Abendausgabe Nr. 245 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 120 = Vorwärts Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Berliner Dolksblatt 5 Pfennig Dienstag 26. Mai 1-925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Cindenfraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Der sterbende Garantiepakt. Englische Meinung zum Standpunkt Briands. Condon, 26. mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Aussichten des Sicherheitspattes werden in England seit dem Eintreffen der franzöfifchen Antwort auf die englische Bitte, um weitere Erläuterungen zu der Briandnote, immer pessimistischer beurteilt. Manchester Guardian" spricht die in den politischen äreisen herrfchende Auffassung aus, wenn er schreibt, falls Frankreich mit de geplanten Note, wie sie nunmehr dem Kabinett vorliegt, das letzte Wort gesprochen habe und im Rahmen des Sicherheitspaktes auch die ewige Unabänderlichkeit der deutsch- österreichischen Grenze fichern wolle, so sei der Pakt tot und die Berantwortung falle auf Frankreich. Der Ernst der Entscheidung, die der Ministerrat diese Woche fälle, könne überhaupt nicht übertrieben werden. = Einigung im Linksblock. Gemeinsame Tagesordnung zur Marokkodebatte. Paris, 26. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Borstände der Dier Gruppen des Linkskartells haben Montag abend über die Einbringung einer gemeinsamen Tagesordnung zur sozialistischen Marotto Interpellation beraten. Im Namen der sozialistischen Frattion erklärte Renaudel, daß die Interpellation in erster Linie den Zweck verfolge, den reinen Verteidigungscharakter der Operationen in Marokko festzulegen und die Regierung zu bestimmen, eine friedliche Lösung des Konfliktes zu suchen. In der eingehenden Debatte gelang es Renaudel, auch Ein Gedenktag der Partei. " 50 Jahre seit der Einigung von Gotha. Heute vor fünfzig Jahren vollzog sich in Gotha der Zus fammenschluß des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" und der Sozialdemokratischen Partei" zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands". Lassalleaner und Eisenacher hatten sich damit nach langem mit großer Erbitterung geführten Bruderkrieg zu einer einigen Partei zu sammengefunden. Bon hier nahm der Aufstieg der deutschen Sozialdemokratie und der deutschen Arbeiterbewegung überhaupt seinen Ausgang. Die Streitigkeiten, die in Gotha ihren Abschluß fanden, waren nicht grundsätzlicher Natur gewesen. Die marristische Lehre hatte damals in der deutschen Arbeiterschaft faum noch Wurzel geschlagen; der Anstoß zur Gründung einer unmittelbar ins politische Leben eingreifenden deutschen Arbeiterpartei war von Lassalle ausgegangen, aus der Spaltung seiner Bemegung war der Bruderstreit entstanden. Das Gothaer Einigungsprogramm fand scharfe Kritik bei den Großmeistern der sozialistischen Theorie, Marr und Engels in London, aber den in Deutschland lebenden Praktikern, unter ihnen August Bebel und Wilhelm Liebknecht, war die Einigung selbst wichtiger als das Einigungsprogramm. -Später vertieften sich die theoretischen Auseinander fegungen und Meinungsverschiedenheiten, deutlicher zeichneten fich die beiden von Marg und Lassalle entspringenden Geistes strömungen voneinander ab, wobei das Verhältnis der Partei zum Staate mehr und mehr die entscheidende Rolle spielte aber den festen Rahmen der Partei vermochten diese Meinungstämpfe nicht zu sprengen. Bis dann im Weltkrieg der Gegensatz zum Austrag fam und die Partei vorübergehend abermals zerriß. Wenn es zum Segen der deutschen Arbeiterbewegung bald wieder gelang, die Partei auf neue zusammenzuschmieden, so war das nicht zuletzt der großen Lehre zu danken, die uns die Einiger der Partei von 1875 erteilt hatte. Gotha war das, Vorspiel und Vorbild von Nürnberg. Heute steht die Partei wieder einig und ge schlossen da. Und ganz anders als nach Gotha hatte sie nach Nürnberg das Gewicht einer Massenpartei in die Wagschale der Entscheidungen geworfen. die anderen Barteien des Kartells zu bestimmen, sich diesen Gesichts punkt zu eigen zu machen. Die vier Gruppen famen überein, die Regierung aufzufordern, den Kampf bis zur Befreiung der französischen Zone von den widerrechtlich eingedrungenen Streitträften Abd el Krims fortzusetzen, sich gegen jede Annettion sowie gegen jede Revision der Grenzen des fran zöfifchen Protektoratsgebietes auszusprechen und auf dem Wege internationaler Verständigung eine rasche und friedliche Lösung des Marokkokonfliktes zu suchen. Eine Entschließung in diesem Sinne soll heute, Dienstag, ausgearbeitet und am Mittwoch gemeinsam von den Kartellparteien eingebracht werden. Der„ Matin" deutet an, daß die französische Regierung grundsätzlich bereit sei, mit Abd el Krim in Verhandlungen einzu treten und ihm gegen die Anerkennung der Souveränität des Sultans von Rabat eine weitgehende Autonomie für das Rif zuzusichern. Verfolgung der Propaganda im Heer. Paris, 26. Mai.( TU.) Herriot teilte am Schluß der Kammerfizung mit, daß der Antrag eingegangen sei, zwei Abgeord neten die parlamentarische Immunität zu entziehen. Nach und Cachin, die offenbar wegen der antimilitaristischen Bropaden Morgenblättern handelt es sich um die Kommunisten Doriot ganda der kommunistischen Partei zur Verantwortung gezogen werden sollen. In Französisch- Marokko ist die Verbreitung der Pariser Humanité" verboten worden. Fritz Herberts Tod. Aus dem Leben eines Kämpfers. Der Stettiner Boltsbote" widmet dem aus dem Leben gefchie denen Führer der Sozialdemokratie Bommerns einen Nachruf, dem wir folgendes entnehmen: In den achtziger Jahren fam Fritz Herbert nach Stettin. Hier hatte die sozialistische Bewegung bereits die ersten Burzeln geschlagen. Der Allgemeine deutsche Arbeiterverein hatte in Stettin im Jahre 1869 die erste Versammlung. Die Stettiner Mitgliedschaft zählte schon 800 Mitglieder. Es fehlte aber an den Unter den allergrößten Kräften, um die Bewegung zu feſtigen. Schwierigkeiten ging die Bewegung aber dennoch vorwärts. Ein konflitt unter der Stettiner Parteigenossenschaft hat jedoch wesentlich dazu beigetragen, daß das Erreichte wieder verloren ging. Als dann das Sozialistengeset in Kraft trat, fand es in Stettin nur wenige ganz treue Anhänger vor. Schon vor der Zeit Fritz Herberts war der Versuch unter nommen worden, mit einer eigenen Zeitung an die Arbeiter fchaft heranzukommen. Im Jahre 1877 gab es sogar zwei sozial demokratische Zeitungen in Stettin. Beide mußten aber das Beitliche segnen. Frizz Herbert gründete im Jahre 1885 den Stettiner Boltsboten". Er selbst war Herausgeber, Redakteur, Drucker und Expedient. Von nun an führte er den Kampf gegen die Reaktion in Wort und Schrift. Der Erfolg seiner mühepollen Arbeit zeigte sich denn auch sehr bald. Als un Januar 1887 der Reichstag aufgelöst murde, stand die Sozialdemokratie in Stettin und Randow Greifenhagen wieder schlagfertig da. Die Partei genoffen in Stettin hatten Fritz Herbert als ihren Kandidaten für den Reichstag aufgestellt. Presse und Geffentlichkeit. Nachwort zur Tagung des Reichsverbandes der Presse". Die soeben abgeschlossene Tagung des Reichsverbandes der deutschen Presse" verdient die Aufmerksamkeit einer breiteder Verhandlungen dieses Parlaments der Redak ren Deffentlichkeit. Denn die Dinge, die den Hauptgegenstand teure bildeten, sind nicht nur Berufsfragen im engeren Sinne, sondern auch solche, die sich auf das ge= famte öffentliche Leben auswirken. Journalistengesetes, das die Redakteure seit minIm Mittelpunkt der Erörterungen stand die Frage des destens zehn Jahren mit sich steigernder Energie propagierten und das im Laufe des letzten Jahres sich wenigstens bis zu einem Referentenentwurf im Reichsministerium des Innern entwickelt hatte. Damit aber war die Entwicklung vorläufig beendet. Denn bei der vielfachen Beschäftigung der den Referentenentwurf nicht hinaus, um so weniger als die deutschnational beeinflußten Reichsregierung fam man über Organisationen der Zeitungsverleger alle Minen springen ließen, um das Journalistengesetz zu verhindern. Für die Berleger ist schon mit dem Worte ,, Journalistengesetz" der Begriff einer Rebellion gegen ihr wirtschaftliches llebergewicht über die geistige Arbeit des Journalsten verknüpft. Da jedoch auch auf Verlegerseite die bedenkliche Entmidlung zur Konzernbildung im Zeitungsgenicht gut übersehen werden kann, und da man wohl fühlte, werbe und die dadurch verursachte Uebermacht des Kapitals daß diese kapitalistische Entwicklung die Sympathien für eine gesetzliche Regelung der öffentlichen und privaten Arbeitsbedingungen der Journalisten steigerte, so hat man versucht, auf einem Umwege wenigstens einen Teil der Redakteurforderungen zu erfüllen. Man tam zu Berhandlungen in der fogenannten Reichsarbeitsgemeinschaft im Zeitungsgewerbe mit dem Resultat, daß eine Art Manteltarif für das ganze Reich und ein Normaldienstvertrag ausge arbeitet wurde, die jetzt der Tagung des Reichsverbandes der deutschen Preffe zur Entscheidung unterbreitet wurden. Als integrierender Bestandteil des Tarifwerks soll eine Art Hinterbliebenen und Invalidenversorgung gelten, von der man hofft, daß sie ebenso wie das Tarifwerk felbst für allgemein verbindlich erklärt werde. rufs wurde jedoch aus den Reihen der Delegierten zum Teil Gegen diese Regelung wichtiger Lebensfragen des Besehr scharfer Widerspruch erhoben. In dem Tarifwerf ist zwar als leitender Gedanke auch von den Berlegern anerkannt worden, daß es Aufgabe der Zeitungen, also vor allem der Redaktionsarbeit, sei, öffentlichen Interessen zu dienen. Und es wird weiter ausgesprochen, daß Dom Verleger feinerlei Gesinnungszwang auf die Arbeit der Redaktion ausgeübt werden darf, wobei als selbstverständlich vorausgesetzt wird, daß die Programme der Parteien, denen die Zeitungen dienen, oder aber die von vornherein festgelegten allgemeinen Richtlinien für die redaktionelle Haltung bindend sind. Nun ist ein solches tarifliches Versprechen, keinen Gefinnungsamang üben zu wollen, zwar eine moralische Verpflichtung, die die Verleger freiwillig auf sich nehmen würden, falls der Verbandstag ihrer Organisation den vorläufigen Bereinbarungen seine Zustimmung geben würde. Mehr aber auch nicht! Denn in der Regel pflegt ja der Gesinnungszwang nicht in offener und brutaler Form vor sich zu gehen, sondern durch das wirtschaftliche Uebergewicht des Seiner Führeraufgabe ist Friz Herbert in all den Jahren des Beitungsherausgebers in möglichst verschleierter Form angeschwersten Stampfes mit voller Hingabe seiner Kräfte stets treu gewandt zu werden, um so mehr als auch Intereffen von blieben. Dafür hatten ihn die Schergen der Reaktion auch bald am außerhalb auf dem Umwege über das VerlagsunterKragen. Mit einer Reihe anderer Parteigenossen wurde er aufnehmen auf die Schriftleitungen einen starken Druck ausüben. Grund des Sozialistengesetzes aus Stettin ausgewiesen. Er siedelte nach Stargard über und leitete von hier aus die Bewegung. Auch der Boltsbote" erschien in Stargard. Einige Breßprozesse hatten Friz Herbert auch drei Monate Gefängnis eingebracht, die er absitzen mußte, trozdem ihm die Aerzte bescheinigt hatten, daß er nicht haftfäbis set. Als er seine Strafe verbüßt hatte, wurde er nach Stettin entlassen. Die Bolizet wollte nicht, daß dem Genossen ein besonderer Empfang zuteil werde. Sie verbot deshalb jeden„ Aufzug". Die Stettiner Arbeiterschaft fragte aber nichts nach dem Berbot. Etwa 10.000 Personen hielten die angrenzenden Straßen des Bahnhofs dicht besetzt und begrüßten den Führer mit stürmischen Kundgebungen. Später fehrte Herbert ganz nach Stettin zurüd, mit ihm der„ Boltsbote". 1893 gelang Abgetrennt blieb eine radikale Gruppe, die sich von fozialdemokratischen Grundsägen weit entfernte und eine Lehre verkündete, die mit jener von Botha, Erfurt und Nürnberg nichts mehr gemein hatte. In dem Wirken der Nachkriegs zeit und der Inflation gelang es ihr, eine Kommunistische Partei" ins Leben zu rufen, die sich durch die Sinnlosigkeit ihrer Taktik sehr rasch wieder um allen Kredit bei den Arzum erstenmal die Eroberung des Wahlkreises. beitern brachte. Heute ist die Kommunistische Partei in unaufhaltsamem, jähem Niedergang begriffen: mit erbrüdender Mehrheit hat sich das flaffenbewußte Proletariat gegen sie und für die Sozialdemokratie entschieden. So begehen wir die Erinnerung an Gotha in dem stolzen Bewußtsein, daß der Tag nicht mehr ferne ist, an dem sich die ganze fozialistisch gesinnte Arbeitertlaffe einig unter dem Banner der einigen Sozialdemokratie zusammenfinden wird. Wir gedenten in Ehrfurcht der Toten, die das Einigungswert vor, fünfzig Jahren wollzogen: ber Bebel, Sieb: fnecht, hasenclever, motteler, Grillenberger und Geib. Bir grüßen die noch Lebenden des Gothaer Kongreffes: die Genossen Wilhelm Bod, Wilhelm Blos und Hermann Moltenbuhr. Mögen sie noch jenen Tag erleben, an dem auch der letzte sozialistisch denkende Arbeiter erkennt, daß der Kampf zwischen Arbeitern und Arbeitern die Bewegung hemmt, ihren Feinden nüßt und daß nur die Einigkeit im 3eichen von Gotha und Nürn berg zum Siege führt! Auch in der gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung hat Herbert bahnbrechend gewirkt. Herbert war von schwächlichem Körper, sein Gesundheitszustand ließ schon lange viel zu wünschen übrig. Trotzdem übte er bis zum letzten Tag feine Tätigkeit als preußischer Landtagsabgeordneter aus. Am Sonntagmorgen fam ihm ein plöglicher Tod als Erlöser. Amerikanische Hilfsexpedition für Amundsen Mit einem Zeppelin. New Yor!, 26. mai.( WIB. durch Funkspruch.) Nach einer Meldung von Herald and Tribune aus Washington ist die marine durchaus vorbereitet, gegebenenfalls fofort eine Silfsexpedition für Amundsen mit der Shenandoah oder der Los Angeles zu unternehmen. Der Tender Patota mit dem Anfermaft würde vorher in die Diskoban auf Grönland entfandt werden. Ein Beispiel von dieser Art des Druds rief, als es auf dem Verbandstage der Redakteure zur Sprache gebracht wurde, lebhafte Entrüstung hervor. Die demokratische Eisenacher Tagespost" hat einen Verleger, der früher Referveleutnant und bisher Mitglied des Deutschen Offi3iersbundes war. Dieser Bund, der sich ursprünglich als ein ganz un politischer gebildet hatte, hat im Laufe der Nachfriegsjahre fehr starf deutsch national- pöllische Färbung angenommen. Da nun die Eisenacher Tagespost" auf dem Boden der Weimarer Berfassung steht und auch das Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold" publizistisch unterſtüßt, hat der schwarzweißrote Deutsche Offiziersbund an den Verleger folgenden Schreibebrief gerichtet: Berschiedene Beröffentlichungen der Eisenacher Tagespost", deren Verleger Sie sind, haben in den Kreisen des DOB. die Ansicht befestigt, daß die Auffaffungen dieser Zeitung nicht den Grundauffassungen der Mitglieder des DOB. entsprechen. Die Grund ouffaffungen des DDB. find neuerdings... in dem Merkblatt vom April 1925 niebergelegt. Diese sind als Ergänzungen der älteren Sagungen aufzufaffen und für jedes Mitglied bindend." Em. Hochm. bitte ich daher, mir baldigst eine gefl. Aeußerung darüber zufommen zu lassen, ob Sie diese Grundlagen rüdfichtslos anertennen. Bejahendenfalls würde die Folge sein müffen, daß in der Auffaffungen zuwiderlaufen. Berneinendenfalls bliebe Em. Hochw. nur der Weg des Austritts aus dem DOB.." terror, der einem Erpressungsversuch verzweifelt In diesem Falle ist der versuchte Gesinnungsähnlich fieht, allerdings wirtungslos geblieben, denn der Berleger der„ Eisenacher Tagespost" hat es vorgezogen, lieber dem Deutschen Offiziersbund den Rücken zu fehren, als die verlangte Aenderung der Tendenz feiner Zeitung zuzugestehen. Aber in wie vielen Fällen tritt der Terror so offen zutage? Eisenacher Tagespoff“ keine Veröffentlichungen stattfinden, die diesen Wanzentaktik. General v. d. Golz- Kutisker wird totgeschwiegen. „ Wenn Sie speziell die Rechtspresse kritisieren, dann sage ich. Ihnen: Das Recht steht Ihnen gar nicht zu. Ich weise auf einen Borfall im Magdeburger Prozeß hin, da ist der Arbeiter Sy rig in der sozialistischen und in der Zentrumspresse als ein vor bestraftes Individuum durchgezogen worden. Syrig ist ein Arbeiter, der niemals vorbestraft worden ist, niemals! Glauben Sie, daß die Ehre dieses Arbeiters Sprig weniger wert ist, als die des Reichskanzlers a. D. Bauer? In gar feiner Beziehung!" Zumeist wird er auf unblutigerem" Wege ausgeübt. Man| nationalen gegen 24 Stimmen der sozialdemokratischen Minderheit| Retourtutiche gegen die republikanische Presse loszulassen, indem er braucht nur daran zu denken, welches Schwergewicht in der und der Kommunisten angenommen. Am 29. Mai beginnt die u. a. ausführte: Kalkulation des Zeitungsverlags die Inserate auszuüben dritte Lesung. pflegen. Hatte doch vor kurzem erst unser Dresdener Parteiblatt mitteilen müssen, daß es die bisher regelmäßig, geübte Filmkritik einstelle, weil es des dauernden Kleinfriegs mit den inserierenden Kinobefizern überdrüssig geworden sei. Wegen jeder kritischen Bemerkung an einzelnen zur Aufführung gelangten Filmen hatten in Dresden die Kinotheater dem Blatte die Entziehung von In feraten angedroht oder sofort ausgeführt, schließlich gar die Aushändigung von Pressefarten von einer günstigen" Kritit abhängig gemacht! 3 Wie der Offiziersbund in Eisenach und die Kinobefizer in Dresden, so pflegen Interessenten und Interessentenorgani fationen in großer Zahl durch wirtschaftlichen Drud auf den Zeitungsherausgeber indirekten Ge finnungszwang gegen die Redaktionen auszuüben. Und nicht immer und überall sind die Redaktionen fo gesichert, daß sie trotz dieses wirtschaftlichen Druckes sich die Freiheit ihrer Entschließung wahren könnten. Deshalb ist es durchaus verständlich, wenn die Redakteure besonders der bürgerlichen Presse einen über die vertrag liche Busage hinausgehenden geseglichen Ge= sinnungsschutz fordern. Denn entweder ist die Presse cine dem öffentlichen Wohl dienende Einrichtung ebenso wie das Parlament und andere Körperschaften öffentlichen Rechts oder sie ist nur eine Inseratensammlung mit tertlichen Beigaben. In Hunderten von Reden haben Regierung und Gesetzgeber den öffentlichen Charakter der Bresse anerkannt und ihm Reverenz erwiesen. Wenn aber die Presse als ein großes und notwendiges Voltsbildungs- und Auf flärungsmittel und als ein staatspolitisches Machtinstrument anerkannt wird, dann muß dafür gesorgt werden, daß nicht unfontrollierbare Einflüsse die Federführung der geistig für den Inhalt Verantwortlichen zu lenken versuchen. Gestern gab es im sogenannten Barmat- Ausschuß des Preußi schen Landtags eine Sensation. Aber in der gesamten Bresse der Rechten wird man vergebens nach dem bescheidensten Hinweis suchen. Wie konnien die Herrschaften ihre Ohren spizen, wenn im Ausschuß der Name irgendeines Sozialdemokraten fiel, der mit den aus der Haft entlassenen Barmats auch nur in allerentferntester Beziehung gestanden hatte. Dann hagelt es Ballenzeilen, fettgebrudte Schlagworte usw., auch wenn es sich um den harmlosesten Borgang der Welt handelte. Gestern mun wurde im Ausschuß festgestellt, daß Herr Swan Kutister zur Breußischen Seehandlung mit einem Empfehlungsschreiben des Generals Graf v. d. Golg ge fommen ist. Zwischen Kutister und den Barmats ist, wie auch die Bertreter der Sechandlung immer betont haben, ein großer Unter fied. Kutisters Geschäfte tragen einen unzweifelhaft schwindel haften Charakter, mährend über die Kreditgeschäfte der Barmats mit der Preußischen Seehandlung bisher noch nichts Anstößiges hat fest gestellt werden können. Während aber die Rechtspresse über jede Empfehlung der Barmats ganz aus dem Häuschen war, wird die Empfehlung des geschäftlich höchst bedenklichen Herrn Kutisker durch einen preußischen General mit eisigem Stillschweigen übergangen. Dabei war der Vorfall gar nicht zu übersehen, da sowohl der Demokrat Ruschte wie Genosse Ruttner über dieses Thema einige sehr figlige Fragen stellten, bei denen die Ausschußmitglieder der Rechten so in Nervosität gerieten, daß der als Schriftführer( 1) fungierende deutschnationale Abgeordnete Wiedemann einen seiner tobfüch tigen Schimpfanfälle bekam und vom Vorsitzenden Leidig nachdrüd lich zur Ruhe verwiesen werden mußte. Für die deutschnationale Preffe ist offenfundig die Ehre ihres Kronzeugen Syrig viel mehr wert, als die anderer Menschen, denn sie hält sich nicht für verpflichtet, über seine Verurteilung auch nur eine Silbe zu melden. Aus der Werkstatt der Philosophen. Ein Beschluß zum Fall Gumbel. Dr. Gumbel war vor einiger Zeit ein Disziplinarverfahren einGegen den Privatdozenten der Heidelberger Universität geleitet worden, meil er aus seiner pazifistischen Einstellung heraus eine Bemerkung gemacht haben sollte, die ehrenrührig ist. Auf Grund dieses Berfahrens hat die philosophische Fafultät Heidelberg jegt einen Beschluß gefaßt, in dem sie sagt, Dr. Gumbel habe durch sein Verhalten in allen Kreisen der Universität starten und berechtigten Aujioẞ" erregt und die nationale Empfindung tief getränft". Die Fakultät sehe sich genötigt, die Zugehörigkeit Dr. Gumbels zu ihr als durchaus unerfreulich zu bezeiájnen, wenn sie auch von einem Antrag auf Entziehung der Veniga legendi absehe. Wenn man an die vielen Berstöße des Berliner Professors Schäfer, an das Verhalten des Heidelberger Universitätsprofessors Leonhard beim Beerdigungstage Rathenaus und an das gehässige antirepublikanische Verhalten vieler anderer Hochschullehrer denkt, fann man den Beschluß der Heidelberger philosophischen Fafultät nur lächerlich nennen. Die Objektivität, die die Fakultät bei Gumbel vermißt, ist bei den nationalistischen Hochschullehrern in noch viel geringerem Grade zu finden. Solange an den Hochschulen das geradezu staatsfeindliche Treiben zahlreicher rechisradifaler Professoren geduldet wird, wirft ein Beschluß wie der der Heidelberger Fakultät nur als Posse. ver Aber merkwürdigerweise hat schon der Nachrichtendienst des Bureaus der Deutschen Zeitungsverleger über diese Die Tagung des Redakteur- Verbandes hat deshalb zum ganze Episode nur mit den Worten berichtet, daß unter den Ausdruck gebracht, daß sie dem Tarifwerf, wie es von den Ber- Empfehlungsschreiben Kutisters auch ein solches eines„ General tretern der Reichsarbeitsgemeinschaft empfohlen wurde, zwar v. Holz" gewesen sei. Man wird sich hier auf Hör- oder Schreibim Prinzip zustimmt, es jedoch mur als Notbehelf gegenüber fehler herausreden, obwohl ein Hörfehler ausgeschlossen und ein einer gesetzlichen Regelung ansieht. Schreibfehler gerade an dieser Stelle mehr als seljam ist. Die natür. Im übrigen bestätigen die im Rahmen des Beschluffes Zweifellos ist im Strom der politischen und wirtschaftliche Folge dieses seltsamen Versehens ist, daß die von diesem Bureau öffentlichten Gutachten durchaus die wissenschaftliche und geistige lichen Entwicklung auch die Presse Wandlungen in ihrem bediente Presse zum großen Teil nicht erkannt hatte, worum es fich Qualität Gumbels, und es wirft um so unsinniger, wenn der poliCharakter unterworfen. Aber wie sich auch auf technischem handelte. Aber gerade die Rechtspresse hatte bisher eigene Berichttischen Tätigkeit Gumbels die wissenschaftliche Eignung abge und anderem Wege die Aenderungen einstellen mögen, ganz erstatter im Ausschuß fizen und ließ sich auch von den ihr nahe sprochen wird. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß seine unbestreitbar und unverändert bleibt das Interesse stehenden Abgeordneten bedienen. Troßdem tut fie fo, als ob fie Arbeit über die politischen Morde die Grundlage einer einder Deffentlichkeit an der geistigen Unbestechlichkeit der redaktio- nichts müßte. Wenn die Sache anfängt peinlich zu werden, stellt gehenden Regierungsbentschrift war, die in den meisten nellen Haltung der Presse in ihrer Gesamtheit. Mag es auch man sich eben tot. Fällen die Angaben Gumbels bestätigen mußte. Woher nimmt fich unter den Redakteuren selbst noch immer Elemente geben, die die Fakultät überhaupt das Recht, politische Werturteile abzugeben? von sich aus durch die Art ihres Wirkens den Beruf der Zurüdzuweisen ist es, wenn die philosophische Fakultät HeidelZeitung als Instrument der öffentlichen Meinung" herabberg ihren Beschluß auf amtlichen Wegen und auf Staatstoften an würdigen, so kann das nicht hindern, daß gerade ein demo Sprig zu einer Gefängnisstrafe wegen fortgefeßten Dieb meinen Diffamierung Gumbels unternimmt. Die Berurteilung des Kronzeugen im Magdeburger Prozeß alle Welt versendet und auf diese Weise den Versuch einer allge fratisches Staatswesen durchsichtige Berhältnisse hinsichtlich der Kräfte verlangen muß, die in der Zeitung und Stahls ist von der gesamten deutsch nationalen Preise mit durch sie auf das öffentliche Leben zu wirken suchen. Gerade rührender Einmütigkeit glatt unterschlagen worden. die vielfach verschlungenen Wege, auf denen die Einflüsse des felben Blätter, die einst den verstorbenen Reichspräsidenten Ebert Kapitals und dunkler Interessengruppen sich in die Re wochenlang in den Dred zogen, schämen sich offenbar, ihren Lesern daktionsführung der Zeitungen einzuschleichen suchen, erwecken und verstärken das Interesse an einer geseglichen Rege- mitzuteilen, daß der von ihnen einst, ebenso wie der Unterstügungslung der Rechte und Pflichten aller im Dienste der Deffentlich- schwindler Gobert, so gefeierte schlichte, deutsche Arbeiter" ein teit stehenden deutschen Publizisten. Der Konflikt in Sachsen. Syrig und die deutschnationale Presse. Die auf Grund der offenkundig erlogenen Aussage dieses Mannes mar. Der Syrig scheint sich überhaupt der besten Beziehungen zu den Deutschnationalen, insbesondere zu ihren sogenannten Arbeitervertretern, erfreut zu haben. In der 21. Sigung des Preußischen Untersuchungsausschusses über die Staatsbanffredite am Die Novelle zur Gemeindeverfaffung angenommen. 14. März war eine heftige Polemit über die Haltung der Breffe ent Dresden, 26. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Nach 23stündiger standen, die durch einen Vorstoß des Zentrumsabgeordneten Dr. bewegter Sizung, die mit furzen Unterbrechungen von gestern Schwering gegen die tendenziöse Art der Berichterstattung durch die mittag 12 Uhr bis heute vormittag 11 Uhr dauerte, wurde vom Rechtsblätter verursacht wurde. Im Laufe der Debatte versuchte Sächsischen Landtag die Novelle zur Gemeindever der deutschnationale Landtagsabgeordnete und Führer der gel faffung mit 62 Stimmen der Koalitionsparteien und Deutsch ben Gemertschaften Wiedemann Spandau eine Deutsch- ben " Deutsche, italienische Oper. " Land, und ich glaube fogar, unsere ganzen Barbier- Aufführungen find beffer, luftiger, etalienischer. Mailänder" Opern- Stagione? Ob die geographisch- pupillarische Sicherheit der Agenten erwiesen ift? Ein ganz flein wenig schmedte doch alles nach Provinz. Nur die Zungenfertigkeit ist unvergleichlich. Kurt Singer. Eine deutsche Aufführung von Tristan und Isolde" in der Staatsoper, eine italienische des Rossinischen Barbier in der Bolksoper: das gibt mancherlei zu denten, auch ohne Bertvergleich. Rossini gehörte einst mit Meyerbeer und Spontini zu den am meisten gehaßten, abgewehrten, getöteten Wagner- Feinden. Ruffische Premieren. Das Theater der Revolution in Mos. Die große Dper fant in Trümmer und erhob sich nie mehr. Wirkfau brachte vor kurzem die Komödie„ Der Luftfuchen" von lich? Es gibt eine Schaltersche Musikwelt, eine padende, theatra- des russischen Lebens, nämlich die Spekulation und Schiebergeschäfte Romasschow heraus. Das Stüd behandelt ein aktuelles Problem lische, wir sichere, die mit ganz neuen Mitteln der Darstellung Anschluß an die Oper des Jahres 1850 sucht und findet. Eine Schau- regierung zu leitenden Stellungen in Banten und Trusts gelangt von Kommunisten, die durch die neue Wirtschaftspolitit der Sowjetoper bester Potenz. Aber die Meistersinger" und der„ Tristan" stehen einsam da, noch immer ohne jede Möglichkeit einer Stil- sind und hier ihre kommunistischen Ideale vergessen haben, um sich und Schulweiterentwicklung. Das heißt aber, die Oper hat ihr Komödie spiegelt die Sitten der sowjetistischen Finanzwelt unverunter der Hand auf gut fapitalistische Art zu bereichern. Die Ende erreicht. Nur wer die Weisheit und Reife des Pfignerschen hohlen ab und erfreut sich beim Moskauer Publikum eines großen Balestrina", wer die Beglückung durch Rossinis Doktor Faust" erlebt, erfühlt hat, weiß, naß nach Mozart, Wagner, Verdi, daß nach geführt, das historische Personen der jüngsten Vergangenheit, darErfolgs. In Petersburg wurde im Staatstheater ein Stüd uraufHändel noch Möglichkeiten einer Opern- Dratorien- Entwicklung vorhanden find. Wagner aber verdunkelte 50 Jahre alles. Eine geunter auch einige noch lebende, auf der Bühne zeigt. Es heißt wiffe Müdigkeit setzte im letzten Jahrzehnt ein. Man war des „ Die Verschwörung der Raiserin" und schildert die dradogmatischen Tones nun endlich fatt. Wirklich? Eine" Tristan" Ermordung Rasputins und den Revolutionsausbruch. Rasputin matischen Vorgänge der letzten Regierungszeit des 3aren sowie die Vorstellung in der Staatsoper zeigt, woran das lag. Eine Isolde beschwört die Zarin, ihren von der Entente betörten Gemahl zu woehrte allem steifen Pathos, aller deklamatorischen leblichkeit, stürzen, die Macht an sich zu reißen und, um den wankenden Thron aller gespreizten Haltung ab und sang ein rührendes, ergreifendes, zu halten, einen Sonderfrieden mit Deutschland zu schließen. Der hymnisches Lied ewiger Liebe: Barbara Kemp. Es leuchtete plan wird von der Gegenpartei entdeckt und durch die Ermordung wieder Musik aus Seelenhintergründen auf, es litt ein Mensch und lehte auf der Bühne ,, es fang eine ergreifende Stimme Melodie Rasputins zum Scheitern gebracht. Eine von den handelnden Per= des Herzens, es zudte auf einem Antlig das Werben, Jubeln, Hinflationszeit auch in Berlin auftauchte, mo er wegen unerlaubter sonen ist der Schieber- Bankier Rubinstein, der mährend der Ingeben, Sterben, das Mitleid und die Sehnsucht im Gleichflang mit Balutaspekulationen vorübergehend verhaftet wurde. der Mufil. Die Tristan- Partitur, meisterlich gedeutet Schillings, spielte sich in neuer Tönung in unser Herz hinein; und die Brangäne der Frau Cahier schritt erhaben, glanzvoll neben ihr her. Don Bom Kaffeehaus zur Weltfirma. Der König von England hat dieser Tage den Grundstein für das neue Hauptgebäude des weltberühmten Schiffahrtsinstitutes von Floyd gelegt. Diese Firma, Italien aber heißt immer noch das Mutterland der Oper. Das die in der Versicherung und Klassifizierung der Schiffe führend ist, mag geschichtlich stimmen. Sicher aber haben wir in Deutschland hat sich aus ganz fleinen Anfängen entwidelt. Der Begründer der die besten Operndirigenten. Egisto Tango, der die Mailänder Weltfirma war der Kaffeehausbesitzer Edward Lloyd, in dessen Stagione führt, taftiert mathematisch, wohl mit Schwung, doch mit Kaffee sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts Schiffstapitäne, Seeeinem Willen zur Eraktheit, die trocken wirft. Sein Tempo ist von versicherer und Kaufleute zu versammeln pflegten. Da diese Gäste dem unjerigen weit entfernt, die Präzision, die seinem Musitanten viel über Schiffe sprachen und allerlei Neuigkeiten mitteilten, jo tum Schlingen legt, wirft verwirrend auf Temperamente der fam der schlaue Cafetier auf den Gedanken, diese Nachrichtenquelle Bühne und des Publikums. Die Barbier- Aufführung taugt nicht, auszunuzen, und andererseits war ihm auch daran gelegen, den fie schreitet fort; eine Parole, wie diese Potpourri- Ouvertüre ist nicht Gästen seines Kaffees möglichst rasch Neuigkeiten zu vermitteln, um brillant gefaßt, sondern behutsam hingelegt. So muß sich der sie auf diese Weise als Stammkunden zu fesseln. Er rief daher ein spielerisch flotte Figaro Bonellis 3wang antun, was bedauer Nachrichtenblatt ins Leben, das als Lloyds News" die älteste lich ist, da er viel Humor nach außen hin zeigt. Innerlich ist er englische Zeitung darstellte. Aus der Bersammlung der wohl mehr routiniert als heiter und seine Stimme flingt forciert, Reeder, Agenten und Kapitäne in feinem Kaffeehaus wurde Anfang unfrei, belegt. Sehr gewandt, mehr als das: anfeuernd fomisch des 18. Jahrhunderts eine Versicherungsgesellschaft, die dann allsowohl der Bartolo Fiores wie die schwarze Röhre Bafilio- mählich zu einem Beltruf gelangte. Heute sind die aus dieser Marone. Die Guglielmetti gilt als Star. Ein zierliches, 3eitung entstandene Lloyd's List", sein Inder", der die Schiffsfreundliches, schnippisches, bewegliches Ding. Der Sopran unfälle zusammenstellt, und sein" Register", das sämtliche Schiffe spiz, schneidend, wenn es in die Fortehöhen geht, weich und an der Welt klassifiziert, die maßgebenden Veröffentlichungen auf genehm timbriert nur in der Mittellage. Die Neigung, zu hoch zu diesem wichtigen Gebiet. Alle Nachrichten von sämtlichen Meeren fingen und zu schreien, beeinträchtigt die Wirkung einer sonst des Erdballs strömen bei Lloyds zusammen, und das Institut ist aparten Leistung. Wir haben solche Rosinchen auch in unserem für die Weltschiffahrt maßgebend geworden. Monarchistischer Bankbetrug. reichischen Bant, D. Walded, murde heute wegen Bergehen der eruntreuung und Krida zu zwei Jahren schwerem Wien, 26. Mai.( WTB.) Der Direktor der Nordisch- DesterKerters perurteilt. Diese Bant war ein monarchistisches Unternehmen, das den habsburgischen General und Landesverteidigungsminister Czapp zum Präsidenten und andere Stüßen der ehemaligen Monarchie zu sonstigen Würdenträgern gemacht hatte, um mit Hilfe ihrer perfönlichen Beziehungen zu weiterdienenden hohen Beamten und zu monarchistisch beeinflußbaren Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Förderung, Schutz und Lebens Förderung, Schuh und Duldung auch in der Republik zu erlangen. Berichtigung. Lohn. abzuges treten nicht, wie wir in der Morgenausgabe irrtümlich Die Bestimmungen des neuen mitteilten, am 1. Juli, sondern am 1. Juni in Kraft. Das Radio- Grammophon. Dant einer neuen Erfindung, mit der englische Blätter soeben die Deffentlichkeit bekanntmachen, wird es in Zukunft möglich sein, die durch den Radio- Sender übermittel. ten Reden und musikalischen Darbietungen sozusagen„ auf Flaschen zu füllen", d. h. sie für die Nachwelt aufzubewahren, wie es heute schon mit Filmstreifen und Grammophonplatten geschieht. Die Erfindung bietet überdies noch den weiteren Vorteil, daß sie es ermöglicht, ohne Rücksicht auf die atmosphärischen Bedingungen musikalische Vorträge aus den weitesten Entfernungen zu übermitteln. Üm sich eine BorGrammophon- Blatte als an das finematographische Verfahren denken. stellung von dem Verfahren zu machen, muß man weniger an eine ter Länge erfekt, das auf eine Spule aufgerollt wird. Wie der Nur wird hier der Zelluloidstreifen durch ein Stahlband von bestimmfinematographische Apparat auf dem Zelluloidstreifen unaufhörlich Bild auf Bild firiert, so bewirft hier ein startes magnetisches magnetische Eindrücke. Die Worte und Töne fommen gewissermaßen Lager" auf dem Stahlband, das langsam das Aktionsfeld passiert, zum„ Gefrieren" auf dem Stahlband, auf dem sich Zentimeter für Zentimeter die wechselnden Nuancen der Magnetisierung einprägen, die genau den Tonschwankungen der Menschenstimme und der Instrumente entsprechen. Das magnetifierte Band wird auf einer zweites magnetisches Lager abzurollen. Bermittels eines telepho Spule aufgerollt. Zur Reproduktion genügt es, das Band über ein hat, mit bemerkenswerter Reinheit und Genauigkeit wieder. Das nischen Empfängers gibt es dann die Toneindrücke, die es empfangen Berfahren fann nach beliebig langer Zeit und beliebig oft wiederholt werden. Ein Internationaler Schriftsteller- Kongreß. Ein Internationa ler Kongreß, an dem mehr als 100 Delegierte der SchriftstellerBereinigungen von 22 Nationen teilnehmen, findet in Baris statt. Deutschland ist durch Heinrich Mann vertreten, Desterreich durch Hugo von Hofmannsthal. Die Hauptvertreter Frankreichs find Paul Valéry und Georges Duhamel, die Englands Galsworth und Mrs. Dawson Scott. Die Amerikaner haben Gertrude Atherton, H. Marks und W. Wooward geschickt. Italien repräsentiert Luigi Pirandello, Spanien Miguel de Unamuno, Rußland Alexander Kuprin und Norwegen Johan Bojer. malige Direttor des Deutschen Realgymnasiums in Tiflis, Dipl.- Ing. Vorträge. Mittwoch, abends 8 Uhr, spricht Sommerftr. 4a der ehe Saelel, über: irtimaitsprobleme und Kulturfragen in Transfautafien. Einladungskarten gratis in der Grichäftsftelle der Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas, Friedrichstr. 103, Sentrum 2471-2472. eröffnet am Mittwoch eine Gedächtnisausstellung für Dora His, in der Kunitchronit. Die Kunsthandlung Frit Gurlitt, Botdamer Str. 113, Gemälde, Pastelle und Zeichnungen der 1924 verstorbenen Künstlerin gezeigt werden. und Leibesübungen wird von der Stadt Duffeldorf für 1926 borEine große dent' che Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürforge bereitet, unter Mitwirkung von Regierungsstellen und vielen Berufsvereinigungen. Die Ausstellung soll Deutschlands Leistungsfähigkeit auf diesem in sozialer und wirtschaftlicher Beziehung bedeutsamen Gebiete vorführen, Die Selbstmorde in der Reichswehr. Erschreckende Zahlen. Die Selbstmorde in der Reichswehr haben in den letzten Jahren so start zugenommen, daß sich der Hauptausschuß des Reichstags veranlaßt fah, sich mit diesen Dingen in einer Sondersizung am Montagabend zu beschäftigen. Genosse Stüdlen gab als Berichterstatter einen Ueberblid über die Selbstmorde im Jahre 1923. Danach haben 127 Sol. daten im Alter von 20 bis 22 Jahren ihrem Leben durch Selbstmord ein Ende bereitet. Bei 4 Selbstmorden war Mißhandlung die Ursache. Ein Bertreter des Reichswehrministeriums gab dann ein erschreckendes Bild über die Selbstmorde im Jahre 1924. In diesem Jahre haben 160 Reichswehrsoldaten Hand an sich felbft gelegt. Bei 27 blieb es bei einem Versuch. Die höchste Zahl der Selbstmorde fällt in das 21. Lebensjahr( 29). Im 22. Lebensjahre wurden 27 Soldaten zu Selbstmördern, 17 waren 20 Jahre alt, 13 zählten erst 19 Jahre, 7 hatten eben das 18. Lebensjahr erreicht und 2 waren erst 17 Jahre alt. Unter den Selbstmördern befanden sich 2 Offiziere, 60 Unteroffiziere bzw. Gefreite und 98 Mannschaften. Merkwürdigerweise sind die Selbstmörder durchweg Leute mit guter Führung. Als Gründe für den Selbstmord werden u. a. angesehen Diebstahl, Unterschlagung, rechtswidriger Waffengebrauch, Tätlichkeit gegen einen Vorgesezten, Wachtvergehen, unerlaubte Entfernung oder Ungehorsam, die insgesamt zu 43 Selbstmorden führ. ten. In 35 Fällen waren Liebeskummer, Eifersucht und Alimentenforgen der Grund, in 19 Fällen Krankheit oder Furcht vor der Krankheit; geistige Minderwertigkeit in 16 Fällen, während 6 Soldaten wegen schlechter Behandlung Selbstmord begingen. Die Länge der Dienstzeit dürfte vielfach als mitwirkende Ürsache der Selbstmorde zu gelten haben. Genosse Mofes wies auf das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Todesfälle durch Krankheit( 187) und die Zahl der durch Selbst. mord und Unglücksfälle aus dem Leben geschiedenen Reichswehrfoldaten( 185) hin. Dieses Mißverhältnis sei so ungeheuer, daß der Reichstag allen Grund habe, diese Dinge zu untersuchen. Es müsse 1. a. einmal geprüft werden, wie es möglich sei, daß im Jahre 1923 im Wehrtreistommando VI 9 Selbstmorde, im Wehrfreistommando III dagegen 39 Selbstmorde zu verzeichnen waren. Behauptung der Heeresleitung, daß schlechte Behandlung nur felten zu Sellbstmorden geführt habe, scheine nach den bei allen Fraktionen eingehenden Mitteilungen nicht ganz zutreffend zu sein. Der Redner schlägt vor, daß jeder Sellbstmord in der Reichswehr dem parlamentarischen Beirat des Reichswehrministeriums zur Kennt nis gegeben werden möge und daß diesem wiederum die Gelegenheit gegeben werde, jeden Fall prüfen zu fönnen. Dieser Gedanke wird aud vom Abg. Dr. Schreiber( 3tr.) unterstützt. Reichswehr minister Dr. Geßler erklärt sich mit dem Vorschlag des Genossen Moses einverstanden. Er fündigt eine Aenderung des Militärstrafgesetzbuches an, dessen Härte also doch nicht ohne Einfluß auf die Zahl der Selbstmorde zu sein scheint. Auch die Bersorgungsfrage nach der Entlassung aus dem Dienſte werde neu geregelt werden. Der Minister hofft, daß es gelingen wird, die bestehenden Mängel zu überwinden. Die Geheimer Legationsrat Hommerich ist gestern abend nach furzem, schweren Leiden gestorben. Er gehörte seit einigen Jahren der Preiseabteilung der Reichsregierung an, und die gesamte Presse verliert in ihm einen wahrhaft liebenswerten Kollegen, der in seiner amtlichen Eigenschaft stets bereit mar, der Breffe alle von ihr gewünschen Auskünfte nach Möglichkeit zu geben und die Arbeiten der Pressevertreter in jeder Weise zu fördern und zu erleichtern. Bor seinem Eintritt in die Presseabteilung hatte Hommedich eine leitende Stellung in der Redaktion der„ Germania" bekleidet, und er hat nie ein Hehl aus seiner mahrhaft demokra tischen und sozialen Dentweise gemacht. Er hat noch nicht einmal das Alter von 50 Jahren erreicht und noch vor kurzer Zeit hätte feiner von seinen Bekannten an ein so frühes Ende des kräftig gebauten und immer fröhlichen Mannes geglaubt. Der Pfingstverkehr beginnt. Die Vorbereitungen für die Pfingstreisen werden von beiden Seiten, von den Reisenden sowohl wie von Verfehrs anstalten auf das eifrigste betrieben. Hoffentlich wird nach so vielen Wochen prachtvollen Wetters nicht alles zu Wasser. Zur Bewältigung des Pfingstverkehrs werden in Richtung Stettin- Belgard und Stralsund vom Stettiner Bahnhof bereits vom 20. d. M. ab Vor- und Nachzüge zu den Hauptzügen abgelaffen. Außerdem verfehren noch nachstehende Züge vom Stettiner Bahnhof: Am 30. Mai Personenzug 447 nach Freienwalde a. d. Oder; Berlin ab 12,35 nachmittags. Am 31. Mai und 1. Juni Personenzug 457 nach Freien walde a. b. Oder; Berlin ab 7,10 vormittags. Der beschleunigte Bersonenzug 165 am 30. und 31. Mai nach Stettin; Berlin ab 11,30 nachts. Am 31. Mai wird der Personenzug 225, Berlin ab Am 29., 30. 7,25 vormittags bis Fürstenberg durchgeführt. und 31. Mai der zuschlagfreie Einlzug 111 nach Warnemünde: Berlin ab 8,30 vormittags. Am 30. Mai Vorzug D 35, Berlin ab 1,15 nachmittags, nach Heringsdorf und Hauptzug D 35, Berlin ab 1,25 nachmittags, nach Zinnowiz. Am 30. und 31. Mai Personenzug 209 nach Neubrandenburg- Stral sund; Berlin ab 9,40 vormittags. Am 30. und 31. Mai Personen aug 713 nach Stettin- Stargard; Berlin ab 8,25 vormittags. Am 31. Mai D- 3ug 31, Berlin ab 8,20 vormittags, nach Herings: dorf. Am 30. Mai Vorzug 645, Berlin ab 1,03 nachmittags, und Borzug 647, Berlin ab 7,01 nachmittags, nach Neuruppin. Am 31. Mai Vorzug 653, Berlin ab 6,43 vormittags, nach Neuruppin Der für Sonn- und Festtage vorgesehene Personenzug 650, Neuruppin ab 9,50 abends, Berlin Stettiner Bahnhof an 12,07 nachts, verkehrt bereits vom 17. Mai d. J. ab. Einige Beranstaltungen verdienen besonderer Erwähnung. Eine dreitägige Pfingstfahrt( sowie allwöchentlich zweitägige Wochenendreisen) nach Dresden und in die Sächsische Schweiz veranstaltet der Boltsreisebund, Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 41, eine gemeinnügige Organisation zur Förderung und Berbilligung des Reisens. Der Preis dieser Reisen ist, einschließlich sämtlicher Fahrkosten, llebernachten, Berpflegung, Besichtigungen, ab Berlin und zurüd 27,50 m. bzm. 20 M. Ausführliches ProDer Norddeutsche Lloyd gramm wird fostenlos zugesandt. veranstaltet an beiden Pfingsttagen Fahrten mit dem Dampfer „ Grüßgott" von Bremerhaven nach Helgoland. 3wischen Bremen- Hauptbahnhof und Bremerhaven- Lloydhalle ist für beide Lage Eilzugsanschluß vorhanden. Für die Fahrten werden Sonntagsrüdfahrtarten zu ermäßigten Preisen ausgegeben, die zur Hin- und Rückfahrt an je einem der beiden Bjingji tcge benutzt werden können. Es ist mit ihnen aber auch ohne Nachzahlung am ersten Pfingsttage die Hinfahrt von Bremerhaven nach Helgoland und am zweiten Pfingsttage die Rückfahrt zulässig. Früh Den Bemühungen zeitige Lösung der Fahrkarten wird empfohlen. des Landrats des Kreises Rügen ist es auch gelungen, die Eisenbahnverwaltung zu veranlassen, auf der Strecke Berlin- Lauterbach ( Rügen) schon ab 27. Mai morgens die direkten Züge nach Lauter: bach( ab Berlin 8,35 Uhr früh) und ab 28. Mai von Lauterbach nach Berlin( 10,45 Uhr ab Lauterbach) einzulegen. Am 31. Mai und 1. Juni wird morgens ein Zug 6,38 Uhr von Stralsund nach Saßniz und abends 9,45 Uhr ab Saßniz nach Stralsund zurückfahren. Der Verband Deutscher Ostseebäder( E. V.) hat es sich zur Aufgabe gemacht, in diesem Sommer Wochenendfahrten nach Ben schönsten Ostseebädern zu veranstalten. Die erste Fahrt wird als Pfingst reise unternommen und geht über Swine münde, Heringsdorf nach Saßniz- Stubbenkammer. Die Zahlung eines äußerst falfulierten Preises begreift Fahrt, Verpflegungsand Unterkunftstoften für drei volle Tage in fich, so daß die Teilnehmer fich forglos unter lundiger Führung der Meereslandsaft erfreuen und trotz der furzen Reisedauer volle Erholung finden fönnen. Auskunft beim Verband Deutscher Ostseebäder( E. 2.), Unter den Linden 53. wwww Ein zudringlicher Hausherr. Einen recht eigenartigen Begriff von dem erhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer scheint sich der 52 Jahre alte Obst züchter Ernst Werl aus Nedlitz bei Potsdam zu machen, der anzunehmen scheint, daß das Dienstverhältnis einer Hausangestellten auch zu einem Verhältnis" mit dem Hausherrn führen müsse. Ein Prozeß vor dem Potsdamer Amtsgericht bewies jedenfalls wieder einmal, wie schutzlos oft eine Hausangestellte ist. nennt. Sollte aber in der Tat dies ein echter Fall von Telepathie sein, so würde Frau Karoly, wie ein Bizbold sagte, wenn auch nicht in die, so doch auch in der Zukunft hell" sehen können. Man wünscht ihr das erstere gleichfalls. Während man das Ehepaar beobachtet, intereffiert plöglich die Kunst der beiden recht wenig, die ja im besten Falle ein medizinisches Problem bedeutet. Aber da stehen zwei Menschen, die nichts als das können, die da mit ihr Brot verdienen müssen. Man bemerkt den billigen Schleierstoff, der das falfweiß gepuderte Gesicht der Frau mit den schwarz untermalten Augen und den grellrot geschminkten Lippen umhüllt, das einfache Kleid aus dem gleichen Material, den durchaus nicht tadellosen schwarzen Anzug des Mannes, ja sogar den Jungen des Ehepaares, der im Saal herumspringt mit einem Teddybären, der viel zu weiß ist, als daß er das tägliche Spielzeug des Kindes sein könnte. Für den, der sehen kann, ist vor den Kulissen oft mehr Lebenswahrheit als dahinter. Ins Varieté mag gehen, wer nicht weiß, was er mit überflüssigem Gelde beginnen foll; vielleicht ist es nicht ganz sinnlos ausgegeben, wenn etwas davon dem Ehepaar Karoly zugute fommt. Hellseher Hellseher so scheint mir stehen zurzeit nicht allzu hoch im Kurse. „ Sansewind". Werl suchte anfangs dieses Jahres für seinen frauenlosen Haushalt ein Mädchen für alles. Durch den Verein Frauenheim in Berlin, Frankfurter Allee, wurde ihm die 19jährige Toni St. am 15. Jamiar überwiesen. Bereits nach wenigen Wochen konnte das junge Mädchen die peinliche Feststellung machen, daß der Hausherr den Bersuch wagte, sich ihr eines Nachts in ungebührlicher Weise zu nähern. Als sie den Zudringlichen energisch abwies, fündigte er dem Mädchen noch in derselben Nacht. Für den Obstzüchter jedoch war die Folge die Anflage wegen tätlicher Beleidigung. In der Berhandlung vor dem Botsdamer Amtsgericht gab er im wesentlichen den Tatbestand zu, meinte aber, daß nichts geschehen sei. Die Kündigung habe er in der Nacht ausgesprochen, weil das junge Mädchen angeblich keine Personalien besaß. Auch schob er die Schuld auf den Genuß von Alkohol. Die Zeugin, Fräulein St., teilte jetzt dem Richter mit, daß es der Obstzüchter mit einer gewissen Hedwig U. ebenso gemacht und im übrigen gefagt haben soll, daß er es mit aííen feinen Dienstmädchen ebenso gemacht habe". Auf Grund dieser Aus age wurde der Termin vertagt, um die Oberschwester des Frauen eines geschäftstüchtigen Ingenieurs drauf und dran, Luftfahrzeuge heims und Hedwig U. zu laden.. Albert Taubmann. Am Sonnabend, den 23. Mai, ist unser Parteigenosse, der Stadt: rai Albert Taubmann, einem Herzschlag erlegen. Mit ihm geht wieder einer der Besten dahin. Bon Beruf Buchdrucker, schloß er sich schon frühzeitig der Gewerkschaft und dem damaligen Arbeiter bildungsverein an. Seit den neunziger Jahren wirkte er in Weißensee, wo er sich bald das volle Vertrauen nicht nur der arbeitenden Bevölkerung erwarb. Er versah hier die verschiedensten Funktionen, auch solche, die über den Ort hinausragten. So war er örtlicher Parteivorsitzender, Kreisvertrauensmann für den Kreis Niederbarnim, Mitglied der Neunerfommission, zu wiederholten Malen auch Parteitagsdelegierter. Die Haupttätigkeit Taubmanns lag auf fommunalpolitischem Gebiet. Schon im alten dörflichen Weißensee nahm er fich als Gemeindevertreter der Interessen der arbeitenden Bevölkerung an. Nach dem Umschwung der Verhältnisse wurde er 1919 befoldeter Schöffe der Gemeinde Weißensee und dann nach erfolgter Eingemein dung 1921 ftellvertretender Bürgermeister des 18. Berwaltungsbezirks. Erst vor einigen Wochen feierte der Berstorbene sein 25 jähriges Kommunaljubiläum. Genosse Albert Taubmann war ein gerader Charakter und von feltener Gewissenhaftigkeit befeelt. Wo er helfen, wirken und unterstüßen fonnte, war es stets zur Stelle. Diese Eigenschaften, wie fein ganzer Dienst für die arbeitende Bevölkerung, werden ihm stets ein ehrendes Andenken sichern. Berliner Wanderarmenfürsorge. In der Jahreshauptversammlung der Zentrale für pri vate Fürsorge wurde die Wanderarmenfürsorge er örtert. Der Berliner Bürgermeister Scholz berichtete darüber, was auf diesem Gebiet bisher getan worden ist und was in der nächsten Zeit die Stadt Berlin tun will. Für Berlin sei die Frage der Wanderarmenfürsorge von besonderer Wichtigkeit, weil die in Preußen beschäftigten polnischen Schnitter, nachdem der Heimfehrzwang beseitigt worden ist, großenteils im Winter nicht in ihre Heimat zurückkehren. Viele von ihnen halten sich arbeits- und obdachlos in Berlin auf, vermehren die Schar der hier zusammenströmenden Arbeits- und Obdachlosen, leben in Not und Schmutz, verursachen der Stadt erhebliche Kosten und bilden eine Gefahr für die Bolksgesundheit. Wanderarbeitsheime sind in der Provinz Brandenburg schon vor Jahrzehnten gegründet worden, aber noch jezt fönnen alle zusammen nicht mehr als 1200 Personen aufnehmen. Auch die Bodelschwinghschen Anstalten, die bei Bernau liegenden Kolonien Hoffnungstal, Lobetal und Gnadental, die der Vortragende rühmte, bestehen schon seit vielen Jahren. Die Stadt Berlin will die Mehrung privater Heime dieser Art durch Dar lehen fördern, um ihr Obdach zu entlasten. Sie selber hat erst 1923 bei ihrem Arbeitshaus eine kleine Arbeitslosenkolonie eingerichtet, die nur 50 Personen aufnehmen und beschäftigen kann. Auch die Reform des Obdachs gehört zu den Maßnahmen der Wanderarmenfürsorge, unter anderem die dort geschaffene Arbeitsstätte, die Obdachlose auf freiwillige Meldung beschäftigt. Geplant ist aber auch, eigene Anstalten der Stadt nach dem Muster der Bodelschwinghschen Anstalten zu schaffen, um Obdachlosen mehr Arbeitsmöglichkeiten bieten zu fönnen. Der Erwerb des Gutes Ribbedshorst, das 12 Kilometer nördlich von Nauen im Havelländischen Luch liegt, soll der Anfang sein. 3u diesem etwa 1000 Morgen großen Gut gehören noch ein paar hundert Morgen Dedland, die melioriert werden sollen, wobei auch die Möglichkeit der Unterbringung und Ausnutzung von Berliner Müll gegeben ist. In der Aussprache, die sich an den Vortrag knüpfte, wurde besonders eingehend die Schwierigkeit der Fürsorge für die zugewanderten und hier arbeits- und obdachlos bleibenden Jugendlichen erörtert. Stadträtin en1, die Vorsigende der städtischen Deputation für Jugendwohlfahrt, teilte mit, daß die beim Polizeipräsidium bestehende Wohlfahrtsstelle jährlich 7000 Jugendliche erfaßt, darunter ein Drittel Mädchen. Geplant ist, von dort aus die Jugendlichen einem besonderen Jugendheim zuzuführen, das noch zu schaffen wäre. In ihm sollen die Jugendlichen bleiben, bis die Eltern sie abholen. Genoffin Weyl betonte die Notwendigkeit, auch zum Schuß der Frauen, die als Wanderarme oft in Begleitung ihrer Kinder umherirren und bitterem Elend ausgesetzt sind, mehr als bisher zu tun. Die„ Hellseherin". Das Metropol- Barieté stellte die geheimnisvolle Seherin" Die ErMadame Karoly vorerst einem geladenen Publikum vor. wartungen der Erschienenen sind nicht nur nicht hoch, sie sind gar nicht gespannt. Man kennt dergleichen nun schon zur Genüge, weiß, daß die Seherin" mit ihrem Manager fommen wird, der die vom Bublifum gewünschten Fragen stellt, die sie dann beantwortet. Es mag ja mühsam sein, aus einer bestimmten Fragestellung die Antwort lesen zu lernen; daß es möglich ist, davon haben wir hinreichende Beweise. oder gibt wenigstens vor, es zu tun, verbindet ihr dann die Augen Es verläuft anders. Herr Karoly hypnotisiert seine Frau und dreht ihren Stuhl so, daß fie dem Publikum den Rücken zu dreht. Er selber steht im Saal, befieht sich die Gegenstände, die eiraten werden sollen; die Frage danach stellt jedesmal der Befizer, jedesmal mit denselben Worten. Durch welchen Trick findet Frau Karoly die Antwort? Niemand von den Anwesenden vermag es zu ergründen, auch nicht zwei Spezialärzte, die zugegen sind und die einer Reihe von Privatvorführungen im Beisein von Geheimrat Moll und Profeffor Dessoir beigewohnt haben, die noch immer mit dem Medium experimentieren. Von Professor Dessoir hypnotisiert, foll Frau Karoly übrigens die gleichen Fähigkeiten gezeigt haben. In allen diesen Brivatizungen wurden ihr, um Mitteilungen durch Klopfgeräusche unmöglich zu machen, die Ohren von einem Berliner Dhrenarzt verschlossen. Irgendeine Verständigung wird ja trotzdem vorliegen; immerhin ist es für den Uneingeweihten überraschend. wie sie Namen buchstabiert und errät, Zahlen und Gegenstände Jeder gutfituierte Schieber, der den unanfechtbaren Nachweis erbringen fann, daß er mehr Schulden hat als Sand am Meer, ist im Besitz eines eleganten Autos, von dem er im allgemeinen nur das notwendige Benzin bezahlen kann. Wir haben Flugzeuge, die mit allen technischen Raffinements der Neuzeit bedient, die Reisenden tatsächlich im Fluge" von einem Ende dieser bejammerns= würdigen Erde zum anderen expedieren. In Amerika, dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten, ist man nach dem genialen Platt mit Jazzbandkapellen und fliegenden Kabaretts auf die Flugfüße zu stellen. Nach dieser langen Borrede: hier soll von den jetzt in Gebrauch gefommenen Kinderfahrrädern( Format 4-12 Jahre!) die Rede fein, die unter dem gartenlaubehaft gezuckerten Namen„ Sausemind* über Nacht eine Art Modeartifel des Berliner Spielzeugmarktes zu werden scheinen. Nur muß unter allen Umständen eine Invasion der radelnden Kinderheerscharen werden. In stillen Straßen mögen die Kleinen nach Herzenslust auf ihrem Miniaturrad Gliedertraining üben. Ein netter Sport, der auch in gesundheitlicher Beziehung schon seine Chancen hat. Ganz Deutschland vom 4jährigen Baby in Kleinkinderhöschen bis zum also radelt In Riesenumdrehungen verknitterten 65jährigen Mummelgreis. Oder nicht? Das muß gehts einer besseren Zukunft entgegen. man mit einem nassen und einem heiteren Auge abwarten. Die Stadtverordnetenversammlung hat in dieser Woche feine Sigung. Die nächste Sizung wird erst am 4. Juni abgehalten. Seine Erhöhung der Juni- Miete. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst von zuständiger Stelle erfährt, bleibt die Miete für Monat Juni dem Mai gegenüber unverändert. Sie beträgt also 76 Proz. der Friedensmiete bzw. 72 Broz., soweit Schönheitsreparaturen zu Lasten der Mieter gehen. Die Einäscherung des Genoffen Taubmann findet am Donnerstag, den 28. Mai, abends 7, Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Geschäftliche Mitteilungen. Bon vielseitig anerkannten Mobelünstlern entworfene Lugusschuhe zu fabelhaft billigen Preifen bei guter Bare bringt das bekannte Echuhlolal Behrndt, Münz traße 25, mit seinen Filialen Rottbusser Damm 13 und Frankfurter Allee 54. Diefe Firma mit ihrem großen Lager von über 50 000 Paaren Damen, Herren und Kinderschuhen bringt eine so reichhaltige Auswahl, daß auch der verwöhntefte Gefchmad bort auf feine Rechnung tommi. Einige Beispiele der enormen Leiftungsfähigkeit der Firma zeigt das heutige Inserat. Gewerkschaftsbewegung Verkehrsstreik? Heute abend werden die Straßenbahner, Hochbahner und Omnibusbediensteten zu dem Stande ihrer Lohnbewegung Stellung nehmen. Nach dem ganzen bisherigen Verlauf der Verschlepping der Anträge der Angestellten und dem ablehnenden Verhalten der Direktionen der Omnibus- und Hochbahngesellschaft, kann das Ergcbnis der Entscheidung faum mehr zweifelhaft sein. Gelingt es nicht, noch in letzter Stunde, eine Verständigung herbeizuführen, unter weitgehendster Be rücksichtigung der Forderungen des Fahrpersonals, dann wird allerdings der voreilig angekündigte Stillstand der Berfehrsmittel zu Pfingsten zur Tatsache werden. bahn, die trok starker Erhöhung der Fahrpreise, sich immer noch nicht zu einer angemessenen Entlohnung ihres Personals aufschwinWohl die übelste Rolle spielt auch diesmal wieder die Hochgen fann. Die Sicherheit der Berliner Berkehrsverhält nisse duldet einfach kein schlecht bezahltes, d. h. schlecht ernährtes und ständigen Nahrungssorgen ausgeliefertes Personal. Nur ein ordentlich entlohntes Personal fann seine volle Aufmerksamkeit dem Betriebe zuwenden. Die gesamte Bevölkerung hat ein Recht zu fordern, daß auch in dieser Beziehung hinsichtlich der Verkehrssicherheit alles menschenmögliche geschieht. Kommt es zum Verkehrsstreit zu Pfingsten, dann der drei Verkehrsist das die Schuld der Direktionen betriebe, nicht die Schuld der Angestellten, die große Geduld an den Tag legten und auch jetzt nicht ohne zwingende Gründe in den Streit eintreten werden, solange sich noch irgendein gangbarer Ausweg zeigt. Die Tarifbewegung jämtlicher Verkehrsangestellten Berlins, die schon seit einigen Wochen läuft, ist nunmehr in ein entscheidendes Stadium eingetreten. Wie wir bereits mehrfach im Vorwärts" mitteilten, haben die Direktionen der Hoch- und Untergrundbahn, der Straßenbahnbetriebsgesellschaft und der Omnibusgesellschaft die Lohn- und Manteltarifforderungen des technischen sowohl als auch des Fahrpersonals abgelehnt. Besonders bei der Omnibus. gesellschaft, wo der Manteltarif bereits am 31. März abgelaufen war, ist eine starle Mißstimmung des Personals gegen die Direktion festzustellen. In der Nacht von Montag zu Dienstag wurde unter dem Personal eine Urabstimmung darüber vorgenommen, ob die Angestellten unter den bestehenden Dienst- und Lohnverhältnissen weiterarbeiten wollen oder ob sie sich durch einen Kampf, d. h. in diesem Falle Streit, bessere Verhältnisse schaffen wollen. Obwohl das Abstimmungsergebnis bei Schluß des Abendblattes noch daß sich eine überwältigende Mehrheit für den nicht in allen Einzelheiten vorliegt, ist aber bei der Stimmung des Omnibuspersonals mit aller Bestimmtheit damit zu rechnen, Streiferklären wird. Jedenfalls wird das Bersonal in einer Donnerstag zum Freitag stattfindet, zu dem Ergebnis der Bersammlung, die nach Betriebsschluß in der Nacht vom Urabstimmung endgültig Stellung nehmen. Auch das Personal der Hochbahn wird in der Nacht von Mittwoch zum Donnerstag die gleiche Urabstimmung vornehnien, um in einer am Donnerstagabend stattfindenden Versammlung weitere Maßnahmen zu treffen. Straßenbahnerstreik in Halle. Halle, 26. Mai.( TU.) Das Fahrpersonal der Straßenbahn hat den in Berlin gefällten Schiedsspruch, der ihm vom 15. April ab eine vorläufige Zulage von drei Pfennigen für die Stunde bewilligt, abgelehnt und in einer Nachtfizung be schloffen, heute in den Streit zu treten, Ausreden statt Ratifizierung. Erklärungen der Regierungsvertreter. Genf, 26. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die. Internationale Arbeitskonferenz brachte am Montag vormittag die Aussprache über den Bericht des Direttors des Arbeitsamtes. Bis zum April 1925 waren durch das Amt 146 Ratifitationen von Abkommen veröffentlicht, 33 vollzogen und 121 vorgeschlagen. Genosse Mertens( Belgien) forderte namens der Arbeitnehmergruppe von den Regierungsvertretern Auskunft über die grund legende Stellungnahme zum Washingtoner Abtommen. Arbeitsminister Tschoffen( Belgien) fonnte wegen des Rücktritts der belgischen Regierung nicht in deren Namen fprechen, betonte aber, daß Belgien zur Ratifitation be reit sei, sobald die großen Industriemächte ratifiziert hätten. Der englische Regierungsvertreter erklärte, daß seine Regierung das Washingtoner Abkommen jetzt noch nicht rati fizieren fönne, aber das Prinzip des Achtstundentages werde von England unbedingt anerkannt. Genosse Jouhour( Frani reich) und Fulton( England) betonten gegenüber diesen Re gierungserklärungen, wie tief die Enttäuschung der Arbeiterflasse über die Verzögerung der Rati= fitation sei. Seit 6 Jahren sei das Washingtoner AbAuf Teilzahlung HerrenKrabenGarderobe 1. Gummi- Mäntel Damen u. Herren Geringe Wochen- oder Monatsraten Bettwäsche, Gardinen, Teppiche, Korbmöbel, Metallbetten Antel. Gr.Frankfurter Str.34 Strausberger Platz Gegründet 1901 Geflügelfatter billigst abzureben. Sorwärts nferate im Kekert, Spreestr. 43 fichern Erfolg! tommen einstimmig angenommen und ebenso bestehe der| Montag mit 20 gegen 12 Stimmen ein Antrag angenommen, der Achtstundentag in den verschiedensten Ländern. Warum wolle eine wesentliche Rückschraubung der Zahl von Betrieben man ihn nicht ratifizieren? Eine derartige Verschle p- darstellt, deren Tätigkeit unter dem Begriff der Gefährlichkeit fällt. pungstaktit werde dem Arbeitsamt und der Arbeitskonferenz 3ur allgemeinen Verwunderung stimmte der deutsche die Sympathie der Arbeiter entfremden. Regierungsvertreter, Geheimrat 2usien, für den Der deutsche Regierungsvertreter Feig erklärte, daß die Arbeitgeberantrag und beeinflußte damit wesentlich die deutsche Regierung die Neuregelung der Arbeitszeit durch Haltung der anderen Regierungen. Das ist um so erstaunlicher, da die Gesetzgebung in Uebereinstimmung mit den Grundsätzen es sich damit im Gegensatz zur deutschen Reichsgesez des Washingtoner Abkommens zu bringen versuche, ehe sie dieses gebung für Unfallversicherung und damit zum Reichstagsbeschluß vom 16. Mai sezt, der den Begriff der Betriebsgefähr. lichkeit sehr weit gezogen hat. blommen ratifiziert. Die Arbeitszeitverordnung vom Herbst 1923 sei nur eine vorübergehende Maßnahme und stünde nicht in Uebereinstimmung mit dem Washingtoner Abfommen; aber heute arbeiteten schon mehr als 50 Proz. der deutschen Arbeiter wieder 48 Stunden in der Woche. Ebenso sei das Dreischichtensystem bei Hochöfen wieder aufgenommen statt des 3wei schichtehsystems. Deutschland habe troß großer Schwierigkeiten den Wunsch, das Washingtoner Abkommen zu ra= tifizieren. Der französische Arbeitsminister Durafour traf am Montag abend in Genf ein und wird morgen, Mittwoch, die Erklärung seiner Regierung abgeben. Am Donnerstag folgt eine Aussprache über den Protest der Kommission zur Unfallversicherung, denn hier wurde am J.Baer, BerlinN, Badstr.26 Empfehle mein reichhaltiges Lager Einigung in Dänemarks Eisenindustrie. Kopenhagen, 26. Mai.( WTB.) Gestern nachmittag wurde Eisen industrie ein lebereinkommen erzielt. Die Berzwischen den Arbeitgebern und den ungelernten Arbeitern der handlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern betreffend alle Streitfragen außerhalb der Eisenindustrie endeten heute nacht ohne Ergebnis. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schilowsti; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Vaul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. 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