfragen. Aufnahme Die sogenannten Lokalpossen kommen wieder in Schwung finden Bewerber im Alter von 18 bis 30 Jahren, die keine höhere Niebergalls Darmstädter Bosse ,, Datterich"- in der Volksbühne als Bolksschulbildung genossen haben. Die Bewerber haben an die beweist so wie sie war, ihre Lebenskraft. Gustav Räders Schulleitung ein Gesuch und einen selbstgeschriebenen Lebenslauf Robert und Bertram" mußte von Paul Morgan und Franz einzureichen, aus dem neben den allgemeinen Daten über Alter, Schulz neuer Atem eingeblasen werden. Für die Modernisierung Staatszugehörigkeit, Berufsausbildung usw. der Bildungsgang und fonnten sie zwei Wege wählen, die ihnen aus der Geschichte solcher der Zweck, der mit dem Besuch der Schule angestrebt wird, hervor. Belfsstücke bereits vorgezeichnet waren. Die Berliner Lokalpojie geht. Das Schulgeld, in dem die Kosten für Wohnung und Verist heute 100 Jahre alt. Vor einem Jahrhundert erlebte im Berpflegung inbegriffen sind( Bettwäsche ist mitzubringen), beträgt für liner Hoftheater ein Einafter von J. von Voß„ Ein Stündchen vorm den ganzen Kursus: für Thüringer 100 m., für die übrigen ReichsPotsdamer Tor" seine 100. Aufführung. Den Clou des Spaßes deutschen 125 M., für Ausländer 200 M. Das Schulgeld ist bei bildete eine Szene, in der der Komifer Gern als Tante Lire ein Kursusbeginn zu entrichten. Dazu tritt die Verpflichtung, durd ganz großes Glas Weißbier in einem Zuge austrant. In Kalischs regelmäßigen Arbeitsdienst( 6 Stunden wöchentlich) an der Erhaltung Bosse Hunderttausend Taler" kopierte im Alten Königstädtischen der Schule mitzuarbeiten. Der Kursus beginnt am 1. August und Theater der Komifer Reußler den damals sehr bekannten Banfier dauert bis Weihnachten. Die Bewerbungen sind spätestens bis Ende Leipziger so gut, daß der Geldmann dem Komifer zwei ausgesucht Mai einzureichen. Die Entscheidung des Lehrerkollegiums über die schöne Brillantenknöpfe fürs Oberhemd schickte, damit sein Abbild Aufnahme erfolgt bis 15. Juni. auf der Bühne ganz treu werde. Bon den beiden Wegen, drastische Komit oder Anspielungen auf die Zeitgeschichte, haben Morgan und Schulz den zweiten einge Die Schule Hellerau, soweit sie die Bflege von Rhythmus, Musik und örperbildung nach Dalcrozeicher Methode betreibt, wird zum 1. Sult nach dem Schloß Rarenburg bei Wien verlegt. Hindenburg und das Reichsbanner". Keine Beteiligung am Empfang! Bom Bundesvorsitzenden Otto Hörsing. Nicht nur in den Kreisen der Gegner der Republik, sondern auch in denen der Republikaner und nicht zuletzt in denen der Reichsbannerkameraden wird jetzt die Frage, ob der Reichspräsident Hindenburg bei seinem Dienstantritt in Berlin auch vom Reichs= banner begrüßt werden soll. eifrig erörtert. Zahllose an mich perfönlich gerichtete Briefe, unendlich viele telephonische Anfragen erörtern das Für und Wider und wünschen meine Stellung zu dieser Frage zu erfahren, die ich nun nicht nur für mich, sondern für den Bundesvorstand der Deffentlichkeit unterbreiten möchte: Der noch in aller Erinnerung haftende Wahlkampf ist von henen, die die Kandidatur Hindenburg proklamierten, in einer solch skandalösen Weise geführt worden, wie man sie bisher nicht ge= fannt hatte. Mit Lügen und Verleumdungen wurde nicht nur gegen die republikanischen Parteien, sondern auch gegen die ehrenhafte Berson des Reichskanzlers a. D. Bilhelm Mary in geradezu cfelhafter Form gearbeitet. Zu dieser„ bewährten" Methode famen roch die gefälschten Flugblätter und die Schmierereien der Renegaten Müller- Brandenburg. Winnig und Konsorten, die besonders gegen das Reichsbanner in der erbärmlichsten Form wüteten. Kaum war der Wahlkampf zu Ende und die Wahl Hindenburgs ficher, als von rechts eine Hetze gegen uns einsetzte, die jeder Beschreibung spottete. Schon im Wahlkampf sind zahlreiche Reichs. bannerkameraden von den Hakenkreuzlern mißhandelt, verlegt, ja fogar getötet worden. Jezt nach dem„ Siege", bei dem die Rechtsjanteien zwar ihr Ziel ereichten, aber mit einer Million Stimmen in der Minderheit blieben, scheinen die Stahlhelmer, Jungdos, Berwölfe usw. völlig den Verstand verloren zu haben. Fast überell erfolgen Angriffe auf uns, nicht nur bei den„ Siegesfeiern". jondern auch sonst auf der Straße benehmen sich die Mitglieder der rationalistischen Rampforganisationen, schwere Stöde mit sich herus schleppend, in einer solch provozierenden Weise, daß es ein Standal ohnegleichen ist. Diese Rechtsorganisationen mit den nur schwarzweißroten Bahnen wollen nun bei der Vereidigung des Reichspräsidenten 3) mdenburg vom Reichstage bis zum Präsidentenpalais Spalier sehen. Diese Leute, die die schwarzrotgoldene verfassungsmäßige Reichsfahne, diz der Reichspräsident beschwören muß und wird, fa eft beschimpft und besudelt haben und dies bestimmt auch in Zukunft tun werden, sind sich scheinbar gar nicht bewußt, daß sie mit ihrer Unwefenheit den Reichspräsidenten beleidigen und innerpolitisch, nehr aber nod) außenpolitisch, unabsehbaren Schaden an richten. Nody vermag ich nicht zu glauben, daß der Reichspräsident Hindenburg, der dod; sicher weiß, daß in all diesen Organisationen Landesverräter, Mörder aus politischen Motiven, Hochverräter und sonstige Verbrecher gesteckt haben, es zuläßt, daß ihm jene mit den Farber des Kaiserreiches huldigen. Herr Hindenburg sollte aus Reichs und persönlichen Interessen sich dieses Treibens auf das allerentschiedenste verbitten. Dem Reichspräsidenten fönnen nur die Republifanter, nicht aber die Feinde der Republik ein Willkommen zurufen. Leil er aber wird es anders sein. Zum Schaden unseres Baterlandes merden die offenen und heimlichen Monarchisten einen Rummel inszenieren, bei dem die Republikaner im allgemeinen und das Reichsbanner in besonderen aus folgenden Gründen fernbleiben müſſen: Innerpolitisch ist es nicht tragbar, daß wir uns in Reih und Glied mit jenen stellen, die die verfassungsmäßigen Reichsfarben beschimpft und beschmukt haben und die dies. täglich in immer ftärferem Maße weiter betreiben. Niemand wird es verstehen, wenn wir uns mit den Leuten hinstellen, die nicht nur uns, sondern auch die republikanischen Barteien und ihren Kandidaten Dr. Marg beschimpften und verdächtigten. Wir dürfen auch aus dem Grunde feine gemeinsame Sache mit ihnen machen, da sie mit den Farben der Monarchie den neuen Präsidenten verletzen, der die Republik und ihre Farben beschworen und sie zu verteidigen hat. Eine Reihe weiterer Gründe will ich zunächst unerwähnt lassen. Außenpolitisch aber ist ein gemeinsamer Aufmarsch mit den Rechtsorganisationen von vornherein untragbar. In Herrn Hindenburg darüber läßt die Auslandspresse uns feinen Tag in Zweifel sieht das Ausland nicht nur einen Platzhalter der Monarchie, sondern sogar den Revanchemann. Wir hoffen, daß Wir hoffen, daß Reichspräsident Hindenburg alles tun wird, um auch den Schein einer solchen Einstellung zu vermeiden, denn anders würde es dem deutschen Bolt sehr teuer zu stehen kommen. Wenn jetzt aber neben den Rechtsorganisationen auch noch das Reichsbanner erscheinen mürde, muß im Ausland der Eindruck entstehen, daß dem alten Feldmarschall Hindenburg Monarchisten und Republikaner zujubeln. Die nationalistischen Kriegsheter des Auslandes bekämen damit wieder Oberwasser. Es ist nicht auszudenken, welche. ungeheuren außenpolitischen Folgen das haben müßte. Zu einem solchen, das Vaterland schwer schädigenden Aufzug darf und wird das Reichsbanner nicht beitragen. Wir werden nicht in die Fehler und Roheiten verfallen, die die Rechtsorganisationen dem Präsidenten Friedrich Ebert gegenüber begangen haben. Wir, die wir im Reichsbanner als der bei weitem größten Kriegsteilnehmerorganisation vereinigt sind, hoffen, daß Reichspräsident Hindenburg die Berfassung genau beachten, fie und ihre Farben verteidigen und die jetzt so aufdringlichen Monarchisten zurückdrängen wird. Dann, aber auch nur dann werden wir ihm die Achtung, die dem Reichspräsidenten gebührt, entgegenbringen. Unser Fernbleiben beim Einzug des Reichspräsidenten ist feine Spiße gegen das Amt des Reichspräsidenten, es geschieht im Gegenteil aus mnen- und außenpolitischen Gründen im Interesse des Baterlandes. Arrangeure und Teilnehmer der Empfangsdemonstration find derart, daß wir die vorgesehene Spalierbildung nicht als eine Ehrung des neugewählten Präsidenten der Republik, sondern nur als eine private monarchistisch- hafenfreuzlerische Rundgebung der Republik seinde ansehen können. Deshalb lehnt das Reichsbanner jede Teilnahme daran ab. Die Korridorbahn. Englischer Zweifel an dem polnischen Dementi. London, 6. Mai.( WTB.) Wie" Times" aus Danzig meldet, jeien hartnädige Gerüchte über die schlechten Aus= besserungen desjenigen Teiles der Eisenbahnlinie im polnischen Korridor, auf der das Unglück geschah, im Umlauf. Troß des amtlichen Dementis, verlaute von zuverlässiger Seite, daß schon vor Monaten die Lokomotivführer es abgelehnt hätten, die Verantwortung für die Durchfahrt durch den korridor zu übernehmen, und daß ihnen befohlen worden sei, auf dieser Strede die Geschwindigkeit zu ermäßigen. Deutsch- polnische Schwierigkeiten. Warschau, 6. Mai.( Poln. Telegr.- Agentur.) Die Regierung hat Etanislaus Karlomski auf seine eigene Bitte von der Stellung eines Borsitzenden der polnischen Abordnung bei d deutsch- polnischen Handelsvertragsverhandlungen enthoben. Zu jeinem Nachfolger wurde Dr. Wüold Prondzynski und zu dessen Stellvertreter Dr. Marklewifi ernannt Mietkasernen- Frühling. Nicht überall ist der Frühling eine strahlend heitere Sache von gepflegten Kieswegen, blühenden Bäumen, eleganter Sommergarderobe, Flirt und offener Limousine.. Es gibt düstere Straßen, im Osten, im Norden, im Süden der Stadt, in deren engen Höfen der Frühling nicht blühen kann. Hier wärmt die Sonne nicht. Kalte, ärmliche Gassen, in denen emiger herbstlicher Frost wie Rauhreif liegt, während hoch droben in unfaßbaren Lüften die Melodie ewiger Heiterfeit klingt. In jenen Gassen herrscht Mißmut, weil Lebensfreude dort fremd geworden ist. Bejahung muß zum Haß werden. Hier spielen Kinder, aber fie spielen müde und gequält, beschwert von den Bitlernissen, die auch dem Kinde schon offenbar werden. Es ist ein schwerer Kampf, der hier unter dem Druck schwerer Steinmassen ausgefochten wird. Hier aber Draußen, in Weite und Heiterkeit, lacht die Welt. ringt eine gequälte Menschheit in felbstgezimmerter Zuchthausenge. Opfer eines stürzenden Eisenträgers. Zwei Arbeiter schwer verletzt. Ein Bauunglück, das leicht hätte schwere Folgen haben können, ereignete sich heute morgen gegen 28 Uhr auf dem Grundstüc Kopenhagener, Ede Sonnenburger Straße. Auf dem von der Firma hyljen. ausgeführten Neubau der Städtischen Elektrizitätswerke waren in etwa vier Meter Höhe einige Bauarbeiter mit dem Ausrichten eines Eisenträgers beschäftigt. Eine Transportkolonne, die unten arbeitete, war im Begriff, einen neuen Träger zur Binde zu bringen. Die in vier Meter Höhe Beschäftigten sahen diese Transportfolonne nicht. Im selben Augenblick mollte es ein unglücklicher Zufall, daß der dort oben noch nicht befestigte fünf 3entner schwere Träger herunterstürzte und mei Arbeiter unter sich begrub. Einige andere erhielten leichtere Berlegungen. Der sofort herbeigeholte Rettungswagen Der sofort herbeigeholte Rettungswagen schaffte die Verletzten ins Virchow- Krankenhaus. Schwer verletzt sind der Arbeiter Johann Köpte aus der Antonstraße 5 und St a rl Westmann, Wedding, Laubenfolonie Schillers Höhe. Wie Karl weiter mitgeteilt wird, besteht jedoch keine Lebensgefahr für diese beiden. Die anderen fonnten bald wieder das Krankenhaus verlaffen. Die Baupolizei, der Bau- und Gewerberat waren bereits verlassen. Die Baupolizei, der Bau- und Gewerberat waren bereits eine Stunde nach dem Unglüd auf der Unfallstelle. Sie stellten fest, daß irgendein Verschulden der Bauleitung nicht fest austellen sei. Bei den Hüttenwerten Tempelhof, 2. Meyer, Tempelhof, Germania ftr. 141, riß beim Hochziehen eines Filters die Kette des Aufzuges. Der Filter stürzte herunter. Ein Arbeiter wurde geföfef und zwei schwer verletzt ins Kranfenhaus transportiert. Die Bluttat eines Schupowachtmeisters. Verhandlung vor dem Schwurgericht. Vor dem Schwurgericht in Moabit begann heute vormittag 10 Uhr die Verhandlung gegen den Polizeimachtmeister Frig Wolter wegen Körperverlegung mit tödlichem Ausgang. Der Angeklagte hatte bekanntlich am 1. Dezember 1923 in der Raumerstraße mit den Brüdern Karl, Friedrich und Ernst Lutas, die als Chauffeure bei einem Fuhrunternehmer tätig waren, einen Zusammenstoß, bei dem Ernst Lutas getötet, die beiden anderen Brüder verlegt wurden. T der abmegigen Darstellung des jetzigen Angeflagten war zuerst gegen Dieser Prozeß hat ein eigentümliches Vorspiel. Auf Grund die beiden überlebenden Brüder, Karl und Friedrich Lukas, Anflage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Rörperverlegung erhoben worden. Friedrich L. wurde in der Schöffengerichtsverhandlung zu einem Monat Gefäng nis verurteilt, während Karl L. freigesprochen wurde. In der Berufungsverhandlung vor der Straffammer erzielte auch Friedrich 2. kostenlosen Freispruch. Auf Grund der Ergebnisse dieser Berufungsverhandlung erhob die Staatsanwaltsschaft nunmehr An. Berufungsverhandlung erhob die Staatsanwaltsschaft nunmehr An flage gegen Wolter wegen Körperverlegung mit tüdlichem Ausgang und meineid. Die Anklage behauptet, daß Wolter in angeheitertem Zustand die Brüder Friedrich und Ernst Lukas, die vom Dienst fommend, um 3 Uhr nachts ruhig nach Hause gingen, angegriffen und wie wild auf sie geschossen habe. Der dritte Bruder, Karl, fam erst später an den Tatort und wurde von dem Angeklagten ebenfalls niedergeschossen. Die Angeflage spricht weiterhin von einer Tat sinnlosester Roheit. Bolter soll wie besessen auf die zueilenden Verwandten geschossen und die am Boden liegenden, schwer verletzten Gebrüder Lutas Einlieferung ins Krankenhaus. bedroht und mißhandelt haben. Ernst Lutas starb furz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Die beiden anderen trugen Verlegungen davon. Zu der jetzigen Verhandlung, die voraussichtlich zwei Tage dauern wird, ist ein Zeugenapparat non etwa 40 Ber fonen aufgeboten. Als Vertreter der Anklage fungiert Staatsanwaltschaftsrat Dr. Hermann. Den Vorsiz führt Landgerichtsdirektor Bernau. Der Verteidiger des ehemaligen Bolizeiwacht meisters Wolter, der aus dem Dienst entlassen ist und seit längerer Zeit in Untersuchungshaft fizt, ist Rechtsanwalt Dr. Kurt Arras. Die Brüder Karl und Friedrich Lutas treten als Nebenkläger auf, ihr Verteidiger ist Rechtsanwalt Herzfeld. Die Katastrophe. Der Londoner Profeffor Bandani, Erdbebenspezialist von vor einer mathematischer Präzision, hat festgestellt, daß mir riefigen Erdbebentatastrophe stehen. Was stört das mich, wirst du frivol überlegen denken. Gemach, mein Freund! Die Sache wird nicht nur im fernen Osten, im Süden und Norden müten. Sie wird auch uns steptische Mitteleuropäer angehen. Am 13. August 1925, 11 Uhr 7 Min. vormittags, geht der Schlammaisel los. Von allem anderen abgesehen:„ Tausend füße Beinchen" werden nicht mehr voll Lust über die Bretter marschieren fönnen. Hugenbringende Tätigkeit bis auf weiteres einstellen müſſen. bergs Schwindelpresse wird infolge höherer Gewalt ihre segenSteuern lassen sich weder einziehen noch bezahlen. Die deutsche Justiz tann nicht mehr, wie üblich, ihren tunstgerecht paragraphengeschlachteten Republikanter zum täglichen Frühstück verzehren. Die Berleger zahlen keine Honorare. Wie gesagt: ab 13. August 1925, 11 Uhr 7 Min. vormittags. Immerhin kann Hussong bis dahin noch genug Leitartikel schreiben. Und eines fann man gewiß sein: Er wird sicherlich in eine Arche Noah kommen. Denn Unkraut vergeht bekanntlich nicht. Die Königsgrenadiere. Man schreibt uns: Ein Bild von deutschem Glanz und deutscher Not, so fündigte ein Wilmersdorfer Rino in großen marktschreierischen Lettern einem getreuen Bublifum einen besonderen Genuß an. Auf der Reklameleinemand war weiter zu lesen: Militärmusit! Was es mit dem deutschen Glanze auf sich hatte, rollte sich innen an der Leinwand ab, und zwar in einer besonderen Kommisdressur. Die deutsche Not sollte jedenfalls von der angefündigten Militärmufit repräsentiert werden. Es handelt sich da absolut aber nicht um eine Militärmufit, denn das mar nur eine Vorspiegelung falscher Tatsachen; sondern, die sich recht und schlecht abmühenden Musikanten waren mur in die dem Agenten Klodom alias Eichbaum gehörenden Uniform mit dem mar3- meiß roten ermelbejak gesteckt. Es ist geradezu unglaublich, daß man es wagt, dem Publifum eine derartige Komödie vorzuführen. Man muß öffentlich fragen, ob den zuständigen Behörden nicht der Runderlaß des Ministers des Innern über unbefugtes Tragen von Unifor= men und uniformähnlicher Kleidung vom 7. Februar 1925 II G. 3140/24 befannt ist. Die Geschäftspraktik derartiger Unternehmer ist, wie hier der Fall liegt, gerade nicht geeignet, die so notwendige politische Beruhigung ins Publikum zu tragen. Die Polizeiorgane müssen mit allen Mitteln auf Grund der angeführten Verordnung diesen Unfug verbieten. Folgenschwere Explosion. Ein Heizer getötet. Auf dem Grundstück Prenzlauer 21lee 87 erfolgte heute heizung, die das Haus versorgte, explodierte unter lautem Krachen. vormittag gegen 11 Uhr eine furchtbare Detonation. Die DampfDer Heizer wurde sofort getötet. Das ganze Haus erbebte. Mauerwerk sprangen ab, eine große Staubwolfe flog bis über das die Scheiben zersplitterten, Bretter flogen bis auf den Hof, Kalt und Dach hinaus. Wir erfahren noch folgende Einzelheiten: Der Besizer des Hauses, Amtsgerichtsrat Radtge, hatte erst vor furzer Zeit eine Warmwasserversorgungsanlage in den Keller des Quergebäudes einbauen lassen. Heute vormittag wurde sie von dem zwanzigjährigen Sohn des Hauswartes Walter Kuz bedient, der offenbar mit den Einrichtungen nicht vollkommen vertraut war. Gegen 11 Uhr erfolgte eine fürchterliche Explosion, die die schrecklichsten Folgen hatte. Sofort hinzustürzende Hausbewoh ner fanden Walter Kuz vollfommen zerfetzt gegen die Wand einem schornsteinähnlichen Lichtschacht liegt, mar vollkommen demo. gedrückt als Leiche vor. Der Heizungsraum, der unmittelbar unter liert, das Oberlichtfenster nach dem Lichtschacht zu durchgedrückt und die Kraft der Explosionsgase verbreitete sich durch den Lichtschacht schacht zu liegen, gingen bis zur vierten Etage hinauf in nach oben. Die Fenster des Treppenhauses, die nach dem LichtTrümmer. Selbst die Wohnungstüren erlitten starte Befchädigungen; in den unteren Etagen wurden fie aus den schließende Wand wurde eingebrüdt. Die Mauersteine flogen Schlössern geriffen. Die den Kesselraum zum Treppenhaus hin abbis auf den Hof hinaus. Die Feuerwehr fand bei ihrem Eintreffen seltsamerweise den Kessel in Ordnung, sie fonnte sich darauf beschränken, den Kessel zu entleeren und das unter ihm befindliche Feuer auszulöschen. Die Explosion ist nicht auf ein Bersten bes Kessels zurückzuführen. Es besteht vielmehr die Vermutung, daß der 20jährige Ruz in dem Feuerungsraum Farben gemischt hat, wobei er eine hoch explosive Verdünnungsflüssigkeit gebraucht haben muß, die sich an dem Keffelfeuer entzündete. Die Be mühungen der Feuerwehr, die Ursachen des Unglücks festzustellen, gehen fort. Der Sprung aus dem Fenster. Große Aufregung verursachte gestern abend in der zehnten Stunde ein Selbstmordversuch in dem Hause Feurigstraße 36 zu Schöneberg. Dort sprang eine Anna Stiski, die im 4. Stod wohnte, aus dem Fenster auf den Hof hinab und blieb mit schiveren inneren und äußeren Verlegungen befinnungslos liegen. Hausgenossen nahmen sich ihrer an, und ein Beamter des 177. Reviers brachte sie nach dem Auguste- Vittoria- Krankenhaus. Das Geschick des Mädchens regte die Hausbewohner deshalb start auf, meil behauptet mird, daß es von seinem Geliebten durch fortgesette Mißhandlungen zur Verzweiflung getrieben worden war. Die Ermittlungen, die die Schöneberger Kriminalpolizei nach dieser Richtung einleitete, sind noch nicht abgeschlossen. aliad Heute Verkehrszählung auf der Stadtbahn. una Die bereits vor einiger Zeit angekündigte Verkehrszählung auf der Berliner Stadt, Ring- und Vorortbahn wird heute auf fämtlichen Bahnhöfen restlos durchgeführt. Jeder Fahrgast erhält an der Bahnsperre eine 3ählfarte, die jeweils nach der tariflichen 3one eine entsprechende Farbe hat. Diese Karte wird dann an der Ausgangsstation wieder abgegeben. Die Inhaber von Monatskarten müssen sich dieser kleinen Mühe ebenfalls unterziehen. Die Reichsbahndirektion erhält durch diese Zählung eine genaue Uebersicht über die Inanspruchnahme der Bahn an einem Tage und erfährt zugleich, welche Streden am dichtesten benutzt werden. Die Folge dieser Zählung wird eine Revision des Fahrplanes sein und so manchem Uebelstande Abhilfe schaffen, der gerade die arbeitende Bevölkerung in den Hauptverkehrszeiten oft sehr hart trifft. Die meist von viel Humor begleitete Annahme und Zurüdgabe der Zählfarten soll noch an einem der nächsten Sonntage wiederholt werden, um so den großen Ausflugsverkehr mit berüdfichtigen zu können. Staaken als Zentralschulhafen. flughafens Tempelhofer Feld als Start- und Landungsplatz für Der Flugplatz Staaten, der nach der Schaffung des ZentralVerkehrsflugzeuge nicht mehr in Frage kommt, soll jetzt zu einem 3entralschulhafen ausgestaltet werden, da die schnelle Ausdehnung des deutschen Luftverkehrs eine Vermehrung der Fliegerschulen notwendig macht. Die Sportflug G. m. b. H., Berlin, hat vom Luftschiffbau Zeppelin am Rande des Flugplatzes Staaten ein größeres Gelände ermorben, auf dem je zwei lange Flugzeughallen zur Unterbringung von Lehrmaschinen errichtet merden. Mit dem Schulbetrieb soll bereits ant 1. Juli dieses Jahres begonnen werden. In einer der neuen Hallen soll dann eine von den Luftverkehrsgesellschaften Junkers und Aero- 2lond ins Leben gerufene Verkehrsfliegerschule untergebracht werden, die speziell Piloten für die modernen deutschen Verkehrsmaschinen ausbilden soll und unter Leitung der bekannten Flieger Major Keller und Rittmeister Leonardi stehen wird. Ebenso find weitere Anlagen für die Unterbringung von Flugschülern sowie für Lehr- und Demonstrationsräume geplant. Arbeitsgemeinschaft fozialdemokratischer Lehrer und Lehrerinnen Berlin. Unser Genoffe Studienrat Arno Wegner ist vor zwei Tagen an einent Herzschlag mitten im Unterricht verstorben. Wir bitten alle Genoffen, art der Beerdigung, die Donnerstag 1 Uhr auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde, Neue Halle, Weißensee, stattfindet, teilzunehmen. Der Reichsmietertag in Hamburg. T Die Neuwahl der Bundesinstanzen hatte folgendes Ergebnis: Zum 1. Vorsitzenden und Volkswirt Dzient- Berlin wiedergewählt. Zum 2. Vorsitzenden Stadtrat Ra mdohr- Kiei. Dem Borstand gehören ferner an die Herren Drewes Leipzig als Echazmeister, Mahnke- Rostock als Schriftführer, RungeBerlin, Rauter- Hamburg, Engelke- Oldenburg, GürtlerZwickau und Herzberg Hannover. Zum Vorsitzenden des Bundesausschusses wurde Hammer Frankfurt a. M. wiedergewählt. Weitere Mitglieder des Bundesausschusses find: BiezBeißenfels, Spiz München, Garlipp Eisen, JosephStuttgart, Wiesener Goslar und Assel- Magdeburg. Der Siz des Bundes wurde nach Berlin verlegt und als Ort der nächsten Tagung Würzburg bestimmt. = = feine Frau erschlagen, fie in Stücke zerschnitten und die Leiche in die Paris, 6. Mai.( EP.) Louis Dervaulg, der vor einem Jahre Aragon enthauptet worden. Seine versenkt hatte, ist gestern früh 4.30 Uhr auf dem Boulevard Groß- Berliner Parteinachrichten. 4. Rreis. Morgen Donnerstag Funktionärinnenkonferenz. Mäheres the morgen früh Gewerkschaftsbewegung Der Arbeitszeitkampf in den Mühlen. 3u dem in Nr. 208 des Borwärts" erschienenen Bericht mit biefer Ueberschrift schichte uns der Syndifus des Arbeitgeber verbandes der Berliner Mühlenindustrie folgende preßgefeßliche Berichtigung: „ Die Tertilarbeiter- Bureoufraten find so gewiffenlose Berbrecher| am deutschen Tertilarbeiterproletariat, wie sie nicht schlimmer sein fönnten, menn fie direkt bezahlt und ausgehalten vom Unternehmertum wärent." 5 Nun die Drahtzieher in der KPD. 3entrale werden für diese Berhezung und Beschimpfung bezahlt. Ihre Methoden sind längst nicht mehr neu und richten sich von selbst. Ihre Butausbrüche dokumentieren nur ihre Chnmacht. 1. Es ist unrichtig, daß die Berliner Mühlenbefizer einen von den Mühlenarbeitern abgelehnten Tarifvertragsent wurf der Unternehmer den einzelnen Mühlenarbeitern zur Unterschrift vorgelegt hätten. Richtig ist vielmehr, daß die Mühlen nach dem Scheitern der zwischen dem Arbeitgeberverband der Berliner Mühlenindustrie und dem Berband der Lebensmittel- und Ge tränfearbeiter gepflogenen Berhandlungen über den Entwurf eines neuen Manteltarifs in den Betrieben eine Arbeitspertragsarbeiterfunttionäre erflärte: Der Verband der ausgeschlossenen Bauordnung zur Einführung gebracht haben, melche feinen Tarif perirag darstellt und in der die§§ 1, 2, 9, 10, 11, 14, 32, 33, 34 des Tarifvertragsentwurfes völlig fehlen. 2. Es ist unrichtig, daß die Mühlenbefizer in einem n= ihlag bekanntgegeben haben, daß auf Grund des§ 28 ihres Tarif vertragsentwurfes die Arbeitszeit nunmehr nach der Arbeitszeitverordnung vom 8. Dezember 1923 und nach ihrem eigenen Tarifvertragsentwurf geregelt wird. Richtig ist vielmehr, daß sich in dem erwähnten Anschlag die folgende flare Bestimmung findet: Mit dem 30. April 1925 find fonach innerhalb unseres Be triebes für die einzelnen Arbeitsverhältniffe abgesehen von dem jeweiligen tariflichen Lohnabkommen nur 1. Die Arbeitsordnung vom 8. Dezember 1923, 2. Die Arbeitsvertragsordnung vom 25. April 1925 maßgebend und für Arbeitgeber und Arbeiter rechtsverbindlich." 3. Es ist unrichtig, daß die Mühlenbefizer eine Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit bis zu 12 Stunden verlangen, wenn die Bedürfnisse des Betriebes es erfordern". Richtig ist vielmehr, daß in den betrieblichen Arbeitsvertrags. ordnungen( ebenso wie in dem gescheiterten Tarifvertragsentmurf) bezüglich der Arbeitszeit und der Baufen die folgenden Bestimmungen getroffen find: Die regelmäßige tägliche Arbeitszeit der Mühlenarbeiter, und zwar jowohl der Arbeiter vor dem gehenden Beuge( Beugleute), sowie der Maschinisten und Heizer, als auch der Sonstigen Arbeiter beträgt ausschließlich Baufen- chi Stunden. Wenn die Mühle nicht voll beschäftigt ist, d. h. meniger als 144 Mahlstunden pro Woche läuft, jo tann die regelmäßige täg. liche Arbeitszeit nach Anhörung des Arbeiterrates und auf Anordnung der Betriebsleitung entweder unter 8 Stunden herab gesezt oder einschließlich Bausen bis zu 12 Stunden aus. gedehnt werden, sofern die Mehrarbeit entweder in der gleichen Woche oder in der Vor- oder Nachwoche durch Freizeit ausgeglichen wird. Die regelmäßige doppelwöchentliche Ar beitszeit der Mühlenarbeiter, ausschließlich Baufen, darf fonach auch im Falle des Absages 2 die Gesamtbauer von 96 Stunden nicht übersteigen." Die Zeugleute sowie die Maschinisten und Heizer tönnen ihre Mahlzeit während der Arbeitszeit, innerhalb einer Arbeitsbereit. fchaftszeit, einnehmen. Die Effenspaufe für die übrigen Mr. beiter soll spätestens vier Stunden nach Arbeitsbeginn ihren Anfang nehmen." Wenn durch Bortffauberei„ Tatsachen entfräftet merben fönnten, dann hätte diefe Berichtigung das Ziel erreicht. Sie gibi jedoch zu, daß modo Nachdem das Bolschewistenblatt in seiner heutigen Nummer noch gezeigt hat: Wie die Fabritarbeiter betrogen werden" durch die Arbeiterverrätereien der Bren und Reimann". geht es sur Gewerkschaftseinheit aller Bauarbeiter über. Der Raifer der Ausgeschloffenen" wurde bekanntlich aus der RBD. ausgefchloffen, meil er feinen eigenen Laden nicht wieder zumachen wollte. Inzwischen hat zwar der Verband der Ausgeschlossenen wieder Gnade gefunden, doch scheint er auf dem legten Loche zu pfeifen. Eine Konferenz fommunistischer Bauarbeiter bzw. die in ihnen organisierten Kommunisten sind nach wie vor jede Stunde zur Herstellung der Einheit bereit. Jedoch kann dies nicht auf eine ziel und plarlose Liquidieruung hinauslaufen..." Rach teiner Richtung hin darf die Frage( der Einheit) lediglich als eine organisatorische, sondern muß immer als eine revolutionär- politische aufgefaßt werden. Den umgelehrten Beg geht die Mostauer Gewertschaftsinter nationale Sie will zuerst organisatorische Einheit mit dem JGB., um auf diese Weise Gelegenheit zu bekommen, ihre revolutionär politischen Bellen zu bauen. Mit diesen hinterliftigen Einheitsplänen tönnen die Gemertschaften nichts anfangen. Die Abzeichenjagd in den Siemens- Betrieben. Der im geftrigen Morgenblatt des„ Borwärts" erwähnte Borfall hat fich am Dienstag früh miederholt. Die Jagd auf Träger von Abzeichen in den republitanischen Far. ben beschränkte fich wiederum auf Stichproben. Etma sechs rbeitern, bie fich zur Entfernung ihres Abzeichens an ihrem Straßenanzug nicht zwingen laffen wollten, wurde der Zutritt zur Arbeitsstelle permehrt. Der Herr Sozialpolitiker batte feinen Rod zugeknöpft, so daß nicht zu erkennen war, ob er sein Stahlhelmabzeichen von der Beste entfernt oder ob er es rur verbedt hielt. Arbeiter werben bas Gewerbegericht in Anspruch nehmen. Die wegen ihres bzeichens unt den Tagesverdienst geschädigten Dabei wird sich ergeben, ob die Betriebsleihung berechtigt ist, die Arbeiter von der Arbeit zurückzuweisen, weil sie ihre Straßenbekleidung fo dekorieren, wie es ihnen gefällt. Die Abzeichenjäger erreicher bas Gegenteil deffen, das sie sich zum Ziel gefeßt. Die Arbeiter werden nun erst recht ihre Abzeichen anheften, und wenn die Reichsfarben gewissen Herren nicht gefallen, mögen fie fich blaue Brillen zulegen oder aber nach anderen Dingen fehen. Die fleinliche Schnüffelei nach den Abzeichen, die nicht etwa während der Arbeitszeit in den Arbeitsräumen getragen merben, ist fennzeichnend für die ganze Behandlung der SiemensArbeiter. Neue Löhne in den Karofferiebetrieben. Das Lohnablommen für die Arbeiter in den Karosserie und Wagenbaubetrieben, das vier Monate Geltung hatte, war am 28. April abgelaufen. Den Arbeatgebern mar die Forderung nach einer 25prog. Erhöhung der Löhne eingereicht worden. Eine Funt tionärtonferenz hatte ein Angebot, eine Zulage von 6 Bf. pro Stunde zu geben, abgelehnt und befchloffen, den Schlichtungsaus fchuß anzurufen. Die Unternehmer begründeten ihren ablehnenden Standpunft mit den bei ihnen bereits bekannten Argumenten: die 1. weil die Mühlenarbeiter den Tarifvorschlag des Arbeitgeber Ronfurrenz des Auslandes ist zu groß, bie Rohmaterialien zu teuer; nepbandes abgelehnt hatten, die Mühlen" nicht etwa der im übrigen feien hie Löhne schon so hoch, daß die Arbeiter damit heitgeberverband eine Arbeitspertragsordnung ausfomunen tönnten. Der Slitungsau siu fällte am oder einen Berfperirag ur Einführung gebracht. Montag einen Spruch, ber ben bisherigen Lohn der Fach. b. h. den Arbeitern gudiftiert haben. Diese harmloje Arbeitsarbeiter ber Gruppe 1 von 86 auf 95 f. erhöhte. Der neue vertragsordnung der Arbeitgeber umfaßt zwar nur Lohn sollte bis zum 31. Auguft bestehen bleiben und von da etma 25 von den 34 Baragraphen des Tarifvertrags ab mit 14tägiger Frist fündbar sein. entwurfs der Unternehmer, 9 Paragraphen fehlen, doch soll sie feinen Tarifvertrag darstellen. Sehr richtig! Denn zum Abschluß eines Tarifvertrages gehören noch immer beide Organisationen, auch die der Arbeitnehmer. Durch Ablehnung des Tarifvertragsentwurfs der Unternehmer haben die Mühlenarbeiter deut lich genug zum Ausdrud gebracht, daß die ihnen ungünstig er scheinenden Bestimmungen auch dann nicht beffer behagen, wenn sie in die Form eines Unternehmerbittats gefleibet merden, das als Arbeitsvertragsordnung bezeichnet wird. Die Angabe in unserem Bericht, der Tarifpertragsentwurf der Unternehmer lasse eine Berlängerung der täglichen Arbeitszeit bis zu 12 Stunden zu, wird durch die in der Berichtigung zitierte Stelle der betrieblichen Arbeitsvertrags verordnungen" ausdrücklich bestätigt. Die zwölfftündige Arbeits zeit bei nicht voller Beschäftigung der Mühle wird dadurch nicht besser, daß der betreffende Arbeiter am nächsten Tage paufiert. Hoffentlich haben die Bemühungen des Herrn Synditus um eine Berständigung mit den Mühlenarbeitern mehr Er folg als die Abfaffung solcher Berichtigungen. Einheit, die fie meinen. Die franthaften fommunistischen Ablentungsmanöver von dem Berrat der RBD.- Zentrale on der republikanischen Arbeitnehmerschaft find zu vielseitig, um sie in jedem einzelnen Falle aufzu zeigen. Im gleichen Augenblid, in dem der Deutsche Tertil arbeiterverband einen unverkennbaren Beweis feiner Stärte gab, vergießt die Rote Fahne" Krokodilstränen: Der einst blühende Tertilarbeiterverband ist dadurch( daß er burch Ausschluß fommunistischer Stänker die Organisation zer trümmerte") zu einer Ruine geworden. Wenn er noch nicht gänzlich zerfallen ist, so ficher nur durch die systema tische Gegenwirtung der Kommunisten... Das glauben die ihren fortgeschwommenen Fellen Nachtrauern ben selber nicht, doch sie spekulieren auf Dumme, die es glauben sollen und denen fie meiter einzureden suchen: Eine Bollversammlung diskutierte lange über das neue Abfom. men und nahm es schließlich mit einer schwachen Mehrheit an. Maßregelung eines ftreifenden Eisenbahners. Bereins Deutscher Zeitungsverleger fich um die Verbreitung des Inhalts dieses Briefes bemüht, sei hier furz darauf hingewiesen. 3unächst prahlt dieser zweifelhafte Bund, durch die Wahl Hinden bungs fei der Gelben jahrelange Arbeit vor und während des Krieges, insbesondere aber nach der Revolution, zur Schulung und Aufklärung in nationalem Sinne ar der deutschen Arbeiterschaft mit Erfolg gekrönt! Nach dieser Anbiederung, die eine Bedeutung der Vaterländischen vortäuscht, pon der sie in Birklichteti meit entfernt sind, flagt der gelbe Bund, er sei von Arbeitgebern( von denen er doch finanziell ausgehalten wird. D. Red.), von Behörden, besonders der Reichs- und Landesregierungen ungerecht behandelt worden: „ Auch der verstorbene Reichspräsident hat uns die verfassungsmäßigen Rechte nicht sichern fönnen. Als nationale Arbeitnehmerorganisation wurden wir bemußt non Verhandlungen mit Regierungen und Behörden in wirtschaftlichen und politischen Fragen ausgeschaltet. Wir wurden, meil mir nationale Arbeitnehmer maren, als Staatsbürger zweiter Klaffe behandelt, mährend die polnische Berufsvereinigung mit den Klaffentampfgewerkschaften bevorzugt wurden. In Sie, hochperehrter Herr Reichs. präsident, fezen wir das Vertrauen, daß Sie das an uns be gangene Unrecht nicht länger dulden werden und dahin wirken, daß wir mit allen übrigen Arbeitnehmerorgani. fationen gleichberechtigt behandelt werden." will mit Die Gelben mögen sich drehen und wenden, wie sie wollen: Troß aller Schmarogerei, vielmehr eben deswegen, müssen fie fich fchaftsrichtungen bis zum Deutschnationalen Handlungsmit der wohlverdienten Berachtung von allen Gemertgehilfenverband abfinden. Rein anständiger, ordent licher, organisierter Arbeitnehmer diefer Gesellschaft etwas zu tun haben. Die Unternehmer fönnen ihnen noch so viel Geld geben und sie sonst auf jede Beife fördern, aber die mangelnde Achtung fann ihnen auch der neue Reichspräsident nicht verschaffen. Wer die Judasrolle der Gelben spielen will, unter melchem Namen es auch sei, muß die sich daraus ergebende Mißachtung in Rauf nehmen. Das Geschäft des Cfels vor der Gelbenbewegung ist unter der deutschen Arbeit nehmerschaft so start, daß es nur verschwinden kann mit dem nehmerschaft so start. daß es nur verschwinden kann mit dem Berichminden ber Gelben Verschwinden der Gelben. Weil fie in„ nationaler" und „ völkischer" Maske auftreten, wirft ihr Treiben nur um so widerficher. Drohende Metallarbeiteraussperrung in Niederschlesien. Weil wichtige Gruppen in einzelnen Betrieben des Verbandes der Metallindustriellen Niederschlesiens es ablehnen, zu einem 2ohnsah von 53 fg., wie ihn der verbindliche Schiedsspruch des Schweidniger Schlichtungsausschusses porfieht, zu arbeiten, droht der Arbeitgeberverband die Aussper rung für den 11. Mai an. In Frage kommen, vorausgesetzt, daß die Aussperrung auf der ganzen Linie durchgeführt wird, rund 16 000 Arbeit er und Arbeiterinnen. Der Pariser Verkehrsstreit erfolgreich beendet. Paris, 6. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die weitere Ausdehnung des Teilstreits am Dienstag ist verhütet und damit die Gefahr einer gänzlichen Stillegung des rollenden Verkehrs begegnet worden. Die Direktion der Straßenbahnen und Autobusse hat sich nicht nur zur Wiedereinstellung der am 2. Mai wegen Teilnahme an der Maifeier ausgesperrten Angestellten bereit erflärt. sondern auch die Forderung auf Auszahlung eines Vorschusses in Höhe von 300 Frant auf die in Aussicht genommene Gehaltserhöhung bewilligt. Sie hat nur die Bezahlung der beiden Streittage abgelehnt. Eine Bersammlung der Streifenden hat daraufhin einstimmig die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen. Kranführer und Anbinder in den Groß- Berliner Metall, Chromn, Cleftro. und Maschinenbau- Betrieben. Am Sonnabend, ben 9. Mai. nachmittags 6 Uhr. Berjammlung im Gewertschaftshaus. Engelufer 24/25 Aufgang D, Simmer 4. 1. Stellungnahme zu ben eingegangenen Anträgen auf Reugestaltung der Löhne. 2. Beichlußfaffung. Soweit Kranführer und Anbinder durch Schichtarbeit nicht verhindert find, haben sie bestimmt und piinftlich zu erscheinen. Alle Betriebsräte und Funktionäre ersuchen mir, auf diese Bersammlung aufmerksam zu machen. Deutscher Berkehrsbund, Sektion 5. Berantwortlich für Bolitik: Ernst Renter; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebz, Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Botales und Sonstiges: Frik Rarftabt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Bormärts- Buchdruckerei unb Berlaasanftalt Baul Singer u. Co., Berlin SB. 68, Lindenstraße 3. · In 1 Stunde werden Sie von der so lästigen Er murde vertröstet mit dem Bescheid, man habe ja noch Zeit bis S Wanzen- Plage Ein Eisenbahnarbeiter im Direktionsbezirk Berlin, der als Streitender am 9. März seine Entlassung erhalten hatte, erwartete auf Grund des Schiedsspruchs seine Wiedereinstellung bis zum 31. März. Schon vor diesem Termin hat er bel der zuständigen Dienststelle megen feiner Wiedereinstellung angefragt. Er murde vertröstet mit dem Bescheid, man habe ja noch Zeit bis zum 31. März. Aber dieser Termin verstrich und der Arbeiter wurde nebst Brut befreit bei Gebrauch und richtiger Anwendung nicht wieder eingestellt. Nun erhob er Einspruch beim meines als unfehlbar anerkannten Spezial- Mittels. Breis Betriebsrat und Klage bei der Eisenbahnfachtammer. 1. Gegen Schwaben. Russen, Franzosen und bes Gemerbegerichts. Spezial- Miffel geg.Blutlaus Blattläuse, Obstmotten ufw. Fl. 1.- m. Flöhe 2c., Motten nebft Brut helfen nur meine als Dor züglich anerkannten Spezial- Mittel in Schacht. 1.-. Der Bertreter der Direttion sagte, nachdem Schiedsspruch Spezial- Mittel dürfe die Teilnahme am Streit nicht als Grund regen Hunde-, gegen die Wiedereinstellung geltend gemacht merden, en Hühner aber der Kläger habe sich nach seiner Entlassung am 9. März nod etwas anderes zuschulden tommen lassen. Bas, das fagte der Direttionsvertreter nicht. Das Gericht wies bie Rlage ab mit der Begründung: Für läuse. Fl. 1.- 2. nur allein echt bei Arth.Mothes, Berlin R31, Spezial- Mittel gegen Kalkbeine, Kammgrind der Swinemünder Str. 41 Hühner FL. 1.-M. tellenangebote finden im Vorwärts beste Beaching SHONGNGHOFurchtbare Schmerzen. jei die Einspruchsfrist überschritten, da die Entlassung am 9. März. der Einsprus aber erst nach dem 31. er folgt sei. Wenn der Kläger auf Richterfüllung des Schiedssprus flagen wolle, dann sei hierfür nicht das Arbeitsgericht, sondern das ordentliche Gericht zuständig. let ble del niprum ftriebsrätegeſch megen friſtojer Entfaltung Berliner ElektrikerDie Gelben wittern Morgenluft. Der sogenannte Deutsche Arbeiterbund" hatte in Gelsen. firchen eine Bereinsversammlung mit einem Bortrage des Reichs. tagsabgeordneten dam s. Offenbar auf dessen Vorschlag wurde beschloffen, ein Schreiben an den Reichspräsidenten Hindenburg zu schicken Da das Nachrichtenbureau des Billige Preise Herrenstiefel echt Boxrind, moderne Form. 42-45 6.90, kräftiges Speltleder. 590 Herrenstiefel broun a schwarz, in versche 980 gut.Ausführg.u.mod.Form. 10.90, 12.30, 13.30, 16.80 Herr.- Halbschuhe braun od. schwars Boxr. echt Chevr m. grauem Einsatz. 1290 FIITTER Braun Boxrind Rand welb gedoppelt.. 1390 Lack- Herren- Halbschuhe u. Stiefel mit grad Ledereinsatz, in verschiedenen Sorten, Rand weiß dedoppelt, bochelegant.. 10.30 1690 ca. 2500 Fear Affenhautschuhe, WildJederimit, braun, grau u. schwarz. Schnür u. Pumps, gut. Material gute Ledersohlen, mod. Formen, schr eleg. 56-59 Serie 1 4.90, Serie II Braun, echt ChevreauDamen- Halbschuhe, spitse u runde Form, gates Material.... 7,90 Lack- Damen3" 69° Schnürschuhe 90 GROSS moderne spitze Form... Braune Spangenschuhe moderne 3- Eck- Spange, Doppel. 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