Menöausgabe Nr. 224 � 42. Jahrgang Ausgabe g Nr. 11» «üzlkgsbtdliwniaeii anb SnHelseavrett» linb in t>«r Morgenausgabe angegeben Nebottion: sw. SS. cinbeosiroge i Aernspreche»: VSnhoft ZS2--2S» r-l.'»dreslr: S oziolbeMokral vor«» Devlinev Volksblstt ( 4 pfsnnio) Mittwoch 13. Mai 1�25 Verla» und Anzeigenabiellnn», Selchärt-zeit»-S Übe varl»g«r:vorn,är>o-verlag»mbH. v-rU» SS. M. Cinbenftrob« 3 Zernsprecher: VSnhoss 2508-2502 Zentralorgati der Sozialdemokrat» sdien parte» Deutfdilanda Haussuchung im„vorwärts. Uebergriffe der Staatsanwaltschaft. Heute morgen erschienen in der Redaktion des„Vorwärts" drei Kriminalbeamte, um im Auftrag der Oberstaatsanwalt- fchaft eine Durchsuchung des Arbeitszimmers und des Schreib- tisches unseres verantwortlichen Redakteurs, des Genossen Reuter, vorzunehmen. Seit 1908 hat in den Räumen des „Vorwärts" keine Haussuchung melir stattgefunden. Warum diese Haussuchung? Lag die Gefahr vor, daß Beweismittel verschwinden könnten, die dem Nachweis dienen, daß die Redaktion des„Vorwärts" ein Derbrechen oder Ver- gehen begangen hat? Ach nein, nicht einmal eines einfachen Preßdelikts wird der verantwortliche Redakteur des„Vor- wärts" beschuldigt, sondern nur einer Uebertretung preßpolizeilicher Vorschriften! Die Oberstaatsanwaltschast sucht nach dem Original einer Berichtigung, deren Abdruck die Redaktion des„Vor- wärts" ablehnte, da sie den Anforderungen des Preßgesetzes nicht entsprach. Die Oberstaatsanwaltsä)ast hat in Abwesen- heit des verantwortlichen Redakteurs des„Vorwärts" seine Wohnung nach dieser Berichtigung durchsuchen lassen. Sie hat heute durch drei Kriminalbeamte in den Räumen der .,Borwärts"-Redaklion haussuchen lassen. Aber es handelt sich um eine Berichtigung des deutsch- nationalen Herrn v. Kries. Der„Vorwärts" hatte ihm Beziehungen zur Scharlachbank nachgesagt. Herr von Kries sandte eine Berichtigung. Sie entsprach nicht den Anforderungen des Preßgesetzes. Trotzdem veröffentlichte der„Vorwärts" sowohl die Tatsache als auch den wesentlichen Inhalt der Berichtigung. Herr v. Krieg aber stellte Straf- antrag, weil dem � 11 des Preßgesetzes formell nicht genügt fei. Die Staatsanwaltschaft leitete die Vorunter- suchung ein. Der verantwortliche Redakteur des„Vorwärts" wurde vernommen. Er gab zu Protokoll, daß er die Be- richtigung erhalten, den Abdruck aber berechtigterweise abge- lehnt habe. Die Staatsanwaltschaft weiß, daß die Berichtigung der „Vorwärts"-Rcdaktion zugegangen ist. Sie kennt die Stel- lungnahme der„Vorwärts"-Redartion. Sie kennt auch den Inhalt der Berichtigung, die sie zugleich mit der Strafanzeige erhalten haben muß, da sie sonst keine Untersuchung hätte ein- leiten können und dürfen. Wozu die Haussuchung? Wir möchten erfahren, auf Grund welcher Bestimmungen der Strafprozeßordnung sich die Staatsanwaltschaft zur An- wendung dieser Untersuchung für berechtigt hielt. Der Paragraph 105 der Strafprozeßord»»ung schreibt vor: „Die Anordnung von Durchsuchungen steht dem Richter, bei GesahrimBcrzug auch der Staatsanwaltschaft zu." Wo ist hier, wo es sich um die angebliche Uebertretung einer preßpolizeilichen Vorschrift handelt.„Gefahr im Verzug"? Diese Durchsuchung ist ein Uebergriff. Sie ist eine Schi- kane gegen die Presse. Sie ist ein Glied in der Kette der Uebergriffe, die sich die Berliner Staatsanwaltschaft seit einem halben Jahre hat zuschulden kommen lassen, ohne daß die zu- ständige Zentralbehörde eingeschritten wäre. Diese Uebergriffe sind System. Die Staatsanwallschast fühlt sich als politische Behörde. Sic ergreift Partei. Sie weitet ihre Besiignisse aus, sie überschreitet ihre Befugnisse, ohne daß sie zur Ordnung gerufen wird. Die rechtsgerichteten Staatsanwälte, die die Vorunter- suchung in der bekannten Skondalaftäre geführt hoben, ar- beitcn als Bundesgenossen der rechtsgericksteten Skandal- fobrikanten. Gedankenlos und rücksichtslos setzen sie sich über alle Rechtsgarantien hinweg. Sie schieben die Vorschriften, die die Rechte und Freiheiten des Staatsbürgers schützen, bei- feite. Für sie gibt es kein Recht mehr. An die Stelle des Rechts tritt Willkür— die Willkür hemmungsloser, karriere- lüsterner, politisch rechtsstehender Staatsanwälte. Diese Durchsuchung ist ein Glied der Hetze, die seit einem halben Jahre gegen die Sozialdemokratie geführt rourde. Nie ist der parteipolitische Charakter der Betätigung der Staatsanwaltschaft so kraß zutage getreten, wie in diesem Falle, dervion einer Lappalie seinen Ausgang nimmt. Diese Durchsuchung wirkt aber auch wie ein Racheakt. Die Staatsanwaltschaft ist durch unsere Feststellungen über ihre Methoden und Uebergriffe getroffen. Sie mißbraucht ihre Stellung, um aus Rache die Presse zu schikanieren. Wie lang« soll dieser Skandal weitergehen? Die Uebergriffe der Staatsanwaltschaft zerschlagen alle Rechtsgarantien. Sie diskreditieren die Justiz. Sie setzen an die Stelle der Rechtsprechung eine völkische Feme. Die Berliner Staatsanwaltschaft ist zu gründlicher Untersuchung und zu gründlicher Säuberung r e i f. Der Fall K u ß m a n n muß geklärt werden. Der Tod Höfles hat unerhörte Zustände aufgedeckt. Es ist höchste Zeit, daß die zuständige Zentralbehörde aus ihrer Lethargie er- wacht und dem Skandal ein Ende macht. Kpd.- u n g c n L e Ii t c ii, L e h-r l i n g c ii, Laufburschen, Straßcnreinigern d i e Fahrräder abzuschwindeln. Aus der Straße sprach er die jungen Leute an und veranlaßte sie unter dem Verspreche» einer Belohnung,- eine Bestellung in irgendeiuem Hause auszurichten. Das Fahrrad der Boten wollte er in der Zwischenzeit beaufsichtigen, hatte aber nichts Eiligeres zu tun, als sich auf das Rad zu schwin- gen und davonzusahren Auch aus andere Weise hatte er ver- schiedene Leute geprellt, so dnß ihm 1t Betrugsfälle zur Last ge- legt wurden. Woyda war vielfach in, I r r e n a n st a l t e» gewesen, und aus den Irrcnhaiisakten ging u. a. hervor, daß er in der Jugend viele dumme Streiche gemacht hatte. So hatte er seine eigene Mutter als halbwüchsiger Bursche wiederholt mißhandelt. Nach den ärztlichen Gutachten erschien er zwar geistig minderwertig, aber für die Straftaten verantwortlich. Das bewahrte ihn vor dem Zucbthaus, er erhielt, jedoch die empfindliche Strafe von 3 Jahren Gefängnis. Betrügerischer Zusammenbruch im Strumpfwarenhandel. Die beiden Inhaber der. Firma Gebrüder Lourie. Strumpfwarcii engrös, Berlin RW., Dorothcenstraße 19, sind, wie „Die Tertil-Wochc" erlährt, unter Hinterlassung von annähernd 2 9 0 099 Mark Schulden slüchtig geworden. Außer unbe- lrächtlichcn Außenständen, sind Aktiven �n Höhe van nur etwa 5.0 0 0 bis K000 Mark vorhanden, die vom Personal für Gcholtsforderungen bereits gepfändet sind. Die Inhaber haben in der letzten Zeit die von den Fabritanten'einkommende Ware weit unter dem Preise verschleudert, um sich bare Mittel zu ver- schaffen. Sie sind Russen, die erst im Jahre 1921 nach Deutsch. land kamen. Schützt unfern Wald! Kaum haben die Schulausslüge wieder begonnen, so mehren sich die Klagen, daß die Kinder in den Waldungen rücksichtslos Zweige und Blumen abreißen.- Täglich werden in den Ausslugs- orten in der Umgegend von Berlin Schulkinder unter Führung der Lehrer beobachtet, die frisches Grün und abgerupfte Blumen in großen Mengen mit- schleppe n. Durch das Abreißen der Zweige werden Angriffs- flächen für schädliche Pilze geschaffen, wertvolle Anpflanzungen vernichtet, und die Natur wird verschandelt... Es dürfte für die auffichtsührendeii Lehrer doch wirklich nicht so schwer sein, diesem i Unfug zu steuern und gleichzeitig durch eine entstirechende Belehrung den Kindern das Schädliche ihres Treibens vor Augen zu führen. Der Kampf gegen die sinnlose Verödung der Natur wird nun schon seit Jahrzehnten geführt und der„Vorwärts" Hot es sich stets angelegen sein lassen,.in diesem Kampf in erster Reihe zu stehen. Man muh nun aber auch von der Berliner Bevölkerung erwarten, daß sie sich die ständig in der Presse und durch Wald-, Natur- und Heimatschutzfreundc erhobenen Forderungen zu eigen macht und darüber wacht, daß ihr die wenigen Schönheiten der Natur nicht auch noch geraubt werden. Besonders die wandernde reifere Jugend hätte hier eine dankbare erzieherische Aufgabe. Die verpönte rote Parteifahne. Ein interessanter Floggenftreit spielte sich am Tage der Ver- eidigung des neuen Reichspräsidenten beim H a u p t v o r st a n d des Verbandes der Lebensmittel- und Getränke- a r b e i t e r ab. Der Verband besitzt ein eigenes, kürzlich be- zogenes H a u s a m R c i chs t a g s u f c r, in unmittelbarer Nähe Ax.» ReichstagKgebaudes.- Die GckgMh. stu sich-dunh besonders reichen 'Zchwarzweißroien Flagaenschmuck hervor, was den Hauptvorstand veranlaßte, auf seinem Hause«ine rote Fahne zu hissen. Es dauerte auch nicht zstiange, und. es-erichicn. ein. Vertreter des Direktors vom Reichstag und bot, die rote Fahne einzuziehen, da„sie doch wähl Aergernis erregen könnte". Aber alles Verhandeln half nichts. Der Verbandsvorstand blieb fest und lehnte die Beseitigung der roten Fahne mit dem Hinweis daraus ab, das die s ch w n r z w e I ß r ot e- Fahne die P a r t e i f a h n e der D c u t s.ch n a t i o n a l e n|ci, der vom Hauptvorstaiid des Verbandes die rote Fahne als Partei- sahne der Sozialdemokraten entgegengestellt weroe. Im übrigen gestatte der Vorstand den Deutschnationalen, ihre Partei- sahne zu zeigen, ja, er lasse sich das sogar von den Mietern seines eigenen Hauses gefalle» und er bitte darum die Gegenseite, ebenso tolerant der roten Parteifahne gegenüber zu sein. Unverrichteter Dinge mußte der Reichstagsbeamte wieder abziehen. 5?indenburg aber mußte die Parade über die Ehrenkompagnic der Reichswehr angesichts der roten Fahne auf dem Dache des Hauses Reichstags- ufer 3 abnehmen._ ' Ihr Geist lebt. Seit etwa einem halben Jahr steht an der Seite des Sprcewegs auf dem schmalen Rasenstück, das an die Mauer des Bellevue-Parks grenzt, ein Sockel aus Sandstein. Eine Aicsschrist widmei den Ge- iollenen des 4. Garde-Regiments zu Fuß ein würdiges Gedenkwort. Wir haben uns an diesen kahlen Stein gewöhnt, dem allerdings die figürliche Krönung fehlte. Wir haben es deni Mangel an dem nötigen Geld zugeschrieben. Immerhin,- es war nicht unwürdig, dieses Denkmal und die Aiifschrist„Ihr Geist lebt", war recht eindringlich. Nun komme ich gestern, am Einzugstags Hindenburgs, wieder an diesem Denkmals-vockel vorbei. Zu meinem Erstaunen befindet sich jetzt die groß« Bronzefigur eines Soldaten daraus. Er stürmt vorwäris in schwungvoller Bewegung, der rechte Arm ist im Begriff, die Handgranate zu schlendern.. Und auf diese Handgranaic drängt konzentrisch alles hin: also ihr Geist lebt. Jetzt ist es nicht mehr ein Ehrendenkmal für die armen Kriegsopfer, sondern ein Ahbild unserer Zeit. Traurig ging ich nach Hause, denn nun verstand ich den Sinn der Inschrift ander«. Anstalt Apstall für innerlich kranke Frauen. Das Hauptgesund- heitsamt der Stadt Berlin teilt mit:. Die dcrzeiiige Bettennot hat den Magistrat veranlaßt, das ehemalige Lcichtkrankenhaus U p st a l l als Kränkenhaus für innerlich kranke Frauen einzurichten. Die kurz vor dem Kriege erbaute Anstalt Upstall, die für etwa 100 Kranke eingerichtet ist, liegi 8 Minuten Fußweg von der Station Blankenburg der Stettiner Vorortbahn(Fahrzeit 15 Minuten) in einem schönen Park. Das reichlich mit Veranden versehene Haus eignet sich seiner ganze» Einrichtung nach in vor- züglicher Weise für diese Zwecke und bietet den Kranken in jeder Beziehung zweckmäßigen und angenehmen Aufenthalt. Foistwanderung durch die wuhlhelde. Die ArbeilSgeiueilischaft.sür Forsl schütz und NalurkMide CS. 3., Bcrlin-Fi'ii'drichShnqcn. bat sür Sann- abend, den 16. Mai. eine Wanderung durch die Wuhlbeide ieslgesctzt. Diese ausllärendc ssorflwanderung wird auf Grund der im März siait- gehabten Proteiwcrsammluug, die unter dem Motto.»R e t t e l die W u h I h e i d e' nach Oberichökielveidc einberufen war, veranstalte:. Führung Obersörster M u d r o. Treffpunkt ö Uhr nachmittags am Bahnhos Sadowa.-'__ 29. Abteilung. Heute abend 714 Uhr: Mitgliederversammlung im Altersheim, Danziger Str. 62. Thema:„Die politische Lage". Referent: Gen. A. Flatau. Neuwohl der Abteilungsleitung. Eisenbahnunglück in Belgien. Aus Namur wird gemeldet, daß unweit der Stadt sich plötzlich eine Lokomotive, deren Führer abgestiegen war, in Bewegung setzte. Der Führer benachrichtigte telephoiiisch den nächsten Bahn- Hof, worauf die Insassen eines dort haltenden Personenzuges so- fort zum Aussteigen ausgefordert wurden. Bevor jedoch sämtliche Reisenden den Zug verlassen hotten,- fuhr die Lokomotive in den OewerMastsbewegung „Unwichtige Formalitäten." In den Tagen vom 5. bis 7. Februar 1925 befaßte sich der Ausschuß des Internationalen Gewerkschaftsbundes mit einem Tele- gramm des Allrussischen Gewerkschastsrates, worin vorgeschlagen wurde, eine gemeinsame Konferenz von Vertretern des.IGB. und des Allrussischen Gewerkschaftsrates abzuhalten. Diese Konferenz solle die Mittel und Wege finden, die Gründung einer vereinten internationalen Gewerkschaftsorganisation zu ermöglichen, der sich auch die der Roten Gewerkschaftsinternationale angehörenden Orga- nifationen anschließen können. Mit 14 gegen S Stimmen wurde auf Antrag Stenhuis-Smit der Lorstand des JGB. beauftragt, dem Allrussischen Gewertschafts- rat mitzuteilen, daß der ZGB. sich bereit erklärt, die allrussischen Gewerkschaften in den ZGL. aufzunehmen, und eine Konserenz ab- geholten werden kann, sobald die russischen Gewerkschaften diesen Wunsch zum Anschluß äußern. Die Moskauer, die es zuerst so eilig hatten, ihren Antrag tele- graphisch nach Amsterdam zu richten, haben es bisher nicht für notwendig erachtet, dem Vor stände des JGB. eine Antwort zu geben. Bei der Abreise der russischen Delegation nach London hielt der Vorsitzende dieser Delegation am Bahnhof eine Rede, die als eine Aeußerung zu dem Beschluß des Aus- schusses des JGB. aufzufassen war, aus der jedoch heraustlang, daß man mit Hilfe der englischen Gewerkschaften den JGB zur Ein- heitsfront zwingen werde, was soviel bedeutete, daß man die Frage des JGB. keiner Antwort wert erachte. Inzwischen haben die Be- ratungen zwischen den Vertretern der Roten Gewerkschastsinternatio- nale und den Vertretern der englischen Gewerkschaften stattgefunden, deren Ergebnis wir in Nummer 221 des..Vorwärts" vom Dienstagmorgen veröffentlichten. Bereits am Sonnabend(„Vorwärts" 218) brachten wir eine WTB.-Meldung aus Amsterdam des Inhalts, daß der Vorstand des JGB. sich in seiner Sitzung am 8. Mai mit der Frage der Zulassung des russischen Gewerkschaftsbundes nicht be- schäftigen kann, da der Internationale Gewerkschaftsbund auf den Beschluß seines Aussch'ulscs vom 7. Februar noch immer keine Antwort aus ZFoskau erhalten hat. Die Veröffentlichung dieser Tatsache, die das zweideutige Ver- halten der russischen Einheitefrontopostcl in bengalischer Beleuchtung zeigt, hat nun den Leitern der Berliner Moskausiliale die Zunge gelöst, jedoch nur zum Schimpfen „Die rechten Amsterdamer sabotieren weiter"— überschreibt die „Rote Fahne" ihre heutige Epistel, um das Verhalten ihrer RG?- „Bonzen" zu verschleiern. Der Vorstand des JGB. klammere sich an„unwichtige Focmalitälen", um klaren Entscheidungen aus dem Wege zu gehen. Echt bolschewistisch! Die A u s s ch u ß m i t- g l i e d e r des Internationalen Gewerkschaftsbundes kommen aus IlLändern mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschafts- bundes in Amsterdam zusammen, befassen sich volle zwei Tage mit einem telegraphischen Antrage der RGJ., kommen zu einer Entscheidung, die eine Antwort erheischt, und die eiligen Antragsteller finden imZeitraumvondreiMonaten keine Zeit, deutlicher, halten es nicht für notwendig, irgend- eine Antwort zu geben. Eine derart unerhörte Miß- a ch t u n g des JGB., die nur deshalb ihr Ziel verfehlt, weil man weiß, mit wem man es zu tun hat, suchen solche Burschen zu be- mänteln, indem sie den Spieß umdrehen und dem JGB. unter- stellen, er klamm�xe sich an„unwichtige Formalitäten". Aus nebensächlichen Formeltram komme es nicht an. Und diele schäbige Gesellschaft spielt sich obendrein noch als Sittenrichter auf und schwindelt ihren Nachläufern vor, die„rechten" Amsterdamer trieben„ein niederträchtiges Spiel". Eine„Einheitsfront" mit solcher Gesellschaft ist wahrlich nicht verlockend. Die Einheitsfront, die die Moskauer Drahtzieher meinen, ist lediglich ein Vorwand für die edle Absicht, die Mitgliedschaften des JGB. ihren größenwahnsinnigen Weltrevolutionsprojektcn dienstbar zu machen. Tie Internationale Arbeitskonferenz. Gens, 13. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Dienstag, den 19. Mai, wird die 7. Internationale Arbeitskonferenz in Genf er- öffnet. Sämtliche 58 Mitgliedsstaaten des Internationalen Arbeits- amtes find zu der Tagung eingeladen. Laut Artikel 389 des Versailler Vertrages hat jeder Staat Anspruch auf 4 D e l e- gierte, nämlich zwei Regierungsvertreter und je einen Arbeit- geber und Arbestnehmer. Jeder Delegierte kann zwei Sachver- ständige für jeden Tagesordnungspunkt mitbringen. Die deutsche Regierung wird vertreten sein durch die Delegierten G r i e s e r und Feig vom Reichsarbeitsminifterium, die deutschen Arbeitgeber durch ihren Syndikus Dr. Vogel und die Arbeit- nehmer durch Hermann Müller vom ADGB. Japan wird eine besonders starke Abordnung von über 30 Köpfen schicken. Japanischer Arbeitervertreter ist Genosse S u c u k i. der Vorsitzende der japanischen Gewerkschaften. Auf der Tagesordnung der Konferenz steht die Neuwahl des Verwaltungs- rotes des Arbeitsamtes, ferner die zweite Lesung eines Antrages über Abschaffung der Nachtarbeit in Bäckereien, die Einführung der wöchentlichen Betriebsruhe in Glashütten mit Wannenöfen und die Gleichstellung der ausländischen Arbeiter mit den Jnlandsarbeitern bei Betriebsunfällen. Ein anderer Punkt der Tagesordnung betrifft die Abstimmung über Entschädig ung bei Betriebs- Unfällen: ebenso wird ein technischer Bericht über die all- gemeinen Grundsätze für die Sozialversicherung zur Debatte gestellt. Besonderes Interesse wird der Bericht des Direktors des Arbeitsamtes über das Arbeitszeitproblem erwecken. Man erwartet eine Stellungnahme der Konferenz zum Beschluß des englischen Parlaments vom 1. Mai, das Washingtoner Ab- kommen nicht zu ratifizieren, wodurch der Erfalg der ganzen Arbeit erneut in Frage gestellt wird. Von englischerSeite ist deshalb vorgeschlagen worden, das Washingtoner Abkommen einerRevisionzuunterziehen die seine Annahme durch alle Regierungen ermöglicht. Diese Absicht wird von den G e w e r k- s ch a f t e n und vom Arb eitsamte allgemein z u r ü ck g e- wiesen. Nur noch bis Freitag! Deutsche Heimarbeit- Ausstellung 1�25 Landesausflellungshallen am Lehrter Bahnhof. Geöffnet von 10 Ahr vormittags bis 9 Uhr abends. Eintrittspreis an der Kasse 30 Pf. Für Gewerkschaftsmitglieder find Karten für 20 Bf. in den Eewerkschaftslmreaus zu haben Arbeitslose erhalten in den Gewerkschaftsbureous Freikarten. Versäume niemand den Besuch! verbanüstage. Die Jahrestermine der Derbandstage oder Generalverfamm- lungen der Gewerkschaften sind zwar verschieden, so daß alljährlich ein Teil der Gewerkschaften seine Haupttogung abhält, doch gehen besonders den Gewerkschaftskongressen eine Reihe von Tagungen vorauf. Ais jetzt find folgend« Verbandstagungen bekannt: Der Ver- bandstag der Fleischer beginnt am 17. Mai in Berlin, die Ver- bandstage der Lebensmittel- und Geträn kcarbeiter in Auasburg und der F r i s e u r g e h i l f e n auf Schloß Tännlich am 15. Juni. Am 21. Juni tagen die Eisenbahner in Köln und die Lederarbeiter in Hamburg. Der Verbandstag der Hutarbeitcr beginnt am 29. Juni in Köln. Die Fabrik- a r b e i t e r tagen ab 5. Juli in Leipzig und die Buchbinder ab 27. Juli in Hamburg. Der 16. Verbandstag der B e k l e'i d u n g s- a r b e i t e r in Leipzig und der Verbandetag der Gemeinde- und Slaalsarbeiter m Frankfurt a. M. beginnen am 3. August. Der Breslauer Gewerkfchaflskongreß folgt am 31. August. Tarifbewegung i« den Verkehrsbetrieben. Die Angestellten der Berliner Verkehrsbetriebe. Straßen-, Hochbahn, und Omnibusgesellschaft, befinden sich in einer Tarifbewegung, die den Neuabschluß von Mantel- tarifverträgen sowohl als von Lohnabkommen zum Ziel haben. Bei der O m n i b u s g-e s e l l s ch a f t lief der Mantel- tarif am 31. März ab. Verhandlungen über einen vom Personal durch den Verkehrsbund eingereichten Vertragsentwurf haben bis- her noch kein Ergebnis gebracht. Auch das Lohnabkommen ist Mitte dieses Monats abgelaufen, Lohnerhöhungsanträge find der Gesellschaft eingereicht worden. Bei der Straßenbahn läuft das Lohnabkommen noch bis zum 31. Mai, dagegen ist der Lohntarif für die H o ch b a h n a n g e st e l l t e n bereits am 15. Mai ab- gelaufen. Bei Heiden Unternehmungen find von den zuständigen Organisationen der Zeit entsprechende Lohnerhöhungen gefordert worden._ Wem» Arbeiter ihr Recht fordern. Ein Arbeiter des Darmbetriebes der Firma Heese focht vor dem Gewerbegerlcht seine Entlassung als unbilligeHärte an. Der beklagte Unternehmer behauptet, die Entlassung sei wegen Einschränkung des Betriebes erfolgt. Dagegen sagte der Vertreter des Klägers, dieser sei lediglich deshalb entlassen, weil er eine Lohnklage gegen Heese mit Erfolg durchgeführt habe. Fünf andere Arbeiter, die eine gleiche Klage gewonnen haben, seien ebenfalls entlassen worden. Daß die Angabe des Klägers zutreffe, werde dadurch be- wiesen, daß der Betriebsleiter, den der Kläger nach dem Grunde der Entlassung fragte, geantwortet habe:„Sie wissen doch, daß Herr Schlosser(Mitinhaber des Betriebes) Sie g c- fressen ha t!" Der als Zeug« vernommene Betriebsleiter wollte erst gar nicht mit der Sprache heraus, mußte aber schließlich, wenn auch zögernd, zugeben, daß er sich dem Sinne nach so ge- äußert hat, wie der Kläger angab. Damit war bewiesen, daß die Entlassung nicht wegen Einschränkung des Betriebes, sondern lediglich deshalb erfolgt ist, weil der Kläger vor G e- richt sein Recht erstritten hat.— Herr Schlosser, der die beklagte Firma vertrat, wollte diesen Beweis nicht gelten lassen. Er meinte, der Betriebsleiter(der ein entfernter Ver- wandter von ihm ist) fei so b e sch r ä n k t, daß er die ihm vor- gelegte Frage nicht richtig habe beantworten können.— Der Ver- treter des Klägers sagte, er könnte noch einige Arbeiter, die die Aeußerung des Betriebsleiters gehört hoben, als Zeugen angeben, er tue das aber nicht, weil nach den gemachten Erfahrungen damit gerechnet werden müsse, daß die Arbeiter, welche als Zeugen gegen die Firma auftreten, sofort entlassen werden. � Das Gericht hielt durch die Aussage des Betriebsleiters für er« wiesen, daß die Entlassung eine unbillige Härte ist und ver- urteilte die Firma, den Kläger wieder einzustellen oder ihm eine Entschädigung von 120 M. zu zahlen. Sei der Deukfchen Akustlk-Gefellfchast, Berk«, Babedbergev» straße 42. trat die 25 Manu starte BeleAchast weg« Lohudifjerevzeq in den Streik. Die Zahl der Arbeikslofea in England betrug am 4. Mal 1 179 800, das heißt, 7 268 weniger als in der Vorwoche. Wirtschaft verband ostdeutscher Konsumvereine. Der Jahresbericht des Verbandes ostdeutscher Konsumvereine für 1924 ist jetzt erschienen. Die durch Um- frage über die Entwicklung der angeschlossenen Genossenschaften er- mittelten Zahlen bieten nur zum Teil Vergleichsmöglichkeiten gegen- über dem Vorjahre, da die Umfrag« sich stets auf die Geschäftsjahre der Genossenschaften erstreckt, diese aber abweichend voneinander endigen. Die Jahresstatistik 1924 ist demnach in größerem oder geringerem Maße von dem Jnflationsjahr 1923 beeinflußt, so daß, um überhaupt Vergleichsmöglichkeiten zu haben, die jetzigen Er- gebnisse denjenigen von 1914 gegenübergestellt werden müssen. Der Bericht weist darauf hin, daß durch die zerstörende Wirkunz der Jnflationsjahre viele zweifelhafte Existenzen, die sich dem Handel zugewandt hatten, von der Bildfläche verschwun- den sind, daß aber auch viele Unternehmungen zusammengebrochen sind, denen die Inflation alle Betriebsmittel„enteignet" hat und die nach erfolgter Stabilisierung unserer Zahlungsmittel nicht mehr die Kraft besaßen, den Kampf um die Existenz erfolgreich durchführen zu können. Zu diesen letzteren Unternehmungen ge- hören auch e.nige Genossenschaften des Verbandes, die. ihrer gänz- lichen Mittel beraubt, die Auflösung beschließen mußten oder mit größeren leistungsfähigen Genossenschaften die„Verschwel, z u n a" beschlossen. Dadurch ist die Zahl der angeschlossenen Konsum- genossenschaften von 142 zu Beginn des Jahres 1924 auf 119 Kon» sumgenossenschaften zum Schluß des Jahres zurückgegangen. Die Mitgliederzahl in den Konsumgenossenschaften ist von 380 989 im Vorjahre auf 382 406 gestiegen, so daß trotz aller ungünstigen wirtschafllichen Verhältnisse eine Zunahme von 0,4 Proz, zu verzeichnen ist.% Der Warenumsatz betrug im eigenen Geschäft 40 463 177 Mark, der in 656 Verteilungsstellen erzielt wurde. In den Eigenproduktionsbetrieben, die von 27 Ge- nossenschaften unterhalten wurden, waren für 10243 047 M. Waren hergestellt und entfallen von dieser Summe aus die Bäckereien 8 673 271 M. und auf die vom Konsumverein in Spremberg i. d. L. betriebene Fleischerei 291 020 M., der Rest von 1 278 736 M. ent- fällt auf die Nebenbetriebe, wie Seller- und Limonadenherftellung, Kaffeeröstereien,«chrotmühlen usw. Einen Vergleich über die Entwicklung der Eigenproduktion ermöglicht nur die Zahl der in den Eigcnbetrieben beschäftigten Personen, die 1924 492 und 1914 388 betrug. Am schärfsten zeigt sich aber die unheilvolle Einwirkung der Inflation in den Bilanzen. Im nachstehenden stellen wir die Zahlen aus 1914 stets in Klammern denjenigen im Jahre 1924 gegenüber. Unter den Aktiven betrugen die Betriebsbestände 5 508 259 M.(8 595 095 Tl.), die angelegten Kapitalien 510 533 M. (7 669 196 M.). der Grundbesitz 9 207 090 M.(11011 406 M.). ver- fügbare Werte 1 756 422 M.(440 540 M.) und die Forderungen 35 193 M.(199 341 M.). Passiven: Eigene Betriebsmittel 4 160 443 M.(5 295 789 M.), aufgenommene Betriebsmittel 8 029 121 Mark(13 803 877 M.). Grundstücksschulden 962855 M.(4 016523 Mark) und Verbindlichkeiten 3 659 091 M.(3 588 663 M.). Di- Differenz zwischen Aktiven und Passiven ist die Erübrigung mit 205 987 M.(1240 726 M.). Die Gegenüberstellung der Bilanzzahlen 1924 zu 1914 ergibt ein« V«rminderung der Betriebsbestände um 24,2 Proz. und der genossenschaftlichen Betriebs» mittel um 45 Proz. Der nicht durch eigene Betriebsmittel ge, deckte Kapitalbedarf ist von 52,5 Proz. auf 65,2 Proz. gestiegen. Auf 1000 M. Umsatz entfallen 1914 an Betriebsbeständen 411 M. und 1924 nur 363 M.: an eigenen Betriebsmitteln 1914 195 M. und 1924 nur 126 M. Es ist demnach ein recht erheblicher Verlust an eigenen Betriebsmitteln entstanden, der nur durch Neuein» Zahlungen auf den Geschäftsanteil zum Ausgleich gebracht werden kann. Verantwortlich filr Politik: Victor Schitt: Wirtschaft: Sewerkschastsbcwegllno: ffiitbr.ffftkocB; iZcuilleton: 9t. Job» Schikowoti: Solale» un« SonMars: ifri««arftädt! An, eisen Ib.«" Verla und «rthur chatero»»: «ch>l»w»l>: Sotall ..___._____________ Glocke: sämtlich in Berlin. VorwänS'Lerlaq S. m. b. K.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeret «rlasranNalt Paul Singer u. To.. Berlin SW. SS. Lindcnstrak« 3. Obst-u. Beeren- laut Jen AnsMrww I Berlin U 4«3c. Cirientr. 33. berliner Elektriker' D Genossenschaft jngesdil. dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24. Elsässer Str. 86-88 — Femsnredier; Korden 1198— Filiale Westen, Wilmersdorf Laodbausstr. 4— Tel. 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