Nr. 263 42. Jaheg. Ausgabe A nr. 136 Bezugspreis: Böchentlich 70 Bfennig, monatli 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für bas übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags beilage Boll und Beit" mit„ Gied. Jung und Kleingarten fowie der Beilage Unterhaltung und Wiffen" und Frauenbeilage Frauenstimme" erscheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille. geile 70 Pfennig. Reklamezeile 4- Reichsmart. Kleine Anzeigen* bas fettgebrudte Bort 20 Pfennig ( aufäffia amei fettgedruckte Worte). febes meitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche bas erfte Wort 10 Bfennia, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Bud) ftaben zählen für zwei Worie. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. Anzeigen für die nächste Nummer müssen bis 4% Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin CW 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nach. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion: Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Sonnabend, den 6. Juni 1925 Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr.3 Boftscheckkonto: Berlin 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentaffe Lindenstraße 3 Die Entwaffnungsnote. 30000 Polizisten weniger.- Kasernierung nur in den Städten.- Maschinenzerstörungen, Umorganisationen in den Betrieben.- Ablieferung von Stahlhelmen.- Auflösung des Generalstabs usw. Im Die Entwaffnungspote der Entente stellt in deutscher| 3eif, in der sie die Mitverantwortung an der Leitung der Ueberjegung eine Druckschrift von über 20 Seiten dar; wir veröffentlichen das Wesentliche aus ihr weiter unten. fiebenten Jahre nach der Beendigung des Krieges erinnert diese Note Deutschland in der peinlichsten Weise daran, daß es cin besiegter Staat ist. Eine derartige ins einzelne dringende Einmischung von außen in die Angelegenheiten der deutschen Wehr- und Polizeimacht wäre moralisch erträglich, wenn sie von einer Instanz ausginge, die allen Staaten gleich mäßig übergeordnet ist und alle mit gleichem Maß mißt. Allgemeine Abrüftung und ihre Kontrolle durch den Völkerbund ist ja auch sozusagen das ideale Ziel des Versailler Bertrags, einstweilen aber bleibt es dabei, daß nur die Beflegten abrüsten mußten und weiter abrüsten müssen, so wie die Sieger es ihnen nach ihrer Auslegung des Vertrags vorschreiben. " Die Entente glaubt Verstöße gegen das Entwaffnungsdiktat feststellen zu können, die einen für den allgemeinen Frieden gefährlichen Charakter" haben. Was sie aber im einzelnen an solchen Verstößen aufzählt, zeigt, daß diese Be hauptung eine gewaltige lebertreibung ist. Deutschland be droht den Frieden nicht, es hat für alle absehbare Zeit auch gar nicht die Kraft, ihn ernsthaft zu bedrohen. Die Forderungen, die. gestellt werden und die nach der Auffassung der Alliierten sämtlich im Rahmen des Vertrags liegen, find hart, und ihre Erfüllung ist peinlich. Die Lage, in der sich Deutschland befindet, ist äußerst unangenehm. Sie könnte besser sein, wenn man was ein Gebot der Klugheit war die Entwaffnungsforderungen genauer, mit einer gewissen demonstrativen Deutlichkeit erfüllt hätte. Sie fönnte auch besser sein, wenn wit feinen Nationalismus hätten, der durch die Art seines Auftretens der Gegenseite Borwände liefert, aber zu dem, was er den nationalen Widerstand nennt, praktisch gar nichts beitragen fann. Gewiß heißt es die Dinge auf den Kopf stellen, wenn man den gegenwärtigen Zustand der deutschen Rüstung als friedengefährdend hinstellt. Aber wieviel ist von deutscher Seite geschehen, um der anderen Seite ein solches Kunststück zu erleichtern! Das Reichskabinett hat gestern unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten v. Hindenburg getagt. Es hat, soweit bekannt, feine Beschlüsse gefaßt, es mill weiter beraten mit dem Ziel, die schwebenden Fragen durch Verhandlungen zur Lösung zu bringen. Diese Absicht der Reichsregierung ist nicht zu miß billigen. Es muß aber freilich bedacht werden, daß das Interesse, die Verhandlungen ra f.ch zu einem abschließenden Ergebnis zu bringen, ganz auf der deutschen Seite liegt. Denn mindestens so lange, wie verhandelt wird, wird eben die nördliche 3one nicht geräumt! Alles wird zum Schluß darauf hinauslaufen, welche innere Belastung die Reichsregierung auf sich nehmen, welche Opfer sie den zunächst betroffenen Stellen zumuten will, um die Räumung der ersten Zone zu erreichen. Es kommt darauf an, wie hoch man das nationale Ziel der Befreiung der nörd lichen Zone einschätzt und wie hoch der Grad der Selbstüber windung sein wird, den man aufbringen kann, um diese Befreiung herbeizuführen. Nichts ist leichter als eine heroische Geste, wie sie z. B. die Deutsche Tageszeitung" vorschlägt, nichts ist leichter als die Note der Entente„ vor die Füße zu werfen". Aber den Preis für diese heroische Geste würden nicht diejenigen bezahlen, die fie ausführen, sondern die Bewohner des besetzten Gebiets würden ihn bezahlen müssen. Und zum Schluß würde ihn Deutschland als Ganzes bezahlen müssen, da es ja als Ganzes on der Befreiung der befezten Gebiete intereffiert ist. Das große nationale Ziel ist eben nicht die Beibehaltung der militärischen und polizeilichen Organisation in der gegen märtigen Gestalt, sondern es ist die Räumung des be feßten Gebiets. Und danach, wie die gegenwärtige Reichsregierung diese Aufgabe bewältigt, wird der Wert ihrer Leistungen zu bemessen sein. An der Note der Entente Kritif zu üben, ist kinderleicht. Es gibt niemanden im deutschen Volk, der die ein feitige Entwaffnung Deutschlands für gerecht hält und der die Ausführung der Bertragsbestimmungen unter der Aufsicht fremder Offiziere für eine Annehmlichkeit hält. Es ist finder leicht, eine Regierung anzugreifen, die unter Einschätzung der gegebenen Machtverhältnisse das tut, was, von höheren Gefichtspunkten betrachtet, zweckmäßig und dem deutschen Bolte nüßlich ist. Das hat die Sozialdemokratie in der " = deutschen Reichsschicksale trug, deutlich genug erfahren müssen. Heute wird diese Hauptverantwortung von den Rechtsparteien getragen. Sie hatten ihren Anhängern vorgespiegelt, daß es ihnen möglich sein werde, die Machtverhältnisse zugunsten Deutschlands zu ändern. Man kann aber nicht bemerken, daß eine solche Aenderung eingetreten ist. Wenn eine nicht näher bezeichnete diplomatische" Stelle im Berliner Lokal- Anzeiger" den Ton der neuen Note besonders " fonziliant" und" höflich" findet und wenn sie in diesem angeblich veränderten Berhalten der Entente„ eine Rückwirfung der Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten" erblickt, so darf man sie um diesen Optimismus beneiden. Immerhin, wenn man den Ton der Note so höflich findet, so wäre es von der Regierung und der hinter ihr stehenden Rechtspresse sehr falsch, sie in unhöflichem Ton zu beantworten. Indes kommt es weniger auf den Ton als auf die Sache selbst an, und wenn diese damit endete, daß die Alliierten" höflich“ und„ fonziliant" am Rhein sizen bleiben würden, so wäre damit dem deutschen Volke schlecht gedient. Bom internationalen sozialistischen Standpunkt aus ist zu fordern, daß sich die Entente deutschen Einwendungen gegen einzelne der gestellten Forderungen nicht von vornherein verschließt. Vom gleichen Standpunkt aus ist zu fordern, daß von beiden Seiten eine rasche Einigung angestrebt wird. Die Regierungen hüben und drüben haben es vielleicht gar nicht so eilig, denn die deutsche Regierung fann unangenehmen Entschlüssen ausweichen, solange verhandelt wirdund folange verhandelt wird, bleibt auch der französi schen Regierung der nicht allen Franzosen willkommene Entschluß erspart, die nördliche Zone zu räumen. Auf diese Weise tönnte sich leicht ein gewisses ftillschweigendes Einvernehmen ergeben, die miteinander zusammenhängenden Fragen der Entwaffnung und der Räumung möglichst lange in der Schwebe zu lassen. Aber ein solches stillschweigendes Einvernehmen würde nur den Interessen der beteiligten Regierungen entsprechen, nicht denen der Völker. Das deutsche Volt hat ein dringendes Interesse an der Räumung des besetzten Gebiets, und das französische Bolt hat nicht minder ein Interesse daran, durch Aufgabe der militärischen Besetzung einen wirklichen Friedenszust an d zu schaffen. Berhandlungen dürfen also nicht dazu führen, die im Interesse des Friedens notwendigen Handlungen ins ungewisse zu verschleppen. Der Inhalt der Note. Die Note der Botschaftertonferenz wird mit der Aufzählung der wegen der Nichträumung der Kölner Zone bereits gewechselten Noten eingeleitet und fährt dann fort: Die Alliierten Regierungen halten es für wesentlich, die allgemeine Bemerkung in den Vordergrund zu stellen, daß die Ge famtheit der Berstöße Deutschlands, falls nicht schnell Abhilfe geschaffen wird, der Deutschen Regierung späterhin die Wiederaufstellung eines einheitlichen, den Gedanken des Volkes in Waffen verwirklichenden Heeres ermöglichen würde, im förmlichen Widerspruch mit dem Friedensvertrag, nach dem das deutsche Heer ausschließlich zur Aufrechterhaltung der Ordnung innerhalb des Reichsgebiets und zum Schutze der Grenzen bestimmt sein soll. Diese Tatsachen find es, welche die Bedeutung jedes der festgestellten Berstöße in das rechte Licht setzen und dadurch ihrer Gesamtheit einen für den allgemeinen Frieden so gefährlichen Charakter geben. Um den Vertrag von Versailles in seinen grundlegenden Bestimmungen anzuwenden, ist deshalb die Beseitigung der wichtigen Verstöße notwendig, deren Fortbestehen es verhindert, die militärischen Verpflichtungen Deutschlands als erfüllt anzusehen. Man muß sich vor Augen halten, daß diese Verstöße den ernste sten, aber nicht den einzigen Beweis für die Nichterfüllung dieses wesentlichen Teiles des Friedensvertrags durch Deutschland darstellen. Die Alliierten Regierungen sind überzeugt, daß es von dem guten Willen der Deutschen Regierung und der deutschen Behörden abhängt, die Verstöße in verhältnismäßig turzer Frist abzustellen. Letzten Endes ist es nunmehr Sache der Deutschen Regierung selbst, die Voraussehungen zu erfüllen, die eine schnelle Räumung ermöglichen würden. Ihr selbst wird der Eifer, mit dem sie die geforderten Maßnahmen erfüllt, und die Sorgfalt, die sie auf die genaue Innehaltung der Vertragsbestimmungen verwendet, zugute fommen, Die Alliierten stellen fest, daß die Reparationsfome mission( in einem anliegenden Schreiben) erklärt hat, daß Deutschland heute getreulich seine Reparationsverpflichtungen, fo wie sie gegenwärtig festgesetzt sind, erfüllt. Sie sind deshalb trotz der Vorbehalte, zu denen sie infolge der Nichterfüllung anderer Vertragsbestimmungen berechtigt sein würden, mit Rücksicht auf die ausschlaggebende Bedeutung, die sie der Erfüllung der militärischen Vertragsbestimmungen beimeffen, bereit, den Befehl zur Räumung der ersten Besetzungszone zu geben, Sie zweifeln nicht, sobald die Verstöße behoben sein werden. daß während des zur Durchführung der in Rede stehenden Maßnahmen erforderlichen Zeitraums tein neuer ernſter Verstoß Deutschlands die Auswirkung des Artifel 429 hindern wird. Alsdann wird nichts mehr entgegenstehen, daß die Kontroll tommission abberufen wird, deren Aufgabe als beendigt wird angesehen werden können. Diese Abberufung wird dem Völkerbundsrat mitgeteilt werden, damit die von ihm zur Durchführung des Artikels 213 beschlossenen Maßnahmen angewendet werden können. Die Deutsche Regierung hat nach ihren Noten vom 6. und 27. Januar die für die Haltung der Alliierten maßgebenden Gründe anscheinend unzutreffend beurteilt. Um jedes Mißnerständnis für die Zukunft zu vermeiden, versichern die Allierten von neuen, daß fie sich aufs genaueste an den Artikel 429 zu halten gedenken. Die Behauptung in der deutschen Note vom 6. Januar, daß die Alliierten mit der Nichträumung der Kölner Zone am 10. Januar 1925 eine Bergeltungsmaßnahme ergriffen hätten, eine Behauptung, die schon in der alliierten Note com 26. Januar widerlegt ist, stellt ein völliges Mißverstehen der Tragweite der Artikel 428 und 429 dar. Es war Sache der Deutschen Regierung, sich den Vorfeil der Räumung der ersten Besehangszone unter den Voraussetzungen des Artikels 429 durch gefreuliche Erfüllung ihrer Berpflichtungen zu sichern. Ebensowenig können die Alliierten Regierungen anerkennen. daß ihr Beschluß einen Akt darstelle, dessen Schärfe außer jedem Verhältnis zu der Bedeutung der noch nicht erfüllten militärischen Berpflichtungen stehe. Unter diesen von der Deutschen Regierung in ihrer Note als untergeordnet hingestellten Berpflichtungen befinden sich im Gegenteil, Bestimmungen, auf deren wesentliche Bedeutung die Deutsche Regierung von den Alliierten feit langem, insbesondere in ihrer Kollettionote vom 29. September 1922, vergeblich aufmerksam gemacht worden ist. Zudem hat die Deutsche Regierung noch nach dieser Note wiederholt, und zwar noch ganz fürzlich neue schwere Bertragsverlegungen begangen, insbesondere durch die Einstellung von Zeiffreiwilligen in die Reichswehr, durch die an zahlreiche( nach den Vertragsbestimmungen verbotene) Verbände erteilte Genehmigung zur militärischen Ausbildung und durch die Begünstigung des Ausbaus gewiffer Maschinenanlagen in den Fabriken. Immerhin wollen die Alliierten Regierungen, in dem Wunsche, jede Auseinandersetzung zu vermeiden, nachdem sie so diese Irrtümer gefennzeichnet haben, aus der deutschen Note vom 6. Januar lediglich die Versicherung herausgreifen, daß die Deutsche Regierung bereit ist, alles zu tun, was von ihr abhängt, um schnell Deshalb zu dem nötigen praktischen Ergebnis zu gelangen. appellieren sie erneut und nachdrücklich an die Deutsche Regierung, daß sie mit dem nötigen guten Willen an die Regelung der noch schwebenden Fragen herangeht, eine Regelung, die der Ernst der Lage erheischt. Das ist für sie das einzige Mittel, um, nach ihren eigenen Worten, Deutschland durch die Befreiung eines Teiles des besetzten Gebiets eine Erleichterung zu verschaffen. Es folgt nun eine Zusammenstellung der von Deutschland er füllten militärischen Versailler Bestimmungen. Dabei werden unter anderem folgende ausgesprochen: Bemängelungen Unter Ueberschreitung der zugelassenen Zahl von 100 000 Mann Reichswehr nehmen zahlreiche Mannschaften an furzen Ausbildungsturien teil. Es bestehen verbotswidrig eine 3 wischentommandostelle zwischen dem Minister und den beiden Generalfommandos; eine dem Großen Generalstab entsprechende Einrichtung; Organisationen für die Vorbereitung des Krieges in Gestalt verschiedener quasi militärischer Verbände. Ungefähr 250 überzählige Beamte und Berwendung von Zivilkräften neben dem zugelassenen Personal. Bei der Polizei ist die Mannschaftsstärfe um 30 000 Mann überschritten. Ein Teil der Polizei ist militärisch organifiert und ausgebildet, In vielen Fällen überschreiten die deutschen Aus. rüstungslisten die durch die Kontrollfommission festgesezten Ausrüftungslisten, hauptsächlich hinsichtlich der Ersazstü de. Außerdem hat die Kontrollkommission Einheiten mit über zähliger Bewaffnung festgestellt. Bei gewissen Arten von Munition sind Ueberschreitungen vorgekommen. Eine Anzahl von Festungsgeschüßen ist noch nicht ortsfest eingebaut. Die Kontrollfommission wird die festen drahtlosen Stationen bezeichnen, die beibehalten werden dürfen. Die zur Durchführung der oben angegebenen Maßregeln not mendigen geseggeberischen oder Verwaltungsmaßnahmen, deren Wortlaut von der Kontrollkommission zu genehmi gen ist, sollen veröffentlicht und in Kraft gesetzt werden. Fabrifen, Depots, Werkstätten: Hier werden. u. a. folgende Betriebe in Groß- Berlin genannt: | erlaffen und in Kraft zu feßen. Die Ausbildung im Gebrauch ber durch den Friedensvertrag nicht genehmigten Waffen ist zu verbieten, ebenso das Zusammenwirken von Luftfahrzeugen aller Art mit dem Heere. Die Iststärke des Personals der Militärverwaltung muß auf die vorgeschriebene Zahl herabgefeßt, die überzähligen Berwaltungsgebäude des Heeres müssen endgültig veräußert, die Lebensmittelreserven des Militärs verringert D. W. M. F. in Wittenau 1373 Maschinen sind noch zu werden. zerstreuen, einschl. 197, die nur die Werkstätte gewechselt haben. Die Beibehaltung der nichtgenehmigten Rüftenartilleriefchule in Deutsche Werfe, Spandau: Die erfolgten Zerstörungen und Berstreuungen sind nachzuweisen. Ein vierter Martin- Wilhelmshaven wird unter dem Vorbehalt zugelassen, daß ſämtliche Angehörige des Land heeres von ihr ausgeschlossen sind. Bon einer Anzahl nicht zugelassener Fabriken ist befannt, daß fie Kriegsmaterial hergestellt haben und noch in der Lage find, solches herzustellen. Andere befizen noch Einrichtungen, die den Friedensbedarf überschreiten. In den zugelaffenen Fabriken find Fälle der Herstellung von Kriegs- ofen in dem während des Krieges eingerichteten Hüttenwerk ist material vorgekommen, ohne daß die von der Kontrollkommission zu zerstören, ebenso das Gebäude des Bessemer- Stahlvorher festgesetzten Bedingungen erfüllt worden wären. Es besteht eine gewisse Anzahl von Depots, Werkstätten, Magazinen und anderen gleichartigen Anlagen, die nicht beseitigt worden ist. Die Note zählt auf, was bis Februar 1925 an Kriegsmaterial ausgeliefert oder zerstört worden ist, welche Zahlen übrigens nach deutscher Behauptung noch zu niedrig sind; dazu sagt die Note aber: Jm Heer und in der Polizei ist überschüssiges Kriegsmaterial vorhanden. Außerdem sind sogar noch vor kurzer Zeit verfted te Borräte an Kriegsmaterial entdedi worden, und es ist sicher, daß es in Deutschland noch viel verborgenes Material gibt. Die vorgeschriebenen Berbote der Ein- und Ausfuhr von Kriegs. material sind noch im Stadium von Verhandlungen, um die Annahme gewisser Gesetze und den Erlaß gewisser Verordnungen herbeizuführen. Das Verbot des Gebrauchs von Gafen, Panzerwagen und Tants besteht zwar, aber das deutsche Heer wird in dem Gebrauch solcher Waffen ausgebildet. Die Reichswehrsoldaten find zwar für 12 Jahre verpflichtet, doch ist durch sichere Beweise festgestellt, daß das deutsche Heer Mannschaften( 3eitfreiwillige) für furze Fristen einstellt und ausbildet und es sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen ehe. malige Offiziere offiziell Ausbildungsturse im Heer durchmachen. Unzulässig ist auch die Artillerieschule in Wilhelms= haven und ein Ausbildungssystem für Generalstabsoffiziere, ähnlich dem der Borkriegszeit. Verschiedene Vereinigungen halten militärische halten militärische Uebungen ab, und in sehr vielen Fällen wirkt das deutsche Heer durch Gewährung von Ausbildungserleichterungen mit. Es gibt gewiffe Organisationen oder Bestim mungen, die einzig im Hinblick auf die Vorbereitung der Mobilmachung zu bestehen scheinen. Weitere Bemängelungen lauten: Einzelne Deutsche, zum Teil von hohem militärischen Rang dienen verbotswidrig in fremden Heeren. In mehreren Fällen find Neubauten und Wiederherstellungs. arbeiten zur Verbesserung der Festungen ausgeführt worden. Interlassung von Berwaltungs- und anderen Maßnahmen, die zur Ausführung der militärischen Bestimmungen erforderlich find, in zahlreichen Fällen. Nun folgen die Forderungen: Polizei: Umgestaltung nach Artifel 162, Boulogner Note vom Juni 1920 sowie der Entschließung vom 18. April 1923: 3u rüführung der Ift stärke auf die durch die Note von Boulogne für die Gesamtft ärte der Polizeiangestellten und -beamten jeder Kategorie( Erefutinpolizei und sonstige Bolizei) feftgelebte Biffer von 150 000 Berbot jeder Erhöhung dieser fiftarte unter allen mitänden und in jeglicher Form. Fabriken, Depots und Werkstätten: Durchführung der 3er ftörungen, Berstreuungen und Umstellungen in den privaten a brifen mit Ausnahme der genehmigten Fabriken in den früheren ftaatlichen Berten( Deutsche Werte und andere): in den genehmigten fabriken; in den militärische Anstalten; in den Werkstätten der Truppenteile, in den polizei. Lichen Werkstätten. Auslieferung von gemiffem, über die zugelaffenen Mengen hin. aus vorhandenem Gerät. Organisation des deutschen Heeres gemäß Artikel 160, 161, 176, 178, 198 und 199, also Abstellung der im vorigen Teil der Note bemängelten Berstöße. Refrutierung und militärische Borbereitung: Beseitigung der ungefeßlichen Einstellungen, der Warte, Probe und Ausbildungszeiten. Regelung der vor. zeitigen Entlassungen, feine Borbereitung von Reservetaders, feine Förderung und Duldung militärischer Berbände. Kriegsmaterial: Angleichung der Gesetzgebung gegen Eins und Ausfuhr von Kriegsgerät, gegen Besiz und unerlaubte Herstellung von Kriegsmaterial sowie Handel mit Kriegsmaterial, gegen militärische Auflagen, gegen Kriegsleistungen. Festung Königsberg: Einbau derjenigen Geschütze, bei denen dies bisher noch nicht geschehen ist; Ablieferung des überzähligen Materials. Hüffenverteidigung: Einbau der Geschütze, bei denen dies bis her noch nicht geschehen ist. Befestigungen: 3erstörung von Eisenbahnen in dem Kieler Rechted. Zurückführung der Land- und Seebefesti. gungen auf den Stand, in dem sie fich bei Inkrafttreten des Vertrages befanden. Bei all diesen Forderungen sind die Versailler Artikel angegeben, auf die man sie stüßt. 0 werts. Das Walzwerf ist einzuschränken., Deutsche Werte, Haselhorst: Neue Werkstätten find in der Aufstellung begriffen, die fertigen Gebäude bleiben erhalten; jeder in Ausführung begriffene Bau wird ein gestellt. Rein Neubau soll begonnen werden. Die in der Aufstellung begriffenen Werkstätten sind zu beseitigen Derartige Forderungen werden auch gestellt für eine Reihe anderer Fabriken im Reiche. Bei Kruppin Essen wird vorgeschrieben: Es find noch zu zer ftoren: bie großen Maschinen der Werkstätte Nr. 10, 11 Breffen zur Herstellung der fomprimierten Explosivförper, ein Borrat an Munition; ber Fabritationsplan für die genehmigten Lieferungen an Kriegsmaterial ist der Kontrollfommission zu unterbreiten. W. A. S. A.-G. in Reinsdorf( Sprengstoff- und chemische Großfabrik): Die Einrichtungen, die über die anerkannten Bedürf niffe zur Herstellung von zugelassenem Kriegsmaterial hinaus gehen, find zu vernichten; die zur Herstellung von Zelluloid, insbesondere Zelluloid ohne Auflösungsmittel, benutzten Anlagen find noch derart um zu gestalten, daß sie nicht zur Her stellung von Nitroglyzerin- oder Nitrozelluloſe- Sprengstoffen dienen fönnen. Die Benugung der während des Krieges für die Herstellung von Zelluloid errichteten Werkstätten ist zu verbieten. Schließlich wird für noch nicht namhaft gemachte Fabriken die Vorlegung der Vorschläge hinsichtlich der Bezeichnung und der Organisation der Werkstätten für die Lieferungen von militärischen Fahrzeugen, Signalapparaten, Scheinwerfern, Brückenbaumaterial, Richtmittel für Fliegerabwehrbatterien und Küstenbatterien, Stahlhelmen an die Kontrollkommission gefordert. Auch für verschiedene militärische Anlagen werden 3erstörungs- oder Anpassungsvorschriften gemacht, so soll z. B. das Gasfchuzlager Hannover vollständig beseitigt werden. Werkstätten der Truppenteile und der Polizei sollen beseitigt oder verfleinert werden. Da befondere Einstellungen für kurze Zeit in weitem Umfange vorgenommen werden( Warte- oder Probezeiten, Ausbildungsfurje, Zeitfreiwillige), so fordert die Note: Nur Berpflichtungen für zwölf Jahre dürfen zugelassen werden. Die Zahl der vorzeifigen Entlassungen darf das im Ver. trag vorgesehene Berhältnis nicht überschreiten. Da die Ausbildung von Reserveoffizieren fast allgemein geworden sei, welche Tatsache übrigens für eine Dipifion vom Reichswehrminifterium zugegeben worden sei, eine gewisse Anzahl interoffiziere bei ihrer Entlassung den Tharatter als Leutnant erhalte und diese Maßnahmen als eine Vorbe reitung für die Mobilmachung angesehen werden könnten, so wird auch hier bestimmt: Um diesen Berstößen ein Ende zu machen, sind geseggeberische und Verwaltungsmaßnahmen, deren Wortlaut von der Kontrollkommission genehmigt werden muß, zu erlassen und in Kraft zu ſeßen. Beiter sagt die Note: Eine große Anzahl von Verbänden, wie der Stahlhelm, der Wehrwolf, der Jungdeutsche Orden, beren Mitglieder die Zahl von mehreren Taufenden erreichen, befaffen sich mit militärischer Ausbildung; einigen von ihnen werden von der Reichswehr Schießstände zur Verfügung gestellt und in vielen Fällen machen ihre Mitglieder Ausbildungsturse im Heere durch. Forderung hierzu: Veröffentlichung, gegebenenfalls Durchführung der bestehen den oder neuerdings erlassenen Geseze oder Verordnungen, die verhüten sollen, daß die Verbände, welcher Art sie auch sein mögen, sich mit militärischen Dingen befassen oder irgend eine Verbindung mit dem Kriegsministerium oder einer anderen Militärbehörde unterhalten. Der Punkt militärische Auflagen wird dahin erläutert, daß das Gesetz vom 25. August 1924, das die Schleifung der deutschen Festungen verfündet hat, nur für einen unbe sich auf Ersatzteile für Handfeuerwaffen, die z. B. die lagen ins Auge falſe; lasse die Frage der Ausnahmen offen, Die Ablieferungsforderungen für überschüssiges Material erstreckt stimmten Zeitpunkt die Aufhebung der militärischen AufBufammensetzung von 15 600 vollständigen Gewehren oder Kara- ja, es sehe jogar die Möglichkeit von Ausnahmen vor., Ueberbinern, d. h. einem Zehntel der genehmigten Gesamtmenge dieser dies ist keine Verwaltungsmaßnahme zu seiner Durchführung geWaffen, ermöglichten. Aehnlich verhalte es fich bei den Pistolen, Ga- troffen worden, daher Forderung: Gefeßze oder Berwaltungsmaß beln, Seitengewehren, Langen usw. Abzuliefern find weiter Erfagnahmen, deren Wortlaut von der Kontrollkommission genehmigt teile für Minenwerfer; die deutschen Bestände feien fo hoch, worden ist, zum Zwecke der sofortigen und wirksamen Aufhebung daß mit ihrer Hilfe aufgestellt werden könnten in jeder M.,- Rom aller 3onen mit militärischen Auflagen, sowie gepagnie( 21 Kompagnien) ein leichter Minenwerfer ohne Rohr und gebenenfalls aller Verfügungen, durch die gewiffe, gegenwärtig mit Gestell, in den Zeugämtern insgesamt sieben vollständige leichte und Auflagen belastete Gelände eine Ausnahmestellung erhalten. Zur Aufhebung des Gesezes über Kriegsleistungen drei mittlere Minenwerfer. Abzuliefern find ferner Erfaßteile so sagt die Notefür Maschinengewehre, für Geschüße und Fahrzeuge der( durch Gesez vont 19. März 1924) feinen. Feldartillerie, Prozen für Minenwerfer und ähnliche Fahrzeuge, die die für die Ausführung bestimmten Verwaltungsmaßnahmen bei mehreren Kompagnien um 50 Broz. höher seien, als die Säge der nicht ergriffen zu sein. Außerdem seien in gewissen Ländern und die dem Reichsgesetz von 1873 entsprechenden Geseze nicht aufKontrollkommission; Hufbeschlag, Blakpatronen gehoben. Beides soll nun geschehen. Pioniergerät Don all dem fei zuviel da Bon den 38 Beschüßen der Festung Rönigsberg. feien ftatt alle nur 4feft eingebaut, 22 ruhten auf Lafetten der schweren eldartillerie, 12 feien Flugzengabwehrgeschüße und alle Geschüße mullen ausnahmslos arts fest montiert, alles rollende mate ( Safeiten, Brogan usw.) muß ausgeliefert werden, ebenfa Erſagſtude Bon der Bewaffnung der Polizei find abzuliefern alle Ma. fchinengemehrlafetten, bie die Verwendung von jeder beliebigen Stellung aus ermöglichen. Diese Waffen find nur zur Ausriftung von Panzerwages imd non Schiffen des Wafferfuges erlaubt, die überfchiffigen Erfaßteile für Mofchinengewehre und Sandriak feuerwaffen und die etwa 80 000 Stahlhelme find sämtlich abzu. liefern, ebenso die Ueberschüsse an Signal und Leuchtgerät der Pioniere, die übergroßen Sprengstoff Reservebestände der Zeug häuser, das Juniel an Pferdegeschirr, an Belleidungs- und Aus. rüftungsbeständen, an Drehgeftellen für Lafetten auf Schienen. Ziemlich rätselhaft ist folgender Bermert über Gasmasten: „ Das Heer ist mit Gasmasten versehen. Die Reichswehr barf einen gewissen Borrat an Gasmasten führen, der von der Kontroll. tommission festgesetzt wird". Zu den Forderungen betr. die Organisation des deutschen Heeres wird u. a. gesagt: Die Vorschriften der Berordnung vom 11. August 1920, welche die Befugnisse des Oberbefehlshabers dem Chef der Heeresleitung überträgt, find aufzuheben. Der Chef der Heeresleitung ist in feine alte Stellung als Chef des Stabes des Reichswehrministers zurückzuverfeßen. Zu die sem Zweck find gefeggeberische oder Verwaltungsmaßnahmen, deren Wortlaut der Zustimmung der Kontrollkommission bedarf, zu erlassen und in Kraft zu fezen. Unter Aufzählung der jezigen Dienstzweige der Heeresleitung wird behauptet, fie stelle eine in vielen Beziehungen dem Großen Generalstab der Vorkriegszeit entsprechende Organisation dar. Der Große Generalstab muß aufgelöst werden. Befestigungspläne: Ablieferung dieser Dokumente an die Interallierte Militär- Kontrollkommission und endlich Abliefe= Zu diesem Zweck find: die Abteilungen der Heeresleitung rung der Schriftstüde, betreffend Vorhandensein von aufzuheben oder anders zu organisieren, soweit zu ihren Befug Kriegsgerät und Erzeugnissen der deutschen Fabriten wäh- nissen die nachstehenden Fragen gehören: Beförderung von Offi rend des Krieges und nach dem Waffenstillstand. zieren im Ruhestand( aufzuheben); Personal der Generalstabsoffiziere( anders zu organisieren); Luftrat( aufzuheben); Inspektion für Waffen und Gerät( als selbständige Abteilung aufzuheben und mit dem Waffenamt zu vereinigen); Gasabteilung( aufzuheben); Zentraleisenbahnabteilung( aufzuheben). Die Ausbildung der Generalstabsoffiziere darf lediglich in den genehmigten Generalstäben erfolgen, und die Offiziere, die diese Ausbildung erhalten, müssen in die für das Kriegsministerium und die verschiedenen Generalstäbe im Bertrage beſtimmten Iſtſtärken einbegriffen fein. Hieran schließt fich eine ausführliche Liste der Maßnahmen, die notwendig sind, dainit die militärischen Versailler Bestimmungen als in zufriedenstellender Beise erfüllt betrachtet werden können. Dabei werden immer der gegenwärtigen Lage die durchzuführenden Maßnahmen gegenübergestellt. Wir geben hieraus wieder, was wir unterbringen tönnen. Die Polizei soll den Charakter eines regionalen und munizipalen( gemeindlichen) Organs bewahren. Die Stärke der Gefamtheit der Beamten und Angestellten aller Kategorien( Exekutiv und sonstige Polizei) foll 150000 Mann nicht übersteigen. Die überzähligen Polizeistärken müssen verschwinden. Jede Erhöhung der Bestände durch hilfspolizei oder Freiwillige ist untersagt. Der militärische Aufbau der Polizei ist zu beseitigen( Abschaffung der besonderen Stäbe, der Angleichung der Bolizeigrade an die militärischen Grade). Die Ausbildung foll teinen gemeinschaftlichen militärischen Charakter tragen. Die Kontrolkommission wird nach Brüfung der Vorschläge der Deutschen Regierung die Berteilung der Bewaffnung der Polizei festlegen. Tas Statut für das Bersonal der Schuh polizei soll dem für die Ordnungs polizei entsprechen und diesem Personal ebenfalls den Charakter von Beamten auf Lebenszeit verleihen. Benn die Deutsche Regierung das Erforderliche getan hat, wird in einer gewissen Zahl bedeutender Städte eine staatliche Polizei innerhalb der Gesamtstärte von 150 000 Mann zugelassen worden; es wird dann die Unterbringung gewiffer Teile der ftaatlichen Polizei in Kasernen in einigen großen Städten gestattet werden können. Die Kontrollkommission wird nach Brüfung der Borschläge der Deutschen Regierung diese Orte be zeichnen. Alle fragbaren drahtlosen Unterffationen follen vernichtet und das überzählige Material foll zerstört werden. Diese schwere Felbartillerie habe mindestens zum Teil an den Manonern von 1924 teilgenommen. Auch die drei schweren Batterien in angeroog und Sminemünde sowie drei schmere Batterien in Wilhelms. haven müssen auf eingebauten Lafetten montiert werden; meitere Borschriften betreffen die Aufstellung der Batterien in Geestemünde, Sminemünde und Pillau Dabei jagt die Note selbst, daß verschiebene genehmigte Strandbatterien noch nicht in Stellung find. Belassen werden die an sich nicht befehlsgemäße Eisenbahn Bettorf- Stohl im Kieler Rechted und Arbeiten in den festen Blägen Lözen, Ulm, Marienburg, Ingolstadt und in den Küstenfeftungen Norderney, Wangeroog, Wilhelmshaven, Kurhaven, Sylt, Brunsbüttel, Swinemünde und Billau. Zahlreiche noch fehlende Zeichnungen der feften Pläge und befestigten Werke sollen abgeliefert merden. Es folgt eine Liste von der deutschen Regierung bereits eingeräumten Zugeständnissen. Den Schluß der Note bildet folgendes Schreiben der Reparationskommission an die Botschafterkonferenz. Die Reparationsfommission beehrt sich den Empfang des Schreibens vom 27. Mai d. J. Nr. 217 zu bestätigen, in dem die Botschafterkonferenz die Reparationstommiffion bittet, ihr mitzuteilen, ob Deutschland heute seine Reparationsverpflichtungen, so wie fie gegenwärtig feftgefeßt find, getreulich erfüllt. Die Reparationsfommission beehrt sich auf diese Frage be. jahend zu antworten. Der Generalsekretär Armitage Smith. Offiziöses zur Note. ,, Alfeitige Erfüllung übernommener Verpflichtungen." BIB. meldet über den vorläufigen Eindruck, den die alliierte Note hier in den maßgebenden politischen Kreisen geEs wird weiter unter Anführung von Einzelheiten der Organi- macht habe u. a.: es müsse angesichts der in der Note zugegebenen ge fation behauptet, daß die militärische Organisation des Eisenbahn- waltigen Leistungen Deutschlands auf dem Gebiete nezes noch immer, wie die 1914, auf Mobilmachungszwede der Abriftung befremden, daß in der Note wiederum eine ver eingestellt sei; deshalb seien die 3entralabteilung der Heeres. fehlte Auffassung der Alliierten über den deutschen Rüstungsstand leitung( T 7) und die 16 Linientommiffionen aufzuheben, zum Ausbrud fommt und daß dabei non fchweren deutschen Ver. das gesamte, für Militärtransporte unterhaltene Sonder ftößen und von der Nichterfüllung wesentlicher Bestimmungen material zu zerstreuen, die besonderen Einrichtungen des Versailler Vertrages gesprochen wird. Die Ausführungen der der Eisenbahnwagen zu beseitigen, die Instruktionen oder Note werden beherrscht von dem Leitgedanken, daß Deutschland fich Borschriften für die Militärtransporte burch Unterdrückung der Abschnitte über die Mobilisierung des Transports von militäriichen Einheiten oder über Flugzeugmaterial in Einklang mit den Bertragsbestimmungen zu bringen usw. im Gebrauch Da die vom Reichswehrministerium vorgeschlagene und im August 1921 von der Kontrollkommission genehmigte Aufstellung der ftstärken nicht eingehalten worden sei, die Divisionsstäbe außer ihrer vorgeschriebenen Iststärke von den Truppenteilen abfommandierte Offiziere enthielten; bei ben Truppenteilen, besonders bei der In baß übrigens die zugelassene Gesamtstärke berührt worden sei, die fanterie, Ersatzfaders( Offiziere und Unteroffiziere) beständen, ohne des Infanterie. geschüßes, bie Kavallerie im Gebrauch der leichten Maschinen gewehre ausgebildet werde, die geschützten Lastwagen zur Beförde einheiten benutzt würden, Zivil- Luftfahrzeug für die Artilleriebeob rung von Mannschaften zur Ausbildung der Panzerwagen. achtung und andere militärische Zwede gebraucht würden, wird be stimmt: Ein Gesetz oder eine Berordnung, durch welche die Aufstellung der Ist stärten ausdrücklich festgesetzt wird, ist zu i die Möglichkeit zu verschaffen gewußt habe, zu gegebener Zeit eine seiner Größe und seiner Bevölkerungszahl entsprechende kriegsbereite Armee aufzustellen. Dieser Gedante, der den wahren Sach. verhalt geradezu auf den Kopf stellt, muß mit der größten Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Jeder, der aus den umfang. reichen Dokumenten den eigentlichen sachlichen Kern herausschält, sieht sich vor die Frage gestellt, ob denn das alles ist, womit die Legende von dem waffenstarrenden und angriffsluftigen Deutsch. land erflärt werden soll. Auf der anderen Seite bringt die Note im Bergleich mit hen beiden allierten Noten vom Januar d. I. und im Vergleich mit fonftigen Auslaffungen alliierter Regierungen wenigstens den heit übersehen läßt, welche fonfreten Einzelforderungen die Fortschritt, daß sich jeẞt zum ersten Male mit einiger Sicher. Alliierten noch an Deutschland stellen wollen, und daß sie die ausdrückliche Verpflichtung fingegtotgen sind, nach Befriedigung dieser Forderungen endlich die nördliche Rheinlandzone zu räumen. Wenn deutscherseits auch noch Kemrtnisnohme der neuen Note nicht anerkannt werden kann, daß etwaige Rückstände auf dem Gebiet der Abrüstung die Nichtinneholtung des vertragsmäßigen Räumungstermins recht- fertigen könnten, so hat die Situation doch eine wesentliche Klärung dadurch erfahren, daß die Alliierten sich nunmehr auf diese Verpflichtung f e st g e l e g t haben. Dabei kann aber niemals vergessen werden, daß es zur Erzielung dieses Ergebnisses eines Zeitraums von fünf Monaten bedurft hat, und daß die Er- lcdigung ter Räumungsfrage, d. h. die Befreiung eines wichtigen Teiles des Rheinlandes von der Last der fremden Besetzung, will- k ü r l i ch um diesen Zeitraum verzögert worden ist. Wäre man den Anregungen der Deutschen Regierung vom August und September v. I. über die Durchführung der General- lnspektion im Wege der Verhandlung gefolgt, so würde diese Ver- zögerung vermieden worden sein. Denselben Weg der Ver- Handlung wird man jetzt über zahlreiche Einzelpunkte der Note gehen müssen, wenn nicht erneut eine starke Verlan gsamung der Erledigung der Entwaffnung«- und Räumungsfrage eintreten soll. Soweit sich ergibt, daß Rückstände gegenüber den Verpflich- tungen der Deutschen Regierung bestehen, wird die Beseitigung alsbald erfolgen. Dielfach werden die Beanstandungen noch weiterer Klärung und Verständigung bedürfen, wie dies die An- lagen der Note auch selbst vorsehen. Daß sich Deutschland zu keinerlei Maßnahmen verpflichten kann, die bei loyaler Aus- legung noch über die Dersailler Bestimmungen hinausgehen oder die später beiderseits gebilligten Regelungen preisgeben, versteht sich von selbst. Man ist sich in den deutschen Reglerungskreisen des Ernste, der Situation vollkommen bewußt, wenn man auch die Tatsachen, die zu dieser Situation geführt haben, wesentlich anders als die Alliierten Regierungen beurteilt. Die Alliierten haben peinlicheJnnehaltung des versailler Der- träges zugesagt. Die Deutsche Regierung hat niemals einen Zweifel darüber ge- lasten, daß sie gewillt ist. ihren vertraglichen Verpflichtungen getreulich aachzukommen. Auf ihr Recht, dabei den eigenen Rechtsstandpunkt in der Aus- legung des Vertrages zur Geltung zu bringen und damit den Anspruch Deutschlands auf S e l b st« r h a l t u n g zu wahren, kann sie aber nicht verzichten. Nachdem durch die verspätete Bekanntgabe der alliierten Forderungen die Räumung der nördlichen Rheinland- zone, auf die Deutschland einen Rechtsanspruch hat. so lange ver- zögert worden ist, dürfen durch Forderungen, deren Vertrags- Widrigkeit sich etwa bei näherer Prüfung ergeben sollte, nicht weitere Rechtsnachteile für Deutschland entstehen. Die Deutsche Regierung hat kein anderes Ziel, als daß auf dem Boden all- seitiger Erfüllung übernommener Verpflichtungen endlich ein wahrer Friedens» und fester Rechtszustand herbeige- führt und damit dem deutschen Volke Ruhe für den Wiederaufbau und für die fruchtbare Zusammenarbeit mit den anderen Völkern verschafst wird._ Cooliüge für Migastriegskonferenz. Alle Staaten sollen daran teilnehme». G« u f. S. Zuui.(IlL) Die Frage des chemischen und bakterio- logischen Krieges stand heute abermals zur Debatte auf der Ivassen- haitdetstonfereaz. ver Vertreter der vereinigten Staaten. Vurioa. gab die vedeutsawe ErttSrn ng ab. daß seiner Anschauung nach eine Ruterzelchnung de» Washingtoner Ab- kommen» vom Februar 1SZZ durch alle Staaten genüge, denn der§ d des Washingtoner Abkommens enthalte bereit» da» verbot eine» Gaskriege». Sollten jedoch die hier anwesenden Staaten der Anschauung sein, daß eine aeuetlouveation unterzeichnet wer- den müste. so sei Präsident Eoolidgc bereit, eine Konferenz nach Washington einzuladen, sobald die in Genf setzt versammelten Staaten den Zeitpunkt hierfür gekommen erachteten. Zu diesem Zweck würde e« genügen, wenn die in Washington vertretenen Staate« ihre dortigen amtlichen Vertreter beauftragten, an dieser Soasereuz teilzunehmen. Neue Zranzofenschlappe in Marokko. Bor einer spanisch-französischen Konferenz. pari 9. 5. Toni.((Eigener vrahlberichl.) Vom marokkanischen Kriegsschauplatz, wo seit Ende Mai verhältnismäßig Ruhe geherrscht halte, wird eine ungewöhnlich Heft ig e Vsseasive Abd ei Krim» gegen da» vergmossio von Taouoat. eine» der hauptstüh- punkte der franzäsischen Front, gemeldet. Da» amtliche Som- munlqut ist in seinen Angaben ungewöhnlich lakonisch. E» teilt lediglich mit. daß die Reserven der Armeegruppe Freyden- borg eingreifen mußten und daß diese nach sehr heftigem Kampfe die Ossensiue zum Stehen gebracht hoben. Die Kämpfe sind jedoch noch ketnetweg» abgeschlossen. Räch Meldungen au» privater Quelle soll es Abd et Krim gelungen sein, den Franzosen eine schwere Schlappe beizubringen. Diese sollen nicht nur da» Massiv von laounat, sondern auch da» Massiv von vibaae. dessen Zurückeroberung in der zweiten Maihälste den französischen Truppen erst nach ungewöhnlich heftigem Kampfe gelungen ist. wieder hoben aufgeben müssen. Au» einem Bericht des „Oeuvre" geht weiterhin hervor, daß da, sranzösische Oberkom- inando die Zurückverlegung eine» Teil» der Front aus da» Süduser der Uergha in Aussicht genommen hat. Vom Quai d'Orsay wird am Freilag mitgeteilt, daß die mit der spanischen Regierung gepflogenen Verhandlungen zn der Einberufung einer spanisch-franzSslschea Konferenz geführt haben, die demnächst in Poris oder Madrid zusammentreten und sich mit dem marokkanischen Problem und den damit zusammenhängen- den Fragen beschösligea soll. Die englische Regierung werde über olle Details dieser Konferenz auf dem lausenden gehalten werden. Um Widerspruch zu den in der vergangenen Woche von der französischen Regierung in der Kammer gemachten Erklärungen scheint es sich dabei weniger um den Versuch zu handeln, mit Abd et Krim auf dem Wege von Verhandlungen zu einem definitiven Friedensschluß zu gelangen, als vielmehr um Vereinbarungen über eine militärische Zusammenarbeit Frankreichs und Spanien» im Rif. wenigsten» deuten darauf Meldungen au» Melila hin. au» deaen hervorgeht, daß Spanien dort ein Expeditionskorps in Stärke von etwa 20 000 Mann konzentriert habe, das demnächst die Operottonen gegen Abd et Krim erösfaen soll. vor einer Caillaux- Krise! Tie Forderung der Sozialiste«. pari», 5. 3unL((Eigener Drahtberichts Gemäß dem am Donnerstag von den Gruppen des Kartell» gefaßten Beschluß hat sich am Freitag eine au» vier Delegierten der vier Link»- Parteien zusammengesetzte Kommission za painlevö und Caillaux begeben. Die Konferenz Hot zu einem lebhaften Meinungsaustausch über die von Caillaux eingebrachten finanziellen Reformprojekte gegeben, painleve gab einleitend die Versicherung, daß die Regierung bereit sei, gemeinsam mit den Gruppen der Linken nach einer Formel für eine Verständigung über die geplante Sanierung der Finanzen zu suchen. Caillaux gab sodann ein eingehendes Expose der finanziellen Situation und der von ihm für unerläßlich gehaltenen Maßnahmen zur Herstellung des Ludgetgleichgewichts. Den ihm gemachten Vorwurf der Unon- gebrachtheit seiner an der Fianzpolitik des Ministeriums Herriol geübten Kritik wies Caillaux zurück unter voller Ausrechterhaltung der von ihm darüber zum Ausdruck gebrachten Aufsasiung. Es kam darüber zu einer lebhaften Kontroverse zwischen ihm und dem Vorsitzenden der Finanzkommission, Vincent Auriol, der die Richtigkeit der von Caillaux aufgemachten Rechnung bestritt und mit großem Rachdruck die Forderung der Sozialisten auf Einführung einer Vermögensabgabe vertrat. Dic'es verlangen wurde sowohl von Caillaux wie von painleoä abgelehnt, von dem Crsteren mit der Erklärung, daß er bereit sei. zurückzn- treten, falls die Linke zu ihm nicht das volle vertrauen habe, das er zor Fortführung des begonnenen Werke» unbedingt nötig habe. Es wurde vereinbart, daß Caillaux Anfang nächster Woche in der Finanzkommission das gesamte Programm der von ihm in Aussicht genommenen Maßnahmen bekanntgebe und daß im An- schluß daran versucht werden soll, in Fortführung der direkten Aussprache zu einer Einigung zwischen der Regierung und den Kartellparteien zu gelangen._ Regierung poullet üoch wahrscheinlich. Fünf Sozialisten— fünf Katholiken. Brüssel.!). 3unL(Eigener Drahtbericht.) Der heutige Freitag war entscheidend für die Krise. Cs ist jetzt fast sicher, daß die sozialistisch-christlich-demokralische Koalition unter poollet zustandekommt. Die katholischen Kammer- und Senatsfraktionen haben sich mit 74 gegen 42 Stimmen bei 5 Enthaltungen zugunsten der Koalition ausgesprochen. Der Generalrat der Arbeiterpartei tagte gleichfalls als Vorbereitung zum Kongreß, und obschoa keine formelle Abstimmung staltfand, so war die Stimmung dennoch viel stärker zugunsten dieser jetzt als fast unvermeidlich betrachteten Lösung. Die neue Regierung dürste sich wie folgt zusammensetzen: S Sozialdemokraten: Vanderoelde. Aeußere», wau- tcrs. 3adustrie und Arbeit. Camille hoysmans, Unterricht. Ansele. Eisenbahnen. Pastor oder Laboulle. 3nnere«: fünf Katholiken: darunter poulle« als Ministerpräsident und Ts ch offen. Der Kriegsminister soll ein neutraler Ossizier werden. den die Sozialisten vorschlagen sollen, vermutlich Oberst Kesten. Aller Voraussicht nach wird der Sozialistische Kongreß dieser Lösung zustimmen. Japan bietet sich als Retter an. Starkes Unbehagen in London. London. 5. 3uni.(Eigener Drahtbericht.) Die Rote, die 3 o p a n am Vonnerstag an die chinesische Regierung gerichtet hat und la der e» militärische Hilfe für die Ausrechlerhaltung der Ordnung anbietet, hat In London große Beunruhigung hervorgerufen. Man ist in britischen Kreisen der Meinung, daß die Folgen der von 3apan vorgeschlagenen Maßnahmen nicht a b z u- sehen seien. 3apay wixd vor diesem Schritte gewarnt. Man glaubt, daß England und die Vereinigten Staaten niemal» erlauben würden, daß 3apan allein vorgehe. Aus jeden Fall würden sich dann die andrere» Mächte an der hllssexpedition beteilige». Antwortnote Ver alliierte» Gesandte«. London. 5. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Di« alliierten Diplomaten in Peking sandten einp. Note an die chinesisch« Re» gierung. in der sie das Vergehen der Polizei in Schanghai damit zu rechtfertigen suchen, daß die Demonstranten durch ihre aggressive Haltung die Schuld an den Zusammenstößen trügen. Der russische Botschafter Karakhan hat hingegen der chine- sischen Regierung sein Beileid und seine Sympathie ausge- sprachen. Solidaritätskundgebung der Arbeitergruppe in Genf. Gens. S. Juni.(Eigener Drahtberil�t.) Di« Arbeitergruppe der Arbeitskonferenz beschloß nach Anhörung einer Erklärung der Ge- nassen Suzuki- Japan, Lall und Posse- Indien sowie Lawson- Australien, den chinesischen Arbeitern von Schanghai ein Sym- pathietelegramm zu senden und gegen die wiederholten Gewalttaten der Behörden von Schanghai zu protestieren. Genosse Mertens- Belgien wurde beauftragt, eine Untersuchung über die Lage der Arbeiter im fernen Osten einzuleiten und sie dem Aewerkschaftsbunde vorzulegen. Auch der Bollzugsrat der englischen Arbeiterpartei hat eine Protestkundgebung gegen die Intervention britischer Truppen in Schanghai erlassen. Deutschösierreicbs Note. Wieder ein Bittgang nach Genf. Gens. S. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die österreichische Delegation wird beim Völkerbundrat folgende Mindestforderungen erheben: Freigabe von 18 Millionen Dollar aus dem Völker- bundtredit zur Elektrifizierung der österreichischen Dahnen; Durchführung einer Wirtschasts-Enquete zur Erleichterung des Transitverkehrs und Abbau der Zollschranken: ebenso soll die Auswanderung von Arbeitslosen gefördert werden. Im Zusammenhang mit diesen Plänen wird von dem baldigen Rücktritt des Generalkommissars Zim m e r- mann gesprochen, dessen autokratisches Wesen die öfter- reichischc Handelsfreiheit schwer beeinträchtigt. In den Kreisen der Arbeitskonferenz oerlautet, daß die französische Regierung sich zur Ausnahme von 10 000 ö st erreicht- schen Arbeitslosen bereit erklärt habe. Entsprechende Ver- Handlungen seien eingeleitet._ Kommunistischer Takt. Bei der Eröffnung des russischen Pavillons aus der Internationalen Ausstellung für dekorative Kunst ist es gestern zu peinlichen Zwischenfällen gekommen. Der Kultus- minister D e M o n z i c, der als Vertreter der französischen Regierung in Begleitung von zahlreichen Abgeordneten und Senatoren neben Herrn und Frau K r a s s i n der Eröffnung beiwohnte, wurde beim Betreten des Pavillons mit dem Gesang der Internationale und dem Rufe:„Nieder mit dem Krieg, es lebe Marokko!" empfangen. De Monzie und sämlliche Mitglieder der Delegation verließen daraushin die Feier. Und doch war's Walter Stoecker. Zu den englisch-offiziösen Dar- stellungen, der deutsche.Kommunist Sloexker habe an dem kommu- nistischen Kongreß in Glasgow nicht teilgenommen und der an- geblichc Stoecker sei ein Strohmann gewesen,, meldet der„Daily herald", daß Stoecker Mittwoch abend persönlich in der Redaktion erschienen ist und seinen offiziellen Reisepaß al» Mitglied des Deut- schen Reichstages vorgezeigt hat. Außerdem wurde er von zwei Redaktionsmitgliedern, die ihn von früher her kannten, sofort wieder- erkannt. Stoecker erklärte, er werde am nächsten Morgen England auf dem gleichen Wege wieder verlassen, auf dem er gekommen sei. De? ßall Stinnes. Krisenstimmung.— Schweigen der Beteiligten. Weder über die Ursachen der inneren Krise des Stinnes- Konzerns, noch über die geplanten Umstellungsmaßnahmen, noch über Art und Umfang der beschlossenen Stützungsaktion ist die Oeffentlichkeit bisher von den beteiligten Kreisen unter- richtet worden. Nicht einmal die genaue 5)öhe der von den Großbanken gemeinsam mit der Rcichsbank und der Gold- diskontbank bereitzustellenden Stützungskredite sind der Oes- fentlichkeit genaue Angaben gemacht worden. In der Presse wird dieser Stützungskredit auf SV Millionen Mark beziffert. Nach allem, was bisher zu erfahren war, geht diese Stützungs- attion weit über den Rahmen der Sanierung eines Privatuntcr nehmens hinaus. Die ganze deutsche Finanzkraft ist für die Zwecke der Stützungsaktion angespannt worden. Ihre Vorbereitung hat sich in den letzten Wochen auf dem deutschen Geldmarkt fühlbar gemacht. Wenn Institute, wie die Reichsbank und die Goldbank, dieser Stützungsaktion Rückendeckung gewähren, so handelt es sich um eine Angelegenheit des öffentlichen Interesses. Die Oes- fentlichkeit hat ein Recht darauf, zu erfahren, was ist und was geplant ist? Um so mehr da die bisherigen Nachrichten eine A l a r- m i c r u n g der Wirtschaft hervorgerufen haben. An der gestri- gen Börse hat die Baissepartei einen starken Vorstoß unter- nommen. Die Werte nichtbeteiligter Unternehmungen sind in den Strudel hineingerissen worden. Die„Berliner Börsen- zeitnng" charakterisiert die Wirkung des Stinnes-Krachs auf die Börse mit folgenden Worten:„Die heutige Stim- mung an derBörse kennzeichnete sich als ge- radezu verzweifelt." Mit einem Wort: Krisenstim- mung. Die industrielle Presse ist betroffen. Die„Berliner Börsenzeitung" versucht kurzerhand, die Krise des Stinnes-Klmgerns als Folge der wirtschaftsfeindlichen Politik hinzustellen. Mit Verlaub, in einem Augenblick, wo das Ge- bände jener Wirtschaftsführer, die auf die Formel ein- geschworen waren, daß die Wirtschaft vor dem Staate komme, zusammenbricht, sollte sich auch dle schwerindustrielle Presse diesen Jargon etwas abgewöhnen. Die inneren Schwierig- keiten des Stinnes-Konzerns sind die Folgen der U e b e r- Hebung und des V e r s a g e n s der sogenannten Wirt- schastssührer, die sich in der Inflationszeit als Gründer be- tätigt haben, sie sind die Folgen jener ungesundenJnfla- t i o n s g e p f l o g e n h e i t e n, die mit der Formel, daß erst die Wirtschaft und dann die Währung saniert werden müsse, Währung und Wirtschaft in eine verhängnisvolle Entwick- lung gerissen haben. Es ist wohl verständlich, daß die schwerindustrielle Presse den eklatanten Zusammenbruch dieser ungesunden Methoden zu vertuschen sucht und Ablenkungs- Manöver unternimmt. Aber die Zeiten der Täuschung sind vorüber. Der Mythus Stinnes ist zerstört, und alle Versuche, die Krise des Stinnes-Konzerns zu beschönigen, sind umsonst. Mit beißendem Spott schreibt Felix Pinncr im„Berliner Tageblatt" über diese Versuche: »Das gestern in später Abendstunde veröfsenllichte Kam- muniquö läßt die Dinge doch immerhin in etwas anderem Licht« erscheinen. Es ist zwar äußerst dürftig und nichtssagend gehalten, aber es sagt doch immerhin genüge Liest man's, so wird man lebhaft an die a m t l i ch« n ch« e r e s b e r i ch t« au» d c r K r i e g s» z« i t erinnert, in denen Mißerfolge strategischer Natur und selbst schwere Niederlagen den zuerst ahnungslosen, aber bald genug ver- stehenden Völkern unter wohlklingenden Namen wie„U m- gruppierung",»Rücknahme in eine neue stärkere Front" serviert wurden." Die Oeffentlichkeit muß wissen, was ist. Da die Stützungsaktion nicht nur darauf abzielt, einem notleidenden Privatunternehmen zu helfen, sondern aus allgemeinen wirt- schaftlichen Gesichtspunkten unternommen worden ist, um die drohende Krise zu bremsen, müssen die Gesichtspunkte des Allgemeininteresses in den Vordergrund treten. In scharfer Formulierung schreibt Pinner: »Die Bolkswirtschaft hat kein Interesse daran, daß dieser oder jener Inflatirnskonzern, daß selbst der größte dieser Inflation»- konzerne gerettet und in irgendeiner Form aufrechterhallen wird. Die Volkswirtschaft ist aber durchaus daran interessiert, daß bei den eingeleiteten und noch weiter erforderlichen Maßnahmen in erster Linie Rücksicht aus die allgemeinen Gesichts- punkte der Wirtschaftsentwicklung genommen wird." Jedes Abweichen von diesen Gesichtspunkten bedeutet eine große Gefahr, die Gefahr, daß um der Privatinteressen eines Inflationskonzerns willen die deutsche Wirtschast und das deutsche Volk abermals auf das schwerste bedroht werden würde. (Siehe auch Wirtschaftsteil.) Täufthuag üer Geffentlichkeit. Don gut unterrichteter Seite wird durch Wolff-Bureau zu den Dorgängen bei der Firma Hugo Stinnes, Mülheim, milgeteilt: Durch den Dualismus in der Geschäftsführung bestanden bei der Firma Hugo Stinnes wachsende Schwierigkeiten, die durch grundsätzliche Berschiedenheiten in der Ausfassung der beiden geschäftssührenden Brüder verschärft wurden. Diese Mißstände sind nun endgültig behoben. Die Firma Hugo Stinnes. deren Besitzerin nach wie vor ausschließlich Frau Eläre Hugo Stinnes-Wagenknecht ist, wird jetzt in deren Austrage einhcillich geleitet von Herrn Hugo Stinnes junior.' Bon einer Auflösung der Firma zu reden, ist wider- sinnig. Dem aus allen Aemtern. Funktionen. Beteiligungen usw. der Firma ausgeschiedenen Dr. Edmund Stinnes sind aus dem großen Firmenkomplex einige Werke abgetreten worden, die mit dem„Wesen" der Firnra Hugo Stinnes rn keinerlei ur- sachlichem, sondern nur in losem Zusammenhang standen. Die gestrigen Besprechungen in der Reichsbank haben ergeben, daß die Banken mit der Firma Hugo Stinnes genau so weiterarbeiten, wie in der Vergangenheit mit dem Vater. Die Firma Hugo Stin- nes steht wiederum geschlossen unter einheitlicher Leitung da. Die Gerüchte über den Verkauf der„Deutschen SIEgemeinen Zeitung" entbehren jeglicher Grundlage. Was den Abbau bei der Firma Hugo Stinnes betrifft, so handelt es sich nicht um- die Ab- stoßung nennenswerter Objekte. Mit dem Abbau ist lediglich gemeint. daß durch die stramme Zusammensassung der Geschästsleitung nun- mehr in einer Hand Verwaltungsorgane überflüssig werden und ab- gebaut werden sollen. Unter Umständen auch kleinere Unternehmungen, die nach Auffassung des jetzigen Leiters besser nicht in die Firma ausgenommen wären. Der jetzige Leiter hat den entschlossenen Willen, die notwendige Liquidität der Firma aus eigener Kraft herzustellen, trotz der un- günstigen allgemeinen Wirtschaftslage. Ein Teil dieser Maßnahmen war bereits' vor geraumer Zeit geplant, konnte aber durch den Widerstand des Herrn Edmund Stinnes nicht durchgeführt werden. Jetzt ist die Bahn frei. Der Zolltarif und die Gewerkschaften. Schutzzoll bedeutet Sinken des Reallohns. Es wird die Aufgabe der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und Beamten in der nächsten Zeit sein, ihre anders organisierten Kollegen dahin zu bringen, daß sie auf ihre Parteien einen starten Druck in der Richtung der Ablehnung der Zollvorlage ausüben. Der zuletzt von uns erwähnte Nationalöfonom hat volltommen recht: Der Druck auf den Magen schmerzt den„ chriftlichen" Arbeiter ebenso wie den sozialdemokratischen. Noch nicht der zehnte Teil des deutschen Volkes kann von hohen Zöllen einen vorüberDie gewerkschaftlich organisierten Arbeiter haben ein brennendes Interesse daran, daß der von der Reichsregierung in der vorigen Woche veröffentlichte Zolltarif vom Reichstag nicht angenommen wird. Die heutige Lage der deutschen Wirtschaft erfordert dringend die Beseitigung aller Schranken, die Deutschland noch von der Weltwirtschaft absperren. Der Zolltarif aber droht die Anfänge eines regeren Handelsverkehrs mit den anderen Ländern zu unterbinden und eine neue Blockade, eine Selbst blodade, über die deutsche Wirtschaft zu verhängen. Um die deutsche Industrie wieder fonfurrenzfähig zu machen, dürfen wir die Preise der Lebensmittel, der Rohstoffe und der Industrieerzeugnisse nicht durch Zölle in die Höhe gehenden Vorteil erwarten, auf die Dauer nüßen sie auch ihm nichts. schrauben, wir müssen vielmehr dahin gelangen, durch Verbeffe 90 Prozent der Bevölkerung, unter ihnen alle Arbeiter, rung des Realeinkommens die Kauftraft der Angestellten und Beamten kann die Durchführung der Zollvorlage arbeitenden Bevölkerung zu steigern. Die frisenhaften nur gewaltigen Schaden bringen. Fort mit dem Zollwucher! muß Erscheinungen in der Landwirtschaft können nicht durch Zölle, sondern daher die allgemeine Parole sein. Und die Gewerkschaften erwarten, nur durch Rationalisierung der Betriebe, durch Versorgung mit daß die Parteien des Reichstages auf die hinter ihnen stehende gebilligen Industrieerzeugnissen und durch Stärkung der Konsumfähig- waltige Mehrheit des deutschen Boltes größere Rücksicht nehmen, keit der breiten Massen überwunden werden. Was wird als auf die Handvoll von Großgrundbesitzern und Schwerindustriellen. die erste Folge des neuen Zolltarifs der fein? Die Preise für alle Waren, vor allem für die Lebens. Bekämpfung von Uebertretungen der Bäckereiverordnung. mittel, werden sprunghaft in die Höhe gehen. Hat es " Der Minister für Handel und Gewerbe in Preußen hat dem doch der Ernährungsminister Graf Kanig als 3 med der GeJustizminister mitgeteilt, daß die Durchführung treidezölle bezeichnet, die Getreidepreise stabil" zu halten und sie vor Bädereiverordnung vom 23. November 1918, insbesondere den Schwanfungen des Weltmarkts zu schützen. Da der Minister mit des Nachtbadverbois, dadurch erschwert werde, daß die der Wahrscheinlichkeit rechnet, daß die Weltmarktpreise in nächster wegen 3uwiderhandlungen gegen die Verordnung anZeit wieder hinuntergehen werden, so bedeuten seine Ausführungen hängig gemachten Strafverfahren vielfach nur zu sehr nichts anderes, als daß die Preise im Inland stets über geringen Geldstrafen führten, wenn nicht gar die Einden Preisen gehalten werden sollen, die auf dem Weitmartt ftellung des Verfahrens wegen Geringfügigkeit erfolge. bezahlt werden. Die Folge hoher Getreidepreise ist aber die meitere Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, werden nunmehr die Staatsanwaltschaften in einer allgemeinen Verfügung Berteuerung auch der Industrieerzeugnisse und insgesamt eine Er des Justizministers ersucht, der Bekämpfung der genannten Straftaten des Justizministers ersucht, der Bekämpfung der genannten Straftaten höhung der Kosten für die Lebenshaltung der besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, in der Anwendung des arbeitenden Bevölkerung. Da die Unternehmer frei§ 153 StẞD. die fachlich gebotene Zurüdhaltung zu üben und auf willig feine Verbesserung der Löhne vornehmen werden, so wird eine ausreichende Bestrafung hinzuwirken. zunächst eine Periode der erneuten Verschlechterung des Realeinfommens eintreten, und erst durch schwere gewerkschaftliche Kämpfe fann erreicht werden, daß auch nur der frühere Reallohn erreicht wird. Ein wirksamer agrarischer Schutzzoll muß die Reallöhne noch tiefer senten," sagt wörtlich der bekannte Professor Sering, Mitglied des Deutschen Landwirtschaftsrats und des Preußischen Landesökonomiefollegiums, alfo der höchsten landwirtschaftlichen Behörden des Reichs. und ähnlich Professor Röpfe in Jena:„ Eine durch allge meinen Zollschutz erzielte Erhöhung des Lohnniveaus würde den Arbeitern vermöge der Herabsetzung der Rationalität der gesamten` Bolkswirtschaft an Realeintommen weit mehr rauben, als sie durch Erhöhung des Nominaleinfommens gewonnen hätten." Soll die Abwehr des durch den Zolltarif versuchten Schlages gegen die Lebensinteressen der breiten Massen der Bevölkerung nur auf die freien Gewerkschaften, nur auf die Mit glieder der sozialdemokratischen Partei beschränkt bleiben? Wenn es je eine gemeinsame Angelegenheit aller Arbei ter, Angestellten und Beamten gab, so bei dem Kampf gegen den jetzt drohenden lückenlosen Zollwucher. Ein anderer Bolkswirtschaftslehrer, Professor Arndt in Frankfurt a. M., erinnert an die großen handelspolitischen Kämpfe zu Anfang dieses Jahrhunderts, in denen die Hand- und Kopfarbeiterschaft, einschließlich großer Teile des sogenannten Mittelstandes, die zu den Sozialisten oder zu den Freifinnigen gehörten, gemeinsam ihre Interessen vertraten. Und er führt dann weiter aus: ,, Seitdem hat die Arbeiter, Angestellten- und Beamtenbemegung auch innerhalb der übrigen Parteien gewaltig an Boden gewonnen; es ist jetzt möglich, durchzusehen, daß die Führer dieser Parteien auf die Interessen der auf Arbeitseinkommen Angewiefenen mehr Rücksicht nehmen als damals. In handelspoli tischen Dingen sind die Interessen der gesamten Arbeiterfchaft, mag fie sonst religiös, fulturell, politisch noch so sehr gespalten sein, völlig gleich. Der christlich- soziale Arbeiter hat feinen Grund, für den Freihandel weniger entschieden einzutreten als der liberale oder der sozialistische. Die kurzsichtige Berfolgung einseitiger Sonderinteressen, wie sie uns in der Handels politik droht, sollte auf den entschlossenen Widerstand der gesamten deutschen Arbeiterschaft stoßen. Der Sieg des Arbeiterinteresses auf diesem Gebiete ist um so mehr zu wünschen, als es mit dem Gesamtinteresse zusammenfällt." | Also jezt, nachdem das Nachtbackverbot auf Grund der gemachten Beobachtungen, daß ohne behördliche Genehmi gung schon vor 6 Uhr morgens mit der Arbeit in Bädereien begonnen wird", durchlöchert und der Arbeits beginn ab 5 Uhr morgens gestattet ist, soll gegen weitere Berstöße schärfer vorgegangen werden. Es ist die alte Geschichte: Wenn das Kalb in den Brunnen gefallen ist, deckt der Bauer den Brunnen zu. Außerdem: Die Botschaft hören die Bäckereiarbeiter, doch fehlt ihnen der Glaube. Zusammenbruch einer kommunistischen Hochburg. In den Neuen Berliner Messingwerten G. m. 6. 5. in Neukölln, Bergstr. 89/95, war die KPD. ausschlaggebend. Früher einmal gut organisiert, folgten die angeblich Radikalen der fommunistischen Barole, die Gewerkschaften durch Verweigerung der Beiträge zu vernichten und ließen ihre Mitgliedschaft diese„ Radikalen" ihre Abneigung gegen die Gewerkschaften nicht verfallen. Troß der späteren Gegenparole der KPD. konnten überwinden und blieben draußen. Sie wollten den Betrieb nach ihrem Willen„ modernisieren". Das sah so aus, daß der Neunstundentag für den Betrieb zu einer fast dauernden Einrichtung wurde. Die Löhne blieben wesentlich hinter denen anderer Be triebe zurüd. Eine eingeleitete Lohnbewegung führte zu feinem Biel, so daß die Arbeit eingestellt wurde. Von 370 Beschäftigten gehören 15 dem Metallarbeiterverband und 25 dem Verkehrsbund an. Die übrigen 330 Unentwegten waren echt tommunistisch un. organisiert. Die Streifleitung lag in den Händen waschechter Rommunisten, denen es trotz mehrfacher Versuche nicht gelang, den Streif beizu legen. Nach dreiwöchiger Arbeitseinstellung ist nun der Streit zufammengebrochen. Die„ Radikalen" haben sich selbst verraten. Einige Streifende haben ohne Auftrag und ohne Wissen der anderen mit der Betriebsleitung verhandelt und durch Sonderabmachungen den Streit für beendet erklärt. Die Abmachungen sahen den neunstündigen Arbeits= tag vor; ein neuer Betriebsratdarf nicht mehr gewählt werden, an deffen Stelle tritt ein Arbeiterausschuß" ohne die im Betriebsrätegesetz festgelegten Machtbefugnisse. Die Einstellungen finden nach Anordnung der Betriebsleitung statt. Ungefähr 110 Mann werden vorläufig nicht wieder eingestellt. Eine Lohnerhöhung ist nur in unzulänglichem Maße zugesagt worden; sie hängt von der Betriebsleitung ab. Urlaub wird in diesem Jahre nicht gewährt. Dieses Ergebnis ist ebenso täglich wie die Führung bes Streifes durch die Kommunisten. Aus diesem Streit, der an sich nicht schlecht stand, da teine Arbeitswilligen vorhanden waren, sollte die Arbeiterschaft erneut die Lehre ziehen, wie Bewegungen nicht gemacht werden dürfen. Der Wortradifalismus hat abgewirtschaftet und nur gutgefügte Organisationen sind imstande, Erfolge zu erzielen. Eine neutrale" Angestellten- Internationale. In Luxemburg fand eine Konferenz von Vertretern jener Angestelltenorganisationen von Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien, Holland, Polen, der Tschechoslowakei und Desterreich statt, die wir als Hirsch- Dunckersche zu bezeichnen pflegen, zur Gründung einer„ neutralen" Angestellteninternationale. Der Deutsche Gemertschaftsring der Arbeiter, Angestellten- und Beamtenverbände" war durch seinen Generalsekretär Reichstagsabgeordneten Ernst Vemmer vertreten. Der Sitz der neuen Internationale soll in Straßburg ſein. Die„ Elsaß- Lothringische Angeftelitenvereinigung( AEAF.)" hat mit der Geschäftsführung ihren Sekretär Metz beauftragt. Die Führung der Internationale liegt beim„ Gewerkschaftsbund der Angestellten", Berlin, dessen Bundesvorsitzender Reichstagsabgeord neter Gustav Schneider zum Vorsitzenden gewählt wurde. Zweite: Vorsitzender ist der Franzose Jean Portalier. Deutschland ratifiziert die Arbeitskonventionen. Genf, 5. Juni.( TU.) Der deutsche Generalkonsul in Genf hat heute dem Generalsekretär des Bölkerbundes die Bestätigungsurkunde des Reichspräsidenten vom 31. Mai 1925 über die Ratifikation folgender Arbeitskonventionen überreicht: 1. Abänderung des Artikels 393 des Vertrages von Versailles über die Zusammensetzung des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes. 2. Die Ratififationsurkunde zum Washingtoner Uebereintommen über die Arbeitslosigkeit.. 3. Zum Genueser Uebereinkommen über die Stellenvermittlung der Seeleute vom 10. Juni 1920. 4. Zum Genfer Uebereinkommen über das Vereins- und Koalitionsrecht der landwirtschaftlichen Arbeiter vom 12. November 1921. 5. Zum Genfer Uebereinkommen über die Entschädigung der Landarbeiter bei Arbeitsunfällen vom 12. November 1921. Ende des Lohnkonflikts in Dänemark. Kopenhagen, 5. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der dänische konflikt ist nunmehr durch einen von beiden Seiten angenommenen Bergleich des Schlichtungsausschusses beendet Auch die Streifleitung der Fabritarbeiter hat mit 26 gegen 17 Stimmen den Vergleich angenommen. Die Aussperrung und alle Streifs werden aufgehoben, so daß die Arbeit am Montag überall wieder beginnt. Die neuen Tarife bringen im allgemeinen eine Verbesserung der Löhne um 3 Prozent. Der Abbau in Polnisch- Oberschlesien. Kaffowitz, 5. Juni.( Tul.) Die Arbeiterentlassungen in PolnischOberschlesien nehmen ihren Fortgang. Auf einer Reihe von Gruben trägt man sich mit dem Gedanken, nicht weniger als ein Drittel der Belegschaften zu entlassen, obwohl sie gegenüber dem Friedensstand schon erheblich verringert worden sind. Vermittlungsaktion im französischen Bergbau. Paris, 5. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Minister der zweistündiger Sizung mit den Vertretern der Kohlenzechen über die öffentlichen Arbeiten, Pierre Laval, hat am Freitag vormittag in Forderungen der Bergarbeitergewerkschaften beraten. Zu einer defi nitiven Entscheidung ist es bisher nicht gekommen, doch merden die Berhandlungen fortgesetzt. Der Minister hat am Freitag nachmittag die Bertreter der Arbeiterschaft empfangen. Deutscher Baugewerksbund, Fachgruppe der Töpfer. Mitgliederversamm Jung am Montag, den 8. Juni, nachmittags 5% Uhr, bei Baetsch, Lands. berger Straße. Achtung, Bergmann- Elektrizitätswerke Berlin! Am Montag, den 8. Juni, nachm. 5 Uhr, bei Kroll, Utrechter, Ede Hennigsdorfer Straße, für alle Genossinnen und Genossen, Handund Ropfarbeiter eine sehr wichtige Fraktionsfigung. Stellungnahme zur Betriebsratswahl. Der Fraktionsvorstand. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. und Verlagsanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin SB. 68 Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage und Unterhaltung und Wissen".. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet Vorteilhafte Angebote Weisswaren Bubikragen op lange Form, aus doppeltem 110 Opal. Opal, Valenc.Ausschnitt.. Mod. Kleiderweste Binsatz, d Bindekragen aus doppeltem 135 Voile un und 190 Valenciennes- Spitze Eleg. Spitzenweste ****** mit rundem 375 Ausschnitt.. Kleiderweste aus Batist, mit Valenciennes- Spitze and Bandgarnitur.. 95PT. Trikotagen webt, 42-46, weiss Damen- Schlüpfer feine Banmw., ge. 145 Damen- Schlüpfer Kunstseide, farbig 200 Blusenschoner reine Wolle, weiss..... 390 Prinzessröcke für Damen, Kunstseide, 50 schwere Qualität. Mengenabgabe vorbehalten Frottékleid moderne Schotten Vollvoilekleid ganz aparte Streifen 975 1375 Waschseidenkleid 1975 flott gearbeitet... 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Juni 1925 Fahrten auf markischen Gewassern II. Südlich von Spandau liegt das idyllische Tiefmerder, das sich auch als Teil des neuen Berlin seine alte schöne Dorfstraße erhalten hat, die einem toten Arm der Havel parallel läuft. Um die Häuser von Tiefwerder ziehen sich in vielen Krümmungen schmale Wafferadern, die irgendwo in den südöstlich gelegenen Stößensee münden. Diese fleinen Wasserläufe machen Spandau mit seiner Industrie, machen Berlin und all das großstädtische Treiben vergessen. Auf der einen Seite alte Häuser zwischen leuchtendem Laub, auf der anderen weite Flußwiesen auf moorigem Boden. So bietet sich in Groß Berlin an der Havel ein Bild von fast meltabgeschiedener Stille. Von Tiefwerder nach Gatow. Hier am toten Havelarm beginnt unsere heutige Fahrt. Neben anderen Ruder- und Paddelvereinigungen haben hier zwei Arbeiterpaddelvereine ihr Heim aufgeschlagen: die Pichelsdorfer Rudergesellschaft und die Kannabteilung der Freien Schwimmer Charlottenburg". Bor dem Bootsschuppen der letzteren geht unser Boot an einem Sonnabendnachmittag zu Wasser. Bon Staaten her brauft ein grauer Flieger im sonnendurchflammten Aether. Und unten gleitet erdgebunden unser Boot den blauen Havelseen entgegen. Kurz vor der Heerstraßenbrüde, die über den Stößensee und gleich darauf über unsere Wasserstraße führt, gibt es noch ein fleines Bunder: den Grimnißfee, ein der Berlandung anheimfallendes Beden, das durch einen furzen, flachen, baumüberragten Kanal schnell zu erreichen ist. Hier ist ein wahres Froschparadies. Pogfred" nannte Liliencron so etwas. Da fizzen die Trompeter zu Tausenden, und wenn ihre Stimmen lieblich tönen, dehnen sich an ihren Köpfen zmei filbermeiße Blafen, als ob fie plagen wollten. Selbst zubring liche Bootsinfaffen lassen sie nicht verstummen. Ohne Scheu herrschen fie in ihrem Reich. In flotter Fahrt geht es unter der Heerstraßenbrüde hindurch, vorüber an Lokalen und Bootshäusern, dem Pichelsdorfer Gemünd entgegen, das von zwei schmalen Halbinseln um geben ist, an die sich die Scharfe Lante im Besten und der Stößenfee im Osten schmiegen. Die östliche Halbinsel ist von niederem märkischen Wald gekrönt, der auf Hügeln thront, die fast steil aus 10 bis 20 Meter Höhe auf den fargen Strand stoßen. Hier arbeiten an jommerwarmen Tagen Maler vor ihren Staffeleien, und in immer neuen unerschöpflichen Bariationen wird das herrliche Havelbild der Mit und Nachmelt überliefert. Rechts löst sich ein fleiner Leucht. turm, linfs eine Duddalbe, und dann löst sich unser Boot aus dem engen Gemünd und strömt dem großen Wasser zu. Lints das fagenummobene Schildhorn, auf der dos Dentmal an die wunderbare Rettung des Wenden Jaczom steht. Es ist zwischen den Bäumen aus der Ferne faum zu entdeden, Dort, mo zu Tode gehegte Benben einst zusammenbrachen, meht heute neben der schmarzmeißroten Monarchistenfahne das Schwarz- Rot- Gold der Republit und erinnert baran, daß der Rampf noch nicht gestorben ist. Der Gastwirt auf Schildhorn hat beide Flaggen gefeßt. Er ist neutral, der gute Mann Wir nehmen Rurs auf Gatow, deffen Häuser im schattigen Grün zu schlafen scheinen. Ein Havelfahn von einigen 100 Tonnen löscht feinen Inhalt: Mauersteine, die sich rot und gelblich- braun auf grüner Wiese fürmen. Hier gehen wir an Land zu furzer Raft. Drüben muf dem anderen Ufer ragt auf der Karlshöhe der rote KaiserWilhelm- Turm, von dem der Berliner freundschaftlich als„ Lehmanns Turm spricht. Er ist eine ausgezeichnete Landmarke, die weithin, richiungweifend, fichtbar ist. Buntfarbige Bunfte frabbeln tief unter ihm am Strande wandernde Menschen. Die Havel ist an dieser Stelle ungefähr 600 Meter breit, und der Turm ist hier wohl anderthalb Kilometer von uns entfernt. Autoboote jagen durch das Wasser, 18] Schnook. Ein Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron Jede kleinste Bewegung der Beute merft er; sie ist noch immer bei voller Kraft, und viele Pflanzenstengel und Wasser gemäche sind im Wege... wird es ihm gelingen, den Fang an seiner feinen, zerreißbaren Beine aus der Tiefe herauf zuziehen? Mit einem Male macht Schmod fehrt und saust mit einer folchen Kraft unter das Boot, daß nur eine Wahl bleibt: entweder bricht die Stange entzwei oder sie faust mit. Der Holz drechsler zieht es vor, fie loszulaffen, in der Hoffnung, fie auf der entgegengefeßten Seite wieder aufzufischen. Es geht, wie erwartet: die Stange wird sichtbar steigt hoch... er beugt sich hinaus und greift fie auf Der Kampf und die Nervenanspannung beginnen von nern der behende spannende Wettkampf zwischen ihm und Schnoo! Der Sturm braust seinen Herbsthymmus durch das Schilf und fräuselt das Wasser zwischen den gelbgeflecten Wasserlilienblättern, während die Sonnenstreifen, die da kommen und gehen, Taufende von Flämmchen in Laub und Röhricht ent - und große, zünden. Es gligert, es funfelt, es blitt Schwellende Septemberwolfen treiben über den See dahin. Der geschickte Fischer hat nach und nach Schmod in feine Gewalt bekommen und sie behutsam bis dicht an das Boot gelodt. Er hockt sich nieder, legt die Senie auf die Reling und lehnt sich hinaus, den Kescher in der Rechten Schnod, der sich plötzlich dem großen Schwimmvogel so nahe sieht, zieht mit einem gewaltigen Rud an, der Holz drechsler muß sich strecken, soweit sein Arm und Oberförper überhaupt reichen, er vergißt, daß er sich im Boote und auf schautelndem Boden befindet, verliert das Gleichgewicht und fällt mit einem Platsch über Bord, gleichzeitig das Boot um werfend. Niemand sieht sein Unglüd, und die schweren Wasser ftiefel zwingen ihn hurtig hinab. Schnod raft rund um ihn herum, verwidelt ihn in die Schnur und zieht ihn auf den Grund. Hier zwischen den Steinen am Riff zerreißt die Schnur während des Holzdrechslers lebloser Körper ins Röhricht hineintreibt. Gegen Abend trübt sich das Wetter. wühlte Wasser erscheint mollig und fandig! das sie in breiten Furchen aufmühlen, so daß die Bellen auf das Ufer springen und unser Boot gefährden, das mir im legten Augen blid aufs Land in Sicherheit bringen. Diese jagenden Motorboote fürchtet und haßt der Kanufahrer. Mögen fie ihre Maschinen aus toben laffen auf freiem Wasser! Bas geschähe wohl einem Auto fahrer, der die Leipziger Straße mit 100 Rilometer durchfahren mollte? Was auf dem Lande nicht geht, soll auf dem Wasser erzwungen werden. Zu den Fuchsbergen. das liebliche Lindwerder auf, das man erst nach scharfem Auslug entNun liegt der Turm auf dem Karlsberg hinter uns. Da taucht deckt. Sein Grün verschmilzt mit dem der Grunewaldberge zur Einheit. Am Großen Breitenhorn haben sich Ranufahrer zeltlich" 14 22 Pots dan GrimnitSee & Scharfe Lanke 3 Weinmeisterhorn Stössen See s Schild horn Kaiser Wilhelm Turm 1 Gatower Lind werder Br Breitehorn Schwanen werder 10 Klare Lanke is Jusel Jmchen 12 Gm Tiefehorn 13K2 14 Kalber werder is Quasterhorn 16 Pfaueninsel 7 Schwemmhorn 43 Fucks berge 19 Gr Hampton 20 Sakrower Lankc 29 Heiland Kirche Jungfern See 23 Glienicker Bracke 24 Griebte Set 25 Stolper See 26 Ponte See 27 K1 Wann See 28 Wann Sea Schlos Babers Neu berg 30 Babelsb Boots kurs Cadov Pickersdor Gato 128 Schlach tense Nikolase see hüpfen auf, vermeilen einen Augenblid auf ihrer Höhe, wie um zu versuchen, ob sie das Gleichgemicht halten tönnen, um den Versuch dann aufzugeben und herabzurollen. Ein vereinzelter, armseliger Sonnenstreifen vermag wohl noch von Zeit zu Zeit all die trübverschleierten Farben auf schimmern zu lassen die Wasserfläche überzieht sich dann mit einer Farbe gleich der eines schwarzen Damhirsches, und die Wasserlilienblätter merden zu schwimmenden Regenbogen flecken. Im Schlammtal zwischen den Grundquellen beginnt laah sich zu rühren. Sie pliert mit den liftigen Augen... die blauschwarzen Pupillen werden rund und groß. Dann zieht sie auf ihre nächtliche Streife über den See, windet sich durch die Steingrotten der Klosterzellen und findet ein neues Bersted unter einem fürzlich gesunkenen Boote. Mit dem Maule im Spalt zwischen Grund und Reling liegt sie da wie ein Hund in der Hundehütte. Bis die Nacht hereinbricht und alles dunkel und still wird. Da läßt sie fich langsam mit den Wellen treiben, bis an die Schilfufer des Sees und nimmt als Gnadengeschent von des Schöpfers Hand jeden ertrunkenen Hund oder Kaze entgegen. Alles, was sich nicht über Waffer zu halten vermag... was tot umtreibt, gehört den Krebsen und ihr. Kneif hatte den Holzdrechsler bereits gefunden, als llaah Brautfahrt. tam.. .. Beginnendes Frühjahr... der Hecht fängt an zu laichen! Tagelang hat Schnod, das gewaltige Fischweibchen, unbeweg. ich in den Grundgewächsen gestanden und auf den Ruf der Sonne gewartet. Jegt tommt diese eines morgens bricht fie plötzlich machtvoll hervor und durchleuchtet die Stengel wälder des Rohrsaums. In den tleinen offenen, geschützten Stellen zwischen dem Gestrüpp beginnt es zu leben und sich zu rühren; Blätschern erklingt allüberall, und dunkle, schuppenglizernde Körper erheben sich langsam aus dem Wasser. Dann prügeln sich die Jungfische, ihre Flossen schlagen wie Flügel im Sonnenglanz Bald hält der Frühling auch in Schnods faltem Herzen Einzug und macht das Eisblut warm. Sie schwimmt umher, den Körper voller sanfter Gefühle, und fie fühlt, wie es sie zu den flachen Ufern, zu dem Graje der Gräben und den idylliund das aufgeschen Pfuhlen der Moore hinzieht. Und sie erinnert sich plötzKleine Wellen lich wieder ihres Brautgemachs: es liegt weit drinnen am | 99 niedergelassen. Also gerüstet erwarten fie die Nacht Breit stößt Schwanenwerder in die Havel. Bon fern her leuchtet sein Aussichtsturm. Im Geiste sehen wir den Staatsanwalt, wie er hier auf dem Schwanenwerder den Angriff der Motorboote und Flugzeuge auf die Festung der Barmats lenkt, die ein Stein des Anstoßes war für gewisse wohlanständige Leute von Besiz und Bildung. Jetzt öffnet sich der Wannsee. Eine harte Welle treibt der Wind über die breite Fläche, die vom Südende des Wannsees bis Cladom mehr als vier Kilometer mißt. Große Kreuzer mit blendendweißen, gut durchgesetzten Segeln und schwarzweißroten Flaggen, auf denen nur zu selten das republikanische Feigenblatt der schwarzrotgoldenen Gösch fichtbar wird, rauschen vorüber. Die Sterndampfer machen volle Fahrt. Ihre Nähe ist für uns gefährlich. Wie ein kleiner Blumenstrauß ragt die Jufel 3mdhen auf. Links mahnen das große und fleine Tiefehorn an die Dampfertatastrophe vom 30. Offober 1921. bei der der fleine Sterndampfer Storfow vom Kaiser Wilhelm gerammi wurde und mit einem Duzend fröhlicher Menschen in die Tiefe fant. Bir passieren den Kälberwerder, und dann fommt die Pfaueninsel, das Haveljuwel, heran. Leider ist uns das Anlegen verboten. Man muß schon auf das andere Ufer zur Fährstelle und sich fittsam übersehen lassen, wenn man das Eiland betreten will. Hier laborierte der Alchimist Johannes Kunkel von Löwenstein, um einem emig geldhungrigen Kurfürsten das ersehnte Geld zu bescheren. Er mußte noch nichts von 2Gomzerspaltung und all den anderen Dingen der modernen Chemie, die sein Ziel nicht um des Geldes, sondern um der Wissenschaft willen erreichte. Er hatte Glüd genug, als er Phosphor und Rubinglas fand und so seinen Namen in die Zukunft rettete. Die Pfaueninsel war der Zufluchtsort für den späteren Kaiser Wilhelm I., als er im Sturmjahr 1848 vor der wütenden Empörung der Berliner die Flucht nach England begann. Wir fahren auf der Nordseite der dichtbelaubten Insel vorüber und be gnügen uns mit dem zweifelhaften Anblick der als Ruine in aofischem Stil erbauten Meierei. Langsam legt abendliches Gewölf sich über die waldigen Hügel der Ufer und das Waffer. Unten bei den Fuss bergen, von deren Höhe man auf der anderen Seite zum Sacromie See hernieder steigt, finden wir unter Zeltbahn und Deden ela primitives Nachtquartier. Heimfahrt. Der nächste Morgen bringt viele Gäste, Bootsinjassen aller Art landeten. Wir aber fliehen den Troß. Glühend brennt die Sonne. Kurz vor der Sacrower Lante brüllt Donner, und Gemittersturm tündet fich an. Wir landen am moraftigen Strand und warten, bis das Gemitter im Nordosten verebbt. Wieder lacht die Sonne, und nun läuft das Boot um die Sacromer Halbinsel herum durch flaches Baffer an Nifolskoe und herrlichen Landungsstellen vorüber, die mur mit Erlaubnis zu benutzen sind, hinein in den Jungfernfec mit Rurs auf die Glienider Brüde. Rechts liegt eine römische Bafilika, die Heilandskirche, links herrlicher, schilfumfäumter Bart. Bor der Glienicer Brüde Sonntagsfahrer mit unsicherem Kurs. Ein Dugend von ihnen fann zur Verzweiflung bringen. Sils wir glücklich an ihnen vorbei sind, steuern wir in den Friedrich- LeopoldKanal hinein, der durch den Griebnißfee, den Stolper- und PobleSee und endlich durch den kleinen Wannsee gebildet wird, die durch Ranäle miteinander verbunden sind. Diese Seen find die Fortsegung der den Grunewald in nordöstlicher Richtung durchschneidenben Seentette, die während der Eiszeit durch Schmelzwasser gebildet wurde. Links der Park von Neubabelsberg, den die berühmtesten Gartentünstler des 19. Jahrhunderts, Cenné und Fürst PücklerMustau, angelegt haben. Und dann die unfagbar foffbaren Villen von Babelsberg. Eine Lokomotive schreit: fie erinnert daran, daß die Station Neubabelsberg eigens zur Bequemlichkeit Kaiser WilAusgang eines breiten, sonnigen Wassergrabens, von blühenden Weiden und hängenden Birken umrahmt, voller Sonnenspiel und Schlagschatten und dem Plätschern zappelnder Männchen. Stärker und immer stärker brauft der Frühling heran und die Strahlen der Sonne dringen immer tiefer ins Wasser hinab. Die Pflanzenwelt feimt und steigt aus dem Schlamm mit Herkuleskräften, mehrt und verbreitet sich und öffnet sich zu weiter Umarmung. Und aus dem Stoppelwald des Teichfchhilfes erheben sich junge Stengel und all die heruntergefallenen Weidenzweiglein, die rings umherschwimmen, treiben Schößlinge und schlagen Wurzel. ww Bald grünen die Bänke, und in den sauligen, schlammigen Wiefen, wo Wafferaloe und Entengrüße allgemach hängende Inseln bilden werden, beginnen braune Kröten und grüne Frösche zu quaten und zu trillern. Alle Arten Fische tummeln sich in Lust und Verzückung. Und zum Schluß tommt laah, die alte Einzelgängerin ohne heimtüdische Absichten nähert sie sich dem Ufer und legt im lohenden Sonnenaufgang ihre hunderttausend Eier zwischen die hervormimmelnden Schachtelhalme und Gräser. Aber fein Bräutigam ist nahe; denn es gibt ja feinen: Plötzen und Weißfische wühlen in ihrem Rogen und hat sie gelaicht, so wird ihr Herz wieder falt, und sie sinkt mürrisch und verdrossen zurüd in die Tiefe. Schnods Eifer wächst mehr und mehr... ihre tiefblauen Pupillen, von dem messigfarbenen Ring umgeben, flammen wie ein Saphir in Bernsteinfassung, die tongrauen Farbtöne an ihren Seiten und Flanten gehen in Grün über, und die Riemendedel werden tieforangegelb. Nach und nach fühlt sie sich zu den vielen feurigen fleinen Männchen hingezogen, die ununterbrochen um sie herumhuschen und bereits in ihren prachtvollen, goldenen Hochzeitsfleidern erstrahlen. Entzückt läßt sie sich die Kur machen von dem, der ihr im Augenblid am meisten zusagt; den anderen und besonders denen, die sie nicht mag gegenüber er. weist sie sich als unzuverlässig, und fommt ihr der Zufall zu Hilfe, verschlingt sie jie. Je näher die Zeit kommt, daß sie laichen soll, desto stärker und von Rogen schwellend wird sie, gleichzeitig aber launischer und unberechenbarer. Sie frist nichts; ist nur darauf bedacht, über flachen Grasboden zu schwimmen, wo sie den gespannten Bauch über weiche Halme streichen kann, während sie geradezu wie ein Hund den Rücken frümmt vor lauter Wohlbehagen. ( Fortjeßung foigt.) helms I. gebaut worden ist..... Das Dörfchen Stolpe ist heute mit Wannsee vereinigt. Früher mag die Hauptwasserstraße durch diese Seen geführt haben. Dann vertorfte sie, so daß die Stolper, Dom Wasserwege abgeschnitten, immer mehr verarmten. Friedrich Bilhelm IV. nannte sie seine treuesten Untertanen, denn sonst wären sie schon längst ausgewandert". Stolpe foll eine alte flawische Kultstätte gewesen sein. Am Anfang dieses Sees hat sich die Wasserpolizei auf einem Motorboot postiert: Halloh, stop, Kanalfarte! Und dann muß man eine Mart blechen. Nicht wenige Märfer fommen dabei zusammen, nicht wenige Flüche bekommen die Zöllner von den empörten Wasserfahrern zu hören. Für 3 Mart aber befommt man an der Glienicker Brüde eine Jahreskarte zu laufen und ist dann aller weiteren Berpflichtungen frei und ledig. Am Ufer des fleinen Wannsees wetterten wir glücklich wieder einen Gemittersturm ab, und dann ging die Fahrt über den wogenden Wannsee zurüd nach dem idyllischen Tiefmerder. Am Pichelsdorfer Gemünd tragen Samariter zwei Opfer des legten Gewitters von hinnen. Die beiden hatten Wind und Wolfe nicht beachtet oder nicht zu deuten verstanden und diese Unterlassung oder Unkenntnis mit dem Leben bezahlt. Schweigend erreichen wir das gaftliche Bootshaus am toten Havelarm. Der Bund mit dem Wasser. Leibesübungen sind ernste Notwendigkeiten gerade in jeßiger Zeit. Sie sind eine Lebensfrage für die arbeitende Bevölkerung. Bon allen Sportarten kann das Schwimmen als die gesundeste Leibesübung genannt werden. Keine andere gibt in so ausgiebiger Weise die Möglichkeit, die Gesundung und Kräftigung des menschlichen Körpers, die Durchbildung der inneren und äußeren Organe. die Erhaltung der Jugendfrische zu erzielen wie gerade das Schwimmen. Deshalb ist es doppelt notwendig, daß alle Menschen die Bedeutung und den hohen Wert des Schwimmens erkennen lernen. Das Bad reinigt den Körper, stärkt die Muskeln und Nerven, befördert die Ausdünstung, macht die Säfte flüssig und hält sie im Ebenmaße, treibt die gefährlichen Symptome der Krankheiten von innen nach außen und macht durch alles dieses den Menschen mensch. licher und gesünder, tätiger und munterer. Das Schwimmen schützt vor der Gefahr des Ertrintens und gibt die Möglichkeit, Menschen leben aus dieser Gefahr zu retten. Das Schwimmen hat in der Tat in gesundheitlicher, praktischer und sittlicher Hinsicht eine hohe Bedeutung und bietet eine Summe reinen Genusses als gymnastische llebung. Die Vergrößerung der Lungenkapazität, die Rettung aus Lebensgefahr, die Pflege der Haut und Mustulatur zur Reinigung und Stärkung sind wesentliche Vorteile des Schwimmens. Entwid lung des Mutes und der Entschlossenheit, Willensstärke und Selb. ständigkeit, Selbstvertrauen sind weitere Erfolge, die aus dem Betrieb der Schwimmfunft entspringen. Jeder Mensch soll daher Schwimmer sein und die Schwimmfunft regelmäßig ausüben. Besonders die arbeitende Bevölkerung hat alle Ursache, trotz der schweren wirtschaft lichen Nöte auch in dieser Hinsicht nicht das Notwendigste zu vergeijen, denn nur der mag die Bürde und die Last des Lebens zu ertragen, der gefund an Körper und Geist ist. Der Kampf um die Volksgesund heit ist ein Teil des proletarischen Kampfes überhaupt. Es sollten sich überall da, wo Badegelegenheit und Schwimmgelegenheit vorhanden ist, Interessenten zu Bereinen zusammenschließen, um in ernster und freudiger Arbeit zum Besten der Gesundheit unserer Bolksgenossen zu wirken. Die Schwimmkunft zu erlernen, ist nicht schwer, ob jung oder alt, bei dem nötigen Willen fann man auch hier noch in hohem Alter die besten Erfolge erzielen. Hat man erst die Borzüge des Schwimmens erkannt und am eigenen Leibe verspürt, dann wird man ein steter Anhänger dieser so gesundheitsfördernden Leibesübung bleiben; denn nur Gesundheit bringt Glück und Freude am Leben. Für die Groß- Berliner Arbeiterschaft und deren Angehörigen ist die Möglichkeit gegeben, in den Schwimmvereinen des Arbeiter- Turn und Sportbundes das Schwimmen unentgeltlich zu erlernen und gleichzeitig diese gesunde Leibesübung bis zur Bollkommenheit zu pflegen. Krähwinkel in Berlin. Klatschbajentum und seine gerichtlichen Folgen. Wegen verleumderischer und einfacher Beleidigung des Bürgermeisters Schneider vom Bezirksamt Mitte und des Bureaudirektors Walpurger wurde der Stadtinspektor Otto Bsd of vom Schöffengericht Mitte zu einem Monat Gefängnis und 50 M. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte verwaltete die Stellung eines Berufsvormundes, die ihm jedoch wieder abgenommen wurde. Dadurch fühlte er sich, da er hierin eine höhere Stellung als die eines Stadtinfpettors er blickte, schwer gefränft und glaubte, diese Maßnahme auf Schikanen feines früheren Freundes und jetzigen Borgefeßten Walpurger zu rückführen zu können. Er führte nun einen erbitterten Feldzug gegen Walpurger und erhob gegen ihn schwere Anschuldigungen. So behauptete er, daß Walpurger anormal veranlagt sei und ihm selbst vor Jahren unfittliche Anträge gestellt habe. Weiterhin behauptete er, daß Bürgermeister Schneider und Bureaudirektor Walpurger wiffentlich einen Meineid geleistet haben, und binnen acht Tagen ins Zuchthaus tommen fönnten. Außerdem sagte er auch Walpurger nach, daß dieser aus seiner Stellung als Kirchenfaffenrendant mit Schimpf und Schande weggejagt worden sei. Diese Behauptungen B's famen den Betroffenen zu Ohren und veranlaßten bas Strafverfahren wegen öffentlicher Beleidigung. Es wurden dann auch Disziplinarverfahren nach beiden Richtungen hin eingeleitet, die aber für die beleidigten Stadtbeamten günstig ausfielen, während das Berfahren gegen den Angeklagten noch in der Schwebe ist. Ebenfo wurde ein meineidsverfahren als unbegründet ein gestellt. Negativ verlief auch der vom Angeklagten angetretene Bahrheitsbeweis über die angeblichen widernatürlichen Anwandlungen des Bureaudirektors. Dagegen konnte der Angeklagte den Nachweis führen, daß Walpurger infolge Differenzen mit dem Gemeindevorstand, dem er felbft angehört habe, auf disziplinarischem Wege von seinem Amte als Kirchenfaffenrendant gewaltsam entfernt worden sei. Das Schöffengericht erblidte den Wahrheitsbeweis des Angeflagten nur im Bunfte der Amtsentsegung vom Kirchenamte für erwiesen. Jedoch auch in diesem Falle habe der Angeflagte sich der formalen Beleidis gung schuldig gemacht. Dagegen sei der Wahrheitsbeweis hinsichtlich aller übrigen Vorwürfe gegen Bürgermeister Schneider und Bureau direktor Walpurger mißlungen. Die Handlungen des Angeklagten verraten eine außerordentliche Leichtfertigkeit. Eine Geldstrafe fäme daher nicht in Betracht. Der Verurteilte teilte mit, daß er Beru fung einlegen werde. Süsspeisen Objektive" Justiz. Der Amisrichter vom Wedding und die„ brollojen künfte". Mit einer sehr eigenartigen Begründung wurde die Berurteilung des Schriftstellers Stenzel wegen Baßbergehens zu drei Monaten Gefängnis vom Amtsgericht Wedding versehen. Stenzel war ohne Paß aus seiner Heimat Bolen nach Deutschland gekommen, weil er sich dem polnischen Militärdienst entziehen wollte. Einen Paß fonnte er sich hier nicht verschaffen, meder als früherer russischer Staatsangehöriger noch als jetziger polnischer. So blieb er ohne Paß in Deutschland, wurde bei einer Streife abgefaßt und hatte einen Strafbefehl über drei Monate Gefängnis erhalten. Diese Verfügung wurde vom Amtsrichter mit folgender Begründung bestätigt:" Der Angeklagte ist hier als Dichter tätig. Der preußische Staat und das Deutsche Reich haben ein großes Interesse daran, alle Ausländer an ihre Heimats länder abzuschieben, zumal, da es schon den Deutschen selbst schwer fällt, den Unterhalt für ihr Leben zu erwerben, insbesondere aber Leute derartiger brotloser Künfte"(!) ganz abgesehen tides() betreiben. Demnach war eine energische Bestrafung davon, ob diese nicht etwa bolschewistische Propaganda oder ähndurchaus erforderlich." Der Herr Amtsrichter, der diesen salomonischen Bescheid fällte, scheint doch ein wenig zu sehr Rechtsprechung mit Politit zu vers wechseln. Die wegwerfende Gefte, mit der diese Stütze der Justiz die Kunst als etwas Brotloses" abtut, ist nicht minder föftlich als der Sah von der bolfchemistischen Propaganda und ähn lichem". Das Aehnliche" tönnte hier eventuell bis hinein in die Reihen der Deutschen Bolkspartei gehen. Man fennt doch die Gemütsverfassung dieser Leute. Medizinische Bäder für den Wedding- Stadtteil. bereits turz mitgeteilt, eine Abteilung für medizinische Im Stadtbad Wedding an der Gerichtstraße ist, wie Bäder eingerichtet worden. Die Absicht einer solchen sehr wünschenswerten Bereicherung dieser Badeanstalt bestand schon seit mehreren Jahren, aber die Ausführung scheiterte zunächst an der Inflationszeit. Nachdem inzwischen eine Besserung der Geldlage eingetreten ist, hat das Bezirksamt Wedding jetzt den lange gehegten Bunsch verwirklichen können. Gestern wurde von Mitgliedern des Bezirksamtes und der Bezirksgesundheitsverwaltung besichtigt, was hier geschaffen worden ist. Warteraum, Aus- und Anfleideraum, Zellenräume und Ruheraum find 3 med mäßig eingerichtet und dabei so freundlich und behaglich ausgestattet, wie die zur Verfügung gestellten bescheidenen Geldmittel von nur 20 000 M. es zuließen. Bezirksbürgermeister Leid, der die Gäste willkommen hieß, wies darauf hin, daß gerade für den Verwaltungsbezirk Wedding das Bedürfnis einer solchen Abteilung medizinischer Bäder besonders groß ist. Das Stadtbad Wedding wird Sool, Kleie, Fichtennadel, ohtannin, Kohlensäure und Lichtbäder geben, an zwei Tagen für Frauen, an pier Tagen für Männer. In erster Linie wird die neue Einrichtung den Mitgliedern von Krantenfaffen zugute fommen, aber auch andere Krante werden es freudig begrüßen, hier folche Bäder nehmen zu können. Mit den Krantentassen find be. fondere Tarife vereinbart; für andere Badende ist der Preis um 25 Broz. höher, als der den Strantentassen bewilligte Breis, so daß er immer noch hinter den Preisen privater Anstalten zurüdbleibt. Badewäsche wird in der medizinischen Abteilung leihweise ohne befondere Bergütung gegeben, und felbftverständlich wird hier pein lichst auf Sauberkeit gehalten. Die Teilnehmer der Besichtigung, bei der der Stadtarzt Dr. Drucker die Führung hatte, waren von dem Guten und Schönen, das hier mit geringen Mitteln geschaffen worden ist, sehr befriedigt. Die neue Abteilung wird am Montag eröffnet. Rundfunkanlagen für Privatzwecke. Durch einen Runderlaß des preußischen Finanzministers, der zugleich im Namen des Ministerpräsidenten und fämtlicher Staats. minister ergeht, wird angeordnet, daß fünftig eine Anerkennungsgebühr für die Genehmigungserteilung zur Schaffung einer Außenantennenanlage nicht mehr zu erheben ist. Eine Rüderstattung der von den Wohnungsnugnießern bisher gezahlten Beträge kommt nicht in Frage. Zur Behebung von Zweifeln teilt der Amtliche Breußische Pressedienst noch folgendes mit: Die Anbringung von Rundfunfantennen zu Brivatzweden auf gemeinschaftlichen Hausböden( Trockenböden) ist grundsäglich zu untersagen. Die Anbringung von Innenantennen zu Brivatzweden in den im Runderlaß vom 23. Juli v. J. bezeichneten Gebäuden unterliegt nicht der Genehmigung durch die das Gebäude verwaltende Dienststelle. Der unterschiedliche Potsdamer Sport. Man schreibt uns aus Potsdam: Am 7. Juni veranstaltet der Botsdamer Reiterverein in Verbindung mit der Stadt Botsdam ein großes Reit- und Fahrtournier auf dem Luftfchiffhafen. Wie das Programm anzeigt, bestreitet die Reichswehr den Hauptteil der Beranstaltungen, sowohl bei den Reitprüfungen, wie auch im Jagdspringen sind Angehörige der Reichs. mehr Hauptteilnehmer. Eine Geschüßquadrille wird von einer Reichswehrbatterie ausgeführt und das große Militärfonzert während des Tourniers wird auch von Reichswehrangehörigen aus. geführt. Gegen diese sportliche Unterstützung wäre nichts ein. zuwenden, wenn nicht, wie in Potsdam üblich, ein Unterschied zwischen Schwarzweißrot und Schwarzrotgold bei ben zahlenden Zuschauern gemacht würde. Die Mitglieder Eintrittsgeld zu zahlen, während der billigfte Stehplaß den Richt Baterländischen", also den Republikanern nach Potsdamer Sprach gebrauch, 1 Mt. kostet. Ist damit Herr Geßler einverstanden, daß die Reichswehr für die Republitaner doppelt fo teuer arbeitet, wie für die Schwarzweißroten, oder will er noch vorher ein Wörtlein mit den Veranstaltern reden? Der Deutsche Rundflug. Heute Beginn der vierten Schleife. Der für gestern nachmittag angekündigte Boltstag mar wider Erwarten verhältnismäßig schwa ch besucht, obwohl das Wetter diese Veranstaltung außerordentlich begünstigte. Die Flugleitung muß sich endlich darüber klar sein, daß es anderer Mittel bedarf, um das Publikum anzuziehen, und tatsächlich sind auch Schritte geplant, die Rundflugwoche populärer zu gestalten. Antonius Raab auf D 551 führte diesmal solche wagehalsigen Kunstflüge vor, die große Spannung unter den Zuschauern aus löften. Intereffant war die Landung eines englischen Ber. tehrsflugzeuges, eines großen roten Vogels, der Passa. firmabsprünge des Ehepaares Triebner aus Hamburg. giere aus London brachte. Wie immer folgten die Fall.. Nach einer Zusammenstellung der Flugleitung sind bei der dritten Schleife 25 Flugzeuge gestartet und gelandet. Bis 7 Uhr abends waren im Laufe des gestrigen Tages noch folgende Flugzeuge von der dritten Schleife nach dem Tempelhofer Feld zurückgekehrt: 681 Udet auf Udet( 30: 39) und 661 Kern auf Udet( 29:12). Bis dahin waren also insgesamt 25 Flugzeuge von 44 Bewerbern, die am ersten oder zweiten Tag zur dritten Schleife gestartet oder von einer Etappenstation der zweiten Schleife auf diese übergegangen waren, in Berlin wieder eingetroffen. Am heutigen Sonnabend früh 4 Uhr beginnt der Start qur vierten( vorlegten) Schleife, die über Naumburg, Nürnberg, Augsburg nach München und von dort über Hof und Leipzig nach Berlin zurückführt. Die Flugstrede beträgt 100 km, so daß bei normalem Verlauf die ersten Flugzeuge in den Nachmittagstunden des heutigen Tages auf dem Tempelhofer Feld zurüderwartet werden können. Die Berliner Flughafen G. m. b. 5. teilt mit: Am Sonntag, den 7. Juni, findet auf dem Flughafen Tempelhof eine Beranstaltung statt, die das Interesse des Publikums in stärkster Weise hervorrufen dürfte, so daß mit einem Massenbesuch ähnlich Der Berliner wie am Pfingstfonntag zu rechnen sein dürfte. Verein für Luftschiffahrt veranstaltet am genannten Sonntag ein großes Freiballonwettfliegen, verbunden mit Automobilverfolgung des Berliner Automobilflubs. Es werden fieben bemannte Freiballons zu einer Wettfahrt aufsteigen. Der Be ginn der Füllung wird bereits 11 Uhr vormittags erfolgen. Die Ballons find im Durchschnitt je 600 cbm groß. Sie werden mit Wafferstoff, das in Flaschen fomprimiert ist, gefüllt. Der Füllplaß liegt direkt vor dem 1. und 2. Blah, so daß das Publikum die Füllung wie den Aufstieg aus nächster Nähe beobachten fann. Ab 2 Uhr nachm. tonzertieren zwei Kapellen. 3 Uhr 30 min. wird die Füllung beendet sein, und fofort wird der Aufstieg beginnen. Im Anschluß an die Freiballonwettflüge werden Kunstflüge und Fall. schirmabsprünge stattfinden. Die Eintrittspreise sind volkstümlich: 1. Platz 1 Met., 2. Play 50 Pf. Militär und Kinder die Hälfte. Für Verpflegung des Publi Programmänderung vorbehalten. fums ist in weitgehendstem Maße Sorge getragen. Die Borgänge im Lichterfelder Realgymnafium. Genosse einig macht uns darauf aufmerksam, daß in dem Bericht über die Sigung der Bezirksversammlung Steglig ein Irrtum unterlaufen ist. Er hat von Prügelstrafen im Lichterfelder Realgymnafium, von Mißhandlungen eines Kindes republikanischer Eltern durch Kinder in der Schule und von antirepublikanischen Lehrern gesprochen, nicht aber davon, daß Kinder republikanischer Eltern aus Gesinnungsgründen von Lehrern des Realgymnafiums förperlich gezüchtigt worden feien. Die Ungewißheit über Amundsen. Beginn der Nachforschungen. Bon Bord der Farm" wurde dem ,, Corriere della Sera am Donnerstagabend gefunft: Heute läuft die Frist von 15 Tagen ab, die Amundsen für seine Rückkehr vom Bol mit dem Flugzeug gestellt hatte. Die Schiffe werden morgen mit dem Ab. fuchen des Eisrandes in der Hoffnung beginnen, daß die Flieger zu Fuß nach Spigbergen zurückkehren. Die hobby wird als Eisbrecher dienen, meil sie für diese Arbeit beffer geeignet ist. Sie wird versuchen durch Golfe und Kanäle sich einen Weg zu bahnen, um nach Osten bis zum Nordkap des Nordostrandes vorzubringen. Die Farm" wird dagegen nach Norden und Nordwesten über die Insel Amsterdam vordringen, sich aber außerhalb des Bereiches des Treibeises bewegen. Auf Grund der Versicherungen Amundsens selbst herrscht all. gemein die Ansicht vor, daß die Eisverhältnisse zwischen dem Nordpol und Grönland weit günftiger sind als zwischen dem Nordpol her nach dem Kap Kolumbia unterwegs, wo unter und Spitzbergen. Wahrscheinlich sind die Flieger da. Umständen eine Hilfsexpedition hingeschickt werden sollte, um von nach Spitzbergen zurüdtehren, so würden sie wahrscheinlich in den dort weiter vorzubringen; wenn Amundsen und seine Gefährten Insel zu suchen sein. verlaffenen Hütten der Robbenjäger längs der Nordküste dieser der sogenannten„ Baterländischen Berbände" brauchen nur 50 Bf. Parteinachrichten Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 5. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.35 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück: Esperanto". 4.30 Uhr nachm.: Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Die zärtlichen Verwandten", Lustspiel in drei Aufzügen von Roderich Benedix. Personen: Oswald Barnau; Ulrike, Irmgard, seine Schwestern; Ottilie, seine Nichte; Adelgunde von Halten, seine Tante. Witwe; Dietrich und Iduna, deren Kinder; Dr. Bruno Weithold, Haushofmeister; Thusnelde, Haushälterin; Philippine, Wismar, Barnaus Freund; Dr. Offenburg, Arzt; Schummrich; Kammermädchen; Diener. Die Handlung begibt sich auf Barnaus Schlosse in der Nähe einer Stadt. 6.40 Uhr abends: Sanitätsrat Dr. Paul Frank: Medizinisch- hygienische Plauderei. 7 Uhr abends: Rechnungsrat H. Marowski:" Die Lebensweise der deutschen Schmetterlinge". 7.30 Uhr abends: Dr. Friedrich Stieve: Alexander 8 Uhr abends: Dr. C. F. W. Behl: Petrowitsch Iswolski" ( zur Feier seines fünfzigsten Geburtstages). Vorlesungen aus Thomas Mann und sein Werk". 8.30 Uhr abends: Thomas Mann seinen Werken durch Paul Bildt. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends Tanzmusik. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin S. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ffets an bas Bezirkssekretariat, 2. Hof, 2 Trep. rechts, au richten. Bezirksvorstand. Heufe abend pünktlich 6 Uhr Sigung des erweiterten Borstandes im Konferenzzimmer der Vorwärts"-Redaktion, Lindenstraße 3. 9 18. Kreis Weißenfee. Sonntag, den 7. Juni, vorm. 10 Uhr, veranstaltet bie Rommunale Rommission eine Besichtigung verschiedener Einrichtungen innerhalb des Bezirks. Führung: Genoffe Stadtrat Müller. Treffpuntt 10 Uhr Boſt Charlottenburger Straße. 20. Areis Reinidendorf. Karten für die Sonnenwendfeier des Arbeiter Kultur- Rartells Groß- Berlin find zu haben beim Genossen Albert Udert, Freie Scholle 49. Rittergutstraße. 119. t. Lichtenberg. 8 Uhr Funktionärkigung bei Mene, Möllendorf, Ede Heute, Sonnabend, den 6. Juni: Jungfozialisten, Gruppe Tempelhof Marienborf. Treffpunkt aur Fahrt nach dem Hölzernen Gee Gonnabend 45 Uhr Raiferin- Augufta- Straße. Abfahrt Görliker Bahnhof 64 Uhr nach Groß- Rörik. Junasozialisten, Gruppe Norden. Treffpunkt aur Fahrt nach dem Hölzernen Gee Sonnabend 7 Uhr 40 Stralau- Rummelsburg, Bollringbahnsteig, und 12 Uhr 30 Görliker Bahnhof. Jungfozialisten Charlottenburg. 6. Juni, 5,39 Uhr abends, Fahrt ab Botsdamer Ringbahnhof nach Roffen. Uebernachten und Nachkommen: Mogen mühle. Morgen, Sonntag, den 7. Juni: 1. Abt. Borm. 9 Uhr wichtige Gigung der Bezirksführer und der Zeitungs tommiffion im Lokal Richiefing, Aderstr. 1. sind wohl in jeder Familie beliebt und auch Sie werden gern und oft Ihre Angehörigen nach Tisch mit einer kalten oder warmen Süsspeise erquicken. Nichts ist bekömmlicher und feinschmeckender als eine Süsspeise, die mit dem feinen, ausgiebigen Mondamin zubereitet ist Süsspeisen sind aber nicht nur Leckerei, sondern wenn sie mit Mondamin bereitet sind, ein wertvolles Nährmittel, das auch von unseren Kleinen gern gegessen und vor allem gut vertragen wird. Die Packungen tragen in untenstehender Blockschrift die Bezeichnung MONDAMIN 290 104. Abt. Niederschöneweibe. Nachm. 24 Uhr Ausflug nach der Königsheide. Treffpunkt Bahnhof, Johannisthofer Ausgang. Nachzügler im Restaurant Waldschänke. Die Mitgliederversammlung findet umfändehalber in diesem Monat erst am dritten Mittwoch statt. Nähere Mitteilung aur Zeit im Borwärts". Jungfozialisten, Gruppe Lichtenberg. Zur Beteiligung an der Treffahrt treffen fich die Genossen Sonntag früh 6½ Uhr Haupteingang Görliger Bahnhof. Jungsozialisten. Sonntag Treffahrt fämtlicher Gruppen. Treffpunkt mittags 12 Uhr auf der Halbinsel nordöstlich( nicht nordwestlich) des Hölzer. nen Gees. Sungjozialisten, Gruppe Reukölln. Treffpunkt Sonntag frith 7 Uhr Ringbahnhof Neukölln. Donnerstag, den 11. Juni, Referat des Genoffen Dr. Paul Levi über Außenpolitik und Sozialdemokratie, abends 8 Uhr, Jugendheim Nogatftr. 11/12. Gorgt für zahlreichen Besuch. Jungsozialisten, Gruppe Süben. Sonntag früh 27 Uhr Görliker Bahnhof aur Fahrt nach dem Hölzernen See. . 43. Abt. Montag, den 8. Juni, 7½ Uhr, Sigung der Bezirksführer und Funktionäre bei Krüger, Grimmstr. 1. Jugendveranstaltungen. Gesangs- und Musikabend für Mädel und Burschen am Montag, ben 8. Juni, pünktlich abends 7% Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3. Güboft, Reichenberger Biertel. Sonnabend ½28 Uhr im Jugendheim Reichenberger Str. 66 Borstandssigung. Morgen, Sonntag, den 7. Juni. Moabit I: Spielfahrt nach Papenberge. Treffpunkt 7 Uhr Ufa- Theater. Südoft, Reichenberger Biertel: Nachmittagsspaziergang nach der Königsheide. Treffpunkt 2 Uhr nachm. Görliger Bahnhof. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Die Probleme um Stinnes. Der Stinnes- Krach und die Deflationskrise. Die Großtrise der deutschen Wirtschaft droht hereinzubrechen.| martts, dem wachsenden Mißtrauen der ausländischen Kreditgeber, Denn die Zahlungsschwierigkeiten des Stinnes- Konzerns, des größten Konzerngebildes des europäischen Festlandes, sind der Beginn. Sie wird nicht gewaltiger sein, als ihr Pendant, die vierjährige Inflations frise von 1919 bis 1923. Aber sie wird ihre ungeheure Gewalt viel vehementer auf eine fleinere Zeitspanne zusammendrängen, um dann ausklingen in jenen chronischen Krisenzustand, in dem sich das glückliche" England schon seit dem Beginn der finanzien Kon solidierung seiner inneren und äußeren Kriegsschulden befindet und der sein großes historisches Vorbild in der dreißigjährigen Wirtschaftsfrise nach den napoleonischen Kriegen hat, die erst mit dem endgültigen Sieg des Freihandels 1846 endete. An diese deutsche Großkrise wird sich die franzöfifche, belgische, italienische Deflationskrise anschließen. Europa wird damit seiner endgültigen wirtschaflichen Konsolidierung entgegengehen. tag, den 7. Jani, nachmittags 2½ Uhr, in Uniform, obne Fahnen, Tempel. dieser Konversion im Verhältnis von 1000: 1 begann die Gefchäftsstelle: Berlin G 14. Gebaftianftr. 37/38 Sol 2 Tr. Sauvorstan b. Cämtliche Berliner Kameraben, bie fich an auswärtigen Beranstaltungen nicht beteiligen, treffen sich am Sonn hofer Chauffee in Höhe des Neuen Weges nach dem Flugplak zum gemein. famen Besuch. Eintritt 20 Pfennig. Kameradschaft Brenzlauer Berg, Jungmannschaft. Sonnabend, den 6., und Sonntag den 7. Juni, Ausmarsch. Treffpunkt Sonnabend, den 6. Juni, abends 7 Uhr, Senefelderplag. Fahrgeld 0,70 M. Mundvorrat mitnehmen. Kamerabschaft Kreuzberg. Sonnabend, den 6. Juni, nadym. 5 Uhr. Achtung, Blodflibrer! Bei Biehler Ein trittstarten aur Gedenkseier abholen. Sonntag, den 7. Juni, nachm. 2% Uhr, Treffpunkt Hohenzollerntorio, Ede Dreibundstraße, zur Besichtigung des Flugplages und der technischen Anlagen. Untoften 20 Bf. Kamerabschaft Beboing. Sonntag, den 7. Juni, nachmittags 1 Uhr. Antreten der gesamten Bannertleidung ohne Fahnen zum gemeinsamen Abmarsch. Kameradschaft 11 Rameradschaft bei Müller, Uferftr. 12, zum Besuch des Flugplages Tempelhofer Feld. Eintrittsgeld 20 Bf. Kamerabschaft Schöneberg- Friedenau. Sonntag, den 7. Juni, nachmittags 1% Uhr, trifft sich die Rameradschaft in Reukölln- Brig. Sonntag, den 7. Juni, nadm. 1½ Uhr, treffen fich die Rameraden anläßlich der Flugmoche auf dem Flugplak Tempelhofer Feld in der Beise, Ede Steinmeßstraße. Die Eintrittsgebühr beträgt 20 Bf. Antreten in Uniform ohne Fahnen. Kamerabschaft Röpenid und Untergruppen. Sämtiche Radfahrkameraben treffen sich Sonntag, den 7. Juni, früh 7 Uhr ( nicht 5 Uhr) am Bahnhof Röpenid aur Fahrt nach Spreenhagen. Leitung: Ramerad Flügge. Ramerabschyft Neuenhgen- Hoppegarten- Dirkenstein. Gonn tag, den 7. Juni, nachm. 1 Uhr, Treffen im Lobal Schweizerhäuschen, Eichen allee, zur Autofahrt. Ramerabschaft Alt- 2andsberg. Sonntag, den 7. Juni, Ramerab nachmittags 1½ Uhr. Sotel Friedrichsluft Treffen zur Autofahrt. fchaft Brenzlauer Berg, 3. Rug. Montag, den 8. Juni, abends 8 Uhr, Berfammlung bei Büttner, Schwedter Str. 23. Es hat alles zu erscheinen. 4., 6., 7., 8. Rug abends 8 Uhr Turnhalle Greifenhagener Str. 59.- Kamerab fchaft Treptow. Unter diefer Bezeichnung wird die bisher unter„ Niederfchönemeibe" geführte 15. Berliner Rameradschaft nunmehr veröffentlicht. Ramerabschaft Bankow mit sämtlichen Untergruppen. Montag, den 8. Juni, abends 8 Uhr, Turnabend für alle Rameraden Bollantstraße. Erscheinen Bflicht. Kamerabschaft Lichtenberg nebft Untergruppen. Dienstag, den 9. Juni, abends 7% Uhr, Borstandssikung bei Krüger. Davan nehmen teil die Borsigenden aller Untergruppen nebft Zugführern. Arbeitersport. Arbeiter- Radfahrer- Bund Galibarität, Drisgruppe Berlin. Touren für Sonntag, ben 7. Juni. 1. Abt.: Rilbersdorf, Stienisfee 5 Uhr, 12 Uhr Sirsch garten. Start Biomftr. 56. 2. bt.: Försterei Paulshausen über Benfiden borf. Start 5 Uhr Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Gröbener Gee. Start 6 Uhr Laufiger Plak. 5. Abt. Tiefensee, Damengrund 5 Uhr, 12 Uhr Geefeld, Fischerhütte. Start Landsberger Plas. 6. Abt.: 6 und 12 Uhr Gorinfee. Start Ropenhagener Str. 26. 13. Abt.: Freitag, den 18. Juni, Caputh, Bots. bam. Start 9 Uhr früh Bimmerftr. 30. Ortsgruppe Reutöln: Jugend- Sternfahrt nach dem Sölzernen See( Dubrow), Forsthaus Gauberg, links ab. Start 6 Uhr. 1. Abt. Herkbergplak. 2. Abt.: Bahnhof Hermannstraße. Ortsgruppe Schöneberg: Rörbistrug. Start 6 Uhr Stubenvauchstr. 5. Ortsgruppe Trep tow- Baumschulenmeg: Dubrom. Start Bahnhof Treptow 6 Uhr, Baumschulen. weg 6 Uhr. Ortsgruppe Lichtenberg: 6. Juni Stolaenhagener Gee, 6 Uhr Traveplak. Ortsgruppe Charlottenburg: Dubrow. Start 5 Uhr Galvani ftraße 13. Drtsgruppe Reinidendorf: Mühlenbeder Gee. Start 6 Uhr Refidenz ftraße 109. Ortsgruppe Bankow: Gosener Berge. 6 Uhr Start Floraftr. 24. Ortsgruppe Oberschöneweibe: Tornows Joyll, Teupit. Start 5 Uhr Giemens. Start 5 Uhr Wollank. Straße 6. Ortsgruppe Rieberschönhausen: Lehnikfee. 6 Uhr Start Schlieper Straße, Ede Areuzstraße. Ortsgruppe Tegel: Bandlik. ftraße 64. Cau 9: Gonntag. den 7. Juni, Ausfahren der Gaumeisterschaft im Straßenwettfahren. Gammeltart. früh 7 Uhr in Schönwalde i. d. M. Sport. Rennen zu Ruhleben am Freitag, den 5. Juni. 1. Rennen. 1. Elfenfönigin( W. Lemzer), 2. Celata( H. Mills), 3. Schwarzwaldmäbel(. Baade). Toto: 41: 10. Blat: 28, 41, 56: 10. Ferner liefen: Barafit, Charlotte Math, The Mitth, Coriolanus. Rarten pieler, Hellina, Benedict, Ludwig, Gladiator I, Jram, Iffynor, Barillia D., Bunier, Terazzo. 2. Rennen. 1. Starbella( Ch. Mills), 2 Karl Alexander( F.Schmidt), 3. Diagonale( B. Hedert). Toto: 13:10. Blak: 12, 17, 15: 10. Ferner liefen: Drelifec Anvil, My Darling. Charade, Kapitain Halle, Alarich, Kinolönigin,' Heidefrau, Cirano, Rabbach. 3. Rennen. 1. Mentor I( G6. Mills), 2. Magowan jun.( 3. Mills), 3. Luftschiffer( F. Schmidt). Toto: 24: 10. Blat: 14, 26, 27: 10. Ferner liefen: Nieferländer, Lebenstünstler, Edelsteins Sohn, Delwin, Paolo, Der Beste, Herostrat, Donar. Carleta. 4. Rennen. 1. Colonel Boswar( Großmann), 2. Doritha( J. Mills). 3. Marcel( Jauß jun.). Toto: 11:10. Blat: 10, 10: 10. Ferner lief: 5. Rennen. 1. Bainsca( Alf. Schulz), 2. Michel Angelo( Ch. Mias), 3. Intereffant(. Lemzer). Toto: 20:10. Blak: 11, 11, 12:10. Ferner liefen: Blaue Adria, Heidemann, Sturm, Armida I. 6. Rennen. 1. Ludwigsburg( W. Krauß), 2. Peraktion( Hermann Schleusener), 3. Lokomotive( J. Mills). Toto: 13:10. Blab: 11, 14, 17: 10. Ferner liefen: Malta, Lebenswonne, Lumaria, Roblenkönigin, Laterne, Lachmustel. 7. Rennen. 1. Verdun( E. Treuhera), 2. Klud( Kleinau), 3. Alt gold( E. Elias). Toto: 28: 10. Blaz: 17, 138, 39: 10. Ferner liefen: Copal, Martha III, angeh., Qudmill I Cadiac Arworthy, Willy I, Blau meise, Heidebring I, Margot I, Frantenstein, Jeffries jun., Malador I, Handfelt, Sybill, Hetman. 8. Nennen. 1. Batschari( Berl), 2. Unheil( B. Räsler), 3. Zeitgeist ( W. Holz). Toto: 53: 10. Blaz: 23, 23, 34: 10. Ferner liefen: ar worthy J., Baron Tregantle, Salome, Weinminze, Paula Bingen, Daleh B., Ddessa, Daniel, Linsko. 9. Rennen. 1. Chester Belle( Ch. Mills), 2 Bildlage( H. Grube), Toto: 19: 10. 3. Jobannistäfer( W. Krauß). Blay: 16, 20, 17:10. Ferner liefen: Fürst, Dompfaff I, Adelei B., Allene, Karneval, Alpenfes. Geschäftliche Mitteilungen Die Firma M. Swarfensti vergrößert ihre Geschäftsräume burch Umbau bzw. Berbindung mit dem im Grundstück Berliner Str. 133 banebenliegenden Laden und bringt große Posten ihres Bagers sehr preiswert zum Berkauf. Es dürfte sich empfehlen, von dem gegenwärtigen günstigen Angebot Gebrauch au machen, und sind die Preise aus dem Inferat in unserer heutigen Nummer erfichtlich. EMMO Die deutsche Großfrise tommt nicht unvorbereitet, wenn ihre großen Vorbereitungsetappen auch nur von wenigen als solche erfannt worden sind. Als volkswirtschaftliche Tatsache war sie in demselben Augenblic da, als die Inflation beendigt und die 200- Papiertrillionen- Schuld des Reiches durch einen Staatsbanfrott ohnegleichen in eine 200- Goldmillionen- Schuld konvertiert wurde. Mit Deflationskrisis der deutschen Wirtschaft, die heute aus dem schleichenden in das afute Stadium zu treten droht. Da sich der mit Konkurrenten überjezte Weltmarkt der deutschen Handels: expansion versagen mußte, mußte die deutsche Erzeugungswirtschaft den Umfaß ihrer mindestens um 50 Pro3. vergrößerten An. lagen auf den wohl um ebensoviel gesenkten Inlandsbedarf zu sammenschneiden. Die Folge mußte eine unerhörte Wertzerstörung der Produktionsanlagen und damit des Geldtapitals sein, das aus diesen Anlagen seine Dividende erwartete. Das war das wirtschaftliche große Deflationsproblem, das seit der Kaufkraftvernichtung der Rentner und der arbeitenden Messen in der Inflationszeit und seit beren Sanktionierung durch den Staatsbankrott gestellt war. Die Etappen der Deflationskrifis und ihre Zwischenspiele. dem unerträglich schleppenden Zahlungseingang in der ganzen deutschen Wirtschaft, der beginnenden schweren Abfagnot tein Sanierungsproblem des Stinnes- Konzerns mehr, das ein finanzielles Stügungs- und Sanierungsproblem wie jedes andere ist, sondern die plögliche und sprunghafte Entfesselung der allgemeinen wirt. schaftlichen Deflationstrife, für die die Intervention der Großbanken und der Reichsbank der Versuch einer völlig unzulänglichen Galvanisierung sein und bleiben muß. Es bedeutet den vehementen Ausbruch der allgemeinen Vertrauenstrife, zu nächst im Inland, dann sehr schnell und noch wirksamer auch im Ausland, die, wenn in ihrer weitgreifenden Bedeutung nicht erkannt und in ihren Auswirkungen nicht nach Möglichkeit auf den StinnesKonzern selbst lokalisiert, sondern durch Reichsbank und Großbanken vertuscht, frisiert und vorläufig galvanisiert, mit den Stinnesschen Privatinte.essen die Gesamtintereffen der deutschen Volkswirtschaft in ihren Strudel ziehen muß. Hände weg vom Stinnes- Konzern! Noch ist es Zeit, die Gesamtinteressen der deutschen Boltswirtschaft zu schüßen, so nahe auch ihre Gefährdung scheint. Nicht den Ausbruch der akuten Inflationskrisis zu verhindern ist die Aufgabe von heute und übermorgen, sondern die Vorbereitung zu treffen, ihrer mit den zwed mäßigsten und wirtschaft. lichsten Mitteln Herr zu werden. Großbanten und Stinnes- Konzern haben zunächst mit der Reichsbant nichts mehr zu tun, wie jeder beliebige andere Kunde der Reichsbank auch. Wenn es tun, wie jeder beliebige andere Kunde der Reichsbant auch. Wenn es wahr ist, daß die Reichsbant zur Stüßung des Stinnes- Konzerns in seiner repräsentativen Bedeutung, nicht in weiter Boraussicht der kreditpoliitschen Senkung und erfolgreichen Abwicklung der Deflationskrifis ihren Kredit und die Mittel der nicht Stinnesschen Birt schaftswelt in die Wagschale wirft, wenn es wahr ist, daß auch die Staatsbanken, Giro- und Genossenschaftsbanken zur Stügungsaktion herangezogen werden sollen, weiterhin, wenn diese Heranziehung durch den Einfluß der Reichsbant erfolgt, dann wird den StinnesKonzern, dem das volkswirtschaftliche Gesamtinteresse schon einmal durch das Bersagen aller Verantwortlichen geopfert worden ist, das Gesamtinteresse noch einmal, und zwar durch die flare und unabwälzbare Berantwortung der Reichsbant geopfert. Für den StinnesKonzern als solchen muß bei der Reichsbant das absolute hände weg!" gelten. Sowelt das Problemi Stinnes aber das allgemeine der wirtschaftlichen Deflationstrisis sein wird, fo weit muß durch Staatsgesetz beschlossen werden, ob öffentgeopfert werden, wenn diese selbst dem einflußreichen Ratschlag der Reichsbant vertrauensvoll zu felgen bereit wären. Eine solche Ein. flußnahme der Reichsbant zugunsten der Stinnes- Intereffen und entgegen dem Gesamtintereffe zu verhindern, menn fie nicht in vollster Deffentlichkeit, nach flarster Darlegung der Zwede und der Folgen und autorisiert durch den Gefeßgeber erfolgt, ist die nächste und vordringlichste Aufgabe, die der deutschen Deffentlichkeit gestellt ist. Wenn das nicht gelingen würde, dann müßte mit der Reichsbant als Kreditbank auch die Reichsbant als zentrales ährungsinstitut in Gefahr fommen, über deren Folgen tein weiteres Wort zu verlieren sein dürfte. R- 1. Die Gewalt der Tatsachen erzwang die Lösung dieses Problems in drei großen Etappen, die sich in ihrem zeitlichen Ablauf und ihren Wirkungen start überschneiden und fast fich deckend, heute noch nebeneinander herlaufen. Die erste ist die Herstellung des Gleich gewichts der öffentlichen Haushalte, deren gewaltige Einschnitte in Arbeitseinkommen und Betriebssubstanz eben abzuflingen beginnen. Die zweite wurde durch den größten staatssozialistischen Gesetzgebungsaft der Neuzeit, die Goldbilanzierungsverliche oder Mittel gemeinwirtschaftlicher Organisationen und Banten ordnung eingeleitet, deren Durchführung die erste Zurückführung des in der deutschen Produktionswirtschaft investierten Geldkapitals auf den aus dem tatsächlich zu erwartenden Ertrag mit Dividende bebedbaren Stand bedeutete. Soweit die Erstellung der Golderöffnungsbilanzen in Frage kommt, eine Erledigung der Sanierungs. formalia, der jegt in der eigentlichen wirtschaftlichen Deflations. frisis, nachdem die Handelserpansions- und Rentabilitätsillusionen der deutschen Unternehmerschaft aller Grade und Schattierungen zu Grabe getragen sind, die dritte Etappe folgt. Diese dritte Etappe wird fortdauern, bis die Lösung des großen Deflationsproblems vollbracht sein wird; die vollständige Konkurrenz des inländischen und ausländischen Ertrags der deutschen Produktionsanlagen mit dem Werte, der diefen Anlagen nach ihrem tatsächlichen Ertrage zutommen darf. Was aber die großen Probleme und Ereig nisse der deutschen inneren und äußeren Politit schienen, stellt sich innnerhalb des Deflationsproblems und seiner drei großen Etappen als Zwischenspiel untergeordneter Art dar, als Erscheinungsweise und Aeußerungsform des großen Deflationsproblems: die neue Währungsordnung mit Rentenmart, Goldmart und Reichsmart, die Reinflation mit der Folge der Stabilisierung der Kreditwirtschaft, der Damesplan und die Dawesgefeße mit der vorläufigen Ordnung der Reparationsfrage, der Atempause und den verfänglichen Aus landskrediten und endlich das tragische Spiel der Aufwertung, jenes Boffenspiel der staatsbürgerlichen und wirtschaftspolitischen Unzulänglichkeit im Nachhinein, das durch Mehrheitsbeschlüsse die Augen des Würfelspiels umzufügen versucht, nachdem die Würfel gefallen des Würfelspiels umzulügen versucht, nachdem die Würfel gefallen find. Und es fehlt diesen großen Abläufen und Geschehnissen auch nicht das historisch fällige Satyrspiel: der Schutz der nationalen Industrie", der illufionäre Kampf um die Steigerung von Gewinnen, wo es sich nur um die Sanierung von Verlusten mit den wirtschaft lichsten Mitteln handeln kann. Das Problem um Stinnes. In diesen Zusammenhängen und Abläufen ist der Problemen. fompleg um Stinnes fest bestimmt und flar definiert. Man muß unterscheiden zwischen seiner repräsentativen und seiner inneren Bedeutung. Seine repräsentative Bedeutung ist umschlossen in der Tatfache, daß das Mammutgeschäft des mächtigsten Finanzspekulanten durch die Konstruktionsirrtümer feines Schöpfers das atuteste Stadium der Deflationsfrisis einleiten wird. Die ver 3 weifelnde Börse, das Inszeneseßen des ganzen deut schen Kredit apparats für die Firma" Stinnes, der hohe hohe Einsatz der Reichsbank und der Golddistontbant, selbst unter Ueberschreitung des Kreditkontingents, das alles muß man zunächst als Aeußerung der repräsentativen Bedeutung der Probleme um Stinnes werten. Aus ihnen springt aber sofort die tiefernſte innere Bedeutung der Probleme um Stinnes in die Er scheinung. Der Bankkrach in Dänemark. Ein Schlag gegen den Genoffenfchaftsgedanken? Bantzusammenbrüche sind teine Privatangelegenheit der Rapitalisten. Zunächst treffen sie meistens Tausende von tleinen Leuten, deren Ersparnisse und Einlagen bedroht werden. Sind es große Banten, die zusammenbrechen, so tann die ganze Volkswirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden. Bei der gewaltigen Macht der Großbanken, der engen Berflechtung aller Banken untereinander und der großen Bedeutung, die ein intaktes Bankwesen für den nationalen Kredit hat, muß dann der Staat eingreifen, um eine Gefährdung der Gesamtinteressen zu verhindern. In dieser Lage befindet sich innerhalb weniger Jahre Däne. marf durch den schon furz gemeldeten Zusammenbruch der Dänischen Bauernbank zum dritten Male. Erst bei der Dänischen Lands. mannsbank, bie durch die Spekulationen des leitenden Direktors Glückstädt und seiner Familie fast 80 millionen Kronen Berluste erlitt, dann bei der Dänischen Distontobant, deren Liquidation heute noch nicht abgewickelt ist, jetzt bei der Kopenhage ner Andeels bant, der 3entralgenossenschafts. banf der dänischen Bauernschaft, die zu mehr als drei Bierteln in Genossenschaften orgonisiert ist. Wie bei der Lands. mannsbank und der Diskontobant wird der Staat auch diesmal ein Gefeß machen, nach dem er die unbeschränkte Haftung für sämtliche Werpflichtungen übernehmen und damit die ruhige Abwicklung der Geschäfte und die möglichste Beschränkung der Berluste garantieren wird. Soweit sich die Dinge bis jetzt übersehen lassen, sind die Tat. bestände des Zusammenbruchs schnell erzählt. Die Bauernbank murde 1909 gegründet und nahm 1914 mit einem Aftienkapital von 15 Millionen Kronen ihre Tätigkeit auf. Der vorherrschenden Stellung des Bauerntums in Dänemark entsprechend, wurde die Anwendung der genossenschaftlichen Organisationsform, ganz entgegen der Entwicklung etwa in Deutschland, nicht auf die genossenschaftliche Busammenfassung und Wahrnehmung der Mitgliederinteressen be. Wenn es wahr ist, daß der Stinnes- Konzern nur durch Abfahränkt, sondern zu einem spekulativen Konkurrenz- und Herrfto ßung großer Teile feines Besiges seinen Zahlungsschaftssystem gegenüber der privatfapitalistischen Industrie ausverpflichtungen von rund 100 Millionen genügen fann, wenn dazu Atttenpatete nicht nur des Privatbesizes, sondern auch der Rhein Elbe Union veräußert werden müssen, die in die viel fachen zehn Millionen gehen sollen, daß sich nicht nur fällige Ausland, sondern auch ge kündigte D.Banttrebite unter den Fälligkeiten befinden, so bedeutet das bei den seit Jahresbeginn abfintenden Börsentursen, der zunehmenden Dürre des Kapitalzubauen versucht. Das galt besonders für die jest zusammengebrochene Andeels( Anteils) bant. Getragen von der Kriegsund Nachkriegstonjunktur. mit deren Rückschlägen fie nicht rechnete, versuchte sie durch Einflußnahme auf die dänische Schiffahrt, das dänische Bauwesen und besonders durch die Gründung einer genossenschaftlichen Milchkonservenindustrie die zahlen mäßige Ueberlegenheit des gewerkschaftlich organisierten Bauerntums au Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A.G. einer mirifhaftspolitischen gegenüber dem Inbuftrie- und Bankkapital zu machen. Zum Teil mit Erfolg, für die Mild fonserveninbustrie aber mit jenen 12% Millionen Kronen Berluften, die jetzt zum Zusammenbruch geführt haben. Außerdem liegen noch reichliche 7 Millionen Verluste aus Kreditgeschäften vor. Anfang 1925 glaubte die Nationalbank, die Großeinkaufsgenossenschaft, die Genossenschaftszementfabrit und die Futtermittelgenossenschaft, die Andeelsbank noch durch Einschuß von 8 Millionen neuem Kapital sanieren zu können, wodurch sich das Kapital auf 23 Millionen Kronen erhöhte. Ben diesem Rapital find jetzt über 20 Millionen verloren. Das dringende Ersuchen der Andeelsbank an die Genossen schaftsverbände, noch weitere 20 Millionen zur Sanierung aufzubringen, wurde von diesen zum großen Teil abgelehnt, was den endgültigen Zusammenbruch bejtegelte. Am 2. Juni stellte die Andeelsbank ihre Zahlungen ein. Ob die 121 Millionen Forderungen und Einlagen der dänischen Bauern erheblich gefährdet werden, hängt non der Abwicklung der eigenen Forderungen der Andeelsbant ab. Jedenfalls sollen 60 Millionen davon auf längere Zeit bei der Arbeiterbaugenossenschaft festgelegt sein. Das Ereignis ist ein harter Schlag für die dänische Bauernschaft. Es ist auch ein harter Schlag für ganz Dänemart, dessen volkswirt. schaftliche und handelspolitische Situation durch das Borherrschen der landwirtschaftlichen Produftion gekennzeichnet ist. Aber die deutschen Blätter des Hugenberg- Konzerns triumphieren umsonst, menn sie den Zusammenbruch der Danske Andeelsbant als Schlag gegen den Genossenschaftsgedanken überhaupt und gegen die genoffen schaftliche Organisationsarbeit der Arbeiterschaft im besonderen aus. münzen. Zunächst find alle Bauerngenossenschaften ermerbs. wirtschaftliche. teine hauswirtschaftlichen Genossen. schaften, wie die der Arbeiterschaft. Selbst wenn aber Bauern- und Arbeitergenossenschaften den Konkurrenzfampf gegen die privattapitalistische Industrie aufnehmen, was durchaus geboten und ver. nünftig sein fann, so würde ein solcher Fehlschlag auf Grund. falscher Dispositionen nicht das geringste gegen die grundfäßliche Bernünftigkeit und Richtigkeit eines solchen Rampfes be deuten. Was auch die Arbeiterschaft aus dem Zusammenbruch der Andeelsbank zu lernen hätte, wäre die Bermeidung der ge machten Fehler. Auch sonst müssen die Unternehmerblätter mit ihrer schlecht verhüllten Schadenfreude vorsichtig sein. Was die dänische Volkswirtschaft schon seit 1922 an Arisen erlebt, das steht der deutschen Bolkswirtschaft erst bevor. Schon ftraucheln die Götter unter den deutschen Unternehmern, Krupp und Stinnes. Und wenn die Großbanfen eingreifen, so tun fie es weder um Krupp und Etinnes, sondern um ihrer selbst willen. Sie haben allen Grund dazu und mögen fich norsehen. Eine 50- Millionen- Anleihe der Stadt Berlin. Sm erften Jahre ber Sanierung fant die Zahl der in ber 3n| duftrie beschäftigten Arbeiter um 33 Proz., in Budapest allein um 45 Proz Die Zahl der vollkommen mittellofen Arbeitslosen dürfte in Budapest 250 000 betragen. Bon den 55 000 Bergarbeitern sind 36 000, von den 50 000 Maschinenarbeitern 33 000 beschäftigt. Die Zahl der Selbstmorde nahm im ersten Halbjahr um 50 Proz. zu. Der Brot und Fleischkonsum ging in Budapeſt auf 25 bis 30 Broz. des Vorkriegstonfums zurüd. Die Kindersterblich zuwachs, der vor dem Krieg, auf 1000 Lebende gerechnet, im Jahresteit wuchs in der legten Zeit um 20 Broz, und der Bevölkerungs: durchschnitt 13 betrug, ist auf 6 gefallen. Noch entsehlicher ist das Elend der Landarbeiter und der Kleinbauern. In der großen ungarischen Tiefebene, dem Alfoeld, find jetzt viele Taufende arbeitslos. Dabei gibt es in Ungarn feinerlei Arbeitslosenunterstügung, und die Regierung ist mit der Besucht die Deutsche Verkehrs Ausstellung München 1925 Juni Oktober Borbereitung von Gefeßen beschäftigt, die alle diejenigen, die diese zu stände in der Presse oder in Versammlungen zur Sprache bringen, in den Kerfer schiden! Dieser Darstellung eines bürgerlichen Abgeordneten ist hinzu zufügen, daß das reaktionäre Regime in Ungarn sich nunmehr soweit konsolidiert hat, daß es zumindest in den Städten auf die äußersten Mittel des blutigen Terrors verzichten fann und derart einen den ausländischen Beobachter vielfach täuschenden und auf Täuschung berechneten Einbrud hervorruft. Aber nur in den Städten ist dieses Stadium der tonfolidierten Konterrevolution erreicht; auf dem Dorfe herrscht noch vielfach der weiße Terror gegen das jüdische Kleinbürgertum, die Meinbauern und Landarbeiter. Nimmt man dazu, daß Ungarn heute das einzige europäische Land ist, in dem auch nicht die unzulänglichste Agrarreform stattgefunden hat, die doch in ganz Osteuropa, sogar in Rumänien, die Folge des Krieges mar, dann versteht man, daß die Stimmung der Landbevölkerung in Ungarn verzweifelt ift. Für den Durchschnitt Mai ergibt sich eine Steigerung der Großhandelsinderziffer von 131,0 im Durchschnitt April auf 131,9 oder um 0,7 v. 5. In der gestrigen Sitzung der Berliner Finanz- und Steuerbepu tation wurde der Borschlag des Kämmerers und Oberbürgermeisters Die amtliche Großhandelsinderziffer. auf Aufnahme einer 50 millionen Anleihe auf dem a me. Die auf den Stichtag des 3. Juni berechnete Großhandelsinde ritanischen Martt angenommen. Eine Borlage an die Stadt- ziffer des Statistischen Reichsamis ist gegenüber dem Stande vom verordnetenversammlung ist in den nächsten Tagen zu erwarten. 27. Mai( 133,4) um 0,3 v. 5. auf 133,0 zurüdgegangen. Niedriger Die Anleihe soll mit einem Binsfuß von 7 Prozent ausgestattet lagen die Preise für Roggen, Weizen, Butter, Heringe, Milch, Hopfen, und die Einzelheiten ihrer Begebung durch die Finanz- und Steuer Treibriemenleber, einige Textilrohstoffe und Nichteisenmetalle. Gebeputation festgelegt werden. Angesichts des ungeheuren Geldbedarfs stiegen sind die Preise für Hafer, Schmalz, Zucker, Fleisch, Hanf, der Biermillionenstadt werden die 50 Millionen kaum dazu aus Blei und Benzin. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeug reichen, den notwendigsten Bedarf zu decken. Als Bernisse von 132,4 auf 131,7 oder um 0,5 v. 5. nachgegeben. Die mendungszwed follen ausdrücklich die städtischen Elettrizitäts. Industriestoffe find mit 135,3 unverändert. merte und die Nordsüdbahn abgegrenzt werden. Ileber die Erweiterung der Elektrizitätswerte wird ebenfalls schon in den allernächsten Tagen die Borlage an die Stadtverordnetenversammlung er. martet. Die Stadt steht dabei unter dem unabweislichen Drud der umunterbrochenen Steigerung des Bedarfs an Licht und Kraft. Sie tann ebenso den ständig steigenden Bedürfnissen des Berkehrs nicht tatenlos gegenüberstehen. Die laufenden Einnahmen der Stadt find zwar sehr viel günstiger als in den Inflationsjahren, dafür ist aber auch der städtische Bedarf ungeheuer gestiegen. Nicht mur für Wohlfahrtsausgaben, auch für Erneuerungsarbeiten, Straßenbauten, Schulbauten ufm. werden beträchtliche Summen be nötigt, die bei Berlin sofort viele Millionen betragen. Infolgedeffen bestand auch über die Notwendigkeit der 50- millionen- Anleihe selbst bei den Frattionen llebereinstimmung, die im allgemeinen ihre Hauptaufgabe darin sehen, sich als Bremsflöte für die Berliner Rommunalwirtschaft zu betätigen. In der Stadtverordnetenverfammfung wird die Vorlage deshalb wahrscheinlich ohne große Debatten glatt erledigt werden und es erscheint möglich, fie noch im aufe des Monats Juni zu realisieren. Ungarns Sanierung. Ungarn ist ebenjo mie Defterreich unter Mitwirtung des Bölfer. bundes faniert" worden. Wie es in diesem sanierten Lande aus. fieht, davon entwarf der parteiloje Abg. Johann Baroß in der ungarischen Nationalversammlung jüngst folgendes erschütternde Bild: Die deutsch- franzöfifchen Berhandlungen. Am Donnerstag hat eine Verhandlung der deutschen und fran zöfifchen Handelsdelegation im Handelsministerium stattgefunden, über die bisher feine Mitteilung in die Deffentlichkeit gelangt ft. Der Handelsminister empfing die Vertreter der französischen Metallindustrie, die über eine Unterredung mit den Delegierten der deutschen Schwerindustrie in Düsseldorf Bericht erstatteten. Die Berhandlungen follen nach den Erklärungen der französischen Delegierten jegt einen befriedigenden Berlauf nehmen. Geheimrat Matthes, Mitglied der deutschen Wirtschaftsdelegation, der die Fühlung mit den Schwerindustriellen aufrecht erhält, ist nach Berlin abgereift. Bergmann Elektrizitätswerke A- G. Es ist begreiflich, daß bei der augenblicklichen Wirtschaftlage jedes Unternehmen darauf sieht, die Liquidität zu verbessern und nicht noch weiter zu verschlechtern. Das war nach den Ausführungen, die von der Ver maltung in der Generalversammlung der Bergmann- Elektrizitäts. merte gemacht wurden, der Grund, die Dividende auf 5 Prozent zu beschränken, obwohl es sehr leicht möglich gewesen wäre, eine höhere Dividende zur Berteilung zu bringen. Die Gesellschaft will, um Zinsen zu sparen, in erster Linie eine Verminderung ihrer Schulden vornehmen. Beschäftigt ist die Gesellschaft sehr gut. Die Preise haben angezogen, so daß nach dieser Richtung fein Grund mehr zur Klage vorliegt. Gegenüber dem Ende des Borjahres hat sich die Zahl der vorliegenden Aufträge ganz erheblich vergrößert. Der Wirtschaftsverkehr Defferreichs mit Ungarn. In der alten Donaumonarchie gehörte Ungarn zu den wichtigsten Abfazgebieten der österreichischen Industrie und Desterreich zu den wichtigsten Märkten der ungarischen Landwirtschaft. Die Zersplitterung der alten Monarchie hat hier einen Wandel geschaffen. Das arme Desterreich, ein Land ohne ausreichende Landwirtschaft, ist noch immer auf die ungarische Landwirtschaft angewiesen. und als Lieferant von frischem Fleisch fommt es an weitaus erster Ungarn ist das wichtigste Getreidelieferland Desterreichs Stelle in Betracht. Mit rund 38 Prozent beteiligt sich Ungarn an der österreichischen Getreideeinfuhr, mit 56 Prozent an der Mehl einfuhr. Ungarn nimmt unter den Einfuhrländern, die für Desterreich in Betracht kommen, den dritten Plaz ein, dagegen steht es als Abfahgebiet für österreichische Ware nur an sechster Stelle. Diese Erscheinung wird durch die wachsende Industrialisierung Ungarns, die durch eine Handelspolitik der Absperrung gefördert wird, erklärt. Nach Ungarn werden in erster Reihe halbfertige Textilien und andere Waren eingeführt, die die weiterverarbeitende ungarische Industrie beschäftigen. Dieses Beispiel zeigt auch, mie das österreichische Problem durch die mitteleuropäische Hochschutzzollpolitik bedingt wird. Standale in der amerikanischen Petroleumindustrie. Man meldet aus Los Angeles, daß der Prozeß der Regierung der Bereinigten Staaten gegen den bekannten Petroleummagnaten Doheny jetzt beendigt worden ist. Doheny und Fall, der frühere Sekretär für innere Angelegenheiten, wurden des Betruges in Angelegenheit der Petroleumverträge der Elt Hill California Cy betreffs des Baues von Petroleumlagerhäusern auf der Insel Hawai als schuldig erklärt. Man meldet gleichzeitig, daß die beiden Angeflagten appellieren Sollte der Oberste Gerichtshof das Urteil bestätigen, so werden. würde der Besiz, der auf betrügerische Weise in die Hände obiger Gesellschaft gelangt ist, in die Hände des Staates übergehen. Der Staat würde sich ebenfalls als Besizer der Petroleumfelder der Pipes- Lines und der Raffinerien der Ban- American Petroleum zu betrachten haben, wenn das Urteil bestätigt wurde, denn es handelt sich bekanntlich auch um die Konzessionen, welche die letztgenannte Gesellschaft auf betrügerische Weise soll erworben haben. Der Staat wäre in diesem Falle der größte Konfurrent der Standard Ausdehnung der amerikanischen Arbeiterbanken. Aus den Ber einigten Staaten tommt die Nachricht, daß dort die fünfund. dreißigste Arbeiterbant gegründet worden ist. Die erſte Bant dieser Art wurde bekanntlich vor fünf Jahren von den Mitgliedern der Gewerkschaft der Arbeiter in der Lokomotive- Industrie unter dem Titel Locomotive Engineering Bant" in Cleveland gegründet. Die einzelnen Konteninhaber fönnen nach den Statuten diefer Bank bis zu zehn Anteilscheine von 150 Dollar befizen und auf Grund dieser Anteilscheine eine Dividende bis zu zehn Prozent beziehen. Ein darüber hinausgehender Gewinn der Bant tommt den Kontoinhabern zugute, deren Einlagen auf jeden Fall mit mindestens 4 Proz. verzinst werden müssen. Der Geschäftsbetrieb dieser Banken ist den besonderen Bedürfnissen der Arbeiterschaft angepaßt, fo öffnen die Banten z. B. zweimal die Woche in den Abendstunden ihre Schalter, um den Arbeitern den Berkehr mit der Bank zu erleichtern. Die 35 nunmehr im Interesse der Arbeiterschaft arbeitenden Gewerkschaftsbanfen haben insgesamt ein Kapital von mehr als einer halben Milliarde Goldmart. Einschränkung der polnischen Kohleneinfuhr. Die Deutsche Regierung hat das polnische Kohleneinfuhrtontingent für den Juni auf 250 000 Tonnen festgesetzt. In letzter Zeit führte Polen monatlich gegen 450 000 Tonnen Kohlen nach Deutschland aus. Aus der Partei. @ Die fozialistische Balfantonferenz, die von der Erefutine ber Gog zialistischen Arbeiter Internationale in ihrer letzten Sigung beschloffen wurde, tritt am 12. Juniin Prag zusammen. Die S23. entfendet die Genoffen Bandervelde, Tom Shaw und Friedrich Adler. Diese sozialistische Baltantonferenz ist die zweite, die von der Sozia listischen Arbeiter Internationale veranstaltet wird. Die erste fand Dom 11. bis 13. März 1924 in Butarest statt. Komet Freilauf ES GIBT KEINEN BESSEREN! Billiger Sonnabend bei JANDORF Damen- Konfektion Straßenkleid aus Musselin- Imitat, flottes 4.95 Frottékleid schöne Fasson, reizende Muster. Muster fesches Fasson mitBubikrag. Frauenkleidu Schleife u. Knoptgarnierung 7.50 Waschstoff, viele Muster, auch für 8.75 starke Damen vorrätig. Backfischkleid gestreifter Zephir, ca. 95-120 . 2.95 Schuhwaren Leder, schöne Farben für • 9 Reiseschuhe Damen, 3.95 6.90 Spangenschuhe 2 Knopt, Chrom- Chevreau Spangenschuhe 2 Spangen, R.'Chevreau.. 8.90 Schnürschuhe mit grauem Ledereinsatz 10.90 Herren Stiefel u. Halbschuhe, braun, 16.50 Rahmenarbeit. Damenwäsche Untertaille 1.45 Jumperform, hübsch garn. 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Thomas Mann mußte sich entscheiden, ob er der winzigen Menschenwelt gerecht und ein behutsamer und geduldiger Maler ihrer Buntheit werden oder sich ergehen wollte im Begrübeln des überirdischen Broblems. Er entschied sich für die Erde und wurde darum ein Meister des Epos. Natürlich trieb ihn nur der Instinkt, der nach Freude sucht, und nicht die logische Erwägung, die viele Schmerzen bereitet. Er begann, Eindrücke, intimste Sinnenerfahrung und heimatliche Familienerinnerungen aufzuschreiben. Alles, was ihm da zuströmte, sah er, dank einem angeborenen idyllischen Naturell, als Ergebnis einer Dunchaus liebenswürdigen Gotteslaune. Selbst das Sterben und Banterottmachen einzelner Buddenbrooks geschah auf die sanfteste Manier. Tausende lasen die„ Buddenbrooks" und wurden in dem Glauben bestärkt, daß meder zur Lebensangst noch zur Todes. angst eine nennenswerte Ursache vorhanden ist. Zehntausende wurden von dem Buche beruhigt wie von einem guten Narkotikum, das weder Kopfweh noch heftigere Uebelfeiten hinterläßt. Selbst die cuftührerischen Wahrheiten der äzenden und zersetzenden Gesellschaftskritiker schienen durch den Verfasser der„ Buddenbrooks" als Lüge oder mindestens als Irrtum entlarot. Was sonst die Menschen voneinander trennt, Unterschiede des Standes, der Erziehung, des Vermögens und der Bildung, wirkte in dem Roman der Budden Proofs nur verbündend und versöhnend. Kurz, Thomas Mann hatte eine verlockende Patriarchenidylle geschildert. Es regiert in der hanseatischen Heimat der Buddenbrooks der angenehmste Bürgerund Geldadel, und ein Narr, ja sogar ein Bösewicht wäre, wer sich cinfallen ließe, an dieser so loyal und absolut nicht hinterlistig verschönerten Bourgeoisie zu rütteln. Der Stil des faum 30jährigen Mannes, der diesen Roman schrieb, rear außerordentlich gepflegt. Der Wortgestalter war reif geworden wie durch ein Wunder. Er brauchte nicht, was sonst jeder irdischen Natur notwendig ist, das Aufkeimen und die Blüte. Er hatte sich nicht zu einem bestimmten Stile gezüchtet und bewährte trozdem eine Zucht, die von Anfang an Ehrfurcht gebot. Das war zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Thomas Mann ist seitdem der nämliche geblieben. Man möchte sagen: er ist ewig alt geblieben. Und Alter ist hier gleichbedeutend mit Weisheit und Mäßigkeit. Jederlei Ausschweifung des Gedankens und des Wortes liegt ihm meilenfern. Nichtsdestoweniger sind ihm das Geheimnis des literarischen Fanatismus und der Bezirk der bis zur Extase oder Winstit gesteigerten Schriftstellerinbrunst nicht verschlossen. Er hatte diese dunklen Gebiete der Künstlerpsychologie in Novellen erforscht. ( ,, Der Tod in Venedig"," Tonio Kröger" u. a.) In diesen Nachdenken bestand sein Zoll an das Poetische und Tragische. Aber die glücklichste Veranlagung half ihm dabei, die inneren Leiden des Dichters zu durchschauen, ohne daß er selber irgendwie angetränkelt murde. Er fonnte sich und sein großes Talent faltblütig wie ein Arzt betrachten. Er fand eine ganz besondere geistige Haltung, nämlich jene des Schriftstellers um jeden Preis, der vor die Menschengeschöpfe tritt, um sie zu beschreiben. Die Menschen schrumpfen vor seinem Auge ein, ohne daß er etwas gegen ihre Bedeutung unternähme. Das Mikroskop, das ein Schriftsteller solcher Artung im 2uge trägt, vergrößert nicht, es verkleinert nur. Klein sind die Menschen in der Stadt der Buddenbrooks. Nur ein kleiner Spieß: bürger ist auch„ Königliche Hoheit", deren Schicksalerleuchtung Thomas Manns geduldstrohende Begabung unternimmt. Klein ist auch das letzte Geschöpf der fruchtbaren Greisenliebe Thomas Manns, Hons Castorp, der Hauptansiedler auf dem 3auberberg". Dieses legte, über 1200, eng gedruckte Seiten starke Buch ist durchfitömt von Wirklichkeit, von Klugheit und Vornehmheit. Alle Ehrentitel, die dem Werte nachgesagt werden, gebühren ihm in unge1 übter Reinheit. Der franke Jüngling, der in Davos, eben auf Lem Bauberberge, heimisch wird, durchwandert zahlreiche Länder Der Sinnlichteit und des Ueberfinnlichen. Ihm wird eigentlich das canze Weltreich des Greifbaren und auch des Abstraften aufgetan. Sumanismus und Jesuitentum, tostbare Aufklärung und überschraubte Reaktion, alles begegnet dem kleinen Hans Castorp, der auch aus der Hansa stammt, wie die Buddenbroots, und der an sich und in sich auf dem Zauberberge die treibenden Kräfte des ganzen Crdballs verspüren soll. Der Bauberberg" ist ein belehrender Der Zauberberg" ist ein belehrender Roman. Er gehört zum Gesamtwert Thomas Manns, wie etwa die Pädagogische Provinz" zum Goetheschen Wilhelm Meister" ge hört. Das heißt: das Abenteuerliche des Lebens wird in feste Geseze und Formeln geschmiedet. Trotzdem wirkt nichts in dem Buche Ichrhaft. Der Schriftsteller Thomas Mann vermag eben alles auszudrücken, was er formen will. " Formen will er bis heute nur jene bürgerliche Welt, der er fich tief verwandt fühlt im Blute und in der Moral. Er wagt es nicht, Diese Bürgerwelt zu verlassen. Er zögert gewiß nicht aus Feigheit, sondern barum nur, weil die prächtige und doch keineswegs pruntfichtige Zivilisation, die er sich erwarb, ihm als edelste. Blüte jenes Liberalismus erscheint, zu dem er sich befennen möchte. I wandere aus. Bon Karl Ettlinger( München). Ihr fennt alle die Geschichte von dem jungen Mann, der nach Almerita durchbrannte und es dort in furzer Zeit vom Schuhpuzer zum Dollar- Billionär brachte. Wie er das machte? Sehr einfach! Er legte von jeden fünf Cents, die er fürs Schuhpuzen befam, zehn Cents zurüd, und wenn wir annehmen, daß er täglich nur hundert tausend Schuhe puzte, so tönnt Ihr Euch leicht ausrechnen, was das für ein Geschäft war. Eine andere Methode, in Amerika im Handumdrehen steinreich zu werden, ist diese: man fährt nach New York und fauft sich einen Strohhut. Diesen Strohhut setzt man auf und wandert damit quer burch das Land. An jeder Quelle schöpft man Wasser in den Hut und läßt es durch das Stroh ablaufen, bis man an eine Quelle fommt, bei der in dem Strohhut fleine Goldförner zurückbleiben. Das ist dann eine goldhaltige Quelle, und die kauft. man Schutzzoll für die Schnapphähne. SUMALZ wwwwww Beilage des Vorwärts GERS IZEN KARTOFFEFER HAF ROGGE Einst lauerten in Büschen und in Hecken Zu frechem Raub und Mord des Adels Recken Mit Spieß und Schwert dem reichen Kaufmann auf. FLORATY MYAGARINE Doch heut' mit deutscher Treu und deutschem Glauben Geht man gefeßlich" an das große Rauben. Der Schnapphahnzoll türmt Gelder bald zuhauf. Wenn Städte hungern, Frau'n und Mütter trauern, Braucht keinem Pfefferfack man aufzulauern! So ändert sich der Zeiten Lauf.. Oder man fann sich auch an eine Straßenede stellen und warten, bis das Kind eines Trusttönigs von einem Auto überfahren wird. Dann rettet man es schnell und reird von dem tränenüberströmten Vater zum Universalerben eingesetzt. Das ist erst neulich im Film passiert. Kurz, man hat unzählige Möglichkeiten, und deshalb gibt es auch in Amerita gar keine armen Leute und nirgends spielt sich ein Konfurrenzfampf so gemütlich ab. Nun befize ich noch einen alten Strohhut, der sich ausgezeichnet zum Sieb eignet, und weil mir die Zustände in Europa ohnehin nicht besonders gut gefallen, sagte ich mir: Karlchen, wandere eus!" Mit anderen Worten: ich wurde von dem weitverbreiteten Auswanderungsfieber ergriffen. Ein mir befreundeter Stenotypist 3. B. war felsenfest überzeugt, daß sich in New York Hunderttausende von Chefs die Haare ausraufen nach einem Stenotypisten, der nicht englisch kann, und deshalb ist er nach Dollaria ausgewandert. Seitdem hat er nichts mehr von sich hören lassen- wahrscheinlich schämt er fich jetzt meiner schäbigen Bekanntschaft. Also ich verkaufte mein bissel Sach, um mir eine Fahrkarte nach Amerifa zu lösen. Und wie's das Glück will, sehe ich ein Inserat: Kostenlosen Rat für Auswanderer erteilt August Krawattendreher. Für Rückporto ist eine Mart beizulegen." Hurra", schreie ich, das ist dein Mann! Was es doch für gute Menschen gibt!" Also ich schrieb ihm einen Brief und legte statt der einen Mark drei bei, damit er merken sollte, daß er es mit einem intelligenten Menschen zu tun hatte. Ich sezte ihm auseinander, daß ich zu jeder Arbeit bereit sei, selbst wenn ich sie noch so wenig verstünde, und daß ich als ehemaliger Gymnafiast zwar nur mangelhaft englisch, dafür aber die Weltsprachen lateinisch und griechisch fönne. Ueberhaupt befäße ich ein ausgesprochenes Sprachentalent, ich hätte erst jüngst eine Reise durch Niederbayern gemacht und mich ganz gut mit den Eingeborenen verständigt. Offenbar imponierte mein Brief dem Menschenfreund Krawattendreher folossal, denn er antwortete mir, ich müsse unter allen Umständen auswandern. Dies sei der Rat, den er gratis erteile. Weitere Auskunft toste zehn Mark. Gerade an Leuten meiner Art sei drüben ein riesiger Mangel, und er habe in Amerifa eine Menge Bekannte, die begeistert seien, wenn ihnen so einer wie ich begegne. Mit dem teilten sie den letzten Pfennig. Diese Auskunft versetzte mich in einen Taumel des Entzüdens. Denn wie angenehm ist es doch, wenn man auswärts gleich Bekannte hat, und ich nahm mir vor: so einem gebe ich gleich mein Geld zum Aufbewahren, sobald ich drüben ankomme. Also ich schickte dem Krawattendreher zehn Mart, bedankte mich taufendmal und erhielt von ihm fünf heftographierte Blätter zum Studium Amerikas. Große Flettflecken waren drauf jedenfalls damit ich seinen Wohlstand erkennen sollte. Aus den Blättern erfuhr ich etwas ganz Neues. Nämlich in Amerika gibt es noch große Urwälder, und wer so ein Stüd Urwald urbarmachen will, der friegt es von der Regierung geschenkt: Herz, was willst du noch mehr? Man leiht sich einfach eine Art, geht in den Urwald, haut die Bäume ab, pflanzt Weizen, Bananen und Sommerrettiche und nagelt ein Brett an: Klapperschlangen ist das Betreten meiner Farm untersagt!" Sind zufällig ein paar Indianer in der Gegend, dann raucht man mit ihnen die Friedenspfeife und sagt:„ Howgh"," Squaw" und" Stalp", dann kommt man ausgezeichnet mit ihnen aus. Das Klima dort ist herrlich: wenn man das gelbe Fieber erst drei-, viermal gehabt hat, ist man immun dagegen. Meistens friegt man es übrigens nur einmal. Den heftographierten Blättern lag noch ein Brief bei, in dem fich Herr Krawattendreher erbot, mir die Einreiseerlaubnis, den Baß und was sonst zum Auswandern gehört, gegen eine Gebühr von 150 M. zu besorgen. Dieses Entgegenkommen übertraf meine fühnften Hoffnungen. Denn mit Behörden habe ich nicht gern zu tun; die verlangen immer den Geburtsschein, Impfschein, Steuerquittung Herr Krawattendreher verlangte gar nichts. Bloß die 150 M. Natürlich schickte ich sie ihm poftwendend, d. h. ich schichte fie ihm telegraphisch, denn darum hatte er gebeten, und zwar schickte ich ihm zweihundert Mart, falls es etwas mehr tosten sollte. Das war vor sechs Wochen. Seitdem bin ich ohne Nachricht von ihm. Ich habe brieflich bei ihm angefragt, ob das Geld bei ihm ein getroffen fei, aber der Brief tam zurüd mit dem Bermert: Adressat abgereift, unbekannt wohin." Hingegen habe ich heute einen anderen Brief bekommen, von dem ausgewanderten Stenotypisten: ich solle ihm um Gotteswillen Geld zur Heimfahrt schicken, er sei am Berhungern. Er betrachte sich als eines der vielen Opfer gewiffenloser Auswanderungsagenten. Hm! Am Ende ist es doch besser, sich als Auswanderungsluftiger nicht an einen Krawattendreher zu menden, sondern den Warnungen seiner Behörden Glauben zu schenken!... Auf jeden vierten Mann ein Automobil. Der europäische Leser ist nicht mehr sonderlich überrascht, wenn ihm sein Leibblatt gelegentlich allerhand erstaunliche Ziffern über die Zunahme des Automobilverfehrs in den Bereinigten Staaten m'tteilt. Man weiß bereits, daß die amerikanische Automobilindustrie unter Fords Führung die aller anderen Länder überflügelt hat, und hat sich mit der Tatsache abgefunden, daß in der Union die meisten und billigsten Fahrzeuge produziert werden. 84 vom Hundert aller Automobile, die es auf der Erde gibt, fahren im Lande des Dollars, und Tag für Tag verlassen 7000 fertige Wagen Fordsche Werkstätten. All diese Zahlen, so eindrudsvoll fie auch sein mögen, geben indeffen noch fein rechtes Bild davon, wie sehr die Vervollkommnung des Automobils das gesellschaftliche Leben und den sozialen Aufbau des amerikanischen Volkes umgeformt hat. Anschauliche Bilder von der völligen Umgestaltung des öffentlichen und privaten Lebens durch den Kraftwagen gibt Colin Roß in feinen lebendigen Reiseschilderungen.( ,, Das Meer der Entscheidungen" Leipzig, Brodhaus). Arbeiter In den großen Städten der Oststaaten bekommt man noch nicht Den rechten Begriff von der Bedeutung des Automobils. Wer das Land der Automobile wirklich fennenlernen will, muß nach Kalifointen fahren. In diesem gesegneten Lande kommen auf vier Millio. nen Einwohner eine Million Personenautos, das heißt jeder vierte Kalifornier oder finnfälliger ausgedrückt: jede Familie hat ein Automobil. Der Geschäftsmann, der Angestellte und nicht zuletzt der fie alle fahren im Auto ins Bureau, zur Arbeitsstätte und lassen die Wagen auf der Straße stehen. Vor den Bureaus und Fabrifen stehen die Wagenreihen. Sie warten vor den Geschäfts häusern, fie füllen die Höfe und Nachbargelände der Schulen. Die Theater und Klublokale erkennt man abends an den Heerlagern ter Automobile, und vor den Gotteshäusern stehen sie Sonntags fo dicht aufeinander wie die Schirme in einer Theatergarderobe an einem Regentag. Die Plätze an den Straßenländern reichen längst nicht mehr aus, obwohl die Wagen sentrecht zur Front des Burger steiges aufgestellt werden müssen. Es gibt bereits Autogarderoben", weite Bläge, wo man gegen eine geringe Gebühr den Wagen zur Aufbewahrung abgeben kann. Das Auto ist heute in den Bereinigten Staaten im selben, ja in noch stärkerem Maße ein Verkehrsmittel der Arbeiterklasse wie in Europa das Fahrrad. Die Preise sind für den Arbeiter durchaus erschwinglich. Ein Ford- Wagen tostet 350 Dollar, einen Zweifiger tann man schon unter 300 Dollar bekommen, und wem ein neuer Wagen zu teuer ist, der fann sich allenthalben einen gebrauchten für 150 Dollar faufen. Der Durchschnittslohn des ungelernten Arbeiters beträgt bis 5 Dollar im Tage, der des gelernten Arbeiters 8 bis 10 Dollar, manche Kategorien erhalten sogar 12 Dollar. Bei einem Wochenlohn von 192 bis 240 m. fann sich so jeder sparsame Arbeiter ohne Schwierigkeit ein Automobi! erstehen, zumal man fast immer auf Abzahlung taufen tann. Mit Faunen sieht der Europäer in Kalifornien einfache Feldarbeiter, die weder lesen noch schreiben fönnen, in ihren Wagen steigen, um zu ihren Familien zu fahren. Das Bad in der Pflanze. Unter den mannigfaltigen Einrich tungen, welche die Blumen befizen, um die Insekten zu ihrer Befruchtung zu veranlassen, ist das„ Badezimmer", das die südamerikanische Orchidee Coryanthes ihren Besuchern darbietet, wohl eine der seltsamsten. Die Blüte enthält in ihrem Innern ein" Futtergewebe", das von den fie besuchenden Insekten außerordentlich begehrt ist. Es scheint, daß dieses Futter" betäubend wirkende Stoffe enthält, denn wenn die Bienen sich an seinem Genuß erfreut haben, sinten sie alsbald in einen Kessel, der, den unteren Teil der Honiglippe bildend, mit einer mäfferigen Flüssigkeit angefüllt ist. Damit dieses Baffin nicht leer wird, ist sogar eine Einrichtung getroffen, durch die die Flüssigkeit ständig und tropfenweise von oben her immer wieder nachgefüllt wird. Wollen nun die Bienen das ihnen natürlich nicht gerade erwünschte Bad verlassen, so ist das nicht leicht, denn die Wände des Bassins sind glatt und gestatten fein Entkommen. Endlich finden sie eine fleine Deffnung, die ins Freie führt; drängen sie sich nun aber durch diese Deffnung hinaus, so werden sie gleichzeitig mit Bollenstaub überschüttet, und diesen Staub übertragen sie sodann bei einer anderen Blüte, die sie danach be suchen, auf dem gleichen Weg auf die Narbe, denn sowohl die Narben wie auch die Pollenmassen befinden fich gerade da, wo die fleine Deffnung aus dem Badebassin ins Freie führt. Trotz des wenig angenehmen Bades, das die Bienen beim Besuch der Orchidee mit in den Kauf nehmen müssen, sind die Cornanthesblüten immer berart überlaufen, daß oft ganze Bienenprozessionen aus den fleinen Löchern heraustommen. Die Befruchtung der Blüten ist also jeden. falls immer gesichert. Beachten Sie bitte unsere 6 Schaufenster Ununterbrochen von 9-7 Uhr geöffnet! 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