Abendausgabe Nr. 228 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 112 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Beboffion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Döngoff 292-295 Zel- Zoreffe: Sozialbemotrat Berlin 5 Pfennig 15. Mai 1925 Vorwärts= Berliner Dolksblatt Berlag und Anzeigenabtettuu Gefchäftszeit 9-5 Whe Berleger: Bocwätio- Berlag GmbH. Berlin Sm. 63, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Rückkehr zum Hochschutzzoll. Der Anschlag des Rechtsblocks auf die Konsumenten. Die fogenannte tleine Jollvorlage wird zu Beginn der nächfien Woche dem Reichstag vorgelegt werden. Sie enthält die Agrarzölle, die alten Zölle von 5 M. für Roggen und 5,50 M. für Weizen und soll am 1. August 1926 in Kraft treten. Um 1. August 1925 aber follen bereits die Getreidezölle wieder eingeführt werden, und zwar ungefähr in Höhe der Hälfte der genannten Zollfäße. Besonders schwerwiegend ist die Bestimmung, daß die Gefreidezölle als mindefizölle gelfen sollen, so daß fie auch in fünftigen Handelsvertragsverhandlungen nicht ermäßigt werden tönnten. Bemerkenswert ist, daß in der Vorlage der Regierung der Eifenzoll in alter Höhe aufrechterhalten merden foll Das Ganze ftellt sich dar als die Rüdtehr zum Schuß30lliyem zugunsten der Großagrarier und der Schwerinduftrie, als Raubzug gegen die gesamte arbeifende und tonfumierende Bevölkerung, als eine Erschwerung der Handelsvertragspolitit, als verhängnisvolle Wirkung der Rechtsregierung und der Wahl Hindenburgs. Der Rechtsblod zeigt sein wahres Gesicht. Bisher hat die Regierung an der Behauptung festgehalten, daß sie die fleine Zollvorlage braucht, um für die Handelsvertragsverhandlungen Rompenfationen in die Hand zu haben. Die Verabschiedung der fleinen Zollvorlage wurde jedoch verzögert. Die Handels. vertragsverhandlungen gerieten ins Stoden. Die Schuld an diefer Berzögerung trugen die agrarischen Intereffenten. Sie wollten ihre Zustimmung zu der fleinen Zollvorlage nur geben, wenn die Agrarzölle hineingearbeitet würden. In den Kreisen der Industrie wie des Großhandels stieß dies Verlangen auf Widerspruch. Man sah nicht nur voraus, daß der Interessenausgleich zwischen Agrariern und Industriellen schwierig sein würde und Zeit erfordern würde, man fürchtete vor allem die Gefährdung der Handelsvertragsverhandlungen. Die streitenden Interessenten fließen in der Frage des deutsch- spanischen Handelsvertrages am härtesten aufeinander. Die Deutschnationalen, in denen bisher die agrarischen Interessen das Lebergewicht haben, lehnten im Ausschuß den deutsch- spanischen Handelsvertrag ab. Er harrt immer noch feiner Erledigung durch das ab. Er harrt immer noch seiner Erledigung durch das Plenum des Reichstags, und fein Schicksal ist noch ungewiß. Die schutzöllnerische Richtung in der Reichsregierung hat die Geschäfte der agrarischen Interessenten besorgt. Die Herren Ranik und Neuhaus haben während der Präsidenten mahl den Bersuch unternommen, mit Hilfe eines Ermächti gungsgesetzes die Bertoppelung der Kleinen Zollvorlage mit ben Agrarzöllen unter Dach und Fach zu bringen. Dieser Verfuch scheiterte. der Bevölkerungsflaffen um den Lebensraum. Diese Bor lage mill fünstlich eine Einkommensverschiebung zugunsten der Agrarier herbeiführen. Die große Industrie wird sich durch die Kompensationen, die ihr geboten werden, schadlos halten. Die Leidtragenden werden die Arbeiter, die Angestellten, die fleinen Leute, die Maffen der Konsumenten sein, auf denen ohnehin schon der Löwenanteil der Staatslaften ruht, und die obendrein durch die Steuerpläne des Rechtsblods noch bedroht und bedrückt werden. Diese Zollvorlage wird nicht nur zu heftigen parlamentarischen Auseinandersehungen führen, fie wird mit Notwendigkeit heftige foziale Auseinandersehungen nach sich ziehen. Die Regierung des Rechtsblods hat diese Borlage fertig geftellt, trotzdem felbft in den Kreisen der Schwerindustrie die Meinungen geteilt sind, ob ein Schußzollsystem, so wie es die Regierung beabsichtigt, den Interessen der deutschen Boltswirtschaft dienlich wäre. Im Zusammenhang mit dem deutsch spanischen Handelsvertrag haben die Vertreter der Fertig und Exportindustrie, auf die die wirtschaftlichen 3u funftsaussichten Deutschlands in erster Linie beruhen, heftigen Einspruch erhoben gegen die schußzöllnerischen Pläne, die im Schoße der Reichsregierung vertreten werden. Die Schutz zolipolitit, wie sie von der Regierung des Rechtsblocks geplant ist, begünstigt neben den Agrariern die Kartelle und Monopole. Sie führt zu einer neuen Preisdiktatur mit allen der hängnisvollen Folgen für die deutsche Volkswirtschaft und für die fünftige deutsche Entwicklung. Diese Vorlage der Reichsregierung ist ein unverantwortlicher Anschlag gegen die deutschen volkswirtschaftlichen Inter effen. Deutschland ist handelspolitisch frei. Es ist nicht geunter Abwägung alles Für und Wider fann die Entscheibunden durch bestehende Agrarzölle. In freier Ueberlegung, dung über die Tendenz der fünftigen deutschen Handelspolitik getroffen werden. Nicht nur in den Kreisen der Interessenten find bie Meimmgen über den Wert eines neuen gefchloffenen Schutzzollsystems geteilt! Die Wissenschaft hat fich fast refilos non den Gedankengängen der Schußzöllner abgewandt. Führende Agrarwissenschaftler, wie Sehring rnd ere. boe, haben eindringlich nor der Wiedereinführung von Agrar allen gewarnt. Trotzdem haben die Vertreter der schutz ölnerischen Richtung in der Reichsregierung diese Vorlage burchgefeht! Das Recht auf Entschädigung. Zum Kapitel der Ruhrmillionen. Bon Dr. Carl Herz- Spandau. Die Untersuchung der Ruhrentschädigungen durch den damit beauftragten Reichstagsausschuß hat einen Gang genommen, der in der Deffentlichkeit Befremden erregt. In einer Reihe von Sigungen hat sich der Ausschuß damit befaßt, ob in den Erklärungen der Reichsregierung eine privatrechtliche Bindung gegenüber den Ruhr induftriellen liegt oder nicht. An die Stelle der Aufklärung von Tatsachen tritt eine juristische Dialettit, die die entscheidenden Zusammenhänge verwischt und die Untersuchung auf ein völlig falsches Gleis zu führen droht. Der Barlamentsausschuß soll aufflären, weshalb die Regierung unter Aus fchaltung des zuständigen Reichstags vor allen Ruhrschäden vorweg die Forderung der Industriellen ausgezahlt und dabei diefe Auszahlung geheim, im beschleunigten Berfahren und ohne Bemessung nach geseglich festgestellten Berteilungsregeln vorgenommen hat. Die Schäden, die die Industriellen durch die Micum- Verträge erlitten, sind nur ein Ausnitt aus dem allgemeinen Kriegsschaden, der als Folgewirkung der Ruhrbesehung das gesamte Gebiet von Rhein und Ruhr er faßte und als Ausfluß eines friegerischen oder jedenfalls triegsähnlichen Ronfliftes eine allgemeine, alle Schadenwirkungen umfassende Regelung erforderte. Es wurde nach Beendigung jedes Krieges oder friegsähnlichen Konfliktes als eine verwaltungspolitische Selbstverständlichkeit empfunden, den gesamten Kriegsschaden nach vorher fest aufgestellten Grundsägen im Wege eines gefeßlich festgelegten Verfahrens zu regulieren. Denn ein Kriegsschaden hat mit seiner große Gebiete und Bevölkerungsgruppen umfassenden Wirkung ben Charatter einer sozialen Massenerscheinung, zieht die gesamte Staats- und Volkswirtschaft in Mitleidenschaft und liegt daher außerhalb des Rahmens privatrechtlicher Regelung. Die Notnen Schadenausgleichung folgt nicht nur aus dem Wefen des wendigkeit einer an fefte und gleichmäßige Normen gebunde Rechtsstaats und aus der verfaffungsmäßig gewährleisteten Gleichheit aller Staatsbürger vor dem Gefeß, sondern ist auch nom deutschen Gesetzgeber, wie ich meiter unten darlegent merde, ausdrücklich vorgeschrieben. Schadensregelung und zur Bereitstellung der erforderlichen Die gesetzliche Verpflichtung der Reichsregierung zur Mittel, die Ermächtigung des Reichstags einzuholen, wird durch Ausstellung eines Schuldversprechens an die Induftriellen nicht berührt. Wenn die Regierung StresemannLuther schon während der Ruhrbesegung, also mitten im Kampfe, den Industriellen zur Aufrechterhaltung ihrer Be triebe im Intereffe leichter Geldbeschaffung einen diskont fähigen Wechsel ausstellen zu müffen glaubte, fo mochte man das als eine der Führung des Kampfes dienende Verwaltungs. maßnahme auffaffen, für deren fachliche Berechtigung die Exekutive dem Parlamente Rede und etwort zu stehen hatte. Die verfassungsrechtliche Berpflichtung der Regierung, die gefamte Schadenregulierung dem Barlament zur gesetzgeberischen Beschlußfassung zu unterbreiten, wurde dadurch feinesfalls berührt. Die von der Regierung einem Teil der Beschädigten gegenüber eingegangene privatrechtliche Bindung verstärkte vielmehr nur die Verpflichtung der Regierung, auch diesen Vorgang unter Darlegung der sich daraus ergebenden Auswirtungen dem Parlamente zur zuständigen Regelung zu überwefen. Der Reichswirtschaftsraf und der Deutsche Industrie- und Handelstag haben sich mit den Zollproblemen beschäftigt. Das Reichsernährungsministerium hat alles darangefeßt, um ein Urteil des Reichswirtschaftsrats über seine Zollpläne zu verhindern. Der Deutsche Industrie- und Handelstag hat die Einfegung einer wissenschaftlichen Kommission gefordert, die die Probleme der deutschen Handelspolitik erörtern soll. Das In der Regierung des Rechtsblocks felbft stieß die Bereichsernährungsministerium aber hatte es toppelungsabficht auf Widerstände. Noch am 16. April führte eilig, im Interesse der Agrarier seine Schutzzollpläne unter Stresemann in einer Rede in Hamburg aus, daß für Dach und Fach zu bringen. Es fegt sich hinweg über das Deutschland die Rückkehr zu einem Hochschußzzollsystem un Urteil der Wissenschaft wie über die Bedenken, die selbst aus möglich sei. Interessententreifen geäußert werden. Es feht sich hinweg über den Protest der arbeitenden Bevölkerung. Nicht das Allgemeinwohl, nicht die Interessen der deutschen Volkswirt schaft und die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands sind Ziel punkte der Politif des Reichsernährungsministeriums, fon- Für das vom Standpunkt des Untersuchungszwedes maßbern lediglich die Förderung der materiellen Intereffen einer gebende Verhältnis zwischen Reichstag und Reichsregierung Bevölkerungsklasse auf Kosten der Allgemeinheit und der fommt es also nicht darauf an, ob die Regierung eine privatwirtschaftlichen Entwidlungsmöglichkeiten Deutschlands. rechtliche Bindung eingehen wollte und tonnte, sondern Diese von einem engstirnigen Interessenstandpunkt dit ob sie eine solche Bindung eingehen durfte und ob sie betierte Borlage wird zu heftigen Auseinanderrechtigt war, die zur Realisierung dieser Berpflichtung erfegungen führen. Die Regierung irrt, wenn sie meint, im forderlichen Mittel, für die ein Etatposten nicht vorhanden Eilzugstempo ein neues hochschutzöllnerisches Solidaritäts war, ohne Genehmigung des Reichstags dem Reichsvermögen fyftem dem deutschen Bolte aufottronieren zu fönnen! zu entnehmen. Die agrarischen Intereffen haben jedoch den Sieg davon getragen. Die feine Zollvorlage ist mit den Agrarzöllen nerfoppelt worden. Die Schwerindustrie erhielt als Kompen fation die Eifenzälle in der alten Höhe. Damit erhält die fleine Zollvorlage ein völlig verändertes Gesicht. Sie ist nicht mehr ein Instrument der Handelsvertragspolitif, die auf ein Syftem der Meistbegünstigung und der Eingliederung Deutsch lands in dem Weltmarkt abzielt, sondern in erster Linie ein Inftrument jener Rechtsblodpolitit, die auf eine Abwälzung der Lasten auf die Maffe der arbeitenden Bevölkerung abzielt. Nicht die Handelspolitik und ihre Problematit be. stimmt das Geficht dieser Borlage, sondern der innere Rampf Sitzung des Parteiausschusses. Der Sozialdemokratische Parteiausschuß tritt am Mitt woch, den 20. Mai, vormittags 10 Uhr, in den Räumen des Parteivorstandes zusammen. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Stellungnahme zum Barteitag, 2. Bericht von der Inter notionalen Konferenz, 3. Organisationsfragen. Die Vertagung der Botschafterkonferenz. Englisch- französische Besprechungen. Paris, 15. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Blätter teilen heute zwar die gestern abend erfolgte neue Bertagung der Ent fcheidung der Botschaftertonferenz mit, für die sie die Berantwor. tung der englischen Regierung zuschieben, dagegen wird das gestern abend ausgegebene offizielle Communique der Reuter- Agentur, das die Frage der Räumung von Köln sehr start unterstreicht, von der Morgenpreffe totgefchwiegen. Der französische Botschafter in London hat gestern abend noch eine längere Unterredung mit Chamberlain gehabt. Havas behauptet, daß fie ausschließ. fich die Frage des Sicherheitspattes behandelt habe, bagegen gibt Betit Parifien zu, daß sich in berem Berlauf Meinungsverschieben heiten bezüglich der Räumung von Köln ergeben hätten, die sich ins besondere auch auf die Bedingungen bezogen, die Deutschland auferlegt werden sollen. England verlange, daß diefe präzise und mameideutig formuliert würden. Die englischen Sachverständigen hätten feftgestellt, daß das in der an Deutschland zu richtenden Rote nach dem franzöfifchen Entwurf nicht der Fall sei, so daß im Augenblid der Feststellung, ob Deutschland die ihm gemachten Auflagen erfüllt habe, die Gefahr einer neuen Kontroverfe entstehen müßte. " Grundfähliches Einverständnis vorhanden. Botschaftertonferenz wahrscheinlich am kommenden Mitt Paris, 15. Mai.( WTB.) Nach der Morgenpresse wird die wach tagen. Ohne Zweifel ist, so schreibt Petit Parifien", die Berzögerung in der Prüfung der Entwaffnungs- und Räumungsfrage auf die Tatsache zurückzuführen, daß das Foreign Office und das britische Kriegsministerium die Prüfung der letzten franzöfifchen Borschläge, die nach dem Ministerrat von Dienstag mitgeteilt wurden, noch nicht vollendet habe. Matin" dagegen behauptet, daß die Berzögerung nicht auf Meinungsverschiedenheiten zwischen Frantreich und Großbritannien zurückzuführen fei. Es erscheine vielmehr sicher, daß Downing Street eine Berschiebung gefordert habe, um ihre Antwort den französischen Vorschlägen, die sie vor drei Tagen erhalten hat, besser anpassen zu können. " Deuvre" schreibt, London habe noch nicht Zeit gefunden, feinem Bariser Botschafter bie Antwort mitzuteilen, die ihm der Roten entwurf bes Quai d'Orsay abgerungen habe. Aber es sei stupibe, wie es die Reuter- Agentur tue, zu erflären, es sei notwendig, eine Konferenz abzuhalten, an der die Deutschen teilnehmen sollten. An fänglich habe England diesen Gedanten gehabt, aber es habe auf franzöfifches Drängen darauf verzichtet. Jetzt fei ein grundlag fiches Einverständnis vorhanden. Es blieben also nur noch einige Einzelfragen zu regeln. Die Rechtsvertreter der Industriellen haben denn auch offenbar in ihrem Gutachten privatrechtliche Gesichtspunkte nicht in den Bordergrund gestellt. Sie berufen sich in erster Linie auf§ 75 der Einleitung zum allgemeinen Landrecht, wollen also damit behaupten, daß die Regierung schon fraft bestehenden Rechts zur Entschädigung verpflichtet und ein besonderer Gefeßesbeschluß nicht erforderlich gewesen sei. immerhin ihre Position verbeffern. Sie fönnte sich wenigstens Wäre diese Auffassung richtig, so könnte damit die Regierung darauf berufen, daß fie lediglich in Anwendung be. reits bestehender Geseze gehandelt habe. In Wirklichkeit fommt nun aber§ 75 gar nicht in Be tracht. Er ist freilich noch geltendes Recht, hat sogar eine umfassende Rechtsprechung gezeitigt, trifft aber einen ganz anderen Tatbestand. Entschädigungsberechtigt gegen den Staat ist danach derjenige, welcher seine besonderen Rechte und Vorteile dem Wohl des gemeinen Wesens aufzuopfern genötigt wird". Die Rechtsprechung des Reichsgerichts hat daraus den allgemeinen Grundsatz hergeleitet, daß Staat oder Gemeinde Schadenersaz auch dann zu leisten haben, wenn fie in Ausführung geordneter Verwaltungstätigkeit private Rechte verlegen. Ein praktisch häufiger Fall dieser Art ist zum Beispiel die Schädigung der Straßenanlieger bei Höher. legung des Straßendamms. Boraussetzung ist also immer eine im Rahmen regulärer Verwaltungstätigkeit liegendes Handeln der öffentlichen Gewalt. Der Staat haftet nur für die Folgen feines eigenen Handelns, nicht aber für den Schaben, den ein von außen eindringender Feind verursacht. Feindliche Handlungen im eigenen Staatsgebiete sind vom nach der Wilhelmftraße. Auf der einen mar bie Reichsfahne und auf der anderen die preußische Landesfahne, alfo so, wie es angeordnet mar. Der Gewährsmann scheint Fahnen von Nachbarhäusern hin zugerechnet zu haben. Damit entfallen die aus der uns gemachten mitteilung gezogenen Schlußfolgerungen, soweit sie sich auf das Kultusministerium beziehen. Aufwertungsdebatte im Ausschuß. Standpunkt des inländischen Berwaltungsrechts aus ftets| rechtswidrige Eingriffe in die Hoheitsgemalt des Staates, fie dienen nicht dem Wohl des gemeinen Wesens", der Staat hat daher nicht dafür einzustehen. Diese Beschränkung des § 75 auf solche Verwaltungsafte der eigenen Staatsgemalt, die dem Zwecke der regulären Friedenswirtschaft dienen, ist niemals ernsthaft streitig gewesen und wird heute von den Schriftstellern des Verwaltungsrechts, wie Otto Mayer, Fleiner, Hatschef übereinstimmend bezeugt. Die schon im Ausschuß vom Genossen Landsberg mit Recht herangezogene Dr. Beft und Vorsitzender Dr. Steiniger ausgetreten. Kabinettsorder vom 4. Dezember 1831, die durch Aufnahme Bei Beginn der heutigen Sigung des Aufwertungsausschusses in die Gesezessammlung Gesezeskraft gefunden hat, tritt der gab es einige Ueberraschungen. Abg. Dr. Best, der aus der misbräuchlichen Anwendung der Bestimmung auf Kriegs- deutschnationalen Partei ausgeschieden ist, hat auch aus dem Ausschäden ausdrücklich entgegen und betont gerade, daß die Ausschuß austreten müssen. Sensation rief aber die Erklärung hervor, gleichung solcher Kriegsschäden eine jenseits der Grenze privat mit der der deutschnationale Borsigende Dr. Steiniger die rechtlicher Verhältnisse liegende, dem Gesetzgeber vorbehaltene Sigung eröffnete. Unter Bezugnahme auf das kompromis. Aufgabe sei. das die Deutschnationalen mit den übrigen Regierungsparteien abgefchloffen haben, erflärte Dr. Steiniger, daß er, um nicht in Ronflift mit seiner Fraktion zu kommen, den Borsig niederlege und aus dem Ausschuß ausscheide. Mit den Worten„ Guten Morgen, meine Herren, verließ Dr. Steiniger den Sitzungssaal, ehe noch der stellvertretende Vor. figende Reil, der leberraschung und dem Bedauern des Aus schusses über den Schritt Dr. Steinigers Ausdrud geben fonnte. Nach den Dantesworten, die Reil bem bisherigen Borsigenden für seine Tätigkeit widmete, murde als neuer Borsitzender der deutsch nationale Abg. Philipp gemählt. Tun fann man aber die altpreußische Gefeßgebung hier ganz außer Betracht laffen; denn es gibt ein Reichsgeleg, daß ausdrücklich die Vergütung von Kriegsschäden der Gesetzgebung zur ausschließlichen Regelung überweist.§ 35 bes Kriegsleistungsgefeges vom 13. Juni 1873 schreibt nämlich ausdrüdlich vor, daß für Leistungen, durch welche einzelne Bezirke, Gemeinden oder Personen außergewöhnlich belastet werden, sowie für alle durch den Krieg verursachten Beschädi gungen" Umfang, Höhe und Ermittlung der Entschädigung ,, durch jedesmaliges Spezialgesetz des Reiches bestimmt" wird. Dieses Gesetz trifft nun aber auf die Micum- Leistungen zu. Hierauf nahm Abg. Dr. Hergt( Dnat.) das Wort, um zu er Ob man sie mit Stresemann als ,, porgestreckte Repara Maren, daß seine Fraktion nach leberwindung vieler Bebenfen und tionsleistungen" auffaßt und sie danach zu den Kriegsschweren Herzens auf den Boden des Kompromiffes getreten sei. feistungen rechnet oder ob man sie als Kriegsschäden Sie sei entschlossen, munmehr durchzuhauen und das Gesetz in furzer ansteht, die durch den Druck der feindlichen Besetzungsmacht Frift zu verabschieden. Aehnliche Erklärungen gaben die Vertreter den. Industriellen aufgezwungen wurden, ist gleichgültig, da der übrigen Regierungsparteien ab. Weiterer Bericht folgt in der das Gesetz beide Arten von Kriegsfolgen in sich begreift. Diese Morgenausgabe. Kriegsfolgen werden in ihrem gesamten Umfange der zu fünftigen gesetzgeberischen Regelung vorbehalten, ein Rechtsanfpruch gegen den Staat wird damit ausdrüdlid; verneint. Der Geschädigte hat lediglich ,, Aussicht auf Gewährung im gegebenen Fall durch den selbstverständlich freibleibenden Geeggeber"( fo Otto Mayer im Handbuch des Berwaltungsrechts Band 2 Seite 321 der 3. Aufl. Anmerkung 20). Für die Regierung bedeutet aber diese Vermeifung auf den fünftigen Gefezgeber der Ausschluß des Verwaltungsweges und die Berpflichtung, Schäden zu vergüten nur nach Maßgabe eines vom Reichstag zu erwirkenden Gesetzes. Die Eretutine ist hier nicht frei, sondern gebunden durch den sogenannten Vorbehalt des Gesezes, daß sich dieses Gebiet zur ausschließlichen Regelung vorbehalten hat. Privatrechtliche Bindungen" tönnen diesen vom Gesetz gefchaffenen Rechtszustand nicht ändern. Er und die Seinen. Hindenburg und die Trabanten. I. Unbestritten ist sein Berdienst um Wiederherstel. lang von Ruhe und Ordnung in Deutschland nach dem Zu sammenbruch unseres Bolles. Das wird jederzeit dankbar im deut fchen Bolte auch von seinen politischen Gegnern anerkannt werden. Sein Streben war immer darauf gerichtet, dem deutschen Bolle treu ( Hindenburg über Ebert am 12. Mai 1925. zu dienen." Antwortnote an Dr. Simons.) II. ,, Der zweite große Augenblick des Mannes von Tannenberg mar der 9. November 1918, als ein landesverräterischer Reichskanzler und Fortsetzung nach Belieben! Der Reichspräsident Hinden burg mird bald ein blaues Bunder erleben, wenn er ges wahr wird, mie seine Freunde im Lande seine schönen Ber sprechungen zu halten gedenken! Poehners Tod. Eine Erklärung Kriegers. München, 15. Mai.( WTB.) Ingenieur Mag Arieger, der Eigentümer des Automobils, mit dem die unglüdliche Fahrt ge macht wurde, bet welcher der Abg. Boehner tödlich verunglückte und der Eigentümer selbst schwer verlegt wurde, läßt durch seinen Rechtsbeistand erklären, daß er mit aller Entschiedenheit gegen die Gerüchte Stellung nehme, als sei das Autounglüd mit 2bficht veranlaßt und die Fahrt zu diesem Zwed besonders vorbereitet worden. Ingenieur Krieger läßt weiter erklären, daß er, um in feiner Weise der gerichtlichen Untersuchung vorzugreifen, es bisher unterlassen habe, zu den umlaufenden Gerüchten sich zu äußern. Nunmehr sehe er sich jedoch veranlaßt, seinerseits gegen die, die aus dem Unglüd einen Sensationsfall machen möchten, mit allen Mitteln vorzugehen. München, 15. Mat.( BS.) Nach Mitteilungen aus der nächsten Umgebung der Frau Bochner stützt diese thre lleberzeugung, daß ihr Mann einem Mord zum Opfer gefallen fei, auf eine angebliche Wahrnehmung unmittelbar nach dem Unfall, wonach Boehner nach dem Sturz aus dem Auto noch gelebt und gerufen habe: Ihr Schufte!" Als Antwort sei dann von einem Mitglied der Autogesellfchaft der Ruf erfolgt:" Berräter!" Diefe Darstellung wird von den an dem Unfall Beteiligten auf die halluzinatorife Er. regung der Frau Bochner zurüdgeführt, zumal diese auch schon bei Lebzeiten ihres Gatten ihn stets verfolgt gesehen habe und ihn in Gefahr glaubte. Chamberlains Stellung erschüttert. Gerüchte über seinen bevorstehenden Rücktritt. Paris, 15. Mai.( BTB.) Hanas nerzeichnet ein Gerücht, bas in Londoner fonjervativen Kretsen, die der Regierung ziemlich nahe stehen, immlaufe, monach Austen Chamberlain demnächst feine Demission als Staatssekretär des Aeußeren geben werde. Sein Nachfolger werde Lord Birkenhead sein. Man versichere, daß die Bündnispolitit mit Frankreich und Belgien, so wie sie Austen Chamberlain vor zwei oder drei Monaten in Aussicht genommen habe, und die von Kolonialminister Amery start bekämpft morden sei, niemals von der Mehrheit des Kabinetts angenommen worden sei. Auch habe der am Sonntag durch die" New York World ver sekretärs des Foreign Office innerhalb des Kabinetts geschwächt. Ein Gesez fann nur durch Gesetz aufgehoben werden, nicht erster Offizier des Reichsfchiffes den Rapitän unbedenklich über Bord öffentlichte Tegt eines Memorandums die Stellung des Staats. durch einen Privatvertrag der Regierung. Bielmehr ist umgefehrt dieser Bertrag nichtig, weil der Regierung rechtliches Handeln auf diesem ihr verschlossenen und nur dem Gesetzgeber norbehaltenen Gebiete versagt ist. Daraus folgt aber, daß die fiebenhundert Millionen ohne Rechtsgrund den Industriellen zugeflossen sind. Wenn die Rechtsvertreter der Industriellen vom Rhein Entschädigung wegen ungerechtfertigter Bereiche rung verlangten, so fann vielmehr umgekehrt das Reich aus diesem Rechtsgrunde Rückzahlung des Betrages fordern. Der Bersuch der Regierungsorgane, die wirtschaftlichen Folge wirtungen eines großen politischen Bölkerkonfliktes in den engen Rahmen privatrechtlicher Begriffe zu fpannen, schlägt legten Endes gegen die Regierung und gegen die Regierungsorgane selbst aus. 90 300 Schwarzrotgold und Kultusministerium. Das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung teilt uns mit, daß die Notiz Schwarzrotgold und Kultusministerium" im Borwärts" vom 14. Mai( Nr. 226) auf einem Irrtum beruht. Das preußische Kultusministerium hat zwei Fahnenstangen, die eine an der Front nach den Linden, die andere an der Front Der Möbelleutnant. Bon Ferdinand Künzelmann. Dieser Tage hatte ich wegen eines Umzugs mit einem Spediteur gu sprechen. Am Telephon verständigten wir uns nicht ganz, und der hohe Chef des Hauses versprach mir, am andern Morgen zum Abschluß des Geschäfts einen jungen Mann zu schicken, mit dem ich in jeder Weise zufrieden sein würde. Am andern Morgen zwischen zehn und elf Uhr fam mein gutes altes Hausgeistchen und brachte mir mit einem Gesicht, das deutlich fein Mißfallen mit dem anzumeldenden Besuch ausdrückte, eine Bifitentarte großen Formats, auf der stand mit sehr stattlichen Lettern gebruckt zu lesen: Meyer, Leutnant der Reserve in dem und dem Regiment. Ich ließ hinaussagen, daß mir ein Leutnant dieses Ramens nicht bekannt wäre, und daß ich freundlichst bäte, mir sagen zu lassen, in welcher Angelegenheit der Herr Leutnant der Reserve mich zu sprechen münschte. Das Hausgeistchen fam nach einer Weile zurüd und hatte zu berichten, der Herr hätte angegeben, daß er megen der Möbel fäme. Worauf ich hinaussagen ließ, ich begriffe nicht, was eine militärische Stelle, vertreten durch einen Offizier eines nicht mehr bestehenden Regiments, mit meinen Möbeln zu schaffen hätte, und ich müßte baher ablehnen, ihn zu empfangen. Darauf tam das Hausgeistchen wieder und brachte eine neue Karte, auf der sich mein militärischer Besuch als der junge Mann entpuppte, den mir sein Chef am Tage vorher versprochen hatte. Herr Meyer war ein junger, netter Mensch, der etwas verlegen ins Zimmer trat. Hinter dem ausgeweiteten Knopfloch feines linten Rodaufschlags verriet sich ein Ordensband, das sicher noch einen Augenblic vorher im Knopfloch geprangt hatte. Ich entschuldigte mich, daß er so lange zu warten gehabt hätte, fogte aber sofort, daß daran nur seine irreführende Anmeldefarte Schulb gewesen wäre. Er verneigte sich ein wenig und sagte: Ich dachte... Ich sagte:„ Sie sollten aber denken, daß die Spedition ein burchaus anständiges und nützliches Geschäft ist, deffen Sie sich nicht zu fchämen brauchen." Ich schäme mich meiner Tätigkeit auch gar nicht," sagte er. Und warum dann diese militärische Karte?" „ Weil mich die besseren Herrschaften, mit denen ich doch meistens zu tun habe, nicht wie einen Schuhpuzer behandeln, wenn sie wissen, daß ich Leutnant war. Ich belehrte ihn, daß ich zu meiner eigenen Freude teine bessere Herrschaft wäre, was mir ermöglichte, jeden Menschen, auch den Schuhpuzer, so zu behandeln, wie ich selbst behandelt zu sein wünsche, nämlich höflich und fachlich. Er hörte zu und seufzte ein toenig und meinte, daß ich wohl wenig unter die Leute fäme. Dann gingen wir an unsere Geschäfte, die schnell zu beider geworfen und das Steuer dem vordersten der Meuferer in die Hand gedrückt hatte."( Kreuzzeitung vom 15. Mai 1925.) # III. In dieser feierlich ernsten Stunde rufe ich unfer ganzes deutsches Bolt zur Mitarbeit auf. Mein Amt und mein Streben gehören nicht einem einzelnen Stande, nicht einem Stamm oder einer Ronfession, nicht einer Partei, sondern dem gesamten, burd) hartes Schicksal verbundenen deutschen Bolte in allen seinen Gliedern."( Hindenburgs Aufruf an das deutsche Volt", 12. Mai 1925.) IV. Wir müssen darauf gefaßt sein, daß wir bem Rufe Hinden burgs zur Einigfeit und gemeinsamen Arbeit zwar piele brave deutsche Männer und Frauen folgen fehen..aber| auch so manche Elemente, die nicht nur gewohnheitsmäßig and talfen Verslandes mit der politischen Konjunktur gehen, sondern im anscheinend befehrten und begeisterten Herandrängen an die Rechtsrichtung ihr Schäfchen an der Futterkrippe festhalten oder wieder ins Trodene bringen oder aber auf Schleich- und Umwegen ihre undeutschen, unredlichen Ziele in die Reichspolitik einschmuggeln und durchsetzen wollen."(" Kreuzzeitung" vom 15. Mai.) seitiger Zufriedenheit in Ordnung tamen. Herr Meyer hatte unstreitig beim Militär gelernt, fich furz, fnapp und far auszudrüden. Wir schieden geradezu wie gute Bekannte. Hinterher freilich, als ich ihn vor meinem Hausgeistchen lobte, befam ich zu hören, daß er beim Gehen wie umgewandelt gewesen wäre: Beim Kommen hatte er den alten Mann wie einen Schuh puter, beim Gehen wie einen Herrn behandelt. Go daß ich hoffen fann, ihn wenigstens für diesen einen Morgen von seiner Leutnantlichkeit befreit zu haben. -W Aber natürlich bin ich nach diesem kleinen Erlebnis mit dem Möbelleutnant so hat ihn das Hausgeiftchen getauft, das manch mal sehr boshaft sein fann fester als je davon überzeugt, daß cs nur Lüge und Berleumdung schlechter Menschen ist, wenn be hauptet wird, es gäbe in Deutschland auch im bürgerlichen Leben heute noch auch nur eine Spur militaristischen Geistes. Wie sollte das auch in einem Lande möglich sein, das den Reserveleutnant( auf dem Papier) längst abgeschafft hat? In der Redaktion eines Riefendampfers. Die großen Passagierdampfer sind öfters schwimmende Städte genannt worden, weil sich in ihnen ein so mannigfaltiges und mimmelndes Leben vollzieht wie in einer Stadt. Ein solches Gemeinwesen fann natürlich nicht ohne Zeitung bleiben, und so werden denn auf vielen großen Dampfern täglich Zeitungen herausgebracht, listen wirken hier als Chefredakteure, denen ein Stab von Mitdie ein stattliches Stüd Arbeit darstellen. Hervorragende Journa arbeitern zur Seite steht. In ein solches Redaktionsbureau eines Riesendampfers führt uns die Schilderung eines Schiffsredakteurs: Die tiefe Nacht ist hereingebrochen; alles, außer der Mannschaft, scheint auf dem Passagierdampfer zu ruhen. Aber in den Tiefen des Ungeheuers, da finden wir einige Räume, in denen fieberhafte Tätigkeit herrscht. Hier wird die Zeitung für den nächsten Morgen hergestellt. Die Redakteure, die sich soeben noch im Smoking, unter den Passagieren bemegten, haben ihre Arbeitsfittell angelegt und redigieren nun den Stoff für das Morgenblatt. Der lokale Teil" ist von ihnen während des Tages gesammelt worden und verhältnismäßig schnell zusammengestellt. Aber die Hauptnachrichten bringt der drahtlose Telegraph, hauptsächlich aus London; nähert sich der Dampfer der amerikanischen Küste, dann wird auch der Nem Dorfer Dienst benutzt. Manche Schwierigkeiten stellen sich dem Schiffs redakteur in den Weg. Atmosphärische und andere Einwirkungen schneiden ihm die drahtlosen Nachrichten ab; bei schwerer See läßt sich schlecht schreiben und noch schlechter setzen. Die drahtlosen Nachrichten sind während des ganzen Tages zugeftrömt, aber erst des Abends finden die Telegraphisten die Zeit, sie niederzuschreiben, und dann werden fie fofort in die Rebaftion gebracht, wo sie für die Beitung verarbeitet werden. Dann tommt das Manuscript fofort zum Geger. So geht der Nachrichtendienst durch viele Stunden, bis die letzte Meldung eingelaufen ist und der Redaktionsschluß er folgt. Die Druder müssen sich beeilen, denn die Zeitung muß ver dem Frühstück fertig sein. Unterdessen stehen bereits die Schiffs jungen in langer Reihe vor den Redaktionsräumen und warten auf In offiziellen britischen Streifen meigere man sich, zu diesem Gerücht Stellung zu nehmen und darüber irgend etwas zu äußern. Man müsse alfo das Gerücht mit allen möglichen notwendigen Bor. behalten aufnehmen.. Die hier verzeichnete Meldung über den bevorstehenden Rüdtriit des englischen Außenministers fommt nicht uner wartet. Es ist schon längst fein Geheimnis mehr, daß Chamberlain von den übrigen Mitgliedern des englischen Rabinetts bei außenpolitischen Entscheidungen wiederholt in Minderheit versetzt wurde. Er mar es z B., der das deutsche Sicherheitsangebot Ende Februar zurüd weisen mollte, aber im Rabinett nur eine fleine Minderheit für sich gewann. Chamberlain erklärte daraufhin sofort seinen Rüdtritt. Man beschwichtigte ihn daraufhin, um die schwer wiegenden Differenzen innerhalb der fonservativen Partei nach den menigen Monaten der Regierungstätigkeit des neuen Kabinetts nicht so sehr vor die Deffentlichkeit treten zu lassen. Chamberlain erbat sich eine zweistündige Bedenkzeit und stellte fich dann bedingungslos auf die Seite der Mehrheit des Rabinetts. Der Riß innerhalb der Regierung hat sich aber seit. dem nicht verkleinert, sondern eher vergrößert. die fertigen Eremplare, um sie auszutragen. Binnen einer halben Stunde find Hunderte von Stüden des 6ſeftigen Blattes, das mit den Anzeigen 15 000 Worte umfaßt, unter die Passagiere verteilt. Mit einem Seufzer der Erleichterung zieht sich der Redakteur in seine Kabine zurüd. Er blidt noch durch das Gudloch und sieht die Morgenröte in goldigem Glanze dem weiten Meer entsteigen. Aber dies Bild bietet für ihn feine Reize; gähnend sinkt er ins Bett Der englische Romanschriftsteller Rider Haggard ist in Lon. don im 69. Lebensjahre gestorbent. Seine zahlreichen Romane, die meist in den englischen Kolonien, besonders in Südafrika spielen, erfreuten fich einer großen Beliebtheit in den breiten Schichten des lesenden Bublifums. Haggard mar ursprünglich selber in den KoIonien tätig und nahm auch am Burenfrieg teil. Seine Geschichten find immer sehr spannend aufgebaut, Land und Leute sind treffend charakterisiert, und ein phantastischer Einschlag sorgt für die be. sonderen Bedürfnisse seiner Leserschaft. Die Wembley- Ausstellung. Unter großem Enthusiasmus und mit all den herkömmlichen Zeremonien und Bomp eröffnete am 9. Mai der König von England die neue Wembley- Ausstellung. Bemblen verspricht die Hauptattraktion des diesjährigen Sominers von England zu werden. Biele Verbesserungen sind in den Aus stellungsparks durchgeführt worden, und es wird erwartet, daß die Bahl der Besucher die Summe von 17 400 000 des vorigen Jahres übertreffen wird. Fadelumzüge, die im Vorjahre ein großer Erfolg waren, werden dieses Jahr wieder veranstaltet. Eine der Hauptattraktionen Wembleys werden die Borführungen von äronautischer Kriegsmacht, Fliegerangriffen und Berteidigungen von London sein. Die Beleuchtungseffekte der Ausstellung übersteigen alles im letzten Jahre Gesehene und geben einen schönen Anblid nach Einbruch der Dunkelheit usw. Also auf nach Wembley zum Rummel mit Fliegerangriffen! Das erste Neger- Theater wird in Europa ein Gelamtgaftspiel geben, und zwar zuerst am 26. Mai im Theater im Admiralspalast". Die Truppe besteht aus etwa 45 Mitgliedern und ist aus den besten und berühmtesten amerikanischen farbigen Künstlern zusammengesetzt, die an New Yorker Theatern aufgetreten find. Wanderausstellungen von Gemälden. Einige Berliner Maler mollen durch eine Städte der Mart Banderausstellungen geben lassen in der Abficht, in den den Kunstzentren entfernter liegenden Orten ftreng jurieste Berle zu zeigen und zum Stauf der Bilder anzuregen. Eine Sammlung der Straße 70/73, vereinigt. Bochentags 10-6, Sonntags 10-8 116r. art ist im Festsaal des Rathauses Charlottenburg, Berliner Deutsche Ciferatur in Paris. Der international- literarische Club( Ben- Club, London) hat Heinrich Mann eingeladen, Ende Mai auf der Pariser Tanung als deutscher Autor zu sprechen. Desterreich wird vertreten sein durch Hoffmannstbal und Hilfe. Der Mädchenhandel in der Tschechollowalel. In erstaunlich hoher Blüte steht der Mädchenbandel in der Tschechoslowakei. Nach einer Ber öffentlichung des Brager Boligelanzeigers find im legten Jahre nicht weniger als 101 Mädchen von Mädchenhändlern aus der tschechoslowakischen Stepubl ins Ausland verschleppt worben. Gschredend ist die Statifilt über das Alter der verschleppten Mädchen. 12 davon sind 12-13 Jabre alt. 37 find 15-20 Jahre, 18 find 21-25 Jahre und 14 find 26-83 Jabre alt von diesen 101 Mäbchen wurden bis Ende 1924 nur 22 ausgeforscht, fo bat 79 spinlos verschwunden find. Die Untersuchung öes Kalls yösle. Aussagen der Gefäugnisbeamteu. Im llntersuchungsausschuß in Sachen Dr. Höfle wurde Freitag vormittag zunächst der Zeuge Lukas vernommen, Oberwachtmsister in der Strafanstalt Moabit. Untersuchungsgeföng- nis. Er sagt aus, jedes hereinkommende Paket müsse revidiert werden, aber wenn jemand viele größere Pakete be- käme, fehle es infolge des Abbaues an Personal, um alles genau zu revidieren. Die Pakete gingen an eine Annahmestelle, deren Porsteher dann die Sendungen dem Untersuchungsgefangenen über- brachte. Der Zeuge selbst hat init den Paketen nichts zu tun ge- habt und weiß nichts von Unregelmäßigkeiten, die bei Dr. Höste vorgekommen wären. Dem Zeugen ist aufgefallen, daß Dr. chöfle nach und nach sehr abfiel, während er bei der Ein» lieferung einen„strammen" Eindruck gemacht hatte. Am 1- Öfter» feiert ag sei Dr. Höste angetrunken gewesen; er selber(Lukas) habe nur einem Pfleger gesagt, daß er zwei Tassen Wein getrunken habe und.vollständig fertig" sei. Das war am 1. Feiertag abends �7 Uhr. Auf Fragen des Vorsitzenden bemerkt der Zeuge, Dr. Höfle habe /m Bett gelegen und mit lallender Stimme gesprochen. Am 2. Feiertag habe Dr. Höfle einen ganz verstörten Ein- druck gemacht: dem Zeugen tam es so vor, als hätte Dr. Höfle „etwas genommen". Die Taste, aus der Dr. Höfle getrunken habe, U} noch halb voll Wein gewesen: gesprochen habe Dr. Höfle an diesem Tage nicht. Nachher sei er eingeschlafen. Meldung über Höfles Zustand hat der Zeuge nicht erstattet, da ihn als Polizei» beamten die Sache nichts anging. Am Osterdienstag fei der Zustand Dr. Höfles genau derselbe gewesen wie am Montag. Am Mittwoch war das Bild wieder dasselbe. Am Donnerstag und Freitag habe Dr. Höste schwer röchelnd dagelegen. Nach 6 Uhr abends habe der Pfleger immer nur durch das Loch in der Tür in die Zelle hineingesehen. Dr. Höfle habe sich am Donners» tag und Freitag völlig apathisch verhallen, gesprochen habe er nicht mehr. Erst am Montag halle der Zeuge wieder Dienst. Der Zeuge hat selbst am Sonnabend, obwohl er dienstfrei war, bei der Um- bettung Dr. Höfles geholfen und bemerkt, daß eine Tablette aus dem Bett herausfiel. Der Zeuge läßt auf Fragen des Vorsitzenden durchblicken, daß wohlhabenderen Gefangenen gegenüber zu großes Entgegenkommen geübt werde. Der Vorsitzende fragt, ob dos auch bei Dr. Höfle der Fall gewesen sei. Zeuge Lukas bejaht das mit Nückstcht darauf, daß drei volle Flaschen Wein in die Zelle Höstes hineingekommen seien; sonst würden nur immer einzelne Gläser Wein bewilligt. Auf Befragen durch den Abg. weyl(Soj.) erklärt der Zeuge Lukas es nach seiueu Wahrnehmungen vom Freilag, den 17. April, für ganz ausgeschlosten. daß Dr. Höfle sich noch am Sonnabeud vormittag eine Stunde laug mit anderen Personen unterhalten haben soll. Der Vorsitzende verliest ewen Rapport des Inspektors Schmidt vom 15. April, wonach der Verdacht bestand, daß Dr. Höste mehr alkoholische Getränks genieße, als zulässig sei. Der Gefängnisarzt Dr. Thiele habe darauf erklärt, daß von ihm aus überhaupt keine alkoholischen Getränke verordnet seien. Der Wein ist also, wie der Vorsitzende feststellt, in Paketen für Dr. Höfle herein- gekommen. Abg. heilmann(Soz.) macht darauf aufmerksam, daß vom Abbau die Gesänguiebeamten ausgenommen seien. Zeuge Lukas erklärt demgegenüber erneut, daß auch Gefängnis- personal„abgebaut" worden fei. Hierauf wird der Oberwachtmeister im Untersuchungsgefängnis Moabit, kühne, vernommen, der mit Dr. Hösts nur bei der Um- bettung am Abend, den 18. April, in Berührung gekommen ist. Er wurde aus der Zentrale vom Vorsteher Schmidt gerufen und half bei der Umbettung. Dabei wurden«ine Menge Tobletten gefunden, teils lose, teils in einem unbeschriebenen Briefum- schlag, von einer Sorte 21, von einer anderen 12. Als die Schlaf- decke vorgezogen wurde, rollten die Tabletten herunter. Bei der Umbettung waren außer Kühne und Lukas die beiden Flurwärter und der Pfleger zugegen. « Im Gegensatz zu den vorangegangenen Sitzungen des Höste- Ausschuffes ergab die heutige bis zur Mittagspause nichts wesentlich Neues. Sie wurde zum größten Teil ausgefüllt mit der Vernehmung des Gefängnisoberwachtmeisters Lukas, der bei der Austindung der Schlafmittellabletten zugegen war. Weder durch seine Bekun- düngen noch durch die darauf folgende kurze Vernehmung des Wacht- mestters Kühne kam man der Lösung des Rätsels, das diesen Fund umgibt, irgendwie näher. Der einzig belangreiche Punkt der heutigen Dormittagssitzung war. daß auch der Zeuge Lukas es für a u s g e- schlössen erklärte, daß sich jemand am Sonnabend, den 18. April, vormittags, eine Stunde lang mit Dr. Höfle unterhalten hätte, den er bereits in den vorangegangenen Togen in apathischem, benommenem Zustande beobachten konnte. In diesem Punkte stimmen alle Zeugen überein, die Dr. Höfle in den Tagen vor dem 18. April wiederholt gesehen hatten: die Pfleger, der Gefängnislehrer, der Geistliche, die Gefängniswachtmeister. Und trotzdem will Oberstaatsanwall Linde sich an diesem Morgen eine Stunde lang über alles Mögllche mit Dr. Höfle unter- hallen, ihn ganz frisch gefunden haben, so daß sein Bericht hierüber Dr. Thieles Verdacht bestärkte, Höste sei nur Simulant! Ssawinkows Enüe. Selbstmord im Sowjet-GefängniS. Aus Moskau kommt die sensationelle Meldung, daß der bekannte Organisator terroristischer Attentate unter dem Zaris- mus, der Sozialrevolutionär Boris S s a w i n k o w, der im vorigen Jahre plötzlich zu den Bolschewisten überging, in dem Moskauer Gefängnis, in dem er interniert war. Selbst- m o r d begangen hat. indem er sich aus dem sünften Stock in die Tiefe stürzte. Mit Ssawinkows Tod findet ein Leben einen Abschluß, das eben so abenteuerlich wie problematisch war. Als junger Student schließt sich Ssawinkow am Anfang des Jahrhunderts der russischen Sozialdemokratie an, er tritt aber sehr bald zu der Sozialrevulutionären Partei über, deren terroristische Taktik seiner Natur und seinen Anschauungen mehr ent- spricht. In den Jahren vor der Revolution von 1905 steht er an der Spitze aller Attentate gegen die zarischen Minister, aber mit dem Abflauen der revolutionären Bewegung tritt auch bei ihm ein Rückschlag ein, der dahin führt, daß er sich «sine Zeitlang völlig von der Politik zurückzieht. Während der Revolution von 1917 tritt er wieder in den Vordergrund. nimmt unter Kerenski einen hohen Posten in der Militärver- waltung ein, stürzt sich aber schließlich in Abenteuer, die seinen Ausschluß aus der Sozialrevolutionären Partei zur Folge haben. Nach der Etablierung der bolschewistischen Herrschaft wird er einer der erbittertsten Gegner der Sowjetgewalt. Er konspiriert mit den Bertretem der Ententeregierungen, die militärische Interventionen in Rußland organisieren: er in- fzemert Attentate und Verschwörungen gegen die Sowjet- gewalt: er tritt in engste Verbindung mit den Häuptern der monarchistischen Gegenrevolution, die den Bürgerkrieg in Rußland organisieren. Er gehört zu den kühnsten und ver- schlagensten Gegnern der Bolschewisten und schreckt vor keinem noch' so verwerflichen Mittel zurück, um die Sowjetregierung zu stürzen. Um so größer ist im vorigen Jahr« die allgemeine Ueber- rascbung, als es bekannt wird, das Ssawinkow in der Nähe der russisch-polnischen Grenze verhaftet, nach Moskau ge- bracht und sofort in einem sensationellen Prozesse abgeurteilt wird. Sowohl die ganze Art der Verhaftung wie der sofort inszenierte Prozeß weisen darauf hin, daß der ganze Vorgang ein abgkartetes Spiel ist. Ssawinkow legt vor dem Moskauer Gericht ein„reumütiges Geständnis" ab, erklärt seine bisherige Haltung als falsch und erkennt die Sowjet- gewatt an. Die kommunistische Presie schlachtet wochenlang die„Bekenntnisse" Ssawinkows aus, überschüttet auf Grund seiner„Aussagen" die gegnerischen Parteien mit den gröbsten Beschimpfungen und benutzt den Uebertritt des ehemaligen gefürchteten Gegners zur Berherrlichung der unerfchütter- lichen Macht der Sowjetregierung. Gleichzeitig bekundet das revolutionäre-Tribunal Sfawin- kow gegenüber eine Milde, die jeden in Erstaunen setzen muß, der die blutige Praxis der Sowjetgewalt kennt. Formell wird das Todesurteil gegen ihn gefällt. Aber dieses Urteil wird nicht vollstreckt. In Anbetracht seines„reumütigen Bekennt- nisies" wird Ssawinkow in einem Moskauer Gefängnis interniert. Die Behandlung, die ihm dort.zuteil wird, unter- scheidet sich außerordentlich von der der übrigen poütijchen Gefangenen. Er darf sich im Gefängnis ziemlich frei bewegen und kann auch— was sonst nicht vorkommt— unter Bewachung von Polizeibeamten Ausgänge in die Stadt unter- nehmen. Noch vor kurzem veröffenttichte die komrmmistischc Presse Berichte von ausländischen Korrespondenten, die Ssawinkow im Gefängnis besuchen durften und die seine Aeußerungen zur Beschönigung und Verherrlichung der Ver- bältnille in den Sowjetgefängnissen benutzten. vvweit entsprach alles den Plänen der Sowjetregierung, die aus Ssqwinkow olles herauspreßte, was herauszupressen war und chn fortgesetzt als Reklamefigur benutzte. Ssawinkow war weniger von diesem Ausgang befriedigt. Seine aktive Natur drängte nach einer anderen Lösung. Er hatte wohl ge» hofft, ähnlich wie zahlreiche weißgardistische lleberläufer (General Slaschtschew u. a.) es in Sowjetrußland zu Amt und Würden bringen zu können. Seine Berechnung trog. Die Tjcheka zog es vor, Ssawinkow im Gefängnis zu hatten. Einerseits fürchtete sie ihn zu sehr, andererseits war es viel bequemer, die Slnerkennung und die Bekenntnisse des früheren Gegners für die Vortrefflichkeit der Sowjethorrfchaft auszu- schlachten, solange dieser Gegner im Gefängnis saß und sich nicht wehren konnte. Durch diese Berechnungen hat nun Ssawinkow einen Strich gezogen. Am 7. Mai hat er an den Chef der Tscheka D s e r s ch i n s k i einen Brief ge- richtet, in dem er verlangte, daß man ihn entweder erschießen oder ihm die Möglichkeit geben möge, zu arbeiten. An dem- selben Tage hat er seinem Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht, um der ewigen Fotter des über ihm schwebenden Todesurteils zu entgehen. Der Tod Ssawinkows bedeutet nicht nur das Ende eines revolutionären Abenteurers, der sich in seinen eigenen Wider- sprüchen verstrickt sah und schließlich keinen Ausweg fand, er bedeutet auch eine neue furchtbare Anklage gegen die Sowjetdiktatur, die ihre politischen Gegner, selbst wenn sie sich zu ihr bekennen, durch physische und geistige Tortur zum Selbstmord treibt._ Rufst stb er Sowjetkongreß. Rfikotos Bericht. Moskau. 15. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch er. stattete R v k o w dem Bundeskongreß der Sowjetunion ein dreistündiges Referat. Es sei charakteristisch an der internationalen Situation, so führt« er aus. daß ein« verhällnismäßige Stabili- sierung des Kapitallsmus bei gleichzeitiger Stabilisierung des Sowjetverbandes eingetreten sei. Allerdings hätten sich leider die Hoff- nungen, die man an die Erneuerung der Beziehungen zu Frank- reich knüpfte, nicht erfüllt. Staaten, die Rußland bisher nickst an- erkannten, müßten damit rechnen, in Zukunft auf manches zu ver- zichten, was andere Staaten erhielten: auch das Verhältnis zu Polen und den baliischen Ländern sei recht unbefriedigend. /tas üem SowjetparaSies. Von der Auslandsdeleggtion der Partei der linken Sozial- revolutionäre wird uns geschrieben: „Unter dem S. d. M. ist aus Moskau folgende Nachricht ein- getroffen: Irina K a ch o w s k a j a, die noch unlängst eine zwei- jährige Verbannung beendet hat, ist von der bolschewistischen Regie- rung wieder verhastet und für weitere drei Jahre zur Per- bannung nach Wjatka von der Tscheka verurteilt worden. Gegen- märtig liegt sie krank im Moskauer Lefortow-Gefängnis danieder. Eine ärztliche Untersuchung hat festgestellt, daß beide Lungenflügel in solchem Maße erkrankt sind, daß Lebensgefahr für die Kachowskaja besteht." Im Anschluß an diese Mitteilung, die die Verhältniffe in den russischen Sowjetkerkern grell illustriert, appelliert die Ausland?- delegation an die öffentliche Meinung der westeuropäischen Arbeiter- klaffe, für die Rettung der Genossin Irina Kachowskaja einzutreten, die ihr ganzes Leben der revolutionären Bewegung in Rußland ge- weibt hat. Es ist von der bolschewistischen Regierung zu fordern, daß sie die gefangene Revolutionärin nicht km Gefängnis zugrunde gehen läßt, sondern ihr die Möglichkeit gewährt, ihre im Kerker zer- störte Gesundheit wieder herzustellen. Die Dürgermeisterwahlen in£pon. Tie Sozialisten für Herriot. Parts. 15. Mal.(Eigener Drahtbericht.) In Lyon, wo bei den Kommunalwahlen die Sozialisten mit 31 Sitzen gegen 26 der Radikalsozialisten die absolute Mehrheit im Stadtparlament erlangt hoben, hat die sozialistische Fraktion gestern beschlossen, bei der am Sonntag stattfindenden Wahl des Bürgermeisters auf die Ausstellung eines eigenen Kandidaten zu verzichten und für die Wiederwahl Herriots zu stimmen. Die neue Gasversorgung Serlins. Die Stadtverordnetenversammlung hat gestern in ihrer geheimen Sitzung einen Beschluß gefaßt, der eine Vereinhett» lichung der Gasversorgung anstrebt. An der Versorgung, selbst der älteren Stadtteile, war bisher neben den eigenen Gaswerken der Stadt noch die Deutsche Gasgesellschaft 21.»Ol beteiligt. die Nachfolgerin der ehemals Englischen Gesellschaft. Dos Berliner Bersorguugsgebiet dieser Gesellschaft soll vom 1. April 1929 ab den Gaswerken der 2 ladt als Berforgungsgebiet vorbehallcn bleiben. Für das Gebiet im Süden Berlins hat die Deutsche Gasgesell» jchast durch Verträge, die in den einzelnen Bezirken von verschie» den langer Dauer sind und zum Teil sich noch über mehrere Jahr- zehnte erstrecken, sich die gesamte Versorgung gesichert. Hier soll ein Vertrag geschlossen werden, der einheitlich bis zum Jahre 19 7 5 der Gesellschaft das alleinige Versorgungsrecht einräumt. Von da ab soll die Stadt das Recht der Kündigung hoben, wointt sie die gesamten Anlagen übernähme und die Deutsche Gasgesell» schaft kein Recht mehr auf Versorgung behielle. Die Stadt erhält schon jetzt durch Vermehrung ihres Besitzes an Aktien der Gesell- schaft einen stärkeren Einfluß auf diese und sichert sich aus den Er. trägen des Betriebes mehr als die Hälfte. Auch mit der Easge- sellschast Niederbarnim, die einige Bezirke im Norde» und im Südosten versorgt, wurde eine Auseinandersetzung be» schloffen. Die Stadt erwirbt die Anteile des Kresse? Niederbornim an dieser Gesellschaft.- Eine Zamilientragööic. Mutter und Tochter mit Gas vergifkek. Unter der schweren Beschuldigung, sich an seiner jetzt 16 Jahr« allen Stieftochter vergangen zu haben, wurde vor vier Wochen ein Wächter K. vom Holsteiner Ufer festgenommen. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Bezichtigung ging von' feiner 43 Jahre allen Eheftau und der Stieftochter aus. Am vergangenen Dienstag hatten beide Frauen Vor* ladungen erhallen, um von der Staatsanwaltschaft zur weiteren Klärung der Angelegenheit noch einmal ver- nommen zu werden. Seitdem kamen sie nicht mehr zum Vor- schein. Gestern siel ein Gasgeruch aus ihrer Wohnung auf. Man schöpfte Verdacht, wollte nachsehen, fand ober keinen Einlaß. und erhiell auf Klingeln und Klopfen keine Antwort. Die Tür war von innen verriegell, das Schlüsselloch war verstopft, die Fenster waren verhängt. Als man nun mit Gemall öffnete, fand man die Wohnung mit Gas angefüllt und Mutter und Tochter tot daliegen. Wiederbelebungsversuche blieben erfolg» los. Auf dem Tische lagen ein Abschiedsbrief, in dem Frau K. über ihr Geld und ihre Schmucksachen verfügte, und die Vorladungen vor die Staatsanwaltschaft. Man oermutet, daß der Frau und ihrer Tochter von Angehörigen Vorhaltungen gemacht worden sind, daß sie ihren Mann und Stiefvater ins Zuchthaus brächten, und daß sie deshalb in den Tod gegangen find. Rechts und links vom korriöor. Eine typische Tragikomödie sozialer Not ist es, die der Richter zum Abklingen bringen soll. Er wird den Vorbong fällen lassen. eine Pause setzt ein, und dann beginnt das Spiel von neuem. -Lange Jahre bewohnt das unverheiratete Fräulein P.„Stube mit Küche", rechts vom Korridor und ebenso lange die ver» heiratete Frau B.„Stube mit Küche" links vom Korridor. Wenn Menschen sich immer einander so nah sind, werden sie meistens dicke Freunde oder bittere Feinde, zuweilen erst das eine und dann das andere. So war es sedenfalls mll Frau B. und Fräulein P. Ganz besonders ärgert es die Verheiratete, daß die llnverhejrotete manchmal in später Abendstunde noch Besuch hat, sogar mädjiuchen Besuch, und nicht einmal mit ewiger Ausdauer ein und denselben Gast. Einmal waris sogar„son kleiner Jude", was offenbar be- sonders schlimm. Und Schlüssellöcher trügen nicht! Ebensoviel ver- raten nach ihrer Ansicht auch die Slufzeichnungen(!) der klatsch- süchtigen Lauscherin, deren Stimme häßlich schrillt:„Sie hatten Besuch am 3. Januar, am 17. Februar, 14. März.. Als einmal der„A n st o h" besonders heftig war, rief Frau P.:„Das ist ja die reine Absteige"— um prompt natürlich vor Gericht nicht zu wissen, was eins Absteige tatsächlich ist. Es kommt naturlich in solchem Falle nicht auf die—. nicht einmal bewiesene— Häufigkeit männlichen Besuchs an, sondern auf das Gewerbemäßige der Angelegenheit, wenn der Ausdruck nicht grob beleidigend fein soll. Aus Trotz kapiert natürlich die sonst sehr intelligente, ja so- gar raffinierte Frau P. nicht. Aus Trotz findet sie sich nicht zu einer Ehrenerklärung bereit. Lieber läßt sie ihren Mann, der fast nichts verdient, die— uns allerdings auch reichlich hoch bemessen erscheinende— Summe von 13 0 M. zahlen. Und es wird im Hause Linkstraße X weiter spioniert, geklatscht und gegiftet werden. Weil bei Raumnot Böses stets sich entfallet! Denn Kläger und Angeklagte sind im kapitalistischen«taate letzlich alle Opfer. Eröffnung des Ulap. Die große VcrgnügungsftStic im Nordwesten Berlins, die den etwas ungewöhnlichen Namen„Ulap" trögt, hat nunmehr gleichfalls ihre Pforten eröffnet. Wie gestern den geladenen Gästen mitgeteill wurde, legt man dort oben in Moabit Wert darauf, für ein verhältnismäßig geringes Einttittsgeld viele, zumindest aber mancherlei gute Sachen zu bieten. Man kann auch nicht gut anders, denn es wohnen dort große Mengen proletarischer Existenzen, die sich allenfalls ein- inal im Sommer den Besuch einer solchen Vergickigungsstölle mit ein paar Mark Ausgabe gestatten können, um auch den Kindern ein- mal etwas zuteil werden zu lassen. Das Programm, das der Ulap sich gestellt bat, ist jedenfalls gut und anerkennenswert. Im Innern des großen Ausstellungsgeländes fällt eine Neuanlagc auf, die, nach den Darbietungen zu schließen, sich wahrscheinlich in kürzester Zell großer Beliebthett erfreuen wird: Es ist ein großes Freiluftvariete, gegen Witterungsunbilden geschützt. An einem Nach- mittag finden nicht weniger als vier Vorstellungen statt. Getzcrn sah man ausgezeichnete Akrobaten und Tänzer. Die Besucher des Ulap find berechtigt, den Vorstellungen als Stehgäste unentgeltlich beizuwohnen. Für Sitzplätze zahlt man ein paar Groschen. Das Ganze erinnert in angenehmer Weise an ein ähnliches Vorbild des berühntten Kopcnhagener Tivoli. Natürllch ist die Berg- und Tal- bahn auch wieder in Betrieb, und sie überwindet nicht unerhebliche Höhenunterschiede. Außerdem gibt es eine Menge Möglichkeiten, sein weniges oder vieles Geld lächelnd an den Mann oder an das Fräulein zu bringen. Die Mitteilung, daß es auch«inen Milch- l i o s k gibt, soll den Müttern nicht vorenthalten werden. Der Engpaff am Ringbahnhof Treptow. Wiederholl sst über die unhaltbaren Derkehrszustonde auf dem -chmaleu Fußgängerweg, der von der Stralauer Dorfftraße nach dem Treptower Park am Ringbahnhof Treptow hinüberführt, berichtet morden. Er ist zwischen der 0 b e r b a u m b r ü ck e und der Tresckowbrücke in Oberschöneweide, also im Abstand von min» Kestens einer Laufstnnde, der einzige Uebergang über die Oberspree, der deshalb einen sehr parken Verkehr aufzunehmen hat. Seil Wochen ist, nun dieser Weg in seiner Brelle durch Errichtung eines die Mitte schneidenden hohen Bretterzaunes noch um die Hälfte verringert worden, so daß nicht mehr zwei Personen, ohne sich zu berühren, nebeneinander gehen können. Nach wie vor werden auch Fahrräder und Kinderwagen über diesen Weg geschoben. Man kann sich also vorstellen,, welche Szenen sich hier namentlich Sonntags, wenn Zehntauscttde den Engpaß benutzen, abspielen. Wie es hetgt, ist die Derkehrsverschlechterung, bi# noch Monat« andauern kann, nur darauf zurüdzuführen, baß für einen Stralauer Großbetrieb eine unterirdische Starfstromleitung gelegt wird. Konnte man denn das nicht mit Anschluß an die Stralauer Allee bewerkstelligen? Ein Karpfenteich am Bahnhof Friedrichstraße. Dem Fremden, der in Berlin auf dem Bahnhof Friedrichstraße anfommt, bietet sich ein merkwürdiges Bild. Vor ihm zwischen Friedrichstraße und Reichstagsufer entfaltet fich ein im Entstehen begriffenes Bauwert, Seit undentlichen Zeiten wird nun schon an diesem Bau gearbeitet ober nicht gearbeitet. Ein gewaltiger, mit schreiender Reflame bemalter Zaun umgibt dieses werdende Bauwert. An feiner Stelle ist zu lesen, Turmhaus A.-G.". Hier foll also ein Hochhaus erstehen. Das aber, was der Fremde im Herzen Berlins mit Erstaunen sieht, sieht der Berliner, der diese Stelle passiert, alle Tage. Augenblicklich fährt stöhnend und prustend fründlich eine Miniaturtotomotive mit einer Anzahl Kippwagen, die mit Sand und Geröll beladen find, über das Reichstagsufer zum Ranal, um hier den Bauch eines riesigen Rahnes zu füllen. Auf der Baustelle selbst ein unheimlich schwarzer See. Was soll der? I man etwa einen Karpfenteich anlegen und ein Anglerparadies eröffnen? Erst stand hier eine militärärztliche Hochschule, dann tat fich an der Friedrichstraße ein Bergnügungspart auf, für Ein heimische und Fremde ein öffentliches Mergernis. Und jetzt...? Meife, o weise find eure Pläne, ihr Schöpfer des Turmhauses. Volf und Zeit", unfere illustrierte Wochenschrift, und „ Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Spezialbehandl. Hur für 2555 Die eleg. Falten- Dekoration Spannstoff, elfenbein 14.75 Mull, getupft • Spitzenstoff, lila und fraise • 9 18.00 35.00 Dkl. Madras, echtfarb. 27.00 Seiden. dkl. Madras echtfarbig. Elegant. Halb- Store wie Abbildung. 58,00 11.00 Schießererei zwischen Kommunisten und Bismardern. Am Schillergymnasium ist die Stelle des Oberstudiens direttors zu befeßen. Bewerbungen find an die Schulvermal tung Steglitz zu richten. ein Anfporn für unsere Genoffen im Sambe, ebenfalls bide Cas Am Dienstag abend gegen 11% Uhr tam in ber richtung einzuführen. Reinidendorfer Straße zwischen Kommunisten und Bismärdern zu einer Schießerei. Dabei wurde unglücklicherweise eine Dollständig unbeteiligte Rontoristin, Fräulein Elfej Weinreich, Liebenwalder Straße wohnhaft, durch einen Streifschuß an der Bruft verlegt. Nach Anlegung eines Not. verbandes fonnte sie in ihre Wohnung gebracht werden. Acht Ber fonen, die an der Schießerei beteiligt waren, fonnten festgestellt werden. Ein rücksichtsloser Autolenker. Am Donnerstag nachmittag überfuhr ein Personenkraftwagen in der Schlüterstraße den neunzehnjährigen, mit einem Handwagen des Weges ziehenden Arbeiter Aler Brauner in Charlottenburg, Schlüterstraße 71 wohnhaft. Mit einer schweren Gehirnerschüttung mußte er durch die Rettungsstelle ins Krantenhaus Westend über geführt werden. Der Wagenienter fuhr, meiter, ohne sich um Den bewußtlos am Boden liegenden Mann zu fümmern. Er konnte jedoch festgestellt werden. Kostenlose Totenbestattung. 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Mat, 8 Uhr abends, Borwärts- Spebition, Bele unb Distufionsabend. Genoffe Dr. Baek: Bildungsfrage in Frage 125. Abt. Weißensee. Die sozialistische Arbeiterjugend hat für den heutigen Abend ben Gen. Barthel zu einem Borlefeabend aus seinen Werfen gewonnen. le Barteigenoffen find herzlich eingeladen. Der Abend ist im Jugendheim, Roelle Ede Charlottenburger Str., und beginnt pünktlich um 8 Uhr. Sungfozialisten Gruppe Schöneberg. Seute, pünktlich 8 Uhr, Jugendheim Stubens ftraße( im Boltetanzraum), Arbeitsgemeinschaftsabenb. Berantwortlich für Bolitik: Bietor Coiff: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Chiarn; Feuilleton: Dr. John Sailamsli; Sotales und Sonstiges: Friz Rorstäbt; Anzeigen Th. Glade; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruderet Sieran 1 Beilage. unb Berlagsanstalt Baul Singer u Co. Berlin 62. 68, Sinbenftrage& Charlottenburg S. 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Die �indenburg-Wahlhclfer glauben immer noch, die Gewerk- schaften für ihre Zwecke zu.erobern", indem ste ihre ganzen Pelden- taten" gegen die Gewerkschaften verleugnen und dafür schimpfen über„alle jene unerhörten, schändlichen, geradezu verbrecherischen Ausschluß, und Spaltungsaktionen der reformistischen Gcwerkschafts- instanzen", die ste mit aller Gewalt provoziert hoben. Diese Gewerschafts-.Retter" versichern bei dieser Gelegenheit wiederum, datz ste „innerhalb der Gewerkfchafken nach wie vor mit aller Schärfe und Sachlichkeit unermüdlich den Kampf gegen die arbeilsgemcwfchaft. llchen reformlfstfchen Gewerkschasksburemikraken" führen werden. Run wohl, Sachlichkeit würden wir b e- grüßen, den Kampf aber, den die Moskaufiliale den Gewerk- schaften weiterhin ankündigt, haben die Gewerkschaften um so weniger zu fürchten, als er in der Hauptsache bereits zu ihren Gunsten entschieden ist. Eben darin besteht die G e» werkschaftsgesundung, daß die kpmmimistischen Saboteure der Gewerkschaftsarbeit ziemlich kaltgestellt sind. Nacht» und Souutagsschlachterei. Gegen die Nacht- und Sonntagsarbeit und gegen die Mangel» hasten hygienischen Zustände auf dem Schlacht- und Vieh- Hof richtete sich eine vom Zentraloerband der Fleischer und vom Gemeinde- und Staatsarbeiterverband etnbe- rufene Versammlung der beteiligten Arbeiter. Wie der Referent Schulz ausführte, ist seit Mai v. I. das Schlachten von Rindvieh an Sonntagen wieder erlaubt. Längere Zeit hat ein Sonntagsarbeitsverbot bestanden und trotzdem ist die Bevölkerung ausreichend mit frischem Fleisch oersorgt wor- den. Der Erlaß der Direktion ist osfenbar auf das Drängen der Engrosschlächtermeister zurückzuführen, die ihr Verlangen damit begründeten, datz nicht genügend Kühlzellen vor- Händen seien, um das am Sonnabend geschlachtete Fleisch über Sonntag frisch zu erhalten. Merkwürdigerweise wurde die An- ordnung getroffen, ohne daß die Arbeiter gehört wurden. Auf eine diesbezügliche Reklamation der beteiligten Verbände ist bis heute noch keine Antwort von der Direktion einge- troffen. Der Referent gab zu. daß ein Mangel an Kühlzellen vor- Händen ist. Die Versammlung war mit ihm aber einer Meinung, als er betonte, datz dieser Mangel an technischen Einrich- tungen nicht auf Kosten der Freizeit der Arbeiter ausgeglichen werden darf. Mindestens wäre es jetzt an der Zeit, den Ausbau des Schlacht- und Viehhofes vorzunehmen, da dieser sich wieder sehr gut rentiert. Die hygienischen Zustände auf dem Zentral- Viehhof sind unhaltbar. Für die vielen Beschäftigten, die während ihrer Arbeit mit scharfem und großem Werkzeug umzugehen haben, sind nur zwei Unfallstationen vorhanden, die nur mit je einem Heilgehilfen besetzt sind. Die Heilgehilfen werden nach dazu von der Schlochthofverwallung mit Nebenarbeiten beschäftigt, so daß im Falle eines größeren Unglücks, wie das auch schon vorgekommen ist, große Gefahren für die Verletzten be- stehen. Der Referent fatzte die Forderungen der Arbeiter dahin zusammen, daß die Sonnlagsarbeil wieder zu beseitige« ist, well eine wirtschaftliche Notwendigkeit dafür nicht vorliegt. Der Antrag der Engrosschlächtermeister, den Vieh- imd Schlachthof an den Arbeitstagen früher als bisher zu er- öffnen, ist abzulehnen, weil damit ein früherer Ar- beitsbeginn verbunden wäre, der halb in die Nachtzeit fallen würde. Die Heilgehilfen in den Unfallstationen sind von jeder Nebenbeschäftigung freizustellen: daneben ist die An- stellung eines ständigen Arztes dringend erforderlich. Die Arbeiterschaft des Schlacht- und Viehhofes verlangt ferner eine Vertretung im Kuratorium. In der Diskussion wurden die ruhig und sachlich vorgetragenen Ausführungen von Stadtrat Genossen Arndt von der Versamn». lung mit großer Unruhe aufgenommen. Er betont«, datz die Er- Haltung des Vieh- und Schlachthofes im Eigentum der Stadt Berlin während und nach der Inllationszeü manche Maßnahme verständlich erscheinen lasse, die der Arbeiterschaft nicht gerade gefällt. Im übrigen werde die boldige Fertig- stellung der riesigen neuen Hallen die erwünschte Besserung bringen. An der Diskussion beteiligten sich noch Vertreter der Schlächtermeister, der christlichen Gewerkschaften und der Vorsitzende des Fleischerverbandes, Genosse H e n s c l, dvr den Anwesenden mit aller Deutlichkeit sagte, daß nar eine geschlo"eno gewerkschaftliche Organisation in der Lage ist, die ge- rügten Mißstände zu beseitigen. Ter Kampf in der Kachelofen-JndAftrie. Die Ofenformer in Meißen hatten zum 1. April einen neucn Lohntorii ausgearbeitet und ihn den Kachelofcnfabnkanten zur Be» ratnng vorgelegt Eine Einigung erfolgte nicht. Die Ofenformer machten den Vorschlag, im April vorläufig 15 Proz. auf den alten Tarif zu zahlen und im Laufe des April den neuen Tarif zu be- raten. Di« Unternehiner gingen daraus nicht ein und die Meißener Ofenformer traten in den Streik. Wiederholt hoben die Kochel- ofensabrilanten in der Zeit. des Bestehens ihres Lerbaildes die Ofenformer Deutschlands ausgesperrt. Der Kampf im Jahre 1bl>3 währte 28 Wochen. Auch diesmal versuchten sie, ob 3. Mai die Arbeiter aller Kachelofenfabriken in ganz Deutschland aufs Pflaster zu werfen. In letzter Minute gelang es, mit den Ofen- fabrikanten in Süddeutschland, Bayern, Baden und Württemberg, eine Vereinbarung zu treffen und dort die Aus- sperrung illusorisch zu machen. Dagegen wurden in Kachelofen. fabriken des Bezirks Sachsen. Thüringen, Anhalt, Brandenburg, Schlesien. Mecklenburg, Hau- nover die Ofenformer und Arbeiter ausgesperrt. Das sächsische Arbeitsministerium versuchte zu vermitteln und am Dienstag fanden in Berlin Verhandlungen statt. Die Unternehiner lehnten eine Erhöhung der Löhne über 10 Proz. hinaus ab. Da auch der Vorschlag des Verbandlungsleiters, Oberregierungsrat Brand, vorläufig auf 12� Proz. zu gehen, bei den Arbeitgebern keine Zustimmung fand, scheiterten die Verhandlungen. Die Per- suche des eingesetzten Sonderschlichters, den Streit durch ein eoent. einzusetzendes Schiedsgericht aus drei Unparteiischen und je zwei Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu entscheiden, scheiterten eben- falls. Die Ausgesperrten haben beschlossen, die Arbeit nicht aufzu- nehmen, solange nicht«ine angemessene Lohnerhöhung erfolgt ist. Daneben sind für Brandenburg(Schmelzwaren), Mecklenburg(Be- gußwaren) neue Tarife eingereicht worden. Der Kampf wird mit erbitterter Schorfe geführt und die Er- klärungen der einzelnen Arbeitnehmervertreter, datz selbst bei einem verbindlich erklärten Schiedsspruch— wenn derselbe nicht an- gemessen sei— die Arbeit nicht aufgenommen wird, zeigt, datz mit einer längeren Dauer des Kampfes zu rechnen ist. Arbeitsleistung«ud Arbeitslohn in Ruhland. (K8D.) Im Anschluß an die Beratung des Lohnproblsms in der Plenarsitzung des Zentralrates der russischen Gewerkschaften bringt das Gcwertschaftsorgan„Trud" vom 1. Mai Angabe» über die Entwicklung der Arbeitsleistung und des Lohnes feit Oktober 1923. Die A r b e i t s l e i st n n g ist seit Oktober 1923 bis einschlietz- lich Iamiar 1925 durchschnittlich um 53,1 Proz., der Reallohn dagegen nur um 27.2 Proz. gestiegen. Seit September 1924, dem Monat des günstigsten Lohnstandcs, ist' dieser Abstand noch größer: die Arbeitsleistung ist seit Sep» t e m b e r 1924 bis einschließlich Januar 1925 u m 81 Proz. gestiegen. derReallohndageaenum 1,2 Proz. gefallen. Die Stelgerung der Arbeitsleistung wurde erreicht„Haupt- sächlich durch Hebung der persönlichen Intensität der Arbeit infolge einer umfassenden Anwendung des Akkordlohnsystem s". Die Akkordsätze wurden während dieser Zeit überall herabgesetzt. durchschnittlich nicht weniger als um 13 bis 15 Proz., in manchen Fällen 25 Proz. und noch mehr. Sechst die burewikratischen rufst- scheu Gewerkschaften sind durch diese Art der Hebung der Arbeits-, leiswng beunruhigt. Ter Beuarbeiterstreik in Rheinland-Wcstfalen. Köln, 15. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Das Reichs. arbeitsmini st erium unternahm gestern einen letzten Versuch, den Arbcitsstreit im rheinisch-westfälischen Baugewerbe zu schlichten. Der Versuch lief nach mehrstündiger Aussprache vollständig ergebnislos aus. Es ist damit zu rechnen, daß das Reichsarbeitsministcrinm nunmehr den Schiedsspruch für verbindlich erklären wird. Doch kann man daraufhin nicht hoffen, daß der Streik beigelegt wird. Die Arbeitgeber lehnen die Lohnforderungen der Bauorbeiter nach wie vor ab und spielen mit dem Gedanken einer allgemeinen Aussperrung. Die Situation hat sich sehr verschärft und im Laufe des heutigen Freitag wird sich der Bauarbeiter streik auf das ganze rheinisch. westfälische Gebiet ausdehnen. Der Transportarbclterstreik in Dänemark ist heute früh aufge- nommen worden. Damit ist die ganze Situation scharf zugespitzt. vierhundert Londoner Aukobusangefkellle streiken, um gegen die Entlassung eines ihrer Kameraden zu protestieren. Fehlfarben aVorsortieniiu} sind inGöte und Rauchaenu?. unseren. Oriqinoborsen qaranfitrt ebenbürtig, nutz- vre* entlidi oüliqer unichf immer«rraftq Zur Zeit wieder zu haben OeVelSschostsbeWegung Ausbau des Gswerkschastsapparats. Die gewallige politische Macht, die die lllckernehmerverbände in Wirtschaft und Politik besitzen, beruht nicht allem darauf, daß sie als Befitzerder Produktronsmittel und eines großen Teils der Presse die öffentliche Meinung in ihrer Hand haben. Fast noch mehr sprell dabei die Tatsache eine Rolle, daß die Unter- nehmerorganisationen es oerstanden haben, einen großen Teil der sogenannten Intelligenz unmittelbar in den Dienst ihrer Interessen zu stellen. Der Reichsverband der deut- schen Industrie, der Deutsche Industrie- und Han- d e l s t a g, die großen Interessentenverbände der ein- zelnen Branchen, der Rsichsausschuß der deutschen Land- Wirtschaft und die ihm gleichgerichteten Organisationen— sie olle beschäftigen als Syndizi oder als Ratgeber wissenschaftlich vorgebildete Kräfte, die es verstehen, auch die willkürlichsten und brutalsten Forderungen der Unternehmer nach außen hin wirksam zu vertreten, indem sie sie mit Wissenschaft- l-chkeit umbrämen, den Laien verblüffen und selbst in den Reihen der Fachgelehrten oft genug Verwirrung anrichten. Don der Größe dieses Stabes, der den kapllallstischen Interessenten zur Verfügung steht, kann man sich einen Begriff machen, wenn man sich daran erinnert, daß einzelne Unternehmungen oft Dutzenden von Branchenoerbänden angehören und olle diese Verbände einen mehr oder minder ausgebouten Apparat haben, der die Unternehmer bei der Vertretung ihrer Wirtschafts- und sozialpolitischen Forderungen unterstützt, ihre wirt- schastlichen Interessen begründet und oft auch In recht zweifelhaften Fragen— man denke nur an das Kapitel der organisierten Steuer- drückebergerei— kräftig in Aktion tritt. Es fft daher nur zu begrüßen, daß neuerdings auch die Ar- beitnehmerorganisationen und an ihrer Spitze die Ge- «erkschaften in steigendem Maße bestrebt sind, durch Einstellung geeigneter Kräfte die wissenschaftliche Begründung ihrer Forderungen auf breiterer Basis vorzunehmen. Bold nach der Stabilisierung der Währung, die den Auf stieg der Gewerkschaften wieder ermöglichte, konnte die Werbetätigkeit der Zellschriften sich wieder entfalten und manche sachkundige Feder für die Interessen der Ar- besterschaft gewinnen. Der ADGB. hat in seiner Zeitschrist„Die Arbeit" sich ein gut fundiertes Ka.npforgan geschaffen. Die Epitzenorganisation der Freien Gewerkschaften geht nun auch an einen weiteren Ausbau des Bundesbureaus durch Ein-' stellung von Spezialkräften für die einzelnen Fachgebiete heran. So sind jetzt neu eingestellt worden: Dr. Hans A r o n s- Berlin, Dr. Bruno B r o e ck e r- Köln und Robert Sachs-Liegnitz. Genosse Arons ist Wirtschaftler und Wirtschaftsstatistiker: Genosse Broecker wird sozialpolitische Fragen und Genosse Sachs Fragen des Arbeiter-, besonders des Bauarbeiterschutzes bearbeiten. Genosse Sachs war bisher als Baukontrolleur und Wohnungspfleger der Stadt Liegnitz tätig. Man darf hoffen, datz die Arbeiterbewegung aus einem der- artigen Ausbau ihrer zentralen Stellen bei der Wahrnehmung ihrer wirtschaftlichen und gewerkschaftlichen Interessen eine neue Stärkung erfährt. Man wird nicht eher ruhen dürfen, bis man der durchgebll- deten Interesseiwrganifation der Unternehmer ein« in allen fach. lichen Einzelfragen gleichwertig« Organisation der Arbeitnehmer gegenüberstellen kann. Auf die Mithilfe der durch Hochschulbildung für fachlich-wissenschaftllche Fragen besonders geeigneten Akademiker wird man dabei ebensowenig verzichten dürfen wie auf die tatkräftigen Organisatoren und Agllatoren, die ihre Kenntnis und Schulung in der Gewerkschaftsbewegung dem Dienste von unten auf verdanken. Nuförinrliche„Gewerkschastsfreunüe." In ihrer sattsam bekannten Bescheidenheit schreibt flch die KPD.» Zentrale.„Abteilung Gewerkschaft", das Hauptverdienst zu. zur Gesundung der Gewerkschaften beigetragen zu haben. Der„Vorwärts" aber kläffe über die Gewerkschaftsgesundung. Den ungeheuren Schaden, den die Allerweltsrevolutwnäre den deutschen Gewerkschaften zugefügt haben, der sich auch heute noch in der grotzen Zahl der wieder Unorganisierten zeigt, daneben aber auch in dem Wiederaustreten der gelben„Daterländi- schen", diesen Schaden können kein« Parolen aus der Rosen- thaler und der Münzstratze wiedergutmachen. HERMANN TIETZ Wäschestoffe Perkal in modernen Streifen....... Meter 85PL Crepon für Kleider, helle Muster... Meter 110 Crêpe marocain Kasaks, in modernen 165 für Mustern........ Meter Vollvolle bedruckt, doppeltbreit..... Meter 175 Schweizer Stickerei Volants, Satin 110 cm breit. Meter grosses Farbensortiment mit kleinen Schönheitsfehlern........ Meter 875 95P Pf. Kleiderstoffe Seidenfrotté in vielen Farben.... Meter 165 Reinwollene Streifen doppeltbrett, Mtr. 22 26 Wollmusselin Schotten reine Wolle, 100 cm breit, in neuen 490 aparte Muster..... Meter Stellungen.... 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