Nr. 237 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 122 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ SiedIung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Ronpareille zeile 70 Pfennig. Reflamezeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen das fettgedrudte Wort 20 Pfennig ( auläffia zwei fettaedruckte Worte). jedes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengefuche das erste Wort 10 Bfennig, jebes weitere Wort 5 Bfennig. Worte über 15 Buchftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Reile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2500-2507 Donnerstag, den 21. Mai 1925 Die Toten von Dorstfeld. Doritfeld, 20. Mai. Feierliche Beisetzung. ( Eigener Drahtbericht.) Unter Beteili-| meiteren Ausbau des Bergarbeiterschutzes Sorge zu tragen und für gung einer nach Zehntausenden zählenden Menschenmenge fand auf eine Sicherung der sozialen Stellung des Bergarbeiters einzu dem Sportplatz in Dorstfeld die Trauerfeier für die Opfer der treten, die seinem gefahrvollen Beruf entspricht. Das Andenten Dorstseider Grubenkatastrophe statt. Von der Regierung nahmen der Toten ehren wir am besten, wenn wir uns für Sicherung des Lebens und der Gesundheit der Bergarbeiter an der Trauerfeierlichkeit teil: Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, cinjeßen und alles tun, um nicht nur die Massenunglücke im BergHandelsminister Dr. Schreiber, Oberpräsident Gronowski, bau einzuschränken, sondern auch die Einzelunfälle auf ein Mindest. Regierungspräsident König, Landrat Hans man'n, Reichs- und maß herabzubrüden." Staatsfommijjar Mehlich. Ferner waren erschienen Oberberghauptmann Dperthun u. a. Es sprachen: Arbeitsminister Dr. Brauns, Handelsminister Dr. Schreiber, der Dortmunder Oberbürgermeister Dr. Eichhoff, Generaldirektor Tengelmann sowie im Auftrage der Bergarbeiterverbände Martmöller vom Hauptvorstand des Deutschen Bergarbeiterverbandes. führte aus: Martmöller Die " Noch sind die Wunden, welche die Unglüdsfälle von„ Minister Stein" und" Matthias Stinnes" geschlagen, nicht geheilt, die Tränen der Angehörigen kaum getrocknet, und schon wieder beflagen wir 45 tote Knappen als Opfer eine Massenunglücks. Wieder um ist es eine Explosion, deren Opfer die Toten wurden. Gefahren, denen der Bergmann bei seiner Arbeit ausgesetzt ist, werden abermals deutlich vor aller Welt. Dieses Unglück ist ein weiterer Mahnruf, nichts unversucht zu laffen, um den Gefahren des Bergbaues Herr zu werden, eine besonders dringliche Mahnung an die Regierungen und Parlamente, diejenigen gejek lichen Maßnahmen zu treffen, welche zum Schuße der Berg arbeiter notwendig und möglich find. Ohne Kohlen wäre unfere Sivilisation, unsere Kultur, ja unser heutiges Leben undenkbar. Der Bergmann gräbt diese Kohlen tief unter der Erde, fern von der Sonne unter steter Lebensgefahr. Das Grubenunglück auf Dorftfeld stellt neue Fragen zur Distuffion. Es wird nicht leicht fcin, die Ursachen der Explosion zu ermitteln. Die Frage, wo die Explosion entstanden ist, in der Geschoßkammer oder im Revier IV, und ob sie mit Sicherheit festzustellen ist, bleibt dahingestellt. Wie dem aber auch sei, im Interesse der Bekämpfung der Gefahren ist es notwendig, die Untersuchung so objeftin wie nur möglich zu führen. Der Bergmann, der unter den größten Gefahren für Leben und Gesundheit wichtige Schäße tief unter der Erde gräbt, chne die unser heutiges Leben überhaupt nicht denkbar wäre, hätte Anspruch darauf, in seinen Lebensbedingungen entschädigt zu werden. Der wirtschaftliche Druck der letzten Jahre hat auf feinem Berufsstand stärker gelastet, als auf dem Bergarbeiter. Wenn auch Meinungsverschiedenheiten bestehen fönnen über die Mittel und Wege, die zur Bekämpfung der Gefahren notwendig find, über die Gefahren selbst bestehen Meinungsverschiedenheiten nicht. Wo aber Gefahren vorhanden sind, muß vorsichtig und mit Ueberlegung gearbeitet werden. Der Arbeiter darf nicht immer verfolgt werden von der Sorge um den Lohn. Die Gesamtheit hat die Pflicht, den Bergmann, der unter den größten Gefahren im Intereffe der Gesamtheit seinen Beruf ausübt, wenigstens die Lebensbedingungen zu sichern. Die Bergarbeiterorganisationen werden es als ihre höchste Aufgabe betrachten, unermüdlich für den Die Trauerfeier nahm einen würdigen Berlauf. Es ereigneten sich mehrere Ohnmachtsanfälle bei Frauen. Nach beendeter Trauerfeier wurden die Leichen unter ungeheurer Beteiligung in die verfchiedenen Friedhöfe übergeführt. Genf, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeit nehmergruppe der Internationalen Arbeitston. ferenz hat dem Deutschen Bergarbeiterverband ihr Beileid zu dem Unglück auf der Zeche Dorstfeld ausgesprochen. Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postscheckkonto: Berlin 375 36 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Der Kampf um den Zolltarif. Borgefecht im Reichstag. Der sozialdemokratische Mißtrauens= antrag gegen die Regierung Luther ist gestern im Reichstag mit 214 gegen 129 Stimmen bei 25 Enthaltungen ab= gelehnt worden. Für den Antrag stimmten Sozialdemo fraten und Kommunisten; es enthielten sich die Demokrafen und ein paar Völkische; die übrigen Parteien stimmten gegen den Antrag. Auch das 3 entrum beteiligte sich an der Ablehnung des sozialdemokratischen Mißtrauensantrags, nachdem vor der Abstimmung einige seiner Abgeordneten den Saal verlassen hatten. Das Ergebnis dieses Abstimmungskampfes tam der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion natürlich nicht überraschend. Daß das Zentrum den Sturz des Kabinetts Luther zum mindesten jetzt nicht will, und daß auch die Demokraten nicht darauf erpicht sind, ihn geradewegs herbeizuführen, war ihr wohlbekannt. 9 Gegen die Grubenkatastrophen! Der AfA- Bund für ein Reichsberggeset. Anläßlich des verheerenden Explosionsunglücks auf 3eche Dorst feld hat der Af A Bund nochmals eine dringende Eingabe an die Regierungen und Parlamente gerichtet, in der er die sofortige Er greifung wirksamer Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen im Bergbau fordert. Als unverzüglich durchzuführen auf Grund der geltenden Geseze verlangt der AfA- Bund neben technischen Ber- rische Mehrheit, die dem Reichspräsidenten im Fall der Krise befferungen; Die Bestellung von Grubentontrolleuren, einen erhöhten Schutz für die Betriebsräte gegenüber Behinderungen durch die Bechenbefizer, ein Berbot der Gewährung von Individual. prämien an technische Angestellte( Aufsichtspersonen), einen er weiterten Schutz der Aufsichtspersonen gegen Kündigungen und gegen Eingriffe berggejeßlich nicht verantwortlicher Borgesetzter in den Betrieb usw. In der Erkenntnis, daß eine Reform der bestehenden veralteten Berggefeße der einzelnen Länder keine durchgreifende dauernde Besserung bringt, erhebt der Af- Bund außerdem die Forderung auf Einführung eines Reichsberggefeges auf Grund Artikel 7 der Reichsverfassung. In der Schaffung eines zentralen Berggesetzes erblickt der AfA- Bund die einzige Möglichkeit, die erheblichen Unfallgefahren im Bergbau planmäßig und erfolgreich zu bekämpfen und die dringend notwendige Aenderung der behördlichen Aufsicht im Sinne der gleichberechtigten Mitwirkung der Bergbau arbeitnehmer und ihrer Verbände herbeizuführen. Die jetzigen undie Gefahr neuer Massenunglücke in sich. Der AfA- Bund erwartet haltbaren Zustände auf dem Gebiete der Grubensicherheit bergen deshalb, daß sämtliche Parteien im Reichstag schon aus Gründen der Menschlichkeit die sofortige Borlegung eines Reichsberggesetzes verlangen und dasselbe schleunigst verabschieden. Bankrott der spanischen Diktatur. Vor der Aufhebung des Belagerungszustandes. Madrid, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der jetzt fast 20 Monate dauernde Belagerungszustand soll endlich aufgehoben werden. Der Militärdiktator hat dem König folgendes Dekret zur Unterschrift vorgelegt: Belgische Regierungserklärung. 25 chriftlichen Demokraten, die sich ausdrücklich als Arbeitervertreter bezeichnen, den Sozialisten die Hand reichten. Darum müffe zunächst Das neue Ministerium vor dem Sturz. die Regierung Bandervyveres verschwinden und deshalb würden die Brüssel, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Minister- Sozialisten für das liberale Mißtrauensvotum präsident Vandervyvere hat am Mittwoch in der ftimmen. Die Abstimmung und als notwendige Folge der RüdKammer die Erklärung der neuen Regierung abgegeben. Diefer friff der Regierung werden am Freitag erfolgen. Eflärung kommt jedoch weniger Bedeutung zu als dem eigentlichen Regierungsprogramm, das, da der Sturz der Regierung am Freitag gewiß ist, als Grundlage für die Bildung der neuen Regierung in Frage fommen wird. Ueberaus bemerkenswarf an der Regierungserklärung war die Unterstreichung demokratischer Forderungen. Bandervyvere erklärte, der Wahlausfall sei ein flarer Beweis dafür, daß das belgische Bolt die jozialen Errungenschaften aufrechterhalten und erweitern wolle. Aus diesem Grunde kündigt die neue Re- ,, Da die öffentliche Ordnung und Sicherheit, die bei Einsetzung glerung Gefehentwürfe über die Entschädigung berufskranker Ar- des Direktoriums bedroht waren, nunmehr gewährleistet sind, hat nunmehr- gewährleistet beiter, über Sozialversicherung, Familienzuschläge und Mutterfür- das Direktorium den Wunsch, die normalen konstitutionellen Verforge und ferner Gesetze über die Festlegung des Schlichtungsverhältnisse nach und nach wiederherzustellen und der Nation die Freifahrens bei Arbeitskonflikten, Erhaltung des Mieterschutzes und heiten wieder zu gewähren, deren sie sich auf Grund ihrer Kultur Förderung des Wohnungsbaues an. Der Achtstundentag und Reife erfreuen darf. Das Direktorium empfiehlt daher dem muffe unbedingt aufrechterhalten und das Washingtoner 26- König die Aufhebung des Belagerungszustandes zum Zeichen des Abfommen tafifiziert werden, vorbehaltlich der Ratififation durch die zwischen Regierung und Regierten bestehenden Vertrauens." wichtigsten Konkurrenzländer. Die Militärdienstzeit müsse verkürzt und die Sprachenfrage in der Armee gelöst werden. Die Redner der anderen Parteien lehnten in eingehender Ausfprache das Regierungsprogramm ab. Für die Liberalen sprach der Brüffeler Bürgermeister Mag, der die Bildung eines rein fatholischen Ministeriums bekämpfte und eine sozialistisch- fatholish- liberale Uebergangsregierung forderte. Schließlich brachte er im Namen feiner Partei ein Mißtrauensvotam ein. Bandervelde, der für die Sorialen forach, aab zu, daß fich Bandervyveres Erklärungen in manchen Punkten mit den soziali fischen Forderungen dedten. Das Land fordere jedoch eine ft arte Regierung mit demokratischem Programm. In der Kammer exifiere eine demokratische Mehrheit, so daß eine starte Regierung jeden Augenblid gebildet werden könne, wenn die In Wirklichkeit ist das Dekret des Direktoriums das Einge ständnis einer jahrelangen falschen Politit. Es bringt gleichzeitig die Erkenntnis der Regierenden zum Ausdruck, daß sie auf dem bisherigen Wege nicht weiterkommen. Mussolinis Knebelgesetz. Rom, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die italienische Rammer verabschiedete am Dienstag das Gesetz über die Kontrolle der Vereine, deren Sinn in erster Linie die Stellung der Gewerkschaften unter Polizeiaufsicht ist. Die Annahme erfolgte mit 304 Stimmen, bei Abwesenheit der Opposition. Da anzunehmen ist, daß am Dienstag alle Faschisten anwesend waren, umfaßt bei 535 Abgeordneten die Gesamtoppofition mehr als 200 Personen. Für die vorläufige Erhaltung des Kabinetts Luther wirken verschiedene Umstände. In weiten Kretsen besteht eine Abneigung gegen Regierungskrisen, die durch den Wechsel in der Reichspräsidentschaft noch verstärkt wurde. Ebert war ein Meister in der Kunst, Regierungskrisen zu lösen und in kritischen Lagen Auskunft zu schaffen; trotzdem tam auch er angesichts der Schwierigkeit der parlamentarischen Verhält nisse nicht um die Ernennung einer Cuno Regierung und einer Luther Regierung herum. Wie würde sich der neue Reichspräsident, der aus politikfremden Gefilden kommt, in einer solchen Situation verhalten? Eine feste parlamentaden Weg zur Lösung weist, ist nicht vorhanden, eine Mehrheit für die Weimarer Koalition besteht nicht. Es war vorauszusehen, daß Zentrum und Demokraten, die mit den Sozialdemokraten und den Kommunisten zusammen die Regierung stürzen fonnten, vor den Folgen eines solchen Sturzes zurückschrecken würden. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion empfindet also über die Ablehnung ihres Antrags feine Enttäuschung. Sie hat ihn auch nicht gestellt, um andere Parteien zu ,, entlarven", sondern sie hat es getan, um vor dem Volke und vor fich selbst einer Gewissenspflicht zu genügen. Es darf nirgends ein Zweifel daran bestehen, daß sich die Sozialdemokratische Partei gegen die Regierung des Brotwuchers zum Kampf stellt. Im Kampf gegen die drohenden Brotzölle war diese Abſtimmung nur ein Vorgefecht. Die Entscheidung wird erst bei der Beratung der 30llvorlage selbst und bei der Abftimmung über sie erfolgen. Ihrer Borbereitung hat der sozialdemokratische Mißtrauensantrag gedient. Wenn die Rechtspresse von einer Sprengung des Bolfsblocks" redet, so ist darauf zu erwidern, daß ein Boltsblod, der darauf ausgeht, das Kabinett Luther zu stürzen und an seiner Stelle selbst die Regierung zu übernehmen, nicht be= steht. Was die Parteien des Bolfsblocs eint, ist der Wunsch nach einer Stabilisierung der Republik und einer klaren, an feinem Mißverhältnis zwischen Phrase und Tat leidenden Außenpolitif. Daß davon abgesehen sehr weitgehende Unterschiede der Struktur und der Auffassungen zwischen den drei Parteien bestehen, ist niemals ein Geheimnis gewesen. So ist vorläufig auch nur die Stellung der Sozialdemo fratie gegenüber den Zollplänen flar und von vornherein gegeben. Die Sozialdemokratie ist eine Arbeitnehmerpartei, eine Partei der städtischen und ländlichen Verbraucher und eine entschiedene Gegnerin der Brotzölle seit jeher. So hat sie den großen Rolltariffampf von 1902 ge= führt, wobei nur ein Teil der Freifinnigen auf ihrer Seite mitfocht, ein anderer sich zurückhielt, das Zentrum aber auf der anderen Seite der Barrikade kämpfte. Auch heute ist es wahrscheinlich nur ein wenn auch großer Teil der An= hänger des Zentrums und der Demokraten, find es die vor allem ihnen zugehörigen Arbeiter, Angestellten- und gleiche Reihe mit den sozialdemokratisch gesinnten Lohn- und Beamtenschichten, die durch ihr Interesse in die Gehaltsempfängern gedrängt sind. Ob dieser Teil auf die Parteien, denen er angehört, den entscheidenden Einfluß ausüben wird, muß die Zukunft erweisen. Was die Sozialdemokratie im Kampf um den Zolltarif mit voller Aufrichtigkeit und ohne alle Nebenabsichten anstrebt, das ist der fachliche Erfolg. Dieser fachliche Erfolg, die Ulm gestaltung des Zolltarifs im Intereffe der ganzen Wirtschaft und der ungeheuren Mehrheit des Boltes, fann nur erreicht werden, wenn Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten eine gemeinsame Linie des Handelns finden. Ob diese Linie zu finden ist, und ob außerhalb der Sozialdemokratie die Absicht besteht, sie zu finden, wissen wir noch nicht. Heute wissen wir nur soviel: Die Rechtsparteien find Geschöpf und Werkzeug jenes engen Kretses von Intereffenpolitikern, der bei hohen Brot- und Eisenzöllen seinen Vorteil zu finden hofft. Diese Interessenpolitiker haben die strupellose Demagogie bezahlt, die durch Zurschautragen eines phrasenreichen Uebernationalimus und durch schwindelhafte| Wahlversprechungen den Rechtsparteien die Wähler ins Garn trieb. Nachdem der Fang in erheblichem Umfang gelungen, wird der dadurch errungene Einfluß unter hohnvoller Mißachtung aller Versprechungen dazu mißbraucht, den Unternehmern dieser politischen Riesengeschäfte Vorteile auf Kosten Der Allgemeinheit zuzuschieben. Reinheit des öffentlichen Lebens! Es ist nicht notwendig, die Deutschnationalen zu entarven". Sie besorgen das selber so gut, daß man nur dabeizustehen und die nadien Tatbestände festzustellen braucht. Die Deutschnationalen mitsamt ihren Bruder- und Betterparteien fönnen sich auf eine Massenflucht ihrer bisherigen Mit läufer gefaßt machen. Zwischen den Rechtsparteien und der Sozialdemokratie steht die Mitte. Sie muß mit der Tatsache rechnen, daß breiteste Schichten ihrer Anhänger jede künstliche Brotverteuerung als ein an ihnen begangenes bitteres Unrecht empfinden würden. Ihr ist so gut wie uns bekannt, daß in der Wissenschaft auf breitester Front eine vollkommene Abkehr vom agrarischen Hochschutzzoll erfolgt ist. Sie weiß zu alledem auch noch, daß die Sozialdemokratie entschlossen ist, die glänzende Kampfpofition, in der sie sich gegenüber diesem Bolltarif befindet, in vollem Umfang auszunuzen. werfen. Sie erklärten darauf, auf diesen Vorschlag nicht eingehen, zu können, sondern dem Reichstag auch nach Verabschiedung dieser Geseze weiter angehören zu wollen. Danach muß die Parteileitung nunmehr auf der Erfüllung des in der Erklärung vom 15. November 1924 feierlich gegebenen Wortes bestehen, durch welches Sie die Verpflichtung übernommen haben, Ihr Mandatfofort niederzulegen, falls Sie durch Aus schluß oder freiwillig allein oder gemeinsam mit anderen aus der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei im Reichstag ausscheiden. Sie haben in Ihrem Schreiben vom 14. d. M. und gestern gegen über Graf Westarp die Absicht angekündigt, auf Berlangen des Sparerbundes die Entscheidung eines Ehrengerichts der Deutschvölkischen Partei anzurufen. Den Spruch eines solchen Ehrengerichts fönnen wir als für uns maßgebend nicht aner tennen, zumal Sie gleichzeitig die Absicht ausgesprochen haben, sich an die deutschvölkische Fraktion als Gast anzulehnen. Der Abg. Be ft hat bereits unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß er dieser Aufforderung, sein Mandat niederzulegen, nicht Folge leisten wird. Offenbar geht er von der Ueberzeugung aus, daß mit der Annahme des famosen Aufmertungskompromisses zwischen den Regierungsparteien der Kampf um die Aufwertung nicht beendet ist. Das Vorgehen der Deutschnationalen gegen diesen Abgeordneten fällt vollständig aus dem Rahmen dessen heraus, was sonst bei politiDie Demotraten haben durch ihre Stimmenthaltung schen Differenzen zwischen Abgeordneten und einer Fraktion gezeigt, daß fie nicht gewillt sind, die Regierung, die diesen vorgekommen ist. Hier handelt es sich nicht darum, daß ein Bolltarif eingebracht hat, zu Zentrumsabgeordnete haben den gleichen Willen befundet, fett. Bests Aufwertungsprogramm war vor seiner Aufzu unterſtüßen, verschiedene Abgeordneter sich im Widerspruch zur Meinung seiner Fraktion indem sie vor der Abstimmung den Saal verließen. Wenn stellung als Reichstagskandidat der deutschnationalen Parteidas Zentrum als Fraktion den sozialdemokratischen Mißleitung bekannt. Wegen dieses seines Programms wurde ihm trauensantrag ablehnte, so wird damit, glauben wir, seine ein Sitz im Reichstag gesichert. Sein Gefeßentwurf wurde von fachliche Stellung zum Zolltarif nicht vorweggenommen. der deutschnationalen Parteileitung in der Wahlbewegung Die Haltung eines Teils der Zentrumspresse bestärkt uns in offiziell anerkannt. Am 3. Dezember, vier Tage por dieser Auffassung. der Wahl, erklärten die Deutschnationalen in einer großen, von Tausenden besuchten Versammlung der Sparer und Hypothefengläubiger im Rheingold, daß sie das Bestsche Programm zu dem ihrigen machen würden und für eine 100prozentige Aufwertung eintreten wollen. Wählen Sie deutsch national, dann tommt die Aufmer tung!" Das war die Barole, die an diesem Abend ausge geben wurde. Diese Barole hat den Deutschnationalen Hunderttausende von Stimmen zugeführt. Wenn irgend jemand das Mandat nach den Gesetzen politischer Moral nieder zulegen hätte, dann wären es die deutschnationalen Mitglieder des Reichstags, die in ihrer großen Mehrheit wider besseres Wissen eine Wahlparole verfochten, an deren Durchführung fie niemals gedacht haben. Best war nur dazu da, Stimmen zu fangen. Jetzt hat er seine Schuldigkeit getan und soll gehen. Der Bruchy zwischen Best und den Deutschnationalen, der Fußtritt, der diesem Manne jegt vom Grafen Westarp und den hinter ihm stehenden Krautfuntern versetzt wird, ist symbolisch für den brutalen Geld= fchrant egoismus, dem die deutschnationale Fraktion in Wirklichkeit dient. Das Ende dieses Mannes wird Hunderttausende aufklären und dieser Kazenjammer wird nicht Der letzte sein. Es wird noch manches moralische Debacle folgen! Um es noch einmal zu sagen: die Sozialdemokratie tämpft um den sachlichen Erfolg. Sie mill das ungeheure Unheil verhüten, das nach ihrer Ueberzeugung eintreten muß, wenn die Pläne der Regierung verwirklicht werden. Aber, wie immer sich die Parteien entscheiden mögen, bei denen die Entscheidung liegt, an der fachlichen Haltung der Sozialdemokratie, an ihrer Kampfstellung fann dadurch nichts geändert werden. Sie wird die Abgeordneten und ihre Wähler und Wählerinnen davon zu überzeugen ver suchen, daß der Zolltarif in seiner gegenwärtigen Gestalt nicht Gesetz werden darf, sie wird versuchen, die Bolks pertre tung unter den Druck der Bolts meinung zu stellen, von der ihre fünftige Zusammensetzung abhängt. Die Sozialdemokratie kämpft um den fachlichen Erfolg sie wird schließlich, was immer fommen mag, als Partei die Führung dieses Kampfes nicht zu bedauern haben! Don Jegt fallen die Nebel der Symbolik und der Romantit, wirtschaftliche Interessengegensäge gigantischem Ausmaß werden sichtbar. Dort eine winzige Minderheit herrschaftslüfterner Intereffenpolitiker, hier die ungeheure Masse des schaffenden Volkes. Die Nebel fallen. Gut Wetter für ehrlichen Kampf! Gut Wetter für die Sozialdemokratie! Dr. Best soll verzichten. Deutschnationaler Erpressungsversuch. Die Parteileitung der Deutschnationalen Bartet hat an den Landgerichtspräsidenten Dr. Best folgendes Schreiben gerichtet: Sehr verehrter Herr Präsident! Wie Graf Bestarp berichtet, hat er Ihnen am 19. d. M. namens der Parteileitung die Frage corgelegt, ob Sie bereit feien, Ihr Mandat entsprechend der durch Erklärung vom 15. November 1924 übernommenen Verpflichtung niederzulegen, sobald die jetzt im Reichstage vorliegenden Regierungsvorlagen verabschiedet feien. Durch dieses Entgegenkommen wollte die Parteileitung Ihnen die Möglichkeit eröffnen, Ihre Stimme bei der Beratung dieser Vorlage noch in die Wagschale zu Spießers Himmelfahrt. Der Abschied: Er. Marie, so höre endlich auf zu plärren Und laß das ewige Getnetsche sein. Bir feiern heute die Partie der Herren lind sind ein weiberfeindlicher Berein. Wir wollen fröhlich durch die Gegend toben, Gefänge jubelnd, nach der Bäter Art, und in den Kneipen die Getränke proben. Ave Maria! Heut' ist Himmelfahrt. Marie, bereits im fernsten Altertume War dieser Tag der Männerwelt geweiht, Die zu des jungen Maien hohem Ruhme Hinauszog in des Frühlings Herrlichkeit. Go fülle mit Zitrone mir die Bulle, Koch mir sechs Eier, aber etwas hart, Beschmiere fräftig manche Frühstücsstulle. Ave Maria! Heut' ist Himmelfahrt. Marie, am frühen Abend kehr' ich wieder, Gestärkt am Wonnebusen der Natur, Den. Geist erlabt durch tausend frohe Lieder, Den Leib erfrischt wie nach der Badekur. Entgegen springst du mir mit frohem Blide, Um meinen Racken schlingt dein Arm sich zart, Daß er mich voller Liebesglut umstrice. Ave Maria! Heut' ist Himmelfahrt. Die Heimtehr: Ste. Mar, fehr zurüd! Ich irre durch das Zimmer Und harre traurig, daß er heimwarts wallt. Es glimmt so trübe meiner Ampel Schimmer, Bom Turme dumpf die zwölfte Stunde halft. Da... auf der Treppe dröhnen harte Tritte. Lebendig oder tot? Wie bang mir ward Der Schlüssel knarrt. Herr, höre meine Bitte! Mag, geh nicht von mir. Heut ist Himmelfahrt. Es ist mein Mag. D, flieg' in meine Arme! Bei Gott, er wankt! Sein edler Blick ward stier. Der Rock ist voll von Schmuß, daß Gott erbarme, Dem Mund entströmt ein Duft von Schnaps und Bier. Wo ist dein neuer Schirm, wo die Behutung? In einer Droschke bis du hergefarrt? Dein Geld ist fort? D, schreckliche Vermutung! Bjui, fchäm' dich, Mar!... Und heut war Himmelfahrt! Schiele will die Verfassung ändern. Für Einsetzung eines ständigen Verfassungsausschuffes. wendung des Artikels 48 der Reichsverfaffung würde beseitigt werden, wenn das in diesem Artikel angekündigte Ausführungsgefeß endlich geschaffen werde. Zur Behebung wirtschaftlicher Schwierigkeiten, bei denen die Anwendung des Artikels 48 bestritten wurde, ist nach Ansicht der Regierung ein Notverordnungsrecht der Reichsregierung unbedingt erforderlich. Der Minister wies dem von ihm befürworteten Verfassungsausschuß auch die Entscheidung über die Anträge zu, die fich auf eine Aenderung des Wahlalters, die Erweiterung der Immunitätsvorschriften und auf A enderung der Reichsfarben beziehen. Gerade in der Flaggenfrage sei eine baldige Klärung dringend erwünscht, die aber nicht auf parlamentarischem Wege möglich sei. Zweckmäßigerweise müsse der Verfassungsausschuß sich auch mit den Anträgen be schäftigen, die die Aufhebung des Gesezes zum Schuge ber Republit und des Staatsgerichtshofes zum Schuße der Republit zum Ziele haben. Der Minister hegt teine Bedenken, an cine Prüfung der Aufhebung des Gefeßes heranzugehen. Die Aufhebung des Staatsgerichtshofes biete zwar technische Schwierigfeiten, die aber durch die Errichtung des geplanten Verwaltungsfenats überwunden werden können. " Stresemann baut ab. Das Ende der Zeit". Wie das Berliner Tageblatt" mitteilt, wird das offizielle Organ der Volkspartei und ihres Außenministers Stresmann Die 3eit" demnächst ihr Erscheinen einstellen. Sie soll mit der ä g. lichen Rundschau" verschmolzen werden, wobei ihr Name noch Rippler und des„ Hof" predigers Döhring. Sie ist nicht nur im Untertitel der Rundschau" in Erscheinung treten wird. Die Tägliche Rundschau" ist das Organ des Deutschnationalen Rippler und des Hof" predigers Döhring. Sie ist nicht nur Kulturkampf gegen den Ratholizismus in gehässigster Weise. Wie ein Scharfmacherblatt ersten Ranges, sondern betreibt auch den verträgt sich das mit den Richtlinien der Volkspartei nach der„ nationalen Realpolitit" Stresemanns? Gefängnis für Rechtsblockverleumder. Braunschweig, 20. Mai.( WTB.) Bor dem hiesigen Schöffen gericht begann gestern der Beleidigungsprozeß des demotratischen Reichstagsabgeordneten und ehemaligen Braunschweigischen Ministers Rönneburg, den dieser gegen 22 Personen angestrengt hatte. Die Beleidigungen waren hauptsächlich während der Wahltämpfe des Jahres 1924 gefallen. Dem Minister war unter anderem vorgeworfen worden, er habe sich während seiner Amtstätigkeit auf nicht ganz faire Weise Gelder erworben. Die Berhandlung ergab die haltlosigkeit der erhobenen Behauptungen. Der Hauptangeklagte, Konsul und Baurat Bauer wurde zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Acht weitere Angeflagte erhielten Geldstrafen von 80 bis 200 m. Die übrigen Angeflagten wurden freigesprochen. In der Strafzumessung ist berücksichtigt worden, daß die Minister unter dem parlamentarischen System leichter der Kritik ausgesetzt find als früher. Neumann- Hofer gestorben. Gestern nachmittag ist im Detmolder Krankenhaus der frühere liberale Abgeordnete Neumann Hofer gestorben. Er ist eben. so wie feine Gattin den Verlegungen erlegen, die er ich am 8. Mai bei einem schweren Automobilunfall zugezogen hat. Um Tage vor feinem Tode wurde seine Gattin beigefeßt und diese tragische Ber fnüpfung des Schidfals hat offenbar, das Ableben Neumann- Sofers beschleunigt. Er gehörte dem Reichstag, dessen Mitglieb er schon früher jahrzehntelang für den Wahlkreis Lippe Detmold gewesen ist, an. Nach der Revolution gehörte Neumann mehrere Jahre zur Lippeschen Landesregierung, die von Sozialdemokraten, und Demofraten gebildet murde. Im Hauptausschuß des Reichstags erflärte am Mittwoch Reichsinnenminister Dr. Siele, die Reichsregierung werde jeden Versuch, die Reichsverfassung auf gewaltsame oder sonst un gefeßmäßige Weise abzuändern, als Hochperrat mit allem Nachdruck| abwehren und verfolgen. Für die Beratung der vielen Anträge zur Menderung einzelner Bestimmungen der Reichsver. faffung fei die Gründung eines ständigen Verfassungsgebnisse der legten Rammerwahlen sind erst jetzt bekanntgeworden, ausschusses des Reichstags notwendig. Dieser Ausschuß fönne, unterstützt durch die Kritik der Fachwissenschaft, ungemein viel zu einem reibungsloseren Zusammenarbeiten zwischen Reich und Ländern tun. In dieser Beziehung gebe auch die banerische Dent. schrift durchaus beachtliche Anregungen. Der Streit um die AnMag, bleibe bei mir!, hab' ich dich gebeten, Du aber haft gescholten und gedroht. O, diese Männer! Wenn wir Frau'n das täten, Ihr prügeltet in furzer Zeit uns tot! Ins Bette jetzt, und früh' ne falte Brause, Und nicht gebrummt mehr in den Stoppelbart. Das nächste Jahr, da bleibst du hübsch zu Hause, Mein Mag, ich pfeif' auf deine Himmelfahrt! Henning Duderstadt Die Tragödie im Haufe Tolstoi. Gräfin Tatjana Tot stoi, die Tochter des großen Russen, jetzt selbst schon bald fechzig Jahre alt, erzählte im Blüthner Saal Erinnerungen aus einer Zeit ihrer Jugend, die Jugendzeit nicht genannt werden fann. Daß die Menschen sich das bißchen Glüd, das ihnen hier auf fann. Daß die Menschen sich das bißchen Glück, das ihnen hier auf Erden zuteil werden tann, so oft zerstören.... Was sich im Hause Tolstois in Jasnaja Poljana abspielte, ist ja ziemlich bekannt. Auch restlos verständlich wird es, wenn man's aus der Tochter Mund einmal hört. Tatjana Tolstoi scheint gut und flug zu sein. Sie entlastet auf Grund zahlreicher Belege, die bald auch gedruckt vorliegen sollen, die Mutter. Was Tolstoi bewegte, ist unser aller Sache oder sollte es doch sein: Völlige Einheit müßte bestehen zwischen Erkenntnis und Gestaltung, Idee und Leben, Wort und Wert. Biele fliehen, viele belügen fich, nur wenige finden ehrlichen Lebensstil. Restlos befriedigende Synthese zwischen Freude und Leid liegt in der Zukunft, sie heißt Sozialismus. Tolstoi war ein Fanatiker des Altruismus bis zum Willen geistiger Bergewaltigung feiner Familie, das aber ist von deren Standpunkt aus Egoismus in der höchsten Potenz. Die Ehegatten Tolstoi lebten troß ihrer Liebe miteinander wie Fremde, einer verstand nicht den anderen und jeder litt unfäglich. Zweimal will Tolstoi fliehen und bleibt bann doch. Zerquält sich. Beinigt die Frau. Verängstet die Kinder. Und will doch lieben! Immer schlimmer wird es, in Hysterie und Raferei verfällt die Gattin, da geht der törichte Weise im Alter von 82 Jahren bei Wind und Wetter aus dem Haus. Es wäre beffer für fie," vermerkt er in bezug auf seine Frau, die in Wahrheit verschiedene, allerdings vereitelte Selbstmordversuche macht. Tolftor aber haucht bald darauf tief, tief in Rußland in einem kleinen Stationshäuschen sein Leben aus. Der Mensch war trog allen Irrens gut, vorbildlich gut, die Menschheit mußte ihn führen. Zum Guten? Seien wir bescheidener: zum Bernünftigen! Denn das Vernünftige weist zum. Edlen und spart doch Tränen. Tolstois, werdet hart! Ergo. Galante Rokokokomödie. Ein junger Autor, Wolfgang v. Lengerfe, hat ein äußerst heifles Thema als Vorwurf für feine Komödie„ Das Fräulein du Portail" gewählt, ein Thema, das für eine nouvellistische Behandlung in Blättern wie dem Junggesellen" oder dem Reigen" oder ähnlichen loderen Beit schriften ausgezeichnet gepaßt hätte. Für die Goethe- Bühne ift es ein gewagtes Unternehmen. Der Chevalier Faublas, aus uit bei der lebenslustigen und schönen Marquise als Fräulein du Portail eingeführt, gewinnt ihr Herz und übernachtet bei ihr. Ganz offen, 9 Das belgische Wahlergebnis. Die endgültigen offiziellen Er da in Lüttich und in Brüssel zwei Wahlresultate einer längeren Ueberprüfung bedurften. Die endgültigen Resultate lauten jetzt: 78 Ratholiten, 78 Sozialisten, 23 Liberale, 6 flämische Frontfämpfer und 2 Kommunisten. ohne Heimlichkeiten und Bertuschungen, alle wiffen es, und sie dürfens ja wissen, denn der junge Chevalier gilt als junges Mädchen. Daraus entwickeln sich allerlei Konflikte, die Herr v. Lengerte mit bestem Ber ständnis für langweilige Wirfungen auseinandergezogen hat. Auf der Bühne entsteht ein phantastisch ödes Geplapper in galanten geiſtreichelnden Flosfeln, ein Rofoforebeturnier, in dem keine Funken blizen. Menn man sich schon französische Ehebruchstücke zum Muster nimmt, muß man die Leichtigkeit, die Recheit und den Esprit des Boulevard- Bühnentechnikers befizen. Zweideutigkeiten find gefährlich; fie müssen wenigstens charmant gebracht werden. Bet Herrn v. Lengerte ist alles lehrhaft, er unterrichtet uns langatmig über Dinge, die wir längst wissen. Abgesehen von dem überflüssigen musikalischen Beiwert hat der Direktor und Regisseur Robert Birf sorgsam gearbeitet. Die Marquise der Lydia Busch war wirklich eine charmante Rofofodame und Harry Förster ein prächtiger Chetrottel. Wolfgang 311zer in der Titelrolle fühlis fich weder in Frauenkleidern, noch als Chevalier wohl. Mit seinen Gemachtheiten wirkte er männlich als Frau und weiblich als Mann. Dgr. Die Silberproduffion der Welt. Merito hat im Jahre 1923 90 Millionen Unzen Silber( 1 Unge 31,1 Gramm) erzeugt; das ist die stärkste Förderung seit mindestens 12 Jahren. An zweiter Stelle steht nach einer in der Umschau" mitgeteilten Statistit Nordamerita mit 65 Millionen, dann folgt Kanada mit 17 Mit lionen; die übrigen filberproduzierenden Länder haben zusammen etwa 40 Millionen Unzen geliefert. Die Gesamterzeugung betrug also 212 Millionen Unzen ober 65932 Kilogramm. Damit ist fast die Förderung des Refordjahres 1911 erreicht, die 70 256 Kilo. gramm betrug. Infolgedessen sind denn auch die Silberpreise, die 1920 und 1921 noch ziemlich hoch waren, in den beiden letzten Jahren sehr beträchtlich gefallen. Theater chronit. Am Sonnabend findet im Theater in der Stöniggräger Straße bie 50. Aurführung von Wedekinds, Frangista" in der Bes fegung der Premiere statt. Das Gastspiel wird am 27. Mai geschlossen. Das, Staalliche Kupferstichkabinett veranstaltet in feiner Iten 5teilung eine Ausstellung von frühen italienischen Zeichnungen bis 1500 und in seiner Neuen Abteilung eine umfangreiche Uebersicht über die Landschaft in der deutschen Graphit von 1800-1850. Die Generalversammlung der Kant- Gesellschaft findet am 5. und 6. Juni in den Räumen der Universität Halle a. d. S. statt. Die Tagung ist zu einem philofopbifchen Stongreß ausgebaut worden. Die Vorträge gruppieren sich um das Thema Metaphyfil", das in Verbindung mit Philosophie, Natur wiffenschaft und Geisteswissenschaft behandelt wird. Genaues Brog: amm unentgeltlich durch Prof. Arthur Liebert, Berlin W 15, Fasanenſtr. 48. begonnen worden. Die Sammlung des Nachla es 3. B. Scheffels in einem Archiv, deffent sich der neugegründete Scheffelbund annimmt, ist nunmehr in Starlsruhe lerischen Nachlaffes des Dichters werden dort jept aufbewahrt. Aus dem Die wesentlichsten Teile des literarischen und fünji. Archiv wird ein Album bisher unveröffentlichter Stiggen und Zeichnungen Scheffels als erste Jabresgabe des Bundes ausgegeben; als Buchver öffentlichung soll die Herausgabe der Briefe des Digters an sein Elternhaus folgen. Die Defferreichische Grologische Bundesanstalt felerle Dienstag in Ane mefenbelt des Bundespräsidenten und zahlreicher Bertreter der Wissenschaft ihr 75jähriges Jubiläum. Ein Jahr Sozialistenregierung. ( Bon unserem Ropenhagener Rorrespondenten.) Ein Jahr ist vorbei, seit die dänische Sozialdemokratie die Regierung ihres Landes übernommen hat. Man prophezeite ihr damals ein furzes Leben, indem man darauf hinwies, daß sie im dänischen Folkething nur zwei Stimmen Mehrheit hatte, im Landsthing sogar in der Minderheit war. Diese Regierung lebt aber heute noch und steht fester als je; alle Angriffe in und außerhalb des Parlaments hat sie erfolg. reich abgeschlagen. So hält diese sozialdemokratische Regierung das Steuer ihres Landes fest in der Hand, wenn es mit unter auch nicht ohne Kompromisse abgeht. Eines der großen im Wahlkampf aufgestellten Ziele hat die sozialistische Regierung Dänemarks erreicht: die Stabilisierung der dänischen Krone, durch die Dänemarts Wirtschaft wieder einen gefunden Grund und Boden erhielt. Um das mit der Gesundung der Währung eng zu sammenhängende Problem der Verteilung der Kosten, welche die Umstellung auf ein: Wirtschaft mit festem Geld verursacht, ist zurzeit der große innerpolitische Kampf entbrannt. In diefem Kampf zwischen Unternehmertum und Arbeitnehmerschaft hat die Regierung unter dem Wutgeheul der Bürgerlichen den Gewerkschaften ihre Sympathie ausgesprochen. Es ist zu erwarten, daß diese Frage eine soziale und gerechte Lösung finden wird. Der andere große Plan der sozialistischen Regierung war die Durchführung einer allgemeinen Abrüstung. Diese Absicht war gegen die Opposition des Landsthing nicht fofort durchzuführen. Der Landsthing vereitelte sogar den Verfuch einer Herabfegung der Ausgaben für Heereszwede. Da mit ist jedoch die Abrüstung feineswegs endgültig gescheitert. mit ist jedoch die Abrüstung keineswegs endgültig gescheitert. Als im Jahre 1902 die bürgerliche Linte eine Militärreform beantragte, tobte der Kampf um ihre Durchführung bis zum Jahre 1908. Ein ähnlicher Kampf wird sich jetzt um die Abrüstung entspinnen, die in der dänischen Politik die Geister einstweilen trennt. Zweifellos arbeitet die Zeit für die Abrüftungsforderungen der dänischen Sozialisten. Ihr Abrüstungsvorschlag wird im nächsten Winter wieder an das Parlament gelangen und wieder werden sich die Bürgerlichen mit ihm beschäftigen müssen. Vielleicht kommt es dann darüber zur Parlamentsauflösung und Neuwahl. Außerordentlich günstig hat die sozialistische Regierung Dänemarks in der parlamentarischen Kleinarbeit abgeschnitten. Sie hat den vielen fleinen Gesetzes vorlagen ihren Stempel aufzudrücken gewußt, sie hat vor allem die Berwaltung mit Sozialisten durchsetzt. Der Haushaltsplan des sozialistischen Finanzministers weist dant einer gefunden Sparsamfeitspolitit einen Ueberschuß von 11 Millionen auf; dabei sind die Beamtengehälter und die Säge der Altersversorgung aufgebessert worden. Daneben erzielte die Regierung eine Berbesserung der Wohnungsgefeggebung und brachte ein Schuhgesez für jugend fiche Arbeiter durch. Der sozialistische Justizminister fann als Beginn feiner Justizreform eine Neugestaltung des Cherechts buchen. Außerdem hat er die Internierung unheilbarer Sittlichkeitsverbrecher durchgesezt. Die Wintertagung des Parlaments wird über die Verstaatlichung des Bersicherungswesens und über die Staatskontrolle der Banken, die Stauning fordert, zu entscheiben haben. Die Borlage des Genossen Borgbjerg auf Einführung von Betriebsräten führte zur Einsetzung eines Ausschusses von Parlamentariern und Sachverständigen, der die Erfahrungen, die andere Länder mit den Betriebsräten gemacht haben, studieren soll. Die Außenpolitit des sozialistischen Kabinetts Stauning ist geleistet von dem Gedanken der Bölterverföhnung und Verständigung. Dänemarks Außenpolitik wird von einer Frage, die das ganze Land bewegt, beherrscht: von dem Problem Nordschleswig. Diese Frage vergiftet das deutsch- dänische Verhältnis seit bald einem Jahrhundert. Wer der Lösung dieser Frage nähertritt, ist sofort größter Miß deutung ausgefeßt. Um so beachtenswerter ist, daß es dem dänischen Kultusminister, der Genossin Bang gelang, im Dezember deutsche und dänische Delegierte zu einer Konferenz über die Schulfrage im Grenzgebiet zusammenzubringen. Diese vom Verständigungswillen getragene Aussprache vermochte Mißverständnisse zu klären und Bergleiche über die Verhält nisse diesseits und jenseits der neuen Grenze anzustellen; vor allem wurde aber durch sie der Weg direkter deutsch- dänischer Berhandlungen betreten. Klein nur ist das Gewicht Dänemarks in der allgemeinen Weltpolitik. Seine sozialistische Regierung sieht eine ihrer Hauptaufgaben in der Beseitigung von Reibungspunkten mit den Nachbarn. Mit Sorge verfolgen daher die Anhänger der Böllerverständigung Dänemarks alle Anzeichen neuer europäischer Berwidlungen. Außenpolitisch wird das Kabinett Stauning immer als ein Faktor der Bölterverständigung zu werten fein. Inner politisch hat die sozialistische Regierung noch manche ihrer Biele nicht erreicht. Aber das dänische Bolt ist mit dem be. schrittenen Wege einverstanden. Das zeigt das stete Anwachsen der dänischen Sozialdemokratie, zeigen die Wahl erfolge der Regierung im vorigen Herbst und im März dieses Jahres. Um die Werbungskosten. Die Sozialdemokratie im Kampf gegen Verschlechterungen In der Montagsfißung des Steuerausschusses des Reichstags war von den bürgerlichen Parteien gefordert worden, daß erstens abweichend von der Regierungsvorlage der dreijährige Durchschnitt der Veranlagung zugrunde gelegt werden solle, zweitens der Steuerpflichtige die Erlaubnis erhalte, den Verlust, den er in einem Steuerjahr erlitten hat, im folgenden Jahre zu berücksichtigen, und drittens sogenannte eiserne Bestände steuerlich zu begünstigen. Die Reichsregierung hat sich gegen alle drei Anregungen ablehnend verhalten. Die Abstimmung in der Dienstagfißung ergab die Ablehnung der hierzu gestellten Anträge, da eine Einigung unter den verschiedenen bürgerlichen Parteien nicht zustande gekommen war. Dagegen wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten eine deutschnationale Entschließung angenommen, die in Anlehnung an einen Reichsratsbeschluß die Reichsregierung auf fordert, dem Reichstag zu gegebener Zeit Vorschläge hinsichtlich des dreijährigen Durchschnitts bei der Einkommensteuer zu unterbreiten. Eine größere Debatte ergab sich bei den Paragraphen 16-18 über die Werbungstoffen und die Absehungen für Abnuhung. Während es bezüglich der Werbungskosten bei den Zensiten im allgemeinen bei den bisherigen Vorschriften verbleibt, sollen die Cohnfteuerpflichtigen schlechter behandelt werden als die Beranlagungspflichtigen. Deshalb erklärte Genosse Dr. Herk: Wir wenden uns dagegen, daß der Gefeßentwurf die Lohnsteuerpflichtigen bezüglich der Werbungskosten anders behandelt als die 3enfiten. Die Frage ist für unsere allgemeine Stellung zur Lohnsteuer eine der wich tigsten und entscheidendsten. In der bisherigen Gefeßgebung gab es drei Perioden. In der ersten waren neben dem Eriftenzminimum Was ist die„ Rote Hilfe"? Eine kommunistische Kampforganisation gegen die Sozialdemokratie. veranstaltet. In den Ankündigungen zu dieser Veranstaltung und zu schützen und werden mißbraucht für die Interessen der KapitalAm 17. Mai hat die Rote Hilfe" in Berlin eine Reichskonferenz| Mitglieder desselben werden in dem Glauben erhalten, die Republik worden, die„ Rote Hilfe" sei eine überparteiliche Organisation, die in den Berichten der kommunistischen Presse darüber war behauptet herrschaft gegen ihre eigene Klasse." tern und für die Amnestie zu kämpfen. In Wirklichkeit ist die„ Rote nur den Zweck habe, das Los der politischen Gefangenen zu erleichHilfe" eine Unterorganisation der Mostauer Inter nationale, die in der Hauptfache den Kampf gegen die sozialdemokratische Bewegung führt. Das ergibt sich denen wir hier einige wiedergeben: aus unzähligen Aeußerungen der Organe der Roten Hilfe", von ,, Gegenwärtig wütet der Faschistenterror in Europa und den Rolonien im engen Bündnis mit den Sozialhenkern aus der zweiten Internationale, diefen Schurken aus dem Borzimmer Jhrer Hohelten" gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung... Unsere einfachen, rauhen Arbeiter und Bauernherzen tochen vor brennendem, unverföhnlichem Haß zur Bourgeoisie und ihrer Meute" der 3weiten Internationale." Aus der Roten Hilfe", 17. Januar 1925. Haltung das Gefühl, daß sie in dieser Frage( der Amnestie) den Ich wenigstens habe auf Grund der an der BSPD. beobachteten Gipfel der Niedertracht erst noch erklimmen wird. Aus dem Mitteilungsblatt der R. H." des Bezirks Westsachsen, Nr. 3, 1925. Die Schlacht ist aus, die Hoffnung schwand- nämlich daß die RBD. vernichtet sei... Wie es den Herren Sozialdemokraten trok ihrer 130 Mann in der nächsten Zeit gehen wird, darauf bin ich sehr gespannt. An die großen ader Linkskoalition glaube ich nicht. Also, ihr Herren Sozialdemokraten, nehmt Abschied von den Fleischtöpfen, der Mohr hat seine Schuldigkeit gefan- froh 130 Mandaten. Aus dem Mitteilungsblatt der R. H." des Bezirks Westsachsen, der ,, R. Mr. 3, 1925. „ Die Judaffe der deuffchen Revolution, die Sozialdemokraten, sind Schuld, daß wir im Gefängnis fizen. Der Ebert- Prozeß, der Barmat- Standal wird hoffentlich dazu beitragen, die Gesellschaft vor der Arbeiterschaft vollends zu demaskieren. Mitteilungsblatt der R. H." des Bezirks Westfachsen, Nr. 4. 1925. Die Realtion triumphiert. Die fozialdemokratischen Führer wollen noch deutschnationaler als die Deutschnationalen felbst sein." Aus„ Golgatha", Organ der Roten Hilfe" vom 25. März 1925. Der weiße Terror hat nicht nur seine Helfershelfer in der Polizei, der Justiz und der Reichswehr, sondern auch in der reformifflichen Führerschaft der Arbeiterklaffe, vor allem in dem Gebilde des Reichsbanners, dem Ersatz der faschistischen Organisationen. Die für alle Lohnsteuerpflichtigen noch feste Beträge für Werbungstoften abzugsfähig. Im zweiten Stadium, das mit der zweiten Steuernotverordnung begann, wurden die Werbungskosten in das Eristenzminimum eingeschlossen. Da aber für die Benfiten feine Veranlagung bestand, enthielt diese Regelung praftisch feine Ungleichheit zuungunsten der Lohnsteuerzahler. Jetzt follen wir zu für die Lohnsteuerpflichtigen von 80 m. monatlich follen einem dritten Stadium fommen. In dem Eristenzminimum bie Werbungsfoften eingeschlossen sein. Bei ben Beranlagungsfür die Lohnsteuerpflichtigen von 80 m. monatlich sollen pflichtigen dagegen fönnen außer dem Existenzminimum noch Werbungsfoften in unbegrenzter Höhe abgezogen werden. Diesen Zustand können wir nicht verantworten. Wenn es bei dieser ungerechten und ungleichmäßigen Behandlung bleiben sollte, merben wir alle Kräfte aufbieten, um diese ungleichmäßigkeit im Blenum zu Fall zu bringen. Die Lohnsteuer ist überhaupt nicht zu halten, wenn sie über unvermeidliche Ungerechtigkeiten in Einzelfragen hinaus noch grundsätzliche Ungerechtigkeiten in dem System enthält. Durch die Anrechnung der Werbungskosten in das Eristenzminimum bei ben Lohnsteuerzahlern ist das steuerfreie Eriſtenzminimum von 960 Mart nur eine Theorie, praktisch will die Regierung aber nur ein Eristenzminimum von 640 Mark zugestehen. Das ist eine derartige Berschlechterung auch im Bergleich zum preußischen Ein kommensteuergesetz, das vor dem Kriege ein Eriftengminimum von 900 Mart ohne Werbungskosten vorjah, daß wir diese Form der Regelung dera Lohnsteuer entschieden bekämpfen werden. Von der Regierung wurde dazu erwidert, eine unterschiedliche Behandlung bezüglich des Abzugs der Werbefoſten zuungunsten der Lohnsteuerpflichtigen bestehe nicht. Der Arbeitnehmer könne eine Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages beantragen, wenn er nach weisen fann, daß seine Werbungskosten und Sonderleistungen den hierfür bestimmten Betrag überstiegen haben. Gegenüber diesen Einwendungen, die zum Teil auch von Parteivertretern unterstügt wurden, erwiderte Genosse Dr. Herh: Die Möglichkeit des einzelnen Steuerpflichtigen, höhere Wer bungstoften zu beantragen, genüge nicht. Diese Bestimmung ändere auch nichts an der Tatsache, daß der Regierungsentwurf vorjehe, daß das Existenzminimum von 80 Mart bei der Lohnsteuer die Werbungskosten einschließe, bei den übrigen Steuerpflichtigen aber ausnehme. Gegen dieses zweierlei Maß wende sich die Sozialdemokratie. Sie verlange, daß entsprechend dem früheren Zustand den Lohnsteuerpflichtigen neben dem Existenzbetrag Werbungsfoften von 20 Mart monatlich zugestanden werden. Das sei nur billig, weil nur das tatsächliche Einkommen versteuert werden könne. Diese Forderung sei auch um so berechtigter, als durch die bisherigen Beschlüsse des Steuerausschusses das Existenzminimum um so höher festgelegt fel, je höher das Einkommen ist. Ein verheirateter Steuerpflichtiger mit zwei Kindern und einem Monatseinkommen von 200 Mart habe ein steuerfreies Existenz minimum von 88 Mart, derjenige mit 600 Mart Monatseinkommen aber ein solches von 98 Mart! Die Debatte wurde sodann abgebrochen und auf Freitag vertagt. Der Barmat- Prozeß. Die BS.- Korrespondenz schreibt: Entgegen anders lautenden Meldungen, die von einer Anbe. raumung bes Hauptverhandlungstermins für den Prozeß Barmat Schon für den Monat Juni wissen wollten, sind wir in der Lage, folgendes festzustellen: Wann der Fall Barmat so weit ist, daß man an die Anbe raumung eines Hauptverhandlungstermins defen kann, läßt sich vorläufig noch gar nicht absehen. Die Akten in dieser Sache liegen zurzeit dem Kammergericht vor. Vor allen Dingen ist hier zu berücksichtigen, daß der Gesundheitszustand des Hauptbeteiligten, Julius Barmat, anhaltend schlecht ist und daß dieser sich in dauernder ärztlicher Behandlung befindet. Seine Füße sind völlig gelähmt, von einer Verhandlungsfähigkeit fann zunächst feine Rede sein., Ohne Julius Barmat ist aber ein Prozeß im Falle Barmat, wenn es überhaupt dazu Prozeß im Falle Barmat, wenn es überhaupt dazu tommen sollte, undenkbar. Im übrigen befindet sich Julius Barmat troß seiner inzwischen erfolgten Haftentlassung noch immer als Untersuchungsgefangener in der Charité, weil seine Familie und Freunde bisher nicht in der Lage gewesen sind, die vom Gericht geforderte Raution in Höhe von 200 000 m. zusammenzubringen. Er selber hat bekanntlich sein ganzes Vermögen und das seiner Frau der von den Gläubigern gebildeten Treuhandgesellschaft" überschrieben, wozu er rechtlich nicht ver pflichtet war! Referent G. auf dem Bezirkskongreß der Roten Hilfe" in Ham den Berfolgungen aller Inftitutionen des bürgerlichen Staates und burg am 5. April 1925. Diese praktische Hilfe für proletarische Klassenfämpfer seßt sie ihrer sozialdemokratischen Helfer aus. Erst jezt wieder hat die sozialdemokratische Partei durch das Berbat einer Sammlung für die Rote Hilfe" bewiesen, daß dem Klassenhaß der Bourgeoisie die Einterferung von 7000 proletarischen Kämpfern nicht genügt, fondern fie auch die Familien der Inhaftierten der Juftig opfern will." Aus dem Mitteilungsblatt der Roten Hilfe" Bezirk Wasserkante, Nr. 4, 1925. „ Die Sozialdemokratie hat vor den letzten, Reichstagswahlen wiederholt erklärt, daß auch sie sich für die Freilassung der politischen Gefangenen einfeßen wolle. Wenn es ihr wirklich Ernst damit war, hätte sie anläßlich der Reichspräsidentenwahl die beste Gelegenheit gehabt, auf ihre bürgerlichen Blockfreunde einzuwirken und sie zu bestimmen, der Erlassung einer Annestie ihre Zustimmung zu geben. Die Sozialdemokratie hat das nicht getan. Aus dem Mitteilungsblatt der Roten Hilfe", Bezirk Wasser. tante, Nr. 4, 1925. Als 1918 das deutsche Proletariat das alte System zertrümmerte und den friegsheherischen Sozialismus in große, und fleine Stüde zerriß, flaubte Roste die einzelnen Teile auf, um sie notwendig zu. fammenzuflicken. Er fand sie bei der USP. auch alle glücklich wieder: Kopf, Rumpf, Arm und Beine, nur ein Glied blieb unauffindbar verloren, und zwar gerade das, was den Mann erst zum Manne macht. Kurz entschlossen griff Noste zum Schnigmesser, und ersetzte das Unerfeßliche durch ein Stück Holz. Seitdem ist der impotente Mann zum Gefpött der Welt geworden und alles lacht ob des scheußlichen Ge fellen. Aus dem Organ der„ R. H." für den Bezirk Erzgeb.- Bogtland, nr. 3, 1925. ,, Es ergibt sich aus diesen Aeußerungen der Organe der Roten Hilfe", an die sich noch zahllose ähnliche anreihen lassen, daß Sozialdemokraten in dieser kommunistischen Organisation nichts zu Opfern der fommunistischen Wahnsinnstattit die Tore der Gefäng suchen haben. Die Sozialdemokratische Partei hat schon unzähligen nisse und Zuchthäuser geöffnet. Daß der Kampf für eine politische Amnestie in der letzten Beit schwieriger geworden ist, dafür trägt die Kommunistische Partei die Verantwortung. Sie hat eben erst Hindenburg zum Siege verholfen und damit eine schnellere Befrei ung der politischen Gefangenen erschwert. Rücktritt Tom Shaws. Wechsel im Internationalen Bureau. London, 20. Mal( Eigener Drahtbericht.) Tom Shaw hat an die Sozialistische Arbeiter- Infernationale ein Schreiben gerichtet, in. dem er seinen Entschluß, als Sekretär der Internationale zurüdzufionalen Tegtilarbeiter- Berbandes mitteilt. treten, befannt gibt und feine Rückkehr ins Sekretariat des Internaauszuscheiden, wird von der gesamten Internationale mit dem Die Absicht Tom Shams, aus dem Sekretariat der SAJ. größten Bedauern zur Kenntnis genommen werden. Genoffe Shaw fehrt nunmehr zu seiner Gewerkschaft, zurück, in der er seit Jahrzehnten an führender Stelle tätig gewesen ist. Bis zum Internationalen Sozialistischen Kongreß, der im August stattfindet, wird er selbstverständlich sein Amt als Sefretär der SAJ. ausüben. Die Wehrmacht des Rätebundes. Säbelgeraffel auf dem Sowjetkongreh. ordnung lag dem Sowjetbundes- Kongreß die Frage der Wehrmacht Mostau, 20. Mai.( DE.) Als vorlegter Punkt der Tagesdes Rätebundes vor. Der Kriegskommissar Frunse erstattete Bericht über den gegenwärtigen Zustand der Roten Armee und der. Flotte, die nach feinen Darlegungen hinsichtlich ihrer Ausbildung und Disziplin und hinsichtlich des in ihr herrschenden Geistes, der Aufgabe der Verteidigung des Sowjetstaates vollauf gewachsen seien. Frunses Rede ging indessen über den Rahmen eines bloßen Referats über Wehrfragen weit hinaus. Wie bereits vorher die Generäle der Roten Armee Tuchaischewsti auf dem weißrussischen und Jegorom auf dem ukrainischen Provinzrätefongreß, so trat auch Frunse nunmehr vor dem Gesamtkongreß aller Sowjets mit einer politischen Erklärung auf, die sich ebenfalls in erster Linie gegen Rumä nien und Bolen richtete. Die Flottenfragen führten Frunse zu einem Ausfall gegen die baltischen Randstaaten, denen er nicht nur geheime Rüstungen gegen Moskau vormarf, son= dern auch den geplanten Besuch eines britischen Geschwaders. Im Zusammenhang damit erwähnte er die Gerüchte über angebliche englische Pläne, die estnische Insel Desel zu pachten und dort einen Flottenstigpunkt zu errichten. Die Sowjetflotte werde diesen Drohungen zu begegnen wissen. Ein estnisches Dementi. Reval, 20. Mai.( DE.) Zu den von der Sowjetpresse ver. breiteten Gerüchten über englische Bläne, die zu Estland gehörenden Inseln Desel und Dago auf lange Frift zu pachten, wird von zuständiger estnischer Seite erklärt, daß diese Gerüchte vollständig unbegründet sind. Nach dem Revaler Putsch und den bulgarischen Ereignissen sei eine gewisse Besorgnis der Randstaaten hinsichtlich ihrer Sicherheit sehr erflärlich. Bon irgendwelchen Absichten zur Errichtung einer englischen Flottenbasis auf den Inseln oder an der Küste Estlands sei aber überhaupt nicht die Rede. Das marokkanische Abenteuer. Vor einer neuen Offensive der Rifkabylen. Paris, 20. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Nach den aus Marotto eintreffenden Meldungen scheint Abd el Krim ei ne neue Offensive vorzubereiten. Es sollen nunmehr auch die regulären Truppen des Rifs in den Kampf geworfen werden, der bis jetzt in der Hauptsache von den aufständischen Stämmen der französischen Zone geführt worden war. Eine allgemeine Mobilmachung soll im Rif proflamiert worden sein. Wohin sich der neue Vorstoß Abd el Krims richten wird, scheint bis jetzt noch nicht festzustehen. Nach einigen Meldungen foll das Ziel der neuen Offensive die östlich von Fes gelegene Stadt Faza sein. Durch diese Stadt führt die Fes und das mestliche Maroffo mit Algier verbindende Eisenbahn, deren Eroberung es Abd el Krim ermöglichen würde, die Versorgung der französischen Truppen ernstlich zu gefährden. Andere aber glauben, daß Abd el Krim seinen Borstoß nach Westen in die Gegend von Quezzan richten und diesen mit einer Offensive gegen die spanischen Stellungen verbinden werde. Diftaturabbau in Spanien. Ein Defret des Direktoriums über die Aufhebung des Belagerungszustandes verspricht allmählich wieder verfassungsmäßige Zustände herzu stellen. Gewerkschaftsbewegung 17. Sihung des Ausschusses des ADGB. In einer einstimmig angenommenen Entschließung bezüglich des Grubenunglücks von Dorstfeld forderte der Bundesausschuß auf seiner Tagung am 19. Mai dringend die Reform des Gruben icherheitsdienstes. Er schloß sich den Forderungen auf diesem Gebiete an, die der Verband der Bergarbeiter Deutschlands erhoben und den Regierungen und gefeßgebenden Körperschaften des Reiches und der Länder am 21. April 1925 unterbreitet hat und erwartet, daß diese Forderungen baldigst erfüllt werden". Der Bundesausschuß beschäftigte sich dann mit dem ersten Bunft der Tagesordnung, dem Kampf der dänischen Gewerkschaften. Bisher hat der der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund dem Dänischen Gewerkschaftsbund 400 000 m. zur Verfügung gestellt. Der Kampf it neh nicht zum Abschluß gekommen und macht weitere Hilfeleistung erforderlich. Der Bundesausschuß beschloß, daß sämtliche angeschlossenen Gewerkschaften möglichst 50 Pf. pro Mitglied aufbringen sollen. Die für Dänemark bestimmten Die für Dänemark beſtimmten Summen sollen über den Bundesvorstand geleitet werden, da es fich um einen Kampf der gesamten dänischen Gewerkschaften handelt. An zweiter Stelle behandelte der Bundesausschuß die Frage der Ruhrentschädigungen. Beileid der englischen Gewerkschaften. heitsfront nicht hergestellt ist. Was nügen alle schönen Parolen Aus Anlaß der Katastrophe von Dorst feld erhielt der und Resolutionen, solange sie dem llebergang zur TagesBundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundesordnung ausgesetzt sind! folgendes Telegramm: „ Der Generalrat des britischen Gewerkschaftsfongresses bekundet sein tiefes Mitgefühl mit den deutschen Arbeitern und den Angehörigen der Kameraden, die dem Grubenunglück von Dorstfeld zum Opfer gefallen sind." = Zur Tagesordnung des Gewerkschaftskongresses. 3u was haben wir denn eigentlich in der Rosenthaler Straße die große KPD.- Zentrale für ganz Deutschland und in der Münzstroße die Gewerkschaftsabteilung mit den„ oppofitionellen" Betriebsräten? Noch immer hat die reformistische Ge wertschaftsbureau fratie" die Leitung der Gewertschaften der KPD.- 3entrale nicht übertragen, wie dies nach deren unmaßgeblichen Meinung ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit wäre. Der Vorstand des ADGB. hat noch nicht einmal bei der Aufstellung der Tagesordnung zum Breslauer Gewerkschaftsfongreß sich nach en Wünschen der Moskauer Zentralfiliale in Deutschland erkundigt, geschweige denn sie ihr zur Begutachtung Folge davon? Die KPD.- Zentrale ist mit der jetzt vorgesehenen und zur Genehmigung unterbreitet. Was ist die Tagesordnung. höchst unzufrieden. Für die an wochenlangen Tagungen gewöhnten Moskauer Einstand in diesem reformistischen" Deutschland, daß nur alle drei Jahre einmal ein Gewerkschaftskongres abgehalten wird, anstatt mindestens alljährlich, und daß obendrein die Tagungsdauer auf eine einzige Woche beschränkt wird. Ein Zeitraum, der nicht einmal ausreicht, um auch nur die kommunistischen Resolutionen durchzulesen, geschweige denn eine ausgiebige Diskussion" darüber zu pflegen. Nach eingehender Debatte faßte der Bundesausschuß den Stand- heitsfrontapostel ist es überhaupt ein ganz unerhörter 3u punkt der freien Gewerkschaften dahin zusammen, daß grundsäßlich an der Forderung festzuhalten sei, daß die In dustriellen alle ihnen ungerechtfertigter Weise gezahlten Beträge wieder erstatten müssen. Den Arbeitnehmern sind während des Ruhrkampfes und durch seine Folgewirkungen im bejezten wie im unbejegten Gebiet schwere Schäden erwachsen. Es wäre unerträglich und wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen, wenn angesichts der allgemeinen Schädigung der deutschen Wirtschaft. der Unternehmer wie der Arbeit nehmer, eine Gruppe, die Unternehmer der rheinisch mestfälischen Industrie, in bevorrechteter Weise behandelt würden Nach wie vor leidet das befezte Gebiet in höherem Maße unter den Folgen der Stabilisierungstrise. Die Zahl der Erwerbslosen, und insbesondere derjenigen, die bereits seit langer Zeit durch die Erwerbslosenfürsorge unterstützt werden mußten, ist im befehten Gebiet sehr viel höher, als im unbesezten. Nachdem nunmehr durch Regierungsverordnung den langfristig Erwerbslosen die Erwerbslosenfürsorge entzogen werden soll, ist es unbedingt notwendig, daß ne entsprechende Unterstützung nunmehr von der allgemeinen Fürsorge übernommen wird. Da eine Reihe von Gemeinden aus eigenen Mitteln diese Unterstügung nicht durchführen kann, müssen Landes- und Reichsmittel in genügendem Maße den Gemeinden zur Verfügung gestellt werden. Außerdem muß in größerem Umfange da durch Arbeitsgelegenheit geschaffen werden, daß die öffentlichen Betriebe das besetzte Gebiet bei der Ueberweisung von Arbeitsaufträgen bevorzugen. Daneben müssen öffentliche Notstandsarbeiten sehr viel mehr als bisher gefördert wer= Den. Der Wohnungsbau im besetzten Gebiet muz in Anbetracht der durch die Ansprüche der Besatzung erschwerten Berhältnisse aus Reichsmitteln ta i träftiger als bisher ge fördert werden, indem für alle von den Bejagungsbehörden beschlagnahmten Wohnungen vom Reich Ersaz geschaffen wird. Die vom Bundesvorstand vorgeschlagene Tagesordnung für den Gewertschaftstongreß wurde einstimmig angenommen. Daß die Weltrevolution" nicht auf der Tagesordnung steht, ist bei der reformistischen Einstellung der„ Gewerkschaftsbureaukratie" nicht anders zu erwarten. Doch wo bleibt die Frage der Gewerkschaftseinheit", wo bleiben die Garantien dafür, daß die deutschen Gewerkschaften sich restlos fügen wollen, falls Einheitsfront aufzunehmen? Ja, nicht einmal den Achtstundentag die Rote Gewerkschaftsinternationale sich herablassen sollte, fie in ihre will der ADGB.„ beschließen", denn er hat ihn nicht als besonderen Punkt auf die Tagesordnung gesetzt. Die" Rote Fahne" hat den Bundesvorstand stark im Verdacht, daß er die Debatte über den Achtstundentag fürchte. In der Tat, wenn der Bundesvorstand vor die Frage gestellt würde, wieviele Generalstreits er proflamiert habe, um den Achtstundentag durchzuführen, bekäme er von den Moskauern eine schlechte Note. Aber noch vielmehr verplan und das Schlichtungswesen und vor allem die mißt die KPD.- Zentrale auf der Tagesordnung den Dawes Politik der Gewerkschaften und ihre Taktik. Damit nun die Leipart, Tarnow und Genossen" nicht etwa damit kommen, daß alle diese Dinge schon bei der Debatte über den Geschäftsbericht behandelt werden können, macht die Bentrale" in der„ Roten Fahne" eine solche Ausrede" von vorn herein unmöglich. Sie wollen ja nur die grundsägliche Debatte" erdrosseln. Die Zentrale fordert endlich straff zentralisierte Industrieverbände nach russischem Muster und an Stelle eines so fragwürdigen und förderativen Gebildes wie der ADGB." eine richtiggehende zentrale Führung, die der KPD.- Zentrale gehörig unterzuordnen ist. Denn ,, die Tagesordnung zeigt also schon die ganze Unfähigkeit der refor= mistischen Bureaufratie. Die Moskauer sind noch lange nicht radital genug. Sonst müßten sie fordern, daß der Uebergang zur Tagesordnung auf dem Gewertschaftsfongreß unstatthaft ist, solange die fommunistische EinSchiedsspruch im Einzelhandel. nachdem die Parteien nochmals über die Annahme des SchiedsEine Mitgliederversammlung der Handelshilfsarbeiter beschloß. spruches verhandelt hatten, den Vorschlag der Arbeitgeber abzulehnen, der den Schiedsspruch mit tieinen Abänderungen anerkannt wissen wollte. Auf Veranlassung von Gewerberat Körner ist dann ein Schiedsgericht eingejezt, das mit qualifizierter Mehrheit einen Schiedsspruch gefällt hat, der für beide Par teien bindend ist. Wenn auch in der Lohnhöhe teine Aenderung eingetreten, so ist die Dauer des Tarifes vom Ende Oktober bis Mitte September geändert worden. Ab 9. Mai gelten die neuen Lohnsäze. Die Löhne bewegen sich in der Höhe von 34 bis 37 M. Tarifverträge gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches beim Verkehrsbund, Engelufer 24/25, II, 3immer 32. Achtung, Bauarbeiter! Die Fachgruppe der Kunststeinversezer befindet sich ab Freitag, den 22. Mai, in allen Kunststeinbetrieben im Streit. Die Ausführung von Versegerarbeiten und Kunststeinprodukten ist als Streitarbeit zu bezeichnen. Die Bauarbeiterschaft wird ersucht, weitgehendste Solidarität zu üben. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe der Kunststeinverseßer. Achlung, Rohrer! Die Arbeitsstellen des Rohrerunternehmers Breuß, wohnhaft Berlin- Charlottenburg, Schillerstraße, sind wegen Nichteinhaltung des Tarifvertrages ge= sperrt. Wir ersuchen alle Rohrer, dort keine Arbeit anzunehmen. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin. Fachgruppe der Rohrer. Rarosseriearbeiter- Betriebssperre. Die Firma Wagenbau- Werte G. m. b. H., Köpe nicer Str. 24, ist für die Karosseriearbeiter aller Branchen gesperrt, da die Firma die Belegschaft aus gesperrt hat. Es werden dort Löhne von 60 bis 85 Pf. gezahlt und anläßlich der hieraus entstandenen Differenzen erfolgte die Aussperrung. Alle Berufsangehörigen haben den Betrieb zu meiden. Deutscher Holzarbeiterverband, Verwaltungsstelle Berli:. ( Gewerkschaftliches siehe auch 2. Beilage.) Die Ausbesserung eines Mottenschadens kostet oft mehr als die geringen Aufbewahrungsgebühren. Man sollte deshalb alle Belze, Teppiche und Winterkleidung während des Sommers einer guten Kürschnerei zur Aufbewahrung und Konservierung übergeben. Die größte Konservierungs- Anlage nicht nur in Deutschland, sondern soBerlin W., Leipziger Straße 9/11, Telephon: Zentrum 10 041-46 gar in Europa befizt die bekannte Firma C. A. Herpich Söhne, und 113 88-89. Diese hat hierin eine über 90jährige Erfahrung und beschäftigt einen großen Stamm jahrzehntelang im Hause tätiger bewährter Meister und Gehilfen, welche Sommer und Winter die wertvollen Belze und Teppiche pflegen und betreuen. Nachts und Feiertags schüßen 10 erprobte, eigene Wächter, unterstützt durch Wachhunde und neueste elektrische Alarmeinrichtungen, die umfangreichen Räumlichkeiten. Die Firma Herpich bietet deshalb weitgehendste Sicherheit in jeder Beziehung bei jeẞt ermäßigten, sehr niedrigen Konservierungsgebühren. Während des fast hundertjährigen Bestehens dieser Firma ist bemerkenswerterweise noch fein Feuerschaden oder Einbruchsdiebstahl vorgekommen. Wirtschaft: Arthur Eaternus; Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti: Lotales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsenitalt Soul Singer u Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 3 Beilagen und Unterhaltung und Bissen". A.Wertheim Extra- Preise Leipziger Str. Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Freitag und Sonnabend Soweit Vorrat Herren- Kleidung Sacco- Anzug Homespun einreihig 38M zum Teil mit 4 aufgesetzten Taschen Sacco- Anzug kammgarnartiger Stotf. einreihig, hell u. mittelgrau 59 M guter Cheviot Sacco- Anzug oder kamm- 85 M garnartiger Stoff, einlarb. u. gestreift ein- u.zweireih. 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Bei Sonnenschein und Sturm zeigen diese Gewässer ihre Seele. Bei WandersahNcn aus dem Wasser komnit es nicht aus spoN» liche Höchstleistungen an. Hier handelt es sich oiestnehr darum, offenen Auges durch die Landschaft zu fahren, das Wirken der Natur- kräfte zu erkennen, wirklich Erholung zu gewinnen für Körper und Geist. In einer Reihe von Artikeln an dieser Stelle wird ein solcher Wasserwanderer, der sich mit seinem Fallboot auf märkischen Ge- wässern tummev, seine Fahrten in schlichter Weise schildern. Ttaf dem Tegeler See. Es war noch im April. Wenn auch die Sonn« warm vom Himmel schien, so hatte sie ihre Wärme dennoch nicht dem Walser mit- geteilt. Dazu wehte ein eisiger Ostwind, der die Wogen peitschte, daß sie mii weißen Kämmen dahinjagten, dos rechte Wetter für ein tüch« llges Faltboot. Mein Freund Otto und ich sahen uns auf der User- Promenade in Tegel umringt von einer wißbegierigen Kinderschar. Wir mühten uns im Schweiße unseres Angesichts, unser Boot auf- zubauen, um aus der Mitte der kleinen Gesellschaft herauszukoinmen, die weder von uns noch der begleitenden Lehrerin zu bändigen war. Da« Glück war uns auf dieser Fahrt, anfänglich wenigstens, nicht hold. Gleich zu Deginn war eine Schraubenmutter von der Achs« unseres kleinen Bootswagen» verlorengegangen, die wir nicht wieder- gefunden hatten, denn das Rad war merkwürdigerweise auf der Achs« geblieben. Halbserttg hatten wir da» Boot in» Wasser geworfen, imi den Kindern und ihrem Forschungseifer zu entgehen. An der Aufbaustell« waren wir im Windschutz des Ufers, dos Walser war kaum bewegt. Auf der dem Ostuser vorgelagerten Insel Hasselwerder wollten wir da» Boot für die wettere Reise fertig machen. Aber schon nach wenigen Paddclschlägev war das Boot im bewegte» Wasser, das alsbald von der vollen Kraft des Winde» getroffen wurde, der immer mehr zunahm. Dazu kam der Rückstau der Wasser- Massen vom Nordwestufer her. so daß das Gewog« bei dem offenen Boot- alles andere als gemütlich mar. Dementsprechend gestaltete sich auch die Landung auf Hasselwerder recht schwierig. Das Boot wurde hier nun völlig fahrrbereit gemacht, Steuerruder und Spritzwasser- decke vollendeten die Ausrüstung. Zwei andere Faltbootfahrer, die den gleichen Bootstyp wie wir benutzten, landeten ebenfalls nach einigen vergeblichen Bemühungen. Als sie abfuhren, verabredeten wir, uns in Tegclorl. am Westousgang des See», zu treffen. Diese Verabredung sollte uns später übel bekommen. Wir fuhren im Norden um Hasselwerder herum. Bald lag dieses mit Bäumen dicht bestandene Eiland hinter uns. Da der Kurs parallel zu den Wellc» lag, mußten wir ständig kreuzen, um die wellen zu schneiden und ihrem selllichen Anprall zu entgehen. Der Kurs iührte immer läng» des Ztordweftufers. Leider hatte eine Neuerung, die den Aufbau de, Bootes beschleunigen sow«. sich wohl beim Zusammenbau, aber nicht im Wasser bewährt; sie war unvollständig. Am Heck war eine fingergroß« Oeffnung nicht abgedeckt. Bei schönem Wetter war da, belanglos. Jetzt aber brachte jede überkommende Wog« Wasser in da« Boot hinein, so daß ich al» Steuermann alsbald nicht mehr im Trockenen faß und so meinen Leichtsinn zu büßen hatte. Wir wollten daher so schnell wie möglich die größte Insel de» Sees, Scharfenberg, erreichen, um in ihrem Windschutz den Schoden zu beheben. Das flache Ufer. Kurz vor Scharfenberg waren die beiden anderen Faltbootfahrer am Nordwestufer gelandet. Sie winkten«isrig, so daß wir annahn, en, daß man hier glatt landen könne, oder ober daß sie Pech gehabt hätten und unsere Hilfe brauchten. Leider war der Strand auf etwa 10 lNeler hin so flach, daß selbst der gering« Tiefgang unsere« Bootes nicht ausreichte, um«ine Strandung zu vermeiden. Freund Otto, der vorn im Boote saß, war zum erstenmal auf dem Wasser. Er tonnte die Loge nicht übersehen. Die Spitze rannte auf. d,r Ostwind drehte fast tm Augenblick das Boot, das nun längsseits aus dem tand lag und von den wogen hin und her geworfen wurde. Das war im Hin- blick auf die Haltbarkeit der Bootshaut sehr unangenehm. Zuweilen gingen die Wellen auch noch über das Boot hinweg. Es mußte schnell gehandelt werden. Ich iprang in das kalte Wasser, zog das erleichtert» Boot hinter mir her, so wett als möglich zum Ufer, und doirn mußte auch Freund Otto heraus. Da» Boot war halb voll Wasser, und mitten drin schwammen im holden Berein Kissen, Proviant und andere Kleinigkeiten. Di« beiden Fallbootkameraden, die un» durch ihr Winten diese unglückliche Landung beschert hatten, hatten gerade auch kein Glück gehabt. Sie wollten ganz besoiiders klug sein und hatten einen Holzboden in da» Schiff gelegt. Dadurch verschob ssch der Schwerpunkt de» Bootes nach oben, so daß sich die Fahrt recht gefahrvoll gestattete. Also auch hier hatte sich«ine Neuerung, gerade so wie bei inis, nicht bewährt. Mit gutem Humor fanden wir uns in unser Unglück, fischten die Kissen und da« andere Zeug aus dem Wasser heraus, kippten das Boot um und liehen alles von Wind und Sonne trocknen. Inzwischen wurden einige Dauerläufe veranstaltet, um einer Erkältung infolge des ungewohitten katten Fußbades zu begegnen, und der wettere Feldzugsplan festgesetzt. Die?nfeln ües Tegeler Sees. Wir hatten versäumt, uns mit der Lage und den Wafierverholt. nissen des Tegeler Sees oertraut zu machen, und mußten die» nun hier nachholen. Der Tegeler See ist der Rest einer brettcn Schnielz- wasserrinne, die auch heute noch durch das fchmale, in südwestlicher Richtung oerlaufende Hermsdorser Fließ gekennzeichnet wird, das bei feiner Mündung in den Tegeler See zu einer Hafenanlage gestaltet wurde. Nicht weniger als siebeii,ZnseIn überragen die Wasserfläche dieses Sees, der im Durchschnitt kaum tiefer als vier Meter, also recht flach ist. Zwischen haffelwerder und Scharfenberg liegt das winzige, von einigem Gelträuch und zwei Bäumen bestandene Eiland Lind- werder. Südlich bzw. südöstlich von Scharfenberg liegen die Inseln Reiswerder und vaumwerder. An diese Insel schließt sich genau westlich, nur durch eine schmale Straße getrennt, valentinswerdcr, das auch von Dampfern angelaufen wird. Im Süden dieser zweit- größten Insel des Tegeler See» liegt Maienwerder, der Siedlung Saalwinkel am Ausgang der Zungfernheide gegenüber. Damit war der Kur» der weiteren Fahrt gegeben. Wir wollten iin Windschutz dieser größeren Inseln das Südwestuser erreichen und so, vor dein Angriff de» Windes geborgen, zurückkehren. Don dem eiskalten Wasser hatten wir genug, wir trugen das Boot etwa hundert Meter wett zu einer besseren Abfahrtsstelle und hofften, von hier ohne ein kaltes Bad das freie Wasser gewinnen zu können. Das war leider auch wieder ein Irrtum. Das Steuerruder blieb ständig auf dem schmalen vorgelagerten Strand hängen, die Wogen gingen wieder über dos Verdeck hinweg. Ein Versuch, das Boot mit dem Paddel vom Ufer abzudrücken, brachte zu allem Ueberfluß dem Deck noch ein Loch, dos natürlich repariert werden mußte, wodurch wieder eine gute Stunde Aufenthalt verursacht wurde. Dann half kein Mundspi'tzen, es mußte gepsijfen werden, d. h. ich mußt« ins Wasser und das Boot durch die Brandung schieben, um von diesem übten Strand los- '' i Has»t lu>€ rote r t Li Hol veroltr j tbeharftnbtrtf t HtiSMtreler S Bau tn werde zukommen. Nach wenigen Minuten schon waren wir aus der spicgcl- glatten Fläche Zwilchen der Insel Scharfenberg und dem. Nordwest- user. Die hohen Bäume ließen auch nicht einen Windhauch auf die Wasserfläche treffen. An einem Bootssteg, bei dem das Landen ver- boten ist, machten wir unser Boot endgültig in Ordnung und konnten nun bei schönstem Sonnenschein unsere Fahrt fortsetzen. Die Insel Scharfenberg ist berühmt geworden durch die aus ihr befii!k>liche Schule, und man kann sich wirklich keinen angenehmeren Ort für die llnterrichtung und Belehrung aufnahmefähiger und lernbegieriger Jugend denken. Dichter Baumwucho läßt die Insel säst wie einen heiligen Hain erscheinen. Früher war diese Insel im Besig des Botanikers Olk. Carl Bolle, der hier ganz seinen Pslanzenstudien lebte. Zwischen Scharfenberg und Palcrninswerder hindurch, vorüber an Fijchwehren, flüchteten wir in den Windschutz, den die Iungsernheide gewährt, und konnten nun in aller Ruhe die Rückfahrt beginnen. q Schnock. Ein Roman von See«ad Sümpfen. Don Svend Fleuron. (Aus dem Dänischen von Thyro Iokstein-Dohrenburg.j Der Kopf war groß und quabbelig, mit einem gewaltigen Haifchlund und winzigen, verschlafenen Augen ausgestattet. Sechs lange, wurmähnliche Bartfäden, deren Spitzen in Locken und Windungen ausliefen, schlängelten sich aus ihren Mundwinkeln: mit ihnen fühlte sie sich vorwärts, wenn sie sich besinnlich über den Modderboden auf dem Bauche weiter- schleifte. Sie besaß weder einen Hals noch eine Brust: gleich hinter der Kehle hing wie bei einer alten Muttersau der ge- räumige Bauchsack herab. Der Sack war immer gespannt und dem Anschein noch so schwer, daß der Rücken des Un» tieres ganz hohl wurde. Ein uuheimsiches, lichtscheues Schleichtier war Uaah, ein Schrecken für jedes armselige Fischgeschöpf, das zu Schaden gekommen war und nicht mehr munter umherzuschwimmen vermochte. Wie ein moosüberwucherter Eichensiamm, begraben im Schlamm, liegt sie da, als Schnock, unerfahren wie sie ist. zwischen den Grundquellen herangepoltert kommt und ahnungslos zu wiederholten Malen über ihren nackten. fchmutziggrünen Körper hin und her streicht. Sie ist voll- kommen unsichtbar: nur die beiden längsten ihrer Fühlfäden ragen aus dem Schlamme auf. sich unaufhörlich biegend und krümmend, als feien es zwei Regenwürmer, die in der Ahnung vom Rahen des Feinde« eilends im Erdreich Schutz suchen. Als Schnock. wie immer aufs Fressen erpicht und Desi. katesien gegenüber nur wenig widerstandsfähig, die„Wür- wer" zu Gesicht bekommt, schießt sie wie ,m Falke hernieder, ohne auf da, lauernde Glimmen in zwei kleinen, bernstein. sarbenen Steinen zu achten, die bebend auf dem Grunde des Schlammreiche« liegen Sie schnappt voll Eifer nach dem zunächst schwimmenden„Wurm": der aber scheint Ihr aus- zuweichen und schlüpft, indem er sich zusammenrollt, be- hende fort- Der zappelnde kleine Junahecht ist noch zu weit entfernt von den Kartälschenhaken von Zähnen, die in dem Munde des plumpen Grundräuders drohen; er muß näher herangelockt werden, den anderen Wurm zur Strecke zu bringen— und da nun auch dieser mit einer für einen Wurm ungewöhnlichen Geschwindigkeit sich zu einem Klumpen zusammenballt und abwärts taucht, steigen ihr instinktiv Bedenken auf. sie kurbelt ihre Schwanzschrauoe gewaltig an. als gerade die hinlerhällige Wasserhyäne mit einem Schlage die Schlammask« fallen läßt und einen wilden Ausfall gegen sie unternimmt. Hals über Kopf gibt Schnock jetzt Fersengeld... von Grauen gepackt, das ihr kaltes Fischblut erstarren macht, ent- flieht sie aus der schwarzen Wolke, die Uaah tn ihrem Jagd- eifer aufwirbelt. Es ist gerade, als fei das ganze Sumpfloch lebendig ge- worden, alles gleitet und schaukelt, alles bewegt sich unter ihr, sie schwimmt wie in pechschwarzer Nacht, einen hitzig schnap- penden Saugschlund hinter sich. Unablässig muß sie stärkstss Eiltempo In den Schwanz legen und mit allen Bauch- und Rückenflossen luven, um nicht angesogen zu werden. Ehe noch das Wasser klar zu werden und der Tag hin» durchzuleuchten beginnt, befindet sie sich mit einem Male in- mitten eines Schwarmes mimtercj Fischchen, die bei ihrem so plötzlichen Austanchen wie eine Schar Star«, in die sich der Sperber wirst, auseinanderfahren. Sie spürt ein hitziges Sieden und Brausen, von all den lebendigen kleinen Schwanz- schlagen herrührend— und unwillkürlich schließt sie sich ihnen an und versteckt sich um die Wett« mit ewigen der Schnellsten des Schwarmes in einem großen, langgestreckten Schilfholm. Hier hielt Schnock sich etwa einen Monat auf, beruhigte sich und wurde der grimmigen, gierigen Natur, die in ihr selber wohnte, vollauf gerecht. Und eine« Tages, al» sie am Außenrande ihre« neuen Jagdgrundes entlanglaufte, stieß sie mit einem Male auf steile Hänge: sie stiegen. Stein Uber Steht, senkrecht aus dem Grunde auf. voller Löcher und Oeffnungen. Sie schwamm durch große, schleimiggrüne Höhlen, in hohe Grotten hinein ——/es waren die Ueberrest« de» alten Mönchklosters, das sie hier aufgesunden hatte. Ueder den See zurück wagte sie sich vorläuflg nicht. Die Begegnung mit Uaah hatte eine Ahnung in ihr aussteigen lassen, daß draußen in der Tiefe Geiahren lauerten, denen sie bei weitem nicht gewachsen war. Sie suchte wieder Zuflucht in den nächsten W-eken mtd verlor sich in einer Reibe großer Nöhrichtwälder. Sie schwamm in der Richtung des Buchttiefo dem Lande zu» bis die Welt um sie herum enger und immer enger wurde; Wasserspiegel und Seegrund näherten einander, und das gefürchtete Element, in dem sie nicht zn atmen ver- mochte, tat seine Uebermacht durch mannigfache und starke Laute kund. Ein mächtiger Waldmantel säumte an dieser Stelle den See und veranlaßte sie. kopfüber umzukehren.... Die Marodeur« des Sees. Bau einem schwachen, warmen Lufthauch getragen, kommt eine große Bachschnake aus dem Walde hcrbeigesegelt. Sie liebte es außerordentlich, ihre langen Beine im Fluge zu kühlen, indem sie sie über die Wasierftäche streifen läßt. Die Taumelkäfer verfolgen sie. aber sie geht ihnen mit Leichtig- keit aus dem Wege. Da wird sie plötzlich überrascht; M Fisch- maul schießt hoch und klappt seinen stumpfen Schereuscl>ll/td um ihre Stielbeine zusammen— spurlos verschwindet sie in- mitten schaukelnder Wasserringe.* Der See liegt spiegelblank: eine schimmernde, lackblanke. grüm'chwarze Fläche, voll segelnder Sommerwolten. Das Schilf spiegelt sich und erscheint doppelt\p hoch, die Bäume sptegeln sich und ihr Laub steht doppelt so dicht;«in rotes Haus mit einer weißen Fahnenstange auf einer.der Böschun- gen wird zu einem wahren unterseeischen kleinen Schloß Rosenborg. Weitere Schnaken folgen... Und Kreise auf Kreise bilden sich... wie Maulwurfs- Hügel die Einförmigkeit einer Wiesenfläche unterbrechen, so zerstören die Fischmäuler den Wasserspiegel und schießen zu Dutzenden dicht nebeneinander hoch. Wir befinden uns in einem sener Täler des unterseeischen Gebirgslandes, wo dieser Plötzenschwarm, nach Tausenden zählend, sich aufhält. Cr nimmt«inen Platz ein, so groß wie ew Markt, und macht das Wasser klaftertief lebendig. Auf der einen Seite erhebt sich der Tangwald, wie die Fichten auf den Felsen Norwegens: auf der ungarischen Fluß- ebene das grüne, dicht« Seegras. Aber nach vorn und hinten zu schlängelt sich das Tal weiter zwischen den Hügelkuppen chin- durch, bis olles Ineinanderläuft und sich In der öden, iandigep Wüstenei verliert. Plötzlich siedet und schäumt es am Ausgang des Nochbar- tales. Unaufhörlich wird das Wasssr mannigfach zerrissen vom Grunde bis hinauf zur Oberfläche. Blasen steigen auf und Wirbel bilden sich— ein langer Streifen des Sees steht in Schaum und Brandung. Es scheint nicht ein einzelnes, großes Tier, das dnrch blitzschnelle Windungen des Schwanzes sich voruiärtskurbell und Kielwasser und Dünung bildet: dieses Massengebraus läßt. die Tief« in Millionen von Schuppen aufleuchten. ........._,_ tFortjetzung jnlgtl. t Bald ist das Berliner Wasserwerk erreicht, bald grüßen die Türme der Gasanstalt herüber. Dann aber gilt es wieder, Wind und Wogen zu trotzen. Kein Boot ist mehr auf dem Wasser, und am Ufer stehen die Leute und schauen nach uns herüber. Sie schütteln sicher die Köpfe über die tollen Kanufahrer. Mit harten Paddelschlägen zwingen wir das Boot zum Ufer. Wie zum Hohn grüßt der Borsig- Turm vom sicheren Land herüber und recken die Krane des Borsig- Werkes ihre Arme. Doch langsam schiebt sich das Ufer heran. An einer prächtig vergitterten und abgeschlossenen Landungsbrücke, die jedem Zugang wehren soll, legen wir an. Nach einigen turnerischen Uebungen haben wir festen Boden unter den Füßen und blicken zurück auf die schäumende Fläche des Sees. Und wäre die Zeit nicht gemessen gewesen, wir hätten die Fahrt noch einmal gemacht, denn Sonnen- schein. Wind, Wogen und Wolken locken- immer wieder. Ohne Hut! Man kann sich in die bitteren Gefühle der Huthändler hinein- fühlen, die in den letzten Sommern die Beobachtung machen mußten, daß die sommerliche Kopsbedachung des Mannes, der obligate Strohhut, einfach nicht mehr gekauft wurde. Nun war das allerdings weniger eine hutlose„Mode" als ein Zweckgebot der Not, eine Folge der Inflationszeit, denn Mode ist Bestimmung der Kleidung durch Geschmack, wenn auch nur Zeitgeschmack, dessen ständiger Wechsel früher aber nie vermocht hatte, den Hut in dem Umfange aus seiner Herrschaft zu verdrängen, wie es jetzt der Fall ist. Aber dann kamen wir in die Inflation, jene schreckliche Zeit, in der sich der Wert des Geldes noch in der Hand verringerte, die es soeben empfangen hatte. Wir sparten, schränkten uns ein! Auch der Hut muhte ein Opfer der Zeitverhältnisse werden; wir gaben so vieles auf. warum hätte er eine Ausnahme machen sollen! Gr wurde nicht einmal, sondern mehrere Male umgeformt, mit neuem � Kopfleder und Band oersehen, bis er steif war wie ein Bock und— cines schönen Tages gingen wir barhäuptig. Zunächst etwas zögernd, peinlich berührt, wenn wir Bekannte trafen, etwas linkisch beim Gruß. Wir spielten die Wandervögel, aber ohne die letzten Folgerungen daraus zu ziehen; wir ließen nämlich uns nicht das Haar, den natürlichen Schutz des Kopfes, lang und wild wachsen, sondern gaben dem Friseur nach wie vor, was ihm gebührte, und trugen unseren modern, feindurchzogenen Scheitel stolz im Lichte der Sonne. Man soll die Frage, ob die Parole„Cos vom Hut!" den hygienischen Anforderungen entspricht, nicht in die Debatte ziehen, denn für den Städter, der in seinen Straßen auch beim brennendsten Sonnenschein meistens irgendwo im Schatten wandeln kann, liegt diese Frage anders wie beim Landbewohner. Gewiß baben wir unsere Ansichten in manchem Punkte auch in bezug auf die Art unserer Kleidung und auch des Hutes geändert; der„Hart- nionn" wich dem Filzhut in seinen wechselnden Formen, aber un- veränderlich blieb die Tatsache, daß die Kopfbedeckung ein unent- bchrliches Requisit ist. Es mag sein, daß dies auf historische Gründe zurückzuführen ist, daß in unserem Unterbewußtsein das frühere nusschließliche Recht der Freien, sein Haupt bedeckt zu halten, während der Sklave barhäuptig gehen mußte, sich noch immer aus- wirkt. Es mag sein, daß wir lediglich einer jahrhundertelangen Gewohnheit folgen. Die Huthändler wollen in diesem Jahre wieder den Strohhut aufs Tapet bringen. Ob sie damit Erfolg haben werden ist eine Frage der persönlichen Ersahrungen, die die Mutlosen" in den letzten Sommern gemacht haben dürften. vertauschte Nolle«. Der AnNäger nnrd zum Aogeklaglen. Eine eigenartige Meineidsanklage beschäftigte das Schwur- gericht des Landgerichts III. Angeklagt war der in New Fork ge- borene Artist Perry Stern. Dieser befand sich im November 1922 auf einem Gefangenentransport von Bamberg nach Würzbnrg, wo es ihm gelang, zu entweichen. Erst nach einem Jahr konnte man seiner habhaft werden. Aus dem Ctrafgefängnis in Plötzensee er- stattete er nun Anzeige gegen den Ziviltransporteur, den jetzigen Mützenmacher Weigner aus Würzburg. Stern behauptet, daß Weigner ihn habe entweichen lassen, nach- dem er ihm 2999 M. und ein Paar Handschuhe gegeben hatte. Der Transporteur habe ihn in Wllrzburg genötigt, in ein Cafe mitzukommen und ihm dann erlaubt, nachdem er Mantel und Hut abgelegt hatte, Zigaretten zu holen. Dabei fei ihm die Flucht gelungen. Der Transporteur war wegen fahrlässiger Gefangenen- besreiung und Bestechung angeklagt worden, aber vom Schöffen- gericht nur wegen des ersten Vergehens verurteilt worden, da das Gericht die Aussage Sterns, der schon vielfach vorbestraft war, als unglaubhaft erachtete. Stern erhielt nun eine Anklage wegen Mein- cides. Jetzt waren die Rollen vertauscht. Der frühere Angeklagte war der Belastungszeuge und der frühere Anschuldiger Angeklagter. Stern hatte in Plögensee vor dem Amtsgericht Wedding feine Aus- sage beschworen. Es wurde ihm zur Last gelegt, daß diese Aussage in verschiedenen Punkten unrichtig wäre. Der Zeuge erhärtete auch unter seinem Eide, daß er kein Geld bekommen habe und daß es unrichtig sei, daß er den Gefangenen aufgefordert hätte, ins Cafe zu gehen. Vielmehr habe er auf vieles Bitten mit Rücksicht auf die Kälte schließlich eingewilligt, daß Cafe aufzusuchen. Staats- anwaltschaftsrat Schwieger hielt den Angeklagten des Meineides für überführt und beantragte i'A Jahre Zuchthaus. Der Verteidiger hiell den Beweis für die Schuld des Angeklagten zu einer Ver- urteilung nicht für ausreichend, da sich Eid undEid gegen- überstehe und beide Parteieß in der gleichen Weise interessiert seien. Es sei aber auch zu bemängeln, daß der Angeklagte überhaupt ver- eidigt worden sei, denn der Richter habe ihn dabei in Eidesnot gesetzt. Sollte der Angeklagte eine falsche Bezichti- qung gegen den Beamten erhoben haben, dann hätte er sich selbst bei Angabe der Wahrheit einer strafbaren Handlung bezichtigen müssen. Das Schwurgericht kam zu der Ileberzeugung, daß die be- ichworene Aussage des Zeugen Weigner den Vorzug vor der Aus- sage des Angeklagten verdiene, billigte diesem aber die Straf- Milderung des tj 57 zu. Infolgedessen wurde er an Stelle einer an sich verwirkten Zuchthmisstrafe zu 9 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Eine literaturverständige Strafkammer. Eine Sammlung von ponographischen Büchern und Zeichnungen wäre dem Puchhändler M. beinahe verhängnisvoll geworden und hätten ihn ins Gefängnis gebracht. Das Schöffengericht Mitte hatte ihn nämlich wegen„Verbreitung unzüchtiger Schrif- ten" nach Z 184 zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Zu der Annahme, daß die Schriften zu Veiwreitungszwecke» im Besitze des Buchhändlers gewesen seien, kam das Gericht durch die Totsache, daß bei der Haussuchung nicht nur in der Privatwohnung ein Koffer mit solchen Schriften vorgefunden worden war, sondern auch einige Bücher im Geschäftslokal des Angeklagten, einige Bücher in den Mantel- und Rocktaschen und eins sogar im Ofenloch. Außerdem war dem Gericht besonders verdächtig, daß ver- fchiedene Bücher in mehreren Exemplaren vor- banden gewesen waren. Gegen das Urteil hatte der Berteidiger Berufung eingelegt und behauptet, daß diese Bücher einer Privat- sammlung des Angeklagten entstammten. Buchhändler und Literatur- kundige besäßen sehr häufig Sammlungen von Kuriositäten und hätten ebenso häufig Dubletten zum Zwecke des Tausches', da erfahrungsgemäß Sammler Stücke aus ihren Sammlungen nicht gegen Geldeswert abgäben, sondern nur auf dem Wege des Tausches. Das Gericht verneinte den Beweis, daß der Angeklagt« mit den Büchern Handel treiben wollt«. Da dt« Möglichkeit einer Privatsammlung bestehe, hob die Stras- kammer das Urteil auf und erkannte auf Freisprechung. Naöiobaftler vor Gericht. Milderungen der Gesetzesbestimmungen. Mit zeitgemäßen Angeklagten, den sogenannten Radiobastlern, die sich gegen das Gesetz zum Schutze des Funkverkehrs vergangen haben, mußte sich das Potsdamer Schöffengericht beschäftigen. Vom schlichten Arbeiter bis zum Diplomingenieur saßen mehrere solcher Radiosünder auf der Anklagebank. Ein Aneklagter hatte u. a. ohne Genehmigung der Reichspost- Verwaltung sich einen Funkapparat gebaut und gehört. Er machte zu seiner Entschuldigung geltend, daß er vorher einem funktech- Vost-Monnenttt? Sie regelmäßige Zustellung Ses »vorwärts" im nächsten Monat keine unllebsame Unterbrechung erleiSet, bitten wir unsere post-slbonnenten, Sas flbonne- ment für Sen kommenSen Monat bei Sem zuständigen Postamt sofort zu erneuern. vorwärts- Verlag V. m. b. 6. *■ Nischen Verein beigetreten sei, Beitrag bezahlt habe und dann erst an die Bastelei gegangen sei. Er will nur im guten Glauben ge- handelt haben, da der Vorstand des Vereins ihm ausdrücklich ge- sagt habe:„Jetzt können Sie arbeiten, Sie sind Mitglied." Nach- dem der Angeklagte die Erklärung abgegeben, daß das beschlag- nahmte Rundfunkgerät in den Besitz der Reichstelegraphenverwal- tung übergehen darf, kam das Gericht zur Einstellung des Ver- fahrens, da die Schuld des Angeklagten nur gering sei. Ein an- derer Angeklagter war so unvernünftig gewesen, seinen geneh- migten Einröhrenapparat ohne Erlaubnis zu verstärken, indem er heimlich zwei weitere Röhren eingebaut hatte. Das Urteil erging an Stelle einer oerwirkten Gefängnisstrafe von einem Tag auf 3S M. Geldstrafe und Einziehung des Apparates. In einem anderen Falle mußte Freisprechung erfolgen, da der An- geklagte sich daraus berief, daß Berstärkungen jetzt erlaubt seien. Der als Sachverständige geladene Postrat Hermann aus Potsdam führte aus, daß die Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze des Funkverkehrs vom 8. März 1924 gemildert feien, um d i e Beteiligung am Rundfunk zu erleichtern. Diese. Verfügung lautet:„Die Verwendung von Niederfrequenzverstärkern, sowohl von selbst hergestellten, als auch von fertig gekauften, ist künftig ollgemein auf Grund der einfachen(weißen) Runvfunkteil- nehmergenehmigung zulässig. Eine Stempelung von Niederfrequenz- Verstärkern findet künftighin nicht mehr statt." Die Milchversorgung Berlins gerät in» Stocken! vor den Milchläden und an den Bolle-Wagen stehen schon wieder lange „Schlangen". Di«„Kunden' erhalten nur einen Teil der ge- wünschten Menge. Das Rundfunkpro�ramm. Donnerstag, den 21. Mai. 9 Uhr vorm.: Moreenfeier. 1. S. Karg-Ehlert: Dein ist die Kraft und die Herrlichkeit(Dr. Artur Böhme am Harmonium). 2. Ed. Grell: Erhaben, o Herr(Berliner Solistenqnartett, Dir.: Dr. Artur Böhme, Marg. Böhme-Heidenreich, Ilse Mohr, Manja Barkau. Hannes Aulert. Max Spiegel, Gustav Polzin, Herbert Schmidt). 3. L. Cherubini: Sanctus(Heine, Siede, Violine; Dr. Sprenger, Klavier; Dr. Artur Böhme am Harmonium). 4. Jos. Haydn: Schon eilet froh der Wandersmann, Arie aus den„Jahreszeiten". b. Ansprache des Herrn Pfarrer Koch, Lichterfelde. 6. H. Hink: Preis und Anbetung(Berliner Solistenquartett). 4.30—6 Uhr abends: Xachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeistor Ferdj- Kauffman. 6.05 Uhr abends: Fünfzehn Ufa-Minuten(Paul Morgan). 7.30 Uhr abends: Dr. Leopold Schmidt spricht über Wagner als Einleitung zum Sendespiel. 8 Uhr abends: Sendespieie. Abteilung: Oper. Leitung: Cornelis Bronsgeest. Zum Vorabend des Geburtstages von Rick Wagner.„Der fliegende Holländer". Romantische Oper in drei Teilen. Text und Musik von Richard Wagner. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Selmar Meyrowitz. Daland, ein nordischer Seefahrer: Dirk MagrÄ; Senta, seine Tochter: Emmy Bettendorf; Erik, ein Jäger; Paul Stieber-Walther; Mary, Sentas Amme: Grete Mancke; Der Steuermann Dal an da: Marcel Noe; Der Holländer: Cornelis Bronsgeest Matrosen Dalands, Mannschaft dos Holländers, Mädchen. Ort: Die norwegische Küste. Anschließend: Diitte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30—12 Uhr abends: Tanzmusik. KSnigswusterhansen, Donnerstag, den 21. Mal. 11 30—12.50 Uhr mittags: Konzert Mitwirkende: Künstlerkapelle Dajos Bela(mit frenndlicher Genehmigung der-Odeon- Werke, Berlin). 1. Hildach; Der Lenz. 2. Thomas; Ouvertüre zur Oper„Mignon". 3. Verdi: Fantasie aus der Oper„Rigoletto". 4. Zwei Violinsoli; a) Schubert: Ave Maria, b) Dvorak: Humoreske(Dajos Bela). 5. Johann Strauß: Geschichten aus dem Wiener Wald, Walzer. 6. Pierre Blauer: Die Spieluhr(The clock is playing), Glockenintermezzo. 7. Hugo Hirsch: Träume sind zarte Blüten, Fox aus der Operette„Der blonde Traum". 8. Misch a Spolenzky und James Alden: Der Wink mit dem Zaunpfahl, Raußschmeißer. 12 Uhr mittags: Esperantoeinlage. Freitag, den 22. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm; 4.30—6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister: Ferdy Kauffman. 6.30 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau(.Aus Liebe zu mir?") 6.40 Uhr abends: Vortragsreihe:„Der Naturschutz". 3. Vortrag. Dr. Heinroth:„Vogelschutz". 7 Uhr abends: Wege zum Wissen:„Die Schönheit von Assur und Babylon". 7.30 Uhr abends: Dr. Ing. Seiter:„Das Taylor-System, seine Vorzüge unb Nachteile. 8 Uhr abends: Chemiker Vostell:„Gifte und Gegengifte". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Neßler: Benüt1 dich Gott, b) Albert Schmidt: Ocarinawalzer, c) Jodler (Albert Schmidt, Ocarinasolo; Rudolf Schmidt. Klavier; H. Rut- kowski, Violine). 2. a) Weißenbom: Mitternächtliche Wachtparade, b) Fucik; Der alte Brummbär(Nordisches Fagott-Trio: Artur Menser, Albert Brockt, Willi Heese). 3. Albert Schmidt: a) An Ilse, Lied, b) Wanderlieder, c) Bayerischer Walzer und Jodler. d) Brehms: Guten Abend, gute Nacht(Albert. Schmidt, Rudolf Schmidt, H. Rutkowski). 4. a) Rohde: Elfengeflüster, b) E. Schulz: Im Luftschiff, Galopp(Nordisches Fagott-Trio). 9.30 Uhr abends: Die Verlobung bei der Laterne. Operette in einem Akt nach dem Französischen des Michel Carre und Leon Battu. Musik von Jacques Offenbach. Für den Rundfunk eingerichtet von Cornelis Bronsgeest. Dirigent: Dr. Wilhelm Buschkötter. Peter, Pächter: Harry Steyer; Liese, seine Muhme: Anni Frind; Anne Marie, Witwe, Bäuerin: Charlotte Freyer; Katharina. Witwe, Bäuerin: Frieda Wolf; Nachtwächter, Bauern und Bäuerinnen. Ort: Plat in einem Dorfe vor Peters Pachthof. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Fünjdienst. Holzmanns Selbstmoröversuch. Der endlose Dienstweg. Zur Ergänzung der kürzlich gebrachten Meldung über den Selbstmordversuch J)olzmanns werden noch Einzelheiten bekannt: Entgegen onderslaulendeii Nachrichten hat Holzmann schon am Abend des 13. Mai(M i t t w o ch) de» Versuch gemacht, sich mit einer aus Bettlakenstreisen gedrehten Schlinge zu erhängen, konnte dann aber von einem zufällig in die Zelle kommenden Wärter recht- zeitig abgeschnitten werden. Der Vorfall hat sich nicht im Unter- suchungsgefängnis Moabit, sondern im Strasgesängnis Lehrter Straße zugetragen, wohin Holzmann als Unter- ' suchungsgefangener nach der in Moabit vorgekommenen Kassiber- angelegenheit übergeführt worden war. Hier konnte er mit Rück- ficht aus die Gesängnisordnung nicht ganz so" behandelt werden, wie es im Untersuchungsgefängnis der Fall gewesen wäre, � er hatte nicht seine regelmäßigen Freistunden und ander« Bergünstigungen, so daß er immer mehr in eine starke Aufregung geriet. Sein Zu- stand gab sowohl dem Direktor wie den Aerzten dieses Gefäng- nisses Anlaß, bei den zuständigen Stellen auf eine Rückverlegung Holzmanns nach Moabit hinzuwirken. Eine eingehende Unter- suchung durch die Gesängnisärzte ergab die Feststellung, daß Holz- mann von einer schweren Hastpsychose befallen und»ach Ansicht der Mediziner h a f t u n f ä h i g war. Daraufhin stellten seine Verteidiger, die Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Dr. P e s ch k e amllches Gesthop� � Peterchen verschwunden. Er macht« sich eine offenstehende Tür zunutze und lief auf die Straße, wie er es oft getan; aber diesmal kehrte er nicht zurück. W.r wagten einander nicht die Große de- Verlustes zu be- kennen. Eine Hemmung menschlicher Art l'eß esni�zu, daßwir aufrichtig waren: wir jürchtetey uns davor, verruckt zu erscheinen. Die Trauer um Tlere hat das Grausame, daß sie unterdrückt, ver- kleinert werden, demütig erscheinen muh wie sie. Aber Emma und ich, wir oerfielen rettungslos, von Tag zu Tag mehr, der Schwermut. Und wenn wir von Peterchen gesprochen hatten:„Erinnerst du dich an den Tag,. wo er mit dem wchuh des Malers gespielt Hot?"...„Wie er lärmend die Treppe herauf- gesprungen ist— flock? flock'_ und wie er leise, vorsichtig, wieder herunterschlich?"... so. dann fanden wir nichts mehr zu sagen. Und gähnten, gähnten unter Tränen. „Was willst du? Er wird nicht wiederkommen!" erklärte ich mtt der unsicheren Stimme eines Gewohnheitstrinkers. „Er war ein Typ!" fügte Emma hinzu. Man erzählte einen anderen drolligen Zug Peterchens, der— weil er spaßig war— um so trauriger wirkte. Das ging so ein Jahr lang. Eines Abends— vorm Schlafen- gehen saßen wir um die Zeit totzuschlagen, bei der Torschwelle vor der Portierloge und plauderten ein wenig mit der Meharit und Plumat. Eine schwarze Masse tauchte in der grauen Straße auf und stürzte aus mich zu. Wau! Er sprang gegen meine Brust. Mit heftigem Anlauf! Ich schwankte, stieß leise einen Schrei aus: aber gleichzeitig rief ich mit ungezügelter Freude, indem ich die Augen weit aufriß: „Du bist es?" „Ja, ja!" antwortete Peterchen mit seinem gellendsten Ton: sprang an mir in die Höhe und pirouettierte um mich mit einer solchen Geschwindigkeit, daß er von allen Seiten zugleich zu kom- men schien.„..■ n„ Emma wollte auf ihn zu, reden, aber brachte nur ein Lallen hervor und blieb starr wie eine Statue, wie ein Grenzpfahl stehen. Das Unvermittelte der Rückkehr spielte ihr gehörig mit. Die Plumat und die Meharit— nachdem sie alle möglichen Ausrufe getan— schüttelten gerührt ihre Köpfe, äußerten ver- schiedene der Situation entsprechende Bemerkungen und stahlen sich weg. Wir eilten durch den Flur, die Treppe hinauf: der über- schäumende Jubel Peterchens bald vor, bald hinter uns. Ich trug die Küchenlampe in den Speisesaal. Da beruhigte sich Peterchen, legte sich vor den Herd, gähnte, richtete den K�s auf und betrachtete uns alle beide, denn wir standen, dicht beieinanoer, vor ihm. „Du!" sagte Emma. „Was!"' �:' „Nichts, nichts..."..,„- t«. Irgend etwas muhte aber doch sein. Denn ich sagte selbst sehr rasch: „Cr ist es ganz sicher... Nicht wahr?" „Sicher ist'er es!" erwiderte sie achselzuckend, mtt einer ge- gewissen Nervosität. Und fügte hinzu:_ „Er ist älter geworden. Ein Jahr, das zählt soviel wie zehn Jahre bei uns... drum ist er so anders." Wir näherten uns ihm mtt vorgestreckten Händen, um ihn zu liebkosene. Emma beugte sich über ihn: „Aber/ was hat er nur?" � Plötzlich sprang er in die Luft und rannte, mtt dem Schnurrbart am Boden hinstreichend, blitzschnell um den Tisch- Vorm Herd machte er Halt, zauderte, stampfte mit den Pfoten auf, nahm einen Anlauf und schoß einen Purzelbaum nach vorwärts... Wir sperrten Mund und Augen auf; ein zweiter, dritter Purzel- bäum folgten... Dann schüttelte er sich, blickte iich nach allen Seiten um und zog sich zurück, indem er sich abseits unter einen Stuhl setzte._ „Er ist ein Gelehrter geworden!" sagte ich mit erstickter stimme. Peterchen ein Gelehrter! Man war auf alles gefaßt, darauf nicht! Wir sahen uns ganz aufgeregt an. Ich zwang mich zu einem: „Alle Wetter, das ist erstaunlich!" „Ja,, wirklich!" hauchte Emma. „Hast du was dagegen?" � „Warum?" fragte ich verstimmt mit verstörtem Gesicht. „Hör nur, was macht er denn da wieder?" Nun hotte er eine ganz besondere Art zu bellen— in Absätzen— mit einer absoluten Regelmäßigkeit. Peterchen kläffte, ohne ein Glied zu rühren, mit einem unerschütterlichen Eifer. In seinen Augen lag der Ernst jener, welche arbeiten. „Er spricht. Dos ist sicher; was will er sagen?" Sie seufzte: ich zog die Brauen zusammen. Wir standen fasiungslos vor diesem kleinen, riesigen Rätsel, lauschten vergeblich dem Vortrog unseres wieder nach Hause zurückgekehrten Peterchens, des Gelehrten, der eine fremde Sprache redete... „Jacques!" rief Emma.„Das ist nicht mehr er! Er ist ganz verwandelt: du siehst doch, das ist ein anderer!..." Indem.sie dies sagte, machte sie das Gesicht, das bei ihr einer Tränenkrise vorauszugehen pflegte. Ich aber zuckte mit den Achseln. Energisch stellte ich Peterchen zur Rede, der jetzt mit wiegendem Rückgrat und mechanisch arbei- tenden Pfoten eine Art Tanz aufführte. „Nun ist's genug. Du bist zu Hause. Willst du schweigen und didv nicht mehr rühren! Kusch! Kusch!" Eingeschüchtert legte er sich platt, die Nase aus dem Parkett, hin und ließ seinen unverstandenen, bittenden Blick umherirren. Emma sank leise auf einen Stuhl. „So eine Geschichte! Hat man je so etwas gesehen?" fragte sie mich. „Alle Wetter!" stimmte ich bei. „Siehst du, er ist zu lange von uns fort gewesen", stammette sie mit müder Lippe, tränenden Auges.„Er ist nicht mehr er." „Aber doch, sieh nur... Wenn ich auch sagen muß. daß...", „Der gehört auf keinen Fall mehr zu uns. Während sie dies sagte, bemerkte ich, obwohl ich meinen Blick nicht auf sie richtete, daß sie in ihrer Tasche ihr Schneuztuch suchte. ... So blieben wir alle drei ganz verschüchtert, befangen, beobachten uns von der Seite und suchten einander... Peterchen bewegte noch schwach den Schwanz, im letzten Noch- zittern der Wiedersehensfreude. Auf den Gesichtern von Emma und mir log noch ein leises Lächeln. Man schwieg. Sie hüstelte. Ich rieb mechanisch die Hände. Endlich sagte«ch: „Wie spät ist's?" Wir hatten das Aussehen— er und wir— nicht von einander Nahestehenden, sondern von Leuten, die sich bei einem Besuch im Salon begegnen... Ja, von Fremden, welche sick empfangen, �ene an Seite sitzen— mit einander unbekannten Gesichtern und uiu klaren Gefühlen—, die nicht sagen, was sie denken, sondern sich mtt „Mein Herr" und„Meine Gnädige" anreden. � �> (Berechtigte Uebersetzung von Ioh. Kunde.) Auffahrten zu Himmelfahrt. Himmelfahrt ist schon im alten Boltsbrauch der Tag der Ausflüge, und zwar wurden dabei vielfach die Frauen nicht mitgenom men, fodaß mir darin den Ursprung der heute so beliebten Herrenpartien erblicken tönnen. Und auch darin erinnern die alten Himmelfahrtsausfahrten an den neuesten Brauch, daß es dabei recht ausgelaffen zuging, und schon früh wird vom Rhein über die wil den Gelage" beim Himmelfahrthalten" geflagt. Mancherorts mußte bei diesem Fest eine ganze Tonne Bier, für die man eine besondere Scheune erbaut hatte, bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken werden, und jeder Fremde, der vorüberging, mußte mithalten. Aber diese Ausflüge und Ausfahrten werden erst dadurch zu Himmelfahrts- Auffahrten", daß sie auf Anhöhen unternommen wurden. Daß man zu Himmelfahrt besonders gern auf Höhen und Berge stieg, wird uns hauptsächlich aus der Schweiz berichtet. Bereits am Tage vor Himmelfahrt trifft man sich auf den Bergeshöhen; bei lodernden Feuern und Mufit wird geschmaust; Spiele, wie Springen, Ringen, Wettlaufen, sind damit verbunden, und mit Jubel begrüßt man das Erscheinen der Sonne am Morgen des Himmelfahrtstages, denn auch von ihr wird wie von der Ostersonne gesagt, daß sie drei Freudensprünge mache. Verbote dieser sogenannten Uffahrten" find in der Schweiz seit dem 17. Jahrhundert oft erlassen worden, wohl nicht mit Unrecht eine heidnische Sonnenverehrung sah. Ueberhaupt haftet den Himmelfahrtsbräuchen ein Streben nach oben, ein Blicken und Verlangen in die Höhe an. Weil sich der Himmel zur Himmelfahrt Chrifti geöffnet haben sollte, nahm man an, daß er sich auch an jeder Wiederkehr dieses Tages auftun müffe und befürchtete daher besonders, daß Blige und Donner herniederfahren tönnten. Daher ist es besonders gefährlich, am Himmelfahrtstage durch irgendwelche Arbeiten den Himmel zu er zürnen, denn man fann dann leicht die Gewalt des Gewitters auf fein Haupt herniederziehen. weil man darin 99 Ueberhaupt spielt der Himmelfahrtstag im Beiterglauben eine große Rolle; es werden vielfach an diesem Tage die Hagelfeuer" angezündet, um die Felder gegen Unbilden zu schüßen, und besonders finden in der Himmelfahrtswoche die firchlichen Flurumgänge und Bittprozeffionen statt, bei denen der Gegen des Himmels auf Ader und Bich herabgefleht wird. Bis in den Gottesdienst ist der Betterglaube zur Himmelfahrt gedrungen, und es hat sich aus ihm, besonders in Süddeutschland, die früher allgemein verbreitete Gitte entwickelt, daß beim Gottesdienst ein Bildnis des auferstandenen Heilandes, oft von Engeln begleitet, durch die Deffnung oben im Kirchengewölbe langsam heraufgezogen wurde. Daß man diese Daß man diese Handlung irgendwie mit einem Gewittervorgang in Zusammenhang brachte, beweist, daß manchmal nach dem Heraufziehen und Berschwinden der Figur Feuer von oben herabgeworfen und Waffer nachgegossen wurde. Bei dem Entschweben der Gestalt achtete man genau darauf, wohin der Heiland bei dieser Auffahrt sein Geficht richtete; aus dieser Richtung sollten während des Sommers dann die meisten Gemitter tommen. ,, Bo fich unser Herrgott hindreht da der Wind hergeht", heißt es in einer Bauernregel. In München ist diese Darstellung der Himmelfahrt des Herrn mit dem alten Frühlingsbrauch des Todaustragens verbunden. Es wurde hier am Borabend von Himmelfahrt ein Teufel durch die Straßen gehetzt, dann feine ausgeftopfte Hülle während der Nacht aus einem Turmfenster der Frauenkirche gehängt, und nachdem beim Himmelfahrtsgottesdienst das Christusbild emporgezegen war, wurde die Teufelsfigur auf die hinaufgaffende Menge hinuntergefchleudert und später am Sartor verbrannt. Eine Art Auffahrt ist es auch, wenn die jungen Mädchen in Hildesheim früher am Nachmittag von Himmelfahrt den Kirchturm bestiegen und mit allen Gloden läuteten, Das Mädchen, das, sich am Glockenfeil festhaltend, von der schwingenden Glocke am höchsten hinaufgezogen wurde, erhielt den längsten Flachs. In Balded war früher zur Himmelfahrt das Eichhörnchenfagen üblich, wobei man auf die höchsten Bäume stieg. Da das Eichhörnchen dem Donar heilig war, fo war dieser Brauch eine alte Erinnerung an den germanischen Donnergott. Der Himmelsflug des Herrn hat auch auf manche Himmelfahrtsgerichte eingewirft; fo wird z. B. in bayerischen, aber auch in niederländischen und englifchen Landesteilen zu Himmelfahrt nur fliegendes Fleisch, d. h. Geflügel gegeffen. Im Allgäu baden die Bäder statt dessen fog. Brotvögel, die der Jugend anstatt des Geflügels geschenkt werden. Andere Gebäde zu diesem Tage find die schlesischen Himmelfahrts ftuten", Pfefferkuchen in Form von Papierrollen, und die Himmelfahrtsfugeln". Neue Saurierfunde in Kanada. Benn man von Funden dieser vielgestaltigen Eidechsen von Riesenausmaß las, konnte man gewärtig sein, stets als Fundland die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu hören. Hier waren die sogenannten Fossil- Hunter" in den öden Gebieten, den sogenann ten Badlands, tätig, um solche Saurierlagerstätten aufzufinden. Seit einigen Jahren find fanadische Gelehrte und Expeditionen, die vom American Museum of Natural History in den Badlands von Alberta, im Gebiet des Red Deer River, tätig sind, von Erfolg gefrönt gewesen. Sie fanden ganz sonderbare Dinosaurierformen in den oberen Kreideschichten. Diese Raubsaurier gehören fünf hochentwickelten RaubsaurierStämmen an. Darunter sind Angehörige des Stammes der riesigen zweifüßigen Raubdinosaurier, der Saurier, die großen straußartigen Bögeln ähnlich sind, große, stark gepanzerte, vierfüßige Dinosaurier, riesige, zumeist mit mächtigen Schädelhörnern und gewaltigen Nackenschutzschilden versehene vierfüßige Dinosaurier und solche, die den europäischen Iguanodonten ähnlich sind. Eine der merkwürdig sten Formen ist Gorgosaurus libratus. Man kennt von diesem Tier zwei Stelette, die sich gut ergänzen und ein vollständiges Bild des zehn Meter langen Tieres rekonstruieren lassen. Die Arme waren zu gebrauchslosen Stummeln verfümmtert, der Schädel ist sehr groß, das Gebiß ist mächtig entwickelt, die Hinterbeine sind sehr fräftig, der Schwanz ist lang. Merkwürdig ist auch ein nahezu vollständiges Stelett von Struthiomimos altus, der sehr vogelähnlich aussieht. Man hat versucht, diesen Saurier als den Ahn der Laufvögel auf. zufaffen. Dieses Tier hat aber alle typischen Merkmale der Dinofaurier, so daß diese Aehnlichkeiten Konvergenzerscheinungen find. Interessant ist der Bau der Hand dieses Struthiomimos. Drei Finger dieser Hand find funktionell tätig, während der vierte und fünfte Finger verlorengegangen find. Die Hand muß als Zange gewirkt haben; nun fann man sich aber nicht vorstellen, daß ein Lier von vier Meter Länge sich fletternd bewegt hat. Deshalb ist man auf den Gedanken gekommen, dieses Tier als Eierfreffer anzusehen, der in den Handfrallen die Eier aus dem Boden grub und zerbrach. Diese Auffassung wird dadurch Wirklichkeit, daß man in der letzten Zeit in der Mongolei in Nestern Dinosaurier- Eier gefunden hat, die durch Staub- und Sandstürme begraben worden waren. Ein weiterer interessanter Bertreter der Raubdinosaurier von Alberta ist der Super- Dreadnaught of the Animal World", der riesige Balaeofcincus. Man fand dieses Tier als Mumie im Gestein eingebettet, und auf der eingefchrumpften Haut lagen noch in natürlicher Anordnung die Panzerplatten, die den Körper zur Lebenszeit bedeckten. Das Tier muß das Aussehen einer lebenden Kröteneidechje oder eines australischen Moloch gehabt haben. Am merkwürdigsten aber ist unter den Sauriern von Alberta der Centrosaurus apertus. Dieses Tier besaß nach vorne umgebogene Hörner am Oberrande des Nackenschildes und ein nach vorn umgebogenes Najenhorn. Bon merkwürdigem Aussehen muß auch der Barasaurolophus gewesen sein. Der Schädel trug nach hinten und oben gerichtet einen Fortsatz von bedeutender Länge, der aus vier langen Knochenröhren aufgebaut war. 3mei dieser Röhren bildeten das obere, zwei das untere Röhrenpaar. Am Hinterende waren alle vier Röhren verschlossen, da das obere Röhrenpaar in die Nasenhöhle führte und mit der Fortsetzung der Nasenschleimhaut ausgekleidet gewesen ist, so tann man den Schluß ziehen, daß durch diese Borrichtung eine bedeutende Steigerung des Geruchsvermögens erzielt worden ist. Diese Steigerung des Geruchsvermögens tam dem Tiere, wie bei manchen Krokodilen, während der Paarungszeit zur Auffindung des Weibchens sehr zustatten. Welches Brot sättigt am besten? Die große Aufmerksamkeit, die man der Ernährungsfrage während des Krieges zuwenden mußte, hat auch eine eingehende wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Brot angeregt, das zu unferen wichtigsten Nahrungsmitteln gehört. Nun ist es von großer Wichtigkeit, zu wiffen, welches Gebäd am meisten jättigt, denn auch heute noch spielt ja in so mancher finderreichen Familie der Brotverbrauch eine Hauptrolle. Der Hamburger Professor D. Kestner beantwortet diese Frage auf Grund zahlreicher Untersuchungen, deren Ergebnisse in der Umschau mitgeteilt werden. Dasjenige Brot sättigt zweifellos am meisten, das die längste Zeit im Magen ver meilt, denn bei vollem Magen tritt ja tein Hunger auf. Es ergab fich mun aus feinen Berfuchen, ba affes eingebid, w Brötchen, Schrippen, Semmeln usw., einen höheren Sätti gungsmert hat als die gleiche Menge desselben Teiges, menn fie in Form eines großen Laibes Brot gebacken wird. Das kleine Gebäd verweilt länger im Magen, beschäftigt diesen in höherem Maße und verhindert so längere Zeit das Wiederauftreten des Hungergefühls. Kestner erkannte, daß dieje Eigenschaft des Kleingebäcks mit der befferen Röstung zusammenhängt. Geröstetes Brot verweilt nahezu doppelt so lange im Magen wie die ungeröstete Krume. Da fich nun in einem großen Laib Brot weit weniger geröstete Teile finden, als in der gleichen Gewichtsmenge, wenn sie in viele Brötchen aufgeteilt ist, so wird daraus flar, warum die fleineren Gebäckstücke befjer sättigen. Der höhere Sättigungswert der gerösteten Rinde gegenüber der ungerösteten Krume läßt sich daraus erklären, daß beim Rösten des Brotes gewisse Geschmadsstoffe entstehen, die die Absonderung des Magenfafies außerordentlich anregen. Diese Reizstoffe haben zwar nur einen geringeren Nährwert, ebenso wie Fleischertraft, aber durch die gesteigerte Absonderung des Magenfaftes wird der Verdauungsbrei viel stärker verflüffigt. Man fonnte dann auch beobachten, daß der Verdauungsbrei von Kleingebäd immer flüffiger ist, als der von Großbrot oder gar der von der Krume allein. Die Ausnugung der Nahrung wird also durch die Röftung gesteigert. Maltose und Dertrine, die sich beim Backprozeß bilden und auf die man früher die Ursache für den höheren Sättigungswert des gerösteten Brotes zurückführte, find nach diesen neuesten Berfuchen ohne wesentliche Bedeutung für die Sättigung. Danach hat der englische Toast, der die stärkste Röstung aufmeift, auch den höchsten Sättigungswert, und das bestätigt die Erfahrung, denn Toast liegt fchwer im Magen". Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen Kestners war, daß fich ein Unterschied zwischen Hefeteig und mit Backpulver bereitetem Brot in bezug auf den Sättigungswert nicht feststellen läßt. Danach ist also erwiesen, daß dasjenige Brot am besten sättigt, das die meifte Rinde" hat. Daher empfiehlt sich die Herstellung des Kleingebäds an Stelle der großen Brote als besonders zweckmäßig. Reljefitten in Bolivien. Bismard erzählte einmal dem amerika nischen Botschafter Sidney Whitman, fein alter Herr( Wilhelm I.) sei für ihn stets der Inbegriff föniglicher Bürde und vollendeten Anstandes gewesen. Selbst in Augenblicken, da der gewöhnliche Sterbliche nur mühsam die Haltung zu bewahren pflege, habe er nie Geistesgegenwart und Würde verloren. Als er einmal auf einem Waldspaziergang mit dem engeren Gefolge plötzlich einem unwider ftehlichen Bedürfnis Folge leiften mußte, habe er einfach die ihn umgebenden Herren gebeten, einen Kreis um ihn zu bilden und hinter diesem schüßenden Spalier dann die notwendige Opferung vollzogen. In den südamerikanischen Kleinftaaten, wo spanische Grandezza und landesübliche Zwanglosigkeit eine merkwürdige Mischung eingehen, pflegt der vornehme Herr" in folch einem Fall noch viel einfacher diefe etwas peinliche, aber doch notwendige Ber richtung zu erledigen. Ein amusantes Beispiel dafür, wie ein bolipianischer Parlamentarier auf der Reise sich bei solch unvermuteten leberraschungen zu benehmen pflegt, erzählt Theodor Herzog in feinen Reiseschilderungen Bergfahrten in Südamerika( Stuttgart, Strecker u. Schröder). Zur Zeit, da die bolivianischen Boftwagen noch die Reisenden in toller Fahrt über die Kordillerenpälse schlepp. ten, gab es mitten in der Fahrt auf freiem Felde Halt. Was war geschehen? Dem voranfahrenden Stellwagen entstieg ein feingekleideter Herr. Ihm folgte fein Diener in achtungsvoller Entfernung, einen Schritt zurüd. In der Hand trug er behutsam einen Nachttopf! Alles hielt den Atem an und war sichtlich geehrt, daß der Herr Deputierte denn das hohe Tier war Bolksvertreter ip leutselig geruhte, vor dem staunenden Bolt diese wichtige Handlung zu vollziehen. Als das Schlichte Geschäft erledigt war, erfolgte ein rasches Schwenken des Gefäßes vielleicht als Opferung an die Flurgötter gedacht und würdigen Schrittes, ohne eine Miene zu verziehen, tehrte der Herrliche in den Wagen zurüd. Die höchste Auflage eines Buches. In China ist die Büchererzeugung zwar noch sehr rückständig, aber es gibt dort wenigstens ein Buch, das in die weitesten Kreije dringt, nämlich der von der Nationaldruckerei herausgegebene Kalender. Dieser wird nämlich jedes Jahr in einer Auflage von 6 Millionen hergestellt und auch immer vollständig abgesetzt. Billige Pfingst- Angebote!+ hellgraue Farbe Herren- Jackettanzug, mit rödlichen u. blau. Nadelstreifen 33. in Cheviotcharakter, heller Reise- und Straßenanzug, Untergrund mit grünlichen 45.und rötlichen Nadelstreifen dreiteilig, mit Breeches, Jackett Sportanzug für Herren, m. aufges. Taschen, a. graumel. 45.Homespune, m. grünen a. röti. unterbrochenen Noppen Touristenanzug Fassons, je n. 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