Abendausgabe Nr. 258 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 126 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife And in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sw. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 292-295 Sel.- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Mittwoch 3. Juni 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Anzeigenabteilung Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbeff 2506-250% Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Briands Schwenkung. Annahme des englischen Standpunktes. Condon, 3. Juni.( WTB.) Der Pariser Berichterstatter der Times" meldet, das französische Außenministerium habe seinen Entwurf der Note an Deutschland über den Sicherheitsplan fertiggestellt, deren Tert sich fehr eng an das britische Memorandum halte. Briands Beschluß, die britische Fassung des Pattes anzunehmen, werde bekräftigt durch die Tatsache, daß in Paris feine große Opposition gegen diese Fassung erhoben wurde. Her vorragende politische Schriftsteller aus dem nationalistischen Lager feien jetzt bereit, fie anzunehmen als höchst ma ß dessen, was Frankreich je von Großbritannien erhoffen könne. Es verlaute, daß der Entwurf, sobald Poincaré, der zwar ein Gegner jedes gegenfeitigen Battes mit Deutschland sei, teine Opposition gegen den Garantiepakt machen werde, in der Briandfchen Form angenommen werde, wonach Frankreich nach britischer Auffassung das Recht habe, seinen Alliierten an der Ostgrenze Deutschlands beizu stehen. Der Batt fönne unter feinen Umständen so ausgelegt werden, daß er Frankreich hindere, in ehrenhafter Weise seine Ber. pflichtungen aus den mit Bolen und der Tschechoslowa tei abgeschlossenen Verträgen zu erfüllen, die Deutschland bekanntgegeben werden sollen, wenn es den Pakt unterzeichnet. Auf der anderen Seite sei die französische Regierung nicht der Meinung, daß die Neutralität des Rheinlandes angegriffen werden könne, wenn die militärischen Operationen infolge Unterstützung Bolens und der Tschechoslowakei durch Frankreich durch deutsches Gebiet getragen werden sollten. Die Franzosen seien indessen nicht der Ansicht, daß die Möglichkeit einer militärischen Intervention fehr ernstlich ins Auge gefaßt zu werden braucht. In Paris werde allgemein geglaubt, daß die Keine Opposition Poincares. b) durch die in der Völkerbundsazung vorgesehene Methode der Regelung von Streitigkeiten, oder c) durch ein besonderes Verfahren, welches in dem Bafte dargelegt wird und welches die Rechte und Verantwortlich teiten der Unterzeichner regeln würde. Mit anderen Worten, der Schlüssel zur Tür würde sich nicht in der Hand eines einzigen Treuhänders befinden, sondern im Einklang mit der Gerechtigkeit benutzt werden. Wenn z. B. die Deutschen sich weigern würden, einer schiedsgerichtlichen Entscheidung zuzustimmen oder sich dem Schiedsspruch zu unterwerfen, und einen ihrer östlichen Nachbarn planmäßig angreifen, dann würde England zwar beiseite stehen, aber der freie Durch marsch der französischen Truppen durch die entmilitarisierte Zone würde voraussichtlich auf teinen britischen Widerstand stoßen. Wenn aber Polen gegen die Sagungen verstoße, so würde die entmilitarisierte Zone zweifellos un passierbar bleiben. Die Bedingungen der französisch- polnischen Militärton vention, die bisher geheim gehalten worden seien, würden daher möglicherweise einer Menderung unterzogen werden müssen, um fie mit dem neuen Baft in Uebereinstimmung zu bringen. Der Berichterstatter schließt, es werde vielleicht noch einige Monate dauern bis der Batt ausgearbeit werden könne. Wenn die entmilitarisierte 3one unter allen Umständen für unverletzlich erklärt werden sollte, so würde die Aufgabe der Staatsmänner beträchtlich einfacher sein. Kompromiß in der Anschlußfrage? Berhandlungen in Genf. Beziehungen zwischen Deutschland und Polen sich in Zukunft Genf, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Auf der Waffen wahrscheinlich bessern handelskonferenz ist am Dienstag ein Beschluß gefaßt merden. Wenn man die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen worden der die Randstaaten Rußlands, nämlich Rumänien, Deutschland und Polen vermeiden wolle, so sei dies in weitem Maße Polen, Lettland, Estland und Finnland von der Verpflichtung, über auf den Wunsch zurückzuführen, die nationale Ehre im Hinblick auf importierte oder exportierte Waffenmengen öffentliche Angaben zu Frankreichs Berpflichtungen gegenüber den Staaten an Deutschlands machen, solange entbindet, bis Rußland ebenfalls die KonOstgrenze zu wahren. Der Berichterstatter bemerkt noch, die franzövention zur Berhinderung des illegalen Waffenhandels anerkennen fische Aufmerksamkeit tonzentriert sich in erheblichem Maße auf würde. innere Angelegenheiten, Angelegenheiten, namentlich auf die Finanz [ chwierigteiten. Die auswärtigen Angelegenheiten würden von nun an weit weniger Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, als es jemals während der letzten zehn Jahre der Fall war. Die Frage des Durchmarschrechtes. London, 3. Juni.( BTB.) Der diplomatische Berichterstatter bes Daily Telegraph" schreibt zur Sicherheitsfrage, wenn auch die Frage der Berpflichtungen Frankreichs gegenüber Bolen und der Tschechoslowakei im Zusammenhange mit der entmilitarisierten Rheinzone eine Detailfrage sei, sei fie doch sehr wesentlich und es sei nicht überraschend, daß die französische Regierung fie bereits aufgeworfen habe und im Begriffe sei, ihre Ansichten in dieser Beziehung in einer für London bestimmten Note niederzulegen, die im Laufe der Woche zu erwarten sei. Es handle fich darum, daß die Derriegelte Tür der entmilitarisierten 3one Frankreich( oder eventuell angesichts der Tatsache, daß der Batt auf Gegenseitigkeit beruhe, auch Deutschland) offen stehen sollte. Diese Frage könne in verschiedener Weise geregelt werden, nämlich a) im Zusammenhange mit besonderen schiedsgericht lichen und Schlichtungsverträgen, die zwischen Deutsch fand und seinen Nachbarn abzuschließen wären, Was geht in Sofia vor? Von der Außenwelt abgeschlossen. Belgrad, 3. Juni.( TU.) Reisende, die von der bulgarischen Grenze fommen, teilen mit, daß Sofia jeit gestern morgen von ber Außenwelt vollständig abgeschlossen sei. Kein Mensch dürfe in die Stadt hinein oder aus der Stadt heraus. Auf den Straßen patrouillieren Reserveoffiziere und Unteroffiziere mit weißen Armbinden, dem Abzeichen ihrer Zugehörigkeit zu dem Verein der Reserveoffiziere. Um 8 Uhr morgens fuhr ein Offizier der Stadtkommandantur im Auto bei allen Gesandtschaften vor und übergab für die Angehörigen der verschiedenen Gefandtschaften Passierscheine, die zu freiem Verkehr in der Stadt ermächtig ten. Alle Geschäfte, mit Ausnahme der Apothefen und der Bäckerläden, find gefchloffen. Die gestrigen Morgenblätter find nicht erschienent Wie das Genfer Travail" aus zuverlässiger Quelle erfährt, hat der tschechische Außenminister Benesch während seines Aufenthaltes in Genf in einer Unterredung mit dem Beauftragten der Wiener Regierung versucht, in der Anschlußfrage ein Kompromiß zu finden. Zur Führung der Berhandlungen für Desterreich ist der frühere Finanzminister Grünberger ermächtigt worden. Benesch habe Desterreich große Erleichterungen im 3011. und Transitverkehr durch die kleine Entente in Aussicht gestellt und soll außerdem zugesichert haben, sich beim Völkerbund dahingehend zu verwenden, daß Desterreich einerseits von allzu strengen finanziellen Kontrollmaßnahmen verschont bleibe und andererseits eine Reihe von wirtschaftlichen und finanziellen Forderungen geltend machen dürfe, von deren Erfüllung seine Haltung in der Anschlußfrage abhängen wird. Zu diesem 3wed werde Desterreich zur nächsten Völkerbundstagung eine Sonderdelegation entsenden, die beim Völkerbund sofortige finanzielle Hilfe fordern wird; außerdem müßte sich sonst Desterreich für den Anschluß an Deutschland entscheiden. Im übrigen werde Desterreich bis zur Erledigung dieses Gesuchs sich bezüglich der Anschlußfrage durchaus ab wartend verhalten. Eine Bestätigung. Sofia, 3. Juni.( WTB.) Da den Behörden zur Kenntis gelangt ist, daß sich in Sofia eine Anzahl von Verschwörern versteckt halten, ist noch vor der heute Abend stattfindenden Entlassung der mifiztruppen eine Durchsuchung der Stadt angeordnet worden. Diese Maßnahme dauert indessen nur einige Stunden(?). Während dieser Zeit ist der Berkehr auf den Straßen nur mit befonderen Ausweistarten gestattet. Sofia, 3. Juni.( WTB.) In Hinsicht der heute abend zur Entlaffung fommenden 10 000 miligfoldaten, find von der Regierung die nötigen Anordnungen(?) bereits getroffen worden. agentur.) Es ift den Behörden gelungen, der Oberhäupter ver. Sofia, 3. Juni.( WTB.)( Meldung der bulgarischen Telegrafen schiebener Räuberbanden habhaft zu werden, die insbesondere die Gegenden von Plovdiv und Hastovo unsicher machten. Verschärfung der Lage in Schanghai. 2000 Amerikaner und Italiener gelandet. London, 3. Juni.( WIB.) Reuter meldet aus Shanghai, Ueber die Ursachen diefer außergewöhnlichen Maßnahmen verlautet, daß fie im Zusammenhang mit der Entlassung jener 10000 Mann ftehen, zu deren Einberufung die bulgarische Regier Attentat in der Kathedrale von der Botschafter- daß der Streit um fich greift. Der Streifrat hat Bertreter zu Kontrolle des Lebensmitteltransportes ernannt. Ein italienischer fonferenz ermächtigt worden ist, und die nunmehr nach dem EnfKreuzer landete 50 Diann Marinetruppen, die mit einer, vor. Schluß der Botschafterkonferenz entlaffen werden müssen. Den Beamerikanischen Zerstörern gelandeten Truppe eine Vorhut von hörden soll zur Kenntnis gefommen fein, daß eine Anzahl Ber2000 Mann Matrofen und Marinetruppen bilden und sich, ent Ichwörer sich in Sofia verborgen hälf, weshalb sie vor der Entsprechend den Anweisungen der Betinger Gesandtschaften, auf den laffung der Miliz in der Stadt Haussuchungen vornehmen Bege nach Schanghai besinden. Die Lage wird immer laffen. Nach einer anderen Auffaffung find die außerordentlichen schlimmer. Maßnahmen des Militärkommandos mit einem neuen Attentatsperjuch auf den König Boris in Zusammenhang zu bringen. Mehrere Perfonen, die an dem Attentatsversuch vor einigen Wochen beteiligt maren, jollen fich in Sofia aufhalten. Die Behörden Kommunistenverhaffungen in Aegypten. verhafteten n Kairo acht Bersonen und weitere acht Personen in Alexandria, mo auch eine Druderpreffe und viel schriftliches Wate rial beschlagnahmt wurden. Frankreichs Frontsoldaten. Ihr Urteil über die Wahl Hindenburgs. Bon Hermann Schüßinger. Man stelle sich den Sturm der Entrüftung und das Alarmgeschrei vor, das bei der Wahl Joffres oder Fochs zum Präsidenten der französischen Republik durch unsere schwarzweiß- roten Frontsoldaten" vom„ Stahlhelm" und vom„ Berwolf" gebraust wäre, diefes Butgeheul über den Affront gegen die Generation des großen Krieges, die durch die Schilderhebung eines solchen Mannes im Westen zynisch herausgefordert worden sei zur Beremigung des Kriegszustandes zwischen Deutschland und Frankreich. So ähnlich hätte es zweifellos gelautet im„ Stahlhelm" oder im Fridericus". Wie aber hat die Wahl Hindenburgs in Frankreich auf die alten Soldaten gewirkt? " Während in Deutschland den 40 Prozent der ehemaligen Kriegsteilnehmer umfassenden Offizieren, Unteroffizieren und unverbesserlichen Kriegervereinlern" des Kyffhäuserbundes" und der Vaterländischen Verbände" etwa 60 Prozent des digten" gegenüberstehen, ist in Frankreich die Verteilung der " Reichsbanners" und des Reichsbundes der Kriegsbeschä= alten Soldaten auf die Front der Kriegsverewigung und der Bölferversöhnung eine andere. Hierüber gibt Aufschluß der Almanach du Combattants 1925" der" Soldatenkalender" der gesamten französischen Kriegsteilnehmerschaft, der nebenbei bemertteinen flammenden Protest Jean de Pierrefeus gegen die Grausamkeit der franzöfifchen Truppenfemmandeure und die Maffenerschießungen im Weltkrieg, und ein Kapitel aus Friz von Unruhs Opfergang"( la bataille de Verdun) enthält. Dieser Almanach enthält eine Unzahl französischer Kriegsbeschädigten- und Kriegsteilnehmerverbände, Offiziers- und Regimentsvereinigungen, aus denen zwei große Gruppen mit eigenen Wochenschriften. herauszufchälen sind: Die ,, Union fédérale des associations de blessés et anciens combattants", die fich etwa das außenpolitische Programm des ,, Kartells der Linken" zu eigen gemacht hat, umfaßt etwa 70 Broz. der ehemaligen Front foldaten und die Union nationale des combattants", die sich dem Nationalblod" zur Verfügung stellt, etwa 20 Broz. Dabei ist zu beachten, daß selbst die Führer der„ Union nationale" es nicht wagen, von dem Evangelium der gesamten französischen Kriegsteilnehmerschaft, dem Ersatz des Zukunftstrieges durch den Völkerbund irgend etwas abzustreichen. Lediglich 10 Proz. der alten Soldaten find in dem fommunistischen( fédération ouvrière et paysanne des mutilés) und in dem nationalistischen Frontsoldatenverband organisiert. Selbstverständlich überschneiden sich die innenund außenpolitischen und die ökonomischen Interessen der ehemaligen Feldzugsteilnehmer Frankreichs, je nach ihrer Stellung im Erwerbsleben und im Staat. Das eine aber weiß auch die Regierung des ,, cartel de gauche", daß fie mit einer Bolitit der Vernunft und des Versöhnungswillens daten hinter sich hat und deswegen berief sie den Ehrenvorgegenüber Deutschland die erdrückende Masse der alten Solprofessor Caffin, der selbst Kriegsbeschädigter ist, in die fizzenden der Union fédérale", den Liller Universitätsfranzöfifche Delegation des Völkerbundes als Repräsentanten der friedensbereiten Frontsoldaten des anderen Frankreich. Die Wahl Hindenburgs hat felbstverständlich auch auf gewirkt. Tiefster Ernst zieht durch die Stimmen ihrer Presse. die französische Kriegsteilnehmerschaft wie ein Kanonenfchuß Die Voix du Combattant", das Organ der Union Bérigueur auf und bringt riesige Bilder von einem Frontnationale" ruft zu einem außerordentlichen Kongreß in soldatentag" in den Ruinen von Ypern unter der Ueberschrift ,.Die alten Soldaten vergessen nicht". Auch das Organ der fommunistischen Soldatengruppe, le Mutilé" focht sein Süppchen an dem Feuer, das ihm die Hindenburg- Wahl geliefert hat. In der großen ,, Union fédérale" aber und ihrem Blatt La France mutilée", der überragenden Frontfoldatenzeitung der französischen Kriegsteilnehmerschaft, herrsch ein tiefer Ernst und eine bewundernswerte Gefaßtheit gegenüber dem Fanfarenstoß, den der Name Hindenburg leider nun einmal bedeutete. Der Leitartikel vom 3. Mai ,, Die deutschen Kriegsteilnehmer und Hindenburg" veranschaulicht in lebendigen Rot- Gold" gegen die Kandidatur Hindenburg, die AufWorten den Kampfdes Reichsbanners Schwarzmärsche der Republik im Berliner Sportpalaft, in Hamburg, in Magdeburg und in Hannover und zitiert die Aufsätze zur Hindenburg- Frage, die während des Wahlkampfes Craf Montgelas in der Bossischen Zeitung", General v. Deimling im ,, Berliner Tageblatt" und der Verfasser dieser Zeilen im ,, Borwärts" veröffentlichten. Der Aufsatz schließt mit den Worten: Für uns alte Soldaten ist die Tatsache von größter Bebentung, daß in Deutschland dieje" Reichsbanner" Bewegung unter der Kriegsteilnehmerschaft lebendig geworden ist, deren Vormorsch wir mit größtem Interesse verfolgen, dieser Kampfverband, der sich Schritt für Schritt aus dem preußischen Mutterboden emporentidelt trotz aller Schifanen und Hemmungen- troz allebem! Stellungnahme des Profeffor Cassin, des geistigen Führers Bon direkt programmatischer Bedeutung aber ist die der Union fédérale" zur Hindenburg- Wahl in derselben Nummer der ,, France mutilée". " Cassin unterschäßt nicht die verheerende Wirkung, welche diese Kandidatur des deutschen Marschall, auf den Kleinbürger und Kleinbauern der französischen Proving, soweit er den blauarauen Rock des„poilu" im Weltkrieg getragen hat, hervorrief. Er weiß sanz genau, daß von dorther der Ruf nach„S i ch e r h e i t", d. h. nach Pfändern am Rhein und noch einer einseitig aufgezogenen Völkerbund-Exekutive noch lauter werden wird, solange der alte Marschall das neue Deutschland repräsentiert. Dennoch hütet er sich, zu jammern und die Zukunft in düsterstem Grau zu malen:„Es genügt nicht, sich zu ent- rüsten noch wie Besiegte zu flennen. Es gilt jetzt, neue Wege auszuhauen mit Kaltblütigkeit und bitterem Ernst." Und dann untersucht Cassin die Garantien für den europäischen Frieden, die Abrüstung Frankreichs unter Verlebendigung des Nolletschein Plans vom„Volk in Waffen", eine aktive Völker- bundpolitik— und schließlich: Eine letzte und wichtigste Pflicht harrt unser; Frankreich hat vielleicht nicht genügend die Kräfte gestützt, die in Deutschland für die Republik im Kampfe stehen. In dieser Zeit der Verfolgungen, die sich aufgetan hat gegen die wenigen Männer, die sich der Pflichten ihres Volkes gegen die europäische Völkergemeinschaft bewußt sind, müssen die ein st igen französischen Frontsoldaten erkennen, daß die Stärkung des republikanischen Dentschland den Kernpunkt der Befriedung Euro- pas bedeutet. Das in die bürgerlichen Berufe zurückgekehrte Feldheer Frankreich hat keinen Anlaß, sich zu f ü r ch t e n vor der Geste, welche die Wahl Hindenburgs bedeutete. Jeder einstige Be- rufschldat weiß, daß für ein bis zum letzten ausgerüstetes modernes Heer von drei Millionen, wie es das heutige Frank- reich aufzurufen vermag, die Drohung mit der imaginären Revanche unserer deutschnationalen und völkischen Presse von vornherein zur Lächerlichkeit oerurteitt ist. Furcht ist es also nicht, was die Veteranen Frankreichs übermannt hat an- gssichts des Wohlsiegs des fchwarzweißroten Deutschland, aber ehrliche Sorge um den europäischen Frieden. Wir haben keine Veranlassung, bei den Kriegsteilnehmern Frankreichs de- und wehmütig um unser Dasein zu winseln und ihretwegen alles gut zu heißen, was die Nachkriegspolitik des„dloc national" an dem friedenswilligen Deutschend ge- sündigt hat. Und doch ist auch für uns diese Frontsoldaten» beweg ung Frankreichs von höchster Bedeutung als ein wich- tiger Antrieb zu einer neuerlichen Befriedung des Kontinents im Geist der gegenseitigen Achtung und des gesunden Menschenverstandes, im Sinn einer Lerfemung der Gewaltpolitik, deren Opfer in erster Linie w i r getragen haben, die alten Soldaten. Der leidenschaftslose Ernst, mit dem Frankreichs all« Soldaten die Kandidatur des Morschalls aufgenommen haben, kann uns ein Vorbild sein. Sie Krise der Sapeeischen Volkspartei. Die Einigung mit dem Zentrum. Köln. 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die„Kölnische Dolkszeitnug" veröffentlicht heute eine neue Zuschrift eines .bekannte» Mitgliedes der Bayerischen Bolls- partei, die sich mit den Bestrebungen in der Bayerischen Volts- Partei beschäftigt, die eine Einigung mit dem Reichszentrum herbei- führen wollen. Diese neue Zuschrift zeigt sehr deutlich die großen Gegensätze aus. die sich in der bayerischen Regierungspartei geltend machen. Der ungenannte Artikelschreiber stellt zunächst zwei gioße innenpolitische Erfolge seiner Partei fest, nämlich die große Abschwächung der Hitler- Bewegung, die auf das tote Gleis geschoben worden sei, und den nicht wirkungslos verhallten baye- rischen Protest gegen den Retchstagsbefchlnß betr. die Wederaus- nähme der Verfahren gegenüber Urteilen der Bayerischen Volk» g« richte. Aber trotz dieser Erfotge befinde sich die Partei — parteipokitifch gesehen— im Zustande derUnsicherheitund Zerfahren h« it. Die Niederlage, die Gehennrat Dr. Heim bei der Präsidentenwahl in der bayerischen Landesbauernkammer erlitt, werd« dem bevorstehend»! Parteitag der Bayerischen Volks- partei hinreichend Gelegenheit geben, die Frage der Parteitaktik erneut zu besprechen. Die unfreundliche Haltung der Deutsch- nationalen bei dieser Wahl habe selbst Mitgliedern des rechten Parteiflügels Veranlassung gegeben, auf eine Lösung des Koalitions- Verhältnisses mit den Deutschnationalen im Bayerischen Landtag hinzuarbeiten. Wenn es nicht gelinge, auf dem Parteitage eine Klärung herbeizuführen und die Partei wieder zur Politik der Mitte zurückzuführen dann werde der Zersetzungsprozeß seinen Fortgang nehmen und den Bestand der Partei aufs schwerste er- schüttern. Hitlers pleite. München, 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Einen neuen Beweis, wie schlecht es um Hitler und seine Bewegung steht, lieferte eine von den Nationalsozialisten nach längerer Zeit wieder einberufene „Massenversammlung" im Bürgerbräukeller, in der Hitler durch den Mund seiner Getreuen Esser und Streicher die in mäßiger Zahl erschienenen Neugierigen zum treuen Aushalten er- mahnen ließ. Die Leute waren ober von den Ausführungen der beiden Referenten so wenig befriedigt, daß sie mitten in der Rede Streichers ansingen, davonzulaufen. Selbst die Angehörigen der Sturmabteilungen mußten von ihren Führern zur Ruhe befohlen werden. Schließlich wußte man sich nicht anders zu helfen, als Hitler s e l b st so schnell als möglich herbeizuholen. Ihm gelang es dann auch, dem allgemeinen Durcheinander durch folgend« An- spräche ein Ende zu machen:„Wie sie wisien, darf ich keine Rede an sie halten. Ich fordere sie aber auf, bleiben sie der Bewegung treu und bringen sie dafür größere Opfer als je zuvor. Die Bewegung wird und darf nicht zugrunde gehen. Sie muß aus der Zeit der Unterdrückung stärker herauswachsen als je zuvor. Bringen sie Opfer dafür und zwar finanzielleOpfer.das einzig«, was ich von ihnen verlange." Daraufhin konnte die Versammlung ord- nungsgemäß geschloffen werden, wobei der Vorsitzende noch mitteilte, daß die Einnahmen aus den Versammlungen fast die ein- zige Quelle seien, womit die Bewegung gestützt wird. In- folgedefsen werde die Partei von jetzt an wieder wöchentlich ihre öffentlichen Versammlungen abhalten. Kommunistische Heuchelei. Ein neues Opfer der KPD.-Zentrale. Im Fettdruck meldet die.Rote Fahne", daß der frühere Reichstagsabgeordnete Hans S t e t t e r aus Stuttgart in Mannheim in der Wohnung des Rechstagsabgeordneten Kanzler verhaftet worden ist. Diese Meldung dient natürlich wieder als Anklage- Material gegen die dreimal verruchte Sozialdemokratie, die a n a l l e m f ch u l d ist. In Wirklichkeit ist an der Verhaftung Stetters nur die KPD-Zentrale schuld. Hans S t e t t e r, einer der alten und eingesessenen früheren Führer der württembergischen Kommunisten, gehörte zu den wenigen Leuten, die schon seit Jahrzehnten in der organisierten Arbeiterbewegung tätig waren. Bei der Reichs- tagswahl am 7. Dezember 1924 wurde Hans Stetter von der KPD- Zentrale nicht mehr als Spitzenkandidat aufgestellt, obwohl der württembergische Bezirtsausschuh in seiner Mehrheit dies verlangte und eigens zu diesem Zweck ein« Deputation nach Berlin zu der Zentrale sandte, die dort aber in wenig sanfter Weise zur Tür hinausbugsiert wurde. Er wurde nicht mehr als Spitzenkandidat aufgestellt, obwohl es der Zentrale bekannt war, daß mindestens zwei Dutzend zum Teil sehr schwerwiegende Prozesse gegen ihn schweben und er von der Polizei steckbrieflich ver- folgt wird. An seiner Stelle wurde Herr Remmele, der politische Ring- kämpfer der KPD. als Spitzenkandidat nominiert. Stetter erhielt monatelang weder von der Zentrale noch von dem mit Krea- turen der Linken besetzten württembergischen Bezirksausschuß irgend- eine Antwort auf seine Frage, weshalb er nicht mehr als Kandidat aufgestellt werde. Schreiben an die Zentrale wurden nicht b e- antwortet. Er erhielt keine Gelegenheit, sich persönlich bei der Zentrale auszusprechen. Nach endlosem Warten ließ man ihm wissen, daß er in Zukunft nicht mehr darauf rechnen könne, im Dienste der Partei Verwendung zu finden. Er wurde dann nach Elsaß-Lothringen abgeschoben. Eines der Hauptverbrechen Stetters bestand darin, daß er die bei der KPD. sehr verpönte Eigenschaft besaß, als Reichstagsab- geordneter sich um sachliche Arbeit zu bemühen. Er arbeitete besonders im Sozialpolitisch«« Ausschuß und da» wurde ihm zum Verhängnis, den» nach Meinung der Ruth-Fischer-Zentrale ist solch« Arbeit: Reformismus. Herr Remmele, dessen Ellenboge» bekanntlich stärker als fein Geist sind, hat bei der Kaltstellung Stetters eine besondere Rolle gespielt. Remmele, der in O e st e r r e i ch es für durchaus zweckmäßig hielt, die Gastfreundschaft unserer öster» reichischen Parteigenossen in Anspruch zu nehmen, ist in der d e u t- s ch e n KPD. bekanntlich ein sehr radikaler Mann und erklärt dort jeden in Acht und Bann, der mit Sozialdemokraten verkehrt. Stetter ist nicht der einzige alte Kommunist, der in Württemberg von den Linken kaltgestellt wurde. Einer seiner Brüder wurde glatt aus der KPD. hinausgeworfen. U m f r i e d, einst herooragendes Mit- glied des Stuttgarter Arbeiter- und Soldatenrats, dann Haupt- agitator der KPD.-Zentrale für Landarbeüerfragen. ist l ä n g st g c- m a ß r e g e l t und bei einem privaten Arbeitgeber in den Dienst getreten. Wiest, auch eine frühere Größe und Angestellter der Zentrale, ist auf einen untergeordneten Posten abgeschoben. Enderle, bis vor kurzem G-werkschastsredakteur der.Roten Fahne", ist abgesägt und darf noch gegen Zeilenhonorar schreiben. Jakob Walcher gehört zu dem Zirkel der gestürzten Brandlec. Leute. Nur dank seiner Beziehungen zu einigen Moskauer Größen kann er sich noch mühsam in der Partei halten. Die Auseinander- setzungen haben ihn dahin gebracht, daß er als t o t k r a n k e r M a n n in einem russischen Sanatorium daniederliegt. In der.Roten Fahne" aber versucht die heuchlerische Gesell- schaft aus der Zentrale der KPD. mit ihren eigenen Opfern noch politische Geschäfte zu machen..Genosse Stetter oerhaftet." melden sie im Sperrdruck. Warum melden sie nicht:.Genosse Slelter von uns der Polizei in die Arme getrieben." Das allein würde der Wahrheit entsprechen. „Ein freches Meugnungsmanöver�. Die JSRott Fahne" entrüstet sich darüber, daß wir die samose Begründung für die Maßregelung der Brandler. Thalheimer und Rodet veröffentlicht haben. Da die köstliche Kaoiargeschichte beim besten Willen keinen Anlaß zu weiterer Polemik gibt, be- hauptet sie, wir hätten die Maßregelungsbegründung nur ver- öffentlicht, um die hohe P o l i z e i auf die armen russischen Kommu- nisten zu Hetzen. Wir verstehen nicht, warum die.Rote Fahne" so furchtbar empfindlich ist. Wir haben doch keine Geheimnisse mit- geteilt. Die„Im prekär" wird doch schließlich von allen Leuten, die sich für die geistvollen Aeußerungen der K.J. interessieren, ge- lesen und im übrigen, es gibt doch auch noch andere Stellen, an denen die Kommunisten ihre Vorliebe für Polizei» a k t i o n e n offen bekennen. Vielleicht nimmt sich die Redaktion der.Roten Fahne" einmal die Nr. der.Prawda" vom 28. Mai vor. Da findet sich ein sehr schöner Artikel von Rodet über die bulgarischen und sonstigen weißgardistischen Agenten die in Deutschland kommunistische Dokumente fälschen. Rädel entrüstet sich darüber, daß die deutsche Polizei dieser Gesellschaft das Hand- werk nicht legt. Wörtlich schreibt er: .Die Zulassung solcher Agenturen auf deutschem Boden ist ein Akt der Unliebenswürdigteit im Verhältnis zu den Mächten, gegen die diese Agenturen arbeiten. Demokratische Länder verteidigen zwar das Asylrecht für Leute, die um ihrer politischen Ueberzeugung willen verfolgt werden. Aber kein Land kann das Asylrecht für Leute verteidigen. die internationale Konflikte mit gefälschten Papieren erzeugen." Mit dem Scharfsinn, mit dem Radek bekanntlich immer alles zu beweisen versteht, was jeweilig verlangt wird, beweift er hier im besonderen Falle, über den er hier schreibt, daß die deutsche Regierung in ihrem eigenen r'"'"e die Verpflichtung hat, ihre Polizei gegen bestimmte Leute i'- Bewegung zu setzen. Na, wenn Karlchen Radek schon so viel Sympathien für Polizeiaktionen hat, warum sollten dann andere Leute nicht auch den Standpunkt ver- treten dürfen, daß die Herrschaften, die mit gefälschten Dokumenten in Deutschland hereinfallen und in Putschen machen, sich andere Gegenden für ihre menschenfreundliche Tätigkeit aussuchen könnten. Bela Khun ist uns jedenfalls in L i s s a b o n lieber als hier, die Putschisten haben Elend genug über die deutsche Arbeiter. schaft gebracht. Die moralische Entrüstung kann sich die.Rote Fahne" daher durchaus schenken. Die Hunde. Vo» Hans Bauer. Alle Rochmittage gegen fünf Uhr höre ich in meinem Sommer- frsschenhäuschen ein liebtiches Glockenspiel. Ein großer Trupp Kühe kehrt da von der Weide in seine Ställe heim und nimmt den Weg dusch«nein Dorf. Zwei Hunde begleiten die Herde. Sie halten sich in der Regel am Ende des Zuges auf. verwenden ein sorgsames Augenmerk auf die Köhe und springen bellend herzu, wenn eines der Tiere feinen Schritt zu weit nach dem Etraßenrande hin lenkt. Die Hmlde find überaus eifrig, überaus geschäftig in ihrem Be- wochungsdienst. Sie rasen hin und her, laafen ein Stück vor. laufen wieder zurück, kommen nicht zur Ruhe. Sie find immer angestrengt, nnmee tätig, immer aufgeregt. Es gibt ernstlich gar keine Arbeit für sie. Di« Kühe gehen in der Mehrzahl feit Iahren diesen Weg. Länger ats die Hunde. Sie wissen Bescheid. Sie trotten in dem behäbigen Phlegma, das ihnen eigen ist, den Behausungen zu. Sie irr«« nicht ab. Es ist Verlaß auf ihren Orientiernngsinstinkt. Das hindert natürlich nicht, daß hin und wieder einmal eine Kuh einen kleinen Seitensprung macht. Sie hat da für einen Augenblick ihre Gedanken für sich gehabt oder ein grünes Blatt entdeckt, das auf- zuheben ihr der Mühe wert erschien. Schon stürzt dann einer der Hund« herbei. Kläfft sie an. SchnaM nach ihren Beinen. Macht ein schreckliches Aufhebens. Die Kuh senkt die großen Augen zur Erde: Was will der? Was ist's mit dem? Der Hund läßt sich auf keine Debatte ein. Er bellt die Kuh zur Ordnung: Zurück in die Reihe! Die Kuh gibt nach. Sie hat das gar nicht so nötig. Im Ernstfalle nehme sie es schon mit dem Hunde aus. Aber es liegt ihr nicht, um Bagatellen einen Streit heraufzubeschwören. Sie trottet zurück in die Herde, fügt sich dem Gänsemarsch ein. Der Hund läuft— nein, er schreitet zurück an das Ende des Zuges. Er ist nichts Besseres als die Kuhe. Er ist Kreatur wie sie. Un- nützlicher als sie sogar. Aber er Hot hier einen kleinen Aufsicht?- posten, eine Inspektion. Er weiß das. Er ist Vorgesetzter. Er bringt das zur Geltung. Er ist aus ewiger Ausschau nach neuen Möglichkeiten, sich in seiner Rolle zu betätigen, zu bewähren. Er ist Tier gegen Tiere. Aber er wünscht nicht daran erinnert zu werden. Die animalische Gleichgeartetheit ist nur dos bedauerliche Manko einer instanzlichen Ueberlegenheit. Ganz vor» ist eben wieder eine Kuh aus der Reihe getreten. Der Hund wetzt lärmend an die Stelle des Verbrechens. Die Kuh ist inzwischen schon wieder im Glied. Der Hund verbellt sich noch nachträglich. Es kommt dadurch eine gewisse Unruhe in einige Kühe. Sie biegen noch links. Das ist Anlaß für den zweiten Hund. aus seiner beobachtenden Reserve herauszutreten und ebenfalls nach vorn zu stürzen: auf der anderen Seit«. Die Unruh« wird dadurch größer. Zwei, drei Reihen Kühe geraten durcheinander. Der Treiber greift ein. Ein paar Hühs und Hohs, und die Kühe mar- schiere» wieder richtig. Die Hunde schreiten zurück. Die Zunge häugt au» ihrem Hasse. Der Schweis wedelt maßlos stolz. Sie habe» die Ordnung wieder- hergestellt. Der Vater üer katheüerblütea. Die sog..Kathederblüte", dieses eigenartige Gewächs unfrei- willigen proscssoralen Humors, mag gewiß so all sein wie der höhere Unterricht selbst. Aber als literarische Gattung ist die.Katheder- blüte" verhältnismäßig jung. Ihr Vater und Klassiker war ein 1750 geborener Professor zu AUenburg, Johann Georg August Galletti. von dessen wunderlicher Perjöulicbkeit und komischen Leistungen Karl Hünerberg in„Reclams Universum" erzählt. Galletti hat zahlreiche Werke aus dem Gebiete der Geschichte und Geographie verfaßt, die heute vergessen sind. Sein Andenken er- halten die unvergleichlichen Aussprüche, die der zerstreut«, mit einem Wust vo» Gelehrsamkeit angefüllte Mann auf dem Katheder von fich gab und die anfangs von den Schülern mündlich bewahrt, dann später schriftssch ausgezeichnet wurden. Um 1850 erschien ein heute verschollenes Büchlein ohne Versassernamen unter dem Titel„Gallet- tiana", in dem die Kathederblüte, die nachher voit den Witzblättern so reichlich gepflegt wurde, zuerst in klassischer Form in die Erschei- nung tritt. Der Herausgeber des Büchlein» verwahrte sich dagegen, ..der Impietät gegen den verdienten Schulmann und geachteten Schriftsteller geziehen zu werden, wen» er diese Ausspruch« ver» öffentlich". Aus der reichen, mehr als 400 Stück umfassenden Sammlung seien einige Proben mitgeteitt: Was die Farbe de« Mondes betrifft, so ist sie gewöhnlich groß.— Moses ließ die Bibel in» Lateinische übeftetzen.— Als der Prophet Zachanas gestorben war, nahm er eine andere Lebensart an.— Medea schafft« dem Jason Gelegenhett, den Minotauros zu töten, nein— es war ein anderer Ochs«, der das goldene Dließ brachte.— Wäre Cäsar nicht über den Rubikon gegangen, so läßt sich gar nicht absehen, wohin er noch gekommen wäre.— Stach der Hinrichtung der Maria Stuart erschien Elisabeth im Parlament, in der einen Hand das Schnupftuch, in der anderen die Träne.— Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen drei, vier und noch mehr Beine abgeschossen waren, herrenlos herum- lausen.— Die Hottentotten haben ein so gutes Gesicht, daß sie ein Pferd drei Stunden weit trappeln hören.— Das Kaspische Meer ist eigentlich kein Meer, sondern bloß ein See, denn e» ist von alle» Sellen mit Wasser umflossen.— Di« Bewohner von Hinterindien haben südlich unter dem Munde eine Oeffnung. Ich habe sie mir auf der Karte gemerkt.— Die Kälte wächst gegen den Nordpol um 10 Grad, zulegt hört sie ganz auf.— Der Tiger, der Leopard und der Panther lassen sich nur durch das Fell unteftcheiden, welches bei allen dreien bunt ist.— In der Mathematik gibt es viele Lehr- sätze, welche sich nur dadurch beweisen lassen, daß man von vorn ansängt.— Hallen Sie die Ohren, wenn Sie Ihrer Zunge nicht freien Lauf lasse» wollen. Ein Riesens est zag zam EisenbahajubilSnm. Ein eigenartiger Festzug wird am 2. Juli über die Strecke zwischen Stockton und Darllngton in England dahinziehen, auf der vor 100 Iahren die erste Eisenbahn der Welt dahingerollt ist. Zuerst kommt eine der frohsten Lokomotiven„Hctton Colliery", die mit derselben Geschwindigkeit von 10 Kilometer in der Stunde fährt, wie sie es bei ihrer ersten Fahrt 1822 tat. Dann folgen ander« alte Lokomotiven, und ihnen schließen sich große moderne Lokomotiven an, die Luxuswagen ziehen, die von den großen Eisenbahngesellschasten gestellt wurden. Der Zug wird 10 Kilometer lang sein und die Entwicklung des Eisen- bahnwesens innerhalb eines Iohrl)underts zeigen. Ein ganzer Eisen- bahnzug besteht aus flachen Wagen, von denen jeder ein lebendes Bild aus der Geschichte der Eisenbahn trägt. Den Beschluß macht eine der größten und neuesten englischen Maschinen, die.City of Newcastle"; sie folgt der �Lokomotive Nr. 1", der von George Stevenson erbauten Maschine, die den ersten Eisenbahnzug auf der Fahrt von Stockton nach Larlingtum am 27. September 1826 zog, und diese ist auch diesmal an der Spitze eines Eisenbahnzuges, die dem ersten Zuge genau nachgebildet ist. Auf den Sitzen der alten Waggons wird«ine Musikkapelle Platz nehmen, die dieselben Uni- formen trägt, wie die Kapelle, die bei der Eröffnung der ersten Eisenbahn der Welt ihre ftöhlichen Klänge erschollen ließ. Musik in Zarben. Der amerikanische Erfinder Thomas Wilfted hat dieser Tage ein von ihm konstruiertes Instrument, dos er auf den Namen„Clavilux" getauft hat. einem kleinen Kreis von geladc- nen Gästen vorgeführt. Es ist ein in Gestalt eines Pianofortes erbautes Instrument, das Melodien durch Farben auf einen Schirm wiedergibt. Man sah auf dem Schirm Notturnos, Etüden und Rhapsodien erscheinen, die sich zunächst als einfabrige Gebilde zu erkennen gaben, um sich im wetteren Verlauf zu einer farbigen Harmonie zu entwickeln, die sich auf einer reichen Skala farbiger Nuancen aufbaute. Das erlesene Publikum, das der interesianten Vorführung beiwohnte, folgte mit lebhafter Anteilnahme diesem Ab- siecher in das Neuland einer Kunst, die heute freilich noch in den Kinderschuhen steckt._ Deefrag«. Im Deutschen Moniftenbond spricht Donnerstag- abends S Udr. In den Räumen des Soztalwiflenschastli�cu tüiii. Wilhelm- strage 48, Pros. I. Vetzold über.Die Religionder Zukunft Anschlichend Diskussion. ckta« vibNolhet norwegischer CUerafut der Job« 1914— 1924 wurde alz Geschenk norwegischer Ireunde ,ur AuSfülllmg der KriegSlücken von dem Lberbidllothekar der UnioersitätSbldltothek Oslo, Dtlhelm viunther, der Preuhischen Staatsbibliothek übermittelt. Die deutsch« Etnheitslurzschrist al» Vorbild. Wie an» B u d a p e st gemeldet wird, haben fich die dortigen Stenographenkrcise durch den Ersolg der deutschen Ber-mbeinichuimöb-strebungen ,u einem Borgeben in gleicher Richtung-»regen lassen. Der ungarilche LandeSftenographenverein hat eine Eingabe an den LandeSttenographensenat«erichtet, damit auch in Ungarn eme einheitliche Kurjschrtst geschaffen werde. «u bedeutoogsvoller Jnnd In Pompejl. Bei den AuSgrabungSarbeiten in Pompeii wurde neuerdings eine Sronzefiawe gesunden, die wie die italienischen Blätter wissen wollen, von unschätzbarem Wert sein soll. Die Siatue, die Apollo in einem weißen Mantel gehüllt mit dem Köche- dar. stellt, wurde soiort nach dem Rationalmuseum in Neapel übernelührt. Senner die Gelegenhett hallen, da» Kunstwert ,u sehen, verficher». das es oon außerordentlicher Schönheit und ungewöhnlich gut erhalten ist. Entweder— oder. Die Zollpolitik und die Regierung Luther- Stresemann. Im„lag" nimmt der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Professor H o e tz s ch Stellung zu einer prinzipiellen Frage der Handelspolitik. Er stellt die Regierung vor«in entscheidendes Entweder— oder, das sie bisher vermieden hat. Er schreibt: „Die Regierung muh die Uebersicht und die Festigkeit aufbringen, ihrerseits mit einem Programm und Willen im ganzen Ee- wirr von Fragen, Interessen und Verhandlungen vorzugehen, sonst geht eben die große Linie und das große Ziel verloren. Da» be- deutet konkret, daß wir uns erst und baldigst über Zolltarif und handelspolitische Rüstung klar werden, und daß dann der Vertrag mit Frankreich als Ausgongspunkt zu allem weiteren durchverhandelt werden muß, erst danach die anderen Aufgaben kommen können. Wir meinen dabei natürlich nicht den Vertrag mit Roidamerika, der auf einem ganz anderen Brett steht, oder die Verhandlungen nach dem Osten, die ein Kapitel für sich sind. Aber wir warnen schon jetzt vor den Gefahren, die in der A n n a h m e schlechhin des nun zur Beratung kommenden deutsch-englischen Vertrages unausweichlich für unsere Wirtschaft heraufziehen, wenn wir es wieder so machen, wenn wir so verhandeln und annehmen ohneEntscheidungüberunsere zollpolitische Rüstung und über das handelspoli- tische Programm nach außen. Hier liegt eine Aufgabe ersten Ranges für den Kanzler, das Kabinett und die Parteien, die dieses Kabinett tragen, zugleich eine Verantwortung ersten Ranges vor der deutschen Wirtschaft.' Die Forderung von Professor Hoetzsch ist sehr logisch, aber die Erfüllung ist der Regierung Luther-Strese- mann, Kanitz-Reuhaus unmöglich. Ein honbelspoli- tisches Programm, dessen Ziel die Annäherung an den Frei- Handel ist, kann sie nicht entwickeln und vertveten, ohne die stärkste Regierungspartei, die Partei der agrarischen Inter- essenten, vor den Kopf zu stoßen. Ein handelspolitisches Pro- gramm, prinzipiell hochschutzzöllnerisch, ruft die helle Em- pörung der Voltsmassen hervor. Die Regierung hat es bisher vorgezogen, einerseits die laufenden Derhandungen mit dem Ziele der Zollermäßigungen weiterzuführen, anderseits aber dem Reichstag die Zollvorlage mit den brvtwuchernden Agrar- mindestzöllen vorzulegen. Laß dein« rechte Hand nicht wissen, was die linke tut. Der Ruf nach Führung ist bei so unmöglicher und wider- spruchsvoller Haltung selbstverständlich. Die Regierung aber scheint nur das Prinzip des Fortwurstelns zu kennen. Bei der parlamentarischen Beratung des deutsch-spanischen HmSesvertrages ging es um die Verantwortung der deutsch- nationalen Regierungspartei. Wenn die Regierung diese parlamentarische Situation bei der Beratung der für die künf- tige deutsche Handels- und Wirtschaftspolitik ausschlaggeben- den Verträge mit Frankreich und Engand wiederholen will, so wird diesmal noch schärfer die Frage nach der Verantroor- tung der Regierung gestellt werden müssen. Der deutsche Außenminister hat oft genug betont, man könne die Handelsvertragsverhandlungen nicht mit der Sozial- demokratie, sondern nur gegen die Sozialdemokratie führen. Er verdankt die Annahme des deutsch-spanischen Handelsvertrages, die er fast als Kabinettsfrag« bezeichnet hatte, nur dem Verantwortungsbewußtsein der Sozialdemokratie gegenüber der deutschen Volkswirtschaft. Er hat«inen kläglichen Zu- sammenbruch erfahren. Er wird nicht vermeiden können. Klarheit zu schaffen dar- über, was das handelspolitische Programm der Regierung ist. Tsthechisther Aollkampf. Die Sozialdemokraten erreichen Herabsetzung derZollsätze. Prag, 2. Juni.(Eigener Bericht.) Innerhalb der tschechischen Koalition wird seit Wochen am die Einführung der Zölle ge- stritten. Die tschechischen Sozialdemokraten widersetzen sich deftig der agrarischen Forderung nach Zollschutz der landwirtschaft- lichen Produkte, und wenn es ihnen auch nicht gelingen wird, die Einführung der Zölle zu verhindern, so wird es doch ein teilweiser Erfolg ihres Kampfes sein, daß die Zölle nicht mehr al, 14 Kronen gegen 24 resp. 40 Kronen in Deutschland betragen dürften. Außerdem werden die tschechischen Zölle Glsitzölle sein, d. h. voraussichtlich erst dann wirksam werden, wenn der G«. treidepreis. der gegenwärtig 2S0 Kronen betrSgt, auf 180 Kronen oder 170 Kronen— die Preisgrenz« ist noch strittig— sinkt. Es sollen auch Fettzölle eingeführt werden, jedoch ist noch zweifelhaft, ob diese Fettzölle verwirklicht werden, da sich die tschechischen S o. zialdemokraten gerade gegen diese Zölle besonders wenden. Schon bei einem Zoll von 45 Kronen würde sich z. B. 1 Kilogramm Fett um 00 Heller verteuern(1 Krone— 100 Heller= 12,5 deutsche Pfennige). Der Kamps um die Zölle innerhalb der Koalition be- herrscht jedenfalls dos gesamte politische Leben, und ioiederholl schien es während der letzten Wochen, daß die mühsam zusainmengehal- tene tschechische Koali'iln über die Zölle stolpe..i werde. Der Führer als Schnorrer. Herr Laverrenz als uimmcrmüder Tammler. Bei der»R a t I o n a l p o st', dem von Herrn Laverrenz geleiteten deutschnotionalei» Organ, ist alle» in Ordnung— außer dem einen, daß ihr da» Geld fehlt. Herr Laverrenz gesteht das offen zu. und das sst kein: Schande: denn die deutschnationalen Herren Großagrarier, die Herren von Ar und Halm, zeichnen sich ja auch dadurch aus, daß ihnen das Geld fehlt— wozu sonst der Schrei nach Schutzzöllen. Der Unterschied ist nur der: Herrn Laverrenz, dem Verleger der.Rationalpost', fehlt da» Geld wirklich. Also schnorrt er. Er schnorrt« vor der Gründung und noch der Gründung, er schnorrte bei der Wahl und nach der Wahl, er schnorrte mit Herrn von Loebell und gegen Herrn von Loebell, und da wir jetzt den Zustand der Finanzen der.Rationalpost' sanft angedeutet hatten, benutzt er dies« Gelegenheit zu einer neuen Schnorrtampagn«. Nicht übel für einen devtschnationalen Führer. Aber auch zum Schnorren, zum erfolgreichen Schnorren ge- hört Geld, und daran mangelt es. So benutzt die.Rationalpost' die zurückgebliebenen Requisiten früherer Schnorrzüge, und das sst ungeschickt. Sie verschickt Zahlkarten, aus denen man links unten jchwarzüberdruckt das Wort.Ostcrspende' liest, darunter das Wort .Siegesspende'. Das läßt zu tief blicken. Er schnorrte zu Ostern. et schnorrte zu Pfingsten. Nun: wen will er mit der Siege»- spende besiegen, etwa die drohenden Gläubiger? Werden wir die- selben Zahlkarten zu Weihnachten wieder erleben mit dem Ausdruck .Weihnachtsspend«'? Aber nein— solange wird e» wohl schwer- lich dauern! Genosse Erispieu schreibt uns: Die„Rote Fahne' erzahlt, ich hätte im Reichstag wichtige Abstimmungen versäumt, weil ich mich inzwischen hätte malen lalje». Diese««schichte ist-chmden. I Die Paratpphuserkrankungen in Spandau. Energische Abwehrmaßnahmen.— Keine Lebensgefahr. Gestern abend ging durch die Presse eine kurze amtliche Mel- dung, in der gesagt wurde, daß 16 Beamte der Spandauer Polizeischule für Leibesübungen in der Schönwalder Straße unter schweren Fiebererscheinungen in das Staatskranken- Haus eingeliefert worden seien. Der ärztliche Befund habe ergeben, daß die Beamten an Paratyphuserscheinungen erkrankt wären. Diese Meldung, hinter der mehr vermutet werden konnte als gejagt worden war, hinterließ in der Bevölkerung eine erheb- liche Berunruhigung. Einem unserer Mitarbeiter ist es aus Grund eingehender Nachprüfung gelungen, ein erschöpfendes Bild des tat- sächlichen Grades dieser Krankheitsepidemie, ihrer Ursachen und ihrer Folgen zu erhalten. An der Polizeischule für Leibesübungen werden regelmäßig sportliche Uebungskurse abgehalten. Der letzte Kursus war vom 16. April bis zum 29. Mai fortlaufend angesetzt. Am 23. Mai, zwei Tage nach Himmelfahrt, erkrankten plötzlich drei Be- a m t e an Fiebererscheinungen und allgemeiner Mattigkeit. Da diese Krankheitserscheinungen jedoch die typischen Symptome der Grippe auswiesen, legte man ihnen zunächst keine große Bedeutung bei. Am 25. Mai erkrankten drei weitere Beamte. Die Fieber- erscheinungen, die sich hier verstärkten, erschienen nunmehr dem amtierenden Schularzt, dem Dr. Kulpsch, so bedenklich, daß er die Ueberführung der Erkrankten in das Staatskrankenhaus anordnete. Zwischen dem 25. und 28. Mai erkrankten dann noch weitere zehn Beamte oder erschienen wenigstens krankheits- verdächtig. Auch diese wurden der Anstalt überwiesen. Seit dem 29. Mai sind kein« weiteren Erkrankungen erfolgt. Ueber die eventuellen Ursachen der Erkrankungen sowie über die hygienischen Verhältnisse in der Polizeischule sei folgendes festgestellt: Der Einkauf der Lebensmittel für die Küche der Polizesschule erfolgt durch einen Beamten unter genauer Kon- trolle des Schularztes. Wie Dr. Kulpsch versichert, ist die Prüfung der Lebensmittel eine sehr gründliche und auch die Liese- ranten. soweit es die Leitung beurteilen kann, sind durchaus ein- wandfrei. Nachdem sich die ärztliche Leitung der Anstalt über die Art der Erkrankungen auf Grund der Blutuntersuchungen im Krankenhaue im klaren war, wurde vor allem zu einer Des- i n f e k t i o n der Küchenräume, der Warte- und Turnsäle, der Bett- stellen und Aborte geschritten. Diese Desinfektion geschah unter der Aufsicht des zuständigen Kreisarztes. Der Paratyphus ist eine typische Insektionserkrankung, die durch hygienische Nachlässigkeit unheimlich schnell übertragen werden kann. Die Vermutung, daß die Bazillen von außen in die Polizeischule eingeschleppt worden seien, sst an sich nicht von der Hand zu weisen, vor allem, da die Abendoerpslegung der Beamten auf eigene Kosten geschieht. Gegen diese Annahme spricht jedoch die Tatsache, daß die Erkrankungen zur gleichen Zeit auftraten und daher wohl kaum von außen hineingetragen sein können. Da Dr. Kulpsch be» fürchtet, daß die Milch, die in der Anstalt genossen wurde, durch Bazillen infiziert war, wurde eine Milchprobe dem Bakteriologischen Institut de» Staatskrankenhauses überwiesen. Nach dem heutigen ärztlichen Befund, der vom Staatskrankcnhaus der Leitung der Polizeischule übermittelt wurde, befinden sich sämtlich« Erkrankte» außer Lebensgefahr: nur bei drei Kranken sind noch Fieber- erscheinungen zu verzeichnen. Am 28. Mai ist der Beamtenkursus vorzeitig geschlossen worden, nachdem sämtlich« Teilnehmer und das gesamte Dienstpersonal des Hauses einer Untersuchung unterzogen worden waren. Ueber die Infektionsquelle bestehen nur Bermutungen, und alle Kombinationen sind müßig, ehe nicht das Ergebnis der eingeleiteten Untersuchung bekannt ist. Von einigen Seiten ist der Verdacht geäußert worden daß das Küchenpersonal bei der Zubereitung der Speisen nicht mit der nötigen Sauberkeit ans Werk gegangen sei. Eine Küchen- inspettion ergibt jedoch, daß diese Vorwürfe nicht stichhaUig sind. Nach der Statistik des Schularztes befinden sich im Augenblick ein Polizcimajor.«in Polizeihauptmann, elf Oberleutnants sowie drei Wachtmeister vom Stammpersonal der Schule im Lazarett. Ob ein tatsächliches Perschulden vorliegt, ob irgendeine über- oder unter- geordnete Stelle sich Mißgriffe und Verfehlungen irgendwelcher Art hat zuschulden kommen lassen, muß die Untersuchung ergeben, die hoffentlich mit aller Gründlichkeit und ollem Nachdruck durchgeführt werden wird. Jedenfalls wäre es grundoerkehrt, die bedauerlichen Borfälle auf die leichte Schulter zu nehmen. Daß dieses von der Anfialtsleiwng getan wird, kann man zurzeit nicht behaupten. Die erste» Werderschen. Heute, Mittwoch, früh hat der Engros-An- und-Verkauf von Kirschen und Erdbeeren eingesetzt. Morgen früh um 3 Uhr trifft die erste Dampferladung von Kirschen und Erd- beeren in Berlin ein, und zwar am Lustgarten. Die Preise werden erst nach Eintreffen des Dampfers bekanntgemacht. Bis jetzt verspricht die Ernte gut zu werden. Dagegen ist im Spveewald die Obsternte durch die Trockenheit verdorben- Dort stehen die Obstbäume, mit grauem Gespinst überzogen, kahl da. Beerdigungseinbrecher und Kliugelfahrer. Groß« Beute machten Beerdigungseinbrecher in dem Haus« Ritt er st r. 65. Ein Kaufmann M., der dort wohnte, starb vor einigen Tagen in Osterode im Harz und wurde dort am Sonnabend beerdigt. Die Todesanzeige in den Zeitungen müssen auch gewerbs- mäßige Einbrecher gelesen haben. Schon am Freitag erschienen drei fremde Männer>n dem Hause und beobachteten an dem Border- und Hintereingang die Wohnung. Sie erfuhren so, daß olle Ange- hörigen und die Wirtschafterin am Freitag zur Beerdigung ab- fuhren, und daß die Wohnung ohne Aufsicht blieb. Als zunächst die Wirtschafterin zurückkehrte, fand sie ein wüstes Durcheinander. Ein- breche? hatten, um nicht gehört zu werden, überall Teppiche, Mäntel, Pelze und Letten aus dem Fußboden ausgebreitet und dann alle Behältnisse durchwühlt. In einem großen Silberkasten. den sie erbrachen, hatten sie alles liegen lassen. Gestohlen hatten sie dagegen gr etwa 20 000 M. Schmucksachen. Aus die Ermittlung der erbrecher sind 500 M., aus die Wiederbeschafsung des gestohlenen Gute» 2000 M. Belohnung ausgesetzt. Mitteilungen an Kriminal- kommissar Trettin, Dienststell« B. L 3. im Zimmer 103 des Polizeipräsidiums.— Klingelfahrer suchten am ersten Feiertag in der W i n t e rf« l d t st r. 5 0 eine Wohnung im dritten Stock heim, wäh- rend in der Zeit von 11 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends die In- haberin, ein Untermieter und das Personal abwesend waren. Sie erbeuteten«in« Kassette(Arnheim) mit 10000 Mark und wert» voll« Schmucksachen. Für die Ergreifung der Täter und die Wiederbeschafsung ihrer Beute ist eine Belohnung von 3000 M. aus- ?«setzt. Mitteilungen an Kriminalkommissar Galzow, Dienst- ell« B. II. 1 im Zimmer 87/88 des Polizeipräsidiums. Ei« ReichSjngendtag d«s ZdA. Der Reichsjugendtag des ZdA. findet am 28. und 29. Juni statt. Bielefeld ist der Tagungsort, der an diesen Tagen die vielen wanderfrohen jungen Angestellten und kaufmännischen Lehrlinge oereinigen wird. Am Sonnabend ist für die eintreffenden Scharen im Burghof der Sparenburg eine große Begrüßung s- feier. Bcgrüßungsansprachen. umrahmt durch gesangliche und musikalisch« Darbietungen, werden den Auswärtigen den Willkomm- grüß bieten. Sonntag früh werden neben Führungen unter orts- kundiger Leitung berufliche Wetttämpfe ausgetragen. Geplant sind Schreibmaschinenwettschreiben, Kurzschriftwettschreiben(mehrere System«), Wetttämpfe in Plakatschrift, Dekorationen u. a. m. Diesen folgt dann ein Umzug durch die Stadt, der seinen Höhepunkt in einer Kundgebung finden wird. Hier wird die ZdA.-Iugend Jugend- schütz und Iugendrecht fordern und ein freudiges Bekenntnis zur demokratische«»epnldtk ablege». Der preutzssch« Minister des Innern Genosse S e v c r i n g wird die Ansprache halten. Im Festzuge geht es dann gemeinsam zur Ochsenheide: mächtigen Spielplätzen, auf denen Gelegenheit zur Messung lörper- licher Fähigkeiten und zu frohem Spiel ist. Nach Beendigung der. selben wird die Verteilung der Preise und die Uebernahme des Reichsjugendwimpels durch die in jeder Beziehung tüchtigste Jugend- gruppe vorgenommen. Den Abschluß des Tages wird ein Fackelzug durch die Stadt und das Abbrennen eines Sonnenwendfeuers auf der Sparenburg bssden. Die Teilnehmer sammeln sich am Montag früh zum gemeinsamen Abmarsch nach dem Spielplatz der ZdA.- Jugend am Fuße des Teutoburger Waldes, wo übrigens der Bau des neuen Reichsferienheims besichtigt wird. Hier beginnen dann die Ferienwanderungen in die verschiedensten Gebiete unserer beut- schen Heimat. Der F e st b e i t r a g ist gering. Jeder kann aim Iugendtag teilnehmen. Die Teilnehmerkarte kostet für Lehrling« und jugendliche Angestellte unter 17 Jahren je 2 M., für jeden älteren 3 M. Für die Teilnehmerkarte werden gewährt zweimaliges freies Uebernachten, morgens Kaffee und zum Mittag warmes Essen und die Berechtigung zur Teilnahme an allen Veranstaltungen des Iugendtages. Auskunft erteilt die örtliche Geschäftsstelle des ZdA. oder die Reichsjugendleitung des ZdA., Berlin SO. 26, Oranienstr. 40/41._ Der Deutsche Runüflug. Bisher 24 Flieger von der zweiten Schleife zurück. In den späten Abendstunden des gestrigen Tages landeten noch drei weitere Flugzeuge, die die zweite Schleife des Rundsluges vor- schriftsmäßig absolviert hatten, und zwar R o e d e r auf Junkers (Flugzeit 15:56), ferner als einziges Flugzeug der Gruppe A. der zweimotorige Daimler mit L o e rz e r am Steuer(16:26) und schließ- lich v. F r e y b e r g auf Heinkel. Insgesamt gelang es also 23 Ma- schinen noch am ersten Tage die zweite Schleife zu absolvieren. Nr. 638 o. B ü l o w auf Bäumer-Eindecker hatte insofern Pech, als er kurz vor dem Flughafen bei Mariendors in der Dunkelheit not- landen mußte, wobei sich die Maschine überschlug und beschädigt wurde. Das Flugzeug soll jedoch zum Start für die dritte Schleife wieder rechtzeitig hergestellt werden. Ueber die noch ausstehen- den Flugzeuge liegen von der Etappe der zweiten Schleife folgende Meldungen vor: Rr. 686 Roeder auf Heinkel notlandete zwischen Paderborn und Frankfurt bei Friedberg, 666 Schnäbele auf Junkers hatte Notlandung hinter Chemnitz, 662, eine Caspar- Maschine, liegt zwischen Darmstadt und Erfurt, 661, ein Udet-Flug- zeug, notlandete bei Salzungen. In Paderborn sind heute früh zum Weiterslug nach Berlin 639(Bäumer), 656(Junkers), 663 (Heinkel) und 608(Daimler) gestartet, von denen nach den bisher vorliegenden Meldungen das Junkers-Flugzeug 656 Darmstadt bereits passiert hat. Der vormittag auf dem Flughasen. Das weite Flugfeld war am heutigen Pormittag gähnend leer: erst gegen Mittag erschienen die ersten Besucher. V 634(Pilot Katzenstein) war um 9.17 Uhr gelandet, während sich D 638 auf dem Wege nach Berlin befindet- potsüam wirS größer. Der Bau der Strahenbaha nach Caputh beschlossen. In der letzten Sitzung des Belziger Kreistages wurde von der Stadt Potsdam und dem Kreise einem Vertrage zuge- stimmt, der die U m g e m e i n d u n g größeren Geländes von an- nähernd 200 Hektar aus den Gutsbezirken Tornow und Pots- dam sowie Teilen des Gutsbezirkes Plantagenhaus in den Stadt- bezirk Potsdam regelt. Der Gutsbezirk Hermann sw erder bleibt beim Kreise Zauch- Pelzig. Durch diesen Vertrag ist erstmalig anerkannt, daß die Stadt Potsdam für ihre Eni- Wicklung einen Geländezuwachs braucht, und ihrem Aus- breitungsbedürsnis wird in diesem Vertrag Rechnung getragen. Die Stadt Potsdam verzichtet aus die Dauer von weiteren 30 Jahren aus weitere Umgemeindungen aus dem Kreise Zauch-Belzig. Die Stadt Potsdam verpflichtet sich bis 1. April 1930 eine Straßenbahn nach Kaputh zu führen, die am Bahnhof Schwielowsee enden soll, wenn nicht durch übermäßig hohe Forderungen der Grundeigentümer oder Verweigerung des Eni- eignungsrechts Schwierigketten entstehen. Auf dieser Linie sollen täglich 80 Zugpaare von 6 Uhr früh bis 8 Uhr abends ver- kehren. Mit Rücksicht auf die Obstzüchter sollen auch Anhänger. die zum Transport von Lasten geeignet sind, auf dieser Strecke eingestellt werden. Die Gemeinde Caputh zahlt zu diesem Stroßenbahnprojekt innerhalb der Leistung des Kreises, die 150 000 Mark betragen soll, 40 000 M. Der Stadt Potsdam ist es anHeim- gegeben, die Straßenbahn auch durch ein anderes gleichwertiges Verkehrsmittel zu ersetzen.— Durch diesen Bertrag werden die wirsschaftlichen Beziehungen zwischen Potsdam und dem Kreise Zauch-Belzig in wesentlicher Weise gefördert. Der Bertrag ist auch von erheblicher Bedeutung besonders für die Entwicklung der Ee- meinde Caputh, die von dem Potsdamer Verkehrsmittel durchfahren werden muß. Für Amerikaeinwandercr. Das amerikanisch« Generalkonsulat in Berlin teilt mit, daß es ab 2. Juni 1925 Anträge auf Registrierung zum Erhalt eines Quote-Einwanderungsfichtvermerks von Personen entgegennimmt, die nicht in Oesterreich, Lettland, Litauen, Polen oder Rußland geboren sind, und die innerhalb des Konsulatsbezirks Brandenburg, Pommern und Grenzbezirt West- preußen-Poscn mindestens acht der letzten zwölf Monate wohnhaft gewesen sind. Personen, die in Oesterreich, Lettland, Litauen, Polen oder Rußland geboren sind, können einen Antrag auf Registrierung stellen, wenn sie verehelicht sind und in Begleitung ihrer Ehe- männe? reisen, die in einem anderen Lande geboren wurden: oder wenn sie ledig und unter 21 Iahren sind und ihre Däter oder Mütter begleiten, die in einem anderen Lande geboren sind. Es werden nur schriftliche Anträge auf dem vorgeschriebenen Formular entgogengenommen, das im amerikanischen Generalkon- sulat. Voßstr. 12, Berlin W 9, erhältlich sst. Pässe und sonstige Dokumente jeglicher Art sollen einem Registrierungsantrag nicht beigefügt werden. Die Rheinische Zahrtausendseier in Berlin. Mehrere Berliner Verbände veranstalten vom 12. bis 14. Juni in Berlin eine Rh ei- nische Iahrtausendfeier, die ein umfangreiches Programm vorsieht. Am 12. Juni findet eine künstlerische Deranstaltung im Staatstheater am Königsplatz statt, der am 13. und 14. Juni mehrere öffentliche Veranstaltungen größeren Stils, so u. a. ein Festzug, folgen sollen. Ein Komitee hat die Organisierung der Ver- anstoltung in die Hand genommen. Vergnügungsfahrten in den Tod. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich am Pfingstmontag auf der hannoverlchenLondstraße Mischen Walsrode und Gifhorn. Ein mtt sechs Personen besetztes Auto überschlug sich mehrere Mal« infolge Bruchs einer Feder der Vorderachse, verursacht durch zu schnelles Fahren. Die Insassen wurden heraus- geschleudert:«ine ältere Dame war sofort tot» ihr Mann st a r b kurz darauf, während der Sohn des Ehepaares und Besitzer de» Wagens, ein Magdeburger Großtaufmann, und dessen Braut schwer oerletzt wurden. Der Chauffeur sowie ein zehnjähriger Knabe kamen mit leickteren Hautabschürfungen davon. Die Namen der Verunglückten sind noch nicht bekannt.— Aus Sterkrad« wird gemeldet: Ein Auto der Firma R n ck e b i e r fuhr auf einer Vergnügungsfahrt aus noch nicht bekannten Gründen gegen einen Baum. Die im Auto sitzende Frau Hagenbeck aus Wesel wurde aus dem Wagen geschleudert und blieb tot liegen. Ihr Mann erlitt so schwere Verletzungen, daß er bald darauf starb. Die anderen Mitfahrenden kamen mit Hastabschürstmgeu davon. Der Berliner Arbeitsmarkt Januar- Mai 1925 In 1000 Personen 67.2 63.8 65.3 64.6 64.3 62.8 60.5 56.4 55.7 54.1 52.7 48.7 58.6 45.9 49.8 51.3 52.5 50.0 49.8 49.1 47.0 43.6 49.9 41.3 39.9 37.1 5. 12.19.26. 2. 9. 16.23. 2. 9. 16.23.30. Januar Februar März Die vorstehende graphische Darstellung zeigt das Angebot von Arbeitskräften an den Stichtagen der 20 Wochen vom 5. Januar bis zum 18. Mai d. 3. anschaulicher, als trockene Ziffern es vermögen. Die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt weisen erfreulicherweise einen steten Rückgang der Zahl der Arbeitsuchenden auf, von 58 600 bzm. 67 200 bis herab auf 37 800 Arbeitslose. Eine Zahl, die leider immer noch zu hoch ist, die jedoch dem Unternehmertum als ArbeitsLosenreserve noch zu gering erscheint. Im Januar steigt die Ziffer der Arbeitsuchenden von Woche zu Woche bis sie gegen Ende Ja nuar ihren höchsten Stand erreicht. Sie geht dann allmählich zurüd, bis sie am 2. März den ursprünglichen Januarstand hinter fich gelassen hat. In der zweiten und dritten Aprilwoche trat noch einmal eine geringe Steigerung auf, worauf ab 4. Mai wieder ein ununterbrochener Rüdgang einfegte. Männer Frauen Z 44.1 49.3.8 43.441.0 40.3 37.8 33.5 31.8 32.6 31.7 29.1 28.2 26.0 6. 13. 20. 27. 4. 11. 18. April Mai während vier Wochen konstant. Erst Ende März beginnt ein weiterer Rudgang, der Mitte April bis auf 10 400 geht. Dann steigt die Zahl der weiblichen Arbeitsuchenden wieder an auf 11 200, 11 700, 11 900 bis 12 100 und geht dann in der dritten Maiwoche wieder etwas aurüd auf 11 800. Während also die Gesamtzahl der Arbeits suchenden von 67 200 in der letzten Januarwoche bis 18. Mat auf 27 800 zurückgegangen war, die Zahl der männlichen Arbeitsuchenden von 52 500 auf 26 000, d. i. um mehr als die Hälfte zurüdging, ist die Höchstzahl der weiblichen Arbeitsuchen den von 14 700 im gleichen Zeitraum nur auf 11 800 zurüd gegangen. Es ist also selbst in der günstigsten Jahreszeit mit einem Heberangebot weiblicher Arbeitskräfte zu rechnen. Der Krieg und dessen Nachwirkungen haben die Frauen in vermehrtem Maße in die Erwerbstätigkeit hineingezogen. Die Arbeitslosigkeit der Frauen ist in Wirklichkeit größer als aus den Ziffern der Arbeitsuchenden hervorgeht, da viele Frauen die Inanspruchnahme des Arbeitsnachweises als erfolglos aufgegeben haben. Die Ziffern der oberen Reihe geben den Gesamtumfang der Arbeitslosigkeit an, vielmehr die Zahl der insgesamt gemeldeten Arbeitsuchenden. Die untere Ziffernreihe zeigt die jeweilige Bahl der männlichen Arbeitsuchenden. Ziehen wir deren Zahlen von Die einheitliche Arbeitsvermittlung durch die kommunalen öffentbenen der oberen Reihe ab, so erhalten wir die Zahlen der weiblichen und Facharbeitsnachweise vermittelt uns erst einen genauen lichen Arbeitsuchenden. Diese beginnt mit 12 700, steigt auf Ueberblick über die jeweilige Lage des Arbeitsmarktes und ermöglicht 14 000 bis zum Höchststand von 14 700 in der vierten Januarwoche, auch, was wichtiger ist, eine geordnete Unterbringung der Arbeitsfinkt dann allmählich bis Anfang März auf 12 800 und bleibt nun fräfte, soweit diese überhaupt möglich ist. Der Gewerkschaftskongreß und die KPD. Die Hindenburg- Wahlhelfer möchten zu gern noch eine Rolle spielen auf dem bevorstehenden Gewerkschaftskongreß, aber woher die dazu notwendigen Mandate nehmen. Am günstigsten bemerten sie ihre Aussichten im Metallarbeiterverband, meil nach der geltenden Wahlordnung schon 10 Prozent der Verfammiungsteilnehmer die Aufstellung einer Minderheitsfandidaten lifte verlangen fönnen. Um sich in der Rolle des Pimperl Wichtig bor einem leichtgläubigen Anhängerreft produzieren zu können, teilt die Zentrale der KPD. ihren Bezirksleitungen mit, daß ihr ein Rundschreiben des DMV.- Borstandes in die Hände gefallen ist mit der Wahlordnung. Die bedauernswerten Leutchen, die fo etwas glauben müssen! Die Wahlordnung ist wie immer auszugsweise in der Metallarbeiter- Zeitung" veröffentlicht und die notwendigen vollständigen Sonderdruce sämtlichen Bezirks leitungen und Ortsverwaltungen für die Durchführung der Wah! zugeftellt. Jezt mimen die Reaktionshelfer Wachsamkeit. Für jeden Bezirk wird eine KP.- Bahlleitung bestimmt in den Städten Berlin, Bielefeld, Breslau, Dresden, Jena, Essen, Hanau, Solingen( in Frankfurt, Hagen oder Remscheid ist keine Aussicht mehr!) Salle, Hamburg Hannover, Köln, Königsberg, Nürnberg, Stettin und Stutt gart. Bis spätestens 31. Mai sind Konferenzen einzuberufen, in denen unter Mitwirkung der KP. die Kandidaten aufgestellt werden, ,, die nicht nur in jeder Hinsicht als mirtlich gute Kommunisten, sondern auch als mirtlich befähigte Gewerkschaftler befannt sind." Immerhin, die Gesellschaft hat etwas gelernt. Früher wurde bekanntlich auf befähigte Gemertfchafter gepfiffen, gute Rommuniften, auch ohne Berstand, mußten gewählt werden. Gibt es denn überhaupt einen Kommunisten, der zu gleich ein guter Gewerkschafter sein darf? Der Mann würde nicht alt in der KPD. Der von der KPD. verfolgte Zweck ist die Konzentrierung aller tommunistischen Stimmen auf wenige kandidaten, um eine Bersplitterung dieser Stimmen zu vermeiden. Da man auf eine 3ersplitterung bei ben mirklich guten Gemertschaftern rechnet, glaubt man, sie mit einer zahlenmäßig fleinen fommunistischen Minderheit überrumpeln zu tönnen. Unsere Genossen werden am 12. Juli den Schrittmachern her Reaktionäre und Monarchisten beweisen, daß sie in teinem Rolle Arbeiterparlament eine mehr spielen dürfen. Nur gegen diese RP.- Treibereien fann die Einheitsfront der Arbeiter hergestellt werden. 20 CHONGMOD Damentaschen- Fabrit Berliner erliner ElektrikerGenossenschaft angeschl, dem Verb, sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4Auterinblad- Roffert. m. 2bf. 10.95 Echt Saffian 9.50 Coupé- Koffer on 5.00 an Auch Einzelverkauf! Lederwarenfabrik Mehel Tel. Pfalzburg 9831 Bringenftr. 89. zwifch. Morigpl. n Ritteritr Herstellung elektr. Licht-, Kraftund Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit Der gute KapitänKantabak ist in den meisten Zigarrengeschäften erhältlich C. Röcker, Berlin Lichtenberger Straße 22, Kgst. 3861 Adolf Hoffmann Episoden und Zwischenrufe aus der Parlaments- und Minifterzeit. Preis 1 Mart. 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Davon fönne gar nicht die Rede sein, versicherte der Vertreter der Direction, denn an die Stelle des Entlassenen fäme ja doch ein anderer Betriebsratsvorsitzender. Das ist schon richtig, erwiderte der Bertreter B.s, aber wenn der andere nicht das Schicksal seines Borgängers teilen will, dann wird er in der Bertretung der Arbeiterinteressen porsichtiger" sein, und wenn er noch nicht vorsichtig genug ist, dann wird man wieder einen Entlassungs. grund suchen und das Spiel so lange fortsetzen, bis ein der Vermaltung genehmer Mann den Vorsiz im Betriebsrat bekleidet. Nun wurde die Behauptung, P. sei ein nachlässiger Arbeiter, des näheren geprüft. Dabei stellte sich heraus, daß man, wahrscheinlich im Hinblid auf die in Aussicht genommene Entlajjung des Betriebsratsvorsitzenden, jeine Arbeitsleistung feit einiger Beitsystematisch beobachtet und ganze wei Fälle herausgefunden hat, wo P. Reparatur arbeiten verpfuscht hat, was dieser auf sein mangelhaftes Sehvermögen zurückführt. Ferner wurde behauptet, die Kolonne, in der er beschäftigt war, habe infolge feiner Nachlässigkeit nur 25% Broz. Ueberverdienst im Atford erzielt, während andere Rolonnen 30 und mehr Prozent Ueberverdienst hatten. 3 B. erflärte das damit, daß er ja um 30 Broz. erwerbs= befchränkt sei und auch durch seine Betriebsratstätig feit während der Arbeitszeit in Anspruch genommen werde, für die ihm früher möchentlich 9 Stunden Frei geit gewährt waren, während ihm in letzter Zeit gar feine Freizeit mehr zugestanden wurde. Er dürfe nur noch eine Drum prüfe, wer sich ewig bindet Ich liefere als Selbsthersteller Ges. geschützt Preisliste gratis! Trauringe zu billigsten Preisen in den gediegensten Ausführungen :: Ständig ca. 3000 St. auf Lager:: H.24, Artilleriestr. 30 Hermann Wiese, Berlin PassagerStraße 12 Bei Umtausch werden die von mir gekauften Ringe Innerhalb eines Jahres zem vollen Preise zurückgenommen Haben Sie Wanzen? Abessinier- Pumpen So gebrauchen Sie Mothesin. 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Der Haushaltsausschuß des Reichstages beschäftigte sich in den letzten Tagen mit dem Haushalt des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Die Frage der Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wurde wiederum ausgiebig beraten. Wie überall heißt auch die Forderung der landwirtschafts lichen Unternehmer: Steigerung der Arbeitsleistung. Segenwärtig spielt das Problem der Landarbeits. forschung und Landarbeitslehre eine große Rolle. Unter Führung des Reichstagsabgeordneten und Vorsitzenden des Deutschen Landarbeiterverbandes Georg Schmidt brachten die Sozialdemokratischen Fraktionsmitglieder hierzu folgenden An trag ein: ,, Die Reichsregierung zu ersuchen, bei der Unterstützung aller Bestrebungen zur Förderung der Landarbeitsforschung und sonstiger Maßnahmen zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion darauf zu achten, daß Bertreter der Gemertschaften und die Betriebsräte bei der Beratung und Durchführung als Mitwirkende hinzugezogen werden. Die Unterstützung ist zu versagen, wenn sich herausstellt, daß berartige Maßnahmen dazu dienen, um den Lohn der Arbeiterschaft herabzudrücken." Dieser wohlgemeinte und selbstverständliche Antrag wurde bezeichnenderweise im Haushaltsausschuß mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, Demokraten und Kommunisten, außerdem von der Deutschnationalen Boltspartei der Abgeordnete Behrens vom Zentralverband der Landarbeiter. Seine anderen deutschnationalen Freunde befümmerten fich vor lauter Arbeiterfreundlichkeit" nicht um ihn und ließen ihn im Stich. So ist erneut bewiesen, daß die Rechtsparteien gegen die Mitwirkung der Gewertschaften und Betriebsräte sind. Man will nicht, daß diese Kreise das Recht genießen, zu den Fragen der Produktion auch ihren Standpunkt zum Aus brud zu bringen. Die Arbeiter waren Kulis und sollen solche bleiben. Wahrlich eine schöne Boltsgemeinschaft, die wir in Deutsch land haben. Und daraus wollen die Arbeiter nicht lernen und sich zusammenschließen? Die Arbeiteraufsichtsräte der Textilindustrie. Der Verbandsvorstand der Teptilarbeiter beruft zu Sonntag, den 28. Juni, nach Leipzig ins Boltshaus eine Konferenz der Arbeiteraufsichtsräte der Textilindustrie ein. Ueber die bisherige Bragis der freigestellten Betriebsräte und der Betriesräte im Auffichtsrat referiert Alfred Apel, Grünberg i. Schl. Ueber Aufgaben und Praxis der Aufsichtsräte in den Textilattiengesellschaften referiert der Direktor der Arbeiterbant, Geheimrat Dr. Bachem, Berlin. Das Thema: Der freigestellte Betriebsrat und der Betriebsrat im Aufsichtsrat als Organ des deutschen Textilarbeiter verbandes im Kampf um Wirtschaftsdemokratie behandelt Friz Schulze, Berlin. Teilnehmer der Konferenz find dem Tertil arbeiterverband angehörende, auf dem Boden der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale ftehende Betriebsräte. Das Zechenlegen. Hanborn, 3. Juni.( WTB.) Nachdem auf der Zeche Menmühl trog der schweren Abfahtrise der Betrieb mit Feierschichten aufrechterhalten worden war, will die Werfleitung jetzt 1500 Berg leuten zum 15. Juni tündigen. Es ist mit völliger Stillegung der Zeche, die etwa 4000 Bergleute und Angestellte beschäftigt, zu rechnen. Solidarität mit den dänischen Transportarbeitern. London, 2. Juni.( WTB) Die englische Transportarbeiterunion hat einen Beschluß gefaßt, den Streit der dänischen Trans portarbeiter zu unterstützen. Infolgedessen werden seit Sonnabend in allen britischen Häfen teine Schiffe mehr entladen, die von Däne mart tommen. Der Konflikt im französischen Poftbetriebe. Paris, 3. Juni( Eigener Drahtbericht.) Eine von vielen Tausenden Beamten und Angestellten aller Rategorien der Post- und Telegraphenverwaltung besuchte Bersammlung hat gestern abend beschlossen, durch eine Delegation mit der Regierung und den zuständigen Kommiffionen der Kammer über die bereits mitgeteilten Forderungen des Personals verhandeln zu lassen, und für den Fall, daß diese Verhandlungen nicht zum Ziele führen sollten, in den Generalstreit einzutreten. Aus der Partei. Severings Dank. Zu meinem fünfzigsten Geburtstag find mir aus allen Teilen des Reiches so viele freundliche Worte der Ermunterung zugegangen, daß es mir unmöglich ist, jedem einzelnen Freunde und ieder einzelnen Organisation, die meiner gedacht, zu danken. Ich bitte deshalb auf diesem Wege sagen zu dürfen, daß ich meinen Dan? abftatten will dadurch, daß ich mich auch in Zukunft bemühen werde, auf den Gebieten meiner öffentlichen Birkfamfeit meine Pflicht zu tun. Carl Severing. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Eaternus; Gewerkschaftsbewegung: Friedr. Csforn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Fri Karstäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanftalt Vaul Singer u. Co.. Berlin SBB. 68, Lindenstraße 3. Mufitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Mufiterverbandes, Berlin 027, Andieasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbefuch Gardinen Tapeten Sonderangebote Gelegenh.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. Spezial- Gardinenwerkstatt Neukölln, Bergstr.67 am Ringbahnhof. KrausePianos zur Miete Ansbacher Str. 1, Edre Kurfürstenstraße 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. Riefenauswahl in allen Bretslagen herrliche Muster Tapeten- Magazin Humboldt Brunnenstraße 112, Ecke Voltastraße Z mur 1. Etage, tein Laden. 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