Abendausgabe Str. 25142. Jahrgang Ausgabe B Nr. 123 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- breffe: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts SW 5 Pfennig Freitag 29. Mai 1925 Berlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-3 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Cindenstraße 3 Ferafprecher: Donhoff 2506-2507 > Berliner Volksblatt Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Krise im französischen Linksblock. Konflikt zwischen Sozialisten und Regierung. gegenseitig in die Hände arbeitete. Schon im Jahre 1912 hatte sich die französische Hüttenindustrie vertraglich verpflichtet, an Krupp das zur Herstellung von Brisanzgeschossen unentbehrliche Ferro- Cili cium in großen Mengen zu liefern und es Krupp damit zu ermöglichen, fich für den Mobilmachungsfall einen beträchtlichen Borrat zu schaffen, obwohl man schon damals den Ausbruch des Konfliktes in Frankreich als unvermeidlich angesehen habe. Diese Lieferungen feien durch Bermittlung neutraler Länder selbst während des Krieges in erheblichem Umfange fortgesetzt worden. Um solchen ehrlosen Berdienern die Taschen zu füllen, hätten alfo 8 204 000 Menschen ihr Leben lassen müssen, seien 5 669 000 verstümmelt worden. Parteiwesen in Japan. Allgemeines Wahlrecht mit dem Zuchthaus daneben. Es ist schwer, Sozialdemokrat zu sein! ( Bon unserem japanischen Korrespondenten.) you on a medumu Ojaka, Ende April.. In Japan gibt es jetzt fünf politische Parteien: Kensei- fai( 157 Sige im Parlament), Seinu- honto( 117 Size), Seiyu- tai( 100 Size), Katushin- Club( 29 Sige) und die Wirtschaftspartei( 9 Size). Außerdem gibt es eine Gruppe von 41 Abgeordneten, die nicht als Partei gilt; innerhalb dieser Gruppe herrscht völlige Meinungs- und Abstimmungsfreiheit. Die übrigen neun Unterhausmitglieder sind, was man im parlamentarischen Sprachgebrauch als Wilde" bezeichnet. Die Gesamtzahl der Abgeordneten ist 463. Eigentümlich am politischen Leben Japans ist, daß man zwischen den genannten politischen Parteien teine grundsäglichen Unteralichiede findet. Sie alle find opportunistisch und ohne infeste Anschauungen. Früher, vor etwa 30 Jahren, gab es in Französische Waffenlieferungen an Abd el Krim! Japan auch Liberale, Fortschrittler und Konservative. Das Paris, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Aus der Fortsetzung war die Zeit, in der Japan ohne Rücksicht auf den Inhalt der Kammerdebatte über Marotto ist noch zu erwähnen, daß der nur die äußerliche Form der abendländischen Kultur nachzu Redner der Kommunisten sensationelle Enthüllungen über Bafäffen versuchte. Aber solche fünstliche Unterschiede der Parfenlieferungen französischer Firmen an Abd el teien sind mit der Zeit verschwunden, und jezt gibt es meder Krim machte, und daß es der Regierung nicht gelang, die von ihm Liberale noch Konservative mehr, sondern nur noch verschie= unter Rennung von Namen gemachten Angaben zu entfräften. Die dene opportunistische Parteien. Das moderne politische ParteiZahl der in Marotto fämpfenden französischen Truppen bezifferte mesen mar eben dem japanischen Bolt fremd; es fümmerte der kommunistische Redner auf 150 000. sich wenig darum, wie die politischen Parteien sich entwickelten. 610 nis u Aber der heutige Wirrwarr des japanischen politischen Lebens hat auch noch einen anderen Grund: das Wahlrecht ist zu viel beschränkt, als daß die Volksmasse sich für Politik interessieren fönnte. Die Unmissenheit und Gleichgültigkeit des Volkes wurde von wenigen strebsamen Leuten ausgenutzt, und so wurden die politischen Parteien lediglich zu Organisationen von ehrgeizigen Berufspolitifern. Die heutigen Barteien Japans sind also, streng genommen, feine politischen Parteien, sondern nur Interessengemeinschaften der Abgeordneten. Bon Ausländern wird oft gefragt, welche vative, Liberale oder Sozialisten? Ich komme bei solchen politischen Parteien jetzt in Japan an der Macht seien, KonserFragen jedesmal in Verlegenheit. Die Sache ist zu verwickelt, als daß man sie mit ein paar Worten erklären könnte. Paris, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Maroffo-| Rüstungsindustrie vor und noch während des Krieges fich bebatte in der franzöfifchen Kammer, die bis nach Mitternacht fortgesetzt wurde, ohne zu Ende geführt zu werden, hat eine unerwartete Wendung genommen. Der fiart nationalistische Einschlag, den Painlevé im Widerspruch mit den den Delegierten des Lintstartells in verschiedenen Unterredungen gemachten Erklärungen feinen Ausführungen gegeben hatte, und vor allem feine Weigerung, in Friedensverhandlungen einzutreten, bevor nicht das militärische Prestige Frankreichs durch einen entscheidenden Sieg über den Gegner wieder hergestellt sei, hat auf dem linken Flügel des Kartells und vor allem bei den Sozialisten stärkste Unzufriedenheit ausgelöst. Die sozialistische Fraktion ist noch am Donnerstag abend zu einer Sihung zufammengetreten, die nach zweiffündiger Beratung mit dem mit 21 gegen 20 Stimmen gefaßten Beschluß endete, sich bei der Abstimmung über das Bertrauensvotum der Stimme zu enthalten. Schon bevor dieser Beschluß gefaßt war, hat in der Nachtfihung der Kammer Genosse Cafont im Namen der sozialistischen Fraktion scharfe& rifit an den Ausführungen Painlevés geübt und mit großem Nachdrud die Forderung nach schleunigster Beendigung der militärifchen Operationen und nach Einleitung von Friedensverhandfungen erhoben. Das Bekanntwerden des sozialistischen Fraktionsbeschluffes hat zur Folge gehabt, daß Painlevé selbst den Antrag auf Bertagung der weiteren Aussprache stellte, mit der Begründung, „ daß angesichts des hohen nationalen Interesses die Abstimmung in voller Klarheit und Unzweideutigkeit erfolgen und dem Lande Gelegenheit geben müffe, zwischen denjenigen zu unterscheiden, die den nationalen Intereffen dienten, und denjenigen, die fich lediglich vom Parteigeist leiten ließen". Diese Erklärung des Ministerpräsidenten ist nicht gerade geeignet, den Konflikt zwischen Regierung und Sozialisten beizulegen. Die fozialistische Fraktion wird am Freitag morgen zu einer neuen Sigung zusammentrefen, um endgültige Beschlüffe zu faffen. Wenn auch Painlevé dank der Unter ftühung, die er von den Nationalisten finden wird, einer Mehrheit ficher ist, so hat doch das Abrüden der sozialistischen Fraktion von der bisherigen Mehrheit eine so starke Verschiebung der parla mentarischen Bafis des Minifteriums Painlevé zur Folge, daß mit der Möglichkeit einer krise gerechnet werden muß. llo Die Blutschuld der Schwerindustrie. Die Internationale des Goldes und des Eisens." Paris, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Victor Margueritte veröffentlicht unter dem Titel" Die Verbrecher" den ersten Band eines großangelegten Bertes über den Weltkrieg und feine Ursachen. Während Margueritte in seinem im Jahre 1919 er schienenen Buche„ Am Rande des Abgrunds" die französischen Militars für die vielen Menschenleben zur Verantwortung gezogen hatte, die Frantreich infolge mangelnder Bereitschaft seiner Armee batte opfern müssen, richtet er in seinem letzten Wert sich gegen die Politiker und Diplomaten aller Länder und vor allem gegen die eigentlichen politischen Drahtzieher hinter den Kulissen, gegen die Internationale des Goldes und des Eisens". In einem einführenden Artikel gibt Bictor Margueritte in der Ere Nouvelle einige Tatsachen, die beffer als jede Buchbesprechung zeigen, welche Beachtung sein Wert verdient, das nach gewissenhaften Quellen gearbeitet ist. Er bedt die geheimen Berbindungen zwischen Essen und Creuzot auf und zeigt, wie die Die Entwaffnungsforderungen. Angeblicher Inhalt der Abrüftungsnote an Deutschland. London, 29. Mai.( TU) Dem diplomatischen Berichterstatter des„ Daily Telegraph" zufolge werden die in der Entwaffnungsfrage an Deutschland zu stellenden Forderungen u. a. folgende Punkte einschließen: Auflösung gewiffer Abteilungen des Reichswehrministeriums und der Stäbe der größeren Einheiten, die an die Sektionen für Mobilmachung, Nachrichtendienst, Operationen usw. des früheren Generalstabs erinnern; Eirschränkung der Zahl der Stabsoffiziere entsprechend dem Umfang der Wehrmacht; Auflösung aller Hilfs- und Ueberbestände an Mannschaften, soweit sie noch nicht erfolgt ist; ftrenge Borsichtsmaßnahmen, durch die diese unftatthafte Bergröße rung der ordnungsmäßigen Heeresstärke in Zukunft verhindert wird; Auflösung gewiffer geheimer militärischer Organisationen; wirksames Berbot militärischer Uebungen in athletischen, studentischen und fonftigen Jugendorganisationen vorzunehmen; Verminderung der Institute, auf denen gegenwärtig Offiziere und Unteroffiziere verschiedenartige technische Ausbildung erhalten; Auslieferung und Zerftörung verschiedener Kategorien von Schriftftüden über Mobilmachung, militärische Operationen uſw.; teilweise Entmilitarisierung und Dezentralisierung der Sicherheitspolizei; Verwandlung beweglicher Feftungsgefchüße in unbewegliche; Beseitigung einer Anzahl von Fabriken, die noch immer Waffen und Munition herstellen oder herzustellen imftande find; wirksame Beschränkung der Erzeugung von Kriegsmaterial auf die vorgesehenen Fabriken; Zerstörung oder Umbildung der schweren Maschinerien in den Krupp- Werken und den Deutschen Werken; Einstellung der Fabrikation gewiffer Ersatzteile in verschiedenen Fabriken; Zerstörung verschiedener Eisenbahnlinien und Feldbahnen, die ausschließlich militärischen Zweden dienen; schärfere Gefehesbestimmungen bzw. schärfere Anwendung der bestehenden Bestimmungen gegen die Ein- und Ausfuhr von Kriegsmaterial. Streik bei der Omnibusgesellschaft. Funktionären die Ablehnung des Verhandlungsergebnisses brachte, wurde trotzdem mit Rücksicht auf das Ergebnis der tags zuvor unter dem Gesamtpersonal vorgenommenen Urabstimmung den Lohnerhöhungen zugestimmt. Die Streitgefahr bei der Hochbahn ist damit beseitigt. gehen die anderen in Opposition, nicht weil sie andere politische Anschauungen, sondern weil sie entgegengesetzte Interessen haben. In die Regierung oder in die Opposition gehen sie nur aus opportunistischen Gründen. Das gegenwärtige japanische Kabinett ist eine Koalition der Drei Parteien: Rensei- kai, Seinu- kai und Katushin- Club. Der Premierminister Vicomte Kato ist Präsident der Kensei- kai. Da er aber ein Adliger ist, fann er nach dem japanischen Wahlgesetz feinen Siz im Unterhaus haben und ist im Herrenhause. Ein solcher Zustand, daß ein Parteiführer des Unterhauses einen Siz im Herrenhause hat, ist auch in Japan etwas Eigentümliches. Aber dieses unerfreuliche Beispiel hat die Bartei Seinu- fai vor furzem wieder nachgeahmi. Die Seinu- kai hat den General Baron Tanaka, das Oberhaupt des japanischen Militarismus, einen Mann, der bis dahin außerhalb der Parteien stand, zu ihrem Präsidenten gemacht. Auch er fann als Abliger feinen Sitz im Unterhaus haben; im Herrenhaus fizt er auch nicht. Es scheint merkwürdig, daß er trotzdem Präsident einer großen politischen Partei im Unterhause geworden ist. Wenn eine Partei im Barlament an die Macht kommt, Man tann wohl sagen, daß alle politischen Parteien Japans tonservativ sind, und daher kann das Pariament feineswegs den Willen der fortschrittlich gesinnten Boltsmassen vertreten. Es gibt nur bürgerliche Par= teien. Sigt eine Partei am Ruder, wird sie noch konservativer, während die anderen Parteien, solange fie in Oppo fition bleiben, sich etwas liberaler gebärden. Wenn sie jedoch einmal auch die Regierung übernehmen, werden sie auch wieder sehr konservativ. Der Ratushin- Club wird manchmal eine liberale Partei Japans genannt; aber im Kern ist er start tonservativ. Diese Partei hat nur darum eine verhältnismäßig stärkere pseudo- liberale Tendenz, weil sie seit der Gründung in der Minderheit im Parlament geblieben ist. Die meisten Barlamentsmitglieder, die keiner Partei angehören, find alte Beamte, Vertreter der Bureaukratie, abgefehen von wenigen Ausnahmen, die wirklich füchtige fortDas Gesamtpersonal der Berliner Omnibus- A.- G. hat in seiner| die Annahme. Obwohl eine geheime Abstimmung unter den letzten Nachtversammlung zu dem Ergebnis der Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschuß Stellung genommen. Nach dem Bericht der Berhandlungskommission und nach einer Diskussion, die infoíge der Vorgänge während der ganzen Tarifbewegung äußerst erregt war, wurde das Verhandlungsergebnis gegen eine kleine Minderheit abgelehnt. Der Streit war damit für den Omnibusbetrieb beschlossen. Demzufolge ist der Verkehr auf allen Bei der Straßenbahn geht's langjam. Omnibuslinien feit heute früh eingeflellt; Fahrer und Schaffner sind Erst morgen Berhandlungen. nicht zum Dienst erschienen und auch die Handwerker und das HofBekanntlich steht auch das Bersonal der Städtischen Straßen personal stehen im Streik. Die Versammlung wählte eine Streitbahnbetriebs- Gesellschaft in einer Lohnbewegung. Obwohl das Lohnkommission, die die Führung des Streifs in die Hand nehmen wird. abkommen am Pfingstsonntag abläuft, ist es mit der Berwaltung der schrittliche Staatsmänner sind. Die Wirtschaftspartei ist eine handlungen und ihrem Ergebnis nicht gerade überraschend. Bei einigermaßen gutem Willen hätte es der Direktion möglich sein müssen, dem Bersonal befriedigende Zugeständnisse zu machen. Der finanzielle Stand des Unternehmens ist jedenfalls so, daß eine für reibe Teile annehmbare Lohnerhöhung durchaus tragbar gewesen märe. Aber die ablehnende Haltung ber Direttion, bie fidh fogar dazu verstieg, jede Berhandlung mit den Organisationen abzulehnen, hat die Stimmung unter dem Personal erzeugt, die schließlich zu tem Streifbeschluß führte. Wie wir foeben erfahren, hat der Schlichter für Groß- Berlin die Gewerkschaften und die Omnibusdirektion zu Bergleichsverhandlungen geladen, die heute um 2 1hr beginnen. Für den Tarifftreit bei der Hochbahn find Berhandlungen um 3 Uhr angesetzt. Die Hochbahn fährt weiter. Die Funktionäre des Hochbahnpersonals maren gestern abend Dersammelt, um zu dem Schiedsspruch des vereinbarten Schlichtungsausschusses Stellung zu nehmen. Die Mehrzahl der Diskussions. rebner sprach für Ablehnung, die Mitglieder der christlichen Organisationen und die Bertreter dieses Berbandes waren jedoch für man noch abwarten. Gesellschaft noch nicht zu Verhandlungen gefommen, da diese bisher jede Aussprache mit den Organisationsver tretern ablehnte. Nach dem Ergebnis der Berhandlungen für die anderen Verkehrsbetriebe jedoch wird die Straßenbahn- Gesellschaft nicht umhin können, nun auch ihrerseits mit möglichster Beschleunides gung die Berhandlungen aufzunehmen und entsprechende Sugestand. niffe zu machen. Nach neueren Bereinbarungen zwischen den Bar. teien sollen nunmehr morgen, Sonnabend, Berhandlungen stattfinden. Es hängt also ganz von der Einsicht und dem Entgegenkommen der Direttion ab, ob die Straßenbahn während der Feiertage weiterläufi So sehr wünschensmert es im Allgemeininteresse auch ist, daß die für den Personenverfehr bestehenden Einrichtungen im Gange bleiben, so bedauerlich ist vom gemerfschaftlichen Gesichtspunkte aus die mangelnde Geschlossenheit des Personals der Bertehrsbetriebe. Sie fann nur erreicht werden durch straffe gewerkschaftliche Organisation, Schulung, Disziplin und Solidarität. In dieser Beziehung ist vieles nachzuholen. im vorigen Jahr ins Leben gerufene neue Partei und besteht aus Industriellen und Kaufleuten. Ob daraus eine fonferpativ- kapitalistische oder liberale Partei entstehen wird, muß Es ist aber jetzt die Zeit gekommen, wo dieser Wirrwarr japanischen politischen Lebens sich nicht länger aufrechterhalten läßt, da die Kritik der öffentlichen Meinung start genug geworden ist, um einen träftigen Drud auf das Barlament auszuüben, und die politischen Organisationen Japans dem Willen des Boltes entsprechend umzugestalten. So ist das neue Wahlgesek, das den Männern das allge meine Wahlrecht verleiht, im Parlament im März d. I. endlich angenommen worden. Ein feit zwei Jahrzehnten hartnädig vertretener Wunsch des Boltes ist damit in Erfüllung gegangen. Dieses Wahlgesetz wird von der nächsten Parlamentsperiode( 1928) an angemandt, und in Japan spricht man jezt sehr viel davon, daß eine neue Arbeiterpartei, die unter dem bisherigen Wahlgesetz unmöglich war, bei der nächsten Wahl im Parlament erscheinen = Ehrengericht gegen Ehrengericht. werde. Einige Gruppen der Intellektuellen fozialbemo] fann man nur wünschen, daß der Reichstag bei erneuter Abstimmung| fommunistische Zentrale, die selbst mit dem Opportunismus | fratischer Tendenz und einige Arbeiterorganisationen 31: einer Revifion seiner Beschlußfassung fommt. Den liebäugelt, denen ein Revisionsrecht zugestehen, die sie wegen schlossen sich vor Jahren zu einem ,, Berein zur poli Einspruch des Reichsrates wird man schon aus allgemeinen des Berdachts opportunistischer Gesinnung hinausgeworfen tischen Forschung" zusammen. Dieser beschloß in seiner politischen Gründen begrüßen müssen; er entspricht hat. Die Frage ist nur, ob ber Andrang zur Revision groß diesjährigen Generalversammlung, die nötigen Borbereitungen auch der Auffassung der Reichsregierung, die erst sein wird. für die Gründung einer proletarischen Partei vorzunehmen. dieser Tage durch den Reichsinnenminister Schiele erfiären ließ, Sehr fraglich ist aber, ob die japanische Polizei die Ents daß sie sich die Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte stehung einer solchen Partei dulden wird. Der genannte Ber- der Länder besonders angelegen sein laffen molle. ein fann ja auch unter der scharfen Bewachung der Polizei nur deshalb eriſtieren, weil er ein rein wissenschaftlicher Ber ein ohne irgendeine praktisch- politische Betätigung ist. Das gleichzeitig mit dem allgemeinen Wahlrecht im Parlament angenommene und schon zur Ausführung erlaffene Gesez zur Erhaltung der Sicherheit" besagt in seinen Hauptartiteln: Wer mit dem Zweck, die Staatsform zu ändern oder das foziale System des Privateigentums abzuschaffen, fich vereinigt, oder mer zur Ausführung von Plänen, die diesem 3wed dienen, agitiert, Vorteil anbietet oder erhält, oder verhandelt oder verspricht, wird mit Zuchthaus oder Gefängnis bis zu zehn Jahren bestraft. Einer der kommenden Führer der neuen Arbeiterpartei erklärte daher auch: Eigentlich wollten wir die neue Partei„ Sozialdemo= fratische Partei" nennen, weil der Charakter der Partei da durch am besten ausgedrückt wird. Jedoch sind wir gezwungen, einen anderen Namen zu wählen, denn sozial" bedeutet„ Sozialis mus", d. h. Abschaffung der Privatwirtschaft" und" Demokratie" heißt„ Boltsherrschaft", d. h." Aenderung der Staatsform Japans". Wenn die Regierung das Wort„ Sozialdemokratie" so auslegt, dann ist die Gründung einer Partei unter diesem Namen von vornherein cusgeschlossen. Wir wollen uns daher lieber Arbeiterpartei" oder ähnlich nennen. Einige dem Verein zur politischen Forschung" ange schloffene Universitätsprofessoren find schon jetzt durch den oben erwähnten Beschluß des Vereins in Schwierigkeiten gefommen, und sie werden voraussichtlich ihre Aemter niederlegen müssen. Die japanischen Zeitungen sind in diesen Tagen voll von Besprechungen dieser Angelegenheit. Zum Schluß noch eine kurze Bemerkung über das Herrenhaus. Das japanische Herrenhaus ist von Adligen und anderen Privilegierten monopolisiert. Es besteht aus: 15 Prinzen der kaiserlichen Familie, 191 Adligen, 125 vom Kaiser Ernannten und 47 Meiststeuerzahlern; insgesamt 395. Berschiedene Parteien und Gruppen gibt es auch im Herrenhaus. Diese Parteilager haben aber erst recht wenig Bebeutung und haben keine organischen Beziehungen zu denen im Unterhaus. Vor allem hat die Bartei Rensei- kai mit 174 Mitgliedern eine beherrschende Stellung; die Willkür, die fie ausübt, wird von der öffentlichen Meinung Japans scharf fritifiert. Die Reform des Herrenhauses ist seit mehr als einem Jahrzehnt eine viel besprochene Frage. Aber nach der japanischen Berfassung fann diese Reform nur durch eine Gesegesvorlage des Herrenhauses selbst erfolgen! Das Unterhaus hat kein Recht, auf diesem Gebiet die Initia tive zu ergreifen. Kein Wunder, daß die Reform des Herrenhauses auf sich marten läßt. Recht und Politit. Der Konflikt zwischen Reichsrat und Reichstag. Der Einspruch des Reichsrats gegen den Beschluß des Reichstags über die Zulassung des Wiederaufnahmeverfahrens gegenüber Urteilen der bayerischen Volksgerichte will aus politischen Gründen ein Unrecht verewigen. Die 3u laffung des Wiederaufnahmeverfahrens ist eine Forderung des Rechts. Der Reichsrat hat die rechtlichen Erwägungen aus politischen Erwägungen beiseite geschoben. Darüber ist kein Zweifel. Es wird in der Rechtspreffe offen zugegeben. Der Tag" schreibt: " " Da Konflikte in dieser Frage, die doch im Reichstag start partei mäßig behandelt worden ist, natürlich recht unerwünscht sein müssen, Premiere im Wallnertheater. Die Rücksicht auf partitularistische Stimmungen in Bayern wird also über die Wahrung des Rechts und die Sorge um die Rechtssicherheit gestellt. Diese offene Begünstigung der parti fularistischen Bedenken in Bayern ist nicht minder bedenklich wie die Bergewaltigung des Rechts. Die Presse der banerischen Bartikularisten hat den Beschluß des Reichstags sofort zu einem Feldzug gegen das Reich benutzt. Der„ Böltische Kurier" schreibt darüber: „ Dagegen pero jenifieht der„ Fräntische Kurier" einen „ Dagegen veröffentlicht der Fränkische Kurier einen langen Leitartikel gegen den Reichstagsbeschluß, den er als„ Ber liner Revolutionsvorstoß gegen Bayern" signalisiert. Er fündigt bereits den„ Einspruch der bayerischen Regierung" an und fordert den bayerischen Minister des Innern auf, endlich einmal aus feiner Kirchturmpolitif" herauszugehen. Der Fränkische Kurier" schließt seinen Artikel mit der Erklärung:„ Sucht Berlin in offener Fronde die Opposition der bayerischen Regierung, so muß man in München feststellen, daß man sich vor dieser Fronde ganz und gar nicht fürchtet." Die Ausführungen des den Deutsch nationalen( der Partei des bayerischen Justizministers) nahestehenden Blattes gewinnen noch damit an Interesse, daß von der Münchener Breffe die Münchener Zeitung", das Organ des ehemaligen Pressechefs des Herrn von Kahr, in das gleiche Horn stößt." P Der Reichsrat hat sich demnach als Instrument des Partitularismus gegen das Reich betätigt. Es ist deshalb die Pflicht des Reichstags, an seinem Beschluß festzuhalten. Recht geht über partitularistische Stimmungen! Bleibt der Reichs tag fest, so liegt eine wichtige Entscheidung beim Reichspräjidenten. Im Namen des Rechts und im Namen des Reichs wäre es feine Aufgabe, die Vermittlung zu übernehmen, damit dem Rechte zum Sieg verholfen wird. Die„ Berliner Bolfs zeitung" umreißt seine Berantwortung mit folgenden Worten: " Kommt die Zweidrittelmehrheit für Annahme des Gesetzes im Reichstag nicht zustande, so wird der Reichspräsident Hindenburg Frage gestellt sein, ob er bei diesem Konflikt zwischen Reichsrat und Reichstag vor die er die bagerische Rachejustiz billigen oder durch einen Bolksentscheid dem Recht zum Siege verhelfen soll, wie er in seiner Proflamation nach der ereidigung zugefagt hat." vor die erste politische Entscheidung gestellt. Wird er die Der Einspruch des Reichsrats hat den Reichspräsidenten partikularistischen Tendenzen stärken? Auch ein Wiederaufnahmeverfahren. Sie haben zu viel gereinigt. S Die Rote Fahne" veröffentlicht einen Beschluß des Zentralausschusses der KPD., der einen tiefen Einblid hinter die Kuliffen gestattet. Der Beschluß lautet: " Der 32. beschließt: eine Kommission von fünf Genossen zur Nachprüfung der in den letzten Monaten durchgeführten Ausschlußperfahren einzusehen, soweit gegen diese Ber fahren Beschwerden eingebracht wurden oder bis zum 15. Juni eingebracht werden. Zum Borfizenden dieser Kommission wurde der Genoise Otto Geschte bestimmt. Alle Zuschriften sind an die Adresse des Genossen Otto Geschte, Berlin C. 54, Rosenthaler Straße 38, zu richten." Es ist der Kommunistischen Zentrale bei den Maffenherauswürfen etwas angst geworden. Allzuviel ist schließlich ungesund, und wenn wir recht unterrichtet sind, geht die Zahl der Ausschlußverfahren in die Tausende; etwas viel für eine in ihrer Werbefraft und ihrem Mitgliederbestand zurücksintende Partei mie die KPD. Schließlich muß auch die dedung der Nordwestpassage wurde erft 1859 in einer Zinnbüchse neben einem Steinhaufen entdeckt. | Nach dem Aufwertungsbetrag die Poffe. Der deutschnationale Abg. Steiniger, der zweite Bertreter der Sparer und Gläubiger bei den Deutschnationalen, hatte als Schiedsrichter in dem Ehrengericht fungiert, das dem ehemaligen Deutschnationalen Dr. Best die Berechtigung zusprach, sein Reichs tagsmandat nicht an die deutschnationale Fraktion zurückzugeben. Die deutsch nationale Reichstagsfraktion veröffentlichte darauf eine Erklärung, in der sie mitteilt, Steiniger habe ohne Wissen und Auftrag seiner Partei gehandelt. Das war ein Rippenstoß. Die Fraftion geht jetzt noch weiter. Sie beruft ein Ehrengericht, das über Steiniger Scherbengericht. abhalten soll. Dr. Best hat man aus der deutschnationalen Partei herausgegrault, nachdem er die Sparer und Gläubiger für die Deutschnatio. nalen an die Wahlurne geführt hatte. Steiniger gegenüber wendet man dieselbe Methode an. Dr. Best ist den Deutschnationalen zuvorgekommen, indem er freiwillig aus der Partei ausschied. Bird Dr. Steiniger warten, bis man ihm den Eselstritt versetzt? Schimpfregistratur. Man versteht in der Redaktion der„ Kreuzzeitung" sachliche, bes rechtigte Kritik nicht hinzunehmen. Man tobt über die sozialdemo fratische Kritik in der Debatte über den Reichswehretat. Man hat teine fachlichen Gegenargumente, aber man hai Worte. Hier find fie:„ der Haß der vereinigten Sozialdemokraten und Bolschemisten, der berüchtigte Abgeordnete Lipinski: Schandtat, Gemeinheit, traurigen Mut, roter Militärhaß." Der Mann, der das schreibt, heißt Fernandes. Verschwörung gegen Calles. Konterrevolutionäre Bewegung gegen die merikanische Arbeiterregierung. New York, 29. Mai.( WTB.) Associated Preh meldet aus Merifo, daß Abschriften von Briefen, in denen Adolfo de la Huerfa und andere ausgewiefene Verschwörer zahlreiche militärische Führer dazu aufforderten, sich der Bewegung gegen Calles anzuschließen, von den Empfängern dem Staatssekretariat für den Krieg ausgehändigt wurden. Strenge Maßregeln wurden ergriffen, um der revolufionären Tätigkeit Einhalt zu tun. Kommunistische Achtgroschenjungen. Anweisungen der Ticheka an ihre Agenten. Die Tscheka ist in Sowjetrußland bekanntlich offiziell aufgehoben. An ihrer Stelle funktioniert die GPU.( Politische Staatsverwaltung), die sich von der Tscheka nur durch ihren Namen unterscheidet. Es ist deshalb nicht nur von historischeur Interesse, die vollkommen geheimen" Anweisungen der Tscheta an ihre Agenten fennenzulernen, die in den Besiz des Sozialistischen Boten", des in Berlin erscheinenden russischen sozialdemokratischen Zentralorgans, gelangt find. In diesen Anmeisungen mird die gesamte Lebenshaltung der Tscheka- Agenten sorgfältig geregelt. Ihnen wird u. a. vorgeschrieben: ,, Sie müssen affurat und sauber gefleidet sein, damit ihr Aeußeres die Sympathie ihrer Klienten(!) ermedt und ihnen die Möglichkeit gibt, aus diesen Leuten alles Notwendige herauszuholen. Shre Krönung finden die Anweisungen der Tschefa in folgenden flassischen Baragraphen: Man muß stets der Methoden der Jesuiten eingedent sein, die nicht auf dem Martte über ihre Tätigkeit lärmten und fie nicht offen zur Schau stellten, sondern die verschlossene Männer waren, die über alles Bescheid wußten und nur zu handeln verstanden." Hierzu fann bemerkt werden, daß diese Anweisung der Tschefa an ihre Spizzel vollkommen dem Geiste des reinen Leninismus“ entspricht. mendungen überraschen in ihrer Fülle und Neuheit. Der Komponist nutzt die hellen Knabenstimmen außerordentlich gefchidt aus; auch lleber das Schicksal des schwedischen Polarforschers André diese helle herbe Farbe, gedämpft durch Bässe, verstärft durch und seiner beiden Begleiter Strindberg und Frankel, die im Juli Tenöre, erinnert an alte Mufit. Der Domdjor löfte seine Aufgabe 1897 den Nordpol in einem Ballon zu erreichen suchten, ist bis fauber, im Gefühl einer liturgischen, nicht fonzertmäßigen Aufgabe. heute tiefes Dunkel gebreitet. Bojen, die vom Ballon herabgeworfen In dem gleichen Konzert lernten wir Wilhelm Middelworden waren, wurden aufgefunden, Nachrichten von der Entschulte aus Chicago als einen außergewöhnlichen, mit der Rededung eines zerschmetterten Ballons famen aus Sibirien und aus gistrierkunst der Orgel( auch einer widerspenstigen) höchst raffiniert die ein Haus hatten vom Himmel fallen fehen. Aber troß all dem Bolartreis; andere Geschichten wurden von Estimos erzählt, umgehenden Künstler fennen. Er erwarb sich mit der Passacaglia C- Moll von Bach und einer eigenen chromatischen Phantasie sehr dieser Berichte ist über das Schicksal dieser Forscher nichts Be- schnell die Sympathien des Publikums. Er sollte in der Garnison stimmtes bekannt geworden. Tragisch endete auch die russische Er firche einen eigenen Abend geben. pedition des Baron Edward Toll, der 1900 mit seiner Jacht " Baria" nach dem Polartreis aufbrach. Die lehten Nachrichten von ihm trafen im November 1902 ein, und eine Hilfsexpedition fand im Jahre 1905 auf der Benett- Insel einen Brief des Polarforschers, in dem er mitteilte, daß er und seine Gesellschaft weiter vorwärts find alle im Eis zugrunde gegangen. In Hans Alfred Kihns Romödie Meiselen" spielt eine Frau Karchow die Hauptrolle, ein resolutes Beib und eine sympathische Spitzbübin, die mit der Mutter Wolfen aus Hauptmanns Biberpelz" eng verwandt ist. Für Familie Karchom ist geforgt. Allmonatlich kommt der Geldbriefträger und bringt die Rente für den Großpapa. Das wäre ganz in der Ordnung, wenn Groß papa nicht schon vor vier Jahren gestorben wäre, die Rente aber ruhig meiter genommen würde. Brenzlich wird die Sache, als der gütige Rentengeber in Person erscheint, um den uralten Großpapa zu besichtigen. Alles zittert vor Angst, nur nicht Frau Karchom. Sie borgt sich einen anderen, schon etwas vertrottelten Greis aus, den 94jährigen Meiseken. Der Schwindel kommt schließlich heraus, eber es geht noch gerade am Gefängnis vorbei. Denn jeder der gingen", obwohl sie nur noch für 18 Tage Nahrung besaßen; fie teilungen, aus denen hervorging, daß von dieser Seite dem Theater Kontrahenten hat etwas auf dem Kerbholz. Man macht mit der Moral Schachergeschäfte. Das ist der tiefere Sinn der sonst auf. Icichtes Sommeramüsement gestellten Komödie. Herr Kihn schildert bürgerliches Milieu mit verrutscher Ethik. Er zeichnet angefaulte Charaktere mit derb realistischen Mitteln und etwas verschwommener Psychologie. Dank der famosen Darstellung gab es im Wallnertheater einen starken Premierenerfolg. Das Publikum war in bester Laune. Der Eindruck des Stückes war erheblich günstiger als bei seiner Uraufführung auf einer Berliner Vorstadtbühne im vorigen Jahre. Ida Wüst, die Mutter Karchow, war ein knuspriges Frauchen, der man glaubt, daß sie den Männern heillos die Köpfe verdreht. Friedrich Lobe ein ewig verängstigter, selbst in Butausbrüchen noch schüchterner Ehetrottel, Walter Steinbed ein gutmütiger Lebemann und Karl Neißer ein erstaunlich gut. gezeichneter findisch gewordener Greis, Polarforscher- Schicksale. Dgr. Der Sturm auf den Nordpol ist in diesem Sommer von fünf verschiedenen Expeditionen unternommen worden, und das größte Aufsehen begleitet den Flug des Kapitäns Amundsen, um dessen Schidjal man bereits besorgt ist. In den letzten hundert Jahren find im Kampf um die Eroberung der beiden Pole gegen tausend Menschenleben geopfert worden, und seit vor 400 Jahren Sebastian Cabot den ersten Bericht über die Erreichung der Bolarzone lieferte, hat jebe Expedition, die nach diesen Eismüften aufbrach, ihren harten Tribut an Entbehrungen und Gefahren zahlen müssen. Die größte aller Polartragödien, die sich ereignet haben, war wohl die, die die dritte Expedition von John Franklin auf der Suche nach der Nordwestpassage traf. Der Führer, der mit den Kapitänen Crozier und Fikjames und 138 Mann am 18. Mai 1845 auf den Schiffen Erebus" und Terror" absegelte, ging mit allen Teilnehmern zugrunde. Fünfzehn Hilfsexpeditionen wurden von England und Amerika ausgerüstet, und man stellte fest, daß Franklin wahrscheinlich am 11. Juni 1847 gestorben sei; jein Bericht der Ent ant Greefn Die amerikanische Expedition unter Leutnant Greely voll. brachte 1881 einen Reford, indem sie an den Nordpol bis auf eine Entfernung von 700 Kilometern herantam. Dann aber hörte man nichts mehr von der Gesellschaft, und als ein Hilfsschiff eintraf, fand es nur noch Greely mit sechs Mann lebend, während die übrigen 18 Teilnehmer tot waren. Von besonderem Unglüd war Kapitän George de Long verfolgt, der 1881 mit der Jeannette" von San Franzisko abfegelie. In einem furchtbaren Sturm zerbrach bas Schiff in zwei Teile und sank. Die durch Entbehrungen bereits erschöpfte Mannschaft fämpfte im offenen Meer zwischen Eisschollen und rettete sich schließlich in drei Booten. Eins von diesen gelangte nach vielen Gefahren in ein fibitisches Dorf am Lenafluß, erhielt dort Hilfe und kehrte zurück, fonnte aber nur noch feststellen, daß de Long und zwölf seiner Begleiter tot maren. Der Südpol hat weniger Opfer gefordert als der Nordpol; aber noch in aller Gedächtnis ist die Tragödie, der Kapitän Scott und rier feiner Kameraden 1912 zum Opfer fielen. Scott erreichte den Südpol am 18. Januar dieses Jahres, wenige Tage nachdem Kapitän Roald Amundsen vor ihm hingelangt war. Auf der Rückkehr zu ihrer Basis wurden sie von einem furchtbaren Schneesturm überfallen und gingen zugrunde. Diese furzen Noten und unsere toten Körper müssen die Geschichte erzählen", schrieb Scott in seinen letzten Tagebuchaufzeichnungen. Jm 4. Konzert des Staats- und Domchors tam unter Zeitung Rüdels eine fiebenstimmige Botalmette von Franz Bach mann zur Uraufführung. Bei Mangel an biographischen Angaben fann man im Zweifel sein, ob Bachmann ein Mufifer unseres Jahrhunderts oder des fiebzehnten ist. Vermutlich ein gläubiger Verehrer und Kenner alter liturgischer Musik, der seine Fähigkeiten im festesten Anschluß an die Tradition entwickelt. Das interessante Wert ist nicht ganz einheitlich komponiert, es find Bartien darin, die sehr im Schema steden bleiben, die in ihrer harmonischen Struktur und fanonischen Führung sozusagen Allgemeingut find. Daneben stehen Dinge von großem Klangreichtum, vornehmster musikalischer Illustration, kontrastierenden Stimmungen. Ein paar Schluß K. S. Der Kurs des Bühnenvolksbundes. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Bei einer Rundgebung des Bühnenvolfs bundes in Frankfurt a. M. machte der Führer der chriftlich reaktionären Theaterbewegung, Herr Gerst, eine Reihe von Mitunter der jetzigen Aera eine reine Machtpolitif aufgezwungen werden soll. Insbesondere scheint eine Klerikalisierung des Reichsbühnengefeges zu drohen; denn der Redner erklärte, daß er und seine Freunde wochenlang mit an der Vorbereitung dieses Gefezes beteiligt gewesen seien und daß er hoffe, daß das Gesetz die Wünsche seiner Richtung zum Ausdruck bringe und die Mißstände ausmerze. Solche offene Sprache war man bisher an Herrn Gerst nicht gewohnt. Die Gegenseite weiß nun, was sie zu tun hat. 650jährige Jubiläum seiner erstmaligen Ermähnung in der Geschichte Die Ausstellung der Stadt Amsterdam. Amsterdam wird das durch einie große Ausstellung im Reichsmuseum und im Städtischen Museum feiern. Die Ausstellung wird neben historischen Erinne rungen die Werke der Meister bringen, die die große fünstlerische Vergangenheit der Stadt begründeten. Aus privaten und öffent lichen Sammlungen werden zahlreiche wertvolle Erinnerungen nach Amsterdam gesandt werden. Gleichzeitig hat sich das Ausland be reit erklärt, durch eine Auswahl berühmter Gemälde dazu beizuficuern. So hat die Akademie von Stockholm eingewilligt, ihren wertvollsten Rembrandt„ Die Verschwörung des Claudius Civilis nach Amsterdam zu senden. Amerika wird durch den berühmten ( Berlin) wird der Rembrandtsche Junge Mann" ausgestellt werden. Fahnenträger" vertreten sein. Aus der Sammlung von Koppel Die Ausstellung wird vom 3. Juli bis 15. September geöffnet sein. Eine neue Klabrias Parlie. Anton Herrnfeld hat zu feiner labrias Bartie eine Fortiebung verfaßt. Die beiden übermütig luftigen Komödien bilden jest ein abendsüllendes Brogramm. Die Novität wird zuerst am Pfingstfonntag im Herrnfeld theater( Bülowstr. 6) aufgeführt. Grzessen in der Jungen Bühne, Sonntag, 7. Juni, 11, Uhr, findet Junge Bühne im Leffingtheater. Die Uraufführung von Bronnens nicht, wie ursprünglich angegeben, im Deutschen Theater, sondern im 2effingtheater statt. Radio in den englischen Krankenhäusern. Es ist in London eine Be fregung im Gange, in allen Krankenhäusern Radio- Unterhaltungen zu geben. Eine Summe von schäzungsweise 1 Million Mark soll dafür ange fordert werden. Man beabsichtigt, an jedem Bett einen Empfangsapparat anzubringen. Pfingstfrühverkehr der Straßenbahn. nit Wassernot in Berlin W. Wafferzufuhr teilweise ganz unterbunden. produttive Erwerbslosenarbeit sind die Stubben ausgerodet, der Boden umgepflügt und mit einer Dungschicht aus Berliner StraßenIn der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag bis zum fehricht belegt worden. Stellenweise steht schon Getreide darauf, Beginn des fahrplanmäßigen Betriebes am 1. Pfingstjeiertage un- daneben sind einige hundert Morgen Wiesenland gewonnen. unterbrochener Betrieb auf den Linien 1( Stadtring), 15 Die Ruinen zweier Ziegeleien hat man in entsprechender Weise zu ( zwischen Bahnhof Neukölln und Potsdamer Bahnhof), 44( zwischen Gutshöfen umgebaut. Auf dem Ackergelände erbaut die Gesellschaft Gogtowitnstraße und Görliger Bahnhof), 74( Kniprodefiraße- tleine Siedleritellen, die besonders Flüchtlingen aus ben Lichterfelde, Händelplatz), je in Abständen von 15 Minuten; 69 Ostgebieten zur Verfügung gestellt werden sollen. Ein halb ( zwischen Leipziger Play und Lichtenberg, Gudrunstr.), 76( zwifchen haus enthält eine große Wohnküche, eine Stube im Parterre und Halensee und Spittelmarkt), 99( zwischen Uferstraße und Tempelhof, anschließend daran Stallräume, alles unter einem Dach. Im ersten Friedrich- Karl- Straße), je in Abständen von 20 Minuten. Außer Stod befinden sich nochmals zwei schöne Zimmer. Die Gesellschaft dem sind bei günstigem Wetter an den beiden Pfingstfeiertagen gibt ein solches Halbhaus nebft 6 Morgen Ackerland und 2 Morgen außerfahrplanmäßige rühfahrten auf den folgenden Wiese für 8500 m. ab. Ein Teil muß angezahlt werden, der Rest Linten vorgesehen: Linie 1, Stadtring( am 2. Pfingstfeiertage) ab betrag wird langfristig gestundet. Unzweifelhaft hat die Gesellschaft, Hallesches Tor, Richtung Morigplay, von 5,00, Richtung Potsdamer allerdings mit großer staatlicher Unterstützung, große Teile brach Play von 5,03 Uhr an alle 7 bis 8 Minuten. Linie 4, ab her liegenden Landes der Boltsernährung dienstbar gemacht. Die Siedmannplay bis Treptom, Rathaus, von 4,13 Uhr an alle 15 Minuten. ler werden aber diesen neugewonnenen Boden noch sehr intensiv Linie 9E, ab Görlizer Bahnhof bis Strelizer Straße von 3,27, bearbeiten müssen, ehe er zu dauernd ertragfähigem, Ackerland ge= ab Strelizer Straße von 4,25 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 11, worden ist. ab Bahnhof Neukölln bis Bahnhof Treptow von 4,29 bis 5,44 Uhr alle 15 Minuten, ab Bahnhof Treptom bis Bahnhof Neukölln von 4,49 bis 6,04 Uhr alle 15 Minuten. Linie 14, ab Werftstraße bis Plögensee von 6,06 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 15( am 2. Pfingstfeiertage) ab Bahnhof Neukölln bis Potsdamer Bahnhof 4,33 und 4,48, bis Augustenburger Plaz von 5,08 1hr an; ab Bots: Damer Bahnhof nach Neukölln 5,05 und 5,20, ab Birkenstraße von 5,11 Uhr an. Linie 21, ab Briz von 6,08, ab Wilhelmshavener Straße von 7,13 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 28 E, ab Oranienburger Tor bis Tegel von 4,25 Uhr an alle 15 Minuten, ab Dranienburger Tor bis Tegelort von 5,40 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 29, ab Hermannplag bis Budom 6,15, 6,45; ab Alexanderplay bis Budom von 6,53 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 31, ob Strelizer Straße bis Bahnhof Zoologischer Garten von 4,32, ab Bahnhof Zoologischer Garten von 6,14 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 48 E ab Schönhauser Tor bis Nordend von 4,26 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 54E, ab Spandau, Pichelsdorfer Straße, bis Hafenfelde von 5,08, ab Hafenfelde von 5,36 1hr an alle 15 Minuten. Linie 56, ab Steglig von 5,05, ab Stettiner Bahnhof von 6,08 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 57, ab Emser Plaz nach Pantom con 4,50 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 57 E, ab Nordend bis Leip ziger Blag von 4,30, ab Leipziger Plah nach Nordend von 5,36 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 60, ab Belziger Straße von 5,00, ab Weißensee von 5,16 Uhr an alle 15 Minuten nach Lindenhof; ab Lindenhof von 5,21 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 66, ab Berlin, Rathaus( Ecke Jüdenstraße), nach Hohenschönhausen von 4,25 Uhr an aile 15 Minuten, ob Hohenschönhausen von 5,16 Uhr an alle 15 Mi nuten. Linie 68, ab Lichtenberg, Siegfriedstraße, bis Stettiner Bahnhof von 4,28, ab Stettiner Bahnhof nach Herzberge von 5,32 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 69, am 1. Pfingstfeiertag ab Leipziger Platz nach Friedrichsfelde von 4,36 Uhr an alle 20 Minuten; ( am 2. Pfingstfeiertage) ab Moltenmarkt nach Friedrichsfelde von 4.44 1hr an alle 15 Minuten. Linie 74( am 2. Pfingstfeiertage) ab Stegliz bis Moltenmarkt von 4,38, ab Moltenmarkt von 5,28 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 75, ab Sophie- Charlotte- Platz bis Kupfergraben von 5,13, ab Kupfergraben bis Heerstraße von 3,46 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 82, ab Dönhoffplatz nach Treptow ( über Stralau) von 4,51 Uhr an alle 10 Minuten. Linie 87E, ab Spittelmarft bis Treptow, Spreetrinel, von 4,03 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 89, ab Hallesches Tor bis Treptom, Spreetunnel, von 4,23 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 93 E ab Anhalter Bahnhof bis Treptow, Rathaus, von 4,09 Uhr an aule 15 Minuten. Linie 96, ab Belle- Alliance Blaz bis Kranoldplay von 4,50, ab Kranoldplay von 5,37 Uhr an alle 15 Minuten. Linie 97, ab Bahnhof Steglitz von 5,34, ab Mariendorf von 5,57 Uhr an alle 20 Minuten. Linie 177, ab Steglitz von 4,54, ab Bahnhof 300Logischer Garten von 5,36 Uhr an alle 10 Minuten. Schönes Wetter zu Pfingsten? Nach Informationen des Wetterdienstes haben wir für die Pfingstfeiertage trodenes und heiteres Wetter zu er marten. Die zunehmende Bewölkung, die seit heute morgen einfezte, wird eine weitere Zunahme erfahren und am Sonnabend in mehreren Gemittern in der Umgebung Berlins seine Entladung finden. Auf die eintretende Abkühlung wird ein sich schnell näherndes Hochdrudgebiet bei zunehmender Erwärmung weiter trodenes und heiteres Weiter bringen. IMMI Der Ueberfall auf den Autobus. Aufklärung forerer Berbrecher durch ein Teffament. Späte Sühne werden zwei besonders schwere Straftaten finden, Die im Jahre 1921, also vor vier Jahren, die Deffentlichkeit im hohen Maße erregten. Der Termin zur Hauptverhandlung findet demnächst vor dem Großen Schöffengericht in Lichtenberg statt. N Am 26. Februar 1921 wurde der Auto omnibus, der zwischen Strausberg Bahnhof und Strausberg- Stadt verkehrt, abends 9 1hr von vier mit einer Maste verkleideten Räubern überfallen. Alle Fahrgäste wurden ihres Geldes und ihrer Wertsachen beraubt. Ueber die Täter herrschte bis vor kurzer Zeit völlige Unklarheit. Sie sind jetzt in der Person dreier Gebrüder Heinrich, von denen zmei vorübergehend Fer Schutzpolizei angehörten, und eines Wachtmeisters von der Schuzpolizei, der bis zu seiner Verhaftung im April d. J. in Berlin Dienst tat, ermittelt worden. Einer der Räuber hatte sich beim Herannahen des Kraftwagens quer über die Straße gelegt. Wäh rend die Chauffeure abstiegen, um nach dem augenscheinlich franken oder betrunkenen Manne zu sehen, sprangen zwei Räuber aus den Chauffeegräben mit erhobenen Revolvern auf sie zu. Der vierte im Innern des Omnibusses, der die Fahrt vom Bahnhof aus schon mitgemacht hatte, forderte die Insassen freundlichst" mit erhobenem Revolver zur Abgabe ihrer Wertsachen auf. Alle vier Räuber enttamen unerkannt. Sie legten den Weg nach Berlin zu Fuß zurück und gingen am nächsten Tage, als wenn nichts geschehen wäre, wieder ihren Beschäftigungen noch. Die Polizei gab fich die erdenklichste Mühe, ihnen auf die Spur zu kommen. Alles schien bereits vergeblich. Da entzweite sich der eine der Brüder Heinrich mit seiner Ehefrau. Er hatte ihr in einer trauten Stunde das Abenteuer von Strousberg anvertraut. Die Frau, die sich von ihrem Manne scheiden lassen mollte, erkrankte schwer. Da sie ihr Ende herannahen fühlte, schrieb die Sterbende das anvertraute Geheimnis in ihrem legten Billen nieder. Dies wurde den Räubern zum Verhängnis. Als es nun der Polizei noch gelang, bei einem von ihnen eine der geraubten Damenhandtaschen zu finden, legten sie alle ein Geständnis Gleichzeitig erfuhr dadurch auch ein zweites, schweres Verbrechen feine endliche Aufklärung. Ende Januar 1921 waren die Inhaber des Schantiotals 3um Waldfater" im Stadtforft Bernau von den Gebrüdern Heinrich, die dort angeblich Lebensmittel hamstern wollten, überfallen, mit Revolvern bedroht und ihrer Habjeligkeiten, besonders ihres Bargeldes, beraubt worden. Auch hier fehlte durch bier Jahre hindurch jede Spur, weil die Räuber von niemand in der Gegend erkannt worden waren. Landwirtschaftliche Siedelungspläne. men Die Gemeinnügige Siedlungs und Krieger heimstätten... G." zeigte am Freitag ihre Siedlung in GroßBesten bei Königswusterhausen, nachdem fie fürzlich bei einem Rundgang durch die Industriesiedlung bei Velten i. M. die Bestrebungen der Gesellschaft flargelegt hatte. Im Gegensatz zu Velten ist in Groß- Besten alles auf Landwirtschaft zugeschnitten. Die Gesellschaft hat dort etwa 1700 Morgen Debland erworben, das landwirtschaftlichen Zweden dienstbar gemacht werden soll. Auf dem Geländes ist Gewerkschaftsbewegung Sattler, Tapezierer- und Portefeuiller- Verband. Wie schon der Name der Organisation zeigt, find hier, insbesondere unter Berücksichtigung der vielen Unterbranchen, die mannigfaltigsten Interessen des Industriearbeiters sowie die des Treibriemen, Automobil, Fahrzeug- und die Handwerkers zu wahren. Auf der einen Seite die Lederwaren, Möbelindustrie, auf der anderen die Handwer? s fattlerei und der Tapezierer und Polsterer. Also ein Industrieverband im fleinen. Infolgedessen wurde der Berbaad ouch recht start durch die Inflationserscheinungen sowie dur die Umstellung der Wirtschaft und der Währung berührt. Namentlich ist in der Lederwarenindustrie, welche vornehmlich in Berlin und Offenbach a. M. ihren Sitz hat, ein starfar Rückgang des Exports eingetreten. Das erste Vierteljahr 1924 brachte nochmals eine gute Konjunktur durch die Auffüllung der Detailgeschäfte. Dann aber blieb der Käufer aus, welcher die bohen Preise nicht zahlen fonnte. Zum Teil fönnen sich die Arbeitgeber von den Inflationspreifen nicht trennen. Zum anderen ist der Auslandsmartt uns noch verschlossen. Rußland, der Hauptabnehmer deutscher Treibriemen, entnahm 1924 140 Doppelzentner statt 4000 im Jahre 1913. 18 So wurde der allergrößte Teil der Mitglieder ständig durch Arbeitslosigteit in Mitleiden. ziererberuf, namentlich bei den Kundentapezierern, eine recht lebhafte Beschäftigung, insbesondere in der zweiten Hälfte des Jahres 1924 zu verzeichnen war, so ist die Arbeitslosenziffer als hoch zu bezeichnen. Insgesamt waren im Berichtsjahr 13 265 Mitglieder arbeitslos, wozu noch 13 982 Kurzarbeiter hinzuzuzählen sind. Ueber die Hälfte der Kurzarbeiter arbeitete nur 24 Stunden in der Woche. Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist der Rüdgang der Mitgliederzahl zu verstehen, der insgesamt 6159 Mitglieder oder 16,4 Proz. beträgt. Der Verlust der weiblichen Mitglieder ist prozentual noch stärker und betrug 27,5 Broz. Am Jahresschluß wurden 31 341 Mitglieder gezählt. anhaltenden Trockenheit und der an tropische Temperaturen ge Im Berliner Besten und Südwesten macht sich infolge der mahnenden Hize ein Wassermangel fühlbar, der von Tag zu Tag beschwerlicher wird und geradezu bedrohliche Dimen fienen annimmt. Besonders krisenhaft steht es mit der Wasser- schaft gezogen. Zieht man in Berücksichtigung, daß im Tapepersorgung in der Gegend der Barbarossastraße, der men elitraße in Friedenau und anderer Straßen des Westens. Dort steht man nach altem, zweifelhaftem Muster in den Häusern Polonäse, um das foftbare Naß für Küche und Mundbedarf, und sei es auch in noch so geringen Quantitäten, einzufangen. Leberaus fatal find die Leute in olympischen Höhen, im 3. und 4. Stod, daran. Dort ist die Wasserzufuhr teilmeise ganz unterbunden. In Ausfluß und Spülung der Abortanlagen machen ich sehr erhebliche Stockungen bemerkbar, die faum erträgliche Berhältnisse schaffen. Eigentümlicherweise fonzentriert sich diese Wassernot nur auf den westlichen und südwestlichen Teil der Stadt, dem Bersorgungsgebiet der privatwirtschaftlich arbeitenden Charlotten burger Wasserwerke, im Norden, Süden und Osten sind Stodungen in der Wasserversorgung noch nicht eingetreten. Die Charlottenburger Wasserwerke AG., deren Berbreitungsgebiet von dieser beunruhigenden Kalamität betroffen worden ist, stehen diesen Zuständen im Augenblick ohne die Möglichfeit tatsächlicher Abhilfe gegenüber. Die Werke können gegen das Vorjahr einen um 40 Prozent stärteren Was= serverbrauch feststellen. Die Gärten haben zur Frühjahrsbestellung sehr viel Wasser verbraucht. Aber auch der Verbrauch an Badewasser ist im Berliner Westen sehr gestiegen. Da nun die Werte ihr Wasser den Grundwasserströmen absaugen, so fann mit einer Besserung der Verhältnisse erst mit dem Eintreten erheblicher Niederschläge gerechnet werden. Die Werte erklären zw.ir, daß ein Grund zur Beunruhigung nicht vorhanden ist und warnen eindringlich vor einem Hamstern von Wasser. Aber anderseits ist die Tatsache, daß eine große Anzahl von Haushaltun gen ganz oder nahezu ganz ohne Wasser ist, so bedenklich, daß mit einem Zusehen und Abwarten nichts gebejjert wird. Eine erhöhte Gefahr beim Ausbruch von Bränden bestest hingegen nicht, da die Feuerwehr jederzeit so viel Wasser absaugen fann, wie sie braucht. Einheitsfront der Mieter vom Hermannplass. zu einem In Rabes Festsälen in der Fichtestraße fand gestern die zweite große Mieterversammlung des Mieterbundes Kreuzberg statt, bei der über die Einigungsperhandlungen mit den Behörden und der Nord- Südbahn A.-G. Bericht erstattet wurde. Wie Genosse Landgerichtsrat Ruben in einem längeren Rejerat darlegte, haben die schwierigen Verhandlungen bisher zu dem Erfolg gerechte Berteilung; geführt, daß es unter sozialen Gesichtspunkten es merden nur Kollektivverhandlungen gepflogen Uebereinkommen zwischen der Nord- Südbahn A. G., dem 3entralmohnungsamt Berlin sowie den Wohnungsämtern Kreuzberg und Neukölln einer feits und dem Vorstand des Mieterbundes Kreuzberg bzm. dem Ausschuß der Mieter am Hermannplatz auf der anderen Seite gekommen ist. Danach soll alsbald ein Gesamtplan der beabsichtigten Reihenfolge der Räumungen und der Erstellung der beabsichtigten Ersagwohnungen mitgeteilt somie jedesmal reditzeitig vorher angezeigt werden, wann im Einzelfalle Wohnungen geräumt werden sollen und welche Ersazwohnungen zurzeit beziehbar find. Ferner wird im einzelnen Falle vereinbart werden, an wen die Erfagwohnungen zugewiesen werden sollen. Bei eventuellen Abmachungen mit einzelnen Mietern müssen Vorstand und Mietere ausschuß hinzugezogen werden; schließlich ist noch festgelegt worden, daß alle Ersatzwohnungen dem RMG. und MSchG. unterstehen, ihre Mieten aber nicht die Friedensmieten gleich artiger Altwohnungen übersteigen dürfen. Gen. Gründel berichtete anschließend über diese Einigungsverhand lungen selbst, bei denen der Vertreter der Nord- Südbahn das Projekt vorgetragen hatte, in der Befer- und Schandauer Straße neue Häuser Die Mieterschaft erklärte sich solidarisch und sprach durch Abstimmung dem Ausschuß ihr Vertrauen aus. In der Discussion traten die Gegenfäße 3mischen Ladeninhabern und mieterschaft hervor. Der Vertreter der ersteren betonte, daß für sie vor allem die Wahrnehmung ihrer Existenz, nicht bloß Boh nungsintereffen in Frage fämen; ein restloses Zusammengehen sei deshalb unmöglich. Der Vorsitzende des Schußverbandes der Bewerbetreibenden am Hermannplay verteidigte die Interessen des Verbandes und sein Vorgehen, forderte im übrigen aber Versöhnung zum gemeinsamen Kampf. Die ganze Veranstaltung war wieder ein Beweis dafür, welche Erfolge in Wohnungs- und Mieterfachen zu erreichen sind, wenn nur die Mieter solidarisch zusammen ftehen. zu bauen. Scharfes Vorgehen gegen Bogelfänger. Das Amtsgericht Cöpenid verurteilte einen gewiffen Wilhelm Hahn aus Berlin zu 14 Tagen Gefängnis. Hahn hatte im Cöpenider Forst bei Pferdebucht mit Leimruten und Regen Bögel gefangen. Das Gericht erflärte zu dem Urteil, daß die Bogelfängerei in den Berliner Vororten wieder überhand nehme und daß derartiger grober Unfug auch für die Folge hart bestraft werde. Trog aller Hemmnisse fonnte der Verband den vielen Anforderungen auf dem Gebiete der Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowohl im Angriff wie in der Abwehr genügen. Bor nehmlich waren die Angriffe der Arbeitgeberorgani= fationen in der Arbeitszeitfrage recht starter Natur. Sie verwidelten die Organisation in zahlreiche Kämpfe. Der Acht: stundentag wurde aber gehalten, wenn auch durch große Opfer. Auch die Aufbesserung der Löhne erforderte viele Kämpfe. Insgesamt hatte der Verband im Vorjahre 141 Streifs zu bestehen in 1359 Betrieben mit 13 082 Mitglie= dern, davon 2808 weibliche. Für die Dauer der Kämpfe zeugen die Ziffern der Streiftage, die 327 304 betrugen. Aus den Mitteln der Hauptkasse wurden für diese Kämpfe 217 687 M. und aus den Lokaltaisen noch 31 316 M. zur Unterstigung aufgebracht. Große Aufwendungen an Zeit und Kraft erforderten die vorjährigen Tarifbewegungen. Troß der Verschiedenartigkeit der Berufsinteressen und der allgemein schlechten Lage der Hauptberufe gelang es, für fast die gesamte Mitgliedschaft die Verträge zu erneuern. Der Verbandsvorstand nahm im Laufe des Jahres eine gründ liche Reform des Beitragswesens vor, da sich die Be schlüsse des legten Verbandstages überholt hatten. Ein im Mai einberufener Städtetag gab dem Vorstand die Mittel an die Hand, um die zahlreichen Kämpfe finanzieren zu können. Auch wurde die Wiedereinführung der sozialen Unterstützungen beschlossen. Seit dem 1. Januar 1925 werden wieder Arbeitslosen, Reise- und Krankenunterstützung ausgezahlt, desgleichen eine Beerdigungsbeihilfe. Die Gesamteinnahme des Verbandes betrug 589 834 m., der eine Ausgabe von 455 685 m. gegenübersteht, wovon 44,77 Broz. für Unterstützung der Streifs Diese wenigen Angaben zeigen, daß dieser Verband im Rahmen der Gesamtgewerkschaften nicht an letzter Stelle marschiert und seine Schuldigkeit getan hot. Es mußten im Vorjahre viele Schmie rigkeiten überwunden werden. Es war eine sehr unangenehme Be gleiterscheinung der Inflation, daß auch unser Fach organ nicht mehr in der gewohnten Form erscheinen fonnte. Seit dem 1. Oktober erscheint die Fachzeitung wieder wie früher und wird kostenlos an die Mitglieder abgegeben. Die ersten fünf Monate des Jahres 1925 zeigen eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung in der Mitgliederzohl und wecken wieder neue Hoffnungen. Um die Reihen wieder restlos zu füllen, gift die Zeit vom 7. bis 14. Juni als Werbemo che, in der jedes Mitglied Gelegenheit hat, dem Verband neuen Zuwachs zuzuführen. * nariba Streit in der Niederlaufiger Hejefabrik. Wie uns vom Berbande der Lebenmittel- und Getränkearbeiter, Bezirk III, Siz Berlin, mitgeteilt wird, stehen die Arbeiter der Niederlaufizer Hefefabrit in Rottbus seit Montag, den 25. Mai, im Streit. Der Geschäftsführer, Bäckermeister Alexander Meyer in Rottbus. habe erklärt, erganisierte Arbeiter dulde er in seinem Betriebe nicht und von dritten Personen laffe er sich in die Bezahlung seiner Leute nicht hineinreden. Der vom Schlichtungsausschuß gefällte Schiedsspruch wurde von der Hefefabrit abgelehnt, Da die Niederlaufiger Hefefabrit ihr Hauptabsaggebiet in Berlin hat, werden die Berliner Bäder gebeten, bei der Ber mendung von Hefe diese Vorgänge zu beachten. Die Metallarbeiter der nordwestlichen Gruppe. Bochum, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Mit dem Schreiben des Arbeitgeberverbandes für die Metallindustrie, Nordmeftliche Gruppe, in dem das durch den Schiedsspruch des Schlichters für Rheinland und Westfalen vom 18. und 19. Februar festgesetzte Lohn abfommen zum 1. Juli 1925 gefündigt und mit Hinsicht auf die fich dauernd verschlechternde Wirtschaftslage von diesem Zeitpunkt ab eine Herabjegung der Löhne um 10 Proz gefordert wird, hat sich folgendes Schreiben der an dem Tarifvertrag beteiligten metallarbeiter gefreuzt: Hiermit fündigen wir das mit Schreiben vom 19. Februar abgeschlossene Lohnabkommen für die Nordwestliche Gruppe. Wir bitten, möglichst bald Termin zu mündlichen Berhandlungen anzusetzen und werden am Tage der Verhandlungen Ihnen unsere Forderungen unterbreiten." Nach Mitteilung des Metallarbeiterverbandes haben handlungen am 8. Juni eingeladen. Ein unverantwortlicher Kraftwagenführer. die Arbeitgeberverbände für die Nordwestliche Gruppe zu LohuverAm Donnerstag abend 10 Uhr wurde in der Grimmstraße der Radfahrer Gustav Klink, Donauftr. 130 wohnhaft, von einem Auto überfahren und zu Boden geschleudert. Er erlitt eine schwere Oberschenkelquetschung; fein Rad wurde vollständig zertrümmert. Der Chauffeur des Kraftwagens ergriff die Flucht, ließ sein Auto stehen und fonnte erst nach Verfolgung durch einen Beamten gestellt werden. Es stellte sich heraus, daß der Chauffeur und die Insassen des Autos pollständig be= trunten maren. Der Verlegte wurde in das Urbantrantenhaus gebracht. Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und Der Kinderfreund" liegen der heutigen Postauflage bei. Achtung, Bauarbeiter! Wegen Tarifbruchs ist der Bau der Firma Seiffe u. Co., Bankom, Kaiser- Friedrich- Straße, für Innen- und Außenputzer gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe der Buzer. Die Geschäftsstelle des Af- Drtstartells Berlin bleibt vom 29. Maf, mittags 12 Uhr, bis einschließlich 2. Juni geschlossen. Berantwortlich für Bolitit: Bictor Schiff: Birtschaft: Arthur Saternus: Gemertschaftsbewegung: Friebr. Ekkorn; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lotales und Sonstiges: Fris Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckeret und Berlaasanftalt Baul Ginger u. Co. Berlin SW 68. Lindenstraße 3. Sinfender Milchpreis. Die Herabjegung des Milch- Erzeuger. prcises ermöglicht eine Ermäßigung des Kleinhandelspreises. Dieser beträgt von Sonnabend, den 30. Mai, ab für einen Liter Bollmilch ab Laden des Kleinhändlers 28 Pfennig. Der Preis für Meger. milch bleibt unverändert auf 8 Pfennig je Liter bestehen. Wintergarten während des ganzen Sommers ohne Juni/ Juli Anzahl Grmäßigung bas Steingandelsprelles, IniFür das Pfingstfest findet ein billiger Verkauf von selbstfabrizierten la Herrenn. Knaben- Anzügen: 26, 30, 32, 38, 42, 46, 49, 54, 62, 68 MK, für Straße, Reise und Sport statt. CHARLOTTENBURG arbeiten bereits das Debland- früher Waldgelande, mit Stubben bregung burshiptelen und hat bereits für den Just/ Jult eine große Ringabi S. Hoffmann Wilmersdorfer Str. 12 and Unterholz noch besetzt in Aderland verwandelt worden. Durch ausgewählter artistischer Nummern engagiert. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin- Lichtenberg. Bekanntmachung. Der in der Sigung des Kaffenausschusses Dom 10. 12. 1924 befchloffene 17. Nachtrag zur Raffenfagung hat unterm 20. Mai 1925 bte Genehmigung des Oberversicherungsamtes Groß- Berlin gefunden. Danach werden geändert die§§ 22, 34, 84.98. Die Aenderung der§§ 84 unb 98 ist mit bent 1. 6. 1924 in Kraft getreten. Die Aenderung der SS 22 und 34 tritt mit dem 1 Juni 1925 in Kraft. Drucitüde find in ca. 8 Tagen im RaffenLokal erhältlich. Schriftführer Budde. Der Borstand D. Geitel Gelegenheit este- Haus C. Pelz Kottbuser Straße 5 Gegründet 1892 Stoffe für Herren-, Damenu. Kinder- Garderobe Kammgarn 130/140 cm M. 6.00 an Cheviot [ 50/20 3.25 " " Gabardine Moulinet 3.75 " 9 " " 8.00 " " 99 Rips 7.00 " . 53 Ottoman 8.00 99 99 " Ottomane- Seide, Rips- KostümStoffe, Gabardine, Wollschotten Futterseiden a. Halbseiden bedeutend unter Preis. Haarpuder, Goltzstr. 2 ( Grunewaldstraße) Inhaber: Seidenstoffe, Sammeie, sowie sämtliche Futterstoffe zu den billigsten Preisen und großer Auswahl Damen- u.Kinderkonfektion einfachst. bis zurelegantest. Ausführung. Wetter- u. Gummimäntel in allen, besonders Frauengrößen von der Abonnenten dieser Zeitung 2% Ella Dehmeler: Neukölln Niemetzstraße 9( Nähe Richardplatz) Neuhelten in Kleiderstoffen! 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