Abendausgabe Nr. 241+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 118 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- breffe: Sosialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Sonnabend 23. Mai 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag Gmes. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Ferufprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Agrarische Obstruktionspolitik. Gegen den deutsch- spanischen Handelsvertrag. Der deutsch- spanische Handelsvertrag foll endlich am nächsten Mittwoch im Reichstag erledigt werden. Herr Stresemann hat sich in der großen Rede zu seinem Etat lebhaft für rasche Annahme eingesetzt. Ebenso hat der Industrie und Handelstag erflärt: Ablehnung des Vertrages bedeutet freiwillige Ausschaltung Deutschlands aus der Versorgung der spanischen Wirtschaft zugunsten der übrigen Industrieländer und zugunsten einflußreicher spanischer Industrien, die schon jetzt ihrer Freude über die Ab. lehnung des Vertrages durch den Handelspolitischen Ausschuß des Deutschen Reichstages offen Ausdrud gegeben haben. Die Annahme des Abkommens dagegen erschließt den spanischen Absaßmarkt der deutschen Einfuhr von Industriewaren vielfältigster, besonders hochwertiger Art, und befreit Deutschlands Industrie und Handel endlich von unerträglicher Ungewißheit. Sie gibt uns die Möglichkeit, auf dem Wege neuer Verhandlungen den Bertrag besonders auch zugunsten des Weinbaues zu verbessern, während die Ablehnung Zoll frieg auf unbestimmte Zeit wahrscheinlich macht. Dem Reichslandbund aber ist diese Ungewißheit durchaus nicht unerträglich. Er versucht vielmehr, sie zugunsten seiner eigenen Pläne zu einem kleinen Erpressungsmanöver auszunuzen. Deshalb veröffentlicht sein Organ, die Deutsche Tageszeitung" einen Auffaz, der sich gegen eine ,, überſtürzte Entscheidung" wendet und in die Forderung austlingt: 3 urüdstellung des spanischen Ab tommens im Reichstag, bis über das Zoll gesez entschieden ist!" In Einzelnen führt der bemerkenswerte Auffah u. a. aus: Es ist immer dasselbe: die Bewunderung, welche jedermann engesichts der ins Auge fallenden technischen Fortschritte der 3. dustrie entgegenbringt, führt zu einer gewaltigen Ueberichtung der wirtschaftlichen Bedeutung der Industrie und zu einer Unter schäzung der wirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft, deren technische Fortschritte allerdings dem Asphalt tretenden Großstädter verborgen bleiben. Die Reichsbehörden in der Wilhelmstraße und ihrer Umgebung haben zwar Automobil zöllen und Zöllen auf landwirtschaftliche Traktoren sowie andere Industrieerzeugnisse zugestimmt, welche die Allgemeinheit direkt und indireft schwer belasten und teilweise selbst einen begeisterten Hoch schutzöllner in Erstaunen sezen; aber den deutschen Winzern und Gartenbauern, welche die intensivfte Form der Bodenbenugung betreiben, hat die Regierung auch nur halbwegs so hohe autonome Zölle wie den paar Automobilfabriken von vornherein nicht zu geftanden. Sachlich entspringt dieser Erpressungsversuch durchaus der Einstellung, die der Reichslandbund der deutschen Handelspolitif entgegenbringt. Die deutschen Großagrarier wollen, mie fie in mehreren Entschließungen betont haben, nicht nur den lückenlosen 3ollschuh, sondern sie verweigern darüber hinaus jedes Zugeständnis in Bollfragen an das Ausland, so daß praktisch damit jeder Handelsvertrag unmöglich würde. Wenn man sich jetzt gegen den deutsch- spanischen Handelspertrag zu einem Obstruktionsversuch versteigt, der praktisch für die Industrie die schwersten Schädigungen herbei führen muß, so wirft sich doch ganz von selbst die Frage auf, was die Industrie zu tun gedenkt, um derartige Anschläge gegen den deutschen Export zu verhindern. Der VorAmundsen am Nordpol? Bisher keine Nachrichten. ſizende des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, Geheimrat Duisberg, hat schon einmal ganz deutlich die notwendigen Folgen der Haltung der Agrarier dahin gekennzeichnet, daß er erklärte, die Industrie würde bei einer Fort fegung dieser Landbundpolitik ihr Verhältnis zur Landwirtschaft lösen müffen. Die Industrie wird sich darüber klar sein, daß fie auf eine Hilfe der Sozialdemokratie bei der Durch führung der Handelvertragspolitit so lange schwerlich wird rechnen fönnen, als die Reichsregierung sich in ihren Entschlüssen dem einseitigen Einfluß des Landbundes unterwirft. Gewerkschaften und Zollvorlage. Ausweichende Antworten des Reichsernährungsministers. Der Reichsernährungsminister, Graf Ranih, hat gestern die freigemertschaftlichen Spizenverbände zu sich gebeten. um ihnen mit einigen allgemeinen Erläuterungen die 30llvorlage zu übergeben. Die Begründung des Ministers zur Vorlage ergab nichts weiter als das, was bisher schon von ihm im Reichstag und bei anderen Gelegenheiten geäußert worden ist. Die Ausführungen des Ministers reizten die Gewerkschaftsvertreter naturgemäß außerordentlich zu Einwendungen und kritischen Bemerkungen. Es unterblieb aber eine allgemeine Diskussion, weil in weiteren Sigungen noch gelegentlich über die 3ollfragen gesprochen werden soll. So versprach der Minister. Bon den freien Gewerkschaften nahmen an den Berhandihnen nur zwei Fragen an den Minister gestellt. Einmal lungen Schweizer und Heinig teil. Es wurden von verlangten fie Auskunft darüber, ob die Reichsregierung eingehendere Schäzungen über die voraussichtliche Höhe der 3 olleinnahmen bei Annahme der Zollvorlage durchg führt habe. Die Antwort war außerordentlich inter efsant. Der Reichsernährungsminister erklärte, daß detaillierte Berechnungen noch nicht durchgeführt seien, die zum andern auch gar nicht seine Aufgabe seien. Außerdem habe sich der Reichsfinanzmifter vorbehalten, über diese Frage, die ja eigentlich zu dessen Ressort gehöre, selbst Auskunft zu geben. Dies werde in den nächsten Tagen geschehen. Dazu tönnen wir nur bemerken, daß wir hoffen, daß im Reichstag der Reichsregierung fehr bald Gelegenheit gegeben wird, die Erklärung abzugeben. Weiter wurde von freigewerkschaftlicher Seite der Minister gefragt, ob in seinem Ministerium eingehendere Erwägungen oder Berechnungen darüber erfolgt seien, inwieweit durch eine etwaige Annahme der Zölle die Exportfähigkeit Deutschlands beeinflußt werde. Auch darauf gab der Minister eine recht unzureichende Antwort, die dahin ging, daß detaillierte Betrachtungen darüber nicht angestellt worden seien, weil man annehme, daß ein erhöhter Zollschutz der Landwirtschaft die Produktion steigere und damit die Exportmöglichkeiten Deutschlands unterstütze. Der Vertreter der Hirsch- Dunckerschen Gewerkschaften trat an diesem Punkt mit einer Frage ein und wies auf den Widerspruch hin, der darin liege, daß man von einer Produttionssteigerung spreche, die doch Preisdruck zur Folge haben müsse, während die Agrarier die Zölle doch gerade verlangten, um die Preise hochzuhalten. Herriot über den Marokkokrieg. Nach den letzten vorliegenden Meldungen aus Amerika hat Die Bedenken der Sozialisten gegenstandslos. Amundsen den Nordpol glüdlich erreicht und befindet Paris, 23. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Herriot hat auf der fich inzwischen nach verschiedenen erfolgreichen Meffungen bereits Ecgung der Generalräte des Rhone- Departements das Wort er auf dem Rüdweg nach kings bay. Eine Bestätigung diefer griffen, um seine Stellungnahme zu den Marottoereignissen aus Amerita kommenden Junknachricht war in der Hauptstadt Nor- zu präzisieren. Er sei stets in vorller Uebereinstimmung mit Marschall wegens nicht zu erreichen. Dort liegen vorläufig über den Berbleib Lyauthen gewesen. Dieser sei nicht nur Spanien gegenüber voll Amundsens teine näheren Einzelheiten vor. Da die fommen forrett gewesen, sondern habe auch stets die internationalen Abreise bereits am Dienstag durch Flugzeug erfolgt ist, muß mit der Verträge rigoros beobachtet. Es sei die Behauptung aufgestellt unmittelbaren Rüdtehr gerechnet werden, wenn die Expedition morden, daß die Besizergreifung gewisser vorgeschobener Pofitionen glücklich verlaufen ist. Für den Fall, daß die Rückkehr nicht eine Unvorsichtigkeit gewesen sei. In der Tat aber lägen dieje Positionen durch Flugzeug erfolgen tann, wird eine bestimmte nach innerhalb der französischen Angriffszone und es sei daher auch vollricht über den Ausgang der Expedition noch mehrere Tage auf fich fommen forreft gewesen, hier zu operieren, um die Sicherheit der warten lassen. franzöfifchen Truppen in Maroffo zu erhöhen. Er habe seinerzeit, fuhr Herriot fort, als er noch Ministerpräsident gewesen sei, die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um einem bereits damals vorausgesehenen Angriff den nötigen Widerstand entgegenzusetzen. Die Bedenken der Sozialisten seien gegenstandslos. Die Ereignisse in Marotto tönnten in feinem Fall den europäischen Frieden gefährden. Weber Spanien noch England hätten Frankreich etwas verzuwerfen, dessen Haltung zu feinerlei Kritit Anlaß geben. Kopenhagen, 23. Mai.( Telunion.) Bis heute früh sieben Uhr sind noch eine Nachrichten von Amundsen eingelaufen. Amundsen hat im letzten Augenblick es aufgegeben, Radio mit an Bord zu nehmen, um mehr Benzin frachten zu können. Dennoch hat er nicht mehr Benzin mitnehmen können, als er unbedingt für den Hin- und Rückflug zum Nordpol braucht. Deshalb tann er auch, bevor er nach Ringsban zurückkehrt, keine drahtlosen Nachrichten geben. Die Fram" und" obby" werden die nächsten 14 Tage, so lange Aussicht vorhanden ist, daß die Flieger auf dem Luftwege zurüdfommen fönnen, in der Nähe von Dansteven patrouillieren. Darauf wird Hobby" noch sechs Wochen auf Amundsen bei Spitzbergen warten. Da Amundsen noch nicht zurückgekehrt ist. glaubt der Luftfahrverein in Oslo, daß die Flieger in der Nähe des Nordpols gelandet find. Bei dem günstigen Wetter wären die Flieger sonst schon gestern mittag zurückgekehrt. Ueber dem Nordpool steht noch immer flare Luft, während öftlich nach Sibirien zu ein Unwetter steht. Freitag abend meldete ein Telegramm aus Ringsban von heraufziehenden Wolfenschichten, die aber fo weit von der Rüfte entfernt find, daß sie eine Landung der Flieger nicht erfchmeren merden Französische Kampfoffensive. Paris, 23. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Das offizielle in Fez herausgegebene Communique teilt mit, daß die französischen Truppen zur Kampfoffenfive übergegangen seien und den Fluß Duergha erreicht hätten. Die französischen Verluste seien im Verhältnis zu der Stärke, der am Kampf beteiligt gewesenen Truppen unbedeutend. Im Often dagegen sei die Lager immer noch ernst. ( Siehe auch&, Geite.) Der neue Kurs in Rußland. Bon Peter Garwy. Die tommunistische Maskerade in Rußland geht ihrem Ende entgegen. Der utopistische. Versuch, eine bürgerliche Revolution mit Hilfe von Bajonetten und Dekreten in ein sozialistisches Geleise zu lenten, hat ein flägliches Fiasko erlitten und eine lange, blutige Spur auf seinem Wege hinterJahre hat die Partei der Diktatur sich gezwungen gesehen, den lassen. Nach der frampfhaften Linksschwenkung im vorigen Rüdzug anzutreten und neue Schritte im Intereffe einer freien dem flachen Lande zu unternehmen. Entwicklung der kapitalistischen Verhältnisse insbesondere auf " Auf der vor kurzem stattgefundenen Allrussischen Parteitonferenz iſt, nach den Worten der Brawda", in der Kommunistischen Partei ein ,, ziemlich fühner taktischer Umschwung" eingetreten. Auf ökonomischem Gebiete äußerte er sich in der auf dem Lande, in der Erweiterung der wirtschaftlichen gesetzlichen Anerkennung der Bodenpacht und der Lohnarbeit Tätigkeit der Heimarbeiter und in der Genehmigung zur Er öffnung von fleineren und mittleren Industriebetrieben durch Privatpersonen. Auf dem Gebiete der Rechtsverhältnisse trat dieser Umschwung in der Parole der ,, Belebimg der Sowjets", unter der bedingungslosen Aufrechterhakung der Führerrolle der Kommunistischen Partei und in dem Versprechen, auf die administrativen Methoden" der Bekämpfung des Privattapitals zu verzichten, zutage. BeBezeichnend für den neuen Kurs ist die gesetzliche Anerfennung der sich spontan entwickelnden fapitalistischen Beziehungen auf dem Lande, sowie der Beseitigung der letzten Ueberbleibsel des Kriegskommunismus und die Förderung der fapitalistischen Affumulation in der Landwirtschaft. reichert euch!" so ungefähr flingt die von dem führenden kommunistischen Theoretiker Bucha rin ausgegebene Parole. Die durch Lenins Tod führerlos gewordene Kommunistische Partei fonnte sich zu diesem Umschwung nicht gleich entschließen. Die scholastischen Auseinandersetzungen über die Frage der innerparteilichen Demokratie" und des fegerischen Trogfismus" brachten eigentlich schon im voraus die Entschei dung über die Frage der fünftigen Wege der ökonomischen und politischen Entwicklung Rußlands. Aber die kommunistischen Machthaber entschlossen sich zu diesem ziemlich fühnen taktischen Umschwung" erst unter dern Drucke der rauhen Wirklichkeit und der Drohung des Zusammenbruchs ihrer Diktatur. Das Zusammentreffen einer Reihe von innen- und außenpolitischen Faktoren ließ freilich feine andere Entscheidung zu. In seiner letzten Rede gab Bucharin offen zu, daß die Befestigung des westeuropäischen Kapitals ,, einen neuen Fattor darstelle, der einen wesentlichen Einfluß auf unser weiteres Schicksal ausüben dürfte". Es handelt sich dabei nicht nur um den Zusammenbruch der Pläne der fozialen Weltrevolution, sondern auch um die ökonomische Bedeutung der stabilisierten Umwelt für die politische und wirtschaftliche Entwicklung Rußlands. Der Reigen der Anerkennungen" Sowjetrußlands durch die westlichen Mächte ist zwar sehr schmeichelhaft für die Sowjetdiplomatie, er hat jedoch bisher noch feine fonkreten wirtschaftlichen und finan ziellen Folgen gezeitigt. Es werden meder Anleihen zur Verfügung gestellt, noch herrscht eine besondere Nachfrage nach russischen Konzessionen. Bucharin stellt mit Bedauern fest, daß wir vom ausländischen Kapital wohl kaum fruchtbringende Kräfte erhalten werden". Das ausländische Kapital hat eine abwartende Haltung eingenommen. Man wird ihm sicherlich ein weiteres Entgegenkommen zeigen, um seine Bedenken zu zerstreuen. Ob den Kommunisten diese Aufgabe gelingen wird? Die unmittelbare Veranlassung zu diesem Umschwung gaben jedoch die innerpolitschen Fattoren, in erster Linie die Lage der Industrie. Die bezahlten Optimisten preisen voll Begeisterung ihre Erfolge. Aber die Höhe, auf der die ruffische Industrie vor dem Kriege stand, ist für sie noch immer ein fernes Ideal. Ihren wenn auch langsamen Aufstieg verdankt sie in erster Linie den reichlichen Unterstützungen aus der Staatskaffe. Dies geschieht jedoch auf Kosten der Bauernschaft und der ausgebeuteten Arbeiterschaft. Ferner ist die Entwicklung der Industrie nach Aussagen von Rykow und Dzerszinski, auf das Problem der Wiederherstellung des gänzlich aufgebrauchten Grundkapitals geftoßen, zu welchem 3mede folossale Mittel erforderlich sind, über die das Land nicht verfügt. Die beabsichtigte Erteilung von Genehmigungen an Privatpersonen zur Eröffnung von kleineren Industriebetrieben ohne jede behördliche Genehmigung und von mittleren, mit besonderer Genehmigung der Behörden, bedeutet nichts anderes, als einen schüchternen Schritt auf dem Wege zur Denationalisierung der verstaatlichten Industrie. Schwäche des inneren bäuerlichen Marktes, bedingt durch die Die größte Gefahr für die Industrie bildet jedoch die finnlose Agrarpolitik und das schonungslose Steuersystem, das jede Möglichkeit einer Kapitalanhäufung in der Landwirtschaft illusorisch macht. " Nach dem Geständnis Bucharins hegt die Bauernschaft Furcht vor der Kapitalanhäufung und ist sogar bestrebt, jede technische Anschaffung für die Landwirtschaft geheim zu halten". Eine plötzlich eintretende Dürre genügt deshalb, um den kaum begonnenen landwirtschaftlichen Aufstieg zu hemmen und Millionen von Bauern der Hungersnot preiszugeben. Aus einem Getreide er portierenden Lande hat sich Rußland mit einem Schlage in ein Getreide importie= rendes Land verwandelt. Die technische Rückständigkeit der rsfsischen Londwirtschast, vo« ber kvmmmMschea Politik mit Abficht aufrechterhalten wurde, hat in kurzer Zeit *u einer Ueberoölkerung auf dem flachen Lande und zur Bildung einer kolossalen Reservearmee geführt, die weder in der Landwirtschaft, noch in der Industrie Verwendung findet. Andererseits hat die terroristische Gleichmachungspolitik der Kommunisten de« Prozeß des wirtschaftlichen Aufstiegs ein« zelner Vauerngruppen und die Bildung einer Dorfbourgeoisie nicht zu verhindern vermocht. Als Folg» davon ist die zu- nehmende politische Aktivität der Bauernschaft und ihre dro» hende Haltung gegenüber der städtischen Bevölkerung und der Regierung zu verzeichnen. Wenn der Kronstädter Aufstand im Frühjahr 1921 den Auftakt zu Lenins„Reuen ökonomischen Politik" bildete, so gab Georgien den Anstoß zu dem gegenwärtigen Um- schwung. Der Austtand in Georgien im Herbst v. I. be- leuchtete blitzartig die Gefahr» die von der unzufriedenen Land- bevölkerung drohte.„Was in Georgien geschah— erklärte damals Stalin— kann sich überall in Rußland wieder- holen, wenn wir unsere Stellung gegenüber der Bauernschaft nicht von Grund aus ändern". Das Bestreben einer unlieb- famen Kritik in der Form von Aufftänden aus dem Wege zu gehen, bildete den Hauptgrund für die neue bauernfrcundlnhe Politik der Sowjstregierung. Wird das neu« taktische Manöver der Lolschewfften eine Lösung der inneren Widersprüche der russischen Wirklichkeit bringen? Wird es die Krise der terroristischen Diktatur be- seitigen? Wir zwekseln daran. Die beiden wesentlichsten Gegensätze im russischen Leben finden nach wie vor Lerne Lösung. In erster Linie besteht ein Widerspruch zwischen dem System der allgemeinen Ratio- nalisierung und des dekretierten Kommunismus und der kapitalistischen Entwicklung in dem rückständigen, halb- agrarischen Lande. Ein nicht minder krasier Widerspruch herrscht zwischen dem System der Diktatur und dem Charakter der neu entstehenden ökonomischen Verhältnisse— mit anderen Worten: zwischen Wirtschaft und Recht. Indem Lenins Nachfolger sich krampfhaft an die Macht klammern, sind sie gleich ihm bestrebt, diese Gegensätze durch unzureichende wirtschaftliche und finanzielle Reformen aus der Welt zu schaffen. Halbe Maßnahmen im wirtschaftlichen Leben und zähes Festhalten an der Politik! Man will die Dorf- bourgeoisie in die unteren Zellen des Sowjetapparates auf- nehmen, aber nur unter der Kontrolle und Leitung der Regierungspartei. Die Macht bleibt in den Händen der Kommu- nisten und wehe, wenn es jemand wagen sollte sie anzu- S reifen!„Wir werden in diesem Falle unsere sämtlichen Ge- hütze auffahren lassen!"— droht Bucharin. Die Krise der bolschewistischen Diktatur dauert fort. Die Bourgeoisie ist auf der politischen Arena noch nicht erschienen, aber alles spricht dafür, daß sie bald auftreten wird. Sie diktiert bereits mit unsichtbarer Hand ihre Befehle den kommunistischen Machthabern und bereitet mit den Händen der Kommunisten die Knebelung der Arbeiterklasse vor. Wie aus den Debatten auf der kommunistischen Partei- konferenz hervorgeht, ist diese Tatsache auch den Kommunisten nicht entgangen. Sie stehen jedoch dieser Perspektive machtlos gegenüber und trösten sich nach der Aeußerung B u ch a r i n s mit folgenden Worten:„Was schwatzt ihr da so viel vom Sozialismus auf dem Lande? Wir wollen vor allem die kapitalistischen Beziehungen fördern, der Rest wird sich schon selber finden!" Die linken Kommunisten, mit Larin als Wortführer, schlagen Lärm, fordern die Berschärfung des Klassenkampfes auf dem Lande, als Ausgleich für das den reichen Bauern erwiesene Entgegenkommen und drohen nach etwa 10 bis 15 Jahren mit einer„zweiten Revolution" zum Zwecke der Expropriation der Dorfbourgeoisie. Die Regie» rungsmehrheit jedoch lehnt alle beide„Seitensprünge" ab und ist bemüht, aus der Not eine Tugend zu machen: die Kon- Zessionen an das Kapital als eine Etappe auf dem Wege zum Sozialismus darzustellen und die Eindämmung des ' Zvasseukaiupses auf dem flache« Lande als einen weiteren Fortschritt desselben auszugeben. Ein Schwall von Zitaten aus Lenins Schriften und zusammenhanglose theoretische Konstruktionen der Sowjetökonomisten sind dazu berufen, die offensichtliche Kapitulation vor der Bourgeoisie durch eine scheinreoolutionäre Phraseologie zu beschönigen. Die Machthaber können jedoch ihre Sorge um den kom- wenden Tag nicht verbergen. Das jüngste Manöver ist nur eine neue Atempause auf dem Wege der Selbstver- nichtung. Die Frage der Aufhebung der Diktatur wird vom Leben selbst in den Bordergrund gerückt und läßt sich nicht mehr von der Tagesordnung absetzen. Das erste Wort über die Politik ist von der Bauernschaft ge- sprachen worden. Andere werden ihr folgen. Das Washingtoner Abkommen. Auf deutscher Seite steht nichts i« Wege. Die Genfer Meldung im„Vorwärts" von heute der zuständigen amtlichen Stelle in Berlin Anlaß zu der teilung, daß irgendein Antrag auf Einberufung neuen Konferenz der Arbeitsminister von England, Frank- reich, Belgien und Deutschland bis zur Stunde in Berlin n i ch t e i n g e g a n g e n ist. Ebensowenig weiß man etwas über die Zeit und näheren Umstände einer solchen Konserenz. Auf deutscher Seite würde, wenn eine solch« Konferenz als Fortsetzung der Berner Konferenz zustande käme, nichts im Wege stehen._ Runöfuat unö Politik. Schteles wichtigste Arbeit« Man schreibt uns: Als seinerzeit die Eendegesellschaften gebildet wurden, traf man vorsorglich die Bestimmung, den Einfluß des Reichs auf die unpoli- tische Betätigung dieses Kulturfaktors zu sichern. Das geschah da- durch, daß die Sendegeselljchaften verpflichtet wurden, die Redakteure ihres Nachrichtendienstes nach den Anweisungen des Reichsministe- rlums des Innern anzustellen. Durch Kabinettsbefchluß wurde vor nicht langer Zeit diesem Ministerium der chaupteinfluß auf das Rundfunkwesen eingeräumt. Es vertritt das Reich, das mit 51 Proz. an der Dachgesellschaft„Buch und Presse* beteiligt ist, während die übrigen 49 Proz. teils auf WTB. und Tel.-Union, teils auf den Verein deutscher Zeitungsverleger und den Reichsvsrband der beut- fchen Presse entfallen. Diese Minderheit ist jedoch satzungsgemäß vom Einfluß auf die Stellenbesetzung ausgeschaltet. Dar. über wird ausschließlich vom Reichsminister des Innern Bestimmung getroffen, der die Vorschläge des Leiters des politischen Bureaus, des Reichskommissars Kuenzer entgegennimmt. Herr Kuenzer weilt augenblicklich zur Teilnahme an einem tnter- nationalen Polizeikongreß in Amerika. Zum 1. Juni wird er zurück- erwartet und dann soll über die Besetzung einiger Rundfunkredak- tionen Entscheidung getroffen werden. Seit dem Regimewechsel im Ministerium hat Herr Kuenzer, der ursprünglich vom Reichsminister Koch als badischer Ueberzeugungsdemokrat nach Ber- lin geHoll worden ist, auch fein politisches System gewechselt. Ge- f ü h l s m ä ß i g wandte er sich der liberalen Bereinigung zu, in» stinktmäßig orientieren sich seine Ratschläge für den jetzigen Reichsinnenminister nach der deutschnationalen Seite. Wer die politische Gebarung und Anpassungsfähigkeit des Leiters des politischen Bureau» kennt, den Drang nach Gellung und Gehör beobachtet hat, den Herr jhi enzer bei sozialdemokratischen, demokrati. sehen, oolksparteilichen und deutschnationalen Ministern entwickelte, hegt keinen Zweifel, daß die Vorschläge des politischen Bureaus einem deutschnationalen Parteibureau alle Ehre machen würden. Reflektanten deutschnationaler Richtung sind ja bereits gemeldet und der Wettlauf nach dieser modernsten politischen Krippe kann be- ginnen. Für die Oesientlichkett ist es jedoch ein unhallbarer Zustand, daß auf dem Umwege der Stellenbesetzung und Berufung durch ein poli> tisch eindeutig geführtes Ressort ein moderne» Berkehrs- mittel wie der Rundfunk einer Parteipropaganda ausg«. liefert werden kann, wobei die Kosten aus Reichsmitteln bestritten werden. Die Besetzung der Ztundfimkredaktt»««,-.—,— man das Sendewesen nicht zum Parteiinstrument umbilden will, durch berufene Fachorganisationen erfolgen, die sich nach der beruflichen Eignung und Borbildung, nicht aber nach dem politischen Glaubensbekenntnis richten würden. Die Presse muß sich allmählich um die Entwicklung der Dinge kümmern und das Mitbe- stimmungsrecht in dem Umfange beanspruchen, der ihr zukommt. Mit dem teilweisen Einfluß über Verleger- und Redakteurorganisa- tionen ist es nicht getan, solange von einem Ministerium die verant- wortlichen Redakteure den Sendegesellschoften zugewiesen wer- den können. Die Republik kann nicht dulden, daß aus ihre Kosten durch den Rundfunk Unfug gegen sie verübt werden kann. Die Herr- schenden Zustände bieten keine Gewähr gegen den Mißbrauch de- Rundfunks zur Stimmungsmache gegen den republikanischen Staat. Man kann zwar damit rechnen, daß Preußen sich seinen Einfluß auf die in seinem Staatsgebiet bestehenden Sendegesellschasten be- wahren und ein kräftiges Wort mitreden wird, um nicht vor voll- endete Tatsachen gestellt zu werden. Dieser Schritt Preußens sst jedoch noch nicht wirksam geworden und setzt schließlich eine Reichs- regelung voraus, um die gegebenen Möglichkeiten der parteillchen Politisierung des Rundfunks auszuschalten. Im Vorsitz des A u f s i ch t s r a t s von„Buch»«d Press« Yt ein Wechsel eingetreten. Dabei ging das Bestreben im Reichsmim- sterium des Innern dahin, den Vorsitz für sich zu erobern und einen krockreierenten des politischen Bureaus hineinzusetzen. Der Aus- sicht-rat fand aber aus sich heraus in bejV$°" b% abgerdneten Ioos seinen Mann. Die erste Attacke ist dam.t ab- geschlagen. Man sieht aber, woraus hingesteuert wird, und man wird sich die Personen genauer betrachten müssen, d,e sich zum Werkzeug der Politisierung hergeben. Stahlbelmer als ZrieöensstSr«. Und Richter als Stahlhelmfremrde. Aus Nordhausen wird uns geschrieben: In Niedergebra ist im Februar v. I. rfn ueverfoli von den Stahlhelm ern auf die Arbeiterschaft verübt worden. Die Mitglieder des Ortsvereins der SPD. hiellen e,ne„ Unterhaltungsabend in ihrem Lokal ab. Die Stahlhelmer hatten in einer anderen Wirtschaft eine Werbeversammlung. Nach Schluß der Stahlhelmversammlung zogen sie geschlossen und mit Musik durch- Dorf vor die Gastwirtschast der Arbeiter. Unter Angabe, sie seien beschimpft und geschlagen worden, drangen sie ins �okal. Die Arbeiter versuchten ihr Hausrecht zu wahren und verwehrten den Eindringlingen den Eintritt. Indessen erschien der Land- jäger Keil, rief die draußenstehenden Stahlhelmer zu seiner Unterstützung auf und drang ins Lokal. Er stellte die dort verjam- melten Arbeiter fest und überlieh sie dann den Stahlhelmern. zur weiteren Exekutive. Dieser Exzeß stand am Mittwoch, den 20. d. M. zur Verhandlung vor dem großen Schöffengericht in Nordhausen. Das Gericht sprach von 21 Angeklagten sämtliche Stahlhel- m« r mit Ausnahme von zweien, die nur ganz geringe Geldstrafen erhielten, frei, während die 15 Arbeiter zu Gefängnis und hohen Geldstrafen verurteilt wurden. Der Stahlhelm- führer Koch wurde in der Verhandlung nicht als Angeklagter, sondern als Zeuge behandelt und die Fragestellung von feiten des Richters war auch entsprechend. Auf die Aussage Kochs wurde mehr Gewicht gelegt als auf die Aussagen der 15 Arbeiter. Die Zeugen der Stahlhelmer waren alle geladen, die der Arbeiter, mit Ausnahme der Eheleute der Gastwirtschaft, in die die Stahlhclmer eingedrungen waren, kein einziger. Hier hat das Gericht das Kunststück fertig gebracht, diejenigen freizusprechen, die den Ueberfoll inszenierten, und die Ueberfallene». die in Notwehr handelten, zu verurteilen. Es heißt im Urteile, die Stahlhelmer hätten in.berechtigter" Notwehr gehandelt, die Arbei- ter aber nicht, da die friedlich marschierenden Stahlhelmer beschimpft und geschlagen worden seien, obwohl die Arbeiter im Lokal waren und sich nicht um die Stahlhelmer kümmerten. Unter der hiesigen Arbeiterschaft hat das Tendenzurteil, gegen das natürlich Berufung eingelegt wird, starke Erregung hervor- gerufen. Srotwucher. Der Himmel wuchert nicht mit Saaten, Er schenkt barmherzig Sonnenschein— Sie aber dürfen Vcssk verraten Und Peiniger der Armen sein? War nicht genug dies grause Sterben, Das eines Volkes Kraft verzehrt? Ward neu des Unheils frohen Erben Als Waffe unsichtbares Schwert? Volk, kämpfst du nicht mit listiger Stunde Um deiner Arbeit karges Brot, So mag die unheilbare Wunde Verblutend siechen in den Tod. Und greifft du nicht mft tausend Hütchen Nach Wehr, die schirmend Recht bestimmt, So bist du wert, daß letztes Schänden Frohlockend letztes Hoffen nimmt. Schließt enger noch die strengen Reihen! Partei, Gewerkschaft, schmiedet Tat! Es weiß allein der Bund der Freien In Stunde der Bedrückung Rat. Volk, dein Begehren sei verkündet Wie Eisenschlag im Parlament, Aus tausend Funken sei entzündet, Was Flamme Volk in Feuern brennt. Franz Rothenfelder. ehronikblätter öer Familie Schnitze. Die völkische Leidenschaft und die Sehnsucht gewisser Be- oölkerungskreise nach der sogenannten.guten alten Zeit" haben neuerdings in manchen Kreisen unseres Bürgertums Familien- chroniken und Stammbaumforschungen populär gemacht. Es gibt sogar Leute, die hier bereits eine Konjunktur erkannt haben und aus dem Ahnenfimmel wohlhabender Menschen, die keinen eigenen Persönlichkeitswert befitzen, ein sehr einträgliches Gewerbe machen, zu dessen Ausübung sie alljährlich auf Kosten ihrer Auftraggeber die schönsten Reisen durch die deutschen, österreichischen, schweizerischen und holländischen Gaue unternehmen. Andere Leute, die sich den kostspieligen Luxus eines heraldischen Detektivs niiht leisten können, betreiben das Studium von Rom' und Art ihrer Vorfahren selbst. Zu ihnen gehört auch der brave Landpastor Schultz«, ein Neffe meiner Großmutter väterlicherseits. Seit einigen Iahren versendet der Postor Schultz« alljährlich an sämtliche lebenden Mitglieder seiner.Sippe" eine neue, schön gedruckte Ausgabe der Ehronikblätter der Familie Schultze, in denen olle bekanntgewordenen Tatsachen über die ehemaligen und lebenden Angehörigen dieser Sippe verzeichnet sind. Durch die Angabe der Adressen oller Mitglieder der„Sippengemeinschast" soll eine.Be- lebung und Stärkung des Familiensinnes" erziell und damit zugleich unserm Volke ein Dienst erwiesen werden. Dabei beruft sich der Herausgeber darauf, daß Hindenburg 1920 gesagt haben soll: .Der Urquell unserer Wiedergesundung liegt in der Familie". Diese überraschend tiefe Erkenntnis mögen zwar früher schon ander« Volksgenossen gehabt haben, aber sie hat für einen treudeutschen Bürger nur dann Wert, wenn sie von einem Rationalheiligen wie Hindenburg oder Bismarck oder Fridericus Rex ausgesprochen worden ist. Diese Ehronikblätter sind von eigenartigem kulturgeschichtlichen Reiz«. Im Eingang ihrer neusten Ausgabe klagt der Pastor Schultze in beweglichen Worten darüber, daß die meisten unserer Volks- genossen uns so ftemd und unverständlich geworden seien. Man ist also gespannt, zu erfahren, mit welchen geistigen Leistungen und menschlichen Idealen die Sippengemeinschaft Schultz« als.Kraft- quelle" für die Wiedergesundung des deutschen Volkes dienen will. Da stößt man auf die folgenden erschöpfenden Angaben. Ein Kammer- gerichtsrat a. D. gibt an, daß er den Titel.Geheimer Iustizrat" führe und den Roten Adlerorden vierter Klasse, das Verdienstkreuz für Kriegshllfe und das Eiserne Kreuz am weißen Bande besitze. Em Diplom-Brauereiingenieur verkündet:»Im Weltkriege Flieger- leutnant, in 18 Monaten 224 Flüge, Gesamtflugzeit 150 Stunden, Flugweg 21 000 Kilometer, Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasie, Flieger- beobachter-Abzeichen". Das ist alles. Eine Frau, die sich auch gern als irgend etwas Besonderes vorstellen möchte, wenn sie auch in erster Linie Ehegattin ist, nennt sich.Schriftführerin des Deutschen Frauenbundes", ein Vorstandsmitglied einer A.-G. für Bahnbau und-betrieb legt Wert aus die Bezeichnung.Königlicher Baurat", und auch der Pastor Schultze vergißt nicht, daraus Hinzuwelsen, daß er zum Königlichen Superintendenten ernannt sei. Weitere Charakter- eigenschaften der Sippengemeinschaft Schultze sind in diesen Chronik- blättern nicht zu entdecken. Es ist Moderlust aus Totengrüften die uns hier anweht. _ Hubert Laskari. Das Horoskop des Derfailler Vertrages. Der französische Astro- löge Raoul L a r m i e r hat die Konstellation der Stern« zur Zeit der Unterzeichnung des Äersailles Vertrages geprüft und sein Er- gebnis veröffentlicht. Wie der tiefgründige Gelehrte mitteilt, sind die Himmelsgestirne sehr wenig zufrieden mit dem Vertrage, der eine neue Aera der Zivilisation und Kultur einleiten sollte. Der Abschluß stand nämlich unter der Herrschaft des Planeten Mars, der nach Ansicht aller Astrologen die üble Angewohnheit hat, diplomatisch« Verwicklungen und Kriege heraufzubeschwören. Als erstes Ergebnis der monatslangen Forschungen wird mitgeteilt, daß das mühevolle Werk von Versailles wenig Vorteile bietet und alle Aktionen schwierig macht. Spötter werden behaupien, daß man dieses Resultat auch ohne Befragung der Sterne hätte feststellen können. Ist doch sogar einer der Väter des Vertrages, Herr Lloyd George, sehr ungehalten über sein mißratenes Kind. Und Herr Stresemann. gewiß kein Astrologe, hat es auch schon vor der Befragung der Sterne ge- wüßt, daß das Paroorapbenwerk seine Schottenseiien hat. Das zweite Ergebnis ist schon interessanter: Preußen soll sich danach unter heftigen inneren Kämpfen vom Reich trennen. Diese Ber- beugung der Sterne vor gewissen französischen Chauvinistenkreisen ch alles andere als objektive Borousfagung. In diesem Falle werden wir, die es am nächsten angeht, alles tun. um die Gestirne Lügen zu strafen. Das dritte Ergebnis ist eine bittere Pille für die in- transigenten Kreise unter den Politikern Frankreichs. Auf olle Fälle wird nämlich der Bertrag im Jahre 1927 revidiert werden. Damit kann man einverstanden sein, vorausgesetzt allerdings, daß die Völkischen und Deutschnationalen ihren chauvinistischen Narrentanz bis dahin ausgetanzt hoben und daß die Vernunft über den ab- schließenden Diplomaten leuchtet. Wenn das der Fall ist, wird man den Sternen ihre zweite Weissagung verzeihen können. Eröffnung des 2. Allrussischen Kongresses zur Bekämpfung der Gcschlechlskrankheitea. In Charkow wurde om Abend des 14. Mai im Großen Theater unter Beteiligung von 1500 Delegierten der verschiedenen Republiken der Union: Vertreter der Regierungen, der Aerzte und Studentenschaft, der Arbeiterorganisationen, der Bauernschaft und der Iugendoerbände der Kongreß zur Bekamp- fung der Geschlechtskrankheiten durch den ukrainischen Bolkskom- missar für das Gesundheitswesen eröffnet. Unter allgemeinem Bei- fall wurden Prof. Semaschko(Voltskommissar für das Gesundheit-- wesen der RSFSR. Moskau) und Prof. Iadassohn-Breslau zu Ehrenvorsitzenden und von den übrigen deutschen Gästen(Dr. Hau- stein-Berlin und Dr. Löwenstein-Berlin-Nowawes), Prof. Felix Pinkus in das Präsidium gewählt— als Ehrenbezeugung für die Begründer und Leiter der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. In seiner Ansprache betonte Iadassohn, daß er die Strapazen der weiten Reise nicht gescheut habe, um>n gemeinsamer Arbeit an der Bekämpfung des gemeinsamen Feindes der Bolksgesundheit aller Länder, der Geschlechtskrankheiten, mitzu- wirken. Auf der Tagesordnung des Kongresses stehen 130 Referate. Auch die deutschen— die einzigen ausländischen Teilnehmer des Kongresses— werden Vorträge halten. Britische Mofsenaoswanderun, nach Australien. Kürzlich wurde zwischen Australien und England ein neues Einwanderer- gesetz abgeschlossen, wonack in den nächsten 10 Jahren 450 000 Eng- ländern die Einreise in Australien zu Siedlungszwecken geltattet wird. Zur Erwerbung von Land und Urbarmachung desselben hat der englische Staat die Summe von 34 Mill. Pfund Sterling aufgenommen. Unter den in ausgesuchten Gruppen hinüberge- sandten Auswanderern sind 34 000 Familien zu je 5 Personen durchschnittlich vorgesehen. Außer den Kosten der Ueberfahrt wird die englische Regierung noch den Ansiedlern die Mittel zum An- kaufen von Grundstücken usw. zu niederem Zinsfuß vorstrecken. ErstaostZhrnvgm der Woche. M i t t w. Welloer»,.:. Meiseken". SchllleNH• .Glüik-pilz». Sonn ab. Staat« b-.Brand im OpernbauS". Operttteoh n. Schissbaverdamm:.Der kleine Nuppler".— Moni. Th. i. d. Sownia». daalenslr.:.Durch den Rundfunk". Ilraola-Vorträ,«. Moni., DIenSt., Mittw.(5 u. S), DonnerSt.(5, 7 9) Freit., Sonnab., Somit. sgji.ImLandederPagoden"_ OTont' Dienst., Mittw.(?>/,):.Die Sinweivung des Deutschen Mu» teumS in Manchen".— Freit., Eonnab., Sonnt.(5 u. Ü n i u- lwde".— Dienst, bis Sonnt.(S):.DaS tausendjährtgeLeipzig". Ver Rem Yorker Veethoveo-Mänoerchor. einer der größten Gelang- vereine von New Bork, wird in diesem Sommer«Ine Fahrt durck Deutsch- tand veranstalte». Dt« etwa 1« Tettnehmrr treffen am so Juli in 5' am- bürg ein. Liauteys Wespennest. Abd el Krims Offensive in Marokko. Die militärischen Operationen in Marokko haben einen Umfang angenommen, der auf weite Kreise des französis yen Volkes beunruhigend wirft. Die vor mehr als zwei Jahrzehnten eingeleitete Besizergreifung Maroffos durch die Franzosen ist von Anfang an von den Sozialisten unter Führung von Jaurès und auch von einem Teil der Radikalen als Kolonialabenteuer bekämpft worden und daher niemals wirklich populär gewesen. Indessen hat sich das französische Volk besonders in den letzten zwölf Jahren an den Gedanken gewöhnt, daß es die Herrschaft über Marokko endgültig behalten würde, und zwar in ähnlicher Weise, wie das feit einem halben Jahrhundert bei Tunis der Fall ist. Allerdings war diese Herrschaft in jenem Zeitraum mit sehr geringen Opfern verbunden. Die jetzige Offensive des Führers der Riffabylen Abd el Krim, die im Anschluß an die Niederlage der Spanier in der ihnen zugewiesenen nord öftlichen Zone schon vor einigen Wochen begonnen hat, ist bei weitem der gefährlichste Schlag, der gegen die französische Herrschaft seit Jahrzehnten geführt wurde. Obwohl die Militärzenfur des Oberbefehlshabers Liauten nur spärliche und natürlich nur optimistisch gefärbte Berichte durchläßt, geht aus den Meldungen legten Endes doch hervor, dah die Lage durchaus ernst ist. Die Riftabylen haben auf einer Frontsofern man diesen Ausdruck auch auf die geographischen und strategischen Verhältnisse Nordafritas anwenden darf von mehreren hundert Kilometern angegriffen und zunächst offenbar einige le berrumpelungs. erfolge erzielt: sie haben eine ganze Anzahl von vorgeschobenen Posten entweder umzingelt oder sogar gefangen genommen bzw. niedergemehelt. Es geht ferner aus den französischen Berichten hervor, daß die aufständischen Stämme mit Waffen und Munition gut versorgt sind, daß sie sogar über Artillerie und einige Flugzeuge verfügen, die sie vordem den Spaniern abgenommen haben dürften. Ueber die Höhe der Verluste, die französischerseits bisher erlitten wurden, hat die Pariser Regierung bisher noch feine amtliche Meldung herausgegeben, ebensomeniig wie über den Umfang der bereits abgegangenen oder noch angeforderten Verstärkungen. Selbstverständlich sind die Anhänger Abd el Krims, und mögen fie für arabische Verhältnisse mit Kriegsmaterial noch so gut versehen sein, mögen sie noch so zäh den Guerillakrieg in dem gebirgigen Gelände des Atlasgebietes führen, auf die Dauer der französischen zahlenmäßigen und technischen Ueberlegenheit nicht ge= wachsen. Es ist kein Zweifel daran, daß Frankreich, ebenso wie es im Laufe des 19. Jahrhunderts mit verschiedenen sehr ernsthaften Aufständen in Algerien fertiggeworden ist, auch mit diesem Aufstand schließlich fertig werden kann. Die Politit des Oberbefehlshabers Liauten, der seit nahezu zwanzig Jahren in Marotto herrscht und sich dabei eine gewisse Unabhängigkeit von der Regierung angemaßt hat, die bereits vor dem Kriege oft unliebsam empfunden und fritisiert wurde, fcheint auch diesmal darauf auszugehen, die Aufständischen nach alten grausamen Regeln der folonialen Kunst niederzuwerfen und zu„ bestrafen". In linksstehenden Kreisen wird sogar der Berdacht gegen Liauten und seinen Stab geäußert, daß er die Ristabylen zu ihrem Vorgehen geradezu provoziert hätte, um Gelegenhiet zu einer Ausdehnung der militärischen Besetzung durch eine Gegenoffensive zu gewinnen. Die Regierung Ba inlevé bestreitet entschieden die Ab ficht einer folonialen Ausdehnung. Sie steht allerdings auf dem Standpunkt, daß eine Niebermerfung des Aufstandes schon mit Rücksicht auf die möglichen Wirkungen in Algier not wendig ist. Zu diesem Zwede hat sie durch Vermittlung des Abgeordneten Ma Ivy, der während seiner Verbannungs zeit gute Beziehungen zu spanischen politischen Kreifen an getnüpft hat, über ein Abkommen mit der Madrider Regierung verhandeln lassen. Es ist durchaus möglich, daß als Ergebnis dieser Verhandlungen franzöfifche Truppen in die bisherige spanische Zone einrücken und von dort aus in einer strategisch günstigeren Lage den Kampf gegen Abd el Krim aufnehmen. Indessen hat diese Entwicklung der marokkanischen Dinge eine offenkundige innerpolitische Spannung ausgelöst. Unsere französischen Genossen, die seit jeher dem Marschall Liauten sehr mißtrauisch gegenüberstehen, handeln durchaus im Sinne der Jaurèsschen Tradition, wenn sie jede Unterwerfungspolitik ablehnen, dafür aber von der Regierung Bainlevé verlangen, daß sie den Weg der Berhandungen mit Abd el Krim beschreite. Diesem Zwecke dient wohl die ron Renaudel eingebrachte Interpellation. Die Nationalisten nehmen natürlich den Standpunkt der Militaristen ein und verfuchen, indem sie Painlevé gegen die sozialistische Vormundschaft" aufwiegeln, einen Keil zwischen die Parteien des Linkskartells zu treiben. Es fragt sich nun, welche Strömung die Oberhand gewinnen wird: die tiefe Abneigung der arbeitenden Massen des französischen Bolts gegen blutige Rolonialabenteuer oder die demagogischen Schlagworte von" Prestige" und" Ehre", mit denen die Poincaristen operieren. Auch die Kommunisten find bemüht, im Trüben zu fischen, indem sie die Parole einer Räumung von Marotto ausgeben, von der sie sehr gut wiffen, daß sie uns durchführbar ist. Sie senden Glückwunschadressen an Abd el Krim und bezeichnen den Kabylenaufstand als eine Erscheinung der Weltrevolution. Damit liefern sie nur der reaktionären Bourgeoisie einen neuen Vorwand, das Gespenst der tommunistischen Internationale, die ihre Hand überall im Spiele habe, an die Wand zu malen. Die Pariser Presse verbreitet schon Schauergeschichten über außenpolitische Zuſammenhänge des Aufstandes. Einmal sind es die Engländer, ein anderes Mal die Deutschen, ein brittes Mal die Sowjetrussen, die die Revolte durch Agenten angezettelt und die Stämme Abd el Krims mit Waffen, Munition, Geld, Instrukteuren, Fliegern versehen haben sollen. Gegenüber diesem Unsinn, der nur ein beut liches Symptom der allgemeinen Nervosität ist, genügt wohl die Feststellung, daß es die Spanier Primo de Revieras gewesen sind, die, allerdings unfreiwillig, durch ihren fluchtartigen Rückzug Abd el Krim so überraschend gut ner fergt haben. Ferner hat die" Humanité" nachgewiesen, daß Abd el Krim vor zwei Jahren mit Wissen und Unterstützung Poincarés Waffeneintäufe von Kriegsmaterial in Frankreich felbst vornehmen durfte, weil die franzöfifche Regierung einen Aufstand de: Ristabylen in der spanischen 3one gar nicht ungern gesehen habe. Jezt aber, mo diefer erste Aufstand gar zu gut gelungen fei, richte sich diese teuflische Politit gegen ihre Urheber! Die Betrogenen. Eine Bersammlung von Sparern, Hypothekengläubigern, An. leihezeichnern. Weit draußen an der Peripherie Berlins, dicht bei Tempelhof. Im Saale faft nur fleine Leute: Männer und Frauen im weißen Haar, schon gebüdt vom Alter, aber doch noch rüftig, ver hältnismäßig wenigstens. Sie haben ihr Leben lang gearbeitet, im eigenen Geschäft, in der fleinen Werkstatt als Gewerbetreibende, im eigenen fleinen Unternehmen. Der Krieg hat ihnen alles genommen; die Inflation hat sie an den Bettelstab gebracht. Hypotheken entwertet, Anleihen verfallen, Darlehen verloren. Die Spargroschen stehen nur noch im schwarzen Buch, das die Kasse am Mühlendamm ausstellte. Die Alten wissen, daß die Großkapitalisten, die Großverdiener und Inflationsschieber sich von ihrem Geld finanziell gefund" gemacht haben. Aber sie können die Zusammenhänge der Umwandlung aller Werte nicht recht begreifen. Sie suchen die Schuld bei andern, wissen nicht recht wo. Sie kennen nicht die Zusammenhänge von Wirtschaft und Politik; aber sie wissen das eine, daß ihnen bitter Unrecht geschehen ist, unrecht, das wieder gut gemacht werden muß. Ja, und dann kam das Wort„ Aufwertung". Es wurde zu einem Begriff für sie, es erschien ihnen als ein Rettungsanfer aus der Not des Alters. Bei den Reichstagswahlen kamen die ehrsamen Biedermänner der Rechtsparteien, vom„ Lokalanzeiger" empfohlen, und warfen ihnen den Rettungsanfer zu: Hundertprozentige Aufwertung", so schnarrte es von der Tribüne der Wählerversammlung, tommt zu uns, wählt unsere Kandidaten! Und die nicht„ Gutfituierten und jetzt Berarmten glaubten den Sirenengesängen was verstanden sie vom politischen Geschäft der Deutschnationalen, es war ja eine„ Bolts". partei fie gingen hin und wählten die Hundertprozentigen. Aber dann wurde es still im Reichstag von der Aufwertung, ganz still. Die Alten mußten weiter mit der öffentlichen Armenunterstügung hungern die Aufwertung fam nicht. Doch als ihr Drängen und die Anträge wirklicher Bolts parteien endlich den Rechts. parteien die Zunge löften, da erwies sich der angebotene Rettungs. anter als Strohhalm. Belogen, betrogen, mißbraucht als Stimmvieh " das ist die bittere Ertenntnis der gutgläubigen Sparer. Und so faßen sie in der Versammlung und hörten von Sozial bemotraten die Wahrheit über ihre Freunde von der Reichstagswahl her. Hörten den Betrug, sahen das Intrigenspiel der Bolts" parteien und erfannten hoffentlich für immer ihren Reinfall, erkannten, wie sie an ihren Lebensinteressen genarrt wurden. Keine Aufwertung, aber neue Steuern auf die notden. wendigsten Lebensmittel, auf das Gläschen Bier und das abgehungerte Pfeifchen Tabat. Das zweite Unglüd ist da, jetzt glauben fie es auch. Entrüstungsrufe, Verwünschungen, ehrlicher Abscheu vor soviel Lug und Trug im Leben was hilfts? Löst den Reichstag auf! Jagt die Schwindler und Betrüger hinaus!" Was nügen diese Empörungsrufe. An den wirklichen Boltsvertretern wird es sein, den Reaktionären die Lügenmaste vollends vom Geficht zu reißen. Der Doppelmörder Krause. Die Verhandlung vor dem Potsdamer Schwurgericht. Das Verbrechen an der 15jährigen Leder ließ noch die Frage offen: ob Mord oder Totschlag. Für letzteres spricht so manches. Die Ueberlegung bei der Tötung des 23jährigen Bannide erscheint dagegen fast unwiderlegbar, der Tatbestand bes Morbes scheint gegeben. Krause wandte sich von Leipzig in der Richtung nach Jüterbog. Er fand hier eine Stellung bei einem Starussellbefizer, lernte ein Mädchen namens Schmeil fennen, die auf einem Gute in Arbeit war, fnüpfte mit ihr intime Beziehungen an und verlobte fich förmlich, trat als Hilfsarbeiter bei ihrem Arbeitgeber ein und verließ am 31. September, als seiner Braut gekündigt wurde, die Stellung. Schon vorher war er aber wegen seiner Bapiere in Berlegenheit gekommen. Die auf den Namen Hümmel, die er aus Leipzig mitgebracht hatte, waren von ihm als nicht sicher genug vernichtet worden. Unter dem Namen Kurt Ott, mit dem er fic, ei ber Schmeil eingeführt hatte und auf den er feine Ausweispapiere befaß. fonnte er feine Arbeit finden. Als eines Tages von seinem Arbeitsfollegen erwähnt wurde, daß er eigentlich feine Bapiere habe, beschloß er, sich welche zu verschaften durch die Tötung von irgend jemanden und durch wegnahme der Bapiere des Ermordeten. Der erste Berjud in dieser Angelegenheit mißlang. Er nahm im letzten Augenblid von feiner Absicht Abstand. Dann erfor er sich den Pannide zum Opfer. Er holte ihn aus der Herberge, versprach ihn Arbeit, nahm feine Papiere an sich, lockte ihn auf einen entlegenen Feldweg, gab ihm da plötzlich einen Stoß und hoh dann in der Dunkelheit auf ihn los. Das flehentliche Bitten des Berlegten, ihn am Leben zu laffen, half nichts. Arause fchlug auf ihn wie befeffen mit seinem Taschenmesser los, bis er tot mar, nahin ihm dann seine Brieftasche, auch die Schnürstiefel, da ihm während des Kampfes eine Sohle losgegangen war, und versteckte barauf die Leiche in einer Heumiete. Nun stellte er sich seiner Berlobten als Bannide vor, meldete sich auf seiner neuen Stelle an und. ab. Als er das gleiche auf der neuen Stelle tat, rief er Berdacht hervor. Pannickes Crmerbung war bereits durch die Zeitung be fannt geworden der lebendige Bannide fonnte somit nicht reell sein. Er verschwand, trieb sich noch einige Tage umher und wurde am 24. Januar von der Polizei aufgestöbert und in Haft genommen. Er gestand sofort, wie das Leipziger Verbrechen, so auch das Denneroiger ein. Die Beweisaufnahme bestätigt auch dieses Mal das Geständnis des Angeklagten. und der Revolution von 1918, und er brachte fernerhin ein Schreiben der französischen Liga für Menschenrechte zur Berlesung. Dann sprach Prof. Veit Valentin über Thomas Mün= megung der Bauern schwoll immer mehr an, felbft Göß von zer. Er würdigte dessen Wirken im Dienste der Bauern. Die BeBerlichingen zog mit und Florian Geyer, der Ritter, half als Bruder und vertrat in der Sprache der Herren die Sache des Boltes. Ein Bille zum neuen, sozialeren Deutschland bekundete fich im Bauernfrieg. Aber in unseren Schulen werden jene zwölf Artikel nicht gelehrt, in denen alles das verlangt wird, was freibeitlicher, gerechter und gesunder Geist erstreben mußte. Blutig Erfolg gehabt hatten, wurden sie am heftigsten unterdrüdt. Während wurde die edle Absicht gelohnt, und wo die Bauern den größten dessen und später wuchs die Demokratie in England, in Frankreich schlug die Flamme einer großen Revolution empor, aber in Deutschland wurden die Maffen selbst nach dem großen Boltserlebnis der Freiheitsfriege um ihr Recht betrogen. Boller Glouben ließen unsere Brüder 1848 die Flagge Schwarz- Rot- Gold auf den Barrikaden flattern, doch auch dieser Revolution folgte die Reaktion. Erst 1918 ist das Wert, das man damals erstrebte, geschaffen worden, aber wir stehen darf noch nicht zu Ende sein. Deutschland soll frei, Deutschland doch erst am Anfang. Die lehte deutsche Revolution fann und soll groß sein aber mur in einem freien Europa find ihm diese Ziele gesichert. Genoffe Heinrich Ströbel, mit startem Beifall begrüßt, sprach als nächster Redner. Unter Beifall stellte er fest, daß die deutsche Revolution 1918 gescheitert ist, weil die Arbeiterklasse nicht einig war. Wir dürfen aber nicht ver ogen, sondern müssen dafür arbeiten, daß das proletarische Trauerspiel der legten Jahre, das in dieser Zerrissenheit zum Ausdrud tommt, sich nicht wiederholt. Feind steht rechts und vielerlei ist gegen ihn gemeinsam zu unternehmen. Der Redner ging dann näher auf Steuer- und 3ollwucher ein und wies dann noch darauf hin, daß die Ruhrtebesgabe eine Bagatelle wäre gegen den geplanten miet. wucher. Weiterhin sei hinzuarbeiten auf die Berhütung eines neuen Krieges, dessen Greuel der Redner in allen Farben schilderte. Seinen Ausführungen folgte stürmischer Beifall. fchaft tommenden Butschen, die durchaus nicht unmöglich find, uneinig Anschließend sprach Polizeio berst Lange. Steht die Arbeiter. gegenüber, dann Republit ade. Hätten sich die Kommunisten gesagt, Der baß die Republit auf alle Fälle eine notwendige Etappe ist, dann wäre Hindenburg nicht gewählt worden. Einigkeit ist die Forderung der Stunde und die Forderung der Zukunft. ( Starter Beifall.) Als letzter Redner ergriff Felig Fechenbach das Wort zu längeren sachlichen Ausführungen und erntete dafür ebenfalls den großen Beifall der Bersammelten. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Sebaftianfit. 37/38, Sof 2 Tz. Rameradschaft Friedrichshain. Sonntag, den 24., morgens 5 Uhr, treffen sich die Angehörigen, welche gewillt find, mit dem Laftauto nach Die Kameraben, die an ber Bannerweihe in Budom teilnehmen wollen, fahren Budow zu fahren, im Bereinslofal, Fruchtstr. 86a Kamerabschaft Wilmersdorf. Sonntag, ben 24, fellh 6 Uhr, ab Bahnhof 80s. Abfahrt ab Schlefischer Bahnhof 6,58 Uhr. Sonntagsrüdfahrtarten Dahmsdorf- Müncheberg 1,90 nt. Fahnen mit bringen. Die Führung übernimmt der anwesende älteste Zugführer. Ramerab Schaft Ropenid und Untergruppen. Sonntag, den 24., früb 5 Uhr, treffen fich die Radfahrerkameraben, bie an der Bannerwethe in Budow teilnehmen wollen, Bahnhof Köpenid. Sport. Bor- Großlampftag im Zirkus Busch. Der gestrige Großtampftag im 3irfus Busch brachte einige intereffante Treffen. Eingeleitet wurden die Kämpfe durch den Kampf Harry Stein 101/ Ferrand 105. Stein zeigte gutes Können, hatte nur leider das Bech, den bereits geschwächten Gegner in ber zweiten Runde durch Tiefschlag zu verlegen, so daß er bisqualifiziert werden mußte. Erstaunlich ist und bleibt die sportliche Unbildung des breiten Publikums, das von den Rängen herab natürlich einen sportlich gebildeten Ausländer in wilde Schieber!" Rufe ausbrach, Tiefschlag nicht genau feststellen fann, trotzdem zur Belustigung der obwohl Ring- und Schiedsrichter fowie der Arzt fofort Tiefschlag bestätigten. Eine wirklich erfreuliche Angelegenheit war das Treffen Brand 1/ Marcel Thomas. Brandl, ber 143 Pfund mog, hatte in Thomas mit 151 Pfund einen sehr wenig ebenbürtigen Gegner. Thomas ist zwar ein Mann von bedeutender Ringerfahrung, der fich glänzend deckt und wendig und schnell ist, doch hat Brandl Jugend und Angriffsfreudigkeit für sich; er distanziert seinen Schlag ſehr fein, fobald er anfängt, warm zu werden. In der zweiten Runde schon mußte Thomas viel einstecken; in der britten Runde wird er durch Kinnhafen schwer angefnodt, muß bis acht, gleich darauf bis neun zu Boden; die Sekundanten werfen das Tuch in den Ring, und der Er- Weltmeister ist von einem unserer Jüngsten geschlagen. Ein mehr als trauriges Bild bot Curt Brenzel mit 136 Pfund gegen Niemen, einen Borer von Klasse mit 144 Bfund. Man hatte vorher von einer leichten Anfangspartie" für Brenzel gesprochen, weit gefehlt, denn Niemen distanzierte jeben seiner Schlage famos, hatte jedoch bei Beginn der zweiten Runde einen Schwinger Brenzels einsteden müssen, was ihn zweimal furz hintereinander bis acht zu Boben brachte. Er erhob sich aber wieder und schlug Brenzel einen furchtbaren Hafen. Brenzel war angeschlagen und erholte sich eigent lich während der ganzen Kampfbauer von diesem Schlag nicht mehr. Das Ergebnis entsprach der allgemeinen Erwartung, wenngleich Brenzel in der letzten Runde erholter erschien und wieder aggressiv murde. Riemen Sieger nach Buntten. Raujots 123 gegen 23ine 3 122, war bortechnisch der vollenbette Der letzte Kampf, des Abends. Vinez ist der feingewiegtefte Borer, der jeden Angriff mit feltener Kunstfertigkeit abwehrte, jeden Schlag aber auf den ge wünschten Puntt sehte. Er hat dem Publifum ein borsisches können von hoher Klaffe gezeigt. Naujoks führte eine unerhörte Härte im Nehmen und Angriffsfreudigkeit bis zulegt vor. Obgleich er schon einiges gelernt hat, war er dem Können eines Binez nicht gewachsen; in letzter Runde mußte er sogar bis neun zu Boden; mit der ihm eigenen Willenstraft erhob er fich wieder und stand bis zum Maujots fonnte einen Erfolg buchen, was der allseitige Beifall ihm Ende durch. Richterspruch: Binez Sieger nach Buntten. bewies. Theater der Woche. Bom 24. Mai bis 1. Juni 1925. Mastenball. Raupenplage im Berliner Tiergarten. Raum hat sich das junge Grün an Bäumen und Sträuchern er jegt durch den Tiergarten geht und das Bernichtungswert gebildet, so beginnt das Ungeziefer es unerbittlich zu zerfressen. der Raupen sieht, und beobachtet, wie das Ungezieferwahr. wahr scheinlich vom Bind heruntergeschüttelt auch zu tausenden am Boden herumfriecht wird sonderbarerweise feine Spur von irgendwelchem Maßnahmen zur Bertilgung des Ungeziefers entdecken. Verschiedene Bäume sind bereits fast tahl gefreffen, Balfsbühne: 24., 26., 28., 29. und 1. Samlet. 25., 30. und 31. Datterich. andere zeigen verheerende Spuren des unerfältlichen Raupenfraßes. 27. Schneider Wibbel. Opernhaus: 24. Soffmanns Erzählungen. 25. LohenGewiß find unsere gefiederten Freunde eifrig bei der Arbeit, um grin. 26. Coft fan tutti. 27. Aiba. 28. Traviata. 29. Der fliegende Solunter dem Ungeziefer aufzuräumen und ein eifriger Beobachter fann länder. 30. Der ferne Rlang. 81. Carmen. 1. Intermezzo. fehen, wie fie unaufhörlich, ihren Schnabel voll von gefundenem 24. Mona Sifa. 25, 21, 28. und 31. Goangelimann. 26. Galome. 29. Rieberfutter bren efter tragen, um die Nachkommenschaft zu 24. Ganbiba. 25., 25, 27, 28, 29. und 1. Sheiniſche Rebellen. 30, unb 31. füttern. Doch auch sie werden einmal fatt. Hinzu tommt noch das Brand im Opernhaus. Schiller- Theater: 24. Flachsmann als Erzieher. regelmäßige Füttern der Vögel seitens des Bublifums. Die Bögel 25. und 28. Napoleon. 26. Charlens Sante. 27., 29., 80., 31. und 1. Glilds. Deutsches Theater: 25. und 28. Der Revisor. 26., 27., 29., 30. und tragen zu einem großen Teil zur Vernichtung der Raupen bei. Es pila. 31. Dr. Rnod. Rammerspiele: 25. und 28. Die Wolluft der Anständigkeit. ist nun aber auch Pflicht der Tiergartenverwaltung, ihren Teil dazu 28., 27., 29., 30. und 31. Geds Berfonen fuchen einen Autor. Die Romödie: Beffing- Theater: Demimonde. Theater in der König. beizutragen, gegen die Raupenplage anzufämpfen, um Bustände wie Liebfrauenmilch. gräger Franzista. Deutsches Opernhaus: 24. 11% Uhr: Matinee; bergangenen Jahren, mo fogar Schultinber aur lengezieferte: Sherparethe. 25. Don Giovanni. 26. Niba. 27. Lohengrin. 25. Sigeumer 29. Orpheus in der bekämpfung mit herangezogen werden mußten, zu vemeiden. Es baron. 30. Rauberflöte. 81. Tannhäuser. ist allerhöchste Zeit, ernste Maßnahmen zur Raupenvertilgung zu Meiterfinger von Nürnberg. Großes Schauspielhans: Der Oberfteiger. ergreifen und nicht die wenigen schönen Bartanlagen, bie wir Groß- Große Bolksoper im Theater des Weſtens: 24. Der Barbier von Sevilla, 25. Der Troubadour. 26. 29. Carmen. 27. Mignon. 28. Rigoletto. 30. Gin städter nun schon befizen, zu Anlagen der Bernichtung herab- Mastenball. 31. Die Fledermaus.+ Renaiſſance- Theater: Der Weibsteufer. Dentsches Rünstler- Theater: Monfieur Trulala. Romödienhaus: Das filberne zustempeln. Ranindhen. Berliner Theater: Anneliese von Deffan. Trianon Theater: Doshiwara. Residenz- Theater: Der Werwolf. Rentral- Theater: Siffe, ein Rind ift vom Simmel gefallen! Theater in ber Rommandantenstraße: 24. bis 31. Ufchi. 1. Durch den Rundfunt. Operettenhaus am Schiffbanerbamm: Die Bar auf Montmartre.-Aleines Theater: Die Groffieftin und der Rimmer Tellner. Wallner- Theater: 24. bis 26. Romeo und Julia. 26 27. Metfelen. Rofe- Theater: 25., 25., 28., 29. und 30. Hochzeit vor der Che. 26. unb 27. Der Tebige Ehemann. Theater im Abmiralspalaft: Ab 26. Chocolate Ribbies". Judenad? Brutzel- Roaders 24. Shovel, 82. O'wilflower, nol Oper Rachmittagstellungen. Boltsbilhne: 24. Ber meint um Sentral- Theater: Gwifenomen. Roll- Oper: 24, 31. un 3.-Berliner Pollenabenb.-Stoje estes M, Shelterboufen. Deutsche Revolutionen. Eine Gedenkfeier für Thomas Münzer. Die Liga für Menschenrechte veranstaltete gestern abend eine große Rundgebung in der Neuen Welt in der Hafenheide, deren Bersih Dr. Kuczinsko führte. Er zeigte in feiner Begrüßung zahlreiche Parallelen auf zwischen der Bauernrevolution von 1525 1 Gewerkschaftsbewegung Scharfmacherlogik. Der Wirtschaftsfriede ist„ ungefund". Um 20. Mai waren in Braunschweig die der Braunschwei ger Vereinigung der Schokoladen und Zuckermarenfabrikanten angehörenden Unternehmer versammelt. Sie produzierten ein Rundschreiben an die übrigen Unternehmerver einigungen der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie, worin der Arbeitgeberschaft plausibel zu machen versucht wird, daß der bestehende Reichstarif für ihre Industrie unerträglich sei. Zur Begründung dieser Behauptung wird ausgeführt, das Bestehen des Reichstarifvertrags und das Fehlen jeder Streitbewegung bildeten ein unirügliches Zeichen dafür, daß die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter zu günstig feien! Die Forderungen der Gewerkschaften feien in einem Maße bewilligt worden, das für die Industrie untragbar sei. " Der herrschende Wirtschaftsfrieden," heißt es in dem Schreiben, ift ungefund, weil er auf Kosten der Unternehmer geht, zugleich aber dazu beiträgt, das allgemeine Lohnniveau zu steigern und schließlich dazu angetan ist, die Kauftraft der Mart fomie die Währung zu gefährden." Nach diesem Rundschreiben soll auch das Zuschlagsystem für Ueberstun den für die Industrie verderblich sein; ebenfalls die im Tarif festgelegten Ferien und die Entschädigung für die Lehr Linge. Es soll also alles zurückgeschraubt werden. Erfreulicherweise wird diese Scharfmacherlogif von den Tariffontrahenten des Arbeitgeberbundes in der Schokoladen und Zuderwarenindustrie nichtgeteilt. Diese wissen, daß durch die reichstarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Industrie im Laufe der lezten Jahre Dor wirtschaftlichen Erschütterungen bewahrt wurde. Die Unternehmer im Arbeitgeberbund sind also weitblickender als die Vereinigung der fleinsten Schokoladen und Zuckerwaren firmen und werden sich sicher von deren rückständigen Anschauungen nicht beeinflussen lassen. Der Braunschweiger Verband war feit Bestehen des Reichstarifs ein Gegner dieser Abmachungen und hat noch jedesmal gegen die beantragte Allgemeinverbindlichkeit Einspruch erhoben. Er wurde stets abgewiesen und auch das Reichsarbeitsministerium hat die Gründe der Tarifgegner nicht als stichhaltig anerkannt. Die Arbeiterschaft in der Schokoladenund Süßwarenindustrie wird sich die vertraglichen Rechte durch eine rückständige Unternehmergruppe nicht mehr nehmen laisen. Sie kann sich nur dann das Mitbestimmungsrecht im gewerblichen Arbeitsvertrag sichern, wenn sie geschlossen ihrer gewerf schaftlichen Organisation angehört. Kommunische Gewerkschaftskonferenz. # Bijfigfte Boransfegung für be tommmistiche Bühlarbeit in den Gewerkschaften sei, daß jeder Rommunist sich als Gemert. schaftsfunktionär, als Bertrauensmann ufw. zur Verfügung stellt, ia, daß um die Besezung dieser Posten gefämpft werden muß". Die Hindenburg- Wahlhelfer als gewerkschaftliche Bertrauensleute! Die Rote Fahne" versichert, die Ronferenzteilnehmer feien feft davon überzeugt, daß es nunmehr auch in der Gewerkschaftsarbeit wieder vorwärts geht". Gewertschaftsarbeit ist die wichtigste Partei" Das oft gebrauchte, aber bisher wenig durchgeführte Wort arbeit soll in die Tat umgesetzt werden. Das heißt, die Kom munistische Partei ist nach wie vor bemüht,„ bie Gewerkschaften für ihre Barteizwede zu erobern", die Gewerkschaften sich unter. zuordnen, um sie vor ihren Weltrevolutionsfarren zu spannen. Die für ihre Parteizwede zu erobern", die Gewerkschaften sich unter. Bewertschaften danken für diese Rolle, die ihnen die Mos fauer aufzuzwingen fuchen. Arbeiterratswahl bei der National- RegistrierkaffenG. m. b. H. Die Belegschaft hatte am 12. Mai ihre Vertretung zu wählen und sich zu entscheiden, ob sie der Liste der Freien Gewerkschaften oder der des kommunistischen Industrieverbandes den Vorzug geben wolle. Bis dahin war der Arbeiterrat nur aus richtiggehende Revolutionären" zusammengesetzt. Diesmal aber erhielt die frei gewerkschaftliche Liste 340 Stimmen, die Industrieverbands- Lifte 277 Stimmen, troßdem von der Gegenseite mit allen möglichen Berdächtigungen gearbeitet wurde, wobei der Obmann Piel sich be jonders auszeichnete. Wäre sein Stoffvertriebsunfall vor der Wahl bekannt geworden, würde diese für den Industrieverband" wesentlich ungünstiger ausgefallen sein. Unwirksame Tarifkündigung. In der Filmindustrie besteht ein allgemeinver. bindlicher Tarifvertrag. Kontrahenten sind auf der einen Seite eine Anzahl im Arbeitnehmerlohntartell vereinigte der Filmindustrie umfassende Arbeitgeberlohnfartell Im Gewerkschaften, auf der andern Seite das mehrere Arbeitgeberverbände November vorigen Jahres hatte die Filmgewerkschaft als federführender Verband des Arbeitnehmerlohnfartells den Tarifver trag gefündigt. Che die Kündigungsfrist abgelaufen war, teilten die übrigen dem Lohnkartell angehörenden Gewerf. schaften dem Arbeitgeberlohnfartell mit, daß die durch die Filmgewerkschaft ausgesprochene Kündigung entgegen einem Beschluß des Arbeitnehmerlohntartells erfolgt und deshalb als nicht geschehen zu betrachten sei. Als dieser Tage einige Mitglieder der Filmgewertschaft unter Berufung auf den erwähnten Tarifvertrag beim Gewerbegericht die Bezahlung der in die Woche fallenden Feiertage forderte, machte der Vertreter der beklagten Firma geltend, der Tarifvertrag bestehe für sie nicht mehr, denn sie beziehungsweise ihr Verband sei inzwischen aus dem Arbeitgeberlohn. fartell ausgetreten. Uebrigens sei die durch die Filmgewerkschaft als federführender Verband des Arbeitnehmerlohn fartells erfolgte Kündigung für alle Gewerkschaften des Kar tells rechtsverbindlich gewesen. Durch die Zurücknahme der Kündigung seitens eines Teils des Arbeitnehmerlohnfartells sei ein neues Tarifabtommen begründet worden, an dem Im Mittelpunkt der Beratung standen die praktischen Maß- weder die Beklagte nach die Filmgewerkschaft beteiligt sei. nahmen zum Kampf um die Gewerkschaftseinheit"( fommunistische Einheit),„ der Vorbereitung und Agitation für den Gewerk schaftstongreß". Unter Ausschluß der Deffentlichkeit hatte die KPD.- Zentrale zum 21. Mat eine Versammlung zum Zwecke der Durchführung der gegenwärtigen Aufgaben bei der revolutionären Gewerkschaftsarbeit einberufen", die in dem Bericht der heutigen Roten Fahne" als " Kommunistische Reichsgewerkschaftskonfercaz" bezeichnet wird. Die Konferenz tam zu dem Ergebnis, die Arbeit“ einheitlich zu organisieren und in jeder Gewerkschaft planmäßige Fraftionsarbeit" zu leisten unter bezirksmeiser Zusammenfassung der Fraftionen und Industriegruppen. 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KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Ecke Kurfürstenstraße Troßstadtgeschichten Soeben erschienen. Mit Bildern von ihm selbst. In Ganzleinen gebunden 1.80 Mark. Zu haben: Buchhandlung J. H. W. Dietz Nechf., Lindenstr. 2 Resonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Verwiris" and trotzdem Der Vertreter der Kläger berief sich dagegen auf die A11. gemeinverbindlichkeit des Tarifvertrages. Das Gericht verurteilte die Betlagte im Sinne des Antrages der Kläger. Es hat sich demnach, wie aus der Verhandlung ersichtlich war, auf den Standpunkt gestellt, daß ein von mehreren Gewerkschaften gemeinsam abgeschlosse ner Tarifvertrag nicht von einer der beteiligten GeVoran M. 35.werkschaften gegen ben Billen der anderen rechts. verbindlich gefündigt werden fann und daß auch, wenn auf der einen oder der anderen Seite eine der beteiligten Organi sationen auf dem Lohnkartell austritt, die Allgemeinver bindlichkeit des Tarifvertrages immer noch bestehen bleibt. Berständigung im rheinisch- westfälischen Baugewerbe. Im Tarifftreit im rheinisch- westfälischen Baugewerbe ist nach langwierigen Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium_in_der Nacht vom 22. zum 23. Mai eine Verständigung der Tarifparteien erzielt worden. Der Streit ist beendet. Wirtschaft Zuckerausstellung in Magdeburg. Rege Beteiligung des In- und Auslandes. Magdeburg, 23. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Heute vormittag fand die feierliche Eröffnung der Zuderausstellung in Magdeburg statt, die vom Verein der Deutschen Zuckerindustrie und vom Verein der deutschen Zuckertechniker veranstaltet wird. Karl Miller begrüßte als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Mitteldeutschen Ausstellungsgesellschaft mit herzlichen Worten die zahlreich erschienenen Ehrengäste, unter denen u. a. sich Bertreter des Obers präsidiums der Regierung, der Handwerks- und Handelskammern wie auch der kommunalen Behörden befanden. Sodann ergriff Herr Dr. Preißler vom Verein der Deutschen Zuckerindustrie Berlin das Wort und legte in furzen Zügen Zweck und Bedeutung der Zuderausstellung dar. Nach kurzen Worten der Begrüßung und des Dantes an die erschienenen Ehrengäste eröffnete Oberbürgermeister Beims die Ausstellung, die ein imposantes Bild der deutschen Zuckerwirtschaft und Zuckerindustrie vom Rübsamen bis zum Endprodukt bietet und die nicht nur in weiten Kreisen Deutschlands, sondern auch in den Zuckermärkte führenden außereuropäischen Delegationen der am Zuderhandel interessierten Kreise des AusLändern außerordentliches Interesse wachgerufen hat. Zahlreiche landes haben den Besuch der Ausstellung fest zugesagt. Die erften handelt sich um die Direktoren der Zuckerfabriken Schwedens, ausländischen Gäste find bereits in Magdeburg eingetroffen. Es des weiteren werden Abordnungen der Zuckerinteressenten un garns, Hollands und der Tschechoslowatei erwartet. Auch aus allen Teilen des Reichs ist der Andrang, vor allen Dingen dem besetzten Gebiet, nach Magdeburg zur Zuderaus ftellung schon am Eröffnungstage überaus start, so daß der Be fuch der Ausstellung am Eröffnungstage dank des herrlichen Wetters als überaus glänzend bezeichnet werden fann. Die Teilnahme der Bevölkerung an der für die Stadt Magdeburg und für das Deutsche Reich so überaus wichtigen Ausstellung Reich so überaus wichtigen Ausstellung der erften dieser Art in ganz Deutschland ist außerordentlich rege. aus Groß- Berliner Parteinachrichten. 90. Abt. Neukölln. Sonntag, 24. Mai, frilh 8 Uhr, wichtige Borwärts- Agitation Jugendveranstaltungen. Storbring. Die Abteilung trifft fich ber heutigen Nachtwanberung abenbs 7 Uhr am Bahnhof Schönhauser Allee, Eingang Greifenhagener Straße, nicht am Bahnhof Alexanderplay. Berantwortlich file Bolitik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Caternus; Gewertschaftsbewegung: Friebr. Calorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: gris Rarftabt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanftalt Baul Ginger. Co., Berlin GB. 68, Lindenstrake 3. Das beweist der grosse Zusprach and die Anhänglichkeit meiner Kundschaft. Nutzen auch Sie die Vorteile, die eigene Herstellung und Einkauf aus erster Hand bietens Billige Preise für gute Ware Anzüge, viele neue Muster, sehr 42.- 39haltbare Qualität Anzüge, blau, braun und grün 3500 mit feinen Streifen... 56-44- 3900 Anzüge, versch. hell. Farb., mod. 1- und 2- Knopf- Stellg. 54- 52 4800 Anzüge, Gabard. u. Kammgarnart, bes. schöne Master 1965- 5400 Anzüge, Gabard. a. Kammgam, sehr gute Qualitäten. 110 93 8700 Sportanzüge mit Breeches, Manchester, braun a. grau 49-45- 3500 Sportanzüge mit Breeches, 4200 viele Farben 56 48Sportanzüge m. lang. Hose. Breeches, bes. haltb. 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