Nr. 227 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 117 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Bolt und Reit" mit Sied Iung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenftimme erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfvaltige Nonpareille. acile 70 fennig. Retlamezeile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen das fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( zulässig zwei fettgedruckte Worte). jedes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Bfennig. Worte über 15 Buch. staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 15. Mai 1925 Vertagung der Botschafterkonferenz. Kein Einvernehmen zwischen Frankreich und England. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckfouto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depositentaffe Lindenstraße 3 Jahrtausendfeier. Rheinland Reich Europa. Paris, 14. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Behauptungen der Alliierten bezüglich der Berfehlungen Genugtuung zu geben. von Speyer bis Cleve, von der Saar bis zur Sieg begangen. der französischen Presse, daß über die Räumung von Köln zwischen Hinsichtlich eines der englischen und der französischen Regierung bereits ein weitgehenPattes mit Deutschland lar erfennen. Die Frage des Baltes berühre sich mit der der Entwaffnung Deutschlands; aber die eine könnte unab hängig von der anderen gelöst werden. Die Haltung der Kleinen Entente, so erklärte Briand weiter, sei ganz natürlich. Die Verträge seien unterzeichnet, und die Kleine Entente fordere, daß man fie achte. Frankreich verlange das auch, und selbst Deutschland fönne sich nicht den Verpflichtungen aus seiner Unterschrift entziehen. Briand wolle sich zur nächsten Tagung des Bölferbundes nach Genf begeben. des Einvernehmen erzielt worden sei, wird durch eine offiziöse erklärte Briand, daß Frankreich einen solchen nicht zurüd Reuter- Mitteilung dementiert. Darin wird nicht nur festgestellt, daß die englische Regierung bisher keine Möglich- meife; aber es müßte die Absichten der Berliner Regierung feit gehabt habe, zu den franzöfifchen Borschlägen Stellung zu nehmen, sondern zugleich auch mitgeteilt, daß man in London die Einberufung einer 3nteralliierten konferenz, zu der auch Deutschland zugezogen werden soll, zur Regelung der deutschen Entivaffnung sowie des Sicherheitsproblems für notwendig halte. Dort in Paris, wo man bereits der Ueberzeugung war, daß England die französischen Wünsche und Forderungen fich restlos zu eigen machen werde, hat diese talte Dusche begreiflicherweise start verstimmt. Eine der erfien Wirkungen der englischen Richtigstellung war, daß die bereits für Freitag vormittag 10 Uhr anberaumte Sihung der Botschaftertonferenz auf unbe. stimmte Zeit vertagt worden ist. Sie wird vermutlich Anfang fommender Woche zusammentreten. Keine Welt- Abrüstungskonferenz. Condon, 14. Mai.( WTB.) Unterhaus. Baldwin antwor: tete auf eine Anfrage, er glaube nicht, daß es von Rugen fein fönnte, wenn die britische Regierung die Initiative ergreifen würde, um eine Weltkonferenz zweds allgemeiner brüstung einzuberufen; die Frage der Rüstungsverminderung sei noch Gegenstand der Beratung des Bölkerbundes. Aeußerungen Briands. Paris, 14. mai.( WTB.) Außenminister Briand empfing gestern ausländische Journalisten und gab Erklärungen ab, die der Bariser Vertreter der Belgischen Telegraphen- Agentur wie folgt zusammenfaßt: Bezüglich der an Deutschland zu übersendenden Note wegen seiner Berfehlungen am Versailler Vertrag erklärte Briand, Daß die alliierten Regierungen vorerst daran gedacht hätten, in London eine Konferenz abzuhalten, aber daß man schließlich den Notenaustausch auf diplomatischem Wege vorgezogen habe. Notenaustausch auf diplomatischem Wege vorgezogen habe. Die Dinge seien heute soweit vorgeschritten, daß es möglich sei, die Abfassung einer Note in etwa zwei Wochen Auf die Frage, ob er glaube, daß Deutschland wirklich in den Völkerbund eintreten wclie, erflärte er, daß er dies an= nehme. Ueber die zufünftige Gestaltung des abgeänderten Genfer Protofolls sprach sich Briand optimistisch aus. mistisch aus. Hierauf schnitten einige angelsächsische Journalisten die Frage der allgemeinen brüstung art. Briand antwortete darauf: Frankreich, durch Erfahrungen gewißigt, hätte einen Mangel an gesundem Menschenverstand befundet, wenn es nicht nach dem Waffenstillstand start geblieben wäre. Trotz alledem verfolgt es den Weg der Arbeit für den Frieden. Aber wie viele Nationen find géfolgt, um an den Berträgen teilzunehmen, die für alle Fragen das obligatorische Schiedsverfahren anerkennen? Was soll Frankreich noch mehr tun, um seine Friedensliebe zu beweisen? Frankreichs Marokkokrieg. Argwohn der Linken. Paris, 14. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die von den franösischen Truppen in Marotto gegen Abd el Kerim unternommene Gegenoffensive foll nach amtlichen Meldungen von vollem Erfolge getrönt sein. Einem von General Colombet geführten Frontalangriff gegen das Bidane- Massiv soll es gelungen ein, den Gegner aus seinen verschanzten Stellungen zu ver. treiben und auf der ganzen Linie zum Rückzug zu zwingen. Von den von den Riffkabylen abgeschnittenen vorgeschobenen fran zösischen Bosten sollen am Mittwoch vier entsegt worden sein, dagegen befinden sich nach den Mitteilungen, die Painlevé am Donnerstag im Ministerrat gemacht hat, zwei noch immer im Machtbereich bd el Kerims. G. B. Köln, Mitte Mai. Ein großes nationales Fest wird im Westen Deutschlands Man feiert das tausendjährige Verbundensein des Rheinlandes mit dem Deutschen Reiche, soll das Bekenntnis zur deutschen Einheit verkünden. Das und ein Kranz von großen Kundgebungen und Ausstellungen Jahr 925, in dem sich nach den alten farolingischen Bergamenten Lotharingien mit Ostfranken vereinigte, bedeutet natürlich sehr wenig gegenüber den gemeinschaftlichen Wurzein des Volkstums jenseits und diesseits des Rheines, die an fein Datum, feine Unterschrift gebunden sind. Aber der damals abgeschlossene Fürstenvertrag hat die Jahrhunderte überdauert. Er hat die tiefften staatspolitischen Spuren hinterlassen und ist Schicksal für das deutsche Volk geworden. Vor tausend Jahren wurde nicht die Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reiches besiegelt. Die Wahrheit ist, daß damals an den Ufern des Rheins das Deutsche Reich gegründet wurde. Wenn schon gefeiert werden muß, so soll es das ganze Deutschland fun, weil ihm der Rhein noch heute, ja heute erst recht„ mitten durchs Herz" strömt. Deutsche Geschichte, deutsche Wirtschaft, deutsche Kultur haben, das darf man am Rhein ohne die geringste Selbstüberhebung schreiben, vom deutschen Westen her ihren Vormarsch begonnen. Die Dome, die sich im Strom spiegeln, das Wert Goethes, das die Herkunft vom Rhein nie verleugnete, die Schlote, die den Niederrhein umrahmen sie zeugen für das Recht des Rheinlandes, zu sagen, daß es in den großen geistigen und materiellen Dingen mehr der Gebende als der Nehmende war und noch ist. Sieht man von der Reformation ab, so wurden die bewegtesten Kapitel deuischer Politik am Rhein begonnen. Was sich im leidenschaftlichen Empörergeist gegen Bedrückung und politische und soziale Rückständigkeit erhob, hat hier am frühesten gepocht. Hier zündeten, gefördert von einer Jahrzehnte währenden Offupation durch napoleonische Truppen, zuerst die Ideen der französischen Repolution. Am Rhein wurde das deutsche Bürgertum, da die Wirtschaft in den westlichen Industriegebieten am fortgeschrittensten war, in vorderster Linie in die Freiheits- und Einheitsbewegung des Vormärzes hineingezwungen. Heinrich Heine, Ferdinand Freiligrath, der am Rhein ,, die Zinnen der Bartei" beschritt, dann Mary, Engels und der in Köln geborene August Bebel: im Gedächtnis dieser Führer und Verkünder dürfen Demofratie und Sozialismus und mit ihnen alles, was für geistige Freiheit und politische und soziale Gleichberechtigung erglüht, dieser Tausendjahrfeier nicht mit mißtrauischer Herzenstühle begegnen. Feste sollen nicht gefeiert werden, wie sie fallen. Nationalistisches Getue, hinter dem sich das Schmachten nach verflungenen Herrlichkeiten verbirgt, geht uns nichts an. Aber dieses Gedenken an nationale Zusammengehörigkeit sind wir der deutschen Republik und erst recht ihren westlichen Landesvertrages zu tragen haben. ins Auge zu fassen. Diese Note werde durch die Botschafter tonferenz festgestellt werden. Er, Briand, faffe die Möglichkeit einer Reise nach England nicht ins Auge, weder in dieser Angelegen heit, noch wegen des von Deutschland vorgeschlagenen SicherheitsAuf die Frage, wann die Alliierten das Ruhrgebiet und die Kölner 3one räumen fönnten, erklärte Briand, daß dies zösischen Generäle auf die von den Spaniern aufgegebene teilen schuldig, die noch immer die Hauptlaft eines Gewaltpattes. sehr schwer zu sagen sei. Dies hänge besonders, ja ausschließlich von dem guten Willen Deutschlands ab, sich mit dem Versailler Vertrag in Einklang zu setzen und den Vorstellungen Das gute Herz. Rechtsparteien gegen Juflationssteuer. Der Aufwertungsausschuß des Reichstages hat vor wenigen Tagen einen sozialdemokratischen Antrag ange nommen, der von der Reichsregierung die Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Vermögenserhaltungs fte u er verlangt. Dieser Beschluß kam zustande, da neben Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten auch der deutschnationale Abgeordnete Dr. Best und der Zentrums abgeordnete Dr. Roß dafür stimmten. Der Ausführung dieses Beschlusses fezten aber die Rechtsparteien Obstruf tion entgegen. Der deutschnationale Führer Schulz Bromberg erklärte, seine Fraktion werde alle gefchäftsordnungsmäßigen Mittel anwenden, um die Beratung dieses Antrages im Blenum des Reichstages zu verhindern. Am Schluß der gestrigen Reichstagsfigung beantragte die Tagesordnung für Freitag zu setzen. Er stellte dabei in Aussicht, daß die Beratung ohne Berichterstattung und ohne Diskussion erfolgen fönne, damit feinerlei Zeit versäumt werde. Der Deutschnationale Schulz Bromberg suchte nun feine Drohung wahrzumachen. Er beantragte, den Antrag des Aufwertungsausschusses ohne weiteres dem Steuerausschuß zu überweisen, da diesem auch die Dentschrift über die Besteuerung der Inflationsgeminne überwiesen sei. Er mußte sich jedoch vom Präsidenten Lö be belehren lassen, daß die Denkschrift nachträglich dem Auswertungsausschuß übermiesen sei, und dessen Bericht daher auf die Tagesordnung gesetzt werden müsse. Wenn Herr Schulz meinte, seine Anregung zeuge Don feinem guten Herzen, so ist das richtig, aber von dem guten Herzen für die Schieber Die franzöfifche Linke steht diesem friegerischen Abenteuer mit wachsendem Mißtrauen gegenüber. Vielfach wird die Bermutung laut, daß die in der vergangenen Woche mit so großem Tamtam angekündigte Offensive Abd el Rerims lediglich ein Bluff gewesen sei, um die Eroberungsabsichten der franZone zu rechtfertigen. Es ist wahrscheinlich, daß die Regierung darüber in der ersten Sigung der am 26. Mai wieder zusammen tretenden Kammer von der sozialistischen Fraftion interpelliert werden wird. und Inflationsgewinner, die die Deutschnationalen vor der Besteuerung schützen möchten. Bom Steuerausschuß erwarten die Herrschaften nämlich ein anderes Ergebnis als beim Aufwertungsausschuß. Dort find nämlich die Abgeordneten Dr. Best von den Deutschnationalen und Dr. Roß vom Zentrum nicht Mitglied. Dort ist eine sichere Mehrheit für den Schutz der Groß kapitalisten vorhanden. Deshalb war es den Deutsch nationalen doppelt peinlich, daß neben dem Genossen Keil und dem Demokraten v. Richthofen auch der völkische Abge ordnete Seiffert ihre Demagogie befämpfte. Sciffert warf den Deutschnationalen Unehrlichkeit und Hintertreppenpolitik an den Kopf. Wunsch der Mehrheit, unangenehme Diskussionen zu verDie guten Gründe der Linken aber prallten an dem Linken und der Bölkischen wurde die Aufsetzung auf die meiden, schroff ab. Mit 155 gegen 148 Stimmen der Tagesordnung abgelehnt. Ob das Wort: Zeit gewonnen, alles gewonnen, auch in diesem Falle gilt, muß abgewartet werden. Die Haussuchung beim Vorwärts". Das Amtsgericht Berlin- Mitte ist verantwortlich. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst erfährt, ist die am Montag vorgenommene Durchsuchung in den Redaktionsräumen des Bormärts nicht auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft, fondern auf einen Beschluß des Amtsgerichts Berlin. Mitte hin erfolgt. Das Justizministerium hat zu seiner Information bereits Bericht eingefordert Die Angelegenheit wird dadurch nur noch standalöser! Es ist nicht nur die geschichtliche Ueberlieferung, die uns zur Anteilnahme an dieser Tausendjahrseier drängt. Ohne die Länder am Rhein mären Preußen und Deutschland nicht nur am äußeren Umfang kleiner. Die deutsche Wirtschaft hat hier ihre großen Kraftquellen der Roh- und Hilfsstoffe, ohne die sie nicht leben könnte. Die reichste und blühendste Provinz Breußen befizt auch die größten Steuerfräfte, die diejenigen der östlichen Provinzen um ein vielfaches übertrifft. Ueber den Rhein gehen die großen Handels- und Verkehrswege, die Deutschland mit allen führenden Weltmächten verbindet. Aber mehr noch: Die entscheidenden innen- und außenpolitischen Schicfalsfragen sind stärfer als je zuvor in der deutschen Geschichte mit dem Rheinland und seiner Zukunft verbunden. Die deutsche Demokratie würde nicht mehr sein, wenn sie nicht vom deutschen Westen her immer wieder den fraftvollsten und lebendigsten Zustrom erhielte. Das haben alle Wahlen auf der Grundlage der Demofratic, auch noch die Reichspräsidentenwahl im Zeichen Hindenburgs, erwiesen. Immer haben die Kandidaten der Republik ein gewaltiges und auf der Linfen aufgebracht. Und niemals wird sich das Mehr an Stimmen gegenüber ihren Gegnern auf der Rechten Rheinland mit einer monarchistischen Restauration unter Führung des hier seit jeher verhaßten Altpreußentums abfinden, wie es auch der Allgewalt der Konzernherren widerstreben wird, denen die Staatsform nichts und der Staatsinhalt alles ist. Die großen Massen der organisierten Arbeiter. schaft am Rhein sind auf der Wacht und zu leidenschaftlichem Widerstande bereit. Aber auch die große geistig- tulturelle Macht des deutschen Westens, der Katholizismus, fann sich bei aller Elastizität in den Fragen der Staatsform nicht wieder in einen Bund mit der sozialen und politischen Reaktion einlaffen, die im Osten innerlich vom Protestantismus getragen würde. Die Kandidatur Marr hat das Zentrum, wenn es nicht seine Anhänger irre machen will, auf lange Sicht für die Demokratie verpflichtet, l Das enge Derbundensein des gesamten Deutschlands mit dem Rheinland tritt jedoch noch stärker bei den entscheidenden Fragen der Außenpolitik hervor. Fried r i ch E b e r t hat im Mai 1924 in Köln anläßlich seiner einzigen Anwesenheit im besetzten Gebiet den Satz geprägt:„Rheinisches Schicksal ist deutsches Schicksal." Das hat der Ruhrkampf bewiesen. Die Abwehr des Separatismus, von dem nur noch bedeutungslose Spuren übriggeblieben sind, rettete kraft des Willens der gesamten rhei- nischen Bevölkerung die Einheit der beut- , ch e n R e p u b l i k. Die Loslösung des Rheinlandes von Deutschland, wofür die Trennung von Preußen nur ein Vor- spiel gewesen wäre, hätte wie ein schrilles Signal zur all- gemeinen staatspolitischen Auflösung in den kritischen Herbst- lagen des Jahres 1923 gewirkt. Das Problem der„Sicherheit" für Frankreich, eng oer- Kunden mit den imperialistischen Zielen mächtiger Kräfte, bewegt sich um die Zukunft des Rheinlandes. Das deutsche Garantieangebot ist ein Versuch, Frankreichs starr auf den Rhein gerichteten Blick abzulenken und mit dem Rheinland ganz Deutschland von einem unerträglichen Druck zu befreien. Im siebenten Jahre trägt der weitaus größte Teil des Rheinlandes die Bürde fremder Besatzung. Nun feiert es sein großes Fest, verbunden mit A u s st e l l u n g e n in Köln, Aachen, Düsseldorf, Koblenz, Trier, Mainz. Eine umfassende Schau tausendjähriger rheinisch- deutscher Kultur und Kunst, rheinisch-deutscher Wirtschast und sozialen und politischen Werdens soll Hunderttausenden dies- seits und jenseits des Rheins nahegebracht werden. Die Härte der jüngsten Zeit hat der Romantik, die das Rheintal im Bewußtsein aller Deutschen umschwebte, jenen milden Schim- mer genommen, jpie er in den alten Rheinliedern beseligt lebt. Die Sorge und Eristenzkamvf des ganzen deutschen Volkes und heute um die Ufer des Stromes vereinigt. Darum ist die Teilnahme an dieser Iahrtausendfeier ein symbolischer Akt nationalen Bewußtseins. Die deutsche Re- vublik und ihre Anhänger dürfen es nicht vernachlässigen, wenn sie ihrem staatlichen Einheitsideal nicht starke 2ebens-> kräfte entziehen wollen. Bor taufend Jahren brach das Wettreich Karls des Gro- ßen zusammen. Es fiel in zwei Hälften auseinander, das Westreich, das heurige Frankreich, und in das Ostreich. das spätere Deutsche Reich. Die geschichtliche Parallele zwischen damals und heute liegt nur allzunahe. Trotz langer, blutiger Kriege und diplomatischer Ränke ist das einstmals geknüpfte Band nicht wieder zerrissen worden. Freilich geht für das arbeitende Volk, das sich zum Frieden und zur Demokratie bekennt, der Sinn dieser Iahrtausendfeier 'reit über das historische Datum und seine politischen Folgen hinaus. Hinter nationaler Willenskundgebung, Schaulust und Gepränge blejbt uns das letzte Ziel, über den Rhein die Brücke der Völkerversöhnung zu schlagen, mit der Krönung des verbundenen Europa. Diplomaten beim Reichspräsiüenteu. Empfang der fremden Missionschefs. Der Reichspräsident hat gestern mittag die Glückwünsche der hier beglaubigten fremden Missionschefs entgegen- genommen. Hierbei hielt der Doyen de» Diplomatischen Korps, der apostolische Nuntius P o c« l l i, in französischer Sprache eine An- spräche, die in UeSersetzung wie folgt lautet: „Herr Reichspräsident! Das Diplomatische Korps ist hoch erfreut, heute sich um Ihre Person vereinigen zu können, um dem "euen Reichspräsidenten feine aufrichtigen und ehrerbietigen Glück- wünsche darzubringen. Air hegen den Wunsch, daß unter Ihrer wessen Führung die deutsche Nation im Innern nicht ollein ihre materielle Wohl- iahrt, ihre Arbeits- und Produktionsfähigkeit. sondern auch die Güter höherer Ordnung zur Blüte « ringen möge, welche die sicherste Gewähr für Zivilssation und Fort- ichritt der menschlichen Gesellschaft bieten. Wir wünschen, daß unter Ührsr höchsten Leitung der Deutsche Staat nach außen hin seine Beziehungen zu den anderen Völkern befestigen möge zum Triumph der großen Sache der Weltbesriedung. Dann wird der glühende Wunsch oller»delinütiaen Herzen erfüllt werden, die inmuten der Schwierigkeiten der Gegenwart danach streben, unter den Menschen den geistigen Frieden in der Einheit der Wahrheit, den internationalen und sozialen Frieden durch das Wallen der Liebe und der Gerechtigkeit be- gründet zu sehen. In diesem Sinne sei es dem, der es sich zur Ehre und Freude rechnet, heute das Wort an Sie zu richten, gestattet, die göttlichen Segnungen auf Sie, Herr Reichspräsident, und die deutsche Nation herobzuslehen." Der Reichspräsident erwiderte mit folgenden Worten: J)err Nuntius! Die Worte, die Eure Exzellenz im Namen des Diplomatischen Korps an mich als den vom Deutschen Volk« er- wählten Reichspräsidenten zu richten die Güte hatten, erwidere ich mit Empsinduvgen aufrichtigen Danke». Es ist mir eine besondere Freude, die Glückwünsche zu vernehmen, denen da» Diplomatisch« Korps in so ehrender und sympathischer Weise heut« für mein« Amtstätigkeit und für die Wohlfahrt des Deutschen Reiches durch Ihren beredten Mund Ausdruck oerleiht. Seien Sie oersichert, Herr Nuntius, daß ich die von Ihnen ausgesprochenen Gedanken der Entwicklung aller Elemente des menschlichen Fortschritts in vollem Maße würdige. Wer an die Spitz« eines großen Volkes berufen ist, kann keinen höheren Wunsch kennen, als den, fein Volk in Frieden und Gleichberechti» au na an den Aufgaben der Welt mitwirken zu sehen. Mtt Eurer Erzekfenz verkenne ich nicht die Schwierigketten. die sich auf diesem Wege vorfinden, aber ich leb« der Hoffnung, daß sie nicht unüber- windbch sein werden. Was an mir liegt, auf diesem hohen Platz« zur Lösung der unserer Zeit gestellten Aufgaben beizutragen, das soll mit Ernst, mtt Ecwissenhmligkett, mtt voller Hingabe geschehen. Wenn alle Völker gleichen Willens sind, wird auch Gottes Segen, den Sie. Herr llttuttius, für uns anrufen, der Well nicht fehlen." Bei dem Empfang waren der Reichskanzler Dr. Luther, der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann sowie die Staatssekretäre von Schobert und Dr. Meißner zugegen. Gegesöesuch beim ReichStagspräfidente». Der Gegenbesuch des neuen Reichspräsidenten beim Reichstags- Präsidenten L ö b e fand am Donnerstag nachmittag im Beisein des ganzen Reichstagsvorstandes statt. Offizielle Reden wurden nicht gewechselt. Genosse Löb« fragte im Verlauf« der Unterhaltung nach dem Schicksal der geplanten Amnestie. Di« Antwort war, daß noch mtt den Ländern und den einzelnen Ressorts Bsr- Handlungen schweben. Er brachte dann die Sprache auf die gegenwärtig ftatssindende Heimarbeitsau» st ellung und die Elendslöhne, die man dadei studieren könne. Reichspräsident v. Hindenburg erklärte, daß er schon von anderer Sett«, nämlich von Frau Böhm, auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht worden sei. Am Vormittag de» gleichen Tage» war nämlich der Reichstag zu einem Besuch dieser Ausstellung eingeladen worden. Es hatten sich aber merkwürdigerweise nur Abgeordnete der Linken und de« Zentrums dazu eingefunden. Gerade die Arbeitgeber der Rechts- Parteien glänzten durch Abwesenheit. Gogcnbcsucki beim Reichsrak. Gestern um S Uhr erwiderte der Reichspräsident den Besuch der Vertretung des Reichsrats im Haufe des preußischen Staats- Ministeriums, wo chn der preußische Ministerpräsident Braun mtt Staatssekretär Weismann, die Gesandten und dl« Bevoll- mächtigten der Länder zum Reichsrat empfingen. Der Reichspräsident empfing ferner die Staatssekretäre des Reichs. Ein Nufwertungstompromiß. Dr. Best aus der deutschuatiouale« Fraktion ausgeschieden Di« hinter der Rsichsregierung stehenden Rcichstagsfraktttmen haben untereinander und mtt der Reichsregierung für die Beratung der Auswertungsgesetze die folgenden Richtlinien vereinbart: 1. Der Aufwertungsbetrag(8 2 de» Aufwertungsgesetz. entwursesi wird für alle Hypotheken und ander« d r i» g l i che Rechte auf 25 Proz. erhöht. 2. Der Aufwertungsbetrag von 25 Proz. ist ohne Unterscheidung zwischen Aufwertung und Zufatzaufwertung einhettlich an de: alten Rangstelle des alten Recht» einzutragen. Soweit der nach dem Ler- hältnis de, berichtigten Wehrbeitragswert» gm» gegenwärttgen Grmrdstückswert herabgesetzte Goldmorkbetrag der ersten Hypothek deren Aufwcrtungsbetrag übersteigt, ist dem Eigentümer eine Eigen- tümergrundschuld vorzubehatten. Der Rang der neueingetragenen Reichsmarkhypotheken, Feingold-, Roggenrenten- und anderen wert- beständigen Hypotheken bleibt gewahrt. 3. Bezüglich der Verzinsung oerbleibt es bei der Regie- rungsoorlage. 4. Der Rückwirkungstermin wird bis zum 15. Juni 1S22 zurückverlegt. Dabei sst die Härteklausel zweckenssprechend zu erweitern. Lei der Rückwirkung findet die Aufwertung nicht nur zur Hälfte, sondern in voller Höhe des Aufwertungsbetroge» statt. 5. Der Auswertungssatz der Industrieobligatio- n« n wird für Altbesitzer, d. h. für Personen, die beretts am 1. Just 1920 Inhaber der Obligationen waren, um Ist Proz. auf25 Proz. erhöht. Die Erhöhung des Auswertungsbetrages um 10 Proz. wird in der Form von Genußscheinen gewährt, die folgende Rechte haben: Nachdem vom Reingewinn zunächst ein Betrag von K Proz. an die Aktionäre als Dividend« ausgeschüttet ist, wird der diesen Betrag übersteigende Reingewinn m solgender Weise ver- teilt: Bei jedem Prozent Ueberdioidend« auf die Aktten müssen 2 Proz. auf die Genußscheine verwandt werden bis zu einem Höchst- betrage von 6 Proz. des Betrages, auf den die Genußscheine lauten. Don den auf die Gcmißscheine entfallenden Beträgen werden Aus- schüttungen auf die Genußscheine in Höh« der alten Zinssätze der Obligationen gemacht. Der verbleibende Rest wird zu Auslosungen zu Pari verwandt, die mindesten» jede» zwette Jahr erfolgen müssen. Die erhöht« Aufwertung kommt auch den Allbesitzern zugute, deren Obligationen nach dem 14. Februar 1924«ingelöst worden ssnd. Im übrigen findet«ine Rückwirkung bei der Aufwertung von Industrie- oblgiationen nicht statt. 6. Entsprechend der Höheraufwertung der Hypotheken auf 25 Proz. erhöht sich auch da» im Z 12 Abs. 1 de» Entwurf» vorge- sehen« Maß für die Aufwertung anderer Vermögens- anlagen auf 25 Proz. 7. Di« Anleihen des Reiche» werden durch eine neue Anleihe zum Satz von 5 Proz. abgelöst. Der Tell der Ab- lösungsanleih«, welcher gegen Markanleihen allen Besitzes ausgegeben sstt wird durch Auslosung zum doppelten Nennbeträgen(an Stell« des einfachen) zuzüglich 6 Proz. de« Auslosungsbetrages für jedes Jahr fett dem Beginn der Auslosung getllgt. Diese Tilgung soll innerhalb 30 Jahren(statt 40 Jahren) durchgeführt werden, sofern da» Ergebnis der schwebenden Verhandlungen über die Steuer- reform den Finanzausgleich und den Reichehaurhall die» nicht un- möglich macht. Die in der Regierungsvorlage vorgesehene Anleihe- rente fällt fort. Die Dorzugsrente für die bedürftigen Anlechebesitzer bleibt bestehen. 8. Die Markanleihen der Länder werden m der gleichen Weise behandell wie dieAnleihendesReiches. 9. Die Markanleihen der Gemeinden und Ge- meindeverbände werden durch neu« Anleihen zum Satzevon5Proz.abgelSst. Der Tell der Ablösungsanleihen. welcher gegen Markanleihen alten Besitze» auegegeben ist. wird durch Auslosung nicht zum einfachen, sondern zum zweieinhalbfachen Nennbetrag zuzügstch 5 Proz. de» Auslosungsbetroges für jedes Jahr seit dem Beginn der Auslosung getllgt. Die Tilgungsdauer beträgt nach näherer Festsetzung der Obersten Lande-behörde 20 bis 30 Jahre. Die Gemeindeaufsichtsbehörd« kann«inen Treuhänder zur Wahr- nehmung der Interessen der Anleihegläubiger bestellen. Auf Antrag der Gemeinde oder-ine» Anleihegläubiger» oder de» Treuhänders sst der fest« Rückzahlungsbetrag bis auf 25 Proz de» Nennbetrages der abzulösenden Markanleihen zu erhöhen, so- fern die» dem Anleihefchuldner nach seiner finanziellen Leislungs- fähigkstt und unter Lerückstchttgung femer öffentliche» Aufgaben zugenusset werden kann. Die Ensscheidunz über den Antrag erfolgt durch die von der Obersten LandesbehSrfc« zu bestimmende Stelle. Gegen deren Entscheidung ist die Beschwerde an eine von der Obersten Landesbehörd« zu bestimmende Beschlußbehörde innerhalb einer Frist von einem Monat zulassig. lieber die Unterscheidung zwischen Gemeindeanleihen allen und neuen Besitzes Bestimmungen zu treffen, bleibt den Ländern vorbehallen. roßen Erfolg brachte ihm 1889 die Pariser Weltausstellung: dort lng ein Bildnis seiner Gattin, das als Porträt ebenso meisterlich ist wie alle diejenigen, die Kalckreuth später in reifen Iahren von den Mitgliedern seiner Familie gemalt hat. Mit den Bildnissen, von denen Kalckreuth vorzügliche, wie da» de» Philosophen Eduard Zeller, auch radierte, verbindet eine Gesinnung jene sozial-lyrisch gefärbten Gemälde aus dem Landleben, auf denen früher Kalckreuths Ruf beruhte. Jeder kennt die über den Kinderwagen gebückte alte Frau, die er als„Das Aller" gemalt hat, feinen Leichenzug, die große schwangere Schnitterin, die müde durch das reife Korn stapft. Seine Kraft zur reinen Landschaft hat Kalckreuth oft gezeigt, wenn er den Hamburger Hafen Im Gewitter malle oder jenes fttlle Bild mit der Allee de» Schlosses Klein-Oels, das den Meister in der Berliner Nationalgaleri« vertritt. Die deutschen Künstler haben Kalckreuth das Eintreten fiir ihre gemeinsam« Sache zu danken: bei der Begründung des Deusschen Künstlerbundes wurde er fein Letter, und er hat das Beste deutscher Kunst in den Ausstellungen de» Bun- des zu vereinen gewußt. Gelehrt hat er als Professor in Weimar, dann in Karlsruhe, schließlich war er 7 Jahre lang Direktor der Akademie in Stuttgart. In der Ruhe seiner ländlichen Besitzung schafft er weiter, und hoffentlich haben die deutschen Kunstfreund« einmal Gelegenheit sein Werk in einer größeren Ausstellung ver- einigt zu sehen. Er oerdient es. Der„Dühnenvolksbund". die bekannte reaktionäre Gegenaktion gegen die frei« Voltsbühnenbewegung, hat in den letzten Tagen massenhaft einen Werbeausruf mit der Unterschrift.von Hindenburg" verbreitet. Dazu wird von amtlicher Stelle u n a u f p e- fordert erklärt, daß Hindenburg diese Unterschrist gegeben hat. als er ficherlich nicht entsernt daran dachte, jemals Reichspräsident zu werden. vergleich im zweiten Relgenprrneß. Die Beleidigungsklage Sladek und Gertrud Eysoldt gegen Dr. Stapel, den Herausgeber des.Deusschen Volkstums", wurde im Amtsgericht Berlin-Mstte durch Vergleich beendet. Dr. Stapel hatte, wie wir neulich mit- tellten, in seiner Zeitschrift die Reigenausführung. Nackttänze und ähnliche Lorgänge des Bühnenwesens kritisch behandelt. Der Kern- punkt war die Behauptung, daß die Berliner Künstler und Theater- direktoren die Kunst zum Vorwand nahmen, um sich mit der Nackthett und Unsittlichkeit die Taschen zu füllen. Seine Behaup- mngen fanden in äußerst scharfen Ausdrücken wie.Lumpenpack" usw. ihre Zuspitzung. Hierdurch fühllen sich die Prioatkläger zur Klage veranlaßt. Stapel hat nun im Vergleichswege die in seinen Aufsätzen enthaltenen persönlichen Beleidigung«, zurückgenommen. venische» Iheat«. Di« für heut« angesetzt« Srstauffithrunz von ,D r. Knock- ist aus den 10. d. vi. verschoben. Kür die LerUner LühnenaegehSrlgen findet am tfi. d. vi., nachm. 3 Uhr. im Tbeater in der Königgrätzer Gtrafce eine Äussiidrung von.Franziska- in der Prenncrenbesetzung statt. Karten sind im Hause der Bühnengenofsenschast, Keithstr. 11, erhältlich. Die llraussfihrnnge» der Karbllchtninsst sollen unter Leitung don Alexander SoSzle-Munchen auf dem deutschen TonwnsUerlest in Kiel Mitte Juni stattfinden. SS werden U Farvenvraludien siedet Präludium aut eine Hwiptsarb« eingestellt), etne Sonate für F-rblicht l«d Klavier and eine vailade für garblicht und Klavier ausgeführt. Schriststellerelenö in Rußland. In manchen westeuropäischen Kreisen hat sich dank einer raffi- nierten Agitation sowjetfreundlicher Elemente, die vor den gröbsten Täuschungsmanövern nicht zurückschrecken, die Ansicht eingebürgert. daß es den Schriftstellern. Künstlern und Gelehrten in Sowjet- rubland glänzend gehe, da die Sowsetregierung ihnen die weitest. gebende Förderung und Fürsorge angedeihen lasse. Wie es sich auf idesem Gebiete in Wirklichkeit verhält, geht aus einem umfang- .eichen Bericht hervor, den der berühmte russische Schriftsteller 'D. W e r e ss a j e w in der Moskauer„Prawda" vom 28. April veröffentlicht._...„ Weressojew schildert hauptsächlich die Notlage der Schnfsstcller. er weist aber ausdrücklich daraus hin. daß dieselbe Notlage auch unter den Künstlern und anderen Angehörigen der freien Berufe herrscht. Obwohl die schriftstellerische und künstlerische Arbeit osfi- stell als nützlich und notwendig anerkannt wird, werden doch die Schriftsteller und Künstler finanziell weit stärker belastet als alle anderen beruflichen Kategorien..Es dürfte", schreibt Weressajew. .nur wenigen bekannt sein, daß ein Schriftsteller, der bei uns seinen Beruf ausüben will, sich«in.Potent" beschaffen muß, da» ihm da» Recht zur sckirifistellerischen Arbeit verleiht. Jede« Halbjahr nmß er für dieses Patent 32 Rubel(— 65 Mk.) zahlen. Ich glaube, es ist dies ein unerhörter Fall in der Weltliterawr: der Schriftsteller sitzt an seinem Schreibtisch und vor ihm an der Wand hängt ein Patent, das dos Recht des Schriftstellers bestätigt, sich bis zum 1. Oktober des laufenden Jahres mit Schrifsstellerei zu befassen. Bor etwa zwei Iahren spielte sich folgender Fall ab. Eine der Moskauer Finnnzabteilungcn hatte unter Nr. 764 folgendes Doku- mertt mlsgestellt: Z. Kategorie. Patent für persönliche berufliche Beschäftigung in Ortschaften des hauptstädtischen Umkreises für die Dauer von sechs Monaten. Gewerbesteuer.......... 210 Rubel, Oertliche Steuer.......... 210 Rubel, Kanzleigebühren........ 4 Rubel. Zusammen 424 Rubel. Ausgestellt für I. A. B. Bezeichnung des Gewerbes: Schriftsteller. Vom 1. April bis 1. Oktober 1923. Der Empfänger dieses Schriftstückes, ein bekannter Schrifssteller und Ueberfetzer des ukrainischen Dichters Schewtfchenko. reichte darauf hin an dos Finanzamt efne Erklärung ein, daß er vierzig Jahr« den ehrenvollen Titel eine» russischen Schrifsstcllers trage, aber jetzt nicht mehr dazu imstande fei: er lege deshalb diesen Tttel nieder und verpflichte sich, von nun ab nichts mehr zu schreiben. Diese Erklärung übergab er im Finanzamt persönlich einem alten Mann. Dieser las die Erklärung aufmerksam durch und fragte: .Also was wird nun fein? Ich glaube, Sie haben jetzt nicht mehr das Recht, in der Schreibwaren- Handlung Papier und Tinte zu kaufen." .Wenn ich kein Recht dazu habe, werde ich nicht kaufen." .'n ja. aber ich glaube, wenn Sie zu Haufe schreiben werden, für sich selbst, wer kann Ihnen da» verbieten?" „Ich glaube dasselbe." .Ja, ich glaube, so ist es..." Der Alte schwieg ein wenig, beugte sich dann- zum Dichter herab und sagte im Flüsterton: „Also gut. Kaufen Sie sich Papier und Tinte — und schildern Sie diese ganz« Schweinerei." Zu dieser Darstellung, die, wie bereits erwähnt, im kommuni- stischen Zentralorgan„Prawda" veröffentlicht ist. kann noch folgende von Weressajew mitgeteilte Tatsache hinzugefügt werden: Vor kurzem nahm die Petersburger Abteilung des Schrifsstellerverbande» eine Untersuchung der materiellen Lage ihrer Mitglieder vor. E» stellt« sich heraus, daß die Mehrzahl von ihnen in bitte- rer Not lebt und daß bei vielen von ihnen ein solche« Elend herrsche, daß sie monatelang nicht ihre Wäsche wechseln können und halbverhungert sind. Trotzdem werden sie von den Finanzbehörden mit de.i hohen Steuern belastet, die für die Angehörigen der freien Berufe festgesetzt sind._ Unser neuer Roman. Der dänische Schriftsteller S v« n d Fleuron hat sich durch ein« Reihe von seltsamen Tlerbüchern in kurzer Zeit einen Weltruf erworben..Strix"..Die rote Koppel", „Wie Kalb erzogen wurde,„Felddürger Lampe"..Schnipp Fidelius Adelzahn" lauten die Titel seiner Romane, deren Helden ein Uhu. eine Fuchsfamilie, ein Damhirsch, ein Hase, ein Dackel sind. Diesen reiht sich als einer der schönsten der Hechtroman„Schnock" an, mtt dessen Veröffentlichung wir heute beginnen. Was ihn wie die andern Werke Fleurons auszeichnet, ist die einzigartige Fähigkeit des Autor«, sich ohne oll« menschliche Ueberhebung und Begönne- nmg vollständig in die Seele und das Dasein der Tiere einzuleben. Es wird hier nicht» beschönigt und nichts karikiert. Der Leser findet Eingang in eine Welt, die in Wahrheit.jenseits von gut und böse" liegt, die ihm anfangs fremd erscheinen muß, in der er sich aber sehr rasch heimisch fühlt. Mit einer Anteilnahme, als handle es sich um die Entwicklung eines interessanten menschlichen Charakters, verfolgt er die Lebensgeschichte, die spannenden Aben- teuer, die Kämpfe. Siege. Niederlagen und das unrühmliche Ende der großen Massenniörderin Schnock, und er erhält zugleich interessante und wertvolle Einblicke in das vielgestaltige Leben und Treiben jener Wesen, deren Dasein in sumpfigen Wasserläufen und stillen Teichen sich abspielt. Leopold Graf von kalckreuth kann heute auf seiner Besitzung in Eddelsen bei Hittfeld, in der Nähe Hamburg», fein 7 0. Lebens» jähr vollenden. Der Präsident de» Deutschen Künstlerbundes stammt aus Düsseldorf, fein ZZater Stanislaus hat den Posten des Akadcmiedirektors in Weimar bekleidet und �i« einst berühmten heroischen Landschaften gemalt, und auch in der Familie seiner Mutter, einer geborenen Cauer, war das Künstlerblut erblich. Leo- pold Kalckreuth war Schüler seines Doters, er ging dann zu Benczur nach München und nach Holland auf Studienreisen. Sein ensschei- denves Vorbild wurde Millets sozial gefärbte Realistik, wurden aber auch die Holländer, die Landschafter, die Porträtisten. Seinen ersten Das Kompromiß wird bei den Inflationsopfern keinen Jubel hervorrufen. Im Gegenteil wird es Anlaß zu neuen Auseinandersetzungen geben, die durch ein politisches Moment verschärft werden. Der Abg. Dr. Best ist aus der deutschnationalen Reichstagsfraktion nach heftiger Auseinandersetzung ausgetreten. Man sagt, daß er diesen Schritt nicht aus eigenem Entschluß herbei» geführt hat. Dr. Best wird als Gast der völkischen Ber- einigung beitreten.__ Das pogromlieö erlaubt! lCberverwaltungsgericht gegen Regierung. Ter dritte Senat des Oberverwaüungsgerichts unter Vorsitz des Präsidenten dieses Gerichtshofes. Minister a. D. D r« w s, haUe sich am Donnerstag mit dem Streit um das Borkumlied. und zwar mit einer Klage der Landgemeinde Borkum gegen den Oberpräsidenten von Hannooer zu beschästigen, die die Aufhebung der Berfügung über die Verhinderung der Spiele des sogenannten Lorkumliedes verlangt. Wie der Berichterstatter des Senats dar- legte, handelt es sich bei dieser Angelegenheit um einen Streit zwischen der Gemeinde bzw. der Badedirektion Borkum und den preußischen Behörden, der bis auf das Jahr 1319 zurückgeht und sich um den letzten Vers der sogenannten Borkumhymne dreht. Dieses Lied besingt nach der Melodie„Wir halten fest und treu zusammen" die Schönheiten des Nordseebades Borkum in einer Reihe von Versen, deren letzter den die Ursachen des Streites bildenden Refrain aufweist: »Doch wer dir naht mit platten Füßen, mit krummer Nas' und Haaren kraus. soll deinen Strand niemals genießen,: er muß hinaus, er muß hinaus!" ( Diese« Lied wird angeblich seit 40 Iahren von den Borkumer Badegästen gesungen. Nach dem Kriege verlangte man. daß die Kurkapelle es regelmäßig nach ihren Konzerten in der Wandel. halle am Strand spielen sollte, was die Musik zunächst ablehnte, worauf die Badegäste diese Forderung durch einen Demonsirations- zug zur Gemeindevertretung durchsetzten. Seit 1313 spielt nun die Kapelle regelmäßig dieses Lied, das von de» Gästen mit- gesungen wird. An diesem Zustand änderten auch nichts die Vorstellungen von Kreisen, die an diesem Liebe Anstoß nahmen. Auf mehrfache Vorstellungen beim Oberpräsidenten von Hannover, die zu Anweisungen an den Regierungspräsidenten von Aurich führten, erfolgte zunächst nichts, da nach Ansicht der Provinzial- b-Hörden keine Handhabe zum Eingreifen bestand. Erst als der Oberpräsident mitteilen ließ, daß der Minister des Innern ein entschiedenes Austreten gegenüber dem verhetzenden Treiben in den Nordseebändern oerlangt habe, forderte der Regierungspräsident durch den Landrat von Emden die Gemeinde. Vertretung auf, da» Spiel dieses Liedes einzustellen. Am 21. Juni 1923 erging eine Verfügung des Regierungspräsidenten an den Landrat, im Kommunalaufsichtswege den Bürgermeister von Borkum zu veranlaflen. das Spielen des Borkum- liebes durch die Kurkapell« zu verbieten und sich selbst beim Ab- singen des Liedes durch Badegäste neutral zu verhalten. Daraus- bin unterblieb da» Spiel des Liedes, das ab« täglich von dm Badegästen gesungen wurde. Bekanntlich kümmerte sich Borkum auch um diese» Verbot nicht, so daß schließlich mit Polizeigewalt die Kurkonzerte verhindert werdm mußten, ein Schritt, der zu«in« Anzahl von Strafverfahren, u. a. gegen den Pastor Münchmeyer und dm Badedlrektor Hempelmann führte, die beide wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu 20 M. Geldstrafe verurteilt wurden. Als Vertreter des Ministeriums des Innern legte Ministerial- rat Schütze dar: Die Tatsache, daß der Refrain des Liedes die ge- walksame Entfernung der Zuden verlange, mache es dm jüdlschm Staatsbürgern unmöglich, in Borkum Erholung zu suchen, was wiederum gegen Arkikel 111 d« Reichsverfasinng sFreizüglgkeit all« vmkschm Im Reich) verstoß«. Es sei Bf licht der Polizei. jedem Staatsbürger zum Genuß diese» Rechts zu verhelfen. Di« Pogromfllmmnng, die nach den Feflstellnugm des Amtsgerichts Emden die Anwesmheit eines Zuden in Borkum ouslösm würde, hätte thrm wesentlichsten Grund ln der aufreizen dm Borkum Hymne. deren Spiel deshalb zu verbieten gewesen sei. Nach sehr langer Beratung fällte der Senat seine Entscheidung dahin, daß die polizeilichen Verfügungen des Landrats von Borkum vom 10. Juni 1324 und 12. Juni 1924 unter Auf- Hebung des Bescheids des Oberpräsidenten außer Kraft zu setzm seien. In der Begründung wird ausgeführt, daß das poli- zeiliche Verbot nur bei einer Gefährdung der ösfentlichen Ruhe und Ordnung gerechtfertigt wäre. Nach der Auffassung des Oberver- waltungsgerichts hätte die Polizei sich zunächst an den halten müssen, von dem die Störung unmittelbar ausging. Die Störung wäre aber nicht von dem Spielen der Melodie ausgegangen, sondern sie könnte nur in dem Gesang der letzten Strophe der Borkumhymne erblickt werden. Also hätte die Polizei durch eine Verfügung da» SIngm dies« Strophe v«bielm und gegen eine llebertrewng des Verbots mit polizeilichen Mitteln einschreiten, nicht aber der Kurkapelle das Spielen der an sich einwandfreien Melodie verbieten sollen. � Durch dieses salomonische Urteil, für das«in früherer preußischer Innenminister verantwortlich zeichnet, wird d i e systematische Aufforderung zu Iudenpogro» men gerichtlich gebilligt! Denn daß die Polizei nicht imstande ist, sämtliche antisemitischen Kurgäste unter Führung des Pastors und des völkischen Majors Henning jeden Abend am Singen verhindern kann, ist sicher auch dem früheren Minister Drews klar. Die Entscheidung des Ober- verwaltungsgerichts stellt sich also als eine stillschweigende Genehmigung zur gewaltsame nVerhinderungder Freizügigkeit südischer Mitbürger dar. Keine Reinigung! Was tut daS Justizministerium? D« Amtlich- Preußische Pressedienst teilt mit: Durch die Presse geht die Mitteilung, daß gegen die mit der Bearbeitung der Straf- jadje gegen Barmat und Genossen(und damit früh« auch gegen H ö f l e) befaßten Beamten ein disziplinar isch-s und straf- rechtliches Verfahren eingeleitet worden sei. Diese Mit- teilung ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst von zuständiger Seite«fährt, unrichtig. Die Berliner Korrespondenz, die die dementiert« Mit» teilung verbreitete, sprach von einer amtlichen Meldung. Was tut das Justizministerium? Prüft es, ob eine Reinigung nötig ist?__.,< Um üie Schulü Dr. Thieles. Aerztliche«utlastuugSv-rsuche. Auf einem Vortragsabend in den Räumen des Instituts für Sexualwissenschaft führte vor einer hauptsächlich aus Aerzten und Juristen bestehenden Zuhörerschaft der Arzt Dr. Kronfeld, offen- bar in direktem Austrag Dr. Thieles, eine ganze Reihe von Tat- fachen an. die den Eindruck«wecken, daß weniger der Gefängnis» arzt selbst als das von den Ministerialbehörden aufgezwungen« System die Schuld am Tode Höste» trag«. Gegen diese, System soll sich Dr. Thiele selbst wiederholt zur Wehr gesetzt haben, doch sei er als Beamter eben wegen diese» Widerstandes gemaßregelt worden. Es wurde hier sofort gegen etwaige Versuche entschieden Stel- lung genommen, den Gefängnisarzt Dr. Thiele als den allein Schuldigen zum Sündenbock zu machen. Dielmehr haben wir stet» auf die Verantwortung der Verfass« des berüchtigten Ministerial- erlasses sowie der Staatsanwälte, Untersuchungsricht« usw. hin- gewiesen und deren Maßregelung gefordert. Aber selbst wenn man, wie wir es bereits getan haben, dem Dr. Thiele in aller Objektivität jene mildernden Umstände zubilligt, so geht e» unseres Erachtens zu weit, ihn überhaupt von jeder Schuld freizusprechen. Dielmehr hat die parlamentarische Untersuchung bereits deutlich ergeben, daß d« Leiter des Moabiter Gefängnis lazarett es fich bei der Behandlung Höfles grobe Unterlassung»sünden hat zuschulden kommen lassen, die durch keinen Erlaß entschuldigt werden können. Und es ist daher durchaus gerecht, daß auch er die Konsequenzen für seine Fahrlässigkeit trag«. Der Prozeß gegen Minister Hermann. Verdächtigung leicht— Rehabilitierung schwer. Vor der großen Strafkammer de« Thüringischen Landgerichts Weimar findet heute die Berufungsperhandlung gegen den früheren Minister Genossen Hermann statt, der vom Schöffengericht von der Anklage der Beiseiteschaffung von Akten freigesprochen, wegen unb«echtigter Auszahlung von Geldbeträgen an«inen früheren Beamten zu 1000 Mk. Geldstrafe oerurteilt worden war. Gegen das Urteil war von der Staatsanwaltschaft und der Berteidigung Berufung eingelegt worden. Die Rechtsanwälte Dr. Kurt Rosenfeld-Berlin und Bluth-Eisenoch wollen in der zwei- tägigen Verhandlung den Beweis dafür führen, daß es sich bei den Beträgen, in Goldmark umg«echnet, im ganzen nicht mehr als 100 Mk. handelte, und daß der Minister berechtigt war. diesen Betrag zu verausgaben. Di« Staatsanwaltschaft erstrebt nicht nur die Auf- recht«haltung des erstinstanzlichen Urteils, sonkwm auch Verurteilung. soweit früher Freisprechung erfolgt war. Die Politik öes Zentrums. Eine Kundgebung deS ZeutrumSvor�aude«. D« Reichsparteivorstand de« Zentrums schloß am Donnerstagmittag seine Beratungen üb« die politische Loge ab und veröffentlicht folgende Kundgebung: .Der am 13. und 14. Mai in Berlin versammelte Reichspartei- vorstand gedenkt voll Genugtuung all der Freunde und Mitarbeiter im Land, die in treuer Anhänglichkeit sich in den verflossenen Kämpfen für die Sache der Partei eingesetzt haben. Dem verdienten Führ«, Reichskanzler a. D. Marx, sprechen wir für seinen hingebungsvollen Dienst an Boll und Vaterland besonderen Dank und An- erkennung aus. Die Entscheidung um den Reichspräsidenten hat dt« Zentrums» Partei an die Seite derjenigen Parteien geführt, die in den schwierig» sten Augenblicken der Ration mit uns gemeinsam den Absturz in anarchische Zustände oerhindert, die Einheit d«» Reiches«halten und damit die Grundlagen zu neuem Aufstieg geschaffen haben. Wie in jenen Tagen, so hat die Zentrumspartei auch in den politischen und parlamentarische» Kämpfen, die hinter uns liegen, ihr« eigenen Grundsätze und ihre besondere lleberlieferung ungeschmälert gewahrt. Die Art. wie d« Kamps in falschen Beschuldigungen uud Schmähungen gegen uns geführt wurde, erinnert an die schlimmsten Zeiten skrupelloser Aufwühlung politischer und konfessionell« Instinkte und hat die Zen- trumspartei im ganzen Lande mit berechtigt« SmpSrvug erfüllt. Schmerzlich berührte uns. daß einzeln« Mitglieder der Zentrumspartei in öffentlichen Erklärungen sich gegen die Parole der Partei gewandt und dabei den Satz perfochten haben,.daß den anderen die Führung, demZentrum aber die ent- scheidende Mittelstellung zufallen müsse". Der Reichsparteivorstand lehnt eine derarlige politische Selbstprelsgabe. die sich zu Unrecht auf die Windthorstsche Politik beruft, eutschleden ab. Wir anerkennen gleiche Pflicht, fordern aber auch gleiches Recht. Die Konfession ist nicht entscheidend für das Maß politischer Rechte. Der Parteioorstand gibt sich der zuversichtlichen Erwartung hin, daß die Partei in allen Landesteilen und Bezirken sich zu dem Ber» trauen und zu der Geschlossenheit zurückfinden wird, die die Zentrumspartei von jeher auszeichnet und ihre« Einfluß auf das öffentliche Leben verbürgt haben. Die politische Aufgabe der deutschen Zentrumspartei, die sich aus ihrem christlichen Charakter, au» dem Geiste ihrer großen Tradition, au» ihrem politischen Programm und den grundsätzlichen Ent- schließungen der Parteiinstanzen ergibt, bleibt unverändert. Die verhängnisvolle parteipolitische Zerklüftung und die Schärfe der Gegensätze in unserem Volke machen Dosein und Wirksamkeit ein« verfassungstreuen christlichen MiUelpartei notwendiger denn je. Zhre politische Sendung ist Mäßigung. Ausgleich uud Bermillluag. Damit allein wird die ruhige Weiterentwicklung unserer inner- politischen Verhältnisse und unserer außenpolitischen Beziehungen sichergestellt. Zwischen links uud recht» stehend, in lebendiger Ber. bindung mit den wachsenden aufbauenden Kräften in allen Schichten unseres Volke« den Erfordernissen de» Tages uns sügend und doch stets treu gegen uns selbst, wollen wir Volk, Staat und Nation gern miteinander verbinden. Was in Borurteilen und Interessen, in Gegensätzen und Haß einander gegenübersteht, soll zur Gemein- s ch a f i hingeleitet werden. Ueb« den Besonderheiten d« Stämme, Stände und Parteien wollen wir die Einheit von Volk und Reich pflegen uud mit Umsicht und zäher Ausdauer an der Erlösung von Ruhr und Rhein und der Freiheit der gesamten Nation arbeiten. Das ist der politische Gedanke unserer bewährten deutschen Zcntrumspartei. Diesen großen Zielen«wer wahrhast christlichen, volkstümlich-sozialen und nationalen Politik wollen wir dienen. Ihr gilt unsere Kraft. Mit dem Volk und für das Dolk! Freunde, schließt die Reihen! In Vertrauen und Zuversicht voran!" Eine baperische Ungeheuerlichkeit. Ausuahmegesetz gegen unbequeme Opposition. München. 14. Mai.(MTB.) Die bayerische Staatsregierung hat im Landtag«inen Gesetzentwurf zur Abänderung einzelner Paragraphen der Verfassung«ingebracht. Die wichtigsten Bestimmungen der Vorlage sind, daß auf Der, tust derMitgliedschaft desLandtages zu erkennen ist, wenn Abgeordnete in gewinnsüchtiger Absicht Ihren Einfluß als Abgeordnete mißbraucht haben, wenn Abgeordnete vor- sätzlich geheime oder vertraulich« Mitteilungen aus Plenar. oder Ausschußsitzungen unt« Verletzung der Schweigepflicht zur Kenntnis eines anderen gebracht haben, wenn Abgeordnete wegen Hoch- oder Landesverrat« oder wegen Verrats militärischer Geheimnisse rechtskräftig verurteilt worden sind, od« wenn sie sich zum Zweck der gewaltsamen Aenderung der Verfassung des Deutschen Reiches oder des Freistaats Bayern zum Gehör- sam gegen andere verpflichtet haben. In d« Begrün- düng wird ausgeführt, daß die Regierung ei» Derbst der Ueb«» nahm« von Aufsichtsratsstellen durch Abgeordnete für praktisch un- durchführbar hält. Dagegen soll d« Mißbrauch solch« Beibin- düngen durch den Gesetzentwurf getroffen und oerhindert werden. * Die bayerische Regierung plant unter der besiebten Maske„Reinigung des öffentlichen Lebens" ein Ausnahme- gesetz. Der Entwurf zielt auf die Kommunisten, gestattet aber jeder Regierung, mit Anklagen und Schikanen gegen jede un- bequeme Opposition vorzugehen. Ein solches Gefetz ist unver- einbar mit einer wahrhaft parlamentarischen Verfassung. Frage: Will die bayerische Regierung dem Gesetz viel- leicht auch rückwirkende Kraft gegen die Völkischen und Hitlerleute geben?__ Vertagung öes Lanötags. Städte» uud Landgemeindeverorduuug. In der Forffetzung der Aussprache über die Uranträge Herold(Z.) auf Annahme eines Entwurfs für eine preußische Städteoronung und eines solchen für«ine preußische Landgemeindeordnung sprach Abg. v. Eyuern(D. Lp.): Ob das Zentrum zweckmäßiger oer- fahren ist, wenn es die Beschlüsse des Ausschusse» de» ersten Land- tages dem Hause zur Uebernahme und Annahme empfiehlt, erscheint nach den Aeußerungen der Redner der Sozialdemokraten und der Deutschnationalen mehr als zweifelhaft. Es wäre schließlich über- Haupt vorzuziehen, mit der Inangriffnahme der Lerwaltungsresorm so lange zu warten, bis in Preußen Verhältnisse eingetreten sind, die etwas weniger von politischen Leidenschaften beherrscht werden. Abg. heym-Suhl(Komm.): Es handelt sich ber dieser Materie um eine ökonomisch-politische Machtfrage. Von wirklichem demo- kratischen Recht ist in den Entwürfen nicht» zu spüren: man läßt so gut wie alles beim alten. Abg. Dr. Breuß(Dem.): Die beiden Fraktionen der Linken sollten ihre Beanstandungen des Zsntrumsantrages in einem Eegenentwurf formuliert dem Hause unterbreiten. Aber auch ohne das wird der Ausschuß viel Arbeit finde.« Auf dem vom Zentrum eingeschlageuen Weg« lst die Sache nicht zu machen. Eine fruchtbare Verwaltungs- refonn kann ohnehin nicht vom Parlament allein geschaffen werden: bisher hat es aber an jeder Führung durch die Regierung gefehlt. Abg. Müllea-Aranken(Wirtsch. Vereinig.) erkennt ein Bedürfnis für die Revision du vielfach antiquierten Städte- und Land- gemeindeorhnung an. Abg. Biester(Dtsch-Hannov.) wendet sich insbesondere gegen die Aufrechterhaltung des Bestätigungsrechts der Auffichtsbehord« für die gewählten Bürgermeister, Beigeordneten, Gemeindevorsteher und Schöffen. Die beiden Anträge gehen darauf an den 21. Ausschuß. In zweiter und alsbald auch endgültig in drstter Lesung ge- nehmigt das Haus den Gesetzentwurf über Aenderungen de« Be- omten-Diensteintommengftetzes und mehrerer anderer Gesetz«, wo- durch diese mit den im Reiche ergangenen neuen Vorschriften über die Bersorgungsbezüae usw. in Uebereinstimmung gebracht werden. Das Haus beschließt dann noch über zwei Eingabenberichte nach den Antröge« des Gemeindeausschusses.— Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung: Dienstag, den 3. Juni, 1 Uhr nach- mittag».(Borläufige Regelung des Staatshaushalts, Amnestie- antrage.) Mit dem Wunsche vergnügt« Feiertag« entläßt d« Präsident die Mitglieder de« Landtages.— Schluß-42 Uhr. Der bulgarische Sürgertrieg. Sofia. 13. Mai.(Eigenbericht.) Bulgarien leidet seit Schluß des Weltkrieges unter der Bürde, die ihm von den Siegerstaaten auserlegt wurde. Die wirtschaftlich« Lage hatte sich sehr bald bis zur Unerträglichkell verschlechtert, so daß sich der breiten VoUsmassen «ine Verzweiflungsstimmung bemächtkgie. Kein Wunder, daß weite Schichten der Bevölkerung Beeinflussungen von außerhalb de» Landes, vor allem der Agitation Moskaus, erlagen. Das trifft nicht zuletzt auf die Bauern zu. Die Regierung des Bauerndiktators Stambulistq gab z. B- dem Drängen der Kommunisten sehr stark nach. Di« Folge war, daß sich in den Städten die Arbeiter- k l a s s« und die Intelligenz gegen ihn«hob. Da» führt« schließlich zu dem blutigen Umswrz des 3. Juni 1923, der mll dem Tode Stam- ouliskys endet«. Die Regierung des Professors Zankoff. die den dringend nötigen Ausgleich schaffen sollte, vermockste jedoch nicht, die Fühlung mit den Voiksmassen aufzunehmen und zu festigen. Infolgedessen glitt die Regierung immer mehr nach rechts ab und ent- wickelt« sich allmählich zu ein« Gewaltherrschaft der poli- tischen und wirtschaftlichen Reaktion. Gegen sie verschworen sich gemeinsam die Anhänger Stamduliskys und die für illegal«klärten Kommunisten. Die Leitung übernahm Moskau. So begann in dem unglücklichen Lande der Kamps zwischen zwei Mächten: von oben die Diktatur der Regierung, von unten die Anarchie. In diesem Ringen gingen die Bemühungen der bulgo- rischen sozialdemokratischen Partei in Presse, Parlament und öffentlichen Versammlungen dahin, die Regierung vom Weg« ein« Gewaltherrschast a b zubringen, die Volksmassen aber zurück- Zugewinnen und loszureißen aus der Gefolgschaft von Kommunisten und Bauernpartei. Daran war nur zu denken, wenn die Regierung den Bedürfnissen der breiten Massen entgegenkam. Gleichzeitig wirkte Moskau durch reiche Gaben und Versprechungen. Die Span- nung zwischen Reaktion und Anarchie entlud sich immer mehr in räuberischen Ueberfällen, Morden und Attentaten. Sie führte schließlich am 16. April zu dem beispiellosen Attentat auf die Kathedrale in Sofia. 208 Männer, Frauen und Kinder wurden dabei unter den Trümmern der Kirche begraben, etliche hundert v«- wund et. Als Folge dieser Schreckenstat, durch die das ganze bulgarische Volk ausgebracht wurde, verhängte die Regierung den Kriegszustanö. Die Mehrheit des Parlaments hieß diese Maßnahme gut. Selbst die Vertreter der Bauernpartei stimmten unter dem Eindruck des Attentats für den Kriegszustand und damit für die Regierung, um sie»im Kampfe mit den Zerstörern de» Staates, der Ordnung und ddr Ruhe der Bevölkerung zu unterstützen". Als einzige Fraktion lehnte die sozialdemokratisch« den Kriegszustand ab. Ihr Wortführer. Genosse S a k a s o s s, gab dabei eine Erklärung ab, in der als die moralisch Verantwortlichen für die verbrecherische Tat des Kathedralen-Attentates die B o l s ch e w I st e n beschuldigt werden. Gleichzeitig aber rückte die Sozialdemokratie Bulgariens scharf von der Zwangsherrschaft der Regierung Zankoff ab, deren Maßnahmen nur Gegendruck erzeugen müßten. Di« Sozialdemo- kratie seh« das sicherste Mittel, den Frieden im Lande aufrecht- zuerhalten, nicht in außerordentlichen Maßnahmen wie dem Kriegszustande, sondern in Schritten der Regierung zur Be- f r i e d i g u n g des politischen Strebens und zur Hebung der wirtschaftlichen Lage des Volkes. Gleichzellig gab sie der Ueherzeuguna Ausdruck, daß sich die Volksmassen auf die Seit« der Demokratie stellen werden, um einen dauernden politischen und wirtschaftlichen Fortschritt zu erzielen. Die sozialdemokratische Partei Bulgariens betrachtet es als ihr« Pflicht, nach wie vor ihre ganze Kraft einzusetzen im Interesse einer wirklichen Befrieduno des unglücklichen Landes. Sie glaubt, daß die herrschende Anarchie nur beselligt werden kann durch ein System wahrer Gerechtigkeit und Freiheit. Sie hofft in ihrem Streben auf die Unterstützung der sozialistischen Parteien aller Länder und der Demokratie ganz Europas, damit Bulgarien möglichst bald wettere Erschütterungen, wie sie der Aus- gong des Wellkrieges für da» Land gebrocht hat, erspart bleiben. Selbstbeschimpfung. Der von un» im Abendblatt glossierte Artikel eines»hervorragenden Juristen", der sich mit den parla- mentarischen Untersuchungsausschüssen beschäftigte, stand in der deutsche» Zeitung", nicht in dar»Deutsch« Tageszeitung". Gewerkschaftsbewegung Die Technische Nothilfe in Nöten. Die„ Teno" ist in Not! Sie fürchtet ihren Abbau und möchte mun erst recht alle Welt von ihrer Unentbehrlichkeit überzeugen, sich als dauernde Einrichtung behaupten. Sie mag einmal notwendig gewesen sein, als in dem Tohuwabohu der ersten Nachkriegszeit es in manchen Betrieben drunter und drüber ging. Diese Zeiten sind vorüber und damit auch die Zeit der„ Teno". Sie ist überfällig. Allein die„ Teno" will das nicht einsehen und will nicht meichen. Und weil sie schon einmal noch da ist, ist sie cifrig bemüht, den sehr schwierigen Beweis ihrer weiteren Eristenzberechtigung zu erbringen und sucht sich allenthalben nüzlich und wichtig zu machen. Ihre frampshaften Anstrengumgen, sich einzusetzen, zeigen jedoch nur um so deutlicher, 9 Staatsform es vor, mit den Katholischen zusammenzubleiben. Um aber diese Schwäche zu bemänteln, behauptet der Verfaffer, die„ Entwicklung" habe gezeigt, " Josef Simon, 25 Jahre Verbandsvorsitzender. Es sind heute 25 Jahre her, seitdem der Reichstagsabgeordnete Genosse Josef Simon zum Verbandsvorsitzenden des Zentralverbandes der Schuhmacher gewählt wurde. Im Jahre 1885, noch unter dem Sozialistengesetz, hat sich Simon als junger Schuhfabrikarbeiter der Gewerkschaft wie der sozialdemokratischen Partei angeschlossen. In Offenbach, in Mainz, in Erfurt, überall wirfie Simon für seine Berufskollegen, ebenso für die allgemeinen InSeit 1907 ist er auch inter= teressen der Arbeiterklasse. daß große Teile der evangelischen Arbeiterschaft in den freien Gewerffchaften geblieben sind, aus Abneigung gegen die Zentrumsgewertschaften." Ganz im Gegenteil! Die Entwicklung" hat etwas anderes gezeigt, und zwar erst noch bei den jüngsten Wahlen. Auch die Teile der evangelischen Arbeiterschaft in den freien Gewerkschaften" haben eine weit geringere Abneigung gegen die links orientierten Zentrumsgewerkschaften als gegen die evangelischen nationaler Sefretär der Schuh- und Lederarbeiterorganisation. Feinde der republikanischen Staatsverfassung. 1907 wurde er in den bayerischen Landtag gewählt, dem Machten die mehr zur alten Staatsverfassung neigenden evange er bis 1918 angehörte. Seit 1912 ist er Mitglied des deutschen lischen Kreise einmal die Probe aufs Erempel, erlebten sie Reichstags. Auch der verfassunggebenden Nationalversammlung hat er angehört. Nach der Revolution war er einige Monate lang als Handelsminister Mitglied der bayerischen Regierung. So entfaltete Simon neben seiner Arbeit für den Schuhmacherverband auch eine intensive öffentlich- politische Tätigkeit. Troy Nur noch bis Montag! wie unnüß sie geworden ist. Ihre weitere Griſtenz wird Deutsche Heimarbeit- Ausstellung 1925 feiner fast 60 Jahre gehört er zu den pflichteifrighten und treuesten mehr und mehr gemeinschädlich, da sie den Unternehmern in jedem Konflikt zur Verfügung steht, zu Arbeiten, die einseitig von den Unternehmern als Notstandarbeiten bezeichnet werden, so daß die betreffenden Unternehmer oft feine Veranlassung zu haben glauben, fich mit ihrer Belegschaft zu verständigen. Landesausstellungshallen am Lehrfer Bahnhof. Geöffnet von 10 Uhr vormittags bis 9 Uhr abends. Eintrittspreis an der Kasse 30 pf. Für Gewerkschaftsmitglieder sind Karten für 20 Pf. in den Gemertschaftsbureaus zu haben. Arbeitsloje erhalten in den Gewerkschaftsbureaus Freikarten. ** Berfäume niemand den Besuch! Da die„ Teno" vaterländisch" ist, hat sie außer dem Unter nehmertum auch die„ Baterländischen" auf ihrer Seite. Die maß gebenden Gewerkschaften aller drei Richtungen aber empfinden die Teno" mehr und mehr als eine gegen die Arbeitnehmerinteressen gerichtete Einrichtung, mit der einmal Schluß gemacht werden muß. Deshalb haben ihr blaues Bunder. Es handelt sich jedoch für sie lediglich darum, die freien Gewertschaften im Verein mit den Christ den Einfluß der nach rechts neigenden evangeli. lichen und Hirsch Dunderschen Gewerkschaften ein gefchen Seite innerhalb der christlichen Gewert meinsames Schreiben an den Reichskanzler, das schaften zu verstärken. Klagt doch Emil Kandzia darüber, Reichsministerium des Innern, das Reichsarbeitsministerium, das daß in überwiegend evangelischen Gegenden katholische Getres Reichsfinanzministerium und die Fraktionen des Reichstages gerichtet, färe angestellt worden seien, die Verbandsvorstände seien aus überin dem u. a. die Vorbereitung zur Auflösung der Tech wiegend fatholischen Mitgliedern zusammengefeßt, die Mehr nischen Nothilfe für den Ablauf des nächsten Etatsjahres ge. zahl der Verbandsvorsitzenden sei fatholisch), worauf er es zurüdfordert wird. Begründet wird dieses Ersuchen im allgemeinen mit führen will, daß evangelische Arbeiter den freien Gewerkschaften ander Bereitwilligkeit der Arbeiter, im Streitfalle gehörten. die Notstandsarbeiten selbst auszuführen. In ihrer Not hat sich nun die„ Teno" um Hilfe an die schwer industrielle Telunion" gewandt, die ihr diese Nothilfe auch leistet, indem sie ihr ihren Apparat zur Verfügung stellt, um diese von den Gewerkschaften versicherte Bereitwilligkeit in Zweifel zu ziehen. Doch nach Verrichtung dieser lezten Notstandsarbeit, zu der der eigene umfangreiche Reflameapparat der„ Teno" nicht mehr ausreichte, wird die„ Teno" ihren Eifer zügeln und sich zurückziehen müssen. Sie sollte bemüht sein, in Schönheit zu sterben, in der tröst lichen Gewißheit, daß es auch ohne sie geht. Das Deutsche Reich und seine Wirtschaft bleiben bestehen und alle Arbeitskonflikte werden nach wie vor, und zwar rascher ohne die„ Teno" als mit ihr, ausgeglichen werden. Chriftliche Splitterdebatte. Es gibt rein fonfessionell betrachtet zwei Sorten von Christen: fatholische und evangelifche. Die christlich organifierten Arbeiter haben in ihrer Organisation bisher wenigstens diesen konfessionellen Unterschied überbrückt. Neuerdings sind jedoch Kräfte am Wert zur Schaffung evangelischer Gewerffchaften, das heißt zur Spaltung der christlichen Gemertschaften in katholische und evangelische. Ein evangeli cher Gewerkschafter, Emil Kandzia, fritt mun im 3entrai blatt der christlichen Gewertschaften diesen Bestre. bungen entgegen, nicht ohne in christlich- brüderlichem Sinne für die Evangelischen etwas verschämt gewisse Ronzessionen zu fordern. Er verfichert, objektiv zu bleiben, machdem er den folgenden Satz niedergeschrieben hatte: „ Uebersehen darf auch nicht werden, daß die größte Freude über fonfessionelle Bewertschaften im Lager der freien Gemertschaften vorhanden sein würde, die in ihrer Presse indirekt die Bildung konfeffioneller Gewerkschaften befürworten." Solange Herr Stand zi a für die Behauptung, unsere Gewert Wir wollen uns in diesen brüderlichen Streit durchaus nicht einmischen. Es handelte sich für uns lediglich darum, die unter: ftellung zurüdzumeisen, als ob wir in unserer Presse oder sonstwie die Absplitterung der„ Evangelischen" befürwortet hätten, eine Unterstellung, die mit der weiteren Behauptung nicht recht vereinbar ist, als ob die evangelischen Arbeiter in den freien Ge= werkschaften nur auf eine evangelische Gewerf= fchaftsgründung marteten, um ihr in Scharen zuzuftrömen und wir diese Massenflucht" aus den freien Gewerkschaften in reaktionär evangelische Splitterorganisationen obendrein begünstigten. Wir be günstigen solche Gründungen nicht, doch noch weniger fürchten wir fie. Eine Blüte des Antreibersystems. Uns geht folgende Beschwerde zu: In der Sahnebonbon jabrit von Bröderna Kanold führt die Aufsichts. dame Frau Briegé ein sehr strenges Regiment über die pielen jungen Mädchen, welche dort mit Bonbonwide in im ford mühepoll ihr Geld verdienen müssen. Der Aftordverdienst dieser Proletarierfinder ist nicht so glänzend. Sie müssen eifrig arbeiten, um zu ihrem Gelde zu kommen. Frau B. will offenbar nicht überflüssig sein. Sie duldet nicht, daß die jungen lebenslustigen Mädchen auch nur ein Wörtchen bei ihrer Affordarbeit sprechen. Damit dem Kapital auch nicht ein Pfennig- Bruchteil verloren geht, heißt es für fie antreiben, anjohnauzen und wieber antreiben. Go den Arbeitsräumen eines modernen Gefängnisses für die Insassen nicht fein, als für die jungen Mädchen in der Bonbonfabrik unter der Fuchtel der Frau B " Das System", das immer weiter ausgebaut wird, hat folgende barin einige Worte austauschte, bekam sie zur Strafe zwei große Blüte gezeitigt: Als eine junge Bonbonwidlerin mit ihrer NachLeukoplastpflaster über den Mund geklebt. Diese wurden er st nach etwa zwei Stunden nach einer Ermahnung des Herrn Direktor H. abgenommen. Arbeitern am Werk des Sozialismus. Der Glaube an die hohe Mission des Proletariats hat ihm Geist und Körper frisch und rege erhalten. Reichsbahn und Eisenbahngewerkschaften. Berlin, 14. Mai.( TU.) In der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellschaft fanden heute Verhandlungen zwischen den Vertretern der Eisenbahngewerffchaften und dem ft e 1 1pertretenden Generaldirektor Staatssekretär a. D. Stieler statt. Die Vertreter der Gewerkschaften brachten ihre Wünsche vor, die sich in der Hauptsache auf Personalfragen beziehen. Staatssekretär a. D. Stieler antwortete eingehend auf die Bünsche der Eisenbahner und nahm Gelegenheit, ihnen ein genaues Bild über die gefamte Wirtschaftslage der Reichsbahn zu geben. Die Gewerkschaftsvertreter werden, wie wir hören, ihre Bünsche demnächst auch dem Reisverkehrsminister vortragen. Weitere Stillegungen im Ruhrgebiet. Aus Dortmund berichtef Mtb.: Die wirtschaftliche Lage im Dortmunder Bezirk geht einer weiteren Verschärfung entgegen. Maßgebend dafür ist vor allem die Tatsache, daß auch bei Gruben im Dortmunder Bezirk umfassende Stillegungsmaßnahmen be absichtigt sind. Im Laufe der nächsten Woche werden voraussichtlich In der 1500-2000 er garbeiter entlassen werden. Schwerindustrie machen sich Anzeichen eines größeren Abbaues von Angestellten bemerkbar. Die Union hat die Entlassung von 150 Angestellten angekündigt. Nach einer Bekanntmachung der Verwaltung des Bochumer Bereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation sieht sich das Wert infolge der ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse zur Ent laffung einer Anzahl Beamten und Arbeiter genötigt. Achtung, Bezirksamt Kreuzberg! Am Montag, den 18. Mai, nachmitags. 4% Uhr, bei Reim, Urbanstraße 29, Versammlung aller SPD.- Arbeiter,-Angestellten und Be amten, Tagesordnung: Unsere Aufgabe als Sozialisten". Referent Genoffe Karl Litte. Rahlreiches Erscheinen ist dringend notwendig. Mitgliedsbuch ist mitzubringen. Der Fraktionsvorstand. Achtung, Zimmerer! Bon heute, Freitag, an bis zum Montag, den 18. Mai, nehmen alle Beairie Stellung zum neuen Tarifvertrag und zum Abwehrkampf gegen die von den Unternehmern geforderte Affordarbeit. Die Begiete 13 und 39 tagen heute abend. Alle anderen Bezirke tagen am Sonnabend, den 16; Mai, mit Ausnahme der Begitte 4( Often) und 20( ReutöIIn), melde erft am Montag, ben 18. Mai, in den bekannten Lokalen tagen. Zentralverband der Zimmerer. Berantwortlich für Boliiit: Victor Soiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Chlorn; Feuilleton: Dr. John Schitowsti; Lotales und Sonstiges: gris Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Biffen".. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.; Berlin. Druck: Borwärts- Buchdruckerei ſchaftspreſſe habe indirett die Bildung konfeffioneller Gewerkschaften tapitals, herabgefunten und nunmehr fähig, derart menschen. Die echten holländischen befürwortet, feine beweisträftigen Unterlagen herbeibringt, müssen wir diese Behauptung als eine beweislose unterstellung bezeichnen. Die freien Gewerkschaften haben an der Sonderexistenz der chriftlichen Gewerkschaften gerade genug, um weiteren Zersplitterungen das Wort zu reden. Freilich, nachdem die Entwicklung nach Kandzia dahin gegangen ist, , daß die christlichen Gewerkschaften staatspolitisch das Bild zeigen, daß die katholischen Mitglieder in ihrer Mehrzahl links orientiert find, während die evangelischen Mitglieder nach rechts zeigen, die tatholischen Mitglieder in ihrer Mehrzahl repu blitanisch eingestellt sind, während die evangelischen mehr zur alten Staatsverfassung neigen", hätten wir wirklich nichts dagegen, wenn diefe evangelischen Christen ihre innerlich arbeiterfeindliche Stellung in einer Splitterorganisation offen zum Ausdruck bringen würden. Das wäre aufrichtiger, ehrlicher und demgemäß auch chriftlicher. Allein aus der Erfenntnis ihrer numerischen Schwäche heraus ziehen die weniger fanatischen evangelischen Berfechter der alten Paletots Die Aufsicht" ist zum niederen Werkzeug des Unternehmerunwürdige Anordnungen gegen arme wehriose Arbeiterinnen auszuführen. Die Firma würde besser darauf achten, daß vorschriftsmäßige Garderoben und Speiseräume hergerichtet würden. Die Arbeiterinnen aber müßten sich ihrer Organisation an= schließen, um sich vor derartigen Uebergriffen zu schüßen. Achtung, Metallarbeiter! In der Woche vom 12. bis 19. Mai finden die Wahlkörperversammlungen flatt, die zur Jahresgeneralverfamminng am 25. Mai Stellung nehmen sollen. Alle Metallarbeiter der Amsterdamer Gewerkschaftsrichtung haben die Bahlkörperversammlungen zu besuchen. Laßt Euch nicht von den Kommunisten bluffen! Seht ihnen auf die Finger! Der SPD.- Frattionsvorstand. nicht Dreißigtausend Eisenbahner stehen auf der Abbauliste 3000, wie es in der Ueberschrift unserer diesbezüglichen Notiz im gestrigen Abendblatt heißt. Die 3iffer 30 000 im Text ist richtig. POLAK ap PUDDINGE Allwöchentlich zur selben Stunde Macht Polak's Reimer hier die Runde. In launigen und weisen Worten Empfiehlt er Tolak's Juddingsorten. Herren- Kleidung. Paletot Covercoat mittelgrau M. 48.Palefot Covercoat, Sport- Façon...... M 58.Paletol Covercoat, braun M. 85.Paletof Covercoat, prime Qualitat... M 105.Paletof Marengo, solide Qualität.... M. 60.Paletof Marengo auf Seide M 99.Anzüge u. dunkel gemustert M. 4 aufgesetzi.laschen M. Sacco- Anzug Cheviot, reihig, hell 39.Sacco- Anzug Cheviot, treihig graum 45.Sacco- Anzug sportmäßig verarb. M. Whipcord, modefarbig 65.Sacco- Anzug gestreift..... Kammgarn, mittelgrau 75.Gabardine, neueste 125.Sacco- Anzug form, aparte Muster M. Sacco- Anzug modeine Form... blau Cheviot, 1 reihig 75.Sacco- Anzug blau Cheviot, 2 reihla 80.M. M gute Qualität. M. Ulster Ulster Cheviot, mittelbraun, Schläpferform mit 4250 Gürtel. 2 reihig M. M: Ulster Cheviot, mittelgrau, mit Rückengürtel, 65.Ulster Gabardine, in grau und braun.... M. 75.Kückengürtel Ulster Gabardine, aparte Muster, 2reih'g, mit 98.M. Ulster Whipcord, schiefergran, moderne Form M. 110.arbeitung Ulster Gabardine, dunkelgran, beste Ver 115.Esders& Duckhoff GERTRAUDTENSTR 8-9 AN DER PETRIKIRCHE M Güstre- Saccos Wasch- Anzüge Belle Sport- Beinkleider Vr. 227 ♦ 42. Iahrgattg t. Seilage ües vorwärts 5reltag,1S.Ma!lH25 Kommunistenfkanüal im Rathaus. Was hat Hindenburg, Wahl zum Reichspräsidenten mit der Berliner Stadtverordnetenversammlung zu tun? Die Kam- m u n i st e n sind durch die Unentwegtheit, mit der sie im zweiten Mahlgang an der Präsidentschaftskandidatur ihres Thälmann fest- hielten, den Schwarz-Weist-Roten zu Wahlhelfern geworden. Die hierdurch ramponierte Parteiehre wiederher- zustellen, mußten sie in der gestrigen Stadtverordneten- s i tz u n g sich abmühen. Sie oersuchten das mit einem lächerlichen Vblenkungsmanäver und dem üblichen Krakeel, aus dem ihr Redner als„Märtyrer" hervorzugehen wünschte. Aus An- laß der Begrüßung fjindenburgs durch Obetbürgermeister Böß und Stadtverordnetenvorsteher Ca spart hielt Stadtverordneter Dörr eine fener Reden zur„Geschäftsordnung", in denen die Kommu- nisten„groß" find. Er legte es darauf an, durch Rüpeleien den Stadtvervrdnetenvorsteher Haß zu zwingen, daß er nach den Vor- fchrlften der Geschäftsordnung einschritt. Die schließlich befragte Versammlung entzog dem kommunistischen Redner das Wort, aber Herr Dörr hatte Auftrag, es bis zum Aeußersten zu treiben. Als zum nächsten Derhandlungsgegenstand übergegangen wurde, verließ Dörr das Rednerpult nicht, und er redete ohne Worterteilung drauflos. Obwohl bereits einem anderen Redner das Wort erteilt war, begann er immer wieder mit seiner Rede„zur Geschäftsordnung". Es half auch nichts, die Sitzung zu vertagen, denn nach Wiedereröffnung begann das alberne Spiel von neuem. Schließlich wurde Polizei herbeigerufen. aber sie konnte Herrn Dörr nicht bewegen, gutwillig den Saal zu verlassen. Das Ende war, daß Verstärkung erschien und Herr Dörr sein Ziel erreichte, am Arm hinausgeführt zu werden. Er soll sich nur nicht einbilden, daß er mit solchen Spähen heute noch Eindruck auf die Arbeiterbevölkerung macht. Der kommu» nistische Stadtverordnete Goß wollte nachher das Theater weiter betreiben. Er rempelte den Dorsteher Haß an, erhielt aber von diesem die Antwort, daß Goß ihn nicht beleidigen könne. Diese Art, einen ungehobelten Menschen abzuhin, hatte nicht den Beifall der Volkspartei. Den Angriff ihrer Redner C a f p a r i und Leidig gegen unseren Genossen Haß wies der Demokrat Dr. Meyer zurück. Danach tonnte die Versammlung an ihr« Arbeit gehen. « Die gestrige Sitzung des Berliner Stadtparloments leitete ein von den Kommunisten herbeigeführter skandalöser Zwischenfall ein, der den Eintrttt in die Erledigung der umfangreichen Tages- vrdnung vorderhand unmöglich machte. Herr Dörr hiett sich dar- über auf. daß die Begrüßung des Reichspräsidenten v. Hindenburg am Brandenburger Tor durch den Oberburgermeister Büß, namens des Magistrats, und durch Dr. Cafpari, namens der Versammlung, stattgefunden hat und daß dies im Auftrage des sozialdemokratischen Vorstehers geschehen sei. Dazu habe Haß nach der Geschäftsordnung keine Befugnis gehabt. In diese Ausführung fiel ein Zuruf des Gen. Pattloch: Jh r Id i oten habt ihn ja g e w ä h l t! wofür Pattloch zur Ordnung gerufen wurde. Unter Berufung auf die Geschäftsordnung fuhr Dörr dann fort dos Verfahren des Vorstehers zu kritisieren und ließ das wiederholte Ersuchen des Vorstehers Gen. Haß, nicht Dinge vorzubringen, die mit der Geschäftsordnung nichts zu tun hätten, völlig unbeachtet. Schließlich sah sich der Vorsteher, der wahrlich Langmut genug geübt hatte, gezwungen, unter Beru- fung auf§ 48 der Geschäftsordnung, die Versammlung zu befragen, ob Dörr das Wort entzogen werden solle, und mit großer Mehrheit wurde die Wortentziehung beschlossen. Das blieb aber auf Herrn Dörr ohne Eindruck: er verharrte auf seinem Platz auf der Rednertribüne, und als der Vorsteher daiin Stv. S ch w l e n zur Begründung der A n f r a g e der D. Wp. betreffend die Erhebung der Zählergebühr durch die Bewag das Wort ertellte, sprach Herr Dorr weiter und zwang den Vorsteher, die Sitzung aus einige Minuten zu vertagen. Nach der Wiedereröffnung erhielt Stn Schwien das Wort: sofort ober sprach Herr Dörr wetter, da ihm das Wort zur Geschäftsordnung erteill fei und er das von ihm ll Schnock. Eka Roman von See vad Sümpfen. Von Svend Fleuron. ,ttus dem Dänischen von Thyra Iakstein-Dohrenburg.) Das muntere Leben. Klares, fließendes Waffer füllte den Graben; auf dem Grunde aber lag der mattschwarze, staubähnliche Schlamm. Er lag zolldick. Schicht auf Schicht, die eine kleine Flocke über der anderen und so locker und leicht, daß ein dichter, trüber Staubwirbel sich bei der geringsten Berührung ausloste. Ein Ungeheuer mit Rachen und Zähnen, die an ein Kro- kodil gemahnten, einer flachen, verräterischen Stirn und großen, schläfrigen, bösartigen Augen lag dicht über dem Grunde des breiten, sonnendurchfluteten Quergrabens, der von der flachen Bucht des großen Binnensees ins Land einschnitt. Das ganze Ungeheuer war kaum einen Finger lang! Die aufschießenden Wafferpflanzen verhüllten seinen Kör- ver und zeichneten flüchtige Schattenrisse auf seinen runden, schlanken Schwanz. Es pflegte mit Wohlbehagen, einen treibenden Schilf- stengel vortäuschend, hier im Schlamm des Grundes sich zu tummeln, wenn die Sonne schien. Seme rotbraune Farbe mit den gettgerten Querstreifen bildete eine vortreffliche Maske. Es war nichts anderes als eine Schilfstoppel. Sogar der scharfäugige Reiher, der unbemerkt ein Dutzend Meter cnt- fernt herabgesegelt kam und nun lautlos mit langsamen, be- herrschten Schrftten immer näher und näher heranwatete, hielt es auf den ersten Blick für einen Stengel. Die ganze Geschäftigkeit eines Sommertages in solch einem Grabengewäffer umwogte den jungen Hecht... Wafferspinnen stiegen an die Oberfläche, um Lust$0 holen und dann zurückzukehren, ihren Borrat zwischen den Hinterbeinen verstauend, um im Geriesel des Quellmoores ihre silberschimmernden Taucherglocken zu vertäuen. Rücken- schwimmet, die eine hinter dem anderen, mit einer glänzenden Luftblase als Schwimmsack unter dem Bauche und einem Paar langer Beine, die gleich Riemen zu beiden Seiten weit abstanden, jagten in langen Sätzen durch das Wasser oder stiegen und sanken mit dem Tempo eines Luftballons. Der Hecht schielte nach oben und sah, geschützt durch eine Schilf- fach«, emen Schwann schwarzer, bootförmiger Taumelkäfer Vorzubringende zu Ende führen müff«. Der wiederholten Aufforde- rung, die Tribüne zu verlassen, leistete er nicht Folge, behauptet« im Gegenteil, der Vorsteher verletze seinerseits die Geschäftsordnung, weil er ihm das Wort nicht gebe. Wiederum sah sich der Vorsteher, der andauernd die Glocke geschwungen hatte, genöttgt, an die Versamm- lunz zu appellieren, ob Herr Dörr wegen dieser gröblichen Ver- letzung der Ordnung von der Sitzung ausgeschlos- [en werden solle, und wiederum trat die große Mehrheit auf die Seite des Vorstehers. Da Herr Dörr unentwegt auf seinem Platz verblieb, oertagte der Vor st eher die Sitzung abermals, auf zehn Minuten und berief sofort den Aeltestenrat zusammen. Vor diesem wüsten Zwischenakt war ein Dringlichkeitsantrog. der den Verkauf de» Raffaelfchen Porträts von Gi- u l t a n o d e M e d i c i aus der Huldschinsky-Sammlung ins Aus- land(nach London für eine Million Mark) beanstandet und die Ver- sagung der niinisteriellen Genehmigung oerlangt, einsttmmig ange- nonimen worden. Uin 6,33 Uhr wiederholte sich bei der Sitzung dasselbe Schau- spiel. Der Dorsteher erteilt dem Stv. Schwien das Wort. Dörr (auf der Tribüne): Ich bitte ums Wort zur Geschäftsordnung. Mein« Herren, ich hatte mich...(Glocke des Vorstehers.) Bor st eher: Herr Dörr/ ich bitte Sie, die Tribüne und den Saal zu verlassen. (Dörr spricht weiter.)— Ich vertage die Sitzung auf 3 Mi- nuten. Um 7 Uhr erschienen, vom Stadtrat Weg« geleitet, zwei Beamte der Schuhpolizel im Saale und gehen aus Dörr zu. Man fleht Dörr auf dir beide» einsprechen. Nach kurzer Zeit verläßt die Schupo den Saal, um alsbald, auf fünf Mann verstärkt, zurückzukehren. Nun- mehr wird Herr Dörr von 2 Schupobeamlea in die MM- genommen and unter dem johlenden Beifall der konimunlsten und händcklaifchen einzelner Tribünenbesucher hinausgeführt. Darauf erscheint der Dar st eher Haß. erklärt dt« Sitzung für wiedereröffnet und gibt dem Stv. Schwien das Wort, der nunmehr endlich die erwähnte Anfrage begründet. Darauf Goß(Komm.) zur Geschäftsordnung: Wir betrachten das Borgehen des Vorstehers als einen groben Unfug der Geschäftsordnung und legen schärfsten Protest dagegen ein, daß er dem Sto. Dörr das Wort entzogen hat, obwohl Dörr lediglich geniäß der Geschäftsordnung verfahren fei. Dr. Cafpari(D.Vp.): Warum hat der Vorsteher den Stv. Goß nicht wegen dieser Beleidigung zur Ordnung gerufen? Vorsteher: Nachdem der Aettestenausschuß meine Handlungen für richtig und geschäftsordnungsgemäß erklärt hat. glaube ich, daß der Stv. Goß mich durch sein« Angriffe nicht beleidigen konnte.(Sturm der Entrüstung bei den Komm.; andauernder wüster Lärm, Rufe: Unverschämtheit.) Ich habe keinen Ordnungsruf erteilt, weil ich die Situation nicht mehr verschärfen wollte.(Lärm recht».) Dr. Leidig(D. Vp.): Es kommt nicht bloß darauf an, ob Herr Haß diese Aeußerung persönlich auffaßt, sondern auch daraus, daß der er- hobene schwere Borwurf auch die Würde und das Ansehen der Der- sammlung aufs gröblichste verletzt. Dr. Meyer(Dem.): Ich kann in der Bemerkung von Goß eine Verletzung der Ehre und Würde der Bersamnilung nicht feststellen und bin dem Borsteher dankbar dafür. daß er unsere Arbeiten nicht wetter aufgehallen hat. Dr. Caspari tritt in äußerster Erreguno und mtt dem ganzen Aufgebot seiner Stimm- mittel, wodurch er wiederum tobenden Lärm bei den Kommunisten hervorruft, dieser Auffassung entgegen. Es fei ein vollständiger Irr. tum. Zu glauben, die Situation zu verbessern, wenn man die Zügel am Boden schleifeu lasse. Damtt erreicht um H8 Uhr dies« Episode ihr Ende. Um X8 Uhr wurde wiederum in die Sitzung ein« geheime Sitzung«ingeschoben, um die dritte Lesung der Bortage wegen Ausei mmdersehung mit der Deutschen Gasgesellschast m. b. H. und dem kreise Uiederbaruim■ hinsichtlich Gasversorgung vorzunehmen. Nach einer Viertel- stunde stellte man die Oeffentlichkeit wieder her. An die geheim« Sitzung knüpft ein Zlntrag Goß an, die Protokolle dieser geheimen Sitzung zu publizieren, damit die Bevölkerung erfährt, daß hier einer Privatgesellschaft auf 73 Jahre ein Monopol gegeben wird.— lieber die Borlagen wegen Bildung einer Sirohenbahnbetriebsgesellschast m. K. H. und wegen der Bersorgungsbezüge der zur Straßenbahnbetriebs- gefellschaft m. b. H. übergetretenen bisherigen Beamten und Fest- angestellten der Berliner Straßenbahn sowie über den Antrag des Zentrums betr. Betrieb von Verkehrsunternehmungen anderer Art durch die erwähnte Bettiebsgesellschaft m. b. H. berichtete Fablau (Dnat.). Die Erörterung, an der sich u. a. Genosse Löwy sowie Dr. Steiniger(Dnat.), Dr. Michaelis(Dem.), Dr. Leidig(DVp.) be- teiligten, drehte sich hauptsächlich um den von unseren Genossen gestellten Antrag, die jährliche Bilanz und die Gewinn- und Verlust- rechnung den städtischen Körperschaften zur Genehmigung vorzulegen. Der Antrag wurde mit 77 gegen 74 Stimmen abgelehnt, im übrigen der Gesellschafts- und der Vetriebsoertrag nach den Ausfchußvorschlä- gen mit der Maßgabe genehmigt, daß die Bildung von Untergesell- jchaften der Genehmigung der städtischen Körperschaften bedarf. Für die Beschaffung und den Einbau eines neuen Röntgenappa- rats für das Krankenhaus am Urban wurden nach den, Antrag der Ausfchußreferentin Genossin Fahrenwald 97 000 M bewilligt. Der Erwerb des Fundus des Deutschen Opern- Hauses wurde genehmigt. Entsprechend einem Antrag H e i m a n n(Soz.� hat der Grund- stücksausschuß der Ueberlassung des im Besitz der Stadt befindlichen Terrains in Neukölln zu billige» Bedingungen zugestimmt, auf weichem die Baugenossenschait„M ä r k i s ch e S ch o l l e" 12 Wohn- Häuser zu bauen begonnen hat. Die Versammlung trat dem Aus- fchußantrag bei. Die neuerlichen Magfftratsoorfchläge zur Aufwertung von Sparkassenguthaben wurden unverändert angenommen.— Schluß 9 Uhr. Gerichtsarzte. Nur irgendein ganz schlimmer Mißgriff und Verstoß, der eine erschütternde menschliche Tragödie zur Folge hat, lenkt die Auf- merksamkeit auf die verborgene Well der Acht und Leiden. Es ist die Tragik der Gefangenen, daß sie in den Häusern ihres Elends der Sprache beraubt find, um auch nachher, wenn sie der Freiheit zurück- gegeben sind, mit der sie in den seltensten Fällen noch etwas anzu- fangen wissen, stumm zu verbleiben. Ein Ueberwallen des Schmer- zes und zuweilen der Verbitterung, hält auch die von offener Sprache zurück, die geistig imstande sind, über das Wesen der Gefangenschaft zu berichten. Das Volk bleibt ohne Kunde von der Schicksalshärte, die hinter Gittern Menschen zur Strecke bringt, und fast nur durch Zufall erfährt es, daß an Mitmenschen Todesurteile vollzogen wur den, die nicht von Gerichten ausgesprochen find, ja, die oft in grausiger Weise an die Stelle von verhältnismäßig niederen Strafen, entsprechend geringen Vergehen, treten. Es bleibt Zeiten politische! Gärung und hochtreibender Wellen persönlichen Hasses um der politischen Leidenschaft willen vorbehalten, bedauerliche Erscheinun gen dieser Art aus die Spitze zu treiben— daß sie aber nicht oui polttische Häftlinge beschränkt bleiben, beweist das Sterben von acht Unterfuchungsgefangenen feit dem 1. Januar— in einem ein zigen Gefängnisse! Mithin wäre es Sache aller Parteien und aller gerechtigkeitsliebenden Menschen, Stellung gegen Vorkommnisse zu nehmen, die unwürdig eines freien Volkes find. Einige Beispiele dürsten genügen, um die unhaltbare Stellung von heutigen Gerichtsärzten zu beleuchten. Ein Unter- fuchungsgefangener, fett Monaten in quälender Einzelhaft, bittet um Verlegung in Gemeinschaftshaft, weil er die Einsamkeit nicht mehr seelisch ertragen kann— und der Arzt lehnt es ab. verweigert überhaupt jede ernste Hilfe— weil der Untersuchungsgefangen'' doch ms Zuchthaus komme. Oder: ein Gefangener wird als Pars- lyttker von Wahnstnnsanfällen heimgesucht. Der Gefängnisarzt er klärt, er fei nicht einer Behandlung würdig, weil er sich die Krank- hell selbst leichtstnnigerweise zugezogen habe! Wehe dem armen nervenkranken Gefangenen, den der Gefängnisarzt als Simulanten erklärt— ihm ist keine Rettung mehr möglich, die Haft steigert sich zur Hölle, und wenn sich hintennach herausgestellt hat, daß der arme Teufel nicht simulierte, so kann dies nicht mehr helfen, er fft inzwischen zugrunde gegangen, und der Arztbeamte kann von nie- mand zur Rechenschaft gezogen werden. Solange es Aerzte gibt, die ihrer Bcamteneigenschast die ein- fachst«-Standespflicht opfern, kann nicht genug gegen diese Volk»- sich wie Pünktchen gegen die leuchtende Oberfläche abzeichnen. Die kleinen Wafferkäfer lagen still da und faulenzten; plötzlich aber schien ein Windstoß in sie hineinzufahren, sie wurden Hals über Kopf auseinandergetrieben und wirbelten und taumelten, immer weitere Kreise bildend, davon— um dann mit gleicher Plötzlichkeit sich wieder wie eine Schar Schafe zusammenzudrängen. Der junge Hecht verbarg sich vor dem Reiher in einer Schlammvolke und schlüpfte ein ganzes Stück entfernt davon. Auf einer offenen, unterseeischen Ebene in einem breiten Wiek legte er sich im Schlagschatten unter einem Büschel üppiger Sumpfdotterblumen, deren gelbe Blüten zwischen den grünen, herzförmigen Dlätterwolken vorlugten, vor Anker. Es herrschte nirgends um ihn her Ruhe.. befand ein Tier sich auf dem Wege aufwärts, so war ein zweites im Ab- stieg begriffen! Und unter chm war das Schlammbett in unablässiger Bewegung. Stengel schlichen sich nach rechts und llnks davon; pelzige Klumpen tummelten über- und durcheinander... es kroch und wimmelte von Larven all- überall. Dort wieder lärmten die rastlosen Tauchkäfer un- unterbrochen; sie rissen Blätter und Stengel ad, die langsam und auf unheimliche Weise sich emporhyben. Auch Lust- bläschen lösten sich und wirbelten eilends aufwärts... Hier kämpften zwei große Raubkäfer mit einer armen Wafferwanze! Das flachäugige Insekt holte mit seinen skor- pionartigen Klauen nach seinen Feinden aus; aber die Raub- käfer ergriffen es jeder an einem Ende, schlugen mst ihren starken Fangbeinen die Klauen zur Seite und trennten ihren Kopf vom Rumpf. Sie durste froh sein, auf so bündige Weise des Lebens quitt zu werden! Alles peinigte, alles marterte sich hier unten gegen- feitig... ja fraß einander auf! Arme und Beine und mehrere Fettschichten seines Körpers einzubüßen, gehörte zur Tagesordnung— und ruhte man sich nur eine kurze Minute aus, fiel man der Gier seiner Feinde anheim. Der große Pferdeegel hatte sich in rhythmischen Windun- gen durch das Wasser geschlängelt; jetzt war er müde und streckte sich einen Augenblick, ein Mittagsschläfchen zu holten — sogleich fielen die vermeintlichen Stengefftümpfchen, auf denen er lag, ihn an, und gierige Mäkler mit scharfen Kiefern zückten nach seinem Fleisch: auf ein Haar wäre er für immer und ewig in Bande geschlagen worden, jetzt gelang es ihm doch endlich, sich zu besteien und von danneu zu jagen, zwei Plagegeister an den Fersen,__..... J Aufmerksam verfolgte das junge Hechtlein die Flucht des Schlammwurms: Andere zu verschlingen, selbst aber diesem Schicksal zu entgehen— das war dle Lebensaufgabe, wie es Schnock bald klar wurde. Eine ganze Zeit verhielt er sich vollkommen still, nur ein wiegendes Fächeln mit der Rückenflosse und die bösartig schimmernden Augen verrieten Leben. Langsam öffnete und schloß sie ihren kleinen, breiten Mund und ließ das Wasser über die feuerroten Kiemsn strömen, die ihr den zum Leben notwendigen Sauerstoff vermittelten. Aber es dauert nicht eben lange, da hat sie die Gefahr, der sie eben entronnen, vergessen. Ihre grimmige Fänger- leidenfchast berauscht sie aufs neue.—— Dom Schlagschatten unter den Sumpfdotterblumen schießt sie unter ein sich eben entfaltendes Blatt der Wasserlilie. Hier findet sie ein besonders beliebtes Lauscherplätzchen, der Rücken preßt sich gegen die Unterseite des Blattes, die Rase �reicht bis an die Grenze des Schottens, das Maul zum Bisse bereit. Silberlichtchen, von dem kleinen Fischvolk herrührend, um- blitzen sie, und Myriaden von winzigen, leuchtenden Krusten» tteren wimmeln ihr so dicht ums Maul, daß sie sie unablässig zu Dutzenden in ihren gierigen Rachen schlingen kann. » Namentlich all das, was hier in ständiger Bewegung war, hatte eine magische Anziehungskraft auf sie ausgeübt! Von dem Tage an, als sie, was hier Geschöpf von zwölf, fünf- zehn Tagen, den Inhalt ihres Dottersacks verzehrt und ihr großes, jagdgieriges Maul geöffnet hatte, erweckte alles, was da flimmerte, sich wand und rührte, alles, was e n t- schlüpfen wollte, auf unwiderstehliche Art ihren Trieb. Tief drinnen in dem innersten Kern ihres Wesens saß ihr ein allesbeherrschender Drang: er äußerte sich m einer Unersättlichkeit... einer Gewißheit dessen, nie genug be» kommen zu können, und einer Angst, andere könnten kommen und die Wasser vom Gettere säubern. Eine wahnwitzige Gier beseelte sie; und war sie auch vollgepfropft, daß sie nicht mehr zu schlucken vermochte, mußte sie dennoch, umher- schwimmend, eine Beute im Maule tragen! Was sich indessen still und stumm verhielt, übte keinerlei wesentliche Anziehung auf sie aus, sie empfand keinen Hunger bei dessen Anblick und keine Begierde, es zu besitzen; da« blieb ihr ja immer noch zu jagen. Still und stumm, bis zum Bauchs im Wasser stehend, sucht der scharfäugige Reiher unterdesseu den ganzen Gra- '' Bortjetzuo« solgt.) gefahr gefämpft merben. Reftios aufzubeden, wie welt fle( chos um sich gegriffen hat, und dann mit allen Mitteln des Gefeßes da gegen zu fämpfen, ist Menschenpflicht und Gebot des Wirtens am Bolfe. Vor allem aber gilt es, sich jetzt bewußt zu werden, daß dem Bolte Gefahren drohen und daß, wenn es so meiter geht, das Bolt jedes Vertrauen zu seinen Aerzten verlieren muf. Das Geständnis vor der Hinrichtung. Der 17% jährige als Mörder. Bekanntlich verurteilte das Potsdamer Schwurgericht im No vember vorigen Jahres nach sechstägiger Sizung in Friesad den 21jährigen Diensttnecht Otto Treschau wegen Ermordung der 31jährigen Dienstmagd Tschirch zum Tode und den 17½jahri gen Schmiedelehrling Hermann Schulz megen Beihilfe zu 7½ Jahren Gefängnis. Treschaut wurde zur Vollstreckung des Urteils fürzlich von Potsdam nach Blößensee überge führt. Nun hat T. seinem Anwalt, Rechtsanwalt Stein aus Bots. dam, gegenüber das Geständnis abgelegt, daß der Hermann Schulz allein die Tat ausgeführt hat. Er hat dann mit dem 19jährigen Landarbeiter Mahniz die Leiche beiseite geschafft. Mahnig, der damals im Prozeß als Zeuge vernommen worden war, hatte jede Beteiligung abgelehnt. Troß gewissenhafteftem Suchen nach dem Berbleib der Stride, mit denen die Tschirch erdroffelt mor. den war, fonnten diese nicht gefunden werden. Jetzt hat Treschau genau den Ort angegeben, no fie verwahrt sind, und zwar hat Schulz diese in Fießniz bei Friesad in einem Decftall versteckt. Die Strafpofftredung ist daraufhin ausgesetzt worden. Der Berteidiger hat das Wiederaufnahmeverfahren beantragt Ein Vampyr. Warum find die Leute so dumm... Szene: Schöffengericht in Moabit. Durch den hohen, etwas düsteren Saal springt von Zeit zu Zeit ein fleiner blizender Connenstrahl Er fühlt sich anscheinend nicht recht wohl in diesem ernsten Kreise. Draußen lacht unbefümmert das Leben, hier aber mird Recht gesprochen über jene, die abgewichen find. Auf der Anflagebant fikt ein wohlgescheitelter junger Mann, 29 jährig, nicht sehr befümmert, ausgerüstet mit einer recht erheb lichen Dosis Schnobdrigkeit. Der Borsigende: Bas find Ste?. Angeflagter: Rebatteur 619 Wo er fein Redakteur handwer? ausübte? DP Am Organ eines Haus und Grundbefizervereins. Was waren Sie früher?" Erst Kellner, bann Schiffsjunge, dann Volontär in einer maschinentechnischen Schule, StraßenbahnSchaffner, Rebatteur" Eine etwas mildbewegt- zadige Lebensbahn Schulbildung? Mittelschule absolviert. Es ist ein Fall von Raffinement und Schamlosigkeit. Um so schwerwiegender, da die Gaunereien des famosen jungen Mannes vor allem gänzlich Minderbemittelte hart und bitter trafen 9 Also der geschätzte Berufsfollege" hatte sich als Steward auf dem Amerikafahrer. ,, Bayern der Hamburg Amerita. Linie engagieren lassen. Mit einem Seefahrtsbuch ausgerüstet, fegte er nun eine großzügige Schwindelaftion in Szene. Er sucht Stellvertreter für die Amerikareise. Es gibt ja noch soviel Dumme! So schritt er mit Energie ans Wert. Bald fonnte man in Berliner Blättern Inferate folgenden Inhalts lefen: Stewards für Amerita dampfer gesucht. Stellungslose werden bevors zugt. Meldungen ufm. So inferierte er, den Tert ein wenig wechselnd, wochenlang. Vie Wirkung war fabelhaft. Hunderte haben sich gemeldet. Die genaue Zahl ist nicht festzustellen. Denn nur wenige haben An zeige erstattet. Von jedem der armen 20, 21- jährigen Burschen, die vertrauensvoll zu ihm fanien, voller Hoffnung, hier endlich Erwerb zu finden, verlangte er eine Raution. Es mar bitter schmer für die Leute. Aber fie fragten es zusammen. Und dann warteten sie... Bochen-, monatelang. Mit einem leiftete er fich eine ganz besondere Frechheit. Den schichte er mit feinem Seefahrtsbuch als Steward Wiltumeit über das große Baffer gen Amerita und zurüd. Berleitete den anderen zur Urkundenfälschung und bewog ihn, sich als Wiltumeit zu fühlen. Die Seefahrtslegitimation trug Biltu Geltfam. Niemand merkte etwas davon. Dieser andere ist jetzt flüchtig. Berzichtete auf seine Raution. Nur um der rächenden Juftitia zu entgehen. meits Bild. Wenn die Betrogenen, die alle auf das eine Seefahrtsbuch Wilkumeits rechneten, mit dem Staatsanwalt drohten, schrieb er ichnoddrige Briefe: Dann bekommt 3hr überhaupt fein Geld! So in zwei Wochen Und er versprach von Woche zu Woche. Hundertmal Jezt steht er vor seinen Richtern. Der Vorsitzende fucht ihm zum Schluß noch eine Brüde zu bauen. Mildernde Umstände, immerhin. Vielleicht Bewährungsfrist? Haben Sie noch etwas zu sagen?" fragt er den Angetlagten fast väterlich- ermahnend, und ein leiser Unterton zittert in seiner Stimme. ,, Tuen Ihnen Ihre Bergehen wirklich nicht leid?" Biltuweit winkt unbefümmert, mintt sehr deutlich ab. Beid...? Rein, feineswegs." Und dann zynisch, mit hochstaplerischer Offen. heit:„ Warum waren die Leute so dumm, mich anzuzeigen, sonst hätten sie ihr Geld zurückgefriegt. Nun, gut," fagt der Borsitzende und das Gericht erhebt sich. Nach einiger Zeit fommen fie wieder.... Ein Jahr Gefängnis, teine Bewährungsfrist, fofortige Berhaftung Der wohlgemute Wilkuweit wird um einige Grade bläffer. Der Justizmachtmeister erhebt fich und mintt dem Berurteilten liebenswürdig. Zuchthausstrafen für Eisenbahnräuber. Empfindliche Strafen erhielt eine Bande von Bahnräubern, die sich gestern vor dem großen Schöffengericht in Lichtenberg zu Der antworten hatte. Ende August vorigen Jahres überraschte ein Landjäger auf einem Streifgang in der Schonung zwischen Beters hagen und Fredersdorf ein Pärchen, das dabei war, eine Anzahl Damenregenmäntel aus einem Pafet in zwei andere umzupaden. Der junge Mann ergriff die Flucht und entfam. Das Mädchen aber fonnte mit seinem engen Kleid und den hohen Absätzen nicht so schnell laufen. Der Landjäger brachte es nach der Wache und stellte es als ein Straßenmädchen Alice Tornom aus Berlin feft. Diese Ueberraschung führte zur Aufklärung von planmäßig verübten Güterdiebstählen und zur Berhaftung der Diebe mud ihrer Hehler. Alice T. mar die Helfershelferin eines 22 Jahre alten Walter Bettin aus der Rigaer Straße, eines ebenso alten Bruno Reez, den Sohn eines Schantwirts aus der Kleinen Andreasstraße und eines gewissen GrahL Diese vier beobachteten die Eilgüterzüge, die von Berlin aus in öftlicher Richtung fahren und suchten fich auf Spaziergängen geeignete Stellen zum Aufspringen und weiterhin zum Abwerfen von Beutestücken aus. Reek und Bettin kniffen im Fehren mit einer Zange die Wagenverschlüsse auf und warfen die Pakete hinaus, die ihnen geeignet erschienen. Die Beutestücke verstecket die Bande zunächst unter dem Gestrüpp der Schonung und vergrub sie wohl auch, um sie später abzuholen. Die Bande verkaufte ihre Beute stets in der Münzstraße. Bettin und Bruno Reeg wurden eines Morgens in der Wohnung des alten Reez festgenommen, als fie schon um 4 Uhr mit der Familie am Kaffeetisch saßen. In den Bette des alten Reek fand man mehrere Stüde Stoff, die die beiden gerade von einem Raubzug an der Buftermarker Behnstrecke heimgebracht hatten. Weil die beiden Verhafteten, die diesen Beutezug gleich einräumten, Stammgäste des Pfannkuchenfellers von Rausch in der Breslauer Straße waren, jo nahmen die Beamten auch dort eine Durchsuchung vor. Hierbei fiel es thnen auf, baß Fran Rausch mit ihrem gemaftigen Körpermnfang fich alles in his sahebelegene infalifiation in der Cichornstraße In begeben tonnte, erlitt Direttor R. einen schweren Schädels forgfältig ein fleines Schräntchen zu verbeden fuchte diesem fanden sie dann einen Mann verſtedt, den sie nur mit bruch und erhebliche Gesichtsverlegungen. Man schaffte den Be großer Mühe herausholen fonnten. Er legte fich den Namen eines mußtlosen mittels Tragbahre gleichfalls in die Unfallstation in der Mannes aus der Stralauer Straße bei. Eine Nachfrage aber ergab Eichhornstraße, von wo er später in das Elisabeth- Krankenhaus ge sofort, daß diefer in einer Maschinenfabrit bei seiner Arbett mar. bracht murde. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Jezt gab der Mann aus dem Bersted zu, daß er ein gewiffer Dworaczet war, ein Ladendieb, der aus Plögensee entwichen war und noch 10 Monate Gefängnis zu verbüßen hatte. Eine Ledertasche, die man im Pfannkuchenfeller fand, führte zur Ermitt lung des dritten Mannes der Bande, des Arbeiters Hans GrahL Auch er wurde jetzt festgenommen. Dworaczet hatte mit den Güter diebstählen nichts zu tun. Vom großen Schöffengericht erhielten Walter Bettin 4 Jahre 3uchthaus, Bruno Reez 2½ Jahre Zuchthaus, Grahl 2 Jahre Zuchthaus, Alice Tornom 1½ Jahr Gefängnis, der alte Reeg neun Monate, Frau Rausch 10 Monate und ihr Mann neun Monate Gefängnis. Das Todesopfer von Oderberg. Am Mittwoch, den 13. d. M., nachmittags, fand in Oberberg unter Beteiligung fast der gesamten Bevölkerung die Beilegung des Reichsbannerkameraden Boltmar ftatt. Der ortsansässige evan gelische Geistliche sprach am Grabe des Erschossenen, trotzdem er am Sonnabendabend nach der Erschießung mit den Freunden der Mör der im Deutschen Haus gezecht hat. Wohltuend wirkte die Rede des Pfarrers Bleier; er fand wahrhaft tröstende Worte für die Angehörigen und Worte wahrhafter Nächstenliebe. Als dritter Redner prach der Gauvorsitzende Friz Roch. Er gedachte des Toten in ernsten Worten, welche die Mahnung an die Lebenden enthielten, mun erst recht den Rampf gegen die Berwilderung natio nalistischer Horden zu führen, aber nicht den Rampf mit Morbwaffen, fondern mit der Waffe des Geistes wollen wir das deutsche Volk erobern und unseren Ideen und unserem Gedanten gang zugänglich machen. Nach Schluß der Beerdigung gedachte der Borsigende des Gaues auf dem Marktplag mit einigen furzen Worten der Republik und des deutschen Boltes. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes wurde die eindrucksvolle Feier beendet. Deutschnationale Flußpiraten". Zu unserer Notiz Deutschnationale Flußpiraten in ber eith moch- Morgenausgabe des Borwärts" erhalten mir von der Stade mischen Rudergesellschaft eine Berichtigung in der folgendes gefagt mirb: Der Die Akademische Rudergesellschaft ist ein Sportverein; es wird in ihr auf die politische Gesinnung der Mitglieder in gar keiner Beise irgendein Einfluß ausgeübt; es werden auch verschiedene politische Ansichten von den Mitglieder vertreten. Die Ausbrüde: deutsch national- hafenkreuzlerisches Gummitnüppel- und Revolverhelden Unglüdsfall am 3. Mai auf der Havel auf der Höhe des Großen Breithorn ist falsch und entstellend dargeftcilt worden; er ist dadurch entstanden, daß der Paddler quer zur allgemeinen Fahrtrichtung vor den Bug des Vierers Danzig" fuhr; es sei zugegeben, daß die Danzig in scharfem Tempo fuhr( etwa 11 bis 12 Stundentilometer, fie hätte aber trotzdem auf das Paddelboot nicht auffahren können, wenn der Baddler fich an die Borschriften der Berkehrsordnung für Wasserstraßen gehalten hätte. Die ausgesprochene Vermutung, daß unser Verein nicht auf Grund eigener Arbeit, sondern mit Hilfe der großen Geldbeutel der Alten Herren" hochgekommen ist, ist falsch. Unser Bootshaus ist zum größten Teile von den Mitgliedern selbst erbaut worden. Ausbesserungen an den Booten und am Haufe werden von uns selbst ausgeführt. Der Steuermann der„ Danzig" hat sich nicht geweigert, von ihm verlangte Auskünfte zu geben. Der Sinn der Worte über Notwehr bei Unglüdsfällen ist uns under ständlich geblieben. Unfer Gewährsmann hält dieser Berichtigung gegenüber seine Behauptungen aufrecht. Im übrigen wird unlere ritit an dem Berhalten der meisten bürgerlichen Rudervereine durch die Berichti gung in feiner Weise beeinträchtigt. Ein smarter Kaufmann. F. ift anfangs der Zwanziger. Irgendwo hat er„ Kaufmann" gelernt und murde junger Mann, nicht unbegabter als tausend andere auch. Dann famen die Fieber der Inflation und er machte fich selbständig. Eine Schreibmaschine wurde erftanden, die obligatorische Stenotypistin, auch von ihren beruflichen Fähigkeiten ab gesehen, feineswegs unsympathisch, engagiert. Der hochstaplerische Rummel fonnte losgehen. Und er ging los. Dort wurden Käufe getätigt. Hier wurden Käufe getätigt. Dem Fabrikanten diente der kommerzielle Gent mit Scheds, die niemand einlöfte, mit Atzepten, die völlig mertlos waren. Seine Konten waren überzogen. Seltsam, er mußte von nichts. Nur Haase hieß er sich nicht. Die Betrogenen drohten, und als das nichts nugte, gingen fie zum Staatsanwalt. Der leitete das Verfahren ein. So steht der Großzügige nun in Moabit vor den Schranken. Ein fleiner, etwas miefriger Kerl, der fich nicht allzu intelligent verteidigt, und am Schluß, als der Borfizende energisch wird, ganz zusammenbricht. 5 Betrugsfälle werden ihm zur Laft gelegt. In vier Fällen wird das Schuldig gesprochen. 6 Monate Gefängnis lautet das Urteil. 6 Wochen werden Wollen Sie annehmen?" auf die Untersuchungshaft angerechnet. Ein leises, faum vernehmbares" Ja". Eine Bewegung zum Staatsanwalt. Und der Vorsitzende ruft:„ Bitte, der nächste Fall." Ein schwerer Zusammenstoß ereignete fich gestern nachmittag burz nach 5 Uhr in der Potsdamer Ede Margaretenstraße zwischen einer Autodroschte und einem Straßenbahnwagen der Linie 54. Die Insassen des Autos waren Direktor Fellner non der Roggenrentenbant Berlin und der Leiter der Filiale dieser Bant in Landsberg a. d. W., Direttor Ruebarth. Während Direttor F. mit einer leichten Verlegung am Kopfe davontam und Das Rundfunkprogramm. Freitag, den 15. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Unterhaltungsmusik( Berliner Funkkapelle). 6.30 Uhr abends: Zehn Minuten für die Hausfrau. 6.40 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Gartenbau. Gartendirektor Ludwig Lesser: Die Zimmer- und Balkonpflanzen im Sommer". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen: Das geistige Berlin vor hundert Jahren II. 7.30 Uhr abends: HansBredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Naturwissenschaft. Astronomie in ihrer Bedeutung für das Dr. Adolf Marcuse: praktische Leben. 3. Vortrag.„ Astronomisch- magnetische Navigation von Luftfahrzeugen 8 Uhr abends: Ministerialdirektor Dr. jur. v. Schoenebeck: Die deutsche Zoll- und Handelspolitik. 4. Vortrag. 8.30 Uhr abends: Abendkonzert. 1. Konzert D- Moll für zwei Violinen und Klavier, Bach, Vivace Largo ma non tanto Allegro( Alfred Wittenberg und Senta Pinette, Violine; Otto Urack, Klavier). 2. a) Aus meinen Tränen sprießen( Heine) Schumann, b) Die Rose, die Lilie, die Taube( Heine) Schumann, c) Wenn ich in deine Augen seh( Heine) Schumann, d) Frühlingsnacht( Eichendorf) Schumann( Theodor Heß v. d. Wyk, Baß; am Flügel: Werner Immelmann). 3. a) Choralvorspiel( Aus der Tiefe rufe ich) Bach- Szanto, b) Ariosa, Händel, c) Romanze FisDur( op. 28 Nr. 2) Schumann, d) Des Abends( aus op. 110) Sinding( Dr. Richard H. Stein, Klavier). 4. Aus der Serenade D- Dur, Sinding, für zwei Violinen und Klavier, Andante sostenuto Allegretto( Alfred Wittenberg, Senta Pinette, Otto Urack). 5. b) Mit Myrten und Rosen( Heine) Schumann, b) Mondnacht ( Eichendorf) Schumann, 0) Flutenreicher Ebro( Geibel) Schumann( Theodor Heß v. d. Wyk; am Flügel: Werner Immelmann). 6. a) Präludium. Skrjabin. b) Basso estinato, Arenskij, c) Melodie. Rachmaninoff, d) Walzer( op. 42, Nr. 3) Glasunoff( Dr. Richard H. Stein). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. Der„ Schlüssel der Apokalypse. Wegen Beschimpfung der katholischen Kirche verurteilt. Bor dem Schöffengericht mitte hatte sich der pensionierte Stadts missionar Stari Brofzeit megen Beschimpfung der tas Während der letzten tholischen Kirche zu verantworten. Bahlen hat teer ein Flugblatt Schutz und Trug verbreitet, das als Schlüssel der Apofalypse" bezeichnet murde und schwere Angriffe gegen die fatholische Kirche enthielt. Diese wurde als eine große Dirne und das mächtige Babel bezeichnet. Die römische Kirche trage heute das in der Apokalypse beschriebene Kleid der glänzenden Jumelen, der Blut des Scharlachs und des Purpurs. Der Angeflagte berief sich darauf, daß er die Säge in feier Schrift der Offenbarung Johannis entnommen habe. Was in der Heiligen Schrift stehe, meinte er, fönne man doch auch ruhig jagen. Er habe nur bezwedt, als nationaler Mann aufzufordern, feinen Ratholifen zu wählen, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Bur chardi wollte dem Angeklagten, der den Eindruck eines religiösen Fanatikers und glaubenseifrigen Mannes machte, den Idealismus nicht absprechen und beantragte ausnahmsweise an Stelle der vom Gesetz vorgeschriebenen Gefängnisstrafe wegen der groben Be schimpfung der römisch- katholischen Kirche eine Geldstrafe, außerdem megen Bergehens gegen das Preßgefeß, da die Angabe des Druders fehlte, ebenfalls Berurteilung. Der Angeflagte bemerkte zu dem Strafantrage, wenn das Gericht so gut sein wollte, mich freizu sprechen, dann würde ich den Herrschaften sehr dankbar sein. Ich habe aus Jbealismus gehandelt. Das Gericht nahm als strafmilbernd auch den glaubenseifrigen Idealismus des Angeklagten an, als strafverschärfend, daß im Wahlkampf nicht in dieser Weise Haß ausgefät werden dürfe. An Stelle der an sich vermirtten Gefäng nisstrafe von fünf Tagen erhielt der Angeflagte auf Grund des Geldstrafemumwandlungsgesetzes 50 mart Geldstrafe und megen Preßvergehens eine weitere von 3 Mt. Großfener in Plößensee. En Großfeuer brach gestern in der Faßfabrit ber Firma knad in Blogensee aus bisher nicht aufgeklärter UrDie Werkstatt, die Schmiede, die Wäscherei und ein Lagerschuppen fache aus. Die Berliner Feuerwehr entsandte acht 2öschzuge. wurden vollständig ein Raub der Flammen. Der Sachschaden ist bedeutend, steht jedoch noch nicht fest. Personen find glüdlicherweise nicht zu schaden gekommen. Die Feuerwehr rüdte 4 Uhr nach. mittags unter Hinterlassung einer Brandwache ab. „ Schwarzweißrote Demokraten". Wir fritisierten gestern den feltsamen Reklameumzug der neuen Zeit" Charlottenburg. Die Redaktion des Blattes ersucht uns, mitzuteilen, daß sie an dieser Aufmachung des Werbeumzuges feinen Anteil hat. Reichskanzlerbesuch auf der Deutschen Heimarbeit- Ausstellung. Gestern vormittag stattete Reichstanzler Dr. Luther der Deutschen Heimarbeit- Ausstellung in den Aus stellungshallen am Lehrter Bahnhof einen Besuch ab, nachdem dort eine große Anzahl von Mitgliedern des Reichstages bereits um 11 Uhr die umfangreiche Ausstellung eingehend zu besichtigen begonnen hatten. Der Kanzler wurde von dem Vorsitzenden des Arbeitsausschusses für die Heimarbeit- Ausstellung, Universitätsprofeffor Dr. Hende, begrüßt und geführt. Die Ausstellung wird am Montagabend geschlossen werden. Um Sarge Dr. Offo Koeffers hat für seine nächften persönlichen Freunde, zu denen Genosse Dr. Erasmus Wilmersdorf gehört, nicht dieser, sondern Regierungsrat Dr. Droß gesprochen.. Republikanische Abendfeier des Reichsbanners Schwarz- RofGold. Der Bildungsausschuß beim Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold veranstaltet am Dienstag, den 26. Mai, 8 Uhr, in den SpichernSälen, Spichernftr. 3, eine republitanische Feier mit Mitwirkende: Ella Meinem Orchester, Gesang, Rezitationen. Schulze, Elly Brandenberg, Karl Wendel, Armin Liebermann, Then Maret. Eintrittspreis 1 M. Karten im Gaubureau, Berlin S. 14, Sebaftianstr. 37/38, of 2 Treppen, und an der Abendkasse. Pfingstwanderungen der Humboldt- Hochschule fübren durch den Tentoburger Wald und nach Rügen unter Leitung der Dozenten Dr. Bolonié und Studienrat Schubert. Anmeldungen im Bureau Köpenider Str. 108. Morigplat 2050. Freidenfer- Jugendweihe Herbft 1925. Der Borbereitungsunterricht be. ginnt in Kürze, und zwar voraussichtlich in allen 20 Berliner Bezirken zu gleicher Zeit um genügenden Ueberblid zu gewinnen, wird gebeten, An meldungen von Kindern, die im Herbst aus der Schule entlassen werden und die Freidenker- Jugendweihe empfangen sollen, sofort bei dem Dbmann der Komnehmen folgende Stellen Anmeldungen entgegen: Paul Seid, Anflamer mifton A. Harndt, N 58, Bappel- Allee. 15/17, zu bewirken. Ferner Straße 55; Johannes Müller, Onigomstr. 121; Albert Götsch, Amsterdamer Straße 15 I, Kypte, Greifswalder Str. 9; Fengler, Tilfiter Str. 63; Brauſe, Reichenberger Str. 55; Otto Bermte, Charlottenburg, Englische Str. 32; August Martin, Spandau, Falfenhagener Str. 21; Mar Dito, Zehlendorf Mitte, Friedrichstr. 2; Heinrich Adamczal, Schöneberg, Mobitr. 75; Mar Babenfuß, Steglit, Schildhornstr. 9; Irrgang, Tempelhof, Dorfstr. 52; Crich Solinsti, Johannisthal, Friedrichstr. 13; Rud. Krüger, Neukölln, BrinzBandjern Str. 53 III; Richard Schulz, Köpenid, Flemmingstr. 18/19; Hermann Söbler, Lichtenberg, Lüditt. 44; Herm. Nerrlich, Weißenfee, Charlottenburger Straße 38; Joh. Ludwig, Nieder- Schönhausen, Eichenstr. 49; Heinrich Schilt, Reinidendorf- Dit, Bantower Allee 32. Heber Alfoholismus und Bodenreform pricht am Freitag, ben 15, 8 Uhr, in ber Aula des Realgymnasiums in der Drafeftraße( Lichterfelde Dahlem) Biltor Road, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Boden reformer. Gleichzeitig sprechen: Sanitätsrat Jacoby, Leiter der deutschen. Lungenfürsorgestelle, und Frau Ibert über Die Gefahren des Altoholismus. Der vom Reichsausschuß für Gemeindebestimmungsrecht im Rahmen der Reichsterbewoche veranstaltete Abend wird eingeleitet durch einen außerordentlich interessanten Film, der u. a. dramatische Szenen aus dem Leben des Trinkers darstellt. Eintritt frei. Ein Eifersuchtsdrama. In Lübeck erschoß der Broturist Begner aus Hamburg den Bostinspektor Warnde aus Hamburg, dessen Tochter und darauf fich selbst. Da man bei dem Mörder einen 2 biage brief von Fräulein Barnde fand, scheint die Annahme berechtigt, daß es sich um ein Eifersuchtsdrama handelt. Roburg, 14. Mai.( WTB.) Das hiesige Schmurgericht hat heute das erfle Todesurteil seit seinem Bestehen gefällt. Angeflagt war der 19 Jahre alte Porzellanarbeiter Mar Schneider aus Neufang in Oberfranken, der am zweiten Osterfeiertag seine Geliebte, die Filetstopferin Barbara Simon aus Steinwiesen, 21 Jahre alt, dadurch ermordete, daß er sie nachts in Neufang in den Dorfbrunnen warf, und ertränkte. Das Gericht nahm vorsäglichen und überlegten Mord an und fällte ein Todesurteil, das der Angeklagte ohne sichtbare Erregung entgegennahm. Kälte und Unweffer in Rußland. Ein von startem Hagel fchlag begleitetes Unwetter hat mehrere Kreise der Ukraine heim. gesucht. Die Hagelförner maren so groß und schwer, daß Haus. geflügel erschlagen und auch größere Tiere verlegt wurden. Laut Charfower Nachrichten war. der Boden in den betroffenen reisen stundenlang mit einer dichten Schicht von Hagelförnern be bedt. Der Schaden für die Felder und die Obstgärten ist unberechenbar. Aus Chartom ist eine besondere Kommission zur Feststellung der notwendigen Hilfsmaßnahmen abgegangen. In Sibirien ist plötzlich eine Kältemelle aufgetreten. Auf dem Obj beginnt sich wieder eine Eisdecke zu bilden. Die soeben erst begonnene Schiff fahrt erleidet ernfte Störungen. Freie Krankenhausbehandlung. STADT VORWARTS BEILAGE daß Prof. Dr. Gottstein fich jetzt die alte sozialdemokratische Forde rung der unentgeltlichen Krankenhausbehandlung in gemiffem Um fange auf Grund hygienischer, voltswirtschaftlicher und statistischer Erwägungen zu eigen macht. Jedenfalls verspricht die Dis kussion über diese ungemein wichtige Frage, die als besonderer Gegenstand der Tagesordnung bis zur nächsten Sigung der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege vertagt wurde, ebenso lebhaft wie spannend zu werden. Dr. med. Alfred Korach. | mehr Raum turch die Erweiterung des Blazes geschaffen. Dennoch roar auch dann noch die Inanspruchnahme außerordentlich start. Wie festgestellt worden ist, spielten im Sommerhalbjahr 1924 allwöchent lich aus den Gemeindeschulen 176 Spielabteilungen mit insge samt rund 11000 Kindern und abends 41 Bereine mit rund 3000 Spielern auf dem Blaz. In diesem Jahre ist die Nachfrage noch bedeutend mehr verstärkt. Auch aus den anliegenden Bezirken tommen die Bereine, um den Spielplaz für ihre sportlichen Arbeiten in Anspruch zu nehmen, da auch hier die Verhältnisse nicht besonders günstig liegen. In Brenzlauer Berg ist zwar der große Plag an der einsamen Pappel vorhanden, er wird aber von vielen Bereinen nicht als besonders günstig anerkannt. Der Bezirt Mitte hingegen verfügt über gar feine größeren Spielflächen, so daß die hier recht zahlreich vorhandenen Vereine gleichfalls dem Wohlwollen hier aus gleichfalls zum Friedrichshain, um ihren sportlichen lebunder Nachbarbezirfe unterworfen sind. Biele Tereine fammen non Eine alte sozialdemokratische Forderung ist die Gewährung fostenfreier Behandlung in den öffentlichen Krankenhausern. Im Auslande, namentlich in England und den Bereinigten Staaten von Nordamerika, wird diese vielerorts gewährt. Es gibt dort schr zahlreiche Kliniken, in denen der Aufenthalt von den Batienten nicht bezahlt zu werden braucht. Meist handelt es sich dort aber nicht um Anstalten, die den Städten gehören; nein, tiese Krankenhäuser find große Stiftungen einzelner Wohltäter, die zugleich für die laufende Unterhaltung des Anstaltsbetriebes gesorgt haben. In England wird ferner in den öffentlichen Krantenanstalten eine Gebühr nicht erhoben, wenn die aufgenommenen Patienten an Infektionsfrankheiten leiden. In Skandinavien werden geschlechtsIrante Personen in den Krantenanstalten fostenfrei aufgenommen des Kreises Spandau statt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: gen nachgehen zu fönnen. Im Bezirk Friedrichshain sind insge und behandelt. aroßen Krantenanstalten, die die deutschen Städie eingerichtet haben, In Deutschland liegen die Dinge ganz anders. In den werden grundsätzlich bestimmte Kostensäge für die Betreuung im Krankenhause erhoben. Der weitaus größte Teil der Patienten zahit cber trotzdem feine besonderen Krankenhauskosten. Diese werden DON den Krantentassen oder den Wohlfahrtsper waltungen entrichtet. Die Zahl der Krankenkassenmitglieder und der von der Wohlfahrtsverwaltung versorgten Patienten ist unge fähr ebenso groß geblieben, mie sie es vor dem Kriege war. Etma 40-50 Broz. Krankenkassenmitglieder und etwa 30 Broz. von der Wohlfahrtsverwaltung betreute Menschen benölitern die Kranken anstalten der deutschen Großstädte. In einem Vortrage über die Krankenhaustoften, den Ministerialdirektor a. D. Prof. Dr. Gott frein, mie mir bereits mitteilten, vor furzem in der Berliner Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege hielt, mar folgende Feststellung besonders bemerkensmert. Früher waren in den großen fädtischen Krantenanstalten etwa 20 Broz. Selbstzahler an outreffen; jezt findet man aber nur noch 10-11 Proz. Die Kreise, denen die Selbstzahler entstammen, gehen heutzutage nur im cußersten Notfalle ins Krantenhaus. Wie aber Prof. Gottstein sehr richtig betonte, ist diese Furcht vor dem Krankenhause nichts anderes Be rls eine Furcht vor den Krantenhaustosten. sonders bedauerlich und gemeinschädlich ist es, wenn Personen, die nur als Selbstzahler im Krankenhaus Aufnahme finden können, ouch beim Borliegen einer anstedenden Ertranfung ihre Wohnstätte nicht verlassen und auf diese Weise sehr leicht zur Ansteckung anderer gesunder Personen beitragen fönnen. Die Ein fünfte, die sich aus dem Betrieb der Kranfen anstalten ergeben, find nun folgende: die Gelder der Selbst zahler, die anteilige Kostendeckung durch die Krankenkassen und die Beträge, die sich aus der Verrechnung mit den Wohlfahrtsämtern ergeben. Die Kosten, die von Selbstzahlern und Krankenkassenveraltungen erstattet werden, lassen sich verhältnismäßig leicht errechnen. Die Summen, die von den Wohlfahrtsverwaltungen abge: führt werden, ftehen aber in beträchtlichem Ausmaße nur auf dem Bapier. Man weiß auch, daß die Wohlfahrtsämter mur damit rechnen tönnen, einen bescheidenen Teil später einmal für ihre Bfleglinge oder deren Angehörige einzuziehen. Kurzum, von den Stadtverwaltungen müssen zur Unterhaltung und Erweiterung ihrer Krantenanstalten alljährlich gewaltige Zuschüsse geleistet werden. Die Einnahmen, die z. B. Berlin und Hamburg aus den Arantenpflegefäßen jetzt erzielen, beziffern sich auf nur 35-40 Broz. der Gesamtkosten. Mehr als ein Drittel des ganzen Aufwandes für die Krankenanstalten wird aber allein für die Krankenernährung ausgegeben. Die bauliche Unterhaltung, die ärztliche Fürsorge, der Schwesterndienst, die Aufwendung für Arzneien, Berbandmaterial, Baschebeschaffung und Wäschereinigung und vieles andere mehr, werden zurzeit bereits aus städtischen Mitteln als 3uschuß leistungen aufgebracht. Aus den Bezirken. 8. Bezirk- Spandau In dem mit Frühlingsblumen und roten Fahnen reichgeschmüd. ten Saale des Gasthauses Wolf in Staaten fand am Sonntag, den 10. Mai der ordentliche Kreisvertretertag der SPD. Bericht der Bezirksverordnetenfrattion behandelte Gemüter start erregenden Abbau des Genossen Dr. Herz Genosse Asmus als Vorsitzender den besonders in Spandau die in äußerst objektiver Weise. Er. erwähnte insbesondere die gradlinige und flare Politif der SPD. Fraktion in der Abbaufrage. Gen. Aßmus bedauerte ebenso, wie der größte Teil der nach ih sprechenden Diskussionsredner, daß das zweifellos zu rügende Borgehen des Gen. Dr. Herz gegenüber parteigenössischen Bezirtsamts: mitgliedern in seiner Einspruchfrist für die Bezirksratsmitglieder Gen. Dr. Zander, Kramm und Münsinger als Anlaß diente, mit bürgerlichen Bezirksamtsmitgliedern gemeinsam unterschriftlich zu erflären, daß ein weiteres follegiales, den Intereffen der Bermai tung dienendes Zusammenarbeiten mit Herrn Dr. Herz nicht mehr möglich sei." Die als Vertreter des Bezirksvorstandes anwesenden Genossen Litte und Krille nahmen zu dieser Angelegenheit gleichfalls das Wort. Sie erklärten, daß die Herzschen Angriffe quf Bander und Kramm Entgleisungen feien, die nicht gerecht. fertigt werden könnten. Aber auch die drei anderen parteigenössischen Stadtrate hätten den Fehler begangen zu handeln, ohne mit der Fraktion oder der Parteiorganisation Fühlung zu nehmen. So gehe es ebenfalls nicht. Diese Angelegenheit wurde durch Annahme einer Resolution, die die Abwehrschrift des Gen. Dr. Herz verwirft und die Unterzeichmung des Bezirksamtsbeschlusses durch unsere Genossen ebenfalls nicht billigt, beendet. Sugleich wurde ein Antrag einstimmig angenommen, der die SPD.Bezirksamtsmitglieder verpflichtet, sich mehr als bisher der Partei zur Verfügung zu stellen. In dem nun folgenden Jahresbericht des Kreisvorstandes betonte Gen. Guth, daß im Kreise Spandau gute Arbeit geleistet worden ist. Die Partei habe sich gut geschlagen, das zeigen die Wahlen und die steigenden Mitgliederzahlen. Nach reger Aussprache wurde der bisherige Kreisvorstand mit den Genossen Münsinger und Guth als Borsigenden wiederge= wählt. Mit einem Hoch auf die Partei, und unter dem Gesang der Internationale wurde der Kreisvertretertag nachmittags 5 Uhr geschlossen. ment. 13. Bezirk Tempelhof. famt 130 anerkannte Jugend- und Sportvereine die in diesem Jahre gleichfalls stärker angetreten sind, etwa 55 Ju vorhanden, von denen jedoch für ihre Spiele eine Anzahl die Spielmiele in Treptom benutzen. Momentan spielen außer den Schulen, gendgruppen und Sportvereine mit rund 4500 Spielern wöchentlich im Friedrichshain. Eine ganze Anzahl von Vereinen, besonders aus den Nachbarbezirfen, mußte zurückgewiesen werden, weil der Blak dieser Bereine dringend erforderlich. Da die sportlichen Uebungen 3u start belastet ist. Andererseits ist aber auch eine Berüdsichtigung auf den Spielplätzen wichtige Vorbereitungsarbeit für die Heran bildung des Körpers bieten und nebenher auch geistig anregende Momente enthalten, ist ein Ausbau der Sportpläge dringend von bag an eine weitere Freimachung von Sportgelände in Friedrichs noten. Wenn man die Lage flar übersieht, so steht zweifellos fest, hain selbst kaum zu denken ist. Auch die noch vorhandenen Grünflächen wie der Baubestand müssen aus gesundheitlichen Rücksichten erhalten bleiben. Es wäre somit lediglich noch die Frage zu lären, den kann. In den Grenzen der eigentlichen sechs Berliner Verwal ob nicht neues Gelände für Spiel und Sportpläge bereitgestellt mertungsbezirke wird das faum möglich sein, jedoch fönnten vielleicht mit Leichtigkeit an der Peripherie der Innenstadt etwa jenseits der Ringbahn Bläge geschaffen werden, wie es z. B. im Bezirk Wedding leider zugunsten privater Verbände schon am Bahnsich in dieser Hinsicht aus den Kreisen der Siedler und Laubenbefizer hof Gesundbrunnen eingeleitet ist. Der einzige Widerstand würde ergeben. So wichtig es zweifellos ist, daß der Großstadtbevollerung die Möglichkeit zur Bebauung eigenen Laubengeländes gegeben ist, soviel wichtiger noch ist es unseres Erachtens, gerade für das her. anwachsende Geschlecht gute Räume und Pläge zur Ause bildung des Geistes und des Körpers zu schaffen. In diesem Sinne müssen auch alle Kreise der Jugendwohlfahrt im Berliner Oſten tätig sein, soll gerade in diesem wichtigen Bezirk Gutes für die Jugendarbeit geschaffen werden. Neu- Werder auf dem Tempelhofer Felde. Mit Hilfe des Magistrats Berlin erbauen die Kleingärtner hinter dem Flughafen längs der Ringbahn unter Leitung des Reichs. verbandes der Kleingartenvereine Deutschlands, Bezirksverband Tempelhof, eine Dauertleingartenfolonie Getragen vom Opferwillen und Fleiß der in straffer Organisation zusammengeschlossenen Kleingärtner, entsteht hier eine wahre. Bolks. erholungsstätte, nicht nur für die Familien der Garteninhaber, jondern für das ganze spazierengehende Großstadtpublikum Berlins, da die Kolonie täglich bis zum Eintritt der Dunkelheit zugänglich ist. noch ist alles im Entstehen, doch prangen jetzt schon die jung gepflanzten Bäume im reichsten Blütenschmud. Die Kotonie verspricht in einigen Jahren ihrem Namen alle Ehre zu machen. Garten freunden stehen noch eine fleine Anzahl freier Bar. ellen zur Verfügung. Anträge für Bachtung sind an die Geschäftsstelle des Bezirksverbandes Tempelhof vom Reichsverband der Klein gartenvereine Deutschlands in Mariendorf, Chauffeestr. 293, Die angekündigte feierliche Einführung des bereits am 22. De zember 1924 gewählten neuen Bürgermeisters Dr. Bruns Wüste feld wurde am Mittwoch durch Bürgermeister Scholz vorgenomDie Linke zog es bei dem schönen Wetter vor, draußen zu bleiben. Nur zwei Stadträte der Linken, darunter der fommunistische Stadtrat Irrgang, glaubten, sich an der Feier beteiligen zu müssen. Wie wenig Interesse die Bevölkerung für den neuen Bür germeister hat, zeigten nicht nur die faft ausschließlich aus städtischen Beamten bestehenden Zuhörer, sondern auch die Bezirksverordneten, die, trok bürgerlicher Mehrheit, nicht einmal in einer beschlußfähigen Anzahl erschienen maren Wegen der Beschlußunfähigkeit wurde der Einführungsaft um eine halbe Stunde hinausgeschoben. Die übrigen Puntte der Tagesordnung fonnten nicht verhandelt werden. Aus der Rede war zu entnehmen, daß der neuer Tempelhofer Bürgermeister ganz hervorzu richten. Am Sonntag, den 17. Mai, findet die feierliche ragende juristische Fähigkeiten befizen soll. Die Spielplatnot im Berliner Often. Prof. Dr. Gottstein hob noch die außerordentlich große Be deutung der kostenfreien Krankenhausbehandlung im hygienischen Allgemeininteresse hervor und verlangte die Abschaffung der Erhebung von Pflegefäßen. Als Entschädigung für die in den Krantenhäusern gewährte Berpflegung will aber Brof. Dr. Gottstein eine Geldsumme, die den Selbstfosten für die Beschaffung und Bereitung des Effens entspricht, zur Einziehung gelangen lassen. Will man diese Gottsteinsche Forderung verwirf- munalen Jugendarbeit die Stügung der Leibesübungen und die lichen, so wird man konseguent sein und auch den Kranten taffenmitgliedern dieselben Vergünstigungen wie den Selbft zahlern zuteil merden lassen müssen; anderenfalls würden ja sonst hie Richtversicherten gewissermaßen Prämien erhalten. Freilich ist es eine andere Frage, in welcher Form und in welchem Ilmfange für die Träger der sozialen Versicherung, die ja durch eine Abschaffung der Pflegefäge in den Krantenanstalten in den Genuß oußerordentlicher finanzieller Vorteile gelangen würden, eine Be teiligung an den fommunalen Krankenhaustpften in Betracht zu ziehen ist. Diese Schwierigkeiten dürften sich aber überwinden laffen, menn alle Beteiligten sich von der Zweckmäßigkeit des Gottsteinschen Borschlages überzeugt haben. Gerade in der heutigen Zeit wird man ihn im hygienischen Interesse und aus Gründen der Berein. fachung der Finanzgebarung durchaus begrüßen. Es ist interessant, In den Monaten Mai bis Oktober bildet ein Hauptteil der tomSchaffung guter Spielpläge. Besonders notwendig war dieses fchon seit jeher in einem der voltsreichsten Stadtbezirke des Berliner Ostens, dem Bezirk Friedrichshain. Trozdem auch hier manherlei Grünflächen vorhanden sind; im Friedrichshain, auf der Beberwiese, auf dem Rudolfplatz und sonst an fleineren Blägen, so hat sich doch mit den Jahren gezeigt, daß hier ein bedenklicher not stand vorhanden ist, dem unbedingt abgeholfen werden muß. Die fleineren Pläge, wie auch Weberwiese und Rupplfplay, find für größere Spiele vollkommen ungeeignet, teils wegen des vorhandenen Baumbestandes, teils wegen des start hindernden Bublifumverfehrs. als einziger Blag für mirtliche Sportspiele steht den Vereinen und Schulen der Plaz am Friedrichshain zur Verfügung. Dieser Blaz reicht seit langem nicht mehr aus, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Schon für das verfloffene Jahr murde bebeutend Eröffnung unter Beteiligung der Behörden in Form eines großen Boltsfestes statt. Die Feier wird mit zwei großen Umzügen, Don Neukölln und von der Friesenstraße aus, eingeleitet. Kleingärtner und Gartenfreunde seien nochmals hierauf hingewiesen. Dá Berliner Flugverkehr im Jahre 1925. Das Reichsverkehrs. ministerium gibt die Flugpläne für das Jahr 1925 bekannt. nach findet auf 25 Strecken der Verfehr täglich in beiden Richtungen statt. Bon Berlin gehen ne un Linien aus. Es sind das die Linien nach Königsberg, Stockholm, Kopenhagen, Gleimiz, Stettin, London( über Hannover, Amsterdam), Frankfurt a. M.( über Leipzig. Erfurt), Innsbrud( über Leipzig, München), Stuttgart( über Leipzig). Ferner wird Berlin berührt von der Linie, die ab Dresden nach Malmö, Gotenburg, Oslo führt. Die meisten Linien haben den fahrplanmäßigen Berkehr bereits eröffnet. Die längste Strede ist Berlin- Stockholm; die Fahrtdauer beträgt hier 9-9½ Stunden, während die fürzeste, die nach Stettin, in 1 Stunde zurückgelegt ist. Das Luftbad des Offens in Friedrichshagen wird am Sonntag, den 17. Mai, nachmittags 4% Uhr, mit einem Bortrage eröffnet, mozu jedermann bei freiem Eintritt willkommen ist. Zum Pfingstfest brauchen Sie neue Schuhe. Braune Salamander- Schuhe zeichnen sich aus durch: Paßform, Eleganz und Preiswürdigkeit MARKE INDER SALAMA SALAMANDER Ein Sommerfonnwendfest. Das Arbeiterfulturfartell Berlin, das sich nach längeren Berhandlungen zwischen den großen Organisationen der Berliner werf tätigen Bevölkerung gebildet hat und das feine Aufgabe darin er. blidt, das Bildungswesen der Arbeiterschaft auszubauen, mit porbildlichen wissenschaftlichen und fünstlerischen Veranstaltungen her. vorzutreten, die Arbeiterorganisationen bei ihrer fulturellen Lätig feit mit Rat und Tat zu unterstügen, hat beschlossen, vom 20. Juni abends bis 21 Juni abends auf den Gosener Bergen bei Berlin ein großes Sommerfonnwendfest durchzu führen. Die Vorbereitungen dazu find bereits getroffen. In der Nacht vom 20. bis 21. Juni wird ber Träger der Feier die arbeitende Jugend sein; der Arbeiterfängerbund wird mit Massendhören mitwirfen. Der Sprechchor der proletarischen Feierstunden unter der Leitung von Florath hat sich zur Verfügung gestellt. Der 21. Juni wird mit einer Morgenfeier eingeleitet. Nachmittags wird unter Leitung des befannten Regiffeurs Erwin Piscator und unter Mitwirkung der künstlerischen Kräfte der Freien Bolfsbühne ein großes Festspiel zur Aufführung im Freien gelangen, wozu fich die Dertlichkeit in hervorragendem Maße eignet. Mit einer würdigen Schlußfeier soll dieses große Arbeiterfeit austlingen. Die Karten, die demnächst ausgegeben werden, foften im Vorverkauf 50 f. und sind in den Bureaus der freien Gemert. fchaften, den Bertaufsstellen der Freien Bolts. bühne, den Vertriebsstellen des Bezirksbildungsausschusses und im Bureau des Arbeiterfulturfartells( Memeler Str. 8/9, 3immer 29) zu haben. In diesem Zusammenhang sei bemerkt, daß das Arbeiterfulturtartell diejenigen fünftle rischen und wissenschaftlichen Persönlichkeiten, die geneigt sind, bei feinen fulturellen Veranstaltungen in Zukunft mitzumirten( tünstlerische Aufführungen, Borträge, Kurse usw.) bittet, ihre Adressen dem Borfizenden des Arbeiterfulturfartells( Ernst Nietisch, Berlin D. 34, Memeler Str. 8/9, 3immer 29) mitzuteilen. Wenn einer bauen will Mariannenufer la, Bortrag: August Bebel. Charlottenburg: Sugenbheim Rosinenstr. 4, Bortrag: Jugend und Bandern. Salensee: Schule Joachim Friedrich- Str. 85, Bortrag: Neuzeitliche Methoden". Schöneberg I: JugendStegheim Rubens, Ede Sauptstraße, Bortrag: Sngiene in Saus und Beruf Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10, Aussprache: Aktuelle Fragen". i II: Jugendheim Solsteinische Straße, Aussprache:„ Barum bin ich in der Reutöln 1: Jugendheim Bergftr. 29, Bortrag: Kirche und SAJ.". ? Tegel: Jugendheim Bahnhofstr. 13, Borttag: Lehrlinge im Mittelalter".Ereptow: Jugendheim Elfenftr. 3, Bortrag: Rilotin und Altohol. Bantom: Jugendheim Breite Str. 32, Borttag: ris Reuter". toromies erörtert worben find. Genoffe Dr. Sabet hob beigenen Berfen.bok( Ripenifer Bird): Spa fonders die schnelle Entwicklung der Krantenfaffe in Balästina und ihre im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sehr große Mitglieder. zahl hervor; die in drei größeren Städten bestehenden Ambulatorien sind sehr gut eingerichtet, in den Hauptspezialfächern mit Spezialärzten befeßt, die zwar auch frei praktizieren dürfen, dazu aber abfolut teine Zeit finden. Die Krankenhäuser haben gute Laboratorien, find mit allen modernen medizinischen Hilfsmitteln versehen, die hier angestellten Arzte dürfen teine freie Bragis aus. üben. Einflußreiche medizinische Kreise arbeiten darauf hin, auch den Ambulatoriumsärzten die Erlaubnis zur freien Braris zu ent ziehen. In 34 fleineren Orten bestehen Stranfenfaffenambulanzen, außerdem unterhält die Kaffe ein Sanatorium. Der Referent schloß feine intereffanten Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß er in Palästina feineswegs Bionist geworden sei, daß er aber an einen Aufbau des jüdischen Staates glaube. Ein Sechzigjähriger. Genoffe Robert Sengwendt, Sniprobeftr. 4, murde am 12. Mai 60 Jahre alt. Als ehemaliger Schiffsmaschinist hat er alle Beltteile bereift. Bor Jahrzehnten schloß er sich der Partei in Samburg an als berolle ehrliche Geemann". In ruhiger Rleinarbeit hat er für die Partei gewirkt. Mögen ihm noch viele Jahre freudigen Schaffens beschieben fein. Unsere werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in Groß- Berlin als auch im übrigen Reich und im Ausland ausdrücklich den VORWÄRTS" zu verlangen. Die Ferienzeit bietet Gelegenheit, überall für die Partelpresse zu werben und das Auslegen des Zentral. organs der SPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der Vorwärts" an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen oder anderen Verkaufsstellen nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar. Vorwärts"-Verlag Berlin, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507. Sinfendungen für diese Subrik find Berlin 6. 68, Sindenftraße 3. für Groß- Berlin flets an das Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trev. rechts, an richten 4. Areis Brenzlauer Berg. Rinderfreunde: Freitag, den 22. Tai, in Engem Greifswalder Straße, Filmvorführung: Die Schmiede". Alle Genoffen sind eingeladen. Rarten find au haben bei Soomann, Sonnenburger Straße 4, Schenk, Berneuchener Str. 13, Hort der Kinderfreunde, Dan aiger Str. 62. Heute, Freitag, den 15. Mai: Es ist ein berechtigter Wunsch der großstädtischen Bevölkerung, ein eigenes heim in gesunder und möglichst landschaftlich be vorzugter Gegend zu besigen Dieser Wunsch veranlaßt viele Einwohner Berlins, oft ohne Brüfung der besonderen Berhältnisse, ein Grundstüd zu erwerben. Aber nicht jedes Grundstüd, das im Stadtbezirk Berlin liegt, darf mit einem Wohngebäude bebaut werden, Voraussetzung ist vielmehr abgesehen von den baupolizeilichen Borschriften, daß das Grundstück an einer anbaufähigen, parteinachrichten Städtischen Straße liegt. Ist dies nicht der Fall, so tann eine Baugenehmigung nur erteilt werden, wenn die Stadt dies ausnahmsweise zuläßt. Es tommt leider häufig vor, daß jemand, der diese Rechtslage nicht tennt oder nicht beachtet, ein Grundstück zur Bebauung mit einem Wohnhause erwirbt und mit feinem Baugesuch abgewiesen werden muß, weil das Grundstück nicht an einer städtischen, anbaufähigen Straße liegt. Die Folgen find Enttäuschung, schwere Vermögensnachteile und Beschwerden, denen nicht stattgegeben werden kann. Die äußerlich sichtbaren Ber hältnisse einer Straße beſtimmen noch nicht ihre Anbaufähigkeit, auch von Fachleuten tann das oft nicht ertannt werden. Es wird daher dringend angeraten, vor dem Antaufe eines Baugrundstüdes sich bei demjenigen Bezirksamt hier Tiefbauamt, Rathaus Bittenau-, in deffen Bereich das Grundstüd liegt, über die Sachlage zu erfundigen. Wohngebäude an Straßen, die noch nicht als anbaufähige städtische Straßen hergestellt sind, merden, um die Behebung der Wohnungsnot nach Möglichkeit zu fördern, von der Stadt ausnahmsweise insoweit zugelaffen, als bie städtischen Interessen dem nicht entgegenstehen. Die Grundsäge hierüber sind in den Richtlinien des Magistrats vom 19. März 1924 110. ( Gemeindeblatt" Nr. 14 vom 6. April 1924, S. 76/77) nieder gelegt. Nebft anderen Borausfegungen verlangen die Richtlinien, baß der Fluchtlinienplan feststeht, baß eine befestigte öffentliche Fahrstraße in der Nähe liegt( omie daß der Grundstüdseigentümer bas Straßenland unentgeltlich hergibt und die zufünftigen Straßenanlagefoften übernimmt. Ebenso ist vor der Erwerbung oder Bachtung einer Barzelle zur Errichtung einer Wohnlaube Borficht geboten, weil nur in gewiffen Gebietsteilen der Stadt Wohnlauben zuläffig find. Auch hierüber gibt das zuständige Bezirksamt den Interessenten Austunft. Gesundheitswesen in Palästina. Kürzlich berichtete Genosse Dr. Sadet fen in einer BerJammlung bes Bereins Sozialistischer Aerzte über feine Einbrüde und Erfahrungen während seines zweijährigen Aufenthalts in Palästina. Er gab in fesselnder Schilde rung ein lebendiges Bild von Land und Leuten, Leben und Treiben im neuen jüdischen Staate. Er ließ Landschaft, Städte, Siedlungen mit ihrem besonderen Charakteristikum vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen. Er behandelte ausführlich den die Versammlung wohl am meisten interessierenden Fragentompleg der palästinenfifchen Krantenversicherung: Krantentaffe, Ambulatorium, Fragen, die schon an früheren Abenden, auf unsere Berhältniffe angewandt, von den Genossen Albert Rohn und Profeffor Kan. 91. Aht, Renkölln. 7 Uhr wichtige Borstandssitzung bei Stahmann, Reuter, Ede Münchener Straße. Junafosialisten. Gruppe Friedenau: 8 Uhr Jugendhelm Offenbacher Str. 5a. Bericht von der Reichskonferens in Jena. Referent Frik Liedtke. Aus fprache. Gruppe Rorben: Buntt 7 Uhr 4. Bortvag der Genoffin Dr. Schönbed: Einführung in die Boffswirtschaft". Anschließend Ge fang, unter der persönlichen Leitung des Dirigenten Herrn Seonhard Burawsti Sungsozialisten Groß- Berlins! Die Abrechnung der Un toftenzuschüsse und die der Jungfozialistischen Blätter" Nr. 4 muß ent weber bis zum 17. 5. M. beim Genossen Baul Sandelmann, D. 112, Weichfelfte. 9, oder auf der Konferens am 18. b. M. erfolgen. Die Ausgabe der Jungfoaialistischen Blätter" Nr. 5 erfolgt ebenda. Frauenveranstaltung heute, Freitag, den 15. Mai: 48. t. Grünan. Der angekündigte Frauenabend fällt aus. Morgen, Sonnabend, den 16. Mai: 8 Uhr im Alexandriner, Alexandrinenftr. 37a, Abteilungsver gnügen. Karten für Gäste find no amt Saaleingann erhältlich. Die entnommenen Ratten milfen bis fpätestens Gonnabend abgerechnet werden, 77. Abt. Schöneberg. 8 Uhr Borfbandsligung beim Genoffen Alawitter, Apostel Paulus- Ctr. 7. 85. Abt. Tempelhof. 7 Uhr im Birkenwäldchen, Manteuffelstraße, Frühlings. feft. Gefang, Resitationen, Reigentänge. Alle Genossen und Genoffinnen find eingeladen. Abt. 123a Raulsbort- Süb. 8 Uhr im Restaurant Jägerheim Mitgliederverfammlung. Reumahlen des Borstandes. Sungfosialisten. Die nächste Aufammenkunft findet am Montag, ben 18. mai, 48 Uhr, im Breußischen Landtag, Prinz- Albrecht- Straße, flatt. Genoffe Dr. Rocharski spricht über Die Formen des Klaffentampfes". Ale Gruppen beteiligen fich gefchloffen baran. Jugendveranstaltungen. Achtung, Abteilungsleiter! Monatsprogramme für Juni, Berichtsbogen 4. Quarial( Januar- Mära) müssen abgeliefert und ausstehende Abrechnungen tragsmarken. Ausgabe des Jugend voran und der Arbeiter- Jugend". erledigt werden, Achtung, Abteilungstaffierer! Beute von 5-7 Uhr Abrechnung der BeiHeute, Freitag, den 15. Mai, abends 7% Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplat, Bortrag: Erste Hilfe bei Unglüdsfällen". Nordost I: Jugendheim Neue Rönigftr. 21, Bortrag: Die Weimarer Reichsverfassung". Weißenfee: Jugendheim Roeldeftr. 157, Mar Arbeitersport. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solibarität, Ortsgruppe Berlin. Touren fir Senndag, den 17. Mai. Achtung! Barteigenossen mit Motorrad sind auf den Ausfahrten ber 12. abt. wiltommen und erhalten Silfe und Rat auf den Touren. 12. Abt.( Motorfahrer): Nach Oberberg über Eberswalde. Start 7 Uhr Prenzlauer Allee, Ede Seinersdorfer Straße. 1. Abt.: Teupig. Start 5 Uhr. 1 Uhr Blankenfelbe. Start Billowstr. 56. 2. Abt.: Magfee 6 Uhr, 1 Uhr Tasdorf. Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Uleifee. 7 Uhr Start Laufiger Blah. 4. Abt.: Sangelsberg 6 Uhr, 12 Uhr Rahnsdorf. Jeden Mon tag und Donnerstag, abends 6 Uhr, Sportplag Friedrichshain. Start Weberwiese. 5. Abt.: Budom( Märlische Schweiz) 6 Uhr, 12 Uhr Rabebrild. Start Landsberger Plah. 6. Abt.: Rauenfche Berge 5 Uhr, 6 und 12 Uhr Rahnsdorfer Mühle. Start Ropenhagener Str. 26. 8. Abt.: 16. Mai Bangftreden fahrt nach Wittenberge. Start nachmittags 5 Uhr Bahnhof Heerstraße. 17. Mai, 5 Uhr, Safrower Gee, nachmittags 1 Uhr Stößensee( Alter Freund). Start früh Arminiusplak, nachmittags Waldenserstr. 19. 9. Abt.: Regeltour nach Schulzendorf bei Tegel( Sommerluft). Start 7 und 1 Uhr Schulstr. 114. 10. Abt.: Rüdersdorf 7 Uhr, 12 Uhr Rahnsdorf( Waldschloß). Start Come niusplak. 11. bt.: 16. Mai Schiffmithle. Start 4 Uhr nachmittags Soc ftraße 13. Ortsgruppe Neukölln: Schöneide. Start frith 7 Uhr, 1. Abt. Bergbergplak, 2. Abt. Bahnhof Hermannstraße. Sonnabend, den 16. Mai, Neugrlindung der Ortsgruppe Schönefeld. Start für beide Abteilungen abends 7 Uhr Serkbergplag. Ortsgruppe Treptow- Baumschulenweg: Brieſelang. Start 7 Uhr Bahnhofsweg. Ortsgruppe Lichtenberg: Gamengrund. Start 6 Uhr Traveplak. Ortsgruvve Schöneberg: Bahnwärterhaus( Gee). Start 1 Uhr Start Stubenrauchftr. 5. Ortsgruppe Bankow: Rüdersdorfer Ralfberge. 6 Uhr Floraftr. 24. Ortsgruppe Rieberschönhausen: Nauen. Start 6 Uhr Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße. Ortsgruppe Oberschöneweide: Werifee 7 Uhr, Langftredenfahrt nach Mündheberg. Start 6 Uhr. Treffpunkt Werlfee. Ortsgruppe Ablershof: Potsdam. Start 7 Uhr bei Riege. Drtsgruppe Tegel: Gumt. Start 1 Uhr Schlieperftr. 64. Ortsgruppe Reinickendorf: Rüdersdorf. Start 6 Uhr Residensstr. 109. Saalfahrer: Gonnabend, den 16. Mai, Sufammenkunft der Saalmannschaften Groß- Berliner Ortsgruppen. Thema: Bürgerlicher Saalsport und wir". Nachdem gemütliches Beisammen fein im Gewerkschaftshaus, Engelufer, abends 7 Uhr. Achtung, Bundes genoffen! Freitag, den 15. Mai, abends 7 Uhr, große öffentliche Radfahrerverfammlung in den Andreas- Sälen, Andreasstr. 21. Lichtbildervortrag und Bortrag des Genossen Orstrovsin. Start der Abteilungen abends 6 Uhr an den bekannten Stellen. Zouristenverein Die Naturfreunde"( Zentrale Wien). Abteilung Gesundbrunnen: Freitag, den 15. Mai, abends& Uhr, im Schiller- Enzeum, Bank, AbEde Böttcherstraße, Bortrag des Genoffen Dr. Bange: Boltsfeste". teilung Reukölln: Am 17. Mai Fahrt zum Mittelprendener Gee. Treffpunkt 5 Uhr morgens Bahnhof Neukölln. Gäfte willkommen. Jeden Dienstag von 8-10 Uhr Heimabend in der Schule Raiser- Friedrich- Str. 4( Sortzimmer). Abteilung Berlin Gibost: Sonntag, den 17. Mai, Treffahrt mit den Abteilun gen Treptow, Reutöln, Often, Charlottenburg am Mittelprendener See. Abfahrt ber Abt. Sildoft Sonntag 6 Uhr Stettiner Bahnhof, Sonnabend 5.35 Uhr bis Biefenthal. Fahrgeld auf Gonntagsrildfahrtlarien 1,40 M. Muffinftrumente find mitzubringen. Gäfte willkommen. Arbeiter- Athleten- Bunb, 4. Rreis. Am Sonnabend, ben 16. Mai, 7 Uhr, findet im Lokal Manteuffelftr. 95 eine Borständekonferens ftatt, wozit alle Borsigenden und Raffierer der Kreisvereine zu erscheinen haben. Bereine, die nicht vertreten find, haben die Konsequenzen zu tragen. Die Konferenz wird pünktlich um 7 Uhr eröffnet. Arbeiter Turn- und Sportverein Weißenfee. Am Sonnabend, den 16. Mai, 8 Uhr, Wiederholung des Schauturnens in der Gemeindeturnhalle, Pistorius. Straße 23. Aufführungen von Kinder-, Frauen und Männerabteilungen. Freie Turnerschaft Groß- Berlin, Bezirk Rorben II. Der Bezirt beteiligt fich mit Männern, Frauen und Jugendlichen am Sonntag, den 17. Mai, an ber Feier des 20. Stiftungsfeftes des Brudervereins in Bornstebt bei Botsbam und an den turnerischen und sportlichen Bettkämpfen. Treffpunkt 7 Uhr früh am Bahnhof Schönhauser Allee. Fahrt mit der Stadtbahn bis Potsdam. Spaziergang durch Sanssouci. Um die oftdeutsche Sandballverbandsmeisterschaft. Am Sonntag, den 17. Mai, finden in Treptow, Fichteplag, die Entscheidungsspiele um die Ber bandsmeisterschaft ftatt. Beginn der Borrundenspiele 9 Uhr vormittags. Schlußspiel 4 Uhr nachmittags. Außerdem fpielen 2-3 Uhr Jugend: Span dan- Ablershof; 3-34 Uhr Frauen: Reutöln- Fichte 93. Folgende Mann fchaften werden um ben Sieg fämpfen: 1. Kreis: frete Turnerschaft Neu föln; 14. Rreis: Breslau- Genbau; 15. Rreis: Stettin; 16. Areis: Welzom ( Laufk). Es find äußerst intereffante Spiele zu erwarten. Um bie oftbeutsche Fußballmeisterschaft. Am Sonntag, den 17. Mai, treffent fich auf bem Lichtenberg- I- Blag am Bahnhof Stralau- Rummelsburg die beiden Meisterschaftstandidaten Königsberg und Stralau im Endspiel um bie oftbeutiche Fußballmeisterfd aft. Rönigsberg fonnte gegen Stettin 2: 1 gewinnen, roY währenb es Stralan gelang, feinen Gegner Eulo- Forst mit 6: 2 au schlagen. Dapaus ergibt fic, baß ein fehr gutes Spiel au erwarten ist. Spielbeginn nachmittags Uhr. Borher spielen Lichtenberg I gegen Wemannia. Um 2 Uhr fpielt ATB. Beißenfee 1 Jad. gegen Abler 12. Der Rettungslehrgang ber Schwimmsparte des 1. Streifes bes... Sp.-B. beginnt am Dienstag, ben 19. Mai, 7 Uhr, auf dem Wafferfport plak Bigenfee. Interessenten lönnen sich an diesem Abend noch beim Ge noffen. Leich anmelden. Der Frühling ist da! Nun gibt es wieder die beliebten Rhabarberfpetfen mit MAIZENA Verlangen Sie umgehend unser Kochbüchlein! Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. Große Reklame- Woche von heute bis einschließlich Freitag, den 22. Mal für unsere vorzüglichen Qualitäten Malz- und Kornkaffee aus eigener Rösterei und Mälzerei Allerfeinste Qualität Pfund 48 Pf. Hochfeine Qualität Pfund 38 Pf. Feine Qualität Pfund 30 Pf. Wer 1 Pfund kauft erhält 12 Pfund Wer 2 Pfund kauft erhält 3 Pfund Wer 4 Pfund kauft erhält 6 147 Geschäfte Pfund Wer 5 Pfund kauft erhält 7%, Pfund Reicheli Die Firma der guten Qualitäten in Groß Berlin Nr. 227 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Internationale Sozialpolitik im Reichstag. Der Rechtsblock verschleppt die Inflationssteuer. Präsident& öbe eröffnet die Sigung um 1 Uhr 20 Min. und gedenkt des Ablebens des Abg. Sievers( Dt.- hann.), der seit 1920 dem Reichstag angehörte und hauptsächlich Handwerker- und Mittelstandsfragen vertrat. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesezentwurfs über den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamts, verbunden mit einer Reihe von Gesetzentwürfen über internationale Arbeitsabkommen. Abg. Lambach( Dnat.) bezeichnet als grundsäßliche Auffassung feiner Bartei, daß eine wirkungsvolle Sozialpolitik a m'aller menigsten durch internationale Abkommen gefördert werde. Wir werden dem Washingtoner Abkommen unsere Zustimmung geben, da unsere Bedenken wegen eines Eingriffes in die Entwicklung unseres Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse auf dem Umwege über das Internationale Arbeitsamt beseitigt sind. Im Berwaltungsrat müssen auch die christlichen, faschistischen und anderen gewerkschaftlichen Richtungen vertreten sein, nicht bloß mie bisher die freigewerkschaftliche.. Ob mir jetzt ratifizieren oder erst in zwei, drei Jahren, daß ändert an der außenpolitischen Lage durchaus nichts. Von den 57 Mitgliedern der Internationalen Arbeitsgemeinschaft haben bisher nach nicht zehn ratifiziert. Wir brauchen es also noch nicht so eilig zu haben. Abg. Rädel( Komm.): Die außenpolitische Debatte wird sich in demselben Sinne abspielen wie die heutige: dem Sinne der inter nationalen Verständigung. Bir Kommunisten sind eine internationale Arbeiterpartei, aber wir lehnen das Internatio= nale Arbeitsamt ab, weil wir darin ein Institut zur Täuschung der Arbeiterklasse sehen. Abg. Erkelenz( Dem.) betont, daß die Kosten der sozialen Berficherungen von allen Ländern gleichmäßig getragen werden müssen. Bir standen früher in der sozialen Versicherung an der Spike, jetzt aber lange nicht mehr. Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, es ginge uns besser, wenn es anderen Ländern schlecht geht. Die Aufgaben des Internationalen Arbeitsamts erfordern zum Teil eine ganz andere Einstellung auch bei uns Arbeitern. Wir haben der Welt noch sehr viel zu zeigen, aber mir zeigen es eben nicht. Wir müssen auf diesen internationalen Konferenzen auch propagandistisch tätig sein. Darum braucht Deutschland auf diesen Konferenzen eine repräsentative Bertretung. Deshalb sollte der Reichsarbeitsminister selbst noch Genf gehen. Abg. Seiffert( Völf. Bg.): Herr Schulz hält den Aufwertungsausschuß überhaupt für überflüssig. Nicht der Reichsfanzler und einige Deutschnationalen find hier befugt, hinter dem Rücken des Reichstags Politik zu machen. Der Aufwertungsausschuß ist zu fländig, Anträge zu stellen. Ich bitte, morgen darüber zu verhandeln. Abg. Schulh- Bromberg( Dnat): Die Denkschrift der Regierung über die Inflationsbesteuerung ist dem Steuerausschuß überwiesen worden, es ist also befonderes Entgegenkommen, wenn wir die nochmalige lleberweisung vorschlagen. Bräsident Löbe: Die Denkschrift war erst dem Steuerausschuß überwiesen, auf Wunsch des Auswertungsausschusses ist sie dann aber vom Plenum dem Aufwertungsausschuß überwiesen worden.( hört, hört! links.) Abg. Koenen( Komm.): Der Aufwertungsausschuß hat sich schon früher damit beschäftigt, daß die Mittel zur Aufwertung aus Inflationssteuern genommen werden sollen. Herr Schulz mill die Sache verschleppen, weil er gegen die Aufwertung ist. Abg. Frhr. v. Richthofen( Dem.): Der Aufwertungsausschuß hat sich fachlich mit dem Antrag beschäftigt; ehe diese Frage nicht geflärt ist, fann der Steuerausschuß nicht weiter arbeiten. Wir stimmen für die Beratung morgen. Abg. Keil( Soz.): Bor Ostern wünschte der Aufwertungsausschuß die Vorlegung der Denkschrift. Sie sollte gleich nach Ostern in gemeinsamer Sigung mit dem Steuerausschuß beraten werden. Sie ist dann infolge eines Versehens dem Steuerausschuß und nicht dem Aufwertungsausschuß zugegangen. Erst muß Inventur gemacht werden, welche Mittel zur Verfügung stehen; erst dann kann der Steuerausschuß weiter beraten. Die Abstimmung bleibt bei Probe und Gegenprobe zweifelhaft. Es muß ausgezählt werden. Für den Antrag Keil, den Beschluß des Aufwertungsbeschlusses morgen zu ver handeln, stimmen Demokraten, Bölkische, Sozialdemokraten, Kommunisten und vom Zentrum der Abg. Andre. Der Antrag Keil wird mit 155 gegen 148 Stimmen abgelehnt. Das Haus vertagt sich. Schluß 44 Uhr. Freitag 2 Uhr: Fortsehung der Beratung des LandwirtschaftsNur 80 M. steuerfrei. Der Regierungsblock gegen die Gewerkschaftsforderungen Im Steuerausschuß des Reichstages gab zunächst Reichsfinanzminister v. Schlieben folgende Erklärung ab: „ Die Reichsregierung hat fich mit den Anregungen der ver. Abg. Thiel( DBp.) gibt folgende Erflärung ab: Die Bertreter der Deutschen Volkspartei haben mit Unterstützung von Vertretern anderer Parteien im sozialpolitischen Ausschuß folgenden Anirag gestellt: Der Reichstag wolle beschließen, die Beschlußfassung über die Gesezentwürfe auf Drucksache Nr. 531 und die damit verbundenen Entwürfe auszufegen, bis Gewähr dafür geboten ist, 1. daß Deutschland in den verschiedenen Organen der internationalen Arbeitsorganisation in bezug auf Sprache und Beamte entschiedenen Parteien nochmals sehr eingehend befaßt. Sie ist zu sprechend seiner wirtschaftlichen und sozialpolitischen Bedeutung gleichwertig neben England und Frankreich zur Geltung fommt; 2. daß die Minderheitsgruppen der Gewerkschaften christlicher, nationaler und sozialer Richtung in den verschiedenen Organen der internationalen Arbeitsorganisation angemessen berücksichtigt werden. Die Deutsche Volkspartei will der Annahme der Entwürfe jetzt nicht widersprechen, um der Regierung Gelegenheit zu neuen Verhandlungen zu geben. Sie erklärt aber, daß weitere Ratifitationen pinternationaler Abkommen für die Deutsche Boltspartei nicht mehr in Frage tommen, bis die Gleichberechtigung der deutschen Bertreter und der deutschen Sprache anerkannt und gesichert ist. Damit ist die Aussprache geschlossen. Der Entwurf wird M. dem Ergebnis gekommen, daß über einen steuerfreien Betrag von 30 m. monallich und über 2 Proz. Ermäßigung schon für das zweite Kind nur für Einkommen bis zu 3000 m. nicht hinausgegangen werden kann. Schon das wird, wenn sich die Lohnverhältnisse nicht besonders gestalten, einen Ausfall von über 500 millionen Mart(?) bringen. Bei der Unsicherheit der wirtschaftlichen Verhältnisse kann ein noch größeres Loch. nicht ver antwortet werden. Auch muß nach Lage der Verhältnisse angenommen werden, daß eine Reihe von Ländern einer weiteren dringend gewünschte Regelung der Materie nur noch weiter hinaus iSenfung taum zustimmen wird, und daß dadurch die von allen in zweiter und darauf auch in dritter Lesung angenommen. Auch den beiden Entschließungen wird zugestimmt. Ebenso werden die damit verbundenen Gesezentwürfe in zweiter und dritter Lesung angenommen. Deutschnationale Verschleppungsmanöver. Abg. Heil( S03.) beantragt, den Antrag des 18. Ausschusses, der die Reichsregierung ersucht, zum Zwecke der Beschaffung von Mitteln für die Aufwertung dem Reichstag einen Gesezentwurf vorzulegen, durch den die Vermögen, die in der Kriegs- und Nach= Priegszeit einen Zuwachs erfahren haben, durch eine Sondersteuer zu erfassen, als ersten Puntt auf die Tagesordnung der morgigen Sizung zu setzen. Es ergibt sich aus dem Sinn dieses Antrags, daß er schnellstens erledigt werden muß. Der Aufwertungsausschuß muß sich bald ein Bild von den möglichen Ertrag einer solchen Sondersteuer machen können, um sich schlüssig zu werden, in welchem Maßstabe die alten Forderungen der Reichsgläubiger anerkannt merden sollen. Es sei sogar möglich, wenn vorher eine Berständigung getroffen würde, den Antrag ohne Debatte zu erledigen. Abg. Schulh- Bromberg( Dnat.) erwidert, der Aufwertungsaus fuß fei nicht befugt, Steuergefeße vorzuschlagen. Der Reichstag stche also einem Beschlusse eines unzuständigen Ausschusses gegenüber.( Lachen und Widerspruch links.) Bielleicht könne man den Beg beschreiten, diefen Antrag an den zuständigen Steuerausschuß zu verweisen.( Lärm links.) Bräfident Cobe: Es liegt ein Ausschußantrag vor; darüber muß zunächst das Plenum entscheiden. Abg. Schulk- Bromberg( Dnat.): Ich mache meinen Vorschlag aus gutem Herzen.( Lachen links.) Ich habe damit den richtigen Beg gezeigt. Bir fönnen doch nicht so ohne weiteres hunderte Millionen near Steuern beschließen. Abg. Keil( Soz.): Herr Schulz- Bromberg hatte schon ganz offen erklärt, daß. wenn ein solcher Antrag ins Plenum fäme, er ihn mit allen geschäftsordnungsmäßigen Mitteln zu verhin bern suchen würde. Sein Einwand ist nicht stichhaltig, denn der Aufwertungsausschuß hat sich als berufener Ausschuß für diese Dinge mit der Frage befaßt, und er hat in geschäftsordnungs mäßiger Weise unter dem Borfiz eines Fraktionskollegen des Herrn Schulz den Antrag angenommen. Lediglich deshalb möchte Herr Schulz den Antrag dem Steuerausschuß überwiesen wissen, weil in diesem fein Mitglied der Deutschnationalen sigt, das Dr. Be st heißt, kein Mitglied des Zentrums, das Dr. Rob heißt, und somit eine Mehrheit für den Antrag nicht vorhanden ist. Abg. Wunderlich( D. Bp.): Das Problem ist dem Steueraus schuß überwiesen worden.( hört, hört! rechts.) Der Aufmertungsausschuß hat über die Denkschrift der Regierung fachlich überhaupt nicht diskutiert. Jede Tunke gezögert werden würde." Von den sozialdemokratischen Mitgliedern wird folgender Antrag vorgelegt: 1. Vom Arbeitslohn bleibt für den Arbeitnehmer ein Betrag von 100 m. monatlich( 24 m. wöchentlich) vom Steuerabzug frei. 2. Der Betrag von 100 m. monatlich( 24 m. wöchentlich) erhöht sich für die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende Ehefrau sowie für das zu seiner Haushaltung zählende erste Rind um 10 m. monatlich( 2,40 m. wöchentlich), für das zweite und folgende Kind um 20 M. monatlich( 4,80 m. wöchentlich). 3. Wird der Arbeitslohn nicht für eine bestimmte Arbeitszeit gezahlt, so ermäßigt sich der 10prozentige Abzug um 8 Proz. 4. Die vorgesehenen Ermäßigungen treten mit Wirkung vom 1. April 1925 in Kraft, sofern die Neuregelung des Tarifs und der Borauszahlungen bei der Einkommensteuer ebenfalls von diesem Zeitpunfte ab Wirkung erhalten. Der Antrag wird vom Genossen Dr. Herz begründet: Die Regierungserklärung überrascht uns nicht, aber sie ändert auch nichts an unserer Stellungnahme. Nach unseren begründeten Berechnungen bewirkt die Erhöhung des Eriſtenzminimums auf 100 m. einen weit geringeren Ausfall als die, Regierung behauptet. Stichproben in großen Berliner Unternehmungen zeigen, daß nur Stichproben in großen Berliner Unternehmungen zeigen, daß nur ein Ausfall von etwa 20 Pro3. eintritt. Dieser Ausfall aber fann und muß aus sozialen Gründen ertragen werden. Die Festlegung des Gesamtertrages der Lohnsteuer auf jährlich 1,2 Milliarden Mark ist uns sympathisch. Die Ermäßigung der Lohnsteuer, falls fich ein Mehrertrag ergibt, darf aber nicht nur versprochen, sondern muß gefehlich festgelegt werden. Außerdem darf damit nicht bis zum Ende des Fistaljahres gewartet werden, sondern sie muß nach etwa drei Monaten erfolgen. Der Einwand, daß der sozialdemokratische Forschlag der Berücksichtigung der Notlage kinderreicher Familien widerspricht, ist unbegründet. Das gilt sowohl von unserem gegen wärtigen Standpunkt als auch für den der Vergangenheit. Wir haben uns nie gegen die Berücksichtigung finderreicher Familien gewandt, sondern nur dagegen, daß ihnen zuliebe viele Millionen benachteiligt werden. gebnis des Systems der prozentualen Ermäßigungen. Bor der Die unsoziale Gestaltung der Lohnsteuer ist vor allem das Erweiten Steuernotverordnung gab es fefte Ermäßigungen. Der Uebergang zur prozentualen Ermäßigung hat in zwei Richtungen unfozial gewirkt. Erstens ist eine startere Belastung der finderreichen Familien eingetreten, zweitens wurden die 2800 Freitag, 15. Mai 1925 cberen Lohn- und Gehaltsempfänger zu Lasten der unteren start begünstigt. Die festen Ermäßigungsfäße statt der prozentualen sind die wichtigste Boraussetzung für die stärfere Berücksichtigung finderreicher Familien. Die Durchführung der er höhten Ermäßigungen( 2 Pro3. statt 1 Broz. für Kinder) nur bis zu einer bestimmiten Höchstgrenze( 250 m. monatlich) wird in Hunderttausenden von Fällen bei Lohnerhöhungen so starke Stei. gerungen der Steuerlast herbeiführen, daß in Wirklich. feit eine Berringerung des Lohnes eintritt. Wir lehnen die Berantwortung für diese neuen Ungerechtigkeiten entschieden ab. Der Einwand, die Umwandlung des Systems sei eine Er schwerung, die den Unternehmern nicht zugemutet werden könne, ist unrichtig. Sieht man von dem eigentlichen Uebergang ab, so wird nicht eine Erschwerung, sondern eine Vereinfachung eintreten. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Ermäßigungsfäße für Frau und Kinder gleich sind und die Werbungskosten im Cristenzminimum enthalten sind. In der Gesamtwirkung geht unser Antrag nicht über das, hinaus, was der Reichswirtschaftsrat einmütig beschlossen hat. Wir haben immer nur das verlangt, was wir für fachlich vertretbar halten. Ziffer 3 unseres Antrages zieht nur für die unftändigen Arbeiter die Konsequenzen aus 1 und 2. Die Rüdwirkung vom 1. April ab verlangen wir nur für den Fall, daß fie auch für die übrigen Steuerpflichtigen zugestanden wird. Die Sozialdemokratie darf beanspruchen, daß ihr Antrag als absolut fachlich gewertet wird. Der Deutsche Gewerkschaftsbund, dessen Geschäftsführer Herr Dr. Brüning ist, hat Forderungen erhoben, die über die unsrigen hinausgehen. Auch der Deutsche hat das ständig getan. Daher muß ich mein Erstaunen aussprechen, daß Herr Dr. Brüning diesen Antrag überhaupt nicht erwähnt hat, fondern von vornherein einen Vorschlag vertrat, der fachlich ungenügend ist und mit den Wünschen der Lohnsteuerpflichtigen und denen feiner eigenen Organisation nicht in Einklang steht. Abg. Höllein( Komm.) betrachtete die Lohnsteuer als ein Aus. nahmegefeß gegen die Lohnempfänger. Deshalb beantragen die Kommunisten, daß der Steuerabzug vom Arbeitslohn überhaupt aufgehoben werden soll. Die Veranlagung des Einkommens der bisher der Lohnsteuer unterliegenden Steuerpflichtigen soll nach den allgemeinen Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes erfolgen. Ein Antrag der Regierungsvarteien schlägt vor, das Eristenzminimum auf 80 m. monatlich festzusetzen, die Ermäßigungen für die Ehefrau und das erste und zweite Kind auf 1 Proz., für jedes weitere minderjährige Kind um 2 Proz. Ueber. steigt der Arbeitslohn nicht den Betrag von 250 m. monatlich ( 60 M. wöchentlich), fo beträgt die Ermäßigung schon für das zweite minderjährige Kind 2 Proz. Gegenjas in meiner Stellung als Geschäftsführer des Deutschen Abg. Dr. Brüning( 3.): Der vom Abg. Dr. Herz konstruierte Gewerkschaftsbundes und als Abgeordneter ist unbegründet. Ich halte an dem Endziel unserer Forderungen feft.( Zuruf des Abg. Dr. Her: Davon stand aber in der Eingabe des Gewerkschaftsbundes nichts!) Wir freuen uns über die Wandlung der Sozialdemokratie bezüglich des Kinderprivilegs. Die Erhöhung des steuerfreien Existenzminimums über 80 M. begegnet großen Schwierig, feiten im Reichsrat. Wir sind für etappenweise Erleichterung. Wir hoffen aber, daß ein zweiprozentiger Abzug schon für das erste Kind sich erreichen läßt. Abg. Schneider- Berlin( Dem.) beantragte, daß sich bei einem Arbeitslohn von 200 m. monatlich( also 46 M. wöchentlich) der ermäßigen soll. Für die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zäh bei jeder Lohnzahlung abzuziehende Betrag auf fe chs Prozent lende Ehefrau fowie für jedes zu feiner Haushaltung zählende minderjährige Kind soll sich der steuerfreie Betrag um je 20 m. monatlich( also 4,65 M. wöchentlich) erhöhen; für das dritte und jedes weitere kind soll sich dieser Betrag um das Doppelte erhöhen. Auf Anfrage des Abg. Dr. Fischer- Köln( Dem.), ob finanziell der Steuerfajje Nachteile durch Einführung der festen Abzüge er. wachsen würden, erwiderte Staatssekretär Dr. Bopiß, daß finanziell felbstverständlich auf beiden Wegen ungefähr das gleiche Resultat erreicht werden könne, daß aber technisch die Umstellung der prozentualen Abzüge auf fefte Abzüge große Mehrarbeit verursachen würde, vor allem lei aber eine solche Umstellung im Laufe dieses Jahres aus technischen Gründen nicht möglich. Bezüglich der von verschiedenen Seiten gewünschten gesetzlichen Begrenzung des Aufkommens aus Lohnsteuer auf eine Größenordnung von etwa 1200 millionen Mart erwiderte der Staats. sekretär, daß solche Begrenzung nicht möglich sei. Nach den Senso wie die Berhältnisse heute liegen, voraussichtlich in der nächsten fungen, die jetzt in Aussicht genommen werden, wird der Betrag, Beit nach Ansicht der Reichsregierung nicht erreicht werden. Sollte er aber infolge günstigerer Gestaltung der wirtschaftlichen Ver hältnisse in absehbarer Zeit doch wesentlich überschritten werden, so wird sich die Regierung einer verantwortlichen und entgegen neter Weise alsdann eine weitere Senkung dem Reichstage vore fommenden Prüfung(!) darüber nicht entziehen, in geeig. zuschlagen. Staatssekretärs. Die Einführung der festen Zuschläge fet Abg. Dr. Herk( Soz.) widerspricht den Ausführungen des nicht schwierig, fie bringe im Gegenteil eine starte verminderung nicht schwierig, sie bringe im Gegenteil eine starke Verminderung des bureaukratischen Rechnungswerks. Wenn die Regierung darauf beharrt, daß in den Grenzfällen die Rückerstattungen nach. träglich vom Finanzamt zu verlangen feien, so werde eine neue Quelle großer Härten und Unzufriedenheit geschaffen werden. Jebe Berantwortung dafür lehne die Sozialdemokratie ab. Abg. Keil( S03.) verlangte, daß zu den verschiedenen vor. legenden Anträgen die Reichsregierung eine Statistit ausSteuer auf die verschiedenen Einkommensteuerstufen einwirken. Diese arbeite, in welcher Weise die Vorschläge der Parteien zur CohaAufstellung wurde dem Ausschuß von Regierungsseite bereits für morgen zugesagt. Infolgedessen wird auch erst Freitag die Abstimmung statt. finden. soll ihren Eigengeschmack behalten, aber auch gut gebunden sein. Für süsse und für würzige Sossen gleich gut geeignet ist Mondamin. Es bindet ganz ausgezeichnet, bildet keine Klümpchen und macht die Tunke nicht kleisterhaft. Mondamin ist vollkommen neutral im Geschmack und solite auch in Ihrer Küche nicht ausgehen. Achten Sie aber auf den Namen MONDAMIN Das Mwarze �ahr der Seehanölung. Die Verluste der Preußischen Staatsbank. Dar G«neraldirektion der preußischen Scehaudlung dürfton Llbfossung und Veröffentlichung ihres Verwaltungsberichts nie so schwer gefallen sein wie diesmal. Das Jahr 1924 wird als das schwarz« Jahr in ihrer Geschichte fortleben. In diesem Jahre wurde di« erste Staatsbank Deutschlands zum Gegenstand einer unwahrhaftigen skrupellosen Hetze. Aus der Unerfahrenheit und Mitschuld einig«? Beamter drohten ihr nicht unbeträchtliche V e r- l u st«. Erhebliche Teile der zweifelhaft gewordenen Forderungen hätten mit großer Wahrscheinlichkeit bei vorsichtigem Verfahren gerettet werden können. Aber durch eine übereifrige Staatsanwalt- schast dürften die zweifelhaften Forderungen bereits zu beträchtlichen Verlusten geworden sein. Ihr überlautes, dos Aerfahren zu einer Korruptionssensatlan stempelndes Vorgehen zog die Beteiligten in den Kot. Wir wissen heut«, in allen gravierenden Anklagepunkten zu Unrecht. Die Sprache des Verwaltungsbereichts ist nüchterner als die Geschichte dieses Jahres selbst. In d«n Aktiven der Bilanz er- scheinen unter den Schuldnern in laufender Rechnung, u n g e- deckte" Schulden mit 17,06 Millione n Mark. Das ist der höchstmögliche, ober auch wahrscheinliche Verlust aus den Krediteinräumungen an Iwan Kuttotor und den Varmat-Konzern. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist ein«n Reingewinn von 4,30 Millionen aus. Unter der Bilanz steht folgende Fußnote:.Der Reingewinn wird als.Rückstellung für Äreditverlust«' verwendet.* In ihrem Bericht sagt di« Staatsbank, sie nehme an,„daß bei normalem Fortgang der Geschäft« di« Verlust« au» den Erträgnissen der nächsten Jahre beglichen werden können*. Das ist der Tatbestand. Er klingt denkbar einfach. Er ist es aber nicht. Obwohl di« Seshandlung heute mit dem Lollvorlust der 17,06 Millionen rechnet. hat si« den Verlust nicht abgeschrieben. Möglich, daß es ihr wirklich ernst mit d»m Wunsch ist,.die Verluste, die aus den vereinzelten Mißgriffen entstanden sind, in voller Höhe bilanz- mäßig zum Ausdruck zu bringen* und daß sie deshalb die Abschreibung nicht vorgenommen hat. Hätte sie jedoch ihre Ver- luste abgeschrieben, so hätten in der Gewinn- und Verlustrschnung 17,06 Millionen Verlust 4,30 Millionen Gewinn gegenübergestanden. Wäre die Geehandlung nun kein« Staatsanstalt mit Staatsgarantls, sondern eine Aktiengesellschaft gewöhnlichen Rechts gewesen, so hätte die Seehandlung ihren Konkur» erklären müssen. Denn der Ver- lusiüberschuß von rund 1Z Millionen ist um Z Millionen höher als da» gesamte eigene Kapital und gerade genau so hoch wie Kapital und Reserven der Seehandlung zusammen. Das ist da» eine. Die Seehandlung sagt weiter, daß die Jnanspruch- nahm« der S t a a t s g a r a n t i«.nicht In den Kreis der Er- wögungen gezogen zu werden braucht*. Das ist die beruhigende Versicherung, der Staat habe keinen Schaden. Während der Inflation hat di« Seehandlung von den 129 Millionen Kapital. die ihr der preußische Staat als Betriebsmittel überwiesen hat. alles bis auf die 13 Millionen Kapital und Reserven der Goldbilanz verloren. Im Jahre 1924 hat sie 17 Millionen verloren. Also bereits 4 Millionen über alles das hinaus, was sie vom Staat empfangen hatte. Die Reingewinn«, di« die Seehandlung erzielt, gehören von Rechts wegen dem Staat, der darin da« der Seehandlung übertragen« Kopital zurückgezahlt erhält. Au» den zukünftigen Reingewinnen aber sollen die 17,06 Millionen Verluste gedeckt werden. Der Staat trägt die Verluste also doch. Di» heutige Höhe der Verlust« nun dürft«, das glauhen wir aussprechen zu dürfen, ganz wesentlich erst durch den Uebsreifer der preußischen Staatsanwaltschaft veranlaßt worden sein. In der schwer- sten Zeit de« wirtschaftlichen Wiederaufbau» hat dl« Staatsanwalt- schaft die Existenz der größten und wichtigsten Staatsbank gefährdet. Ob die preußisch« Regierung schon daran gedacht hat, wie si« die verantwortlichen an den eingetretenen Mehr Verlusten zur Rechen- schaft ziehen oder ähnliche Fälle schwerer Schädigung staatlicher und gesamtwirtschaftlicher Interessen durch Organe der Staatsanwaltschaft unterbinden kann? Wke es zu üea Verlusten kam. 1772 von Friedrich II. als.Generaldirektion der Seehandlungs- Sozietät* gegründet. 1904 in„Königliche Seehandlung(Preußische Staatsbank)* und nach dem Krieg« in„Preußische Staatsbank(See- Handlung)* umgetauft, sollte sie die Finanz- und Geldoerwaltungs- geschäft« de» preußischen Staate» und seiner Unternehmungen be- treiben. Im 18. und 19. Jahrhundert war sie«ine Gründung». dank im merkantilistischen Sinn«. Um di« letzte Jahrhundertwende stieß si« den Rest ihrer Jndustriegründungen und-besitzungen ab und wurde reine Staatsbank. Je stärker die Bantentonzentration In Deutschland voranschritt, desto stärker wurde dl« preußische Staatsbank auch di« Anlagereserve für die flüssigen Mittel der beut- s ch e n Großbanken, di« der auf Girokonto keine Zinsen Sahlenden Reichsbonk natürlich nicht mehr beließen, als sie nach der Vorschrift de» Bankgesetzes mußten. In diesen ihr aufgetragenen und erlaubten Geschäften fand die Staatsbank in normalen Zeiten lmmer reichlich ihr Auskommen. Der Krieg bracht« für die Staatsbant eine höchst günstige „Konjunktur*. Di« Anleihe- und Schatzwechselemissionen de» Reiches und Preußens, später die Lombardierung der Kriegsanleihen, ließen den Jahresumsatz der Seehandlung 1914— 1918 von 21 auf 397 Milliarden hinaufschnellen. Auch da» alte Kapital von 100 Millionen (1913) wurde 1918 aus 160 Millionen erhöht. Aber wie die Reichs- dank wurde auch di« Seehandlung in den Kriegssinonzierungs- schwindet mit hineingerissen und ihre Bankunternehmungsmoral auf doppelten Boden gestellt. Als aus dem Kriegs- der Nachkriegs- finanzierungsfchwindel wurde, der bis zum Katastrophen- herbst 1923 fortging, versackte sie Immer tiefer im Jnflationselend, bis sie im Herbst 1923 wie di« Reichsbant fast vor dem Nichts stand. Helüüberfiuß � Mangel an Malogemögllchkett. Aber dt« gestoppt« und durch die Kreditpolitik der Reichsbank zu gutem Auslauf gebrachte neue Rentenmartinflation bracht« auch zugleich di« Besserung in der Situation der Staatsbank. Der preu- ßische Staat bekam stabile Einnahmen und gleich sehr hohe Einnahmen, ebenso die übrigen Einleger und ösfent- lichen Kunden der Staatsbank, die Gemeinden und deren Finanz- institute. Zu der Milliarde Rentenmarkübergangskreditc kamen dt« übersteigerten Steuereinkünfte der Staaten und Gemeinden hinzu. Damit wuchsen die Gelder der Staatsbank beträchtlich. Was aber fehlte, war die Anlagemöglichkeit. Tägliches Geld lag, besonders seit der Kreditdrosselung vom 7. April 1924 durch die Reichsbank und im Gefolg« der Flucht der Privatwirtschaft au« den Devisen und Sachwerten, geradezu auf der Straße. Die Banken waren nicht Geldnehmer wie sonst, sond-rn selbst Geldgeber. Bei ihnen konnte die.Staatsbank keine Anlage für ihr« flüssigen Mittel finden. Da der Staatskredit des Reiches und Preußens noch innen und außen zerstört war. lag da» Emissions- und Schatzwechfel- geschäft still. Die privaten Banken, gewitzigt durch ihr« Erfahrungen im Kreditgeschäft schon seit 1922, wo sie ihre«inseitig« Goldkondi- tionenrechnung beginnen mutzten, um sich überhaupt noch hinaus- sehen zu können, hüteten sich vor längeren Kreditgeschäften mit größeren Beträgen. Bis mindesten» zum 7. April war sür sie auch das Tagesgeldgsschäft für Devisen- und Börsenspekulationen, durch den niedrigen Diskontsatz und die Kredttgab« der Reichsbant mächtig gefördert, viel lukrativer. In dieses Geschäft, da» ein reines Zinedifserenzgeschäft war und offensichtlich der Spekulation diente, durfte die Preußische Staatsbank nicht hinein. Als di« Kredit- drosselung durch die Reichsbant einsetzte, war auch für die Privatbanken das Tagesgeldgeschäft gesperrt: es wurde auch als mit der vollen Devisenzuteilung ab 3. Juni und dem Absturz der Börsenkurse jeder Spetulalton die Grundlage entzogen war, immer weniger lukrativ, und die Konkurrenz der anlogesuchendcn flüssigen Gelder wurde so stark, daß das Tagesgeldgsschäft zum Verlustgeschäft wurde, das nur durch hohe Provisionen gehalten werden tonnte. So entstand jene volkswirtschaftliche Anomalie, daß der offene Geldmarkt in Geld schwamm, das kein Mensch brauchen konnte, und daß Industrie und Landwirtschaft an Kreditdürre verdursteten und in langen Scharen Kreuzzüge nach Amsterdam. London und New Vork veranstalteten, um längerfristiges Kapital zu erhalten. Im Inland wie im Ausland wurde da» Aufspüren von Kredit- quellen zum großen Tip, für den die höchsten Preise gezahlt wurden. Dazu fehlte der Markt der Privatdistont« vollständig, und das Rediskontangebot der Reichsbank an die Preußische Staatsbank vom Juli 1924 blieb wirkungslos, weil die Großbanken zum Satz von 13 Proz. das Geschäft mit der Staatsbank nicht riskieren konnten. Die Preußische Staatsbank blieb also auf ihren Massen von flüssigen Geldern ohne Anlagemöglichkeit sitzen. Dazu kamen für die Staatsbant einig« ander« Momente. Sie war ein« staatliche Bank und war geleitet von Beamten. Diese Bo- omten hätten es in der gegebenen Lage auf sich nehmen müssen, ihre Bank ohne Gewinn arbeiten und die Gelder einfach liegen zu lassen. Dazu hätte die Einsicht gehört, daß jedes mögliche Ge- schäft, zumal da« kurzfristige, mit hohem Risiko oerknüpft war, und daß der Staatsbank, nachdem selbst di« Reichs- dank und die Großbanken mit ihrer alten und durch lange Er- fahrung streng gesichteten Kundschaft keine Beurteilungsgrundlagen für di« Bonität ihrer Geschäft« hatten, überhaupt jedes Kreditgeschäft verboten sein mußte, auch wenn es«in sogenannte» Wechsel- oder Effekten k o m b a r d geschäft war. Sodann waren die Beoinien der Staatsbank gerade in jenen Geschäften ohne alle Erfahrung, die »ach der gegebenen Sachlage an sie herantreten mußten, in den Kreditansprüchen solcher Privater nämlich, die ohne Verbindungen und ohne Rückhalt bei den Großbanken mit ihrem Kredstbedürf- »Is In der Luft hingen und zur Stützung ihrer Finanztransaktionen Kredit« zu nehmen bereit waren zu Bedingungen, die konsolidierte Unternehmungen auf Dauer zu tragen unfähig gewesen wären. End- lich waren Teile der hohen Bureaukratle durch die doppelt« Moral der staatlichen Finanz» und Rechtspolitit in der Kriegs- und Inflationszeit korrumpiert, durch di« blendende Herrschaftsmacht der alten und neuen Konzerne verwirrt und für zwar durchaus nicht betrügerisch«, aber auch nicht streng solid« Geschäft« empfänglich gemacht. Da« ist der Boden, aus dem die Preußisch« Staatsbank seit dem Katastrophenherbst 1923 und durch die Schelnstabiltsierung der Rentenbant zu jenen Kreditgeschäften kam, die di« 17 Millionen Verluste im Jahre 1924 veranlaßt haben. Vena öle flrmen bei üer Seehanölung borgen... Der Seehandlung angeschlosien ist das Staatliche Leih- amt. In ihm erhalten di« Aermsten von der Seehandlung Kredit«. DI« Gewinn- und Verlustrechnung der Kredite der Reichen schließt 1924 mit einem Gewinn von 4L0 Millionen ab. Er bezieht sich auf einen Ceschäftsumsatz von 29,67 Milliarden Mark, von dem der erzielte Gewinn 0,016 Proz. beträgt. Die Gewinn- und Verlustrechnung au» den Krediten der Aermsten sieht wesentlich anders aus. 1924 wurden 121 000 Pfänder versetzt und 2,0s Millionen Darlehen darauf gegeben, je Pfand 17 Mk. Durch Einlösung, Erneuerung und Versteigerung gingen bei insgesamt 88SS0 Pfändern wieder ein IM Millionen Mark. Der Dar» lehensumsatz betrug also 3,13 Millionen Mark. Daraus wurden 234 000 Mk. Gewinn erziell. Auf den Darlehensumsatz berechnet ergibt das 7,3 Proz. Aus den Krediten der Aermsten wurde also im Verhältnis der 400fach« Gewinn erzielt. Auf dieses Kapital berechnet macht der aus dem Pfandgeschöft erzielte Gewinn von 234 000 Mk. 30,9 Proz. Die Reichen zahlten 1Z bis 16 Proz. Zinsen jährlich, abgesehen von der scharfen Zinsanspannung nach der Kreditdrosielung Im April. Die Armen zahlten im Februar 8 Proz., ab Oktober 6 Proz., ab Dezember? noch 4 Proz. mo n a t- l i ch. Der Verwaltungsbericht bemerkt zu der Steigerung der nicht eingelösten und versteigerten Pfänder trocken, daß die Darlehens- nehmer zur Aufbringung der Zinsen nicht in der Lage waren und die Pfänder verfallen lassen mußten. Diese Fest- stellung erinnert an den bitteren ver» von Heine: Hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird Auch das Wenige genommen. K— r. Die überkapilasifierte Schwerindustrie wünscht das Wekk- rüsten. Während in Genf die Tagung über den privaten Waffenhandel stattfindet, sind die schwerindustriellen Magnaten Englands und Frankreichs an der Arbeit, ihre Wafsenlieserungen an ausländisch« Länder zu erweitern und rufen dafür die Hilfe ihrer Regierungen an. Der größte schwerindustrielle Kanzem Englands, der V i ck e r s- Kanzem, fordert von der Regierung, „günstige Beurteilung von Gesuchen um Anleihen befreundeter Staaten auch für Rüstungszwecke*. Mit anderen Worten: die englische Regierung soll anderen Staaten für Waffenliefeningen zu Rüstungszwecken, dl« bei englischen Firmen ausgegeben wurden, Anleihen � bewilligen beziehungsweise ihre Bewilligung durch die Banken befürworten. In der bekannten sranzösischen Zeitschrift „Kavue de» deux Monde»* schreibt ein Vertreter der Schwerindustrie:„Wenn man es fertigbringen würde, wie viel« es erträumen, den ständigen Zustand eines europäischen Friedens zu verwirklichen oder wenn auch nur einige Länder, etwa Frank- reich, diese gefährliche Illusion hegen würden, so würden die Ab- satzquellen sür Stahl und Eisen zu militärischen Zwecken außerordentlich geschmälert werden!* Man sieht deutlich, wohin der Weg der gegenwärtigen Industrieorganisation führt. Angesichts der geringen Konsumfähigkeit der Völker besteht ein« ständige Heber- Produktion an Eisen und Stahl, die die schwer- industriellen Magnaten nun zu Kanonen sür neues Llutvor- gießen verwenden möchten. Gute Zeilen für Banken. Für die industriellen In- flationsgründungen ist seit der Stabilisierung der Währung die Reinigungstris« schon da, und die wirtschastliche Entwickl"— scheint sie für die Zukunft noch zu verschärfen. Di« I n f l a t i o n s- gründungen im Bankwesen aber erfreuen sich dank der über- hohe» Bankzinsen und Provisionen noch der s ch ö n st e n In- flationstonsunktur. Dos macht der Gerschäftsbericht der Berliner Getreidekreditbant A.-S. sehr deutlich, der auf da» 1924 arbeitende Kapital von 750 000 M. einen Rein- gewinn von 298 000 M., also mehr als«in Drittel des Kapital« erkennen läßt. Allerdings wird der Reingewinn nicht in dieser Höhe ausgewiesen, sondem in Abschreibungen und Fondsbildungen bis auf 20» 000 M. versteckt. Aber auch das sind noch reichlich 25 Proz. Von diesem werden nur 60 000 M. fLt �ic Sprozentige Dividend« verwsndet. Der Rest ist Tantieme, Reserva- und Wohlfahrtsfonds und Vortrag auf neue Rechnung. Gleichgültig, ob diese hohen Gewinn« mm im Betrieb bleiben oder den Aktiv- »ären zufließen, sie sind eine künstliche Verteuerung de» Brotes, das in Deutschland gegessen wird. Und dies« Brotver- teuerung ist ein« Folge der Ueberorganisation des Bankwesen» und de» Zinsmonopols, das die deutschen Banken dank der Kapitalnot heut« noch über die Wirtschaft ausüben. Für«ine gründliche Reinigungskrife Im deutschen Bankwesen, die un» mit den hohe» Zinsen auch von der Ueberorganisation de» Bankwesen; Mrcit, wäre es deshalb höchste Zeit. Gustav Geuschow u. Co.. A.�v. verliu. Auf diese alte Jagd- Munitionsfabrik und Waffengroßhandslsfirmo hatte der verlorene Krieg«ine doppelt« nachteilige Wirkung. Einmal beschränkte sie der Be�ailler Friedeosoemeg m der Au«. Nutzung ihrer Prodirftionsanlagen. Dann hat die Stärkung der Kon- kurrenzmdultrien im Ausland ibr AuslandspefchSst stark eingeengt. Die Folg« ist, daß sie für ihre durch Kriegslieferunaen stark erweiterten Fabrikattonsanlaaen den Absatz nicht findet, den sie braucht. Das geht aus der Abschlußbilanz für 1924 deullich hervor. Auf das gegenüber der Vorkriegszeit oerdoppelte Aktienkapital von 4,1 Millionen emielte sie«inen Neingewinn von rund 79000 M. Der Rohgewinn beträgt 194 000 M., IIS 000 de» Rohgewinns ver- wendet sie ober zu Abfchreibuttgsn: den Reingewüm trägt sie auf neu» Rechnung vor. So mnellt sie kein« Dividende. Die Gründe für die relativ hohen Abschreibungen und auch für den un- ii günstigen Geschäftsabschluß dürsten mit in der zu hohen Feststellung., de» Goldlapitalz in der Solderöffnungsbilanz liegen. Die ungarische wirkschaslskrise. In Ungarn ist der gleiche Zustand eingetreten, der in Deutschland im Stabilisierungssohr zu beobachten war, aber in verhältnismäßig noch schlimmerem Ausmaß. Mit Hilfe einer geringfügigen Völkerbundanleih«— 250 Millionen. wovon bisber nur 80 m Anspruch genommen wurden und die freilich hoch verzinst werden müsien— wurde die ungarische Krone stabilisiert. Durch eine ausschließlich den Verbrauch und die Industrieproduktion belastende Steuerreform wurden die Staotssinanzen in Ordnung gebracht. Unter dieser Sanierung muh aber die Industrie zujonnnenbrechen. Di««inseitig auferlegten Steuern bringen der Staatskasse ungeheure Einkünfte, im zweiten Halbjahr 1924 um 6» Proz. mehr als im Sanierungsgesetz vorgeschrieben war, im Januar 1925 aber um 145 Proz. mehr.(Statt 25 Millionen Goldkronen 42 Millionen.) Diese ungeheuren Summen werden der Wirtschaft und dem Verbrauch entzogen. Dadurch wurde die auch sonst unvermeidliche Betriebe mtttelknappheit in» ungeheure gesteigert. Die Zahl der Konkurs«!>et in der letzten Zeit gewaltig zugenommen. Di« Realkaufkraft der Lohne und Gehälter ist erheblich niedriger als vor dem Krieg, wec'.alb der Verbrauch stockt und große Massen der Bevölkerung dem Elend prelsqegeben sind. Während der In- flationszeit haben cmch die ungarische Industrie uno der Handel eine ungesunde Aufblähung«rsahren. Es entstanden 93 neue Textilfabriken, 33 Großunternehmungen der Bekleidungsindustrie, je 15 neu« Grobunternehmungen In der Maschinen-, chemischen und Lebensmittelindustrie. Die Zahl der kausmännischen Unter- nehmungen vermehrte sich um 100 bis 200 Proz. Diese Jnflations- gründungen müssen während der Stabilisierung»?«!« zum größten Teil abgebaut werden. Infolge der verderblichen Wirtschastspolitik gestaltet sich aber dieser Reinigungsprozeß viel schmerzhafter, als es bei einer vernünftigen hätte der Fall sein müssen. Ausbreitung der woMndustrie in Australien. Wie es eine Tatsache ist, daß die hochkapitalistischen WIrtschostszentren nur leben können, wenn sie über weite koloniale Rohstoffgebiete und zugleich Absatzgebiet« verfügen, so hat auch die Entwicklung ge- zeigt, daß dies« kolonialen Absatzgebiet« in der Folg« selbst indu- strialisiert werden und den Heimataebieten dadurch die Nahrung entziehen. Denn die Rohstossbosis der Hauptindustriezentren wird eingeengt und die Absatzmöglidsteiten werden ausgeschaltet. China und Indien sind deutliche Beispiel« dafür in der Borkriegszeit. Ein weitere« Beispiel zeigt auch A u st r a l t e n, in dem zurzeit die einheimisch« Wollindustrie immer mehr an BeoeuNmg gewinnt. Angeregt werden die Gründungen durch Kapitalinvestitionen von Viehzüchtern, durch Mitarbeit englischer Firmen selbst und die Industriesiedlungspol itit der australischen Regierung. En.'- sielen doch früher fast 40 Proz. der ganzen Einfuhr ollein auf Textilien. Mehr als 120 Mark auf den Kopf der sechs Millionen Bevölkerung betrug di« Belastung. Da di« Ueberfeefrachten weg- fallen und da ferner eine Zollmauer besteht, zeigen die neuen Un- ternehmungen in den meisten Fällen mit Abschlüssen von 10 Proz. Dividenden und großen Rücklagen»in gutes Fortkommen. Für die englische und«uroväische Wollindustrie wird diese Eni- wlcklung in den Preisen der Rohstofsmärkto zur Auswirkung kommen. KOHNEN, TORING Billiger Pfingstverkauf für Straße, Reise und Sport: Herren- Anzüge Große Auswahl, alle Größen, mo- 29.derne Farben. M. 45,- 35, Hell und dunkel gemustert, Streifen and Karomuster M. 59,- 54.Neueste Farbstellung, beste Verar45.beitung. M. 84.- 74.- 64.- 59. Blau, I und II- reihig, Melton and Kammgarn.. M. 82, 68.ünglings- Anzüge 58.Mittelgrau gemustert, beste err: 45.beitung. 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Mai, abends 6 Uhr, Antreten in Bannerkleidung ohne Fahnen. Abmarsch zur Uebung. Treffpunkt Grüner Baum. Kameradschaft Tiergarten: Der Zurnabend am Sonnabend, den 16. Mai, fällt aus, statt deffen Ausmarsch. Treffpunkt abends 7% Uhr an der Unterführung Butligstraße. Kamerab schaft Neukölln- Brig: Sonnabend, den 16. Mai, abends 7 Uhr, Treffen der Rameraden mit Angehörigen im Spreegarten, Treptow, zur Beteiligung an ber Bannerweihe der Kameradschaft Friedrichshain. Kamerabschaft Köpenid: Sonnabend, den 16. Mai, abends 8 Uhr, Antreten am Bahnhof Röpenic mit Tambourforps und Fahnen. Friedrichshagen trifft sich um 6% Uhr am dortigen Bahnhof. Die Sonntagsveranstaltung nach Müggelheim fällt dafile aus- Kamerabschaft Ertner: Sonnabend, den 16. Mai, abends 7 Uhr, Antreten am Bahnhof zur Fahrt nach Fichtenau. Rameraben, die an dem Zag der Stepublif in Rottbus em 16. xub 17. Mai teilnehmen wollen, melden fich unverzüglich im Gaubureau. Abfahrt Sannabend nachmittag 2.25 Uhr und 3.32 Uhr ab Görliger Bahnhof. Fahrpreis hin und zurüd zirka 8. Gauvorstand. Arbeiter Abstinentenbunb Charlottenburg. Bersammlung heute, Freitag, 7 Uhr. Referent Neinhard Baul:„ Kulturaufgaben der Arbeiterfchaft. Arbeiter Radioklub, Bezirk Neukölln. Borkoag am 15. Mai, 8 Uhr, Mitlifoule. Gäste willtourmen. Sozialwiffenfchaftliche Bereinigung. Sonnabenb, den 16. Mai, abends 7 Uhr, im Graphischen Vereinshaus, Alexandrinenstr. 44, fpricht Staatshautpräsident a. D. B. Loeb über Nachwirkungen der Inflation und ihre Rüdwirtung auf die Arbeiterschaft". Die Heimattrener Oberschleffer, Drisgenppe ilmersdorf. Sonntag, den 17. Mai, Ausflug nach Samargendorf( Schützenhaus). Abmarsch 3 Uhr Fehr. belliner Blah. Sport. Rennen zu Karlshorst am Donnerstag, den 14. Mai. 1. Stennen. 1. Baris( H. Noval), 2. Bollenjchieber( Bittner), 3. Cutandcartem( R. Derschug). Foto: 18: 10. Blaz: 13, 21, 27: 10. Ferner liefen: Teufelsnärrin, Gredulite, Mimameldr, Ariadne, Rabindranat, Ganymed, Oro, Baltüre, Astra. 2, Rennen. 1. Amara( Menz), 2. Chane( Reue), 3. Deeana( Bini Seuer). Toto: 199: 10. Plat: 29, 18, 16:10. Ferner liefen: Cambutta Morelia, Le Challenge, Donnerwetter, Schnudi II, Sippel, Duo vadis, Elcorte. 3. Rennent. 1. Lebenswonne( Dertel), 2. Lilienstein( Lüder), 3. Wiwia( E. Eichhorn). Toto: 12:10. Drei liefen. 4. Rennen. 1. Rappelkopf( Dr. Braune), 2. Wetterscheide( v. Below), 3. Duhr- Spike( Hr. Staudinger). Toto: 13:10. Drei liefert. 5. Rennett. 1. Aufklärung( Gießmann), 2. Antiope( Hauler), 3. Laon( 5. Beer). Toto: 168: 10. Blab: 26, 13, 14:10. Ferner liefen: Escorial, Diogenes, Ed, Berta, Messina, Zauberflöte, Heerführer. 6. Rennen. 1. Mandarin( Bismark), 2. Dorn II( Dertel), 3. ErzBalunke( Kukulies). Zoto: 30: 10. Blat: 13, 12, 13:10. Ferner Hefen: Rüdgrat, Minenhof, Karawanta, Mainberg. 7. Rennett. 1. Königsadler( Leutnant Jay), 2. Nasvidr( Herm. Staudinger), 3. Bubi( v. Metsch). Toto: 21:10. Plat: 16, 23: 10. Ferner liefen: Balant, Octavio, Kriegsbruder. Internationale Rad- und Dauerrennen am Sonntag im Stadion. Am tommenden Sonntag wird im Stadion um den Großen Flieger. preis von Deutschland getämpft. Ban Kempen, Spears, Moretti, 2egrave und Hahn werden sich hierzu am Start einfinden. Ferner gelangt ein Dauerrennen, ebenfalls in internationaler Be fegung, zum Austrag. Folgende Fahrer find gemeldet: Wyns dau, Wittig. Samall, Thomas, Seruptat, Lejour und Zuby. Alles in allem versprechen die Rennen infolge der wirklich guten Belegung BP felt. Sind doch über 50 Meldungen abgegeben, und es wird im Bundle fahren und im Tandemrennen starte Felder geben. Um auch den im Großen Fliegerpreis" nicht startberechtigten Fliegern eine Gewinnmöglichkeit zu bieten, ift ein Prämienfahren eingelegt worden. Für diese Rennen haben sich alle in Berlin anwesenden Flieger von Namen gemeldet. Vorverkauf für das Rennen bei A. Wertheim, Leipziger Str. 126/137. 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Mal: Auto- Sternfahrt des Allgemeinen deutschen AutomobilClubs zur Ausstellung. Tägl. Fahrten d. Flettner- Binnen- Kreuzers. Am 17. und 21. Mai: Nachmittagskonzerte auf dem Ausstellungsgelände. Metropol- Theater 8h Premierenbesetzung 8h LUNAPARK Freitag Tausend süße Beinchen Streich- Orch.- Konzert von Walter Bromme Friedenspreise! Promenoir 2 M., Park. 3, 4, 5 M., Park.- Faut. 6 M. Vorverkauf ununterbrochen Operettenhaus Residenz- Th. am Schiffbanerdamm 8 Uhr: Die Bar ant Montmartre Wallner Theat. 28 Uhr: Romeo u. Julia Täglich 8 Uhr: Der Werwolf Central Theater Casino- Theater 8: Hilfe, ein Kind ist v. Himmel gefallen! Lothringer Str. 37 Tagl.8 Uhr Humor and heifere Stimmang Deutsch. Opernhaus Mädels vom 7 U. Tannhäuser Kurfürstendamm die nege lastige Komödie. Vorher das Th. L. Kommand. Str Mai Programm! Täglich 8 Uhr: Srmän. Preise: USCH Herrnfeld Das volle Programm von Jean Gilbert PALHALLA THEATER Weinbergsweg, Rosenthaler Tor. Täglich 7 Chr 8% Theater 8 Theater a. Kottb. 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Das konnte man nicht wissen. Morgen», wenn sie ihn weckte, rief Frau Joly:„Waschlappen. du mußt ausstehn.'— Abends sprach sie:„Waschlappen, geh in'» Bett.'— Wenn ich nicht schon ein Waschlappen wäre, muhte Jakob oft denken, würde ich bestimmt einer werden— man richtet sich nach dem Titel. Aber Frau Joly sorgte für ihren Sohn Jakob— so etwa» hallen die Frauen, die auf den Straßen beisammen stehen, noch nicht erlebt.„Es ist eine Assenliebe', sagten mehrere. Und die meisten stimmten zu. Denn Frau Joly brachte ihren Sohn Jakob morgens bis ins Geschäft, wo er Schreiber war, und begann erst dann mit Einkäufen und häuslichen Pflichten. Und abends ging sie ihm ein gut Stück entgegen, mochte es hageln und blitzen.„Das schadet mir nicht', sagte sie. So lebten Frau Joly und Jakob, ihr Sohn, den sie den Wasch- läppen nannte. „Kommt da jemand?' fragte Frau Joly und bückte von ihrer Strickarbeit auf. Ihre Augen blitzten. „Von Gara', sagte Jakob und las. Da erhob sich Frau Joly aus ihrem Sofa, ging auf leisen Sohlen zur Zimmertür, öffnete sie behutsam, und trat auf den Zehen hinaus auf den dunklen Flur. Jakob las, vielleicht las er auch nicht und hatte andere Gedanken. Von Gara war der Untermieter, der vorne dos Zimmer be- wohnte, das gute, wo die Möbel von Mahagoni stehen. Er war Ungar, war Ossizier gewesen, Haar indianisch schwarz, Augen wie schwarzes Feuer. Und das Haar war in die Höhe gebürstet. Er konnte die deutsche Sprache nur stammeln. Aber das gefiel Frau Joly überwältigend gut an ihm, und wenn er die blühenden Lippen öffnete, lachten Frau Jolys junge Augen. Sir blickten hinauf auf das hochgebürstete glänzende Haar, und schweiften abwärts und maßen dj« breite Brust, die beim Atmen die Weste sprengen wollt«. Und wenn sie aus seiner Stube kam, setzte sie sich in da» Sofa und sagte:„Der Offizier hat so feine Sillen, er ist aus einem adligen Hause'. Er springt vom Stuhl und öffnet für mich die Türe, wenn ich das Teebrell in meinen Händen halle. Das hast du Waschlappen niemals für mich getan.' Als Frau Joly an diesem Abend wieder in die kleine Swb« kam. wo Jakob in seinem Sessel saß, war ihr Gesicht kupferrot. sir> sagte kein Wort, aber noch einer Weile begann sie zu suinmen. Jakob, den da» Summen störte, fragte:„War es von Gara?' .Ja. von Gara', sagte Frauu Joly....und er hat Musik mit- gebracht.' Jakob blickte ins Buch und las. Musik mitgebracht— das war so zu verstehen: Da» Zimmer. das von Gara gehört«, war vor vielen Monaten einem lebens- lustigen Wiener vermietet gewesen. Dieser Wiener hatte eine» Tages Frau Joly gesragt, ob er zum Abend einen musikalischen Freund mllbringen dürste, der auf der Violine Konzert« zu spielen verstünde.— Dille, hatte Frau Joly gesagt. Aber Frau Joly liebte ihre Mieter, die in ihrem Hause Heimat gefunden hallen, all diese fröhlichen, pfeifenden jungen Leute. Und wenn der Wiener einen Freund halle, der aus der Violine Konzerte zu spielen verstand, so wollte Frau Joly auch diesen kennen lernen. Sie stand am Abend vor der Scheibe der Wohnungstür. von deren Farbe sie einige Streif. chen mit dem Fingernagel herabkratzt«. Als ein Schlüssel am Tür- schloß tastete, sehr behutsam, da spähte Frau Joly durch die Streif. chen, sehr behutsam. Dann stelUe sie sich stell an die Wand, kreuzt« die Arm« und stand wie ein Denkmal. Der lustige Wiener schob sich herein, an dem Gurt seines Mantels im Rücken hiell sich«in Mädchen. Da stand Frau Joly mitten im Korridor, kreuzt« die Arme über der Brust und blickt« ihn an. Der fröhliche Wiener deutete elegant auf seine Begleiterin.„Da Ist die Musik.' sagt« er. Und am nächsten Morgen lag neben der Kaffeekanne auf seiner Tasse— die Kündigung. Da» war der Sinn der Redewendung: Er Hot Musik mll- gebracht. Auf diesen Diener war Herr von Gara gefolgt. Er hatte in seinem Kontrakt unterschreiben müssen, daß er weder Schwester. noch Nichte, noch Enkelin oder Cousin« in seinem Zimmer emp. sangen wollt«. Und da« mußte er versichern wie einen Eid. Und diesen Kontrakt holte Frau Joly jetzt aus der Kommode, die nebenan im Schlafzimmer steht, las ihn noch einmal durch, unterstrich mll einem roten Stift verschieden« Worte; lächell«, ging hinaus. Hart stampfte sie über den Korridor.— Sie geht zu von Gara dachte Jakob und las. Don Garas Tür war verschlossen. Auch dies« Scheiben waren mall mit Farbe bedeckt. Da begann Frau Joly mll dem Nagel des Mittelfingers die Farbe in Streifchen herunterzukratzen. Eh« st« hindurchlugen konnte, stand von Gara im Rahmen und schrie: „Was Sie sich erlauben?' „Ich möchte Sie sprechen.' sagte Frau Joly und drängte sich an die Tür. „Was Sie sprechen wollen?' stieß er hervor. Er versperrte den Weg. „Ich möchte in Ihrer Stube mll Ihnen reden.' „Hier.' sagte von Gara. „Warum nicht in Ihrer Stube?' fragt« Frau Joly. „Hier', sagte von Gara. .E» befindet sich also jemand in Ihrer Stube,' sagte Fron Joly. „Hier', sagte von Gara. Cr beharrte dabei. „In dem Kontrakt steht unterschrieben—* „Das ist meine Muller, die mich besucht', schrie von Gara mll Heller Stimme. „D, Sie windiger Offizier', rief Frau Joly,„Sie Lügenhusar!' Und sie stampfte über den Korridor und von Gara schmiß zu und schloß ab.— ,4)0« ist seine Mutter— sagt er.' sagt« Fra» Joly zu Jakob. Ihr Gesicht glühte dunkelrot. sie lächelte, summte.„Ich habe ch» Sei öer notleiüenSen Lanöwirtfthast: „Nur keine Sange nich. Regieren is' man halb so schlimm, der Oandbnnd wird'» Ihnen schon sagen, wie'» gemacht wird!" Sei üer Schwerloüuftrie: „Aus Grand Ihre» Lebenslaufe». Zeugnisse und Referenzen. glauben wir. daß Sie da» Ihnen eakgegeagebrachle vertrauen nicht enttäuschen. Fall» Sie in Ihrer neuen TStigkett Rat und Hilfe brauchen sollten, stehen wir Ihnen gern damit zur Verfügung!' Lügenhusar genannt. Und morgen liegt dt« Kündigung auf seinem Teller. Uebermorgen ist sowieso der Termin— sie kommt gerade zur rechten Zeit. Hol Tinte und Feder, Waschlappen du, schreibe die Kündigung au». Oder willst du noch essen?' Denn er hatte den Appetll eine» Löwen. ch G 0 Abends zehy Uhr, als Jakob über den Korridor tappte, das Brotbeutelchen an der Schnur in den Händen— denn er wollte e» vor die Haustür« hängen— da kam Herr von Gara vor feine Stube und sagte:„Eintreten Siel' Jakob stand still und drehte das Band an dem Beutelchen zwischen den Fingern. E» kam ihm kein Beistand. Sein« Muller zu Hilfe rufen wollt« er nicht.— Mag also der Mann seinen Willen haben, dachte er und trat ein. Bon Gara halle Reiterstiefel an. breitbeinig stellte er sich mitten in» Zimmer, sein« Augen, die schwarzen Funkelsteine, drehten sich immerzu. Jakob sah sich im Zinnner um. „Suchen Ä« nicht dtese Dame, die meine Mutter war.' sagte von Gara scharf, ja, er war Offizier gewesen.„Denn sie ist fort.' Jakob verbeugte sich steif. Cr wußte gar nicht, was er hier wollte. Nach einer Paus« sagte der Offizier:„Sie wissen, wa» nun nach dem Ehrenkodex geschehen muß. Zchre Frau Mutter hat mich einen Lügenhonoed geheißen.' Jakob verbeugt« sich wieder. Da fiel ihm da» Drotbeutelchen hm und Jakob dachte: Süße» Beutelchen, nun trage ich dich bald sieben Jahre vor unsere lieb« Tür«— und Mutter hat dich genäht. Da sagt« von Gara:„Wünschen Sie Degen? Oder Pistolen?' Jakob zwinkert« mll dem linken Luge, da» war Verblüffung — so wie ein Hund fei» Ohr in die Höhe wirft, wenn man ihn kltzekt.(Fortsetzung folgt.) Sei den„Steuer'mannern: „Schon alle» jerettet, Exzellenz, Luther, Schiele, Reuhan» verstehen den Rummel. Z.1 Milliarden Lohnsteuer,. 1,7 Besitz. det Zeschast i»' richtigt' „Oh. Gollegott! Läufer Retler! Ich weiß mich nicht mehr zu rette»!' Soziale Fürsorge im allen INongolenreich. Zu den well ver- breiteten Irrtümern der üblichen Geschichtsüberlieferung gehört die Meinung, die soziale Fürsorge für die Schwachen, Kranken und Leidenden sei erst durch das Christentum zur moralischen Lerpslich- tung für die Allgemeinheit gemacbt worden. Ohne den christlichen Charakter der ganzen Gemeinschaft hätte die Einrichtung der Kran- kenhäuser und Hosplläler nie Wurzel fassen können. Di« wissen- schaftliche Forschung hat indessen festgestellt, daß bereit» mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt buddhistische Herrscher in Ceylon und Kaschmir Hosplläler gründeten. Interessant« Belege für die soziale Tiefenwirkung der buddhistischen Religion auch Im großen Monyolenreich des Kublai Khan findet man in den Reiseberichten des Marco Polo, dem ersten europäischen Forschungsreisenden. Marco Polo berichtet, daß der Mangolenherrscher schon in der Mitte de« lZ. Jahrhundert»(um 1270) Hosplläler gegründet und aus» Freigibigste ausgestattet hatte. In jedem Stadtteil der Haupiftödt« gab es mehrere. Wurden bei Tage Arbeitsunfähige, Krüppel oder Kranke aus den Straßen gesunden, so wurden sie in«in solches Hospital gebracht. War der Kranke geheilt, so muhte er eine Arbell annehmen, damll er der öffenllichen Fürsorge nicht zur Last fall«. Der Transport eine» Dorfe». In Amerika ist es längst nichts Neues mehr, daß ein Haus an eine andere Stelle transportiert wird. Es handell sich dabei nicht bloß um leichte Holzhäuser, sondern auch um schwere mehrstöckige Gebäude. Kürzlich hat man aber in Michigan das ganze Dorf Jennings 18 Kilometer well transportiert Cs handell« sich um 100 Häuser� die von einem Sägewerk erbaut worden waren. Nachdem die Gegend abgeholzt war. mußte man entweder die Gebäude aufgeben oder sie abbrechen und and«r»wo wieder aufbauen oder sie als Ganzes wellertronsportteren. Man entschloß sich zu letzterem; da die Häuser aus Holz gebaut sind und auf Mauerwerk stehen, so wurden sie aus Gerüste mit Rädern gehoben und weiterbefördert. Allerdings mußt« der Weg bis zu der neuen Dorflage zum Teil«ingeebnet und verbrellert werde». Der Transport verlief ab« gut. Billige Lebensmittel Tietz Mengenabgabe vorbehalten FRISCHES FLEISCH Rückenfett.......... Pland 74Pt. Schweinebauch ohne Bellage....... Pfand 84PL Schweineschulterblatt... tand 84PL Schweineschinken auch getellt... Ptand 95PL Kalbskamm.. 66P. Kalbsrücken.. 70PL Kalbskeulen Lammfleisch Lammrücken.. Pfund 82PL Pland 80PL 90PL 60PL Piund Rindertalg selbst ausgel.... Schweineköpfe gepokelt........ Piund 28 Pt. Pa. Ochsen- Gemüsefleisch getro 50PL Pa. fettes Schmorfleische Koch, 80PL Rinderbacken o. Knochen, gefroren..Pfand 30PL Rinderherzen gefroren......... gefroren............... Pfund 30PL ........ Pfand 56Pt. gefroren, Pfd. Schweinenieren gefroren....... Räucherw. u. Fische Schellfisch ger., Pid. 35Pt. 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Camembert voll, Stack 20PL Romatour ca 4- Pld- Stück 22 PL Quadratkäse..... Pfand 26Pt. Kümmelkäse schles, Ptd. 35Pt. Allg.Stangenkäse Pra. 60Pt. Tilsiter......... Pfand 60Pt Edamer.. Pfund 70Pt. Dän. Schweizer Pfand 95Pt. Vollf. Tilsiter..... Pfand 110 Konserven, Dose Weisskohl Rotkohl Jg. Kohlrabi in Scheiben 48PL Leipziger Allerlei 80PL Jg. Schnittbohnen.... 78Pt. Jg.Schnittbohnen I... 90Pt. Birnen, Frucht Apfelmus tafelfertig, D. 35Pt. 98PL 30PL 45Pt Weine, Spirituosen u. Erfrischungsgetränke Die Weinpreise verstehen sich ohne, Spirituosen mit Steuer und Flasche Mosel- und Rheinweine 1923 er Edenkobener zur Bowle............ FL75PL 10 FL7,00 1922er Mesenicher 4F1.95Pt. 10F19,00 1921er Edenkobener.......... FI.1,40 10FL 13,00 1922er Winninger.... FL1,25 10FL. 11,50 1921er St. Martiner. FL.1,75 10FL. 16,00 1922 er ValwigsbergerPalmberg, F1 1,60 10F1. 15,00 1921 er Alster weilerer Letten... FL.1,85 10FL. 17,50 Rot- und Dessertweine 1922 er Montagne voller Botw. 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