Nr. 24442. Jahrg. Ausgabe A nr. 126 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig. Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat, Der„ Borwarts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit„ Sieblung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags cinmal. Telegramm- Adresse: * Gozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpretic. Die einfvaltiae Nonpareide Reflamezeile acile 70 Pfennig.. 4. Reichsmart. Aleine Anzeigen* das fettgedrudte Wort 20 Pfennig ( auläffia zwei fettgedrudte Worte, fedes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengefuche bas erste Mort 10 Pfennig. icbes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Bfennia. Anzeigen für die nächste Summer müffen bis 4 Uhr nachmittags in Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Pedaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Dienstag, den 26. Mai 1925 Faschistenskandale überall. Sicherheitschef und Mörderhäuptling De Bono. Konsulatsaffären. Faschisten in Deutschösterreich. Rom, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In den Kreisen der Regierung und bei den Führern der faschistischen Partei herrscht gegenwärtig große Aufregung; sie soll ihren Grund in der Anflageschrift des Generalstaatsanwalts bei dem als obersten Gerichtshof fungierenden Senat in dem Verfahren gegen den Senator De Bono haben. Wie allmählich durchsidert, find die Schlußfolgerungen der Anklageschrift äußerst kompromittierend für die Regierung und die Faschiffenführer. Gewiffe Indisfretionen, die in die Deffentlichkeit gedrungen find, laffen es als feftftehende Tatsache erscheinen, daß De Bono, feinerzeit Generaliffimus der faschistischen Miliz und Chef der öffentlichen Sicherheit, das Haupt der fascistischen Tschefa war und sie na ch den Winkender Regierung mussolinis lenkte. Danach erfolgten die Attentatsversuche gegen die Abgeordneten misuri und Amendola auf Anordnung der Tscheka De Bonas. Nicht erroichen foll fein, daß De Bono die Ermordung Matteottis organisiert hat; fest steht aber, daß er alle Anstrengungen machte, um die Spuren der Tat zu verwischen und die Schuldigen zu verleden. Außerdem hat De Bono bei verjajiedenen fafchiflischen Verbrechen auf die ihm untergebenen Sicherheitsbehörden eingewirkt, damit die Untersuchung eingestellt und die Schuldigen aus der Haft entlassen wurden. Bier von den sieben Urhebern der Ermordung Matteoitis waren Mitglieder der fafchiflischen Tscheka. Die Antlagefchrift des Generalstaatsanwalts fommt zu dem Schluß, daß nicht nur De Bono, sondern auch die übrigen wegen der Ermordung Matteollis ingeflagten vor dem Obersten Gerichtshof abzuurteilen feien, da die Verantwortlichkeiten fo eng verknüpft feien, daß sich eine Scheidung nicht durchführen laffe. Faschistenstandale in Deutschland. ie wir erfahren, sind im italienischen Generalfonfulat in Die Faschisten bevorsteht. Während Mussolini so mit seinen faschistischen Bertretern in Deutschland wenig Glück hat, ist der Berliner Ber trauensmann des Faschismus, Major Renzetti, der seine Tätig feit mit dem Aushängeschild eines Vorsitzenden einer italienisch deuifchen Handelskammer" mastiert und ständig zwischen Berlin und Leipzig den Aufenthalt wechselt, eifrig um die Bildung von Fasci in verschiedenen deutschen Städten bemüht und fündigt die bevorstehende Gründung eines Fascio in Leipzig an. In Wien wird jetzt aufgeräumt. Wien, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Sonntag nachmittags wurde die Leiche de Genossen Müller, den die Hafenfreugler in Mödling niedergeschlagen, dann durch mehrere Schüsse schwer ver legt, schließlich durch die Straßen geschleift hatten und der Narkose einem Herzschlag erlag, von Mödling durch die der infolge dieses startes Blutverlustes später bei der Operation in Industriegemeinden nach Bien gefahren. Ueberall standen dichte Trauerspaliere, überall wehten Trauerfahnen. In Wien selbst ließen Hunderttausende den Sarg in stummer Empörung über diesen neuesten Mord des Faschistengefindels an sich vorüberziehen. In der Nacht zum contag wurden in Mödling bei Wien zehn fozialdemokratische Bertrauensmänner unter der Beschuldigung verhaftet, an der Mißhandlung eines Safenfrenzlers beteiligt gewefen zu sein. Als die Nachricht von der Vers haftung am Montag früh in den Möblinger Fabriken bekannt wurde, befchloffen die Arbeiter in den Betrieben, mittags die Arbeit eine zu stellen, falls fie nicht bis dahin Zusicherungen erhielten, daß die Berhafteten wieder auf freien Fuß gesezt werden. Im Laufe des Bormittags begab fich eine Abordnung unferes Parteivorstandes zum Bundeskanzler und machte ihn auf die ungeheure Er regung aufmertjam, die sich in Midling und auch in ren infolge dieser Berhaftungen der Arbeiterschaft bemächtigt hatte; fie teilte dem Bundeskanzler mit, daß der Untersuchungsrichter ein befannter Hafentreuzfer ist, der die Untersuchung partelijch im Nationalrat erhobene Forderung, daß die 3entrale der Hafenfreuzler aus dem staatlichen Gebäude des früheren Eisenbahn minifteriums fofort entfernt wird. Der Bundeskanzler sekte sich mit dem Staatsanwalt ins Einvernehmen und teilte der Abordnung mit, daß das Berfahren gegen die Verhafteten be ichleunigt werde und die Enthaftung der Bertrauensmänner noch am Nachmittag erfolgen würde. Die weitere Untersuchung Die weitere Untersuchung merde nicht in Mödling, sondern in Wien vom Landesgericht geführt werden. Tatsächlich sind die 10 Berhafteten um 5 Uhr nach mittags entlassen worden. Der Bundestanzier versicherte außerdem, dag bereits die erforderlichen Schritte zur Entfernung der Safenfreuzlerzentrale eingeleitet seien. + Samburg schmere„ Unregelmäßigkeiten" im Baßwesen aufgeführe; gleichzeitig erinnerte sie den Bundeskanzler auch an die bereits deckt worden. Die Unterjunjung wurde geheim von einem nach Deutschland entsandten om missar der italienischen Generaldirektion der öffentlichen Sicherheit geführt. Der Hamburger Bizetonjul, ein faschist der ersten Stunde", wurde zur Vermei dung eines Standals veranlaßt, sofort zurückzutreten. Einige nicht erterritoriale Italiener, die an jenen Unregelmäßigkeiten mit beteiligt waren, wurden verhaftet. Die Nachforschungen des italienischen Funktionärs haben sich aber nicht auf Hamburg be schränkt, sondern sind auch auf Berlin ausgedehnt worden, mo anscheinend gleichfalls eine Generalreinigung unter den Ein Verbot des Giftkrieges? Deutschland ist dazu bereit. Genf, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Regierungsvertreter auf der Waffenhandelskonferenz erflärte am Montag offiziell, daß die deutsche Regierung bereit sei, eine vorbehalt. lose Konvention abzuschließen, die den Gebrauch chemischer Giftwaffen für den Kriegsfall verbietet. Deutschland schließt sich damit einer Forderung an, die der amerikanische Vertreter Burfon schon bel Beginn der Konferenz erhoben hat. Kurze Vertagung der Marokkodebatte. Schwierigkeiten der Linksregierung. Paris, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Montagsfigung der Kammer, für die eine große innerpolitische Auseinandersegung angekündigt war, ist wider Erwarten ruhig verlaufen, nachdem die Sozialisten selbst die Bertagung der Aussprache über ihre Maroffo- Interpellation beantragt hatten. Im Einvernehmen mit der Regierung wurde die Besprechung auf Mittwoch anberaumt. Den unmittelbaren Anlaß zu dieser Hinausschiebung hat die Unterredung der Sozialisten am Montagmittag mit dem Ministerpräfidenten Bainlevé gegeben. Diese Aussprache hat die Fraktion be stimmt, eine Klärung sowohl der Lage in Marokko mie der augenblicklich fehr Derwirrten innerpolitischen Situation abzuwarten. Die Entwicklung der letzten Tage hat gezeigt, daß die Taktik der Rechten dahin geht, die innerhalb des Lintstartells sowohl über das Abenteuer in Marokko wie über andere Fragen der inneren und äußeren Politik bestehenden Meinunungsverschiedenheiten zu einem parlamentarischen Echachzug auszunügen. Die Rechte spekuliert darauf, daß die so zialistische Fraftion in der Marokkofrage gegen das Ministe rium stimmen wird, und will, indem sie selbst an Stelle der Sozia listen zugunsten der Regierung einspringt, Painlevé zwingen, entweder das von seinem Vorgänger entschieden abgelehnte System der wechselnden Mehrheiten ebenfalls abzulehnen, oder aber die Konsequenzen aus der parlamentarischen Lage zu ziehen. Begreiflicherweise zeigt man im sozialistischen Lager wenig Neigung, der Minderheit ihr Spiel zu ermöglichen; man ist deshalb bemüht, bis Mittwoch einen befriedigenden Ausgleich der Meimungsverschiebenheiten zu finden, Französischer Siegesbericht. Paris, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Kampf gegen die Riftabilen hat sein Ende erreicht. Fes ist in der Hand der französischen Truppen. Die Säuberung des französischen Gebietes von den Anhängern Abd el Krims ist im Gange.. Deutschösterreichs Diplomaten. Wien, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der große Diplo matenwecjjel, den Außenminister Dr. Mataja vorgenommen hat, und von dem in erster Linie der Gesandte in Berlin, Dr. Riedel, beiroffen wird, scheint innerpolitische Folgen nach fich zu ziehen. Vor allem ist die anschlußfreundliche Großbeutfáje Partei verftimmt, daß der christlichsoziale Außenminister diese rungsmitglieder eigen mächtig getroffen hat. An fich ift bas Maßnahme hinter ihrem Rüden und selbst ohne Biffen ihrer RegieBerhältnis zwischen den Großdeutschen und dem Außenminister schon seit einiger Zeit gespannt, nachdem Dr. Mataja die Bemühungen des Gesandten in Berlin um Aufhebung des Bisumzwan ges durchtreuzt hatte. Im Laufe des Montags haben zwischen der Regierung und der Großdeutschen Partei Besprechungen stattgefun den, die vor allem dahingehen, daß Dr. Riedel bis zum Herbst auf feinem Berliner Posten verbleibt. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Boftfcheckkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diefonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenftrake 3 Zoll auf Brot! Die Befteuerung der Aeristen und Kinderreichsten. Bon Dora Fabian. Ohne Zweifel wird die Regierung ihr ganzes Bestreben darin sezen, daß Reichsrat und Reichstag Den lücken= lofen 3olltarif", der vor wenigen Tagen das Licht der Deffentlichkeit erblickt hat, möglichst schnell annehmen. Von seinen verheerenden außenpolitischen Wirkungen, von der ungeheuren Belastung der gesamten deutschen Boltswirtschaft, mit Ausnahme jenes inappen Viertels der Landwirtschaft, zu deren Gunsten 90 Proz. des deutschen Boltes schon vor dem Kriege jährlich eine milliarde aufzubringen hatten, ist in den letzten Wochen viel gesprochen worden. Jede einzelne Arbeiterfamilie wird die Folgen dieser voltswirtschaftlichen Schädigung tagtäglich am eigenen Leibe zu spüren haben: in der Preisgestaltung. Der Preis des Brotes, des neben der Kartoffel wichtigsten Bolfsnahrungsmittels, hängt in hohem Grade von der Einfuhr ab, auf die ja die deutsche Ernährungswirtschaft schon vor dem Kriege angewiesen war. Selbst in einer Zeit, als alles darauf abgestellt war, zu beweisen, daß das deutsche Bolt von der Hungerblockade" nicht betroffen werden würde, selbst 1914 ergaben die Berechnungen Prof. EIB bachers, daß 22 Bro. des Verbrauches der Jahre 1912 und 1913 aus Auslandslieferungen gedeckt werden mußten. Nicht weniger als 70 Proz. der gesamten Einfuhr an Nahrungsmitteln bestanden nach diesen optimistischen Berechnungen aus Getreidearten. Seit dem Kriege haben sich die Verhältnisse nach der Richtung verschoben, daß Deutschland 4,96 Millionen Heftar, d. h. 14,2 Bro3. seiner landwirtschaftlichen Rußfläche verior, während seine Bevölkerung nur von rund 67 auf rund 63 Millionen, d. h. um etwa 6 Proz., zurückging. Diese Berechnungen muß auch der Ernährungsminister zugrunde gelegt haben, wenn er eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion um ein Drtitel für nötig hält, um die Einfuhr überflüffig zu machen. Bis diese Intensivierung durchgeführt ist, wird aber auch Graf Ranih taum auf die Einfuhr verzichten können und„ schützt" bis zu diesem Zeitpunkt die Großagrarier durch eine für den Berbraucher unerträgliche Preisgestaltung. Die Getreidepreise sind an der Berliner Börse von Januar bis April zurückgegangen, das ist ein beliebtes Argument der Freunde des Schuzzolles, das sie mit Zahlen belegen. Ein wesentlich anderes Bild ergibt sich aber, wenn man- und dies ist die einzig richtige Berechnungsmethode den Vorfriegspreis zugrunde legt. Dann ergibt fich folgendes: An der Berliner Börse fosteje die Tonne im Durchschnitt Weizen mehr als 1913 Roggen mehr als 1913 des Jahres 1913 198,90 164,30 27,6 Proz 247,60 50,7 roz. 26,9 250, 52,2 237,50 44,5 " Januar 1925 253,80 ・ " B Februar 1925 252,40 232,20 März 1925 April 1925 247,15 26,8 " 7 24,3 P " 37,2 225,40 対す Aus diesen Zahlenreihen ergibt sich zwar eine Preis fenfung seit Januar, gleichzeitig lassen sie aber erkennen, wie erheblich höher die Getreidepreise noch immer im Bergleich zur Borfriegszeit sind. Diese Erscheinung ist die Folge eines erheblich geringeren 2ngebots en Geireide. Es ist sehr schwer, zu genauen Zahlen über die Welternte zu gelangen, doch fönnen die vom Internationalen Landwirtschaftsinftitut in Rom veröffentlighten Zahlen menigstens als Annäherungswerte dienen. Danach betrug die Welternte in Millionen: Tonnen im Durchschnitt Beizen Roggen der Jahre 1901/05. 39,8 " " 1909/13 1920: 22 des Jahres 1928 1924 " 8 80,8 102,0 44.8 90,1 31,2 94,17 83,74 Der Weltmarktpreis hat sich durchaus der verringer ten Produktion angepaßt, die Preissteigerung wird allein den Konsumenten aufgebürdet. Das ergibt sich auch bei Betrachtung der Konsumtionszahlen, soweit unfere mangelhafte Statistit uns solche zur Verfügung stellt: Mataja hat in einer christlichsozialen Berfammlung nicht nur gegen den Bolichewismus, fondern direkt gegen die russische Regierung so scharf gesprochen, daß die hiesige Sowjetgefandschaft eine Broder test note übereicht hat. Erdbeben und Attentat. Eine sonderbare japanische Angelegenheit. Paris, 25. Mai.( BIB.) Die Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Tofio, nach dem eine Gruppe von Kommunisten versucht habe, General Fukuda zu ermorden. Der General, der den Kugeln der Attentäter entgangen fet, habe im Sep. tember 1923 während des nach dem Erdbeben in Japan verhängten Belagerungszustandes eine bebeutende Rolle gefpielt. Durch das Attentat hatten die Kommunisten einen durch die Polizei getöteten Genoffen rächen wollen. Der General sei schon einmal das Ziel eines Attentats gewesen, jedoch nur leicht verletzt worden. Man darf vielleicht vermuten, daß das neue Attentat nach dem neuen Erdbeben der Wiederbetätigung des Generals in solch einer bedeutenden Rolle vorbeugen wollte. Im Durchschnitt der Jahre 1909 bis 1913 betrug der Brutieverbrauch an Weizen und Roggen pro Kopf der Besölferung 255,4 Rilo, während er nach den Berechnungen des Hamburger Beltwirtschaftlichen Archivs im Durchschnitt der Jahre 1921 bis 1924 auf 177 Rilo zurückgegangen ist. Aus diesen Zahlen ergibt sich ein den steigenden Preisen durchaus paraileler Rüdgang des Verbraums an Brotgetreide. In den erwähnten Preisen von 1913 find pr Tonne rund 50 M. 3ollprämie enthalten, d. h. der In landpreis lag durch die Schuh ölle etwa um ihre höhe über dem Weltmarktpreis. Inzwischen ist auch der Weltmark re erheblich gestiegen; jeht aber sollen die Getreidezölle wieder ihre alte Höhe erreichen, vom 1. August 1926 ab follen mir also für die Tonne Roggen wieder 50 ML, inzwischen, nämlich vom 1. August d. J. ab, 30 M. über den Weltmartt: preis zahlen. Welche Wirkungen das für die Boltsernät rung haben muß, die, wie z. B. die Erhöhung der Tuberkulose, der Säuglingssterblichkeit gegenüber der Vorfriegszeit zeigt, unter der bisherigen Preissteigerung auf das allerfchwerfte gelitten hat, ist leicht vorstellbar. Darauf soll in diesem Zusammenhang nicht näher eingegangen werden. Der Schutzoll ist die härteste und brutalfte Form der Kopfsteuer, die überhaupt denkbar ist. Die Wermsten und die Kinderreichsten haben zugunsten eines fleinen Teiles der Landwirte am schwersten zu leiden. Je kleiner das Einkommen und je größer die Kinderzahl, desto größer natürlich der Verbrauch an Brot und Kartoffeln. Eine fünfföpfige Familie mit 600 m. Jahreseinkommen also eine Familie, die man zu den M in de ft bemittelten zählen müßte würde nach dem neuen Zolltarif 10,5 Pro 3. ihres Eintommens für Getreidezoll zahlen, eine fünftöpfige Familie mit 6000 m. Jahreseinkommen dagegen nur 1,05 Pro 3. Unser erbitterter Kampf wird in den nächsten Wochen darum gehen, die Verabschiedung diefes un sozialsten Ge fezes in dem demokratischen Staat, unter dessen besonderem Schutz nach Artifel 119 seiner Berfassung kinderrelche Familien stehen, zu verhindern. Die Demokraten und die Zollvorlage. Demokratischer Reichsausschuß gegen Getreides minimalzölle. Der demokratische Reichsausschuß für Handel, Industrie und Gewerbe hat in Eisenach eine Tagung abgehalten, die fich mit der deutschen Außenhandelspolitik beschäftigte. Der Ausschuß nahm eine Entschließung an, die den internationalen 3ollabbau als Endziel der deutschen Handelspolitik bezeichnet. Es heißt in der Entschließung: 1. Unentbehrliche Nahrungsmittel und Roh stoffe follen grundfählich frei von Einfuhrzöllen fein. Unbedingt zu verwerfen ist die in der Zolltarifvorlage vorgesehene Festlegung von Minimalzöllen für Ge. treide. Die Frage, ob und gegenenfalls in welchem Umfange Getreidezölle notwendig sind, ist unverzüglich einem Ausschuß von Volkswirten und Brattifern zur Prüfung vorzulegen. 2. Im Intereffe der Entwicklung und Konkurrenzfähigkeit der deutschen Viehwirtschaft sollen alle Futiermittel zollfrei fein. 3. Halbfabritate, welche die Grundlage für unsere weiterverarbeitende Industrie darstellen, dürfen, soweit sie nicht gleichfalls zollfrei eingehen, nicht mit Einfuhrzöllen belegt werden, welche die Ausfuhr der Fertigfabrikate erschweren. 4. Bei der Bemessung aller etwa als notwendig erachteten Schutzölle ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Konkurrenzfähigkeit der gewerblichen Abnehmer der geschützten Waren nicht beeinträchtigt und die Lebenshaltung der breiten Masse nicht übermäßig verteuert wird. 5. Der aktive zollfreie Veredelungsverkehr ist nach Möglichkeit zu fördern, um der deutschen Industrie neue Möglichkeiten lohnender Beschäftigung zu eröffnen. 6. Die Zollfäße sind durch Gesetz zu bestimmen. Die Bestim mung der Zollfäße darf nicht im Wege der vereinfachten" und „ Ermächtigungsgefeßegebung" anderen Instanzen übertragen werden. 7. Das System der Kontingentierungen, Ein- und Ausfuhrbewilligungen fomie jede 3mangswirtschaft im Innen- und Außenhandel find zu beseitigen. 8. Bei allen Wirtschaftsabkommen ist mit äußerster Entschiedenheit darauf zu dringen, daß im Berfonenverfehr der Kulturlander die Reife und Baßichwierigfeiten fortfallen 9. Die Handelsbeziehungen Deutschlands zu dem Ausland sollen fo bald wie möglich durch langfristige handelsver. träge gesichert werden, die Deutschland die Stellung einer meistbegünstigten Nation gewährleisten." a Die Entschließung wendet sich ferner mit großer Schärfe gegen die Reichsregierung, der fie Mangel an zielbewußter Führung in der Handelspolitik vormirft. Der Nordpol. Don Profeffor Otto Baschin. Der Nordpol bietet eine ganze Reihe von Eigen tümlichkeiten, die alle darauf beruhen, daß er den Endpunkt der Achse darstellt, um welche unsere Erde in Wirklichkeit und das ganze Himmelsgewölbe scheinbar sich dreht, und daß er somit in des Wortes wahrer Bedeutung den von Schiller in übertragenem Sinne so bezeichneten„ ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht" bildet. Eine der größten Merkwürdigkeiten des Nordpols besteht darin, daß er nicht an Ort und Stelle bleibt, sondern seine Lage auf der Erdoberfläche beständig, aber in unregelmäßiger Weise verändert. Zu der Zeit, als Pearn 1909 fich in feiner Nähe befand, war die Wanderung des Nordpols besonders schnell und betrug etma 15 Zentimeter täglich, wie durch Vergleichung der aftronomischen Beobachtungen verschiedener Sternwarten einwandfrei nach gewiesen werden konnte. Bährend am Aequator die Erdoberfläche mit einer Geschwindig feit von 465 Metern in der Sefunde um die Erdachse herum geschleudert wird und noch in unseren Gegenden mit nahezu 300 Metern in der Sefunde dahinsaust, geht diese Bewegung am Bol felbst in absolute Ruhe über. Durch die Bucht des Erdumschwungs fommt befanntlich eine Aufwölbung des Erdförpers am Aequator und dementsprechend eine Abplattung an den Bolen zustande, so daß die Entfernung der Meeresoberfläche unter dem Aequator vom Erdmittelpunkt 6377, diejenige des Nordpols dagegen nur 6356 Kilometer beträgt. Diese Abplattung der Erde macht sich schon auf verhältnismäßig furze Entfernungen bemerfbar, wie z. B. daraus hervorgeht, daß ein Punkt am Nordende der Friedrichstraße in Berlin, lediglich der Abplattung wegen, fich um etwa 10 Meter dem Erdmittelpunkte näher befindet als ein in gleicher Sechöhe gelegener Bunft am Südende derselben. Da nun die Anziehungskraft der Erde um so ftärter wirft, je näher ran sich dem Erdinittelpunkte befindet, so muß die Erdanziehung oder Schwerkraft am Nordpol größer sein als irgendwo sonst auf der Erdoberfläche in gleicher Höhe über dem Meeresspiegel. Ein an einer Federwage aufgehängter schwerer Körper, der am Vequator genau ein Kilogrami wiegt, würde daher am Nordpol ein um fünf Gramm höheres Gewicht haben. Alle förperliche Arbeit, die entgegen der Richtung der Schwerfraft geleistet wird, was besonders beim Heben von Lasten, bei der Besteigung von Bergen, ja fogar in geringerem Maße beim Gehen auf ebenem Terrain der Fall ist erfordert am Pol einen Mehraufwand an törperlicher Kraft. Auch durch eine größere Fallgeschwindigkeit muß sich die vertärfte Anziehungskraft bemerkbar machen. Ein Körper, der beim freien Fall am Aequator in einer Sefunde 489 Zentimeter herab. fällt, müßte am Bol 492 Bentimeter in der gleichen Zeit durch meffen. Selbst die Uhren werden davon beeinflußt, da die stärkere Unziehung das Bendel zu schnellerem Schwingen veranlaßt. Eine Bandeluhr z. B., die am Aequator in jeder Sefunde einen Schiag macht, würde am Bol täglich 224 Bendelschläge mehr ausführen, also an jedem Tag fast 4 Minuten vorgehen, Mit der Lüge für den Brotwucher. Wissenschaft und Zoliwucher. Wir haben der Deutschen Tageszeitung" wegen ihrer Fälschung der Ausführungen von Professor Sering auf die Finger geflopft. Die Folge ist ein neues Berdrehungsmanöver des Agrarierorgans. Er zitiert folgenden Satz aus der Stuttgarter Kundgebung der National| ötonomen: ,, Sie vermögen... Industrie und Agrarzölle nur insoweit zu billigen, als sie ein unentbehrliches und erfolgverspre hendes Mittel für eine freiheitlichere Gestaltung des internationalen Berkehrs bedeuten." Diesen Satz will sie in Gegensaz bringen zu der Haltung der Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratie begründet ihre Stellung gegen den Argrarzoll damit, daß die Kaniz- Neuhausschen Schutzölle weder unentbehrlich, noch erfolgversprechend für den 3ollabbau sind. Weder im Ziel des Bollabbaus, noch in der Ablehnung des grundsählichen Schuhzolls ist die Sozialdemokratie im Widerspruch mit der Wissen schaft. Wohl aber sind es die Zollwucherer und ihr Organ, die ,, Deutsche Tageszeitung". Die Wissenschaft will 3ollabbau- auch Profeffor Sering, die ,, Deutsche Tageszeitung" will 3ollaufbau. Die Wissenschaft will Verhandlungszölle, um das Schutzzollsystem abzubauen, die Agrarier aber wollen reine Schutzölle, die das Schutzzollsystem verewigen, weil sie mindest zölle sind, die nicht abgebaut werden können. Die Wissenschaft fordert die Prüfung der Unentbehrlichkeit und die Zweckmäßigkeit der die Agrarier und ihre Minister suchen diese Zollvorlagen die Agrarier und ihre Minister suchen diese Prüfung zu verhindern, weil sie wissen, daß sie zu einem vernichtenden Urteil ihrer Zollpläne führen muß. Immerhin zeugen die Verdrehungsmanöver der Deut schen Tageszeitung" davon, daß die Zollwucherer überzeugt sind, für eine unfittliche Sache zu kämpfen. Bären sie es nicht, warum wollten sie sich verfriechen und verstecken? sollen auch bei Beranlagungspflichtigen in Anrechnung fommen, menn das Steuerpflichtige Einkommen im Vierteljahr 500 Mart nicht übersteigt. Damit ist das Steuerüberleitungsgefeß auch in zweiter Lesung ermöglicht. Seine Berabschiedung im Blenum wird am Mittwod erfolgen, so daß die Bestimmungen über den Lohnabzug mit dem 1. Juli in Kraft treten werden. Die Finanzlage des Reichs. Der Reichstagsausschuß hält den Etat für gefährdet. In der geftrigen Sigung des Haushaltsausschusses des Reichs. tages wurde der Bericht eines fombinierten Unterausschus= ses, der vom Haushalts- und Steuerausschuß eingesetzt war, erstattet. Die Einsetzung dieses Unterausschusses war erfolgt, weil der Finanzminister v. Schlieben gegen verschiedene Ausschußber schlüsse auf Erhöhung von Ausgaben protestiert hatte. Seinen Pras test hatte er mit seiner pessimistischen Auffassung über die Finangs lage des Reiches begründet. Der offizielle Bericht des Ausschusses scheint der Auffassung des Finanzministers recht zu geben. In der Zusammenfassung des Berichterstatters Abg. Ersing( 3.) heißt es: Nach dem Ergebnis der Verhandlungen im Unterausschuß des Haushaltsausschusses muß anerkannt werden, daß das vom Reichsfinanzministerium dargelegte Kaffen- und Etatsbild im wesentlichen zutreffend ist. Der Ausschuß ist allerdings der Ansicht, daß zurzeit nod) gewisse Reserven vorhanden sind. Es handelt sich hierba jedoch nur um geringere Beträge oder um Beträge einmaliger Art, die durch vermehrte Ausgaben binnen furzem aufgezehrt sein werden und daher ungeeignet sind, laufende Mehrausgaben zu stützen. Die gemeinsame Berhandlungg mit dem Bertreter des Steuerausschusses hat ergeben, daß das Gesamteinnahmebild des Reiches nicht wesentlich höher angenommen werden fann, als es von der Regierung geschehen ist. Im Gegenteil haben schon die Beschlüsse des Unterausschusses einen Einnahmeausfall für das Reich allein von rund hundertfünfundsiebzig Millionen Mark zur Folge. Hiernach ist der Unterausschuß der Ansicht, daß die Gefahr einer Störung des Gleichgewichts im Haushalt außerordentlich naheliegt. Das Steuerüberleitungsgeseh angenommen wirtschaft gebildet werden. Wir wenden uns deshalb bagenftigen Die sozialdemokratischen Anträge abgelehnt. In der Sigung des Steuerausschusses des Reichstags am Montag wurden die sozialdemokratischen Anträge, die wir ( Soz.) begründet. Staatssekretär Popih teilt mit, daß die Reichs in der gestrigen Abendausgabe veröffentlichten, vom Abg. Dr. Herh regierung bereits auf Grund der Beschlüsse erster Lesung die Vorbereitungen für die Durchführung der neuen Ermäßigungsfähe zum 1. Juni getroffen habe. Wenderungen an den Beschlüffen feien deshalb technisch nicht mehr möglich. Die sozialdemokratischen Anträge wurden abgelehnt, mit Ausnahme des Antrages, der die Ermäßigung bei unft än digen Arbeitern auf zwei Prozent, bei Heimarbeitern auf ein Prozent festsetzt. Der Antrag, das durchschnittliche Aufkommen der Lohnffeuer auf 100 Millionen Reichsmart monatlich zu begrenzen und beim Steigen des Aufkommens aus der Lohnsteuer das Eristenzminimum zu erhöhen, wird von der Regierung als unannehmbar be zeichnet. Er enthalte eine so weitgehende Festlegung, daß fie im Rahmen dieses Gesezes nicht beschlossen werden könne. Auch dieser Antrag wird abgelehnt, trotzdem sowohl die Deutschnationalen als auch das Zentrum in den vorhergehenden Debatten eine folche gefegliche Bindung als dringend notwendig bezeichnet hatten. Der übrige Teil des Steuerüberleitungsgefeges mird im wefent lichen unverändert angenommen. Bor allen Dingen bleibt es bei dem Beschluß, daß für das Jahr 1924 von einer nachträglichen Beranlagung Abstand genommen wird. Lediglich der§ 9, der die Borauslegungen regelt, unter denen im Einzelfall eine Herab segung des Ablösungsbetrages möglich ist, erhält einen Zusatz. Da nach sollen auch„ wesentliche Vermögensverlufte" die Herabsetzung Für fleinere und mittlere Betriebe der Landwirtschaft werden die Borauszahlungen ermäßigt. Die erhöhten Kinderermäßigungen -Ebenso find die astronomischen Verhältnisse am Bol einzig geartet. Die Sonne erhebt sich nicht täglich am Himmel und fintt nachts wieder herab, wie wir es gewohnt sind, sondern sie bleibt, nachdem sie am 20. März aufgegangen ist über dem Horizont, ihn in 24 Stunden einmal umtreifend, und dabei langjam immer höher steigend, bis sie am 21. Juni ihren höchsten Stand, mehr als 23 Grad über dem Horizont, erreicht hat. Dann sinkt sie ebenso langsam wieder, um am 23. September unter dem Horizont zu verschwinden. In Wirklichkeit dürfte sich die Dauer des Sommertages etwas länger gestalten, da die Sonne länger sichtbar bleibt. Auch diese Strahlenbrechung zeigt in den Polargebieten abnorme Ber. hältniffe, wie schon aus der Häufigkeit und großen Intensität der Luftspiegelungen in hochnordischen Gegenden hervorgeht. Natürlich werden auch die meteorologischen Ele mente von dem Gang der Sonnenstrahlung start beeinflußt. Ein täglicher Wechsel in der Lufttemperatur, wie er sich bei uns in der Erwärmung bei Tage und der Abkühlung bei Nacht bemerkbar macht, ist also am Bol nicht zu erwarten. Bielmehr muß man annehmen, daß der Wechsel der meteorologischen Erscheinungen, der fich im Laufe eines Tages bei uns abspielt, dort auf die Dauer eines Jahres ausgedehnt ist. Jedenfalls dürften fortgefeßte meteoro logische Beobachtungen unter so einzigartigen Verhältnissen bedeutsame Resultate erhoffen lassen. Der Pol bildet das Zentrum der Nordpolarzone, die durch den Polartreis nach außen hin begrenzt wird. Da die Lage des Polarfreises auf der Erde bedingt ist durch die schiefe Stellung der Erdachse auf der Ebene der Erdbahn und diese sogenannte" Schiefe der Elliptik" in langsamer Abnahme begriffen ist, so rückt auch der Polartreis jährlich um etwa 15 Meter näher an den Pol heran und verändert so andauernd den Flächeninhalt der Polarzone. Eine auffallende Eigentümlichkeit des Pols besteht in dem Mangel einer Zeit in dem landläufigen Sinne. Steht man zu einem Beitpunkt, an dem in der Sternwarte von Greenwich bei London gerade 12 Uhr Mittag ist, am Bol, mit dem Gesicht nach dem Meridian von Greenwich gerichtet, so hat man, wenn man einen Schritt vormärts macht, Mittag. Macht man dagegen einen Schritt nach rechts, so ist es 6 Uhr morgens; ein Schritt nach links bringt uns in die Zeit um 6 Uhr abends, und ein Schritt nach hinten verjetzt uns in die Mitternachtsstunde. Diese mertmürdige Tatsache ist darin begründet, daß alle Meridiane, an welche die verschiedenen Ortszeiten auf der Erde gefnüpft find, am Bol zujan mentreffen, so daß also dort theoretisch alle Ortszeiten gleichzeitig vorhanden find, man demnach von einer Tageszeit in dem landläufigen Sinne überhaupt nicht sprechen tann. Man müßte bort eben nach der Zeit eines anderen Ortes, zum Beispiel nach Greenwicher Zeit rechnen. Eine weitere Folge der gleichen Ursache ist das Ber schwinden der drei himmelsrichtungen Often, Norden und Westen für die Erdoberfläche. Nur der Süden ist noch übrig geblieben, und nach welchem Bunft der Eiswüste man auch sehen mag, der Blick wird stets nach Süden gerichtet sein. Jeder Wind meht aus Süden und gleichzeitig nach Süden. Wir sehen also, daß dem Nordpol eine ganze Reihe von höchst interessanten Eigenschaften innewohnen, die ihn grundsäglich von allen anderen Gebieten unserer Erde unterscheiden. In der Diskussion erklärte der Abg. Hilferding( S03.): Es handelt sich nicht darum, daß die Reserven unforporatio im Etat geschaffen werden, sondern darum, daß sie forporativ in der daß irgendeine Ueberspannung in bezug auf Zahlungen aus dem Dames- Gutachten stattfindet, und wir menden uns deshalb auch gegen eine Thesaurierungspolitit. Die Finanzlage der Länder ist heute unseres Erachtens eine günstige, Tommen und Umsatzsteuer überwiesen werden, vom Reichstage vor und daher könnten die Summen, die den Ländern aus der Einher firiert werden. Wenn dann diese Steuern darüber hinaus lleberschüsse ergeben, so tönnten diese in den Betriebsmittelfonds des Reiches fließen, ebenso wie die 1925 zu erwartende einmalige Einnahme aus dem Münzgewinn. Bei den Einnahmen sind auch nicht in Betracht gezogen die Mehrergebnisse der von der Regierung vorgeschlagenen 3ölle, die am 1. Auguft in Kraft treten follen. Diese Bollvorlage wird im Falle ihres Infrafttretens den Lebenshaltungsindex verteuern; daher müssen die Löhne dann eine Erhöhung erfahren. Reichsfinanzminister v. Schlieben: Die im Etat 1924 erzielten Mehreinnahmen haben nicht etwa allein die Wirtschaft belastet; fie find vielmehr zu einem großen Teil entstanden aus Rentenmarffrebitgewinnen, aus Gewinnen der Gilber prägung, der Rentenmünzprägung usw. Wir werden für die Balance des Etats alles irgendwie Erreichbare zusammenholen müssen. Dabei wollen wir nichts ohne Zustimmung des Reichstags unternehmen. Ich betone nochmals, daß mir nichts ferner liegt als eine Thesaurierungspolitik. Der Vorfizende, Abg. Heimann( Soz.), gibt dem Ausschuß dann eine Mitteilung des Unterausschusses zur Kenntnis, in der es heißt: Nach eingehender Prüfung der Finanzlage ist der Unterausfchuß zu der Anficht gekommen, daß die Gefahr einer Störung des Gleichgewichts im Haushalt naheliegt. Zu ihrer Vermeidung ist größte Borsicht auf der Ausgabenieite geboten, während die Einnahmen feinesfalls wesentlich herabgemindert werden dürfen. Rach Kenntnis dieser Mitteilung vertagte sich der Ausschuß. Ausstellung„ Berliner Kunft 1925". Die„ Arbeitsgemeinschaft", die sich vor zwei Jahren unter Führung von ans Balushet vom Bercin Berliner Künstler abgesondert hat, eröffnete am Sonntag mittag ihre Sonderausstellung„ Ber. liner Kunst 1925 in cinigen Räumen des Charlottenburger Opernhauses, die durch einfache Mittel zu würdigen Ausstellungsfälen umgewandelt worden find. Hans Baluschet rechtfertigte vor zahlreichen Gästen in furzer Ansprache das Sonderunternehmen der Arbeitsgemeinschaft, die ihre Interessen im Moabiter Glaspalaft ( der großen Landes ausstellung) nicht genügend gewahrt und der Deffentlichkeit einen Beweis der in der Arbeitsgemeinschaft gesammelten Kräfte schuldig zu sein glaube. Trog der Trennung Dom Verein Berliner Künstler bedeute diese Ausstellung feine Richtung, feine Sezession; lediglich eine gute Uebersicht zu schaffen, fei Ehrenfache der Leitung gewesen. Bei dem heutigen Arbeitstempo, zu dem die Künstlerschaft durch die Zeitverhältnisse gezwungen sei, tönne ihr öffentliches Auftreten nicht nur auf wenige große Beranstaltungen beschränkt bleiben; das Ausstellungswesen Bon der Stadt Berlin, deren müsse dezentralisiert werden. Leistungen für die Kunst dankbar anerkannt wurden, forderte Baluschef das große repräsentative Kunstmessehaus und schloß mit einem perföhnlichen Appell an den Verein Berliner Künffier, aus dem die Arbeitsgemeinschaft hervorgegangen ist. Ueber die Ausstellung selber werden wir noch berichten. Madison Square Garden, der größte Bergnügungspart der Welt, den der später ermordete Harry Tham geschaffen hat, hat zu bestehen aufgehört und wird abgerissen. Hier war der berühmte Deutsche Basar, der für die Geschichte des Deutschtums in Amerifa von größter Bedeutung wurde. Hier wurden alle großen Berfammlungen abgehalten, in denen über die Präsidentschaftskandis datur der Vereinigten Staaten die Entscheidung getroffen wurde. Hier sprachen Männer wie Cleveland, Roosevelt, Mac Kinley und Bryan, um die New Yorker für ihre Kandidatur zu gewinnen. Der Madison Square Garden war aber eines der buntesten Institute, die es auf der Welt gab. Hier wurden die großen Bortämpfe ausgeführt, die berühmten Rabrennen und hier war ein Massentonsum von Frankfurter Bürstchen, von denen im Jahre 250 000 Baar verzehrt wurden. Hier waren die großen Zirkusse, Kunstreiter, Clowns, Varietétünstler, englischen Zauberer, furz alle aufregenden Freuden für kleine und große Kinder, zu sehen. Alle großen Bälle wurden hier veranstaltet. Auch das Theater murde gepflegt, denn hier gab es eine der besten Bühnen von New York. Hier traten Coquelin, Sarah Bernhardt, Bossart und Dreher auf, die Sorma und die bayerischen Schuhplattler, und holten sich hier Dollars und Ruhm. Neben der ernsten Kunft hatten die heiteren Künfte ein Heim. Hier fanden die großen Empfangsfeste statt und die deutschen Sängerfeste. Bon großen Sängerinnen hörte man hier die Materna und die Schumann- Heint, die Nordica und andere Größen. Dicht daneben war aber auch ein ungeheures Schwimmbaffin, in dem sich Tauch künstler produzierten. Die Goethe- Bühne gewährt bis zum 31. Mai fämtlichen Zeilnehmern des Rundfunks gegen Borlegung der Teilnehmerfarte auf allen Blägen halbe Preise. §r!tz Herbert gestorben. Nus Stettin kommt uns die Trauernachricht, daß Gen. Fritz Herbert am letzten Sonntag plötzlich elnsm Schlag« anfall erlegen ist. Mit ihm ist einer von denen hingegangen, die seit Jahrzehnten für den Aufbau der Partei und ihrer Presse tätig gewesen sind. Gen. Herbert war am 7. Juni 1860 in Artern geboren, er hatte das Buchdruckergewerbe gelernt und in der Hauptstadt Pommerns früh eine zweite Heimat gefunden. Im Jahre 1885 trar er in die Redaktion des „Äoltsboten* ein, der er bis zum Jahre 1903 anjjehörts. Später übernahm er den Verlag des Blattes. Cr gehörte von 1893 bis 1898 und von 1903 bis 1906 dem Reichstag am feit 1919 bis zu seinem Tode war er Mitglied des Preußischen Landtags. In die Stadwerordnetenverfammlung von Stettin hatte�er im Jahre 1900 seinen Einzug gehalten. «o hat er vierzig Jahre lang auf dem schwierigen Boden Pommerns als Pionier der deutschen Arbeiterbewegung ge- wirkt. Er selbst hat auch eine Geschichte der Sozialdemokratie Pommerns geschrieben, in der er eine der wirksamsten Kräfte gewesen ist. In ihr und in der Geschichte der deutschen Sozial- demokratte wird sein Name fortleben. General von öer Goltz— Kutiskers Protektor Enthüllungen im Untersuchungsausschuß. Der preußische Untersuchungsausschuß für die Staatsbank- a f f ä r e n hat seine Beratungen wieder aufgenommen Ob er sie jemals beenden wird, ist eine ander« Frage, die nach der Zerfahren- heit, die für seine bisherigen Ermittlungen in den letzten fünf(0 Monaten kennzeichnend ist, eher verneint werden müßt«. Zurzeit beschäftigt er sich abwechslungshalber wieder einmal mit der K u t i s k e r- Affäre. Der größte Teil der Sitzung wurde durch die Dernohmung jenes Oberfinanzrats Dr. Rühe ausgs- füllt, der die Staatsbankkredite Kutiskers und später auch vorüber- gehend Barmats bearbeitet hatte. Wie erinnerlich wurde Dr. Rühe Mitte Dezember, kurz nach der Verhaftung Kutiskers ebenfalls fest- genommen und befand sich viele Wochen hindurch in Untersuchungs« hast, aus der er im März entlassen wurde. Seine Vernehmung ergab an sich nichts Wesentliches. Er versuchte seine Verantwortung einerseits aus die Beamten der Lombardabteilung, andererseits auf das Generaldirektorium der Seehandlung abzuwälzen, dem er alle Verträge mit Kutisker vorgelegt hätte. In einem Punkte war allerdings die Aussage Rühes von sensationellem Interesse. Ms man ihn fragte, wie er eigentlich dazu gekommen wäre, einem Mann« wie Kutisker sa viel Vertrauen entgegenzubringen, antwortete er u. a., daß ver- schieden« wichtige Stellen und hochstehende Persönlichkeiten kutisker wärmftens empfohlen hätten, darunter General von der Goltz. Auf die Frage des Genossen K u t t n e r. ob es ihm denn nicht aufgefallen wäre, daß der Vorsitzende völkischer Organi« s a t i o n e n sich für einen ostjüdischen Händler«ingesetzt hätte, ant- wartete Rühe, diese Eigenschaft des General» von der Goltz fei ihm nicht bekannt gewesen. Es tonnte in der gestrigen Sitzung des Ausschusses noch nicht endgültig klargestellt werden, um welchen General von der Goltz es sich dabei handelt. Es gibt bekanntlich deren zwei: der cme hat ein« üble Roll« im Skandal dcs Luftfahrer-Dankes gespielt, der andere ist der ehe. malige Baltikumer, der später Vorsitzender der so- genannten Vereinigten Vaterländischen Ber- bände Deutschlands wurde. Da Kutisker aus Libau stammt, wo Goltz lange Zeit sein Hauptquartier hotte, und da er, wie bereits festgestellt, als Liefe- rant für die Baltitumer jene Beziehungen anknüpft«, die ihm ermöglichten, dos Feld seiner Tätigtest nach Deutschland zu verlegen, so spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß der- jenige General von der Goltz, der Kutisker an die Staatsbank emp- fohlen hat, totsächlich identisch»st mst dem Vorsitzender der Vereinigten Vaterländischen verbände. In diesem Falle würde die Sache um so toller sein, als noch während des Präsidentschaftswohlkampfe» die vereiaigle« Vater- löndischcn Verbände einen Aufruf gegen die Korrupkion erließen. der an erster Stelle die Unterschrift des General» von der Götz trug. stuch tzemi Sarmat freigelassen. Wie der»Amtliche Preußische Pressedienst� von zuständiger Stelle erfährt, hat der Untersuchungsrichter auf die Dorstellungen der Verteidiger unter Aufrechterhaltuvg des Haftbefehl» die Frei» lassung des Henri Varmat gegen eine Kaution von 10090 Mark angeordnet. De'utstb-österreichiscber Aufammenschlust. Dortmund, 25. Mai.(WTB.) Auf dem Bundestag des Oesterreichisch-Deutschen Voltsbundes, der gestern in Dortmund unter Vorsitz des Reichstogspräsidenten Lobe stattfand, und an dem mehr als 60 Ortsgruppenvertreter aus allen Teilen Deutschlands und Oesterreich» teilnahmen, wurde eine Reihe von Entschließungen gefaßt. Danach spricht der Vundestag zunächst die Erwartung au», daß die deutsch« Regierung bei den Derhand. lungen Ihres Garantiepaktee alles unterlasse, was«ine Schmälerung der durch den Friedensvertrag vorgesehenen Rechte Oester- reiche, sich mit Genehmigung des Völterbundrats an Deutschland anzuschließen, herbeiführen könnte. Der Bundestag drückt serner seine Zustimmung zu einem EintrittDeutschlands in den Völkerbund aus. da nach seiner Dollziehung die deutschen ver- treter beim Völkerbund ihre Verpflichtung, als Anwatt deutscher Minderheiten aufzutreten, auch für die sudeiendeutschen. südsteicnschen und Südtiroler Minderheiten übernehmen würden. Der Bundestag fordert weiter im Hinblick auf die Verhandlungen zweck? Auf- Hebung des Sichtvermerks zwischen Oesterreich und Deutschland das Inkrafttreten einer Konvention, die die Paß- schranken zwischen Oesterreich und Deutschland aufhebt, die Zollschranken abbaut und durch geeignet« Eisenbahnverbindungen die Verkehrsfreiheit zwischen beiden deutschen Staaten fördert. Der Bundestag beantragt ferner, daß über den dem deutschen Retchsrot vorgelegten Strafgesetzentwurf hinaus die ö st erreichifch-deuts che Rechtsangleichung beschleunigt werde, und bittet die preußische Regierung, die seit einem Jahr« schwebenden Verhandlungen mit dein österreichischen Unterrichts- Ministerium betreffend Aufhebung de, erhöhten Fremdenschulgelde» zum Abschluß zu bringen. Der Bund«»- tag ersucht die Reichsregierung, auch in diesem Jahre alle Fragen des Fremdenrechts in einem besonders zu schassen- den Reich-kommistoriat zu zentralisieren, und fordert die Parteien des Reichstags auf, in der Rovellierung des Gesetzes über den Erwerd der Reichs- und Staatsangehörigkeit Schritte zu unter- nehmen Der Bundestag deantragt schließlich den Erlaß einer Durchführungsverordnung, die als d e u t s ch st ä m m i g den an- erkennt, der sich zur deütschen Sprach-, Kultur- und Schicksals- gemeinfchaft des deutschen Volke, bekennt. Recht gegen baperijche Volksgerichte. Ein sozialdemokratischer Erfolg. Nach sahrelangen Bemühungen ist es gestern endsich der sizialdcmokrutischen Fraktion gelungen, im Reichstage ein von ihr eingebrachtes Jnitiativgesetz zur Verabschiedung zu bringen, welches gegenüber den Urteilen der bayerischen Volksgerichte die Wiederau fn ahme des Verfahrens zu- läßt. Schon in dem aufgelösten Reichstag hatte ein ähnlicher Antrag die erste Lesung und die AusschugberatunA passiert. um dann in letzter Minute, eben vor der Auflosung des Reichstages, infolge Widerspruchs des Abg. Dr. B r e d t von der Wirtschaftspartei zu scheitern. Diesmal waren alle Be- mühungen der bayerischen Regierung, der Deutschnatlonalen und der Bayerischen Boltspartei vergeblich: mit einer wenn auch nur kleinen Mehrheit ist unser Initiativantrag in dritter Lesung angenommen worden. Durch das jetzt verabschiedete Gesetz wird endlich ein Rechtsmittel gegen Urteile der bayerischen Volksgerichte ein- geführt: Die Wiederaufnahme des Versehrens, und zwar nicht nur in den seltenen Fällen, in denen die Strafprozeßordnung die Wiederaufnahme überhaupt zuläßt, sondern auch schon dann, wenn aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen die Freisprechung des Angeklagten oder in Anwen- dung eines milderen Strafgesetzes eine geringere Bestra- fung zu erwarten ist. Mit dieser Bestimmung ist allen von den bayerischen Dclksgerichten zu Unrecht Verurteilten, sowohl denen, welch« ihr« Strafe bereits verbüßt haben, wie auch denen, die mit Bewährungsfrist entlassen sind oder noch ihre Strafe verbüßen, eine wirksame Handhabe gegeben, um zu Unrecht ergangene Urteile zur Aufhebung zu bringen. Unschuldig Verurteilte können ihre Freisprechung, zu hart Verurteilte können eine Strafmilderung betreiben, unter Bewährungsfrist Entlassene können sich von den teilweise geradezu entehrenden Bedingungen befreien, unter denen sie in Bayern vielfach vorläufig enllasien worden sind. Ueber den Wiederaufnahme- antrag hat nach den Beschlüssen des Reichstages die Straf- kammer zu entscheiden. Die erneute Hauptverhandlung findet dann vor dem Gericht statt, das zur Zeit der Anordnung der Erneuerung der Hauptverhandlung für die Sache zu- ständig ist. Dabei ist aber ausdrücklich bestimmt, daß der- jenige, der in dem aufzunehmenden Bewahren als Richter mitgewirkt hat, von der Mitwirkung bei der Entscheidung über die Wiederaufnahme»nd in der erneuten Hauptverhandlung ausgeschlossen ist. Unsere Fraktion wird, aestärkt durch diesen Erfolg auf dem Gebiet der bayerischen Justiz, den Kampf für eine völlige Umgestaltung der deutschen Rechtspflege mit neuer Kraft weiterführen, bis eine durchgreifende Justiz- r e f o r m durchgesetzt ist. * Präsident Cöbe eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Min. und gedenkt de» früheren Reichstagsabg. Dr. Rcumann-hofer. der mit feiner Gattin bei einem Automobilunfall fein Leben verloren hat. Die Urteile bayerischer Volksgerichte. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs über die Wieder- aufnahm« des Verfahrens gegenüber Urteilen der bayerischen Volts- osrichte. Der Rechtsousschuß. in dessen Nomen Abg. Dr. Haas- Badea(Dem.) Bericht erstattet, hat einen Gesetzentwurf ausge- arbeitet, wonach gegenüber den Urteilen der bayerischen VoVs- j gerichte die Wiederaufnahme des Verfahrens statt- rinden kann. Die Wiederaufnahme zugunsten des Verurteilten findet auch dann statt, wenn au» t a t f a ch l i ch« n oder recht- lichen Gründen die Freisprechung des Angeklagten oder in An- wendu�g eines milderen Strafgesetzes eine geringere Bestrafung zu erwarten ist. Darüber, ob der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens zulässig und begründet ist. entscheidet die Straf. kammer. Di« erneut« Hauptverhandlung findet vor dem Gericht statt, daß zur Zeit der Anordnung der Erneuerung der Hauptver- Handlung für die Sache zuständig ist. Wer in dem wieder aufzu- nehmenden Verfohren als Richter mitgewirkt hat, ist von der Mit- Wirkung bei der Cntfckeidung über die Wiederaufnahme und in der erneuten Houptverhanolung ousoeschlossen. Bayerischer Staatsrat v. Rüßlein bittet um Ablehnung de» An- träges. Die bayerische Regierung bestreitet die Zuständigkeit de» Reiches in der Frage der bayerischen Doltsgerichte, die ihr Entstehen einem bayerischen Reservatrecht verdanken. Abg. Lehmann(Dnatl.) lehnt die Vorlage gleichfalls a b. Mg. Saenger lSoz.): Bei der Beurteilung dieses Gesetzes handelt es sich lediglich um eine Rechtsfrage und nicht um politische oder portikula- r i st i s ch e Fragen. E»«st etae Tal der«erechllgkett und Notwendigkeit, daß lausenden, denen durch die bayerischen volksgerichle Unrecht geschehen ist, vom Reichstag dasselbe Recht gegeben wird, das Schieber und Wucherer haben. Wir dürfen nicht vergessen, daß die bayerischen Dolksgerichte nicht nur über politische vergehen, sondern fast fünf voll« Jahre in der überwiegenden Mehrheit kriminalistische Vergehen ab- geurreilt haben. Damit ist ihnen die Eigenschaft der o r d e n t- lichen Gerichte gegeben worden. Zum Unterschied von der Verordnung vom S. November 1018, der nur ganz wenige Straf- taten unterstellt waren, hat das Gesetz über die Volksgerichte. das vorn 1. August 1919 bis 1. Mai 1924 in Kraft war. beinahe all« kriminalistischen Vergehen den Valksgerichten unterstellt. Es ist also richttg, wenn wir behaupten, daß die Mehrzahl dieser Fälle in Bayern vor den Ausnahmegerichten abgeurteitt worden find. Dieses Gesetz»st ober rechtswidrig, denn es ist noch beibehalten worden, als die Voraussetzungen dafür längst gefallen waren. Nach dem Z 1 sollten Volksgerichte nur so lange amtieren, wie in Bayern die Ruh« und Ordnung in erheblichem Maße gestört sei. Schon im Jahre 1921 hat ober Herr Dr. Heim erklärt, daß in allen Schichten der bayerischen Bevölkerung Ruhe und Besonnen- heit zurückgekehrt sei. Später hat der bayerische Iustizminister Dr. Gürtler ausgesührt, daß die Volksgerichte aufgehoben werden sollen, wenn da» Gerichtsverfassunasverfahren geordnet sei. Hier wird also die Notwendigkeit des Gesetzes über die Volksgerichte nicht mehr anerkannt, es werden nur noch praktische Gründe für seine Beibehaltung angeführt. Der Schluß, zu dem wir also kam- men, ist gerechtfertigt, daß die bayerischen Volksgerichte fabrelang bewußt fortgesühr» worden sind, trotzdem die gesetzlichen Doraussehungen für sie nicht mehr bestanden haben. (Sehr richtig! bei den Soz.) Bei der Beschlußfassung über das Gesetz im Juli 1919 in B a m- b e r g sind die Bedenken, die unsere bayerischen Freunde dagegen erhoben haben, mit der Erklärung beschwichtigt worden, daß es nur kurz« Zeit dauern solle. Jetzt aber wird wie üblich die Behauptung aufgestellt, daß die H o h e i t B ay e r n s i n G e f a h r sei, ein Vorgong, an den wir auch auf anderen Gebieten gewöhnt sind. Mit derselben Begründung bereitet jetzt auch die bayerische Regierung einer Reichsamnestie Widerstand, wie das jetzt in der Oeffentlichkeit bekannt geworden ist. Wie ist die prozessuale Aus- führung des Gesetzes? Dem Vorsitzenden des Bolksgerichts Ist die Möglichkeit gegeben, Laienrichter nach seiner persönlichen Austvahl zu berufen. In den letzten Jahren find in den politischen Prozessen immer die gleichen Laienrichter berufen worden. Der bayerische Iustizminister Hai das für richtig erklärt. Rechtsgonentien im Sinne der Strafprozeßordnung gab es bei den bayerischen Volks- gerichten nicht. In einem Falle, in dem wegen Hochoerrats auf lebenslängliche Zuchthaus st rase erkannt wurde, hatte der Vorsitzende des Gerichts das Ermittlungsverfahren von Anfang bis zu Ende in der Hand. Er sagte dem Verteidiger vorher, der Mann sähe einer hohen Skrase entgegen. Nach einer Statistik in München über den Erfolg der Berufung gegen Urteile der Schössen- gerichte und der Strafkammern ist dargestellt worden, daß 20 Proz. aller Berufungen mit einem"Erfolg zugunsten der An- geklagten geendet haben. Das spricht dafür, daß wir auch für die Volksgerichte das Rechtsmittel der Wiederaufnahme schassen. Ich bin der Meiming, daß auch die Herren von der rechten Seite alles Interesse daran haben, auch für ihre Angehörigen, die mit den Volksgerichten zu tun hatten, die Möglichkeit der Wiederaufnahme zu schaffen. Bei der Beurteilung dieser Frage dürfen wir nicht vergessen, was vor kurzem in Bayern noch möglich war: Ein Vertreter des Zustizministeriums hat in einer geheimen Sitzung neben dem steckbrieflich verfolgten Hochverräter Ehrhardi gesessen.(Hört! hört! bei den Soz.) Nicht allzu lange ist es her, daß ein heute amtierender Rcgierungs- rat auf einem öffentlichen Studentenkommers den Erzberger- Mördern zugerufen hat, sie könnten in Bayern ruhig ihrem Berufe nachgehen. In der„Deutschen Juristsnzeitung* ist festgestellt worden, daß in Bayern nicht Recht, sondern Willkür herrsche. i Es ist noch kein Jahr her, daß der Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei im bayerischen Landlag erklärt hat, daß manche Kreise nicht die Ueberzeugung hätten, als ob die Rechtssicherheit in Bayern das höchste Gut sei und daß allgemein die Rechtssicherheil garantiert werde.(Hört! hört! bei den' Soz.) Es müsse endlich gelingen, die Rechtsgleichheit wiederherzustellen. Ich nehme an, daß der Vertreter Bayerns, Herr N ü ß l e» n. heule nicht sein juristisches Gewissen sprechen ließ, denn dos hätte ihn sicher ver- anlaßt, für die Wiederherstellung des Rechts einzutreten. Es sei. daran erinnert, daß der Reichsgerichtsrot Dr. Niedner schon vor Iahren oerlangt hat, daß die Revision der Prozesse vor den baye- rijchen Volksgenchteii für zulässig erklärt werden. Die bayerische Regierung hätte Fcchenbach nicht begnadigen dürfen, wenn ihr Rechtegcwissen ihr nicht gesagt hätte, daß das Urteil kein Recht, sondern Unrecht sei. Sic hätte die Strafe von 1l Jahren Zuchthaus nicht auf den vierten Teil herabsetzen dürfen, wenn sie nicht selbst von der Unhallbarkeit des Urteils üsicrzcvgt gewesen wäre. Die Wiederherstellung des Rechts darf sich aber nicht auf den einen Fall Fechenbach beschränken, und es ist falsch, die- jenigen, die von den Vorgängen keine Kenntnis haben, mit der Bezeich- nung des oorliegcnden Gesetzentwurfes als einer Lex F e ch c n- dach kopfscheu zu machen. Ich erinnere daran, daß die nomhaftesten Gelehrten in ihren Gutachten das Urteil Fechenbach für falsch erklärt, daß noch kürzlich zwei bekannte Juristen festgestellt haben, daß Fechenbach zu Unrecht verurteilt worden ist. Selbst die deutsch- nationalen Blätter, der„Tag",„Lokal-Anzeiger",„Deutsche Zeitung" haben erklärt, daß das Urteil zu Unrecht ergangen sei. Wie not- wendig die Annohme dieser Vorloge ist, geht noch aus einem zweiten Falle hervor. Vor dem Dolksgericht in Kempten ist ein Zoll- a s s i st e n t wegen Mordes zu 8 Iahren Zuchthaus oerurteilt war- den. Der Stoatsa»lvalt hatte sogar die Todesstrafe beantragt. Kurz nach Antritt der Strafe lief bei der Stactsanwattichaft ein anonymer Brief ein, wonach nicht der Verurteilte, sondern der Schmuggler N. R. der Töter sei. Die Staatsanwaltschaft behauptete. der Brief sei bestellte Arbeit. Nun wurde am 1. April dieses Jahres der Schmuggler an der Grenze festgenommen, er«rNärte �ch o n tn der ersten Stunde, daß er der Mörder sei. In isr gleichen Stunde wurde der Zollossistent, nachdem et zwei Zahre im Zuchthaus gesessen hatte, freigelassen. Sie wollen lnach rechts) also auch in solohM Fällen dem Verurteilten, über dessen Kopf vielleicht das Damoktes- schwcrt de» Todesstrafe schwebt, vielleicht die Möglichkeit nehmen, durch die Wiederausnahme des Verfahrens feine Unschuld zu be- weisen. Der Borlage muß schon deshalb zugestimmt werden, weil unschuldig Verurteilten ein Schadenersatz nur dann ge- leistet wird, wenn sie freigesprochen sind. Gegen dieses Gesetz sind nur polikische und parlikularisissch? Argumente vorgebracht worden, aber kein einziges Argument de, Rechts. Wir erwarten die Annahme diese» S-sehes frn Harnen der Killlichkeil und des Rechts.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) In der Aussprache traten die Abg. Kahl(D. Dp.), Dr. K o r s ch (Komm.) und Dr. Haas(Dem.) für den Gesetzentwurf ein, mäh- rend der Abg. Trotzmann(Vayr. Vp.) sich dagegen wandle. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, so erfolgt die Aus- Zählung durch Hammelsprung. Dafür stimmen die Demokraten, die Sozialdemokraten und die Kommunisten, eine Isiinderheit der Deutschen Volkspartei unter Führung des Abg. Dr. Kahl und eine Minderheit des Zentrums unter Führung des Rslchsarbeifsministers Brauns. Das Gefetz wird mit 148 gegen 12S Stimmen in allen drei Lesungen anaenammen. Die Annahme wird von der wchrhcii mit lebhaftem Beifall auf- genommen. Es folgt die Beratung über den Haushalt für die Aus- führung des Friedensvertrages(Kriegskchten), dessen Annahme Abg. Drewitz(Wirtfchaftl. Da.) als Berichterstatter empfiehlt. Der Haushast wird darauf noch den Ausfchußanttägen i n zweiter Beratung angenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr: Haushalt des Reichswehr- Ministeriums. Di- zweite Lesung des, p o n i s ch e n Han- delsvertroges wird am Mittwoch nach der zweiten Lesuna des Ueberleitungsgesetzes stattfinden.— Schluß Uhr. Die Getrogenen. «utschliefjuiiq de» Sparerbundcs gegei» die Nompromistpnrteien. Die Mttgliederversommlurlg des Hypothekengläubiger- und Sparer-Tchutzverbandes für das Deutsche Reich hat am 24. Mai 1925 folgenden Beschluß gefaßt: „Wenn das Aufwertungskompromiß mit seinem jetzigen oder einem ähnlichen Inhatt Gesetz werden sollte, wird der Sparerbund die Gläubiger und Sparer auffordern, den Kompromihpor- teien den Rücken zu kehren und ihre Abgeordneten zu bekämpfe n.' Der Sparerbund hat ferner Dank und Anerkennungs- schreiben an die Herren Dr. B e st und Dr. S t e t n i g e r ge richtet. Dr. B e st wird aufgefordert, sekn Relchstagsmand-- unter allen Umständen beizubehalten. Gewerkschaftsbewegung 10. Verbandstag der Steinarbeiter Deutschlands. Weimar, 22. Mai 1925. Am Montag wurde im Volkshause in Weimar der 10. Berbandstag der Steinarbeiter eröffnet. Der Verbandstag, an dem zum ersten Male auch die Fachgruppe der Steinfeger seit ihrer Verschmelzung mit dem Steinarbeiterverband teilnimmt, ist von 70 Delegierten und einigen ausländischen Gästen besucht. Nach den Begrüßungsansprachen des Verbandsvorsitzenden Wintler, des Bertreters des ADGB. Knoll, Berlin, des Kollegen Schoon= dervoerd, Rotterdam, des Kollegen Riesz, Budapest und anderen Teilnehmern trat der Verbandstag in seine fachlichen Verhandlungen ein. Berbandsvorsitzender Winkler gab den Geschäftsbericht. Der Berband zählte im Jahre 1923 rund 63 000 Mitglieder. Durch die Inflation wurden dann 20 000 Mitglieder hinweggeschwemmt. Zurzeit zählt der Verband wieder etwa 54 000 Mitglieder. Sm übrigen weist die Verbandsarbeit eine stetig fteigende Entwicklung und eine rege Tätigkeit zum Wohle der Berufsangehörigen auf. Für die Steinfegergruppe erstattete inte den Tätigkeitsbericht. Es ist gelungen, den Achtstundentag aufrechtzuerhalten. Nach der Bekanntgabe einer Entschließung gegen das Verhalten des Baugewerkbundes berichtete der Tarifdezernent des Verbandes über die Tätigkeit des Tarifamts. Aus den Ausführungen war zu entnehmen, daß die Steinarbeiter den Reallohn beinahe wieder erreicht haben, daß aber überall der Kampf um eine Steigerung des Einkommens geführt wird. Am zweiten Berhandlungstag wurde die Diskussion des Geschäftsberichts aufgenommen. Der ganze zweite und dritte Berhandlungstag wurde mit der Debatte über den Geschäftsbericht und mit den Schlußworten der Berichterstatter ausgefüllt. Die überaus große starke Beteiligung an der Debatte es sprachen ungefähr 60 Delegierte- zeugte von einem regen Intereffe am Berbandsleben. Die Arbeit der Verbandsleitung wird zum Teil start unter Kritik genommen, aber zum überaus großen Teil gutgeheißen. Bahlreiche informatorische Ausführungen und nüzliche Ratschläge wurden gegeben. Am vierten Verhandlungstag begrüßten die Kollegen Mendel, Belgien, und Kolb, 3ürich, Sekretär der Steinarbeiterinternationale, den Verbandstag. Unter anderem wurde eine Entfchließung angenommen, die die Tätigkeit des Verbandsvorstandes auf dem Gebiete der Lohn- und Tarifpolitik billigt. Der Verbandstag beauftragte den Zentralvorstand, unbeachtet der in Aussicht stehenden Neuregelung des Lehrlingswesens mit aller Energie die Schaffung einheitlicher Lehrlingsordnungen anzustreben. Die Referate über die Lage in der Steinindustrie einschließlich des Straßenbaugewerbes und die Aufgaben des Berbandes mündeten in eine Entschließung, angesichts der be= fonders schwierigen Berhältnisse für die Steinarbeiter den Kampf um eine menschenwürdige Eristenz mit um so größerer Energie zu führen. Der wirtschaftspolitische Einfluß foll durch Wahrnehmung aller Rechte, gemeinsam mit dem ADGB. und den in Betracht kommenden politischen Parteien geltend gemacht werden für die Umwandlung der Unternehmerkammern ( Handwertstammer, Handelstammer usw.) in paritätisch zusammengesetzte Arbeitskammern und die Hinzuziehung eines Bertreters der Steinindustrie zum Reichswirt. schaftsrat. Die Mitglieder des Verbandes werden unter Zusicherung des erforderlichen Rechtsschutzes verpflichtet, von ihren gesetzlichen und tariflichen Rechten weitestgehenden Gebrauch zu machen. Ferner verpflichtet der Verbandstag die gesamte Mitgliedschaft aufs neue, unausgefeßt für die Stärkung des Berbandes, die unerläßliche Borausfehung fünftiger größerer Erfolge, tätig zu sein. anal Der Beschluß des Internationalen Steinarbeiterfongresses in Lugano zum Steinarbeiterschuh findet die volle Zustimmung der Delegierten. Bon den Verbandsmitgliedern wird erwartet, daß fie die geforderten gesetzlichen Maßnahmen zum Schutze von Leben und Gesundheit bei der Steingewinnung, bei der Steinbearbeitung und dem Steinfegergewerbe zunächst selbst beachten. Die Verbandsmitglieder sind daher verpflichtet, soweit es die Verhältnisse nur irgendwie geftatten, für die betriebliche bzw. örtliche Anerkennung der Forderungen zu wirken. Es müssen deshalb alle gesetzlichen Handhaben ausgenugt werden zur gefeßlichen Anerkennung dieser For derungen. Von den Verbandsinstanzen erwarten die Delegierten eine nicht zu erlahmende Tätigkeit, um die Forderungen der Steinarbeiter und Steinfeger zu verwirklichen. Jede sich bietende Gelegenheit soll benutzt werden, um auch im Lande für die Erweiterung des gesehllchen Schuhes im einzeinen, insbesondere die Anerkennung der Berufsfrankheit als Unfall zu wirken. Die bisherigen Arbeitsleistungen der Verbandsleitung auf diesem Gebiet finden volle Anerkennung. Der engere Verbandsvorstand hat vollständig freie Hand alle weiteren Maßnahmen zu ergreifen, die er zur Förderung des Gesundheits- und Lebensschutzes für die gesamten Berufskollegen für angebracht hält. Das Statut wurde dann mit unwesentlichen Beränderungen, so wie es von der Statutenfommission vorgeschlagen wurde, angenommen. Die alte Verbandsleitung wurde, wieder gewählt, auch der Ausschußvorsitzende. Der Beirat erhielt eine vollständig neue Befegung. Zum Breslauer Gewerkschaftsfongreß wurden die Kollegen Winkler, Sieboldt, Linte und Gold bestimmt. C Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz nahe Aschinger Königstr. 55 gegenüber Rathaus W Friedrichstr. 193a Ecke Leipziger Straße Leipziger Str. 113 Ecke Manerstraße Linkstr. 1 Ecke Potsdamer Straße N Schönhauser Allee 81 am Bahnhof Nordring Friedrichstr. 106 Ecke Ziegelstraße Invalidenstr. 164 Ecke Brunnenstraße Invalidenstr. 117 am Stettiner Bahnh. f Chausseestr. 72 nahe Müllerstrs Be Frankfurter Allee 14 nahe Tietz Die Arbeitszeit des Pflegepersonals. Ein Kulturffandal. Das beamiete Pflegepersonal der pommerichen Heil. und Pflegeanstalten wird zu einer Dienstzeit von 131( einhunderteinunddreißig) Stunden und 93 ( dreiundneunzig) Stunden wöchentlich abwech= jelnd gezwungen. Das beamtete Pflegepersonal der Provinzialanstalten Niederschlesiens fonnte eine ebenso lange Arbeitszeit bisher nicht abwehren. In der Bunzlauer Anstalt hat z. B. das rerheiratete männliche Personal wöchentlich 60 Stunden Arbeits-, Stations- und Aufsichtsdienst und 31 Stunden Bereit schaftsschlafen unter den Kranken also eine Dienstzeit Don 91 Stunden abzuleisten. Die Dienstzeit der Pflegerinnen ist, wahrscheinlich in vielgerühmter zarter Rücksichtnahme auf das schwächere Geschlecht, noch länger. Von den 168 Stunden der Woche haben sie ganze 27 Stunden( siebenundzwanzig) dienstfreie 3eit; 87% Stunden beträgt der wöchentliche Arbeits- und Stationsdienst und 53% Stunden das Bereitschaftsschlafen unter den Kranten. Trotz der 141 stündigen Dienstzeit pro Woche müssen Pflegerinnen, die nach 12 Uhr nachts von ihrem( alle Jubeljahr gewährten) Ausgang heimfehren, in den Krantenjälen schla= fen, so daß ihre Nachtruhe nicht einmal während der Freizeit gefichert ist. Night beamtetes Pflegepersonal, das sich auf Grund der Verordnung über die Arbeitszeit in Krankenpflegeanftalten vom 13. Februar 1924 gegen diese unglaubliche Ausdehnung der Arbeitszeit wehrte, wurde nach erfolgreich geführtem Kampfe vor dem Schlichtungsausschuß unter dem 1. Januar 1925 einfach in das Beamtenverhältnis übergeführt. Damit wurde dem Tarifpersonall der Schuß der Verordnung entzogen. Während das nicht beamtete Pflegepersonal der Verordnung vom 13. Februar untersteht, ist das beamtete Pflegepersonal einfach der illfür einzelner Behörden und deren sozialer Rückständigkeit ausgeliefert. Am 9. Mai 1924 schon stellte die Reichssettion Gesund heitswesen des Verbandes der Gemeinde- und Staatsarbeiter an das preußische Ministerium des Innern den Antrag, ,, für die dem preußischen Innenministerium unterstehenden Verwaltungen eine Verfügung zu erlassen, nach welcher das beamtete Pflegepersonal nicht länger beschäftigt werden darf, als dies für das übrige Krankenpflegepersonal gefeßlich zuläffig iſt". Der sich diesem Antrag anschließende Schriftwechsel fand durch das folgende Schreiben seinen Abschluß: Berlin W. 66, den 27. April 1925. Leipziger Str. 3. Der preußische Minister für Volkswohlfahrt. I M II Nr. 822/25. Betr. Arbeitszeit des beamteten Pflegepersonals. Zu dem Schreiben vom 13. März 1925. Im Einvernehmen mit dem Herrn preußischen Minister des Innern und dem Herrn preußischen Finanzminister teile ich Ihnen mit, daß bisher feine gefeßliche Grundlage besteht, terzufolge die Staatsregierung eine Bestimmung über die Arbeitszeit des be= amteten Pflegepersonals in fommunalen Krantenpflege- 1nd Heilanstalten treffen könnte. Ihrem an den Herrn Minister des Innern gerichteten Antrage vom 9. Mai 1924,„ für die unterstellten Berwaltungen eine Verfügung zu erlassen, nach welcher das beamtete Pflegepersonal in den Kranken- und Pflegeanstalten nicht länger beschäftigt werden darf, als dies für das übrige Krankenpflegepersonal gesetzlich zulässig ist, fann daher nicht entsprochen In Vertretung. gez. Scheidt. werden. Immerhin darf von dem Rost gelb im graphischen Gewerbe überhaupt und etwa von den Bauberufen abgesehen, behauptet werden, daß es vorbildlich ist für alle übrigen Berufe, insbesondere für die Metallindustrie, und schließlich auch für die gesamten Kleingewerbe. Entrechtung der Landarbeiter. In Zittau wurden fürzlich auf Vorstellungen des Land bundes Verhandlungen gepflogen, in denen die Vertreter der Industriellen nach einem Bericht der„ Chemnizer Allgemeinen Zeitung" vom 9. Mai versprachen, für folgende Dinge einzutreten: 1. daß es die Industrie bei Neueinstellungen vermeidet, Arbeitsfräfte, die bisher in der Landwirtschaft tätig gewesen sind, einzustellen; 2. daß die Industrie auf landwirtschaftlich vorgebildete Arbeitsfräfte erst in legter Zeit zurüdtommt; dies gilt auch hinsichtlich jugendlicher Arbeiter, die aus landwirtschaftlichen Familien stammen; 3. daß landwirtschaftliche Arbeiter, die noch in landwirtschaft. lichen Werkswohnungen wohnen, feinesfalls von der Indu strie in Arbeit genommen werden. Wird dieses Vorhaben zur Tatsache, sind die landwirtschaftlichen Arbeitnehmer und ihre Kinder, an denen den Großagrariern ja besonders viel gelegen ist, den Gewaltsmenschen in der Landwirtschaft Sie müssen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. auf das Recht jedes anderen Arbeiters, fich da betätigen zu fönnen, wo er will, verzichten und sich damit abfinden, lebensläng lich den unsozialen Berhältnissen auf dem Lande ausgesetzt zu sein. Standalös ist dabei noch, daß sich die Handelstammer 3ittau an dem Raub der Freizügigkeit der Landarbeiter aktiv be teiligt, indem sie die Firmen ihres Bezirkes auffordert, nach dem vorstehenden Beschluß zu verfahren. Sache der Reichsstellen müßte es sein, sich hier einzumischen und dafür zu sorgen, daß der§ 111 der Deutschen Reichsverfassung, der jedem deutschen Arbeiter die Freizügigfeit zusichert, unang es tastet bleibt. Die Landarbeiter sollten aus diesen Vorgängen erneut erkennen, wie groß die Gefahr ist, der sie ausgesetzt sind und begreifen, daß diese Gefahr nur abgewendet werden kann, wenn sie einmütig in ihrer Organisation, dem Deutschen Landarbeiter Verband, zusammenstehen. Achtung, Zimmerer! Sämtliche Zimmerer der Firma Adolf Sommerfeld, Berlin. 9, Shillingstraße 5, stehen wegen Abwehr der Attordarbeit im Streif. Die Streifleitung. Schiedsspruch im Schuhmachergewerbe. Der staatliche Schlichtungsausschuß für das Schuhmachergewerbe in Elberfeld fällte einen Schiedsspruch, wonach der Stundenlohn für die Qualitätsarbeiter von 77 auf 80 Pfennige erhöht wird. Achtung, SPD.- Betriebsvertrauensleute! Der Kämpfer Str. 12 ist fertiggestellt und kann im Bureau, Lindenstr. 3, 2. Sof, 2 r., in Empfang genommen werden. Besonders die Bertreter der Klein und Mittelbetriebe werben erfucht, redytzeitig abzuholen. Parteiausweis ift mitzubringen. Bezirksverband Berlin der SPD., Betriebsfekretariat. AfA- Funktionäre der Metallindustrie. Seute abend 7½ Uhr im Krieger. vereinshaus, Chauffeestr. 94, wichtige AfA- Funktionärversammlung. Stellungnahme zum Schiebsfpruch über die Mai- Gehälter. Bei der Wichtigkeit der zu faffenden Beschliffe erwarten wir, daß unbedingt alle Af- Funktionäre erfcheinen! Die Mitglieder des Af- Metall- Kartells treffen fich eine Stunde vor Beginn der Versammlung, d. h. um 6 Uhr, im gleichen Bersammlungslokal. AfA- Metall- Kartell: Günther, Lange, Rothe. Berband der Buchbinder und Papierverarbeiter, Galanteriebranche. Morgen, Mittwoch, abend 7 Uhr bei Boefer, Weberfir. 17, Branchenversammlung ge meinsam mit dent Sattlerverband. Bericht von den Berhandlungen vor dem Schlichter. Zahlreichen Besuch erwartet Die Branchenleitung. Beinahe ein Jahr brauchte das. Ministerium, um sich über die gefeßlichen Bestimmungen zu informieren und festzustellen, daß feine gefegliche Grundlage bestehe, um dem Kulturskandal der Arbeitszeitregelung für das beamtete Bflegepersonal in den ge= nannten Provinzen ein Ende zu machen. Das Ganze mag unglaublich erscheinen. Im Jahre 1925 ist es jedoch in Deutschland noch Tatsache. Man fommt in einige Verlegenheit, ob man das beamtete Pflegepersonal oder aber die feiner Obhut anvertrauten Kranken mehr bedauern soll. Heil- und Pflegeanstalten sind feine Fabrikbetriebe, allein sie sollen Betriebe sein, in denen die Menschen ihnen auch heute auf Leinen Fall gelingen. Aus allen 14 Bezirken müſſen die gesund werden und nicht durch derartige Arbeitsbereitschaft“ ruiniert werden sollen. Das Koftgeld der Buchdruckerlehrlinge. Mit der neuen Lohnregelung ab 30. Mai im Buchdruckgewerbe tritt auch eine neue Regelung der Kostgeldsätze ein, die bis 3. Juli gilt und vom 4. Juli ab eine weitere fleine Erhöhung erfährt. Die Ortstlajseneinteilung bringt es mit sich, daß elf verschiedene Säke in jedem einzelnen der vier Lehrjahre gelten. Das Koftgeld im 1. Lehrjahr beträgt an Orten ohne Ortszuschlag vom 30. Mai bis 3. Juli 3,68 m. wöchentlich, ab 4. Juli 3,84 m. und erreicht in den Druckorten mit 25 Broz. Ausschlag, wie Berlin, den Höchstsatz von 4,60 bzw. 4,80 M. Im 2. Lehrjahre beträgt das Kostgeld in der untersten Drisklasse 7,36 bzw. 7,68 m., und steigt bis zur höchsten Crtstlasse auf 9,30 bzw. 9,60 m. Im 3. Lehrjahr beträgt der niedrigste Sat 11,04 b3m. 11,52 M., der höchste Sat 13,80 bzw. 14,40 m. Im 4. Lehrjahr beginnt das Kostgeld bei 14,72 bzw. 15,36 M. und endet mit 18,40 bzw. 19,20 mt. in der höchsten Ortsklasse. Sind auch die Gäge im ersten Lehrjahre durchaus unzureichend, zumal überall da, wo Fahrgeld notwendig ist, so verdoppeln sie sich im zweiten Lehrjahre und können dann schon ais Koftgeld gelten. Im dritten und vierten Lehrjahre zumal ist das Softgeld als folches ausreichend, wobei jedoch nicht übersehen werden darf, daß es sich hier schon um 18 bis 19jährige junge Leute handelt, bei denen es das Brot nicht mehr allein tut, sondern Kleidung und Wäsche zu beschaffen ist und womöglich die Eltern mit zu unterstützen find. Achtung, Zimmerer! Morgen, Mittwoch, abend im Saafbau Friedrichs. hain( Am Königstor), außerordentliche Mitgliederversammlung. Unsere Aut wort auf die durch die Unternehmer geforderte Einführung der Affordarbeit." Rameraben, nicht zum ersten Male fezen feit Bestehen des Berbandes die Berliner Bauunternehmer alles in Bewegung, um auch die Berliner Zimmerer für die Akkordarbeit einzufangen. Es ift ihnen früher nicht gelungen, es darf Kameraden unbedingt in der Berlammlung erscheinen. Zentralverband der Zimmerer, Zahistelle Berlin und Umgegend. Deutscher Solzarbeiterverband. Einseger: Bersammlung am Mittwoch, den 27. Mai, nachmittags 5 Uhr, im Verbandshaus, Rungestr. 30. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlungen. Mitgliedsbuch legitimiert. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eslorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lotales und Sonstiges: Frig Karstäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 6., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchbruceret und Berlagsanftalt Baul Singer u. Co. Berlin GB. 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". DUNLOP CORD Die Weltmarke bürgt für Qualität! 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Moritz- u. Oranienplatz. Charlottenburg: Tauentzienstr. 15 zw. Marburger n. Rankestr. Joachimsthaler Str. 2 usbs Bahnhof Zoo Neukölln: Bergstr. 4 Ecke Ziethen traße Friedenau: Rheinstr. 18 Ecke Kirchstrak Schöneberg: Hauptstr. 21 Ecke Akazienstrate Wilmersdorf: Berliner Str. 132-133 nahe Uhlandstraße Nr. 24442. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts HO 田 H Pozialn Gerichtshilfe H helmet Zurzeit findet in Halle( Saale) die erste deutsche Tagung| wurden, fruchteten wenig, und das Jugendamt entschloß sich, aus Gerichtshilfe für Erwachsene" statt. Diese eigenen Kräften an die Lösung des Problems heranzutreten. 3uTatsache ist um so mehr zu begrüßen, als bereits in etwa dem hatte ein Erlaß des Ministers des Wohlfahrts: 50 Städten soziale Gerichtshilfe für Erwachsene eingerichtet ministeriums die Wohlfahrtsämter angewiesen, sich energisch ift. Hoffentlich erhält die weitere Entwidlung dieser jo not derjenigen anzunehmen, die mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gewendigen Einrichtung durch diese Tagung einen fräftigen raten waren oder die Strafe verbüßt hatten. Das Jugendamt erAnstoß. Was unter sozialer Gerichtshilfe zu verstehen ist, hielt im Jahre 1924 im neuen Kriminalgerichtsgebäude Moabit ein darüber mögen die folgenden Ausführungen Aufschluß geben. Zimmer zugewiesen. Hier flossen nun alle Anträge der Gerichtsbehörden, der Untersuchungsrichter, der erkennenden Richter und der Das Leben gleicht einem wirbelnden Plage des dahinſtürmen Staatsanwälte zusammen, von hier aus wurden die Aufträge an die den Großstadttages: wet nicht alle seine fünf Sinne beisammen hat, nicht Umschau hält, die drohenden Gefahren nicht abwägt, es nicht versteht, sich durch das Gewühl der Straßen hindurchzufämpfen, tommt unter die Räder, bleibt mit gebrochenem Rückgrat liegen. Hier und da kann der Verunglückte auch von Glück sprechen: er trägt nur eine leichte innerliche oder äußerliche Verlegung davon, tommt mit einem Nervenschock weg oder humpelt durchs Leben als Krüppel. Nicht anders ergeht es dem Menschen, der unter das Räderwerf der Gerichtsmaschine gerät. Manchmal will es fast scheinen, als wären es nicht Menschen, die über ihre Mitmenschen menschlich zu urteilen und an ihnen Strafen zu vollziehen hätten; als waren diesen Richtern, diesen Strafvolftredfern, statt Herzen tote Maschinen beigegeben, die, einmal in Bewegung gesetzt, über alle lebendigen und toten Hindernisse hinwegsausen, ohne sich darum zu kümmern, ob Menschenblut, Herz und Hirn ihren Weg zeichnen... Der soziale Beitgeist beginnt aber auch die Gerichts- und Strafvollzugsmaschinerie zu beleben. Der leidende, mit sich und den un günstigen Verhältnissen kämpfende Mensch ebnet sich den Weg zum Herzen seiner Mitmenschen, seiner Richter und Gefängniswärter, ein Zug verstehender Menschlichkeit macht sich langsam bemerkbar. Die Anfänge der sozialen Gerichtshilfe. Die Die Deffentlichkeit unterschätzt die Bedeutung der Jugendgerichtsund der Jugendwohlfahrtsgesetzgebung. Diese geht weit über den Rahmen ihrer eigentlichen Wirkungssphäre hinaus. Sie wird bahnbrechend auch auf dem Gebiete der Behandlung erwachsener Rechtsverleger. Ist hinsichtlich des Alters bis zu 18 Jahren die Bergeltungs- und Abschreckungsidee bereits in die Rumpelfammer gemarjen, triumphiert hier auf der ganzen Linie der Eeziehungsgedante, so muß allmählich der gleiche kriminalpädagogische Standpunft auch auf höhere Altersstufen Verbreitung finden. Pflichten, die der Jugendgerichtshilfe den Jugendlichen gegenüber obliegen, hat die soziale Gerichtshilfe hinsichtlich der Erwachsenen zu übernehmen. Schon im Jahre 1920 wendete sich die Gerichtsorganisation an die verschiedenen Wohlfahrtsvereine mit dem Anliegen, die notwendigen Recherchen, die der Verleihung der Bewährungsfrist vorangehen müssen, zu bewerkstelligen und auch die Schußaufsicht zu übernehmen. Im Oftober 1920 erging die gleiche Aufforderung an das Jugendamt, das durch den Aufbau seines Apparates und durch seine Tätigkeit für die Erfüllung der neuen Aufgaben besonders geeignet schien. Die Besprechungen mit den verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen, die im Laufe des Jahres 1922 geführt 91 Schnook. Ein Roman von See und Sümpfen./ Bon Svend Fleuron. ( Aus dem Dänischen von Thyra Jakstein- Dohrenburg.) Das ist aber ein feltsam spizstachlichter Fisch! Num sie ihn im Maule hat, reizt er ihren Gaumen nicht annähernd so starf wie vorher ihre Augen. Nun, sie hat sich einmal die Mühe gemacht, ihn zu fangen, herunter muß er also! Er will sich aber nicht im Maule bewegen lassen und nicht einen Zoll von der Stelle weichen. Sie beißt kräftiger zu jagt im Kreise mit ihm herum und will eilends wieder in ihr Bersteck zurück. Da beginnt er feinerseits, sie in den Schlund zu beißen! Und jetzt ihr wird ganz unheimlich zumute: Der Schlund will plöglich den entgegengesetzten Weg vom Schwanze! Was mag da los fein? Nachdrücklich bohrt sie ihre Zähne in den widerspenstigen Fang, als sie mit einem Rud fopfüber stürzt. Sonderbar! Der fleine, armselige Berlfisch nimmt die Gestalt eines Buchtmeisters an und zieht sie hinter sich her durch das Waffer, fie tüchtig rüttelnd; wie sehr fie auch die Riemen streicht und sich wehri, wie fräftig sie auch um sich schlägt, um ihn ihrem Willen zu unterjochen, fie muß sich ihm dennoch beugen und artig folgen. Ihr Gehirn ist dem Zerspringen nahe; sie kann diese Ohnmacht nicht begreifen: der Fisch fitzt ihr im Maule, ist auf dem Wege in den Schlund und dennoch zieht er sie mit sich. Nein. nein und jetzt turbelt sie gehörig an und schlägt das Wasser mit dem Schwanze zu Gischt; aber der kleine Berienfunkelnde ist unerbittlich; er ist noch immer um vieles stärker als jie. Eine unerklärliche Zaubermacht stedt in ihm. Es ist wahrhaftig nicht sie, die mit ihm dahinschwimmt, er ist es, der mit ihr loszieht und von dannen geht es, immer näher zum Licht und zur Oberfläche, die sie instinktip scheut. Mit einem Male springt der Perlfisch mit ihr in die Lust empor, fie will, ihn loslassen, ihn ausspeien, aber zu spät, sie weiß im Augenblick nichts mehr von sich selber. Ihre Augen schmerzen, sie hat ein Gefühl, als wollten sie ihr aus dem Kopfe springen; ihr Augenlicht ist getrübt: ein starter, rotglizernder Lichtnebel umgibt sie. Sie will schwim Lekmerk Bei der Fürsorgerin. Bezirksämter weitergegeben, die durch ihre Fürsorger die nötigen Recherchen vornahmen, hierher firömten dann größtenteils die Berichte, die für die Gerichtsbehörden bestimmt waren, zurück, und men, kann aber das Gleichgewicht nicht erlangen; sie will mit, dem Schwanze fechten, um zu entwischen, aber das Waffer um sie her leistet keinen Widerstand. Eine erstickende Uebelkeit schnüri sofort ihre roten Kiemen zusammen; fie fann die Kiemendeckel nicht weit genug öffnen; fie reißt das Maul auf, um Wasser zu schlucken, aber nur ein dörrender Wind streift sie. pać minut Dienstag, 26. Mai 1925 von hier aus wurden auch die Vertretungen zu den Gerichtsterminen entsandt. Die Tätigkeit der fozialen Gerichtshilfe erstrect fich augenblidlich in erster Linie auf die Minderjährigen von 18 bis 20 Jahren, auf Frauen und auf jugendliche Zeugen. Die Minderjährige und Erwachsene. Man fonnte sich selbstverständlich nicht der Tatsache verschließen, daß die Grenzsegung von 18 Jahren eine rein willkürliche ist. Die Uebergänge find, bedingt durch physische und psychische Entwicklungs. vorgänge, äußerst fließend. Der junge Mensch ist in diesem Alter durchaus noch nicht fertig, dagegen sehr oft hilfs- und anlehnungs bedürftig. Diese Erkenntnis hat das Amtsgericht Berlin- Mitte sogar zu der Maßnahme veranlaßt, daß in all den Fällen, wo ein Angeflagter unter 21 Jahren zur Aburteilung steht, die Jugendgerichtshilfe telephonisch in Kenntnis gesetzt wird es soll sogar beabsichtigt sein, diese Angeklagten dem Jugendrichter zu überweisen. Ebenso besucht der Fürsorger alle Minderjährigen im Untersuchungsgefängnis Moabit. Er lernt sie hier fennen, interessiert sich für ihre persönlichen Verhältnisse, nimmt oft an den Gerichtsterminen teil, bemüht sich um sie nach ihrer Entlassung, mit einem Worte, er übt hier die gleiche Tätigkeit aus, wie sie auch sonst bei der Jugendgerichtshilfe üblich ist. Wenn auch lange noch nicht in allen, so gehen doch in sehr vielen Fällen die Untersuchungsrichter selbst die foziale Gerichtshilfe an, sich über die Jugendlichen Bericht erstatten zu laſſen. Bird aber der junge Mensch unter 21 Jahren auf diese Weise Gegenstand der sozialen Gerichtshilfe, so entſteht die Frage, weshalb dies nicht auch auf 21-, 22- und 23jährige ausgedehnt werden kann. Weshalb sollten es nicht alle werden, die selbst das Bewußtsein der Hilfebedürftigkeit haben oder die nach Ansicht des Gerichts Hilfe gut brauchen könnten. So waren es im Unterfuchungsgefängnis die Frauen selbst, die bei den Besuchen der Für forgerin den Wunsch äußerten, sich mit ihr auszusprechen. Auch Untersuchungsrichter hielten es in einer Reihe von Fällen für notwendig, die soziale Gerichtshilfe um Recherchen über das Borteben der angeklagten Frauen anzugehen. Das gleiche taten die Richter, wenn sie sich darüber schlüssig werden mußten, ob die Angeklagte mit einer Bewährungsfrist bedacht werden sollte. Es handelte sich hier in der Hauptsache um Kindesmörderinnen, um Mütter, die ihre Kinder ausgesetz hatten oder um Mädchen, die die Leibes. frucht abgetrieben hatten. Es galt, auch den Frauen und Mädchen während der Untersuchungshaft und nach der Freilassung beizustehen, sie fittlich zu stüzen, unter Umständen sie mit den Familienangehörigen zu versöhnen, ihnen Unterkunft und Stellung zu verschaffen, dafür zu sorgen, daß etwa diebische Hausangestellte oder falche, die wegen Sittlichkeitsverbrechen an Kindern vor den Richter gekommen waren, in Bedingungen gebracht würden, in denen sie nicht so leicht neuen Versuchungen ausgesetzt wären. eigentlich fiele das letztere schon in das Tätigkeitsgebiet der Entlaffenenfürsorge. Eine gewisse Bedeutung erlangte die soziale Gerichtshilfe in den Gnadengefuchsfällen. Hier erhielt sie nicht selten von dem Dezernenten in Gnadenfachen Aufträge, die nötigen Recherchen anzustellen. Andererseits sorgte sie für Gnadengesuche, wenn die Berurteilter. oft erst im letzten Augenblick, furz vor Antritt der Strafe, sich an sie wenden. Im allgemeinen stedt die soziale Gerichtshilfe hinsichtlich des Alters über 21 Jahre noch ganz in den Anfängen. Die Angeklagten sind noch wenig über die Tätigkeit dieser neuen Stelle orientiert, die Richter nehmen sie leider bisher viel zu wenig in Anspruch. Jugendliche Zeugen. -w Dafür entwickelt aber die soziale Gerichtshilfe eine um so regere Tätigkeit überall dort, wo es sich um jugendliche Zeugen handelt. Das Kind, das Opfer eines Sittlichkeitsdelikts, fommt größtenteils cus sehr schlimmen häuslichen Verhältnissen. So entsteht die Rotwendigkeit in all diesen Fällen, die Häuslichkeit des Kindes fennenzulernen und, wenn möglich, dafür zu sorgen, daß es aus der ent fiftlichenden Umgebung entfernt wird Nur auf diese Weise ist es nor neuen Attentaten zu schüßen und nur so fann seine fittliche Erziehung gefördert werden. In den Aufgabenkreis der sozialen Gerichtshilfe fällt auch die Feststellung der Glaubwürdigkeit der jugendlichen Zeugen, von deren Aussage nicht selten das Schicksal des angeflagien fleinen Sittlichkeitsdelinquenten abhängt. Die Glaubwürdigkeit des Kindes, der Grad feiner Gefahrung in sitt lichen Dingen fann aber oft nur aus der häuslichen Umgebung herous beurteilt werden. Das Befragen der Lehrer, der Freunde, des Meisters, bei dem das Kind in der Lehre ist, um. erscheint oft erforderlich. Caut Berfügung des Generalftaatsanwalts vom Kammergericht find die Staatsanwälte verpflichtet, von all den Fällen den riff und war auf Wanderung über die Sandebene nach dem. nächsten Ulfer begriffen. Kneif war ein Räuber, in Panzer und Harnisch gefleidet; er schonte feinen, den zu bewältigen er sich starf genug fühlte. Ein scharfes, fägeartiges Stirnschild sprang über feinen Kiefern vor, und die Greifzangen an den Großklauen maren halb geöffnet, bereit, die überlistete Beute zu um und bald spannen. Sie liegt und zappelt in einem Boote darauf hat ein Mensch sie zwischen seinen Fingern. ,, Ein Junghecht... ein Hechtfind!" murmelt der Holzdrechsler. Und vorsichtig befreit er Schnod von dem Flim mer und wiegt sie in der Hand.. oh, nicht einmal ein elendes Kilo! Da holt er sein Schnigmesser hervor und ferbt die Rückenfloffe ein. Und in der Hoffnung, die Gunst der Götter durch seine Hochherzigkeit zu gewinnen und nach Jahren den Burschen wieder ins Garn zu loden, gibt er mit einem Burf über die Reling die hoffnungvolle junge Schnoc dem Leben zurüd. • Schnock hat das gleiche Gefühl mie damals, als der Schlund des Reihers sie wieder ausspie; ihre Eingeweide scheinen zerspringen zu wollen, die Luft geht ihr aus. So er reicht sie das Wasser, treibt auf der Seite dahin und erwacht langsam wie aus einer langen Betäubung. Es war ein jüngerer Bursche; so groß mie die Spanne einer Kinderhand und mit einem Schwanz so breit wie ein Finger! Die Augen faßen hoch auf Stielen, und die langen, weitgespreizten Fühlhörner fuchten den Grund in Körperlänge vor sich her ab. Die halbgefchloffenen Klauen schurrten über Steine und Lilienwurzeln unter ihren Anstrengungen, den Panzerkörper weiterzuschleppen. Blöglich ging ein Ruck durch die Fühlhörner... Kneif witterte Gefahr und vollführte einen Schlag mit dem Schwanz - und indem er mit einem Satz zurüdfuhr, wühlte er haftig mit den Borderflauen eine Schlammwolte um sich her auf. Sag folgte auf Sakin langen, raschen Ruds jagte er, ohne die Richtung zu verändern, durch das Wasser rückwärts davon. Es war jedoch nur blinder Alarm! Rein Otter, feine Wafferratte seine schlimmsten Feinde waren ihm auf den Klauenipizen. Er fonnte sich getrost der Ruhe hingeben und ohne Sorge sein Suchen nach Nachtraub fortsezen. So Ihr Mißtrauen war erwacht. Die Welt war voller hielt er mit dem Schlagen des Schwanzes inne und ließ sich Schurkenstreiche mehr, als sie selber fie verübte! Im Nu ist sie in der Tiefe verschwunden.. Die Dämmerung begann sich herabzusenken. Der Sonne rote Feuersäule, die schräg über dem See stand, fiel plöglich auseinander und zerfloß wote brennendes Del lagen die glühenden Reste auf dem Wasserspiegel und leuchteten. Dann verlöschten sie nach und nach... die Abenddämmerung goß ihre tiefblauen Töne darüber aus. Lang und schwarz schoben sich die Schlagschatten non den Ufern ins Waffer hinein; die kleinen Fische von den Riffen fuchten Zuflucht in dem ichirmenden Röhricht, die jagenden Hechte begaben sich zur Ruhe. Und während die Oberfläche noch in einem feltjomen Perlmuttergianze funfelte, brütete bereits das nächtliche Dunkel dicht unter dem Wasser. Beruhsam wie ein Schneck Froch ein fleiner Krebs über den Boden; er war aber wacher als ein Iltis, horchte und fühlte sich vorsichtig vorwärts. Er fam draußen vom Steinmit ausladenden Klauen und gefpreiztem Fächer langsam durch das Wasser treiben. Besinnlich und nachdenklich, aber äußerst achijom taſtete er sich voran um einen Augenblick darauf auf seinen Klavenbeinen weiter über den Seegrund zu schreiten. Kneif stammte von einer alten Rückwärtswan dernden ab, die ein Ungeheuer in der Familie der Deta poden mar; sie war zum Schluß fo dickbäuchig und schwer ge= worden, daß sie kaum mehr zu schwimmen termochte, ant liebsten nur umherfroch. In lebereinstimmung mit ihren Artgenoffinnen hatte sie sich jedes zweite Jahr einen männ lichen Krebs als Ghegemahl ertoren; gewöhnlich fand die Hochzeit im November statt, menn der Freuden im Freien wenige waren und alles selbst das Wasser unfreundlich und grau. ( Fortjehung folgt.) gendämtern Mitteilung zu erffaften, in denen die Wohnungs- Angehörige ist aber nach dem Gefeß ftraflos. Das Gericht erhältniffe oder die Persönlichkeit des jugendlichen Zeugen weitere Jeffstellungen erforderlich machen. Die Folge dieses Erlaffes war, baß allein vom 1. März bis zum 15. Juli 1924 zur Renntnis des Jugendamtes 39 Fälle von Sittlichkeitsverbrechen gelangten, während es im Laufe der zwei vorhergehenden Jahre im ganzen 25 Fälle gewesen find. Diese Tätigkeit der Gerichtshilfe führte auch zur erneuten Feststellung, daß an den Sittlichkeitsdeliften in erster Linie Wohn- und Schlafverhältniffe, Chezerrüttungen usw. Schulb tragen. Zant und Rachegefühle führen zur Anzeige. Daß in dieser Atmo Sphäre der allgemeinen fittlichen Verwahrlofung die Aussagen der jugendlichen Beugen nur mit Vorsicht hinzunehmen sind, erscheint fel verständlich. teilte nach längerer Beratung die Auffaffung des Bostrates Harder von der Oberpostdirektion, daß die Sache deshalb bedeutend schlimmer liege, weil der Angeklagte, der wegen Unterschlagung im Amte hätte mit Gefängnis davonkommen fönnen, sich durch Vernichtung der Briefumschläge auch noch eine Urfundenvernichtung hat zuschulden lommen lassen. Unter Freisprechung der fünf milangeflagten Frauen wurde David wegen fortgesetzten Amisverbrechens zu einem Jahre drei Monaten Sucht haus, 3000 M. Geldstrafe und dreijährigem Berlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Da die Poft für Einschreibebriefe nur mit 20 m. haftet, sind die Absender bzw. die Adressaten in der Sache die Geschädigten, allerdings find 35000 M. durch Beschlagnahme und auch durch freiwillige Herausgabe zurückerstattet. on dem Augenblid, wo die Gerichtsbehörden von der Notwendigkeit ber fozialen Gerichtshilfe durchbrungen sein werden, wird dieses Arbeitsgebiet dem Jugendamt, dessen Aufgabe es nicht sein tann, Erwachsene zu betreuen, über den Kopf wachsen. In diesem Bewußtsein übt die soziale Gerichtshilfe eine natürliche Selbstbeschränkung. Diese liegt jedoch burchaus nicht im Intereffe der Allgemeinheit. Andere Inftitutionen müssen hier zu Hilfe tommen, um mit dem Jugendamt Hand in Hand zu arbeiten. Der neue Entwurf schreibt dem Gerichte direkt vor, bei der Zumeffung der Strafe die persönlichen, wirtschaftlichen und dergleichen Berhält. niffe des Angeklagten in weitestem Maße zu berücksichtigen; er will die Schutzaufficht und die Sicherungsmaßnahmen ausgebaut wissen. Dieses alles fezt aber Institutionen und Menschen voraus, deren Aufgabe es fein muß, den richterlichen Organen das Material über die Angeklagten zu liefern. Es segt den Ausbau der sozialen Gerichtshilfe poraus. In gleichem Maße ist auch die Hinzuziehung von freiwilligen Hilfskräften erforderlich. Denn soziale Arbeit fann nur bei attiver Mitarbeit der weitesten Schichten der Bevölkerung richtig ausgestaltet werden. Die Aufgaben der sozialen Gerichtshilfe fönnen aber gar nicht weit genug gefaßt werden. Hierher gehört alles, was nur irgendwie mit der Hilfe für den Gestrauchelten, fofern er sich vor den Gerichtsbehörden zu verantworten hat, in Ber bindung steht. Bon der Entlaffenen- und Gefangenenfürsorge muß jeboch das Tätigkeitsfeld der sozialen Gerichtshilfe mehr oder minder streng abgegrenzt werden. Weber diese beiden Formen der sozialen Hilfe soll nächstens ausführlich gesprochen werden. Auch ein„ Kriminalist". Ein halbes Menschenleben im Zuchthaus. Republikanischer Abend Mittwoch, den 27. Mai, abends 8 Uhr, im Bittoria- Garten", Wilmersdorf, Wilhelmsaue 114/15. Tagesordnung: Die Zoll- und Steuerpolitik, eine Lebensfrage für das deutsche Volk. Referent: Schriftsteller Kurt Heinig. Republikaner aller Parteien sind eingelaben! 9. Kreis Berlin- Wilmersdorf. Seche Mark sechs Jahre Zuchthaus. Die Erdbebenkatastrophe in Japan. London, 25. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Es steht nunmehr fest, daß das Erdbeben in Japan in seiner Wirkung überschäht worden ist. Es sind im ganzen etwa 500 Menschen ums Leben getommen, viele Tausende allerdings obdachlos geworden. Europäer und Amerikaner find von der Katastrophe nicht betroffen. Böllig zerstört sind drei Badeffädte an der Westküste. Auch Osaka, Kobe und Kioto sind beschädigt worden. Das Beben, das fnapp 15 Sefunden dauerte, vernichtete vor allem zahlreiche Seidenfpinnereien und verschüttete die bedeutendste Silbermine von Jfuno. Wenige Minuten nach den Erdflößen ist ein Bulkan in der Provinz Shinano ausgebrochen. Die Hilfeleistungen für die Verletzten und Obdachlosen find großzügig organisiert. Der Wiederaufbau der zerstörten Städte foll schnell vorwärts schreiten. Die Gefahr eines weiteren Erdstoßes besteht nach den Angaben Sachverständiger nicht mehr. Die Katastrophe fam so überraschend, weil bisher die Zone im Süden und Nordwesten Japans für erdbebenfrei galt. Der Herd scheint diesmal im Meere gelegen zu haben. Eine Beute von sechs Mart berechnete der Staatsanwalt in einem Strafantrage mit sechs Jahren Zuchthaus. Es handelte sich um eine Antlage wegen schweren Straßenraubes gegen den Reisenden Hugo Sommer und den Monteur Ignazz Bartosched. Die beiden hatten eines Nachts einen Gastwirt in der Rosenthaler Straße überfallen, ihn eine Viertelstunde lang verprügelt, so daß er blutüberströmt liegen blieb; dabei hatten fie ihm seine Uhr im höchstpreise von sechs Mart entrissen und eingeftedt. Diese Szene spielte sich innerhalb eines Kreises von Duyenden von Zuschauern ab, von denen aber niemand dem Ueberfallenen aus Angst vor der Pistole zu Hilfe zu tommen wagte. Erst eine herbeigeholte Bolizeistreife fonnte die Büteriche von ihrem Opfer trennen. Bor Gericht gaben die Angeklagten an, daß es ihnen nur darauf angekommen sei, dem Gastwirt einen Dentzettel zu geben, weil er die Braut des einen Angeklagten für ein ge währtes Schäferstündchen nicht entschädigt hätte. Der Staatsanwalt erblickte die Tatbestandsmerkmale des schweren Straßenraubes für erfüllt und beantragte je sechs Jahre Zuchthaus. Die Berteidiger bestritten, daß die Angeklagten es auf einen Raub abgefehen hätten. Das Schöffengericht mitte nahm quch nur Diebstahl und Körperverlegung an, so daß die Angeklagten mit einem Jahr 9 Monaten Gefängnis davontamen. Berloren. Am 25. Mai ist auf der Strecke Südende- Potsdamer Bahnhof im Abteil 3. Klaffe, morgens zwischen 6% und 7 Uhr, eine braune Aftenmappe liegen geblieben. Inhalt: Verbandslisten, Marten und eine Brieftasche mit 670,- m. barem Geld und Ausweise auf den Namen Otto Roch. Der ehrliche Finder wird ge. beten, die Mappe an folgende Adreffe abzugeben: Otto Koch, Steglig, Heinrich- Seidel- Straße 15, part. Ein Dachstuhlbrand entstand gestern nachmittag auf dem Grundftüd Rurfürstendamm 8. Die Feuerwehr traf fo rechtzeitig ein, dan eine größere Ausdehnung des Brandes verhütet wurde. Immerhin wurde eine Dachfläche von 35 bis 40 Quadratmeter verDie Ent. nichtet. Der Sachschaden beträgt etwa 5000 m. stehungsursache ist unbekannt. Die Feuerwehr war eine Stunde tätig. Auf eine Verbrecherlaufbahn, in deren Verlauf er fast bie Hälfte der einigen fünfzig Jahre feines Lebens in den Zuchthäusern sugebracht hatte, fann der Bäder Johann Rother zurücbliden, der fich wieder unter der Anflage des schweren Raubes mit To deserfolg vor dem Schmurgericht I zu verantworten hatte. Jeht wurde ihm ein altes Straffonto aus dem Jahre 1918 zur Laft gelegt. Im März desselben Jahres fand im Hause Aleg. anderstraße 12 ein Einbruch statt, bet dem der Wächter, ein 64jähriger Mann, von einer Berbrechertolonne von zehn Personen überfallen, gefeffelt und betäubt wurde. Der Wächter ist einige Stunden nach seiner Befreiung an Gehirnschlag gestorben. Bei dem Einbruch in dem Hause wurden Waren im Werte von 120 000 m. erbeutet. Die vers fchiedenen Mitglieder der Bande find inzwischen nach und nach ab geurteilt worden; sie wurden sämtlich in Strafanstalten ermittelt. Ein Teil von den neun bisher ergriffenen Bersonen wurde aller dings aus Mangel an Bemeisen freigesprochen, aber auch diese be. finden sich jetzt, wo fie als 3eugen gegen Rother auftreten müßten, fämtlich in Strafanstalten. Es war eine gefährliche Gesellschaft, die da im Schmurgerichtssaal als Zeugen auftreten mußte. Rother fonnte erst jetzt zur Verantwortung gezogen werden, weil er durch tie Banberung von einem Buchthaus zum anderen und zeitweise auch in Irrenhäusern nicht zur Verfügung des Gerichts stand. Im Jahre 1919 hatte er sich freiwillig im Zuchthaus gemeldet, um ein Geftändnis abzulegen. Damals' rechnete man in Berbrechertreisen mit einer bevorstehenden allgemeinen Amnestie und da wollte er mit diesen Geständnis reinen Tisch machen. Da diese Rechnung aber fehlgeschlagen ist, so verlegte er sich nunmehr wieder auf das Leugnen. Der Borsigende hielt dem Angeklagter allerdings vor, daß er als erfahrener Kriminalist" doch wissen müsse, daß ein Angeflagter mit einem offenen Geständnis beffer fahren würde, als wenn ihm erst durch eine umfangreiche Beweisaufnahme die Schuld nachgewiesen würde. Angetf.: Das stimmt Herr Borsigender, cber ich weiß von der ganzen Sache nichts, ich bin vollkommen unschuldig wie ein weißes Lamm." Dabei blieb er auch, obwohl ihm vorgehalten wurde, daß Gespräche belauscht worden seien und daß man am Tatort Sachen gefunden habe, die ihm gehörten. Sein Geständnis im Jahre 1919 fonnte der Angeklagte auch nicht recht erklären. Er fagte nur, daß er damals mit seinem balbigen Tod gerechnet hatte. Wie er aber dazu fam, fich fälschlich eines fo Schweren Berbrechens angesichts des Todes zu beschuldigen, dafür wiffe er teine Erflärung. Die als Zeugen vorgeführten Mit schuldigen, von denen der Haupttäter Schulz 10 Jahre Zuchthaus erhalten hatte, gaben zwar zum Teil zu, daß Rother auch dabei ge wefen fei, behaupteten jedoch, daß es sich um feinen Raub gehandelt habe, denn der Wächter habe mit ihnen unter einer Dede geſtedt. Die Fesselung sei nur zum Schein erfolgt. Daß man am Tatart ein entleertes Fläschchen von Chloroform gefunden hatte sowie cin bem Angeklagten gehörendes Taschentuch, wußten sie so zu deuten, daß dasselbe von dem Wächter selbst zur Deckung des an geblichen Raubüberfalles vorgerichtet worden fei. Nach dem Gut achten von Medizinalrat Dr. Stör mer ist der Tod des 64jährigen Wächters infolge Gehirnschlages, eine Folge des Schreckens über die Fesselung und Mißhandlung, gewesen. Nach Schluß der Be weisaufnahme wurde die Urteilsfällung auf heute früh vertagt. Unterschlagene Geldbriefe. .Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold", Kameradschaft Kreuzberg: Abf. Sidoff. Heute, den 26. mai. Turnabend von 7-9 Uhr in der Turnhalle der Gemeindeschule, Mariannenstr. 1. Donnerstag, den 28. Mai, Spielen auf einer Wiese im Treptower Bart. Treff bahn). punft zum gemeinsamen Abmarsch 6,30 Uhr Schlesisches Tor( HochEin schweres Postverbrechen war Gegenstand eines Straf. verfahrens vor dem erweiterten Schöffengericht Berlin- Mitte, in welchem der Bofthilfsschaffner Erich David unter der Antlage der fortgefeßten Urfundenvernichtung und der Unter. lagung im Amt stand. Mit ihm mußten auf der Anklagebant feine Ehefrau, feine 18jährige Tochter Gertrud und drei weitere in dem Haufe mohnende Frauen Blah nehmen, denen gelegentlich einer friminalpolizeilichen Hausfudung die genannte Tochter unreell ermorbene Bertsachen und einen Stochtopf voller Rentenmartscheine unbemerkt in Berwahrung gegeben hatte. Groffener in einer chemischen Fabrik. Buer, 25. Mai.( BTB.) Die chemische Fabrit„ Assindia" in Buer steht in Flammen. Die Feuerwehren der umliegenden Ort schaften find an dem Brandplab tätig. Das Feuer findet in den lagernden naphthavorräten reichliche Nahrung. Die Lösch: arbeiten gestalten sich wegen der Explosionsgefahr äußerst schwierig. Der Straßenbahnverkehr Buer- Effen ist unterbrochen. Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 26. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Takaoki Kanazawao shima JAPAN MEER Nakanashima Matsuc Mizuki N Kyogamic Tayog Tottori Echizen- C Tsuruga Wakasa Toyama Plagano Funatsu Fukui Hatsumato Baiouruga Nayeki P Gifu Mazura Siws-5. Junyima P Kioto Miyashi Mineji Daryama Kobe Matsuyama Tokushi Machi Sakian Toso a Bucht Kur Nagoya Alara- Tsu Osaka Ujiyam Wakayama boba Tanalie mada Toyohashi Totomi- B Cap Daio dawashi Shingu OZEAN Shionomi Linschoten- Str.( Kü- Kan.) Muroto Shikok Sada- Cap GROS SER 16374 Karte zur Erdbeben- Katastrophe in Zentral Japan. New York, 25. Mai.( Tul.) Aus Tokio wird gemeldet, daß im Erdbebengebiet eine Zerstörerflottille eingetroffen ist und mit der Hilfeleistung begonnen hat. Nach neuester Schäßung soll der Schaden etwa sieben Millionen Pfund Sterling betragen. Paris, 25. Mai.( WTB.) Wie Havas aus Djata berichtet, find bis jetzt in Kinojati 127 und in Toyooka 48 Tote geborgen worden. Die Schäden an den Eisenbahnlinien und an den Bahnhöfen werden auf 1% Millionen Pfund Sterling geschäßt. Der Flottenstüßpunkt Safe bo hat sechs 3erstörer mit Lebens mitteln in das vom Erdbeben betroffene Gebiet entsandt. Eine Rettungsmannschaft in Stärke von 1500 Mann hat gestern nachmittag Dfafa verlassen. Um die Opfer unterzubringen, find Baraden 4.30-6 Uhr abends: Dr. Jo Lhermann über das europäische Drama von heute. I. Teil: Deutschland. 1. Pathos und Rhetorik: Franz Werfel Paul Kornfeld- Fritz von Unruh Ernst Toller Hanns Johst. 2. Architektur und Stilistik: Fred A. AngerGeorg Kaiser Iwan Goll Karl Sternheim René mayer 1 und Zelte errichtet worden. Nach den lehten Nachrichten hat die Seidenindustrie wenig gelitten. Die Hauptfabriken in Tajina find nicht beschädigt worden. Amundsen verunglückt? Jmmer noch feine Meldungen über seinen Flug. New York, 25. Mai.( TU.) Die Meldungen, die heute vom Dampfer Farm"( nicht Fram") gefommen find, geben zu, daß Amundsen ein Unglüď zugestoßen fein fönne. Die Meteorologen erwarten einen Sturm, der von Nordrußland über Sibirien auf den Nordpol zugehen werde. Amundsen müsse von dem Sturm Kenntnis haben und unverzüglich zurückkehren, wenn er dazu in der Lage sei. Soüte das in den nächsten Stunden nicht geschehen, sei der Beweis erbracht, daß Amundsen teine Möglichfeit mehr habe, vom Nordpol zurüdzutchren. Die Mannschaften beider Begleitschiffe feien sehr erregt. Die Meldungen aus Washington ließen nicht flar erkennen. ob eines der beiden 3 eppelin Luft. fchiffe bereits in fürzester Zeit die Suche nach Amundsen aufnehmen werde. Die Reise sei gefährlich und müsse genau vorbereitet werden, was mehrere Monate in Anspruch nehmen werde. Fünf Häufer durch Feuer zerstört. In dem Badeort Neumartt bei Salzburg brach ein Brand aus fünf Wohnhäuser teilweise eingeäschert wurden. Sport. Rennen zu Ruhleben am Montag, den 25. Mai. 1. Rennen. 1. Omen( B. Lemzer), 2. Natalis( Herm. Echleusener), 3. Parasit( F. Schmidt). Toto: 48: 10. Blat: 22, 27, 17: 10. Ferner liefen: Morgentau, Fel. v. Lindow, Heidefrau, Livius, Kadett, Modern, Benedict, Koryphae, Triumpf, Kapllain Halle, Filie, Terraria, Kronsbeere, Rinostern, Gondster jun. Schickele. 3. Romantik und Idealismus: Rolf Lauckner Lion Feuchtwanger Otto Zarek Erich Mosse Paul Altenberg Hans J. Rehfisch Hermann Kasack. 4. Chaos und Dynamik: Alfred Brust Ernst Weiß- Julius M. Bekker Alfred Döblin Hanns Henny Jahnn Ernst Barlach Bert Brecht- Arnolt Bronnen. 5. Theatralik und Sinnspiel: Leonard Adelt- Klabund Max Mohr Hugo Wolfgang Philipp Paul Baudisch Melchior Vischer. II. Teil: Aus deutschen Dramen von heute. Juana. Ein Akt. von Georg Kaiser. Jorge Alfred Braun; Juan: Wolfgang Zilzer Juana: Tilla Durieux. Rheinische Rebellen, von Arnolt Bronnen. Letzte Szene des Schauspiels. Oce: Alfred Braun; die Frau: Tilla Durieux. Das glühende Lustspiels. Hydora: Sonja Bags: Narzick: Wolfgang Zilzer: Einmaleins, von Hugo Wolfgang Philipp. Bild: Mittag des Eumenes: Felix Rossert. 6.30 Uhr abends: Humoristisches Funk allerlei( Georg Bamberger). 7 Uhr abends: Dr. med. Rolf Friedlaender: Rettungseinrichtungen auf den Gewässern Groß- Berlins". 7.30-8.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). 7.30 Uhr abends: Abteilung Heilkunde. Dr. Schweers: Mutterschutz und Sänglingsfürsorge. 5. Vortrag: Säuglingssterben und Säuglingsfürsorge, I. Teil". 8 Uhr abends: Abteilung Literatur. Das Dr. Max Freyhan: Das moderne Drama". 2. Vortrag Drama der Kräftespannung: Georg Kaiser", 830 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Lewis: Please- Foxtrot, b) Robrecht: Windsor, Foxtrot( Kapelle Formiggini). 2. a) Dellinger: Vom alten Stamm der letzte Zweig. aus der Operette.Don Cäsar". b) Lehár: Cupido, aus der Operette Der Göttergatte". e) Zeller: Kometenlied aus der Operette Der Kellermeister( Eduard Rosen. Tenor). Sopran). 4. a) Nicholas: Shanghai, A Chinese Romance. b) H Fray: Sally Cou. Song Foxtrot( Kapelle Formiggini 5. a) Lehár: Ich bin ein Wiener Kind. aus der Operette Der Rastelbinder". b) Zeller: Wie mein Ahnderl zwanzig Jahr. aus der Operette„ Der Vogelhändler". c) Lehár: Träumen möcht ich, aus der Operette Frasquita. d) Millöcker: Ich hab' kein Geld. bin vogelfrei. aus der Operette Der Bettelstudent( Eduard Rosen). 6. a) Verdi: Pagenarie aus der Oper Maskenball b) Meyerbeer: Schattentanz aus der Oper Dinorah"( Vilma Delmar). 7. a) Schertzinger: c) V. Rose: Moonlight memories, Waltz( Kapelle Formiggini). Marchéta, Foxtrot. b) Servez: Tango Milonga. La Spagnola, Am Flügel: Otto Urack. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten. Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Der Hauptangeflagte war in der gestrigen Berhandlung voll geftändig. Die Gelegenheit zu feinen Taten war, wie er jagte, günftig. Der erste Brief, den er sich aneignete, fam aus Holland und enthielt etwa 5000 m., dann wurde das Stehlen bei ihm zur Leidenschaft und er habe sich auf dem Boſtamt C. 2, wo er mit dem Sortieren dieser Briefe beschäftigt murde, nach und nach über 50000 M. angeeignet. Das Geld versteckte er auf den Schränken und in Kommoden vor seiner Familie, faufte allerdings ein Klavier für 2000 2. und für seine Frau einen Iltispelz, Brillanten. Delibes: Glockenarie aus der Oper Lakmé( Vilma Delmar. und Schmuckfachen. Wenn seine Frau ihn fragte, woher das Gelb ftamme, fo erwiderte er, er spefuliere, da er nur 130 m. Monais. gehalt betam. Die Ermittlungen der Kriminalpoftdienststelle waren zunächst ergebnislos, bis eine anonyme Anzeige über den Lurus in der Familie des Beamten erfolgte. Seitbem haben die umfangreichen Diebstähle auf dem Bostamt C. 2 fo gut wie aufgehört. Es war dem Gericht nicht möglich, eine Mitschuld der Mitangeklagten aus dem gleichen Hause zu beweisen, auch wurden die Frau und die Tochter des Beamten deshalb frei. gesprochen, weil das Gericht annahm, diese wollten das Diebesgut nur versteden, um den Mann der Strafverfolgung zu entziehen, nicht aber um das Geld zu retten. Die Begünstigung durch 2. Stennen. 1. Novelle I( G. Lautenberger), 2. Frechbelt( H. Grube), 3. Dompiaff I( 2. Beiß). Toto: 34: 10. Blat: 14, 33, 19:10. Ferner liefen: Barmaid, Cypresse II, Apfelblüte, Amorette, Diley B., Dolina, Federnelle, Prinz Rudud. 3. Rentent. 1. Soubrette( Ch. Mills), 2. Lebenslust( B. Krauk), 3. Königsabler( B. Lautenberger). Toto: 10:10. Blak: 10, 10: 10. Ferner liefen: Drelije Anvil, Dunajec. 4. Rennen. 1. Senmell( S. Mills), 2. Bet( Großmann). 3. Godi ( Rauß jun). Toto: 35: 10. Plat: 12, 10:10. Ferner liefen: Florentiner, Sybil risco. 5, Rennen. 1. Nathan IV( Herm Schleulener), 2. Techfadel ( Anopnabel jun.), 3 Kinterpellant( Ch. Wills). Toto: 33: 10. Blat: 12, 19, 13:10. Ferner liefen: Alvater, Cadiac Agworthy, Invasion, Prinzefin Etawab, Agworthh 3, Altgold. 6. Rennen. 1. Karl Alexander( F. Brandt), 2. Ddeffa( B. Rörling), 3. Martha III( E. Elias). Toto: 21: 10. Blat: 13, 18, 25: 10. Ferner liefen: Mädel, Etatsböferin, Baron Trepantle, Matabor I, Freibeuter, Ratbad, Blaumeile, Pontresina, Daniel, M.., Unheil, Armida I, Cybill. 7. Rennen. 1. Submill I( Knöpnadel jun.), 2. Aberglaube( 3.Mills), 3. Jobannistäfer( W. Strauß). Zoto: 88:10. Blat: 15, 13, 19: 10. Ferner liefen: Sorar na, Wildfate, Seidepiing I, Fenelon, Fürit. 8. Rennen. 1. Heidesce( Schmidt), 2. Mina(& Makler), 3. M. B. ( 3. Kozal). Toto: 310: 10. Play: 75. 18, 25: 10. Ferner, liefen: Ludwig R., Schmetterling, Coriolanus, Sturm, Zigeunerbaron, Gladiator I., Brilon Prinz, Importeur, Celata. Schlußrennen der Rennfahrericule in Treptow. Um fommenden Mitt mod, abends 7.30 Uhr, wird die von der Treptower Babn in diesem Frübjahr ins Leben gerufene Rennfahrerschule, die unter der Leitung des Weltmeisters Walter Ratt stand, durch ein Abenbrennen ibren Abschlußz finden. Eämtliche Rennen werden nur von den Schülern bestritten werden. n vier verschiedenen Rennen werden sich in Alaffen eingeteilt die Das Hauptrennen des Tages ist jedoch das Armbinderennen. Bulstreifen, Drahtreifen, Strakenreifen und Bahnreisenfahrer treffen. Diefes ist offen für alle Zeilnehmer gleich, welcher Stlaffe fie angehören. In diesem wird der beite Fahrer der Schule feitgestellt werden. Mit dem Sieg der Armbinde ist eine tägliche Rente im Werte von 10 M. verbunden. Arbeiter port Fußballerei. So könnte man die Manie, an einer sinnlosen Sache Vergnügen zu finden, nehmen. Man betrachte einen richtigen Fußballer. Sein Horizont hebt sich kaum über den Horizont jener ledernen Rugel die ihm 3wed, Ziel und Lebenserfüllung ist. Er spricht nie von etwas anderem. Er ist enttäuscht, wenn man ihm andere Interessen zutraut. Selten finden sich Stimmen, die sich gegen einen, faft zum Unfug gewordenen, an und für sich gefunden Sport wenden, wie es 3. B. im Prager Sozialdemokrat" folgendermaßen geschieht: Es scheint, daß es heute mehr Proletarier gibt, die im Interesse für Fußballspiele aufgehen, als solche, die den Klassenkampf bewußt und tätig mitkämpfen. Die Arbeiter sollen, das sei zunächst fest gestellt, Sport treiben. Nach der langen Arbeitszeit in stickiger Fabrikluft soll der Arbeiter im Freien feine Kräfte betätigen. Aber der Fußball ist die Seuche des Jahrhunderts geworden. Er macht den Menschen unempfindlich für jedes Ereignis, das sich außerhalb des Sportplatzes vollzieht, er macht ihn zum Fanatiker geistlosester Dinge. Der Fußballer steht früh wenn anders Hoffnung und Furcht für das nächste Wettspiel ihn überhaupt schlafen ließen mit dem Gedanken an das Fußballmatsch vom vergangenen oder vom nächsten Sonntag auf. Er verschönert seinen Angehörigen und Nachbarn das Mittagessen mit Gesprächen über prominente Spieler oder über die Frage des professionalen Spicles. Er belebt in der Nacht das Kaffeehaus oder die Schenke mit seinen Debatten, er wettet, fiebert, rät und berechnet, er denkt nie. Er nimmt am Montagmorgen die Zeitung in die Hand, überschlägt die politischen Ereignisse, und wenn es auch um die schwersten Entscheidungen ginge, er giert nach den Ergebnissen der Wettspiele. Einer Leidenschaft allerdings gibt die Fußballfeuche noch Raum: dem Patriotismus. Fanatismus wird zum efelhaftesten Bersonenfult und zum glühendsten Haß aus feinem anderen Grunde, als weil ein Spieler andere Farben trägt als man sie gerade liebt. Der Flaggenpatriotismus gedeiht blühend auf dem Gebiete des sogenannten Sports. Wie sich in Byzanz die Parteien des Zirfusses in blutigen Kämpfen zerfleischten, so stehen heute die Parteien des Fußballs einander in unversöhnlichem Haß gegenüber. Wie ein einig Bolt von Brüdern steht die Masse von Behntausenden am Sportplay, Unternehmer und Lohnstlave, durch nichts getrennt und durch nichts verbunden als durch die gleiche Leidenschaft für und wider die spielenden Klubs. Der Fußballer verlernt feine Muttersprache. Er fennt nur noch den Jargon der Sportblätter, jenes eigenartige Idiom, gegen das die Verbrecherdialekte von Moabit und London einfach Sprachschönheiten dar stellen. Wie anders spiegelt sich in diesem Kopf die Welt. Gie ist wirklich nur noch ein großer Fußball. Außer Sportblättern und Tretern, Dreß und Goals eriftiert nichts von Belang zwischen den Gestirnen. Klaffenkampf und Fußballfeuche schließen einander aus. Der Fußballer lebt in einer Welt des Scheins, der plattesten, selbst geschaffenen geistlosen Abgeschiedenheit von der Welt des Wahren und Schönen. Der Fußballmensch ist berauscht, brutal, ein Mensch mit allen Lastern verfuntener Zeiten ausgestattet. Der Klaffenfämpfer muß ein Mensch mit scharfem Geist sein, ein Mensch, der für alles in die Zukunft blicken muß. Bei uns gilt aber das Wort: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Darum Kampf der Fußball: fenche, freie Bahn dem Klassentampf, Eroberung der Geister für den Geist!. Noch einmal: deutschnationale Flußpiraten. Man schreibt uns: Der Artikel Deutschnationale Flußpiraten" und die Berichtigung dazu, deren Logik durch akademische Dialektif start getrübt ift, verdient eine nachhaltige Berücksichtigung bei allen republikanischen Wassersportlern. In allen Abarten von Geschmadlosigkeit wird gerade beim Wassersport die„ Aera Hindenburg" illustriert. Die überwiegende Mehrzahl der Boote, von der Motorjacht bis zum Kanu, ist schwarzweißrot déforiert. Eine Seltenheit ist die schwarzverschwundener Herrlichkeit. Ein Kuriosum aber ist eine schwarzrotgoldene Gösch kleinsten Formats auf dem Erinnerungszeichen rotgoldene Fahne überhaupt.( Das trifft heute nicht mehr ganz zu. D. Red.) Eine solche Anmaßung auf dem Wasser, der scheinbar für deutschnationale Parteizwecke gepachteten Domäne, wird unverzüglich mit zahllosen Flegeleien bestraft. Der notwendigen tätlichen und mündlichen Schlagfertigkeit, verbunden mit einem gehörig dicken Fell, verdanke ich die Tatsache, daß ich den Mut, die schwarzrotgoldene Fahne zu führen, noch nicht verloren habe. Daß sich die Schimpfhelden, die sogar vor gelegentlichen eigentumsrechtlichen llebergriffen nicht zurückschrecken, aus Mitgliedern aller feudalen und halbfeudalen bürgerlichen Wassersportvereinen und aus Kriegs- und Inflationsgewinnlern, die in Motorbooten die Gewässer unsicher machen, refrutieren, versteht sich am Rande. Zu ihnen gesellen fich natürlid) jene Erdenbürger, die mit dem einen Auge nach Moskau und mit bem anderen nach Hindenburg schielen. Als Wahrzeichen teutscher Geistesarmut tauchen neuerdings nach der Wahl eine Anzahl von Kriegsflaggen fabrifneu! auf. Fest steht, daß viele Nichtmonarchisten schwarzweißrote Bootsfahnen nur noch aus Bequemlichkeit führen, daß aber auch Republikaner ebenfalls nur aus Bequemlichkeit nicht die Farben der Republik zeigen. Viele Privatboote jühren außer der Vereinsfahne schwarzweißrote Wimpel, schwarzrotgoldene muß man mit der Lupe suchen. Deshalb, Republifaner, flaggt schwarzrotgold, bietet den nationalistischen Sportfegen ein Baroli! Jeder forge an seinem Teil dafür, daß die Farben des Maffen- und Meuchelmordes auch auf dem Wasser verschwinden vor dem Wahrzeichen der Republik, vor der Ueberzahl der Flagge Schwarz- Rot- Gold". Die Entscheidungsspiele um die Bezirksmeisterschaft des 1. Kreises( 1. Bezirk) borf- Best, Scharnweberstraße, statt. Um die Abwicklung der Spiele zu ge fnden am Sonntag, den 7. Juni, auf dem Städtischen Sportplak, Meiniden. währleisten, ift es notwendig, daß Mannschaften und Schiedsrichter fich 15 Minuten vor Spielbeginn beim Obmann der betreffenden Spielart melden ( Spielerpaß ist vorzulegen). Zur Dedung der Unkosten wird eine Kopfsteuer erhoben, die an der Raffe gegen Borzeigung des Paffes zu entrichten ist. männer 20 Bf., Frauen und Jugend 10 Bf. Die Leitung liegt in Sänden der Fünfertommiffion. Gesamtleitung: Briefert: Raffe: Rogakti; Faustball: Ortmann; Raffball: Baat; Schlag- und Handball: Relsch. Spielfolge Fauft ball Feld 1. Männer: 9-9,40: Nord III-.- Güftoft II( 13. Abt.): 9,50 bis 10.30: Nord II- 13. Abt. II( Fu.- Güdoft): 10,40-11,20: Norb I-- 13. Abt. I ( 22. Abt.): 11: 30-12,10: 2. Abt. 1-22. Abt. I( Rorb): 12,20-1: Gieger 1Sieger 2: 1,10-1,50: Gieger 3- Sieger 4; 2-2,40: 8. Abt. A. S. II- 22. Abt. A. S.( 2. Abt.): 3,30-4,10: 8. Abt. A. S. 1-8. Abt. A. S. II( 22. Abt.); 5-5,40: 8. Abt. A. S. 1-22. Abt. A. H.( Nord). Felb 2 Franen: 9-9,40: 9a- Abt. II- Nord II( 13. Abt.); 9,50-10,30: 9a- Abt. III- 13. Abt. II( 8. Abt.): ( 9a- Abt.); 10,40-11,20: 8. Abt.- 9a- Abt. I( Nord); 11,30-12,10: 18. Abt. 1- Nord I 12,20-1: Gieger 1- Gieger 2; 1,10-1,50: Gieger 3- Sieger 4. elb 3 Jugend: 9-9,40: 14. Abt. II- Nord II( 2. Abt.); 9,50-10,30: 2. Abt. II gegen 8. Abt. II( 14. Abt.): 10.40-11,20: 8. Abt. I- Gesundbrunnen I( 7. Abt.); Gieger 2; 1,10-1,50: Gieger 3- Gieger 4.11,30-12,10: 7. Abt. I- 14. Abt. I( Gesundbrunnen); 12,20-1: Sieger 1Raffball Felb 4. Männer: 9-10,10: 13. Abt. 1- Fu. Güdost I( Gefundbrunnen): 10,10-11,20: 5. Abt.- Ge funbbrunnen I( AGB. 24); 1.40-2,50: 13. Abt. II- Gesundbrunnen II( 22. bt.); 6,20-7,30: 22. Abt. Fu. Südost( 13. Abt.). Frauen: 4-5.10: 9a- Abt. II9a- Abt. III( Fu.- Güdoft); 5,10-6,20: 9a- Abt. 1-22. Abt.( 13. Abt.). Ingend: teilung II( 5. 2bt.): 2,50 4: 2. Abt.- Gesundbrunnen( 22. Abt.). Schlag ball Felb 5. 3-4,30: 13. Abt. II- 13. Jugendabt.( Stofp); 4,30-6: 13. Abt. I gegen 16 Abt.( Stolp).-Raffball Felb 6. Männer: 9-10,10: 22. Abt.AGB. 24( 13. Abt.). Handball Felb 6. Jugend: 2-3,10: Nord- Gilh( Gos Tar, Relich). Frauen: 3.10-4: 3. Ab- Nord( Goslar. Jaalin). Männer: 4-5,10: Rord Sub I( Baat, Relich). Bälle und Schlaghölzer ftellt iede Mannschaft. Die Spielführer und Schiedsrichter file Fauft- und Raffball müffen um 8 Uhr vormittags, für Sandball um 1 Uhr und fülr Gdfagball um 2 Uhr zur Sigung anwesend fein. Mannschaften, die nicht pünktlich antreten, baben bas Spiel verloren. Der Eintrittspreis beträgt für Nichtteilnehmer: Erwachsene 30 Bf., Frauen und Jugend 20 Bf. Alle Bundesmitglieder werden gebeten, ihre Mannschaften zu benachrichtigen. Wenn die Verhältnisse im Fußballsport auch in Prag besonders traß liegen mögen, so treffen die harten fritischen Worte doch auch auf andere Länder zu. In Deutschland hat sich wenigstens der Arbeitersport bisher von der berüchtigten Fußballerei" ferngehalten. Um so schlimmer wird sie im bürgerlichen Sportlager betrieben, 11.20-12.30: 20. bt. Gesundbrunnen( 2. Abt.): 12,30-1,40: 7. Abt. II- 10. Abund die Arbeitsgenossen in jenen Klubs von dieser Psychose zu befreien und zum Nachdenten anzuregen, ist der 3wed dieser Zeilen. Fußballresultate des Sonntags. BSB. 16- MSC. 2: 1; Frisch- Frei- ATV. Bantom 1: 4; Sparta- BC. Moabit 5: 0; Fichte- Nord- Elstal 2: 2; HelvetiaSpandau 0: 3; Berolina- Wader 20 2: 0; Abler 12- Rüstig Bor märts 2: 0; Astania Henningsdorf 1: 5; Amateure- Brimnia- Neu fölln 9: 1; Germania- Friedrichshagen 4: 0; BfB. Cöp.- Hertha 22 0: 1; Schöneberg- Lichtenberg Ib 10: 6; Birkenwerder- Branden burg 24 6: 5; Britannia- L.- Teltow 1: 1; Siemensstadt- Charlottenburg 1: 5; Adler 08- Arminia 3: 0; Groß- Machnow- Schmar gendorf 3: 3; Wittenau- Stegliz 5: 1. Frühjahrssportfest im Stadion Lichtenberg.. Im Stadion Lichtenberg fand am Sonntag ein Früh jahrssportfest der Leichtathletikvereinigung des 1. Kreises ( Arbeiter Turn- und Sport Bund) statt, das sich guten Besuches erfreute. Die technische Leitung lag in Händen des Kreissportrates E. Lippert, Kampfrichterobmann war artig, Starter Röllmer. Die Bortämpfe begannen bereits am Mittag, die Endlämpfe um 3 Uhr 30 min. Das schmere Gewitter erforderie leider eine Unterbrechung. Die Wettkämpfe und Borführungen an denen Jugendliche, Sportler und Sportlerinnen sowie ältere Sportler teilnahmen, segten sich wie folgt zusammen: 3000 Meter Gehen, 100 Meter Vorläufe, 100 Meter 3wischen läufe, Endläufe, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Distuswerfen, Olympische und Schwedenftafette. Resultate: Jugend 07/08, 100- Meter- Lauf: 1. Dümmler( Sparta 11) 12,5 Get.; 2. Cinfinger( Neukölln) Bandbreite zurüd; 3. Rnöpfler( Fichte 8) Brustbreite zurüd. Distuswerfen: 1. Reinhardt( Neukölln) 33,83 meter; 2. John( Röpenid) 31,15 Meter: 3. Baschke( Groß- Berlin- Webbing) 31,10 Meter. Hochsprung: 1. John( Röpenid), Giebel( Wedding), Baber( Oberspree), Dümmler( Sparta) je 1,60 Meter. Sportlerinnen. Webbing) 13,9 Gel.; 2. Schulk( Fichte 12) 14,1 Gel.; 3. Schillid( Fichte 12) 100- Meter- Bauf: 1. Rau( Grok- BerlinMeter zurüd. Distuswerfen: 1. Rain( AGC) 20,74 Reter; 2. Boldt ( Fichte- Gilb) 17,55 Meter: 3. Borbaß( Fichte- Oft) 15,51 Meter. Hochsprung: 1. Rauschte( Often) 1,36 Meter, 2. Bleuel( Often); Rau( Wedding) je 1,26 Meter. 5X100- Meter- Stafette: 1. Fichte 12 1,11 min.; 2. Fichte- Rorb 1,11 Min.; 3. Fichte- Güb. Jugend 09/10. 100- Meter- Lauf: 1. Schula( Reuföln) 13,2 Get.; 2. Biel( Fichte- West) Sandbreite aurid; 3. Bilfe( AGC.) 1 Meter zurüd. Rugelstoßen: 1. Biel( Fichte- Weſt) 10,50 Meter: 2. Hünerte( Fichte Süd) 8,68 Meter; 3. Bolter( Jahtt- Treptow) 6,60 Meter. Beitsprung: 1. Saff4X100- meterner( Bohnsdorf) 4,82 Meter: 2. Müller( Fichte 12) 4,85 Meter. Stafette: 1. Sparta 50,5 Get.: 2. Süd- Ost 50,9 Get.; 3. Schöneberg. Ewedenstafette: 1. Sparta 2: 18,8: 2. Güb- Oft 2:21; 3. Schöneberg. Sport Ter. 100- Meter- Lauf, Lauf A: 1. Seldt( AGE.) 11,8 Get.; 2. Wienide( AGC.) 1 Meter zurüd: 3, Utte( Lichtenberg) weiteren Meter auriid. Lauf B: 1. Begner( Lid) tenberg) 12 Get.; 2. Erdmann( Sub- Oft) Bruftbreite zurild. 800- Meter- Lauf: 1. Krause( Fichte- eft) 2,144 in.; 2. Fischer( ASC.) 2,167 Min.; 3. Stein( AGC.) 3 Meter surild. 3000- Meter- Gehen: 1. Lehmann ( AGC.) 14,25 Min.; 2. Burchett( Moabit) 40 Meter aurid; 3. Giefe( FichteWeft) 150 Meter zurüd. 5000- Meter- Lauf: 1. Redlik( Neukölln) 17,37 Min.; 2. Seinzel( Strausberg) 13,38 Min.: 3. C. Leuthold( Fichte- Nord) 30 Meter Aurlid.- Weitsprung: 1. Rain( GC.) 5,95 Meter: 2. Erdmann( Süd- Ost) 5,80 Meter: 3. Rauning( Süd- Oft) 5,75 Meter. 3x200- Meter- Stafette, RI. B und C: 1. Fichte- Süd 1,14 Min.; 2. Moabit 1,161 min.; 3. Spandau. Olym pifche Stafette, RT, B und C: 1. Jahn( Treptow) 4,75 Min.; 2. Schönow 4,8 in.; 3. Neukölln. 4X100- Meter- Stafette, AI. A: 1. AGC. 46,5 Get.; 2. Fichte- Beft 47 Gef.: 3. Güb- Oft. Schweden ftafette, RI. A, Bauf A: 1. Gild Oft 2,13 Min.; 2. Lichtenberg I Bruftbreite zurüc; 3. AGC. 1 Meter zurüid. Lauf B: 1. AGE. II 2,15 Min.; 2. AGC. III 1 Meter Aurid; 3. Lichten berg II. 100- Meter- Lauf: 1. Richter( Neukölln) Heltere Sportler 85/89. 14 Get.; 2. Stargardt( Reutöln) 14,2 Gef.; 3. Geffel( Neukölln). Schleuder ball: 1. Murrar( Sparta) 39,42 Meter: 2. Richter( Reutön) 36,57 Meter: 3. Scheffel( Reuföln) 34,68 Méier. L.- B.- Stafette: 1. Gilb- Oft 1,573 min.: 2. Sparta 2,1 Min.; 3. Neukölln. Meltere Sportler 90/94. 100- Meter- Lauf: 1. Urbasch( Süd- Dft) 13,4 Get.: 2. Rrachenfels( Süd- Oft) 13,6 Get.; 3. Broste ( SB. Moabit 13,8 Gef. Weitsprung: 1. Sürtig( Süd- Ost) 5,02 Meter; 2. Walter( Eiche- Köpenid) 4,57 Meter. Turner und Fußballer: 100- MeterLauf: 1. Spider( Lichtenberg II Fußb.) 12,5 Get., Friedrich( Wedding) 12,5 Get.; 2. Kropf( Fichte- Nord) Handbreite zurüd. 4X100- Meter- Stafette: 1. GroßBerlin- Often 50,3 Get.; 2. Fichte 14 5 Meter zurüd: 3. Grünau. Schwimmer, Bafferfportler, Soden. 4 × 100- Meter- Stafette: 1. Lichtenberg( Fußb.) 48,4 Get.; 2. Freie Schwimmer Neukölln 51,9 Get.; 8.' Sparta( Fußb.) 60,5 Set. Englische Arbeiter- Fußballer in Deutschland. Bereits im Jahre 1924 meilte eine englische Mannschaft in Norddeutschland und absolvierte 4 Spiele. Diesmal befinden sich englische Genossen in Sachsen und spielen in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Die Spieler der englischen Mannschaft seßen sich aus Mitgliedern von Londoner Vereinen zusammen. Gewerkschaftlich gehören sie dem Eisenbahner, Schuhmacher- und Buchbinderverband an, politisch der englischen Arbeiter partei. Es ist also eine Gewerkschaftsmannschaft, da man in England eine Arbeitersportbewegung in unserem Sinne noch nicht fennt. Diese ist erst in der Bildung begriffen. Die Mannschaft foll über eine bedeutende Spielstärte verfügen und den besten Londoner Amateurmannschaften in nichts nachstehen. Am Sonntag spielte sie gegen die Dresdener Städtemannschaft und ge= wann mit 4: 2. Training fämtlicher Bezirke auf dem Freie Turnerschaft Groß- Berlin. Mittwoch: Leichtathletifches Folgende Kampfarten kommen zur Austragung: Männer Dreifampf: 100 Meter, Sportplak Scharnweberstraße. Rugelftoßen, Weitsprung. Jugend Dreikampf: 100 Meter, Distuswerfen, Hochfprung. Frauen Dreikampf: 100 Meter, Rugelstoßen, Weitsprung. Anschließend Sportlersizung des Vereins. Rum Spielwerbetag am 7. Juni fehlen von einzelnen Bezirken noch die Meldungen der teilnehmenden Mannschaften( Frauen, Männer, Jugendliche) für Fauftball, Handball oder Trommelball. Meldung fofort an Rudolf Müller, N. 65, Genter Str. 38, bei Jahnke. Achtung, Kreisvereine! Den Bereinen des 1. Rreifes des Arbeiter- Turnund Sportbundes ist ein Rundschreiben der Freien Turnerschaft LichtenbergFriedrichsfelde betr. 25. Stiftungsfeft zugegangen. Es wird ersucht, bie Frage bogen an die demselben beigefügte Adreffe bis 1. Juni einzusenden, auch bei evtl. Nichtbeteiligung. Touristenverein" Die Raturfreunde"( Zentrale Wien). Berliner Genoffen, bie fich noch an der Bienfahrt beteiligen wollen, müffen sich bis spätestens 31. Mai unter Einzahlung der 1. Rate von 5 M. beim Genoffen Bruno Damnik, R. 65, Lüderikſtr. 58, anmelden. Genaue Angabe, ob Sin- und Rüdfahrt, 10 oder 14 Tage, erforderlich. Athletit- Sport- Club, e. B. Leichtathletik, Soden, Rudern. Männer, Frauen und Jugendabteilung. Geschäftsführer: Rurt Liebruds, Berlin D. 34, Tilfiter Str. 46. Dienstags und Donnerstags Training auf dem Fichteplak in Baumschufenweg ab 6 Uhr. Schriftführer der Hockenabteilung: Willi Mielke, Berlin D. 34, Beidenweg 27. Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sef, 2 Trep. rechts, zu richten Bezirksarbeitsgemeinschaft soz. Beamten und Lehrer. Freitag, den 29. Mai, abends 7% Uhr, wichtige Sigung im Jugendheim, Lindenstr. 3. Tagesordnung: 1. Der Neuaufbau des Reichsbeamtenbeirats. 2. Die Einberufung eines Bezirksbeamtentages für Groß- Berlin. Die Obleute der Bezirks- und Kreismerbe. ausschüsse müffen vollzählig erscheinen oder Bertreter entfenden. 17. Kreis Lichtenberg. Arbeiterwohlfahrt: Seute, Dienstag, 7 Uhr, Ber fammlung aller ehrenamtlich tätigen Genoffinnen und Genoffen im Rat. haus Lichtenberg, Möllendorfffte. 6, Simmer 25. Vortrag des Genossen Weiß. Neuwahl. 18. Areis Weißenfee. Mittwoch, den 27. Mai, 8 Uhr, bei Gallas, Berliner Allee, Ede Lehderstraße, Generalversammlung. 1. Vortrag des Genossen Fechenbach. 2. Vorstandswahlen. Jungsozialisten. Heute, Dienstag, den 26. Mai: Gruppe Lichtenberg: 7% Uhr im Jugendheim Varkaue 10, Ausspracheabend. Gruppe Tempelhof- Mariendorf: Die Veranstaltung fällt wegen der Mitgliederversammlung der Partei aus. Gruppe Süden: 8 Uhr in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, Seimabend. Morgen, Mittwoch, den 27. mai, Mitgliederversammlungen in.Groß- Berlin: 3. At. 7 Uhr Versammlung im Goal 5 des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24-25. Vortrag des Genossen Landa. Jahresbericht und Neuwahl der Abteilungsleitung. 6. Abt. 7% Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23. Referent Genoffe Adolf Hoffmann. 7. Abt. 7% Uhr in Köhlers Festfälen, Tieditr. 24. Jahresbericht, Neuwahl der Abteilungsleitung und Wahl der Delegierten zum Kreisvertretertag. 8. Abt. 7 Uhr bei Gründer, Schwerinstr. 13. Vortrag des Genoffen Wildung über Aufwertung". 9. Abt. 7 Uhr im Artushof, Berleberger Str. 29. Vortrag des Genossen BorStadtrat Schuldt über Kommunalpolitik im 2. Kreis Tiergarten". wärtslefer find eingeladen. 11. Abt. 7% Uhr bei Berger, Levehow, Ede Jagomstraße. Bortrag des Genossen Künstler, M. d. R.: Die Lehren der Reichspräsidentenwah!". 12. Abt. 7 Uhr bei Schmidt, Wiclefstr. 17, Sigung des Abteilungsvorstandes. 13. Abt. 7% Uhr Abteilungsversammlung im Artushof, Berleberger Straße. Bericht und Neuwahl der Abteilungsleitung. 14. Abt. 8 Uhr Mitgliederversammlung in der Schule Putbuser Str. 3. 15. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Goldbach, Binetaplah 7. Vortrag des Genoffen Löffler über Politik und Wirtschaft". 17. bt. 7 Uhr Abteilungsversammlung im Gesellschaftshaus, Triftstr. 63. Bortrag des Genossen Dressel:„ Demokratie und Sozialdemokratie". Neuwahl der Abteilungsleitung. Statuten18. Abt. 7% Uhr an bekannter Stelle Mitgliederversammlung. beratung und Neuwahl des Vorstandes. unt 20. Abt. 7% Uhr bei Bompte. Schulstr. 74, Abteilungsversammlung. StelTungnahme zum Gagungsentwurf. Die Funktionäre finden sich 7 Uhr ein. 23. Abt. 7½ Uhr Abteilungsversammlung im oberen Gaal bei Hagenbeck, Milller, Ede Geestraße. Vortrag der Genossin Dr. Wegscheider, M. d. L.: Die Wahl Hindenburgs". 24. Abt. 7 Uhr Mitaliederversammlung im Gesangsaal des Lygeums Greifs walder Str. 24-25. Referent Genoffe Faust über„ Erziehungsfragen". Neuwahl der Abteilungsleitung. 25. Abt. 7% Uhr im Kleinen Saal des Saalbaus Friedrichshain Abteilungsversammlung. Vortrag des Genossen Artur Richter, M. d. 2. 28. Abt. 7 Uhr bei Büttner, Schwedter Str. 23, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Rotzke, M. d. R.:„ Die Etatsberatungen im ReichsBorwärtslefer und Gäste willkommen. tag". 32. Abt. Die Mitgliederversammlung ist laut Beschluß der Funktionärkonferenz vom 18. Mai auf Mittwtech, den 3. Juni, verlegt. 33. Abt. 72 Uhr in der Schulaula Hohenloheftr. 10 Mitgliederversammlung. Bortrag des Genoffen Baul Sirich, M. d. L.: Die Vorgänge im Landtag". 36. Abt. 7 Uhr in der Schulaula Petersburger Str. 4 Mitgliederversamme luna. Tagesordnung: Neuwahl der Abteilungsleitung. Vortrag des Genoffen Franz Ofterroth über„ Sozialismus Staat und Nation". Die Bezirksführer laden ein. 38. Abt. Pünktlich 7% Uhr in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a, Mitaliederversammlung. Bortrag des Genossen Wermuth. 42. Abt. 7 Uhr in den Blücher Sälen, Blücherstr. 61, Abteilungsversammlung. Bortrag des Genossen Dr. von Ungern- Sternberg: Die Zollvorlage". Bor43. Abt. 7 Uhr bei Rabe, Fichteftr. 29, Mitgliederversammlung. trag des Genossen Dittmer: Jugendpflege im Bezirksamt Kreuzberg". 45. Abt. 7% Uhr in der Schulaula Forster, Ede Reichenberger Straße, Mitaliederversammlung. Thema: Die politischen und wirtschaftlichen Organifationen der Arbeiter, Angestellten und Beamten". Referent Genosse Klodt, M. d. 2. 46. Abt. 7% Uhr Zahlabend bei Eichholz, Cuvrynstr. 23 und Balentin, GörTiger Str. 72. 47. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Behrendt, Manteuffelstr. 95. Geschäftsbericht und Neuwahl der Abteilungsleitung. Wahlen zum Kreisvertreter und Bezirkstag. Charlottenburg. 53. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Albert, Sutten-, Ede Wiebestraße. Tagesordnung: Geschäftsbericht und Neuwahlen. 55. Abt. 7% Uhr Mitgliederversammlung bei Bohne, SchloßStraße 45. Bortrag des Genoffen Falkenberg Bon Ebert bis Sindenburg". Bericht von der Kreisgeneralversammlung.- 57. Abt. 1. Gruppe: 7% Uhr Gruppenabend bei Arndt, Kantstr. 51. Schöneberg. 77. Abt. 7% Uhr Generalversammlung bei Will, Martin- LutherStraße 69. Geschäfts- und Raffenbericht. Wahlen. Mitaliedsbuch legi timiert. 78. bt. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Rosenthel. Ebersftraße 66. Neuwahl der Abteilungsleitung. Bolitische Aussprache. 81. Abt. Friebenau. Pünktlich 8 Uhr Generalversammlung im Rathausteller, Gesellschaftsaimmer. Neuwahl des Borstandes und volitische Aussprache. 82. Abt. Steglik. 8 Uhr Mitgliederversammlung bei Schellhafe. Tagesord nung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahlriidblide. 3. Verschiedenes. 83. Abt. Lichterfelbe. Au dem am Mittwoch, pünktlich 8 Uhr, beginnenden Bortrag des Genoffen Fechenbach: Aus einem banerischen Ruchihans" tönnen durch Genoffen Gäfte eingeführt werden, die bei Beginn der Alle Generalversammlung den Versammlungsraum verlassen müssen. Mitglieder müssen zweds Rontrolle ihre Mitgliedshücher mitbringen. 85. Abt. Tempelhof. 7% Uhr im Lofal Stuhlmann, Dorfftt. 31, Mitgliederversammlung. Referent Genoffe Robert Breuer. 86. Abt. Mariendorf. 7% Uhr Mitgliederversammlung in der Schulaula Königifrake. Neumahl der Abteilungsleitung. 114. st. Lichtenberg. 7% Uhr Mitaliederversammlung bei Lauter, Rroffence Straße 14. Stunde vorher Funktionärsigung. mus". Jugendveranstaltungen. Heute, Dienstag, den 26. Mai, abends 7% Uhr: Webbing- Nord: Schule Müllerstr. 48, Bortrag:„ Die Frau und der SozialisSchönhauser Borstadt: Schule Jbsenstr. 17, außerordentliche Mitgliederversammlung. Westen: Baugewerkschule, Rurfürstenstr. 141, FontaneAbend. Wilmersdorf: Jugendheim Sildegardstr. 4, Tezte Besprechung zur Bringftfahrt. Neukölln III: Jraendheim Rogatftr. 53, Bortrag: Segitelle Frage". Neukölln IV: Lokal Bärwinkel", Cleinbockstr. 10, Vortrag:„ AltBerlin". Jugendgenoffen, erscheint pünktlich! Neukölln V: Jugendheim Schierkeftr. 44, Literarischer Abend. Treptow: Besprechung zur Bfingftfahrt. Reinidendorf- Oft: Geebad, Residenzstr. 46, Aussprache:„ Nadikultur". Reinickendorf- West: Sportplag, Besprechung zur Pfingstfahrt. Senefelder Biertel: Schule Eberswalder Str. 10, Rimmer 12. Vortrag:„ Gemeinschaftserziehung". Brenzlauer Vorstadt: Jugendheim Danziger Str. 23, Vortrag: Das Gozialistengefeh". Rorden: Die Teilnehmer an der Pfiñaftfahrt milffen bis Donnerstag, den 28. Mai, das Fahrgeld beim Genoffen E. Blum, Rheinsberger Str. 34, bezahlen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rof- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin S. 14. Gebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Kameradschaft Steglig: Mit den Karten vom Stiftungsfest ist so= fort abzurechnen. Die Teilnehmer an der Pfingstfahrt nach Swinemünde müssen 11 M. für Sine und Rückfahrt bis Dienstag, 26. Mai, mittags, bei den Raffierern der Untergruppen bezahlen. Rameradschaft Lichtenberg, Untergruppe Karlshorst: Dienstag, den 26. Mai, abends 8 Uhr, Vorstands fizung bei Sausmann. Kamerabschaft Neukölln- Brig: Mittwoch, den 27. Mai, abends 7 Uhr, Rameradschaftsversammlung in den Baffage- Festfälen, BergStraße 153. Wichtige Tagesordnung. Remeradschaft Charlottenburg: Mitt woch, ben 27. Mai, abends 7% Uhr, Mitgliederversammlung im Eden- Palast, Kaiser- Friedrich- Str. 24. Kamerabschaft Lichtenberg nebft Untergruppen: Mittwoch, den 27. Mai, abends 7 Uhr, Antreten der gesamten Rameradschaft in Neu- Lichtenberg, Lild, Ede ifderstraße, zum Marsch nach Karlshorst. Die Untergruppe Rarlshorst marschiert aur, felben Zeit in der Siedlung, Richtung Lichtenberg, ab. Arbeiter- Samariter- Rolonne, e. B., Abt. Steglik. Dienstag, den 26. Mai, abends 28 Uhr, Monatsversammlung in der Gemeindeschule 6, Plantagenstraße. Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegerbinterbliebenen, Ortsgruppe Schöneberg. Nächste Versammlung am Dienstag, den 26. Mai, abends 8 Uhr, in ber Schloßbrauerei Schöneberg, Hauptstr. 122. Bundesvorsitzender Marote spricht über die Einführung einer Sterbefaffe im Reichsbund. LAXIN - und macht schlank. KOHNEN& TORING Billiger Pfingstverkauf für Straße, Reise und Sport: Herren- Anzüge Größe 44-54 Große Auswahl, moderne Farben.. M. 42.- 35.Hell und dunkel, Motorradfahrer- Kombinationen 29.Leichte Schofför- Anzüge schöne Muster. 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Reingewinn 108 168 499 23 763 574 15 393 795 8 093 243 1839 845 2 733 899 1 293 636 1624 264 2 324 418 1409 642 165 644 816 113 294 000 20 003 467 434585 7 543 679 5 231 700 1 500 000, 6 279 435 1 000 000 4247 379 6110 571 165 644 816 Die auf 5 Proz. festgefehte Dividende ge tangt abzüglich 10 Broz. Kapitalertragsfteuer mit 45.- Rmt, für die Aktien Nr. 1-50 000 und 60 001--113 244 gegen Einreichung der Gewinnanteilscheine für das Jahr 1924 und für die Aktien Nr. 50 001 bis 60 000 gegen Einreichung des Gewinnanteilscheins Nr. 1 zur Auszahlung an der Gesellschaftstasse oder an folgenden Stellen: Deutsche Bank, Berlin und deren Filialen, Berliner Handels- Gesellschaft, Berlin, Mitteldeutsche Creditbant, Berlin, Frant furt a. M., und deren Filialen, Banthaus Jacquier& Securius, Berlin, Banth. Jacob S.H.Stern, Frankfurt a. M. Berlin, den 23. Mai 1925. Der Borstand. 1116 BLAU KOPP SEIT 48 JAHREN BERLINS KONSUM- UND QUALITATS ZIGARETTE Blaufopf Cigarettenfabrik Otto Kreffin Berlin. OLITZKI MERTENS Nr. 244 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Gegen die Rentenbank- Kreditanstalt. Eine kritische Stimme aus dem bürgerlichen Lager. Es ist bekannt, daß der dem Reichstag vorliegende Entwurf cines Gesetzes über die Errichtung der Deutschen Rentenbank Kreditanstalt eine sehr geteilte Aufnahme gefunden hat. Besonders find es die Sozialdemokraten und freien Gewerkschaften, die diesem Gesezentwurf widersprechen und ihn als völlig unbrauchbare Diskussionsunterlage betrachten. Maßgebend für diese Einstellung ist die Befürchtung, die Rentenbank- Kreditanstalt fönnte zu einem unter Einfluß des Landbundes und des Großgrundbefizes stehenden Institut werden und den Geldmarkt wesentlich im Sinne dieser Kreise beherrschen. Die Befürchtungen werden gestärkt, wenn man sich die Ausführungen des Gesezentwurfes über die Zusammensetzung des Berwaltungsrates und über die Kontrolle seiner Arbeit anfieht. Jetzt werden sogar im bürgerlichen Lager sehr beachtenswerte fritische Stimmen über den erwähnten Gesezentwurf hörbar. Die Nummer 206 der Zeit" bringt einen außerordentlich interessanten Aufsatz des Reichstagsabgeordneten Dr. Cremer, der schwere Bedenken gegen das Projekt äußert. Da ist zunächst die 3ufammenfeßung des Berwaltungsrates: Es muß daher sichergestellt sein, daß ein In= stitut, welches den Realkredit aller Landwirte inseine Verfügung betommt, jdhon durch die Zusammensetzung eines Verwaltungsrates gegen die Möglichkeit gesichert ist, daß bestimmte agrarische Organisationen in ihm von vornherein ein lebergewicht haben. Die Wahrung des allgemeinen Staatsinteresses und der Sechte jedes mitbeteiligten Staatsbürgers erfordert einen maßgebenden Einfluß des Reichs in der obersten Instanz der geplanten Agrarbant. Der Gesezentwurf sieht gegenüber elf Bertretern agrarischer Oganisationen nur acht vom Reichsrat bestellte Vertreter vor. Bei der geistigen Abhängigkeit, in welcher das federführende Reichsernährungsministerium fich seit längerer 3eit gegenüber dem Reichslandbund befindet, kann in dieser schon zahlen mäßig ungenügenden Vertretung der All= gemeinintereffen tein genügender Einfluß des Reichs erblickt werden, zumal angesichts der Absicht, die acht Bertreter des öffentlichen Interesses vom Reichsrat wählen zu lassen, mit Sicherheit anzunehmen ist, daß auch auf diesem Bege weitere Hilfstruppen für den Reichslandbund in den Verwaltungsrat eintreten... Die Befürchtung, die Rentenbank- Kreditanstalt tönnte sich mit ihrem Landbundeinfluß zu einem Machtfaftor im Staate entwickeln, wird ebenfalls von Dr. Cremer geteilt. Er schreibt: Verschiedene im Schoße des Reichslandbundes erörterte Projekte, wie z. B. die Ausschaltung des Bäckergemerbes durch agrarische Brotfabriken u. dgl. mehr zeigen, in welcher Richtung unter Umständen die Reise gehen kann. Dagegen wird naturgemäß auch die Frage aufgeworfen, ob das öffentliche Interesse überhaupt gestattet, die Hand zur Finanzierung cines Staates im Staate zu bieten, der die Lebensverhält nisse der Gesamtheit nach den verschiedensten Richtungen hin maßgebend zu beeinflussen vermag. Bei dem zielbewußten Macht streben gewisser agrarischer Kreise würde dieser Einfluß ganz ohne Zweifel auch auf die politische Entwicklung weiter Schichten des Boltes einen starten Druck ausüben und diese von der Linie abdrängen, die sich aus den natür lichen Voraussehungen ihrer wirtschaftlichen und geistigen Einstellung ergeben muß. Dr. Cremer kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: Wenn ausschlaggebende Gründe zur Schaffung einer zentralen Agrarbank zwingen, dann muß diese Agrarbant eine Staatsbant sein und der völligen Kontrolle der staatlichen Organe, der Volksvertre= tung und der öffentlichen Meinung unterstehen. Sie muß in engem Zusammenhang mit der Reichsbant arbeiten, um sicherzustellen, daß die wirtschaftliche Einheit des Reiches nicht gespalten wird. Daher bedarf der Entwurf des Gesezes über die Errichtung der Deutschen Rentenbank- Kreditanstalt der forgfältigsten Nachprüfung durch die Deffentlichkeit und das Parla ment, und die Reichsregierung wird gut tun, ihn nicht zu einer Kopfsache zu machen, sondern sich mit derjenigen Gestalt abzufinden, welche er durch die Beratungen des Reichstags gewinnt." Das sind mutige Bekenntnisse. Sie wirken um so sensationeller, weil sie in dem volksparteilichen Organ„ Die Zeit" ohne jede Bemerkung der Redaktion abgedruckt werden. Hoffentlich reicht der Einfluß des Vorsitzenden des Reichslandbundes und des Reichstagsabgeordneten Hepp in der Fraktion der Deutschen Volkspartei nicht so weit, daß man die Ausführungen des Dr. Cremer als lästige Worte eines Wüstenpredigers einschätzt. Die Zuckerausstellung in Magdeburg. Aus Magdeburg wird uns geschrieben: Zeigen die meisten Ausstellungen der jüngsten Zeit mehr einen messe ähnlichen Charakter, so liegt der besondere Wert der Magdeburger 3uderausstellung darin, daß sie ihre Besucher über die wissenschaftliche und technische Arbeit, die in der gesamten Zuckerindustrie geleistet wird, in vorbildlicher Weise Aufschluß gibt. Von ihr kann mit gutem Recht gesagt werden, daß sie ihrem Wesen nach einen volfswirtschaftlichen Lehrfurjus darstellt. Auf der Ausstellung sind etwa 20 Magdeburger Firmen vertreten, die Maschinen, Werkzeuge und andere Arbeitsmittel produzieren, die bei dem Zuckerrübenanbau und bei der 3uderherstellung benötigt werden. Hinzu kommen diejenigen Be fabriken und andere. Aber nicht die Magdeburger Industrie allein, sondern auch die übrigen 3uderindustrien ganz Deutschlands, wie beispielsweise aus der Provinz Schlesien, aus dem Rheinlande, Pommern, West und Ostpreußen, Süddeutschland Nach den bekannt gewordenen Absichten würde die geplante| Agrarbant über außerordentlich hohe Kapitalien verfügen. Es wird sich gegebenenfalls um etwa 500 Millionen Goldmark handeln, welche für den Personalkredit zur Verfügung stehen, und um mehrere Milliarden für den Realkredit. Die Berfügung über diese Summen gibt der Agrarbant eine Machtstellung, welche sogar die der Reichstriebe, die Fertigfabritate herstellen, wie z. B. Schokoladenbant zu überschatten vermag. Sie wird ihren Ausdrud nicht nur gegenüber der Landwirtschaft selbst, sondern auch mittelbar gegenüber weitesten Kreisen finden können, welche örtlich oder geschäftlich mit der Landwirtschaft zu rechnen haben, Dienstag, 26. Mai 1925 und den übrigen Zuckergegenden des ganzen Reiches, haben sich auf der Magdeburger Ausstellung zum Stelldichein eingefunden. Entsprechend der Bedeutung und den verschiedenartigen Zweigen der Zuckerwirtschaft gliedert sich die Ausstellung in drei große Abteilungen, für die je eine besondere Aus stellungshalle zur Verfügung steht. In der ersten Halle haben die großen Maschinen der Zuderherstellung Aufnahme gefunden. Während diese Maschinen zum Teil sehr seltsanie Gebilde darstellen, über deren Tätigkeit fich der Laie feine direkte Vorstellung machen kann, sie vielmehr anstaunt und bewundert, find die Maschinen der 3uderverarbeitung bedeutend fleineren und zierlichen Umfanges. Ein Gewirr von Rädern und Röhren, von Schaufeln und Löffeln arbeitet zusammen, um diese Maschinen zu einem phantastischen Gebilde zu formen. Die 3uderrübenzüchter haben einen eigenen Pavillon errichtet, in dem eine sehr bemerkenswerte Ausstellung von allen möglichen Einrichtungen Aufnahme gefunden hat, die zur Zucht der Rüben erforderlich sind. Hier empfängt der Ausstellungsbesucher einen Eindrud, mit welcher Sorgfalt auf das Wohlergehen dieser für Deutschland so überaus wichtigen Pflanze geachtet wird, wie man fich Mühe gibt, ihre gefährlichsten Krankheiten zu befämpfen und mie man danach trachtet, die Rüben zu einer immer leistungsfähigeren Pflanze zu entwickeln. In der zweiten Ausstellungshallengruppe hat die Schoto laden und Kataofabrikation Aufnahme gefunden. Hier kann der Besucher mit eigenen Augen den Produktionsprozeß fennenlernen, wie sich das Praliné im Berlauf eines langen Prozesses aus der Kakaobohne entwickelt. Abgesehen von den Industrien, deren Schaffen in der Verarbeitung des Zuckers besteht, sind in dieser Halle alle die Fabritationszweige aufgenommen, die zu der Verpadung ufm. des Zucers und der Schokolade gehören. In einer dritten Halle, deren Errichtung sich durch die enorme Beteiligung der deutschen Zuckerindustrie an der Magdeburger Buderausstellung erforderlich machte, hat alles das Aufnahme gefunden, was in den beiden anderen Hallen nicht mehr aufgenommen werden konnte, oder verspätet seine Anmeldung zur Ausstellung abgegeben hat. Infolgedessen stehen hier Maschinen, Geräte und fertic Waren durcheinander. Verbandstag der oftdeutschen Konsumvereine. nach Für den 20. und 21. Mai d. J. war der 61. Verbandstag des „ Verbandes ostdeutscher Konsumvereine" Spremberg( Laufiz) einberufen. 49 Genossenschaften des ausgedehnten Verbandsgebietes hatten 158 Delegierte entsandt; außer dem waren 14 Gäfte als Vertreter der Behörden, des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine, der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine, der Boltsfürsorge" und der Gewert schaften zugegen, Nach Begrüßungsansprachen der Bertreter der Behörden und der anderen Organisationen schilderte Verbandssekretär Hildebrandt den Einfluß der allgemeinen Wirtschaftslage im Jahre 1924 auf die Konsumgenossenschaften. Vergleiche des bilanzmäßigen Vermögens und der Genossenschaftsschulden im Verhältnis mit den Bilanzen aus 1914 ergeben die vollständige Enteignung des genossenschaftlichen Vermögens, soweit mobile Betriebsmittel in Betracht kommen. Der Waren um ab ist jetzt wieder im Steigen begriffen. Der Mangel an Betriebsmitteln macht sich weniger fühlbar wie vor Jahresfrist. Verbandsrevisor R. Hahn erstattete Bericht über die Ergebnisse der Revisionen. Um zweiten Tage referierte Paul Lange( Berlin) über„ Die Warenbeschaffung des illegalen Handels und find seine Ausführungen in folgender Entschließung zusammengefaßt: Der illegale Handel hat sich insbesondere in der Nachfriegszeit neben dem regulären Handel breitgemacht. Er besteht darin, daß Personen, die einen anderen Beruf haben, und Organsun EMMO Probiert Bolle Schokolade Tho Deutscher Metallarbeiter- Verband Donnerstag, den 28. mai, abends 7 Uhr, im großen Saal des Gewertfchaftshauses, Engelufer 24/25: Branchenversammlung der Rohrleger und Helfer. Tagesordnung: 1. Bericht von der dritten Reichskonferenz der Heizungs branche in Hannover. 2. Berbands und Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Es ist Pflicht aller organisierten Kollegen, bünktlich zur Bersammlung zu erscheinen. Achtung! Kühlertlempner Achtung! Donnerstag, den 28. Mai, abends 7 2hr, im Rosenthaler Hof", Rofenthaler Straße 11/12: Allgemeine Versammlung der Kühlerklempner. Alle Kollegen, welche geordnete Lohne und Arbeitsverhältnisse in ber Rüblerbrande für nötig halten, werden dringend ersucht, in dieser Versammlung au erscheinen, Achtung! Uchtung! Der Pfingstfeiertage wegen bletben die Bureaus am Montag, den 1. Juni, und am Dienstag, den 2. Juni, gefchloffen. Am Sonnabend, den 30. Mai, find die Bureaus bis 12 Uhr mittags geöffnet. Die Ortsverwaltung. Meine Bidel verschwanden durch Jhr wirklich vortreffliches Blutreinigungspulver Saltarin" schreiben niele R. 1.50, Rur 3 Schacht. M. 4.25, in Drog. u. Apoth. erhältl., fonft bei Otto Reichel, Berlin 43, GD, Eisenbahnstr. 4. Knorr Hahn- Makkaroni Hahn- Spaghetti aus bestem Hartgrieẞ hergestellt. Die Fabrikation geschieht nach modernster Verfahren und unter Wahrung hygienischer Grundsätze, deshalb der ausländischen Ware vorzuziehen. Hoher Eiweißgehalt, deshalb nahrhaft u.wohlschmeckend. 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Der Personenverkehr zeigte eine leichte Belebung. Genehmigte Syndikatsverträge. Der große Ausschuß des Reichsfohlenrats, dem das Plenum die Ermächtigung erteilt hatte, die Syndikatsverträge für Oberschlesien, Rheinland- Westfalen und Mitteldeutschland zu genehmigen, erteilte diesen drei Verträgen seine Zustimmung. Für das mitteldeutsche Braunfohlengebiet behielt er allerdings die Vorlegung des neben dem Syndikatsvertrag laufenden Rahmenvertrages vor. Die Genehmigung dieses Vertrages durch die Geschäftsfuhrung des Reichsfohlenrates ist allerdings nur mehr eine Formalität. fationen, die anderen 3weden dienen, die Warenbeschaffung als I Nebenbeschäftigung betreiben. Dieser illegale Handel hat es zwar verstanden, sich der Steuern, die dem regulären Handel und die Konjumvereine treffen, teilweise zu entziehen. Diese nicht bezahlten Steuern sind jedoch den Verbrauchern nicht erspart worden, sondern als Ertragewinn in den Händen derjenigen geblieben, die sich des illegalen Handels bedienen. Der illegale Handel wird von Nichtfachleuten betrieben, die meist nicht in der Lage sind, die Qualität und die Preiswürdigkeit der von ihnen vertriebenen Waren zu beurteilen, und die daher oft minderwertige Waren, namentlich Lebensmittel, anscheinend billig, in Wirklichkeit aber teuer verfaufen. Die durch den illegalen Handel gemachten Gelegenheitsgeschäfte stören dieplanmäßige Warenverteilung und tragen auch eine Unsicherheit in die Warenerzeugung. Vielfach führt der illegale Handel, soweit er durch Betriebsräte und ähnliche Einrichtungen erfolgt, zu Korruptionserscheinungen. Die Konjum vereine haben mit Erfolg die früher im Kleinhandel übliche Borg wirtschaft bekämpft. Durch den illegalen Handel wird diese erzieherische Tätigkeit der Konsumvereine bedroht, indem gerade der illegale Handel feine Waren in Fabrikbetrieben oder in Vereinen auf Borg und Teilzahlung abgibt. Dadurch werden die Verbraucher von den illegalen Händlern und vielfach auch als Arbeitnehmer von den Betrieben abhängig, in denen der illegale Handel blüht. Der Berbandstag richtet daher an die Beamten, Angestellten, Arbeiter Zur Berkehrslage der Reichsbahn. Nach den Feststellungen der und sonstige Kreise der konsumierenden Bevölkerung in ihrem eigenen Interesse das dringende Ersuchen, dem illegalen Handel, der Deutschen Reichsbahngesellschaft für den Monat April 1925 ist der den Berbrauchern feinen Nuzen bringt, entgegenzutreten. Die Ver- sonst im Fruhjahr eingetretene Verkehrsaufschwung aus= braucher werden aufgefordert, sich den Konsumvereinen angeblieben. Neben dem Rückgang im Kohlenversand ging auch zuschließen, die eine planmäßige Beschaffung der Lebensmittel die Beförderung in fünftlichen Düngemitteln zurüd. Der Versand Potsdamer Str. 33, Ecke Lützowstr. Biomalz Zur Lage der Spirituofeninduftrie. In der Generalversammlung der Hermann Meyer u. Co. A.-G., in der eine Dividende von 10 Prozent auf die Stammattien, von 7 Prozent auf die Vorzugsaftien beschlossen wurde, führte Direktor Dr. Warschauer über die Lage des Spirituosengewerbes folgendes aus: Das Gewerbe leide besonders unter dem Druck der vielen Sondersteuern, in erster Linie der Gemeindegetränkesteuern und Weinsteuer. Es habe schon eine Stillegung von Betrieben stattgefunden. Wenn die Steuerreform nach dieser Richtung nicht erhebliche Steuermilderung bringe, feien auf lange Sicht die Aussichten der Branche, auch des Unternehmens ſelbſt, ſehr mit Zurückhaltung zu beurteilen. Eine Tendenzmeldung.„ United Preß" verbreitet eine Berliner Meldung, daß die Bank von England, die deutsche Reichsbank und die Bank von Frankreich fürzlich den gemeinsamen Beschluß gefaßt hätten, der Sowjetregierung und den ihr zugehörigen Organisationen feine Kredite zu gewähren. Wie die Reichsbank mitteilt, ist diese Meldung, soweit die Reichsbank dabei beteiligt sein soll, völlig aus der Luft gegriffen. Fertige Herren- Anzüge u. Mäntel Ersatz für Maßarbeit zu staunend billigen Preisen auf Teilzahlung! Gründliche Kräftigung und Auffrischung verschafft bas vorzügliche, billige, wohlschmedende Biomalz. Es gibt wohl fein einfacheres, bequemeres Mittel; feines erfreut sich einer gleich großen und uneingeschränkten Beliebtheit wie Biomalz. Neben der Hebung des Kraftgefühls tritt fast immer eine auffallende Besserung des Aussehens ein. Man fübIt fic qerabeau wie berjüngt. Mit feinem andern Kräftigungsmittel fann man bessere Erfolge erzielen als Was nehmen die Aerate? Alle Erfagpräparate und Eisenmittel erzielen nicht die Birkung, mas Appetitanregung und Kräftigung anlangt, wie Biomalz. Jn meiner eigenen Familie bin ich mit der Anwendung ganz be fonders zufrieden. Dr. R. in Ch. Das von mir schon oft und mit gutem Erfolge in der Pragis verordnete Biomalz wird nun diesmal meinen Kindern zugute kommen. Dr. med. R. Statt Karten. Am 23. Mai entschlief nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Stadtrat Albert Taubmann im 59. Lebensjahre. In tiefer Trauer im Namen aller Hinterbliebenen Berlin- Weißensee. Helene Taubmann Die Trauerfeier findet am Donnerstag, den 28. Mai, abends 7% Uhr, im Krematorium Gerichtstraße 37 statt. Kondolenzbesuche nicht erwünscht. 922b Am Sonnabend, den 23. Mai, verschied nach mehrwöchigem Leiden unser lieber Genosse Albert Taubmann Fast von Gründung des Geschäftes an war er Mitglied der Neunerkommission der Vorwärts- Buchdruckerei und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Aktiengesellschaft Lindenhaus. Bis in die letzten Jahre, als ihn die Parteigenossen in Weißensee mit an die Spitze der Gemeindeverwaltung stellten, hat er seine ganze Kraft unseren Unternehmungen gewidmet und stets mit großem Interesse und vieler Hingabe seine Pflichten erfüllt. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren! Vorwärts- Buchdruckerei. Schleich's Seifenpulver mit dem Gutschein chleich's Seifenpulver chaumfee Jnhalt 500 Gramm 1024 muse Fabrik SCHLECHGMB Berlin& W 31 Für 6 Gutscheine erhalten Sie 1 Paket Schaumfee umsonst in allen einschlägigen Geschäften zu haben Chemische Fabrik Schleich GmbH Berlin NW6 mit Biomalz Biomalz hat fich bei meiner Frau und beiden Söhnen vorzüg-| Erhältlich in Apotheken, Drogenhandlungen und einschlägigen lich bewährt. Dr. Frhr. v. B. Reu: Biomala Bonbons, beftes Linderungsmittel bei Husten und Heiserkeit, vorzüglicher Geschmad, je Beutel 30 f und Biomalz- Schofolade je 100 Gramm Tafel 60 Pf. Leiterwagen u. alle ander.Transportgeräte liefert billigst. Großer Vorrat. 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Immer wieder hatten sie noch etwas zu fragen, nie war ihnen der Tatbestand klar genug. Sie mußten alle Kleinigfeiten wissen. Bann er aufgestanden war, mit wem er gesprochen hat, was und wo er gegessen und hundert andere Dinge mehr wollten fie wissen, die geringste Kleinigkeit erschien ihnen ungeheuer wichtig. Er hatte sich angestrengt, auf alle diese Fragen richtige Antworten zu geben, er irrte sich aber oft, widersprach sich selbst, denn er konnte sich mit dem besten Willen nicht an all diese Dinge erinnern, die für ihn in seiner ungeheuren Erregung so unwichtig erschienen, den anderen aber, die fragten, um so wichtiger. Sein Kamerad widersprach oft dem, was er aussagte. Anfangs glaubte er, sein Kamerad irre fich, später aber mußte er einsehen, daß er bewußt log. Er strengte sich an, zu erraten, was der Andere damit erreichen wolle, fonnte es aber nicht und verwirrte sich immer mehr. Go weit ging es, daß es geschehen konnte, daß er auf die Frage bes Richters, ob sein Revolver geladen gewesen wäre, ehrlich antwortete:„ Ich weiß es nicht." Da rief ihm der andere ganz wütend zu: ,, Natürlich war er ungeladen, du Tepp." Der Richter war böse geworden und erteilte dem anderen eine berbe Rüge. Es hat sich später herausgestellt, daß der Revolver tatsächlich nicht geladen war. Er wollte so gerne seinen Richtern helfen. Er wollte ihnen ja alles erklären; restlos und ehrlich Aber sie ließen ihn nie zu Ende sprechen, immer hatten sie dazwischen etwas zu fragen, was ja gar nicht zur Sache gehörte. Und so fam es dazu, daß man ihn zu drei Jahren verurteilte. Er ergab sich darein. Es tat ihm nur leid, daß die Richter über ihn urteilen mußten, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie, und warum die Tat durch ihn versucht wurde und ohne daß er ihnen beweisen hätte können, daß im Grunde genommen ja gar nichts geschehen wäre, wenn der Oberfellner ihn nicht bedroht hätte. Wenn er dem Richter wenigstens hätte erzählen können, wie verwundert er war, als man ihn gefangen genommen hatte. Denn fie waren ja mit dem Oberfellner nach der Prügelei gute Freunde geworden, der hatte ihm jogar versprochen, ihm Geld für die Reise zu geben. Der Oberfellner hatte ihn im Geschäft sehr schlecht behandelt. Er hatte ihn wegen jeder Kleinigkeit, ja jogar ohne jeden Grund immer wieder beschimpft. Die anderen Lehrlinge ertrugen es leicht. Ste lachten den Oberfellner hinter seinem Rücken aus. Er aber litt unendlich unter jedem ihm angetanen Schimpf; er war das von zu Hause nicht gewöhnt. Er war guter Leute Kind; einziger Sohn; mar immer brov und ein guter Schüler. Da tam aber die Armut und trozdem die Mutter ihn so innig liebte, mußte er fort von ihr, fort Don Bien, in diese fleine Stadt. Immer, wenn seine arme KinderSeele unter Schimpf und Schande fich wand, wenn er schlaflos Nächte hindurch meinte, hatte Sehnsucht nach der Beilage des Vorwärts Aber Sie hatten auch kein Ziel. Sie wußten nicht, was sie tun wollten. Zu den Sonderdarbietungen zurückkehrend, müssen wir bei Hans drängte nach der Hauptstadt, nach Wien, dessen Möglichkeiten Richard Guhr( 3d) ein wenig verweilen. Diese vielen, oft zu er fannte. Der Junge wollte nicht zugestehen, daß er Angst vor ganzen Altarzyklen zusammengestellten Phantasmen, des Dresdener Bien habe, denn da wohnte feine Mutter, da lebte seine glückliche, Malprofessors ſehen technisch wie altmeisterliche Kunstwerte aus; reine Kindheitserinnnerung und da ging in den Straßen ein nobler das Mysteriöse ihres Inhalts täuscht Lebensweisheit vor. alles ist Blendwerk und Schaum: Kombinationen von WagnerianisHerr spazieren, der ihm die Mutter entwendet hatte und der ihm die Türe zu der Wohnung der Mutter versperre. Das alles mußte mereien eines Phantasten, der durch Unverständlichkeit des Inmus, biblischer Apokalypse und Politik sind vage inhaltlose Träuer verschweigen, vergessen und überschreien. Und so kam es, daß sie haltes düpiert, fünstlerisch aber barer Kitsch. Die Absicht mag langsam einen Plan entwarfen, der ihm ermöglichen sollte, Rache lobenswert sein, aber in die Kunst gehört dies ganz und gar nicht zu nehmen und zu gleicher Zeit Geld zu gewinnen, mit dem er dann hinein. nach Wien gehen tönnte, ohne die Mutter aufsuchen zu müssen und Der erfreulichste Teil der Ausstellung sind eigentlich die gra= ein Leben zu führen, das ihm Hans beschrieb und dessen Beschreibung phischen Kabinette( S. 22a- h); und das ist kein Zufall. sein Blut heiß durch die Adern rinnen ließ. Sie hatten jede Kleinig- In der Zeichnung und allem, was dazu gehört, Radierung, Holzfeit bedacht und besprochen. In ihrer aufgeregten Phantasie hatten befte Teil der deutschen Kunst. Ganz groß und bedeutend find die schnitt, Aquarell, offenbart sich noch heute wie zu allen Zeiten der fie die Tat hundertmal erlebt, ja noch mehr, sie machten Proben, wie Beichnungen Mar Slevogts zu Don Juan. Hier müßte man cuf der Bühne. Diese Proben waren für den Jungen ungeheuer von Slevogts überragender Bedeutung als Illustrator sprechen; der aufregend. Der Junge fühlte sich in übermenschliche Höhen gehoben, Raum verbietet es leider. Die Lebendigkeit jeder Szene ist unnacher fühlte sich als unbezwingbarer Held, jede bisher unterdrückte, ahmlich; hier lebt mehr noch als Mozart: der Geist jener unsterbbezwungene Leidenschaft tobte frei in ihm und dieses Ausleben lichen Gestalt männlicher Erotit, des Willens zum Sieg über das heldenhafter Gefühle war eine unbeschreibliche Bonne für ihn. Weib. Wer nur die Zeit hat, sich einem Eindruck hinzugeben, sollte in diese Skizzen eines wahrhaften Genies der Illustration ( Fortsetzung folgt.) sich vertiefen. Huwa Zollernschmerz. Daneben die geistvollen, seelisch höchst treffsicheren Bildnisradierungen von Emil Orlik; eine Probe der erlesenen und sublimen Kunst dieses Meisters. Die amurösen, pitant variierenden Federzeichnung von Christ o phe, die großartig vielseitigen Naturskizzen von Heinrich Wolff; die schwerfälligen aber charaktervollen, an alten Holzschnitten geschulten Entwürfe des Münchener Peter Trumm; die äußerst plastischen Zeichnungen von Klaus Richter und noch einige mehr, dessen zeichnerische Besonderheiten Freude des Entdeckers bilden. Bei den geschloffenen Sonderausstellungen deutscher Kunststudien bilden München und Dresden als Gesamtheit einen pikanten Gegensatz. München( S. 14 und 15) ist sanfter, im akademischen Sinn ausgeglichener: hier herrscht die gutgemalte Landschaft süddeutschen Charakters vor, wie sie vor allem Richard Pie zich ( Nr. 736), Landenberger( 561), R. Kaiser( 489 und 490) sehr sympathisch kultivieren; daneben die schönen Atte von Ger= hardinger( 286) und Schrader Velger( 884) und die lustigen dekorativen Buntheiten von Josse Grossens( 304 bis 306). lleber das allgemeine Niveau erheben sich die männlich fraftvollen, freilich nicht eben so ansprechenden Landschaften von J. Seyler( 940-942); darunter bleibt der Hodler nachahmende Manierist J. Hüther( 450-455); frampfiges Wollen ist noch feine Kunst. = Dresden( Saal 16) bietet größere und darum interessantere Kontraste. Hier gibt es einschmeichelnd- finnliche Malerei bei Hof= mann Juan( 434-435) und Dorsch( 171-173); impressionistisch flotte Naturstudien bei M. Feldbauer( 194-196), der eigentlich zur Münchener Scholle" gehört: die tipflige Kleinmalerei von Richard Müller( 641/642), der Ziege und Rattenpinscher individualisiert bis ins Zufällige des letzten Härchens, und Bemühungen um die letzten Möglichkeiten der Ausdruckskunst mie bei der hübschen rosa Dorflandschaft von F. Lent( 577) und vor allem bei Felig Müllers startfarbig dekorativen Menschenbildern( 127/128). Bodstiegels rohe und flache Imitationen eines Größeren( nämlich Schmidt- Rottluffs) fallen mehr ins Auge als sie wert sind.( 76/77). Dagegen Karlsruhe( Saal 13) ganz milde, ganz im Geist des späten H. Thoma; am besten das reizende Nahbild eines Schwarzwaldbaches von Edelmann( 174) und die weiten Landschaften von Segemiz( 933/934). Düsseldorf( S. 10) bietet nur Akademie. Wer sich über die wirklich lebendigen Absichten dort orientieren will, muß die 25. April hier berichtet haben. „ Warum bist Du so traurig, mein Sohn?" " Ach, ich fürchte, daß Hindenburg mir dereinst nichts Ausstellung des Jungen Rheinland" besuchen, über die wir am mehr zu reffen übrig laffen wird." In dem großen Chaos der Säle heben sich erfreulich die Leistungen einiger Malerinnen im Bildnis und Stilleben heraus, die wir mit besonderem Vergnügen wegen ihrer noblen Zurückweiblichen vermerken. aus= hind her out bie grogen Berge, gelaufen, wenn er nicht gewußt Große Berliner Kunstausstellung eichnetes Auguſte v. 3iße mig( G. 17), befonders gut bas auch über all hätte, daß er trog aller Liebe für seine Mutter ihr im Wege stehen würde. Die Mutter hatte einen Freund, das war ein hoher Beamter und, ja, er wußte nicht wie und warum, er wußte nur bestimmt, daß er nicht nach Hause fönne und dürfe. Schon dieses Bewußtsein, daß die Mutter nicht mehr ihm gehöre, hatte ihn düster und traurig gemacht, hatte in seinem armen Herzen das Gefühl einer unfeligen Einsamkeit wachgerufen. Das waren Dinge, von denen er mit niemandem sprechen fonnte; er schämte sich vor sich selbst und der Welt; er haßte seine Schwäche, daß er die Mutter nicht erhalten konnte, er haßte den Freund seiner Mutter und die ganze Welt, von der er nichts wissen wollte, die ihn nur beleidigte. Seine Empfindlichkeit wuchs von Tag zu Tag und ein jedes Schimpfwort des Oberfellners traf seine nackte Seele wie ein Beitschenhieb. Da wurde Hans, sein Kamerad, entlassen. Er mußte von Hans eigentlich nichts, wie er überhaupt, eingesponnen in seine trüben Bedarfen, niemand beachtete und verstockt und stumm immer nur seine Arbeit tat. Er fühlte sich nur dann verhältnismäßig wohl, wenn ihn die schwere Arbeit totmüde gemacht hatte. Der entlassene Hans lockte ihn mit sich. Er konnte es leicht. Denn er traf das richtige Wort dafür, er sprach zu dem trozig- traurigen Jungen von Rache für all den erlittenen Schimpf und die Bein. Später erinnerte sich der Junge der Tage, die nun folgten, wie eines stürmischen, leidenschaftlichen Traumes. Sie vagabundierten lange Tage durch die Wälder und über Berge, selbst in der Nacht hatten sie teine Lust, ihr Nachtlager in der dürftigen Schenke aufzusuchen; sie fühlten beide einen unüberwindlichen Drang, zu gehen und immer wieder zu gehen, zu sprechen und immer wieder zu sprechen. Hans war ein Wissender, und konnte von all dem Verbotenen, den geahnten und ersehnten Genüssen des Lebens sprechen, en die auch nur zu denken der Junge sich nie erlaubt hätte, und die Der er in seiner reinen Einfalt wie Todsünden von sich wies. zynische Ton, in dem Hans über diese verbotenen Dinge sprach, berauschte ihn wie starker Wein und alle seine primitiven Gefühle gestalteten sich in diesem Rausche in wahnwiziger Uebertreibung zu Bildern eines Fiebertraumes. Er selbst hatte nichts, was er Hans erzählen könnte. Von seiner Mutter wollte und konnte er nicht fprechen. So sprach er von seinem Vater. Er log. Er dichtete. Bie einen Fremden hörte er sich selbst sprechen über Dinge und Geschichten, die jetzt unerwartet in ihm entstanden waren und ihn selbst überraschten und befremdeten. Im Rausche dieses freien Bagabundenlebens erwuchs in ihm ein Gefühl der Großartigkeit und der Erhabenheit über sein wahres fleines Schicksal und in dieser Stimmung tat jede Erinnerung an den erlittenen Schimpf unendlich weh. Sein Kamerad verstand es, diesen wehesten Bunft seiner Seele immer wieder zu berühren. Eine unerhörte But bemächtigte sich seiner und die But richtete sich gegen den Oberfellner, deffen Gemeinheit und Schlechtigkeit übermenschliche Maße annahm. Er wurde für den Jungen zum Maßstab all seines Leides, in ihm formte fich zur förperlicher Wirklichkeit sein elendes, unerträgliches Schicksal. Dabei hungerten die Jungen, denn sie hatten kein Geld. Porträt Cläre Waldoffs( 1158) und Stilleben( 1159/60), K. Lefobinstein( S. 19, Nr. 579), Maria Foell( S. 14, Nr. 212) und 3. Wolfthorn( S. 6, Nr. 1142). Stilleben scheinen im besonderen Maße die Domäne der Frau; hier wird restlos Gutes produziert: außer der Zizewizz müssen genannt werden Hella Koch( S. 17, Nr. 523), Fr. Kniep( S. 18, Nr. 519), L. Haus= mann( S. 7, Nr. 371) und M. Preußer( S. 7, Nr. 746 und 748), die reine künstlerische Freude auslösen. Die großer Moabiter Jahresschau ist diesmal nicht ganz umfangreich wie sonst und übersichtlicher durch die farbige Rhythmik der Räume und durch weitgehende Zusammenfassung des Materials. Ehrensaal und große Querriegelflucht sind SonderEhrensaal und große Querriegelflucht sind Sonderausstellungen gewidmet, die Räume rechts vom Eingang mit der Malerei verschiedener Kunststädte gefüllt; Zeichnung und Graphit find in ihren Rojen links für sich gleichsam eingefapfelt. Und im Rest kann man sich noch überall etwas Gutes herauspicen. Gut vertreten ist die sympathisch- gegenständliche Landschaft und was zu ihr gehört. Im Saal 18: Jülich( Nr. 482/483), Kloh( 506). F. Krause( 544/545). Saal 19: Lejeane ( 574), Sertig( 361/363), o Ist ein( 441). Saal 20: Erich Müller( 636/640), 21 brecht( 14/15). Gaal 21: Gifevius ( 298). Saal 24: Wendel( 1089), Hoffmüller( 433). Saal 11: Freymuth( 216), Storch( 975/981). Saal 4: Graf( 310), Rips( 501). Es fehlt an Raum, um jedes der an sich reizvollen, malerisch wie gegenständlich interessanten Bilder zu charakterisieren. Dieser Disposition schließt sich eine Besprechung naturgemäß an. Vorauszuschicken wäre, daß sich Akademie- und Moabiter. Schau nicht so abgrundtief von einander unterscheiden; daß auch bei dieser die Neuzeitlichen(„ Expressionismus" benannt) quanti tativ und leider auch qualitativ äußerst zurückhalten, und daß ein guter normaler Durchschnitt für die Bürgerstube breit dominiert. Zunächst die Sonderausstellungen. Im Ehrenjaal( 1) empfängt uns Ed. v. Gebhardt, der verstorbene Düsseldorfer Christuslegendenmaler. Man wird nicht behaupten können, daß uns seine schwierige und tiftelige Art, daß Neue Testament in Kostüme der Dürerzeit zu stecken, mehr als eine theaterhafte Masterade bedeutet; zumal der verheulte Ausdruck der altdeutschen Herrschaften an unwahrhaftigkeit und Theatermacherei damit wetteifert. Ein großer Rönner" im akademischen Sinn; aber ein nicht sehr großer Künstler, weil er nirgends überzeugt, als etwa in manchen Bildnissen. Friede seiner Asche. Die logenartigen Kabinette dahinter bergen eine Anzahl Akademiker in Uebersicht. Am wohlgefälligsten wohl die eraften Studien von E. Wolfsfeld( 25b) aus dem Balkan und näheren Orient, in raffinierter und vielseitiger Technik. Das völkisch und fulturell Interessante dieser erotischen Männer und Bauernhäuser sieht ein unfehlbares Auge, hält eine unfehlbare Hand mii farbiger Treue fest. Man hat viel zu sehen und freut sich dieser Lebendig feit wimmelnden Lebens, das dem unsern an Ruhe und Gelaffenheit so sehr überlegen ist. Heilemann( 25) gibt mit ehrlicher Klarheit des Blides Porträts schöner Frauen, Stilleben und einen meisterhaften Weiberaft, farbig interessant; R. Schuster Wo1dan( 25) etabliert in seinen mondänen Porträts, Akten und Madonnen, eine füßere, elegante Abart der verschollenen Lenbach- Herr lichkeit. Schulte im Hofe( 25) verwässert Landschaften und Bildnisse noch mehr in akademischem Sinne: dergleichen gefällt" wohl meist, ist aber fünstlerisch wertlos. Tüchtige und farbig fräftige Studien aller Art sind von Otto Heichert( 25) und Pfuhle( 3a) zu ſehen, Künstlern des östlichsten Deutschland, die mit gutem Erfolg Schritt halten mit ihrer Zeit. die zahllosen Delstudien Ernst Körners( Saal 9) aus Aegypten, Syrien, den Mittelmeerküsten. Diese mit geographischem, gegenständlichem Intereise aufgenommene Wiedergabe bedeutsamer Gegenden laden mit nichten zu einer Reise ein; es fehlt ihnen das Lodende, das Südlich- Feurige der Farbe und überhaupt das eigentliche Leben des Südens. Wie der= gleichen wahrhaftig und ohne Uebertreibung ausschaut, fönnen wir auf dieser Ausstellung fennenlernen: z. B. in der märchenhaften Bracht des Tenerife- Bildes von Hans Bohrdt( Nr. 79, S. 24) oder in den Ansichten von Algier, Malaga, Cadiz von Mar Flei icher( Nr. 206-208, G. 8), die künstlerisch weit über Körner hinausgehen, weil sie topographisch nicht so genau sind, aber den Duft des Südens geben: das Wesentliche Von den modernen Bestrebungen hingegebenen Malern sind, durchaus nicht erstaunlich, die ertremeren weniger qut; ein Beispiel für alle mag das Triptychon von Kai H. Nebel ( S. 3, Nr. 655) sein, wirr und unübersichtlich. Besser schneiden die Gemäßigten ab, von denen anmutige Proben geben Herbert Lehmann( S. 17, Nr. 569/571), Sehri( S. 25, Nr. 268/270) mit feinfarbigen und reichen Kompositionen und G. Ehmig( S. 18, Nr. 175/177), in der neuen klaren Bestimmtheit der Formen. Die Stulptur tritt, wie immer, trog reichlicher Erschei= nung zurück. Als lebendige und interessante Dokumente plastischen Fühlens seien hervorgehoben: E. Segers Berliner Range" ( S. 2, Nr. 929) und in S. 1 Eva( 926) und Tänzerin( 927); bie Kleinbronzen von Franz Stud( S. 2, Nr. 985/991); die stark bewegte Tänzerin von Bauch( S. 2, Nr. 40) und LewinFundes Kindchen"( S. 2, Nr. 572). Dr. Paul F. Schmidt. Wie alt ist der Gebrauch der Angel? Ein bemerkenswertes Ergebnis haben die Ausgrabungen gezeitigt, die gegenwärtig von einer amerikanischen Expedition in Mesopotamien an der Trümmerstätte der Stadt Kisch vorgenommen werden. Man hat dabei unter anderem festgestellt, daß die Männer von Risch bereits vor etwa 3000 Jahren die Reitkunst betrieben, während die Frauen sich schon damals die Lippen zu schminken liebten und sich zu diesem Zweck kleiner Taschenspiegel mit Farbftiften bedienten. Die Ausgrabungen haben darüber hinaus auch einen alten Irrtum berichtigt. Man glaubte bisher, daß in jener Zeit der Fischfang nur mit dem Netz betrieben wurde. Die Amerikaner haben indessen in Risch Angelgeräte und Köder gefunden, die den Beweis dafür erbringen, daß man vor drei Jahr tausenden in Mesopotamien bereits Fische mit der Angel fing. Die feinste Wage. Bis vor kurzem galt es als eine besondere Leistung, daß man mit einer Mitrowage das Tausendstel eines Milli. gramms wiegen konnte. Nunmehr ist es aber gelungen, eine Bage zu erbauen, mit der man Materien von 20 Gramm abwärts bis zu einem Zehntausendstel eines Milligramms miegen kann. 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