Nr. 225 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 116 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Quremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit Sicd Yung und Aleingarten fomie ber Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille aeile 70 Pfennig. Reflamezcile 4,- Reichsmart. Kleine Unzeigen bas fettgebruďte Wort 20 Pfennig ( auläffia zwei fettgedruckte Worte), jebes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche bas erste Wort 10 Pfennig, jedes weitere Bort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Donnerstag, den 14. Mai 1925 Franzosen gegen die Rheinbesehung. den Arbeiten, vor allem im poft- und Telegraphenwesen. Als befonders bezeichnend für das Auftreten der Besatzungsbeamten bezeichnet das Blatt den Fall des schon erwähnten Generaldelegierten Rouffelliers. Für deffen 13jährigen Sohn, der nur im Auto der Hohen Kommiffion zur Schule fahre, feien auf Staatstoffen ein Reifund ein Fechtlehrer angeftellt worden, deren Gehälter Frankreich zur Cast fallen. Das Rheinland gleiche einer fründe, die auf Kosten des Deutschen Reiches und der franzöfifchen Republik ausgeschlachtet werde. Im Augenblid, wo der franzöfifche Finanzminister das Sanierungsprogramm der franzöfifchen Finanzen ausarbeite, fei es an ihm, über diese Zustände vorstellig zu werden. Feldzug der französischen Linkspresse gegen die Militärherrschaft. Paris, 13. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die französische Linkspreise beschäftigt fich feit einigen Tagen sehr eingehend mit den Mißständen, die bei der Besatzungsbehörde der Rheinlande herrschen. Obwohl der Skandal der Separatistenbewegung diese Mißffände in grellftem Lichte gezeigt habe, sei von der franzöfifchen Regierung nichts geschehen, um sie zu befeifigen. Auch der Uebergang der Regierung vom Nationalen Bloc auf das Kartell der Linken am 11. Mai 1924 habe keinen Einfluß auf die Zustände im Rheinland gehabt. Zwei Forderungen find es, die der ,, Quofidien" an die Regierung stellt: Ersatz der Militärbehörde durch eine Zivilbehörde und Ablösung der reaktionären Beamten durch Republikaner. Nach dem Friedensvertrag folle die Verwaltung im besetzten Gebiet durch eine Zivilbehörde, die Hohe Interalliierte Kommiffion, etfolgen. In Wirklichkeit herrsche aber nicht die Hohe Kommiffion, fondern in deren Namen das Militärbureau, das ursprünglich lediglich als Verwaltungsorgan zur Entlastung der Befahungsarmee geschaffen worden sei. Zwar sollte dieses Militärbureau am 1. November 1924 nach Rücksprache Herriots mit Tirard, dem Borsitzenden der Hohen Kommiffion, durch ein Bureau für Befaßungsangelegenheiten, eine zivile, in ihren Befugniffen beschränkte Behörde, erseht werden; in Wirklichkeit wurde aber nur der Name geändert, die Beamten, ausschließlich Militärs, blieben. Die zweite Forderung, die der„ Quotidien" stellt, erstreckt sich nicht nur auf die Umgestaltung diefes Militärbureaus, oder wie es heute heißt, des Bureaus für diefes Militärbureaus, oder wie es heute heißt, des Bureaus für Befagungsangelegenheiten, sondern auf die Neubefehung sämtlicher verantwortlicher Posten der rheinischen Befehungsbehörde. Es sei ein Unding, so schreibt das Blatt, daß das republikanische Frankreich im Rheinland noch immer von den Beamten des Nationalen Blods regiert werde, durch die fich Frankreich in der Separatifienbewegung auf das schändlichste bloßgestellt habe. Dieser Feldzug des„ Quotidien" wird durch die Ere Nouvelle" unterstützt, die am Mittwoch zur Charakterisierung der Besatzungsbehörde typische Beispiele anführte. Die Verschwendungssucht der franzöfifchen Beamten im Rheinlande, die seit dem Inkrafttreten des Dawes- Planes nicht nur das deutsche, sondern auch das franzöfifche Budget belafte, sei ungeheuer. Faft für alle Beamte feien Billen und Häuser beschlagnahmt worden, deren Größe und Ergus weit über ihren Haushalt hinausgeht. So fofte die Wohnung des Generaldelegierten der Hohen Kommiffion Rouffelliers dem französischen Staate monatlich 45 000 Frant. Geradezu grotest jei die Größe des Beamtenstabes im Verhältnis zu den zu erledigenEntwaffnung und Räumung. Noch immer Unklarheit über die franzöfifchen Forderungen Paris, 13. mai.( Eigener Drahtbericht.) Die zuständigen Stellen verweigern jede Auskunft über die am Dienstag vom franzöfifchen Ministerrat auf Borschlag Briands festgelegte Haltung Frankreichs in der Entwaffnungsfrage. Halbamtliche Aeußerungen beschränken sich auf die Feststellung, daß Frankreich nach wie vor die Festlegung eines Termins für die Räumung von Köln ablehne und deren Zeitpunkt ausschließlich von der Erfüllung der Deutschland von der Kontrollkommission zu stellenden Bedingungen abhängig mache. Wenn demnach für die Meldung des„ Mafin", wonach die Räumung von Köln in diesem Jahre als durchaus unwahrfcheinlich anzusehen sei, feine Bestätigung vorliegt, jo deuten doch einzelne Abendblätter vom Mittwoch an, daß die Durchführung der Maßnahmen, die Deutschland auferlegt werden, voraussichtlich ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen werde, weil einige von ihnen, wie die verlangte Entmilitarisierung der Schuhpolizei, die Berabschiedung verschiedener Gesetze durch den Reichstag bedinge; andere, wie die Zerstörung des unerlaubten Kriegsmaterials und vor allem der zahlreichen Fabrikanlagen zu deffen Herstellung sehr langwierige Arbeiten und Kontrollmaßnahmen erforderten. Der englische Standpunkt. Condon, 13. Mal.( Eigener Drahtbericht.) Reuter erfährt, daß der Standpunkt der britischen Regierung bezüglich der Räumung des Ruhrgebiets der ist, daß zum festgesetzten Termin im August dieses Jahres geräumt werden muß, wenn Deutschland seine Berpflichtungen( Dawes- Plan) erfüllt. Die Räumung der Kölner Zone jedoch hänge von der Haltung Deutschlands in der Abrüftungsfrage ab. Deutschnationale gegen Deutschnationale. Herr Beft am liebsten die Fraktionstür von außen schließen möchte. Dr. Steiniger dagegen, der neben ihm noch als Aufwertungskonflikt. Dr. Best vor der Mandats: Freund der Sparer gilt, dürfte sich trotz allem mehr zur niederlegung. Fraktion als zu den Sparern hingezogen fühlen. Dafür spricht Gen. Keil schreibt im Sozialdemokratischen Presse- sein Verhalten bei der Abstimmung im Ausschuß über den Dienst": fozialbemokratischen Antrag auf Besteuerung der Inflationsgewinnler. Aber trotzdem Steiniger gegen den Antrag stimmte, fand diefer mit Unterstügung Dr. Be fts eine Mehrheit Der deutschnationale Reichstagsabg. Dr. Be ft hatte die Auswertungsvorlagen der Regierung in einer Auf wertungszeitschrift mit aller Schärfe zerzauft, er hatte von der Verwilderung der Rechtsbegriffe, vom Geist des Großkapitals gesprochen, der die Vorlagen beherrschte und hatte erklärt, daß keine Partei, die ihre Bersprechungen ernst nehme, die Vorlagen als Grundlage einer gerechten Lösung betrachten könne. Herr Hergt dagegen pries in der Generaldebatte im Plenum die Verbesserungen, welche die Regierung gewährt und bezeichnete die Entwürfe als geeignete Grundlage für die Ausschußberatungen. Der frasse Gegensatz, der zwischen diesen beiden deutschnationalen Auffassungen besteht, hatte vorher zu einem scharfen zusammenstoß in der deutschnatio nalen Fraktion geführt. Dabei war Herr Best unter: legen. Seine Niederlage war eine so totale, daß ihm verboten wurde, das Wort im Plenum zu nehmen. Troß mehrfacher Apostrophierungen durch andere Redner hat Herr Best, der in der Sigung anwesend war, denn auch geschwiegen. Deutlicher aber, als er es in einer Rede tun fonnte, brachte Herr Best seine Stimmung zum Ausdruck, indem er einem Redner nach Schluß der Rede herzlich die Hand schüttelte, der die Deutschnationalen beschuldigt hatte, daß sie Best einen Maulforb angelegt hätten. Der Zwiespalt im deutschnationalen Lager wurde aber vollends offenbar, als der Berliner nationale, a g" in einem gegen die Sozialdemokratie gerichteten gehäffigen Artikel von der Mög lichkeit sprach, daß Best demnächst sein Reichs tagsmandat wegwerfen werde. Die Situation ist nun die, daß die Deutschnationalen, die schon bei der Plenardebatte in der vorigen Woche regelrecht auf der Anklagebant faßen, von den Gläubigern und Sparern mehr und mehr als Berräter threr Interessen erkannt werden. Kein Wunder, daß diese Situation den deutschnationalen Abgeordneten, die immer noch als ehrliche Aufwertungsfreunde gelten, höchst peinlich ist. Es ist daher schon glaubhaft, daß Die Folge ist, daß die Deutsch nationalen nun auch im Plenum in diesem Antrag Farbe betennen müssen. 3war hat der deutschnationale Abg. Schulz Bromberg bereits erflärt, er werde mit allen mitteln zu verhindern suchen, daß der Antrag betreffend Besteuerung der Inflationsgewinnler auf die Tagesordnung fomme; aber das wird ihm und seiner Partei nichts nügen. Gelingt die Bereitelung der Beratung des Antrags, so wissen die Opfer der Inflation, woran sie sind. Kommt der Antrag zur Beratung, dann werden die Deutschnationalen Ja oder Nein sagen müssen. Ein Nein würde Schutz den Schiebern bedeuten, ein Ja die Parteibeiträge und das Berirauen der Inflationsgewinnler dahinschmelzen laffen. Schlechte Zeiten für die Deutschnationalen! Das belgische Zwischenministerium. Cine unmögliche Lösung. Brüssel, 13. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das Zustandekommen des Kabinetts Banderoyveres löft in den sozialistischen und liberalen Kreiſen Belgiens geradezu Heiterfeit aus. Bandervyvere Barlaments für fein Rabinett zu gewinnen, so daß drei wichtige vermochte nur zwei ziemlich dunkle Bersönlichkeiten außerhalb des Aemter, das Ministerium des Unterrichts, des Auswärtigen und des Berkehrs von anderen Ministern vorübergehend verwaltet werden müssen. Man nimmt allgemein an, daß die Regierung bereits an dem Tage, an dem sie sich dem Parlament vorstellt, also vermutlich am nächsten Mittwoch, gestürzt wird. Der Desterreichisch- Deutsche Volfsbund, deffen Borsigender Reichstagspräsident 26be it, hält seinen diesjährigen Bundestag, am Sonntag, den 24. Mai in Dortmund ab. Vorwärts- Verlag G.m. b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Rechtsnot. Ein Nachwort zum Deutschen Anwaltstege von Kurt Rosenfeld. Die außerordentlichen Zeiten hatten einen außerordentlichen Anwaltstag notwendig gemacht, der sich am letzten Sonntag mit der deutschen Rechtsnot" befaßte. Man fonnte gespannt fein, ob die deutschen Anwälte, die sich teils in glänzender Lage befinden, teils proletarische Existenzen find, die für alle politischen' Parteien von den Deutschvölkifchen bis zu den Kommunisten Mitglieder und häufig auch Führer stellen, zu irgendeiner gemeinsamen Entschließung ge= langen würden. Vor diesem gewiß sachverständigen Forum behandelten vier Referenten in teilmeise geradezu bewunderungswürdiger Weise die Rechtsnot auf den Gebieten des Zivil- und Strafprozesses, des Zivil- und öffentlichen Rechts. Alle vier Referate brachten die schärfte Kritit an den heutigen deutschen Rechtszuständen. Was die an dem Anwaltstage teilvon sozialdemokratischen Parlamentariern gehört nehmenden Vertreter der beteiligten Ministerien bisher nur hatten, das wurde ihnen mindestens mit der gleichen Schärfe auf dem Anwaltstage von hervorragenden, sozialistisch gewiß nicht infizierten Anwälten gefagt. " Mit Recht führte Justizrat Dr. Landsberg- Naumburg in seinem rhetorisch und sachlich meisterhaften Referat aus, daß die Rechtsnot" der heutigen Zeit hauptsächlich vom Notre ch t" tomme, d. h. von jenen Notverordnungen, die den Namen Emminger jo populär" gemacht haben. Dieser Referent legte die Schäden dar, die auf dem Gebiet der Zivilprozeßordnung und des Gerichtsverfassung 5gefeßes dadurch entstanden seien, daß man diese„ Monumentalbauten des Rechts" beschädigt habe. Die Bureaukratie habe im Bewußtsein, durch das Ermächtigungsgesetz die Macht erlangt zu haben, die vorübergehende Ausschaltung des Parlaments zur Durchsetzung gewisser eigener Wünsche benutzt. Für das Gebiet des Strafrechts und Strafprozeses wies Rechtsanwalt von Pestalozza- München die Schäden der Emminger- Berordnungen auf. Sein warmherziger Vortrag fand stärksten Widerhall im Anwaltstage. Besonders seine Kritik an den Ausnahmegerichten, an den Beschränkungen der Rechte der Berteidiger und an der Art der Beifallsstürme aus. Beide Referenten lehnten die EmmingerDurchführung politischer Prozesse löste immer neue Berordnungen rundweg ab und lieferten dadurch die beste Rechtfertigung für die Sozialdemokratische Partei, deren Wortführer in Breffe und Parlament jene Berordnungen immer bekämpft haben. " Störungen der Gerechtigkeits- und Ordnungsfunktionen des Rechts" mies in origineller Art Rechtsanwalt Dr. HödHamburg für das Bürgerliche und Handelsrecht nach, während Rechtsanwalt Dr. A. Friedmann- Berlin Fragen des öffentlichen Rechts behandelte und besonders den Mißbrauch des Artikels 48 fritisierte. Alle vier Referate stimmten in seltener Harmonie vier Juristen und ein Gedante!- darin überein, daß der emigen Regiererei mit Verordnungen durch die nach langen Beratungen der Boltsvertretung angeblich aus Ersparnisgründen zustande gekommenen Gesetze mit einem Federstrich aufgehoben wurden, und der Rechtsprechung durch Ausnahmegerichte ein Riegel vorgeschoben werden müsse. Und jedes Mal, wenn ein Referent die Aufhebung der Emminger- Berordnungen forderte, brach ein Beifall der Versammelten los. Das schien allerdings einigen Herren vom Vorstand des Deutfchen Anwaltsvereins nicht genehm zu sein. Mindestens wollte Forderung der Beseitigung jener Verordmungen verhindern. man offenbar eine Festlegung der deutschen Anwälte auf die heim dem Anwaltstage als angeblichen Niederschlag der vier Denn die Resolution, welche Justizrat H a chenburg- MannReferate vorlegte, mußte durch ihre unflare Fassung dazu führen, daß die Auffassung des weitaus größten Teiles der deutschen Rechtsanwälte nicht flar zum Ausdruck kam. Ais dann gar die Anregung fam, überhaupt keine Debatte zu er öffnen, war offensichtlich, was gespielt werden sollte. Es gelang aber dem energischen Einspruch der sozialistischen Anwälte, die Eröffnung einer Aussprache zu erzwingen. Freilich schien die Wortmeldung sozialistischer Anwälte dem Vorsitzenden des Anwaltstages wenig genehm zu sein. Er vertrat die eigentümliche Ansicht und handelte auch nach ihr, daß er allein die Reihenfolge der Redner zu bestimmen habe. So famen mur zwei Genossen zu Worte, die aber diese Gelegenheit benutzten, um vom sozialdemokratischen ten. Auch diese sozialistische Kritik fand starte Zustimmung Standpunkte aus die deutschen Rechtszustände zu beleuch bei den Anwälten, wenn sie auch nicht völlig ohne Widerspruch blieb. Als dann unsere Genossen der widerspruchsvollen Resolution Hachenburg eine eigene Resolution entgegenstellten, in der kurz und flar die Aufhebung der Emminger Verordnungen und ein Ausführungsgeseh zum§ 48 der Verfassung gefordert wurde, und als schon das Verlesen dieses Antrags einen solchen Beifall hervorrief, daß man am Borstandstische die Annahme des Antrags befürchten mußte, wurde plötzlich eine neue Resolution Heilberg Breslau eingebracht, in welcher in haltlich dasselbe mie in unserem Antrag gesagt wurde. Sie lautete: 1. Die durch die Umwälzung geschaffenen Verhältnisse müssen auf regelrechtem verfassungsmäßigen Wege geordnet werden. Die Handhabung des Verordnungsrechts ist streng auf das durch die Verfassung zugelassene Gebiet zu beschränken. Die Nachprüfung der Gültigkeit der Notverordnungen ist einem hierzu bestimmten Gerichtshof zu übertragen, 2. Alle Ausnahme- und Sondergerichte sind aufzuheben, 3. Die Grenzen zwischen Gesetzgebung, Rechtsprechung und Berwaltung sind wiederum herzustellen und zu wahren, 4. Die auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlaffenen Ber ordnungen über Aenderung der Gerichtsverfas jung, der 3ivilprozeßordnung und der Strafprozeßordnung find aufzuheben. Hachenberg zog daraufhin seine Resolution angesichts ihrer Aussichtslosigkeit zurüd. Auf unseren Wunsch wurde alsdann in die Resolution Heilberg noch die Fordgerung eines alsbaldigen Erlaffes des Ausführungsgesetzes zu Artikel 48 hineingenommen, und nunmehr konnte unsere Resolution zu gunsten der jetzt unseren Standpunkt völlig vertretenden Resolution Heilberg zurückgezogen wreden. Hachenburg versuchte dann nur noch in einem Rückzugsgefecht, wenigstens durchzu fegen, daß nicht eine sofortige und glatte Aufhebung der Emminger- Berordnungen, sondern eine im Wege der Gesetzgebung durchzuführende Justizreform gefordert wurde. Aber auch dieser Berfuch scheiterte an dem Widerspruch fast des gesamten Anwaltstages, der sofort die Absicht erkannte, durch Erfüllung dieser Wünsche die Aufrechterhaltung der Emminger- Berordnungen auf unabsehbare Zeit zu ermöglichen. Die Resolution Heilberg wurde dam sogar einstimmig angenommen. Das bei Juristen unerwartete war also geschehen: Uleber tausend deutsche Rechtsanwälte haben sich frog aller unter ihnen bestehenden wirtschaftlichen, politischen und weltanschau lichen Gegenfäßen auf die Forderung geeinigt: Weg mit den Emminger Berordnungen! Also auf eine Forderung, die insbesondere von der auf einem deutschen Anwaltstage zum erstenmal hervorgetretenen sozialistischen Gruppe deutscher Rechtsanwälte erhoben wurde. H Mit der Annahme der Resolution hat die sozialistische Kritik an der deutschen Justiz neue Rechtfertigung und neuen Antrieb erhalten, und die Partei wird daher, gestützt auf das Botum der gesamten deutschen Rechtsanwälte, im Interesse des von der heutigen Partei und Klassenjustiz so schwer ge troffenen Bolts, den Kampf um eine schleunige Justizreform mit frischer Kraft fortfegen. Hindenburg und die Republik. Ansprachen und Bekenntnisse. Reichspräsident Hindenburg empfing gestern Abordnungen des Reichstags, des Reichsrats, der preußischen Landesregierung, der Wehrmacht, der Reichsbahngesellschaft, der Reichsbant, Brandenburgs, der Stadt Berlin und der Berliner Polizei zur Entgegennahme der Glückwünsche, für die er mit furzen Worten dankte. Einzelne feiner Aeuße rungen sind bemerkenswert. Zum Reichstagspräsidenten Gen. 25 be sagte Hinden burg u. a. Ich bin mir bewußt, daß gerade in einer Republir die Bürde und das Ansehen der Nation in hohem Maße in die Hände des Parlaments gelegt ist. Das Ausland wird uns um so mehr Achtung zollen, je mehr wir selbst in unserem ganzen Auftreten die Selbftachtung eines aufrechten und stolzen Bolles be währen. Helfen Sie hierzu mit, meine Herren!" Staatssekretär Weißmann gegenüber äußerte er sich: Dem reichen Eigenleben der deutschen Länder haben wir ein gutes Teil der Bielgestaltigkeit und Fruchtbarkeit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung unseres Boltes zu danken. Die schamhafte Rechtspflege oder Wie sag' ich's meiner Schöffin? ,, Reinigung des öffentlichen Lebens" mit diesem Feldgeschrei haben die Rechtsparteien ihren Kampf um die Präsidentenwahl geführt und schon haben sie damit begonnen, freilich mit einer Reinigung wie fie sie verstehen". Unsere Justiz hat offenbar noch nicht genug im Sündenregister zu verzeichnen, fie muß auch noch den Schritt vom Tragischen zum Lächerlichen( hinter dem übrigens ernste Gefahr steht) tun. dienen. ,, Geht euch nicht um „ rüd. | Bir würden bie beften Quellen unserer Kultur verstopfen, wenn mir gewaltsam an der Selbständigkeit der Länder rütteln mollten. Sie dürfen überzeugt sein, daß ich es mir stets zur Aufgabe machen werde, die berechtigten Eigenarten der einzelnen deutschen Länder zu schonen und ihre Wünsche und Bedürfnisse nach Kräften zu fördern." Auf den Glückwunsch des Ministerpräsidenten Gen. Braun entgegnete Hindenburg u. a.: Möge es Ihrer Arbeit beschieden fein, getreu den großen Ueberlieferungen des preußischen Staates, den befonderen Pflichten Preußens innerhalb des Deutschen Reiches gerecht zu werden, damit Preußen weiterhin die fefte Klammer bleibe, die unsere Ost- und Westmart an den Körper des Deutschen Reiches fettet." Zum Reichswehrminister Dr. Geßler äußerte sich der Reichspräsident: Möge es Ihnen auch weiterhin gelingen, aus der deutschen Reichswehr das wirtliche Instrument ehrlichen Frie bens willens zu machen, bas sie allein fein foIL meiner, ihres Oberbefehlshabers, Unterstügung dürfen Sie bei diesen Bestrebungen stets gewiß sein." Dem Bertreter der Reichsbahn und dem Direktor der Reichsbank Dr. Schacht gegenüber mies Reichspräsident Hindenburg auf die schwierige Lage dieser Institute hin, die durch die Bindungen dem Auslande gegenüber entstanden sei. Er hoffe aber, daß es gelingen merde, die aus dieser Sachlage entspringenden doppelten Anforderungen zu erfüllen. Verwirrte Patrioten. Eine kleine Ungenauigkeit" nach der andern. In der Hugenberg- Scherl- Bresse war vor einigen Tagen zu lesen, im„ Borwärts" wäre die Beseitigung des Wahl. rechts der Alten gefordert worden. Selbstverständlich war die Meldung erfunden und nur dem Freudenrausch über den Wahlsieg Hindenburgs zuzuschreiben. Bei seiner Bereidigung spricht Hindenburg davon, daß Reichstag und Reichspräfident beide zusammen erst die Bertörperung der Bolts souveränität bilden, bie die Grundlage unseres gesamten heutigen Verfassungslebens bildet. Die deutschnationale Hugenberg- Breffe läßt die Bolts jouneränitär" unter den Tisch fallen, weil ihr Stenograph angeblich nur etwas vom Verfassungswesen gehört hat unter Schließlich hat das Präsidium des Reichstags unter Führung der Sozialdemokraten Löbe dem Reichspräsidenten einen Höflichkeitsbefuch gemacht. Die Hugenberg- Bresse hat stirnrunzelnd feststellen müssen, daß der sozialdemokratische Bizepräsident Dittmann nicht erschienen" war! Das ist zweifellos eine schwere Unterlassungsfünde, besonders, wenn man daran denkt, daß der deutschnationale Bizepräsident Gräf- Thüringen dem Reichspräsidenten Ebert demon. ratio ben üblichen Antrittsbesuch verweigert hat und für diese Ungezogenheit noch ausdrückliche Billigung bei seiner Fraktion und Bresse fand. Bei Wilhelm Dittmann aber sollten felbft die Schreibbefliffenen bes Herrn Hugenberg mildernde Umstände bewilligen, wenn ihr Keine Halbheiten! Justizministerium und Justiz. Die vom preußischen Wohlfahrtsministerium im Einvernehmen mit dem Justizministerium seinerzeit herausgegebene Berfü. gung, die im Untersuchungsausschuß des Falls Höfle eine Rolle Spielte und von den demokratischen Parteien scharf fritisiert wurde, wird, wie wir hören, augenblicklich von beiden Ministerien gemcin fam einer Prüfung unterzogen. Es soll festgestellt werden, inwieweit fie revisionsbedürftig ist. Daß die Verfügung revisionsbedürftig ist, liegt außer allem Sweifel. Daß sie einer gründlichen Revision unterzogen wird, ist selbstverständlich. Es kommt aber darauf an, daß die Revision schnell erfolgt und daß es mit dieser Revision nicht sein Be. wenden hat. Die Revisionen werden wenig 3med haben, wenn sie sich nicht auf das ganze System und die Vertreter eines Systems beziehen, das die Justiz zu einem Instrument unerträg licher Billtür und Parteilichkeit herabwürdigt. Das tragische Ende Höfles darf nicht vergeblich sein. Es verlangt Sühne. Es verlangt eine starte Hand, die reinen Tisch zu machen versteht und die dem gefeßwidrigen Treiben der Staatsanwaltschaft ein Ende macht. In dieser Richtung erwarten wir eine Revision. Und zwar bald! Julius Barmats Haftentlassung. Schwerkrank und nicht verhandlungsfähig. Sein Bruder bleibt in Saft. Nachdem das Landgericht Berlin die Haffentlassung der Brüder Barmat abgelehnt hatte, hat nunmehr auf die Beschwerde der Verteidiger das Rammergericht dahin entfchieden, daß Julius Barmat gegen eine Raution von Bruder Henry Barmat ist der Antrag auf Haftentlaffung abgelehnt 200 000 m. aus der Haft zu entlassen fel. Jn bezug auf seinen worden. Der 3uff and Julius Barmats, der sich in der Charité in Behandlung von Prof. Krauß befindet, ist nicht unbedentich. Jedenfalls ift Julius Barmat augenblicklich nicht verhandlungsfähig und bedarf der größten Schonung. Prof. Krausz hat zur Behandlung auch noch Prof. Bonhöfer zugezogen. Die Haftentlassung des schwer Erkrankten macht den Standal nicht ungeschehen, die seine abruzzenhafte Festnahme in Schwanenwerber darstellte, un noch weniger die reklamefüchtige Hezze, die aus politischen Gründen gegen ihn veranstaltet und täglich neu geschürt wurde. Seit faft fünf Monaten ist Barmat durch alle Spalten und Spältchen der reaktionären Presse geschleift worden. Rein Ver brechen ist zu ersinnen, das ihm nicht angedichtet worden wäre. Aber von allem Material, das mit ungeheurem Aufwand an Staatsmitteln zufammengetragen wurde, ist bisher noch nicht einmal eine Antlage fertiggestellt worden! Inzwischen ist Dr. Höfle diesem System erlegen. Und Barmat war nicht weit von dem Schicksal Höfles entfernt. Benn jetzt die 200 000 Mart Raution aufgebracht werden können, darf er als Schwertranfer draußen sehen, wie er sich von der Behandlung durch ben Assessor Kußmann erholt! Staatsgewalt und Stahlhelmterror. Eine sozialdemokratische Anfrage. Die sozialdemokratische Frattion bes Landtags hat a eine große Anfrage eingebracht, die sich mit den jüngsten Ueber patriotischer Eifer das noch zuläßt. Falls fie nämlich in ihrer Star. tother nachschlagen, werben sie sicher finden, daß Dittmanfällen von Mitgliedern rechtsgerichteter Organisas nicht mehr Bizepräsident des Reichstags ist, felt jener Gräf Thüringen als würdiger Vertreter deutschnationaler Sitten ins Präsidium gewählt wurde. den Sentrumsfrattionen des Reichstags und bes Landtags zu ge Der Reichsparteivorstand des Zentrums ift am Mittwoch mit meinsamen Beratungen zusammengetreten. Die Berhandlungen, bie Don den Abg. Fehrenbach und Dr. Borsch geleitet werden, werden den ganzen Tag ausfüllen. Sie drehen sich um die ganze politische Lage. Die Sigung des Parteivorstandes des Zentrums behnte sich bis in die Abendstunden aus. Das Ergebnis der AusEntschließung niederlegen. sprache wird der Parteivorstand am Donnerstag in einer Don Sittlichkeitsvergehen, Notzucht, Abtreibung, Ehescheidung als Klägerinnen, Angeklagte, Zeuginnen tagtäglich fich bis in die letzten Fasern seelisch entblößen müffen, zählt offenbar nicht. Nur zarte Rücksichtnahme auf die reifen Frauen, die bei der Rechtsprechung mitwirken. Wie feinfühlig ist doch unsere Justiz! Die Frage muß für sie ein furchtbarer Gewissenstonflikt sein: Dürfen wir unsere Schöffinnen auftlären?" auch die heifelsten Dinge sa chlich und tattool! erörtern. Schließlich: Unter wohlerzogenen, reifen Menschen fann man wenn die Herren vom Schöffengericht sich diese Fähigkeit nicht zu trauen, so spricht das doch nicht gegen die Befähigung der Frauen, fondern nur gegen die Befähigung der Männer zum RichterAbele Schreiber. amt. Gleisdreieck im Frühling. Da blüht fein Baum. Rein Grashalm zittert im Sturm der tionen auf Angehörige der republikanischen Bevölkerung oder völlig wehrlose Straßenpassanten beschäftigt.. Die Anfrage geht aus Don der am 25. April erfolgten Edhießung des Reichs. gehörigen des Biting Bundes", beschäftigt sich dann mit dem am bannermannes Erich Schulz in Berlin durch einen An. gleichen Tage erfolgten Ueberfall einer Wahlkundgebung der Republikaner für Dr. Marg in Faltensee und Brieselang ( Kreis Osthavelland) burch Angehörige der Rechtsorganisationen, wobei acht Personen zum Teil lebensgefährlich verlegt wurden, um zum Schluß auf die jüngste Mordtat der Hatentreuzler in Oberberg( Mart) einzugehen. Hier erschossen zwei Jdyll. Ber tobt unaufhaltsam durch Nacht und Bind Bon Stallupönen bis Peine? Es ist nicht der Bater mit seinem Kind D. Mensch zieh schleunigst die Leine! Wer raft per Auto und Aeppelfahn Pflichteifrig durch Hize und Kälte? Das ist der Berfolgungsgrößenwahn Der deutschen Staatsanwälte. Sie schauen so fröhlich hin und her, Was noch zum Verhaften tauge. Still weint feh'n fann es längst nicht mehr! Still weint des Gesetzes Auge. 5-6. Seit furzem erst sind die Frauen in den Gerichtsfaal eingezogen als Anwälte, Geschworene, Schöffen. Im Reichstag von 1920-1924 gab es darüber manchen Kampf, besonders weil, wie ein rechtsstehender Abgeordneter meinte, Männer fich nicht gerne von Frauen beurteilen und verurteilen lassen", mährend man natürlich annimmt, daß die bisher allein geltende umgefehrte Bragis den Lokomotiven, die qualmend und groben Atems in ihren steinernen feinen 60. Geburtstag. Der Gelehrte, ein Sohn des Verfassers BerProf. Mag Herrmann von der Berliner Universität begeht heute Frauen aufrichtiges Vergnügen bereitete. Troß dieses Arguments halbrunden Ställen rumoren. Stahl und Kohle schwärzen weithin liner Theaterstücke Louis Herrmann, ist 1865 in Berlin geboren, be zogen die Frauen in den Gerichtssaal ein es liegt fein bebas unfruchtbare Land, die Landschaft der Technit, Schöpferin der gründetes Material vor, daß sie versagt hätten. Dennoch fünftlichen Welt, mit fünstlichen Sonnen, Blumen, Tieren und Bun- suchte das Wilhelms- Gymnasium, studierte in Freiburg, Göttingen wärts, rückwärts" geht nun einmal der Kurs. Alles fann dazu gibt es teine Frauen. Nur Männer in Overalls rennen mit Schweiß hat sich Herrmann frühzeitig der wissenschaftlichen Erforschung des bern. Das eherne Steinalter tennt weder Baum noch Strauch. Da Universität. Neben seiner philologischen und literarischen Tätigkeit und Berlin und promovierte und habilitierte sich an der Berliner etwa nicht eine fonderbare Sittlichkeit, die dahin führt, die Frau hämmern, Deltannen und Schraubenschlüsseln, ihre Gesichter und Theaters zugewandt. Seine Forschungen zur deutschen Theater. Pharifäer gehen um!" Oder ist's als Schöffin aus den Gerichtssaal zu verbannen, weil sie in der Hände find ewig geschwärzt. Flint traben fle über die gewölbten geschichte des Mittelalters und der Renaissance"( 1914) find das am Beurteilung unzüchtiger Schriften und Bilder, derentwegen ein Rücken der Waggons, springen von Dach zu Dach. Auf den Ter- meisten Epoche machende Wert auf diesem Sondergebiete in den Berliner Buchhändler angeklagt war, burch Erziehung und Auf- rassenbergen der Britetts, den schwarzschillernden Alpen der Stein- lezten Jahrzehnten gewesen. Auf seine Anregungen geht auch bie meiſten Epoche machende Wert auf diesem Sondergebiete in den faffung einseitig zu ungunsten der Angeklagten eingestellt sein Pfeifen, donnernd jegen die Züge, hüpfen sich entgegen über die fohlen brennt vergebens die Frühlingssonne. Bilder schreien die Gründung des Theaterwissenschaftlichen Inftituts an der Universität Bilder schreien die So sagt der Berteidiger, dem es darum zu tun ist, seine KlienWabenmufter, die Weichen treuz und quer weiß in die tahle Ebene Berlin zurüd. Eine große Anzahl jüngerer Forscher find auf diesem ten, die offenbar eine gewisse Gattung von Schriften Nur für polieren: Schnittpunkte aller Entfernungen und aller Frühjahrs. der Gesellschaft für Theatergeschichte, der Gesellschaft für deutsche Gebiete durch seine Schule gegangen. Der Gelehrte ist Borsitzender Herren" verbreitet haben, freizubekommen. Es müssen ziemlich reifen, die geometrischen Bunkte zur Erreichung der feltenen Bandüble Schriften und Bilder gewesen sein denn, mie allgemeinschaften, die unter Palmen blau schwelen, im Schatten weißer Glet geschichte. Vor einigen Jahren ist er zum planmäßigen außerordentLiteratur und leitet die Gesellschaft für Erziehungs- und Schul scher zittern. lichen Professor ernannt worden. müffe". " bekannt, der Kampf für die Freiheit wirklicher Kunst wird von freidenkenden Männern und Frauen gegen Moralintanten beider Geschlechter geführt. Der Berteidiger tut also von seinem Standpunkt sein Bestes, um die„ Nur für Herren- Literatur" der weiblichen Beurteilung zu entziehen. Er tut sogar noch ein bißchen mehr, indem er erflärt, daß die Mitwirtung der Frau bei Unzuchtsprozessen grund. fäßlich abzulehnen sei, weil das Schamgefühl verbiete, in Gegenwart einer Frau die Fragen mit voller Klarheit zu erörtern und darin eine Beschränkung der Berteidigung liege". Starter Tabat aber die Zweite große Straffammer des Landgerichts I gibt dem Ablehnungsantrag ftatt, entfernt die Schöffingegen die Anschauung des Borfigenden, daß dies der gefeßlich festgelegten Gleichberechtigung widerspreche! Der Fall fann Schule machen. Die Reinigung" fann in der Richtung fortgefeht werden: Freie Bahn der Schmuhliteratur, den Segualdelikten, der traurigsten Erniedrigung", wenn nur die Frau im Gerichtssaal nichts davon zu hören bekommt, nicht ihr einfeitiges"( weil unverdorbenes) Urteil sprechen barf. Hoch die alte doppelte Gesellschaftsmoral! Hoch die einseitige Berichtsbarkeit der Klassen- und Geschlechtsurteile! Das Scham gefühl all der vor Männergerichten stehenden Frauen, die in Fällen Hoch von der faufenden Schnellbahn umfaßt der Blick diese Traumlandschaft des magischen Dreiecks. Da unten beginnen die richtigen Gleise, auf denen unsere unerfüllten Wünsche zu fernen Häfen, zu glücklichen Inseln rollen. Zu jeder Stunde verläßt einer der richtigen Züge die gewaltige Halle und gleitet ohne uns unter den Brücken bahin und vorbei an allen Hinterhäusern, in deren Schlund wir schon hinabsausen, begrüßt vom Hämmern der Teppich flopfer, dem Klappern der Schreibmaschinen, dem ganzen hin und flopfer, dem Klappern der Schreibmaschinen, bem ganzen Hin und Her der in den Kammern wartenden Mitpassagiere. Denn die ganze Stadt scheint mir bereit, die steinernen Zelte abzubrechen und auszuwandern in diesen jungen Tagen, da unter woltenlosem Blau die Bliffe der Lokomotiven dringender gellen vom Gleisbreied in jedes Haus. Karl Otten. rechnetes Gastspiel an der Großen Boltsoper. George Battanoff beginnt am 19. Mai ein auf mehrere Tage beFakultatives Alloholverbot in Rußland. Das Bollskommissariat für ben Innenhandel hat neuerdings die Verfügung getroffen, daß der verboten ist, wo sich zwei Drittel der Bevölkerung für ein derartiges Ber Allobolhandel, fowohl der staatliche als auch der pribate, an jenen Orten bot aussprechen. Es ist also dem Belieben jeder Stadt und jeder Ortschaft überlassen, ob Allehol verlauft werden darf oder nicht. Jazz- Band als Kirchenmufit. Beim Abendgottesdienst in der Santi- Beter- Kirche des englischen Ortes Rochester wirfte fürzlich ein merkwürdiges Orchester mit. Es waren die Mitglieder der 3a33Band, bie im Palais de Danse der Stadt zu Shimmy und Fortrott aufspielen, und die nun die würdige Begleitung zum Kirchengesang lieferten. Der Kanonitus Hidin, der die Andacht hielt, ist ein großer Musikfreund und versprach sich mit Recht davon eine gute Wirkung auf den Besuch. Wie englische Blätter berichten, soll das Sarophon zusammen mit Bioline und Trompete sehr stimmungsvoll gewirkt haben. Taufendjahrfeier der Universität Bonn. Da der Stultusminister am 13. Juni berhindert ist, nach Bonn zu lommen, mußte die Jahrtausend mehr endgültig auf den 30. Juni festgelegt worden. feier der Universität Bonn nochmals verlegt werden. Die Feier ist nun Lehrgang in der neugriechischen Sprache. Das Bentralinftitut für Er. ziehung und Unterricht beabsichtigt, in seinen Räumen einen Lehrgang zur Einführung in die neugriechische Sprache zu veranstalten. Die Kenntnis der altgriechischen Sprache wird von den Teilnehmern vorausgesett. Es im Gelben Sa al des Zentralinftituts eingeladen. Anfragen sind an wird daber zu einer Borbesprechung auf den 18. Mai, abends 7 Uhr, bie Geschäftsstelle des Sentralinftituts zu richten. Stahlhtlmleute im Anschluß im einen von einem Studienassessor geleiteten.�lungdeutschen Tag"' den Bäcker Volkmann, verletzten den inzwischen verstorbenen Wirt Thielecke, den Arbeiter Stolzmann und den Invaliden Becker lebensgefährlich. Bei einem der Mörder fand man zwei Revolver, einen Gummiknüppel und ein Dolch» messer. Die große Anfrage unserer Genossen stellt zum Schluß fest, daß viele Studenten der Forstakademie Eberswalde i m B«- sitz von Waffen sind und fragt das Staatsministerium: Wa» gedenkt es zu tun. um das Leben der Staatsbürger gegenüber dem Treiben dieser Leute zu schuhen und künftig solche Exzesse zu ver- hindern? was gedenkt es gegen die polizeibeamlen zu unternehmen. die in gröblichster weise ihre Pflicht verletzt haben? Politik unü Geschäft. Wer die Gelder der Reichsgetreidestelle verwirtschaftete. An Hand von Regierungsangaben haben wir kürzlich mitgeteilt, daß der Reichslandbund sich an dem für die Regierung verlustreichen Geschäft des Landbund- k o n z e r n s mit der Reichsgetreidestelle bereichert habe. Die Verquickung von Politik und Geschäft, bei der die Reichsgetreidestelle um rund 35 teile, von denen 512 sofort rechtskräftig waren— ein Beweis, daß die Einzelrichter in der Dirckjenstraße im großen ganzen im Rahmen des allzu oft unzulänglichen Gesetzes- human Recht sprechen. Diesen Eindruck erhält man auch, wenn man eine Reih« von Sachen an sich vorüberziehen läßt. Jeder Fall ein Ausschnitt aus dem Lebe». Ein« unerschöpfliche Quell« von Lebenserfahrung ist solch«in« Ge< richtssitzung. Man gehe hin und lerne. Hier die Ausbeut« zweier stunden. »Auch ich bin au» Pommern!" Restaurant in der Dorotheenftraße. Ein»recht ländlich" aussehendes Mädchen vor einem leeren Bierglas. An dem onderen Tisch ein behaglich, bürgerlich anmutender gutbebäuchter 58jährig«r Schlossermeister.»Fräulein, so einsam? Bon wo sind Sie denn?" .Aus Pommern.".Da sind wir ja Landsleute. Auch ich bin aus Pommern. Setzen Sie sich mal zu uns." Dann, bereit» tüchtig angeheuert, per Droschke i n» ch o t e l. plötzlicher Verzicht de» Herrn Schlossermeisters auf die Dienste der.Landsmännin", fehlende Brieftasche, verschwundene 29 M.. Stockhiebe für die Verdächtige, Polizeiwach«. Einzelrichter Dirckfenstraße. Die be» streitet, das Geld an sich genommen zu haben— die Brieftasche hat sich am Fußende des Bettes gefunden. Di« Angeklagte ist 30 Jahre alt, unbestraft. Arbeiterin, arbeit»- und obdachlos. Ein« Woche Gefängnis. Tränen. Bewährungsfrist. Was geschiehr dem Schloffermeister, der das Mädchen.abgeschüttelt" hat?.Es schmerzt mich noch das ganze Kreuz." Er:.Herr Richter, man kann doch so wütend werden." Und ob, Herr Landsmann. Der Fahrraddieb. Ein Fabrikarbeiter spricht am Freitag nach erledigter Nachtschicht von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags tüchtig dem Alkohol zu. Taumelt dann auf dem Weg« zum Bahnhof Gesund- brunnen an einem fremden Rade vorbei, glaubt plötzlich sein eigenes vor sich zu haben, taumelt weiter, das fremde Rad mit sich führend, dem Bahnhos zu und wird hier gestellt. Auf der Wache behauptet er, das Rad gebäre ihm, verwickelt sich in Widersprüche, wird unflätig. Vor Gericht kann er nicht sagen, wie er zu dem Rad gekommen sei. 48 Jahr« alt, Da ter von vier Kindern, nicht vorbestraft, besitzt ein eigenes Fohrrad. Der Staatsanwalt beantragt zwei Wochen Hast. Das Urteil lautet auf 29 M. Geldstrafe wegen Diebstahls. Wegen Diebstahls? Für die Trunkenheit mag er die 29 M. bezahlen. Dielleicht zieht er aus dem Vorfall eine Lchrel Der reiselustige Lebemann. .Ich habe mich mit den Rüttgers-Derken geeinigt: ich sollte die 159 M. zurückzahlen und sie wollten mich nicht anzeigen." Das kommt davon: hätten sie ihn doch bester angezeigt! Der kaum 18jährige F. dient bei den Rüttgers-Werten, unterschlägt 15 9 M., macht eine Vergnügungstour nach Hamburg, kehrt dann nach Berlin zurück, einigt sich mit der Firma, findet durch den Arbeitsnachweis eine Anstellung al» Bote, unter- schlägt auf» neue 169 M., wiederholt seine Spritztour nach Hamburg und wird nach seiner Rückkehr nach Berlin verhaftet. Elegant gekleidet, mit weltmännischen Allüren und sicherem Auf- treten, begreift er noch immer nicht, welch« Gefahr ihm droht. Wird aber jungenhaft lleinlout, wischt sich mit dem Taschentuch die Tränen, als der Richter väterlich milde und gleichzeitig streng ihm ins Ge- wissen redet:.Eine minimale Summe, sagen Sie? Eine Arbeiter» samilie muß davon einen ganzen Monat lebenl Weshalb vertragen- Sie sich nicht mit Ihrem Stiefvater und leben außerhalb des Hauses?" Drei Monate Gefängnis, Bewährungs- frift. Ein« Fürsorgerin vom Jugendamt, die anwesend ist, will sich des Jungen annehmen. Weshalb aber nicht Wiedergutmachung als Bedingung für die Bewährungefrist? Geige und Verlobung. Der 22jShrige, noch ziemlich jugendhast aussehend« Schriftsetzer M. kommt zum Freunde und bittet ihn, ihm seine Geig« zu borgen: er feiert heute In seinem Elternhaus Verlobung. „D» kommst doch hin, bitte?" Der Freund zieht seine Feiertags- kleider an und begibt sich zu den Eltern des Freunde» zur Ver- lobung...Verlobung? Was!? Der wohnt ja gar nicht mehr bei uns." Die Geige ist bereit» für 29 M. verschärft. Der An- Seklagte, ein langer, blasser, psychopathischer Jüngling, still und be» Heiden..Die Eltern haben Sie hinausgeworfen? Er nickt..Wer weiß, woran da» liegen mag. Was soll nun aus Ihnen werden?" »Ich möchte gern zu den Eltern zurückziehen. Mutter ist bereit, mich auszunehmen, Vater will nicht."— Drei Wochen Ge- fängni», Bewährungsfrist. Auch hier: Weshalb nicht wieder gutmachen— die Geige tostet 59 M.— und Stellung unter Schutzaufsicht? Der Schwächling begeht doch wieder eine Dummheit. Der Rechtskonsulent. j .Sie sind Rechtskonsulent?".Ich Hab« vor Vahren einmal im Bureau eine« Anwalt« gearbeitet." ter ist. 2j Jahre alt und hat als IKjähriger leine erste Strafe von 7 Monaten verbüßt. Deshalb nennt er sich Rechtskonsulent. Drei Monate hatte ei wegen Diebstahls, auch wegen Paßvcrgehens ist er' bestrast und aus Deutschland ausgewiesen. Don Geburt Schwe/zer, hat er hier unter falschem Namen gelebt. Gut gekleidet, gute Figur, hübsches, feingeschnittenes Gesicht, tadellose Manieren,.-gewählte Sprache. Eignet sich vorzüglich dazu, um von älteren Frauen ausgeh rlten zu werden. Das erste Debüt aus diesem Gebete endete jedoch mit dem Diebstahl einer Brieftasche und 399 M. Er war mii einem Mädchen befreundet und mochte im Restaurant den Klavier spieler. Die Freundin führt« ibn bei ihren Bekannten ein. Hier überredete man ihn, die für ibn.doch so unpassend« Arbeit" fallen zu lassen. Er tat es. Zog zu seinen neuen Bekannten und will nun entdeckt haben, daß er an eine verkrüppelte. Frau verkuppelt werden sollte. Arbeits- und mittellos, wie er nun war, deprimiert von de» Zumuwngen, die man stcllte,»stahl er die Brieftasche des Liebhabers der Wohnungein haberin— der Mann lebte auch in derselben Wohnung. So sagte er wenigstens. Aus dein Laubenlande, bei seiner kleinen, noch nicht 18jährigen Freundin wurde er verhaftet. SMonate Gefängnis. Und was weiter' Der geborene Hochstapler! .Machen Sie es gleich kurz!" .Sie sind eines Derbrechens angeklagt, wenn Sie wollen, können Sie in Moabit von einem Richter und �zwei Schöffen abgeurteilt werden.".Machen Sie es gleich kurz."—„Sie haben eine Ar beiterin be stöhlen." Schweigen..Sie hat doch selbst nicht viel." Schweigen. Was soll er auch jagen, dieser zehnmal vor bestrafte Z2jährige„Maler" mit dem intelligenten, regelmäßig geschnittenen Gesicht. Er ist Zyniker. Ihm ist alles gleich. Das Zuchthaus hat ihn bereits jeder Moral entledigt. Da wird er von, Gefängnis befreit, mietet sich als Schlafbursche ein, holt in Ab Wesenheit der Arbeiterin R. den Schlüssel unter dem Reijekorb her vor und scheut sich nicht, in Gegenwart des kleinen Sohnes sie um die ganze Wäsche und die mühsam erspartenö9M. zu bringen. Das Gericht erkennt ihm trotzdem wegen seiner Notlage mildernde Umstände zu und verurteilt ihn zu einem Jahr Gefängnis. Da» neue Strafgesetzbuch wird endlich eine Handhab« für solche Menschen geben. Was fall auch hier ein Jahr Gefängnis? Weder ihm noch seinen NAtmenIchcn ist dadurch geholfen. So lösen die„Sachen" in bunter Reihenfolge einnnder ab. Manchesmal geht es doch zu schnell. Selbst der noch so human denkend« Richter, die noch so verständige und nachsichtsvolle Rech: «1 Anthony 3ohn. Roman ooo Zerome S. Zerome. (Schluß.) Der Dichter verlangt nichts als vier Wände und eine echte Leidenschaft. Woher kommt die Idee, daß großer Reich- tum Glück zu erkaufen vermag? Doch nicht von den Reichen? Die müßten es eigentlich schon besser wissen. Die besten Dinge des Lebens sind billig. Sind die mellenweiten Parks mit den vielen Gärtnern denn schöner als der öffentliche Park? Die kleinen verborgenen Ecken, die wir selbst be- p lanzt und gepflegt haben, wo wir jede Blume kennen und lie' en, wo jeder raunend« Baum ein treuer Kamerad ist, dort treffen wir am Abend Gott. Wir wandern al» Fremde durch die„Empfangssäle" unserer Paläste» Der Millionär zahlt zehntausend Pfund für einen alten Meister: wie oft betrachtet er das Bild? Genießt er weniger künstlerische Freude bei dessen Anblick, weil das Gemälde in einer Galerie hängt? Die Freude des Besitzes gleicht der Gier des Geizhalses, der Habsucht des Hundes mit einem Knochen. Sind die schim- mcrnden Birken im Mondschein etwa lieblicher, wenn uns der Hügel gehört, auf dem sie emporragen? Sie entsann sich ihrer Fußwanderungen mit Jim, den Rucksack über der Schulter, vor ihnen der offene Weg. Das Abendbrot im kleinen Dorfwirtshaus, der süße Schlummer zwischen rauhen Laken. Seither liebte sie das Reisen nicht: es war so müh- selig, mit dem vielen Gepäck und all den Umständen. Was werden die Kinder sagen? Run, sie können beide nicht predigen, das zumindest ist ein Trost. Der Junge hatte bei Kriegsbsginn, ohne ihnen ein Wort zu sagen, alles hinge- worfen. war als Gemeiner in den Krieg gezogen. Er hatte gestirchtet, sie würde ihn zurückhalten, ihn, der um eines Ideales willen dem Tod Trotz bot. Er halte wahrlich kein Recht, Einwände vorzubringen. Und Rorah war nicht weniger zu Vorwürfen berechtigt: eine junge Dame, die allen Traditionen der Nefpektabilität erzogen, die sich kühn der Lächerlichkeit aussetzte, ärgeres beging als Verbrechen— nämlich vulgäre Handlungen. Eine wilde Suffragette, die Fanatismus rügt, braucht nicht ernst genommen zu werden. Was immer sie und Anthcrnv unternehmen, wird den Kindern nicht schaden. Norah und Jim können selbstverständlich ihre Wahl treffen. Wie aber wäre e» in einem anderen Fall, wenn eine junge Mutter dem Problem der Zukunft ihrer Kinder gegenübersteht? Welche Antwort hätte sie selbst vor zehn Jahren gegeben? Dieser Gedanke bemächtigte sich ihr«. Sie prüfte ihn von allen Seiten, nicht als persönliche Sache. sondern als die einer Gemeinschaft. Muß man denn reich sein, um das Glück der Kinder zu sichern? Die Kinder selbst würden diese Frage mit„nein" beantworten. Der kleine Knabe verlangt nicht den Samtanzug und den Spitzenkragen. Das kleine Mädchen will nicht das Elfenbeintor verschließen, das in den Wald führt. Die Kindheit bedarf der Reichtümer nicht; ihre Freuden sind billig. Und auch die Freuden der Jugend kosten um weniges mehr als Gesundheit und Käme- radschaft. Der Kricketschläger, das Tennisrackett, das Boot mit einem Leck, das man für wenig Geld kauft und selbst repariert, ja sogar die Krone der jungen Wünsche: das Motorrad— für all dies« Dinge braucht niemand seine Seele verkaufen. Und Erziehung und Bildung hängen nicht von der„vornehmen" Schule, sondern vom Lehrer ab. Wird das künftige Wohl unserer Kinder durch den großen Reichtum gefördert— oder gehindert? Wenn wir unsere Kinder nicht mehr im Glauben an Reichtum erzögen, wenn wir sie lehrten, das bescheidene Da- sein, die Liebe im kleinen Haus nicht zu fürchten? Nicht zu glauben, daß sie w einer zwölfzimmrigen Dilla doppelt so glücklich wären? Wenn wir sie derart vor der Jagd noch dem Geld bewahrten, vor dem Kummer jener, die es nicht erlangen, beschützten? Die Liebe zum Geld, der Glaube an das Geld, sind sie nicht die Wurzeln von neun Zehnteln unserer Leiden und unserer Sünden? Wie wenn man die Kinder lehrte, nicht vor dem Geld auf die Knie zu fallen, es nicht anzubeten, ihm nicht Jugend� Gesundheit und Freude zu opfern? Würde es den Kindern in diesem Fall nicht auch materiell besser gehen? Jählings siel ihr ein, daß sie noch gar nicht die religiöse Seite überlegt habe. Sie lochte; es hieß ja immer, die Frau sei praktischer, der Mann sei der Träumer. Und hatte sie nicht etwa recht? Ist es nicht unser großer Fehler gewesen, daß wir zwischen unsere Religion und unser Leben einen Trennungsstrich gezogen, unsere Taten dem Cäsar, unsere Taten Gott geweiht haben? Da« wahre Christentum.muß die höchste Vernunft, die reinste weltliche Weisheit sein. Auf eine einzige Sache versteht sich der Mensch— auf den Krieg. Sein größter Erfolg sind die Kriegsmaschinen. Diese Institution hat die Probe bestanden: nur eines ge- staltete der Mensch vollkommen— den Krieg. Und vom Soldaten verlangte er die christlichen Tugenden des Opfer- mute» und des Selbstvergessens. Hier ward der Ort des Leidens zum Ort der Ehre, der verlorene Posten ein Ehren- posten. Dem Soldaten wurde beigebracht, den Kameraden wie sich selbst, nein, wehr al» sich selbst zu lieben, nicht als leere Formel, sondern als notwendige Pflicht. Brach ein Krieg aus, so erkannte jedes Land, es sei nötig, Christi Lehre« zu befolgen. Da Anthony zu ihr sprach, erschien iht seinc Forderung, sie möge ihren Reichtümern entsagen, eine un klare, unpersönliche Menschenliebe über die Ljxtze zu den .Kindern und sich selbst stellen, ungeheuerlich. Hätte er aber dabei von England gesprochen, wäre dies währemd des Kriegs geschehen, sy hätte sie sein Vorhaben gebilligt, würde selbst zu größeren Opfern bereit gewesen sein. Und- die Menschen. deren Hohn sie jetzt fürchtete, hätten ihr Befall gespendet. Hatte etwa jemand dem jungen Freiwilligen gesagt, er möge zuerst an seine Frau und seine Kinder, an deren Behagen, an deren Luxus denken— und erst dann an die Heimat? Anthonys Beschluß, in die rauchige, traurige Stadt zu ziehen, dort unter den armen Leuten zu leben, erschien ihr törichl phantastisch. Er hätte den Armen von Mlllsdvrough weil besser helfen können, wenn er seine Reichtümer behalten, sie mit Gaben überschüttet hätte. Derart würde er Gott besser zu helfen vermochtchaben, mächtig und reich,' ein Führer unter den Menschen."Was aber knnn er als ärmlicher Rechts anmalt in Bruton Square tun? Hatte sie während des Krieges derart an die Menschen gedacht, die zwar Geld gaben, sich aber vor dem Schützen- graben, dem Schmutz und dem Blut drückten, an die Schreier, die onderen das Tot des Dienstes wiesen? Weder reich, noch arm, weder vornehm, noch gering. Kameraden und Brüder— wann wird der Sieg errungen sein, der allen Kriegen ein Ende bereitet—, der Sieg des Menschen über sich selbst? Die Rauchwolke über der traurigen Stadt war in der Rächt versunken. An ihr« Stelle leuchtete ein dumpfer roter Schein gleich einer Flammensäule. Eleanor wandte sich ab und blickte in den großen Steh- spiegel mit vergoldetem Rahmen. Sie ist noch jung, im Vollbesitz ihrer Kraft und Schönheit; vor ihr liegen Jahre mit einer Verheißung von Macht und Freude. Und plötzlich erkannte sie, dies sei das gewaltigste Abenteuer der Welt, das die Kühnen und Hoffnungsfreuoigen ruft, einerlei, wohin — dorthin, wo Gottes Trompete ertönt. Irgendwo— vielleicht fern, vielleicht nah— liegt das gelobte Land. Bielleicht werden sie es finden, oder aber zumindest von ferne schauen. Wenn nicht— so sollen wenigstens ihre Fußtapfen den Weg weisen. Ja. sie wird ihren Reichtümern entsagen und alle Angst verbannen. Gemeinsam, Hand in Hand, werden sie freudig vorwärtsschreiten. sprechung wird der Forderungen der wahren Menschlichkeit und des Schutzes der Gesellschaft vor Verbrechen nicht gerecht, wenn sie nicht in der Lage ist, jeden Fall einzeln zu erfassen, ihn individuell zu behandeln. Soll der Einzelrichter wirklich imstande sein, mit Nuzen für die Allgemeinheit und den einzelnen Recht zu sprechen, so find dem Einzelrichter eine genügende Anzahl Gerichtsfürsorger zur Seite zu stellen, die sofort nach Einlieferung des Rechtsverletzers die notwendigen Recherchen machen und nach seiner Entlassung dafür jorgen, daß er ein geordnetes Leben führe. Mit der Tatsache des Einzelrichters wird man sich aber erst dann abfinden, wenn der Einzelrichter zur Regel geworden sein wird. Das Autobusunglück in der Königstraße. Keine schweren Verlegungen. Ungeflärte Schuldfrage. Der schwere Autobusunfall, der sich in der Mittwochnacht an der Kreuzung König- und Heiligegeiftstraße ereignet hat, beschäftigt aufs lebhaftefte die Gemüter. Nach unseren Informationen besteht erfreulicherweise bei den 23 Verlegten nicht nur teine Lebensgefahr mehr, sondern die Betroffenen konnten fast durchweg in ihre Wohnung entlassen werden. Nur der Unfall des Kriminalbeamten Denderlein, der einen Knöchelbruch erlitt, ift tomplizierter. Hier mußte die Ueberführung ins Krankenhaus angeordnet werden. Die Schuldfrage wird von den Behörden im Augenblick eingehend untersucht. Die Aussagen des Autobusleiters und die des Führers des Feuerwehrwagens gehen start auseinander. Nach Angaben mehrerer Zeugen soll die Schuld an dem Zusammenstoß dem Autobusleiter zukommen. Immerhin muß das Ergebnis der Untersuchung vor einer endgültigen Stellungnahme abgewartet merden. Der Führer des Feuerwehrmagens jagt aus, daß er mehrere Signale gegeben habe. Dies wird durch mehrere Zeugen bestätigt. Der Autobus fei in unvermindertem Tempo geradeaus meitergefahren, anstatt abzubiegen. Der Unfall sei nur mehr dadurch gekommen ,, daß das Feuerwehrauto scharf nach rechts abgebogen Fallen des Antobus wurde ein Straßenbahnmast sehr start beschähabe. Hierbei erfolgte der folgenschwere Zusammenstoß. Beim digt. In dem Feuerwehrauto entstand beim Zusammenprall sogleich Kurzschluß, da es sich um einen elektrischen Kraftwagen handelte. Starke Flammenfäulen schlugen aus dem Wagen empor. Berlegt wurde hierdurch jedoch niemand. Da der Unterbau des Autobus sehr schwer ist, ist anzunehmen, daß die Wucht des Zusammenstoßes ungewöhnlich heftig war. An fich find die Wagen durch den schweren Unterbau fast sturzficher. Bei dem Unfall wirkte der Feuerwehrmagen wie ein Hebel. Er faßte das Hinterrad des Omnibus, hob ihn und warf ihn so um. Der Zusammenstoß rief unter den Bassagieren des Autobus eine unbeschreibliche Banif hervor. Die Hilfeschreie und Angstrufe der Insassen tönten weit hörbar durch die Nacht. Die Mannschaften des Feuerwehrautos griffen sogleich ta tfräftig ein. Die Insassen des Autobus waren in furzer Frist geborgen. Die beiden s ch werbeschädigten Wagen wurden noch in derselben Nacht forttransportiert. Bei der Erörterung der Schuldfrage spielt übrigens noch eine Rolle, daß die fragliche Straßenfreuzung überaus unübersichtlich ist. Ob ein tatsächliches Verschulden überhaupt nachgewiesen werden kann, müssen die, weiteren Ermittlungen ergeben. Ein Zeuge der Reaktion. Und so was wurde gegen Ebert aufgeboten. Der aus dem Magdeburger Ebert- Prozeß bekannt gewordene Tiefbauunternehmer Paul Gobert wurde gestern aus der Untersuchungshaft der dritten Straffanier des Landgerichts I unter Vorsitz von Landgerichtsrat Hasselbach vorgeführt, da er Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Mitte vom 2. Februar eingelegt hatte, durch das er wegen Betruges im straffchärfenden Rückfalle und zugleich wegen schwerer Urkundenfälschung zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt worden mar. Strafmaß herabgefeht und Gobert wurde wegen Unterschlagung und schwerer Urkundenfälschung zu einer Gesamtstrafe von 5 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt und der Haftbefehl wurde aufgehoben. Gobert nahm das Urteil sofort an. den Wohnungsbau für kinderreiche Familien! Antrag des Zentrums, welcher besagt, daß 20 Millionen Mark Der Landtag hat in seiner Sizung am Dienstag, den 12. b. M. zum Wohnungsbau für minderbemittelte finderreiche Familien zur Verfügung gestellt werden, dazu den Entschließungsantrag, daß den finderreichen Familien aus der Hauszinssteuer 90 Proz. der Gesamtkosten bzw. 100 Proz. der reinen Baukosten bewilligt werden fann, einstimmig angenommen. Die gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft„ Die finderreiche Fa milie", die nur aus finderreichen Familien besteht und mur die Interessen finderreicher Familien vertritt, empfiehlt allen minderbemittelten kinderreichen Familien mit vier und mehr Kindern, die in dürftigen Wohnungsverhältnissen leben, sich umgehend an obige Genossenschaft Berlin N. 4, Chauffeeſtr. 1, in der Geschäftsstelle von 9-4, Sonnabends bis 1 Uhr zu wenden. nur durch den Anschluß kann den finderreichen Familien geholfen und einer einzelnen Familie die Kosten und, die Arbeit erheblich ? erspart werden. Letter Strafaufschub Zum Thema: Kranke in Strafanstalten. Durch den Untersuchungsausschuß des preußischen Landtages find anläßlich des Falles Höfle breite Massen des Volkes auf die unglaublichen, beinahe mittelalterlichen Zustände in den Untersuchungsgefängnissen aufmerksam gemacht worden. Es wird dadurch auch den wenig oder gar nicht Rechtskundigen, die ein gesundes Rechtsempfinden befizen, immer klarer, daß unsere gesamte öffent liche Strafrechtspflege, von der die Untersuchung nur ein trübes Kapitel ist, einer dringenden Umgestaltung bedarf. Der kleine Mann, der nun einmal die Sorgen des großen Mannes nicht teilt, Gerichte abspielt. Es erscheint daher angebracht, aus der täglichen weiß felten, was sich beinahe täglich hinter und vor den Kulissen der Gerichtsgeschichte Beispiele anzuführen, die dem Volke klar machen, Es möge hier zunächst ein Beispiel Raum finden. wie wenig das geschriebene Recht seinem Rechtsempfinden entspricht. des Sprechhormerts Erlösung von Bruno Schönlant. Treffpunkt für alle Gruppen vormittags 9½ Uhr an der Römer. schanze. Das Maitreffen der Gewerkschaftsjugend, von ihr selbst ausgestaltet, soll die Jugend am Maientag zum Maienfest vereinen. Das Maitreffen soll ein Werbetag für die gewerkschaft. lichen Jugendgedanken sein. Darum: Gewerkschaftsjugend heraus! Aber auch die Aelteren sind zu der Veranstaltung herzlichst eingeladen. P Ein moderner großer Spreedampfer. Der Ruf der großen See- und Hafenstadt Berlin fördert auch den Ehrgeiz seiner Reeder, neue und schöne Schiffe zu bauen. So hat die Reederei Nobiling einen neuen technisch vollendeten und prächtig ausgestatteten Dampfer erbauen lassen, der als das gegenwärtig größte Berliner Passagierschiff gelten fann. Bei dem Batt dieses Wintermärchen" getauften Dampfers auf der Wiemann- Werft in Brandenburg mußte vor allem darauf Rückficht genommen werden, daß das Schiff bei seinen Fahrten durch Berlin die für die Spreeschiffahrt so ungünstig wie möglich gebaute Oberbaumbrücke durchfahren muß. Durch besondere schiffstechnische Einrichtungen ist es gelungen, dieses Hindernis auf der Oberspree zu überwinden, indem am vorderen und hinteren Teil des Schiffes je ein großer Wassertank eingebaut wurde, von denen jeder über achthundert Zentner Spreewasser als Ballast während der Fahrt aufnehmen fann. Außerdem befinden sich am Boden des Schiffes mehrere Wasserzellen, die ebenfalls mit Wasser belastet merden fönnen. Hierzu sind besondere Bumpenanlagen eingebaut, die von der Kommandobrücke aus in Tätigkeit gesetzt werden können. Die Wassertanks und Wasserzellen sind durch Schotten von dem übrigen Teil des Schiffes abgetrennt und machen ihn unversenfbar. Das Unterdec des Dampfers ist ganz in Marmor eingefleidet. Der Antrieb des Schiffes erfolgt durch eine dreifache Expansionsmaschine von 450 Pferdefräften. Mit dieser Maschine soll der Dampfer Wintermärchen" imstande sein, im Winter als Eisbrecher die Fahrstraßen auf der Spree und Havel für den von der Reichshauptstadt dringend benötigten Frachtenverkehr auch Schließlich muß noch bei der stärksten Kälte offen zu halten. erwähnt werden, daß das Schiff auf freien Gewässern eine Gemit dem Schiff auch weite Fahrten nach Hamburg und Swineschwindigkeit bis über dreißig Kilometer entwickelt. Die Maschinen jomie die gesamten technischen Anlagen lassen die Möglichkeit zu, münde zu unternehmen. " F Zu dem Leichenfund am Lehnihjee wird mitgeteilt, daß die Tote in Oranienburg von den zuständigen Kreisärzten in Gegenwart des Amtsgerichtsrats Bogel obduziert worden ist. Es wurde feftgestellt, daß Marie Mistered ermürgt morden ist. Die Wunde am Rücken, die man zunächst für eine Stichverlegung hielt, fommt als Todesursache nicht in Betracht. Sie ist unbedeutend und kommt wohl daher, daß das Mädchen im Todestampfe einen Ast oder Zweig berührt hat. Festgestellt wurde noch ein ziemlich starker Schlag am Kopfe. Der Friseur Wilhelm Schüz, dessen Darstellung durch das Ergebnis der Obduktion nicht widerlegt wird, bestreitet, diefen Schlag geführt zu haben. Er nimmt an, daß der Bater des Mädchens ihm diesen schon vorher bei einer heftigen Auseinandersegung beigebracht habe. Schüz wurde von der Kriminalpolizei der Staatsanwaltschaft III vorgeführt. Eine Frau W. wurde vor etwa drei Jahren wegen eines gering fügigen Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Schon damals war sie schwer leidend und konnte die Strafe nicht antreten. Im Laufe der Zeit verschlimmerte sich ihr Leiden derart, daß sie beinahe aus dem Krankenhaus nicht mehr herausfam. Sie mußte fich wegen eines Darmtrebsleidens einer Operation unterziehen. Ferner wurde ihr zur Kotentleerung ein künstlicher After eingesetzt. Die Mündungsstellen desselben in der linken Bauchgegend find jetzt schon start brandig. Füße und Unterleib sind infolge des gesetzten Wassers start geschwollen. Sie ist auch start morphiumsüchtig und muß sich beim Gehen zweier Stöcke bedienen. Da ihr nach ihrer Ansicht feine ärztliche Kunst mehr Hilfe bringen fonnte und sie auch aller Mittel bar ist( fie ist Almosenempfängerin), gab sie alles weitere Herumfurieren auf und fügte sich ihrem unabwendbaren Schicksal. Kaum aber aus dem Krankenhaus entlassen, meldet sich auch schon die Staatsanwaltschaft und forderte sie zum Strafantritt auf. Sie bettelte sich einige Mark zusammen, ließ fich vom Arzt ihre Haftunfähigkeit bescheinigen und fandte dieses Zeugnis mit dem Gesuch um Strafaufschub dem Staatsanwalt ein. Dieser gewährte ihr auch einen Aufschub von drei Monaten. Natür lich wurde die Frau in diesen drei Monaten nicht gesund, sondern immer fränter. Kurz vor Ablauf der Frist erneuerte fie mit einem zweiten Attest ihr Gesuch und bat den Staatsanwalt, megen ihres sich immer mehr verschlimmernden Leidens einen Gnadenerlaßmaßregeln erhält jeder beim Badewart. Die Preise sind so niedrig beantragen zu wollen. Darauf erfolgte vom Oberstaatsanwalt folgende trockene Antwort: Auf Grund des eingereichten ärztlichen Attestes wird Ihnen ein letzter Strafaufschub bis zum 1. Juli d. J. bewilligt. Einen Gnadenerweis zu beantragen oder zu befürworten, habe ich feinen Anlaß gefunden." Was soll nun mit der Frau geschehen, wenn dieser lette" Strafaufschub abgelaufen ist und die Polizei zur Verhaftung schreiten muß? Bielleicht wird dieser Frau, die mit ihren 36 Jahren wie eine Greifin aussieht und ein lebender Leichnam ist, inzwischen Gnade zuteil durch den Tod, dem sie sicher entgegengeht. Verlängerung der Heimarbeitausstellung. Schwarzweißrote Demokraten. Es gibt immer wieder Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich der normale Verſtand nichts träumen läßt. Es gibt Leute, verstehen.„ Bolitischer Charakter ist zweifellos eine ganz schäzens die mit unnachahmlicher Bravour in jeder Branche versiert zu sein wohl auch der Verlag der sich bisher zwar gedämpft, aber immerhin werte Sache, sicherlich aber ist er durchaus unrentabel". So dachte noch vernehmbar demokratisch" nennenden Neuen Zeit" in Charlottenburg. Die Hindenburg- Chance gilt es auszunuzen, denn man fann ja nie wissen... Von einigem Humor mutete der Pro pagandazug des Charlottenburger Blattes an, der sich gestern durch militärisch uniformiert und stolz angetan mit schwarzweißdie Straßen Berlins bewegte. An der Spize des Reklamezuges fuhr, roten Kotar den das nationalistische sogenannte ,, Deutsche Tonfünftlerorchester". Der national inspirierende Effekt für die leicht gewird außerordentlich nachhaltig gewesen sein. Wir haben ja nichts dafäuerte demokratische" Limonade des Charlottenburger Blättchens gegen, verehrte schwarzweißrotgoldenen Kollegen. fonjunkturbedingte Umstellungen“ lassen sich weniger grobkörnig und mit mehr Geschmack vollziehen. Gobert war, wie erinnerlich, der Zeuge, der sich im Magdeburger Prozeß gemeldet hatte, um zu befunden, daß er in der Treptower Versammlung den Zettel mit der Anfrage über die Haltung zu den Stellungsbefehlen auf die Rednertribüne gereicht hatte. Die hohe Strafe hatte das Schöffengericht im Hinblick auf das Vorleben Goberts gefällt. Das Strafregister Goberts ist von einer geradezu unheimlichen Länge. Schon während der Militärzeit wurde Gobert wegen Hehlerei zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. Später erhielt er wegen Betruges und auch wegen Wider Erwarten ist es möglich geworden, die Deutsche HeimKörperverlegung mehr oder weniger erhebliche Freiheits- arbeitausstellung um drei Tage zu verlängern. Sie wird ſtrafen. Schließlich bekam er eine Gesamtstrafe von 1½ Jahren nunmehr endgültig am Montag geschlossen werden. Das Gefängnis, die er bei Kriegsausbruch gerade verbüßt hat. Nach dem Interesse der behördlichen und politischen Kreise ist bis in die letzten Kriege wurde er von neuem wegen Betruges von den ver- Tage hinein äußerst lebendig geblieben. So hat der Preußische schiedensten Gerichten Deutschlands verurteilt und diese Strafen Landtag die Ausstellung am Mittwoch besucht, während der Reichstag wurden in eine Gesamtstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten Gefäng- fie Donnerstag besichtigt. Gleichzeitig mit dem Reichstag gedenkt auch nis zusammengezogen. Im September 1923 erlangte Gobert wieder Reichskanzler Dr. Luther die Ausstellung zu besuchen. die Freiheit. Da inzwischen die Ruhrbejegung erfolgt war, und er in Dortmund gegenwärtig beheimatet ist, schloß er sich in Berlin als Mitglied der Vereinigung der Zivilvertriebenen von Rhein und Ruhr an. In dieser Eigenschaft betätigte er sich im Dezember als Sammler für die Weihnachtsbescherung der Vertriebenen. Bei dieser Gelegenheit soll er zusammen mit einem gewissen Führer der mellisten vorgenommen und niedrigere Beträge eingesetzt haben. Obwohl Gobert die Tat bei der Verhaftung vor der Palizei zugegeben hatte, behauptete er gestern, daß dieses Geständnis erzwun gen worden sei, weil man ihm mit längerer Verhaftung gedroht hatte. Es sei richtig, daß er an Führer das fehlende Geld abgeliefert habe, weil dieser in Not war und Weihnachten vor der Tür stand. Die Fälschung habe Führer allein begangen. Das sticht gegen meine Gesinnung, so einen Betrug zu begehen." Bors.„ Aber zuzutrauen wäre es Ihnen doch nach Ihrem Borleben." flagter:„ Das ja,( weinend). Ich habe im Magdeburger Prozeß die Finger hochgehoben und unter meinem Eid geschworen, daß ich unterschlagen habe, aber keine Urkundenfälschung und feinen Betrug begangen habe, so ist es auch." Der Vorsitzende der Vereinigung bekundet als Zeuge, daß Führer ausgeschieden war, weil er feine Betreuung zu beanspruchen hatte, da er nicht ausgewiesen war. Gobert habe sich den Führer allein zu den Sammlungen mitgenommen. Es sei nicht möglich gewesen, trotz sechs bis siebenmaliger Versuche, von Gobert die Liste herauszubekommen, bis es dem Kasfierer gelang, fie von der Frau in Abwesenheit Goberts zu erlangen. Aus der Liste ergaben sich die Fälschungen, außerdem hatte Gobert cuch noch den Restbetrag von 62 Mart nicht abgeliefert. Wieviel unterschlagen worden war, laffe sich nicht feststellen. Nach seinem Eingeständnis follen es 65 Mart sein. Der Verein hätte nichts veranlaßt, wenn sich Gobert nicht hingestellt hätte und gerufen hätte: Ihr seid die Spigbuben, Ihr seid die Gauner!" Er verdächtigte auch den Kassierer und dessen Begleiter, unterwegs die Fälschungen vorgenommen zu haben. Der Angefiagte Gobert blieb dabei, daß Führer es ohne sein Wissen getan habe. Seine Frau sei dabei gewesen, als Führer an den Listen radierte.„ Ja habe aus nationalen Gründen eine Tat begangen, um Menschen vor dem Selbitmord zu retten, aber meine Herren, glauben Sie mir, eine Urfundenfälschung verbietet mir meine politische Einstellung, laffen Sie mich aus der Haft heraus." Ange= aus nationalen Gründen 45 Mark- mehr waren's nicht Nach längerer Beratung hielt das Gericht es für erwiesen, daß Gobert 127 Mart unterschlagen und zur Verdeckung eine schwere Urkundenfälschung begangen habe, gleichgültig, ob allein oder mit Führer zujamnien. Die Giraffammer nahm im Gegensah zu dem Schöffengericht jedoch nicht Betrug an und folgte den Ausführungen des Verteidigers, daß der Angeklagte sich in einer Notlage befunden habe. Deshalb wurde trotz der erheblichen Borstrafen das Aber auch Maitreffen der Berliner Gewerkschaftsjugend! Die freie Gewerkschaftsjugend und die Jugendgruppe des 3dA. Groß- Berlin veranstalten am Sonntag, den 17. mai, ein Maitreffen an der Römerschanze bei Potsdam. Vormittags: Spiel, Tanz, gemeinsame Lieder, Frühlingsspiel. Nachmittags: Aufführung Das Rundfunkprogramm. Donnerstag, den 14. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Kammermusik, ausgeführt von dem BarmasQuartett. Professor Issay Barmas. erste Violine; Willi Petereins, zweite Violine; Kammermusiker Otto Klust. Viola; Fritz Dechert, Cello. 6.05 Uhr abends: Fünfzehn Ufa- Minuten( Paul Morgan). 6.50-7.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 6.50 Uhr abends: Abteilung Technik. Dr. J. Hausen: Fette und Oele". 7.20 Uhr abends: Abteilung Literatur. K. W. Goldschmidt: „ Skandinavische Literatur". 6. Vortrag. Die großen Dänen: Jens Peter Jacobsen, Hermann Bang Johannes V. Jensen. 7.50 Uhr abends: Rechtsanwalt Dr. jur. Th. Tichauer:„ Die Entwicklung der internationalen Rechtsprechung". 6. Vortrag. Rückblick und Ausblick". 8.30 Uhr abends: Die Geschichte von den sieben Gehenkten. Von Leonid Andrejew.. Gesprochen von Alfred Beierle. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theaternd Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Wegen Gleisbauarbeiten verkehren die Linien 62 und 93 vom 14. d. M. ab bis auf weiteres in beiden Richtungen über Königgräger und Köthener Straße. Ein prachtvolles Luft- und Sonnenbad befindet sich in Neukölln, in der Karlsgartenstraße Ede Fontanestraße auf dem ehemaligen Gelände der Schießstände. Es gehört dem Naturheilverein Neufölln E. V. Das Bad ist mit den Straßenbahnen Nr. 21, 28, 29, 32 und 36 sehr bequem zu erreichen. Geöffnet ist es täglich von 7 Uhr morgens bis zur Dunkelheit. Auskunft und Verhaltungsbemessen, daß es ein jeder möglich machen fann, sich seine Gesundheit zu stärken. „ Warum brauchen wir das Gemeindebestimmungsrecht?" Dieses Thema wird am Freitag, den 15. Mai, 8 Uhr, im Bürgeriaal des Rathauses bes handelt. Als Redner find vorgesehen: Pfarrer Weymann, Frau Dr. Begscheider- Biegler, Pater Kuratus Syring, Frau Prof. Müllerburg, Professor Dr. Burghart. Persönliche Erinnerungen an den Reichspräsidenten Genoffen Friedrich Ebert". Ueber dieses Thema spricht Genoffe Pfarrer Frande am Donnerstag, den 14. Mai, abends 7, Uhr, in der Aula der 31/2 GeParteis Barteigenoſſinnen, meindeschule, Charlottenburg, Dranienfiraße. genoffen, erscheint zahlreich! im Bezirksbildungsausschuß Groß- Berlin. Sonntag, 17. Mai, nachm. 2, Uhr, Staatlichen Schillertheater, Charlottenburg, Napoleon"( oder die 100 Tage). Drama in 5 Aufzügen von Christ. Dietr. Grabbe. Preis der Karte einschl. Kleiderablage und Theaterzettel 1,- Mr. Donnerstag, den 21. Mai, nachm. 2 Uhr, im Deutschen Opern haus, Charlottenburg, Boccaccio". Oper in 3 Atten von. F. Rell und Nich. Genée. Mufit von Franz b. Suppé. Preis der Karte einschl. Kleiderablage 1,30 Mr. Starten für beide Beranstaltungen find noch in allen bekannten Verkaufsstellen zu haben. Eine japanische Stadt eingeäschert. Wie aus Tokio gedrahtet wird, ist der etwa 40 englische Meilen von dort entfernte Ort Kumagaya fast völlig niederge brannt. Ueber 800 5äuser sind eingeafchert, tausende Menschen obdachlos geworden. Der Schaden beläuft sich nach den große Anzahl Menschenleben soll zu beklagen sein. Einzelheiten ersten Schägungen auf 2½ Millionen Dollar. stehen noch aus. Auch eine Drei Kinder erftict. In der Nähe einer Bergmannsfiedlung in Bruehl bei Köln gruben am Dienstagabend mehrere Kinder einen zwei bis drei Meter tiefen Stollen. Plöglich lösten sich die Erdmaſſen und begruben vier Kinder unter sich, eins wurde gerettet, die drei anderen erstickten. Groß- Berliner Parteinachrichten. 6. Kreis Arensberg. Die Mieterobleute der Abteilungen des Kreises treffen fich heute abend ½ Stunde vor der am Mittwoch angekündigten Bei figertonferenz zur Wahl eines Obmanns. Heute, Donnerstag, den 14. Mai: 37. bt. 7 Uhr im Petersburger Sof, Petersburger Str. 57, Abteilungs versammlung. Stel Tagesordnung: Neuwahl der Abteilungsleitung. Lungnahme zur Rreisvertreterkonferenz. Die Bezirksführer laden ein. Junasozialisten. Gruppe Friedrichshein: 7% Uhr im Jugendheim Tilfiter Straße 4, Bortrag des Genoffen Mennide: Religion und Sozialismus". Gruppe Neukölln: 8 Uhr Vortrag des Genossen Marquardt:„ Staatsauffaffung des Gozialismus". Morgen, Freitag, den 15. Mai: 101. unb 102. bt. Tretow- Baumschulenweg. Bildungsausschus: 8 Uhr 35. Bor führung wiffenschaftlicher Filme in der Treptower Eternwarte. 1. Jm Schatten der Eiche( Naturfilm). 2. Das große weiße Schweigen. Karten zu 60 Pf. in der Spedition Regler, Grachftr. 50, und an der Abendkasse. Frauenveranstaltungen morgen, Freitag, den 15. Mai: 25. Abt. Der Frauenabend findet nicht bei Gott, Aniprodeftraße, sondern bei Rästner, Elbinger Str. 24, ftatt. 110. Abt. Grünau. 8 Uhr bei Berner, Röpenider Str. 108, Vortrag der Genoffin Sdmiz: Wohlfahrtspflege".. Gäste willkommen. Die Falkenberger Genoffen find eingeladen. Jugendveranstaltungen. Heute, Donnerstag, den 14. Mai, abends 7% Uhr: nossenschaftswesen". Gesundbrunnen: Schule Gothenburger Str. 2, Bortrag: Kulturbewegung der Gegenwart". Schönhauser Borstabt: Schule Jbsenstr. 17, Vortrag: Ge Senefelder- Biertel: Schule Eberswalder Str. 10, Zimmer 12, Bortrag: Ferdinand Lassalle". Dorotheenstraße, spricht heute 7½ Uhr Reichsjustizminister a. D. Dr. A. Lands Achtung, Jugendgenossen! Jm Dorotheenstädtischen Realgymnasium( Aula), berg, M. d. R., über Student unb Bolitik vor den fozialdemokratischen Studenten, Interessenten find eingeladen. Derträge, Vereine und Derfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Kameradschaft Ober-, Niederschöneweide und Die Reichsbahn beim Abbau. Unter völkischer Fuchtel. Gefchäftsstelle: Berlin G. 14, Gebaftianfte. 87/38, Sof 2£ t. Ramerabschaft Weißensee: Donnerstag, ben 14. Mai, abends 8 Uhr, Grüner Baum, Mitgliederversammlung. Referat: Reichsbanner und Reichspräsidentenwahl". Ramerabschaft Schöneberg- Friedenau: Freitag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, findet die 5. Mitgliederversammlung statt. Er scheinen Pflicht. Mitgliedstarte dient als Ausweis. Kamerabschaft Reu- Daß die Reichsbahnverwaltung drauf und dran ist, ihren Beföln- Brik, Jungmannschaft: Freitag, den 15. Mai, abends 8 Uhr, Turnen im trieb möglichst schnell auf den Friedensstand umzustellen, ist bekannt. Enzeum Berliner Straße. Johannisthal: Freitag, den 15. Mai, abends 7½ Uhr, Gigung bei Räthel, Sie bedient fich hierzu jedoch der unglaublichsten Mittel. Erinnert Niederschöneweide, Brüden, Ede Spreeftraße. Borstand und Gruppenführer sei an die ziemlich rigoros durchgeführten Abbaumaßnahmen, durch müssen ½ Stunde früher da fein. Wegen der wichtigen Tagesordnung ist die nicht etwa die höheren Beamten betroffen wurden, son Erscheinen Pflicht. Daselbst auch Aufnahme neuer Mitglieder. Republikaner dern die mittleren und unteren Beamten und Ar als Gäste willkommen. Ramerabschaft Steglig: Diejenigen Gruppenführer, die noch nicht im Besige der Eintrittsbarten für ihre Gruppen für das beiter. Noch immer ist der Abbau nicht vollendet. Gewiß, der Stiftungsfeft am Mittwoch, den 20. Mai, im Parkrestaurant Güldende find, Reichsbahnverwaltung sind hohe Verpflichtungen auferlegt, die sie holen dieselben unverzüglich in Steglig von Kamerad Sambura, in sichter: in gewissen Zeitabständen, aber auch nur bis zu einem gewissen Ramerabschaft Niederschöneweide: Donnerstag, den 14. Mai, abends 7 Uhr, übt das Tambourkorps bei Räthel, Grade durchzuführen braucht. Worauf es aber ankommt ist, ob die Brüdenstr. 15. Erscheinen sämtlicher Teilnehmer Pflicht. Sonnabend, den Herstellung der sogenannten Wirtschaftlichkeit nur auf 16. Mai, abends 7 Uhr, treffen fich fämtliche Jugendkameraden des 15. Kreifes bei Räthel, Niederschöneweide, Brüdenstr. 15, au einer wichtigen Roften des Personals geschieht, oder ob an der Herstellung Besprechung. Unbedingtes Erscheinen aller ist Pflicht. Rameradschaft der Wirtschaftlichkeit rein privattapitalistische Inter Lichtenberg nebst Untergruppen: Donnerstag, den 14. Mai, abends 7½ Uhr, essentengruppen interessiert sind. leben der Spielleute bei Krüger. Bollzähliges Erscheinen notwendig. Auch Dies scheint der Fall die in Aussicht genommenen Spielleute der Untergruppen haben zu erscheinen. zu sein. Rameradschaft Pankow nebft Untergruppen: Donnerstag, den 14. Mai, abends 7½ Uhr, gemeinsames Ueben der Spielleute mit denen von Kreuzberg im Jugendheim. Jeden Donnerstag Turnen der Untergruppen Buch und Rarow in Buch am Bahnhof bei Göpfert, abends von 7 bis 9% Uhr. Kamerab felde von Ramerad Cronheim ab. schaft Reinickendorf: Freitag, ben 15. Mai, abends 7 Uhr, im Lotal Ramlom ( Kastanienwäldchen), Schönholz 14, Rameradschaftsvollversammlung. Sämtliche Kameraden müssen erscheinen. Sermannstr. 214-219. Nach wiederholten, einwandfreien Ermittlungen besteht fein Personalüberschuß, sondern eine Personalfnappheit. Die Arbeiter in den Eisenbahnausbesserungswerken, BetriebswerkStätten, Wagenwerkstätten usw. werden bis zur Unerträglichkeit ausgebeutet. Die Personalfnappheit in den Bahn meist ereien hat bedrohliche Formen angenommen für die Einheitsverband sozialistischer Unternehmer. Bersammlung heute, Donners. tag. 8 Uhr, im Rosenthaler Sof, Rosenthaler Str. 11-12. Tagesordnung: Verkehrssicherheit. Dies alles wissen die verantwort 1. Wie schützen wir unsere Wirtschaft. 2. Schaffung einer Krediteinrichtung. lichen Instanzen der Aemter und Inspektionen. Nunmehr hat die 3. Aussprache. Gäste willkommen. Barteigenössische Gewerbetreibende werden Reichsbahnverwaltung die Präsidenten der Reichsbahndirektionen und hesonders gebeten, zu erscheinen. Drucksachen durch den Schriftführer So- die Gruppenverwaltung Bayern in München abermals angewiesen, hannes Bogel, Berlin N. 58, Kopenhagener Str. 14. Deutsche Landsmannschaft der Provinz Bosen, Groß- Berlin. Bereinshikung die Personalfoften mit allen Mitteln herabzu om Donnerstag, den 14. d. M., 8½ Uhr, in der Kindl- Brauerei, Neukölln, setzen. Dies bedeutet nichts anderes als einen weiteren PersonalBerband Bollsgesundheit, Drisverein Berlin. Donnerstag, den 14. Mai, abbau und eine Niedrighaltung der Löhne und Gehälter. Mit 8 Uhr, in der Schule Afflandfte. 9, nahe Jannowigbrüde, spricht Genoffe welchen Mitteln vorgegangen wird, steht einfach einzig da. Sädel über Die Gächsische Schweia". Freie Aussprache. Gäfte willtonmen. Es ist aber auch als skandalos, naiv und heraus= Die Jugendgruppe tagt Freitag, den 15. Mai, 7 Uhr, im Jugendheim Goßlerftraße 61( Barschauer Bride). fordernd zu bezeichnen. Handwerker werden als Arbeitsgemeinschaft fostalbemokratischer Schrer und Lehrerinnen Deutsch gelernte Arbeiter beschäftigt. Die Folge ist natürlich Verlands. Mitgliederversammlung Freitag, den 15. Mai, abends 6 Uhr, in minderung des Lohneinkommens. Die nächste Folge: Ueber Gigungssoal der Bezirksverordnetenversammlung Rreuzberg, Dordstr. 11. 1. Die in der lekten Gihung angenommenen Anträge. 2. Die Anstellungschuß an ungelernten Arbeitern. Bei den Beamten nerhältnisse der Lehrer. a) Bolfsschulen, Referent Genosse Weigelt; b) Söhere dasselbe Spiel Lokführer werden vor die Alternative Schulen, Referent Genosse Witte: c) Fach- und Berufsschulen, Referent gestellt, entweder als Heizer zu fahren oder auf Genosse Marste; d) Schuposchulen und Reichswehrstellen, Referent Genoffe Bofe. Wartegeld gesezt zu werden. Sind gar die VorausBerrin der Freidenker für Feuerbestattung, e. B., Gan Berlin. 11. Bezirk ( Schöneberg): Freitag, den 15. Mai, 7½ Uhr, in der Schloßbrauerei Schöne- fegungen gegeben, tritt die Entlassung ein. Dennoch verlangt berg, großer Gaal, öffentlicher Lichtbildervortrag: Die Erde und feine Ge- die Reichsbahnverwaltung eine allgemeine Verkehrssteige malten". Referent Otto Roth- Berlin. Eintrittsgeld 30 Vf. Karten bei allen rung und Steigerung der Einzelleistungen des Vereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, Personals, wobei die Vorhaltung der Reserve abgelehnt wird. bruchstr. 53, 3 r., Bortrag von Juftus Bopp: Phantasie, Einbildung und Funktionären und Rahlstellen. den 15. Mai, 8 Uhr, im Reichensaal ber 6. Treptower Gemeindeschule, WildenLüge". Eintritt frei. Sozialwissenschaftliche Bereinigung Berlin. Sonnabend, den 16. Mai, 7½ Uhr, findet im Graphischen Bereinshaus, Alexandrinenftr. 44, ein Bor tragsabend ftatt. Thema: Nachwirtungen der Inflation und ihre Rüd mirkung auf die Arbeiterschaft". Referent Staatsbantpräsident a. D. W. Loeb, Frankfurt a. M. Berband Bollegefundheit Montag, den 18. Mai, T½ Uhr, fpricht Apo; thefer Bauf Seifer in Frankfurter Sof, großer Goal, Frankfurter Allee 313 ( früher Germania- Brauerei) über„ Gebärzwang? oder freie und gesunde Mutterschaft?" Großer Lichtbildervortrag. Nachdem frei Aussprache. Un toftenbeitrag infl. Stener 50 Pf. -w Arbeitersport. Frankfurter Olympiabe. 3. Bezirk, Freie Turnerschaft Bilmersdorf. Alle Turn- und Sportgenoffen, die gewillt find, an der Frankfurter Olympiade am 24. bis 28. Juli teilzunehmen, müssen fich Donnerstag, den 14. Mai, hr, im Turnerheim Bürttembergische Straße einfinden. Für Erwachsene 4 M., für Jugendliche 2 M. Feftbeitrag mitbringen. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Mittwoch, den 13. mai. 1. Rennen 1. Deutscher Michel( Thielemann), 2. Chingachgoot ( Dlejnil), 3. Frohfinn( V. Esch). Toto 15: 10. Plat: 38, 18, 27: 10. Ferner liefen: Flamberg, Chimborasso, Plutarch, Nita, eg, Dojan. 2. Rennen. 1. Kapores( H. Noval), 2. Heimattreuer( Labendorf), 3. Wetterhere( Sturzawa). Toto: 28: 10. Plat: 18, 26, 46: 10. Ferner liejen: Mutwillig, Luftpoft, Tingl- Tangl, Hojotobo, Türmerin, Blindgånger, Rebus, Kadewitt, Aspasia, Balence, Prolog, Humor Priezel, Cito, Harma, Loga. 3. Rennen. 1. Kardinal II(. Tarras), 2. Maura( Grabſch), 3. Bhatagirl( M. Jenzsch). Toto: 63: 10. Blab: 28, 31, 76:10. Ferner liefen: Heldraftein, Rotborn, Sweet Heart, Sternschnuppe, Primo, Brigant, Leander, Ondina, Dioscur, Einspruch, Pescaro, Bendeir, Borgo, Farce 4. Rennen. 1. Weißdorn( Varga), 2. Cap der Hoffnung( Olejnik), 3. Prinz Christian( Haynes). Toto: 10:10. Plag: 10, 10: 10. Ferner lief: Antenor. 5. Rennen. 1. Piaski( H. Brown), 2. Trajan( Tarras), 3. Alarid ( M. Jentsch). Zoto: 37: 10. Blag: 16, 21, 29: 10. Ferner liefen: Slashäger, Mohamed, Gandolfo, Jogull, Santt Thomas, Metis, Titefias, Falter, Neva. 6. Rennett. 7. Rennen. 1. Perlenkrone( R. Torke), 2. Domglode( Dlejnik), 3. Dirndl( Barga). Toto: 25: 10. Blaz: 14, 16, 14: 10. Ferner liefen: Maira, Rheintodter, Louisiana, Tante Lotte, Grabourg, Melantho. 1. Hanum( H. Blume), 2. Hermes( Thielemann), 3. Livadia( R. Torte). Foto: 24: 10. Plat: 16, 15, 47: 10. Ferner liefen: Brimas, Alexander der Große, Bohnenteufel, Begonia, Karl Ferdinand, Winnetou, Ninon, Palma, Berdacht, Lemmel, Laurin, Stephanie. Erster Start des Weltmeisters Linart in Berlin auf der Olympia- Radrennbahn. Die nächsten Rennen auf der Olympia Radrennbahn' die am 21. Mai stattfinden, weisen eine ausgezeichnete Besetzung auf. Am Start erscheinen der fünffache Weltmeister in art, der französische Meisterfahrer Grassin, der Matador der Olympia- Radrennbahn Balter Sawall und der 3. 31. in großer Form befindliche Holländer Bletes molen. Außerdem werden noch vier weitere Dauerfahrer verpflichtet. Es werden also acht Dauerfahrer in verschiedenen Rennen in zwei Abeilungen am Start erscheinen. Die Rennen beginnen um 3 Uhr. Briefkasten der Redaktion. Der Bücher. Sie können nur auf Serausgabe der Bücher oder Berteriak Plagen. Sollte die Rwangsvollstreckung fruchtlos ausfallen, jo fönnen Sie Strafanzeige wegen Unterschlagung erstatten. Andere Wege gibt es nicht. 110. J. R. Nach Klasse 2. Klingel. Wenden Gie fich an das Wohnungs amt. Es handelt sich um eine laufende Instandsekungsarbeit. R. 100. Vermieter ist berechtigt, das Wassergeld umzulegen. In diesem Fall vermindert sich die gefeßliche Miete um 3 Bros. G. 20. Den Antrag tönnen Sie bei dem Versicherungsamt( beim Bezirksamt) stellen. Das Gefeß ist im Steichsgefegblatt enthalten, das Ihnen aber nicht zur Verfügung stehen dürfte. Wenn Sie das Gefek durchaus lefen wollen, so werden Sie fich eine Tegtausgabe( im Buchhandel erhältlich) beschaffen müffen. 8. M. 5. Nehmen Gie Shre Frau auf und warten Sie die weiteren Schritte Ihrer Schwester ab. Sie felbft fönnen gegen Ihre Schwester nichts unternehmen. E. J. R. Gegen den Bescheid der Staatsanwaltschaft fönnen Sie Beschwerde einlegen, wir alauben aber nicht, daß Sie damit Erfolg haben werden. Falls Sie den Weg der Privatflage beschreiten mollen, müffen Sie die drei Bridder zuvor vor den Schiedsmann laden. Bom Gemeindevorstand müssen Sie sich ferner ein Armutszeugnis erteilen laffen und auf Grund deffen die Bewilligung des Armenredyts beim Gericht nachfuchen. Wird Ihnen das Armenrecht bewilligt, fo find Gie pon den Borichukzahlungen befreit. E. B. Sie können nur im Wege der Klage die Aufhebung des Mietverhältnisses fordern. Bovausfegung ift aber, daß die Mieter mit mindestens zwei Monatsmieten im Rüd stand find. Sie sind aud berechtigt, falls eine Monatsmiete nicht pünktlich gezahlt wird, einen Rahlungsbefehl gegen die Mieter zu beantragen. Bielleicht versuchen Gie es zunächst damit.:: S. S. 215. Rein! Benden Sie sich aber an die Auswandererberatungsstelle in Berlin B., Aönigin Augufta- Str. 19. Seiler. Wenn die beiden anderen Rentenempfänger mehr bekommen, so erhalten fie Sonderaulage. Diefe wird nur auf Antrag gewährt. F. M. Ch. 1. An fich ja. Beranlassen Sie aber den Hauswirt fofort, einen Antrag auf Stundung der Sausains steuer au stellen. 2. 28 Broz. 3. Bezirksamt. G. 6. 47. 1 Finanzamt( Umfassteuer). 2. Nein. 3. Die Anmeldung empfiehlt fich aber. 4. Benden Gie fich an die Borwärts- Buchdruckerei und BerTagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin GW. 68, Lindenstr. 3. 5. Gegen Gie fich mit einem Chemiker oder einem chemischen Laboratorium in Berbindung. Geeignete Firmen finden Sie im Adreßbuch. Wetter für Berlin und Umgegend. Troden und heiter, fortdauernd warm, bei schwacher Luftbewegung. Für Deutschland. Nur im Südosten ettoas Gemitterneigung, fonft überall troden bei fortdauernder Bärme und größtenteils heiterem Himmel un= Also die Siemens, Borsig, Klodner und Genossen treiben nicht nur mit dem Personal Schindluder, sondern sie sind drauf und dran, den Handwerkerftand und Teile des Beamtenstandes auszuroffen. Nun, die Verwaltung weiß sehr wohl, daß diese, ihre zerstörend wirkenden Maßnahmen auf den Widerstand derjenigen verantwort lichen unteren Instanzen stoßen, die im Interesse der Vertehrssicherheit auch der Deffentlichteit gegenüber Ber. antwortungsgefühl befizen. Sie fordert daher von den Dienstoorgelegten( echt preußisch und im Kommißjargon befehlsmäßig wiederholt), daß alle überzähligen Kräfte der vorgesezten Stelle sofort schriftlich zu melden sind. Dienstporgesetzte, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, sind regelmäßig aus ihren Dienststellen zu entfernen. Solche Maßnahmen fönnen in geeigneter Weise unter Angabe des Grundes ohne Namensnennung befanntgegeben werden. Die Verwaltung zieht mit allen erdenklichen Mitteln ein Spitzelund Denunziantentum groß. mie es felbft unter der Aera Breiten bach nicht zu finden war. Dieser Geist, es ist der national. sozialistisch- pölfische Geist, bat bereits seinen Eingang in den Hirnen verschiedener Inspektoren gefunden.„ Deutsch natio nale" Arbeitsnachweise sind vorwiegend Vermitt lungsbureaus bei Arbeiter einstellungen. dem Unter vermittelt der Maschineninspettor Krögel der BetriebsStichwort:„ Schlange und Schöningen" lende Personal. Dasselbe trifft zu für die Dienststelle Lichwagenwerkstatt Rummelsberg Abstellbahnhof des fehtenberg und einzelne Dienststellen der Stadtbahn. Selbit. verständlich ist, daß diese nationalsozialistischen Brüder, die gewöhn lich die unbrauchbarsten Arbeiter find, nicht nur im Dien it bevorzugt werden, sondern auch bei verspätetem Arbeitsantritt jeder Bestrafung, Entlassung usw. entgehen. Ihnen ist auch gestattet, das Stahlhelmabzeichen oder andere staatsfeindliche Abzeichen während des Dienstes zu tragen. Gie find auch die Spigel und Denunzianten bei einzuleitenden Abbaumaßnahmen. Vielfach Leute, die einstmals im tommunistischen Fahrwasser segelten. Eine besondere Rolle auf diesem unmoralischen Gebiete scheint ein Verwandter des Maschineninspektors Krögel, Rga, die Schreibhilfe Eichblatt, zu spielen. Also neben den wirtschaftlichen Maßnahmen der Reichsbahnverwaltung laufen die politischen Treibereien der Nationalsozialisten und Bölkischen unter der Leitung des Bundesvorsitzenden Seperin vom Reichss bund deutscher Eisenbahner und Kriegsteilnehmer und seinen Kumpanen Kloth, Unger und Genoffen. Sie stehen in engster Vers bindung mit den nationalsozialistischen, völfisch verseuchten Beamten. Mit denselben Beamten, die es verstanden, den Weltkrieg hinter dem Bureautisch oder hinter dem Ofen durchzufechten. Es sind dieselben Beamten, die in den Revolutionsmonaten Hilfe fuchend und Hände ringend an ihre freiheitlich gesinnten Arbeiter und Beamten herantraten und um Schutz für Leben und Gesundheit flehten. Diese Leute versuchen im Verein mit den größten Feinden der Arbeitnehmerschaft, die Reichsbahn in ein Heloteninstitut umzumodeln. Ein Förderer dieser völkischen Bestrebungen ist auch der Reichsbahnrat 3inteisen oom Eisenbahnausbefferungswert Tempelhof. lichkeit mit großer Unruhe die Weiterentwicklung dieser Zustände Wir sehen also, daß die Eisenbahner sowohl wie die Deffentim Reichsbahnverkehrswesen verfolgen. Den Eisenbahnern rufen mir in letzter Stunde zu, sich endlich Mann für Mann im Deutschen Eisenbahnerverband zu organisieren, menn fie bei den unausbleiblichen Auseinandersetzungen nicht auf Jahrzehnte zurückgeworfen werden wollen. Neue Löhne der Berliner Mühlenarbeiter. Die Lohnbewegung in den Berliner Mühlen ist zum Abschluß gefommen. Der Schlichter hat den S chi e dsspruch des Schlichtungsausschusses vom 30. April für verbindlich erklärt. Die Löhne betragen rückwirfend ab 30. April für Walzenführer, Maschinisten, Heizer, Handwerker, Müller, Sader, Sadträger, Walzenriffler, Kutscher und Kraftwagenführer möchentlich 39,50 m., für Bodenarbeiter, Keffelreiniger, Kohlentarrer und alle anderen männ lichen Arbeitnehmer( ausschließlich der Pförtner) 33,75 m. und für Frauen 22,50 M. Das Lohnabtommen läuft bis zum 23. September. UND WENN EINMAL DAS GELD NICHT REICHT KAUFT MAN BEI eder EDERLEICHT Brunnenstraße Frankfurter Allee 350 Kottbuser Damm 103 Charlottbg, Scharrenstr. 5 KREDIT AN ALLE unter günstigen Zahlungsbedingungen Anzahlung und Ratenzahlung nach Uebereinkunft! Herren- Anzüge und Paletots, Smokings u. Frack- Anzüge, Damen- Kleider u.-Kostüme, Mäntel, Complets, Kasaks, Gesellschafts- Toiletten. Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlafzimmer, Klubmöbel in Leder u. 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Es ist so selten der Fail und der Prozentsatz, bei dem nicht eine sofortige Linderung eintritt. so gering, daß die Fabrikanten des Mittels nicht zögern, diese Garantie bekanntzumachen. Sie werden bereitwilligst den sehr Wenigen, die nicht sofortige Linderung finden, das Geld zurückerstatten, da weder sie noch der Apotheker, der die Päckchen verkauft, verdienen wollen, ohne den Leidenden geholfen zu haben. Das Mittel wird auch unter derselben Garantie zum neuen Preise von M. 2.25 per Nachnahme zugeschickt. Falls Sie trotzdem vorher einen Versuch machen wollen, wird Ihnen eine Gratisprobe auf Wunsch zugesandt werden, wenn Sie sich umgehend an Dr. R. Schiffmann's Niederlage. Postfach S. 2, Berlin SW 48, wenden, im Falle Ihr Apotheker diese nicht liefern kann. Das Mittel wird auch unter derselben Garantie und zum gleichen Preise von folgenden Apotheken abgegeben: Radlauers Kronen- Apotheke, OstendApotheke, Reimers Apotheke, Lessing- Apotheke, Moltke- Apotheke. 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Dann unterbreitet der Berichterstatter dem Hause eine Anzahl im Ausschuß angenommener Entschließungen, die sich für die Landwirtschaft, die Seefischerei, Verbilligung von Milch für Bedürftige usw. einsehen. Abgeordneter Jäcker- Ostpr.( Soz.): Als der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft sein Amt antrat, wurde er von den Großgrundbefizern mit eisigem Schweigen begrüßt. Das Mißtrauen gegen ihn hat sich aber bald gelegt, denn faum hatte er sein Amt angetreten, als er den Schuß zollgedanken in die Debatte warf. Schon im Juli 1924 hat die Regierung die Zollvorlage eingebracht. Wenn es den Groß grundbefizern bisher nicht gelungen ist, sie zum Gesetz zu erheben, so verdanken wir das in erster Linie dem entschlossenen Auftreten der Sozialdemokratischen Partei. Die Kleinbauern wissen, daß ihnen der Schutzzoll teine Hilfe bringt, auch die Landarbeiter, denen man gesagt hatte, wenn erst die Zwangswirtschaft beseitigt wäre, dann würden sie höhere Löhne erhalten, wissen, daß ihnen der Schutzzoll nichts nügt. Der Landbund will nun den Verbrauchern flarzumachen fuchen, daß das Ausland den 3oll trägt. In Wirklichkeit wird der Zoll von den Verbrauchern getragen, und wenn wir die Zollfähe des Vorfriegs hätten, dann müßten die Verbraucher 734 Millionen im Jahre mehr aufbringen. Wir wehren uns ganz enffchieden dagegen, daß man, nachdem man den Ruhrindustriellen 715 millionen geschenkt hat, jetzt auch noch den Großgrundbesitzern ein Geschenk von 734 Millionen machen will.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Krise, unter der die Landwirtschaft zu leiden hat, ist verursacht durch den Kapitalmangel, fie leidet aber nicht allein daran. Es müssen der Landwirtschaft langfristige Kredite zu erträglichen Zinsen gegeben werden, der Schutzoll bringt ihr teine Erleichterung. Diese Auffassung wird auch von den Bertretern der Wissenschaft geteilt; aber die Großgrundbefizer halten es mit dem Wort: Die Wissenschaft ist gut, wenn sie unseren Willen tut." Daß aber die Klagen der Grundbefizer über ihre schlechte Lage nicht berechtigt sind, das läßt sich vielfach nachweisen. Ost preußen hatte im vorigen Jahre teine gute Ernte. Erst im Oftober allerdings wurde der Ernteertrag festgestellt. Zur landwirtschaftlichen Woche nach Berlin find die ostpreußischen Großgrundbefizer in großen Scharen geeilt, die Berliner Geschäftsleute haben von ihrem Besuche großen Nußen gehabt. Es wurde ihnen auch von ihrer Presse empfohlen, nicht zu viel auf den Markt zu tim bringen, um die Preise nicht zu drücken. Bel der Landarbeiterschaft wirft jich die Krise viel stärker aus. Biele Landarbeiter adns ind buchstäblich am Berhungern. Der Redner zeigt an einer Reihe von Zahlen, wie schlecht die ostpreußischen Landarbeiter bezahlt werden. sid N So erhält ein erwachsener Landarbeiter über 18 Jahre im Kreise Gumbinnen 12,2, im Kreise Rosenberg 14,2, im Kreise Königsberg 13,4 Pf. an Stundenlohn. In der Forstwirtschaft, die jahrelang die gleichen Löhne zahlte mie die Landwirtschaft, liegen heute die Löhne im Durchschnitt 15 Bf. die Stunde über die der Landarbeiter. Noch schlechter sind die Löhne der weiblichen Landarbeiter. So erhält eine Arbeiterin für neunstündige Arbeit während der vier Erntemonate im ganzen 1,20 Mart. Nach alledem ist es nicht richtig, das Lohnniveau dafür verantwortlich zu machen, wenn es der Landwirtschaft schlecht geht. Auf der anderen Seite erzielen die Großgrundbesiger weit höhere Breise für Weizen, Roggen und Gerste als in der Vorfriegszeit; auch die Fleischpreise sind wesentlich höher. Dagegen haben sie für Landwirtschaftliche Maschinen und für Düngemittel und seit vorigem Jahre auch für Kohle billigere Preise zu zahlert. Daß sich die Lage der Landwirtschaft seit dem vorigen Jahre gehoben hat, fann man auch daran sehen, daß die 3inssäge von 50 bis 60 Proz. auf 14 bis 16 Proz. herabgegangen sind. Wenn auch das noch unerhört hohe Zinsen find, so fann doch nicht verkannt werden. hoh eine Erleichterung eingetreten ist. Bie schlecht ist dagegen die Lage der landwirtschaftlichen Arbeiter! Wenn das Ernährungsministerium nicht endlich etwas dagegen hut, dann wird man es als ein Ministerium gegen die Landarbeiter bezeichnen müssen. Was ist die Folge der schlechten Lage der landwirtschaftlichen Bevölkerung? In ganzen Scharen wandert sie nach dem Westen a b. Wiederholt hat der Deutsche Landarbeiterverband darauf aufmerksam gemacht; non einem Vertreter des Ministeriums wurde aber erflärt, daß das Eine Anklagerede im Reichstag. eine ganz normale Erscheinung sei. Ostpreußen ist ein exponierter Boden, wollen Sie( zu den Deutschnationalen) das Land poloni fieren lassen? Von großer Bedeutung ist für die Landarbeiter auch die Wohnungsfrage. Vielfach finden wir Lehmboden, andere Wohnungen haben Ziegelbelag, in der großen Mehrzahl besteht die Wohnung nur aus einem einzigen Raum. In sehr vielen Fällen wohnen jungverheiratete Deputatsempfänger mit erwachsenen Hofgängerinnen und vielleicht auch männlichen Hofgängern in diesem einen Raume zusammen. Der Redner weist auf die Folgen dieser Zustände hin.( Lachen rechts.) Ueber diese ernste Situation lachen Sie noch! Was bisher in der Wohnungsfrage getan wurde, war ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir verlangen, daß mehr geschieht. Wir fordern, daß die Landarbeiterwohnungen unter das Mieterschutzgesetz fallen, zum mindesten da, wo der Staat die Mittel zum Wohnungsbau gibt. Donnerstag, 14. Mai 1925 Durch Schaffung gesunder Wohnungen, durch Gewährung eines Lohnes, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, müssen wir den Landarbeitern die Freude an der Arbeit geben; dann werden wir auch eine Steigerung der Produktion erreichen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten). Abg. Lind( Dnat.) meint, die Hauptaufgabe des Landwirt schaftsministers sei die Beseitigung der Not der Landwirtschaft und die Produktionssteigerung. Die Sozialdemokratie hätte sich nur darin gesellen, Ausnahmegejege gegen die Land. wirtschaft zu erlassen, und habe oft gezeigt, wie fremd sie den Bedürfnissen der Landwirtschaft gegenüberstehe( Widerspruch und Burufe links). An der gegenwärtigen Not der Landwirtschaft trügen die die größte Schuld, die 1922 im Berordnungswege die Schutzölle für für die Industrie einführten und die Landwirtschaft ungeschüßt ließen. Redner wendet sich gegen die Preisdifferenzen auf dem Fleisch. martt. Während die Viehpreise unter den Borfriegszeiten lägen, wären die Fleischpreise erheblich höher als 1913. Jnbezug auf Han delsverträge müßten Industrie und Landwirtschaft gleichermaßen berücksichtigt werden. Handelsverträge, wie der spa. nische seien daher abzulehnen.( 3ustimmung.) Auch der Bau von Eigenheimen muß gefördert werden. Die Zahl der Tuberkulosetranten, der an Unterernährung leidenden Kinder wächst auch auf dem Lande in erschreden. dem Maße, trotzdem hier Fabrit als Ursache nicht bezeichnet werden kann. Auch die Behandlung der Landarbeiter läßt viel zu wünschen übrig. So hat ein Gutsbefizer eine hoch. Abg. Dr. Crone- Münzebrod( 3tr.) meint, daß Deutschland, in schwangere Frau, die bereits elf Kinder zur Welt gebracht folge seiner geographischen Lage, in erster Linie ein Agrarland und hatte, als tragende Sau" beschimpft. In vielen Fällen bei seiner dichten Bevölkerung ein Bauernland sei. Dringend not. wird noch geprügelt, trozdem die Prügelstrafe nach Aufwendig für die Existenz der Gesamtwirtschaft sei eine befriedigende hebung der Gesindeordnung nicht mehr angewandt werden soll. In Lösung des Siedlungsproblems. In einem Jahre nach einem Fall ist eine schwangere Frau von einem Gutsbesizer in der Inflation sei eine landwirtschaftliche Schuldenlast den Stall des Wirtes gebracht worden, wo sie ge- von etwa 3 illiarden entstanden. Wenn man dabei die bären mußte.( Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) hohen Zinsen berüdfichtige, so zahle die Landwirtschaft heute an Nach der Bewegung im vorigen Jahre rühmte sich der land- 3infen für die 3 Milliarden Schulden mehr als sie früher für wirtschaftliche Verband für Ostpreußen, daß 1760 Landarbeiter aus 12 Milliarden Schulden zu zahlen gehabt hätte.( Hört, hört!) Große der Landwirtschaft entfernt worden seien. Die Versuche, fie ander Kredite für die Landwirtschaft seien eine Gefahr; die Zinssäke weitig unterzubringen, werden von Großgrundbefizern durchkreuzt. müßten auf alle Fälle start ermäßigt werden. Die Steuern Es werden Konventionalstrafen von 1000 Mart bei Beschäftigung sollten so bemessen sein, daß sie von der Landwirtschaft ohne Insolcher Arbeiter angefeßt, ich warze Listen sind eingeführt wor- anspruchnahme teurer Kredite getragen werden können. Der Redner den. Vom Reichsernährungsministerium verlangten die ostpreußi- wendete sich dann gegen die Pachtschußordnung, die den schen Großgrundbesizer, daß Landarbeiter nicht bei der Bächter felbst am meisten schädige, weil unter ihr fein Befizer sein Eisenbahn beschäftigt werden sollen. Nach anfänglichem Grundstück zu verpachten wage, aus Furcht, daß er es nicht wieder Baudern hat das Ministerium eine solche Anordnung wieder zurück bekomme.( Bustimmung.) Die Regierung müsse baldigst einen gezogen, aber bezeichnend bleibt es, daß die Großgrundbesitzer ein 301ltarif porlegen, wobei es darauf ankomme, die Rela tion zwischen den Zöllen aufrechtzuerhalten.( Sehr richtig.) Augensolches Verlangen stellten blicklich sei es leider so, daß die Industrie durch Einfuhrverbote geschützt werde, während für die Landwirtschaft Ausfuhrverbote be ständen. Hätte die Landwirtschaft im letzten Jahre den Freihandel gehabt, auf den sie im Interesse des deutschen Bolles verzichtete, fo würde sie jetzt anders und besser dastehen.( Sehr richtig!) Beim panischen Handelsvertrag wären, nach Ansicht des blidlichen Gestalt sei er untragbar. Redners, bessere Säße zu erzielen gewesen; in seiner augen Wir fordern, daß die Landarbeiter in die Arbeitslosenverficherung mit einbezogen werden. Den Arbeitslofen wird sogar das Kartoffelland verweigert. Das hat auch ein Mitglied der Deutschnationalen Fraktion im Falle eines armen Invaliden getan. Auf den Zuruf von deutschnationaler Seite, der Redner möge den Namen nennen, sagt er, daß es sich um den Grafen Oldenburg handle. Auch die Landarbeiter haben unter der Arbeitslosigkeit zu leiden, sie dürfen nicht als Arbeiter zweiter Klasse behandelt werden. Wir fordern weiter die weitere Ausgestaltung der Landwirtschaftskammer. Nach dem Gutachten des Reichswirtschaftsrats foll fie aus zwei Dritteln aus Unternehmern, zu einem Drittel aus Arbeitern bestehen. Wir haben bis heute nicht erfahren, ob ein entsprechender Gejezentwurf ausgearbeitet worden ist. Wünscht das Ernährungsministerium, daß auch fünftig die Landarbeiter von der Mitarbeit in den Landwirtschaftskammern ferngehalten werden sollen? Wir hören jezt so viel von der Produktionssteigerung. Es scheint damit aber ebenso zu gehen, wie mit dem Hilfswerk der Landwirt schaft im Jahre 1921/22, mit dem große Hoffnungen im Bolt erwedt worden sind. Die Vorbedingungen für das Hilfswert wurden erfüllt, der Schuß der Landwirte durchgeführt, die Düngerversorgung geregelt, die Steuern ermäßigt. Dieses Hilfsmert hat aber als jämmerliche Blamage geendet. Für uns ist die Steigerung der Brobuftion eine Selbstverständlichkeit und dabei werden die Landwirte stets die Arbeiterorganisationen auf ihrer Seite haben. Die Stei gerung der Produktion darf aber nicht durch Herablegung der Löhne der Arbeiter erfolgen ( Sehr wahr bei den Goz.) Andere Gesichtspunkte müssen dabei in den Bordergrund gestellt werden. Zuerst durch die Verwendung quter Saatmittel, durch weitere Mechanisierung der Landwirtschaft. Ferner müssen die Arbeiter mit guten und zweckmäßigen Arbeitsgeräten versehen werden. Es ist auch notwendig, Versuchsgüter anzulegen, die von beiden Seiten von Unternehmern wie von Arbeitern bearbeitet werden müssen.( Lachen rechts). Wir verlangen, daß zur Unterstützung der Produktionsförderung auch Vertreter der Gewerkschaften und der Betriebsräte herangezogen werde. Wenn wir die Herren vom Großgrundbesig nicht fennen würden, so würden wir nicht solche Vorbehalte machen. Gegenüber den Behauptungen, daß die Arbeitsleistung zurückgegangen sei, weife ich auf die Erhebung des Deutschen Landarbeiterbandes hin, wonach in zahllosen Fällen, troh Berringerung der Arbeiter die Erträgnisse nicht geringer geworden sind. Ich richte die dringende Bitte an das Ernährungsminifterium, gegenüber den Lohlämpfen der Landarbeiter mehr Entgegenkommen zu zeigen, denn auch die Candarbeiter sind ein Teil der Landwirtschaft.( Sehr richtig bei den Soz.) WEISSE WOLLSTOFFE Zum Schluß feht sich Redner, unter Zustimmung der Mitte des Hauses, noch für Mindestzölle für Getreide und Vieh ein und warnt vor Massentonfurfen, die die Folge wären, wenn der Landwirtschaft nicht umgehend und wirkungsvoll geholfen werde. Abg. Hepp( Dop.) wünscht proflamatische Erklärungen vom Reichsernährungsminister, da doch wichtige Fragen für die Gesamteristenz Deutschlands zur Sprache ständen. Die Entwicklung der Kredite müffe mit besonderer Sorge erfolgen. 1924 habe die Landwirtschaft etwa 1% Goldmilliarde an Krediten aufnehmen müssen, von denen ungefähr die Hälfte im Herbst dieses Jahres zurückgezahlt werden solle. Das könne nur geschehen, wenn die Landwirtschaft, ohne die Produktionskosten zu berücksichtigen, zu verfaufen, was entbehrlich und unentbehrlich sei. Das müsse ver hindert werden. Die Regierung müsse für eine Verlängerung der Kredite Gorge tragen; jener Kredite, die infolge der Ver. nichtung des Kapitals durch die Inflation notwendig geworden feien. Zum Schluß seiner Ausführungen wendet sich der Redner der Handelsvertragspolitit zu, die erfolgreich nur geführt werden fönne, menn ein 3olltarif vorhanden sei.( 34ſtimmung.) Dann vertagt sich das Haus auf Donnerstag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen die internationalen Arbeitsabkommen und die Beratung des Haushalts für die Ausführung des Friedensvertrages. Schluß 6% Uhr. WOLLKREPPLIN und MAROKAIN für Kasacken, 7.50, 5.80, 4.50 WOLLBATIST, POPLIN, a. TWILL f. Plisseeröcke, 7.-, 6.25, 4.90 CHEVIOT für Tennis und Strandkleider, 130 cm......... 5.25 WOLLKASCHMIR für Backfischkleider, 105 cm..... 9., 6.80 Der augenblicklichen Lage auf dem Rohwollenmarkt folgend, habe ich mich entschlossen, GABARDIN, feinrippig, für Kostüme, 130 cm....... 10.80, 6.90 meine Kundschaft sofort in den Ge- WOLLRIPS und EPINGLE, stark und feinrippig.... 10.50, 9.25 nuss dieser Preissenkung zu setzen. OTTOMAN für Komplets, 130 cm Es gereicht mir zur besonderen Freude, die hochwertigen Qualitäten, wie sie vor Jahrzehnten geführt wurden, nunmehr zu wesentlich günstigeren Preisen zum Verkauf stellen zu können. ........... 15.80, 13.80 KASHA, TUCHE u. VELOURS für Mäntel u. 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Ein Einzeleinwand, den der Staatssekretär P o p i tz gegen die vom Genossen Hertz vorgetragenen Zahlen machte, ist von der reaktionären Presse schleunigst dazu benutzt worden, die ganze Darstellung als falsch hinzustellen. Wir bringen daher im folgendem eine kurze U e b e r s i ch t über die Steuerbelastung der Lohn» und Gehaltsempfänger in den wichtigsten Ländern, die den Beweis für die Richtigkeit der von dem Genossen Hertz gegebenen Darstellung gibt. Für eine solche vergleichende Darstellung eignen sich nur die Ein- kommensteuern von Amerika, England, Frankreich, Oesterreich und Schweden, da in den anderen Staaten die Gemeinden Zuschläge zur staatlichen Einkommensteuer erheben, die naturgemäß die Be- lastung von Ort zu Ort verschieben. Die st e u e r l i ch g ü n st i g st e Behandlung erfahren die Lohn- und Gehaltsempfänger in den vereinigten Skaaken von Amerika. Die amerikanische Einkommensteuer läßt ein Existenzminimum von 4 200 vi. von jeglicher Einkommenbesteuerung frei. Dazu kommen noch die sozialen Abzüge für die Ehefrau und die unmündigen Kinder. Es bleiben hier für die Ehefrau(3Z0V M. vom Einkommen, für jedes Kind 1680 M. steuerfrei, so daß eine 4töpsige Familie bis zu einem Einkommen von IZSOO vi. im Jahre keine Ein- kommcnsleuer zu entrichten hat. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß der Dollar in Amerika nicht denselben Wert wie in Deutsch- land hat, so daß man ein amerikanisches Einkommen von 3300 Dollar nicht einem deutschen Einkommen von 13 800 M. gleichsetzen kann. Aber selbst wenn man den Wert eine» Dollars nur mit dem Werte einer Mark für die Berechnung zugrunde legen wollte, so wäre noch immer eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 3300 M. steuerfrei, während eine Familie mit gleichem Einkommen in Deutschland schon mit 5,5 Proz. belastet ist. Selbst aber für Einkommen über 3300 Dollar beträgt die amerikanische Einkommensteuer nur 1,5 Proz. und steigt erst über 4000 Dollar auf 3 Proz. Tatsächlich ist also die breite Masse der Arbeitnehmer in den Vereinigten State« nicht einkommensteuer- pslichtig.— Ebenso günstig ist die steuerliche Stellung der Arbeit- nehm er in England. Das englische Existenzminimum für Ledige beträgt 2700 TN. jährlich, der Abzug für die Ehefrau außerdem 1800 M. jährlich, das erste Kind 720 M., das zweite Kind und die folgenden Kinder je 540 M. Ein verheirateter mit 2 Sindern bleibt also bis zu einem Einkommen von 5760 HL steuerfrei. Auch wenn man hierbei wiederum die Kaukfraft de» englischen Pfundes für niedriger als 20 Reichsmark annimmt, so kommt man doch zu dem Ergebnis, daß kein Arbeiter, Angestellter oder mittlerer Beamter einkommensteuerpflichtig ist. Da« ist um so mehr der Fall, als die englisch« Einkommensteuer bestimmt, daß neben dem Existenzminimum sür die Tverbungskosten eiu weiterer Betrag bis zu 5000 HL von der Steuer frei bleibt. I» Frankreich läßt die Einkommensteuer ein jährliche, Existenzminimum von 1540 VI. steuerfrei. Daneben kennt sie soziale Abzüge, die für Frau und Kind je 600 M. jährlich betragcnso daß eine iköpsige Familie mit einem Einkommen bis zu 3520 VI. steuerfrei ist. Vis zu einem Jahreseinkommen von 5520 M. wird außerdem der Steuerbetrog um 5»— 7,5 Proz. für jeden Angehörigen des Steuerpflichtigen ermäßigt. Der Steuersatz beträgt bei einem Gesamteinkommen bis zu 4400 M. 2;4 Proz., bis zu 6600 M. 4.8 Proz� bis zu 11 000 M. 7,2 Vroz. Daneben wird noch eine besondere Einkommensteuer von den Löhnen und Gehältern mit etwa den gleichen Steuer. sätzen erhoben. Im Gesamtergebnis läßt auch die französische Ein- kommensteuer die breiten vlasseu der Arbeitnehmer steuerfrei. Die österreichische Lohnsteuer läßt neuerdings ein steuerfreies Existenzminimum von 840 VI. zu. Außerdem wird für jeden Angehörigen des Steuerpflichtigen der vom Gesamteinkommen zu erhebend« Steuerbetrog um 5 Proz. ermäßigt. Die Steuersätze betragen bis zu 2000 M. 1,1 Proz. des Gesamteinkommens, bis zu 3000 M. 2,2 Proz., bis zu 4300 M. 3,3 Proz., bis zu 6100 M. 4,0 Proz. und bis zu 8600 M. 4,4 Proz. Die österreichischen Arbeitnehmer sind also nicht wie in Amerika, England und Frankreich gänzlich steuerfrei, sie sind aber im Der- hältnis zu Deutschland viel geringer belastet, denn sie zahlen kaum mehr als 2 Proz. Die Einkommeusteuer in Schweden hat ein steuerfreies Existenzminimum bis zu 1120 M. sowie soziale Abzüge für Frau und Kinder von je 224 M. jährlich. Eine 4kSpsigc Familie ist also steuersreL wenn sie weniger al, ISO? VI. Jahreseinkommen hat. Die Belastung der diese Grenze übersteigenden Einkommen ist sehr gering. Sie erreicht bei 3000 M. noch nicht 2 Proz. des Gesamteinkommens. Da» Ergebnis dieser Uebersicht kann man in zwei Sätzen zu- sammenfassen: l. In keinem dieser Länder ist da» steuerfrei« Existenz- Minimum so gering wie in Deutschland. Es beträgt In Amerika 4200 M.. in England 2700 M.. in Frankreich 1540 M.. in Schweden 1120 M., in Oesterreich 840 M.— dagegen in Deutsch. land nur 720 M. 2. In keinem Lande finden wir so unsoziale FamiNen- ermäßigungen wie in Deutschlaad. Diese doppelte soziale Ungerechtigkeit, die die deutsch« Lohn- steuer vor den Einkommensteuern der anderen Länder auszeichnet. kommt auch zum Ausdruck, wenn man die tatsächliche Belastung de» Lohaempsänger» in den einzelnen Ländern gegenüberstellt. Unter Berücksichtigung des Existenzminimums und der sozialen Abzüge in den einzelnen Ländern ergibt sich folgende Uebersicht für die Belastung des Gesamteinkommens einer 4köpsigen Familie..- Die Belastung beträgt in Proz. des Einkommens in wmmmvonM! Deutschland Antrnla England granlrelch Oesterreich Schweden 800— �—-— 1000 2,0——— 0,9— 1500 8,6——— 0,9— 2000 4,5— 0,9 0,4 3000 5,8——— 2,1 1,7 5000 6,0—— 2,4 8,4 2,6 8000 6,4— 1.1 6,2 4,4 6,4 Diese Uebersicht ist der beste Beweis dafür, wie unsozial die deutsch Lohnsteuer im Verhältnis zu den Lohn- und Einkommen- steuern der anderen Länder ist. Oesterreich ist das einzige Land, in dem schon bei 1000 M. Einkommen die Lohnsteuerpflicht beginnt. Aber während in Deutschland ein solches Einkommen mit 2 Proz. belastet wird, ist daraus in Oesterreich noch nicht die Hälfte, nämlich 0,9 zu zahlen. Amerika ist in der glücklichen Lage, seine Lohn- und Gehalts- empfänger mst einem Einkommen bis zu 8000 M. von jeder Ein- kommensteuer freizulassen. In England genießen die Lohn- und Gehaltsempfänger bis zu 5000 M. Einkommen dasselbe Vorrecht. In Frankreich sind sie bis zu 3000 M. steuerfrei, während ein Familienvater mit dem gleichen Einkommen 5V Proz zu zahlen hat. Auch die schwedische Einkommensteuer wirkt sozialer als die deutsche Lohnsteuer. Sl«, läßt eine 4köpflg« Familie bis zu einem Einkommen bis zu 1500 M- gänzlich steuerfrei, belastet sie bis zu 2000 M. nur mit 0,4 Proz., bis zu 3000 M. nur mit 1,7 Proz. Entsprechend der größeren Leistungsfähigkeit steigt dann ober der Steuersatz schnell, so daß bei einem Einkommen von 8000 M. dieselbe Belastung von 6,4 Proz. erreicht ist wie bei der deutschen Lohnsteuer/ Deshalb muß jetzt auch die Lohnsteuer in Deutschland erheblich ermäßigt werden. Die Finanzlage des deutschen Reiches ge- stattet eine Ermäßigung, soziale und w i r t s ch a f t li che Er- wägungen machen sie zwingend notwendig. Die Sozialdemokratie dient deshalb mit ihrer Forderung auf Freilassung aller Einkommen unter 100 M. monatlich von der Lohnsteuer nicht nur dem unmittel- baren Interesse der Lohnempfänger, sondern auch dem Gesamt- Interesse der deutschen Tvirtschafi. Mossenkaufkraft und Kreöitproblem. In der Studiengesellschaft für Währung», und Finanzreform hielt Herr Staatssekretär z. D. Professor Dr. Hirsch am 12. Mai einen Vortrag über„Das deutsche Kre- ditproblem", dessen Inhalt das größte Interesse der Arbeiter- schast verdient. Der Redner führte u.a. aus: Die groß« Lücke in dem Prozeß des Wiederarrstwus der Wirtschaft sei Kapitalmangel und Äreditnot. Die Befrie- digung des Kapitalbedarfs gehe vorerst noch auf drei unsicheren Krücken, nämlich im Vorjahr der Vermehrung der Zah- lungsmittel um 2 Milliarden, der Auslandstredite um ebenfalls 2 Milliarden, und vieles, was jetzt als neu gebildetes Kapi- tal erscheine, seien nur R« st e alten, irgendwie geretteten mobilen Kapitals. Würde man den Kapitalbedarf der deutschen Wirts chafk heute als gleich demjenigen der Vorkriegszeit(etwa 8 bis 8(4 Milliar- den jährlich) vergleichen, so müßte die Goldentwertung b«< rücksichtigt werden, es käme also ein Sollbetrag von ungefär 1 2 M i l- liarden Goldmark notwendiger Kapitrckbildung heraus. Tatsäch- lich sei der Kapitalbedarf der deutschen Wirtschost auf die Dauer schwerlich sehr viel niedriger, eher größer. Im Jahre 1924 könne man an Neuzuwachs bei den Kredit- Instituten 6 bis 6% Milliarden Goldmark beobachten. Addiere man die Vermehrimg der Kassenbeständ« bei Privaten und Staat hinzu. so kämen 8 bis 9 Milliarden Goldmark heraus. Das sei ober durch- aus nicht in voller Höhe neuer Ertrag, sondern dabei seien 4 Milliar- den nicht„gewachsenen�, sondern„geborgten und zusätzlich ?eschaffenen Kredites."Im Jahr« 1924 seien an Ausiands- rediten etwa 2 Milliarden zusätzlich hereingekommen und die Kredit- schaffmig aus Reichs- und Rentenbankbriesen betrage ebenfalls 2 Milliarden. Folglich werde die notwendig« Kapitawikdung aus eigener Kraft, so weit man bisher sehen könne, keinesfalls auch mir zur Hälfte geleistet. Der gegenüber Friedenszeit hohe Zinssatz finde darin fein« natürlich« Erklärung. Große Anstrengungen feien notwendig, um nicht noch ein wesentliches Steigen der Zinssätze zu erleben. Die Ursachen der unzureichenden Kapitalbildung fei weniger die Mtnderproduktion, sie sei an sich gegenüber der Vorkriegszeit nicht mehr ausschlaggebend, eher schon an gewissen Stellen die Ueberkonsumtion. Wenn auf jeden lebenden Dewschen jährlich 300 neuerdings sogar 400 Zigaretten kommen(einschließlich aller Nicht- raucher und Säuglinge), wenn der Alkoholismus seit der Stobili- sierung wieder einen nur allzufchnellen Wiederausbau aufwesse, so sei das«in« der Ursachen, bei denen man anfassen müsse, aber nicht mit Zwang, sondern mit Lockung. Der Ertrag unserer Volksarbeit werde noch immer durch große Reibungsverluste in der Wirtschafst geschwächt, insbesondere Ueberfetzung de» Handels, gänzlich unwirtschaftlich Ueber- setzung de» Bankwesen», Uobersteigung der Anforderungen für den staatlichen Apparat: noch wichtiger seien aber die Ursachen unzureichender Mobilisierung de» gebildeten und noch zu bildenden Kapital«. Das fei geschehen einmal durch die Thesau- rierung an Steuern, vor allem ober durch den frecheren«ch jetzt noch fortgesetzten Betrug am Sparer. Dieser sei nämlich betrogen als Aktionär, als Obligatio»»- gläubiger, als Kunde von Bank- und Sparkassen und als Hypothekengläubiger. Deshalb fehl« vorerst in den breitesten, so betrogenen Massen der Anrerz zur Kapitokbildung, und dieser müsse neu gegeben werden. Notwendig sei ein« Dolifik der Kapitalbildnng aus Hebung der vlassensparkrast unter folgenden Gesichtspunkten: Kapitalneubildung, Ka- oitalergänzung vom Auslande, Kapitalmobili- sierung, dazu dringlich notwendig als Ergänzung ein« aktive Reparationspolitit und die planmäßig und großzügig durch- geführte Rationalisierung der Wirtschaft, zunächst aber Stärkung der Produttionsgrundiage. Während die landwirtschaftliche deutsche Produktion dank unserer Düngemittel- industrie veträchlich fortgeschritten sei, sei die industriell« Produttion in ihrem Wirkungsgrade dem Auslände, insbesondere Amerika gegen- über, recht beträchtlich zurückgeblieben. Vicht Verlängerung der Ar- beltszeii. sondern vlassenherstellung anter Steigerung der vlassen- kaufkrafi führe zur Tviederherstellung unserer«onkurrenzfähigkeit aus dem iOellmarkle und zur Belebung der vlassensparkrasL Eine Steuerpolitik, die hierauf Rücksicht nehm«, müßte anders aussehen, wie die Schliebensch« Steuerreform. Nicht die hoch- sten Einkommen hätten in Deutschland die Volk»- ersparnis der Vorkriegszeit geschaffen, sondern die von der Schliebenschen Steuerreform ganz besonders schlecht bedachten kleineren und mittle- ren Einkommen hätten nachweislich mindestens zwei Drittel der Volkseriparni» geliefert. Des- wegen sei weit größer« Schonung ihrer Kaufkraft und ihre« Spar- willens geboten. Die Kontingentierung der Kredite führe zu allen Schäden der Zwangswirtschaft, man sollte den Diskontsatz so hoch setzen, daß er in sich die Korrektur zu großer Kreditnachfrage trage. Nur auf diese Weise könne man auch das vankenmonopol sprengen, das heute durch seine falsche Kreditpolitik den Spartrieb eher tief halt«, als fördere. Wenn 14 bis 15 Proz. gewonnen und nur 5 Proz. gegeben werden, so ist diese Spannung unerträglich, auch wenn die Unkosten der Banken, die weitgehend auf Inflationsfünden beruhen, sie etwa rechtfertigen sollten. Notwendig sei besonders ein« andere Dividenden- Politik der Industrie. Der Betrug am Aktionär, der mit den Vorzugs-, Schutz- und Venwertungsaktien getrieben worden fei, und der vor ollem mit den Korst ortial-Verträgen bei der Gründung be- trieben werde, schrecke den deustchen Sparer ab: statt dessen be- gebe sich die deutsche Industrie durch ihre falsch« Dioidendenpolitik vollkommen in sehr unsichere A u s la n d s h ä n d e. �Im eigensten Interesse der deutschen Jndu- strie müsse der Aktionärbetrug aufhören, die Dividenden müssen so hoch sein, daß sie einen Anreiz bleien, Geld in die Produktion zu stecken, und der Staat sollte durch scharf« Maßregeln zugreifen: ver- bot neuer Schuh- und Vorzugsaktien und Olichligerklärung aller fiou- sortialverlräge. die die Rechte de, Aktionär» einschränken. Voranstehen ober müsse unbedingt die Rationalisierung der VTirstchaft. Während bei uns Arbeitzeitverlängerung und Tiefhaltung der Ar» beitslöhne nur allzu einseitig gepredigt worden sei. habe von den Vereinigten Staaten aus der Grundgedanke der h ö ch st e n N u tz u n g der Arbeitskraft durch Höherorganifation der Be- iriek« und durch Steigerung der Kaufkraft bei den Abnehmern allgemeine Gellung und glänzenden Erfolg gezei. tigt. Wir ständen 1928 vor einer Abnahme der zuwachsenden Ar- beitskräfte gerade in dem Augenblick, wo unsere äußeren Lasten ernsthaft zu wirken beginnen. Deshalb sei eine weitschauend? Win- schaftspolitik und vor allem eine Steigerung der nationalen Sapila'.- bildung durch die vlassen die dringlichste Ausgabe. Jede Abschlie- ßungspolitik erschwert die Kapitalergänzung. Das Kreditproblem der nächsten Jahre sei groß, dieses sei entscheidend für uns, ein Problem der Rationalisierung unserer Wirstchcrst in Produktion, Handel und Bankwesen. In der Diskussion unterstrich Georg Bernhard sehr nach- drücklich die Ausführungen des Referenten. Die Wirkungen des Preisabbaus auf die Zemenkindustrie. In der ersten Hälfte des Jahres 1924 befand sich die Zemenlindustri« in denkbar schlechter Lage. Es wurde kaum gebaut; die Kapitalnot. die Kreditdrosselung der Reichsbank, die labilen Währungsverhält- nisse, die unsichere Finanzlage der Staaten und Gemeinden, schließ- lich die ungelöste Reparationsfroge hiellen Bauaufträge zurück. Das wurde in der zweiten Hälfte 1924 anders. Auf dem Boumarkt ent- wickelte sich eine relativ starke B a ukonjunktur. Die Lon- doner Verträge und die D a w e s- G e s e tz e brachten Klarheit sür die Dispositionen der Industrie, der Staaten und Gemeinden. Gleich- zeitig nahm die gemeinnützige Bautätigkeit einen starken Aufschwung. Freie Entwicklung kommt in den Geschäftsberichten und Geschäftsabschlüssen der Zementindustrie Oberschlesiens und Thüringens zum Ausdruck. Die dem Lstwerke-Patzenhofer-Kahl- baum-Konzern angehörende Interessengemeinschaft Schlesischer Zementfabriken in Oppeln berichtet für ihre vier Werke, daß der Absatz 1924 zwar nur 50 Proz. der Friedens- Produktion betragen, aber doch die Produktion von 1923 überschritten habe. Dasselbe berichtet die S ä ck s i s ch- ThürinaischePortland-ZementfabrikPrüssingu. Co in Göschwitz a. d. Saale. Dabei macht die Oppelner Inter- essengemeinschaft das Geständnis, daß sie ihre bedeutende Absatzsteige- rung erreicht habe mit dem„äußersten Mittel einer starken Preis- Herabsetzung"...„Dadurch trat die obenerwähnte starke Absatz- steigerung ein, so daß durch Vermehrung der Pro- duttion die Gestehungskosten auf ein normales Maß zurückgeführt werden konnten." Niedere Preise — hoher Absatz— Senkung der Produrktionskosten—, diese alte These der Arbeiterschaft als richtig erprobt uitd ausdrücklich anerkannt zu sehen, das wird sich die Arbeiterschaft der Zementindustrie aus diesem Geschäftsbericht merken. Sie wird sich auch das weitere Zu- geständni» merken, dos in dieser Feststellung liegt, daß es mit die hohen Preise waren, die den größeren Absatz gehindert und damit der Arbeiterschaft das Zweischichtensystem wieder ausge- zwungen haben. Die Unternehmer der Zementindustrie werden nämüch das hohe Lied der niedrigen Preise bald wieder vergesien haben. Zum 31. Dezember 1925 ist das Kartell der Zementindustrie. der Norddeutsche Zementverband, gekündigt. Da der ungeheure Wohnungsbaubedarf, dessen Befriedigung noch kaum ins Rollen gekommen ist, für die Zukunft eine gute Tauerkonjunktur ver- spricht, so werden sich die Unternehmer der Zementindustrie auch bald- möglichst wieder zum Kartell zusammenzufinden wünschen, das die Vaukonjunktur erst richtig auszunutzen gestattet. Dieser Wunsch ist das zweite, was aus den Geschäftsberichten deutlich hervorsticht. Die beiden Werkgruppen, die in der Zementindustrie eine starke Stellung haben, arbeiten allerdings schon heute darauf hin. nötigenfalls auch ohne Kartelle auskommen zu können. Ihr Kampf um Absatzsteige- rung durch Preissenkung dürste der Absicht entsprechen, beiden Möglichkeiten gewachsen zu sein. Die Interessengemeinschait Ssble- sischeer Zementfabriken verteilt 6 Proz., die Sächsisch-Thüringische Portland-Zementfabrik Göschwitz 8 Proz. Dividende. Ein neue» wirlschaftsabkommen mit der Schweiz. Bei den d«utsch-schn>,etzerischen Wirtschaftsoerhandlun- gen in Baden-Baden ist ein« V e r st ä n d i g u n g über den wetteren Abbau der beidersettigen Elnfuhrbeschkän-. kunge-n erzielt worden. Die Erleichterungen beziehen sich in erster Linie auf Erhöhungen der beiderseitigen Einfuhrkontingente, ferner ist von den Kontingentslisten eine Reihe von Warengrupxen ge- strichen worden: außerdem wurde vereinbart, daß verschiedene bisher übliche Voraussetzungen sür die Bewilligung von Cinfuhrgeiuchen künftig in Fortfall kommen sollen. Boraussichllich wird das Ab- kommen Anfang Juni d. I. in Kraft treten. Russische Landmaschlaenkäufe in Deutschlavd. In der ersten Hälft« des laufenden Wirtschaftsjahrcs 1924/25 hat die Berliner Sowjethandelsvertretung landwirtschaftlich« Maschinen für insgesamt 3L Millionen Dollar eingekauft. Unter den Maschinen befinden sich neben Bodenbearbeitungsgeräten auch Erntemaschinen, die bisher in Amerika eingekauft wurden. Die Einkäufe in Deutschland in den letztgenannten Maschinen haben in der Berichtszeit sogar diejenigen in Amerika um ein Beträchtliches überstiegen. Es ist beabsichtigt, bi» zum Schluß des laufenden Wirtschaftsjahres für insgesamt 5 Mill. Dollar landwirtschaftliche Maschinen in Deutschland zu erwerben. Zahlungseinstellung einer ofloberschlefischen Kohlengrube. Wie dem Fachblatt.3 n d u st r i e° K u r i e r" aus Kattowitz gemeldet wird, Hot als erst« ostoberschlesische Grube die allerdings kleiners Kohlengrube„Baleska" Aktiengesellschaft, die frühere„Gott- mtt-uns-Grube" in Mittel-Lazisk ihre Zahlungen eingestellt. Der Grund dieser Zahlunoseinstellung liegt in dem andauernden schlechten Geschäftsgang, der es dem Werk bereits seit Wochen nicht mehr ermöglicht«, den Arbeitern und Angestellten die vollen Löhne und Gehälter auszuzahlen. Da« Kapital befindet sich in schweizerischen und österreichischen Händen, und zwar liegen die Hauptanteile in den Händen des Schweizers Sternberg und des österreichischen Staatsangehörigen Löbel. Dr. Oetker's Rote Grütze ist köstlich erfrischend an warmen Tagen! 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Seine Parlei fage feine Unterstützung zu. Zwar sei fie Oppositionspartei, sie wolle aber baran mifarbeiten, daß die Sicherung des preußischen Finanzwesens gewährleistet werde. Mit Sorge erfüllt uns der Gedante, was aus dem Finanzausgleich schließlich wird und welche Erträge den Ländern fchließlich zufließen. Wir wünschen, daß bei den Berhandlungen, die im Reichstag geführt werden, bei der Gestaltung der Bestimmungen her Einkommensteuer irgendwie eine rückwirkende Beranlagung für 1924 noch durchgeführt wird.( Sehr richtig!) Wir müssen zurüd zu dem altbewährten Beranlagungssystem. Es muß Schluß gemacht werden mit dem unglücklichen System der Borauszahlungen. Bir müssen uns abfehren von der Erzbergerschen Steuerreform. Bir wollen, daß die Verantwortlichkeit für die eigenen Angaben wieder hergestellt wird. Der Beamtenapparat ist viel zu teuer. Die personellen Ausgaben für Beamte, Angestellte und Arbeiter im Staate betragen mit Einschluß der Ausgaben für die Hinterbliebenenverforgung usw. 76 Broz. fämtlicher Staatsausgaben, 558 Millionen beträgt der Zuschuß für die Staatshoheitsverwaltung. Was die Grundsteuer und die Hauszinssteuer angeht, so find meine Freunde in feiner Weise bereit, an einer Erhöhung mitzuwirken.( Beifall rechts.) Wir wünschen insbesondere Berbefferungen und Linderungen der Hauszinssteuer. Aufhören muß die unerträgliche steuerliche Ueberlaftung, unter der die Wirtschaft leidet. Zur wirtschaftlichen Gefundung muß aber auch die politische Gesundung treten. Wir bekämpfen eine Ueberspannung des Parlamentarismus. Es ist nicht zu verfennen, daß die Macht des Parlaments im umgekehrten Berhältnis steht zur Bertschägung in der Bevölkerung.( Sehr richtig! rechts.) Der zersetzende Parteistreit versumpft und verslacht unser öffentliches Leben. Schließlich sind wir alle Kinder eines Landes und eines Boltes und müssen deshalb die Klassengegenfäße überwinden. Auf dem Boden der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung muß die Berföhnung der Gegensäge zwischen Arbeiterstand und Unternehmerschaft durchgeführt werden. Meine politischen Freunde wollen dem Staatsgedanten dienen. Wir gehen unbeirrt durch den Lärm und die Irrungen der Tagespolitik unter Wahrung unserer Selbständigkeit und Handlungsfreiheit den Weg der Berftändigung. Das ist der Weg der Boltsgemeinschaft. Das Kabinett Braun befigt unser Vertrauen nicht, weil seine Zusammenfegung diesem Gedanken nicht entspricht. Es erfüllt nicht den Verfassungsfag, daß die Staatsgewalt vom Volfe ausgehen soll. Seine einfeitige Bufammenfegung zwingt große und wertvolle Schichten zur Opposition. Abg. Fall( Dem.): Der Borredner hat dem früheren Finanzminister v. Richter großes Lob gespendet. Wir sind aber doch nicht schuld, daß Herr v. Richter fich nicht mehr im Amte befindet.( Sehr gut! b. d. Dem.) Der Personalabbau war eine ganz unglückliche Maßregel; Ersparnisse hat er taum gebracht, aber desto mehr Berbitterung geschaffen; hoffentlich ist es mit ihm für immer vorbei. Es geht aber auch nicht mit Gehaltstürzungen; es geht aber auch nicht mit dem von Dr. Waentig empfohlenen und auch von uns hochgehaltenen Einheitsstaat, der angesichts der tatsächlichen Berhältnisse nicht sobald Ereignis werden wird. Wir müssen, um hier weiter zu fommen, baldigst an die große Verwaltungsreform, an den Behördenabbau gehen. Vertagung nicht wieder zum„ läftigen Rostgänger" der Einzelstaaten werden. Gegen Steigerung der Grund- und der Hauszinssteuer sind wir durchaus; eher müßte versucht werden, sie abzubauen. Will man eine neue Steuer haben, so bietet sich die Inflationsgewinnft eu er ganz von felbft dar. Die Gewerbesteuer zu erhöhen, ist unmöglich; ebenso unmöglich ist, sie dem Staat zugänglich zu machen. bergerie Steuerreform ist frittstert worben. Durch the wurden Länder und Gemeinden Rostgänger des Reiches. Hier muß ein Schritt rückwärts getan werden.( Sehr richtig!) Einmal müssen die Länder und Gemeinden dadurch selbständiger gemacht werden, daß man ihnen das Recht gibt, Zuschläge zu erheben. Ferner müssen fie an der Veranlagung beteiligt werden. Die politischen Machtverhältnisse sind ja so, daß die Dinge so laufen werden, wie fie in den Reichssteuergesetzen vorgesehen sind, daß nämlich neben der Reichsfinanzverwaltung auch die Vertreter der Regierungen, der Gemeinden, der Gemerbesteuerausschüsse sigen, und zwar mit entscheidender Stimme. Dadurch wird eine gewiffe Beteiligung den Ländern und Gemeinden gesichert. Wir müssen noch weiter gehen. Länder und Gemeinden müssen an der Beranlagung. beteiligt werden, wie das heute in dem gemeinsamen Bewertungsausschuß vorgesehen ist. Zu dem sozialdemokratischen Redner, dem Abgeord neten Waentig, bemerke ich, daß der Gedante des Einheitsstaates mit einer gewiffen Steuerautonomie durchaus nicht im Widerspruch steht. Das Zuschlagsrecht gibt den Gemeinden auch die Möglichkeit, wieder eine Relation zu schaffen zwischen Realsteuern und Einfommensteuern.( Beifall.) Abg. Eberlein( Komm.): Es ist eine erbärmliche Lüge der Sozialdemokratie, daß die Kommunisten an der Wahl Hindenburgs schuld seien. Sie( zu den Soz.) werden im Kampfe gegen Hindenburg feine Kampfgenoffen sein. Der Militär Hindenburg wird die deutsche Politik mit dem Säbel zu lösen unternehmen, und wir sind feine Pazififten, wir sind bereit, auch mit der Waffe in Abg. Weißermel( Dnat.) geht die Haushaltungsansätze der der Hand an dem Kampfe teilzunehmen.( Lachen rechts; Ruf: einzelnen Verwaltungen durch und erneuert beim Haushalt des Hindenburg! nimm dich in Acht! Große Heiterfeit.) Das Benehmen der Sozialdemokratie ist schamlos; zu Speiche landtags den Vorschlag, das Alter für das aktive Wahlrecht ledern Hindenburgs haben sie sich erniedrigt!( Ünter all- zwecks Verminderung der Abgeordnetenzahl auf 25 Jahre her aufzulegen. Einer Erhöhung der Grund- und Haus. gemeinem Hallo und Gelächter des Hauses verläßt der Redner die 3ins steuer könne die Partei nicht zustimmen. Tribüne.) fich sogar die Deutschnationalen auf dem Wege der Befferung be Abg. Baumhoff( 3.): Die eben gehörte Rede läßt erkennen, daß finden.( Widerspruch und Heiterkeit rechts) Das Haus unterbricht nunmehr die Aussprache und nimmt die Wiederholung der namentlichen Abstimmung über den Ausschußantrag vor, wonach die Wahlzeit zu den Provinziallandtagen und Kreistagen bis zum 1. november verlängert werden soll. Bei der Abftimmung über diesen Gegenstand war das Haus schon dreimal befchlußunfähig gemacht worden, da die Rechte und die Kommunisten teine Karten abgaben. Diesmal wurden abgegeben 265 Stimmen( die Wirtschaftspartei und die Kommunisten ffimmten mit). Es enthielt sich ein Abgeordneter. Mit Ja stimmten 222, mit Nein 42 Abgeordnete; der Antrag ist daher angenommen. Darauf wurde die unterbrochene Aussprache zum Etat fortgesetzt. Abg. Müller- Franken( Wirts.ch Bgg.) tritt für Ermäßigung der Hauszinssteuer und gegen eine Erhöhung der Grundsteuer ein. Der staatliche Beamten, Angestellten- und Arbeiterapparat müsse ausgebaut werden. Die Schuld an den Zuständen trügen die Parteien, die den Staat als Placierungsbureau für Gewerkschaftsbeamte und Barteifreunde angesehen hätten.( Burufe bei den Goz.) Mit diesen neuen Beamten müsse endlich aufgeräumt werden.( Sehr richtig! rechts.) Man fönnte auch das Wohlfahrtsministe rium abbauen; seine Arbeiten könnten andere Ministerien mit erledigen.( Buruf bei den Soz.: Sie brauchen ja keine Wohlfahrt!) Wenn wir sparen müßten, müßten wir auch die Mittel für Kulturzwecke einschränken. Finanzminister Dr. Höpfer- Aschoff wendet sich gegen den Vorschlag, das Wohlfahrtsministerium abminister teilt die einschlägigen Zahlen über den Abbau bei der zubauen. Der Abbau jei nicht so gering, wie behauptet werde. Der Schulverwaltung und bei den Beamten und Angestellten in den Gemeinden und Gemeindeverbänden mit. Die einmalige Ausgabe Schmedding vom Zentrum wolle, gehe nicht an, da es fich nicht um Don 122 Millionen auf Anleihe zu nehmen, wie es der Abgeordnete Ausgaben für werbende Zwede handele. Die Hauszinssteuer brauchen wir, weil wir das Kapital für den Wohnungsbau nicht aus privaten Mitteln erhalten fönnen. Der preußische Staat fann auf diese Einnahmen nicht verzichten. Einer Beredelung ist die HausDem Reiche muß seine eigene Steuerverwaltung verbleiben, es darf zinssteuer zugänglich; an sie wollen wir auch herangehen. Die ErzDamen- Wäsche Taghemd Beinkleid aus feinem Stoff mit feiner Spitze 250 *** 195 350 Knieform, offen und geschlossen, mit schöner Stickere!.. 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Donnerstag 11 Uhr: Anträge, darunter der Antrag des Zentrums auf Uebernahme der in der Tagung des vorigen Landtags von dem betr. Ausschuß zu den Entwürfen einer Städte- und Landgemeindeordnung gefaßten Beschlüsse. Schluß 6 Uhr. Continental- Regenmäns tel, gummiert u. impräg niert, für Damen, Herren und Kinder. In ein schlägigen Geschäften erhältlich. Ontinental Regenmäntel So gut wie Continental- Reifen! Achten Sie auf diese Schutzmarke! Badewäsche 42 x 100 cm...****** Handtuch Badelaken Badelaken 100x180 cm für Kinder, 100 x 100 em... 55° 135 345 180 x 200 cm 975 180 x 180 cm 890 Bademäntel für Damen und Herren, schwerer Kräuselstoff, moderne Karomuster..... 00 25°° für Damen und Herren, 220 Jede weiter. Gr. Grösse 85 für Damen, Schwimmtrikots Badetrikots Badeschuhe Satin........ mit Rockchen, kleidsame Form, Mittelgrösse....... für Herren und Damen, aus Leinen und Badehauben Badehosen ans Seide und Flor, elegant bestickt Eleg. 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Die Rikscha Kulis umdrängen einen wie eine Schar aufgeregter Irrer. Man muß sie mit sanfter, manchmal auch mit unsanfter Gewalt beiseite stoßen, um weiter zu kommen. Hier ist man mitten m China, Europa hat hier endgültig auf- gehört— die Buntheit und Fremdartigteit des wimmelnden Straßen- lebens drängen einem diesen Gedanken auf. Endlich ist die verflixte Zivilisation erledigt. Im gleichen Augenblick höre ich einen Kuli flöten.— inglish Hotel???!" Schließlich ist es doch gut, daß es ein.inglish Hotel" gibt. Wir fahren also zum.Bridge House", um dort unser Haupt- quartier aufzuschlagen. Im Bridge House stellt sich heraus, daß tief in China Ford-Cars vorhanden sind. Wir sind nicht weiter erstaunt, kommandieren also einen Ford- Car und setzen uns in Bewegung nach den Mingtorns, den Gräbern der Ming-Dynastie. Das ist eine Sensation, die am Ende Müller und Schulze doch noch nicht gesehen haben. Das Merkwürdigste von der Welt sind die chinesischen Straßen. Sie sind mit Bambusstäben überdacht und quer von Hau» zu Hau» mit grellen Fahnentüchern durchzogen, auf denen die phantastischsten Buchstaben des himmlischen Reiches glänzen. Es ist, als ginge man durch eine buntbewimpell« Laube. Dazu herrscht in diesem Halbdunkel ein Leben wie auf einem Jahrmarkt— aber ohne den Lärm des Jahrmarkts. Da sind zahlreiche Läden, in denen Eßwaren verkaust werden. Fast alle sind nach der Straße zu ofsen, jeder kann eintreten, be- ichauen und herausgehen, wie es ihm paßt. Höfliche Verbeugungen begleiten den Käufer— aber auch den Beschauer. Man steht Hühner und undefinierbare Fleischftücke auf großen Rosten ausgelegt. Man hat das Gefühl, daß in all diesen Räumen mehr geschieht als sich außen zeigt. Man traut diesen maskenhaften Gestalten romantische Taten zu, die sich vielleicht in unterirdischen Kellern, in Versenkungen hinter Falltüren abspielen könnten. Mes ist wahrscheinlich sehr harmlos, aber es sieht gefährlich aus. Soldaten stehen an den Ecken. Sie tragen Käppis, die ihnen viel zu klein sind, schwatzen aufgeregt wie alle Weiber, stützen sich müde auf ihr Gewehr und sehen im ganzen sehr.unpreußisch" au». In diesem Lande steht alles verkehrt. Die Männer tragen Röcke und die Frauen Hosen. In ihren seidenen unaussprechlichen und kurzen Jäckchen bewegen sich diese Schönheiten sehr graziös. Biel« haben verkrüppell«. kleinste Wir sausen durch dichtgedrängte Menschenmassen und finden uns dann wieder allein auf Feldwegen. Man meint, die Stadt wäre zu Ende, zehn Minuten lana fahren wir schon über freies Feld— dann kommen wieder Straßen auf Straßen, Rikschas, Soldaten. Bänkelsänger, fahrbare Garküchen. Diese asiatischen Städte sind nicht.übersichtlich angelegt" wie bei uns. Sie wuchsen im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausend« wie Vegetation, wie Gestrüpp bald hierhin, bald dorthin, wo Luft und gute Bedingungen waren. Der Europäer, der sich im tiefsten Nangking verirrt und nicht die Sprache des Landes spricht, ist in einer sehr üblen Lage. Er kann tagelang wandern, ohne zu wisten, wo er sich befindet. Die Straße steigt an— oben steht ein Tor. ein kolosiale» Ding. Mit zahlreichen geschweiften Dächern. E» ist karminrot angestrichen. Vielleicht hat es«in Kaiser oder ein Mandarin gebaut, als er guter Laune war— vielleicht war es der Teil einer alten Mauer. Man kann es nicht wissen, aber, was es auch gewesen sei, es wirkt ehr- fürchiig und furchtgebietend. Wir sehen e» mit Staunen und beugen uns vor seiner Größe. Wenn man aus der Stadt herauskommt, sieht man die Hütten der Kulis. Sie sind in primitivster Weise aus Stein oder Holz ge- macht und mit Stroh überdeckt. Es sind finstere Höhlen. Man kann sich kaum vorstellen, daß hier Menschen leben. Aber sie leben nicht nur, sie sind sogar zufrieden. Die Kinder spielen mit Schweinen und Hunden. Die Weiher schwätzen an den Straßenecken wie In einer deutschen Kleinstadt. Die Zinnen der Stadtmauer tauchen auf. In rasender� Fahrt gehts über den holprigen Weg. Ein Bettler, der mit unzähligen Schwären bedeckt ist, streckt uns die Hand entgegen und ruft unver- ständliche Worte. Eine Frau hat sich auf freiem Feld ein Feuer gemacht, liegt dabei auf den Knien und betet mit heftigen Derbeu« gungen gegen Götter, die uns unbekannt sind. Die Mauer hat für den Chinesen nicht nur eine praktische Be- deutuna. Sie drückt sein Bedürfnis nach Abgeschloffenheit au». Jeder Kuli baut sich um seine Erdhütte eine kleine chinesische Mauer. Jedes noch so kleine und ärmliche Besitztum ist mit roh ausgetürmten Steinen streng abgegrenzt. Wenn man über ein Feld sieht, sieht man die Mauernkarrees der einzelnen„Grundbesitzer" wie Felder auf einem Spielbrett. Das ist sehr charakteristisch. Die Stadtmauer von Nangking hat eine ehrwürdige Dicke. Sie hat die Höhe eines kleinen Wolkenkratzers, und wenn die Zell auch manche Zinne ausgebrochen hat, macht das Ganze doch nach einen sehr wehrhaften Eindruck. Die Soldaten früherer Jahrhunderte müssen an solchen Mauern vergeblich ihre Künste versucht haben. Dabei muß man sich vergegenwärtigen, was passierte, wenn sie von Feinden wirklich erstiegen und erobert wurden. Dann fiel der letzte Halt. Dann war Stadt. Eigentum und Leben den ver- haßten Bluthunden ausgeliefert. Unter Asiaten aibts keine christ. liche Müde— und damals erst recht: das Schwert war zum Mor- den da und man»erstand es als solches zu benutzen. Die Gegend wird immer kahler, es weht ein abendlicher Wind. Die ersten Schotten legen sich auf die Felder. Da» Auto rast mit höchster Geschwindigkeit. Wir haben nun die Stadt weit hinter uns gelassen. � � � � Manchmal sieht man von fern irgendwo in der Gegend phan- tastisch aussehendes Mauerwerk mit geschwungenen Dächern, ein Tor oder eine Pagode. Plötzlich steigt aus einem Feld ein Gebilde, da« mein höchstes Interesse erregt. In diesem Lande isi man auf das Wunderbarste gefaßt— aber dies ist denn doch„over tlie tops", wie der Amerikaner sagen würde. Es handelt sich um zwei überlebensgroß« steinerne Kamele, die sich, als hätten sie sich dort verabredet, mtt den Köpfen gegenüberstehen. Thälmann, Scholem, diese Knaben! Und sie schttetöen, eins, zwei, drei, Flugs üas Sinüebaaü entzwei. Ms das Unglück ist geftheha, Kanu mau fie nun rennen sehn. Nach und nach kommt eine ganze steinerne Gesellschaft zum Bor- schein. Da gibt» auch noch Löwen und Elefanten. Alle Tier« stehen sich gegenüber und sind hintereinander so aufgestellt, daß sie«ine Allee bilden, deren höchster Punkt von zwei riesigen Elefanten eingenommen wird. Ein ganz zivilisatorisch Verseuchter könnte den Zynismus wagen, daß das hier eine Straße zu einem zoologischen Garten sein müsse. Zynismen vergehen einem bald vor der Großartigkeit dieser urallen künstelrischen Gebilde, die sich die Ming-Saiser auf den Weg ihrer Grabstätte setzen ließen. Das Seltsamste ist nämlich, daß ein stehende» Tierpaar inuner mit einem sitzenden abwechselt. Sitzend« Löwen, sitzend« Kamele und sitzende Elefanten! Haben Sie einmal ein sitzende» Pferd oder einen sitzenden Esel gesehen und die Metaphysik einer solchen Gestalt begriffen?! Hier faßt es einen mtt Schauern an. Das sind keine gewöhn- lichen Elefanten, sondern die steinernen Behälter merkwürdigster kosmischer Vorstellungen. Hinter den Tieren stehen zwei kolossale steinerne Ritter in alt- chinesischer Rüsttma. Vielleicht sind es zwei von den Ming-Leuten. Sie sehen sich gleichmütig ernst in die Augen und halten mit starren Händen eine Art Knüppel im Arm. Die eigenlliche Grabstätte der Kaiser liegt hinter diesem Weg steinerner Gespenster. Man geht eine lange gepflasterte Straß« zu einem Tempel, in dem auf großen Steintafeln eingegraben ist, was unsereiner al» Nekrolog bezeichnen würde. Dort findet man auch eine Tafel, wo in englisch, französisch und deutsch vor.Beschädigung" gewarnt wird. Die Altertumsforscher und Kunsterhalter scheinen h,er also auch schon wissenschaftlich am Werk gewesen zu sein. Was einen ziemlich ernüchtert. Das eigentliche Totenhaus der Ming-Kaiser ist ein rot ange- strichenes schmuckloses viereckiges Gebäude. Die dunkle Blutforbe und die trostlose Einfachheit sind von höchster Wirkung. Man steigt einen langen schrägen Gang empor und findet sich plötzlich auf dem Dach. Man hat einen weiten Blick ins Land und sieht nun die Mauer von Nangking wie eine dick« Schlange über die Wellen des Gelände» laufen. Jetzt wird's Nacht! E» Ist höchste Zell, daß wir au« dieser feindlichen, von Attralleibern erfüllten Gegend herauskommen. Das Auto kurbelt an. Ein Hausen Bettler drängt sich mit Ge- schrei und Gefchimps um die Trittbretter. Nochmal durch die Tierallee. Die knieenden Elefanten sehen mit bösen Augen. Dann eine endlos« Fahrt durch unbekannte Felder und Straßen. Am Ende leuchtet ein bekanntes Licht. Die Wirtin vom Bridge House hat frische Austern für uns beschafft.____ Tragikomkt in öer Gesundheitsfürsorge. Die Entwicklung der Gesundheitsfürsorge schreitet unaufhaltsam fort. Viele Hemmungen, die sich ihr vor 10 und 20 Jahren entgegenstellten, sind fortgesallen. Im Voltsbewußtsein ist der Gedanke verankert: die Gesundheitsfürsorge darf nicht mehr, wie früher einmal, der mehr oder weniger zweckmäßigen Arbeit privater Wohltätigkeits- vereine überlassen werden. Die Wohlfahrtsspielerei nimmt ab. Mit dem guten Herzen und den treuen Augen allein kann man ja auch keine Erfolge erzielen! Es gibt aber immer noch ein« ganze Menge von Personen, Ver- einen und auch Amtsstellen, die bisweilen recht wundersame Auf- fassungen von den Aufgaben der Wohlfahrtspflege und des Gesund- hettswesens haben. So meinte auch unlängst auf der Jahrestagung der„Deutschen Vereinigung für Säugllnas- und Kleinkinderschutz" in München der Kreisarzt von Hannover, Medizinalrat Dr. D o h r n, die Fürsorgerin müßte manchmal gegen die merkwürdigsten Anschauungen, die ihre Tätigkeit hemmen, ankämpfen, und teilte folgende außerordentlich charakteristische kleine Begebenheit mit. Eine Fürsorge- s ch w e st e r, die er ausgebildet hatte,«rhiell eine Stelle auf dem Lande und begann, so wie e» allgemein üblich ist. die heranwachsend« weibliche Jugend in der Säuglingspflege zu unterrichten. Der Pfarrer des Ortes äußerte aber Bedenken und stellte— man sollte es nicht für möglich halten— das Verlangen: die Fürsorgerin sollte entweder den Unterricht aufgeben oder aber da» Wort „Säugling" als ein anstößiges Wort fernerhin nicht q«- brauchen. Nun ja,„Säugling" kommt von„saugen" und saugen hat eine gewisse Beziehung zur Muttermilch. Das ist menschlich. Aber auch Irren ist menschlich. Vielleicht gibt es auch aitder« Leute, denen das Saugen anstößiger erscheint als das Sausen.«.. Aber genug dämm. Ein Fürsorgearzt erzählte in München al» Diskussionsredner eineanderenetteGefchichte. Er sprach von den Schwierigkeiten, die manche kleinen, politisch rückständigen Verwaltungskörper- schasten machen, wenn der Sozialhygieniker die Einstellung ein «r neuen Gesundheitsfürsorgerin anfordert. Dann treten oft die ganz besonders klugen Leute auf, die da sagen:„Ja, wenn es nur die ! 1800 M. Lohn jährlich wären, das wäre ja mcht so schlimm: aber was glauben Sie, Herr Doktor, was es für Geld erfordert, alle die Mißstände abzustellen, die so eine Fürsorgerin bei ihrer Arbett auf- deckt!" Der Fürsorgearzt, ein Herr aus ländlicher Gegend, hat sicherlich recht. Es gibt eben auch solch« Käuze. Mancher lernt es nie, und... auch dann nur... unvollkommen. Or. meck. Alfred Korach. Zu drei Tage« am die Erde. Als der Romandichter Jules Lerne 187Z seinen Roman„In 80 Tagen um die Erde" oeröffent- lichte, war man über die Kühnheit seiner Phantasie erstaunt. Nun hat der Leutnant Bonnet mit seinem Flugzeug 448 Kilometer in der Stunde zurückgelegt. Bei dieser Schnelligkeit könnte man nach der Berechnung von„Sciences et Loyages" die Runde um die Erde wie folgt zurücklegen: Paris— Moskau 2560 Kilometer 5,40 Stunden Moskau— Jrkutsk»■«■• 4283„ 9,30, Jrkutsk— Peking 1680„ 3,40, Peking— Tokio 2200, 4,50„ Tokio— Honolulu..»», 6100, 13,40„ Honolulu— Los Angeles.,. 4280„ 9,30 Los Angeles— New Port.. 4000, 9,05„ New Dork— Paris..... 6000„ 13,20 Zusammen 311600 Kilometer 68„55 Stunden Da» wären nicht ganz drei Tage tzwei Tage und 21 Stundens. In der Praxis würde natürlich nicht immer jene Höchstgeschwindig- feit eingehalten werden können, und es müßten auch an den Ruhe- punkten gewisse Pausen eingeschaltet werden. Der„Steinach" der Insekten. Interessante Beobachtungen über die Wirkung des Hungers auf gewisse Insekten und über die Möglich- leiten der Verjüngung dieser Tiere hat der amerikanische Zoologe Prof. I. E. Wodsedalek von der Universität Idaho gemacht. Der Ge- lehrte machte Versuche mtt einem kleinen Käfer, dem Trogoderma dorsale, der nur altes Holz frißt. Eins dieser Insekten blieb ohne die geringste Nahrung während der erstaunlichen Zeit von 5 Jahren einem Monat und 29 Tagen am Leben und würde vielleicht noch länger sich des Dasein» erfreut hoben, wenn der Professor den Käfer nicht auf allen lemen Reisen mitgenommen hätte. Was dem Ge- lehrten bei den Hungerversuchen mtt Insekten besonders auffiel, war die allmähliche Abnahme der Größe infolge des Hungers. Manche von ihnen, die in voll ausgewachsenem Zustande der Nahrung beraubt wurden, schrumpften bis zu der Größe beim Auskriechen zu- sammen. Aber obwohl oiese„Hungerkünstler" die kleinste überhaupt nur mögliche Größe erreicht hatten, wuchsen sie sofort wieder zu ihrer normalen Gestatt an, wenn sie genügend Nahrung erhiellen. Das wunderlichste an diesen Versuchen ist nur, daß es Wodsedalek nach seinen Angaben gelungen ist, den Lebensprozeß dieser Insekten gleichsam zurückzuschrauben und in den Zustand der frühesten Jugend zurückzuführen. Die Insekten, die durch Hunger in den neugeborenen" Znstand kamen, hatten sich nicht nur in ihrer äußeren Erscheinung geändert, sondern sie hatten auch all« wesentlichen Eigenschaften der Jugend wieder erlangt und entfalteten bei reichlicher Nahrunas- zufuhr ein neues Wachstum, wie wenn sie nicht bereits schon vorher ausgewachsene Tiere gewesen wären. Kirche« für Raucher. In vielen amerikanischen Kirche« ist das Rauchen eine fast alltägliche Erscheinung. Ein Besucher von Peru erzählt, daß er in einer englischen Kirche srnige Andächtige be- merkte, die während des Gottesdienstes mit sichttichem Behagen ihre dicken Zigarren mit Bauchbinde pafften, aber nicht nur die Be« sucher rauchten, sondern der Fremde beobachtete auch durch die offene Tür in der Sakristei den Bischof, der sich in vollem Ornat dem gleichen Genuß hingab. In vielen Kirchen der Vereinigten Staaten gibt es„Rauchergottesdienste', an denen nur Männer teil- nehmen. Bei großer Hitze ermuntert der Geistliche die Kirchenbe- sucher, es sich recht bequem zU machen und Rock und Kragen abzu» legen. Der Kirchenbesucher in Hemdsärmeln ist in vielen Gegenden Nordamerikas keine seltene Erscheinnug. Diese besondere Duldsam- keit den Rauchern gegenüber beschränkt sich übrigens nicht nur aus Amerika. Bei Gottesdiensten im Londoner Eastend dürfen die Be- sucher solange ihr Pfeifchen schmauchen, bis das Evangelium verlesen wird. Auch in manchen holländischen Kirchen wird die gleiche Tole- ranz geübt. Darum kommt es öfter vor. daß ei« Kirchlem renoviert werden muß, weil es„zu verräuchert" ist. PFINGST ANGEBOT Trauerfpenden jeder Art liefert preismert Paul Golletz, Dormals Robert Meyer, Mariannenstr.3. Amt Morigpl. 10303 SCHUTZ MARKE Omitungs- Rabalt u Reklamemarken fertigt seit 45 Jahren als Spezialität Neueste Modelle- Billigste Preise Conrad Müller Braune Herren- Stiefel auf Rahmen gearbeitet. spitze Form, Ringsbesatz elegante Ausführung, sehr preiswert 1450 Einsatz- Halbschuhe für Herren, braun Boxcalf mit granen und braunen Nubuk Einsätzen, Der elegante Modeschuh 1650 Schkeuditz Leipzig Patz-, Polierlappen Putzwolle Schleifertuche haben in jeder Menge abzugeben Gebr. Holzinger Neukölln Tel.: Neukölln 4545-4547 Hosen- Anders Beusselstraße 25 DEUTSCHLAND INTERNATIONAL ALS CIGARETTEN- URSPRUNGSLAND ANERKANNT Man hat in Deutschland früher besonderen Wert auf Importcigaretten gelegt. 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