Str. 261 42. Jahrg. Ausgabe A r. 135 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Vorwärts" mit der Sonntagsbeilage Bolt und Reit" mit„ Sied. Jung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfpaltige Nonpareille. seile 70 Pfennig. Reklamezcile 4, Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedrudte Wort 20 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedruckte Worte). fedes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche Wort das erste 10 Bfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Bfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4½ Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin SW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Tönhoff 292-295 Verlag: Dönhoff 2506-2507 Freitag, den 5. Juni 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Postfcheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkaffe Lindenstraße 3 1100 tiand Cop Stinnes- Krach. Stinnes' Herrlichkeit am Ende.- Eingreifen von Reichsbank und Großbanken. 3m Zusammenhang mit dem bekannten Personenwechsel im Stinnes- Konzern fauchten Gerüchte auf, die das Ausscheiden Edmund Stinnes' als Folge einer ungünstigen finanziellen Entwicklung des Konzerns bezeichneten. Es war bisher nicht möglich, klarheit darüber zu erhalten, ob diese Gerüchte auf Tatsachen zurückgingen. Die Unflarheit hat gestern überraschend ein Ende genommen. Der StinnesKonzern hat um die Hilfe der Reichsbank und der Großbanten nachsuchen müffen. Während des geftrigen Tages fanden in der Reichsbank Verhandlungen ffatt, an denen neben der Reichsbank und dem StinnesKonzern alle Großbanken und viele namhafte Industrielle beteiligt waren. Das Ergebnis der Verhandlungen war der Beschluß, eine Stühungsaktion für den Stinnes- Konzern einzuleiten, der sich finanziell festgefahren hat. Man spricht von über 100 Millionen Mark Berpflichtungen des Stinnes- Konzerns. Bon beteiligter Seite wird durch das Wolff- Bureau folgende Mitteilung verbreitet: Nach dem Ausscheiden von Dr. Edmund Stinnes aus der Firma Hugo Stinnes wird eine straffe zusammenfassung der Gefchäfte der Firma Mühlheim- Ruhr stattfinden unter gleichzeifigem entsprechenden Abbau der übrigen Niederlaffungen und 3ntereffen. Die einheitliche Leitung der Firma hat Hugo Stinnes jun. übernommen, der bereits vor einiger Zelf feinen Wohnfih nach Mühlheim- Ruhr verlegt hat. Die Freunde des verstorbenen Baters Hugo Stinnes, die Herren Dr. Boegler- Dortmund, Wifthöft- Hamburg und Dr. Silverberg- köln freten in den Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft Hugo Stinnes für Seefchiffahrt und Ueberseehandel ein, in der die wefentlichen Intereffen der Firma Hugo Stinnes vereinigt find. Der große Stinnessche Privatkonzern, die größte Gründung, die die Inflationszeit in Deutschland hervorgebracht hat, erfährt einen rasend schnellen Absturz. Seit dem Tode des Gründers ist noch nicht ein Jahr verflossen, und schon wankt, was er durch die Ausnutzung der Entwertung der deutschen Währung zusammengeschweißt hat. Es handelt sich nicht nur um eine Stügungsaktion, die Wesen und Umfang dieses Konzerns nicht berührt. Es handelt sich im Grunde genommen um die Auflösung des riesenhaften Stinnesschen Privattonzerns, um feine Zurückführung auf die Kerninteressen, um den Berlust seiner Bedeutung. Der Stinnessche Privatfonzern war ein durchaus unor ganisches Gebilde. Er war nicht erwachsen aus inneren wirt schaftlichen oder technischen Notwendigkeiten. Das Ziel des Gründers war fein volkswirtschaftliches Ziel. Nicht die Ratio nalisierung der Wirtschaft schwebte ihm vor, sondern ein privatwirtschaftliches, machtpolitisches Ziel, die Ausbreitung seines Besizes, die Ausbreitung seiner Macht und seines Einflusses. Dieser Konzern, in dem die verschiedensten Interessen zusam mengefoppelt waren, erwuchs auf der Grundlage der Inflation. Er war ein ungesundes, ein unorganisches Gebilde. Die Beobachter dieser Konzernbildung sprachen von einem industriellen Warenhaus. Die Optimisten, die dies Gebilde für start und lebensfähig, für geeignet hielten, den Schwierigkeiten Ser Stabilisierungsperiode standzuhalten, vertrauten im Grunde genommen nicht auf die wirkliche innere wirtschaftliche Stärke dieses Gebildes. Sie vertrauten auf die geschäftliche Erfahrung und den Geschäftssinn des Gründers. Sie erwarte ten, daß er in das bunte Durcheinander dieses industriellen Warenhauses Ordnung bringen würde. Vor dem Tode Hugo Stinnes, des Gründers, gab es Beurteiler, die bereits die Linien der Ordnung zu sehen glaubten. Der Konzern schien in der Tat kräftig zu sein. Von den Schwierigkeiten, mit denen die kleineren Inflationskonzerne zu fämpfen heiten, war beim Stinnes- Ronzerns nichts zu sehen. Die allgemeine Bewegung der Abstoßung unorganischer Interessen, der Konzentrierung cuf die ursprünglichen Interessen erstreckte sich nicht auf den Stinnes- Konzern. Im Gegenteil: Die Söhne von Hugo Stinnes fetzten die Expansionspolitik fort. Sie gliederten dem Konzern, neue Interessen an, anstatt Ordnung in der Mannigfaltigkeit des Konzerns zu schaffen. Durch diese Expansionspolitik ging die Geldflüffigkeit des Konzerns verloren. Der 3wang zur Ordnung erscheint nun in der Gestalt einer schweren Krise. Wieweit die Stüßungsaktion der Großbanken von Erfolg jein wird, welche Unternehmungen fich als lebensfähig erweifen werden, ob es zu Stillegungen fommt, die namhafte Arbeitermaffen erwerbslos machen, was die Rückwirkungen der Krise des Stinnes- Konzerns und der Stügungsaktion der Großbanten auf die gesamte Wirtschaft sein werden, das alles steht noch dahin. Nur soviel ist sicher: Die Tatsache, daß der größte deutsche Inflationskonzern um die Hilfe der Großbanken nach fuchen muß, bedeutet Alarm. Hugo Stinnes, der Gründer, wurde zu seinen Lebzeiten und erst recht nach seinem Tode als der geniale Wirtschaftsführer gefeiert. Die ihm nahestehende Bresse betrachtete es fast als Majestätsbeleidigung, wenn auf den Ursprung seiner wirtschaftlichen Macht hingewiesen wurde. Sie hielt es für verpönt, daran zu erinnern, daß dieser gewaltige Konzern mit den Tränen und dem Blut der Inflationsopfer zusammengeschweißt war. Sie wollte nichts wissen von der gewaltigen Vernichtung fleiner Existenzen, die die Grundlage für die Stärkung des Reichtums und der Macht des Gründers Stinnes darstellte. Für sie war der Gründer Stinnes der große Wirtschaftsführer, der geniale Mensch, seine Gründertätigkeit war für sie volkswirtschaftlicher Aufbau. Mit welcher Berachtung hat sie von den Konzernen zweiten und dritten Ranges gesprochen, als sie in Schwierigkeiten gerieten. Nicht das Wesen des Stinnesschen Konzerns, sondern sein Ausmaß war für sie entscheidend. Die Konzerne zweiten und dritten Ranges waren für sie üble Gründungen von Faiseuren und Schiebern. Die Stinnessche Gründung dagegen ein geniales Werk, das unerschütterlich erschien. Die Deflationsperiode hat diesen Nimbus zerstört. Das größte Konzerngebilde aus der Gründerperiode der Inflationszeit erlebt seinen Krach ebenso, wie die Konzerngebilde zweiten und dritten Ranges. Mit der Zerstörung des Nimbus, der diesen Riesentonzern, umgeben hat, geht die Zerstörung des Nimbus des Namens Hugo Stinnes, des Gründers, Hand in Hand. Nach dem Krach seiner Gründung werden die Dimensionen seiner Persönlichkeit der Deffentlichkeit, die ihn bisher noch für einen genialen Wirtschaftsführer gehalten hat, in stark verkleinertem Maße erscheinen. Durch den Krach wird das wahre Wesen des Stinnes- Konzerns offenbar: Nicht eine geniale Schöpfung, nicht das Endergebnis organisch aufbauender Arbeit, sondern das Wert eines Gründers und reinen Spekulanten. der größten internationalen Hotels angeschlossen. Dazu kommen neun leberjee- und Binnenschiffahrtswerften. Eine erhebliche Anzahl von Papierfabriken, die durch Interessengemeinschaften mit anderen Papierkonzernen verbunden sind, sind die Grundlage seiner ausgedehnten Herrschaft. Dußende von VerKorresp ndenzbureaus lagsgesellschaften, 3eitungen in ganz Mitteleuropa. Im Auslande beherrschen die beiden Familienkonzerne fast 600 Unternehmungen ausnahmslos aller Industriezweige. und Das Schwergewicht liegt in der ungeheuren Ausdehnung und Berflochtenheit der Beteiligungen durch Aktienpakete. Wenn es wahr ist, daß die Verwaltung der Stinnesschen Privatfonzerne in schwerer finanzieller Bedrängnis ist, und man fann daran nicht mehr zweifeln, dann kann nur die Bersilberung von Aktienpaketen helfen. Dann aber muß man sich fragen, wieweit überhaupt die. Mittel der Reichsbank ausreichen, um den von den Großbanken bevom Stinnes Konzern abzustoßenden absichtigten Aufkauf der Aftienpakete zu finanzieren. 1 So sehr man sich vor Prophezeiungen hüten muß und so gefährlich eine unzeitige und übertriebene Beunruhigung der Deffentlichkeit aus Anlaß der erforderlichen Transaktionen wäre, man darf die Augen nicht davor verschließen, daß im gegenwärtigen Augenblid der aufs schärffte einsetzenden wirtschaftlichen und kreditpolitischen Reinigungskrije aus dieser Stügungsaktion eine Gefähr dung, nicht zwar der Währung, wohl aber des gesamten deutschen Kreditbaues eintreten kann, die für die Wirtschaft die allernachteiligsten Folgen haben muß. Dabei darf man nicht übersehen, daß in Deutschland Milliarden kurzfristiger ausländischer Kredite zirfulieren, so daß die für Stinnes notwendig gewordene Stügungsaktion auch die ausländischen Kreditgeber beunruhigen könnte. Sebenfalls haben die Reichsbank, die Regierung, die gesamte Deffentlichkeit, aber auch die Arbeiterschaft allen Anlaß, nicht nur mit schärfster Aufmerksamkeit und größter Borsicht die Sanierung des Stinnes Konzerns zu Konzerns zu beobachten und zu behandeln, vorzusondern sich auch auf weitgreifende Eventualitäten bereiten. Die kritische Lage der deutschen Wirtschaft dürfte durch den Fall Stinnes eine starte 3uspigung erfahren. 0 Eine Bestätigung. Das Wirken Hugo Stinnes', des Gründers in der Inflationszeit, bedeutete Unglück für das deutsche Volt. Er hat die Not des deutschen Volkes ausgenutzt, er hat sie durch seine Ausmuzung vermehrt. Er hat die Zerrüttung der deutschen Währung benutzt, um seinen gewaltigen Privatkonzern zuKöln, 4. Juni.( WTB.) Der Kölnischen Zeitung" zufolge hat sammenzuschweißen, er hat die so gewonnene wirtschaftliche die Stinnes- Gruppe heute durch Vermittlung der Reichsbank mit Macht benutzt, um politischen Einfluß auszuüben. Sein anderen Großbanten wegen Kreditmaßnahmen Berhandlungen politischer Einfluß war verhängnisvoll, politisch und wirtschaft eingeleitet. Wie die„ Kölnische Zeitung" erfährt, handelt es sich bei lich. Er gehörte zu den stärksten Faktoren, die die rechtzeitige eingeleitet. Wie die" Kölnische Zeitung" erfährt, handelt es sich bei Sanierung der deutschen Währung verhindert haben. Sein den in obigem Zusammenhang genannten Großbanken um die DarmWirken stand der Schaffung der wirtschaftlichen Grundlage für städter und Nationalbank, die Diskonto- Gesellschaft und die Deutsche Bant. Alle weitergehenden Gerüchte von einer Gefährdung der die Regelung der Reparationsfragen auf dem Wege der Ber- Stinnes- Gruppe entbehren nach Kenntnis der„ Kölnischen Zeitung" ständigung entgegen. Der Krach, der seine Gründung jeßt, Stinnes- Gruppe entbehren nach Kenntnis der„ Kölnischen Zeitung" ein Jahr nach seinem Tode, bedroht, kann der Anfang einer jeglicher Grundlage. sehr ernsthaften allgemeinen Krise, werden. Was er ge= schaffen hat, offenbart fich mun als eine Gefahr für die deutsche Wirtschaft. Die notwendige Rückführung und Reinigung der durch die Gründer der Inflationszeit geschaffenen ungefunden Gebilde fann Krisen heraufbeschwören, die das Gefüge der deutschen Wirtschaft schwer erschüttern und ernste Folgen für| mittags, unter Vorsiz des Reichspräsidenten ein Kabidie deutsche Arbeiterschaft nach sich ziehen können. Die inneren Schwierigkeiten des Stinnes- Konzerns ent springen seinem Wesen als Inflationsgründung. Es handelt fich bei der Krise dieses Konzerns nicht nur um ein Versagen der zweiten Generation. Es handelt sich um eine Krise, die einmal fommen mußte, nachdem die Inflationsgrundlage geschwunden ist. Die Reinigung der Wirtschaft von den ungefunden Gründungen der Inflationszeit muß erfolgen sie wird für das deutsche Volt nicht minder krisenhaft und schmerzlich sein, als die Krisen der Inflationszeit selber. Der Umfang des Stinnes- Konzerns. aber Reichsregierung und Entwaffnungsnote. Beratungen unter Vorsitz des Reichspräsidenten. WTB. meldet: Wie wir erfahren, findet am Freitag, den 5. d. M., 12 Uhr nettsrat zur Erörterung der am Donnerstag überreichten Note , über die Boraussetzungen für die Räumung der nördlichen Rheinlandzone" statt. Deutschösterreichs Anschlußwille. Es will heim ins Reich. Wien, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Nachdem schon vor längerer Zeit hier die„ Desterreichische und Deutsche Arbeitsgemeinschaft" ins Leben getreten war, ist heute die Ortsgruppe Wien des Desterreichisch- Deutschen Boltsbundes"( Sih Berlin, Borsitzender Reichstagspräsident Löbe) gegründet und damit ein neuer Anstoß zur Maffenbewegung für den Anschluß Deutsch. österreichs an das Deutsche Reich gegeben worden. Es wurde ein 25gliedriger Ausschuß gewählt, dem auch eine Reihe bekannter Sozialdemokraten angehört. Der Stinnessche Privatbesig läßt sich faum übersehen. Er ist im wesentlichen in zwei Gesellschaften zusammengefaßt, der A. Stinnes G. m. b. H., Hamburg, und der 2. G. Hugo Stinnes für Seeschiffahrt und Ueberseehandel. Selbständigkeit? Lebensunfähigkeit! Außer den ausgedehnten Bergwerks, Hütten- und KohleverwerGenf, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Bor der Lösung des tungsbetrieben, von denen der Stinnes- Konzern seinen Ausgang ge nommen hat und an die die Siemens- Rhein- Elbe- Schuckert- Union österreichischen Problems ist in Genfer Kreisen die Frage der even anknüpft, erfolgte besonders seit dem Weltkrieg eine Ausdehnung tuellen Auswanderung von 60000 österreichischen in fast alle Industrie- und Handelszweige im In- und Auslande. Arbeitslosen erwogen worden. Da Nordamerika ihre AufAn die Rheinisch- Westfälischen Montanwerke schließen die nahme ablehnt, erwägt Defterreich jetzt, durch den Abschluß von Erdöl- und Braunkohleninteressen Stinnes' an, deren Freizügigteitesverträgen verschiedene europäische Mittelpunkt die Hugo- Stinnes- Riebed- Montan- und Delwerke Halle Staaten für die Aufnahme der österreichischen Arbeitslosen zu interfind. Dazu kommen ausgedehnte Delfonzessionen in Süd- effieren. Deutschland soll etwa 10 000 Mann aufnehmen; dazu amerita, Tankflotten und Delhandelsgesellschaften. Auf dem Gebiet soll mit dem Reichsarbeitsministerium verhandelt werden. der Schiffahrt verfügt der Stinnes- Konzern neben den Hugo österreichische Regierung vertritt den Standpunkt, daß bei einer Stinnes- Linien über vier Ueberfeereedereien und 25 Binnenschiff wirtschaftlichen Bladade Desterreichs durch die kleine Entente fahrtsgesellschaften. An diese Verkehrsinteressen find über ein Dugend ein weiterer Unterhalt feiner Arbeitslojen unmöglich wäre. 1 Die Gegen völkisches Rowüptum. Vin notwendiger Erlaß. Der preußische Innenminister Gen. Severiag hat an die Landes- und Ortspolizeibehörden einen Erlaß gerichtet, in dem es heißt: .In letzter Zeit macht sich in zunehmendem Maße das Treiben einzelner radikaler Gruppen aus den Reihen der Rechts- wie der Linksorganisationen bemerkbar, das infolge der weiteren Verschär- fung der politischen Gegensätze zu erheblichen Bedenken Anlaß gibt. Diese vorwiegend jugendlichen Personen betätigen sich viel- fach derart, daß sie, mit Knotenstöcken und häufig auch mit Gummiknüppeln oder anderen gefährlichen Werkzeugen ver- srhen, in kleinen Trupps lärmend und provozierend die Straßen durchziehen, Passanten belästigen, politisch Andersdenkende vielfach nicht nur in unflätiger Weise beschimpfen, sondern sogar überfallen : nd oerletzen. Dieses Benehmen ist vielfach Gegenstand ollgemeinen Anstoßes und droht Umfang und Formen anzunehmen, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit nicht geduldet werden können. Die Besorgnis von Zusammenstößen besteht jetzt in erhöhtem Maße, da in der wärmeren Jahreszeit wieder allenthalben öffentliche Ber- anstaltungen stattfinden. Der Minister ersucht daher, alle Polizei- behörden und Organe gegen derartige Erscheinungen mit aller Entschiedenheit vorzugehen und bei Verstößen gegen Gesetz und Ordnung mit Nachdruck einzuschreiten. Bei dieser Gelegenheit macht der Minister darauf aufmerksam. daß von der Erteilung von Waffenscheinen an Jugend- liche möglichst abzusehen sein wird: die Erteilung wird sich jedenfalls nach sorgfältiger und vorsichtiger Prüfung nur auf drin- gendste, vollkommen bedenkenfreie Ausnahmefälle erstrecken dürfen, in denen der Nachweis unbedingter Zuverlässig- keit zweifelsfrei erbracht ist. Auch schon das Mitführen einheitlicher schwerer Knoten st öcke, zahlreicher Gummiknüppel sowie besonders von Hieb- und Stichwaffen durch Wandertrupps stellt nach den gemachten Ersahrungen unter Umständen eine Ge- fährdung der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung dar. Gegen solche Trupps und Bereinigungen ist beim Borliegen der Voraus- setzungen des§ 10 II 17 des Allgemeinen Landrechts mit allen Handhaben der Gesetze einzuschreiten und gegebenen- falls die W e g n a h ni e und vorläufige Sicherstellung der gefähr- lichen Werkzeuge zu veranlassen." Wie notwendig der Erlaß ist, Hot der Präsidentschaftswahlkampf bewiesen. Dem Banditentum völkischer Revolverhelden sind an ver- ichiedenen Orten Republikaner zum Opfer gefallen. Wünschenswert wäre es, wenn der II n t e r r i ch t s m i n i st e r dem Beispiel des Innenministers folgte und dafür Sorge trüge, daß auch in den höheren Lehranstalten der völkische Hetzgeist systematisch abgebaut wird. Herzlichen dank üen Kommunisten...! Dummheit, die nicht ausstirbt. Der„Alkohol", dos offizielle Organ des Deutschen Brennerei- beamtcnbundes, der zugleich die Spintus- und Kornbranntwein- industrie, die Likörfabrikation und ähnliche staalserhastende Branchen «stritt, brachte kürzlich an der Spitze den Jubelschrei �steil Hinden- bürg!" Aus Seite 3 findet sich dann noch folgende Notiz: „Wir haben ihn— unseren Hindenburg! Hab�mus papaw! Das souveräne Boll hat gewählt, und zwar nach der Berfasiung. die es sich selber gegeben hat. So vieledumme Gelichter wie nach Hindenbyrgs Sieg haben wir schon lange nicht in Berlin gesehen! herzlichen Dank den Somwunisten. die hindenburgs Wahl erleichtert haben, und Gott sei gedankt, daß die Dummheit tu Deutschland nicht aus- stirbt..... Es lebe Hindenburg!" Selten ist wohl ein.herzlicher Dank" ehrlicher»erdient worden. wie dieser vom„Alkohol" an die lieben Koinmimisten gespendete. Und daß kommunistische Weisheit mit allgemeiner»Dummhest, die nicht ausstirbt", auf ein« Stufe gestellt wird, ist ebenso schmeichel- Host für die KPD.-Führer, wie für die Alkoholisten. »StaStoper"— weröe! Von Dr. Kurt Singer. Das.Charlottenburger Opernhaus" hat seine Pforten geschlossen. Am 1. September soll neues Leben aus den Ruinen blühen. Wie wird sich dieses Kunstleben gestallen? Die Oeffentlichkeit weiß davon mehr, als die internen Kreise, die an der Vorbereitung mitarbeiten. Seit Monaten könnte man eine Zen- trale für Dementis beschäftigen. Wozu?„Gazetten sollen nicht ge- nieret werden." Und was Agenturen, Reporter, strebsame Aspi- ranken alles tun, um genannt, gedruckt, bemerkt zu werden, das kann auch durch die beftfunktionierende Moschine des Berliner Nach- richtenomtes nicht korrigiert werden. Schweigen ist Gold. Geplant ist und war«ine großstädtische Oper mit volksmäßigem Einschlag. Nicht ein Institut also, dem der Begriff„populär" als künstlerischer Makel anhastet, sondern als Erhöhung seiner Bedeu- tung. Es sollen dort Menschen Erhebung finden, Entspannung ihrer Arbeitskraft, die sonst vor der Tür stehen oder aus Berichten lernen, woran andere sich freuen. Zahlt der Arbeiter, der Bürger, der Ata- demiter nicht Steuern auch zur Unterhallung der Staatsoper? Er hat nichts davon, weder wenn er in Berlin noch wenn er in Kyritz zahll. Der Berliner Steuerzahler aber muß durchweg die Möglich- keit haben, sein Interesse an Opernkunst in der von städtischem Geld getragenen Stadtoper zu stillen. Die Zahl der Interessierten geht ja nicht in die Hunderttausende. Bei geeigneten Abonnementsbedin- gungen wird der Mittelstand bei Anknüpfung an die Volksbühnen- bewegung Gelegenheit bekommen müssen,„seine" Oper einmal im Monat zu hören. Es wäre ein herrlicher Schritt, wenn die aristo- kratische Gebärde der Luxusoper abgelöst würde von dem Gemein- schaftsgefühl, daß alle beteiligt sind an Wert, Stand, Glück und Ende einer Oper. Dann wäre Bolkstümlichkell da, die sich mit erhabensten Kunstzielen verbände. Selbst Konturrenzallüren gegenüber der Staatsoper schaden nichts. Di« Tradition, die Atmoshäre eines so alten, so zuchtvoll und dennoch frei wirkenden Orchester- und So- listenensembles läßt sich in Jahrzehnten, nicht im Handumdrehen erringen. Hoffnungen werden also nicht gleich in den ersten Spielzeiten in Erfüllung gehen. Nur Wille, Ziel. Arbeit, Stil werden sich abzeichnen. Man wird dem Intendanten T i« t j e n Zeit lassen müssen, sich auf einem so gefährlichen Pflaster wie Berlin zurechtzufinden. auch die Besonderhesten und besonderen Schwierigkeiten des Riesen- baues in der Bismarckstraß« kennen, beherrschen zu lernen. Er wird die volle Verantwortung tragen für eine Ausbalancierung von Einnahme und Ausgabe, für eine im Rahmen des vorgesetzten Etats durchführbare Höherentwicklung des bisherigen Spielniveaus. Seine Rückendeckung wird Bruno Walter heißen. Bon einem „perfekten" Vertrag, den englische und deutsche Blätter melden, kann allerdings erst die Rede sein, wenn der Aufsichtsrat ihn sanktioniert hat. Aber die Schatten dieser Propagandanachrichten laufen eben Gest klagt gegen üie dentsthnationalen. Wer hat sei« Wort gebrochen? Darmstadl. 4. Juni.(WTB.) Rcichstagsabgeordneter Dr. Best, der zurzett hier weill, hat von der Parteileitung der Deutschnationalen Bolkspartei die Mitteilung erhallen, daß er nach Ansicht der Deutschnationalen Bolkspartei durch sein Verbleiben im Reichstag setn feierlich gegebenes Wort gebrochen habe. Dr. Best teilte hierauf der„Hessischen Landeszeitung" zufolge der Parteileitung der Deutschen Volkspartei mit, daß er, falls ihm bis zum S. Juni nicht eine gegenteilige Erklärung zugegangen sei, gegen den Partei- Vorsitzenden W i n k l e r und den Geschäftsführer Professor Meyer Strafantrag stellen werde. Reich und Schule. Tie Hamburger Lehrerversammlttng gegen den Kulturpartikularismus. Hamburg, 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der zweste Der- Handlungstag der 33. Deutschen Lehrerversammlung war im wesentlichen ausgefüllt durch den Dortrag des jetzigen ersten Borsitzenden des Deutschen Lehrervereins, G. Wolfs- Berlin, der in überfüllten Sälen über„Reich und Schule" mit packender Sprache einen Aufriß über die Entwicklung des Ge- dankens einer einheitlichen Reichskulturpolllik gab. Außer dem poli- tischen Partikularismus habe sich das deutsche Volk auch noch die Widersinnigkeit eines Kulturpartikularismus geleistet, in- dem das Schulwesen nach 1871 restlos Sache der Länder war. Es mußte erst der Zusammenbruch kommen, damit endlich 191S eine Reichsschulkonferenz zusammentreten konnte, die aber die Gelegenheit zu tatkräftiger Arbeit verpaßte. Auch die kulturpolitische Abteilung des Reiches habe außer der Grundschulgesetzgebung wenig geleistet. Diese sei dazu noch in den folgenden sechs Iahren stark durchlöchert worden. Unter lebhafter Anteilnahme der Versammlung geißelte Wolff die Tragödie der Lehrerbildung und Tatenlosigkeit des Reiches, das vor oußerstaatlichen Mächten kapituliere und die Bestimmungen der Verfassung ruhig mißachten lasse, während eine Reihe wichtiger Forderungen der schnellen Regelung harren. Die deutsche Lehrerschaft wird ihren Kampf in dieser Richtung mit aller Energie vorwärtstreiben.— Der Eindruck der Rede war kennt- lich durch den einstimmigen Beschluß, diese Rede ohne Aussprache hinzunehmen und durch Massenverbreitung in das Volk zu bringen. In einer umfangreichen Entschließung wurden dann noch einmal die Hauptforderungen auf zielbewußte Reichskulturpolitik niedergelegt und damit die Beratungen der Hauptversammlung ge- schlössen. SozialöemokratilcbestVohlfahrtsprogramm Beratungen im Hauptausschuh des Landtags. Im Hauptausschuß des Landtags wurde am Donnerstag mit der Beratung des Haushalts des Ministeriums für Voltswohlfahrt be- gönnen. Von der sozialdemokratischen Fraktion sind dem Ausschuß 23 Anträge vorgelegt worden, die zusammen eine Art Volksgesundheitsprogramm darstellen und vom Gen. Dr. Weyl eingehend begründet wurden. Zur Bekämpfung der Tuberkulose fordert die sozialdemo- kratiscbe Fraktion die Bereitstellung möglichst hoher Beträge und zum Zweck einer wirklich planmäßigen Tuberkulosebekämpfung die Zusammenfassung der vorhandenen Einrichtungen von Reick, Staat und Gemeinde sowie die der Versicherungsträger zu einer Arbeits- gemeinschast.— Zur Bekämpfung der G es ch l e ch t s kra n k« h e i t e n wird ebenfalls namhafte Erhöhung der Mürel gefordert, desgleichen ein Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankbeiten: ferner zur Unterweisung in ollen, daS Sexualleben betreffenden Fragen Eheberatungsstellen und Vorlegung eines Gesetzentwurfs. auf Grund dessen bei Eingehung der Ehe zu den erfcnderlicken Standesamtspapieren ein Gesundheitsattest beizubringen ist.— Zur Bekämpfung des Alkoholismus soll das Staatsministe- rium bei der Reichsregierung darauf dringen, daß alkoholhalttge Getränke aus Getreide nicht hergestellt werden. Bereitstellung guter und billiger alkoholfreier Getränke in allen behördlichen Er- frifchungsräumen, gesundheitsgemäße Herstellung von Fruchtsästen und alkoholfreien Getränken sowie Derbilligung der staatlichen Brunnenwasser, damit dies« zu einem Volksgetränk werden können. gern dem Licht solcher Berufung voraus. Woller ist«in Programm, Waller hat ein Programm. Die Namen der Münchener Promi- nenten, die er sich zu einem Etarensemble erzogen hat. zeigen, daß Waller den direkten Anschluß an seine abgebrochene bayerische Tätig- keit sucht. Ivogün, Erb, Onegin, Wildbrunn, Melchior, Brodersen. Krauß— olle werden genannt. Ein paar davon werden wohl schon deshalb ausscheiden, well sie halbfeste Gastspiewerträge mit der Staatsoper haben. Man soll nicht ohne Zwang Reibungsslächen schaffen. Ob die anderen, die nur auf wenige Rollen geeicht sind, auch im Dauervertrag noch Attraktionen von Berlinischem Format bleiben, ob ihr« Stimmen, kammermusikalisch geadelt, in dem großen Haus tragfähig bleiben, ob Prominentenhonorare tatsächlich durch die Billettzahlung ausgepowerter Bürger wettgemacht werden können — bang« Fragen. Zukunftssorgen, Problem« sicher auch für den einer Verantwortung durchdrungenen Generalmusikdirektor, für den neuen Intendanten, für den Aufsichtsrat, für die städtische Kunst- deputation. Die Besetzung der Kapellmeisterposten neben Waller steht noch aus. Waller wird, auch wenn er seine Urlaubszeit sehr einschränkt (was für den Betrieb notwendig ist), Ersatzkräfte, nicht Nullen neben sich haben wollen, haben müssen. Musikantisch muß sein Geist domi- nieren, auch wenn er abwesend ist: es muß aber für ihn ehrenhaft sein, Talente am Pull zu fördern. Er ist ein zu großer Künstler, er ist ein viel zu feiner, gereister, weiser Mann, als daß er glaubte, olles könne auf seinen starken Schultern ruhen. In das Dunkel der Berliner Opernkrisen möge ein Lichtsttahl treffen. Alles fließt. Was jetzt auch in Warnungsworten heißester Wunsch und liebevollste Anregung bedeutet, wird in zwei Iahren. kritisch ausgemünzt, entschieden haben für oder gegen Berlins städtische Oper. Die Vorzeichen sind denkbar günstig. Wir hoffen mit den neuen Männern, wir hoffen für das neue Haus. Cawille Flammarion-f. Der auch in Deutschland durch seine vopulären Schriften bekanMe französische Astronom Cmnille Flam- Marion sst in Paris im Alter von 83 Iahren gestorben. Er hat viel dazu beigetragen, um die manchmal spröde Himyielswissen- schast in weite Kreise zu tragen. Die reinen Fachwissenschaftler haben freilich manchmal seine Pbantasien als unwissenschastlich abgelehnt. Aber das Interesse an Fragen, wie z. B., ob es außer der Erde auch sonst bewohnte Himmelskörper gibt, oder ob der Mars lebend« Wesen aufweist, hat Flammarion in fesselnder Weise wack- gerufen. Er war ein glänzender Popularisator, der jahrelang rein journalistisch an populärwissenschaftlichen Zeitschristen und auch an Tageszeitungen tätig war. Später leitete er eine von Privaten gestiftete und unterhallene Sternwarte in Jnoisy bei Paris. Die rein wissenschaftlichen Arbeiten Flammarions betreffen Doppel- sterne und Ballonbeobachtungen, die er als einer der ersten oraoni- sierte. Aber seine viel größere Bedeutung liegt in seinen zahl- reichen populären, übrigens glänzend geschriebenen Büchern, wie: ..Gibt es mehrere bewohnte Welten"(in zahllosen Auflagen),„Die himmlischen Wunder",„Ballonfahrten".„Das Ende der Well" u. a. In den letzten Jahrzehnten hatte sich Flammarion, dessen Phantasie Wetter Vorlegung eines Gesetzentwurfs, der die Abgabe und den Ausschank alkoholischer Getränke an Jugendliche bis zu 18 Jahren verbietet, und Einwirkung auf die Reichsregierung, ein Trinkerfür- sorgegesetz einzudringen. Ebenso soll das Staatsministerium bei der Reichsregierung dasür eintreten, daß das Recht der Gemeinde, durch Abstimmung über Umfang und Art des Alkoholausschanks zu ent- scheiden, baldigst durch Reichsgesetz festgelegt wird. Zur Erforschung der Krebskrankheit Bereitstellung eines angemessenen Betrages und zur Bekämpfung der M a l a r i a eines solchen von 20 000 Mark.— Erhöhung der Mittel zur Bekämpfung der K l e i n t i n d e r- und Säuglings st erblich keit, Bereitstellung ausreichender Summen für die Kinderspeisung sowie Beihilfen zur Einführung gesundheitlicher Fürsorge in den Schulen auch für die Zwecke der Schulzahnpflege, und zwar in Höhe von 200 000 M. Schließlich for- dert die Fraktion vom Staatsministerium die Einbringung eines Irrengesetzes, Milderung des Impfzwanges(die wiederholte Aufforderung zur Impfung soll unterbleiben, wenn der Erziehungs- berechtigte, nachdem er einmal wegen Unterlassung der Impfung seiner Pflegebefohlenen rechtskräftig bestraft worden ist. die eides- stattliche Versicherung abgibt, daß er die Impfung nicht mit feinem Gewissen vereinbaren könne) und Ueoerführung der preußischen Staatsbäder in die Verwaltung des Wohlfahrtsministeriums. Diese« Volksgesundheitsprogramm der sozialdemokratischen Frak- tion fand bei dem Wohlfahrtsminister Anklang und im wesentlichen Zustimmung Er versprach die Milderung des Impfzwanges und vor allem eine Revision des Erlasses des Wohlfahr ts- Ministeriums vom 2 3. August 1924 über die Haft- und Derhandlungsfähigkeit. Di« sozialdemokratische Fraktton fordert die sofortige Aushebung dieses Erlasses. der Minister dagegen will zunächst die Einsetzung einer Kommission, die dann die Revision herbeiführen soll. Völkerrechtstagung in Stuttgart. Das Problem der internationalen Gerichtsbarkeit. Skullgart. 4. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In Stuttgart wurde am Donnerstag die Tagung der Deutschen Gesellschast fur Völkerrecht mit einem Referat des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Simons über„Internationale Gerichtsbarkeit" eröffnet. Simons gab eine Uebersicht über das vielgestaltige Werden aus dem Gebiete des Völkerrechts, das besonders durch die Liquidierung des Krieges einen neuen Antrieb, wenn auch vielfach in einem Deutsch- land ungünstigen Sinne, erhalten hat. Eingehend wandte sich der Referent dann den Fragen der zwischen st aatlichen Schiedsgerichtsbarkeit zu, von deren Ausbau er auch für uns die Förderung unseres Rechts erhofft. Das öffentliche Programm der Tagung sieht wetter Vorträge von Professor Dr. F l e i s ch m a n n und Geheimrat Dr. Mendelssohn« Bartholdy über„Kolonialmandat«" vor, denen im engeren Kreise der Mitglieder eine große Anzahl wissenschaftlicher Berichte über Fragen des Völkerrechts folgen. Ostdeutscher Godenreformertag. Der Bund Deutscher Bodenreformer hat In Ver- bindung mit dem Heimstättenamt der Deutschen Be- amtenschaft und dem Magistrat der Stadt in Frankfurt a. d. O. vom 1. bis 4. Juni einen Ost deutschen Boden- reformer- und Heimstättentag unter Leitung von Dr. Adolf Damaschke, dem Vorsitzenden des Bundes Deutscher Boden- resormer, abgchallen. Mehr als 300 Männer und Frauen waren versammell, ein Parlament von Boden-, Siedlungs- und Wohnungs- polttikern, deren theoretisches Wissen in langjähriger Praxi» gereift ist. Der westpreuhische Landrat R e b e h n- Marienburg wandte sich scharf gegen die Ausbeutung der Arbeitskraft der Landarbeiter durch den landwtttschafUichen Großgrundbesitz in der Ostmark, der ohne Rücksicht auf die nationale Schädigung sich nicht scheut, jährlich zehn- tausend polnische Arbeiter über die Grenze zu lotsen, obwohl ebenso viele erwerbslose deutsche Zlrbeiter verfügbar/sind. Die ausländischen Arbetter sollen zwar nach Beendigung ihrer Lrbell wieder hinaus aus Deutschland, aber die Regierung hütet sich, sie per Schub abzutrans- Portieren, mm Furcht vor polnischen Repressalien. Die Zlusführungen dieses Redners begegneten sich mit späteren Adolf Damaschkes. Damaschke unterstrich auch den Gegensatz zwischen den agrarwirtschaftlichen Forderungen der SPD- den Land- besitz aus 730 Hektar höchstens zu begrenzen und seinem eigenen Standpunkt: keine Höchstgrenz« dieser Art festzusetzen. Eingehend beschäftigte sich der Redner mit der bodenreformerischen Forderung: leicht entzündlich blieb, den sogenannten okkullen Erscheinungen zu» gewendet. Er ist wie so viele Gelehrte, die nicht gern Geglaubtes von wirklich Gesehenem unterscheiden können, ihr Opfer geworden. wie vor ihm der größer« deutsche Astronom Zöllner und manche aicher«. politischer Hochbetrieb. llm dies« Zeit in früher'» Sommern Verschwand die Politik— husch, husch! Entlastet fuhr der Mensch nach Pommern, Wo er sich in der Ostsee wusch. Die Parlament« gingen schlafen Von wegen mangelndem Besuch, Diätenlos dann nagten Grafen Auf Klitschen an dem Hungertuch. Gen Nordland zogen die Monarchen, Von Schwertgeklirr zu Wogenprall. Und toasteten in ihren Archen Aus Vater Aegir und Walhall. Nu seht euch jetzt mal an den Juni! Es findet Kriegstheater statt, Und Frankenreich verschießt die Muni- tton, die es noch übrig hat. Zum Rhein, zum Rhein hinüberlugend, Schwingt schön es das Mensurrapier Und macht aus Noten eine Tugend Mtt Schnörkeln auf Konzeptpapier. Inzwischen muß es(Abd-el-) krimmen Den Buckel, denn es kriegt ihn„Plein" Don Püffen, die es sehr oerstimmen. Von einer Tracht„Kläps' m a r o c a i n s". Na, Kinder, ist das nicht zum Lachen? Na, sagt mal: Hat Europa Ruh'? Nicht mal am heil'gen Psingstsest machen Sie den polit'schen Laden zu. Am besten wär's, wir alle retten Zum Medizinmann uns in Haft, Wo„höflich" man mit Schlaftabletten. Konflikte aus dem Wege schafft. Jeremias. aalsoper. ssl!r W««ft« Nullübruna ber.Geschichte»eta 'Oibnlen* Bat Ernst Legal leine Mitwirkung zugesagt. Er spielt Me«olle be« Teufel« und bat gleichzeitig die Svieilettung übernommen. Die '.zcnische Gestaltung erfolgte In der Zusammenarbeit mit P.«ravantino» Der Roman„Avthouy Zolin" von Jeron, e K. Jerome. der in unserem Feuilleton erschien, ist in Buchform vom Taisun-Berlaz in Fronkhul aiK oerlegt worden.«Drei« Kr. 2 M.) lo ssel» rechter darf»ich« ln die Schweiz. Der Schweizer Bundesrat ocrweigcrte Tatjana Tolnoi. der Tochter Leo Tolltoi«. die EinreiieerlauSni« in die Schweiz. Die Schweizer Dresse protestiert gegen die'e Maßregel d, eine B-lchimpluna de« großen toten Dichter« bedeute. Tatjana hat in Sieo und Berlln Vorträge über den Zwist im Hause Tolstoi gehalten. bei der Grundsteuerveranlagung lebiglich den nadien Boden, und zwar nach dem gemeinen Wert zu besteuern auf Grund der Selbsteinschäzung, die für jedermann zur Einsicht offengelegt werden müßte. Bon hoher voltswirtschaftlicher Barte aus sprach Damaschte später über das Verhältnis der Industrie zur Bodenreform. Dr. Rush Dresden schilderte den Kampf fortschrittlicher Elemente in einer Regierungsmaschine gegen andere, die dem mächtigen Bodenkapital nicht unbequem sein möchten. Die Geschichte des sächsischen Bodensperrgeseges ist nicht ohne Tragit, unter deren Konflikt das deutsche Boll schwer leidet. Die Kernfrage des Siedlungs- und Wohnungsproblems, die Frage der Finanzierung, be handelte Oberregierungsrat Dr. Hoppe Dresden: Er geißelte die unentschuldbare passivität des Reiches gegen über der brennenden Wohnungsnot: 600 000 Woh nungen bringendfter gegenwärtiger Wohnungsbedarf und Mittel bewilligt für etwa 16 000. England ermede unseren stillen Neid mit feinem großzügigen Wohnungsprogramm, das jährlich zweihundert tausend Wohnungen schaffe. Ein ausgesprochener Brattifer fam zum Wort in der Person des Frankfurter Stadtrates Bruno Müller. Er sprach über die praktische Anwendung der Heim Stadtrats Dr. Althoff über den neuen Bebauungsplan und die neue Wohnung“ führte ebenso wie der spätere Vortrag des Breslauer Oberregierungsrats und Oberbaurats Schierer mitten in die praktische Arbeit hinein. Besonders der letztere Redner zeigte eine ungewöhnlich instruktive Zusammenstellung von Lichtbildern. Am Ende der Tagung legte der anhaltische Landtagspräfident, Genosse Beus, ein feierliches Bekenntnis zum Sozialismus als Religion ab. Der deutsch- Spanische Handelsvertrag. Vor der Ratifikation in Madrid. Madrid, 4. Juni.( TU.) Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, wird dem übermorgen tagenden obersten Wirtschaftsrat, neben der Beratung von Handelsabkommen mit Schweden und Belgien, auch der deutsch- spanische Handelsvertrag zur Ratifizierung vorliegen. Ohne Kaution freigelassen! Natürlich ein Junker... In der Affäre der Landespfandbriefanstalt ist wieder eine Haftentlassung vorgenommen worden, und zwar hat die Straffammer auf Beschwerde der Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Gollnid entgegen dem Einspruch der Staatsanwaltschaft den Junker v. Carlowiz ohne Stellung einer Raution auf freien Fuß gesetzt. Der junge Lebemann hat die zarte Rücksicht schon durch seine Abstammung redlich verdient. Keine Entschädigung für Stargard. Polen zahlt nichts. Elbing, 4. Juni.( mtb.) Ein hiesiger Einwohner hatte sich, wie die Elbinger Zeitung" berichtet, an ben polnischen Staat um Erjazz desjenigen Schadens gewandt, der durch die tödliche Berumgludung feines Sohnes bei dem Stargarder Eisenbahnunglüd entstanden ist. Der Bater hat jetzt die Mitteilung erhalten, baß der polnische Staat Schadenerfaß nicht leiftet, weil das Unglüd auf einen ver brecherischen Anschlag" zurückzuführen fei. Warschau, 4. Juni.( Mtb.) In der Sigung der Berkehrstom mission erflärte der polnische Eisenbahnminister auf eine Interpellation, daß Polen den Opfern der Ratastrophe teine Entsch a bigung zahlen werde, da der Unfall auf höhere Gewalt zurückzuführen ist. Bolen tönne daher rechtlich nicht zur Berantwortung ge 3bgen werden In jeder Sitzung Mord- Anfrage! Die Aktion der ungarischen Genoffen. Budapest, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Regierungs Teute hatten gehofft, baß auf die erregte Debatte in der Nationalversammlung am Mittwoch anläßlich der Unflagen gegen Horthy cine Beruhigung eintreten würde; es herrscht indessen an hal. tende starte Erregung. Donnerstag früh begann ein 24stündiger Segerstreit, so daß einen vollen Tag feine einzige Zeitung in Budapest erscheint. Die sozialdemokratische Fraktion beschloß, am Beginn jeder Parlamentssigung Beniczkys Enthüllungen wieder zur Sprache zu bringen. In der Donnerstagsfizung forderte ein Demokrat die Regierung auf, das Berbot der Zeitung Az Ujfag" aufzuheben, morauf er aur Ordnung. gerufen wurde! Der verhaftete Beniczky ist bereits einmal verhört worden. Angeblich soll der gewesene Erzherzog Josef zwischen Horthy und den Legitimisten vermitteln. Der Reichsverweser versucht, die öffentliche Diskussion der Affäre zu unterbrüden. Auf der Tagesordnung der Sonnabendsigung der Nationalversammlung stehen alle Interpellationen, die mit den Enthüllungen Beniczkys über den Mord an den beiden fozialdemofratischen Redakteuren zusammenhängen. Der parlamentarische Untersuchungsausschuß, der die Anflage gegen Horthy prüfen soll, mird von den Sozialdemokraten abermals beantragt werden. ( Er ist also noch nicht eingesetzt. Red. d.„ B.") Die Rechte beab. fichtigt, wegen der angeblichen Beleidigung des Reichsverwesers durch die Sozialisten zu interpellieren. Razzien und Todesurteile. Sofia, 4. Junt.( Bulg. Tel- Agent.) Bei den polizeilichen Durch suchungen in der Hauptstadt wurden insgesamt rund 450 Per fonen festgenommen, die weder Ausweispapiere noch festen Beruf hatten. Darunter befanden sich mehrere Berschwörer, die im Begriffe waren, ihre verbotene Organisation wieder aufznbauen. Die meisten von ihnen legten, als sie überrascht wurden, ein Geständnis ab. 3 mei agrar tommunistische Banden aus Südflamien unter der Führung von Georg Banjemsti und Berichewski haben die Grenze überschritten und wurden von dem Militär überrascht. Bei dem Gefecht wurden fünf Mitglieder der Banden erichoffen, 11 gefangengenommen und 14 flüchteten über die Grenze zurüd. Unter den Gefangenen befindet sich auch der Gerbe Stankowitsch. Der Kaffationshof hat die von Bertschemlieff und dem Ehepaar Leger eingelegte Berufung gegen das Urteil des Kriegsgerichts Dermorfen. Da Frau Nitolama und ihr Sohn Berufung nicht eingelegt haben, tritt das Urteil gegen fie automatisch in Kraft. Die Bolltredung des Todesurteils gegen Bertschemlieff, Leger und Frau Nikolama wird nur nach Erledigung einiger Formfachen und nach Bestätigung durch den König erfolgen fönnen, was einige Tage beanspruchen wird. Wahrscheinlich wird die Hin richtung in den ersten Tagen der nächsten Woche stattfinden. In Burgas und Barna wurden Berschwörer verhaftet. Die feit der Berhängung des Belagerungszustandes bestehenden Formalitäten für Reisen werden vom 5. Juni ab aufgehoben.( Neugierige wären trotzdem zu warnen! Red. d. 2.) Der Staatsanwalt beim Appellationshof hat die Untersuchung in der Spiritusaffäre gegen den ehemaligen Finanzminister unter der Regierung Stambuliisti, Torlatoff, beendet. Als Hauptbeschuldigte find Finanzminister Torlatoff, Kreften und Ba lemsti fomie 130 andere Bersonen angeflagt. Als Zeugen find 80 Berfonen geladen. Gegenwärtig verhandelt ein Gericht über die Einziehung des Bermögens der Witme Stambuliistis und weiterer damaliger Minister oder ihrer Hinterbliebenen. Der schmer perurteilte Finanzminister bes Rabinetts Stambulisti, Janeff, Die französischen Sozialisten gegen Caillaux. Vor einer Kabinettskrise? Paris, 4. Suni.( Eigener Drahtbericht) Seit dem Sturze des Kabinetts Herriot hat die innerpolitische Situation in Frankreich ihre Stabilität noch nicht wiedererlangt. Die Linksmehrheit ist gegenüber dem Kabinett Painlevé nicht von jener tiefen Ergebenheit beseelt, mit der sie die vorhergegangene Regierung unterstüßte. Anfangs war es besonders die Zusammensetzung des Kabinetts, die ein gemisses Miß behagen in der Linken hervorrief. Seither find aber zwei neue, noch wichtigere Faktoren dazugekommen: die Stellungnahme Caillaug' in der Finanzfrage und die ungefchidlichkeiten, die der Ministerpräsident Painlevé in gewiffen Reden dadurch beging, daß er Formeln anwandte, die fich ohne irgendwelche Verdrehungen als gegen die innere Politik Herriots gerichtet deuten ließen. Gegenwärtig gibt es auf der Linken Leute, die fich ernsthaft fragen, ob Bainlevé Wert darauf lege, mit der Mehrheit in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung noch länger zu arbeiten, oder Fraktion gegen die Gesamttendenz der Caillaurschen Borschläge erhoben, die letzten Endes auf eine beschränkte Inflation" und auf eine völlige Ausschaltung der sozialistischen Vorschläge hinausliefen. Einstimmig hat die sozialistische Fraktion, nachdem sie Vincent Auriol, Leon Blum, Bedouce und Renaudel gehört hat, in ihrer Mittwochsitzung beschlossen, die sozialistischen Vor. schläge aufrechtzuerhalten. Das bedeutet, wenn nicht im legten Augenblick eine Verständigung erfolgt und Caillaur seine Pläne noch ändert, den Kampf der Sozialisten gegen die Finanzpolitit des Kabinetts Painlevé. Ob sich dieser Kampf durchführen läßt, ohne daß es zu einer Ministerfrise fommt, ist zweifelhaft. Es ist sicher, daß ein Teil der Radikalen mit den Sozialisten marschieren wird. Ob es genug sein werden, um die Linksmehrheit aufrechtzuerhalten, wird fich bald zeigen. Die Sozialisten sind jedenfalls entschlossen, selbst auf die Gefahr einer neuen Ministerkrise hin in den Kampf einzutreten. Räme es aber zur Krise, so würde die Frage der Beteiligung an der Regierung fich für die sozialistische Partei schärfer, dringlicher als je ftellen. Es sei denn, daß etwa hinter den Kulissen schon ein nach rechts schielendes Kabinett Caillaug bereit stünde, das ohne die Sozialisten regieren und die Rolle zu spielen versuchen würde, die Anno 1906 das Kabinett Clémenceau nach dem Abgang des Kabinetts Combes spielte. Caillanz und der neue Franksturz. ob er eine Halbrechtsschwenkung vorbereite. Jedenfalls ist die Atmosphäre voll Unsicherheitsbazillen, die der Nationale Blod dadurch noch zu züchten und zu vermehren fucht, daß er seiner Presse, dem Kabinett Painlevé und vor allem feinem Ministerpräsidenten bei jeder Gelegenheit Weihrauch streut. Nach dem Ausfall der Gemeindewahlen vom 3. und 10. Mai, die eine glänzende Bestätigun des Lintssieges vom 11. Mai 1924 brachte, fonnte man von der Regierung erwarten, daß fie das Zögern, das ihre Haltung in der Zeit zwischen ihrer Ankunft und dem Stattfinden der Gemeinderatswahlen charakterisiert hatte, aufgeben würde. Statt Paris, 4. Juni.( WTB.) Wie Paris Soir" mitteilt, hat Fidessen fährt Painlevé fort, fgenannte Beruhigungsreden" zu halten und an die Gesamtheit der Nation" zu appellieren, wie es im all- nanzminister Caillaug, über das Sinten des Franten befragt, gemeinen die Leute des Nationalen. Blods gern zu tun pflegten. mitgeteilt, er werde augenblicklich eine Attion nicht unternehmen, So sehr man nun auf der Linken versteht, daß die finanzielle Situa- da es fich nicht um Spekulationen handele. Die Hausse der aus. tion die Regierung zu einer gewissen Borsicht zwingt, so wenig heißt ländischen Devisen sei zurückzuführen auf den starken Antauf man es gut, daß der Ministerpräsident und andere feiner Mitarbeiter ausländischer Devisen, den die Baumwollspinnereien in immer wieder den Eindrud zu ermeden suchen, als ob es ihnen Frankreich vorgenommen hätten. vor allem auf die Besänftigung der Rechten antäme. Gerade in dieser Hinsicht hat die Haltung des Finanzministers Cail laug auf den größten Teil der Linten wie eine Provotation gewirkt. Daß Caillaur, dessen selbstherrlicher Charakter bekannt ist, nicht zögerte, das ganze Budget, soweit es vom Rabinett Herriot übermittelt worden ist, wieder umzustoßen, daß er versuchen würde, das innere Gleichgewicht durch andere Maßnahmen herzustellen als diejenigen, die in dem von der Rammer fchon gutgeheißenen Entwurf vorgesehen waren, hatte schon überrascht. Aber was geradezu Ber blüffung auf der Linken und nicht nur im Lager der Sozialisten hervorrief, das war die rüdsichtslose, unwahrhaffige und heftige Art, mit der er feine neuen Borschläge begründete. Da las man, daß das Budget, wie, es unter dem Kabinett Herriot eingebracht und von der Kammer- Finanztommiffion unter dem Borfiz des Sozialisten Bincent Auriol ausgearbeitet worden ist, nicht im Gleich gewicht war, daß man überhaupt„ teinerlei ernsthafte Anstrengungen gemacht habe, um dieses Gleichgewicht herzustellen und daß, wenn man das Budget nach den gefunden Regeln der finanztechnischen Ueberlieferung läutern wolle, nicht weniger als etwa 4 milliar ben Defizit anstatt des angeblichen Gleichgewichts fich als vor. handen erweise. Gegen diefe Anklagen, bie natürlich von der ganzen Bresse des Nationalen Blods mit Jubel und Spott begrüßt wurden, hat der Borsigende der Finanztommiffion, Genosse Vincent Auriol, ben fcharfften Protest erhoben. Biel schärfer aber noch als gegen die polemischen Hiebe, die Caillaug austeilte, hat sich die sozialistische und der ebenso behandelte damalige Parlamentspräsident Boteff find bei der Ueberführung von Sofia nach Küstendil ,, auf der Flucht erschossen worden. Hoesch bei Briand. Бое Paris, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der deutsche Botschafter von Hoesch hat am Donnerstag nachmittag 3 1hr eine längere Unterredung mit Außenminister Briand gehabt. Die Unterredung hatte den gegenwärtigen Stand des Sicherheitsproblems und die damit zusammenhängenden Fragen zum Gegenstand. Briand wird am Sonntag vormittag die Reise nach Genf antreten, um dort an der Tagung des Bölferbundsrats teilzunehmen und vor allem, um sich mit dem englischen Außenminister Chamberlain über die Frage des Garantiepaftes zu unterhalten. Zugleich wird mitgeteilt, daß die französische Antwort auf das jüngste englische Memorandum wahrscheinlich schon am Donnerstag abend in London überreicht werden soll. Die Kommentare der Londoner Morgenblätter vom Donnerstag, die in vollem Umfange die von uns bereits zum Ausdrud gebrachte Stepfis gegenüber dem Bariser Optimismus in der Beurteilung dieser Frage bestätigen, haben in den hiesigen politischen Kreisen die Wirkung einer falten Dusche gehabt. Es geht daraus hervor, daß man im Quai d'Orsay in mill. fürlicher Interpretation der jüngsten Londoner Note dem Londoner Rabinett Absichten zugeschrieben hat, die diefes niemats auch nur in Erwägung gezogen hat. Poullets Aussichten zweifelhaft. Stimmung für eine rein sozialistische Regierung. Brüffel, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.). Es ist noch zweifelhaft, ob Boullet die Regierungsbildung gelingen wird. Die katholische Fraktion sprach ihm am Donnerstag das Bertrauen aus. Die Opposition scheint aber nicht unbeträchtlich zu sein. Die Libe Die Opposition scheint aber nicht unbeträchtlich zu sein. Die Libe ralea faßten am Donnerstag einstimmig ben Beschluß, nicht in die Regierung einzutreten. Es wäre möglich, daß dadurch die katholische Partei, die am Freitag zu Beratungen zusammentritt, beeinflußt würde. Auch der Beschluß des am Sonntag stattfindenden Sozialistentongreffes ist noch durchaus ungewiß. Eine Begeisterung für Boullet ist jedenfalls nicht vorhanden. Die Stimmung, die jetzt für die sozialistische Regierung vorhanden ist, wird gestärkt durch die Erklärung führender Liberaler, die sich für eine wohlwollende Neutralitat gegenüber einer reinen fozialistischen Regierung ausgesprochen haben. Sawinkoff vergiftet? " Die Parteiführer bei Painlevé. Paris, 4. Juni.( EP.) Die Präsidien der vier Rartell. frattionen haben sich heute vormittag versammelt und sich mit Budget- und Finanzfragen beschäftigt. Die Finanzpläne Caillaug' wurden während der zwei Stunden dauernden Besprechungen zum Teil einer scharfen Kritik unterzogen. Es wurde beschlossen, eine Abordnung zu Painlevé zu schiden, um dem Ministerpräsidenten diese Kritit bekanntzugeben. Die Abgeordneten sollten Painlevé ersuchen, Caillaug dazu zu be wegen, seine Pläne für die endgültige Sanierung der Finanzen fo rosch als möglich bekanntzugeben. Insbesondere mar Loucheur der Meinung, daß dieser Sanierungsplan in Angriff genommen werden sollte, bevor noch das Gleichgewicht erzielt sei. Die sozialistischen Delegierten erklärten, daß die Steuerpläne Caillaug eine Mikbilligung der bisherigen Finanzpolitif des Kartells darstellen, und daß deshalb die Einreichung der Finanzpläne Caillaug' im Bar. lament zu bedauern sei, um fo mehr, als Caillaur fich vorher mit den Kartellfraktionen nicht ins Einvernehmen gesetzt habe. Der Sozialift Auriol perteidigte in längerer Rede ben plan einer Bermögensabgabe. Die Unterredung zwischen den Dele gierten des Startells und Bainlevé mird heute abend fortgefest merden. Die Bersammlung mollte sich auch mit der Bahlreform befaffen, doch wurde wegen ber vorgerüdten Zeit beschloffen, diese Angelegenheit einer besonderen Versammlung am nächsten Mittwoch vorzubehalten. | das Bersprechen erinnerte, ihn in Freiheit zu sehen, enthält teine Andeutungen, aus denen man auf eine Selbstmordabficht hätte Schließen können. All dieses und noch manches andere hatte die Französische Liga für Menschenrechte" veranlaßt, sich auf Ersuchen von Samintoffs Frau mit einer entsprechenden Au. frage an den Bariser Somjetgesandten raisin zu wenden; seine Antwort entsprach natürlich den offiziellen Nachrichten über Gamintoffs Tod. Nun veröffentlicht aber das ruffische republikanischdemokratische Blatt in Berlin„ Dni" eine fenfationelle Anfrage folgenden Inhalts:" Am 27. Mai hat sich in Moskau in einem BierTotal in der Sofiotischen Durchfahrt das Mitglied Weide der be. sonderen Abteilung der GPU.( Tscheta) durch einen Revolverschuß das Leben genommen. Am 19. Mai hat Weide in angetrunkenem Zustande einigen Leuten( falls die Bramba" dafür Interesse haben follte, find wir bereit, auch darüber Auskunft zu geben, wo dies geschah und unter welchen Umständen) mitgeteilt, daß er auf Befehl feiner Borgefehten in das kochende Teewaffer, das er Sawinkoff zu bringen hatte, eine ihm unbekannte Flüffigteit den hineingefan habe. Eine halbe Stunde, nachdem Saminfoff den aus diesem Waffer verfertigten Tee getrunken hatte, jei er tot gewesen. Um 2 Uhr 15 habe dann der ablösende Rollege des Weide, der Tschelist Gromoff, Sawintoffs Leiche durch das Fenster hinauso geschleudert Am 25. Mai ift Beide von seinen Kameraden benachrichtigt worden, daß er wegen der Mitteilung von geheim zu haltenden Latsachen über die Berhafteten im Gefängnis der Gpi. verhaftet werden solle. Da Weide wußte, was seiner harrt, erichoß er sich. Nach dieser Angabe der Dni" wäre auch Sa wintoff, wie schon so viele Gefangene der Tscheta, einem ge. meinen Meuchelmord zum Opfer gefallen. Weitere Verschärfung in China. London, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Unruhen in China haben sich weiter verschärft. Der nationalchinesische. ausgesprochen fremdenfeindliche Charakter der Bewegung liegt nunmehr offen zutage. Panzerwagen durchziehen Tag und Nacht die Stadt Peking und sorgen für Ruhe, der kontrolldienst auf den Straßen wird mit größter Strenge durchgeführt. Bei Einbruch der Dunkelheit darf sich kein Chinese außerhalb der Häuser Shanghai herrschte am Donnerstag völlige Ruhe. zeigen, da man eine Wiederholung der Ueberfälle befürchtet. In Streifenden schließen sich immer neue Arbeitermaisen an. Die größte Pefinger Tageszeitung. der Peting Leader", drängt auf Ernennung eines unparfeilschen gemischten AusSchuffes, der eine Kommiffion mit der Untersuchung der Unruhen betrauen und eine Befriedung herbeiführen soll. Das Elektrizitätswert von Schanghai wird von einem Aufgebot englischer Truppen Den Schwer belastende Anfrage des Berliner S.- R.- Blattes. bewacht. Drei englische Kreuzer find am Donnerstag angekommen. Der angebliche Selbstmord des früheren Sozialrevolutionärs Sawintoff im Sowjetgefängnis beschäftigt nach wie vor die Deffentlichkeit. Eigentümlich schien es, daß gerade das so streng bewachte Innengefängnis der sheta nichtvergitterte Fenster gehabt haben soll, so daß Sawintoff fich aus dem Fenster stürzen fonnte. Eigentümlich war auch die Tatsache, daß die Boliche, wisten fechs Tage lang Samintoffs Tod verheim licht haben. Auch sein Brief an Djerschinski, in dem er an Um die Staatsbürgerschaft der Eisbären. Die Erklärung des tanadischen Innenministers, daß Kanada die Absicht habe, alle Gebiete bis zum Nordpol als tanadisch anzusprechen, hat in amerikanischen offiziellen Kreisen lebhafte leber. raschung hervorgerufen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Nordpolegpedition Mac Millans gerade die Absicht verfolge, das Sternenbanner am Nordpol aufzupflanzen. Gewerkschaftsbewegung 40 Jahre Bäckergewerkschaft. Bor 40 Jahren, am 5. Juni 1885, wurde in Berlin der Verband der Bäcker Deutschlands auf freigemerfschaftlicher Grundlage errichtet. Lange Jahre vorher famen in einigen Lokalvereinen der damals zahlreich bestehenden Brüderschaften gewerkschaftliche Ideen zur Geltung, die sich jedoch zu einem organischen Vorgehen infolge der ungleich vorherrschenden Machtverhältnisse zwischen Meister und Gehilfenschaft nicht ausreifen fonnten. In dieser Zeit herrschten Zustände in den Bäckereien, die jeder Beschreibung spotteten: Dauernde Nacht und Sonntagsarbeit bei mörde rijch langer Arbeitszeit und einer unwürdigen Behandlung richteten unter den Berufsbeschäftigten eine schreckliche Verwüstung an Geist und Gesundheit an. Als erstmals die Organisation in einer statistischen Erhebung, die von Bebel in seinem Buche zur Lage der Arbeiter in den Bäckereien" verarbeitet wurde, den Schleier über die Backstubengeheimnisse hinwegriß, wurden die Brotkonsumenten von einem Grauen erfaßt über die unsanitären Zustände bei der Herstellung ihres wichtigsten Nahrungsmittels. Die anstecenden Krankheiten wüteten furchtbar unter diefen dahinvegetierenden Arbeitern. 0 nung vom 8. Dezember 1918 innegehalten werden. Weiter müßte man annehmen, daß Betriebe, deren Auftraggeber der Staat ist, nicht gegen bestimmte gesetzliche Bestimmungen verstoßen. Grundfäßlich vertreten wir den Standpunkt, daß der Staat über haupt nur an solche Firmen Aufträge weitergeben soll, die be= ftehende tarifliche Bestimmungen innehalten und die gesetzlichen Tarifbestimmungen respektieren. Die Firma Heymanns Verlag gehört dem Arbeitgeber= verband der deutschen Buchhändler an. Sie ist somit verpflichtet, die von diesem Verbande mit dem Zentralver. band der Angestellten vereinbarten Gehälter an ihre Angestellten zu zahlen. Im April ist ein neues Gehaltsab= fommen zwischen den genannten Organisationen zustande gefommen. Die Firma hielt es nicht für notwendig, nach diesem Abkommen die Gehälter an alle Angestellten zu zahlen. 10 Angestellte forderten ihr Tarifgehalt nach diesem Abfommen; sie wurden darauf gekündigt. Die Firma hat fich dann zwar bereit erklärt, das Tarifgehalt zu zahlen, es find aber aus diesem Anlaß Angestellte gefündigt worden, die jahrelang für die Firma Profite herausgewirtschaftet haben und nicht mehr zu den jüngsten gehören. Die Firma setzt derartige Angestellte, nur weil sie ihr Recht fordern, auf die Straße. Die Firma hat auf die berechtigte Kritik ihrer Handlungsweise durch den Zentralverband der Angestellten es lediglich für notwendig gehalten, zu antworten, daß er sein unangebrachtes" Ersuchen" in eine höfliche Bitte" zu kleiden hätte. Daß ein Unternehmerverband die Interessen seiner Mitglieder vertritt, erscheint uns selbstverständlich, daß er aber in einem Schreiben an den Zentralverband der Angestellten erklärt, daß das Benehmen der Firma einen Tarifbruch nicht darstelle, erscheint uns, gelinde gesagt, verwunderlich. In seinem Schreiben an den Zentralverband der Angestellten gibt er zwar die Erklärung ab, er billige einen Tarifbruch nicht, ein Eingreifen halte er aber nicht für notwendig. Die Forderung des Zentralverbandes auf Einfeizung einer Schiedskommission lehnt er ab. Die Regierung wurde daraufhin gezwungen, eine Verord nung zu erlassen, nach der die tägliche Arbeitszeit 12 Stunden nicht übersteigen durfte. Nun war die Bahn für den gewerkschaftlichen Aufstieg frei. Die seit Gründung immer wieder bei der Regierung erhobene Forderung: gejegliches Berbot der Nacht- und Sonntagsarbeit, der jedoch durch den größeren Einfluß der Unternehmer nicht stattgegeben wurde, fonnte sogar durch die Macht der Organisation in den Großbetrieben verwirklicht werden. Die Organisation erkämpfte sich das Mitbestimmungsrecht im gewerblichen Arbeitsvertrag und regelte die Lohn- und Arbeitsbedingungen tariflich. Als dann 1907 die Sonderorganisation der Konditoren sich anschloß und die Schokoladen und Zuderwaren industrie in den Agitationsbereich einverleibt wurde, verfügte der Berband über 17 303 Mitglieder. Im rajchen Tempo ging es aufmärts, und mit Jahresschluß 1912 wurden 30 061 Mitglieder gezählt. Die Organisation ist längst aus ihrem engen Berufsrahmen herausgetreten. Sie vereinigt heute die Arbeiterschaft in der Mehl und Zucker verarbeitenden Industrie und führt nunmehr den Namen: Deutscher Nahrungs- und Genußmittelarbeiterzeitiger Tarifforderungen nicht. Verband. Ihre Erfolge auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiete find groß. Für die Bäcker und Konditoren ist seit 10 Jahren gefeglich die Nacht- und Sonntagsarbeit verboten; in Tarifverträgen sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen für die gesamte Schokoladen, Zuckerwaren und Teigwarenindustrie allgemeinverbindlich geregelt und der Achtstundentag gesichert; in den Bäckereien und Konditoreien arbeiten 75 Proz. oller Beschäftigten zu Tarifbedingungen. Der Kost- und Logiszwang im Haufe des Unternehmers ist beseitigt. Zweifellos find das bedeutende Erfolge innerhalb 40 Jahren, wenn in Betracht gezogen wird, daß das Unternehmertum bei Gründung der Organisation über die wirtschaftliche Macht ausschließlich verfügte. Es gab sich fürwahr die erdenklichste Mühe, die Gewerkschaft in den Kinderjahren zu ersticken. Die Arbeits: vermittlung wurde von willfährigen Kreaturen der Innungen auf den Bäderherbergen gehandhabt. Jedes Verbandsmitglied murde unbarmherzig auf die schwarze Liste gesetzt. Heute ist der Deutsche Nahrungs- und GenußmittelarbeiterVerband ein starkes Glied in der Kette der allgemeinen Arbeiterbewegung. Er weiß, daß je mehr die wirtschaftliche Machtstellung des Kapitalismus verdrängt wird, um so schärfer sich die Kämpfe zwischen der Arbeiterschaft und dem Unternehmertum entwickeln merden, und ist sich eingedent, daß nur in der Einigkeit aller Berufsangehörigen die Stärke liegt. Tarifbruch bei Heymanns Verlag. Der Zentralverband der Angestellten schreibt uns: Die Firma Heymanns Verlag unterhalt in Berlin einen Verlag, in dem hauptsächlich Schriften verlegt werden, deren Auftraggeber das Deutsche Reich und der preußische Staat sind. Diese Schriften werden gleichzeitig in der von Heymann unterhaltenen Druderei hergestellt. Im gleichen Berlage werden auch eine Anzahl Don Schriften aus der Arbeitsrechts- Literatur verlegt. Man müßte von einem solchen Verlage annehmen, daß mindestens die Bestimmungen der Tarifvertrags Berord Fische ohne Kopt, ganze Brund 20pt. Kabeljau Fische Bratschollen Pfund 20 u. 30 Pf. Pfund 28 Pf. Makrelen.. Rotbarse ohne Kopf, Plund 32 Pf. Leb. Schleie Pfund 130 Portionstische Räucherwaren Schellfische... Pfund 32 Pf. Flundern Kolberg., Pfund 42 Pf. Pfund 38 Pf. Seelachs Bücklinge feine.. Pfund 48 Pt. Aale ... Bund 65 Pf. Neue Matjesheringe Dose 5 Stück 115 T Wild u. Geflügel Reh- Kochfleisch Pfund 28 Pf. Rehblätter..... Pfund[ 30 Enten holländische.. Pfund 125 Brathühner feinst. frisch, Pfd. 155 Suppenhühner feinste frische[ 55 Wurstwaren Delikateß- Sülze Plund 48 Pf. Leberwurst Hausmacher, Pid.[ 20 Fleischwurst ... Pfund 20 Jagdwurst Pland 130 Bockwurst.. Pfund 30 180 Plund Zervelatwurst Holsteiner Salamiwurst Holsteiner, Pid 180 Bom gewertschaftlichen Standpunkte aus muß betont werden, daß die Angestellten rechtzeitig ihr Tarifgehalt zu fordern haben. Die Gerichte haben in ihrer Mehrzahl die Ansicht vertreten, daß Tarifgehalt nur zu zahlen ist, wenn es rechtzeitig gefordert wird. Fordern die Angestellten aber auf Grund der geltenden gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen ihr Gehalt, so werden sie auf die Straße gefeßt, brotlos gemacht. Die Recht sprechung achtet in solchen Fällen die moralische Auswirkung recht. Es ist an der Zeit, daß gegen derartige Unternehmermethoden schärfere gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, sowohl im Betriebsrätegese als auch in der Tarifvertragsverordnung. Einigung bei der Berliner Straßenbahn. Die gestrige Funktionärversammlung der Straßenbahner hefchloß, dem Verhandlungsergebnis zuzuffimmen. Damit ist die Bewegung des Personals aller drei Berkehrsbetriebe beendet. Bauarbeiterstreik in Württemberg. Stuttgart, 4. Juni.( Eigener Drahibericht.) Die Bauarbeiter Württembergs stehen seit längerer Zeit in einem heftigen Kampf um die Erhöhung ihres Stundenlohnes von 1 m. auf 1,30 M. und die Bezahlung der Regentage. Die zur Regelung der Differenzen geführten Verhandlungen mit den Unternehmern blieben ergebnislos. Nunmehr haben die Bauarbeiter Stuttgarts mit 2000 gegen 85 Stimmen beschlossen, in den Streit zutreten. 4000 Bauarbeiter haben dieser Parole bereits Folge geleistet. Der Streit hat sich inzwischen auch auf heilbronn, Göppingen und Reutlin gen ausgedehnt. Streifgefahr im rheinisch- westfälischen Transportgewerbe. beider Effen, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Eine Konferenz der Arbeiter aller Transportbetriebe am Mittwoch in Dortmund be schloß einstimmig, den Schiedsspruch für das rheinisch- westfälische Transport- und Speditionsgewerbe vom 28. Mai abzulehnen. Die Organisationsleitungen Gewerkschaftsrichtungen werden beauftragt, alle Mittel anzuwenden, um eine Aenderung des Echiedsspruches zu erreichen. Die Gewerkschaften forderten eine Erhöhung des Lohnes, fürzere Geltungsdauer der Lohnfeftfeßung und Rüd datierung des Lohnabkommens auf den 16. Mai. In den Betrieben finden bis Sonnabend Urabstimmungen über den Eintritt in den Streit statt. Bereits am Sonntag tritt die Streifleitung in blood Billige Lebensmittel Freitag und Sonnabend, soweit Vorrat Leicht verderbliche Artikel können nicht zugesandt werden Frisches Fleisch Kalbskamm u. Brust Pfd. 75 Pf. Gemüse u. Obst Pomm. Teewurst.. Pfand 190 Kalbsnierenbraten Ptd. 85 Pt. Plockwurst Pomm.. Pfund 190 Kalbskeule ganz und geteilt, Pfd. 1M große ital. Neue Kartoffeln Pland II P. Salat..... 2 Kopf 15 Pf. Junge Mohrrüben Bund 62 Pf. holl. Blumenkohl Kopi 45, 60, 75 Pt. Kohlrabi..... Mandel 38 Pf. Schlangengurken st 52 u. 65Pt. Spargel Pd. 15, 40, 65,95 Pt. frisch Stachelbeeren unrell Pid. 28 Pt. Zitronen.... Dupend 58Pf. Werd. Kirschen Pfund 65 Pf. Schinkenspeck in Stücken Nußschinken ca. Pfund 175 mit Beilage Pfund Essen zusammen. Am gleichen Tage werden im ganzen Ruhrgebiet Bersammlungen stattfinden, wo die nötigen Anweisungen ausgegeben werden. Damit scheint der Streif der Transportarbeiter von Dortmund bis Duisburg als unvermeidlich anzusehen sein. = Internationale Arbeitskonferenz. unverändert. Die Genf, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Verwaltungsrat des Arbeitsamtes wurde am Donnerstag neu gewählt. In die Regierungsgruppe trat der Vertreter Argentiniens an Stelle Chiles und der Vertreter Norwegens an Stelle Finnlands. Die bleibt Arbeitgebergruppe Arbeitergruppe mählte als ihre sechs Vertreter Jou haur- Frankreich mit 26, Poulton- England mit 26, Moore Kanada mit 25, Ouedegeest Holland mit 25, Thorberg Schweden mit 22 und Hermann MüllerDeutschland mit 25 Stimmen; der Vertreter der christlichen Gewerkschaften, Serraarens- Holland, erhielt nur 5 Stimmen. Sämtliche Arbeitervertreter gehören dem Internationalen Gewerkschaftsbund an. Als Stellvertreter wurden bestimmt Joshi Indien, Schuerch Schweiz, Arra gona Italien, Hueber Desterreich, Caballero Spanien und 3 ulawiti Polen. Genosse Hermann Müller tritt auf Grund vorheriger Vereinbarung an die Stelle Leiparts, der infolge Arbeitsüberlastung von seinem Poſten im Verwaltungsrat = zurüdtritt. T = M Die Forderungen der französischen Postbeamten. Paris, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Beamten und Angestellten der Pariser Postverwaltung haben auf Grund der in ihrer Protestversammlung gefaßten Beschlüsse ihre Forderungen durch eine Delegation dem Handelsminister Chaumet und dem Unterstaatssekretär der Ministerpräsidentschaft Bonnet vorgelegt. Die Finanztommiffion der Kammer hat sich jetzt mit dieser Frage beschäftigt. Die Sozialistische Partei hat ihre Vertreter in der Kom mission beauftragt, die Forderungen der Postbeamten zu vertreten. Diese Forderungen gehen vor allem auf die Wiedereinsehung des von der Kammer ausgeworfenen, vom Senat aber gestrichene: i Kredits in Höhe von 70 Millionen hinaus, zur vollen Ausgleichung der Gehälter der Postbeamten an die Gehaltskategorien der übrigen Beamten._8324 Bündnispolitik englischer Gewerkschaften. London, 4. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Auf Anregung des auf dem linken Flügel der britischen Gewerkschaften stehenden Generalsekretärs des Bergarbeiterverbandes Cook verſammelten sich am Donnerstag 100 Gewerkschaftsführer, die insgesamt 40 Gewerkschaften und 2% Millionen organisierte Arbeiter der wichtigsten britischen Industrien vertreten. Die Absicht der Einberufer ist, eine Allianz der wichtigsten Gewertschaften zustande zu bringen, um fünftige Lohnlämpje, von denen derjenige der Bergarbeiter voraussichtlich der nächste ist, gemeinsam zu führen. Der Führer der Eisenbahner, Thomas, spradh seine 3 weifel über die Möglichkeit des Funktionierens einer solchen von den Bergarbeitern gewünschten Offensiv und Defenfivallianz aus und erinnerte an den zusammenbruch der Allianzpolitik des Dreiverbandes im Jahre 1921. Auf seine Anregung wurde die Einsegung eines Komitees zur Beratung des Vorschlages der Bergarbeiter beschlossen. Berband der Maler, Ladierer usw. Freitag, abends 7% Uhr, im Gewerk. schaftshaus, Gaal 4, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Stellung. nahme zum Berbandstag. Referent: Kollege Schiemann; 2. Diskussion; 3. Bc. richt der Bauten und Arbeitsstellenkontrolle; 4. Berschiedenes. Die Ortsverwaltung. Deutscher Verkehrsbund, Sektion 5, Industriearbeiter. Allgemeine Mitgliederversammlung am Sonntag, vorm. 91 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel, ufer 24/25, großer Saal. Tagesordnung: 1. Sind die Transportarbeiter der Berliner Metallbetriebe für eine reue Bohnbewegung genügend vorbereitet? 2. Wahl von zwei Delegierten zum 12. Berbandstag in München. 3. Agitationsfonds- und Verbandsfragen. Jedes Verbandsmitglied hat bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Mitgliedsbuch ist am Eaaleingang vorzuzeigen und dient als Ausweis. Nichtmitglieder haben zu dieser Versammlung feinen Zutritt. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerel und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin SB 68. Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wissen". Kolonialwaren Tafelreis unpoliert. Pfd. 19 Pf. Tafelreis poliert... Pid. 22 Pt. Schnitt- Nudeln... Pid. 28 PL. Eier- Schnittnudeln Pid. 45 Pr. Bruch- Makkaroni. Ptd. 38 Pt. Kaffee frisch gebrannt 280b.460 Konserven 4/1 Dose I. Schnittbohnen....... 75 Schnitt- u. Brechbohn. Sorte 95 Junge Erbsen mittelfeln... 80 Junge Erbsen fein..... 145 Pflaumen mit Stein... 75 Stachelbeeren Stachelbeeren..... 85 6 Sorien.... Pfund de Mirabellen stark entölt in Paketen Kakao 70 Pt. ,, Bensdorp" Pfund Kakao„ Saturn".. Pfund 85 Pf. Schokoladennüsse Pfund[ 40 Schokolade 3 Taf. à 100 Gr. 90Pf. ,, Vollmilch" od. ,, Porto Cabello" 3 Tafeln Blockschokolade 100 Gr. 55 Pf. 115 Reineclauden... 115 Pfirsiche ganze Frucht....| M Saure Kirschen ohne Stein 145 Wild Pain m.Gänseleber, 2 Dos. 35 Dänische Milch ca. 80% Fett 38 Oelsardinen. Dose 70, IM Wein an airg Preise für Flasche einschließl. Steuer ohne Glas Neue Preisliste auf Wunsch kostenlos. von ca. 1 Plund 1%, Pfund 190 Schweinebauch Plan 90 pr. Oberhaardter Pfalzwein 90 PL. Schweinerücken u. Blatt Pid. 1M Käse Camembert( Semmerin), Schacht. 25 Pf. · Goudakäse dänisch., Plund 65 Pi. Pfund 68Pf Tilsiter.... Stangenkäse Allg., Pfund 65 Pf. Edamer Pfund 78 Pr. Schweizer bayrischer, Pfund[ 45 Pl. Quadratkäse... Pfund 28P. Schweineschinken. Pfund 106 Liesen 75P. Gehacktes 70 Pr Fettes Ochsenfleisch gefroren Suppenfleisch..... Pfund 55 Pf. Pfund 55 Pf. Kamm und Brust.. Pfund 60 Pl. Herzen . Pfund 32 Pf. Konfitüren Eimer 2 Pid. 5 Pfd. 85 Pf. Pflaumen, Orangen, HeidelJohannis- u. Stachelbeeren.. Himbeeren, Aprikosen.. 110 Erdbeeren..... 210 265 .. 125 310 Johannisbeergelee... 1 Pfund- Glas 60 Pf. Touristen- Konserven in großer Auswahl Ptd. Naturbutter Pad 80 Tafelbutter 90. Paket 1923 Grünstadter Röth lieblicher Pfalzwein 115 1922 Nitteler Leiterchen Riesling Mosel, sehr sprinig 140 1920 Niersteiner krigen 150 1920 Berncasteler Mosel, rassig, entwickelt 70 1921 Oppenheimer mild, reit 190 Kirschsaft 1922 Piesporter Falkenberg Mosel, blumig spripig... 2M Renetten- Apfelwein badischer. 60 Pf. Cyder süßer Apfelwein... 110 Johannisbeerwein rot, sub 15 Stachelbeerwein lieblich 15 aus Schatten- 125 morellen, süß Kirschwein Frucht- Schaumwein vorzügliche Qualit., inkl. Pl. 140 inkl. Flasche •• 1/2 Fl. 85 Pf. Fl. 150 Himbeersaft extra fein.. Fl. 95 P., Fl. 170 Erdbeersaft.. Zitronensyrup. A.WERTHEIM Rindfleisch ohne Knochen of 25 Leipziger Straße Königstraße Rosenthaler Straße Moritzplatz 2- Pfund- Dose . %, Fl. 135%, Fl. 250 Fl. 90 Pf. Fl. 160 MONDAMIN 33 Pf. Mondamin zum Backen und Kochen, vorzüglich 1. Kuchen, Suppen, Tunken, 225 Gr.- Pak. Mondamin- Backpulver ohn Pulvergeschmack Beutl. 8Pf. beliebte Sorten Mondamin- Puddingpulver Päckchen 8 Pf. 12 Pt. Mondamin- Vanille- Soßenpulver.... Paket 7 Pf. Mondamin- Feinkost- Pudding Küche, Schachtel 25 Pf. Vanille- Zucker für die gute Paket 5 Pf. Nr. 261 42. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Der Magistrat als Arbeitgeber. Freitag, 5. Juni 1925 Form, die er durch die Zentralschiedsstelle erhalten, zurzeit nicht mehr zu ändern. Die Stadtverordnetenversammlung zu den Differenzen mit den Gemeindearbeitern. wieder einmal den Untergang des gewerblichen Mittelstandes_in Bor der Berliner Stadtverordnetenverfamm Iung wurden gestern bei einem schon vor längerer Zeit eingebrachten Antrag der Kommunisten, der einen neuen Manteltarifvertrag für die Gemeindearbeiter herbeiführen foll, die zwischen dem Magistrat und den Gemeindearbeitern bestehenden Differenzen zur Sprache gebracht. Die fozialdemokratische Fraktion erklärte, daß fie die auf Beseitigung der Diffenehmigt. Um 7 Uhr nahm die Bersammlung die Wahl eines Ersatzrenzen gehende Grundtendenz des Antrages billigt und ihm daher zustimmen wird. Unser Redner, Genosse Heitmann, bedauerte, daß es nicht schon längst zu einer Verständigung getcmmen ist. Für den Magistrat haben sich aus seiner Zugehörigkeit zum Arbeitgeberverband, wie Stadtrat Genosse Brühl darlegte, Konsequenzen ergeben, die dem Verhältnis zur Gemeindearbeiterschaft nicht förderlich gewesen sind. Die Abstimmung über den Antrag wird erst in der nächsten Sigung stattfinden. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, die vom Vorsteher Gen. Haß nach 6 Uhr mit einem freundlichen Gruße an die Mitglieder nach der 16tägigen Pfingstpaufe eröffnet wurde, gedachte der Vorsteher zunächst des inzwischen verstorbenen früheren Stadtrats Prof. Dr. Mosse mit Worten ehrenden Nachrufs, die die Versammlung stehend anhörte. Die Sommer ferien werden am 4. Juli beginnen und bis Ende August dauern; bie Haushaltsberatung wird noch die Abende des 30. Juni, 2. Juli und 3. Juli in Anspruch nehmen. Zur Erörterung stand dann die Anfrage der DBP., was der Magistrat gegen die ständig zu nehmende -Aerzteorganisationen über die nebenamtlichen Schnarztstellen verhängte Sperre bezieht. Die Anfrage geht an den Magiftrat. Die im Haushaltsplan für 1925 zur Förderung landwirtschaftlicher Meliorationen ausgeworfenen 500 000 mt wurden freigegeben. Der Abschluß eines Vertrages mit der AEG.- Schnellbahn A.-G. in 2. megen endundbrunnen- Neukölln wurde ohne Aussprache ge gültiger Auseinandersehung über den Schnellbahnbau Ge= mannes in die Deputation für das Berufs- und Fachschulwesen an Stelle des Tischlermeisters Billi Mai vor, dessen Wahl seinerzeit für ungültig erachtet worden war. Päth( Dnat.) kündigte den Einspruch gegen die Erfahwahl an, da seine Fraktion die Wahl des Herrn Mai Ostar Heimann mit 107 von 108 gültigen Stimmen gewählt; 14 Zettel für torreft halte. Auf Vorschlag von Dove( Dem.) wurde Herr waren unbeschrieben. Die Wahl eines unbesoldeten Magistratsmitgliedes( an Stelle des Komm. Leg) wurde ausgesetzt. Der Antrag unferer Genoffen, den Protest gegen den Gesetzentwurf betr. die gegenseitige Besteuerung des Reichs, der Länder und Ge= meinden betreffend, fand mit beträchtlicher Mehrheit Annahme. Nunmehr begründete Stolt( Komm.) in halbstündiger Rede die am 5. Mai von den Kommunisten eingereichte Anfrage wegen der Hochbahn- Gesellschaft. 17 Er ging dabei von der Mitteilung" aus, daß die Deutsche Bant sich durch Aftien mit 1000fachem Stimmrecht die ausschließliche Herrschaft über die Hochbahn A.-G. aneignen wolle, um sie noch mehr als bisher zu einer Dividendenquetsche für das Banffapital zu machen. Nach einem in der Boffischen Zeitung" veröffentlichten Interview sei weiter der Magistrat damit einverstanden, daß die Dividende der Hochbahnaktien 1 Proz. über Reichsbantbistoni betragen solle, und Bergiftung der Luft in Berlin durch Benzolgafe Das sei bereits in einem mit der Deutschen Bant abgeschlossenen Verund andere Ausdünstungen von Kraftfahrzeugen, fchehen werde, um die Herrschaftsgelüfte der Bant abzunehren, und tragsentwurf zum Ausdrud gekommen. Es werde gefragt, was geferner gegen den unerträglichen Lärm, den namentlich diese ob der Magistrat bereit sei, als Großaffionär eine Bolitit im Intereffe Berkehrsmittel hervorrufen, zu unternehmen gedenkt. Nach der durch der Hochbahnangestellten und im Interesse des Berliner Verkehrs zu Streiter gegebenen Begründung stellte Stadtrat Dr. Adler in der Betreiben. Dem Oberbürgermeister speziell wurde von dem Interpellanantwortung fest, daß die städtischen Behörden wie auch die Polizei ten direkt„ Schädigung der allgemeinen Interessen" vorgeworfen. Der feit langem bemüht sind, der übermäßigen Staub- und Rauchentwid Rämmerer bat die Versammlung, den umfangreichen Fragentomfung zu steuern, daß aber diesen Bemühungen nur sehr teilweise bis pler, der sich an die zum erstenmal auftretende Möglichkeit einer Verher Erfolg befchieden gewesen sei. Der Misstand habe seinen Grund stadtlichung der Hochbahn fnüpfe, gegenwärtig nicht im Blenum zu in der Berunreinigung der Motoren, in der Verwendung minder verhandeln, sondern dafür eine gemischte Deputation einzusehen. Eine wertiger Brennstoffe, aber auch in der Langsamkeit des polizeilichen bezügliche Vorlage fei bereits unterwegs. Damit war auch dieser Berfahrens gegen die angeschuldigten Chauffeure. Die Hauptursache fei aber in der Unzulänglichkeit der Verordnung vom 15. Juli 1923 Gegenstand für jekt abgetan. Ein Dringlichkeitsantrag der Kommunisten vom 10. März 1925 zu suchen, die den Kraftwagenverkehr regie; im Quartal Januar- wollte den Magistrat ersuchen, mit den vertragschließenden Berbänden März 1925 feien 1581 Autos megen Rontravention gemeldet worden, ein Vereinbarung über einen Bestrafungen aber seien nur 75 erfolgt( Hört, hört!). Erfreulichermeise sei vom Reichsverkehrsministerium eine Ergänzung der Berordnung vorbereitet, bie nach etwa 3 Monaten in Kraft treten und Befferung schaffen, auch die Motorräder erfassen und dieser Regelung In der nachfolgenden Besprechung nahm nach Rintorf( Rom.) auch Gen. Klose das Wort, um auszuführen, daß man diesem Unfung nicht durch Anfragen und nicht durch Polizeimaßregeln ein Ende machen könne, sondern daß dazu ganz andere Mittel er griffen merden müssen. Nicht jedesmal fei der Krafimagenführer der Shuldige; fehr oft nehme die Polizei allzuscharf gegen Kraftwagenund Motorradführer Stellung. Zur Rechenschaft zu ziehen feien die für die technische Gestaltung der Fahrzeuge Berans. wortlichen. Solche technische Fehler habe auch in vielen Fällen bas Gericht festgestellt, aber dennoch den Chauffeur bestraft, weil er angesichts dieser Mängel gleichwohl die Fahrt nicht verweigert habe. ( Zuruf des Sw. Dr. Caspari.) Ja, wenn der Chauffeur gegebenen falls diese Pflicht erfüllte und die Fahrt verweigerte, so würden Sie doch solchen Kerl Hals über Kopf herausschmeißen und brotlos machen! Für die Motorräder müffe der Nummernzwang wieder eingeführt werden. Für die minderwertigen Brennstoffe feien boch nicht die Führer, sondern die Autobefizer verantwortlich. Vor allem aber bedürfe es einer guten fachgemäßen Ausbildung der Führer und somit der Einrichtung von Fahrschulen, wie sie der „ Deutsche Verkehrsbund" bereits in Eingaben in Antrag gebracht habe. Damit war für jetzt diese Angelegenheit erledigt. Bon den Dnat. lief eine Anfrage ein, die sich auf die von Berliner mterstellen werde. .17] Schnook. Ein Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron. Sie liebt den Frieden und die Ruhe und ist den Einmir. fungen anderer gegenüber äußerst reizbar. Bei eintretendem Sturm und Ungewitter, das sie lange im voraus spürt, zieht sie fich meist in die Tiefen zurüd, mo das Lärmen der Bellen fie nicht erreicht. Dann fühlt sie fich trank und elend und verhält sich unbeweglich in ihrer Wasser höhle. Tag und Nacht steht sie dort auf einem Fled, weder Hunger noch Schaffensdrang in sich spürend. Sie schläft, läßt alle Nerven und Muskeln ruhen; nur die Kiemendeckel und Floffen arbeiten mechanisch. Dann kann der Holzdrechsler sie loden mit Blizfischchen, mit Rödern und lebendigen Tieren sie rührt sie nicht an! Der eine ledere Beißfisch nach dem anderen fann vor ihrer Naje schwänzeln sowohl Schlund wie Magen widerstehen mit Leichtigkeit den Versuchungen, die sich ihren habgierigen Augen entgegenstellen. Wenn aber das Wetter fich legt und die Dünungen geringer werden, erwacht sie wieder zum Leben; dann ist sie gesund und ausgeruht, das Wetterfieber hat das Blut ge reinigt, es verlangt sie nach Nahrung und Bewegung- und mun beißt sie wie eine Rasende um fich. Der Holzdrechsler liegt an einem Nachmittag im Boot, alle Stangen und Leinen klar, er raucht eine Pfeife und lauscht auf das lautschnarrende Kerr- ferr des Lappentauchers. Wie gewöhnlich ist er allein im Boot... Er hat sich bei seiner lieben Bank vor Anfer gelegt: einem fchmalen Riff, das fich auf der Leeseite des Waldes bis weit in den See hinein erstreckt. Diesen Fischplak, der bei gün ftigem Binde der reichste des Sees ist, hat er selbst entdeckt. Es war eine harte Fahrt bis hier heraus gemejen! Ganz überraschend haben die Stoßwinde ihn überfallen, als er mit feinem fleinen, grünbemalten Fahrzeug über das Waffer glitt. Rrritsch, nahm der See die Miene eines wilden Mannes an, die großen Wellenberge zerspalteten sich in fleine, und die Wellentäler füllten sich mit Furchen. Es gab einen Rud im Boot und einen Sag in dem Holzdrechsler, er holte das Groß fegel ein, während der schwarze Wind von jenen faferigen Wolfen unter dem Firmament ausrafte. Jetzt beginnt das Wetter sich aufzuhellen, der See hat sich neue Manfeltarifvertrag für städtische Arbeiter zu treffen, da der 6. Manteltarifvertrag durch die Versammlung annulliert worden ist. Die von Gehlmann( Romm.) gegebene Begründung beschäftigte sich mit den inzwischen über die Erneuerung geführten Berhandlungen und dem schließlich zugunsten des Arbeitgeberverbandes und zum Nachteil der städtischen Arbeiter ausge fallenen Schiedsspruch und gipfelte in dem Antrage, in diesem Buntte neuerliche Verhandlungen zu pflegen, die die betreffenden tariflichen Berschlechterungen wieder aus der Welt schaffen. Streifer ( DBp.) hätte es als logisch angesehen, wenn die Kommunisten den Austritt Berlins aus dem Arbeitgeberverbande beantragt hätten; fie würden sich freilich über die Aussichtslosigkeit eines solchen Antrags auch feiner Juufion hingeben. Inzwischen seien ja Verhandlungen im Gange; dabei werde ja auch wohl der beanstandete Schiedsspruch zur Erörterung kommen, der allerdings durchaus der Korreftur bedürfe. Genosse Heitmann: In lehter Stunde der Ver: handlungen über einen neuen Manteltarif find Differenzen entftanden. Mit dem ergangenen Schiedsspruch fönnen sich die Arbeitnehmer unmöglich abfinden. Wir wünschen und hoffen, daß der Magistrat die Hand dazu bietet, die entstandenen Differenzen schleunigft aus der Welt zu schaffen. Da der kommunistische Antrag von der gleichen Tendenz getragen wird, stimmen wir ihm zu. Stadtrat Genoffe Brühl gab eine furze Uebersicht über die Entstehung und die Geschichte des betreffenden Schiedsspruchs. An die beanstandeten §§ 7 und 13 sei der Magistrat gebunden, der Tarifvertrag sei in der beruhigt... ein richtiges Angelwetter, wie der Holzdrechsler meint! Und er fummt die alte Fischerweise: Bei starkem Dftenwind und klarem Sonnenschein Beißt nicht ein Fischlein an, das präge du dir ein! Doch fragit du, welcher Bind dem Fischer dient am besten, So ist die Antwort: Der aus Süd und aus Südwesten! Die Teichschwalben mit ihrem langen, gespaltenen Schwanz und dem schwarzen Käppchen steigen und sinken in den Lüften über ihm. Sie spielen barmherziger Samariter allen jenen halbtoten Köderfischen, die er von Zeit zu Zeit über Bord schleudert. Die mißhandelten Kleinen nehmen eiligst ihre Zuflucht zum Riel des Bootes oder lehnen sich gegen einen treibenden Pflanzenstengel; sie haben das Bestreben, sich zu verbergen, denn sie wissen, daß sie schwach sind... sie wollen aber nicht zu llaah in die Tiefe hinab. So schnappen die Teichschwalben sie und stopfen sie in ihren kleinen roten Schlund. Drei, vier Stück verfolgen mit Gefreisch und Gezeter eine fünfte, die von dannen jagt, eine fleine Blöße wie einen weißen Stab im Schnabel- und der Holzdrechsler erinnert sich eines Reihers, nach dem er einmal gefchoffen bat, und der einen Sturzregen solcher halbtoten fleinen Tiere ausspie. Im selben Augenblid beißt an einer seiner weitauslangenden Treibschnüre ein Tier an, die Leine läuft in faufendem Tempo über das Rädchen, und die Stange, die in der Rudergabel liegt, mit ihrem diden Ende unter einer Bodenplante festgeteilt fitzt, biegt sich wie ein Lilienblatt und taucht mit der Spize tief ins Waffer. Er greift nach dem Stocke und hebt ihn an wahrhaftig jetzt treibt die Schnur in voller Fahrt in den See hinaus. Vorsichtig leistet er Widerstand, indem er den Gegenbrud mehr und mehr verstärkt, damit der Fisch nicht mit einem plöglichen Rud die Leine zerreiße. Schnod hat angebissen und dreht sich nun mit dem Köderfisch um ihre eigene Achse! Sie war hungrig nach dem Sturm Der letzten drei Tage und dem Unwetter, und daher hat sie sich blindings auf den Menschenweißfisch gestürzt. Au, es scheint ein Stachelfisch, wie sie wohl merkt... einer dieser verfluchten Leckerbissen, die mur fürs Auge sind, die aber meder Zähne noch Schlund geschenkt haben wollen und sie rülpit und gähnt und spudt. O ja, den Fisch, den sie geschluckt hat, wird sie wieder los; fie fieht ihn halbtot, mit langen Riffen an den Seiten von ihrem Biß, auf der Seite dahertreiben, das eine rotgelbe Auge durch das Wasser ihr zugewandt. Aber der Stachel, den sie gleichzeitig verschlang, sigt fest im Kiefer. Die Abstimmung über den Antrag der Kommunisten wurde ausgesetzt, ebenso diejenige über einen Antrag der Wirtschaftspartei, die in der Errichtung neuer Wartehäuschen mit Berfaufsräumen durch die Straßenbahn- Betriebs- G. m. b. H. gefahrdrohende Nähe gerüdt fieht und die E.richtung verboten missen mill. Die Erklärung des Stadtbaurats Adler beruhigte die aufgeregten Gemüter menigstens insoweit, als nicht 100, sondern mir 10 solcher Häuschen geplant find. Die nächste Sigung wird des Fronleichnamsfestes wegen schon am Dienstag stattfinden. Schluß 9 Uhr. Der Tanzbär vom Kurfürstendamm. Richt ausgestopfte Teddybären und wandelnde Kurfürstendamm affen, sondern die leibhaftige dörfliche Sensation zweier tanzender Bären mit Führer und Führerin und im Troß noch Leute mit nedischen Aeffchen. Ein seltsames Bild auf den gepflegten afphaltierten Straßen nach Trarara trararara und Lamburinschlagen die Bären tanzen zu sehen, das den westlichen Vororten einschließlich Halensee zuteil wurde. Eine verblüffende Neugierde in den Augen der vielen Menschen, als ob sie noch nicht im 300, Zirkus, Varieté und mehr oder weniger gebildeten" Rummelplätzen Affen und Bären gesehen. In den Augen mancher fleinbürgerlichen Hausfrauen das frohe, etwas genierte Aufleuchten dörflicher Erinne rung und Ausrufe: Wie früher bei uns wie auf dem Dorfe. Und wie hinter dem Rattenfänger von Hameln die Schuljugend hinterdrein, trarara, trarara, läßt der Bärenführer in die schnell Ausweichenden seinen Bär tanzen. Die verwitterte Bärenführerin kann ihren Bär nur zu einem Heben der Borderfüße veran laffen und erlebt ab und zu ein böses Brummen. Um so mehr schlägt sie das Tamburin und schreit zu den Ballonen hinauf:„ Birf mir' nen Dollar runter." Die Fenster öffnen sich, die zur mittäglichen Siesta herabgelassenen Rollnorhänge werden hinaufgezogen und es regnet Zehnpfennigstücke. Das Primitivste wirkt hier in dieser Umgebung als stärkste Sensation, ein Stüd längst totgeglaubter Romantit auf Berliner Asphalt. Ein geschäftstüchtiger Einfall der Bärenbesitzer. Ein Schuhmann zückt beschwörend jeine Rechte. Papiere? Lächelnd, mit Tralalala und bledenden Zähnen tommt der Füh er heran.„ Es stimmt. Aber nur für Halensee. Nach Charlottenburg dürfen Sie nicht mit Ihrem Tremoli." Der Kurfürstendamm, so. weit er zu Halensee gehört, erlebt ebenso sein Bärenwunder mic die Seitenstraßen und der eine der Bären tanzt und tanzt auf zwei Füßen und der andere hebt sich weiter in die Höhe und die Schar der Jugend schwillt an. Etliche Vormizige versuchen den Tanzbären von hinten zu streicheln oder ärgern die armen Aeffchen. Eins ist wohl sicher, daß sie die Tanzbären mitten auf der Straße, mitten unter sich, nicht vergessen werden, denn es ist für fie ein Stückchen eigenes Erleben mit mehr oder weniger Aengstlichfeit gewesen, die auch der schönste Mut nicht ganz übertünchte. Und so etwas gibt im Verein mit dem Lächerlichen und dem linerwar teten der Erinnerung erft die rechte Würze. Liebesbrama im Nordwesten Berlins. Gestern nachmittag um 4 Uhr erschoß der aus Bolen gebürtige 47 Jahre alte Friedrich Reiner, Rostocker Straße 5, wegen ver fchmähter Liebe feine 21jährige Braut Alice Gluth aus der Wittstocker Straße 20. R. ist aus Polen nach Berlin gefommen und hatte sie als seine Tochter ausgegeben. Hier hatte er fie unterhalten, da sie nicht arbeiten sollte. Er sollte ihr auch Kleidungsstücke faufen, wozu er jedoch nicht imftande war, da er feiner Beschäftigung nachging. Als sie ihre Papiere verlangte, sagte er, daß er sie bereits zerriffen hätte. Trotzdem gelang es ihren Bemühungen, fich Arbeit zu verschaffen. Als sie gestern von ihrer Arbeitsstätte nach Hause ging, lauerte ihr Reiner auf und schoß vor dem Hause Berlichingenstraße 11 vier Schüsse auf sie ab; fich selbst brachte er einen Schuß bei. Fräulein Gluth war sofort tot. Ihre Leiche wurde ins Schauhaus geschafft. R. wurde nach der Polizeiwache in der Beuffelstraße und dann ins Krantenhaus gebracht. Sie sauft hierhin und dorthin, fullert und poltert umher. Bald ist sie unten in der Tiefe und schleudert ihren hafen wunden Mund am Boden, bald schießt sie, sprudelndes Kielwasser zurücklassend, nach oben um einen Büschel Wasserlilien.. Der Holzdrechsler sieht, wie gn einer Stelle die großen Blätterinseln in einem Umkreis, so groß wie ein Eßtisch, nerfinfen... Dann geht die Fahrt aufs neue los. Die Rolle freischt und fingt, als fäße eine niffige Riefengrille darinnen. Und jetzt springt Schnod mit einem Male aus dem Waffer hoch in die Luft, daß ihr goldener, schwarzgeflammter Körper mit den Bantherflecken und die perlenden Wassertropfen einen Schein über den See werfen. Nimmer hat der gute Drechslermeister einen ähnlichen Fisch gesehen! Allein der Wellenschlag, der von ihm ausgeht, U- Boot durch das durchsichtige Naß streicht, lassen ihn begreifen, als er wieder den Wasserspiegel erreicht und num wie ein daß es wie er sich auszudrüden pfegt einer aus den guten alten" Tagen ist. Gaffend und staunend stiert er noch immer auf die Stelle, wo er verschwand, während ein Sturm von Ringen sich nach allen Seiten hin fortpflanzt. Kurz darauf zeigen sich Wirbel auf dem siedenden Wasser, und er fängt einen Schimmer der Rückenfloffe auf, deren hinterster Zipfel fehlt. Da jubelt es in dem alten Fischer: ein Merffisch, einer seiner ältesten, vielleicht sein allergrößter Merkfisch! Er zieht die Leine an und lockert sie und zieht sie wieder an, fein großer Körper schwiht vor Anstrengung, und er muß die Beine weit spreizen und die Füße entgegenstemmen, wenn der Fisch ganz plötzlich anrudi. Da beißt es gleichzeiitg am zweiten Barschleinen an, und es scheinen auch da nicht eben fleine Fische zu sein, wie der Holzbrechsler feststellt... die Leinen, die lose über der Reling liegen, faufen mit rasendem Tempo von dannen, daß die Bidel auf dem Boden hüpfen und tanzen. Eine von ihnen springt über Bord, so daß Fang und Haken und Leine ver lorengehen; den anderen versucht der Holzdrechsler sich zu er halten, indem er seinen Fuß daraufpflanzt. Wie ein zum Sprunge gekrümmter Razzenrüden biegt die Stange fich unter ihrer lebendigen, zappelnden Last. Unaufhörlich muß der Alte lodern und anziehen; es gilt, den Fisch, der seine Stange von der einen Seite zur anderen zerrt, matt zu machen. ( Fortsetzung folgt.) Der Zlieger Ungewitter abgestürzt. Aach einer Meldung aus Kronach(Aordbayern) stürzke der im deutschen Rundslug bisher auherordentlich erfolgreiche, von dem pi- lolen R n g e w l l t e r geführte Albalroseindeckcr in h a s l ach bei kronach ab. Das Flugzeug wurde, trohdem es auf den Räumen eines Gartens niederkam, völlig zertrümmert. Der Flieger selbst wurde mit einem komplizierten Unterschenkel- bruch in das Bamberger Krankenhaus eingeliefert. Dempfey in Temxelhof. Trotz der trüben Witterung wies der Flughafen am gestrigen Nachmittag einen viel stärkeren Besuch auf. Die Nachricht, dah der Weltmeister Dempsey hinauskommen würde, hatte zahlreiche Neu- gierige hinausgelockt. Dempsey erschien auch und bekundete lebhaftes Interesse, ohne jedoch einen Probeflug über Berlin zu unternehmen. Die Manager wünschten nicht, daß sich der Weltmeister in Gefahr begebe. Infolge der in Süddeutschland herrschenden schlechten Witterung mußten die Wettbewerber vielfach von der festgesetzten Route abweichen: sie wurden überall herzlich ausgenommen. Bei ihrer Rückkehr auf dem Tempelhofer Feld wurden sie vom Publikum mit Ovationen empfangen. chier führte Triebner wieder seinen Absprung vor; danach brachte ein Geschwaderflug, nur aus vier Flugzeugen bestehend, erwünschte Abwechstung. Um 7 Uhr fand das beliebte Ballonrammen statt. Im Lause des Nachmittags landeten ohne Awischenfall: D 670(Übet) Pilot Polte: D 651(Albatros) Frh. v. Richthofen: V 680(Heinkel) Bauer: D 660 lUdet) Hochmuth: D 678(Heinkel) Lorenz und O 666(Junkers) Schnäbele. Noch einmal«.Hoflieferant� Höbe!. Statt S Monate Gefängnis— 150 M. Geldstrafe. In der Abendausgabe des„Vorwärts" vom 21. Februar t>. I. konnten wir unter der Uebevschrift:„Hoflieferant" Göbel, Vorgänge in einer Butterhandlung— Mißhandelte Verkäuferinnen" über Mißhandlungen berichten, die von dem Inhaber der Buttergroßhand- lnng Göbel und ssinen beiden jugendlichen Söhnen an wehrlofen Verkäuferinnen begangen worden waren. Die Gerichtsverhandlung hatte damals ergeben, daß Göbel und fein« beiden Söhn« Beschwer» den der FiliaUeiterinnen über die Berkäuferinnen dadurch erledigten, daß sie in die Verkaufsstelle fuhren, die betreffenden Verkäuferinnen in«inen Hinterraum nahmen, diesen durch Schließen der Fensterläden und Verschließen der Tür �dicht" mochten und dann in vier noch- gewiesenen Fällen aus den Verkäuferinnen durch körperliche Miß- Handlungen, Drohungen usw. Geständnisse zu erpressen suchten. Es waren auch sanft noch allerhand äußerst unappetitliche Vorkommnisse in den Berkaufsstellen zur Sprache gekommen, über die wir damals ebenfalls berichteten. Göbel war vom Gericht seinerzeit unter Ver- fagung mildernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis verurteilt worden, während feine Söhne Güncher G. acht Monate und Heinz G. neun Monate Gefängnis bekamen. Die Angeklagten hatten gegen dieses Urteil Lecustma eingelegt. In der gestrigen Berufungsverhändlung vor der zweiten Strastammer des Landgerichts I war von der AnNagebehürde sowohl als auch von der Verteidigung derselbe umfangreiche Zeugenapparat aufgeboten worden, wie in der ersten Verhandlung. Die Zeugerwernehmutigen ergaben im wesentlichen nichts Neues, nur bemühten sich diesmal die Verteidiger, die Glaubwürdigkeit der Belastungszeuginnen in jeder Weife zu erschüttern. Besonders bei der Zeugin W., die sich die er- littenen Mißhandlungen von dem praktischen Arzt Dr. Sachs hatte attestieren lassen, sollten nach den Angaben der Verteidigung so große Geldausgaben während ihrer Befchäftiguugszeit bei den Göbels gemacht worden fem, daß sie mit ihrem damaligen Einkommen in einem argen Mißverhältnis standen. Der Verteidiger nahm die Zeu- gm lange Zeit m ein regelrechtes Kreuzverhör, so daß es den Anschein hatte, als wenn sie die Angeklagte sei. Die Entlastungszeuginnen, die zum allergrößten Teil gegenwärtig noch in Diensten der Firma stehen, sagten natüriich nur Gutes über ihren Arbeitgeber aus. Da- nach stellten stch Herr Göbel und auch feine SShne als die humansten Albeitg�ber dar, die man sich denken kann, die für alle Angelegen- hellen ihres Perfonats ein warmes mitfühlende» Herz hätten. Nach der veendigung der umstingreichen Beweisaufnahme wurden zwei zur Anklage stehende Fälle, als nicht genügend geklärt, abgesetzt, so daß nunmehr nur noch die zwei schwerwiegendsten Vorfälle zur Ab- urtetlimg kamen. Der Verteidiger plädierte für eine geringe Geldstrafe für die körperlichen Mißhandlungen. Nötigung und FreiheitÄienncknung sah er als nicht erwiesen an. Auf einen ähnlichen Standpunkt stellt« stch auch d erStaatsanwalt, der für Wilhelm Göbel 200 M., für Güncher ebenfall» 200 M. und für Heinz Gälbel ÄGO M. Gelvstraf« beantragt«. Nach kurzer Bera» tung oertündete der Boisttzende das Urteil. Danach wurde der alte Göbel zu 200 M. Geldstrafe verurteilt, während die beiden Söhne Günther und Heinz»00 M. refp. 150 M. zudiktiert erhielten. Do» Gericht sich gemeinschaftliche Körperverletzung nur in den Fällen der Zeuginnen W. und R. als erwiesen an. Die Frecheitsberaubung glaubte da» Gericht ablehnen zu müssen, weil die Angeklagten die Verkäuferinnen mir in das Hinterzimmer genommen hätten(und dort die Läden geschlossen haben), um sich einer Beein» flussung durch Außenstehende zu entziehen(!) Den Angeklagten wurden auch mildernde Umstände zugebilligt, weil st« sich durch das Vongehen der Verkäuferinnen stark gereizt fühlen mußten. Das Urteil muß im höchsten Grade überraschen. Abgesehen da- von, daß die mehrnio nötigen Gefängnisstrafen in Keibitviiisn um- gewandelt wurden, ist gerade bei der Dennfffügigkeit der Geldstrafen zu berücksichtigen, daß sie stir die Göbels, die 32 Filialen und eigen« Autos haben, übechaupt nicht fühlbar sind. Di« geringen Geldstrafen müsse« geradezu ein Anreiz fein, vermeintlich« Verfehlungen der Verkäuferinnen, für die sie nicht einmal Beweise, sondern nur Ver« mutungen vorbringen können, im Wege der Selbstjustiz durch Miß- Handlungen, Nötigungen und Freiheitsbermibungen zu ahnden. Wenn das wieder Uebung werden soll, wären wir glücklich wieder in die Zeiten der Gefindeordnung zurückgekehrt, von der der Verteidiger der Angeklagten wenn auch mit Mwissen Einschränkungen in der Gerichisoerhandlrmg ein« gewisse Vorliebe zeigte. Kurse zum Retten Ertrinkender. Die Todesfälle durch Ertrinken, hervorgerufen durch den Leicht» sin«, mit dem Echwimmunkundige Boote und Bäder benutzen, haben in de« letzten Tagen eine lchreckliche Häufung erfahren. Bei dem durch den Zusammenstoß eines Dampfers mit einem Segelboot hervorgerufenen Unfall sahen Tausende zu. wie ein Schulknabe ertrank, ohne ihm Hilfe bringen zu können. Zum großen Teil trägt die Unkenntnis der notwendigen Handgriffe beim Retten und der Wiederbelebung die Hauptschuld an den erfolglosen Rettungen. Der Landesverband Brandenburg der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft richtet daher eine Reih« von Lehrgängen ein, denen nach Abschluß sofort weitere folgen werden. Schwimmfertigkeit wird bei allen Teilnehmern vorausgesetzt. In den je vier Vbaide umfassenden Lehrgängen wird Unterricht im Retten und in der Wiederbelebung gezeigt, sowie Gelegenheit zur Ableistung der Prüfungen der Gesell. schaft als Rettungsschwimmer geboten. Vorgesehen sind Lehrgänge m Hakensee, Mariendorf, Treptow, Plötzensee, Iungfernheide, Neukölln. Die Teiknohmegebiihr beträgt 2 M., die mit der Anmeldung «« die Geschäftsstelle des Landesverbandes Brandenburg, Erich Esser, Berlin, Belle-Alliance-Platz 11», einzureichen sind. Die Lehrgänge beginnen abend« 6 Uhr und oerteilen sich in folgender Weise: Kursus Sportbod Halensee: Montag, den 8. Juni 1925, Mittwoch, den 10. Juni 1925, Montag, den 15. Juni 1925, Mittwoch, den 17. Juni 1925. KursusSeebadMariendorf: Dienstag, den 9. Juni 19?.?, Donnerstag, den 11. Juni 1925, Dienstag, den 16. Juni 1925, Donnerstag, den 18. Juni 1925. Kursus Deut- sches Bad, Treptow: Mittwoch, den 10. Juni 1925, Freitag, den 12. Juni 1925, Mittwoch, den 17. Juni 1925, Freitag, den 19. Juni 1925. Kursus Wassersportplatz PlStzensee: Mittwoch, den 10. Juni 1925, Freitag, den 12. Juni 1925, Mittwoch, den 17. Juni 1925, Freitag, den 19. Juni 1925. Kursus Bolks- bad Iungfernheide: Mittwoch, den 10. Juni 1925, Freitag, den 12. Juni 1925, Mittwoch, den 17. Juni 1925, Freitag, den 19. Juni 1925. Kursus Neukölln: Britz-Sievers Ufer Sommerbad der Schwimm-Union: Dienstag, den 9. Juni 1925, Donnerstag, den 11. Juni 1925, Dienstag, den 16. Juni 1925, Donnerstag, den 18. Juni 1925. Kommunale Konferenz heate. Freilag, den 5. Juni, abends pünktlich 7 Uhr, im Rürgersaal de» Ralhause», Rerlia, Königstraße Tagesordnung: »das Wohnungswesen üer Staöt öerlin/ Richtlinien für ein Wohnungsbauprogramm. Referent: Genosse Dr. Ingenieur Wagner. Geschäftsführer der Deutschen WohnungSsürsorge A.-G. Aussprache. Zur Teilnahme sind berechtigt alle mitEinladung versehenen Genossen und Genossinnen sowie die Obleute der kommunalen Kommissionen. Mitgliedsbuch der SPD. dient als Ausweis. „Soll ich malN Mesteralkentat eines jungen Mädchens. Einen bedauerlichen Ausgang nahm ein„Scherz", den ein junges Mädchen machte. In einem Lokal in der Danziger Straße 65 verkehrten seit einiger Zeit ein 23 Jahre alter Fritz Rauft und ein junges Mädchen, das sich Annemarie Böhme nannte. Beide hatten sich in der Gastwirtschaft kennengelernt. Auch gestern nachmittag saßen sie zusammen an einem Tisch und unterhielten sich. Der Ton ihrer Unterhaltung war durchaus nicht laut oder ärgerlich. An Nebentischen sitzende andere Gäste sahen, daß das junge Mädchen ein aufgeklopptes Taschenmesser in der Hand hielt. Plötzlich zückte sie es auf den jungen Mann und jagte dabei:„Soll ich mal?" Ihr Begleiter lachte zu diesem Scherz und meinte:„Du traust Dich sa doch nicht!" Gleich nach diesen Worten sank der junge Mann zum Entsetzen der anderen Gäste vom Stuhle. Man bemühte stch um ihn und sah, daß seine Kleidung an der linken Seite Blut- flecke aufwies. Er wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht. Hier stellte der Arzt fest, daß er einen ziemlich tiefen Messerstich erhalten hatte, der dicht neben dem Herzen vorbeigegangen war. Als die bestürzten Gäste In dem Lokal sich nach dem Mädchen umsahen, war es verschwunden. Es hatte die allgemeine Aufgereglheit benutzt, um zu flüchten. Der Verletzte konnte bisher nur flüchtig gehört werden, da er noch zu schwach ist. Auch er kennt das Mädchen nur unter dem Namen Annemarie Böhme, ihre Wohnung weiß er nicht. Dem Wirt und den anderen Gästen war Näheres über das Mädchen nicht bekannt. Es ist etwa 24 Jahre alt, hat blondes Haar und ist sehr groß. Be- kleidet war es mit einem dunklen Sommerkleid. Zeugen des Vor- falle« und Personen, die über das junge Mädchen Auskünfte er- teilen können, werden ersucht, sich bei Kriminalkommissar Moritz. Dienststelle L. I. 20 im Polizeipräsidium zu melden. „Nette" Tiebe. Von Kllngelfahrern wurde ein« Familie in einem Haus« der Waldemarstraße„beschenkt". Als diese von einem Ausgang« zurück- kehrte, fand sie die Wohnungstür, die sie vorher sorgfältig verschlossen hatte, nur noch angelehnt. In der Wohnung war noch alles in Ordnung, nichts gestohlen. Dagegen lag auf dem Tisch« ein großes Paket. Es enthielt drei neue elektrische Plätt- e I s e n, an denen sich noch die Preisauszeichnungen befanden. Ohne Zweifel haben KlingelfaKrer, die irgendwo gestört worden sein müssen, sie bei der eiligen Flucht in Stich lassen müssen. Der Eigen- tümer dieser sicher an anderer Stelle gestohlenen Plätteisen kann sich im Ziinmrr 103 des Polizeipräsidiums bei der Dienststelle v. 1. 3 melden._ SlutobuS-Friißverkehr Zoo— Pichelsdorf. Von Montag, 8. d. M., ab wird dl« KraftomniLuslinie 30 Ring- bahnhof Prenzlauer Allee— Neukölln, Hermannplatz in Neukölln durch die Kaiser-Fmdrich-Straße bis Ringbohnhof Kaiser-Friedrich- Straße verlängert. Ebenfalls ab Montag wird die Linie 12 Arns- walder Platz— Wilmer.dorf, Olioaer Platz, von der Potsdamer Straß« durch die Lützowstraße über Lützowplatz. Schillstraß« und Kurfürsten- straße(also nicht mehr durch die Genthmer Straße) geführt. Aus der Autobuslinie Zoo— Pichelsdorf ist jetzt von der Aboag ein Frühverkehr eingerichtet worden. Die Wagen fahren ab Zoo 6,20, ab Pichelsdorf 7,00 morgens bis 12,50 mittags alle 40 Minuten. danach in 15-Mimiten°Abständen. Letzter Wagen ab Zoo 10,00, ab Pichelsdorf 11,00. Sonnabends und Sonntags wird der Betrieb ver. stärkt. Die Einführung des Frühverkehrs stellt zunächst einen Versuch dar: von der Benutzung durch das Publikum wird es abhängen, ob er zu einer dauernden Einrichtung werden wird. Schlechte Berkehrsverhältnisse in Treptow. Man schreibt uns: Die schönen User der Spree bei Treptow und weiter hinauf nach Köpenick zu, sind da» Ziel und die Basis vieler Erholungsuchender und Wassersportler. Zu vielen Tausenden strömen sie an Sonn- abenden und Sonntagen hinaus, um Erholung und Stärkung de» Korpers von den Strapazen der Woche— von der stickigen Bureau- und Werkstattlust zu suchen. Die schöne Gegend spendet in reichlicher Fülle Wald, Wasser und herrliche Uferpartien, die dazu angetan stnd, all« Unbill des Werktages veraessen zu machen. Eine weniger er» freuliche Tatsach« ist die unserer Zeit geradezu hohnsprechende Rückbeförderung der Ausflügler und Sportler. Die Berliner Straßenbahn— die hier als Hauptverkehrsmittel in Frage kommt, sollte es sich angelegen sein lassen, für eine schnellere Wagen- folge zu sorgen, um den lebensgefährlichen Kampf— der oft zu Prügelszenen um einen Platz ausartet— von vornherein auszuschalten Auch die Aboag— die doch»inen regelrechten Autobus- verkehr nach den Hvaelgewässern eingerichtet hat— sollte die an der Spree liegenden Vororte mit ihrem Riesenverkehr weniger stief» mütterlich behandeln._ Landau senthali für erholungsbedürftige schulentlassen« Jugend- liche. Das Jugendamt der Stadt Berlin ist in der Lag«, schwäch- l i ch«, ober nicht kranke oder gebrechliche schulent- lassen« Jugendlich« im Alter von 14 bis 16 Jahren, die für die Ergreifung eines Berufes körperlich zu schwach sind, drei bis sechs Monat« und länger in guten Pslegestellen auf dem Lande unter» zubringen. Die Jugendlichen sollen sich dort kräftigen und dann erst mit leistungsfähigem Körper in ihren eigenttichen Beruf eintreten. Die Unterbringung auf dem Lande erfolgt unentgeltlich: die Kinder müssen sich dafür durch leicht«, ihrem Körperzustande und Können entsprechende Beschäftigung nützlich machen. Seitens des Jugendamtes wird darüber gewacht, daß die Jugendlichen nicht aus- genutzt oder als Dienstpersonal angesehen und beschäftigt werden. Zu diesem Zweck« stnd in den Orten, in denen Jugendliche unter. gebracht werden. Dertrauensleute besteltt, die den Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem werden die Pflegestellen durch das Jugendamt der Stadt Berlin auf ihre Eignung zur Unterbrin- gung von erholungsbedürftigen Jugendlichen geprüft. Für ihre Beschäftigung erhalten die Jugendlichen außer freier Unter- kunft und Verpflegung ein angemessenes Taschen- g c l d, dessen Höhe der freien Vereinbarung zwischen den Eltern der Kinder und den Pflegeeltern überlassen bleibt.— Es kann nur warm empfohlen werden, von dem Angebote des Jugendamtes aus- giebigen Gebrauch zu machen, da sich die Einrichtung bisher sehr gut bewährt hat. Eltern von schwächlichen schulentlas- senen Jugendlichen, die ihre Kinder verschicken wollen, werden gebeten, sich umgehend zu melden. Di« Meldungen sind einzureichen bei den Jugendämtern derjenigen Bezirke, in denen die Eltern oder gesetzlichen Vertreter der Kinder wohnen. Ausschreitungen eines Polizeibeamten. Skraferfchwerende velrunkenheit. „Gegenüber den Angaben des Angeklagten und seines Käme- roden, eines Polizeiwachtmeisters, stehen die Angaben der übrigen Zeugen. Das Gericht ist aber den Auslassungen der letzteren Gruope gefolgt." So lautete die Begründung eines Urteils, durch das das Schöffengericht Mitte den Polizeiwachtmeister Ernst B l ü m e l wegen Körperverletzung im Amte und wegen Beleidigung zu drei Monaten Gefängnis und 50 Mark Geldstrafe ver- urteilte. Blüm«! hatte mit dem Polizetwachtmeister Gans am 11. August v. I.. dem Lerfassungstage, Streifendienst und war abends um 11 Uhr am Bülowplatz auf den 20jährigen Arbeiter Kurt Busse gestoßen, der zusammen mit einem Freunde an der Bord- schwelle stand. Cr fordert« die beiden jungen Leute auf, sich zu em- fernen und rief, als sie dieser Weisung folgten. Busse nach:„D i ch kennen wir schon lange." Als sich Busse umdrehte und fragte, was er damit mein«, folgte ihm Blümel auf die ander« Seite und oersetzte ihm Stöße gegen die Brust und versuchte ihm auch Fesseln anzulegen. Busse mehrte sich gegen die Stöße und gab dem Polizeibeamten einen Schlag gegen den Kopf. Als dann aber der Polizeibeamte das Seitengewehr blank zog, erklärte Busse, daß er ja freiwillig und ruhig zur Wache mitgehen werde, was dann auch geschah. Der Angeklagte sucht« die Sache so darzustellen, als ob Busse sich von Anfang an widerspenstig gezeigt und ihn zuerst an- gegriffen hätte. Busse bestritt das, und auch sämtlicheonderen Zeugen, außer Gans, bestätigten das. Dieser behauptete auch, daß nicht Blümel, sotzdern Busse zuerst losgeschlagen hätte. Er bestritt auch, daß Bsümel betrunken gewesen sei. Ein« Geschäfts- frau und deren Tochter bekundeten, daß sie um 11 Uhr beim Ab- schtießen ihrer Verkaufsbude gewesen seien, als Blümel auf sie zutrat und sie zum verlassen des Platzes aufforderte. Als sie er- widerten, daß sie doch erst abschließen müßten, habe er sie sofort ausschreiben wollen. Dabei sei ihm der Bleistift zu Boden gefallen und beim Bücken habe Blümel nicht mehr hochkommen können, weil er völlig betrunken war. Das Gericht hatte den Eindruck gewonnen, daß Busse ein durchaus glaubwürdiger Mann sei und erblickte in der Betrunkenheit eines Polizeibeamten «inen besonderen Erschwerungsgrund. Wenn Gans andere Angaben gemocht hätte, als der glaubwürdige Zeuge, so sei da» nur damit zu erkläre», daß er s e l b st nicht nüchtern ge- wesen sei. Bei dem brutalen Vorgehen des Angeklagten war eine Geldstrafe, wie sie der Staatsanwalt beantragt hatte, dem Gericht nicht ausreichend. Deshalb wurde auf obige Straf« erkannt. von einem Vorortzuge überfahren und getötet wurde am Vor- mittag des 4. Juni der Streckenarbeiter Hermann Palte in der Ruheplatzstr. 16. Er geriet zwischen den Bahnhöfen Pullitz- und Beusselstraße unter einen Vorortzug und trug Brüche beider Arme und Beine davon. Die Verletzungen waren so schwer. daß er bereits auf dem Wege zum Krankenhaus« verstarb. Heber 600 000 Rundsuu/leilnehmer. Eine Statistik der Eni- wicklung der deutschen Rundfunkschaft stellt fest, daß die täglich« Zu- nahm« der Rundfunkhörer im Sendebereich Berlin etwa 643, i» München 97, in Sluttgart 19. in Breslau 25, in Frantsurt 48, in Hamburg 29, in Königsberg 6, in Leipzig 306 und in Münster 56 betrage. Di« Gesamtzahl der angemeldeten Rundsunkteilnehmer betrug am 1. Mai 815 742 Hörer gegen 778 868 am 1. April, so daß also eine Zunahme von 36874 zu verzeichnen ist. „konfessionslos." Die Arbeitsgemeinschaft frei- geistiger Verbände fordert olle Freidenker, die ihren Kirchen» ausiritt vollzogen haben, aus, in den Zählkarten die Frage nach der Religionszugehörigkeit einheitlich mit dem Wort»tonsessions- los" zu beantworten. Die viel gebrauchte Angabe Dissident gibt keine Klarheit darüber, ob die betreffenden Personen nicht zwar aus der Kirche ausgeschieden, aber einer staatlich nicht anerkannten Sekt« beigetreten sind. Da das statistische Amt In seinem Zählmaterial mehrere 100 verschieden« Religionsbekenntnisse nachweist, und wie die Ersohrung lehrt, häufig Dissidenten unter„andere Religion«- bekenmnisse" einrangiert hat. ist«s erforderlich, daß ein klares Be- tsnntnis zur absoluten Konsessionsloiigkeit bei der diesjährigen Zählung abgelegt und die entsprechend« Frag« also mit dem Wort „konfessionslos" beantwortet wird. Bemerkt lei, daß im Lahr« 1924 in Groß-»erlin 10»50 Kirchenaustritt« getötigt wurden.—„Die Arbeiterpress« wird um Abdruck gebeten." «nsösgerkorse In Englisch de» che». Lalkower. Beginn deS DienZteg, Freitaz-Kurlus am Freilag, o. Juni. abd«.»Uhr, im Jugendheim Reichen. berger Straße KS I; B««i»n de« Mliwcch.Zonnabend-KurwS Sonnebend� 6. Juni, abbi. 7 Uhr, Kursürstmflr. 21/22, linker Seitenflügel II. ver Soinmersahrpiao der Eisrnbatznev Iriit am S. Juni in Kraft. Sr bringt>i»e Reihe wichtiger Acndenmeen. neue Schnell, üge,»äderzügeuiw. »er zuverlässig beraten iein will, benuze da«.Storm«ur«buch". dessen Umsan, j-»t um ,irka 29 Pra,. erweUert ist und da« auch sonst viel- fache virbefferungen ausweiii. Der.Storm' ,-ichnel sich durch gute« Papier, sauderen Druck und klare«. sibersichtlicheS Fehrplanbild au«,»eben der«uSgabe Reich f«.—) brinet er für unier Derkehrsgebiet die Trilauigabe Rard-, Oft-,»itteldeutlchland (»SO) I«wl« die Tsnderautgahe.Reiieverdindungen»an und nach Berlin (1.-),«ine übersichtlich- Zusammenstellung der schnellsten Verbindungen von und nach 750 Orten." Großfeuer in einer Nürnberger Zelluloid-Fabrik. MrnberK 4. Juni.(MTB.) Heute gegen mittag brach Groß- frner in der Z e l l u l o, d s a b r> k G e b r. W o l s s in der Fürtdee Straß» aus. D'e g e s a m t e Nürnberger F e u e r w e y r arbeltet fteberhaft mit sämtlichen Schlauchleitungen. Sechs Personen trugen Brandwunden davon, die jedoch nicht schwerer Natur stnd. Zwei Frauen, von denen dle eine einen Nervenschock, die andere eine Gasvergifiung erlitt, wurden ins Krankenhaus geschafft. Das Feuer, über dessen Enlstehungsursach« nicht» Nähere» gesagt werden kann. brach in einem der beiden dreistöckigen Hintergebäude, welche zur Herstellung von Zelluloidwaren dienen, au». Der Feuerwehr ist e» gelungen, den Brand auf die beiden Gebäude zu beschränken. Wiedereröffnung der Wiener Stadtbahn. von mitten im Krieg« mußte der Betrieb der Wiener Stadtbahn. die in mehreren Linien um und durch die Stadt geht und trotz der vielen Untergrundstrecken mtt Dampstokomotivm fuhr, wegen Kohlenmangel eingestellt werden. Dabei ist es bis jetzt,»blieben. nur auf der Vorortlinie wurde«ine halbstündig« Zugfolg» wieder «ingefuhrl. Nun ober hat die rostlo» arbeitende sszialdew». k r a t l s ch e Gemeindeverwaltung v»n Dien die(dem Stsai m> hörende) Bahn unter Aufwendung großer Geldmittel und unter ve- schäftiguntz zahlreicher ardtttolo, Gew«rd«er in elektrischen Betrieb udergesührt, wobei ein Umsteige- und Uebergengsverkchr auf dl« städtisch« Straßenbshn«ingeführt wurde. Nestern Min. wach, hat in Anwesenheit de» Bundespräsidenten, der Miiglieder der Regierung und de, Gemeinderat» sowie zahlreicher Bemeter der in. und der ausländischen Presse Bürgermeister Genosse Karl Sein die erste Strecke der elektrifizierten Stadtbahn, welche eine Gelamüinae von etwa 30 Kilometern hat. feierlich eröffnet. Bürg.rm'ist« Seik wies in einer Ansprache auf die groß« sozial« und wirtschaftlich« Be- dcutung der Bahn hin und erklärte, daß die Wiener Berkebr�nittel. die den Heuligen Ansprüchen kaum genügten, u. o. durch eine U n t« r- grundbahn ergänzt werden müßten, daß ober die aerinaen zur Verfügung stehenden Mittel nur einen langsamen Wieden aufbau aus dem Gebiete des Verkehrswesens gestatteten. Die Berufswünsche der Jugendlichen. Bei der Aufnahmeprüfung der Berliner Begabtenschulen müssen die Kinder( 13- und 14 jährige Knaben und Mädchen) eine Reihe Fragen beantworten, die sich auf ihre Berfonalien beziehen. Unter den Fragen werden auch solche über das Lieblingsfach und über den Beruf, den das Kind in der Zukunft ergreifen möchte, eingeschaltet. Das Material, das die Begabten- Prüfungskommission auf diese Weise in den Jahren 1918 und 1919 gesammelt hat, wurde bereits ausführlich bearbeitet und veröffentlicht. Zum Bergleich mit ben damals aufgestellten Behauptungen sollte nach 5 Jahren, asso das in dem Jahre 1923 gesammelte Raterial verwendet werden. Die Ergebnisse dieses Bergleiches feien hier in Kürze angegeben: Im Jahre 1918/1919 äußerten einige hundert Knaben folgende Berufswünsche: . 28,0 Proz. Lehrer T Technische Berufe.. Beamte Raufleute Bantbeamte 19,5 26,8 11,6 1,1 In einzelnen Fällen wurden Merate, Juristen, Zeichner usw. genannt. Im Jahre 1923 haben sich die Ziffern folgendermaßen verschoben: Lehrer . Technische Berufe Beamte • • Kaufleute 2,1 Proz. Bantbeamte Mädchen im Jahre 1918/1919 wollten werden: Lehrerinnen Angestellte. Schneiderinnen • Raufmännisch tätig Bantbeamtinnen Im Jahre 1923 dagegen: Lehrerinnen Schneiderinnen • 4 24,5 " 1,9 " 12,2 40,8 " . 48,8 Proz. 29,4 9,2 " " 0,8 0 " 6,5 Broz. 5,0 R " Kontor und Bureautätigkeit. 38,4 Bantbeamtinnen . 27,6 Diese Zahlen bekommen noch eine besondere Beleuchtung, wenn man die Lieblingsfächer, die die Kinder gleichzeitig angegeben haben, in Betracht zieht. So haben von 50 Knaben, die den Bantberuf zu wählen wünschen, nur drei geäußert, daß sie für das Rechnen Interesse hätten, Sämtliche anderen Knaben haben Naturwissenschaft, Chemie, Phyfit, Raumfehre, Bölkertunde, Geschichte als ihr Lieb lingsfach angegeben. Ebenso war es bei den Mädchen, die zum größten Teil Nähen, Stiden, Striden, der Mutter in der Stüche behilflich sein, Singen, Klavierspielen und Zeichnen als ihre Lieblingsbefchäftigung angeben, zu denen sie, wie fich manche ausdrüften, Talent zu haben glauben. Wir sehen also, daß die Kinder einen Beruf zu ergreifen fuchen, der nichts mit der ihnen eigenen Neigung gemeinjam hat. Charakteristisch ist die Aussage eines Mädchens, welche fich in vielen Varianten bei den Kindern wiederholt: Ich möchte gern Schriftstellerin werden, doch mein Bater wünscht mich an der Bant angestellt zu sehen." . STADI BEILAGE Aus den Bezirken. 9. Bezirk- Wilmersdorf. DES In der Kreisvertreterversammlung vom 25. Mai erstattete Genoffe Dr. Wieprecht den Jahresbericht. Er hob hervor, daß die sozialdemokratische Bewegung auch im reaktionär verseuchten Bilmersdorf- Halensee gute Fortschritte gemacht habe und belegte diese Tatsache zahlenmäßig. Eine Fülle von Opfermut und tatkräftiger Mitarbeit eines großen Teiles der Mitglieder habe den Parteifunktionären ihre schwere Arbeit erleich tert. Jest jei die Barole: Aufbau und Ausbau der Organisation, bereits begonnen haben, fiegreich bestehen. In der Diskussion mur damit wir die bevorstehenden schweren Kämpfe, die parlamentarisch den dem Kreisvorstand einige Binke zwecks Abstellung einiger auf getauchter Mängel gegeben. Nunmehr wurde der Kreis vor stand gewählt: 1. Vorsitzender wurde Genosse Wieprecht, 2. Borsißender Genosse Steinhöfel, Schriftführer Genoffe Brendler, Kassierer Genosse Grunow, stellvertretender Schriftführer Genosse Hahn. Ferner wurden gewählt als: Kreisleiterin Genossin Bahr, Frauenvertreterin Genossin Ungerer, Wohl fahrtspflegerin Genoffin Stod, Wohlfahrtsvertreterin Genoffin Gözze, Pressefommission Gen. Koraá. Als Beisiger: und 5 a hn. Genoffe Chaim gab den Bericht des Bildungs. Breiste, Brandt, Fauljeit, Feldner, Ungerer Hahn. ausschusses und legte die Gründe dar, weshalb er nicht mehr das Amt übernehme. Genosse Steinhöfel übte Kritik an den Berhältnissen im Bildungsausschuß. Die Abteilungsleiter müssen mehr darauf achten, daß die Auswahl der Vertreter der Abteilung im Ausschuß besser vor sich gehe und trat dafür eine, daß jede Abteilung ein Mitglied stellt und aus den sieben Vertretern der Obmann gewählt werde. Den Vertretern der einzelnen Abteilungen im Bildungsausschuffe, Henning, Lubach, Preuß, Moser, Frau Nathan, Michel und Dr. Friedländer, wurde aufgegeben, demnächst unter sich ihren Obmann im Bildungsausschuß zu wählen. Genosse Dr. Korach gab seinen Bericht von der Pressetommission. Genoffin Bahr gab den Bericht der Frauen bewegung. Sie erwähnte besonders die Tätigkeit der Kinder hilfe, Arbeiterwohlfahrt usw. Der Bericht der Bezirks verordnetenfraktion wurde auf Antrag des Genossen Opel bis zur nächsten Delegiertenversammlung Ende Juni mit Rücksicht auf die Borschläge zur Neuwahl der Bezirksverordneten zurüdgestellt. 12. Bezirk Steglig. RK VORWARTS tigt. Ja, daß ihm der Direktor dieser Anstalt, als er eine Beschwerbe wegen eines anderen Knaben vorgebracht habe, einfach geraten hätte, feinen Sohn von der Schule herunterzunehmen, und sich außerdem in jeder Weife tattlos und rüdlichtslos benommen hatte, fo daß er sich nunmehr, da die Aufsichtsbehörde nichts begegen tue, gezwungen fähe, die Sache im Landtag zur Sprache zu bringen.( Bei dieser Gelegenheit sei betont, daß die Schüler und Schülerinnen der Schulen in der Sachsenwaldstraße in Steglig, Rettor 3ant, Mitglied nen Fahnen in der Nähe der Schulen, sich Demonstrationen gegen der Bezirksverordnetenverfammlung, beim Anblick der schwarzrotgolde dieselben mit den gemeinsten Schimpfworten herausgenommen und Lehrerinnen auf der anderen Straßenseite standen und darüber nach den Fahnen gespuckt haben, während ein Lehrer und zwei lachten, ehe sie weitergingen, ohne einzugreifen.) Ao es ſtimmt schon, baß in den Stegliger Schulen nicht alles fo ist, wie wir es wünfchen müssen, doch sollte hier das Kultusministerium eingreifen und für Ordnung forgen, es ist nicht Sache der Schulverwaltung. Sum Schluß stellten unsere Genossen noch einen Antrag auf besseres Sprengen der Straßen, der angenommen wurde. Anfragen, von denen die eine Bertehrsverbefferungen und die andere das angebliche Dirnenwesen in der Privatstraße Vittoriagärten in der Ahornstraße betraf, wird vom Bezirksamt befich die Straßenbahngesellschaft bei ihren Maßnahmen nicht von den antwortet. Genosse Kofe wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß Interessenten der Bürgerschaft ober der Bezirksämter, fondern einzig und allein von der Rentabilität leiten läßt. 18. Bezirk Weißenfee. Zwei Nach Bildung des Bezirksamts mit einer sozialistischen Mehrheit wurden auf allen kommunalen Gebieten Verbesserungen und Bereinfachungen in der Berwaltung durchgefeßt. Die ineinander arbeitenden Dienststellen, die früher mehreren Dezernenten unterstanden, wurden vereinigt und einem Dezernenten unterstellt, so daß die Uebersichtlichkeit der Berwaltung beijer gewahrt und ein schnel leres Arbeiten ermöglicht wurde. Zusammengezogen wurden u. a. das Jugend und Wohlfahrtsamt, die Angelegenheiten der Straßenreinigung und des Fuhrparts, bie Bart, Garten und Friedhofsverwaltung, das Feuerlöschwesen, die Straßenbeleuchtung, der Ber fehr usw. wurden der Bauverwaltung, die bereits aus Hochbau-, Tiefbau, Vermessungs- und Kleingartenamt bestand, angegliedert und zu einem Dezernat vereinigt. Die wichtigsten Dezernate be finden sich in den Händen fommunalpolitisch geschulter Genoffen, 3. B. die allgemeine Berwaltung mit Personalien, das Wohlfahrtsund Jugendamt und das gesamte Bauwesen mit den obenbezeich neten Nebenbetrieben. Durch die Initiative der SPD.- Fraktion ist es gelungen, dem Bezirk zwei große Sport und SpielPlage zu verfchaffen, und zwar der zirka 150 Morgen große Sportund Spielplatz auf dem ehemaligen Rennbahngelände und der ebenso große Sport- und Boltspart am Faulen See. Besonders der lettere mit feinem girta 100 Morgen Waldbestand gehört mit zu den landschaftlich schönsten Anlagen von Groß- Berlin. Das Rand gelände auf dem Sport und Spielplay Rennbahn ist zu einer Dauertolonie für Kleingärtner ausgebaut; es ist diese noch bis heute die erste innerhalb Groß- Berlins. Weitere Flächen wurden durch die Arbeit unjerer Genoffen der späteren Bebauung entzogen und diese zum Heimstättengebiet erklärt. Seitens des Wohlfahrts. und Jugendamts wurden Jugendheime und ein Altersheim errichtet. Die Straßenreinigung und das Fuhrwesen find modernisiert worden; alle alten Pferde wurden durch junge erfett; in einigen Tagen wird der erste elektrisch betriebene Spreng wagen in den Dienst gestellt. Weitere Berbefferungen durch In betriebnahme elettrischer Gummiwasch- und Straßenkehrmaschinen find für das nächste Jahr vorgesehen. Nach Berhandlungen mit den städtischen Wasserwerfen wurde erreicht, daß die zum Bc. airt Weißensee eingemeindeten rein ländlichen Bezirke Malchow, artenberg und Faltenberg mit einer Wasserleitung ver fehen werden. Die Arbeiten für Malchom werden noch in diesem Jahre fertiggestellt. Die Part, Garten und Friedhof. Dunkelheit werden die Hauptwege in den Partanlagen hell beleuchtet. Auf den beiden Gemeindefriedhöfen in Weißenfee und Hohenschönhausen wurden neuzeitliche Urnenhaine angelegt. Zu erwähnen sind noch umfangreiche Straßenneu und umpflasterunEin großer gen sowie die Erweiterung des Kanalisationsneges. Mangel herrschte hier in bezug auf Turnhallen. Neben einer Ben tralturnhalle, die nebenbei noch als Festhalle dient, waren nur bret fleine Hallen vorhanden. Sechs von den vorhandenen Schulen hatten feine und mußten jedesmal den Weg bis zur Bentraffuruhalle zurücklegen. Um dem Uebelstand abzuhelfen, wird in diesem Jahre eine neue Doppelturnhalle an der Roelfestraße gebaut; mit den Ausschachtungsarbeiten ist bereits begonnen. Durch die zeitmeilige Stillegung der Bump station fann der vorhandene Maschinenraum mit geringen Mitteln ebenfalls zu einer Iurn. halle eingerichtet werden, so daß der Bezirk bann über drel neue In der letzten Bezirksverordnetenversammlung veranlaßten Anträge der Deutschnationalen erhebliche und interessante Debatten. Borerst fand eine Vorlage, 500 M. zur Bekämpfung des Altoholmißbrauchs zur Verfügung zu stellen, unter der Voraussetzung Annahme, Daß sie nicht zur Propagierung des fáhädlichen Gemeindebestimmungs. rechts verwendet werden dürfen, fondern nur zur Betämpfung der tatsächlichen Schäden des Altoholmißbrauchs. Die Deutsch nationalen brachen eine Lanze für das Altoboltapital und wurden durch unsere Genossen entsprechend abgefertigt. Genoffe einig bemies mit statistischem Material, daß etwa 2,4 milliar den Mart jährlich vom deutschen Bolle dem Alcohol geopfert werden. Der Kommunist fette fich für die pöllige Trodenlegung Deutschlands ein. Unsere Genoffen verhalfen dem Antrag zur An nahme. Wichtiger mar ein Antrag der Volkspartei, den Bezirt In der pädagogischen Literatur wird den Idealen und Berufs- Steglig in Bezug auf die Befehung des Bezirksamtes mit den Nach wünschen der Kinder, die in sämtlichen Ländern durch Psychologen barbezirken Wilmersdorf und Schöneberg gleichzufezen, da die Ein einer speziellen Untersuchung unterzogen wurden, eine besondere wohnerzahlen der Bezirke fast gleich, die Ausdehnung im Bezirk Beachtung geschentt. Sie gelten nicht nur als Ausdruck der Ber. Steglig aber bedeutend größer und dazu die Verwaltung in den drei sönlichkeit der Kinder, sondern auch als Bemeis des Ein Rathäusern zu sehr auseinandergezogen sei. Die Zustimmung fluffes der Umgebung, in der das Kind aufwächst. Unter war einstimmig. Sturm gelaufen wurde gegen die 3en biefem Gefichtspunft ergeben die hier gewonnenen Zahlen ein getralifierungsbestrebungen für die Part- und Gartenver. radezu erschreckendes Bild. Schon in den Antworten der Kinder waltung. Man fann es fchließlich verstehen, wenn die Stadt ein im Jahre 1918/1919 ist es aufgefallen, daß von teinem Kinde der Interesse daran hat, diese Berwaltung einheitlicher zu gestalten als Wunsch nach der Laufbahn eines Gelehrten oder eines großen dies bei 20 Gartenverwaltungen möglich ist, doch wird die geplante Mannes" geäußert wurde, sondern daß fich hie Bünsche der Mehr überbezirtliche Einteilung feineswegs folche Borteile vor der zahl der Kinder auf dem ganz realen Boden einer Beamtenstelle jetzigen Einteilung voraushaben, daß sie die Wünsche der Bevölkerung bewegen. Die Beamtenstelle erschien ihnen damals als Möglichkeit, befriedigt. Entweder schaffe man ein zentrales Gartenamt, das durch eine gesicherte Stellung, Benfionierung, freie Zeit an den Nach feine Beauftragten den ganzen Stadtbezirt von Groß- Berlin beanlagen wurden erweitert und verbeffert. nach Eintritt der mittagen und Ferien zu erfangen. Durch die gegenwärtige Birt wirtschaftet oder man laffe den Bezirken ihre Gartenämter. Man schaftslage ist sogar dieses biedere, bürgerliche Ideal verschwunden. braucht nicht zu erwähnen, daß die bürgerlichen Vertreter aus ihrer Die Bank ist der Traum der Jugend geworden. Es tommt jetzt eindfeligteit gegen die Zentralisation tein Heht gemacht haben. nicht mehr darauf an, fich eine geficherte Zukunft zu wünschen, son. Weiter wünschten die Deutschnationalen, baß bas Bezirksamt die dern sich leicht und sofort bereichern zu fönnen. Bon dem Börjen weitere Grünbung von Privatmärkten im Bezin verhindern solle. fieber, das eine zeitlang die weiten Schichten der deutschen Bevöl. Dem Antrag wurde zugestimmt, doch feßten sich unsere Genoffen ferung erfaßt hat, sind also auch die Kinder nicht verschont geblieben. dafür ein, daß noch einige öffentliche Märtte, besonders in Eine während 6 Jahren systematisch betriebene Statistik der Lichterfelde Süd, eingerichtet werden, denn gerade die GrünBerufswünsche von Kindern desselben Alters, desselben sozialen dung von Privatmärkten beweise, daß ein Bedarf vorhanden Milieus und desselben Intelligenzgrades hat es nun in einem Falle ist. Dieser Antrag unserer Genossen wurde natürlich einer Deputa ermöglicht, die Birkung der allgemeinen Wirtschaftslage auf die tion überwiesen. Der Pastor Raaf hatte sich gegen den StraßenBerufswünsche der Kinder festzustellen. Wir sehen in ihm deutlich, handel mit Speiseeis und mit Schundliteratur gewandt. Er betonte, wie die unmittelbar dem Kriege folgende Zeit mit den ganz un- daß das Speiseeis den Körper frant mache und die Moral untergrabe. ficheren Lebensmöglichkeiten bei den Kindern den Wunsch nach einer Die unzüchtigen Bilder auf den Zeitungen Der Junggeselle" und" Die Stabilität und Sicherheit der Berhältnisse erweckt und wie die Ber. Elegante Welt" aber die Kinder, befonbers die Mädchen, reizen breitung einer durch die Inflationszeit verursachten Gewinnsucht sich müßten. Er wurde im allgemeinen vollständig unterstüßt und besonders Genosse Klose mies darauf hin, daß Gefahren für die Kinder sofort auch in den" Bank"-Wünschen der Kinder geäußert hat. tatsächlich bestehen. Die Hauptgefahren bildeten allerdings jene Schundliteraturen, die den Kindern in manchen Schulen in die Hand gegeben würden, in denen versucht wird, die Kinder gegen die Republik und gegen Schwarz Rot Gold einzunehmen. Hiergegen wandte sich beitig der Stadtschulrat Dr. An ders und betonte, daß ihm fein Fall antirepublifanischer Propaganba in den Schulen burch die Lehrer und auch teine solche Literatur bekannt geworden sei. Genosse Heinig verdichtete dann seine Anstraße in Lichterfelde nannte, das besonders schlimm sei, da hier Kinder republikanischer Eltern von den Kindern und Lehrern mißhandelt werden, und in dem zumindest bis zur Quarta die Brü. gelei mit dem Rohrstod durch die Lehrer in einer Weise üblich fei, melche ben heutigen Zeiten feinesfalls entspreche. Rinder wurden in die Turnhalle bestellt und dort mit dem Rohrstod gezüch Franziska Baumgarten. Das Berliner nächtliche Obdach war im Monat Mai 1925 mit 94 065 männlichen und 6 133 weiblichen Personen, im ganzen 100198 Personen gegenüber 94 882 Personen im Mai 1924 belegt. Rervöse Aufregungszustände und ähnliches werden " B Schlaflosigkeit, schnell behoben durch Gebrauch des pat. gesch. flagen dahin, daß er das Realgymnasium in der Drate. SOMNERVIN- TEES Auch bei dauerndem Gebrauch völlig unschädlich. Nehmen Sie nichts anderes! à Mk. 2. in Apotheken. Bestimmt: Elefanten- Apotheke, Leipziger Str. 74 am Dönhoffpl., GermaniaApotheke, Lothringer Str. 58, Apotheke zum Eisernen Kreuz, Kastanienallee 2 EMS SCHUTZ Emser Wasser ( Kränchen) Emser Pastillen Emser Quellsalz Ueberall erhältlich Seit sechzig Jahren wohne ich in Deutschland und bin überall beliebt und bekannt. Ich heiße MAIZENA bin eine Tochter des Maiskorns und jede Hausfran weiß mich au schägen. Sa der Rürbe bin ich nnentbehrlich und wer mid noch nicht genau keunt, fhreibe um ein Kochbach ein an die. Deutsche Maizena Gesellschaft A.-G. Bad Ems Empfohlen von den bedeutendsten Aerzten durch die Jahrhunderte bel Erkrankungen der Luftwege( Katarrhen, Asthma, Emphysem, Folgezuständen von Grippe, Rückständen von Lungen- und Rippenfellentzündung), Katarrhen der Verdauungs- und Unterleibsorgane, Frauenleiden, Herz- und Kreislaufstörungen, Gicht und Rheumatismus. 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Druckschriften kostenlos durch die Steat liche Bade- und Brunnendirektion BAD EMS. Lurnhallen verfügt. Für das diesjährige Bauprogramm ist noch her Neubau eines Lyzeums, Oberlygeums und einer Mädchenmittel schule vorgesehen. Das Bezirksamt plant ferner für das Jahr 1926 ben Neubau einer modernen Feuermache, für 1927 den Bau des Rathauses, ebenfalls ist ein großzügiges Hallenschwimmbad und die Erweiterung des Krankenhauses geplant. Die Mittel für die Er weiterung der hiesigen Seebadeanstalt find genehmigt, mit den Arbeiten wird am Schluß der diesjährigen Saison begonnen. Die alte Bretterumzäumung des Friedhofes an der Schönstraße soll durch eine massive Mauer erjezt werden. Zur Berdeckung des häßlichen Brandgiebels Ede Heinersdorfer Straße und Brenzlauer Promenade wird ein Geschäftshäuschen Reinidendorf mit 685, Zehlendorf mit 524, Rōpanid mit 437 und Wilmersdorf mit 301 neuen Wohnungen aufzuweisen. Die übrigen Bezirke haben einen Zuwachs von unter 300, zum Teil nur wenig über 100. Ganz kläglich schneiden die inneren Bezirfe ab: Tiergarten 117, Friedrichshain 60, Kreuzberg 40, Wedding 16, Mitte 14 und Betrachtet man den Zuwachs unter Prenzlauer Berg gar nur 5. dem Gesichtswinkel der Wohnungsgrößentlassen, so entfallen 2089 ( 50,4 Broz.) auf die Kleinwohnungen mit bis zu 2 Zimmern, 1505 ( 36,3 Broz.) auf die mittleren Wohnungen mit 3 und 4 3immern und 550( 13,3 Proz.) auf solche von 5 und mehr Zimmern. init drei Läden und drei Einzimmerwohnungen errichtet. Durch zu Parteinachrichten hilfenahme der Mittel aus der Hauszinssteuer werden augenblicklich 180 Wohnungen gebaut. Von diesen werden 87 am 1. Juli d. J. und die übrigen 103 gegen Ende Oktober d. I. bezugsfähig. Das Bezirksamt erwartet für dieses Jahr die Bereitstellung der Mittel für den Bau von weiteren 300 Wohnungen. 19. Bezirk Bankow. Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, Friedrichsfelde, sum Marsch nach Biesbort, Galerie nigrum Sols Werbeabend mit Gefang, Borträgen, Rezitationen und Tanz bei freiem horft fleht 7½ Uhr in Friedrichsfelde, Cie Schloß- und Berliner Straße. Gintritt. Sämtliche Mitglieder, auch die passivent, haben mit Angehörigen zu Die Nachbarkamerabschaften find ebenfalls höflichst eingeladen. Sonnerscheinen. Rameradschaft Spandau Ganttliche Fahnen find mitzubringen. abend, den 6. Juni, abends 8 Uhr, findet im Baradiesgarten, Segefelder Der wichtigen Straße, eine außerordentliche Mitgliederversammlung ftatt. Kameradshaft Rieberschöneweibe, Drtsgruppe Treptow. Sonnabend, den Tagesordnung wegen ist das Erscheinen eines jeden Mitgliedes Pflicht. 6. Juni, abends 7 Uhr, bei Dettinger, Riefholz, Ede Elsenstraße, Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Verfallungsfeier. 2. Mitteilungen und Quartierfragen. Jeder Kamerad muß angeben, wieviel Rameraden er einquartieren kann. Rameradschaft Reutöln- Bris, Jungmannschaft. Frei tag, ben 5. Juni, abends 6% Uhr, Treffen Saale, Ede Canner Straße. Ramerabschaft mitte, Zag Nord 2. Sonnabend, den 6. Juni, abends 8 Uhr für Groß- Berlin Berfammlung bet Diefe, Bowenfte, 19. fiets an das Bezirkssekretariat, 2. Sef, 2 Trev. rechts, an richten Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin! Seute, Freitag, pünkt. lid 7 Uhr, Helferfizung der Rinderfreunde im Jugendheim Linden. ftraße 3. Referat des Genossen Weimann: Die Kinderfreundebewegung im Reich." Juftisbeamten! Wichtige Gigung Gonnabend, den 6. Suni, pünktlich 8 Uhr, Juristische Sprechstunde, Lindenstr. 3. 1. Bericht. 2. Wahlen. Heute, Freitag, den 5. Juni. 7. 1. Der in der gestrigen Morgenausgabe angekündigte Sichtbildervor trag findet heute abend 7 Uhr in Röhlers Festsälen, Tiedftr. 24, flatt. 46. Abt. Die Delegierten zur Kreisdelegiertenversammlung bei Rabe erhalten die Ausweise am Saaleingang. 48. Abt. Sämtliche Vorstandsmitglieder und Delegierten um 8 Uhr in der Kreisdelegiertenversammlung bei Rabe, Fichteftr. 29, pünktlich erscheinen. Die Ausweife werden am Saaleingang verteilt. Schöneberg. 78. Abt. 8 Uhr Funktionärsigung bei Rönig, Feurig, Ede Pünktlich 8 Uhr im Lobal Groß, Bring- Georg- Straße. 79. Abt. Gedanstr. 17, wichtige Funktionärsgung. 81. Abt. Friedenau. Bünktlich 8 Uhr Funktiondrigung bei Alabe, Sandjern ftraße 60/61 Reukölln. 90. Abt. 8 Uhr bei Schiffler, Donauftr. 118, FunktionärverfammYung. 98. Abt. 72 Uhr wichtige Funktionärversammlung bei Teich. Achtung! Sämtliche Mitglieder der Abteilung nehmen am Sonnabend, den 6. Juni, 6 Uhr, an der Einäfcherung des Genoffen Schid teil. Treffpunkt 5% Uhr vor dem Arematorium Baumschulenweg. In allen Berwaltungsstellen wie auch im Magistrat bemüht man sich seit Jahren, für die Großstadtbevölkerung Grünflächen zu erhalten und neu zu schaffen. Auch im Bezirk Pankow find Teile von umbebautem Gelände als Grünflächen ausgewiefen, die aber als sogenannte Dauerkolonien gelten und mehr für einen begrenzten Teil der Bevölkerung zunächst als Erholungsstätte in Frage fommen. Eine bedauerliche Ausnahme macht der Magistrat in der Erhaltung von Grünflächen im nördlichen Bezirk Bankow. Vielleicht betrachtet er für die Bewohner dieses Bezirks„ Grünflächen", die zur Erholung der gesamten Bevölkerung dienen, als Lurus, denn sie fcheinen ihm für Müllabladestellen medmäßiger und beffer geeignet zu sein. Oder follte die Bedürfnislosigkeit und Bescheidenheit der Bewohner des Nordens den Magistrat veranlaßt haben, große Grünflächen als Müllabladestellen zu benutzen, während in den westlichen wald- und wasserreichen Bezirken die Bewohner beim Erscheinen des ersten Müllwagens ganz Berlin auf den Kopf gestellt hätten. Jungsozialisten, Gruppe Mitte. Heute Ausspracheabend in der Schule Gips. 3wischen Blantenfelde Schildom und dem Wendendorf bars schlängelt sich das Tegeler Fließ, von beiden Seiten umgeben von mäßigen, langgestreckten Anhöhen, die den Ausblid über das ganze Tal ermöglichen. Abwechslungsreich ist das Gelände durch die verschiedenen Baumgruppen, die teilweise auf sehr alte Ueberlieferungen aus der Wendenzeit schließen lassen. Dieses schöne Fleckchen Erde, das ein beachtliches Naturdenkmal ist, soll verschwinden. Unaufhörlich rollen die Eisenbahnwagen Doll Müll auf der Liebenmalder Kleinbahn dorthin. Der 19. Verwaltungsbezirk mit seiner Bevölkerung protestiert seit längerer Zeit gegen die weitere Ablagerung von Müll am Tegeler Fließ. Der Magistrat verschließt die Augen. Möge dieser Hinweis den Magistrat bewegen, von der weiteren Berschandelung dieses Geländes Abstand zu nehmen. 4 alten Die Erhaltung des Berliner Waldgeländes. In einer Kleinen Anfrage im Preußischen Landtag wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß das Waldgelände um Berlin allmählich ganz der Bautätigkeit zum Opfer fallen fönnte. Besonders sei die Zehlendorfer Heide schwer bedroht. Auf die Frage, mie das Staatsministerium die Wälder um Berlin der Groß- Berliner Bevölkerung zu erhalten gedente, erwiderte der preußische Wohlfahrtsminister, daß die Staatsregierung und die Stadt Berlin dieser Frage dauernd ihre besondere Aufmertfamteit zuwenden. Die im Gefeß zur Erhaltung des Baumbestandes Dom 29. Juli 1922 gegebenen Befugnisse sind für den Bereich der Stadt und die umgebende Zone voll ausgeschöpft. Alle wesentlichen Baumbestände innerhalb der Gemartung mit einer Gesamtfläche Don etwa 19 000 Heftar find unter Schuß gestellt. Davon entfallen auf städtischen Besitz etwa 13 000 Sjeftar, auf staatlichen Best etwa 3000 Settar und auf Privatbesig 2270 Hettar. Der Magistratsbeschluß über die Waldschutzgebiete hatte zur Folge, daß bie Ausschlachtung der Baumbestände innerhalb Berlins, die in einem außerordentlich großen Umfange eingesetzt hatte, mit einem Schlage verhindert wurde. Soweit Waldteile, die für die Bebauung bestimmt sind, bebaut werden sollen, wird eine Abholzung nur dann zugelassen, wenn die Bebauung oder die Anlage von Gärten tatsächlich sichergestellt ist. Für das 3ehlendorfer Gelände ist auf Grund eines von der Stadtverwaltung aufgestellten Bebauungsplanes zu erwarten, daß der Baumbestand zum größten Teil erhalten bleibt und im Zufammenhang mit den Freiflächen den jetzt vorhandenen Eindruc bemahrt. Es soll eine Siedlung entstehen, die, ähnlich wie die Kolonie im Grunewald, Heerstraße und Frohnau, als Wald= siedlung anzusprechen ist. Die Wohnungsbautätigkeit in Berlin war im vergangenen Jahre äußerst bescheiden. Nach den Ermittelungen des statistischen Amtes der Stadt Berlin wurden durch Neu- und Umbau insgesamt nur 4853 neue Wohnungen gewonnen. Bon diesem Zugang waren aber nur 2736 Dauerneubauten, sogen. Beheifsbauten zum größten Teil bloße Wohnlauben 670 und durch Umbau( Aufftodung usw.) 947. Es sind das insgesamt nur 913 mehr als im vergangenen Jahre. Geht der Wohnungsneubau in diesem Schnedentempo weiter, dann wird man noch sehr lange warten müssen, bis die Wohnungsnot auch nur in ihren allerschlimmsten Formen und Ausmaßen beseitigt wird. Die völlige II nzulänglichkeit der Berliner Wohnungsbautätigkeit tritt noch deutlicher in die Erscheinung, wenn man die einzelnen Berwaltungsbezirke ins Auge faßt. Einigermaßen nennenswerte Zahlen haben da nur Straße 23a, pünktlich 8 Uhr. Jungfosialiften! Friebenant. 8 Uhr im Jugendheim Offenbacher Str. 5a, Bortrag mit Aussprache über: Was wir wollen." Gruppe Schöneberg. Seimabend im Volkstanzraum Rubensstraße, 8 Uhr. Politische Aussprache. Morgen, Sonnabend, den 6. Juni. 4. Abt. 7 Uhr Zusammenkunft aller Funktionäre und Kreisvertreter bei Roch, Schillingstr. 30. 25. Abt. 7 Uhr bei Raestner, Elbinger Str. 24, Gigung aller Funktionäre. Durchsprechung des Entwurfs zum neuen Ortsstatut. Charlottenburg. 52. Abt. 8 Uhr Funktionärsikung bei Bade, Raiserin- AuguſtaAlee 52. 54. Abt. 8 Uhr im Lokal Fischer, Cauerstr. 20, Funktionär fisung. 107. Abt. Alt- Glienice- Faltenberg. Die Funktionäre erscheinen! 8 Uhr int Jugendheim Vorstandsligung. 131. Abt. Niederschönhausen. 8 Uhr im Lokal Aubasch Funktionärsgung. 139. Abt. Tegel. 8 Uhr im Jugendheim Bahnhofftr. 15, Funktionärsizung. Elternbeiräte find eingeladen. Sungjozialisten! * Sonntag, den 7. Juni, Treffahrt fämtlicher Gruppen Treffpunkt mittags 12 Uhr auf der Halbinsel nordwestlich des Hölzer nen Gees. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 11. Abt. Der Genosse Ba ut Quetinat ist verstorben. Einäscherung Gonnabend, den 6. Juni, nachin. 5 Uhr, Arematorium Gerichtstraße. 98. Abt. Reukölln. Genosse Robert Ghid, Ringbahnstr. 22, ist verftorben. Einäscherung Sonnabend, den 6. Juni, abends 6 Uhr, Srematorium Baumschulenweg. Jugendveranstaltungen. Sonnenwendtarten müßen abgeholt werden. Achtung, Abteilungstaffierer! Seute van 5-7 Uhr Ausgabe der Juni- ,, Jugend voran". Abrechnung der Beitragsmarken. Heute, Freitag, den 5. Juni, abends 7% Uhr. Abteilungsmitgliederversammlungen. Moabit I: Schule Walbenser Str. 21. Nordost II: Jugendheim Danziger Str. 62 1 Rofenthaler Borstadt: Landgemeindehaus. Gorkienftr. 21. Beißensee: Jugendheim Nöldeitr. 157. Often, Stralauer Biertel: Jugend heim Goßleritr. 61. Often, Barschauer Biertel: Jugendheim Tilfiter Str. 4. Charlotten Südost, Röpenider Biertel: Jugendheim Mariannenufer la. burg: Jugendheim Rosinenfte. 4. Halensee: Saule Joachim- FriedrichStraße 35/36. Schöneberg I: Jugendheim Rubens, Ede Hauptstraße. Schöneberg II: Schule Frankenstr. 10. Steglik II: Jugendheim Holfteinische Straße 3. Neukölln 1: Jugendheim Bergstr. 29. Neukölln: Jugendheim Nogatftr. 56. Ren- Lichtenberg: Schule Brinz- Albert- Straße. Reiniden borf- West: Jugendheim in der Geidelftrake. Bankow: Jugendheim Breite Straße 32. Moabit II: Schule am Stephansplat. Aussprache: ,, Unfere Bfingstfahrt." Lichtenberg- Nord: Jugendheim Barkoue 10. Bortrag: ,, Was wollen wir in der GAS.?" CEL Treptow: Sugendheim Elsenstr. 3, Lichtbilbervortrag: Sächsische Schweiz und Bilder von unseren Gruppenfahrten." Gäfte willkommen. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„ Schwarz- Rof- Gold". Geschäftsftelie: Berlin G. 14. Gebaftianftr. 87/38. Sof 2 St. Rameradschaft Röpenie und Untergruppen. Sonnabend, den 6. Juni, abends 74 Uhr, Treffen am Bahnhof Köpenid mit aus Ertner und Tambourkorps und Fahnen. Empfang der Kameraden Adlershof. An dieser Beranstaltung beteiligen fld) aud die passiven Mitglieder. Rameradschaft Ertner. Sonnabenb, den 6. Juni, abends 6 Uhr, Antreten am Bahnhof mit Fahnen zur Fahrt nach Röpenid. Kamerabschaft Kreuzberg. Sonntag, den 7. Suni, vormittags 91 Uhr. Achtung, Spie Lente! Mit Instrumenten Bodbrauerei, Fidicinstraße, antreten. Kamerab. fchaft Lichtenberg nebft Untergruppen. Sonnabend, den 6. Juni, abends Uhr, Antreten der gesamten Rameradschaft ant Bahnhof Lichtenberg. Das Rundfunkprogramm. Die echten holländischen Freitag, den 5. Juni. POLAK ajp app PUDDINGE Ist der Braten schlecht geraten, Denkt die Köchin klug: Schlechtes Essen wird vergessen, Gibt's Polak Pudding nur genug! Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30-6 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Konzertmeister Ferdy Kauffman. 6.30 Uhr abends: Zehn Minuten für die Frau( Die Fabrikation von Kakao und Schokolade. II. Teil). 6.40 Uhr abends: Wege zum Wissen: Die Kunst des Barock". 7.15 Uhr abends: Einführung zu der Uebertragung der Oper Rigoletto". 7.30 Uhr abends: IX. Uebertragung aus der Staatsoper Unter den Linden: Rigoletto", Oper in vier Aufzügen von Giuseppe Verdi. Dichtung von Francesco Maria Piave. Personen: Der Herzog von Mantua; Rigoletto. sein Hofnarr; Gilda, dessen Tochter; Graf von Monterone; Graf von Ceprano; die Gräfin, seine Gemahlin; Marullo, Kavalier; Borsa, Höfling; Sparafucile, ein Bravo; Maddalena, seine Schwester; Giovanna, Gildas Gesellschafterin; ein Gerichtsdiener; ein Page der Herzogin; Herren und Damen vom Hofe, Pagen, Hellebardiere, Diener. Ort der Handlung: Mantua und Umgegend. Im ersten Aufzug: Säulensaal im herzoglichen Palaste zu Mantua Im zweiten Aufzug: Oeder Stadtteil in Mantua. Im dritten Aufzug: ein kleiner Saal im herzoglichen Palaste zu Mantua. Im vierten Aufzug: Oeder, unheimlicher Stadtteil zu Mantua am Ufer des Flusses Mincio. Zeit: Das 16. Jahrhundert. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Arbeiter Radio- Alub, Bezirk Reutölu. Riidule, 8 Uhr, Babel- bend. Gäste wilffommen. Arbeiter- Radio- Klub, Gruppe Lichtenberg, Beichselstr. 1. 5. Juni Mitgliederversammlung. 14. Juni Besichtigung von Königswusterhausen. Treffpunkt 12 Uhr Görliker Bahnhof. Bolksfürsorge. Dampferpartie am Sonning, 7. Juni 1925, nach Swiebufch. Abfahrt 7 Uhr morgens Oberbaumbrüde( Reederei Ried). Arbeitersport. Nordgruppe des 4. Bezirks, Arbeiterturn- und Sportbund. Sonnabend, 6. Juni, 7 Uhr, auf dem Dominicusplag in Schöneberg am Gadfendamm: Lehrstunde. Turnordnung: Red, Laufen, Schlagballspiel. Anschließend Gigung bei Lehmann, Marstraße. Jugendsportfest in Köpenid. Am Lommenden Sonntag, den 7. Juni, findet auf dem herrlich an der Oberspree gelegenen Sportplah des Turnvereins ,, Eiche Köpenic" das diesjährige der Jugend gewidmete Sportfest der Leichtathletik- Bereinigung statt. Das Fest hat mit 35 Mannschaftsmelbungen bei sirka 250 Teilnehmern aus Berlin und der Brovinz eine gute Beschung er Der fahren und verspricht unter der bekannten flotten Abwidlung der L.-B. einen interessanten Verlauf in den verschiedenen Wettbewerben zu nehmen. Anfang der Wettkämpfe ist auf 1% Uhr feftaefekt. Dic beften Fahrverbindungen sind: Straßenbahn Nr. 87 bis Marienstraße oder Vorortbahn: Hirschgarten, dann in Heringsdorf oder gegenüber dem Sportplas überlegen lassen. Arbeiter Tuts- und Sportbund( 1. Kreis, 1. Bezirk). Am Sonntag, den 7. Juni finden auf dem Städtischen Sportplag Reinidendorf- West, ScharnAusweberstraße, die Entscheidungsspiele um die Bezirksmeisterschaft statt. getragen werden 21 Faust ballspiele. Beteiligt sind daran 8 Männer, 3 Alte- Herren-, 8 Frauen- und 8 Jugendmannschaften. An den 10 Staffballspielen nehmen 6 Männer, 4 Frauen und 7 Jugendmannschaften teil. SchlagbaII ist mit 4 Mannschaften befekt, die sich in 2 Spielen gegenüber. ftehen. Beiter werben ja 2 Frauen, Jugend- u. Männermannschaften in 3 Handballspielen. Da nur die spielstärksten Mannschaften an den Entscheidungsfpielen teilnehmen und wohl jede Mannschaft das Bestreben hat, günstig abauschneiden, ist bestimmt guter Sport zu erwarien. Die Spiele beginnen vormittags 9 Uhr auf 6 verschiedenen Spielfeldern. Der Eintrittspreis beträgt für Nichtteilnehmer, Männer 30 Bf., Frauen und Jugend 10 Bf. Arbeiter- Radfahrer- Berein Groß- Berlin". Sonntag, Z. Juni, früh 5 Uhr, Lehnißfee bei Oranienburg. 1 Uhr Birkenwerder( Japan). Touristenverein Die Raturfreunde"( Zentrale Bien), Abt. Wedding. Treff zu den Seidefpielen am Freitag, 6½ Uhr, See-, Ede Lütticher Straße. Sonntag Treffahrt nach Eberswalde( Treff 6½ Uhr Gesundbrunnen), Bernau, Dewinfee. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Donnerstag, den 4. Juni. 1. Rennent. 1. Trajan( 2. Tarras), 2. Marid( M. Jenkich), 3. Glasbäger( H. Blume). Toto: 42: 10. Biaz: 19, 20, 21: 10. Ferner liefen: Heimattreuer, Mäuseturm, Sankt Georg, Seewarte, Beleda, Baltüre. 2. Rennen. 1. Bardes Bruder( Zeichmann), 2. Nobelmann( Blume), 3 Fassum( Grabfch). Toto: 117: 10. Blay: 30, 21, 35: 10. Ferner liefen: Batrizier, Habicht, Molod, Kleopatra, Antenor, Jiongo 3. Rennen. 1. Bishnu( Olejnit), 2. Reife Frucht( Grabsch), 3. Lagenburg( Teichmann). Zoto: 22: 10. Blak: 11, 11: 10. Ferner lief: Sallust. 4. Rennen. 1. Träumer( Zorte), 2. Jdomeneus( Teichmann). 3. Theofrit( Stafper). Toto: 27: 10. Plaz: 15, 26: 10. Ferner liefen: Milotin, Elgilolf. 5. Rennen. 1. Tully( Olejnil), 2. Dora( H. Blume), 3. Kreuth ( Teichmann). Toto: 23:10. Dret liefen. 6. Rennen. 1. Great Gala( Thielemann), 2. Flamberg( D. Schmidt), 3. Fler( Barga). Zoto: 27: 10. Blat: 12, 12: 10. Ferner liefen: Belion, Pompadour. 7. Rennen. 1. Twostep( D. Schmidf), 2. Lemmel( Huguenin), 3. Bromo( Grabich). Loto: 25: 10. Blat: 17, 16: 10. Ferner liefen Karl Ferdinand, Primas, Thrain. Weltmeister Linart in Treptow. Am Mittwoch, den 10. Juni, abends 8 1hr, findet das nächste Abenbrennen auf der Sennbahn1 Treptom statt. Ein äußerst interessantes Programm ist für diesen Renntag in Aussicht genommen. Die Dauerfahrer bestreiten den Großen Sommerpreis", der in 6 Laufen von je 10 km und 1 2auf über 50 kin zum Austrag fommt. Bährend die ersten 6 Qäufe von nur je zwei Fabreru als Berfolgungsrennen gefahren werden, wird der legte Lauf alle vier Leil nehmer zusammen an den Ablauf bringen. Als sichere Starter gelten bis jegt: a wall, 2ewano w und 2in art. Mit einem vierten Fahrer fchweben zurzeit noch die Verhandlungen. Auch den Freunden des Flieger sports wird mit einem 30- Runden- Bunttejabren, bei dem jede 5. Runde ge ipertet wird, sowie einem Malfabren über 1000 m und einem Prämienfahren über 15 Runden intereffanter Sport geboten werden. Better für Berlin und Umgegend. Bielfach heiter, am Tage recht warm. Wetter für Deutschland. Im Often noch wollig, im übrigen Deutschland heiter. DUNLOP CORD Viele alte Wagen nur noch im Gebrauch weil Dunlop- Reifen unverwüstlich. Die Weltmarke bürgt für Qualität! " GOLD59 ENVER BEY TULA 68 www Nr. 261 42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Der Götze Kapitalbildung. Wenn der indische Gößenwagen vorbeisauft, werfen sich ihm die verzückten Gläubigen vor die Räder, damit sie durch solchen Tod ins Baradies tommen! Man wird an diesen alles germalmenden Göttermagen erinnert beim Anblick des neuen Gözen, dem das Volk Opfer darbringen soll, und der Rapitalbildung" heißt. Wenn die Befizenden feine Steuer zahlen, so geschieht es deshalb, damit sie mehr ersparen und neue Rapitalien bilden fönnen. Sind Die Kreditzinsen zu hoch, so können die Banten eben mehr verdienen und fördern die Kapitalneubildung. Im Namen der Kapitalneubildung fann man auch gut für die Schußzölle ein treten. Sichern doch die Schutzölle den Unternehmern und Land. mirten Uebergeminne, die ebenfalls zur Rapitalbildung beitragen. Man hat schon dies sei als Kuriosum erwähnt die Er= höhung der Mieten mit der Begründung gefordert, daß die Hausbefizer dank der erhöhten Mieten zu Trägern der Kapitalbildung gemacht werden sollen. Freilich werden auch andere vernünftigere Vorschläge zur Kapitalbildung gemacht, worüber noch zu sprechen fein wird. Vor allem joll aber der 3 med der Kapitalbildung fest gestellt werden. Denn es besteht kein Zweifel, daß die Kapitalbildung nicht Selbstzwed ist, was die Leute, die um den neuen Gößen tanzen, mit oder ohne Absicht, oft zu vergessen scheinen. 3ft Kapitalbildung notwendig? Freitag, 5. Juni 1925 zufammen tein organisches Ganzes bilden, fo foll auch bie Rabulistit der Interessenten den Willen des Gesetzgebers nicht zuschanden machen fönnen. So fonnten ausnahmsweise auch einmal die Juristen, in diesem Falle der Reichsfinanzhof, zur wirtschaftswiffenschaftlichen Erkenntnis etwas beitragen. notwendigerweise nur steigen. Einfuhrverbote für Luruswaren Der Reichsfinanzhof entschied nämlich am 14. Dezember 1923, tönnen sich nur in Preiserhöhungen für die im Inland hergestellten daß Umfahsteuerfreiheit bei einem Leiftungsaustausch irgendwie Waren auswirken, das Problem werden sie aber nicht löjen fönnen. vertraglich verbundener Werke nur möglich ist, wenn eine BerNeue Methoden der Kapitalbildung und-verwendung. waltungs- und Betriebsgemeinschaft vorliegt. Eine Unter folchen Umständen müssen wir sowohl was das Tempo Mutter und Tochtergesellschaften vor, bei denen die Tochtergesellschaft folche Berwaltungs- und Betriebsgemeinschaft liege aber nur bei wie die Methoden der Kapitalbildung anbelangt, andere Wege als Glied in den Organismus des von der Muttergesellschaft betrie einschlagen, als die von der Regierung und den Unternehmern ge benen Unternehmens eingegliedert fei und der Muttergesell forderten. Erftens müßte man andere Schichten zum Träger fchaft der beherrschende Einfluß auf die Tochtergesellschaft leineren und mittleren Einfommen, die, wie Bro- gemeinschaft steuerpflichtig erflärt werden. Die Begründung Der Rapitalbildung machen, vor allem die Bezieher der zustehe. Danach mußte selbstverständlich jebe Intereffenfeffor Hirsch in seinem lehrreichen Bortrag über das deutsche Kredit für den Fall der Steuerfreiheit aber ist eine ganz vorzügliche problem hervorgehoben hat, in der Vorkriegszeit mindestens zwei Definition dessen, was man mit Stonzern" bezeichnen darf. Ind Drittel der Boltsersparnisse geliefert haben. Dazu gehört aber eine am 10. Februar 1925 hat der Reichsfinanzhof entschieden, daß Ulmniedrigen Berzinsung der Spareinlagen seitens der Banten, wo diese und der Berkaufsstelle des Kartells nicht möglich ist, gerade weii andere Steuer- und Kreditpolitit. Der Unfug der zu fatzsteuerfreiheit bei einem Leistungstausch zwischen Kartellmitgliedern doch von ihren Schuldnern riesige Zinsen einstreichen, muß aufhören. die Bertaufsstelle als Angestellte der Gesamtheit der KartellDie Forderung, daß der Enteignung der kleinen Aktionäre durch die mitglieder betrachtet werden muß, also zu jedem Einzelnen gar Aufsichtsräte oder Großaktionäre Einhalt geboten werden soll, trifft nicht im Verhältnis der organischen Abhängigkeit stehen tann. Die nicht nur deshalb zu, damit jene ihre Gelder wieder der Wirtschaft Berkaufsstelle steht infolgedeffen hinsichtlich der Lieferungen der ein zufließen lassen, sondern auch deshalb, weil die Lenkung dieser Spar zelnen Werke diesen als selbständige Rechtspersönlich. gelber in Betriebszweige, wo fie als Betriestapital notwendig find, teit gegenüber. Daraus ergab fich notwendig die II m fa is steuereher möglich ist, als dies bei dem selbstherrlich vorgehenden Monopol pflicht für die Lieferungen der Kartellmitglieder an die Bertaufs Rapital wird gebildet, wenn ein Teil der Produktion maltet, der Fall ist. Noch wichtiger aber zur Förderung der nötigen zügliche Definition des Unterschiedes zwischen einem Konzern und fapital, das feine Kapitalien unter Ausschaltung der Banken verstelle des Konzerns. Die Begründung aber gibt wiederum eine vor= nicht verbraucht, sondern als Produktionsmittel verwendet, zur Weiterführung der Wirtschaft auf erhöhter Stufenleiter dient. Kapitalbildung ist die Kreditpolitif, eine Politik weitherziger Kredit einem Kartell, wenn der Kartellbegriff hier auch mur megatio deIn diesem Sinne ist die Kapitalbildung die unentbehrliche gewährung für Betriebskapital seitens der Reichsbant, wodurch das finiert ist. Bedingung der fapitalistischen Wirtschaft. Sie wäre aber selbst aur Berteuerung der Waren führende 3infenmonopol der in der sozialistischen unentbehrlich. Auch in einer solchen muß Privatbanken gebrochen würde, vor allem aber die angesichts der Bevölkerungsvermehrung und zum Zweck der besseren Mobilisierung des Kredits, die Beschleunigung der um Bedarfsbefriedigung ein Teil des Produktionsertages für die Borschlagsperiode des Kapitals. Kann man durch geeignete Probereitung und Erweiterung der fünftigen Produktion duktions- und Kreditpolitik die zur Verfügung stehenden Geldmittel verwendet werden. Die Kapitalbildung vollzieht sich mun entweder rascher als heute umsehen, so wäre die zurzeit dringendste Aufgabe auf positive Weise, das heißt, es wird mehr als früher erzeugt, der Beschaffung von Betriebskapital zum guten Teil gelöst. Eine und fann deshalb ohne Einschränkung des bisherigen Verbrauchs ein Kapitalneubildung, deren Tempo ein zu rasches ist und deshalb Teil des Produktionsertages erspart werden, oder aber auf nega tive Weise durch Einschnürung des Verbrauchs im Berdie oben geschilderten Gefahren der Massenverelendung und der gleich zum bisherigen. Die Einschnürung des Berbrauchs fann verArbeitslosigkeit heraufbeschwört, durch gewaltsame Einschnürung des schiedenartig erzwungen werden: Es werden bei gleichbleibenden Verbrauchs die Boltsgesundheit untergräbt und den Kreislauf der Einkommen die Warenpreise erhöht und dadurch wird der Produktion unterbindet, müssen wir von der Hand weisen. Bon Berbrauch erzwungenermaßen eingeschränkt, oder aber der Sig at einer solchen Kapitalbildung fönnte man mit Recht sagen: Die nimmt einen großen Teil des sonst zum Verbrauch bestimmten Ein Operation ist geglückt der Patient ift gestorben. A. 5. fommens als Steuer in Anspruch. Preiserhöhungen tönnen wieder durch Trusts und Rarielle die durch Organisationen und Produktionseinschränkung den Wettbewerb ausschalten, durch Schutzzölle, eventuell auch durch Einfuhrverbote, die sämtlich den Verbrauch verteuern, endlich durch hohe, die Waren verteuernde Kredit zinsen am ehesten bewerkstelligt werden. Zugegeben also die Notwendigkeit der Kapitalneubildung, die in einem durch den Krieg verarmten Lande doppelt nottut, muß man fich dennoch fragen, ob nicht die Besonderheiten der Biri fchaftslage der Kapitalbildung, was ihr Tempo und ihre Art anbelangt, die Wege vorschreiben, ob es nicht auch vernünftigere Wege zur Kapitalbildung gibt als die gewaltsame Einschnürung des Massenverbrauchs. Und anderseits wie weit die sonst notwendige Berbilligung der Produktion zum 3wede Der Kapitalbildung damit die Gewinne aus Mehrproduktion und nicht aus der Drosselung des Verbrauchs abgeleitet werden sollen in sozialen Gründen ihre Schranten hat. Kartell und Konzern. 9 wirtschaftlicher Bedeutung. Sie machen natürlich die Umsatzsteuer, Die Entscheidungen felbft find von weitiragender steuerlicher und die nach wie vor die gröbste und unvernünftigste Steuer bleibt, um nichts besser. Aber sie zeigen doch, wie fruchtbar auch Juristen einmal für die Erfenntnis wirtschaftlicher Dinge werden können, wenn sie sich vom Leben, wie es ist, belehren lassen, statt mit ihren Baragraphen und verstaubten Theorien das Leben zu vergewaltigen, wie es meistens geschieht. Die schwierige Cage der oftoberschlesischen Kohlenindustrie. Die Lage der oftoberschlesischen Kohlenindustrie weist eine dauernde Berschlechterung auf. Die Märzproduktion stellte sich auf 1996 442 Tonnen, im April sant die Förderung auf 1793 004 Tonnen. Trotz der Einschränkung der Produktion sind die Haldenbestände auf rund 1,1 Million Tonnen gestiegen. Im Mai haben fich die Absagverhältnisse weiter verschlechtert, da die Krebiteinschränkungen zu einer noch größeren Zurückhaltung der KundVerständigung über eine eingehende Regelung der Absahmengen für die einzelnen Gruben erzielt und die Zahlungsbedingungen ver schärft. Dagegen haben sich die noch vor kurzem erst gehegten Hoffnungen auf das baldige Zustandekommen eines gesamtpolindustriellen des Dombrowa und des Krakauer Reviers haben die nischen Kohlensynditats nicht bewahrheitet. Die Kohlen Frage einer Zusammenarbeit mit der ostoberschlesischen Kohlenindustrie für nicht aktuell erklärt. Trotzdem werden die Berhandlungen weitergeführt. Wenn man die neuzeitliche Entwicklung der Industrie fennzeich- schaft geführt haben. Die Oberschlesische Kohlentonvention hat eine nen will, so stellt zur rechten Zeit ein Wort sich ein, und ein Schlag wort dazu: man spricht von Kartellen und Konzernen, oder Kartellen wort dazu: man spricht von Kartellen und Konzernen, oder Kartellen und Trusts, was ungefähr dasselbe ist. Die Wenigsten wissen, daß diefe Worte Dinge meinen, die zwar früher leidlich genau durch die Begriffe Sartell" Konzern" auseinandergehalten werden tonnten, heute aber durch die Interessengemeinschaften und Syndi fate wieder so miteinander vermischt sind, daß die von früher gewohnten Begriffe die Dinge nicht mehr treffen. Was mum als Rar tett und was als Konzern anzusprechen sei, diese Frage wurde über einem Steuerstreit atut. Die Industrie, die ja grundfäßlich steuerscheu ist, fucht für ihre Steuerschen gelegentlich auch nach Gründen. Dazu führte die mit Recht auch der Industrie unsympathische Umsatzsteuerpflicht für jeden burchgeführten Berfaufsatt. Der Fistus nimment natürlich fo viel umb so oft Umsatzsteuer, afs er bekommen fann und die Steuergesete dehnbar sind. Die Unternehmer tum in der entgegengesetzten Richtung genau dasselbe. So fann es zu Prozessen vor dem Reichsfinanzhof, in denen die Frage entschieden werden mußte, ob, wenn ein Konzern schon umsatzsteuerfrei ist, auch ein Interessengemeinschaftsvertrag steuerfrei mache, und ob, wenn die Mitglieder eines Kartells schon umfassteuer pflichtig als Einzelunternehmer find, fie das auch dann sind, wenn der Berfauf an ihr eigenes Berkaufssyndikat erfolgt. Praktisch gesprochen: der Staat verlangte Umsatzsteuer sowohl bei der Intereffengemeinschaft, die tein Konzern ist, als auch von jedem einzelnen Rartellmitglied, auch wenn es mur an das Verkaufsfymbifat lieferte. Der Streitfall, der daraus entstand, nötigte die damit befaßten Gerichte zu sagen, was unnfagsteuer rei macht, also ein Konzern ist und was umsatzsteuerpflichtig macht, also fein Konzern sein fann. Run will es ein glüdlicher Stern, daß die heutige Jurisprudenz in Steuerdingen nach einer relativ vernünftigen Theorie entscheidet, nämlich der sogenannten Organ theorie. Was ein organisches Ganzes ist, das soll auch durch ein Steuergefeß nicht zerriffen werden, und wenn ein Steuergesetz mit Recht Einheiten trifft, die Preisnotierungen für Nahrungsmittel. Durchschnittseinkaufspreise in Goldmark des Lebensmittel- Einzelhandels per Zentner frei Haus Berlin. Gerstengraupen, lose. 19,00-24,00 Kakao, fettarm 19,00-20,50 Falsche Kapitaldispofitionen und ihre Folgen. Zunächst einmal möchten wir hervorheben, daß in der gegen märtigen Lage für die Wirtschaft das neue Kapital in erster Linie als Betriebstapital, nicht aber als Anlage zur Substanzerweiterung notwendig ist. Neues Kapital muß da fein, bamit Rohstoffe getauft, Löhne und Gehälter bezahlt, nicht aber Deshalb, damit die Unternehmungen erweitert werden können. Während des Krieges und nachher während der Inflationszeit wurden ja bie meisten Industriezweige übermäßig erweitert, fie find hoch gradig überkapitalisiert, das heißt, fie fönnen ihre Leistungsfähigkeit bei weitem nicht ausnügen. Bor allem trifft diese Feststellung auf die Schwerindustrie zu. Freilich muß neues Stapital auch zur Modernisierung der Betriebe, zur Anschaffung neuer Maschinen da sein, damit die Produktion verbilligt, bie Ron fourrenzfähigkeit mit dem Ausland erhöht und neuer Kapitalbildung der Weg bereitet wird. Indessen gibt es feine Garantie dafür, daß die Gewinne der Landwirtschaft und der Industrie, die durch Schutzölle noch erhöht werden, zur Steigerung des Betriebsfapitals, nicht aber burch zurzeit unprobuftive Anlagen zur Substanzerweiterung verwendet werden. In bezug auf die Landwirtschaft haben berufene Fachleute die Tatsache festgestellt, daß die Landwirte ihre Erträge aus der Landwirtschaft nicht als Betriebskapital verwenden, noch in die Banten tragen und fie bamit der Boltswirtschaft zur Verfügung stellen, sondern daß die überschüssigen Kapitalien durch unnötige Neuanschaffungen festgelegt werden. Aber auch bei der Privat industrie besteht feine Gewähr dafür, daß fie die Uebergewinne nicht für zurzeit überflüssige Betriebserweiterungen verwendet. Entstehen doch die auf die Konjunttur folgenden Krisen deshalb, meil die Unternehmer zurzeit der Konjunktur und in der Hoffnung auf deren ständiges Steigen übermäßige Substanzerweiterungen vor. nehmen. Nehmen wir aber an, daß dies nicht der Fall sein würde, sondern daß die Industrie ihre llebergewinne, die sie dank ihres Monopols und der Schutzölle hat, auf andere Weise verwertet, nämlich entweder sich neue Maschinen anschafft oder aber die Gewinne in andere Produttionszweige überleitet. Bum ersteren muß man bemerken, daß, so notwendig auch die Modernifierung des Maschinenparts, insofern diefe während der Inflations zeit versäumt wurde, auch sei, doch bei einem überschnellen Tempo der Anschaffung von arbeitsparenden Maschinen eine Steigerung der Arbeitslosigkeit droht, da die durch die Mechanisierung der Arbeit überflüssig gewordenen Arbeitskräfte vorerst in der Produftion nicht untergebracht werden fönnen. Dadurch entsteht aber nicht nur eine soziale Gefahr, sondern auch eine wirt. fchaftliche, insofern diese Schichten als Verbraucher ausfallen und einer Massenproduktion auf verbilligter Grundlage der Abjazz Eiernudeln untergraben mird. Darüber hinaus wird die Wirtschaft durch Arbeitslosenunterstügungen für diese Schichten belastet. Bum zweiten: Wenn wir annehmen, daß die Unternehmer die Ge minne nicht in ihrem eigenen, bereits übertapitalisierten Industric. weig anlegen und sie auch nicht nach dem Ausland tragen, so werden fie diese in Industriezweigen unterbringen, wo noch gute Abfag möglichteiten vorhanden sind. Unter der Herrschaft des Monopoltapitals dienen aber diefe Produktionszweige vor allem dem Lurustonfum der Unternehmer und der Besitzenden. Aus der Drosselung der fleinen Einfommen auf der einen, der Erhöhung der Preise auf der anderen Seite entspringt nämlich eine Auspowerung der Massen und tönnen beshalb bie neuen Stapitalien nur in Produktionszweige gesteckt werden, die Waren für die Besigenden herstellen. Es ist sehr richtig, wenn gegen den übermäßigen Tabal- und Alkoholverbrauch der breiten Massen ge= sprochen wird. Der Lurusverbrauch wird aber unter dem Syftem der großfapitalistischen Kapitalbildung 3 Gerstengrütze, lose. Haferflocken, lose... 20,50-21,50 Hafergrütze, lose... 22,00-22,50 Roggenmehl 0/1.... 17,50-18,75 Weizengrieẞ....... 23,00- 24,00 Hartgries 25,00-26,25 70% Weizenmehl 19,25-21,50 Weizen- Auszugmehl.. 22,00-28,00 Speiseerbsen, Viktoria 16,25- 18,50 Speiseerbsen, kleine Bohnen, weiße, eri Linsen, kleine **** 15,00-19,00 Langbohnen. handverl. 25,00-26,00 20,00-24,50 Linsen, mittel..... 27,00 40,00 Linsen, große. Kartoffelmehl Makkaroni, Hartgrieß. Mehinudeln....... Bruchreis Rangoon Reis. Tafelreis, glasi. Patna. Tafelreis, Java..... Ringäpiel, amerik.. Getr Pilaumen 90/100 Pflaumen, entsteint Cal. Pflaumen 40/50 Mandeln, süße Bari . • 41,00-44,5 21,00-23,25 46,00- 57,00 26,50- 30,00 44,00-69,50 14,75-16,00 17,75-19,00 24,25- 28,00 32,00-42,00 72.00- 95,00 77,00-78,00 54,00-55,00 Rosineni Kist., Candia, 65,00- 278,00 Sultaninen Caraburnu. 76,00-94,00 Korinthen, choice 53,50-68,00 193,00-203,00 Mandeln, bittere Bari 193,00-200,00 Zimt( Cassia) 100,00-105,00 Kümmel, holländischer 40,00-43,00 Schwrz Pfeffer Singap. 100,00-105,00 Weißer Pfeffer. 150,00-165,00 Rohkaffee Brasil 200,00-236,00 Rohkaffee Zentralam 230,00-305,00 Röstkaffee Brasil.... 250,00-300,00 Röstkaffe Zentralam. 315,00-390,00 Röstgetreide, lose 19,50-22,00 3** 50,00-90,00 95.00-120,00 Kakao, leicht. entōlt. Tee, Souchon, gepackt 380,00-405,00 Tee, indischer, gepackt 413,00-475,00 Inlandszucker bas mel. 32,50- 35,00 36,00-40,50 Reichsverband der Deutschen Privatschiffahrt. Am 30. März 1923 hat sich die Mehrzahl der zurzeit bestehenden Privatschifferorganifationen mit insgesamt ungefähr 8000 Mitgliedern zu gemeinsamer Bertretung ihrer wirtschafts- und sozialpolitischen Belange im Reichsverband der Deutschen Privatschiffahrt zusammengeschlossen. Der Welthandel in Maschinen. Im Jahre 1924 war es vor steigern fonnte. Amerikanische Maschinen und Werkzeuge wurden allem die amerikanische Industrie, die ihre Maschinenausfuhr überall bevorzugt. Bezeichnend hierfür ist, daß England zurzeit der größte Abnehmer für amerikanische Maschinen ist und beinahe die Hälfte der amerikanischen Maschinenausfuhr aufgenommen hat. Dies hängt ohne Zweifel auch mit der Tendenz der englischen Industrie zur Rationalisierung der Produktion mit Hilfe fallend ist die Tatsache, daß die Maschineneinfuhr Holvon modernen arbeitsparenden Maschinen zusammen. Sehr aufletzten Jahren immer mehr aus Amerita stammte, während lands, die bisher vornehmilch aus Deutschland erfolgte, in den die Einfuhr aus Deutschland von Jahr zu Jahr zurückging. So führte Deutschland im Jahre 1913 22,884 Tonnen, dagegen 1923 nur 15,594, 1924 13,373 Tonnen Maschinen nach Holland aus. Glänzend hat sich dagegen die Ausfuhr französischer Maschinen entwickelt. Im Jahre 1924 hat Frankreich gegenüber 1923 seine lichen Maschinen um 60 Prozent, Dynamos und elektrischen MaAusfuhr von Maschinenwerkzeug um 40 Prozent, landwirtschaftschinen um 44 Prozent, die von elektrischen Apparaten um 61 Brosent erhöht. Für die Entwicklung der elektrischen Industrie Frant reichs ist bezeichnend, daß die Einfuhr von Dynamos und elektrischen Maschinen 1924 um 34 Prozent fant, die der elektrischen Apparate um 1 Prozent, ein Zeichen dafür, daß die inländische Industrie den inneren Markt bereits versorgen kann. Gerichtshilfe für Erwachsene. Ein soziales Problem. Bor einigen Tagen fand, von der Gefängnisgesellschaft für Inlandszucker Raffina. 33,00-37,00 Sachsen und Anhalt einberufen, die erste deutsche Tagung für die Zucker Würfel...... Kunsthonig 33,60-34,00 foziale Gerichtshilfe, statt: für die Gerichtshilfe, die sich Zuckersirup hell i. Elm. 31,00- 37,50 im Gegensatz zur Jugendgerichtshilfe allein den Erwachsenen Speisesirup dunk. 1.Elm 25,00- 28,00 Marmelade Einfr. Erdb. 84,00-94,00 widmet. Diese Erwachsenen- Gerichtshilfe ift erft in legter Zeit Marmelade Vierfrucht 36,00- 40,00 als neuer Faftor in Erscheinung getreten. Ihr Aufgabenkreis deckt Pflaumenmusi. Eimern 36,00-52,00 Steinsalz, in Säcken. 3.20- 3,50 fich im wesentlichen mit dem der Jugendgerichtshilfe. Sie soll den 4.00-4,20 Erwachsenen zu einer gerechten Beurteilung durch das Gericht, den Siedesalz in Säcken. 4.20-400 Gerichten zu einem gerechten Urteil über den Erwachsenen ver.. 5,40- 6,00 Bratenschmalz i. Tiers. 88,00-98,00 Bratenschmalz i Kübl. 89.00- 90,25 Purelard in Tierces 88,00-92,00 Purelard in Kisten 89,00-92,00 Speisetalg in Packung 65,00- 66,00 Speisetalg in Kübeln Margarine, Handelsm. 1 66,00 desgl. II... 60,00-63,00 Margarine, Spezialm. I 80,00-84,00 69.00-71,00 desgl. II. Molkereibutter 11. Fäss. 170,00-175,00 Molkereibutter, I.Pck 182,00-187,00 Molkereibutter lia i. Fs. 160,00-108,00 Molkereibutter, 1.Pck. 166,00-179.00 Auslandbutter in Fässr 185,00-194,00 Corned beef 12/6 lbs p.K. 40,00-43,00 Ausl.Speck, geräuchert 95,00-105,00 Quadratkäse 25,00-32,00 Tilsiter Käse, vollfett. 108,00-118,00 Echter Emmenthaler, 165,00-175,00 98,00-102,00 Echter Edamer 40% 200%.. 68,00- 72,00 Aust ungezucker. Col.. densmilch 48/16 20,00-22,50 Ausl.gez.Condensmilc 24,00 25,00 helfen, und den mit dem Gesetz in Konflikt Geratenen in jeder Hinsicht stüßend zur Seite stehen. Bereits in 50 Städten betätigt sich in der einen oder anderen Form die Gerichtshilfe. Bald lehnt sie sich an das Wohlfahrtsamt an, bald gliebert sie sich in die Gefängnisgesellschaften ein. Es war kein Zufall, daß gerade Halle als Ort der Tagung gewählt wurde. Hier ist die soziale Gerichtshilfe am weitesten fortgeschritten und hat bereits Ersprießliches gelerftet. Daß das Problem der Gerichtshilfe genügend ausgereift ist, bemies der Besuch der Tagung. Bertreten waren die Justiz und Wohlfahrtsministerien vieler deutscher Länder, Landgerichtsdirek toren und Staatsanwälte aus verschiedenen Städten, eine große Anzahl der Gefängnisvereine und der Gerichtshilfen. Eröffnet wurde die Sigung durch den Rektor der Universität Halle, Prof. W. von Doblchis, die einleitenden Referate hielten Pfarrer Jakobi und Landgerichtsdirektor Tromp- Halle. Pfarrer Jakobi sprach über Gerichtshilfe, ihre Geschichte und Organisation, thre fürsorgerische und soziale Bedeutung. Die Gerichtshilfe für| pflege geschärft. Das Vertrauen der Gerichtsbehörden zu der GeErwachsene geht einerseits von der Idee der Erziehbarkeit der Errichtshilfe hat in Halle dazu geführt, daß diese von dem größten wachsenen aus, andererseits läßt sie sich von dem Gedanken leiten, Teil der erhobenen Anklagen Kenntnis erhält und dann den Gedaß ein Gerichtsurteil, das in erster Linie eine Erziehungsmaßnahme richten auf vorgeschriebenem Wege über das Resultat ihrer Er. sein soll, nur dann gerecht ausfallen kann, wenn die Gesamt mittlungen berichtet. Es wäre von größter Bedeutung für bte persönlichkeit des Angeklagten und seine wirtschaftlichen und Rechtspflege, wenn die Gerichtshilfe eine allgemein anerkannte Insonstigen Verhältnisse erforscht sind. Und selbst dieses Urteil fann stitution würde. nur dann seinen Zweck erreichen, wenn dem Verurteilten ein helfender und schützender Mensch zur Seite steht. Die Anfänge der Gerichtshilfe gehen auf Bielefeld zurüď. Den Anstoß zu ihr gab der Umstand, daß die Gerichte bei der Strafaussetzung sich auf entsprechende Kenntnisse der Persönlichkeit des Angelfagten ftüßen mußten und daß der Straferlaß, der die gute Führung zur Bedingung hat, die Notwendigkeit einer Schutzaufsicht mit sich brachte. So entstand die Gerichtshilfe für Erwachsene. Ihre Aufgaben sind mannigfacher Natur. In erster Linie kommen die Ermittlungen über das Borleben und die Verhältnisse des Angeklagten in Betracht. Sie sollen selbst dem Untersuchungsrichter als Grundlage bei der Beurteilung der Tat des Angeklagten dienen und hier den viel gröberen Apparat der Polizei ersetzen. Sie sollen dem erkennenden Richter das Material für die Entscheidungen gewähren, ob Bewährungsfrist zu bewilligen sei oder nicht; sie sollen dem Gnadendezernenten die erforderlichen Grund lagen für sein Gutachten liefern. Die Gerichtshilfe übernimmt die gerichtlich angeordnete Schutzaufsicht oder betreibt sie aus freien Stüden mit Einwilligung des bedingt Begnadigten, sorgt in jeder Hinsicht für sein Fortkommen, berichtet über die Führung des bedingt Verurteilten. Der Idee nach soll die Gerichtshilfe und dies ist die Hallesche Praxis den Angeklagten von der Voruntersuchung bis zu feiner endgültigen Einordnung in das bürger. liche Leben begleiten. Insofern schließt sie auch die Gefangenen und Entlassenenfürsorge in sich. Ihre Fürsorger nehmen auch an den Hauptverhandlungen und an den Belehrungsterminen teil, be raten die Verwandten der Angeklagten und Verurteilten. Diese Tätigkeit, ausgeübt von freien Wohlfahrtsorganisationen, unter denen natürlich die Arbeiterwohlfahrt nicht fehlen darf, muß unabhängig, aber in voller Zusammenarbeit mit den Gerichten und Strafvollzugsbehörden, materiell von Kommune und Staat gestützt, wirken. Pfarrer Jakobi stellte übrigens die Forderung auf, daß die Gerichtspflege für Erwachsene in den Entwurf zum neuen Strafgesetzbuch aufgenommen werde. müßten. In der Diskussion wurde u. a. der Gesichtspunkt geltend ge macht, daß die Gerichtshilfe nicht für den Angeklagten, sondern für das Gericht da sei; insofern ein irriger Standpunkt, als die Interessen des Angeklagten mit den Interessen des rechtsprechenden Richters und der Allgemeinheit in Wirklichkeit zuſammenfallen Es ist zu hoffen, daß die anwesenden Landgerichtsdirektoren und Oberstaatsanwälte die Ueberzeugung mit nach Hause genommen haben, daß es an der Zeit sei, den sozialen Ursachen der Berbrechen und den sozialen Lebensbedingungen der Angeflagten nicht allein mit Worten, sondern mit Taten Rechnung zu tragen. Es wäre nur zu wünschen, daß die soziale Gerichtshilfe nach dem Hallenser Beispiel überall ausgebaut werde und daß Staat und Kommunen die nötigen Mittel dazu bereitstellten. Daß die Arbeiter mohlfahrt sich rege an dem Ausbau der Gerichtshilfe beteiligen müßte, erscheint selbstverständlich. Zu bedauern wäre es, wenn die Gerichtshilfe das so bezeichnende Attribut fozial" fallen lassen würde. Gerade in ihm kommt der tiefste Kern ihrer Tätigkeit zum Ausdruck. Betriebsrätewahl bei der Reichsbahn. Das endgültige Ergebnis der Betriebsrätewahl bei der Reichsbahngesellschaft am 7. und 8. Mai liegt nun vor. Die Berteilung der um den Einfluß im Betriebsrätekörper der Reichsbahngesellschaft ringenden Kräfte spiegelt sich am besten in dem Ergebnis der Wahl zum Hauptbetriebsrat, weshalb wir uns in der nachfolgenden Darstellung auf die Wiedergabe dieses Resultates beschränken. Das entscheidende Merkmal der Wahl ist ein völliger 3u sammenbruch des Freien Eisenbahnerverbandes, des Nach folgers der kommunistischen Opposition, die in den letzten Jahren mit eigenen Listen an den Wahlkämpfen beteiligt war und steigende Erfolge verzeichnen fonnte. Die Opposition hatte i m vorigen Jahre mit 19,46 Proz. der abgegebenen Stimmen Die Opposition hatte im ihren Höhepunkt erreicht und fünf Mandate im Hauptbetriebsrat erobert, während der FEV. in diesem Jahre 29280 oder Landgerichtsdirektor Tromp ließ sich ausführlich über die rund 52 Pro3. der Stimmen des Vorjahres ver. ,, Bedeutung der Gerichtshilfe für Recht und Gericht aus. loren hat, so daß er nur noch zwei Mandate im HauptHand der Erlasse des preußischen Staatsministeriums wies er nach, betriebsrat bekommt. Neben der Auseinandersetzung mit der kommunistischen Strömung lief in der Wahlbewegung ein schweres Ringen wie allmählich das Bewußtsein von der Notwendigkeit der Gerichts- mit der christlichen Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, hilfe immer tiefere Wurzeln faßte. Sie ist für den Richter unerläß die aus verschiedenen, in der jüngsten Entwicklung im Eisenbahnlich, soll sein Urteil überhaupt was wert sein. Die Gerichte machen betriebe liegenden Gründen einen gewissen Erfolg zu erlangen vereber noch viel zu wenig Gebrauch von der Schuhaufsicht. Entweder mochte. Der freigewerkschaftliche Deutsche Eisenbahnerhalten sie diese für ein problematisches Mittel oder sie glauben durch verband verzeichnet gegen das Vorjahr einen Gewinn von fie die Freiheit des erwachsenen Menschen einzuschränken. Hier gilt 12 898 Stimmen oder 3,63 Proz., und er erhöhte seine Mandatsziffer es für die Gerichtshilfe, eine Bresche in die Anschauungen der Richter 19 130 Stimmen oder 6,41 Proz. zu und erhielt vier statt zwei im Hauptbetriebsrat von 16 auf 17, aber die GdE. nahm um ¡ u schlagen. Fruchtbar ist auch die Wechselwirkung beider. Der Mandate. Der zum Gewertschaftsring gehörige AllgeRichter wird durch die Zusammenarbeit mit der Gerichtshilfe vor meine Eisenbahnerverband erzielte nur den bescheidenen Gewinn einer Entfremdung gegenüber dem Leben geschützt und bei der Ge- Don 765 Stimmen oder 0,16 Proz., aber er bleibt mit zwei Mandaten richtshilfe wird das Verständnis für die Notwendigkeiten der Rechts-| im Hauptbetriebsrat auch in Zukunft zu der gleichen BedeutungsAn DEUTSCHER RUNDFLUG 1925 BERLINER FLUGHAFEN TEMPELHOFER FELD Heute Freitag nachmittag VOLKS- TAG ( ab 4 Uhr nachmittags) Kunstflüge:: Ballonjagden Fallschirmabsprünge v. Herrn und Frau Triebner:: Konzert Preise der Tageskarten: 1. Platz u. reserv. Autoplatz 1 Mk. II. Platz 20 Pfennig. Auto einschließlich Führer 2 Mk. Preise der Dauerkarten( gleichzeitig Freifluglos) siehe Bekanntmachungen in den Vorverkaufsstellen( UllsteinFilialen und K. d. W.) und an den Platzkassen. Luna- Park Weltmeister JACK DEMPSEY Flecken Eintritt 2 Mark | losigkeit verurteilt, durch die er sich bisher auszeichnete. Das Ge famtresultat zeigt im Vergleich zum Vorjahre folgendes Bild: DEV. 191690 oder 65,36 Proz. der abgegebenen Stimmen( 1924: 178 792 61,71 Proz.); Gd E. 49 141 16,76 Proz.( 30 011 10,35 Proz.); AE V. 25 338= 8,64 Proz. ( 24 573= 8,48 Proz.); FEB. 27 102= 9,24 Proz.( 56 382= 19,46 Brozent). Der FEB. ist also der einzige Bewerber, der einen VerIust, und zwar einen, der sich sehen lassen kann, davongetragen hat. Der DE V. behält also den ausschlaggebenden Ein fluß im Kreise der organisierten Arbeiter der Reichsbahn und innerhalb ihrer Betriebsvertreturgen. Die Stellung, die er von jeher innehatte, hat er gehalten, und daher ruht nach wie vor auf seinen Schultern ein Höchstmaß von Verantwortung für das soziale Schicksal der Arbeiter der Reichsbahn. Es liegt auf der Hand, daß feine fleineren Gegner die erhöhte Verantwortung dieser überragenden Organisation in der Propaganda gegen den DEB. ausnutzen, indem sie ihn für alle Schläge, welche die Eisenbahner in der jüngsten Zeit ertragen mußten, verantwortlich machen. Es fällt ihnen leicht, großsprecherisch zu beteuern, daß fie die Berhältnisse besser gemeistert hätten, wenn sie die große Macht des DEB. befäßen. Dazu kommt, daß die Last des seit Jahr und Tag bei der Reichsbahn als Schreckgespenst umgehenden Personalabbaues vornehmlich vom DEV. getragen werden mußte, denn die Dienstvorstände machen selbstverständlich vor allem die besten Funktionäre des DEV. und seine tüchtigsten Anhänger in den Reihen seiner Mitgliedschaft zur Zielscheibe ihrer Abbaumut. Der Abbau bewirkt infolgedessen, daß sich viele Arbeiter einer gewerkschaftlichen Richtung zuwenden, die weniger hart vom 3orne der mit Hilfe des Abbaues„ aufräumenden" Verwaltung getroffen wird. Fassen wir diese Dinge zusammen, so haben wir die wesentlichsten Gründe für den Zuwachs, dessen sich die Christen erfreuen, erkannt, und wenn der AEV., obwohl er seinem Charakter nach dazu berechtigt wäre, aus diesen Zuständen nicht den gleichen Vorteil wie die Christen zu ziehen vermochte, so zeigt das, daß er keinerlei werbende Kraft mehr besitzt und daß die Eisenbahner ihn überhaupt nicht mehr ernst nehmen. Er ist angewiesen auf einen alten, langsam aussterbenden Stamm. Entscheidend bleibt aber das tatastrophale Schwin den des tommunistischen Einflusses. Er ist um so schmerzlicher für die Betroffenen, weil die Kommunisten besonderen Wert darauf legen, gerade bei der Eisenbahn maßgeblichen Einfluß zu erlangen, und insofern ist ihr Rückgang an dieser Stelle von be= sonderer Bedeutung für die gesamte Arbeiterbewegung. Das Lehte, was diese Leute zu erreichen vermochten, war, daß sie den Erfolg des DEV. auch in dieser Wahlbewegung verkleinern halfen. Denn der 3 wist, den ihr Auftreten in die Reihen der freigewerkschaftlich gesinnten Eisenbahner getragen hat, ist natürlich ein weiterer Grund für die Abwanderung eines Teiles der Arbeiter in andere Organisationen und für eine unerfreuliche Ausbreitung des Indifferentismus. Und auch die Kraft, die der DEV. aufwenden mußte, um die kommunistische Strömung in ihre Schranken zu verweisen, verringerte selbstverständlich seine agitatorische Stoßkraft nach der Seite der Christen und des AEB. Dennoch vermochten die Kommunisten den festen Block des DEV. nicht zu erschüttern. Im Augenblick ihres Verschwindens steigert er von neuem seinen Einfluß. Der verhältnismäßig geringe Zuwachs der Anfang eines neuen Aufstiegs, und im nächsten an Stimmen, den er in diesem Jahre zu erlangen vermochte, ist nur Jahre wird sich der DEV. allen seinen Gegnern von neuem stellen, um ihnen weitere Positionen abzunehmen. Von dieser Zuversicht erfüllt werden die Betriebsräte des DEV. im ganzen Lande ihre Tätigkeit im neuen Amtsjahre aufnehmen. ULAP Der waltstädtische Vergnügungsparks und dies Erholungsstätte der Berliner am Lehcter Bhi. 10. Heute Volkstag Die Todesflieger Riesenfeuerwerk Eintritt nur 30 PL. Rose- Theater 8 Uhr: Hochzeit vor der Ehe Gartenbühne 73/4 U.: Rund die Berolina Theater a. Kottb. Tor Tägl. 8 Uhr: ElifeNerven leiden, Schlaflosig teit, nervöse Herz- u. Magenbeschwerden Baldrament die natürlichfte Me Sizin zur Rervenberuhigung und Stärkung. Große Erfolge feit 33 Jah ren. Fl. M. 2.50 In Drogerien und Sänger potheten, ſonſt bei Konkurrenz- OttoReichel, Berlin43. loses Juni- SO, Eisenbahnstr Programm. Dezimalwagen Theater, Lichtspiele usw. 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Der Mensch im Eisen, das ist der Einzelsang des Kesselschmieds an der Ruhr und der Wiſſen auf deinen Lenden, Mutter Amboß, seine berauschten Sklaven, die Proletarier rasen ließ. Sie zeugte mit Blut und Wut der Maschine stampfende Armee. Bon dir aus, Mutter Amboß, hat er die Welt erobert, für sich. Bon dir aus, Mutter aller Maschinen, hat er die Erde geschändet, vergiftet, die Bölfer verdorben, von dir aus hat das Elend der Welt seinen Auszug genommen. D. Muiter Amboß, wie alle Mensch- Mütter fittest du Zeugung. So fingt er weiter, bis er den Mensch in der Mitte" als Maß aller Dinge gefunden und in Weltalarmmusik in die Welt hinausdröhnt: Marsch, marsch, marschiert: Der Mensch ist unterwegs! Beilage des Vorwärts über verhalten würden. Um aber Leid und Freud' recht gleichmäßig zu verteilen, mußten sich auch eine Anzahl Weibchen einer Operation unterziehen. Die Hälfte von ihnen blieb unbehelligt, einer Anzahl aber hatte man die Hörorgane entfernt, einige mußten es fich auch gefallen laffen, ihre Fühler am Altar der Wissenschaft zu opfern, weil ja bekanntlich bei Insekten der Fühler der Sitz zahlreicher Sinnesorgane ist. Nun baute man noch eine besonders raffinierte Versuchseinrichtung. Die Behausungen der Männchen, die sich in der Mitte des Feldes befanden, wurden mit richtigen Fangapparaten umstellt. Man war dadurch in der Lage, jedes liebesüchtige Weibchen, bevor es noch zu seinem männlichen Bartner gelangen konnte, abzufangen. Nun muß man die Ausdauer bemundern, mit der die Weibchen zum Ziel ihrer Sehnsucht strebten. Unter 728 Fängen befanden sich Weibchen, die mitunter sogar fünfmal in die Falle gingen. Aber nur dann zeigten sich solche Ergebnisse, wenn das Männchen seine Zirp-, das Weibchen seine Gesamtgefang des wertenden, verzagenden und von Aufruhr burd) Staatsanwalts Pfingstausflug. Hororgane befaß. Bis auf eine Entfernung von 10 Metern vermag bebten Arbeitervoltes. Chiliestische Träume, von einer tropischen Phantasie geboren. Hymnische Hingegebenheit an Bert und Boll. Der Dichter Lersch läßt uns sein startes Leben miterleben. Werks stattgefang und Familienleben sind so plastisch gesehen, daß einem alles zu eigen wird. Seine gütige Mutter ist in allem wie eine Heilige. Wie er aus dem Gedröhne der Werkstatt in die Ferne ausbricht. Bie ihn der Amboß wieder heim zieht. Wie der Krieg ihn zum Gesang von der großen Kesselschmiede begeistert. Heute ist die ganze Stellung eine große Kesselschmiede, alles find die alten Töne aus dem großen Arbeitsliede. Früh am Morgen, mit der Sonne, heulen die Granatenflüge... Wie sein verirrter Sinn die Soldaten zu Gott beten läßt: Schießen wir ihm die PatronenBaterunser durch den Lauf, und ein Kreuz soll darauf thronen Bajonette pflanzet auf. Bis der Geist der Liebe ihn in Mord und Qualm aufschreien läßt die große Berbrüderung der Menschheit. Heimfehr. Freude an der Technif, am Arbeiten. Heiliger Gesang dem Werk und seinen Gehilfen: Ruhrinvasion. Inflation. Der Heldengesang vom Dampfstraßenzug. Das Ringen umis farge tägliche Brot. Das Aufbäumen gegen einen neuen Krieg. „ Sie trommeln dich in einen neuen Krieg hinein, mein Junge, mit den alten Liedern in einen neuen Krieg. Darum machen wir jetzt dreitausend Transportfessel!" Für das Blut der 12 Millionen Männer, die auf dem Felde der Ehre gefallen. Diesen Zug mit hundert Lokomotiven bespannt, fahren wir durch Europa, durch jede Stadt, durch jedes Dorf, Tag und Nacht! Daz du es endlich siehst, was daraus wird, wenn du der Trommel nachläufft." Er besingt die Opfer des Schlachtfeldes der Arbeit und das Aufbäumen der Revolten. Revolten brüllen auf den Straßen, Hungeraufruhr beginnt überall Berzweiflung treibt in den Menschen, millenlos treiben sie durch die Straßen, lallend, blökend; wütend schreien fie: " Hunger, Hunger, Brot, Brot!" Und mit bitterem Hohne stellt er feft: „ Die Hungerschere schneidet mitten durchs deutsche Bolt. Sie schneidet das Volt ab von den Gütern, die es erzeugt, erfüllt und aufbaut, für die es den Krieg erlitt. Deutschsein heißt fatt sein, Sachwerte besitzen, vermehren. Deutsch ist nun alles, das nicht zu hungern braucht: Die Regierer, die Soldaten, die Spekulanten, die Schieber, die Bucherer und Eigentümer. Undeutsch ist allein das hungernde Bolt, das Werkvolt." Die Stabilisierung fommt mit dem Zehn- und Zwölfftundentag. Meisterhaft ist das dumpfe Gären gestaltet, wie überhaupt das Buch bis jetzt der dichterisch stärkste Ausdruck dieser Epoche ist. Ein Sänger wie Wischmann, doch noch mehr erfüllt und durchdrungen vom schaffenden und dröhnenden Werktag, meil er noch in der Arbeit werkt. Mann und Beib, Hammer und Amboß werden ihm am Ende zum mystischen Erlebnis der Zeugung. Ich aber, zu den Müttern heimgefehrt, Mutter Amboß, haffe nur noch den alten Menschen in mir. Zu neuem Werte leide Gestaltung! Nicht mehr in blindem Wutwahn, im Rausch der Gewalt meden wir das alte Schmiedewerk zu Schwerter und Retten. Nicht wie der alte Mensch der neuen Zeit, der in gleichem Wahn, in gleichem Rausch Traumfahrt. -Bon Hildegard Beate Schneidt. Günter, der Sechzehnjährige, lag eigentlich auf dem Balton auf einer Decke und nahm ein Sonnenbad, aber warum sollte er sich nicht lieber einbilden, daß er gar nicht auf dem Balkon lag, sondern auf Ded eines Segelbootes und von der Strömung hingetrieben wurde auf einem Fluß? Das war doch gewiß interessanter und wurde förmlich romantisch, wenn man bedachte, daß dieser Bhantasie fluß durch meilenweite Ürwälder dahinfloß. Günter jah träumend in den blauen Himmel über sich. Er fühlte sich sehr wohl in dem zitternden Sonnenglast. Konnten die Riefernwipfel dort nicht ebenso. gut fremdartige Bäume vorstellen, und der bunte, samtene Schmetterling hier war gewiß nicht minder schön in seiner Art als der schönste Sommervogel der Tropen. Der Knabe rette sich und blinzelte durch die Augenlider und gab sich ein paar Minuten mit dem Bersuch ab, nach der unerträglich strahlenden Sonne hinzusehen. Da vernahm er ein leises, gleichmäßiges Plätschern, das er von seinen sommerlichen Wasserfahrten mit den Kameraden so gut fannte, gewiß, es war feine Ein. ein frischer Duft umwehte ihn bildung, er lag in einem Schiff, er fah das gereffte Segel ja ganz deutlich, und er merkte genau, daß sein Boot von der Strömung getragen wurde. Er sah die Wipfel fremdartiger Baumriesen voni Ufer herübergrüßen, er sah die Bäume umschlungen von Lianengerant, jah vereinzelte Katteen und Riesenfarne und in all der blühenden Bildnis neben vermoderten, unter Kanken und frischen Schößlingen faft begrabenen Baumleichen zumeilen gespenstische, vertrocknete Balmenfronen halb im Waffer liegen und verzweifelt in den leuchtenden Himmel greifen. Ihm war unerträglich heiß. Er richtete sich auf und kleidete sich an. Es war doch besser, wenn die Sonnenstrahlen nicht so unmittelbar auf die Haut trafen. Er stülpte einen sonderbaren breiten Strohhut auf die Loden und griff nach der forbumflochtenen Wasserflasche. Aber er fand sie leer. Dabei hatte er fehr großen Durst. Er würde ans Ufer müssen und sehen, ob nicht irgendwo ein Quell plätscherte. Das Flußwasser hier jah nicht gerade vertrauenerwedend aus und war, wie er eben festgestellt hatte, mehr als lauwarm. Er spähte aufmerksam zum Ufer. Da öffnete sich hinter dem großen, mäch tigen Baumriesen rechts eine Bucht. Ein guter Blaz, ans Land zu gehen. Sein Boot trieb faft von selbst dort an. Er[ prang ans sich nach diesen Versuchen ein Weibchen auf die Schallquelle richtig zu orientieren und wandert schnurgerade auf sie zu. Die Fühlerentfernung zeigte sich ohne jeden Einfluß auf die Orientierungsfähigkeit. Jene Weibchen, deren Höreinrichtungen zerstört wurden, erwiesen sich dem Liebeswerben völlig unempfindlich, so daß also das Zirpen der Grillenmännchen einen besonderen Sinnereiz darstellt, als dessen einziger Empfänger die Tympanalorgane des Weibchens zu gelten haben, die man zwanglos als Hörorgane bezeichnen tann. E. A. Wie sich Anschauungen ändern. 200 Jahre sind verflossen, seit die französische Akademie der Wissenschaften einen großen Preis 10 für die Lösung eines Problems aussette, das ihr offenbar wichtig schien: die Erfindung des perpetuum mobile", d. h. einer Maschine, die Arbeit aus nichts leistet. Es sollte also ein Mechanismus gefunden werden, der sich stets bewegt und überdies auch noch in der Lage ist, einen Teil seiner Bewegung beständig zu Arbeitszweden herzugeben. Hw Es gibt feine Gerechtigkeit mehr, Herr Kollege. Letzte Woche haben sie mir wieder 5 Redaffeure freigesprochen!!" Hören die Insekten? Neue Untersuchungsergebnisse. Bei sehr vielen Tieren sind wir bis heute nicht in der Lage, den Siz ihrer Sinne anzuzeigen oder mit Sicherheit zu behaupten, daß ihnen feiner der uns bekannten Sinne fehit. So ist es erst ganz neuerdings gelungen, einwandfreie Untersuchungen über das Gehör der Insekten anzustellen. Brof. Regen gebührt das Verdienst, die bisherigen Vermutungen auf diesem Gebiete zur Gewißheit erhoben zu haben. Seine Untersuchungen erstreckten sich hauptsächlich auf die Feldgrille, bei der wir heute mit Fug und Recht von Hörorganen sprechen tönnen. Bei ihr trifft das Bort buchstäblich zu, daß sie auf ihren Ohren sigt, denn ihre Hörorgane befinden sich an den Unterschenkeln. Man bezeichnet sie mit dem Ausdruck Libial"( Unterschenfel) organe, der noch aus der Zeit stammt, da man mit diesen Einrichtungen des Insektenkörpers nichts Rechtes anzufangen wußte. Daß die Grillen tatsächlich hören können, dafür spricht ja auch, daß die Grillenmännchen musizieren und eine solche Lauterzeugung hat ja nur dann Sinn, wenn sie vom Bartner wahrgenommen wer den kann. Wenn das Grillenmännchen sich als eifriger Musikant produziert, d. h. emfig die Schrilleisten seiner Flügelbecken aneinander reibt, dann bietet es einen Kunstgenuß dar, der gar nicht für unser Ohr bestimmt ist, sondern, der den liebeshungrigen Grillenschönen als sicherster Wegweiser dienen soll. Regen jetzte in einem Bersuchsfelde 1600 Grillenmeibchen aus, deren Wohnungen in zehn fonzentrischen Kreisen um den Mittelpunkt des Feldes lagen. Einige Männchen hausten in der Mitte des Feldes. Zum Teil wurden ihnen ihre 3irporgane entfernt, um festzustellen, wie fich die Weibchen solchen gänzlich unmusikalischen" Gesponsen gegen Ufer und befestigte die Leine an einem starten, jungen Baum. Dann sah er sich nach Wasser um lauschte- Aber er hörte fein Riesein und sah nirgends etwas blinken. Angezogen von der soft undurchdringlichen Uleppigkeit des Waldes und der geheimnisvollen Stille, versuchte er in das Dickicht einzudringen. Er war ein schlanker. behender Junge und fand deshalb vorwärts. Zu seinem Erstaunen fam er nach einigen Minuten ziemlich angestrengter Arbeit auf eine Lichtung. Hier lagen einige sterbende Bäume übereinander. Der Sturm mußte sie erst fürzlich entwurzelt haben. Doch war die un erschöpfliche Natur schon dabei, tie trestlosen Stämme zu überwuchern mit frischem Grün. Junge Farne schossen siegreich auf und und Schlingpflanzen rankten sich empor zu den höchsten Wipfeln. Hier blühten auch wunderherrliche Orchideen, und schwirrten die winzigen, bunten Kolibris über irgendwelchen anderen Blüten. Günter stand wie verzaubert. Aber da erklang ein seltsam wilder und flagender Schret eines Tieres aus dem Dickicht. Der Knabe erschrat vor dem fremden, unheimlichen Laut und drängte sich ziemlich eilig durch die Stämme und Ranken hindurch zur Bucht zurück. Am Wasser angelangt, sah er etwas ganz Un geahntes. In seinem Boot stand rant und schlank ein braunes Mädchen. Weiß gefleidet. Barhaupt und barfüßig. Es trug Blumen im Kraushaar und lächelte findlich und furchtlos bei seinem Anblid. Als Günter nun etwas zögernd zu dem Boot kam und hineinsprang, streckte die Fremde ihm mit einer leichten entzückenden Gebärde eine seltsame, blaue Frucht hin. Er hielt das Geschenk in der Hand. Gegessen hatte er seiner Lebtage so etwas nicht, aber weil das Mädchen nun auch zu essen anfing, sie trug ein Körbchen voll der Früchte am Arm, biß er herzhaft hinein in das blaue Ding, das er meder einer Pflaume noch einem Apfel in irgend etwas vergleichen fonnte. Aber es schmedte ihm. Bor allen Dingen, die Frucht war nicht nur aromatisch, sondern auch sehr saftig und löschte seinen Durst. Nun begann das Mädchen zu sprechen. Fremde, flingende Laute. So menig er die Worte auch fannte, verstand er doch irgendwie ihren Sinn. Gehorsam stieß er das Bool vom Lande, brachte es wieder in die Strömung und ließ es treiben. Der Lande, brachte es wieder in die Strömung und ließ es treiben. Der Bind hatte aufgefrischt, und sie famen schnell von der Stelle. Günter mußte immer auf das schlanke, braune Mädchen sehen. Die kleine Schönheit hatte sich im Boot niedergekauert und fah schwei gend geradeaus. Ihre Hände fielen ihm auf. Hatte er jemals so schmale, beseelte Finger gesehen? Wie es wäre, wenn man sie tüffen dürfte! Er vergaß ganz, daß er noch gestern verächtlich ge Schon im Jahre 1775, also 50 Jahre nach dieser Stiftung, ver= kündete die Akademie, daß sie keine Lösungen der Aufgabe mehr prüfen würde, und sie er? lärte die Aufgabe selbst als unlösbar und mider die Bernunft! Aehnliche Wandlungen zeigten sich in vielen Fällen, so z. B. in bezug auf die Meteore. Daß„ Steine vom Himmel fallen fönnen", wurde von den Gelehrten bis um die Wende des 19. Jahrhunderts als Unsinn bezeichnet. Als einmal eine ganze Dorfgemeinde unterschriftlich bestätigte, das Herabfallen der Meteore selbst gesehen zu haben, gab das der Akademie Anlaß zu tiefsinnigen zweifelt fein Mensch mehr an der himmlischen Herkunft der Bemerkungen über den Aberglauben der Leute vom Lande. Heute Meteore. Der Aderlaß ist eine aus uralten Zeiten stammende Behandlung. Seit etwa 1860 ist er so gut wie verschmunden aus der ärztlichen Pragis. Blut abzuzapfen, galt als lächerlicher Unsinn, obschon unsere Urgroßpäter noch alljährlich im Frühling es als richtig betrachteten, fich zur Ader zu lassen. Neuestens aber fommt nun der Aderlas mieder zu Ehren, wie wir aus medizinischen Betrachtungen ersehen. Ein Wiener Arzt fand, daß eine einfache Operation gegen Komplirämpfer Dr. Burwinkel in Nauheim tommt unerwartet rasch zu tationen nach Bauchoperationen vorbeugend mirfe, und der alte BorChren. Sachverständige versichern, daß der Aderlaẞ im Begriffe ist, seine Auferstehung zu feiern. Das und manches Aehnliche muß uns nachdentlich stimmen. Man soll feine Vorurteile haben! Man soll feinen„ Schulglauben" haben! Und niemand möge glauben, daß die Vorurteile bei den sogenannten Gebildeten geringer sein als beim Bolt. Der Wissenschaftler, der Techniker ist genau so wie der Mann und nicht wenige Erfindungen, Entdeckungen und wertvolle Fortaus dem Volke der Gewalt vorgefaßter Meinungen unterworfen, schritte beruhen nur darauf, daß irgend jemand den Mut hatte, etwas allgemein Anerkanntes als Vorurteil zu entlarven: Das Volf ohne Tabat. In Tibet ist der Tabafgenuß, insbesondere das Rauchen von Zigaretten, streng verboten. Die Briefter, in deren Händen sich hier auch die Regierungsgewalt befindet, halten dafür, daß es an dem traditionellen Beteltauen genug ist, und daß es eines anderen Anregungsmittels für die Tibetaner, die bisher ohne ein solches ausgekommen sind, nicht bedürfe. Die Götter", erflären jie, gestatten nicht, daß das Bolt Tabat rauche." Eine Firma in Saltutta, die der Regierung von Lhassa Vorschläge bezüglich der Schaffung eines Tabakmonopols in Tibet gemacht hatte, sah daher ihre Anträge schroff abgelehnt und mußte erkennen, daß sie sich vergeblich in geistige Untosten gestürzt hatte, um die Vorteile des Monopols und die Gewinnchancen, die es dem tibetanischen Klerus bieten würde, in den lockendsten Farber su schildern. meint hatte, er mühe nie jemandem die Hand füssen. Das sei unmännlich. Es wurde windiger. Er hatte jetzt tüchtig mit dem Boot zu tun. Das Eegel tnallte förmlich, als sie so dahinschossen. Der Fluß war breit und ziemlich flach hier und mündete, wie Günter erst jetzt merkte, in das Meer. Nun sprach das Mädchen wieder, und seltsam, Günter erfühlte auch dieses Mal den Sinn der fremden Zaute. Fr sollte auf die Küfte zuhalten. Er manövrierte, angespornt von der Gegenwart der Fremden, so geschickt wie noch nie und freute sich deffen sehr. Der Küste vorgelagert waren Korallenriffe. Die lilarosigen Gebilde jahen märchenhaft aus in dem grünen, glasflaren Wasser. Aber er fam hier nicht durch. Er kannte die Koralenbänte ja nicht. Er wandte sich fragend nach dem Mädchen um. Das stand hinter ihm und lächelte, es hatte die Blumen aus dem Haar genommen und reichte sie ihm hin. Er nahm das anmutige Geschenk unbeholfen entgegen. Lächelnd hob das Mädchen die Hand und sprang geschickt über Bord und schwamm schnell und sicher zwischen den Korallenriffen hin zum Strand, an dem er Bambushütten stehen sah. Aber er hatte nicht genügend auf das Boot geachtet. Der Wind griff in das Segel und trieb das leichte Fahrzeug vor sich her. Günter fiel rücklings ins Boot und sah den Himmel über sich und die ziehenden Wolken. Sah Kiefernwipfel und hörte Finfen schlagen. Er lag auf einer roten Decke auf dem Balkon. Er hörte Stimmen im Garten. Aha, seine Schwefter hatte Besuch. Viola war da. Er mußte doch mal sehen, was die Mädels machten. Er ging ins Zimmer und kleidete sich an und fuhr sich mit dem Kamm durch die blonden Locken. Ob er eben nur geträumt hatte von der fremden Erde und dem fremden Mädchen, oder ob es doch irgendwie Wirklichkeit ge= wesen war? Er hatte alles so scharf gesehen und so deutlich gefühlt. 3mar einen Blumenkranz fand er nicht, aber die seltsame Frucht schmeckte er noch förmlich. Er fühlte sich nach diesem Erlebnis wie ein gereifter Mann. Er recte sich und ging stolz hinunter. Unten am Fenster bei seinen geliebten Kakteen standen die Mädchen. Er trat heran und grüßte. Er erschrat förmlich. Er hatte noch nie gesehen, was für dunkle Locken Viola hatte, was für nachtschwarze Augen und welch reizendes Näschen. Und ihre Hände! Das waren ja des Traummädchens feine, braune Finger, die er so gerne gefüßt hätte. Kein, wahr. haftig, er hatte noch nie gesehen, wie wunderbar schön die Freundin seiner Schwester war! 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