Nr. 240 42. Jaheg. Ausgabe A nr. 124 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ SiedLung und Kleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenftimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin tomat red Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einipaltige Nonpareilleseile 70 fennig., Stefiamezeile 4 Neichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedrudte Wort 20 Viennig ( anläffa awei fettaedruckte Worte). jebes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erite Wort 10 Pfennig fedes weitere Bort 5 Pfennig. 3orte über 15 Budiftaben zählen Tile amei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 fennig. Anzeigen für die nächste Stummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft. Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr frith bis 5 Uhr nadm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Fernsprecher: Redaktion: Tönboff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 23. Mai 1925 Der Achtstundentag. nichts oder nur sehr wenig zu tun hat. Immer und immer wieder wurde die Reichsregierung deshalb von offiziellen und inoffiziellen Stellen z. B. auch von den ausländischen Gewerkschaftsverbänden zur Unterzeichnung gedrängt bisher vergeblich. Neue Konferenz der Arbeitsminister der Großindustriestaaten. Genf, 22. mai.( Eigener Drahtbericht.) Der französische Arbeitsminister und sein belgischer Kollege werden im Berlauf dieser Woche in Genf erwartet. Ihr Aufenthalt dürfte nicht nur der Teilnahme an der Internationalen Arbeitskonferenz geilen. Es ist viel mehr, wie der korrespondent der Soz. Pressedienst" erfährt, mit einer neuen Konferenz der Arbeitsminister zu rechnen, die sich mit der Ratifitation des Washingtoner 2btommens beidhäftigen foll. Es heißt, daß die englische Regierung bereits entjpredjende vertrauliche Einladungen an Deutschland und 3talien gesandt hat. Bon dem englischen Arbeitsminister wird angenommen, daß er in nächfter Jeit in Berlin eintreffen wird, um mit Dr. Brauns die Teilnahme an der neuen Konferenz zu besprechen. Die Augen der gesamten organisierten Arbeiterschaft werden sich bei Beginn der neuen Konferenz wieder auf Genf richten, das mun schon seit Jahren der Ort ist, wo man fich um wird die neue Zusammenkunft der vier Arbeitsminister eine internationale Regelung der Arbeitszeit bemüht. Was bringen? Wird man zu einer endgültigen Regelung diefer für das fulturelle und soziale Niveau der Arbeiterschaft so entscheidenden Frage fommen? Wird das Deutsche Reich endlich seine Unterschrift unter den Vertrag fetzen oder wird man auch diesmal nicht zu einem Abschluß fommen? Das Washingtoner Abkommen, das die Basis auch für die fommenden Verhandlungen bildet, will den Achtstundentag in den beteiligten Ländern gefeßlich festlegen. England, Frankreich und Belgien haben durch ihre Bertreter immer wieder erklären lassen, daß sie zu einer unter zeichnung bereit sind, wenn Deutschland seine Unterschrift gibt. Bisher aber hat sich die deutsche Regierung bemüht, durch besondere Abmachungen die Mögfichkeit der Verlängerung des Achtstundentages zu erreichen. Man wollte den§ 14, der im Falle des Krieges oder der Gefährdung der nationalen Sicherheit eine Durchbrechung des Abkommens vorsieht, für Deutschland in Verbindung bringen mit den Verpflichtungen aus dem Dawes- Plan, der uns angeblich zu größerer Kräfteanspannung zwingen foll als andere Bolkswirtschaften. Indessen beweisen sowohl Frankreich durch feine Aufbauarbeit in der früheren Kriegszone und England durch die Veröffentlichungen von ausführlichen Produktions statistiken, daß Arbeitszeit mit Produktionshöhe, daz also Arbeitszeit mit der Abdeckung der Reparationslasten Stresemanns Regierungsoppofition. Stresemanns Stuttgarter Rede soll ihm den Kopf koften. Herr Stresemann hat in Stuttgart gewagt, von den Aus landsdeutschen von Achtung, ja von Ehrfurcht vor der Republik zu sprechen. Grund genug für die" Deutsche Zeitung", mit schwerem Geschüß auf ihn zu schießen. Mit drei Schlag zeilen in groß, größer am größten schreit sie ihm entgegen: Stresemann zur Kriegsschuldfrage. Anerkennung der deutschen Mitschuld! Politik von eigenen Gnaden," Sie versucht, eine Differenz zwischen Stresemann und der Reichsregierung festzustellen: „ Noch seltsamer aber ist ein weiteres für einen deutschen Außenminister wahrhaft unerhörtes Bort, das er aussprach, als er auf Deutschlands Stellung im internationalen Leben einging und in dem erklärte: daß Deutschland nicht mehr mora lische Schuld" trüge als die anderen Bölfer; mit diesen Borten gibt der deutsche Reichsaußenminister zu, daß Deutschland über hauptschuldig ist, daß also das Bersailler Diftat nicht auf einer Lüge, sondern nur auf einer Uebertreibung beruht! Das ist die in ihrer vernichtenden Wirkung zwangsläufig unendlich verderb fichere Wiederholung jenes verhängnisvollen Bethmann Ausspruchs vom llnrecht an Belgien - und es ist die Sabotage der seit sechs Jahren unterlassenen und seit einem Jahre versprochenen Attion gegen die Kriegsschuldlügel Daraus aber ergibt sich die Frage der erant wortlichkeit; denn Stresemanns Mitschuldbekenntnis[ prengt weit den Rahmen beraußenministeriellen Reffort zuständigkeit: die Richtlinien der Politif" werden nach der Berfassung vom Reichstanzler bestimmt; die Reichsminister, also auch Herr Stresemann, leitenden ihnen anvertrauten Geschäftszweig innerhalb dieser Richtlinien" soweit nun uns befannt ift und soweit das deutsche Volt bisher geglaubt hat, zielt die Grundlinie der Politik des gegenwärtigen Reichsfabinetts auf den Widerruf der Kriegsschuldlüge." Kaum redet Stresemann wieder, so fällt er den Deutschnationalen unangenehm auf. Immerhin fommt die Opposition aus den Reihen einer Regierungspartei, und so antwortet Stresemann mit folgendem Dementi, das durch Wolff verbreitet wird: In der heutigen Abendausgabe der„ Deutschen Beitung wird die Behauptung aufgestellt, der Reichsminister des Auswärtigen habe in seiner Stuttgarter Bankettrede zugegeben, daß Deutschland am Striege fchuldig fei, daß also das Bersailler Dittat nicht auf einer Seit dem Herbst 1924 scheint eine größere Bereitschaft zur Ratifizierung durch die deutsche Regierung vorzuliegen. Das Ergebnis der legten Konferenz der Arbeits: minister im September vorigen Jahres war vor der Hand durchaus befriedigend. Der damalige und heutige Arbeitsminister stellte gemeinsam mit den Vertretern der drei anderen Länder fest,„ daß es vor allem aus fulturellen und sozialen Gründen er wünscht sei, auf der Grundlinie des Washingtoner Abkommens zu einer brauch baren internationalen Anwendung des Acht stundentages zu gelangen. Die meisten bisher bestehenfeitigt und man habe den Eindruck, daß es möglich sein wird, den Auslegungsschwierigkeiten seien nunmehr prinzipiell bezu einer gemeinsamen Ratifizierung des Washingtoner Uebereinkommens zu gelangen". Die Arbeiterschaft der beteiligten Länder atmete damals auf, die Hoffnung auf eine Beschleunigung der bisher träge fich dahinschleppenden Verhandlungen war erwacht, das Ziel des internationalen Normalarbeitstages, das alte Ziel der organisierten Arbeiterschaft der ganzen zivilisierten Welt fchien bald erreichbar. Die nächsten Wochen werden darüber entscheiden, ob Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftscheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Die deutsche Presse. Was sie ist und sein solite! In Die Fangarme der wirtschaftlichen Interessenpolitik schlingen fich in immer steigendem Umfange um das Instrument stärker in ihren Dienst. Noch ist das Ende dieser Entwicklung, der öffentlichen Meinung", zwängen die Presse immer die durch Namen wie Stinnes und Hugenberg nur charakterisiert, nicht erschöpft wird, nicht abzusehen. immer neuen Fällen tritt an die Stelle eines namhaften Verlegers alter Schule der namenlose Attionär, an die Stelle eines persönlichen, mit der politischen und fulturellen Haltung feines Blattes eng verknüpften Eigentümers das Verlagsdirektorium einer anonymen, hauptsächlich auf Erwerbszwecke bedachten Gesellschaft. Diese Entwicklung berührt nicht nur die Oeffentlichkeit, die Anspruch darauf erheben muß, jene Kräfte zu kennen, die hinter dem bedruckten Papier wirksam find. Sie berührt vor allem und sehr direkt die für die öffentliche Meinung" tätigen geistigen Arbeiter. Als Redakteure und Schriftsteller sollen fie wenigstens der Idee nach im Kampfe um Weltin dem großen Wettstreit um geistige und gesellschaftliche anschauungen, um politische, wirtschaftliche oder kulturelle Programme stehen, sollen gleichsam Führer des Volkes fein Güter. Wie sieht es aber in Wirklichkeit aus? Selbst in alten Zeitungsfirmen, die in der Geschichte der deutschen Bresse Klang und Namen hatten, ist der Dienst der Schriftleiter den. Und der einzelne Journalist wird, auch wenn er den immer mehr den tapitalistischen Erfordernissen angepaßt worbesten Willen hat, ummerklich aber sicher an der freien Entfaltung feiner Persönlichkeit behindert und den höheren' Beitungsunternehmen gilt, wirft sich in noch viel höherem Maße bei den Konzernen aus, die heute schon ganze Gebiete der einst noch verhältnismäßig unabhängigen Bresse sich unterworfen haben. im Zeitungswesen werden auch den Redakteuren immer mehr Die Folgen dieser Entwicklung zum Hochlapitalismus fühlbar. Im Reichsverband der deutschen Preffe", in dem fie ihre Berufsvertretung sehen, ist deshalb feit Jahren das diese Hoffnung berechtigt war. Der Standpunkt der Ali- Berlagsinteressen dienstbar gemacht. Was bei diesen alten ierten hat fich in dieser Frage nicht geändert; fie find zur Unterzeichnung nach wie vor bei der Beteili gung Deutschlands bereit. Es wird alles von der Bereitwilligkeit der deutschen Regierung zur Unter Schrift abhängen. Hier muß es sich zeigen, ob Dr. Brauns feinen Standpunkt vom Herbst vorigen Jahres im" Strome der Zeit" geändert hat oder nicht. Steht er zu seinen Worten, dann ist die endgültige Ratifikation nur noch eine Frage von Wochen. Berzichtet er aber unter dem Druck des deutschnationalen Einflusses in der Regierung darauf, seiner Auffassung von damals nun auch endlich zu entsprechen, dann muß er des schärfsten Kampfes der deutschen Arbeiterschaft gewiß sein. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser Kampf unter Ausnutzung aller verfassungsmäßigen Mittel schließlich zu einem Siege der Arbeiterschaft führen wird. Lüge, sondern nur auf einer lebertreibung beruhe. Demgegenüber wird festgestellt, daß Reichsminister Dr. Strefemann in diefer Stutt garter Rede die Kriegsschuldfrage als solche überhaupt nicht berührt hat. Der Reichsminister hat im Gegenteil bei Erörterung der Stellung der Deutschen im Auslande darauf hingewiesen, daß der einzelne Deutsche im Auslande neben dem Ange hörigen anderer Staaten in voller Gleichberechtigung daftehe und sich ihm gegenüber durch feine moralische Schuld belastet zu fühlen brauche. Aus den weiteren Ausführungen des Minifters, in denen er in nachdrücklicher Formulierung darauf hinwies, daß am deutschen Bolt ein moralisches Unrecht begangen worden sei, ergibt sich, daß die von der Deutschen Zeitung der Rede des Ministers unterstellte Tendenz volltommen unrichtig ist. Somit entbehren die von der„ Deutschen Zeitung" angestellten Betrachtungen über die Haltung des Ministers Dr. Stresemann bzw. des Reichskabinetts zut Striegsschuldfrage jeglicher Grundlage." Es fennzeichnet den Zustand des Rechtsblods, daß der Reichsaußenminister sich mit einem unfreundlichen Dementi gegen das Organ einer Regierungspartei wendet. Sturz der belgischen Regierung. ihrer Stellung gegenüber den Verlegern und der erlangen nach einer gefeglichen Regelung ihrer Stellung gegenüber den Verlegern und der Deffentlichkeit lebendig. Es verdichtete sich zu der Forderung teurs als„ öffentlichen Dienst" gekennzeichnet und dementeines Journalistengesetzes", in dem die Arbeit des Redaksprechend mit einem Mindestmaß gesetzlichen Schutzes gegen offene oder versteckte Nötigung zur Verlegung der Berufspflichten umgeben werden sollte. " Bei all den oft leidenschaftlichen Auseinandersehungen innerhalb ihrer Berufsvertretung haben jedoch die Redakteure der bürgerlichen Bresse immer wieder erkennen müssen, daß jede noch so flare und scharfe Bestimmung über Gefinnungsschutz ein Messer ohne Heft und Klinge bleiben muß, solange nicht ein wirtschaftlicher Rückhalt Dem einzelnen auch den Kampf um feine Ueberzeugung ermögliche. Tatsächlich sind aber fast alle Redakteure bürgerlicher Organe wenige Ausnahmen bestätigen nur die Regel ohne jede soziale Sicherung, fei es auch nur gegen die Folgen des Alters und der Arbeitsunfähigkeit. Diese soziale Unsicherheit der einzelnen bleibt nicht ohne Wirkung auf das Berhältnis zu den im Berlag" fonzentrierten wirtschaftlich stärkeren Kräften. Das Verlangen nach gesetzlicher Festigung Ihres Berufs ist deshalb in hohem Maße eine soziale und ethische Forderung. Gie entspringt der Erinnerung an die hohe Wertung, die den geistigen Leitern der Zeitung früher zutelt wurde und, wenigstens im Kern der Leserschaft, noch heute zuteil wird. Aber leicht verständlich ist, daß die Verleger fich bisher mit Händen und Füßen gegen eine folche gefeßliche Regelung und die damit verbundene öffentlich rechtliche Anerkennung des Berufs der Journalisten wehren. Ihr Einfluß ist und das beleuchtet dle Lage deutlicher als Reden und Aufsäßeso start, daß den Redaktionen hat, wie vorauszusehen war, die Regierung Bandervyvere am Brüssel, 22. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die belgische Kammer fast sämtlicher deutschen Blätter untersagt ist, über das Journalistengesetz und die mit ihm zusammenhängenden Freitag mit 98 gegen 73 Gtimmen bei 9 Stimment. Fragen in ihren Blättern zu berichten! Im so ungestörter haltungen geftürzt. Der Versuch Bandervnperes hat indeffen fönnen dann die unsichtbaren Einflüsse des Verlegerdie Sage einigermaßen geflärt und gezeigt, daß jede rechtsfapitals gegen die Bestrebungen der geistigen Fronarbeiter gerichtete Regierung unmöglich ist. Beide bürgerliche wirksam sein! Barteien gaben jegt zu, daß ohne Sozialisten nicht regiert werden fann und die kommende Regierungstoalition ausgesprochen demokratischen Charakter haben muß. Eines wollen bie bürgerlichen Parteien wenigstens retten, nämlich ihre Einheit, und fei es auch nur äußerlich: so taucht nun mit großer Bestimant heit der Blan einer bemofratischen Koalition unter ozialistischer Führung auf, in welche die demokratischen Elemente der Katholiten und Liberalen auf der Grundlage eines tontreten demokratischen und sozialen Programms mit Ermächtigung ihrer Parteien eintreten würden. Für sie Sozialisten ist das aller dings bei weitem nicht das Ideal. Sie wünschen zwar eine demofratifde Mehrheit hinter der Regierung, aber auch eine ausgefönliche Beschimpfung des Gegners getreten, und zwar nicht [ prochene Opposition der fonservativen Minderheit. Fret ich ist zu erwarten, daß diese Oppofition schon durch die Bogit ber Tatsachen felbft gefchaffen wird. Boraussichtlich wird die neue Arise eine 25sung schon in den nächsten Tagen erfahren. Fortschreitende Klärung. Man muß die soziale 3witterstellung des Berufs der heutigen Redakteure der bürgerlichen Presse in Betracht ziehen, wenn man die deutsche Preffe in ihrer Gesamtheit beurteilen will. Für aufmerksame Beobachter ergibt sich ein offenkundiger Niedergang in der geistigen Leistung der Breffe. Ihre Kapitalisierung und Mechanifierung erflären vieles, aber nicht alles, was an polemischen Ausschreitungen übelster Art in einem großen Teil der deutschen Zeitungen nachgerade Gewohnheitsrecht geworden ist. An Stelle fachlicher Auseinandersetzungen ist vielfach die per: nur der Gruppe oder Partei, die von dem Gegner publizistisch pertreten wird, sondern auch dieses gegnerischen Publizisten felber. Wo fundamentales Wissen und geschliffener Stil mit einander verbunden sein sollten, um andere zu überzeugen, wird heute vielfach mangelnde Kenntnis strittiger Fragen mittels einer Polemik im Heugalielstil zu verdecken gesucht. Diese Entartung journalistischer Betätigung scheint uns zu wachsen mit dem Umfang der Konzerne, die hinter den Unter- nehmen stehen. Der„Rcichsverbond der Presset der am 23. und 24.»Mai in Berlin seine Jahresversammlung abhält, legt besonderes Gewicht daraus, daß für den Stand der Redakteure und die Presse als Sammelbegriff jenes Maß von öffentlicher Wert- schätzung gewonnen oder wiedergewonnen wird, das für ein ersprießliches Funktionieren dieses Instruments der öffent- lichen Meinung notwendig sei. Zweifellos sind auch in der bürgerlichen Publizistik Kräfte mit starkem sittlichen Wollen tätig, die mit Grauen die Verwilderung sehen, die besonders nach dem Kriege in einem Teil der Zeitungen eingerisien ist. Sie fragen sich mit Sorge, wie das Ansehen der Presse als einer sittlichen Anstalt gehoben werden kann, solange eine große Zahl ihrer Angehörigen vor der Oeffentlichkeit jede Rücksicht auf dieses Ansehen vermissen lasten. Wir reden selbstverständlich in diesem Zusammenhange nicht davon, daß die Sozialdemkratie und ihre Per- treter vor allem die Objekte von Angriffen dieser journalisti- schen Unzulänglichkeiten bilden. Die Sozialdemokratie ist im Kampf gegen eine Welt von Feinden groß geworden und stark geblieben, trotzdem das Kapital wirkliche„Ovfer" ge- bracht hat, um sie„geistig überwinden"' zu lassen. Sie scheut auch heute den Kampf nicht, und ob er noch so gehässig gegen sie geführt würde. Aber eine gewisse Abart bürgerlicher Blätter hat es sich zur Ausgabe gemacht, jeden Politiker und im öffentlichen Leben stehenden Mann, wenn er ihren Wün» schen nicht entspricht, mit einer Flut von Berdächtigungen und Beschimpfungen zu überschütten, so daß selbst starke Naturen darunter zusammenbrechen könnten. Erzberger ward so zur Strecke gebracht, R a t h e n a u nicht minder. Daß Friedrich E b e r t vorzeitig starb, daran trägt diese Abart „politischer" Organe ihr vollgerüttelt Maß. Und wenn Scheide- mann und Dr. Wirth noch leben und wirken können, so ist die Presse daran wirklich unschuldig. Solche Ausschreitungen sind zweifellos zum guten Teil eine Folge der Z Witterstellung des bürger- l i ch e n I o u r n a l i st e n. Die Bestrebungen nach sittlicher Hebung und sozialer Sicherung des Redakteurberufs findet deshalb auch bei der Sozialdemokratie volles Derständnis und Unterstützung. Denn schließlich wird es notwendig sein, ein- mal klar zu unterscheiden zwischen denen, die der Menschheit Würde auch durch die Presse bewahren wollen, und jenen anderen, die als journalistische Kondottieri das Raufen zur Profestion machen! Wenn die„Teutsche Tageszeitung" wisseuschaftlich wird. Es ist bisher gute Sitte gewesen, daß die Agrarier jedes« mal bei Beginn eines Zollkampfes zunächst der Wahr« heit den Krieg ansagen. Das ist weiter nicht erstaunlich. Denn die Getreidezölle widersprechen so den Interessen der breiten Masse der Berbraucher und des größten Teiles der schassenden Landwirte, daß man nicht anders für sie ein- treten kann als unter Verdrehung grundlegender Tat» fachen und unter Ableugnung der Wirkungen von Zöllen auf die Gesamtwirtschaft. Nun hat der s o z i a l d«- mokratischeParteiausschußm seiner Entschließung gegen den Vrotwocher mit gutem Grunds folgendes fest- gestellt: . Im Kampf gegen dies« verhängnisvollen Pläne weiß sich die Sozialdemokratische Partei einig mit der Wissenschaft. deren maßgebende Vertreter vor jeder unnützen Ver- teuerung der Produktion durch Schutzzölle aus Brotgetreide und auf industrielle Ztohstoffe eindringlich warnen." Um diese Feststellung zu widerlegen, zitiert das Agrarier» organ— wir fangen die List« mit Absicht von hinten an— Mmunösens Noröpolflug. ?m Flugzeug zum Nordpol. Mit dem gewohnten raschen Zugreifen hat Amundsen, der seit einiger Zeit in Spitzbergen weilt, um mit seinen 7 Flugzeugen den Nordpol zu bezwingen, am Freitag, da die meteorologischen Berichte günstig waren, den Flug zum Nordpol angetreten und wenn die Meldungen aus Amerika zutreffen, inzwischen bereits vollendet. Er dürfte, wenn der Funkspruch bestätigt wird, bis diese Zeilen dem Leser zukommen, und alles glücklich verläuft, bereits wieder nach Kingsboy auf Spitzbergen zurückgekehrt fein. Amundsen ist der Konquistador der Pol«. 1911 hat er nach echter Wikingerart gleichfalls überraschend den Südpol beMungen und so wirb sich der Ruhm an seinen Namen heften, daß er auch der erste Eroberer des Nordpols ist. wenigsten» im Flugzeuge. Ueber den Nordpolslug Amundsen» wird au» Kingsbay (Spitzbergen) über Oslo gemeldet! Die beiden Flugzeuge Amundsen» sind mit Betriebsstoss für ein« Strecke von 2400 Kilometer ausgerüstet und haben, für den Fall, daß es notwendig wird, die Rückreise zu Fuß zurückzulegen. auch für SV Tage Proviant an Bord. Es ist beabsichtigt, daß beide Moschinen nebeneinander in 100 Metern Abstand auf«00 bi» 700 Meter Höhe, auf der Rückreise jedoch auf 2000 Meter Höh« gehen. Die Flieger beabsichtigen, auf dem Hin- und Rücksluge keine Zwischenlandung vorzunehmen, es sei denn, daß sie dazu gezwungen werden. Die.Hobby' erhielt unmittelbar vor dem Start Defehl, nord- wärt» zu gehen, während die.Fram" einige Stunden später folgte. Die Schisse werden so weit nordwärts gehen, als es die Eisvcrhäll- niste gestatten, und nach den Fliegern Ausschau hatten. Für die ersten Tage sagten die Meteorologen günstiges Wetter voraus. Eine andere Meldung aus Kingsbay besagt:„lleber acht Stunden find bei herrlichem Wetter die beiden Flugzeuge mtt Amundsen und Ellsworth nach dem Nordpol unterwegs. In Noch- mals acht Stunden erwartet man die Rückkehr der Polarforscher. Die Besatzung der„Farm" und die Einwohnerschaft von Kingsbay sind fast ununterbrochen auf den Beinen. Wie Amundsen vor seiner Abfahrt selbst erklärte, hoffte er, schon Freitag abend wieder auf Spitzbergen zu landen. Di- Flugzeug« haben außer allen Aue- rüstungsstücken für einen längeren Aufeitthott aus Eis und Wasser Benzin und Oel für eine Strecke von 2600 Kilometer an Bord. Unter der Besatzung befindet sich außer dem Amerikaner Ellsworth auch der deutsche Mechaniker Karl Feucht au» Friedrich». Hagen. Schon sieben Minuten nach dem Start waren die Flug- zeug« dem Gesichtsfeld der Beobachter am Lande entschwunden. Der Flug ging zunächst an der Küste entlang, über Däneninsel und Amsterinsel hinweg in gerader Richtung noch Norden. Falls da» Wetter umschlagen sollte, ist mit einer frühzettigen Rückkehr der Expedition nach Kingsbay zu rechnen, doch glaubt man bis jetzt allgemein, daß Aimindsens Flug restlos gelingen wird. einen der wenigen ernsthasten Lußenfetter der deutschen Nationalökonomie, die noch heute für Agrarzölle eintreten, nämlich den Prof. Conrad v. D i e tz e. Nun,«ine Schwalbe macht keinen Sommer. Deshalb wird der gute Name dieses Professors neben den fragwürdigeren eines angeblichen Berliner Privatdozenten gesetzt, der im Hauptberuf bezahlter An. gestellter der schutzzöllnerischen Preußi» schen Hauptlandwirtschaftskammer ist und dessen Wandlungsfähigkeit in seinem Urteil über die Not- wendigkeit der Schutzzölle in Fachkreisen geradezu sprichwört- lich geworden ist. Dieser Mann, mit dem wir uns an anderer Stelle ausführlicher befassen, ist Dr. Kurt Ritter. Sein wissenschaftliches Urteil wird nicht hoch zu bewerten sein. Weiter wird Prof. Gering zitiert, der übrgens besagten Herrn Ritter der Unwissenschaftlichkeit überführt hat und dessen Meinung mit der bewußten Absicht emer Fälschung wiedergegeben ist. In einer von der„Deutschen Tageszeitung" zitierten Stelle seiner Schriften hat sich nämlich Prof. Sering dafür eingesetzt, daß Agrarzölle eingeführt werden sollten zur Abwehr von handelsfeindlichen Maßnahmen feind» sicher Länder. Solche Zölle wären aber Kampf zölle. Sie wären im selben Augenblick hinfällig, wenn der Gegen- stand des Kampfes hinfällig ist. Sie könnten also nie und nimmer als Schutzzölle für lange Zeit begründet werden. Zudem gehört Prof. Sering zu den Unterzeichnern der nach- stehenden Kundgebung, auf deren Boden sich 90 P r o z. der deutschen Nationalökonomen und Fachwissenschastler ge- einigt haben. Zur Gedächtnisstärkung der nanonalökono- mischen A-B-C-Schützen in der„Deutschen Tageszeitung" geben wir sie hier nochmals wieder: .Die neue Wirtschastsstruktur Deutschlands, die Auswirkung de» Londoner Abkommens und wesentliche Aenderungen in der Grup- pierung der Kräfte am Wellmarkt haben Deutschland vor eine von Grund auf neu« handelspolitisch« Lage gestellt, vi« unterzeichneten Vertreter der Wirtschaft»- und Sozialwissenschaften, unter ihnen eine Anzahl Gelehrte, die die Grundgedanken der deutschen Handelspolitik vor demKriegeverteidigthaben. machen Insbesondere mtt allem Nachdruck darauf aufmerksam, daß Deutschland unter den heutigen DerhäUnIsien gezwungen Ist, namenl- sich auch zwecks Rationalisierung feiner Landwirtschafl und Industrie sich die vorteile de» weltwirlschafllichen Güteraustausches zu eigen zu machen. Sie oermögen daher Industrie» und Agrarzölle nur so weit zu billigen, als sie ein unentbehrliches und erfolgver» sprechenden Mittel für ein« freiheitlicher« Gestaltung des internationalen Verkehr» bedeuten. Eine künsiliche Verteuerung der Lebenshaltung durch wlrlschaslsposilisch« Maßnahmen ist im Deutschland der Gegenwart besonder» bedenklich. Der schwierigen Lage der deutschen Landwirtschaft muß mit geeig- neten Mitteln entgegengewirkt werden, durch bloße Fortsetzung des vortriegszeitlichen Zollschutz«» würde s i e nicht«nt» scheidend gebessert, eher verschlimmert werden." Diese klare Absage an jede Schutzzollpolitik, die von der weitaus überwiegenden Mehrzahl der deutschen Wissenschast«rteill wurde und die über 700 Unterschriften der namhaftesten Gelehrten trägt, berechtigte unseren Parteiaus- fchuß durchaus zu der oben wiedergegebenen Feststellung. Es ist also«in Appell an eine D« n t t? S g h« t t. wie man sie nur von Lesern der„Deutschen Tageszeitung" er« warten kann, wenn das Agrarierorgan Herrn v. Dietze und Dr. Ritter als„maßgebende Vertreter der beut. schen Wissenschaft" hinstellt, und nun behauptet, der Parteiausschuß habe sich seinerseits in«men Gegen» satz zu r Wissenschaft gestellt. Wir können gern und gut darauf verzichten, diese Art der Polemik als da» zu kennzeichnen, was sie wirklich ist. Die„Deutsche Tageszeitung" wird ihre Lesar schon richtig einschätzen. Ihre National- Ökonomie reicht nicht weiter als die Geographie des Job Zimmermann oder die Philosophie ihres.�rwa"-Mitarbei» ters, der vor lauter„Dingen an sich" fein« Nase nicht sieht. Aber einfache Tatsache« wird sie ni&t ans der Welt schaffen können. Amundsen als Polarforscher. Roald Amundsen ist am IS. Juki 1872 in Borge(Norwegen) ge. boren. Er ist von Jugend auf mtt der See vertraut und al« er mtt 17 Iahren die Rückkehr Nansens von seiner Grönlandsohrt miterlebte, da stand sein Schicksal fest: er gewann Erfahrungen aus Fahrten in da» nördlich« Eismeer und nahm 1897 an der belgischen Südpolar- expeditton teil. Bon 1901 an unternahm er mtt einem kleinen Segel- schiff seine ersten selbständigen Fahrten im Nördlichen Eism«er. 1903 gelang ihm sein« erst« groß« Tat. Er erzwang mtt seinem kleinen Schiff„Djöa" die Nordwestpossag« im Norden von Amerika, von der er erst 1903 durch die Beringstrotz« über San Franzi-ko zurückkehrt«. Hierbei machte er wertvoll« wissenschaftlich« Feststellungen über di« magnetischen Berhältnisse im Nördlichen Eismeer. Sein Buch»DI« Nordwestpassage" gibt«ine lebendige Schilderung von dieser Fahrt. 1910 trat Amundsen ein« neu« Expedttion in da» Nördliche Eismeer an. saht« aber mitten auf der Fahrt, als die Nachrichten eintrafen, daß sowohl Cook wie Peory den Nordpol erreicht hätten. den Entschluß, den Kur» zu ändern und auf den Südpol loszu- steuern. In einem kühnen Handstreich erreichte er in weniger al« 4S Togen über den Antarktischen Kontinent mit vier Begleitern am 14. Dezember 1911 den Südpol. Die systematisch vorberettete Expeditwn des englischen Kapitän» Scott, di« kurz nach ihm den Südpol erreichte, endet« bekannttich tragisch. Amundsen hatte den Ruhm weg und war mtt einem Schlag der populärste Polforscher, dessen Bericht in Hunderttausenden von Exemplaren in di« Well ging. Seitdem hat er ununterbrochen wahrhaft heroische Versuche unternommen, auch den Nordpol zu erreichen, aber all« dies« Ver- suche sind fehlgeschlagen. Am bekanntesten war sein Vorstoß von Nordostsibirien aus, den er 1918 begann und im Juli 1920 in Nome beschloß, da die projektiert« Triftsahrt noch dem Vorbilde Nansens durch das Polareis mißlang. Auch alle späteren Versuche führten zu keinem Erfolg. Schließlich mußt« Amundsen. nachdem er alle seine HUfsmittel erschöpft hatte, seinen Bankrott ansagen. Trotzdem gab er seinen Plan nicht auf und diesmal scheint der Erfolg ihn begünstigt zu haben. Ab» wenn« den Nordpol im Sturm genommen hat. so verdankt et es außer seinem Wagemut vor allen den technischen Fortschritten, die es heute erlauben, mtt einem Flugzeug von Spitzbergen au» in einem Tage den Nordpol zu»reichen und am gleichen Tag« zurückzukehren. Das wissen» schaflliche Ergebnis einer solchen Fahrt ist natürlich Verhältnis- mäßig gering, da» sportliche überwiegt. Ist der Nordpol bereit, erreicht? D» Kampf wn den Nordpol ist«in» der interessantesten Kapttel der geographischen Entdeckungsreisen. Er geht auf Jahr» hunderte zurück und hatte zunächst den prakttschen Zweck im Auge. eine nordöstliche Durchfahrt nach Hinterafien zu finden. Ein« große Anzahl d» kühnsten Seefahrer haben sich diesem Unternehmen ge- widmet und nach und nach die Karte des Wrdllchen Eismeere« erschlossen. Diele hervorragende Forscher haben unt» unsäglichen Der Kampf um öen fluftvertungsfatz. Tas„schwere Herz" der Deutschuationalen. Im Aufwertungsausschuß des Reichstags drehte sich die Debatte gestern zunächst um einige vom Abg. Dr. Best zum § 1 gestellte Anträge, die vorwiegend juristisch» Art waren. Ein» dieser Anträge wollte eine klare Begriffsbestimmung der„Der, mögensanlage" im Sinne des Gesetzes geben und damtt das Gesetz dem Laien verständlicher machen. Die Regierungsmehrheit lehnte die Anträge ab und nahm den Z 1 mit der Einschaltung an, daß als der Aufwertung unterliegende Vermögensanlagen neben den für Grundkreditzwecke ausgenommenen verbrieften Darlehens- schulden von Grundkredttanstalten auch solche von Kommunalkreditanstalten gellen. Eine längere Erörterung rief die Frage hervor, wie privat- rechtlich« Kredite der Gcineinden zu behandeln sind, ob nach den Vorschriften für die öffenttichen Anleihen oder nach denen für di« Hypotheken. Die Entscheidung wurde zurückgestellt bis zur Beratung der Borlage über die Ablösung der öffentlichen Anleihen. Die Frage des Genossen Dr. Q u e s s e l, ob nicht die Wechsel- tredite der Reichsbant unter den Absatz 2 des§ 1 fallen und damit der Hypothekenaufwertung unterliegen, wurde von der Regierung verneinend beantwortet. Während Q u e f f e l gellend machte, dem Deutschen Reich als armen Gläubig» stünden die großen Konzerne als reiche Schuldner, di« au» den Papiermark- trediten«norme Profit« gezogen hätten, gegenüber, antwortete der Regierungsvertret», da, Reich selbst gehör« auch zu den großen Kredllnehmern bei der Reichsbank und würde daher von der Auf- Wertung der Wechseltredite am härtesten betroffen werden. § 2 d» Vorlage bestimmt den Aufwertungssatz. Hierzu lagen fünf Vorschläge vor. Der Regierungsvorschlag kommt zu einem Aufwerwngssatz von 13 Prozent mtt einer even- tuellen Zusatzaufwertung von 10 Prozent. Der R e i ch s r a t schlägt einen«inhettlichen Höchstsatz von 20 Prozent vor. Der Kom- promißvorschlag der Regierungsparteien geht auf einhettlich 25 Proz. Diese drei Vorschläge wollen eine Ermäßigung des Satzes zugunsten des Schuldner» beim Vorliegen«in» groben sin- billigkeit zulassen, aber kein« Erhöhung zugunsten d«s Gläubiger». Der Antrag der Sozialdemokratie sieht einen Nor» malsatz von 4 0 Proz. mtt der Möglichkeit der Ermäßigung nachuntenundderErhöhungnachoben beim Vorliegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse vor. Ein Antrag Best (Wild) fordert«Inen Normalsotz von 50 Proz., ebenfalls mtt Ab- weichungen nach oben und unten, will ob» diese Abwetckzungen von leichteren Voraussetzungen abhängig machen, als der Antrag der So» zialdemokrotie, und will ferner die Feststellung de» Auswertung»- betrag» bei Grundstücken, di» noch der Zwangswirtschaft unterliegen (Wohngebäuden) oerschieben bis nach Beendigung der Zwangswirt- fchaft. Abgeordneter Best(Wild) begründete seinen Antrag mit dem Hinweis auf da» Steigen der Grund st ückswert, und ironisierte den..Mittelweg", der von den Regi»ungspartei«n emp- fohlen wird, der ob» dem Gläubiger wett mehr als 75 Proz. seines Anspruch» aberkenne. Abg. Freiherr v. R i ch t h o f« n(D.)»kannte an. daß mtt der Schematisierung der Aufwertung kein« gerechte Lösung er. ziell werd«. kam ab» schlleßlich trotz allgemeiner Bedenken zu dem Ergebnis, daß d« Satz von 25 Proz. der erträglichst« sei. Abgeordnet« Kell(Soz.) wie» zur Begründung de» sozialdemokratischen Antrags daraus hin,- daß nach§ 29 der 3. Steuernotverordnung auch die aus öffcntllchen Mitteln für den Kleinwohnung, bau gewährten Bau. Zuschüsse auf 40 Prozent aufgewertet worden seien. Man könne nicht den reichen Schuldner günstiger behandeln wie den Kloinhausbesitzer. Würde man den Satz von 50 Proz. wählen und ihn nach oben und unten elastisch gestallen, so führe da» im Schluß, «rgebni» zur individuellen Regelung mtt all den Schattenseiten, die damtt verbunden sind. Bei 40 Pro,, sei da» weniger zu befürchten. namentlich dann, wenn die Abweichungen von strengeren Voraussetzungen abhängig gemacht würden. Der Satz von 40 Proz. sei im allgemeinen tragbar. Hinter ihm dürfe man dann nicht zurück- mmmmm—m—mmmmmmi i——........ Strapazen ihr Leben diesem Ziel geopfert. Ts genügt, an John Franklin zu erinnern. Später überwogen di« rein wissenschaftlichen Interessen. Auch di« Deutschen sind an diesen Expedttionen be- teiligt. Koldewey 18S8 und Pay« 1872 sind die hervorragendsten Namen. Schritt für Schritt wurde die Annäherung an den Nord- pol vorgeschoben, und e» schien in den Iahren 1905 und 1909, als ob zwei Ameritaner. Dr. Cook und Peary, den Pol«»eicht hätten. Cook kam erst 1909 zurück und seine Behauptung, daß» den Pol am 21. April 1908 erreicht hätte, stieß auf stark« Zweikel und konnte auch durch die Untersuchung der Universttät Kopenhagen, der er sein Material überreicht hatte, nicht bewiesen w»d«n. Peary wollte am 6. April 1909 am Nordpol gewesen sein, und da» ein alt», erprobter Nordpolfahrer war. fand seine Behauptung von vorn- herein stärkeren Glauben. Ab» auch hier konnte der exakte wissen- schaftliche Beweis nicht geführt w»den, und so Ist heut« nvck der Strett nicht entschieden, ob jemal» der Nordpol bezwungen wurde. Zudem ist«» mtt großen Schwierigkelten verbunden, festzustellen. wo der Pol wirkllch liegt, und es ist auch anzunehmen, wenn Amundsen sein Ziel»reicht hat, daß«in« Anzahl Kilomet» mehr oder weniger dabei keine Roll« spielen. Nach allen bisherigen For- schungen scheint der Nordpol nicht auf einem Festtand« zu liegen wie der Südpol, sondern sich im arktischen Meer zu befinden. Ein Eb»l-VIld in PoflkartengrSß«. Da» groß« Interesse, das der verstorbene Reichspräsident Genosse Ebert der Arbelterwod!» fahrt entgegengebracht Hot, hat den Hauptausschuh für Arbeiterwohl- tahrs veranlaßt, ein Bild Eberts mtt einer Widmung und dem Faksimile seiner Unterschrist herausgegeben. Genosse Fr. Ebert Hot kurze Zett vor seinem Tode der Arbeiterwohlfahrt ein Bild geschenkt und ihr die Erlaubnis zu dies« Derwerwng gegeben. Da, sehr gut ausgestattete Bild in Postkortenform ist zu weitester Verbreitung ge- eignet. Die Nachfrage ist bereit» sehr stark. Es wird den Helferinnen und Hestern der Arbeiterwohstalirt ein leichtes sein, die Karte auf Partei, und Gewerkschaftsfesten. Arbeiterversammlungen aller Art, vor allen Dingen auch bei republikanischen Veranstaltungen de« Reichsbanner», umzusetzen. Zlnfraaen und Bestellimgen der Wobl- fabrtsorganisationen sind an den Hauptausschuß für Arbeiterwvhl- fahrt. Berlin, Lindonstr. 8, zu richten. Sa* veusche Zbucftt beendet sein« Welsäfirio« Gdielzeit am 1. Quni mit ein»«nfstlbrung v,n I u I e» Romain«»Dr. Knock'. Die letzte Vorstellung der Kammersptel» stndet Sonntag statt und bringt virandella«.Deiti« vertanen su Metern, während die südliche nur flach ist. Vor einigen Jahr- zehnten konnte man diesen Teil des Sees, zwischen Bismorckhöhe und dem Werder, mit einem Pferd durchfurten. W>r wandern auf dem Uferweg weiter bis zum Kalkofen. Er erinnert an die ver- gangene Zeit, in der man den im Untergrund der Wiesen häufig vorkommenden Kalt gewann und verarbeitete. In südlicher Rich- tung kommen wir zum Tholmannse«, der inmitten tiefster Waldeinsamkeit liegt. Um sein Südend« wandern wir herum, dann weiter aus dem nordwestlich abgehenden Ruppiner Weg, dem wir etwa 25 Minuten weit bis zu einem Kreuzweg folgen. Run auf diesem Wege gen Nord zum Forsthaus Klausheide am Möllen- see. Auch dieser See, der mit dem Tholmannsee durch den Rhin verbunden Ist. zeigt schöne Landschaftsbilder. Wir folgen der Straße weiter und überschreiten kurz vor Zippelsförd« den R h i n. Dieser Fluß, in dessen Quellgebiet wir un» hier befinden, entwässert die Ruppiner Hochfläche. Die Abflüsse der zahlreichen Seen des Lande» Ruppin strömen zum Rhin zusammen, dessen Name die platt- deutsche Form des hochdeutschen Rhein ist. Lei Fehrbellin verläßt der Rhin die Ruppiner Hochfläche und fließt min im alten Ebers- wolder Urstromtal gen West, an Friesack und Rhinow vorüber, bis er mit der Dosse zusammen sich in die Havel ergießt. Don Zippels» sörde wandern wir östlich zum Forsthau» Lietz«. Hier wenden wir uns halbrechts ab und kommen am Nordende des Möllensee» vorüber wieder an den Gudelacksee. In nördlicher Richtung führt der Weg um den See zur Kramnitzmühle. Don hier wenden wir uns südöstlich, zuletzt neben der Bahn von Rheinsberg, nach Lindow..Lindow ist so schön wie sein Name. Zwischen drei Seen wächst es auf, und alte Linden nehmen es an mehr als einer Stelle unter Ihren Schotten,* so sogt Fontane. Saubere Straßen, schmucke Häuschen und allenthalben das Geäst der vielen Linden, fürwahr, ein schönes Wanderziel. Vom Bollwerk aus gleitet der Blick noch einmal über den Gudelacksee, der vom Abendsonnenschein überflutet wird. Am Wutzsee liegt die Ruine des Kloster» Lindow (Abbildung). Das Kloster,«in Nonnenkloster, entstand um 1300 an der Stelle eines wendischen, dem Gott Joduth geweihten Tempels. Im Drelßigsäbrlgen Krieg wurde das Kloster zerstört, und in den Jahren danach hat man Teile der Klosterbanlichkeiten abgetragen. um die Mauersteine zum Aufführen onderer Gebäude zu verwenden. So sind schließlich nur noch die Ruinen übrig geblieben, die wir heute sehen. Aus einer prächtigen Lindenallee wandern wir von der Stadt zu dem nahebei liegenden Babnhof, um von hier die Rück» fahrt anzutreten. Weglänge etwa 24 Kilometer. Tta Oer wetzlarer öoha. Mit dem Leelitzer Vorortzug fahren wir vom Lahn- Hof Charlottenburg bis Drewitz. Der Ort selbst liegt% Stund« südlich, am Ostrand der Nutheniederung. Aus halbem Wege vom Bahnhof zum Dorf sehen wir rechter Hand die SchSfer-Fichtei� ein Kiesernwäldchen, das sich bis zur Nutheniederung erstreckt. In diesem Wäldchen, das auf einer halbinselartig in die Niederung vor- springenden Nase der Teltowhochfläche liegt, sind Spuren vom vor- geschichtlichen Menschen gefunden worden. Sie bestehen in Gefäß- resten, die der vorwendischen Zeit angehören, und Feuersteinwerk» zeugen, von denen man noch nicht mit Sicherheit feststellen konnte, welchem vorgeschichtlichen Zeitabschnitt sie angehören. Jedenfalls zeigen uns diese Funde, daß die durchwanderte Gegend schon seit langen Zeiten vom Menschen besiedelt ist.— Wir kommen in das Dorf Drewitz, das schon im Anfang des 13. Jahrhunderts in deutschem Besitz war: es ist einer der am frühesten erwähnten Orte de« Teltow. Die Kirche ist jedoch im 13. Jahrhundert erbaut worden. Drewitz liegt auf dem Ostuser der Niederung, die von der lltuth« Klosterruine Lindow. durchflössen wird. Dieses Fließ hat seinen Ursprung im Flämmg. Auf seinem Unterlauf nimmt es den Weg durch ein ziemlich breites Tal, in dem es sich früher in verschiedene Arme tellt«. Im 18. Jahr- hundert zog man jedoch mehrere Hauptgräben, wodurch der Lauf des Fließes geregelt wurde. Bei Potsdam mündet die Ruthe in die Havel. Der untere Teil der Nutheniederung war in früheren Zeiten ein wichtiger Grenzabschnitt: er trennte die Zauche im Westen vom Teltow im Osten, die Deutschen von den Wenden. Mehrere Burgen schützten die Uebergänge über die Niederung. Wir wandern an der inmitten des Dorfes liegenden Kirche vorüber und dann süd- östlich hinaus zum Anfang des Waldes. An der Biegung der Chaussee nach links folgen wir dem Waldweg geradeaus weiter: er führt in der Näh« d«r Niederung hin. Nach dem Verlassen des Waldes liegen rechts die Dürren Wiesen. Südlich davon, in dem Kiefernwäldchen, da» sich am Rande der Niederung bis noch Pbilippsthal erstreckt, hat man ebenfalls Spuren von, vorgeschicht- uchen Menschen gefunden: sie gehören einer Siedlung aus der frührömischen Kaiserzeit(1. bis 2. Jahrhundert u. Chr.) an.— An der nächsten Weggabelung folgen wir dem halbrechts abgehenden Weg, der uns bald zur Chaussee, kurz vor Philippsthol, bringt. Dieser Ort ist verhältnismäßig jung: er wurde 1747 bis 1750 angelegt und mit 50 Einwandererfamilien besiedelt. Jede tfamilie erhielt 1 Morgen Garten und Wiese und war verpflichtet, jährlich 24 Pfund Wolle zu spinnen. Von Philippsthal wandern wir südwestlich zur Nutheniederung, die hier vom Stöcker- graben und der Saar, zwei Nuthearmen, durchflössen wird. Auf dem jenseitigen Ufer der Niederung kommen wir sogleich nach Saarmund. An dieser wichtigen Uebergangsstelle über das Nuthetal wurde schon vor Albrecht dem Bären um die Mitte des 12. Jahrhunderts, nachdem er die Zauche erobert hatte, eine Burg angelegt. Das ganze Mittelalter hindurch schützte die Burg den Talübergang. Die Kirche von Saarmund ist vor nicht ganz 100 Jahren erbaut worden. Wir wandern westlich weiter, am Südrand einer Niederung, die vom Mittelgraben durchzogen wird, und die ein Nebental zum Nuthetal bildet. Südlich liegt der S5 Meetr hohe Eichberg, der die Niederung um 61 Meter überragt: die Chaussee führt nordlich an ihm vorbei. Nach gut 1 Stunde kommen wir nach Altlangerwisch und nach einer weiteren halben Swnd« noch Michendorf. Dieses große Dorf dehnt sich südlich von unserer Straße aus. Wir wandern geradeaus zum Bahnhof, um von hier mit der Wetzlarer Bahn zurückzukehren. Weglänge etwa 17 Kilo- meter._ Die Insel. Mitten durch die Straße, umbrandet vom Rollen der Wagen, Puffen der Auto». Gerassel der Straßenbahnen zieht sich langge- streckt eine Nem« grüne Insel: mit braunschwarzen, seit langer Zeit nicht gestrichenen Holzbänken, über die sich müde, staubschwere Fliederbüsche neigen: mit gutgemeinten, aber schlecht gedeihenden Blumenbeeten. Immer, wenn ich hier entlang geh«, überkommt mich da« Gefühl, daß das Fleckchen Grün sich seiner Existenz schämt, bitterlich schämt, und sich unter Staub und Schmutz oerkriecht, so gut es nur gehen will, um seine Ueberflüssigkeit weniger auffalle» zu lassen. Was hat in einer vernünftigen, betriebsamen Straße aber auch um Gotteswillen solch eine Insel zu suchen? Kömrte man hier nicht viel zweckmäßiger Kioske bauen, in denen allerlei Nütz- lichtesten sich feilbieten ließen: Zeihingen, Zigaretten? Könnte man hier nicht einen Halteplatz für Autos schassen? Heut« ist her etwas sehr Sonderbares geschehen, etwa», das aller Tradition ins Gesicht schlägt. Als ich die Straß« herabkam, hing von der Bank, die ich stets zuerst erblicken kann, ein Aermcl herab, der— um es genauer zu beschreiben— so um die Gegend des Ellbogens keiner mehr war: die Hand, die unken heraus guckte. mußte der Maniküre wohl schon geraumen Zest entbehren, und selbst lhr Verhältnis zu Wasser und Seife schien kein recht gefestigtes zu sein. Mir siel das alle» unbewußt auf: denn sonst sitzen auf diesen Bänken nur Menschen, die niemals den Arm über eine Lehne hängen lassen und die hier nur einen Augenblick auf die Straßenbahn warten. Der Besitzer dieses Arms indessen halte wohl an Zeit keinen Mangel: bequem lehnte er sich in seine Ecke. Seine Augen blinzelten behaglich in die Sonne, während er be- dächttg eine kurze Pfeife rauchte, die ihm unbeweglich im Mund- winket steckte. Den Kopf hatte er ein wenig hintenüber geneigt. und tief und langsam sog er den Atem ein. Richtig, über ihm hing ein« Fliederdolde, die sich geradezu schamlos in ihrem Blau vor dem Strolche spreizte. Der saß darunter und atmete, tief und lang- sam, tief und langsam. Auf der Bank gegenüber hatte ein Kinder- fräulein Platz genommen, das sich angelegentlich mit einem Brief- träger unterhiell, ohne sich um das blonde, etwa vierjährige Mäd- chen zu kümmern, das bittend mit einem Boll vor ihr stand. Da begann die Kleine für sich zu spielen: sie gab dem Ball einen Stoß und beobachtete dann, wie lange er vorwärts lief.— Plötzlich kollerte er gegen den Fuß des zufriedenen Sonncnbruders: der lchaute gleichgüttig herunter und blickte ln ein erschrecktes, zum Weinen verzogenes Kindergesicht. Was nun geschah, entwickelte sich ganz schnell, schneller, als man es erzählen kann. Mer Menschen äugen sahen plötzlich ineinander, zwei Lippenpaore lochten sich an. und dann spielten sie msteinander Ball, der Sonnenbruder und das kleine weißgekleidete Mädel. Und für einige Minuten schüttelte die Insel den Staub ab, die BlätterHerzen des Flieders wurden beinahe richtig grün, und Gänse- blümchen und Löwenzahn im Grase bemühten sich, die Wirkung der dürftigen Blumenanlagen zu unterstützen. hundesreiheil in Polsdam. Der Regierungspräsident macht be» kannt, daß mit dem heutigen Sonntag in Potsdam die Hunde» sperre nach viermonatiger Dauer aufgehoben wird. 71 Schnock. (Ein Roman von See und Sümpfen. von Eoend Fleuron. (Au» dem Dänischen von Thyra Jokstein-Dohrenburg.) Es sind die Barsche, die Marodeure de» See», die hier jaxenl In gewaltigem Schwärm, vereinigt wie Soldaten im Heere schwimmen sie dahin, die eine Reihe über, neben und hinter der anderen. Sie sind zu Hunderten und aber Hun- derten zusammengekommen— und doch« i n Ganzes. Die oberste Reihe befindet sich nur ein paar Zoll unter» halb der Wasseroberfläche, und so jagen sie dahin. Machen dann alle plötzlich eine Schwenkung— um aus der langen, wenig Platz beanspruchenden Marschkolonne in die kompakte Formation der Schlachtordnung überzugehen. Ein neues Signal, unhörbar, außer für sie selbst niemand sonst wahr» nehmbar— und wieder bildet sich in rascher Wendung die schmale, leicht hingleitende Iagdkolonne. Und wie sie sich in wagerechter Ebene tummeln, so tum- mein sie sich in der senkrechten. Sie stürzen vom Wasserspiegel in die Tiefe plötzlich und kopfüber, aus ihrer geschlossenen Masse einen langen, lebenden Faden spinnend. Und der Faden wird länger, immer länger, und dünner, immer dünner, während sie einen der Engpässe des unter» seeisstien Gebirges passieren. Der Plötzenschwarm ist das Ziel! Jetzt sind sie im Tale, wo er sich umtreibt.... Die kleinen, lebhaften Süßwasserheringe wittern noch kein Unheil: sie sind in ständiger Bewegung, gänzlich davon in Ansvruch genommen, die herabgefallenen, halbertrunkencn Insekten zu schnappen. Mäuler stülpen sich nach außen und öffnen kleine, fingerhutarttge Mundböhlen, das Wasser strömt hinein— und die Nahrung mit ihm. Ein eifriges Wechseln aus der Tiefe an die Oberfläche findet statt— denn wenn die obere Schicht gesättigt ist, will sie in Ruhe dem Wohlbehagen sich hingeben, bis wiederum die Begierde sie zu Konkurrenten werden läßt. Platsch, platsch... das Wellengekräusel an der Ober- fläche schaukelt die Prassenden, während die Dünung in der Tiefe die Uebersatten in Ruhe wiegt. Die Barsche hat der Iagdeifer gepackt... unwillkürlich wird das Tempo erhöht; sie ahnen bereits die Deute! Zuvorderst in der Schar schwimmen mit einem schwarz» goldenen, turmrückigen Anführer an der Spitze etwa zwei- Hunderl guter Portionsbarsche, sie sind in ihrem kräftigsten Alter und in bestmöglicher Verfassung, leiden weder an der Schwerfälligkeit des Fetts noch an der nervenaufreizenden Er» mattung der Magerkeit. Sie führen an— in übermütiger Wildheit aneinander vorbeihuschend, um als erste an den Ve- stimmungsort zu gelangen. Hinter ihnen folgt das Gros der Horde: große, schwer» fällige, arg belastete Schuten; die runden Rücken und gewälb» ten Bäuche zeugen vom Erfolg in der Jagd nach dem täglichen Brot. Es gibt unter ihnen Barsche von bis zu halber Arm- länge und einer Stärke wie das dickste Handgelenk... Bündel silberglänzender Kielwasserstraßen zeigen noch lange flimmernd ihre Spur! Der Rest der wilden Horde führt Kleinzeug und Großes durcheinander mit sich... hier gibt es Barsche zu Hunderten im Gewicht von etwa einem viertel Kilo, und Reihen über Reihen von weit über einem ganzen. Vorläufig hält der ganze Schwärm sich in der Tiefe ver- borgen, mit erhobenen Rückenflossen vorwärtseilend, die steifen Flosjenstacheln drohend gespreizt. Sollte es plötzlich einem Hecht einfallen, zuzuschnappen, so ist es nicht von Uebel, die Bajonette gefällt zu haben! Mit einem?/!ale entschlüpft der Vortrupp der Horde; die Halbarmlangen müssen sich ins Zeug legen, um Schritt zu halten: sie wringen und fechten mit der Schwanzschraube, das stiefe Segel der Rückenflosse wich herabgeholt. Nichts darf den Zug jetzt hemmen; das Segeln bei günstigem Winde hat ein Ende, der Raubzug beginnt. Ein sicheres Ahnen der Beute packt sie all«..., Der Bortrupp hat die Marodeure gut geführt; sie pirschen sich unterhalb ihrer Beute an diese heran und schießen nun zwischen den unglückseligen, nichtsahnenden Plötzen in die Höhe. Jede Ordnung unter den Angreifern ist»m Nu ge- stört, jeder Körper kennt nur seinen eigenen Schlund und denkt nur daran, ihn zu füllen! Wie gelbe, flammende Wasserblitze peitschen die Barsche den Kleinssschschworm auf— und wie Körner in einer ver- hungerten Hühnerschar, so verschwindet Plötze auf Motze in ihrem Rachen. Man mordet und wütet— und schlimmer wird es noch, als der Nachtrupp anlangt. Nun ist er zur Stelle— und die Unruhe drunten im Plötzenschwarm verpflanzt sich mit magischer Schnelligkeit in die obere Schicht, wo die verwirrten Fischlein in wilder Flucht von dannen zu eilen beginnen. Funken auf Funken hebt sich gegen den Himmel ab, da die schillernden kleinen Heringe in der Unkenntnis des Weges sich ziellos drehen und wenden. Jeder einzelne macht sich so lang und dünn, wie er nur ver- mag. um so unsichibar wie möglich zu sein und gleichsam im Wasser zu verschwinden. Aber die wilde Horde wird noch wilder bei dieser Ent- deckung: der Nachtrupp jagt den Flüchtenden nach, erreicht sie und schneidet ihnen den Weg ab. Lautes Platschen ertönt bei Ihrem Dreinhauen. In wilder Panik treibt der Plötzenschwarm ausein- ander.... Taufende von ihnen suchen in ihrem Grauen Zuflucht zur Oberfläche und springen hier wie lebendig gewordene Grund- quellenstrahlen in einem fort in die Luft. Sie taumeln durch- einander und eifern in ihrer Rot um die Wette, wer am höchsten und am längsten hüpfen kann. Wie fliegende Fische fahren sie mit einem Satz aus dem Wasser hoch, sprühen Funken, um dann wieder mit einem Spritzer in der Tiefe zu verschwinden. Platsch, ertönt es, wenn sie hochschießen, und platsch, wenn sie aufs neue die Wasserfläche erreichen... diese Tausende von Platschlauten prasseln wie ein Siurzregen! Aber unter ihnen ist wahrlich der Satan ins Wasser ge- fahren! Die gelben Teufel bedrohen sie nicht allein von der Seite, nein, die Plötzen werden von allen Seiten bedrängt. Wenn sie schockweise aus ihrer Notflucht in die Luft hinaus wieder die Wasserfläche durchschneiden, erstarren sie in Ent- setzen vor diesem oder jenem bernsteinschimmernden Auge, das aus seinem flops zu treten scheint und gierig seinen eigenen Raubzug unternimmt, dann öffnet sich ein Mund, schiebt ein Paar Harmonikalippen vor und verwandelt sich in einen Trichter— und wie Fasern in einem Staubsauger verschwin- den, so gehen die armseligen kleinen Heringe in einem Schlünde unter. Ueber diesem Orte aber kreist eine Wolke von See- schwalben! Sie fliegen niedrig, mit halbgestreckten Beinen und hän- genden Flügeln, bereit, ihr Anteil einzuheimsen; sie schnappen zu und fangen ihre Beute, sie schnappen vorbei und werden entschädigt durch einen Fisch, der unversehens daneben zum Dorschein kommt, ja, oft springen die Plötzen geradeswegs in den Schnabel des Vogels. (Fortsetzung folgt.) Um den Mann. Dreifache Anstiftung zum Meineide. Die Urheberin eines Meineidprozesses, der vor dem Schwurgericht III in Moabit tagte und soeben zu Ende geführt wurde, eine Frau Kulas, hat inzwischen durch Selbstmord geendet. Sie hatte einen von ihr geliebten Fabrikanten S., den sie heiraten mollte, veranlaßt, gegen seine Frau auf Ehescheidung zu tlagen. In frivoler Weise setzte Frau Kulas das Ansehen der Frau S. berab, indem sie die Anstifterin dreier Meineide wurde. Tatsächlich wurde die Ehe auch geschieden, aber der Schuld folgte die Sühne. Das Gericht stellte folgendes feft: Frau Kulas hat den Angeflagten von Wedelstedt, Inhaber eines Privatdetektivbureaus, nach Leipzig geschickt, um die Frau S. zu beobachten. Bedeistedt ließ seinen Mitarbeiter, den Angeklagten Technifer Klein, gleichfalls nach dort tommen, und dieser suchte Beziehungen mit der Frau S. anzufnüpfen. Der Versuch mißlang jedoch. Klein hat später unter Eid ausgesagt, daß er der S. näher gekommen sei, und Wedelstedt hat beeidet, er habe den Klein überhaupt erst in Leipzig fennen gelernt. Aus dem Chefcheidungsprozeß entwickelte sich ein Beleidigungsprozeß gegen Frau Kulas, in welchem der letzte Angeklagte, Dertel, der als Freiherr von Egloffstein" aus zahlreichen Prozessen bekannt ist, durch einen Meineid die Ehre der Frau S. von neuem angriff. Er hatte eine Bekannte der Kulas fennengelernt, aber genau gewußt, daß diese nicht die S. gewesen war. Bei der Urteilsfindung mußten die Strafen mit solchen aus früheren Deliften zusanimen gezogen werden. Das Gericht erfannte unter Bubilligung mildernder Umstände gegen Klein auf 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Chr. verlust, gegen von Wedelstedt auf 1 Jahr Zuchthaus, insgesamt auf 2 Jahre 5 Monate Buchthaus und 3 Jahre Ehrverluft, fchließlich gegen Oertel auf 15 Monate, insgesamt 4 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Chrverlust. Die Verurteilten waren geständig und nahmen die Berfündung gefaßt entgegen. Die Scherlsche Internationale. Was auch Auslandsdeutschen auffällt. Bon einem Auslandsdeutschen, der sich zur Zeit mit mehreren Sportsleuten in Berlin aufhält, wird uns geschrieben: Am kommenden Sonntag foll im Stadion ein sogenanntes In ternationales Leichtathletiffest unter der Leitung des Scherl. Berlages stattfinden. Da der deutschnationale Berliner Lokal- Anzeiger" fortwährend in seinem Blatte von einem internatio. nalen Sportfeste spricht, so glaube ich, daß dieses ein kleiner Irrtum ist, denn in seiner am 21. Mai 1925 erschienenen Auflage spricht er davon, daß nach einem Siege recht oft die schwarz weißrote Flagge am höchsten Mast erscheint. Es ist demnach nicht eine deutsche Internationale Veranstaltung, sondern eine rein deutschnationale Angelegenheit. Dieses Gebaren muß auf das schärffte gebrandmarkt werden, damit niemand diese Beran ftaltung besucht. Was die betreffenden Ausländer über diese Sache denken, das schreibt der Berliner Lofal- Anzeiger" nicht; fast alle, mit denen ich jetzt ich bin Auslandsdeutscher und befinde mich 3. 3t. mit verschiedenen Sportsleuten hier in Berlin über diese schwarzweißrote Flagge denken, haben nur ein Lächeln für uns Deutsche übrig. Weiß doch jeder Ausländer, daß unsere Landesflagge Schwarz- Rot- Gold ist. Und nun schreibt ein deutsches Blatt in der Hauptstadt solch einen Unsinn. Jedenfalls fann man nur hoffen und wünschen, daß die Beranstalter dieser deutschnationalen Veranstaltung im Intereise der deutschen Republik möglichst unter sich bleiben werden. Solche Beranstaltungen erleben wir doch gerade täglich genug! Ich erinnere nur als ich f. 3t. in Berlin war an die Motorradfahrt des Deutschen Motorrad- Bundes, die vor einigen Monaten stattfand und bei welcher die Fahrer auch Berlin berührten. Der Siegesfranz also 1. Preis war dann in Berlin Unter den Linden bei einer Automobil- Vertretung ausgestellt und hatte, da es ja eine deutsche Veranstaltung war, eine herrliche schwarzweißrote Schleife. Nun, die Leute, die diesen Kranz Unter den Linden sahen, hielten mit ihrer Meinung nicht zurüd. Dachstuhlbrand, Fabrikbrand und Gasexplosion. Die Brände in Berlin wachsen sich zu einer förmlichen Epidemie Gus. Tag und Nacht hat die Feuerwehr zu tun. Am Freitag wurde sie wegen eines großen Dachstuhlbrandes nach der Michaeltirchstraße 15, nahe der Röpenider Straße alarmiert, gleich zeitig wegen eines großen Fabritbrandes nach der Prinzen alfee in Friedrichsfelde und wegen einer schweren Basegplo sion nach der Fruchtstr. 25. Hier war eine Gasleitung undicht geworden. Durch unvorsichtiges Ableuchten mit einer offenen Lampe entzündete sich das ausgeströmte Gas und explodierte, wobei drei Frauen Brandwunden erlitten und von der Feuerwehr nach Strantenanstalten gebracht werden mußten. In der Prinzenallee 46 in Friedrichsfelde stand ein Keller in Flammen, die an Farböl reiche Nahrung gefunden hatten, so daß aus vier Schlauchleitungen von den Wehren der angrenzenden Ortschaften vorgegangen werden mußte. Entstanden war der Brand durch einen neuen Delfochapparat in der Fabrik von Dr. Löwinsohn, der sich entzündete und dann Delvorräte in Mitleidenschaft zog. Der Dachstuhlbrand machte der 2. Kompagnie viel zu schaffen. Als die Wehr in der Michaelfirchstraße 15 anfam, schlugen die von einer Menge Hausrat genährten Flammen schon hell aus den Dachluten empor. Mit vier Rahren wurde unverzüglich über die total verqualmten Treppen auf mechanischen Leitern angegriffen. Der Dachstuhl des von zahlreichen Bartelen bewohnten Hauses brannte zum größten Teil aus. unteren Geschosse haben Wasserschaden erlitten. Die Bersicherungsgesellschaften wurden durch diese vielen Schäden hart betroffen. Das Waffenlager im Pappkarton. Ein Kommunistisches Waffenlager bildete den Gegenstand eines Strafverfahrens, das das Schöffengericht Wedding beschäftigte. In der Wohnung des Bigarrenhändlers Beyer in der Müllerstraße wurden bei einer Haussuchung Barabellum- Pistolen, Handgranaten fowie Munition gefunden. Der Angeklagte gab zu, daß er Rommunist fei, wollte aber lediglich zahlendes Mitglied der Partei sein und von dem gefährlichen Inhalt der brei Bappfartons nichts gewußt haben. Er behauptete, daß ein Unbekannter bei ihm die Batete zur Aufbe mahrung untergestellt habe. Das Gericht glaubte an diese Erzählung von dem großen Unbekannten" nicht und verurteilte Bener zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis. Der Doppelmörder Otto Krause. Ein Brief des Täters an seine Frau. • Die Beweisaufnahme in dem Prozeß des Doppelmörders Krause ergab manche bedeutsame Einzelheit. Am Tag nach der Flucht chrieb der Angeklagte an feine Frau einen Brief, in dem er Selbstmordabsichten zum Ausdruck brachte. Er schrieb da u. a.: Meine arme, unglüdliche Anna! Wenn Du diesen Brief erhältst, bin ich nicht mehr unter den Lebenden... Ich hatte wohl immer den guten Willen, aber ich bin doch immer dem Bölen unterlegen. Ich size hier an der Kirche und dente über mein verfehltes Leben nach. Gibt es denn wirklich Einen, der dies alles zuläßt?.. Glaube mir. liebe Anna, ich bin nicht so schlecht, aber ein großer Schwächling... ich fann nicht mehr schreiben, denn ich fann mich nicht beherrschen. Ich erbitte nochmals Deine Berzeihung, ich füffe Dich das leztemal, Dein tiefunalür. licher Otto." Diesen Brief fing die Polizei ab, sonst fand sie teine Spur von ihm. Als am Montag um 8 Uhr morgens die Tat entdeckt wurde, Die ameifelte man feinen Augenblick, daß Krause der Täter war. Mutter der Ermordeten, die vom Erscheinen in der Gerichtsverhandlung entbunden war, hatte, fommissarisch vernommen, ausgesagt, daß Krause am Sonnabend nachmittag persönlich einen Brief überbracht habe, in dem die Gertrud aufgefordert wurde, sich, zwecks Erledigung eines schleunigen Auftrages, in der Fabrit einzufinden. Abends erschien er wieder, um sich zu vergewissern, ob das Mädchen mirklich erscheinen würde, sonst müsse er sich jemand anders holen. Eine Zeugin erflärte vor Gericht, daß der Angeflagte sich ihr gegenüber geäußert habe; nur junge Dinger zögen ihn an. Auch der Kriminalrat Fischer aus Leipzig erklärte, daß Krauses Borliebe für junge Mädchen befannt gewesen sei. Eine weitere Beugin erzählte, mie der Angeklagte auch sie einmal angefallen habe und daß ihr auch ein weiterer ähnlicher Fall bekannt fei. Die Sachverständigen, Prof. Kodel, Dr. Schüß und Dr. Klemm aus Leipzig äußerten sich dahin, daß die Ermordete noch lebend miß braucht worden fei. Kriminalrat Fischer hält die Anwendung des $ 51 für ausgeschlossen. Der Angeklagte versuchte, eine Kopfver legung, die er während des Krieges erhalten habe, zu seinen Gunsten geltend zu machen. Im übrigen meinte er aber: Jch tann dies als Laie nicht beurteilen, ich bin nur einfacher Arbeiter. Ich will mich nicht schützen." Heute wird in der Beweisaufnahme hinsichtlich der Ermordung des Erich Bannide fortgefahren. „ Heil Dir im Siegerkranz!" Monarchistische Propaganda im Untersuchungsgefängnis. Bor furzem berichteten wir von dem eigenartigen Berhalten einer deutschnationalen Fürsorgedame namens Frauenholz, die ihr Ehrenamt dazu mißbrauchte, bei weiblichen Gefangenen für die Wahl Hindenburgs zu agitieren und abfällige Bemerkungen über die Beerdigungtoften des früheren Reichspräsidenten Ebert zu machen. Heute müssen wir diese mitteilung noch ergänzen durch einen geradezu unerhörten Vorgang. Der dort seit einem Jahr ab. gebaute, aber weiterhin nebenamtlich amtierende Pastor Distel übt mit den weiblichen Gefangenen neben religiösen Liedern auch noch das Lied heil dir im Siegertrang" ein. Die im Untersuchungsausschuß Höfle urch Zeugenaussagen zutage getretenen Mißstände im Untersuchungsgefängnis erfahren eine eigentümliche Beleuchtung durch einen solchen Vorgang. Wir verlangen von den verantwortlichen Stellen, daß sie diesem Unfug schleunigst ein Ende machen und Gefangene davor schüßen, daß fie geistig vergewaltigt werden. Spielhöllen in Berliner Wäldern. " | | Elly Branbenberg, Rarl Wenbet, Erwin Biebermann, Theo hardt. Eintrittspreis 1 M. Karten im Gaubureau Berlin G 14, Sebastianstr. 37/38, Hof 2 Treppen, und an der Abendkasse. Zum Fall Hodann. In der letzten Stadtverordnetensigung fanden die Deutschnationalen für ihre Angriffe gegen die von dem Stadtarzt Gen. Dr. Ho dann betriebene Jugendauftlärung bei dem Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. Drigalski nicht die erwartete Unterstügung. Der in Nr. 235 des„ Vorwärts" veröffent lichte Bericht über die Sigung veranlaßt unsere Genossin Maria Hodann, fur ihren zurzeit verreisten Gatten das Wort zu nehmen. Sie bittet uns um die Feststellung, daß Dr. Hodann in der Unterredung mit dem Stadtmedizinalrat teinerlei Berfehlungen" zugegeben hat. Er habe grundsäglich an seinem Standpunkt festgehalten und nur zugestanden, daß man über Einzelheiten der Methode der Aufklärung noch verschiedener Meinung sein könne. Der Stadtmedizinalrat habe auch in seiner vor den Stadtverordneten gehaltenen Rede nur in diesem Sinne jene Unterredung erwähnt und dem Stadtarzt Dr. Hodann nicht Verfehlungen" vorgeworfen. 差 Die Anträge auf Einleitung eines Heilverfahrens laufen, wie immer in dieser Jahreszeit, zurzeit bei der Reichsversicherung für Angestellte io zahlreich ein, daß die Antragsteller fich in Geduld fassen müssen. Leider werden immer wieder dieselven Fehler gemacht, durch die die Erledigung des Antrages verzögert wird. Jedem Antrag muß nämlich ein Attest des behandelnden Arztes nebst Quittung über das für das Attest bezahlte Arzthonorar beigelegt werden, worauf die RfA. den Betrag von höchstens 2,50 Mr. vergütet. Ebenso wenig darf eine Aufrechnungsbescheinigung und die grüne Beitragsmarte fehlen. Die Antragsteller fönnen sich Berzögerungen ersparen, menn sie diesen Umstand beachten. Fahnenweihe des Reichsbanners in Briefelang. In dem kleinen Ausflugsorte Brieselang, zwischen Finkenkrug und Nauen gelegen, ist am Himmelfahrtstag die Fahnenweihe des dortigen Reichsbanners Schwarz- Rot- Gold" feierlichst vollzogen worden. Die treu republikanisch gesinnte Einwohnerschaft hatte unsern weit und breit herbeigeeilten Rameraden in dem reichgeschmüdten und ge flaggten Orte einen äußerst herzlichen Empfang bereitet, der besonders in den Begrüßungsworten des Gemeindevorstehers zum Ausdruc tam. Die Weihe des Banners wurde durch Senats präsidenten Großmann vollzogen. Nachdem der Gauvorsitzende Friz Koch eine Ansprache gehalten hatte, der der Gesang des Deutschlandliedes folgte, wurde der Festzug gebildet, an dem weit über 2000 Reichsbannerleute mit ihrer Fahnendeputation teilnahmen. Der Milchpreis steigt. Die Berliner Milch- VersorgungsG. m. b. 5. teilt mit, durch infolge weiterer Hinauffezung der nahme der Ausgleichskaffe der Berliner Milch- Berforgungs- G. m. b. Milcherzeugerpreise läßt sich trok fortgesetter Inanspruch5. eine neue Erhöhung der Milch- Kleinhandelspreise nicht umgehen. Der neue Milchpreis beträgt ab Sonnabend, den 23. Mai, für den Liter Bollmilch ab Laden des Kleinhändlers 29 Pfennig. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert auf 8 Pfennig für den Liter bestehen. Wegen Mordes an einem Oberlandjäger werden zwei Zigeuner in Groß- Berlin gesucht. Am 14. d. M. brach in Albersloh bei Münster i. Weftf. in einer Zigeunerbande ein großer Streit aus. Hierbei wurde der Oberlandjäger Beitart, der Ruhe schaffen wollte, erschossen. Als Haupttäter wurde nach einigen Tagen der Korbmacher Johann Prison ermittelt und feſtgenommen. 3wei andere Zigeuner der Bande entflohen und werden wegen Mittäterschaft gesucht. Der eine heißt Hermann, ist 1,80 Meter groß, breitschultrig und von fnochigem Bau, hat Sommersprossen und totes Haar und als besonderes Kennzeichen zwei Tätowierungen, auf der rechten Hand Ewig". auf der linten„ Müde“. Der zweite, ein Mathias Solzenberg, ist 1,75 Meter groß und fräftig, fann aber nicht näher beschrieben werden. Beide pflegen auf Renn bahnen und auf Pferdemärften zu verfehren. Mitteilungen über ihr Auftauchen an die Streisbeamtenschaft der Kriminalpolizei im Bolizeipräsidium. Forfiwanderung. Die Arbeitsgemeinschaft für Korffschuh und Naturfunde E. B., Berlin- Friedrichebagen, veranstaltet am Sonntag, den 24. Mai, eine forft- und naturlundiiche Wanderung durch die Forst Briefelang. Marschbauer 3-4 Stunden. Führung Oberförfter Mu bra und Dr. Staa wis. Abfahrt 94 von Berlin, Lehrter Bahnhof, nach Finkenirug. .Das jüdische Arbeiterleben in Amerita". Der Führer des Weltver bandes der Boale Zion, Gen 3. 2 oder, ist nach einer faſt fedismonat, stanada soeben nach Berlin zurüdgelebrt, und wird im Auftrage der lichen Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten von Nordamerika und jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterorgan fation Boale Rion am Sonnabend, den 23. Mai, um 8%, Uhr abends, im Arbeiterbeim Linienſtr. 159 III, über das obengenannte Thema Lejerieren. Eintritt für Parteimitglieder frei, für Gäste 30 f. Eröffnung der Badeanstalten. Im Bezirksamt Spandau Der Himmelsfahrtstag mit seinem blauen Himmel und strahlenden wird die Flußbadeanstalt Wröhmännerstraße am 19. Mai, die BadeSonnenschein brachte nicht nur den Sommerlofalen und Erfrischungsanstalt im Südpart am 2. Juni eröffnet. Das Hallenschwimmbad hallen gute Einnahmen, sondern auch den Unternehmern", die an wird erst am 30. Mai gefchloffen. biel belaufenen Waldwegen ihr Lager aufgeschlagen hatten. Ein Stüd Zeitungspapier- manchmal manchmal auch eine fleine zusammenlegbare und ein Spiel Karten bildeten ihre Bare". Kunden fanden sich viele. Die Dummen werden befanntlich nie alle, und dar auf spekulieren diese Bankhalter. Bornehmlich das berüchtigte Rümmelblättchen" und 17 und 4" zogen den Spielern, darunter auch vielen Frauen, das Geld aus der Tasche. Die Einsätze schwankten amischen 1 und 10 Mart. Betrübt zogen jedesmal die Gerupften ab, um neuen Spielmütigen das Feld zu räumen. Einem aufmerksamen Beobachter konnte es nicht entgehen, wie Spanner und nur scheinbar Mitspielende, die zu einem sogenannten Konzern gehörten, die Konjunttur ausnügten. Die einen, um zu sehen, ob die Luft rein ist, die anderen, um Neugierige zum Spiel zu reizen. Bornehmlich in den Bororten der Nordbahn trieben diese Unternehmer ihr wüftes Spiel. Eine Zeitlang war die Umgegend von Werder und der Berliner Grunewald das Hauptgebiet der Spielbetrüger. Seit dort eine strenge Kontrolle durch Kriminialbeamte eingeführt ist, scheinen die Spielhalter sich nach anderen Gegenden umzusehen, um ihr be trügerisches Spiel dort weiter fortzufezen. Bedauerlich ist, daß fich noch immer Dumme in so großer Zahl finden, die ihr Geld nicht schnell genug loswerden fönnen. Berschiedene Berhaftungen wegen verbotenen Glückspieles wurden auch vorgestern im Grunewald wieder vorgenommen. Es sei noch darauf hingewiesen, daß nicht nur er. tappte Spielperanstalter, sondern auch die Mitspieler mit hohen Geld. oder Gefängnisstrafen belegt werden. Sehr zu empfehlen ist die sofortige Benachrichtigung der nächsten zuftändigen Polizeiftation, um der Spieler habhaft zu werden. Möblierte Zimmer für perfeigenöffifche Studenten. Einige partei genössische Studenten suchen möglichst billig bescheiden möblierte Zimmer. Angebote Bezirksverband SPD., Lindenstr. 3, Zimmer 7. Schwerer Autounfall einer Völkerbundskommission. Völkerbundskommission für die Erforschung der Malariafranfheit Wie aus Beirut gemeldet mird, erlitten einige Mitglieder ber einen schweren Autounfall. Das Auto, das von einer Fahrt durch den Libanon zurückkehrte, stürzte in einen Abgrund. Dr. Barling, ein. Ameritaner, der Engländer Dr. Lathian und Fräulein Besson, eine Französin, werden als tot gemeldet, zwei Insassen sind vermundet. Radio- Lautsprecher in den öffentlichen Gärten läßt die Gemeinde Wien demnächst aufstellen. Ein Versuch vor dem Strauß- LannerDentmal im Rathauspart ist wohlgelungen. möllung ohne nennensmerte Riederichläge. -Der Bildungsausschuß beim Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold Wetter für Berlin und Umgegend. Etwas fühler, veränderliche Beveranstaltet am Dienstag, den 26. b. M., 8 Uhr, in den Spichern Für Deutschland. Im Rheinjälen, Spichernstr. 3, eine republitanische Feier mit einem biet und in Mitteldeutschland strichweise Gewitter. Im Küstengebiet zu Orchester, Gesang und Rezitationen. Mitwirkende: Ella Schulze, nehmende Niederschlagsaussicht. L Interessante Feststellung: Die hygienische, d. h. die vorbeugende, desinfizierende und heilhelfende direkte Wirkung des Odol auf Zähne, Mund, Mandeln und Rachen, wie auch die indirekte auf den Gesamtorganismus, stellt sich nach wissenschaftlichem Urteil und nach tausendfacher praktischer Erfahrung als eine immer umfassendere und tiefere heraus. 10po BOCICICISTE CI& CCCCCCCCCCC & LALE HE Der Abbau der Sozialversicherung. Protest gegen fozialpolitische Berschlechterungen. Eine vom Verband der Krankenkassen Berlins einberufene VerJammlung der Kassenvorstände und der Verwaltungsbeamten nahm Türzlich Stellung zu dem Gesezentwurf der Reichsregie. rung, der die Neuregelung der Wochenbeihilfe zum Gegenstand hat. Direktor Julius Cohn von der Allgemeinen Ortstrantentaffe Berlin hatte das Referat. Der Entwurf der Regierung will an der ärztlichen Behandlung, die den Wöchne rinnen von den Krankenkassen gewährt werden muß, nichts ändern, sie sollen im gegenwärtigen Umfange bestehen bleiben. Das Entbindungsgeld foll von 25 auf 80 M. erhöht, dafür aber gleichzeitig das Stillgeld abgeschafft werden. Das Wochengeld, das den Wöchnerinnen bisher in der Höhe des ihnen zustehenden Krankengeldes gezahlt wurde, wird auf 75 Proz. herabgesetzt. Der Referent unterzog den Gesezentwurf einer scharfen Kritif. Die Erhöhung der Entbindungsgebühr fann unter feinen Umständen als ein Ausgleich für die Abschaffung des Stillgeldes angesehen werden. Wie die Dinge liegen, werden heute schon von den Heb. cmmen höhere Gebühren als 25 m. verlangt, so daß das gegenwärtig gewährte Entbindungsgeld schon nicht mehr ausreicht. Bei der fortschreitenden Teuerung und bei der Einstellung der Hebammen merden diese ihre Forderungen bald herauffezen, so daß das erhöhte Entbindungsgeld voll verbraucht werden wird. Da das herabgesetzte Bochengeld nicht einmal zur Bestreitung der allernotwendigsten Lebensbedürfnisse ausreicht, wird die Mutter schwer in der Lage fein, die während des Stillens so notwendige bessere Ernährung durchzuführen. Noch schlimmer wird sich die Beseitigung der Still gelder bei den Familienmitgliedern der Versicherten auswirken, bei denen sogar auch das Wochengeld fortfällt. Hier wird das Entbindungsgeld nicht zur Bestreitung der Entbindungskosten, gefchweige denn zur Beschaffung notwendiger Anschaffungen oder zur besseren Ernährung reichen. Auch in sanitärer Hinsicht wird sich die Abschaffung des Stillgeldes auswirken. Die Stillgeld empfangenden Frauen hatten bisher die Verpflichtung, sich von dem Fürsorgearzt möchentlich das Stillen bescheinigen zu lassen, wobei gleichzeitig eine arztliche Kontrolle der Frau und des Säuglings stattfand. Mit dem Fortfall des Stillgeldes fallen auch die ärztlichen Ueberwachungen des größten Teiles der Säuglinge fort. Dadurch werden Krankheiten tes Säuglings mie auch der Mutter in bedeutendem Umfange zu nehmen. Ob das im Sinne einer vernünftigen Bevölkerungspolitik liegt, iſt ſtart zu bezweifeln. Interessant ist auch die Anordnung des Gefeßentwurfes, daß das Entbindungsgeld nicht mehr durch die Krankenkassen selbst, sondern durch die Post ausgezahlt werden fall. Es besteht dabei zu befürchten, daß bei der mangelnden Kon trolle der Standesämter noch mehr wie bisher Betrugsfälle vorfommen. Die Statistit der Krankenkassen über derartige Fälle zeigt, daß oft genug Entbindungsgeld in betrügerischer Abficht von Leuten erlangt wurde, die gar fein Anrecht darauf hatten. Offenbar soll mit dieser Anordnung bei den Versicherten der Eindruck ermedt werden, els werde das Entbindungsgeld vom Reich gezahlt. In Wirklichkeit ist aber ein umständliches Umlageverfahren vorgesehen, durch das nicht bloß die Reichsbehörden, sondern auch die Krantenfaffen in ganz außerordentlicher Weise verwaltungstechnisch belastet werden. Das Gefeß fieht ferner die Abschaffung der Zuschußpflicht des Reiches für die Familienangehörigen bei der Wöchnerinunterstützung vor. Dagegen müssen die Krankenkassen protestieren, weil ihnen auf der cinen Seite der Abbau der Beiträge zur Pflicht gemacht wird, auf ber anderen Seite aber immer höhere Leistungen aufgebürdet merden. Zu fordern ist ferner die Gründung gefeßlich fanttionierter Krantentassenzweckverbände zum Ausgleich des Risitos. Die Krankenkassen Berlins fordern daher vom Reichstag die Ablehnung des vorliegenden Wochenhilfegefeßentwurfes und die fchleunige Annahme eines Gefezes, welches die Entbindungsgebühr erhöht und die Wochenhilfe für Minderbemittelte wieder einführt. Die Bersammlung erklärte sich ohne Diskussion mit den Ausführungen des Direttors Cohn einverstanden und nahm einstimmig cine Resolution im Sinne des Referats an Gemeinschaftsland in Gefahr. Bird mit Recht verurteilt, wenn Gemeinden Gemeindeland ver. äußern, so ist es in noch höherem Maße zu verurteilen, wenn eine Gemeindeverwaltung eine Baugenossenschaft zum Berkauf ihres Geländes drängt. Hier ist es Pflicht, die öffentliche Aufmertfamteit wachzurufen. Der Berliner Spar. und Bauverein befigt dicht am Bahnhof Grünau 300 Morgen Siedlungsland, darunter ein außerordentlich wertvolles Stüd an der Bohnsdorfer Chaussee. Gerade auf dieses Stüd reflektiert der Charitas- Berband, um das für die Anlage eines Sanatoriums vom St.- Hedwigs- Krantenhaus erworbene Bunzelschloß zu erweitern. Gelingt dieses Vorhaben, dann würde den 5000 Mitgliedern der Baugenossenschaft wertvolles Gelände entzogen werden, das niemals wieder in gleich günstiger Lage zu erreichen sein würde. Es muß des halb ernstlich verlangt werden, daß die Bezirksverwaltung nicht weiterhin in der falschen Richtung arbeitet. Ihre Aufgabe ist, Gemeinschaftsland zu schaffen, wo es vorhanden ist, zu erhalten und nicht den Verkauf vorhandenen Geländes zu fördern. Die Bodenreformer, Genossenschaftsfiedler und die Mitglieder des Berliner Spar- und Bauvereins sollten alle Kraft anwenden, um diesen Geländevertauf zu verhindern. STADT BEILAGE DES jährlich gibt der Verein dem Magiftrat Neukölln für erholungsbedürftige Kinder, Rentenempfänger und Schwerkriegsbeschädigte eine größere Anzahl Freifarten. Das Licht und Sonnenbad steht nicht nur den Vereinsmitgliedern, sondern gegen geringes Entgelt auch der gesamten Neuköllner und Berliner Einwohnerschaft zur Verfügung. Aufnahmegesuche werden jederzeit in unserem Luftbad, melches von morgens 6 Uhr bis zum Eintritt der Dunkelheit geöffnet ist, entgegengenommen. ாய RK VORWARTS CAT einer besonderen Eignungsprüfung unterzogen worden und 194 Knaben und 37 Mädchen mußten zur Feststellung ihrer Berufsfähigkeit gewerbeärztlid) untersucht werden. Die mehrjährige Erfahrung hat gelehrt, daß die Lehrherren ihre Lehrstellen zu spät melden. Den beiderseitigen Wünschen fönnte viel mehr Rechnung getragen werden, wenn die freien Lehrstellen einige Monate vor der Schulentlassung dem Berufsamt gemeldet würden. Lehi herren werden daher gebeten, ihren voraussichtlichen Bedarf an Lehrlingen für Oftober d. 3. bereits im Mai oder Juni beim Berufsamt anzumelden. 2. Bezirk Tiergarten. Die Das Recht der Minderbemittelten auf Erholung. auf die Urlaubsreise vor. Alle Welt bereitet sich auf die Pfingstreise und darüber hinaus Aber wie viele wird es auch in diesem Jahr wieder geben, die sich keine Pfingst geschweige denn eine Die Bezirksversammlung hatte vor einigen Wochen auf Antrag Urlaubsreise leisten fönnen! Sie müssen daheim bleiben. Der unserer Fraktion den Beschluß gefaßt, die Ersparnisse aus Sonntagsausflug ist das Einzige, was sie und die Familie sich ge eingestellt waren, vom zentralen Magistrat jedoch gestrichen wurden. 1924 für solche Ausgaben zu benutzen, die in der Etatforderung statten dürfen. Wenn sie dann aber an die Qual einer Fahrt im überfüllten Bahnabteil denken, dann versagen sie sich oft genug selbst Diese Ausgabeposten bezogen sich hauptsächlich auf die Wohlfahrt, die fleine Sonntagserholung. Was sollen die Wermsten tun? Kranken und Wohnungswesen. Trogdem beglückte das Bezirksamt Es stellt sich heraus, daß Berlin bei weitem nicht gedie Versammlung in der letzten Sigung mit einer Vorlage, die in nügende Grünflächen hat. Nichts ist zur Stunde aber so einer völlig vom Beschluß abweichenden Art über die ersparten notwendig als öffentlicher Gesundheitsschutz und Pflege für die Mittel verfügte. Genosse Bethge betonte, daß die Bezirksverminderbemittelte Bevölkerung. Dazu gehört in erster Linie die sammlung ihre eigenen Beschlüsse ignoriere, wenn sie heute dieser unermüdliche Arbeit für die schleunige Verbesserung des völlig geänderten Vorlage zustimme. Jedoch es half nichts. Wie Groß- Berliner Vertehrswesens, damit es dem fleinen schon so oft, erklärten die bürgerlichen Vertreter ihre eigenen BeMann möglich ist, für weniges Geld schnell und mit leidlicher Beschlüsse für nichtig und stimmten der Vorlage zu. Noch eigenartiger" quemlichkeit ins Freie zu kommen. Dazu gehört der unausgesezte war eine weitere Vorlage des Bezirksamtes, in welcher, angeblich Ausbau der Parts und Grünpläge. Sportpläge allein auf Verlangen des Ausschusses für Gesundheitswesen, 7000 m. für tun es nicht! Wo irgend möglich sollte man Licht und Luft. die Anschaffung eines Apparates für das Krankenhaus Moabit bebäder anlegen. Gelegenheiten dazu gibt es mehr, als viele Stadt milligt werden sollten. Genoffin Frankenthal stellte in der päter ahnen. Das offizielle Berlin hat bisher wenig Verständnis Aussprache fest, daß der Ausschuß für Gesundheitswesen von der für das Licht- Luft- Badewesen gezeigt, sehr im Gegensatz zu manchen Forderung gar keine Ahnung habe und sie bat um Aufklärung, wofleineren deutschen Städten, die darin wahrhaft großzügig und vor her nun eigentlich der Antrag fäme. Sie erklärte meiter, daß die bildlich gearbeitet haben. Ein ganzer Sonntag mit Frau und geforderte Summe zu hoch erscheine und daß doch wohl zuerit der Kindern im Luftbad ist für den Proletarier von gar nicht hoch Ausschuß für das Gesundheitswesen sich mit der Neuanschaffung genug einzuschäzendem Wert. Das sommerliche Freibader beschäftigen müsse. Die bürgerliche Mehrheit jedoch legte feir.en wesen sollte in ähnlich mustergültiger Weise ausgebaut werden Wert auf eine Klärung dieser Angelegenheit, sondern bewilligte wie es jetzt im Freibad Wannsee geschehen ist. Hingegen diese Forderung, von der niemand weiß, mer sie eigentlich gestellt muß man sich ganz energisch dagegen verwahren, wenn jezt von hat. Die Fraktion der SPD. wird gegen diese Art Bewilligung gewisser Seite die Polizei scharf gemacht wird gegen harmlose erProtest einlegen und eine Klarstellung verlangen. holungsbedürftige Ausflügler, die einmal an einem See ein Fußbad nehmen. So geschieht es jetzt an der Krummen Lante in Zehlendorf. Für Menschen, deren Nerven heruntergekommen sind und die dennoch nicht die Möglichkeit haben, auf längere Zeit auss zufpannen, ließe sich folgende billige Erholung schaffen: In den Berliner Dauerwäldern, die leicht zu erreichen find, werden leichte Baraden, etwa in der aus manchen Sanatorien bekannten Form der Lufthütten, erbaut, die sich um einen großen Innenhof gruppieren. Dieser Hof wird mit Hängematten und Liegestühlen ausgestattet und dient auch als Luftbad. Die Baraden werden für Berpflegung eingerichtet. Der Erholungsbedürftige fährt am Sonnabend unmittelbar nach Geschäftsschluß hinaus und bleibt bis Montag früh draußen. Er hat also die Möglichkeit einer 36-40ftündigen ununterbrochenen Ausruhe. Die Unterkunft für die Nacht dürfte nicht mehr als 1-1,50 m., die Verpflegung pro Tag nicht mehr als 2-2,50 M. fosten. Aber auch die Sommerlotale follten sich um das Erholungsbedürfnis der Ausflügler mehr als bisher bemühen. Warum fann man sich nicht gegen eine Gebühr in diesen Lokalen einen bequemen Liegestuhl mieten, in dem man einen schönen Vor- oder Nachmittag verfaulenzt? Ruhen ist die erste Bürger. pflicht nach angestrengter nervenzerreibender Wochenarbeit! Auf den harten Gartenstühlen fann man das wirklich nicht. In der Stadt selbst ließe sich auch noch mancherlei für die Erholung er. müdeter Menschen tun. Wenig oder nichts taten in dieser Hinsicht bisher die industriellen und faufmännischen Betriebe. Die Mittags pausen werden keine Erholungspausen, wenn die Menschen keine Möglichkeit haben, den ganzen Körper für ein Viertelstündchen zu strecken und zu ruhen Vor dem Krieg tam der gute Gedanke auf, Ruhetojen einzurichten, schlichte Räume mit einem Ruhe bett, auf dem man gegen geringes Entgelt 1-2 Stunden Mittagsruhe halten tann, ohne erst in den entfernten Vorort fahren zu müffen. So gibt es viele Möglichkeiten, um dem weniger bemittelten Großstadtmenschen fein Bürgerrecht auf Erholung, Entspannung, Ruhe und Erfrischung zuteil werden zu lassen. Das Berufsamt Berlin- Süd. Bom 1. April 1924 bis 31. März 1925 wurde das Berufsani Süd, das die Bezirle Neukölln, Kreuzberg und Tempel hof umfaßt, in 7801 Fällen von männlichen und 6923 von meiblichen Katsuchenden in Anspruch genommen. An diesen Zahlen sind beteiligt. die Hauptgeschäftsstelle Neukölln, Thom u straße, mit 6425 Knaben und 5216 Mädchen, die Nebenstelle Alte Jakobstraße 127 mit 1006 Knaben und 1337 Mädchen, und die Nebenstelle Tempelhof mit 370 Knaben und 370 Mädchen. Bon den aus der Schule im Herbst 1924 und Ostern 1925 zur Entlassung gekommenen 3768 Knaben haben 2466 und von 4153 Mädchen 1426 das Berufsamt erstmalig aufgesucht. Trotzdem erst im Mai bzw. Juni v. J. die Nebenstellen für die Bezirke Kreuzberg und Tempelhof geschaffen wurden, haben 65,4 Proz. aller Knaben und 34,3 Broz. der Mädchen non der Beratungsstelle Gebrauch gemacht. Bom Bezirk Neukölln haben über 80 Broz. der schulentlajenen Knaben den sachverständigen Rat des Berufsamis nach gesucht. 2159 offene Lehrstellen wurden gemeldet. 821 Knaben und 577 Mädchen wurden in Lehrstellen untergebracht, außerdem haben 59 Knaben und 103 Mädchen Kenntnis von der Annahme der auf Grund der Beratung selbst gesuchten Stellen gegeben. Leider erhäll das Berufsamt von einer großen Zahl von Stellenbesetzungen teine oder erst sehr verspätete Nachricht. Die Beteiligten aynen dabei nicht, welche nutzlose Arbeit, welcher Unwille bei den vergeblich zu den Lehrherren geschickten Jugendlichen und deren Eltern und welche sonstigen Unannehmlichkeiten hervorgerufen werden. Landesberufsamt bzw. den Arbeitsnachweisen zur Bermittlung wur den 89 Knaben und 83 Mädchen überwiesen. 117 Jugendliche sind *** Das Neuköllner Luft- und Sonnenbad! Auf dem Gelände der ehemaligen Schießstände in der Hafen heide hat der Naturheilverein Neukölln E. B. im Jahre 1920 ein Luft, Licht und Sonnenbad errichtet. Der Eingang zum Bade befindet sich in der Karlsgartenstraße, Ede Fontanestraße. Der Verein, der in den neunziger Jahren aus der Magnetischen Gesellschaft" entstanden war, befaß auf einem Laubengelände an der Weserstraße sein erstes Luft und Sonnenbad. Bon Jahr zu Jahr entwickelte sich die Tätigkeit immer mehr, und so errichtete er ein größeres Bad am Dammweg. Hier wirfte er 14 Jahre lang zum Segen der Mitglieder und der Allgemeinheit. Im Jahre 1920 mußte der Verein einer Siedlung weichen und hatte das Stück, auf dem jezigen herrlichen Gelände ein neues modernes Luft, Licht- und Sonnenbad errichten zu können. Das vom Reichsfistus auf 20 Jahre gepachtete Gelände umfaßt zirka 20 000 Quadratmeter, von dem der mittlere Teil zu einem großen, schönen Familienbad, einem Damen- Krankenbad und einem Herren- Krankenbad ausgebaut ift. Jedes Bad hat seine Entkleidungshalle mit Schränkchen für Wertsachen usw., Brausebäder, zahlreiche Turngeräte, Liegebretter usw. Auch an einem Massageraum fehlt es nicht. Alle brei Bäder bestehen aus großen Waldflächen und bilden den schönsten Erholungsaufenthalt. Wundervoll ist auch der große Erholungsplah seitlich und hinter den Bätern, so daß man mit Recht sagen kann, der Verein hat hier eine geradezu ideale Heil- und Erholungsstätte geschaffen. süße Magermilch, weißen Käse Für Erfrischungen ist durch eine Kaffeeküche und eine Erfrischungshalle gesorgt. Was die Sonne im Sommer nicht vollenden konnte, follen die vom Berein aufgestellten zwei Höhenfonnenappa. rate( Hanauer Quarzlampen) vollenden. Für Bestrahlungen zahlen Die Mitglieder nur die reinen Strom und Bedienungskosten. All8um 50. Geburtstag unserem Freund und Genoffen Wilhelm Dürre die herzlichsten Glückwünsche. Abteilung 107 Alt- Glienicke- Falkenberg. Qualitäts- Buttermilch ab Meierei oder frei Laden MaiKur mit Blutreinigungspalver Saltarin, wirk samste Verjüngung u. Auffrischung des Blutes gegen Blutverdickung, unreine Haut, Hautjuck. etc M 150, kur3Schacht. M. 4.25, in Drog u Apothek, sorst bei Oito Reichel, Berlin 43, SO. Eisenbahnstr Meierei Humboldt Geflügelfutter Berlin N 54, Zionskirchstraße 38 billigst abzureben. [ 917b Kekert, Spreestr. 43 Telephon: Humboldt 3018/3209. Dem | Einweihung der Dauerkolonie Neu- Werder. Die am Bahnhof Tempelhof gelegene Dauertolonie Neu. Werder feierte türzlich ihre Einweihung. In den Nachmittagsstunden marschierte ein stattlicher Zug mit Mufit durch die Straßen und wirfte so gleich propagandistisch für die Idee des Kleingartenwesens. Zahlreiche Schilder, die aufforderten, Laubenland zu besiedeln, wurden mitgeführt. Die Kolonie selbst war aus dem Anlaß der Einweihung ausgeschmüdt. Der großzügig angelegle Spielplatz nahm nach dem Umzug die Teilnehmer auf. Die Behörden sowie der Provinzialverband im Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands hatten Bertreter entsandt. In seiner Begrüßungsansprache hob der Vorsitzende des Bezirksverbandes Lempel hof. Taubert, hervor, daß es jezt endlich gelungen sei, den heiß gefuhrten Kampf um die Dauerfolonie erfolgreich zu Ende zu führen. So fonnten denn viele Laubenkolonisten, die wegen der Bebauung der westlichen Seite des Tempelhofer Feldes meichen mußten, untergebracht werden. Dank der Opferfreudigteit der Klein. siedler ist es gelungen, die Kolonie Neu- Werder" zu einer Mustertolonie zu gestalten. Sämtliche Barzellen, 828 an der 3ahl, sind besczt. Die Nachfrage ist sehr rege. Es ist zu erwarten, daß der Berliner Magistrat noch weiteres Gelände zu diesem Zwede aufschließt. In einer Schlußansprache betonte der Vorsitzende des Provinzialverbandes, Reinhold, daß ohne Organisation tein Kampf zum Siege geführt werden fönne. Pflicht aller Kleinsiedler müsse es sein, sich der Organisation anzuschließen. Lichtbildervortrag im Potsdamer Stadtparlament. Das neue Krankenhausprojeft, das nach den Entwürfen des Stadtbaurals Drews entstanden ist, um die Schwierigkeiten, die in Potsdam mit dem städtischen Krankenhaus bestehen, zu beseitigen, wuide fürzlich in einem Lichtbildervortrag in einer außer. ordentlichen Stadtverordnetenfigung vorgeführt. Nach dem Projett, das zweifellos den Beifall der Mehrheit der Stadtverordneten ge funden hat, soll das bisherige städtische Krankenhaus und das Augusta- Bittoria- Krankenhaus durch einen Zwischenbau vereinigt merden und sollen dabei die modernsten Anforderungen des Krankenhauswesens Beachtung finden. Insbesondere ist Wert auf freien Butritt von Luft und Licht gelegt worden. Liegeterrassen sind im Unterbau vorgesehen und Baltons werden in den oberen Stodwerfen angebracht, auch Sonnenbadanlagen werden geschaffen. Kurzum, es ist in jeder Weise Bedacht genommen, alle Möglichkeiten des Heil mefens auszufchöpfen. Der Umbau soll etwa drei Jahre in Anspruch nehmen und in drei Earpericden vor sich gehen. Die gesamten Baufoften dürften rund 2 Millionen Mark betragen. Die medizinischen Einrichtungen werden in jeder Weise den allermodernsten Ansprüchen genügen, insbesondere in der Ausstattung der Operations- und Demon ftrationsräume, der Bader und auch der sonstigen technischen Einrichtungen. Das neue Krankenhaus foll für 386 Strantenbetten Raum bieten und drei Zugänge erhalten. Jubiläen. Serr Baul Säusler, der Geschäftsführer der bekannten Firma A. Damitt, Rofenthaler Str. 46/47, feierte vor einigen Tagen fein 35jähriges Jubiläum. Der Zimmermann Ang. Schmiedede und feine Chefrau, wohnhaft Bremer Str. 48, feierten türalich das Fest der goldenen Hochzeit. Am heutigen Tage begeht Genosse Wilhelm Dürre, Alt- Glienide, feinen 50. Geburtstag. Geit zirka 27 Jahren gehört er ununterbrochen unserer Partei an. Ueber zwei Jahrzehnte hat er den Bosten eines Rahlstellentaffierers des Rimmererverbandes inne. In der Nachkriegszeit stellte er feine Kraft als Gemeindefchöffe und Kreisvertreter von Teltow zur Verfügung. auch heute noch ist er als Bezirksverordneter im 15. Berwaltungsbezirk tätig. Rürzlich beging der Genosse Wilhelm Hochhäusler mit seiner Frau bas Fest der filbernen Hochzeit. Genosse Sochhäusler ist seit 25 Jahren Parteimitglied und steht feit 30 Jahren in der Gewerkschaftsbewegung. Ein alter Borwärtsabonnent. Der Werkzeugmacher Rudolf Ringel feiert am 25. Mai feinen 77. Geburtstag in voller Riftigkeit und ist Abonnent des Vorwärts" seit der ersten Nummer des Blattes. " Regen und und Kälte können Ihrem Schuhzeug nicht schaden, wenn Sie es täglich mit der reinen Terpentinölware Nigrin pflegen. Die teueren Schuhwaren kann man besser schützen. nicht Groß- Berliner Parteinachrichten. Heute, Sonnabend, den 23. Mat: 9. bt. 5 Uhr Borstandsfigung bei Serrichen, Wilsnader Str. 40. 94. Abt. Neukölln. 7% Uhr Funktionärskung bei Schröder, Steinmetz. 82. Rinberfreunde Charlottenburg. Die Rinder treffen fich um 3 Uhr nachmittags am Luisenpiah. Baben im Bollspart! Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 47. Abt. Am 19. Mai verftarb der Gastwirt Genoffe Emil Bflug, Mus Bauer Str. 1, an den Folgen seiner Kriegsverlegung. Die Beerdigung findet am Montag, ben 25. Mai, nachm. 4 Uhr, auf dem Emmaustirahof, Neutölln, Hermannstraße, fbatt. Straßenbahnverbindung: Linien 21, 27, 29 x. 32. Jugendveranstaltungen. Achtung, Bezirksvorstand! Die Mitglieder treffen fich am Sonntag gre Generalversammlung pünktlich vormittags 49 Uhr in der Aula, Neuköün, Raiser- Friedrich- Str. 208/210. Jedes Mitglied muß erscheinen. Achtung, Mitglieder! Morgen, Sonntag, den 24. Mai, ab vorm. 9 Uhr, Generalversammlung in der Aufa des Raiser. Friedrid Realgymnasiums, 208/210, Neukölln, Raiser- Friedrich- Str. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht. 2. Unsere Sagungen. 3. Wahlen. Ohne Delegierten oder Gaftkarten tein Zutritt! Achtung, Abteilungsleiter! Die Fahrpreisermäßigung für die Bfinaft fahrt muk bis spätestens Dienstag, ben 26. Mai, beantragt fein! Heute, Sonnabend, den 23. mai: Norbring. Nachtwanderung Ertner- Störikfee. Treffpunkt 7 Uhr abends Alexanderplat, Berolina. Stegli I und Lichterfelbe. Treffpunkt zum Lichtbildervortrag in Tempelhof, abends 7 Uhr, Bahnhof Sildende. Abteilung Tempelhof. Abends 7 Uhr in ber Berber- Schule, Friedrich- Wilhelm- Straße. Lichtbildervortrag: Der Berg bes Schid fals." Eintritt 35 Bf. Gaalöffnung 7 Uhr. Berbebezirk Neukölln. Abends 18 Uhr im Jugendheim Canner Straße Funktionärsigung. Morgen, Sonntag, den 24. mai: Neukölln II: Spaziergang nach der Königsheibe. Treffpunkt nadm. 2 Uhr Ringbahnhof. Werbebezirk Kreuzberg! Abends 7 Uhr im Jugendheim Linden ftraße 3 spricht felig Fechenbach. Jugend- und Varteigenossen find eingeladen. Berband sozialistischer Minenten, Gau Berlin- Brandenburg. Arbeitenbe Jugend! Besucht unseren öffentlichen Bortr gsabend am Sonnabend, den 23. Mai 1925, abends 7% Uhr, im Jugendheim Goßlerstr. 61, Gebäude, nahe Bahnhof Warschauer Straße. Simon Rakenstein spricht über das Thema: Schantstättengefek Gemeindebestimmungsrecht! Anschließend freie Aussprache! Eintritt wird nicht erhoben! Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstefie: Berlin G 14. Sebaftianfte. 37/38. Sof 2 Tr. Achtung, Spielleute! Die Spielleute der Kameradschaften Ban tow, Charlottenburg, Röpenid und Kreuzberg treffen fich aur Fahrt nach Budow Sonnabend, den 23. Mai, nachmittags 4% Uhr, Bahnhof Alexanderplat, Eingang Dirdfenstraße. Gauvorstand. Für unsere Rameraden fährt am Sonnabend, ben 30. Mai, abends 8.49 Uhr, ein Rug nach Stettin. Bei genügender Beteiligung et halten wir von der Bahn eine Breisermäßigung, und awar stellt fich dann bie Sinfahrt bis Stettin auf. 4 M. Die Kamerabschaftsführer müssen außer den 7 M. für Dampfer- Sin- und Eisenbahn- Radfahrt auch diefe 4 M. taffieren. Bis Dienstag, ben 26. Mai, erwartet die Eisenbahn Bescheid über die Teil. nehmerzahl. Wir bitten die Samerabfchaftsführer, bis Dienstag mittag anzugeben, wieviel Kameraden sich an der Fahrt beteiligen, und das Geld im Gaubureau abzuliefern. Kamerabſchaft Tiergarten. Der Turnabend am Sonnabend, ben 28. Mal, tafft aus. Das Fahrgeld für die Pfingstfahrt nach Swinemünde in Söhe Don 11 M. für Eisenbahn- Sin- und Rüdfahrt einschließlich Dampferfahrt CCCCCC Lilligne 475 Straßenkleid aus Musselin- Imitation, reizende Fasson, Paspelund Knoptgarnierung viele Farben 675 Stettin- Swineminde bellency Diodracts not Sebensreform i B. B., Brangiones Begirismitalieberveriammlung am Montag, 25. Mai, bei Gliesche, Ropenhagener 6tz. 74, 7% Uhr. Seferiert wird über Die Bunge and thre Grfrantungen". Anschließend Aussprache und Bereinsangelegenheiten. Gäste, die fich über unsere Bewegung informieren wollen, find willkommen. Montag, Dert Schuh- Produktiv- Genossenschaft 1920, E. 6. m. b. S. 25. Mai, findet unwiderruflich 8 Uhr bei Moor, Lichtenberg, Neue Bahnhofftr. 28, die fortfegung ber Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Be richte. 2. Bilanz. 3. Anträge. Berschiedenes. Pflicht eines jeden Ge noffen ift es, zu erscheinen. bis Diensing. Sex 25. al, beim Romeraben Gole Bera Späters melbungen lönnen nicht mann, Stepbanftr. 44, a hinterlegen. beridfichtigt werden. Kamerabschaft Kreuzberg. Sonnabend, ben 28. Mai, non 5 bis 6 Uhr, bei Bichler, Dieffenbachstr. 76, legte Abrechnung der Ein trittskarten zur Bannerweihe. Bis dahin nicht abgerechnete Karten müssen Abteilung Südoft. Nachmittags 4½ Uhr treffen fich als verbauft gelten. bie Ramenaben zur Fahrt nach Budow am Schlesischen Bahnhof, Hauptein gang. Rachzügler fahren um 7 Uhr oder Sonntag, ben 24. Mai, früh 6.58 Uhr. Sonntagsrüldfahrkarte Dahmsdorf- Müncheberg. Radfahrer Gonn abend nachmittag 5 Uhr Morigplan. Ramerabfdaft Steglig. Sonnabend, ben 23. Mai, abends 8 Uhr, Jugendversammlung im Restaurant Lefch, Rum Sportplag. Steglit, Ringstraße. Kameradschaft Lichtenberg nebft Unter gruppen. Sonnabend, den 23. Mai, abends von 6 bis 8 Uhr, haben die Teilnehmer an der Pfingstfahrt nach Swinemünde im Lobal von Krüger für Eisenbahn- Sin- und Rüdfahrt einschl. Dampferfahrt Stettin- Swinemünde 11 M. Au entrichten. Alle bis Sonntag, den 24. Mai, nicht eingegangenen Arbeitersport. Beträge fönnen nicht berüdsichtigt werden. Sonntag, den 24. Mai, morgens Ortsgruppe Berlin! Wir weisen darauf hin, daß das Inserat in der 5 Uhr, Antreten der Ramerabschaft am Bahnhof Lichtenberg- Friedrichs felde zur Fahrt nach Budom mit Auto. An diefer Veranstaltung önnen auch Frauen teilnehmen. Die Kameradschaft hat sich vollzählig an dieser Fahrt au beteiligen. Sonderveranstaltungen ber Untergruppen müffen an den biefem Tage ausfallen. Sonntag, Kamerabschaft Friedrichshain. 24. Mai, morgens 5 Uhr, treffen sich fämtliche Radfahrer, die per Rab nach Budom fahren wollen, im Vereinslosal Fruchtstr. 36a. Sämtliche Teilnehmer zur Pfingstfahrt nach Swinemünde mliffen bis Dienstag, den 26. Mai, bas Fahrgeld in Höhe von 11 M. für Eisenbahn- Hin- und Rüdfahrt einschl. Dampferfahrt Stettin- Swinemünde beim Borsigenden abgerechnet haben. Rameradschaft Charlottenburg. Sonntag, den 24. Mai, morgens 6 Uhr, Abfahrt der Rameraden per Bastauto vom Anie zur Bannerweihe nach Budow. Fahrpreis 1,50 M. Es wird pünktlich abgefahren. Stöde dürfen nicht mit gebracht werden. Rameraden, die fich an der Fahrt nach Gwinemünde be teiligen, haben bis zum 26. Mai 11 M. für Eisenbahn- Sin- und Rüdfahrt einschl. Dampferfahrt Stettin- Swinemünde an den Kameradschaftsführer au zahlen. Ramerabschaft Schöneberg- Friebenau. Die Swinemünde- Fahrer müssen bas Fahrgeld von 11 M. für Eisenbahn- Hin- und Rückfahrt einiol. Dampferfahrt Stettin- Swinemünde bis Dienstag, den 26. Mai, abends 8 Uhr, Spätere beim Rameraden Simon, Eisenacher Str. 50a, hinterlegt haben. Eingänge lönnen nicht mehr berücksichtigt werden. Rameradschaft Neukölln. Brih. Sonntag, den 24. Mai, früh 6½ Uhr, treffen sich die Rameraden, welche sich an der Fahrt nach Budow beteiligen, am Schlesischen Bahnhof. Kamerabschaft Erkner. Sonntag, den 24. Mai, morgens 6 Uhr, Antreten aller Kameraden mit Fahrrädern am Bahnhof zur Fahrt nach Budom. Rameraden, die mit dem Auto fahren, melden fich fofort bei Ramerad Thewe, Gieblerweg. Sonnabend Roften airka 2 M. Kameradschaft eikensee. den 23. Mai, abends 7 Uhr, Antreten in Bannerkleidung. Abmarsch zur Uebung. Sonn Berband sozialistischer bftinenten, Bat Berlin- Brandenburg. abend, 23. Mai, 7% Uhr, öffentlicher Bortragsabend im Jugendheim Goßler. ftraße 61, Schulgebäude, nahe Bahnhof Warschauer Straße. Simon RagenGemeindebestimmungsftein fpricht über das Thema: Gdhantstättengefeh recht!" Anschließend freie Aussprache! Einrittsgeld wird nicht erhoben! Die arbeitende Bevölkerung ist eingeladen. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 23. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.35 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück:„ Esperanto". 1. Der 4 Uhr nachm.: Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Vetter aus Bremen. Ein Spiel in Versen und einem Aufzuge von Theodor Körner. Personen: Pächter Veit; Gretchen, seine Tochter; Franz, ein junger Bauer. 2. Der Nachtwächter, Eine Posse in Versen und einem Aufzuge von Theodor Körner. Personen: Tobias Schwalbe, Nachtwächter in einer Provinzialstadt; Röschen, seine Muhme; Ernst Wachtel, Student; Karl Zeisig, Student. Des Nachtwächters Nachbarn, unter welchen der Bürgermeister ist.( Die Szene stellt den Markt einer kleinen Stadt vor. In der Mitte ganz im Vordergrunde ein kleines Brunnenhäuschen. Links des Nachtwächters, rechts des Bürgermeisters Haus). 6.40 Uhr abends: Sanitätsrat Dr. Paul Frank: Medizinischhygienische Plauderei. 7 Uhr abends: Dr. v. Köbke: Genossen7.45 Uhr abends: schaften des gewerblichen Mittelstandes". Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Musikwissenschaft. Dr. Richard H. Stein: Einfü rung in die russische 8.30 Uhr Musik". 12. Vortrag. Die Radikalen der Gegenwart". abends: Frühlingsabend auf der Alm. Eine heitere bayerische Das singende Schnupftabakgeige Angelegenheit mit Jodeln Die schwingende Schwein Original Salzburger Glockenspiel Rauferei Schuhplattln BayeriBackpfeifentanz Zither sches Lachcouplet Tier- und Vogelstimmen Am Traunsee Originalsolo für zwei Konzertzitern. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Achtung, Touristenverein„ Die Naturfreunde"( 3entrale Wien), Dienstag- Abendausgabe des Borwärts" von unberechtigter Seite aufgegeben ist und fordern alle Mitglieder des Touristenvereins„ Die Naturfreunde" auf, diese„ Generalversammlung" nicht zu besuchen. Zentrale Wien. Ortsgruppe Berlin. Mufitforps bes 1. Streifes bes A.-.- und Sp.-B. Sonntag, den 24. Mai, vormittags 9 Uhr, bei Erbe, früher Aliem, Hafenheide 13/15, Generalprobe sum Rinderturnfest in Brandenburg a. d.$. Bollzähliges und pünktliches Erfcheinen erforderlich( ohne Tambourkorps). S.B. Borwärts 1897. B. Montag, den 25. Mai, 7% Uhr, Sigung famtlicher Schwimmwarte in der Baldhütte, Nähe Wassersportplas Blögen. fee. Es ist unbedingt Pflicht der gesamten Schwimmwarte, an dieser Sigung teilzunehmen. Arbeiter- Sport- Kartell Schöneberg- Friebenan. Dienstag, den 26. Mai, 8 Uhr, Sigung bei Lehmann, Fris- Reuter- Str., Ede Magstraße, wozu bie Delegierten und Borsigenden erscheinen müssen. Beschlußfaffung über die Werbewoche. Borschläge und Mitgliederbestand bis zu 17 Jahren und über 17 Jahre find mitzubrngen. Touren Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", Drtsgruppe Berlin. fie Sonntag, den 24. Mai. 1. Abt.: 4 Uhr Klofter Lehnin. 1 Uhr Großes 2. Abt.: 5 Uhr Langer See( Blumenthal), Fenster. Start Billowstr. 56. Start Start 1 Uhr Geefeldt( Fischerhütte). Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: 6 Uhr Tiefensee( Gamengrund). Start Bausiker Plak. 5. Abt.: 6 Uhr Eberswalde, 1 Uhr Röntgenthal, Marg. Start Landsberger Blag. 6. Abt.: 6 Uhr Zühls. borf, 12 Uhr Summt. Start Ropenhagener Str. 26. 8. Abt.: Schönwalde 1 Uhr Start Boldenfeer Str. 19, Liepnikfee 5 Uhr. Start Arminiusplat. 9. Abt.: 7 Uhr Saatwinkel. Start Schulstr. 114. 10. bt.: 5 Uhr Sangels. 11. bt.: 23. Mai, berg, 12 Uhr Friedrichshagen. Start Comeniusplak. 4½ Uhr nachm., Lehnin. Start Hochftr. 13. 12. Abt., Motorfahrer: Lante über Bandlißfee. Start früh 8 Uhr Brenzlauer Allee, Ecke Heinersdorfer Straße. 13. Abt. Horestga: Freitag, ben 5. Juni, Liepnikfee bei Bernau. Start früh 9 Uhr Simmerfte. 80. Ortsgruppe Niederschönhausen: 5 Uhr Eberswalde. Start Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße. Ortsgruppe Bankow: 5 Uhr Oderbal. Start Floraftr. 24. Ortsgruppe Adlershof: 12 Uhr Rangsdorf. Start bei Riege. Ortsgruppe Tegel: 12 Uhr Nauen. Schlieperftr. 64. Ortsgruppe Reinidendorf: Stolzenhagener See. 7 Uhr Refibenafte. 109. Ortsgruppe Neukölln: 5 Uhr Bernau- Nonnenfließ. Start: 1. Abt. Berkbergplak, 2. Abt. Bahnhof Hermannstraße. Ortsgruppe Start 6 Uhr Baum Treptow- Baumschulen weg: Kremmener Waldgebiet, Thulenweg, 6% Uhr Bahnhof Treptow. Ortsgruppe Lichtenberg: 7 Uhr Berrifee. Start Traveplak. Ortsgruppe Schöneberg: Groß- Glienice. Start Ortsgruppe 12 Uhr Stubenrauchstr. 5. Oberschöneweide. Bökfee, Rotfäppchen. Start 6 Uhr Siemensstraße. Ortsgruppe Charlottenburg: 6 Uhr Lehninfee. Start Galvanistt. 13. Fahrwarte! Donnerstag, den 28. Mai, Rungefte. 17, 7 Uhr. Achtung, Bundesgenoffen! Das Lotal Japan, Birken werber, tommt nach wie vor in Betracht als Einkehrlokal. Das Lokal Seinze Witwe, Groß- Beeren, ist für uns gesperrt. Jungdo und Stahlhelm sind der Inhaberin lieber als die Arbeiterparteien, die dort infolge der brüsten Abmeifung ihre Bersammlungen, Rahlabende ufw. nicht mehr abhalten können. Also verschärft die Sperre! Die Bezirksleitung. Am Sonnabenb, ben 30. Mai, wird unfer Fahrradhaus Frisch Anf um 4 Uhr nachmittags gefchloffen. Ferner bleibt es am 3. Feiertag gänzlich nefchloffen. Seit sechzig Jahren wohne ich in Deutschland und bin überall beliebt und bekannt. Ich heiße MAIZENA bin eine Tochter des Maiskorns und jede Hausfrau weiß mich zu schätzen. In der Küche bin ich nnentbehrlich und wer mich noch nicht genau hennt, schreibe um ein Kochbuch ein an die ad Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBURG 15. Sonnabend JANDORF bei Weißwaren mit Weste und Kragen reicher Spitzen- 1.90 garnierung .. mit Weste ans Kragen Opal und Valen- 2.90 ciennespitzen Schillerkragen mit Weste aus Rips.. Bubikragen spitze 0.95 Form 0.75 aus gutem Rips.. Lackledergürtel in schönen Farben. Schürzen Knabenschürzen 0.95 m. 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Liserethüte Blumen 5.90 garnitur, verschied. Form. Wilmersdorfer Str. Hervorragende Heilerfolge bei Herzkrankheiten, beginnender Arterien- Verkalkung, Muskel- und Gelenk- Rheumatismus, Gicht, Rückenmarks-, Frauen- und Nervenleiden Vorzügliche Konzerte Vielseitige Unterhaltungen, Oper, Schauspiel, Tennis, Golf, Wurftaubenschleẞstand, Autogesellschaftsfahrten Hessisches Staatsbad Frankfurt a. M. Ganzjährige Kurzeit Sämtl. neuzeitliche Kurmittel:: Schöner angenehmer Erholungsaufenthalt Badesalz-, Wasser- und Pastillenversand Vorzügliche Unterkunft in reicher Auswahl bei angemessenen Preisen Man fordere die neueste Auskunftsschrift A. 121 von der Bad- und Kurverwaltung Bad- Nauheim und in den Reisebureaus k?e. 240» 42. �ahrgattg 2. Seilage öes Vorwärts Sonnabend, 2Z. Nai 192S Ein Ritter öer Wahrheit. Tie Agrarier und ihr Vertcivigcr. Der brutale Kampf für Agrarzölle und Brotverteuerung kenn, was die Agrarier sicherlich bedauern, nicht auf die eigentlich angemessene Weise mit Heugabeln und Dreschflegeln geführt werden. Auch die ausdauernde und wohleingeübtc Befolgung des agrarischen Wahlspruchs„Lerne klagen ohne zu leiden!" ist hierfür zwar äußerst wirkungsvoll und nützlich, reicht aber allein doch auch nicht aus. So tief zuwider jedem rechtlichen Agrarier auch alles Geistige ist— mit löblicher Ausnahme natürlich der geistigen Getränke—, es Hilst nichts, hol's der Teufel!, man braucht dazu auch so etwas wie Wissenschaft, Argumente, womöglich Ge- danken. Aber woher die nehmen? Was waren das früher doch bessere Zeiten, als noch ein Mann wie Sering mit ehrlicher Ueberzeugung und ernstem wissenschaftlichen Rüstzeug für den zollpolitischen Schutz der deutschen Landwirtschaft kämpfte! Abeo wehe, heute kämpft Sering Schulter an Schulter mit dem anerkannt be- deutendsten Betriebswissenschaftber Geheimrat Aereboe für die fremdstämmige Pest des Freihandels, und so ist es denn kein Wunder, daß die agrarische Meute in dem Käseblättchen des Landbundes und anderwärts diese Männer mit Dreck be- wirft und wie Schulbuben abkanzelt, zum Dank für eine Lebensarbeit im Dienste der Landwirtschaft, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus die Anerkennung und Bewunde- rung der Welt gefunden hat. Der 65jährige Sering, den mancher Jüngling um feine reckenhafte Frische beneidet, wird von denselben Leuten als altersschwach belächelt, denen der 77jährige Hindenburg zum Reichspräsidenten jung genug war. Und um die Infamie zu krönen, wird wieder hintenherum schmunzelnd das Gerücht verbreitet— einmal von Aereboe und das andere Mal von Sering—, ihre Ueberzeugung wackele schon sichtlich, nicht lange, und man werde die alten Sünder reumütig in den Schoß der allein- seligmachenden Schutzzolllehre zurückkehren sehen. An Verleumdungen wäre also kein Mangel. Aber wer liefert Argumente? Wer imposante Zahlentabellen(sie brauchen ja nicht unbedingt alle richtig zu sein)? Wer die profunde Fülle betriebswirtschaftlicher Einzelheiten, die das Staunen des Laien und die Verwunderung des Fachmannes erregen? Doch schon naht sich rettend Ritter, Kurt. Doktor der Landwirtschast, Privatdozent an der Landwirtschaftlichen Hoch- schule zu Berlin. Daß er im Hauptberuf Dezernent der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer (Gehaltsklasse XII) ist. verschweigt er bescheiden. Warum soll er auch selbst böse Mitmenschen zu Kombinationen anregen angesichts gewisser auffälliger Beweise von Wand- lungsfähigkeit? Denn wie sagt doch schon Schiller so treffend: „Es liebt die Well, das Strahlende zu schwärzen, Und das Erhab'ne in den Staub zu ziehn." 5 Als Beleg für diese Tatsache der Wandlungsfähigkeit ist es zunächst notwendig, Herrn Ritters im Jahre 1921 er- schienene, heute leider vergriffene Habilitationsschrift dem Dunkel der Vergesienhell zu entziehen. Sie trägt den Titel:„Die Einwirkung des Weltwirtschaft- lichen Verkehrs auf die Entwicklung und den Betrieb der Landwirtschaft, insbesondere in D e u t s ch l a n d", und Herr Ritter hat dort nachgewiesen, daß die durch den Krieg und die Valutasperre bewirkte A b- sperrung Deutschlands vom Welwerkehr für die deutsche Landwirtschaft im wesentlichen ungünstigeWirkungen gehabt hat. Die Valuta sperre„so prohibitiv wie es ein Schutzzoll- system vor dem Kriege nicht sein konnte", ist eines der Haupt- Hindernisse, die einem schnellen Wiederausstieg der ganzen Volkswirtschaft im Wege stehen und,„selbst wenn sie(die Landwirtschaft) endgültig von den Fesseln der Zwangs- Wirtschaft befreit sein wird, so vermag doch eine wirk- liche Gesundung so lanae nicht zu erfolgen, wie nicht ein wirklicher Anschluß an d en Weltmarkt wieder besteht und die deutsche Landwirtschaft dank der ausländischen Produktions- mittel das leisten kann, was sie zu leisten imstande ist. Als po'siioe Maßnahme zum Wiederaufbau der deutschen Landwirtschast hat Herr Ritter damals eine Umstellung auf Produkte der Viehhaltung nach dänischem Muster empfohlen, und er hatte von dieser Umstellung eine solche Steigerung der Gesamtproduktion erwartet, daß die Landwirtschaft nicht mir den inländischen Bedarf an Rah- rungsmitteln zu decken, sondern auch solche zu exportieren vermöchte. Die freudige Zustimmung zu diesen vollkommen richtigen Gedankengängen, in denen sich Ritter als gelehriger Schüler seines großen Meisters Aereboe erweist, bei dem er sich da- mals mit dieser Arbeit habilitierte, wird nun leider getrübt durch die Beobachtung, daß Ritter heute in jeder Beziehung genau den entgegengesetzten Standpunkt ver- tritt. Andere Zeiten, andere Sorgen. Wie ferner Geheimrat Sering nachweist(„Weltwirffchaits- archio" 1925 S. 67/68), hat Herr Ritter in seiner Ende 1924 erschienenen ersten Agrarzollbroschürc zur Begründung seiner sclpitzzöllnerischen Thesen aus der Erntestatistik des internationalen Landwirtschaftsinstituts genau die entgegenge- setzten Schlüsse gezogen, wie in einer im gleichen Jahre kurz vorher erschienenen Besprechung, bei der ihm jene Zweckein- stellung noch nicht vorgeschwebt Hütte. Sering freilich hat in der Agrorzollsrage auch seine Stellung gewechselt. Rur allerdings mit zwei kleinen Unter- schieden, einem sachlichen und einem persönlichen: Sering hat nur einer grundlegenden Veränderung der tat- sächlichen Verhältnisse vom Standpunkte einer un- veränderten Ueberzeugung aus Rechnung getragen, während Herr Ritter gleichen Tatsachen mit Plötz- lich veränderter Meinung geg'-nübertritt. Und bei Sering ging die neue Stellungnahme aufs schärfste gegen sein persönliches Interesse, wie der Erfolg bewiesen hat und täglich beweist, während Herr Ritter bei seinem Wandel recht gut gefahren ist. Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er eben auch den dazugehörigen Verstand, und warum sollte das Amt eines Hauptlandwirtschaftskammer- dezcrnenten von. dieser Regel eine Ausnahme machen? Uebrigens scheint dies nicht Herrn Ritters einziges Amt bleiben zu sollen. Wer die jämmerlich dürstige, gedankenlose und materialarme, dabei nicht einmal in den Tatsachenangaben zuverlässige Begründung gelesen hat, mit der das Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirffchast es wagte, 1924 seine Agrarzollnovelle der Oeffentlichkeit vor- zulegen, der kann es begreifen, daß dies Ministerium, das sich in einer geradezu skandalösen Abhängigkeit von feinen agrari- scheu Interessenten befindet, den jungen Ritter allsogleich heftig in sein Herz schloß. Denn wenn alle Beamten des Reichs- Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zusammen nicht mehr als knapp drei Seiten zur Begründung der Agrarzölle zusammengebracht hatten— hier war ein Mann, der im Abstand von wenigen Monaten viele Dutzende von Seiten zu dem gleichen Zweck zusammenschrieb und die Notwendigkeit von Agrarzöllen stets wieder„in nerier Beweisführung" darlegte. Der, dem Beispiel berühmter Männer von Kind auf nacheifernd, kaum habilitiert, bereits. begonnen hat, feine gesammelten agrarpolitischen Auffätze und Vorttäge in fortlaufender Numerierung erscheinen zu lassen. So würde sich denn wohl niemand wundern, die zarten Bande zwischen diesem Ministerium und seinem Ritter nächstens auch vor der Oeffentlichkeit legitimiert zu sehen und Herrn Ritter als Ministerialrat für Ernährung und Landwirt- fchaft begrüßen zu können. Für die Landwirtschaft (lies: Großagrariertum) wird damit jedenfalls gesorgt sein und auch für die Ernährung, wenn nicht des deutschen Volkes, fo doch jedenfalls für die von Herrn Ritter. Lohnerhöhung unö Inflationsgefahr. Irreführung der Oeffentlichkeit. � Die Unternehmerweisheit am Ende. Die deutschen Unternehmer haben gegen die Anpassung der Löhne und Gehälter an das Niveau der Preise und Lebenshallungs- kosten ihre letzte Karte ausgespielt. In einem Rundschreiben der Vereinigung der deutschen Arbeitgebcrverbände werden die Schrecken einer neuen Inflation an die Wand gcmall als notwendige Folg«— der Lohnerhöhung. Die wellere Erhöhung der Löhne und Gehälter müsse den Kapitalbedarf der Industrie noch weiter steigern als bisher, dieser müsse von der Reichsbank befriedigt werden, weil er notwendiger Bedarf fei, die Reichsbank müsse die Umlaufsmittel, die unter Ein- schluß des Wechselbestands heute schon den Vorkriegsumlauf über- steigen, noch weiter vermehren. Das führe unausweichlich zur Steigerung der Preise, der Wcttlauf der Preise und der Löhne müsie von neuem beginnen, und eine neue Inflation sei unvermeidlich. Selbst wenn aber die Reichsbank die Befriedigung des Kreditbedarfs aus den Lohnerhöhungen verweigerte und durch Restriktionen das Kreditverlangcn der Industrie drosselte, müßte die Inflation, wenn auch auf anderem Wege, kommen. Die Unter- nehmer müßten ihre Betriebe stillegen, die Belegschaften auf die Straße setzen, Hunger, Not, Revollen seien die Folge, und schließlich wüßte sich der Staat nicht mehr anders zu helfen, als daß er neues Geld schüfe und zur Beruhigung und Ernährung der hungernden Massen neue Kaufkraft unter sie verteilte. Das käme auf dasselbe hinaus wie die Befriedigung des Kreditbedarfs für die Lohnerhöhungen durch die Reichsbank. In dem führenden Blatt der Montanindustrie, der„Deutschen Bergwerkszeitung", und in der„Berliner Börsenzeitung" wird dasselbe verkündet. In der „Industrie- und Handelszeitung" kommt Dr. Hans Meisinger mit «was anderen Worten zu dem gleichen Ergebnis. Das zeitliche Zu- sammentreffen und die einheitlichen Argumente nötigen zu dem Schluß, daß es sich um eine bewußte und systematische Kampagne der Unternehmer und Arbeitgeber handell, die deutsche Oeffentlichkeit gegen jede wellere Erhöhung der Löhne und Gehälter in Deutschland einzunehmen. Die Unternehmer haben mit ihrer Agitation für niedrige Löhne kein Glück. Die Wissenschaft war schon immer gegen sie, von Adam Smith über Roscher bis Lujo Brentano. In der Tatsachcnwell der Vorkriegszeit hätte jeder Tag bestätigt, daß hohe Löhne hohe Produktivität und wachsenden Volkswohl st and bedeuten. Neuerdings wenden sich selbst Industrielle immer stärker gegen die Politik der niedrigen Löhne. Ford ist schon sprich- wörtlich dafür geworden. Wer von sachverständigen Leuten aus Amerika zurückkommt, ob es Staatssekretär Dr. Hirsch oder der Siemens-Generaldirektor Dr. Köttgen ist, weist aus den Z u< sammenhang zwischen den hohen amerikanischen Löhnen und der steigenden Prosperität Amerikas h i n. Das erschwert natürlich die Agitation der deutschen Unter- nehmer für möglichst niedrige Löhne. Seit der Stabilisierung der Währung sind ihnen aber auch noch die letzten Schein- argumente genommen worden. Während der Inflation und auch noch nachher hoben sie die Tiefhaltung der Löhne mit der ge- rinaeren Arbeitsleistung begründet. Von geringerer Ar- beitsleistung kann heute nicht mehr die Rede sein. Auf die Notwendigkeit billiger Selbstkosten zur Exportsteigerung können sie sich auch nicht mehr berufen, weil' trotz der um 10 bis 1ö Proz. gegenüber 1913 niedrigeren Reallohnhöhe die deutschen Preise mll den Preisstellungen des Auslandes nicht mehr lon- kurrieren können, obwohl die beiden Hauptkonkurrentcn England und die Vereinigten Staaten anderthalb- bis vierfache Löhne zahlen. Zudem haben die deutschen Unterehmer die Er- fahrung gemacht, daß die niedrigen Löhne Deutschlands vom Aus- land mit Recht als D u m p i n g l ö h n e betrachtet werden, gegen die es Dumpingzolle für berechtigt hält. Neuestens hat ihr eigener Reichskanzler Dr. Luther ihr letztes Argument zerstören müsien, niedrige Löhne seien zur Kapitalbildung notwendig, ohne die die deutsche Industrie nicht weiter könne. Auch Luther mußte zugestehen, daß Kapitalbildung wesentlich nur aus Rücklagen aus dem Massenverbrauch möglich sei. Diese aber setzen höhere Löhne und Gehälter voraus, wen» bei der bisherigen Höhe die Kapitalbildung unterblieb oder zu gering- fügig war. Die Arbeikerschasl ist mit ihrer Lohnpolitik also im Reckst. Wie kommen die deutschen Unternehmer aber zu einer so un- gereimten Führung ihres Lohnkriegs? Sie klagen doch nicht nur über die Löhne: sie klagen noch viel lauter über die hohen Steuern, und unter sich klagen sie zum Steinerweichen, diesmal wirklich mit Recht, über die Wucherzinfcn der Banken. Hohe Steuern und hohe Zinsen verteuern die Selb st kosten nicht weniger, als hohe Löhne und Gehälter. Ja, sie ver- schärfen die Kapitolnot noch mehr als hohe Löhne, weil Lohn- erhöhungen in aller Regel uwnlltelbar die Arbeitsintensität und Betriebsleistung steigern. Hohe Steuern und hohe Zinsen müßten also, wenn Lohnerhöhungen eine Inflation zur Folge haben sollen, noch intensiver zu einer neuen Inflation treiben. Die Antwott ist einfach. Der Unsinn einer Behauptung, hohe Steuern und hohe Zinsen führten zur Inflation, wäre für die Oeffentlichkell zu deutlich greifbar angesichts der Tatsache, daß die Steve rscheu und Steuerflucht der Industrie und die niedrigen Zinsen der Reichsbank in der Nachkriegszeit gerade die allgemein bekannten Ursachen der uferlosen Inflationswirtschaft waren, die zum Währungszufammenbruch geführt haben. Im übrigen ist kein Zusammenhang zwischen Lohnerhöhung und Znslakioo! Zunächst passierten den Arbeitgebern und den in ihrem Inter- esse tätigen Artikelschreibern zwei grobe Schnitzer. Einmal darf man, wenn man den Notenumlauf feststellen will, den Wechsel- bestand nicht dem tatsächlichen Notenumlauf hinzurechnen, denn der Wcchfelbestand der Reichsbank ist ja die Deckung für die bereits umlaufende n- Noten der Reichsbank. Sodann kann von einer Abwälzung der Lohnerhöhungen auf die Preise nur dann die Rede sein, wenn die beabsichtigte Preiserhöhung nicht den ausländischen Konkurrenten ins Land zieht. Das aber wird bei jeder weiteren Preiserhöhung der Fall fein, weil die Preise der deutschen Erzeugnisse ohnehin bereits io hoch sind, als sie mit Rücksicht auf die Auslandskonkurrenz gestellt werden können. Die berühmte Schraube ohne Ende kann also, solange die Währung stabil ist, gar nicht eintreten. Aber auch die Wäh- rung hat von der Lohnerhöhung nichts zu fürchten. Mag es wahr sein, daß der Kapitalmangel der Industrie durch die Lohnerhöhungen vorübergehend noch empfindlicher wird und daß die Unternehmer oersuchen, ihren gesteigerten Kriditbedarf bei den Banken zu be- friedigen. Schon die Privatbanken werden sich ihre Kundschaft nicht weniger genau ansehen als vorher, auch wenn die Unternehmer auf Lohnsteigerungen als den Grund des gesteigerten Kreditbedarfs hin- weisen. Sie werden den Kredit geben, wo er sicher ist, und ihn verweigern, wo er unsicher ist. Nicht anders wird die Reichsbank handeln, fei es, daß die Unternehmer direkt, sei es, daß die Privatbanken indirekt für die Unternehmer Kredite fordern. Entweder werden die heutigen Kreditrestriktionen der Reichsbank für die Unternehmer noch schärfer fühlbarer werden als bisher, oder die Reichsbank erhöht den Diskontsatz, was von vornherein die Kredit- nachfrage verringert. Auf dem Wege über die Verschärfung der Kapitalnot ist also eine Gefährdung der Währung vollständig aus- geschlossen, wenn tri e Reichsbank nur auf dem Posten ist. Und das dürfte sie sein, und sie wird nicht einmal nötig habe», sich dabei auf die neue Reichsbankordnung zu berufen, deren einziger Zweck die Stabilerhaltung der Währung ist. Aber auch auf dem Weg über den Staat ist eine Währungsgefährdung durch Lohnerhöhungen ausgeschlossen, sobald der Staat seinen Haus- halt in Ordnung hüll. Das deutsche Volk hat in der Inflation Er- fahrungen genug gesammelt, um zu wissen, daß der Staat auf die Dauer keine Ausgaben machen darf, für die er keine steuerliche Deckung hat. Auch selbst ein Staatsbankerott würde bei dar heutigen, gesetzlich festgelegten und durch die Dawcs-Ver- tröge international garantierten Unabhüngigksit der Reichsbank voni Staat für die Stabilität der Währung keine Gefahr sein, weil der Staat dann seine Finanznöte zwar auf jedem anderen, keinesfalls aber auf dem Wegs der Papiergeldschöpfung heilen dürfte. Die Behauptungen der Unternehmer von der aus den Lohnerhöhungen drohenden Inflationsgesahr sind also falsch. Wie kommen die Unternehmer aber zu der unsinniger Behauptung? Sind sie wirklich so, sagen wir, unzulänglich? Glauben sie selbst daran? Das ist kaum anzunehmen. Aber die wirtschaftliche Slluotion in Deutschland ist so, daß die I n f l a t i o n s r e ch n u n g, die bisher von den arbeitenden und sparenden Massen mit einer beispiellosen Verelendung bezahlt worden ist, nun von den Unternehmern beglichen werden muß. Nachdem die Währung stabilisiert worden ist, steht jetzt die Wirtschaft vor ihrer Reinigung und Stabilisierung. Und die volkswirtschaftlichen Gesetze verlangen, daß das auch aui dem Wege über die Steigerung der Massenkaufkraft geschieht. Diese aber ist nicht anders möglich als durch die Steigerung der Löhne und Gchäller oder, in der Sprache der Unternehmer ausgedrückt, wenigstens vorübergehend auf Kosten der Gewinne und Dividenden. Das sehen auch die deutschen Unternehmer. Das aber hat sie so in Verlegen- hell gebracht, daß sie in ihr Lohnknegsfpicl eine falsche Karte mischten. Die Oeffentlichkeit soll durch die Erinnerung an die Schrecken der Znslatlonswirtschast gegen die Aufbaupositik der Ar- beiler ausgebracht und für die zerstörerische Einlaqspolitlk der Unter- nehmer eiugefangen werden. Aber der falsche Trumpf der Unier- nchmer wird nicht stechen. Mit der Arbeiter-, Angestellten, und Beamtenschaft ist die volkswirtschaftliche Vernunft. Das ist eine zu- verlässigere Gesellschaft als die deutschen Arbeitgeber und Unter- nehmer, die mit ihrer Weisheit offenbar endgültig am Ende find. ____ K— r. vie Zerschlagung Üer veutjchen Werke. Ueber die„Oraanisationsänderungen" innerhalb der in der Deutsche Werke A.-G. zusammengefaßten Reichsbetriebe Hatto eine außerordentliche Generalversammlung am 22. Mai zu be- schließen. Bemerkenswerte Neuigkeiten wurden dabei nicht zutage gefördert, es fei denn, daß man das in der Debatte von einigen Privataktionären vorgebrachte Mißtrauen gegen die neuen Maß- nahmen als solche betrachten will. Immerhin sind diese Bedenken symptomatisch, um so mehr, als die zur Begründung der Reorgani- fation von der Verwallung gemachten Ausführungen keineswegs überzeugend wirkten und wie aus der Versammlung heraus laut wurde, eine gewisse„ÜBärme* vermissen ließen. Diesen Ausführungen der Verwaltung konnte man deutlich als Untertan jene Zwangsloge yeraushören, aus welcher die Beschlüsse_ am 27. Februar gefaßt worden sind, und man wird es oerstehen können, wenn der Aussicht!-- ratsoorsiijende als Entgegnung auf eine Kritik seiner optimistischen Auffassung es als sehr schwierig bezeichnete, ein solches Werturteil zu begründen. Daß eine Anfrage nach dem Einfluß der k o n- kurrierenden Prioatindustrie auch die Hintertreidung der Durchführung eines großzügigen Produktionsprogramms bei den Deutschen Werken unbeantwortet blieb, sei der Vollständigkeit halber hier festgestellt. Die Beschlüsse wurden sämtlich nach einem kurzen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte der Deutschen Werke und die Gründe, welche zu ihrer Dezentralisierung geführt haben, einstimmig genehmigt. Von der Verwaltung wurde sodann bekanntgegeben daß die beiden bayerischen Werke in Jngol- stadt und Amberg in Aktiengesellschaften mit 4 bzw. S Millionen Kapital unter Beteiligung des bayerischen Staates umgewandelt worden sind. Ebenso ist das Werk chaselhorst mit 5 Millionen Kapital in eine Aktiengesellschaft eingebracht. Das Werk Spandau soll mit 8 Millionen Kapital unter der Firma Deutsche Jndustriewerke A.-G.. das Werk S i e g b u r g unter der Firma Deutsche Stahl» und Walzwerk A.-G. mit 4 Millionen Kapital m eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Die Um- Wandlung der Kieler Werft einschließlich Friedrichsort in die Deutsche Werke A.-G. Kiel steht bevor, wobei da» Reich bei der letzteren den vollen Aktienbesitz behält In der anschließenden Debatte wurde von einem Aktionär auf die seltsame Tatsach« hingewiesen, daß ün Gegensatz zur Prioatindustrie hier ein« D e z e n t r a l i» sation vorgenommen werde, die mit Rücksicht auf die Umsatzsteuer eine Rentabilität nicht fördern könne. Auch sei es auf- fällig, daß die Zerschlagung der Deutschen Werke in einem Augen» blick erfolge, wo sie eine Rente versprochen hätten. Von einem weiteren Aktionär wurde die Möglichkeit betont, daß die einzelnen Werke unrentabel arbeiten könnten und damit die Beschaffung finanzieller Mittel erschwert würde. Er fürchtete, daß nunmehr bei den Deutschen Werken endgültig der falsche Weg einge- schlagen würde. Dres sei nach seiner Kenntnis der Dinge auch die Ansicht eines Teils der A n g e st e l l t e n s ch a f t der Deutschen Werke. Aus den Ausführungen des Aufsichtsratsvorsitzenden ist noch hervorzuheben, daß die Pressehetze gegen die Deutschen Werte bereits in einem Punkte nachteilige Folgen gehabt hat. Es ist den Deutschen Werten vorgeworfen worden, daß sie teineordnungemäßige Kalkulation und Buchführung gehabt hätte. Diese Be- hauptung, die von dem Vorsitzenden durch ein Gutachten einer ange- sehenen Reolsionsgesellschaft widerlegt ist, hätte bereit» für Ange- stellte, die sich um neue Stellen bewarben, zur Ablehnung geführt mit dem Hinweis auf die mangelhafte kaufmännische Leitung der Deutschen Werke._ Veutsch-schrveizerifthe wirtschastsverhanülungen. Zwischen der deutschen und schweizerischen Regierung haben im November 1924 Verhandlungen stattgesunden, mit dem Ziele des Abbaus der beiderseitige» Einfuhrbeschrän- t u n g e n. Mit der Schweiz besteht noch ein Handelsvertrag aus dem Jahre 1994, der mit Einschränkungen bis heute in Geltung ist. Im November wurde nun für einen Teil der fraglichen Waren eine Erleichterung der bisher verbotenen Einfuhr beschlossen. Für die anderen Waren, bei denen eine größere Vcschränkung bei der Einfuhr erfolgen sollte, wurden Kontingenlisten aufgestellt. Die Kontingente waren teilweise nach der Hälfte der Vortriegs- einfuhr, teilweise nach der vollen Höbe der Vorkriegseinsuhr bzw. der Einst, hr im ersten Halbsahr 1924 bemessen. Im übrigen wurde vereinbart, daß mit dem 3 9. September 1925 beiderseits die gegenseitigen Einfuhrbeschränkungen aufgehoben und daß in der Zwischenzeit über einen weiteren Abbau Verhandlungen gepflogen werden sollten. Diese Verhandlungen hoben Anfang Mai oie'es Jahres in Baden-Baden stattgefunden und haben auf schwei» zeriscber wie auf deutscher Seite das ernste Bestreben erkennen lassen. den Tüteraustausch zwischen den beiden Ländern nach Möglichkeit wester zu erleichtern und zu fördern. Nach den hierbei getroffenen Vereinbarungen ist in erster Linie die Bemessung der Kontingente nach der Hälfte der Vortriegs- einfuhr weggefallen."Für die überhaupt noch auf der Kon» tingentlist« verbleibenden Waren sind Kontingente im wesentlichen in Höbe der Vorkriegseinkuhr festgesetzt worden. Weiter sind beider» sests Abstriche auf den Listen der bei der Einfuhr noch kontingentierten Ware vorgenommen worden. Für die schweizerische Liste kommen dabei etwa«9 Positionen in Frage, um die sich künftig ber Kreis der auf Listenantrag wohlwollend zu behandelnden Waren be- reitet. So ist weggefallen die Kontingentierung für einen Teil der S ch u h w a r e n und Möbel, für Bürsten, für einen Test der Strümpfe, für Feilen, Drahtseile und»ine Reihe von Kleineisenwaren, für Kabel, für Messinginstrumente, für einen Teil der elektrotechnischen Apparate, für elek» trische Glühlampen. Eine wesentliche Beschränkung der deutschen Einfuhr nach der Schweiz bildete bisher die Forderung des Nachweise» ent- sprechender Inlandsbezüge oder von Vorkriegseinfuhren. Die schweizerische Regierung hat nunmehr auf die Handhabung dieses sogenannten Kompensationsverfahren» für all« bis auf drei Posi. tionen verzichtet. Es ist zo hoffen, daß die neue Vereinbarung zu einer westeren Steigerung bes gegenseitigen Warenaustausche» beitrugen wird und«ine geeignete U e b e r l e i t u n g zu der für Ende September d. I. in Aussicht genommenen gänzlichen Auf- Hebung der beiderseitigen Einschränkungen bilden wird. Dos Abkommen ist von den beiden Regierungen genehmigt worden und wird am 1. Juni d. I. in Kraft treten. d!e hochjchtchzölle auf Automobile. Die hohen Schutzzollforderungen der deutschen Automobilfabrl» kanten, die jetzt In der sogenannten Kleinen Zolltarifnovell« west» gehende Berücksichtigung gefunden haben, sind in den Kreisen des deutschen Automobilhandel» seit jeher«ms scharfen Widerstand gestoßen. Der Automobilhandel empfindet am stärksten den großen Bedarf, der stch in wachsenden BeoöUerungskreisen aller Gewerbezweige noch Personen» und Lastkraftwagen gellend macht, ohne daß die deutsche Industrie imstande wäre, diesen Bedarf hin» sichtlich der Menge, vor allem aber hinsichtlich des Preises zu be» friedigen. Die deutsche Automobilindustrie produziert zu wenig und zu teuer. Sämtliche 99 deutschen Fabriken er» zeugen bekanntlich im ganzen Jahre etwa ebensoviel Auto» wie die einzige große amerikanisch« Fabrik Henry Ford allein in etwa « bi» 19 Tagen. Einzig die deutsch« Fabrik von Opel in Rüssels- heim hat es bisher verstanden, sich in großem Umfange auf Serien- fabrikation umzustellen. Das erklärt sich zu einem guten Test daraus, daß das Unternehmen im besetzten Gebiet liegt, daß es so gezwungen war, die Konkurrenzföhigkest mit dem Ausland durch«in« plan- mäßige Derbilligung der Herstellung anzustreben. Der Zolltarif sieht Sätze vor, die 12- bis 17mal so hoch sind wie die Dortriegszölle. Zwar sollen die Automobilzölle mst der Zell. von Halbjahr zu Halbjahr, abgebaut werden. Aber es ist durchaus nicht sicher, ob die Autvmobitindustrie nicht später diesen Abbau wieder zu verhindern weiß. Ihre politische Macht ist ja so groß, daß sie mst Erfolg der deutschen Regierung die Herstellung billiger Auw- mobile durch die �Deutschen Werke" in Haselhorst verboten hat. Aber selbst wenn man mit diesem Abbau rechnet, sind noch drei Jahren die Zölle immer noch doppelt bi» dreimal so hoch wie vor dem Kriege! Und zwar werden— natürlich, muß man schon sagen— die billigen Gebrauchswagen höher verzollt und stärker verteuert als die schweren Luxuswagen. Bedenkt man. daß die von Amerika kam- menden billigen Wagen von vornherein mst 59 Proz. des Preises durch Transporttosten und Spesen vorbelastet sind, so versteht man, daß die Hochschutzzölle, die die Regierung vorschlägt, die Einfuhr und damit die Befriedigung des Bertehrsbedarfs unmöglich machen. Das hätte aber zur Folg«, daß die notwendig« Umstellung der deutschen Automobstindustri« auf eine rationelle Produktion und aus billige Preise zunächst und wahrscheinlich für länger« Zest unterbleibt— ein« Folge, die niemand wünschen kann und die zu verhindern nicht nur im Interesse des Automobilhandels, sondern der Gesamtwirtschaft liegt. 18 Penc« 3 Schilling 4 Schilling 69 Penc« 56 Pente 89 Penc« 63 Penc« 81 Pen« 8 Schilling Die aeoen englischen Schutzzölle. Ueberraschend selbst für weite Kreis« der englischen Wirtschast kam die Ankündigung der Wiedereinführung von Schutzzöllen in England: für den deutschen Warenexport und damit für die Beschäftigung großer Teile der deutschen Industrie ergeben sich daraus schwer« Nachlest«. Der englisch« Entwurf sieht folgend« Industriezölle vor: 1. Di« Wiedereinführung der sogenannten MacKenna» Zölle, die im Jahre 191» vom damaligen Schotzkanzler Mac Kenna als vorübergehend« Kriegszöll« eingeführt und im Budget jür da» Jahr 1924 mit Wirkung vom 2. August 1924 ab aufge» hoben wurden. Sie erstrecken sich auf Automobile, Motor- räder, Motordreiräder und Zubehörteil« sowie auf Stand, und Wanduhren, Taschenuhren und auf Musikinstrumente sowie deren Zubehörteile. Zollsatz 33 H Proz.. ferner kinemaw- graphische Film«: pro Fuß 14 d für belichtet«, 1 d für Posstiv« und 5d für Negative.(Die Einfuhr au» den Dominions und Kolonien hat nur zwei Drittel des Zolle» zu entrichten.) 2. Die Neueinführung folgender Zölle: Per engl. Pfund Kokon» und Seidenabfälle aller Art: nicht abgekocht.............. ganz oder teilweis« abgekocht> Röhseid«: nicht abgekocht............. ganz oder teilweis« abgekocht......... Seide, gezwirnt oder gesponnen, inbegriffen Garne und Zwirne aller Art: nicht abgekocht ganz oder teilweise abgekocht Gewebe, enthaltend Seide: nicht abgekocht ganz oder teilweise abgekocht........ Game. Zwirn«, Geflecht«(Slraw) und Abfälle au» Kunstseid«.............. Gewebe, enthaltend Kunstseide......... 42 Penc« vorstehend nicht genannte Artikel, ganz oder teilweis« au» Seid« rder Kunsrseld«, konfektioniert(in»de vp) 3314 Proz vom Wert. Wenn auch noch zweifelhaft ist, ob die neuen Zölle in der vor. liegenden Form vom Parloment angenommen werden— besonders die Seidenzölle—, da sich dagegen die schärfste Opposition auch in Industriekreisen geltend macht, so hat der Außenhandelsver- band doch für den Fall der Annohme in einer an die Regierung». stellen gerichieten Eingab« nachdrücklich darauf hingewiesen, daß die plötzliche Wiedereinführung refp. Neueinführung von hohen Schutzzöllen dem Geist de« leider noch nicht ratifizierten deutsch- englischen Handel»vertrage widersprechen dürfte. Jedenfalls sollte danach«ine neu« Zollbelostung nicht erfolgen, eh« nicht aus Grund von Absatz 2 de» dem Handelsvertrag beige- fügten Protokolls mündliche Verhandlungen zwischen beiden Regierungen stattgefunden haben. Der betreffende Absatz lautet: »Innerhalb der durch dies« Abmachung gezogenen Grenzen verpflichtet sich jede Partei, k« i n, Z ö l l e oder Abgaben auf» zuertegen. wiederaufzuerlegen oder beizubehalten, dl« für den anderen Teil besonder» abträglich sind. Weiterhin oerpflichtet sich jeder der beiden Teil« bei Abänderung ihres bestehenden Zoll- taris» und bei Festsetzung künftiger Zollsätze, soweit sie dl« Int«. essen der anderen Partei besonders berühren, gebührend« Rück- ficht zu nehmen auf die Gegenseitigkeit und auf die Entwicklung de» Handel« der beiden Länder unter angemessenen und billigen Bedingungen, wobei die Deutsch« Regierung die günstige Be- Handlung voll in Betracht ziehen wird, die deutschen Erzeugnissen oder Fabrikaten bei der Einfuhr noch dem Dereinigten König- reich zurzeit gewährt wird.... Sollt« bei einem der beiden vertragschließenden Test« die Auffassung entstehen, daß einzelne der von dem anderen Zf'A fcügc setzten Zollsätze mst obigen Zusagen nicht in Einklang stehen. so erklären stch beide Teil« bereit, darüber sofort in mündlich» Lerhandlungen einzutreten." Es kann kein Zweifel bestehen, daß vorstehend« Bestimmung auf die geplanten englischen Schutzzölle Anwendung findet, die zum großen Test für die deutsch« Einfuhr sicher»besonder» abträglich" find. Sollte die Belastung der deutschen Ausfuhr nach England nicht zu verhindern fein, so fordert der Außenhandelsverband Bor- stellungen der Reichsregierung dahin, daß dt« englischen Zölle erst nach einer S ch o n f r t st, möglichst nicht vor dem 1. Oktober in Kraft treten. Steigende Trosthandelspcsse. Die auf den Stichtag de» 20. Mai berechnete Großhandelsind« xz i f i« r de» Statistischen Reicheamt» ist gegen- über dem Stande vom l3. Mai<131 L) um 1,0 Proz. auf 1324 gestiegen- Höher logen vor allem die Preise für Weizen, Gerste, Hafer, Kartoffeln. Rindfletld), Milch, Hopsen, Baumwolle und einige Nichteisenmetalle. Gesunken sind die Preis« für Roggen, Treid- riemenleder, die meisten Textilrohsloffe, Baumwollgarn, Zink und Maschinenöl. Bon den Hauptgruppen haben die Agrarerzeug- „isse von 128,7 aus 131,9 oder um 14 Proz. angezogen. mährend die Industriestoff« von 136.1 auf 1354 oder Um 9.4 Proz. nachgegeben haben. GsweeMoDbiZwegung (Siehe auch 4. Seit« Hauptblatt.) Internationale /lrbeitskonfereaz. Genf. 22. Mai.(MTB.) Die Kommission für allgemeine F r a- gen der Sozialversicherung der Internationalen Arbeits- lonserenz hielt am Donnerstag unter dem Vorsitz des deutschen Re- gierungsdetegierten Dr. G ri e s e r zwei Sitzungen ab. Sie beschloß, den durch das Internationale Arbeitsamt ausgearbeiteten Bericht zur Grundlage chrer Aussprache zu machen und mit der Beratung der Anwendung der Sozialversicherung zu beginnen. Die Regicrungsdelegierten von Oesterreich und von Ungarn haben je eine Erklärung über den Stand dieser Materie in ihren Ländern abgegeben. Die Kommission für die Entschädigung der Arbeits- u n f ä l l« hat unter dem Vorsitz des belgischen Regierungsdelegierten M a k a i n mit der artikelweifen Beratung des Vorentwurfes zu der durch das Internationale Arbeitsamt ausgearbeiteten Konvention begonnen. Sie genehmigte zum ersten Artikel einige geringfügige Abänderungen. Die Kommission für Berufskrankheiten, deren Vorsitzender der französische Regierungsdelegierte Jules Gautier ist, beschloß unverzüglich die Beratungen über den Vorentwurf der durch das International« Arbeitsamt ausgearbeiteten Konvention zu be- ginnen._ Die Steiudrucker zum Verbandötag. Di« Generaloersammlung der Berliner Mitgliedschaft des Der- band«« der Lithographen und Steindrucker am Mittwoch im Gewerk- fchaftshaus bildete den Austakt zum diesjährigen Berbandstag in Köln. Lands hielt einen einleitenden Dortrag über di« Be- deutung des kommenden Berbandstages. Auch in Köln müsse Ruck- schau gehalten werden, um neu« Wege für di« Zukunft zu smden. Der Gedanke tariflicher Dereinbarungen Hab« in Deutschland immer mehr Gellung gewonnen. Der Verbandstag in Köln müsse vor allem«kennen, daß der nicht nur für Deutschland. sondern für ganz Europa verloren« Weltkrieg völlig veränderte wirtschaftliche Verhältnisse geschaffen habe. Darum müsse mit der größten Energie an oi« Lösung de» Produktions- Problem« herangetreten werden. Der Redner ging sodann aus die zum Berbandstag in Köln gedruckt vorllegenden Berliner Anträge«in. Die Gewerkschaften müßten unter Hilf« der B e- t r i e b s r ä t« künftig ihrer großen Aufgabe gerecht werden. Das Bewußtsein von der Macht der Gewerkschaften müsse Gemeingut aller Kollegen werden. In der sehr ausgedehnten Debatte machte d« Kommunist Tittel die üblichen radikalen Ausführungen, die infolge ihrer Länge einem Korreferat gleichkamen. Irgendwelchen praktischen Dorschlag für den Berbandstag vermochte er jedoch nicht zu machen. Als wichtigster Punkt wurde«in Antrag zur Pfleg« der Tech- n i k angenommen. Dieser fordert von der Organisattonsleitung. die Mitglieder im Hinblick auf die im graphischen Gewerbe besonders in der letzten Zeit«folgt« technische Umwälzung heranzubilden. Zu diesem Zwecke bildet der Ortsvorstand«in« sogenannte»Tech- nische Vereinigung", was von d«r Derfammlung gutgeheißen wurde. Ferner sollen die jetzigen Lohn- und Arbeitsbedin- g u n g« n unter Wahrung de» Achtstundentages weiter aus- gebaut werden. Für die Lehrlingsbestunmungen werden Verbesserungen gefordert, so auch«in« Erhöhung de» Kostgelde». Zur Httbeiführung de« graphischen Jndustrieoer- Bandes soll in der bisherigen Weis« mellergearbettet werden. Schließlich wurde noch ein« Resolution zum Ausbau der Sozialgesetzgebung und«In Antrag auf Amnestie an- genommen. Im ganzen gesehen erwarten di« Mitglieder der Organisatton vom Verbandstag. daß er an feinem Teile dahin Kbt. unsere Wirtschaft tnll sozialem und demokratischem Geist zu chdringeu. Zum Schluß wurde der von den Kommunisten m der Versammlung eingebrachte Antrag, zum Berbandstag auch einen Vertreter d« russischen Gewerkschaften zti laden, aus organi- fatorifchen Gründen gegen tpemge Stimmen abgelehnt. Zentralverband der Zimmerer. In der Zohlstellenversammlung am 19. Mai gab d« Porstand einen kurzen Bericht üb« die wichtigsten Dorgäna» im 1. Quartal. die Abrechnung lag gedruckt vor. An di« Zenträlkoss« wurden in bar abgeführt 33251,29 M.. der Bestand der Lokalkass« am Schluß des Quartal» beträgt 39 559,62 M Der Borsitzend« R« p- schlag er berichtet«, daß«in« Besserung d« Wirtschaftslage ein- getreten fei. Dl« größte Arbeitslosigkeit trat im Februar IN Er- scheinung. Im Reich waren am 1. Januar 1925 noch 184 Proz. gleich 13 985 Dertmndsmitglied« arbeitslos, dagegen am 1. April nur noch 4,93 Proz. od« 9852 Derbandemitglieder. Auf dem Nochwels tn Berlin waren am 1. Januar 319, am 1. Februar 544. am 1. März 578, am 1. April 413 und gegenwärtig(18. Mai) noch 183 Arbeitslose. Di« Arbeitslosigkeit ist in Wirklichkeit größer, weil der gröstte Teil der Arbeitslosen sich beim Berliner Nachweis nicht eintrr zen läßt, da der Zimmereroerband von d« Dermlltlung ausgesch. llet ist. Auch bei der Ausstellung von Bauten- kontrolleuren seien di« Vorschläge de» Zimmererverbande» nicht be- achtet worden. Mehrere Firmen wurden mit Erfolg wegenTinführung der Akkordarbeit bestreikt. Seit Ende April 1925 hat der V«band der Laugeschäfte von Groß-Berlin Richtlinien iiir Akkord herausgegeben zweck, gen«ell« Einführung desselben. Di« Muglied« werden hierzu noch Stellung nehmen. Die Zahlstelle ist in 44 Bezirke geglisdert, von denen 49 sich im Gebiet der 29 Ver- waltmiasbezirke der Stadt Berlin befinden. Die Mitglieder- zahl beträgt jetzt 3 95 2. Bei der Dorstondswahl(UrwahH am 8. Marz erhiellen die Kommunisten di« Zweidrittel-Mehrheil. Di« gesamte O r t» v« r w a l t u n g setzt sich nur au« kommunisti- sch e n Mitgliedern zusammen. Dem Entwurf zum neuen Tarifvertrag wurde zugestimmt. All« aus der weiteren Umgegend in Bertin beschäftigten Der- herb und lieblich mst echfem Moklcageschrnack dank Verwendung feinster Kaffeebohnen, kein Extrakt Versuchen Sie den Mondamin-Mokka-Pudding und servieren Sie ihn mit guter Vollmilch oder Schlagsahne. Verlangen Sie aber stets« MONDAMIN-FEINKOST-PUDDING Theater Lichtfpicle afw. Staats- Theater Opernhaus 7½ Der ferne Klang Opernhaus am Königsplatz 7U.: Evangelimann Schauspielhaus RESTAURANT BRUCKE ABTEI TREPTON SLHOFFMANN- RETSOSAS 71, Rhein. Rebellen Lessing- Theater Schiller Theater 7: Torquato Tasso Tägl. 8 Uhr: Leopoldine Konstantin in Gr. Volksoper Demimonde im Theat. d Westens 7112 Uhr v.Alexander Dumas Julius Casal Trianon- Th. Cäsar Volksbühne 7% Uhr: Datterich Deutsch. Theater » Uhr: Dr. Knock Kammerspiele 8 Uhr: Sechs Personen suchen einen Autor Die Komödie Kurfürstendamm 206/20 8 Uhr: Liebfrauenmilch Theater i. d. Königgrätzer Str. 8 Uhr: Franziska Komödienhaus 8 U.: Das silberne Kaninchen Berliner Theater 7.45 Uhr: Annellese v. Dessau Täglich 8 Uhr: Yoshiwara Das Haus des Lasters 99 ABTEI" Insel- Restaurant, Treptow Fist eröffnet Amtliche Wettannahme des Union- Kimbs Berlin NW 7, Schadowstr. 8. Annahme von Wetten für alle Ren en in der Zentrale, Schadowstr. 8, in allen Fihalen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug, Schriftliche Aufträge und Anträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. Deutsch. Künstlertbeat. Tägl. 8 Uhr Heute z 25. Male! Residenz- Th. Monsieur Trulala Täglich 8 Uhr: Der Werwolf Theater im Admiralspalast Ab 26 Mai 8, U KurzesGastspiel der Heger- Trappe SCALA Chocolate 8 Uhr: VARIETE. REVUE Sonntags 880 U. ermäß. Preise! 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Der Sentralstelle ist ein fommunalpolitischer Beirat zur Seite gestellt, in welchen folgende Genossen berufen wurden: Beims- Magdeburg, Hirsch Berlin, Treu Nürnberg, Fischer- Dresden, Stoll Fürstenwalde, 3 immer. Beefendorf a. d. E., Reuter Berlin, Stelling vom Barteivorstand und Fechner für die Redaktion der Gemeinde". Bur Tagung des Preußischen Städtetages hat die tommunalpolitische Zentralstelle bereits die Vertreter der SPD. zu einer Borbesprechung eingeladen. Englische Frauenkonferenz. 10 Die Konferenz, die die weiblichen Mitglieder der Labour Party alljährlich abhalten, gehört zu den bestbesuchtesten und eindrucks vollsten Rundgebungen der Partei. In diesem Jahr wird sie in Birmingham am 27. und 28. Mai abgehalten. Der Konferenz wird ein umfangreicher gedruckter Bericht vorge. legt, in dem vor allem Dr. Marion Philips, die Generalsetre tärin der Frauenbewegung, über die Arbeit, die die Arbeiterpartei im Interesse der Frauen daheim und in der Fremde" im lehten Jahr geleistet hat, berichtet. Daran schließen sich Berichte besonderer Frauen fommissionen über folgende Fragen: 1. der sanitäre Zustand unferer Schulen; 2. Brot und Sozialismus; 3. Die Auswanderung in die Britischen Dominions; 4. Gesundheit mit besonderer Berücksichtigung der Mutterschaft, der Washingtoner Konvention, und die staat liche Krankenversicherung. Aus der amerikanischen Arbeiterbewegung. In einer mehrtägigen Konferenz hat der Parteivorstand der fozialistischen Arbeiterpartei der Vereinigten Staaten in New York ein weitreichendes Tätigkeitsprogramm beschlossen, welches die Grundlage einer großen Kampagne in den Barteitonferenzen der einzelnen Distritte sein soll, die unier der Leitung des Parteia präsidenten Eugen v. Debs stattfinden werden. Bei einer festlichen Zusammenkunft, die die New Yorker Sozialisten bei dieser Gelegenheit für Debs veranstalteten und an der 1400 Genossen aus New York teilnahmen, fündigte Genosse Hill quit unter großem Subel die Herausgabe eines neuen sozialistischen Wochenblattes an. Es wird den Namen tragen ,, The American Appeal" und am 1. Januar 1926 zu erscheinen beginnen. Debs wird als Herausgeber fungieren. Zur Ermöglichung dieser Herausgabe werden Sammlungen eingeleitet. Die Festversammlung allein ergab 2000 Dollar. Das große gut fundierte jüdische sozialistische Tagblatt Vorwärts" in New York stellt der sozialistischen Partei 25 000 Dollar für ihr neues Organ zur Verfügung. Die Sozialisten der Bereinigten Staaten hoffen durch die großzügige Aftion, in die fie eintreten, die Enttäuschung, die die Arbeiterbewegung durch das Scheitern der Gründung einer Labour Party erlitten hat, bald zu überwinden und auf dem Boden der sozialistischen Partei neue große Fortschritte zu erzielen. BILLIGE ANGEBOTE Malchstoffe Bedruckter Voile doppeltbreit... Meter 195 bedruckt, moderne Crêpe marocain Master........ Bedruckter Frisé doppeltbreit, BaumwollMusselin Meter neues Gewebe... Meter ca. 80 cm breit, Meter 245 350 95 PL Seidenstoffe fliessendes 190 Kunstseidener Kaschmir Geweb.tr. Kunstseidener Trikot 140 cm breit 500 reine Seide, doppeltbreit, Meter 725 Foulard Ottoman ....... Meter Kunstseide, doppeltbreit.. Meter 3.90 Kleiderstoffe Elfenbein- Wollbalist doppelbr., Meter 390 Weisser Cheviot 130 cm, reine Wolle, 50 Reinw. Flausch 130 cm. für Sportjacken 90 Meter and-mantel.... 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Wir geben im nachfolgenden nach der Frant furter Beitung" eine kleine Auslese aus den vielen dort zusammengetragenen Mizellen. In der Eingabe eines Baters an das Bormundschaftsgericht heißt es:„ Ich darf wohl hoffen und bitten, daß man mir nicht das Baterherz aus der Brust reißen wird; sollte solches wider Erwarten der Fall werden, dann kann es nur aftenmäßig geschehen." Ein Aftenbend aus dem Jahre 1893 enthält einen Ministerialerlaß, der die nachgeordneten Dienststellen darauf hinweist, daß in den Bescheiden an dritte Personen die Worte Sie sich" beide groß zu freiben feien, und ausführt: Es muß heißen: ich mich- Du Dich er sich wir uns Sie Sich( oder Ihr Euch) Sie sich." An den Rand des Erlasses hatte jemand mit Rotstift geschrieben: Du mich." Ein Schriftsaz in einem Testamentsprozeß macht geltend: Wie oberflächlich und zerstreut der Erblaffer war, geht schon daraus hervor, daß er sich selbst das Leben genommen hatte. -Auf eine Eheanfechtung, die mit der Behauptung begründet war, daß die Frau bei Eingehung der Ehe nicht mehr unberührt ge mesen sei, erwiderte ein Schriftsaz des Anwalts der Beklagten:„ Die Beklagte war Privatsekretärin und war zur Zeit der Heirat 27 Jahre alt; sie hat immer in Berlin gelebt, überdies im banerischen Viertel. Der Kläger tonnte daher unmöglich annehmen...." In einem Strafalt megen Berbreitung unzüchtiger Schriften findet sich folgende Antwort auf ein Zeitungsinserat: Jch bitte böflichst um Zusendung Ihrer Prospekte über das weibliche Wesen. Bin mit einem Fräulein in einen fittlichen Zustand geroten und möchte ich diesen gern beseitigen. Es ist schon über zwei Monate im Gange. " Ein Anwalt, der einen Dieb zu verteidigen hatte, erwiderte dem Anklagevertreter: Der Herr Staatsanwalt wirft meinem Klienten besondere Gefährlichkeit vor, weil er bei Nacht gestohlen bebe. Stiehlt er bei Tag, so ist das eine besondere Frechheit, bei Nacht ist es besonders gefährlich. Ich frage: Wann soll eigentlich der Dieb stehlen?" In einem juristischen Mißverständnis befand fich ein fleiner Junge, der eben in der Schule die Zehn Gebote gelernt hatte. Am Abend wird ihm übel, und er muß erbrechen. Wemend ruft er: Mama, ist das ehebrechen?"-In einem Kuppe leiprozeß ergeben sich Zweifel, ob die angeflagte Frau verheiratet ift. Sie erklärt auf Befragen: Nee, verheiratet bin id nich. Mein Mann is noch nich verheiratet." Der mitangeflagte Mann fügt hinzu:„ Wir leben, wie die Herren lagen, im Zölibat." Ein Anwalt beginn in einem Prozeß wegen Schadenersages für eine ertrunkene Rub feine Rede mit folgendem Gaz: In meinem langen Leben habe ich noch nie ein Lebewesen fennengelernt, das so ein zähes Leben hatte wie diese tote Kuh." Eine Frau, die ihren Mann nach vierzehntägiger Ehe verloren, sich aber bald wieder getröjiet hatte, wollte den bestellten Grabstein nicht abnehmen und bezahlen, well der Steinmez sich geweigert hatte, den von ihr gewählten Spruch darauf anzubringen. Dieser hatte folgenden sinnigen Bort nidur: Wenn du denkst, du haft'n, huppt er in den Kasten. ε An einem Amtsgericht waren zwei dide Bände mit dem netten Titel Beschwerden der Beamten übereinander" angelegt. In einer diefer Beschwerden befand sich folgender schöne Gaz: So dumme Rebensarten, wie der Attuar Gajulze fie mir gemacht hat, sind mir noch niemals, nicht einmal von meiner vorgesetzten Behörde, ge nacht worden." Ein Bürgermeisteramt gibt folgende Leumundsauskunft:„ Der Karl Mener ist mir persönlich bekannt. Sein Leumund ist talentvoll und erstrebenswert. Bermögensverhältniffe hat er feine. Dagegen lebt er in contumaciam. Von dem bekannten österreichischen Rechtslehrer Josef Unger weird erzählt: Die Gattin eines Finanzministers, dem die Herstellung Des Gleichgewichts im Staatshaushalt viel zu schaffen machte, eine auffallend magere Dame, erschien eines Abends in einer Gesellschaft in einem sehr fief ausgeschnittenen Kleide. Unger fragte einen neben ihm stehenden Banfier, wie das Dekolleté der Frau finanzwissen. fchaftlich zu benennen wäre," und gab gleich selbst die Antwort: " Das unbedeckte Defizit." Franz v. Liszt, der berühmte Strafrechtslehrer, zählte zu seinen Schülern auch Japaner. Diese nennen ihren Lehrer Bater, den Lehrer ihres Lehrers Großvater. Eines Tages glaubte ihm ein Japaner eine Freude zu bereiten mit den Worten: Ich Ihr Entel." Lifzt antwortete:„ Ich bin mir nicht bewußt." Aufruhr im Tierpark. Bon Arnold Ulig. 6. its der Oberwärter die erste Morgenrunde durch den kaum erwachten Tierpart machte und, wie es seine närrische Gewohnheit war, mit Rifolaus, bem menschenähnlichen Affen, schalthafte Gebärdenzwiesprache hielt, fiel dieser, aus unerfindlichem Grunde plötzlich bestialisch rasend, den kraftlosen Alten mit überwältigendem Jähzorn an, mishandelte ihn, entriß ihm den großen Schlüsselbund und trieb ihn fürchterlich vor sich her, bis der Unglückliche hinter der festen Tür des Wärterhauses erschöpft zusammenbrach und das menschenähnliche Hohngelächter des Affen gesträubten Haares vor dem Entschwinden seiner Sinne noch deutlich vernahm. Nikolaus öffnete sodann der Reihe nach sämtliche Rerter; die Jahlreichen Schlüffel verfuchte er in unbeirrbarer Geduld, und nie hatte er in Mienen und Gebärden dem Oberwärter ähnlicher gefehen, als während dieses unbesonnenen Tuns. Die Türen der großen fleischfreffenden Bestien ließ er wohl. weislich angelehnt und forderte nur mit höflichen Gebärden aus einiger Entfernung die Gewaltigen auf, sich in die Freiheit zu bemühen. Aber den ungefährlichen Tieren tat er die freischenden Pforten und Gatter sperrangelweit auf; er verneigte sich vor dem erhabenen Elefanten, der seiner nicht achtete; er schaute den ent. fliehenden fanften Rehen fast sentimentalisch nach, und über die forschend lauschenden, fachte heranwitternden und endlich pfeilscharf entftiebenden Wiesel und Marder und Füchse und huschenden Mäuse beluftigte er fich höchlich und hielt sich nach Menschenart vor Lachen den Bauch. Dann eilte er in den Affentäfig zurüd, wo er die schwabende und tatlose Schar seiner Brüder mit einer herrischen und verächt lichen Kopfbewegung aufforderte, ihm zu folgen. Sie taten es mit viel Geschrei und Gaffenbubenübermut und fletterten auf die Bäume, die zu beiden Seiten des breiten Kieswegs unter der steigenden Sonne mit starten Düften erschauerten; nur Nitolaus hielt sich menschenähnlich auf dem Wege. Der Tau war schon verdunstet, und der Ries leuchtete in praller Weiße. Er führte die Schar vor das Bartrestaurant, stieg mit einigen behenden Jünglingen in ein offenes Fenster, und ungestört von der Vaterländische Schmerzen. orbit Gott für Kaiser und Reich 0 Bellage des Vorwärts W „ Ob Monarchie oder Republik, diese Zukunftsfrage liegt bei unseren Kindern. Wir haben nur unseren Egon der ebenso wie wir für unser geliebtes Kaiserhaus schwärmt, aber unser Portier im Hause hat sechs Kinder alles stramme Republikaner. Ich sehe schwarz, Mathilde- woll'n wir nicht daraus die Konsequenzen zieh'n?" Rothenburg. Ber an einem Frühlingsmorgen brüben am Lauberhang fit, dem ist Rothenburg ein Traum. Wie unirdisch die Stadt aus dem blütenfiebernben Tal auf. fteigt! Wie sich das graugrüne Mauerband um das Gebränge leuchtender Dächer schlingt! Und wie die Türme verwegen in den blaßblauen Morgenhimmel steigen! So tann die Stadt gar nicht von Menschenhänden erbaut sein. Ein Gott muß sie geträumt haben in einer langen, schwülen Nacht. und ein Gott muß auch vor ihren Toren Wacht gehalten haben, daß die Jahrhunderte wehrlos an ihren Mauern vorbeigeschlichen find. Du trittst durch ein Tor und dich umfängt der Lebensatem einer ungefannten Welt. Da sehnen sich noch die Türme mit jener stillen Inbrunst der Gotit über das Irdische hinaus. Da stehen die Giebel breitschultrig und vieläugig in dem ersten berauschenden Daseinsgefühl der Renaissance. Bon allen Fenstern weht Beschau lichkeit. Alle Erfer strahlen Verträumtheit. Dem Eilenden stellen mit entsetzlichen Schreien in ihrer Rammer sich verriegelnden Schaffnerin warfen fie die weißen und die buntgewürfelten Tischtücher hinab. Die Affen begriffen und deckten geschwindest die Tische. Nikolaus entnahm dem Büfettfchrant einige Kartenspiele, und herrenhaft lümmelnd saß er bald danach mit den Seinen an gedeckten Tischen, und man spielte Karten und machte die abgelernten Geften der Bürger, als spräche man mit brennendem Herzen Don Politit. Der Oberwärter inzwischen, aus Ohnmacht zerschlagen erwacht, hatte das Personal im Hause geweckt. An den Fenstern des oberen Stockwerks standen alle Bärter und schrien, drohten und flatschten mit den Händen, um die Affen durch den Lärm zu Berstande zu bringen, denn anfänglich wähnten sie, daß nur diese entwichen seien. Da aber Jah einer, wie den Kiesweg herab, gewaltig, melancholich und in Dumpfheit suchend, die Löwin wandelte, und er flüsterte erblaffend: Alle find los! Alle find los!" Der Oberwärter wintte mit beiden Händen den Kollegen peinlichste Ruhe zu, denn er, der die meisten Tiere von Jugend auf tannte, war tief überzeugt, daß es sich um eine Revolte handele, die gegen fie, die Wärter, die doch nur um des täglichen Brotes willen und nicht aus Bosheit ihren Dienst versahen, rachgierig gerichtet war. So wankten bie Männer erbleichend zurüd, blidten behutsam wie Schüßen fnapp über den Fensterbord und lauschten ohne Laut dem gewaltigen Schreiten. ohne Laut dem gewaltigen Schreiten. Es verscholl; sie richteten fich auf. Da lief schon fladernd und hochftaplerisch die Hnane vorüber, das Krokodil schleppte fich scheufäfig in ein Tulpenbeet, eine Gazelle das Krokodil schleppte sich scheufäfig in ein Tulpenbeet, eine Gazelle flirrte schwalbenhaft blihend dahin, das gute Zebra weidete träume. risch im Rhododendronboskett, der Fuchs zog perfide hinter der Hecke des Weges, die weißen Mäuse rieselten wie windgetriebener, weicher Flodenfall, und das Flußpferd madelte turzbeinig heran und trat tiefe Stapfen in den Ries, in die der grüne Schlamm feines Derlaffenen Bedens widerlich triefte. mit warnendem und weisem Posaunen nahte der Elefant, und am Wärterhause hob er wie einen vermahnenden Riesenzeigefinger den grauen, rissigen Rüssel, der bis ans erste Stockwert pochte. Der Oberwärter verneigte sich unbewußt und sprach zu ihm: Was tönnen wir denn machen? Wir tragen teine Schuld, wir sind Beamte, sonst nichts!" fich schwaßende Brunnen breit in den Weg. Und die Tore, die turmbewachten,[ potten mit zeitlosem Blid: Gemach, du flüchtiger Gesell! Am Abend ist Rothenburg ein Märchen. Dann fällt die Dämmerung blau in die Gaffen. Die Turmgloden bimmeln verschlafen über dem Dächergewirr. Die Giebel tüden noch dichter zusammen- fich Gute Nacht zu sagen. Irgendwo springt noch ein Mädchen über die Gasse mit blanfem Krug, und der Brunnen jauchzt einen zischenden Wasserstrahl hinein. Stiller wird es und stiller. Nur die Brunnen rauschen gaßauf gaßab, spinnen die alten Geschichten weiter, die sich tags die schlohweißen Urgroßmütter erzählen, wenn sie an den Stadtmauern in der Sonne figen. Die Turmuhr zerhackt die leise rinnende Zeit Gröhnend in Stundenviertel. Und vor den Toren flöten die Amfeln die ganze Nacht in den Fliederbüschen. Morgen will ich weiter. Das wird mir schwer werden. Zwei Sehnsüchte werden mich quälen: die zu wandern und die zu bleiben. Ich möchte bleiben, weil jeder Abend mit neuen Märchen loďt. Und ich möchte wandern, weil jeder Morgen mit seinen ziehenden Wolfen zu neuen Fernen mintt. Wenn ich wandere, weiß ich, daß ich wiederkomme. Franz Lepinsti. Das Dromedar schautelte wie ein Matrose vorüber und schleifte mit den Hödern die Blüten der Bäume herab, und ihm gefellte sich, triebhaft und treuherzig, der braune Bär, der streckenweise aufrecht ging und fich wehmütig wiegte, und auch er stand vor dem Hause ftill und hob die Tagen, als erbitte er was. ,, Ach, mein Lieber," sagte der Oberwärter, willst du etwas von uns? Wir sind ärmer als du! Ich glaube, du weißt noch gar nicht, wie ernst die Situation ist." Die Fütterungsstunde war gekommen, und die Bestien vermißten den Fraß, nur die Affen wußten bald Bescheid und holten aus dem Wirtshausschrank Zuder und Brot, aber die anderen irrten umher und brüllten. Da holte sich der Wolf das Reh, da beschlich der Fuchs den Papageien, der eitel im Reifen schaufelte, und soff sein Blut aus dem schimmernden Geckengefieder hervor. Der Löwe aber, schwermütig von Erinnerungen, lag träge auf dem Kinderspielplatz des Wirtshausgartens im Sandhaufen und hatte die Augen geschlossen. Bis die törichte Giraffe in seine Nähe fam, um an den Baumwipfeln zu nafcen. Da zitterte er durch den ganzen Körper und erhob sich. Alle Tiere, die ihn fahen, machten weite Bogen, nur der Schatal stellte sich hämisch abwartend hinter die alte Linde, und der Geier ließ sich mit fledermausweichem Flügelschlag auf der vergoldeten Zinne bes Raubvogelhauses nieder und lächelte böse. Dann sprang der Löwe in jähem Schwung, und die Giraffe zerbrach unter ihm. Bon da an scholl aus dem Tierpart wahnwißiges und graufiges Gebrüll. Gebrüll. Rasende Heimkehr feierten, alle, zur schier vergessenen Natur. Hunger, Freude, Schmerz, Todesschrei, Triumph und Freiheit! Der Oberwärter weinte bitterlich, aber die Spaziergänger, die an den Bohlenzäunen des Gartens entlang heiter ins Freie wanderten, sagten nichtsahnend:„ Der Frühling tommt auch für das wilde Bieh!" Erst gegen acht Uhr begann die Stadt etwas von dem Umsturz zu ahnen. In wundervollem Fluge strebte ein gewaltiger Bogel Don Often her über die Dächer; die vielen Menschen, die um jene Stunde auf dem Wege zu ihren Arbeitsstätten waren, reckten die Köpfe, und in tiefer Betroffenheit ließ ein Straßenbahnschaffner seinen Wagen auf freier Strede stehen und rief als erster:„ Ein Adler, ein wirklicher Adler!" ( Schluß folgt.) Das große Pfingst- Angebot! VollvoileHerren- Artikel Oberhemden mit Kragen, hübsche Strefen 8.50 475 Oberhemden mit 2 Kragen u ge- 690 füttert. Brust 8.90 Sporthemden bastfarb., m.2 Krag. 975 Sporthemden weiß Panama, mit 875 2 Kragen Selbstbinder aparte Muster 1.95 1.45 95 PL. 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