Nr. 256 ♦ 42. �ahrg. Ausgabe R Nr. 129 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig. Monatlich B,— Rcichsmarl Docmis»abllorr. Unter Kreuzbanl» für Deutschlands Dangig. Seat- und Memelgebict, Ccflctteich, Litauen. Luremburg <,D0 Zicichsmark. für das übriz« Susland 5,50 Zicichsmark pro Monat. Der„Dorioärts' mit der Sonntags- beilage.Volk und geit� mit»Sied- luna und Kleingarten' sowie der Beilage„Unterhaltung und Wissen' und ssrauenbcilage„ssrauenstimm«' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Teleqramm-Adresse: .Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe H. Vevlinev Volksvlatt (l0 Pfennig) Anzeigcnprciic: Die«inlvaltia« Nonvarcille- geil« 70 Pfennig. Reklamczeile 4,— Reichsmark..Kleine Anzeigen' das fettgedruckte Wort 50 Pfennig lzuläfna zwei fettgedruckte Worte), fedes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Pfennig, fedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte ilber 15 Duck,. ftaben zählen für zwei Worte. Tamilienanzeigen sitr Abonnenten Seile 30 Pfennig. 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Jetzt durste tr.ti den totgeborenen versuchen endlich Schluß gemacht werden, eine Regierung zustande zu bringen, und ein ernsterer, aber auch schwie- rigercr versuch unternommen werden. Die Genossen v a n d e r- velde und VZ a u t c r s hoben bereits am Donnerslag nachmittag mil dem Satholikenführer Vandervyvere und dem bisherigen kalholischen Innenminister Poullel verhandelt. Am Freitag tritt der sozialistische parleivorstand zusammen und dann wird sich zeigen müssen, ob es möglich ist. mil den Katholiken über ein demokra- tisches Programm und über die Auswahl demokratisch-katholischer vlinisler einig zu werden, vanderoelde erklärte am Donnerslog im „Deuple", daß die Sozialisten ein Zusammengehen mit solchen Katholiken, die als anlidentokrotifch bekannt sind, unbedingt ablehnen, aber katholischen Demokraten die gleiche Zahl von Ministerposten cinröumen werden. Aus den Posten des Ministerpräsidenten würden die Sozialisten vermutlich unbedingt bestehen. * Der Versuch des belgische» Königs, die Regierungskrise dadurch zu losen, daß er einen Führer der kleinsten Partei, nämlich den Liberalen Max, mit der Kabinettsbildung bc- traute, mar eine sonderbare Irrung. Denn, wenn sogar der katholische Fübrer V a n d e v y v e r e, der immerhin 78 Partei- freunde' ir• sich hatte, gleich am ersten Tage durch das Mißtraue>!�t...tum der Sozialisten und Liberalen gestürzt morden war, so mußte erst recht der Versuch eines Liberalen, hinter dem nur 32 Abgeordnete stehen, ein außenparlamenta- risches Kabinett zu bilden,, fehlschlagen. Indessen taim sich der König darauf berufen, daß er jetzt nacheinander die Führer der drei Parteien— zunächst Vanderoelde, sodann Pandevyvere und schließlich Max— benifen hat und daß alle drei ihren Auftrag zurückgeben mußten, der erste und der dritte, ohne sich dem Parlament überhaupt vor- zustellen, der zweite nach einer verlorenen offenen parlamen- tarischen Schlacht. Schablonen artig betrachtet ist die Regierungskrise überhaupt nicht zu lösen, ähnlich wie nach den vorletzten Unterhauswahlen in England, als keine der drei Parteien über die absolute Mehrheit verfügte und als keine die Neigung verspürte, sich mir einer anderen zu koalieren. Damals tonnte allerdings das Regierungsproblem dadurch gelöst werden, daß die englische Arbeiterpartei das Wagnis der Bildung einer Minderhsitsregicruug mit offener Duldung der Liberalen ris- kierte. Gegen eine solche Lösung hat sich aber der Generalrat der belgischen Sozialistenpartei mit übergroßer Mehrheit aus- gesprochen, zumal die belgischen Liberalen auf fast allen Gc- bieten und besonders auf dein der auswärtigen Politik aus- gesprochen reaktionär sind. Ebenso wenig wollen die Libe- ralen von einer Koalstion mit den Katholiken etwas wissen, weil sich diese leiden bisherigen Koalitwnsparteien in der Regierung Theunis gründlich verfeindet und weil die Neu- wählen ergeben haben, daß die liberale Wählerschaft eine Koa- litionspolitik mit den Katholiken nicht billigt. Schließlich bliebe als letzte schablonenhafte Möglichkest eine sozialistisch-klerikale Koalition, die aber daran scheitert, daß die Mehrheit der katholischen Fraktion und vor allem ihre Führung konservativ, d. h. vor allem sozial und kulturell äußerst reak- tionär ist, so daß ein Zusammenarbeiten weder für die eine noch für die andere Partei erträglich ist. Es muß nun ein Ausweg gcftinden werden und den bietet die lzeterogene, d. h. uneinheitliche Zusammen- setzung der Katholischen Partei. Für uns in Deutschland ist dieser Mangel an Einheitlichkeit bei einer hauptsächlich konfessionellen Parteigruppierung um so leichter zu erfassen, als wir ja in unserem Zentrum eine ganz ähnliche Erscheinung haben, die sich bei jeder wichtigen Frage und be- sonders bei schwierigen Regierungskrisen bemerkbar macht. In der Katholischen Partei Belgiens gibt es nun einen Flügel von Arbeitnehmervertretern und sozial denkenden Intellektuellen, die nur aus konfessionellen Gründen dieser Partei angehören, jedoch in vielen Fragen mit den Sozialisten und gegen die eigene Parteileitung gehen. Diese „Christlichen Demokraten", wie man sie allgemein bezeichnet, sind zwar nicht sehr zahlreich— etwa ein Drittel der Gesamt- fraktion— aber doch stark genug, um bei einem Zusammen» wirken mit unseren Genossen die Bildung einer stabilen Re- gierung zu ermöglichen. Darauf steuern auch unsere belgi- schen Parteifreunde hin. In der Parlamentssitzung vom 20. Mai, in der die Regierung Vandevyvere gestürzt wurde, hielt Genosse Vanderoelde eine Rede, in der er u. a. aus- führtet „Auf unseren eigenen Bänken sitzen 78 Männer, die wissen, was sie wollen, die die Demokratie wollen. In dieser Kammer gibt es auch 25 Mitglieder der ch r i st l i ch-d em akratischen Bereinigung. Diese 103 Abgeordnete find die unmitkclbar Erwählten der Arbeiierklasse. Eine demokratische Mehr- heit existiert also. Sie allein vermag dem Lande eine starke und stabile Regierung zu verschaffen." Diese Sätze Vanüerveldes dürsten wohl als eine pro- grammatischeKundgebung heute noch gelten. Nach- dem alle anderen Versuche so schnell und restlos gescheitert sind, ist es mehr als wahrscheinlich, daß man zu dieser von Bänder- velde angedeuteten Lösung greifen wird. Der Anspruch der Sozialisten aus die Führung in einem solchen Kabinett ist etwas Selbstverständliches, da sie mehr als Zweidrittel der Abgeordneten einer derartigen Mehrheit stellen würden. Dem- nach ist wohl mit der Bildung eines KabinettsVander- velde schon in den nächsten Tagen zu rechnen. Die Nlarokkoüebatte. Painkeve weist jede Annexionsabsicht von sich. Paris. 25. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Die Fortsetzung der Marotkodebatte in der Kammer wurde heute mit einem taktischen Manöver der Rechten eingeleitet. A!,g. M a g i n o t, der Krtcgs- minister Poineares, dessen Beseht zur Ausdehnung der militärischen Besetzung aus die Zone nördlich des Uergha Genosse Renaudel am Mittwoch für die Offensive Abd cl Krüns verantwortlich gemacht hotte, erklärte unter Berwahrung gegen die ihm und Marschall L y a u t h e y geinachten Vorwürfe, dle von der Linken eingebrachte Entschließung als„so gemäßigt, würdig und den Interessen des Landes angemessen", daß auch er und seine�politischen Freunde keine Bedenken trügen, dafür zu stimmen. Tatsächlich scheint die Rechte daraus verzichten zu wollen, eine eigene Entschließung ein- zubringen. Der Zweck dieses sehr durchsichtigen Manövers ist, die sozialistische Fraktion in den Augen der Arbeiterschaft in Mißkredit zu bringen und den Kominunisten Waffen gegen sie zuzuspielen. Sin Erfolg dürfte jedoch Maginot und seinen Freunden damit nicht beschicdcn sein. Die sozialistische Fraktion hat erreicht, was sie wollte. Sie hat der Regierung den offiziellen Verzicht ans jede Eroberung ab- gerungen und durchgesetzt, daß durch sofortige Ausnahme von Verhandlungen mit Abd et Krim dem unnutzen Blutvergießen rasch ein Ende gemacht werden kann. Angesichts dieses Erfolges lag für die sozialistische Partei kein Anlaß vor. durch Opposition gegen die Regierung den B e st a n d des Kar- tclls unnötig auks Spiel zu setzen. Räch einem zweiten Redner der Reaktion sühne ZNinisterpräsident painleve aus. daß die Regierung ebenso wie Renaudel von Abscheu gegen den Krieg erfüllt und entschlossen sei. das Leben auch nicht eines französischen Soldaten in einem unnützen Aben- teuer aufs Spiel zu setzen. Es handle sich in Marokko weder um einen Eroberungskrieg noch um den Bersuch einer kolonialen Aus- hehnung. Die französischen Truppen kämpften innerhalb des französischen Gebietes für die Ehre und Sicherheit Frank- reichs. Der Friede könne erst wieder hergestellt werden, wenn dem Angreifer zum Bewußtsein gebracht sei, daß Frankreich jene Stämme, deren Protektorat es übernommen habe, zu schützen in der Lage sei. Jede andere Politik würde unweigerlich den Verlust voii Marokko und Algier zur Folge haben. Die Hinaus- s ch i c b u n g der französischeti Besatzungszone im vergangenen Jahre fei erfolgt, um die Frankreich im Vertrag von Algeciras zugesprochenen Gebiete nördlich des Uergha in Besitz zu nehmen und die dortigen Eingeborenen gegen die Üebergriffe und Plünderungen der Risleute zu schützen. Die französische Regierung habe nicht die Absicht, die Grenze des französischen Gebietes auch nur um einen Meter zu überschreiten. Renaudels Frage nach der Zahlenstärke der nach Marokko entsandten Truppen erklärte Painleve öffentlich nicht beantworten zu können, sondern in vertraulicher Ausschuß- sitzung. Die bisherigen französischen V e r l u st« bezifferte der Ministerpräsident aus rund 4 00 Tote, davon drei Fünftel Ein- geborene(und wieviel Fremdenlegionäre? Red.) und 1100 Verwundete. Er schloß mit der wiederholten Versicherung, daß die französische Regierung keinen dringenderen Wunsch habe, als so bald wie möglich den Frieden wiederhergestellt zu sehen. Kriegsberichte. Tanger, 28. Mai.(Htivas) Abd e! Krim übt auf die Stämme der Westzonc einen Druck au?, damit sie Truppenkontingente für die Front von Uezza stellen. Es werden feindliche Truppen- a n f a ni m l u n g e n in der Gegend von Ksar el Kcbir gemeldet. Ini Uerghagebiet sind die Risleute durch Djebalahabteilunzen vor- stärkt worden, da die dort wohnenden Andscheras nicht mehr gegen Frankreich kämpfen wollen. Der Korrespondent der ,. Chicago Tribüne" in Tanger will erfahren haben, daß Frankreich und Spanien im Begriff ständen, Friedensanerbieten zu machen und den Anhängern Abdel Krims das Recht zuzugestehen, in der französischen und der spani- schen Zone ohne Zollformalitäten Handel zu treiben. Man glaube, daß Abd el Krim einem solchen Anerbieten nach den Niederlagen, die er durch die französischen Truppen erlitten habe, und angesichts der Hungersnot im Lande infolge der wirksamen Blockade zugäng- lich sein werde. öapernsieg im Reichs! Einspruch gegen das Gesetz über die Volksgerichte. Der von den Sozialdemokraten beantragte Gesetzentwurf, der gegen die Urteile der bayerischen Volksgerichte eine Wiederaufnahme des Verfahrens ermöglicht, ist am 25. Mai im Reichstag mtt 148 gegen 126 Stimmen an- genommen worden. Jetzt hat der Reichsrat auf einen Anttag Bayerns hin gegen ihn Einspruch erhoben. Der Entwurf mußte infolgedessen an den Reichstag zurück. Der bayerische Antrag war im Ausschuß des Reichsrals mit 3 gegen 5 Stimmen angenommen worden, unter welchen letzteren sich auch die Stimme Preußens befand. Der Versuch, auch im Plenum eine förmliche Abstimmung stattfinden zu lassen, fand— das ist bei der eigenartigen Gesclzäftsordnung des Reichsrats möglich— in der gestrigen Sitzung keine Mehrheit und somit keine Erfüllung. Ohne förmliche Abstim- mung erklärte der Vorsitzende, daß der Reichsrat dem Be- schluß feines Ausschusses beittete. In einem offiziösen Bericht über diese Vorgänge heißt es: In den Ausschüssen hatte die Mehrheit verfassungsrecht- liche Bedenken und konnte außerdem nach Aushebung der Volksgerichte ein hinreichendes praktisches Bedürfnis zur Wiederaufnahme des Verfahrens nicht mehr anerksnncn. Schließlich war auch der politische Gesichtspunkt inaßgebend, daß Bayern in dem Beschluß des Reichstags einen Eingriff in seine Justizhoheit erblickt. Von den drei angeführten Gründen kann nur der dritte durchschlagend gewesen sein. Das v e r f a s s n n g s ni ä ß i g e Re ch t der Rcichsgesetz- gebung, ein Gesetz wie das vom Reichstag aiigeucunmene, zu erlassen, kann e r n st l i ch gar nicht bestritten werden. Richtig ist, daß die bayerischen Volksgerichte, wie Gen. Saenger im Reichstag überzeugend nachgewiesen hat, jahrelang fortgeführt wurden, ohne daß für sie gesetzlich e Grundlagen vorhanden waren. Die Einführung der Wiederaufnehme will die Korrektur eines Unreck)ts crmög- tichen, das gegen Gesetz und Verfassung begangen worden ist. Unter solchen Umständen zu sagen, es bestünden gegen das Gesetz verfassungsrechtliche Bedenken, hieße die Dinge geraden- wegs auf den Kopf stellen. Ein praktisches Bedürfnis zur Einführung der Wiederaufnahme des Verfahrens soll nicht vorhanden sein. Aber es sitzen auf Grund von volksgerichtlichen Urteilen 2000 Menschen in den Gefängnissen und Zuchthäusern Bayerns. In München hat die Berufung gegen Urteile der Schöffengerichte und der Strafkammern in 20 Proz. der Fälle Erfolg. Wenn man denselben Maßstab anwendet, so muß man annehmen, daß rund 400 oolksgerichtlichc Urteile revisionsbediirftig sind. Aber wenn es nur 40, ja noch viel weniger Menschen wären, die von den Volksgerichten zu Unrecht oder zu hart bestraft worden sind, und denen widerrechtlich die Rechtswohltat der Wiederaufnahme entzogen worden ist, auch dann noch wäre die Behauptung, es liege für das Gesetz, wie es der Reichstag beschlossen hat,„kein praktisches Bedürfnis" vor, eine U n- geHeuerlichieiY Bleibt als einziger wirklicher Grund die o l i- tische Rücksicht auf Bayern, das den Gesetzentwurf als einen Eingriff in feine Iustizhoheit empfinde. Vor dieser partikula- ristischen Empfindsamkeit ist der Reichsrat zurückgewichen. In einer Frage des Rechts haben politische Gründe, und sie ganz allein, die ausschlaggebende Rolle gespielt. Wie der Streitsall beurteilt werden muß, wenn man ihn ohne politische Nebenabsichten rein rechtlich be- trachtet, das hat der angesehenste Rcchtslehrer im Lager der Rechten, hat der Prof. Dr. K a h l im Reichstag gezeigt, indem er im Namen eines Teils seiner volksparteilichen Fraktions- kollegen ausführte: Das Reich ist zweifellos zuständig, diese Materie des Strafverfahrens zu regeln; es ist kein Eingrifs in die Justiz- Hoheit Bayerns. Es sind nicht politische, sondern reine Rechts- gründe, die mich bestimmen, für dieses Gesetz zu stimmen. Eni- scheidend sind die Forderungen der Rechtssicherheit. Es isi eine einzigartige Erscheinung, daß hier gegen ein Urteil dieses Ausnahmegerichts überhaupt kein Rechtsmittel gegeben ist. Ich kann nicht für alle meine Freunde sprechen, aber ein Teil von Ihnen wird sich auch a u s r e i n j u r i st i s ch e n.G r ü n d e n meinen Ausführungen«nschließen. Der Gegensatz zwischen Necht und sogenannter„Politik", wie er in diesem Fall kraß in Erscheinung tritt, kann gar nicht schärfer gekennzeichnet werden, als es durch den volkpartei- lichen Abgeordneten Prof. Dr. Kahl geschehen ist. Läßt man das Recht, das Recht allein, sprechen, dann kommt man von selbst zur Annahme des von der Sozialdemokratischen Reichstagsfraktion beantragten Gesetzentwurfs.� Nur wenn fich in die Erwägungen, die rein rechtlich, rein juristisch sein sollten — und die nebenbei höchstens noch ein wenig menschlich sein dürsten— eine sogenannte„Politik" einschleicht, dann kommt man zu dem Einspruch, wie der Rcichsrat ihn erhoben hat. Hier ist es die sogenannte„Politik", die das Recht vernichtet. Aber, was ist dos für eine Politik? Eine Politik, die das Recht vernichtet, ist zweifellos die schlechteste Politik, die sich denken läßt. Bayern hätte eigentlich froh sein dürfen, daß ihm durch den Beschluß des Reichstags aus dem Fehlerkreis der Volts- gerichtsbarkeit herausgeholfen wurde. Aber, daß das Reich diese Hilfe leistete, war für den bayerischen Partikularstolz unerträglich. Und dann war es ja die verfemte, oerhaßte Sozialdemokratie, die den Ausweg gezeigt hatte— dos machte die Sache für die weißblauen Herrschasten erst recht fiirchterlich. Damit aus der Krone der tgl. bayerischen Rechtsregierung kein Stein herausfalle, darum soll eine unbestimmt große Zahl von Unschuldigen weiter sitzen! Das ist Politik, Politik gegen das Recht! Wie werden sich die Dinge nun weiter entwickeln? Der Artikel 74 der Reichsverfafsung bestimmt: Gegen die vom Reichstag beschlossenen Gesetze steht dem Reichsrat der Einspruch zu. Der Einspruch muh innerhalb zweier Wochen nach der Schluß» abstimmung im Reichstag bei der Reichsregierung eingebracht und spätestens binnen zwei weiteren Wochen mit Gründen versehe« werden. Im Falle des Einspruches wird das Gesetz dem Reich». tag zur nochmaligen Beschlußfassung vorgelegt. klommt hierbei kein« Uebereinstimmung zwischen Reichstag und Reichsrat zustande, so kann der Reich«- Präsident binnen drei Monaten über den Gegenstand der Meinung»- Verschiedenheit einen Voltsentscheid anordnen. Macht der Präsident von diesem Rechte keinen Gebrauch, so gilt da» Gesetz al» nicht zustandegekommen. Hat der Reichstag mit Zweidrittel- mehrheit entgegen dem Einspruch des Reichsrats beschlossen, so hat der Präsident da» Gesetz binnen drei Monaten in der vom Reichstag beschlossenen Fassung zu verkünden oder einen Dolksent- scheid anzuordnen. Praktisch gibt es also— da der Reichspräsident eine Volksabstimmung über diese Frage zweifellos nicht a» ordnen wird— nur zwei Möglichkeiten: die Herbeiführung einer Uebereinstimmung zwischen Reichstag und Reichsrat oder die Annahme des Eirtwurfs durch eine Zweidrittelmehr- best des Reichstags. Ein einfaches Nichtzustvndekommen des Gesetzes scheint uns dagegen unmöglich, denn damit würde keine Beruhigung eintreten; der Kampf ums Recht würde dann zweifellos weitergehen. Will man ihn zum Abschluß bringen, so muh entweder auf irgendeinem noch nicht sichtbaren Wege eine Ueberein- stimmung herbeigeführt werden, die dem Recht Genüge tut oder es muß im Reichstag eine Zweidrittelmehrheit auf» gebracht werden, was nur möglich ist, wenn die öffentliche Meinung gründlich aufgerüttelt wird. Die Sozialdemokratische Fraktton wird den Kampf ums Recht weiterführen. Die Sieger von gestern werden ihres Sieges nicht froh werden! Die verkaufte Verantwortung. Bom DaweS-Pla« zum deutsch-fpauifche« Handelsvertrag Am 29. August 1924 verhandelten die Deutsck�tationalea 59 Proz. ihrer Fraktion. Herr H e r g t verkaufte polstische Verantwortung und Stimmen für Ministersitze. Die Minister- sitz« haben die Deutschnationalen einkassiert. Am 27. Mai 1925 haben die Deutschnationalen die Mehrheit ihrer Fraktion verhandelt. Diesmal soll der Preis für die Uebernahme der Verantwortung für den deutsch-spanischen Handelsvertrag der Agrarschutzzoll sein Die Einkassierung dieses Kaufpreises für ihre Verantwortung wird freilich den Deutschnattonalen nicht leicht werden. In der Form und in der Sache ist der Handel von heute dem Handel von damals gleich. Es hat nur eine kleine Ber» schiebung der handelnden Personen stattgefunden. Auf der Seit« der Regierung handelte heute wie damals Herr Strese- mann, auf der Seite der Deutschnationalen jedoch— nicht Herr H e r g t. Die„Zeit" schreibt: .Es hat bei den Deutschnationalen gewiß Heißsporn« gegeben. die auch vor einem Konflikt mit der Regierung nicht zurückgeschreckt wären, und diese Heißsporne saßen diesmal nicht nur im Lager der politischen Diehard». Schließlich aber hat Gros Westarp sein« Zusage, daß ein« Mehrheit der Fraktion für den Vertrag stimmen würde, wahrzumachen vermocht, und es hat sich somit auch bei dieser Frage gezeigt, daß die Deutsch- nationalen sehr wohl sich bewußt sind, welche politische Verontwoit- lichkeit die Teilnahme an der Regierunng mit sich bringt." Damals verhandelte Herr H e r g t Stimmen und Seelen, imd Herr Westarp gehörte zu jenen, die als unentwegt grund- satzfest konservative Männer von der Verantwortung ab» rückten. Heute ist der Herr Graf W e st a r p selbst unter die Händler gegangen, und verkauft Verantwortung gegen Brotzölle. Vom Dawes-Plan zum deutsch-spanifchen Han- delsvertrag, von H e r g t zu Westarp, das ist, wir wollen nicht sagen, eine Entwicklung zur Verantwortung, aber eine Entwicklung zum politischen Schachergeist. der Seelen und Grundsätze gegen klingende Münze verhandelt. Heute wie damals aber meldet sich einer, dessen Aufgabe es ist, die Umfülle der deutschnationalen Reichstagssraküon zu preisen. Das ist Herr Paul Baecker in der„2)eut» schen Tageszeitung, dessen Rolle beim Dawes-Umfall noch nicht vergessen ist. Cr hat einen echten und rechten Dreh erfunden, um den neuen Umfall zu beschönigen. Er unterstellt der Regierung, sie habe nicht aus sachlichen Gründen auf die Annohm« des deutsch-spanifchen Handels- Vertrags gedrängt, sondern aus formellen Gründen. Nicht, weil sie diesen Handelsvertrag für eine wirtschaftspolstische Notwendigkeit gehalten habe, sondern nur. weil sie formell durch den bisherigen Gang der Verhandlungen gebunden ge- wefen sei. Ein echter Dreh, den sonst die deutschnationale Presse jüdisch nennen würde. Rur hat Herr Stresemann über die sachliche Notwendigkeit dieses Vertrages zu viel gesagt, und eben erst wieder in der„Zeit" schreiben lassen, als daß dieser Dreh Eindruck machen könnte. Wenn Herr Stresemann diese neueste Entfchuldigungsleistung seiner gewohnten Handelspartner lieft, wird er, und mst ihm die Oeffenllichkeit, sie ver- mutlich zu— spanisch finden. i.: Neue Belastung dr. Thieles. Noch am 18. April hielt er Höste für einen Simulanten Wie das.Acht-llhr-Abendblatt" meldet, beabsichtigt Frau Dr. Höfle«ine Schadenersatzklage für den Tod ihre» Mannes anzustrengen. Ferner berichtet das Blatt über einen bis- her noch nicht bekanntgewordenen Borgang im Ge- fängnislazarett, der sich an dem kritischen 18. Slpril, als die Agonie Höfles begann, abgespielt hat, und der eine weitere schwer« Belastung des Geföngnisarztes Dr. Thiel« darstellt: Dr. Thiel« untersuchte mit Professor Dn L e w i n vom Institut für Krebsforschungen— also nicht der Toxi» kologe Professor Lewin— einen anderen Untersuchungsge- fangenen im Gefängislazarett, und zwar nach seinem Besuch bei Dr. Höfle. Lewin und Thiele unterhielten sich dabei unter anderem auch über den F a l l H ö f l e. Im Verlaufe ihrer Unterredung äußerte Dr. Thiel« gegenüber Lewin:„IBena Dr. Höste vor nicht immer so simulieren wolltet" Professor Lewin steht zu der Richtigkeit dieser Feststellung und wird sie gegebenenfalls im Aus- schuß beeiden. Bereits der Pfleger Fahl hatte als Zeuge vor dem Ausschuß bekundet, daß Dr. Thiele ihm gegenüber an diesem Tage einen ähnlichen Ausspruch getan hatte. Dr. Thiele hat jedoch diesen Ausspruch auf das entschiedenste bestritte«. Er gab aller- ding? zu, daß er der Meinung gewesen sei, Höfle übertreibe absichtlich die Schwere seines Zustande«. Er, Thiel«, sei an dem 18. Aprv vormittags in dieser Auffassung dadurch bestärkt worden. daß ihm der Oberstaatsanwatt Linde erzählt hatte, er hätte sich soeben lange Zeit mit Höfle über alles mögliche unterhalten und hätte ihn ganz frisch gefunden. Ueber den Grad der Wahrschzinlich- keit dieses Teils der Aussage Linde» sind allerdings nach den über- einstimmenden Bekundungen der anderen Zeugen die Meinungen kaum mehr geteilt. Jedenfalls wird es Dr. Thiel« nunmehr schwer möglich sein, zu bestreiten, daß er noch am 18. April den schwer- kranken Höfle für einen Simulanten hielt. Der Kampf gegen üie Republik. Knebelung der Republikaner in Bayern. Der Kampf der bayerischen Regierung gegen da» Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold nimmt in letzter Zeit Formen an. die mit der jedem Staatebürger reichsgesetzlich gewähr. leisteten persönlichen Freiheit nicht mehr zu vereinbaren sind. Stand es schon mtt der Reichsoerfassung in offenem Widerspruch, wenn die bayerische Regierung dem Reichsbanner da» Führen des Reichs» a d l e r s als Stempel verbot, indem sie sich auf«inen durch die Weimarer Verfassung gegenstandslos gewordenen Paragraphen des Strafgesetzbuches bezog, der dos Führen des kaiserlichen Wappens unter Strafe stellt, so wird jetzt aus Erlangen«in noch tollerer Fall gemeldet. Die Erlanger Ortsgruppe des Reichsbanners beabsichttgte zwei verstorbenen Mitgliedern die letzte Ehre zu erweisen und sucht« um die infolge des noch immer bestshenden baye- rlschen Ausnahmezustandes nötige vorherig« polizeiliche Genehnn- gung nach. Da» Reichsbanner«rhiett darauf folgenden Bescheid: Auf ihr der Regierung von Mittelfranten, Kammer des Innern, fernmündlich übermitteltes Gesuch vom Heutigen hat die genannte Stelle folgenden Bescheid gegeben: DieRegierung. Kammer des Innern, istnichtindcr Lage, zu genehmigen, daß dos Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold, Ortsgruppe Erlangen, sich an der morgen im Ast- und Reu- städter Friedhos stattfindenden Beerdigung zweier verstorbe- ner Mitglieder in geschlossener Formation und in Uniform, sei es mit oder ohne Fahne und Trommler, beteiligt. gez. Redenbacher. Mit vollem Recht bemerkt unser Erlanger Parteiorgan, das .Erlanger Polksblatt", dazu: „Ms wir draußenimFeld waren und nach dem Kampf die Schlachtfelder räumten, war es geradezu eine Selb st ver stand- l i ch k e» t, daß auch die Toten der Feinde mit beerdigt und ihnen auch die unseren Kameraden zuteil gewordenen militärischen Ehren erwiesen wurden. Diese menschliche Pflicht war damals nicht in Verordnungen und Paragraphen ausgedrückt, sondern sie entsprang dem natürlichen Pflichtbewußtsein eine» jedem Einzelnen von uns, den Feind im Tod« nicht mehr als fol, che« zu betrachten. Wir leben heute nicht mehr im Kriegszustand, sondern in an- geblichem Frieden, und zwar in einem Land«, das Bayern heißt und da» zur deutschen Republik, deren Reichsfarben Schwarz. Rot-Gold iind, gehört. In diesem Land gibt es nach vorstehendem Beispiel Menschen, die Verordnungen schaffen, nach denen die geschlossene Beteiligung beim Begräbnis ein?» Volksgenossen verboten ist... Es ist höchste Zell, daß sich einmal die Reichsregierung um diesen skandalösen Zustand kümmert, denn eine derartige Be- Handlung zu erdulden, war wohl im Zeitatter der Sklaverei an der Tagesordnung, aber er ist eines sogenannten zivilisierten Bolkc» im 29. Jahrhundert einfach unwürdig." Es wäre Pflicht der Reichsregierong, die bayerische Landesregierung daran zu erinnern, daß wir in einer Republik leben und daß die Reichsregierung es sich verbittet, wenn ein« Landesregierung die Anhänger der Republik mit Schikonen verfolgt. Aber der Herr, den diese Angelegenheit in erster Linie angeht, ist Reichsinnenminister Schiele, und Herr Schiele scheint mtt seinen oersassungändernden Plänen zu stark in Anspruch genommen zu sein, um sich seine« eigentlichen Aufgaben widmen zu können. Die Reichsregierung hat am Donnerstag dem Reichrta! den Entwurf eines Gesetzes über den Ha n,dels-.ttn!> Schis fuhrt s« v«r tr a g zwsschen dem Deutschen Reich und England zugelettet. Deutichösterreich und das Deutsche Reich haben vereinbar� vom 1. Juni ab die Sichtvermerkgebühren zu ermäßigen. Man erhebt gegenwärtig für eine einmalig« Durchreise eine Mark, Kit einmalige Ein- oder Ausreise 5 Mark und für einen Dauersicht- vermert lk> M. Konzert am �ibenö. Bon Hans Wefeinoan. Auf der Terrasse am See sitzen die Gäste. Blumen ranken über die Balustrade. Lampion, schaukeln in der Luft. Auf dem Wasser ziehen ferne Lichter und auf den jenseitigen Uferhöhen funkell der Glanz festlich erleuchteter Dillen. Di« Kapelle spiett. Walzer, süßlich sentimentale Weisen, wie man sie gerne hört, wenn man im Frtihjmg abends mit unbe- stimmten Hoffnungen fortgeht und dann schtießlich im Cafe landet. um Fruchteis zu essen. Der Primgeiger ist ein romantischer Herr mit schwarzem Gelock und sanftem Geigenstrich, und seine melancholischen Augen suchen noch unverstandenen Frauenherzen. Jene kleine schüchterne Gattin fleht ihn heimlich und verliebt an, sie vergleicht ihn mit ihrem korpulenten Gatten, der behaglich sein Helles schlürft, und denkt, daß er sicher nicht abends vor dem Zubettgehen auf dem Sofa einschläft. »Hast du diesen Geiger gesehen?" sagt das intellektuelle Mäd- chen zu ihrem Freunde,«welche tiefe Traurigkeit in seinen Augen liegt— er erinnert mich an Verse von Rilke", und dann bestellt sie ein neues Erdbeereis.»Wenn sie nicht so blödsinniges Zeug reden würde, wäre sie ganz nett," denkt ihr Begleiter und überlegt, ob sein Geld zum Bezahlen reichen wird. Das einsame häßliche Mädchen aber sitzt ganz still und denkt an ihr Erlebnis. An genau solch einem Abend hatte sie Ihn kennen- gelernt Sie hatte ihre neue seiden« Bluse an und die Musik spiette ..Nie sollst du mir deine Liebe schwören".— Er sah dem Geiger so ähnlich— Gott, hatte sie ihn geliebt. Aber er wollte nur ihr bißchen Erspartes und dann ging er auf und davon.-- In einer Ecke lehnt der Ober. Die Füße tun ihm weh. und außerdem denkt er daran, daß er morgen die Miete zahlen muß. Im übrigen hat er nur den einen Wunsch, einmal abends um neun Uhr schlafen gehen zu können. Da schweigt die Musik und er muß einkassieren gehen.-- Das Venedig Japans. Aus dem neuen Erdbebengebiet. Das Gebiet, das jetzt wieder von einer so furchtbare» Erdbeben- kotasttoph« heimgesucht worden ist. liegt im Westen Japan« und umfaßt die wettere Umgebung der Stadt O s a k a. der zwettgrößten Stadt des Landes, deren Einwohnerzahl nach den neuesten Zäh- lungen sogar noch die Tokios übertreffen soll. Man Hot Osaka das„Venedig Japans" genannt, und zweifellos erinnern die vielen die Stadt durchschneidenden Kanäle an die Lagunenstadt, wenngleich die altjapamschen niedrigen Gebäude mtt den Renoissance-Palöste» Venedigs an Pracht nicht wetteifern köimen. Auch in Osaka ist der Bootsoerkehr«in Hauptbeförderungs- mittel, und auf den stillen Kanälen, die von den malerischen Kon- turen der attjapanischen Baukunst eingerahmt sind, träumt noch die Romantik, während auf den bretten, gut gepflasterten Straßen sich richttge Wolkenkratzer erheben und der Verkehr einer modernen Großstadt dahinbraust. In Osaka haben zahlreich« große Industrien ihren Sitz, und es wird hier sehr viel gearbeitet. Der Pharmakologe Geh. Rat Thoms erzähll in seinem kürzlich erschienenen Buch.Wellwanderung zweier Deutschen" von dem Straßenleben Osakas. Durchwandert man abends die Straßen und Gassen, so sieht man in den nach außen in der ganzen Breitseite sich öffnenden Wohnungen noch bi» in die Nacht die Handwerker wie die Schneider, Schuster, Metallarbeiter, Glasschleifer, Uhrmacher, Barbiere tälig. Dabei war bisher die Bevölkerung außerordentlich genügsam: Reis und immer wieder Reis, dazu einen getrockneten Fisch und ein Kännchen grünen Tee— und man war vollauf be- friedigt. In der Neuzeit zeigt sich allerdings auch in den breiten Bolksschichten das Verlangen nach größerer Abwechslung der Nah- rung. Ebenso steigt anscheinend, wenigstens in den Großstädten, die Vergnügungssucht, die teils in den Teehäusern, in denen Geishas Tänze auinihren. befriedigt wird, aber auch in den zahllosen Theatern, Kinos, Restaurationen und aus den Straßen sich auswirkt. Man muß das bunte Leben und Treiben auf der Theaterstraße in Dotombori, dem Bergnügungsviertel von Osaka, die mtt Fähnchen und Reklameschildern und bunten Tüchern überreich geschmückt ist. erlebt haben, um zu wissen, daß es auch in Japan reckt vergnügt zugehen kann." Vorzüglich sind in Osaka die Volksschulen ein- gerichtet. Thoms sagt von der„Semba-Schule". die er besucht«:„Ich müßte ihr in Deutschland keine von gleicher Ausstattung an die Seite zu stellen." Die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt sind dos mäch- llge alte Schloß Olhiro, das mit seinen gewalligen Granitmaurtn und wuchtigen Gebäuden noch an die alte Ritterzeit gemahnt, und die großartige Tempelanlage von Tennoji. Bon der hochgelegenen Terrasie des Schloßhofes hat man«inen weiten Umblick über die Delta-Eben« des Iodogawa-Flusies, der in den Golf von Osaka mündet. Uebrigens spielt auch das deutsche Element in Osaka ein« Rolle. Davon kündet ein dentsch-japanisches Sommerfest. das Professor Hans Driesch mit seiner Frau auf seiner letzten ostasiatischen Reise mitmachte. Er erzähll in seinem Buch„Fern-Ost" davon, wie er in Osaka zu einer Sitzung des Deutsch-Iaponischen Vereins eingeladen wurde.„Die Sitzung fand", so schreibt Frau Driesch,„in einer Brauerei statt, deren Besitzer in Weihenstephan bei Freising studiert hatte, unter einem große», mit Lampion?. Fähnchen und Girlanden dekorierten Zelt. �Erst sprach mein Mann über seine „Philosopbie des Organischen", dann setzten wir uns alle an lange Tische, und man reichte uns sehr gutes japanisches Bier vom Faß und Ausschnitt. Die japanischen und deutschen Herren wechselten auf Deutsch herzliche Reden._ Fast alle anwesenden Japaner hatten kürzere oder längere Zeit in Deutschland studiert. Es war«in wirk- lich harmonisches Zusammensein." Da» coodeslhealer Slottgart erwarb zur kluiMrung stlr bie nächde Sdlelzeit an» dem Bübnenvertrieb be« VoltSiübnenverlaa« Verlin .S a ku n ta l a-, ew lnbische« Schauspiel van Kolibaw in der Uebersetznng von Rolf Lauckner. Das Werk ist bereit« im Voiksbubnenverlag al« Buchausgabe erschienen. Die Aasstellung der JMederlöndischen Kunst ia polsdam. Gestern nachmittag wurde in der Orangerie des Parks von Sanssouci eine bedeutsame Ausstellung eröffnet, die in historischer FolgS durch erlesene Beispiele einen kurzen. aber wesentlich-n Ueberblick über die moderne Entwicklung der niederländischen Kunst von 187S bis zur Gegenwart bietet. Die Gäste, unter denen man neben Vertretern der Regierung und der Potsdamer Behörden de« niederländischen Gesandten Baron von Geoer» und Freiherrn von Stoedten, den deutschen Gesandten in Holland bemerkte, wurden von Dr. Oswald im Nomen der Berliner Deutschen Niederländischen Gesellschaft und von Professor Sleewig» von der Deutsch- Niederländischen Bereinigung im Haag begrüßt. Beide dankten für das Geleistete und wiesen auf die starken kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Holland hin. Der Direktor de» Städtischen Museums im Haag, Dr. van Gelder, dem die Auswahl der aus- gestellten Objekte hauptsächlich zu danken ist,_ gab einen kurzen historischen Ueberblick über die Eigenart der holländischen Krnst und besonders ihrer modernen Entwicklung seit 1875. Staatsminist-r Dr. Becker dankte allen, die da« Auestellungswerk geschaffen haben, im Namen der Reichs- und der preußischen Behörden und e.klärte die Ausstellung für eröffnet. Frlssof Nansen in Berlin. Wie wir hören, trifft Fritjof Nansen heute vormittag X10 Uhr von Oslo zu kurzem Aufentholl in Berlin«in. um die Ansicht der zuständigen deutschen Stellen von der Möglichkeit derErforschungderArktisunterZuhllse- nahm« von Luftschiffen kennenzulernen. Der Rcichsver- kehrsminister Krohne wird ihm zu Ehren heute mittag im Hotel Adlon ein Frühstück geben, an dem u. a. der Reichskanzler und Dr. Eckener teilnehmen werden. Eine„Tagung für deussch« Bildung", veranstaltet von der Gesellschaft für deutsche Bildung und dem Erziehungswissenschaftlichen Seminar der Harnburgischen Universität, findet gegenwärtig in Hamburg statt. Eine zahlreiche Hörerschaft vereinigte ein Be- grühungsabend im großen Saal des Curie-Haufes. Vertreter der Unterrichtsbehörden der Stadt hießen die Gäste willkommen und brachten gut« Wünsch« für«ine ersprießliche Arbeit der Tagung zum Ausdruck. Architekt Fritz Hoeger sprach sodann über den Bau- gcdanken des Chile. Hauses. Dr. Ludwig Benninghoff. der zweite Redner drs Abends, sprach über die neue Bühnen- k u n st als Ausdruck des deutschen Lebenswillens, Bewegungschöre Rudolf von Labans und Sprechchöre von Frau Dilma Mönckeberg gaben Proben praktischer Anwendung der Bennino. hofffchen Ideen. Die 5cLhjahr,aii»fielIoag per Akabe»!« der SBaste. Nun scheint wenigstens die Regierung der Dereinigten Staaten sich gegen diese Leute, soweit sie ihre Landsleute sind, schützen zu wollen. Der in Paris erscheinende„New Port Herald" meldet nämlich aus Washington, daß Präsident Coolidge die Wiedereinführung des Gesetzes Franklins ins Auge fasse, das aus der Zell stammt, als Benjamin Franklin amerikanischer Gesandter in Frankreich war. Dieses Gesetz sieht Strafen gegen Amerikaner vor, die. ohne dazu ermächtigt zu sein, die amerikanische Auffassung im Ausland zu vertreten, dieses tun und auf diese Weise die Außenpolitik der amerikanischen Regierung stören. Dos Gesetz sieht eine Geldstrafe von SÜOO Dollar oder 3 Jahre Gefängnis oder beide Strafen zugleich vor. Der Abg. Hamilton Fish. Mitglied des aus- wärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, hat im Verlauf einer Unterredung mit Eoolidge diese Art des Vorgehens empfohlen angesichts der Erklärungen, die gewisse hochstehende ainerika- nische Persönlichkeiten bezüglich der Schuldensrage in Europa abgegeben haben. Hoffentlich wird aber diese Meldung— nicht auch alsbald dcmeittiert! flerztliche �ilfe unö Strafvollzug. Mißstände im Gefängnisweseu. Man schreibt uns aus Hannover: Der Fall des ehemaligen Reichspostministers Hoefle ist nicht Einzelfall, und das ist das betrübendstc an ihm. Hier hat es einen Prominenten getroffen. Die Trauer in den Familien ist nicht kleiner, wenn einem in der Oeffcntlichkeit Unbekannten ein ähnliches Geschick zustößt. Damit Abhilfe geschaffen wird, hat jeder der All- gemeinheit gegenüber die Pflicht, grobe Verstöße in unse- rem Gefängniswesen zur Sprache zu bringen. Wenn eine Gruppe von Menschen— Soldaten oder Gefangene— ohne eigene Wahl einem bestimmten beamteten Arzt auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ist, so ist mit besonderer Sorgsatt darüber zu wachen, daß Unkenntnis oder Fohrlässigkeit des Arztes sie nicht in die Grube oder an den Rand derselben bringt. Wer hierüber aus irgendwelchen Rücksichten schweigt, begeht ein Derbrechen. Einen besonders krassen Fall von gefängnisärztlicher„DeHand- lnng" eines Untersuchungsgefongenen im Gerichtsgefängnis Hannover habe ich vor längerer Zeit in der Hannoverschen Zei- tung„Volkswille" unter dem Titel„Unglaubllches aus einem Gc- richtsgefängnis" veröffentlicht. Der Gefangene hatte infolge psychischer Depression im Lazarett des Gefängnisses innerhalb sieben Tagen nur zweimal geringe Mengen von Urin gelassen und befand sich infolgedessen in einem lebensbedrohlichen Zu stände. Der Gefängnisarzt, Medizinalrat Dr. Brandt, war von dem Pflegepersonal wieder- holt auf die Ursache der schweren Erkrankung aufmerksam gemacht, ohne die angestaute, faulig-görcnde Flüssigkeit aus der Blase zu entfernen oder entfernen zu lassen. E» befanden sich über zwei Liter solcher Jauche in der Blase.(!) Der Unglücklich« wurde von Aerzten, die auf Veranlassung der Angehörigen zugezogen wurden, vom Tode gerettet, hatte jedoch ein« schwere Körperschä- digung erlitten. Die Behörde suchte die Tatsachen zu bestreiten und leugnet«, daß «in Anlaß zum Einschreiten gegeben sei. Der Ton des Zeitungs- artitels war allerdings dem Fall entsprechend recht scharf. Trotzdem stellte eine behördliche eingehende Untersuchung fest,„das die Gren- zen der sachlichen Kritik nicht überschritten seien". Dr. Ludwig Sternheim. Stahlhelmer als �anöesverräter. Fwmer neue Aällp. Görfiß. 28. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Am Mittwoch voriger Woche fft in Görlitz an seiner Dienststelle im Finanzamt der Steuerassistent Emil Roack verhaftet worden. Die Verhaftung durch die Landeskriminalpolizei erfolgte, weil Roack in dem dringenden Verdacht des Sendesoerrats steht. Noack hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Ek war früher Feldwebel und war später in der Görlitz« Ortsgruppe des Stahlhelm« an hervorragender Stell« führend tätig. Schon in der Orgesch seligen Angedenkens wurde sein Name viel genannt. Als die.Görlitzer Volkszeittmg" um die Jahreswende 1921�22 seinen Namen in einer Veröffentlichung nannte, war« einer der ersten, der dieserhalb Strafanttag stellte und die Verurteilung des verantwortlichen Re- dakteurs erwirkt«. Jetzt verlautet, daß Noack der Entente- Militärkommission allerhand Angaben gemacht Hot. Trifft das zu. so findet sich auch die Erklärung dafür, daß die Interalliierte Militärtommission wiederHoll Görlitz mit ihrem Besuch„beehrte". �rbeitsnackweistaFung. Zweiter und letzter Tag. Düsseldorf. 2& Mai.(Eigener Drahtfiericht), Der zweite Tag d« Arbeusnachweislasung war der Awssprwch� mber die Sejsdstvepwattung gewidmet. IL. a. war auch Rebchs- arbeits minister Dr Brauns erschiene»..-der in seiner Be- grützungsanspruche die Notwendigkett einer möglichst wirksamen Arbeitsvermittlung erörterte. Der erst« Referent Pros. Dr. H o e n i g« r- Freiburg i B. wiys auf die verschiedenen Bestrebun- gen zur Umgestattmig der Selbstverwaltung im Zllbeitsnachweisgesetz hin. So seien� z. B. die Gemeinden und Städte be- müht, die öffentlichen Arbeitsnachweise in die rern« Kommunalverwoltung zu überführen. Wahre Selbstverwaltung bedeute auch Selbstfinanzierung. Da sie im Arbeitsnachweis im Zusammenhang mit der Erwerbslosenfürsorg« eingetreten sei, erwachse die Frage, ob nicht der Ausbau der Selbstverwaltung zu einem sich selbst finanzie- rcnden Selb st Verwaltung, körper geboten erscheine. Der Direktor des Brandenburgischen Landcsarbeitsamts Dr. D er> m i« tz e l betont- in seinem Referat, daß die wirtschaftliche Selbst- Verwaltung sich seil dem Inkrafttreten des Arbeiisnachweisgesetzes von 1922 noch nicht im großen Stil« ausgewirkt Hab«. Das fei aber nicht allein zurückzuttihren aus die überragende Stellung, welch« die Gemeinden im Arbellsnachwei» einnehmen. Wesentlich nntgesprochcn Hobe die Tatsache, daß die Zeit zu kurz war, um dle Selbstverwaltung lebendig werden zu lassen. Dazu komme, daß gerade in der Zeit seit dem Bestehen des Arbeits- nachweisgcsetzes Arbettgeber wie Arbeitnehmer Iniolgs der In- ilatlon mit anderen Sorgen belastet gewesen seien. Notwendig sei. daß die beiden Parteien ,n verständnisvoller Zusammenarbeit und in der Ueberzeuqnng sich zusammenfänden, daß ihre Interessen und diejenigen der Allgemeinheit letzten Endes parallel laufen. Dann erst feien die Voraussetzungen für die notwendige Willensbildung der Selbstverwaltung im Arbeitsnachweis gegeben. Trotz aller Schwierigkeiten scheine e, doch möglich, daß in ab- seh barer Zeit die Selbstverwaltung den ihr gebührenden Platz im Arbeitsnachweis nicht nur einnehmen, sondern auch ausführen weide. In der Diskussion erklärte ein Vertreter der Arbeitgeber. daß sie werk aus«ine Erweiterung der Selbstverwallung legen. Meyer- Düsseldorf(ADGB.) warn» die Städte, den Gewerkschaften«inen Kampf zur Erhaltung der wirtschaftlichen Selbstnerwoitung aufzuzwingen. Nur durch den Ausbau d« Selbstverivaltung könne da» Vertrauen der Arbeiterschaft zum öisenUichen Arbeitsnachweis gestärkt werden. Für den deutschen Städtetag bedauert Oberbürgermeister Luppe, daß die Arbeitgeber ihre jüngsten Syndizi aus den Kongreß geschickt haben und fordert den führenden Einfluß der Gemeinden im Arbeitsnachweis. Landeshauptmann Dr. Hör i an stellt als Vertreter der Preußischen Provinzen fest, daß in der Prax,- ein durchaus gut«. Zusammen- arbetten von behördlicher und wirtschaftlicher Selbstverwaltung bestehe. Der Reichs st ädtebund läßt durch Dr. C l a eß erklären, daß er'eine Bedenken gegen die bisherige Organisation des Arbeitsnachweis- wescns trägt. � �. Di« D«rti«ter des Dontschen Gewerkschaftsbundes und de» Gewerkschaftsringes schließen sich den Ausführungen de, Vertreters des ADGB. an und protestieren gegen d! 6 Bestrebungen der Städte, die wirtschaftliche Selbstverwaltung zu beseitigen. Damit waren die Arbeiten des Kongresses beendet. Dl« wleuer Hochschulbuben verübten trotz der Schließung der llnioerfität vor ihr solchen Radau, daß 39 Verhaftungen vor- genommen werden mußten. Der Rest der Demonstranten wurde von der Polizei mit blanker Waffe zerstreut. internationale flrbeitskonferenz. Die Sozialreaktion trumpft auf! Genf. 28. Mai.(Eigener Dryhtbericht.) Die Arbeit in.den Auisichüssen der Arbeitskonferenz wird noch diese Woche beendet, to dgß nach Pfingsten die Debatte in der Vollversammlung begmiu. Gegenüber den Anträgen der Arbester bedeuten die Vorschläge der Unternehmer- und Regierungsvertreter ein« große Ein- schräuLuvg. In der Kommission für die Einführung der vier- undzwonzigstündigen Ruheschicht in den Glashütten mit Wanueyöfen haben die Regierungsvertreter und Unternehmer gegen di« Arbeit« beschlossen, eine Ruhepause nicht zu gewähren. Di« Kommission für dl« Wschaffung der Nachtarbett in den Backe- r e i e n Hot den englischen Antrag abgelehnt, der die Fest- setzung der Zlochtarbeit dem Ermessen der einzelnen Regierungen anheimstellen wollte, und hat eine neu« Prüfung der belgisch-fron- zösischen Porschläge beschlossen. Da ober hiernach die Einzelbetriebe ohne fremde Arbeiter nicht unter das Abkommen fallen, sollen außerdem auch bei anderen Bäckereien A u s tt a h m e n für Nachtorbeitserloubnis vorgesehen sein. In der Kommission für Un- iallversicherung wurde die Ausdehnung der Versichernngspflicht auf die Landarbeiter abgelehnt. Di« Festsetzung der Eni- schädigung bei Invalidität soll den einzelnen Regierungen überlassen bleiben: eine ollgemeine Regelung sei hier mit Rücksicht aus die stellenweise noch primitive oder überhaupt noch nickt vorhanden.: Unfolloersicherungsgesetzgebung vieler Länder unmöglich. Für die Fesfftellung der Berufskrankheiten sollen besondere Listen aus- gearbeitet werden. Am Donnerstag wurde in der Arbeitskonserenz die Debatte über den Direktorbcricht sortgesetzt. Genosse Susuki. Vorsitzender des Japanischen Gewerkschastsbundes, kritisierte seine Regierung, die bi» heute da» Washingtoner Abkommen und da» Verbot für die Frauen- und Kiicherarbeit nicht ratifiziert hat und die Persammlungs- t r e i h e i t durch Ausnahmegesetz gegen den inneren Feind stark beeinträchtigt, obwohl der Veffailler Artikel 427 dieses Recht garantiert. Genosse I o s h i, indischer Arbeiterdelegierter, fragte, warum die Arbeiter der Mandats- und Kolonialgebiete auf der Arbeitskonserenz nicht vertreten seien. Die englischen und holländitchen Arbeitervertreter könnten doch nicht auch gleichzeitig im Namen der eingeborenen Arbeiter ihrer Kolonien sprechen.— Der indische Arbeiteroertret« S m i t b stellt« fest, daß ein neuer japanischer Regierungserlaß, der in der Seiden- industri« den elfftundigen Arbeitstag sür minder- jährig« Arbeiter vorseh«, die indischen Unternehmer zu ent- sprechenden Schriften veranlassen werde, da sie sonst nicht kon- kurrieren könnten. Der japanische Regierungsvertreter Mayeda antwortete, daß die japanische Regierung das Recht habe, die Sozialgesetzgebung nack, eigenem Ermessen zu regeln: indessen sei ein gewiss« Fortschritt in der Herabsetzung der Arbeitszeit unverkennbar. In der Seidenindustrie sei der Z e h n stu n d en t a g eingeführt, und«in weiterer allmählicher Abbau der Arbeitszeit sei geplant. Abschließend verlangte Moycdo, daß das Arbeitsamt für dos Auswaiiderungsproblem. das für Japan«ine Lebensfrage sei, eine Spezialkommission einsetze. Der Volksbiocksteg in Suöapeft. 54 Sozialdemokraten im Gemeinderat. Die sozialdemokratische Parte, hat bei den Gemeinderatswahlsn oierundfünfzig Mandate, also fast die Hälfte der Sitze, die dem demokratischen Block zufiel, errungen. Zum erstenmal betritt die soziasdemokratischc Partei den Boden des Gemcinderatcs. Vielleicht hat die ungarische ArbeU-rschoft den verführerischen Ideen und Machtillusionen des Bolschewismus darum so wenig Wider. standskraft entgegensetzen können, weil die oligarchische Verfassung sie gehindert hat, an dem politischen Leben und an d« Verwaltungz- aibeit teilzunehmen. Da die sozialdemokratische Partei, diesmal nicht für sich allein in den Wohlkampi zog und da das Gcmeindcwahlrccht durch die sechsjährige Seßhaftigkeit noch schletttter gemacht wurde als da» Parlamentswahlrecht, ist ein Vergleich mit den Parlaments- wählen vor zwei Iahren nicht gut möglich. Damals wurden in Budapest für die sozialdemokratisch« Partei 33, für die bürgerlich- demokratisch« Partei 21 Prvz. der Stimmen abgegeben. Die-mal vereinigte der Block aus seine Listen 6? Proz.: ein Beweis, daß die Horthy- und Bethl«n>Wirtschaft in Budapest weiter an Boden verloren hat. Es waren 259 Gemeinderatsmandate zu vergeben. Bestünde innerhalb des schon an sich infamen Wahlrechte wenigstens eine Gleuhhett der Wahtk reise! nteilung, dann hätte der demokratisch« Block auf 155 Mcmhats Anspruch und hätte, sogar die ernennonden Mitglieder mitinbegriffen. die absolut« Mehrheit. Da aber zugunsten dar Hängechristen eine unvvschänte Wahlkreisgepmetri« betrieben wurde, so daß z. B. in den Bezirken, wo die Beamten wohnen, schon auf achthundert Wähler ein Gemeinderat eittsöllt, während in den proletarischen Bezirken die doppett« Stimmettzahl aufgebracht werden muß, war es mögllch, der christlich-nationalen Partei 93 Mandat« zuzuschanzen. Diese Partei beherrscht« aber früher unbeschränkt den Gemeinderat, ihr Sturz ist also trotz allem stark, und sie wird kaum in die Lage versetzt werden, die Ge- schicke Budapests weiter zu lenken. Politisch bedeutsam ist der Zusammenbruch der Partei des Regierungskommissars Ripka, der der eigentlich« Zlertraiiensmann des Ministerpräsidenten Bethlen war. Seine Partei ist die kapitalistische Ausgab« der agrarischen Regierungs- partei Bethlens in der Nationaloersammlung. Sie brachte es in Budapest auf ganze zwanzig Mandate: allerdings steht ihr ein sehr bedeutender Zuwachs aus den ernannten Mitgliedern bevor. Der Reichsverweser ernennt 21, aber mit denjenigen, die vermöge ihres?lmtes Gemeinderäte werden, kann ihre Zahl auf achtzig anwachsen, und sie werden sich fast alle der Gruppe Ripka an- schließen. Wenn auch die Wahlgeometrie und das Ernennung»- recht dag eigentlich« Wahlresultat verdunkette, so kann man doch feststellen, daß die sozialdemokratischen und die bürgerlich-demokrat!» schen Parteien die große Mehrheit der Budapest« Beoötte» rung bilden. Wie groß die Nicdettage der Reaktion«fft bei der Einführung des allgemeinen Wahlrechts wäre, kann daraus ersehen werden, daß die Zahl derjenigen, die das 24. Lebensjahr überschritten haben und des Lesens und Schreiben» kundig sind, in Budapest 526 557 beträgt, von denen fast 259 999 kein Wohl- recht besitzen! Bethlen wird jetzt wohl olle Minen springen lasten, um in dem Gemeinderat«inen Bürgerblock zusammenzubringen, der«in« städtische Verwaltung der Großbourgeoisie und de» Kleinbürgertum» in den Sattel heben soll. Die sozialdemokratische Gemtindesraktion setzt sich zumeist ans Genossen zusammen, die unmittelbar in der politischen und gewert- schafffichen Kleinarbeit stehen, die die B-düffnisse der Massen an» unmittelbarer Anschauung kennen, und es sind unter ihnen auch einige, die die Jahre der Emigration in W i en verlebt und dort mit großem Interesse die Arbeit der sozialdemokratischen Gemeinde- vervnzltung studiert haben, wie es ja zn der sozialdemokratischen Wahlkampagne gehörte, daß sie die L c i st u n g e n der roten Rothousmehrheit in Wien mit denen der Hänge- christen in Budapest verglich. Niemals war Wien bei den großen, arbeitenden Massen volkstümlicher und bekannter in Budapest, als während dieses Kompfes. England Wünscht keine Moskau-figenten. Londou. 28. Mai.(WTB.) Unterhaus. Der Staatssekretär des Innern Joynson H i ck s erklärte, ausländischen Kommunisten werde die Erlaubnis, an der kommunistischen Konferenz in Glasgow am 39. Mai teilzunehmen, verwei gert werden. Diejenigen, die zur Teilnahm« an dieser Konferen,) englischen Boden beträten, würden mit dauerndem Einreiseverbot bestraft werden. Di« Ardciterabgg. Lansbury und E l y n e s fragten, ob die Regie- rung die umstürzlensche Dropoganda der Kommunisten für u n- gesetzlich zu«klären beabsichtigt. Der Staatssekretär erwiderte, britischen Staatsangehörigen seien gewisse Dinge erlaubt. Aus- ländern jedoch würde sie die» nlcht gestatten. Die Regierung». Parteien nahmen diese Erklärung mtt Beifall aus. Kein Verkehrsstreik Zu Pfingsten! Voraussichtliche Einigung in den Verkehrsbetrieben. Obschon das Personal der Hochbahn und der Omnibus- gefellschaft von der neuen Lohnregewng, die Wochen- Zulagen von rund 1,5 0 bis 4,50 Mark bringt, keineswegs befriedigt ist, so ist nach der ganzen Stim- mung, im Hinblick auf d i e niedrigen Löhne in der Ber- liner Industrie, dennoch zu erwarten, daß es z u r An- nähme des Schiedsspruches für die Hochbahner und des Vcr- glcichsvorschlogs für das Omnisbuspcrsonal kommt. Die Erklärungs- frist läuft um 8 Mir heute abend ab. Die Hochbahn er traten heute früh 3 Uhr zu einer Der- fammlung zusammen, um sich über ihr Verhalten zu dem Schieds- sprach schlüssig zu werden. Die Straßenbahn wird sich der gedachten Regelung an- schließen, so daß die Streifgefahr als beseitigt gelten kann. Sie bisherigen Löhne öes Verkehrspersonals. Nach dem ab 1923 geltenden Abkommen, die bei der Omnibus- und Hochbahngssellschaft am 13. Mai abgelaufen sind und bei der Straßenbahn am 31. Mai ablaufen, erhielten bisher bei acht- ständiger Arbeitszeit: Vorarbeiter bei Einstellung 73 Pf., nach drei Monaten 75, nach sechs Monaten 79 und nach einem Lahre 83 Pf. pro Stunde. Die Handwerker sind in drei Altersgruppen, von 18 bis 21, von 21 bis 24 und von darüber hinaus eingeteilt und erhalten Kh, 64 bezw. 67 Pf. Anfangs lohn, nach drei Monaten 64, 67 bezw. 79 Pf., dann 67, 70 bezw. 73 Pf., bis zum H ö ch st s a ß von 69, 72 und 75 Pf. Die Fahrer im Personenbeil iebc erhalten im Akter bis 24 Lahre 33, 57, 59 bezw. 61 Pf., über 24 Lahre 58, 60, 63 bezw. 65 P i. Die Schaffner und die ungelernten Arbeiter, in drei Aliersgruppsn geteilt, erhalten bis zu 21 Iahren 52, 54, 36 bezw. 38 Pf., bis tu 24 Jahren 55, 37, 59 bezw. 61 P'. und über 24 Lahre 58.. 60, 63 und 65 P f. Die ungelernten Arbeiter erhalten 47, 48, 30 oder 52 Pf. in der Altersstufe bis LI Lahre. 50, 51, 53 bezw. 55 Pf. im Alter bis zu 24 Iahren und darüber hinaus 53. 54. 56 und 58 Pf. Die Fahrer im Personen- betriebe erhalten täglich 9 0 Pf. Fahrzulage, die E! n m a n n- Wagenführer eine Zulage von 2 Pf. in der Stunde. Zu diesen Löhnen kommt eine Frauen zu läge für Verheiratete mit eigenem Haushalt von 3 Pf. und eine Kindcrznlage von weiteren 3 Pf. für jede??iild unter 14 Labren. TNonatslöhn? des TZerkehrspersonal bei einer Arbeitszeit von 8 Stunden 51 Minuten. Die Zugprüfer erhalten monatlich 180,50 M. die Z u o f a h r c r, Bahn Hofswarte und Straßenbahnfahrer 167,50 M. Gehalt, das von zwei zu zwei Lahren steigt und nach 10 Dicnst- iahren die Hoch ft f u m m e von 178,50 ZM erreicht. Hinzu kommt nach 12 Dienstjahren in der betrekfeirde» Sparte eine Altcrszuloge von 3 M. monatlich, die bis zu 13 M. steigt, fo baß ein Fahrer nach 22jähriger Tätigkeit es bis zu 193,50 M. bringen kann. Hierzu kommt allerdings noch eine Kinberuilage von 4,60 M. im Monat oder 18 Pf. pro Tag. Jedenfalls ist der Gefahr vorgebeugt, daß dle Wagen durch das Gewicht der Fahrer zu sehr belastet werden. Bei den Schaffnern muß außerdem darauf geachtet werden, daß sie sich in den Türen und im Wageninnern rasch bewegen können und nicht etwa durch Leibesfülle in ihrer Beweglichkeil gehemmt sind. Ln dieser Gruppe beginnen die Monatsgehälter mit 125,50 bis zu 136,50 M. nach lljährigcr Dienstzeit, in der Zwischen- stufe gehen sie van 134,50 bis zu 146,50 M. und in der höchsten Stufe beginnen sie mit 152,30 M. und steigen bis zu 161,50 M. In den F o h r k a r t e n a u s g a b c n schwanken die Monatsgehälter zwischen 99,50 bis zu 128,50 M. Bei einer Arbeitszeit von 9'A Stunden beträgt der Tagelohn für Fahrer bei der Einstellung 6,60 M., steigend um 20 Ps. nach einem Lahr, um weitere 20 Pf. nach drei Lahren und um 30 Ps. nach fünf Jahren bis zu 7,30 M. Für Schaffner und Wagen- schmiercr beginnt der Tagclohn mit 5,70 M., steigend bis zu 6,13 M., für Hokarbeitcr und Wagenwäscher mit 5,30 M., steigend bis zu 5,60 M. Hinzu kommen Frauen- und Kinderzulogen von täglich 27 Pf. In den Werkstätten erhalten die Arbeiter unter 21 Iahren 54 Vf.. darüber 63 Pf., die Lagerarbeiter 57 bezw. 67 Pf., die Hitfshandwerker 63 bezw. 73 Pf., die unselbständig arbeitenden Haichwcrker und Rcvolverdrehcr 69 bezw. 79 Pf. und die selbständig arbeitenden Handwerker 74 bezw. 86 Pf. Hierzu kommen je 3 Pf. Frauen- und Kinderzulage. Ter Schiedsspruch für die Hochbahner konnte nur in einem Teil unserer gestrigen Abendausgabe gebracht werden, weshalb wir ihn hier noch einmal kurz wiederholen wollen. Die Vorarbeiter sollen 8 Pf., die Handwerker 7 Pf., die Angc- lernten 6 Pf., die Ungelernten 4 Pf. und die Arbeiterinnen 3 Pf. Lahnzulage erhalten. Die Löhne des Fahrperfonals sollen nach dem gleichen Schlüssel erhöht werden. Tic Vcrhandlunizcu mit der Lmnibusgesellschaft. Die gestern nachmittag gepflogenen Verhandlungen, in deren Verlauf der Schiedsspruch für die Hochbahn bereits bekannt war, führten zu folgendem Vorschlag: Der Lohn für Chauffeure soll erhöht werden von 69,4 aus 77 Pf., von 71,5 auf 79 Pf., von 73.1 auf 83 Pf. und von 76,8 auf 85 Pf. Der Stundenlohn der Schaffner und Wagen- s ch m i e r e r fall van 60 auf 63, von 61,4 ouf 67, von 63 aus 68 und von 64.7 ouf 70 Pf. erhöht werden. Hoiarbeiter und Wogenwäscher sollen erholten 61 statt 55.7, 62 statt 56,8, 63 statt 57,8 und 64 statt 58,8 Pf. Die Stundenlöhne des t e ch n i- schen Personals sollen von 86 out 92, von 79 auf 84, von 7.3 au? 77, von 67 aus 71. von 63 auf 67 Pf. erhöht werden. Die Fronenziilage bleibt bestehen. Diese Zulagen bewegen sich ungefähr in der gleichen Höhe wie die durch Schiedsspruch für die Hochbahner festgesetzten Zulagen. Falls die Position in der Uebermittlung an uns richtig wiedergegeben ist. die eine Erhöhung des Lohnes von 7.3,6 auf 83 Pf. zeigt, dann würde die höchste Zulage 9,4 Pfg. betragen. Im übrigen schwanken die Zulagen.zwischen 8,2 und 4 Pf. Gefordert war eine Zulage van 20 Pf. pra Stunde, wogegen die neue Regelung im Durchschnitt unter der Hälfte dieser Forde- rung bleibt und bis zu einem Fünftel derselben herabgeht. Generalversammlung üer Suchörucker. Die Buchdrucker hatten in Anbetracht der in der letzten Zeit verteuerten Lebenshaltungskosten das bestehende Lohnabkommen gekündigt und Lohnerhöhung gefordert, lieber den Verlauf der m!l den Unternehmern geführten Perhandstingen berichtete der©au- Vorsitzende Braun am Dienstag in der Generalversammlung der Berliner Buchdrucker. Die Unternehmer versuchten, zun, Teil schau bestehende höhere Löhne bei der neuen Lohnregelung in Anrechnung zu bringen. Außerdem verlangten die Unternehmer, dem Ab- kommen eine ihre Interessen wahrende Sicherungsklausel cinzu- fügen. Das Abkommen sollte bis zum Ablauf des Mauicliariss im Februar nächsten Jahres Gültigkeit haben. Diese Bindungen kannten von der Organisation abgewehrt werden. Es kam schließ- lich ein Vergleich zustande, wonach der Spitzenlohn vom 30. Mai bis-3. Juli 46 M. und vom 4. Juli bis 1. Januar 1926 48 M. be- trögt. Das Lohnabkommen verlängert sich bis zum 28. Februar 1926, sobald es nicht drei Wochen vor Ablauf gekündigt wird. Die Gauuorsieherkonferenz hat in ihrer Gesannheit dem Abkommen zugestimmt. In dieser Konferenz standen eine Reihe wichtiger Fragen zur Erörterung. Das Verbands ha us geht seiner Vollendung entgegen. Je- doch haben sich die Kosten infolge der Verteuerung der Bau- Materialien wesentlich erhöht. Zur Spartenfrage wurde in der Gauvorstehcrkonferenz eine Entschließung angenommen, welche die Sparten ersucht, in Zukunft nicht wie beim letzten Tarifabschluß eigenmächtig vorzugehen. Gegen Willkürmaßnahmen der Unter- nehmcr wird sich die Organisation auch weiterhin zur Wehr setzen. Obwohl das Verhalten der Unternehmer Erbitterung bei den Berliner Buchdruckern hervorgerufen hat, nahm die Versammlung von einer Diskussion über die Lohnvereinbarung Abstand. Die Be- schlüfs- der©auvorsteherkonferenz wurden in cher Mehrzahl gut- geheißen. Don einigen Rednern wurde die Spartenentschließung bemängelt.__ Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit. In der Zeit vom 1. bis 13. Mai hat sich die Zahl der Hauptunierstützungscmpfänger in der Erwcrbcloscn- fürsorge von 320 009 aus 274 000, d. h. um rund 14 Proz. n e r m i n de r t. Im einzelnen hat sich die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempsönger von 2 88000 aus 24500 0, die der weiblichen von 32000 auf 29000gesenrt. Die Zahl der Zuschlagsempsöngcr ist von 437 000 aus 36< 000 zurückgegangen. Borsicht bei Tampferpartien! Von Arbeiterorganisationen und Dereinen werden in den Sommermonaten mehrfach Vereinssahrten per Schiss veranstaltet. Bei diesen Veranstaltungen bitten wir, nur diejenigen Per- sonenschiffahrts Unternehmungen zu berücksichtigen, die die Lohn- und A r b e i t s b c d i g» n g e n für ihr Personal mit der zuständigen Organisation der Binnenschiffer geregelt hoben. Auskunft hierüber erteilt der Deutsche Verkehrsbund, Mit- gliedsthaft Binnenschiffer und Wasscrbaupersonol der Elbe, Oder und märkischen Wasserstraßen. Berlin SO. 16, Michaelkirchplatz 2,11. Telephon: Amt Moritzplatz 11169. Achtung. Bauarbeiter! Die Verhandlungen zwecks Beilegung des Slrerks der Kunst- steinverfetzer am 26. Mai find ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber verlangten, daß die Kunststeinversetzer bis zUm.10. Juni zu den alte» Bedingungen weiter arbeiten und vom 1. Juli der Lohn der Steinarbciter Anwendung finden solle, de? zurzeit mit dem Lohn der Kunststeinversetzer gleich ist. Im übrigen finden die Arbeitgeber die Forderung der Kunsijtcinocrsctzer von 1,45 M. pro Stunde zu hoa'>. Diese Forderung sei undiskunerbar und entbehre jeder Berechtigung. Der Streik gehl deshalb unverändert weiter. Die Bauarbeiterschaii wird ersucht, strengstens darauf zu achte», daß keinerlei Kunststeinprodukle versetzt werden. Deutscher Baugewerksbund. Bougewerkschaft Berlin, Fachgruppe der Kunststeinversetzer. Achknna, Bauarbeiter! Da die Differenzen bei der Rohrdecken- sirina Gustav P r e u ß. Bcrlin-Charlottenburg. Schillerstraße 76, b e i g e l e g l sind, ist die Sperre hierdurch aufgehoben. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe der Röhrer. Eisenbahner und Reichsbahntoirtschaft. Ueber die Perscnalpolitik der Reichsbahngesellschast sprach am Mittwoch abend Beilschmidt vom Deutschen Eisenbahneroerband in einer öffentlichen Eisenbahneroersammlung in Charlotten» bürg. Trotz der gesteigerten persönlichen und sachlichen Ausgaben hat es die Reichsbahn gut verstanden, ihre Einnahmen wesentlich zu erhöhen. Wenn trotzdem die Gesellschaft bestrebt ist, die Lebenshaltung der Arbeiter und Beamten so niedrig wie möglich zu halten, so offenbart sich darin eben die rein privatkapitalistische Wirtschaftsweise und der Einfluß der großinduftriellen Perwaltungsmitglieder. Neuerdings hat man herausgefunden, daß noch etwa 30 000 Mann Personal zuviel sind. In einem Erlaß an die Dircktions- Präsidenten wird diesen zur Pflicht gemacht, dazu beizutragen, daß durch Beseitigung des„überflüssigen" Personals. worunter auch das Reservefahrpersonal verstanden wird, sofort die Personalunkosten herabgesetzt werden. Daneben sollen die Einzel- arbeitsleiftungen vermehrt werden, wobei die Vorkriegsleistung als Maßstab zu nehmen fei. In dem Erlaß wird weiter versucht,«in S p i tz e l s Y st e m großzuziehen, das bei nicht wunschgemäßer Be- ochtung der Sparanordmingen mit Denunziationen arbeiten soll. Beilschmidt erinnerte in seinen kritischen Bemerkungen dazu, daß die Reichsbahndirekiion nur die Prämie»gelder beseitigen solle, die sich zu einer Korruvtionswirtschast ausgewachsen haben, und daß der Abbau der Riese ngehälter der oberen De- a inten wesentliche Ersparnisse bringen könne. Das Reo lein- kommen der Arbeiter und Beamten ist jedenfalls noch lange nicht auf dem Friedens st and angelangt, was die einfachste Hausfrau beweisen könne. Wenn für die Leistungen des Personals die Friedensleistung als Norm genommen werden solle, so sind die Eisenbahner nur zufrieden damit. Es würde dann jedenfalls aufhören, daß das Fahrpersonal unter Gefährdung des reisenden Publikums nicht mehr von dem Zug herunterkommt und daß bei- spielsweise Güterbodenarbeiter an einem Tage 12 bis 15 Tonnen, gleich 300 Zentner. Güterlaftcn sortzu- bewegen hätten. Die bisherige Personolpolitik der Reichsbahn zeigt folgenves Bild: Handwerkcrübcrfluß— Versetzung der Handwerker in den Arbeitcrsiand. Dadurch lleberiluß an Arbeitern— Entlassungen. Dann infolge der Versetzungen wieder H a n d- wcrkermangel— Heranziehung de; Zugpersonals zu Handwerkerdien st en. Dadurch wieder Handwerker- Überfluß— und das Spiel beginnt von neuem. Daneben ver- sucht man durch systematische Protegierung der„Pölki- schen" sich einen Stoßtrupp zu schaffen. Bei den neuesten Abbaumaßnahmen ist von der Verwaltung so- gar erwogen worden, die Pensionäre, Altrentner, die unterstützten Witwen lind Waisen abzubauen. Die ganze verhängnisvolle Personalpolitik müsse das Personal endlich veranlassen, sich nach dem Vorbild der Unternehmer in festen Einheitsorganisationen z u- sammenzuschließen. Für die gemeinsame Kampsfront der Arbeiter und Beamten in der Einheitsorganisation sprach am Schluß der Versammlung auch Z i e g e n e r von der Rcichsgewerkschafl. Tas Parlament der Berufskraftfahrer. In Frankfurt a. M. traten dieser Tage die Delegierten der im Deutsche:, Verkehrsbund organisienen Lerufstraftfahrer, 65 an der Zahl, zusammen, nn, zu all de» Fragen Stellung zu nehmen, die zurzeit für den Berusskrastfahrer brennend sind. Wie groß dos Jnieresse an dieser Tagung auch> w A u s l a n d e war, zeigten die Vertreter der h o l l ä n d i s ch e n und s ch u«- i z e r i s ch e n Chan s- feure, die in ihren Au-Tübrnngen darauf hinwiesen, daß auch die ausländischen Kollegen ein libdcstes Lntere' c an der Verbesserung der deutschen Automvbilgesetze baben. In großen Zügen referierte der bisherige Vorsitzende der Ab- tsilunasleitung R e i tz über di? Eifrige der letzten drei Jahre und zugleich über die Wege, die:il Zukunft eingeschlagen werden solle», um aus den jetzigen unhaltbaren Zuständen herauszukominen. die sich besonder; auch durch die Verordnung über die Strasrechtspflcge von,.Lahre 1924 ergeben. Das zweite Referat, erstattet von dem Sekretär R e t t i g, Berlin, behandelt den Ausbau der Organisation von einer Rcichsabteilung des Deutschen Verkehrsblindes zu einem Reichsverband der Berufskraftfahrer mit Satzungen. die alle Mitglieder nicht nur gegen Arbeitslosigkeit und bei Arbeits» kämpfen zu unterstützen haben, sondern auch darüber hinaus in allen sonstigen Rotlaoen, die sich im Kraftsahrerberus ergeben, wie au:- reichende Unterstützung bei Schadensersotzanjprüchen, bei erfolgten Unfällen, Rechtsschutz durch olle Instanzen usw Die Konserenz hat auch für diese Fragen der Abteilungsleiiung einstimmig den Auftrag gegeben, diese notwendigen Neuerungen kür alle Mitglieder einzufühlen. Um die Gewinnung der noch reichende Unterstützung bei Schadenersatzansprüchen, bei erfoloien einstimmig beschlossen, den Namen .Reichsverband der Vcrusskraftfahrer" zu führen. Als 1. Vorsitzender wurde der bisherige Abteilungsleiter R e! tz. als 2. Porsitzenoer der Kraftfahrer Hanke, Berlin, einstimmig gewählt. Der Sekretär und Redakteur, der Kraftfahrer R e t t i g, wurde erneut bestätigt. Außerdem wurden noch sechs Beisitzer gewählt, die als Vertreter der verschiedenen Branchen der Bernfskrastfahrer in Tätigkeit zu treten haben. Der Verlauf der Reichskonsarem. die von dem Reichstagsabqe- ordneten Bender als Leiter derselben mit einem dreifachen Hoch auf den neuen Reichsoerband geschlossen wurde, hat gezeigt, daß die 3 0 0 00 Mitglieder des Verbandes auch in Zukunft nicht ruhen werden, bis auch der letzte nach fernstehende Pernfskollege für die Organisation gewonnen ist und die unerträglichen Hemmnisse der jetzigen Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung im Inter- esse der Allgemeinheit den modernen Berkehrsnotwendigkeiten en--,. sprechend abgeändert sind:_ Lohubetvequnq der Saarberstleute. � Saardrücken. 28. Mai.(Mtb.) Die Bergarbeiterarganisationen des Saargebietes haben einen entscheidenden Schritt unternommen, indem sie sich an den für die Verhältnisse im Saarbcrgbau als letzte Instanz maßgebenden französischen A r b e i t s m i» i jt e r gewandt haben, nachdem die seit Monaten geführten Vcr- Handlungen mit der Saarbergwcrtsdirektion erfolglos ge- blieben waren. In einem ausiührlichen Schreiben wird an die, von den, französischen Arbeitsminister anläßlich der am 31. Mörz in Paris geführten Lohnverhandlungen gemachten Zusagen erinnert. daß die Löhne der Bergarbeiter erhöht werden sollen. Seit der letzten Erhöhung sind die Lebenshaltiiiigs- kosten nach übereinstimmender Ermittlung der Regierungs- kommission und des statistischen Amtes der Stadt Saarbrücken uvi 8 Proz. gestiegen. Die Dergarbeiterorganiiaiianen fordern daher, daß die seinerzeit von dem französischen Minister gegebenen Versprechen eingelöst und die Löhne entsprechend der Neuerung erhöht werden.__ Was gerade noch fehlt. Bachum 28 Mai. kEigener Drahtbericht.) Der Arbeitgeberverband. R o r d w e st l i ch e G r u p p e. hat das westsallsche Lohn- abkommen zum 1. Juli gekündigt. Der Arbeitgeber- verband Rardwest fordert wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage seiner Betriebe einen Lohnabbau van lO Proz. * Die am Tarifvertrag für die Gas-, Wasser- und Elekirizitäts- werke Rheinlands und Westfalens beteiligten Gewerkschaften haben beschlossen, das Lohnabkommen für die Gas-, Wasser- und Elektri- ziiatswerke zum!• Juli zu kündigen. Die Arbeitslosen zahl in Danemcrk ist in der letzten Woche um Z900 aus 30898 zurückgegangen. In dem gleichen Zeit- «bschnin des vorigen Lahre? betrug die Zahl 17 590 und im Lahre 1923 25 300. Die gegenwärtige Ziffer ist zweifellos durch die Lohn- kämpfe beeinflußt._ und Kcrl-asnnN-lt V-ni ein«; u. Co, V«!in EW KS'eju«ns,rs« s- Äictsu: Beiladen nnti..Unter» altuna und«igen». MorfiuiinH Sehl o3Rhcl:i blick, Godesberg! Rhein. Dr.Mueller-Roland, seit 1899. Pantobon- usw. Kokain« Entwöhnung Prospekt frei GOLD EWERBTOfttra Nr. 250 ♦ 42. �ahrgtMg 7. Heilage öes vorwärts Freitag, 24. Mai 1425 pfingftwanüerungen. Durch die Uckermark und das Ländchen Rhinow. Wenn da» Pfingstgeläute durch die Land« schallt, wenn im Waldesdom der Kuckuck ruft und der Pirol pfeift, wenn der Bäume Kronen im frifchen Grün prangen, wenn der Frühling scheiden will, um den Sommer zur Herrschaft zu lassen, dann wandert sich's besonders schön durch den märkischen Wald, zu den märkischen Seen, dann wecht Festesfreude die Wanderung. Zwei- bis Orei-Tage-VaaSerung. In Angermünde, der Hauptstadt des gleichnamigen ucker- märkischen Kreises, beginnen wir unsere Psingstwanderuna. Die Stadt weist an mittelalterlichen Baulichketten die gewaltige Marienkirche, das Kloster und einige Reste der Stadtmauer auf. Nord- östlich dehnt sich der Mündesee aus, von dem Angermünde seinen Namen hat. denn es liegt.auf dem Anger am Mündesee". Wir verlassen die Stadt gen Nord auf der Chaussee nach Kerkow. dessen hochragenden Kirchturm wir bald sichten. Das Dorf liegt an der Dieoemtz, die den Abfluß vom Mündesee zur Welse bildet, von Kerkow wandern wir westlich, überschreiten die Stettiner Bahn und kommen dann nordwestlich nach dem großen Gut Görlsdorf. Hier überschreiten wir die Welse, die ihren Ursprung in den Seen zwischen Ioachimsthal und Angermünde hat und bei Bierraden in die Oder mündet. Wir wandern nördlich um den Görlsdorfer Tiergarten herum zur Chaussee, der wir gen Nord nach G r e i s f« n- b e r g folgen. Das Städtchen, da» in der stckermark besonders durch feine Töpsereierzeugnisse bekannt ist, liegt an der Eernitz, einem Nebenslüßchen der Weis«. Auf dem Burgberg im Osten de» Orte» sind noch Reste der Burg der.alten Grypen', die mit der Stadt bereits 1Z7Z erwähnt wird, erhalten geblieben. Don Greiffenberg wandern wir nordwestlich weiter nach Wilmersdorf und von hier gen Nord auf dem Melzower Wege zum Wald. Der Weg führt durch den Wald, schönen Hochwald, der mit jungem Bestand abwechselt, vorwiegend besteht der Wald aus Buchen: an den zahl- reichen Sumpfstellen herrscht jedoch die Erle vor: kurz vor Melzow ist der Weg von Fichten eingefaßt. Schließlich kommen wir nach Melzow, dem Ziel des ersten Wandertage». Da» Dors liegt in hügligem Gelände, rings von Wald umgeben. Weglänge von Angermünde etwa 28 Kilometer. Bald nachdem wir Melzow ver- lassen haben, kommen wir wieder in den Wala. Aus der Gramzower Straße wandern wir zum Forslhaus D r e t e ck s e e und wenden uns hier nach Norden zum Ufer de» gleichnamigen Sees. In östlicher Richtting kommen wir alsdann zum Kleinen und Großen Rathsburgsee. Durch Wald und Seen erfreut uns die Ucker- mark auf der heuttgen Wanderung. Di« versteckte Einsamkeit, das träumerisch« Schweigen der Seen lockt un» zu stillem, beschaulichem Derweilen, und die Wanderung an den von Wald umkränzten Usern gewährt uns wunderbaren Genuß und versetzt un» in ein« weihevolle Feststimmung.— Wir kommen nach G r a m z o w. einem ehemaligen Marktflecken, jetzt Dorf, mtt aller Kirch« und der Ruine eines Klosters aus dem 18. Jahrhundert, das ein Tochterkloster von Ierichow war. Kloster Gramzow hatte in der Geschichte der Ucker- mark ein« ebenso große Bedeutung wie Kloster Ehorin. Don Gram- zow wandern wir über Blankenburg nach Seehausen, da» am Nordende des Ober-Uckersees liegt, auf der Niederung zwischen diesem See und dem sich nördlich anschließenden Unter-Uckersee. Auch in Seehausen war einst ein Kloster. Dos Ziel de» zwetten Wandertages höben wir erreicht. Weglänge von Melzow etwa 20 Kilometer. Wir wandern auf dem durch die Niederung und über die Uecker führenden Wege nach P o tz l o w. am Norduser des Großen Potzlow- sees, der ebenfalls im Ueckertal liegt. Potzlow war In aller Zelt eine Stadt. Als Wahrzeichen ist noch der Roland erhallen geblieben, ein figurenartiges Gebilde- aus Eichenholz, das an die Stelle des früheren steinernen Rolands gefetzt wurde. Cr steht bei der Kirche, am sogenannten Marktplatz. Wir wandern nun noch Norden über Strehlow und Zollchow nach Röpersdorf, am Westuser des Unter- Ucckerfees. Die Wanderung führt uns durch die eigenttlche Korn- tammer von Brandenburg, denn die Kreile Angermünde und Prenz- lau haben mit den fruchtbarsten Boden der Mark.— Schon lange sehen wir vor uns den Doppellurm der Marienkirch« von Prenz- l a u aufragen, den sogenannten.Säbelknecht(Stieselknecht)'. Bald haben wir die Hauptstadt der Uckermark, das Endziel de» letzten Wandertages, erreicht. Weglänge von Seehausen etwa 17 Kilometer. Zahlreich sind in Prenzlau die Bauten und Ueberreste aus dem Mittelaller. Das gewaltigste Baudenkmal Prenzlaus aus jener Zeit ist jedoch die Marienkirche, um die Wende des 13. zum 11. Jahrhundert entstanden, zugleich eins der hervorragendsten Werke des Backsteinbau» überhaupt. Bewundernswert ist die gewaltige zweitürmige Westfront und der prächtig oerzierte Oftgicbel (Abbildung). Don den allen Tortürmen ist der schönste der Mittel- türm, unten viereckig, in der Mitte achteckig, oben rund. Eine Nachbildung steht auf der Oberbaumbrücke in Berlin. In der Heiligengeistkirche, nahe dem Mittelturm und der Marienkirche, hat das sehenswerte uckermärkische Museum seine Stätte. Schöne Spaziergänge bietet der Stadtpart und die Promenade am Unter- Ueckersee. Bon hier schweift der Blick nochmal» über die weit« Wassersläch« des Sees, dessen gegenüberliegende» südliche» Ufer Die Marienkirche In Prentlan vöMg verschwindet. Dom Westufer grüßt der hochragende Kirchturm von Röpersdorf. Durch die Stadt wandern wir zum Bahnhof, um die Heimreise anzutreten.— Wer nur zwei Tage zur Berjüguag hat, kann entweder die Fahrt in Wilmersdorf beginnen oder in See- hausen beenden. Zwel-Toge-Vtmüttuag. Mtt den Zügen der Hamburger Bahn fahren wir vom Lehrter Hauptbahnhof nach R e u st a d t a. d. Dosse. Ein« kurze Wanderung bringt uns vom Bahnhof in die Stadt. Hier ist um 1200 von den vordringenden Deutschen eine Burg angelegt worden, um den Ueber- gang über die Dosse zu schützen. Die Landstraße von Havelberg In da» Land Ruppin führt« hier vorüber. Bei der Burg entstand die Siedlung Neustadt, ein Flecken, der erst 1064 zur Stadt erhoben wurde. Südlich der Stadt, am anderen Dofseufer, liegt Spiegel- berg, wo sich früher eine Glashütte und Spiegelfabrik befand. Ueber das Gestüt Lindenau und da» Friedrich-Wilhelm-Gestüt kommen wir nach Sieversdors, mtten Im Dossebruch. Hier sind noch mehrere alle Bauernhäuser erhallen: der Giebel ist der Straße zugekehrt, an ihn schließt sich der Zaun mtt der Pforte und daran in einigen Fällen noch ein kleines Torbaus an. Auf den Höfen steht häufig noch der Pütten in alter Form. Die Hofanlage entspricht dem räntischen Typus. Wir wandern südlich zum Dors hinaus, über- chrei'en die Slädtcbahn und kämmen an Raminsgut vorüber nach 5riedrichsdorf, das 1773 angelegt und mit 12 Hopfengörtnern, IS Büdnern und dem Schulmeister besetzt wurde. Die Straße führt weiter gen Süd, über die Dosse und an Neugarz und 5?ohengarz vorüber durch das Rhinluch. Wir überschreiten schließlich den R h i n. der die Hochfläche des Ruppiner Landes zur Havel entwässert, und kommen zur Friesacker Chaussee, der wir rechts nach Rhinow folgen. Weglänge von Neustadt nach Rhinow etwa 18 Kilometer. Rhinow wird bereit» in einer Urkunde des Brandenburger Domarchivs vom 28. Dezember 1216 als einer der Grenzorte genannt. Der am allen Rhin westlich der Stadt gelegene Kietz deutet auf slawische Besiedlung beim Vordringen der Deutschen hin. Die alten Befesti- gungsanlagen sind späterhin besetttgt worden. Im 15. oder 16. Jahr- hundert ist die Stadt mehr zur Hochfläche hin verlegt worden: hier war die Ueberschwemmungsgefabr geringer als im Luch. Die Stgdt liegt am Nordhing des Ländchens Rhinow, einer Hochfläche, die inselartig am Zusammenfluß dreier eiszeitlichen Urstromtäler lEbers- walder, Berliner und Baruther) aufragt. Am Bahnhof der Städte- bahn vorüber wandern wir auf der Chaussee um den Nordhang des Ländchens Rhinow noch Stölln. Wir kommen weiter zu dem 110 Meter hohen, steil aufsteigenden Gollenberg, der sich etwa 83 Meier über das Rhinluch erhebt. Er ist der höchste Berg des Havellandes und bietet Aussicht bis nach Havelberg. Gut eine halbe Stunde hinter Neuwerder wenden wir uns rechts ab, an den Schweinebergen vorüber, nach Schönholz und weiter über Meierei Elslaake zum Borwerk Elslaate. Nun wandern wir auf der Chaussee südwestlich nach Hohennauen, zwischen dem Hohennauener See im Osten und der im Westen vorüberflicßenden Havel gelegen. Obwohl die ersten urkundlichen Nachrichten über diesen Ott erst aus dem Ende des 14. Iahrhundetts vorliegen, hat die erwähnt« Burg an dieser wichtigen Uebergangsstelle über die Havel sicher schon früher bestanden. Auch hier deuttt der Kietz darauf hin, daß schon vor der deutschen Besiedlung ein wendischer Wohnplatz vorhanden war. Ueber den Abfluß des See» zur Havel fühtte schon in alter Zell ein« Brücke, die 1SS1 ol» Zugbrücke erwähnt wird. Außer von der Burg wurde der Uebergang und die Brücke vermutlich auch von der Kirche aus geschützt, denn der Kirchturm, ein romanischer Backsteinbau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, zeigt nach dieser Richtung hin Schießscharten. Wir folgen der Chaussee über die Hohe Brücke: sie führt an Ziegeleien vorüber sn der Nähe der Havel gen Süd. Am jenseitigen Ufer sehen wir das Dorf Göttlin mit dem 78 Meter hohen Eichberg nördlich davon. Bald haben wir Rothe- now erreicht, die Stadt der Ziegel und Bttllen. Hier beschließen wir unsere Pfiugslwanderung. Weglänge von Rhinow bis Rathenow etwa 26 Kilometer._ Unterwegs. Eine enge, schmutzige Großstadtsttahe, Arme-Leute-Gegend. Häuserfassaden im Stil der Gründerzeit, mtt biäigen, geschmacklosen Derzierungen; durch offenstehende Haustore schaut man in dunkle. vielbenutzte Treppenflur«, auf unsaubere Höfe. Im Erdgeschoß, oft im Keller gelegen, reiht sich Laden an Laden: in einer Fleischerei Würste und bluttge» Fleisch auf Wachstuch zur Schau gestellt, in einer Bäckerei billige Kuchenwore auf großen Blechen, Tand in un- übersehbarem Durcheinander in einem anderen Geschäft. Dann wie- der ahnt man hinter Scheiben, die bis zu dreiviertel ihrer Höh« mtt Farbe überstrichen sind, Bureauräume oder Warenlager.— Hoch- beladen« Lastwagen rollen über den Asphalt, dazwischen vereinzelt« Geschästsradfahrer: kaum ein anderes Fuhrwerk. Der Dunst, der in der Straße herrscht, ist unbeschreiblich, wie in einem engen, über- völtetten Zimmer. Die Menschen in dieser Straße haben es eilig: allzu viele trifft man jetzt am Bormittog nicht. Meist sind es Frauen, die mit Markttaschen vorwätt» hasten, mit zerfurchten Sttrnen. denen man es ansieht, daß sich hinter ihnen unablässig Rechencxempel bewegen, Rechenexempel um die kleinen Nöte de» Alltags, die trotzdem so oft nicht aufgehen wollen. Dazwischen tauchen einzelne Gesichter aus. stumpf und leer, gleichgüllig gegen olles im Leben. Man wird müde, unendlich müde, wenn man durch diese Straße geht: man sehnt sich nach einem grünen Daum, nach einem Gros- IL, Schnock. Ein Romas von See und Sümpfen. Don Svend Fleuron. (Au» dem Dänischen von Thyra Iakstein-Dohrenburg.) Im Oberkiefer aber saß eine Bewaffnung, die war viel schlimmer und grauenvoller! Hier wuchsen wahre Kolonnen von Zahneggen empor und machten aus dem Kiefer ein teuf- lische» Reibeisen, bis weit in den Hals hinein fetzten sie sich fort, ja, krochen sogar über die Zunge hinweg. Wehe dem Körper, der in diesen Marterraum geriet:«r käme nur als Pflllcksel wieder zum Vorschein. Aber der Schlund, der das Opfer verschlang, war doch bei weitem das unheimlichste! Er ähnelte dem Verschluß eines zusammengeschnürten Sacks. An den Seiten hinab lagen dicke Pfühle von Schling- musleln. mit Saugknoten besät. Und m ihrer Mitte ahnte man die Speiseröhre, deren Mündung unaufhörlich auf und nieder wogte und eine Saugkraft besaß, die unbarmherzig alles in die Tief« zog. Und so wie sie im Inneren ausgerüstet war. so auch im Aenßeren: Die dunkle, wundersame Farbe der Gründe zog einen breiten Streifen über ihren vollen Rücken. Um die Stirn und am Nacken entlang hatte das Seegras«inen Grundton feines tie en Grün gelegt, um die Flanken wogten lichtflim- mernde Streifen des verhüllenden Schilfwaldes. Goldene Flecke wie von Sonnenglut herrührend, die durch das Glas des Wassers fällt, lohten zwischen den flammenden Quer- streifen an ihren Seiten auf. und über Kiemendeckel und Bauch ruhte das reine, blendende Weiß der Wasserlilie. Ja. ihre Farben hatten sich zu voller Pracht entfaltet: von Sonnenfunken und Mondftrahlen glitzerten ihre Schuppen. und wenn sie blitzschnell zusprang, sprühte em Sternenschimmer in der tiefdunkten Nacht der Wasiertiesen auf. Von dieser Zeit ab nahm ihre Gier kein Ende! Der Frcsiensdrang, der ihr von klein auf eigen war... der w'.e ein Keim in ihrem innersten Begehren gelegen, erhielt durch die fürchterlichen Mittel, die die Natur ihr zur Verfügung ge- stellt hatte, freien Spielraum. Jetzt sollte kein anderer auch «ur einen Bissen rauben dürfen: sie allein wollte es über- nehmen, die Wasser leerzufressen.. Ihren Fang packte sie jetzt ebenso geschickt quer wie lang, sie zog es sogar vor, wenn sie hungrig war, sogleich nach dem Kopf zu schnappen, dann verschwendete sie keine Zeit damit. ihn umdrehen zu müssen, sondern tonnte ihn im Nu herunter- schlingen. Don Natur aus war sie sehr verschlossen und verspürte nach Gesellschaft kein Verlangen: aber ihre seelischen Fähig- leiten waren dennoch keineswegs gering: sie war zum Beispiel wohl imstande, die verschiedenartigsten Beobachtungen zu machen und sich die Lehnen, die daraus entsprangen, zunutze zu ziehen. Auch an Erinnerungsvermögen fehlte es ihr nicht, was sich deutlich in jedem Frühling zeigte, wenn sie laichen sollte: mit Sicherheit fand sie dann immer den Weg durch den Bach bis zu den weitläuftigen, überschwemmten Sümpfen. Für jed« Erschütterung im Wasser hatte sie ein feines Ge- fühl, sie hörte aus ihre Weise mit Leichtigkett die Boote,„die großen Vögel". Sie plätscherten ja immer so laut mit den Ruderfüßen oder peitschten mit dem schnurrenden Schwanz ins Wasser. Wie lange hatte sie sich darüber verwundert! Sie hatte festgestellt, daß sie genau so wie der Lappentaucher ihre Jungen aus dem Rücken trugen, und wie alle anderen Fische im See betrachtete sie sie als etwas Unvermeidliches, das mit zur Unruhe droben auf der Oberfläche gehörte. Lange, eh« sie nahe waren, verspürte sie deullich ihr Kommen. Stand sie hoch im Wasser ttnd der„Bogel" kam mit Brausen über sie, so wich sie hurtigst zur Seite und machte sich eilends aus dem Staube. Wenn anders das Boot langsam daherglitt, so ging sie nur ruhig aus dem Wege, um nicht gerammt zu werden. Aber es verging doch Jahr und Tag. ehe sie zu der Cr- kenntnis kam, daß es in besonderem Grade eben diese waren, die ihr übel wollten. Eines Abends ruderte der Holzdrechsser spät vom Angel- platze fort. Der Mond war aufgegangen und ergoß ein weißes Silberlicht über feine Riemen. Sie tauchten in regelmäßigem Takte nieder und wieder auf, das Silber triefte und tropfte an ihnen herab. Da fühtte er einen Schlag gegen den«inen: es schwang durch das Ruder bis in seinen Arm hinauf, er hatte etwas Schweres im Schlepptau, er tonnt« das Ruder nicht mtt sich ziehen— unh nun hotte er den Kopf eines Hechts an die Oberfläche. Der Fisch ließ im selben Augen- blick los... das Ruder war frei, aber Schnock war seit jenem Abend um vieles klüger! Und je mehr die Zeit verstrich, desto mehr entwickelte sie sich zu einer großmächtigen Herrscherin, die sich immer mehr als die Gottbegnadete des Wassers fühlte; sie gehörte nicht mit zum Fischpack! Sie erlegte groß und klein und knechtete die Bewohner des Sees so weit in der Runde, wie es thr nur irgendmöglich war. Durch immer häufigere und ausgedehntere Reisen vennehrte sie ihre Ortskenntnis und lernte die Wege zu allen Riffen, Wieken und Bänken kennen. Und sie kam zu der Ueberzeu» gvng. daß ihre Well in gewissen Richtungen ungeheuer war. Rur die Wasseroberfläche mied sie und die tiefsten Tiefen ... dort hausten die Großkrebse, die Gott der Herr in seiner Gnade so trefflich ausgerüstet hatte, indem er die Hälfte ihrer Kiefer auf ein Paar langer, gelenkiger Klauen verpflanzt hatte,— und dann Aah, das gefürchtete Fischungeheuer. Schnocks Gebiet lag in der Mitte zwischen beiden. Im frühen Morgengrauen, im klaren Morgenschimmer, wenn Nachtfalter und Motte— schlaftrunken und berauscht von ihren nächtlichen Besuchen in den Blütenkelchen— auf ihrem Fluge heimwärts zuhauf ins Wasser stürzten: wenn die Schwalben die Fledermäuje ablösten und die Taumelkäfer an den geschützten Orten ihre lautlosen Allatrio auf der Ober- fläche trieben, auf der die Wasserpflanzen im Begriff waren. in grünen, gelben und rostroten Farben hervorzutreten: wenn es da drunten dämmerte, wo Schnock ihr Heim hatte, und das gewaltige Glas über ihr mit Licht und Strahlen erfüllt wurde— dann jagte sie am hitzigsten und fühlte die stärkste Gier in sich, und dann ging ein Grauen von ihrem Platschen und Klatschen aus. An einem frühen Morgen trübt Windgekräusel und Wogenschlog den Spiegel des Sees, und weißfchäumende. ver- schnörtelte Stromstrelfen arbeiten sich zwischen rabenschwarzen Tiefen hindurch. Die Seeschwalben tauchen niederstürzend nach übermütigen Fischlein, und in dem glitzernden Schilfiamn der Ufer watet die aufgehende Sonne durchs Naß. Schnock ist auf Jagd... sie schiebt sich wie ein Stückchen Schatten am Boden sort. Ihre tückischen Krokodilaugen sind so stark nach oben gedreht, daß sie wie Knorren aus dem Kopfe ragen. Eine Herd« Weißfische hat sich in einem Rohrgestrüpp angesammelt. Sie untersuchen Blätter und Stengel, wie muntere Schwanzmeisen Baumkrone und Borke durchforschen: sie sind mitten in der Arbeit, schnuppem außen herum und saugen Wasserschnecken und Insekten aus, wo sie ihrer habhaft werden. (Fortsetzung folgLj' J hMm nnt. Sie Straße kennt solche Dinge nicht. Wer Sinder gibt es hier, Sinder. vom Baby, das auf seinen krummen Beinchen noch kaum stehen kann, bis zum beinahe schulpflichtigen, das seine kleinen Geschwister betreut, trifft man alle Altersstufen. Da sitzen sie auf einem Treppenobsatz, dort stehen sie im chaustor: ein kleines Mädchen mit dünnen, steif geflochtenen Zöpfchen fährt stolz singend einen Puppenwagen, in dem eine nackte Puppe ohne Arme liegt. Was wird aus diesen Kindern, die hier aufwachsen, die nichts sehen als Häßlichkeit? Werden sie je das Schöne verstehen lernen, werden sie je die Kraft haben, daran zu glauben? Es ist qualvoll, darüber nachzusinnen. Da starrt eine Gruppe, zwei Knaben und ein Mädchen, alle etwa vier- bis fünfjährig, in ein Schaufenster. Was hält sie fest? Ich trete heran— ein« Farbenhandlung ist's: in der Mitte ein Plakat mit einem Stern in ollen Regenbogensarben, desien Strahlen von Pinseln gebildet werden: rechts und links Gläser mit Färb- pulvern. Diese haben es den Kindern angetan..Ich nehme das blaue und dann streiche ich unsere ganze Stube damit an." kräht der eine Junge..Unsere Tapete hat Rosenkränze, das ist viel feiner," trumpft der andere auf. Dos kleine Mädchen, das zwischen ihnen steht, packt sie beide am Arm:.Und ich will das gelbe!".Du?" Zwei erstaunte Kinderstimmen fragen es.»Was wills Du denn damit? Du kannst doch nichts anstreichen'?".Bloß so will ich es! Weil's schön ist!" Damit hat die Kleine die Zauberformel gefunden. Ein Streit hebt an:.Und ich will das!".Und ich das!".Rein. dos ist schöner!"— Es dauert sehr lange, bis sie sich auf drei Farben geeinigt hoben, die.alle schön sind". Dann erst bemerken die Kinder mich und verstummen plötzlich.— Mir ist ganz leicht ums cherz geworden. vie pfingstreiseu. Auch Sonderzäge für den Zlusflugsoerkehr. Für das Pfingstfest hat die Reichsbahnverroaltung für eine glatte Bewältigung des gesamten Verkehrs weitgehende Dorberei- nmgen getroffen. Die regelmäßig verkehrenden Schnell- und Per- sonenzüge werden verstärkt. Züge, die sich des größten Zuspruches zu erfreuen pflegen, wenden durch Box- und Rachzuge entlastet Deshalb empfiehlt es sich, möglichst früh vor Antritt der Reise auf dem Bahnhose zu sein. Eine Anzahl Züge ist vorübergehend eingelegt. So verkehren u. q. ab 8k>. Mai 1925 auch die gern benutzten Eil- züge Berlin— M-a g d e b u r g— B o d charzburg und zurück wieder. Da die Fahrkarten eine viertägige Gültig- k« i t s d a u e r haben, wird dringend empfohlen, schon beim Beginn der Reise die Fahrkarte für die Rückfahrt mitzulösen, wenn mit der Rückreise innerhalb der viertägigen Gültigkeitsdauer der Fahr- karten zu rechnen ist. Die Sonntagsrückfahrkarten gellen vom Freitag, den 29. M a i 192ö(millags 12 Uhr) bis ein- schließlich Pfingstmontag, den 1. Juni 1923. Sie können innerhalb dieser Geltungsdauer an jedem Tage zur chin- und Rückfahrt benutzt werden, jedoch muß die Rückfahrt spätestens vor Mitternacht vom 1. zum 2. Juni 1923 angetreten sein. An den beiden Pfingstfeiertagen und weiter an allen Sonn- tagen verkehren versuchsweise von den Ferngleisen der Stadtbahn zur. Bedienung des Ausflugsverkehrs noch Fang- schleuse, Hangelsberg und Fürstenwolde folgende Sonderzüge: Er st er Zug: Charlottenburg ob 7,W vorm.. Zoologischer Garten IM, Friedrichstr. 7,49, Alexanderplatz 7.53, Schlesischer Bahnhos 8,01. an Fangschleuse 8,40, an changelsberg 8.50, an Fürstenwalde 9,04. Zweiter Zug: Charlollenburg ab 12/16 nachm.. Zoologischer Garten 12.12, Friedrichstr. 12,27. Alexonderplatz 12.53. Schlesischer Bahnhof 12,40, an Fangschleuse 1,19, an changelsberg 1,29, an Fürstenwalde 1,43. Rückzug: Fürstenwalde ab 8.33 nachm., Hangelsberg ab 8.53, Fangfchleufe ab 9,03, an Schlesischer Bahnhok 9,42, Alexanderplatz 9.50, Friedrichstr. 9,57, Zoologischer Garten 10,14, Charlottenburg 10,20. Die Sonderzüge gellen als Borortzüge und sind auf Borortkarten benutzbar. Sie halten sämtlich nicht auf den Stationen zwischen Schlesischer Bahnhof und Fangschleuse. Alles um 15 Pfennig. Wegen eines„gemeingefährlichen" Vergehens gegen die Berliner Straßenbahn hatte sich vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte der Kaufmann K. zu verantworten Die Anklage lautet gemäß §163 StGB, auf versuchten Betrug. Ueber den Tatbestand sagte der Aussichtsbeamte f). etwa folgendes aus:„Ich beobachtete eines Tages den Angeklagten an der Haltestelle Landsberger Allee, Ecke Elbinger Straße, wie er sich noch an der Erde liegenden Fahr- scheinen bückte, sie aufhob, besah und wieder wegwarf, da sie wahrscheinlich schon abgefahren waren Er ließ dabei immer sein Taschentuch fallen, um etwaigen Beobachtern den wahren Grund des Bückens zu verbergen. Nach einer halben Stunde hatte er an- scheinend einen brauchbaren Schein gefunden und bestieg damit einen Wagen der Linie 66 in Richtung Alexanderplatz. Ich bestieg den- selben Wagen und verlangte nach zwei Haltestellen, al, der Schassner den Schein entwertet hotte, diesen zur Kontrolle. Als ich dem An- geklagten sagte, er hätte den Schein von der Erde aufgehoben, ver- neutte er das entschieden. Ich ließ ihn dann, nachdem er sich wohl einen neuen Fahrschein löste, aber die Strosgebühr von 43 Psg. nicht zahlen wollte, feststelleil. Ein jugendlicher Zeuge hatte ungefähr das Gleiche ausgesagt. Der Angeklagte bestritt bestimmt. Fahrscheine aufgehoben zu haben und vor allem, auf«inen solchen gefahren zu lein. Er hätte an der Haltestelle auf einen Freund gewartet und sich wohl auch einige Male gebückt, um an seiner Fußbekleidung etwas zu ordnen. Als sein Freund nicht kam, habe er hie Bahn bestiegen und einen Fahrschein entwerten loflen, den er sich vorher auf der Linie 9, vom Birchow-Krankenhau» kommend, gelöst hatte. Nur um kein« Scherereien haben zu wollen, löste er sich aus Ver- langen des Kontrolleurs einen neuen Fahrschein. Ein« Strafgebühr von 43 Psg. wollte er aber nicht zahle», da er sich unschuldig fühlle. Der Derteidiger, Rechtsanwall Dr. Anderssen, teilte dem Gericht mit. daß ihm von einem im Zuschauerraum Anwesenden gesagt worden sei, der Aufstchtsbeamte hätte den jugendlichen Zeugen auf der Toilette beeinflußt. Der Aufstchtsbeamte bestreitet aber, dies in der Form getan zu haben, wie es ihm der Verteidiger vorwirft. Dos Gericht hörte sonderbare Weise den neuaustauchenden Be- lastungszeugen nicht an und verurteilt« den Angeklagten zu 40 Mk. Geldstrase. Er gedenkt gegen dieses Urteil Berufung einzulegen.— Allee um 15 Psg._ Deutscher Humor in schwerer Zeit. Oer„Lokal-Anzeiger" ist bekanntlich das Zentralorgan für die geistig Minderbemittelten der Reichshauptstadt. Es ist, was un. bestritten bleiben mag, ungewöhnlich heiß, und der Sommer hat mit «erve einige Wochen zu früh eingesetzt. Weniger standhafte Gemüter setzt diese Tropentemperatur allcrdlligs erheblichen Gestihren aus. In den Geschäftsräumen des„Lokal-Anzeigers" scheint der Wärme- grod verheerende Folgen gezeitigt und die Gemüter de» treu deutschen Spektakelorgans in«ine Art Hundstogsstimmung versetzt zu haben. Das offenbart ein Werbeplakat des Blattes, das jetzt die Litfaßsäulen ziert und in dem es heißt: Die letzten Wa hl en haben bewiesen, daß die Politik des.Lokal-Anzeiger s" die richtige ist. Darum lese usw. Sieh mal einer an! Mit welch überraschenden Sensationen die Reklamechefs des Zimmer- sttoßenpapiers aufwarten können. Sollten wir uns so schmählich geirrt haben? Oder hieß es nicht in einer Plakatterung der deutsch- nationalen Monarchistenpi i!ei voll tiefer, ergreisender Wehmut: „In Berlin ist. wie die letzten Wahlen deutlich er- wiesen haben, die nationale Bewegung leider noch sehr im Rückstand..." Wir sehen diesem Strell mit einigem Schmunzeln zu. Wer hat nun recht? Die weinenden Deutsch- nationalen oder der frohlockende.Lokal-Anzeiger"? Lassen wir sie das unter sich ausmachen!__ der Gattenmorü in Weißensee. Geständnis des Täters. Zu dem erschütternden Fall eines Gattenmordes in Weißens«. über den wir bereits im gestrigen Abendblatt berichteten, wird noch ergänzend gemeldet: Der 43 Jahr« atte Arbetter Albert K a n z au» der Kronprinzen- straße 10a zu Weißens« erschien gestern früh um 4 Uhr auf dem Kriminalbureau des zuständigen Reviers und teille mit, daß seine Frau sich das Leben genommen habe. Auch er habe die Absicht ge- habt, sich zu töten. Nachdem aber seine Frau den Kopf in die Schlinge gesteckt habe und erstickt sei, habe er es nicht fertig gebracht, es ihr nachzumachen. Konz wurde bis zur Aufklärung auf der Wache festgehallen. Die Kriminalpolizei begab sich nach der Woh- nung und fand die L e i ch e d e r F r a u in der Küche neben dem Gasherd an einem in die Wand geschlagenen Nagel. Ein Arzt stellte fest, daß die Angabe des Ehemannes unrichttg war. Frau Konz war nicht erst in dieser Nacht gestorben, so, dern schon winde- stens zwei Tag« tot. Als der Kommissar das dem Ehemann vorhiev, legte er das G e st ä n d n i s ab, daß er seine Frau bereits am Dienstag erwürgt und sie dann aufgehängt hat. um Selbstmord vorzu täuschen. Was ihn dazu bewogen h«, sagt er nicht klar. Aus seinen Aeußerungen ist aber zu entnehmen. daß er van seiner ersten Frau, von der er geschieden wurde, wegen der Alimenten Zahlungen. wiederHoll gedrängt wurde. Wie es scheint, machten ihm diese Zahlungen innner größere Schwierig- leiten. So kam er wohl aus den Gedanken, seine zweite Frau zu beseitigen und sich mit der ersten wieder zu vereinigen. Das Ehe» paar lebt« in sehr dürstigen Verhältnissen. Die Wohnung enthüll nur eine einzige Feldbettstelle und kaum etwas von den allernot- wendigsten Einrichtungsstücken. Die ermordet« Frau Minna geb. Köster war 40 Jahre all und stammte aus Stettin. Die Ehe bs- stand seit fünf Jahren. Konz wurde verhaftet und vorläufig nach dem Polizeipräsidium gebracht. Er wird wegen Mordes dem Unter- suchungsrichteHvorgeführt werden. Der„Mlmdirektor". Zu höherem fühlle sich ein ehemalig« Lehrling und später« Gelegenheitsarbeiter B r« s s e berufen. Er ging zum Theater. Mit ein« Schmiere reiste er in der Provinz herum und betätigte sich als jugendlicher Liebhaber und Dekorationsmaler. Dann ober wollte« auch in der Reichshauptstadt eine Rolle spielen und kam nach Berlin. In den Zeitungen erlieh er Inserate, daß für ein großes Film- unt«nehmen Schauspielkräfte und Personal gesucht werden, obwohl die ganze Filmgesellschaft nur in sein« Phantasie bestand. Es meldeten sich auch viele Leute. Bresie hatte aber nicht vergesien, als Bedingung für das Engagement die Stellung einer Kaution zu verlangen und dabei war er wenig bescheiden in seinen Ansprüchen. Die Kaution sollte 300 Mk. betragen. Er begnügte sich aber dann auch mll weniger und ging sogar in einem Fall brs zu 10 Mk. herab. Ein junger Mann, der auch gern Film- schaufpieler werden wollte, zahlle ihm den Betraa. Etwas mehr er- hiell« von einem anderen, der Sekretär bei der Filmgesellschaft werden wollte. Eine junge Dame«hiell von dem Angeklagten ein Schreiben, in dem es hieß:„Nach Erkundigungen über ihr Aus- sehen bei einer Nachbarin bin ich fest entschlossen, sie für meinen Film zu engagieren." Das Engagement scheiterte aber daran, daß die vorsichtige Dame nicht bereit war, die Kaution zu stellen. Auch eine F i l m s ch u l e gründete Bresse und ließ sich von einem Iüng- ling das Schulgeld im voraus zahlen. Dieser hörte dann ebenso- wenig wie das engagierte Personal etwas von der Sache, so daß es gegen den unternehmungslustigen,«st 24 Jahre alten.Film- direktvr" zu ein« Betrugsanzeige kam. Obwohl« sich vor dem Schöffengericht Mitte damit zu verteidigen suchte, daß er viele Zusagen von Kapitalisten fiir eine Beteiligung an seinem Film- unternehmen gehobt habe und daß die Auszahlung der Gelder sich nur verzögert hätte, kam das Gericht zu der lleberzeugung. daß er sich in mehreren Fällen des vollendeten und versuchten Betruges schuldig gemacht hätte. Das Gericht verurteille den Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis. Freispruch in einem lZassernmcherprozeß. In d« von der Stadt Hettstedt veranlaßten Preiswuchersache gegen die beiden Borstands- Mitglieder der Conttnen»asen Wosserw«ks-Gesellschaft, Ohler und Olff, hat die Erst« Suoskomm« des �Landgerichts I Berlin am 19. September 1924 ein freisprechende» Urteil aefälll. Die Staat»- nnwoltsckciit hat gegen dieses Landgerichlsurteil Revision eingelegt: da» Reichsgericht hat diese Revision am 14 Mai verworfen, wodurch das freisprechende Urteil rechtskräftig geworden ist. l-'==1-«-=—— Das Rundfunkprogramni. Freitag, den 29. Maf. Aulier dem üblichen T&geeprogrmmni e 4.90—6 Uhr abends: Nachmittagskoniert der Berliner Ponlr- kapelle. Leitung: Konzertmeister: Ferdv Kauffman. 6.90 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau(„Gesellschaltsessen*). 6.40 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Büdungskurse). Abteilung Gartenbau. Gartenbaudirektor Meermann:.Der Gemüsegarten". II. Teil. 7 Uhr abends: Wege zum Wissen:.Die Schwingen des Ikarus*. 7.90 Uhr abend»: SemJespiele. Abteilung Oper. Leitung: Cornelia Bronsgeest. Mailänder Opem-Stagiono. XX Ii. Sendespiel,.Don Pasqnale", Komische Oper in drei Teilen von Gaetano Donizotti. Dirigent: Maestro Egisto Tango. Don Pasqnale: Signor Micbele Fiore; Doktor Malatesta; Signor Giulio Fregosi: Emesto: Signor Marcello Govoni; Korina: Signor» Anna Maria Gugiielmetti. Ein Kotar. mehrere Bediente, ein Hanshofmeister, eine Putzmacherin, ein Friseur. Die Handlung spielt in Rom. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. WalöbranA bei Grünau. Sll ZNorgea kieferuschonung vernichtet. Ein größerer Wsldbrand, der offenbar durch Unachtsamkeit von Spaziergängern entstanden ist. beschäftigte am gestrigen Donnerstag die Feuerwehren von Niederschöneweide, Bohnsdorf, Adlershoj, Rudow. Schmöckwitz und Karolinenhof. Gegen 11 Uhr vormittags wurde dqx Brand vom Freibad Müggelsee aus bemerkt, und auf den Alarm der Grünauer Polizei- Verwaltung eilten die Feuerwehren, unterstützt durch Waldorbeiter der zuständigen Försterei, nach„Richtershöin". Schon noch kurzer Zeit hatte de/r Waldbrand bereits«in Ge- biet- von 90000 Quadratmetern oder 50 Morgen erfaßt. Von den Flammen waren zumeist Kiefernschonungen im All« von 15 bis 20 Jahren erfaßt worden, und infolge der un- geheuren Trockenheit der letzten Wochen breitete sich der Brand schnell aus. Man muhte sich darauf beschränken, durch Ausheben von Gröben und provisorisch aufgeworfene Wälle die benachbarten älteren Waldbestände vor einem Uebergreifen des Feuers zu schützen. Erst noch mehrstündiger angestrengter Arbeit gelang es. den Brand zu lokalisieren, und in den Nachmillagsstunden konnten dann die Feuerwehren wieder abrücken. Offenbar ist der Brand durch ein« Abteilung jugendlicher Wan- derer verursacht worden, die in den Bormittagsstunden in der Nähe der sogenannten„Bammelecke" beim Abkochen beob- achtet worden sind._ Das Ende der alte« Reichsba«k«oten llm jedem Zweifel zu begegnen, sei darauf hingewiesen, daß der Bankotenaufruf, den die Reichsbank am 5. März 1923 bekannt- gegeben hat, sämtliche Reichsbantnoleu. deren Auss«kigungsdawm vor dem 11. Oktob« 1924 liegt, sowell sie nicht beretts aufgerufen waren, umfaßt. Hinsichtlich dieser Noten besteht kemerlec Uuter- schied: insbesondere besteht kein Unterschied zwischen Noten, die vor dem Kriege und solchen, die nachher ausgegeben worden sind.'Auch die r o t g e st e m p e l t e n 10 06- und 100-Mark-Noten fallen unter den Aufruf. Die Meinung, daß diese letzteren Noten ein--» besonderen Wert hätten, fft irrig. Rist Ablauf de« 3. Juni 1923, also in allernächster Zeit, verlieren die ausgerufenen Noten ihre Eigen- schast als gesetzliches Zahlungsmittel. Bon diesem Tage an werden sie nur noch bei den Reichsbankkass«! gegen gesetzliche Zahlungsmittel umgetauscht. Vom 3. Juli 1923 an sind sie völlig kraftlos. Am Sonnabend, den 30. Mai und Dienstag, den 2. Znnl findet keine juristische Sprechstunde statt. die Hllfsaktioa für /wnmöfea. Hern Jork. 28. Mai.(EP.) Das Hllfskomkt« für Amundsen hat am ersten Tage d« öffentlichen Sammlung 465 000 Dollar zusammengebracht. Am Sannabend werden drei Flieger, darunter der Wellflieger Smith, an Bord des Dampfers„Novarra" nach Spiv bergen abreisen, um von dort im Flugzeug aus die Suche noch Amundsen zu gehen Der Dampfer einer Pelzwarenfirma, d« sich in der Behrmgstroße befindet, hat Befehl«holten, die tküste von Alaska abzusuchen, um eventuell« Spuren von Amundsen auszii- finden, sofern dieser die Reise über den Nordpol nach Alaska fort» gesetzt haben sollte._____ Sport. Rennen za Grvnewald am Donnerstag, den 2S. Mai. 1. Rennen 1. Hansivurlt tR. Thiell. 2. Diamant(R Dertchugl. Z. Bastionrita(Dippell). Toto: 13: 10. Platz: 14. 15. S2: 10. Ferner liefen: HoflnH, Georg, Schnucki TT, Oanblertn. ?. Nennen t.- SSrorwl fQertrf», 2.«rimavera 19. Eichbornl. 3. Ksniqslentnan» lg-ouler) Toto: 82: 10. Platz: 18. 11: 10. Ferner liefen: Diogene«. Karatnanta. Z. Rennen. 1 Raufbold(Hr. Stoudingerl. 2. Tentrifugal lBraunc) 3. Königsadler IHr. König). Toto: 40: 10. Platz: 17, 21: 10. Ferner liefen: Sillenstein. ZSillehart. Cartbagene. 4. Rennen. 1. Bäte(D. Müller). 2. Jnchreffari»(OerteN, Z. Wippizo iKrän, leint. Toto: 96; 10. Platz: 13, 11, 12: 10. Fern« Uesen: Dalence. Janvillc, Rubel. Mrazie. ö. R e n n e u. 1. Tivvel tHauterb 2. Raubritter(Lest. Iah), 8. Minen. bos lG-rSler). Toto: Sä: 10. Platz: 14. 12. 14:10. Ferner liefen: Mariini. Quo vadis, Kribbel Krabbel, Malaeara. 6. Rennen. 1. El'to fKukulieSI, 2. Landdrost(Mate), 8. Mumpitz (F. Suhnkeb Toto: 4S: 10. Platz: 15. 22, 13: 10. Ferner liefen: Mamund. Tribalibot, Gigerl, Favilla. 7. Rennen. 1. Hollunder(B. Mctzfch), 2. Maiprinz(Hc.»alter), 3. Qrplid(D. Boecke). Toto: 104: 10. Platz: 20, 15, 34: 10. Ferner liefen: Tor di Oumto, Paukenschläger, RaSvidr, Doktor Wabuse, Kurfllrst, Spori-Welt. .5 Trümpfe' aw 2. pfiogstsrierlog aus der Otpmpia-Radreuubahu. Ter nächste Renntag, der am 2. P s t n g st 1 c i e r t a g statlfindet. veripricht recht anlprrdjfnden Sport DaS.Oauptrennen de» TageS, das üb« eine Stunde führt und.5 Trümpfe» briitelt ist. bringt ztmächst ein neuerliches Zusammentreffen zwischen dem Matador der Olhmpia-Radrenilbobn Waller S a w a l l und dem nach seinem ichweren Chemnitzer Sturz wieder voll auf dem Posten befindlichen Meifterfahrer Karl« a l d o w. Auch di» Welleren 2 Teilnehmer, der Frankfurter Jean W-itz und der Schweizer»egman n. find aus der OIUmpia-Radrennbahn immer gern gesehene Fahrer, die durch ihre AngriffSireudigkell und tapfere» Fahren ihren vielen Anhängern noch nie eine Entläufchung bereitet haben. AIS fünfter Teilnehmer kommt der Amerikaner S a f f n e v am Ablauf, der hiermit zum ersten Male auf der Olympia- Radrennbahn startet. Auch dieser ist«in Sufierft schneller Fahrer,«aS fein« in letzter Zeit bestrittenen Rennen zur Genüge beweiken. Zu den Fliegerrennen liegen bereits Meldungen fast der gefamien Berliner Flieger vor. Die Rennen beginnen um S'l, Uhr. Gestdästlicke Nlitteilungea« ta au»,»et JUmu&wngeBttrf hn Berliner am Lehrter Bahnhof, ver. taxftcltet am. 1- uäA*. wnQftfeierlöö, morgen« S Uhr,«in grohe, ffrüb» lanAtrt mil von 45 Wann. Irotbem all« Attraktionen n* vollen Detried« ffatfc, IR Djt Sintrrtt mit 50 Pfennigen so ooITstümlid), dak seid ermann bief« PeMntwmntgcn dasuchen kann. Erholung intfc P«rgnügcn Maleich finden die Besucher vereuU in diesem Park, der als früherer Landos- mlsstellunasvark als«inztge grün« Insel im Aeutrum der Steinwüfte Berlins Zu de.vichnfN' ift. Der.Walhalla-Sane» am Deinbergsweg wird am Pfingstfonntag früh 6 Uhr eröffnet. Der Garten ist elnem umfassenden Umban unterzogen worden nnd wird mit seinen herrlichen, neuerbauten Terrafsenanlaaen«in« Sehens» würdialeir Berlins bilden� Au beiden Pfingfttoocn finden früh 6 Uhr Früh» foiucric, außerdem täglich von 4 bis 7 und ad 8 Uhr«roh« Konzerte de« bekannten SUnft le Capelle Guftav Gottfchal? statt. Ein Beranüaungspark sorgt für Belustigungen aller Art. so dast«in Aufenthalt im Dalhalla�Sarten,&Ä unbedingt in seinem heutigen Zustande als der schdnste Garten Berlins be» zeichnet werden.darf, sehr zu«mpfehleu ist. Gaalba, ffefeteichthain Veranstaltet wieder an beiden Pfingstfeiertagen in seinem vollstandia neu renovierten Naturaarten groste s�rüh. und Nach» mittagokonzerte bei stark buchten Orchestern. Aufierdem sind Spezialitäten. wie das Man jana- Ballett, die komischen Akrabasen 8 Saltons. die glänzende Iongleurn ummer der 2 Ramler. der urkomische Clown Eugen u. a. besonders hervorzuheben. An den beiden Nachmittagen sind noch Gesanasvorträge der besten Männerchöre Berlins im Programm aufgenommen. Alles für den Einheitspreis von 50 Pf. an den beiden Nachmittagen sowie 2. Feiertag früh. U ymndücU MuncLa* Ms öen Sezirken. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. In der Areisvertreterverfammlung vr>m 2K. Mai gab der Kreis- rnrsiycnde Genasse D ö h n e r i in seinem Geschäftsbericht cmen siückbiick auf die im letzten Geschäftsjahr geleistete Arbeit. Mit Gc- nugtuung können die Funktionäre und tätigen Mitglieder des Kreises -'urückblicken. Am 4. Mai 1924 erhielt die SPD. 24 Proz. oller stimmen, ein Tiefstand, zurückzuführen auf verschiedene sich ungünstig auswirkende Momente. Am 7. Dezember waren es schon ZS Proz., die auf unserer Liste zu verzeichnen waren. Am 29. März, zur ersten Reichsprästdentenwahl, steigerten sich abermals� unsere Stimmen, so daß wir über 40 Proz. aller abgegebenen Stimmen mustern konnten und auch die Zunahme des Dolksblockes am 6. April um weitere 13 000 können wir als Orfolg der intensiven Arbeit der Parteigenasien buchen. Während noch im Maiwahlkampf des vorigen Jahres die Kommunisten unsere Versammlungen störten und zu sprengen versuchten, haben wir nunmehr auch im Kreise Mittel und Wege gefunden, diesen Rüpeleien mit allen Mitteln zu begegnen. Eine für die Mitglieder der KPD.-Sprengkolonne recht ..fühlbare� Lehre Hot aus dieselben erzieherisch gewirkt. Im Verhältnis zur Steigerung unserer Stimmen steht auch«ine stetig steigende Mitgliederzohl. Unser chauptaugenmek müssen wir richten aus die Gewinnung der Frauen und vor ollem der jugendlichen Arbeiterkinder, damit der Partei frisches Blut zugeführt wird. Die nächste Aufgabe sei. unsere Organisation, das Kampf- mstrument gegen die Reaktion und gegen die Zollwucherer, wester auszubauen und unüberwindlich zu machen. Die Frauenleiterin Genossin Kay gab ein für die Entwicklung der Frauenbewegung des Kreises sehr günstiges Bild. Die Diskussion war lebhast und anregend. Der Kreisvorstand mst den Genossen D ö h n e r t und Mab erHolz als Vorsitzende wurde wiedergewählt. Mit einer Erinnerung an den vor 50 Iahren stattgefundenen Einigungspartei. tag in Gotha wurde die Konferenz beendet. ö. Bezirk— yallcfihes Tor. Die letzt« Dszirksversammlung beschäfttgte ein von der SPD. im Verein mit Demokraten und Zentrum gestellter Dringlich- keitsantrag. der sich gegen einen Beschluß der großen Tief- baudeputation wandte, demzufolge ein großer Teil des herrlichen Baumbestandes und ein Teil der Vorgärten in der Straße der chasen- Heid« eine? Straßenverbreiterung zum Opfer fallen soll. Als vor luwo Jahresfrist bei Beginn der Rordsüdbohnausschachtung eben- falls der Plan bestand, die Bäum« zu entfernen, wurde dies durch Dazwischentreten btF Kreuzberger und Neuköllner Bezirksamts ver- hütet. Es ist zu hoffen, daß zur Erhaltung« eines der schönsten ?traßenbilder de» Südwestens auf Grund der erneuten Proteste der Beschluß der Tiefboudeputation revidiert wird. Die Bezirksversammlung stimmte einem Projekt des Bau- und Gartenamts, das die Umgestaltung de» Delle-Allionce-Platzes be- -.weckt, zu und bewilligte die notwendigen Mittel, die auch inzwischen nan der Stadtverordnetenversammlung bewilligt wurden. Geplant ist ein» Verkleinerung der um den Platz führenden Straße und ihre .'Aspholtierung. Di« gewonnenen Flächen sollen zu einer Verbreite- nng der Grün- und Parkanlagen verwendet werden. Dem Be- zirksamt wurden vom Zeichenlehrer Zuckert 33 Bilder von Histo- ri scheu Ecken und Winkeln aus Alt-Derlin überlasten, die laut Der- trag nach dem Tod« des Stifter» dem Bezirksamt als Eigentum -iiiallen. In einem Antrag ersuchte unsere Froktton das Bezirks- omt, bei dem Magistrat gegen den Einspruch vorstellig zu werden, den dieser gesetzeswidrig bei dem preußischen Unterrichtsministerium aegen die Wahl des Studienrats Dr. Reiter zum Direktor der Arndt-Realschule erhoben hat. Genosie Dr. Witte wies in der Antragsbegründung darauf hin. daß kein Mstglied des Berliner Bezirksausschusies etwa» gegen die Eignung Dr. Reiters vorgebracht habe und daß dieser nach ollen Auskünften zur Leitung einer Real- ichule geeignet sei: hinter der gegen Reiter entiesielten Agitation stecke«in durchgefallener Rivale. Selbst der Obmann des Elternrals der Schule, der gegen die Wahl Reiters protestierte, habe sowohl in- dem Provinzialschulkollegium als auch vor dem Schiedsmann erklärt, daß er seine Angäben nicht mehr aufrecht erhalt« und daher Reiters Wahl nicht mehr bekämpfen werde. Genosse Witte führte weiter aus. daß Dr. Reiter mit 35 Iahren nicht zu jung zur Schulleitung sei. Der Unabhängige Loose unter- brich Wittes Ausführungen mit treffenden Gründen. Der deutsch- nationale Reichstagsabgeordnete und Stadtverordnete Lehrer Schul,« wußte gegen die Ausführungen nichts vorzubringen. Ein von ihm gestellter Antrag auf Ueberweisung der Angelegenheit an einen Ausschuß tvurde angenommen., 7. Bezirk— THaHottolburB. Der dringend notwendige Bau«ine» neuen Straßenbahnhofs hat in THarlottenburg groß« Erregung hervorgerufen. Da? für die- 'en Zweck von der Groß-Verliner Straßenbahn-Gesellschaft zu hohen Preisen angekaufte Gelände, da» begrenzt wird von der Fredericia-, Soor» und Königin-Elisabeth-Straße, ist von allen Parteien der Be- '.irksversammlung al» ungeeignet bezeichnet worden. Die für die Ablehnung anaeiiitirten Gründe sind so durchschlagend, daß sie den Berliner Magistrat veranlassen müssen, den an dieser Stelle geplan- icn Bau zu verhindern. E» handett sich um«in geschütztes Wohn- gelände. Die früher« Stadtverwaltung THarlottenburg hat beschlos- ien, daß aus dem ganzen Gebiet die Errichtung von Anlagert, die Lärm, Rauch und Ruß entwickeln, verboten ist. Die Hoch- und Tief- bau-Deputation hatte in chrer Sitzung vom 31. Oktober 1924 den Beschluß gesaßt, das Gelände als reine» Wohngelände zu erklären und in bezug au, die Bebaunngsvorfchriften dem Vlllengeländ« in Westend gleichzustellen. Allerdings fft der Oberpräsident diesem Be- jchluß bisher nicht beigetreten. Die endliche Sanktionie- rung dieser stets einstimmig-z.iaßten Leschlüsic durch den Oberpräsidenten ist dringend erforderlich, denn in unmtttel- barer Nähe des Geländes befinden sich die chäuser der Arbsiter- Baugenosienschaft mit ihren mustergültigen Wohnungen, in denen Die Zukunft ö er berliner Elektrizitätsversorgung Ban eines neuen Großkraftwerkes von 2OO000 Kilowatt Leistung. In der Berliner Elektrizitätsversorgung steht eine bedeutsame Neuerung bevor. Es handett sich um den Bau eines Grohkraft- werkes in Rummelsburg, am rechten Ufer der Spree, etwas unterhalb des schon bestehenden ällcren Elektrizttätswerkes Rummelsburg. Das neue Werk soll im ersten Ausbau mst einer M a- schinenleistung von rund 200 000 Kilowatt ausgerüstet werden. In einer Denkschrift an den Magistrat und die Stadt- verordnetenversammlung hat die Direktion der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke A.-G. an Ii and eines reichen Totsachen- und Zahlenmaterials ihre Pläne für die zukünftige Ausgestollung der Berliner Elektrizitätsversorgung niedergelegt. Die Denkschrift basiert zum Teil auf den Eindrücken und Erfahrungen einer kürzlich statt- gehabten Studienreise durch Amerika, an der zwei Mst- glieder der Verwaltung der Elektrizstätswerke, Direktor Rehmer und Oberingenieur Rühle, sowie der Unterzeichnete be- teiligt waren. Die Städtischen Elektrizitätswerke bedürfen einer durchgreifenden Erweiterung her Brtriebsonlagen. Dies« Erweiterung ist unausweichlich notwendig, wenn die Strom- Versorgung nicht schweren Zusammenbrüchen mit allen ihren Folgen ausgesetzt iein soll. Nach Einführung des Grundgebührentarises im April v. I. begann eine lebhaft« Anschlußbewegung, die seitdem nicht mehr zum Stillstand gekommen ist. Noch jetzt werden wachen- täglich zweihundert und mehr neue Abnehmer an das Leitungsnetz der Elektrizitätswerke angeschlosien, trotzdem wir dem Sommer entgegengehen, also einer Iahreszest, die mst ihren langen Tagen der Anwendung elektrischer Beleuchtung nicht günstig ist. In Berlin find noch Hunderttausende von Haushaltungen für den Bezug elektrischer Energie zu gewinnen, und zwar sind es über- wiegend Houshattungen der weniger bemittelten Klassen der Arbeiter, Angestellten, Beamten, Handwerker, Äleirchändler usw., die sich dos billige elektrische Licht mit seinen Annehmlichkeiten zu- nutze machen wollen. Aehnlich wie bei den Haushaltungen wäiisit auch bei den gewerblichen und industriellen Betrieben, bei der Straßenbahn Usw. die Zahl der Anschlüsse bzw. der Strombedars. Die starke Anschlußbemegung ist Vm sich ein erfreuliches Symptom des wieder aufsteigenden wirtschaftlichen Lebens in unserer Stadt. Die Elektrizitätswerke kommen ober durch die wachsende Belastung in große Bedrängnis, sofern nicht rechtzeitig für Abhilf« gesorgt wird. Im vergangenen Winter haben sich bereits in mehreren Stadtvierteln Zusammenbrüche der Stromlicferung ereignet, die verursacht waren durch Ueberlaftung verschiedener Teile der technischen Anlagen. Der nächstliegend« Geoank«, den wachsen- den Bedarf zu decken, wäre, den Fernstrombezug aus den Reichsclektrizitätswerken Zschvrncwitz, Trotten- �orf und L au t a zu steigern. Dieser Gedanke soll auch keineswegs von der Hand, gewiesen werden. Ader erstens ist das Plus an Energie, das die Rcich-elektrizitStswerke bisher in Aussicht gestellt haben, klein, verglichen nut den großen, in Berlin zu befriedigenden Ansprüchen. Zweitens ist der Preis, der für die zu liefernde Energie gefordert wird, vom Standpunkt Berlins aus betrachtet, durchaus nicht günstig. Drittens liegt es weder im technisch-wirtschaftlichen noch im kommunalen Interefie der Stadt Berlin, daß der gegen- roärtige Zustand verewigt wird, wonach zwei Drittel der benötigten Energie aus fremden Stromquellen bezogen und nur ein Drittel in eigenen Werken erzeugt wird. Ein Hauptergebnis der amerikanischen Studienreise ist die Erkenntnis, daß es nicht zweckmäßig ist, ewe Stadt von der Größe und Bedeutung Berlins allzu stark van der Sttomlieferung aus langen Hoch- spannungsfernleitungen abhängig zu machen. Die Studienkommission iand auf ihrer Reise durch Amerika, daß die meisten dortigen Groß- städte. wie New York, Ehikago, Elcvcland, Detroit. Milwaukee, St. Louis. Boston usw., aus Elektrizitätswerken versorgt werden- die innerhalb des Weichbilde» der Städte erbaut waren. An der Praxis, die Kraftwerke im Zentrum der Städte zu errichten, hosten die amerikanischen Elektrizitätsunternehmungen feit. trotz sehr hoher Grundstückspreise und trotz ungeheurer baulicher Schwierigkeiten, die sie dabei in Kauf nehmen müssen. Das neue Berliner Großkraftwerk soll im ersten Ausbau mit drei Maschineneinhetten von je 72000 Kilowatt, insgesamt also mit einer Maschinenlei st ung von 216 000 Kilowatt ausgerüstet werden. Zum Vergleich sei be- merkt, daß in den zurzeit bestehenden sieben Zentralen der Städti- schen Elektrizitätswerke zusammen 32 Maschinen mit einer Gesamtleistung von 195200 Kilowatt in Betrieb gehalten werden. Die neue Zentrole wird also eine größere Leistung in sich vereinigen als die sieben vorhandenen, zum Teil sehr alten Kraftwerke zu- sammengenommen. Die neue Zentrale wird hinsichtlich technischer Einrichtungen wie in bezug auf Wirtschaftlichkeit des Betriebes den Vergleich mit den modernsten amerikanischen Kraftwerken aushalten können. Denn es muß bemerkt werden, daß die deutsch« Technik durchaus auf der Höhe der amerikanischen steht. wenngleich die Amerikaner, vermöge des viel größeren Reichtums ihres Landes, in der Lage waren, während der letzten Jahre«ine Anzahl größter und modernster Elektrizstätswerke zu schaffen, wie wir dies in dem viel kleineren und ärmeren Deutschland nicht tun konnten. Das neu« Großkraftwerk in Rummelsburg wird die e-nzelnc Kilowattstunde mit einer Kohlenmenge erzeugen, die unter zwei Drittel derjenigen Kohlenmenge liegt, die die setzt vorhandenen städtischen Zentralen für die Erzeugung von einer Kilowattstunde benötigen. An Personal wird die neu« Zentrale, ebenfalls bezogen auf ein« erzeugte Kilowattstunde, sogar weniger als ein Viertel der Kopfzahl erfordern, die zurzett w den Berliner Kraftwerken tgtio ist. Die Energieerzeugung in der neuen Zentral« wird asso sehr viel wirtschaftlicher erfolgen als dies m den bestehen- den Anlogen der Fall fft. Die Berliner Arbeiterschaft nmß sich darüber klar sein, daß ihre Interessen van der geplanten Anlage in mannigfacher Weise berührt werden. Zunächst kommt da» Interesse der Arbeiter als Verbraucher, d. h. al? Stromab- nehmer in Frage. Die Einführung der Elektrizität in die Arbeiter- Mahnungen bedeutet eine kullurelle, im besonderen eine hygienisch« Verbesserung der Lebenshaltung der Arbeiterschaft. Dann aber be- rührt die Errichtung de» Werkes auch die Interessen der Arbeiter als Produzenten, indem bei der praktischen Ausführung einer so großen Anlage viele und verschiedenartige industrielle und bau- gewerbliche Arbeitskräfte Beschäftigung und Verdienst finden. Schließlich bedeutet die neue Zentrale auch ffir die Arbeiter und An- gestellten der Städtischen Elektrizitätswerke selbst eine Ausdehnung ihres Betätigungsfeldes und eine neue?lufstiegsmöglichkeit. Die t'rektio>i der Elektrizitätswerke hgfst, wenigstens eiuen. Teil der neuen Maschinenstation bis zum Eintritt des Winters 1926'27 in Betrieb nehmen zu können. Dieser Tennin muß auch eingehalten werden, wenn die Elektrizitätswerke im Winter 19-?6/27'' nicht m schwere Kalamitäten geraten sollen. Allerdings müssen dann die Arbeiten für das neu? Kraftw»rk sofort In Angriff pe» Nammen werden. Es darf keine Zeit mehr verloren gehen. D«r Auffichtsrat der Berliner städtischen Elektrizitätswerk« A.-G. hat bereit» in seiner letzten Sitzung mit der Erbauung des Groß- kraftwcrkes sich einverstanden erklärt. Insbesondere muß anerkannt werden, daß der Oberbürgermeister, der der Vorsitzende des Aufsichtsratcs ist, in klarer Erkenntnis der Dringlichkeit und Gefährlichkeit der Sachlage, sich für den Gedanken des eigenen Werkes energisch eingesetzt hat. Dem Magistrat wie der Stadt- verordnetenversammlung liegt nunmehr die Bewilligung der erforderlichen, sehr erheblichen Geldmittel ob. Es bleibt zu baffen, daß die beiden städtischen Körperschaften sich der großen Aufgabe gewachsen zeigen und rasche Arbeit leisten werde ir. Dr.-Ing. W. M a j e r c z i k.. Hunderte von Arbeiterfamilien mit starker Kwderznhl«in gutes Heim gesunden haben. Dies« Kreise bedürfen nach der täglichen Arbettslast besonders der Ruhe und Erholung. Die geplante Anlage aber würde empfindliche Ruhestörungen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht mit sich bringen. Hinzu käme noch der dan- ernde Lärni. der verursachi würde durch den Betrieb einer Repara- turwerkstotte. Alle diese Erwägungen führten dazu, den vor einigen Monaten aus diesem Gelände geplanten Bau einer Groß-Garoge für 300— 4O0 Kraftwagen zu verhindern. Genau die gleichen Gründe sprechen auch gegen die Errichtung eines Straßen- bahnhofcs an dieser Stelle. Es kommt hinzu, daß die Ab- und Zuführung der Wagen auf große Schwierigkeiten stoßen mutz, weil die beiden für die Ein? und Aussohrt zur Vcrfii- tzung stehenden Straßen— die Soor- und Königin-Elisabeth-Straße — für eine solche Steigerung des Verkehrs eine zu gering« Breite haben. Eine Berbretterung insbesondere der Königin-Elisabeth- Straße ist wegen der östlich gelegenen Friedhofsonlage unmöglich. Auch der festgesetzte Fluchtlinienplan verbietet ein« Veränderung oller das Gebäude umgebenden und durchschneidenden Straßen. Vom Standpunkt der Verkehrssicherheit ist da» geplante Projekt erst recht abzulehnen. Die zu- und abfahrenden Wagen, soweti sie in der Richtung der neue» Kantstraße verkehren, müssen recht winklig den Kaiserdamm, eine der lebhaftesten Derkehrsstragcn Groß-Berlins, kreuzen. Dadurch würde eine ebenso starke Gefahr für Passanten und Fuhrwerk« entstehen, wie wir sie jetzt schon an aer Kreuzung des Kaiserdammes und der Wilmersdorser Straße haben. Trotzdem ist der Bau eines Straßenbahn- Hofes notwendig, weil die Verkehrsverhältnisse in Tharlotten- bürg ganz allgemein dringender Verbesserung bedürfen. Im Bezirk THarlottenburg liegt städtisches Gelände, das nach Ansicht der ganzen Bezirksversammlung viel geeigneter ist für de» Vau eines Straßen- bnhnhofes, wie das jetzt in Aussicht genommene. An der Stelle, wo die vom Reichskonzlerplatz kommende Reichsstraße in die Spandauer T Haussee mündet, ist ein solcher Platz vorhanden. Der Einwand, daß dieser Punkt zu weit vom eigentlichen Derkchrszentrurn entfernt liegt, und die Wagen deshalb zu viel Leerkilome.ter zu fahren hätten, fft unzutreffend. Alle?ttrzcichcn sprechen dafür, daß in 1 bis 2 Jahren das ganze Gebiet vollkommen eingebaut fein wird. Große Teile des benachbarten Geländes sind jetzt schon bebaut. An dieser Stelle läge der Straßcnbahnhos an den Hauptverkehrsstraßen von West- THarlottenburg. Dort erfüllt er am besten die Anforderungen des Verkehrs, während er auf dem zuerst in Aussicht genommenen besonders geschützten Gelände, da? riiMiim umgeben fft von Muster- gültigen Wohnhausern, nur Nachteile bringen würde-, erstens, durch Erhöhung der Gefahren im Verkehr, zweitens, durch Schädigimg der berechtigten Interessen der Bewohner dieser Gegend, die zu 80 Proz. au? Arbeitern und kleinen Beamten bestehen. 14. Bezirk— Neukölln. Am Montag, den 25. Mai, fand in den Passagefestsälen der ordentliche Kreisoertretertag. von Neukölln statt. Gen. Harnisch betonte in seinem Geschäftsbericht, daß das hinter uns liegende Jahr oußerordenllich schwer und arbeitsreich war. Während im Vorjahr« noch ein gewisser Tiefftond in der Organisation oorhanden war, haben wir in diesem Jahre die Gewißheit, daß es wieder unauf- haltsam aufwärts geht. Nach den Reichstagswahlen am 4. Mai 1924 haben wir unsere Stimmchrzahl von Neuwahl zu Neuwahl erheblich steigern können. Am 4. Mai erhielten wir 42 800 Stimmen~ 27,4 Prozent der Gesamtstimmen, am 7. Dezember 63 669— 39,3 Proz. und am 29. März 68 900 Stimmen— 43,8 Proz. Die Kommunisten, Betrifft BÄBCHARI (�V%nxL xoXhmM •_!_#/ n.§'—** 0 mmm t M. � jX&ig&nck flau&ßtcicyz Tu PUMA ut, rücAt nu*. cLbk. J&eMtou _. wnung, unUM* �tecunaUiAx£ währende Hauszinssteuerhypothek bis zu 90 Proz. der Gesamt- kosten bzw. IM Proz. der reinen Baukosten betragen kann" am 12. Mai dem Landtag unterbreitet und von allen Parteien be- sprachen. Die darauf erfolgte Abstimmung ergab einstimmig die Annahme des Antrages iowie die dazu gehörige Entschließunq. Zu diesem am 12 Mai einstimmig angenommenen Antrag hat da? Staatsministerium bis beute noch keine Stellung genommen und nimmt nach unleren Informationen das Wohlfahrtsministerium einen ablehn-nden Standpunkt ein. Diese, unter der Entschließung beantragt- Aenderunq der Richtlinien niaunsten find erreich er Fa- misten«ich Schwerverletzter versetzt dieselben in die Lage,� sich ein Eigenheim zu gründen, um endtich einmal aus den Pesthöhlen, in denen die kinderreichen Mamillen Hausen, herauszukommen. Wenn nun das Wohlfabrtsmlnlsterium ein wahres Interesse an der Zu- kunit und den Trägern des Staates bat. so möge es so bald als möglich den vom Landtag unter Drucklache Nr. 5.88 am 12. Mai einstimmig angenommenen Antrag in die Tat umsetzen und an die betreffenden Instamen weiterleiten. Mit Worten und Schriften kann den kinderreichen Familien nicht geholfen werden: wir erinnern nur an die Verfügung des Wohslabrtsministeriums vom Sev- tember v. I., woraus hervorgeht, daß den kinderreichen Familien in ihren Siedlunqsvorboben die öffentliche Hille in erster Linie und in möoli-bst weitgehendstem Maße zuteil wird, fa foaar..bcoorzugt" heröckstchtiat werden. Was sagt das Wohlfahrtsministerium heute zu dieser Verfügung?__ Jubiläen. W 5n*re gTf wirbihnV>«. ernt lünfripiSfitiee« tBernfficSilSo» larm cm?9. Sfci einer nsn det ffT»en girr de der-SejtioTdemoJrcffe, der SdirifffeFet ttta BeSrn-sfi. NenNill". SteiAfetfer. 62. feiern.(Scdottn am IS. Uirril 1880 ru JtBnfnsdtig fDfhiteuftend, »et et dfion vor dem Äusnabmeaefetz politisch tätig. Mit Aug. Sodan, $ ch n 1 8 e und den anboten bort t&tloen ftämnen der Se-inTbemof-oile ttanl der iunge SdWftfebet, der Htt»nr#0. Mfeilnnq Ztei-fSlln«ebSrt, fernen SKcnn. Im 3aSte 18S1 Hebelte Eohomsü nach Berlin itter unb tlt et seitdem ununterbrochen Abonnement des■SonDcets' und SJorteimltoTieb. Steil oitvcitoto et in der Barte: mit und auch i«tlt noch, Foroeit es feine Kräfte»»lallen, frbterft et not feinet BoTteiatbcit Zurück. Leute ifl et Im BSrenllein.Bettieb fötia. Seine BorbonbsloHeatn dieser Birma werben dem Jubilar eine würbige IZeiet netanftalfen. CIn Zndilae.«enoiTc Maz Remple, 91. Abte Huna ReulSlln. Seqicht beute feinen 50. SeBvetctea und leint SOjäbtiqc Sugebütigleif»ut Sniclbemolratie unb(ScmetlfrSaft. Zn der Partei fotoobl wie in der Cemerffchoftsctbeif hat et Itch in oufopfctnbft Weis: betätigt. 3rfr»cit ig ScnofTe Remple im Buch- WnbetoetVinb af» ShifiRiftr tätig. Mäge er noch oiele Nebt« mit bor alten Pflichttreue in der Partei und der Semorkschafi»um ffloHe der Archeiter- schaff wirken.__ Vorträge, vereine und versammwnyen. # Reichsbanner»Schwarz Rot-Golb". SeschlMellaUei Berlin S lt. Sedaltianttr. 37'38 ftaf S lt. Sattnsrffamb. Alle ftomeraben, die kr»»ut �a8rt nach Swine. münde gemeldet haben, treten Sonno.benb, den SO. Mal, abend» * ITbt, am©rohfilenbalteplab neben dem Stettiner Bahnhof an. Der Bahn. ,'eic wird im geschlossenen Zuge Heimen.— Ramerabschaft fimtAberq: Bon iirei'.ag. ben 28. Mai, miuego, an sind die ffabrlatien von Rothe, Schleier- macherstr. LS. ad.,uHoien.— Raw.e rat schalt Cbatloitcnburg: Die Rameraden. bit ück an bei sZabri nach Smincmünbe beteiligen, treffen sich Sonnabend, den 30. Mai. abends 7 Uhr. im Bertinslolal Wilhelmshof, bort werben gleich bte �afirfartcn ausgehändigt.- Rxrnerabfchoit Pankow nedit Untergruppen: Achtun-,. Swinernünde-svahrer! ssahrkarten werben am Sonnadcni, den 80. Mai. abends 714 Uhr. not dem Bahnhof von Ramereb Äramer in Smprang genommen. SpieTTeute ebenfalls dort.— Raeleradschait Wedblng: Sonntag, ben 81. Mai. morgens« Ubr. Anweten der Zugendiameraden bei Müller. Ufecftt. 12. DienüNeibung. Badeanäug, Decke, zweitägige Tour, jsechrgelb 1.50 M._ Parteinachrichten Stuf. Berlin tu für diese Sbtbtil sind W. M. Stnbenttrahe 3, für Hroß-S«liu stets an das Brjtrtsletrelartat, 2. Kot, t Iren, recht»,»n richten. Das Vezirksfekrelarwl ciadenssraße 3 ist morgen fpfingst. fonnabend) und Dienstag, den 2. Juni(3. Feiertag), nur bis miitags 1 Uhr geöffael. Bezirksarbeitsgemeinschaft soziald. Beamten und Lehrer Freitag, den 29. Mai, abends 714 Uhr, wichtige Sitzung im Jugendheim, Lindenstraße 3. Tagesordnung: 1. Der Neuaufbau des Reichsbeamlenbeirats. 2. Die Einberufung eines Bezirksbeamten. tages für Groß-Berlin. Die Obleute der Bezirks- und Kreiswerbe- ausschüsse müssen vollzählig erscheinen oder Vertreter entsenden. — Packmaterial mitbringen. Znuasozialisien. Gruppe Ritte: IZortsehung der Aussprache über.Srunbfrugen be* Soäialismus'. Leiterin Maria Koiwnn, Jugenüveranstaltunyen. heute. Freitag, den 2g. Mai. abends 7)4 Uhr: Moabit II: Gemeindeschule am Stephansplah, Aussprach«:.Unsere Pfinzsl- fahrt*.— Sorboft I: Jugendheim Neue RiSnigstr. iX, Vortrag:„Der Mensch der Urzeii*— Rosenthaler Borslabt: Landgenreindehauz, Sophienstr. 21, Aue spräche:„Unsere Pfing st fahrt*.— vften sStralaner Bleetet): guaondheim(bot, lenftrahe 61, Vortrag:„Unsere Iugrndinternalionole*.— Luisenstadt: Zuge,.» heim BSrwaldsirahe, Kermann-Löns-Abend. � aharlottenburg: Rastnenstr. 4, Bortrag:„Geschichte der Arbeiterjugend*.— Kaiensee: Schule Ioachim-Fried- rich-Ste. 85, Vortrag:.Arbeitsdienstpflicht*. �(Echönederg I: gugenbheun Richen»., Ecke Kauptftrahe, Vortrag:„Die Vedeiiwnq der Atmung*.— Schone- derg II: Schule tztanfenftr. 10, Raturwissenschoflliche P laubereien.— Reu- kill« 1: Jugendheim Bergktr. Ä, Borteag:„Die Geschichte der Runen".— Vuchhol»: Lokal von Rossack, Kauptstr. 71, Bortra«:.Botanik*.— Ren-Lichten- berg: Jugendheim Ptim-Albert-Str.+4, Borirao:„Worum Sozialistische AebeUenugend?*— Steglip U: Die Diskussion„Reichsbanner und SAI.* findet beute nicht statt. Entgegennahme des Berichts von der Seneraloer- lammlung. /irbeiterfporl. Arbeiter. Radfahrer- Bund„Solidarität*. Ortsgruppe Berlin. Touren für Pfingsten. 1. Abt.: 31. Mai: Rangsdorf. Star, 1 Uhr Blllowitr. 56. 1. Juni: .Zwiedusch. Start 7 und 12� Uhr.- 2. Abt.: 30. Mai bis 2. Juni: Su- fammtnlteffen mit den Dresdener Genossen 1» Lüdden-Sieintirch, ffhaufice- ffeahe 17. Gädicke. Start: 30. Mai 4 Uhr nachmillags, 31. Mai früh 4 Uhr Diefiendachsir. 36. 1. Juni: Dudrow— Sä.zerner See. Start 5 Uhr. Z. Abt.: 1. tzeieriag früh 3 Uhr in die Ruppiner Schweiz, 2-Taqe.Tour: früh 5 Uhr in die Dubrow, SZrauenfee. Start Laufifter Plag. 4. Abt.: 30. Mai. 414 Uhr, 30. Mal,.nacknnitlags 3 Uhr, Karelderg: 6 Uhr abends Dubrow fRSnigs Man derberberge): 31. Mai, früh 5 Uhr, desgl.: I. Juni, 6 und 12 Uhr, Rromrcnmühle: 2. Juni, 12 Uhr. Ralharinensre. Slorl Ropenhggener Str. 26. 8. Abt.: ll-Tage-Tour Mecklenburger Schweiz, ffeldberg t. d. M. Slarl: 80. Mal, nachmittags 5 Uhr, Arminiusplali. I. Abt.: 30. Mai bis Z. Juni Wittenberg,-Kart ffiär'tfc. Start: SO. Mal, 4 Uhr nachmittags, Sihulstr. 111. 10. Abt.: 30. Mai 2.Taar.Tour nach IZreienwalde. Start 6 Uhr abends. 31. Mai, 5 und 12 Uhr. Müggelhort.- 1. Juni. 8 und 12 Uhr. Atter ffreunb. Start Eomeniusploh. 11. Abt.:-Nach dem Serdellinsee. Start Sonnabend, nachmittags ZiZ- Uhr, Lochftr. tZ. 12. Abt. Motor, abfahrert 31. Mai bis I. ssnni aSUIrofe— Schlaubetel. Start 31. Mai, früh 6 Uhr. Schtesisches Tor. 13. Abt. Kor-slga: iZreitaq. den 5. Juni. Sirpnitifee bei Bernau. Start 9 Uhr Zimmerstr. 30. Otlfg.uppe Riedersd enhausen: Bfingslen in die Dubrow. Start: 31. Mai, früh 4 Uhr. Eckünhauser Allee Ecke Bornholmer Srrafr. Oitegruppe Lichreubeeg: 30. Mai Freienwald«. Start nachmittags S1- Uhr TraoeplaÄ. Ortsgruppe Oberfchäurweidet 31. Rai Bezirksausiahrt Templiu fMecklenburg): 31. Mai Reue SvüimilhU. Statt 6 Ahr. 1. 5uni Woliers- botftt Schleuse. Start 7 Uhr SicmcnsPraftc. v'tsgmppe Eharlottenderg: SO. Mai Lindow i. d. M. sRiosser Heide). Start 5 Uhr nachmittags. 81. Ma:. 6 Uhr früh, fialkenhagener Set; 1. Zuni, 12 Uhr mittags. PauRn. Start Galvaniitr. 13. Ortsgruppe schäueberg! 31. Mai Pichelsbrrge. Start 10 Uhr. U Juni Brieselang. Start 7 Uhr Siudennsuchs.r. 5. Oriscruppc Paniow: 80. Mai SprecwaTb. Start nachmittag, 4 Uhr. nach der Dubrow 4 Udr. 31. Mai. früh 4 Uhr. Dudrow. Start M-raflr. 24. Ortsgruppe«eulöllu- 2— S-Ioge-Icur Rheinsdsrg IMerQenbutqec läiniti»). Start Sonnabend 5 Uhr nachmiiiags SetSbergplcst. 1. und 2. pjelerlag beide Adtetlun.gen früh 7 Uhr Serfidercslatz. Abt. Motorfahrer: Z-Tooe-Tour. Start 1. tseic'.icq, früh 4 Uhr. Rarisaarten lirahe kSarteu). Gast« ünb auf allen Ausfahrten will- Taiutsieupezeiu„Die RatefrcuuSc* fZZeutrale Dien). Abt. Treptow: Fr«!- tag, den 29. Mai. 78j Uhr, im Jugendheim Treptow, Glfenstr. 8. Lichtbilder. nerrrag:„Sräbtebilder*. Referent O. Renneck«. Göüc willkommen.— Abt. »haolottenburgt Pfingstsahrt Rheinsherg—"rppin. Ag'ahrt Sonnabend lVor- »ugl 6.40 Uhr: Rachzügier i Uhr Stctt. Bhf.(Sonmags-Rückfohrkarte Rhein». Heng läien. 4 M.) Luartiere sind festgemacht. Gäste willkommen, jedoch wegen Quartier« Anmeshung he! K. Schmidt. 38. 50, Rankestr. 30. VStVtt für Betritt unb Iwigeqenb. Etwa« kühler. Überwiegend bewölkt' t!erne:gii,ia,— Ahr Vevtfchlaud. Im Süden und Westen Regen und Äewittcr. Im Osten fortdauernd warm und größlenliils trocken. Ms echten holtändtschen POLAK�) PUBB!N«.«W K \ m-s-si an Aroma und Wohlgeschmack Ist W«-We Zu habe« tu Vi*. Vt-nub V»* Packungen in allen Aschinger-Sondltoreien in Teilzahlungen von eleganten BerrenSarderohen fertig u. n�ch Maß. 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Me im M). aMc In der Schule, auf dem Spielplätze, überall besteht die 6e- fahr der Ungezieferübir ftagung. Hai Dein Kind aber Läuse, dann verwende gegen das Ungeziefer nur das 1000 fach bewahrte, Läuse und Nisse mit einem Schlage sicher vernichtende frf>4Wrfi tt JßofMten uDrcjerkn Fahrräder und NittsRaschinen y Anf Teiizalünng MW Zettha, Berlin A lädPMknUe Oranienburger Strasse 65 Ne. 250«42. Jahrgang 2. Heilage öes vorwärts Zreitag, 24. Mai 142S �rbeitgeber..-Unfallversicherung Von August Karsten. Der so überaus mangelhafte Gcsetzenttmirf über Aendc- rung der Unfallrenten, den die Regierung dem Reichstage vorgelegt hat, läßt die Arbeitgeber nicht schlofeir. Sie sehen in diesen» Eirtwurf eine„Gefährdung" der deutschen Wirt- schoft. Die durch den Eirtwurf eintretenden Rentcnändeningen, die eine Erhöhung der augenblicklichen Leistuirgen fordern, er- scheinen ihnen als eine„unerträgliche" Belastung. Im„Komp aß", dem Organ der Knappschaftsbcrufs- genoffenschaft, wird gegen den Gesetzentwurf Sturm gelaufen. Man hat zwar nichts dagegen, daß die in der Inflationszeit eingeführte»» einheitlichen Iahresarbeitsverdienste beseitigt und an deren Stelle wieder die wirklichen Jahresarbeitsverdienste der Rentenberechnung zugrunde gelegt werden, aber die da- durch angeblich der Kirappschastsbcrufsgenossenschaft entstehen- Mehrausgaben von 8 Millionen Mark müßten wieder einge- spart roerden. Das soll erreicht werden erstens durch Beseitigung der „kleinen" Renten einschließlich der 2l)prozentigen. Im Gesetzentwurf siird nur die Reirten unter 20 Prozeirt fallen gelassen worden. Diese außerordentliche Ungerechtigkeit ge- nügt den Herren vom Bergbau also noch nicht. Außerdem wollen sie die Renten von2öbis43Prozent nicht nach einem um die Hälfte gekürzten Arbeitsverdienst berechnen, fanden» als Dollrente irur ein Drittel des Iahresarbeitsver- dienstcs gellen lassen. Weil heute dieser Kategorie Verletzter ein Jahrcsarbeitsverdienst von 450 M. der Rcntenberechnung zugrunde gelegt wird, in der Landwirtschast sogar nur 324 M. und für landwirrschaftlichc Arbeiterinnen 172,80 M., so gebe ein Drittel des wirklichen Jahresarbeitsverdienstes iinmcr noch Rcitten, die über den jetzigen Renten liegen. Well heute schon die Renten von 10 uird 15 Proz. nicht aufgewertet, son- dern nur auf eine Mark vierteljährlich„oufgeivertet" sind und die sogenannten Leichtverletztenrenten heute so sehr niedrig sind, glaubt man. mst diesen Verletzten kurzen Prozeß machen zu Können. Fürwahr, ein netter Plan! Aber auch kür die Schwerbeschädigten kann an- geblich die Arbellgeberschaft nicht das tun, was der Regie- rungsentwurf verlangt. Diesen Verletzten will man zwar als Vollrente 70 Proz. des Jahresarbeitsverdienstes geben, an Stelle der bisherigen 66� Proz., aber Kinderzulagen, die eben- falls diesen Verletzten in Hohe von 10 Proz. der Renten ge- geben werden solle»», dürften nicht den Verletzten gegeben wer- den. die wenigstens 50 Proz. erwerbsbeschränkt sind. Diese Zulagen sollen vielmehr>»ur denen gegeben werden, die 65-.i Proz. erwerbsunfähig sind. Die Verletzten, die wei»iger als 66� Proz. geschädigt sind, hätten doch immer»wch erheb- liche Verdienste ur»d benötigten Kinderzulage nicht so sehr. Den Unfallrentirern aus dem Bergbau muß auch, wenn es nach dem Willen der Bergherren geht, die Krrappschafts- Pension, die die knappschastliche Pensioiisversicherung zahlt, wesentlich gekürzt werden. Die Bergleitte sollen zwar die Beiträg« zur Knappschaftsversicherui»g zahlen, aber wenn ihre Arbeitsunfähigkeit durch einen Unfall herbeigeführt ist, dann sollen sie nur geringe Renten für ihre Beiträge erhalten. Sehr böse sind die Bergherren auch darüber, daß die Drittelungsgreirze beseitigt werden soll. Die vor dem Kriege bestehende Orittelungsgreirze ließ Iahresarbeitsverdienste, die mehr als 1800 M. betrugen, nicht voll bei der Rentenberech- nung gelten und nur ein Drittel des Betrages noch mitbe- rechnen, der über 1800 M. hinausging. Dieses Unrecht wird durch den Regierungsentwurs beseittgt. Das ist für die Berg- Herren„uittragbar". Sie wollen zwar kerne Begrenzung des Jahresarbeitsverdienstes nach unten, wohl aber nach oben. Auch mst der Abkürzung derWartezeit sind die Herrschaften nicht einverstanden. Heute tritt die Unfallver» sicherung erst ein. wem» seit dem Unfolltage 13 Wochen ver- strichen sind. Die Regierung will die Unfallversicherung ver- pflichten, von der achten Woche ab die Leistungen zu über- nehmen. In der Kommission des Reichstags ist allerdings darüber hinaus beschlossen worden, daß die Unfallversicherung von» ersten Tage an die Leisttmgcn zu übernehn»«»» hat. Die Krankenkassen sollen in der erste»» Zeit das Heilverfahren und die Renten zahlen, aber ihre Unkosten müssen von der leistu»»gs- verpflichteten Berussgenossenschast erstattet werden. Im„Kompaß" wird nun gesagt, durch die frühere Uebcri»ahme der Leistungen würden die Verwaltungskostei» der Berussgeitoffenschasten größer. Das trifft nur in einem ganz geringen Maße zu; auf der anderen Seite werden aber den Krankenkassen Verwoltungstosten abgenommen. Die frühere Uebcrnahme der Leistungen, so wird weiter ausge- führt, bedeutet eine Belastung der deutschen Wirtschast. Eine saulere Ausrede konnte man kaum gebrauchen. Die deiitscbe Wirtschaft wird doch»licht durch die Arbeitgeber repräsentiert. Zur deutschen Wirt- schast gehören doch in einem mindestens ebenso großen Aus- maße auch die Arbeiter. Wenn aber der Krankenkasse Lei- stungcn abgenommen werden, so werden damit auch die Krankenkassenbeiträge ermäßigt. Zu den Lasten der Kranken- kessen müssen aber die Arbeiter zivei Drittel bettrogen, wäh- rcnd die Lasten für die Unfallversicherung die Arbeitgeber allein aufbringen müssen. Die Arbeitgeber wallen sich also von den Beitragslasten drücken und sie den Arbeitern auf- erlegen. In den» Artikel wird weiter gesagt, daß die Knappschafts- berufsgenossen schast durch den Gesetzenttmirf an Stelle der gegenwärtig 15 Millionen betragenden jährlichen Lasten, 23 Millionen tragen müsse. Diese Lasten seien ober nicht zu tragen. Wie steht es mit dieser Last? Iin Jahre 1914 betruacn die Gesanttausgaben der Be- russgenossenschasten 15 0 Millionen, im Jahre 1924 aber nicht einmal 100 Millionen Mark. Die Nochkriegs- ausgaben sind fiir die Arbeitgeber jetzt maßgebend. Trotzdem die Gesetzgebung die Unfallrenten in den letzten Jahren nicht auf Fricdenshöhe festgesetzt und die Untstellung der Renten auf Goldmark keine Ungleichung an den Friedensstand ge- bracht hat, halten die Arbeitgeber den jetzigen Zustand für den »»ormalen. Der Regierungsentwurf ist dringe»»d verbesserungsbe- durstig. In seiner jetzigen Form darf der Entwurf nicht Gesetz»Verden, weil große Härten gegen die Rrntenempsänger verewigt würden. Der Regierirngserttomrf fordert von den Berufsgetrossenschzsten nicht einmal eine Gesamtausgabe, die der des Jahres 1914 gleichkommt, obwohl die Zahl der Rentenempfänger eine vwl größere geworden ist. Denn die Knappschastsberufogenosienschastcn jetzt eine 50prazentige Steigerung der g e g e n»v ä r t i g c n Lasten nach Inkrast- treten der Regierungsvorlage feststellen, so ist dos nicht ein- mal ein Ausgleich u>ise»-er Forderung. Wenn im„Kompaß" betont wird, daß die Wirtschast die Lasten nicht tragen könne, so ist das nichts als eine leere Behauptung. Im Interesse der „deutsche»» Wirtschast" sollen wohl die Unfallverletzten hungern. Der Artikelschreiber im„Kompaß" würde sicher anderer Mei- ining sein, wenn er»nit einem Armstumpf, mit verlorenem Augenlicht oder von inneren Schmerzen geplagt, leben rnüßte. Er würde sehr schnell uinleriren und einsehen, daß die„deutsche Wirtschaft" verpflichtet ist, für ihre Opfer zu sorgen. Aber nicht nur die Bergherren, auchdieLandwirt- schast rüstet gegen die„neue Belastung" durch höhere Renten aus der Unfallversicherung. Ain 1. April hatte der Reichs- landbund eine große Zahl„Prominenter" zusammengerufen, um Stellung zu nehinen gegen die Belastung der„deutschen Wirtschast" durch die Sozialversicherung. Es wurde auf dieser Tagung unterZu st immungdcrgelben Arbeiter- Vertreter eine Erttschließung angeiwminen, in der verlangt wird, daß die sozialpolttische Gesetzgebung nicht eher weiter- arbeiten dürfe, bis die Regierung eine lückenlose Zusainmen- stellung über die Belastung der Wirtschaft durch soziale Aus- gaben vorgelegt habe. Nicht mir die Belastung durch Bei- träge der Arbeitgeber iii»d Arbeitnehiner, stmdcrn auch die Auswcndungcn des Reiches, der Länder, Provinzen ui»d Ge- -meinden sollen in der Aufstellung enthalten sein. Da eine solche Aufstellung ungeheuer schwer, ja, fast umnöglich ist ,md auf jeden Fall viel Zeit erfordert, so bedeutet ein solcher Be- schluß nichts anderes als die Forderung: Schluß mit der Sozialpolitik! Die Agrarier fordern aber noch mehr. Sie wollen, daß mit der Teilgesetzgebung Schluß gemacht und alle notwendigen Aenderungen in einem Zuge beraten werden. Die Zlnsarbcitung eines solchen Gesetzentwurfs ist heute fast unmöglich. Die Zusammenhänge in der sehr komplizierten sozialen Gesetzgebung sind noch viel zu locker, um einhettliche Normen aufzustellen. Solche Beschlüsse find daher nichts anderes als Sabotageoersuche. Reichswehröebatte im Reichstag Reichswehrsoldaten als Lohndrücker?— Das Unglück an der Weser. Iteichswehrminister Dr. Gehler führte in seiner gestrigen Reichs- tagsrede weiter aus: Rlw zu den Dingen, die in der Oeffentlichkeit gegenüber der Reichswehr behauptet worden sind. Die Denkschrift der Liga für Mei»schcnrechie enthält keinen Landesverrat, wohl aber »st sie geeignet, Deutschland zu schädigeiu Neun Zehiücl von dem, weswegen wir in der Denkschrift angegriffen werden, sind Dinge, die aus den Besliminungen des Bersailler Vertrages herrühren. Wir würden vieles einfacher gemacht hoben, wenn uns nicht das«ysten» aufgedrängt worden wäre. Es gibt also hierbei nichts zu verraten. Verbängnisvoll wirkt es nur. daß dieses Materiol von der uns sei»»!)- lichen Propaganda aufgegriffen wird. Wir müsien urrs doch die Situation llar machen. Für einen Staat, der feine volle Souveräni- tat bescht, sind diese Dinge unbedeutend. Aber für einen Staat, der in bestiininter Weise völkerrechtlich gebunden ist, können sie gefährlich werden. Die zuständigen Stellen unternehmen alles Mögliche, um diese Dinge zu prüfen und einzugreifen, wo es notwendig ist. Der Redner erwähnt dann einige Vorgänge unter der Regierung Z e i a n e r. Dieser habe in einer Unterredung in Dresden sich voll- ständig mit der Stellungnahme Gestlers einverstanden erklärt, um später zu behaupten, er besitze Material gegen die Reichswehr. Dieses Material hat er aber nicht hergegeben. Es ist oifeilbar dasselbe Ma- terial des Herrn v. Graese, das sich von bis Z als»lnwahr herausgestellt habe. Bei der Einstellung in die Reichswehr wird nicht danach ge- fragt, welchen Organisationen die Leure angehören. Das würde uns sonst als Gcsinnugsschnlliselei ausgelegt«erden. Der Minister hat auch garnicht die Möglichkeit, um bei Verfehlungen einzugreifen. In allen schweren Fällen untersteht die Reichs- wehr dem bürgerlichen Recht, nur in leichteren Fällen dem Disziplinarverfahren. Es ist nicht ein einziger Fall vorgekommen. über den die Presse berichtet hat, der nicht geprüft worden ist. General S c e ck t muh ich gegen jeden Vorivurs in Schutz nehmen, als ob er ein Mann wäre, der nicht das denkt, was er tut. Als Sie mich in» Jahre 1920 vor ein Chaos stellten, habe ich das alle Osiizierkorps übernehmen müsien. Das war auch gar nicht anders möglich. Auch T r o tz k i in Ruhland hat nichts anderes getan. Em Heer kann nicht anders als mit Fachleuten aufgestellt werden. Diese Ausgabe, vor die ich gestellt war, habe ich gelöst. Die Reichs- wehr hat auch Belastungen zu ertragen gehabt. Das eine kann doch aber festgestellt werden, dah keine Verschlechterung eingetreten ist. Hat die Reichswehr nach dem Kapp-Putfch jemals in die Politik eingegriffen? Das Heer, so wie es jetzt steht, ist ein Heer der Republik. Nun wird von uns ein Heer von Republikanern ver- . langt. Dann hätte man ober nicht das alte Offizierkorps nehmen müsien, das sich aus Pflichtgefühl zun» Aufbau des Staates zur Verfügung gestellt hat. sBeisall rechts.) Ich kenne keine bessere Erziehung zur Republik, als die Erziehung zur Pflicht- «rsüllung. Gewiß pflegt das Offizierkorps die alten Traditionen. Aber auch Sie(zu den Sozialdemokraten) pflegen ihre Geschichte. Ich habe im ,B o r w ä r t s" den hochinteressanten Artikel zum lsiO. Geburtstag Lassalles gelesen. Sie haben doch auch die Er. innerung an die Zvjährige Wiederkehr der Einigung der Sozial- demokratischen Partei gefeiert. Auch wir pflegen die Geschichte, wir sind stolz daraus, unsere Vergangenheit zu haben. Wogegen ich »rich wehren muh, das ist die Äehauptung, daß es bei uns schlechter geworden ist. Wir haben eine weltgeschichtliche Aufgabe zu lösen gehabt. Wir sind davon überzeugt, dah wir aus dem Wege ruhigen, besonnenen Fortichritts sind. Sie(zu den Sozialdemokraten) wollen über die Republik zum Staat koinmen, wir wollen über den Staat zur Republik kominen. Aus einen Zwischenruf von den Koinmunisten sagt der Minister: Zu Ihrem Mihtrauensontrag will ich»nich nicht änhern. Ich trage das Leid des Kollegen Trotzki in Ruhland. fHeiterkeit.) Es ist schwer. Kriegs- »ninister zu fein. In Rußland hat man Trotzki wiedergeholt, wenn Sie uns aber los sind, dann kriegen Sic uns nicht mehr zurück. (Heücrkcit» Dos 5)«rr muh aus den, Partcihader herausgehalten werden. Im Jahre 1920 habe ich die Ausgabe übernommen: erstens eine Organisation zu schassen, zweitens dos Heer zur Verfasiung zu erzicben. Meine bisherige Arbeit bewegt, dah ich diese Aufgabe erfüllt habe. tLedhafter Beifall bei den bürgerlichen Parteien.) Abg. Loibl(Bauer. Bp.) bedauert, daß der Druck der Entente die Rückkebr zu dem Ideal des alten Volksheeres mit der allgemeinen Wehrpflicht verhindert. Abg. v. Ramin(Volk.) erklärt, daß seine Partei den Wehretat annehmen weide. Die Annahme erfolge allerdings nicht etwa um des Rcichswchrministers willen, sondern weil die Völkischen An- Hänger des Wehrgedankens seien, ebenso wie des Selbstbestiin»nungs- rechtes der Völker. Innerhalb der Wehrmacht fei der einzige Ge- danke für die Befreiung Deutschlands vom fremden Joch enthalten. (Bei'all b. d. Volk.) Damit schließt die allgemeine Aussprache. In einer persönlichen Bemerkung geht Abg. Oipinski(Öoz.) auf die Beschuldigungen ein, die der frühere sächsische Minister- Präsident Dr. Z e i g n« r gegen die Leitung der Reichswehr gerichtet Hot. Im Jahre 1921, als Lipinski Innenininister in Sachsen war, habe da? Reichswehrministeriuni die sächsische Regierung ersucht, Werbe stellen für den oberschlesischen Selb st schütz zu errichten. Die sächsische Regierung hat es abgelehnt. Di« O r- gesch und ähnliche Organisationen drängten sich dann dazu» die Ordirung im Lmide auirechtzuerhalten. Trotzdem Sachsen damals 28 Proz., das gairze Reich nur 6 Proz. Arbeitslose hatte. war die sächsisch? Regierung in der Lage, selbst für die Ausrecht- erhaltung von Ruhe und Ordmurg zu sorgen. Da diese Organ»- sotionen sich auf Aufträge von zentralen Stellen be- riesen, wandte sich die sächsische Regierung an den R e i ch s p r ä s i- denten. Im Oktober und November 1920 fanden in Berlin Konferenzen statt,«in Erfolg wurde jedoch nicht erzielt. Im Juli 1922.»ach dem Rathen«». Mard, wandte die sächsische Re- gicrung sich nochmals dnngend an die Reichsregicrung. damit diese Dinge endlich abgestellt werden. Am 3. Jairuar 1923 ist der Reichsregicrung unter Cuno ein sieben Seiten langes Memorandum übersaudt worden, in dem alle Vorfälle ausfÄ>r1ich geschildert waren. Darauf ist keine Antwort erfolgt.(Hört, hört! b. d. Soz.) Trotzdem also dem Reichswehrministerium diese Dinge bekannt waren, hat es eine Untersuchung wegen Landesver- rates gegen Zeigner eingeleitet. Ich habe dann in der„L« i p- zigcr Volkszeitung" darüber berichtet, der Erfolg war der, dah gegen den„Vorwärts", der einen Teil daraus abgedruckt hatte, ein Landesvsrratsprozctz angestrengt worden ist. Hier das Rcichswchnninisterium eingegrifscn, genau so wie in anderen Landesoerratsprozessen. Die Darstellung des Reichswehrm>nisteriun»s ist also irreführend.(Beifall b. d. Soz.) ' Abg. künskcr(Soz): Wir haben wiederholt lebhafte Klage darüber geführt, dah für die ausscheidenden Reichswch ränge hörigen kein« Möglichkeit besticht, in Z i v i l b e r u f c n unterzukommen. Es wer- den iin Jahre etwa 1900 Mann davon betroffen. Nur ein geringer Prozentsatz davon hat das seltene Glück, sofort einen neuen Beruf zu finden. Regierung und Reichswehrministerium� hätten schon längst die Pflicht gehabt, eine angemessene Fürsorge für die aus- scheidenden Soldaten zu schassen. Für diese Fürsorgetätigtcit sind i»n ganzen 14190 M. ausgeworfen worden. Die Fürsorge- off»ziere versehen ihr Amt nicht in zufriedenstellender Weise. Der Ehes der Heeresleitung hat in einem Schreibe:, mitgeteilt, daß die Wirtschost, an die man sich gewandt habe, sich bereit erklarte. zu hellen. Die Tagespressc solle aber zur Aufklärung darüber nicht herangezogen werden, weil das leicht zu Irrtümern Anlaß geben könne. In Berlin, Stettin und anderen Orten geben sich die ll'Uer- nehmer in Landwirtichast und Industrie den Anschein vaterländischer Tätigkeit, in Wirklichkeit wollen sie die ausscheidenden Reichswehr soldaten als Lohndrücker vcrwcirden. Diese Fürsorgetätigkett muß verschwinden. Die Reichswehr muß sich an die st ä d t i s ch e n Arbeitsnachweise und an die g e m e r k- schastlichen Organisationen wenden. Ich habe den be- gnrndeten Verdacht, dah die Wirtschaft ihre Zuwendungen an die Reichswehr nur zu dem Zwecke gemacht hat.»in billige Arbeits- kräfte zu erhalten. Pflicht des Rcichswchrministeriums ist es, den ausscheidenden Soldaten eine gute und sichere Zukunkt zu sichern. (Beifall bei den Sozialdeinotraten.) Ein Vertreter des Reichswehrministeriunis antwortet, das Mi- nisterium bemühe sich durch besondere Fürsorgcosiiziere auf ollen gangbaren Wegen die ausscheidenden Reichswchrangehörigen als Arbeitskräste in Industrie und Landwirtschaft uritcrzubringcn. Nach Zlussührungen der Abgg. Reubauer(Komm), Ronneburg (Dem.) begründet Abg. hünlich(Soz.)s die Interpellation der Sozialdemokratie zu dem Reichswehr- »»»»glück an der Weser, in der dos Reichswehrministerium gesragt wird, was es tun wolle, um die Wiederholung solcher Vor- »alle zu vcrhinden». Zu dem Einzelfall wolle sich der Redner nicht allssührlich äußern, do die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist. Kennzeichnend iür die 2lrt, wie das Rclchsivehrministerium in solchen Gelegenheiten verfährt, ist ober die Art der Bericht« crstattung. In dem Berichte über dos Unglück findet man nur Widersprüche. Es scheint so, als wenn die ersten Fahrten mit den Pontons ordnungsgeinäß vor sich gegangen seien, zuletzt aber scheint es überlastet geivesen zu sein. Offenbar hat man sticht mit der Strömung des Fluises gerechnet, das Ponton Hot Wasser gezogen, und dann ist dos Unglück geschehen. Der Bericht ist nicht ob- j c k t i v. sondern er scheint vertuschen und benihigen zn wollen. Welche Sicherheitsmohnahmen sind getroffen worden, iiin ähnliche Unglücksfälle zu venneiden? Das zu wissen hat nicht nur der Reichstag, sondern das ganze Volk ein Recht.(Bdiall bei den Soz.) Reichswehrminister Dr. Geßlcr erwidert, die Heeresleitung habe sofort alle Schritte getan, um die Ursache der Katastrophe aufzuklären. Im Juni»vird in öfsent- licher Verhandlung vor dem Schöffengericht die Schuldfragc unteriucht werden. Von einem irreführenden Bericht könne man nicht sprechen. Der grundsätzliche Fehler der Pionier- bestimmung sei der, daß sie nur eingestellt war für den Kriegsfall. wo man mehr riskieren mutz als bei Friedensübungen. Nach dein llnglücksfoll sind die Bestimmungen sofort revidiert und weite re Sicher nngs- und Schutzvorschriften auigenominen worden. Abg. Rödel(Komm.) erklärt, noch seinen Erfahrungen als ehe- maliger Pionier könne er feststelle»,, �dah die Fähre zweifellos überlastet gewesen sei ilnd die Schuld an dem Unglück nicht die Soldaten, sondern die leitenden Offiziere treffe. Rcichswehnninister Dr. Gehler stellt fest, dah in dem Gerichts- verfahren kein Soldat, sondern nur der die Uebung leitende Offizier beschuldigt ist. Abg. Rcubaucr(Komm.) behoupiet, es sei wiederholt vorgs- kommen, daß Soldaten mit schorfer Munition und Hand- granaten Strofexerzieren machen muhten. Abg. Brünighaus(D. Dp.) wendet sich gegen die Ausführungen öes kommunistischen Redners Reichswehrininister Dr. Gehler bestreitet auf Grund der gerichtlichen Nachprüfung die Behauptung des Abg. Neubauer. Abg. Schmidl-Hannover(Dnat.) bezeichnet das Vorgehen des Abg. Neubauer als Demagogie. "Abg. Loibl(Bayer. Bp.) widerspricht der Etatposition, worin die Verlegung der Insantcrieschule von München nach Dresden vorgesehen ist und beantragt deren Streichung. Abg. Stücklen(Soz.) spricht sich für die Verlegung der Infanterie- schule nach Dresden aus. Die A b st i in m u»»g wird wegen der schwachen Besetzung de, Hauses, da die Mstmrmung bei Probe und Gegenprobe zweifelhast bleibt, auf Vorschlag de» Präsidenten Löbe auf eine spätere Gelegen- h«t verschöbe» Abg. Künstler(S03.) wendet sich gegen die Bewilligung von Mitteln für die Anschaffung von Gasmasken� Das sei sowohl nach dem Art. 171 des Versailler Vertages unzulässig wie auch aus sachlichen Gründen überflüssig. Schon zu Ende des Weltkrieges habe sich gezeigt, daß Gasmasken nichts n ü tz e n. inzwischen habe der Gaskrieg aber solche furchtbaren Fortschritte gemacht, daß Gasmasken dagegen gar keine Hilfe bieten. Das wird auch von militärischen Sachverständigen bestätigt. Der Redner bedauert, daß die Rote über die Abrüstung der Alliierten nach nicht bekanntgegeben worden sei, seht wäre die Gelegenheit gegeben, zu untersuchen, was an den Anschuldigungen gegen Deutschland berechtigt ist. H c r r i 0 t hat behauptet, daß wiederholt an die Neichsregierung U l t i- m a t e n gesandt worden seien, der Redner wünscht zu wissen, ob das richtig sei und welche Antworten darauf erteilt worden seien. i Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichswehrnnnister Dr. Gehler erwidert darauf, daß er auf die legten Fragen des Abg. Ähnstlsr antworten werde, wenn die Note der Alliierten, zur Erörterung stehe. Die Regierung würde es begrüßen, wenn der Gas- krieg, der eine besonders unritterliche Art des Kampfes darstelle, vollständig beseitigt wäre. Aber solange die Alliierten selbst noch technische Kriege führen, haben wir das Recht, wenigstens zur Abwehr Maßnahmen zu treffen. Darüber beständen allerdings Streitpunkte zwischen der deutschen Regierung und den Alliicnen. lieber den Wert der Gasmasken könne er selbst kein Urteil abgeben, das Haus müsse sich ober darin auf die Fachleute verlassen können. Der eigentliche Reichswehretat ist damit erledigt. Die Beratung des Marineetats wird auf Dienstag, den 9. Juni, vertagt. Mit Pfingstwünschen für die Abgeordneten schließt Präsident tobe um%5 Uhr die Sitzung. PmißiMer Stäütetag. Gegen die Steuerpolitik der Reichsregierung.— Probleme der Komntunalisierung und des Städtebaus. Äöln. 28. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Unter sehr zahlreicher Beteiligung wurde am Mittwoch vormittag im großen Saale des Kölner Meffehofes der zehnte preußische Städte- t 0 g eröffnet. Aus ganz Preußen sind Vertreter der Städte erschienen. Auch die übrigen Länder des Reiches haben starke Abordnungen ent- fandt. Sehr stark ist die Sozialdemokratische Partei ver- treten. In der Dienstag nachmittag stattgefundenen ersten Fraktions- sitzung der sozialdemokratischen Delegierten, der vom Parteioorstand die Genossen Stelling und Fechner als Gäste beiwohnten. nahmen über hundert Parteigenossen teil. Diese Zahl ist durch Nach- zügter. die erst am Mittwoch eintrafen, noch entsprechend erhöht worden. Die sozialdemokratische Fraktion bestimmte bereits am Dienstag abend die Sprecher der Fraktion zu den einzelnen Punkten der Tagesordnung und beschloß, Entschließungen zur Zollvorlage und den Steuerfragen einzubringen. Die erste Entschließung hat folgenden Wortlaut: Der preußische Städtetag erhebt aufs entschiedenste Protest gegen die von der Reichsregierung geplante Zolloorlage. Die darin ent- haltenen Zollsätze sind in ihrer Auswirkung auf Agrar- und Jndu- ftrieprodukte geeignet, der Anbahnung handelspolitischer Beziehun- aen mit dem Auslande hemmend entgegenzuwirken. Sie bedeuten aber auch für die Angehörigen der ärmeren Schichten unseres Volkes«ine weitere Herabsetzung ihrer Lebenshaltung, sie bedeuten für zahlreiche Kleinrentner, Sozialrentner und Kriegshinterbliebenen vermehrte Not, vermehrtes Elend. Damit steigern sich die W 0 h l f a h r t s a u f g a b e n für die Gemeinden ins Ungemessene. Sie hemmen die so dringend notwen- dige Gesundung des heranwachsenden Geschlechts. Der preußische Städtetag bedauert, daß die Reichsregierung diese Vorlage eingebracht hat und erwartet vom Reichstag, daß er ihr die Zustimmung versagt und den so notwendigen Wiederaufbau nicht verhindert. Die zweite Entschließung lautet: Der preußische Städtetag wen- det sich mit aller Entschiedenheit gegen die bei der N e u r« g e» lung der Steuerverhältnisse zutage tretenden Bestrebun- gen, die Cemeindebetriebe und-Unternehmungen über das bisherige Maß hinaus zu steuerlichen Leistungen heranzuziehen. Das Ergebnis würhe lediglich ehre scharfe Erhöhung der Verkehrs- t a r i f e und somit eine weitere Belastung der werttätigen Bevölke- rung und des örtlichen Wirtschaftslebens sein. Diese Tatsache aber birgt in sich eine Senkung der Kaufkraft der breiten Masse sowie ein« schwere Schädigung der Erfüllung sozialer und kultureller Aufgaben wie der Wohlfahrtsbestrebungen der Gemeinden. Der preußisch« Städtetag hält die Auffassung der Reichsregierung, daß durch die steuerlichen Belastungen gemeindlicher Betriebe der Weit- bewerb angeregt und damit die Produktivität dieser Betriebe ge- steigert wird, für falsch. Es handelt sich bei den Gemeindebetrieben in der Hauptfachs um Monopolunternehmungen. Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke sowie Verkehrsbetriebe stehen in keinem Konkur- renzkampf mit anderen örtlichen Unternehmungen, bei denen die- selben wirtschaftlichen Loraussetzungen vorliegen. Der Vorsitzende des Borstandes des preußischen Städtetages, Oberbürgern, elfter Dr. B öß- Berlin, eröffnete die Tagung mit kurzen begrüßenden Worten. Die vom Vorstand vorgeschlagene Ge- schästsordnung fand Annahme, nachdem eine Reihe kommunistischer Abänderungsanträge abgelehnt worden war. Tonn überbrachten mehrere Ehrengäste dem Städtetag ihre Grüße. Ein kommunistischer Antrag, an erster Stell« die Aufwertungsfrage zu behandeln, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung behandelte Oberbürgermeister Dr. Lücken- Kiel die Frage der Kommunolisierung oder Entkommuna- lisierung städtischer Werke. Kommunalisierung oüer Entkommunalisierung! Oberbürgermeister Dr. Lücken schilderte zunächst den histo- rischen Werdegang der Entwicklung in allen Ländern vom pri- vaten zum öffentlichen Betrieb auf dem Gebiete der Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung und der Straßenbahnen. Er gab weiter «in Bild davon, wie kurz vor Ausbruch des Krieges die Entwick- lung der Ueberlandzentralen in der Richtung gemeinwirt- schaftlicher Unternehmungen führte, schilderte dann den'Entwicklungs- gang während des Krieges und besonders nach dem Kriege unter der Einwirkung der Sozialisierungsideen und der Inflation. Er behandelt« die Schwierigkeiten in den Werken nach der Revolution sowie die finanziellen Hemmnisse in der Inflationszeit, namentlich ober die Politisierung der Stadtverwaltungen und ihrer Vertretungen. Vier neue Formen städtischer Verwaltung stellte der Referent dar: das System der Zwilllngegesellschast(Berlin), das Frankfurter System, das Königsberger und das Leipziger System. Mehr und mehr komme man auf das Leipziger System hin- au«, dos im Rahmen der Städteordnung eine Verselb st ändi- gung der städtischen Betriebe anstrebt. Nachdem Lücken dargelegt hatte, daß lediglich Zweckmäßigkeits- crwagungen und nicht politische Einstellung entscheidend sein dürsten, behandelle er das statistische Material, das von privater Seite her- ausgebrocht worden ist, um die geringere Wirtschaftlichkeit der städtischen Betriebe nochzuweisen. Lücken kam zu dem Ergebnis, daß dieser Nachweis nicht gelungen ist. Er ging dann kritisch ein auf die Erfahrungen mit den g e m i s ch t w i r t s ch a f t li ch e n Unternehmungen, die vom städtischen Standpunkt aus stets eine Halbheit blieben und mit ähnlichen Mängeln behastet seien wie die konzessionierten Privatunternehmungen. Die neuere Ent- Wicklung bei den Ueberlandwerkcn scheint nach Auffassung Lückens dahin zu gehen, daß gemischtwirtschaftliche Unternehmungen nur für öffentliche Verbände gebildet werden. Das Königsberger System scheine neuerdings Beanstandungen zu erledigen, insbesondere von den Stadwerwaltungen, denen keine genügende Einwirkung auf die Gestaltung der Werke verbleibe. In Berlin glaube man, mit der dort ins Leben gerufenen Aktiengesellschaft gute Erfahrungen ge- macht zu haben. Im wesentlichen unangefochten sei das Leipziger System geblieben, bei dem unter Bekämpfung der Politisierung und Bureaukratisierung leichtere Formen in der Handhabung der städti- fchen Werke gegeben sind. Die Zukunftsentwicklung werde wesentlich beeinflußt von den sinanziellen Mögllchkeiten und von der Entwicklung des öffentlichen Kredits. Der Bureaukratisierung werde durch Einräu- irning einer gewissen M i t b e t e i l i g u n g der Direktoren zu begegnen fein. Im übrigen sei in den Betrieben nach betriebs- wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten, und zwar nach a m e r i- konischem Muster. Lücken teilte schließlich die Ergebnisse einer neueren Untersuchung in den benachbarten europäischen Ländern mit und ging besonders auf das Wiener System ein, bei dem auf Ueber- schüsse zur Entlastung der Steuerzahler verzichtet wird und die Werke nur für sich selbst wirffchaften. Lücken ist der Auffassung. daß die Enlkommunalisierungsbewegung zum Stillstand gekommen ist, nachdem die Währung sich wieder stabilisiert hat. An den Vortrag schloß sich eine längere Aussprache, in der alle Probleme städtischer Regiewirtschaft ausführlich behandelt wurden. Die Debatte endigte mit dem Sieg der städtischen Regie- Wirtschaft über den gemischtwirtschaftlichen Betrieb und ieden privatkapitalistischen Einfluß. Vertreter der verschiedensten Gruppen zeigten sich darin vollkommen einig, wenn es dabei auch die ver- schiedenstsn Spielarten gab. Die interessante Aussprache, die für die Führung kommunaler Betriebe wertvolle Fingerzeige gab, schloß mit der Annahme der sozialdemokratischen Entschließung gegen dle Stenerpollttk der Reichsreglervng, die den Gemeinden Verhängnis- voll werden muß. Angenommen wurde ferner eine gemeinsame Entschließung der Vertreter der Deutschnationalen, der Deutschen Valkspartei, des Zen- trums, der Demokraten und der Wirtschaftspärtei, für die yuch die Vertreter der Sozialdemokratie eintraten. Sie lautet:„Die der Ler- sorgung der Bevölkerung mit Wasser. Gas und Elektrizi- tat dienenden Betriebe gehören wie die Verkehr sb«triebe in die öffentliche Hand, und zwar in erster Lim« in die Hand der Gemeinden. Die Verwaltung und Detriebssührung ist nach tech- Nischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu regeln. Ein« Be- steuerung dieser Betriebe ist ohne Rücklicht auf ihre Derwal- tungsform(Aktiengesellschaften, G. rn. b. H. usw.) aus sozialen, politischen und wirtschaftlichen Gründen unbedingt abzu- lehnen." Staütebauliche Probleme. Der zweite Verhandlungstag wurde eingeleitet mit einem Vor- trag des Oberbaurats A r n g- Köln Wer städtebauliche Probleme. Der Vortragende wies mit Nachdruck darauf hin, daß das Problein des Städtebaus das Problem unserer Zeit überhaupt sei. Es bedeute die Alternative: Kampf gegen die Großstadt oder Be- johung und Gestaltung der Großstadt. Die Großstadt ist die charakteristische Lebensform unseres wirsschaftlichen und geopolitifchen Entwicklungszustandes. Es ist kein Zufall, daß die weltwirtschaftliche und weltpolitische Macht der Länder gleichläuft mit ihrer Großstadtentwicklung. Die Gestaltung der Großstadt sucht Dezentralisation innerhalb der Konzentra- t i 0 n. Der Leitgedanke ist die aufgeschlitzte Sternsorm des Stadt- körpers. Je naturferner unser Leben und wir selbst werden, um so enger werden wir uns wieder mit der Natur verflechten. In den letzten Jahren ist dieser Gedanke von englischen Städtebauern zur Theorie der Trabantenstädte fortgeblldet worden. Der Vor- tragende messt darauf hin, daß man in Preußen im Begriff ist, ein Städtebauaesetz zu schaffen, das die Städte in den Stand fetzen soll, die Großstadt zu gestalten. Wir müssen damit rechnen. daß noch schwere Kämpfe um dieses Gesetz entbrennen werden. Er bedeutet in'mancher Hinsicht eine Umwälzung des Boden- rechts. Der Redner kritisiert einzeln« Bestimmungen des Gesetz- entwurfs und betont, daß die Notwendigkeit deräußerenStadt- erweiterung in dem Entwurf noch nicht genügend zur Gellung komme. Im Anschluß daran erläutert der Redner an Hand von Lichtbildern die Kölner Planungen. Die Aussprache über den Vortrag gestaltete sich sehr interessant und lebhaft, our die sozialdemokratische Fraktion des Städtetaaes nahm Genosse Landtagsabg. Meyer- Solingen das Wort und betonte, daß die Froge de» Städtebaue» gleichzeitig eine Frage der kommunalen Bodenpolitik fein müsse. Wenn die Wiedcrgsfundung wirklich kommen fall, dann müsse dafür gesorgt werden, daß die Masse nicht nur Nahrung und Kleidi-ng, sondern auch Wohnungen hätte. Ein freies Boll Suf deutschem Boden, das müsse das Ziel unserer fortschrittlichen Siedlungs- und Städtebaupolitik sein. Mit großer Mehrheit nahm der Städtetag schließlich einen An- trog an, der folgenden Wortlaut hat:„Der Siädictag vertritt den Standpunkt, daß die Lösung der städtebaulichen Probleme unserer Zeit die baldige Schaffung eines preußischen Städtebau gesetzcs zur unbedingten Notwendig- keit macht. Er bittet die Staassregierung, das in Borbereitung befindliche Gesetz-'«wsrt im Einoernehmen mit den Städten mit größtmöglichster"Beschleunigung zu Ende zu führen." Die vom Vorstand vorgeschlagenen«atzmigsändeningen, die den Stadtverordneten größere Rechne im Vorstand des Städtetages einräumen, wurden gegen die Stimmen der Kommu- nisten«n bloc angenommen. Dann schloß Oberbürgermeister Böß- Berlin die Versammlung mit Dankesworten für Köln. Wivtfäyait Hegen Sie hshen NshsioffzSlle. In der Industrie machen sich starke Anzeichen dafür geltend, daß die großen Gruppen der verarbeitenden Gewerbe- zweige keineswegs gewillt sind, die Zölle auf Roh» und Halb- st 0 f f e auf sich zu nehmen, die ihnen in der neuen Zollvorlage zugedacht sind und die eine Derteuerung der Fertigfabrikation bis zur Konkurrenzunfähigkeit auf dem Weltmarkt herbeiführen müssen. So wendet sich mit großer Entschiedenheit der Reichsbund der deutschen Metallwarenindustrie gegen die Eisen- und Blechzölle in einer Kundgebung, die besonders wegen ihrer Begründung weitestgehende Beachtung verdient: Die Reichsregierung hat trotz Verkündigung der Abstandnahme von einer Erhöhung der Eisenzölle in der kleinen Zolltarifnovelle eine wesentliche Erhöhung der sogenannten Fein- blechzölle, d. h. der Zölle für Eisenbleche von t>,5 Millimeter und darunter, vorgeschlagen. In Zukunft sollen die entzunderten, sogenannten dekapierten Schwarzbleche statt 4,50 M. 6 M. und die verzinnten Eisenbleche(Weißblechs) stall S,50 M. 8 M. pro Doppelzentner tragen, d. h. der jetzige Zollsatz wird um S-M bis 40 Proz. heraufgesetzt. Damit erhöht sich die W e r t b e la stu n g an Zoll für diese Halbfabrikate der deutschen Fertigindustrie, insbesondere für die deutschen Haus- und Küchengeräte-, Emoillewaren-, Lampen» und Laternen-, Blech- und Lackierwarenmdustrie, also für die Industrien, deren Erzeugnisse dem Massenkonsum dienen, von 10 bis 15 Proz. auf 14 bis 20 Proz. Die Be> gründung der Regierungsvorlage rechtfertigt diese Zollerhöhung einerseits damit,' daß die im Kriege ausgebaute Industrie auf diesen Schutz angewiesen sei, weil der deutschen Ar- bellerschaft die nur durch langjährige Uebung zu erwerbende Er- fahrung noch fehle und weil der infolgedessen im größeren Umjange entstehende Ausschuß die Herstellungskosten erhöhe, und anderer- scits damit, daß die Zollerhöhung mit Rücksicht auf die weiter- verarbeitende Industrie unwesentlich über den bestehenden Sätzen liege und nur einen gewissen Ausgleich für den Derarbeitungsgrad darstelle. Die Regierungsvorlage erkennt daher zwar den Blech- Walzwerken einen Erziehungszoll zu, glaubt aber, daß die deutsche F e r t i g i n d u st r i e in der Lage sei, die K 0 st e n für diese Um- stellung der Walzwerke ohne weiteres auf sich nehmen zu können. Diese Begründung zeugt von einer völligen Berkennung der Wirtschaftslage der Feinbleche verarbeiten- den Fertigindustrie und der Wirkung der geplanten Zoll- erhöhung. Denn die oben genannten Industrien sind stets aus- gesprochene Erportindustrien gewesen, die ihre Pro- duktion nur zum ffeinsten Teile aus dem Inlandsmarkt unter- bringen konnten. Die hohen Materialpreiss haden� aber bereits bei der fetzigen Zollbelastung die Konkurrenzsähigkeit auf den» Weltmarkt immer mehr zugunsten von England, der Tschecho- slowakei, Frankreich und Belgien ad gedrosselt, und die wenigen Exportaufträge aus Ländern ohne eigene Produktion konnten nur bei äußerster Kalkulation noch gerade hereingenömwin werden. Wenn daher die Selb st kosten dieser Industrie weiter- hin noch um 2 bis 5 Proz. je nach dem Grade der Verarbeitung durch die Zollerhähung vermehrt werden, hört jede Konkurrenzfähigkeit auf dem Auslandsmarkt 0 11 f. Anderersells haben die Feinblechwalzwerk« lange genug Zeit ge- habt, ihren Produktionsapparut auszubauen. Dennoch haben die Walzwerke es bisher noch nicht fertiggebracht, nach Menge, Qualität und Preisstellung die deutsche Fertiaindustri« vom Bezüge ausländischer Feinbleche, besonders Weißbleche, unabhängig zu machen und die deutsche Fertiaindustrie hat zwecks Aufrechterhaltm-z des Auslandsgeschäft« fortgesetzt den Zollveredelungsoerkehr mit seinen Unbequemlichkeiten in Anspruch nehmen müssen. Wenn da- her jetzt die geplante Zollerhöhung zum Gesetz erhoben wird, so bedeutet das nichts anderes als eine völlige Verdrängung eine» großen Teiles der deutschen Fertig- industrie vom Auslandsgeschäft und eine empfindlich« Steigerung der Inlandspreise für den Massen- oerbrauch. Damit wird aber gerade das Gegenteil von dem erreicht, was die Zollerhöhung bezweckt: die Nachfrage nach Feinblechen geht erheblich zurück und die Walzwerks- industrie hat ebenfalls keine Enllvicklungsmöglichkeit, es sei denn, daß sie ihr Material zum Weltmarktspreise exportiert und damit zeigt, daß sie des erhöhten Zollschutzes gar nicht bedarf. Der Reichsbund der deutschen Metallwarenindustrie sieht also in der geplanten Zollerhöhung eine große Gefahr für die Entwicklung der Fertigindustrie und der Walz- werte und kann nicht dringend genug vor dieser Maßnahme warnen. Ebenso hat die Handelskammer Karlsruh« gegen di>! Eisenzölle protestiert, und zwar im Interesse der südwestdeutschen Maschinenindustrie, die ihren Eisenbedarf infolge der hohen Fracht- kosten günstiger vom Ausland als vom Ruhrgebiet her bezieht. Seit sechzig Jahre« wohne ich in Deutschland«nd bin überall beliebt und bekannt. Ich hetste bin eine Tochter des Maiskorn»«nd jede Siut-frau weift mich zn schätze». In der Knche bin ich unentbehrlich und wer wich noch nicht genau kennt, schreibe um et« Kochbnchleiu an die Deiitscks Maizena Gesellschaft A.-G. HAMBUNQ 15. Kleide IDisIl bsSSig. elegant! Monatsanzüge Paletots Mantel Fracks SEOkiBgs�Cigwäys ♦ I ITYI so 5 I AI t(«1�*% tSv T � A A U AM«»Mel Xf � A 1 f a � 7 a! b rl M t»» 1 1■— Ä-fc.-3_ Va Mm mm TcJl auf Seide, von feinsten Herrschaften und Kavalieren nur kurec Zelt getragen, in jeder Preislage. Lm m a oui jciuc, von icinsicn ncrrscnoncn uj eihhaus Brunnenstraße 5 Hocheleg. neue Garderobe am Rosonthaier Tor.(Nicht fehlgehen, Hausnummer achtan-!) SV Eigene Fabrikation, daher Aufsehen erregend billlgl aus fdnaten Störten, In erstklaialser Verarbeitanr. Jeder MaSarbelt gleich, fOr»tlfkite und acnianks e Peraonen passend. Genau dieselben Argumente aber, die gegen eine Verteuerung der Produktion durch Rohstoffzöllc sprechen, gelten unver- mindert auch für die künstliche Produktionzverteuerung durch Lebensmittelzölle. Diese zwingen die Arbeiterschaft, durch Lohnerhöhungen einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltung?- kosten zu suchen und treiben so das Lohnniveau in die Höhe, ohne daß dadurch eine entsprechende Stärkung des inneren Marktes erreicht werden würde. Die Verteuerung der Lebensmittel bringt ja nur zum allergeringsten Teil eine Steigerung der Kaufkraft der Landwirtschaft. Sie führt vielmehr zu erhöhter Kapital- bildung und allenfalls zu einer gesteigerten Nachfrage nach sogenannten Kapitalgütern, besonders Maschinen und ahn- lichen Waren, nicht aber zu der stärkeren Vermehrung des Massen- konsums an B e d a r f s w a r e n, die die deutsche Industrie zur vollen Ausnützung ihrer Produktionsmittel und damit zur Stärkung ihrer Konkurrenzfähigkeit braucht. Gleichzeitig wird aber der Export erschwert, da die erhöhten Löhne selbstverständlich zu einer Steigerung der Produktionskosten führen, dem keine Zunahme des Absatzes gegenübersteht. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß die verarbeitenden Industrien und ihre Dertretun- gen gegen die Gefahr, die ihnen von dieser Seite droht, nicht entschieden genug Stellung nehmen. Lanögervinnung in Preußen. Das Preußische Staatsministerium hat dem Staatsrat zwecks gut- achtlicher Aeußerung_ einen Gesetzentwurf über die Bereit- stellung von"Staatsmitteln zur Ausführung von Bodenverbesserungen auf staatlichen Domänenoorwerken und anderen domänenfiskalischcn Grundstücken übersandt. Dem Staatsministerium soll zur Ausführung der genannten Bodenverbesse- rungen ein Betrog von 1 Million Mark zur Verfügung gestellt werden. Durch einen weiteren Gesetzentwurf über die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Urbarmachung von st a a t l i ch e n Mooren in den Provinzen Hannover und Schleswig soll dem Staats- Ministerium ein weiterer Betrag von 1,5 Millionen Mark zur Der- fugung gestellt werden._ Staatsbergbau und Kohlenkrise. Die schlechte Wirtschaftslage für die r« i l�e n Zechen hat auch aufdieBergwerksunternshmungendespreußischen Fiskus starke Rückwirkungen gehab:. Die Vergwerksgesellschaft H i b e r n i a, auf die etwa die Hälfte der Beteiligung des preußischen Staates am Kohlensyndikat entfällt, und deren Aktien bis auf einen ganz geringen Bruchteil in Staatsbesitz sind, schließt das Geschäftsjahr 1324 mit einem geringfügigen Reingewinn, der vorge- tragen wird. Angesichts der Senkung des Weltkohlenver« b r a u ch s. die leider, weil sie mit den Fortschritten der Wärme- technik und der zunehmenden Oelseuerung zusammenhängt, dauernder Natur sein wird, erscheint es fraglich, ob die Hibernia-Aktien statt III:8 nicht stärker hätten zusammengelegt werden dürsen. Di« allge- meine Kapitalnot. die staatlichen Bergwerke ebenso schwer trifft wie die privaten Zechen, wäre ebenfalls ein Grund für stärker« inner« Referoenbildung durch schärfere Zusammenlegung gewesen. Ueber den Geschäftsumsang der Hibernia im Jahre 1924 geben folgende Zahlen Auskunft, denen wir die Vergleichsziffern für 1912 hinzugefügt haben, da bei den reinen Zechen überhaupt und den kaum erweiterten Anlagen der Hibernia im besonderen der Vergleich der beiden Jahre ein annähernd richttges Bild von der heutigen Ge- fchäftslage geben dürfte: 1S?4 1913 m üloilrtir�fütitruna 4jS SSUL Tonnen 8.2 Will. Tonnen weniger 25 Proz. l'-'Mürdrnuig' 4.3,„ 3T,., 23, A�:»herll«0un, 0,563,, 0,714,. ,21 "?d«n»�uqnisle 0034,„ 0,048,, 30. fiteoelbirfleliimg 4,17,£*Ü4 1727„ 8iU4 ,76, «IrrmtrAeujang 58,0 Mut Silowettft. 55/1 MM. Pilorootlft» 3,7, SttamiflMloerbrauii«6,1,, 40,8,,»«St 13» Sjromoboabt 6,9,, 142,, weniger 53 jfamt&elegfihafl 16721.. 1M23,. 14 Di: Ziffern zeigen einen allgemeinen Rückgang um 29 bis 39 Proz. Der besonders stark« Rückgang der Ziegelherstellung um 76 Proz. ist bei der ungünstigen Marktlage für Bau- st o f f e nicht oerwunderlich. Dieser Rückgang der Gesamtproduktion dürfte sich aus der allgemeinen Lag« der reinen Zechen ohne weiteres erklären. Weniger verständlich ist das ungünstige Bild der Strom- erzeugung, des Selbs! Verbrauchs und der Stromabgabc. Leider hat die Verwaltung dazu keine Erklärungen gegeben. Während nämlich dem Produktionsrückgang um durchschnittlich 25 Proz. ein Rückgang der Belegschaft um immerhin 14 Proz. entspricht. ist die im allgemeinen doch von der Konjunktur begünstigte Stromerzeugung um 3.7 Proz. gesunken: der Strom s e l b st v e r- brauch aber ist um 13 Proz. gestiegen, während die Stromliefc- rung an Dritte Um 52 Proz. niedriger ist. Diese Tatsach« laßt hin- sichtlich der Wirtschaftlichkeit der Betriebsführung auch dann einige Zweifel entstehen, wenn man die durchgeführte Elektrisizienmg des Betriebes berücksichtigt. Auffällig ist auch der Produttions- rückgang der Nebenerzeugnisse, Da im Ausbau der Kohlenverwertung für die reinen Zechen eine der wenigen Möglichkeiten liegt, die ungünstige Konjunktur ahn« Der- luste zu bestehen, wird die Verwaltung in der Zukunft diesem wichtigen Betriebszweig ihre ganz besondere Aufmerksamkeil schenken müssen. Der Rohgewinn der Hibernia, sondern auch volkswirtschaftliche Interessen aufs Wß MMWMWsebr'M» > soll, um die Ersparniff« kapital der Industrie zuzuführen. Nichts ist aber so geeignet, die Sparer von der industriellen Zlnlage ihrer Ersparnisse abzuschrecken wie solche Derwattungsmethoden der Großaktionäre. Es dürste daher allen Ernstes zu erwägen fein, ob bei der heutigen Uebermacht der Aktienpaketbesitzer, die die Klein- aktionäre fast überall einflußlos macht, dem Vorschlag des Staats- sekretär« Hirsch nicht weitgehend zu folgen ist, die Vorrats-, Schutz-, Verwertung»- und Stimmrechtsaktien zu verbieten. 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Hescs» * Uhr; «ARIET£-j niviiE SonnUgs 8M0. ermSB. Preise! Bis toIIi Profimra Theater im £«aimiiwsio«4 Tlgl.»'/, Uhr; Iis haat-toh;).! in Ittn-ltmi Cbocolstä S«tÖS€S 4z Mlttrt; kernte I Die berDhimestec farWgen KlhisUef Amerikas Zum ersten Male iti Europa I VjjgjtfMggOC Central» S: BTlfe, ein Hhaattl gi Deuts Opernhaus 7»/3 Uhr: Orpheus im den» tVn.ersrett U. t. ä»f>KeiS.>tr Jäurnedh 3 Vereieli s. USCHI ran Jean Mthnr» Usch Ellert, Schul» I Joel!>/,, Premiere 4k aktuelle« Radio-Schwasl«; horch dm Randfunfc Bntsdi.RBnsfi«rtlieit. Tägl. 8 Uhr: MM Imlala SinfliTBo Bega Hiinh Operettenhaus .» SdJffsntriian 8 Uhr: Die Bar aal noucnartre 10,00. Tt Prem lere »er ia.raTiElri ll» dün pö jjrmUi Theater des Westens Ab l.Jnnl neu einstudiert 8: Uschi 8: von Gilbert Uschi Klient, Schulz (iertrude Berliner WallnarrThaat. Tägl. 8 Uhr Meiseken Komische 6per 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Berlins einzigste und erfolgreichste Revue: Das hat die Welt noch nicht geseh'n StoamcrpreU« I iMetropol-Tiieater firöBlet Erfolg I ITasiilsiilBid] mit Lea Ml Amo, likia a, S, 4, S, 6 w. Relchshallen-Theater 8 Uhr und an beiden Pflngstfelertagea nachm. 3 Uhr; Slettfner sanier „Das Deutsche Meer" Nachm. halbe Preise, vol. leg Abendprogramm! Dönhoff- BrettM: Saal und Garten ViniHmllts Pfinomnurcnn Saalbau Friedrichshain Heute sowie Jeden Freitag u. Dienstag, ab 4 Uhr nachmittags: Xaffee- Jrei-Theatfirvorstellttugen Norddeutsche u.Triumph-Sänger Kafleeküche geBffnet! Pfingsten 1. o. 2. Feiertag, frOh und nachm.; Doppei-Honzerteü.Jpsziaütätßii Ttein t Sota. Ter T&gl 8 Uhr: Elllc- ?änöer Das groß« Mai- Programm. Magen Irib.nbt nehmt» hie echten P e I c h e I a Mageatropien, bae erprebttÄcscbtSDtl- q. i�0. Zn Drogerien ir.Äp«IZelen, sonst bei Ott» Reichel, w!i;« SG. Eisenbahnstr. 4. ? Wohin zu Pfingsten? Nach der_ IfHciMKcfalcf Ta(el«ag,Genicbte, ailiigth Mit. 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Elias hat sofort einen Rubel— seinen letzten Rubel— an die angegebene Adresse geschickt und erklärte meiner Mutter: »Gott sei Dank, nun find wir gerettet! Run find wir voll- ständig gesichert!" Und er zeigte nach seinem Halse, um das Maß der Sicherheit zu bezeichnen. »Was ist?" fragt meine Mutter.»Hast du etwa ewe Stelle gefunden?" »Besser als eine Stelle!" antwortet Elias, und seine Augen glänzen vor Freude.»Man muß nur ein paar Tage warten, bis das Buch kommt." „Welches Buch?" »Ein wunderbares Luch!" erwidert Elias. Er fragt Mama. ob sie mit hundert Rubel monatlich zufrieden fem würde. Mama lacht und sagt, sie wäre mit hundert Rubel im Jahr zufrieden. „Du bist viel zu anspruchslos!" erklärt Elia». Er geht jetzt täglich aus die Post, um sich nach dem Eintreffen des Buches zu erkundigen. Es ist schon mehr als eine Woche her, seit er das Geld geschickt hat, und das Buch ist immer noch nicht angekommen. Mittlerweile haben wir nichts zum Leben. Und»die eigene Seele spuckt man nicht aus", sagt oft Mama. II. Endlich! Das Luch ist«ingetroffen. Man packt es aus. und mein Bruder Elias vertieft sich in sein Studium. Was da nicht alles drin steht! Wieviel Mittel, Geld zu verdienen, wieviel Rezepte! Ein Rezept— hundert Rubel monatlicher Derdienst— zur Fabrikation von bester Tinte;«in zweites Rezept— hundert Rubel monatlich— zur Fabrikatio�von Wichse; ein andere« Rezept— hundert Rubel monatlich— die Herstellung eines Mittel« zur Ver- tilgung von Rotten, Mäusen und Schwaben; ein wetteres Rezept— hundert Rubel und mehr monatlich— die Herstellung von Likören. süßen Schnäpsen, Limonade, Sodawasser, Kwaß und so wetter. Mein Bruder Elia» hat dem zuletzt genannten Rezept den Bor- zug gegeben: es gibt die Möglichkeit, mehr als hundert Rubel im Monat zu oerdienen und außerdem braucht man sich nicht mit Tinte oder Wichse zu beschmutzen oder sich mit Mäusen, Ratten und ähn- lichem widerlichen Setter abzugeben. Es bleibt noch, das Getränk zu wählen. Zur Fabrikation von Likpsen und süßen Schnäpsen gehören Rotschild« Reichtümer, zur Herstellung von Sodawasser hat man eine Maschine nöttg, einen Stein— also wiederum Geld, es bleibt also nichts andere« übrig els"ß!!r Kway. Der Äwoß ist ein billige« Getränk, und es wird sehr viel davon vertaust, besonders bei so'ner Hitze wie in diesem Sommer. Boruch, der Äwoßfabrikant, ist reich geworden. Er stellt zwar.Flaschenkwaß" her. der sich eines großen Ruhmes erfreut. er„schießt" nämlich Wieso dieser Kwaß schießt, weiß ich nicht. Dke einen sogen, Boruch lege Rosinen hinein, ander« wieder, er benutze Hopfen. Wie es Sommer wird, hat Boruch den ganzen Tag die Hände voll zu tun, kaum findet er Zeit, das verdiente Geld abzu» zählen. Unser Kwaß ist kein Flaschenkwaß. Er schießt auch nicht. Wie mein Bruder ihn herstellt, weiß ich nicht, während der Fabrikation verschließt er sich in Mamas Zimmer; weder ich. noch Mama, noch Lrocha, Elias Frau, dürfen hineinblicken; wir hören nur, wie er Wasser gießt. Ich weiß trotzdem, woraus Elias' Kwaß besteht. Wenn ihr mir versprecht, das Geheimnis zu wahren, will ich es euch verraten. Zur Herstellung von Kwaß gehören: erstens Zitronen- schalen, dann Honigseim» ferner eine Substanz, die den Namen »Kremortar" trägt und viel saurer als Essig«st, und schließlich Wasser. Wasser am meisten und hauptsächlichsten. I« mehr Wasser, desto mehr Kwaß. Das alles wird mit einem Stock tüchtig ge- rührt— und der Kivaß ist fertig. Es bleibt noch übrig, ihn in eine Kanne zu gießen und ein Stückchen Eis hineinzutun. Ohne Eis taugt das ganze Getränk nichts. III. Als das erste Faß Kwaß fertig war. wurde beschlossen, daß «ch ihn verkaufen soll. Wer denn sonst? Für meinen Bruder paßt sich da» nicht, er ist immerhin ein erwachsener, ja verheirateter Mann, der Mutter hätten wir ohnehin nicht erlaubt, mit der Kann« auf den Straßen herumzugehen und auszurufen:»H«, Juden. Kwaß!" Deshalb mußte ich schon gewählt werden. Ich hatte auch gar nichts dagegen. Elias erklärt mir meine neue Arbeit. In der einen Hand soll ich die Kanne an einem Bindfaden, in der anderen das Glas halten, und zur Herbeilockung der Kunden soll ich singend rufen: Juden, hier habt ihr den feinsten Kwaß, Eine Kopeke nur jedes Glas. Süß und erfrischend ist mein Kwaß. Ein« Kopeke kostet's Glas! Mein Stimmchen ist Nangooll.«in reine» Eoprano. Ich gehe und sing«, die Lerfe oft verwechselnd. Ich weiß nutzt, ob mein Gesang oder der Kwaß so gut ist— die erste Kann« war bald verkauft. Ich brachte fünfundvierzig Kopeken nach Haus«; da» Geld gab ich meiner Mutter und bekam ein« zweite, voll« Kann«. Elia» rechnete schnell aus, daß, wenn ich täglich zehn bis zwölf Runden mache, das Geschäft einen Gewinn von hundert Rubeln monallich abwerfen wird, die Sabbate nicht gerechnet. Das ist leicht begreif- lich— das Getränk selbst tostet fast nichts, die Hauptausgabe ist das Eis. Daher muß man den Kwaß so schnell al» möglich ver- taufen, damit da» Eis der einen Kanne auch für die zweite benutzt werden kann. Man muß sich also beeilen, und Ich singe also schon laufend. Mir nach läuft ein Haufen Jungen und necken mich, ich mache mir aber nichts aus ihnen und gebe mir nur Müh-, meinen Kwaß schneller zu verkaufen. Ich erinnere mich nicht mehr, wieviel ich am ersten Tag« ver- dient habe, ich weiß nur, daß mich Elia« und Lrocha und Mama sehr lobten. Zum Abendbrot bekam ich aus diesem Anlaß ein Stück Melone, ein paar Pflaumen und Kwaß soviel Ich wollte. Mama ordnet mein Rachllager auf dem Fußboden und fragt mich, ob mir die Füße weh tun. Elia» lacht aber und sagt, daß ich von jener Rasse sei, an welcher keine Kranthett hängen bleibe. »Wollt ihr," sage Ich,»so gehe ich mit dem Kwaß sogar nachts auf die Straße." Alle drei lachen über meinen Mut. Mamas Augen werden aber naß. Das ist schon ihr Prinzip: sie muß immer weinen. Ich möchte gerne wisse««, ob alle Mütter so viel weinen wie meine Mutter.(Schluß folgt.) »wenn Sie so fortfahren, Stresewann, werden wir Ihnen mal gehörig ans die Leine treten!" öarcelona. Von Lola Landau. Auf den ersten Blick zeigt diese Stadt das Gepräge einer inter- nattonalen Großstadt ohne spanische Färbung, mit breiten, korso- artigen Geschäftsstraßen, Bankhäusern, prunkvollen Kaufläden, mit ihren Hotelpalästen, Markthallen, Automobilen und aufgerissenen Bauplätzen für die neue Untergrundbahn. Zu jeder Stunde des Tages füllen rastlose Menschenwogen das steinerne Flußbett der Straße, der Rarnbla, mit unaufhörlichem Lärm, Leben und Ge- schästigkeit.(Rambla. die mit hohen Platanen bepflanzte Pracht- strahe, der Hauptstrom des Dertehrs, heißt aus dem Arabischen über- tragen, Flußbett.) Alte diese Menschen werden von dem übermächtigen Impuls der Arbett vorwärts gestoßen, die meisten gehe» schnell, sie schlendern nicht, wie man es in einer südlichen Stadt zu sehen gewohnt ist. Vor dem ewigen Traum des blauen Mittelmeeres erheben sich die kahlen Stämme der Schiifsmaften. ragen die Schlote der Fabriken, aus denen der Rauch, Weihrauch unseres Zeitalters, in die klar« Lust steigt. Am Ende einer Allee von Palmen, die hier niHt tropische Ueppigteit, sondern in ihrem säulenhaften Wuchs ernste Feierlichkeit ausstrahlen, erhebt sich unmittelbar vor dem Hafen auf freiem Platz die Säule des Columbu«. dessen riesenhaft« Hand über da« Meer in das neue Land weist, wie ein Symbol Kataloniens. Barcelona ist ein« moderne Arbeiterstadt. Ihr amerikanischer Auftrieb im Geschästsleben, ihr« dahinstürmende Neuerungslust, ihr geistiges Streben drängt immer mehr zu einer Autonomie des Landes,� das sich von den rückständigen Mächten Spanien» bedroht steht. Am Morgen werden wir gewöhnlich durch das Geläute der Pferdeschellen geweckt— die Pferde tragen hier Glocken an den Geschirren—. so bringen die zweidrädrigen Karren, immer von diesem lustigen Glockenspiel begleitet, ihre Waren zum Markt, wo auf Tischen, sauber wie zum Anrichten, die Gemüse strotzen, Oliven wle schwarze Perlen, jung« Tomaten, Blumenkohl, groß wie Kinderköps«, grüne Sträuße von Arttschoken und Salat. Dürstig ober ist dieler Markt gegen die Pracht des Ftschmarktee in der hohen kühlen Halle. Da leuchten Riesenlachse mit purpurnem Fleisch. Aus lebenden Hügeln von Riesenlangusten strecken sich schnappend und gierig die Scheren dieser Seeungcheuer in die Luft. Reben Körben, angefüllt mit rola Krevetten, liegen schleimig die taschenfürmigen Tintenfische, wie Blutstropfen glänzen sie seltsamen Punktaugen der Schollen aus den platten Fischleibern. Da sind ganze Fässer mit dem gleißenden Silber lleiner Fisch« strahlenförmig ausgelegt. Welchen Reichtum wirft täglich da» Meer an diese Stadt aus! Barcelona ist nicht nur auf dem Meer« ein guter Fischer gewesen. In den letzten Jahrzehnten, begünstigt durch die Neutralität während de, Weltkriege», hat Barcelona in seinen Netzen den Reichtum ein- gefangen. Jedoch strömt ein Teil dieses Wohlstande» großzüglg und sinnvoll in die Lerschönerung der Stadt und in den Bau neuer wissenschaftlicher Institut? und Erziehunasanstalten. Rur aus privaten Mitteln wurde das katalanische Institut mit seiner aus- gezeichneten Bibliothek geschaffen, ebenso eine umfassende Erziehung». anstalt für Frauen gegründet, das mit seinen hellen Studiensälen, dem stimmungsvollen Leseraum, der blitzenden Küche, den behaglichen Wohnzimmern einem amerikanischen College ähnlich sst. Nach sozialsten Gesichtspunkten geleitet, nimmt diese Schule ohne leden Unterschied des Stande» auf, um die Steuer des«chulaelde« je nach dem Einkommen der Eltern abzumessen, so daß viele Mädchen umsonst die Wohttot dieser Erziehung genießen. 2000 Schülerinnen faßt das Srächtige Haus, ein summender Bienenkorb von Jugend und Arbeit»- -eude. Und dennoch, in jedem Katalanler ist der Spanier verborgen, dessen stolze Wurde, starre Tradition in Familien- und religiösem Leben und romantische Entzündlichkeit wir in der gleicben Blut- Mischung bei ihm wiederfinden. Da ist die gleiche sorglose Freude an schönen Blumen, für die er gerne sein Geld hinausstreut. Wäre denn sonst auf der Rambla von Barcelona ein besonderer Blumen- markt, daß es unter den großen Sonnenschirmen der Verkäuferinnen wle bunte Gärten ausflammt, ein Wunder von roten, schneeweißen und glasrofa Kamelien, von gelben Rosen, gefleckten Tulpen und Anemonen, Schwertlilien und Leilchen. Blumen de» Frühlings und reifen Sommer, durcheinander gemilcht. Ein paar Schritte wetter lärmt der Vogelmartt. In kteinen Käfigen schreien Papageien und winzige Bogel in schillernden Farben, werfen das Gefunkel ihrer Heimat, Südamerikas und der kanarischen Inseln, auf das stelnerne Pflatter. Blumen und Vögel! DZgel und Blumen! Jauchzende schreiende Farben, tropisches Dogelgelächter mitten aus der Straß« der Arbeit! Und dicht doneben wirbelt die Drehtür eines Bankpalaste» uns in den Raum nüchterner Zahlen. Do» ist Barcelona! Und noch ein« Wendung, hinein in die allen engen Nebenstraßen, und wir sehen in allertümlicher Tracht, auf eine Rillerlanze gestützt, den Nacht- Wächter vor einer Haustür. Auch das ist Barcelona. Ein Stück Mittelaller, das muten im modernen Leben stehen geblieben ist, ebenso unerschütterlich wie die herrliche Kathedrale, deren mystisches Dunkel uns nun aufsaugt. Kaum unterscheiden wir die mächtigen Pfeiler dieser düsteren Gotik. Das klare Sonnenlicht, in den schmalen Kirchenfenstern zitternd, zerschmilzt hier in großen violetten Schatten. Frauen, die schwarzen Spitzenschleier auf den Köpfen, knieen ver- funken im Gebet. Musik, aus einer fernen Wölbung tropfend, löst Körper und Stein und hüllt mit dem Weihrauch alle, die hier wellen, in. die süße Dämmerung des Geistes. Hier ist noch die religiöse In- brunst des Mittelalters, mitten in der modernsten Stadt, hier ist Spanien, das Katalanien überwuchert. Die Sonne schnierzt fast, als wir hinaustreten: aber die blaue durchsichtige Lust hebt uns wie eine leichte Hand mit der Zahnrad- bahn in die Höhe und trägt uns auf die Spitze des Tibidaia, des strahlenden Hügels über der Stadt. Der Blick von dieser Erhebung ist ein Triumph der Schöpfung. Gegen das geschliffene Email des Himmels zittert in unsagbarem enzianblauen Glanz das Meer. Davor liegt breit und besonnt die Stadt Barcelona, aus der das mächtige Getöse des Lebens zu uns hinaufbringt. An der anderen Seite des Plateaus aber steigen Gebirgsketten auf, wuchtet ein zer- klüsteter Berg, der Montserrat, die sagenhaste Burg des heiligen Gral. Allmählich schmilzt wie in der Kathedrale das Tageslicht. Die Abenddämmerung mischt stille gelbe Farben mit dem Schwarz. blau der Schatten über den Bergen. Dann wird Himmel und Erde still und ergraut: mir aus dem abendlichen Barcelona tönt unser- ändert das Getümmel der Stimmen, die großartige Musik des starken helleren Lebens, das diese Stadt in di« Zukunft hineinträgt. populäre Muflkbüchere». Aus der Fülle des Materials sei hier an der Spitze Romain Rolland» Essay-Sammlung»Musik von heute"(Werlag S. Müller) genannt. Vielleicht sind Meister wie Wagner, Wolf, Strauß für viele schon Meister von gestern. Die Morgigen könnten uns mit der Ansicht überraschen, daß es keine Heutigen und Gestrigen unter den Genialen gibt. Da wir selbst davon durchdrungen sind, so oerftecken wir uns in diese herrlich gestaltete, menschlich und künst- lerisch begriffene Tonwell eines europäischen Kritikers mit aller In- brunst. Der Gewinn ist rtesenhast, besonders, wenn man das hohe Verständnis Rolland» für deutsche Musik wertet. Viel Unbe- kannte» über Franzosen und Italiener, aber auch da» Bekannte er- hält einen solchen Zustrom vom Eigenen, Charatterlflerenden, ehrlich Wertendem, daß dieses Buch des Jahres 1908 in der deutschen Neuausgabe wie Offenbarung wirkt. Endlich einmal wieder ein Werk, das nicht über Musik geschrieben ist. sondern das von Musik wiederklingt Eine wunderschöne Gab« für die Verehrer M a h l e r scher Kunst ist die Sammlung seiner Briefe(Paul Zsolnay Verlag). Alma Maria Mahler, die Gattin, hat dazu ein rührendes und feines Vorwort geschrieben, in dem der Mensch Mahler uns nahe rückt. Die Briefe umfassen die Zeit von 1879— 1911, sind an Künstler, an Freunde, an Schriftsteller gerichtet. Ein Stück Leben wird auch in ihnen lebendig, und es ist kaum ein Brief da. aus dem nicht etwas gelernt werden könnte. Musikalisches über Opernaufführungen, über Stilelemente im sinfonische.. Schaffen, über programmatische Musik. Auch Mißhelligkeiten. die>m Leben großer Musiker, besonders wenn Se nach Wien kommen, typisch zu sein scheinen, finden einen ge- ämpften Niederschlag. Sehr schön klingt aus Briefen(etwa an Marschalt) die mitfühlende Seele des Kollegen durch, die Art. wie Mahler versuchte, auch anderen Gellung zu verschaffen. S i e g f r i e d O ch s hat(im Verlag von Hesse) dem ersten Band seines Wertes über den Chorgesang den zweiten, umfangreicheren folgen lassen. Während es sich im ersten um die Organisatton eine» Chorvereins handelt, spricht hier der Musikkenner, der Mann, der sich wie kein zweiter Lebender mtt Eifer und Inbrunst jahrzehnte- lang in die chorischen Werke Bachs, Beethovens, Handels vertiefte. Was Ochs hier über Darstellungsstil, Besetzungsfragen. Orchester, Ausgaben, Studium der chorischen Werke zu sagen weiß, ist weiseste Erkenntnis und musikalischstes Erlebnis. Ein Mann von fundamen- talcm Wissen und von temperamentvollstem Schwung spricht hier zu Menschen, die gewillt sind, zu lernen und andächtig zu sein. In vierter Auflage ist(im Berlag von Quelle und Meyer) die musikalische Bildungslehre von Schering erschienen. Es ist recht ein Büchlein für das Volk, und Schering versteht auch schwierige Fragen der musikalischen Form, der Phrasierung und der musikalischen Ausdrucksmittel sehr anschaulich zu schildern und zu beantworten. Die Analysen eine» Bachschen, Mozartschen, Beet- hovenschen und Schumannjchen Wertes sind meisterhaft gerade durch die Genauigkeit und Vermeidung allzu schwerer fachlicher Ausdrücke. Da» Büchlein(das nur 1.60 M. kostet) ist vom pädagogischen Standpunkt genau so zu loben, wie vom Standpunkt der Musik- ästhetit und Wissenschaft. Es ist imstande, Laien zum musikalischen Hören anzuregen und auch dem Musikaebildeten einen Weg zu zeigen, aus dem man zu einer wissenschaftlichen Betrachtung der Musikphänornene und zu einem beseellen Empfinden der Musik ge- langen kann. Die Zeitschrist»Die Musik"(Deutsche Vertagsanstall), die wieder regelmäßig erscheint, dürfte für die außerhalb der Zunft stehenden Menschen. Fachleute und Musikliebhaber, als die beste der periodischen Musikzeitschriften gelten. Die Redaktion steht auf eine besondere stilistische Feinarbeit, der Referatenteil beleuchtet in be- sonders kritischer Art das Wesentliche alles dessen, was in der Well der Musik geschieht, was geschrieben und gespielt wird. Für die moderne Musik Ist„Melos" als sournalistische Plattform wie- der auserstanden. Unter Mersmann» kundiger Leitung ortenttert man sich hier nicht bloß über die noch immer problematischen und schwer saßbaren Dinge der deutschen Musik, sondern es werden durch die Feder sehr berufener Ausdeuter und Erklärer auch alle Probleme der internationalen Musikbewegung systematisch und mit höchster Wissenschaftlichkeit besprochen. � v m Gelegentlich der Radioausstellung sst im Selbstverlag des Der- sasser»«ine Nein« Arbeit von Jörg Mager erschienen:»Eine neueEpoche derMusik durchRodio". in der der unent- wegt schassende, in der Forschung über da» Dierteltonsystem an der Spitze stehende Verfasser eine kurz gedrängte Uebersicht über die Geschichte dieser Bewegung gibt. Gleichzeitig werden die künstlert- schen Möglichkeiten des»von ihm erfundenen Tondifserenzierungs- Instruments»Sphärophon" erläutert. Aus dem Dereich der uto« plschen Gedanken scheint da, lang befehdete Dierteltonsystem durch Jörg Mager In die Region der prakttschen und künstlerischen Der- Wertung hinaufgeführt zu w«rd«r Biel Glück! 9____ Kurt©Inger. Das lole Meer als Zndustriequelle. Kolonialbeamte der brtti- schen Regierung sind mtt der Regierung von Palästina in Derhand- lungen eingetreten, die darauf abzielen, di« Mineralschätze de» Toten Meeres, das ja in der Bibel auch gewöhnlich das Salzmeer genannt wird, der industriellen Ausnutzung zu erschließen. Das Wasser des Meeres sst ein ungeheures Lager von Magnesium. Kali und anderen Salzen. Man schätzt, daß die Gewässer des Toten l-r ine unu uuueicii----.—. Meeres nicht weniger als S0 Milliarden Tonnen verschiedenartig Salze enthalten, darunter VA Milliarden Tonnen Magnesium, ei,.. Menge, die für Tausend« von Jahren ausreichen würde, der Menfch- hett als Gurgelstoff zu dienen. Hüise Lebensmittel UiMn�nahnah« vrrhahaltaM____ mm � mm»»»»■ Hermann M�nßsnabgabe vcrbshaltsn FRiSC�SS FLEISCH Schweineliesen....................?r°°- 76pt Rückenfett.......................... 72?« Schweinebauch............... Schweineschuiterts'att.... Kaifcskamm.................. Kalfcsrücken.................... Kammelvcrderfleisch............ 74p£. Pa« Rindertalg seibBtac.sgeiwun.... pfon<) SOpt Pfand 82pt Pfund 85rt Pfund 65 Pf. Pfund t 4p(. Rinder-Schmorfleisch E4p Pa. Ochsen- Surtnen»«eiscii-'�und 5 Orr. Pa« Schwemenseren c«fr., wie fnacii, pfd 56p'. Pa. Rinderirerzen ,.f�«......... Pfund BOpi Sohweir.ekcpfem Bnckn mnd gep8VeU,Pfd. 26pf. ri©lkerail?utter.....�.Pfv.d.pnkt SOpf Sap�eRhühner �-nsn... prMd von 1'° VoiimlSchd � Dosfn............... 90pt ßeiflöii]� Slactsiö.-, Vierlr. W!I.Ä 85pt In unssfer iKonfitilrsn-abtsUung: ff. TeeseDäck............................. 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Pfand SOit Tilsiter......... Pfand 70pt Steinbuscher Pfund 75pt Edamer........ Pfand 78?f. Bayr. Schweizer Pfd.140 Kolonialwaren insindneU pfd.23,26,30pf. Kartoffelmehl pfd. 24pf. Weizengriess Pfand 26 Pf. Hartgriess....Pfund 28p(. T af efrei s...... Pfund 20pf. Schnittnudeln rtd. 28?-. Makkaroni„.Pfand 40pf. Kakao stark entölt, Pfd. SSPt. Kaffeemisch. W., 70pt. Kaffee �,�Sn240an CGTnedöeall.fÄ?". 65 pt Räuchern, u. Fische Schellfisch gar, Pia. SOpl Seelachs gac, Pfand 40pt. BQcklinne..... ptund 45p£. Stück.-Flundernpid.46pt. Bandaale„....Band 75pt RotbarS_____ Pfand lÄPt Kablian e«K,Lc. Pfd. Ifipt Seelachs o.K.Lg.pfd. Ißpt. Rct-a. SchdrteiminJetiPfdSOpf. Zander gefroren..Pfd. 85pl Konterven ffi.Erbsen«hwi«... lö.Erteen««.....- jgiitsea«tf KaiserBTbscn.... Pcs. Genäse aifeibii Pilairoea•««.i.... I" SanertJrscheB ZL» Reiaeclandeo------ MirabeHen......... ML Aprilosen Is«.•».»■ - Mpf- - 1° 1" 2W P 42 75pt 57ptltt 35 65pt - 1» - 1» Eansmaiiiskoil M'SP mit Gemüse, ea.X-PSQ.-Öoia Odo. 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Icfonden wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN In dcrGesamt aullog« des rl »Vorwirts" . und trotzdem 1 Ndlllil» 2 leH I Boiomär. gud Schuibtid., für Lagcg �ptbilion���u� Oebr. Weyerhordd. Andrea,(tr. 52. Aufgang 4, i-