Abendausgabe Nr. 253 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 124 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Sonnabend 30. Mai 1925 Berlag und Anzetgenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die englischen Kabinettsbeschlüsse. Bemerkungen zur französischen Antwort. Paris, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Bof- fitzende bezweifelte, daß das Lied„ Deutschland, Deutsch fchafter in Paris hat am Freitag dem französischen Außenminister land über alles" den Namen„ Deutschlandlied" führe.(!) Die AnBriand eine Note überreicht, die die Bemerkungen der englischen geschuldigten legten daraufhin dem Gericht ein Liederbuch vor, in Regierung zu dem ihr mitgeteilten Entwurf der franzöfifchen Ant- dem das von dem verstorbenen Reichspräsidenten Ebert zur wort auf das deutsche Garantieangebot enthält. Die Note gibt die Nationalhymne erklärte Lied überschrieben ist:„ Lied der Deutschen". in dem jüngsten Londoner Kabinettsrat gefaßten Beschlüsse Der Vertreter der Anklagebehörde beantragte Verurteilung. Die wieder. Die Morgenblätter teilen darüber mit, daß die von Frank- Verteidigung betonte, daß zwischen den Bezeichnungen„ Deutschlandreich entwickelten Gedankengänge in zahlreichen Punkten die lied" und Lied der Deutschen" nur ein sprachlicher Unterschied, nicht Zustimmung des englischen Kabinetts gefunden haben aber ein inhaltlicher Unterschied bestehe. Das Gericht verurteilte den und daß dieses sich insbesondere die französische Auffassung zu eigen Gutsbesizer Wilhelm zu 100 m. und Frau Müller zu 300 m. gemacht habe, daß der Garantiepakt unter feinen Umständen zu einem Geldstrafe. Hindernis für Frankreich werden würde, gegebenenfalls feinen pol. nischen und tschechoslowakischen Verbündeten zu Hilfe zu kommen. Dagegen lehne England jede Garantie für die Offgrenze ab. Trotzdem scheinen die vom englischen Kabinett gefaßten Beschlüsse die Fortsetzung der eingeleiteten Berhandlungen unter günftigen Umständen zu ermöglichen. Das französische Außenministerium werde die englische Note eingehend prüfen und darauf mit einer neuen Darlegung des französischen Standpunktes antworten. Da die Reise Chamberlains zum Bölferbundsrat in Genf schon in der nächsten Woche Gelegenfeit zu einer direkten Aussprache mit Briand geben werde, entweder in Paris oder in Genf, fei mit einer rafchen Einigung zu rechnen, so daß die französische Antwort spätestens in der zweifen Juniwoche überreicht werden könne. Ein bemerkenswerter Kommentar des ,, Daily Telegraph". London, 30. Mat.( WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" schreibt: Die britische Denkschrift umschreibt die britische Auffassung von der Grundlage eines Sicherheitspattes, die allein für die Kabinette des Reiches und der Dominions an nehmbar ist. Die in diesem Zusammenhang gemachten praktischen Anregungen stellen das höchstmaß der 3ugeständnisse dar, über welches das britische Reich nicht hinausgehen fann, näm lich einen einfachen und gegenseitigen Paft zwischen den westlichen Alliierten und Deutschland. Es wird dabei den Alliierten Englands eindringlich zum Bewußtsein gebracht, daß es ratsam wäre, bei den Erörterungen mit den Deutschen die Battvorschläge auf größere Gesichtspunkte zu beschränken ohne Ausarbeitung von Einzelheiten, die zu Schwierigkeiten führen fönnen. Die Klarheit und Bestimmt heit, mit der der britische Standpunkt dargelegt wird, sollte mindestens dazu führen, den fünftigen Erörterungen einen fest en Mittelpunkt zu geben und mögliche Streitigkeiten über Punkte, die für einen für Großbritannien annehmbaren Pakt bedeutungslos find, zu verhindern. Der Berichterstatter fährt fort: Die Auffassung der diplomatischen und politischen Kreise über die Stellungnahme der französischen Regierung zu der britischen Denkschrift ist geteilt. Vielfach wird angenommen, daß eine englisch- franzöfische Bereinbarung auf der von der Denkschrift vorgeschlagenen Grundlage ohne lange Berzögerung erreicht werden, und daß eine gemeinsame Antwort auf die deutschen Sicherheitsvor schläge spätestens Mitte des nächsten Monats erfolgen wird. Andere, deren Auffassung der diplomatische Berichterstatter zu teilen erklärt, sind dagegen der Meinung, daß Briand und der Quai d'Orsay fich nicht bereit zeigen würden, sich von der Politik zu entfernen, nach der Frankreich fich hauptsächlich auf die militärischen Streit fräfte Polens und der Tschechoslowakei verläßt. Es ist nicht unmöglich, daß die französische Diplomatie jetzt Italien zu überreden versuchen wird, sich an einer besonderen Bereinbarung mit der Tschechoslowakei und Polen zu beteiligen, wobei die Aufrechterhaltung und Berschärfung des Vetos gegen eine öfterreichisch- deutsche Bereinigung und eine Garantie des Brenner- Paffes im Austausch für eine Garantie der deutsch- polnischen, deutsch- tschechoslowakischen und österreichisch- deutschen Grenze durch Italien angeboten werden würde. Es wird Faschistisches Parlamentsspiel. ,, Einstimmige Kammerbeschlüsse. Rom, Ende Mai 1925. Einstimmig hat die italienische Kammer das Gesez zur Einschränkung des Bereirsrechtes angenommen. Es ist in hohem Maße charakteristisch für das heutige parlamentarische Leben in Italien, daß dieselbe Rammer wenige Tage vorher, als die Annahme desselben Gesezes zum erstenmal zur Abstimmung fam, nicht be= schlußfähig war. Die Mehrheit kommt eben nicht in die Rammer, um irgendwelche Ansichten zu vertreten, sondern um sich diszipliniert den Forderungen des Parteioberhauptes zu beugen. Bei der ersten Abstimmung war eben die Disziplin nicht bei Kräften, für die zweite hatte ihr ein energischer Rüffel aufgeholfen: eine eigene Ueberzeugung in der zur Frage stehenden Sache hatte die einstimmige" Kammer so wenig wie die beschlußunfähige. Und dabei handelte es sich nicht um eine Bagatelle. Der ausschlaggebende Paragraph des mit 304 Stimmen angenommenen Gesezes lautet: Es ist erstaunlich, mit welchem Stumpffinn in einzelnen Fällen offenbar untergeordnete Organe der französischen Besagungsbehörden vorzugehen belieben. Das Verbot des Deutschlandliedes und die Verhängung von Geldstrafen für die ,, Alle Vereine, Körperschaften und Institute, die im KönigUebertretung eines solchen Verbotes ist von einer so gro- reich gegründet sind oder in ihm wirken, sind verpflichtet, der testen Lächerlichkeit, daß wirklich die Pariser Regie- Polizei ihre Gründungsurkunde, ihr Statut, ihre rung sich veranlaßt fühlen sollte, gegen diesen Unfug einzu Reglements, die Namenliste ihrer Leiter und Verwalter schreiten. Die kleinlichen Polizeischikanen der Befagungs- sowie der Mitglieder einzureichen und alle Informationen behörden entsprechen ganz gewiß nicht dem, was man von der über ihre Organisation und Tätigkeit zu liefern, sobald die oben Regierung Painlevé mit Recht erwarten kann. Diese genannte Behörde sie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ueberbleibsel der Poincaré- Methoden sollten so schnell Ordnung fordert. wie möglich zum Verschwinden gebracht werden. Beamtenabbau in Oesterreich. Wien, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Der Finanzminister fündigte am Freitag neue Sparmaßnahmen an, zu denen sich Deutsch- Desterreich auf Grund der Forderungen des Völkerbundes entschließen muß. Vor allem soll ein weiterer Abau von Be amten und staatlichen Arbeitern vorgenommen werden. In erster Linie wird der Apparat des Finanzministeriums verfleinert werden. Dieser soll in Zukunft nur aus drei Abteilungen bestehen: Für Einnahmen, für Ausgaben und für die Vermögensund Schuldenverwaltung. Statt 32 Seftionen mit 183 Departements follen die Zentralämter in Zukunft nur noch 20 Sektionen mit 102 Departements zählen. Um die Arbeitszeit der Beamten voll auszumuzen, hat der Ministerrat beschlossen, für sämtliche Staatsangestellte Kontrollbücher und Anwesenheitslisten einzuführen. Korruption in Südflawien. Eine Anklage gegen den Justizminister. Belgrad, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) Am Freitag haben 60 Abgeordnete der Opposition beim Präsidenten der südslawischen Rammer eine Anflage gegen den Justizminister ein gebracht. Dieser wird beschuldigt, den südslawischen Staat dadurch schwer geschädigt zu haben, daß der Justizminister dem Grafen von Thurn und Taris seine Güter, die der Staat beschlagnahmt hatte, wieder zurückgegeben und dafür sich Vergütungen habe zahlen lassen. Internationale Kundgebung. Englische Sportgenossen in Leipzig. Leipzig, 30. Mai.( Eigener Drahtbericht.) 3u einer großen internationalen Rundgebung tam es am Freitag abend anläßlich des Empfangs der englischen Sportsgenossen. Tausende von Menschen hatten sich am Hauptbahnhof eingefunden und trotz der Absperrung war es nicht möglich, die Arbeitermassen zurückzudrängen. Birka 20 000 Menschen marschierten im Demonstrationszug und boten so ein gewaltiges Ereignis, was seit Jahren in Leipzig nicht mehr zu verzeichnen war. Trotz des Riesenaufmarsches find Unfälle mit Ausnahme von einigen Ohnmachtsanfällen nicht vorgekommen. Pleite? Die Pflicht dieser Mitteilung gilt für alle, die leitende oder vertretende Funktionen in den Vereinen, Körperschaften und Instituten ausüben, sowohl der Zentrale als in den Zweigorganisationen, und es ist ihr innerhalb zweier Tage nach der Kundgebung der Forderung Folge zu leisten. Zuwiderhandelnde werden mit haft nicht unter drei Monaten und mit Buße von zweitausend bis sechstausend Lire bestraft. Wenn wissentlich falsche oder unvollständige Angaben gemacht worden sind, ist Zuchthaus nicht unter einem Jahre und Buße von 5000 bis 30 000 Lire zu verhängen sowie die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre." Mussolini hat dieses Gesetz ausdrücklich als gegen den Freimaurerorden gerichtet bezeichnet und hat es damit begründet, daß dieser Orden die faschistische Partei befämpfte. Man müsse, hat er gemeint, den Freunden so wenig wie möglich übles tun, und den Feinden so viel wie möglich". Somit ist die Gesetzgebung des italienischen Staates zu einer Handhabe der Parteirache avanziert. Wer den Faschismus schief ansieht, gegen den macht der Staat ein Gesetz! Das Gesez bringt weiter eine Einschränkung, oder fast eine Aufhebung des Koalitionsrechtes der Be= amten. Alle Angestellten des Staates, der Provinzen und Gemeinden oder von Institutionen, die von diesen Körperschaften abhängen, werden entlassen, wenn sie Bereinen usw. angehören, die, sei es auch nur teilweise, in heimlicher und verborgener Weise wirken oder ihre Mitglieder in irgendeiner Weise zur Geheimhaltung verpflichten". Wenn der Justizminister nicht hinzugefügt hätte, daß ,, das Gesetz die von der katholischen Kirche anerkannten Assoziationen nicht betreffen" fönne, so läge in dem Wortlaut die Aufhebung eines großen Teils der geistlichen Orden eingeschlossen. Immerhin ist es flar, daß dem Wortlaut nach die vom Staate bezahlten Pfarrer, die zum Beichtgeheimnis verpflichtet sind, sofort zu entlassen wären. Andererseits brauchte die katholische Kirche z. B. nur die christlichen Ge werkschaften anzuerkennen, um sie von der Polizeiaufsicht zu befreien. Da alle Mitglieder des faschistischen hohen Rates zur Geheimhaltung feiner Verhandlungen verpflichtet sind, müssen sie zweifellos, soweit fie vom Staat, von den Provinzen oder den Gemeinden angestellt sind, sofort entlassen werden. vielleicht Wochen, wenn nicht Monate dauern, bis die französische Regierung und das französische Bolt bereit oder geneigt sein werden, sich klar zu machen, was das jetzige britische Angebot bedeutet, bzw. mas feine endgültige Ablehnung für die Sicherheit Frankreichs bedeuten würde. Es ist auch nicht unDie Knebelungsmöglichkeiten des Gesezes sind unerwahrscheinlich, daß die Neigung, die Wichtigkeit des britischen Anschöpflich, und wenn sich der Faschismus nicht für unsterblich, gebots für die Sicherheit der Grenzen Frankreichs zu erkennen, fich sein Regime nicht für ewig hielte, würde er es sich wohl unter der großen Masse des französischen Boltes eher ausbreiten Die Schwierigkeiten der„ Nationalpost". wird als in den amtlichen oder nationalen Kreisen in Paris. Die zweimal überlegen, ehe er eine derartige Waffe der ReDas offizielle Organ der Berliner Deutschnationalen, die gierung zur Verfügung stellte. Man denke sich nur aus, was belgische öffentliche Meinung hat von vornherein die große Bedeutung einer deutschen, durch Großbritannien mit unter" Nationalpost", ist sehr schlecht fundiert. Klagen von Mit- für einen Borteil es für die Unternehmer und für die zeichneten Garantie für Belgien erkannt. Bei den jetzigen Bearbeitern, von Angestellten, von Lieferanten, die vom Verlag faschistischen Syndikate hat, nicht mehr auf eigene Kosten sprechungen mit Frankreich wird britischerfeits start unterstrichen, der" Nationalpoſt" keine Honorare, Gehälter, Bezahlung für schwarze Listen führen zu müssen, sondern blos beim Polizeiwelches Opfer es für das britische Reich bedeutet, wenn es im Lieferungen erhalten konnten, sind der Berliner Presse häufig direktor anrufen zu können, um etwa die Liste aller gewerkInteresse seiner westlichen Alliierten von der traditionellen Politik zugegangen. Der Ruf:„ kein Geld da" muß Herrn Laver- schaftlich organisierten Angestellten ihres Betriebs oder ihrer des Beiseitestehens abgeht, und ebenso, renz, dem Herausgeber der„ Nationalpost", schließlich so zur Branche zu erlangen. In Molinella z. B. bezüge man die welches Opfer es für Deutschland bedeutet, Gewohnheit geworden sein, daß er ihn nicht mehr hörte. Liste für die nächste Straferpedition einfach durch die Polizei, der sie der Gewerkschaftsbund selbst aushändigen muß, wenn nicht Genosse d'Aragona und das ganze Erefutivkomitee auf lich ist schon eine faschistische Attiengesellschaft mindestens ein Jahr ins Zuchthaus wandern will. Hoffent= zum Bau neuer Buchthäuser gegründet: wie foll die Fülle der Verbrecher in den bestehenden Anstalten Platz finden. in förmlicher Weise auf alle Gedanken an Krieg und auf alle offnungen auf Wiedereroberung Elsaß- Lothrin gens zu verzichten. Der Berichterstatter bemerkt noch, ChamberLain und feine Kollegen schienen von dem ehrlichen Willen der beutschen Regierung„ trog ihres nationalistischen Ausfehens" vollkommen überzeugt zu sein. Französische Polizeiwirtschaft. " Jeht aber scheint Matthäi am letzten zu sein. Heute teilt die Nationalpost" ihren Lesern vielsagend mit: " Die gestrige Nummer der„ Nationalpost" konnte leider aus verlagstechnischen Schwierigkeiten nicht zur Ausgabe gelangen; aus dem gleichen Grunde erscheint die heutige Ausgabe nur mit sechs Seiten Umfang." Das sieht doch ganz danach aus, als ob der Drucker ohne Bezahlung nicht mehr mitmachen wolle. Die Pleite ist also nahe. Nachdem Herr von Loebell Herrn Laverrenz die Sanie rung auf Kosten der Hindenburgwahl versalzen hat, kommt nun das traurige Ende. Das verbotene Deutschlandlied. Bochum, 30. Mai.( Mtb.) Das französische Militärgerichi hatte fich erneut mit dem Verbot des Deutschlandliedes zu befalsen. Angeklagt waren die Ehefrau Müller und der Gutsbesitzer Wenn Herr Laperrenz ehrlich ist, wird er sich sagen, Adalbert Wilhelm aus Gerthe, als Leiter einer Versammlung wenn er an die traurige Perspektive denkt, daß aus der der Deutschnationalen Bolkspartei in Gerthe nicht verhindert zu Nationalpoſt" wieder ein im Verborgenen blühendes Wochen hoben, daß die Versammlung das Deutschlandlied anstimmte. blättchen werden foll: So sind nun die Deutschnationalen, Die Angeklagten wandten vor Gericht ein, daß das franzöfifche Zivil. Schutzölle wollen sie, um Geld zu machen; wir sollen uns tomitee bei Gelegenheit einer früheren Bersammlung derselben für ihr Portemonnaie die Finger wund schreiben, aber nicht Portei den Gesang des Deutschlandliebes gestattet habe. Der Bor- leinmal eine Zeitung mollen fie finanzieren!" " " Mit dem Tage der Annahme des Gesezes ist die italienische Lira in bisher beispiellofer eise im Kurswert gejunten. Schweizer Franken, die am 7. Mai auf der Mailänder Börse 471 standen, stiegen am 19. Mai auf 480, das englische Pfund in derselben Zeit von 118,20 auf 120,60, der Dollar von 24,36 auf 24,80, die Goldmark von 5,79 auf 5,90 usw. Das ganze sieht dem Beginn einer Banit furchtbar ähnlich. Handelt es sich hier um eine Aktion der Börsen von New York und London, in denen der Einfluß des Freimaurerordens beträchtlich sein soll? Oder spielt die Haltung Amerikas in Sachen der interalliierten Schulben eine Rolle? Gegen diefe Annahme spricht der Um stand, daß die Lira auch gegenüber dem französi fchen Franten gefallen ist, den die Schuldenfrage ebenso treffen sollte und der doch von 126,6 auf 128 gestiegen ist. Schließlich könnte man für die kritische Lage der Lira auch die eigenartige Haltung verantwortlich machen, die die italienische Regierung und ihre Partei( oder richtiger wohl: die faschistische Partei und ihre Regierung) im Hinblick auf einen möglichen Krieg annimmt. In Zeiten so strenger Zenjur wie den heutigen gewinnt es in der Lat einen starken Beigeschmad von Offiziösentum, wenn ein römisches Faschistenblatt schreiben darf: „ Der Faschismus fann seine ungeheure Aufgabe nun und nimmer auf rein politischem Boden lösen. Er quillt aus dem Krieg und in einen Krieg muß er ausmünden. Unser Land wird nichts zuffande bringen, ohne einen großen Krieg, den wir nicht provozieren, nicht suchen werden, aber mit dem heitern Mut der Völker auf uns nehmen, die auserlesen sind, die Welt zu beherrschen. Das italienische Volt ist ein Volk der Gläubigen, der Krieger, der Rhapsoden, das die Zukunft erobern wird mit dem mystischen Feuer seines Glaubens, durchwirkt von Gesang und durchblüht von Säbelhieben..., das nach der Erpansion des Herrschers lechzt und kraft eines überlegenen göttlichen Rechts vorwärts stürmt, nicht um Ketten zu brechen, sondern um Raum zu erobern für seinen mächtigen Atem." Freilich sollte man denken, daß ein solch blöder und eller Schwulst die Börse nicht beeinflussen kann; wenn die Lira jdesmal fiele, wenn einem beim Lesen faschistischer Prosa Brechhreiz antommt, so wäre sie schon bei den Dimensionen der Inflationsmart angekommen. Aber bald nach diesem imperia listischen Anschleimen sagte Mussolini im Senat, als er die Bereinigung von Krieg, Marine und Luftschiffahrt in einem Ministerium forderte:" Diese Koordination ist angesichts der heutigen Weltlage dringend. Es ist keine 3eit zu ver lieren und ich will nicht die Berantwortung auf mich nehmen, daß die Nation einer möglichen Kraftprobe unvorbe reitet gegenüberstehe." Der von einem Blatt des Ministerpräsidenten er sehnte Krieg liegt also jo nahe, daß man fich Hals über Kopf für ihn rüsten muß. Solche welterobernden Bedürfnisse der Schwerindustrie könnten schon die Börse beeinflussen. Auf alle Fälle: eine einstimmige" Rammer ist hergestellt. Kann sich der Faschismus in der inneren Politit nicht austeben und welche Rechte blieben ihm, die er noch nicht aufgehoben hätte?, so wird er sich erobernd auf die Welt stürzen. Die Welt aber wartet ab, was bei dem Hinund Herpendeln zwischen Beschlußunfähigkeit und Einstimmige feit weiter herauskommt. Jm Im Zeichen Schieles. Das Oberverwaltungsgericht gegen die Reichsfarben. Mit dem Konflikt zwischen dem preußischen Innenminister und dem Magistrat von Potsdam hatte sich das Oberverwaltungsgericht in seiner letzten Sigung zu befassen. Am 16. Juli vorigen Jahres war ein Erlaß des Preußischen Staatsministeriums veröffentlicht worden, in welchem auf die Bedeutung des Tages der Weimarer Verfassung hingewiesen und angeordnet worden war, daß sämtliche Dienst gebäude des Staates und der Selbstverwaltungstör per um 11. August in den Reichs- und Landesfarben zu flaggen hätten. Nachdem wegen der am Berfassungstage beab fichtigten Feierlichkeiten eine Zusammenkunft zwischen Bertretern der Staatsbehörden und der Stadt Potsdam stattgefunden hatten, in welcher aber die Flaggenfrage nicht besonders berührt worden war, fcßte der Potsdamer Magistrat am 8. Auguft den Beschluß, daß er es ablehne, am 11. Auguft auf den städtischen Gebäuden zu floggen. Im Hinblick auf§ 15 des Zuständigkeitsgesetzes beanstandete der Oberbürgermeister von Potsdam auf Anweisung des Staatsministeriums diesen Beschluß, da nach dem Ministerialbeschluß am 11. August sämtliche städtischen Gebäude Die Badereise. Bon Emil Rath. au Nun beginnt die wundersame Zeit, in der die Schokoladeneisverkäufer Bombengeschäfte machen und melancholisch nachgeschleifte Spazierstöde in aufgeweichtem Asphalt unvergängliche Spuren hinterlassen. Baedeker werden gewälzt, Zeigefinger beiderlei Ge| flaggen hätten; ber Magistratsbeschluß, welcher das Flaggen ab lehne, sei gesetzwidrig. Gegen diese Beanstandungsverfügung erhob der Magistrat von Potsdam Klage und betonte, der Ministerialerlaß überschreite das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden; ein großer Teil der Potsdamer Bevölkerung stände auch dem Wechsel der Reichsflaggen ablehnend gegenüber; der Magistrat habe den Beschluß des Staatsministeriums nicht für verbindlich erachtet. Der Bezirksausschuß hob auch die Beanstandungsverfügung des Oberbürgermeisters auf und führte aus,§ 15 des Zu ständikeitsgesezes bilde fein generelles Mittel, um irrigen Auffaffungen städtischer Behörden entgegenzutreten. Gegen dieses Urteil legte der Oberbürgermeister von Potsdam Berufung beim Oberverwaltungsgericht ein und betonte, der Magistratsbeschluß sei nur nach dem Wortlaut negativ, inhaltlich äußere er aber praftische Wirkungen; allerdings sei der 11. August 1924 verstrichen; die Angelegenheit werde aber am 11. August 1925 praktische Bedeutung haben. Der Magistrat wies darauf hin, daß das Flaggen auf den städtischen Gebäuden eine städtische, aber feine staatliche Angelegenheit sei. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte alsdann die Vorentscheidung als zutreffend und führte u. a. aus, die Vorentscheidung entspreche durchaus dem geltenden Recht, wie es in ständiger Rechtsprechung vom Oberverwaltungsgericht angewandt worden sei. Diese Entscheidung gibt allen reaktionären Stadtverwaltungen einen Freibrief, auf allgemeine Anordnungen des Staatsministeriums zu pfeifen. Sie wirkt darüber hinaus als eine Fronde des Oberverwaltungsgerichts gegen die Reichsfarben, wie fie jetzt unter dem deutschnationalen Reichsminister Schiele amtlich begünstigt wird! Der Gesandte und die Reichsfahne. Ein Erlebnis in Mexiko. Ein merikanischer Staatsbürger, der aus Merito hier anlangte, erzählt der Berliner Volkszeitung" folgende wahre Begebenheit: " Als die deutschen Matrosen vom Kreuzer„ Berlin" vor einigen Monaten Meriko besuchten, zogen die zahlreichen deutschen Bewohner Merifos die alte Flagge Schwarz- Weiß- Rot auf. General Morones, oberster Polizeichef der merikanischen Republik, ließ nunmehr bei allen schwarzweißroten Flaggenhissern anfragen, was diese Farbenpracht zu, bedeuten habe, gleichzeitig ließ et sie alle verhaften. Die Folge war eine Intervention des deutschen Gesandten Dr. Will, der sich direkt zum Präsidenten der Republik, Calles, begab, um die sofortige Freilassung seiner Landsleute und den Schutz der Farben Schwarz- Weiß- Rot zu erlangen. Präsident Calles, der vor etwa Jahresfrist als Gast in Deutschland geweilt, entgegnete dem deutschen Gesandten:„ Das megi tanische Strafgesetzbuch verbietet das Hissen von fremden Flaggen, deren Farben nicht vom eigenen Lande anerkannt sind. Der deutsche Gesandte möchte doch so freundlich sein, ihm mitzuteilen, welches die verfassungsmäßigen Farben der deutschen Republik seien. Beschämt mußte Dr. Will eingestehen, daß sie nicht SchwarzWeiß- Rot seien. Infolgedessen bestätigte der Präsident von Merito das Flaggenverbot, und der Polizeichef belegte die nationalistischen Deutschen, die ihre eigene Verfassung vor dem Ausnationalistischen Deutschen, die ihre eigene Berfassung vor dem Aus lande lächerlich machten, mit einer Ordnungsstrafe von je 60 Dollar. Für die Richtigkeit dieser Darstellung müssen wir dem zitierten Blatt und seinem Gewährsmann die Verantwortung überlassen. Aber wenn sie richtig ist, so haben die Deutsch nationalen in Merito ihrem Vaterlande und deffen amtlichen Vertreter eine furchtbare Blamage zugefügt. Es ist freilich nicht bas erftemal, daß fremde Regierungen bei den amtlichen Bertretungen der deutschen Republik anfragen müssen, welches denn die Reichsfarben feien. Selbst nachdem Hindenburg sie beschworen hat, gibt es noch immer fogar Reichsbeamte, die sie nicht fennen wollen! Deutsch- schwedischer Luftverkehr. Im schwedischen Ministerium des Aeußern wurde ein deutsch- schwedisches Abkommen, betreffend die vorläufige Regelung des Luftverkehrs zwischen Schweden und Deutschland, unterzeichnet. voraus ersetzt! Und dann noch eins: denken Sie nicht an die Fabrik. Widmen Sie sich ganz Ihrer Familie. Sie hat ja so wenig von Ihnen. Der anstrengende Achtstundentag ganz abgesehen von der ermüdenden Fahrt „ Alles sehr schön, Herr Direktor, aber ich habe teine Koffer." Der Direktor lächelt herablaffend: Reisegarderobe und-toffer stellt Ihnen selbstredend die Firma leihweise zur Verfügung. Sie fönnen natürlich mit diesem Anzug mie lange tragen Sie ihn | Reiniger Deutschlands. Knüppel- Kunze und Wahrheit- Bruhn. Herr Bruhn, deutschnationaler Reichstagsabgeordneter und Wahrheit"-Redakteur fühlt sich durch uns beleidigt. Er will eint Ehrenmann sein. Seine politischen Freunde denken offenbar anders über ihn. Wenigstens Herr Richard Kunze scheint von Bruhns Unbestechlichkeit nicht überzeugt zu sein. Wenigftens veröffentlicht die„ Berliner Volkszeitung" einen Brief Kunzes an Bruhn. der ein unverblümtes Angebot enthält. Der Brief lautet wörtlich: Berlin- Friedenau, den 3. 5. 1923. Sehr geehrter Herr Bruhn! Den Empfang Ihres lieben Schreibens vom 1. cr. bestätige ich Ihnen danfend, was unsere neue Einstellung zur intensiven Ausdehnung unserer neuen Arbeit durch Flugblätter betrifft, würde ich mit Ihnen vollkommen afford gehen. Nur bitte ich Sie, mich einmal in der nächsten Zeit zu einer Besprechung aufsuchen zu wollen. Nun möchte ich gern von Ihnen Unterstützung in einer Angelegenheit, welche aus dem Allgemeininteresse jäh in eine persönliche Sache ausgeartet ist. Es handelt sich um die Ihnen ja sicherlich auch bekannte Angelegenheit Laube. Laube, ein national gefinater Mensch, dem meine Partei sehr viel verdankt, lebt in wilder Fehde mit dem im selben Hause wohnenden Galizier Wachtel. Wachtel hat das größte Interesse daran, daß Laube seine Wohnung räumt. Dieses wäre dem Wachtel natürlich möglich, wenn er den Nachweis erbringen könnte, daß der Hotelbefizer Laube Kuppelei gewerbsmäßig betreibt. Ich selbst hege, nach einer Rücksprache mit Laube, die Befürchtung, daß Wachtel dieser Nachweis durchaus nicht schwer fallen würde. Laube gab mir unter vier Augen unumwunden zu, daß bei seinem Beruf es absolut nicht immer so ernst genommen werden kann. Ich erwähne Ihnen gegenüber das, damit Sie sich von der Schwierigkeit unferer Aufgabe fein falsches Bild machen. Es gilt also in erster Linie, den Angriffen des Wachtel zuvorzukommen. Man fann gegen dieses Gesindel nicht scharf genug vorgehen. Daß unfere Mittel nicht immer ganz einwandfrei find, liegt auf der Hand, aber wir müssen eben etwas jesuitisch denken. Im übrigen entscheidet lediglich der Erfolg. Ich bin mir flar bewußt, daß im Falle einer Beweisführung, z. B. bei einem Prozeß, daß alle Angriffe gegen Wachtel start abgeschwächt werden oder in sich zufammenfallen. Hoffentlich wird man mir in diesem Falle die Wahrung berechtigter Interessen zubilligen. Was ich von Ihnen nun möchte, ist eine Unterstützung dieser Angelegenheit durch die Wahrheit". Sie fönnten auch in diesem Falle bestimmt auf einen größeren Inferatenabschluß mit Laube rechnen. Die Hauptfache ist, daß dieser jüdische Schmarozer geschäftlich hier in Deutschland unmöglich gemacht wird. Ihrer Stellungnahme entgegensehend, verbleibt mit deutschem Gruß gez. Richard Kunze. " 9 Der Brief Kunzes spricht für sich. Seine Mittel find nicht inimer ganz einwandfrei" und von Bruhn ſezt er dasselbe vor aus. Der ehrenwerte Inhaber des Absteigequartiers, Herr Laub, hat fich später des unbequemen„ Galiziers" auf sehr einfache Art erledigt. Er hat ihn am Tage der Präsidentenwahl einfach über den Haufen geschossen. Das sind die„ Retter Deutschlands" und ihre Freunde. Beschimpfung der Reichsfarben. Bei einer offiziellen Schulfeier. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Realschule zu Großenhain wurde dieser Tage mit der Schülerschaft ein sadelzug veranstaltet. Ein Teil des Zuges unter Führung des Profeffors Wilhelm bemonstrierte vor der Wohnung eines sozialdemo fratischen Stadtverordneten und Mitglieds der Realschulkommission gegen die dort angebrachte Dekoration mit schwarzrot. goldenen Fähnchen durch laute, taktmäßig im Chor während der ganzen Dauer des Borbeimarsches wiederholte Pfut- Rufe! Wegen dieses Vorganges, der sich als Ausfluß systematisch betriebener, mordspatriotisch- nationalistischer Berhehung der„ höheren" Schüler darstellt, ist natürlich Beschwerde erhoben worden, auf deren Ergebnis man gespannt sein darf. Graf Coudenhove- Kalergi, Gründer und Leiter der Baneuropäischen Union in Wien, spricht am Sonnabend, den 6. Juni, abends 48 Uhr pünktlich im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats, Bellevue. straße 15, über Paneuropa und wird im Anschluß einschlägige Fragen beantworten. deutung geschaffen hat, sondern auch deshalb, weil das Sterbehaus Karl Marg eines jener typischen häßlichen Großstadtzinshäuser des 19. Jahrhunderts darstellt, die früher oder später gefünderen und während weniger ungeſtalten Wohnhäusern Plah machen müssen das erstere wohl eher wert wäre, erhalten und später einmal zu einem Marg Museum, zu einer Mary- Gedächtnisstätte umgewandelt zu werden. Geburtenüberschuß in Berlin. Berlin, wo in den letzten Jahren schlechts fahren unentwegt in den falschen Kolonnen der Kursbücher schon? Sechs Jahre? ja, mit diesem Anzug tönnen Sie unmög. regelmäßig die Zahl der Todesfälle die der Geburten überſtieg, hat auf und nieder, damit der einzige Anschluß auch prompt verpaßi lich nach Biarritz gehen. Sie müssen sich unbedingt einen Frad iegt im ersten Bierteljahr 1925 zum erstenmal nach langer Zeit einen werde. Die Arbeitgeber haben schlaflose Nächte. Nächtlich perlen auf ihren hungrigen Stirnen jaure Schweißtropfen. Ihre Brust feucht unter dem furchtbaren Alp der Frage, woher fie in den Sommermonaten Ersatz für die beurlaubten Arbeitnehmer herbekommen. Denn für sie steht das eine fest: sie werden in diesem Sommer auf Urlaub verzichten und im Winter an die Riviera fahren. Und wenn die Arbeitgeber genügend schlaflose Nächte geopfert haben, hüllen sie sich in die berauschenden Duftmolten starter Rothändlezigaretten und lassen die Arbeitnehmer einen nach dem anderen in ihr Arbeitszimmer bitten. Bitte nehmen Sie doch Play, Herr Müller! Sie sehen so angegriffen aus. Sie sollten an die See fahren!" Recht gern, Herr Direktor! Wann dürfte ich fahren?" Und der Direktor schaut in einer sorgsam ausgearbeiteten Tatelle nach. jawohl, ,, Sie sind nun schon fünf Jahre in dieser Tretmühle Tretmühle. Ich kann es Ihnen nachfühlen mir geht es selber sound müssen wirklich einmal ausspannen, alle Sorgen daheim laffen. Wieviel Urlaub wünschen Sie?" ,, Wenn es nicht unbescheiden ist: zehn Tage, Herr Direktor!" Der Direktor läßt vor Schreckt seine Rothändle ausgehen, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt bedauernd: Müller, dann sind Sie ja taum angelangt fagen wir mal, fagen wir mal, vier Wochen. Ist Ihnen das recht?" „ Ja, und wie steht es mit dem Arbeitslohn?" Der Direktor bietet Müller eine dicke Havanna an und sagt bedächtig: „ Sicherlich ist Ihnen damit gedient, wenn ich Ihnen den Lohn für die vier Wochen im voraus zahle, nicht wahr? Sehen Sie mir liegt an Badereisen gar nichts mehr. Jeden Sommer Riviera, jeden Winter Riviera nein, ich will mich wirklich einmal ausruhen. Sie wissen gar nicht, wie aufregend solche Reisen sind. Nicht einmal das eigene Auto hat mehr Reiz. Ich stelle es Ihnen mitfamt meinem Chauffeur für die vier Wochen zur Verfügung. Wohin wollten Sie denn fahren? Nach Buckow? Mein Gott Buckow ist so von meinen Kollegen überlaufen mie märe es denn mit Biarrig? Die teure Fahrt? Aber das spielt doch gar keine Rolle, Müller! Sie bekommen doch das Fahrgeld von der Firma im mitnehmen." Müller geht, und dann kommt Kollege Schulze an die Reihe. und in der Werkstatt, im Bureau ist es so hell von allen den strahlen den Gesichtern, und der hohe Chef sitzt selbstzufrieden im Klubjessel und bläst aus der scheußlichen Rothändle funstgeformte Ringe in die Luft. Es geht doch nichts über Menschlichkeit. Ja, jedem Arbeitenden seine Badereije. Und in Biarriz, Ostende, Monte Carlo wimmelt es nur so von fleinen Leuten, die zum erstenmal in ihrem Leben eine Badereise machen. Ist der Gedanke nicht gut? Na also! Aber es ist eigenartig mit allen guten Gedanken: sie werden von Hunderttausenden gedacht, und jeder scheut sich, fie in die Tat umzufeßen. Aus Furcht, für einen Wohltäter oder für einen Renegaten gehalten zu werden! Die Stadt London und Karl Marg. An einer versteckten Stelle des ,, Daily Telegraph" vom 25. Mai findet sich die folgende Notiz, die auf dem Kontinent mehr Beachtung finden dürfte als in London felbft: Im Oktober des vergangenen Jahres nahm der Londoner Grafschaftsrat eine Resolution an, die von Mr. Morrison( dem Londoner Sekretär der Labour Party. Anm. d. Ueberf.) eingebracht worden war, durch die ein Komitee der Londoner Lofalverwaltung sich über die Frage entscheiden solle, ob eine Erinnerungstafel an Karl Mary' Londoner Wohnhaus von seiten des Grafschaftsrates anzubringen wäre. Das Komitee hat sich in der Zwischenzeit mit Mr. Morrison nung kein Anlaß für den Grafschaftsrat bestehe, an ins Benehmen gefeßt und teilt nunmehr mit, daß nach seiner Meieinem der Häuser, in denen ber verstorbene Karl Marr gewohnt hat, eine Erinnerungstafel anzu bringen." Geburtenüberschuß zu verzeichnen. Wie in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, überstieg die Zahl der Geburten die der Todesfälle in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um fast 600, während in der gleichen Zeit 1924 4400 Todesfälle mehr als Geburten waren. Dieses günstige Ergebnis ist erreicht, obwohl erfahrungsgemäß im Februar und März die Sterblichkeit höher ist als in den anderen Monaten. Wenn die Geburtenziffer in gleicher Weise anhält, hätten wir für 1925 einen Geburtenüberschuß von etwa 6000 Röpfen zu erwarten, gegenüber einem Geburtendefizit von rund 5000 Köpfen im Jahre 1924. Da aber nach den bisherigen Ergebnissen mit einer erheblich geringeren Sterblichkeit als 1924 zu rechnen ist, so dürfte sich für 1925 ein noch höherer Geburtenüberschuß ergeben. Ein Riefenleuchtturm für Flugzeuge. Acht Kilometer östlich von Dijon erhebt sich der 625 Meter hohe Mount Afrique. Borige Woche wurde hier der erste Leuchtturm für Flugzeuge in Betrieb gefeßt, und die Versuche haben gezeigt, daß der Lichtkegel, der einen Durchmesser von 8 Kilometer hat, hintereinander Lille, Brüssel, Frankfurt, Mailand, Angers, Alancon und Rouen berühren fann. Richtet er feinen doppelten Strahl gegen den Himmel, ist er auf ungeheuer weite Streden zu sehen und bietet den Fliegern einen ficheren Anhaltspunkt. Der Leuchtturm selbst ist 14 Meter hoch und besteht aus drei Stockwerken, von denen die zwei obersten acht Apparate enthalten, die ein Licht von einer gesamten Stärfe von einer Milliarde Kerzen hinaussenden und somit sämtliche Scheinwerfer an und auf dem Meere richtiggehend in den Schatten stellen. Der Scheinwerfer von Mount Afrique ist der erste in einem System von Scheinwerfern für den internationalen Flugverkehr und beleuchtet den Schnittpunkt der Luftlinien Paris- Schweiz, Paris- Italien und Baris- Mittelmeer. Der Bau wurde bereits während des Krieges 1918 begonnen, durch den Waffenstillstand unterbrochen und später zum Nußen der Handelsluftschiffahrt zu Ende geführt mit einem Kostenaufwand von 1½ Millionen Frank. Man hofft, damit in der Lage zu sein, in absehbarer Zeit einen ununterbrochenen Flug von Paris nach Tolio durchführen zu können. Es dürfte nunmehr an der Internationale, die bekanntlich( noch) in London ihren Siz hat, liegen, sich dieser Angelegenheit anzunehmen und eine solche Erinnerungstafel anzubringen. Allerdings Erftaufführungen der Woche. Mittwoch, Staatstheater:, Der Brand dürfte die Entscheidung nicht ganz leicht sein, an welchem der beiden im Opernhaus. Theater i. b. Kommandantenstr.:, Durch den Rundfunk". Intimes Theater: Slabrias- Partiell". Trianon hauptsächlich in Betracht kommenden Häufer eine solche Tafel am Die blaue Stunde". Sonntag, Lessing- Theater( Junge besten Blaz findet: an dem Hause, in dem Mart einen Großteil Theater: seiner entscheidenden theoretischen Werte geschrieben, oder an dem Bühne): Exzesse". Hause, in dem er starb. Die Entscheidung dürfte wohl zugunsten Vorträge. Heute abend 8 Uhr spricht im Aubitorium 41 ber Universität des ersten fallen, nicht nur, weil es fimmboller ist, fich des Drtes Prof. Dr. Hans Friebenthal über Die anatomisgen Grund. zu besinnen, in dem Mary Merte von solcher internationaler Bellagen bes Gefigtsausbruds". Der Kongreß in Marseille. Die Tagesordnung. Einberufung und provisorische Geschäftsordnung: Die Erefu tive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale beruft hiermit gemäß Artikel 6 der Statuten einen Internationalen Rongreß für den 22. August 1925 nach Marseille ein. Der Kongreß wird im Balais des Expositions tagen. Die Eröffnung findet am 22. August um 10 Uhr vormittags statt. Der Kongreß wird voraussichtlich seine Beratungen am 27. abends beenden. Teilnahme: Am Rongreß find die der SAJ. angeschlossenen Barteien teilnahmsberechtigt.( Artikel 7 der Statuten.) 8 der Statuten.) Anzahl der Delegierten: Auf jede Partei entfallen für die erste Kongreßstimme 5 Delegierte, für jede weitere Rongreßftimme 3 Dele gierte. Das Marimum der Delegierten einer Partei ist 30.( Artikel Außer ihren ordentlichen Delegierten fann jede Partei Gastdelegierte entsenden, die am Rongreß weder das Wort ergreifen fönnen noch Stimmrecht haben. Die Anzahl der Gastdelegierten darf die Zahl der ordentlichen Delegierten nicht übersteigen. Stimmenzahl: Jeder Partei wird von der Exekutive, gemäß Artifel 9 der Statuten, eine bestimmte Zahl von Stimmen zugeteilt. Kongreßbeitrag: Für jeden Delegierten und jeden Gastbele. gierten ist von der Partei ein Beitrag für die Teilnehmerfarte zu entrichten.( Artikel 23 der Statuten.) Dieser Beitrag wird nach der wirtschaftlichen Lage der Länder abgestuft. Er beträgt 25, resp. 20, resp. 15. englische Schillinge ( 1 Sch.= 1 M.), und zwar 25 Schillinge für folgende Länder: Argentinien, Danzig, Dänemart, Finnland, Großbritannien, Holland, Lettland, Normegen, Palästina, Schweden, Bereinigte Staaten von Amerika. 20 Shillinge für folgende Länder: Belgien, Britisch Guyana, Deutschland, Estland, Frankreich, Luxemburg, Ru mänien, Spanien, Bortugal. 15 Schillinge für folgende Länder: Armenien, Bulgarien, Georgien, Italien, Jugoslawien, Litauen, Defterreich, Bolen, Rußland, Tschechoslowakei, Ukraine, Griechenland, Ungarn, Die von der Erefutive beschlossene provisorische Tagesordnung lautet: Türkei. Tagesordnung: 1. Die internationale sozialistische Friedenspolitit. a) Die Internationale und die Probleme der Sicherheit und der Abrüftung. b) Der Kampf der Arbeiterflaffe gegen die Kriegsgefahren. 2. Die Lebensverhältnisse der Arbeitertlaffe und die Arbeitslosigkeit. 3. Die Ronvention von Washington und der Achtstundentag. 4. Bericht und Antrag der Internationalen Frauentonferenz. 5. Organisation und Beitragssystem. 6. Verschiedene Fragen. Anträge: Zur Stellung von Anträgen find nur die ange. schloffenen Parteien berechtigt. Anträge zum Kongreß müssen bis spätestens 30. Juni 1925 beim Sekretariat der SAI. einlangen. Später einlaufende Anträge fönnen nur über besonderen Beschluß tes Kongresses in Berhandlung gezogen werden. Geschäftsordnung: Den Borsig führen Mitglieder des Bu reaus der SAJ. in der von der Erefutive bestimmten Reihenfolge. Alle Mortmeldungen, Anträge, Anmeldungen von Mitgliedern zu Rommissionen sind schriftlich zu überreichen. Die Redner erhalten in der Reihenfolge der Anmeldungen das Wort. Die Rebezeit beträgt für Referenten 40 minuten, für die übrigen Rebner 15 Minuten. Naffe Pfingstvorgrüße. sich an der Unterhaltung nicht beteiligten, feine Worte verstehen tonnten. Unter Hinweis auf die ausgesezte Belohnung von 1000 m. wird dieser Mann ersucht, sich bei der Mordkommission, den Kriminalfommissaren Geißel und Johannes Müller, im Zimmer 56 des werden streng vertraulich behandelt und im Zimmer 56 entgegenBolizeipräsidiums zu melden. Alle zweckdienlichen Mitteilungen genommen. 336 do Harrys Glück und Ende. Don Das war gestern nachmittag eine sehr unerwartete Einlage der himmlischen Regie, als sich der Himmel überraschend schnell pech schwarz verdunkelte und die Schleusen öffnete zu einer Ausgießung, die als überaus nährend für unsere„ notleidende" Landwirtschaft anzusprechen war. Nach langer Dürre, der eine tropische Temperatur die notwendige Würze gab, tam dieser gekühlte Pfingst. vorgruß für den Landbebauer als Geschent von allerhöchsten QualiSie wollen ihn also erbarmungslos niederknallen lassen, Harry, täten. Der Mensch kalkuliert jedoch nicht immer nach Nüglichkeits- den gefürchteten Elefanten der indischen Urwälder im Berliner 300. bedingungen. Das tut er nur mit übertriebener Gründlichkeit in Menschliche Heimtüde will dem lästigen Ausländer mit dem deuts der Wirtschaft. Auch seine Bequemlichkeit ist ein Faftor, mit dem ichen Hausgebrauchsmittel ans Leder gehen. Doch im Ernst: Freund sehr erheblich zu rechnen ist. Die Natur hat wirklich ihre Mucken" Harry, der Riefenelefant des 300, im blühenden Alter wird so mancher Kilometerwürger gedacht haben, der am Freitag 40 Jahren, ist im Laufe dieses launeraubenden Sommers bösartig abend mit schmerzlich prüfendem Auge das schwarze Gebält am geworden. Harr bedroht die Wärter, versucht, Ausbrüche, medeit Horizont musterte. So manches Pfingstmenü( Segelpartien, Tages- lich, daß ihm die Umgebung unsympathisch ist. Diese müßigen Gaffer, unheildrohend mit dem Rüssel. Er ist auch förperlich erfrantt. Mög wanderungen usw. usw.) ist sicherlich Allzuängstlichen durch die Tücke des Objekts versalzen worden. Gewiß: der alte Wettergott lebt solide umgittertes Gefängnis herumstehen die mit neugierigen Blicken stundenlang, jahraus jahrein um sein noch. Aber heute strahlt die Sonne wieder in alter, unverbrauchter befühlen, betasten, gefühl- und erbarmungslos. Vielleicht ist Harry ihn mit den Blicken Frische. Auch haben die Wetterpropheten zwei sonnenüberlastete auch melancholisch geworden. Melancholie ist der sicherste BfadPfingsttage proflamiert. Das ist allerdings ein Grund zur Vorsicht. bereiter für förperliches Unwohlfein.... Und im Traumdämmer Es gilt, keine Hakenkreuzschwadrone mit den notwendigen Sieb, cuntler Fiebernächte mag ihm das bunte, glitzernde Bild der Hei. Stich- und Schlagwerkzeugen auszustatten. Es gilt mur, den mat aufgegangen sein.... Das geheimnisvoll verhaltene Summen Regenschirm mitzunehmen. des Urwaldes, die Schwüle im farbendurchglühten Dickicht, die Lavaströme von Urfraft und Wildheit, die durch diesen todbringenden Zaubergarten nadtester Natur strömen.... Bielleicht ist der Kummer nicht das Aeußere verzehrt. Jedenfalls: Harry ist frank. cines Elefanten nur deshalb tränenlos, meil er nach innen frißt und einigen Tagen wird er ja nun erschossen werden. Im Zeichen der Maien. Wieder einmal steht Berlin im Zeichen der Maien. Das alte Symbol des Pfingstfestes steht in schwunghaftem Handel und aus den Dörfern der näheren Umgebung Berlins strömen die absatzluftigen Bauern herbei, um das grüne Erzeugnis der Natur in flingende Münze umzuwerten. In dichten Scharen umlagert die Jugend die Haltepläge der Maienverfäufer. Sie haben es besonders auf das Materinstrument für jeden Nervösen, den teuflisch zirpenden almus, abgesehen. Auf dieser Erfindung des Satans fo fagen wenigstens die Leute mit maroden Nerven fann man befanntlich unheimlich lange und gellend unartikulierte Töne hervor bringen. Kein Wunder also, daß sich unsere Sprößlinge mit fanatischem Eifer auf diese Lärmapparate der Natur stürzen. Das Ungunft der Konjunktur. Das läßt sich allerdings erst bei der Inrentur an den schäbigen Resten feststellen. Und in Neue Straßenbahn- Fahrpreise in Spandau. Bom 1. Juni 1925 ab gelten auf der Straßenbahnstrecke Spandau- Henningsdorf folgende Fahrpreise: 1. Einzelfahri ein ohne Umsteigeberechtigung: Spandau- West- Johannesstift 15 Bfg., Johannesstift- Nieder- Neuendorf 20 Pfennig, Nieder NeuendorfHennigsdorf 20 Pfennig, Spandau- West- Kraftwerk und Papenberge- Hennigsdorf je 25 Pfennig, Spandau- West- Nieder- Neuendorf und Johannesstift- Hennigsdorf je 30 Pfennig, Spandau- West wochentäg lich zwei ununterbrochene Einzelfahrten innerhalb einer Kalender. moche, auf der Strecke: Nieder- Neuendorf- Hennigsdorf 2 Mark, Spandau Best- Kraftmert 2,25 Mart, Spandau West- NiederNeuendorf und Johannesstift- Hennigsdorf je 2,75 Mart, Spandau Weft- Hennigsdorf 3 Mart. 3. Schülermonatstarten: ( unverändert) 3,75 Mart. wichtigste bei diesem Maienverkauf ist allerdings die Gunst oder-Hennigsdorf 35 Pfennig. 2. Wochten: Pandau- West Weltliche Schule und Elternbeiräte. Bor furzem hat in Berlin eine Konferenz der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Lehrer und der Kinderfreunde mit Bertretern der Elternbeiräte und der Freien Schulgesellschaften stattgefunden, die sich mit der Frage der weltlichen Schule und der Organisation der sozialistischen Elternbeirate beschäftigte. Genosse Löwenst ein betonte in seinem Referat über die meltliche Schule, daß die Auffassung der weltlichen Schule als einer Subtraftionsschule", d. h. ihre negative Auffassung als einer Schule ohne fonfeffionellen Religionsunterricht in unseren Reihen ebenio als überwunden gelten fönne wie die Richtung, welche der meltlichen Schule einen wie auch immer gearteten freireligiösen Charakter zu geben suchte. Löwenstein erblickte die unterscheidenden Merkmale der weltlichen Schule im Gegensatz zur bisherigen darin, daß fie fich statt nach irgendwelchen Traditionen und zweifelhaften Autoritäten nach fachlichen Rotwendigteiten orientiere und zugleich dem Gedanken der menschlichen Solidarität in den Mittelpunkt stelle. Sie wird mit anderen Worten vom tatsäch lichen Leben, von den sozialen Berhältnissen und Entwicklungs. tendenzen bestimmt. Eine neutrale" Schule gibt es nicht und kann es nicht geben. Löwenstein schilderte dann die gegenwärtige schulpolitische Situation, um aus ihr unsere Aufgaben abzuleiten. Bir müssen zum Kampf bereit fein gegenüber dem drohenden Die Abstimmung erfolgt durch Erheben der Karten. Die reaktionären Reichsschulgeset und den Plänen eines Reichsfonfor Abstimmung nach Rongreßftimmen ftatt nach Röpfen wird vorgedats. Es dürfe in Parteifreifen feinerlei Meinungsverschiedenheiten nommen, wenn mindestens 30 Rongreßmitglieder, die mindestens darüber geben, daß wir nicht nur platonisch uns für die weltliche fünf verschiedene Länder vertreten, dies verlangen.( Artikel 9 der Schule erklären, sondern uns geschlossen und mit ganzer Kraft für fünf verschiedene Länder vertreten, dies verlangen.( Artikel 9 der sie einfegen müssen. In der sehr regen und eingehenden Aussprache tam die einmütige Zustimmung zu diesen Ausführungen zum Aus brud. Mehrfach wurde betont, daß in weiten Parteifreisen ein noch entschiedeneres Eintreten der Parteileitung für die schulpolitischen Aufgaben der Sozialdemokratie gefordert werde, daß man andererfeits die Schaffung der Monatsschrift Sozialistische Erziehung" durch den Parteivorstand freudig begrüße. Dos politische Bündnis mit dem Zentrum als republikanische Partei fönne und dürfe nicht propaganda für die weltliche Schule muß in Angriff genommen auf dem Gebiete der Schule führen. Eine systematische AufklärungsStatuten.) Nicht angeschloffene Parteien: Bertreter von Parteien, über deren Beitritt zur SAJ. Berhandlungen schweben, tönnen auf Be schluß der Erefutive Karten als Baftdelegierte erhalten. Infernationale Sozialistische Frauenkonferenz: Am 21. Auguft findet eine Internationale Sozialistische Frauenkonferenz statt, deren Tagesordnung vom Internationalen Sozialistischen Frauenfomitee werden. " Schützt die Singvögel. Es ist eine betrübende Tatsache, daß ein gar nicht so geringer mindesten Rechnung trägt. Verständnislos Teil unserer Laubenkolonisten dem Schutz der Singvögel nicht im so schreibt uns ein Laubenkolonist steht er den Klagen des Naturfreundes gegenüber, der sich darüber beschwert, daß des Nachbars Kaze in feinem Garten wildern geht. Jeder Raßenfreund behauptet, sein Tier mache das nicht. Eine vollständig abwegige Zusicherung. Und wenn schon so ein Tugenderemplar unter diesen Räubern zu finden wäre, schon ihre Anwesenheit im Garten genügt, daß der Bogel diese Stätte meidet. Es fann nicht geduldet werden, daß unsere Bogelwelt durch herumstreichende Kayzen beunruhigt und ihrer Brut beraubt wird. Unsere gefiederten Gänger sind die besten Freunde und Gehilfen des Gartenfreundes; eine Kaze hingegen hat im Garten feine Daseinsberechtigung. Es mag darauf hingewiesen sein, daß Razen, die auf fremden Gartengrundstücken angetroffen werden, obgefangen werden können. Es empfiehlt sich, dem Raßenfreunde mitteilung zu machen, daß so verfahren wird, wenn das Tier auf fremdem Gartengelände angetroffen wird. Im Garten wird nachaerade die Kazenliebhaberei zur Plage. Also mehr Schuß unserer Vogelwelt! Straßenbahnunfall in der Invalidenstraße. Am Freitag abend gegen 12 Uhr rig an einem Wagen der Straßenbahn der Linie 1 in der 3nvalidenstraße die Stuppelung, so daß der Anhänger gegen den Triebwagen fuhr. Durch die in Trümmer gehenden Scheiben wurden fieben Personen leicht verlegt, fie fonnten jedoch nach Anlegung Don Notverbänden in ihre Wohnungen entlassen werden. 3tal ergriffen. Der ehemalige Geschäftsführer des Berliner Ratskellers, Ital, der, wie wir mitteilten, nach Unterschlagung von 20 000 m. mit seinem eigenen Auto durchbrannte, ist bei ies. baden festgenommen worden. Sein Auto wurde beschlagnahmt. Frau Selma Schwarz, eine alte Rampfgenoffin in Fried. tisch und gewerkschaftlich tätig. Wir wünschen der alten Rämpferin Genoffin Schwarz war schon unter dem Sozialistengeset polinoch einen schönen Lebensabend. festgesetzt wird. An der Konferenz sind nur Angehörige der der our Aufgabe oder Berleugnung unserer grundsäglichen Forderungen richshagen, feiert heute ihren 70. Geburtstag. 23. angeschlossenen Parteien teilnahmsberechtigt. Alle Einzelheiten werden in einem besonderen Rundschreiben bekanntgegeben. Besprechung über die Agrarfrage: Zur Besprechung der Agrarfrage wird des Internationalen Kongresses wegen eine zwanglose Konferenz zusammentreten, an der die Bertreter jener fozialistischen Parteien teilnehmen werden, die an diesem Problem besonders interessiert sind. Anmeldungen, Wohnung. Bisa usw. Jede Partei muß die Ancahl und die Namen der von ihr entfendeten Delegierten bis längstens 15. Juli 1925 an folgende zwei Stellen bekanntgeben: a) Sekretariat der SAJ.: 4, Great Smith Street, London, S. W. 1. b) Lokalfomitee: Léon Bon, 42, Rue de la République Marseille( France). Alle Bestellungen, Anfragen usw. bezüglich des Quartiers find ausschließlich an das Lokalfomitee zu richten, welches die Quar. tiere besorgt. Alle Wünsche, Anfragen usw.. welche die Tätigkeit des Rongresses betrifft, find an das Gefretariat der SAJ. zu richten. Alle Wünsche, Anfragen usw. betreffend a ẞvisa find an das Sekretariat der französischen Partei( M. le Dep. Paul Faure, 12, Rue Feydeau, Paris II) zu richten. Delegierten und Gastdelegierten tarten werden ausschließlich vom Sefretariat der SAJ. ausgegeben, Bresse. farten ausschließlich vom Lokalkomitee. Die Erefutive der SAJ. richtet an alle angeschloffenen Barteien und darüber hinaus an alle Arbeiterorganisationen der Welt die Aufforderung, alle Borbereitungen zu treffen, damit das Gelingen des Internationalen Rongreffes Zeugnis ablege für die Kraft der vorwärtsstrebenden Arbeitertlaffe. Der Internationale Kongreß 1925 soll eine machtvolle Kundgebung werden: Für die großen Forderungen der Arbeiterklaffe; für die Sicherung des Friedens und des Achtstundentages! Gegen die Feinde der Arbeiterklasse und des Fortschrittes; gegen ben Kapitalismus und die faschistische Reaktion! Für die Herstellung der internationalen Einheit des Proletariats in den Reihen der sozialistischen Arbeiter Internationale! Die Egetutive der Sozialistischen Arbeiter Internationale. Weitere bulgarische Todesurteile bestätigt. König Boris hat fünf weitere Todesurteile des Kriegsgerichts gegen die tom munistischen Verschwörer bestätigt. Es handelt sich um Betroff, Tundoff, Angeloff. Thomoff und Sedloeff, von denen die drei Leygt genannten flüchtig sind. Henderung im Köpenider Straßenbahnverkehr. Bom 31. Mai ds. Js. ab werden die Wagen der Linie 87 im Halbftundenverkehr unmittelbar bis zum Krantenhaus Köpenid durchgeführt. Damit entfällt das Umsteigen an der Linden, Ede Bahnhofstraße; der bisherige Bendelbetrieb zwischen Krankenhaus und Bahnhof Köpenick kommt in Fortfall. Der andere Teil der Linie 87 verbleibt an dem jezigen Endpunkt Linden-, Ede Bahnhofstraße und erhält die neue Liniennummer„ 187". Ueber die Frage der Elternbeiräte hielt Genosse Bepper Riel ein auf reiches Material geftügtes orientierenders Referat. Er gab einen Ueberblick über die einschlägigen Bestimmungen in den einzelnen Ländern, frizzierte die Aufgaben der sozialistischen Elternbeiräte und wünschte, daß die Partei sich stärker dieser Aufgaben annehme. Er schlug eine zentrale 3u fammenfassung der Elternbeiräte im Rahmen der Auch an dieses Referat schloß sich eine lebhafte Distuffion an, in der über die Erfahrungen in den verschiedenen Bezirken berichtet wurde. Es soll zunächst die Zahl der sozialistischen Elternbeiräte festgestellt Ueberfall auf ein junges Mädchen. In der vergangenen Nacht werden und wieweit fie in den Bezirken organisiert und attiv tätig wurde an der Ede der Ratibor- und Reichenberger Straße eine sind. Auf Grund dieser Feststellungen soll dann zur zentralen Bufo schwer getroffen, daß sie von der Unfallstation, wohin sie gebracht 24 Jahre alte Arbeiterin Frieda Korn hinterrüds angeschossen und fammenfassung geschritten werden. Dafür soll aber feine neue Organisation geschaffen werden, vielmehr soll diese Tätigkeit worden war, sofort in das Krankenhaus Urban übergeführt werden in bie Arbeit der sozialistischen Lehrer und Kinder mußte. Der junge Mann, der die Ueberführung in die Unfallfreunde eingegliedert werden. Schon jest sollen die Elternbeiräte station veranlaßt hat, wird ersucht, sich auf dem Polizeirevier 111, mit Material versorgt werden, einmal durch die Sozialistische ErUrbanftr. 48, Kriminalpolizei, zu melden. ziehung", nach Möglichkeit aber auch durch besondere Drudschriften. Es fann festgestellt werden, daß auf der Konferenz eine über Ermarten große Uebereinstimmung in allen wesentlichen Fragen zutage getreten ist, so daß man sich von ihr die besten Auswirkungen für die schulpolitische Tätigkeit in der Partei versprechen darf. Rot und Schwarz- rot- gold. Auf der Generalversammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin am 24. Mai wurde einftimmig folgende Entschließung angenommen:„ Die Generalversammlung der Sozialistischen Arbeiterjugend Groß- Berlin erkennt in Anbetracht der gegenwärtigen politischen Situation die Notwendigkeit an, das Wahrzeichen der demokratischen Republit gegen Angriffe der Reaktion zu schüßen. Sie betont aber nachdrücklich, daß das Symbol unseres fozialistischen Wollens die rote Fahne ist, und fordert alle Abteilungen sowie den Bezirksvorstand auf, bei allen Beranstaltungen und Kundgebungen die rote Fahne in erster Linie zu zeigen und ins Bewußt fein der Deffentlichkeit zu rufen." Zum Mord im Tegeler Walde. Wie wir seinerzeit berichteten, wurde am Donnerstag, den 30. April, der Bantbeamte Arno Schwente aus Waidmannsluft im Walde bei Tegelort hinterrüds er= schossen. Als der Mörder herannahende Leute bemerkte, fuhr er davon und entfam. Nach einer bei der Mordkommission eingegangenen vertraulichen Mitteilung fuhr am selben Tage abends gegen 10% Uhr ein Mann mit der Straßenbahn von Tegelort nach Berlin. Dieser Mann fann allem Anschein nach über die Mordiat genauere Mitteilungen machen, denn er sprach über die Mordtat so laut, daß auch andere Mitfahrer, die Groß- Berliner Parteinachrichten. 3. Areis Webbing. Die 21. Abteilung veranstaltet am 1. Bingftfeiertag, morgens 5 Uhr, in den Pharusfälen, Müllerfte. 142, ein Frühfonzert e Genoffinnen und Genoffen des 3. Kreises find herzlichst eingeladen. Theater der Woche. Bom 31. Mai bis 8. Juni 1925. Boltsbilhne: 31., 2. 4. Datterich. 1., 8., 5., 7., 8. Samlet. 6. Schneider Bibbel. Staatsoper: 31. Carmen. 1. Intermezzo. 2. Tannhäuser. 8. Evangelimann. 4. Der ferne Klang. 5. Rigoletto. 6. Troubadour. 7. Soldat. Bulainelle. Renard. 8. Mona Lisa. Kroll- Oper: 31. Evangelimann. 1. Cavalleria rusticana. 2. Madame Butterfly. 3. Galome. 4. Fledermaus. 5. Evangelimann. 6. Ruberflöte. 7. Fliegender Holländer. 8. Bar und immermann. Schauspielhaus: 31. und 1. Rheinische Rebellen. 2. Kandida. 3., 4., 5. unb 6. Brand im Opernhaus. 7. Rheinische Rebellen. 8. Brand im Opernhaus. Schiller- Theater: 31. und 1. Glildspils. 2. Dr. Rvaus. 3. und 4. Glüldspils. 5. Torquato Taffo. 6. und 7. Glüdspila. 8. Charlens Tante. Leffing- Theater: Demimonde. Theater in der Königgräger Straße: 31. Franziska. Ab 1. gefchloffen. Großes Schauspielhaus: 31. und 1. Der Obersteiger. Ab 2. gefchloffen. Große Boltsoper in Theater bes Bestens: Ab 1. Uschi. Renaissance- Theater: Der Weibsteufel. Die Tribüne: Ein hübsches Mädchen zu verschenken. Deutsches Künstlertheater: Monsieur Trufala. Komödienhaus: Das filberne Ranindhen. Berliner Theater: Anneliefe von Deffau. Trianon- Theater: Doshiwara. Rentral Theater: Silfe, ein Kind ist vom Himmel gefallen! Theater in der Kommandantenstraße: 31. Ufdhi. Durch den Rundfunk. Operettenhaus am Schiffbauerdamm: Der feine Ruppler. Theater am Rollendorfplak: Der Roman einer Eleinen Wäscherin. Theater am Kurfürstendamm: 31. Jaqueline. Ab 1. Mabame Rebite. Wallner Theater: Meiseten. Goethe- Bühne: Das Fräulein bu Portail. Rose- Theater: Sochzeit vor der Che. Rafino Theater: Die Mädels vom Rurfürstendamm. Intimes Theater: Saufierer Jofele. Alabrias. Bartie. Theater im Abmiralspalast: Chocolate Aiddies. Nachmittagsvorstellungen. Bolfsbühne: 7. Wer meint um Schiller Judenad. Aroll- Oper: 31., 1. und 7. Alt- Berliner Boffenabend. Sentral Theater: 7. Der G'missenswurm. Theater: 7. Charlens Sante. Gewerkschaftsbewegung Der Streik des Omnibuspersonals beendet. Heute mittag Aufnahme der Arbeit. Die Dinnibusangestellten, die sich durch die Drohung der Di cettion mit Entlassung nicht einschüchtern ließen, waren heute morgen im Gewerkschaftshaus versammelt. Die Verbindlich feitserklärung des Schiedsspruchs und die Furcht vor der angedrohten Entlassung veranlaßte einen Teil des Personals, bereits heute morgen den Dienst wieder aufzunehmen, ohne daß der Streitbeschluß aufgehoben worden war. Knobel vom Verkehrsbund erläuterte noch einmal den Schiedsspruch und berichtete von den Verhandlungen beim Schlichter. In der Diskussion versuchte ein Mitglied der Union die Gewerkschaften anzurempeln. Er wurde von Koch I, Bertreter des Metallarbeiterverbandes, gehörig abgefertigt. Bemerkenswert Bemerkenswert ist, daß der weitaus größte Teil der Anwesenden die radikalen Phrasen ablehnte. Im übrigen stimmte die Versammlung der Aufforderung der Organisationsvertreter zu, nun erst recht für den Ausbau der Gewerkschaften zu sorgen. Auf eine Anfrage hin bemerkte Knobel, daß die Verbände die geplanten Maßregelungen selbstverständlich abwehren werden. Die Versammlung beschloß, die Arbeit heute mittag geschlossen wieder aufzunehmen. Streitgefahr bei Bolle. Mit dem befristeten Streitbeschluß, den die Belegschaftsversamm: lung der Meierei Bolle gestern abend faßte, ist der Streit weder abgewehrt noch verschoben. Das Personal fonnte gestern teinen anderen Beschluß fassen, weil das Lohnabkommen noch bis Ende Mai läuft. Der Beschluß zeigt aber den Ernst der Situation. Dem brutalen Unternehmerstandpunkt der Direktion hat die Beleg schaft ihren gewerkschaftlichen Willen entgegengesetzt, was ihr nie mand verübeln wird. Sollte die Direktion nicht noch in letzter Stunde durch die behördlichen Schlichtungsinstanzen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen und zu ausreichenden Zugeständnissen veranlaßt werden, so ist mit dem Ablauf des Lohntarifes morgen, Sonntag, der Ausbruch des Streits unvermeidlich. ,, Arbeitsverweigerung" des Betriebsratsvorsitzenden. Als kürzlich die Neuwahl der Betriebsräte bei der Reichs bahn bevorstand, hatte der nach dem Streit gewählte provisorische Betriebsrat, der infolge einer Abmachung mit der Direktion bis zur Neuwahl amtieren sollte, einen Wahlvorstand aus Mitgliedern der drei Eisenbahnerverbände eingeseht. Die für den Anhalter Bahnhof zuständige Verwaltungsstelle vertrat aber den Standpunkt, daß seit der Neueinstellung der Arbeiter nach dem Streif ein rechtmäßiger Betriebsrat nicht bestehe und er sie den Spizenfandidaten der Liste des Allgemeinen Eisenbahnerverbandes betraute. Der nannte russischen Gewerkschaften in London anwesend waren. Die Bermin tung pricht dafür, daß nicht allein der Borfizende des Mostauet Gewerkschaftsrates ein solches Interesse für das neue Blatt befundel hat, sondern daß auch andere russische Mitglieder der englisch- russi fchen Konferenz sich in gleichem Sinne betätigt haben. Das alt russische System einer geschichten Beeinflussung der westeuropäischen Presse, die zuweilen selbst die Beeinflussung nicht so bald meitų zeigt sich hier in seiner ganzen Herrlichkeit. Kein Straßenbahnerstreik in Leipzig. Leipzig, 30. Mai.( Eigener Drahibericht.) In der am Freitags abend im Boltshaus abgehaltenen Funktionärversammlung der Straßenbahner wurde das Ergebnis der Urabstimmung im Betriebe der Leipziger Straßenbahn bekanntgegeben. Es wurde beschlossen, aus tattischen und solidarischen Gründen mit Hinblick auf das Ar. beiterfängerfest, das hier in Leipzig stattfindet, von einer Niederlegung der Arbeit abzusehen. Infolgedessen bleibt der Betrieb der Leipziger Straßenbahn in vollem Umfange aufrechterhalten. Das Anglo- Russische Einigungskomitee. London, 30. Mai.( Eigener Bericht.) Der Generalrat der bris tischen Gewerkschaften hat in seiner jüngsten Sigung die folgenden Gewerkschaftler zu Mitgliedern des Anglo- Russischen Eini. britischen Gewerkschaftsbundes), W. W. Citrine, A. Findlay, Ben Turner und George Hicks. Die Direktion der Ommibusgesellschaft hat bei dieser Tarif. Leitung Deshalb einen Wahlvorstand, mit deffen gungsfomitees gewählt: A. B. Swales( Vorsitzender des bewegung ihren scharfmacherischen Standpunkt mit aller Deutlichkeit gezeigt. Sie hat nicht nur durch ihr provozierendes Verhalten die Erregung hervorgerufen, die zur Arbeitseinstellung führte, sondern sie weigerte sich sogar gestern noch, den Spruch des Schlichters, der die Berbindlichkeitserklärung brachte, trotz der geringen Lohnerhöhungen anzuerkennen. Noch gestern abend, nachdem der Schlichter längst entschieden hatte, sandte sie mit größter Beschleunigung durch besondere Boten den Streifenden die Kündigungen ins Haus. Der Direktion fàm es also unter allen Umständen darauf an, den Konflikt zu verschärfen, wozu ihr jedes Mittel recht war. Die Angestellten müssen daraus die notwendigen Schlußfolgerungen ziehen und für restlose Organisierung des Personals sorgen.. An die Bäcker- und Konditorgehilfen! Borsitzende des alten( provisorischen) Betriebsrats, Güterbodenarbeiter Sch., der dem deutschen Eisenbahnerverbande angehört, erblickte in dem Verhalten der Verwaltung eine einseitige Stellungnahme zugunsten des Allgemeinen Eisenbahner verbandes und hielt es deshalb für nötig, die Wahlhandlung zu kontrollieren. Da er sich als Betriebsratsoor fiender hierzu berechtigt fühlte, suchte er nicht formell um Urlaub nach, sondern teilte seinem Vorgesetzten am Tage vor der Wahl mit, daß er die Wahl kontrollieren werde. Als Sch. im Wahlzimmer weilte, kam der Dienststellen vorsteher und forderte Sch. auf, an seine Arbeit zu gehen. Deffen weigerte fich Sch. unter Berufung auf sein Recht als Betriebsratsvorsitzender. Darauf wurde er wegen ,, beharrlicher Arbeitsverweigerung" fristlos entlassen. ร Die Eisenbahnfachtammer des Gewerbegerichts erklärte den Einspruch des Betriebsrats gegen die Entlassung als berech tigt und die Entlassung als nicht gerechtfertigt, denn selbst wenn man ein unbefugtes Verlassen der Arbeit als vorliegend erachten wurde, so wäre das fein Grund zur fristlosen Entlassung. Eine beharrliche Arbeitsverweigerung liege überhaupt nicht vor. stody Die russischen Abonnenten. Der Erlaß des Handelsministers Dr. Schreiber hat leider so gewirkt, daß jezt auch das Polizeipräsidium in Berin dem Drude nachzugeben scheint und für die Großstadt Berlin den 5 1hr Arbeitsbeginn einzuführen be absichtigt. Damit ist der Anfang vom Ende der Tagarbeit gemacht. Die Rämpfe der Bädergesellen seit einem Menschenalter werden damit mit einem Schlage zerstört. Der 5- Uhr- Arbeitsbeginn muß die Kontrollmöglichkeit des Bäckereischuhgesezes vollständig ausschließen. Die Gesellenschaft soll gezwungen werden, frühmorgens vor Beginn jeder Verkehrsmöglichkeit aus den Proletariervierteln in ihren bis zu zwei Stunden entfernten Arbeitsstätten zu sein. Die Folge wird die Wiedereinführung der Nachtarbeit und des stoßung der Verheirateten aus dem Gewerbe sein. Alle verheerenden Folgen lassen sich hier nicht aufzählen. Es soll daher am nächsten Donnerstag eine große Protestversammlung im Lehrervereinshaus stattfinden, zu der namhafte Wissen schaftler und Sozialpolitiker und Vertreter von Behörden eingeladen find. Es gilt, in dieser Versammlung alles daran zu setzen, der Deffentlichkeit und den Behörden die ungeschminkte Wahrheit zu sagen und über das, was fommen muß, flaren Wein einzuschenken. Es ist noch zu erwähnen, daß außer dem Vorsitzenden des MosWir bitten, den Inseratenteil des„ Vorwärts" genau zu beachten.er Gewerchaftsrates auch der Vorsitzende des MetallarbeiterDie Verbandsleitung. verbandes und einige führende Mitglieder des Zentralrates der Bekanntmachung! Auf Grund des§ 74 der Gagung müssen bis Aum 27. Juni 1925 befind für die Wahlperiode bis 31. De feitigt fein. Bis zu diesem Reitpunkte sember 1929 in getrennter Wahlhand fönnen Wahlvorschläge auch zurüd lung zu wählen genommen werden. Die zugelassenen 20 Berfreier und 40 Erfahmänner Bahlvorschläge Tiegen während der aus der Mitte der Arbeitgeber und Zeit vom 27. Juni bis 11. Juli 1925 40 Bertreter und 80 Erfaßmänner im Raffenlofal während der Reit von aus der Mitte der Bersicherten. 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachDie Arbeitgeber wählen am Mon- mittags Aur Einsichtnahme für die tag, den 13. Juli 1925, nachmittags von Wähler aus. Raffenlotal Banteftr. 4, vorn ( RSD.) Seit April erscheint in London eine Monatsschrift Trade Union Unity"( Die Einheit der Gewerkschaften"), die von Purcell, Fimmen und Hicks redigiert wird. Das Blatt foll Festigung der internationalen gewerkschaft. igen Einheit bieternationalen vom 22. April mitteilt, hat der Vorsigende des Moskauer Gewerkschaftsrates, Michailom, während der Londoner russisch- englischen Konferenz tausend Exemplare der englischen Beitschrift für den Moskauer Gewerkschaftrat abonniert. Daß von diesen tausend Exemplaren faum zehn in Moskau gelesen werden, ist wohl ohne weiteres flar. Dieses Abonnement sieht daher einer Subvention außerordentlich ähnlich. Der Sigung des Generalrates, in der diese Wahl vorgenommen rourde, lag auch eine Kopie des Briefes vor, den der Alrussische Gewerkschaftsbund an die Amsterdamer Internationale gesandt hat. Ge noffe Swales teilte nach der Sizung einem Mitglied der„ DailyHerald"-Redaktion mit, daß der britische Generalrat die in dem russischen Dokument eingenommene Haltung für„ verständig“ und für einen Beweis dafür halte, daß sich die Stellung der russischen Gewerks schaften zur Frage der internationalen Einheit in der letzten Zeit geändert habe. Berantwortlich für Politit: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckeret und Verlagsanstalt Vaul Singer u. Co.. Berlin S. 68. Lindenstraße 3. Sinalco! die edute Bilzbrause zuckergesüßt. Nur nebensteh. Schutzmarke bürgt für echte, gute Ware Lieferanten: Generalvertrieb: Starick& Krüger, G. m. b. H., Landsberger Allee 6-7 F. Fünning, SO, Wiener Str. 57 a| A. Bethge, N, Rügener Straße 26 A. Riemer, SO, Kottb. Ufer 39-40 P. Klemmstein, N, Gleimstr. 63 C Evers, SO, Reichenberg. Str. 56 C. Petri, N, Gartenstraße 51 F. Schettler, SO, Reichenberger Str. 33 W. Schimke, N, Schönholz. Str. 15 G. Steiger, S, Schönleinstr. 23 E. Sichting, N, Lychener Str. 131 E. Rauch, SW, Neuenburg. Str. 28 F. Voß Nachflg., N, Ackerstr. 19 J. Bartsch, C. Steinstraße 28 W.Gürtler, Steglitz, Körnerstr.16 P. Heinze, C, Fischerbrücke 15 G. Hoffmann, Charl., Krammestr. 69 R. Kluger, 0, Tasdorfer Str. 52 A. Liebig, Charl., Grolmannstr. 60 H. Fanselow, Charlottenburg, Röntgenstraße 8 H. Tiek, Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße 146 M. Köhler, Wilmersdorf, Brandenburgische Straße 77 R. Hübner, Lichterfelde, Potsdamer Straße 1 W. Kröhnke, Tempelhof, Berliner Straße 97 H. Rohde, Weißensee, Kronprinzenstraße 4 C. Mügge, Spandau, Weißenburger Straße 16a F. Müggenburg, Potsdam, Alte Louisenstraße 22-23 W. Kastner, Köpenick, Kaiser Wilhelm- Straße 107 Starick& Krüger, G. m. b. 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Juli 1925, von und Mitgliederverzeichniffe eingefehen 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr nach werden und etwaige Einsprüche gegen mittags im die Richtigkeit der fich aus dem Mit aliederverzeichnisse ergebenden Wahl1 Treppe. und Stimmberechtigung bei Vermeidung Die Wahl wird durch den Borstand des Ausschluffes spätestens 4 Wochen geleitet. bem Wahltage Dor unter Beifügung Bezilglich der Wahlberechtigung fo- von Beweismitteln geltend gemacht mie Wählbarkeit der Berficherten und werden. der Arbeitgeber verweisen wir auf die Der Wahlausschuß ist befugt, bie Beftimmungen im§ 74 der Sagung. Wahl- und Stimmberechtigung jedes Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Wählers bei der Wahlhandlung Bersicherten werden hiermit aufge- prüfen. Wahlausweise werden auf Anfordert, Wahlvorschläge, gesondert für trag der Wahlberechtigten in der Reit bie beteiligten Arbeitgeber und Ver- vom 27. Juni bis 11. Juli 1925 von ficherten dem unterzeichneten Borstand vormittags 8 bis 1 Uhr im Raffenlolal bis spätestens zum 13. Juni 1925 unter ausgestellt und find zur Wahlhandlung angeschlossen dem Verband soder Adresse: Wahlbureau der Ortskrantenkaffe für das Maurergewerbe zu Berlin, Berlin C. 25, Sanlestraße Nr. 4, einzureichen. Die Stimmabgabe ist an diefe Wahl vorschläge gebunden. Berliner Töpferhütte G. m. b. H. zialer Baubetriebe mitzubringen. Desgleichen fönnen fio während dieser Seit die Arbeitgeber befcheinigen laffen, wieviel Stimmen Berlin SO.26, Waldemarstr.14 fie führen. durch Abgabe des Stimmzettels ausge Das Bahlrecht fann nur in Verfon Fernsprecher: Amt Moritzplatz 9314 übt werden. Ausführung sämtlicher TöpferRum Wahlraum haben nur die wahl arbeiten. Neue Oefen und Reberechtigten Arbeitgeber und Raffenmit Ueber die Aufstellung, Unterzeich- alieder Rutritt. nung, Brüfung und Sulaffung der für die Wahl die entsprechenden Be- werter Ausführung. Im übrigen gelten paraturen in guter und preisWahlvorschläge, über den Gang der ftimmungen KostenBerbundene Wahlvorschläge werden nicht zugelassen. Wahl, Stimmabgabe, Stimmzettel und Wahlordnung. Schluß der Wahlhandlung gelten die ber Sagung Bestimmungen der§§ 7, 9, 11 bis 14 Berlin, den 30. Mai 1925. der Wahlordnung, welche im RaffenDer Borstand und der lose heiztechnische Beratung. Iotal erhältlich ist. Stimmzettel müssen der Ortskrankenkasse file das Maurer10 x 8 Rentimeter groß und Don meißer Farbe fein. gewerbe zu Berlin. Die aus den eingereichten Wahlvor. S. Krüger, R. Freund, fchlägen fich ergebenden Anständel Borsigender. 9326 Schriftführer. Unsere Geschäftsräume befinden sich Jetzt Briggrátzerstr Leipzigerstr Berlin W.9. Potsdamersin KRK Bellevue- Str. 14. Kropp Registrier Kassen GET D KRUPP AGEN Gardinen Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Kunstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstati Heukölln, Bergstr.67 am Ringbahnhof. 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