�benöausgabe Nr. 214 ❖ 42. Jahrgang Ausgabe L Nr. 105 »«zussbed'.iigunzr» und Änjcig«iu>rt!k knd in der M-rycnauegabe angcoebeu »edoktton: SXB. 66. Liodenstrob« 3 Fernsprecher: Dönhoff 292— 295 T«I.-Zldreffe: Sozialdeinotrol Setiin Fernsprecher ans der Seich». Serlan,e-Meffe: wilheln, 5744 Derlinev Volksblatt l 5 Pfennig') Donnerstag 7. Mai m3 8et(a« und ffnjetgcnabtetluirj; Teschilft«,«it 9-5 Uhr Verleger: vorwörts-verlag GmbH verttn Sw. v». cwdenffraff» 3 Fernsprecher Oftnboff 2606-23137 Fernsprecher ans der Selcha. Seilame-Sleffe: Wilhelm 5744 ZentraXorgan der Sozialdcmokratifchcti Partei Deutfcblands Schutz öen Schiebern. Die Rechtsparteien stimme« gegen die Besteuerung der Jnstationsgewinner. Der sozialdemokratische Autrag gegen ihre Stimmen angenommen. Im Aufwertungsausschuß des Reichstags wurde heute die Be- ratung über den Antrag Keil(Enz.) fortgesetzt, der zwecks Be- s ch a f f u n g von Mitteln für die Aufwertung öffentlicher Anleihen eine Sonderbesteuerung der Vermögen, die bei Kr iegsbeginn neu entstanden sind, einen Zuwachs erfahren oder sich nicht weefntlich vermindert haben, und der Gewinne aus Grund st ücksveräußerungen verlangt. Die Beschluß- fassung über den Antrag war in der letzten Sitzung vor Ostern zurückgestellt worden, weil zunächst eine Denkschrift über die Be- steuerung von Inflationsgewinnen von der Regierung ge» wünscht wurde. Diese Denkschrift liegt bekanntlich jetzt vor. Sie lehnt die Besteuerung der Kreditgewinne ab und weicht der Frage einer Sonderbesteuerung der erhaltenen, neu entstandenen und gewachsenen Vermögen aus. Abg. Seil erklärte, seine Partei sei in ihrer Ueberzeugung von der Notwendigkeit der geforderten Sonder st euer durch die Denk- schrift nicht erschüttert worden. Der Beschluß müsse sofort gesaßl und die Vorlage rajchestens eingebracht werden, damit sie gleich- zeitig mit den Aufwertungsgefetzen verabschiedet werden könne. Freiherr v. Richlhosen(Dem.) sprach sich aus den gleichen Gründen für den Antrag aus, die geforderte Sondersteuer entspreche nur einem Gebot steuerlicher Gerechtigkeit. Don den Abgg. Steiniger und hergt(dnall.), Wunderlich(Dp.) und Schetler(Z.) wurde der formelle Einwand erhoben, daß die Regierungsdenkschrift dem Steuerausschuß und nicht dem Aufwertungsausschuß überwiesen sei. Abg. Wunderlich machte leider geltend, seine Fraktion habe noch nicht zu der Frage Stellung genommen, er persönlich sei in seiner Meinung, daß die Vermögens- zuwachssteuer möglich sei, stark erschüttert worden. Abg. hergt wandte sich mü aller dialektischen Gewandtheit gegen die Beratung der Frage, weil der Aufwertungsausschuß offiziell von der Denkschrift keine Kenntnis habe und sie dem Steuerausschuß nicht wegnehmen könne. Abg. Schetler unterstützte zunächst diesen for- Mellen Einwand, nahm aber sachlich gegen die Denkschrift Stellung, die den Geist der Auswerlungsvorlagen atmet. Abg Sorgensen(Wirtsch. Part.) schloß sich Herrn hergt an. Im Verlauf der Erörterungen stellte hergt, unterstützt von anderen Ab- geordneten der Rechten, den Antrag, in einer gemeinsam niit dem Steuerausschuß abzuhaltenden Sitzung über die Denkschrift und den Antrag K e t l zu beraten. Mit aller Schärfe trat Abg. Seil(Soz.) dem Derschleppungs- manöver entgegen. Die Denkschrift sei vom Aufwertungsausschuß verlangt. Die Verweisung an den Steuerausschuß sei ein formales Verschen, der Zusammenhang der verlangten Sondersteuer wie der Aufwertungsfrage liege auf der Hand. Es sollen Mittel für die Aufwertung beschafft werden. Der Wunsch nach einer gemeinsamen Sitzung sei schon vor fünf Wochen laut geworden, die Sitzung sei ober nicht anberaumt worden. Es dürfe keine Stunde versäumt werden, denn die verarmten Anleihegläubiger warteten auf die Hilfe der Gesetzgebung. Wer von Ethik, Sittengesetzen, Treu und Glauben usw. spräche, die bei der Aufwertung gewahrt werden müssen, dürfe die Entscheidung nicht weiter verschleppen. Die Abgg. Roh(Z.) und Dr. Best(dnat.) stimmten dem Abg. Keil zu. Auch höllein(Komm.) verlangte sofortige Entscheidung und beantragte Vorlegung des gewünschten Gesetzentwurfs unter Bezugnahme auf einen schon früher gestellten kommunistischen An- trag binnen vier Wochen. Die Regierung war charakteristischerweise nicht durch den Minister oder den Staatssekretär, sondern lediglich durch einen Ministerialrat vertreten, der sich den formellen Ein- wänden der Rechtsparteien anschloß, und aus die an ihn gestellte Frage, ob die Regierung nicht längst einen Gesetzentwurf zur Be- steuerung der Vcrmögensgewinne ausgearbeitet habe, den sie auf Verlangen jederzeit vorlegen könne, die Antwort schuldig blieb. Für den Fall, daß entgegen ihrem Verlangen eine sachlich« Entscheidung heute nicht getroffen werde, kündigten die Sozial- demokraten an, daß sie gleich morgen in der Sitzung des Steuer- ausfchusses die Beratung dieser Fragen verlangen und svenwell sofort auch dem Plenum einen entsprechenden Antrag vorlegen merden. Trotz aller Schachzüge gelangen den von Herrn hergt ge- führten Rechtsparteien ihre Vcrschleppungsmanöver nicht. Die Abstimmung ergab die Ablehnung des Antrages höllein, für den nur bis Kommunisten und Sozialdemokraten stimmten. Der Ver- schlcppuugsankrag hergt wurde abgelehnt mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Kommunisten, der Demokralen und der Ab- geordneten Roh(Z.) und Dr. Best(Dual.) Mit denselben Stimmen mächtigt. Die dreiaktige Familientragödie„Jacqueline" von Sascha Guitry sammelt alles, was'aufregend ins Parkett hincin-� platzen lann. Es wird eine Gattin von ihrer Nebenbuhlerin er- schössen. Der Gatte, der als Hemer Ehetyrann diesen Skandal ver- schuldele, beschimpft die Tote noch über ihren Tod hinaus. Aber schnell bricht er zusammen und wartet auf den Moment, da sich sein unverlöschlicher Haß in Verzweiflung umwandeln wird. Der ver- witwete Tyrann sucht Trost bei einem hübschen Mädchen, das er aus einem schlechten Hause befreit. Auch dieses verlorene Mädchen verläßt den Mann, der ihr grausig scheint. Dritter Akt, in dem die inzwischen freigesprochene Mörderin der verschwundenen Ehe- brechen» sich persönlich bemüht, um irgendwie den noch nicht er- weichten Weiberschrecken auf ihre Seite zu ziehen. Und der Mann, der sich geheilt glaubte von seiner Unmenschlichkeit und Haltlosigkeit, erdrosselt mit seinen Händen die Frau, die im ersten Akt die teure Gattin weggeknallt hatte. All diese Probleme können groß sein, sie können auch nur Kolportage sein. Nach der ersten Hälfte des ersten Aktes, der den Kriininalinstinkt famos anspannt, merkt man, daß es sich nur um Kolportage handelt. Aber PaulWegener tonn diese Mängel verwische». Gerade, dn er sehr gedrungen aus der Bühne steht und anzusehen fft, wie ein wirklich aiigsteinslößeiidcs Ungeheuer, wird seine eigene Angst autzerwroentlich überzeugend. Der starke Mann, der seinen Nebenmenschen nicht durch Zärtlichkeiten verwöhnt, öffnet plötzlich seinen Kleiderschrank, um die Gewänder der er- mordeten Gattin zu streicheln. Auch diese Szene ist von dem französischen Schauspieler und Dramatiker nach gutem Vorbilde ausgeklügelt und an sich ein kalter Trick. Paul Wegener gibt der Szene aber eine höchst ursprüngliche Lebendigkeit. Und selbst dann, wenn von dem Dramatiker nur noch die komödian- tische Akrobatik gefordert wird, erzaubcrt Wegener den Schein von seelischen Vorgängen. So wurde schließlich doch eine Hintertreppen- gcfchichtc, die nur mit Hintertreppenironie nacherzähll werden darf, zum erschütternden Begebnis.._ M. H. vi« fiuoffanrfteUnng„Der Sturm".??ot4batr.ctftr. lots, zeigt im ifini, Hlntdwebercien aus der Wcrlstatt Hablik-Lmdemanu sowie expressiomitüchc Keramik der Häel-Dcrke u«d eme ausgewählte Gesamtschau aller Sturm- künfUer. Form, daß er sich über Prof. Delbrück bei der philo« sophischcn Fakultät der Berliner Univer, sität beschwerte! Obgleich solche Dinge die Fakultät nicht im geringsten angehen, nahm Prof. Delbrück auf Grund der Beschwerde dennoch Deranlassuna, dem Obersten Bauer ein Schiedsgericht vorschlagen zu lassen, dem sich die Zeugen für die Wahrheit seiner Behauptung vorstellen wür- den. Auf dieses Anerbieten hat Prof. Delbrück niemals eine Antwort erhalten. Aus diesem Verhalten des Obersten Bauer kann man den Wert der Dementis dieses Mannes crmessen, der auf seinem einflußreichen Posten während des Krieges eine so unheil- volle Rolle gespielt hat. Man darf erwarten, daß die ein Jahr lang hingezögerte und jetzt angekündigte VeröffeNt« lichung der Gutachten derdrei Sachverständigen über d i e Katastrophe von 1918 dem deutschen Volke endlich Gelegenheit geben wird, in das innere Getriebe der Obersten Heeresleitung während des Krieges hineinzu- leuchten und die verhängnisvolle Tätigkeit der Misitärkaste kennenzulernen, die sich heute noch anmaßt, die Rolle der „Retter" Deutschlands zu spielen. Der Reichslanöbunst schimpft ... aber er entlastet sich nicht. Dem Reichslandbund sind unsere Veröffentlichungen über den Kreditskandal des„Landbundkonzerns" ochenllich auf die Nerven gefallen. Es ist schließlich keine Kleinigkeit. wenn durch das Verschulden prominenter Landbundfuhrer die Reichsgetreide st elle um B55 000 G o ld m a r k „erleichtert" wird. Der Reichslandbund sucht sich nun da- durch aus der Affäre zu ziehen, daß er behauptet, der Land- bundkonzern sei eine Gegengründung entlassener Land- bundangestellter unter MißbrauchdesRamensgegen die Reichs-Landbundgenossensch asten gewesen. Der Reichs-Landbund habe seinerzeit in aller Oeffent- lichkeit vor dieser Neugründung gewarnt. „Wenn trotzdem dem Landbundkonzern wesenlliche Kredite zu- gebilligt worden sind, so trifft den Reichs-Landbund keinerlei Ver- antwortung dabei. Als dann der vom Reichs-Landbund voraus» gesehene Zusammenbruch des Konzerns erfolgte und dadurch die Landwirtschaft in vieler Beziehung schwer geschädigt zu werden drohte, griff der Reichs-Landbund ein. Nur unter schweren ma- teriellen Opfern von feiten der Reichs-Landbund-Ein- und Verkauf» A.-G. war eine Sanierung möglich." Dazu stellen wir folgende Fragen: Ist der deutschnationale Steuerstreikhetzer o. R a tz m e r, der dem Landbundkonzern vorstand,„ein entlassener Land- bundangestellter"? War er nicht vielmehr eine Säule der Landbundbewegung in der Lausitz? Welches Interesse hatte der Reichslandbund sonst an dem Konzern, wenn er ihm nicht nahestand?— Es ist doch eine ungewöhnliche Sache, daß man einem von Anfang an bankerotten Gegner noch 350 000 M. zuwendet, um ihn zu „sanieren". Oder fühlt sie der Reichslandbund etwa als Schutz- gefellschaft für bankerotte freiherrliche Kreditspekulanten? Welches Interesse hat schließlich die„Landwirt- s ch a f t", zu deren Värteil der Reichslandbund angeblich die Sanierung vorgenommen hat, an dem Schutz derartiger fauler Unternehmungen?-... Wie kommt die Reichs getreidestell«dazu, mrt dieser Gesellschaft zu orbeiten, wenn hinter ihr nicht maß- gebende„F ü h r e r der Landwirtschast" standen? Wir begnügen uns vorerst mit diesen Fragen. Der Reichslandbund, der so gern mit dem Vorwurf der Lüge um sich wirft, wird wohl oder übel dazu Stellung nehmen müssen. Im übrigen weisen wir darauf hin, daß das, was der Land- bund einen„Vorwärts"-Schwindel nennt, sich auf A n g a b e n der Reichsregierung stützt. An deren Adresse, speziell an die des Landbundministers Graf K a n i tz würde sich also der Vorwurf des Schwindels richten. Ob das beabsichtigt war? Lustspiel für primitive.„Die goldene Eva" spielt im 16. Jahrhundert,, also zu einer Zeit, wo die deutsche Dramatik noch in den Kinderschuhen steckte. Die schöne und reiche, aber— verdammt noch mal— bloß bürgerliche Goldschmiedswitwe giepert nach Stondeserhöhung durch gräfliche Heirat. Moral: Hochmut kommt vor dem Fall. Der„Fall"? Sie heiratet nicht den unmöglichen Grafen, sondern den neuen, den sympathischen Gesellen. Der In- halt— die Ebenbürtigkeitsfrage— ist, wie man sieht, von so be- klemmender Harmlosigkeit und von so brennendem Interesse, daß man ihn läppisch nennen könnte. Man befürchtet, die Verfasser stammten auch aus dem 16. Jahrhundert. Das jedoch ist«ine irr- tümliche Annahme. Sie gehören einer— wir hofften schon ver- klungenen— Gegenwart an: Hans v. Schönthan und Franz Koppel-Ellfeld. Dem Leiter des Schloßpark- Theo- l e r s Steglitz darf man die Wahl des Stückes nicht übel nehmen. Das Steglitzer Kleinbürgertum, provinziell und primitiv, fühlt sich glücklich bei' solcher Kost. Die Aufführung selbst unter Kirchners Leitung bewegt sich auf höchst anständigem Niveau. Otto D r a m l s Gesell Peter ist eine sein ziselierte, durchdachte und lebensvolle Gestoll. Dgr. Eine neue Eberl-Lüste hat die österreichische Bildhauerin Hart» mann, die Witwe unseres Genossen Ludo.Hartmann, soeben voll- endet. Eme kleine nach der Natur gefertigte plastische Skizze liegt der vortresjlichen Arbeit zugrunde, die in überlebensgroßem Fonnat die Züge des verstorbenen Reichspräsidenten mit allen charatterisli- schcn Details wiedergibt. Besonders gelungen erscheint der energische Ausdruck des Mundes und Kinns und— das schönste an dem Werk — der Blick der halbbeschatteten Augen. Der ganze Kopf ist von packender lebendiger Porträtähnlichkeit und darüber hinaus ein Sinnbild gesammelter Kraft. Schultern und Brust sind in weich aneinander gesetzten Flächen nur leise angedeutet, um den beherrschen- den Eindruck der Gesichtszüge nicht zu schmälern. Ein Bronzeabguß in der Größe des Originals wird bei Gladenbeck ausgeführt werden. Daneben beabsichtigt man die Herstellung kleinerer Abgüsse in billigem Material, so daß auch minderbemillellen Republikanern die An- schasjung der Büste ermöglicht ist. von der Erpedition Amundscn. Nach dem jüngsten Funkspruch von Bord der„Fram" droht dem ursprünglich für Mittwoch vor- gesehene» Aufstieg zum Nordpoljlug ein Witterungsumschlog. Auf den Hochdruck im Polargcbiet zwischen der Insel Spitzbergen und dem Pol ist ein Tiesdruck aus dem Labrador gefolgt, der sich nach Norden, Süden und vielleicht auch nach dein Osten ausdehnen wird, ja daß sich noch nicht überblicken läßt, ob das Tiefdruckgebiet sich bis zur Polarzonc erstrecken wird. Di« Expedition erwartet noch die Mitteilung der Wetterstation Grönland. Der Funkspruch gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Witterungsumschlag sich aus den Süden beschränlcn und den geplanten• Flug nicht beeinträchtigen werde. Die letzten Vorbereitungen zum Aufstieg werden inzwischen ruhig sortgesetzt. An dem Polarslug werde» im ganzen 6 Personen teil- nehmen. Während 5 weitere Begleiter den Flug nur bis zum legten Ausstiegsplatz niitlnachen. „vie Straße". Tichlunz eine« IabibundertS, heißt eine Matinee im Theater»Tie Tribüne" am Sonntag, den 10. Mai. 12 Ubr mittag», in de« Sditfj- Eüher(Sorten aus Dichtungen von Büchner. Herne. E T A Hoffman« Hölderlin, Liliensoll, Nietzsche, Toll« n. a. lese» wird. �auszinssteuerhppotheken und Bautätigkeit Kundgebung der gemeinnützigen Bauvereinigungen. Im Plenarsigungssaal des Reichswirtschaftsrates hielt heute der Liouplverband deutscher Baugenossenschaften eine Kundgebung ab, die sich mit der Frage der Hauszins- sieuerhypotheken und der gemeinnützigen Bautätigkeit befaßte. In feinen einleitenden Worten hob der Vorfitzende, Professor Dr. 51 l b r e ch t, hervor, daß bedauerlicherweise bei der Feststellung der Richtlinien für die Vergebung der Hauszinssteuer in Preußen die gemeinnützigen Baugenossenschaften nicht gehört worden wären. Als erster Referent über das Thema der Kundgebung sprach dann Direktor Vormbrock- Münster i. W. vom Verband west- fälischer Vaugenossenschaften. Er stellte folgende Richtlinien aus: Der Wohnungs- und Siedlungsbau müsse weit nach- drücklicher gefördert werden, als bisher. Die gemeinnützige Bautätigkeit könne mit Recht beanspruchen, daß sie bei ollen öffent- kichen Magnahmen, die der Förderung des Wohnungs- und Sied- ltjngswefens dienten, in erster Linie berücksichtigt werde. Das gc- fomtc Aufkommen aus der Hauszins st euer müsse dem Wohnungsbau zugeführt werden. Wenn die Haus- Zinssteuerhypotheken ihre doppelte Aufgabe(Kapitalbeschaffung und Ainserleichterung) wirklich erfüllen sollten, müßten sie in solcher Höh« und unter solchen Bedingungen gegeben werden, daß die Mieten erträglich b l i eb e n. Die Tilgungsbcdingungen seien so zu bemessen, daß die Mieten in den ueuen Wohnungen im ollgemeinen nicht höher würden, als die jeweiligen gesetzlichen Mieten. Zu diesem Zwecke sei zu fordern, daß für die Vergebung der Hauszinssteuer- bypotheken bindende Richtlinien aufgestellt würden. Die zurück- fließenden Zins- und Tilgungsbeträge seien bei zentralen Stellen zu sammeln, denen die Aufgabe zufalle, damit dauernd und planmäßig eine Wohnungs- und Siedlungsfür. sorge zu betreiben. Es müsie auch erwartet werden, daß bald geeignete Maßnahmen für einen Wiederaufbau des normalen Hypolhekenkredits getroffen werden. Das Reich müsie sich in erheb- lich größerem Umfange als bisher der ihm nach der Derfaffung zu- stehenden Ausgaben auf dem Gebiet des Wohnungswesens annehmen, am besten im Rahmen eines, auf Jahre hinaus festgelegten, Jahres- wohnungsbauprogramms. flenöerungen in öer Unfallversicherung. 7O0l0 des �fahresverdienftes alS Bollrente.— Keine Beseitigung der kleine» Renten. Im sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages wurde die Debatte über die Festsetzung der Höh« der Unfall- r e n t c n und über die'Beseitigung der kleinen Renten zu Ende geführt Die Regierung beabsichtigte die Renten, die für eine Erwerbsocrminderung von mindestens 5l> Prozent gewährt werden, nach einer Vollrente zu berechnen, die 70 Proz. des Iahres- arbeitsnerdicnstes betragt. Die Renten aber, die für eine Erwerbs- Verminderung ron 20 bis 49 Proz. gewährt werden, nach einer Voll- reme von 50 Proz des Iahresarbeitsverdienstes zu berechnen. Die Renten unter 20 Proz füllten ganz in Fortfall kommen und künftig sollten solche Renten nicht mehr festgesetzt werden. Nach der Feie- densgesetzgebung wurde» die Renten bekanntlich in allen Fällen nach einer Vvllrente berechnet, die 66% des Jahresarbeitsverdiensies betrug., Für die Regierungsvorlage traten die Abgg. Dr. D s e f s e r(DVnsi. Dr. Rademacher(Dntl.) und Bachmeier(Bayer. Bouernb.) ein. Die Sozialdemokratische Fraktion hatte Anträge gestellt, die verlangten, daß der volle Iahresarbeitsver- d i e n st der Rentenberechnung zugrunde gelegt wird und kein Fortsall der kleinen Renten eintritt. In der Debatte, die drei Sitzungstage in Anspruch nahm, vertraten unsere Genossen die sozialdemokratischen ?lnträge mit oller Entschiedenheit. Sie wiesen schlagend nach, daß die Argumente der Arbeitgebervertretcr nicht den Tatsachen ent- sprechen, vor ollem ober die des Syndikus eines Arbeit- geberverbandes Dr. Pfeffer nicht, der für die Kürzung der Renten unter 50 Proz. eintrat mit dem Hinweis, daß die deutsche Wirtschaft die Lasten nicht tragen könne. Auch der Vertreter des Reichsarbeitsmini st eriums sowie ein Vertreter des Reichswirtschaftsministeriums warnten vor zu starker Belastung der Wirtschaft. Gegenüber dieser Auffassung traten die Demokraten und das Zentrum, die Bayerische Volkspartei sowie einige Vertreter der Deutschnationalen dafür ein, daß als Vollrente 70 Proz. des Iahresarbeitsverdienstes für alle Renten der Berechnung zugrunde gelegt wird, und daß die kleinen Renten nicht in Fortsall kommen sollten. Nachdem der sozial- demokratische Antrag abgelehnt war, der den vollen Iohresarbeitsverdienst für Vollrenten gelten lassen wallte, wurde gegen die Stimmen von Dr. Rodemacher und Dr. Pfeffer, den Bouernbündlern und Wirtschastsparteilern ein Antrag angenommen, derVOProz. desIahresarbeitsoerdienstesalsDoll- r e n t e gelten läßt, und zwar auf Antrag der Sozialdemokratie f ü r alle Unfallrenten. Der weitere Antrag der Sozial- demokraten, die kleinen Renten nicht zu beseitigen, wurde eben- falls gegen die obengenannten Abgeordneten angenommen. So- dann wurde in die Beratung über die Gewährung von Kinderzulagen eingetreten. Die Beratung wurde hierüber noch nicht zu Ende geführt. Stahlbelmer unö Landesverräter. Ein Prozeh vorm StaatsgerichtShof. Leipzig, 6. Mai.(Eigener Drahtbericht). Vor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts hotte sich am Dienstag und Mittwoch der Handlungsgehilse Gcrneth aus Bamberg, früherer Hauptmann der Lombcrger Stahlhclmleule. wegen fortgesetzter Spionage zu verantworten. Seit i02Z stand G e r n e th ununterbrochen mit dem französischen Nachrichtendienst in Verbindung und hat gegen gute Entschädigung im unbesetzten Gebiet den Flugzeugbau überwacht. Auch über Reichswehrübungen und über die faschistische Bewegung unterbreitete er dem französischen Nachrichtendienst ständig Bericht. Im Jahre 1923 trat er in B a m b e r g den Stahlhelmleuten bei und fuhr, angeblich Lebensmittel für diese zu besorgen, öfter nach dem besetzten Gebiet. In Wirklichkeit aber leistete er Spionage. Viel- seiner Getreuen hat er um größere Summen geschädigt. Auch sind große Unregelmäßigkeiten in der Organisation des Stahlhelms' vorgekommen. Alle Flugschriften und Schriftstücke, die ihm vom Bund„Oberland" zugestellt wurden, unterbreitete er einem fran- zösischen Kapitän, wofür er gut bezahlt wurde. In der Zeit des Separotistenaufstandcs wurde angeblich von rechtsradikalen Kreisen der Separotistenführer Leutnant Ortelsburg erschossen. Die Fran.zosen fegten damals für die Ermittlung der Mörder 5000 M. Belohnung aus. Gerneth schrieb vom besetzten Gebiet einigen seiner Freunde, daß sie nach Frankfurt kommen sollten. Diese wollte er dann dem französischen Nachrichtendienst angeben und sie als angeb- liche Mörder bezeichne, am so in den Besitz der 5000 M. zu ge- langen. Als er Mitte Februar 1924 sich dem Polizeipräsidium in Frankfurt anbot, auch für deutsche Behörden Spionage im besetzten Gebiet gegen Entschädigung zu leisten, wurde er verhaftet. Dabei stellte sich heraus, daß dieser ehemalige Stahlhelmleutnant einer der gefährlichsten Landesverräter der letzten Zeit ist.. Es sind zu dieser Verhandlung eine große Anzahl Zeugen geladen. Da der Hauptbelastungszeuge fehlt, wurde die Verhandlung heute abgebrochen und auf Freitag, den S. Mai, vertagt. Rückkehr der Zoo-Expedition. Dr. Lug Heck, der Assistent des Berliner Zoo, kam heute früh von seiner Abessinienexpedition mit kostbarem Tiermaterial aus dem Anhalter Güterbahnhof an. Trotz der zeitigen Stunde ist an der Ankunftsstelle schon lebhafte Bewegung, die un- vermeidlichen Kodaks sind angriffsbereit zur Stelle. Es hilft nichts, Dr. Heck muß sich im Kreise seiner fauchenden und zischenden Lieben abkonterfeien lassen. Eine exotische Tierrevue. Flußschweine, Gepards, Mantelpaviane, Dscheladas(auch Nacktbrustpaviane gc- nannt), Geierperlhühner mit ihrem buntschillernden Ge- fieder, Antilopen, Gazellen, Hängeohrschafe, junge Hyänen, Leoparden, ein junger Löwe(höchstselbst offeriert von Seiner Abessinischen Majestät), es ist ein sehr unberlinischcs Bild, sehr interessantes Bild, das an uns vorüberzieht. Jene Dscheladas, die übrigens zum erstenmal in größer Zahl (30 Stück) nach Deutschland kommen: die greisenhaft wohlüber- legenen Gesichter mit den klug forschenden Augen. Ein wenig ängstlich zwar und leise miteinander tuschelnd: Kricgsrat. Aber doch durch jene Gleichmütigkeit gewappnet, zu der wir Menschen uns bisher nicht aufschwingen konnten. Eine Eigentümlichkeit fällt aus: der große, brennend rote Fleck, den die Dscheladas an der Brustvorderseit« tragen. Mit etwas frecher Gleichmütigkeit sehen die Hängeohrschafe aus ihrem komfortablen Holzetablissement aus ihre zweibeinigen Kollegen herab. Der Humor dieser braven Lang- ohren hat nichts Verlegendes an sich. Ja, wir Schafe sind doch bessere... Mit Dr. Hauchecorne, einem Zoo-Assistenten, der Dr. Heck während seiner Abwesenheft vertrat, erklimme ich einen der Güterwagen, der zum Teil gefährlich« Beute birgt. Hinten bockt ein Leopard in gut vergittertem Holzkäfig. Wir nähern uns. Reizen den Sohn der abessinischen Wüste. Wie er faucht. Wie sich der Kopf mit oller Macht an die Stäbe stemmt, wie die Augen mordlustig blitzen... An den Löwen kommt man schon gar nicht ran. Alles vorsichtig in Holz gepackt. Denn es könnte fabelhaft ungemütlich werden. Sie haben eine wahnsinnige Angst und schneiden vor innerem Grauen jämmerlich« Gesichter. Dem einen perft dicker Schweiß auf der Stirn. Ein Kamel, das man photo- graphiert, stirbt daran, hat man ihm gesagt. Inzwischen schwanken die Wagen— hochbepackt— hinaus. Dos knurrt und winselt— eine liebliche moderne Symphonie. Und in wenigen Togen wird man sie wohl kunst- und regelrecht immenert im Zoo-Haus bestaunen können. �ienüerung im Mieterschutz. Gelockerte Zwangswirtschaft für Großwohntmgen. Der Magsstrat von Berlin hat gestern beschlossen, den ZNieter- schuh weiter bestehen zu lassen, die bisherige Zwangswirtschaft für Wohnungen mit fünf vnö mehr Zimmern soll aber gelockert werden. d. h. vom 30. Juni d. I. ab können alle Karteninhaber auch ohne Genehmigung der Wohnungsämter Wohnungen mit fünf und mehr Zimmern beziehen. Danach ist für diese Wohnungen vom l. Zu!i ab die freie Wirtschaft m be�ug aus Mieten und Vermieten, nicht aber hinsichtlich des Kündigungsrechtes des Ver- m!e:er» wieder eingeführt, Ter Hungerstreik in Tegel beendet. Wie wir vor einigen Tagen mitteilten, waren. am 1. Mai 20 Kommunisten, die suh im Moabiter Untersuchungsgefängnis in Haft befinden, in einen Hungerstreik eingetreten und hotten jede Rahrungsannohme verweigert. Dieser Hungerstreik ist gestern be- endet worden, nachdem es den Vermittlungen des Rechtsanwaltes Dr. Kurt Rosenfeld gelungen war, die Zusage einer 2er- besserung der Gefängniskost zu erhalten. Außerdem wurde den Gefangenen die bestimmte Zusicherung gemacht, daß der Untersuchungsrichter, Londgerichtsdirektor Vogt, Anfang nächster Woche die Voruntersuchung schließen und die Akten an den Reichs- onwalt zur Erhebung der Anklage wegen Hochverrats weiter- gegeben werde. Der Hungerstreik war hauptsächlich in Szene ge- setzt worden, weil die Angeschuldigten sich darüber beschwert fühlten, daß die Voruntersuchung sich über Gebühr lange hinauszöge, da sie sich schon seit Ende Oktober v. Js. in Hast befänden. Nationalistischer Katzenjammer. Trotz aller Siegesfanfaren: Es mutz unseren Monarchisten schon sehr katzenjämmerlich zu Mute sein. Nachdem man sich durch diverse Alkoholika Mut und Begeisterung anspektakelt hatte. sieht nach der naturbedingtcn Ernüchterung die Sache wesentlich anders aus. Sehr gedämpfte Töne wenigstens schlägt ein Plakat der D e u t s ch n o t i o n a l i st e n an. das augenblicklich an den P I a k a t s ä u l e n Berlins hängt, und in dem mft leis tropfenden Zähren gesagt wird, daß die„national e" Bewegung in Berlin, wie die lüngslen Wahlen schmerzlich erwiesen hätten, noch sehr im R ü ck st a n d e sei. Hier müsse unbedingt Remedur geschaffen werden. Gemach, ihr Herren. Ihr werdet wohl noch viel er- h e b l i ch e r in den so bewegt bedauerten„Rückstand" geraten. Berlin ist republikanisch. Schmerzlich zwar für die monarchistischen Intriganten, aber sehr wahr. Das wird ihnen hoffentlich in der kommenden Zeit noch viel deutlicher vor s treu- deutsche Auge treten. Araber als Wechselschwindlcr. Die Wechselfalle ist international geworden, das beweisen zwei farbige Schwindler, vor denen die ösfemlichen Kassen gewarnt werden müssen. In Magdeburg erschienen kürzlich zwei junge Männer, die den Eindruck von Indern oder Arabern machten, an den Kassen der Eisenbahn, der Post und des Magistrats. An allen Stellen gaben sie, angeblich der deutschen Sprache nicht mächtig, durch allerlei Zeichen zu erkennen, entweder, daß sie große Geldscheine in kleine oder klein« in große umgewechselt haben niöchten. Zunächst oerlangten sie durch entsprechende Gesten ö-Mark-Scheine. Dann bedeuteten sie, daß sie mißverstanden seien und 10-Mark-Scheine haben möchten. Endlich gaben sie zu verstehen, daß sie wieder nicht richtig verstanden seien und Dollar hoben wollten. Hiermii konnten ihnen aber die Kassierer/ die ihnen sonst gern ausgeholfen hätten, nicht dienen. Di« beiden gaben hierauf das bereits einge- wechselte Kleingeld zurück, erhielten ihre großen Scheine wieder und empfahlen sich. Erst abends bei der Ablehnung stellten alle Kassierer fest, daß die beiden Farbigen bei den Wechse'lvcrhandlunoen eine größere oder kleinere Zahl der Geldscheine ge- st o h l e n hatten. Die«chwindler gehören wahrscheinlich einem Arabertrupp an, der mit Frauen und Kindern von Köln kam, um über Magdeburg nach Berlin zu fabren. Die ganze Gesellschaft übernachtete in Magdeburg in einem Gzithaus und wurde kurz vor Abfahrt des Zuges zum grölen Teil festgenommen. Die beiden Gauner aber befanden sich nicht unter ihnen. Sie hatten sich wahrscheinlich von ihrem Trupp getrennt, um nach Gelingen ihres Streiches später wieder zu ihnen zu stoßen. Der eine ist etwa 25 bis 30 Jahr« att und mittelgroß, hat einen schwarzen Schnurrbart und trug einen grauen Anzug und einen grauen Hut. Der andere, etwa ebenso alt und groß, ist bartlos und trug zu einem blauen Anzug eine graue Sportmütze. „Semeiadebefiimmutigsrechi-. Am Montag, den 11. Mai, abend» 8 Uhr. spricht im Bürgersaal de« Neuen Schöneberger Ratbaus«» Präsident Dr. Strecker, Berlin, über da».GemeindebeiiimmungSrechtt. E» bandelt sich um die wichtige Frage einer Neuregelung de» Sch-nIkenzesfionswesenZ, owie um den Schutz der Jugend vor de« AlkoholiZmus. Neuer Milchkrkeg gegen öerllo. Der Vrandenburgische Landband fordert höhere Preise. Wegen des Milchpreiscs, der gegenwärtig in Berlin 26 Pfennigs beträgt, sind zwischen den Produzenten und den Berliner Milchhänd- lern Differenzen entstanden, die sich möglicherweise schon in nächster Zeit in einer für die Versorgung der Bevölkerung nicht gerode günstigen Form auswirken können. Die Landwirt- i ch a f t erhält gegenwärtig für den Liter Milch 15,5 Pf. frei Berlin, wobei man die Fracht mit etwa 1 Pf. berechnen kann. In der Mainummer des„Brondenburaischen Landbundes" wird nun in einem Artikel erklärt, daß 14,5 Ps. für den Liter Milch die Pro- duktionskosten des Landwirtes nicht decken und daß es ratsamer wäre, die Milch gleich an Ort und Stelle zu verbuttern, weil auf diese Weise eine Rentabilität der Milchwirtschaft erzielt werden könne. In dem Artikel beißt es dann weiter, daß eine Anzahl Land- wirte bereits die Milchlieferungen nach Berlin ein- gestellt haben und der Schluß des Artikels heißt wörtlich:„Wir richten daher an alle unsere Berufsgcnoisen die Bitte und Aussorde- rung, diesem unseren Kampf gegen die Milchhändler beizutreten und uns in der Weise zu unterstützen, daß sie die Milchlieferungen an die Milchhändler entweder ganz einstellen, oder nach Möglichkeft ein- schränken. Wir sind fest überzeugt, daß in wenigen Wochen die Milchhändler dann von selbst an uns herantreten und uns Preise bewilligen werden, die zum mindesten« die Selbstkosten der Erzeuger decken müßtey." Der Artikel des Landbundes enthält natürlich, wie das von dieser Seite nicht anders zu erwarten ist, eine Reihe von Fälschungen. Berlin erhält täglich 850 000 Liter Milch, von denen jedoch nur 700 000 abgesetzt werden können. Vor dem Kriege wurden täglich rund 1 300 000 Liter in Berlin verkauft. Die A b- satzmöglichkeit ist also um fast 50 Proz. zurückge- gangen. Die Kleinhondclzocrdienstspannc für den Milchhändler beträgt heute 4 Pf., die Vcrwaltungskosten durch die Milchbeliefe- rungsgesellschoft Pf. pro Liter. Es ergibt sich also, daß für die meiereimäßige Behandlung der Milch in Berlin, für die Transport- löhne vom Bahnhof nach der Molkerei und zum Kleinhändler die stattliche Summe von 6,3 Pf. pro Liter aufgewendet werden muß. Die niaßgebenden Instanzen sind der Ansicht, daß hjer weitere Verbilligungen eintreten müssen und daß sowohl von der Verdienstspanne des Kleinhändlers, als auch der Molkereien und Transportgesellschaften wesentliche Abstriche gemacht werden müssen, um den Milchpreis auf etwa 23 Pf. weift erzu- senken. Man hofft zurzeit noch, daß auch die Landwirtschaft sich der Erwägung nicht verschließen wird, daß auf Grund der allge- meinen wirtschaftlichen Verhältnisse die Produzenten heute mit geringeren Verdiensten zufrieden sein müssen als vor dem Kriege und daß auf dem Wege gütlicher Verständigung der vom Landbund propagierte Lieferstreik unterbleibt. Tchneckenpost im Zeitalter der Flugpost. lieber Berliner postalische Krähwinkeleien hat man in der letzten Zeit allerlei gehört. Man kann alle Tage neue Ueberraschungen erleben. In der K ö- t h e n e r Straße am Hanse der Hochbahngesellschaft steht ein großer Briefkasten, himmelblau gestrichen und einladend anzusehen. Es zeigt sich aber auch hier wieder, wie wahr des Dichters Wort ist: Bestechend ist der äußere Schein. Fast man nämlich den herrlichen himmelblauen Kasten etwas aufmerksamer ins Auge, dann stellt man entsetzt fest, daß er abends bereits um 9 Uhr zum letztenmal geleert wird und dann erst wieder früh um H7 Uhr. Eine Postsache also, die abends nach 9 Ubr in dielen im Zentrum des Berliner Verkehrs gelegenen Kasten geworfen wird, wird nicht etwa bereits am anderen Morgen an Ort und Stelle mit der ersten Post ausgetragen, sondern gelangt erst mittags in die Hände des Empfängers, und in den äußeren Vor- orten erst gegen Abend. Er braucht also in diesem Falle, um von Berlin in den Vorort zu gelangen, 20 Stunden. In vier Stunden aber gehk ein Flugpostbrief von Berlin nach Kopenhagen. Also Schneckenpost im Zeitalter der Flugpost. Achtung, Wahlsonntag! Republikaner, die am letzten Wahlsonntag, am 26. April. nachm. gegen 2� Uhr, beobachtet haben, wie in der Kleinen Frankfurter Straße, dicht vor dem Polizeipräsidium, ein L a st o u t o mit Anhänger, besetzt mit Reichsbannerleuten, von der Polizei angehalten wurde, werden um ihre Adressen gebeten. Alfred Günther, Lichtenberg, Wotanstr. 10. Auslagen werden gern vergütet._ Das gestrige erste Frühlingsgewikter hatte verschiedene B« r- kehrsstörungen im Gefolge. Ein Blitz schlug in eine Laube, die völlig niederbrannte. Nur«in Teil der Möbel konnte gerettet werden. Die Feuerwehr war bis abends 8 Uhr tätig. Der gewaltige Regen verursachte eine Ueberschwemmung an der Bahn- Überführung Schönholz in Reinickendorf-Ost. Die Der- kehrsstörung dauerte VA Stunden. Eine große Straßenreiniger- kolonne mußte die Wassermassen befestigen. Eine weitere Ueber- schwemmung entstand in Wittenau, wo die Möbel einer Keller- wohnungen über VA Meter tiefem Wasser standen. Die Feuerwehr mußte die Wohnung auspumpen. Ein Giftmord-Prozest. Gera, 6. Mai.(TU.). Bor dem Schwurgericht begann heute morgen der Prozeß gegen die Ehefrau des Landgerichts- rats Fritzsche aus Altenburg, die unter dem Verdacht steht, an ihrer Schwägerin Frau Mühlig-Hofmann aus gewinn- süchtigen Motiven einen Giftmordversuch begangen zu hoben. Die Angeklagte bestreitet jede Schuld. In der Nachmittagssitzung wird Frau Mühlig-Hofmann über neue unklare Punkte aus ihrem Vorleben vernommen. Es werden ihr verschiedene kleine Dieb- stöhle vorgeworfen, die sie entschieden in Abrede stellt. Zu der Sache selbst behauptet sie, gesehen zu haben, daß Frau Fritzsche, als sie sich unbeobachtet glaubte, ihre beiden Kaffeetassen vertauschte, auf Vorhalten aber dieses bestritt. Der Kaffee schmeckte der Zeugin bttter. Die Untersuchung des Kaffees ergab, daß Gift und zwar Strychnin in tätlicher Menge in ihm enthalten war. Einige Tage später erstattete Frau Mühlig-Hofmann bei der Staats- anwaltschaft in Altenburg Anzeige. Für Donnerstag ist der Lokal- termin in Ehrenhain anberaumt.' Zn die Tiefe. Nach einer Meldung aus Bottrop sind am Dienstag abend auf Zeche„Arenberg-Fortsetzung" zwei Schlosser beim Abmontieren eines Haspels verunglückt. Sie stürzten mit dem Haspel in d i e T i e f e und wurden von den herab- fallenden Eesteinsmassen begraben. Die Bergung der Leichen ist mit großen Schwierigkeiten verbunden. lleberschweinmungen in Zugoslowien. Noch einer Meldung aus Belgrod sind in Jugoslawien weite Strecken Landes über- schwemmt. Das Wasser steht in Parocin 2 Meter hoch. Mehrere Häuser sind eingestürzt, auch zahlreiche Menschenopfer sind zu be- klagen. Viel Vieh ist ertrunken. Die Eisenbohnstrecke Paracin— Zasecar ist zerstört. Auch in Syrmien und im ganzen Banat hat die Ueberschwemmung großen Schaden angerichtet. Die Savc beginitt zu fallen. Schwere Explosion bei Pittsburg. In der Nähe von Pittsburg sind durch eine Explosion 6 Personen getötet und 32 zum Teil schwer verletzt worden. Die Gebäude in der Näh« des Explosionsherdes haben starken Schaden erlitten. Sroß-Serliner parteiaachrichtea. ZS. Abt. Freitag cBenb Uhr Sitzung aller Funktionäre bei Bartusch. Frieden- strotz« 88. 74. Abt. Schöneberg. Frejtaa abenb VjS Uhr Funktionirversirminlung bei Jörgen. Barbaroyastratz« 5a. Wichtige Mitteilungen. GewerMaDbewegung Zuteruationsles Nachtbackverbot. Der Nahrung?- und Genußmittelarbeiterverband hatte am Momag eine stark besucht« Versammlung der Bäcker und Konditoren- gehilsen einberufen, die eine Demonstration zur kommenden 7. A r- beitszeitkonserenz in Gens darstellte. Der Gaulester Schars aus Brenien referierte und begründete die unten solgende Entschließung. In der Diskussion traten zwei Arbcitgebervertreter, darunter der Obermeister G r ü st e r, sür die Beibehaltung des Nachtbackverbots im Sinne der gegenwärtigen gesetzlichen Bestim- münzen ein. Ein unverdauliches Durcheinander verzapft« t?err Bäckermeister Schubert, von der„Freien Vereinigung der Bäckermeister". Aus seiner langen Rede war nicht zu enl- nehmen, ob er für oder gegen die Nachtarbeit ist. Er versuchte die Arbesterorganisationen gegeneinander auszuspielen, was den nächsten Redner. Genosien Liedtke vom Bezirtsocrband Berlin der SPD. veranlaßt«, ihm zu raten,„bei seinen Schrippen zu bleiben". Liedtl« trat für den Achtstundentag und für die Befestigung der Nacht- arbest ein. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die am 4. Mai 19ZZ in Berlin tagende öfsenllich« Versammlung der Bäcker- und KonditorgehUfen nimmt Kenntnis von den B e- mühungen des Internationalen Arbeitsamtes, das Verbot der Nachtarbest in den Bäckereien in allen ihm an- geschlossenen Ländern einheitlichzu regeln. Die Versammel- ten werden diese Bestrebungen in jeder Hinsicht nach besten Kräften unterstützen. Die Versammlung bedauert auf das lebhafteste, daß. obwohl allgemein die Schädlichkeit der Nachtarbest in den Bäckereien für die Berufsangehörigen bekannt ist und für die Konsumenten große Ge- fahren in hygienischer und sanstärer Hinsicht in sich birgt, einige Länderregierungen auf Verlangen rückständiger Unter- nehmer hin grobe Verschlechterungsanrräge an die 7. Arbeitskonferenz stellten. Die Annahme dieser Anträge wäre gleichbedeutend mit der Wiedereinführung der Nachtarbest und oll der schauderhaften Zustände wie sie vor deren Befestigung be- standen. Die Versammellen erheben gegen diese Versuche den s ch ä r f st en P r o t e st und erwarten von der Arbeitskon- f e r e n z, daß sie die Anträge einmütig ablehnt. Von der deutschen Reichsregierung verlangen die Bäcker- und Konditorengehstfen, daß unbekümmert des Ausgangs der Internationalen Regelung, in Deutschland die geltende Verordnung über die Arbeitszeit in den Bäckereien und Kon- ditoreien unverändert bestehen bleibt und endlich gegen die Saboteure der Verordnung mit schärferen Strafbestim- münzen, in Wiederholungsfällen mit Geschäftsschließuna, vor- gegangen wird. Di« Forderungen der Unternehmer auf Zu- tassung eines früheren Arbeitsbeginnes als 6 U h r morgens in Bäckereien oder der Sonntagsarbeit in den Konditoreien, sind von den Behörden abzulehnen, weil sie geeignet sind, die Verordnung zu durchlöchern und schließlich ganz zu Fall zu bringen. Die hohe tullurelle, sittliche und hygienische Be« deutung der Frage muß es den amtlichen Stellen, die berufen sind, über das Wohl der Gesamtbeoölkerung zu wachen, zur Pflicht machen, diesen besonderen Arbeiter- und Konsumentenschutz voll aus- recht zu erhalten und weiter auszubauen. AndieKonjumenten richten die Versammellen den Appell. die Bäckerei- und Konditoreiarbeiter in ihren Bestrebungen weitest- gehend zu unterstützen. Nahrung«- und Genußmittel sind Vertrauensartikel und es soll und kann den Konsumenten nicht einerlei sein, unter welchen Umständen diese Erzeugnisse hergestellt werden." Generalversammlung der Fabrikarbeiter. Am Z. Mai hielten die Berliner Fabrikarbeiter ihre Generalver- sammlung ab, um zum Geschäftsbericht der Ortsverwaltung y>ie«uch zum IS. Verbandstag Stellung zu nehmen. Der oedruckt vorliegende Bericht samt den mündlichen Ergänzungen des Bevoll- mächtigten W. Reimann lösten eine lebhaft« Debatte aus, in der die Kommunisten ihre Phrasen anzubringen versuchten, jedoch den entschiedenste» Widerstand unserer Genosien Hervorriesen. Allgemein« Heiterkest erweckte der Kommunist Stade, der die Gewerk« fchaften für die Wahl Hindenburgs verantwortlich machen wollte und ein« Resolution von Unorganisierten, die die Auf- forderung zum General st reit in der Chemie enthielt, verteidigte. Bemerkenswert ist die Neuaufnahme von 1700 Mit« gliedern, sowie die anhaltende Besserung der Finanzloge der Zahlstelle, die R e i m a n n allerdings immer noch Äs unzureichend bezeichnete angesichts der großen bevorstehenden Kämpfe, von denen namentlich die in der chemischen Industrie zu erwähnen find. Im letzten Quartal tonnten der Hauptkosse 26 314 Mark in bar überwiesen werden, daneben wurden an Streikunterstützungen usw. 9443 M. ge- zahll. Einnahm« und Ausgab« der Lokälkasie bilanzierten mit 25 346 M. und einem Kasieubeftand von 3 957 M. Trotz der kommu» niftifchen Wühlarbeit und den Angriffen der Unternehmer geht es wieder vorwärts. Gegen neu« Zersplitterungsversuche werden fich die Berliner Fabrikarbeiter zu wehren wissen. Ein Antrag des Bezirks Eharlottenvurg, die Delegierten zur Generalocrsannnlung wieder zu jeder Generalversammlung neu zu wählen, wurde abgelehnt. Zum Aerbondstaa behandelt« der 2. Bevollmächtigt« Rücker die vorliegenden Anträge. Die Kommunisten beantragten �kämpfe auf breitester Grundlage", Wiederaufnahme der Ausge- schlosienen, Einigungsverhandlimgen mit dem Industrieverbarch Eye- mie,«inhestlichen Lohn usw. Alle diese Anträge verfielen der Ab- lehnung gegen wenige Stimmen. Angenommen wurde ein An- trog, der die Erhöhung der Unterstützungssätze bei Streiks auf das 24-fache des Beitrages oerlangt. ebenso ein Antrag, der den gewählten Delegierten und dem Hauptvor- stand nur dos Stimmrecht auf dem Verbandstag zugestehen will. Abgelehnt wurde weiter ein Antrag, der den wöchentlichen Beitrag gleich einem Stundenlohn festsetzen will. Zum Schluß wurde die Wahl der Kandidaten zum Lerbandstag vorgenommen. Zum Delegierten des Gaus III für den Gewerkschofts- tongreß wurde der Vorsitzende W. R e i m a n n gewählt. Weitere Vorschläge aus anderen Zahlstellen liegen nicht vor. Auch der Verlauf dieser Generalversammlung hat gezeigt, daß die Kommunisten mit ihren Quertreibereien in den Berliner Gewerk- fchaften endgültig erledigt sind. Sie bilden nur noch ein kleines Häuf- lein Querulanten. Die Arbesterschast hat erkannt, daß die KPD. zwar groß im Zerstören der Gewerkschaften, jedoch unfähig zum Aufbau der Gewerkschaften ist._ Tarifkampf in der Ehirurgiemechauik. In der Groß-Berliner Ehirurgiemechonik wird fest Jahresfrist ohne Tarifvertrag gearbestet. Bor einiger Zell Hot nun der Deutsche Metallarbeiterverband der Arbestgebergruppe ifür die Chirurgie- Mechanik Groß-Berllns einen Tarifvertragentwurf eingereicht, um die abgebrochenen Verhandlungen wieder in Gang zu bringen. Der Entwurf stützte sich im wesentlichen aus den früheren Tarif- vertrag und sah die 4614 stündige Wochenarbeitszest vor. Die Ar- bestgeber aber brachten in einem Gegenentwurf einen ganzen Strauß von Verschlechterungen zusammen. Sie oerlangten die 54 S t u n- denwoch«, Urlaubsverschlechterung, und die Mögllchkeit. Neuem- zustellende bis zu 29 Prozent ohne Benutzung des Arbeitsnach- weises zu suchen. In den Verhandlungen gelang es den Organi- fationsvertretern die Arbeitszeit auf 48 Stunden festzusetzen. Di« Unternehmer verlangten nunmehr aber, daß sie bis zu vier Ueber stunden wöchentlich ohne Benachrichtigung der gesetzlichen Betriebsvertretung anordnen können. In der Praxis hätte ein solches Zugeftändinis an die Arbeitgeber bedeutet, daß mindestens 52 Stunden in der Woche gearbeitet würde. Die Unternehmer oerlangten weiter, daß beim Arbeitsstellenwechsel kein Urlaubsanspruch erhoben werden kann. Eine Dollversammluna der in der Chirurgie-Mechanik beschäftigten Arbetter und Arbeiterinnen nahm nach dem Bericht von Kahmann zu den Absichten der Unternehmer Stellung. Alle Diskussionsredner wandten sich dagegen. Die Persammlung beschloß « i n st i m m i g, aus eine kollektive Regelung des Arbeitsverhältnisses zu verzichten und dafür die Urlaubs, und Arbeitszeitregelung in den einzelnen Betrieben durchzufechten. Das Verlangen der Unternehmer noch der Wiedereinführung der 54 Stundenwoche zeigt, wie reaktionär die Arbeitgeber-Gruppe dieser Branche ist. Die Arbeiter haben bisher noch stets für die wechselnde Geschäftslage der Branche Verständnis gezeigt. Wenn die Unternehmer die Verteilung der täglichen Arbeitszeit den einzelnen Betrieben überlassen wollen, so bedeute dies eine Ausdehnung der Arbeitszeit bis zu 10 Stunden täglich, wenn der frühere Geschäfts- schluß am Sonnabend beibehalten werden sollte. Die Einstellung von 29 Prozent der Belegschaft ohne Benutzung des Arbeitsnach. weises ist um so weniger gerechtfertigt, weil in der Chirurgie- me-yanik mit einer seßhaften Arbeiterschaft zu rechnen ist, die noch statistischer Beobachtung höchstens bis zu 19 Prozent die Betriebe im Jahr« wechselt. Die Unternehmer, die offenbar aus den bis- herigen Kämpfen wenig gelernt haben, haben durch ihr Verhalten neuen Kamps in den einzelnen Betrieben heraufbeschworen. Der Schiedsspruch im verftcheruugSgewerbe. SerUn. 6. Mai.(Mtb.) Wie wir erfahren, fanden heute im Reichsarb« itsministerimn Verhandlungen über den Antrag der An- gestelltenoerbände auf Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches im Bersicherungsgewerbe vom 8. April statt. Die Verhandlungen verliefen ergebnislos. Das Reichsarbests- Ministerium wird versuchen, die beiden Parteien zu einer Derständi- gung zu bringen. Die nächsten Verhandlungen sind für Dienstag vormittag 11 Uhr angesetzt.__ Die HolzarberteruuSsperruug in Schlesien. Hirschberg(Schlesien). 6. Mai.(DTB.) Mittwoch früh ist im Gebiet des Land-sverbandes der fchlesischen Holzindustrie die Ge- samtaussperrung der Belegschaften ersolgt, von der in zirka 499 Betrieben 7999 Arbeiter betroffen werden. In Schlesien grassiert jetzt offenbar die Aussperrungsmanie. Auch die Metallarbeiter in Niederschlesien sollen ausgesperrt «erden._ KonzentratiouSbestrebungeu in England. Au» London meldet EP.: Es ist beschlossen worden, am 22. Mai in London eine Konserenz der Bollzugsaus- schüss« der Grubenarbeitergewerkschoften. der Eisenbahnerunion, des Lokomotivhetzerverbandes, der Transportarbeitergewerkschaften und der Mechanikergewerkschaften einzuberufen, um die Frage einer Allianz dieser Arbeiterorganisationen zu prüfen, durch die die ge- nannten Derbände sich oerpflichten würden, im Falle von Aus- ständen sich gegenseitig zu unter st ützen. fttatttSottieab ba Ntefchwtste» am]) Restex, Seschättsstells Gcoft-Scrlin. S«n«rall> er sammlung morgen Frellag abend S Uhr, Saal t de» Ge. werNchaftshauses X. Abstimmung iibrr die Borlage de« Berbandsoorstanbeo und Derbandebeiraie» auf«bSnderung der Statuten. 2. Geschäftsbericht fllr da« erste Quartal. Z. Diskussion, t Kassenbericht fllr da» erste Ouarlal tS2ö. Es ist Pflicht eine« jede» Kollegen, die Generalversammlung zu dejuchenl Wietsthaft Hauszmssteuer and Vohnungsneubau. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind jetzt van den amtlichen Stellen die Grundsätze bekanntgegeben worden, nach denen in diesem Jahre in Preußen der Wohnungsbau gefördert werden soll. Die Mittel dazu fließen bekanntlich aus der Haus zinssteuer, die für diesen Zweck vom 1. April ab uni 4 Proz. der Friedensmiete erhöht worden ist. Im ganzen werden in Preußen zurzeit etwa 28 Proz. Friedcnsmiete als Hauszins- sleuer erhoben, von denen die Hälfte für den Wohnungsbau bestimmt ist, während der übrige Teil für andere Fürsorge zwecke des Staates oder der Gemeinden in Anspruch genommen wird. Der Gesamtbetrag, der noch der jetzigen gesetzlichen Regelung im lausenden Jahre in Preußen für die Förderung der Neubau tätigtest bestimmt ist, ist auf etwa 32 5 Millionen Mark an zunehmen gegen 225 Millionen Mark im Jahre 1924. Davon entfallen zu unmittelbarer Verfügung durch die Gemeinden und Kreise etwa 185 Millionen Mark, während dem Staate die Verfügung über 149 Millionen Mark vorbehalten ist. Diese staatlichen Mittel sollen auch jetzt vorwiegend dazu dienen, einen gesunden Ausgleich zwischen den verschieden liegenden Bedürfnissen der einzelnen Staat-gebietc und ebenso der einzelnen Gemeinden zu schaffen. Vor ollem ober sollen es die staatlichen Mittel auch möglich machen, den unter fremder Besatzung leidenden Gemeinden die dringend notwendige Crleichterung ihrer Wohnungsnot zu bringen, soweit in dieser Beziehung nicht vom Reiche besonders zu sorgen ist. Weiter sollen diese staatlichen Mittel dazu Helsen, den nach vielen Tausenden zählenden F l Ü ch t l i n g s s a m i l i e n, die heute noch— und das zum Teil schon seit Iahren— unter den unsäglichsten Notständen leben müssen, wieder einigermaßen erträgliche Wohnungsoerhältnisie zu schaffen. In bezug auf die Vergebung der öffentlichen Wohnungsbau- mittel im einzelnen verbleibt es auch weiter bei dem im Borjahr eingeführten Verfahren, d. h. es werden auch künftighin sog. Haus- zinssteuerbypotheken bewilligt. Von einer allgemeinen Erhöhung der Durchschnstts- und Höchstsätze sür die zu bewältigenden Hauszinssteuerhypochekcn ist ungeachtet dyr seit dem vergangenen Jahr eingetretenen Steigerung der Baukosten abgesehen worden, um eine unerwünschte Schmälerung des Bauprogramms zu ver- meiden, aber auch, um nicht einer weiteren Steigerung der Bau- kosten Vorschub zu leisten. Dabei ist auch in Betracht gezogen, daß die seit dem Beginn des Vorjahres erfolgte Steigerung der Alt- mieten eine höhere Rentabilität der Neubauten gc- sichert und damit eine Erweiterung der Beleihungsgrenze für die neben der Hauszinssteuerhypothek aufzunehmenden Hypothek ge- schaffen hat. Um die Mieten in den neuen Wohnungen gleichwohl erträglich zu halten, sollen die Zinsen für die aus ässentlicher Hand fließenden Hypotheken, solange und joweit sich für die neu- erbauten Wohnungen höhere Mieten als für die Altwohnungen ergeben, im Wege des Nachlasses allgemein auf 1 Proz. herabgesetzt werden. Im übrigen ist zugelassen worden, daß die aus Hauszinssteuerhypocheken sließenden Zinseinnahmen der Gemeinden zu Zinszuschüssen zwecks Verbilli- g u n g solcher Hypotheken verwendet werden können, die neben der Hauszinssteuerhypothek zu hohem Zinssatze auf- genommen werden müssen. Neu ist weiterhin eine Maßnahme, die dazu dienen soll, kinderreichen Familten die Beschaffung eines Eigenheims zu erleichtern. Soweit die Mittel dazu ausreichen, können danach Familie« mit vier und mehr unversorgten Kindern zur Errichtung eines Eigenheims neben der Hauszinssteucrhypothek sog. Zusatzhypotheken gewährt werden, die allerdings nicht über ein Drittel der eigentlichen Hauszinssteuerhypothek hinausgehen dürfen. Diese Zusatzhypotheken, die zunächst sür die Dauer von fünf Jahren unkündbar sind, sind nur mit 4 Proz. zu verzinsen. Im übrigen sollen ganz ollgemein bei der Vergebung der Hauszinssteuer- Hypotheken kinderreiche Familien und Schwerkriegsbeschä- d i g t e. insbesondere Kriegsblinde, sowie weiter solche Bauvorhaben vorzugsweise berücksichtigt werden, die in der Form der Reichs» Heimstätte errichtet werden. Die tage in der Lraunkohlenindusirie. In der Generalversamm- lung der Ilse Bergbau-A.-G. führte Generaldirektor Schumann über die Geschäftslage folgendes aus: Der Verlaus des ersten Quartals 1925 war zufriedenstellend. Der Betrieb vollzog sich ohne Störungen. Die gesamte Tagesförderung wurde zum Versand gebracht. Die Preise blieben gegenüber dem letzten Quartal 1924 unverändert, während die Löhne in die Höhe gingen. Es wird in zw«, Schichten gearbeitet. Jede Schicht hat eine ununterbrochene Arbeitszeit von 19 Stunden, dazu kommen noch 2 Stunden Pause, S daß die Gesamtarbeitszeit 12 Stunden beträgt. Im pril ist der Absatz ins Stocken gernten, es mußte ein Teil der Förderung auf Vorrat gelegt werden. Es ist jedoch zu erwarten. daß im Juli/August der Absatz wieder eine Belebung erfahren wird. Das Ossel bische Braunkohlensyndikat hat nämlich beschlossen, unterschiedliche Sommer- und Winterpreise sür Hausbrand einzu- führen, so daß die Abnehmer von der Vergünstigung der Sommer- oreise Gebrauch machen und dementsprechend ihre Bestellungen ein- richten werden. Die in unserem Blatte schon besprochene Bilanz und der Geschäftsbericht gelangten gegen eine ileine Minorität zur Annahme. Die Verwaltung verteilt auf die Stammaktien und auf die Genußschelne S Proz., aus die Borzugsaltien und auf die noch im Umlauf befindlichen Vorrals-Stammaktien 6 Proz. Dividende. Birantwortlicki für Politikt Ernst Zicuter: Wirtschaft: Arthur Satrrno»: (SeioerlfdiaFtcbemcaunp:{«riebt. Etzfornt fteuilUtan: Sc. John Schilowsti-, Lolalc» und Eonstiar«: ftrifi Karstadt! Anzriaen Th. GloEc: sämtlich in Berlin. Birlaa: Borwärts-Bcrlaa id. m. b. S. Berlin. Druck: Vorwärts. 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