Abendausgabe Nr. 260 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 127 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife Find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Sel- Adresse: Sozialbemotrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Donnerstag 4. Juni 1925 Betlag und Anzeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2502 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Die Gärung in China. 61 Tote in Shanghai.- Kundgebungen in Peking. London, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Streit in Shanghai nimmt an Ausdehnung zu. Bisher find 21 Streifende getötet worden, 65 wurden verwundet. Die Aufständigen sind in die Westvorstadt zurückgedrängt worden, wo der Hauptherd der Unruhen sich befindet. London, 4. Juni.( TU) Aus Shanghai wird gemeldet: In den Außenbezirken der Stadt find zahlreiche Ausländer von Chinesen mißhandelt worden, jedoch sind hier teine Todesfälle vorgekommen. Die Streifunruhen haben bis jetzt 61 Tofe und mehrere hundert Berlehte gefordert. In der Umgegend von Kanton werden bedeutende Truppenzufammenziehungen vorge. nommen. Es wird ein terroristischer Handstreich befürchtet. Auch in Peking fam es zu großen Kundgebungen gegen die Ausländer. Die Unruhen in Shanghai sind nur ein Abschnitt aus dem ungeheuren Gärungsprozeß, den die Bölker Afiens seit Kriegsende durchmachen. Eine seltsame Mischung Don erwachendem Nationalgefühl und Klassen= bewußtsein. Unter Führung einer kleinen Schicht von Intellektuellen, den sogenannten Studenten, die auf die große, leidende, aber im Gegensatz zur japanischen Arbeiterflaffe fulturell sehr rückständige Masse einen ungeheuren Einfluß besigen, versucht das chinesische Proletariat das Joch seiner fapitalistischen Ausbeutung abzuschütteln. Diese Ausbeuterfind aber in erster Linie ausländische Unternehmer, die, objektiv gesehen, einen wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen und kulturellen Hebung des Fernen Often beanspruchen können. Sie besigen daher nach der europäischfapitalistischen Auffassung gewissermaßen ,, wohlerworbene Rechte", auf die sie nicht leichten Herzens verzichten werden. Bielmehr dürften sie um so mehr auf die Unterstützung ihrer Regierungen rechnen können, als ja nach dem Boreraufstand China fich verpflichten mußte, den Ausländern bestimmte Rechte zu gewähren. Ebenso wie in Peking und in anderen großen chinesischen Städten gibt es in Schanghai gewiffe Biertel, die für die englische, die amerikanische, die französische, die japanische und die sonstigen Fremdenfolonien reserviert sind, und es ist den Mächten ausdrücklich gestattet, im Falle der Bedrohung ihrer Staatsangehörigen eigene Schuhmaßnahmen zu ergreifen. Das ist ein Zustand, der naturgemäß mit der Zeit, und je mehr das chinesische Bolt in feinem Nationalbewußtsein erwacht, unhaltbar wird. Andererseits bleibt die Frage. offen, ob man den Schutz der Fremden schon jetzt den chinesischen Behörden vorbehaltlos anvertrauen kann. Nach den Ereignissen des letzten Jahres, die sich als ein Gemisch von Bürgerkrieg und Räuberunwesen darstellen, läßt sich diese Frage faum bejahen. Ebensowenig läßt sich eine Lösung des Problems in der Form empfehlen, daß die ausländischen Unternehmer, Kaufleute usw. einfach Hals über Kopf das Feld räumen. Was hingegen gefordert werden muß, das ist, daß der fchrantenlosen Ausbeutung der chinesischen Proletarier durch ausländische Unternehmer ein Riegel vor geschoben werde, denn die Streifs, die jetzt in Schanghai zu so schweren Unruhen geführt haben, sind in erster Linie ein Ausdruck des Klaffenkampfes. Die fremden Mächte werden gut daran tun, die Konsequenz aus dieser Erkenntnis zu ziehen, d. h. für menschenwürdigere Verhältnisse zu sorgen, sonst würde ihnen diese Bewegung sehr bald über den Kopf wachsen und, anstatt des notwendigen allmählichen Abbaues der ausländischen Vorrechte würde eine ungeheure Entladung der fremdenfeindlichen Leidenschaften erfolgen, die Tausenden von Europäern und Amerifanern das Leben fosten würde. Einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit dem chinesischen Volke, das mehrere hundert Millionen Menschen zählt, ist Europa nicht gewachsen. Das Zeitalter des schrankenlos ausbeutenden Imperalismus ist für die weiße Rasse vorüber. Je länger man sich in London und Washington dieser Erkenntnis verschließt, desto mehr werden die tonfusen, aber gefährlichen national bolichemistischen Theorien unter den Bölfern Asiens- nicht allein unter den Chinesen an Anziehungsfraft gewinnen. Ernste Sorgen in London und Tokio. London, 4. Juni.( WTB.) Die Aufmerksamkeit der Blätter fonzentriert sich heute auf die Vorgänge in China. „ Daily Telegraph" meldet aus Totio, die Lage in Schanghai merde dort mit ernster Sorge betrachtet. Man betone, daß die Stellung der Studenten in China mit der im Westen nicht zu vergleichen sei. In China hätten sie einen ungeheuren Einfluß in allen politischen Zentren und bildeten eine wirkliche Macht. Seit vielen Monaten sei unter den Studenten die Doktrin China den Chinesen in erneuter Auflage verbreitet worden und die Feind feligkeit gegenüber jeder Art Einmischung, besonders Eng lands und Japans, jei deutlicher geworden. Man glaube in Japan, daß die direkten Folgen des Ausbruchs von Schanghai schnell vorbeigehen könnten, daß aber die Niederschießung von Studenten in ganz China nachdrücklich ausgebeutet werden werde und daß die Lage große Borsicht erfordere. In einem Leitartikel warnt, Daily Telegraph" die Mächte da Dor, gegenüber der Lage in China auch nur die geringste Schwäche zu zeigen. Die Wiederherstellung der Ordnung und die Aufrechterhaltung der Gejeze müsse entsprechend den Bestimmungen der Berträge unbedingt durchgeführt werden. Das Blatt fordert zum Schluß die Einberufung einer Konferenz nach Wiederherstellung der Ordnung, um die Lage in China wieder zu klären. Times" sagt im Leitartikel über die Lage in China, es gereiche den Staatsmännern der nächstinteressierten Mächte nicht 3ur Ehre, daß sie in der Bergangenheit feine Einigkeit gewahtt haben, die gegenüber China so wesentlich sei. Der diplomatische Berichterstatter des„ Daily Telegraph" hebt hervor, daß Japan den Bertrag mit Sowjetrußland nur abschloß, weil es eine Isolierung fürchtete und hoffte, daß die englische und amerikanische Diplomatie die Gelegenheit benußen würde, wenn die Agenten Mostaus Unruhen gegen die Ausländer in China schürten, um Freundschaft und Solidarität mit Japan wiederherzustellen. Bedant Ebener Amerikanische Mederlassungs tes- Land Jullys ang Niederlassung ChinesenStadl Gelände Dvint Messiah Flackeo Lend For Arngorking their Balorie Galindo Cabinesis Schanghate Zack Faktural Schanghal, der Mittelpunkt des Aufstandes in China. Paris, 4. Juni.( WTB.) Nach einer Meldung aus Schanghai ist der Panzerfreuzer Jules Ferry" vor Schanghai ange. kommen. Er hat alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um die französischen Staatsangehörigen aufnehmen zu können, falls die fremdenfeindliche Bewegung in China weiteren Umfang annehmen sollte. Ministerium Poullet? Das Stillgeld muß bleiben! Zur geplanten Neuregelung der Wochenhilfe. Bon Dr. med. Alfred Korach. Am Montag, den 8. Juni, findet in der neuen Aula der Universität eine Rundgebung gegen den vorliegenden Gefeßentwurf über die Wochenhilfe statt, durch den das Stillgeld in seiner bisherigen Form be jeitigt werden soll. Die Einladung zu der Beranstaltung ist unterzeichnet vom Deutschen Städtetag, dem Aerzicvereinsbund, dem Verband der Aerzte Deutschlands, ferner vom Aerztlichen Kommunalbeamtenverein, vom Verein für öffentliche Gesundheitspflege, von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege, dem Roten Kreuz, der Vereinigung für Säuglings- und Kleinkinderschutz, dem Bund deutscher Aerztinnen, der Kommunalen Vereinigung für Gesundheitsfürsorge im rheinisch- westfälischen Industriegebiet, sowie der Vereinigung deutscher Kommunal-, Schul- und Fürsorgeärzte. Fast alle sachverständigen Bereinigungen protestieren also gegen den Gesezentwurf, in dem mon direkt eine Gefahr für die Säuglingsfürsorge erblickt. Genosse Dr. Korach begründet im folgenden die Bedenlen, die gegen den Entwurf zu erheben sind. Im Reichsarbeitsblatt ist unlängst der Entwurfeines Gesezes über Wochenhilfe veröffentlicht worden, der zurzeit dem Reichsrat zur Beratung vorliegt. Nach den bisherigen gesetzlichen Bestimmungen wird während zweier Wochen vor der Geburt und sechs Wochen nachher ein Wochengeld gewährt, ferner ein einmaliger Entbindungskostenzuschuß in Höhe von 25 M. und Stillgeld auf 12 Wochen. Nach dem neuen Entwurfe sollen weibliche Versicherte ärztliche Behandlung als Wochenhilfe erhalten, falls solche bei der Entbindung erforderlich wird; im Falle der Entbindung einen einmaligen Betrag in Höhe von 80 M.; schließlich ein Wochengeld in Höhe von drei Viertel des Krankengeldes für vier Wochen und 6 Wochen unmittelbar nach der Niederkunft. Ein Krankengeld soll neben dem Wochengeld für die Zeit der Entbindung nicht gewährt werden. Der Entwurf enthält dann noch einige, Rann"-Bestimmungen. Die Kran fentasjensagung soll die Dauer des Wochengeldbezuges bts auf 13 Wochen erweitern und auch das Wochengeld bis auf drei Biertel des Grundlohnes erhöhen fönnen. Die Krantentassen sollen auch das Recht erhalten, in ihre Sagung eine Bestimmung einzuführen, nach der bei der Entbindung und bei Schwangerschaftsbeschwerden freie Hebammenhilfe und freie Arznei gewährt werden. Alle diese Bestimmungen hören sich schön und wohltuend an. Das Wichtigste an dem Gesezentwurf ist aber das, was in ihm nicht enthalten ist. Das Reichsarbeitsministerium glaubt gut zutun, im Handumdrehen das Stillgeld zu beseitigen. Warum? Die Begründung, die dem Gesetzentwurf beigefügt ist, gibt darüber Auskunft. Man sagt da, für das Versicherungswagnis sei der Unterschied im Geschlecht und Familienstand ebenso bedeutungsvoll wie auch der Unterschied in der Fruchtbarkeit der städtischen und ländlichen Bevölkerung. Die Belastungen der Kaffen wichen bezüglich der Leistungen der Wochenhilfe erheblich voneinander ab, deshalb sei ein Lastenausgleich dringend notwendig, bei der gegen wärtigen Gliederung in den Leistungen der Wochenhilfe ist ein einfaches Rostenausgleichsverfahren aber nicht durchführbar. Man' spricht in der Begründung von„ unfruchtbarer Verwaltungsarbeit"; also hinweg mit dem Stillgeld. 3war bildet es nach Ansicht des Reichsarbeitsministeriums sprechende Ernährung der Wöchnerin"; aber die Form der Leistungsgewährung des Stillgeldes ist mit versicherungsrechtlichen Grundsägen schwer vereinbar". Die Entscheidung der Sozialisten steht noch ans. Brüssel, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der ehemalige Kultusminister Poullet hat gestern nachmittag den Auftrag zur Kabinettsbildung angenommen. Er wird verfuchen, ein Ministerium zu bilden, das seine erste Pflicht in der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts des Haushalts erblickt und dessen Programm eine Reihe demokratischer Reformen enthalten wird, für die eine starte mehrheit im Parlament erwartet werden kann. Poullet beabfichtigt fein Kabinett aus Perfönlichkeiten aller drei Parteien, also auch der sozialistischen, zusammenzusetzen. Die endgültige Entscheidung der Sozialisten über eine eventuelle Teilnahme an der Regierung wird nicht vor Sonntag fallen, da erst am Sonnabend der parteitag, 3ujammentritt. Vandervelde und Wauters haben am Dienstag im Generalrat der Partei erklärt, nicht ohne Zu- ,, wirtschaftlich einen Beitrag zu den Kosten für die zweckentfimmung der 3 weidrittelmehrheit des Kongresses von dem früheren Kongreßbeschluß zugunsten einer demokratischen Regierung unter sozialistischer Führung abweichen zu wollen. Überreichung der Entwaffnungsnote. Erklärung des Reichskanzlers an die Ententevertreter. Amtlich wird mitgeteilt: Die Botschafter Englands, Frankreis, Italiens und Japans sowie der belgische Gesandte haben heute mittag dem Reichst angler die Rollettivno te übergeben, in der die alliierten Regierungen der Reichsregierung die Maßnahmen mitteilen, von denen sie die Räumung der nördlichen Rheinlandzone abhängig machen. Der englische Botschafter erklärte hierbei:„ Entsprechend dem am 5. und 26. Januar befolgten Verfahren habe ich die Ehre, Gurer Exzellenz im Namen meiner Kollegen und im eigenen Namen eine gemeinsame Note unserer Regierungen über die Voraussetzungen der Räumung der Kölner Bone auszuhändigen." Der Reichstanzler nahm die Note mit folgender Antwort entgegen:„ Seit der Uebergabe der alliierten Noten om 5. und 26. Januar, auf die Euer Exzellenz soeben Bezug genommen haben, hat die Reichsregierung sowohl bei der Beantwortung jener Noten als auch bei anderer Gelegenheit wiederholt Anlaß genommen, ihren Standpunkt in der Frage der Räumung der nördlichen Rheinlandzone darzulegen. Ich nehme auf diese Erklärungen Bezug. Die mir übergebene Note wird von der Reichsregierung unverzüglich ge prüft werden. Die Reichsregierung wird fodann Entscheis dung über ihre weiteren Maßnahmen treffen. Um nun aber offenbar gleich ein Großreinemachen zu veranstalten, sieht der Entwurf auch davon ab, die Gewährung des Stillgeldes weiter an die Voraussetzung des Selbststillens zu knüpfen". In der Begründung steht zu lesen, daß das Stillgeld seinem Zwecke nach eine Prämie für selbststillende Wöchnerinnen darstellt. Dieser Meinung waren auch bisher alle diejenigen, die sich mit Wöchnerinnenfürsorge beschäftigten und auf diesem Gebiete in mühsamer Arbeit Erfolge erzielt haben. Das Stillgeld von heute soll nun plöglich mit versicherungsrechtlichen Grundsäßen schmer vereinbar sein. Uns deucht, daß die im Gesezentwurf und in seiner Begründung erfolgte Stellungnahme mit etwas anderem schwer vereinbar ist, nämlich mit den Grundgefegen einer er prießlichen Gesundheitspolitit. Die Erfahrung lehrt, daß die meisten Frauen nur so lange ihre Kinden stillen, als sie das Stillgeld erhalten. Im Regelfalle jezt 3 Monate. In einigen Bezirken gibt man aber aus Spendenmitteln noch während des vierten Monats Stillgeld. Dort behalten die Frauen vier Monate lang das Kind an der Brust. Bahlreiche erfahrene Säuglingsfürsorgeärzte haben schon seit langer Zeit gefordert, eine gesetzliche Bestimmung einzuführen, nach der das Stillgeldim Interesse der Kinder auf vier Monate gewährt wird. Und nun fommt das Reichsarbeitsministerium mit seinen wirklich durch nichts bewiesenen versicherungsrechtlichen Grundsäßen" und will das Stillgeld abschaffen. Denn darum handelt es sich. Die einmalige Gewährung von 80 M. an jede Frau, die niedertommt, ist fein Stillgeld in gleicher Höhe", wie es in der Begründung des Entwurfes heißt. Nein. 80 m. kann jede Familie gut gebrauchen. Mit diesen 80 m. wird man irgend eine Anschaffung machen oder eine alte Schub abtragen. Man Die Note und ihre Anlagen werden am Sonnabend| wird einen Anzug oder Wäsche kaufen. Eine Handlung, gewiß morgen veröffentlicht werden. Der Vorgang hatte nur wenige Minuten in Anspruch genommen, worauf die Diplomaten die Reichskanzlei wieder verlassen haben. " ganz und gar zu gönnen einer jeden Familie. Das Stillen wirt» aber aufhSnm, sobald das SMgeld, das jetzt auf Grund von Stillbescheinigungen der Säuglingsfürsorgestellen lau» send gewährt wird, wegfällt. Jeder Sozialarzt, jede Säug- lingsfürsorgerin, auch die jüngste, eben in den Dienst ein- gestellte, wird der Meinung sein, daß die in dem Gesetzentwurs enthaltene Absicht, das Stillgeld in der geschilderten Weise um- gestalten, in Wahrheit abschaffen'zu wollen, ein ganz ab- wegiges und unmögliches Unterfangen bedeutet. In dem letzten Satze der Begründung des Entwurfs heißt es:„Der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes muß so gewählt werden, daß eine vorherige Vorbereitung aus die Um- stellung allen Beteiligten möglich ist." Man kann nur hoffen und wünschen, daß sich die verantwortlichen Stellen im Reichs- arbeitsministerium durch entsprechende Rückfragen bei fach- und sachverständigen Menschen in geeigneter Weise auf die Umstellung des eingereichten Gesetzentwurfes vorbereiten, da- mit schwer st er Schaden verhütet wird. Der tat- sächlichen Abschaffung des Stillgeldes, wie sie durch den Wider- entwurf herbeigeführt werden würde, muß schärfster Wider- stand geleistet werden. Wir brauchen ganz im Gegenteil eine Gewährung des Stillgeldes auf mindestens 4 Monate. Wir brauchen und können— zumal in der heutigen Zeit des Ge- burtenrückgangs— eine Drosselung der Stilltätigkeit, wie sie der Gesetzentwurf ganz zweifellos herbeiführen würde, unter keinen Umständen ertragen. Darum: hinweg mit diesem Äes e tze n t w u rf l wenn es Ebert wäre! Hiudendurg und sein persönlicher Adjutant. Zur Versetzung des Majors v. H i n d e n b u r g in das Reichswehrministerirun als persönlicher Adjutant des Reichs- Präsidenten, seines Vaters, macht die„Voss. Ztg." folgende Bemerkungen: Der deutsche Reichspräsident, der Oberbefehlshaber der Wehr- macht des Reichs zu Wasser und zu Lande ist, hat als solcher A n- s p r u ch auf einen persönlichen Adjutanten. Präsident Ebert hat unseres Wissens von dieser Institution keinen Gebrauch ge- macht.(Es ist das gute Recht des Reichspräsidenten v. Hindenburg, das Amt des persönlichen Adjutanten wieder aufleben zu lassen, und man wird es menschlich begreifen, daß er mit diesem Amt seinen Sohn betraut, mit dem er in Hannooer zusammengelebt hat und den der Präsident in seiner engeren Umgebung nicht missen will. Aber man kann die Tatsache doch nicht verzeichnen, ohne darauf hinzuweisen, welch ein Ge schrei sich erhoben hätte, wenn in ähnlicher Weise sich der frühere Reichspräsident eine ihm parteimäßig oder persönlich nahestehende Persönlichkeit auf einen Posten berufen hätte, dessen etatsmäßige Neuschaffung oder Wiederbelebung zu diesem Zwecke notwendig gewesen wäre. Ganz ähnlich liegen ja die Dinge hinsichtlich des Gehalts des Reichspräsidenten. Was ist nicht alles von der deutschnationalen Agitation im Lande über Eberts Gehalt oerbreitet worden. Und kaum war sein Nachfolger im Amt, da wurde unter Vorantritt der D e u t s ch n a t i o n a l e n im Reichstag eine erhebliche Erhöhung des Gehalts des Reichs- Präsidenten beantragt. Durchaus mit Recht. Denn die etatsmäßige Dotierung des Präsidentenamts in der deutschen Repu- blik war kläglich. Aber es war eben genau so kläglich für Ebert wie für Hindenburg. Noch kläglicher allerdings war und ist die Art, mit der in Deutschland alle solche Fragen je nach der Parteizugehörig- keit der Kritiker und des Kritisierten behandelt werden. Diese Kritik ist noch milde. Denn die Eile, mit der sofort nach der Präsidentenneuwahl die Erhöhung der Reprä- septationszulagen vorgenommen wurde, war in der Tat ge- eignet, Kritik hervorzurufen. Die sozialdemokratische Reichs- tagsfraktion hat denn auch bekanntlich die geforderte Er- hähung abgelehnt. Proteststreik der Budapester Buchdrucker. Die Gewerkschaft der Drucker bat heute abend wegen des Verbotes des Blattes„Az Ujfag" einen 24stundigen Demonstrationsstreik beschlossen. Donners- tag nachmittag und Freitag früh erscheinen infolgedessen leine Zei- rungen.> völkische gegen Deutschnationale. Hazardeure und Bankerotte«!«. Die völkische Presse setzt ihren Angriff auf die Deutsch- nationalen zielbewußt fort. Das Ziel ist, wie Hans S t e l t e r im.putschen Tageblatt" heute offen ausspricht, die Vereinigung der nationalsozialistischen Reste mit den Kon- servativen und den Völkischen der deutschnarionalen Partei zu einer oppositionellen oölkisch-nationalen Arbeitsgemein- schaft". Steiler erklärt, die deutschnationale Pattei befinde sich in einem Zustand der dauernden, versteckten Krise. Hinden- burgs Wahl bedeute nur eine Hinauszögerung des offenen Bruchs. Die öffentliche Katastrophe" werde sich aber auf die Dauer nicht oermeiden lassen, denn seit ihrem Eintritt in die Regierung sei die Politik der Pattei„eine Politik von Hazardeuren und Bankerotteuren" gewesen. Ihre Taten werden dann in folgender Weise katalogisiert: Die Dawes-Gesetze und damll die E r f ü l l u n g s p o l i t i t. die vor Tisch von den Deutschnationalen als Landesverrat bezeichnet worden war, wird sanktioniert. Die SOprozentige Opposition ist so gut wie verschwunden oder mundtot gemacht. Herr Strese- mann ist deutschnationaler Vertrauensmann und erfüllt mit einem Eifer, daß selbst die Reparationskommission der Reichsregierung amtlich ein öffentliches Lob erteilt. Von der Kriegsschuldlüge, deren feierliche Ablehnung zu den„unver- zichtbaren Voraussetzungen" der Annahme der Dawes-Gesetze gehörte, schweigt des Sängers Höflichkeit. Der Reichstagsabgeordnete Dr. B e st, dessen Aufwertungsentwurf von der Pattei vor den Wahlen übernommen und zum Stimmenfang benutzt wurde, wird in Acht und Bann getan. Der Abg. Dr. Steiniger, der ihm als Kenner der Motette die Ehrenhaftigkest seines Handelns bezeugt, wird vor em Ehrengericht zitiett und erwattet dott seine Aburteilung. Herr H« r g t aber, der ehemals bekämpfte Parteivorsitzende, läßt seinen .Geist" wiederum umgehen und findet sein Vergnügen dattn, die betrogenen kleinen Sparer und Rentner in der Hugenberg-Presse offen zu verhöhnen. DerMohrhatalsoseineSchuldigkeit getan, er kann gehen— und er ist gegangen. Der deutsch- spanische Handelsvertrag, die neue Abrüstungsnote und der famose Sicherheitspatt des Herrn Strefemann tun ein übriges, um die Älißstimmang bis zur gelegenlllchea Rebellion und offenen Meulerciandrohong innerhalb der Arakkionssihungen und außerhalb der Parleigremien zu steigern. Es ist nämlich ein offenes Geheimnis und kann auch ihnen nicht verborgen geblieben sein, daß gewisse großindustrielle Kreise innerhalb der Partei fieberhaft an der Arbeit sind, um die reibungslos« Durchführung des.Sicherheitspakts im Interesse der Wirtschaft" ebenso zu be- treiben wie man die Entrechtung der kleinen Sparer und Rentner bettteben hat. Mag auch bei Stelters Darstellung von den Zuständen in der deutschnationalen Pattei in manchem der Wunsch Vater des Gedankens sein,' so viel ist sicher, daß der G ä r u n g s- und Umbildungsprozeß auf der Rechten noch lange nicht abgeschlossen ist. Die deutschnationale Pattei in ihrer gegenwärtigen Gestalt und Stärke ist wirklich nur eine vor- übergehende Erscheinung._ Stetters Verhaftung. Klägliche Ausreden der KPT.-Zentrale. Gestern ist hier geschildett worden, wie der früher« kommti- nistische Reichstagsabgeordnete Stetter wegen Verdachts„refor- mistischer" Gesinnung von der KPD.-Zentrale fallen gelassen und damit der Polizei in die Arme getrieben wurde. Die„Rote Fahne" ist nicht imstande, auch nur ein Wort unserer ausführlichen Darstellung zu bestreiten. Sie beschränkt sich darauf, unter wüsten Schimpfereien die Tatsache zu verzeichnen, daß Stetter in Baden verhastet wurde. Badischer Innenminister sei ober Gen. Adam Remmele, also sei Stetter.ein Opfer der Derfol�ungs- wut des sozialdemokratischen Innenministers". Wie aus unserer Darstellung hervorgeht, waren von Württem- berg aus Haftbefehl und Steckbrief gegen Stetter er- lassen. Auch die Leser der.Jtoten Fahne" wissen, daß Än Beamter die Ausführung eines Haftbefehls nicht verhindern kann und darf. Sie werden daher schon bemerken, daß es sich hier nur um einen kläglich mißlungenen Versuch handell, die Aufmerksamkell von der Tatsache abzulenken, daß Stetter der Treulosigkeit und der„Per- folgungswut" der KPD.-Zentrale zum Opfer gefallen ist. Die Rotgestempelten. Alte Tausender ungültig! *<5# gibt trotz Kriegs- und Jnflationserfahrungen immer»och Leute, die auf ihren aufgespeichetten.rotgestempellen" Tausendmark- scheinen aus der Zell vor dem Kttege festsitzsi und immer noch die Hoffnung haben, diese Scheine müßten eines Tages zilm vollen Nennwett in Gold eingewechsell werden. Nachdem jetzt die Reichsbant sämtliche allen Bantnoten ausgerufen hat— am 5. Juni verlieren sie auch im höchsten Betrage ihre Gültigkeit als Zahlungsmittel— sind die naiven Sparer von Tausendmarkscheinen doppell enttäuscht. Einer von ihnen hat. wie wir schon berichteten, die Reichsbank bei Gettcht verklagt und Auf- wettung für seine aufgesparten 32 Tausender mit rotem Stempel gefordert. Das Gettcht hat den Anspruch restlos abgewiesen. Die Urteilsbegründung, die weiter« Kreise interessieren dürfte, führt u.a. aus: .Durch Z 2 des Gesetzes vom 4. August 1914 ist bestimmt: .Bis auf weiteres ist... die Reichsbank zur Einlösung ihrer Noten nicht verpflichtet." Dieses Gesetz besteht noch. Die Ansicht des Klägers, daß nach Beendigung-4>es Krieges und nach Abschluß des Friedens- Vertrages mit dem Wegfall des Zwecks der Kttegsnotbestimmung auch die Golbeinlösungspflicht automatisch wieder in Wirksamkeit getreten sei, ist unzutreffend. Nach der ausdrücklichen Bestimmung des Gesetzes ist zur Aushebung ein Akt der Gesetzgebung erforderlich, der durch Z 4 des Gesetzes dem Bundesrat übettragen ist. Dieser allein hätte also darüber zuentscheiden gehabt, ob die für den Erlaß des Gesetzes maßgebenden wittschaftspolitischen Gründe noch fortbestehen. Weder der frühere Bundesrat noch der etwa als sein Nachfolger anzusehende Reichsrat hat diesen Aushebungsakt bisher vorgenommen, weil. wie ohne Zweifel anzunehmen ist, schwerwiegende wirtschafls- und währungspolilische Bedenken entgegenstehen. Die weitere Gel- tungsdauer des Gesetzes vom 4. August 1914 ist vielmehr aus- drücklich angeordnet durch(j 52 des neuen Bankgesetzes vom 30. August 1924.... Dem Ansprüche des Klägers steht aber auch§ 3 des Bantgesetzes vom 30. August 1924 entgegen. Dieser bestimmt: .Die Reichsbant ist oerpflichtet, ihren gesamten bis- Heringen Notenumlaus aufzurufen und gegen Reichsbanknoten umzutauschen: eine Billion Mark bis- herigen Notenumlauf aufzurufen und gegen Die eingezogenen Noten sind zu vernichten. Die näheren Be- ftimmungen über den Aufruf und die Fristen für die Einlieferung und Kraftloserklärung der allen Noten setzt das Reichsbankdirek- tottum fest." Auf Grund dieser Gesetzesvorschttst hat die Reichsbant den Aufruf vom S. März 1925 erlassen und im.Reichsanzeiger" und den sonstigen gemäß§ 44 Abf. 1 Nr. 8 Bankgesetz und z 29 der Satzung der Reichsbank dafür bestimmten Berösfentlichungsblättern bekannt- gemacht.... Durch§ 3 des Bankgesetzes ist klargestellt, daß eine endgültige Lösung sämtlicher Rechtsbeziehungen der Inhaber der bisheiigen Rolea zu der Rcichsbank erfolgen sollte. Dies allein entspricht auch dem Sinne und Zwecke der Vorschrift.§ 3 des Bank- gesetzes ist auf Grund der gemäß dem Dawes-Gutachten übernom- menen Verpflichtungen ergangen, um dieReichsbankaufeine festere Grundlage zwecks Erhallung der mühsam bisher her- gestellten Befestigung der Währung zu stellen und einer neuen In- flation vorzubeugen. Dazu war eine vollständige Lösung sämtlicher Verpflichtungen der Rttchsbant aus den alten Noten auf dem an- gegebenen Wege erforderlich. Die Vorschrift wäre völlig zwecklos und unvollständig, wenn sie sich nur auf die Noten alsZahlungs- mittel beschränkte und daneben die Verpflichtung aus den Noten als Schuldverschreibung bestehen ließe. Ein lluterschied zwischen Znflalionsnolen und den allen, mit Ausgabedatum vor 1914 versehenen Banknoten ist im Gesehe nicht gemacht worden und sollte auch nicht gemacht werden... Das neue Such von Paul Zech. Bon Alfred Brust. Paul Zech hat ein neues Buch herausgestellt, das der Verlag I. H. W. D i e tz N a ch f. ungemein adäquat ausstattete. Dieses Buch ist etwas mehr als ein Meilenstein auf dem Wege zur Eni- Wicklung des Dichters, denn es fühtt uns den Erzähler Zech in einer ganz seltenen Reinheit und Reife vor..Das törichte Herz" benennt er die vier Geschichten, aus deren Stoff und Form mehr, viel mehr spricht als man sich bequemen wird, vorläufig zuzugeben. Betrachten wir die Dichtung der letzten Jahrzehnte und beson- ders diejenige, welche die jüngere und jüngste Generation mit einem geradezu leidenschaftlichen Eifer herauswirft, so kommt es uns vor, als feien all diese Dinge nicht aus einem unbezwingbaren Hang zur Gestaltung entstanden, sondern aus der Luft geboren, einen spannen- den oder' sensationellen Stoff möglichst rasch in eine erstaunende Leserwelt zu tragen. Weder in den Dramen noch in den Gedichten und Romanen der jüngeren Generation findet man die Kraft zur Freude am ausgeformten Satz und damit an der Liebe der zu- sogenden Gestalten. Eben Paul Zech ist eine der ganz wenigen Aus- nahmen, die das Sensationelle nicht so sehr im Stoff als in der Gestallung suchen. Er gehört zu den Formern, die Nebensächliches, das uns ollen nahe ist. ganz neu sehe» und gestalten. Und gerade diese Former werden ausschlaggebend sein für die Zeit, die vor uns auf chre Srfüller wartet.... Zech greift sich einen kleinen Stoff— kleine Menschen, die er ganz seltsam in die trübe Gegenwatt, in die jämmerliche Umgebung stellt. Das Innen, das Ich bemächtigt sich dieser kleinen Menschen und schafft aus ihnen Helden— Helden im Rahmen ihres Körpers, ihrer Welt, ihrer Anschauung und Umgebung. Vielleicht sind es von uns aus gesehen, die wir übersättigt sind von aufbrausenden Geschehnissen großen Atmens, unwichtige Dinge: aber wir fühlen und erleben sie wichtiger als die großartigen Stoffe mit ihrer inneren Leere. Sie reißen den kleinsten Geist empor ganz eigen, ganz dem eigenen Gehalt des ganz eigenen einmaligen Geschicks zu leben und eine kosmische Blüte von nicht zweimaligem Eindruck zu treiben. Und die Frucht bleibt nicht aus.... Noch steht Zech als Kämpfer mit Harnisch und Schwert, doch stürzen durch seinen Rhythmus die Wallungen abgeklättesten Empfindens und bereiten Großes zu Größtem vor. Denn durch die schmerzhaften Geschichten leuchtet zu- wellen fast peinlich das zu wartendem Wein gegorene persönliche Ettebnis. Will dieses Können sich zum Roman formen? Es ist möglich. Doch es wird nicht Roman werden in hergebrachtem Sinn. Denn das wäre ein Rückschritt, der bei Zech unmöglich. Ein Roman von Zech fände alle Leser von.unten bis oben", weil er ohne Anfang, ohne Ende sein würde, als die entscheidendste Erfüllung jenes alt- persischen Weisheitsportes, das Goethe in die Verse zu pressen ver- sucht hat:„Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe..." Denn aller Beginn und aller Abschluß Zechscher Epik sind irgendwie her- beigeholl. Es ist— und es ist wirklich!— als hätte Zech die äußeren Geschehnisse nur hinzugetan, um die beseligende Fremdheit seines Wesens wie für Kinder abzuschwächeu, was uns nur leidenschaftlicher sein Werk zu lieben heißt. Da» Lustspiel mit dem Sündenfall. Die Personen des Lustspiels von Felix I o s k y.Die blaue Stunde" heißen Hans Adam, Eva Adam und Joachim Apfel. Das ist, wie man ganz richtig befürchtet, symbolisch gemeint. Gott sei dank ist aber das Symbol nicht literarisch geisttief verwickelt, sondern ein lockerlustiger Anklang an den Sündenfall. Den Apfel personifiziert hier der Hausfreund, von dem Eva so lange nascht, bis es der Mann merkt. Und nun kommt eine Szene, die zwar auch nicht originell ist, aber voll Witz, Laune und richtigem Humor steckt. Der Mann greift hastig in die Schreibtischlade.'.Kein Revolver," sagt er zum ver- datierten Liebhaber,„es sind nur meine Kofferschlüssel. Duell? Nein, da verwechseln Sie mich mit Wilhelm Tell" und überläßt ihm ganz selbstverständlich die Frau nebst Hausinventar und unbezahlten Rechnungen. Und so bekommt Eva den Hausfreund zum Mann, wodurch das alle Cheelend noch schlimmer wird. Nunmehr ver- lassen den Autor, der bisher so hübsch pfiffig war, die fsatterig geschürzten Musen. Er sollte von dem sorglos über alle Spießig- leiten hüpfenden Franzosen lernen. Das Zeug hat er dazu, muntere Unterhaltungsstücke zu verfertigen. Herr Josky kommt uns leider plötzlich moralisch. Eva hat, das bttngt der dritte psychologisch lendenarme Akt, das alles nur geträumt. In der.blauen Stunde". Das Trianon-Theater spielt unter Herrn Kanehl das Amüsierstückchen lustig und beschwingt. Schröder-Schrom spiell überzeugend und überlegen den Ehegatten, Marta Maria Ne w e s mit reizender Befangenheit und Kindlichkeit die verfühtte Eva und Grete Scherck die oerführende Freundin. Frl. Scherck hatte es scheinbar daraus angelegt, noch unsympathischer zu wirken als es die Rolle will. Es gelang ihr famos. Hans Carl Müller war der lackiette Liebhaber, er erheitette durch fein gewollt affektiertes Getue. Starter Beifall rief den Autor vor die Rampe. Dgr. .Durch den Rundfunk" heißt der neue dreiaktige Schwank von R e i m a n n und S ch w a r tz. Verlobung per Radio, erst total verwickelt, dann herrlich sich klärend, das mußte endlich so kommen, nichts bleibt uns erspart, nicht einmal der unuropagandislische Titel. Da sind auch alle die Figuren, die wir nun scyon in tauscndundeiner verschwankten Nacht kennengelerM haben, und das Wiedersehen macht uns keine Freude, weil die Autoren, die sich auch dramaturgisch nicht sonderlich halten, keiner von ihnen auch nur einen einzigen guten Witz in den ach so lockrot umschmintten Mund gelegt hoben. Wenn nicht Loni Pyrmont, Fritz Beckmann und vor allem Alice T o r n i n g so wacker gespielt hatten, wenn von Hermann Krehna nicht ein so geschmackvolles Bühnenbild ge- stellt worden wäre, die Freude würde diesmal nicht groß gewesen sein im Sommer- Theater in der Kommandanten- st r o ß e. ergo. .hübsches Mädchen zu verjcheukeu", das ist eine ganz annehm- bore sommerliche Lustigkeit aus der Feder eines routinietten Lühnenmannes Franz Cornelius, mit einer reizenden, malen- den und karikierenden Jazzmusik von Hans M a y im Theater.D i e Tribüne uraufgeführt unter der Regie von John G o t t o w t. Der reichgewordene Kleinbürgerstand stellt ja bei uns noch immer die Figuren für den lüsterreichen Schwank, das Urbild amüsiett sich herrllch dabei und stellt im Zeitenwandel immer neue Typen aus. steht den Schwank- und Lustspielmachern immer von neuem Modell. Für den Sommer Hot sich nun sogar das feine Neine Theater An, Knie mtt der bewährten Gattung eingedeckt. Nicht ungeschickt mit einer ganz aparten Geste wird ein Familienintermezzo zur Ent- Wicklung gebracht, in dem zwei unschuldige Kindlein, die ihren Vater suchen, den Betelligten viel Kopsschmerzen verursachen. Der Kreis dieser» Beteiligten, dessen Mittelpunkt der köstlich fette Jakob T i e d t k e ist, erscheint umfangreich genug, so daß die eheliche und außereheliche Wirrnis schließlich den gewünschten Höhepunkt erreicht. Man ist sehr munter bei der lustigen Sache und das Publikum geht freundlichst mit, da sich ein Teil der komischen Dinge in seiner Milte abspielen. Die Szene ist nämlich außer der kleinen Bühne auch aus dem Souffleurkasten und im Millelgang des Zuschauerraums. Außer dem erschütternden Tiedtke wären von den Personen noch Paula Eberty, Grete Mosheim, Ernst Pröckl und der ttesenhafte Wolfgang v. Schwind als stimmungsfördernd mit Anerkennung zu nennen. K. Hungertod in der Opiumprovinz. Grausige Bilder von dem Elend, das in gewissen Teilen Chinas herrscht, entwarfen einig? Redner auf dem Kongreß der chinesischen Innenmission, der sich zur Feier ihres 50jShrigen Bestehens in Londsn versammell hat. Der custrolische Missionär Dr. Olsen, der lange in der Provinz Kweichu gewirkt hat, erzählte, daß Tausende von Familien dem Hungertod? versallen sind, dem sie in der dumpfen Betäubung des Opium- raufches entgegengehen.„Dürre zerstörte einen großen Teil der Reisernte in Kweichu im vergangenen Sommer," sagte er.„Dann fegten die Soldaten von Punnan über die Provinz, saugten das Volk� aus und zerstörten viel. Sie legten die Regierung lahm und bemächtigten sich alles Geldes. Ein Schreckensregiment herrschte, Räuber besetzten die kleineren Städte und durchziehen das Land. Aber selbst unter diesen traurigen Umständen hätte die Bevölkerung, wenn sie Getreide und Reis gesät hätte, sich noch retten können: statt dessen aber pflanzten sie Mohn, denn Opium ist der Lebens- nerv von Kweichu. Dadurch erst wird das Rettungswert fo schwierig gemacht. Jedes Haus in dieser Opiumprovinz ist eine Opiumhöllc, i-nd wenn man den Leuten Geld gibt, muß man damit rechnen, daß die meisten sich dafür Opium kaufen. Kweichu ist eine Provinz, in der eine Bevölkerung von 7 Millionen kein« andere Ausfuhr kennt als Opium: es versorgt auch noch die benachbarten Prooin- zen mit diesem Gift. Wie schwunghaft der Opiumhandel in China betrieben wird, zeigte eine Beincrkung des Reo. Darlington. der in der benachbattcn Provinz Szechwan Missionar ist. �Hunderte von Tonnen Opium kamen im vergangenen Jahr durch die Stadt Wanchien." sagte er.„Die Ladungen wurden durch Regie- rungssoldaten geleitet, und jedes Opiumpaket war mit einem Siegel des Internationalen Bureaus zur Bekämpfung des Opiumhandels verschlossen."(!) vom veichspräfldeiita» Friedrich Eberl erscheinen!vi Verla, von T a r, Reihner in Dresden demnächst die Gesammelten Zchristen und Reden in einer einbändigen Ausgabe, fci? der älleäe'ojn de« ReichSpiäsidenten. Frih Ebert jun., he, ausgibt. Diele Ausgabe ein statt- licher. sorgsam hergeilellter Band, wird durch ein Lebensbild deS Reichs- prändenten aus der Feder de» Herausgebers ewHeüfs m».iP-m reichhaltigen Hildertetl versehe» fem. Der Tod im Gefängnis. Eine Kundgebung der Aerzte. T Die Freie Bereinigung des Groß- Berliner Aerztebundes" hatte zu einer Protest fundgebung gegen den durch mangelhafte ärztliche Versorgung herbeigeführten Tod des früheren Reichspost ministers Höfle zusammengerufen. Der erste Redner des Abends, Rechtsanwalt Dr. Klee, führte aus, er und die anderen Anwälte hätten einen Sturm der Entrüftung aus den Reihen der Aerzte gegen den bekannten Geheimerlaß des Wohlfahrtsministeriums erwartet. Sehr beachtenswert mar sein Vorschlag, daß die Gutachten und Atteste der Aerzte als eidesstattliche Bersicherungen abzufaffen seien. Wenn er aber glaubt, daß die Aerztekammern bei leichtsinnig abge gebenen Gutachten einschreiten würden, so zeugt das von einer sehr optimistischen Beurteilung der Berhältnisse. Die zweite Rednerin war Genossin Adele Schreiber. Sie erinnert daran, daß im Jahre 1902 der Zentrumsabgeordnete Schwarze im Preußischen Landtag beantragte, die Strafge fangenen nicht als Schmugtonfurrenz gegen die freien Arbeiter zu Derwenden, sondern sie mit Landarbeit zu beschäftigen. Da mais schon war es Dr. Krohne, der Vater des berühmten Geheimerlaffes, der als Regierungsvertreter fich mit aller Schärfe gegen diesen Antrag wandte, da durch eine Beschäftigung im Freien den Gefangenen das Gefühl der Gefangen fchaft genommen würde! Genossin Schreiber brachte dann noch aus einer Unzahl von Fällen einige besonders traffe, in denen alte hilflose Menschen auf Denunziationen hin monatelang in Unter fuchungshaft gehalten wurden und erinnerte an die vielen unbefannten Gefangenen, die gleich den unbekannten Soldaten des Weltfrieges auf dem Schlachtfeld der Justiz eines elenden Todes starben. Der erste ärztliche Redner war der Kommunist Lothar 3oIff. Nach seiner Meinung ist der Fall Höfle nur eine Ausftrahlung des Kampfes zwischen dem schwarzweißroten und dem Schwarzrotgoldenen Finanzkapital(?). Der Sinn der beamteten Aerzte sei die Unterdrückung und Ausbeutung der arbeitenden Klasse. Bon dem Gerichtsarzt Dr. Störmer sagte er, daß seine Gutachten dem Staatsanwalt und dem Untersuchungsrichter die Arbeit abnähmen, da er statt Arzt Anfläger sei. Medizinalrat Thiele sei im Gegensatz zu vielen anderen Gerichtsärzten nicht einer der schlimmsten gemejen, obwohl er den„ Spigel" Felix Neumann im Tichetaprozeß begutachtet und troß erblicher Belastung für voll verantwortlich ers flärt habe. Werder macht Visite. Wie es alljährlich geschieht. hinausgefahren sind, erfolgt nunmehr der Gegenbesuch. Um es furz Nachdem die Berliner zur Kirschblütezeit in die Obftgärten zu machen. Gestern Nacht, turz nach 1 Uhr, fam die erste Sendung Werderscher Kirschen an. Ein breiter Schlepptahn brachte die sehr stattliche Sendung und taum hatte die Fähre den Halteplaz am Rupfergraben erreicht, als auch schon die zahlreichen Werderschen Obstfrauen zur Stelle waren, die schon am Abend mit der Bummelbahn in Berlin eingetroffen waren und die fühle Nacht im Lustgarten verbracht hatten. Flint ging es an die Arbeit. Die dichtgeflochtenen Strohförbe, wohl 2000 an der Zahl, die durch Sacktuchverdeck gegen die zerstörenden Launen der Witterung, so gut wie es ging, geschützt worden waren, standen im Verlauf einer knappen halben Stunde wohlgeordnet an den Verkaufsständen und der Kirschenmarkt be. gann. Auch Erdbeeren waren in größeren Mengen zum Verkauf ausgestellt. Dieser Obstmarkt, von dem die wenigsten Berliner je etwas gesehen, von dem sie jedoch oft gehört haben, wickelt sich ebenfalls im Handumdrehen ab. Die Händler und Straßenverkäufer sind sich über die für sie in Betracht kommenden Quantitäten schon im voraus im flaren, der eine nimmt zwei Körbe, der zehn, der andere ist kaum mit hundert zufrieden. Der Straßenhändler ist froh, wenn er seine zwei, drei Körbe anstandslos bezahlen kann, der feßhafte Geschäfsmann muß mit größerem Umfaß rechnen. Die diesjährige Obsternte ist sicherlich keine ungünstige gewesen, so daß mit erheblichen Zufuhren aus Werder zu rechnen ist. Nunmehr werden die Werderschen", die sich, und nicht mit Unrecht, einen Namen erworben haben, an dem nicht zu rütteln ist, täglich in der Frühe hier abgeladen werden. Die ersten Preise sind naturgemäß noch recht hoch, im Verlauf von 14 Tagen aber wird man auf einen Preis gekommen sein, der auch dem minderbemittelten Menschen den Genuß des Obftes nicht zur Unmöglichkeit macht. Für Kirschen wurden auf dem gestrigen Markt je nach Qualität von den Wiederverkäufern 50 bis 70 Pfennige gezahlt. Die Erdbeeren standen 0,80 bis 1,10 m im Kurs. Es waren hübsche, faftige Früchte, die Pflege und Arbeit verrieten. Im Kleinperkauf foftet ein Pfund Kirschen 1,20 bis 1,40 m. Erdbeeren werden wohl auf faft 2 M. fommen. Der Abbruch der Häuser am Hermannplah. Enteignungsverfahren und Mieterschutz. Gefängnisarzt Landsberger beflagte die Abhängigkeit der Gerichtsärzte als Beamte von den zuständigen Gerichts= behörden. Das Justizministerium fucht, da es für alles zuständig ist, die Gefängnisärzte aus. Diese bekommen von den zuständigen Straffammern die Gutachten zugewiesen. Begutachten sie zu milde, so werden ihnen feine Gutachten zugeteilt und es entfallen ihnen Das durch den Bau des Gemeinschaftsbahnhofs Hermannplak dadurch große Nebeneinnahmen. Landsberger fordert deshalb, mehr notwendig gewordene Enteignungsverfahren für mehrere zum Abnoch als bisher frei praktizierende Aerzte als Gerichtsärzte zuzu- bruch fommende Häuser hat den Enteignungskommissar im Hinblick ziehen, da fie unabhängig seien, weil sie nicht beamtet sind. Dr. Hildesheimer, der Freund jenes Arztes, der erauf die noch in Kraft befindlichen Mieterschutzbestimmungen vor Standeswürde und sonstiger schöner Dinge fich der Sozialverworfen sind. In einer Versammlung des Mieterbundes Kreuzberg Plärte, die Aerzte müßten zur Wahrung ihrer Interessen, ihrer Rechtsfragen gestellt, wie sie bisher überhaupt noch nicht aufgeficherung mit allen Mitteln, evtl. auch mit dem Behand lungsstreif, versagen, ritt die offizielle Attade gegen die Krantentassen. Interessant waren seine Mitteilungen, daß zwar auf seine Veranlassung die Berliner Aerztekammer, die Wahrerin und Hüterin der ärztlichen Ethik und Moral, fich mit dem Geheimerlaß des Wohlfahrtsministeriums beschäftigt hätte, daß aber, da es sich um einen Geheimerlaß handelt, ihre Berhand lungen auch geheim bleiben müssen. Als erster Diskussionsredner nahm Erich Mühsam als Objeft des Strafvollzuges das Wort. Er erzählte von der geradezu haarsträubenden Behandlung durch den Gefängnisarzt von Niederschönenfeld, referierte dessen Vorsitzender, Landgerichtsrat Genosse Ruben, über die Rechtslage für die von dem Abbruch der Häuser betroffenen Mieter. Nach§ 11 des Preußischen Enteignungsgefeßes von 1874 murden die Mieter im Falle der Enteignung nur auf eine Geldent schädigung verwiesen. Dieser Bestimmung eines Landesgefezes geht jedoch Reichsrecht vor. Nach dem Mieterschutzgesetz durfte die Enteignung nur unter Aufrechterhaltung der Rechte aus dem Mieterichutzgesetz ausgesprochen werden, weshalb auch der Mieterbund gegen den ausgelegten Plan, der hierüber nichts enthielt, Einspruch einlegte. Der Enteignungsbeschluß, wie er auf Grund des öffentlichen Termins am 27. Mai erging, entschied diefe bisher noch nicht aufgeworfene Rechtsfrage zugunsten der Mieter. Die Nordsüdbahn wurde hiernach nur unter der Bedingung in den Besitz der Häuser wurde hiernach nur unter der Bedingung in den Besitz der Häuser eingewiesen, daß für die Wohnungsinhaber geeignete Erfagräume zu denselben Bedingungen geschafft würden, die für die bisherigen Wohnungen galten. Demzufolge fönnen die betroffenen Mieter Naturalerfaz statt Gelbentschädigung fordern, es müssen ihnen Wohnungen zugewiesen werden, die dem Mieterschutzgefeß und dem Reichsmietengefeh unterstehen und deren Miete dem ortsüblichen Friedenspreis nicht übersteigt, ferner müssen ihnen die Umzugsfosten in voller Höhe vergütet werden. Darüber hinaus wurde der Nordsüdbahn- A.- G. vom Enteignungsfommissar verboten, die Häufer vor ordnungsmäßiger Unterbringung aller Mieter abzureißen. Bei der Verteilung des Erfahwohnraums, die auf Grund eines Uebereinkommens von der Nordfüdbahn und dem Mieterbund gemeinsam vorgenommen wird, soll auf die Lohnverhältnisse der einzelnen Mieter, die Lage der Arbeitsstelle, 3ahl der Kinder und dergleichen Rücksicht genommen werden, ferner auch darauf, wie lange die Mieter es handelt sich zum großen Teil um alteingesessene schon in diesen Häusern gewohnt haben. Einige Mieter beanspruchen feine neuen Wohnräume, sondern werden sich mit Hilfe der ihnen zukommenden Geldentschädigung Von den noch folgenden Diskussionsredyern verdienen die Aus- selbst ansiedeln. Die Regelung aller dieser wichtigen Rechtsführungen eines Sanitätsrates Dr. Dahne Beachtung, der zur fragen ist schon deshalb von prinzipieller Bedeutung, meil bei dem Behebung der Mißstände, die sich sowohl bei den frei prattizierenden, bevorstehenden weiteren Ausbau des Berliner Untergrundbahn wie auch bei den beamteten Aerzten ergeben, die allgemeine Benezes 3. B. demnächst in der Landsberger Straße Hausent eignungen in größerem Umfange notwendig sein würden. amtenstellung für die deutschen Aerzte verlangte, da dann Gerichtsärzte, die nicht willfährig sind, bei der Abgabe ihrer Gutachten nicht durch Einberufung frei praftizierender Aerzte ersetzt werden fönnten. einen gemissen Dr. Steinle, der bei seiner Aufnahme eine starte Herzerweiterung feststellte, später aber behauptete, nichts mehr finden zu können. In der gleichen Zeit sei er von drei Privatärzten untersucht worden und alle drei hätten das frühere Hergleiden fejt. gestellt. Die gleiche Erfahrung machte er mit einem von dem Bericht ihm empfohlenen Privatarzt, der auch nichts finden durfte. Die Tyrannei der Strafgefangenen wird am besten dadurch illuftriert, daß es u. a. Ernst Toller perboten wurde, mit einer ihn besuchenden Augenärztin über sein Augenleiden zu sprechen. Der tommunistische Abg. Hagemeister, der als schwertranfer Mann in die Anstalt aufgenommen wurde, wurde troß seines schweren HerzTeidens isoliert, angeblich zur Beruhigung und man gab ihm nicht einmal einen Lehnstuhl. Als Hagemeister furz vor seinem Tode mit feiner Frau zum legten Male sprechen wollte, waren zwei Gefängniswärter anwesend. Für diese Behandlung der Festungsgefangenen wurde der Regierungsrat Hoffmann zum Oberregierungsrat und Dr. Steinle zum Medizinalrat ernannt. Dieser Dr. Steinle ertlärte einem Langenfranfen, der mit Kostentzug bestraft wurde, und dem er vorher Milch verordnet hatte:„ Die Milch werden Sie weiter bekommen, das andere geht mich nichts an!" Die Katastrophe auf Zeche Dorftfeld. Das Ergebnis der Untersuchung. Köln, 4. Juni.( Mtb.) Nachdem der Unfallausschuß auf der Zeche ,, Dorstfeld" wiederholt eingefahren war und Sigungen abgehalten hatte, trat gestern in Köln die Grubensicherheitsfommission unter Leitung des Oberbergrats Loste zusammen. Unter den anwesenden 30 Herren befanden sich Bertreter der Bergbehörden, des Grubensicherheitsamtes unter Führung von Ministerialrat Hakfeld, Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ferner die 4 Reichstagsmitglieder Jansched( Soz.), Imbusch( 3.), Biegler( Dem.) und Koch( Dnat.), sowie Bertreter der Staatsanwaltschaft. Auch mehrere Sachverständige nahmen an der Sigung teil, u. a. Prof. Dr. K à st als Sachverständiger auf dem Gebiete des Sprengstoffwefens. Alenderung der Bäckerarbeitszeit. Aufrechterhaltung des Nachtbadverbots. deutsche Kernnaturen sein bas, was ihnen diesmal ihre Zeitung zumutete, fonnte auch den Stärtsten den Appetit verschlagen. Das Bild der drei, für die Hinrichtung der kommunistischen Attentäter der Nachtausgabe- Abonnenten? Eine Photographie: drei Galgen, in Sofia gedungenen Zigeuner mag Geschmacksache sein; die Hin. richtung der Attentäter empört sich wirklich einer brei Menschen daran; einer ist bereits tot, die anderen beiden werden gerade gerichtet; man fann das forrette Erhängen daraus lernen. Leider werden in Deutschland die Menschen geföpft; doch vielleicht kommt davon in den nächsten Tagen ein Bild. Wem Humanität völlig fremd wurde, der sollte wenigstens soviel Anstandsgefühl befizen, fie bisweilen zu heucheln. Der Deutsche Rundfiug. Der Start zur driffen Schleife. Als Der gestrige Ruhetag hatte den Fliegern, die auf der zweiten Schleife vom Bech verfolgt waren, Gelegenheit gegeben, die Motore heute morgen rund 35 Maschinen dem Starter stellen. und die Flugzeuge selbst wieder auszufliden, und so fonnten sich Das Wetter war nicht gerade allzu freundlich und von der Strecke her trafen Nachrichten ein, die zu Bedenten wohl Anlaß geben fonnten. Zwischen Erfurt und Würzburg herrschte so dichter Nebel, daß die Sicht kaum 20 Meter betragen sollte. Infolgedessen warnte die Erfurter Flugpolizei auch vor dem Start, tam jedoch mit ihrer Meldung zu spät, so daß schon alle Maschinen das Tempelhofer Feld verlassen hatte, als die wenig erbauliche Botschaft hier eintraf. Fortnahme der Richtungsflächen die Wettbewerber zum Landen zu Ueber Erfurt selbst versuchte man dann durch grüne Raketen und zwingen, doch ohne Erfolg. Erfreulicherweise besserte sich dann das Better, so daß, soweit es fich wenigstens bis zur Stunde überfehen läßt, irgendwelche Unfälle nicht vorgekommen sind. Auf dem Tempelhofer Feld gab es vor dem Start noch einen fleinen Bruch. Eine Bahnbedarfsmaschine, die gestern aus Stralsund gekommen war, um außer Konkurrenz die dritte Schleife mitzufliegen, stellte sich Kopf, doch blieb der Führer erfreulicherweise fieinen Mohamed" nach vieler Mühe fertiggestellt hatten, mußten unverletzt. Die jungen Darmstädter Akademifer, die gestern ben heute morgen zunächst wieder eine Enttäuschung erleben. Fuchs mit dieser kleinsten Maschine an den Start ging, riß, zum Glück noch auf dem Erdboden, die Verbindung des linken Flügels und man mußte schnellstens in den Schuppen zurüd, um zu reporieren. Nach einer halben Stunde war der Schaden behoben, und nach den bisher vorliegenden Nachrichten liegt die Maschine durchaus nicht schlecht im Rennen. Der bisher fo erfolgreiche Albatrosflieger Ungewitter hatte auch Bech, das ihm sehr mahrscheinlich eine Anzahl Stafpunkte einbringen wird. Kurz hmter Berlin jezte die Zündung aus und Ungewitter mußte zurückkehren, um hier einen neuen Magneten in seinen Siemens- Motor ein bauen zu lassen. Mit halbstündiger Berspätung ging die Maschine dann wieder auf die Reise und machte in einer geradezu hervor ragenden Fahrt den Zeitverluft wieder gut. Nach kaum drei Stunden war Ungewitter bereits über Würz Fliegern auf der dritten Schleife noch zwei Flugzeuge angeschloffen, burg und näherte sich dann seinem schärfften Konkurrenten Bolte auf det ganz bedenklich. Unterwegs haben sich übrigens den die von Frankfurt aus in die Schleife hineinfliegen. Der bekannte Flieger Botsch, der gestern nachmittag nach Berlin fliegen wollte, mußte mit feiner Maschine auf der Wassertuppe notlanden, will aber nach Ausbefferung des Motorschadens doch noch nach Berlin tommen, um hier sich in die letzten Schleifen einzuschalten. Unbeständiges Wetter in den nächsten Tagen? Das heitere Wetter zu den Pfingsttagen hat ein schnelles Ende genommen. In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch wurde Mitteldeutschland von einem Kaltluftstrom erreicht, der von Nordwesten her fühlere Luft heranführte und vereinzelte Regenfälle brachte. Besonders in Süddeutschland kamen stärkere Gewitter zur Entladung, die fich bis in die Alpen hineinzogen. Am heutigen Morgen liegt die vorderste Front der Kaltluft über Rußland, Rumanien und Norditalien. Sie überdeckt ganz Deutschland bis zu einer Höhe von etwa 3000 Metern. Einzelne fleine nachfolgende Böen bringen besonders im Rüftengebiet einige Niederschläge. Die damit verbundene Bewölkung verhindert tagsüber stärtere Einstrahlung der Sonne, so daß die Temperaturen niedrig blieben, zumal da aus dem Süden wärmere Luftmassen nicht herangeführt werden. Die Temperaturen in ganz Deutschland ich manten zwischen 13 und 15 Grad und werden in der Mittagszeit 20 Grad nicht übersteigen. Der ge fallene Niederschlag wird die herrschende Trockenheit nur unwesentlich aufheben, find doch durchschnittlich nur 6 bis 8 Millimeter Niederschlag gefallen. Vom Ozean her nähert sich ein neues Tief, das in den letzten zwei Tagen von Amerita bis westlich von Irland gezogen ist. Unter seinem Einfluß werden in Westeuropa Niederschläge auftreten, während sein Bordringen nach Mitteleuropa noch ungewiß ist. Für die nächsten Tage haben wir also noch fühles Better mit langsam zunehmender Erwärmung und mit geringfügigen Niederschlägen zu erwarten. am Minna Jochim geftorben. Heute nacht um 1 Uhr verschied nach dreitägigem Krantenlager Minna Jochim. Ein Leben, das am großen Werf im Stillen wirfte, hat einen viel zu schnellen Abfchluß gefunden. Genoffin Jochim gehörte im Jahre 1906 zu den Gründungsmitgliedern der Kinderschuhfommission und gehörte zu den eifrigsten Mitarbeitern bis zuletzt. Auch in der Partei und dem Fabritarbeiterverband war die Genossin Jochim eine tapfere Mitkämpferin. In ihrem Wohnbezirk trauern ihr Der neue Polizeipräsident von Berlin, Genosse Grzesinstt, biele befürsorgte Kinder nach, deren sie sich unermüdlich und mit stellte sich und seine Breffereferenten heute mittag den Berliner Erfolg annahm. Der Krieg entriß der Genoffin Jochim den ersten Bei dieser Gelegenheit teilte er eine vom Mann. Sie war zum zweiten Male verheiratet. Nun steht der Pressevertretern vor. morgigen Tag datierte Bekanntmachung des Polizeipräsidiums über zweite Gefährte ihres Lebens mit vier unmündigen Rindie Berlegung der für Bäckereien und Konditoreien vorgeschrie- dern an ihrer Babre, trauernd um die treffliche Frau und Mutter. Der Bezirtsausschuß für Arbeiterwohlfahrt verbenen achtstündigen Betriebsruhe mit. Durch diese Befanntmachung wird den Bädermeistern die Genehmigung erteilt, die fiert an ihr ein treues, tätiges Vorstandsmitglied. Bezirksbildungs ausschuß Groß- Berlin. Am 20. und 21. Juni Sonnen Arbeit um 5 Uhr morgens beginnen zu laffen. Nach dem Gesetz vom 2. November 1918 ist die Bäderarbeit bei Nacht verboten, und dabei wendfeier des Arbeiter kulturlartells in den Bosener Bergen. Karten bleibt es natürlich. Bisher aber war die Ruhezeit von 10 bis 6 Uhr à 50 B. bei der Gewerkschaftskommiffion, Engelufer 24/25 Afa- Drts vorgeschrieben. Diese Vorschrift ist längst durchbrochen. Es fartell, Engelufer 24/25 in den 8ablstellen der Freien Bolfsbühne im wurde um 5 und auch schon vor 5 Uhr begonnen. Nunmehr aber Jugendsekretariat Lindenstr. 3, 2. of II Erziehungsverein der Stinder. freunde Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold, Sebastianstr. 37/38 bei ben darf nicht vor 5 Uhr begonnen werden. Mit dieser Früherlegung Obleuten der Kreis- und Abteilungsbildungsausschüsse in den Vorwärtsdes Arbeitsbeginns, der jedoch nicht eine Verkürzung der acht speditionen im Bureau des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, Ebert Reliefs nach dem, Entwurf von fründigen Arbeitspause bedeutet, da diese um 9 Uhr abends beginnt, 2. of II, Simmer 8. wird den Bädermeistern die Möglichkeit gegeben, daß rechtzeitig vor Gerstenberg, elfenbein getönt 1,60 Mt. pro Stüd, dunkel getönt 1,80 mt. Ladenöffnung die erforderliche Menge und Bielgestaltigkeit des Bad pro Stüd, in echt Bronze 45 Mr., zu baben in allen Vorwärtsspeditionen, bei den Oblenten der Bildungsausschüsse und im Bureau des Bezirks Die Gutachten der Sachverständigen, die verlesen wurden, geben werts hergestellt werden fann. Man ist nach gründlicher Ueber. Defterle und Strommer. Besichtigung und Stauf von 9-5 Uhr im Bureau feine vollkommene Klarheit über die Katastrophe, bei der 47 Berg- legung zu der Ueberzeugung gekommen, daß gerade durch diese Re- bildungsausschusses, Lindenstraße 3.- Radierungen von Sela Haffe, gelung die Aufrechterhaltung des Nachtbadver. des Bezirksbildungsausschusses, Lindenstr. 3, 2. Hof II. Leute ums Leben famen. In 2 Punkten ergab sich eine gewisse Ueberbets gesichert wird. Die Polizei und die Bäckerorganisationen, die einstimmung, wenigstens wurden andere Ansichten nicht laut, nämlich in diesem Buntt vollkommen einig sind, werden dafür sorgen, daß darin, daß 1. die Explosion der Sprengstofflammer der Ausgangs die Arbeit nicht vor 5 Uhr beginnt. Die Bekanntmachung bestimmt punkt gewesen sei, und 2. daß ohne das Vorhandensein von weiter, daß Lehrlinge unter 16 Jahren, die nicht in die Rohlenstaub die Explosion sich nicht über 1500 meter hätte fort Hausgemeinschaft des Lehrherrn aufgenommen find, nicht vor 6 Uhr pflanzen können. Zu einem abschließenden Urteil fonnte die Grubenmorgens beschäftigt werden dürfen und mit Austragen, Ausfahren oder Abgeben von Badwaren nicht vor 7 Uhr morgens begonnen ficherheitsfommission gestern nicht fommen, um so meniger, weil die hemische Untersuchung des Brennstoffes nicht abgefchloffen zeitigen Widerrufs bis zum 30. September 1925; sie ist in den Arwerden darf. Die Verordnung gilt unter dem Vorbehalt jeder. ist. Gleich nach dem Unglüd hatte man nämlich in allen Gruben, beitsräumen der Bädereien und Konditoreien auszuhängen. die im gleichen Zeitraum und von der gleichen Dynamitfabrik beliefert worden waren, den Sprengstoff beschlagnahmt. Schlägereien im rumänischen Parlament. In der Nachtfißung zum Donnerstag tam es in der rumänischen Kammer zu Schläge reien; dabei stürzte die Balustrade zusammen. Eine ver= schärfte Geschäftsordnung wurde mit 204 gegen 40 Stimmen befchloffen. Humanität." Bildbeilagen von Zeitungen sind im allgemeinen etwas, das man sich in ber Straßenbahn, morgens am Kaffeetisch oder sonst in einer müßigen Stunde beschaut; die Leser der Nachtaus. gabe des Tag" sehen sie sich vielleicht beim Abendessen an. Ob es ihnen dann gestern geschmedt hat? Man will zu ihrer Ehre glauben, daß fie hungrig ins Bett gegangen find. Sie mögen ja jonft 15 Deutschlands c. B., Gruppe Berlin, eröffnet am Ausstellung des Arbeiter- Radio- Klubs. Der Arbeiter Radioreitag, den 3. Suni, 6 Uhr, feine neuen Geschäftsräume in der Betersburger Straße 39. Die Eröffnung ist verbunden mit einer Ausstellung erftflaffiger Apparate. Lautsprecher werden vorgeführt für Berlin und auswärtige Stationen. Die Rundfunkteilnehmer der Arbeiterschaft werden erfucht, an der Eröffnung teilzunehmen. Ansprache des Reichsvorsitzenden des Klubs. Aufnahme neuer Mitglieder sowie Rat in allen Rundfunifragen werden in der Geschäftsstelle beantwortet. Zeugen gesucht! Wer gesehen hat, wie ein Mann am ersten Feiertag abends gegen 10 Uhr beim Einfahren des Eberswalder Zuges auf dem Stettiner Bahnhof tötlich verunglüldte, wird geds näherer Ermittlung um seine Adresse gebeten. Hollfelder, Boechstr. 5. Groß- Berliner Parteinachrichten. Jebe- Abtethang 5. Kreis Friedrichshain: Morgen Freitag, 6 Uhr, Beamtenwerbeausschiffe bet Bittschuß. Beterburger Str. 5, Neuwahl bes Kreisobmanies. muß vericeten fein Der deutsche Arbeiterbelegierte Girbig vom Verband der denb Gewerkschaftsbewegung schen Glasarbeiter sprach sich für die Vorlage aus, bedauerte jedoch, Die ethische Wertung der Arbeit. Auf dem evangelisch- sozialen Kongreß, der zurzeit in Halle tagt, hielt der badische Staatspräsident Hell pa ch einen Vortrag über hielt der badische Staatspräsident Hell pach einen Vortrag über die seelische Wirkung der Mechanisierung und Rationalisierung der Industriearbeit, der es verdient, schon um der Persönlichkeit des Vortragenden willen, etwas fritischer unter die Lupe genommen zu werden. daß Ausnahmen aus angeblich wirtschaftlichen Interessen vorgesehen feien. Er erklärte, daß die deutsche Arbeiterschaft den Kampf für die Einstellung in den Betrieben der Glashütten an Sonntagen energisch durchzuführen entschlossen sei. Auch für die TafelglasFourcault u. Libbey- Ovens) eingeführt habe, seien die sonntäglichen industrie, welche die modernen mechanischen Glasglühöfen( System Betriebseinstellungen durchaus möglich. Der französische Arbeiterdelegierte Jouhaug wandte sich entschieden gegen die Darlegungen des britischen Arbeitgeberdelegierten Lithgow, die er als schwer verständlich bezeichnete. Der Redner wies auf die sehr schweren Arbeitsbedingungen in der Glasindustrie hin, die noch vor kurzem in gewissen Ländern unmenschlich gewesen seien. Das Pech der Schuhmacherinnung. Es befremdet durchaus nicht, daß auf einem rein religiös ein gestellten Kongreß der Vortragende in erster Linie die ethische Seite des Problems behandelte. Es befremdet auch durchaus nicht, daß der Vortragende erklärte, die Achtung und Selbstachtung der Eine Versammlung der Schuhmacherinnung in Charlottenburg Arbeit enthalte auch gleichzeitig das stärkste antisozialistische faßte den Beschluß, den Obermeister Paul Wederle, der zugleich Moment im bürgerlichen Leben. Der Vortragende scheint hierbei 1. Borsigender des Bundes der Schuhmacher allerdings eins übersehen zu haben, nämlich, daß der Sozialismusinnungen war, wegen finanzieller Unforrektheiten aus zu gerade auf der Wertschäzung der Arbeit beruht. schließen. Mit dem 1. Obermeister wurde gleichzeitig der 2. Obermeister, Schriftführer des Innungsbundes, Herr Grünte, ausgeschlossen, aus denselben Gründen, und zugleich der Kassierer Foerster wegen unübersichtlicher Kassenführung. Wenn Hellpach in seinem Vortrag den Gewerkschaften den Vorwurf macht, daß ihre Bestrebungen auf zeitlich furze und gut bezahlte Arbeit hinziele, so verkennt er den Tatbestand vollkommen. Die Gewerkschaften wissen, daß vom Lohn- und Zeitproblem die Einreihung der Arbeit in die Wirtschaft und in die Gesellschaft abhärgt. Arbeit ist nun einmal nicht bloß der Arbeit wegen da, sondern sie ist dazu bestimmt, dem Menschen die Notwendigkeiten zu verschaffen, die erforderlich sind, um die Kulturinteressen zu wahren. Aus diesem Grunde ist es Pflicht der Gewerkschaften, heute das Zeit- und Lohnproblem in den Brennpunkt ihrer Bestrebungen zu stellen. Einsichtige Unternehmer haben dies selbst erkannt, wenngleich fie fich nicht von den Vorurteilen, die durch die kapitalistische Wirtschaft bedingt sind, frei machen konnten. Jedenfalls lösen die Gewerfschaften mit der Forderung des Zeit- und Lohnproblems nicht bloß ein rein wirtschaftliches Problem, sondern auch ein kulturel les Problem. Man kann nicht einfach den größten Teil eines Volkes oder der Völker durch materielle Knechtung von den Gegnungen der Kultur ausschließen. Die Naturschönheiten der Erde sind für alle Menschen da, und auch die Arbeiter haben das Bedürfnis und den berechtigten Wunsch, diese Naturschönheiten kennen zu lernen. Sind sie materiell so gestellt, daß sie sich das leisten können? Und wie mit dem Reisen, so ist es doch auch mit den anderen Kulturgütern. Es ist bedauerlich, daß Dr. Hellpach nicht erkennt, daß hier das Materielle und Ethische nicht bloß miteinander zusammenhängen, sondern auch zusammenfallen, daß beide Dinge nur verschiedene Seiten desselben Problems find. Internationale Arbeitskonferenz. Geni, 4. Juni.( WTB.) Ministerialrat Dr. Feig vom Reichs. arbeitsministerium legte am Dienstag vormittag in der Internationalen Arbeitskonferenz den Standpunkt der deutschen Regierung zum Entwurf eines internationalen Abkommens betreffend die 24stündige wöchentliche Betriebsruhe in den Glashütten mit Wannenöfen folgendermaßen dar: Die Hoffnung der deutschen Regierung, daß die Erörterung der verschiedenen Abänderungsanträge zum Vorentwurf zum Uebereinkommen über die Glashütten Gelegenheit bieten würde, dem Artikel 3 eine präzisere Fassung zu geben und damit die Bederken zu beseitigen, die in dem Schreiben der deutschen Regierung vom 16. Januar 1925 zum Ausdruck gebracht wurden, ist nicht in Erfüllung gegangen. Da die kleinen Abweichungen, wie wir annehmen mußten, auch für die Konferenz maßgebend sein mußten, so sehen wir davon ab, die entsprechenden Anträge zu stellen. Wir werden vielmehr auch trotz der erheblichen Bedenken unsere Stimme für den Vorentwurf abgeben. Wir halten uns jedoch für verpflichtet, folgende Erklärung vorauszuschicken: In der Tafelglasindustrie bereitet sich durch die Einführung der mechanischen Nachschiebeöfen( System Fourcault u. Libben- Ovens) eine gewaltige, wichtige und wirtschaftliche Umwandlung vor. Die fleineren und mittleren Betriebe, die sich die neueren Maschinen nicht beschaffen können, werden mit vollkommener Stillegung und Arbeitslofigkeit bedroht. Auffassung der Gesetzgebung darf es nach unserer Auffassung nicht sein, die Entwicklung der Maschinenfabrikation technisch dadurch unmöglich zu machen, daß Vorschriften geschaffen werden, welche für die Betriebe schlechthin untragbar sind. Eine folche untragbare Vorschrift aber wäre für die Maschinenbetriebe die Einführung der 24stündigen Arbeitsunterbrechung an Sonntagen. Wir müssen also, wenn wir uns für die Annahme des Entwurfs aus sprechen, von der Voraussetzung ausgehen, daß einer Anwendung von Ausnahmebestimmungen des Artikels 3 auf die Maschinenöfen, wie im deutschen Memorandum vorgesehen ist, feine Bedenken entgegenstehen. Die Entscheidung, ob jetzt die in dem deutschen Vorschlage vorgesehene Voraussetzung tatsächlich vorliegt, kann unserer Ansicht nach nur von der Verwaltung und letzten Endes von der Rechtsprechung im eigenen Lande getroffen werden. Andererseits fann die deutsche Regierung es nicht verantworten, den um ihre Gristenz ringenden Buntglasbetrieben ausnahmslos 24stündige Betriebsruhe zuzumuten. Bielmehr halten wir es vom wirtschaftlichen Interesse für geboten, denjenigen Betrieben, die in vier Schichten von je 8 Stunden arbeiten, den Vorteil einer nur achtstündigen volltommenen Betriebsruhe zu gewähren. Andernfalls würden nämlich die Betriebe, wenn sie nicht überhaupt durch die Konkurrenz der Maschinenöfen zum Erliegen kommen, genötigt werden, die vierte Schicht aufzuheben und in Zukunft in drei Schichten zu arbeiten. Dieses würde aber die Entlassung und die Arbeitslosigkeit für den vierten Teil der Belegschaft und überdies auch eine wesentliche Berschlechterung der Arbeitsbedingungen für die verbleibenden Arbeiter bedeuten. Die Vorteile des vierschichtigen Betriebes in der achtstündigen Arbeitszeit und der auf diese Arbeitsschicht folgenden 24stündigen Ruhe liegen auf der Hand. Arbeitgeber und Arbeit nehmer würden also geschädigt werden, wenn diese Entwicklung einträte, und es muß daher nach unserer Ansicht, die übrigens in der Kommission keinerlei Widerspruch gefunden hat, der Artikel 3 auf diese Betriebe Anwendung finden fönnen. Unter dieser Vorausjegung würde ich also, was ich nochmals wiederhole, unsere Bedenken zurückstellen und für die Annahme des Borentwurfs in der ursprünglichen Fassung stimmen können. Das Spargeld der Arbeitnehmer Abessinier- Pumpen in die Arbeitnehmerbanken. Sparkonten. Scheckkonten. 9 bezw. 8 Proz. 5 Proz. Zinsen p. a Für Genossent und regelmäßige Sparer günstige Darlehnsbedingungen! Bitte Prospekte anfordern Schalterdienst außerhalb der Geschäftsstunden auch Montags und Freitags abends von 5 bis 7 Uhr. Industriebeamten- Sparbank e.G.m. b. ll. Gegr. 1912 Berlin NW 40, Werftstraße 7 Postscheckkonto 13 580 Berlin. f. Laubenkolonist.z. Selbstaufstll: Filtersauger, Gartenspritzen, Pumpen, Schläuche. Brüger & Lathan Pumpenfabr. 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Das sei zu wenig, meinte der Bundesvor sigende." Schreiben Sie eine Quittung über 400 Mark und geben Sie mir 200 Marf ab. Ich muß auch etwas dabei verdienen. Rurzum, man fam zu dem Ergebnis, daß Herr Wederle das Bertrauen und Ansehen verloren habe, das zur Bekleidung eines Ehrenamts erforderlich sei, und als dann der Bundesvorsitzende noch nicht zurücktreten wollte, drohte man ihm mit gerichtlicher Auseinandersetzung, worauf er freiwillig" zurüdtrat. Ob und inwieweit die Innungsverbände selber an folchen Borfommnissen mitschuldig find, indem sie manches in ehrenamtlicher Taligkeit fordern, wofür sie eine gewisse Entschädigung zahlen müßten, sei dahingestellt. Die Aussperrung der Bauarbeiter in der Schwerindustrie. Bochum, 3. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Das Vorgehen der Montan und Bergbauunternehmer von Rheinland und Westfalen gegen die Bauarbeiter in ihren Betrieben stellt sich allmählich als ein Fehlschlag heraus. Die mit großen Worten angekündigte Aussperrung ist nur teilweise erfolgt. Im übrigen ist die von den Unternehmern dem Kampf beigelegte Bezeichnung Aussperrung" eine irreführende. Der Tarifvertrag der Bauarbeiter iſt in freier Vereinbarung abgeschlossen worden, hqt Geltung bis zum 30. September und wird von den Bauunternehmern auch eingehalten. Lediglich die Industrie erklärt, die Löhne der Bauarbeiter nicht zahlen zu können, da sie ihnen zu hoch seien. In Wirklichkeit beabsichtigen sie, die Löhne der Bauarbeiter zu fenten, um auf diese Weise auch den Lohnftand der Metallarbeiter auf einem tieferen Niveau halten zu können. Da das Vorgehen der rheinisch- westfälischen Industriellen gegen die Gesetze verstößt, werden sich die zuständigen Stellen mit der Angelegenheit, von der immerhin mehrere tausend Arbeiter betroffen wurden, noch zu beschäftigen haben. Von Städten, wo die Industrie ihre Gruben ftillgelegt hat, wird eine starke Abwanderung der Fach arbeiter gemeldet. Ob, wie die Schwerindustrie glaubt, nach einer Beilegung des Konfliktes die abgewanderten Facharbeiter, die außerhalb des Ruhrbezirkes zudem noch höhere Löhne als hier er halten, wieder in das Ruhrgebiet zurückkehren, bleibt abzuwarten. Schiedsspruch für die Metallindustrie im bergischen Land. # Barmen, 4. Juni.( TU.) Der staatliche. Schlichtungsausschuß für das bergische Land fällte für das Metall- und Elektrotechnische Bewerbe einen Schiedsspruch, der die Stundenlöhne neu festjetzt. Diese betragen im ersten Jahr nach der Lehrzeit 51 Pfennig und steigen bis auf 90 Pfennig im Alter über 24 Jahre; Hilfsarbeiter erhalten 20 bis 68 Pfennig. Holzarbeiteraussperrung in Hamburg. Hamburg, 4. Juni.( WTB.) Nachdem die Aufforderung an den Holzarbeiterverband zur Einstellung des Streits ergebnislos geblieben ist, die Teilstreits in der Holzindustrie vielmehr zugenommen haben, hat der Arbeitgeberschuhverband für die Holzindustrie die Aussperrung für das hamburgische Vertragsgebiet angeordnet, die heute abend in Kraft tritt. Sechsstundentag für die Bergarbeiter. Auf den französischen Saargruben. Paris, 4. Juni.( WTB.) Der französische Arbeitsminister hat gestern eine Anordnung für die Saargruben getroffen. Die Direkfion der Gruben in Saarbrücken hatte gefordert, daß die sechsstündige Arbeitszeit durch die achtstündige ersetzt werde; der Arbeitsminister hat entschieden, daß der Sechsstundentag beibehalten werden soll. Verschärfung im französischen Bergbaukonflikt. Wirtschaft Patriotismus und Geschäft. Seit zwei Jahren führt Abd el Krim an der Spize der Rif operationen auch gegen die französischen Truppen, die ihn von seinem fabylen einen Krieg gegen Spanien und hat vor kurzem seine Kriegs Nahrungsmittelhinterland abgeschnitten haben, gerichtet. Aus Flugeugen werden die französischen Marottotruppen mit Bomben belegt. Das große Rätsel ist: wer liefert denn den Riskabylen, die weiß Gott weder Flugzeuge zu bauen noch zu führen verstehen, die wer sorgt dafür, daß Abd el Krim Flugzeuge, und überhaupt ein Heer von 30 000 Bewaffneten ausrüften und unterhalten fann? Und wer gibt Abd el Krim das Geld für weitverzweigte diplomatische Aktionen und für die bekannten Bestechungsgelder für Aus gut eingeweihten Kreisen wird hierüber Presseagenten? Die Flugzeuge und ihre Piloten folgende Antwort erteilt: stammen aus England, letztere wurden in der Gegend von Aldershot ausgebildet, man hat genaue Angaben über die verkauften Flugzeuge, über deren Kaufpreis und andere Einzelheiten. Auch zwei Unterseeboote wurden angetauft. Als Bestimmungsland der Ausfuhr wurde ein Balkanland angegeben. Das Geld zur Kriegführung rührt von einem englisch- französischen Syndikat, einer Kapitalistengruppe her, die in Tanger ihren Sitz hat. Diese haben Abd el Krim zur Deckung der Kriegskosten eine Million Pfund gegeben. Als Entgelt hat Abd el Krim einen rechtsgültigen Vertrag mit dem Syndikat geschlossen, demzufolge er das Recht zur Ausbeutung der reichen Kupferminen der Rifgegend diesem überträgt, außerdem aber auch das Monopol zum Bau der Eisenbahnen und zur Errichtung einer Notenbank für die zu schaffende Republik Rif. Mit dem Druck der Banknoten dieser Republik wurde bereits vor einem Jahr begonnen. Die französischen Mitglieder des Syndikats mußten allerdings nicht, daß Abd el Krim auch die franzöfifchen Truppen angreifen würde und daß sie eigentlich den Gegner Frankreichs ausrüsteten. Angeblich trägt aber das Syndikat die Kriegskosten auch heute noch weiter. Unterdessen wird eine Konferenz gegen den privaten Waffenhandel in Genf abgehalten, während englische Industriekönige mit Nachdruck verlangen, daß angesichts der Wirtschaftskrise in der Schwerindustrie fremden Ländern Anleihen für Rüstungszwecke gewährt werden sollen. Sieben Jahre nach dem Weltkrieg! Sinfender Abfah fteigende Arbeitslosigkeit im englischen Kohlenbergbau. Seit dem vergangenen Jahre herrscht im englischen Bergbau eine scharfe Kohlentrise; 130 000 Bergarbeiter find arbeitslos, der Absatz der Kohle geht sowohl für den inneren Berbrauch wie für den Export dauernd zurück. Dagegen haben sich die Arbeitsleistungen der Bergleute erheblich gesteigert. Der jüngst veröffentlichten Statistik zufolge förderten die Bergarbeiter durchschnittlich pro Schicht im dritten Quartal 1924 17,33 englische Zentner, im vierten Quartal 17.74. Demgegenüber waren die Bergarbeiterlöhne im Sinten begriffen, sie fanten von Schilling 10,11 pro Schicht im zweiten Quartal auf 10,10 im dritten 10,7 im vierten Quartal. Troß der Verminderung der Herstellungskosten sind diese immer noch wesentlich höher, als die belgischen oder französischen, Aus der Partei. Arbeiterferienfulfur. Im Juni beginnen die diesjährigen Ferienveranstaltungen für Arbeiter und Arbeiterinnen, die der Reichsausschuß für sozialistische Bildungsarbeit veranstaltet. Die Veranstaltungen verbinden Erholung mit geistiger Vertiefung. In schön gelegenen Gebirgsorten finden sich die Teilnehmer für eine Woche zu froher und ernsthafter Gemeinschaftsarbeit zusammen. In zwanglofer Form werden Gedanken ausgetauscht, Probleme durchgesprochen und neue Kraft für die sozialistische Arbeit in der Heimat gewonnen. Daneben bietet sich Gelegenheit zu herrlichen Spaziergängen, interessanten Besichtigungen und geselligen Abenden. Die Kosten für die Kurse sind äußerst billig berechnet, sie betragen für Uebernachtung und volle Berpflegung 3-4 mt. pro Tag, fodaß es wohl allen Genossen und Genossinnen möglich ist, an einer dieser Ferienveranstaltungen teilzunehmen. Die beschleunigten Personenzüge mit 4. Klaffe bieten Gelegenheit, schnell und verhältnismäßig billig das Ferienziel zu erreichen. Der erste Rurfus findet an der herrlichen Bergstraße in. Auerbach i. Odenwald( Hessen) statt und zwar von 15. bis 20. Juni. Behandelt wird unter der Leitung der Genossin Prof. Anna Siemsen Jena das Thema„ Sozialismus und Erziehung Das für alle Eltern und Erzieher, insbesondere aber für die Elternbeiräte und die Funktionäre unserer Erziehungsbewegung wichtige Thema wird gründlich durchgesprochen und das sozialistische Erziehungsziel herausgearbeitet. Der zweite Kursus wird in der romantischen sächsischen Schweiz auf der hochgelegenen Jugendburg Hohnstein vom 22. bis 27. Juni veranstaltet. Leiter ist Gen. Redakteur SteinBerlin, der das Thema„ Der Sozialismus in Vergangenheit und Gegenwart" behandelt und nach einem Rüdblid auf die sozialistische Entwicklung der Vergangenheit besonders die nach dem Kriege aufgeworfenen Probleme in den Kreis der Betrachtungen ziehen wird. Gleichfalls vom 22. bis 27. Juni findet ein weiterer Kursus statt im Glazer Bergland und zwar in Bad Centnerbrunn in dem dortigen der Arbeiterschaft gehörigen Kurhaus. Leiter ist Gen. Josef Luitpold Stern mit dem Thema„ Arbeiterbildung und Arbeiterbewegung". Der Kursus setzt sich das Ziel, die Zuſammenhänge zwischen Arbeiterbewegung und Arbeiterschulung, zwischen Klaffenfampf und Klassenbewußtsein aufzuhellen und zugleich die Probleme der Arbeiterbildung zu erörtern. Paris, 4. Juni.( WTB.) Der Minister für öffentliche Arbeiten hat gestern nachmittag eine Abordnung des Nationalrates, der dem Allgemeinen Arbeiterverband( CGT.) angeschlossenen Bergarbeiter- wegischen Fjorden vom 27. Juni bis 9. Juli fowie die RheinGewerkschaften empfangen. Die Delegierten haben ihre Forderung auf Aufrechterhaltung der zeitweilig gewährten Zulage erhoben so wie über die Verhandlungen des Nationalrates Bericht erstattet. Der Minister will die Delegation des Nationalrates der Bergarbeiter am Freitagnachmittag nochmals empfangen. In der gestrigen Bormittagssitzung des Nationalrats wurde übrigens das Zusammengehen mit den kommunistischen Bergarbeitern abgelehnt und schließlich in einer Resolution der Wille befundet, sich einer Herabsetzung der Löhne mit allen Mitteln, einschließlich des Generalstreiks, zu widersetzen. Im Juni beginnen auch die ersten Ferienstudienreifen mit der Nordlandreise nach Kopenhagen, Oslo und den nor. fahrt: Köln, Bonn, Koblenz, Rüdesheim, Wiesbaden, Frankfurt am Main vom 14. bis 20. Juni. Anmeldungen zu diesen Veranstaltungen umgehend an den Reichsausschuß für sozialistische Bildungs arbeit( R. Weimann), Berlin SW. 68, Lindenstr. 3. Von dort ist auch ein ausführliches Ferienprogramm unentgeltlich zu erhalten. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lotales und Sonstiges: Friz Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Möbelfabrik Rob. Seelisch legründe 1876 00 Damentaschen- Fabrit Auterinblad- Roffert. m. Ldf. 10.95 Echt Saffian Coupé- Koffer Don 5.00 Auch Einzelverkauf! 9.50 an Eisenmöbelfabrik Suhl( Thür.) Neukölln, Bergstr.67 Lederwarenfabrif Mehel am Ringbahnhof. Prinzenftr. 89 zwisch. Morigpl. u. Ritterstr./ Berlin 0112, Rigaer Straße 71-73a Bekannt seit 49 Jahren. Grosse Auswahl in kompletten WohnungsEinrichtungen sowie Einzelmöbel aller Art zu wirklich billigen Preisen. Auf Wunsch Zahlungs- Erleichterung. Besichtigung ohne Kaufzwang erbeten. 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