Nr. 252 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 130 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit mit„ Gieb. Tung und Kleingarten fomie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich aweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin" beg Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille. geile 70 Pfennig. Reklamezeile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen das fettgedruckte Bort 20 Bfennig ( auläffia amei fettgedruckte Worte). jebes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche das erfte Wort 10 Bfennig, jebes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer milffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Lindenstraße 3, abgegeben werden. Geöffnet Don 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutfchlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 契 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292–295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 30. Mai 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Bessere Aussicht für den Garantiepakt. England und der Sicherheitspakt Der britische Kabinettsbeschluß. - Gibt Frankreich nach? London, 29. Mai.( WTB.) Reuter teilt mit: Das a bi-| amerikanischer Seite auf Frankreich hinter den Kulissen nicht nett hat verschiedene Fragen geprüft, die sich aus dem in Beant- undenkbar. wortung der deutschen Vorschläge von Frankreich ausgearbeiteten Entwurf einer Note über die Sicherheitsfrage ergeben. Die Angelegenheit ist nunmehr soweit gefördert worden, daß es jetzt möglich ist, der französischen Regierung gewiffe Borschläge zu machen, und es besteht die Hoffnung, daß als Ergebnis dieser Borschläge demnächst eine Mitteilung nach Berlin gefandt werden fann, die die Grundlage für ein diese Frage betreffendes Uebereinfommen unter den Alliierten darstellen wird. Wenn diese Hoffnung erfüllt ist, so darf die franzöfifche Antwort als Ansicht der Alliierten betrachtet werden. Diese Auffaffung gründet sich allerdings auf die Hoffnung und den Glauben, daß Frankteich die von England vertretenen Ansichten annehmen wird. Die franzöfifche Regierung hat der englischen Regierung Ertlärungen hinsichtlich der genauen Bedeutung gewiffer Teile des Notenentwurfs, die noch nicht flar waren, übermittell. Das englische Kabinett ist über die Stellungnahme, zu der es gelangt ist, völlig einmütig. Es kann als sicher angenommen werden, daß England noch immer feinen Standpuntt aufrecht erhält, wonach die Erörterung eines weitläufigen oder unbegrenzten Planes abzulehnen sei, und es für einen begrenzten und beschränkten plan eintritt. Ein Berfragsentwurf ift freilich noch nicht vorhanden und fann aus diejem Grund den Dominions nicht unterbreitet werden, aber die Ueberfeeregierungen find felbstverständlich über die verschiedenen Vorschläge, die Frankreich gemacht worden sind, unterrichtet worden. Optimismus in Paris. Paris, 29. Mai.( WIB.) Der diplomatijsche Mitarbeiter der Agentur Hava s erfährt, daß der englische Boffchafter in Paris, Lord Crowe, heute mittag am Quai d'Orsay eine Note betreffend das französische Memorandum über die der deutschen Regierung zu erteilende Anwort übermittelt habe. In unterrichteten Kreisen Frankreichs erklärt man, daß die Anwort der britischen Regierung die französische These in den wesentlichsten Bunt. ten befriedige. Jedoch verlange London noch einige Aufflärungen über gewiffe Fragen sekundärer Art. Man fönne jedoch annehmen, daß ein endgültiges Einverständ. nis hierüber erzielt werde. Der Mitarbeiter will wissen, daß die Einwendungen des Foreign office die Schiedsgerichtsverträge betreffen, durch die der Stcherheitspatt vervollkommnet werden soll. Die Berhandlungen zwischen Paris und London würipäter erteilt werden. Aber selbst wenn Frankreich tatsächlich einlenten sollte, jo dürfte eine endgültige Einigung noch erhebliche Zeit in Anspruch nehmen. Denn der Weg zu einem solchen Einverständnis führt über Genf, wo in den nächsten Tagen anläßlich der Tagung des Völkerbundrates nicht nur Cham berlain und Briand, sondern, wie verlautet, auch noch Benesch miteinander tonferieren wollen. Und man fann als ficher annehmen, daß der tschechische Außenminister als das diplomatische Sprachrohr der Deutschland im Osten angrenzen den Staaten dafür sorgen wird, daß diese Einigung nicht so schnell und jedenfalls nur um den Preis weiterer englischer Konzessionen erzielt wird. Zusammenkunft Chamberlain- Briand- Benesch in Genf. London, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die englische Bresse berichtet übereinstimmend, daß anläßlich der Juni- Tagung des Völkerbundrats wichtige diplomatische Beratungen zwischen Cham berlain, Briand und wahrscheinlich auch Benesch geführt werden sollen. Die Absendung der Antwortnote an Deutschland über den Sicherheitspaft soll deshalb bis zur Erledigung der geplanten Erörterungen verschoben werden. Eine deutsch- offiziöse Stimme. Die vom WTB. neu ins Leben gerufene Deutsche diplomatisch politische Korrespondenz", die unverkennbar von der Wilhelinstraße inspiriert wird, schreibt zur gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen Paris und London u. a.: Bom deutschen Standpunkt aus ist jedenfalls festzustellen, daß die völlige Zurüdhaltung, die gegenüber den Auseinander. fegungen zwischen Paris und London beobachtet wird, nicht nur wegen des Fehlens authentischer Informationen über die tatsäch lichen Vorgänge den einzig möglichen Kurs darstellen. Denn fo wenig man annehmen darf, daß der Standpunkt der beiden West mächte irgendwelche eigenen Interessen hinter der Rücksichtnahme auf die deutschen zurüdtreten läßt, so sicher ist es auf der anderen Seite, daß das deutsche Angebot und die eindeutigen mög lichkeiten, die es zur Befriedung Europas zeigt, selbst nicht Gegenstand von Mißdeutungen ist, daß also deutscherseits kein wie immer gearteter Kommentar dazu beitragen fönnte, die Schwierig unserem London, Ende Mai. Während in Paris die Indiskretion über die innersten Vorgänge zu den gebräuchlichsten Methoden der Politk gehört und faum jemals eine Entscheidung amtlich veröffentlicht werden kann, die nicht in ihren Umrissen oder gar in ihren Einzelheiten der Deffentlichkeit schon bekannt sind, ist die englische Tradition solchen Methoden im Innersten entgegengesetzt. Die englischen Blätter vermeiden lieber Nachrichten, deren Zuverlässigkeit nicht absolut erwiesen ist, als daß sie das Risiko halbwahrer Mitteilungen auf sich nehmen würden. So ist auch in der gegenwärtigen Situation, in der sich die Regierung über ihre Stellungnahme zur Briand- Note an Deutschland und damit über ihre weitere Politik gegenüber dem Sicherheitspakt überhaupt entschieden muß, in den politischen Kreisen kaum etwas zu erfahren. Was bekannt ist und diskutiert wird, das stammt charakteristischer Weise aus Pariser Quellen, wie denn auch die sensationelle Meldung vom bevorstehenden Rücktritt Chamberlains, die vor etwa vierzehn Tagen die politischen Kreise alarmiert hat eine Meldung, in der wahres und falsches so seltsam ineinander verschlungen waren- seinerzeit von Paris und nicht von London aus in die Welt gesetzt worden ist. Freilich, die sachlichen und persönlichen Voraussetzungen für die bevorstehenden weittragenden Entscheidungen sind in weitestem Ausmaße bekannt; trotzdem muß aber der Ausgang der Beratungen des Kabinetts mit Spannung erwartet werden, weil alles mehr oder minder von der Stellung abhängen wird, die Baldwin zu den gegenwärtigen außenpolitischen Problemen nehmen wird und gerade Baldwins Auffassung der laufenden und zu dem vorliegenden Memorandum Chamberlains einaußenpolitischen Situation eine unbekannte Größe darstellt. ( Dieser Aufsatz wurde geschrieben und abgesandt, bevor die entscheidende Sigung des Kabinetts stattfand, über deren Ergebnisse die an anderer Stelle des Blattes veröffentlichte Berlautbarung der offziösen Reuter- Agentur einige Aufschlüsse gibt. Red. des„ Vorwärts".). " Die folgende Schilderung der Situation im Kabinett, die dem Manchester Guardian" von besonderer Seite zugeht, gibt einen Ueberblick über die im Schoße der Regierung herrschenden Strömungen und Stimmungen. ,, Die Regierung ist zwischen sogenannte„ Isolationisten und kontinentale" geteilt, wozu hinzutritt, daß die letzteren wiederum in zwei entgegengesetzte Lager zerfallen." fich angewöhnt hat, als Isolationisten" diejenigen Politiker zu Hierzu muß zum Verständnis bemerkt werden, daß man feiten zu beheben, deren Ursprung bei den Westmächten den fortgesetzt. Eine Antwort an die deutsche Regierung fönne erst selber und ihren besonderen Interessen zu suchen ist. Nur das bezeichnen, die mit Hinweis auf angebliche oder tatsächlche Notwendigkeiten des britischen Weltreichs als ganzem eine vö lfann vielleicht der Sache noch förderlich sein: daß man von deutscher lige zurückziehung der englischen Politik aus der konSeife hervorhebt, daß die Ausdehnung des Angebots eines Sicher- tinentalen und europäischen Politik fordern, während die„ Kon Der Ton dieser beiden offiziösen Auslassungen ist auf bleiben mußte, weil wir nun etwa alsbald um jeden Preis beginnen mit Macdonald, Lloyd George und einem Großteil heitspakts auf die Offgrenzen und den Anschluß nicht deshalb unter- tinentalen", die zweifellos im Unterhaus in der Mehrheit sind, schwarzieherischen Kommentaren der Londoner und der Bariser wollten, den status quo im Often und Südosten zu ändern, ſondern der konservativen Abgeordneten der Meinung sind, daß eine Presse in den vorangegangenen Tagen. Wenn man die Er. deshalb, weil wir unhaltbare, dem Selbstbestimmungsrecht zuwider wirkliche Besinnung auf die Probleme des Empire und eine laufende oder im geschichtlichen Ablauf einer natürlichen Veränderung verfallende Zustände nicht fünftlich durch eine freiwillige Garantie ftützen wollen." Einigung flärung des Reuterschen Bureaus aufmerksam lieft, dann e scheint dieser Optimismus fogar überraschend, denn die darin ausgesprochene Hoffnung auf eine setzt die Annahme des Annahme des englischen englischen Standpunktes durch die französische Regerung voraus. Dieser englische Standpunkt wird nur ganz allgemein angedeutet, geht aber offenbar dahin, daß nur ein solcher Sicherheitspaft in Frage komme, der die deutsche West grenze garantiere. Also fein allge= meiner Garantiepaft, wie ihn Briand vorschlägt, feine Annahme des von Frankreich( und von einem Teil der Britischen Arbeiterpartei unter Führung Macdonalds) befürworteten Genfer Garantieprotokolls; aber auch feine Erstreckung der Garantieverpflichtungen auf die deutschen Ostgrenzen. Es ist unter diesen Umständen erstaunlich, daß der Havas- Kommentar die Auffassung zum Ausdrud bringt, die englische Antwort befriedige im wesentlichen den französischen Standpunkt. Man müßte daher annehmen, daß Briand einen Rückzug vorbereitet und nur noch in der Frage der von Deutschland mit englischer Unterstützung vorgeschlage nen Schiedsgerichtsverträge mit seinen östlichen Nachbarn irgendwelche Konzessionen von Chamberlain abzuringen hofft. Wie dem auch sei: der übereinstimmende zuversichtlichen Ton der beiden halbamtlichen Verlautbarungen läßt darauf schließen, daß der Gedante des Garantiepaftes, der noch vor zwei Tagen beinahe totgesagt wurde, plöglich wieder an Lebenstraft wesentlich gewonnen habe. Ueber die Gründe dieser überraschenden Wendung laffen sich einſt meilen nur Vermutungen aussprechen, doch könnte die Auffaffung schon zutreffen, daß Briand in London einen Bluff versucht habe, der an der Einmütigkeit des englischen Kabinetts gescheitert sei. Nach verschiedenen Andeutungen aus englischer Quelle soll England die französische Regierung vor die Wahl gestellt haben, entweder dem deutschen Vorschlage ent gegenzufommen oder auf die fünftige Unterstützung Englands zu verzichten. Schließlich ist noch ein finanzieller Drud von Ueberreichung der Entwaffnungsnote. Einigung in der Botschafterkonferenz. Paris, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Die Reparations: fommission ist am Freitag vormittag zusammengetreten, um die am 27. Mai von der Botschafterkonferenz an fie gerichtete Frage, ob Deutschland seinen Berpflichtungen auf dem Gebiete der Reparationszahlungen nachgekommen sei, zu beantworten. Die Frage wurde einstimmig bejaht und die Botschafterkonferenz sogleich von dieser Entscheidung in Kenntnis gesetzt. Die Botschaftertonferenz wird am Sonnabend vor mittag zusammentreten, um die interalliierte Note über die Entwaffnung Deutschlands in ihrem Wortlaut festzulegen. Da in diesem Punkte volle Uebereinstimmung zwischen den Kabinetten von London und Paris herrscht, dürfte die Note wahrscheinlich schon am Dienstag fommender Woche durch einen kollektivschritt der ausländischen Bertreter in Berlin dem Reichsfanzler überreicht werden. Außer der Feststellung, daß Deutschland zwar feinen Reparationsverpflichtungen, nicht aber den Entzwar feinen Reparationsverpflichtungen, nicht aber den Ent waffnungsbestimmungen nachgekommen sei, wird die Note die Aufzählung der von der Kontrollkommission festgestellten deutschen Berfehlungen enthalten, und zwar die Rekonstruierung des Großen Generalsta bes, Ueberschreitung der durch den Friedens vertrag festgesetzten Truppenstärte und des zulässigen Waffenmaterials, die unvollkommene umwand. ung der früheren Rüftungsindustrie, die Militarisierung der Sicherheitspolizei und die Unzulänglichkeit der einschlägigen Gesezgebung. Weiterhin wird die Note die Maßnahmen ausführen, die Deutschland noch erfüllen soll, um sich mit den Beſtimmungen des Friedensvertrages in Einklang zu fezen. Reuter meldet hingegen, daß infolge technischer Schwierigkeiten die lleberreichung erst Ende der kommenden Woche erfolgen dürfte. gehende Befriedung des Kontinents nicht möglich ist. Wiedergefundung der britischen Wirtschaft ohne vorher. ,, Es wird offen zugegeben," so fährt der Bericht des Manchester Guardian" fort, daß Baldwin nunmehr persönlich wird eingreifen müssen. Er hat bisher wenig Zeit für die äußere Politik gehabt. Der letzte Kabinettsrat, dem wichtige außenpolitische Ent scheidungen vorlagen, mußte ohne Baldwin abgehalten werden, da diefer an das Krantenlager seiner Mutter gerufen worden war. Es war der Kabinettsrat, der am 4. März, am Borabend von Chamberlains Abreise nach Paris und Genf, abgehalten worden ist. In jener Sigung wurde der Gedanke einer direkten Garantie an Frankreich verworfen und die in der Zwischenzeit verfolgte Politik eines Fünf- Mächte- Sicherheitspakts beschlossen. Der feither erfolgte Gedankenaustausch mit Frankreich hat einige Mitglieder des Kabinetts davon überzeugt, andere in ihrer Ueberzeugung bestärkt, daß bestehende franzöfifche Berpflichtungen gegenüber Polen einen westeuropäischen Patt, so wie er von Deutschland vorgeschlagen worden ist, unmöglich machen. Bevor Großbritannien jedoch diese Borschläge formell fallen lassen kann, muß sich die britische Regierung über eine Alternative zum Sicherheitspakt flar geworden sein. Die„ Isolationisten" argumentieren wie folgt: nicht nur sei Abstinenzpolitit gegenüber dem Kontinent in diesem Augenblid ebenso das gegebene, wie sie es immer gewesen sei; Großbritanniens Sicherheit aber müsse in einer Berständigung mit den großen überseeischen Geemächten und nicht mit den europäischen Landmächten gesucht werden. Es tann nicht verkannt werden, daß die Vertreter dieser Ideen heute im Kabinett aufmerk famere Ohren finden, als dies noch im März der Fall war. Sie vertreten den Standpunkt, daß die Entwicklung der Luftfahrt den Ranal im militärischen Sinne zu einem bloßen Graben gemacht habe und stellen fest, daß Flugzeuge niemals in der Lage wären, ganze Armeen oder große Geschütze zu transportieren. Die beiden Richtungen unter den Kontinentálen" trennen sich darin, daß die einen Konzessionen an die französischen Ge sichtspunkte fordern, die anderen den deutschen Gedankengängen entgegenkommen wollen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß das Kabinett nunmehr die Gedankengänge der Isolationisten ernst- Haft erwägen wird. Die unmittelbare peinliche Frage ist, was man mit der Briand-Note anfangen solle. Da die Note in England vor- gelegt worden ist, so könne London schwerlich um eine positive oder negative Meinungsäußerung herumkommen" Im Zusammenhang mit dieser Darstellung der inneren Situation, in der sich das Kabinett zur Stunde befindet, ist es nicht uninteressant, daß auch die„Times", die über l a u- sende Angelegenheiten kaum ein Wort schreibt, das nicht die volle Zustimmung des Foreign Office hat. darauf hinweist, daß ös sich bei den, dem Kabinett vorliegenden Fragen nicht etwa nur um die französische Note zum deutschen Vorschlag, sondern um eine grundsätzliche Klärung der britischen Außenpolitik handle, wobei das Genfer Protokoll, trotzdem es vielfach totgesagt worden sei, wieder in die Diskussion geworfen wurde. So werden die nächsten Tage außenpolitische Entscheidungen von weit est reichend er Be- d e u t u n g bringen, Entscheidungen, deren Ernst der euro- päischen, einschließlich der britischen Oesfenllichkeit nur darum nicht bewußt ist, weil sich alles nicht dramatisch, ini Rahmen von Staatsmännerzusammenkünften und Konferenzen, son- dorn völlig lautlos hinter den verschlossenen Portieren des Auswärtigen Amts abspielt. Es kann aber nicht verschwiegen werden, daß die Rück- entwicklung der europäischen Lage, wie sie seit Ttacdonald deutlich zu beobachten ist, und der unverkennbare Zynismus, der sich seither in beinahe allen Auswärtigen Aemtern Europas gegenüber den brennendsten Fragen der Sicherheit und des Friedens breit gemacht hat, hier in England alle wahren Freunde des Friedens mit g r ö ß t c r S o r g e er- füllt hat. Man glaubt feststellen zu können, daß sich Schritt für Schritt wieder eine Situation entwickelt, die der Lage Europas vor dem Krieg verdammt ähnelt. Mit Erschütterung, wenn auch nicht resigniert, stellt man fest, daß die herrschenden Klassen oller Länder aus dem Kriege nichtsgelernt und von ihren alten, gefährlichen Methoden nichts vergessen zu haben scheinen.__ Föderalismus und Unrecht im Sunde. Ein Geständnis der Bayerischen Volkspartei. Der„Bayerische Kurie r", das Organ der Baye- rischsn Volkspartsi, bespricht den Beschluß des Reichstags, der das Wiederaufnahmeverfahren gegen Urteile bayerischer Volks- gerichts einführt, in einem Artikel, der ein bemerkenswertes Geständnis enthält. Es heißt darin: „Bei jeder Wahrung wahrhaft söderalisttscher Interessen kommt so ein doppeltes Rechtsgut in Frage, einmal das formelle o h e i t» r e ch t des Staates als solchee unl sodann das inhaltliche R e ch t s g u t, um das sich der Zuständigksitsstreit dreht. Eine erfolgreiche und wirtsame Verteidigung föderalistischer Jnter- essen wird nur dann möglich sein, wenn nicht nur dos formelle Recht (das Recht auf die Wahrung der formellen Staatshoheit), sondern auch das inhaltlich« Recht auf der Seite des Der- t e i d i g e r« st« h t. Im gegebenen Falle aber bietet die Verteidi- gungsstellung Bayern» insofern eine Blöße, als der u n i t a r i- ft i s ch e Anspruch inhaltlich— wenn auch ohne jode Ver- sihuldung Bayerns— eins gewisse Berechtigung auf- weist. Man darf wohl zur gegenwänigen Staatsregierung das unbedingte Vertrauen hegen, daß sie bei der A b w e h r d e s n e u e n Eingriffes die verschiedenen, zum Teil einander gegensätzlichen Gesichtspunkt« so abwägt, wie es da» wahr« moralisch« Jnter- esse Bayerns verlangt." Das heißt: der föderalistische Anspruch fordert die Ver- ewigung eines Unrechts. Es heißt weiter, daß die Einführung des Wiederaufnahmeverfahrens sachlich berechtigt ist. Es heißt ferner, daß der Einspruch Bayerns und des Reichsrats födero- listische polttische Erwägungen höherstellt als die Sorge um die Rechtssicherheit. Und trotz dieser Anerkennung der sachlichen Berechtigung des Beschlusses des Reichstags wird die bayerische Regierung aufgefordert, auf dem Einspruch zu verharren. " Födealismus und Unrecht im Bund«— und da redet man noch vom„moralischen Interesse Bayerns"..__ Der fehlende Führer. Und Hindenburg? Die„P o m m e r s ch e T a g c s p o st" bemüht sich in einem Leitartikel um den Nachweis, daß das deutsche Volt einen Monarchen, einen Führer brauche. Sie weint darüber, daß das deutsche Volk keinen Führer gehabt habe, und prägt folgenden Satz:„Wir brachen zusammen, sobald uns der Führer fehlte, der die Deutschen zusammenhielt in Treue und Tapferkeit, in ritterlicher Gesinnung und Pflichtgefühl. Ohne einen solchen geht s nicht." Und wie ist's mit chindenburg? Wir brachen zusammen unter der Führung Hinden- burgs. Er war also nicht der Führer, von dem das deutschnationale Organ schwärmt. Ist er es jetzt? das Trauerspiel in Sachsen. Sozialdemokraten gegen Sozialdemokraten. Dresden. 29. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Heute Nachmittag wurde im sächsischen Landtag die Gemeindoordnunge- Novelle in dritter Lesung mit den Stimmen der bürgerlichen Par- teien und der sozialdewokratischen Mehrheit angenommen. Da, von der sozialdemokratischen Minderheit eingebrachte Mißtrauensvotum gegen den aus der Partei ausgeschlossenen Innenminister Max Müller wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Min- derheit und der Kommunisten abgelehnt. Auch die Deutschnationalen stimmten gegen das Mißtrauensvotum. Sic erklärten, daß sie damit dem Minister Müller kein Vertrauensvotum aussprechen wollen, aber daß sie sich die Begründung des Mißtrauensvotums nicht zu eigen machen könnten. Soll es denn Ernst sein? Goltz rüffelt Gestler. Der Reichswehrminister Hot bei der Beratung bes Reichs- wehretots im Reichstag pointierte Worte gegen die Soldaten- spielerei der Vaterländischen Verbände gesprochen. Daraufhin veröffentlicht der General der Vaterländischen Verbände fol- gen Rüffel für Gehler: „Nach dem„Berliner Tageblatt" soll der Reichswehrminister Gehler im Reichstage das Treiben der sogenannten Vater- ländischen Verbände als„öde Soldatenspielerei" gegeißelt haben. Wir stellen demgegenüber fest, das wir, wie die mit uns zusammenarbeitenden Verbände seit Jahren stets darauf hingewiesen hoben, daß die körperliche und charakterliche Ertüchtigung der Ju- gcnd sich von jeder Soidatenspielerei fernzuhalten habe. gez. Graf von der Goltz." Es soll keine Soldatenspielerei sein, was die sogenannten Vaterländischen Verbände betreiben, wenn sie exerzieren. Schießübungen veranstalten und Manöver abhalten. Bleibt nur der Schluß, daß sie solche Spielerei sürErn st nehmen — und dann hätte der Reichswehrminister erst recht Gelegenheit, sie zu geißeln._ GM und Kutisker. In einer neuen..Berichtigung", die abermals den Erfordernissen des Preßgeseges widerspricht, erklärt uns Graf v. d Goltz, ein Major Baujemer sei weder ihm noch anderen Herren seines Stabes bekannt gewesen. Und dach hat ein Major Bausemer(oder Bausemier) eristiert, der angab, dem Armeeoberkommando Ost anzu- gehören und in Kutisker» Dienste trat. Seine Ladung wurde seiner- zeit vom Untersuchungsausschuh des Landtages beschlossen, doch kam die überraschende Antwort, er sei soeben gestorben! Graf v. d. Goltz oerwahrt sich gegen die Behauptung, daß hohe militärische Stellen seines Oberkommandos Heeresgut an Ort und Stelle verschleudert hätten. Er meint, es wäre Sache des „Vorwärts", einen solchen Nachweis zu erbringen. Gerade im Falle Kutisker— der nur einer unter Hunderten war— müßte die weitere Untersuchung ergeben, welche Art von Geschäften Kutisker mit den deutschen militärischen Stellen getätigt hat. Schließlich bestreitet Gras v. d. Goltz, daß er ein von Major Bausemer vorgelegtes Empfehlungsschreiben für Kuüsker unter- schrieben habe, da er weder den einen»och den anderen kenne. Der Ausschuß hat von der Staatsanwaltschaft die Vorlegung der Empfeh- lungsschreiben Kutiskers verlangt und da dürfte sich dieser letzte Punkt bald aufklären lassen. vor neuer Lösung in Gelgien. Eii. Kabinett ohne Ministerpräsideuten? Brüssel, 29. Mai(Eigener Drahtbericht). Der Parteivorstand beschloß, den sozialistischen G e n e r a l r o t für Dienstag einzube- ruien. Vis dahin dürfte die Krise äußerlich kaum Fortschritte ma- chen und der König keinen neuen Auftrag erteilen. Inzwischen wer- den die Verhandlungen eifrig fortgesetzt. Der Plan eines d e m o> kratischen Ministeriums steht weiter im Vordergrund: die Sozialisten und Katholiken scheinen nicht weit entfernt von einer Einigung über das Programm und die Verteilung der Sitze. Vorläufig bildet die Besetzung des Präsidiums das größte Hin- dernis, weil es von beiden Parteien beansprucht wird. Darum ist der Gedanke aufgetaucht, überhaupt keinen Premier- minister(?) einzusetzen. Die 19 Portefeuilles würden dann ver- teilt zwischen S Sozialisten und 5 Katholiken oder, wenn die Libe- raten sich beteiligen, 4 Sozialisten, 4 Katholiken und 2 Liberale. Vanderoelde übernähme dann das Außenministerium. Opfer der KPD. Schwere Strafen für Hochverrat. Leipzig. 27. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem Staats- gerichtshof zum Schutze der Republik hatte sich am Mittwoch vor- mittag der Hobler Otto Gaedecke aus Berlin zu verantworten. Gaedecke war Funktionär der KPD. und hatte am 16. Dezember 1923 angeblich für einen Uebetannten zwei Räumlichketten in der Wiener und Weseler Straße zu Berlin gemietet. Dafür erhielt er 23 Dollar. In diesen Räumen wurden mehrere Kisten mtt„Maschinenteilen" eingestellt: in Wirklichkeit waren e,.sieben Maschinen- g e w e h r« und eine große Menge von Gewehren. Bei seiner Verhaftung fand man bei Gaedecke einen geladenen Revolver. Dle Verhandlung fand unter Ausschluß der Oesfentlichkeit statt. Das Urteil lautete wegen Beihilfe zum Hochverrat und Verheimlichung eines Waffenlagers auf ein Jahr sieben Monate Gefäng- nie. Zwei Monat« gelten durch die Untersuchungshaft verbüßt. Leipzig. 27. Mai.(WTB.) Vor dem Ersten Strafsenat des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik hatte sich der Kunst- gewerbler Bruno Seidel aus Geraberg wegen Beihilfe zum 5iochverrat und Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Republik zu oerantworten. In der Zeit vom Juli bis Oktober 1923 hatte der Angeklagte in mehreren Städten Thüringens komm»- nistische Hundertschaften gegründet. Auch wurde er beschuldigt, in verschiedenen Bezirken Partisanengruppen gebildet zu haben. Der Reichsanwolt beantragte eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 19 Mono- ten. Das Urteil lautete auf 6 Monat« Gefängnis und 199 M. Geldstrafe. Die Strafe gilt durch die Uitterstichungshast als verbüßt. Hamburg. 27. Mai.(MTB.) Im Schiffbecker Kom- munistenprozeß wurde heut« mittag das Urteil gegen die in der 5. Staffel angeklagten 30 Personen von der zuständigen Strafkammer de« Landgerichts Altona verkündet. Es wurden Fe ftungs strafen oerhängt von 2" Iahren 9 Monaten herab bis zu 1 Jahr 1 Monat und Geldstrafen von 139 M. b!» 39 M. Acht von den Angeschuldigten wurden freigesprochen. Gegen die 6. Stoffel wird am 3. Juni verhandelt werden. Der Militärichrlftflellex Oberstleu tuaul Repingloa ist infolge eines Schlaganfalls g e st v r b e n. Er war der im Wettkriege am meisten zitierte Kriegssachoerständige der englischen Presse. Er wirkte zunächst in der„Times", später im„Daily Telegraph". Die Londoner Sowjelbotschasl nnler Pollzeischuh. Die Londoner Polizeibehörde hat«ine Bewachung der Sowjetbot schaft durch bewaffnete Polizisten angeordnet, da gegen einige Mitglieder der Botschaft Drohungen ausgesprochen worden sind. die jungen tzunöe. Bon Max hayek. Wenn die jungen Hunde zur Welt kommen und sehend und beweglich werden, wenn der erste frische Schuß von Kraft in die Körperlein fährt, dann ist dies« Kraft nichts anderes als Lieb«! Wo ist ein Mensch, der einem jungen Hunde ein freundliches Wort sagt,' ohne daß der junge Hund Konvulsionen der Liebe erleidet, Paroxys- men der Zärtlichkeit und Fieber der Zuneigung, so daß er sich kollernd auf den Rücken werfen oder gänzlich herumkugeln muh, weil er so viel Liebe einfach nicht aushalten kann? Wo ist ein Mensch, den ein junger Hund nicht mit hunderttausend Küssen segnen will, dem er nicht zustreben will im brüderlichsten und schwesterlichsten aller Gefühle, dem er nicht offenbaren will, daß er nur ihn liebhabe. Nur ihn, und sonst nichts auf der Welt? Wo ist der Mensch, der sich nicht wehren muß gegen so viele Liebe, die ein Hündlein übrig hat. immer und immer wieder bereit, sie hinzuschenken aus unerschöpf- lichem Vorrat, ja, sie wahllos hinzuschenken an jeden, der des Wegs kommt?.Laßt mich euch liebhaben, ihr Menschen, ich bin verllebt in euch, laßt mich euch liebkosen!"— das glänzt aus den frischen Augen heraus, dos spielt das Zünglein, das gestikulieren die Pföttein, das verkündet der Liebeskrampf des Körpers, der sich windet und wälzt und zuckt in verstrSmender Lebenswonne.„Ich bin ja so froh, daß ich da bin!" reden die stummen bewegten Lippen,„es ist einfach zum Tollwerden schön und köstlich auf dieser unvergleichlichen Erde, ja, ich lebe in einem Delirium der Herrlichkeit! Seid umpfotet Millionen, diesen Kuß der ganzen Welt!" Es ist ein Paradieszustand des Hundes. Und nun kommt der Mensch, der„Herr", mit dem Flammenschwert der„Dressur" und jagt die jungen Hunde aus dem Garten Eden. „Man muß dem Hunde die Liebe abgewöhnen— ein Hund, der jedem zugeht, das ist kein Hund, das ist ein charakterloses Hundevieh!" So spricht der Herr selbstherrlich und prügett dem Hunde die allgemeine Menschenliebe aus dem Leibe, indem er ihn lehrt, nur ihm gehorsam zu sein, nur ihn zu lieben„Du sollst keinen Menschen haben neben mir", spricht der Herr,„denn ich bin der. Herr, dein Gatt, der dir da» Futter gibt und die Hundemarke für dich bezahlt!" Und die jungen Hund« werden nüchtern und sachlich, und er- langen Unterscheidungsvermögen. Sie erfahren, was gut und böse ist. Sie werden sozusagen vernünftig. Zwar, es fällt ihnen nicht leicht, die Liebe zu verlernen— aber andauernde Prügel verhelfen ihnen nach und nach zur reinen und praktischen Vernunft und zur Urteilskrast ohne Kritik. Ihre Liebe ist gemessen und wird nur im Hause oerbraucht. Die anderen Menschen sind ihnen gleichgültig ge- worden, ja. sie empfinden sie sogar unangenehm und zeigen ihnen die Zähne, L!»« tosungen werden nicht sellen mit Schnappen erwidert und sind unerwünscht. E» sind überhaupt verdächtige Leute, dies« Fremden. Man muh sie anbellen, wegbellen.„Seid umpfotet Millionen:"— abgelebt« Zeiten! Verschollene Jugendeselei I Ja, der junge Hund ist endlich geworden wie der alle Mensch: lieblos, mißtrauisch, die Welt verdächtigend und da» schlechteste von ihr erwartend! Der junge Hund ist endlich geworden wie wir alle sind: lieblos, nüchtern, sachlich. Sein Vorrat an Liebe, der einmal unerschöpflich war: er reicht gerade noch für einen einzigen Menschen, bcstensalls für eine Handvoll Menschen au»! So ist das Leben. Wo ist denn deine Lieb«, deine überströmende, überquellend« Liebe, die wie ein« heiße Springflut un» entgegenschoß, wo ist deine kosende Zärtlichkeit, dein Paroxysmu» der Freundschaft, wo sind deine Konvulsionen des Glücks? Wo ist deine hüpfende Fröhlichkeit, dein drolliges, kriechendes Heranwollen, dein demutvolles Sichducken zum Empfang der streichelnden Berührung der Menschenhand, die für dich Himmel zu verschenken hatte? Wo ist das alles hin? Wo ist dein unbegrenztes, fragloses Vertrauen, das sich hingab in der Ueberfülle schäumender Lebenslust und erster, paradiesischer Freude? Wo ist das alles hin? Nun. ich weiß es: in die neugeborenen Hund« sst es hinein- gefahren, dort lebt es wieder auf! Sie stellen den glücklichen Urständ wieder her und offenbaren so die angeborene Herrlichkeit Gottes. Nachtrag zur Großen Kunstausstellung. Von der„Großen Berliner" hat sich diesmal eine Gruppe unter ftübruna von Baluschek abgesplittert und stellt als«Arbeits- qemeinschast im Verein Berliner Künstler" ge- sondert in sehr hübschen Räumen des Deutschen Opern- Hauses(Bismarckstr. 34) aus. Die Qualität ma� hier etwas besser sein als in Moabtt und sich der in der Akademie nähern: was immer noch kein Grund zum Abseitsstehen wäre. So hat man das Zweifel- Kaste Vergnügen, die Berliner Kunst an drei sehr weit auseinander liegenden Orten aufzusuchen. Im Erdgeschoß können an Gemälden genannt werden: Die wuchtigen Arbeiterbilder Sandrocks(Rr. 77. 78) uüd die pessimistischen von Baluschek(1— Z): elegante Porträts von O. Marcus(63, in Silbergrau) und Lünstroth(61): sym- pathische Landschaften von Thiele(86, 87). Löcher(19), ter Hell(29) und vor allem der saftige breit gemalte Genueser Part von Klein von Diepold(52). von dem es auch schöne Aqua- relle gibt(251). An Aquarellen von Rang fehlt es überhaupt nicht. Philipp Eranck sandte startfarbige Landschaften(227---231). Ulrich übner(24Sa). Otto Heinrich(236—237), H. Bremer (190—192— dieser am Treppenaufgang—) sind mit sehr schönen Proben ausgezeichnet aquarellierter Landschaften oertreten. A. W. Baum(179— 176) sälll durch verstiegene und wenig treffsicher« Phantasien auf. An Skulpturen mögen vermerkt werden:«In naiver hüb- scher Mädchenatt von Nie. Schmidt(148), gute Vögel von Bordermayer(133—157) und- die lebendig« Statuette von P. G r u s o n(116). dessen großer Frouenakt im Oberstock(114) trotz ausgezeichneter Modellierung ihr nicht die Wag« hält. Doch sind beide, wohl Eingebungen nach dem gleichen Modell, zweifellos das Beste, was an Bildhauerei zu sehen ist. Steigt man die Treppe hinauf, so überrascht in der Ecke ein witzig getönter und lebensvoller Bade-Akt von G. Morl n(134), eine Rokokodame in pikanter Entkleidung. Das Niveau der G e- m ä l d e ist hier oben eher noch gesteigert. Man trifft gute Bilder von L. D e t t m a n n(15— 18), vor allem Blütenbäume in kräftiger Gouachemalerei. Landschaften O. H. Engels(24, 26). Ulrich H ü b n e r(42), eine entzückend detaillierte„Wiese" von Bart- n i n g(S) und sehr liebenswürdige märkische Landschaften Schmidt- Cassel las iir heiterer Helltönigkeit(79. 89). ein originelles „Passcut" von B i r k l e(7), hübsche offene Landschaften von Jülich (46,<7), dazu zwei Prachtstücke von Kinderblidern: Den derben „Peter" P l o n t k e s(79), zu dem sonst religiöse Bilder kein großes Zutrauen erwecken, und ein frisches Mädelchen von B. B r e i l(12) in schöner toniger Malerei. Prinzipiell wäre über diese Darbietungen kaum etwas zu sagen: e, sei denn, daß sie ein« sympachische, nicht extrem moderne und nicht allzu altmodische Art bringen, die Wirtlichkeit in Farbe oder Bildnerform zu setzen._ Dr. Paul F. Schmidt. Ernährung der Großstadlkinder. Untersuchungen von Meyer und Rassau.im stadiischen Woisenhause zu Berlin haben ergeben, daß die storbuiarligen Erkrankungen der kleinen Kinder, auch Haut- blutungen u. a. mit der Beschasfenhett der Kindermilch zusammen- hangen. Versuche an Meerschweinchen zeigten, daß die Milch der Berliner Großmolkereien nicht imstande ist, den Skorbut zu ver- hüten. Der Grund kann nicht in der langen Zeit zwischen Ge- winnung und Verbrauch liegen, roh« Kuhmilch wirkte ebenso anti- storbulisd), ob sie frisch gegeben wurde oder nach 24 Stunden Lagern aus Eis. Pasteurisation, Zusatz von Hydroperoxyd u. dgl. haben das Vitamin C zerstört. Man sollte also mindestens in der Großstadt Sorge tragen, daß man den Kindern schon vom dritten Lebens- kvo�at. ab frische Obstsäfte verabreiche, da auf den Vitamingehalt der Milch kein Verlaß ist. Auch die ungünstigen Erscheinungen, die man mehrfach bei Ernährung mit Ziegenmilch fand, sind aus Vitaminmangel zurückzuführen. Die Milch einer mit Grünfutter ernährten Ziege enthält so wenig Vitaminen C, daß man Meer- schweinchen damit wohl ein wenig länger als ohne Vitamin, ober nicht dauernd am Leben erhalten kann. vle Slaaltopn veranstaltet auch in diesem Sommer Oderetten« AuslübrungeninderOperamKöntgSdlah. Keaeben wird .Der stern von Assuan", Mustk von Richard Goldbttaer Tert von Georg OkontowIN»nd Ralpb Nrtur Robert». Da» Werk kommt bei dieser«ielegenbeit ,ur Uransführung. Erste Vorstellung'am 1£Xuli K rl Sol� i!'ituna Kapellmeister Arlur Gut, mann, szenische Lderregi''c»c » n?!'"'?!«»msthaodluup. Tauentzienstr.». deranslalt.t Im Junt eine K°ll«lt>vau»ftellung van Zeichnungen. Pastellen und Aquarellen de« Maler« Ernst Klaust, dem Mitarbeiter der Staatlichen Tbeater Gk,-lgt werden SzenenbUder, Entwürfe, Figuren und Sch-uspielerporttät« erster Buhnen. Der Kölner Staütetag. Ergebnisse und Bedeutung. E. R. St ö I n, 29. Mai. Die von der Presse der Schwerindustrie beherrschte öfsent» liche Meinung ist den deutschen Gemeinden im allgemeinen nicht günstig gesinnt. Die Kreise der sogenannten„Wirtschaft" vertreten mit Nachdruck die Theorie, daß es den Gemeinden „zu gut gehl", daß die Gemeinden an„Verschwendungssucht" leiden und daß das Reich den Daumen auf den Beutel der städtischen Kassen halten müsse. Es kommt hinzu, daß die all- gemeine Entwicklung dazu geführt hat. die starke Stellung der Städte und Gemeinden. im öffentlichen Leben vorüber- gehend scheinbar zurückzudrängen. Vor dem Kriege lebte in den Tagungen der deutschen Städte etwas von dem alten frei- heitlichen Geiste früherer Städtebünde. Die großen Organe der Selbstverwaltung waren gegenüber dem autokratischen wilhelminischen Regiment in der Reichs- und Landespolitik Stützpunkte einer modernen, sozial und freiheitlich den- kenden Entwicklung. Die Selbstverwaltung der Städte war für den bürgerlichen Liberalismus, der in der übrigen deut» schen Politik keine feste Verankerung fand, die einzige Stätte, in der sich Ansätze zu einer vernünftigeren Polink zeigen konnten. Was man damals gelegentlich gerne als Hanseatengeist, als Tatkraft unternehmungsfroher Stadtverwaltungen zu be» zeichnen pflegte, nennt man heute ebenso gern„Großmanns- sucht und Verschwendung". Die Rückwirkungen der Inflation auf die Stadtverwaltungen haben eine Zeitlang die kom- munale Wirtschaft so sehr erschüttern können, daß ihr altes Ansehen in der Oeffentlichkeit schwand. Die letzten Jahre brachten ununterbrochene Vorstöße des privaten Kapitals gegen die schon vor dem Kriege groß gewordene blühende Gemeindewirtschaft. Entkommunalisierung war das Schlagwort, das die Presse der Industrie, die Presse der Sozialisten fressenden Deutschnationalen und auch die General- anzeigerpresse beherrschte. Den deutschen Städten fiel es außerordentlich schwer, in der öffentlichen Meinung ihre Position zu behaupten. Zweifellos vollzieht sich jetzt, wenn auch viel ,zu langsam, eine Wandlung, die den Städten wieder dazu oerhelfen wird, in der Oeffentlichkeit d i e Stellung einzunehmen, die ihnen zukommt. Die Stabilisierung der Währung hat der kom- munalen Wirtschaft wieder festen Boden unter den Füßen verschafft und gibt die Möglichkeit, wieder zu Leistungen im Interesse der Bevölkerung zurückzukehren. So konnte es kommen, daß auf dem Kölner Städtetag bei der Behandlung des wichtigen Themas die Verwaltung der kommunalen Werke und Betriebe sich vor diesem ganz überwiegend aus bürgerlichen Kreisen bestehenden Publikum nur eine einzige Stimme fand, die für Entkommunalisierung und für Beteiligung des Privatkapitals an den gemeindsichen Unter- nehmungen eintrat. Im Gegenteil: aus den Reden aller Diskussionsredner, die aus der kommunalen Verwaltung stammten, klang das Bewußtsein von den großen Aufgaben, die gerade die Gemeinden auch mit wirtschaftlichen Mitteln im Interesse der Gesamtheit zu leisten haben, deut- lich hindurch. Wir Sozialdemokraten konnten mit Genug- tuung feststellen, daß die von uns feit Jahrzehnten vertretene Auffassung über die Notwendigkeit einer energischen Weiter- entwicklung der kommunalen Wirtschaft, die noch 1914 auf dem Kölner Städtetag äußerst umstritten war, jetzt ganz offen- bar Allgemeingut der deutschen Kommunalpolitiker ge» worden ist. Nicht minder bedeutungsvoll war dos starke Bekenntnis zu schöpferischer kommunaler Arbeit, das aus dem Referat des Kölner Oberbaurats A r n tz über städtebauliche Auf- gaben der Gemeinden hennisklang. Es gab bei der Be- Handlung dieses Themas— wenn man von den niemals fehlenden kommunistischen Intermezzos absieht— keinen ein- zigen Diskussionensredner, bei dem nicht der Wille zur Enr- wicklung zur kommunalen Arbeit auch auf diesem für uns so brennend gewordenen Gcbiete des Städtebaues, der Neu- schaffung von Wohnungen, der Anlage von Parks und Grün- flächen und der Durchführung der modernen Forderungen siir die Entwicklung der Großstädte deutlich zu spüren war. Ein starker Zug zur Konsolidierung der Gemeindearbeit zeigt sich überall. Dieser Zug ist nur zu begrüßen, denn immer haben die deutschen Städte und Gemeinden bewiesen, daß in ihnen die antipartikularistischen, auf die Entwicklung des Reichs hinstrebenden Kräfte stärker sind als bei den Lander- regierungen. Genau so wie auch auf dem letzten Stüdtetag in Hannover die Forderung nach einem Reichsrahmelzgesetz für die Städteoerfafsung ein starkes Echo fand, wurde auch hier fast widerspruchslos der Gedanke eines Reichsstädte- baugefetzes propagiert. Die Sozialdemokratie war auf der Kölner Tagung der preußischen Städte wieder außerordentlich stark vertreten. Auch in Köln zeigte sich die starke Bindung, die zwischen der Sozialdemokratie, nach ihrem Programm und nach ihrer prak- tischen Arbeit, und der Entwicklung der deutschen Städte und Gemeinden besteht. In der unmittelbaren Arbeit, die für das Gemeinwesen wit den deutschen Städten auch von der Arbeiter- schaft geleistet wird, liegen starke Quellen politischer Kraft und Möglichkeiten sozialistischer Entwicklung, deren Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir haben gegen- über den gemeindefeindlichen Tendenzen de? Großindustrie und kleinlich beschränkter bürgerlicher Mittelstandskreise alles Interesse daran, die Gemeinden in ihrem Kampf um Selb- ständigkeit, um Recht auf Selbstverwaltung zu unterstützen und hinter ihnen zu stehen, wenn sie auf die ungeheuren von ihnen zu losenden Aufgaben aufmerksam machen. In der kommunalen Arbeit liegen starke Kraftquellen, die gleicher- maßen der demokratischen Entwicklung, dem kulturellen Auf- stieg und dem sozialistischen Gedanken zugute kommen werden. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, daß unter den sozialdemokratischen Delegierten der Städtetage der Wunsch nach st ä n d i g e r Zusammenfassung und zentraler Leitung der Arbeit unserer Eemeindevertreter sehr lebendig zum Ausdruck kam. Unsere sachliche Position in der Gemeinde ist so stark, daß selbst nach den Wahlen vom 4.' Mai 1924, die uns vorübergehend zahlenmäßig zurückgeworfen haben, der sozialdemokratische Einfluß fast überall ungebrochen ist. Die Sozialdemokratie ist die Partei der Ge- m e i n d e, sie ist von allen Gruppen am stärksten mit der Ent- wicklung der- Gemeindearbeit verbunden und vermag sich am ersten uneingeschränkt und ohne Rücksicht auf die von privater Seite ausgehenden Hemmungen für die Gemeinden einzu» setzen. Sie hat deshalb alle Veranlassung, die Machwosition, hie sie hier in den Organen der<Älbstverwaltung besitzt und immer besitzen wird, aufs sorgfältigste zu pflegen und durch Hewerkfthasten g Strikte Ablehnung jeglicher Schutzzölle— Das Organ des Allgemeinen Deutschen Gewerkschafts- bundes, die„Gewerkschaftszeitung", nimmt in ihrer neuesten Nr. 22 in einem programmatischen Artikel mit großer Schärfe den Kampf gegen die neue Wucherzollvorlage auf. Sie schildert zunächst den Charakter des Zolltarifs und erbringt den Nachweis, daß die Regierung allen Raffchlägen der Wissen- schaft zuwider und ohne sachliche Begründung die Aj} rar- z ö l l e wieder einführen wolle. Die Jndustriezölle sind eben- falls trotz der hohen Preissteigerung der industriellen Erzeug- nisse in der Vorlage weiter erhöht. Der Artikel fährt dann fort: Die gesamte deutsche Wirtschaftsführung ist einig in der Erkennt- nis, daß Deutschland als selbständiges Staatswesen mit seinem W-Millionen-Volk nur bestehen kann, wenn es seine industriellen Erzeugnisse auf dem Weltmarkt abzusetzen vermag. Alle Zölle haben preis st tigernde Wirkungen, doch ganz besonders die Agrarzölle. Durch sie werden die Lebensbedingungen des werktätigen Volkes künstlich verteuert. Künstliche Lebensvorteuerung aber er- fordert, wenn nicht ein weiteres Sinken des Realeinkommens die Folge sein soll, Erhöhung derLöhne und Gehälter. In diesem Lichte gesehen, bedeutet die Wiedereinführung von Agrarzöllen Erschwerung des scharfen Wettbewerbes Deutschlands auf dem Welt- markt, unter Umständen die Abriegelung des deutschen Außenhandels. Ueber diese Zusammenhänge muß sich die Regierung Rechenschaft gegeben haben, und wenn sie dennoch ihre Zolloorlage gemacht hat. so kann sie es nur in dem Bewußtsein getan haben, den großen besitzlosen Verbrauchermassen die Bürde der Zollbelastung aufzuerlegen. Nach dem Landwlttschaftsminister Graf v. Könitz sollen die Agrar- zolle das Korrelat der Erhöhung der I n d u st r i e z ö l l e sein. Fast klingt in dieser Wendung die Ueberzeugung an, daß ohne Erhöhung der Industriezölle auch Agrarzölle entbehrlich seien. Wirnehmen diese Formel an mit dem Kampsruf: nicht» von beiden! Deutschland» wirtschaftliche Struktur, seine B e v ö l- kerungszahl, feine Verpflichtungen gegenüber den S i«- gerstaatenzwingenzumAnschlußandieWeltwirt. schaft, zur Einfuhr und Veredlung von Roh st offen, zur Wertzuwachsarbeit, dann wieder zur Ausfuhr und zum Absatz auf dem Weltmarkt. Diese Bedingung kann es am besten unter Fernhaltung von Schutzzöllen jeglicher Art erfüllen. Je größer seine Belastung durch Schutzzölle, d e st o arm- selig er sein Dasein, desto schwieriger seine Einslechtung in die Weltwirtschaft. Da» deutscheVolk, heuteschonunterden ärmsten Bedingungen lebend, könnte dann im Schatten der übrigen Welthandelsvölker nur noch ein kümmerlichesDa- sein fristen. Weiter wird ausgeführt, daß wesentlich infolge der starken Zollerhöhungen der Inflationszeit Deutschland trotz niedriger Löhne und trotz niedriger Wohnungsmieten das teuerste Land der Welt sei. Interessant ist folgende Gegenüber- stellung: Neben den Mindestzöllen für Brotgetreide sind auch Mindest- zölle von 2L0 M. für Berste und S—. M. für Hafer auf den Doppel. zentner festgelegt worden. Außerdem sind besonder» groß die Er- die Stärkung der Arbeit in den einzelnen Gemeinden ihren Gefamteinfluß zu erhöhen. Hand in Hai») damit wird eine energische Arbett für die Interessen der deutschen Gemeinden gehen müssen. � Wenn man auch nicht jede einzelne Klage, die von Gemeindever- waltungen ausgeht, tragisch zu nehmen braucht, so ist doch kein Zweiftl, daß die gemeindeseindliche Tendenz in der öffent- lichen Meinung namentlich des Bürgertums unbedingt zurück- gewiesen werden muß. Eine Steigerung des Ansehens und der Anerkennung für die Arbeit der Städte siegt nur im Interesse der Gesamtheit. Die Gemeinden müssen und werden sich ihren Platz wieder erobern, sie sind auf dem besten Wege dazu. der Konflikt im Linksblock beigelegt. Annahme der von den Tozialisten verfaßten Resolution. Pari», 29. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Di« kritische Zu- spitzung der innerpolitischen Lage in Frankreich, welche die Kammer- red« Painlevt» ausgelöst hatte, hat in Besprechungen, die am Freitag vormittag dle verschiedenen Gruppen des Linkskartells zunächst unter sich und dann mit der Regierung gehabt haben, eine Beilegung erfahren. Der Konflikt war dadurch entstanden, daß sich der Ministerpräsident durch seine Erklärung, daß die Friedensoerhandlungen mit Abd «l Krim erst aufgenommen werden könnten, wenn das militärische Prestige Frankreiche durch einen Sieg über die Streit- kräfte des Riss wiederhergestellt wäre, in starkenWiderspruch gesetzt hat zu den Zusicherungen, die er tags zuvor in der Unter- redung mit den Delegierten de» Linksblocks gegeben hatte. Die sozialistische Fraktion hatte daraufhin beschlossen, sich bei der Ab- stimmung über das Dettrauensvowm der Stimme zu enthalten. Dieser Beschluß hat seine Wirkung nicht verfehlt. Zu- nächst hat in der Freitagssitzung der Kammer B r i a n d in längeren Ausführungen die nolionallstifchen Entgleisungen Painleoes richtiggestellt und keinen Zweifel gelassen an dem Entschluß der französischen Re- gierung, alle» zu tun, um zu einem rasthen Friedensschluß zu ge- langen. Darüber hinaus hat sich dos Ministerium mit einer am Freitag vormittag von der sozialistischen Fraktion vorgeschlagenen wesentlich' schärferen Fassung der vertrauensresolutto« einverstanden erklärt, dessen Annahme durch Reggterung und Parka- ment jedem Bersuch. die Geschehnisse in Marokko zu einem kolonia- len Abenteuer auszudehnen, endgültig einen Riegel vorschiebt, Dies« Vertrau ensrcsolutlon hat folgenden Wortlaut: .Die Sommer, getreu der Pollttk des Friedens, zu der sich da» Land mit so starkem Nochdruck am tl. vlai lgZ4 betanut hat. und für die es sich abermal, am Z.«ad lZ. Mai ISZS eat- schieden hat. ist entschlossen, die Sicherheit der Trnppeu sowie der Geblete und der Bevölkerung, die die Internationalen Verträge unter französische» Protektorat gcstell t haben, zu gewährleisten, erklärt sich aber mit der gleichen Entschiedenheit Im Namen der Menschheltsrechte und de» nationalen Interesse» gegen jeden Zmperialismn« sowie gegen jede Politik der E r o b e- rungen und Abenteuer. Sie billigt die Erklärungen der Regierung und vertraut dieser, daß, sobald die Porbedingungen erfüllt sind, der Frieden tn Marokko herbeigeführt wird." In der Unterredung, die die Delegierten des Kartells am Frei- tag mittag mit P a i n l e v e und B r i a n d hotten, haben diese egen Zollwucher. Kampf gegen Minderung des Reallohnes. höhungen der Zollsätze für fast alle übrigen Nahrung s- mittel, ferner für Erzeugnisse der Textilindustrie, der Automobil- industrie, der chemischen Industrie, der Maschinenindustrie, der Werk- zeugindustrie, der Industrie der Steine und Erden, der Holz- und Korbflechtwaren, der Metallindustrie und der Papierindustrie. Dagegen sind die Zölle aus Luxusartikel nur geringfügig oder gar nicht erhöht worden. Als Begründung hierfür wird angegeben, es habe sich bei den Handclsvertragoerhandlungen heraukgestellt, daß die Sätze des geltenden Zolltarifs auf Luxusartikel schon jetzt kaum noch auf. rechterhalten werden könnten, das Ausland verlange ihren Abbau� Die Regierung beruft sich immer wieder darauf, ihre Zoll- tarifvorschläge bauten sich auf den Vorschlägen des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats auf. Demgegenüber stellt die„Gewerk- schaftszeitung" fest, daß in etwa 80 von 100 Fällen die Regierungsvorlage von den Vorschlägen des vor- läufigen Reichswirtschaftsrats abweicht und daß die Zölle für TextUien noch kurz vor der Veröffentlichung der Vorlage noch einmal umgemodelt worden sind— ein Beweis, wie will- kürlich die Zollvorlage von der Regierung gemacht worden ist. Mißachtung der Stimmen der Wirtschaft». Wissenschaft, Ignorierung der Notlage des werk. tätigen Volkes— das sind die charakteristischenMerk- male dieser Borlage. Was ihr aber die Krone der Ungeheuer- lichkeit aufsetzt, da» find und bleiben dle Gekreldezölle als Mindestsätze. Mit dieser Bestimmung und dem sonstigen hochschutzzöllnerischen Inhalt hat die Zollvorlage einen Charakter bekommen, der zum schärfsten prolest der Gewerkschaslea herausfordert. Würde diese Zolloorlage Gesetz, dann müßten die besitzlosen Berbrauchermassen für die wenigen reichen Großgrundbesitzer Millionen in Gestalt von Zolltribut aufbringen. Die Belastung wäre unerträglich. Sie müßt« vom Reichstag von„Rechts wegen" sofort durch ein zweite» Gesetz ausgeglichen werden, wonach allen Lohn- und Gehaltsempfängern entsprechend der Preisentwicklung nach dem Lebenehaltungsinder Lohn- und Gehaltszulagen 30 veravfolgen wären. Aber ein Reichstag, der fäh>H �äre, diese Vorlage anzu- nehmen, würde natürlich unfähig sein, eine solche Regelung für die Arbeiterschaft zu treffen. So müssen denn angesichts der drohenden Gefahr einer all- gemeinen Lebeusvertenerung die noch fernstehenden Arbeilermossen aufgeklärt und unseren Gewerkschaslsverbäuden zugeführt werden. Die Gewerkschaften find berufen, falls der deutsch« Reichstag die Wucherzollvorlage zum Gesetz machen sollte, der Arbeilerschost in harten WIrlschasistämpfen die Grundlagen ihre» Lebens zu sichern. Die Gewerkschaften haben in ihrem Kampfe gegen die un- geheuerliche Zollbelastung, die die Regierung der Arbeiterschaft zugedacht hat. die politischen Organisationen der arbeitneh- Menden Devölkerixng und an erster Stelle die Sozial- demokratisch« Partei hinter sich. �„ verlangt, daß die gegen die Rechte gerichteten Anspielungen auf das Ergebnis der letzten Wahlen gestrichen werden, mit der aus drück. lichen Begründung, daß die Regierung in einer Frage von watJ« 0• nalem Interesse Wert darauf lege, die Zustimmung möglichst aller Gruppen des Parlaments zu haben. Dl« Sozialisten lehnten dieses Verlangen jedoch entjchiedeu ob und erklärten, die Regierung möge sich entscheiden, ob sie. da» Kartell geschlossen hinter sich haben oder mit Hilfe der Rechten eine INehrheit gegen einen Teil der Linken haben wolle. Die Regierung hat daraufhin die sozialistische Fassung des vom Genossen Eompere-worel entworfene Resolution ohne Aendrrnn-- angenommen. Sie hat sodann vertrauliche Mitteilungen über den Stand der sPanisch-französischen Verhandlungen gemacht, mit denen auch die sozialistische Fraktion sich befriedigt erklärt hat. Die Krise, mit deren Möglichkeit man am Donnerstag abend hatte rechnen müssen, ist damit nicht zum Ausbruch gekommen. Doch herrscht der Eindruck vor, daß e» sich nicht so sehr um eine Bei- legung, ol» vielmehr um eine Vertagung des Konflikts handelt. Denn tatsächNch ist das B e r t r a u e n nicht nur der Sozialisten. sondern auch eine« großen Teiles der Radikalsozialisten zu dem Mi- nisterium Painlev« stark erschüttert. Dabei spielt nicht nur die Marokko-Politik mit. Wenn sich die sozialistische Fraktion dennoch bestimmen ließ, im gegenwärtigen Augenblick es nicht zu einer Macht- prob« kommen zu lassen, so geschah dies kn erster Linie aus takttschen Erwägungen. Die Freitagsitzung der Kammer hat an sich wenig Bemerkens- wertes. Der Bersuch des Kommunisten E a ch i n, Iaurcs gegen die sozialistisch« Fraktion auszuspielen, wurde vom Genossen Ren au- d e l glänzend widerlegt. Nach der Rede Briands, die den schlechten Eindruck der Ausführungen Painleväs stark abmilderte, wurde die von den Sozialisten vorgeschlagene und von den vier Gruppen des Kartells gemeinsam«ingebrachte Fassung des Verirauensanlrages mit 537 gegen ZS Stimmen angenommen. Di« Kammer hat sich dann bis Mittwoch nach Pfingsten vertagt. Der nordafrikattifche Waffenhandel in(toenf. Genf, 29. Mai.(Eigener Drahtbericht.) Der Vertreter Frank- reich» auf der Internationalen Wasfenhandelskonferenz, Genosse Paul Boneour, ist am Freitagabend wieder aus Paris nach Genf zurückgekehrt. Er hat von Briond die Weisung erhalten, von der Waffenhandelskonferenz bald einen Beschluß zu erwirken, der den Waffenschmuggel in gewissen Gebieten Nordafrikas unter- bindet. Dieser Schritt Frankreichs steht natürlich in unmittelbarer Verbindung mit dem Marokkokrieg. Es verlautet, daß von Eng- lond dieser Forderung Frankreichs gewisse Schwierigkeiten bereitet werden, die man auf große englische Privatinteressen km Rif zurückführt. drohende Miniflerkrise in polen. * Rücktritt Thugutts. Die Regierung G r a b s k i ist durch den plötzlich erfolgten Rücktritt de» Ministers T h u g u t t, der im Kabinett den linken Flügel der Koalitton vertritt, sehr gefährdet worden. Thugutt hat eine außerordentlich Zcharfe Erklärung erlassen, in der er seinen Schritt damit begründet, daß seine sehr bescheidenen Dorschläge zugunsten der nationalen Minderheiten in der Mindcrheitskommission abgelehnt worden seien und daß die Organe des Innenministeriums seine Politik, insbesondere d-3 Ukrainern gegenüber systematisch sabotiert hätten. Die Auftraggeber der Reichsregierung Geheime Denkschrift der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände. daß Technik und Organisation weiter vervollkommnet werden müssen; aber das sei doch nur möglich, wenn die inländische Kapitalbildung stärker gefördert werde und dazu müßten die Arbeiter durch verstärtte Arbeits= leistung bet geringeren Löhnen beitragen. Ausdrücklich wird verlangt, daß überall dort, wo durch Arbeitszeitver: längerung eine Erhöhung der Produktion möglich ist, diese längerung eine Erhöhung der Produktion möglich ist, diese langfristig sichergestellt werden soll. Denn man höre: Die Reaktionäre aller Schattierungen rühren fich. Den Bert. I deutschen Industrie. Ganz nebenbei wird natürlich auch anerkannt, tätigen soll nicht nur der Brotforb durch Hochschutzölle höher gehängt merden, jezt fommt auch noch die deutsche Wirtschaft" und erteilt der Regierung ihre Befehle. Mit Datum vom 12. Mai 1925 ist dem Reichskanzler Dr. Luther eine Dentschrift der Vereini gung deutscher Arbeitgeberverbände zugestellt worden, die der deutschen Presse, mit Ausnahme der Unternehmerpresse, bisher vorenthalten wurde. Um so notwendiger ist aber die Befprechung in der breitesten Deffentlichkeit. Und da uns ein günstiger Wind diese Denkschrift auf den Tisch geweht hat, sind wir verpflichtet, den Anschlag der industriellen Scharfmacher gegen die breiten Schichten der arbeitenden Bevölkerung der Deffentlichkeit zu unterbreiten. Es will uns sogar scheinen, als wenn die Redie gierung den Befehlen der Scharfmacher entsprechend neuesten Gehaltsforderungen der Beamten mit der in der Denkschrift vorgeschriebenen Begründung abgelehnt hat. Jedenfalls ist die Uebereinstimmung zwischen den beiden Denkschriften, nämlich derjenigen der Scharfmacher und der dem Reichstag zugegangenen des Reichsfinanzministers über die Bezüge der Beamten äußerst bemerkenswert. Die Unternehmer suchen eine Löfung der ganzen Schwierigkeiten, in welcher sich die deutsche Industrie befindet, nur in verlängerter Arbeitszeit und geringeren Löhnen. Das ist seit Jahr und Tag ihr einziges Rezept, das sie der franken deutschen Wirtschaft verschreiben. Und sie gehen so weit, in ihrer Denkschrift die Forderung nach Aufhebung aller Hemmungen ihres Selbstherrschertums, die aus den legten Jahren noch übriggeblieben find, aufzustellen. Ja fie behaupten, daß die Arbeitslosigkeit noch feineswegs groß genug ist. Abgesehen von fozialen Erwägungen“ der Unternehmer fei der notwendige Umfang der Arbeitslosigkeit durch Erschwerung bei der Entlassung und Betriebsstillegung und selbstverständlich durch die kürzere Arbeitszeit fünstlich versteckt. Der Rüdgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland sei feineswegs ein Zeichen der Gesundung. Eine folche Annahme sei ein verhängnisvoller Irrtum. Außerdem ginge es den Arbeitern durchaus nicht so schlecht, wie in der Deffentlichkeit immer gesagt wird. Von Hunger Löhnen zu sprechen, liege gar keine Veranlassung vor, denn die Gesamtnominallohnjumme liege bereits über der FriedensnominalLohnfumme, obwohl Produktion und Güterumfaß nur 70 Broz. des Borkriegsstandes erreicht hat. Und nun leisten sich die Unternehmer eine unerhörte Herausforderung der Arbeiterschaft in folgenden Sätzen: ..Ueberdies ist der Lebensstandard einer Familie ja vielfach nicht ausschließlich von dem Einkommen eines einzelnen Familienmitgliedes abhängig, da heute in weit größerem Umfange wie in der Borfriegszeit gerade in Arbeiter, Angestellten- und Beam fenfamilien mehrere Familienmitglieder bei gemeinsamem Haushalf Arbeitseinkommen zu verzehren haben." Es fehlte nur noch, daß sich die Unterschreiber dieser Denkschrift, die Herren v. Borsig, Dr. Tänzler und Dr. Meisinger dazu verstiegen hätten, zu erklären, daß die Frauen und Töchter der Arbeiter, Angestellten und Beamten dem Erwerb nachgehen, aus lauter Bergnügen. Allzuweit von einer solchen Behauptung scheinen die Herrschaften nicht mehr entfernt zu sein. Haben diese Leute denn gar fein Gefühl für den Hohn, der in ihrer Behauptung liegt? Es ist doch nur ein Ausdruck für das übergroße Elend in den weiten Kreifen der werftätigen Bevölkerung, wenn heute mehr wie früher die Familienangehörigen mit in den Strudel des Erwerbs hineingezogen sind. Sicher würden die Frauen und Töchter der Arbeiter, Angestellten und Beamten sehr gerne ihre Lebenshaltung mit der der Gattinnen der Industriefönige und Direttoren vertauschen. Und wenn diese Damen es nicht nötig haben angesichts der fürstlichen Eintommen ihrer Eheherren, fo follten die Industriebarone sich schämen, auf das mehrfache Einfommen einer werftätigen Familie hinzuweisen, denn selbst das mehrfache Eintommen reicht immer noch nicht entfernt zur Fristung einer menschenwürdigen Eristenz, auf die jedes einzelne der erwerbstätigen Familienmitglieder Anspruch hat. Ganz abgesehen davon, daß in vielen Familien erwachsene Töchter leben, die nach langjähriger Dienstzeit bei der Reichspost und anderen öffentlichen Betrieben abgebaut wurden, weil ihr Bater noch im Dienst steht. Die Unternehmer fordern zu höchfter Arbeitsleistung, verbunden mit größter Sparsamteit auf. Selbstverständlich gilt das für die breiten Massen der Arbeitenden. Außerdem verlangen die Unternehmer langfristige Arbeitsfarife ohne jedwede Lohnerhöhung. Nicht einmal Staffeltarife wollen die Unternehmer gelten lassen und wehe dem Schlichtungsausschuß oder dem Schlichter, der unter Hin weis auf bereits vorliegende freiwillige Vereinbarungen fich in einem Streitfall zu entsprechenden Lohnerhöhungen im Schiedsspruch oder bei einer Berbindlichkeitserklärung bereitfinden läßt. Solche Leute entziehen sich Bon der längeren Arbeitszeit ist der derzeitige Lebensstandard des deutschen Boltes, an Lohn, Preis und Kauffraft gemessen, wesentlich abhängig." Auch der Reichsbantpräsident erhält Befehl: ,, Wir stellen die Forderung an die Reichsbant, gemeinfam mit uns darauf hinzuwirken, daß Handlungen und Maß nahmen vermieden werden, die im Interesse der Währung zu Kreditrestriktionen und Einschränkung des Zahlungsmittelumlaufs führen müssen. Zu diesen Maßnahmen gehören auch die fort gesezten Lohntreibereien. Es ist wirklich allerlei, mas fich die Unternehmer erlaubt haben. Aber der Gipfel wird erreicht in ihren Angriffen gegen die Gewerkschaften. Denn diesen wird nachgesagt: furzsichtige Preisgabe deutscher Gesamtwirtschaftsbelange durch unbegründete oder entstellte Behaup famtwirtschaftsbelange durch unbegründete oder entstellte Behaup tungen über deutsche Arbeitsbedingungen, die noch täglich dem Ausland Material zu weiterer Erschwerung unserer Absatzmöglichkeiten im Weltmarkt in die Hand geben. Wenn die Unternehmer damit die Gewerkschaften aller Richtungen treffen wollen, so haben es ihnen die freien Gewertschaften im besonderen angetan, denn diese ,, machen sich unverändert von internationaler Einstellung ab. hängig. Sie unterstützen die Behauptungen der ausländischen Ronkurrenz wegen des deutschen Dumpings in den Arbeitsbedin gungen und fordern Ratifitation des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag. Sie erkennen nicht, wie sie sich da durch zum Werkzeug des nationalwirtschaft lichen Egoismus der ausländischen Industrie machen. Wie mit den 14 Punkten Wilsons, so will man diejenigen Teile des deutschen Volkes, die nicht nationalwirtschaftlich denken und handeln wollen, mit sozialpolitischen Weltprogrammen täuschen, deren Erfüllung man von deutschem Idealismus und deutscher Einfalt erwartet, um dadurch die deutsche Wirtschaft noch mehr abmürger zu fönnen. Jeder Zweifel darüber ist durch eine " Osterbotschaft" Macdonalds beseitigt, der die schlechten deutschen Arbeitsbedingungen" als einen der Hauptgründe für die durch 1interbietung der deutschen Industrie erhöhte Arbeitslosigkeit in England bezeichnete und Deutschland deshalb als einen industriellen Gefahrenpunkt Europas glaubte brandmarken zu können." Nachdem die Gewerkschaften in dieser unerhörten Weise ange griffen sind, bekommt der hochzuverehrende Herr Reichskanzler feine Richtlinien angewiesen, denn versagen die Gewerkschaften: so wächst die Berantwortung, welche Reichsregierung, Barlament und Unternehmerschaft gegenüber dem deutschen Bolte haben.. Deshalb rufen wir Sie, hochverehrter Herr Reichs. tanzler, die gesamte Regierung, im besonderen den Herrn Reichsarbeitsminister und nicht zuletzt den Herrn Reichsbantpräsidenten auf, in diesem Sinne gemeinsam mit allen einsichtigen Boltstreisen die autoritative Führung, unbeengt durch Parteirüdfichten, in die Hand zu nehmen. BRIC CLITO Mit dieser Eingabe haben die Unternehmer nicht nur ihre Forderung auf Abau aller sozialen Hemmungen fundgetan, fie haben einen Raubbau an der deutschen Arbeiterschaft verlangt. Das alles war uns hinreichend bekannt. Sie haben aber auch eine unanständigkeit der Gesinnung in ihren Sägen über die deutschen Gewerkschaften fundgetan, daß man diese Demas fierung nur begrüßen fann. Doch mögen fich die Scharfmacher ge fagt fein laffen, daß diese Eingabe allen Arbeitern, Angestellten und Beamten die Augen öffnen wird über die Feinde der gesamten deutschen Arbeiterklasse. Die Scharfmacher glauben vielleicht, daß die Gelegenheit jest außerordentlich günstig ist. Nachdem die Reichspräsidentenwahl den Monarchisten einen Sieg brachte, tönnten fie ungenierter mit ihren Forderungen hervortreten. Sie fpetulieren vielleicht weiter hin auf die Uneinigkeit in der Arbeiterklasse, bei welcher die Kommunisten ihnen Zutreiberdienste leisten. Sie geben sich einer sehr großen Täuschung hin, denn die Arbeiterschaft wird sich sehr schnell durch lleberwindung der destruttiven Tendenzen in der KPD. in Einigkeit zusammenfinden, um die Pläne der Scharfmacher zu schanden zu machen. Der Regierung wird allerdings Gelegenheit gegeben werden müssen, zu dieser Denkschrift Stellung zu nehmen, damit das deutsche Volk fieht, wo die Befehlshaber der heutigen volksparteilich- deutschnationalen Regierung fizen. Bei Bolle brennt es wieder. forderungen. Die Bersammelten bringen zum Ausbrud, bag The nicht gewillt find, sich mit der Antwort der Geschäftsleitung zu frieden zu geben. Sollte die Geschäftsleitung ihren Standpunkt nicht ändern, dann ist die Belegschaft bereit, den Kampf aufzunehmen. Die Belegschaft gibt den Organisationsleitungen sowie der gewählten Kommission der Arbeiter das Recht, ihrerseits den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem der offene Kampf aufgenommen werden soll." Die Stahlhelm- Streikbrecher. alle Der türzlich beendete Straßenbahnerstreit in a. d. Saale gab der Stahlhelmvereinigung Gelegenheit, sich von einer neuen Seite zu zeigen. Während alle Straßenbahner ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung sich an dem Streit beteiligt haben, gab der Stahlhelm in alle folgenden Be feht" an seine Mitglieder heraus: Auf Befehl der Ortsgruppe sollen sämtliche Straßenbahner, soweit sie Stahlhelmer sind, fich noch heute bei der Direktion der Straßenbahn zum Dienstantritt melden, andernfalls friſt= lose Entlassung vom Magistrat und der Ausschluß aus dem Stahlhelm stattfindet. Biel genutzt hat der Streifbrecherbefehl des Stahlhelms nicht! Aber er gewinnt für die freigemertschaftlichen Organisationen info. fern Bedeutung, als sich aus ihm besonders deutlich ergibt, was von den Stahlhelmverbindungen zu halten ist: Sie sind Hüter des Befizes, Gegner einer anständigen und gerechten Bezahlung der Ar. beitskraft und Streitbrecher!. Die Reeder auf dem Kriegspfad. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Ganz im stillen bereiten sich die deutschen Reedereien auf einen Kampf mit der deutschen Hafenarbeiterschaft vor, um ihn dann zu gegebener Zeit vom Zaune zu brechen. Auf seiner legten Generalversammlung hat der Berein Hamburger Reeder beschlossen, nach Borkriegsmuster Wohnschiffe zur Unterbringung von Arbeitswilligen zu erwerben. Als erstes geeignetes Schiff soll der Segler Belleworm", der über 1500 Streifbrecher beherbergen fönnte, angekauft werden. Der Verein wurde bereits ermächtigt, ein zweites gleiches Schiff anzu faufen. Nicht weniger als eine halbe Million Mark ist einstweilen für diesen Zweck zur Verfügung gestellt worden. Gleichzeitig haben die Reeder beschlossen, auch eine Organifation zum Schuße der Arbeitswilligen" zu schaffen. Ein gewisser Dreckmann soll diese Schutzorganisation fest in Lohn und Brot nehmen. In normalen Zeiten soll dieser Streitbrecherschukgarde, der Ladungsschuß übertragen werden. im Die Industriellen gegen die Bauarbeiterlöhne. Bochum, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Lohnkonflikt rheinisch- westfälischen Baugewerbe hat durch folgende Er flärung des Arbeitgeberverbandes eine außer ordentliche Verschärfung erfahren:„ Die Vertreter der Hütten- und Maschinenindustrie sowie des Zechenverbandes erklären die Löhne im Baugewerbe, wie sie sich nach der sogenannten Vereinbarung von Berlin vom 22. Mai ergeben, für untragbar. Wie festgestellt wurde, liegen fie in den einzelnen Arbeiterkategorien 60 bis 100 Pro3. über den ortsüblichen Löhnen, in einer jugendlichen Gruppe jogar 157 Prozent darüber. Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage der Industrie sind die bisherigen Löhne aber schon nicht mehr tragbar, so daß das bestehende Lohnabfommen gefündigt und ein 10 prozentiger Lohnabbau gefordert werden mußte. Aus diesem Grunde legen die Mitglieder der genannten Verbände unverzüglich ihre sämtlichen Bauten- still. Sämtliche Ortsverbände des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe, sowie der Bechenverband bzw. der Bergbauliche Verein werden sich diesem Vorgehen unmittelbar nach Pfingsten anschließen." Achtstundentag- Konferenz der Arbeitsminister. Genf, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der französische Arbeitsminister bestätigte am Freitag vor einem größeren Kreis von Pressevertretern die Absicht zur Einberufung einer Konferenz der Arbeitsminister nach London. Als Teilnehmer fommen die Arbeitsminister von England, Frankreich, Belgien und Deutschland in Frage. Gegenstand der Beratungen soll die bedingungslose Ratifikation des Washingtoner Abtommens bilden. Die Chriftlichen für das Washingtoner Abkommen. Genf, 29. Mai.( Eigener Drahtbericht.) In der Freitagssigung der Internationalen Arbeitskonferenz forderte Serraarens. Holland im Namen der christlichen Gewerkschaften die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens. Ebenso verlangte er, daß den christlichen Gewerkschaften im Verwaltungsrat des Arbeitsamtes ein Sig eingeräumt wird. Die Arbeiter. gruppe der Konferenz wird nächste Woche die Kandidatenliste für die Neuwahl des Verwaltungsrats aufstellen. Serraarens wird bei dieser Gelegenheit wieder für die Forderung der christlichen Ge wertschaften eintreten; doch besteht keine Aussicht, daß in der Zufammenfegung des Verwaltungsrats eine Aenderung eintritt, deffen sechs Arbeitervertreter sämtlich der Amster damer Internationale angehören, ebenso die fünf Stellvertreter; nur der sechste Stellvertreter, Joshi- Indien, de ift Mitglied einer„ nationalen" Organisation. ,, der ihnen obliegenden Berantwortung, handeln ver. antwortungslos an Bolt und Wirtschaft". Das Bersonal der Meierei Bolle hatte durch die zuständigen Die Herrschaften fönnen sehr deutlich werden und der Reichs. arbeitsminister weiß jezt, was er nach ihrem Diktat zu tun hat. Organisationen, Lohnforderungen eingereicht. Die BerhandSonnabendvormittag sind ergeb Dabei find gerade diese Hiebe am allerwenigsten berechtigt. Die in lungen am letzter Zeit von den Bauarbeitern durchgesezten Lohnerhöhun- nislos abgebrochen worden. Die Direttion weigerte gen, begünstigt durch die verhältnismäßig gute Ronjunttur auf dem fich, irgendwelche 3ugeständnisse zu machen. Sie Baumarkt, haben es den Unternehmern besonders angetan und sie erklärte, finanziell dazu nicht in der Lage zu sein. Bemerkenswert verlangen von der Regierung, daß bei den Bauverträgen an diesem Standpunkt der Direktion ist, daß die anderen Meierei teine Lohnsicherungstlaufel mehr aufgenommen wird, großbetriebe Berlins ihrem Bersonal eben erst eine Lohnerhöhung weil diese den notwendigen Anreiz zu immer neuen Lohnforderungen von durchschnittlich 2 M. bewilligt haben. Das Berfonal bei Bolle gäbe. Nach Auffassung der Unternehmer fennen die Forderun hat seit über 6 Monaten nicht einen Pfennig Zulage erhalten, jo gen der Gewertschaften aller Richtungen überhaupt daß eine ziemlich erregte Stimmung herrscht. Es ist nicht aus. fein Ziel mehr. Dazu ist der Personalabbau durchaus geschlossen, daß es zu einem Streit kommt. nicht in dem notwendigen Umfang erfolgt. Den Kommunen wird vorgeborfen, daß sie in verschwenderischer Verwendung die öffentlichen Abgaben zu Besoldun gen ausgegeben haben. Selbst die Notstandsarbeiten müssen herhalten. Die Provinzen und kommunen hätten für Arbeits löhne der Notstandsarbeiter die öffentlichen Mittel geradezu verschwendet. = In all diesen Umständen liegt nach Auffassung der Unternehmer die Ursache für die Exportschwierigkeiten, für die hohen Preise der * Die Belegschaft nahm gestern abend zu dem ablehnenden Ber halten der Direktion in einer überfüllten Versammlung Stellung. Nach einem Bericht, den Nellinger vom Berkehrsbund gab, und nach ausgiebiger Diskussion, in der die erregte Stimmung der Belegschaft elementar zum Ausdruck fam, wurde folgende Reso lution einstimmig angenommen:„ Die Belegschaftsversammlung der Meierei Bolle nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem ablehnenden Standpunkt der Geschäftsleitung gegenüber den LohnMerkzettel für die Reise Bitte ausschneiden und für die Reise aufheben! Deutscher Holzarbeiterverband. Musikinstrumentenarbeiter: Die zum Mitt woch, den 3. Juni, angefekte Bertrauensmännerversammlung findet nicht um abends statt. Die Ortsverwaltung. Deutscher Berkmeisterverband, Geschäftsstelle bes Bezirks 10. Des Bfingft1 Uhr, bis zum 3. Juni, vormittags 8½ Uhr, geschlossen. 5 Uhr, sondern infolge Berhandlungen mit den Arbeitgebern um 8 Uhr feesgen find die Bureaus vom Sonnabend, den 30. Mai, nachmittags Komet Freila ES GIBT KEINEN BESSEREN! Berantwortlich für Bolitik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friebt. Ektorn; Feuilleton: Dr. John Schitowsti: Lotales Berlag: Borwärts- Berlag, G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Sonstiges: Frik Rarstädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin G 68 Sindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen! Auch davon, daß ihm durch Zerbrechen oder Auslaufen einer Mundwasserflasche, die Wäsche verdorben oder unerwünscht„ parfümiert" worden ist, daß ihm durch ein Stück schmieriger Rasier- oder Toilettenseife wichtige Schriftstücke zerweicht sind, oder daß eine Dose Schuhcreme aufgegangen und ein schönes weißes Kleidungsstück total ruiniert hat. Wer sich diesen Gefahren nicht aussetzen will, verwende auf der Reise ausschließlich die praktische und im Gebrauch saubere, unzerbrechliche Tuben- Packung. In Frage kommen hauptsächlich folgende Artikel des täglichen Bedarfs: 1. Zur Pflege des Mundes und der Zähne: , Chlorodont- Zahnpaste", in der Tube M. 0.80. 2. Zum Rasieren und Waschen:„ Leosira", haarerweichende Rasier- und Waschseife, in der Tube M. 1.-. 3. Zur Selbstpflege feiner Schuhe:„ Tuberan", wohlriechende Schuh- Edelcreme in 3 Farben, in der Tube M. 0.50. 4. Zur Auffrischung feiner Koffer und Ledertaschen: Tuberan", farblos, Hochglanzpolitur, in der Tube M.0.50. In allen einschlägigen Geschäften erhältlich. Proben dieser vorzüglichen Tubenpräparate erhalten Sie gegen Einsendung des seitlichen Abschnitts direkt von Leo- Werke, A. G Dresden- N.6 Hier abtrennen! Leo- Werke, A.-G., Dresden- N. 6. Biffen". 159 Senden Sie mir kostenfrei: 1 Probetube: für 10 maligen Gebrauch ausreichend. Name: Straße: Ort: Nr. 252 42. Jahrgang Die Krise im Berliner Verkehr. Berbindlichkeitserklärung der Schiedssprüche. 1. Beilage des Vorwärts Wie rücksichtslos das Berkehrsinteresse der merttätigen Bevölkerung Berlins, soweit sie auf die Benutzung der Hoch und Untergrundbahn und des Omnibusses angewiesen ist, hinter das Profitinteresse der Monopolinhaber dieser Verkehrsmittel zurückgesetzt wird, zeigt das unglaubliche, geradezu pro rozierende Verhalten der Direktionen dieser Gesellschaffen. Obwohl die Leiter beider Gesellschaften sich der Gefahr einer Stillegung des Hochbahn- und Autobusverkehrs zu den Pfingstfesttagen und darüber hinaus bewußt waren, haben sie nicht nur nichts getan, um dieser Gefahr durch einiges Entgegenkommen an die berechtigten Forderungen ihres Personals zu begegnen, sondern durch die Ablehnung der Schiedssprüche zum Streif gereizt. Wollte man gegen das Personal der Omnibusgesell. schaft den Vorwurf erheben, daß seine Arbeitseinstellung nicht teiflich überlegt und taktisch verfehlt gewesen sei, so ist der Streit durch die Ablehnung des Schiedsspruchs seitens der Direktion dieser Gesellschaft geradezu legitimiert, als unvermeidlich gestempelt worden. Das Personal der Hochbahn, das bereits mit großer Mehrheit beschlossen hatte, den Streit aufzunehmen, hat durch seine nachträgliche Abfindung mit dem Schiedsspruch bewiesen, daß ihm das Berkehrsinteresse des Berliner Publikums weit mehr am Herzen liegt, als der Direktion. Freilich, wäre dem Personal rechtzeitig bekannt geworden, daß die Direktion den Schiedsspruch abgelehnt hat, dann wäre die erforderliche Zweidrittelmehrheit für den Streit ohne weiteres erreicht worden. Da der Omnibusbetrieb bereits eingestellt war und die Einstellung des Hoch- und Untergrundbahnbetriebes nach dem Verhalten der Direktion bestimmt zu erwarten war, nach dem das Personal sich bis aufs äußerste brüstiert sah, greift der Schlichter von Groß- Berlin ein. Er hatte am Freitag nachmittag zunächst die Organisationsvertreter der Streifenden und die Omnibusdirektion eingeladen. Beide Parteien lehnten den Schiedsspruch ab. Eine Einigung war unmöglich, da die Omnibusdirektion nicht einmal die Lohnsäge nach dem Schiedsspruch zugestehen, geschweige denn darüber hinausgehen wollte. Der Schlichter erklärte daraufhin den Schiedsspruch für verbindlich mit folgender Begründung: Der§ 23 der zweiten Berordnung über das Schlichtungswesen vom 29. Dezember 1923 gibt die Möglichkeit, von Amts wegen ein Verfahren auf Berbindlichkeitserklärung einzuleiten, menn das öffentliche Interesse dies erfordert. Diese Voraussetzung ist im vorliegen den Falle als gegeben zu erachten und dementsprechend wird das Berfahren eingeleitet. Die vorgenommenen Einigungsverhandlun gen mit den Parteien haben zu feinem Ergebnis geführt. Da die in der Aboag erfolgte Arbeitseinstellung eine schwere wirtschaftliche Schädigung bedeutet, wird auf Grund des Artikels 1§ 6 Absatz 1 der Schlichtungsordnung von 30. Oftober 1923 der Schiedsspruch für verbindlich erklärt. ergibt sich die zwingende Notwendigkeit sowohl im Interesse eines unbehinderten Verkehrs wie im Interesse der nicht übermäßigen Verkehrssicherheit, Borsorge zu treffen, daß bei den Auseinandersetzungen über die Regelung der Arbeitsbedin gungen das Allgemeininteresse nicht derart miß= a chtet werden darf, wie es von den Unternehmern in diesem Falle bekundet wurde. Monopolbetriebe haben beson dere Berpflichtungen, die flipp und flar präzisiert werden müssen. Soweit ihre Rentabilität gesichert ist, können sie nicht eine Lohn- und Profitpolitik betreiben, die sich rücksichtslos über das Allgemeininteresse hinwegsetzt. Ein Mahuruf an die Oeffentlichkeit. Pfingsten steht vor der Tür. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß das reiselustige Bublifum zu Pfingsten die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel voll in Anspruch nehmen wird, vorausgesezt, daß schönes Wetter vorherrschend ist. Eine Ueberlastung der Berfehrsmittel wird sich zweifelsohne bemerkbar machen. Dies würde desto mehr der Fall sein, wenn der Streit der HochTrotzdem ist der einsetzende Anprall auf die Berkehrsmittel der bahner und der Automobillinien nicht beigelegt worden wäre. Stadt- und Vorortbahn noch gar nicht abzuschätzen und Verwünschungen, Auseinandersehungen zwischen Publikum und Bediensteten der Fahrkartenausgabestellen sind die altbekannten aber ungerechtesten Begleitumstände. Sonnabend, 30. Mai 1925 4 Kinder waren weggeschickt worden, erfuhren aber bei ihrer Rüdfehr doch, was geschehen war. Abends gingen sie zu Frau St. und erzählten ihr, was der Vater gemacht habe. Diese machte sich auf den Weg, um Frau Schehlens aufzusuchen, traf fie aber auf der Straße. Ihr Mann war nach der Verbrennung der Leiche ausgegangen und der Wohnung hinausgeworfen. Sie irrte planlos in betrunken nach Hause gekommen und hatte die Frau aus der Wassermannstraße umher, wurde aber von Frau St. zurückgebracht. Die Asche der Leiche wurde mit der Holzasche aus dem Ofen herausgeholt und beseitigt, ohne daß jemand etwas merkte. Die Geburt des Kindes und sein Berschwinden sprachen sich im Laufe der Zeit aber doch herum und famen auch zur Kenntnis der Kriminalpolizei. Diese forschte nach, und im Berhör gaben jetzt die beiden Frauen alles zu. Schehlens dagegen will von den ganzen Vorgängen nichts wissen. Seine Frau war froh, daß fie festgenommen wurde, denn sie sieht wieder einem Ereignis entgegen und wurde auch jetzt aus den gleichen Gründen mie früher wiederholt mißhandelt. Alle drei wurden nach eingehendem Berhör nach Moabit gebracht. Verkehrsunfallstatistik für Groß- Berlin. 7270 Berkehrsunfälle in einem Jahr. Die während des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit eingestellte Statistit der Unfälle im Straßenverkehr von Groß- Berlin wird seit dem 1. April 1924 in verbesserter und genauerer Weise geführt. Nachdem jetzt auch die Zahlen über das vergangene Bierteljahr( 1. Januar 1925 bis 31. März 1925) vorliegen, möglich. Nach dieser im neuesten Heft der Verkehrstechnik von Polizeirat Bendel, Berlin- Grunewald, mitgeteilten Statistik betrug die Zahl der Berkehrsunfälle, die durch Bersonenkraftwagen, Kraftdroschten, Kraftomnibusse, Lastkraftwagen, Krafträder, Kleinkrafträder, Treträder, Pferdegespanne und Straßenbahn herbeigeführt wurden: in der Zeit vom 1. April 1924 bis 31. März 1925 insgesamt 7270. Hierbei wurden 133 Personen getötet und 2993 verlegt. Davon find allein durch Kraftfahrzeuge 4992 während die Zahl der Unfälle im Bierteljahr April- Juni 1331, im Unfälle veranlaßt, 80 Personen getötet und 1935 verlegt worden. folgenden Vierteljahr 1757 betrug, erreichte sie im Oktober- Dezember die Höhe von 2225, fiel dagegen im ersten Vierteljahr 1925 auf 1957. Ob dieses Sinfen nur eine Folge davon ist, daß in den Wintermonaten Januar und Februar erfahrungsgemäß meniger gefahren wird, oder ob das Sinken mit auf die Einführung der Kraft trat, also im legten Monat der Berichtszeit) zurückzuführen neuen Berliner Verkehrsordnung( die freilich erst am 1. März in ist, läßt sich noch nicht übersehen. Neu in der statistischen Aufstellung ist die im vorigen Bierteljahr zum ersten Male erfolgte Berücksichtigung des Anteiles, den die Kinder unter 14 Jahren an den Verkehrsunfällen hatten. Die davon handelnden Zahlen ( tot 5, perlegt 81. Schuld an Unfällen 64) reden eine recht bedenkliche Sprache. Wer trägt nun die Schuld an diesen immer wiederkehrenden bedauerlichen Erscheinungen? Der unaufhörlich weiter durchgeist nunmehr eine vergleichende Uebersicht über ein ganzes Jahr führte Personalabbau durch die Reichsbahnhauptverwaltung hat auch seine Einwirkung auf die Fahrkartenausgeber und aus geberinnen gehabt. Er ist nicht nur als widerfinnig zu bezeichnen, sondern charkateristisch für das bereits eingetretene Chaos in famt lichen Berliner Reichsbahnbetrieben. Dieser Personalmangel zwingt nun die Verwaltung, und zwar nicht seit heute und gestern, das ausgefallene Personal der Fahrkartenstände zu eri egen durch Bersonal der Güterabfertigungen. wortlichen Aufgabe betraut. Soweit das erstere in Frage tommt, Auch Schreibhilfen werden mit dieser schwierigen verantarbeitet das Personal erst 9 Stunden auf den Güterabfertigungsftellen und wird dann nach den größten Fahrkartenausgabestellen wie Friedrichstraße, Schlesischer Bahnhof usw. tommandiert. Geradezu grotest mutet es an, wenn die Reichsbahnverwaltung dazu übergeht, Hilfsbeamte der Bahnunterhaltung zum Nachtfahrdienst zu kommandieren. So fönnten noch duizende Fälle angeführt werden, zum Beweis für den fich überall bemerkbar machenden Personalmangel auf der Reichsbahn. Man nennt diese der Deffentlichkeit unverständlichen Maßnahmen eine patriotische Lat" im Intereffe der Wirtschaftlichkeit der Reichseisenbahn. Also wir bitten das reisende Publitum, seinem Aerger bei der schlechten Bedienung der Fahrkartenausgeber und aus geberinnen nicht Luft zu machen gegen das dort be= fchäftigte Personat, sondern gegen den unüberlegten, regellosen und leichtfertigen Abbau geriffener Geschäftsleute im Dideftorium der Reichsbahngesellschaft. Das Martyrium einer Ehefrau. 1 Ein Kindesmord, der vor 2 Jahren in dem Hause Waffer Auch bei den Verhandlungen mit den Vertretern der Hochmannstraße 25 verübt wurde, ist jetzt von der Kriminalpolizei bahngesellschaft und ihres Bersonals war feine Gini- aufgeklärt worden. In dem Hause wohnte im 1. Stock der 32 Jahre alte Musiker Mar Schehlens mit seiner Frau und 4 fleinen gung zu erzielen. Das Personal hatte den Schiedsspruch Kindern. Die Familie lebt in dürftigen Berhältnissen. angenommen, jedoch begreiflicherweise teine Lust, sich davon Der Musiker wird von der Nachbarschaft als ein roher Mensch noch etwas abhandeln zu lassen. Der armen Hochbahngesellschaft geschildert. Als er vor 2 Jahren einen Familienzuwachs erwartete, aber erschien diese Belastung untragbar; doch ihre letzte Bilanz ist brang er schon vor der Geburt in seine Frau, das Kind erst nicht zur nicht unbekannt. So machte denn der Schlichter auch hier Welt tommen zu lassen, Er versuchte wiederholt, sie durch Miß dem Schindludertreiben der Direktion mit den Interessen der Allhandlungen seinem Willen gefügig zu machen. Die Frau wider gemeinheit und denen des Personals ein Ende, indem er mit gleicher Kind zu früh geboren wurde. Es lebte aber, und war auch lebens feste fich aber, obwohl er fie oft chlug. Die Folge war, daß das Begründung die Verbindlichkeit aussprach. fähig. Jezt erklärte der Mann, es müsse sofort beseitigt werden. Er drückte dann auch den Kopf des neugeborenen Knaben, und steckte diesen hierauf in eine mit Baffer gefüllte Wanne und erträntte ihn. Die Mutter, die das nicht hatte verhindern fönnen, begab sich jetzt zu einer ihr bekannten Frau St. in der Blumenstraße und hat sie, ihr bei der Beseitigung der kleinen Beiche 3wede den Ofen aus und ging dann wieder meg. Schehlens legte zu helfen. Sie sollte verbrannt werden. Frau St. räumte zu diesem eine starte Schicht Holz in den Ofen, zündete es an, bettete die Leiche darauf und deckte sie mit einer zweiten Holzschicht zu. Die Legt nicht etwa die Hochbahngesellschaft den Betrieb still, ein Streit der Hochbahner ist nicht mehr zu befürchten. Das Omnibuspersonal wird nun wohl oder übel den Streit beenden und die Arbeit wieder aufnehmen. Mit der Straßenbahngesellschaft scheint es nach allem zu einer Verständigung über den neuen Tarifvertrag zu tommen, so daß hier kein Streit zu befürchten ist. Aus dem ganzen Berlauf der Bewegung und ihrem Abschluß 18 Schnock. Ein Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron. ( Aus dem Dänischen von Thyra Jafstein- Dohrenburg.) Schmod hält mit einem Rud inne. Rührt kaum die Bauchflossen und atmet nur ganz schwach. Bet jedem Atemzug öffnet sie behutsam das Maul und zieht die Zunge zurüd, wodurch die Tonne sich mit Wasser anfüllt, darauf flappt fie jie vorsichtig wieder zu, schiebt die Zunge nach vorn und stößt das Atemwaffer durch die Kiemen wieder aus. Sorglos tummeln sich die Fischlein vor ihrem Rachen umher. Ihre nach oben gerichteten Glogaugen drehen sich noch weiter aufwärts und sehen die weiß geschuppten Bäuche schimmern. Jetzt sind sie auf Sprunngweite herangekommen! Man ahnt so dunkel eine Bewegung in der äußersten Schwanzipize; nur an den wechselnden Schattenzeichnungen, die die Schilfstengel über ihren Körper werfen, fann man fehen, daß sie sich weiterbewegt. Fortwährend fchielt sie eigen tümlich und bösartig; fie fennt nur eine Seelenqual: daß sie sich nie entscheiden kann, welchen Fisch aus der wimmelnden Schar sie ausersehen soll. Freilich hat fie fich als Spezialität wie der leidenschaftliche Jäger feinen erdacht, ihren Biß Schuß- dorthin zu reichten, wo der Schwarm am dichtesten ist; aber die Weißfische sind behende, fie fängt nie mehr als einen zur Zeit. Unmerflich langsam hebt sich empor... während alle Floffenzipfel in zögerndem Genießen mogen und medeln. Da entdedt ein fleines feuerrotes Weißfischauge ihren schwarzen Rüden, der bisher ganz mit dem Grunde verschmolz und man flüchtet und springt mit panischem Schrecken vor ihr davon; im Nu ist das Schilfgeftrüpp leer. Ein unglücklicher Zufall! Der selbst dem Tüchtigsten passieren fann und Schnod muß sich auf ihrer Schleichjagd in neues Revier begeben. In den schwimmenden Wäldern der grünen Sumpfprimel halten die großen breitschuppigen Brassen sich auf. Sie treiben sich geschäftig gegenseitig in ihrem Rielwaffer herum, ver harren unter der Oberfläche und lassen die Sonne in ihren goldenen Schuppen spielen. Ihr fetter Schmerbauch mit den hummerroten Floffen und ihr großer, borschartiger Mund geben ihnen ein so frommes Aussehen; aber dennoch sind fie gar listig und verteufelt auf der Hut in ihrem Lun. Einige von ihnen sind mit großen Riffen und Wunden über Rücken und Seiten hin bedeckt; sie scheinen schon früher mit einem Hechtrachen Bekanntschaft gemacht zu haben! Ja, auf einzelnen Rörpern tritt das Fleisch sogar noch blutig hervor, so daß Hautfajern und Schuppensetzen das Waffer trübe machen, wo sie ihren Weg nehmen. Sie fommen tief aus dem Grunde herauf und schimmern von Schlamm und Schleim und Quellmoos. Mit großen Bewegungen und vielen Schlägen des Schwanzes rudern sie dahin; Schilf und Rohrstengel schaufeln und schwingen, wenn Als sie das freie Gebiet zwischen den Pflanzenmaffen überfie ein Weilchen hängenbleiben, um sich an ihnen zu reiben. queren, dort, wo die Sonne plöglich auf ihre bernfteingelben Schuppenkleider fällt, verschwindet Schnod eilfamft im Langwalde. Die biegfamen Wasserpflanzen mit den langen Ranten schwingen fich lind der Strömung ein, hängen nach Westen zu in dieser Stunde, um sich in der nächsten ebenso willenios der entgegengefeßten Richtung anzupassen. Steife Blattkraujen halten wie fließende Träger die nadien Ranten fest und bilden eine dichte, flimmernde Wildnis und den lauernden Luchs. Ohne die Schleimschicht auf dem Körper würde fie nimmer hindurchschlüpfen fönnen. Bald hat sie die fetten Schmerbäuche vor Geficht; in fleinen Scharen wadeln fie vorüber, einen biden, gründlichen Saftrand an den fetten Mundwinkeln. Da flammt ihr Verlangen auf, ihre Kräfte verdoppeln fich; aber fie tann sich beherrschen noch ist der rechte Augenblid nicht inne! SP Erft als die letzte Wasserfuh" direkt vor ihr steht, ent hüllt sie sich aus ihrem Bersted- und das Waffer funkelt und sprudelt, als Schnod in ihren Anstrengungen, der Beute auf den Beib zu rüden, sich dreht und windet. Der Flankenangriff kommt der Ruh indes nicht unerwartet, sie ist in diesem engen Durchgang auf ailes vorbereitet und hat sich darum dicht über dem Grunde gehalten. Wie ein Stein sich ins Erdreich bohrt, so stürzt sie sich in den Schl mim, trübt das Wasser und gräbt sich ein, daß Schnod die Sand förner und der Schlamm in die Zähne spritzen. Kleine Ursachen, große Wirkungen. Es ist wirklich fein Bergnügen," sagte die dreißigjährige Ange ffagie, die Sekretärin Elisabeth F. zu dem Borsitzenden, die Hände zum Eid zu erheben und andere hereinzulegen." ,, Aber dann dürfen Sie doch nicht einfach angeben, daß sie in Italien waren, als Eie Ihre Borladung befamen", erhielt sie zur Antwort. Die Angeklagte hatte selbst einen Bekannten megen Betruges bei der Polizei angezeigt und war dann im gerichtlichen Haupttermin als Zeugin geladen, aber unentschuldigt ausgeblieben. Die Sache mußte damals vertagt werden und die nachlässige Staatsbürgerin erhielt 500 Mart Geldstrafe, morauf sie ein Gesuch um Genehmigung von Ratenzahlungen einreichte. Dieses murde abgelehnt und fie ging nun zu einem Rechtsanwalt, dem sie vorlog, fie folle Strafe zahlen, hätte aber die Vorladung gar nicht er halten, meil sie damals in Lugano, und zwar in der Pension falls fie nicht die Wahrheit sagte, nahm dann aber eine eidesstattliche " Daheim" gelebt hätte. Der Anwalt wies fie auf die Folgen hin, Bersicherung über ihre Angaben auf, die fie unterschrieb. Er richtete ein Gesuch an das Gericht um Aufhebung der Strafe, dem er die Versicherung beilegte. Der Staatsanwalt stand der Sache aber mit Mißtrauen gegenüber und ließ in der Pension in Lugano Ermittelungen darüber anstellen, ob diese Dame tatsächlich dort gewohnt hatte. Hierbei stellte sich heraus, daß dies gar nicht der Fall bestellende Beamte die Vorladung damals an die Angeklagte personwar. Bielmehr ergaben die Ermittelungen bei der Post, daß der lich in ihrer Wohnung ausgehändigt hatte. Am ganzen Körper zitternd stand die Angeklagte vor ihren Richtern. Es machte feinen Wieder ein Bech, das aber nur den Appetit schärft und sie zügellos wild macht da schwebt ein kleiner Weißfisch vorüber. Ein Rud fuhr durch Schnock! Die Verlegenheit über den Fehlsprung verflog faft völlig unwillkürlich wurde sie zu Stein an dem Drie, wo sie stand. Mit halbem Blick sah sie sogleich, daß der Weißfisch, der ohne munteres Huschen und 3appeln dahinhumpelte, ihr eine leichte Beute sein würde. Welches Glück! Weißfische waren sonst behende kleine Tiere und nicht so ohne weiteres zu erhaschen; obwohl sie zu ihrer täglichen Roft gehörten, mußte sie doch alle Kräfte anspannen und all ihre Energie entfalten, um zwei bis drei, allerhöchft fünf am Tage zu erwischen. Nur im Mai, wenn sie zu Haufen im Schilfe lagen und verliebt mit dem Schwanze schlugen, stopfte sie sich voll und brachte es bis zu zwei Duzend am Tage. Nun bloß Geduld, eine furze Wartezeit denn diesmal wollte fie ihres Fisches sicher sein! Da raschelt es in einem der Pflanzenbüschel: der schwarzhäutige Barsch mit dem turmhohen Rüden tommt ihr zuvor. Er jagt pfeilschnell an ihrer Nase vorbei nach dem Flüchtling, besinnt fich dann im Augenblic, als er zuschnappen will, hält inne und schnuppert... Num, der wagt es also nicht; der will wohl den ganzen Schwarm gleich mit dazu haben! Und jetzt flammt das Jagdfeuer in Schnocks Augen auf; die steife Zunge bebt im Maule, so daß fie mit wett gähnender Rachentonne auf die Beute losspringt. Der Weißfisch ist nicht von llebel! Er zappelt millig zwischen ihren 3ähnen und schlägt ihr fihelnd fein bißchen Schwanz um Baden und Rinn. Und doch er besitzt ja eine ähnliche, unerklärliche Kraft wie ein fleiner Berlfisch, deffen fie fich dunkel entfinnt. Sie wird von fauchender Wut gepact: Will so ein elendes Gewürm von Fisch sich ihrem Willen widerlegen! Das er bärmliche Ding will ja ausgerechnet alle anderen Wege als fie, fie vermag ja taum von dem einen Pflanzengestrüpp in das andere hinüberzuschlüpfen. Und jetzt wird sie so hizig, daß sie ihr Blut mie einen Sonnenbrand im Nacken sieden spürt, und zerrt mit einem Rud unter einer plöglichen Kraftanstrengung an dem Fisch. Das hilft, der Bursche gibt nach, seine Kräfte schwinden; fie triumphiert bereits-... ja, fie hatte es ja gewußt! ( Fortsetzung folgt.)) erhebenden Eindruck auf die Beteiligten, als der Richter feststellte, daß die Sekretärin in Wahrheit gar keinen Beruf hat und seit 10 Jahren von einem Freunde unterhalten wird. Sie gab ihre Schuld zu, ohne sich der Tragweite der Angelegenheit bewußt zu fein. Die Sache verrät," sagte der Staatsanwalt, einen erheblichen Mangel von Respekt vor dem Gerichtshof, daher beantrage ich wegen wissentlich falscher Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung sechs Monate Gefängnis." So lautete auch das Urteil und der Borsigende bemerkte, daß das Gericht eine Strafausseßung ausdrück lich abgelehnt hat. Das Seminar für Zeitungskunde. Eine Neueinrichtung an der Berliner Universität. Die vor kurzem beendete Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Presse" lentte wieder einmal in besonderem Maße die Aufmerksamkeit der Deffentlichkeit auf Zeitung und Zeitungswesen. Nur langsam wird dem Journalisten, über den Wilhelm II. einmal besonders häßlich und abfällig urteilte, die Achtung entgegen gebracht, die er für seine Arbeit verdient, und was ihm von Rechts wegen zuteil werden muß, das wird er sich erkämpfen. Endlich sind wir jegt auch so weit, daß der Journalismus als Wissenschaft gewertet wird. Innerhalb Deutschlands befaßte man sich mit zeitungswissenschaftlichen Studien schon seit einigen Jahren an den Universitäten München, Leipzig, Köln und Münster. In Berlin las mehrere Semester der verstorbene Geheimrat Jöhlinger über dieses Thema, aber erst vor wenigen Monaten wurde in aller Stille auch ein Institut für 3eitu ng stunde" eröffnet. In drei größeren wohlgefüllten und gefchmadvollen Räumen hat es im Gebäude der Breußischen Staatsbibliothet, und zwar bireft unter dem Musikhistorischen Seminar, fein Heim. Die angebenben Journalisten, die ein spezielles Fach studium naturgemäß noch außerdem betreiben, fühlen sich hier recht wohl, da bas Institut nicht nur zu den Borlesungen, sondern täglich 7 Stunden auch für private Arbeit geöffnet ist. Das Seminar steht unter Leitung von Prof. Dr. Martin Mohr, und die Borlefungen, die zum Teil von ihm selbst, teils von Dr. Emil Dovifas gehalten werden, find interessant und instruktiv. Be sonders wertvoll und auch beliebt sind die redaktionellen lebungen; wertvoll find fie, weil hierbei auch große Beachtung die Geschwindig feit findet, mit welcher der Journalist arbeiten soll und muß, beliebt find fie erklärlicherweise, weil solche Arbeit unter der Anleitung erfahrener, sagen wir ruhig ausgefochter" Brattifer alles andere ist als trockene Wissenschaft. So ist z. B. die Aufgabe, innerhalb einer bestimmten und meist recht knappen Frist über ein festgesetztes Berliner Thema eine kleine Plauderei zu schreiben, die beste, aber wohl auch die anregendste Konzentrationsschulung, die man sich denken fann. Um individueller arbeiten zu können, hat man in diesem Semester einen Ober- und einen Unterkurs eingerichtet. Die Arbeit des Instituts ist eine unmittelbar praktische, wobei Führungen noch er gänzen, und eine theoretische. Die Bielfeitigkeit bes Biffens um und für die Presse verlangt eine ebenso vielseitige Arbeit, die nicht nur soziologisch, sondern auch historisch sein muß, weil ja die Bettungswissenschaft bisher seltsamerweise ungeheuer vernachläffigt worden ist. Es fehlt an allen Eden und Enden an Quellen und Belegen, die Literatur über das Zeitungswesen ist nicht sehr um. fangreich, und vieles Wertvolle, was in den Gazetten und Journalen früherer Jahrhunderte erschien, ist verloren gegangen. Mit Begeisterung wühlen daher die jungen Studenten in undurchforschten esiffensbergen, und mit um so größerer Begeisterung tun sie es, als es sich hier um ein Stück Kulturgeschichte handelt, das ich noch heute überall auswirkt. Eine umfangreiche Bibliothet, Bezug aller großen deutschen Tageszeitungen und Korrespondenzen und Vorträge erster Fachleute unterstüßen die Arbeit, die unter anderem in Form von Vorträgen der Institutsmitglieder ihren Niederschlag findet. Go wird man in Kürze u. a. Referate hören über„ Das Recht der Breffe" und über Wesen und Geschichte der sozialdemokratischen Presse". Die erste große Arbeit mehrerer Mitglieder des Seminars war eine Statiftit nach einem großen Zeitungstatalog. Quantitativ ist das Ergebnis niederschmetternd: 3168 deutsche Tageszeitungen find nach den Angaben ihrer Verleger in 80(!) Bariationen politisch und unpolitisch orientiert. O, du mein Deutschland! " Diese Zersplitterung, an der die republikanischen Parteien gewiß feine Schuld haben, wird sobald nicht aufhören, aber etwas anderes muß und fann anders werden: das ist der Gassenton in vielen deutschen Zeitungen. Und zwar besonders in denen, die irgendeiner egtremen Tendenz huldigen. Dafür zu sorgen, daß nicht nur fähige, sondern auch anständige Journalisten ausgebildet werden das ist eine der großen Aufgaben des„ Beitungswissenschaftlichen Seminars". Erfüllt es die, dann wird an der Berliner Universität nicht nur eine lebendige, sondern sogar eine heilige Wissenschaft mehr getrieben. Neuordnung des Fundwesens. Die amtlichen Nachrichten des Berliner Polizeipräsidiums brin gen die Neuordnung des Fundwesens zur Erläuterung barüber, wie man sich, ohne strafbar zu werden, bei Funben zu verhalten hat. Funde auf öffentlichen Straßen oder Plägen, die nicht mehr als 3 Mart Wert haben, brauchen überhaupt nicht angegeben werden. Bei Funden höheren Wertes muß der Berlierer oder falls dieser unbekannt ist, die Polizeibehörde benachrichtigt werden. Besteht Gefahr für den Berberb des Fundes, so darf der Finder dies öffentlich versteigern lassen nach vorheriger polizeilicher Billigung. Der Erlös ist an die Polizei abzuliefern. Polizeibeamte im Außendienst dürfen Fundgegenstände nicht annehmen. Unfosten, die einem Finder zur Ermittlung des Verlierers entstehen, müssen von diesem ersetzt werden. Chauffeure oder Rutscher müssen Fundsachen, die sie in ihrem Fahrzeug entdecken, innerhalb drei Tagen an die Polizei abliefern. In Beförderung mitteln, Theatern, Banten, Warenhäusern oder in behördlichen Räumen gemachte Funde müssen sofort ohne Anspruch auf Finderlohn an die Leitung dieses Unternehmens zurückgegeben werden, ebenso die in sonstigen geschlossenen Räumen gefundenen Gegenstände. Jedes Polizeirevier sowie das Polizeipräsidium müffen Fundgegenstände entgegennehmen und eine Meldung darüber weitergeben. Die Aushändigung von Fundsachen an Berlierer erfolgt erst nach genauer Brüfung, Hinterlegung des Finderlohnes und der Verwaltungsgebühren. Der Finderlohn ist für Gegenstände bis 300 Mart 5 Prozent, für den Mehrwert je 1 Prozent. Bei Tieren 1 Prozent. Bei Gegen ständen, die nur für den Verlierer Wert haben, nach freiem Ermessen. Der Anspruch auf Finderlohn geht verloren, wenn nicht Anzeige erstattet war, oder der Fund abfichtlich, um etwa eine höhere Belohnung zu erhalten, verschwiegen wurde. Der Waffermangel im Berliner Westen. Eine ungenügende Erklärung. Zu den Klagen über den Wassermangel im westlichen Berlin teilen die Charlottenburger Wasserwerte durch das Nachrichtenamt des Magistrats folgendes mit: Es handelt sich um besonders hochliegende Gebiete, in denen die Wasserversorgung nicht etwa vollständig, sondern nur in den obersten Stockwerfen für mehrere Tagesstunden aussetzt. Der Grund hierfür liegt in der jetzt schon wochenlang andauernden Dürre, die in dem augenblicklichen Zeitpunkt den Wasserverbrauch in einem unübersehbaren Umfange erhöht hat, weil die jeßige Jahreszeit in den Gärten besonders große Waffermengen erfordert. Eine Befferung des Zustandes ist fofort mit Einsetzen eines Witterungsumschlages zu er warten. bestattung bei niedriger Schäzung jährlich zirka 1 200 000 Quadrat meter Land gebraucht werden; jedes Grab aber besteht mindestens 20 Jahre man fann sich ausrechnen, welche Fläche nutzbaren Bodens die Toten den Lebenden rauben. Langfam, aber unaufhaltfam dringt das Verständnis dafür, daß die Totenbestattung durch das Feuer die einzig zeitgemäße ist, in weite Boltstreife. Der Vortragende gab dann einen Ueberblick über den Zusammenhang von Religion und Totentult. Die Erdbestattung, ursprünglich nur in holzarmen Ländern geübt, wurde vom Christentum übernommen, da sie eine Stüße der Auferstehungslehre bot. Um 800 erließ Karl der Große ein Defret, wonach die Todesstrafe verhängt wurde über alle, die die Totenverbrennung übten; die Kontrolle hierüber übertrug er der Kirche. Als im Jahre 1874 zum ersten Male in Deutschland die Forderung nach der Feuerbestattung laut wurde, erhob sich ein lebhafter Streit der Meinungen. Gleichwohl konnte bereits Diese Erklärung ist zwar sehr schnell erfolgt, aber sie ist völlig 1878 in Gotha das erfte Krematorium errichtet werden; in Preußen unbefriedigend. Was sagte man wohl von einer Behörde, ift der Bau von Krematorien erst seit 1911 zuläffig. Noch immer die z. B. den unter einer Ueberschwemmung Leidenden seelenruhig ftoßen die Rämpfer für die Leicheneinäfcherung an den verschiebenerklärte: Wartet nur ab, wenn das Wasser zurückgeht, wird alles ften Stellen auf Echwierigkeiten; die Beispiele, die per Redner dafür wieder gut! Go ungefähr lautet die famose Erklärung der Charlot brachte, wirften oft geradezu grotest. Trotzdem hat sich die Be tenburger Wasserwerte auch. Allen unter dem Wassermangel Lei- wegung fo ausbreiten tönnen, daß der Verein für Feuerbestattung denden wäre es viel erwünschter zu erfahren, welche Borkehrungen die Charlottenburger Wasserwerke und der Berliner Magistrat tref. fen werden, um dem Wassermangel bei fünftigen Hikeperioden abzu helfen. Sollte nicht ein Zusammenarbeiten mit den übrigen Berfiner Wasserwerfen zur Abstellung des mit Recht gerügten Uebelstandes möglich sein? Ueberfall auf eine Raffenbotin. und Freidenfertum, der vor 20 Jahren nur 12 Mitglieder hatte, heute deren über 400 000 aufweift; ähnliche fleinere Bereine, die ihren Angehörigen nicht die Trennung von der Kirche zur Pflicht machen, Mar mögen nochmals einige hunderttausend Mitglieder zählen. Sievers fchloß feinen Bortrag mit den Worten, daß gerade dieser Kampf um die Feuerbestattung gezeigt habe, daß der einzelne, wenn er sich zur Masse zusammenschließt, eine Macht ist, deren Vorwärtsschreiten dure feine Hindernisse aufgehalten werden kann. Entfehlich...! Nachdem durch die ständigen Beobachtungen des Sonderdezer nenten für Taschendiebstahl, die sich besonders auf das Postschecamt erstreckten, in der legten Zeit die Beraubungen der Kaffenboten- und Botinnen nachgelaffen hatten, hat sich Donnerstag mittag ein neuer Unferen privilegierten Patrioten war der Uniformierte seit jeher Fall zugetragen. Ein 16 jähriges Lehrmädchen, das bei einer ein ganz besonderes Brachteremplar der Spezies Mensch. Das Firma in Hause Neue Friedrichstraße 37 beschäftigt ist, wurde nach dürfen fie heute nicht mehr so öffentlich zu erkennen geben. Aber dem Boftscheckamt gefchickt, um Gelb abzuheben. Unzweifelhaft be manchmal passieren den Herren von der Rechten fleine Malheurchen,... obachtete es ein junger Mann, als es bas Gelb, 1200 m art, Unglüdsfälle, die fo recht die Geistesverfassung dieser seltsamen An Empfang nahm und verfolgte es heimlich. Das Mädchen ging Ausleje von Köpfen offenbaren. Minutenbilder von solch traffer dann erst zu einer Bank und von hier aus nach der Neuen Friedrich Deutlichkeit, daß alle zungengewandten Kunststückchen im Halfe erftraße. Auf ber Treppe überholte es ein junger Mann, bedrohte sticken und die Wirklichkeit überzeugend vor uns hintritt. In der es mit einem Taschenmeffet. entriß ihm die Geld- Kreuz- Zeitung" behandelt ein eifriger Gehilfe die Beratungen tafdh e, unb ehe es zur Besinnung fam, war er mit feiner Beute verschwunden. Die Beschreibung, die es von bem Täter gibt, ift sehr ungenau. Der Räuber, der wahrscheinlich damit gerechnet hatte, baß das Mädchen auch von der Bant Geld abheben würde, wird, wenn er die Tasche öffnet, sehr enttäuscht sein. Das Mädchen hatte attentasche nur noch 200 mart. Mitteilungen von Baffanten, auf der Bant 1000 mart eingezahlt, und somit befanden sich in der bie um 12% Uhr in der Neuen Friedrichstraße einen verdächtigen Borgang beobachtet haben, nimmt Kriminalkommissar Dr. Rielicher Blebejismus. Das schlägt aller Tradition unerhört ins Ge mann im Zimmer 84 bes Polizeipräsidiums entgegen. 8 218. des Kutister untersuchungsausschusses in einem Rommentar und schreibt bei Erwähnung der Aussagen des Baltitumerhäuptlings v. b. Gols folgenden föftlichen Sat: ,, Sollen wir es mirtlich erleben, daß General v. d. Golg, stundenlang auf dem Rorridor oder in einem Nebenraum auf den Namensaufruf warten muß?" Allerdings, entfehlich. Ein Herr v. d. Golg wie andere ge= wöhnliche Sterbliche wartend auf den Korridoren? Welch gefähr ficht. Fürchterliches plant rote Heimtüde und der tränenreiche Rummer des Mit- Gott- für- König- und- Baterland- Organs" zeigt warnend die fürchterliche Gefahr. Die Weltrevolution scheint da. Ein General v. b. Golg wartet auf bem muffigen Rorridor. Nachbarin, Euer Fläschchen... Mutter und Tochter, Anna und Gertrub G., ftanden vor dem Amtsgericht Charlottenburg, angeflagt wegen versuchter Ab. treibung. Borfigender: Sie müffen nicht mehr für Ihre Tochter forgen, als notwendig ist; außerdem war Ihre Angit ja voll. tommen unbegründet, Ihre Tochter hatte ja gar nichts zu be fürchten und schließlich sind mehrere Tassen starten Kaffees wohl ganz bekömmlich, aber für Ihre 3wede gar nicht verwendbar." Das Gericht beriet hin und her, aber man tam um eine Bestrafung gar nicht herum, ba das Gefeß den böjen Willen bestrafen will, wenn auch im übrigen ein vollständiger Irrtum über die tatsächlichen Berhältnisse vorliegt. Das Gericht erkannte gegen die Tochter Gertrud auf 1% Monat und gegen die Mutter auf 3 Wochen Gefängnis, gemährte beiben aber ben Borzug der Strafnahme des Verfahrens gegen Stadtrat Eggert gestellt. Sie beriefen auslegung, falls fie fich binnen 3 Jahren nichts zuschulden tommen laffen. Mit einem Seufzen der Erleichterung verließen beide die ihnen so ungaftliche Stätte.. Feuerbestattung und Freidenfertum. Den Alten war der Tod, ben sie als schönen, ernsten Jüngling bildeten, der gütige Bruder des Schlafes; heute aber ist für die meiften fein Symbol das Knochengerippe mit Sense und Stunden glas, das sich aus der mittelalterlichen Borstellungswelt bis in unfere Gegenwart rettete. Hierin mag unbewußt die Hauptursache liegen, daß so viele Menschen sich scheuen, ihn auch nur zu nennen, geschweige denn über ihn sprechen zu hören. So hatte das aktuelle Thema Feuerbestattung und freibenfertum, über das Mag Sievers im Deutschen Monistenbund referierte, nicht allzu viele angeloct; man hätte gewünscht, daß eine größere Schar feinen Ausführungen gefolgt wäre. Der Redner legte in feinem Bericht, der sich im wesentlichen auf das rein Sachliche beschränkte, bie Gründe flar, die für die Feuerbestattung sprechen: fie dient der Hygiene durch die sofortige Bernichtung der sonst der langsamen Bermejung, preisgegebenen Leichen; sie ist vom Standpunkte der Bolkswirtschaft vorzuziehen, da die Aschenrefte nur einen fleinen Raum zur Unterbringung benötigen, während zur ErdDas Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 30. Mai. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Wiederaufnahme im Prozeß Eggert abgelehnt. In dem Kampf des Stadtrats Eggert in Spandau, der vom Schwurgericht des Landgerichts III im Oktober vorigen Jahres wegen Meineides zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden war, ist jetzt eine wichtige Entscheidung getroffen worden. Nach der Vertagung des zweiten Teils biefes Meineidsprozeffes gegen die Kranfenfchwester Megger, die inzwischen infolge ihres Lungenleidens Anfang Mai verstorben ist, hatten die Rechtsanwälte Dr. Bindar, Dr. Baeder und Dr. Johanny den Antrag auf Wiederauffich darauf, daß neue Tatsachen in der zweiten Verhandlung zutage getreten wäre, durch die das Zeugnis der Hauptbelastungszeugin, Frau Baermann, start erschüttert worden sei. Das Schwurgericht hatte bei der Bertagung beschloffen, Zeugen in Brasilien und Argenfinien zu vernehmen über die fraglichen Borgänge im Staafener Säuglingsheim. Diese schriftlich niedergelegten Aussagen waren inzwischen eingetroffen, und auf erneuten Antrag der Verteidigung hat nunmehr heute die Beschlußtammer des Schwurgerichts, bestehend aus Landgerichtsdirektor Dransfeld als Borsigenden und den Landgerichtsräten Fricke und Bormbaum als Beisiger über den Wieder aufnahmeantrag Beschluß gefaßt. Die drei Richter, die auch an den Schwurgerichtsurteilen gegen Eggert teilgenommen haben, haben den Wiederaufnahmeantrag abgelehnt. In der Begründung wird gesagt, es feien feine neuen Tatsachen nachgewiesen worden. Zwar hätten zwei Freunde Eggerts behauptet, daß in der einen Nacht ein anderer Mann zum Besuch bei der Schwester gewesen sei. Wenn dies richtig wäre, so würde damit die Feststellung des Urteils auch nicht erschüttert werden fönnen. weil die Möglichfeit bestehe, daß Eggert erst nach dem Fortgange dieses Besuches zu der Schwefter hingegangen sei. Die Zeugen Ehepaar Gläsmann und Altenburg hätten mehrmals Eggert aus dem Säuglingsheim herauskommen sehen. Nunmehr ist erneut beim Kammergericht Beschwerde gegen den Beschluß eingelegt worden. Der neue deutsche Rundfunksender. Die Antenne des neuen Senders Der deutsche Rundfunksender, der auf Belle 1300 Meter arbeiten und zunächst Teile des Berliner Rundfunkprogramms sowie Wirtschaftsnachrichten und Lehrgänge nach Art der Hans BredomSchule verbreiten soll, wird seinen Betrieb etwa in vier von 20 Kilowatt, so daß er in ganz Deutschland und den RandBochen aufnehmen lönnen; er verfügt über eine Antennenenergie gebieten gehört werden dürfte. Schon jezt werden täglich die Darbietungen des Borhauses von 9 Uhr abends ab durch einen 5- Kilowatt- Röhrensender verbreitet. wird von einem 235 Meter hohen, freistehenden Turm getragen. Ende vorigen Monats fanden Sendeversuche zweier neuer Kurzmellenfender POX und POW in Rauen statt, die mit Belle 26 bzw. 42 Meter sandten; die Versuche wurden in Europa, in den Bereinigten Staaten, in Argentinien, in Java und Japan mit Erfolg beobachtet. 3.35 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück: Esperanto". 4 Uhr nachm.: Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Die Journalisten", von Gustav Freytag. Mitwirkende: Oberst a. D. Berg; Adelheid Runeck; Konrad Bolz. Redakteur der Zeitung Union"; Bellmans, Mitarbeiter; Piepenbrink. Weinhändler und Wahlmann: Gutsbesitzer Senden; Professor Oldendorf, Redakteur, Kämpe, Mitarbeiter, Körner, Mitarbeiter der Zeitung Union Müller, Faktotum bei diesem; Blumenberg, Redakteur und Buchdrucker Henning, Eigentümer der Zeitung Union" Schmock, Mitarbeiter der Zeitung„ Coriolan"; Ida, Tochter des Oberst a. D. Berg; Lotte, Frau des Piepenbrink; Berta, beider Tochter; Kleinmichel, Bürger und Wahlmann; Fritz, dessen Sohn; Justizrat Schwarz; Korb, Schreiber vom Gute Adelheids; Karl, Bedienter des Obersten: eine fremde Tänzerin; ein Kellner; Ressourcengäste. Deputation der Bürgerschaft. Ort der Handlung: Die Hauptstadt einer Provinz. 7 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Bildungskurse). Abteilung Spiel und Sport. Major a. D. v. Tschudi:„ Der deutsche Rundflug 8 Uhr abends: Zum Andenken an Dante Alighieri( geb. 30. Mai 1265): Dr. Jo Lherman: Dante, der Mann und das Werk". Anschließend: DanteRezitationen. 9 Uhr abends: Lustige Weisen. 1. Blankenburg Festjubel, Marsch. 2. J. Strauß: Ouvertüre zu der Operette Der Waldmeister. 3. Kálmán: Tanzen möcht' ich, Walzer. 4. Morena: Leben in die Bude. Potpourri. b. Lindsay- Theimer: Meister Spleen, Humoreske. 6. Manfred: Die Spieldose. 7. Jessel: Pot- haus gebracht, wo es später starb. pourri aus der Operette Das Schwarzwaldmädel". 8. Robert Stolz: Mädi( Berliner Funkkapelle). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst. Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Mittelfeuer. In einem Schuppen der Baufischlerei Boite und Körle, Mahlsdorf, Rönigsweg 82, brach Freitag mittag wahr. Scheinlich durch Selbstentzündung Feuer aus, das in den dort lagernden Holzspänen reichliche Nahrung fand. Die Mahlsdorfer und Köpenicker Feuerwehren waren über drei Stunden mit Löscharbeiten beschäftigt. Ein schwerer Schaden ist jedoch nicht entstanden. Bon einer Zykloneffe überfahren wurde am Freitag vormittag in der Fennstraße die fünfjährige Erna Matthias. Das Kind wurde mit einem schweren Schädelbruch nach dem Birchow- KrantenDie Leitung der Baufachausstellung im Sportpalaft und in der Philharmonie teilt uns mit, daß die Ausstellung auch über Pfingsten Interessenten wird der noch für das Bublifum geöffnet bleibt. Besuch dringend empfohlen. MONDAMIN Makronen PUDDING mit knusprigen Makronen Der reine Mandelduft und der zarte Marzipangeschmack machen diesen Pudding zum Liebling aller Feinschmecker und zu einem wirklichen MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING 117 Deutsche Steuerwirtschaft. Ueber dieses Thema hielt gestern in einer gut besuchten republitanischen Versammlung in Wilmersdorf, Bittoriagarten, Genosse Kurt Heinig ein Referat. Er führte aus, daß durch das Dames- Gutachten Deutschland vollkommen freie hand habe, Borschriften über die Mittel und Wege zu erlaffen, wie die Steuerlaft aufgebracht werden soll. Der jetzige Reichsetat meist gegenüber dem Boranschlag eine Mehreinnahme von 2,1 Milliarden auf. Für das Sozialistische Turnvereine im Elsaß unwillkommen? zu einem Lichtenberger Schwimmverein Neptun 1894", e. B. Die SauptübungsTurnerfest der französischen sozialistischen Turn stunden find für die Lichtenberger Abteilung Dienstags und Freitags, Wafferballspiele Mittwochs in der Rummelsburger Badeanstalt, Hauptstr. 6. Hebungsvereine in Mülhausen im Elsaß sind auch 15 deutsche tage für die Raulsdorfer Abteilung Montags und Donnerstags in der Badesozialdemokratische Turnvereine eingeladen worden, anstalt von Pöckel, Kaulsdorf, Wahlsdorfer Straße. Neue Mitglieber werden Mittwoch, die 200 Turner entsenden wollten. Schwimmunterricht erfolgt tostenlos. Die Einladung der deutschen jederzeit aufgenommen. den 3. Juni, Vorstandssigung bel Masello, Hauptstr. 6. Freitag, den 5. Juni, Turner hat bei den Vaterländischen Vereinen im Elsaß große Entabends 8 Uhr, Mitgliederversammlung im Lobal von Dabertow, Gudrun-, rüstung hervorgerufen. Es wurde beschlossen, ein Telegramm folgen Ede Sagenstraße. den Inhalts an Painlevé zu richten:„ Die Vaterländischen Bereine protestieren mit Entrüftung gegen die Einladung von deutschen Turnum diesen Skandal zu verhindern." tommende Jahr ist anzunehmen, daß auch nach Herauffegung des vereinen nach Mülhausen. Wir ersuchen Sie um Ihre Intervention, Parteinachrichten Steuerfreien Eristenzminimums und nach einer etwaigen Herabfegung der Umsatzsteuer die Reichseinnahmen etwa 8 Milliarden Mart betragen werden. Dazu kommen die eigenen Einnahmen der Länder und Gemeinden in Höhe von 3,3 Milliarden Mart, dazu der voraussichtliche Postüberschuß 0,2 Milliarden, so daß die Be lastung des deutschen Boltes im laufenden Steuerjahr voraussichtlich 11,5 Milliarden betragen wird. In der Vorkriegszeit war eine vier töpfige Familie mit 340 M. belastet, während heute die Belastung 750 M. voraussichtlich betragen wird. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Einnahmen heute weniger wert find als in der Bortriegs. zeit. Die neuen Steuergesehentwürfe zeigen, daß auch diesmal wieber die arbeitenden Klaffen die Hauptlasten tragen sollen. Das beweist auch die 3olltarifvorlage. Nur der Entwurf über die Bier- und Tabatsteuer bringt dem Reiche Mehreinnahmen, die anderen Steuergefeßentwürfe dienen dem Ab bau der Besitzbelaftung. Um den Ausfall zu becken, wird das reattionäre Gefeßgebungswert durch die Bolltarif. vorlage gekrönt. Die sehr rege Distusfion und eine Reihe von Anfragen zeigten das Intereffe, das der Vortrag gefunden hatte. Einen unfreiwilligen Humor in die Bersammlung brachte eine deutschvölkische Diskussionsrednerin, die sich aber zuletzt so feltsam geberdete, daß sie gezwungen werden mußte, das Lokal zu verlassen. Ein Hauseinsturz als Folge von Fahrlässigkeit? Zu dem bereits am Mittwoch in unserer Abenbausgabe gemeldeten Hauseinsturz in Mahlsdorf Nord haben wir noch folgende Einzelheiten festgestellt: In der Frig- Reuter- Straße zu Mahlsdorf wurde vor einiger Zeit ein Einfamilienhaus hergestellt. Ende der Woche sollte die 3ementfundierung nochmals geteert werden. Zu diesem Zwede wurde die Längsseite ber Hinterfront ausgeschachtet. Angeblich sollen hier sämtliche Vorfichtsmaßregeln, wie Bersteifungen ufm. außer Acht gelaffen worden fein. Die zeitweise zu wollenbruchartigen Erscheinungen auftreten ben Gewitterregen unterspülten die Fundierung derart, daß die ganze hintere Mauer sowie der Hauseingang voll tommen ein stürzten. Von den fich im oberen Stockwerk befindlichen Bersonen wurde die Gefahr rechtzeitig erkannt, so daß fich diese fofort in Sicherheit bringen konnten. Bon großem Glück ist, daß das Unglüc am Tage passierte. Die herbeigerufene Feuerwehr Schüßte die 10 Meter lange und 4 Meter hohe Einsturzstelle vor weiterem Zerfall durch Einsehen starter Bohlen und einiger Bersteifungen. Mit dem Mahlsdorfer Fall wird fich übrigens noch die Baupolizei zu beschäftigen haben. Aufwertungsvorschüsse für notleidende Sparer. Die Spartaffe der Stadt Berlin gibt aus den vom Magiftrat Berlin zur Verfügung gestellten Mitteln an Sparer, die sich in besonderer Notlage befinden, auf den Goldmartwert ihrer Papiermartsparguthaben einen zehnprozentigen Aufmertungs. vorschuß, aber höchstens einhundert Mart im Einzelfalle. Mit dieser Borschußzahlung, die eine Wohlfahrtsmaßnahme der Stadt Berlin ist, soll der späteren gefeglichen Aufwertung nicht vorge griffen werden. Die Aufwertungsvorschüsse werden später bei der allgemeinen Aufwertung angerechnet. Wohlfahrtsunterſtügungen, Renten usw. werden in feinem Falle gekürzt. Die Zahlung der Aufwertungsvorschüsse muß bei der Spartaffe beantragt werden, welche das Sparbuch ausgestellt hat. Bei der Anmeldung ist das Sparbuch, gegebenenfalls die Sicherungstarte und die Bescheinigung des zuständigen Wohlfahrtsamtes bzw. der Wohlfahrts tommission über das Borliegen einer besonderen Notlage vor zulegen. Die Bescheinigung stellt die zuständige Wohlfahrtskommiffion bzw. das Wohlfahrtsamt auf Antrag des Sparers aus. Eine besondere Notlage wird in der Regel nur dann anerkannt, wenn ein an und für fich bedürftiger Sparer durch Todes, Geburts, Krankheits- oder besonderen Unglüdsfall plöglich in Not geraten ift. Auf jedes Sparguthaben fann nar ein Aufwertungsvorschuß gezahlt werden. Sparer, die bereits bei den vorhergehenden Wohlfahrtsmaßnahmen Aufwertungsvorschüsse auf ihre Guthaben erhalten haben, fommen für eine weitere Zahlung nicht in Frage. Aufwertungsvorschüsse an fünfundsechzigjährige Sparer, Sozial. renther, Kleinrentner, laufend von der Wohlfahrtspflege UnterStüßte, Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, Erwerbslose und Mündel werden wie bisher weiter gewährt. Eine billige Reise nach Wien. Am Sonnabend, den 29. August, tritt der Desterreich- Deutsche Boltsbund unter Führung des 1. Borfizenden, Reichstagspräsidenten Gen. Löbe und unter Teilnahme namhafter Politiker aller Parteien, eine Reise nach Wien an, um die groß deutsche Gesinnungsgemeinschaft erneut zu befunden und mit den Wiener Freunden über gemeinsame Ziele und Arbeit zu beraten. Ein reichhaltiges Programm mit offiziellen Empfängen, Feftaufführungen, Besichtigungen besonderer Sehenswürdigkeiten, Besuch des Wiener Praters", des heurigen" in Grinzing, Ausflügen auf den Semmering usw., Dampferfahrt durch die Wachau, gewährleistet den Reifeteilnehmern angenehme und anregende Unterhaltung. Die Reifedauer ist auf 10 Tage bemeffen. Die Kosten einschl. Fahrpreis, bester Verpflegung und Unterfunft in guten Hotels, sowie Veranstaltungen werden unge fähr 140 mt. betragen. Anmeldungen bis spätestens 15. Juni ( auch von Nichtmitgliedern) an den Desterreich- Deutschen Volksbund, Berlin NW 40, Schloß Bellevue. Das Roje- Theater bereicherte seinen Spielplan mit dem„ Dedi. gen Ehemann", der es wirklich in sich hat, höchft vergnüglich Die Zeit zu vertreiben. Robert Thomalla, der Berfaffer des Lustspiels, läßt um 1900 einen Arzt, dem der Neid der lieben Kol legen bislang die Entwicklung hemmte, in eine fleine Stadt Schlesiens fommen. Der Arzt ist sehr tüchtig, aber um den Ansprüchen der Spießer zu genügen, muß er unbedingt unverheiratet sein. Daher ist er gezwungen, feine Gattin, die bei ihm als Krantenschwester tätig ist, zu verleugnen. Natürlich verliebt sich alles in den Arzt, der Bürgermeister verliebt sich in die Schwester, durch eine Operation an einem Ortsarmen wird der Arzt berühmt, und als Klatsch und Tratsch den Gipfel erreicht haben, flärt das die Stadt verlassende Aerzteehepaar den Irrtum auf. Das alles ist harmlos behandelt, bei guter Herausarbeitung der fleinstädtischen Typen, die sich nur auf eins verstehen, nämlich das Kriechen vor der Durchlaucht. Die Darsteller müssen in das Gesamtlob, das man einer abgerundeten Borftellung zollt, eingeschlossen werden. EMMO Ein Todesurteil. Das Schwurgericht" am Landgericht Bähre aus Clauen wegen Mordes in Verbindung mit schwerem Hannover hat am 26. Mai den 24jährigen Drogisten Wilhelm Raub zum Tode verurteilt. Der Fall ist insofern interessant, als Bähres Komplice Gräß, der gemeinsam mit ihm den Raubmord verabredet und ausgeführt hat, in einer früheren Verhandlung nur wegen schweren Raubes mit Todeserfolg verurteilt worden ist. Man steht somit vor der Tatsache, daß zwei Angeklagte wegen eines gemeinsamen Verbrechens, das sie unter gleichen Umständen ausgeführt haben, von zwei verschiedenen Gerichten zu verschiedenen Strafen verurteilt worden sind. beim österreichischen Bundesministerium die Genehmigung zum Neue Schwebebahnen. Die Stadt Bregenz am Bodensee hat Bau einer Schwebebahn auf den Pfänder nachgesucht. Die benachbarte bayerische Stadt Lindau i. B. hat sich bereits mit diesem Plan beschäftigt und im Interesse der Stadt beschlossen, ihn zu unterstützen. Aus der Partei. Zum Rüdfriff Tom Shaws. Sinfendungen für diese Rubrit find Berlin. 68, Lindenstraße 3. für Groß- Berlin ftets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Treb. rechts, au richten. Heute, Sonnabend, den 30. mai: Jungfozialisten. Gruppe Lankwiz: Alle Teilnehmer zur Pfingstfahrt nach Swinemünde treffen sich heute, Sonnabend, pünktlich Uht, Bahnhof Steglik. Abfahrt Berlin 8,40 Uhr mit dem Sonderzug des Reichsbanners. Gruppe Schöneberg: Mitglieder, welche an der Pfingstfahrt teilnehmen, treffen fich heute abend 7 Uhr Stettiner Fernbahnhof( Normaluhr). Fahrt geht nach Lychen. Morgen, Sonntag, den 31. Mai: 108. Abt. Röpenid. Pfingstfpaziergang nach Ravensteiner Mühle. Treffpunkt morgens 6 Uhr Bahnhof Röpenid. Jugendveranstaltungen. and bleibt am 3. Feiertag geschloffen. Das Jugenbjekretariat ist heute, Sonnabend, bis mittags 12 Uhr geöffnet Heute, Sonnabend, den 30. mai: Steglik: Scharmügelfee- Springsee- Grubenmühle. Treffpunkt 8 Uhr Gör. Tiger Bahnhof. Often( Sttalaner Viertel): Treffpunkt zur Pfingstfahrt abends 6 Uhr, Bahnhof Treptow( Parkfeite). Südost( Reichenberger Biertel): Treff punkt zur Pfingstfahrt 3 ühe Stettiner Bahnhof. Dienstag, den 2. Juni, abends 7% Uhr, Abteilungsmitgliederversammlungen: Schönhaufer Borstadt: Schule 3bfente. 17.- Marienbort: Alte Schule, Das Administrativkomitee der Sozialistischen Arbeiter- Inter- Dorfitt. 7. Reukölln III: Jugendheim Nogatstr. 58. Reukölln V: Jugend. nationale hat sich in seiner Sigung vom 25. Mai mit der Demission heim Schierkeſtr. 44. Reinidendorf Ost: Geebab, Residenafte. 46. des Genossen Tom Shaw als Sekretär der SAJ. beschäftigt. Genoffe Sham sprach den Wunsch aus, seine Tätigkeit im Sekretariat Vorträge, Vereine und Versammlungen. der SAJ. schon mit Ende Juni abzuschließen, da er genötigt ist, bereits in diesem Zeitpunkt sein neues Amt als Sekretär der Textilarbeiterinternationale anzutreten und die Ueberführung des Sekre tariats biefer Organisation nach London und dessen Neuorganisation seine Zeit überaus start in Anspruch nehmen werde. Das Adminiftratiofomitee trug dem Wunsche des Genossen Shaw Rechnung, ere fuchte ihn jedoch, außer an den für den Monat Juni anberaumten Konferenzen auch an dem Internationalen Kongreß in Marseille teilzunehmen und dort das von ihm schon früher übernommene Referat über den Achtstundentag und die Ratifilation der Bashing toner Konvention zu erstatten. Im Namen des Administrativkomitees richtete der Borfigende Genosse Henderson folgendes Schreiben an Genossen Sham: Mein lieber Shaw! Das Administrativkomitee der SAJ. stand heute morgen por der außerordentlich bedauerlichen Not mendigkeit, sich mit Ihrem Rücktritt als einer der Sekretäre der SAJ. befaffen zu müssen. Die Mitglieder des Romitees, die fich innern Widerstrebens gezwungen sehen, Ihren Rücktritt zur Kennt nis zu nehmen, andererseits aber mit großer Befriedigung davon gehört haben, daß Sie Ihre Tätigkeit als Sekretär der Textil. arbeiterinternationale wieder aufnehmen, ersuchten mich, als ben Borsitzenden, Ihnen folgendes zu übermitteln. Im Namen unserer ganzen Internationale möchten wir Sie bitten, dessen versichert zu sein, daß wir immer der Hingabe, mit der Sie der internationalen sozialistischen Bewegung gedient haben, dankbar gedenken werden und uns freuen, daß, indem Sie Ihre neue Pflichten Ende Juni übernehmen, Sie fortfahren werden, als Mitglied der internationalen Gesamtbewegung weiter zu arbeiten. Indem wir Ihnen die besten Wünsche von allen in der internationalen Bewegung, in deren Namen wir sprechen dürfen, übermitteln, verbleibe ich Ihr treuer Artur Henderson." Da Genosse Friedrich Adler sich bereit erklärt hat, die Gea fchäfte des Sefretariats bis zum Rongreß und solange dies nach dem Kongreß nötig sein wird, um die Kontinuität der Arbeiten zu sichern, allein zu führen, hat das Administratiofomitee beschlossen, die Frage der Neubesetzung des Sefretariats erst bei der nächsten ordentlichen Sigung der Erefutive, die dem Kongreß der SAJ. unmittelbar vorausgehen wird, auf die Tagesordnung zu sehen. Tagung der Erefutive der SA3. Das Administrativkomitee hat beschlossen, daß die Erekutive der SAI. am 19. Auguft. 10 Uhr vormittags, in Marseille zusammentreten wird. Die Schlußsihung der Exekutive nach dem Kongreß wird am 28. Auguft abgehalten. Arbeitersport. Arbeiterfußballer auf Reisen! Zu den Pfingstfeiertagen unternehmen verschiedene Berliner Bereine wieder Reisen durch Deutschland. Stern- Marienfelde fährt nach Birna und Großenhain; linion Bankow spielt in Roswig und Joniz; Lichtenberg I schickt seine Ib- Mannschaft nach Dresden- Rade beul; die Rathenower fahren nach Schönebeck und Jeßniz: Sp.-Cl. Tegel 24 spielt gegen Boruffia- Welzom; N.- 2. Sparta 11 schickt drei Männermannschaften in die weite Welt. Die erste Männermannschaft fährt nach Glauchau und Strimmitschau, die Ib- Mannschaft nach Schellenberg und Thun, die zweite Mannschaft nach Raschüz, während die Jugend die erste Mannschaft begleitet. Borwärts Hennigsdorf fährt nach Jeßnih und Raguhn; Lichtenbergs Dritte nach Frankenhausen; Alt- Glienice spielt gegen Zwickau mit zwei Mannschaften; MSC. fährt nach Kirchhain; Kontorbia nach Bittenberge; Oberspree spielt mit der ersten Jugend- und zweiten Männermannschaft gegen Grödig und Strehla; Bader 21 gegen DinmpiaGuben. Der diesjährige Kreismeister Stralau stattet Westdeutschland einen Besuch ab. Am ersten Feiertag spielt Stralau gegen Holz minden und am zweiten Feiertag gegen Bielefeld. Wir wünschen allen Vereinen eine frohe Fahrt und hoffen, daß sie dem Arbeitersport neue Anhänger zuführen. Pfingstspiele in Berlin. Am ersten Feiertag spielt Belten gegen eine Münchener Mannschaft. Einigkeit- Bepernick gegen Birkenwerber in Bepernick; Lichtenberg I gegen Hanfa in Lichtenberg am Bahnhof Stralau- Rummelsburg; Velten gegen Stralau Ib und alte Herren in Belten; Briefelang gegen Fichtenau in Brieselang; Adler 12 gegen Wilmersdorf in der Schwedenstraße. Am zweiten Feiertag spielen ASB. 24 gegen München in der Christianiastraße: Bernau gegen Amateure in Bernau. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Stamerabschaft Steglig: Sonnabend, ben 30. Mai, abends 7 Uhr, treffen fich die Teilnehmer an der Fahrt nach Swineminde am Marktplek in Stealis. Kameradschaft Tiergarten: Gonnabend, den 30. Mai, nachmittags, find die Fahrkarten nach Swinemünde in der Vorwärtsspedition Wilhelmshavener Str. 36 abzuholen. " Freireligiöse Gemeinde. 1. Feiertag, vormittags 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortbag des Herrn A. Domben:„ Geist und Leben". Harmonium: Wotans Abſchied, aus Walküre"( Wagner). Gäfte willkommen, Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin.( Gegr. 25. März 1892.) Montag, ben 1. Juni( 2. Bfinglifeiertag), Familienausflug nach der Ravensteiner Mühle bei Friedrichshagen. Treffpunkt bafelbst von 2 Uhr ab. Ab 5 Uhr Waldspiele. Donnerstag, den 4. Juni, abends 8 Uhr, im Vereins. Total, Röpenider Gtr. 70a, plattdeutscher Vortragsabend. Bortragender Lands. mann Sugo Brügge. Bandsleute, Gäfte find sehr willkommen. Geschäftliche Mitteilungen. Terraffen am Drankefee. Die altberühmten Terraffen am Drankefee in Sohenschönhausen haben in diefem Jahre einen großzügigen Ausbau erfahren. Das Etablissement ist unter der Direktion von Baul Mißfelb neu eröffnet worben und bereits feit Oftern wieder in vollem Betrieb. Für das bevorstehende Pfingstfest ist es durch Autobus und Straßenbahn bequem zu er reichen bas willkommene Ausflugsziel der Bevölkerung unferer Weltstadt. Die modern angelegten, mit fünstlerischem Gartenschmuck verschenen Terrassen bieten den angenehmsten und erfrischendsten Aufenthalt, wobei die Konzerte eritilaffiger Rünstlertapellen für fünfilerische Unterhaltung forgen. Pfingsten am Orantefee wird die Barole fein, beren Befolgung jedermann, jung und alt, beglüdt und erfreut. Briefkasten der Redaktion. 1 M.$. 22. Wenn Sie aus der Kirche austreten wollen, fo milffen Gie eine bahingehenbe Erklärung dem Amtsgericht gegenüber abgeben. Falls Sie nicht persönlich auf das Gericht gehen wollen, jo tönnen Sie sich auch an einen Rotar wenden. A. G. Töpfer. Es ist sehr zweifelhaft, ob der Hauswirt verpflichtet ist, bie Raumüberlaffung an eine britte Berfon zu geftatten. Unferes Erachtens ist die Frage zu verneinen. Rufen Sie bas Miefeinigungsamt gue Entfcheibung an. Falls es fich flie auständig halten follte, fann es die zu ſtimmung erfegen. S. D. 10. Rein. Jedenfalls fann der Hauswirt auf Unterlassung klagen.. S. 100. Die Rente muß weiter gezahlt werden. R. 6. R. 5. Das Gnadengefuch ist an den Beauftragten für Onabenfachen besjenigen Landgerichts au richten, das die Berurteilung ausgesprochen hat. Republik. 1. Ja. Es handelt fich aber um Riffer( nicht Abfah) 2. 2. und 3. An bie Staatsanwaltschaft obet bie Polizeibehörbe. D. B. 11. Die Teilnahme am Religionsunterricht flebt der Anmeldung aur Jugendweihe nicht entgegen. Eine Pflicht, ben Konfirmandenunterricht zu besuchen, besteht nicht. Im übrigen trifft bie Auskunft des Lehrers au. A.., Sichtenberg. In ber Mitteilung ist unter Umständen eine Beleidigung au erbliden. Es fann auf Geldstrafe oder Gefängnis erkannt werden. 2. 3. 12. Rommen Sie in unfere juristische Sprechstunde und bringen Sie alle auf bie Angelegenheit bezüglichen Papiere mit. G... 1. Der Mutter gebührt ein Biertel. Die beiden Söhne erhalten je brei Achtel und bie Enkel aufammen ebenfalls bret Achtel. Die Schwiegertochter tommt als Erbin nicht is eage. 2. Rechnen Sie den Betrag in Goldmark um und bieten Sie ihn. bem Gläubiger an. Gefeglich ist bie Frage nicht geregelt. 3. Wegen der Unterhaltsgewährung an bie Eltern hat ber Sohn nur dann Ansprüche, wenn eine Bergütung bafür mit ihm vereinbart worden ist. 4. Sier gift basfelbe wie zu 3., S. 200. Ru ben Erben eines Ehemannes gehört auch die Ehefrau, fofern fie am Leben und die Ehe nicht gefchieben und von der Erbfolge durch Teftament nicht ausgeschlossen worden ist. Leinestraße. Das Arbeitsverhältnis Ihrer Frau tönnen Sie fristlos tündigen, müssen fich aber hierzu vom Bormundschaftsgericht ermächtigen laffen. Das Bormundschaftsgericht hat die Ermächtigung zu erteilen, wenn sich ergibt, daß die Tätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt. Wegen des ehewidrigen Berhaltens Ihrer au lönnen Sie nur bie Chescheidungstlage gegen fie anstrengen. Gegen den Mann" S. W. 47. Ein Testament, bas nicht vor tönnen Sie nichts unternehmen. einem Richter oder einem Notar errichtet ist, ift gültig, wenn die Erklärung von dem Erblaffer unter Angabe des Ortes und Tages eigenhändig geschrieben und unterschrieben ist. Die Ruziehung Dox Reugen oder die Beglaubigung ber Unterschrift durch die Bolizeibehörde oder den Rotar ist nicht erforderlich. Ein Exemplar genügt. Weffer für Berlin und Umgegend. Woltig bis heiter, nur wenig faster. Für Deutschland. In Westdeutschland Fortbestand der Reigung zu Regenschauern, sonst überall wolkig und heiter. Im Dsten etwas fübler. Das offene Geheimnis desvollen, Seidenweichen Haares SCHERING FEER SEIFE FLUSSIGE HILLER IN APOTHEKEN: DROGERIEN. PARFUMERIEN. FRISEUROESCHÄFTEN Schering's grüne Apotheke, Berlin N. 4, Chausseestr. 24. Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A.G. Steuerdruck und Volkseinkommen. Was bleibt vom Arbeitsverdienst? 3wölf Gesegesvorlagen, von denen neun die Steuergesetzgebung, zwei die Aufwertung und eine die 3 ölle betreffen, sollen die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik für die Zukunft bestimmen. Wir stehen inmitten einer Steuerreform, deren Gesicht ganz wesentlich durch die Höhe der Zolleinnahmen beeinflußt werden soll, und wir haben eine weitere Belastung des Volkes vor uns, was durch die endgültige Zerstörung seiner Aufwer= tungswünsche um die letzte Reserve, auf deren Wiederaufleben es hoffte, gebracht worden ist. Die augenblickliche Reichsregierung hat demnach bis heute noch nicht einmal überschlägig berechnet, ob die biciten Massen des Volkes die beabsichtigte ungeheuerliche Belastungsprobe überhaupt auszuhalten vermögen. Deswegen sei hier einmal von verschiedenen Seiten aus untersucht, wie es mit der steuerlichen und sonstigen Belastung des Volkes in Wirklichkeit aussieht. Naturgemäß ergeben Durchschnitts berechnungen immer nur ideelle Zahlen, aber gerade diese haben die stärkste Beweiskraft, weil sie nicht von den Zufällen der Einzelgrundlage beeinflußt werden können, sondern aus größten Zahleneinheiten erwachsen. Nach den Angaben des Reichsfinanzministeriums haben wir in Deutschland 28 Millionen Einkommensteuerpflichtige. Davon stehen 21 Millionen in Lohn und Gehalt, sie leisten ihre Einkommensteuer auf dem Wege des Lohn- und Gehaltsabzuges. Die restlichen sieben Millionen Einkommensteuerpflichtigen zahlen ihre Steuer auf Grund der Selbsteinschäzung, im alten bekannten Beranlagungsverfahren. Das Aufkommen an Einkommensteuer betrug im Finanzjahr 1924/25( 1. April 1924 bis Ende März 1925) an Lohn- und Gehaltsabzug durch Selbsteinschägung. 1329 Millionen 862 auf. 2191 Millionen Es wäre außerordentlich interessant, an der Hand dieser Steuer auf das allgemeine Voltseinkommen Schlüsse zu ziehen. Leider hat es die deutschnational- volksparteifiche Reichsregierung bei einer Berechnung des Lohn- und Gehaltseinkommens bewenden las sen. Sie nimmt an, daß der durchschnittliche Einkommensteuerabzug 8,7 Pro 3. beträgt( bei durchschnittlich 2,3 Köpfen pro Familie), rechnet dazu, was an Einkommen steuer frei bleibt, und stellt an Hand dieser Ziffern die kühne Behauptung auf, das Einkommen der Lohn- und Gehaltssteuerpflichtigen habe im Jahre 1924/25 rund 30,2 milliarden Goldmark betragen! Man rechne einmal auf dieser Basis weiter! Die LandwirtIchaft hat im Organ des Reichslandbundes einen Herrn Dr. GlaaBen errechnen lassen, daß die Landwirtschaft 11 Milliarden Jahreseinkommen habe. Dies fällt, soweit es einkommenSteuerpflichtig ist, unter die Gruppe jener 7 Millionen Zenfiten, die sich selbst einschägen. Zu dieser gehören aber auch Handwerk, Hondel und Industrielle, Bankiers und Rentenbefizer. Ihnen muß man doch mindestens das gleiche Einkommen zuerkennen, das die Landwirtschaft hat. So kämen wir auf der Basis der Berech mningen des Reichsfinanzministeriums letzten Endes zu einem Jahreseintommen von nahezu 55 Goldmilliarden. Bon dieser Ziffer ist die Geldentwertung( etwa 40 Broz.) abzusetzen; dennoch: auch der blindwütigste Ententevertreter wird erklären, daß die Ziffer nicht stimmen fann. Warum hat aber die derzeitige Reichsregierung für die Lohn- und Gehaltspflichtigen so hoch und sichtlich falsch gerechnet, wollte sie dem Volke ein hohes Einkommen vorspiegeln, um aus seinen Taschen recht viel herousnehmen zu können? Oder wollte man zu hohen Zahlen kommen, um den Lohnsteuerabbau recht schrecklich erscheinen zu lassen? Es wird schwer sein, auf diese Fragen eine flare Antwort zu bekommen. Auf der anderen Seite ist das charakteristische, daß sogar die viel zu hoch greifende Einkommenziffer der Lohnund Gehaltssteuerpflichtigen schon eine bedrückende Belastung durch Steuern, Zölle und Abgaben ergibt, man muß nur nach der anderen Seife rechnen als das die Reichsregierung getan hat. Es ist unbestritten, daß rund 80 Proz. des gesamten Aufkommens an Reichseinnahmen aus Maffenbelastung entstehen. Was bleibt den Cohn- und Gehaltsempfängern? Die gesamten Reichseinnahmen werden für 1925/26 etwa 8 Milliarden betragen, dazu kommen 3,3 Milliarden Lasten, die zugunsten der Länder und Gemeinden zu tragen sind, und die Ueberschüsse der Post( etwa 0,2 Milliarden). Von dieser Volksbelastung ( 11,5: 80 Broz.) entfallen rund 8,7 milliarden auf die breite Maffe. Dies sind die 21 Millionen Lohn- und Gehaltssteuerpflichtigen, die nach der Errechnung der Reichsregierung etwa 48 bis 49 Millionen der gesamten Bevölkerungszahl Deutschlands ausmachen. Für deren Einkommen ergibt sich dann die folgende Berechnung: Jahreseinkommen der lohnpflichtigen Arbeiter, Angestellten, Beamten.. Dabon gehen ab: Stenerla st 8,7 Soziallaft des Arbeitnehmers 0,9 Voraussichtliche Belastung durch Zölle mindestens.. 30,2 Milliarden . 1,0 gui. 10,6 verbleibt Nettojahreseintommen von • 19,6 Milliarden Zur Erläuterung sei bemerkt, daß von 1907 bis 1912 nach Bren tano jährlich der Reichskasse durchschittlich 130 Millionen Mart zuflossen, in die Taschen Privater flossen. Dagegen 906 Millionen 30llgeminn. Wir sehen an Zoll und Privatgewinne für das Jahr nicht 1036, sondern mur rund 1000 Millionen ein. Von diesen 19,6 milliarden Nettoeinfommen leben in Deutschland 21 Millionen Steuerpflichtige, mit Familienangehörigen zusammen etwa 48 bis 49 millionen Köpfe. Bei Durchrechnung dieser Ziffer ist zu beachten, daß ein Teil der Gehaltssteuerpflichtigen( Bezieher hoher Behälter) noch anderes Einkommen heben( Vermögen, Spefulationsgewinne usw.), auf der anderen Seite ist zu beachten, daß die Familie der Bezieher kleinster Einkommen meist nicht aus nur 2,3 Köpfen, sondern aus erheblich mehr Familienmitgliedern besteht. Pofitive und negative Korrektur der Gesamtzahlen heben sich deswegen auf. Was ergibt sich demnach? Agrarische Kosten- und Preisstatistik. Zu der unter der Ueberschrift„ Die schweigsame Hauptlandwirt schaftsfammer" in Nr. 231 des„ Bormärts" abgedruckten Notiz reicht uns die preußische Hauptlandwirtschaftskammer eine Entgegnung ein. Die entscheidenden Säße lauten: " Für die wegen des verfügbaren Blazes notwendige Auswahl der zu berücksichtigenden Gegenstände find 3medmäßigkeitse gründe und feine tendenziösen Absichten maßgebend gewesen. Hätten lettere mitgesprochen, so wäre es ein Leichtes gewesen, die Breisverhältnisse der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die seinerzeit für die Landwirtschaft besonders ungünstig waren, start in den Bordergrund treten zu lassen. Man hätte nur, wie der Vorwärts" jetzt anregt, alle landwirtschaftlichen Getreidearten und dergleichen berücksichtigen und andererseits auch zahlreiche Betriebsmittel, sa & B. Handelsfuttermittel, heranzuziehen brauchen. Die größere Zahl der Düngemittel, welche sich in den Preiszusammenstellungen findet, ist darauf zurückzuführen, daß seinerzeit ganz erhebliche rela tive Preis unterschiede bestanden und diesbezüglichen Wüns schen seitens der Industrien nachgekommen werden sollte. Im allgemeinen sind aber von jeder Gruppe der Bedarfsgegenstände immer nur eine oder zwei Arten herangezogen worden, also z. B. unter Futtermitteln Mais, unter Getreide Roggen, unter Hackfrüchten Kartoffeln, unter den Erzeugnissen der landwirtschaftlichen Nebens gewerbe Butter ujm. Der Ueberblid, den derartige lebersichten, wie die vorliegende, abgeben sollen, wird sicherlich dadurch tein vollständigerer und besserer, daß man die Zahl der Gegenstände rbeliebig ausdehnt. Daraus ergibt sich die notwendige Beschränkung, die auch deshalb begründet ist, weil zwischen den Preisen von Gegenständen einer Gruppe, also z. B. den verschiedenen Getreidearten, oder den verschiedenen Erzeugnissen in der Milchs wirtschaft ein bestimmter fester Zusammenhang zu bestehen pflegt, so daß also die Heranziehung eines Gegenstandes in diesem Falle durchaus genügt. Es kommt hinzu, daß der Ueberblid verloren geht, menn die Auswahl der herangezogenen Gegenstände wiederholt mech Das Nettoeinkommen der Lohn- und Gehaltssteuerpflichtigen be- felt; das ist, wie ausdrücklich hervorgehoben werden muß, nicht trägt für die Durchschnittsfamilie von 2,3 Köpfen geschehen, schon mit Rücksicht darauf, daß dann der Berdacht tendenziöser Abfichten näher gelegen hätte. jährlich ganze 933 Mark! Auf das einzelne Familienmitglied entfallen demnach im Durchschnitt 406 Mark. Bei den vorstehenden Ziffern muß immer wieder betont werden, daß sie nicht auf Grundlagen beruhen, die aus der Luft gegriffen sind, sie stammen aus dem Reichsfinanzministerium des Herrn v. Schlieben, und sind, wie schon erläutert, viel zu hoch! In der eben im Verlag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erschienenen Arbeit„ Gegen das Steuerunrecht", die sehr beachtliche erichienenen Arbeit„ Gegen das Steuerunrecht", die sehr beachtliche Untersuchungsergebnisse der freigewerkschaftlichen Steuerfommission bringt, berechnet Prof. Dr. Hirsch, Staatssekretär z. D., die Not des Volkes auf anderem Wege. Staatssekretär Hirsch geht ebenfalls aus von einer Volts be= lastung in Höhe von 11,5 Milliarden aus( 8 Milliarden Reichseinnahmen, 3,3 Milliarden Länder und Kommunen, 0,2 Milliarden Postüberschuß). Gegenüber der Vorkriegsbelastung( insgesamt 5,4 Bostüberschuß). Gegenüber der Borkriegsbelastung( insgesamt 5,4 Milliarden) ist sonach die heutige öffentliche Belastung weit mehr als um das Doppelte gestiegen. Die tatsächliche Belastung des deutschen Volkes betrug nach Hirsch in der Borkriegszeit in dem größeren und zweifellos reicheren Deutschland auf den Kopf der Bevölkerung 85 Mart oder für die vierköpfige Familie einschließlich der Zölle, direkten und indirekten Steuern sowie des Schuldendienstes 340 Mart. Dagegen beträgt Nach alledem liegt für die Hauptlandwirtschaftskammer teine Beranlassung vor, eine Aenderung in den Bretszusammen ftellungen, so wie der Bormärts" es wünscht, vorzunehmen. Sie wird sich auch weiter von rein fachlichen(?) Erwägungen hierbei leiten lassen." Dazu haben wir unsererseits zu bemerken: Die Ermiderung geht an unserer Kritik vorbei. Unter den Betriebsmitteln der Landwirtschaft, die die Hauptlandwirtschaftskammer in ihrer Stas tistik berücksichtigt, befinden sich einige, die auf die landwirtschaftliche Produktion von geringem oder gar feinem Einfluß find. Dazu ge hört Stabeisen, das als solches vom Landwirt überhaupt nicht gebraucht wird. Daneben stehen Betriebsmittel, die den Kostenstand der landwirtschaftlichen Produtiion geradezu entscheidend beein flussen. Stid stoff und Rali, die billig sind und besonders im Großbetrieb viel gebraucht werden, stehen neben Seiler- und Web4 waren, an denen der Aufwand in gleichartigen Betrieben nur ge ring ist. So wird ob gewollt oder nicht der Eindrud ermedt, daß die Kosten der agrarischen Produktion viel höher find als es in Wirklichkeit der Fall ist. Dieselbe Gründlichkeit", mit der man die sachlichen Betriebsmittel aufzählt, ist auf der anderen Seite, mo die Einnahmen der Landwirtschaft in Betracht kommen, zu vers die gegenwärtige Belastung auf den Kopf des Deutschen missen. Ein grundsäglicher und nicht abzustellender Fehler ist aber 180 Mark oder auf die vierföpfige Familie rund 750 Mart! Es wäre eine beachtliche Tat, wenn die augenblickliche Reichsregierung zu ihrem Teil einmal errechnete, mas jeder Deutsche an Lasten zu tragen hat; fie möge dabei nur nicht vergessen, die Unterlagen noch einmal nachzuprüfen. Wir werden vergeblich auf jene Zahlen warten. Ist doch bis jetzt noch nicht einmal vom Reichsfinanzministerium befannt gegeben worden, wie hoch fie die Jolleinnahmen bei Annahme ihrer Zollvorlage schätzt! Man sieht es am liebsten, wenn die andern schweigend zahlen. Und damit ihnen das leichter wird, errechnet man ihnen gelassen wird, daß die Rechenkunststückchen des Reichsfinanzein hohes Einkommen, wobei im llebereifer auch noch außer acht ministeriums dem deutschen Volke womöglich bei der Wiedergutmachung als 3uschlag angerechnet werden. und Das Bolt ist in Not, die Reichsregierung rechnet falsch wo bleibt der auf allen Plakatfäulen angekündigte Retter? K. Hg. Berlängerung des deutsch- tschechischen Kohlenabkommens. Die in Prag geführten Verhandlungen über das deutsch- tschechoslomatische Kohlenabkommen haben zu einer Vereinbarung geführt, nach welcher das bisherige Abkommen ohne Aenderung bis zum 31. Oftober 1925 verlängert wurde. noch auf der Betriebstoftenfeite. Zu einer vollständigen Aufzäh lung der Betriebskosten gehört, daß bei den Preisen für Betriebs mittel der Landarbeiterlohn, der ja einen erheblichen Faktor in der landwirtschaftlichen Produktionskostenrechnung aus machen soll, gewürdigt wird. Die Zusammenstellung der Breife landwirtschaftlicher Erzeugnisse müßte, soll sie objektiv sein, auf diefelbe Zahl von Artikeln ausgedehnt werden, auf die man die Sufammenstellung der Preise landwirtschaftlicher Betriebs mittel ausgedehnt hat. Ein wiederholter Wechsel" der zur Bes rechnung herangezogenen Gegenstände ist dazu nicht erforderlich. Es bleiben eben nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man will die Lage der Landwirtschaft tendenziös darstellen dann sind die Statistiken der Hauptlandwirtschaftskammer dazu unbedingt ge eignet. Oder man will objektiv arbeiten dann bedarf es einer Korrektur der Aufstellung. Will diese aber sie nicht abändern, fa bleibt es eben Pflicht der Arbeiterpreffe, vor falschen Schlüssen za warnen. Die Fabel, daß die Landwirtschaft heute wegen zi hoher Produktionsfoften Schutzölle braucht, wird nicht durch gefärbte Berichte zur Wahrheit, auch dann nicht, wenn die Haupt landwirtschaftskammer mit ihren Veröffentlichungen sich und ihre Anhänger täuscht. 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Die Tag« werden immer heißer, die Menschen wissen nicht, wo sie vor der Hitze hin sollen, die Kinder sterben wie die Fliegen. Ohne Kwaß könnte man er- sticken. Ich komme zehnnial täglich nach Hause, um neuen Kwaß zu holen. Elias bemerkt, daß der Kwaß bald zu Ende geht, und es fällt ihm ein, ein paar Eimer Wasser in da» Faß zu gießen. Ich muß euch sagen, daß ich mit eigenem Verstand schon viel früher darauf gekommen bin. Fast täglich gehe ich zu unserer Nachbarin Peßja und traktiere don alle mit dem Kwaß unserer Fabrikation. Ich biet« Peßja ein Gläschen an, ihrem Mann Moischa zwei— er ist doch ein prächtiger Mensch!—, allen ihren Kindern— zehn an der Zahl— je ein Glas, sie sollen auch wissen, was für«in feines Getränk wir brauen! Dann muß ich noch den alten, blinden Onkel bewirten, er tut einem so leid, der unglücklich« Mann. Und um den Verlust wieder zu ersetzen, fülle ich mein« Kann« mit Wasser voll: an Stelle eines oerschenkten Glases Kwaß goß ich in die Kanne zwei Glas Wasser. Jetzt machen zu Hause es all« ebenso, und unser Faß bleibt immer voll. Nicht ein Tropfen geht ver- loren, und wir verdienen sehr gut. Mama bezahlt allmählich die alten Schulden, sie hat die not- wendigsten Sachen vom Leihhaus zurückgeholt, Im Hause gibt es wieder einen Tisch und«ine Bank, an den Sonnabenden esien wir Weißbrot, Fleisch und Fisch. Mir hat man sogar ein Paar Stiefel versprochen, nein, wirklich— wem geht es besser als mir? v. Wer hätte gedacht, daß unser Kwaß plötzlich seinen ganzen Wert verlieren würde? Ein Glück noch, daß wir nicht in» Gefäng- vi» kamen. Ich war eine» Tag«, wieder bei der Nachbarin Peßja und bewirtete dort alle, ohne mich selbst zu vergesien. E» fehlten mir nach meiner Berechnung so dreizehn, vierzehn Gla» Kwaß, ich ging in die Küche, wo sie da» Wasier halten, doch anstatt an das Dafferfoß, kam ich an da» Waschfaß. Ich gieße an die zwanzig Glas in meine Kanne und geh«,«in neues Liedchen singend, auf die Straß«. Ein Jude hält mich an. zahlt eine Kopeke nnd bittet mn ein Glas Kwaß. Er trinkt und krümmt sich: „Junge, was hast du da für ein Getränk?' Ich kümmere mich wenig um ihn. schon stehen zwei ander« Käufer da und warten auf ihr« Portton. Der eine schluckt ein halbes Gla» hinunter, der andere nur ein drittel! sie zahlen, spucken aus und gehen. Ein anderer bringt das Glas an seine Nase, pro- biert da» Getränt und sagt, e» stinke nach Seife und habe einen salzigen Beigeschmack. Der folgend« sieht in» Glas hinein, riecht daran und gibt es mir zurück: „Was hast du da?' .Kwaß.' »Das ist kein Kwaß, da» Ist Schweinsbrühet' Es kommt ein neuer Käufer. Dieser kostet den Kwaß und gießt mir da» ganze Gla» auf den Kops. All« schreien nun. er- Hitzen sich, fuchteln mtt den Händen. Ein Schutzmann fleht die Menge, kommt näher und fragt, wa» lo» ist. Man erzählt ihm. Er kommt auf mich zu, guckt in die Kann« und befiehlt mir, ihm ein Gla» einzuschenken. Er trinkt ein wenig, spuckt aus und fährt mich an: „Wo hast du da» Spülicht her?' .Er wird nach dem Buch« gemacht,' sag« ich,.mein Bruder macht den Kwaß, selbst braut er chn.' .Wer ist dein Bruder?' .Elias.' .Wa» für ein Elias?' »Sprich nicht von deinem Bruder, du Dummkopf!' sagen gleich- zeitig mehrer« Juden auf jüdisch. E« entsteht ein großer Lärm. mit jeder Minute kommen mehr Menschen hinzu. Der Schutzmann hüll mich an der Hand und will mich Ins Polizeirevier führen. .Schade, um den armen Jungen! Er ist eine Waise!' höre ich von allen Seiten und mein Herz ahnt, daß die Sache ein schlechtes Ende nimmt. Ich seh« die Menge an:.Habt Mitleid, ihr Juden!...' Man will schon dem Schutzmann wa» in die Hand drücken, er nimmt aber nichts an. Plötzlich wendet sich ein aller Jude mit llsttgen Lugen an mich: .Du. Kleiner, reiß mal die Hand los und zeig« dein« Fersen!' Ich reiße meine Hand schnell heraus und laufe im vollen Galopp direkt nach Hause. Halb tot, halb lebendig stürze ich ins Zimmer. .Wo ist die Kanne?' frägt Elia». .Auf der Polizei,' antworte ich mtt großer Müh« mft werfe mich in Mama» Schoß. VI. Bin ich aber ein dummer Kerl! Ich dachte, man wird mich aufhängen, weil ich schlechten Kwaß oerkauft habe. Nicht» der. gleichen ist geschehen, umsonst habe ich die Angst gehobt. »Verkauft doch Jente Talg anstatt Gänseschmalz, und der Schlächter Gedaije hat ein ganze, Jahr lang die Bevölkerung mtt � verdorbenem Fletsch gespeist, ohne daß ihm was postiert wäre!' tröstete die Nachbarin Peßja meine Mutter. Eine sonderbare Frau ist mein« Mutter: alle, betrübt sie! Mein Bruder Elias ist in dieser Beziehung viel bester,.«r macht sich nicht- au, diesem Mißerfolg. Hat-r doch das Buch, da» er bereit» auswendig kennt, und darin g-bt es noch so viele Rezepte! Jetzt will er Tinte fabrizieren._ Etwas von Einstein. von Vr. V. vorchardt. AI» durch unseren militärischen und wtrtschastlichen Zusammen- bruch die Staatsumwälzung ousgelöst wurde, richtete unser leider viel zu früh verstorbener Genoste Dr. Leo A r o n» in seinem an- oenvüstlichen Optimismus von seinem Krankenlager aus am 11. November 1918«inen Offenen Brief an Rektor und Senat der Umverft- tät Berlin, worin er sie aufforderte, einen Kongreß oller geistigen Kräfte zu oeranstallen. damit diese sich in zielbewußter Organisation der Regierung und dem neuen Staat zur Verfügung stellen, um die geistigen Kräfte der Ration für dt« Neugestaltung von Groß-Deutsch- Wilhelms. Endlich ist es gelungen, auch den letzten der aus dem Zoo entwichenen Schimpansen in einem dort in der Nähe liegenden �okal festzunehmen. Sc war auf seiner 5lucht über die Dächer in ein Warenhaus an der Tauentzien- straße eingestiegen, hatte stch europäisch eingekleidet und war bei einem feudalen Korps aktiv geworden. land nutzbar zu machen. Er erhielt zwar manche Zustimmung, aber auch mancherlei Zweifel wurden geäußert, daß die llnioersitäts- lehrer sich an die Spitze einer geistigen Bewegung stellen könnten. Einstein schrieb:»Die Professoren haben in diesem Kriege zur Evidenz gezeigt, daß man von ihnen in politischen Dingen nichts lernen kann, daß es dagegen dnngend not tut, daß s i e «ins lernen, nämlich Maul halten! Deshalb kann ich mich Ihrem Vorschlage nicht anschließen.' Aron» mußte zwar die Berechtigung der erhobenen Zweifel �u- geben, aber, getragen von der idealen Gesinnung, die allen, die diesem seltenen Menschen im Leben nahetreten konnten, so wohl be- könnt ist, gab er seine Bemühungen um Heranziehung der geistigen Kräfte unter Führung der Berliner Universität nicht auf— mit welchem Erfolg, ist nur zu bekannt. Die Mißachtung, in welche die Verehrung, die die Arbeiterschaft für die Männer der reinen Wissen- schaft von jeher gehabt hat. nicht zum Dorteil beider Seiten vielfach umgeschlagen ist, beruht fast ausschließlich aus der vollkommenen Ignoranz, welche diese Kreise in politischen Dingen gezeigt haben und die sie in das Lager des ödesten und olödesten Rationalismus geführt hat. Einstein ist allerdings eine selten« Ausnahm«, er ist Sozialist und Pozifstt. Am bekanntesten aber ist er doch als Naturwissenschaft- licher Forscher und Schöpfer der Relativitätstheorie. Ich will ver- suchen, diese rein physikalische Lehr« dem Verständnis etwas näher zu bringen, zum mindesten zu zeigen, von welchem Problem sie ihren Ausgang genommen hat. Daß eine Bewegung eines Körpers, d. h. eine Ortsveränderung mit der Zeit immer nur mit Bezug auf einen anderen als ruhend vorausgesetzten Körpers beschrieben werden kann, ist ja selbstoerständ- lich. Insofern muß also alle Bewegung relativ, d. h. bezogen aus etwas Ruhende« sein. Aber eine andere Frag« Ist doch, ob nicht vhysikalische Umstand« vorhanden sein können oder wirklich oorhan- den sind, die ein« absolute Bewegung erkennen losten. Nehmen wtr einmal an, daß aus dem Meer in unabsehbarer Entfernung von jedem Gestade und jedem al» festen Ruhepunkt in» Aug« zu fassen- den Körper«in Schiff mit gleichmäßiger Geschwindigkeit dahin- gleitet, so wird in den Kabinen und aus dem Deck des Schiffes niemand die Bewegung wahrnehmen können. Im Spielsaal werden die Billardkugeln sich genau so verhalten, als stände das Schiff still, als wäre es auf dem Meresarunde fest verankert. Läßt man aber auf dem Schiff eine Signalpfeife oder eine Glocke ertönen und mißt die Geschwindigkeit, mit der der Schall stch ausbreitet, der ja durch Erschütterungen der Lust, durch Lustwellen, fortgepflanzt wird, so erhält man ein andere» Resultat bei einem fahrenden al» bei einem ruhenden Schiff. Die durch die Luft vermittelt« Schallausbreitung hat«ine Geschwindigkeit von 33Z Meter in der Stunde, d. h. in einer Entfernung von 332 Meter vom Ausgangspunkt des Schalles vernimmt man ihn erst nach Verlauf einer Sekunde. Hat sich nun das Schiff in der Richtung�ln der man die Schallgeschwindigkeit nnßt, in dieser Zeit um 29 Meter fortbewegt, so ist die Schallquelle, die Pfeife oder Glocke auf dem Schiff, 29 Meter vorgerückt und der Punkt, bis zu dem der Schall In einer Sekunde gelangt ist, befindet sich von dieser Schallquelle aus dem Schiff gemessen nur 312 Meter entfernt, die Schallgeschwindigkeit wird hier asto nur zu 312 Meter gefunden. Bei Bewegung des Schiffes in entgegensetzet«! Richtung würde sich die Schallgeschwindigkeit zu 352 Meter ergeben. Für die Schallgeschwindigkeit muß man also und erhält auch tatsächlich sehr verschiedene Werte je nach der Bewegung des Schiffes, und um- gekehrt kann man aus der Messuno der Schallgeschwindigkeit auf dem Schiff seine Bewegung ermitteln und erkennen, seine absolute Bewegung, wenn man das'die Erde rings umgebende Luftmeer als absolut ruhend annehmen dürfte, sonst ist seine Bewegung relativ, d. h. bezogen auf die als ruhend angenommene Lufthülle. Nun oerhält sich die Erde mit allem, was auf ihr lebt und webt, ja selbst wie ein Schiff, das zwar nicht im Luftmeer, aber in dem sog. Aethermeer dahinschwebt. Die Physiker haben den Weltäther oder Lichtäther angenommen, eine überaus feine Substanz, die ohne jedes Gewicht den gesamten Weltraum erfüllt und durch den stch alle Weltkörper ungehemmt und ungehindert hindurchbewegen. Diese Annahme wurde gemacht, um die Ausbreitung des Lichtes, die ahn- lich wie die des Schalles in Wellen erfolgt, dem Verständnis be- greiflich zu machen. Für die Geschwindigkeit, mit der das Licht sich durch den Raum ausbreitet, ergaben hundertfach wiederholte, überaus feine und genau« Messungen den ungeheuren, fast unvorstellbaren Wert von 399 999 Kilometer in der Sekunde. Ist aber diese An- schauung zutreffend, so müßten Mestungen der Lichtgeschwindigkeit auf der Erde, auf diesem im Aethermeer dohinschwcbenden Schiff, je nach der Bewegungsrichtung und Bewegungsgeschwindigkeit der Erde, etwas abweichende Werte für die Lichlgejchwindigkeit liefern. Jahrzehntelang haben die Physiker solch« Messungen angestellt, als deren Resultat sich die absolute Bewegung der Erde, d. h. die Be- wegung bezogen auf den absolut ruhenden Aether ergeben mußte. Die Mestungsmethoden wurden allmählich so verfeinert, daß die zu messende Wirkung, wenn sie vorhanden wäre, stch den Physikern auch hätte verraten müsten— aber nichts konnte seltgestellt werden, in welcher Jahreszeit, d. h. bei welcher Bewegungsrichtung der Erde und in welcher Fortpflanzungsrichtung des Lichtes auch die Lichtgc- schwindigkeit gemesten wurde, immer ergab sich derselbe unveränderte Wert. Hieraus zog Einstein den Schluß, daß die Fragestellung überhaupt keinen Sinn hat, daß die Lichtgeschwindigkeit von der Erdbewegung unabhängig ist, und daß es physikalische Mittel über- Haupt nicht gibt, um festzustellen, ob und wie sich die Erde gegen den leeren Raum bewegt, daß also die absolute Bewegung, d. t. die Bewegung gegen den leeren Raum, für uns unerkennbar ist und bleiben wird. Auf die weiteren Folgerungen, die stch au» dieser Grundlage der berühmten Relativitätslehr« ergeben, kann hier nicht eingegangen werden._ (Eine neuartige Rudervorrichtung. Ein«ngtischer Erfinder hat eine neuartige Rudervorrichtung konstruiert, die im wesentlichen aus einer normalen Schiffsschraube besteht, deren Antrieb durch Pedale bewirft wird. Di« Vorrichtung kann an jedem Ruderboot befestigt werden und gestattet b«i angeblich sehr geringer Anstren- gung eine wesentlich größere Geschwindigkeit, al« sie mtt gewöhn- lichen Rudern erzielt werden kann. unferem lieben Bartelgenofen Gustav Prell heutigen Prellermählung bie herzlichften Gladwünsche. Abtellung 106, Johannisthal 8999890 eeeeeee Staats- Theater Lessing- Theater Opernhaus Tägl. 8 Uhr: 7: Der ferne Klang Leopoldine am Königsplatz Konstantin in Opernhaus 8 Uhr: Maskenball Schauspielhaus 7 Uhr: Brand im Opernhaus Schiller Theater Komische Oper 8 U. Dir. James Klein 8 U. Berlins einzigste und erfolgreichste Revue: Das hat die Welt Demimonde noch nicht geseh'n v.Alexander Dumas 7 U. Glack splix Trianon- Th. Gr.Volksoper Im Theat. d. Westens 7 Uhr: Maskenball Volksbühne Th Uhr: Datterich Deutsch. 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