Nr. 131. Erscheint täglich auber Montag». Preis pränumerando: Viertel- jährlich s,30 Marl, monatlich 1,10 Mt,, wöchentlich 28 VilV frci Iii'« Haus. Einzelne Nummer « Psg. Sonntags-Nnmmer mit illustr. Sonntags-Betlage„Nene Well" loPfg. Post-Abonnement: s.sofflr, proQuartal. Hilter Kreuzband: Deutschland u. Oesterreich- Ungar» 2 MI., für das übrige Ausland 3Ml.pr.Monat. Eingetr. tu der Post-Zeituugs- Preisliste für isss unter Nr. 71s#. 12. Jahrg. Znsertions Gebühr beträgt für die fünfgespaltenc Petitzelle oder deren Raum 10 Psg., für Vereins- und BersaininlungS- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nnminer müssen bis 1 Uhr Nachmittags in der ErpeUtion abgegeben werden. Die llrpedilion ist an Wochen- lagen b.S 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr Vor- »littagS gcössnet. Fernsprecher: Amt 1, Z.Ir. 1ö<>8. Telegramm-Adresst! „Soilaldrmoltrat Kerii»!' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Vetvkeien odev Fttkevesselr-VoobLiltde. Koilservsttiv, liberal, uatioual, freisinnig, demokratisch:c. ucuilcn sich die Parteien im Reichstage und in den Parla- ineiiteu der Eii>zelstaaten, ihre Thätigkqit, ihre Anträge, ihre Abstimmungen, ihre Stethmg zur Regierung und zu den anderen Parteien ist aber nicht bestimmt durch den tönendell Namen, den sie ihren Vereinignngen gaben, ist nicht, wie die Namen schließen lassen könnten, durch politische Grund- sähe bestimmt, sondern einzig und allein durch mirthschast- lichc Rücksichten, durch die Interessentenkreise, die in be- stimmten Parteien ihre Vertretung finden. Was hat der Name Nationalliberal heute noch gemein mit der Fraktion, die in den Reichstag und in die Landtage unter diesen Namen geivählt wurde? Tie Nationalliberalcn vertreten die Interessen des Großbesitzes in der Industrie, daneben hat diese Fraktion noch Platz für einige Vertreter des Bundes der Landwirthe, die unter nationalliberaler Flagge agrarische Interessen zu vertreten wissen. Man wird dagegen einwenden, daß die National- liberalen gegen das Volksschul-Gesetz und gegen die Kleri- kalisirnng der Umsturzvorlage eingetreten find. Dem näher Zusehenden blieb es aber nicht verborgen, daß auch dieser £ppositioll trotz des ideologischen Mäntelchens weit weniger liberale Motive zu gründe lagen, als ökonomische Rücksichten. Tie Annahme dieser beiden vielumstrittcnen Vorlage» hätte die Macht der Zentrumspartei ganz gewaltig gesteigert. Tics zu verhindern ist aber Lebensaufgabe für die Interessen des industriellen Großbesitzes, da vie Politik des Zentrums an der Erhaltung und Erstarkung der zurückgebliebenen Bctriebsformen in der Industrie im hohen Maße interesfirt ist, und eine solche Politik den Interessen des industriellen Großbetriebes trotz aller Phrasen nationalliberaler Wort- führ« von der Nothwendigkeit, den Mittelstand zu erhalten, direkt widerstreitet. So sehr der Liberalismus in der nationalliberalen Partei bis zur Unkenntlichkeit abgeblaßt ist, so sehr ist auch das Wort national in ihrer Parteibczeich nung zur hohlen Phrase geworden. Ist nationale Politik das Eintreten für die Gesammtheit der Volksgenossen, so ist die nationalliberale Partei, die die Ausbeutnngs- sreiheit einer Handvoll Großunternehmer gegen Millionen deutscher von ihr schutzlos gelassener Arbeiter vertritt, am allcrivcnigsten berechtigt, den Namen national zu führen. Besteht aber die nationale Politik blos in dem Streben, deutsche Sprache und deutsches Volksthum zu erhalten, so bat eine solche Politik in gemischt-sprachlichen Ländern wie Ocsteneich eine gewisse Berechtigung, aber nicht im Deutschen Reiche. Und hat die nationalliberale Partei jemals ein Bünd- niß mit den Polen zurückgewiesen, wenn dasselbe den Zweck hatte, deutschen Arbeitern ihre politische Bewegungsfreiheit, ihren Schutz gegen wirthschaftliche Ausbeutnug zu mindern? Sind Nalionalliberale nicht auch bereit, die Vorschläge der Bogns- lawski und Constantin Rößler zu akzeptircn zilin Schaden deutscher Arbeiter? Feuilleton. INnchdrua verboten. s Kerliner Marztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. „Sagen Sie'mal, lieber Ohrwurm," unterbrach Licnte- nant Rcchberg den alten Schwätzer, der sich die Gelegenheit, vor diesen Junkern mit seiner politischen Weisheit zu pi unken, nicht entgehen lassen wollte—„Sie wollen uns wohl mit einem gesprochenen Leitartikel beglücken? Können wir ohne Extra-Abonncment eigentlich nicht verlangen." Ohrwurm lächelte verlegen— er war so schön im Zuge gewesen, und. nun hatte man ihn mitten in seiner erhabenen G edankcnreihe unterbrochen! Dieser seichte Schwadroneur hatte in der That durch zwei ganze Jahrzehute als Leitartikel- schreib« der ersten Berliner Tageszeitung das große Wort geführt und die Gesinnung des Berliner Pfahlbürgerthnms mir seinem charakterlosen Geschwätz systematisch vergiftet. „Was heißt„volksthümlich!"„Boll!" bemerkte Herr v. Pilgram wegwerfend.„Für mich so viel wie Pöbel, Pack— Subjekt letzten Ranges, Gallerie, so zn sagen." Es schien Hans, als ob die Worte des blonden Volks- vcrräthers sür ihn ganz persönlich berechnet wären. Ihre Blicke hatten sich mehrmals gekreuzt, und jedesmal stammte es wie ein alter, verhaltener Haß in Pilgram's Augen. Eine längst vergangene Szene lebte in Hartung's Erinne- ruug plötzlich ans: er, der sechzehnjährige Försterssohn, dir den Vater häufig im Dienst unterstützte, halte de» Sohn eincs benachbarten Gutsbesitzers ans gräflichem Gebiete beim Wildern abgefaßt und ihm das Jagdgewehr weg- genommen. Und dieser Wilddieb war Axel von Pilgram Die nalionalliberale Partei ist weder national noch liberal, so wenig die niit diesen Worten gekennzeichneten politischen Grundsätze an ihren Worten oder gar an ihren Thaten zn erkennen sind, so klar liegen ihre wirthschaft- lichc» Ziele, Absichten und Beweggründe zn tage. Das gleiche gilt von der d e u t s ch e n R e i ch s p a r t e i oder ivie sich ihre Fraktion im preußischen Landtage nennt, von den Freikonscrvativcn. Ihre Interessen find thcils die der„Nationalliberaleu", thcils die der„Teutsch-Konserva- tiven". Ihr Name ist aber leerer Schall. Die partikula- ristischen Strömungen sind seit Jahren zur Bedeutnngs- losigkcit herabgesunken und blos gegen diese hätte eine „Deutsche Reichspartei" einen Sinn. Und würden künstig- lich die Partiknlaristcn, was nicht ausgeschlossen ist, wieder zur Bedeutung gelangen, dann wären die freikoilscrvativen terren die schlechtesten Schütz« der Reichseinhcit. eber den Namen srcikonservativ, der den inneren Widerspruch in sich trägt, wollen wir weiter kein Wort verlieren. Ten ärgsten Spott ans ihren Parlcinamen' trieben in den letzten Jahren die D e u t s ch- K o n s e r v a t i v e u. Konservativ heißt Festhalten an dem Bestehenden. Keine Partei hat aber eifriger an der Acndcrnng des Bestehenden gearbeitet wie die Jnukcrpartei im Reichstage. Die häufigen Aenderuugcn in unser« Zollpolitik und Stcncrgcsetzgcbnng sind fast ausnahmslos auf den Uebcreifer der Konservativen zurückzuführen. Gerade die letzten Wochen und Tage zeigten wieder, wie nmftürzlerisch unsere„Konservativen" sind, mancher ihrer Führer sprach offen ans, was sie alle herbeisehnen, daß sie das höchste Volks- recht der Deutschen, die Grundlage unserer Vcr- fassnng, das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht ans der Welt schaffen wollen. Sie, die sich als Konservative als Schntzwehr der Monarchie betrachten, jede Kritik derselben und der Regierung verpönen, haben schärfste Opposition dem Staatsoberhaupte und den von diesem eingesetzten leitenden Staatsmännern gemacht. Nicht die Konscrvirnng des Bestehenden, sondern die Um- formung der Gesetzgebung und Verwaltung im Interesse des Großgrundbesitzes, also ein rein wirthschastlicherJntcr- essenstandpnnkt ist heute mehr denn je das Um und Auf der Politik der sogenannten„deutsch- konservativen Partei". Ihnen ist die Republik mit staatlicher Hypotheken- ablösung, Doppelwährung und Verstaatlichung des Getreide- Handels in ihrem Interesse lieber als die Monarchie der Hohenzollcr», wenn diese sich ans den Boden des Freihandels stellen wollten und den ländlichen Arbeitern volle Koalitions- sreiheit gewähren ivürden. Auch in der freisinnigen Partei tritt der Freisinn weit in den Hintergrund hinter die Interessen des Großen Handels- und Leihkapitals; wo soziale Forderungen auftauchen, da ist bei dieser Partei der Freisinn vergessen und das öde Manchesterthum macht sich an seiner Stelle breit. Zentrum und Polen aber, das sind Parteien, wird man einivenden, wo die wirthschaftlichen Interessen gewesen. Die Sache war damals durch die Bemühungen des alten Pilgram vertuscht worden, in Axel's Augen aber konnte es Hans nur zu deutlich lesen, daß jener die De- müthigung noch nicht vergessen hatte. „Kamerad werden doch Ausnahmen gelten lassen, in bezug ans besagten Pöbel," meinte einer der drei Garde- Offiziere mit zynischem Grinsen—„klein Torchen zum Beispiel, nnsere Handschuhmacherin, gehört gewissermaßen auch diesen Kreisen an..." Tora, ah— die kleine spröde Ratte!" versetzte Pilgram verständnißvoll lächelnd.„In dem Punkte bin ich allerdings auch volksthümlich, hä hä hä— Demokrat, so zu sagen. Hat übrigens pompöse Schwester: groß, schlank, brünett— ganz für Sie geschaffen, lieber Graf!" „Lb bieo, wollen Festung berennen", verniaß sich der Herr Graf,—„hoffentlich mit mehr Glück wie Sie die Ihrige, lieber Pilgram!" „Ja, das Handwerk verstehen Sie, meine Herren", meinte Rcchberg in einem Tone, ans dem deutlich ein Vorwurf hervorklang."„Die Töchter des Volkes zn erobern, ist freilich leichter, als dem Volke selbst gerecht zn werden. Treiben Sie Kriegsgeschichte, lieber Pilgram, lesen Sie die Schriften über Jena und Auerslädt, wo der preußische Soldat noch„Material" ivar in Ihr c m Sinne— und dann stndircn Sie die Befreiungskriege, die das Volk in Waffen geführt hat, das Volk in m einem Sinne. Wenn Sie das gethan haben, Kamerad, dann wollen wir uns wieder sprechen." Die ausgelassene Fröhlichkeit, die Hans anfänglich an dem Freunde aufgefallen war, hatte einer ernsten Nach- denklichkcit Platz gemacht. „Und wenn nun dieses selbe Volk auf die Barrikaden steigt und Revolution macht— was dann?" stieß Pilgram mit einer gewissen Heftigkeit hervor.„Was werden Sie weit hinter politischen, religiösen und nationalen Idealen zurückstehen müssen. Aber auch dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Bei den Polen hört dort das nationale Juteresse auf, wo die Interessen der polnischen Agrarier und der Bourgeoisie beginnen. Gegen die Forderungen der Arbeiter halten sie »iil der deutschen Bourgeoisie fest zusammen, sie bekämpfen ihre enterbten Brüder, die Arbeiter so rücksichtslos wie es nur ein deutscher Schlot- und Landbaron thnn kann. Auch bei ihnen heißt es wie bei den Nationalliberalen, zuerst der Geld- bcutel, und dann wieder der Geldbeutel und dann nochmals der Geldbeutel, und bleibt dann noch Zeit, Lust und Ge- legenheit, so werden nationale Phrasen gemacht. Was das Zentrum anlangt, so ist das große Geschick der Führer anzuerkennen, niit dem sie ihr ideologisches Mäntelchen zur Verbcrgnng ihres wirthschaftlichen Jnteressenstandpunktcs benützen. Eine eiserne Disziplin, der große Einfluß der Geistlichkeit, die Weitsicht ihrer früheren Führer und die Angriffe ihrer Gegner haben es bisnnn fertig gebracht, daß die verschiedenen Jnteressentengrnppen im Zentrum äußerlich noch ziemlich zusammenhalten. Inner- lich entfremden sich aber die Gruppen in der Zentrums- Partei immer mehr. Sprächen nicht große taktische Vor- theile für die Einheit der Partei nach außen, daS Zentrum wäre längst zerfallen. Ein Theil, der von städtischen Wählern ins Parlament entsandte, vertritt die Interessen des iil Auflösung bcgriffcueil Handwerkerstandes, ein anderer vertritt die Interessen des ländlichen Besitzes und zivar weit mehr die des Groß- als die des Kleinbesitzes. Der Name des Zentrums hat heute keinen Sinn mehr. Der Name be- dcntel, daß es eine niittlere politische Stellung zwischen den Parteien der Rechten und Linken eiunimiut. Davon kann keine Rede mehr sein. Wir haben im vcntschcn Reichstage anch Mittelparteien, dazu werden Reichspartei, Nationalliberale, freisinnige Bereinigung, gerechnet, im eigentlichen Sinne verdient höchstens das kleine Häuslern der freisinnigen Vereinigung diesen Namen, das Zentrum hat mit einer solchen Stellung innerhalb der Parteien nichts mehr zn thnn. So sehen wir alle alten Parteien imnier mehr zu ivirthschafllichen Interessenvertretungen werden, keine hat mehr das Anrecht, ihre Parteibezeichnung zu fuhren, ihren ursprünglichen politischen Standpunkt, ihre politischen Ideale haben sie verleugnet, die einen offener, die anderen mehr heimlich. Tie Antisemiten haben als jüngste parlamen- tarische Partei den Zug der Zeit verstanden, indem sie auf wirthschaftliche Forderungen ihr Programm aufbauten, sie erklären sich offen als eine Mittclstaudspartei und haben der Betonung ihrer wirthschaftlichen Forderungen, so falsch und aussichtslos dieselben anch sind, ein gut Theil ihres Erfolges zn danken. Die Sozialdemokratie war es, die von Anfang an die Jntci essen einer Klasse offen vertreten hat, sie trat stets und entschieden als die Partei des Proletariats auf, ihre Ge- schichtsanffassung, ihre Haltung zn allen Fragen ging von thnn, wenn dieses von Ihnen so hochgeschätzte Volk sich � gegen seinen König empört?" „Tann werde ich meine Pflicht thnn, nach bestem Ge- wissen," sagte Rcchberg mit erhobener, fast feierlicher Stimme. „Und ich würde auf die Bestien einfach schießen lassen und nicht eher ruhen, als bis die frechen Gelüste der Kanaillen in ihrem eigenen Blute erstickt sind," versetzte Axel von Pilgram mit dem lauernden Ausdruck eines zum Sprunge bereiten Tigers. Eine allgemeine Stille trat nach seinen Worten ein. Ter sBursche war sunt den Flaschen gekommen und suchte sie so geräuschlos als möglich in einer Zimmerecke nnterzn- bringen. Hans Härtung wollte die entstandene Gesprächs- pause benutzen, um sich zu entfernen. Er leerte sein Glas, erhob sich und reichte Hermann die Hand. „Wie, Du willst schon gehen?" fragte Hermann, indem er den Freund betroffen ansah. „Ich werde erwartet," sagte Hans in ruhigem Tone— „ich hoffe, daß wir uns in den nächsten Tagen noch sehen werden." Der junge Student, der rechts von Hans gesessen und die Unterhaltung der andern aufmerksam verfolgt halte, ohne sich selbst an ihr zu betheiligcn, machte sich gleichfalls zum Aufbruch bereit. Rcchberg begleitete die beiden in das Vorzimmer, die sich mit einer stummen Verbeugung von der übrigen Ge- sellschaft verabschiedet hatten. „Demokratenpack!" hörte Hans beim Hinausgehen den blonden Eisensresser durch die Zähne knnrmeln. Im Vorzimmer angekommen, legte Hermann Rechbcrg beide Hände vertraulich auf die Schult« des Freundes. „Du bist gekränkt, Hans?" fragte«mit einer gewissen Besorgtheit. „Nicht im geringsten," lachte Hans Härtung—„es sozialpolitischen Ecsichispuukicn aus, ihre politischen Forde- niiiizm waren nicht ein Tcckiuautel ihres wirthschastlichen Programnres, sondern sie folgten logisch ans der Thatsache, daß sie die breiten Volksmasscn vertritt, daß sie den Kampf gegen die heutige Wirthschastsordnung überall aufnehmen, daß ihre Aufgabe die Verbesserung der Lage der Arbeiter- llasse, ihr Ziel das Aufhören der Lohnsklaverei ist. Diesen, offenen, nie sieh verhüllenden, Freund und Feind niemals täuschenden Vorgehen verdankt es das deutsche Proletariat, daß seine Partei die größte und inner- lieh gefestigteste im Deutschen Reich ist. Ihren Prinzipien, ihrer Taktik verdankt sie es, daß sie konsequent ans der eingeschlagenen Bahn weiter marschiren kann und wird, während alle anderen Parteien in Zersetzung begriffen sind. In allen Schichten der deutschen Bourgeoisie herrscht die ltnznfricdenhcit mit den bürgerlichen Parteien, nirgends werde» sie schärfer tritisirt als in ihren eigenen Reihen, überall zeigen sich neue Bildungen, die charakteristischer Weise alle das Gepräge der Vertretung wirthschaftlicher Interessen auf der Stirne geschrieben haben, während die politischen Gesichtspunkte als nebensächliche im Hintergründe tleibcn oder von ihnen blos als Konsequenz des wirth- schaftlichen Jntcressenstandpnnktes die Rede ist. Wir führen hier blos die zahllosen Versuche, Mittel- standSparteien zu gründen, an, dann nenuen wir den Bund der Landwirthe, den Bauernbund in Norddcutschland, die verschiedenen Partcibildnugsvcrsnche unter den bayerischen Lauern, die Organisation der Bimctallisten, den Verein zum Schutze der deutschen Goldwährung. Wir begrüßen alle diese Bildungen mit Genugthnung, sind sie doch die Bestätigung unserer Ueberzeuguug, daß die rvirthschaftlichen Verhältnisse und Interessen die Grundlage der politischen Parteibildung sind, wirken sie doch, so nn- moralisch und kleinlich egoistisch die einzelnen auch sein »lögen, moralisch, indem die verlogenen, irreführenden Parteibezeichnimgcn vergessen werden und man sich zu gewöhnen beginnt, das Kind beim richtigen Namen zu nenucn. Weiß das Volk, wissen die Wähler endlich, was die einzelnen Parteien wollen, so werden sie auch eher beurtheilen können, zu wem sie sich zu schlagen haben. Uns ist nicht bange, daß unsere Partei auch unter den neuen Vcrhältniffen von Sieg zn Sieg schreiten wird, wenn die� Parteien der Agrarier nnd Bourgeois endlich ihre falschen Flaggen einziehen nnd unter ihrem wahren Namen ans dem Schlachtfelde in der Politik, in den Parlamenten und überall sonst auftreten. ValitU'rije IlcOciTiifit. Berlin, 25. Mai. Der vcrslossene» Neichstagösession werden in der Presse vielfach Nachrufe gewidmet; aber fast alle sind sie auf einen sehr elegischen Ton gestimmt. Der Reichstag war fruchtlos und energielos, indem er den nothleidenden Groß- grundbesitzern nicht genug Liebesgaben in den Schooß warf nnd indem es»licht möglich»var, trotz des auf vielen Seiten des Reichstags vorhandenen guten Willens, ein U m stürz- g e s e tz aus ihm herauszuquetschen. Die„Nordd. Allg. Ztg." schreibt resignirt: Tos Gesannntbild der hinter uns liegenden Reichstags- fession ist ein überiviegend unerfreuliches, oder, genauer gesagt, die unerfreulichen Eindrücke ziehen tiefere Linien als die er- freulichen. Der Wille zum guten ist in diesem Reichstag in Proportionen vorhanden, die zu nicht geringen Erwartungen berechtigen könnten; aber es fehlt diesen» löblichen Willen an Kraft, sich durchzusetzen»ind entgegenivirkenden Strömungen gegenüber das Feld zu behaupten, zum lheil auch an der Fähig. keir, gesunde und verderbliche Wege klar zu unterscheiden. In allen den alten staalserhaltenden Parteien machen sich trübe Legirungen, Abschivächungen der beivührten Punkte ihrer Stärke bemerkbar; die großen Grundbegriffe, die früher die festen Normen für die Haltmig in monarchischer und uatio- naler Hinsicht und für die Art der politischen Bethätigung ins- gemein bildeten, haben bedauerliche Zlbbröckelungen erfahren. So ist die größere Energie»ind die klarere Einheitlichkeit des Handelns aus einem Mittelpunkt heraus auf der Seite der beruss- mäßigen Opposition. Eine Heihrng kann nur von einer Läute- rilng des Wesens der im ganzen rechts stehenden Parteien her rrivartet iverden. Tic rein agrarischen Zeitungen beklage»» es rund heraus, daß vom Reichstag nur noch die Zucker- nnd Branntivein-Liebesgaben erreicht»Verden konnte»», daß er aber zn schnell geschlossen»vnrde, um auch noch den»An- kau» mich doch nicht kränken, daß die jungen Füchse bellen, wie sie es von den alten Füchsen gelernt haben!" »Bravo, Hansel, so gefällst Du mir— und nun sag', wann können wir»ms»viedersehen?" „Das kann sehr bald sein— ich habe da ohnedies noch etivas an Dich auszurichten... einen Gruß vom Lieutenant von Willfried ans Köln.. „Wie, von meinem lieben Willsried?" versetzte Hermann lebhaft. Er erbrach einen von Hans übergebenen Brief und überflog ihn rasch. „Wir müssen uns unbedingt sprechen," sagte er dann, „schon morgen... das ist ja ein»nerklvürdigcs Znsammen- treffen... Kannst Tu gegen zivölf Uhr»nittags im Lese- kabinet der„Zeituugshalle" sein. Ecke der Jäger- und Ober- wallstraße?" „Wenn es Dir recht ist.. „Abgemacht also— Punkt zivölf Uhr!" versehte ermanil und verabschiedete sich von Hans und dem tndentcn auf das liebensivürdigste, uin z»» seinen Gäste»» zurückzukehren. VII. In Nachdenken versu»>ken stieg Hans neben seinem jugendlichen Begleiter die Treppe hinunter. Er dachte mit Empörung an die freche Leichtfertigkeit, mit der die beiden Junker da oben von den Töchtern des Volkes gesprochen hatten. Für diese aristokratische Jnngbrnt war ein schlichtes Bürgermädchen»»ichts anderes als eine leckere Beute, an der die Herrchen ihre rohe Begierde befriedigten. Diese kleine Handschuhmachcrin Tora... und ihre schöne Schivester,»groß, schlank brünett",»vie Pilgram sie beschrieben hatte... war es nur eine zufällige, seltsame Aehnlichkcit in gewissen Aeußerlichkeiten, oder sollte er wirk- lich den edlen Herrn Axel zu»»» ziveiten Male beim Wildern betroffen haben? Tann sollte» ihin aber keine Bitten und keine Fürsprache helfen... „Merkivürdige Ansichten, die dieser Herr von Pilgram entivickelt hat," bega»»»» Hans zu seine»» neuen Bekannten trag Kaiiitz" zu sanktionircu.— Die Zeitungen der linksstehenden Parteien dagegen warnen davor, durch die That- sache, daß die Umsturzvorlage:e. abgelehnt ivnrden, sich in thatloscn Schlummer»vicgen zn lasse»». Tie„Freisinnige Zeitung" schreibt: Nichts»väre verkehrter, als Iveiu»»na!» angesichts des Um- standes, daß die Reichstags-Session den schlimmsten Vorlagen gegenüber negativ abgeschlossen hat, nunmehr in» Laude sich allent-. halben»vieder in die Zelle zurückziehen und der Ruhe pflegen wollle. In der nächste» Session werde» die Agrarier lauter noch und dreister als bisher auf dem Plaue sein. Seitens der Regie- rung»vird eine Reihe von Gesetzentivürfen zur Vorlage gelangen, die das Enverbslebe» des Volkes in den verschiedensten Rieh- tnngen beeinträchtigen. Tie Nationalliberalen segeln bis aus vereinzelte Ausnahmen jetzt durchiveg im Fahrivasser des Bundes der Landirirthe. Auch das Zentrum hat nn Wider- standskrast gegen die Agrarier ersichtlich eingebüßt. So haben»vir denn, ivenn nicht ebenso»vie bei der Umsturz- vorläge eine starke Gegenbcivegung im Lande entsteht, für die nächste Reichstags-Ses'sion in»virthschaftlicher Beziehung eine reaklionäre Gesetzgebung in den verschiedensten Richtungen zu erivarten. Ob ebenfalls in politischer Richtung, das wird davon abhängen, ob sich irgend eine Gelegenheit findet, welche das Segeln der Regierung nach dieser Richtung hin»vieder schneller macht. Schärfer und vernehmlicher als je zuvor vcrlantbare» die Drohungen gegen das Reichsivahlrecht. Keiner friedlichen, sondern einer reaktionär beivegten Session gehen»vir auch zum Herbst entgegen. Tie„Vossische Zeitung" aber faßt die abgeschlossene Thätigkeit des Reichstags ähnlich kritisch auf,»vie es auch in» letzten Leitartikel des„Vorwärts" geschehen ist. Sie schreibt: Was steht nicht alles in der Thronrede, mit der der Reichs- tag an dein ersten Mittivoch des Wcihnachtsmonats eröffnet »vnrde!„Sie»verde» Ihre Arbeit in die neue Stätte ver- legt»»,»vclche durch mehrjähriges ernstes Schaffen als ein Denkmal vaterländischen Fleißes ihrer Vollendung entgegen- geführt ist." Erst»venige Monate sind vergangen, seit die Volksvertretung nach dem Köuigsplatz übergesiedelt ist. Welche Erinnerungen tauchen nicht auf! Da steht das stolze Gebäude des deutschen Reichstages, und in dem Grundstein liegt die Ur- künde, die nicht cinrnal den Namen des Neichsbaumeisters Wallot enthält. Ist die Kuppel der Gipfel der Geschlnacklosigkeit"? Noch steht keine Inschrift vorn auf dem Stirnband. Und»velche Nolle spielte der Reichstag bei der Eröffnungsfeier? Fast kälte man »»einen sollen, es handle sich um ei» militärisches Schauspiel. Denn auch der Reichstags-Präsident erschien in den» 5ileidc eines Landivehrinajors, der vor jedem Oberstlieutenaiit„stramm stehen" muß.„Möge Gottes Segen ans dein Hanse ruhen!" Und»vas»var iuie der ersten Negieruligshandlungen im neuen Reichstag? Etivas. was»»och nie dagelvese»»var. Gegen einen Abgeordneten, der, von den» Hoch auf den Kaiser überrascht, sich nicht vom Platze erhoben hatte, »vnrde die Slaalsaiuvaltschaft augerufen. Das»var der Stil des Herrn v. Köller. Der Ton, der hier angegebei»»vnrde, be- herrschte die Verhandlungen. Ein Minister konnte sagen, daß die Aussührltnge» einer Partei auch nicht die Spitze seiner Stiefel berührten; ein anderer Minister konnte erklären, die Volksver- tretung sei nnr dazu da, Gesetze zn genehinigen und Gelder zn beivillige», sonst sei ihr Urtheil der Regierung gleichgiltig. Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es zurück.— Die Reirlistags-Ersuhwahl im Wahlkreise Waldeck- P y r in o n t ist auf dcit 9. Juli angesetzt worden.— Bnildesrath. Ja der am 24. d. M. abgehalteuen Plenarsitzung des Bundesrathes»vnrde der Entwurf eines Gesetzes, be- treffend die Fürsorge für die Wittlven und Waisen der Personen des Soidateustandes des Reichsheeres und der kaiserl. Marine, vom Feldivebel abivärts, i» der von» Reichstag beschlossenen Fassung aiigenouimen. Dem Ausschußantrage, betreffend die Veriveuduug steuerfreie»! Branntiveins zur Herstellung von Parfüinerien, Kopf«, Mund und Zahmvasser», ferner dem Entwurf eines Regulativs über de»» zollamtlichen Ver- schlich der die Elbe und ihre Nebenflüsse befahreuden Schiffe nebst Aussühruiigsvorschrifteu, soivie der Vorlage, betreffend de» Zollverivaltungskosteu-Etat für Preußen,»vnrde die.Zustimmung erlheilt. Die Beschlüsse des Reichstags zu der Reichshaushalts- Uebersichr für 1893/94, der Bericht der Reichsschulden-Konmiissio» über die Verivaliung des Schuldeiilvescus des Norddeutschen Bundes beziv. des Reichs»». f. iv., und die Vorlage, betreffend die Beschlüsse des Landesausschuffes zn dem Eutivurf eines Gesetzes für Elsaß-Lolhringen über die Sparkassen—»vurden den zuständigen Ausschüssen übcriviesen. Endlich»vnrde» die Ruhegehäüer für eine Anzahl von Reichsbeamten festgestellt.— Tie preußische» Minister sind allmälig an den Zu- stand gewöhnt, den Göthe mit den Worten bezeichnet„Hangen nnd bangen in schivebender Pein", sie stehen geivissermaßcn ans täglicher Kündigung und leben tagtäglich in der Un- sicherheit, daß sie bis zum Abend schon der Lncanus geholt gcivandt, als sie in der Karlstraße neben einander her- schritten. „Ein hochmüthiger Schurke, ein Kerl ohne Gemüth nnd Eeivissen!" versetzte der andere mit einer Leiden- schaftlichkeit, die zn seiner bisherigen Schweigsamkeit in scharfem Gegensatz stand.„Nach oben Speichellecker, nach mite» roher Despot, das Herz voll Selbstsucht nnd den Schädel leer— da haben Sie das Bild des echten Strebers dieser Sorte. Dieser Schuft wird es ivcit bringen, glauben Sie mir's!" Boll Wucht und Kraft kamen die Worte über die Lippen des Jünglings. Ein gewaltiges, nngezähmtes Naturell schien sich in ihm mit der edlen Begeisternngsfähigteit der Jugend zu paaren.„Ans diesem Holze", dachte Hans Härtung bei sich,„»Verden die kühnen Führer des Volkes geschnitzt." „Sie sind Siildent, Herr..." „Volkmnth heiß ich— Bruno Volkmuth. Ich komme eben von Heidelberg, Ivo sie mich relegirt haben, weil ich die Bauern im Odeiiwald rebellisch gemacht hätte. Und Sie?" „Ich bin Buchdrucker, heiße Härtung nnd komme von Paris, wo ich Lonis Philipp habe fortjagen helfen", ant- wortete Hans lächelnd, indem er die kecke Offenherzigkeit seines jungen Begleiters mit gleicher Münze vergalt. „Dacht' ich mir gleich— das oder'ivas Aehnliches Hab' ich Ihnen augesehen," sagte Volkmuth.„Meinen Gruß, Genosse!" Sie schüttelten einander herzlich die Hand. Ans der gegenüberliegenden Gardekascrne marschirte ein Trupp Soldaten die Friedrichstraße hinunter, nach den Linden zu. Das schreiende Konimando des führenden Lieutenants durch- zitterte schrill die milde Abendlnft, die immer noch, trotz der vorgerückten Stunde, zahlreiche Paffanten auf der Straße festhielt. „Glanben Sie, daß es hier in Berlin zu etwas kommen wird?" fragte Hans. (Fortsetzung fo'gt.) haben könnte.„Die von Berlin Abschied nehmenden Reichstags-Abgeordneten, schreibt ein ultramontanes Blatt, dürften auch diesmal den einen oder anderen Herrn zum letzten Mal ans der Ministerbank gesehen haben. Es gilt allseitig für ausgemacht, daß in dein parlamentarischen Zivischenakt wieder eine Ministerkrisis entstehen wird." � Nur darüber sind sich die Gelehrten noch nicht einig, ob zuerst die Vertreter der milderen, modernen Richtung, nämlich die Herren v. Marschall und v. Bötticher, oder der Vertreter altpreußisch strammer Unterossizicrspolitik. Herr von Köller, in das Land müssen, von wo es keine Wieder- kehr giebt.— Wiesenweisheit. Zivei arme Sünder hat der Staats- anwalt Benedix gestern vor Gericht gebracht, den Wiese nnd den Weisheit, beide Anarchisten ihres Zeichens; aber welcher Unterschied zwischen beiden springt ans der Gerichtsverhandlung hervor! Wie Lamm und Wolf uiitcr- scheiden sie sich in ihren Anschauungen, nnd da ziemt sich's, daß das Lamm, das kein Ordnnngsivässerlein getrübt hat an» 18. März, frei ausging ans der gerichtlichen Feuer- probe, der böse Wolf aber auf neun Monate ins Ge- sängniß geschickt wurde— zum besten von Ordnung, Sitte nnd Religion. Ja, der Wiese hat größere Weisheit be- iviesen, als der Weisheit. Hat's doch dein Lämmlein Wiese der Kriminalkommiffariiis Röiver bezeugt,' daß er eine Sinneswandlung durchgemacht hat vom ranhfüßigen Anarchisten Baknnin'scher Observanz bis zum wcichivolligen Genosseuschaftsapostel Prondhon'scher Färbung. Und der Röiver muß das wissen: Sein Leumundszcugniß »viegt schiver bei Richter nnd Staatsanivalt in Preußen, »»»n solche Urtheilsnnterschiede zu beivirken. Dieses Schlag- licht, das der Prozeß ans unsere Rechtsprechung wirft, ver- vollstäudigt das Bild, das»vir uns schon lange von ihr machen ninßten.— Ans dem Laude der Dichter und„Denker", in den» für das Militär so ivenig ausgegeben»vird, daß alles ans Ausgaben für Schulen und andere Kulturinstitute venvandt werden kann, »vird geschrieben: Wege» Ueberfüllung der vorhandenen Schul- klaffen haben in den» Bromberger Vororte Schivedenhöhe II am letzten Aufnahiuelermiiie 150 schulpflichtige Kinder zurückgeiviesen »verde»» müssen. Die elende» Schulzustände dieses Vororts haben bereits jahrzehntelang bestände», und 5tlassei» von über hundert Schülern(!) waren keine Seltenheit. Man glaubte endlich durch den Bau eines im letzten Herbste fertig geivordenen Schulhauses, das Raum für zehn Klaffen bot, den» Uebel zn steuern, muß nun aber einsehen, daß man sich geirrt hat. Die Regierung hat, um mit dem Anivachsen der Schülerzahl gleichen Schritt zn halte». bereits die Aiistellinig von drei neuen Lehrkräften in Aussicht ge- iiommei»; da diese Absicht aber noch nicht ausgeführt ist, haben Ostern, wie schon crivähut, 159 Schulrekruten zurückgeiviesen iverden»nüffe». Um dem Uebelstande einigermaßen zu begegne», hat man das bisher siebenstufige Schnlsysteu» in ein sechsklassiges zurückverivandelt! Man hat so eine Anzahl von Plätzen„ge- ivonuen". Ei» nettes Kulturland!— Tie anarchistische Bibliothek, die in Berlin im Verlag des eingegangenen Berliner„Sozialist" erschienen nnd durch die deuische Regierung gelegentlich der Umsturzdebatten einigermaßen bekannt geinacht»vorden ist,»vird jetzt dnrch die Polizei ui.d StaatsmnvaUschaften vielfach verfolgt. So gab am Freilag das hannoversche Landgericht dem Antrag des Staatsanwalts ans Veschlaguahme der Hefte 2—4 der anarchistischen Bibliothek statt. Hefte 1 und 5, vurden dagegen freigegeben.— Z» den Sonntag stattfindende» italienischen Wahlen schreibt man uns aus Mailand von» 24. Mai: Die Wahlen iverden leider»vahrscheinlich für Crispi eine Majorität ergeben. Wie könnte es bei de» bestehenden Zuständen anders möglich sein? Vielleicht mit Ausnahme von Sizilien, ivo daL vergossene Blut noch kaum verdampft ist,»vo die be- kannten Rainen der eingekerkerten Märtyrer noch so lebendig »virkeu, ist der ganze Süden Italiens, Rom, Kainpaguien. 5kalabrien, Apulien crispinisch. In sehr vielen Wahlkreisen dieser Provinzen hört man von gar keinen, Gegenkandidaten, denn alles ist durch die persönliche Präfekteuwirthschaft»nd durch direkte Geldkorruption, die in einer unerhörten, schainlosen Weise von Ron» ans den öffentlichen Geldern des Landes ausgeübt»vird, beherrscht nnd mitgerissen. Man denke, alle Crispinischen Kan- didalen reisen Tag für Tag im ganzen Süden aus allen Staats- bahnen uinsonst umher, als Gesetzesvorivand dient eine Karte, die sie als Agenten der Präfektur oder der Regierung legitimirt. An dieser offenen Wahl-Korruption durch Geldbestcchung hat der Hos, an der Spitze König Humberto, soeben durch eine öffenl- liche Handlung theil genommen,»velche bei den Radikalen die tiefste Empörung, aber auch bei den treu moiiarchistisch Gesinnten Entrüstung und den schärfsten Tadel hervorruft. Der Hof hat eine große Geldsuinine zun» besten der durch den jüngsten Theaterbrand in Rom Geschädigten gespendet, In» National-Theatcr wurde am Freitag das Drama eines Herr» Wolff-Cafsel,„Conrad von Marburg" aufgeführt. Wir»vollen Herrn Direktor Sauist nicht zu nahe treten, aber als wir nach dein bedeutenden Aufwand von Rhetorik, der jeden der fünf Akte des Dramas ausfüllt, einen hageren Herrn ans die Bühne treten sahen, der sich als Verfasser mit hoheilsvoller Ver- legenheit vor einem pflichteifrig applandireiiden Publikum ver- neigte, da kamen uns doch univillkürlich die bekannten Seenei, aus den»„Raub der Sabinerinnen" ins Gedächtniß.„Conrad von Marburg" ist eine der Geistesthatei», die ein lebhaftes Interesse nur im engeren Freundeskreise des Dichters erivecken, die aber in der Oeffentlichkeit immer die Frage aus- »vcrfe»:„Ja,»varnn» mußte denn das Stück geschrieben werden"? Der legitime Abgesandte des Papstes, der zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts Deutschland mit den Gräueln der Ketzerrichlerei beglücken»rollte nnd dafür vom deutschen Volk pflichtgemäß»vie ein toller Hund er- schlagen»vnrde,»väre in der That gegenivärtig eine Figur, die ein einigermaßen geschickler Autor schon»virksai» bearbeiten könnte. Herr Wolff-Cassel brachte es nicht»veiler, als bestenfalls zn episch-laugiveiligen Monologen, die Seelenkämpfe bedeuten sollten, die aber leider de» Charakter des Helden im Verlaufe des Stückes in immer größerer Verschwoiumeuheit ersticken ließen. Den» Dichter fehlt leider fast jegliche dramatische Gestaltungs- krast. Es kam noch hinzu, daß die erste Aufführung im National- Theater ivenig geeignet»var. über die Schwäche» des Stückes biinveg zu täuschen. Die Titelrolle»vnrde von einen» Herrn Krüger voin Hoflheater aus Braunschiveig dargestellt. Was diesem Herrn an künstlerischen Fähigkeiten fehlte, suchte er diirch großes Gestöhn und Gcschreie zn ersetzen. Es besagt gen»»g. daß er selbst in» National-Theater zuweilen die Heiterkeit des Publikums zu erregen wußte. Weit besser als der Gast»vnßte das ständige Personal des Herrn Sainst sich in sein Schicksal zu finden. Frau Wiese als Elisabeth hatte sogar einige gute Mo» mente. Killiß»iild Wissttflilist. Ein Interview»nit Zola. Direktor Meßthaler in München hatte die Absicht, mit seinen,„Theater der Modernen"»ach Paris zn gehen,»m dort Vorstellungen in dculscher Sprache zu geben. Milte Mai, so schreibt man den„Miiiicheiicr Neuesten Nach» richten", begab sich Herr Meßthaler selbst»ach PauS, um nbev nicht etwa an dm Burgel-Meifisr dieser Stadt, oder an ein impfuleiisches Wohlthätigkeits- Ztoinitce, sondern direkt, an den Pvrsitzenden des Crispiiüschen Wahl-Komilee's. So weit ist die Freundschaft des Königs Huniberlo zu Crispi nach alt' den Ent- düllungen gediehen, baß der Hos öfjenttich siir Crispt's Wahl- Machenschaften eintritt. Ueber die Kandidaturen wird der„Vossische» Zeitung" aus Rom telegraphirt: In den 508 Wahlkreisen sind insgesamint, die»lehrfachen Kandidaturen eingerechnet, 7S6 Bewerber aufgestellt, darunter 485 Ministerielle, 140 Oppositionelle von gemäßigter, fortschrittlicher und radikaler Parteisarbe, 46 Sozialisten und 79 Unabhängige oder Unentschiedene, Ohne Dtitbeiverber sind nv Ministerielle, 62 Opposiiiouelle, 14 Unabhängige und ein Sozialist Andrea Costa. In etwa fünfzig Kreisen stehen in zivanzig zwei Oppositionelle kriegsrechtlich verurtheilten, im sizilischen Sozialistenführern sind zweimal, de Felice dreimal, Crispi hat sich in sechs Kreisen sich zwei Ministerielle, gegenüber. Von den Zuchlhanse befindlichen Verro einmal, Bosco Barbato viermal aufgestellt. ausstellen lassen, in Rom gegen de Feiice, in Parlerino gegen Barbato, in Tricarico, Mvdica und Alcamo ohne Mitbewerber. Eine große ministerielle Mehrheit wird ebenso bestimmt voraus- gesehen wie eine beträchtliche Vermehuing der sozialistischen Fraktion, die bisher fünf Köpfe zählte. Crispi»»d seine Leute. Die Regierungspartei scheint mit Vorliebe solche Kandidaten anszustellen. deren Vergangenheit ebenso bemakelt ist wie die Crispi's. So ist in Bozzolo bei Maiiliia der Gegenkandidat des Sozialdemokraten Leonidi Bissoladi ein gewisser Siligrandi. Dieser Regierungsniann, eine Stütze der Ordnung, hatte mit einer verheiratheten Frau ein Lubesrerhällniß. Eines Tages wurden die beiden im Schlaf- zimuier vom Ehemanne ertappt, welcher seine treulose Gattin er- dolchle. Siligrandi aber hatte sich, ohne nur den Versuch zu uiachen, seine Geliebte zu schlitzen, heldenhaft geflüchtet!! Als Rcgicruugskandidat aber verficht Herr Siligrandi die Heiligkeit der Ehe.— Aus der französische» Kammer. Tie Budgetkoinmission der Teputirtenkamluer nahm mit 17 gegen 16 Stimmen einen Antrag Krantz a», in welchem als erforderlich hingestellt wird, sofort neue Ersparnisse ausfindig zu»lachen, statt zu neuen Stenern zu greifen. Sodann wurde einstimmig ein Antrag Cavaignac angei>on>n>en, i» welchem erklärt wird, obgleich die Kommission entschlossen sei, alle für die Landesvertheidignng nothivendigen Opfer zu bringen, erachte sie es doch für möglich, dem Kriegsminister die für 1886 verlangten Esseklivbestände nur dann zu bewilligen, wenn die in dem ersteren Beschluß verlangten Ersparnisse rcalisirt werden.—\ Geld riecht nicht, denkt die englische Regierung und be zieht seit vielen Jahren große Einkünsle aus seiner die Opium Herstellung befördernden Politik, trotzdem das Opium«»endliches Unheil über Millionen von Menschen gebracht hat und bringt. Im englischen Unterhause beantragte nun ani Freitag Joseph Pease eine Resolution, in welcher erklärt wird, daß das System der Staatseinkünfte ans dem indischen Opium moralisch nicht zu veitheidigen sei. Die indische Regierung solle aufhören, Er- lanbnißscheine für den Anbau von Mohn und den Verkauf von Opium in Brilisch-Jndien zu ertheilen, ausgenommen zur Be- fricdignng der legitimen ärztlichen Bedürfnisse: auch sollten Maßregeln getroffen werden, um die Durchfuhr von Malva- Opium durch britisches Gebiet zu hindern. Der Staatssekretär für Indien, Fowler, bekämpfte aber natürlich den Antrag, der verfrüht und noch nicht reif sei, auch schließe der Antrag eine Ungerechtigkeit in sich und sei undurchführbar. Die Resolution spitze sich auf eine Politik von solcher Tragweite zu, daß das Haus überzeugt werden müßte, daß sie nothwendig, durch- snhrbar und sicher sei, ehe versucht würde, sie einzuführen und dem indischen Reiche mit Gewalt aufzuzwingen. Der Antrag wurde mit 176 gegen 53 Stimme» abgelehnt.— Geld riecht nicht!— Tie Aussichten der deutsche» Agrarier auf Verwirk- lichung des internationalen Bimetallismus sind, wie allbekannt, sehr gering, da hierfür im Ausland sehr wenig Stimmung ist. Tie englische„Morningpost" bespricht heute die deutschen biinctallistischen Bestrebungen und nieint, die Bimetallisten dürften sich keine Hoffnung machen, ihre Pläne mit Unterstützung Englands ausführen zu können; sie würden unmöglich die Zm stilnmung Englands zu einer Spielerei mit den Prinzipien der Goldwährung erwarten können und alle diesbezüglichen Ver Handlungen dürften deshalb erfolglos sein. Ferner ist ein Memorandum, welches die Ansichten der großen Mehrheit der maßgebenden Kaufleute und Bankiers Londons in Bezug auf die Goldwährung enthält, an den Schatz. lanzler Harcourt gesandt worden. Das Memorandum besteht ans der Rothwendigkeit, einzig die Goldwährung beizubehalten, es bedauert die wachsende Agitation zu gunsten des sogenannten Bimetallismus und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß die englische Regierung unbedingt ihre Unterstützung zu irgend welcher Aenderung des Währuugssystems Englands verweigern würde.— das Für und Wider zu diskutiren. Welche Persönlichkeit besäße eine größere Autorität, in solch' künstlerischer An gelegenheit einen bessere» Rath zu ertheilen, als Emile Zola? Daher war Meßthaler's erster Gang zu dem berühmten Schriftsteller; der junge Direktor wurde von Zola auf's freundlichste empfangen. Dieser gab seine Meinung über die ihm gestellte Frage wie folgt ab:„Sein erstes Wort war ein . ösiers wiederholtes„Rein, nein." Ein solches Projekt— führte er dann aus— würde auf zwei ziemlich unüberwind- liche Hindernisse stoßen. Erstens haben wir den Patriotismus (Zola will nicht„Chauvinismus" sagen), der sich solchem Beginnen gegenüber kaum parteilos halten würde. Allerdings steht Kiel vor der Thür, die Künstler gehen nach Berlin, noch manch andere Anzeichen, wie die Ausführung von Werken deutscher Größen(vor wenigen Tagen noch wohnte ich dem Triumph des„Tannhäuser" bei) lassen darauf schließen, daß in künstlerischer Richtung wenigstens eine gewisse iilnnäherung sich mehr und mehr geltend gemacht. Dagegen haben wir aber den zweiten Punkt, welcher dem Projekt von vornherein jegliches Gelingen abschneidet, unsereJndifferenz der ans- ländischen Literatur gegenüber. Man giebt zwar gewisse Werke fremder Autoren, hauptsächlich Ibsen, einzelne Russen, nian wagt sich selbst an Hauptmann und Sudermann heran, doch seien Sie versichert, da liegt kein Drang des Publikums, fremde Literatur zu studircn, sondern es handelt sich einfach um eine Modesache! Wir Franzosen, selbst Schriftsteller von Ruf, kennen kaum ein Wort einer fremden Sprache, momentan könnte ich nur Boguet zitiren, welcher mit der englischen Sprache vertraut ist. Vor mehreren Jahren ver- suchte eine englische Truppe, ein Gastspiel zu absolviren; der Versuch war vollständig entmnthigend. Von früher her er- innere ich mich eines Gastspiels Salvini's mit seiner Truppe; obschon die italienische Sprache uns näher steht, konnte der Künstler sich keines Zuspruchs erfreuen. Wir sind sprachlich von einer solchen Ignoranz, daß uns jeder Versuch, wie Sie ihn vorhaben, nicht interessiren kann. Sie finden bestenfalls, wenn Sie in Paris noch ganz unbekannte Stücke zur Aufführung bringen, eine minimale Elite, welche für einen Abend an der Sache Antheil nimmt. Pekuniär können Sie absolut ans kein günstiges Resultat rechnen; Ihr hiesiger Mitkämpfer für die moderne Richtung, Antoine, hat alle Müde, nicht unterzugehen. Ihm gegenüber, der sieben Jahre lang für französische und fremde neuere dramatische Literatur gekämpft, ist eine traurige Apathie eingetreten; sein Kollege Lugne-Poö. welcher sich in erster Linie mit ausländischer Dramatik beschäftigt, wird ivohl nächstes Jahr mit Antoine zusammenwirken müssen, damit nicht beide ver- schwinden. In fremder und gar in deutscher Sprache wäre da wohl keinessalls auf Erfolg zu rechnen!" Tie schwedisch-norivegische Krisis kam am Sonnabend im norwegischen Storthiug zur Sprache. Ter Staatsminister Stang gab über die gegenwärtige Sachlage folgende Auskunft: Da die Wahl der Minister dem König selber zusteht, ist die Vor- bereitnng zur Ernennung einer neuen Regierung nie Gegenstand der Berathnng im Slaalsrath gewesen, es findet sich daher über eine solche Berathnng nichts in den Protokollen des Staatsraths. Was sonst vorging, war durch die Presse bekannt gemacht, ich bätte nichts wesentliches hinzuzufügen. Nachdem der Versuch des Königs, eine neue Regierung zu bilden, gescheitert ist und der König keine Möglichkeit gesehen hat, den Versuch durchzuführen, kann die Regierung nichts anderes thun als abwarten, ob die Mehrheit des Storthings Schritte thun wird, um ein Einverständniß der staatlichen Gewalten zu bewerkstelligen. Die Regierung hat daher die Entscheidung über die Aufrechterhaltung ihres Abschiedsgesuches aufgeschoben, bis entweder ein solches Einverständniß zu Staude gebracht sein wird oder bis unab änderliche Hindernisse der weiteren Ausübung ihrer Funktionen entgegentreten. Tie Auffassung der Regierung geht dahin, der Konflikt ist dergestalt ans die Spitze getrieben, daß die Lage ernst ist und kritisch werden kann, wenn der Konflikt sich noch mehr zuspitzt. Die Regierung hat keinen höheren Wunsch als zurück- zutreten, wenn die Lösung der Schwierigkeilen dadurch erleichtert werden könnte.— Stainbnloiv, den russenfreundlichen früheren Minister- Präsidenten, ivollen seine Gegner in eine» großen politischen Prozeß verwickeln. Seine Verhaftung soll bevorstehen. Da seine Gegner nicht besser, aber jedenfalls unfähiger sind wie er, so wird es sich hier um einen würdelosen Tendenzprvzcß hanheln. Die flkcpublik Formosa? Man weiß bei den tllachrichten aus Ostasien nicht mehr, ob mau sie„Vom chinesisch-japanischen Frieden" oder„Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz" überschreiben soll. Heute kommt aus Hongkong die überraschende Mittheilnng. daß sich die Insel F o r m o s a zur Republik erklärt habe, welche einen gelben Drachen im blauen Felde als Flagge führt. Tang- tsching- sung, der bisherige chinesische Gouverneur, sei Präsident und hätte den Vertretern der fremden Mächte die Thalsache notifizirt. Was die Japaner zu der Geschichte sagen werden, muß man abwarten. Der japanisch- chinesische Friedensvertrag halte die früher chinesische Insel Japan zugesprochen. Auch sonst gährt es noch immer im fernen Ostasien und täglich kann es zu neuen Zwischenfällen und Explosionen kommen. Wie der„Pall Mall Gazette" aus Shanghai telegraphirt wird, ruft dort die Meldung große Aufregung hervor, daß die Russen Kirin i» der Mandschurei besetzt und so den Rückzug eines großen japanischen Truppentheiles abgeschnitten habe». Die volle Bedeutung der russischen Aktion sei noch nicht bekannt, doch werde befürchtet, dies könne der Beginn weiterer Kompli- kationen sein. Nach Formosa gehen täglich bedeutende Truppen- körper und Munition.— Gefchäftsiibevstcht des Reichstags. Der Reichstag war vom 5. Dezember 1394 bis 24..Mai 1395 zusammen 171 Tage versammelt. Es haben während dieser Zeit: 39 Plenarsitzungen, 424 Sitzungen der Abtheilungen, 277 Sitzungen der verschiedenen Kommissionen stattgefunden. Seitens der verbündeten Regierungen wurden folgende Vor- lagen dem Reichstag unterbreitet: 27 Gesetzentwürfe, einschließ- lich des Reichshaushalts-Etats für das Etalsjahr 1895/36, zweier Nachträge dazu, sowie des Haushalts-Etats für die Schutzgebiete auf das Etatsjahr 1335/36 und eines Nachtrags dazu, 1 kaiser- liche Verordnung, 3 allgemeine Rechnungen über den Reichs- Haushalt für die Etatsjahre 1884/85 bis 1331/92, 2 Uebersichten der Reichs-Ausgaben und-Einnahmen für die Etatsjahrc 1392/93 und 1833/94, 2 Uebersichten der Einnahmen und Aus- gaben der Schutzgebiete von Kamerun und Togo, sowie des südwestafrikanischen Schutzgebietes für die Elatsjahre 1832/33 und 1893/94, die Rechnungen der Kaffs der Ober>Rechnuugs> kanimer für die Etatsjahre 1891/92 und 1892/93. 2 Berichte der Reichsschulden-Kommission, 15 Denkschriften, Berichte und Ueber- sichten zc., welche durch Kenntnißnahme erledigt sind.. Es haben die versassuugsmäßige Zustimmung seitens des Reichstages erhallen: 21 Gesetzentwürfe, einschließlich des Reichs Haushalts-Etats, des Haushalts-Etats für die Schutzgebiete und der Nachtrags-Etats, 1 kaiserliche Verordnung. Llbgelehnt sind 2 Gesetzentwürfe(Umsturzvorlage und Tabaksteuer-Vorlage). Die Rechnungen der Kasse der Ober-Siechnungskammer und ein Bericht der llieichsschulden-Komniission sind durch Ertheilung der Decharge erledigt worden. Die Uebersichten der Reichs- ausgaben und Einnahmen für die Etatsjahre 1832/93 und 1893/94 sind durch vorläufige Genehmigung der nachgewiesenen Etats- Überschreitungen erledigt. Die Uebersichten der Einnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete sind unerledigt geblieben. Unerledigt bleiben ferner: 4 Gesetzentwürfe, 8 allgemeine glechnungen und 1 Bericht der Reichsschulden-Kommissio». �EinLlntnig�iuf�rtheiluug�er�rmächtigunA�u��f- Merarisches. Noseuseld. Dr. Siegfried, Das ärztliche Honorar bei den österreichischen Krankenkassen.(Separat- Abdruck aus Nr. 56 u. 51 der„Wiener medizinischen Blätter".) Wien 1834. L. Bergmann u. Comp. 14 S. 3«. Die Thatsache, daß die obligatorische Versicherung der Ar beiter gegen Krankheit bei der Herabdrückung der sozialen Lage der Aerzte mitgewirkt hat, oder zum mindesten das Zusammenfallen einer niedrigeren Lebenshaltung der Aerzte mit dem Bestehen der Kranken-Versicherungsgesetze, wird niemand leugnen können. Daß die Aerzte sich nun auch zu rühren beginnen, die Ur fachen ihrer schlechten ökonomischen Lage und die Mittel zur Abhilfe erörtern, wird jeder Sozialdemokrat mit Freuden begrüßen, wenn er auch über die Mittel zur Besserung der Ein- konimensverhällnisse der Aerzte nicht immer mit ihnen ein- verstanden sein kann. Die hier angezeigte Schrift bringt sehr interessantes Material über die Lage der österreichischen Aerzte bei, aus dem hervorgeht, daß die Entlohnung der Aerzte bei den österreichischen Krankenkassen weit � niedriger ist, als bei den deutschen. Bei den österreichischen Vereinskassen, die unseren ein- geschriebenen Hilfskassen entsprechen, entfallen ans jeden Krank- heitstag 7 bis 11 Kreuzer, das sind ca. 12 bis 18'/» Pfennige, bei den Fabriks-Krankenkassen der österreichischen Tabaksregie, entfallen sogar an ärztlichem Honorar pro Krankheilslag blos 6 Kreuzer(16 Ps.). Ein Vergleich der Bezahlung der Aerzte bei der Wiener Arbeiter-Krankenkasse und der Leipziger Orts-Kranken- kaffe zeigt, daß in Leipzig die Aerzte sünfmal so hoch honorirt werden, wie in Wien. Ter Verfasser fordert die österreichischen Aerzte nach Darlegung ihrer Eiiikommensverhältnisse zur Orga- nisation auf. So sehr wir das befürworten, so glauben wir doch, daß vieleiiischneidendere Maßregeln als Abmachungen zwischen Aerzten und Krankenkassen erst im stände sein werden, die Lage der Aerzte so zu verbessern, wie sie es wünschen. — n. Roßger, Dr. A., Statistik der Landtags wählen in Württemberg vom Februar 1895 mit 13 Ueber- sichlskarlen, einer Tabelle über das Gesammtresuliat und einem Plane des Sitzungssaales. Stuttgart 1835, Strecker u. Moser. 47 S. 8°. Preis 1 M. Eine sehr nützliche und objektive Arbeit über die letzten württembergischen Landtagswahleu. Es scheint uns blos uölbig auszusetzen, daß die Landtags- Abgeordneten nur nach Wahl- kreisen und nicht auch alphabetisch und nach Fraktionen geordnet aufgezählt sind. IL. rechtlichen Verfolgung gegen ein Reichstagsmiiglied während der Daner der Session wurde abgelehnt. Von den Mitgliederu des Reichstages wurden eingebracht: 36 Gesetzentwürfe, 35 Anträge, 7 Interpellationen. Von den vorgeschlagenen Jniliativ-Gesetzentwürsen haben 4 die Ge- nehmignng des Reichstags erhalten, 1 Slntrag ist zurückgezogen. 3 Antrüge sind abgelehnt, über einen Antrag ist Uebergang zur Tagesordnung beschlossen, 21 Anträge bleiben unerledigt. Von den Anträgen, welche Gesetzentwürfe nicht enthalten, sind 13 erledigt, 3 abgelehnt, 19 bleibe» unerledigt. Von den eingebrachte» Interpellationen sind 5 beantwortet und im Plenum zur Verhandlung gekommen, 1 ist zurückgezogen nnd bei 1 ist die Beantwortung abgelehnt. Die Kommissionen haben 169 schriftliche und 34 mündliche Berichte erstattet. Petitionen sind 59 834 eingegangen, darunter 26 666 betreffend die Abänderung des Strafgesetzbuchs, des Militärstrafgesetzbuchs und des Gesetzes über die Presse(Umsturzvorlage); 16 569 be- treffend die Abänderung des Militär- Pensionsgesetzes, Ehren- sold k.; 6657 betreffend das Jmpfgesetz; 3886 betreffend die Tabaksteuer; 5938 betreffend den Verkehr zc. mit Margarine; 859 betreffend die Abänderung der Gewerbe- Ordnung(Hausir- Handel zc.); 766 betreffend die Genossenschaften, Konsum- vereine zc.; 613 betreffend kommunale Besteuerung des Weins; 466 betreffend den Zoll auf Quebrachoholz zc.; 346 betreffend die Zuckersteuer; 365 betreffend den Ein- und Verkauf aus- ländischen Getreides durch das Reich; 68 betreffend den Handels- vertrag mit Argentinien; 92 betreffend Vinnenschifffahrt und Flößerei; 319 betreffend die Währung; 316 betreffend Bräunt- weinsteuer. Die Petitionen haben folgende geschäftliche Behandlung erfahren: 16 538 Petitionen sind dem Herrn Reichskanzler über- wiesen; 32 Petitionen sind durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt; 36 527 Petitionen sind durch Beschlüsse des Reichstags für erledigt erklärt: 1242 Petitionen sind zur Erörterung im Plenuni für nicht geeignet erachtet; 1233 Petitionen, über welche Kommissionsberichte vorliegen, sind nicht mehr zur Verhandlung im Plenum gelaugt; 3 Petitionen wurden zurückgezogen; 16 269 Petitionen sind auch in der Kommission nicht mehr zur Berathnng und Beschlußfassung gelangt, darunter 6657 Petitionen, betreffend� das Jmpfgesetz, 5983 Petitionen, betreffend Margarine, 613 Petitionen, betreffend kommunale Besteuerung des Weins; 766 Petitionen, betreffend Genossenschaften, Konsumvereine zc. Vavketnallivickiken.' Zwanzig Jahre waren es am 22. Mai, daß in Eisenach die Delegirlen des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins und der sozialdemokratischen Partei Eiscnacher Iiichtung zur Einigung zusammentraten. Das lliesultat war die Errichtung der Sozial- demokratischen Arbeiterpartei Deutschlands. Wie ist seit jener Zeit unsere Partei verfolgt worden, und wie unerschüttert steht sie trotz alledem heule da! Weder Kerker noch Verbannung, weder wirthschaftliche noch soziale Aechtung unserer Anhänger vermochte der Ausbreitung des Sozialismus zu steuern. Einst nur von wenigen verlretcn, von den meisten höhnisch belächelt, oder vornehm ignorirt, ist der Sozialismus heute zu einer Weltanschauung geworden, in der auf dem weiten Erdenrund ungezählte Millionen die Erlösung von Knechtschaft, Uuwiffeuheit und Roth erblicken, und der gewaltigste, erfolgreichste Agitator für den Sozialismus, das war und ist die deutsche Sozialdemokratie. Wollte man auf den Regierungssitzen aus der Lehre der Geschichte ernsten Nutzen ziehen, das gründliche Studium der 26jährigen Verfolgung unserer Partei müßte selbst dem ungläubigsten Thomas der herrschenden Gesellschaft die Ueberzeuguug beibringen, daß gegen den Sozia- lismus weder mit dem Mittel der Gewalt noch mit anderen Mitteln etwas auszurichten ist, sondern daß man seine Forde- rungen wird erfülle» müssen. Aber die Geschichte ist bekanntlich nur dazu, den Leuten zu� zeigen, daß sie�die Leute nichts lehrt. Wen» der deutsche NltrauionkaniSnins in der„Ger- m a n i a"- G e s e l l s ch a f t in Berlin sein geistiges Haupt hat, dann ist es um ihn schlimm bestellt. Man höre: Wird da von dieser Gesellschaft eine Sammlung„katholischer Flugschristen zur Lehr und zur Wehr" herausgegeben, in deren Nummer 22 in der Form von Frage und Autwort über unsere Partei in fol- gcnder Weise losgezogen wird: Frage:„Wo bleiben(in der künftigen sozialistische» Gesellscbafl) denn die Priester?" Ant- wort:„Euer Tcchaut, Pastor, Vikar, Kaplan können gehen oder werden ermordet!"„Was würde aus religionslosen Dors- gemeinden?"„Eine Räuberhöhle nnd Mördergrube!" Durch die Vertheiluug dieser Flugschrift sucht nian im Reichs- tagswahlkreise Aschaffenbnrg dem Sozialismus entgegenzuwirken. Das ist für den geistigen Stand des Zentrums sicherlich nichts weniger als schmeichelhaft, und wenn die Herren Klerikalen noch einige Zeit so tölpelhaft weiter agitiren, wie es durch Flugschriften des i» Rede stchenden Kalibers und durch die bereits früher gerügte Art und Weise des Auftretens im Aschaffenburger Kreise Seschieht, dann wird der Papst als gesitteter und weilsichtiger taliener bald ausrufen müssen: Gott schütze mich vor meinen Freunden, den deutschen Kapläuen! Zu der««wahren Nachricht der„Kölnischen Zeitung", Dreesbach werde in Mannheini nicht mehr als Lnudlags« kandidat aufgestellt werden, da dessen Anhänger und die An- Hänger Dr. Rüdt's sich geeinigt hätten, Geis als Kandidaten auszustellen, bemerkt die Mannheinier„Volksstimme"». a., daß die Notiz nur zu deutlich die Absicht verrathe, die Wirkung der Agitation Dreesbach's in Köln abzuschwächen, wo er für die Kandidatur Lütgeuau's eingetreten ist. Im übrigen habe der Mannheimer Sozialdemokratische Verein schon vor Monaten in einer Generalversammlung einstimmig beschlossen, als erste Kandidalur für den Landtag die des Parteigenossen Dreesbach in Aussicht zu nehme», ein Beschluß, von dem abzugehen der Verein nicht den geringsten Anlaß habe. Die offizielle Auf- stelluug der Kandidaten fei noch nicht erfolgt. Wen» die gegnerische Presse also schon Namen für die zweite kkaudidatur nenne, so wisse sie mehr als die sozialdemokratische Partei selbst. Danach könne man den Werth der gegnerischen Mit- Iheilung bemessen. »» glnS der Schweiz. Bei den Gesammterneuernngs-Wahlen des Neubur ger K a n l o n r a t h e s wurden neben 66 Ra- dikalen und 36 Liberalen 16 Sozialdemokraten gewählt. In der Stadt Zürich wurde der Kompromißkandidat der Demo- kraten und Sozialisten, Redakteur Dr. Rüegg gegenüber dem liberalen Gegner in den Kaulonsrath gewählt. Dagegen ist unser Parteigenosse Seidel, der Kompromißkandidat für die Zentralfchulpslege beider Parteien war, unterlegen; offenbar haben die demokratischen Wähler den Kompromiß i» Be- ziehung auf Seidel desavouirt. Ebenfalls unterlege» sind in der Slick.wahl im Kanton L u z e r u unsere beide» Ge- »ossen Al bisser und End; sie erhielten 436 und 4ll, die Liberalen 473 und 566 Stimmen. Beide Genossen waren die einzigen Arbeitervertrcter im Kantonsrath, nun ist die Arbeiter- schafl daselbst ohne jede Vertretung, trotz der nicht unbedeutenden Stärke der Partei. So vergewaltigt, schreibt unser Korrespondent. das Mehrheitssystem die Minoritäten.— In Basel wirkten Liberale und Utlramontane brüderlich zusammen und erreichte» damit, daß von den drei sozialdemokratische» Kandidaten nur der Kunstmaler Schweizer gewählt wurde. 9** Der Ba» eines VolköhanseS, das die Sozialdemokratie Brüssels, wie bereits milgetheilt worden ist, errichte» will. giebt einem bürgerlichen Blatt Stoff zu beweglicher Klage. Die halbe Million Franken, die der Bau kosten wird, ist durch eine bei der städtischen Sparkasse anfgenommene Üluleihe aufgebracht . worden, wobei— so schreibt das betreffende Blatt—„zwölf den gebildeten und besitzenden Ständen angehörige Personen Bürgschaft fU'Ieifivt haben. Es finb dies Kaufleute. Eigenthumer, Advokaten, Studenten; einige dieser Personen sind Mitglieder des Purin- nients, so die Advokaten Vandervelde, Turnemonr nnd Lafontaine. Das unerhörte aber ist, daß auch ein Mitglied des Kassulions- böses, des obersten Gerichtshoses des Königsreichs, Namens Leliövre, aus der Liste als Bürge erscheint." Polizeilich, Gerichtliches er. — Sächsisches. Einen sogen.„Kinderfest-Erlaß", schreibt das„Sachs. Volksblatl", hat jetzt auch die Auitshauptmaunschaft in Plauen i. V. verfügt und das, nachdem diese Erlasse vom Landgericht in Dresden Anfang dieses Jahres für rechts- un giltig erklärt worden sind. Bekanntlich bat Ende Februar das erwähnte Landgericht gegen die Auffassung der Amts- 'zauptmannschaft in Dresden- A., sowie gegen die vom Amts- zerichl in Döhlen bestätigte amtshauptmannschaftliche Bestrafung Zuwiderhandelnder entschieden. Tie Angeklagten wurden damals kostenlos freigesprochen. Da sich die Dresdener Staatsanwalt- schaft bei der Landgerichts- Entscheidung beruhigte, so ist es zu einer Verhandlung vorm sächsischen Höchstgericht, dem Oberlandesgericht, nicht gekommen. Inzwischen scheinen die politischen Behörden, wie der Erlaß der Amtshauptmannschast Plauen be- weist, geneigt, es ferner darauf ankommen zu lassen. Bevor sich nicht jemand bis zur oberste» gerichtlichen Instanz hinauf regt, wird es z» keiner endgiltigen Eutscheiduug in Sachsen kommen. Auch hier entsteht die Frage, ob nicht ein Berwaltungsgerichtshof am Platze wäre. Soziale Vrntale Misthandlung ländlicher Zlrbeiter durch die deutschen Grundbesitzer ist nichts Sellcnes. Leider ist es nur zu selten möglich, den Beweis für solche Vorkommnisse zu erbringen, daß eine Zeitung diese erwähnen kann, ohne von den Juristen mit empfindlichen Strafen belegt zu werden. Aus R»witsch ivird nun der„Posener Zeitung" ein empörender Vorfall als verbürgt gemeldet, der den Ucbermuth eines gewissen Theils des Agrarierthums unserer Ansicht nach so recht einwandsfrei feststellt. Der Bericht lautet: Der stiittergutsbesitzer Schulz in O c z k o w i c c beschäftigt seit einiger Zeit 14 russische Arbeiter, 7 Männer und 7 Frauen. Diese halten sich angeblich, weil ihnen der bedingte Lohn nicht richtig ausgezahlt worden sei, heimlich aus ihrem Arbcitsverhällniß entfernt nnd waren nach Rawitsch gekommen. Hier wurden sie infolge tele- graphischer Requisition des zuständigen Distriktskommissars fest- genommen nnd dann einem inzwischen aus Kröben herbeigekommenen berittenen Gendarm zum Rücktransport übergeben. Als dieser mit den Transportirten, die ganz ruhig mitgingen, den Rückweg antrat, kam plötzlich der inzwischen gleichfalls hier eingetroffene Besitzer noch ans dem hiesigen Marktplätze von hinten an die Leute herangeritten nnd s cb l n g mit einem ziemlich dicken Bambus rohrstock, wie ihn Fleischer nnd Viehtreiber mit sich zu führen pflegen, aus eine der Frau en ern, so daß sie laut ausschrie. Hierauf weigerten sich die Arbeiter entschieden, ihren Weg fortzusetzen und im Augenblick waren eine ganze Anzahl hiesiger Arbeiter da, die offen für die Russen Partei nahmen. Dem schnellen nnd entschiedenen Eingreifen des Polizei- Inspektors Krause, dem drei weitere Polizeibenmte zur Seite standen, ist es zur verdanken, daß es nicht zu Gewalllhäligkcitcn kam. Leider tonnte nicht verhindert werden, daß einer der Russen von dem Rittergutsbesitzer Schulz noch- mals einen Hieb mit dem Bambusrohr erhielt. Nachdem die Russen nochmals im Nathhausflur zusammen- genommen und auf den Rechtsweg verwiesen worden waren, folgten sie ruhig dein lransportirenden Gendarm, allerdings zitternd aus Furcht vor weiteren Mißhandlungen seitens ihres Arbeitgebers. Man beachte: trotzdem der Transport von einem berittenen Gendarm geleitet wurde, wagte es der Rittergutsbesitzer, die Arbeiter wiederholt zu schlagen, nnd mit keinem Sterbcnsivörtchen ist erwähnt, daß der Gendarm den brutalen Vergewaltiger festnahm, wie es unzweifelhaft der Fall gewesen wäre, wenn es sich um einen Arbeiter gehandelt hätte! Das Vorkommniß spricht Bände für die aller Zivilisation Hohn spottende Behandlung der Land- nrbeiter. Und wundert man sich noch, daß die heimische Land- bevölkerung in Schaarcn zur Sachse ngänger ei greift? Und da will man der Nation die Großgrundbesitzer als die Leute hinstellen/ ohne deren Vorhandensein der Staat zu- sammen falle? Und da meint man, daß es gelingen könne, die Landbevölkerung dem Sozialismus fern zu halten? Was will es denn besagen, wenn man die der deutschen Sprache und der deutschen Gesetze unkundigen mittellosen Russen zur Wahrung ihres Menschenrechis auf den Rechtsweg verweist? Ist das nicht, so wohlgemeint der Rath auch gewesen sein mag, unabsichllich der reine Hohn auf die Wirklichkeit? Fürwahr, es wird Zeit, daß die offizielle Hätschelei des Agrarierlhunis anshört. Es muß den bürgerlichen und adeligen Krautjunkern gezeigt werden, daß sie sich nicht Tinge herausnehmen dürfen, die unserem Deulschland vielfach zur Schande gereichen, nnd das wird in erster Linie erreicht, indem inan die Gesinde-Ordnungcn, die das Gros der Land- arbeiter unter das Züchligungsrecht des Herrn stellen, aushebt, und die Landarbeiter in ihrem Verhältniß zum Unternehmer gleichstellt den Arbeitern der Industrie. Daß die Eisenbahnschaffner während der Fahrt ans den Trittbrettern des Zuges die Billets koupiren, ist ans sächsischen und badischen Bahnen häufig zu sehen. Alls den preußischen Bahnen ist dieser lebensgefährliche Brauch unseres Wissens auch noch nicht ganz abgestellt. Und doch sind nach den Feststellungen des stleichseisenbahnamts auf den preußischen Slaalsbahnen in der Zeit vom I. Januar 1885 bis 30. September 1893 nicht weniger als 39 Schaffner getödtet und 195 verletzt worden lediglich infolge des Umstandes, daß sie während der Fahrt vom Trittbrett aus die Fahrkarten prüften. Tie Zeitschrist„Zonentarif" bemerkt hierzu,„daß es nicht die Eisenbahnverwaltung gewesen ist, die zuerst auf diese furchtbaren Zustände aufmerksam gemacht und wenigstens einige Schritte zur Abstellung gelhan hat, sondern Dr. Eduard Engels„Eisenbahnresorm" hat den Finger in diese blutende Wunde unseres Eisenbahnwesens zuerst gelegt". Verwahrloste Kinder in Preuße». Seit dem 1. Oktober 1873, dem Tage, wo das Gesetz über die Zwangserziehung verwahrloster Kinder(vom 13. März 1378) in kraft getreten ist, haben nach den Feststellungen des königlich preußischen Ministerinms des Innern bis zum 1. April v. I. in der ge- sammten Monarchie 23 252 Kinder in Zwangserziehung unter- gebracht werden müssen. Bis zum 1. April 1893 waren es 21 8L4 Kinder gewesen. Der Ziiwachs im letzten Jahre dieses Zeitraumes hat also 1388--- 6 pCt. betragen, das heißt, er war viel höher als der Zuwachs der Bevölkerung des preußischen Staates. Die größte Zahl der verwahrlosten Kinder Halle Schlesien. Tor Buudeö-Tiirntag, der A r b e i t e r- T u r n v e r e i n e Deutschlands wird, wie wir ans Wunsch nochmals mit- theilen, am ersten nnd zweitep Psiugstseiertage in G r a f' s Garten in Magdeburg, Wilhelmsstadt, Schrötcstr. 1, ab- gehalten. Die Anmeldung von Delegirlen ist an Gustav Bremer, Magdeburg- Sudenburg, Braunschweigerstr. 42, zu richten; dieser erlheilt auch Auskunst über die lokalen Ver- Hältnisse. Alle Ausragen anderer Natur sind n n r an den Bundesvorsitzenden Moritz Fromm in Leipzig-Nenschöneseld, Klarastr. 19, zu richten. Bei dieser Gelegenheit sei auf die Nr. 11 der„Arbeiter- Turn- Zeitung" vom 15. Mai hingewiesen, die ihres reichen Inhalts halber für die Turner unter der Arbeiter- schast, nnd snr die Freunde der edlen Turnerei überhaupt, von oroßcm Interesse sein wird. 0)ru»cvltWi«fllilsiepi. Der Arbeitsnachweis der Galanterie-, Porzellan- und Glasmaler befindet sich vom 1. Juni ab Reichenbergerstr. 182 vorn 4 Tr. bei I. Richter. In Leipzig- Liudenan haben 28 Monteure, Schlosser und Dreher der Motorensnbrik von Gerhardt u. Oehme die Arbeit niedergelegt. Sie bitten nni Vermeidung des Zuzugs. Auskunst über die Angelegenheit erlheilt W i l h. Weiß in Leipzig-Lindenau, Gutsmuthsstr, 47, pt. Znzng von Tischlern nach Wilster in Holstein ist fern zu halten, da dort eine Bewegung zur Einführung des Zehn- stundentages im Gange ist. Tie Maurer Leipzigs flehen in einer Bewegung um Er- höhung des Stundenlohns' ans 45 Pf. und ersuchen deshalb um strenge Verhütung des Zuzugs. In Flensburg stehen, wie bereits gemeldet wurde, die Maurer im Streik. Zehn Berliner Maurer, die von den Nnternehmern geworben waren, reisten, als sie von dem Sach- verhalt Kenntniß erlangt halte», sofort wieder von Flensburg ab. Mögen sich alle auswärtigen Maurer dieses schöne Muster praktischer Solidarilät zum Beispiel nehmen, indem sie Arbeits- angcbote der Flensburger Unternehmer zurückweisen und dafür wirken, daß jeder Zuzug dorthin vermieden wird. I» Dresden faßte eine von 900—1000 Personen besuchte Versammtung der Zimmerer folgenden Beschluß:„In Er- wägung, daß 83 Bauten und Zimmerplätze unsere Forderung, zehnstündige Arbeitszeit nnd 40 Ps. Mininiallohn, be:viUigt haben nnd da die große Masse der Bauarbeiter von der Noth- ivcndigkeit der Durchführung dieser Forderung überzeugt ist, ver- pflichten sich die übrigen Bauarbeiter, die noch 11 Stunden arbeiten, bei ihren Unternehmern dahin zu wirken, daß diese die Forderungen ebenfalls beivilligen. Im weiteren beanstragt die Versammlung die bestehende Kommission, an die Unternehmer, die noch nicht bewilligt haben, ein Schreiben zu richten, darin unsere Forderung zu begründen und die Unter- nehiner zu ersuchen, ebenfalls zn bewilligen, außerdem, wenn nothwendig, nnt letzleren in eine Vesprecbnng einzutreten. Das Resultat hat die Kommission der nächsten Versammlung zu unter- breiten, um weitere Maßnahmen zu treffen." Eine Versammlung derMaurer faßte den gleichen Beschloß. Die Forderungen dieser Arbeilerbranche sind bereits ans 73 Bauten-c., der Hälfte aller Arbeitsstätten, bewilligt. Tie sächsische Arbeiterpresse bestätigt, daß in M c e r an e der Slreik der Arbeiter der Texlilivaarenfabrik von Gebr. B o ch in a» n beendigt ist. Durch de» Ausstand ist eine Lohnerhöhung von 15 Prozent erreicht worden. Zum Streik der Töpfer Slelliiis, der nun schon über ein Vierteljahr dauert, ist zu berichten, daß der Versuch der Gchilfeu- kommission, eine Einigung mit den Meistern zu stände zu bringen, an deip Widerstreben der Innung gescheitert ist, die durch ihre Lohnkommission erklären ließ, man fühle sich nicht veranlaßt, mit der Gehiksenkonunission nochmals zn verhandeln, da die Sitzung doch zwecklos verlaufen werde. Die ansivärligcn Töpfer werden deshalb dringend ersucht, den Znzng nach Stcltin streng zu ver- meiden. Tie Zimmerkente NiiinbergS haben ihre Forderungen von 2Ä Meistern, darunter 5 Jnnungstnelstern, bcmiltrgt erhallen. Damit auch die übrigen Unternehmer beivilligen, ist der Zuzug aufs strengste fernzuhalten. Im Streik der Porzcllauarbciier in Altwasser ist keine Veränderung cingetrelen. Der Unternehmer Thielsch giebl nicht nach; die Arbeiter beschlossen deshalb in ihrer letzten Vcrsamm- limg, die am Dienstag stattfand, den Ausstand ireilerznsühren. Herr Thielsch befindet sich übrigens zur Zeit im Bad. Dort merkt er allerdings nichts von dem. Upgem.ach, das er durch seine Hartnäckigkeit über hunderte von Arbeitern gebracht hat. Jrrlhiimlich war die Nachricht, es sei in der Brillen- Manufaktur von Adolf Meier in Aachen ein Slreik ausgebrochen. Wie uns die Firma mitlheilte und ivie wir infolge eigener Erkundigung sestslelien können, ist kein Slreik vorgekommen. An die örtlichen Gewerkschaftskartelle und Vertrauens- lente der Gewerkschaften. Die Gcneralkommifsio» beabsichtigt, auch in diesem Jahre wieder Flugblätter in polnischer, czcchischer und italienischer Sprache für die aus dem Ausland kommenden Arbeiter herauszugeben. Die Flugblätter sollen den Zweck haben, diese Arbeiter, die alljährlich von dein ltnternehmerthnin vom Auslände herangezogen nnd als Lohndrücker benutzt meiden, an- zuregen, sich der Organisation ihres Berufes anzuschließen nnd nicht zu geringeren Löhnen zn arbeiten, als solche sonst am Orle üblich sind. Da die vom Ausland alljährlich kommenden Arbeiter auch in ihrem Heimathlande kaum an der Arbeiterbewegung lheil- nehme» werden, weil sie wohl, ebenso ivie bei uns die ans der niedrigsten Stufe der Lebenshaltung stehenden Arbeiter, sich um öffentliche Angelegenbciteu nicht kümmern, so ist eS Pflicht der organisirteu Arbeiterschaft Deutschlands, dafür zu sorge», daß diese Leute darauf ausmerksain gemacht werden, nne sie ausgenntzl werden, um dadurch veranlaßt zn werden, auch in ihrem Heimath- lande im Sinne der Bestrebungen der deutschen Arbeiterschaft zu ivirlcn. Nicht allein anS dem Grunde, den Lohndrückereien des Unteriiehincrtbunis wirksamer entgegentreten zu können, sondern um auch die Agitation unserer Genossen im Auslände zu unterstützen, ist es geböte», in allen Orten, in denen ausländische Arbeiter beschäftigt werden, die Agitation unter denselben zu beireiben. Im vorigen Jahre wnrden 88 000 Flugblätter in polnischer, czecbischer nnd italienischer Sprache in 58 Orten ver- breilel. lieber die Wirkung, die durch die Flngblattverlheilniig erzielt wurde, ist von den betreffenden Gewerkschaslskartellen nicht berichtet worden nnd konnte auch nicht berichtet werden, da diese Wirkung sich nicht in positiven Zahlen und Angaben ausdrücken läßt. JedensaUs läßt sich sagen, daß die wiederholte Anregung nicht ohne Erfolg bleiben wird. Die Anserlignng der Flugblätter soll aber nur dann erfolgen, wenn das Bedürfniß vorhanden ist und die Gewerkschastskartclle sich bereit erklären, die Ver- breitung in geeigneter Weise zn übernehmen. Es kann nicht in unserer Absicht liegen, die Flugblätter an die Kartelle zu ver- senden, ohne die Garantie zn haben, daß sie dem beabsichtigten Zwecke dienen und in die Hände derjenigen gelangen, für die sie bestimmt sind. Wir bitlen daher die Vertranensleule derjenigen Orle, wo ausländische Arbeiter beschäftigt werden, uns Riit- theilung zn machen, ob am Orte Flugblätter der gedachten t!lrt gebraucht nnd wieviel erforderlich sein werden. Stach diesen Miitheilnngc» soll die Höhe der Auflage bestimmt werden. Die Verbreitung des Flugblattes soll im Herbst, kurz vor der Abreise nnd anßerdeni nochmals im Frühjahr, bei der Wiederkehr der ansländischen Arbeiter erfolgen. doch ist es selbstvelständlich jedem Gciverkschaftskartcll überlassen, die Verbreitung in der ihm geeignet erscheinenden Zeit vorznnebmen. Jedenfalls ist es noth- wendig, daß uns möglichst bald Mittheilung über den Bedarf solcher Flugblätter geinnckt wird, um diese zum Versand her- stellen zn können. D i e G e n e r a l k o m m i s s i o n. C. Legien. .Oestrn'cichische Streiks. Ter Streik der Spinner in Ii o b r b a ch hat nach zehnwöchentlicher Dauer mit einem sehr günstigen Vergleich geendet.— Tie Feilenhauer im Böhler werk in Hainfeld stellten infolge des Streiks der Feilenhauer in Waidhoscn an der Ubbs gleichfalls die Arbeit ein, npd. ebenso sämmlliche Hauerjnnen.— In Troppau dauert der Ausstand der Holzarbeiter fort.— Zuzug von S ei d e n w c b e r n nach Mährisch-Schonberg ist sernziihalten in Beziehung ans die Firma H e r u> a n n Schuh, wo die Arbeiter im Streik stehe». In M a n t h stellten 100 N a g e l s ch m i e d e(Hausarbeiter) die Arbeil ei». Die Wiener„Arbeiter- Zeitung" bemerkt dazu:„Der Ausstand ist nichts anderes als cme der vielen zeitweilig ausbrechenden Huugeremeuten dieies vom Kapilalismns am ärgsten ansgebeuteren und unterdrückten hausindustriellen Proletariats. Die Arbeiter allerorts werden ge- beten, diese Geknecktelsten unter den Geknechteten nicht ohne Unterstützung zn lassen.— In Pilsen dauert der Streik der Kessel',' ch in rede der Firma Belany nnd der Streik der L a ck i r e r g e h i l f e n fort; 6 Lackirermeister haben bewilligt. Spengler und I n st a l l a t e u r e werden ersucht, Arbeits- angebote des Fabrikanten H. K. Rudolph in Pilsen abzulehnen; der genannte Unternehiner sucht anderwärts Arbeitskräfte, UM sein Personal maßregeln zn können. Ursache der Differenzen war die Maifeier. Maiopfcr in Oesterreich. Wegen angeblicher Vedrohiing von Arbeiter», die am 1. Mai die'Arbeit nicht ruhen ließen, wurde in Wien der Arbeiter MichaelHr u s ch k a zn 6 Monaten schweren Kerkers verurtheilt, nnd die Tagelöhner Semanek nnd Loipersbeck wegen desselben Vergehens zu 5 und 4 Monaten der gleichen Strafart. I» Budapest dauert der Streik der Gerber fort. Die Unternehmer wollen Arbeiter aus Galizie» heranlocken. Zur Angelegenheit der Pariser Oiiinihusbedienstete» wird berichtet: Ter Gemeinderalh hat in seiner Sitzung am 18. Mai, in der die Maßregelung der am Streik betheiligt ge- wesenen Bediensteten von unseren Parteigenossen C au nie au, F o u r n i ö r e und L a n d r i n einer scharfen Kritik unterzogen ivürden, für die gemaßregelten Omiiibttsbedienstelen einen Kredit von zehntansend Franks votirt. Gleichzeitig wurde ein von Caumeau ausgehender Vorschlag angenommen, der dahin geht: Das Parlament möge zu gnnsten der Bürger Proust und Teville, sowie aller übrigen wegen Slreik- Handlungen vernrtheilten Omnibusbediensteten eine Aimiestie votiren. Desgleichen nahm man einen Antrag des Genossen Fournivre an, der»nchivies, daß es der Omnibuskompaguie vor allem darum zn thun war, die Gewerkschaft der Omnibus- bcdiensteten z» treffen, und der darum verlangte, daß das Gr- werkschaftsgesetz vom 21. März 1884 durch Strafparagraphen ergänzt werde, die diejenigen Unternehmer zu treffen habe», die ihre Arbeiter an der Ausübung ihres Geiverkschaslsrechtes zn bindern suchen. Schließlich wurde noch ein Autrag des Genossen Weber angenommen, wonach der Seinepräfeit mir der Omnibus- kompaguie wegen Wiedereinslellung der entlassenen Bediensteten in Unterhandlung zu treten habe. Italienische Streiks. Tie sireikeuden Spinner in M e I e g n a n o halten an ihren Forderungen fest. Die Fabrik- bejitzer denunzirten die Wortführer der Nrbeiter der politischen Behörde lügenhafterweise als„Anarchisten", worauf diese nachts verhastet werden sollten, was aber nichl gelaug.— Die Stein- Hauer in M o n z a haben die Arbeil wieder aufgenommen, nachdem ihnen 11 pCt. Lohnerhöhung bewilligt worden sind. VecsammUmgeu. Bon den Arbeitern nnd Arbeiterinnen der Taiticil- und Kiiabenkonscktiotl war am 20. Mai eine öffentliche Ver» sammlüng einbernsen, in welcher die Besprechung der Zustände bei einigen Zwischenmeister» auf der Tagesordnung stand. Die Refercniin Frau G u b e l a schilderte die rücksichtslose Behandlung der Arbeiterinnen in den Werlstnbe» der Zwischenmeister. Ferner kritisirte die Vortragende die mangelhaste Lohnzahlung, die Ueberbürduug mit Arbeit' sowie die Sonntagsarbeil nnd ver- urlheilt ans das entschiedenste die Gepflogenheit, die Arbeilsräuine als Schlasstättcn zu benutzen. Frau D in o ch gab in der Tis- kussto» ihre Erlebnisse bei einem Zivischenmeister znui besten, der sich gegen seine Arbeiterinnen die»»sittlichsten Redensarten nnd grobe Behandlung zu schulden kommen ließ. Als die Rcdnerin dagegen protestirte, wurde sie� entlassen. Herr Flügge, Kleinmeister, behauptet, daß es sich mit auf- gellärteu Arbeilerinnen besser arbeite» läßt, wie mit stupiden, unwissenden. Redner ist der Meinung, daß die Arbeiterinnen selbst schuld an den niedrige» Löhnen sind, und verspricht sich nur durch Errichlung von Betriebswerkstätlen seitens der Großunternehmer Besserung der nngesnnden Verhältnisse in der Kon- fektionsbranche. Wiesemann plädirt gleichfalls für Betriebs- Werkstätten. Muscheck bezweifelt die Möglichkeit, daß Betriebswerk- stelle» Eingang bei den Arbeiterinnen finde» werden. Ans ähnlichen Standpunkt stellt sich der Bügler Beyer. Es gelangle darauf eine Resolution zur Annahme, die die Entfernung der Betten »nd der Bügeleinrichtung aus den Wohnstuben der Zwischen- mcister, ferner eine Arbeitszeit von 3 bis 3 Uhr und Lohnauszahlung am Sonnabend um 8 Uhr verlangt. Tie kürzlich gewählte Agilalions- Koinmisston wurde an stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes durch den Vügler Schuiidtsdors ergänzt. Gegen die geplante Wahl der Ge- wcrkschastsdelegirten wurde von einer Seile Protest erhoben mit dem Hinweis, daß die Schneider bereits ihre Vertretung in der Komniission haben. Der Einwand wurde von Beyer bekämpft und sodann Frau Gubela und Bügler Beyer mit der Ver- tretung beanstragt. VetreMrene (Privat Telegramme des„VortvärtS".) Cottbus, 25. Mai. 180 Weber befinden sich im Streik. Ter Generalstreik droht auszubrechen. In sämintlichen Fabriken wurde den Arbeitern gekündigt. Wolff'S Telegraphen-Bureau. Schwerin in Mecklenburg, 25. Mai. Frau Bruhn, welche wegen des bei dem Begräbuiß ihres kkindes auf dem Kirchhof zu Daffow gesprochenen Gebets von dem Polizeiamt in Strafe geiiommen ivar, wurde gestern von dem Schöffengericht zu Grevesmühlen freigesprochen. Charleroi, 25. Mai. Die seit dem 1. April ausständigen Glasarbeiter haben die Oese» wieder angezündet. Am 1, Juni soll die Arbeit allgemein wieder aufgenommen werden. London, 25. Mai. Der Wahrspruch der Geschworenen gegen Oscar Wilde lautete aus schuldig. Der Gerichtshof ver- »rtheilte Wilde und dessen Mitschuldigen Taylor zn je 2 Jahren Zwangsarbeit. Ncw-Bork, 24. Mai. Ein Telegramm aus Colon meldet, es verlaute, daß die französische Gesellschaft den Panamakanal an ein amerikanisches Syndikat zu verkausen suche. /zprozenlige» Anleihe zum Kurse vo» 90>/e behufs Einlösung von 53 Millionen älteren, höher verzinslichen Stadlanleihen beschlossen. Verantwortlicher Redakteur: Ii. Tierl lEmil Roland) in Berlin. Druck nnd Verlag von Max Bading in Berlin, SW., Beuthstraße 2. Hierzu drei Beilagen. t Beilage zum„Vorwärts" Berliner VolNIatt. Ur. 121. Lokales. Die Stadtverordueteu haben infolge einmüthigen Beschlusses ihre», Vorsteher Dr. Langerhans aus Anlast seines 75. Geburts- tages eine Glück, vunsch-Adresse übersandt. Die Adresse feiert den Jubilar nicht als Politiker und Parleimann, sondern spricht in herzlichen und warmen Ausdrücken dem wackeren mit jugend- licher Frische seines verantwortungsvollen Amtes waltenden Manne den Dank und die Anerkennung der Llollege» aus, für die der Stadt geleisteten Dienste sowie für die stets bewiesene energische Wahrung der kommunalen Selbständig- keit. lleberreicht wurde die von de» meisten Mitgliedern der Versammlung bereits unterzeichnete Adresse von den Vorsitzenden der vier in der Versammlung bestehenden Fraktionen, den Stadt- verordneten Meyer I, Spinola, Dinse und Singer. A« die Parteigenossen dcS 4. Vcrlincr Reichstags- Wahlkreises! Nachdem am I. April die Partei-Spedition i» unserem Kreise eingeführt ist, muß es das ernste Bestreben eines jeden Parteigenossen sein, die nun ins Leben gerufene Einrichtung nach besten Kräften zu unterstützen. Es gilt nicht nur den jetzt bestehenden Abonncntenkreis zu erhalten, sondern ihn nach Kräften zn vergrößern.„Vorwärts" heißt unser Zentralorgan und „Vorwärts" muß unsere Losung sein. Einzeln sind wir macht- los— vereint muß mit uns gerechnet werden! Wir machen darauf ausmerksam, daß in unten benannten Lokalen Listen zur Einzeichnuug ausliegen. Diese Listen werden jedoch spätestens am 27. d. M. eingezogen, damit alsdann am I. Juni pünktlich der„Vorwärts" u. s. w. geliefert werden kann. Außerdem ersnche» wir die Parteigenossen, ihren alten Spediteuren rcchlzeilig die Abbestellung zukommen zu lassen. Listen zur Einzeichnuug für das Abonnement ans den „Vorwärts",„Wahrer Jakob" n. s. w. liegen an folgenden Stellen aus: Für den Osten bei Fritz Wille, Andreasstr. 26; W i e d e m a n n, Blumenstr. 38;®. Böhl, Frankfurter Allee Nr. 74; O. Zabel, Frankfurter- Allee 90; W. Lock, Friedrichsbergerstr. 11; Rattke, Krauts- strnße 48; Z i p p k e, Grüner Weg 14; Stabernack, Mühlen- siraße 49; C h. Böhl, Rüdersdorferstr. 8; Bredsch neider, Rüdersdorserstr. 46; K ö p n i ck, Schillingstr. 30a.; Spät, Weiustr. 28; H. B o l z e. Landsbergerstr. 41; Vogel, Eibinger- ftraße 9; Owczarek, Langestr. 65.— Für S ü d- O st bei: Wilhelm Erbe, Cuvrystr. 25; Drittel witz, Falckenstein- straße 7; Tolksdorf, Görlitzerstr. 58; Streit. Nannyn- straße 86; Schilling, Pücklerstr. 55; Koppen, Reichen- bergerstraße 118; Schmidt, Adalbcrtstr. 16; Bieberstein, Lausitzer Platz 2; F ü r st e n a u, Manteuffelslr. 52; Lucas, Wrangelstr. 32; Schätzer, Reichenbergerstr. 54; Rumpf, Wieuerstraße 21; Roll, Waldemarstraße 61; R a ch f a l l, Maldcmarstr. 18; Gröppler, Nauutznstr. 65 und in der Partei-Spedition, Lausitzerstr. 2. Die F ü n f z e h n e r- K o m m i s s i o n. An die Parteigenosse» des 6. Perliuer Rcichötags- Wahlkreises! Gemäß dem Beschluß der Parteiversammlungen, der dahin geht, den Vertrieb unserer Parteizeituugen und Literatur in eigene Regie zu übernehmen, werden die Parteigenossen auf- gefordert, eifrigst für die Parteispeditionen zu agitiren, einerseits um der Kinderausbeutung entgegenzutreten und den Frauen einen angemessenen Lohn zu gewähre», anderseits um die Ver- billigung des„Vorwärts" und eine weitere Verbreitung unserer Presse und Literatur herbeizuführen. Genossen, welche ge- willt sind, den„Vorwärts" vom 1. Juni ab von der Parteispedilion zn beziehen, werden daher ersucht, das Blatt rechtzeitig bei ihrem bisherigen Spediteur ab- zubestellen und ihre Adresse einem der Parteispediteure bald ein- zusenden, damit in der Weiterbestellung keine Störung eintritt. Tie Adressen der Spediteure sind: Für Moabit: Henipel, Lübeckcrstr. 16. H. p.; für Weddiug und Oranienburger Vor- siadt: Stolzeuburg, Wiesenstr. 14 p.; für Gesundbrunnen: Gaßmann, Grünthalerstr. 67. H. p.; für Rosenthaler Vorstadt: Rosenthal, Granseerstr. 6, v. Keller; für Schönhauser Vorstadt: Mars, Kastanicn-Allee 96 p. Auch findet an diesen Stellen Einzelverkauf des„Vorwärts" und sämmtlicher Parteiliteratur stall. Der Vertrauensmann. Eine Aenderiing in der Organisation der Berliner Schiedsgerichte der Alters- und Juvalidenversicherungs-Zlnstalt sowie der Berufsgenossenschaften wird demnächst in kraft treten. Bekanntlich haben die genannten Anstalten getrennte Schieds- gerichte. Nunmehr werden beide Schiedsgerichte vereinigt, über welche dann der bisherige Vorsitzende, der Invaliden- und Altersversicheruugs» Anstalt Berlin, Rcgieruugs- rath von Gostkowsli den Vorsitz führen wird. Ter Vor- sitzende des berussgeuossenschaftlichen Schiedsgerichts,� Ver- waltnngsgerichts-Direktor Dr. Dippe, tritt zurück. In Rücksicht auf diese Aenderungen ist in der letzten Zeit bei der Erledigung von Bernsungssachen mit unheimlicher Schnelle gearbeitet worden. Während sonst 2—3 Monate und länger verstrichen, ehe vom Schiedsgericht ein Termin angesetzt wurde, sind in den letzten 14 Tagen bereits innerhalb 10—14 Tagen Termine festgesetzt worden. Da damit der Beweis geliefert worden ist, daß eine schnellere Erledigung, ein Umstand, der bis dahin ans alle Be- schwerden bestritten wurde, möglich ist, so dürste zn hoffen sein, daß im Interesse der Invaliden der Arbeit auch in Zukunft von dem bisherigen Schneckengange des Bcrusungsverfahrens Abstand genommen wird. Die LohnauSzahlung an de» Sonnabenden anstatt an den Sonntagen, wie es jetzt üblich ist, wurde in der jüngsten Sitzung der Berliner Fuhrherrn-Jnnnng von einem Kutscher„augeregt". Die hochwohlweisen Herrn Jnnungsmeister steckten ob dieser„An- regin, g" in eifriger Berathung die Köpfe zusammen und ge- langten schließlich zu der Er- und Anerkenntniß, daß� es unbedingt im Interesse der Gehilsen liege, den Lohn des Sonnabends zu erhallen. Demgemäß soll in aufklärender Weise versucht werden, die Berliner Kollegenschaft um Entgegenkommen a»zu- gehen, zumal bei einigem guten Willen den berechtigten Wünschen der Gehilfen nachgelomnien, verde» könne. — Sonderbar ist es jedenfalls, daß eine so selbst- verständliche Sache, wie die Lohnauszahlung des Sonnabends, bei der Fuhrherrn- Innung erst der„Anregung" seitens eines Kutschers bedarf; noch sonderbarer ist es, daß den Herren Jnnungsmeistern jetzt plötzlich die Erkenntniß kommt, daß den berechtigten Wünschen der Gehilfen bei einigen, guten Willen nachgekoinmen werden könne; am sonderbarste» aber ist, daß nach dieser Erkenntniß die Fuhrherrn-Jnnuug diesen„einigen guten Willen" keineswegs bekundet, vielmehr„in aufklärender Weise versuchen will, die Berliner Kollegenschaft um Entgegen- komme» anzugehen." Wirklich sonderbar! Da werde» die Kutscher allerdings noch lauge auf die Erfüllung ihrer„berechtigten Wünsche" warten können. AnS der christlichen Herberge znr Heimath in der Augnststraße werden uns verschiedene Klagen über Unzuträglich- leiten übermittelt, deren Abhilfe unseres Erachtens selbst der christliche» Charitas nicht allzu schwer fallen bürste. Die Bc- schwerden der ehrlichen Leute, welche zum Aufenthalt in diesem Institut gezwungen sind, richten sich zunächst gegen die Dreistig- Sonntag, den 36. Mai 1893. keit, mit welcher das Verbrecherelement in der Herberge haust. Nachdem die professionellen Einbrecher zc. durch die Polizei aus ihren bisherigen Schlupfwinkeln, den„Volkskaffeehäusern" ver- trieben worden sind, bewegen sich diese Herrschaften in ihrem neue» Aufenthaltsort zum iheil mit einer Dreistigkeit, welche den Gedanken auskommen lassen muß, als konnte von der Herbergs- Verwaltung aus mehr als bisher gegen die Kerle geschehen. Fast täglich gehen bei dem zuständige» Polizeirevier Klagen von Zu- gereisten ein, welche ihrer paar Habseligkeiten durch die Strolche in mehr oder weniger frecher Weise beraubt worden sind. Einen, Fremden ist in der vorigen Woche der ganze Inhalt seines Koffers gestohlen worden; der Bestohlene sah sich schließlich gezwungen, de» leeren Koffer selber zn verkaufe», um seine Schulden bezahlen zn können. Aber nicht allein über die Sicherheilszustände, auch über das Essen wird in der christlichen Herberge zur Heimath sehr geklagt. Die dort gebotenen Speisen sind im Durchschnitt thenrer als in privaten Lokalitäten; Eier kosten z. B. in der Herberge acht Pfennig, wogegen sie in den Volkskaffeehallen um fünf Pfennig pro Stück läuflich sind. Und dabei wird das recht hoch in Rech- »m ,g gebrachte Essen zum thcil i» einer Qualiiät gelieseri, die selbst einem sehr Hungrigen den Appetit verderben kann. Auch die Reinlichkeit läßt viel zu wünschen übrig. Für etwa 60 Leute, die ojt monatelang aus der Landstraße kampirt haben, sind nur etwa sieben Handtücher vorhanden, welche erst alle acht Tage erneuert werden.— Nütze» die Beschwerden auch nicht viel, die über die Venvaltimg der christlichen Musterinstitute vorgebracht werden, so erfordert doch das Mitgefühl mit den Aermsten der Armen, daß ein Arbeiterblatt sich ihrer nach Kräften annimmt. Die Zahl der Eheschließungen ist in Berlin, nach den bereits jetzt vorliegenden Mittheiluugen des„Statistischen Amts der Stadt Berlin", 1894 weiter gesunken. Sie war 1890 1891 1892 1893 1894 17 810 17 649 16 999 16 955 16 820. d. h. es hciratheten pro Mille der mittleren Bevölkerung: 23 22 203/4 20 Vi 19»/.,. Von 1879—1890 war der pro Mille-Satz von ISV, bis auf 23 gestiegen. Der nach 1830 eingetretene neue Abfall ist so stark, daß sogar die absolute Zahl der Eheschließungen zurück- gegangen ist. Unter den Ursachen dieses giückganges steht in erster Linie die wachsende Unsicherheit des Erwerbes, die das Heirathen erschwert. Beschriinkung der Sountagsrnhe. Für den heutigen Sonntag, an welchem, als dem letzten vor Pfingsten, eine Be- schränkung der Sonntagsruhe gesetzlich gestattet ist, gelten folgende Vorschriften: Im Handelsgewerbe dürsen Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in der Zeit von 7 bis 10 und von 12 bis 6 Uhr, also neun Stunden laug beschäftigt werden; in dieser Zeit kann auch der Verlauf von Waaren stattfinden, und die Läden dürfen geöffnet sein. Im Gewerbebetriebe gelte» aber die allgemeinen Bestiinniungen über die Sonntagsruhe. Die Dampfschifffahrts- Gesellschaft„Stern" ist im all- gemeinen bekannt durch die Koulauz, mit der sie im eigenen Interesse den Wünschen des Publikums entgegen kommt, und wenn wir nicht irren, so werden auch von der Arbeiterschaft ihre Lustdampser zu Vergnügungsfahrten viel und gern benutzt. Un, so unangenehmer wirkt ein„Vorlheil", den die Gesellschaft in Zeitungsannoncen und auf den Anschlagsäulen ankündet. Tauach sind die Preise für die Dampferfahrten jetzt an sämmtlichen Wochentagen u», die Hälfte ermüßigt worden, so daß jeder, der sich das eigenartige Vergnügen einer Wasserfahrt gönnen will, gerade einmal so billig wie im vorige» Jahre davon kommt. Leider kann von dieser„Vergünstigung" die große Masse der Bevölkerung fast gar keinen Gebrauch machen. Denn der Arbeiter ist bestenfalls nur am Sonnlag in der Lage, mit seiner Familie die Spree oder die Havel hiuabfahren zu können, und will er, der sich's am wenigsten leisten kann, sich diesen Genuß verschaffen, so muß er ihn gerade einmal so theuer wie der Beniittelte bezahlen, der auch an Wochentagen Zeil zn Lust- fahrten hat. Uns dünkt daher, daß die Verbilligung der Fahrpreise auch an Sonntagen erforderlich ist, und daß die Gesellschast„Stern" selber am besten dabei fahren wird, wenn sie die Vortheile, die dem Rentier recht sind, auch dem Arbeiter billig sein läßt. Die be- deutend größere Frequenz wird den scheinbare» Einnahme- Ausfall schnell genug auegleichen. Im Interesse der großen Masse der Berliner Bevölkerung erscheint eine solche Herabsetzung der DampfschiffS-Fahrpreise auch an Sonn- und Feiertagen dringend geboten. Nach einer Bckainitmachuug der Tircktivn der Stadt- nnd Ringbahn werde» in de» Pftngstseiertagen Züge über die ganze Strecke der Stadtbahn i» der Zeit von 5—12 Uhr vor- mittags nach dem Grunewald und Halensee in Abständen von je 15 Minuten, nach Johannisthal— Nieder-Schönweide von 5 bis 10 Uhr vormittags halbstündlich, von 5 Uhr nachmittags bis abends spät mit je 15 Minuten Abstand verkehren. Nach Grünau findet über die Stadtbahn an beiden Feiertagen stündlicher Bahn- verkehr statt. Innerhalb der Stadl verkehren die Züge während des Psingstfestes mit 2—3 Minuten Abstand, je nachdem wie die Strecke frei ist. Bei ungünstiger Witterung lriit der Nachmittags- Fahrplan ein und es werden alsdann Exirazüge nach Bedarf eingelegt. Bezüglich des Vorortsverkehrs am Pfingiifeste erfahren wir, daß täglich für die Strecke Charlottenburg resp. Schlesischer Bahnhof— Friedrichshagen resp. Erkner 40 Exlrazüge vorgesehen sind. Nach Spandau, Wannsee und Potsdam werden Züge nach Bedarf eingelegt. Wie viel Vier trinkt Berlin? Nach eiuer Mittheilnng des„Schwäbischen Bierbrauer" giebt es zur Zeit in Berlin 76 Branereien, welche 1 417 000 Zentner Braunialz verbraue». Hieraus wurden 1892/93 2 116979 Hektoliter nntergähriges Lager- dier und 993661 Hektoliter obergäbriges Bier(Weißbier, Braunbier) hergestellt, zusammen 3 115 640 Hektoliter. An fremden Bieren wurden nach Berlin eingeführt(1893) 284 000 Hektoliter; aus- geführt wurden 352 000 Hektoliter, so daß etwa 3 Millionen Hektoliter zum Konsum verbleibe». Ter Verbrauch an Bier erreicht daher fast 200 Liter für den Kops der Bevölkerung gegen 95 Liter im vorhergegangenen Cholerajahre. Ein bemerkenSwerthes ttrthcil über die freie Arzt- Wahl fällte neuerdings ein hervorragender Medizinalbeamler, Regierungs- und Medizinalrath Dr. A. Pfeiffer ans Wiesbaden, in seiner„Verwaltungs- Hygiene":„Es ist die Monopolisirung einer beschränkten Zahl von Aerzten zu Kassenärzten auf die er- werblichen Verhältnisse der übrigen Nichtkassenärzte bauptsäch- lich in de» Städten von verderblichem Einflüsse geworden, so daß auch nach dieser Richtung hin die Unzufriedenheit über die Krankenkassen niit beschränkter Aerztewahl eine, große ist. — Das immer mehr sich ausbreitende ärztliche Spezialistenthum und die mangelhafte Behandlung der Krankenkassen- Mitglieder durch inouopolisirte Kassenärzte drängen unaushallsam zur Aufgabe des Systems der beschränkten und zur Einsührung der freien Aerztewahl, welche wohl nur noch eine Frage der Zeit sein wird; und dann werden sich wenigstens in den Städte» die Schäden in, ärztlichen Gewerbe, die das Kranken- versichcrungs-Gesetz hervorgerufen hat, wohl einigermaßen aus- gleichen." 12. Jahrg. Theaterchronik. Wochen-Spielplan des Opernhauses: Sonntag: Der Evangelimann. Montag: Der Barbier von Sevilla. Die Puppenfee.(Rosine: Frau Marcella Sembrich als Gast). Dienstag: Der Ring des Nibelungen. Zweiter Abend: Siegfried. Anfang 7 Uhr. Mittivoch: Bajazzi.(Canio: Herr Szirowatka als Gast). Karneval. Donnerstag: Die Tochter des Regiments. Karneval. Anfang 8 Uhr.(Frau Marcella Seinbrich als Gast). Freitag: Don Juan.(Donna Anna: Fräulein Sieiul vom Stadtlheater in Düffeldorf als Gast). Sonnabend: Der llting des Nibelungen. Dritter Abend: Götterdämmerung. Anfang 7 Uhr. Letzte Vorstellung vor den Ferien mit aufgehobenem Abonnement.— Spielplan des S ch a u- s p i e l h a n s e s. Sonntag: Die Nibelungen. Erster Abend: Der gehörnte Siegsried. Siegfrieds Tod. Montag: Die Nibe- lungen. Zweiter Abend: Kriemhilds Rache. Dienstag: Die Journalisten.(Adelheid Runeck: Frau Clara Meyer, als Gast. Schmock: Herr Zeisler, vom Siesidenz- Thealer in Hannover, als Gast.) Mittwoch: Halali. Die stille Wache. Donnerstag: Natalie.(Natalie: Frau Clara Meyer, als Gast.) Freitag: Der Revisor. Letzte Vorstellung vor den Ferien. Sonn- abend: Geschlossen.— Im Deutschen Theater kommt Dienstag neu einstudirt Moliöres Komödie„Der eingebildete Kranke" in Verbindung mit dem neuen Schauspiel in zwei Szenen„Zwei Wiltwer" von G. Eßmann zum ersten Male zur Aufführung. Dieselben Stücke werden am Freitag wiederholt. Am Mittivoch„Das Lunipengesindel", am Donuerstag„Der Talisman." Für die beide» Pfingstfeiertage sind folgende Vorstellungen, die letzten vor den Ferien,(an- gesetzt: Sonntag nachmittag„Die Weber", abends„Zwei Willwer",„Der eingebildete Kranke"; Montag nachmittag„Die Weber", abends„Das Lumpengesindel". Mit Dienstag, den 4. Juni beginnen die Spielferie» des Deutschen Theaters, welche zwei Monate danern. Die Wiedereröffnung findet am Sonntag, den 4. August mit der 95. Aufführung der„Weber" statt.— Im Berliner Theater wird Sonnabend zum ersten Male Richard Jaffö's Schauspiel„Das Bild des Signorelli" aus- geführt, das sodann am Sonntag wiederholt wird.— Im Schiller-Theater findet Freilag die Extru-Aufführung von Björusous„D,e Neuvermählten" statt.—„Figaro bei Hofe, das im C e» t r a l- T h e a t e r gegebene Stück wird nach Beendigung des gegenwärtigen Gastspiels zuerst im Wiener Carl-Theater aus» geführt. I» der Ilrauia wird das dekorative Ausstattungsstück „Durch alle Welten" heute, morgen, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend gegebe», außerdem fiuden noch am Dienstag und Freitag die Wiederholungen des Experimentalvortrags von P. Spies„Tesla's Licht der Zukunft" statt. Ten, Berliner Aquarium sind in de» letzte» Tagen Land- und Seelhiere aus verschiedenen Gebieten Amerikas nnd nordischen und südlichen Meeresstrichei, zugesandt worden. Zunächst erfuhr die lltepliliensammlung eine Bereicherung durch seltene Stücke von Krokodilen nnd Schlangen. Aus dem Süden der Vereinigten Staaten stammt ein Exemplar der selten und vereinzelt zu uns gelangenden Diamant-Klapperschlange, welche, in Färbung nnd Zeichnung die schönste dieser giftigen Gattung, von der gewöhnlichen nordamerikanischen Verwandten schon durch die auf dem oliven- oder goldbraunen Rücken sich prächtig abhebende dreifache Kette goldgelb gerundeter Rauten sich unter- scheidet. Sie bildet nun hier eine der werthvollsten Ergänzungen der Schlangenkollektion, zumal nachdem vier Klapperschlangen. durch eine australische Giftschlange, die Diemenia, gebissen und an den Folgen des Bisses gestorben sind; dieser Fall liefert zugleich einen Beweis für die Unrichtigkeit der Behauptung, daß das Gift von Schlange» anderen Giftschlangen nicht schade. A»S Elend scheint der 57jährige Arbeiter Karl Schmalz ans der Manteuffelstraße Nr. 14 in den Tod getrieben worden zu sein. Schmalz ist aus Frankfurt a. O. nach Berlin gekommen. Da er kränkelte, so halte er schon seit längerer Zeit keine Be- schäftigung mehr erhalten können. Das hat wohl auf den alten Mann, der verheirathet war, so stark eingewirkt, daß er den Entschluß faßte, aus den, Leben zu scheiden. Am Mittwoch Nachmittag hatte er in der Gegend des Ostbahnhofes ein Karrnssel gedreht. Als er abends von dort wegging, hat er sich zwar in das HauS begebe», in de», er wohnte, nicht jedoch in seine Wohnnng. Er hat vielmehr sofort einen entlegenen Ort des Grundstücks aufgesucht und sich dort erhängt. Am Freilag früh um 5 Uhr fand man seine Leiche. Tödtlich vcrnligliickt ist am Sonnabend Morgen um 83, Uhr der Lokomotivheizer Wiltrine ans der Lehrterstr. 42. Wittrine befand sich im Dienste auf dem Zuge Nr. 63, der von Wittenberg kam. Am Fürstenbrnnnen in Charlottenburg, dicht bei», Kilometer- steine 7,6, siel er plötzlich von der Maschine und blieb als Leiche liegen. Er hatte sich, wie es heißt, aus der Maschine hinaus- gelehnt, war dabei mit dem Kopfe gegen eine Telegraphenstange gerathen und so von der Maschine gezogen worden. Die Leiche res Verunglückte», der i» der Lehrterstraße bei seiner Mutter wohnte, blieb an der Stelle des Unfalles bis nach Feststellung des Thatbestaudes liege». Eine große VerkehrSstörnng entstand am Freitag Nach- mittag gegen 3 Uhr i» der Friedrichstraße an der Ecke der Orauienburgerstraße. Hier war ein mit langen Eisenträgern beladcner Lastwagen der Firma Steffens und Noelle, Chauffeestraße 10/11, durch den Bruch des linken Hinterrades mitten auf dem Geleise der Pserdeeiseubahn liegen geblieben. In wenigen Minuten sammelte sich auf beiden Seilen der Unfall- stelle ein Dutzend Pferdebahnwagen und da die laugen Träger querlagen, so waren auch die Omnibus-, Droschken- nnd andere Fuhrwerke im Verkehre arg gehemmt. So gut es ging, half man sich schließlich dadurch, daß nian die Pferdebahnwagen aus dem Geleise hob nnd um das Hinderuiß herunischob. Man brauchte fast eine halbe Stunde, bis der zusammengebrochene Wagen bei- seile geschoben und der Verkehr wieder einigermaßen frei war. Ans dem Wege zwischen Rixdorf nnd Britz waren an den letzten Abenden wiederholt von der Arbeit heimkehrenden Personen die Kleidungsstücke heimtückischer Weise mit dünn- flüssigem Theer besudelt worden, ohne daß die Beschädigten hier- von etivas gemerkt hatten. Jetzt endlich ist es gelungen, den Thäter i» der Person eines jungen Burschens namens Lehmann aus der Thomasstraße in Rixdorf aus frischer That festzunehmen und zur Anzeige zu bringen. Außerdem hat der rohe Patron verschiedene Siraßenbäume arg beschädigt. Zu dem Familiendrama in der Walde,»arstraßc 14 wirk heute berichte!, daß auch das zweite Kind, Fritz Frank, in, städtischen Krankeuhause am Urban der Vergiftung durch Kohlen- oxydgas erlegen ist. Die Mutter ist also die einzige Ueberlebende der Katastrophe. Ueber die verhaftete Diebesbande: Seibt und Genossen wird noch mitgetheill, daß Seibt und Radetzki die Diebesbande vollständig orgnnlsirt haben. Beide waren die Führer, sie besol- detcn ihre Kumpane und theilten die Beute unter ihre» Leuten. Das Ausbaldowern wurde fast ausschließlich von den beiden Häuptern besorgt, die auch die Diebesinstrumente in R.'s Woh- uuug— derselbe war srüher Schloffer— gemeinschastlich an- fertigten. S. und R. sind bei allen von der Bande verüblen Einbrüchen gemeinschaftlich beiheiligt gewesen, während die übrigen Mitglieder mir in Eiuzelsällen schuldig sind. „Kleiner BclngcrnniiSzustaud." Großes Aussehen machte yestccn früh der„tleine Belagsrnngsjnstand", der einem vor- nehmen Restaurant im stillen Westen, dem Restaurant„Moritz- Hof", widerfuhr. Mit einem Möbelwagen fuhr ein Weinhändler eins der Potsdamerstraße vor dem betreffenden Hause vor und ehe sich der verblüffte Wirlh von seinem Schreck erholt hatte, war schon das gesammte Inventar des Vorgartens auf den Wagen geladen. Der Wirlh machte vergebliche Anstrengungen, die unbequemen Gäste loszuwerden, schließlich ließ er die Jalousien herunter und verschloß die Thüren, so daß die innere Ausstattung des Lokals ihm noch erhalten blieb. Wie man erfährt, handelt es sich bei dieser Affaire, die die ganze vornehme Nachbarschaft in hochgradige Aufregung versetzte, um eine Schnldsordernna, die der Weinhändler angeblich dadurch „reguliren" wollte, daß er die leihweise gegebenen Möbel abholte. Noch am Abend stand ein Möbelwagen ivartend vor der Thür; der durch den Schaden klug geworbene Wirth hatte aber alles .fest verrammelt, so daß die Hoffnung, das Geschäft würde wieder geöffnet werden sich nicht erfüllte. Am Fenster hing ein Plakat »nit der Inschrift:„Wegen Vergewaltigung durch den Herrn Hoflieferanten Walter Schlieben bleibt das Geschäft bis nach gerichtlichem Austrag geschlossen»" Eine NntersuchuugSsache wegen wiederholten Verbrechens gegen das keimende Leben beschäftigt augenblicklich die Elrafbehörden. Als die Hauptschuldige in dieser Sache ist im Ansang dieser Woche eine Frau Meqer geb. Bastian aus der Rykcstraße verhastet worden. Dieser Dame sollen bis jetzt schon drei weitere betheiligte Frauen ins Gcfängniß gefolgt sein. Wer ander» eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Das erfuhr jüngst ein Gcineindevertreter in einem Berliner Vororte, der sich noch keiner Kanalisation erfreut. In Ermangelung dieser Einrichtung müssen dort die Abwässer aus jedem Grund- stücke besonders ans den Grübet» ausgepumpt werden und kommen, wo es angeht, gleich in den Gärten zur Verwendung. Da diese Arbeit für die Nachbarschaft nicht gerade angenehm ist und allenthalben in einem üblen Gerüche steht, so hat die Polizei bestimmt, daß sie nur des Nachts verrichtet werden darf. Das geschieht denn auch in der Regel, aber es kommen doch auch Ausnahmen vor. Gegen diese und die Villcnbcsitzer, die sie zu verantworte» haben, hielt jüngst eines der Häupter der Gemeinde in der Sitzung des Rothes eine donnernde Philippika. Mit eigenen Augen habe er gesehen, wie die Anordnung der Obrigkeit miß- achtet»verde, und in der ganzen Nachbarschaft hätten sich die Folgen geltend gemacht— die Polizei müsse sich ins Mittel legen und ans die Uebellhäter ein schärferes Augenmerk richten. Das geschah ungesäumt, so groß rvar die Wirkung der Rede. Der Amtsvorsteher als Chef der Polizei gab den ausführenden Organen entsprechende Anweisung und der gerügte Blißstand wurde znnr Gegenstände einer ganz besonderen Kontrolle gemacht. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Beamten den ersten Miffethätcr abfaßten. Sie trauten kaum ihren Augen, als sie sich ihm näherten, um Namen und Stand und was sonst zu einer ordentlichen Feststellung gehört, auszuschreiben; es war der- selbe Gemeindeverlreter, der im Ralhe seine Philippika gedonnert hatte. Seinen Reden soll man seitdem mit einem gewissen Miß- trauen begegnen. Beim Zlsphaltiren verniigliickt ist gesiern Nachmittag an der Ecke der Koch- und Friedrichstraße ein mit Rcparatnrarbeiten an de» Pferdebahngeleisen beschäftigter Arbeiter. Derselbe wollte einen mit siedendem Asphalt gefüllten Eimer sorlstellen, als letzterer umfiel und seinen Inhalt über die Beine des Arbeiters ergoß. Mit Brandwunden bedeckt, wurde der Verunglückte nach der Nnfallstation I. in der Wilhelmstraße geschafsl. Polizeibericht. Am L4. d. M. morgens ivurde ans dem Kloset eines Hauses in der Manteuffelstraße ein Arbeiter erhängt vorgefunden.— Vormittags wurde in dem Kcsselbrunnen der Pumpstalion i» der Scharnhorststraße der Maschinenmeister todt vusgesundcn.— In einer Wirthschaft in den Zelten vergiftete sich mittags ein Mann.— In der Königgrätzerstraße fiel ein Mann von dem Verdecke eines in der Fahrt befindliche» Pferde- bahnwagens und zog sich eine Verletzung am Kopfe zu.— Nach- niittags wurde in der Niederwallslraße ein Sjähriges Mädchen ■durch eine Droschke überfahren und auf der Stelle getödtet.— Abends versuchte eine Frau am Görlitzer Ufer sich im Landwehr- tanal zu ertränken, wurde aber alsbald wieder herausgezogen.— In der Steglitzerstraße stürzte ein Geschästswagcn infolge Los- geHeus eines Rades um. Der Kutscher erlitt eine Verstauchung des Hüftgelenks.— Auf dem Boden eines Hauses in der Friesen- straße brach nachmittags Feuer aus, das fast den ganzen Dach- stuhl zerstörte. Außerdem fanden im Laufe des Tages süns kleine Brände statt. WitteriuigSiibersicht vom 25. Mai 1895. Wetter» Prognose für Sonntag, 26. Mai 1895. Warmes, meistens ruhiges Welter mit zunehmender Be- wölkung und Gewitterneigung; nachher kühler. Berliner Wetterb ureau. Gerill»ks«3c!Umat Ein Niiarchistenprozeff fand gestern vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I unter den, Vorsitz des Land- gerichtsraihs Keller statt. Aus der Untersuchungshaft wurden die Schlosser Albert Weisheit und Wilh. Wiese vorgeführt. Dieselben sind in einer anarchistischen Versammlung, die am 18. März d. I. stattfand, als Redner ausgetreten und sollen bei dieser Gelegenheit Aussührungcn geiuacht haben, welche die Anklagebehörde als Aufreizung verschiedener Gesellschafts- klaffen gegen einander aussaßt. Weisheit soll zunächst die Revolutionäre, die am 18. März 1848 gefallen sind, gefeiert und seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben haben, daß seit dieser Zeit ein derartiger Kampf nicht wieder stattgefunden habe. Er soll die Zuhörer aufgefordert haben, ihre Arbeitskraft zu verweigern, dann müsse entweder die bürgerliche Gesellschaft verhungern, oder es müsse zum Kampf kommen. Der Angeklagte Wiese soll gesagt haben, man müsse es besser machen wie im Jahre 48. Der Letztere gab dies zu, er wollte diesen Worten aber einen anderen Sin» untergelegt wissen, wie die Anklage es thut. Er sei allerdings früher ein Verfechter der Propaganda der That gewesen, habe aber eine gründliche Sinnesänderung erfahren und vertrete nun die Ansicht, daß der Arbeiter nur Heil zu erwarten habe, wenn er nach englischem Muster Produktiv-Genossenschaflcn er- richte. Ter Ausdruck„besser machen als 4L" solle gerade diesen friedlichen Sinn im Gegensatz zu dem gcwalttähigeu haben. Da der Kriminalkommissar Roeber bestätigte, daß Wiese seit seiner letzten Strafe eine Umwandlung seiner Gesinnung durch alle seine Reden zu erkennen gegeben habe, so beantragte Staatsanwalt Tr. B e n e d i x gegen Wiese die Frei- s p r e ch u n g. Der Angeklagte Weisheit war dagegen vom Kriminalkommissar Röder als ein höchst gesähr- licher Anarchist geschildert worden, der nach Verbüßung einer Strafe wegen anarchistischer Umtriebe aus Leipzig ausgewiesen worden und nach Verlin verzogen sei. Da die Ausführungen dieses Angeklagten von dein überwachenden Polizeilieutenant bestätigt worden waren, beantragte der Staatsanwalt gegen Weisheit eine G e fän gn i ß st r a f e von i Jahr 6 Mo- n a t e n. Ter Vertheidiger, Rechtsanwalt Tr. Schwindt, suchte ei» niedrigeres Strafmaß zu erzielen. Der Gerichtshof ver- urlheilte Weisheit zu n e u n Monaten Gcfängniß, Wiese wurde freigesprochen.— Selten ist wohl drastischer dar- gelegt worden, wie leicht es nach den bestehenden Gesetzen auch ohne Umsturzparagraphen möglich ist, den.Ausdruck der Gesinnung bei politisch lhätigen Männern zu treffen. Tie Wehrfach erwähnte Strafsache gegen den Legationsrath a. D. Max Stävie und die verehelichte Antonie A l t geb. Hermann kam gestern vor der 2. Strafkammer hiesigen Landgerichts I unser Vorsitz des Landgerichtsdirektors B r a u s e w ei t e r zur Verhandlung. Tie Sinklage lautete auf Sittlichkeitsverbrechen bezw. schwere Kuppelei. Die Anklage ver- trat Staatsanwalt L i e b e» o w, die Verlheidigung führten die Rechtsanwälte Dr. F r i e d m a n n, Frank und W r o n k e r. Die Verhandlung fand nnter Ausschluß der Oeffent- lichkeit statt. Ter Angeklagte Stävie, ein infolge heftiger Jschiasschmerzcn dem Kokain- und Morphiumgenuß ergebener Mann, wohnt in Charlottenburg. Er hat, wie er be- hauptet, hänsig in Berlin bei einet» Rechtsanwalt zu thun und halte sich hier, um nicht immer nach Charlottenburg zurückkehren zu muffen, sondern hier die Möglichkeit zu haben, sich auszu- ruhen, bei der Angeklagten All in der Seydelstrnße ein Zimnier gemiethet. Er hatte sich dabei den Namen eiues Ober- feuerwcrkcrs P. beigelegt. Er soll das noch nicht 14jährige Schulmädchen Gertrud Barnewitz, die er in der Friedrich- straße traf, mit sich genommen und in jcnci» Zimmer unsittliche Handlung vorgenommen haben. Tie Angeklagte All soll darum gewußt und bei den Rendezvous, die St. init jenem in ihren Anschauungen schon recht entwickelten Mädchen und einem andern jungen Mädchen von 17 Jahre» gehabt hat, Kaffee und Kuchen in das Zinnner gebracht habe». Tie Persönlichkeit des Angeklagten ist ans eine eigenthümliche Weise fest- gestellt worden: in ciucr anderen Angelegeuheit, bei welcher Frau Alt betheiligt erschien, wurde bei ihr eine zerrissene Visitenkarte mit dem Namen Stävie vorgesuude» und nun ergaben die an- gestellten Nachforschungen den sträfliche» Verkehr des Angeklagten mit der Gertrud Barueivitz.— Ter Angeklagte Stävie bestritt, das Mädchen unsittlich berührt zu haben, die Angeklagte Zill wies den Vorwurf zurück, irgendwie Kcnntniß von einem unsittlichen Verkehr in dem von ihr abgemietheten Zimmer ge- habt zu haben. Neber den geistige» Zustand des Angeklagten St. wurden die Aerzte Dr. Thiele und Dr. Sonnemann als Sach- verständige vernommen.— Auf grund der Beweisaufnahme be- anlragte Staatsanwalt L i c b e n o w unter Zubilligung mildernder Umstände je 1 Jahr G e f ä n g n i ß.— Rechtsanwalt Tr. F r i e d m a n n und Tr. F rank plaidirten für Freisprechung des Augekl. St. bezw. sür die Verneinung seiner Verantwortlichkeit auf grund des Z 51 des Slr.-G.-B.— Um 5Vs Uhr verkündete der Vorsitzende das Urthcil dahin: Nach Ansicht des Gerichts- hvses ist der Angeklagte nicht im Sinne des ß 51 krank, sondern für seine Handlungen verantwortlich. Der Angeklagte hat, nach- den» er die Bekaunlschast der schon wegen Kuppelei bestrasten Frau Alt gemacht, sich an die beiden Mädchen, die den Eindruck von Straßendirnen machte», herangemacht, dieselben mittels Droschke nach dein Zinimer der Frau verschleppt und dort durch die Augeklagte Alt Kaffee kochen lassen. Ter Angeklagte St. stellte ihr die beiden Mädchen als seine Nichten vor, sie konnte dieser Angabe aber keinen Glauben schenken. Ter Angeklagte St. hat dann mit dem Mädchen Unzucht getrieben, dies ein zweites Mal wiederholt und schließlich durch einen Brief, den die Angeklagte Alt gelesen hat, die kleine Baruewitz ein drittes Mal allein bestellt. Es konnte ihm nicht zweifelhast sein, daß dieses Mädchen, die sich verwahrloster und verworfener gezeigt, wie die gemeinste Slraßendirue, noch nicht 14 Jahre alt war, wenn sie selbst auch ans Schlauheit ihr Alter über 15 Jahre angegeben hat. Der Behauptung deS Angeklagten, daß es sich bei ihm nur um psychologische Studien gehandelt habe, um zu sehen, wie weit die Verworfenheit so junger Geschöpfe gehe, habe der Gerichtshof keinen Glauben geschenkt. Er habe den Mädchen jedesmal 16 M. bezw. 15 M. geschenkt und gezeigt, daß es ihm nur um die Befriedigung seiner durch den Kokaingenuß vielleicht erregten Sinnestust zu thun war. Mit Rücksicht darauf, daß an dem Mädchen nichts mehr zu verderben war, hat der Gerichtshof die A l t zu 9 Monaten Gefäugniß und 3 Jahre Ehrverlust, Stävie zu 7 M o» a t e n G e f ä n g n i ß vcrurtheilt. Beide Angeklagte wurden ans der Hast entlassen. VermiMikes. Zuni italienische» Negicruugskandidaten befähigt! „Herr Doktor, der Zustand meines Sohnes beängstigt mich immer mehr, mir scheint, er wird ganz blödsinnig."—„Wie alt ist den» Ihr Sohn?"—„Heute ist er dreißig Jahre all geworden." —„Nun, so lasse» Sie ihn doch sür die Regierungspartei kandidiren." VviekkttKett dsv Nedakkio». Wir bitten bet jeder Zlutrage eine Uhifsre tZwei Vachstabe» oder eine Zok» anzugeben uuter der die Nntworl ertheitt werden soll. Ii» Rcchtsan gelegen heilen»vird aus schließ- l i ch a in Montag, D i e n st a g, Donnerstag und Freitag von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft er- th ei l t. Streikkommissiou der Weberei M. u. O. Sommerfeld. I» der Zuschrift ist nicht angegeben, an welchem Orte sich die Fabrik befindet. Außerdem bedürfen dergleichen Mittheilungen der Bestäligung durch eine Gewerkschaft oder durch die lokale Partei-Orgauisation. O. Ivo«. Ein Hausindtlstriellsr, der nur für einen Arbeit« geber arbeitet, ist nach zutreffender Ansicht bei der Krankenkasse anzumelden.— A. Sch. 4. Ob Ihnen in Ihrer Wohnung zu waschen vom Wirth verboten werden kann, hängt vom Inhalt Ihres Miethsvertrages ab. Sprechen Sie mit demselben in der Sprechstunde gelegentlich vor.— 101 Schönebergerstraffe. Ist nicht ausdrücklich schriftliche Form sür die Kündigung eines ge- werblichen Arbeitsverhältnisses vereinbart, so genügt mündliche Kündigung.— O. H. 57. l. Ja. 2. Nein. 3. Ja: sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde mit dem Dienstbuche� vor. — Tch. Lehmann. Ueber Zuverlässigkeit oder Unzuverlässigkeit eines Patentanwalts können wir keine Auskunft ertheilen.— 91. B. 100. Ihre Frau wendet sich zweckmäßigerweise kurz vor Erreichung des Großjährigkeitsalters an das Vormundschafts- gericht.— Panl 83. Wenden Sie sich an die Waisendireklio» oder an Ihren Bezirksvorsteher.— M. Sch. 27, B 74. Sprechen Sie m i t de» belreffenden Papieren gelegentlich in der Sprechstunde vor.— 100. Der Eheinann hat die Ehefrau nur dann außerhalb der Ehewohnung zu alimentiren, wenn sie mit seinem Willen oder auf grund eines gericht- lich erstrittenen Beschluffes dort wohnt.— F. 7. Aus Sechs- wochen- und Entbindungskosten hat die betreffende Anspruch. — H. K. Der Vertrag wird am besten gerichtlich(Amtsgericht. Nene Friedrichstr. 13) dahingehend geschloffen, daß der Sohn die lebenslängliche Verpflegung seiner Mutter gegen Ueber- laffung der Sachen übernimmt.— R. D. Am 21. Juni. — S. D. 57. Ja.— W. R. 54. Die Wirthin hat kein Recht, die gepfändeten Sachen ohne vorher erstrittenes Urtheil zu verkaufen. Fordern Sie sie auf, die Sachen gegen Zahlung der. Mielhe herauszugeben oder Ihnen Schadens- ersah zu leisten und strengen Sie eventuell die Klage an. — Miinstcr. Die Bernsuligsfrist beträgt in Strafsachen eine Woche von der Verlündung des Urlels ab. Spätestens innerhalb dieser Frist muß die Berusnng bei dem Gericht, dessen Urtel an- gefochten wird, eingelegt sein. Ist das Urtel am Montag ge- sproche», so muß die Berusungssrist spätestens am Montag bei Gericht eingelaufen(nicht nur an das Gericht abgesendet) sein. Fällt der letzte Tag der Frist auf einen allgemeinen Feiertag, so endigt die Frist mit Ablaus des nächstfolgenden Werktages. Wann der Gegner Nachricht von Einlegung der Berufung erhält, ist unerheblich.— M. R. 23. Hochgradige Kurzsichiigkeil. — Priitz. Es wäre besser, Sie ließen eine Ueberschrist fort; Kinder sollte man nicht in dieser Weise zum Herumtragen seiner Gedanken gebrauchen.— C. T. 07. Nein.— G. M 25. Unseres Wissens nein.— 1550. Hat Ihr Gegenkontrahent seine Verpflichtungen nicht voll ersüllt.so können Sie einen der fehlen- den Gegenleistung entsprechenden Theil des Kaufgeldes zurückhalten. — Mindner 100. Sie wenden sich am besten schriftlich an die Polizeibehörde und an die Berussgenossenschast mit dem Autrage, Ihrem Sohn die ihm zustehende Unsallrente zuzubilligen und die Sache zu beschleunige». Tie Berussgenossenschaften ar- beiten leider immer theurer und langsamer. Würde die Ver- waltung von Arbeitern geleitet, so wäre dieser schreiende Miß- stand geringer.— 000. Ja, falls nicht der Astermiether wider- spricht.— W. S. 9l. Wenden Sie sich an den Magistrat. � C. I. Ohne Einsicht in die Statuten nicht zu beantworten.— P. W. 98. Zur Giltigkcit von Verträgen zwischen Eheleuten bedarf es der gerichtlichen Form. Wenden Sie sich an das Amts- gericht I, Nene Friedrichstr. 12/13, freiwillige Gerichtsbarkeit. H. M. 50. 1. Kein Mädchen darf unter irgend welchen Umständen zur Heirath gezwungen werden. 2. Ja. �— G. G. Krankheit hebt nicht ohne weiteres den Werkmeister- vertrag auf. Erfolgt Entlassung wegen anhaltender Krankheit, so muß der Uuternehmer»och 6 Wochen lang den Lohn, abzug- lich des Betrags, welcher dem Werkmeister aus einer auf grund gesetzlicher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfall- Versicherung zukommt, an den Werkmeister zahlen.— St. 100, 1. Leider ja. 2. Ja. Die Hastun g des Ge- s i n d e s für Schaden reicht im Gebiete der Gestnde-Ordnnng vom 8. November 1810 außerordentlich weit. Es muß nach der Gesinde-Ordnung allen Schaden ersetzen, den es aus groben oder mäßigen Versehen angerichtet hat. Was„mäßiges Versehen" ist, entscheidet der gelehrte Richter, der die zu beurtheilenden Hantirunge» schwerlich aus eigener Praxis kennt. Der Satz, daß Lohnabzug unchristlich und barbarisch, gilt dem Gesinde gegen- über n i ch t. Die„Herrschast" kann sich wegen der Enlschädi- gung an den Loh» des Gesindes halten. Ja, ist der Dienstbole ganz Habenichts, so muß er sogar nach§ 69 der allpreußischen Gesinde-Ordnung„durch unentgeltliche Dienstleistung" den Schaden„vergüten". Und doch giebt es wunderliche Leute, die da meinen, solch Verhällniß sei ein sklavcnähnliches. — 9l Müller. I. Der Miethsvertrag wird nicht durch den Tod des Miieihers von selbst ausgehoben. Vielmehr steht nur sowohl dem Vermiether wie den Erbe» das lliechl zu, vom Ver- trage nach einem halben Jahre(vom Ablaus des Quartals ab gerechnet, in dem der Tod erfolgt ist) zurückzutreten. Wer« das Rücktriltsrecht ausüben will, muß jedoch spätestens an den drei ersten Tage» des letzten Quartals kündigen. 2. Die Unfallrente sür die Willive beträgt 26 pCt., für jedes Hinterbliebene Kind bis zu dessen zurückgelegtem 15. Lebensjahr 15 pCt. des Arbeitsverdienstes. Die Rente» der Wiltwe und ihrer Kinder dürfen jedoch zusammen 66 pCt. nicht überschreiten. — 9l. Z. 1. Sie brauche» die Schlafburschen erst zum 1. Juli entfernen. 2. Sie können nur Ausstellung eines den polizeilichen Erfordernissen entsprechenden Dungbeförderungs- Kanals bean- spruche», event. die Mielhe um den Minderwerth der Wohnung kürzen, auch die Mielhe bis zur Erfüllung Ihrer Forderung ein- behalten. 3. Das Pfandrecht des Vermielhers geht allen anderen Pfandrechte» vor.— 9l. K. 35. Nein, der Vater eines Kindes haftet nur fürdie durchsein noch nicht 7JahralIesKind zerbrochene Scheibe. — Aachen 100. Nach dein dortigen Statut in Verbindung mit§ La des Krankenkassen- Gesetzes kann derjenige, der am 15. Januar krank wurde und bis zum 15. April Unterstützung bezog, sobald er einige Zeit wieder gearbeitet hat, und infolge der Krankheit von neuem unterstützungsbedürftig wird, 13 Wochen lang, ärztliche Hilfe und halbes Tagclohngeld beanspruchen. War er aber dauernd unterstützungsbedürftig, konnte er also nicht wieder zeitweise arbeiten, so hat er einen Anspruch auf aber- zum 15. April des nächsten Jahres — Alter Abonnent. Bei Wohnungen muß spätestens am werden. Eine Kündigung vom besonderer Vereinbarung giltig.— — C. M. 1. Nein. 2. Brautlenle sichern das Vermögen ihrer Braut vor Zugriffen der Gläubiger des Mannes am besten durch eine» vor Abschluß der Ehe bei dem Amtsgericht aufgenommene» Vertrag, in dem beide Theile ihre Absicht, die Ehe eingehen zu wollen, erklären, in dem ferner der Bräutigam als seiner Braut gehörig anerkennt, was diese spezialisirt als zu ihrem Vermögen gehörig bezeichnet, und auf sein ehemännliches Nießbrauchs- und Verwaltungsrecht verzichtet. inalige Nnterstützung bis nicht. Besten Gruß. monatsweise gemietheten 15. zum I. gekündigt 1. zum 15. ist nur bei FrUeAUelsei!eier,Lt!'.8i1Ps. Gr. Auswahl v. Waldvögeln, Papa- geien, Vogelkäfigen. Hoffman», Vogelh., Vahnh. Wedding, Reinickendorferslr. 64o. Sonntag bis abends 6 Uhr geöffnet. Junge Taube», Friedrichsfelder- straße 27 im Restaurant Bouchö. Zither z. verlausen Solmsstr.I2, IV l. Kinderwagen, fast neu, Klappdeck, verk. Krüger. 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Wiegenfeste, daß die ganze Pappel-AUee wackelt und die ganzen Gäste Polka tanzen. _ Mehrere Freunde. frmc So#" !! 83/3 Das ICliietoskop. Ausstellung: Friedrichstr. 65,«°dr°us.r�°. Deutsch- Oesterreichische Edison- Kinetoskop- CieM Ges. m. b. H. in Hamburg.(Stammkapital A. 400 000.) TV Alle 14 Tage wechseln die Scenen. TSSl Soiiiitng, 2. Zilili(l Wlgß-Feiertllg), i« Niest's FWlen, Mrbcrstr. 17: Gr. fokal- u. Insirumenlal- Konzert arraugirt vom Sängerchor der Töpfer unter Leitung des B u u d e s d i r i g e n t e n Herrn Friedrichs. Auftreten des Volkshumoristen Herrn Paul Gent._ ■BBBHen Nach dem Konzert: Tanz. HBBmn B i l l e t s ä 25 Pf. sind zu haben im Arbeitsnachweis, G i p s st r. 16. Entree frei I Entree frei I Brauerei-iusschank Stralau. Sonntag i Achs ffölljert, Kslitßltt- Vschellllug miii Bstsl. Neu! Ohne Konkurrenz! Neu! Jeden Sonntag: Vratis-Verloosung. Jeder Besucher des Lokals erhält hierzu ein Loos. Sämmtliche Gewinne(worunter sehr werthvolle) sind zur Ansicht ausgrsteUt. 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Mai mein lieber Bruder, der Maurer Wilhelm Elstermnun nach langem Leiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorfer Kirch- hoscs aus statt. Um stilles Beileid bitten die trauernden Hinterbliebenen: Familie Kracht. Ausstellung Italien In Berlin. Abends 6 VL 8 gwiwt Ulli» vtm 1 til| Vi) v< i< Maestro Glaldini Station Zoologischer Garten. Täglich: Nachm. 4'/« Uhr: Die Bersaglieri: Maestro Gatli. „ 5„ Mnsiktrappen; Liberti, Angell, Perrna, Tribnul, della Rosa. Tarauteila- Täuzertrnppen: Harano, Grieco, Lorenzo. Volksszenen aus dem italienischen Leben. ------ mit seinem weltberühmten Symphoni- Orchester ans Mailand. Gperuolior des teatro filo dramatico aus Mailand, Maestro Deutz etil. „ 8„ Teatro amerlcano mit„ürcomico Bendixio". „11„ Finaler Grosser Umzug der Bersaglieri. Während des ganzen Tages: Vorführung der italienische» Leidenspiunerei, Glasbläserei, floreniiniscbcn Strobflecbterei, Mosaiklabrikation, Holzschnitzerei etc. SV Entree 50 Pf. Am 1. und 2, Pfingstfeiertag: FrÜh- KOnZOrte i'ämmtlicher Gefell schafte», sowie TllgsVer: Grosse Lensations-Anffnbrnngen. Schlotz WeiHenfee vormals Sternecker. Gr. brillant. Concert i. Scblachtnisik von der Kapelle der ehem. 1. Garde-Dragoner(Königin v. Großbritann. u. Irl.) unter Leitung des Musikdirektors E. Sebastian. r-iiuBr ßlWPllW NifKfftl'A unübertroffen in ihren tollkühnen !!->>.ist« tJst,SHn». Produktionen aus d. hoben Thnrmseile. See»Theater, Ifamilton» Theater, Sal champAtre, Volks- belustigungen aller Art, Gcndcl-Oorso u. elektrische Lahn. Entreo LS Pf., Vorverkauf 20 Pf. Kinder unter 10 Jahren frei. MO. An den Wochentagen ist mein herrliches Lokal an Dereine und Gelellschaf ten zur Abhaltung von£>o m merfesten zu vergeb. stg. Barth. UnntH 9nhiT(» vorzügl. u. 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Sage hiermit meinen aufrichtigsten Dank für tie rege Betheiligung bei dein Begräbniß meines lieben Mannes, insbesondere dem Berliner lliaucher- Bund, dem Humoristischen giauchklnb, dem geselligen Klub der Alt-Ntoabiter, dein Gesangverein Olympia und Itanch- klub Blaue Kappe. 1297b Frau Wittwe Oertel nebst Tochter, _ Seblesische Straße 9. Ehrenerklärung. Die von mir über Frl. C z e n k n s ch ausgesprochene Verleumdung beruht aus Unwahrheit und ich bitte deshalb um Entschuldigung, erkläre, daß ich der- selben nichts Unehrenhaftes nachsagen kann. sl308bj Ida Bötivw. Jubiläuins- Nusgabe. T Soeben erschien die fiiufnndztvauzigste Auflage von August Kebel: Tie Frau und der Sozialismus. Heft- Ausgabe. Komplet in 10 Hefte» ä 20 Pfennig. IFD- Zu beziehen durch alle Kolporteure. Acfttüng, Scbubmacber. Ersuche die Kollegen, binnen a ch t Tagen mit den Billets vom Masken- ball 1895 abzurechnen, widrigenfalls dieselben veröffentlicht werden. 224/8 I. A.: G. Schrnl, Langestr. 95. 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Kleines möblirtes Zimmer, separater Eingang, Adalbertstraße 4, vorn 4 Tr. bei Schaffmann. Möbl. Schlasstelle für Herrn, separ. (7 Mk.) Alte Jakobstraße 166, Hof 2 Tr. bei Bien. 1323b Schläfst., Ww. Mayer, Rüdersdorfer- straße 17, 4 Tr. 1237b Arbtltsiiiilrkt. Für eine Petroleum-Brenner-Fabrik wird sofort ein zuverl., energischer erster Werkfnisrer, der mit all. s. d. Brennerfabrikat, er- fordert. Arbeiten gründl. prakt. vertr. ist, bei höh. Gehalt gesucht. Es wird nur ans eine Kraft reflektirt, welche schon Werkmeisterposten in Brenner- fabriken mit mechan. Betrieb bekleidet hat u. mit d. maschinell. Neuerungen d. Brenner- Fabrikat, vollst, vertr. ist. Off. m. Aug. bish. Thätigk. u. Zeugnin- abschr. unt. iH. 401 Annoucen-Exped. Köpnickerstraße 141, I. 1232b Mstk-ZOlliitkuttü-Arbtittt. Die Piano-Fabrik von Kiese, Reineke& Co. (Genossenschaft).Dieffenbachstr. 33. ist für alle Branchen gesperrt. Zuzug ist strengstens fern zu halten. 205/4* Die Werkstatt- Kontroll-Komunssio». Verantwortlicher Rerakleur: I. Dierl(Emil Roland) in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin, LW. Beuldstraße L. 2. Beilage zum„Vomiirts" Berliner Volksblatt. Ur. läl. Koimtag, dr» 26. Mai 1895. II. Jahrg. Darlettttenkslievichke. AbgeorduetenhanS. 71. Sitzung vom 25. M a i ISSö, 11 Uhr. Am Ministertische: M i q n e l. S ch ö n st e d t. In dritter Vcrathung wird der Gesetzentwurs betreffend die Vertretung des Gesammt-Synodalverbandes und der Diözesan- Synodalverbände des Kon- sistorialbezirks Cassel in verniögensrechtlichen Angelegenheiten ohne Debatte angenommen. Es folgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfes betreffend das Grundbuch wescn und die Zwangsvoll- streckung in das bewegliche Vermögen in dem Gebiet der vormals freien Stadt Frankfurt soivie den vor in als Groß herzoglich hessischen und Landgräflich hessischen Gebietstheilen der Provinz H e s s e n- N a s s a n. Ter Entwurf wird mit einer mehr redaktionellen Aenderung des Z 74 angenommen. Ohne Debatte wird hierauf in dritter Berathung der Gesetz- entwarf betreffend die Bewilligung von Staats- Mitteln zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse von Zlrbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von geringer besoldeten Staatsbeamten angenommen. Die dritte Berathang des Entwurfs betreffend die Ab- ä n d e r u n g und Ergänzung des Kommunal- nbgabe-Gesetzes giebt noch zu einer kurzen Diskussion Veranlassung. In dritter Berathung werden die Gesetzentwürfe zur Ab- änderung und Ergänzung des Gesetzes, betreffend die evangelische Kirchenverfaffung in der Provinz Schleswig-Holstein und in dein Aiulsbczirke des Konsistoriums zu Wiesbaden, des Gesetzes, betr. die Kircheuverfassnng der evangelisch-reformirten Kirche der Pro- uiuz Hannover und des Gesetzes, betr. die Kirchenverfaffung der erangelischcn Kirche im Bezirke des Konsistoriums zu Kassel un- verändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen, des- gleichen der Gesetzentwurf, betr. die Ausdehnung verschiedener Bestimmungen des allgemeinen Berggesetzes vom 24. Juni 18KS ans den Stein- und Kalisalz-Bergbaü in der Provinz Hannover, Stach Erledigung mehrerer Petitionen vertagt sich das Haus bis Dienstag, den II. Juni, mittags 12 Uhr.(Zweite Be- rathung der Stempelsteuervorlage.) GeviSiks-Äeiku»rg� Gewerbegericht. Wiederholtes Zuspätkommen ist nach E»t- schcidmigen der Kammer VII dann als eine beharrliche Verweigerung der den Arbeitern nach dem Arbeitsverträge ot liegenden Verpflichtungen anzusehen, wenn der fragliche Sünder trotz mehrfacher Verwarnungen nicht von seiner Gewohnheit ab- laßt. Durch diese Definition wird es zum gesetzlichen Eutlafsungs- gründe. Die betreffenden Kläger, denen solch ein Bergchen nach- gewiesen werden konnte, wurde» abgewiesen. Ober- VerwaltnugSgericht. Die„grüne Eiche", ei» Arbeiter- Gesangverein Etapsurts, hatte sich der ganz besonderen Aufmerksamkeit der Polizei zu ersreue». Die Behörde verlangte vom Vorstande desselben, daß er ein Verzeichniß der Mitglieder einreiche. Sie glaubte nicht daran, daß der Verein unter Aus- scbluß jeder Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten nur die Pflege der Gesangskunst bezweckte; vielmehr erblickte sie in ihm lediglich die Fortsetzung des ausgelösten Arbeiler-Bildungsvereins Leopoldshall-Staßfurt, weil sie herausgefunden hatte, daß sich SomtkcrssplÄUdere!.. Beendet ist das Spiel, aber klatscht nicht Beifall, Ihr Freunde! Noch verlassener als sonst wird in ihrer steifen Pracht die riesige Wandelhalle im Reichstag da- stehen. Der Frühsommer-Zanber hat vorerst den Spuk ver- jagt, der im neuen Palast am Königsplatz wie ein duitklcs Nebelgcbilde auf- und niederwallte. Sie werden sich nicht so leicht ergeben, die den trüben Spuk heraufbeschworen haben. Was man ihnen sonst auch nachsagen möge: an zaghafter Verschämtheit haben sie nie gelitten; und die angeborene„Farbe der Entschließung wurde bei ihnen weder durch des Gedankens Blässe" noch durch allzu zärtliche Rücksicht auf das moralische lhthcil der Welt angekränkelt. Als Herr Parncll, der Leiter der irischen Bewegung, ans einem Vergehen er- tappt wurde, das gegen die englische Prüderie insbesondere versließ, da erhob sich ein gewaltiger Ansturm gegen ihn, auch in den Reihen seiner eigenen Parteigänger. Ter Geschichlskritiker Masaulay, der seine Landslcule genau kennt, behauptet zwar: Es sei den Engländern ein Nationalbedürfniß, von Zeit zu Zeit, etwa von sieben zu sieben Jahren einen Sturm sittlicher Entrüstung loszu- lasten und ein Opferthier am Altar der Wohlanstandigkeit z» schlachten. Man käme sich dann wichtig und enorm tugendhaft vor. Gewiß, in den britischen Speklakelkomödien dieses Schlages steckt viel Heuchelei. Aber die Heuchelei steckt im Wesen, ein Kompliment, das die Gemeinheit vor der Rechtschaffenheit macht. In ihrem herrischen Ucbermenschen- thnni vermeinen unsere Kraftnaturen, die über Recht oder Unrecht gleichmüthig sich hinwegsetzen, das heuchlerische Koniplinientiren vor der Tugend nicht erst nöthig zn haben. Bei Parnell handelte es sich um ein Weib, um Leiden- schasten, mit denen man nicht ohne weiteres niedere Gesinnung zn verbinden gewöhnt ist. Das ist ctivas anderes, wenn einem der Vorwurf unreinlicher Geschäftsmanipulationcn trifft. Als noch mittelalterliche Ritterromantik lebte, da gab es nichts Stolzeres, als mit weiland Bayard die Bezeichnung „Ein Ritter ohne Furcht und Tadel" führen zn dürfen. Die Herren von heute vertragen schwere Mengen von Tadel, nur die Dreistigkeit von ehedem haben sie unverkürzt beibehalten. Herr v. Hammerstein, der Generalgewaltige der„Kreuz-Zcitung", ist solch' Ritter vom modernen Schlag. Er kennt keine ängstliche Scheu, ihm imponirt die öffentliche Nichtachtung nicht, er hält sich an das römische Sophistenwort: Li kecisti, nega! Hast du was angestellt, dann leugne frisch drauf los! Das alte Geheimniß junkerlicher Erziehung und junkerlicher Ueber- lieferung ist bei ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Die alten Baalspriester wußten es auch. Man stelle sich furchtbar und man wird vielen fürchterlich erscheinen. unter den Gründern ehemalige Mitglieder der genannten Ver- einigung befanden. Gegen die Anordnung der Polizeiverwaltung wurde Beschwerde erhoben, welche jedoch ohne Erfolg blieb. Sie wurde mit der Motivirung für unbegründet erklärt, daß die Forderung der Polizei nur eine Handhabe bieten sollte, festzu- stellen, zum Nutzen der öffentlichen Ordnung, ob die Zwecke des Vereins nicht andere seien, wie er angebe. Die Behörde forderte darauf, ihr bis zu einem b e st i in m t e n Termin das Mitgliederverzeichniß einzureichen, indem fie für die Zuwider- Handlung eine Crekutivstrafe von 30 Mark androhte. Da der Leiter des Gesangvereins dem nicht nachkam, wurde die Strafe festgesetzt, zugleich aber auch die Anordnung unter An- drohung einer weiteren Exekutivstrase, diesmal 60 M., erneuert. Beschwerden beim Negierungspräsidenten und beim Ober- Präsidenten der Provinz Sachsen wurden zurückgewiesen; beide ließen es sich nicht ausreden, daß der Verein auf öffentliche An- gelegenheilen einzuwirken bezwecke. Nun klagte der Vorsitzende Schuhmacher gegen den Bescheid des Oberpräsidenten beini Ober-Verwaltungsgcricht. Cr betonte energisch, daß der Verein durchaus keinen anderen Zweck habe, als den der Pflege des Gesanges, was er durch die Sitzungsprvtokolle zn bekräftigen suchte. Der Gerichtsreferent konnte nicht umhin, bei seinem Vor- trage zn erklären, daß t er Inhalt dieser„Privat Protokolle" allerdings nicht die Beschäftigung mit öffentlichen Angelegen- heiten erkennen lasse. Gegen die Strassestsetzungen machte der Kläger noch geltend, daß ja die Zuwiderhandlung gegen Z 2 des Vereinsgesetzes unter Krimiualstrafe gestellt sei, und daß dem- zufolge doch nicht noch andere Strafen festgesetzt werden könnten. Die Klage wurde abgewiesen, ohne daß der Präsident Persius das Urthcil einer öffentlichen Begründung für werlh hielt. Tie Parteien waren nicht vertreten. Eine Ncvolver- Affäre führte den Gürtler Armand G o t s ch e aus Nixdorf vor das dortige Schöffengericht. Am Abend des 21. Januar d. I. gerieth Golsche mir dem bei ihm in Schlafstelle wohnenden Klempner Fischer i» Streit und da Fischer Ruhe haben wollte, so wies er seinem zanksüchtigen Wirth die Thür, welche er hinter ihm verriegelte. Bald daranf verlangte Gotsche»och einmal Einlaß und da ihm dieser nicht gewährt wurde, schlug er mit einem schweren Hammer die Thür- füllung ein. Alsdann holte sich Golsche einen geladenen Revolver herbei, steckte diesen durch die eingeschlagene Füllung und feuerte alsdann vier Schüsse ins Zimmer hinein. Hierbei wurde zwar nicht Fischer, wohl aber ein zweiter in den» Zimmer anwesender Mann, der Arbeiter Nicolai, von einer Kugel in den Kopf getroffen und mußte auf ärztliche Anordnung sofort nach einem Berliner Kranleuhaus gebracht werde». Glücklicherweise erwies sich die Verletzung als ungefährlich, so daß Nicolai nach 14 Tagen als geheilt entlassen werden konnte. Vor dem Schössen- gerichl hatte sich Gotsche wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu verantworten, behauptete jedcch, er habe den Fischer durch die Schüsse nur erschrecken wollen. Ter Gerichtshof vcrurtheilte den Angeklagten wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einem Vi o n a t G e f ä» g n i ß. Tie Strafkammer Pose» verurlheilte vorgestern den Zlpothckenbefitzer und Fleischbeschauer Thomas Hciutzs aus Neustadt bei Pinne wegen fahrlässiger Tödtung und fahrlässiger Körperverletzung zu vier Monaten Gesängniß. Heintze hatte im April 1834 zwei Schiveine nach oberflächlicher Untersuchung für trichiucnsrei erklärt, 21 Pttsoueii, welche von dem Fleische ge- gessen hatten, waren an der Trichinosis erlraukt, dev Stellmacher- meister Karl Sobel nach unsäglichen Schmerzen an dieser Krank- heit gestorben. Vevsoittittluttttcn. Der polizeilichen Nuflösuug verfiel die öffentliche Mahl- vereins-Versammlimg für den ersten Berliner Wahlkreis. Tie Man gcderde sich so, als stecke man in einer Löwenhaut, und so mancher wird das nachgeahmte Gebrüll ernsthast nehmen. Es ist der alte Thierinstinkt, der sich da loslöst und der es bewirkt, daß selbst der ärmlichste Kettenhund. wenn etwas Feindliches anstaucht, seine Haare aufrichtet, nm einen gefährlicheren Eindruck zn machen. So fuchtelte auch Herr von Hammcrstcin im Parlament und in der Oefsentlichkcit ingrimmig nm sich, er that, als sei er ein Löwe und als sei es gefährlich, ihn zn necken; er ging umher, als sei er fürchterlich gereizt und als sei es ihm eine Kleinigkeit, ein halbes Dutzend „verlenmderischer" Gegner, wie er sich ausdrückte, nieder- zu— knallen. Daheim aber in stiller Klause verdrießt es den Tapferen, den wilden Mann zn spielen. Daheim wird der Ungeheure schmiegsam und zutraulich. Das schreckhafte Löivenfell wirft er in eine Ecke und wie ein verlegenes Mädchen befragt er das Orakelspiel oder er zählt an den Westenkuöpfcn immer wieder ab: Verklage ich die „Kleine Presse" in Frankfurt oder verklage ich sie lieber nicht? Und wenn er an den Westenkuöpfcn abgezählt hat: Thn es! klage!, dann gereut es Herrn v. Hammcrstein in seiner unerschöpflichen Gutmülhigkeit wieder und er klopft sich an die Brust, erinnert sich seiner freien Junker- stellung, nimmt wieder die kühne Stellung au und zieht die eingereichte Klage abermals zurück. Man muß sich eben nicht gemein machen mit den Gemeinen und ihr Gebelfer braucht nicht zu beachten, wer zu den Hammerstciuen zählt. Seit einmal im französischen Parlament das Wort ge- fallen war: Sic reichen nicht an die Höhe meiner Verachtung heran, haben Fromme und Schelme zugleich diesen Satz nn- bequemen Gegnern an den Kopf geworfen. Crispi, der alte Verschwörer von ehedem weist keine äußerliche Ver- wandtschaft auf mit unseren Jnnkern und dennoch führt von denen nm Hammerstein eine Brücke zu ihm. Auch er grollt, auch er tobt, auch er spielt sich vor der Oeffentlich- teit als den rasend gewordenen Heroen auf; aber wenn nian ihm den„Plico Giolitti", das Bcweismatcrial für die Anklagen Giolitti's und anderer vorhält, dann wird aus Nobel, dem grimmen König der Thiere, ein Fuchs Rcinecke blos. Daun wird nicht erwidert und nicht wider- legt. Daun heißt es einfach: All Jhr Auklagematerial reicht nicht au die Höhe meiner Verachtung hinan. Held Crispi hat zu Rom den Mund nicht wenig voll genommen. Wie er sich als Retter des Vaterlandes, als dessen eiserne Stütze pries. Wie er in freier Anlehnung an ein allbekanntes Vorbild Gott und das Kreuz von Savoyen anrief, unter deren Schirm der brave italienische Ordnungsmann nichts zu fürchten habe! Selbst den offiziösen Freunden des Herrn Crispi machte der überschwängliche Ton ein wenig bange; und die deutschen Preßstimmen, die Herrn Crispi gefügig sind, verfehlten nicht, zu erklären: Das sei eben so die Art der blühenden romanischen Rhetorik. Wie sonst wäre das Publikum, das während Crispi's denkwürdiger Tagesordnung: Die Währungssrage und die Arbeiter, Referent Reichstags-Abgeordneter Schippel, hatte eine recht zahlreiche Zuhörerschaft herbeigezogen, unter der sich auch einige Damen befanden. Von dem überwachenden Beamten wurde verlangt, daß die Damen den Saal verlassen, welcher Aufforderung man nachkam. Dem Vorsitzenden schien allerdings die Berechtigung dieser Maßnahmen wenig begründet. Jedoch wurden seine Ein- Wendungen kurz abgeschnitten, indem der Beainte die Ver- sammlung auflöste. Tie Parteigenossen deS fünfte» Wahlkreises waren am Mittwoch im Schützenhause, Linienstraße, versammelt. In einem Referat über die gegenwärtige Session des Reichstages be- leuchtete der Genosse R. Schmidt die Stellung der Regierung und der verschiedenen Parteien zu den zur Verabschiedung ge- kommeiien Gesetzentwürfen. Die Versammlung nahm die Rede niit lebhaftem Beifall ans und prüzisirte ihren Standpunkt in der nachstehenden Resolution: Die Versammlung spricht der sozial- demokratischen Reichstags-Fraktion wegen ihrer wackeren Haltung in der verflossenen Session, besonders wegen ihrer e»t- fchiedenen Stellungnahme gegen das sogenannte Umsturzgesetz, die volle Anerkennung aus. Die Versammlung ist der Ueber- zeugung, daß es dem Takt und der Energie der Sozialdemokraten zu danken ist, daß dieser die gesammte Kulturentivickelung schädigende Gesetzentwurf gefallen ist. Der Vertrauensniann des Kreises, Genosse Krüger, war durch besondere wirthschaftliche Verhältnisse veranlaßt, sein Amt niederzulegen; ans ähnlichen Gründen hatten auch die Vertreter des Kreises in der Preßkoinmission und in der Agitations- kommission ihre Aemter in die Hände der Genossen zurück- gegeben. Als stellvertretender Vertrauensmann wurde Genosse Drescher gewählt, als Mitglied der Preßkommission Genosse Wernau und in die Agitationskommissioii für die Provinz Brandenburg Genosse R o g g e. Genosse G l ö s e n k a m p er- stattete Bericht über die Einnahmen und Ausgaben der Maifest- Kommission. Bereinnahnit sind 684,40 M., ausgegeben 333,21 M. Kassenbestand bleibt somit 3S1,19 M. Arbciter-Täiigcvbnud. Eine Ansschußsitzung des Bundes fand am 13. Mai statt. Aufgenoiiimm wurden zunächst sechs Vereine. Der Vorsitzende untevbreilete dem Ausschuß den Inhalt eines Schriftstücks, zugesandt vom königl. Polizeipräsidium und adressirt an den Vorstand des Arbeiter- Sängerbundes. Das Schriftstück enthält die Auffordernng, ein Stalut und genaue Angaben der Adressen der Vorstangsinilglieder, soivie sämmt- licher Mitglieder des Bundes einzureichen. Der Ausschuß be- schloß einstimmig, dieser Aufforderung nicht Folge zu leisten, und zwar erstens weil keine Gesetzesvorschriften einen uichlpoliiischen Verein dazu verpflichien, und zweitens weil ein Nainensverzeichniß sämmllicher Mitglieder des Bundes seitens des Vorstandes nicht geführt wird. Der Vorstand ist beanslragt, sich mit einem bewährten Rechtsanwalt in Verbindung zu setzen. Eine Besprechung Über ein zu veranstaltendes Sängerfest führte zu dem Resultat, daß dem Vorstand aufgetragen wurde, sich um gecigncle Räume zu bemühen und in kürzester Zeit eine Sitzung einzuberufen und Bericht zu erstatten. Die„Vereins-Zeitung", herausgegeben von Heise undGnit, wurde, um den Vereinen eine klare Nebersicht von dem Werlh derselben zu geben, nach einem Antrag hin, probeweise ans'H Jahr obligatorisch einzuführen, beschlossen und soll jedem Verein ein Exemplar nach laufenden Niiinmern auf Kosten des Bundes zugestellt werden. Die Ver- eine„Johanni" und„Bruderbund" wurden ans grund Z 4 des Bundesstaluls ausgeschlossen. Eine srenndliche Aufforderung an die Vereine des Bundes, sich am Sängersest in Stettin am 16. Jniu und ebcnsalls am 16. Juni in Rathenow, und ferner am 23. Juni in Straußberg zu bctheiligen, nahm der Ausschuß, als Empfehlung für die Vereine, zur Keiinlniß entgegen. Wahlrede zugegen war, in solche enthusiastische Stimmung versetzt worden? Dies Publikum, das ist der Humor der Crispi'schen Tartnffe-Komödie! Oh, es war sorgsam ans- gewählt, und so wie mancher feine Hotelwirth durch abschreckend hohe Preise dafür sorgt, daß die„Creme der Ge- scllschaft", die bei ihm verkehrt, nicht durch unwürdige Ein- dringlinge gestört werde, so hatte auch Held Crispi klug vorgesehen, daß seine glanzvolle Festlichkeit der Vergnüglichen nicht durch mürrischen Widerspruch Unzufriedener au Würde einbüße. Das war nämlich eine gar vornehme Versammlung, vor der � Crispi sich blähen durfte. Die einzelne Karte zu dem Festbankett, das mit der Wahlversammlung verbunden war, kostete zwanzig Lire, also sechzehn Mark. Das ist höchst respektabel im verarmten und wohlfeilen Italien. Es sollen hier nicht die Prasser pedantisch gescholten werden, die für zwanzig Franken sich bis zur Begeisterung anessen. Allern der höchst achtuugs- wcrlhe Bürger, der also diniren und zn dem Diner ent- sprechend feine Weine trinken kann, wird naturgemäß ge- neigt, auch die Ordnung, wie sie Crispi zum Wohl aller Wackeren geschaffen hat, im rosigen Licht zn schauen. Und wenn es nun gegen die schlimmen Revolutionäre losgeht, die Anarchisten und Sozialisten, die tückischen Zerstörer und Gegner von Ordnung, Tugend und Vaterland, sollen sie nicht mit brausender Einmnthigkeit einstimmen: Wahr ist es, recht hast du, edler Crispi, großer Crispi, erhabener Erlöser des bedrohten Vaterlands!? Sie haben Jahre lang getreu zusammengestanden, in einerlei Räumen haben sie gewohnt und den üblen Duft der Korruption haben sie geinciuschaftlich eingcathmet; und nun sollen sie ans einmal empfindliche Geruchsorgane besitzen und ihrem Herrn und Meister, dem gewaltigen Crispi, nicht nach- sprechen: Es stinkt nicht. Nichts ist faul bei uns in Italien. Neidhämmel nur und frevlerische Revolutionäre können derlei Verleumdungen ausstreuen. Neidhämmel, die uns, den Stützen der Gesellschaft zum Gespött, gleichsam ein Bankett veranstalten, in dem jeder seine Riinestrasnppe und sein Stück heißer Polenta bekommt, der acht Soldi. also 32 Pfennige an Werth niederlegt. Das Bankett von Leuten, die mit ihrer Dürftigkeit noch protzen! Nicht nur junkerliche Ruhmrcderei rmd Großthnn und Hammerstein'sche Gcschäflsmaximen und Unverfrorenheit, vor allem Unverfrorenheit hat Crispi sich zn eigen gemacht. Er übt auch äußerliche, bis zum Wortlaut getreue Nach- ahmung. Wie für Bronsart v. Schcllendorf sind auch für den„Hort Italiens"„Anarchie und Sozialdemokratie" untrennbare Zwillinge. Was ihnen die Wissenschast, was immer die praktische Lebensbeobachtung, die tägliche Er- fahrung ihnen entgegenhalten möge: Sie brauchen die Fabel von dem häßlichen Zwillingspaar, um die braven Leute bei dem Zwanzig- Franks- Diner gruselig zu machen, und geben sie nicht preis. Ter Zweck heiligt hier das Mittel. •Aljpba. fmic Hiniptversammlung der antisemitischen Volkspartei (Grnppe Ahlmardt> Böctcl) hat am Freilag Slbend die Bildung eines ganz Berlin umfassenden Verbandes beschlossen, der sich nach Wahlkreisen gliedert und dem Zweck in erster Linie dienen soll, die Berliner Arbeiter zu ködern. Wir haben den Statuten- Entwurf speziell aus die Arbeiter zugeschnitten, bemerkte der Reserent in kindlicher Unschuld. In der Versammlung selbst war niemand anwesend, der auch nur entfernt einem Arbeiter ähnlich sah; wie grob»»ist die Naivetät dieser„Politiker" sein, die dem Wahngebilde nachjagen, durch Nachäffung sozial- Demokratischer Gepflogenheiten zielbewußten Arbeitern zu imponiren.„Der ganze Osten gehört uns",(gemeint sind die östlichen Provinzen) ries einer der Redner pathetisch aus, wir werden in kurzer Zeit nur allein mit der Umsturzpartei im Felde bleiben. Die Sekte der„Sozinlitärcn", die in Berlin eine Zeitlang herumspukte, hat nun der sreiheit- liche Antisemitismus in steh aufgenommen, ein Vertreter dieser Richtung wurde in den geschäftssuhreuden Ausschuß gewählt. Ter Statulenenlwurs athmet ihren Geist;«ach§ 2 erblickt der Verband seinen Hauptzweck darin, alle, die 50 Pf. pro Monat opfern wollen, in der„Nassenmoral" zu unterweisen. Wenn die 5>asse dieser wunderlichen Heiligen auf die Beiträge der Berliner Arbeiter angewiesen ist, wird sie, furchten wir, ewig leer bleiben. I» einer öffentlichen Versammlnug der Graveure Und Ziseleure, die am IS. Mai tagte, sprach der Reichs- tagS- Abgeordnete Vogtherr über die Verkürzung der Arbeits« zeit und die Stellung der politischen Parteien im Reichstage. Ter Vortrag fai d rn der Versammlung allseitig lebhafte Jri- stimm ung und wurde von mchreren Rednern auf die Bcdeiilnng »>ud den Werth der Organisation hingewieseu. Im Anschluß hieran gelangte eine Ncsolntion zur Sin- nähme, in der die Zlnivcsende» ihr Einversländniß mit dem Referat aussprechen und sich zum Beitritt in die Organisation verpflichten. Unter Verschiedenem wird ein Ein- gesandt aus der Magdeburger„Volksstimme" zur Verlesung ge- bracht, in welchem die überaus traurige» Verhältnisse der dortigen Kollegen zu tage treten und zur Gründung eines auf dem Boden der moderne» Arbeiterbewegung stehenden Vereins aufgefordert rvird. Ein den, Hirsch- Dnncker'schen Gewerkverein der Bild- Hauer und Graveure angehöriger Prinzipal beschäftigt nebe» 20 Gehilfen IL Lehrlinge und zahlte längere Zeit den bei ihm beschästiglen Arbeitern einen Wochculohn von 12 M. Nachdem Kollege Grill den Bericht über die Thätigkeit der Cewerkschafls- konrmisflon gegeben, erfolgte der Schluß der gut besuchten Ver- sammlnng. Im Fachvcreiu der Mufikinstriimeuteu-Arbtiter sprach am 18. Mai Dr. H ey mann über das Thema! Pie Anpassungs- sähiakeit des Menschen an das heiße Klima. Nach einer kurzen Diskussion über den interessanten Vortrag wird von dem Mit- gliede Scholz der Antrag gestellt, in der nächsten Versammlung die freie Arztwahl einer Besprechung zu unterziehen. Das Referat hat Genosse Dr. Hcmnann zugesagt. Die Versammlung erklärt sich sodann für die Einführung deS Vertrauensmänner- Systems und überläßt dem Vorstand die weitere» Schritte in dieser Au- gelegenheit. Tie Stiilkateure hielten am 20. Mai ihre General- Versammlung ab.' Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Abrechnung vom letzten Quartal. Diese weist an Einnahmen SIS, 53 M. und an Ausgaben 184,82 M. auf; mithin bleibt ein Bestand von 134,78 M. Hierauf wurde die Wahl des Vorstandes vollzogen, die folgendes Resultat ergab: Jänicke erster, Röscner zweiter Vorsitzender; Liippke erster, Richter zweiter Cchristsührer; Daske, Kasfirer; Howe, Radtke, Kerber, Revisoren. Die Arbeitsnachioeis-Kommissio» bilden die Mitglieder Kusche, Madaus, Schröder, Jacobi, Scheck und Janisch. Die Ver- wallung der Bibliothek wurde dem Mitgliede Lindner übertragen. Eine öffentliche Versammlung aller im Tapezier- g e w e r b e beschäftigten Personen tagte am 21. Mai lin den Arminhallen, Kommandantenslraße 20. Ter Referent, Genosse Jahn, behandelte in seinem ausführlichen Vortrage über„die Arbeiterfrage der Gegenwart" die wirlhschaftliche Eilt- Wickelung der Arbeiterklasse von ihren Anfaugestadien bis zur Neuzeit, und empfahl am Schluß den festen Zusammenschluß in der Organisation. Nach einer kurzen Diskussion entwickelt sich bei der Besprechung gewerkschaftlicher Angelegenheiten eine längere Debatte, die sich um die Einrichtungen im Arbeits- Nachweis drehte. Anstelle von zwei ausgeschiedenen Mitgliedern wurden K l e e in a n n und L u tz m a n n in die Arbeitsnachweis- Kommission gewählt. Zum Schlüsse erfolgte eine Einladung zum Sommervergnügen der freien Hilsskasfe. Das Fest findet am Sonnabend, den 20. Juli, in der„Neuen Welt" statt. Der Ueberschuß ist sür einen wohlthätigen Zweck bestimmt. Ucber die Interesse» und Aufgaben der Handlnngs- gehilfen auf politischem und sozialem Gebiete sprach am 22. d. M. Reichstagsabgeordneter L i e d k n e ch t in einer von der Freien Vereinigung der Kausleute einberufenen öffentlichen Versammlung für Handlungsgehilfen und-Gehilsinnen. Dieselbe fand im großen Saale vonÜeller(Koppenstraße) statt und war von über tausend Interessenten besucht. Ter Rcsercnt fühlte fich, wie er einleitend vorausschickte, um so mehr bewogen, über obiges Thema zu sprechen, als er die Qge der Haudluugegehilscn aus eigener Anschauung kennen zu lernen vielfach Gelegenheit gehabt habe. Ungemein schwierig sei es, die Handlungsgehilfen zu orga- nisiren. Die Genossen in Teutschland hätten sich nach dieser Richtung hin vielMühe gegeben, bisher jedoch mit wenigem Erfolg. Frage man sich, woher diese Schwierigkeit stamme, so sei die Autwort darauf, daß dieselbe in den nachstehend geschilderten Verhältnissen zu suchen sei: die Well scheide sich in zwei Klassen, in Menschen, welche die Arbeitsmittel besitzen und in solche, welche arbeiten müssen für jene. Wo diese Scheidung sich klar vollzogen habe, da sei auch das Klassenbewußtsein der Arbeiter gestiegen. Ter Industrie-Arbeiter wisse heule, daß es ihm unmöglich ist, jemals aufzurücken aus die soziale Höhe der ersteren Klasse. Damit habe die Masse des Jndusirieproletariats erkannt, daß das Heil der Zukunft nur der Sozialismus ihr zu bringen vermöge. Nicht ganz so, wie in der Industrie, habe sich die Klassen- scheidung im Handelsgewerbe vollzogen. Das Klassenbewußtsein sci bei den Handlungsgehilsen noch nicht so gcivcckt, wie bei den Industriearbeitern. Größlcnlhcils sei noch die Meinung ver- breitet, daß die Handlungsgehilfen„mehr" oder„clivas besseres" seien, als die„gen öhnlick cn Arbeiter". Fast noch überall bestehe unter den Handluugsgehilsen der Glaube, durch eigene Kraft emporzukommen, einmal auch Prinzipal und den Nöthen des Lebens entrückt werden zu können. Möglich sei dies heute allerdings nur durch irgend ein Wunder. Und dieser Wunderglaube florire noch immer, obgleich wit heute keineswegs mehr in den Zeiten der Wunder leben. Tie Lage der Handlungsgehilfen sei die gleiche, wenn nicht eine noch schlechtere, wie die der Arbeiter. Tie elende Lage der HnudlungSgchilscn werde hinreichend ersichtlich aus der Statistik vom Jahre 1802, so unvollkommen dieselbe auch sei. Nach dieser hätten über die Hülste der Gc- Hilfen und auch der Lehrlinge täglich 14 Stunden bis hinauf zu 18 Stunden zu arbeiten. Solche Verhältnisse seien ungeheuer- liche. Diese Arbeitszeit sei eine viel zu hohe und im eigensten Interesse der Handlnngsgchilscn liege es, das zu lhun, was andere Arbeiter thun und gelhan haben, die Arbeitszeit zu ver- türzen oder eine Verkürzung derselben anzustreben. Tie Gesund- heitsverhällnisse seien infolge der laugen Arbeilszeit und der elende» Arbeilsverhaltnisse außerordentlich ungünstige. Die Hand- lungsgehilscn hätten fich die Frage vorzulegen, ob das so bleiben solle, ob sie allen auf Verbesserung ihrer Lage gerichteten Bc- strebungen zu entsagen hätten? Die Antwort auf diese Frage könne nur„Nein!" sein. Sie hätten lheil zu uehmcn an dem Kanipse, an der Organisation. Ebenso wie die Arbeiter es thun, müßten auch sie für ihre Interessen eintreten, wie diese und mit diesen kämpfen und könnten ebenso wie diese durch festen Zusammen- schlich sich manche Vortheile erringen. Sie hätten mitzuarbeiten au der Verwirklichung de» idealen Ziele der Sozialdemokratie, welche der Vortragende in fesselnder, häufig von stürmischem Beifall unterbrochener Weise zum theil erläuterte, und nicht anderen Parteien nachzulanseu, die mit schuld an ihrer elenden Lage seien. Was die Gesetzgebung bisher für sie gethan, hätten sie nicht ihrer eigenen Wirksamkeit, sondern der anderer zu danken. Ohne Organisation wären sie machtlos. Nur dadurch, daß sie vermöge ihrer Organisation einen Druck auf die Gesetz- gebung ausüben, könnten sie ihre Lage dauernd ver- bessern. Darum, so rief l er Reserent am Schlüsse seines Vor- träges den Handlungsgehilfen zu. wählen Sie Sozialdemokraten! (Lebhafter Beifall.) Ein Redner von der antisemitischeu Volksparlei, Herr O s k i e r s k i, unternahm es hierauf, dem Referenten in einigen Punkten entgegenzutreten und entfesselte nrit seinen Ausführungen stürmische Heilerkeit. Derselbe schnitt selbstverständlich auch die Judensragc an und gab zu verstehen, daß seiner Meinung nach erst durch die Juden die Kapilalbilduug verursacht worden sci. Im übrigen schwärnite er sür Genossenschasten, mit denen er den Kapitalisnuis zu untergraben hoffte. Liebknecht würdigle den Rachbeter antisemitischer„großer" Geister einer treffenden Belchruug. Erzeigte ander kapitalistischen Entwickelung Englands und Amerikas, daß die Juden dort an derselben so gut wie gänzlich nubetheiligt seien. Er führte vor Augen, daß die im Jahre 1878 durch den Hosprediger Stück er inangnrirte Judenhah nur bestimmt war, den bisniärkischeu Beutezug zu gunsten der christlich- germanischen Junker und Schlotbarone, welcher dem deutschen Volke tausende von Millionen gekostet habe, zu maskiren. Wenn die Juden in Deutschland heute in einem größeren Prozentsätze, als ihrer Bevölkerungszahl cut- sprechend im Kausmannsstande anzutreffen seien, so habe dies ihre jahrhundertlange Verfolgung und Unterdrückung verschuldet. Redner nahm nocbmals Gelegenheit, die Handlungsgehilfen zu ermahnen: Thun Sie Ihre Pflicht gegcn sich selbst, Ihre Sin- gehörigen und gegen die Klasse, welcher Sie zugehören.,(Beifall.) Da weitere Redner das Wort nicht nahmen, wurde folgende Resolution zur Abstimmung gebracht:„Tie Versammlung erklärt sich voll und ganz mit den Ausführungen des Resereuten, Reichs- tags-Abgeordnelen Liebknecht, einverftandln und verspricht, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß der Gedanke des Sozialismus Eingang in die Kreise der Handlungsgehilfen findet, da nur durch den Sozialisinus allein eine Beseitigung der heutigen elenden wirthschaftlichen Verhältnisse möglich ist. Sie verspricht, Mann sür Mann der auf dem Boden der allgemeinen Arbeiter- bewcgung stehenden„Freien Vereinigung der Kaufleute" bei- zutreten, um organisirt den Uebergriffen der Prinzipale entgegen treten zu können." Diese Resolution fand widerspruchslose Annahme und wurde die Bersau.mlnng hierauf mit einem Hcch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Charlottenburg. Der sozialdemokratische Wabloerein sür Teltow-Beeskow-Slorkow-Charloltenburg hielt am 22. Mai im Lokale„Bismarckshöhe", Wilmersdorferstr. 39, seine halbjährige Generalversammlung ab. Das Referat halte Genosse Görke übernommen, der über das Thema:„Die technische Revolution" referirte. Auf eine Diskussion wurde verzichtet, worauf Genosse tlemming über die Thätigkeit des Vorstandes berichtete. Der assenbericht, welcher vom Kassirer Genossen Schnell verlesen wurde, weist folgende Uebersicht auf: Bestand vom vorigen Quartal 125,70 M., Gesammteinnahme 256,65 M., Ausgabe 139,05 M., Kaffenbestand 69,60 M. Hierauf wurde die Wahl des Vorstandes vollzogen. Aus der Wahl gingen hervor: G. Scharnberg, I. Vorsitzender; Homuth, 2. Vorsitzender; A. Schnell, Kassirer; A. Schleuder, stellv. Kassirer; O. Flemming, Schrist- führer. Als Revisoren wurden Sellin, Vogt und Paletzki ge- wählt. Tie Bibliothek wird nach dem Lokal von Sellin, Schorn- und Wilmersdorscrstraßen-Ecke, verlegt. Ter Vorsitzende theilte mit, daß am 14. Juli mittags I Uhr eine Vorstellung in der Urania stattfindet. Billets sind zu haben bei sämmtlichen Vor- standsmitgliebern und bei den Zahlstellen-Kassirern. «thischr«»sttlschast. Sornita-,, den 26. Mal, abends 7% Uhr,v Uhr, bei Schöps. Eertchtsstr. 16: Mitglieder-Ver- saminlung. Kassenbericht und Wahl der Orlsverwaltung. Ktrrdllinlte vc» Arbeiter» der Keriiiier Nlaschinexban-Zllisle». grsr lisch oft. Heule Zahltag: Ackerstr. 126 bei Marten, früher Stümte, und Elallschreiberstr. 68 bei Witte. „Zou«»t»rit", Verein für Eisenbahnreform. Montag, den 27. Mai, im Mefiaurant Hensel, Jüvalidenstr. l a: Letzte Vereinsversaininlung vor den Coniinerfertcn, in der Herr Redalteur Karfunkel über das Thema:„Wog bade» wir erreicht?" und Herr Dr. Eduard Engel über:„Die Erfolge des lufsischen Zonentarifs" heischten werden. Samaritrr-Anrsu» der Arbeiter und Arbeiterinnen. Montag, den 27. Mai, abends 8,'; Uhr, im oberen Saale der Arniinhallen, Kommandanten- straße 2»: Vortrag und Ncbungsstunde unter Leitung des pralt. Arztes Herrn Tr. Christeller. pcrgnUo»»gover«In„Jtaiia". Sonntag, den 26. Mal, abends 6 Uhr, bei Roland, Elsasserstr. 26(bei ungünstiger Witterung,. Ftdelitas.— Enste herzlich willfommen. Arbritrr �ild»»g«ich»le. Sonntag, 16—12 Uhr: Nord-Schule, Müllerstr. I7sa: Leltüre(unentgettlich). Südost-Tchule, Watbemarstr. i«: LcltUre lunenlgetllich). Montag, abends 7�-8� Uhr; Leltüre. sf,'— 10� Uhr: N- r d- S ch u I e. Müllilftrohe i7sa: Nalionalölonomie. Südost-Schule, Waldemarft». u: Voirslhümliche Medizin.(Sau und L-b-nscrschcinungen de« gefunden und Iranken Menschen.)- Bei allen UnlerrichtSsöchern werden neue Theilnehmer, Tanie» und Herren, jederzeit aufgcnomnieii., (tft- nnd Diokntirklnb„Carl tUar»". Montag, abends s Uhr. bei Grübe, Mariendorferstr. 6. Arbeiter- Sii»l>»rbnnd Krrlino»nd zlingegcnd.«.Vorsitzender: Ad. SIeuniann, itzascivaltlrstr. S. Alle Aenderunae» im Vereinstatender find zu richten o» Friedrich Kortum, Manteuffslstraße 6», v. 2 Tr. ktloutag, AbentS 8— II, Ncbungsstunde und Ausnahme neuer Mitglieder. Liedertafel der Maler, Annenstrahe o, bei Ehrenberg.— W i e d e r h a l l, Äöpeuiaerstr' isi bei Foge.-Zutuns! I, Sieglitz. Ahorn stratzc Ida, Cchclhose's Eambrinus.— Bruderherz, Kraulstr. 6, bei Rudolf.— Arbeiter-Ecsangverein Vorwärts III, Lichtcnbera-Frtedrichsfelde, Prinzen» Allee e bei Karl Schulz.— Ltederzweig, Waibmannslnst Berllnerstrabe bei Zcrbe.— Li e d e s s r e ih et 1 II, Strausberg, Wrletzenerslrab« bei Lcol, Bürgergailen.— Eloclenretn(gem. Chor) Schönhauser Allee«o bei Höhne.— Eyrene, Schönhauser Allee 28 bei Kelle.— Arbeiter-Eesang- rcrcin Wacht auf II, Erlner, Restaurant„Seebad" am Tämmerttz- see, „Wilhclmshöhe".— Arbeiter tZesangveretn der Enterbten, Swinemunder strahe 48.— Hoffnung II, Deutsch Wilmersdorf, Wünzetstr. 3».— Don» b lüihe, Zeughofstr. 8, Restaur. Behlcndorf.— E-fangverein L i de r t e: Wrangelfir. 84 bei Rcdat'z.— Manne: chor GangeSlusttt, Pafewallerfir. 3 bei Ad. Rcumai n.— Ecfangverein Freiheit 6, acmtfchtcr Chor, Bernau Hufsllenfucche„OUjfUini".—„Harmonie 2", Wetnstr. 11, Restaurant F-indt.-„Sin ig feil 3", Erob-Lichterfelde. Amalienstr. bei E. Senger- Hi laria, Bluinenflr. 46 bei Tomalfchcck.— JlllBgTOÖllt j(che» Toppelquarlell, Reu Weißenfee, Langhansflrahe bei Ww. Busch.— Süd-Ost I>. Fallcnsteinstr. 7 bei Trittelwitz.— A l p- n v et Ich en. gemischter Chor, Lindoweistr. 26 bei Sachse.— Solidarttät, Oranien- firahe if.b bei Treiser.—„F r etz a 2"(gem. Chor), Rildors, Hermannstr. 46 „Blltoria-Säie".„_.., Hotiaidiui« braiisch« ftft- nnd N>«kntirI>Ind». Mar Katzser, jclen Sonntag Boriniltags toi Uhr im Restaur. Echömanu» Heimflr. 16. „Karl Marl",» Uhr, bei Grube, Mariendorserstr. 6. Kt.nd der BisiUigeu Arbeiter»»»»!»« Kerlin»«»> (Alle Znschrislen, den Bund der geselligen ArbeUervereine belressend, sind zu richten vn P. Genf, Adalberlstraße V6.j— Könning: VergnUgUNgSverein „Helgoland II", Riidersdorsersir. 46,„EesellschaflshauS Ostend, nochtn. »on 4—6 Uhr.— il'.emlog: Pfeifentub F e l s e n l e st, Andreasurahe 26 vei Mille.— Bergnügungsverein Felsenfest, Ripdors, Hermannstrahe 2l vei Horrlurg.— Kartenttub Lustige Brüder, Krautstraße 46 bei Raiire. GescUlger Verein Fridolin, Brunnensir. 66 bei Wolf.— Arbeiter- Zither- verein Eini gleit, abends s.b Uhr, Uebung bei Nowait, Manteusselstr.». Thcatcrvercin Liebesglüct, Große Frantfurterslraße 74 bei Breuer, an jedem I. und 6. Sonnlag im Monat. tprsang-, kurn- nnd gesellige$lerei»«. Montag: Plivat-Theater- gesclllchasl„S a i u r" abends 3.iä Uhr, bei Specht, Marlgrasenstr. 86.— Pr wai- ZhealeigeseUlchast Immer Lustig jeden Sonntag Abend« 6 Uhr, bei Ruht Antrce, Chorinc:si>. 66: Sitzung mit Damen.— Privat-Theatergesellschasl Minerva. Alle Montag Zusammenlunst Maibach-User 6 bei Schmoll.— Piivat-Zhcot-r- und Bergnügungsverei» Morgenstern. Sitzung jeden Sonntag 6 Uhr; alle vierzehn Tage Fidetita« im Marlthallen-Restaurant, Mörlhcrsiraße 46, bei F. Taren.— Rauchtlub Brüd er li cht e i I jeden Moniag 8— Ii Uhr bei Pank«, Schlestschestraße 38.— Rauchtlub Eldorado alle Montage, abends 8!s Uhr, des Geier, Pallijaden- straße 66.— Theater- und Vergnügungsverein Waldemar. Jeden Sonntag Etalitzeestr. 64 bei Heute. Ansang 6!j Uhr.— Arbeiter-Slenographie Berrcin„Eintracht", Unterricht und UebungSstunde Montag abend««)S Uhr bei Rothe«, Buttmannstraßo 17.— Privai-Theaterveretn Freiheit»- Hoffnung. Sitzung mir Dame» jeden Sonntag um 6 Uhr nachmittags bei Baumann, Lychnerstr. 2—6(Straße XV>. Nach der Sitzung Fidetita«.— Privat-Theatergesellschasl Minerva. Alle Montag Zusammenkunft Maibarb- User 6 bei Sellmock.— Klub Frey«. Jeden Sonntag von 6 Uhr nach- mittags an Sitzung mit FidetitaS im Saale de» Restaurant» Kiekelhahn, DicSdencrftr. 68.— VengnUgungsverein Flora. Jeden Sonnlag 4� Uhr Sitzung, nachdem Fidrliias im Restaurant Miethe, Mendelssohnstr.».— Geselliger Berein Frohsinn. Sonntag, nachmittag«» Uhr, bei 9. Hi-tzig Faletenstewstr. 41, Sitzung, nachdem Fidelita». Achtung! Parteigenossen. Achtullg! Montag, de« 3. Jtt»i(2. Pfiilgstfeiertag): Großes Früh- Konzert arrangirt von den 291/7 fgrieiZenossen(168 4. Wahlkreises(Osten). Vokal> und Instrumental-Konzert unter Mitwirkung des Gescing- vereius Liedesfreil/eit(Mitgl. des Arb.-S-B.) und einer 20 Mann starke» Kapelle der„Freien Vercinigung der Zivil-Berufsmusiker". Im großen Saale: Tanz. Herren, die am Tanz lheilnehmeu, zahlen 30 Pf. nach. Anfang 5 Uhr. Programm 25 Pf. Das Komitee._ Gasthaus„Zu denünder 3a. Friedrichstr. 3a. Fremden logi«, Ausjpanilung» Kuffreküche, Uerriuszimmep empfiehlt bestens für Kuvflttgler _ J, R. Janke. Selionhanser Allee Nr, 101/102. I.u. 2. Pfittgstf.: Früh-Concert u. Mtlivirk. d. Bieber'schen Männerchors. Gntree 30 pf. Heute u. jed. Feiertag Nachm.: Freironcert. 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Wie stellen sich die Maler und Anstreicher Berlins zur Ausarbeitung eines Akkordtarifs event. Wahl einer Kommission? 2. Arbeitsnachweis. 3. Fachschule. 4. Abrechnung vom Sommerfest vom Jahre 1894. Um zahlreichen Besuch bitten Die Vorstände Kerlin». i61/13___ I. A.: L. Jacobeik, Hussitenstr. 6. Spiegel, u.kolstkrvaarev. Gr.Auswaht in Nußbaum und Mahagoni, billigste Preise nur per Kasse, im Speicher 0. Schmidt, Berlin N., Gartenstrasse 52 n. 56 Möbel, Perleberg � Chansseestr. Etablissement für arderobe Ecke Sotoarzkopffstr. in a�n �assßn Genre zu billißsten, aber sireng festen, deutlicli in Zahlen ver- " Telephon:' Amt in wo. 257!? merkten Preisen; daher ist jede(Jehervorllieilung ausgeschlossen. Bedeutendes Lager in- und ausi&idischer Stolle für Anfertigung nach Maass in eigener Werkstatt. Wir offeriren för die Sommep-Saison die grösste Auawahl Damen-Kleiderstoffe. Eine grosse Auswahl Beiges, in den neuesten Farben, Meter 50 und 60 Pf. 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Marke Ranhapll I � 13' 2 cm lang, ca. 6'/., cm nclJJIIdeil I, Umf G�st-Regalia Bockfaxon per 100 Stück jetzt nur Mk. 7,50. Meine langjährigen Erfahrungen und mein ganzes Können habe ich bei der Ziisaiuinellstellulig der letzten 3 Marken aufgeboten und bin nunmehr der festen Ucbcrzelmiiilg, dast auch die letzten beiden Marken sich destclbcn Beifalls erfreuen werden, wie die Marke Raphaeii III. Neu, Neu, Neu!!! HolIUiuliseke Cigarren. l'rimn Rem- krandt van Ryn Nr. 3 per 100 Stck. 5 Mk.— Nr. 2 per 100 Stck. 6,50 Mk.— Nr. 1 per 100 Stck. 8 Mk.— Die Länge dieser 3 Marke» ist ca. 15 cm, der Umfang ca. 4% cm.— Der passionirteste Raucher wird in diesen Cigarren nach jeder Nich- tuiig hin— ob er an milde oder kräftige Cigarren geivöhnt ist— nicht nur die vollste Befriedigung iuideii, sondern dieselbe» als seine uiieiltbehr- lichsten Marken nach cinmaligein Versuch be- trachicn.— Der Alleiiiverkaus für Dentschlaild ist mir übertragen.— Da ich voraussetze, dast auch diese Marken bald von der Concurrcnz ge- fälscht werden, erkläre ich hiermit, dast jedes Kistchen Cigarren dieser Marken mit nleinem Firnicilstempcl versehen wird niid dast ich nur in diesem Falle für die Vorziiglichkeit eintrete.— Ken, K'en! Havann de Mexiko, ca. 11'/- cm lang, groß Bock, mild und voll per 100 Stück Mk. 0,00. r K'eue Marke General, ca. 10'/, cm lang, „ca. S1/, cm Umfang. Mit dieser Havana-Cigarre, „welche' aus einer Ziisanuiieiisetzluig der alleredelstcu „Tabake besteht, glaube ich nicht nur den raffinirte sten „Raucher zu befriedigen, sondern den unversöhnlichsten .Widersacher stutzig zu machen, und behaupte von ihr, .daß sie in Bezug ans Preiswürdigkeit nicht ihres Gleichcinindet�ie�elb�oste�er�OOStiM� Frische Cigarren aus meiner Fahnh. Alagoas-l'elix- und Vneltn-IIavana- Cigarren, wie sie bei mir täglich unter den Fingern der Roller weg zum Verkauf und Versand komme», die nicht im Eiitferiitestcli belästigen imd hauptsächlich, frisch geraucht, die hervorragendsten Eigenschaften documentiren, empfehle ich den Freimdeu luid Kennern saftiger Qualitäts-Cigarren in folgenden Größen und Marken: Hochfeine Vorsten- Jara m. Felix, durchaus mild, Diplomaten-Faxon, ca. 12 cm lang, 5'/, cm Umfang,.... per 100 Stück Mk. 4.50. Alagoa>>-Velix, Torpedo-Faxou, ca. 11 cm lang, 5'/, cm Umfang, per 100 Stück Mk 5,—. Rciiia del Alngoas. ca. 14 cm laug, 6 cm Uiiuaiig,..... per 10« Stück Mk. 6.—. Bei dieser Cigarre ist die Brandfläche bouauet- artig nilbeschnitteil und ist dadurch ein Mangel- hafter Brand vollständig ausgeschlossen, und hat der Raucher sosort den Bollgcnust des Tabaks. Mandl Angin ni. I-a Cniü des Almas, Torpebo- Faxo», ca. 11 cm lang, 5'/, cm Umfang, per 100 Stück Mk. 5.—. Reli Mnatscliappy mit Felix und Havana, Diplomaten-Faxon, ca. 121/, cm lang, 51', cm Umfang,.... per 1Ö0 Stück Mk. 6,-. Vnelta Havann, Torpedo-Faxou, ca. UV, cm lang, 5'/, cm Umfang, per lOO Stück Mk. 7,50. Eine Musterkiste obiger 6 Marken zusaminen 100 Stück Mk. 6,—. Jede dieser Marken dient mir als Empfehluligs- brief, und ein einmaliger Versuch genügt, um nicht mehr von ihnen zu lassen, auch sind sämmtliche Marken trocken zu haben. Echt importirte Cigarren, asiatisches Gewächs, welche von all rasfinirien Rauchern bezüglich ihres Aromas sowohl als auch i» saiiitürcr Hmsicht den echten Havana- Importen vorgezogen werden, ca. lOVt cm lang, 6 cm Umfang per 100 Stück.... Mk. 5,—. ca. 103 4 cm lang, 5l/j cm Umfang per 100 Stück......... 9)11.6,—. ISchiilie II. Stiefel in elegant. Aiisining, aas bestem Material beigestellt. 5 f? Trotz volhergegaugener peinlichster Konlrole können fich an den von mir in den Handel gebrachten Maaren, ganz gleich ob bei Herren-Garderobe, Schuhwaaren oder Cigarren:e. ze. ='OltS-v** nicht sofort sichtbare Mangel herausstellen, welche de» Käufer glaube»»lachen könulen, uiinderwerthige Maare erhalte» zu haben.— Getreu meinem alten Princip, bleibt keine Neclamatio» nnberiilksichtigt.— Der Käufer empfängt— ganz nach Belieben— entweder neuen Ersatz in Waaren— oder sein Geld und Auslage», sowie— ausgiebigste Eliljchädigiing für die gehabte Mühewaltung—» und bei Stiefeln oder Garderobe— wenn thunlich— die getragenen Gegenstande rcparirt dazu, ohne einen Pfennig dafür zu bezahlen. Achtung!! Diese Artikel sind befindet, mmderwerthig verwende» Sämmtliche hier folgende Schuh- und Stieselsorten können 85— 50°', unter»achsteheiiden Preisen verkauft werden, wen» dieselben aus Zaetis(sogeuanntein Kunstleder, welche? aus Lederpappc und Gummi zusammengesetzt ist) int Zuchthausc hergestellt sind. Jeder Käuscr solcher Waarc ist um sein ausgegebenes Geld betrogen. Jedes„meiner" Schuhwaarensadrikate ist ans das Peinlichste und Reellste von bestem Material hergestellt, und übernehme ich für die Haltbarkeit volle Garantie. Die mit einem* bezeichneten Artikel sind ausiiahiusiveise theils mit Factisznthatcn i» der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zweck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen würden. wurde meine Conlanz vielfach insofern, als man von mir Entschädignug für fehlerhafte Waaren verlangte, die bei unreeller Concnrrenz gekauft worden sind.— Um derartigen Auswüchsen unreeller Käufer cutgegen zu treten, habe ich seit Jahresfrist Entschädignnaskarten eingeführt.— Jeder Käufer'--........... Vorzeigung einer EntschädigungSkarte werden Reclamationen berücksichtigt. Lasting- Zugschuhc m. Ledersohle, Scitenlcder n. Lackspihe............. 4,00 Silk. Rosiledcr Kellncrschnhe, genäht, mit zwei Gummiziigen (Herreustiefel.) 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I; Kalblack- Salonstiesel mit Glacc-Einsatz, auf Rand genäht, Handarbeit, Reitstiefel.... 10,00 Mk Reitstiefel aus prima genarbtem Niudlcder, kei» Wagenvrrdeckleder, mit steifer Stulpe,� �oppch Knibieder- Zugstiefel Handarbeit, bestes Karlsbader Fabrikat mit zwischeugelegter Doppelsohle 11.00 Mk. Eyagriu-Hausjchuhe mit Lasche u. Absatz 3,00 Mk. Alle Reflcctanten weise ich i« ihrem eigenen —~ Für auswärtige Käufer genügt die empfangene Rechnung. Ledersohle, erhält eine solche und hat dieselbe aufzubewahren, denn nur grgen Braune Segeltuch Schnürschuhe3' mit Lcderbesatz und durchgenähter Gummisohle oder mit Ledersohle(Sport und Nadfahrerschuhe)....... 4,85 Mk Rohleder-Halbschuhe mit Gummizug und Knopf- Verzierung............ 4,50 Mk Nostleder-Besatz-Halbschuhc, zum Schnüren oder mit Gummizug, auf Rand genäht.... 6,00 Mk. Satinirt Rohleder-Halbschnhe aus Rand genäht mit Besatz in noch eleganterer Zlusfährung mit Gummi- zügen, oder zum Schnüren, Handarbeit 7,00 Mk. (Daanettstiefel.) 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Dieselben mit Lederabsatz �..... 4,00 Mk Dieselben mit Lederabsatz, einbällig, durchgenäht iEhic- Schuhe)........... 4,50 Mk Zloftleder- Schnürschuhe, genäht.... 4,00 Mk. Dieselben mit Gummizug ebenfalls,. 4,00 Mk. Chagriu Schnürschuhe m.Kalblackblatt,ge»äht4,50 Mk. Lasting-Zugsticsel mit Seitenleder... 3,50 Mk. Tieselben m. Lackspitze 6" hoch im Zuge 4,00 Mk. Rostleder-Zugstirsel, S' hochtm Zuge, genäht 4,50Mk. Dieselben mit eleganter Lackkappe, 6" hoch im Zuge, ans Rand genäht...... 5,75 u. 6,50 Mk. Kalbleder-Halbschuhe zum Schnüren oder Knöpfen auch niit Lackblatt......... 5,75 Mk Roftleder Knopfsticsel, ans Rand genäht, mit aus- genähten Knopflöchern..... 6,75 mid 8 Mk Satin Kalbleder-Zugsticfcl, mit und ohne Lackspitze, auf Rand genäht, 6" hoch im Zuge 7,85 u. 8,85 Mk. Glac�-Zugstiefcl, sammeNvcich, auch mit Lackblatt, sehr hohes Faeo», aus Rand genäht.. 7.75 Mt. Satin- Kalb- Knopssticfcl, auf Rand gelb genäht 8,50 u. 0,75 Mk. Glaccs-Zugstiefel in. Besatz u. echter, hoher Knopflasche, ousschend wie Knopssticfel,..... 8,85 Mk. Dieselben mit Glaccbcsay...... 8,85 Mk Glacci-Knopsstiefel, sammetweich, in vorstehender Ansfiihruug, mit ausgenähten Knopflöchern, auch mit Lackblatt....... 0,85 u. 10,85 Mk. Dieselben rings mit Kalblackbesatz 0,50 u. 10,75 Mk. (Kittderstiefel.) Rostleder- Halbschuhe zum Schnüren, genagelt, bis 18 ern............. 8,85 Mt Dieselben bis 22 ein........ 3,00 Mk. Rostleder-Zugschuhr. genagelt, bis 18 ern 8,50, bis 22 ein 3 Mk., bis 25 ern(einbällig).. 3.75 Mk. Rostleder- Turnschuhe ohne Absatz mit 2 Gummi- zügen, genäht, bis 18 cm innerer Länge 1,00 Mk Dieselbe» bis 22 ern innerer Länge.. 8,30 Mk. Dieselben bis 26 cm innerer Länge.. 8,80 Mk Rostleder-Nnabenftiefel zum Schnüren, mit Agraffen genagelt, bis 19 cm....... 3,00 Mk Dieselben bis 23 ern........ 4,00 Mk Dieselben bis 26 cm........ 5,85 Mk Roftleder Mädchenstiesel, z. Knöpfen 19 ern............. 3,00 Mt Dieselben bis 23 ern........ 4,00 Mk. Dieselben bis 26 ern........ 5,00 Mk. Kalbleder Knopf- u. Agraffenstiefel bis 18 cm 5,00 Mk Dieselben bis 22 cm........ 5,75 Mk Satin-Kalbleder-Knopsstiesel, auf Rand gelb genäht, bis 18 cm............ 5,50 M» Dieselben bis 22 cm......... 6,50 Mk. Kalblack-Spangenschuhe3 in. Spitzen u. Schleifen biö 18 cm.............. 3.75 Mt Dieselben bis 22 cm........ 4,85 Mk Gemsleder-Tpangenschuhe* in gleicher Ausführung >bis 18 ern.......... 3,85 Mk. Dieselben3- bis 22 cm........ 3,75 Mk Braune Leder-Ttrandknopf- und Schnürstiefel bis 18 cm.............. 5,75 Mk. Dieselben bis 22 cm........ 6,50 Mk Ttulpstiefel, mit und ohne Lackstulpe, ans genarbtem Rindleder, bis 16'/, cm innerer Länge 4,85, bis 19 cm 4,50, bis 21'/„ cm 5,00, bis 23'/- cm 5,75 Mk Erstling-, Baby- uiid Mädchenschnye' von Leder sind in größter Auswahl und jeder Ausführung sowohl schwarz als farbig am Lager', Wiederoerkänsern gewähre schon bei Entnahme von 1 Dtz. Paar Rabatt. Für Gummischuhe u. 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Auch bin ich zur Rückzahlung des Betrages gern bereit, wenn die Stieiel im Original-Zustande erhalten sind und der Kunde die Porto-Auslagen trägt! doch tritt letzterer irall deshalb nicht ein, weil jeder Nachbar, der der Stiefel ansichtig wird, ihrer Billigkeit wegen den Preis dankbar zahlt. Sobald jedoch bei der Aus- sährmig des Auftrages eine Uuregetmästigkeit von Seiten meines crpedircnden Personals vorgekominen ist, trage ich selbstverständlich sämmtliche Auslagen. Es ist erforderlich, beim Anprobiren eine Decke unter- zulegen, damit die Sohle nicht beschmutzt wird. Um das Matz festzustellen, wolle man einen Stab in den getragenen Stiefel einpassen und das Mast in Centi- meiern anheben, mit der Bemerkung, ob Spann hoch oder niedrig.— Siehe oben meine„Bitte". Interesse auf meine heute auf Seite I,».Beiblatt erscheinende Offerte, betreffend Herren- u. Knaben-Garderoben hin. lirm» Sämmtliche Abtheilungeu meines Stabliffements find am heutigen Sonntag bis S Uhr AbendS geöffnet. 3. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Ur. 121. Sonntag, de» 26. Mai 1893. 12. Jahrg. Polizei nnd Gewerbegrricht. Für bestimmte Gewerbetreibende, hauptsächlich Gastwirthe, und für einen Theil der Angestellten derselben hat ein offen- kundiger Gegensatz zwischen der Polizei und den Gerichten schon zu vielsachen llnzuträglichkeiten Anlast gegeben, ohne dast bisher Abhilfe erfolgte. Die Polizei verlangt, dast Köchinnen, Dienst- madchcn und Hausdiener in Restaurationen, Zimmerniädchen in Hotels u. s. w. ein Dienstbuch haben und dast ihnen der „Dienstherr" bei der Lösung des„Dienstverhältnisses" in der dafür bestimmten Rubrik ein Zengniß auch über die Führung ausstellt. Die betreffenden Angestellten werden als dem Gesinde zugehörig betrachtet und deshalb ihre Arbeitgeber auch polizcilicherseits verpflichtet, ms ihre zum Gesinde- Belohnungsfonds beizutragen. Das Eewcrbegericht hingegen hat in ständiger Praxis de» Standpunkt vcrtrelen, solche scheinbaren Dienstboten, die im und für den Ge- uierbebetrieb ihrer„Miether" beschäftigt werden, seien gewerb- liche Arbeiter bezw. Arbeiterinnen, und für die Regelung und Auflösung ihrer Beziehungen zu den Arbeitgebern käme infolge dessen nur die Gewerbe- Ordnung in betracht. Wie richtig dieser Standpunkt ist, bedarf wohl keiner näheren Auseinandersetzung. Im Einklang damit befinden sich eine Reihe von Urtheilen, die von sogenannten ordentlichen Gerichten Berlins gefällt wurden. Sogar der Strafsenat des Kannnergerichts hat in der Sache eines Hausdieners, der in einer Konditorei thälig war, im Sinne der gewerbegerichtlichen Praxis entschieden. Die festgestellte Disharmonie zwischen Polizei und Gericht hat zu einer grenzenlosen Verwirrung in den bekheiligten Lireisen geführt. Immer mehr häufen sich die Fälle, in denen „Dienstherren" zu ihrem Erstaunen erst auf dem Gewerbegericht belehrt werden müssen, dast sie auf Anordnung oder doch in Ucbcreinstimmung mit den, Willen der Polizei„das Gesetz" v e r l e tz t haben, daß ihre vermeintlichen Dienstboten aus be- stimmten Gründen g a r n i ch t Dienstboten sind. In den gedachten Streitfällen Handell es sich fast ausschliestlich umdieAusstellungeines Zeugnisses gemäß S 113 Absatz 1 der Gewerbe-Ordnung. Tie klagenden„Restaurationsköchinnen" nnd„Restaurationsdienst- Mädchen", wie sie das Gewerbegericht bezeichnet, die Hausdiener, Kutscher ec. beschweren sich gewöhnlich darüber, daß ihnen im Dienstbuch ein Zengniß ausgestellt sei, welches ihr ferneres Fort- kommen erschwere oder unmöglich mache, und sie verlangen des- halb eine einfache Bescheinigung über Art und Dauer der Be- schästigung. Da nun das Gewerbegericht voraussetzt, durch ihre Thätigkcit im Gewerbebetriebe der Beklagten seien sie als gewerbliche Arbeiter legitimirt, und da ein gewerblicher Arbeiter nach§ 113 G.-O. ein Zengniß nur über Art und Dauer der Beschäftigung verlangen kann, welches nur auf sein Ver- langen auf die Führung auszudehnen ist: so wird dem Antrage der Kläger stattgegeben. Zu ganz ergötzlichen Szenen kommt es manchmal, wenn die Verurtheilten durchaus nicht einzusehen vermöge», weshalb es die Polizei s o und das Gericht anders will. Dast ein derartiger Rechtszustand die Leute nicht begeistert und für sich einnimmt, isl nur zu erklär- lich, würde doch der größte Theil der betroffenen es schwerlich auf einen Prozeß wegen der Bescheinigung ankommen lassen, wenn die Rechtslage ein- für allemal unzweideutig bestimmt wäre. Und die vermeintlichen Dienstboten hätten nicht nöthig erst zu klagen; ihnen u n d den„Dienstherren" würde Zeit gespart, welch letztere das Urlheil des Gerichts abwarten, in der durch das Verhalten der Polizei gestützten iirthümlichen Annahme, daß sie im vollsten Rechte seien. Das Eewerbegericht hat denn auch, um Klarheit in die Verhältnisse zu bringen, das Polizeipräsidium ersucht, sein Verhalten im Sinne, der gericht- lichen Praxis zu ändern; jedoch vergeblich. Die Polizei behauptet, von ihrer Praxis nicht abgehen zu können, da dem ein Ministerialreskript entgegenstände, welches nur durch einen ministeriellen Erlaß aufgehoben werden könnte. So ist es denn dabei geblieben: ungeachtet der vielen gegentheiligen Gerichtsentscheidungen behandelt die Polizei dre fraglichen Angestellten als Dienstboten weiter und sorgt dafür, dast ihre Arbeilgeber den Anforderungen genügen, die an einen Dienstherrn gestellt werden können. Vorläufig scheint es mit der Hoffnung dieser Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aus ihrer eigen- thümlichen Zwitterstellung heraus zu kommen, noch Essig zu sein. Zu welchen Konsequenzen jener Zustand unter Umständen führen kann, sei hier beispielsweise dargelhan. Ein Restaurations-Dienst- mädchen wird entlassen, weil es an„illusgehtagen" ösler ein paar Stunden länger sorlblieb, als ihr vorgeschriebe» ivar. Der Arbeit- geber hält dies wiederholte„Vergehen" für eine Neigung zum lüderlichen Lebenswandel, er verzeichnet darum getreulich in dem Dienstbuch als Entlaffungsgrund: Neigung zu lüderlichem Lebenswandel. Das Mädchen wird belehrt, daß es nach Ansicht des Gewerbegerichts gewerbliche Arbeiterin sei und sich garnicht mir nichts dir nichts ein auf die Führung ausgedehntes Attest gefallen lassen brauche. Sie verlangt von dem früheren Arbeitgeber die einfache Bescheinigung über Art und Dauer der Be- schästigung, welche ihr verweigert wird, weil sich der gute Mann in„seinem vollen Recht" wähnt: steht doch die Polizei auf seiner Seite. Das Mädchen giebt sich umsoweniger zu- frieden, als es ihr infolge deS Zeugnisses im Buch nicht gelingen will, eine neue Stellung zu bekommen; es nimmt seine Zuflucht zu einer Klage beim Gewcrbegerichl. Die Klägerin beantragt die Vernrtbeiluug des Beklagten zur Ausstellung eines ordnnngs- mäßigen Zeugnisses und zu einer Entschädigung, berechnet für die Zeit von der Entlassung bis zur Ausstellung des Attestes. Es gelingt ihr der Nachweis, daß sie lediglich wegen des Urtheils über ihren Lebenswandel, das im Buch enthalten ist, keine Stellung erhielt, und das Gericht m u ß den Beklagten außer zu dem Attest auch zu der Entschädigung ver urtheilen, weil durch seine Verletzung der Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung die Klägerin geschädigt wurde. Die Polizei kann der Mann nicht regreßpflichtig machen, ohwohl ihr Verhalten wesentlich das seine bestimmte, denn die handelte ja in Aus- sührnng eines Ministerinlreskripts.— Den in Frage stehenden Dienstmädchen, Köchinneu, Hausdienern». s. w., welche im Ge- werbebetriehe ihrer„Dienstherren" thätig sind, kann nur dringend geralhen werden, auf jeden Fall gleich bei der Lösung des Ärbeilsverhältnisses ein Attest im Sinne des Z 118'Abs. 1 der Gewerbe-Ordnung zu verlangen, wenn sie ans die Vescheimguiig ihrer Führung keinen Werth legen. Edmonb und Jules de®oi, court. Einzig auiortsirte Uebersetzung von Emma Adler. tForisehung.) UolKe-L-riKo», Hefl 28 und 29, herausgegeben von Emanuel Wurm, Veuag von Wörlein u. Comp., Nürnberg, sind erschienen und enthalren folgende gröbere Artilel: Deulsches Reich �Fortsetzung), IV. Deutsche Geschichte i Fortsetzung und Schlußs, V. Deutsche Literatur, Deutsche Mythologie, Diäten, Eine große Zahl Fremdwörter.— Alle 14 Tage erscheint ein s-st. — Das Volls-Lerilon lann durch alle Buchhandlungen, Kolporteure u.s.w. und auch durch jede Postanstalt bezogen werden. Es ist im deutschen Post- zeitungs-Katalog unter Nr. 7089 ini bayerischen Postzeitungs-Katalog unter Nr. 772 eingetragen. �„ Koiiat» praeis. Zentralblalt für Sozialpolitik. Zugleich Organ des Per- bandes deutscher Wewerbegerichte. Neue Folge der„Blätter sur soziale Praxis"und des..Sozialpoliiische>i Zentralblalts". Herausgeber Dr.J. Jastrow. Red.: Charlottenburg-Berlin. Berlinerstr. 131. Carl Heymann's Verlag, Berlin W.. Maucrsir. 44. Erscheint jeden Montag. Preis vierletzahrltch 2 M. ao Pf. Die Niuniner 34 vom 20. Mai enthält u. a.: Drei Lehren der Umsturzvorlage, von Privaldozent Dr. I Jastrow: Arbetter-Sanaloricn, von Dr. Rich. Freund, Vorsitzender der Invaliden- und Altersverstche- rungs-Anftait Berlin; Gesetzliche Regelung der Verpflegungsstalioneii IN Preußen, von Dr. jur. M. Quarch; Die Gruudsleuer- Entschädigung in Preußen: Miltheilunge» des Verbandes deutscher Gewerbegertchte, sowie zahlreiche Notizen aus dein Gebiete der Sozialpolitik. Psychologie im Umriß von Dr. N. Eisler. Nr. 29 und 30 der„Witzen- schaftlichen Volksdibliothek". Leipzig. Verlag von S. Schnurpfeil. „Zl»s«e fi.iiionvit", Wochenschrift für Gesundh-ttspflcge, Naturheilkistzbe und LebenSkunst, herausgegeben von Dr. med. Fehlauer. Nr. 14— n. Ciniiclanseue Druskschrifteu. Ziie Fr,i>»»nd der ßoiialioinus. Bon dem belannlen Werke August Bcbel's ist die 23. Auslage(JubilänmS-Ausgabe) im Erscheinen begriffen und zwar in Heften, um das Buch auch weiteren Kreisen zugänglich zu mache». Bislang liegen sechs Hoste vor. Tie 23. Auflag! ist um ei» Fünftel deS UmfangeS der früheren Auf- lagen vermehrt worden, ohne daß dadurch eine Preiserhöhung clntreten wird. Das Buch wird tu Iv Hefte» a 20 Pf. erscheinen. Alle acht Tage ge- langt ein Hest zur Ausgabe. Bon dir ,llr>u» Arit" lEiultgart, I. H. W. Dietz' Verlag) ist soeben das 34. Hcsl des 13. Jahrganges erschtenen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Knüppel aus dem Sack!— Tie Beuriheiliing des widernornialen Gischlcchtsvcrlehrs, Von Ed. Bernslei».— Die Arbeilerbewegung in den Vercinigten Staate», 1883—1892. Vo» F. A. Sorge. lForlsetzung.)— Zum Rückgang des Kleingewerbes. Von Peter Braun.— Tie lanitäre» Ver- bälinisfe der Arbeiter in Glasfabriken.— Literarische Rnndschau.— Notizen: Nücklehr zum Hausfleiß.— Feuilleton: Germinte Lacertenx. Von Vviefkapkvn dsv Vederktio»». Wir bitten bei jeder Anfrage ein- Ehiffre tZwei Buchstabe» oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Anlwort ertheilt werden soll. Montag, Dien st ag, Donner st ag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. — H. B 1. Sie müssen deutlicher angeben, uin was für eine Sache es sich handelt: Zivil- oder Strafsache? und welchen Inhalt hat der Beschluß? 2. Ein brauchbares, empfehlens- werthes Buch, in dem„alle Gesetze" enthalten sind, giebt es nicht.„Rechtsanwalt im Hause",„Gesetzbuch für jedermann" und dergleichen Bücher taugen nichts nnd verursachen dem Be- sitzer im allgemeinen mehr Unkosten, als er ohne solche Bücher haben könnte. Wohl giebt es aber für eine Reihe von Gesetzen, z. B. Straf-Gesetzbnch, Unfallversicherung, brauchbare und nütz- liche'Ausgaben.— F. S. 13. Bestraft werden können Sic nicht. Ob Sie zur Zahlung vernrtheilt werden können, hängt von dem Inhalt des betreffenden Schriftstücks ab. Sprechen Sie eventuell in der Sprechstunde vor. — G. P. 12. 1. Nein. 2. Wegen Gestattung der Beilegung eines anderen Namens können Sie sich an den Polizeipräsidenten wenden.— Czcrsch. Die Zulassung der betreffenden zur Heb- sammenprüsung ist unzulässig.— I. 17. Da keine schriftiiche Vereinbarung vorliegt, so gilt der Miethsvertrag als»nr aus ein Jahr geschlossen. Demnach hat leider der Vermiether Aus- sicht, in vollem Umfange zu gewinnen.— I.®, 62. Zu einer Beschwerde zunächst an die Oberstaatsanwallschasl, dann an das Ministerium ist zu rathe», trotz Ablehnung derselben würde dann Zivilklage gegen die Beamten zulässig seil», durch deren Fahrlässigkeit die Krankheit hervorgerufen ist. Der Ausfall solcher Klagen ist selten zu gunsten des Klägers. — G. S. 14. 13. Ein Mann muß auch dann Alimente für das von ihm erzengte Kind zahlen, wenn die Geschwängerte ihn nicht heirathen will.— K. S. Falls Sie nicht mit Ihrer Ehe» irau ein wechselseitiges Testament machen, würden Ihrer Frau Verwandte miterben.— Schwan. Sie können die Herausgabe Ihrer Sachen von Ihrer Frau selbstverständlich verlangen.— C. K. 85. Sie müssen vor dem 31. Dezember 1SSS klagen, sonst verjährt Ihre Forderung. ckßjje PttMAMW mm VerlegW mm WiW llch»tckkill tktm Hllllst! FM'ikllilt für kigamil, WrikM für WlMlMn, gaüriföiit für Herm- Merobe, MrikM für Liköre. Hauptgeschäft: Neue Piouieiladc 8, gegeuiiber Stadtbahuliof„Börse"— Zweiggeschäft: Spandauer Brücke Nr. S. Herren- nnd Hnaden-Garderode siir die Sommer-Saison. ZM- Bevor ich de» freundlichen Leser mit meinen Preisen vertraut mache, muß ich ihn bitten, meine Grundsätze zu beherzigen, die da sind: Durchaus reelle Maare, reelle Arbeit vo» den billigste» bis zu den höchsten nachsolgende» Preisen, die«»antallbae feft und auf jedem Gegenstand deutlich für jeden Käufer sichtbar ausgezeichnet sind. 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Namentlich weist solche Auswüchse die Herren- und Knabengarderoben-Branche auf; riesige Plakate in den Schaufenstern, welche den„reellen" oder„gerichtlichen" Ausverkauf„50 pCt. unter dem eigentlichen Werth» verkünden, locken das Publikum an.„Ganze Anzüge aus feinstem Stoff" werden mit marktschreierischer Reklame„für nur 20 M." angepriesen und leider finden sich immer und immer wieder Kaufer, die einen Versuch machen, um nach kurzer Zeit bereits das erstandene Kleidungsstück, als werthlos und nüt dem sehr� billig erscheinenden Schleuderpreis noch viel zu theuer bezahlt, fortzuwerfen. Meine im Südosten der Stadt wohlbekannte Firma Köpnickerstraße 121, _ Ecke der WI5chaeIkir,chstpasse| unternimmt es, den Kampf gegen diese Schlendergeschäfte auszusechten und dem Publikum die Augen zu öffnen. NcrUe Maare» Kaste» anch reelle» Geld. Ich zeige in meinen 5 großen Schaufenstern den Passauten reelle Maare» z» reelle» Preise». 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Vheilznhlung ge- stattet, ällv Mai'k zahle ich Jedem, der mir nachvoeist, daß ich nicht das größte Kindrrmagrn-Zagrr Keriino habe. iUfifuno! Uchkung: Dienstag, den 28. Mai er., abends 8'Iz Ilhr, im Lokale von vllried, Waldeinarstraße Nr. 75: Gr. UolKsverfammlung. T a g e s- O r d n u n g: K3/10 I.Vortrag des Schriftstellers Lvduis über: Darwin'sche Wahrheiten und soziale Narrheiten. 2. Diskussion. Die Genossinnen und Genossen ans dem 3. u. 4. Wahlkreis werden gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. 63/10_ Einbcrufer:„Arbeiter-Bildmigsschule". am Ethische Gesellschaft. iBevsamwilung Sonntag, den 26. Mai 1895, abends 7'/- Nhr, bei B»l s k e, Grenadierstraße Nr. SS. Vl'rlvng des Herr» WsINel» Manasse über: Du sollst nicht tobten. Nachdeiu: Geselliges Beisammensein und Tanz.'INu Güsie. Dame» u»d Herren, sehr willkoinmeii. 115/16 Nach de»i Vortrage habe» Gaste keinen Zutritt. vor Vorstanä. Achtung: Achtung: Maurer M Putzer. Große öffentlißif Uersammlnng am Montag, den 27. Mai er., abends llhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 2V. Tages-Ordnnng: I. Berichterstattung der Delegirten vom 9. deutschen Maurerkongreß. 2. Gewerkschaftliches. Pflicht jedes Kollegen ist es, in dieser Versamuilung zu erscheinen. Die Vertraueusniäuner: A. Vogel. Karl Panser. 298/2 Verband der Möbelpolirer. Morgen, Montag, abends 8 Uhr, Waldemarstr. 75: Außerordentliche General-Versammlung. Tages-Ordnnng: 1. Wahl. 2. Bestätigung der Bevollmächtigten u. s. w. 3. Anträge 4. Verschiedenes. 268/17 Billets a 30 Pf. zum Sommerfest sind in der Versammlung und in den Zahlstellen zu haben. Bei* Vorstand. ! Töpfer,«W! OelTentliche Versammlung aller Töpfer 11. Bmssge«. Derlins«. Kino. am Mittwoch, den 29. Mai er., abends 6 Uhr, im Lokal« de« Herrn BUckler, Aofenthalerstr. 38(am Hacke'schen Markt). Tages-Ordnnng: Bericht der Kommission, und weitere Stellungnahme zur Aufrecht- erhaltung unseres Lohntarifs. 245/7 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vertrauensniann: Gustav Melzer. Große öffentliche Uerfnmmlnng der Metallschleifer Berlins n. llmg. am Montag, den 27. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale von R ö l l i g, Nene Friedrichstrahe Nr. 44. Tages-Ordnnng: Fortsetzung der Diskussion der letzten Schleiferversammlung, und welche Lehren haben die Schleifer aus derselben zu ziehen? l323b Es ist Pflicht aller Kollegen zu erscheinen.— Herr N ä t h e r ist zu dieser Versammlung eingeladen. Ger Einberufer. MM deuMr Gold u-Sildnorbkitkr und verw. Berufsgen.(Zahlstelle Berlin). Montag, den 27. Mai er., abends 8'/- Uhr, im Lokale Annenstrahe Nr. R6:_ Uf Mitglieder- Uer sammlnug. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn A. Haffmann über: „Glaube und Vernunft". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Gäste stets will- kommen.— Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 269,6 Ger Vorstand. Verein der Filzschnharbeiter. iSf Versamnrlung"WD am Montag, den 27. Mai 1895, abends 8'/» Uhr, bei B u s k e, Grenadierstrahe SS. T ages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung von: 2. Quartal. 4. Ab- rechnung von den Sommervcrgnügen 1693 und 1894. 5. Vereinsangelegenheit. 125/17 Ger Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verbuud. Zahlstelle Berlin. Uertranensmanuer-Uersommlnug: (5,B,S cstu». Montag, de» 27. Mai, abrnd« S'/e Uhr, bei Herrn wUll'vlini* Henke, Uaunynstraße Ur. 27. 212 3 Die Grtsoerwaltnng. Arbeiter Berlins! Tie Fabrikate der ausaesperrten Kchuhmacher in Erfurt werden jetzt, außer in den bekannten Verkaufsstellen, in den eigenen Niederlagen Bellenllisnoestr. 98|99 und Rosenthalerstr. 63|64 i» vorzüglichster Beschaiienheit zu den billigsten Preisen verkauft. 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