Abendausgabe Nr. 239+42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 117 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreife And in der Morgenausgabe angegeben Redaffion: S. 68, Cindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Tel- Moreffe: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig 22. Mai 1925 Vorwärts= SW Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Ube Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 88, Cindenffraße a Fernsprecher: Dönhoff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Beratungen der Alliierten. Englische Antwort auf die französische Note. Paris, 22. Mai( Eigener Drahtbericht.) Die englische Ant-| zusammentritt. Außenminister Chamberlain hat inzwischen ein wort auf die franzöfifche Note bezüglich des Garantiepattes ist 3irtularmemorandum für die Rabinettsmitglieder fertig gestern, wie der„ Matin" zu wissen glaubt, am Quai d'Orsay ein- gestellt, in dem der englische Standpunkt näher präzifiert wird. Das getroffen. Die englische Note sei in der Form eines Frage- Memorandum ist in drei Abschnitte geteilt, deren erster die historische bogens gehalten. Der Qual d'Orsay habe fich fofort ans Wert Entwicklung der politischen Lage in Europa behandelt, die zum gemacht, um fo bald wie möglich Großbritannien die gewünschten deutschen Angebot des Garantiepattes geführt haben. Im zweiten Aufklärungen zu geben. Dadurch, daß man auf persönliche Be- Abschnitt gibt Chamberlain seine eigenen Ansichten zu der Frage fprechungen verzichtet habe, fährt das Blatt fort, feien die Berhand- fund und bespricht im dritten Teil die Frage vom grundsäglichen lungen notwendigerweise in die Länge gezogen worden. Zwei Er- Standpunkt aus. Großbritannien müsse ein friedliches Ein. eignlife hätten in den lehten Tagen den Pakt wesentlich beeinflußt: verständnis mit Frankreich erstreben, da die Intereffen Einmal die Rede Stresemanns, der es gar nicht verheimlicht beider Länder eng miteinander verknüpft seien. Die Erzeffe der habe, daß Deutschland sich mit seinen gegenwärtigen Offgrenzen franzöfifchen Politit, die die Stabilität des europäischen Friedens nicht abfinden fönne. Seine Erklärungen veranlaßten einen Tell gefährden, fönnten nur gemildert werden, durch ein gutes Eindes englischen Kabineffs, aufs forgfältigfte alles zu verheimlichen, vernehmen unter den Berbündeten und nicht durch politischen oder was als ein Garantiepaft gelten fönne. Andere aber habe die Rede ökonomischen Drud. Andererseits müffe es aber Großbritannien Strefemanns nochmals von der Notwendigkeit überzeugt, Deutschland vermeiden, irgend etwas unter dem Drucke Frankreichs zu tun. Es zu einer anderen Stellungnahme in der Frage der Ostgrenzen zu wird sodann die Frage des Eintritts Deutschlands in den bringen. Auch die jüngste Rede Mussolinis bliebe auf die Völkerbund erörtert. Weiter behandelt das Memorandum die Garantieverhandlungen nicht ohne Einfluß. Muffolini habe ich Lage, bie sich aus dem französischen Krieg in Marotto für einen Garanfiepaft zu Jinfen ausgesprochen. Underfelts habe ergeben hat, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Ueber er auch eine Garantie für die italienische Grenze von Südtirol schreitung der spanischen oder internationalen Grenzen durch die gefordert. England, das wie gewöhnlich in engem diplomatischen französischen Truppen. Was die Entwaffnungsfrage an Kontakt mit 3fallen flünde, wünsche eine nähere Präzifierung diefer langt, so wird darauf hingewiesen, daß die Note an die militärische Frage und widerfete sich einer Bereinigung Desterreichs mit Deutsch- Rominission zur Berbesserung einiger Punkte zurückgesandt worden land. sei. Unter den Forderungen, die Deutschland gestellt wurden, errege insbesondere die Entwaffnung der Polizeifräfte und ihre Unterbringung in private Quartiere einige Bedenten. Was steht in der Entwaffnungsnote? Condon, 22. Mai.( Elgener Drahtbericht.) In amffichen Kreifen verlautet über die Forderungen der Entwaffnungsnote folgendes: 1. Auflösung des deuffchen Generalstabes. 2. Bollkommene 3erfförung der Munitionsfabriken". 3. Reinerlei weitere Zulassung von Zeitfreiwilligen zur Reichs4. Umgruppierung der Sicherheitspolizei in der Art, daß fie in verschiedenen Zentren des Reiches nicht in großen Kajernen tonmehr zentriert wird. Ein Memorandum Chamberlains. London, 22. Mai.( TU.) Die endgültige Entscheidung des englischen Kabinetts in der Frage des deutschen Sicherheitsangebots dürfte erst in der nächsten Woche erfolgen, wenn das Rabinett wieder Ein Freund der demokratischen Revolution. Rede Stresemanns in Stuttgart. Seit dem Zustandekommen des Rechtsblodfabinetts ist Dr. Stresemann in seiner Redefreiheit start beschränkt. Selbst in seiner außenpolitischen Rede im Reichstag sah er sich genötigt, fich eng in den Grenzen zu halten, wie sie einem Fachminister vergangener Zeiten gezogen waren. Bei der Einweihung des Deutschen Hauses in Stuttgart, an der Dr. Stresemann als Bertreter der Reichsregierung teilnahm, hat er mun in gewiffen Buntten nachgeholt, was ihm im Reichstag versagt blieb. Er hat eine Rede gehalten, wie fie feinem Temperament und feinen rhetorischen Fähigkeiten entspricht. Sie verdient einige Beachtung. Sie war alles in allem ein Bekenntnis zum republitanischen Gedan fen, ja zur bemokratischen Revolution. So fagte er von den Männern, die in den achtundvierziger Jahren aus wanderten, weil sie sich schon damals zur Republik bekannten: Achtung und Ehre denen, die hinausgingen, weil sie ihr politisches Ideal in diesem Deutschland nicht erfüllt fehen tonnten und die mit die besten Deutschen gewesen sind, die es jemals gegeben hat. Achtung und Ehre denen, die den deutschen Namen in den Bereinigten Staaten zu Klang und Ehre gebracht haben. Bestand doch ihr größtes Verbrechen darin, daß fie die Einheit des Deutschen Reiches eher empfunden haben als die Dynaftien Bei einem Bergleich zwischen der 3eit nach 1871 und der Jeztzeit tommt der Außenminister zu folgendem Resultat: Damals ftolz auf sein Vaterland zu sein, war eine Auszeich nung; heute sich zu bekennen zum neuen Deutschland, er fordert viel mehr wahre Vaterlandsliebe.... Wir haben feinen Grund, mit gefenftem Haupte durch die Welt zu gehen, auf uns laftet nicht mehr moralische Schuld als auf irgendeinem anderen Bolte. Arm zu fein ist teine Schande. Wir tönnen uns im Gegenteil die Frage vorlegen, ob die frühere Zeit des schnell wachsenden Wohlstandes nicht eine Zeit des ideellen und gelffigen Niederganges Un materiellen Gütern wurden wir reicher, an ideellen Giüdegütern vielfach ärmer. war. Nach diesem vergleichenden Rückblick wird es flar, was der Außenminister meint, wenn er an die Auslandsdeutschen die Mahnung richtet: Bemühen Sie fich, auch objektiv über den Dingen zu stehen, die in Deutschland vorgegangen find in den letzten Jahren. Wenn wir vorwärts tommen wollen und an eine Zukunft glauben, müffen wir die Synthese finden zwischen dem alten und dem neuen Deutschland. Wir müssen Ehrfucht haben vor dem, was gewesen, und Ehr furcht vor bem. was heute ist. Achtung und Ehre vor den achtundvierziger Revolutiowären, die unter der schwarzrotgoldenen Flagge Lehren des Falles Höfle. Aerztliche Forderungen zur Reform des Gerichtswesend. Bon Dr. Kronfeld. Die Beunruhigung und Entrüstung, die anläßlich des tragischen Falles Höfle durch unser Bolt geht, ist ein tostbares Gut. Es erflingt darin jene fittliche und menschliche Gefinnung, welche der Geist der Gefangenenfürsorge, der Geist jenes Geheimerlaffes vom 23. August 1924, so schmerzlich ver. missen läßt. Ein böser Geist ist mit diesem Erlaß in die Gerichtspflege eingezogen- fo fagte 21s berg, gewiß feiner der Unferen, aber ein Mann von reichster juristischer Lebens erfahrung und startem Berantwortungsgefühl. Gegen dies Botum wehren sich die Geheimräte, die dieses Geistes Urheber find, vergeblich. Jezt fißen sie da, angesichts der allgemeinen Erregung, die ihnen entgegenbrandet, und stammeln ,, Erläu terungen", und wollen es gar nicht so böse gemeint haben; und sie versprechen neue Erlaffe, um den alten auszulegen", damit es teine ,, Mißverständnisse" gebe. O nein: es gibt teine! Man weiß Bescheid. Aber dazu mußte erst ein Reichsminister in der Untersuchungshaft sterben. Ueber diesen Toten tommen fie nicht hinweg! Es wird fich fein Sündenbod für ihr unheilvolles Wirten finden laffen. Auch der Dr. Thiele ist, wie man auch sonst zu seiner Handlungsweise steht, thr Opfer, nicht ihr Entlastungsbeweis. Jezt haben sie gegen meine Mitteilungen vom 13. Mai ein Dokument amusant finden. Aber auch im tiefften unwahr haftig! Es bedarf wohl teines Wortes, daß ich diesem Dementi gegenüber jedes Wort meiner Mitteilungen auf rechterhalte! Ich stehe den Herren zur Verfügung, wenn sie den Mut haben, mich zum gerichtlichen Wahrheitsbeweis herauszufordern. Es stirbt nicht alle Tage ein Reichsminister im Unter: fuchungsgefängnis. Aber alle Tage leiden andere gewöhn liche" Menschen, die das Unglück haben, der UntersuchungsInternationaler sozialistischer Kongreß. behörde verdächtig zu sein jener Behörde, deren schönste Tagungsort: Marseille. Blüte die staatsanwaltschaftliche Fliegerstaffel" darstellt, Paris, 22. Mal.( Eigener Drahtbericht.) Der Parteivorstand deren Eriftenz eigentlich nur in einem Bigblatt denkbar ist. der sozialistischen Partei Frankreichs hat sich in feiner am MittSie leiden, fie verfallen in Siechtum. Manche verüben ottes des Internationalen sozialistischen Kongresses befaßt, der nach wird. Manche sterben auch von selber. Und wenn diesmal woch abgehaltenen Sihung mit der Feiffehung des Verhandlungs. Selbstmord: in der Haftpfychose" diesem Kautschutbegriff, hinter dem die Berzweiflung gehegter Menschen mastiert feinerzeit getroffenen Vereinbarungen am 22. Auguft in Frankreich nicht gerade ein Reichsminister darunter gewesen wäre: wer wird. Manche sterben auch von selber. Und wenn diesmal ftattfinden soll, und fich für Marseille entschieden. In der gleichen Sigung hat der Parteloorffand eine Enthält das furchtbare, unfinnige Sterben Höfles nachträglich mürde barum wiffen? Die Atten. Sanft niemand. So er schließung angenommen, der die Partelleitung auffordert, mit der doch noch einen Sinn: er starb als Wintelrieb für jene anParlamentsfraktion in Verbindung zu trefen, um von der Regierung deren, die wir noch retten tönnen. Als Winkelried gegen die Aufklärung über die Cage in Marotto zu verlangen Gerichtspraxis. und nöfigenfalls eine dementsprechende Affion einzuleifen. tämpften! Ehrfurcht vor dem, was heute ift! Die Republit wertvoller als die Kaiserzeit!-Sollte das die Antwort auf die Rede des Innenministers Schiele sein, der im Haus haltsausschuß des Reichstags dazu aufforderte, den Kampf gegen die Verfassung und den Kampf für die schwarzweißrote Monarchistenfahne in aller Form aufzunehmen? Das Aufwertungskompromiß angenommen " P as foll geschehen? Was ist zu fordern?. Selbstverständlich muß der Erlaß fallen. Man lasse sich durch die hilflofen Redensarten feiner Urheber nicht beirren; vor allem aber laffe man teine Erläuterungen" oder ,, Ausführungsbestimmungen" zu. Schon sind uns solche in Aus ficht gestellt. Ihre Gefahr ist die, daß zwar im Buntte Haftfähigkeit" gewiffe Scheintonzeffionen gemacht werden, sonst aber alles beim alten bleibt. Denn andere Bestimmungen dieses Erlaffes find noch weit unwürdiger und übler. So verbietet er den Gerichtsärzten, so viele Rechtsbrecher als vermindert 25 Prozent Hypothekenaufwertung. zurechnungsfähig zu begutachten. Es gäbe jetzt viel zu viele wurde befanntgegeben, daß der von der Deutschnationalen Fraktion haftigkeit der Aerzte, die ärztlich dächten und nicht juristisch! Zu Beginn der heutigen Sigung des Aufwertungsausschusses derartige Menschen; das erkläre sich nicht nur aus der Nervosität unserer Zeit", sondern auch aus der geringen Gewiffen hinausgedrängte Abg. Dr. Best nunmehr einen Sig der fozt. Der Herr Geheimrat reglementiert hier bie aldemokratischen Frattion einnimmt. Genosse Steil teilte iffenfchaft und die Freiheit der gewissen bazu in Berichtigung einer Breffenotiz mit, daß nicht Herr Best der haften ärztlichen Ueberzeugung. Dabei hat er sozialdemokratischen Fraktion den Wunsch nach Ueberlassung eines eine recht geringe Ahnung von der Kriminologie, vom Wesen Ausschußsizes unterbreitet, sondern die Frattton ihm aus eigenem Entschluß den Siß im Ausschuß zur Verfügung ge- fozialen und ökonomischen Bedingungen wie gegenwärtig die des Rechtsbrechers. Naturgemäß wächst unter so schwierigen stellt habe. Sie habe das getan, trobem Herr Beft auf einem Anzahl der Rechtsbrüche, Entgleisungen und des sozialen Ber grundfäßlich anderen politifden Standpuntt stehe, um ihm als einem ersten Kenner des Aufwertungsproblems fagens bei den feelisch nicht vollwertigen Naturen weit stärker auch nach seinem Ausscheiden aus der deutschnationalen Fraktion Persönlichkeiten. Aber so weit braucht man offenbar nicht an als bei den gut entwickelten und dem Leben angepaßten die unbeschränkte Möglichkeit der Vertretung seiner Ansichten zu denken zu können, wenn man ,, Bestimmungen erläßt. Wie geben. Die Frattion leite aus der Einräumung des Sizes feinerlei nannte ein hervorragender Fachgenosse öffentlich diesen Erlaß! Berpflichtung für Herrn Best her, wie sie ihrerseits auch teine Bernannte ein hervorragender Fachgenoffe öffentlich diesen Erlah? Stümperhaftes Machwert blutigen Laientums" pflichtung gegenüber Herrn Best übernehme. Abg. Dr. Best bestätigte diese Darstellung des Abg. Reil und pracht seinen Dant für den aus vornehmer Gesinnung entsprungenen Beschluß der Sozialdemokratischen Fraktion aus. Der Ausschuß trat jobann in eine mehrstündige Debatte über bie§§ 1 und 2 der Vorlage ein. Das Ergebnis war, daß der Antrag Bests, der eine Aufwertung von 50 Broz. will, gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt wurde. Auch der Antrag der Sozialbemotraten( 40 Broz.) wurde ab gelehnt und zwar gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Abg. Best. Die drei tommunistischen Bertreter im Ausschuß waren nicht anwesend. Angenommen wurde schließlich von den Regierungsparteien und dem Bertreter der Demokraten der Rompromißvorschlag auf 25 Broz. Ausführlicher Bericht in der Morgennummer. Das italienische Frauenwahlrecht hat seine Eigenheiten. Es haben nur gewiffe Kategorien von Frauen das Gemeindewahlrecht, fofern fie ihre Eintragung in die Wahllifte felbft vornehmen, u. a. Mütter und Witwen von Kriegsgefallenen, Frauen, welche tatbefähigung erworben haben, Frauen, welche jährlich mindestens fächlich die elterliche Gewalt ausüben, Frauen, welche die Lehr 40 Lire direkte Steuern bezahlen und schreiben und lesen fönnen, sowie Frauen, welche Kriegs- oder Zivil auszeichnungen befizen. Die Wähbarkeit der Frauen ift gleichfalls start beschränkt. Auch Friedrich Kraus, der führende ärztliche Forscher Deutschlands, hat zum Sturm gegen diese Art von Ber waltungsgeift öffentlich aufgerufen: ein Universitätslehrer, ein maßgebender Hüter des ärztlichen Geistes, wendet sich voller Entrüstung von diesem Machwert ab. Der Erlaß wird fallen. Aber das darf nicht genügen. Auch sein geistiger Urheber muß vom Schauplatz feiner an maßlich- unheilvollen Tätigkeit abtreten. Man stelle sich vor, daß dieser Krohne der nächste und aussichts. vollste Anwärter auf den Bosten der obersten ärztlichen Amtsstelle in Breußen wäre, sobald deren jetziger, dicht an der Altersgrenze stehender Inhaber aus. scheidet. Man fann den Geist des sozialen Berständ nisses und der sozialen Fürsorge ermessen, ben ein solcher Mann im höchsten ärztlichen Amte verbreiten würde! Das darf nicht geschehen! Einer unferer hervorragendsten Gerichtsärzte, Universitätsprofeffor, For fcher von Rang der auch Herrn Krohne unterstellt ift fagte neulich zu mir: Wozu braucht es die den Justizbehörden untergeordnet find? Mit dem Streis überhaupt beamtete Gerichtsärzte zu geben, arat", biefem Spezialarzt für alles", hat sich der Jurist eine Schablone geschaffen: diejenige der Sachverständigkeit“. Einer oberflächlichen, schematischen und deshalb unwahr" haftigen Sachverständigkeit". Thr wird im Ministerium vorgeschrieben" und durch Erlasse angedroht, wie sie zu urteilen hat. Man nehme dem Juristen diese Krücke der Dentbequemlichkeit, man nehme dem Kreisund Gerichtsarzt das Privileg gerichtlicher Sachverständigkeit. Ihm bleibt auch dann noch ein reiches Arbeitsfeld. Man gebe dem Arzt die Freiheit und Unabhängigkeit von irgendwelchen Behörden und Amtsstellen in seiner Gutachtertätigkeit zurüd! Selbst den weltfremdesten Juristen wird allmählich eine Reihe hervorragender wissenschaftlicher Forscher auf allen ärztlichen Sondergebieten gerichtsnotorisch" werden, die wirkliches Sachverständnis haben. An den Universitäten, den großen Krantenhäusern und Irrenanstalten und auch in der freien Braris gibt es deren mehr als genug. Und findet der Richter fie nicht von selbst: die medizinischen Fakultäten, die Merztekammern werden sie ihm nennen. Dann gilt nur noch die Sache und die sachliche ärztliche Autorität; Schema und Schlendrian fallen; fein Beamter" wird dem Gericht mehr auf dem Präsentierteller gereicht, der nach dem, Geheimrat" fchielen muß, weil dieser sonst nachdrücklich" gegen ihn ,, einschreitet". " Notwendig ist ferner eine schleunige Novelle zur Strafprozeßordnung. Ist es nicht fast unglaubhaft, daß unsere jegige Strafprozeßordnung überhaupt feinerlei Bestimmungen über die Haftunfähigkeit bei Erkrankungen enthält? Da liegt der tiefste Grund dafür, daß der Willkür der Untersuchungsbehörden und Geheimräte Tür und Tor geöffnet ist. Bei dieser Gelegenheit müßten dann überhaupt alle einschlägigen Bestimmungen dieses Gesetzes hinsichtlich der Gefangenenfürsorge in modernem und humanem Geifte überprüft werden. Juftiz, Medizinal- und Wohlfahrts"-Behörden, die Gefan- I Bestimmungen fortzufezen, gu ber ber Anfang vor etwa einem genenanstalten und Untersuchungsgefängnisse ständig bereist Jahre durch Aufhebung der Buchergerichtsverordnung und wesentoder durch Vertrauenspersonen bereisen läßt. Diese Bevoll- licher Teile der Verordnung über Handelsbeschränkungen gemacht mächtigten müßten das Recht haben, alle Inhaftierten ohne worden war. Begründung und Inhalt der Berordnung sind fura Kontrolle zu sprechen, alle Atten einzusehen, alle Einrichtungen folgende: zu revidieren. Es würde bald anders werden in diesen Betrieben", wenn ein solcher Kontrollausschuß den Geist und die Tätigkeit der Untersuchungs- und Vollzugsorgane unserer Rechtspflege ein wenig unter die Lupe nähme! Diese Regelung eines traurigen und schweren Teiles der Staatsordnung wäre schöpferisch, sie wäre human, sie wäre großzügig. Oftmals ist sie schon vorgeschlagen worden. Aber bei uns wird sie nicht eintreten. Auf die Dauer wird der Geheimrat fiegen. So find wir nun einmal. Immerhin: wollen wir sie nicht wenigstens mit sittlichem Willen erstreben? Der fächsische Parteikonflikt. Drohende Verschärfung. Die Borstände der sächsischen Bezirtsorganisation eríaffen einen Aufruf gegen die geplante Verschlechterung der fäch fischen Gemeindeordnung, der sich scharf gegen die Fraktionsmehrheit wendet. Er schildert die Gefahr einer reaktionären Berschlechte rung der freiheitlichen Gemeindegefeßgebung. Die Neuordnung der sächsischen Gemeindeordnung bedeute die Beseitigung der Selbstverwaltung der Gemeinden, die Wiedereinführung des Zweitammer fystems, die Berschärfung der bureaukratischen Staatsaufsicht, die Unterstellung der Gemeindeverordneten unter das Berufsbeamten tum und die Verschlechterung des paffiven Wahlrechts. Er protestiert gegen diese Verschlechterungen, die im schärfsten Widerspruch zu dem fommunalpolitischen Programm der Sozialdemokratie stehen. Er betont, daß auch der Reichsparteivorstand gegen das Gesetz Stellung genommen habe und daß trotzdem die Fraktionsmehrheit gewillt sei, die Verschlechterung der Gemeindeordnung mitzumachen. Dazu schreibt uns der Parteivorstand: Und ferner, zur ärztlichen Versorgung und Pflege der erfrankten Untersuchungsgefangenen: Es ist eine sehr schwere und grundsägliche Frage, zu entscheiden, inwieweit die Rechts pflege es erfordert, daß ihre Objekte auch förperliche und feelische Schädigungen in Rauf zu nehmen haben. So sehr unsere Humanität dahin drängt, so fann, um der Rechtssicherheit willen, doch nicht jeder, der erkrankt, ohne weiteres aus Die fächfische Presse veröffentlicht einen Aufruf der Bezirksder Untersuchungshaft entlassen werden. Man bente an rüd verstände der SPD. Sachsens zum sächsischen Parteistreit. Die Be fällige Einbruchsdiebe oder Roheitsverbrecher, die wieber zirtsvorstände rufen die Gesamtpartei auf, zu dem fächsischen Streit einmal erwischt wurden. Würde man jo human" verfahren, Stellung zu nehmen. Der Parteivorstand legt Wert auf die Fest so wäre der Erfolg das Gegenteil von Humanität: und es stellung, daß die in jenem Aufruf gegebene Sachdarstellung gäbe vermutlich sehr balb überhaupt keinen Untersuchungsteineswegs erschöpfend ist. Der Parteivorstand hat seine häftling mehr. Man braucht also Krantenabteilungen auch dauernden Bemühungen, den sächsischen Parteiftreit noch vor dem für diese Fälle. Aber warum muß die Einrichtung dieser Barteitag innerhalb Sachsens zu beenden, nicht aufgegeben. Diese Abteilungen ein Teil des Gefängnisses sein? Warum muß Bemühungen würden sicherlich nicht gefördert werden, wenn sich jedes fleine Gefängnis fein eigenes Lazarett aufmachen die Gesamtpartei nun am Streite beteiligen würde. Der Parteis meift eine trübe Karikatur auf Hygiene und ärztliche Forde vorstand hatte vor kurzem vorgeschlagen, den Streit durch eine rungen, von bemitleidenswerter Unzulänglichkeit? Warum Ginigungstommission beilegen zu faffen. Diese sollte aus muß wieder der Kreisarzt im Nebenamt auch hier als nichtsächsischen Parteigenossen zusammengesetzt werden. Beide Rich Mädchen für alles" figurieren? Immer das Schema, die hungen der sächsischen Genossen sollten Vertreter in gleicher Baht Fiktion des Juristenverstandes, die alles Leben totschlägt! Man richte, in sechs bis acht deutschen Großstädten, zentrale wählen. Diese paritätische Kommission follte auch ihren Borsigenden selbst bestimmen. Dieser Borschlag wurde von der rechten Seite Krankenhäuser für erkrankte Untersuchungs- und Strafge angenommen, von der linten abgelehnt. Dann unternahm der fangene ein; man trenne fie ab vom Betrieb" und den Dert Barteivorstand einen Einigungsversuch auf folgender Basis: Die lichkeiten des Strafvollzuges. Man richte fie als Kranten Verabschiedung der umfämpften Gemeindeverfassung follte zunächst häuser ein genau mit der gleichen Sorgfalt und Mo genau mit der gleichen Sorgfalt und Modernität wie richtige" Krankenhäuser. Man sege einen Stab hinausgeschoben und die schwebenden Schiedsgerichte sollten mit Betüchtiger spezialisierter Aerzte hineindie auf Grund von ichleunigung zu Ende geführt werden, um so die Grundlage für Wettbewerbs- und Borschlagslisten nach ihrem Können einen friedlichen Ausgleich zu schaffen. Dies wurde von der rechten Seite nicht unterstützt. Trotzdem hofft der Parteivorstand, noch vor gewählt werden. Diese Aerzte sind unabhängig von der Seite nicht unterstützt. Trotzdem hofft der Parteivorstand, noch vor dem Parteitag eine friedliche Beilegung zu erreichen. Er rät desJustizverwaltung zu stellen, entsprechen ihrer Stellung und Besoldung nach den Leitern der übrigen staatlichen Krantenanstalten, sind nur bei ärztlichen Verfehlungen absehbar. Der Justizbehörde obliegt innerhalb solcher Krankenhäuser nur cines: die Sicherung der Zwede der Untersuchungshaft und des Strafvollzugs. Die Organe, deren sie dazu bedarf, werden aber den Chefärzten unterstellt, so daß Reibungen zwischen ärztlichen und juristischen Gesichtspunkten hier nicht mehr möglich sind. Endlich aber müßten sich die einzelnen Landesparlamente einen permanenten Ausschuß schaffen, der unabhängig von den Schwarz- Weiß- Rot. Schwarz: des Sensenmanns Gewand. Weiß: die Lippen bleich und stumm. Rot: des Blutes Spur im Sand. Schwarzweißrot: der Krieg geht um! Schwarz: die Nächte fummervoll. Weiß: der Kinder blaß' Gesicht. Rot: der zehrend glühn'de Groll. Schwarzweißrot: Berhungern Pflicht! Schwarz: der Sarg der alten Zeit. Weiß: darauf das Leichentuch. Rot: die Flamme, die befreit. Schwarzweißrot: der Opfer Fluch! Balter Schent Doktor Faust". Uraufführung in der Dresdener Staatsoper. Das Vermächtnis des toten Meisters Busoni liegt vor uns. Er hat nicht Größeres gefchaffen; er brauchte keinen Federstrich mehr zu tun, um nach diesem Wert der Unsterblichkeit anzugehören. Dieser große seist hat wohl alle Faust- Dichtungen gekannt, alle Vorbilder, nach denen auch Goethe sein Drama und sein Märchenspiel schuf, sicher den Hamilton und den Sachs und die sämtlichen Faust- Buppen spiele aus Augsburg, Ulm, Straßburg u. 1. f. Mit den Problemen der Mystik und der Magie wohl vertraut, verband Busino auch ohne die„ mythologischen Briefe" Boßens das Erdhafte mit dem Uebersinnlichen, das Tatsächliche der Dinge mit dem Transparenten, Außer dinglichen, Ewigen. So stellt mein Spiel sich wohl lebendig bar, doch bleibt sein Buppenursprung offenbar." Stein Drama, sondern ein Spiel, teine mathematische Entwicklung, sondern Bilber, feine aus geführte Textdichtung, sondern gereifte Skizzen aur Entfaltung in Mufit. Die Hälfte des Etücks ist Expofitiv, Vorspiel, Zwischenspiel, ein Biertel nur Faust- Drama und Tragödie, ein Biertel Untergang, Reinigung, Erlösung. Menschen, Ideen, Symbole werden eins, und dem großen Schlußgedanken eilen die Szenen samt und sonders zu. Daß nämlich der Geist und das Werf lebt, auch wenn der Leistende, der Sterbende untergeht, daß aus leiblichem Tod geistiges Leben, aus Höllendunkel Himmelslicht, aus Wollen Tat werden muß. Durch Qualen der Freude, des Genießens, des Leidens hindurch schreitet sterbendes Alter den Weg ab für die fommende, freiere, glückhaftere Jugend. Wo Wille warb und schuf, da vergeht aller fündhafte Sput, da leuchtet neue Tat, neuer Genius, neue Fackel. Weisheit allein fann solchen Schluß nicht gestalten, Geist allein fann solches Ethos nicht entfalten. Es gehört Güte zu solcher Erkenntnis, Frommheit, feusches Hineindenfen in die Allwelt. Diesen Blick, dieses Herz für das Algütige, für Alverstehen und höheren Sinn der Welt hatte Busoni. Seine Dichtung hat die Konturen solcher Ewigkeitswerte jfiziert, ohne sie im Borisinn zu vollenden. Raio begonnen, endet das Spiel in der Idee" der Wiedergeburt. halb davon ab, den glücklicherweise auf Sachsen beschränkt ge bliebenen Zwift zu einem allgemeinen Parteistreit zu machen. Abänderung des Preistreibereirechts. Die Aufhebung notwirtschaftlicher Verordnungen. erordnung über bie Aufhebung notwirtschaftlicher Die Reichsregierung hat dem Reichsrat den Entwurf einer Berordnungen mit dem Ersuchen um Zustimmung zugeleitet in der Absicht, damit den Abbau dieser, einer Notzeit entstammenden Drei Krakauer Studenten bringen dem Meister der Magie den Schlüffel zur magischen Kunst der Astarte. Bon den in Flammen erscheinenden Dienern der Hölle wählt sich Fauft den letzten, der verspricht, so schnell zu sein, wie des Menschen Gedante. Hier wintt Wunscherfüllung; denn was ist mehr zu erreichen, als daß die Tat zugleich ins Leben trete mit der Absicht!" Der Tatmensch, der geniale Borwärtsmensch steht da. Ein Baft mit Mephisto ist bald geschlossen. Gretchens Bruder, auf Mord finnend, fällt dem Herrscher Faust zuerst zum Opfer. Die Herzogin Don Parma, geblendet durch Geistererscheinungen, gefelfelt von Wuchs, Kraft und Geist des Zauberers, gibt sich ihm in ihrer Hochzeitsnacht zu eigen. Sie stirbt an diesem Rausch. Helenens Bild der Bollkommenheit leuchtet auf; aber Faust fann es nicht greifen. Der Vollendung ist auch er nicht gewachsen. Zu Gott, zur Kirche treibt es ihn; im Gefreuzigten erscheint ihm helenens Bild, von den Altarftufen vertreibt ihn Valentins Schwert. Die Bettlerin, feine andere als die Herzogin, überreicht ihm sein totes Rind. Das bettet er im Schnee und schreitet mum geläutert missend zur Tat. Was er ver fäumt, wird das Rind nachschöpfen, mas er, ein ewiger Wille, gezeugt, gewollt, wird das Kind in Leben und Siege verwandeln. Fauft stirbt im Dunkel der Nacht; aber helleuchtend schreitet ein Jüngling mit blühendem Zweig durch den Schnee in die Stadt. Bird Mephistos Geift des Uebels, der Berneinung und des Abbaus, auch diese Jugend brechen? eine Musit gegeben, die zum Erwähltesten gehört, was Menschen. Diefen Bildffizzen, die feinen Dramenting schließen, hat Bufoni hände seit Wagner geschaffen haben. Fast ohne mufilantisches Bor. bild find die asketischen, stillen, schwarz- weißen Vorspiele, Zwischenpiele, die ohne jeden Farbton dahingeistern. Was nicht program matisch atzentuiert flingt, scheint gedämpft, verschleiert, merkwürdig schleichend. Es ist als erlebten wir den Geburtsaft musikalischer Runstwerke bangen Herzens mit. Motive flingen wie von ungefähr, fo ganz ohne Bewußtsein, und doch mit deutlicher Beziehung zum Objekt. Die Melodie, fangbar, horizontal, wächst mit logischer Konsequenz aus dem Akkordlichen, mehr noch aus dem Disput des fontrapunktischen heraus. Auf Nadelspitzen balanzieren die Bointen me phistophelischen Wizes, studentischer Heiterfeit, fauftischer Grübelei, mit verblüffender Klarheit baut die musikalische Illustration den Tert aus; in einem Streit zwischen Katholiken und Protestanten ballen fich deren heiligste Weisen zu einem brillanten tontrapunktischen Wechfelfang; italienisches Ständchen, Meſſengesang, Florettanz schwingt fich behutsam, formsicher, abwechslungsreich in die Handlung hinein. Nichts steht da um feines felbft willen; jeder Baufenschlag, jeder Effekt hat seinen tiefen, nicht äußeren, sondern Erlebnis- Sinn, der dem Ausdrudswillen eines großen Menschen und Schöpfers elgen war. Ein Vermächtnis. In Ehrfurcht lei einer flangästhetischen formalen und stilistischen Meistertat gehuldigt! Kurt Singer. Waldbrand- Katastrophen. Der furchtbare Baldbrand in Pommern macht auf uns einen so besonders schmerzlichen Eindrud, meil der Deutsche ja den Wald fo fehr liebt und in ihm ein Stüd feiner selbst empfindet. Glüdlicherweise sind solche Katastrophen bei uns selten; in Amerita aber find fie an der Tagesordnung und haben in den riesigen Wäldern | Warennot und Währungsnot find gemfchen. Die Stetigkeit der Währung ist rechtlich und tatsächlich gesichert. Damit ist für weitere Teile der notwirtschaftlichen Gesetzgebung der Zeitpunkt des Abboues gefommen. Hierzu zählen die Verordnung zur Sicherstellung des Warenumlaufes, die Verordnung gegen verbotene Ausfuhr lebenswichtiger Gegenstände, tie Verordnung über Not stands. versorgung und die Berordnung über Preisprüfungsstellen. Die drei erstgenannten Verordnungen sind nach Konsolidierung der Verhältnisse gegenstandslos geworden. Die Preisprüfungsstellen, die früher umfangreiche Aufgaben zu erfüllen hatten, und deren mertvolle gutachtliche Tätigkeit vor allem anerkannt werden muß, find entbehrlich geworden, nachdem auf faft allen Wirtschaftsgebieten eine normale Martilage hergestellt ist. Die ihnen etwa noch verbliebenen sehr beschränkten Aufgaben können ohne Schwierigkeit auf die ordentlichen Verwaltungsbehör den überführt werden, die die staatlichen Aufgaben auf dem Gebiete der Wirtschaft und der Preise auch vor dem Kriege wahr. zunehmen hatten. Die Borschriften der Preistreibereiverordnung sind durch die Entwicklung der Verhältnisse ebenfalls zum Teil entbehrlich geworden. Dies gilt von den Vorschriften über Höchstpreise, Höchst preisüberschreitung, Kettenhandel, Warenzurückhaltung und Schleich. hendel. Auch konnte auf eine Reihe von Strafverschärfungen verzichtet werden, die dem Rechtsgefühl faum noch entsprechen. Dagegen waren andere Bestimmungen für eine hoffentlich nur futz bemessene Uebergangszeit noch nicht zu entbehren. Ihrer Anwendung find jedoch dadurch fehr enge Grenzen gezogen, daß die Wirtschaft innerhalb der ordnungsmäßigen Marktpreise fich frei betätigen kann, ohne daß der einzelne Gefahr liefe, in ein Strafverfahren ver. widelt zu werden. Hierzu zählen die Bestimmungen über Preis. wucher, Leistungswucher, Provisionswucher, preistreibende Machenschaften, Verabredung der Preistreiberei, Berleitung und Erbieten der Preistreiberei. Aus der Verordnung über Handelsbeschränkun. gen sollen die Vorschriften über Marktverkehr und Versteigerungen femie die über Zeitungsanzeigen, soweit sie noch in Geltung sind, in Fortfall tommen. Die Borschriften über Preisschilder und Preisverzeichnisse werden zwar im Grundfaz aufrechterhalten, um nicht an die Stelle ber jetzt bestehenden einheitlichen Regelung des Preisschilberzwanges wieder die unübersichtlichkeit der Rechtslage zu jezen, die in der Vorfriegszeit geherrscht hat. Der Kreis der Waren, die dem Preisfilderzwang unterworfen bleiben, wird aber auf Schwarz Grau- und Weißbrot, Brötchen, Fleisch und Wurstwaren, Butter, Margarine und fonftige Speisefette beschränkt, soweit die Baren als Gegenftände des täglichen Bedarfs anzusehen sind. Die allgemeinen Bestimmungen über die Wucherverfolgung, insbesondere die Ahndung von tatsächlichem Bucher nach dem Strafgesetzbuch bleiben weiter in Geltung. Die Abzüge bei der Einkommensteuer. Aus dem Steuerausschuß des Reichstags. Der Steuerausschuß des Reichstages beschloß am Freitag, die in Aussicht genommene Sonnabendfizung ausfallen zu lassen, dafür aber am Freitag nachmittag eine zweite Sigung abzuhalten. Er segte die Beratungen des Einkommensteuergesetes fort und erörterte hierbei 1. die Höhe der abzugsfähigen SonderLeistungen, insbesondere für Sozialversicherung, Sterbefaffen, Berficherungsprämien, 2. die Steuerfreiheit der Leistungen an tird liche, religiöse, mildtätige und gemeinnüßige Anstalten, 3. die AbAnträge riefen eine ausgiebige Aussprache hervor, die die Borzugsfähigkeit von Aufwenduigen für Werkzeuge, Berufskleidung, Fortbildungsfoften. Die zahlreichen zu diesem Punkt vorliegenden mittagssigung in Anspruch nahmen. Den Bericht geben wir in der Morgenausgabe. der Bereinigten Staaten und Ranadas ungeheure Schäden angerichtet. Die früheren Ansiedler, die ja im ewigen Kampf mit dem Wald sich das Land erobern mußten, dachten an alles andere eher, als an Waldschuh und Waldpflege und so wurde denn jahrzehntelang ein furchtbarer Raubbau getrieben. Erst seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts hat man in den Bereinigten Staaten Gesetze zum Schuß gegen Waldbrände erlaffen, ein Heer von Waldaufsehern bestellt und vor allem durch Wanderredner und durch die Belehrung der Jugend in den Schulen eine Propaganda gegen die Waldverwi ftung betrieben. Die Waldbrände find nämlich fast immer auf die Fahrlässigkeit des Publikums zurückzuführen. Alle die natürlichen" Gründe, die man angibt, wie etwa, daß der Bliz gezündet habe, oder zwei Baumäste fich solange aneinander rieben, bis sie brannten, treffen nur in den allerfeltensten Fällen zu. Meistens ist es ein brennendes Streichholz, das seinen Weg in das dürre Waldmoos findet, und wenn ein geeigneter Bind dazukommt, ist der Waldbrand fertig, der einen riesigen Umfang annehmen kann. In den letzten Jahren ist auch das amerikanische Publikum vorfichtiger geworden, und man hat, besonders in Kanada, Flugzeuge Dazu verwendet, um etwaige Brandherde in den unübersehbaren Baldungen aufzuspüren, so daß das Feuer rechtzeitig gedämmt merden tann. Aber die Verluste in Amerika burch Waldbrände gehen noch immer in die Millionen Dollar. Immer wieder sind verHeerende Ratastrophen eingetreten, die man als nationales Unglüc Ufern der Grünen Bai in Wisconsin, ganze Dörfer in Afche, verempfand. Im Oftober 1871 legte das große Peshtigofeuer, an den nichtete über 1000 Menschenleben, machte 2000 Familien heimatlos und verursachte einen Schaden von 30 Millionen Dollar. 10 Jahre später mütete in der Saginawgegend von Michigan ein anderes Riefenfeuer, das bis zum Huronsee drang und ein Gebiet von mehr als 2500 Quadratkilometern mit Tod und Bernichtung überzog. 1894 forderte das sogenannte Hindlenfeuer, das die Stadt Hindley zerftörte, in Minnesota das Opfer von 400 Menschenleben. Eine der furchtbarsten Waldbrandkatastrophen hat sich 1910 in 6 Staaten des Nordwestens der Union abgespielt. Es würden damals über 50 Dörfer und Städte zerstört, gegen 1000 Menschen famen ums Leben und der Materialschaden wurde auf mehr als 2 Millionen Dollar geSchäßt. Ein neues Chefcheldungsgeseh in Japan. Biele Japaner halten das neue Chefcheidungsgefeß, das jetzt in Japan eingeführt worden ift, für eine Revolution, die den Frauen die gleichen Rechte wie den Männern zubilligt. Das neue Gefez gibt nämlich auch der Frau das Recht, eine Ehescheidungsklage wegen unwürdigen Verhaltens des Mannes anzuftrengen. Bisher hatte nur der Ehemann das Rechi gehabt, aus diesem Grunde die Trennung der Ehe zu fordern. Das Gesetz bestimmt auch, daß eine Scheibung bei gegenseitiger llebereinstimmung nur stattfinden soll, wenn auch die Eltern oder Großeltern des Baares ihre Einwilligung gegeben haben. Bisher brauch ten nur Mann und Frau ihr Einverständnis mit der Scheidung zu er Hären. Die Neue Kunhandlung, Tanenbienfir. 6, geint in ihren Ausstellung räument zurzeit Seramil von Defterle, Bottner und Gemälde von Blechen, Corinth, Finetti, Hodler, Hübner, Bäschte, Bechstein, Rohmeier- Borpswede Steinhardt, Leffer Urb. Die Inflationsblüte. „ Ein anständiger Kaufmann hätte in Ihrem Fall gegen fich felbst Konkurs eröffnet, Sie aber haben es nicht getan, also find Sie ein unanständiger Kaufmann. Also sprach der Richler au dem verschüchtert blickenden Angeklagten und er ist eine typische Inflationsblüte", sagte der Staatsanwalt( im Amtsgericht Moabit). M., jung, blaß, elegant, wegen Diebstahl, Untreue und Unterschlagung bereits vorbestraft, besaß ein Restaurant in Banfin. 1925 fam er aus zweifelhaften Gründen nach Berlin und eröffnete hier seine Firma". 21s taufmännisches Genie stellte er sich eine umfassende Warenkollektion zusammen, handelte mit Möbeln, Aluminium, Leder, Korbseffeln, Strümpfen, Gardinen, Damenwäsche.„ Import- Export" stand bombastisch auf seinen Drudfachen und daraufhin erhielt er bereitwilligst jeden gewünschten Kredit. Von etwa 50 Firmen hat er Ware bezogen und nicht be ahlt, fuhr in seinen rührigen Bestellungen selbst dann noch fort, nachdem er bereits in 43 Fällen gepfändet worden war und man in weiteren 60 Fällen nichts mehr zum Pfänden fand. Um feinen Gläubigern zu entgehen, zog er des öfteren um, schließlich machte er sich in seiner Bedrängnis auf und pachtete mit dem Rest seines Geldes in Swinemünde einen Hotelbetrieb, wo er Luft schöpfen moute. Als er genug geschöpft hatte und wieder fröhlichen Fußes in Berlin weilte, erwischte ihn einer seiner Gläubiger und ließ ihn von der Straße weg verhaften. Rachgierigen Blides marschieren 15 3 eugen auf. Schildern untröstlich über ihre Gutgläubigkeit den bösen Reinfall. Erzählen von der mehr oder minder repräsentablen Persönlichkeit M.'s und feiner„ Stenotypistin". Die deutsche Landwirtschaftsbant", bei der M. fein„ Depot" hatte und die ebenfalls geladen war, fonnte nicht erscheinen, da fie inzwischen ihren Geist ausgehaucht hatte und von Der Bildfläche verschwunden war. Eine zweite dunkle Erscheinung, " Freund Hopp" benannt, Bekanntschaft aus dem Sportpalaft. figt" Der Verteidiger machte geltend, daß der Angeflagte nur durch die Bereitmilligkeit seiner Lieferanten, die nicht einmal eine Aus funft eingeholt hatten, zu feinen Bergehen ermuntert worden sei. Daß er eine franke Frau und zwei kleine Kinder ernähren müsse und aus Not gehandelt habe. Er wurde, unter Anrechnung von 7 Wochen Untersuchungshaft, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Da man sonst mit cinem geschwinden Berduften" M.'s rechnen mußte, wurde der Haftbefehl nicht aufgehoben. Der Mann mit dem großen Schlüffelbund führte ihn sogleich hinweg. Schweres Autounglück bei Cladow. 16 Arbeiter verletzt. Heute früh fuhr ein Castauto, das mit Arbeitern besetzt war. die nach Gatow zu Rohrverlegungsarbeiten fuhren, auf der Chauffce nach Cladow gegen einen Baum. Sechzehn Arbeiter wurden schwer verlett. Auf dem Lasttraftwagen befanden sich 50 Aushilfsarbeiter der Städtischen Werfe. Aus noch nicht geklärten Gründen fuhr das Auto in der Nähe von Cladom gegen einen Baum, wodurch der Kraftwagen zum Stehen fam. Die Infassen wurden auf das Chausscepflaster geschleudert. Sechzehn der Arbeiter erlitten mehr oder weniger schwere Verlegungen. Man brachte fie in das Spandauer Krankenhaus, wo neun von ihnen nach Anlegung von Berbänden wieder entlassen werden konnten. Die übrigen fieben, die fast fämtlich schwere Beinverlegungen davon getragen haben, mußten im Krankenhaus verbleiben. Die Namen der Verlegten find folgende: 1. Eduard Ader. hold, Spandau, Lutherplatz; 2. Raspar Szapulla, Spandau, Götelftraße 10; 3. Richard Büschel, Spandau, Bismardstr. 61; 4. Theodor Jaschinsti, Spandau, Seeburger Str. 69; 5. Frizz Schwarzplie B, Spandau, Johannaftr. 62; 6. Robert Eschner, Berlin, Buttmannftr. 5; 7. Karl Seidel, Schöneberg, Bugtom firaße 2. Das Laftauto gehört der Speditionsfirma Schliefte aus der Teltomer Straße in Spandau. Als das Auto auf der Höhe Don Neu- Cladom gegen den Baum fuhr, brachen die Seiten mande, so daß die Arbeiter nach beiden Seiten von dem Auto stürzten und auf das Chausseepflaster fielen. Nachträglich ist noch ein meiterer Arbeiter Friedrich Bohl aus der Götelstr. 94 in Spandau dem Spandauer Krankenhaus zugeführt worden. Auch er hat so erhebliche Berlegungen erlitten, daß er dort bleiben mußte. Großfeuer in einer Holzhandlung. Eine Brandstiftung! 1920, als ihm immer wieder ein Diebstahl bei seinem Schwiegervater vorgeworfen wurde und er durch das Bekanntwerden desselben auch seine Arbeit verloren hatte. Er läßt sich von seiner Frau scheiden, verkehrt in verdächtigen Lokalen in Leipzig, begeht eine große Zahl von Einbrüchen, heiratet nach verbüßter Strafe eine Frau, die ihm wenig zusagt, begeht erneut Einbrüche und entzieht sich der Strafe von 2 Jahren 3 Monaten Gefängnis durch Flucht. Noch während seines Zusammenlebens mit der zweiten Frau begeht er den Mord an der 15jährigen Leder. Er lernte das Mädchen in der Fabrik tennen, in der er arbeitete. Er traute sich nicht an sie heran, da sie wußte, daß er verheiratet sei. Es gelang ihm auch einige Zeit, feiner Anwandlungen Herr zu werden. Dann beschloß er, sie zu mißbrauchen. Er legte am nächsten Morgen im Keller Stroh zurecht, auch einen Strick, für den Fall, daß er ihre Hände fesseln müßte und wartete dann ihr Kommen ab, packte die Ahnungslose, warf sie aufs Lager, versuchte die fich heftig Behrende und Schreiende erst mit einem Strid zu erdrossein, dann ihr einen Knebel zwischen die Zähne zu drücken. Als das alles nichts half, sprang er auf, ergriff ein Stemmeisen und schlug das Mädchen, das sich unterdes auf die Knie aufgerichtet hatte, nieder. Ueber den Kopf warf er ihr dann eine Decke. Der Vorsitzende, der bekannte Kriminalist Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig, leitet die Verhandlung. Der Angeflagte hat während der Voruntersuchung die verschiedensten Aussagen gemacht, hat auch zugegeben, daß er das Mädchen in feiner Aufregung hat töten wollen, als er sah, daß er an der Vebendigen nicht zum Ziele gelangen könne, behauptet aber jezt, daß er sie nur hat mehrlos machen wollen. Protestkundgebung Heute, Freitag, abends 7, Uhr, im Bazenhofer- Ausfchaut( Bodbrauerei), Fidicinstraße 2-3. Tagesordnung: Der Aufwertungsbetrug. Der Verrat der Deutschnationalen an den kleinen Gläubigern und Sparern. Referenten: Die Mitglieder des Reichstags: Hugo Heimann, Berlin Dr. Paul Hertz, Berlin Wilhelm Keil, Stuttgart. Bezirksverband Berlin der SPD. Ueber die Entwicklung des Berliner Verkehrs sprach Stadtbaurai Dr. Abler vor einer geladenen Zuhörerschaft in den Räumen des Architekturbureaus Bau und Einrichtung". Die Zunahme der Bevölkerung, der Bebauung, der Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsstätte hat öffentliche Berkehrsmittel nötig gemacht und wachsende Schnelligkeit der Beförde rung erfordert. Sänfte, Droschte, Omnibus, Pferdebahn, Ringund Stadtbahn, elektrische Straßenbahn, Hoch- und Untergrundbahn find die Abschnitte dieser Entwidlung, die selbstverständlich noch nicht abgeschlossen sein können. Der Vortragende gab Zahlen aus dem ins Riesenhafte gewachsenen Verkehr Berlins, an dem jetzt die Straßenbahnen allein mit fast der Hälfte( 48 Prozent), die Stadtund Ringbahn mit reichlich einem Drittel( 35 Prozent), die Hoch- und Untergrundbahnen mit einem Reuntel( 11 Prozent), die Omnibusse mit dem Reft( 6 Prozent) beteiligt sind. Von einer Erfezung der Straßenbahn durch Omnibusfe erivartet Adler feine Entlastung der Straßen, weil dabei die Zahl der Omnibuffe bis zur Unerträglichfeit zunehmen müßte( mindestens drei Omnibuffe für einen Straßen. bahnwagen nebst Anhängewagen). Für Droschfenautos und Privat autos fei die Geschwindigkeitsgrenze aufzuheben, weil der Berkehr hohe Geschwindigkeiten fordert. Die Entwicklung des Berkehrs fönne Don der Polizei durch Vertehrsordnungen, von der Stadt durch Schaffung neuer Berkehrswege gefördert werden. Stadibaurat Adler schloß mit einem Ausblick auf den Flugver fehr, dem die Stadtverwaltungen ihr Augenmerk zuwenden müs fen. Auf diesem Gebiet sei Berlin vielen anderen Städten voran gegangen, indem es auf dem Tempelhofer Feld, nahe den Wohnvierteln, einen günstig gelegenen Flughafen schuf. Amundsen am Nordpol. Am 20. Mai gestartet. Wie aus Kingsban gemeldet wird, ist Amundsen am 20. Mai zu einem Flug nach dem Nordpol aufgeftiegen. Amundfen und feine fünf Kameraden dürften inzwischen wahrscheinlich fchon am Nordpol gelandet und dort mit Beobachtungen beschäftigt fein. Im einzelnen wird mitgeteilt, daß die Flugzeuge von der Kingsbay starteten, da die Eisverhältnisse im Norden so ungünstig waren, daß es unmöglich war, einen passenden Fled offenen Waffers zu finden, wo sich die Flugzeuge längs der Schiffe tegen fonnten, um Benzin und Vorräte einzunehmen. Groß- Berliner Parteinachrichten. ftraße 19, Funktionärligung. 86. Abt. Mariendorf. Sonnabend, 23 Mat, abds. 8 Uhr, bei Niendorf, Chauffee Jungfozialisten, Mitte. Heute, Freitag, 8 Uhr, Schule Gipsstr. 23a, Aussprache über: Grundfragen des Gozialismus". Referentin: Maria Hodann Gewerkschaftsbewegung Die Antwort aus Moskau. bleiben ihrer Antwort hat die Auswärtige Kommission des Altassi Gemissermaßen zur Entschuldigung für das recht lange Aus schen Zentralgewerkschaftsrats angegeben. infolge verschiedener Ur. sachen und der Londoner Konferenz habe die Tagung des Plenums erst vom 30. April bis 3. Mai vor sich gehen können. Da nun dieser Auswärtigen Kommission befannt war, daß am 7. und 8. Mai die Vorstandssitzung des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Amsterdam abgehalten wurde, wäre es nach europäischen Begriffen fehr wohl möglich gewesen, in dem Zeitraum zwischen dem 3. und 7. Mai von Moskau nach Amsterdam eine Mitteilung gelangen zu lassen. Man scheint jedoch in Moskau gründliche Arbeit zu leisten und so tam es, daß die Antwort der Auswärtigen Kommiffion des Altrussischen Zentralgewerkschaftsrats unterm 19. Mai gegeben wurde. Den vollständigen Wortlaut dieser Antwort brachte die„ Rote Fahne" am 21. Mai. Etwas wesentlich Neues enthält die Antwort nicht. Sie besagt: Wir wollten nur eine gemeinsame Konferenz der Bertreter der Sowjetgewerkschaften und der Amsterdams ohne Vorbedingungen erreichen. Eure Resolution lehnt unseren Vorschlag ab und bedingt, daß erst nach vorhergehender Erklärung über unseren Wunsch, uns Amsterdam anzuschließen, eine Begegnung stattfinden kann. Dies bedeutet den Anschluß an die Amsterdamer Juternationale mie sie ist, d. h. auf Grund der Sagungen und Statuten derselben. Unser Ziel und das Ziel der Mehrheit der ftlassenbewußten Arbeiter der Welt ist die Schaffung einer einigen Interationale der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter aller Länder, die auf dem Boden des Klaffentampfes, auf dem Boden der endgültigen Befreiung der Arbeiterklasse vom Joch des Kapitals stehen." Man erachte es für richtig, wenn der Generalrat und die Erefutive der Amsterdamer Internationale die Beschlüsse vom 5. und 7. februar revidieren und mit dem Alrussischen Zentralgewertschaftsrat ohne Borbedingungen eine Konferenz über die Frage der Gewerkschaftseinheit einberufen würde". Die nächste Sigung des Borstandes des JG B. findet am 29. und 30. Juni in Amsterdam statt, der eine gemeinlame Gizung mit Vertretern der internationalen Berufssekretariate folgt. Ob diese Sigung sich mit der Antwort aus Moskau bereits befassen fann, entzieht sich unserer Kenntnis. Sport statt Tarifvertrag bei der Straßenbahn A.-G. 21 Man schreibt uns: Seit Jahren bemühen fich die Angestellten. Gewerkschaften um den Abschluß eines Tarifvertrages für die Angestellten der Straßenbahn 2.3., doch auch seit Jahren versteht es die Direktion, nachzuweisen", daß die Angestellten gar teinen Vertrag" wellen, da sie sich besser stän den. Genügte nicht schon der Ruf der Bersonalabteilung der Straßenbahn, um an der Freiwilligteit des Berzichtes auf den Tarifvertrag nicht zu zweifeln, jo mußten alle Bebenken zer ftreut werden dadurch, daß die Direktion der Streßen. bahn A. G. jich vom Angestelltenrat schriftlich be. feinigen ließ, daß lie" feinen Bertrag wollten. Diese Bertreter ihrer Interessen waren sich scheinbar des Wohlwollens" ihrer Direktion gewiß ,, als sie für ihre Kollegen auf den Vertrag verzichteten. Oder follten auch sie feit der Mitte des vorigen Jahres ohne eine irgenòmic nennens werte 3ulage geblieben sein? Trog aller Erhöhungen der Mieten, Fahrgelder und Lebenshaltung erhöht die sonst dog lo sozial denkende und wohlwollende Direktion die Gehälter ihrer Angestellten nicht, so daß man annehmen farm. Mittel für eine solche Erhöhung nicht aufzubringen, es wären die Bezahlung geht nun die Gesellschaft dazu über, für ihre Arbeit Troß der scheinbar vorhandenen Unmöglichkeit einer befferent nehmer Sportplähe zu schaffen. Sollte es da nicht body an der Zeit fein, vorher einmal die Gehälter und sonstigen Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten so zu gestalten, daß sie erträglich find? Bei aller Achtung vor Spiel und Sport halten mir doch da für, daß erit e Vorausjegung für solche Dinge fein mußte ein leidlich ernährter und von ständigen wirtfchaftlichen Gorgen freier Mensch. Diese beiden Bor bedingungen hat die Straßenbahn A.-G. innerhalb ihrer Angeftelltenschaft nicht geschaffen, deshalb hat sie fein Recht, fich beim Erwerb von Grundstücken ein philanthropisches Mäntelchen umzuhängen. Erst Brot, dann Spiele! Die Angestellten der Groß- Berliner Städtischen Straßenbahn 2.-G. müssen mir aber doch einmal fragen: 1. Ob fie Sportpläge einer anständigen Bezahlung vorziehen? auf den Tarifvertrag verzichten? 2. Ob sie wirklich, wie die Herren Bertreter ihrer Interessen", 3. Wie lange sie noch den Dallé u. Cle. die Vertretung ihrer" Interessen überlassen wollen? Am Himmelfahrtstage, mo nirgends gearbeitet wurde, fam durch Brandstiftung, abends um 8½ Uhr, Großfeuer in der Bottichfabrik und Faßgroßhandlung, Dampfsägewerk und Nutzholzhandlung von F. Wördel in Spandau, Niederneuendorfer Straße 6-11, aus und verursachte erheblichen Schaden. Als die Spandauer Feuerwehr in der neunten Stunde an der Brandstelle erschien, stand eine 60 Meter lange und 37 Meter breite Halle in ganzer Ausdehnung in Flammen, so daß von dieser 2200 Quadratmeter großen Halle mit ihrem Inhalt nichts mehr zu retten car. Die ganze Einrichtung mit allen Fabrita. tionsmaschinen stand in hellen Flammen. An der Fabrikmauer fand die Wehr noch eine fremde Leiter, die vermutlich von dem Brandstifter benutzt worden war. Diese Brandstiftung war äußerst raffiniert. In unmittelbarer Nähe, und zwar unter dem herrschenden Wind, standen 60 beladene Wagen mit geIchnittenen Hölzern und nur 6 Meter davon eine andere, Halle mit einem modernen Holler- Rundbogendach, unter dem fertige Waren lagern. Diefes Dach brannte bereits. Troz des starten Jünglinge und Rinder, fomie in Damenkostümen, Mänteln, Rieibern und Blusen, perlangten eine Aufbesserung um etma 30 Prez, so daß ihre Löhne Bindes gelang es der Behr, diese Halle zu schützen. Mit fünf Rohren stärksten Stalibers und mehreren C- Rohren griffen die Züge cus Spandau, Siemensstadt und Charlottenburg wirfjam an. Acht Motorsprigen tamen in Tätigkeit. Zulegt erschien gegen 12 Uhr nachts noch die Wilmersdorfer Feuerwache. Um 1% Uhr nachts war das Feuer gelöscht und die Wehr fonnte unter Zurüdlassung ciner Brandwache wieder abrüden. Die Höhe des Schadens steht noch nicht fest. Der Betrieb ber Fabrit steht vorläufig fill. Die Halle mit fertigen Waren ist nur wenig in Mitleiden jchaft gezogen worden. Der Doppelmörder Otto Krause vor Gericht. Das Verbrechen an der 15jährigen. Der Dennewitzer Mord. Der Dennewitzer Mord. Unter Ausschluß der Deffentlichkeit begann heute in Potsdam unter Vorsiz des Landgerichtsdirektors Hellwig die Gerichtsverhandlung gegen den„ Maschinenarbeiter" Otto Krause. Der heutige Tag soll der Aufklärung des Sittlichkeitsverbrechens und des Mordes an der 15jährigen Gertrud Leder dienen. Der Dennemiger Raubmord an dem Konditor Bannide tommt morgen zur Berhandlung. Es find 50 Zeugen geladen. Als Sachverständige wohnen der Sitzung Professor Brüning, Professor Koppe und Dr. Schütze bei. Der Angeklagte, breitschultrig, gut gebaut, mit regelmäßigen Gefichtszügen, grauer Gesichtsfarbe, unruhigen, verhältnismäßig tleinen Augen, pricht mit leiser Stimme in einem unverständlichen fächsischen Dialekt. Als uneheliches Kind im Jahre 1889 geboren, hat er ein bewegtes und unruhiges Leben hinter sich. Schon als Zwölfjähriger erhielt er für einen Diebstahl seine erste Strafe. Als Bierzehnjähriger lief er nach einer ungerechten Büchtigung seinem Lehrherrn, einem Bädermeister, unter Mitnahme von 25 m. davon. Nun nahm er verschiedene Stellungen an, bestahl immer wieder feine Arbeitgeber, erhielt 6 Monate, bann anderthalb Jahre Gefängnis. Burde zum Militär eingezogen, beging auch hier Beruntreuungen, murde fahnenflüchtig, birste eine Strafe ab und führte sich nach jeiner Entlassung vom Militar einige Zeit gut auf. Im Jahre 1914 fam er ins Feld, zeichnete sich hier aus, avancierte zum Unteroffizier, heiratete nach seiner Entlassung im Jahre 1918 ein junges Mädchen, zeugte zwei Rinder, verließ aber seine Frau schon im Jahre Geschäftliche Mitteilungen. Die Firma Stefan Esders. Kailer- Wilhelm- Str. 55, Ede Spandauer Str. 35, bringt ein außergewöhnlich preiswertes Bingitangebot in Anzügen für Herren, alles hochmoderne Modelle aus den neuesten Stoffarten. Durch Herstellung in eigenen Beristätten ist die Firma besonders leistungsfähig und unerreicht in ihren Breisstellungen Ein Besuch der Läger, womit tein Stauzwang verbunden ist, dürfte fich sehr empfehlen. Sport. Der Belgier Cinart auf der Olympiabahu. Bittor Linart Belgien, der fünfmalige Steher- Weltmeister, der gestern zum erstenmal nach dem Kriege in Berlin startete, hatte feine Anziehungskraft nicht verfehlt. Zahlreich umfäumten die 3uschauer die Olympiabahn. Der Belgier fonnte sämtliche drei Dauer rennen gewinnen. Im Großen Bierländerfampf" über 50 Kilometer hielt Linart die Spize bis zum Schluß des Rennens. Eawall tonnte infolge Defeft nicht aufkommen und Saldow schien noch sehr an den Folgen des Chemnizer Sturzes zu leiden. Und Blekemolen war nicht Klaffe genug, um sich hier behaupten zu fönnen. Den„ Olympia preis", über 20 Kilometer, und den Bieis von Tegel", über 36 Rilometer, sicherte sich ebenfalls, wie 25 Stilometer fiegte Stolz, während den Maienpreis" über 15 bereits erwähnt, Linart. Im Kleinen Vierländerkampf“ über Stilometer Naujo fat gewann. " D Lohnbewegung der Eisenkonstrukteure. Die Monieure und Hilfsmonteure der Eisentonftruftionsfirmen haben in den einzelnen Betrieben Lohnforderungen gestellt. Sie 1,20 m. refp. 1,10 m. betragen würden. Gemäß ihren Instruktionen lehnten die Firmen die Forderung ab, so daß zentral mit dem BMI. verhandelt werden mußte. In nochmaligen Berhandlungen wollten die Unternehmer die Monteure nur nach Maßgabe der Löhne bezahlen, die die Kolonnenführer in den Werf ftätten erreichen. Eine schriftlich festgelegte Gonder. entlohnung für die Monteure und Hilfsmonteure lehnte der BM3. grundsäglich ab, da dies dem Gedanken der tariflofen Zeit widersprechen würde". In einer Versammlung, die am Mittwoch für die beteiligten Arbeitergruppen abgehalten wurde, spielte neben der Absage des BBMJ. die Attordarbeit eine wesentliche Rolle. Es ist oft genug vorgekommen, daß bet Montagen bis zu 40 Prog. unter dem Lohn verdient murde. Schlecht falfulierte Affordpreise und der ständige große Bechsel unter den Hilfsarbeitern waren die Beranlassung. Die Versammlung beschloß, an der ursprünglichen Forderung fest. zuhalten und bis zum Sonnabend eine bestimmie Antwort vom VBMI. zu verlangen. Sollte die Forderung abermals abgelehnt werden, wird eine Urabftimmung darüber vor genommen werden, in welchen Betrieben am Montag die Arbeit einzustellen ist. Achtung Zimmerer! Bezirk 14. Morgen, Sonnabenb, ben 28. Mai, abends Alle Kameraden müssen erscheinen. Resultate: DIympia Preis. 20 km. 1.2inart 18 Din. 09,2 Gel, 2. Bielemolen 380 m, 3. Galbom 1050 m, 4. Sawall 2850 m zurild; Breis von Tegel 30 km. 1. 2in art 26 Min. 56 Set., 2. Blefemolen 680 m, 3. Galbow 2520 m, 4. Samall 2530 m zurüd; Großer Bier Länder. The bei Bagner, Swineminder Str. 47, äußerst wichtige Bezirksversammlung. fampf. 50 km. 1. 2inart 45 min. 54,6 Set., 2. Blefemolen 2680 m, 8. Sawall 8510 m, 4. Saldom 3720 m zurüd; Maten Breis. 15 km. 1. Raujotat 15 Min. 50,2 Set., 2. Stolz 270 m, 3. Bouhours 450 m, 4. Gubler 1580 m, 5. ben partog 3300 m zurüd; I einer Bier ander. amb f. 25 km. 1. Sto la 24 Min. 84,2 Set., 2. Faujolat 395 m, 3. den Hartog 1820 m, 4. Gubler 2830 m, 5. Boubours 6550 m zurüd; Malfabre n. 1200 m. 1. trainer, 2. st. Müller( Bandbreite), 8. Lehmann 4. Rädlig. 3. O auf der Treptower Bahn brachten folgende Ergebnisje: Die DRU. in Treptow. Die geftrigen Amateurrennen der RDU. Hauptfahren: 1. Heinrich( Stern), 2. E. Dorn( Endspurf), Mitolsti( Alberto). albstunden Punttefahren: 1. E. Dorn 19 Bunite; 2. Augustin( Endspurt) 17 Bunkie; 3. Slok ( Alberto) 12 Bunite. Stunden Mannichaftsrennen: 1. Dorn SideI( Endspurt) 40,872 Stilometer, 24 Buntte; 2. Stielow Sloß( lberto) 18 Buntte;&. Riebel- rudt( Stern) 10 Buntfe. 19 Berantwortlich für Bolitit: Bietor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebe. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Ghitowsti; Lotales und Sonstiges: Frik Karftätt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S.. Berlin. 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Dietz Nachf G. m. b. H. Berlin SW 68, Lindenstr. 2, Abteilung Sortiment WENESTI Samum 4 of Mischung 1925 Scherif 3 of Nr. 239 42. Jahrgang Aus der Partei. Beilage des Vorwärts Einberufung einer sozialistischen Balkankonferenz. Die Ertutive der Sozialistischen Arbeiterinternationale hat, wie mir bereits furz berichten, in ihrer Sigung in Paris somohl das Memorandum der bulgarijchen Sozialdemotra. tischen Partei als auch Darstellungen und Berichte über die Ereignisse in Bulgarien, die von anderer Seite stammen, in Betracht gezogen. Nach einer eingehenden Aussprache wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: „ Die Sozialistische Arbeiterinternationale verfolgt mit Besorgnis die Ereigniffe, deren Schauplah die Baltanländer sind. Das furcht bare Attentat von Sofia ist, ihrer Ueberzeugung nach, das Ergebnis langandauernder politischer Birren, aus denen das bulgarische Volt nicht zu dauerhaften demokratischen und friedlichen Zuständen zu finden vermocht hat. Die Sozialistische Arbeiterinternationale verurteilt die Methode der Altentate, die, in dem sie Menschenleben vernichten, nur immer neue blutige Gewaltmaßnahmen nach sich ziehen. Aber sie verurteilt nicht weniger nachdrücklich jede Methode, mit der eine Regierung, die den Mehrheitswillen der Bürger ihres Landes mißachtet, sich durch die Gewalt zu behaupten versucht, anstatt dem Lande die Möglichkeit einer Entwicklung in demokratischer Freiheit zu geben. Ebenso verurteilt die Sozialistische Arbeiterinternationale alle von außen tommenden Aktionen, die darauf abztelen, die inneren Unruhen oder die Gewaltmaßnahmen in einem Lande zu verstärten und die Baltanländer in einem Zustand der Erregung zu erhalten, der für den Frieden und die Ruhe ganz Europas gefährlich ist. Die Sozialistische Arbeiterinternationale erflärt ihre Zustimmung zur Haltung der sozialdemkratischen Partei Bulgariens, die in ihrem Rampfe gegen diese Gefahr, mutig gegen den Mißgriff des Belage rungszustandes protestiert, und während sie gleichzeitig die verab. Freitag, 22. Mai 1923 Scheuungswürdigen Anschläge verurteilt, ihre Zustimmung zu seiner Berhängung verweigert hat. Die Sozialistische Arbeiterinternationale fordert die bulgarische Partei auf, in dieser Haltung zu verharren und alle Kräfte der Demokratie in Bulgarien aufzurufen, damit diese den Sieg über die Pläne der Reaktion und der Gewalt davontrage. Um ihrer Aftion weitere Richtlinien zu geben, beschlicht die Exekutive, daß eine von ihr ernannte Kommission so bald als möglich in Prag zufammentreten soll, woselbst eine Konferenz der sozialistischen Parteien der Baltanländer einberufen wird. Diese Kommission wird die Mittel beraten, die es der Internationale ermöglichen solle, an Ort und Stelle die Ereignisse zu überwachen und ihrem Willen zur Demokratie und zum Frieden fichere Geltung zu verschaffen. Die Kommission soll dem bevor. stehenden Internationalen Kongreß Bericht erstatten." Zu Mitgliedern dieser Kommission bestimmte die Exekutive die Genossen Vanderfelde, Tom Shaw und Friedrich Adler. Für jede Figu die richtige Paßform in fertiger Kleidung Große Auswahl niedrige Preise Sakko- Anzug melierter braunlich haltbarer Stoff, mod. gemuster 3800 Sakko- Anzug farbiger 5300 Cheviot mit Streifen modeSakko- Anjughellgrauer kammg 6500 artiger Stoff, dezent gestreift Sakko- Anzug melierter 74,00 grünlich glatt. Chev., feines Streifenmust. modern Sakko- Anzug gemustert Cheviot, sehr strapazierfähig, 8500 Blaue Sakkoanzüge bewäh: te Qual. In mod. 1. and 6800 Wander- Anzüge 2- reihigen Formen 90.-, ZZprima Loden, flotte Sportjoppen 4800 mit Breeches. 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