• Nr. 25942. Jahrg. Ausgabe A nr. 134 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich B, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Quremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntags beilage Bolt und Reit" mit„ GiedJung und Aleingarten sowie der Beilage Unterhaltung und Wissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfvaltige Ruparcille. zeile 70 Pfennig. Retiamegeile 4, Reichsmart. Kleine Anzeigen" bas fettgedruckte Wort 20 Biennia ( auläffia zwei fettgedruckte Worte). fedes weitere Bort 10 Biennig. Stellengesuche das erste Wort 10 Pfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buchh.. staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. 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Nachdem dieses Dokument geprüft worden war, sind mit dem vollen Einverständnis des Kabinetts Vorschläge Englands an die französische Regierung gesandt worden, die dahin gehen, die Besprechungen auf eine Frage der allgemeinen Grund sätze zu beschränken, worüber zwischen den Alliierten vollkommenes Cinverständnis herrscht. Gewisse Andeutungen in der Presse geben Beranlassung zu der Annahme, daß die französische öffentliche Meimung ziemlich befriedigt ist und daß die französische Regierung fich jetzt bemüht, die britischen Vorschläge der Note einzufügen, welche alsdann dem Ministerrat und zweifellos der briti schen Regierung zur Prüfung vorgelegt wird, bevor fie an Deutschland überreicht wird. Es ist nicht forreft, wenn irgendwelche besonderen Auslegungen darüber angestellt werden, was geschehen wird; die Besprechungen haben noch nicht den Bunkt erreicht, wo z. B. im einzeinen gesagt werden kann, was in bestimmten Fällen, wie beispielsweise der Rheinlandfrage, vereinbart worden ist. Die Besprechungen find noch in der Phase rein allgemeiner Prin sprechungen sind noch in der Phase rein allgemeiner Prin zipien und die britische Regierung ist nur gebunden an das, was Chamberlain im Unterhaus erklärt hat, nämlich daß England den Garantiepaft bezüglich der Westgrenzen billige, wobei es mithelfen wolle, und daß Englands Verpflichtungen fich darauf beschränkten, diese Grenze zu garantieren, denn dies sei gewissermaßen ein englisches Inlereffe im Hinblick darauf, daß spätere Kriege vermieden werden sollen, und alle britischen Besprechungen mit Frankreich geschehen in Aus führung dieser Erklärung Chamberlains. Natürlich wird die Zeit femmen, wo ein Dokument abgefaßt werden und wo vollkommen Llar schriftlich niedergelegt werden muß, was in gewissen Eventuali täten zu geschehen hat. = Es wird gewiß als sehr bedeutend angesehen, daß Deutsch landinden Völferbund eintritt, was geeignet wäre, die europäische Lage wesentlich zu ändern. Ebenso bedeutsam ist es, daß unzweideutig erklärt wird, daß der Sicherheitspaft feinen Teil des Versailler Vertrags beeinträchtigt, der sich auf Deutschlands andere Grenzen bezieht. Die Note an Deutschland wird technisch die Form einer französischen Antwort haben, aber die Welt wird wissen, daß sie von der britischen Regierung Neuer belgischer Regierungsversuch. Poullet will ein Konzentrationskabinett. Paris, 3. Juni.( WTB.) Wie Havas aus Brüssel berichtet, hat der ehemalige Kultusminister Boullet heute nachmittag den Auftrag, die Stabinettsbildung zu übernehmen, angenommen. Er wird versuchen, ein Ministerium zu bilden, das als seine erste Pflicht die Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes des Budgets betrachten und zum Programm eine Reihe demokratischer Reformen haben wird, für die eine starke Mehrheit im Parlament vorhanden ist. Boullet beabsichtigt an Bersönlichkeiten aller drei politischen Parteien zu appellieren. China protestiert. Der Aufstand in Schanghai. London, 3. Juni.( TB.) Wie aus Beting berichtet wird, hat ber chinesische Außenminister dem italienischen Gesandten in seiner Eigenschaft als Donen der diplomatischen Bertreter der interessierten Regierungen eine Note über die Lage in Schanghai überreicht, in der auf die Zwischenfälle hingewiesen wird, die am 30. Mai in Schanghai sich ereignet haben. Es heißt darin unter anderem: Die getöteten oder verwundeten Studenten waren junge Leute aus guter Familie und gute Patrio ten. Sie seien nicht bewaffnet gewesen und man hätte sie nicht wie llebeltäter behandeln dürfen. Die Polizei habe jedoch, anstatt sie zu beruhigen, zu äußersten Maßnahmen gegriffen, die vom Standpunkt der Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu tadeln feien. Die Note protestiert ausdrücklich und erklärt, daß die chinesische Regierung sich das Recht vorbehalte, in Zukunft Forderungen zu stellen. Sie bestätigt endlich, daß die Be hörden der Konzessionszone von Schanghai für den beklagenswerter Zwischenfall verantwortlich seien und verlangt von den Mächten, daß sie ihre Konsuln in Schanghai beauftragen, die festgenommenen Bersonen in Freiheit zu setzen und gemeinsam mit dem chine fischen Sonderkommiffar für auswärtige Angelegenheiten in Shanghai Maßnahmen zu ergreifen, um derartige Zwischenfälle in Bufumt zu verhindern. gefehen und genehmigt worden ist, ebenso wie von der belgischen und der italienischen, welche natürlich vollkommen unterrichtet sind. Die Dominions sind laufend telegraphisch von der britischen Auffassung der Sicherheitsfrage unterrichtet worden. Noch keine Sicherheitskonferenz. London, 3. Juni.( WTB.) Bezüglich der von verschiedenen Blättern verbreiteten Gerüchte, daß zur Beratung des Sicherheitspattes eine Konferenz einberufen werden solle, ist Reuter zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Meldungen unzutreffend fcien. Jedenfalls sei der augenblickliche Stand der Berhandlungen ein derartiger, daß man nicht sagen fönne, der Augenblick sei für eine Konferenz geeignet. An zuständiger deutscher Stelle wird erklärt, daß ein offizieller Vorschlag zur Einberufung einer Konferenz zwischen den Alliierten und Deutschland über die Sicherheitsfrage noch nicht gemacht worden ist, doch sei von deutscher Seite in inoffiziellen Unterhaltungen wiederholt der Wunsch nach offener Aussprache in einer deutsch- alliierten 3usammenkunft geäußert worden. Englische Besorgniffe über Chamberlains Konzessionen. wärtige Amt scheint nach wie vor entschlossen zu sein, trotz der London, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das hiesige Aus alarmierenden Bariser Kommentare zum Londoner Memorandum dessen Text nicht preiszugeben. Es ist jedoch auffallend, daß offen. bar aus offiziöfen Quellen am Mittwoch die diplomatischen Korrespondenten verschiedener Blätter erklären, daß das Londoner Memorandum feinerlei neue Konzeffionen in der Offfrage enthalte und man in der in Paris so fenfationell ausgelegten Stelle des Memorandums lediglich gemeint habe, daß Frankreichs Verpflichtungen gegenüber seinen Dstverbündeten im Rahmen einer Völkerbunds entscheidung unangetastet bleiben. Man nimmt in hiesigen politischen Kreisen an, daß man sich in dem Londoner Memorandum absichtlich deshalb so vieldeutig ausgedrückt hat, um im gegenwärtigen Borstadium jede Diskussion über die außerhalb des Battes felbst liegenden Fragen zu vermeiden, ein allgemeines Ein verständnis mit Paris herzustellen und alles weitere auf der hierbei einzuberufenden Konferenz zu beraten. Aus dieser im Intereffe einer Rettung des Paftes eingenommenen Taktik ergäbe sich die vage Formulierung des Memorandums. Es fann jedoch nicht übersehen werden, daß das Pariser Echo und die Schweigsamkeit des Außenamtes in der englischen Deffentlichkeit Befürchtungen erweckt haben, daß Chamberlain den französischen Wünschen zu weit entgegengekommen ist und damit für Deutschland der Sicherheitspakt als freiwilliges Uebereinkommen unmöglich gemacht sei. Proteststreik auch in Peking. Peking, 3. Juni.( WTB.) Als Protest gegen die Vorgänge in Schanghai haben die Streifenden gestern nachmittag auch hier eine Riesen demonstration abgehalten. Der Wachdienst der Gesandtschaften ist in erhöhter Bereitschaft. Starke Polizeiabtei lungen riegeln die Zugänge zu dem Gesandtschaftsviertel ab. In mehreren Studentenversammlungen wurde zum Boykott der Briten und Japaner aufgefordert. New York, 3. Juni.( Tul.) Demonftrationen und Sympathie. streits haben in Beting, Tsingtau, Mukden und Kanton stattgefunden. Weitere amerikanische Kriegsschiffe find nach Shanghai unterwegs. In Schanghai hat sich ein Hilfskorps aus 200 amerikanischen Frauen zum militärischen Schutz des Aus länderviertels gebildet. Die Lage in Schanghai. Condon, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Englische und ameri fanische Batrouillen befreiten am Dienstag mehrere angegriffene Europäer in den Vororten von Schanghai. Bei den sich entwickelnden Zusammenstößen wurden einige Aufständische getötet, piele Derwundet. Banzerautos fuhren am Abend nach der Westvor stadt, wo sich die Streifenden, die Verstärkung durch Studenten erhielten, verschanzten. Die gegen die Ausländer gerichtete Streitbewegung nimmt ständig zu, sämtliche Ausländern gehörende Fabriken sind in Mitleidenschaft gezogen Etwa 3000 Streifende griffen die japanischen Eiswerte an. Die Bolizei feuerte in die Menge, eine Berson wurde getötet und fünf verlegt. Die Angriffe gegen einzelne Ausländer dauern an. Eine Anzahl Auf rührer bewarf mehrere Straßenbahnwagen mit Steinen und ver wundeten eine Anzahl von Frauen. Vier Abteilungen von britischen Marinesoldaten und Matrofen sind heute hier gelandet, morgen wird eine gleich große Zahl landen. Schanghai, 3. Juni.( WTB.) Die Unruhen in der Stadt dauern an. Im Zentrum der Stadt wird noch gefämpft. Biele Chinesen kamen bei diesen Kämpfen ums Leben oder wurden verletzt. Nach den letzten Feststellungen sind 21 Arbeiter ge. tötet und 65 verwundet worden. Eine Ausländerin wurde durch einen Steinmurf getötet. Inzwischen sind Panzer ruhen befindet, gelangt. wagen in die westlichen Viertel, wo sich der Hauptherd der UnDie Schwankenben werden von Studententrupps zum Ausharren im Kampf aufgefordert. Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gefellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 Der Kampf um Marokko. ( Bon unserem Pariser Mitarbeiter.) Paris, 2. Juni. Seitdem die Spanier in ihren Kämpfen mit den verschieNordafrika widersetzten, Niederlage auf Niederlage erlitten denen Eingeborenenstämmen, die sich ihrem Bordringen in hatten und sich schließlich an die Küste zurückziehen mußten, rechnete man in Frankreich mit dem Ausbruch von Waffenfonflikten zwischen den mehr oder minder. regulären Truppen Abd el Krims und der zum Teil aus Eingeborenen, zum Teil aus weißen Soldaten bestehenden Armee des französischen Marschalls Lyauten. vera seine Diktatur in Spanien errichtet hatte, von Madrid Versuche, die früher schon, ehe der General Primo de Riaus gemacht worden waren, um Frankreich zu bestimmen, in eine militärische Aktion gemeinsam mit Spanien zur Niederringung Abd el Krims einzutreten, waren ohne Erfolg geblieben. Selbst unter der Herrschaft des Bloc National wagten es die Regierenden nicht, das vom Weltkrieg tief erschöpfte Frankreich in neue Kolonialabenteuer zu stürzen. Allerdings scheint volle Aufklärung ist darüber noch nicht geschaffenandererseits auch der Wille nicht vorhanden gewesen zu sein, sich direkt mit Abd el Krim zu verständigen, der vor drei Jahren eine von Poincaré brüst abgelehnte Annähe- rung versucht hatte. Schon als Herriot am Ruder war, befürchtete man fchend gut organisierten und bewaffneten den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen den überra Scharen Abbel rims und den Vorposten Lyauteys. Die Sozialisten befürchteten, daß die Allherrschaft des über fiebzigjährigen Marschalls Lyauten in Maroffo der Berwaltung einen rein militärischen Charakter geben und dadurch gefährliche Konflikte erzeugen fönnte. Der Marschall selbst verwahrte sich allerdings stets in der energischsten Weise gegen derartige Anklagen und ließ eines Tages sogar wissen, daß er nichts dagegen habe, wenn man neben ihm einen Zivilgouverneur ernenne. Zu dieser Ernennung ist es nicht gekommen, da Herriot gerade gestürzt murde, als er sich mit diesem Problem etwas gründlicher befassen wollte. Seither haben sich die Dinge in Marokko rasch entwickelt. Der spanischen Sorge ledig, hat Abdel Krim seine Vorstöße gegen die französischen Truppen systema tisch organisiert. Noch unter Herrict waren drängenden Lyautey gewisse Truppenverstärkungen zugestanden worden, die unter Painlevé dann noch eine Erweiterung erfuhren, so daß gegenwärtig etwa 100 000 Mann farbiger und weißer Truppen unter Lyauteys Oberbefehl in Maroffo stehen dürften. dem Für die Soziglisten entstand mit dem Ausbruch der militärischen Operationen eine schwere Situation. Nur sehr mangelhaft informiert, wie die ganze öffentliche Meinung, über die eigentlichen Borgänge in Marokko, über die direkten Ursachen der bewaffneten Zusammenstöße, über die nirflichen Ziele sowohl Abd el Krims als Lyauteys, jedem durch koloniale Vergrößerungswünsche herbeigeführten Blutvergießen in allerschärfter Form feindlich gesinnt, ließ die sozialistische Partei sofort wissen, daß sie von der Regierung die genaueste Aufklärung und die unzweideutigste Erklärung verlangen würde, daß es sich in keiner Weise um irgend eine Ber größerung der sogenannten französischen Zone eder um eine gemeinsame militärische Aktion mit Spanien handeln könne. Die Partei ließ aber auch gleichzeitig wissen, daß sie feineswegs die Räumung Maroffos verlange, da diese nach ihrer Ansicht weder dem Standpunkt entsprechen würde, den seinerzeit Jean Jaurès vertrat, als er feinen unvergeßlichen Kampf gegen die militärische Lösung des Maroffoproblems führte, noch daß sie überhaupt unter den gegenwärtigen Umständen in Frage kommen fönne, da dadurch eine Gefährdung des friedlich- zivilifatorichen Werkes entstehen könnte, das in den letzten fünfzehn Jahren nicht nur in Marokko, sondern auch in anderen nordafrikanischen Schußländern wie Tunis und im Departement Algerien vollbracht wurde. In den gemeinsamen Sigungen der Parlamenisgruppe und des sozialistischen Parteivorstands( der CAP.) zur Befprechung dieser Frage haben auch die Vertreter des firfen Flügels erklärt, daß niemand die Räumung Marokkos zu fordern gedenke. Gerade deshalb konnte sich aber dann die Parlamentsfraktion nicht einfach auf einen negativen Standpunkt stellen und etwa der Regierung ihr Vertrauen verweigern, nur weil in Marokko zwischen den Heeren Abd el Krims und Lyautens gefämpft wird. In Erwägung dieser Umstände war die Fraktion, auf Antrag Renaudels, mit den anderen Gruppen der Linksmehrheit in Verbindung getreten und hatte sich schließlich mit ihnen über den Tert einer Tagesordnung geeinigt, in der die schleunige Herstellung des Friedens als Ziel bezeichnet wurde. Allerdings erklärten die Sozialisten, daß ihre endgültige Stellungnahme von den Erklärungen des Ministerpräsidenten abhängen würde. Da diese Erklärungen aber als un genügend betrachtet wur den. brach in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche eine Krise aus. Zwar war es nur eine Zufallsabstim- mung, die am Donnerstag gegen 11 Uhr nachts, bei An- Wesenheit von 41 Abgeordneten von über 100, in der sozialisti- schen Fraktion den Beschluß von 21 gegen 20 herbeiführte, die sozialistische Unterschrift von der eingebrachten Vertrauens- tagescrdnung zurückzuziehen: aber in diesem Zufall lag doch insofern tiefere Bedeutung, als er den Ausdruck der Beunruhigung darstellte, welche die Marokkoangelegen- heit im ganzen Lande hervorruft. Wäre es in der Nachr zum Freitag zur Abstimmung gekommen, so hätte Frankreich am Freitagmorgen kein« Regierung mehr gehabt, denn Painleve war entschlossen, zurückzutreten, wenn er nur mit Hilfe von Bloc-National-Stimmen eine Mehrheit gehabt hätte. Man war sich in der sozialistischen Fraktion jedoch einig darüber, daß eine Regierungskrise im Zusammenhang mit der Marokko-Affäre keineswegs wünschenswert wäre. Dadurch wurde die Marokkodebatte plötzlich zu einem Kampf um die innere Parteikonstellation. Schon hatte sich der Bloc National über das Auseinanderfallen desLinkskartells gefreut.„Die Base ist zerbrochen," hatte der intellektuelle Führer der blocknationalistischen Kammersrattion, Herr Fnm�ois Poncet, in seinem„Avenir" geschrieben. Im Namen der„überparteilichen nationalen" Marokko-Angelegen- heit wollte sich die Rechte so nahe an das Kabinett Painlevck herandrängen, daß die Sozialisten ganz von selbst zurück- weichen würden. Durch die sozialistische Taktik wurde dieses Manöver verhindert. Allerdings versuchte der Bloc National es dadurch weiterzuführen, daß er trotzdem auch für die neue Tagesordnung stimmte. Aber der sozialistische Abg. Compdre-Morel durfte den Herren in der Frei- tagssitzung zurufen:„Ausgezeichnet, wir können uns nur dar- über freuen, meine Herren, wenn Sie mit uns dem Volksurteil vom 11. Mai 1924 zustimmen, durch das Ihre Mehrheit weg- gefegt worden ist..." Was die Marvkkofrage selbst betrifft, so hat Außenminister Briand auf eine Reihe von Anfragen, die Renaudel im Auftrage der sozialistichen Gruppe an ihn richtete, vor der Ab- stimmung so klare Antworten gegeben, daß Compdre-Morel der vollen Befriedigung der Fraktion darüber Aus- druck verleihen konnte. Gleichzeitig hat sich die Regierung mit dem von den Sozialisten gemachten Vorschlag einverstanden er- klärt, eine parlamentarische Enguetekommission nachMarokkozu schicken, die, mit den größten Vollmachten ausgestattet, sich ein Urteil bilden soll. Dadurch, daß die sozialistische Fraktion die Regierung zu einer ganz klaren Stellungnahme gezwungen und auch der Unpopularit ät auf die koloniale Verwicklungen in den weiten Massen des Volkes stoßen, lauten Ausdruck verlieh, hat sie der Sache des Friedens einen größeren Dienst geleistet als die französischen K o m m u n i st e n, die den feudalreaktionären Abd el Krim als kommunistischen Bundesgenossen begrüßen und sich alle Mühe geben, um den nationasistischen Fanatismus der der Eingeborenen zu kriegerischen Handlungen aufzu» stacheln.„Marokko den MarokkariernI" rief Marcel Cachin aus. Und„Georgien den Georgiern!" schallte es ihm dröhnend zurück. Marokkanermeuterei in üer Pfalz! ZNaanheim. Z. Juni.(Mtb.) Die kommunistische Mannheimer ..Arbeiterzeitung" berichtet aus Germersheim: Seit«inigen Tagen herrscht unter den hiesigen Kolonialtruppen ein« sehr starke E r- regung, die auf die Vorgänge in Marokko und die damit zusammenhängende sehr scharfe Behandlung zurückzuführen llt. Diese Erregung steigerte sich zu einer offenen Meuterei. bei der 4 Offiziere getätet wurden. 15 Marokkaner sollen erschaffen werden. Eine Bestätigung dieser Nachricht Legt bisher noch nicht vor. Die französisch« Besatzungsbehörd« hat die„Kommunftische Zlrbeiterzeihmg fiir die Pfalz" wegen ein« Artikels über den Marokkokrieg für drei Tage oerboten. Ein Zastnachtsftück. Mau hatte angekündigt, daß man im Staatstheater de«„Brand Im Opernhaus" von Georg Kaiser spielen würde. Es scheint, daß man sich im letzten Augenblick noch aichers entschied, und auf der Bühne irgendein Kreuzworträtsel darbot, deffen Lösung ge- duldigen Leuten anvertraut werden sollte. Als um 9 Uhr abends der Vorhang fiel, hatte das Publikum die schwierige Aufgabe noch nicht gelöst. Sicher ist, daß in dieses Kreuzworträtsel irgendwie der Text des schönen Kaiserschen Schauspieles hineingearbeitet war. Das Drama Kaisers eignet sich aber für«in« derartige Verstandsquälerei kaum, und so ist man gezwungen, das Experiment des erfindungs- reichen, am Statstheater als Regisseur wirkenden Herrn Friedrich Neubauer als mißlungen zu bezeichnen. Immerhin sei erwähnt. daß Georg Kaiser im„Brand im Opernhaus" die Tragödie des lie- benden Mannes schaffen wollte, der übersättigt ist von vorüberge- henden Abenteuern und nun mit wütender Heftigkeit danach trachtet. die Zärtlichkeit einer unberührten Frau bis zur letzten Erquickung zu genießen. Der Liebhaber, den die Lebemannsgewohnheiten schon auslaugten, scheitert. Mit leeren Händen und noch leererem Herzen steht er da, als das Wesen seiner Träum« entschwindet. Alles begibt sich in der Pariser Welt des Rokoko. Also sind die Begebnisse sehr verschnörkelt. Das Grausige strömt aus der Zartheit, und die Zartheit wird wieder in das Grausige gemischt. Der adlige Herr, der sich das größte Seclenabenteuer in Gestalt des unbescholtenen Waisenkindes erkaufen möchte, muß erfahren, daß der Ausweg aus dem erotischen Labyrinth nicht mehr zu entdecken ist. Das Waisenkind Sylvette, das eines Abends seiner überspannten Obhut ent- wischt, um neugierig hineinzublicken in die ausgelassene Welt des Opernkarnevals, rettet sich aus der Brandpanik, die plötzlich aus- bricht. Hunderte mußten umkommen. Sylvette allein konnte ihren schönen Körper den Flammen entreißen. Sie stürzt sich überselig dem Gatten entgegen und meint, daß ihr ungeheurer Lebensrausch nach der ungeheuren Todesangst ausreichen würde, um Verzechung für den gar nicht boshaft unternommenen Ausflug zu finden. Sie findet die Verzeihung nicht. Sie stockt, sie versteht nicht, da ihr Sinn lehr gerade und nicht verschnörkelt ist, welcher Schimpf ihr angetan wird. Sie bäumt sich aus. Sie will den Gatten gewaltsam. indem sie ihn zur Eifersucht aufpeitscht, zu sich zurückbringen. Als auch diele Verzweiflungstat ohne Erfolg bleibt, stürzt sie in die Flammen zurück, denen sie eben entkam. Als Georg Kaiser dieses Stück, das er ein Nachtstück nennt, dichtete, wollte er noch nicht große soziale Probleme lösen. Er dachte allein an das Theater. Zwei liebende Gegenspieler sollten auftreten, und einig» knapp und überhell gezeichnete Episoden- figuren sollten den Sinn seiner Lieb«tragödie beleuchten. Er dra- matiflerte durchaus nach der Ueberlieferung und für die Leute, die im Parkett atemlos werden sollten. Er scheute sich nicht vor Worten, die allzu pompös klingen. Trotzdem kam ein sehr handfestes Theaterstück zustande, dem die Psychologie nicht mangelt. Er war JfoiegSberkchte. Paris, 3. Juni.(WTB.) Eine Nachrichtenagentur berichtet aus Tanger: Kuriere, die aus Tetuan eingetroffen sind, berichteten von einem Zusammenziehen der besten Truppen Abd e l K r i m s gegenüber der französischen Front. Paris, 3. Juni.(EP.) Die Behörden haben in Marokko den Verkauf von zwei arabischen Zeitungen, die in Tunis er- scheinen, und von drei Zeitungen, die in Kairo und A l e x a n- d r i e n gedruckt werden, verboten, weil sie angeblich die Ein- geborenen zur Auflehnung auffordern. In Annecy wurde der Her- ausgeber eines kommunistischen Lokalblattes verhaftet, weil er antimilitaristische Artikel veröffentlicht habe. Madrid, 3. Juni.(TU.) Spanische Fluggeschwader haben die feindlichen Dörfer lebhast bombardiert. Einige Dörfer stehen in Brand. Die Einwohner entflohen. tzinüenburg und die Sparer. Ablehnung des Empfangs einer Deputation. Hindenburg verdankt seine Wahl als Reichspräsident zu emem guten Teil den Sparern. Sie hatten im ersten Wahlgang, der Parole ihrer Organisation folgend, Stimmenthaltung geübt. Sie folgten im zweiten Wahlgang ebenso dem Mahnruf ihrer Organisation, sich für Hinden- bürg einzusetzen, weil er sich als„Mann des Rechts" vorstellte und gelobte, Treu und Glauben wiederherzustellen. Seine Wahl löste bei den Sparern die Hoffnung aus, Hindenburg werde in Wahrheit ihr Retter werden und sie vor dem über- mächtigen Einfluß des Kapitals und der Rechtsparteien schützen. Entsprechend dieser Auffassung richtete die Arbeitsgemeiw- schast der Aufwertungsorganisationen unmittelbar nach der Wahl an Hindenburg ein Telegramm, in dem es heißt: „Auf Grund der von Ihnen, Herr Präsident, in der Osterbot. schast an das deutsche Volk bezeugten Anerkennung der Heiligkeit des Recht«, vertrauen die widerrechtlich ihr« Besitz«, ihrer Er- sparnlsse und ihrer rechtmäßigen Ansprüche Beraubten aus llhren edlen willen, den Rolleidenden zu helfen, um so mehr, als ihre Entrechtung auf der anderen Seite zu einem bei den Schuldnern überall nachweisbaren gewaltigen Dermögensvorteil geführt Hot." Auf dieses Telegramm erging die Antwort, Hindenburg werde der„wichtigen Frage volle Würdigung und Auf- merkfamkeit zuteil werden lassen". Da gleichzeitig mitgeteilt wurde, daß man das Telegramm dem Reichsminister der Finanzen zur Kenntnisnahme zugehen lasten werde, faßten die Aufwertungsverbände am 13. Mai den Beschluß, eine Deputation zu Hindenburg zu entsenden. Der Ausführung dieses Beschlusses aber stellten sich u n- überwindliche Hindernisse in den Weg. Alle Per- suche der Aufwertungsorganisation. Hindenburg ihre Ansichten und Wünsche direkt vortragen zu können, sind gescheitert. Hindenburg ist für die Sparer nicht zu sprechen und liefert so den Beweis, daß alle auf ihn ge- setzten Hoffnungen trügerisch waren. Einfuhrscheine. Auch eine Schönheit der Zollnovelle. Die Spitzenorganisation des deutschen Getreidehandels hat sich an die Seite der agrarischen SchuPzollinteresierrten ge- stellt. Sie befürwortet die Agrarzölle und fordert obendrein die Wiedereinführung des Einfuhrsche in- s y st e m s. Der Beschluß der Organisation des Getreidehandels lenkt die Aufmerksamkeit«uff die Bestimmungen der Zollnovelle über das Einfuhrfcheinsystem. Der Paragraph 3 der Novelle gibt der Regierung das Recht, das Einfuhrfcheinsystem mit Zu- stimmung des Reichsrats wieder einzuführen. In der Be- gründung oerspricht die Regierung, daß sie mit den„be- telligten Vereinen" Fühlung nehmen werde, ehe sie von dieser Ermächtigung Gebrauch machen werde. im allen Stil des aufregenden Spektakelstückes befangen, was ihm keineswegs vorgeworfen werden soll. Denn das Theater braucht seine klaren Wirkungen. Der Regisseur, der ihm heute dienen wollte, geriet aber außer Rand und Band. Er verballhornte und ver. dunkelle das sehr durchsichtige Werk so grotesk, daß man eben in ein Kreuzworträtsel hineingeriffen wurde, aus dem« schließlich gar keine Rettung mehr gab. Die Struktur des Dramas, die durch deutliche Akteinschnitte festgelegt ist, wurde einfach niedergerannt. Di« Auftritte wurden durcheinandergemanscht. Di« Schauspieler wurden vom Regisseur gezwungen, ihre Sätze derart zu sprechen, daß gar kein Sinn mehr entdeckt werden konnte. Man oersucht, den Regisseur zu rechtfertigen, der sich für Kaisers Stück sin fabelhast« Tempo erträumte. Die Menschen und die Er- eignisie sollten wild durcheinanderjogen. Die Worte sollten pathetisch aufgedonnert werden. Man nannte früher ein derartiges Bcr- schwenden der dröhnenden Akzente Expressionismus. Doch« lag nicht der leiseste Anlaß vor, solche expressionistischen Mittclchen an- zuwenden. Schon das Bühnenbild war vollständig verfehlt. Die Möbel wurden ins Zyklopische vergrößert. Die Menschen saßen in den Armstllhlen. als wenn man sie in bizarre Grabhöhlen hinein- bugsiert hätte, und auch der Widerschein und Widerklang des Brand- spektakels schlugen so wuchtig auf die Nerven ein. daß das ge- sprachen« Wort nur wie ein gestammelter Wirrwarr vernommen wurde. Man möchte sich davor hüten, diesen miserablen Abend wie ein komisches Intermezzo zu betrachten, aber Erleichterung ist nur möglich, wenn man schnell und lächelnd diese unangenehmen Ein- drück« sortwischt. Die Herren Volk, Granach und Lau- binger wagten es nicht, sich ihrem Regisseur zu entziehen. Sie opferten sich und verdarben so vollständig das Stück. Mein Frau Gerda Müller suchte ihren eigenen Weg, der an den wahren Sinn des Kaiserschen Dramas heranführte. Leider hatte sie keine Gelegenheit, Monologe zu sprechen. Max Hochdorf. Das Tote Meer als Schatzgrube. Die Umgebung d« Toten lllleeres, die fett biblischen Zellen als sine der ödesten und unfruchtbarsten Stellen der Erde gall,. wird binnen kurzen: ein Mitlelpuntt tätigster Arbeit und großer Industrie werden. Wie E. W. Volscn Rcmman in einem Bericht aus Jericho mitteilt, hat die englische Kolonialverwaltung beretts alle Porkehnrn- gen getroffen, um die chemischen Reichtümer, die in diesem„Salz- meer" sell Jahrtausenden schlummern, für den Weltmarkt nutzbar zu machen. Das Tote Meer, das etwa dieselbe Größe wie der Genfer See hat, liegt im Durchschnitt 4tX1 Meter unter dem Spiegel d« Mlltelmeers und ist derart mit chemischen Salzen angefüllt, daß« für lemand, der hincmfällt, giinz unmöglich ist, unterzusinken. Durch dieses hohe spezifische Gewicht des Waffers wird das Schwimmen in dem See sehr schwierig gemacht, denn die Füße haben immer das Bestreben, an die Oberfläche zu kommen: aber man kann sich in jeder beliebigen Stellung treiben lassen. Ladende können tat- s Das System der Einfuhrschetne rst das sicherste Mittel, den Brotpreis um den vollen Betrag des Zolls zu verteuern. Es beruht auf folgendem: jeder Gctreidebauer, der Getreide aus- führt, erhält einen Einfuhrschein über die Höhe des Zolls, der bei der Einfuhr für die gleiche Eetreidencenge zu entrichten wäre. Mit diesem Einstihrschein kann der Zoll für eine Reihe von Waren— Gewürze, Petroleum, Kaffee, Tee, Schmier- öle— bezahlt werden. Diese Scheine werden von Getreide exportierenden Agrariern an Importeure fast bis zum vollen Betrag verhandelt. Der Agrarier, der Getreide ausführt, erhält damit eine Exportprämie in voller Höhe des Zolls. Mit Hilfe dieses Systems wurde vor dem Kriege der Getreide- preis auf dem Inlandsmarkt dauernd um den vollen Betrag des Zolls über dem Weltmarktpreis gehalten. Andererseits erütt dos Reich erhebliche Ausfälle an Zolleimmhmen, die 100 Millionen Mark beträchtlich überschritten. Selbstverständ- lich haben nicht nur die Agrarier, sondern auch die Getreide- Händler an diesem System ein Interesie. Dem Agrarier gibt es höhere Kornpreise, dem Händler damit höheren Zwischen- gewinn. Hinzu kommt, daß der Zwischengewinn des Händlers bei diesem System nicht nur entsteht, wenn das Getreide vom Produzenten auf den einheimischen Markt geht, sondern ein- mal, wenn es vom Produzenten, begünstigt durch die Export- Prämie, ins Ausland geht, und zum zweitenmal, wenn der durch den Export entstehende Fehlbedarf durch Einfuhr fremden Getreides wieder gedeckt werden muß. Weder die Verbraucher noch das Reich haben Interesse an der Wiedereinführung dieses Systems. Den Verbrauchern verteuert es Getreide und Brot um den vollen Zoll. Es er- zeugt die Notwendigkeit von Getreideeinfuhr und schädigt da- mit die Zahlungsbilanz. Dem Reiche verringert es die Zoll- einnahmen. Dies System ist die Krönung des Brotwuchers. Die Zoll- Novelle gibt der Regierung die Ermächtigung, dies System wieder in Gang zu setzen— nach Befragung der Inter- esienten, aber ohne Befragung des Reichstags! Das ist der Geist der Könitz und R e u h a u s» die die ge- famte Agrarzollvorlage auf dem Weg« eines Ermächtigungs- gesetzes durchbringen wollten. Der»wahre Landbundgedanke". Die Kinder könne» hungern. Die Landwirte des Kreises Westhavelland fädelten vor einiger Zeit eine Aktion zur Erzielung eines höheren M i l ch p r e i s e s ein. Um sie recht wirkungsvoll zu machen, arbeitete man mit demselben Mittel, über das man sich sonst nicht stark genug aufregen kann, nämlich mit dem Streik, Die einzelnen Besitzer bekamen die Anweisung, jede Lieferung von Milch an die Händler zu unterlassen. Das ist an sich schon charakteristisch gZnug. Roch charakteristischer ist aber die Abrechnung, die ein Landwirt namens Stresow aus Radewege, Kreis Westhavelland, in Nummer 22 des„Brandenburgischen Landbundes" vom 27. Mai hält. Er schreibt: „Der Wunsch, einen höheren Milchpreis zu erzielen, war bei ollen vorhanden, aaaaber— I Den einen drückte sein Ge- wissen: Die Kinder in der Stadt dürslen doch nicht Mllchmangel leiden. Den anderen drückte der Gedanke an seine Frau: Sie würöe sich sträuben, durch das Verbuttern der Milch so viel Mehrarbeit zu übernelstnen. Der Dritte fürchtet«, keinen-Absatz für seine Butter zu haben usw. usw. Unseren Aufklärungen und zuredenden Worten gelang es aber, die Mehrzahl wenigstens für eiaea Peffuch der Rlilchsperr« zu gewinnen. Rur Herr„Obbennetcr* versagts jede Mitbeteiligung: er hatte so viele„Wenn" und„Aber", daß er damit Pferde scheumachen konnte! Und da sei bei dieser Gelegenheft mal ein deutsch« Wort gesprochen: Solche„Obbecmeier" gibt's in un- seren Kreisen leider Gott« viele, ja. zu viel«! Sie treten bei jeher paffenden und unpassenden Gelegenheit auf als Flaumacher. als Drückeberger. Wenn sie trotz oller Bemühungen keinen anderen Grund zur Flaumacher« finden, dann ist es für sie schon Grund genug, daß sie nicht als erste den Anstoß zu einer Bewegung sächlich im Wasser sitzen, ein Buch lesen und zu gleicher Zell sich mit einem Sonnenschirm gegen die erbarmungslosen Strahlen schützen. Durch den hohen Salzgeyall- des Wassers ist jedes Leben in dem Meer ertötet, und auch im Umkreis kann nichts gedeihen, so daß das ganze Gebiet den verödetsten und unfruchtbarsten Eindruck macht. Aber bald wird das gänzlich verändert sein, und aus dem Toten Meer wird ein reich« Leben erwachsen. Ehemische Fabriken, die elektrisch be. trieben werden, und große Lagerhäuser erheben sich an der Stelle der zerfallenen Hütten, in denen einige Schiffer wohnten, und demnächst wird eine elektrische Straßenbahn durch das Jordantal brausen, um die Chemikalien nach dem Hasen Haisa zu transportieren. Das Tote Meer enthall nicht weniger als 30 Billionen Tonnen ge- in i s ch t e r Salze, von denen etwa 10 Billionen Tonnen gewöhn- liches Salz sind. Die übrigen Solzmengen sind aus Chlor und Brom. aus Natrium. Magnesium. Kalium und Jlesium zusammengesetzt. Durch die!!£ Billionen Tonnen Ehlorkalium, die sich im Toten Meer befinden, ist Palästina das reich st«KalilandderWelt, und diese Schätze können aus dem Wasser durch ein ganz einfaches Verfahren der Verdampfung und Kristallisation herausgezogen werden. So ist also das Tote Meer eine wahre Schatzgrube, deren Reichtümer jetzt in großem Maßstab ausgebemet werden sollen. Der lelegraphierle Herzschlag. Zwei Photographien von dem Herzschlag zweier Herzkranker wurden bei der letzten Iahresoersamm- lung der amerikanischen Aerztegcsellschaft in Atlantic City durch einen neuen Apparat, das sogenannte„Telephoto", aufgenommen. Die Photographien wurden mit der Post nach New Jork geschickt und unter Anwendung einer neuen Methode nach Chicago telegraphiert, wo sie ein belannter Herzspezialist. Dr. I. R. Greer, wenige Sekunden nach der Ausnahme beaugenscheinigen konnte. Er gab dann tele» phonisch seine Diagnose der Krankheiten nach Atlantic City, und diese wurde durch einen Lautsprecher den versammelten Aerzten sofort hörbar gemacht. Es ergab sich, daß seine Beurtellung der Krank- hellen durchaus richtig war. Durch diesen Versuch eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten für ärztlich« Konsullotionen über weite Ent- fernungen. Alirlke- cvedenkkeler in den Zckinle». Zur Erinnerung an MöcikcZ SN. Todestag hat d«r preichlslbe Unterrichtsminister ang-orbnet, dah in einer der ersten deutschen Stunden noch den Pfingftserlen in den hiberen Schulen sowie in den Oberklaffen der mittleren und Bollsschulen durch die Lehrer de« Dichter« gedacht werde. Da» Steglitzer Schl«i>park«>eat«r ist nicht geschloffen. sondern spielt allabendlich 8�« Uhr unter der neuen Direltion den Schwant.Der wahre Jacob-, Utasikchronik. Die amerikanische Sängerin Sophie vraslan läßt ihrem ersten Konzert ein zweite» am 4. Juni im Neethodensaal toloen Aus dem Programm stehen Lieder von Slroutz, Sid»lla. Reipiahi und MoussorgSlh.—<5M g l i, deffen erste« Konzert am S. Juni fast bereit» döllia ausverkaust ist, singt ein zweite» Mal am U. Juni in der Philharmonie. Vi« vertlaer Städtische SuostdeputaUon(unter Vorsitz von Max Lieber- mann) erwarb ein Lelgemälde-dann» FechnerS:.Bildni» de» verstorbenen Chirurgen Ernst n. Bergmann- mr die städtische Gemäldetammluna E» wird demnächst einem der städtischen Kranlenhäuier isir den Bersamrnluna«. iaal überwiesen weihen.— Der sell Jahren in Mittclschreiberhau ansät fiae er- bluidete Maler-Dichter Hann» Fechner feiert am 7. Juni seine» SS Aebu ristag. pp. gegeben haben. Dah sie dadurch den einigenden Landbund. gedanken vollständig desavouieren, ist ihnen Nebensache: sie be- trachten es schon als ein großes Entgegenkommen ihrerseits, daß sie äußerlich durch Tragen des Abzeichens ihre Zugehörigkeit zum Land- bund betätigen. Von dem wahren Landbundgedanken besitzen sie nicht die Spur einer Ahnung!*... beider Gottes ließen unsere Lutzower Nachbarn sich herumkriegen, für 16 Pf. zu liefern: da mußten wir denn auch nachgeben und ebenfalls für 16 Pf. liefern. Unser Abnehmer erklärte uns ganz offen, daß die Händler nicht hätten durchhalten können, und daß sie uns, wenn die Butzower nicht so ängstlich ge- wesen«ären. auch 17 Pf. gegeben hätten.* Das sind sehr unverblümte Worte. Sie zeigen, daß sich unsere Herren Agrarier, die immer so viel von C h r i st l i ch- feit und Nächstenliebe sprechen, vor Brutalität lind Rücksichtslosigkeit kaum kennen, wenn es darum geht, ihre Interessen zu vertreten. Sogar der Einwand eines Besitzers, die Kinder in der Stadt dürften doch nicht an Milchmangel leiden, wird mit einer Glosse und zynischen Ge- börde abgetan. Und diese Kreise entrüsten sich moralisch, wenn die Landarbeiter in ihrer Not zum letzten Mittel, zum Streik greifen!_ Meruntertanigft vernagelt. Aus Pommern wird uns geschrieben: Am 7. Juni werden die unentwegt kaisertreuen ehemaligen Bönigsgrenadiere von Schivelbein Fahnenweihe abhalten. Für die nötige nationalistische Begeisterung ist gesorgt, nur Er fehlt. ER wird aber wenigstens durch«inen— Nagel vertreten sein. Fol- gende Briefe legen Zeugnis ab von dem unheilbar alleruntertänig- sten vernagelten Zustand der Ehemaligen: Schwelbein, den 17. Mai 1925. Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. Kaiserliche und Königliche Hoheit, Haus Doorn(Holland). «w- Majestät erlaubt sich untertänigster verein ehemaliger Königsgrenadlere (König Friedrich Wilhelm IV. Pommersches Nr. 2) von seiner am 7. Juni 1925 stattfindenden Fahneinoeihe ganz gehorsam st Meldung zu machen. In alter pommerfcher Treue werden wir an diesem Ehrentage Ew. Majestät gedenken. Der Vorstand des Vereins ehemaliger Königsgrenadiere. I. A.: gez. F. Haß. gez. H. Lembke. » Lerlin>Lichterfi i g, da die Note nicht ihm, sondern dem Kanzler übergeben werden wird. Eine Vcrösfentlichung der Botschafternote ist aus technischen Gründen nicht früher möglich, da das Schriftstück sehr umsangreich ist.* Diese Erklärung ist uns absolut unverständlich: die Der- togung der Ueberreichung von Dienstag auf Donnerstag ist auf deutschen Wunsch mit der Begründung erfolgt, daß der Außen- minister noch nicht zurück sei. Jetzt heißt es, die Kritik des„Vorwärts" sei„überflüjsig", weil die Note nicht dem Außenminister, sondern dem Reichskanzler übergeben werden soll. Unter diesen Umständen ist der Wunsch aus Vertagung erst recht unverständlich. Oder war Dr. Luther etwa auch verreist? Die Razzia in Sofia. „Nur einige Stunden"— von 4 Uhr früh bis 7 Uhr abends. Sofia. 3. lluni.(TU.) Die aus Veranlassung des Minlsieriurns des Znnern hier durchgeführte General-Razzia dauerte von 4 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends. Die Stadt war von Militär und Polizei zerniert. Niemand durste ohne Ausweis die Straßen betreten. Um'A6 Uhr früh begannen die Hausdurchsuchungen, während deren ausnahmslos da» Der- lassen der Häuser verboten war. Es nrnrde eine größere An- zahl von Ucrhaflungen vorgenommen. Unter den ver- hafteten befinden sich mehrere seit laagea» gesuchte Verschwörer. darunter der Führer der fünfköpslgen Band«, die Milte April den Anschlag auf den König Boris vorüble. Großes Aussehen erregte die aus Anordnung de» kriegsminisier« erfolgte Verhaftung des Direktors des Sricgsarscnals. Brakglosf. der beschuldigt wird, mit den Kommunisten in Verbindung gestanden und ihnen Sprengstoffe und anderes Material geliefert zu haben. die Rache üer tzorthpften. Unterdrückung des„Az Ujsag". Budapest, Z. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Anklage des stüheren ungarischen Innenministers venicky wegen seiner Teilnahme an der Ermordung der beiden Redakteure hat die Regierung in eine gefährdete vofltion gebrach!. Die Anordnungen des Minister. ratz, der mit allen Mitteln einen Umschwung der öfseoklichen Meinung herbeisühren will, zeugen von einer zunehmenden Nervosität. Am Mittwoch früh drang ein großes Aufgebot Valiza! in da» Verlagsgebäude der Tageszeitung„A, ll j s a g*. in der der An- klagearlikel erschienen war. Die Scher mußten sosort.die Arbeit ein- stellen, die bereit» gedruckten Nummern wurde» konsiszierl. Der Ministerrat hat die Zeitung„im Staatsintercsse* aus unbestimmte Zeit verboten. Die Seher in ganz Budapest beab- sichtigen, aus diesen Raub der prehsreiheil mit einem Streit zu ont- worlen. Am Mittwoch nachmittag trat die Buchdruckergewerkschast deshalb zusammen. verhinöerte horthp-debotte. Budapest. 3. Juni.(WTB.) In der Nationalversammlung ver. lantzten mehrere Abgeordnete dos Wort, um die Ange- legenheit Somogyi zur Sprache zu bringe,,: es wurde ihnen jedoch verweigert. Aon den sozialdemokratischen Abgeord- neten in seinen Ausführungen fortwährend gestört, ergreift de. stellvertretende Ministerpräsident Dr. Va ß da» Wort und erklärt, er wolle über die Frage, die die öffentliche Meinung seit einigen Tagen in Aufregung HAt, frei von jeder Politik sprechen. Di« Mörder Somogyi» konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden. Sowohl diese Angelegenheit wie die Angelegenheit Venicky sind dem Richter übergeben worden und dürfen deshalb nicht mit Politik verquickt werden. So oft der Minister den Reichsver- weser erwähnt, bricht nicht blaß die Regierungspartei, sondern auch die rechtsseitige Opposition in stürmische Ovationen für den Reichsverweser au», während von der Linken erregte und scharf« Zwischenrufe fallen. Dr. Daß richtete an die Sozial- demokraten die Aufforderung, fall» sie konkrete Daten über die Er- mordung Somogyi» besitzen, sie ihm, dem Honvedminister oder dem Iustizminister zu unterbreiten.__ Neue Untersuchung Deutschöfterreichs. Durch Völkerbunds-Tachverständige. Genf. 3. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der Döllerbundsrat bestimmte Professor R i st c- Frankreich und Lei ghto n(Heraus- geber des.Economist")-England zu Sachverständigen in der Frage der österreichischen Finanzlage, da doch Oesterreich um eine solch- Untersuchung gebeten hat. Beide sind bekannte Bolkswirtschoftter Ein Foichlsleo Häuptling ermordet. In Rom ist in der letzten Nacht ein Major der Miliz ermordet worden. Die Berliner Metallarbeiter 1924. Ein Jahr schwerer Kämpfe. Die Verwaltungsstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter verbandes hat in einem 120 Geiten umfassenden Bande den Bericht für das Geschäftsjahr 1924 veröffentlicht. Einen breiten Raum nehmen die Verhandlungen mit dem Verband Berliner Metall industrieller zur Regelung der Löhne ein. Klar und ein deutig geht daraus hervor, daß gerade der VBMI. sich als Schrittmacher für alle Arbeitgeberverbände fühlt und sich insolgedessen von feiner Unternehmerorganisation an scharfmacherischem Verhalten übertreffen läßt. In den Beginn der Berichtszeit fällt die große Metallarbeiter bewegung zur Abwehr der vom BBMI. beabsichtigten Lohnherablegungen. Die Unternehmer hatten durch ein Dittat Lohnabzüge von durchschnittlich 5 Pfennigen angeordnet, was die Arbeiterschaft und auch die Organisation fich selbstverständlich nicht gefallen lassen konnten. Da griff der BBMI. zu dem bei ihm beliebten Mittel der Aussperrung. Den Unternehmern verfchlug es nichts, daß die Wirtschaft nach der faum begonnenen Maristabilisierung noch in allen Fugen trachte. Sie, die sonst immer das Wohl des Vaterlandes und die Notwendigkeit zum Wiederaufbau der Wirtschaft besonders start betonen, warfen zu den ungezählten Arbeitslosen weitere hunderttausend Metallarbeiter auf die Straße, unbekümmert um die Folgen. Bei den Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts versuchten die Unternehmer unter allen Umständen Genossen Wissell, den Schlichter für Groß- Berlin, a us zuschalten, ein Verhalten, daß sie bis zur Stunde noch befolgen. Sie hatten damit aber fein Glüc, mußten sich vielmehr bequemen in Verhandlungen mit den Organisationen eine Vereinbarung abzuschließen, die die Löhne für die Handwerkergruppen im allgemeinen in der alten Höhe beließ, für die unteren Gruppen sogar fleine Aufbefferungen brachte. Der BBMJ. hatte Schiffbruch gelitten mit der tieferen Absicht seines Vorgehens, den anderen Unternehmerverbänden zu zeigen, wie die Arbeiterorganisationen bei der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen aus zu fchalten sind. Dann Im Mai 1924 beschlossen die Funktionäre ohne Lohntarif zu arbeiten, weil es nicht möglich war, vom VBMJ. Lohnzulagen zu erhalten. Während der tariflofen Zeit versuchten die Betriebsräte vieler Einzelbetriebe zu Saustarifen zu fommen. Dem Schlichtungsausschuß wuchsen die Anträge über den Kopf, daher versuchte der Borfizende, die Parteien wieder zu einer follektiven Regelung der Löhne zu bringen, was aber mißlang. wurde von den Unternehmern ein für die AEG. gefällter Schiedsspruch als maßgebend für die anderen Betriebe angenommen. Späterhin fam es zu einem neuen Lohntarif, der aber nur die ungelernten Arbeiter umfaßte. Den Handwerkergruppen gelang es nur nach und nach und oft erit, nachdem in den Einzelbetrieben Arbeitseinstellungen erfolgt waren, ihre Löhne einigermaßen den Lebensverhältnissen anzupassen. Während im ersten Quartal 1914 ein Dreher beispielsweise einen Stundenlohn von 85 Goldpfennigen hatte, sank dieser Lohn im zweiten Der Verkehrsbund zur Verkehrslohnbewegung. Abrechnung mit der„ Roten Fahne". In der gestern abend abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung der Berliner Ortsverwaltung des Deutschen Verkehrsbundes gab Bevollmächtigter Ortmann eine furze fachliche Darstellung der Vorgänge bei der Tarifbewegung der Berkehrsangestellten. Die Rote Fahne" hat in einem längeren Auffah in der bei ihr üblichen Weise gegen die vom Verkehrsbund eingeschlagene Taftit Stellung genommen und dabei dem Genossen Drimann in verleumderischer Weise unterschoben. er hätte schon nor Beendigung der Bewegung den Direktionen der verschiedenen Verkehrsunternehmungen die Zusicherung gegeben. daß fein allgemeiner Verkehrsstreit ausbrechen würde. Die Bewegung sei von Anfang an, so schrieb die„ Rote Fahne" weiter, von der Gemertschaftsbureaukratie gebremst und später dann abgemürgi worden. Ortmann erklärte dazu mit aller Schärfe und unter dem Beifall der Versammlung( die Kommunisten verschwinden völlig in der Generalversammlung), daß er niemals vorher mit den Direktionen verhandel abe, bis zu der Sizung des Schlichtungsausschusses, wo aber auch nachgewiesenermaßen von ihm nichts Derartiges gesagt worden ist. Die Organisation lehne es ab, sich von der Kommunistischen Bartei Borschriften über die Taftit bei Lohn- und Tarifbewegungen machen zu lassen. Im übrigen sei der Aufsatz der Roten Fahne" geeignet, dem Verbande den größten Schaden zuzufügen. Alle Entscheidungen während der Tarifbewegung lagen in den Händen der direkt beteiligten Verkehrs: arbeiter; so wie die Abstimmungen ausfielen, sind sie gewertet worden. Die Rote Fahne" ist von der Ortsverwaltung aufgefordert worden, die Beweise für ihre Behauptung zu erbringen, widrigenfalls sie an Gerichtsstelle zur Rechenschaft gezogen werden wird. Die kommunistische Fraftion" hatte vor der Generalversamm fung eine Sondersizung abgehalten, die von sechs Mann besucht war. Ebenso schwach wie die Frattion", war auch die Verteidigung des Aufsatzes der Roten Fahne" durch den Redner der KPD., namens Mur amste. Er gab zu, daß der Artikel nicht objektiv sei und forderte eine Klarstellung durch die Redaktion. Im Anschluß an diese Abrechnung mit dem Bolschewistenblatt wandte sich die Generalversammlung der Beratung der Anträge für den Berbandstag zu. Quartal 1923 auf 25 Goldpfennige herab. Im gleichen Zeitraum stieg aber der Preis für 10 Kilogramm Bleche von 115 auf 305 Goldpfennige. Bis Ende 1924 ist der Dreherlohn wieder bei der nominalen Friedenshöhe angelangt, der Preis für Bleche war aber immer noch um 45 Goldpfennige höher als 1914. Diese Zahlen zeigen besser als alles andere, was von dem Geschrei der Unternehmer nach Berbilligung der Produktion durch Senkung der Löhne zu halten ist. Die Ausdehnung der Berliner Metallindustrie bedingte für die zahlreichen Branchen und Berufe den Abschluß einer großen Anzahl von Einzelfarifen. Bei den Verhandlungen ergaben sich sehr oft Schwierigkeiten, doch gelang es für die weitaus meisten Branchen bessere Lohn tarife abzuschließen. Die Bewegung unter den Arbeiterinnen der Metallindustrie litt start unter dem schlechten Organisations verhältnis Die geringe gewerkschaftliche Ueberzeugungstreue offenbarte fich besonders darin, daß allerhand" radikale" Agitatoren Gehör fanden, die dann aber im entscheidenden Augenblick die Liquidierung der entfachten Lohnbewegungen" dem verlästerten Metallarbeiterverband überließen. Wenn trotzdem der Bericht am Ende des Jahres eine erfreuliche Aufwärtsentwidung feststellen tann, so zeugt das für die Ueberzeugungskraft des freigewerkschaftlichen Gedankens. Stand im Jahre 1919 eine ständige Abnahme zu bemerken, die im In der Mitgliederbewegung ist seit dem höchsten Jahre 1922 noch einmal von einem Emporschnellen auf 160 000 unterbrochen wurde. Der wirtschaftliche Niedergang und die sich im Metallarbeiterverband besonders austobte, ließ viele die strupellose tommunistische 3erstörungsattion, Mitglieder die Ursachen ihres Elends an der verfehrten Stelle suchen. Sie fehrten dem Berband den Rücken, ohne zu bedenken, daß die Stoß? raft der Organisation herab. gemindert wird. Der größte Tiefstand vom dritten Quartal 1924 ist aber nunmehr erfreulicherweise überwunden. Seitdem geht es in schnellem Aufstieg vorwärts. Mit dem dritten Quartal 1924 beträgt die Zunahme rund 15 000. Die fortschreitende Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Niedergang der kommunistischen Gewerkschaftsheze wird auch die Berliner Metallarbeiter wieder in festgefügte Organisationsformen bringen. Der Bericht bringt im Anhang eine tabellarische Aufstellung über die Entwicklung der Löhne in den Betrieben des BBMI. von 1912 an bis zum ersten Quartal 1925. Den Löhnen gegenübergestellt ist die Preisentwicklung für Kohle, Bleche und Kupfer und der Stand des schweizerischen Franken. Diese Aufftellung hat weit über den Rahmen der berichtenden Organisation hinaus Interesse. Eine weitere Tabelle zeigt in leicht verständlicher Form die Mitgliederbewegung von 1912 bis 1925. Die Abwanderung vom Lande. Bom Verbandsvorstand des deutschen Landarbeiter- Berbandes wird uns geschrieben: Es wird jetzt viel von der Abwanderung vom Lande gesprochen. Mit Recht. Die Erscheinung nimmt immer größere Formen an, und droht zu einer Ratastrophe für die Landwirt. fchaft auszuwachsen. Der Deutsche Landarbeiter- Berband hat sich bemüht, einen fleinen Ueberblick über den Umfang der Abwanderung zu gewinnen. Die Studien wurden auf einige Wochen in der am meisten von der Abwanderung betroffenen Provinz Ostpreußen betrieben. Folgen des fonnte hierbei festgestellt werden: Aus dem Kreis Heiligenbeil sind nach amilichen Feststellungen des Arbeitsnachweises 122 landwirtschaftliche Arbeitnehmer abgewandert. Im Kreise Lözen beziffert sich die Zahl der Abgewanderten auf 30. Im Kreise Goldap hat man in 4 Betrieben 12, im Kreise Stallupönen in 10 Betrieben 31, im Kreise Bill fallen in 20 Betrieben 37, im Kreise Angerburg in 3 Betrie ben 22, im Kreise Rastenburg 50 2bgewanderte festgestellt. Aus dem Kreise Pr. Enlau sind 60 Familien nach dem West en und 63 nach Rußland abgereist. Aus den Kreisen Wehlau und Sensburg meldet man besonders sensationelle Ziffern. Im Kreise Behlau sind in zwei Betrieben 22 Abgewan derte und im Kreise Sensburg i'n 19 Betrieben 128 Abgewanderte gezählt worden. = Neben diesen Feststellungen, die auf Vollständigkeit kein Anrecht haben, ist noch zu berichten, daß augenblidlich aus allen oftpreußischen Kreisen ein außerordentliches Angebot an freien Arbeitsstellen mitgeteilt wird. Während fonst nur Deputanten mit mindestens zwei Hofgängern verlangt wurden, ist es jetzt in den meisten Kreisen möglich, Deputanten auch ohne Hofgänger unterzubringen. In zahlreichen Betrieben stehen Wertwohnungen frei, so 3. B. im Kreise Pr. Eyiau allein 122. = Diese Beobachtungen sollten den landwirtschaftlichen Arbeitgebern doch endlich zu denten geben. Sie follten einfichtig werden und sich sagen, daß sich mit Scharfmacher. manieren und willkürlichen Methoden auch nicht der geringste Vorteil erzielen läßt. Ein Vorteil läßt sich für die Landwirtschaft nur erreichen, wenn man die Arbeiter d'r beits freudig macht, das heißt, ihnen eine Behandlung und Entfreudig macht, das heißt, ihnen eine Behandlung und Entlohnung zuteil werden läßt, auf die sie als schwerarbeitende Menfchen Anspruch haben. Das Verhandlungsergebnis bei der Straßenbahn. Gestern sind die Verhandlungen zwischen dem Deutschen Berfehrsbund und der Berliner Straßenbahn wieder aufgenommen und zu Ende geführt worden. Das Verhand fungsergebnis ist folgendes: Es erhalten pro Stunde Zulage: Die Borarbeiter 8 Pf., die Betriebshandwerker 7 Pf., die Handwerker in der Hauptbetriebswerfftätte eine Erhöhung der Affordbasis von 5 Pf., die Angelernten eine Zulage von gleichfalls 5 Pf., ebenso die Fahrer und Schaffner. Die Ungelernten, die Saisonarbeiter und die Reinemachefrauen erhalten eine Stundenzulage von je 4 Bf. Der neue Lohntarif läuft vom 1. Juni bis 31. Oktober. Zu diesem Berrheinische Textilindustrie schwere Kämpfe unvermeidlich. handlungsergebnis wird heute abend eine Funktionärkonferenz Stellung nehmen. haben Lohn Vor schweren Kämpfen im Rheinland. Köln, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) ( Eigener Drahtbericht.) Die Arbeiter der niederrheinischen Seidenindustrie erhöhungen von 10 bis 15 Broz. gefordert, die von den Arbeitgebern abgelehnt wurden. Die Entscheidung über den Lohnstreit liegt jetzt bei dem staatlichen Schlichtungsausschuß. Werden auch dort die Forderungen der Arbeiter abgelehnt, dann sind für die nieder Auch in der Metallindustrie ist mit dem 1. Juni eine ernste rise eingetreten. Die Metallarbeiter haben die bestehen. den Lohntarife gefündigt, um neue Lohnerhöhungen zu erlangen, die aber von den Unternehmern abgelehnt wurden. Dieses Berhalten ist um so merkwürdiger, als die Konjunktur der Kölner Metallindustrie gegenwärtig nicht ungünstig ist. Ueberall fehlt es an hochqualifizierten Facharbeitern; in vielen Betrieben muß mit leberstunden gearbeitet werden. Offenbar ist das Vorgehen der Kölner Metallindustriellen auf einen einheitlichen Plan der Unternehmer in der deutschen Metallindustrie zurückzuführen, sich gegen jede Lohnerhöhung mit aller Entschiedenheit zur Wehr zu sehen. Wenn die Unternehmer an diesem Standpunkt festhalten, dürfte auch in diesem wichtigen Industriezweig mit bem baldigen Ausbruch eines schweren Arbeitstampfes zu rechnen sein. Weitere Entlassungen im Bergbau. Duisburg, 3. Jumi.( Eigener Drahtbericht.) Bis zum Abschluß des neuen Kohlensynditats waren die Thyssen- Schächte am stärksten beschäftigt. Auf ihnen wurden die meisten Ueberschichten gefahren, während im übrigen Bergbau Feierschichten an der Tagesordnung waren. Nunmehr scheinen die Betriebseinschränkungen auch auf die Thyssen- Schächte übergreifen zu wollen. Die Direktion gab z. B. am Mittwoch befannt, daß sie gezwungen sei, 3000 Beamte und Arbeiter von den Zechen Friedrich Thyffen, Lohberg und Rhein I zu entlassen, weil die Förderung eingeschränkt werden müsse. Auch die Zeche Neumühl hat von ihrer Belegschaft 5000 Mann gefündigt. Jm Unnaer Revier sind die zum Buderus- Konzern gehörenden Schachtanlagen Massen I und II stillgelegt worden, da die Zeche modernisiert werden soll. Es ist jedoch gelungen, die Arbeiter auf anderen Gruben unterzubringen. Bezirksverfammungen des 3dA. Donnerstag, den 4. Juni: BunSteglig, Lankwig, Sübende, Lichterfelde, Zehlendorf, Schlachtensee: Albrechtshof, Stegliz, Albrechtstr. 1a, Beginn 82 Uhr. 1. Wirtschaftspolitifche Fragen. Referent: Roll. Kurt Heinig; 2. Geschäftliches; 3. Verschiedenes. Wilmersdorf, Salensee, Schmargendorf, Grunewald, Berlin W. 15, B. 50: Augustahof, Wilmersdorf, Augustaftr. 1, Beginn 8 Uhr. Charlottenburg: Bunter Abend( Mufit, Rezitation, Tanz.) Ratsteller, Berliner Straße( Eingang durch die Weinabteilung), Begina 8 Uhr. 1. Streifzüge durch die Kunst. Referent: Roll. Walter Eschbach; 2. Verbandsangelegenheiten; 3. Berschiedenes. Spandau: Roter Adler, Potsdamer Straße, Beginn 7 Uhr. 1. Arbeiterdichtung( Vortrag, NordRezitation). Referent: Roll. Karl Beig; 2. Gefellige Unterhaltung. westen( ausnahmsweise Donnerstag): Nord- West- Rafino, Alt- Moabit 55, Beginn 8 Uhr. 1. Aus Musik und Dichtung; Mitwirkende: Rollegen Emma Wedding Thiede, Gerda Graubaum, Bernhard Göring; 2. Berschiedenes. Gesundbrunnen: Germania- Prachtsäle, Chauffeeftr. 110, Beginn 8 Uhr. ter Abend( Rezitationen des Roll Morgenstern, Musik. vorträge, Tanz). Schönhauser Vorstadt: Schönhauser Hestfäle, Schön. haufer Allee 129, Beginn 71 Uhr. 1. Aus der Vergangenheit der Angestelltenbewegung. Referent: Roll. Paul Lange; 2. Bezirks. angelegenheiten. Südosten Treptow: Reichenberger Hof, Reichenberger Straße 147, Beginn 8 Uhr. 1. Aus dem Ruhrgebiet. Referent: Roll. Kurt Michaelis; 2. Berbandsangelegenheiten. Oberschöneweide, Riederschöne weibe, Johannisthal, Baumschulenweg, Karlshorst: Restaurant Räthel, NiederSchöneweide, Brüdenstr. 15( an der Treskombrüde), Beginn 8 Uhr. 1. Det italienife Faschismus und die Arbeiterfaft. Referent: Roll. Rolf Reventlow; 2. Bezirks- und Verbandsangelegenheiten. berg, Friedrichsfelbe, Biesdorf, Raulsdorf, Mahlsdorf, Rummelsburg, Stralau, Berlin D. 112: Logen- Kasino, Lichtenberg, Anorrpromenade 2, Beginn 8 Uhr. 1. Die Psychologie im Rampf ums Dasein. Referent: Redakteur Hans Krauß; 2. Verschiedenes. Freitag, den 5. Juni: Lichten. Adlershof, Alt- Glienice, Grünau, Bohnsdorf, Fallenberg, Eichwalde. Schmöckwik: Restaurant Kaul, Adlershof, Am Marktplay( Sängerheim), Be ginn 8 Uhr. 1. Der Rampf um die Gozialpoliti?. Referent: Roll. Lähner; 2. Bezirksangelegenheiten. Sonnabend, den 6. Juni: Beißensee: Gemeinsamer Spaziergang nach dem Wirts. ( Dori: Gemeinsame Spiele und Beluftigungen.) haus Orantefee. Treffpunkt: Beißensee, Lindenplay, abends 7 Uhr pünktlich. Erkennungs. zeichen: Verbandsabzeichen. Freunde und Betannte find als Gäste willkommen. Nachzügler treffen sich direkt im Wirtshaus Orankefee. Montag, den 8. Juni: Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichtenrabe: Restaurant Ringler, Tempelhof, Berliner Straße 100, Beginn 8 Uhr. 1. Geschlecht und Be uf. Referentin: Roll. Gertrud Ellert; 2. Verschiedenes. Dienstag, den 9. Juni: Often( Achtung! Neues Lokal!): Andreas Rafino, Andreasftr. 3, Beginn 7% Ubt. 1. Unfet Berbanb im Gewerligaftstampf. Refe. rent: Roll. Curt Swolinsky; 2. Aussprache; 3. Verschiedenes. Donnerstag, den 11. Juni: Schöneberg, Friedenau, Berlin B. 30,. 35, 28. 57: Restaurant Rosen thal, Cbersstr. 66, Beginn 8 Uhr. 1. Tausend Jahre Rheinland Deutsche Rultur in Bergangenheit und Gegenwart. Referent: Roll. Franz Lepinski; 2. Berschiedenes. Berband der Maler, Ladierer usw. Freitag, abends 7 Uhr, im Gewerk fchaftshaus, Gaal 4, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Stellung. nahme zum Verbandstag. Referent: Kollege Schiemann; 2. Distuffion; 3. Be. richt der Bauten- und Arbeitsstellenkontrolle; 4. Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. Aus der Partei. Die Maifeier im lateinischen Amerika. In der Stadt merito wurde der 1. Mai mit Zustimmung des sozialistischen Präsidenten Calles und seiner Regierung als Feiertag begangen. Von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags Zehntausende organisierter Arbeiter demonruhte alle Arbeit. ftrierten in den Straßen. Nicht einmal ein Automobil durfte die Straßen benützen ohne besondere Erlaubnis der Merikanischen Federation of Labor. Dies schien den Gesandten der Vereinigten Staaten zu ärgern, denn er lehnte es oftentativ ab, den ihm übergebenen Erlaubnisschein zu benügen und ging die Meile von seiner Wohnung in die Gesandtschaft zu Fuß. In Maztlan demonstrierten die Arbeiter vor dem Konsulat der Bereinigten Staaten für die politischen Gefangenen, die sich noch in amerikanischen Gefängnissen befinden. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten dieses Tages, die in der ganzen Republik stattfanden, bildete das Massenmeeting, bei dem Louis Morones, der Vorsiende der Federation of Labor und gegenwärtige Arbeitsminister, Sprach. In Havana wurde das Maifest von der Arbeiterschaft durch Arbeitsruhe, Massenaufmarsch, Meetings und Feste gefeiert. Bloß eine Zeitung, in englischer Sprache gedruckt, erschien. In Argentinien ruhte die Arbeit. Besonders eindrucksvoll war die Massendemonstration der Sozialisten in Buenos Aires, die den Straßen das Gepräge gab. Muſitaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( Sönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5. Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Bertreterbesuch Berantwortlich file Bolitik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus: Gewerlichaftsbewegung: Friebr. Eglorn; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A.G. STr. 259 ♦ 42. Jahrgang 7. Seilage öes vorwärts Vonnerstag, 4. Juni 1925 ?tit den Eisenbahnen ist neben den Neamten ein neuer Stand enyzargeroachsen: der Bahnhofswirt ist oon unserer Darstellung des Eiienbahrwerkehrs untrennbar. Nicht jede Station hat eine Wirt- fchaft. kleine Haltestellen und viele Dorortbahnhöfe sind ohne.Nestau- rationsbetrieb', wenngleich der findige Menschengeist durch Auf- führung von Kiosken diesem.fühlbaren� Mangel abzuhelfen ge- mutzt hat. Immerhin existieren im Deutschen Reich 28S0 Bahn- bofswirtschaften, oon deren Wirten 2100 sich in dem»Der- band der deutschen Lahnhoszwirte" zusammengeschlosie» haben. Der Appetit beim Reisen. Der Deutsch« ist im allgemeinen nicht reiselustig— natürlich ebgesehen von dem im Sommer sich einstellenden Drange, die Ferienzeit im Gebirge oder an der See zu oerleben. In kleinen sondern, wie z. B- in Dänemark und Belgien, hat man das Emp- finden, die ganze Bevölkerung sei immer unterwegs. Die kurzen Lahrsirseken, die zu bewältigen sind, laden zur Ortsveränderung ein, sobald Geichäste abzuwickeln sinii; ein Gespräch ist meist wertvoller als ein Brief oder Telephonbenutzung. Aber in einer Hinsicht ist der Deutsche wohl den meisten Notionen überlegen: er hat immer Appetit, wenn er reist. Das hat natürlich seine Gründe. Einmal > ist es die Mangelhaftigkeit— auch wohl die Hast des Nerzehrens— des ersten Frühstücks, das die meisten Deutschen einnehmen. Der Engländer, Holländer, Slandinavier geht des Morgens viel gründ- licher zu Werke: er betrachtet den Morgemmbitz als eine der drei Mahlzeiten des Tages. Ein zweiter Grund ist die Uneinigkeit der Großstädter— und sie stellen wohl die meisten Reisenden— hinsichtlich des Zestpunk.'cs des Mittagesiens. Der eine speist, wie es ja auf deni Lande noch durchweg üblich ist. um 12 Uhr, der zweite um 1 Uhr, andere um 2. 3. 4. 5 Uhr: je nach dem Ende der Tages- arbeit oder eines ihrer'Abschnitte. Wer sich mm auf eine größere Reise begibt, wird diese meist mit einem nicht mehr oder noch nicht genügend gefüllten Mögen antreten und bald das Bedürfnis emp- rinden, sich..zu stärken. Dazu kommt unleugbar ein« die Ehlust fördernde Einwirkung des Eisenbahnsahrens. Der Mensch ist los- gelöst von dem steten Einerlei des Berufslebens: neue Eindrücke. sei es durch die Natur der Gegend, die er durchfährt, sei es durch die Berührung mit den Mitreisenden, stürmen aus ihn ein. wollen»er- arbeitet sein und diese geistige Arbeit erfordert eine materielle Grundloge. Dazu das Beispiel der anderen; jemand mit Appetit essen sehen, ruft die eigene Eßlust wach und man begibt sich schleunigst in— den Speisewagen, sofern ein solcher mstsährt. vi« Einführung der Speisewagen hat unstreitig den wirlschastsbetr leben auf den Bahnhöfen Abbruch getan, denn es ist angenehmer, im sanft gleiten. den Wagen Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, als m den früher vielfach namentlich an Knotenpunkten sich findenden„Eßstationen� in 10 oder 13 Minuten ein hastig serviertes Mittagesien zu sich zu nehmen, bei dem die Suppe entweder zu heiß oder zu kall ist und die Gefahr, im Gedräng« der Reisenden und Bedienenden mit Soße„begossen� zu werden, durchaus nicht außerhalb des Mag» lichen liegt. Solange es Speisewagen nicht gab, pflegten daher vorsichtige Leute ihr Mittagessen mitzunehmen, und selbst der Spirituskocher fehlte nicht, um gewisse Speisen zu wärmen, eine Leichtsinnigkeit, die verschiedentlich zu Unglücksfällen geführt hat. Bor allem aber besatz jede.bessere" Familie— und diese konnten sich vor Iahren allein den Luxus größerer Ferienreisen gestatten— ein sogenanntes„Eßnecesiaire, in dem Teller, Besteck, Gläser, Eier- becher, Servietten usw. auf plastische Art untergebracht waren. vie Aufgabe ües Sahnhofswirtes. Bei allen Zügen ohne Speisewagen— und sie bilden die Mehrzahl— fällt dem Bohnhosswirt die Susgabe zu, die Bedürf» nisse der Reisenden zu befriedigen. Scheinbar eine leichte Aufgabe: er wartet hinter dem Schanktisch auf die Wünsche der in die Warte- zimmcr, die ja dann immer auch die Rcstaurationsräume sind, eindringenden Mcnschenmasien. Aber damit ist es für den seinen Be- ruf ernst auffassenden Wirt noch nicht getan. Diele Reisende scheuen sich, auch bei längerem Aufenthalt des Zuges das Wteil zu ver. lafien: sie fürchten den„Andrang am Büfett", das„Nichtwieder- finden" des Abteils" usw. Der Wirt wird also je nach der Eigen- ort der Bahnhofsanlage entweder vom Zuge aus leicht erreichbar« Derkaufsstände errichten oder durch ausgesandte Bedienung den Reisenden ermöglichen, vom Abteil aus Speisen und Getränke zu erstehen. Und damit kommen wir zu dem charakteristischen Puntt des Betriebes: inwieweit ist«in solches Anbieten rentabel? Für trockene Eßwaren. Keks, Schokolade und für Obst bedeutet das Nicht Verkauftwerden keinen Verlust— anders steht es mit dem Bier. Soll und kann man es anbieten? Nervös sitzt der Wirt hinter dem verhangenen Fenster der kühlen Wirtsstube: er möchte den Der- dienst gern mitnehmen, fürchtet aber den Verlust an Gläsern, dje nicht so schnell ausgetrunken werden und dann entweder als gme Beute mitgenommen oder unsanft aus dem fahrenden Zuge auf den Boden gestellt werden, so daß der befürchtete Knax eintritt. In der Tat ist das Problem der schnellen Bedienung der im Zuge befind lichen Reisenden noch recht mangechaft gelöst— das Glas mit dem Bier zu verkaufen, scheint eine zufriedenstellende Lösung zu sein, ist aber nicht nach jedermanns Geschmack. Mü Unnötigem beladet man sich nicht gern. Um eine„Koste von Händen" zu bilden, die das Bier vom Schanktisch rasch zum Bohnsteig befördern, sehst es den Wirten der kleinen Stationen meist an dem nötigen Personal. Ruhige unü bewegte Stunden. Nur wenige ganz große Stationen ausgenommen, zeigen unsere Lahnhöfe dasselbe Bild: der Verkehr drängt sich zu gewissen Sstln- den zusammen, zumal da, wo Uebergang von einer zu einer zweiten Bahnstrecke stattsindet. Danach liegt auch die Wirtschast oft ganz still, wenn sie nicht noch auf die Reserve der nichtreifenden Gäste zählen könnte. 3n kleinen und ZNittelstädten bildet die Lahnhofswirtschaft gewissermaßen den ventralen Loden, ans dem sich Ange- hörige aller Stände und aller Parteien begegnen können. In der Die Bababotswirtscbaft einer Grenzstation Tat ist ja dank der„nationalen" Verhetzung in kleinen Orten jedes Lokal parteipolitisch abgestempelt— nur die Bahnhofswirtschaft steht sicher unter der Stationsflogge Schwarz-Rot-Gold, und jeder einsichtige Wirt wird etwaigen Versuchen, seine Räume zu Partei- Zwecken zu mißbrauchen, energisch entgegentreten. Inwieweit dir Bohnhofswirtschost zum„Stadtrestanranl� wird, hängt einmal oon der Entfernung des Bahnhofs von der Stadt, dann aber auch von der Leitung ab: wer Höste nicht schon beobachtet, daß dieser Wirt von den Heimischen gar nicht beachtet, sein Rachsolger dagegen gern aufgesucht worden wäre. Die Persönlichkeit ist es, die den Erfolg an sich testet— unsichtbar und doch allgegenwärtig muß die leitende Hand zu spüren sein—, die gleiche Höflichkeit muß dem viel- und dem Ivenigvcrzehrenden entgegcugebrachk, dos Diner„mit Rotspon" IKj Schnock. Ein Roman von See und Sümpfen. Don Soend Flenro«. Uaah. das Rauschen am Stenen vernehmend, gelingt es oben noch, ein paarmal hastig an dem hereits aufgedunsenen Rauch des Barsches zu zerren. Ihre dicken, fleischigen Lippen wühlen noch in den Gedärmen des Reißers, während sie langsam untertaucht und in die Tiefe zurücksinkt. Die Möwen und Moorschwalben, die sich über der Stelle zu sammeln beginnen, sind von neuer Hoffnung erfüllt und picken mit Geschrei und Gezwitscher an der Beute herum. Un- willkürlich lenken sie die Aufmerksamkeit des Holzdrechslers auf sich. Gr holt den Krimstecher hervor... er rudert näher heran !— und einen Augenblick darauf hat er die beiden Kumpane im Kescher. Welch ein Fang: ein Hecht, der sich an einem Riesenharsch »erschluckt hat! Und es muß eben erst geschehen sein: denn sobald er die beiden an Bord geholt hat. führt er sie interessiert an die Rase und stellt fest, daß sie frisch sind. Der Batsch sieht freilich etwas mitgenommen aus, aber da haben wohl die Möwen ihre Hand im Spiele gehabt— und er beginnt vorsichtig, ihn freizumachen und wird ordent- lich vergnügt, als er entdeckt, daß der große, gierige Hecht, der zavr�b lebendig ist, einer seiner Merkfische ist. ' Schnock rast vor Wut und schnappt um sich, während der alück.uyc irischer ihr Gewicht überschlägt, indem er den Kescher in den Händen wiegt. Er veranschlagt sie auf mindestens zehn Pfund— jetzt ist Schnock zu brauchen! ~~ 1286 1444 2491 2750 113 4 1878 2100 452 504 385 427 1156 1298 32 883 1010 123 119 253 247 19 69 64 16 211 205 BATSCHARI TUFUMA- PREISAUSSCHREIBEN! ban Viele tausend, zum Teil seitenlange äusserungen über die Vorzüge der Jufuma sind eingelaufen. Damit ist ein neuer Beweis für die volkstümliche un Beliebtheit der Jufuma- Cigarette in allen Schichten der Raucherwelt erbracht Das Ergebnis der Preisverteilung wird demnächst veröffentlicht werden. 1,44 Milliarden; diejenigen sämtlicher 85 Kreditbanken 1,86 Milli arden. Die laufenden, pfandgesicherten und Diskontausleihungen bei den Giro- und Staatsbanken betragen zusammen 1,51 Milliarden, bei den 85 Kreditbanken 4,55 und bei den 6 Berliner Großbanken 3,54 Milliarden. Daraus ergibt sich eine sehr beachtliche Stärke und ein sehr beträchtlicher Geschäftsumfang der Landesund Girobanten. Auf der anderen Seite arbeiten die Giro= und Staatsbanken erheblich billiger als die Privatbanken. Für die Durchführung der Kreditgeschäfte benötigen die Giro- und Staatsbanten Kapital und Reserven in der Höhe von nur 6% Pro 3. des Betrags der hauptsächlichen Kreditgeschäfte, während die Privatbanken dafür 20 63m. 16%% s festgelegt haben. Während die Giro- und Staatsbanken mit Bankgebäuden im Bilanzwert von 1/70 des Betrags der hauptsächlichen Kreditgeschäfte auskommen, haben die Privatbanken Bankgebäude im vierfachen Bilanzwert zu erhalten. Aehnlich liegt angesichts der Uebersetzung der Privatbanken mit unrentablen Filialabteilungen das Verhältnis der Gehaltskosten. Es ist sicher, daß die Giro- und Staatsbanken der Industrie nicht nur überhaupt beträchtliche Kredite gewähren können, sondern auch zu erheblich billigeren Zins- und Provisions= fosten. Zunächst sehen wir, daß sich die seft der Währungsstabilisierung| Rartellvereinbarungen den Betriesfapitalmarkt beherrschen, betragen undauernde Steigerung der Kreditorengelder in den Banken auch seit Februar fortgesetzt hat. Das gilt auch für die eigent lichen Einlagen. Bei beiden zeigt sich eine Steigerung in den ersten zwei Monaten um mehr als 9 Proz. Das dürfte im wesentlichen eine Folge der vermehrten Inlandsumfäße der Industrie sein, die wieder eine Folge der von den Arbeitern, Angestellten und Beamten erkämpften Lohn- und Gehaltserhöhungen sind. Entsprechend sind auch die laufenden und pfandgesicherten Ausleihungen und die Wechselankäufe der Banken gefiiegen, in denen der hauptsächliche Betriebskapitalbedarf der Indu strie gedeckt wird. Die so verhaßten Lohn- und Gehaltserhöhungen haben also den Umsatz und den Produktionsumfang( die Waren= preise sind international bestimmt) nicht gedrosselt, sondern gefördert. Anders scheint es mit der Kapitalbildung zu stehen. Sieht man nämlich bei den Kreditorengeldern näher zu, so sieht man, daß die Gelder, die auf drei Monate und länger feftgelegt sind, einmal nur einen verschwindenden Bruchteil der Gesamtfreditoren ausmachen und dann von Februar bis April von etwa so auf 45 gesunken sind. Zum Teil dürfte das allerdings damit zusammenhängen, daß die Banken die höher verzinslichen langfristigen Gelder nach Möglichkeit nur furzfristig annehmen, um an der großen Zinsdifferenz zu profitieren. Es scheint aber, als Nun ist die Krankheit der deutschen Wirtschaft, wie wir gesehen ob der volkswirtschaftliche Zweck der Lohn- und Gehaltserhöhungen, haben, hauptsächlich durch die überhöhten Zins- und Provisionsfäße die Unternehmer zur Rationalisierung der Betriebsvorgänge zu der Produzentenbanken verursacht. Da die Reichsbank dem Zinszwingen und durch noch stärkere Senkung der inneren Bewucher untätig zusieht, entsteht die Frage, ob auf anderem Wege das triebskosten als Steigerung der Löhne und Umsätze die Kapitalbildung zu fördern, noch nicht erreicht ist. Das kommt auch in dem Zinsmonopol der Privatbanken gebrochen werden kann. Rückgang des Werts der eigenen Wertpapiere und der Beteili- Von der Entscheidung dieser Frage hängt es im wesentlichen ab, ob gung der Banken zum Ausdruck, der wieder eine Folge der ge- die Produktionskosten der Industrie gesenkt, die Rentabilität der junkenen Börsenkurse ist. Im ganzen ergeben sich also zwar Industrie gehoben und der Gesundungsprozeß der Wirtschaft gedeutliche Merkmale für eine fortschreitende fördert und beschleunigt werden kann. Wir bejahen diese Frage und sehen die Möglichkeit dazu, solange die Reichsbank ihren Wirtschaftsgefundung von der Konsumenten-, nicht aber von Diskontsch nicht erhöht und den Zinswucher der Privatbanken der Produzentenfeite. dadurch begünstigt, in der billigeren Kreditgewährung der Giround Staatsbanken an Industrie und Gewerbe. Die Genossenschaftsbanken fönnten die Giro- und Staatsbanken in diesem Kampfe unterstüßen, soweit das ohne Schädigung ihrer genossenschaftlichen Aufgaben möglich ist. Der Rückgang der Börsenkurse und die mangelhafte Kapitalbildung in der Industrie( trotz der Steigerung der Umfäge) hat aber nicht nur die ungenügende Rationalisierung der Betriebe zur Ur fache. Diese selbst ist wesentlich veranlaßt durch den 3inswucher und das rücksichtslos ausgenußte Kapitalmonopol der Banten. Man braucht nur die Dividenden der Banken ( 8 bis 10 Broz.) mit denen vieler Industriezweige zu vergleichen, um zu erkennen, daß das Zins- und Kapitalmonopol der Banken wie ein Vampyr die Industrie aussaugt, um sich die gewollte Dividende zu sichern. Im Jahre 1924 dürfte es kaum eine einzige Privatbant gegeben haben, die dividendenlos geblieben wäre. Das nötigt zu dem Schluß, daß die Voraussetzungen zur fort: schreitenden Gesundung der Wirtschaft auf der Konsumentenfeite erfüllt sind und von der Industrie erfüllt werden könnten, wenn das Zinsmonopol der Banken die Gesundung der Wirtschaft nicht fünstlich durch Hochhaltung der Zins- und Provisionssäte verhinderte. Unter diesen Umständen erhalten die von dem Kartell der Berliner Großbanken grundsäglich unabhängigen Staats-, Landes- und Girobanken, soweit sie der Industrie Kredite zur Verfügung stellen können, eine besondere Bedeutung. Wir haben in der folgenden Tabelle die Hauptbilanzziffern der Staats- und Landesbanken sowie der Girozentralen mit denen der 85 Privatund der 6 Berliner Großbanken zusammengestellt. Gesamtkreditoren 14 Giro. 10 Staats- u. 85 Privat 6 Berl. Großzentr. Landesbanken banken Mill. M. Min. Mr. Min. Mr. 974 787 4979 dav. eigentl. Einlagen 785 642 1861 Lauf. Ausleih. u. Darl. 600 349 2750 Brandgesich. Ausleih.. 16 61 504 Wechsel 220 268 1298 banken Min. M. 3942 1444 2100 427 1010 Kapital u. Reserven. 71 31 16 4,5 926 257 Bankgebäude 630 167 Zunächst zeigt sich, daß die den Girozentralen und den Staatsbanten zur Verfügung stehenden vorübergehenden leberschüsse der Staaten, Gemeinden und Sparkassen die sehr beträchtliche Höhe von 1,76 Milliarden erreichen, davon eigent liche Einlagen im Betrage von 1,43 Milliarden. Die eigent lichen Einlagen der 6 Berliner Großbanken, die heute durch ihre Am 1 6. 25. veritarb uniere geliebte Mutter, Schwieger- und Großmutter Wwe. Helene Schrolle im 71. Lebensjahre. 1950b Dies zeigt tiefbetrübt an für die Hinterbliebenen Paul Schrolle Einäfcherung am Freitag, den 5. 6., abds. 7 Uhr, Krematorium Gerichtstr. Für die liebevollen Beweise herzlichster Teilnahme beim Heimgange meines ge liebten Mannes, uns. guten Vaters, fagen wir allen Freunden und Bekannten sowie der 40. Abteilung, als auch der 76. Wohl fahrtskommission un eren innigsten Dant. Ww. Luise Reichert. verw. Wilke. Elly Wilke. Fritz Wilke. Gretel Wilke. 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Das kann in den heutigen Verhältnissen nur eine leistungsfähige Außenseiterkonkurrenz. Zu dieser Konkurrenz wären die Giro, Staats- und Genossenschaftsbanken sehr wohl fähig. Das haben die letten 3weimonatsbilanzen gezeigt. R ― t. Aufwertungs- Durcheinander. Infolge einer von mehreren hiesigen Zeitungen veröffentlichten Notiz, daß in der Aufwertungstommission Anträge von den Regierungsparteien gestellt worden sind, auch bei Pfandbriefen einen Unterschied zwischen altem und neuem Besitz eintreten zu lassen, hat der Börsenvorstand beschlossen, bis zur Klärung dieser Angelegenheit die amtliche Notiz der Vorkriegspfandbriefe von Landschaften und Hypothefenbanten zu streichen. Der Zentralverband des Deutschen Bank- und Banfiergewerbes erläßt eine Rundgebung gegen die Absicht der Kundgebung, in der es heißt:„ Es erscheint undenkbar, daß, nachdem die 3. Steuernotverordnung weit über 1½ Jahren geltendes Recht ist, der Bewer: tung der Papiermarkpfandbriefe durch eine Unterscheidung in alten und neuen Besitz die Grundlage entzogen und damit in wohlermor bene Rechte eingegriffen werden kann. Abgesehen hiervon würde die Durchführung dieser Unterscheidung bei den Pfandbriefen auf noch größere Schwierigkeiten als bei den Martanleihen des Reiches stoßen." Gegen die Steuer- und Zollbelastung des Tabats. Auf einer Tagung des Zentralverbandes deutscher Großhändler der Tabat branche gelangte am Donnerstag in Hamburg folgende Entschließung Billige Kaufgelegenheit für Straße u. Reise 93 Koves Herrenjackettanzug in Größen 44-54 fertig am Lager aus Homespun mit grünlichen zur Annahme: Die 11. Generalversammlung des Zentralverbandes deutscher Großhändler der Tabatbranche lehnt energisch jede neue Belastung des Tabafgewerbes durch Zoll- oder Steuererhöhungen ab. Gleichzeitig lehnt die Versammlung auch das Banderolensystem als unzulänglich ab und bringt an dessen Stelle eine entsprechende Erhöhung des Zolles auf die Rohtabateinfuhr in Vorschlag." Konrad Tad u. Co. A.-G., Berlin und Burg b. Magdeburg Die Organisation dieses Schuhunternehmens interessiert die Deffentlichkeit deswegen besonders, weil das Unternehmen eines der wenigen ist, welches unter Ausschaltung des Zwischenz handels seine Fabrikate direkt an den Konsum absetzt. Allerdings tritt dies in den Gewinnziffern nach außen deswegen nicht so hervor, weil die Gesellschaft für ihre Verkaufsstätten und Filialen beson dere G. m. b. 5.'s aufgemacht hat und so die Möglichkeit hat, in den verschiedensten Gesellschaften ihre Gewinne zu verstecken. So er= zielte die Gesellschaft bei einem Kapital von 5,3 Millionen Mark einen Reingewinn von 393 428 Mart, der in der Hauptsache zu Abschreibungen und zu Zuweisungen von fleinen Beträgen an die verschiedenen Fonds verwendet wurde, ein Rest von 145 220 W. wurde auf neue Rechnung vorgetragen. Daß aber die einzelnen Verkaufsstätten erhebliche Gewinne gebracht haben müssen, geht aus der Verminderung der Bankschulden hervor, zu deren Abdeckung, nach Auskunft in der Generalversammlung die erzielten Gewinne der Verkaufsstätten, soweit sie im abgelaufenen Geschäftsjahr zur Berrechnung famen, verwandt wurden. Die Gesellschaft hat etwa 1 Million Steuern gezahlt, davon zahlten die Verkaufsstätten etwa 600 000 m., die Aktiengesellschaft 400 000. In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist der umsag um 20 bis 25 Pro3. größer gewesen, als in der gleichen Zeit im Vorjahre. Die Gesellschaft beklagt sich, wie wir das schon bei Aktiengesellschaften gewohnt sind, über die hohen Steuern und trägt sich je nach dem Ausfall der Steuergesetzgebung mit U morgan i fationsplänen. Affumulatorenfabrik A.-G., Berlin. Die Affumulatorenfabrit A.-G., die auch in Berlin zwei Werte hat, schließt das Ge schäftsjahr 1924 mit einem bilanzmäßigen Reingewinn von 1,2 Mill. Mart, aus dem sie 5 Pro 3. Dividende verteilt. Gegenüber der Borkriegsdividende von 12% bis 20 Pro3. scheint das wenig. Man darf aber nicht übersehen, daß die Borkriegsdividenden auf ein Kapital von nur 12 Mill. Mt. sich verteilten gegenüber einem heuti gen Goldkapital von 20 Mill. Mt. Wenn man weiter berücksichtigt, daß die Gesellschaft im Kriege ihre wertvollen Londoner, Petersburger und Bukarester Fabriken verloren hat und der Goldeinzahlungswert auf sämtliche Attien 13 Mill. Mr. taum überstiegen haben dürfte, so sind 5 Proz. Dividende auf das starf überhöhte Kapital von 20 Mill. Mt. ein günstiger Ertrag. Das gilt um so mehr, als aus dem Gewinn 180 000 m. vorgetragen und 75 000 Sondervergütungen an den Aufsichtsrat ausgeworfen werden. Bezieht man den gesamten Reingewinn auf den Geldeinzahlungswert von 13 Mill. Mt., so ergibt sich ein tat fächlicher Gewinn für die Aktionäre von rund 10 Broz Die vorgenommenen Abschreibungen im Betrage von 553 000 m. find normal. Die Zusammenhänge beweisen, wie vorsichtig die Dividendenabschlüsse der Industrie beurteilt werden müssen, wenn man aus ihnen Schlüsse auf die Lage der Industrie ziehen will. Das Rüdversicherungsmonopol in Frankreich Einen intereffanten Teil des Finanzprogramms von Caillaug bildet der Plan zur Errichtung eines st a atlichen Rüdversicherung s monopols. Sämtliche Versicherungsgesellschaften sollen 50 Prozent der bei ihnen angesammelten Prämien als Anlagefapital für die Errichtung der Rückversicherungsgesellschaft abliefern. Caillaur erklärt, daß das Versicherungsgeschäft eigentlich einem Monopol gleichkommt, deshalb müsse sich der Staat ohne Enteignung und ohne bureaukratische Form einen Teil der Mehrgewinne aus diesem monopolartig betriebenen Geschäftszweig sichern. lad gre Eine neue ungarische Währung. Der Vorsitzende des ungarischen Finanzausschusses, Dr. Teleszti, hat sich für eine neue Wäh rung ausgesprochen, die nach seinem Vorschlag auf einer Einheit. die dem Wert von 10 000 kronen entspricht, aufgebaut werden soll. u. roten Noppen 42.aus grünem Lodenstoff, lang. Hose od. Breeches Touristenanzug hochgeschl. u. offen, mit Lodenmäntel Reise- Ulster für Damen u. Herren, imprägn. aus gestreift. u. karierten Stoffen für Herren, aus Köperstoffen, Schlüpferform, gute Gummierung Gummimäntel . für Herren, aus wasserdichten Stoffen. 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Ich log wach im Bett«, seltsam gelöst und wunderlich frei von meinem bürgerlichen Habitus, und gab mich ganz der Seligkeit des frühen Wachseins, der Süßigkeit schrankenlosen Dämmerns hin. Gedanken strichen aus den leichten Flügeln der Phantasie her und wieder fort, bauten sich aus wie ein grotesker Babelwrm und stürzten wieder zusammen im bunten Spiel der Neinen mit der großen Welt. O slaumenleichte Zeit.....! Mählich löste der Tag seine Ruder aus dem Meer« der Nacht, und ein strahlender Moimorgsn begann seine silbernen, gemach golden werdenden Schwingen zu heben. Ein Finkenschlag plätscherte in die feierlich« Stille und, als sei dies das Signal gewesen, fiel gleich daraus der gesamt« Chor der Vögel ein, und Daseinsfreude. Liebeswerben und Schönheitsjube! feierten sich in einem berückenden Dithyrambus. Fliedergeruch und eines verspätet blühenden Apfel- baumes Dustgewoge kamen mit leichten Füßen des Morgenwindes ins Zimmer—: da ließ ich Lager und Dahindömmern und verwob mit der Lyrik Mörikes die Poesie dieses einzigen Morgens. * David Friedrich Strauß, ein Zeitgenosse Mörikes, sagte einmal über den Dichter:.Mörike nimmt eine Hand voll Erde, drückt sie ein wenig— und alsbald fliegt ein Vögelchen davon." Dieses Wort ist gleicherweise für Wesen und Schaffen des Dichters bezeichnend. Mörike ist der geborene Lyriker. Alles, was er anfaßte, ver- wandelte sich unter seinen Händen in lauteres Gold der Poesie. Er wußte um.die tausend Stimmen im Grund", um das leise Werden der Nacht, um die feierliche Schwere des Mittags. Er hatte die vielen Zwischen- und Halbtöne des wechselnden Lichtes in der Nowr auf seiner Palette und malte sie meisterlich in die zarten Pastell- bildchen seiner Gedichte. Er entschleierte die Seelen der Dinge, fing seltsame und geheimnisvolle Klänge aus dem Flüstern des Windes, aus dem Knarren eines alten Turmhohnes, und spannte sie in die köstlichen, kristallklaren Gesäße seiner Gedichte, die in ihrer Form ein besonderes Kunstwerk sind. Das war die Handvoll Erde-- In ihm brannte ein stilles Leuchten, das den.bunten Schwärm von Bildern und Gedanken zur Pforte seines Herzens hergeladen" Der Schleier der Maja, das Hemmnis, in anderer Menschen tiefstes Innere zu schauen, existiert« für ihn nicht. Begnadet und befähigt zu sagen, was er leide, läßt er fein« grandiose Sinfonie wahrhaftester Menschlichkeit, kunstvoll verschlungen in zartesten Gefühlen und Ge- fühlchen, in seltenen Stimmungen und Seelenschauern aufklingen, weitet er seine Welt, sein Denken und Empfinden zum Smn und Sein aller, zur Allgemeingültigkcit und damit zur Ewigkeit. Auch das war die Handvoll Erde-- Und die Dögelchen selbst— sie sind immer von schöner, eigen- artiger Gestalt, edel in Farbe und Klang, in Melodie und Rhyth- mus. Mörike dichtet nur in Bildern, die den poetischen Reiz bis zur Tiefe ausschöpfen! die Sprache ist voller Dust und Anmut im volis- liederhasten wie im strengen Stile gleich klar und plastisch. Alles atmet Behagen und träumende Stille,.kein Klang der aufgeregten Zeit" verwirrte des Dichter» schöne Kreise, die in den Revolution?- jähren des dritten und vierten Jahrzehntes des vorigen Jahrhunderts im stillen Schwabenlande blühten. Di« Ideen, die einen Hein«, Herwegh, Freiligrath begeisterten, waren für Mörike kein lyrischer Antrieb. « Ein verhältnismäßig lange» Dichterleben schenkte der Welt nur wenig Lögelchen, ruht doch Mörikes Ruhm vornehmlich auf zwei Werken: den Gedichten und dem Roman.Maler Rotten". Dieser, Schwester Libella. von Claire S tu der. (Schluß.) Schwester Libella, zu jedem Opfer berett, schnellte vor. Ihr Blick bot sich an. Etwas Fragendes, Schmutziges stach aus Kinskys tückischen Augen und berührte durch die verbergende Schürz« ihre Brüste. Jetzt, da sie ihn io sehr an ihren Körper erinnerte, begehrte er sie mehr denn je. Sein lüsterner Blick wartete eine Sekunde aus ein Zeichen des Einverständnisses. Vielleicht war sie jetzt reif für ihn. da sie etwas erwartete. Aber sie, nur noch Mitleid, und mehr denn je von ihm entfernt, sah weder seine Erwartung noch den gierigen Ausdruck seiner Augen: für st« hatte er kein Gesicht. Da fiel er noch härter zu:.Nein, keine Zeit für Luxusoperationen!" Und herrisch:.Vorwärts, den Letzten!"„Bauchschuß, die Operation hat Zeit bis morgen!" Sein Blick knisterte unheimlich über den Unterarzt hin, der irgendeine auflehnend« Bewegung machte und ihn mit den Augen überfiel. Deutlich las der Unterarzt von der Un- qcduld seines Gesicht», das schon draußen war. die Worte ab: �General, Auto, Diner* Da brach es au» ihm gegen seinen Willen: „Herr Oberstabsarzt, der Mann stirbt bis morgen!" hörte er sich mit verschnürter Kinderstimme sagen. Die Worte klangen wie von weit her. Einen Augenblick war nur der Schrecken im Zimmer. und olle standen unbeweglich. Der Unterarzt stand entschlossen und uelgaß seine Angst. Sein Auge lehnt« an Schwester Libella. sein Herz lag an dem ihren.»,....... Der Oberstabsarzt ließ seinen Blick wie einen eisigen Tropfen an ihm h-runterrinnen und sagte: Der Russe kommt über Nacht in die Scheune. Führen Sie s°s°rt me.üe Befehl« au»! Di« Tür flog klappernd hinter ihm und seinen Worten zu. D»« Narkos-nschwesl-r warf Schwester Libella einen Blick voll Hohn wie ein giftiges Netz über und folgte ihm. Bon Zorn duuhbohrt, stand diese da. eine bleich« Märtyrerin an einem unsichtbaren Pfeller. Ihr« aufgeregten Hände hiellen ein Stück Lust umkrallt. Dann öffneten sie sich so angestrengt, als ob sie gelahmt wären, und stützten sich aus den Tisch. Der kleine Unterarzt beugte sich andächtig und mit aufgelöstem Gesicht über ihr« Hand und küßt« sie. Mehr wagt« er nicht, denn er betete sie au» der unwillkürlichen Entfernung an. aus der man Ueberirdisch« anbetet. „Wir machen die Operation gemeinsam heute nacht, sagte sie langsam. Er nickte. Ein kleine» Lächeln breitet« ihr schmerzlich verzogenes Gesicht auseinander. Es war, als legte sie ihm ihr Herz auf die Stirn. 1828 begonnen und 1832 in seiner ersten Fassung erschienen, ist das romantisch verwobene Spiegelbild von Mörikes Jugend. Mit fatalistischen Momenten und Konzessionen an den Zeitgeschmack, der sich in mystischen Seltsamkeiten und Geistergeschichtcn gefiel, durch- setzt, nicht unwesentlich von Goethes„Wilhelm Meister", von E. T. A. Hosfmann, Jean Paul und anderen beeinflußt, ist der Roman dennoch eine eigene, psychologisch für seine Zeit hervorragend Eine Spielkarle, nach Belieben zu verwenden. durchgeführte Arbeit, die bereits die ganze Höhe der Kunst Mörikes zeigt, denn er entfaltete sich in diesem Erstlingswerk als Epiker, Lyriker und Dramatiker. Leider unterzog der Dichter den Roman, bevor nach 18 Jahren endlich die zweite Auflage gedruckt werden sollte, einer Uebcrarbeituug, die sich über zwei Jahrzehnte hinzog, und über der Mörike, ohne zu Ende gekommen zu sein, starb. Ein Freund vollendete im Geiste des Dichters die Arbeit— lesbarer für uns Heutig« ober ist der Roman dadurch keineswegs geworden. Spärlich und früh versiegend floß des Dichters Muse, noch ein- mal, 1855, glühte der Strom in feiner ganzen Schönheit in„Mozart auf der Reise noch Prag", einem wahren Kabinettstück reifster Erzählungskunst, auf, dann erklang nur selten noch zu besonderen Gelegenheiten des Dichters Leier. Schwarzer Wind weht« über das Lazarett. Der Mond stand wie eine zerbrochene Glasscherbe am Himmel. Die Geschütze an der Front schändeten wieder die heilige Stille der Nacht und rissen den Horizont, an den sich die Schlacht lehnte, blutig auf, so daß er in dicken Rauchfetzen auseinandersiel. Leuchtkugeln stiegen auf, und der Tod tanzte zu diesem bunten Feuerwerk einen freudigen Tango. In all« Ritzen des Lazaretts ließen sich die dunklen Eulen der Angst nieder, und die Verwundeten in den Baracken duckten sich unter ihre Schwingen. Schwester Libella und der Unterarzt schlichen nach der etwas abseits gelegenen Scheune, in der die Toten mit den Sterbenden zusammenlagen. Der Rupfen, der die Tür ersetzte, flitzte mzf. Die Stallatcrn« blinzelte wie ein rauchender, blasser Stern über einem teuflischen Bild. Der Totenwärter, ein alter Landsturnimann, saß zwischen seinen Leichen wie zwischen guten Kameraden. Schon seit längerer Zeit hotte man an ihm Zeichen von Verblödung bemerkt, die nun in den letzten Nächten zum Ausbruch gekommen war. Er aß und trank, grölte und lachte und unterhielt sich nach rechts und links. Schien mit einer Geste bald diese, bald jene Leiche ins Gespräch zu verwickeln. „Da rauch!" schrie er eben und stieß in den schmalen Mund eines jungen Soldaten, der erlöst in die Ewigkeit hinauflächelte, eine Zigarette. „Will heute keiner mit mir Karten spielen?" fragte er und schaute stier in der Reiht umher. Sein Blick blieb einen Augenblick an den offengebliebenen Steinaugen eines Toten kleben, die wie zwei graue Knöpfe aus dem kalkigen Gesicht herausplatzten.„Blendet dich das Licht, Alter?" sagte er,„bist eben vom Leben nicht so viel gewohnt! Na, so dreh' dich halt um!" und er rollte den Leichnam, dessen Kopf in einem grünlichen Verband wie in einem schmutzigen Bett log, auf die Seite. Der schwere Körper riß ihn mit, und er stürzte über die Leiche eines Soldaten, der mit Pluderhose und Sweater bekleidet war. ,i)i, hi, Freunderl, dich haben sie auch für den Sport im Himmel angezogen, damit du nicht frierst! Sie sorgen hott gut für uns!" „Komm, spiel mit mir, Bruder Musketier!" sagte er, mischte die Karten und schob sie einem verkrümmt daliegenden Knaben unter die wächserne Hand.„Hast viel Rot, Brüderchen, hast viel Rot: na, so leg' doch ob. was zusammengehört!" und er riß ihm die Karten aus den Händen. „Bleibt dir viel Herz, hi, hi. der rote Herzkönig, und die Königin, du hast Glück!" Die Angstschreie der Agonien und das wirre Geseufz der Per- mundeten und Betäubten brachen durch die Bretterwand, die sie von diesem lästerlichsten Bild trennten, so grell, daß den beiden Lauschern das Herz erfror. Mörike, gegen seinen Willen zum Pastor bestimmt, durchlief die Klosterschule von Urach und das Stift in Tübingen, nicht in Fleiß und Leistungen hervorragend. Dann versah er das Amt eines Vikars schlecht und recht, gab zwischendurch ein kurzes Gastspiel als Journalist in Stuttgart, um dann wieder reuevoll unter die Fittiche der Kirche zurückzukehren. Endlich erhielt er in Cleoersulz« dach im schwäbischen Unterland ein Psarraint, war fürs erste wohl zufrieden und fühlte sich behaglich. Bald ober überließ er den Dienst einem Gehilfen, teils aus Vorliebe für die Bequemlichkeit und dos süße Träumen, teils wegen eines rheumatischen Leidens, das ihm viel zu schaffen machte. Nach nur neunjähriger Dienstzeit ging er in Pension, lebte bald in Mergentheim und anderen Bäder», dann in Stuttgart, wo er am Katharincnstift über Literatur las. Ging 1851 eine späte Ehe ein, die bald in UnHarmonie endete und verschloß sich, 18K4 auch den Unterricht am Kathorinenstist ausgebend, immer mehr vor der Welt. Der eheliche Zwist und sein immer stärker aus- tretendes Leiden verbitterten ihn immer mehr, und als endlich, endlich am 4. Juni 1875 das gehaßte Leben erlosch, da fand ein Mensch seinen Frieden, der immer sich gewünscht hatte: Laß, o Welt, o laß mich sein! Locket nicht mit Liebesgaben, Laßt dies Herz alleine hoben Sein« Wonne, sein« Pein! Der größte Kraler der Welt. Ob-wöhl Europa schon seit n>.., als einem Jahrtausend Kunde von Island hat und die Insel in der Nibelungensage als Wohnsitz Brunhildes bekannt ist, und norman- nische Stämme bereits im 9. nachchristlichen Jahrhundert Besitz von dem Küstenstveifen ergriffen, haben wir das Innere der Insel doch erst in neuester Zeit kennen gelernt. Zwei schwedische Gelehrte. Wo- dell und Pgderg, haben vor wenigen Jahren eine Forschungsreife durch Island unternommen. Sie durchquerten das bereits bekannte gewaltig« Eismeer von Watnojökel in westöstlicher Richtung und erreichten Kolar am Hornofjord. Dabei entdeckten sie auf dem Hök- jökel einen Krater, der acht Kilometer lang und fünf Kilometer breit und mit heißem Wasser ausgefüllt war. In der Näh« des Kraters wurden einige warme Quellen entdeckt. Diesen Krater tauften die beiden schwedischen Gelehrten„Svea-Krater". Er ist nicht nur der größte Krater Islands, sondern auch der Welt. Bizher galt ein Krater auf dem Hoeasjöck in Nordisland als der größte der Erde. Island mit seinen 195 999 Quadratkilometern Flächeninhalt weist neben vielen warmen Quellen 29 tätige Vulkane aus. Unter ihnen sind die bedeutendsten die im Süden gelegenen 1599 Meter hohe Hekla, die für sich den Ruhm beanspruchen kann, der furchtbarste Vulkan der Erde zu sein, und die im Nordosten liegende Krabla. Der Ursprung der Kleidermotten. Ein ganzes Heer von Kleider- und Pelzmotten ist unablässig damit beschäftigt, wertvolle Kleidungs- stücke der Menschen zu zerstören. Nicht immer kann dos ober so>ge- wesen sein: denn die heutige Lebensweise dieser schädlichen Klein- schmetterling« ist kein ursprünglicher Zustand, sondern ein« Anpassung an die menschliche Kultur, wie man sie bei so vielen Tieren antrifft. Zerstörer von Pelzhaaren werden die Mottenlorven wohl immer ge- wesen fein, auch ehe sie in den menschlichen Kleidungsstücken eine be- quem« Lebensweise führen und sich gewaltig vermehren konnten. Wie sie sich indessen vor diesem„Fortschritt ernährten, zeigt uns das Verhalten gewisser Motten, die noch heute in freier Natur leben können, völlig unabhängig vom Menschen. So ist die von den Zoo- logen als Trictiopbs�v lapetiella(„Hoarfresser') bezeichnet« Pehz- motte ein charakteristischer Zerstörer von„Gewöllen" der Raubvögel und Eulen. Bekanntlich bestehen die Gewölle aus unverdaulichen Ueberresten der gekröpften Tiere, vor allem aus Knochen und Haaren. Bei Eulen ist das Gewölle fast nur aus Mäuse haaren zusammengesetzt, und in ihnen leben vorzugsweise die Larven von Tricho- phaga. Dr. W. Baer, dem wir manch« wertvoll« Beobachtung Wer die Biologie der Motten verdanken, beschreibt ein Schleiereulen- gewöllc, aus dem nicht weniger als 37 Puppenhüisen dieser Pelz-. motten saßen. Wir können also annehmen, daß die Vogelgswölle für derartige Pelzmoiten vor der Anpassung an die menschliche Kultur von größter Bedeutung gewesen sind, und auch heute dürsten die Ge- wölle den Motten in menschenleeren Gegenden das Leben ermöglichen und ihre Art enhalten. „Schnell, Schwester Libella, der Pfleger drüben schläft, Kinsky kam schon gestern, um sich den Alten anzusehen." Sie krochen am Rücken des Wärters und an den Leichen vorbei zu den Berwundeten. Ihre Blicke leuchteten über die weißen Fratzen hin, denn die meisten hatten keine Gesichter mehr. Sie lagen er- schöpft, vom Morphium in die Fernen getragen, fieberten und ächzten im Halbschlaf oder Todeskampf. Der dicke Wärter hatte die Arme über sie alle gefaltet und schnarchte. An der Wand wimmerte angst- lich der Russe, seine Hand kratzte an den Brettern, und sein Mund stand schwarz und zerbrochen aus ihm wie ein morfches Tor. „Höchste Zeit", flüsterte der Unterarzt. Atemlos liefen sie den un> heimlichen Weg mit der Bahre zurück. Sie arbeiteten mit Fieberhänden. Durch die Spotten des von hundert Gerüchen aufgeblähten Raums zwängte sich schon die Morgenröte, als sie über dem geretteten Menschen ihre Hände in- einanderlcgten. „Legen Sie sich jetzt nieder, Schwester Libella, Sie sehen er- schreckend körperlos aus!" In der Stimme des Unterarztes zitterte zarte Angst. „Ich fühle mich nicht mehr. Wie könnte man über......' Die Tür klaffte weit auf, und das gedunsene, stechend« Gesicht des Oberstabsarztes wuchs wie ein giftiges Gewächs aus der Dämmerung heraus. Er wußte alles mit einem Blick. Sein Mund barst vor Wut. Seine Stimme kniff wie mit spitzen Zangen zu. Der Unterarzt zitterte leicht, sah dann die Schwester an und erstarkte an ihr. Die stand wie eine weihe Lilie neben dem Kranken und blühte über den Stabsarzt hinweg durch die offene Tür in den Himmel. Ihre Hände flatterten an ihrem Gewand herab, als ob sie seine klebrigen Worte von sich abwischen wollte. Geifernde Drohungen. Flüche und Schimpfreden flössen aus seinem Mund über die beiden. Aber sie ragten groß und unberührt darüber hinaus. Er rüttelte an der Schwester, um Antwort zu erzwingen. Aber es war, als spürte sie ihn nichl. Ihre Widerstandslosigkett reizte ihn noch mehr. Fassungslos packte er zu und schüttelte sie. Der Unterarzt warf sich schützend vor die rohen Hände. Sie drückten ihn mtt einem:„Nach- her!" an die Wand. Schwester Libella ober stellt« sich hoch und bewußt vor seine Wut und sagt« stark:„Sie sind ein Verbrecher." Er schwoll auf in Raserei, konnte sich nicht mehr unterdrücken, zerrte and stieß sie aus der Tür.„Fort, hinaus, hinaus, ich lasse Sie disziplinarisch bestrafen!" überschrie er sich. „Kann man Liebe vor Gericht dringen, Liebe vor Gericht?" Sie sagte es oerträumt, mit seidener Stimme, fern von ihm und der Wirklichkeit. für Preiswerte Angebote den Herrn Herren- Strümpfe grau, verstärkte Spitze u. Ferse Schweißsocken 65. Schweißsockeners. 95 Pf. Herren- Socken in Doppel- 95Pf. einfarb., Doppelsohle u. Hochf. Mengenabgabe vorbehalten 00 Gummimäntel 29°° 39°° Herren- Artikel Lodenmäntel 24° 26° 280° in geschmackvollen 90 Selbstbinder 00 Selbstbinder imprägniert Strichloden Sportanzüge 3 teilig, aus gutem haltbaren Stoff..... 4800 6800 kurz. u. 00 Saldenfor Taga: 175 Sportanzüge 56° 70°° 85° 0 Herren- Socken Doppels, u. Hochf. mod.Jacqu.- Must., 45 Herren- Socken Seldenfor Qual 175 Doppels. u. 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Baibmannsinsi: Robbe, Oraniendamm 10. Friebenau: Betermann, Rheinftt. 28, Ede Rönneberg- Niederschönemeibe: Friedrich Stanfemis. Spree. Bannsee: 6 midt, Kleine Geeste. 16. ftraße. Rheingau 9054. Friebrichshagen: Mittenamei, Sinden- Allee 14. Weißenfee: Rein! necht, Rideftr. 175, v. I. Beißenfee 978 Battstr. 9. Grünau: Bfügner, Räpenider Str. 105. Romames: Rat Rrohnberg, Eisenbahnstr. 10. Wilbau- Soherlehme: Rub. Settom. Oranienburg: Seint. Boenhardt, Stralsunder Str. 6. Bilhelmshagen, seffenwinkel: SuIae. Wilhelmshagen, Salenfee, Grunewald, Eichlamp: Frau Road, Riost Oberschöneweide: Robert Baul, Wilhelminenhofstr. 44a. Senriettenplag. Brinatwohnung: Ratharinenstr. 4. Vantow: Rimann, Mühlenstr. 70. Seinersdorf: Frau Goldbach. Niederschönhausen, Rahnsdorf: Wilhelm Schloßallee 45. Bennigsdorf: Frau Rorbafiniti, Rathenaustr. 3. Hermsbort: Guft an Glen, Moltteftr. 11. Sohenneuenbort: Behlis, Oranienburger Str. 2. Hohenschönhausen: Martha Thiele, Berliner Str, 133. Hoppegarten: auf. Soppegarten- Birkenstein, Barzelle Nr. 119. " Gesundbrunnen: Bastianstr. 7. Sumboldt 7874. Schönhauser Borstadt: Greifenhagener Str. 22. Sumb. 7805. Ablershof: Frl. alter, Genoffenschaftsftr. 6, parterze. Alt- Glienice: Stomron sti, Grünauer Str. 68. Baumschulenweg: Fran Röpte Riefbplaite, 180, Baden. Beenan, Röntgental, Reperata, Schönbrüd, Rarem und Buch: Seinrich Brofe. Bernau, Mühlenftr. 5. Biesborf- Norb: B. Danneberg. Bittoriaftr. 11. Biesborf- Süb: Georg Wintler, Fortuna- Allee 40. Birkenwerder: Frau Root. Berffelber Str. 6. Bohnsdorf: Ratl Ruste, Eichbufchitt. 9. Borgsdorf: Sans Toppel, Gieblung IV. Borfigwalbe: Gebauer, Schubertstr. 32, v. 3 Tr. Buchholz- Blankenburg: Wa aner. Blantenburg. Burg. wallstraße 63. Caputh: Otto Dau. Krughofftr. 22. Sharlottenburg 1: Seienheimer Str. 1. * Charlottenburg 11: Eisfeld, Tauroggener Bilhelm 7798. Steinpl. 4156. Str. 11. Johannisthal: Lehmann, Raiser- Wilhelm- Str. 6. Rarlshorft: Bernbt, Riost, Bahnhofplak. 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