t Abendausgabe Nr. 264+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 129 Bezugsbebingungen und Anzeigenpreife Nab in der Morgenausgabe angegeben Redation: SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel.- Adresse: Sozialdemokrat Berlin 5 Pfennig Sonnabend 6. Juni 1925 Vorwärts= Berliner Volksblatt Berlag und Angetgenabteilung: Gefchäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin S. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Der Krieg im Hause Stinnes. Hugo jun. gegen Edmund. In unserem Morgenblatt haben wir die offiziöse Darstellung mitgeteilt, die Hugo Stinnes in der Nacht durch BTB. verbreiten ließ. Wie für die Privatinteressen dieses Herrn die ganze Finanzkraft der privaten und öffentlichen Banten angespannt wird, so steht ihm offenbar auch der offiziöse Regierungstelegraph zur Verfügung. Dabei weiß allmählich in Deutschland jeder Unterrichtete, was man von offiziösen Mitteilungen des Hauses Stinnes zu halten hat. Die Darstellung des Hugo Stinnes, nach der allein fein Bruder Edmund Stinnes an dem Krach der Firma schuld sein soll, wird genau so richtig sein, wie alle anderen Mittei lungen bisher richtig gewesen sind. Die B. 3. am Mittag" schreibt darüber: " " Diese Darstellung muß überraschen, denn nach dem Urteil aller Kenner der Verhältnisse ist es gerade Hugo Stinnes jr. gewesen, auf den die jetzige 3lliquidität der Firma zurüdgeführt werden muß. Als vor etwa zehn Jahren der junge Hugo in das väterliche Geschäft eintrat, war er zunächst Brivatsekretär des Baters. Er hatte so Gelegenheit, in dessen intimste Pläne und Ansichten eingeweiht zu werden. Dr. Edmund widmete sich damals fast ausschließlich seinen wissenschaftlichen, vor allem medizinischen Nei gungen. Als der Bater starb, betrachtete Frau Clare Stinnes ben jungen Hugo als denjenigen, der allein die genauen Pläne des Vaters fannté, während Edmund sich erst nach dem Tode des Baters, um die Geschäfte zu bekümmern begann. So kam es, daß Hugo jun., der seinen Geschäftsfig in Hamburg, wohin er während der Ruhrbesetzung übergefiedelt war, beibehielt, als besonderer Liebling der Mutter schalten und walten konnte, wie er wollte. Planmäßige Vertuschung. großen cmeritanijchen Kredit der Rhein- Elbe- Union heranzukommen, joncern die dadurch eingebrachten Mittel flossen restlos den Montan unternehmungen zu. Neben Vögler zogen sich auch andere, zum Teil intimste, Mitarbeiter, zurüd. Es war zeitweilig faum mehr möglich, mit Stinnes zusammenzuarbeiten. Immer neue Pläne tauchten auf, und alle Bedenken der Mitarbeiter wegen Geld beschaffung usw. wurden abgetan. Die typische Redensart hierbei war:„ Ich wünsche." Damit wurden alle Gegenargumente aus dem Wmd geschlagen. Wind Aber auch Außenstehende hatten unter dieser Starrföpfig teil zu leiben. Bezeid, nend hierfür war eine der letzten Sizungen des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats, in der Stinnes troẞ aller gewichtigen Gegengründe bei seiner Ansicht blieb, bis einer der führenden Bergherrn, ein bekannter Name, mit der Faust auf den Tisch schlug und ausrief:„ Herr Stinnes, Sie werden sich noch ruinieren!" Die Hambuegr Berlufte werden auf etwa 30 bis 50 Millionen geschätzt. Eigenartigerweise bekamen die Banten, die natürlich die Bilanzen des Stinnes- Konze: ns, als des größten Kreditnehmers, fich genauestens ansahen, diese Minusposten nie zu sehen. sich genauestens ansahen, diese Minusposten nie zu sehen. Der Debet- Saldo wurde teils auf Berlin, teils auf andere Konzerngesellschaften mit Hilfe der Stinnes- Majoritat abgewälzt. Beglüd: waren diese Unternehmungen sicherlich nicht von diesen Danaer- Geschenten, aber gegen den mächtigen Stinnes fonnten sie nicht aufkommen. So entstand die Illiquidität des Stinnes- Konzerns. Sie hat ihren Ursprung in Hamburg, und vor allem in dem Warengeschäft des jungen Hugo. Hoffentlich hat dieser aus den Vorgängen gelernt." Angesichts dieser Verhältnisse muß immer wieder die In größtem Maße widmete sich Hugo in Hamburg dem Frage aufgeworfen werden, woher das Haus Stinnes Warenhandelsgeschäft. Er kaufte und handelte alles, was nach wie vor den Mut nimmt, dauernd der Deffentlichfeit er bekommen konnte. Die Folge davon war, daß sich mit der Zeit Nachrichten zu unterbreiten, deren unrichtigkeit auf der Hand bei der grundlegenden Umgestaltung der Weltmärkte auf vielen Ge liegt. Das Haus Stinnes hat von jeher die Deffentlichkeit und bieten Berlufte einftellten. Besonders groß, wurden diese durch die die öffentlichen Interessen als volltom men gleichgül tatastrophale Frank- Entwertung. Hinzu tamen unglüdliche tig gegenüber seinen eigenen Interessen angesehen. Ganz Spetulationen in Metall, Bolle, Getreide, Del Deutschland war diesen Herrschaften lediglich ein Objekt ihrer und Margarine. Mit immer neuen Krediten und Beche Trans, privaten Erwerbstätigkeit. Wenn jegt umgekehrt die Finanz aftionen wurde das nötige Geld herangeschafft, bis schließlich zu fraft aller öffentlichen Institute angespannt wird, um die diesen Ausfällen noch erhebliche 3inslaften tamen, die den Firma Stinnes vor den Folgen verfehlter Spefu Debet- Saldo immer mehr anwachsen ließen. Auch das Hamburger lationen des jungen Herrn Stinnes zu ret Schiffahrtsgeschäft gestaltete fich nicht gerade glüdlich. Dr. Edmund scheint rechtzeitig die von Hamburg drohendeten, so wird die Deffentlichkeit volle Aufklärung verGefahr erfannt zu haben und trat schon lange als Warner auf. Wechsel- Trans Dies trug nicht gerade zur Besserung des Verhältnisses der Brüder bei. Auch Dr. Bögler, der zunächst nach dem Testament des Paiers als der Hauptvertrauensmann der Firma Stinnes fungierte, belam Ende vorigen Jahres erhebliche Differenzen mit dem jungen Huge und zog sich aumählich fast ganz aus dem Beratungsverhältnis zurück. Er beschränkte sich auf feine Tätigkeit in der Rhem- Elbe- linton. Es gelang Stinnes deshalb nicht, an den Gegen Steuerraub und Zollvorlage. Eine Maffenversammlung in Köln. Köln, 6. Juni.( Eigener Drahtbericht.) An Freitag abend sprach in Köln in einer start besuchten Bolksversammlung Reichstagsabgeordneter Dr. Hertz über die neuen Steuer- und Zollpläne der Reichsregierung. Die Bersammlung war ein voller Erfolg für die Kölner SozialDemokratie. Die mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Genossen her fanden ihren Niederschlag in der folgenden einstimmigen Entschließung: " Die Vorlage der Reichsregierung sieht einen neuen Abbau ber Besizsteuern und die Berschärfung der Massen belastung vor. Dadurch wird das unerträgliche Steuerunrecht verewigt und der größte Teil aller Staatslaften auf die Schwächster gewälzt, die der Schonung am meisten bedürfen. Der wirtschaftliche Biederaufbau Deutschlands wird gefährdet, seine Finanzgebarung heftig angegriffen und schädlichen Folgen durch das Ausland aus gesetzt. Nach schlimmere Wirkungen aber muß die Annahme der neuen Zolltarifvorlage haben. Die vorgesehenen Getreidezölle werden die Lebenshaltung der breiten Volksmassen verhängnisvoll erschweren, verteuern zugleich die Produktion, gefährden den Ablaß auf dem Weltmarkt und führen zu andauernder Massenarbeitslosigfeit. Die Industriezölle, vor allem die Eiſenzölle, erhöhen alle diese Gefahren. Der Kampf gegen die Absicht der Reichsregierung ist ein Kampf für die wahren Interessen des Volkes. Die Versammlung erwartet deshalb von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Bartei, daß fie alle zweddienlichen Mittel anwenden, um zu Der hindern, daß die Interessen des deutschen Volkes einem kleinen Teil von Rapitalisten zuliebe ernstlich gefährdet werden." Zur Räumung der Kölner 3one wird folgende Entschließung angenommen: „ Die Bersammlung erhebt gegen die noch immer andauernde Besetzung der ersten Rheinlandzone Einspruch. Sie ist der Ueberzeugung, daß angesichts der gewaltigen militärischen Ueberlegenheit der Siegerstaaten selbst etwaige geringe Berfehlungen Deutschlands gegenüber den Entwaffnungsbestimmungen die Weiterbesehung der Kölner Zone nicht rechtfertigen würde. An die Reichsregierung richtet die Versammlung das Ersuchen, alles zu tun, um der Entente feinen Vorwand für die Fori bauer der Besetzung zu geben. Rationalistische Ueberspanntheiten longen fönnen. Die offiziösen Beruhigungspillen der intereffierten Streise genügen nicht, dabei wird sich niemand beruhi gen. Wir fragen: Was für Verpflichtungen hat die Reichsbank bei der Sanierung des Herrn Stinnes übernommen? Die füddeutsche Ausgabe der„ D. A. 3." geht ein. Aus Frankfurt wird gemeldet, daß die Frankfurter Ausgabe der Stinneschen„ D. 2. 3." cingehen wird. Es wurde sechs Redakteuren und einer Anzahl Angestellten gekündigt. müssen in erster Linie von der rheinischen Bevölkerung gebüßt werden und diese hat keine Lust, Opfer für die unzurechnungsfähige pöltische Heze und deutschnationale Partei agitation zu bringen. Zu Verhandlungen bereit. Das Echo der Entwaffnungsnote. Die Haltung der Rechtspresse läßt teinen Zweifel daran, daß die Regierung über die Ausführung der Entwaffnungs forderungen mit der Entente verhandeln will und daß fie zunächst keinen unüberwindlichen Widerstand ihres Anhangs gegen diese Absicht zu befürchten hat. In der Kritik der Note ist die Rechtspresse zum Teil sehr scharf, fie gibt damit Gefühlen Ausdruck, denen sich niemand verschließt, aber sie hütet sich daraus, Konsequenzen zu ziehen, die den Weg zu Verhandlungen verlegen würden. Einzig und allein die völkisch eingestellte Deutsche Zei tung" spricht noch das Wort aus, das in früheren Zeiten bei ähnlichen Anlässen das Schlachtgeschrei der ganzen Rechtspreffe gewesen ist, das Wort: Ablehnen!" Nur sie ist es, die rund heraus erklärt: Wir fönnen uns nicht vorstellen, daß eine Verhandlung mit der Entente über diesen oder jenen Punkt überhaupt irgend einen 3 med haben könnte, und meinen, daß im Hinblick auf die allgemeine politische Lage in Europa und der Welt das Richtigste ist, glattweg abzulehnen. : Kein anderes Blatt der Rechten in Berlin zeigt die Neigung, sich mit gleicher Unbekümmertheit zu demagogischen 3weden über die wirklichen deutschen Interessen hinwegzusehen. Selbst der Deutschen Tageszeitung", die gestern noch die von ihr ungelesene Note der Entente ,, vor die Füße werfen" wollte, scheint einigermaßen die Besinnung wiedergefehrt zu sein. Sie bescheidet sich jetzt damit, ihren Standpunkt dahin zusammenzufassen: o Ganz abgesehen von der unerfüllbarkeit all der Entwaffnungsforderungen, die über Versailles hinausgehen, die unsere Souveränität oder unser Recht auf Selbstbehauptung verlegen, fann fich die Reichsregierung nicht darauf einlassen, daß sie in Fragen, die ohne ihre Mitarbeit und ohne Aufklärung von ihrer Seite unlösbar sind, von neuem einem Dittat unterworfen wird. Sie wird auch vor jeder neuen Leistung erst unbedingt sichere Garantien dafür zu fordern haben, daß die Gegenseite ihre Verpflichtungen hält. Vertrauen nach dieser Richtung tann uns nur die längst vertraglich fällige Räumung der Kölner Zone geben, die mit der Entwaffnung fünftlich in Zusammenhang gebracht worden! ist. Erfüllung ohne gesichertes 3iel, ohne flaren Zweck ber eigenen Opfer, aber kann keine Regierung mehr vom deutschen Bolke verlangen. Das heißt also, die Regierung soll wenigstens zum Teil erfüllen, sie soll sich nur dessen versichern, daß die Gegen leistung, die Räumung der Kölner Zone, nicht ausbleibt. Nun ist einstweilen diese Gegenleistung nicht von der Erfüllung eines Teils der gestellten Forderungen sondern des Ganzen abhängig gemacht. Erfüllung ohne Ziel ist, damit hat Die Deutsche Tageszeitung" recht, sinnlos. Man muß also versuchen, daß Maß der Erfüllungsnotwendigkeiten herabzu fegen, muß aber dann soweit erfüllen, als notwendig ist, um das Ziel der Räumung zu erreichen. " Aehnlich wie die Deutsche Tageszeitung" äußert sich auch Die„ Kreuzzeitung": Es ist selbstverständlich, daß die Reichsregierung die Note auf ihre Erfüllbarteitsorgfältigst prüft. Aber heute schon fann gesagt werden, daß es unmöglich sein wird, einem i Teil der Forderungen nachzulommen. Wenn die Regierung die strittigen Fragen auf dem Wege der Verhandlungen zu: regeln bestrebt ist, so wird es schon hier ihrer äußersten Festigkeit Von der Reichsregierung wird erwartet, daß sie zur Entwaff nungsnote, zur Sicherheits- und zur Bölkerbundsfrage bald unbedürfen, auch nur die Möglichkeit solcher Verhandlungen durch3 meideutig Stellung nimmt und sich lediglich von den Interessen Deutschlands ohne Rücksicht auf die agitatorisch en Bedürfnisse der Deutschnationalen leiten läßt." Chamberlains Zugeständnisse. Zwei Lesarten. zusetzen. Völlig ausgeschloffen ist es jedenfalls, Forderungen zu afzeptieren, die mit der Ehre und. den Lebensmöglichkeiten des deutschen Volkes unvereinbar find. Also auch die Kreuzzeitung" ist zu Berhandlungen und teilweiser Erfüllung bereit. Ihre Auffassung, daß es schwer sein werde, überhaupt zu Berhandlungen zu kommen, teilen mir indes nicht. Die Note selbst verweist ja die deutsche Regienächst nur mit der Interalliierten Militärkontrollkommission, dierung auf den Weg der Berhandlungen, freilich zudie sich allerdings als ausführende Behörde an den Rahmen der Rote halten muß. Indes sind schon bei der Ausführung fachliche Milderungen möglich, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist. In einzelnen Fällen wird dann die Kontrolltommission voraussichtlich erbötig sein, sich von ihrem Auftraggeber, der Botschaftertonferenz neue Vollmachten zu holen, was freilich ein ziemlich zeitraubendes Verfahren ist. Ob die deutsche Regierung die Absicht hat, mit der Entente eine neue General diskussion über die Note zu eröffnen, steht noch nicht fest, auch dies würde ein äußerst zeitraubendes Verfahren Paris, 6. Juni.( WTB.) Die letzten Verhandlungen, die zwischen Chamberlain und dem franzöſiſchen Botschafter geführt wurden, bestärkten„ Matin" zufolge, die franzöfifche Regierung in der Meinung, daß ihre Ansicht über den Sicherheitspakt vollständig verstanden und von dem britischen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten angenommen wurde. Die Bürgschaft, die England, Frankreich und Belgien gegen einen fünftigen Angriff geben wolle, erstrede sich auf jeden Angriff, der gegen eines dieser Länder gerichtet sei, nicht nur am Rhein, sondern auch an irgend einem anderen Punkte ihrer territorialen Besitzungen. Außerdem sei nach der Ansicht Chamberlains feineswegs die Rede davon, die Rechte zu beschränken, die Frankreich auf Grund der Verträge ausüben könne, menn ein europäischer Konflikt eine Gefahr für die Sicherheit schaffen sollte. Die Kampagne, die der Daily Telegraph" mit einer seltsamen Beharrlichkeit fortjeßze, ent fpreche nicht den Erklärungen des Foreign Office. Gemeinsame Reise Chamberlains und Briands nach Genf. Paris, 6. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der englische Außenminister Chamberlain wird heute die Reise nach Genf in Baris unterbrechen, um voraussichtlich mit Briand Fühlung zu nehmen, und es ist wahrscheinlich, daß die beiden Außenminister im Laufe des morgigen Tages die Reife nach Genf gemeinsam machen werden. mit, daß die französischen Verluste in Marokko 318 Tote, 1115 Ver Frankreichs Berlufte in Marokko. Painlevé teilte der Kammer mundete und 185 Bermißte betrügen. 60 Proz. der Verluste entfielen auf die farbigen Hilfstruppen. fein. werden, was den Lebensinteressen und der. Ehre des deutschen Wenn die Kreuzzeitung" meint, es dürfe nichts getan Volkes widerstreite, so kann dem zugestimmt werden mit dem Hinzufügen, daß nichts den Lebensintereffen und der Ehre des deutschen Volfes mehr widerstreitet als die Fortdauer stimmte Zeit hinaus. Darum widerstreitet den Lebensinter der fremdmilitärischen Befeßung auf unbeessen und der Ehre des deutschen Volkes nichts mehr als die Politik der„ nationalen" Ablehnungsgefte, wie sie die„ Deutsche Beitung vorschlägt. Die Ablehnung der Entwaffnungsnote ließe sich moralisch und rhetorisch ausgezeichnet begründen. Brattisch würde sie aber auf nichts anderes hinauslaufen, als auf eine Wieder aufnahme der Berfadungspolitit. Die Reichsregierung ist einstweilen nicht gewillt, den Weg der Versackungspolitit zu beschreiten. An Versuchen, sie auf ihn zu drängen, wird es freilich nicht fehlen. Will man einen Rückfall in die Versackungspolitik vermeiden, dann darf man den ganzen Fragenkomplex der Ent- waffnung und Räumung nicht anders auffassen, denn als einen Kampf um die Räumung des besetzten Ge- b i e t s. Dieser Kampf muß mit den Mitteln geführt werden, die unter den gegebenen Verhältnissen die zweckmäßigen sind. Das heißt: wenn die Reichsregierung nur einen Teil der gestellten Forderungen geradewegs erfüllen will, für einen anderen Teil der Forderungen Zurücknahme oder Aenderung anstrebt, so muß sie vor der Welt den Nachweis führen, daß ihr Verlangen nach Räumung auch dann berechtigt bleibt. Es muß ihr gelingen, die Räumung durch einen Druck auf die Weltmeinung zu erzwingen. Würde sie aber aus Angst vor ihrem eigenen Anhang das Ziel ihrer Aktion gefährden und damit auf Umwegen zur Politik der„Deutschen Zeitung" zurückkehren, so wäre es schade um die Umwege und die ver- tane Kraft. Fragen des sogenannten Prestiges werden also bei den Erwägungen der Regierung keine ausschlaggebende Rolle spielen dürfen. Rücksichten auf die Gesamtwirtschaft und aus die Interessen der Beamten, Angestellten und Arbeiter sind desto mehr am Platze. Wir halten es für selbstverständlich, daß den abzubauenden Polizeibeamten eine andere mindestens gleichwertige Beschäftigung zugewiesen werden muß. Von den geforderten Umstellungen der Be- triebe wird in einem Teil der Presse behaupet, daß sie Kosten m der Höhe von einer Viertelmilliarde G o l d m a r k und große Arbeiterentlassungen ver- Ursachen würde. Wie weit solche Behauptungen zutreffen, ist noch nicht zu übersehen, jedenfalls ist es Aufgabe der Regierung, dafür zu sorgen, daß nicht Unschuldige in Not geraten. Zu- verlässige, auf vorsichtige Schätzungen aufgebaute Angaben über die Kosten, die die geforderten Umstellungen dem Reich verursachen werden, wird man wohl so bald wie möglich erwarten dürfen. * Zu der geforderten Aenderung in der Stellung des Chefs der Heeresleitung wird mitgeteilt, daß die jetzige Regelung vom August 1920 stammt und damals im Heeresverordnungsblatt veröffentlicht wurde.' Gemäß den Versailler Bestimmungen geht das Heeresoerordnungsblatt der Militärkontrollkommission in Berlin ständig zu, sie hat diese Verordnung über dxn Chef der Heeresleitung nicht beanstandet. Als der Reichstag das Wehrgesetz be» schloffen hatte, bemängelte General Rollet einige Bestim- munaen dieses Gesetzes, die er vor der Verabschiedung nicht beanstandet hatte. Das Gesetz wurde darauf vom Reichstag entsprechend abgeändert. Die Beanstandungen Nollets hatten sich jedoch nicht gegen die Bestimmungen über den Chef der Heeresleitung gerichtet. Seratungen. Die Entwassnungsnote ist zunächst den beteiligten Ressorts zur Beratung zugegangen, dann wird das Ge» samtkabinett weiter beraten und vermutlich mit der Kon» trollkommlssion in Verhandlungen eintreten. Der Auswärtige Ausschuß ist von seinem Vor- sitzenden, Abg. H e r g t. bekanntlich auf Mittwoch einberufen worden. Es scheint aber, daß dies nicht im Einvernehmen mit dem Auswärtigen Amt geschehen ist, das gerne etwas mehr Zeit zur Ueberlegung haben möchte. Die Ministerpräsidenten der Länder kom» men in den nächsten Tagen nach Berlin. �uslanüsftimmen zur Entwaffnungsnote. Pariser Kommentare. pari». S. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Das umfangreiche Doku- ment, das die Note der Botschafterkonferenz zur Entwasfnungsfrage darstellt, wird von der Pariser Presse nur in kurzen Auszügen ver- öffentlich. Die Kommentare dazu sind bisher sehr spärlich. Das Ein örief. von Henri de Farge. (Aus dem Französischen von G. Sch.) Gnädige Frau! Mein Brief wird Sie überraschen, dennoch schreibe ich ihn, wenn ich auch die Worte nicht recht zu setzen weiß. Es ist wohl unnötig, meinen Namen zu nennen,, denn Sie kennen mich gewiß nicht, und wenn Sie mich jemals beachtet haben — aus demselben Grunde vielleicht, weshalb ich Sie beachtete—, haben Sei mich gewiß wieder vergessen, besonders an einem Tage wie dieser, an dem Sie Ihre Hochzeit feiern. Eine schöne HochzeitI... Ich war merkwürdigerweise ohne eigentlichen Grund dabei anwesend. Sie sind ein« sehr reiche, ehr- bare und distinguierte Dame in der höchsten sozialen Stellung. Ich hingegen stehe ganz tief, ich glaube in der tiessten Stellung, die überhaupt möglich ist. Da» ist ober weder Ihr« noch meine Schuld. Jeder geht den Weg, nicht wahr, welchen ihm die Notwendigkeit vorschreibt. Trotzdem gibt es für uns etwas... etwas Merkwürdiges, wo- für wir nicht verantwortlich gemacht werden können und was auch nicht zu bestreiten ist. Wir ähneln einander... wir ähneln ein- ander in der frappantesten Weise. Ein Zufall führte Sie einmal an mir vorüber. Eine Freundin, welche mit mir war, rief erstaunt au»: .Dein EbenbildI" Sie sind wirklich mein Ebenbild, besser gepflegt natürlich, mit mehr Schliff, wie eben ein Mensch, der alles hat, was er braucht. Ich verfolgte Sie am erwähnten Tage. Ich wollte sehen, wo Sie wohnen. Wir waren zufallsweise aus demselben Viertel. Bon der Zeit an verlor ich Sie nicht mehr au» den Augen.... Es war eine Dummheit meinerseits, da wir doch nicht» Gemeinsames haben konnten. Aber gerade das oeranlaßte mich, Ihnen zu folgen. Ich fragte die Leute nach Ihnen aus und erfuhr da», was ich über Ihr Leben und Ihren Namen erfahren wollte: Sie interessierten mich, die ich die große Welt nicht interessierte. Es fehlte nicht viel, und ich hätte Sie angesprochen. Ost dachte ich daran. Doch wagte ich es nicht. Wozu auch? Was hätten wir einander zu sagen? Sie konnten am Ende glauben, daß ich von Ihnen etwas haben will. Oft, wirklich oft habe ich den Unterschied unserer beiden Schick- sale verglichen, wo wir einander äußerlich doch so sehr ähnelten. In manchen Augenblicken war ich ganz empört. Gerade wegen dieses Unterschiedes. Ich habe Sie sogar an dem Abend, an dem ich Sie ganz oerklärt, ganz selig in den Wagen steigen sah, verwünscht. Sie gingen bestimmt zu einem Ball, während ich... Darauf erfuhr ich, daß Sie heiraten werden... Das gab mir einen Stich... nicht vor Neid. Er führt ja zu nicht»— der Neid. Ich zog Erkundigungen ein. Di« Leute sagten zu mir: „Echo de Paris" findet die Aufmachung der Note wenig glücklich. da sie statt die wirklichen Gefahren des reorganisierten deutschen Heeres aufzudecken, sich in einem Wust von Einzelheiten verliere. Der„Figaro" sieht in der Note einen neuen Beweis für den gute» Willen der Alliierten, der vor allem in der Konzilianz des Tones und der Beschränkung der Forderung auf die Wiedergut- machung der größten Verstöße zum Ausdruck komme. Auch der „Quotidien" findet die Note sehr„vernünftig". Sie sei von dem auf- richtigen Willen beseelt, zu einer Berständigung zu gelangen. Das beweise u. a. das Dutschland darin gegebene Bersprechen, daß die alliierte Milttärkontrolle aufgehoben werden solle, sobald Deutschland die ihm in der Note gemachten Auslagen erfüllt haben werde. Deutschland wisse nunmehr, wie es das Dertrauen Europas wiedergewinnen könne. Der Preis sei gering in Anbetracht dessen, daß es sich um die Konsolidierung eines dauerhaften Friedens handele. Jedenfalls sei es nunmehr Deutschlands Sache, durch Taten zu beweisen, daß es von seinen Irrtümern geheilt und daß die Wahl Hindenburgs, wie dies von deutscher Seite behauptet werde, für Europa keinerlei Anlaß zur Beunruhigung gebe. DaS englische Echo. London, 6. Juni.(EP.) Die Zeitungen schreiben über die alliierte Entwassnungsnote an Deutschland wie folgt:.Daily Tele- graph": Die Räumung Kölns hängt jetzt von dem Entgegenkommen der deutschen Regierung ab.„Times": Die Note der Alliierten ist geschickt abgefaßt. Sie trägt den gegenwärtigen politischen Ver- hättnissen Rechnung, indem sie keine Forderungen stellt, die als un- vernünftig oder übertrieben bezeichnet werden könnten. Im Mittel- punkte der internationalen Politik stehe augenblicklich die Einig- keit Englands und Frankreichs in der Entwaff- nungsfrage. Es wird für England eine Erlösung sein, Köln räumen zu können, sobald dies ohne Gefahr für Europa möglich sein wird.„Daily Herald" schreibt: Die Forderungen der Alliierten haben das Verdienst, klar und verständig zu sein. Man kann voraussehen, daß die deutsche Regierung diese Forderungen so viel als möglich erfüllen wird, nur um die Räumung Kölns zu erlangen.„Daily News": Deutschland bildet gegenwärtig keine Gefahr für Europa. Dadurch, daß Deutschland nicht alle Entwaffnungstlauseln erfüllt hat, hat es Anlaß zu Verdächti- g u n g e n gegeben. Wir glauben nicht, daß dieser Verdacht begründet ist. Es ist wohl möglich, daß In Deutschland auch eine Gruppe von Umstürzlern vorhanden ist, die an Revanche denken. Jedes Land hat sein« Militaristen und warum sollte Deutschland eine Ausnahme von dieser Regel bilden? Tatsache ist aber, daß die Mehrheit der Deutschen für den Frieden und entschlossen ist, jedem An- schein kriegerischen Willen» entgegenzutreten. die»Rote Zahne� für Geeckt. Sie fürchtet seinen Rücktritt. Die Entwassnungsnote der Entente rührt auch an die Stellung des Ehefs der Heeresleitung, des General v. Geeckt. Seit langem wird behauptet, daß er sich mit Rücktrittsabsichten trage. Jetzt entsteht ihm ein unverhoffter und unerwarteter Bundesgenosse. Die „Rote Fahne" läßt sich von einem linksrepublikanischen Offizier einen Schreibebrief zustellen, der ein warmes Plädoyer zugunsten von Seeckts darstellt. Wie Ormuzd und Ahriman kämpfen nach dieser Zuschrift die östliche und die westliche Orientierung im Reichswehr- Ministerium miteinander. Selbstverständlich ist die östliche Orien- tierung— lies Nationalbolschewismus—, für die General v. Seeckt eintreten soll, das gute Prinzip, für das zu streiten Pflicht jedes revolutionären Klassenkämpfers und der„Roten Fahne" ist. Weil o. Seeckt ein Befürworter des Krieges gegen Polen gemein- sam mit Rußland sein soll, deswegen muß er nach Ansicht der„Roten Fahne" geschützt werden. Wohin käme auch das„klassenbewußte Proletariat", wenn nicht endlich mal wieder ein anständiger Krieg inszeniert wird? Karl Radeks Prophezeiung, daß die Truppen der Roten Armed an den Ufern des Rhein» selbstlos und treu Deutschland gegen den Ententeimperialismus verteidigen würden, ist etwas überholt, aber die Phantasie von dem gemein- samen Zerschlagen Polens scheint immer noch in den Köpfen gewisser �„Es ist merkwürdig, wie ähnlich Sie ihr sehen!" Und ich wohnte dem Hochzeltstrubel bei, ohne daß Sie es ahnten. Ich habe alles mit angesehen: Ihr Besteigen des Wagens, Ibre Ankunft in der Kirche. Ich hatte mich hinter einen Pfeiler versteckt und beobachtete jede Ihrer leisesten Gesichtsregungen. Was machten Sie nur für einen glücklichen Eindruck! Während des Umzuges sah ich Sie noch durch die offene Tür mit strahlenden Augen von den Leuten beglückwünscht.... Natür- sich bin ich nicht an Ihnen vorbeigegangen. Ich hatte ja keinen Grund dazu und dann war ich zu einfach angezogen. Der Kirchendiener, der mich bemerkt hat, hielt mich gewiß für eine Arbeiterin, welche sich die Kleider ansehen kam. Ich kam nicht der Kleider wegen! Ich kam wegen des gewaltigen Eindrucks, den dieses schreckliche Schauspiel auf mich machte! Ja, schrecklich! Das ganze Glück von Ihnen, die meine Züge hat, die mir so sehr ähnelt, kam mir als etwas ganz Unmögliches vor. Etwas, was mir niemals beschieden sein wird und was doch hätte sein können, wenn ich dasselbe wie Sie besäße. Sehen Sie, dos sage ich Ihnen!... Ich bin vielleicht im Un- recht. Sie verlassen zweifellos unser Viertel und wir sehen ein- ander wohl niemals wieder. Jetzt, wo Sie Frau sind, oerstehen Sie da» alle» gewiß besser, was ich Ihnen in diesem ungeschickt zusammengestellten Briese sagen will. Ich begrüße Sie als Marie X. Ich lege diesem Briefe ein paar Veilchen bei... Ganz be- scheiden« Veilchen.,._ ver alte und der neue Regen. Der alte Regen ist jedem von uns bekannt. Seit Jahrtausenden pflegt er seine ihm gesetzte Aufgabe als Segenspender und Er- nährer der Pslanzenwelt getreulich und gewissenhaft zu ersüllen. Auch seine Ouantitätsunterschiede, als da sind: Platzregen, lindes Tröpfeln, klatschendes Prasseln und sanftes Riefeln haben wir schon in der Schule als notwendigen Bestandteil der Dichtkunst kennen- gelernt. Der Regen ist notwendig, fördernd und nutzbringend, weil die Landwirtschaft ihn nötig hat. Auch dagegen, daß ein Dichter ihn als Hintergrund für eine rührende Abschiedsszene, ein eheliches Gewitter oder eine graue� öde Seelenstimmung braucht, wird man kaum etwas einwenden können. Aber er kann auch unangenehm wirken, so bei Ausflügen, hellen Kleidern und Panamahüten. Dann ist er«ine Qual für Gastwirte und eine Quelle der Freude für Modeatellers und Stroh- Hutfabriken. � All diese unangenehmen oder angenehmen Begleiterscheinungen hat der neue Regen nicht. Ganz im Gegensatze zum allen, der meistens unerwartet und unerwünscht, nie aber zur richtigen Zeit kom oder aufhörte, hat der neue die herrliche Eigenschaft, sein« Tätigkeit nur dann zu entfalten, wenn die Menschen es wollen. Der neue Regen wird nämlich von den Menschen selbst hergestellt. Leute zu spuken. Die komniunistischen. Arbeiter werden sich nicht schlecht wundern, wenn sie sehen, daß ausgerechnet Herr v. Seeckt die Sympathien der„Roten Fahne" genießt. Aus gut unterrichteter Quelle erfährt die„R o t e F a h n e"—: und sie weiß es natürlich ganz genau—, daß Severing in Bielefeld ertrankt ist und nicht wieder zurückkehrt. Sie weiß sogar noch mehrt Diese Erkrankung ist eine neu«Schiebung der verfluchten Ober- Konzen, die Severing gern los sein wollen, um„das letzte Hindernis zur Voltsgemeinschastskoalition, zum Bündnis von Hergt bis Wels zu beseitigen." Die„V o r w ä r t s"- R e d a k t i o n" ist natürlich mit im Komplott— wer erwartet von ihr etwas anderes. Aber indem die„Rote Fahne" die grausige Verschwörung aufdeckt, rettet sie großmütig Severing. Das aber läßt darauf schließen, daß in der Redaktion der „Roten Fahne" irgendein mit Humor begabter Bursche sitzt. Es macht ihm Spaß, feine Leser zu veralbern, und es gelingt ihm vor- trefflich. Liebesgabenpatete. Aus dem Barmat-Ausschuft des Reichstags. Der Reichstagsousschuß zur Untersuchung der Kreditangelegen- heiten erledigte heute das Kapitel R e i ch s f e t t st e l l e. Viel Neues bekam man nicht mehr zu hören. Der kommissarisch vernommene Kaufmann Schnell, jegl in München, früher in Amsterdam, be- richtet, daß im Jahre 192A bis zu seinem Ausscheiden aus der Amsterdamer Firma auf Veranlassung der Firma Amexcma an 12 bis 17 Empfänger in Deutschland Liebesgabenpakete in Abständen von vierzehn Tagen bis vier Wochen gesandt worden seien. Er kann sich auf die Namen Wels, N ü h e, ch e l w i g- Frau Helwig, Heilmann und Höfle erinnern. Die Pakete hatten einen Wert von 6 bis 10 holländischen Gulden. Sie ent- hielten Kaffee, Tee, Schokolade, Butter und andere Lebensmittest Die Verlesung der Aussage machte auf den Ausschuß keinerlei Eindruck. Anscheinend sehen selbst die hartgesottensten Ver- Leidiger für die„Reinigung des öffentlichen Lebens" in dem Empfang solcher Liebesgaben in der schlimmsten Zeit der Jnslatidn keinerlei Beeinträchtigung staatlicher Interessen. Der Kaufmann S ch w o n, der dann vernommen wurde, wieder- Holl im allgemeinen seine vor dem Preußischen Ausschuß gemachten Aussagen. Bemerkenswert war. daß er heute seine Aus- sassung nicht mehr aufrechterhalten will, wonach mit Barmat auf Wunsch des Ministers Geschäfte getätigt worden seien. Daß Barmat irgendwie bevorzugt worden sei, könne er ebensowenig behaupten. Er erinnere sich aber, daß 10 000 Kisten aus dem Rotterdamer Hafen nicht durch die Vermittlung Barmats und der Arbeitervertreter herausgebracht worden seien, sondern durch die Firma de Song, die dazu Streikbrecher gehabt habe. Auf Befraaen des Abgeordneten Aufhäuser gibt der Zeuge aber die Möglichkeit zu. daß die Verhandlungen der Arbeiterführer Ein- fluß auf den Abtransport der Waren gehabt hätten. Nach einer Pause wurde das Kapitel„Demag" in Angriff genommen. Der erst? Zeuge in dieser Sache ist der frühere Reichskanzler und Reichs- tagsabgeordnete Gustav Bauer. Der Zeuge Dauer berichtet über die Gründung der Deutschen Margarine- und Speisefettsabrik A.-G.(Demag). Die Grundlage dazu bildete die frühere Armeekonservenfabrik Spandau- Hasel Horst, die auf Vorschlag des Ministerialdirektors Kautz industriell verwertet werden sollte, nachdem sie bis zum Sommer 1922 brach gelegen hatte. Es wurde mit der„Brema", eine Mar- garinefabrik in Bremen, ein Vertrag abgeschlossen. Das Reich be- hielt sich den maßgebenden Einfluß auf die neugegründete Gesell- schaft vor. Einzelheiten sind von Kautz und den Referenten er- ledigt worden. Daß hinter der„Brema" und der Schröder-Bavk Barmat gestanden habe, wie in einem Teile der Presse behauptet worden sst, sei falsch, ebenso. �>.» Wort davon wahr, daß die Demag über die„Brema" an �>.....i„t oerschoben worden sei. Als es der Demag später an Kapital zum Einkauf von Rohmaterialien fehlte, habe der Zeuge den ihm seit mehreren Jahren als kapital- kräftigen Mann bekannten Barmat vorgeschlagen: er habe Kautz aber darauf hingewiesen, er solle bei den Verhandlungen mit Barmat vorsichtig sein, denn dieser wolle, wie jeder andere Kaufmann, viel verdienen. Barmat habe dann da» notwendige Kapital vorgestreckt, zuerst habe er auch den Einkauf des Rah- Materials besorgt, später sei das von der Fabrik selbst geschehen. Auf die Einzelheiten der Heranziehung Barmats zu der Gesellschaft habe der Zeuge keinen Einfluß genommen. Petrus hat eine ganz gefährliche Konkurrenz erhalten. Zwei amerikanische Meteorologen, Bancroft und Francis Warren, sind nämlich hinter das Geheimnis des Petrus gekommen, sie haben nach mühseligen Forschungen das künfttiche Regenmachen gelernt. Sie sind im Flugzeug ausgestiegen, haben mehrere Zentner positiv elektrisch geladener Sandkörnchen mitgenommen und sie den negativ geladenen winzigen kugelförmigen Wasserbläschen, die dank der heißen Sonnenstrahlen immer in der Luft herumschwirren, an den Kops geworsen. Man kann sich denken, was für ein Durchein- ander, was für eine Revolte eingesetzt hat. Es haben sich Wölkchen und Wolken gebildet. In diese künstlich hervorgezauberten Wolken ist von den Gelehrten abermals Sand, der mit 60 000 Volt ge- laden war, geworfen worden, und dann hat es geriefelt, geregnet, ja gegossen. Wie der Korrespondent weiter berichtet, sollen auch kleine Blitzchen und Dönnerchen mit unterlaufen sein. Die Versuche, die übrigens ernsthaft begonnen wurden und unter Teilnahme weitester Kreise fortgeführt werden, sind über- raschend gut gelungen. Leute, die das Gras wachsen hören, knüpfen an die Experimente die Hoffnung, daß die Menschheit nunmehr selbst das Wetter bestimmt. Diese Sache hat einen kleinen Haken. Wie will zum Beispiel der Besitzer des Etablissements„Zum ewigen Sonnenschein" den Bauer überzeugen, daß es nur im Winter regnen darf, �nd dann auch nur des Morgens. Kann man es dem Land- wirt übelnehmen, wenn er bei langanhaltender Dürre fein Flug- zeug aufsteigen läßt und Regen hervorzaubert? Es ist doch wohl besser, wir bleiben beim alten System, es sei denn, daß Petrus gar kein Einsehen hat._ Da» Dauhau» in Dessau. Bei der Neuorganisation de» Bau- Hause» in Dessau wurde Walter Gropius mit der Oberleitung der dortigen städtischen Maschinenbauschule, Bauschule und Hand- werkerschule betraut, die etwa 1000 Schüler hat. Er gliedert ihr die Organisation des Bauhauses in ähnlicher Form, wie es bisher in Weimar bestand, als hochschulartigen Oberbau an. Die gesamte Neuorganisation unter dem Namen„Da» Bauhaus in Dessau" wird allmählich innerhalb des ersten Etatsjahres vor- genommen werden. Die bestehenden Fachschulen bilden den Unter- bau. Der hochschulartige Oberbau dient der Durchbildung besonders Begabter und gleichzeitig systematischer Versuchs- und Modellarbeit für Handwerk und Industrie. Die Stadt Dessau hat dem neuen unternehmen mit Unterstützung des Staates Anhalt in großzügiger Weife Mittel zur Verfügung gestellt. Außerdem werden sogleich nach Plänen von Gropius ein neues Institut und eine Wohnhaus- kolonie für die Meister errichtet. Pierre couys, der Dichter der„Aphrodite", ist in Pari» ge. starben— mit seinen 67 Jahren bereit» halb vergessen. Mit seinem Roman„Aphrodite", der die freie Sinnlichkeit der antiken Welt ver- herrlichte, hatte er Weltruhm erreicht. Aber verschollen ist die Sammlung, die er unter dem Namen„der Lieder der Bilitis", an- gebliche Uebersetzungen aus dem Griechischen, in die Literatur' ein- schmuggelte, entzückende Liedchen und vibrierende Stimmungsbilder aus dem griechischen Liebesleben, die mehr griechischen Geist ent- halten als die meisten der echten ober plumpen Uebersetzungen. Srstaasffihnnigev»er Stech«. SomUa«: S t a a t»«p e r:.Gtravwskv". Abend.- Slenleg(».):«olksbllhne:„gtrtt»'. � 9 „ Reichsbanner Nollet." Eine Beleidigung. Anläßlich der Berfassungsfeier zu Würzburg am 10. Auguft 1924, an der Tausende von republikanisch Gesinnten und Reichsbannerfameraden teilnahmen, brachte die inzwischen eingegangene deutschnationale Fränkische Landeszeitung" einen Würzburger Das Wohnungswesen der Stadt Berlin Richtlinien für ein Wohnungsbauprogramm. In der fommunalen Konferenz von sozialdemokra-| der Finanzierung der Bauten habe Berlin bisher die HochTruthähne“ überschriebenen Artikel, der in Ton und Tendenz die tischen Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung und des bauten in unerträglicher Weise bevorzugt; drei Viertel der in 1924 unverkennbare Absicht verriet, die Angehörigen des Reichsbanners Magistratskollegiums, der Bezirksverordnetenversammlungen und finanzierten Wohnungen liegen in Hochbauten und nur ein Biertel und auch die übrigen Teilnehmer der Feier zu beleidigen und ver ächtlich zu machen. Ausdrücke wie„ Traidaitschdemokratische Ge- der Bezirksämter und von Obleuten unserer fommunalen Romächtlich zu machen. Ausdrücke wie„ Traidaitschdemokratische Gemissionen sprach Dr.- Ing. Wagner, Geschäftsführer der Deutschen finnung", Halb Martel- Windjackenorganisation",„ Schwarzrotgoldener Papphut“ und„ Brigade Nollet" zeigen dies zur Genüge Wohnungsfürsorge A.-G., über das Wohnungswesen der W an. Vier Reichsbannerfameraden, die im Felde mit Auszeichnung ihre Pflicht getan, ließen sich diese Anpöbelungen nicht gefallen und stellten gegen den damals verantwortlichen Schriftleiter Stemmer Klage beim Würzburger Amtsgericht. Vor dem Verhandlungsbeginn wurden unter dem Vorsize des Amtsgerichtsrats Mantel Vergleichsverhandlungen geführt, die nach Annahme der sehr mäßigen Forde: rungen der Kläger durch den Beklagtenvertreter, der zugleich Geschäftsführer der Deutschnationalen Würzburgs ist, einen sehr umfangreichen Prozeß, dessen ungünstiger Ausgang für den Beklagten faum zweifelhaft sein fonnte, von vornherein abschnitten. Der gerichtlich abgeschlossene Bergleich lautet: Stadt Berlin. in Flachbauten. Die Erträge der Hauszinssteuer fönnten in wisse von ihr nicht den rechten Gebrauch zu machen, wie auch bei den Händen der Stadt eine Macht sein, aber die Stadt dem Wohnungsbau der Straßenbahngesellschaft der an Haberland gegebene Bauauftrag gezeigt habe. Solche Mittel seien zu vers Er wolle, so führte der Redner aus, nicht die Wohnungspolitik wenden zur Mehrung der im Einfamilienhaus möglichen Woh der Stadt Berlin benörgeln, sondern einen Standpunti finden, der nungen von mindestens drei Zimmern, nicht der fulturwidrigen laubt. Im Gegensatz zu der vielstöckigen Mietfaserne, die wir dem uns im Wohnungswesen eine attipere Politit er- Wohnungen von zwei Zimmern oder nur einem Zimmer. Auch bei der Hergabe von Hypothefen aus Mitteln der Landesver profitfuchenden Privatkapital zu danken haben, seien Form und sicherungsanstalten und der Krantentassen feien die Inhalt einer neuen Wohnungskultur zu schaffen. Man könne cs hier dargelegten Gesichtspunkte nicht außer acht zu lassen, die Ernicht verantworten, daß in Berlin zu den vier Millionen Menschen möglichung von Einfamilienhäusern, die Schaffung ganzer Gartennoch weitere vier Millionen durch die bisherige Bau- und Wohn- städte, die Auflösung der Großstadt. Wagner verlangt aftiveres meise untergebracht werden, wie die geltende Bauordnung es vor- Vorgehen und erwartet es von einer Zusammenfassung aller Kräfte. ficht. Wagner forderte das Einfamilienhaus mit Garben, von enger Fühlung der Gewertschaften und auch wobei zur Berhinderung von Spekulation ein Privatbesiz höchstens der Partei mit den gemeinwirtschaftlich gesinnin gebundener Form( Erbbau) zuzulaffen sei. Gegenüber der großten Körperschaften, den Baugenossenschaften usw. Er schlug vor, daß ein Ausschuß aus den am Wohnungswesen interftabtischen Mietfaserne, die an der Volkskraft und dem VolksDermögen zehrt, jei das Einfamilienhaus tatsächlich auch wirtschaft effierten Bersönlichkeiten der Gewerkschaften, der Partei, der Gelicher. Die Großstadt müsse aufgelöst werden durch einen Kranz nossenschaften usw. im Sinne seiner Ausführungen feste Richtvon Gartenstädten, die an strahlenförmig von ihr ausgehen- linien für ein Wohnungsbauprogramm aufstellen solle. den Verkehrsbändern liegen. Das sei auch für Berlin möglich, das In der Diskussion in 1924 rund 7000 Wohnungen für 28 000 Menschen finanziert sprach unter anderem Stadtrat Genosse Wuzky. Auch er sehe das habe und in 1925 rund 10 000 Wohnungen für 40 000 Menschen Einfamilienhaus als idealfte Wohnform an, aber nach den Be3. Privatflage und Strafantrag werden zurückgezogen. finanzieren wolle, womit ein paar Gartenstädte sich füllen ließen. Den Bergleich unterzeichneten für die Kläger R. A. Straub, Auf dem Gelände des Rittergutes Brig möge man hiermit einen fimmungen über die Hauszinssteuererträge habe die Stadt nicht das Recht, die Finanzierung von Hochbauten abzulehnen. Unter Kreisleiter des Reichsbanners Unterfranten und R. A. Stegherr, Anfang machen, aber schon sei wieder für zwei Drittel die Beallen Rednern bestand lle bereinstimmung darüber, daß zur Geschäftsführer des Deutschnationalen Kreisverbandes für Unterlegung mit breiftödigen Miethäusern vorgesehen. Die Schuld an jclchen Lösung des Wohnungsproblems mehr Attivität franken. nötig ist. Der Versammlungsleiter Genosse Krille schloß zusammenfassend mit der Feststellung, daß auch Wagners Vorschlag einer engen Fühlungnahme zwischen Partei, Gewerkschaften, Baugenossen. schaften usw. die allgemeine Zustimmung habe. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. 1. Der Privatbeklagte Stemmer erklärt, daß er bebauert, in bezug auf die Teilnehmer an der Berfaffungsfeier der republi: tanischen Verbände vom 10. August 1924 die unzutreffende tanischen Verbände vom 10. August 1924 die unzutreffende Bezeichnung Brigade Nollet" gebraucht zu haben. 2. Stemmer übernimmt die gesamten Kosten des Berfahrens einschließlich einer Bergleichsgebühr in Höhe der gefeßlichen Verhandlungsgebühr. Jugendwohlfahrt in Preußen. Aus den Beratungen des Hauptausschusses. Der Hauptausfchuß des Preußischen Bandtages behandelte am Freitag im Verlauf der Beratung des Etats des Wohlfahrtsministeriums die Fragen der Jugendpflege. Gerade bei diesem für die Aufzucht eines gefunden Nachwuchses so überaus wichtigen Rapitel fehlt es noch immer an der Bereitstellung genügender Mittel. Wohl hat sich seit dem Jahre 1919 manches gebeffert und die Dinge liegen hier nicht mehr ganz so im Argen wie vor dem Krieg, wo im Etat des Innern überhaupt nur 10 000 m. für Wohlfahrtspflege eingefeßt wurden. Allein es bleibt noch immer unendlich viel zu tun, und die fozialdemokratische Fraktion hat deshalb in verschiedenen Anträgen eine bessere Finanzierung der Jugendpflege gefordert, vor allem für die Unterbringung gesundheitlich gefährdeter Kinder auf dem Lande oder in Kinderheimen. Genoffin Ege verwies auf die durch die neue Heimarbeiter ausstellung abermals festgestellte Schädigung der Jugendlichen durch frühzeitige Heranziehung zur Arbeit. Vom Jugendamt Berlin wurden 1163 gewerblich tätige Kinder festgestellt und zwar im Alter Don 6-10 Jahren 19 Proz., von 10-12 Jahren 31 Broz. und von 12-14 Jahren 50 Broz. Um den großen Prozentsaz ber bettelnden und gewerbetreibenden Rinder herabzumindern, müsse bei dem dem Reichsjugendwohlfahrtsgesetz in§ 3 Abfah 4 und 6 die Rann in eine Mußvorschrift umgewandelt werden. Bei der Frage der Erholungs. fürforge wies Genoffin Ege auf das vorbildliche Boltsfanatorium Beilmünster hin, das mit feinen 1500 Rindern, die aus allen Städten Deutschlands tommen, als ein herrliches Kinderdorf angesehen werden fönne. Die Erholungstur der Kinder müsse von 6 Wochen auf 3 Monate verlängert werden. Genoffin Christ mann begrüßt, daß durch das Reichsjugendwohlfahrtsgefeß in der Fürsorgeerziehung eine bedeutende Befferung eingetreten ist. Besonders bemerkenswert fei, daß bei der Durchführung der Fürsorge jetzt die Polizei aus. nefchloffen bleibe. Der Minister müsse vor allem den Privatanstalten feine besondere Aufmertsamkeit schenten, da dort noch immer eine ganze Menge Rüdstände herrschen. Für bessere Auswahl und Aus. bildung der Erzieher müffe an allen Anstalten durch fozialpädago. gische Nurse gesorgt werden. Hierfür liegt ein fogialdemokratischer Antrag vor, desgleichen für die Berufsausbildung der Fürsorgezög linge nach den Grundsäßen der Berufsberatung. * Die vielen Mißstände, die sich bei der Durchführung des Heb. ammengefeges eingestellt haben, gaben bei den Beratungen im Hauptausschuß unseren Genoffen auch Beranlaffung, einmal über die Notwendigkeit der Aenderung des Hebammengefeßes ein deutliches Wort zu sprechen. Genoffin Ege wies auf die ungeheure Zunahme der Kindbettfieberfälle hin. Daraufhin wurde ein gemeinsamer Antrag angenommen, ber bas ministerium beauftragt, einen Entwurf zur Aenderung des Hebammengefeßes vorzulegen. Ein neuer Thekaprozeß. Der Mord an Arbeiter Jonas. Leipzig, 5. Juni.( WTB.) Bor dem Norddeutschen Senat des Staatsgerichtshofs zum Schuße der Republik begann heute unter dem Borsiz des Reichsgerichtsrats Hettner der sogenannte weite Ticheta Prozeß. durch den der Morb an beni Arbeiter Jonas in Hagenow( Mecklenburg) am 14. April 1924 feine Sühne finden foll. # Fehlern der Berliner Wohnungspolitik sei bei dem Städtebaudirektor Itart zu suchen. Zur Verbilligung des Einfamilienhauses forderte der Redner die Pflege des Typen baues und eine Herabdrückung der Baustoffpreise durch eine von der Stadt zu schaffende Baustoffgesellschaft, wie Wien sie hat. Bei Das Millionengeschenk für den Exkronprinzen. „ Moralische" Erwägungen. einen bedeutenden Liebhaberwert hat, aus Berlin stammt. Die Alben haben einen rotbraunen Pappdeckel und sind 40x25 cm groß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Sammlung in Berlin gestohlen worden ist. Der rechtmäßige Befizer fann sich bei Rrininalkommissar Bünger, im Zimmer 89 des Polizeipräsidiums, Berlin, melden. Der Deutsche Rundflug. 35 Flieger zur 4. Schleife gestartet. Die preußischen Städte hatten bekanntlich seinerzeit dem Ertronprinzen anläßlich seiner Eheschließung die Schenkung eines filbernen Tafelfervices versprochen. Infolge des Krieges kam die Schenkung nicht zur Bollziehung und so lagern die kostbaren Gegen stände, die einen Millionenwert repräsentieren, noch wohlverpackt in den Trejors der Reichsbant. Nachdem der Erkronprinz wegen Auslieferung dieser Kunstwerte jüngst an den Vorstand des Preußischen Städtetages herangetreten war, hatte die sozialdemokra Unter Berücksichtigung des herrlichen Wetters und des glatten tische Stadtverordnetenfraftion den Antrag gestellt, daß die Aus Verlaufs des Starts von 35 Maschinen zur 4. Schleife des Deutlieferung des Tafelschmucks zu unterbleiben habe und daß er ent- schen Rundflugs war das Bild, das das Tempelhofer Feld heute in den frühen Morgenstunden bot, zweifellos das schönste, das bisher sprechend seinem hohen künstlerischen Werte in einem Museum Das gute 3ur öffentlichen Ausstellung gelangen solle. Die Stadt- während des großen Wettbewerbs zu verzeichnen war. Wetter hatte ein zahlreiches Publifum angelockt, am Startplaz sah verordnetenversammlung hatte diesen Antrag an einen Ausschuß man außer den sonst anwesenden Interessenten den gestern auf dem verwiesen, der sich unter dem Vorsitz des Demokraten Dove mit der Angelegenheit befaßte. Genosse Dr. Weinberg legte dort ein- Luftwege in Berlin eingetroffenen Sachverständigen für gehend dar, daß juristisch eine Verpflichtung zur Ausgehend dar, daß juristisch eine Verpflichtung zur Aus. Luftverkehr im Englischen Luftfahrtministerium, händigung an den Ertronprinzen nicht bestehe, General Edwards, der in Begleitung des Oberregierungsrats da das Schenkungsversprechen nicht in der vom Gesetz vorgeschriebe. Gener vom Reichsverkehrsministerium mit Intereffe den Abflug nen gerichtlichen oder notariellen Form beurfundet sei, und daß die perfolgte und zahlreiche Maschinen sowie die Anlagen des FlugAushändigung des Tafelschmucks geradezu eine neue Millionen- hafens in Augenschein nahm. Um 4 Uhr früh wurde der Start für die 4. Schleife, die über Naumburg, Nürnberg, Augsburg nach schenkung an die Hohenzollern darstelle. Er betonte ferner, daß es vom moralischen Standpunkte aus geradezu unverantwortlich sei, München und von dort über Hof und Leipzig wieder nach Berlin wenn die preußischen Städte, die nicht in der Lage seien, den Ein- führt, freigegeben, und bereits um 4 Uhr 7 Min. begann der Ablegern bei ihren Spartassen und ihren Anleihegeläubigern die in flug aller am Startplag versammelten 35 Maschinen. gutem Geld bezahlten Beträge zurückzuzahlen, dem reichen Schloßherrn von Dels eine derartige Schenkung machen. Die bürgerlidhen Barteien erflärten sich in geschlossener Front gegen diesen Antrag. Da ihnen die Schwäche der juristischen Position des Ertronprinzen sicherlich nicht verborgen blieb, begründen sie ihren Standpuntt im wesentlichen mit angeblich moralischen Erwägungen, die es unmöglich machten, ein einmal gegebenes Bersprechen nicht zu erfüllen. Einen Schildbürgerstreich leistete fich der Kommunist Benus, indem er sich zwar gegen die Auslieferon 4 Std. 20 Min. Nach Ablauf der vorschrittsmäßigen Wartezeit rung des Tafelschmucks wandte, jedoch allen Ernstes feine Einschmelzung und die Verteilung des Erlöses an die Bedürftigen verlangte. Mit Recht wies demgegenüber Genosse Flatau darauf hin, daß der Hauptwert des Silberschmucks nicht in dem Material, fondern in der hervorragenden künstlerischen Gestaltung liege, durch welche ein Meisterwerk des Kunsthandwerks entstanden fei, wie es seit Jahrhunderten faum geschaffen ist. Oberbürger meister Böß, der als Vorsitzender des von den preußischen Städten zu diesem Zwede eingesetzten Ausschusses maßgebenden Einfluß in diefer Angelegenheit befigt, erklärte, daß er sich noch fein endgültiges Urteil gebildet habe und die Entscheidung dem Komitee überlassen werde, das voraussichtlich zunächst juristische Gutachten erfordern werde. Der Ausschuß tam nach längerer Debatte zur Ablehnung unferes Antrages mit allen bürgerlichen Stimmen. Die Bevölkerung Berlins wird bei den nächsten Stadtverord netenwahlen Gelegenheit haben, ein Urteil darüber abzugeben, ob sie bamit einverstanden ist, daß den Hohenzollern ein neues millionengeschent auf Kosten der notleidenden Städte nach geworfen wird. Die ,, Zigeunerlager" am Möllenfee. Angeklagt sind der Tischlergeselle Karl Winkel aus Niederlehme, der Arbeiter Erich Schmidt aus Neubrandenburg, der Einer der schönsten märkischen Seen ist der Möllensee hinter Dachdeckergeselle Johann Warnke aus Güstrow und der Alt- Buch horst. Von wundervollen bewaldeten Höhen umgeben, Schriftsteller Walter 3eutschel aus Hamburg. Schmidt ge- blieb er von der Landhausbebauung bisher verschont. Zahlreiche hörte bem Mecklenburg- Streliger, Warnte dem Mecklenburg fleine Buchten und gute Freibadestellen machen ihn für den Wasser Schweriner Landtage als tommunistischer Abgeordneter an. Beut sport und andere Erholungsarten wie geschaffen. Ihn zu umgehen. Ichel ist des vorsätzlichen Mordes an Jonas angeklagt, Wintel der braucht man volle zwei Stunden. Diese Schönheit des Sees hat auf Beihilfe und Warnte der Begünstigung. Sämtlichen Angeklagten feinen Höhen, wo lichte Stellen find, mehrere Lager on wird Vorbereitung zum Hochverrat und Zugehörigkeit zu einer ungefähr 150 Belten erstehen lassen. Hier hausen die Belt Staatsfeindlichen Berbindung Dorgeworfen, ben Angeklagten bewohner, die fast alle auch ein Ruder- oder Segelboot bei sich Schmidt, Warnke und Zeutschel Sprengstofftomplott, den beiden haben, halbnadt wochenlang, laffen sich auch von einem tüchtigen lettgenannten auch unbefugter Waffenbefiz. Die Berteidigung Landregen nicht vertreiben und find schon jetzt braun wie die Nubier. führen die aus dem ersten Tscheta- Prozeß bekannten Rechtsanwälte Man tocht und wäscht wie zu Hause, spielt, singt und tanzt, amüDr. Herzfeld Berlin und Dr. Wolf Düsseldorf. 71 Beugen fiert sich den halben Tag in und auf dem Wasser, lebt ohne Aus find geladen, darunter die Witwe des ermordeten Jonas, die Unterschreitungen in guter Eintracht. Wer sich der Ordnung nicht ansuchungsrichter Landgerichtsdirektor Bogt Berlin und Land. paffen will, wird aufgefordert, baldigit zu verschwinden. Sogar gerichtsdirektor Jürgens Stargard( Bommern), ferner Regie- Antennen sieht man auf den Zelten. Das ist an schönen Tagen rungsrat Biggers Schwerin und der in Untersuchungshaft be- die beste und billigste Sommerwohnung. Einige Schwierigkeiten findliche Lokomotivführer a. D. Bogenhardt, ber feinerzeit im macht immer nur die Versorgung mit Trint- und Kochwasser, das Gebäude der russischen Handelsmiffion Zuflucht gesucht und dadurch von weither in mitgeführten großen Korbflaschen mittels Bootes den Konflikt mit der Mission veranlaßt hatte, weiter der Straf herbeigeschafft und auf die einzelnen Belte verteilt wird. Natürlich gefangene Ernst Schinkel, der im medlenburgischen Bartifanen muß jeder Beltbefizer einen von der Forstverwaltung für geringe prozeß eine große Rolle gespielt hat. Unter den Sachverständigen Gebühr ausgestellten 3eltschein haben. Die Landjäger und Rebefinden sich die im ersten Ticheta- Brozeß hervorgetretenen Gerichts. Dierförster laffen sich ohne übermäßige Kontrolle häufiger bliden ärzte Dr. Schütz Leipzig und Dr. Thiele Berlin, der auch aus und achten auch scharf darauf, daß zur Verhütung von Waldbränden ber Höfle- Angelegenheit bekannt ist. nicht an ungeeigneten Stellen gefocht wird. = Die Verhandlung wird voraussichtlich vierzehn Tage in AnSpruch nehmen, da auch von der Berteidigung umfangreiche Be meisanträge geftellt worden sind und eine Reihe von Beugen ge laben werden. Nicht der echte Bela Kun, sondern ein junger portugiesischer Kom munist, der sich diefes Pseudonym angeeignet hatte, ist in Lissabon verhaftet und beportiert worden. So berichtigt es ein Savas- Tele gramm aus Liffabon. Wem gehört die Notgeldsammlung? Bor einigen Tagen wurde auf der amtlichen Gepädausbe. wahrungsstelle in Lindau a. Bodensee, ein Patet geöffnet, das feit brei Monaten dort lagerte und nicht abgeholt worden war. Es enthielt drei Alben mit einer vollständigen Notgeldsammlung jämtlicher norb- und füddeutschen Städte. Gewisse Anzeichen deuten barauf hin, daß diese Sammlung, die wegen ihrer Bollständigkeit Außer diesen 35 Startern von Berlin aus, find 4 Maschinen von der 3. in die 4. Schleife eingebogen, nämlich der fleine ,, Mohamed", 611, der von Halle nach Naumburg geflogen ist, ferner 623 Lörzer auf dem zweimotorigen Daimler, 641 Mart- Eindecker und 668 2. F. G.- Eindecker, sodaß zurzeit 39 Maschinen sich auf der 4. Schleife befinden. Von diesen traf 639 Bäumer auf Bäumer- Emdecker, der bisher vom Glück nicht sonderlich begunstigt war, bereits um 9 Uhr in München ein, nach einer Flugzeit startete Bäumer dann von München nach Hof, fadaß er, falls sein Weiterflug glatt verläuft. mit seinem„ Saufewind" bereits in den ersten Nachmittagsstunden in Berlin zurüderwartet werden kann. Nach den bis 12 Uhr mittags vorliegenden Meldungen, war von den heute früh zur 4. Schleife gestarteten Maschinen 667( L. F. G.) furz nach 8 Uhr in Naumburg gelandet. In Augsburg landete um 10 Uhr 44 mm. 685( 3ander auf Heinkel) und 651( v. Stoppen auf Albatros), während 663, eine Heinkelmaschine, die Stadt in Richtung auf München überflog. In München landete außer dem bereits gemeldeten Bäumer- Eindecker, auch die Udet- Maschine 660 um 9 Uhr 21 Min. Sonntag, den 7. Juni, findet schon um 4 Uhr statt. Die BremerDas Borrundenspiel um die Arbeiterfußballmeisterschaft am havener Mannschaft trifft Sonnabend nachmittag 1 Uhr 40 auf dem Lehrter Bahnhof ein. Alle Sportgenossen, die Zeit haben, werden gebeten, zum Empfang der Bremer auf dem Bahnhof zu sein. Das Endspiel findet nicht, wie berichtet, in Frankfurt, sondern entweder in Nürnberg oder in Dresden statt, je nachdem, wer am Sonntag in Nürnberg gewinnt. Alles Nähere in der Sonntagsausgabe des Vorwärts". Gedächtnisfeier für den erschossenen Reichsbannerkameraden Erich Schulz. Das Reichsbanner Kreuzberg veranstaltet am Dienstag, den 9, Juni, in der Bockbrauerei, Fidicinstraße, eine Gedächtnisfeier für seinen am Vortage der Präsidentenwahl von Hakenkreuzlern erschossenen Kameraden Erich Schulz.Das Typographia Doppelquartett leitet die Feier ein, Pastor Bleier hält die Gedächtnisrebe. Sodann wird eine neue dramatische Dichtung„ Die Freischar" von Georg Faltenheim zum ersten Male aufgeführt, die dem Andenken ber gefallenen deutschen Freiheitshelben gewidmet ist. Die Dichtung behandelt die Anfänge der deutschen Freiheitsbewegung. Die Darstellung liegt ausschließlich in den Händen von Angehörigen der Reichsbannerortsgruppe Kreuzberg. Die Beranstaltung beginnt um 8 Uhr. Eintritt 50 Bf. Genoffe Pfarrer Bleier spricht Sonntag, den 7. Juni, abends 6 Uhr, in der Trinitatiskirche, Charlottenburg, Karl- August- Plaz, über das Thema: Die Bedeutung der Kirche". Parteigenosfinnen, Barteigenoffen erscheint zahlreich! " Meuterei im Hamburger Zentralgefängnis. Hamburg. 6. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Im Hamburger Bentralgefängnis Fuhlsbüttel tam es am Freitag zu einer Meuterei Don Schwerverbrechern, die auf einem Spaziergang zwei Gefängnisbeamte überfielen, fie niederschossen und ihrer Waffen beraubten. Die Verbrecher versuchten darauf, andere Beamte zu überwältigen und famen über eine Mauer, wo Sicherheitsbeamte Posten standen. Auf einen Sicherheitsbeamten wurden Schüsse abgegeben, worauf dieser das Feuer erwiderte und zwei der Verbrecher, den wegen Mordes zum Tode verurteilten und zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigten Kroll und einen anderen mit 12 Jahren Zuchthaus bestraften Verbrecher Eichmann niederschoß und den Doppelmörder Bartto miat schmer verlegte. Die weiter an der Meuterei beteiligten 14 Schwerverbrecher wurden dann von herbeigeeilten Be amten überwältigt und in ihre Zellen zurückgebracht. russischen Einheitstomitee beizutreten und die Einberufung eines] tung unter feinen Umständen einzugehen. Die Gewerkschaftsbewegung Belttongresses mit der Moskauer Gewerkschaftsinternationale ge- Frage, ob durch eine derartige Vereinbarung", die unter der Eine unvollständige Denkschrift. in Der Deutsche Landwirtschaftsrat Derbreitete diefen Tagen eine sehr umfangreiche Denkschrift zum Schutzzollpro blem. Darin wird an Hand zahlreicher Tabellen und graphischer Darstellungen der Nachweis zu führen versucht, daß der Stand der landwirtschaftlichen Erzeugung die Agrarzölle nötig mache. Die Denkschrift enthält fraglos manchen interessanten Fingerzeig. Man könnte sie als beachtenswerten Beitrag zur Zolliteratur bewerten, wenn sie nicht eine sehr erhebliche Lücke enthielte. Aufteiner Geite des 184- jeitigen Wertes wird nämlich auch nur mit einem einzigen Wort auf das Lohnproblem in der Landwirtschaft eingegangen. Man sucht vergeb. lich nach einer Gegenüberstellung, die die Belastung des Brobuftions toftenfontos in der Vorfriegszeit und in der Gegenwart durch Lohnzahlungen aufklärt. Es handelt sich hierbei um den gleichen Uebelstand, der auch in den monatlichen Uebersichten der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer über die Preise landwirtschaftlicher Probuftionsmittel und Erzeugnisse wiederkehrt. Mit einer Handbewegung und mit einem Hinweis auf die geringe Bedeutung der Lohnzahlungen für das Produktionskonto, läßt sich die Unvollständigkeit der Denkschrift nicht entschuldigen. Nach Erklärungen, die aus dem Munde landwirtschaftlicher Arbeitgeber stammen und gelegentlich zum Zwecke der Zurücweisung von Lohnforderungen abgegeben wurden, belasten die Lohnzahlungen das Produktionskonto in der Landwirtschaft mindestens zu 30 Pro 3, das heißt, in einer Weise, die sehr wohl beachtenswert erscheint. Nach unserer Ueberzeugung ist das fehlende Material in der Dent. schrift.absichtlich weggelassen worden. Man will die für die Intereffen der Landwirte sprechende Beweisführung nicht stören durch das Eingeständnis, daß fie, soweit das Lohnproblem in Frage fommt, gegen früher sehr im Vorteil find. Man will nicht eingestehen, daß sich die Landarbeiter noch immer mit einem Lohn zu frieden geben müssen, der weit hinter den Lohnfäßen zurückliegt, die ein Dr. Asmis und ein Freiherr von Wangenheim für die Vorfriegszeit erwähnen. Gegen eine solche Einstellung muß entschieden Front gemacht werden. Bon einer Institution wie dem Deutschen Landwirtschaftsrat ist zu verlangen, daß er Veröffentlichungen herausgibt, die nach jeder Richtung hin der Kritik standhalten. Internationale Arbeitskonferenz. Genf, 6. Juni.( WTB.) Die Internationale Arbeitskonferenz ſetzte geſtern nachmittag die zweite Lesung des Entwurfs zu einem internatinalen Abkommen über das Berbot der Nachtarbeit in den Bäckereien fort. Ein Zusagantrag der britischen Regierung zu Art. 1 der Vorlage, wonach das Verbot der Nachtarbeit nur für die Arbeiter zu gelten habe und nicht auch für die Bäckermeister, wurde nach entschiedener Intervention des früheren französischen Arbeitsministers Justin Godard mit 76 gegen 36 Stimmen abgelehnt, jo daß also die Nachtarbeit jowohl den Bädergesellen als auch den Bädermeistern verboten sein soll. Artikel 2 des Entwurfs sezt die Zeitdauer des Berbots der Nacht arbeit auf mindestens 7 aufeinanderfolgende Stunden fest. Ein von der schweizerischen und der belgischen Regierung eingereichter Zusatzantrag, wonach den Behörden die Entscheidung bleiben sollte, die Bäckereiarbeiten con 4 Uhr oder 5 Uhr morgens an wieder zu ge statten, wurde mit 55 gegen 43 Stimmen abgelehnt. Der Text der Kommission, welchem die Mehrheit der Konferenz zustimmte, hat diese Entscheidungsfreiheit der Behörden aufgehoben und ihre Stelle eine vorherige Einigung zwischen den beteiligten Arbeitgebern und Arbeiterorganisationen gesezt. Artikel 2 der Vorlage wurde hierauf in der erwähnten Form mit 72 gegen 31 Stimmen angenominen. Die Gesamtheit des Berichts der Antragskommission wurde als dann in namentlicher Abstimmung mit 72 gegen 25 Stimmen angenommen. Die Vorlage geht jetzt an das Redaktionsfomitee. Kommunistenschwindel. In der Generalversammlung des Berkehrsbundes am Donnerstag wurde u. a. folgende Entschließung angenommen: Der Bundestag wolle beim ADGB. bzw. bei dem Inter nationalen Gewerkschaftsbund dafür Sorge tragen, daß endlich die gesamten Gewerkschaften der Welt sich einheitlich zusammen schließen, unter der Voraussetzung, daß die politischen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Gewerkschaft ausgeschieden werden und, ob Amsterdam oder Moskauer Richtung, im Intereffe Richtlinien beſchloſſen werden, die zum Nuzen und Wohl der gesamten organisierten Arbeiter sind. Die„ Rote Fahne" schiebt an Stelle dieser eine andere Ent schließung, in der der ADGB. aufgefordert wird, dem englischUnsere Geschäftsräume befinden sich Keniggrátzerstr. Leipzigerstr Jetzt Berlin W.9. Potsdamersit KRK Bellevue- Str. 14. Krupp Registrier Kassen GESELLSCHAFT MBH STAMMHAUS FRIED KRUPP AG ESSEN Gardinen Sonderangebote Gelegenb.- Käufe in Resten Stores, Bettdecken Madras- und Künstlergardinen. 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Es steht nur noch das Ergebnis vom Bezirk Herborn aus. Das Verhältnis der auf die einzelnen Organisationen entfallenden Betriebsratsmitglieder wird dadurch jedoch nicht geändert. Die Stimmenzahlen lassen sich nicht feststellen, weil in vielen Betrieben nur eine Vorschlagsliste eingereicht worden ist und eine Abstimmung nicht vorgenommen wurde., Soweit die Arbeiterratsmitglieder in Frage fommen, verteilen fich die Mandate folgendermaßen: " 1925 1924 Freie Gewerkschaften....3351 61,71% 2618= 52,67% Christliche Gewerkschaften.. 903. 16,63% 769 15,47% 0,88% H.- Dunderiche Gewerkschaften 47. 1,16% Bolnische Berufsvereinigung = 0,25% 0,87% 22 37% 12 = 0 == 58== 42 77 1 1112 16,370 1,41% = 249 = 42 1,84% 80 Union d. Hand u. Kopfarb. 889 Syndikalisten. Gelbe Gewerkschaften. Sonstige... 50 99 1 = 0,91% 5428 100,00% 5.01% 0,82% 1,63% 4970= 100,00% Wie die Aufstellung zeigt, haben vor allen Dingen die freien Gewerkschaften gegenüber dem Vorjahre wesentliche Fortschritte gemacht. Auch die christlichen Gewerkschaften haben ihren Anteil steigern fönnen. Alle anderen Organisationen haben erhebliche Verluste erlitten oder fommen für die Gesamtheit nicht weiter in Betracht. Die stärksten Verluste haben die Union der Hand und Kopfarbeiter und die Syndikalisten zu verzeichnen. Bemerkenswert ist auch der Mißerfolg der Gelben. Troz aller Protektion durch die Unternehmer und den Schwierigkeiten, baten bereiteten, haben die Gelben in ganz Deutschland nur fünfzig den diese den freien Gewerkschaften bei der Aufstellung von KandiMandate erzielen können. Die Unternehmer werden sich wohl fragen müssen ,, ob dieses Ergebnis die Anstrengungen und Geldaufwendungen zugunsten der Gelben rechtfertigt. Die Kündigungskrankheit. Die Entdeckung dieser Krankheit, die sich auf Angestellte beschränkt, verdanken wir dem Groß Berliner Arbeitgeber verband des Großhandels. Unterm 15. Mai hat dieser Verband an seine Mitglieder ein Rundschreiben gerichtet, das die Bezahlung von Rrantheitstagen bei taufmännischen Angestellten betrifft. Diese Angelegenheit ist zwar geseglich geregelt, allein eben die gesetzliche Regelung gefällt den Unternehmern nicht. Sie haben deshalb bereits versucht, die gesezliche Vorschrift durch eine besondere Vereinbarung mit den einzelnen Angestellten in irgendeiner Beife abzuändern. Die Angestelltenvertreter haben sich jedoch dagegen gewehrt, unter Hinweis darauf, daß die gesetzliche Vorschrift, wonach im Krankheitsfalle des Angestellten das Gehalt bis zur Höchstdauer von sechs Wochen zu zahlen ist, nicht durch andere Abmachungen umgangen werden könne. ,, Die neuerlichen Entscheidungen der Gerichte gehen aber sämtlich in der Richtung, daß die erwähnte gefeßliche Vorschrift nicht zwingendes Recht ist, sondern nur dann in Kraft tritt, wenn mcht eine andere Bereinbarung getroffen worden ist. Wenn also zwischen dem Arbeitgeber und den einzelnen faufmännischen Angestellten eine andere Regelung der Bezahlung der Krankheitstage vereinbart wird, so ist sie durchaus rechtsgültig." Ausnutzung der Notlage einzelner Angestellten aus Furcht vor Kündigung herbeigeführt" wird, die Angestellten um einen ge feglich verbürgten Anspruch geprellt werden fönnen, wird vom Zentralverband der Angestellten gründlich nachgeprüft werden. Das Rundschreiben zeigt, wie dieser Arbeitgeberverband um das Wohlergehen der Angestellten und um das Fortkommen" der gefündigten Angestellten besorgt ist. Gelbe Flieger. In der reaktionären Bresse fonnte eine„ Berufsvereinigung deuts scher Flugzeugführer( Berkehrsflieger, Einflieger und Fluglehrer) ihre Gründung anzeigen, die parteipohtisch und fonfessionell neutral" zu sein vorgibt. Insbesonder hat die Bereinigung den 3med, die Mitglieder in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu heben und„ den raterländischen Gedanken" zu fördern." Weiter heißt es:„ Den Streit erfennt sie nur so lange an, bis die Arbeitsgerichtsbarkeit vollkommen durchgeführt ist. Im übrigen steht sie auf dem Boden der Berufs und Werfsgemeinschaft und befämpft die auf dem Standpunkt des Klassenfampfes und der Klassenabsonderung stehenden Gewerkschaften." In der Luft? Den Luftverkehrsgesellschaften bieten sich natürlich viele frühere Militärflieger an, die ihre monarchistisch reaftionäre Einstellung auch in ihre Erwerbstätigteit mit herübernehmen und ihr Geltung zu verschaffen suchen. Da fie fich auch in den Fliegerschulen breifmachen, beeinflussen sie auch den Nachwuchs in ihrem Sinne und versuchen, denselben ihren politischen Plänen dienstbar zu machen. Doch troh der Feindschaft gegen die Reichsfarben und die republikanische Verfassung muß sich die moderne Technit im Luftverkehrswesen in dem Gegensah zu der sozialen Rückständigkeit eines großen Teils der Flieger als der stärkere Teil erweisen. Rückständige Gesinnung ist mit der Ausübung eines derart modernen Berufes un vereinbar. Sechsstundenschicht in den elfäffischen Kaligruben. Saarbrüden, 6. Juni.( Mtb.) Nach einer Pariser Meldung des WTB. soll der französische Arbeitsminister die Beibehaltung der Sechsstundenschicht in den Saargruben entgegen eines Antrages der Bergwerksdirektion angeordnet haben. Hierzu erfahren wir Don gut unterrichteter Seite, daß es sich offenbar um eine Verwechslung mit den elsässischen Kalimerken handle, bei denen seitens der Unternehmer der Antrag auf Einführung der Acht. stundenschicht in solchen Betrieben, in denen aus Gesundheitsrückfichten bisher nur 6 Stunden gearbeitet wurde, gestellt wurde, der jedoch von der Regierung abgelehnt wurde. Die Arbeitszeit in den Saargruben beträgt nach wie vor 8 Stunden über und 7½ Stunden unter Tage. im Der Verband der Saffler, Tapezierer und Portefeuiller hatte 1. Vierteljahr 1925 eine Zunahme von 1953 und einen Bestand Don 33 294 Mitgliedern. Achtung, Zimmerer! Der Streif bei der Firma. Sommerfeld ist beendet. Die Streifleitung. Theater der Woche. Bom 7. Juni bis 15. Juni 1925.. Bolfsbühne: 7. und 8. Samlet. 9., 10. und 12. Datterich. 11. und 14. Opernhaus: Wer weint um Judenad? 13. Schneider Wibbel. 15. Fiesto. 7., 10. und 12 Girawinski Abend 8. Mona Lifa. 9. Aida. 11. Meister finger. 13. Frau ohne Schatten. 14. Soffmanns Erzählungen. 15. Ferner Klang. Rroll- Oper: 7. Fliegender Holländer. 8. Bar und Zimmerman. 9. Traviata 10. Bohème. 11. Fledermaus. 12. und 14. Evangelimany 13. Troubadour. 15. Galome. Schauspielhans: 7., 10. und 12. Rheinische Rebellen. 8., 9. und 11. Brand im Opernhaus. 13. Peer Gynt. 14. Faust I. In zahlreichen Fällen ist uns von unseren Mitgliedern der folgende Borfall mitgeteilt worden: Wenn einem kaufmännischen 15. Torquato Taſſo. Schiller- Theater: 7. und 10. bis. 15. Der Glüdspilz. Angestellten gekündigt wird, so tommt es oft vor, daß er sich dann frant schreiben läßt und während der Krankheitszeit die Gehaltszahlung weiter fordert und, wenn nichts vereinbart ist, auch erhalten muß. Diese auffällige Tatsache ist in der legten Zeit so oft gemeldet morden, daß wir uns genötigt sehen, unseren Mitgliedern davon Kenntnis zu geben, daß die folgende, schriftlich getrof fene Vereinbarung als Schutzmaßnahme gegen diese Vorfälle in pollem Umfange rechtsgültig ist: „ Die Geschäftsleitung ist nicht verpflichtet, eine Krankheitszeit während der Kündigungsfrist zu bezahlen. Sie behält sich indessen vor, in einzelnen Fällen dennoch diese Krankheitstage zu bezahlen, wenn nach ihrer Ansicht wirklich eine Krankheit vor= liegt." Spielhaus: Gefchloffen. 8. und 9. Charlens Tante. Leffing- Theater: Demimonde. Ab 12. Die Göttin auf der Bala. Theater in der Königgräger Straße: Geschlossen. Große Boltsoper im Theater bes Westens: Uschi. Die Tribüne: Sübsches Mädchen Romödien hans: Das filberne Kaninchen. zu verschenken. Deutsches Künstler- Theater: Monfieur Trulala. Berliner Theater: Anneliese von Deffau. Trianon- Theater: Die blaue Stunde. Rentral- Theater: Silfe, ein Rind ift Dom Simmel gefallen! Theater in ber Rommanbantenstraße: Durch den Romische Oper: Das hat die Welt noch nicht gefehen. Lufte Rundfunt. Metropol- Theater: Taufend füße Beinchen. Theater am Kurfürstendamm: Madame Revue. Kleines Theater: Angele. Der Arzt feiner Ehre. Wallner- Theater: Meifelen. Rose- Theater: 6. und Garten: Bom Sochaeit vor der Che. 8. bis 18. Der Tebige Ehemann. 7. bis 14. Rund um die Berolina. Rafino Theater: Die Mäbels vom Rut Herrnfeld Theater: Haufierer Jokele. Die Original- Alabrias. partie. Rabriaspartie 2. Teil. Schloßpart- Theater Steglis: Der wahre Jakob. Theater im Admiralspalast: Chocolate Riddies. Operettenhaus am Schiffbauerbamm: Der fleine Rupplet( Le chien qui rapporte). Rachmittagsporteilungen. Bolkebühne: 7. Ber weint unt Judenad? 14. Datterich. Kroll- Oper: 7. und 14. Alt- Berliner BoffenSchiller- Theater: 7. Charleys Tante. Leffing- Theater: 7. vorm. Eraeffe. Theater im Abmiralspalaft: 7. und 14. Chocolate Riddies. Eine Krankheit des faufmännischen Angestellten liegt also für die„ Geschäftsleitung" nach diesem Vorschlage nicht vor, wenn der Arzt sie fonstatiert hat, sondern nur dann, wenn der Angestellte Berantwortlich für Bolitik: Bieter Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; nach Ansicht der Geschäftsleitung wirklich frant ist. Den einzelnen Angestellten, insbesondere auch den weib= Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt; Auzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruderet lichen, ist dringend zu empfehlen, eine derartige Berpflich und Berlagsanstalt Baul Ginger u. Co.. Berlin GB. 68. Lindenstrake 3. 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