Nr. 133. Srlcheint läßlich außer Mantazi. Preis Pränumerauda: Vieriel- tührlich 8,30 Mark,«wnatllch 1,10 MI,, wöchentlich 28 Psq, frei In'ä Haus, Einzelne Nummer 0 Pfg, Sonntags-Nummer mit tlluslr. Sonntags- Beilage„Neue Welt" lO Pfg, Post-Slbonnement: 3,30Mr, proQuartal, Unter Kreut« band: Deutschland u, Oesterreich- Ungarn 2 Ml,, für das übrig« Ausland 3Mk, pr,Mo»at, Eiugetr. tu der Post- Zeilungs- Preisliste lür 1885 unter Nr. im. 12. Jahrg. Znsertions-Sebuhr beträgt für die snnsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Bereins- und Persammlungs- Anzeigen 20 Psg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedttion abgegeben werden. Die Erpediltou ist an Wochentage» bis 7 Uhr Abends, an Eonn- uiid Festtagen bis» Uhr Vor- mittag» geöfsne». »ernsprtcher: Amt 1, z>lr. 1508. Selegraiinu- Adresse: „Koiialdemokrat Kerlt»!' Verllner Volksblait. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. ZtedaKtion: LV. 19, Aeuth-Strakc 2. Mittwoch, den 29. Mal 1893. ßFpeditioll: LV. 19, Peuth-Straße 3. Die Situation in England. London, Ende Mai I8QS. Vor wenigen Tagen hat wieder eine Nachwahl stattgefunden und auch sie hat mit einem Sieg des nnionistischen Opposilions- kandidaten über den Regierungskaudidaten geendet. Der be- treffende Wahlkreis war auch bisher unionistisch vertreten ge- wesen und zwar durch den bisherigen„Sprecher" des Parlaments, der mit einer Ehrenpension von jährlich 80 000 M. und der Er- nennung zum Viscount dem Haus ber Gemeinen Valet gesagt hat. Herr Robert Peel war 188S als Liberaler gegen einen Konservativen gewählt worden, hatte sich dann der liberal- unionistischen Gruppe angeschlossen und war seitdem stets ohne Gegenkandidaten wiedergewählt worden. Als die Frage auf- tauchte, wer sein Nachfolger im Wahlkreis sein solle, erhob sich in demselben ein großer Streit zwischen den Konservativen und den liberalen Unionisten. Die ersteren reklamirten den Sitz als die bei weitem Stärkeren im Kreise, die letzteren aus Grund des„Vertrages", den beide Parteien seinerzeit gegen die Gladstonianer geschlossen und wonach der damalige Besitzstand beiderseitig für die Dauer des Bundes respcktirt werden sollte. Es mußte erst großer Druck von feiten der Drahtzieher im Haupt- quartier ausgeübt werden, bis die Konservativen im Kreise sich zur Unterwerfung unter den Pakt verstanden, und sie thaten es anfangs in so unwilliger Weise, daß die Liberalen sich in der Hoffnung wiegten, angesichts dieser Unzufriedenen das Mandat für ihre Partei zurückerobern zu können. Diese Hoffunng ist jedoch nicht erfüllt worden. Wo 1335 Herr Peel mit 2tU4 Stimmen siegle, erhielt diesmal der Liberale nur 2236 Stimmen, der Uuionist aber erhielt 2818 Stimmen, während 1885 der Konservative mit 2272 Stimmen unterlag. Beiläufig zeigt das Slimmenverhältniß, daß in der That der Anspruch der liberalen Unionisten auf den Sitz blos noch ein „historischer" ist. Die Wähler des Herrn A. Lyttelton waren mindestens zu drei Vierteln Konservative. Da aber die Unterscheidung zwischen liberalen Unionisten und ssonservativen selbst immer mehr„historisch" wird, so hat das blos für die internen Verhältnisse der Koalition Bedeutung. Wenigstens so lange dieselbe in der Opposition ist. Das scheint sie nun freilich die längste Zeit gewesen zu sein. Alles deutet darauf hin, daß es mit der liberalen Negierung rapide bergab geht. Die letzten Wahlverluste haben ihrem Thatendrang den Rest gegeben. Ihre Reformvorlagen schrumpfen immer mehr zusammen, alle Kampfeslust ist zum Teufel. Sie regiert nur noch unter dem Zeichen des Komproniisses— mit der sich immer herausfordernder aufspielenden Opposition, Ihre bunt- gewürfelte Anhängerschaft wird auch immer unzufriedener. Die Demagogenblätter der Partei schreie» nach energischerer Fuhrung, die Führer sollen schneidiger austreten, um die Masse mit sich zu reißen, aber von den Führern tönt es zurück, der Fehler liege bei der Masse, die nichts thue,? um die Führer zu energischem Fortgehen auf der betretenen Bahn zu erniuthigen. In der That ist die Lethargie der Maffe eine große, sehen wir von den Fragen ab. niit denen rein lokale oder Provinzialinteressen vcrknüpjt sind, so ist in bezug auf keine der auf die Tagesordnung gesetzten Re- formen die Agitation der an ihnen Jnteressirten mit der der Gegeninteressenten auch nur annähernd zu vergleichen. Aber ebenso richtig ist, daß die liberale Parteileitung mit einer Matt- Herzigkeit vorgeht, die den feurigsten Enthusiasmus auf den Ge- frierpunkt abkühlen könnte. Sehr gut illustnrte das vorige Woche der sozialistische„Clarion". Er zeichnete Sir William Harcourt eingeschlafen am Brunnen sitzend, neben ihm den Schöpfeimer Fenttletoll. INachdruck perboten, l Kerliner Marztage. Eine geschichtliche Erzählung von Michel Deutsch. L3 leer am Boden und auf der anderen Seite eine Tonne, das Hans der Lords darstellend, offenbar aus- gelausen. Darunter das vor Jahr und Tag ausgegebene Schlagwort der Liberalen:„flllivA rix the crix"— Auffüllung des Bechers. Erst müßten die Lords in die Lage gebracht werden, den Becher zum Ileberlausen zu bringen, hieß es, dann werde die Zeit da sein, gegen diese selbst in's Zeug zu gehen. Diese Anfsnllung des Bechers sollte aber dadurch zu wege gebracht werden, daß eine Neformvorlage nach der andern im Hans der Gemeinen durchberalhen und den Lords präsentirt werden sollte; je mehr diese Obstruktion üben würden, um so mehr würde die Erbitterung der Wähler gegen dieselben sich steigern. Der schöne Plan ist zu schänden geworden an der Obstruktionspolitik der konservativ-unionistischen Opposition im Haus der Gemeinen und der Nachgiebigkeit des Sir William Harcourt ihr gegenüber, Herr Harcourt bekleidet neben der Schatzkanzlerwürde den sehr einflußreichen Posten des Leiters des Hauses der Gemeinen, den bis zu seiner Abdankung Gladstone sich selbst vorbehalten hatte, Er wurde Herrn Harcourt übertragen, um ihn für den eut- gangenen Premierposten zu entschädigen, und Herr Harcourt ent- schädigte sich kraft seiner nach Noten—„rvitli a vengcance", wie der Ausdruck auf den Spielplätzen lautet, Ter Schwerpunkt des politischen Spiels liegt für beide Parteien— konservative wie liberale— im Hans der Gemeinen, aber zehnmal mehr für die letzteren wie für die ersteren. Was das Hans der Lords an Einfluß auf die Politik auszuüben vermag, ist Monopol der Konservativen, die dort über eine Mehrheit von 10: I verfügen. Was nutzte also Lord Nosebery feine Prcmierschaft? Das Hau? der Lords ist, wie er sich selbst ausgedrückt hat, für ihn ein ver- goldeter Käfig. Er ist als erblicher Peer an dasselbe gekettet, ohne Möglichkeit, aus dasselbe einen Einfluß auszuüben. Im Haus der Gemeinen aber dispouirte Harcourt, wie es ihm paßte, so daß Nosebery, ähnlich wie ein konstitutioneller Monarch, blos nominell, Harcourt aber ihalsächlich regierte. Und es ist ein off-ncs Geheimniß, daß dessen Regierung ihre Spitze gerade gegen die in wirthsehaft- liehen Fragen avaucirteste Nichlimg im Ministerium kehrt, während Rosebery es mit derselben hält. Harcourt vertritt wesentlich die alten Traditionen der liberalen Partei, Nosebery wollte einen vorgeschrittenen Radikalismus im Innern mit einer starken, imperialistisch gefärbten Politik nach außen verbinden. In letzterer Hinsicht sind seine Bemühungen nicht ganz erfolglos geblieben, aber in der inneren Politik hat ihm Harcourt das Spiel verdorben. Und hinter Harcourt oder gegen Nosebery stehen nicht nur die Nonkonformisten, Teetotaler und verwandte Schwärmer, sondern auch die Radikalen der Richtung Labouchere, die mehr oder minder ausgesprochenen Gegner der Monarchie, resp. Dynastie. Wenn sich einige von diesen in neuester Zeit überzeugt haben, daß ihre einseitigen Angriffe auf den Peer- Premier ihrer Einsicht ein schlechtes Zeugniß ausgestellt haben, so muß man ihnen doch darin recht geben, daß für die liberale Partei Englands ein Premierminister, der nicht in der gewählten Kammer sitzt, ein unmöglicher Anachronismus ist. Eine solche Berlheilung der Nolle» muß unter allen Uniständen die größten Unznträglichkeiten mit sich bringen, bei der gegenwärtigen idonstellation hat sie die Partei dahin gebracht, daß sie nachgerade anfängt sich selbst zum Spott zu werden. Im Parlament spielen sich im gegenwärtigen Moment die wichiigsten Vorgänge hinter den Konliffen, in den Kommissionen und Waiidelgängen ab. Im Plenum wird neben dem Budget die Bill über die Entstaatlichung der anglikanischen Kirche in Wales verhandelt, eine Vorlage, deren Schicksal von vornherein besiegelt ist; ihre Berathung wird nur durch das Mittel der Rede-Gnilloline zu Ende gebracht werden können, und dann wird das Haus der Lords erklären, einer so ungenügend berathenen Bill könne es, bei der großen Tragweite der Sache, seine Zu- stimmung nicht ertheilen. Jede Konzession, die Herr Harcourt der Redewnth der Opposition macht, ist daher von vornherein verschwendet— ja schlimmer. Indem er ihr die ersten Wochen gänzlich opfert, macht er es unumgänglich, gegen das Ende wirk- lich die Verathungen über das Knie zu brechen. Kurz, es wird jetzt tagelang für nichts geredet. Darüber haben die Vertreter der schotiischen Kleinpächter die Geduld verloren, und andere Gruppen sind sehr nahe daran, sie zu verlieren. Herr Harcourt aber läßt, wie Trochu, seinen Plan, die Opposition durch Un- thätigkeit zu besiegen, absolut nicht fahren. Von den Konmiissionen ist die interessanteste die über Herrn Akquith's Fabrikgesetzvorlage. Die Gegner der ziemlich weit- gehenden Bestimmungen gegen Schwitzarbeit, Ueberzeitarbeit, Ueberanstrengnng von Frauen und jugendlichen Arbeitern setzen alles mögliche in Bewegung, Abschwächungen oder gänz- liehe Zurücknahme derselben zu erzielen, während, wie schon oben erwähnt, die natürlichen Freunde der Vorlage es an der �Agitation für dieselbe im allgemeinen fehlen lassen. Ja, verschiedene Arbeiterorganisationen sind sogar gegen bestimmte Vorschläge des Arbeiterschutzes aufmarschirl, und ebenso haben die in der Förderalion der liberalen Frauenvereine vertretenen Frauen gegen alle Schutzmaßregeln prvtestirt, die nicht Männer und Frauen gleichmäßig treffen, wie hinzugefügt werden muß, unter prinzipieller Zustimmung zu der Ausdehnung des Arbeiter- schntzcs im allgemeinen. Aber da nun einmal die Frauen ökonomisch den Männern nicht gleichgestellt sind, weniger wider- standsfähig sind als diese, laust die Forderung absolut gleicher Anwendung der Gesetze praktisch auf eine Verzögerung des Ganges der Gesetzgebung hinaus. Herr Asqnith hat sich in der Konimission zu vcrschiedentlichen Konzessionen breitschlagen lassen, andere hat zum Glück John Burns vereitelt, der unermüdlich in der Kommission auf Posten ist— sehr im Unterschied von andern Arbeilervertretern— und der viele Sünden gutgemacht hat, die er sich in der letzten Zeit hat zu schulden kommen lassen. Volttilrlie Ite&ciWrfif. Berlin, 28. Mai. Ob die Negievung eine» Konflikt mit dem Reichs- tag will, das nius; sich in diesen Tagen entscheiden. Das Gesuch des Staatsanwalts um die Genehmigung des Reichs- tags zur strafrechtlichen Verfolgung des Abgeordneten Lieb- kuccht, weil derselbe bei dem Hoch auf den Kaiser in der Neichstagssitzung vom 6. Dezember sich nicht erhoben, wurde vom Reichstag bekanntlich nicht nur abgelehnt, sondern auch, und zwar mit vollem Recht, als dem Buchstaben und Geist der Rcichsverfassung widersprechend bezeichnet. Da nun der Staatsanwalt zweifellos nicht aus eigener Initiative, sondern, wenn nicht direkt im Auftrag der Regierung, doch niit deren Zustimmung ge- handelt hat, so bestand also damals bei der Regierung die Absicht, die Immunität des Reichstags anzugreifen— ein Vorgehen, welches unbedingt zu einem Konflikt niit dem Reichstag führen mußte. Brnno's liebenswürdiges, einfaches Benehmen hatte jedoch alles Mißtrauen rasch ans dem Felde geschlagen. Schon nach wenigen Minuten war er eingelebt in den Kreis dieser schlichten Menschen, die sogleich empfanden, daß zwischen ihnen und diesem Jüngling jene künstlich auf- gerichteten Schranken nicht exislirten, welche sonst die An- gehörigen der verschiedenen Gesellschaftsklassen von einander trennen und den einzelnen wie kalkige Ansternschalen um- kapseln. In seinen Angen und Mienen konnten sie es lesen, daß hier der Mensch nur Menschen, der Gute seines- gleichen suchte. „Er ist wie ein Bruder", flüsterte Tora der Schwester zu, während sie mit verschämter Neugier Bruno Volkmuth beobachtete. Von kleinerem Wüchse und auch nicht von jener regelmäßigen, ernsten Schönheit, wie Hans Härtung, bildete er doch in seiner frischen, feurigen Jugendlichkeit eine höchst an- ziehende Erscheinung. Seine männlich geschnittenen, kräftigen Züge, das kastanienbraune, wellige Haar und die reh- braunen, bald weich und mild und bald flammend heiß blickenden Augen waren wohl im stände, auf ein Mädchen- herz Eindruck zu machen.. Bruno saß bei Tisch zwischen Tora und Lotte. Er nahm an dem Mahle nicht thcil, sondern sprach nur dem trefflichen bayerischen Biere zu, das auf das Wohl der Ver- lobten getrunken wurde. Die Unterhaltung war munter und lebhaft. Hans erzählte von den Pariser Kämpfen und Bruno von den Vorgängen in Baden, wo die Kammer unter dem Beifall des von Hcckcr und Struvc geführten Volkes sich für die„Abschafsnng aller Vorrechte" und die� „Ausgleichung des Mißverhältnisses zwischen Kapitals und Arbeit" ausgesprochen hatte. Schluck schwamm in' Seligkeit, Vater Mathias suchte niit ernster Aufmerksamkeit dem Gange des Gespräches zu folgen, und Ferdinand be- richtete in seiner drolligen Weise von dem Ausflug nach den Zelten. „Morgen giebt's'uen niächtigcn Rummel", meinte er, „sie wollen von den Zelten nach deni Schlosse ziehen und sich mit Majestät was erzählen." „Das. setzt Unglück, Unglück", versetzte Vater Mathias mit bekümmerter Miene—„ich seh's kommen! Mit Gewalt stürzen sich die Menschen ins Elend." „Ja, sollen denn die Völker kein Recht haben, die Könige an ihr Versprechen zu mahnen?" warf Bruno Volkmuth ein. „Als das preußische Volk in dem begeisterten Aufschwung der Befreiungskriege den Staat und die Dynastie gerettet und sich selbst durch seine Heldenthaten mündig gemacht hatte, da versprach ibm sein König in einem Anflug von Dankbarkeit eine Voiksvertretnng, eine Verfassung. Nun sagen Sie mir, wo ist diese Verfassung und diese Volksvertretung— denn unfern ständischen Landtag, in dem die Junker das große Wort führen, werden Sie doch nicht als eine Vertretung des Volkes ansehen wollen! Und wenn jetzt, nach drei- nnddreißig Jahren, das Volk vom König die Erfüllung jenes Versprechens fordert..." „Nickt so darf das geschehen, nicht so!" unterbrach Meister Mathias Wernicke Brnno's Ausführungen.„Da muß der Instanzenweg eingehalten werden, die vorgeschriebene Ordnung, sozusagen!" Bruno konnte nicht umhin, über die naiven Wort- stellungen des Alten zu lächeln. „Was, meinen Sie, wäre wohl ans Preußen ge- worden," bemerkte er,„wenn damals, 1813, der„Instanzen- weg" eingehalten worden wäre? Nein, Herr Wernicke, wenn die Völker mit ihrem Könige zu reden haben, dann kommt kein Instanzenweg mehr in Frage!" „Der Meister hat selbst damals mitgefochten, samnit seinen drei Brüdern," versetzte Sebnick, der zu Bruno eil» ganz besonderes Vertrauen gefaßt zu haben schien. „Und hat noch heut von Leipzig her eine Kugel in» Leibe sitzen," fügte Hans hinzu,„die ihn oft genug an das „Versprechen des Königs" erinnert." Meister Wernicke schüttelte betrübt den Kopf. Nie» maud mochte ihm widersprechen; man sah in ihm den Ver» treter eines absterbenden Geschlechtes, das die Forderungen der neuen Zeit nicht begriff— jenes Geschlechtes, das in dem straffen Drill des absoluten Reginients brav nnd be» schränkt herangewachsen war, ohne sich niit seinem Denken und Fühlen über die ihm gezogenen Schranken hinaus- zuwagen. Eine gewisse Gedrücktheit hatte sich der Gesellschaft bemächtigt. Florian Schnick wußte die Stimmung wieder zu beleben, indem er in einer kurzen Rede das Brautpaar feierte und ein Hoch ans dasselbe ausbrachte. Jubelnd stimnite die Gesellschaft in dasselbe ein. Lotte, die sich zärtlich an Hans anschmiegte, erglänzte über das ganze Gesicht vor Freude darüber, daß so viele Menschen an ihrem Glücke anthcil nahmen. „Weißt Tu, Du böser Hans", flüsterte sie dem Ge- liebten zu,„daß ich Dich eigentlich mit einer Gardinenpredigt empfangen wollte, weil Du so lange fortgeblieben bist?" Hans berichtete ihr, in welchem Znstande er seine Schwester Elsbeth und deren Familie angetroffen hatte. „O, dann verzeih' nur. Lieber! Ich will sogleich morgen früh zu ihnen hinausgehen und sehen, wo ich helfen kann." Tora war ganz gegen ihre Gewohnheit den ganzen Abend hindurch wortkarg und einsilbig. Gegen Schnick Tie Absicht eines Konflikts hat also vor sechs Mo- liatln jedenfalls bestanden. Die Frage ist: besteht sie noch? Und daß tnnß sich jetzt entscheiden, nachdem der Reichstag seine Session ge- schlössen und die Strafverfolgung keines seiner Mitglieder mehr hindern kann. Bis jetzt ist Liebknecht noch keine Anklage zugegangen.— NcichstagS-Ersatztvahl im Kreise Aschasfenburg. Nach bisheriger Feststellung ist Pfarrer Gersteuberger(Zentrum) mit NSEüZ Stimmen gewählt. Deckelinau»(Volkspartei) erhielt 3600, Opificius(Sozialist) 1444 und Schultz(nationalb) 1(338 Stimmen. Gi stehen nur noch die Ziffer» aus wenigen Ortschaften aus, die das Wahlcrgebnist nicht beeinflussen.— Ncichötags- Nachwahlen. Nachdem Köln- Stadt und Aschasfenburg-Millenberg auch wieder Zentrumsmänner zu ihren VcUretern im Reichstage erwählt haben, sind noch die Mandate für ltöslin-Kolberg, Meseritz-Bomst, Dortmund-Hörde, Waldeck- Pyrmviit zu erneuern. Voraussichtlich dürfte auch im 14. baden- sischeu Wahlkreise Buchen-Wertheim-Tauberbischossheim wegen der bcmstehcnden Ernennung des bisherigen Reichslags-Präsidcnten von Buol zum Landgerichtsdireklor erforderlich sein. Für unsere Parteigenossen ist der Wahlkamps im Wahlkreise •tortlnmld-Hörde(Arnsberg 6) der interessanteste. Bei den letzten allgemeine» Wahlen erzielte unser Kandidat die höchste Etimmcnzahl(17 170), ihm folgten mit 16 234 Stimmen der nalionalliberale Herr Möller und mit 13 138 Stimmen der Zcntrninskandidat Lensing, sür die freisinnige Volksparlei wurden r!7, für den antisemitischen Kandidaten 65 Stimmen abgegeben, 23 zersplitterten sich. Mit blos 61 Stimme» Majorität siegte Herr Möller trotz der unerhörten Wahlbeeiuflussungen, die nun freilich erst nach zwei Jahren zur Kassirung der Wahl geführt haben. Die Nationalliberalen wollen trotz des Einspruches des Bundes der Landwirthe wieder Herrn Möller, die Zentrums- Partei auch diesmal Herrn Leusing aufstellen. Unsere Genossen durften in den nächsten Tagen ihren Kandidaten bezeichnen. Ob der Bund der Landwirthe, die Freisinnigen und Antisemiten wieder Kandidaten ausstellen werden, ist noch nicht entschieden. In Kolberg>51öSIiii hatte bei den letzte» allgemeinen Wahlen der Konservative v. Gerlach mit blos Lv Stimmen gesiegt. Es wurden 8öS2 konservative Stimmen, 5273 sür die frei sinnige Vereinigung und 2626 für den sozialdemokratischen Kau didaten abgegeben, zersplittert waren 36 Stimmen. In diesem Wahlkreise dürste voraussichtlich eine Stichwahl nolhwendig werden. Im Wahlkreise Mcseritz-Vomst wurde» am 15. Juni 1393 755 konservative, 6953 freikonservative, 1381 rcchtssreisinuige. 6667 polnische, 167 sozialdemokratische, 271 antisemitische und 15 zersplitterte Stimmen abgegeben; bei der Stichivahl fielen ans den srcikonscrvativen Kandidaten v. Dziembowski 9256, aus den polnischen Kandidaten 7647 Stimmen. Die Wahl v. Dziem- bowsti's ist vom llteichslag sür ungiltig erklärt worden. Trotzdem kandidirt er wieder, für ihn arbeitet auch der Bund der Landwirthe. wo- (legen der Baucrnbund und die Antisemiten de» Michlenbesitzer Herrfnrth kandidiren, die Polen dürfte» wohl wieder de» Probst Szymanski ausstellen, der auch auf die Zenlruinsstimmen rechnen kann. Für unsere Partei soll Genosse Franz Morawski, der Redakteur der„Gazeta Robotnicza" kandidiren. In W a l d e ck- P y r m o n t hatte der bekannte Dr. Böttcher tnit wenigen Stimmen gesiegt. Zins seine» Namen gaben die Nationalliberalen 4661 Etinimen, gegen 681 sozialdemokratische, 2169 antisemitische, 1235 liberal-konservative und 26 zersplitterte ab. Diesmal kandidiren gegen Dr. Böttcher die Freisinnigen einen Dr. Schücking, die Antisemiten schwanken zwischen dem Gutsbesitzer Müller und dem Kaufmann Engelke, unsere Genossen kandidiren Garbe ans Kassel, außerdem bewirbt sich Herr v. Egidy um das Mandat. Im Wahlkreise Buchen- W e r t h e i m- Tauber b i s ch o f s h e i m> A d e l s h e i m siegte am 15. Juni 1893 der Zentrumsman» Buol mit 11 651 gegen 5538 nalionalliberale, 614 demokratische, 411 sozialdemokratische und 77 zersplitterte Stimmen.— Tie„kleinen Mittel" zur Verbcssenmg der Lage der Land wirthschaft wurden von den Agrariern und der konservativen Presse vielfach bespöttelt und fortgesetzt be- hanptet, daß nur„das große Mittel", der„Antrag Kauitz", die nothleideude Landwirthschaft herausreißen könnte. Außer- dem meinten die„Nothleidendeu", die Regierung verzögere sogar die Durchführung der vom Staatsrath empfohleiicn kleinen Mittel in ungebührlicher Weise. Diesen Vorwurf kann die Regierung nicht auf sich sitzen lassen. Und so läßt sie in den von Herrn Miqiiel ressortirenden„Berliner Politischen Rachrichten" die Beschlüsse des Staatsraths mit dem vergleichen, was seitdem von der Regierung gethan und Ferdinand, die sie wegen ihrer ungewohnten Schweigsamkeit anszogeii, ließ sie sogar ein paar scharfe Antwort- hiebe fallen. �„Ick weeß, wat ihr fehlt," meinte Ferdinand—„Frau Plnddeuiann' Hütt' se jern wer'» wollen!" Ein schwesterlicher Seitenpuff, der Ferdinand ein lautes „Au!" entlockte, war die Antwort auf die vorlaute Bc- merkmig. Bon Zeit zu Zeit wandte sich Bruno Volkmuth mit einem höflichen Wort an seine blonde Nachbarin. Doch gab sie ihm nur kurze, kühle Antworten, worauf er jedes Mal wieder die ernste Unterhaltung mit Haus Härtung aufnahm. Plötzlich war Tora nach der Küche verschwimdeii. Lotte ging ihr nach und fand die Schwester vor dem kleinen Fenster— sie preßte die Stirn gegen die kalten Scheiben und starrte in die mondhelle Nacht hinaus. „Was ist Dir, Dorchen, was ist denn?" fragte Lotte. Sic legte ihren Arni um den Nacken der Schwester und sah forschend in Toras Antlitz. Es schien ihr, als ob eine Thräne im Auge der Kleineu schnnmerte. „Du weinst?" forschte sie besorgt und fuhr mit ihrem Taschentuch über Doras Augen. Ein hilfloses Lächeln flog über Doras Gesicht. Sie drückte einen flüchtigen Kuß ans Lottens Wange und eilte in die Stube zurück, indem sie einen möglichst gleichgütigen Eesichtsansdruck anznuehiiien suchte. „Wart', kleiner Trotzkopf", dachte Lotte bei sich, indem sie ihr folgte—„auch Du wirst Deinen Meister finden..." In der Wohnstube hatte man inzwischen den Entschluß gefaßt, noch einen kurzen Ausflug nach der„Silbernen Ente" zu unternehmen. „Wollen sehe», ob diese Berliner wirklich noch Männer sind", meinte Hans Härtung. Er forderte Bruno Volk- »inth und Schnick zum Mitgehen ans. Lotte machte ein betrübtes Gesicht, als sie Hans aufbrechen sah, er aber faßte die Schmollende am Kinn und(drückte einen Kuß auf ihre Lippen. „Das ist die Strafe für die beabsichtigte Gardinenpredigt", scherzte er,„diesem Uebel müssen wir bei Zeiten vor- beugen." „TiMimen, die Ihr seid!" rief Tora mit koiiiischcr Entrüstiing. Auch am heutigen Abend, für den die Hergabe von Nänmlichleitcn zn politischen Besprechungen durch einen oder eingeleitet ist, um die Unrichtigkeit dieser Behanp- tnngcn nachzuweisen. Diese osfiziöse Korrespondenz schreibt: "„Unter Ablehnung des Antrages Kanitz hat der Staaisralh, was zunächst die„großen" Mittel anlangt, die Einleitung inleniationaler Verhandlungen zur Hebung des Silberpreiscs em- psohlen. Wege» Einleitung solcher Verhandlungen ist die 3teichs- regiernng längst mit den Bundesregierungen ins Benehmen ge- treten. Bom Staatsrathe ist serner eine SHevision des Branntwnn- und Zuckersteuergesetzes in bestimmlcr Richtung befürwortet worden. Die Novelle zum Branutweinsteuergesetz. die der Reichs- tag in letzter Stunde angenommen hat, entspricht durchaus den Vor- schlage» des Staatsralhs. Ein Znckcrsteuernothgesetz ist vereinbart; die Vorlegimg einer den Absichten des Staalsralhes entsprechenden Novelle zum Zuckersieuergesetz wird für die nächste Session vorbereitet. Der Staalsrath hatte die Herabsetzung der Tarife sür Produktivmittel der Laudivirthschaft bejürivortet. Die wichtigsten Düngertarise sind auf den preußischen Staatsbahnen um 26 pCt. herabgesetzt. Ter Slaatsrath hatte eine Verbesserung des ländlichen Iiealkredits dahin empfohlen, daß insbesondere auch den Bauern die Umwandlung ihrer kündbaren, zum theil hochverzinelichen Piivathypolheken"in unkündbare, dillig verzins- lichc Amortisations-Tnrlehen öffentlicher Kredit-Institute wesentlich erleichlert werde. Tie Einleitungen zn einer entsprechenden Aenderuna der Statuten der landschaftlichen(ritlerschasllichen) KreditinsUtnte der östlichen Provinzen sind getroffen. Ter Staatsrath hatte die Errichtimg einer staatlichen Zentral- stelle, die das Kreditbediirsmß der landwirthschastliche» Kredit» Gencssenschasten befriedige» könnte, in Anregung gebracht. Die Errichtung einer staalliche» Zentral- Kredit- anslalt zur Förderimg des Personalkredits des Mittelstandes in Stadl und Land ist beschlossen und wird bestimmt noch in der lausenden Session de» Landtag beschäftige». Jiechnet mau zu diesen säinmllichen theils bereits durchgeführten, theils wenigstens in künstiger Vorbereitung begriffene» Maßnahmen noch die be- kannten Pläne wegen staatlicher Förderung der Einrichtung von Korn Häuser», wegen Förderung der innere» Kolonisation, wegen Reform der Produktenbörse, Ordnung des Verkehrs mit Mar- garine n. s. w. hinzu, so bekommt man ein Bild regster plan- mäßiger Thätigkeit zur D»rchsühril»g der vom Slaats- ralhe empfohleiic» Maßregeln für Hebung der Landwirthschaft auf der ganzen Linie. Was immer von den vorgeschlagenen Maßnahmen zur Förderung der Landwirthschaft spruchreif ist. gelangt auch ohne Verzug zur Ausführung, und der Vorwurf der Verzögerung gegen die Regiernng ist so wenig berechtigt wie klug. Ma» macht sich sicherlich keiner Ueberlreibuug schuldig, wenn man behauptet, daß riiemals bisher so nmsaffende Maß- regeln zur Hebung der Landwirthschast getroffen oder vor- bereitet sind, wie dies jetzt geschehen ist." Die Regierung hat vollständig recht. Sie hat ihr möglichstes gethan, um den Großgrundbesitzern auf Kosten der übrigen Bevölkerung Liebesgaben in schier unbegrenzter Menge zuzuschanzen.— Pi-o Nihilo. Von einem unserer Parteiblätter wird unsere Nachricht, daß E i ch h o f s der Verfasser der be- rühmten Streitschrift?ro Nihilo sei, in Zweifel gezogen mit Hinweis daraus, daß der verstorbene Freiherr v. Loö, der bekannte Gegner Bisinarck's und Freund des Grafen Arnim, sich selbst als Verfasser der Schrift bezeichnet habe. Da» ist nicht ganz richtig. Graf von Loi- hat sich nicht als Verfasser, sondern— und zwar wissen wir das ganz genau— als Mitarbeiter— als einer, der Material für die Schrift lieferte, bezeichnet. Das Material geliefert yaben aber auch— wie ein Blick ans die Schrift zeigt— noch andere. Verfasser war Eich- hoff, wie wir nicht blos ans seinem eigenen Mund, sondern auch ans dem der, neben Eichhosf in dieser Sache bcstnnterrichteten Person haben.— Einen Schimpf-«nd Trohbrief hat der König von Sachsen erhalten. Der Brief soll einen„jungen Arbeiter" »nm Verfasser haben, und„kennzeichnet"— nach Ansicht der Ordnungs-Fraubasen—„so recht die niedere Denkweise eines Theils unserer gegenwärtigen Arbeiterjugend". Nun, mit Schimpf- und Drohbriefen können auch wir aufwarten, und wohl mit niehr, als sänimtliche deutsche ?'ürsten zusammengenommen. Die an uns gerichteten sind ämmtlich von Personen der„höheren" und„gebildeteren Stände". Wir haben also nach obiger Fraubasen- Logik das unbestreitbare Recht zu sagen: die ni a s s e n h a f t e n Schimpf- und Drohbriefe, mit denen wir Sozialdemokraten bedacht werden,„kennzeichnen so recht die niedere Denkiveise eines Theils unserer„hjö Heren" und„gebildeteren" Stände".— Bruno Volkmuth blickte bei ihren Worten auf, und seine braunen Augen ruhten einen Augenblick auf ihrem jugendlich schönen Gesichte. Hans nahm seinen Arm und zog ihn sanft nach der Thür. Als Dora den Scheidenden die Hand reichte, da war es Bruno, als ob er ein leises Zucken in diesem ivohlgeformten, trotz der Spuren fleißigen Tagewerks anmnthig zarten Händchen fühlte. Noch einmal suchten seine Augen die ihrige»: nein, er mußle sich geirrt habe», denn sie blickte ihn so streng und gleichgiltig an, daß er fast erschrak über die sonderbare Richtung, die seine Gedanken plötzlich genominen... In der„Silbernen Ente" wurde Hans Härtung, der Pariser Barrikadenkämpfer, bereits mit Ungeduld erwartet. Herr Kümmlein, der Wirth des mit einem kleinen Gast- Hossbetrieb verbundenen Lokales, das in früheren Jahren als Sammelpunkt für die behäbige, in politischer Unschuld aufgewachsene Spießbürgerschaft des Roßstraßenvierlels ge- dient hatte, war zuletzt in ziemlich entschiedener Weise zur Demokratie übergeschwenkt. Er glaubte nänilich die nicht unwichtige Entdeckung gemacht zn haben, daß die demo- kratischen Kehlen im allgemeinen für den edlen Gersten- säst empfänglicher waren, als die loyalen, und daß politische Gespräche den Konsum dieses Artikels ganz wesentlich förderten. Er hatte sich dafür allerdings von Seite» der löblichen Polizei einer besonderen Anfmerksamkeit zu erfreuen. strengen Erlaß des Polizeipräsidenten ausdrücklich verboten war, hatte sich eine verdächtige Galgcnvogelgestalt, die es ans die Rettung des Vaterlandes abgesehen zn habe» schien, in der„Silbernen Ente" eingefunden. Man hatte den listig nmherspähendcn„Achtgroichenjungen" nur dadurch los werden können, daß die Gäste zum Schein sich gegen zehn Uhr entfernten und darauf von der Schornsteinfeger- gasse ans, durch die Einfahrt für Wagen, sich unbemerkt wieder in da- Haus zurückschlichen. Schnick, der in früheren Jahren bisweilen mit Meister Mathias in der„Ente" gewesen war, kannte diesen Durch- schlupf sür die Stammgäste. Er führte Hans und Bruno, da sie den Hanpteingang der Wirthschaft bereits ver- schloffen fanden, auf diesem Schleichwege in den Gasthof. Herr Kümmlcin wies sie in ein abgelegenes kleines Zimmer, in dem sie bereits eine Gesellschaft von etwa acht Personen bei einander fanden. Herr Plüddemann war diesvial nicht von der Gesellschaft.(Fortsetzung folgt.) Ein Einkommeustener- Gesetz ist dcm wllrkrem» belgischen Landlage vorgelegt ivoroen. Nach dein Eulwiirfe sind Einkommen unter 566 M. frei. Bei 566 bis 656 M. nnro 6,4 pCt. Steuer bezahlt. Die Steuer steigt nunmehr in 82 Ab- stusuiigcn, bis sie bei Einkommen von 15 666 M. 4 pTt. erreicht. Der niiUhmaßliche Ertrag(nach den Ergebniffen in Boden ge- rechnet) wird geschätzt auf 9 294 975 M. Hiervon eutfal�en auf 97,45 pCt. aller Steuerpflichtigen(nämlich die Einkommen von 506 bis 5666 M.) insgesannnt 4 661 856 M.(43,48 pCt.), wäh- rend die restirenden 2,55 der Steuerpflichtigen(mit 5990 M. und mehr Einkommen) 5 263125 M.(56,52 pCt.) von der Gi- samnilsteiler bezahlen.— Wahlidy«. Trotz der gesetzlich garantirten Wahlsreiheit und des Berbots der unier sirenge Strafe gestellten Wahl- mogeleien wird droben in Ostelbien, allwo die frommen Junker ihre paradiesischen Freuden unter geflickten Strohdächern ge- nießen, gemogelt daß die Balken biegen. Aus dem Protest gegen die Wahl des Grafen Dönhoff-Friedrichstein, der in Königsberg- Land gewählt worden ist, seien nach dem Bericht der Wahl- Prüfungskommission folgende idyllischen Vorgänge mitaetheilt: Ter Vorsteher eines Wahlbezirks hat wiederholt die ab- gegebene» Stimmen nicht in die Urne gelegt, sondern ist mit ihnen in ei» Nebenzimmer gegangen. Ein anderer Wahlvorsteher, gleichzeitig Entspächter und Genieindevorsteher, öffnete die Stimmzettel, ehe er sie in die Urne legte, und sah, wer darauf verzeichnet war. Ter Wahlvorsteher Klei», Oberinspektor ans dem Gute des Landraths v. Hüllessem, öffnete die Stimmzettel der Wähler in» Wahllokal und zerriß diejenigen, die aus den Namen unseres Genosse» Schnitze lautete». Er kaufte den Wählern Schnaps und bemerkte dabei: Wer den Schnitze wählen wolle, möge bei dem nach Schnaps gehen. Lehrer Neubert in Poggenphul bei Cuggen sagte zu vielen Wählern vor dem Wahltage:„Wählt Ihr Schnitze, so bekommen Euere Kinder keinen Schulurlanb." Der Gutsbesitzer Zachaii in Brasdorf bei Cuggen hat den Arbeiter Worscheck gefragt, wen er wählen wolle, und als dieser zur Antwort erhielt: den Schnitze, hat de» Worscheck hinausgeworsen. Ferner hat Zachan u. a.�auch den Kreisinvaliden Siegmnnd gefragt, wen er wählen wolle, und als dieser ebenfalls Schnitze sagte, ganz einfach erklärt, dann solle er sich auch sei» Jnvalidengeld von jetzt ab von Schnitze hole». Dem Arbeiter Gottfried Gneidl nahm Zacha» sä»»»l- liche Stimmzettel aus der Hand und zerriß sie, kaufte ihm für 16 Pf Branntwein und übergab ihm eine» Stimmzettel für Dönhoff mit der Weisung, ihn abzugeben. Ans grnnd dieser Vorkomm- niste fürchteten sich viele Wähler, sozialdemokratisch« Stimiu- zettel abzugeben. Ferner wurde» in einer SJieihr von Ortschaften sozialdemokratische Stimmzettel beschlagnahmt und nicht niehr zurück geliefert. So achten die Patentkämpfer für Austand und Sitte da? Staatsgesetz. Aber trotzdem geht es vorwärts auch droben in Ostelbien. Und wenn erst pflichtgemäß alle Mogler dem Gesetz entsprechend abgestraft würden, dann verschwänden bald derartig« Unfläthigkeiten. Freilich käme dann vielleicht für die Konservativ«» bald die Zeit, in der die ganze Fraktion in tiner Drosch!« nach dem Sieichstage fahren könnte.— Ei» nationalliberakeS Blatt über die deutsche« Gerichte. Die„Kölnische Zcilung" schreibt in ihrer gestrigen Nummer in einem Leitartikel(betreffend den neuen Gesetzeniwurf über den unlauteren Wettbewerb): ..... es könnte bei der bekannten Neigung der Gerichte zn userloser Auslegung und Aus- d e h n nn g der strafrechtlichen Begriffe leicht dahin komme n" u. s. w. Kann man die denische Necht'pflege härter verurtheilen, all es das— vielfach z» RegierungZ. Mittheilunger, benntztr Hauptorgan des denlsche» Nalioualliberalismus hier thut? Hunderte von Sozialdemokraten sind schon vernrtheilt worden, weil sie— wenn auch in anderen, jedoch nicht schärferen Worten— dasselbe ausgedrückt haben. Und diesen Richtern mit der„bekannten Neigung zur uferlosen Auslegung und Ausdehnung der strafrechtlichen Begriffe" wollte die„Kölnische Zeitung" und die Partei der„Kölnischen Zeitung" durch die Umsturzvorlage die„Bekämpfung", das heißt Aburtheilung der„Umsturz-Parteien" übertragen.— Zn de» badischcn Laudtagstvahleu. Die Hälfte von den Mitgliedern der zweiten badischeu Kammer scheiden mit dem 1. Juli d. I. verfafflingsmäßig ans und zwar: Von den National- liberalen 14, von Mitgliedern des Zentrums 11, von den Frei« sinnigen und Demokraten 4, von den 2 Konservativen 1»nd die zwei Sozialisten Dreesbach- und Dr. Rüdt- M a>i n h e i m. Hierzu kommt noch der demokratische Abgeordnete Milser infolge seiner Maudatsniedcrlegnng. In der Kammer verbleibe» noch: 16 Liberale, 12 Mitglieder des Zentrums, 1 Konservativer und der Stegmüller.—- Zur kircheupolitisrhe« Geseizgev«»g in Ungar». Am 1. Oktober treten, wie berichtet wird, die Standes« ä m t e r in ganz Ungarn in Wirksamkeit.— Der Antrag Kanitz in der Schweiz! Da?„Komitee zum Schutze der Landwirthschaft" hat an die Bnndesversamniln.'g eine Petition abgesandt, in welcher unter Hinweis auf die be-' drängte Lage der Landwirthschaft, insbesondere die schlechte Rendite des Getreidebaues, sowie auf den Schutz, dessen die Landwirthschast in den Nachbarländern sich erfreut, vertraneus- voll das Gesuch gestellt wird,„es möchten kräftige Maßnadmen getroffen werde» zum Schutze der schweizerischen landwirthschast- liche» Erzeugnisse, insbesondere des Getreides." Zugleich ivird der Wunsch ausgedrückt, daß der Ertrag auS dem staatliche» Ge- treidemonopol zu gleiche» Theilen dem Bund und den Kantonen zu gute kommen soll. Der Vater der Petition ist ein Groß- gruiidbesitzcr.— Ter französische Abgeordnet« Calbignac» der frühere Maire von Car m aiix ist das Opfer eines abscheulichen Justiz- Verbrechens geworden. Man bat ihn, nebst einem anderen Sozialisten Baudot auf das Zengniß eines verschiedener ehr- iosc» Handlungen iibersührle» Individuums wegen„Wahisälschuiig" zu einem Monat Gesängniß vcrurtheilt. Tie Wahlsälschnng be- steht— oder soll bestehe», in der Eintragling eineS Nicht- Wählers auf der Wählerliste— waS beiläufig so ziemlich auf allen Wählerlisten irrthnmlichcrweise vorkommt; und die Sache war so unbedeutend, daß die Richter sofort bei der Verurlheiliing aussprachen— was nach französischem Gesetz möglich— dag die Strafe nicht vollstreckt werden solle. Allein die bloße Thatsache der Verurtheilung aus eine solche Anklage hin schließt den Verlust der politischen Ehrenrechte ans 5 Jahre ei». Calvignac kann also zunächst nicht wieder Maire von Carmanx werden, und verliert außerdem srin Abgeordneten-Mandat. Natürlich wird Calvignac die Umstoßiinz des ichmähliche» Urtheils zu erlangen suche». Allein mit wenig Aussicht auf Erfolg. Der Schlag war zu gut vorbereitet.— Ter Jahreötag der blutigen Maiwoche. Man schreibt nns ans Paris unterm 27. Mai: Wie sehr auch die Prä st» deuten und Regierungen und mit ihnen die Minister wechseln mögen, de» Sozialisten gegenüber bleibt alles unverändert. DaS hat sich erst geiiern wieder gezeigt. Auf Perier folgte Favre alZ Präsident der Republik, ans das Kabinel Dupuy das Kabinet Ribot; auf»nd um den Pöre-Lachaise-Friedhof aber, bei dessen „FöderirteN'Maucr", wo die letzten hiugcmordete» Kämpfer der Kommune rüden, die Sozialisten alljährlich am letzten Sonntag des Mai de» Jahrestag der blutigen Maiwoche zn begehen pflegen, da blieb alles beim alten: Polizisten und Munizipalgardisten aus allen Wegen und Stegen,»ich: etwa um die Ordnung aufrcchr zu erbalten, sondern um jede geordnete Manifestation zn ver- hindern. Und was in ollen, selbst den reaktionärsten Monarchien — etwa Preußen ausgenommen gestaltet ist: an den Gräbern volitischer Märtyrer Reden zu dalien. es ward hier unter der Nestmiliig. die sich eine republikanische nenut, ausdrücklich ver- boleu. Ader trotzdem konnten die Herren die Manifestation nicht hindern, sondern ihr nur höchstens eine andere Form geben. Und diese Form wachte die Manifestation nur zu einer umso rvirksamcre». Hätte die Polizei, die gleich im vorigen Jabre vom Präfekten Lopine angeführt wurde, die verschiedenen Organi- sationen ungehindert in Zügen passirenjundZan der„Foderirten- Mauer" Reden halten lassen, würde man ansjerhalb des Friedhofes kaum etwaS von der Manifestation erfahren haben. So waren aber vor dem Hauplthore des Pöre-Lachaise und allen dahin führenden Wegen eine Unzahl von Polizisten und Munizipalgardisten posurt. von welch letzteren überdies eine ganze Masse zu Pferde hin- und her sprengten und so die Neugierde aller Passanten, sowie aller Bewohner der umliegenden Boule- varts und Gassen erweckten, die nun dichtgedrängt vor ihren Wohnungssenstern oder den zahlreichen Kasseehäusern auf die Manifestation blickten. Und da der Eintritt auf den Friedhos Ilos den Kranzträgern gestattet war. nicht aber den Organi- sationen. ist ein Theil der Todtenkrünze, die durchgehends roth, und zwar»Heils aus Immortellen, theils aus lebenden Blumen gebildet und mit Trnnerschleifcn versehen waren, zur „Föderirtcn-Mauer" gebracht worden, während die anderen von de» de'rcfsendeu Organisationen in schon srüher bestimmt gewesene Säle gebracht wurden, wo dann viel mehr und kräftiger gehaltene Reden gehalten wurden, als man sie sonst an der„Föderirtcn- Mauer" gehalten hätte. Die Arbeiterpartei, die eine Versammlung in einem großen Saal der Rue Menilmontaler abgehalten hatte, beschloß ihre Kränze zu verbrennen, was denn auch am Abend im Garte» des Gasthauses Lexcellent, das dicht am Päre-Lachaise liegt, unter dem Gesang der Carmagnole und vieler anderer revolutionärer Lieder, vermischt mit den Rufen:„Viva la Commune!" geschehen ist. So hatte sich denn die Begehung des Jahrestags der blutigen Maiwoche zu einer viel wirksameren Manifestation gestaltet, als dies ohne Einmischung der Re> gierung und ihrer Schergen der Fall gewesen wäre.— Tie Slugelegeuheit des Waisenhauses von Cempuis kam gestern vor den Generalrath des S e i» e- D e p a r t e- m e n t s(Frankreich). Der Berichterstatter stellte fest, daß die Untersuchung die vollständige Unbegründetheit der Anklagen gegen Robin ergeben habe und daß dessen Entlassung durch den Seine- Präfekten durch nichts gerechtfertigt sei. Ter Berichterstatter schließt mit dem Antrage: Robin ein Ruhegehalt von 4000 Fr. zu bewilligen. Beschlußfassung hierüber solgt i» der nächsten Sitzung. Nun wird die Sache aber in der Kammer nochmals zur Sprache kommen, und die Minister werden sich jetzt nicht wieder mit Lügen und Fälschungen heraushelfen können.— Tie italienische Presse äußert sich nach einer römischen Herold-Depcsche über dasWahlergebniß folgendermaßen: „Trotz des offiziös angegebenen Wahlsieges der Regierung bleiben u n a b h ä n g i g e B l ä t t e r bei der Ansicht, daß die p a r l a- uientarischeLagekeineVeränderung erfahren werde; sie werde dieselbe sein wie die am lö. Dezember I8S4. Die Ministeriellen hätte» viele Gewühlte für sich beansprucht, obgleich dieselben thahsächlich der Opposition angeh örten. Von den persönlichen Gegnern Crispi's sei keiner unterlegen, und wenn man den von der Regierung bei den Wahlen ausgeübten H ochdruck in betr«cht ziehe, so bedeute die diesmalige W a h l e i n e Niederlage für die .Regierung. Dies werde sich schon in den ersten Kninmer- sitzungen zeigen. Tie radikale Presse zeigt sich mit dem Wahlresultat zufrieden; sie sagt, die früheren Abgeordneten seien wieder- gewählt und neue seien hinzugekommen. Die s o z i a l i st i- scheu Kandidaten hätten eine so große Anzahl Stimmen erhalten, wie nie zuvor. Die Bedeutung der für De F e l i e e abgegebenen Stimmen i» Rom sei nicht zu verkennen." De Felice blieb in Rom mit blos Lllll Stimmen hinter Crispi zurück. Da in Rom die sozialistische Organisation noch in den Kinderschuhen steckt, ist das Wahlresullat doppelt beachteuswerlh.— In Macedonien gährt es wieder. Nach der„Kölnischen Zeitung" kann«in Aufstand in kürzester Frist ausbrechen. Der „Times" wird aus Althen gemeldet: Die Pforte hat ein Regiment regulärer Truppen von Salonichi nach Raslok beordert; zehn weitere Regimenter aus den benachbarten Distrikten werden a» der bulgarischen Grenze konzentrirt, wo zahlreiche Banden bul- garischer Brigante» umherstreisen, bereit in Macedonien einzu- fallen. pcrvkemsrlivirhkeu. Hinterpommerscheö. Aus dem Reichstags- Wahlkreise Kolberg-Köslin berichtet der Stettiner„Volksbote": Sonn- ,tag, den 19. Mai, waren 14 Parteigenossen mit der Verbreitung ,von Flugblättern über Land beschäftigt. Die Verbreitung ging glücklich von statten, bis auf einige kleine Hindernisse, die man uns ja so gerne in den Weg legt, uns aber nur anspornen, desto freudiger vorzugehen. I» Kordcshage» und Strippow sind die Partei- genossen in ganz ungehöriger Weise belästigt worden. Die Ver- breitung war aber schon besorgt. I» Kordeshagen war es der Gendarm, der zwei Parteigenossen verhaftete und nach Köslin transporlirte, weil sie ihre Legitimation nicht bei sich hatten. Er hätte ihre Namen feststellen und sie dann ihrer Wege gehen lassen können, obgleich auch dazu kein Grund vorlag, denn die Vertheilung der Schriften war in der gesetzlich gestalteten Weise vorgenommen worden. Nun, uns ist dadurch wieder ein Grund gegeben, die Wahl anzufechten. In Köslin wurden die beiden Genossen am andern Tage nach einem Verhöre wieder freigelassen. Noch schlimmer hat � es in Strippow der Aintsvorstcher von Blankenburg gemacht. Eine Parteigenosse hatte dem Schullebrer ein Flugblatt gegeben. .Der arme Schulmeister, der alle Veranlassung hat, zu der Partei der Unterdrückten zu halten. entdeckte plötzlich sein ordnungsparteilichcs Gcmüth, knautschte daö Flugblatt zusammen und wars es fort. Dann lies er spornstreichs zum Amtsvorsteher, um das schreckliche Ereigniß zu melden. Letzterer ließ sofort an- spannen und fuhr den Parteigenossen in gestrecktem Galopp nach. Als er sie eingeholt hatte, rief er aus dem Wagen:„Ich bin der Amtsvorsteher von Blankenburg; geben Sie mir Ihre Papiere." Unsere Genossen sagten ihm, er möchte doch mit in ein Haus kommen: er aber erwiderte, er hätte keine Zeit, sich zu versäumen. Hieraus nahm er unseren Genossen, ohne sich selbst irgend- wie zu legitimiren, die Papiere aus der Hand. Nun aber kam . das schönste. Der Amlsvorsteher gab die Legitimation nicht etwa zurück, wie es sich geziemt hätte, sondern erklärte einfach, die Leute möchten sich die Legitimation von ihm zu Hause wieder abholen, er habe keine Zeit mehr, sich aufzuhalte». Dann fuhr er im Galopp davon. Wenn unsere Genossen nochmals angehalten worden wären, so hätten sie keine Legitimation mehr vorzeigen können. Hatte Herr v. Blankenburg Zeit, die Legitimation ab- zunehmen, so mußte er auch Zeit haben, sie wieder zurück zu geben. Herr v. Blankenburg nahm weiter den ganzen Vorralh ' von Flugblättern weg, wozu er nicht das geringste Recht halte. Es wird gegen dieses Gebahren zunächst der Beschwerdeweg be- fchritten werden. Das weitere wird sich im Reichstage finden. Bon der Agitation. Zur Wahlbewegung im Kreise Aschassen bürg berichtet die Frankfurter„Volksstimme", daß am Sonntag in Aschaffenburg eine Volksversammlung abgehalten wurte, wie sie diese Stadl noch nicht gesehen hat. Auf ILtX) bis 1500 Personen schätzte man die Zahl der Wähler, die den Reden unserer Genossen I ö st(Mainz). W i e m e r(Fürth) und O p i- fi ci us aus Frankfurt a. M. mit lautloser Spannung folgten. Trotz wiederholter Aufforderung meldete sich kein Gegner zum Wort. Tab iiberhaupt i" allen Orten, wo es möglich ist, unsere Parteigenossen Versammlungen abhalten, tim der Bevölkerung das heuchlerische Gebahren des Zentrums klar zu machen und sie zu bestimmen, durch die Wahl des fozialdeinokralischen Kandidaten vom Wahlrecht vernünftigen Gebrauch zu machen, wissen die Leser des„Vorwärts" bereits. Die A g i t a t i o n s w e i s e des Zentrums wird in den letzten Tagen vor der Wahl immer rüoer. Wie wir der„Unter- fränkischen Volkstribüne" entnehmen, richtete in Heinrichsthal, dem früheren Wirkungskreise des jetzigen Rcichstagskandidaten Pfarrers Gerstenberger, ein Kaplan am Schlüsse einer Ver- sammlungsrede die Aufforderung an die Wähler:„Gebt den demokratischen und sozialdemokratischen Agitatoren eine» Fuß- tritt, daß sie aus dem Spessart hinausfliegen!" Der Borstand der Zentrumspartei wird gut thu», von Partei wegen Kurse zu errichten, in denen den schwarzen Heißspornen die nölhigeu Be- griffe von guter Sitte beigebracht werden. Eine neue Mitgliedschaft unserer Partei konnte in dem hessischen Dorfe Crumstadt errichtet werden. In der Ver- sammluug, wo sie errichtet wurde, hatte Z i ck aus Darmstadt das Referat. Gemeindelvahlen. In dem oberhessischen Dorfe Eckarts- Hausen, wo unsere Parteigenossen bei der Gemeinderathswahl zum ersten Mal eigene Kandidaten aufgestellt hatten, wurden von diesen zwei gewählt und dem dritten fehlten nur noch zwei Stimmen an der erforderlichen Stiminenzahl. Die Eckartshauser Parteigenossen sahen ihre fleißige Agitation sonach durch einen schönen Erfolg belohnt. Turch de» Boykott haben die Parteigenossen in dem sächsischen Städtchen Pegau erreicht, daß der Wirlh der „Börsenhälle" einsah, es sei für ihn das klügste, sein Lokal den Arbeitern wieder zu Versammlungen zu überlassen. Zur Mai- seier hatte er es auf Veranlassung unserer Gegner verweigert. Zur Saalsperre in Magdeburg schreibt die dortige „Volksstimine": In hiesigen Blätter» wird aus die Erfolge hin- gewiesen, die die Sozialdemokraten in letzter Zeit gehabt haben. Diese Erfolge haben wir aber gerade den Kreisen zu verdanke», die darauf ausgehen, die Sozialdemokratie um jeden Preis zu unterdrücken. Jede Agitation zu gunste» des Vereins- und Ver- sammlungsrechts, das durch die Saalsperre nicht in der von uns gewünschten Weise zur Geltung kommen kann, ist uns zur Zeit unmöglich gemacht. Wir können uns weder in Versammlungen, noch in der Presse unserer Haut wehren und sind daher auf mündliche Agitation angewiesen. Unter de» zielbewußte» Arbeitern waltet eine Kontrolle ob, wie sie selten und zu keiner Zeit geübt wurde. Andererseits ist durch den letzten Prozeß das Solidaritälsgesühl der Arbeiter geweckt worden und mir peinlicher Gewißheit werden diejenigen Lokale gemieden, deren Besitzer Sozialdemokraten nicht dulde» wollen. Allgemein ist man aus den Ausgang der Berufung gespannt. Es fft anzunehmen, daß der Berufung Folge gegeben wird. Sollte dies wider Erwarten nicht geschehen, so wird die Sozialdemokratie schon Mittel und Wege finden, ihren Partei- genossen mitzntheilen, welche Wirthe aus die Groschen der Sozial- demolraten spekuliren. sie aber zu Versammlungen sc. in ihren Lokalen nicht dulden svollen. So gut wie es einem hiesigen Antiseinitenblatt gestattet war, vor dem Kauf in jüdischen Ge- schäsle» zu warne», so gut wird auch uns in Zukunft gestattet sein, vor dem Betreten von Lokalen zu warnen, die seitens ihrer Besitzer für Sozialdemokraten gesperrt sind. Wir nehmen au, daß die Gesetze ohne Ansehen der Person und der Partei geHand- habt werden. Bis dahin werden wir mit Ruhe und Energie weiter kämpfen und die Erfolge werden sicherlich nicht aus- bleiben. AuS de» Partei-Organisatione». Der Wahlverein in Lücke nsv aide hatte am Schlüsse seines letzten Verwaltungs- jahres 450 Mitglieder. Parteipresse. Die pommcrs.hen Parteigenossen geben jetzt monatlich einmal eine namentlich für das Land berechnete Zeil- schrist„Der Pommer" imentgelllich heraus. Redakteur und Verleger ist F r a n z Storch. Drucker Fritz Herbert in Stettin. An alle sozialdemokratische» Radfahrer Teutschlands richtet deren Agilationekommission durch Georg Brunner in Fürth, Marienstraße 39, das Ersuchen, zur Beschickung des vom 2. bis 4. Juni im Restaurant Zik in Fürth tagenden zweiten Ar beiter-Radfahrer-Kongresses überall öffentliche Arbeiter-Radsahrer-Versammlungen einznberusen, um die Telegirten zu wühlen. Die Mandate habe» nur Giltigkeit, wenn sie vom Bureau der öffentlichen Versammlung ausgestellt sind, Ivo die Telegirten gewählt wurden. Die Namen der Delcgirten sind sofort dem genannten Mitglied der Agitation?- kommisston mitzutheilen. Anfrage», Anträge:c. sind gleichfalls an diesen zu richte». Ta die alte Lüge, tmser Parteigenosse Singer habe einst seinen schlecht bezahlten Arbeilerinnen gerathe», sie sollten auf die Straße gehen, um dort ihren Verdienst zu erhöhen, noch immer von unseren Gegnern, vornehmlich den Antisemiten, unverfroren kolporiirt wird, und unseren Genossen, zumal denen auf dem Lande, nicht immer das Material zur Hand ist, um aus jene Lüge sogleich die richtige Antwort zu geben, aus diesem Grunde veröffentlicht die Mannheimer„Volksstimme" de» Widerruf, den in dieser Angelegenheit vor einigen Jahre» die ultramontane„Pfälzer Zeitung", das Blatt des Landtags-Abgeordneten Jäger in Speyer, bringen mußte. Der Widerruf lautet: „Die Nummer 300 der«Pfälzer Zeitung" brachte unter Berlin eine Korrespondenz, welche sich neben den Angriffen auf die Führer der Sozialdemokratie, speziell mit dem Abgeordneten Herrn Paul Singer beschäftigte. In dem Artikel war be- hauptet, daß Herr Singer, der Inhaber eines großen Geschäfts, seinen Mäntelnäherinnen einen Tagelohn von(50 bis 80 Pf. zahle; daß er ferner den Arbeiterinnen, welche mit diesem Lohn nicht auskämen, die Prostitution empfohlen habe. Wir erfüllen einen Akt der Gerechtigkeit, wenn wir auf die Angelegen- heit heute nochmals zurückkommen, um. geleitet von dem Wunsche, diese, wie uns nachgesviesen. unwahren und deshalb Herrn Singer um so schwerer beleidigenden Behauptungen richtig zu'stelle», folgende Erklärungen abzugeben: Herr Paul Singer ist seit drei Jahre» aus der Firma ausgeschieden und hat keinerlei Beziehungen mehr. Was nun den Tagelohn von 60—80 Pf. anlangt, so ist diese Angabe unrichtig; auf Tagelohn ivurde in dem Geschäft überhaupt nicht gearbeitet, sonder» die Näherinnen wurden von den für die Firma arbeitenden Schneider- meistern beschäftigt. Nach gerichtlicher Feststellung betrug der wöchentliche Verdienst einer von den für das Geschäft arbeitende» Meistern beschäftigten Näherin 10 bis 12 M. Hinsichtlich der Aenßerung über die Prostitution gehen unsere Ermittelungen dahin, daß Herr Singer diese Aeußerungen nicht gethan hat. Eine dem Sinne ähnliche Aeußerung ist allerdings im Geschäft einmal gefalle», aber in ganz anderem Zusammenhang und von einer anderen Person, doch auch bezüglich d i e s e r Aeußerung steht es fest, daß niemals geschäftliche Prinzipien oder Handlungen, welche etwa dieser, von dem Hörer selbst als„Redensart" bezeichneten Aeußerung entsprachen, Platz gegriffen habe». Wir freuen uns, daß es uns gelungen, einmal Klarheit in diese Augelegen- heit gebracht zu haben, svelche wahrlich der Aufklärung bedurste. Selbstredend sind mit dem gegenwärtigen Artikel auch alle Kon- sequenzen, die aus demjenigen in Nr. 300 unseres Blattes ge- zogen waren, haltlos geivorden. Es tbut uns leid, daß wir Herrn Singer unbewußt Unrecht gethan, und»vir freuen uns. daß wir nun auch in der Lage sind, durch diese Zeilen dazu beitragen zu können, die Unrichtigkeit einer vielfach verbreiteten und infolge dessen auch geglaubten Ansicht sest- zustellen." Personalien ans der Parter. Der zweite Direktor und Milbegründer der Mannheimer Aktieudruckerei, Genosse Karl Fenh. ist aus dieser Stellung geschieden, um in dem Geschäft des Reichstags- Abgeordneten I. H. W. Dietz in Stuttgart den Posten eines Abiheilungsleiters zu übernehmen. Ans Kopenhagen kommt die betrübende Nachricht, daß der Abgeordnete H ö r d u m» einer der thätigsten Parteigenossen, durch einen Schlaganfall gelähmt worden ist. Glücklicherweise ist, wie die„Leipziger Volkszeituiig" meldet, Aussicht auf voll- ständige Genesung vorhanden. Todtenliste der Partei. Gestorben in Bergedorf der Zimmerer Heinrich Schell und in L i ch t e n h o f bei Nürn- berg der Zimmermann Christoph D r e ß l e i n. In Basel ist der frühere Staatsanwalt Bruhin« 71 Jahre alt, verschieden. Er hielt im Jahre 1869 auf dem Basler Kongreß der internationalen Arbeiterassoziation namens des Lokalkornitee's die Begrüßungsrede. Aus diesem Grunde sei seiner an dieser Stelle gedacht. Polizeilich, Gerichtliches sc. — In Köln ist der verantwortliche Redakteur der „Rheinischen Zeituug", Ad. Hofr ichter, wegen Beleidigung des Direktors der Provinzial-Arheitsanstalt Brauweiler bei Köln Schellmann, und des Landesdirektors Klein in Düsseldorf, angeklagt. Am 27. Mai kam der Prozeß vor der Strafkammer zur Verhandlung. Er wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt, da das Zeuguiß des englischen Journalisten Pollitt eingeholt werden soll, der die Anstalt Brauweiler besucht hat. Ueber die Ursache des Prozesses schreibt die„lliheiu. Ztg.": Am 1. März d. I.»vurde von derselben Slraskannner der genannte Anstaltsdirektor und der Anstaltsarzt Dr. Bode von der Anklage, eine Gefangene durch Auwendung der sogeuaunten„Mundbinde" fahrlässig getödtet zu haben, unter der Motivirung freigesprochen, daß„die Beweisansuahme und die Sachverstäudigen-Urtheile nicht hinreichende Klarheit geschaffen hätten, um eine Verurtheilung eintreten zu lassen. Diese relative Unklarheit, die de» beiden Angeklagten solcher Art zu statten kam, mochte für die in Brauweiler inhaftirten oder in- haftirbaren Persouen bedrohlich erscheinen. Beiläufig bc- merkt, gehört sehr wenig Verderbtheit dazu, um der betreffenden Anstalt einverleibt zu»verde»; es genügt zum Beispiel für einen Handwerker, zuvor zweimal beim Fechten betroffen worden zu sein. Die„Rheinische Zeitung" hielt es daher für eine im öffentlichen Interesse zu erfüllende Pflicht, ein Schreiben abzudrucken, das einige Zeit früher einem Reichstags- Abgeordueteu aus Brauweiler zugegangen und in ivelchem über die dort herrschende» Zustände lebhaft Klage geführt war. Dieses Schreiben erschien in Nr. 54 der„Rh. Ztg." vom 6. März d. I., gab aber erst nach längerer Zeit, wie es heißt, infolge einer direkten Aufforderung der höheren Regierungsbehörden, Anlaß zur Au- strengung der Klage seitens Schellmann's.Atlch Sch.'s Vorgesetzter, der Landesdwektor Klein, schloß sich der Klage an. iveil in dem Artikel gesagt war,„die Vorgesetzten Sch's würden denselben gegen etwaige Angriffe schon ihretwegen schützen müssen". Die Smatsamvaltschast übernahm die Anklage offiziell und be- gründete dieselbe auf den Art. 187 des Strafgesetzbuchs, indem sie die Behauptungen des inkriminirte» Artikels als„wider besseres Wisse»" gethan betrachtete. Die Anklagekammer lehnte es jedoch ab. sich auf diesen Gesichtspunkt zu stellen, sondern er- hob die Klage nur auf grund des Art. 186(Verbreitung nicht erweislich wahrer Thatsachen sc.). — In Magdeburg wurde am zweiten Weihnachtsfeier« tage eine Parteikonferenz abgehalten. Wie bei Konferenzen üblich, waren auch die Telegirten dieser Konferenz svegen der Festsetzung der Tagesordnung zu einer Vorbesprechung ein- geladen worden, die am Morgen des zweiten Weihnachtsseierlags stattfinden sollte. Die Polizei löste die Vorbesprechung asif, da sie nicht angemeldet worden svar. Es folgte ein Prozeß, bei dem zivei Parteigeuosseu und der Wirth zu Geldstrafen von 15— 20M. verurtheilt wurden. Die Berufung der Verurlheilten ist jetzt vom Landgericht verworfen worden. — Die Zensur blüht in Preußen ahnlich wie in den schönsten Zeiten des seligen Bundestags. Wollte da der Sozial- demokratische Verein in Breslau kürzlich bei einem Feste daS Theaterstück„Eine Maifeier auf dem Lande" aufführen und das Chorlied„Es dämmert im Osten" singen lasse». Beides ivurde von der Polizei verboten, und selbst ein unschuldiges Frühlings- lied, das als Ersatz für das Chorlied vorgetragen werden sollte, fand bei der heiligen Hermandad keine Gnade. — Dein Redakteur Huth in Erfurt wurde von der Staatsanwaltschaft»ütgetheilt, daß die Beschlagnahnie der Nummer der„Thüringer Tribüne" vom 20. März aufgehoben sei. Anlaß zu der Beschlagnahme hatte ein Artikel über das be- kannte Rauchverbot gegeben, der eine Majestätsbeleidigmig enthalten sollte. — Freigef prochen wurde vom Elberfeld er Landgericht der Redakteur F r a n tz e n aus Solingen, der in der„Ber- gischen Arbeiterstimine" die Staatsanivaltschaft beleidigt haben sollte, obwohl sie in den» betreffenden Artikel gar nicht genannt war. — Gegen das Ansinnen sächsischer Polizeibehörden, bei Versamluluugsannieldungen die Refereiiten zu nennen, empfiehlt auch die V u r g st ä d t e r„V o I k s st i m m e", alle Instanzen bis zum Ministerium anzurusen. Im Leserkreise der„Volksstimme" sind schon wiederholt Versammlungen verboten worden, weil der Polizei die in Aussicht genommenen Referenten nicht gefielen. Dem würde natürlich aufs einfachste dadurch vorgebeugt, daß man die Neugier der heiligen Hermandad nach der Person des Referenten überhaupt unbefriedigt läßt. — 20 M. soll der Redakteur K ö h r e in Würzen laut Schöffen« gerichtsuriheil blechen, weil er den Rathsexpedienlen Kröpsch in einer Notiz der„Neuen Wurzener Zeitung"«nicht gerade schwer", aber doch beleidigt hat. Uetitlousvecht des Magistrats. Die Klage des Berliner Magistrats gegen den Ober- bürgermeister Zelle kam gester» vor dem II. Senat des Ober» verwaltungs- Gerichts zur Verhaudluug. Es handelt sich bc- kaiintlich darum. daß der Oberbürgermeister den Beschluß des Magistrats, e i» e P e t i t i o u in Sachen der Umsturzvorlage a» den Reichstag zu richten, infolge der Einspruchs- Verfügung des Oberpräsideulen v. Achenbach nicht ausgeführt hat. Der Magistrat klagt nun aus Wiederaufhebung der Bersüguug. Den Vorsitz führte Senatepräsident I e b e n s, das Referat er- stattete Oberverwaltnngs- Gerichtsrath v. R o o n. Den Ma- gistrat vertrat Bürgermeister K i r s ch n e r, der Bellagte war nicht vertreten. Ter Minister des Innern halte auf gruud des tz 74 Absatz 2 des LandesverwaltungS- Gesetzes den Ober- Präsidialrath v. Buch in Potsdam als Vertreter bestellt. Ter Oderpräsident hatte unter dem 19. April er. den Beschluß des Magistrats beanstandet, weil eine Ueberschreitung der in» tz 56 der Städte-Ordnung dem Magistrat gezogenen Befugnisse vorliege, da das P e t i t i o>» S r e ch t der Gemeindevertretungen auf Gemeinde- Angelegenheiten beschränkt sei. Die Klage des Magistrats beantragt die Auf- Hebung der Beanstaudiings-Verfügung. Sie weist darauf hin, daß es für die Sladlgeineinde Berlin von außerordentlicher Bedeutung war, ob der Gesetzentwurf Gesetzeskraft erhielt und daß daher eine hervorragende Angelegenheit der Stadt Berlin vorlag. Sie verweist auf die Beunruhigung der Bürgerschaft, hebt die besou- deren Verhältnisse Berlins hervor und verweist auf die durch den Gesetzentwurf zu erwartende Behinderinip der freien wissenschast- lichen Forschung und der geistigen Arbeit überhaupt, namentlich mit Bezug darauf, daß sich in Berlin als Reichshauptstadt das gesammte geistige Leben konzentrirt.— In einem mit statistischen Angabe» ausgestatteten Nachtrage wird nachgewiesen, daß hier in Berlin im ganzen 30 759 Personen dem Stande der Professoren, Dozenten, Geistlichen, Literaten. Bildhauer, Schriftsteller, Buchhändler sc. sc. angehöre». In Berlin würden seil einer Reihe von Jahren bedeutungsvolle KuuslausstelUiugni ceifluftaltet, mib auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft nehme Berlin die erste Stelle ei,n In kirchlicher Beziehung sei der Magistrat der Patron von IL Kirchen in Berlin und einer Reihe von Kirchen auf den Rieselaütern. er habe 33 Geist- liche anzustellen, unterhalte 38 höhere Lehranstalten auf welchen aus seine Kosten in jedem Jahre wissenschaftliche Abhandlungen herausgegeben werden, gewähre jährlich über 10 00» M- Studien-Stipendien:c.:c.. Die Klage verweist ferner auf die zahlreichen Lehrer- und Schnlerbibliotheken an den höheren Lehranstalten, für welche jährlich große Summen bewilligt werden, auf die sogenannten Lehrer- und Schülerbibliotheken der Gemeindeschulen, die Magistratsbibliothek und die Volks- bibliotheken, auf die jährliche Bewilligung von 100 000 M. für Kunstzwecke, auf die Jortbildungeschulen und die vielen anderen Beziehungen der Stadtgemeinde zu Gewerbe, Wissenschast und Kunst. Schließlich wird darauf verwiesen, daß die Städte schon öfter in analogen Fällen ihr Petitionsrecht ausgeübt haben. Das Bestreben, die Thätigkcit der Städte auf die engsten städtischen Angelegenheiten zu beschränken, sei dem Geiste der Städteordnung zuwider, das beweise auch eine königliche Kabinetsordre vom Jahre 1806 an die städtische Vertretung von Breslau. Bürgermeister K i r s ch n e r begründete die Klage in aus- führlicher Rede. Ober-Präsidialrath v. Buch: Das öffentliche Interesse bei diesem Streitfall bestehe darin, daß das Petitionsrecht der Koni- munalverbände klargestellt und die Frage entschieden werde, ob die Gemeinden befugt sind, politische Fragen zum Gegenstand ihrer Berathung zu machen. Die Aufsichtsbehörde habe sich ganz auf den Standpunkt des Oberverwaltungsgerichts- Erkenntnisses vom 10. März 1836 gestellt. Dort seien die Grenzen schon ziemlich iveit gezogen und dennoch könne auch nach diesem Eikenntniß kein Zweifel darüber sein, daß der Beschluß des Berliner Magistrats die Grenzen des Petitionsrechts überschreite. Der durch das Urlheil vom 10. März 1886 berührte Fall habe zudem anders gelegen, als dieser. Damals handelte es sich um das spezifische Interesse Berlins an den Getreidczöllen. In der Petition des Magistrats sei auch nicht einmal der Versuch gemacht lvorden, nachzuweisen, welche Bestimmiingen des Gesetzeniwurfcs die besonderen Interessen der Stadt Berlin angeblich berühren. Wenn hier das Petitionsrecht der städtischen Behörden anerkannt würde, dann würde damit jede Schranke fallen und es würde kaum noch einen Gegenstand geben, der nicht zum Gegenstand der Petition gemacht werden könnte. Wenn in einzelnen Fällen die Aufsichtsbehörde von ihrem Beanstandungsrecht keinen Gebrauch gemacht habe, so sei das ohne Bedeutung, denn sie habe wohl ein Beanstandungs-Recht aber keine Pflicht. Vom Stand- punkte des öffentlichen Rechts beantrage er, die Beanstandungs- Verfügung aufrecht zu erhalte». Bürgermeister K i r s ch n e r: Nach den Ausführungen des Vertreters der Aufsichtsbehörde würde das Petilionsrccht der städtischen Behörden auf Null zusammen schrumpfen, denn es würde dann nur auf das rein Lokale, zufällig örtlich Begrenzte beschränkt bleiben. Wenn auch der Magistrat als Patron' keinen Einfluß auf die Lehre der Kirche habe, so habe er doch ein leb- Haftes Interesse daran, ob die kirchliche Richtung, welcher nach seinem Wunsch die von ihm zu berufenden Geistlichen angehören solle», überhaupt noch gestattet ist. Wenn die städtischen Be- Hörden lediglich das Materielle gewähre» sollen, ohne sich weiter darum zu bekümmern, was aus den Geldern wird, dann würde das Interesse der Stadtgemeinden am geistigen Leben überhaupt ertödlet werden und es würde ein Wunder sein, wenn die Stadt- gemeinden dann noch freiwillig Aufwendungen für jene Zwecke machen würden. Die Gesichtspunkte, aus welchen der Magistrat sich zu jener Petition entschlossen, beseitigen jeden Verdacht, daß er sie nur zum Deckniantel gebrauchen wollte, um Politik zu treiben. Dazu hätte sich anderweitig bequeme Gelegenheit geboten. Ober-Präsidialrath v. B u ch: Er bestreite, daß der Gesetz- «ntwurf einschränkend auf Wissenschaft und Kunst gewirkt hätte. Bürgermeister Kirsch»er: In dieser Beziehung könne sich der Magistrat wohl auf die Urtherle eines Adolf Menzel, Gustav Frcytag, Frentzel, Friedrich Spielhagen, Mommsen und vieler anderer berufen. Nach längerer Berathung publizirte der Vorsitzende das Er- kenntniß dahin: In der Klageschrift des Magistrats wird dar- aus hingewiesen, daß das. Bestreben, die Thätigkeit der städtischen Behörden auf die Angelegenheiten der Städte zu beschränken und sie von den allgemeinen Angelegenheiten des Staats fern zu halte», dem Geiste der Städte-Ordnung widerspreche. Das Petitionsrecht der Kommunen kann nicht aus dem Wesen und Begriffe des Petitionsrechts an sich abgeleitet werden, sondern ans dem Wesen und der Bestimmung der Kommune. Selbst wenn zugegeben wäre, daß die Umsturz- vorläge sich ihrer Natur nach nicht dem PetitionLrecht der Kommunen entzog, so läßt sich doch die Ausübung dieses Pelitionsrechts durch den Berliner Magistrat nicht danach be- urtheilen, was nachträglich zu den Akten gegeben worden ist, fondern danach, wie die Petition abgefaßt war. Da ist es geradezu befremdend, daß der Magistrat in seiner Petition die speziellen örtlichen Interessen, die in Frage kommen, kaum ge- streift hat. Der Berliner Fall liegt wesentlich anders, als der Stcttiner, und das Gericht hat deshalb, wie seinerzeit zu gunsten Steltins, diesmal zu Ungunsten Berlins entscheide» müssen. Es ist dahin erkannt, daß die Klage abzuweisen und der Kläger die Kosten zu tragen habe. Soziale UebeoNckk. Werthschätzung des Arbeiters in der heutigen Gesell- schaft. Metzger-, Maurer- und Z i m ni e r e r g e s e l l e n brennen doch durch, meinte, wie wir der„Rheinisch- Westfälischen Arbeiter- Zeitung" entnehmen, der Vorsitzende der Dortmunder Straskanimer, als ein Maurer, der wegen Be- theiligung an einer Schlägerei 6 Wochen Gefängniß bekommen hatte, wovon vier Wochen durch die Untersuchungshaft als vcr- büßt erachtet wurden, auf vorläufige Freilassung antrug. Der Haftbefehl wurde nicht ausgehoben, der Verurtheilte muß also die 14 Tage sofort absitzen. Vanmwolle»- Industrie in de» Vereinigten Staaten. Ueber die Eutwickelung der Baumwollen- Industrie in den süd- lichen Unionsstaaten hat der„Tradesnian" eine interessante Statistik aufgestellt. Danach befinden sich gegenwärtig in den Südstaaten 372 Bauinwollwaaren-Fabriken im Betriebe oder im Bau. Geplant sind weitere 36 Fabriken. Mit diesen würde» die Südstaaten also 408 Baumwollwaaren-Fabrikcn haben, gegen 180 im Jahre 1880 und 254 im Jahre 1800. Die jetzt im Be- triebe befindlichen Fabriken im Süden hatten Spindel» im Jahre 1695: 2 988 155(1890: 1 699 083); Webstühle im Jahre 1895: 71 149(1390:38 825). Die Zahl der Spindeln und Webstühle ist also i» dem kurzen Zeitraum von fünf Jahren geradezu riefen- Haft gewachsen. Gemcpltstf i atlUdjcs. An alle Knopfarbeiter und-Arbeiterinnen VerlinS und Umgegend. Laut Beschluß der außerordentlichen General- Versammlung vom 19, Mai d. I. hat sich der hier seit ca. acht Jahre» unter dem obigen Namen bestehende Verein ausgelöst und sich dem Zentralverband der Holzarbeiter Teutschlands an- geschlossen. Wir fordern und erwarten von jedem zielbewußt nach Verbesserung seiner Lage strebenden Kollegen, sowie vcn jeder Kollegin, daß sie sich nicht nur dem Holzarbeiter-Aer- band anschließen, sondern auch nach Kräften für denselben agiliren. Kollegen und Kolleginnen! Nicht ganz mit unrecht habt Ihr»ms, wenn wir Euch aufforderten, Verantwortlicher Redakteur: I. Dirrl( dem Knopfarbeiter- Verein beizutreten, entgegengehalten: „Was kann uns der Verein mit seiner geringen Mitglieder- zahl nützen?" Nun wohl! Der Holzarbeiter-Verband kann Euch etwas nützen, er kann Euch, wenn Ihr einmal durch den Ueber- muth des Kapitals gezwungen werdet, in einen Streik einzutreten, unterstützen, und so den Fabrikanten zwingen. Eure bescheidenen Forderungen zu bewilligen. Nur dem Holzarbeiter- Verband ist es zu verdanken. daß der Schmöllner Knopfarbeilerstreik— zum größten Theil-- für die Arbeiter siegreich beendet wurde. DerArbeits- Nachweis des Holzarbeiter- Verbandes befindet sich Annenstr. 39 und ist geöffnet vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr. Das Eintrittsgeld beträgt 30 Pf., der wöchentliche Beitrag 15 Pf. Nähere Auskunft ertheilen und Beitritts- erklärungen nehme» entgegen alle unsere früheren Vorstands- Mitglieder und Fabrikkassirer. Die Liquidations- Kommission des Vereins zur Wahrung der Interessen sämmtlicher Knopsarbeiter und-lZIrbeiterinnen Berlins. I. A.: P. S ch ii e i d e r. Tie Maurer Flensburgs befinden sich bekanntlich seit voriger Woche im partiellen Streik. Die Ursache ist, wie uns von dort geschrieben wird, folgende: Die Maurer Flensburgs halten mit den Meistern seit mehreren Jahren die Vereinbarung getroffen, daß die Arbeil an allen Neubauten in Akkord gemacht werde. Der Akkordtarif war demgemäß ein fester und für Ge- sellen und Meister unantastbar, bis auf die Kündigung und etwaige weitere Abmachungen. Die vereinigten Meisler hielten darauf, daß fast nur orgauisirte Gesellen beschäftigt wurden, und die Gesellen ihrerseits hielten den Meistern die Schmutzkonkurrenz so viel wie möglich vom Leibe. Ein Stundenlohn von 45 Pfennige wurde für jeden Gesellen ausgezahlt; in der Regel Halle dann aber noch jeder Geselle 100—200 Mark Akkordüberschnß verdient, je nach der Zeildauer ches Baues und den sonstigen Umständen. Von„Mordarbeil" kann man bei diesem Akkordsystem nicht sprechen— es werden auch nicht mehr Gesellen eingestellt werden, wenn bei uns die Akkordarbeit ab- geschafft wird— die Arbeiter aller Branchen werden in den größeren Städten bei Lohnarbeit bedeutend mehr ausgebeutet. Das Parlier- und Treibersystem, und auch die„Schmeichel-" namen, mit denen in Berlin, Hamburg und anderen Orten die Bauarbeiter von Meislern und Parliren belegt werden, kennen wir ans den Bauten in Flensburg noch nicht. Doch dies soll nun alles anders werden. Schon im Vorjahre hatten einige Unternehmer versucht, die Abniachungen zu durchbrechen, wenn auch ohne größeren Erfolg. Kürzlich hat nun die Innung be- schloffen, daß es jedem Meister freistehe, den Gesellen Akkord oder b l o s 45 Pf. Stundenlohn zu geben und die? haben denn auch gleich einige Meister ins praktische übersetzt. Wir sind nun aber keineswegs geneigt, den Meistern ein derartiges Geschenk— es belänst sich bei größeren Bauten ans 1000 M. und auch noch mehr— zukommen zu lassen. Daß, wenn wir uns nicht wehren, dem Spekulantenthum die Wege geebnet werden, ist sicher. Hier nur ein Beispiel: Im Frühjahr wurden die Maurerarbeiten zum Bau einer Realschule in Submission vergeben. Ter Stadt« baumeister oder-Rath halte die Arbeiten auf ungefähr 56 000 M. veranschlagt, für 49 000 M. aber war der theuerste und für 38 600 M. waren die beiden billigsten Jnnungsmeister erbötig, die Arbeit zu übernehmen; letztere'erhielten auch den Zuschlag. Wären die Herren nicht schon mit dem Plane um- gegangen, unseren Lohn durch Abschaffung des?lkkords zu rednziren, so hätten sie die Arbeit gar nicht übernehmen können, denn nach unserem Akkordtarif macht allein der Arbeits- lohn für Gesellen und Arbeiter etwas über 38 000 M. Ob nun die Unternehmer mit ihrer gegenseitigen Unterbieterei zurecht kommen oder nicht, kann uns gleich sein. Für uns ist es uolh- wendig, daß wir unfern Lohn und die von uns selbst geschaffene Arbeitsordnung vcrtheidigen und deshalb mußten wir über den Realschuldau und noch einige kleinere Bauten die Sperre verhängen. Jetzt drohe» die Jnnungsmeister mit der Aus- perrnng sämmtlicher Gesellen. Zuzug haben wir bisher hauptsächlich von Berlin gehabt. Eifft jetzt haben wir einen Parlier und 11 Kollegen von dort bewegen können, die Arbeit niederzulegen und abzureisen. Hoffentlich sorgen die Kollegen überall mit dafür, daß der Zu- zug nach hier ferngehalten wird, damit der Plan der Meister, uns auszusperren, zu Wasser wird. Wegen Lohudiffereuzen ist der Zuzug von Feilen- haue r n nach H a ni b u r g streng fernzuhalten. Maurer, Zimmerer und Vauarbeiter werden ersucht, Zuzug nach Lnngenbielau(Schlesien) strengstens sernzu- halten. In Tortmnnd haben 27 Meister die Forderungen der Maler bewilligt. Der Gehilfeumangel ist groß, so daß bei regelrechter Fernhaltung des Zuzuges auf einen vollen Sieg zu rechnen ist. Zun» Streik der Dachdecker ist zu berichten, daß die Meister Vorschläge machten, die von der Gchilfenkommission ür völlig unannehmbar erklärt wurden. U. a. wollten die Meister 42 Pf. Stundenlohn zahlen für„nüchtern«, solide, ans- gesuchte" Arbeiter; zu spät kommende Arbeiter sollen mildem Verlust des Verdienstes für IVsmaligen Zeitraum des versäumten bestraft werden. Ter Streik dauert also unverändert fort. Zuzug ist aufs strengste fernzuhalten. Zur Brwcgnna der Nürnberger Wagengehilfeu meldet die„Fränk. Tagespost": Die Kommission hat am Montag und Dienstag fast sämmtliche Meister besucht und bei einer großen Anzahl die Forderung der Arbeiter: Abschaffung von Kost und Logis beim Meister, 10 stundigc Arbeitszeit und 15 M. Minimal- lohn, bewilligt erhalten. Eine Anzahl der anderen erklärte, sie würden bewilligen, wenn die anderen Meister auch bewilligten. Wo die Forderungen nicht bewilligt sind, haben die Wagner- gehilsen die Arbeit niedergelegt, weshalb der Zuzug nach Nürn- berg streng zu vermeiden ist. In München legten bis auf zwei Personen sämmtliche Maler der Werkstall von G. Stindt, Karlftraße 5, wegen Maßregelung eines Kameraden die Arbeit nieder. Die Werkstatt ist deshalb gesperrt. Strcikkosten. Ter Zenlralverein der Lithographen und Steindrucker Deutschlands hatte für die letzten größeren Streiks folgende Ausgaben zu machen: in Berlin 5748.50 M.. in Brandenburg 21835.35 M.. Dresden 5745.13 M.. Lobberich 249,67 M., Gera 444,25 M.; zusammen 34 022,90 M. An Extra-Unterslütznngcn waren 12 046,37 M. erforderlich und 4726,09 M. sind für sonstige ans den Streiks entstandene Ans- gaben verwendet worden, so daß die Gesammtausgaben 50 795,36 M. betrugen. Die Einnahmen betrugen ebensoviel und wurden in folgender Weise ausgebracht: durch Listensamm- lungen 27 130,90 M., vom Ausland 3387,08 M., durch sonstige Sammlungen und aus Fonds von Berussgenosjen 2505,41 M., von den Buchbindern 2390,57 M., Buchdruckern 3153,63 331., Formstcchcrn und Tapelendrnckcrn 321,71 M, von sonstigen Vereinen und Gewerkschaften 6369.35 M.. Ileberschuß der Kauf- mann'schen Sammlung(Gera) 450,30 M., rctourgrzahlte Vorschüsse 34 M., und Zuschuß aus der Hanptkasse 7052,41 M. Beim Wiener Ziegler st reik kamen 4801,89 Gulden ein, gebraucht wurden nur 3673,01 Gulden, so daß ein Ileberschuß von 1123,88 Gulden blieb, der dem österreichischen Zentral- Streikfonds überwiesen wurde. Die Ausgaben verlheilcn sich aus folgende Posten: Für Brotlieferung 2945,13 Gulden, für sonstige Nahrungsmittel 162.95. Geldunterstützung 341,62, sür Drucksachen 38,50. Kosten des Begräbnisses des Arbeiters Franz llrbanek, dem von einem Gendarmen der Kopf gespalten wurde, 1 17.36, sonstige Ausgaben 67,40 Gulden. Außer diesen Unter- stützungen, die durch die österreichische Gewerkschastskommission geleistet wurden, mögen den Zicgelarbeitern noch von anderer kmil Roland) in Berlin. Druck und Verlag vcn Max Babing i Seite mancherlei Zuwendungen gemacht worden sein, immerhin steht fest, daß sie ihren Streik mit einer Entsagungsfreudigleit führten, die die höchste Bewunderung verdient. Bayerische Koalitions-„Freiheit". In Nürnberg wurde dem Leiter des Streiks bei Marschütz u. Ko., Schlosser E., vor einigen Tagen von der Polizei eröffnet, daß er wegen„arbeils- losen Herumtreibens" denunzirt worden sei. Es wurde ihm nun die amtliche Arbcitsauflage gemacht, wie sie Vagabunden gegen- über angewendet zu werden pflegt. Falls er binnen einer be- stimmten Frist nicht nachweisen könne, daß er Arbeit habe, werde er ausgewiesen werden! Dabei steht der Schlosser bereits wieder in Arbeit und hat als Streikender nicht nur seine Verbands- Unterstützung, sondern auch Ersparnisse zu verzehren gehabt. Drittens— sagt treffend die„Fränkische Tagespost"— scheert es die Polizei einen Pfifferling, wenn auch einmal ein Menschen- kind. das nicht zu den„oberen Zehntausend" gehört, ein paar Wochen privatisirt. So lange ein Mann nicht durch Vettel oder Schwindeleien seinen Mitbürgern lästig fällt, hat niemand das Recht, ihm das Spazierengehen zu verwehren. In Sachsen wird flott weiter aufgelöst. Dem Vertrauens- mann der M a u r e r von Glauchau ging folgendes Schriftstück zu:„Beschluß des Stadtraths zu Glauchau. Polizei-Abtheiliiug. 16. Mai 1895. Die in Glauchau bestehende Zahlstelle des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands und verwandten Berufs- genossen, welcher sich ausweislich seiner Statuten, insbesondere § 1b— 2, mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigt, wird auf grund von§ 25 des königl. sächs. Gesetzes vom 22. Nov. 1850. das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend, ausgelöst, weil sie ausweislich der Akten Bl. 3 b, 4, 8 b, 9a/b, 11, 15 flg., 17, 27 flg. und der bei ihr vorgefundenen Brieffchasten, Zahllisten k. lediglich ein Zweigverein jenes Verbandes ist, ohne das Recht der Körperschaft erlangt zu haben(§ 24 des erwähnten Vereinsgesetzes, verbunden mit§ 6 der zugehörigen Ausführungsverordnung vom 23. November 1850). Die am 19. November 1894 beschlagnahmten 2 Briefe, 3 Zahl- listen, 1 Zettel, 1 Heft, 1 Quittungskarte und 1 Flugblatt haben als Beweismittel bei den Akten zu verbleiben, die übrigen be- schlagnahmten Gegenstände sind zurückzugeben. Dieser Beschluß ist dem Vertrauensmann der Maurer von Glauchau zur Be- scheidung seiner Mitglieder unter Hinweis auf den Z 83c obengenannten Gesetzes zugegangen. Hinkelmann, Stadtrath." Aus der Schweiz. Der Verband der schweizerischen Eisenbahn-Ange st eilten erklärte sich auf seiner General- Versammlung in B e r n für die Verstaatlichung der Eisenbahnen. Im weiteren forderte er die Einführung der zehnstündigen Arbeits- zeit und eines Minimallohns, sowie von Diäten. Endlich be- schloß die Versammlung den Anschluß des Verbandes an den schweizerischen Arbeilerbund. Tie Schubmacher in St. Gallen stehen seit etwa 14 Tagen in ei c Bewegung, um folgende Forderungen durch- zusetzen: Abschaffung gewisser Abzüge und der Akkordarbeit, Einführung eines Minimal-Wochenlohns von 21 Franken, Ein- führung von Betriebswerkstätlen und Entschädigung der Miethe für Zimmerarbeit(Hausindustrie), Herabsetzung der Arbeitszeit auf 10 Stunden täglich und Zuschlag von 10 Centimes sür jede Ueberstunde, Freigabe von Kost und Logis. Der jetzige Lohn beträgt durchschnittlich 17 Franken. Die Bleicher. Appreteure rc. in St. Gallen fordern den Zehnstundentag, 10 pCt. Lohnerhöhung, IVs Stunden Mittagspause, doppelte Bezahlung der Ueberstunden und Sonn« abends eine Stunde früher Feierabend ohne Lohnabzug. Vetleftkron; Wolff'S Telegraphen-Bureau. Kiel, 23. Mai. Heute Vormittag starb noch der bei der Explosion auf dem türkischen Torpedobootjäger schwer verletzte Arbeiter Müller. Das Unglück soll durch Wassermangel in einein Kessel verursacht sein. Wien, 28. Mai. Abgeordnetenhaus. Am Schlüsse der Sitzung begründete Tuczek seinen dringlichen Antrag, den Wahl- resorm-Ausschuß zu beaustragen, einen Bericht über die Wahl- reform von dem Subkomitee zu verlangen, und ihn noch vor Pfingsten zur Verhandlung zu ziehen. Nachdem der Obmann des Wahlresorm-Ausschusses, Baron Widmann, erklärt hatte, der Bericht könne bis morgen überreicht werden und werde dann sofort gedruckt an den Ausschuß vertheilt und veröffentlicht werden, wurde die Dringlichkeit mit 141 gegen 65 Stimmen ab» gelehnt. Rom, 23. Mai. Nach den letzten Feststellungen der Wahl- ergebnisse sind gewählt: 298 Ministerielle, 124 Oppositionell« und 16 Abgeordnete, deren Parteistellung noch unbestimmt ist. 58 Stichwablcn sind erforderlich, 12 Wahlergebnisse stehen noch ans. Die 124 Oppositionellen tbeilen sich in 40 Anhänger di Rudini's, 39 von der oppositionellen Linken, 31 Radikale und 14 Sozialisten. Stach den bei Schluß der Redaktion uns zu- gehenden Meldungen sind folgende Sozialisten gewählt: In Borgo San Domino Berenini, in Mailand und in Cesena Dr. B a r b a t o, in Budrio und Jmola C o st a, in Guastatta P r a in p o l i n i, in Salerno De Marinis, in Catania D e Felice Ginffrida.— Von Stichwahlen sind bis nun bekannt: In Reggio d'Emilia der Sozialist Elementarlehrer S a l s i(2570 Stimmen) gegen einen Anhänger Crispi's(1400 Stimmen), in Mirandola Sozialist Agnini(1027) Radikale Tabacchi(1024), Pescarolo Sozialistist Bissolati (1145) der Crispinische Gegner 1120 Stimmen, in Ostjlia der alte Genosse Gnocchi-Viani(1281), sein Crispinischer Gegner 1414 Stimmen. In Gonzaga steht F e r r i in einer sehr aussichtsvollen Stichwahl, in Venedig steht der Sozialist C a b i a n c a gegen einen Konservativen, in Badia der Sozialist B a d o l i n i gegen den General Sani, in Carpi der sozialistische Bäckerei- Arbeiter B e r t e s i gegen einen Gemäßigten in Stichwahl. Liffabon, 23. Mai. Auf einem Dampfer, der bei dem hie- sigen Hafenbau beschäftigt ist, explodirte der Kessel. 6 Arbeiter wurden getödtet. Pari?, 28. Mai. Der an der spanischen Küste unter-- gegangene Dampfer„Don Pedro" verließ Havre am 20. Mai mit 54 Schiffsleuten und 76 in Havre, Bordeaux und Pasages aufgenoninienen Passagieren, darunter zahlreiche Italiener. Aus Deutschland waren an Bord der 31jährige Kaufmann Eduard Deutsch, der Diener Gustav Braun aus Elsaß und das 26 jährige Dienstmädchen Luise Wahl, ans der Schweiz die Landwirthe Otto Kauffmann, Friedrich Wyß und Friy Schneider, sowie Anton und Luffe Kunz. Der„Don Pedro" ist ein eiserner Dampfer von 2999 Tonnen; er war nach Buenos- Ayres und Montevideo bestimmt. (Dcpeschen-Bnrean Herold.) Köln, 28. Mai. Der„Köln. Ztg." wird aus Belgrad ge- meldet, in dortigen politischen Kreisen verlaute, daß zwischen Rußland und Bulgarien eine vollständige Aussöhnung auf grund einer Vereinbarung bevorstehend sei. Diese Vereinbarung Hab: Zankow in Petersburg getroffen. Wie», 23. Mai. In einer vertraulichen Konferenz haben sich heute die Vertreter aller Opposition sgr Uppen dahin schlüssig gemacht, mit allen taktischen Mitteln die schnelle Erledigung der Wahlreform zu betreiben und mit aller Energie die Wahrung voller Redefreiheit zu sichern.— London, 23. Mai. Nachdem die japanische Flotte im Hafen von Tamcai angelangt ist, wird binnen kurzem ein Zusammen- stoß zwischen den Japanern und den„Republikanern" aus Formosa erwartet. Washington, 23. Mai. Heute Nacht 1 Uhr 15 Minuten ist der Staatssekretär des Auswärtigen Gresham gestorben. a Berlin, feW., Beulhftraße 2. Hierzu zwei Beilagen. 1. Beilage zum„Vorwärts" Berliner Volksblatt. Kr. 1Z3. Mittwoch» den 39. Mai 1893. 12. Jahrg. Kntgariens wirth sch astliche Gntwickelnng. Von einem bulgarischen Genossen erhalten wir den folgenden interessanten Brief iiber die wirthschaftliche Entwickelung Bulgariens. Der Bericht zeigt, wie der Kapitalismus in den Balkanstaaten jetzt im ersten Jugendrausche schwelgt und läßt Schluise auch auf die im Anschluß an die Proletarisirung der Maife» zu erwartende Arbeiterbewegung zu. Bulgarien ist eine neue Beute, auf welche die internationalen Aasgeier des Kapita- sich jetzt ftürzen, bis nichts mehr zu verschlingen ist. Der Brief lautet: Mot drei Jahren sagte ein Freund scherzend. indem er das imistnrte Titelblatt unserer eingegangenen Vierteljahrsschrift„Der Sozialdemokrat" betrachtete: Auf der Decke sind mehr gemalte Fabriken, als wirkliche Fabriken in dem Lande sind. Es war dies nur ei» Scherz, der aber doch in der geringen Entwickelung unscrer Industrie einen thatsächlichen Grund halte. Heute ist diese auch noch nicht, in des Wortes weitester Bedeutung sehr hoch «nitwickelt, allein sie zeigt eine sehr große 5irast der Entwickelung. Gegenwärtig ist es die Textilindustrie, die bei uns am meisten eiitwickelt ist. Große Textilsabriken bestanden bei uns schon zur Zeit der türkischen Herrschafl, d. h. vor 18 Jahren. Von jener Zeck an nahmen sie fortwährend zu, so daß die Bewohner der Städte im Balkan, Sliwen, Gabrovo, Trewna, Carlowo, Casanlic zum größte» Theil vollständig proletarisirt sind. Die Leute arbeiten entweder in der Fabrik oder zu Hause aus Stück, für Rechnung derselben Fabrikanten. Der Markt der Industrie ist das Land selbst und außerhalb Bulgariens: Rumänien und die Türkei. Kürzlich haben einige große Fabrikanten aus Gabrovo und Sliwen der Hohen Pforte Vorschläge gemacht, für die ganze türkische Armee bulgarisches Tuch zu liefern. Ter Großvezir und der Kriegsminister haben ihnen alle Unterstützung versprochen und ihnen schon Sultan-Orden für ihren industriellen Erfolg gegebe». Jetzt schon wird die Garnison von Adrianopel,— der größten türkischen Stadt nach Konstantinopcl— und von Salonichi, aus schließlich von den bulgarischen Fabrikanten gekleidet; und nächstens wird auch die bulgarische Armee— nach einer kürzlich erlassenen Bestimmung— nur in bulgarisches Tuch gekleidet sein. Nach der Textilindustrie ist eS die Tabaksindustrie, die Bierbrauerei sowie die Fabrikation des Alkohols und aller alkoholischen Gelränke, die am meisten entwickelt sind. Die erste Industrie zählte im Jahre 1893— 104 Fabriken, und die zweite hat infolge des sicheren Gewinns eine so große Anzahl Kapitalisten angezogen, daß bald massenhaft Bankerotte eintraten. Die Steinkohlenindustrie beschäftigt jetzt 700 bis 800 Staatsarbeiter, sie hat aber eine große Zukunft, denn allein der bekannte Theil des Beckens von Pernic enthält 40 000 000 Tonnen. Ich habe aber nicht die Absicht, Ihnen die ganze bulgarische Industrie, welche die wirtschaftliche Bewegung seit einem Jahr nach Stambulow's Sturz hervorgebracht hat, ins einzelne zu beschreiben. Zunächst muß ich bemerken, daß die Regierung, welche an Stelle Stambulow's trat, eine kapitalistische pur exccllence ist. Die Männer, aus denen sie besteht, sind als die reichsten des Landes bekannt, während die Mitglieder der Stambulow'schen Regierung meistens, Etambulow mileinbegrisfen, nur Emportömm- linge waren, aus den Reihen der kleinen Bourgeoisie hervorgegangen und arm wie die Kirchenmäuse, bis sie reich wurden durch Mittel, welche eigentlich die Domäne der Znchtpolizei sind, d. h. durch einfachen Diebstahl. Um Ihnen einen Begriff von unserer jetzigen Regierung zu geben, reicht es hin, den Fall des Finanzministcrs Geschosf anzu- führen; Herr Geschoff war Finanzagent und ist der Erbe eines der größten Kapitalisten Rumäniens, des Bulgaren Eveogi Ghcorghieff. Letzterer ist, obgleich er in Rumänien wohnt, um dort Wucher zu treiben und die runiänischei» Bauern auszu- beuten, doch bei uns Abgeordneter und Mitglied der bulgarische» Kammer. Aber noch merkwürdiger ist es, daß der rumänisch-bulgarische Kapitalist als bulgarischer Abgeordneter auch zu gleicher Zeit russischer Unterthan ist; wenigstens war er es noch vor 6 Monate», als er sich zum Teputirten wählen ließ. Und wenn ich noch hinznsüge, daß es immer derselbe war, der anch vom Sultan für seine Webstoffe dekorirt worden ist, dann haben Sie den praktischen Internationalismus in schönster Blüthe. Die anderen Rcgiernngsmitglieder sind Fabrikanten, Bankiers oder Advokaten, die nur in den Prozessen der Finanz- leute und Unternehmer plaidiren. Auch der Bürger- meistcr von Sofia ist gleichzeitig Abgeordneter. Grosseff ist ein Unternehmer, der die Eisenbahnen von Sofia nach Tzaribrod— Wacarel baut, und davon einige Millionen einsackt. Große Kerliner Kunstausstellnug. Man hat die gegenwärtige Jahresausstellung zu Moabit, die diesmal bis Ende September geöffnet bleibt, eine General- probe zur kommenden internationalen Iubelschau, die zugleich mit der Berliner Gewerbe-Ausslellung geplant wird, genannt. Das Hauptgewicht ist hierbei auf den Begriff„international" zu legen. Vielleicht klingt das Wort„Generalprobe" doch ein wenig zu stolz. Generalproben pflegen eine nahezu vollsländigeAnschauung davon zu geben, was auf einem bestimmten Schaffensgebiet erreicht worden ist. So inlereffant nun die diesjährige Ausstellung im allgemeinen ist, ein zureichendes Bild von der internationalen Kunstlhätigkeit giebt sie nicht. Von fremden Kulturnationen haben in erster Reihe diesmal die Franzosen eine reichhaltige dankenswerlhe Sammlung nach Berlin gesandt, wie bereits in unserem Vor- bericht hervorgehoben worden war. Allein den Franzosen kam es zunächst auf einen Akt der Höflichkeit an. Tie Auswahl, die sie getroffen halten. geschah nicht nach festen künstlerischen Grundsätzen. Hervorragende französische Künstler haben sich immer noch nicht betheiligt und die Rücksicht auf die jüngste Produktion Frankreichs, ihre Mittel und ihre tiele, trat weit zurück vor dem Bemühen, bei den erlinern einen möglichst freundliche» Gesammtciudruck von Werken, die im letzten Jahrzehnt geschaffen wurden, und sich, wie es gerade der Zufall bot, zu einer Ausstellung vereinige» ließen, zu hinterlassen. Zudem wandert das feinste gerade, was unter fremden Kulturvölkern produzirt wird, in weit höherem Maße als bei uns in Deutschland, in die Sammlungen der Liebhaber, ohne zuvor in Jahrmarkt- und Masscnausstellungen. wie sie eine moderne Form der Barbarei geschaffen hat, Parade ge- standen zu haben. Das ist ein Hauptübel der riesenhaften und alljährlich wieder- kehrenden Ausstellungen. Sie schrecke» mit ihrem bunten, ver- wirrenden Durcheinander, indem die Mittelmäßigkeit, wenn sie nur mit schrillem Ton austritt, oft sich deutlicher macht, als die vorwärts treibende originale Kunst, nicht selten gerade die bedeutsamsten Ltünstlererscheinungen ab, deren Arbeiten auch nicht mehr von Gunst oder Ungunst des öffentlichen Jahrmarktes abhängig sind. So haben diesmal selbst unsere originellsten Berliner Künstler von der Berliner Jahresausstellung sich fern» gehalten. Vielleicht ist es auf denselben Grund zurückzusühre». daß aus Paris in diesem Mai die allgemeine Klage kain, es sei auf den dortigen Jahresausstellungen ein Stillstand, ja ein Rück- Eine solche Regierung konnte, als sie zur Macht gelangt war, nur daran denken, die„nationale Industrie" zu heben, das heißt, ihre eigenen Taschen zu fülle». Von der Kamnier, die aus ähnlichen Elementen besteht, wurde ein Gesetz angenommen, das den industriellen Kapitalisten, welche in irgend ein Unternehmen 25 000 Franks stecken oder mehr als 25 Arbeiter beschäftigen, große Vortheile sichert. Wie Sie sehen, ist das eine Prämie auf die kapitalistische Aus- beutung. Je mehr Arbeiter man ausbeutet, um so mehr wird man vom Staat unterstützt. Diese Privilegien enthalten auch die Befreiung besagter Industrieller vom Octroi, von Steuern und Stempelgebühren auf 15 Jahre. Die Privilegirten brauchen auch keinen Zoll zu bezahlen für die Rohstoffe und die Maschinen, welche sie sür ihren eigenen Ge- brauch einsühren. Unter anderem sollen sie auch 35 pCt. Rabatt für den Transport ihrer Maaren auf der Eisenbahn haben. Außerdem erlaubt ihnen das Gesetz, auf Gemeinde- und Staats- land zu bauen. Straßen anzulegen, Bergwerke in der Nähe ihrer Unternehmungen anzulegen und auszubeuten, Wasserqnellen und Wälder zu benutzen— und dies alles, ohne daß sie irgend etwas zu bezahlen habe». Vor ungefähr vier bis fünf Monaten wurde das Gesetz angenommen und schon heute machen sich seine Früchte fühlbar. So kündigt man jetzt die Organisation zweier Gesellschaften „zur Gründung einer oder mehrerer Fabriken und Zuckerrafstne- rien" an. Eine dieser Gesellschaften besteht ans bulgarischen Kapitalisten, die über zwei Millionen verfügen, die andere aus Belgiern. Die zwei Fabriken haben schon ihre Konzessionen er- halten; die bulgarische Gesellschaft wird ihre Fabriken und Hüttenwerke in der Umgegend von Philippopel errichten und das ganze südliche Bulgarien zu ihrer Verfügung haben(sechs Departements), das heißt es wird keiner andern Gesellschaft erlaubt sein, in dieser Gegend Fabriken anzulegen. Die belgische Gesellschast wird das Departement von Sofia zu ihrer Verfügung haben. Zu gleichem Zweck haben eine deutsche und zwei belgische Gesellschaften Schritte gclhan. Sie sehe», die auswärtigen Kapitalisten betrachten Bulgarien schon als das Land der Verheißung, als das gelobte Land. Bulgarien ist in der That als Nachbar der Türkei für die europäische Industrie der bedeutendste Markt des Ostens, und es ist leicht möglich, daß die europäischen Kapitalisten ihre Unternehmungen dem Markt näher bringe», d. h. ihre Fabriken u. f. w. nach Bulgarien verlegen, wo sie Privilegien erhalten. Die fremden Kapitalisten erfreuen sich aller Privilegien und zwar noch mehr, als sie sich jemals träumen ließen. Unter anderem werden sie auch von einer wohlorganisirten Polizei unterstützt, was in der Türkei nicht der Fall ist. Sogar aus der Türkei selbst kommen Kapitalisten, um in Bulgarien ihre Unternehmungen ins Werk zu setzen. Auf diese Weise hat ein Haus, das ungeheure Geschäfte in verarbeitetem Tabak nach dem Auslande macht, das Haus Lalini von Salonichi, letzthin bei der bulgarischen Regierung um die Erlaubniß»achgesucht, in Sofia Tabakfabriken errichten zu dürfen, deren Erzeugnisse ausschließlich für das Ausland bestimmt sind. Desgleichen meldet man aus Rustschuk die Eröffnung einer Fabrik chemischer Produkte, aus Warna die einer Glasfabrik und aus Sofia die einer Fabrik von Möbeln und ferner mehrerer Fabriken von Häuten und Leder. Man spricht auch viel von der demnächstigen Errichtung einer großen Papierfabrik, deren Syndikat erwartet, daß die'Regierung sich verpflichte, während 15 Jahren ausschließlich nur Papier aüs ihrer Fabrik sür die Kanzleien zu verwenden. Der Kapitalismus in seiner neuesten Form, in der Form von Aktiengesellschaften, ist in Bulgarien eingedrungen. Alle Unternehmungen, deren ich erwähnte, sind Aktienunternehmnnge». Außer ihnen giebt es noch andere. Ich spreche nicht von der Versicherungsgesellschaft„Bulgarien" oder der Schifffahrts-Gesell- schast„Das Schwarze Meer",— letztere wird von der Regierung unterstützt, welche sich vorgenommen hat, die Konkurrenz des Oesterreichischen Lloyd zu Fall zu bringen, und auch schon bis zu gewissem Grade ihre Absicht erreicht bat. Auch von den Eisenbahn-Gesellschaften, die sich jetzt bilden, will ich nicht sprechen— ebenso wenig wie von den Gesellschaften sür die Er- richtung von Seehäfen in Warna und Burgas—, es handelt sich nur um die wichtigsten Aktiengesellschaften, die auf grnnd jenes Gesetzes ins Leben getreten sind. Besonders crwähncnswerlh ist die Anlegung einer Handelsbank in Rustschuk mit den, Anfangskaptlal von 10 Millionen Frs. Der Präsident dieser Bank, Herr Tadoroff, ist gleichzeitig Präsident des Abgeordnelenhauses n»d der Versicherungs- gesellschast„Bulgarien". Sie sehen, daß er ein vielfacher Präsident ist. Man kündigt uns weiter die Errichtung einer ahn- lichen Bank in Philippopel an. Kürzlich haben sich in schrrlt eiugelrete». Weil mehr, als bei uns, versteht es der reiche Kunstliebhaber i» Frankreich, Talente, die ihre eigenen Wege gehen, zu fördern; und sie empfangen ihren besten Tank, wenn die besondere künstlerische Individualität reist und sich entfalten darf. Wie selten ist in Deutschland eine Erscheinung wie die des Grasen Schack, ohne den möglicherweise der glänzendste Küusilergenius deutschen Stammes in der Gegenwart, Arnold Böcklin, erstickt worden wäre. Was sür Frankreich gilt, das gilt in noch erhöhtem Maße für England und seinen urallen Kulturbesitz. In England sind die vermögenden Kuustsammler»och zahlreicher gesät; und auf diese Privaten, ihre Opserwilligkeit und ihren Kunstverstand kommt es zumeist an, da unser heutige Staat weder den Willen, noch das Vermögen hat, geniale Kunsterscheinungen zu erkennen oder sie zu gedeihlicher Entwicklung zu bringen. In England wurde es möglich, daß Künstler von ganz individuellem Gepräge nach freiem Willen arbeiten durften; in ihrer insularen Abgeschiedenheit und in alteuglischem Stolz erzogen sich die Engländer ein mnthiges, selbständiges 5tünstlergeschlccht, von dessen Wirken man auf dem Jestlande immer nur verhältnißmäßig spärliche Proben wahr- nehmen durfte. Ans dem Mäcenatenthum in der Kunst, das im günstigsten Falle vom duldsamen, sorgsam geschulte» Erben einer stolzen Tradition, in»»»igünstigen Falle, der leider und besonders hier in Berlin öfter»viederkehrt, vom protzige» Parvenü, der den Künstler grob kommandiren zu müssen glaubt,»st der Hauptsache»ach ei» auffälliger Umstand aus unserer Ausstellung zu erklären: das ist die gänzliche Zlbkehr von der sogenannten„Arinelent-Malerei", von jener sozialistischen Richtung, die Hand in Hand ging ,»it der Anklageliieratur. Selbst einer der radikalsten aus der Gruppe jener Naturalisten. der Belgier Leon Jrederic, hat sich gegen- »värtig zu symbolischer Tarstellung bekehrt und uns ein Geniälde gesandt, das in» Gewimmel einer Unzahl nackter Kinderleiber gleichsan» das Murmel» eines Baches versinnbildlichen soll. Man hat über die„Elendmaler" so viel gescholten. man hat sie von seiten jener Knnftrichter, die Tugend und Ordnung zu stütze» berufen sind, in echt 5löller'scheu» Geist so sehr als Revolutionäre verdächtigt, ihre Vorivürse waren zudem den reichen Kunst- freunden, selbst wenn sie sonst einsichtsvoll»vare», so unbequem, daß den Künstlern nichts übrig blieb, als Einhalt zu tbui», »vollten sie leben. Neben dein materiellen gab es auch einen ethischen Einfluß, der vorzüglich von Paris, der herrschenden Warna zivei Aktiengesellschaften, jede mit zwei Millionen Kapital, gebildet, eine Baugesellschaft zur Errichtung von Häusern, die sie nachher mit Wucherprofit verkaufen»vill, uird eine Transport- gesellschast, die sich in Warna»»iedergelassen hat und daraitf rechnet, mehr als 1000 Arbeiter an den Docks zu beschästigen. Alle diese Gesellschasten entstanden innerhalb der letzten fünf bis sechs Monate, und alle sind von bulgarischen Kapitaliste» ge- bildet worden. Jin allgemeinen sind alle großen Unter» nehmungen in den Händen von Bulgaren. E»ne Ausnahme macht die Anlage des Hasens von Burgas, der von einer fran- zösischen Gesellschast erbaut worden ist. Alle diese Thatsachen beweisen noch nicht, daß wir in die Periode der größten kapita- listischen Thätigkeit eingetreten sind— die Großuitternehmeiz kann man noch an den Fingern abzählen,— aber sie zeigen, daß wir auf der Schivelle„der Sturm- u»»d Drangperiode" des bulgarische» Kapitalismus stehen. Und die kapitalistische Richtung ist schon zu stark cntivickelt, als daß man über die»virth- schaftliche Zukunft unseres Landes iin Zivcifel sein könnte. Ueberflüssig»st es, zu sagen, daß unter dieser kapitalistischen„Poesie" —„Enttvicklung und Hebung des National- Wohlstandes"— man iinnier die abscheulichste kapitalistische„Prosa" verborgen findet— die gransalnste Ausbeutung der menschlichen Arbeits- kraft. In Einzelheitel» zu gehen, das würde zu»veit führen. Es genügt, zu sagen, daß es bei ui»s nicht einen eii»zigen Gesetzes- Paragraphen giebt, der die Fabrik-»nid Werkstatt-Arbeit regelt, und daß unsere Kapitalisten ihr Augenmerk— wie das überall der Fall ist— auf die Frauen- und Kinderarbeit gerichtet haben. So arbeiten in unseren Webereien Kinder— zun» größten Theil kleine Mädchen— schon von ihren» siebentens Jahr an länger als 12— 14 Stunden täglich für einen Hu» g erl o hn von 20 Z e n t i n» e s, d. i. 16 Pfennigen? In»virthschaftlicher Hinsicht organisirt sich das Kapital bei uns in z»veierlei Weise. Erstens gründet es Aktiengesell- schafte», sogenannte„Spar"-Gesellschasten von verschiedener Größe mit Kapitalien von Hunderttausende»» und Millionen von Franks— bis herunter zu Gesellschasten mit Zehntausenden von Franks. Solcher Gesellschaften giebt es allenthalben in Bulgarien, in Städten»vie in Dörfern. Ihr Zlveck? Unter de» schönen gleißende» Namen„Sparsamkeit",„Beständigkeit",„Arbeits- Streben" ec. verbergen sie alle nur de» einen Ziveck, de» Bauer» Geld zu leihen zu Wucherzinsen von 12 pCt.(den» gesetzlichen Ziirssuß) bis zu 30 pCt., ja s e l b st bis zu 100 p C t.! Das sind Thatsachen, die durch amtliche Erhebringen festgestellt»vorder» sind. Auf der anderen Seite organisirt sich das Kapital zu seiilem Schuhe in Vereinigungen von Arbeitgebern, in Handelekainmern, in Gesellschaften„zur Hebung der Industrie" u. f. w. Die Großgrundbesitzer organisiren sich gleichfalls: sie habe» ihre Gesellschasten„zur Hebung der Landlvirthschaft". Es ist die allgemeine Mobilmachung der kapitalistischen Kräfte, die bei uns begonnen hat. Diese Mobilinachung muß zu dem, jetzt noch verschleierten Klassenkamps führen. Auch die Arbeiter koMinen mehr und»nehr zun, Klassenbeivußtsein, m»d je mächtiger der Kapitalismus sich entwickelt, desto rascher erstarkt dann anch sein Besieger: der Sozialismus. Lokales: Tie Parteigenossen CharlotteuburgS werde» darauf; hingeiviesen, daß der Vertrieb des„Vorivärts", des„Volksblatv für Teltow", des„Wahren Jacob", sowie der gesammten übrigen sozialistischen Literatur für unseren Ort in Parteiregie über- noinmen»vorde» ist. Heute schon läßt sich sagen, daß dieser Beschluß zu den besten Hoffnungen berechtigt. Um so mehr ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß unsere gesainmte Literatur, soiveic es Parteigenosse» und Genossilrnen sind, die sie lesen, auch durch die Parteispedition bezogen»vird. Als Parteispediteur fungirt der Genosse Gustav Scharnberg, Wilnrersdorferstr. 124, Hof 3 Tr.; Bestellungen sind an diese Adresse zu richten. Auch »ehincn alle Zahlstellen des Wahlvereins, soivie die Botenfrauen Abonneinentsvestellunge» entgegen. Alle Rückstäude früherer Abonncineiits,»in» deren Begleichung dringend ersucht»vird, sind nur an de» Genoffen Scharnberg oder an die»nit der Ein» kassiruug beauftragten Botenfrauen zu verabfolgen. Die Ver- trauensleute. Die staubfreie Müllabfuhr»vird init den» I. Juni für Verlin obligatorisch i» kraft treten. Bezeichnenderweise hatte es erst eines polizeilichen Machtgeboles bedurft, um den bisherige» skandalösen Verhältnissen ei» Ende zu bereiten. Als die be-. treffende Polizciverordnung erschien, ist dieselbe allseitig mit Genuglhuung begrüßt»vorde», indem man erhoffte, daß nuie Kunstnietropole, ausging. Es giebt unzufriedene Gemüther, die heidnisch im Trotz sich empören, und es giebt wieder andere unzufriedene Seele», die in Müdigkeit,»veltflüchtia, sich dcm Mystizismus ergebe», der Resignation huldigen. Solcher Hang znn» Mystizislnus, zum christlichen Wunder, zur. Askese hatte sich manches ehrlich Berziveifelten>md manches Scheinheiligen bemächtigt. Die jüngsten französischen Literatur- und Kulturvorgänge, die ich an dieser Stelle früher einmal besprach, legen Zeugniß hierfür ab. Von ihrer»vahren »lud geheuchelten Inbrunst»vurden auch die bildenden Künste be» einflußt, die»na» sich natürlich nicht losgelöst von der gesammten Zeilströmung vorstellen darf. Es»var kein Zufall, daß die ver- zopften Gelehrten, die sich gegen die jllnge Kunstrevolution ge- stemmt hatten, Inhalt und Form. Idee und Technik zugleich verdammten. Wie innner in revolutionären Zeiten»var Rousseau's alter Kampfruf erschollen: Rückkehr zur Natur von künstlicher Verbildung! Man halte»viedcr in freier, natürlicher Beleuchtung schauen,»na» hatte— und das ist nicht zumindest mit ein Verdienst der Armeleut-Malerci— charakteristische Lebens- äußerungcn unserer Gegen, vart festzuhalten gelernt, und dainit ein»veit schivierigeres Werk gelöst, als jenes veraltete»var, in» Stile abgeschiedener Geister andächtig zu schivärinen. Man hatte sich eben auf sich selbst besonnen. Daß solche Arbeit vergeblich gethan»väre, daß sie verweht wäre,»vie Nebel in» Morgenivind venvehen, das kann nur ein Starrgläubiger behaupte», der nieinals eingestehen»vird, er könne sich mit seinen Prophezeiungen geirrt habe». Wenn heute von den Bannerträgern des Veralteten triu>nphirt»vird, die ent- artete Jugend ist unterlegen, ihr revoltirendes Gefasel hat sich als Modegeschrei ohne Berechtigung eriviesen, so ist das»ichr viel»nehr, als ein fronnner Selbstbetrug. Schroffe Einseitigkeit ist geivichen, Exaltationen, die»nil jedem Kainpf noch- wendig verbunden sind, erscheinen gemildert, aber darum ist hart eroberter Ge>vin» nicht verzettelt und verstreut. Was das Publikum in seine» Masse» und»vas höchst respektable Rezensenten nicht verabscheuten und als Umsturz verschrien, das hat durchatls die moderne Landschaft, das»noderne Porträt»nit neue»» Leben erfüllt. Das Publikum aber ist inzivischen unmerklich fast zu neuer Belrachtungsiveise erzogen»vorden und die Wortführer des Vergangene» sehen das Fortschreiten, das ihnen von allen Wänden cntgegenlenchtet, aber sie bekennen es>»icht. Da die diesjährige Ausstellung ihre besondere Anziehung durch die Kunstivcrke, die von den Parisern ni»d ihren Verbündeten hierhergesandt»vurde», erhalten hat, so sei scwodl für das firost« Publikum, als auch für die bei der Müll- abfuhr beschüfligren Arbeiter dadurch bessere Vcrhältnisfe geschafft werde» würde». Man war um so mehr zu dieser Slnnabnie berechtigt, als in der betreffenden Polizeiverordnuiig das Wechsel- knstsu-System als das den polizeilichen Anforderungen ent- sprechende bezeichnet und das Acrbot, Müll über die Straße in offenen Küsten oder Körben zu trmisportiren, ausgesprochen worden war. Allerdings war der Verordnung noch der Vermerk angefügt:„Zur Beantwortung etwaiger Anfragen über die Zulässigkeit von Absuhrsystenie», bei welche» das Müll auf der Straße in Abfuhrwage» geschüttet wird, sind die Polizei- reviere niit Weisung versehen." Dies, scheint nun der Hebel zu sein, wo die Prosirsuchl des Uiitenuhmerthmns augesetzt hat, um im Interesse ihres Geldbeutels die gehegten Hoffnungen aus bessere Zustände über den Haufen zu werfen und speziell die bei der Müllabfuhr thütigen Arbeiter aus dein Regen m die Traufe zu bringe». Seil einiger Zeit sieht mau nämlich in de» Straßen Berlins ein neues„System" der Müllabfuhr, welches offenbar eine„staubfreie" Müllabfuhr darstellen soll. Das hierbei benutzte Fuhrwerk ist ein tiefer Kasteuivageu mit einem hohen hölzerneu Aussatz überdeckt, so daß das ganze einer Arche Roah nicht mi- ahnlich sieht. Dieser also gewonnene Hohlraum ist zur Ausnahme tes Mülls bestimmt. Zur Einbringung desselben dienen zwei große Seitenklappe», durch welche hindurch die Müllkästen aw der Straße in das Innere der Arche hinein entleert werde». Ter Transport der Müllkästen aus den Häusern über die Straße nach dein Wagen geschieht in der aiihergebrachten an- muthigen Weise. Der hölzerne Aufbau des Wagens dient gewissermaßen als Staubsänger, verhindert indessen nicht, daß durch die offenen Scitenklappe» dichte Staubwolken heraus- ciiielle», welche in erster Linie die Arbeiter treffen, ivelche die Müllkästeu ausschütten, in zweiter Linie aber das Publikum be- lästigen, sodaß von einer„staubfreien" Müllabfuhr keine Rede sein kann und die alten Uebelstände nach wie vor bestehen bleiben. Doch nicht nur dies,»ein, es werden noch schlimmere geschaffen, denn— man denke!— in dem mit ekelhaftem Staube überfüllten Kasten ist«in Arbeiter plazirt, welcher das Müll in dem Wagen zu vertheilen und zu„sortiren" hat. Die entsetzliche Situation eines solchen Arbeiters, der doch auch ein Mensch ist, kann sich leicht ein jeder vorstellen. Hier zeigt sich wiederum die grenzen- lose Rücksichtslosigkeit profitsückitiger Unternehmer im grellsten Lichte. Rur um etliche Ausgaben zn sparen, wird ein„Srzstem" geschaffen, welches aller Menschlichkeit Hohn spricht. Gegen eine derartige„staubfreie" Müllabfuhr muß denn doch energisch proteslirt werden. Habe» tvic»och nicht genug Arbeitslose in Berlin? Man sollte es kaum für möglich hallen, und doch ist es That- fache: der sozialreformatorische Staat duldet, daß das beute- gierige Unternehinerlhum zu seineu Arbeiten weibliche Hilsskräfte aus den östlichen Provinzen herauschleppt, lediglich darum, weil tiefe billig sind, billiger»och als die ans diesen Gegenden stammenden männliche» Arbeiter, deren Bedllrfnißlosigkeil mit der der Chinesen wetteifert. Bei den Bahnarbeiten am Bahnhof Gesundbrunnen werden von dem Schachlmeister Thürmer Mädchen ans Schlesien und Westprenßen für 1,80 M. pro Tag beschäftigt. I» der Sonnengluth stehen sie, mit Hacken ans- gerüstet, und stopfe» das Erdreich unter die Bahnschrvellen— eine Arbeil, die für eine» Mann gerade schwer genng ist. Eine Mark 80 Pfennig für zehnstündige schwere Arbeit! Hei, wie lacht dem Unternehmer das Herz im Leibe! Welches Gefühl »i»ß unsere Arbeitslosen beschleichen, die auf der Suche nach Beschästigimg dieses Schauspiel genießen, die wocheu-, monate- lang ohne Arbeit sind--- Wir richten die Frage an die Bahuban-Verwaltung: Was gedenkt man zu thii»? Etil Harmonic-Jdyll. Drei gedruckte Zirkulare legen ein „schönes" Zengniß für das„harmonische" Verhnltniß ab, welches zwischen dem bekannte» französischen Weinhändler Herrn Oswald R i e r und seinen Augestcllteii einerseits und Herrn Stier und seine» Lieseranten andererseits besteht. Das erste dieser Zirkulare lautet:„Berlin, den LS. April l8SS.— Geehrte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen!— Anläßlich des am Lö. M a i er. stall- findenden öl. Wiegenfestes unseres verehrten Cheis Herrn Oswald R i e r wird beabsichtigt, demselben durch Ueber- reichung eines Geschenkes unsere aufrichtige Tankbarkeils- Ve- zengung auszudrücken. Wie Ihnen bekannt, sind in frühere» Jahren Herrn Osivald Nur Service- Gegenstände überreicht worden. Zur Vervollständigung dieses schönen Services soll in diesem Jahre ein prächtiger, massiv silberner, innen vergoldeter I n s e l- Sl u f s a tz mit Figur, Schaaken f n r Konfekt, Früchte«. dienen. Derselbe kann event. als Blumenarrangement Verwendung finde n. Der Anschaffungspreis dieses Geschenkes stellt sich aus zirka auf sie zunächst hingewiesen. Sie zerfalle» in drei Hanptgrnppe», deren Mittelpunkt der Saal 5, die Ausstellung der Künstler vom Maisfeld bildet. Nicht ans eine weitläufige Analyse aller Einzelheiten in den verschiedenen Sälen kommt es hier an, nur der markanten Erscheinungen sei hier gedacht. Auch bei den Pariser Sezessionisten vereinigt sich zumeist, was junges Leben in der Kunst anstrebt und eher auf die Gefahr hin, zn irren, wagt, als daß es beständig bleibt im längst Er- probten. Da sind es zivei Künstlergestalten, von ganz hervor- stechender Eigenart, zwei Männer, die sich die geistige Führung auf dem Feld der Kunst im heutigen Frankreich ertrotze» mußten, die zunächst betrachtet seien, Puvis de Chavannes und Besnarv. Die beiden sind in ihrer Heimath und in ihrem Wirken voll anerkannt, so unähnlich auch ihre Charakterköpfe einander sind. Man kann eben in der Kunst gleichfalls aus ver- schiedene Fa?on selig werden. Der eine, Besnard, schwelgt mit trunkene» Sinnen in blühender Farbe, er sucht nach kraftersüllten Farbenproblemen: ein echter Kolorist. Des anderen Kunst trägt keusche, strenge Züge. Enthnltsain in der Farbe, voll von beredtem Ausdruck im geistigen Gehalt. An die Formensprache der Antike knüpft Puvis de Chavannes an, wie viele seiner französischen Genossen, aber nicht wie ein sklavischer Epigone. Bezeichnend für beider Art sind das berühmt gewordene Gemälde Besnard's „Ponies, von Fliegen gequält" mit den violetlfarbene» Licht- spiegelnngen aus den Pserdeleibcrn und den energischen Bewegungen der Thier?, und Chavannes'„Schlummer", eiiier Gruppe tiefen Friedens voll. In der Kunst, im Bildniß Wesen und Eigenheit moderner Menschen festzuhalten, stehen nicht wenige unter den Meistern vom Marsseld obenan. Ein Wagniß gelang dabei Henry G e r v e x in dem Bildniß einer Dame in Schwarz vor einem tiesrothen Vorhang. Trotz dieser starken Farbenkontraste wird man von der Hauptsache nicht abgelenkt, vom Betrachte» des feinen Fraueukopfes. Von flottem, modernem Zug ist ein Herrenbildniß von Blanche. Eugäne C a r r i ä r e, der Seit- same, der den Gestalte» zwar in die Seele zu schauen versteht, der sie aber in einen trüben melancholische» Nebelschleier zu hülle» liebt, hat ei» Familienbild ausgestellt. Zn den Malern, die sich von neu-christianischeii Tendenzen leiten lassen, gehört Jean B ä r a u d mit seinem vereinzelt dastehenden„Kreuzweg". Eine Studie von trefflichem Können und doch nicht voll durchdrungen von iveihevoller Frömmigkeit, wie manches Bild unseres Nhde, der �ebenfalls die biblische Legende in modernes Gewand zn kltide» liebt. Spötter und Sünder lästern mid höhnen den Heiland, roher Pöbel in der Blouse wie im Salongewand und auf der andere» Seile segnet der Priester und führt das Häuf- lein der Gläubige», die auch in Nöthen und Kummer vertraue». Ter wellmüden Stimmung sticht C o u rt o i s, der ein frisches Porträt(ein Mädchen i» japanischem Geivande) ausgestellt hat, zugleich� Ausdruck zu gebe» in einem Bilde„Die Glück- liche". Ter Tod beglückt. Dieselbe Idee kehrt im Gemälde des Münchcners Albert Keller„Die glückliche Schwester" wieder. In der Landschaftmalerei sind die Franzosen gegenwärtig nicht so sehr reich an besonderen Individualitäten, an tief 14M M. und wird dieses schöne Ausstattimgöstück den Beifall des Herrn Oswald Nur sowie auch de» Ihrigen in jedem Falle finden»nd ihm eine Freude bereiten. Ter Unterzeichnete erlaubt sich nun die höfliche als ganz ergebene Bitte an Sie zu richte», ihm behufs Ausführung dieses Vorhabens recht reichlich Baar- mittel zur Verfügung stellen zn wollen. Gleichzeitig bitte ich Sie, Ihre Beamten noch besonders darauf aufmerksam zumachen, daß mit diesem Geschenk eine vom gesammten Personal ausgehende Dankbarkeitsbezengung beabsichtigt wird, welche es wünschenswerth macht, daß sich ein jeder seinen Verhältnissen nach daran betheiligt. Sie ivürden mich zn besonderem Danke verpflichten, wenn Sie mir die Aufstelluiigsliste der wecthen Geber, sowie die gezeichneten Beträge spätestens bis zum 3. Mai cr. zugehe» ließen, um danach endgillige Dispositionen treffen zu können. Im voraus bestens danlend, empfehle ich mich Ihnen hochachtungsvoll A. G o n t a r s k i, Bevollmächtigter der Firma Oswald Nier ,Aux Laves de France".— Das zweite Zirkular zapft die ohnehin unter schwerstem Preisdrucke seufzende» Liferanten deS Geschäftes an. Das Datum ist dasselbe, die Eiiileilnng des Zirkulars ebenfalls. Nachdem auch hier der kostbare Tafelanjsatz in allen Theilen beschrieben und der Preis mit 1450 M. angegeben worden ist, heißt es weiter:---„und erlaubt sich der Unterzeichnete Sie Höst. als ergebenst zu bilten, ihn behufs Ausführung dieses Vorhabens, da die gezeichneten Beiträge des Personals nicht ausreichen, mit einem Geldbeträge gütigst unterstütze» zn wollen: ich hoffe, daß die Herren Lieferanten unseres Hauses hieran regen Anlheil nehmen werden." Unterzeichnet ist wieder„A. G o n t a r s k i, Bevollmächtigter der Firma O s>v a l d Nier„Aux Laves de France". Das dritte Zirkular fordert eine erneute Ertra« stener von allen denen, die sich in der Sonne des Herrn Nier vor Wollust ivälzen. Es lautet:„Berlin, den 17. Mai 1395. F. F. Um vielfach ausgesprochenen Wünschen nachzukommen, gebe ich am Fuße dieses die derzeitige'Adresse des Herrn Nier, damit Ihnen Gelegenheit geboten ist, demselben zn seinem am 25. Mai a. c. stattfindenden 51. Wiegenfeste Ihre Glückwünsche übermitteln zu können. In der Hoffnung, daß dies zur Freude des Herrn Nier i» ausgiebigstem Maße geschehen iverde, sage ich Ihnen im voraus besten Dank und zeichne hochachtungsvoll A. Gon- tarski.— Die Adresse lautet: Herrn Oswald Nier, Pari?, Hotel de Nice, Place de la bouve."— Eines Kommentars bedürfen diese Zirkulare nicht, doch muß hinzngesügt werden, daß 1. Herr Nier selbst bestimmt, nach welcher Nichtnng sein Silberschatz vor- lnehrt werde», bezw. was man ihm„schenken" soll; 2. daß der Bevollmächtigte Gontarski seinem Chef die Zeichnnngslisten ver- legt und Herr Nier die neueste mit den frühere» Listen vergleicht und 3. daß Herr Nier selbst und sehr deutlich an jeden seiner Abhängigen, der einmal weniger als im Vorjahre zeichnet, die Frage richtet:„Sie haben wohl in diesem Jahre weniger bei mir verdient, als im Vorjahre?" Für den Verkehr am dritte» P sing st tage(4. Juni) hat die Eisenbahnverwaltung jetzt angeordnet, daß>in dem bezeich- nete» Tage auf dem Südring der Stadt-Riuabahn die nach den amtlichen Aushang- Fahrplänen ausschließlich an den Wochentagen verkehrenden(stark umrahmten) Personenzüge mit Ausnahme der Wochentags- Sondcrzüge in der Zeit von 5 bis 8 Uhr morgens nicht abgelassen werden, dagegen— „u ach Bedarf" die S o n n t a g s- S o u d e r z ü g e verkehren sollen. Danach sollen am dritlcn Psingsttage ausfallen: in der Nichtlmg Charlottenburg— Schlesischer Bahnhof acht Züge und in umgekehrter Richtung sechs Züge. Die meisten dieser Zuge dienen aber in erster Linie zur Veivältiguug des gerade in jenen Früh- stunden so enormen Arbeilerve rkehrS. Und da der dritte Pfingsttag bekanntlich keineswegs mehr ei» allgemeiner Feiertag ist, am allerwenigsten aber für diejenige Arbeiterschaft, um derentwillen die sahrplanmäßige Vermehrung der Züge hat erfolgen müssen, so steht die von der Eisenbahn- Verwal- tung für den dritten Psingstieiertag beabsichtigte unbedingte Kassirung jener 14 fahrplanmäßigen Züge und der„nach Bedarf vorgesehene Ersatz derselben durch s- o n n: a g s- S o n d e r z ü g e" mit den thatsächlichen Verkehrsbedürsnissen dieses Tages in schroffstem Widerspruch. Es hat de» Anschein, als ob die Eisenbahn-Verivallnng für die an de» beiden erste» Psingsttage» von ihr nicht abzuivälzenden bedeutende» Mehrleistungen sich um jeden Preis ans einem anderen Wege mindestens in elivas schadlos hallen und dies einfach dadurch erreichen will, daß sie gleich an dein ersten Arbeitslage nach Pfingsten eine Anzahl fahrplanmäßiger Züge kassirt, in der Annahme, daß dieselben wohl nicht alle— voll besetzt werden dürften. Außerhalb des Bereiches der Eisenbahn-Bureaukratie dürste es unverständlich bleibe», warum am dritten Friertage der Arbeiterverkehr beschränkt werden soll. Oder hegt man die aller- schöpferischen Kräften. Hier werden sie von Amerikanern und Münchenern geschlagen, so iverthvolle Kräfte und so lebhafte Traditionen sie haben. Ein Mann für sich steht Diene B i l l o t t e da, ein schlichter Mensch mit schlichler Empfindung. Mit wie einfachen Mitteln erreicht er Wirkungen, ivie in seinem Mond- aufgang. Mit kargen Mitteln und ganz besonderer Technik arbeitet ebenfalls R a f f a K l i, ein tüchtiger Beobachter, der im Alltngsdasein intime, mitunter humoristische Reize entdeckt. Klillst lilli) Mchllft. Professor Theodor Mommsen ist von der„Academie des inscriptions et helles lettres" in Paris zum auswärtigen Mitglied? gewählt worden. Bom Schaffe» deS MnsikerS erzählt der Schöpser des „Evangelimann" Dr. Wilhelm Kienzl mancherlei in der„N. d. Rdsch.". Paör komponirte, während er mit Fremden planderte, mit seiner Frau stritt, seine Kinder strafte oder mit den Dienst- boten zankte, an den größten Werken(„Sargino",„Achillens"). Salieri durchivanderte die belebtesten Stadttheile, stets Schreib- tasel und Stift in der Hand hallend, um glückliche Ein- fälle sofort notiren zu könne». Dabei hatte er stets Bonbons im Munde. Gluck mußte, um sich nach Tauris oder in den Erebns zn versetzen, auf einer Wiese sich in frischer Luft den Sonnenstrahlen preisgeben, wo er am Klavier saß und Champagner schlürfte. Pallsiello komponirte ausschließlich im Bette, so seine beste Oper„La molinara". Dies erinnert mich an Robert Hamerling, der mich wiederholt mittags im Bett empfing mit der Motivirung,„da besuche ibn die Muse am liebsten". Dies mag wohl rein physiologische Gründe haben, indem die liegende Haltung des Körpers der Gehirnihätigkeit nicht un- günstig sein dürfte. Hierher gehört die von Schindler über- mittelte Thatsache, daß Beethoven die höchsten Inspirationen am frühen Morgen im Bade batte. Zingarelli, der am Klavier komponirte, las vorher stets einige Seiten aus einem römischen Kirchenvater oder lateinischen Dichter; dann ging aber auch die Arbeit mit Riesenschritten vorwärts. Haydn saß ruhig in seinem Stuhle, rvenn er Gedanken faßte, aber er mußte den Nuig am Finger haben, den er einst von Friedrich II. erhalten hatte,' da- mit sich seine Ideen schön und klar entfalten konnten.— Ueber ganz bestiunnte Anregungen zu einzelnen Werken wird Verschiedenes erzählt. So berichtet Karl Czerny, daß Beelhoven die musikalische Idee zum Scherzo der neunten Symphonie gekommen sei. als er einst im Garten das Gezwitscher der Spatzen gehört habe. Stach anderer Version soll Beethoven lange im Finster» iin Freien gesessen haben, wobei ihm von allen Seile» ausglitzernde Lichter das Motiv zu jenem Scherze eingegeben haben sollen. Von Weber wird erzählt, daß ihn der Anblick von übereinandergestellten Stühle»(!) in einem Gastgarten zn», Marsch in,„Oberon" in- sinriit habe, sowie von Goldmark, daß er den harmonisch und melodisch so eigenthüinlichen und berückenden Lockruf der Astaroth im zweiten Akt der„Königin von Saba' dem Gesänge einer Lerche in Karlsbad abgelauscht habe. dings plausibel klingende Anschauung, daß dem ausgebeuteten und abgerackerten Arbeiter auch ein dritter Feierlag nichts schaden könne? TaS KinetoSkop, die neueste merkwürdige Erfindung Edisons wird seit kurzem von der„deutsch- österreichische» Edison-Kinetoskop-Kompagme" dem Publikum vorgeführt.� Ter Apparat hat Aehnlichkeii mit dem Anschütz'schen Schnellseher; nur daß die in ihm gezeigten Objekte unendlich vollkommener sind, als die, welche wir in dem bekannten Automaten erblicken. Während sich in diesem irgend ein Vorgang, etwa das Springen eines Pserdcs oder sonst welche von einem Menschen vorgenommene Uebungen einförmig wiederholen, werden im Kiiutoskop ganze Genrebilder in der bunlesten Abwechselung vorgeführt. Wir sehen z.B. drei kleine Japanerinnen einen Fächertanz in den graziösesten Bewegungen ausführen; dann erblicken ww das Innere einer Schmiede, in der die Arbeiter die mannichfachsten Verrichtungen vornehmen. Ein anderer Apparat zeigt uns interessante Vorgänge in einer amerikanischen Barbierstube, weiter führt Bnffalo Bill seine maimichfachen Schießproduklionen aus; auch fehlt nicht ein nach allen Regeln der Kunst ausgeführter amerikanischer Ringkampf. Alles stellt sich in natürlicher Bewegung dar, sodaß man an den Photogramm-Menschen nur die Stimmen vermißt. Die Vorgänge werden im Kinetoskop auf sinnreiche. wenn auch lomplizirte Weise dadurch herbeigeführt, daß in rasender Eile eine Unzahl einzelner Momentphotographien vor den Augen des Zuschauers vorüberschwirre», die in ihrer Ge- sammtivirknng das lebende Bild geben. Nicht weniger als 46 Aufnahmen i» einer Sekunde ermöglichten es, die völlige Natnrtrene dem Menschenange vorzuzaubern. Jeder einzelne Vorgang besteht, wenn wir nicht irre», ans 1440 einzelnen Ans- nahmen, die in ihrer Gesannntivirkung ein Resultat ergeben, da» sich als ein Triumph der photogrnphischen Forschung darstellt. Zwei interessante Volksvorstellungen veranstaltet Julius Türk im Ralional-Theater an den beiden Pfingstfeiertagen. Sin beiden Togen, nachmittags LVe Uhr gelangt zur Aufführung Hebbel's„Maria Magdalena" in folgender Be- setzung: Meister Anton: Arthur Kraußneck(Deutsches Thealer); Klara: Agnes Werner(Schiller-Theater); ferner: Klara Drucker(Lessing»Theater); Karl: Oscar Wagner (Berliner Theater); Leonhard: Schmidt Häßler(Theater der Modernen); Sekretair: Julius Wessels(Deutsches Theater); Wolsram: Wilhelm Hasel(Stadt-Theater in Siostock). Billct» ä 75 Pf., für Mitglieder der Freien Volksbühne a 60 Ps., sind in de» Zahlstellen der Freien Volksbühne zu haben. Theaterchrouik. Im Schiller-Theater wird am Freitag Jbsen's Drama„Die Neuvermählten", sowie Goldoni's Lustspiel „Der Diener zweier Herren" aufgeführt.— Im National-Theater findet heute die Prennüre des Ausstattniigsstücks„Napoleon und seine Frauen" statt. Dasselbe ist 300 Mal im Londoner Princeß- Theater aufgeführt worden. Die Frage:„Wieviel Schritte macht ein vriefträger täglich?" wurde kürzlich mit Hilfe eines Rodestock'schen Schritt- zählerS gelöst. Sechs Normaltage— von früh 7 Uhr bis andern Tages früh 7 Uhr gerechnet— zeigten i» einer Schwankung zwischen 46 395 bis 53 660 einen Durchschnitt von 51900, also rund 5L 000 Schritte. Ein Tag mit„Abenddienst" ergab 58 500. ein„halber" Diensttag 29 800 Schritte. Wenn man den Schritt zu 0,80 Dieter und 7500 Meter auf die deutsche Meile rechnet. so würde in, Durchschnitt dieser Briefträger rund 42 000 Meter oder 5 5 deutsche Meilen täglich gegangen sein— gewiß eine anständige Leistung für den überaus kärglichen Loh», mit dem ein Briefträger abgespeist wird. Von einer ansierordentlich einschneidende» PerkehrS- stöniag» die am Donnerstag das südwestliche Berlin treffen soll, gicbt das Polizeipräsidium dem Publikum Kenntniß. Die»m- fassenden Maßregeln werden für erforderlich erachtet, weil an diese». Tage auf dem Ternpelhofer Felde Parade abgehalten wird. ErbaulicheS von der Post. Die Wölbung des Durch- ganges durch das Gcldhallengebäude auf dem Postgrundstück Spandauerstraße ist zniii lheil eingestürzt und hat einen Unter- beamten erheblich verletzt, so daß cr nach der Charitee gebracht werden niußte. Die Lage scheint bedenklich zu sein, denn der Vorsteher des Briefpostamts, Postdirektor Nuderstadt, hat[ein an die Unglücksstelle anstoßendes Empfangszimmer im ersten Stockwerk geräumt. Die Scibt'sche Eiubrechcrbande kannte, wie bereits er» wähnt, kein Hliiderniß, wenn sie einmal eiiun Streich beschlossen hatte. In der Regel pflegt den Dieben ein wachsamer Hund in der Wohnung mehr Schwierigkeiten zu bereite», als Kniistschlösser. Sicherheitsketten und eiserne Geldschränke; Seibt und Genossen fürchten aber auch de» größten Hund nicht. Ware» sie i» die Wolinimg gelangt und konnten dem treuen Wächter;zu Leibe rücke», dann wurde dieser dadurch unschädlich gemacht, daß inan ihn mit einem Präparat von geschlachteten Hunden bespritzte. Der Hund fing sofort an zu winseln und ließ alles mit sich ge- schehen. Wie Seibt bekundet, haben die Einbrecher in vielen Fällen in den Wohnungen, wenn Geld, auf das es abgesehen ivar, nicht gefunden wurde, alle Möbel und Thören sorgfältig wieder verschlösse», um sich das„Geschäft" für ein ander Mal zu reserviren. Ans diese Weise ist mancher von der Bande besucht worden, der hiervon keine Ahnung hat. In einem solchen Falle hatten sie den vorhandene» großen Hund, der»ach der erwähnten Prozedur, wie Seibt sich ansdrückte, förmlich gekniet hatte, bereits an einen Tischsuß gebunden, um ihn so von seinem Herrn srüh in der wohlverschlosseneu und anscheiiuild unberührten Wohnung finden zu laffen. In mehreren Fällen sind die Inhaber der Wohnuiig erwacht und haben Lärm geschlagen. Beim Grafen M. lind auch in anderen Fällen wäre es möglich gewesen, den Einbrechern den Rückzug abzuschneiden, wenn die aus dem Schlafe Gestörten die nöthige Geistesgegenwart besessen hätten. Freilich war dies nicht ohne Gefahr ausführbar, denn jeder der Ein» brecher führte einen geladenen Revolver bei sich. Ein schrecklicher NugliickSfall hat sich am Sonntag in Weißensee ereignet. Die Frau des in der Langhansstraße wohiieiiden Kutschers Lehr wollte am Sonntag Nachmittag mit ihrem zweijährigen Töchrcrche» einen Ausgang unternehmen und ließ ans der Stubeiithür heranslretend das Kind allein die Treppen herunter steige», während sie selbst, um den etwaigen Fall des Kindes zn vermeide», mehrere Stufen vorauseilte. Die Kleine verlor jedoch das Gleichgewicht und fiel seitlich durch die Traille» des Geländers hindurch nach der»»leren Etage hinab, woselbst sie regungslos liegen blieb. Ein hinzilgeriifener Arzt konnte nur den schon eingetretenen Tod des Kindes konstalircn. Durch Hinabstürzen aus dem Fenster hat sich a», Dieuktag die Bäckerssrau Enuna Spahnholz getödtet. Die 47jährige Iran sprang morgens nm 3 Uhr ans dem Bodenfeuster des Grund- stücks Schulstrnße 73, wo sie wohnte, fünf Treppe» hoch, auf den Hof hinab. Ein Arzt, der gleich nach ihrem Auffinden herbei. gerufen wurde, konnte nur feststellen, daß iiisolge eines Schädelbruches und innerer Verletzungen der Tod sofort eingetreten >var. Die Veranlassung zu den» Selbstmord« scheinen Nahrung sorge» gegeben zu haben. Tie grau lebte von ihrem Manne getrennt. Die Spielerei mit einer Schtisilvasse hat wieder einen bedauerlichen Unfall zur Folge gehabt. Im Ralhskeller zu Deutsch- Wilmersdorf spielte gestern Vormittag ein Kellner mit einem Revolver, den er für nicht geladen hielt. Plötzlich krachte ein Schuß und eine Kugel drang der Gastwirthssra» Tamm iiiiir' dem linken Ohr in den Kops. Die Verivundete wurde in ein Krankenbaus gebracht, der unvorsichtige Schütze wurde»orläustz festgenominen. Ein Unfall mit tödtlichem AuSgauge hat sich am Moniag Vorrnillag im königlichen Museum ereignet. Der 42jährige Zimmergeselle ReinKold Seydlitz aus der Prenzlauer Allee Nr. IS mar dort mit dem Tragen von Brettern beschäftigt und stürzte dabei vom Gerüste herunter. Der Verunglückte sollte mit einem Kraukenivagen in die königliche Klinik gebracht mcrden. erlag aber unterwegs seinen Verletzungen. Er war verheirathet. Ein Attentat auf seine eigenen Eltern unternahm am Sonntag Nachmittag in einem Anfall von Wahnsinn der 26 jährige taubstumme Sohn des in Britz, Werderstr. 8S. wohnhaften Winkelkonsulenten Bürger. Beide Eltern wurden hierbei nicht unerheblich verletzt, vermochten sich jedoch noch rechtzeitig vor weiteren Angriffen zu retten. Der Geisteskranke wurde darauf von mehreren Polizeibeamten festgenommen und auf ärzt- liche Anordnung einer Heilanstalt zugeführt.— Ein ähnlicher Fall trug sich am Montag Vormittag in dem Hause Ziethen- ftrafee 24 in Rixdorf zu, wo der Ardeiter Potenik plötzlich in Tobsucht verfiel, seine Familie auss ärgste mißhandelte und dann selbst nach dem Polizeibureau lief, um Schutz gegen ihn an- geblich verfolgende Männer anzurufen. Da man sofort sah, daß man es mit einem Geisteskranken zu thun hatte, wurde ein Arzt gerufen, der de» Transport des Kranken nach der hlaisou de Baute in Schöneberg anordnete. Aufsehen erregt das Verschwinden der LSjährigcn Gattin cic§ hiesigen Ansstellungsdirektors Eckhoff. Die Vermißte, die seit dem 24. d. Mts. nicht mehr gesehen worden ist, heißt mit Vornamen Wilhelmine und stammt aus Regensburg. Obwohl sie 2000 M. in Baargeld und Papieren mitgenommen hat, so liegen doch Umstände vor, die einen Selbstmord vermuthen lassen. Wege» Diebstahls eines Geldbetrages von 9000 M. ist der bei dem Eisenbahn� Bauunternehmer B. in Stellung ge- wesene Bureaudiener W. festgenommen worden. Der Geldbetrag war aus dem Bureau des Unternehmers Anfang dieses Jahres auf unaufgeklärte Weise verschwunden. Der Verdacht richtete sich gegen das Bureaupersonal, insbesondere gegen W., weil derselbe, obwohl er stets angeblich in Geldverlegenheit sich befunden, Tarlehne aufgenommen und Vorschuß nachgesucht hatte, in letzter Zeit liederlich geworden war, sich die Nächte umhertrieb und wiederholt in Singspielhallen angetroffen ivurde, wo er mit Sängerinnen große Zechen machte. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden über 4000 M. vorgefunden. W. will in seiner früheren Stellung 13 000 M. erspart, seinen Angehörigen und sogar seiner Frau von dem Besitz dieser Summen aber nichts mitgetheilt und auch das Geld nie zinstragend angelegt haben. Ein 80 jähriger Greis, der Schneidermeister Georg Matthias, der bei seinem Schwiegersöhne, einem Fleischbcschauer in der Melanchthonstraße wohnte, erkrankte am Montag/ Nach- mittag gegen 5 Uhr in einem Omnibus der Linie Moabit- Alexanderplatz plötzlich und sank bewußtlos im Wagen zu- saniinen. Er wurde mit einer Droschke in ein Krankenhaus ge- bracht und starb hier bereits am Dienstag Morgen. Die unmittel- bare Todesursache ist noch nicht sestgestellt. Polizeibericht. Am 27. d. M. früh gingen in der Bellealliancestraße vier vor einem Jagdwagen gespannte Pferde dinch und schleuderten den Wage» gegen die Bordkante des Bürgersteigs, so daß der Kutscher herausfiel und überfahren wurde.— Vormittags wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Plantagenstraße, erhängt vorgefunden.— Im Hofe des Neue» Museums stürzte ei» Zimmermann von einer Leiter und verletzt« sich so schwer, daß er bald darauf starb.— Nachmittags entstand durch die Fahrlässigkeit eines Schankwirths» der im Keller erues Hauses in der Pappelalice bei offener Petroleumlampe Spiritus destillirte, eine Explosion, welche ihm schwere Brand- wunden zufügte.— Auf der Kreuzung von Mauer- und Leipziger- strnße wurde eine Verkäuferin durch einen Geschäftswage» über- fahren. Sie erlitt einen Knochenbruch am rechten Fuße. WltteruugStibersicht vom 28. Mai 189S. Stationen. Swiuemünde tamburg. erlin.. Wiesbaden. München. Wie».. Haparanda Petersburg Eork.... Aberdin... Paris... ü B?» HE*" JUiN -ff gJ iö I j-2 'tD Wetter H TO• 3=8? 2"S% II 769 771 770 770 769 767 765 767 770 768 769 NW NW W N NO N9!W ONO SO SW N 3 3 3 3 4 2 2 1 1 1 1 Regen wolkenlos bedeckt wolkenlos wolkenlos wolkenlos Regen halb bedeckt heiter heiter wolkenlos 11 12 12 13 12 13 4 4 18 13 13 Wetter- Prognose für Mittwoch, 29. Mai 189!;. Etwas iv ärmeres, vielfach heiteres, zeitweise wolkiges Wetter mit schwachen nördlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Gerickks-Zoikuttg. Ein Krawall, der in der Frühe des 3. März d. I. in der Putbuserstraße stattfand, gab Anlaß zu einer Anklage gegen den Schankwirths R e i m a n u. den Dreher Franz Wenzel und dessen Bruder, den Arbeiter Adolf Wenzel, welche gester» vor der 141. Ablheilung des Schöffengerichts standen. Ter Ge- sangverein„Sangeslust" hatte in einem Lokale in der Brunnen- straße einen Maskenball abgehalten. Gegen 7 Uhr des Morgens beschlossen gegen 40 Mitglieder, die Feier bei dem Schaukwirth Rejmann in der Putbuserstraße zu beschließen, indem sie dort den Morgenkaffee einnehmen wollten. Die ganze Gesell schaff, darunter viele Masken, begab sich in ge schlossenem Zuge dorthin. Es wurde„Heil dir im Siegeskranz" gesungen, eine Ziehharmonika wurde ebenfalls in Thätigkeit gesetzt. Voran ging der Schankivirth Reimann, als Jäger ver. kleidet, er schlug mit der Hand den Takt zu der Musik. Die an und für sich harmlose Gesellschaft hatte beinahe das Reimann'sche Lokal erreicht, als ihr der Schutzmann Scholz entgegentrat, der zunächst Ruh« verlangte und dann den Führer des Zuges aus- forderte, ihm zur Wache zu folgen. Reimann nahm seine Maske ab, worauf der Schutzmann ihn erkannte, von seiner Sistirung Abstand nahm und sich nun an einen anderen Maskirten, einen Klown, wandte. Wie der Schutzmann im Termine be� hauptete, sei er nun von allen Seiten bedrängt worden, er habe auch von hinten einen Stoß erhalten. Da habe er den Säbel gezogen und nach hinten um sich geschlagen. Es sei auch einer gestreift worden. Während dieser Zeit habe der Klown die Flucht ergriffen und sei in das Schankivirth Reimann'sche Hans hineingelaufen. Er. der Schutzmann, habe sich vor die Thür ge stellt, um den Gcstohenen festzunehmen, wenn er das Haus wieder verlassen würde. Da sei der Angeklagte Franz Wenzel, der auch zu der Gruppe gehörte, gekoinmen und habe in das Haus hinein wollen. Der Zeuge habe es ihm verboten und als Wenzel trotzdessen sich in das Haus hinein- drängen wollte, habe er ihn gepackt und ihn ausgefordert, zur Wache zu folgen. Wenzel habe ihm Widerstand geleistet, worauf ein zweiter hinzugekommener Beamter denselben am linken, der Zeuge ihn am rechten Arme packle und ihn zur Wache brachten. Unterwegs habe Wenzel sich gesträubt, weshalb der Zeuge es für nöthig gehalten habe, ihm mit der Klinge einige Hiebe über den Kopf zu gebe». Die Angeklagten hallen durch ihre» Vertheidiger, Rechtsanwalt Heinemann, einen umfangreichen Entlastungsbeweis antreten lassen. Ihre Zeugen bekundete» übereinstimmend, daß der Angeklagte Franz Wenzel sich erboten habe, ruhig mitzugehen und daß er sich nur gegen das Festhalten der Schutzleute gesträubt habe, als der Schutzmann Scholz ihm sofort die Säbelhiebe über de» Kopf versetzte. Der Staatsanwalt beantragte gegen Reimann wegen groben Unfug 30 M., gegen Adolf Wenzel, der die Schutzleute bei der Verhaftung seines Bruders beleidigt hatte, 10 M., und gegen Franz Wenzel wegen Widerstandes und groben Unfug drei Wochen Gesängniß.l Der Gerichtshof war mit dem Vertheidiger der Ansicht, daß der Schutzmann Scholz nicht das Recht hatte, dem Angeklagte» Franz Wenzel den Eintritt in das Haus zu wehre»; war die Ausübung seines Amtes nicht berechtigt, so könne auch von einem Widerstände gegen die Staatsgewalt nicht die Rede sein. Reimann wurde zu 20, Franz Wenzel ebensalls zu 20 und Adolf Wenzel zu 5 M. Geldstrafe verurtheilt. EhrengerichtSverfahreu gegen Dr. Friedmann. Die Verhandlmigen wurden heut Vormittag bald nach neun Uhr wieder aufgenommen. Wie gestern hatten sich sehr viele Rechts- anwälle eingefunden. Auch Oberstaatsanwalt Wachler, Staats- anmalt Benedix und andere Mitglieder der Staatsanwaltschaft wohnten der Sitzung zeiltveise bei. Diese begann mit einer Aktenverlesnng des Protokollführers, bis um 12>/4 Uhr eine Pause von zehn Minuten eintrat. Nach derselben ergriff Staats- anmalt Dr. Sperling das Wort zur Begründung der Anklage in etwa einstündiger Rede, an deren Schluß er gegen den An- geschuldigten die Sl u s s ch l i e ß u n g aus dem Anwalts- st a n d e beantragte. Rechtsanwalt Dr. Friedmann begann darauf seine Vertheidigungsrede, welche er kurz vor halb vier Uhr mit der Bitte um seine Freisprechung schloß. Der Gerichts- Hof zog sich hierauf sofort zur Berathung zurück. Das Urtheil lautet auf V e r>v e i s und 3000 Mark Geldstrafe. Nach der„Freis. Ztg." erkannte der Gerichtshof zwar an, daß Ver- fehlungen des Beschuldigten vorliegen, hielt dieselben aber mit Rücksicht auf dessen gesammte Persönlichkeit und die ernste und arbeitsreiche Art, in welcher er seine» Berns zu erfüllen sucht, nicht für so groß, um auf Amtsentsetzung zu erkennen. Der Böttcher Warsönke und der Schriftgießcr Lohr waren von der 9. Strafkammer des Landgerichts I Berlin wegen Beleidigung und Aufreizung zum Klaffenbaß verurtheilt. Die Strafthaten sollen durch Artikel der Nr. 51 der Zeitung „Sozialist", Organ aller Revolutionäre, begangen sein, welche Nummer Warsönkefals verantwortlicher Redakteur gezeichnet hatte. Das Landgericht hatte festgestellt, daß der Genannte zum Amte eines Redakteurs nicht besähigt, eine vorgeschobene Person ge- wesen sei, thatsächlich habe die redaktionelle Leitung in den Händen des Löhr gelegen, dieser habe auch die inkriminirte Nummer redigirt."Beide Angeklagte sind unter Heranziehung der tz 20 des Preßgesetzes bestrast worden. Ihre Vertheidiger, die Rechtsanwälte Freude nthal und Bieber, legten Berufung ein und zwar wegen Verletzung des genannten 8 20. Das Reichsgericht gab der Revision statt und hob das Urtheil mit folgender Begründung auf: Der 8 20 greise nur gegen denjenigen Redakteur Platz, welcher auf der Druck- schrift als verantwortlicher Redakteur genannt ist. Als solcher fungire Löhr nicht. Warsönke sei nach den Feststellungen im Urtel nur scheinbarer Redaktenr gewesen, gegen einen solchen könne 8 20 des Preßgesetzes nicht verwendet werden, da dieser nur die Vermuthung ausspreche, daß der verantwortliche Redakteur der Thäler sei, war aber Warsönke nur zum Schein Redakteur, so könne die Vermuthung nicht gegen ihn Platz greifen. Das Reichsgericht hat eine nochmalige Ver- Handlung der Sache angeordnet. Der deutsche Michel und die deutsche» Preßznstäude. Aus München wird berichtet:„Ter Teutsche Michel", ein im Jahre 1894 in Leipzig erschienenes Buch des Dr. O. Panizza, ist auf Anordnung der Siaatsauwaltschast mit Beschlag belegt worden. Verfasser und Verleger haben dagegen Prolest erhoben. In den nächsten Tagen erscheint eine Broschüre„Ter Fall Panizza". VeLfaitttnluoaett. Kellner. Starken Besuch hatte die öffentliche Per- s a m m l u n g, welche am Dienstag Nachmittag in Cohn's Fest- sälen abgehalten wurde. Der 1. Punkt der Tagesordnung betraf die Berichterstattung vom Gemerbegericht. Die Beisitzer Wegener. Beyer, Edcrt, Schröder, Weihnacht und eine ganze Reihe anderer Redner beschäftigten sich mit den besonders in der Kainmer VI gefällten Urtheilen. Der Redakteur des„Gastwirthsgehitsen". Zeiske, referirle dann über die Frage: Wie stellt sich die Berliner Kellnerschaft zum dies« jährigen Lohntarif? Angesichts der gegenwärtigen Lage führte der Redner aus, daß d,e in steigendem Maße über« schüssig werdenden Kräfte aus anderen Berufen als Konkurrenten der Gastwirthsgehilfen auftreten. Dies lasse es nicht thunlich er- scheinen, über den bisher aufgestellten Lohntarif hinaus- zugehen. Er hofft, daß die verschiedenen Vereine sich mit den von der Oeffentlichkeit akzeptirten_ Forderungen einverstanden erklären werden.(Lebhafter Beifall.) Nach der sehr eingehenden Diskussion, in welcher alle Redner die Ansicht des Referenten unterstützten, gelangte die folgende Resolution zur einstiinmigen Annahme: Die am 28. Mai tagende zahlreich besuchte Kellnerversamm- lung beschließt bis auf weiteres folgende Minimal- Lohnsätze festzusetzen: Lohnarbeiten: am 1. und 2. Pfingstseiertage pro Tag 5 M., am 3. Pfingst feiert» g 3 M. An allen anderen Sonn» und Feiertagen 3 M. Wochentags 2 M. Außerhalb der Weichbildgreiize Berlins ist das Fahrgeld zu ersetzen. Feste Stellen: Minimalgehalt 20 Mark pro Monat. Die Versammlung erwartet, daß sämmtliche Vereinsbureau's unter diesem Tarif nicht placiren und die Vermittlung von Ar- beitskräften, wenn dieselben nicht tarifmäßig entlohnt werden, abzulehnen haben. Um diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen, fordert die Versammluug die Kollegen auf, solche Bureait's, welche den Tarif nicht hoch- halten, besonders die der Kommissionäre unter keinen Umständen zu besuchen. Die Versammelten verpflichten sich ferner überall für die Durchführung dieses Beschlusses zu wirken. Wegener beantragte, die Agitationskommission zu ver- pflichten, den maßgebenden Behörden die heutigen Beschlüsse mit- zutheilen, damit der ortsübliche Lohnsatz dementsprechend fest« gesetzt werde. Der Antrag wurde angenommen. Devmilrkjkes. Eine uuterhalteiide Geschichte brachte die„Rheinisch- Westfälische Arbeiter- Zeitung" aus G e l s e n k i r ch e n. Am Hiinmelsahrtstage saß dort eine Anzahl Mitglieder der Buch- druckerorganisation in einer Gartenwirthschaft. In zwangloser Unterhaltung besprach man das demnächst zu feiernde Johannis- fest. Die brennende Sonne war der Entwickelung eines«cht deutschen Durstes sehr günstig, so daß der alten Sitte des„immer noch eins Trinkens" lebhaft gefröhnt wurde. Ein Polizeibeamter sah dem„verdächtigen" Treiben der Jünger GutenbergS recht verständnißinnig zu. Plötzlich— welche Gesetzesübertretung!— erscholl es von jenem Tische: Wir wollen darüber ab, st i m m e n! Hinzueilen und den bekannten Ruf: Ich löse die Versammlung auf! ausstoßen, war für den uniformirte» Hüter des Gesetzes das Werk eines Augenblicks. lliibändiges Gelächter war die Antwort und zugleich erfolgte die Aufklärung: Man hatte an dem Tische der zechenden Buch- drucker darüber abstimmen lassen,— wer die nächste Runde zu bezahlen habe! Tablean! Ein Felzsturz vom Schwarzen Mönch in da? hintere Lnuterbrunnenihal hat, wie aus Bern berichtet wird, große Ver- Wüstungen angerichtet, namentlich ist der Wald sast ganz ver- nichtet worden. Menschen sind bei der Katastrophe nicht zu Schaden gekommen. Es werden weitere Abstürze befürchtet. VviefKaPfctt dvv Medskkton. Wir bitten bei jeber Anfrage eine Thiffre(Zwei Vuchsiaben oder etile Z..'.) anzugeben, unlcr der die Anlworl erlheilt werden soll. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag wird von 7 bis 8 Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. I. Z. in Trier. Die„Schweine-Kreuzigung" war lange nicht so schlimm, als die„Germania" es macht. Die„Hunde- Taufe", die vor einigen Jahren in Sachsen von frommen und hochgestellten Ordnungssäulen bei einer Orgie veranstaltet wurde, und die sogar ein gerichtliches Nachspiel hatte, war eine hundert- mal ärgere Blasphemie. In Paris handelte es sich um einen allerdings nicht sehr seine» Scherz, der aber in Frankreich alt eingebürgert ist, und zwar durch die, von den Geist« l i ch e n selbst im Mittelalter öffentlich aufgeführten Narren- und E s e l s f e st e» bei denen die schmutzigsten Zotenlieder gesungen und die Kirchengebräuche aufs zynischste karrikirt wurden. Das Nähere finden Sie in jedem Konversations- lexikon. Auch am Rhein wurden jene Feste sehr eifrig gefeiert. In Frankreich scheint das Volk diese psäffischen Schweinereien »och nicht ganz vergessen zu haben. H. R. 23. Wegen körperlicher Fehler zurückgestellt. — A.2. 40. 1. Durch das am I. Oktober 1894 in kraft getretene Miethsgesetz ist keineswegs das Pfand- und Retentionsrecht des Vermiethers beseitigt. Durch dies Gesetz ist das Recht des Ver» miethers nur insofern eingeschränkt, als seinem Zugriff seit dem I. Oktober 1894 nicht auch die unpsändbaren Gegenstände unter- liegen. 2. Die in eine Miethswohnunq eingebrachten Gegen- stände haften nicht nur für rückständige Miethe, sondern für die Miethe für die gesammte Micthszeit, also auch für die erst künftig fällige Miethe.— Liegnitz. Das scheint unmöglich zu sein: sprechen Sie gelegentlich in der Sprechstunde vor.— P. G. Zu 1.: Nein; damit entfallen die übrigen Fragen. Klllksehltr-BcnlljtiglUlg. In der ilagnea Rapliaelfschen Annonce vom letzten Sonntage Nr. 121, 2. Beilage 4 Seite in dem Preis-Ver- zeichniß'unter(Kei-i-en» Stiefel) s „Kalblack-Salonstiefel mit Glace-Einsatz, auf Rand genäht, Handarbeit, Reit- stiefel 10 M." ist„Reitstiefel" zu streichen. vigspi-sn.venckätt. 31/17 Sichere Brotstelle. Miethe 450 M. billig zu verk. Friedenstr. 104, 5—10. cnr W- speisen Hie? Bartelftr. 1 a a. d. Linienstraße. Suppe, Gemüse, Braten 35 Pf. 1334b Dam«- rniö MMm-Mutel-WM von Alb. Harlniann, Wrinbrvgvwrg 5, dicht am Rosenthalor Thor — Partrrre, Itrln Ladrn.— Siels großes Lager in alle» Neuheiten der _ Konfektion zu den billigsten Preisen.___ 21241/ Schlafstelle, sep., f. 6. M., Fenn- straße 47, Hof Ouergebäude 2 Tr. bei Lalomon. 1391b Ccstiime, Kinderkleider nur eigene Fabrikation, enorm billig, vorzüglich sitzend. LT IPniHOTllI A1Je Schönhauserstr. 30, Ecke Weinmeislerstr. » I-andsbergerstr. 40, nahe der Lietzmannstraße. V LiMgk!- vi.?0!!5tmvaarkll. Gr. Auswahl mWm löi sOi ü a in Nußbaum und Mahagoni, billigste Preise A nur per Kasse, im Speicher 0. 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Das Lumpen- qesindel. Aerliner Theater. Naüame Lans- l?ens. ssesstng-Theater. Der Herr Senator. Zleue« Theater. Tata-Toto. Kchiller- Theater. Der Hexenkessel. Der zündende Funke. Ziestdenz-Thratrr. Fernand's Ehe- kontrakt. Friedrich- Wilhelmstiidt. Theater. Ter Obersteiger. Theater Unter de» Linde». Der Zigeunerbaron. Teutral-Theater. Figaro bei Hof. �Irranderplah» Theater. Ein kleines Mißverftündniß. Ein Modell. F rnand's Ehekontrakt. Alle fünf «arrison. Ua tioual- Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Deutsche» Datlw-Theater« König Richard III. Apollo- Theater. Ein Abenteuer im Harem. I-a Puce(Der Floh). Sehiller-Theater. (Wailnep« Theater.) Ulittwoch, adends 8 Uhr: Der Herenlr esset. Derznudende Funke. Donnerstag, abends 3 Uhr: Zopf «nd Schmert. Freitag, abends 8 Uhr: Zum 1. Mal: Die Ue«vevm«ihlt»». Gin Diener zweier Herren. Konnakend. abends 3 Uhr: Die Aeuvermählte».— Gin Diener zweier Herren. Hational-Theater. Brohe Frankfurterstrape 132. 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GeriSris-�eikung� m..Gewcrbegericht. ©tobe Beleidigung des Stellvertreters eines Arbeitgebers ist ein gesetzlicher Grund zur so- sortigcn Entlassung. Zu der wichtigen Frage, wer denn eigent- lich als Stellvertreter im Sinne des dasür maßgebenden Z 123 der Gewerbe-Ordnung anzusehe» ist, hat sich die Kammer VI. >n elnem bemerkenswerlhe» Urlheile geäußert.— Gegen den Lohnentschädigungsanspruch des Kellners K. wandte der Restaura- tcur Triebsch ein, der Kläger habe seine Kassirerin in seiner Abwesenheit grob beleidigt und absichtlich vor ihren Füßen ein Eherryglas zertrümmert. Nachdem das Gericht die betreffende Kassirerin als Zeugin vernommen und einige Informationen über den Betrieb des Beklagten eingeholt hatte, verurt heilte es denselben unter folgender Begründung: Nur grobe Beleidi- giing der Stellvertrcterin des Arbeitgebers oder vorsätzliche Sachbeschädigung könnten in diesem Falle als Entlassungsgründe in Frage kommen. Beides liege nicht vor. Die Zeugin sei erstens nicht Stellvertreterin des Beklagten im Sinne des § 123 bei'_ Gewerbe- Ordnung gewesen, wofür zunächst spreche, daß in dessen Lokal im ganzen nur ein Kellner arbeitete. Es ändere daran nichts, daß die Zeugin den Chef in seiner Abwesenheit insofern vertreten habe, als sie statt seiner Weingläser ic. herausgab und sich ähnlich belhätigte. Wenn 8 123 der Gewerbe-Ordnung von Stellvertretern der Arbeitgeber spreche, dann seien eben darunter zu verstehen die im§ 133o bezeichneten Personen, die gegen feste Bezüge nicht lediglich vorübergehend mit der Leitung oder Beaussichtigung des Betriebes oder einer Abtheilnng desselben beauftragt sind: Betriebsbeamte, Werkmeister und ähnliche Angestellte. Solch eine Angestellte hätte Zeugin aber schon nicht nach Lage der ganzen Betriebs- Verhältnisse des Beklagten sein können. Was nun das Hinwerfen des Glases angehe, so habe die Zeugin nur sagen können,„ihrer 11 e b e r z e u g u n g nach" sei es absichtlich geschehen, während Kläger das bestreite. Die durch die Aussage der Zeugin für das Gericlzt dargethane Möglichkeit der Absicht genüge aber nicht zur Rechtfertigung der Annahme, daß in Wirklich- keit die unbestrittene Sachbeschädignug eine vorsätzliche ge- tvesen sei. Eine»cne Eutscheiduiig gegen den„Verein der freigewählten Kasse närzte" fällte am Sonnabend, den 23. Mai d. I., das hiesige Landgericht. Im Herbst 1594 wendete sich der Vorstand der Allgemeinen Orts-Kranlenkaffe gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen(sog. Meyer's che Kasse) an die hiesigen Aerzte, die Herren Sanitätsrath Dr. K ö p p e l und Dr. K e u l l e r, die damals Mitglieder des „Vereins der freigewählten kkassenärzte" waren. Der Vorstand der Meyer'schen Kasse wünschte sein Verhältniß zum„Verein der freigewählten Kassenärzte" zu lösen, da das System dieses Vereins die Kasse zu rniniren drohte, und wendete sich wegen der An- stellung neuer Aerzte an die beide» genannten Herren. In dem nun folgenden Verhalten der Herren Dr. KöppeÜ und Keuller er- blickte der Vorstand des„Vereins der freigewählten Kassen- ärzte" eine Verletzung der Statuten dieses Vereins und schloß diese beiden Herren aus dem Vereine aus. Die Generalversammlung bestätigte den Ausschluß und zwar mit sehr großer Majorität. Einer der Redner nieinte, daß der Ausschluß mit einem„hörbaren Ruck" erfolgen niüss». Herr Dr. Eeppmann, der den Ausschließungsbeschluß des Vorstandes in der Generalversammlung zu vertreten hatte, erklärte, mit welcher großen Freu de er dies thäte. Herr Dr. Köppel rief die Entscheidung des Gerichts an, die gegen den Verein der frei- gewählten Kassenärzte anssiel, ebenso wie in einein früheren Fall, dem des Herrn Dr. Krause, der auch aus dem Verein der frei- gewählten Kassenärzte zu unrecht ausgeschlossen worden war. Das Urtheil des Gerichts lautet nun: l. Herr Dr. Köppel muß vom Verein der sreigewählte» Kassenärzte wieder auf- genommen tverden, da der Ausschluß ungesetzlich ist. 2. Ter Verein der sreigeivühlten Kassenärzte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. 8. Das Urtheil ist in dem offiziellen Publikalionsorgan des„Vereins der sreigetvählten Kassenärzte" auf Kosten des Vereins zu veröffentlichen.— Herr Dr. Köppel beabsichtigt jetzt noch eine Schadenersatzllage gegen den„Verein der freigewählten Kassenärzte" anzustrengen. Nachträglich erfahren wir, daß Montag, den 27. Mai d. I. in drei anderen Füllen, denen der Herren Dr. Fröhlich, von Caszewski und Rhode, die gleichfalls vom„Verein der frei- gewählten Kassenärzte" ausgeschloffen waren, das Gericht gegen diesen Verein entschied. Diese drei Herren gehören ebenso wie Herr Dr. Köppel zum„Verein Berliner Kassenärzte mit freier Arztwahl". Das Urtheil lautet ebenso wie im Fall des Herrn Dr. Köppel. Ein interessanter Prozeß gegen einen hiesigen Zeituugs- und Adreßbuch-Verleger beschäjligte am Sonnabend die sechste Zivilkammer des Landgerichts I, Berlin. In der Druckerei des Beklagten wird Tag und Nacht mit Hochdruck gearbeitet und dabei verursachen natürlich die großen Rotationsmaschinen ein Getöse, das Menschen rasend niachen kann. Im Interesse ihrer rrchebcdürfligen Miether beschwerten sich die Eigenlhümer der Nachbargrnndstücke wiederholt beim Polizeipräsidium, ohne da- durch durchgreifende Abhilfe zu erreichen. Neuerdings hat nun der Eigenthümer des am meisten belästiglen Nnchbargrundstncks Klage erhoben und beantragt: den Beklagten zu vernrtheilen, rücksichllich seines Drnckereibetriebes solche Einrichtungen zu treffe», daß der mit dein Betriebe verbundene Lärm und die dadurch hervorgerufene Störung des Klägers und der Be- wohner des klägerischen Grundstücks vermieden werden und eventuell— falls dies nicht aussührbar— dem 5Aäger den durch jene Belästigungen erwachsende» und in einem besonderen Prozesse zu ermittelnden Schaden zu ersetzen. Im Verhandlungs- lermine bestritt der Beklagte, daß seine Maschinen ein über- mäßiges Geräusch und Erschütterungen verursachten, welche auf dem klägerische» Grundstücke wahrnehnibar seien und behauptete, daß in dem Erregen von Lärm überhaupt kein Ueberschreiten seines Eigenthumsrechtes, also auch kein Eingriff in fremdes Eigenthumsrecht gefunden werde» könne. Da die bisherige Rechtsprechimg. gestützt ans Entscheidungen des ehemaligen Ober- tribunals und des Reichsgerichts, von dieser letzteren Ansicht ab- weicht, so beschloß der Gerichtshof, in die Veweisanfnahine ein- zutreten und die gerichtlichen Sachverständigen, sowie die in ihrer Linhe gestörten Nachbar» zu vernehmen. VevlaunnUmgen. Eine öffentliche Versammlung der Steinarbeiter tagte am 1». Mai. Das Referat halte Genosse Hansen übernommen, der über die Innungen und ihre Ziele sprach. In der Diskussion wurde von den Rednern besonders das Verhallen der Steinmetz- innung kritisirt. Nach Schluß der Versammlung hielt ein ge- nuiihliches Beisammensein die Theilnehmer noch längere Zeit zusammen. Der Zentralberband der Maurer hielt am IS. Mai eine Knieralverfaniiiilnng ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt die Versammlung in der üblichen Weise das Andenken der verstorbenen Mitglieder Friedrich Ealäwe und Hermann Schmieder. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildet der Kassenbericht. Dieser ergiebt folgende Zusammenstellung: Einnahme 723,71 M., Ausgabe 225,68 M., mithin Bestand 300.03 M. Hierauf erstattet der Bevollmächtigte einen ausführlichen Bericht über die Ver- Handlungen auf dem Verbandslage in Halberstadt. In der Dis- knssion waren die Ansichten über die gefaßten Beschlüsse sehr ver- schieden. Schließlich stimmte man einer Resolution zu, in der sich die Mitglieder mit den Arbeiten des Verbandstages einver- standen erklären. Sodann wird die Wahl von drei Ausschuß. Mitgliedern vollzogen. Gewählt wurden: Silberschmidt, Nitschke und Schigolski. Der Vertrauensmann richtet an die Mitglieder das Ersuchen, recht fleißig von den Sammellisten Gebrauch zu niachen. Die Listen sind bei sämmtlichen Hilsskassirern und dem Vertrauensmann zu haben. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Knopf arbeiter nnd Arbeiterinnen hielt am 19. d. M. eine außer ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Kassirers betrug die Einnahme im letzten Vierteljahr 47,20 M., die Ausgabe 126 M., Kassenbestand 83,25. Der Ueberschuß von der Uraniavorstellung betrug 35,40 M. Dem Kassirer wurde einstimmig Decharge ertheilt. Bei Besprechung über die Aus lösnng des Vereins wurde von allen Rednern betont, daß der Verein seine Aufgaben absolut nicht mehr erfüllen kann, weil die Zahl seiner Mitglieder infolge der schlechten wirthschastlichen Verhältnisse und der damit verbundenen großen Arbeitslosigkeit eine zu geringe ist. Nachdem Genosse G r u n e r t vom Holz- arbeiter- Verband die Vortheile des Verbandes gegen- über unserem Verein in eingehender Weise erläutert hatte, wurde einstimmig beschlossen, den Verein auszulösen, und dem Holzarbeiter-Verband beizutreten. Die Erledigung der geschästlichen Angelegenheiten wurde einer Liquidationskommission übertragen, die sich aus den Mitgliedern Schneider, Freytag, Kranße, Brandt und Jäkel zusammensetzt. Einem arbeitslosen Mitgliede bewilligte die Versammlung 20 M. als Unterstützung. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten erledigt, schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung mit der Aufforde rung, nunmehr recht fleißig für den Holzarbeiter- Verband zu agitiren. Ter Verein der Zimmerer hielt am 19. Mai seine regel mäßige Vereinsversammlung ab. Im ersten Punkt der Tages- ordnung gewährt die Versammlung den zwei noch arbeislosen Kameraden, die bei Verhängnng der Sperre über den Platz Simon u.Eo. daselbst die Arbeit niedergelegt habe», laut§9 eine Unter- stützung von 20 M. Des weiteren wurde beschlossen, in diesem Jahre wieder ein Stistnngsfest abzuhalten, die erforderlichen Vor- bereitnngen regelt ein Komiree von fünf Mitgliedern. Hierauf giebt der Vertrauensmann bekannt, daß die Zinimerer Nürnbergs im Generalstreik stehen, er bittet, den Zuzug nach dort möglichst fern zu halten. Sodann wird ein Antrag, den Zimmerern Rürn- bergs 50 M. zu bewillige», angenommen. Nunmehr hielt Genosse Sassen dach einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „das Freimaurerthuni". Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats. Thomm fordert zum Schluß die Mitglieder auf, unter den Berusslollegen auf jedem Platz einen Teputirte» zu wählen. In der Mitglitder-Petsammkling des Verbandes der Buchbinder, die am 20. Mai tagte, sprach Herr Dr. I o ö l in einem mit Beifall alffgenommeuen Vortrag über „Religion und Sittlichkeit im Lichte der Naturwiffenschast". Zum 2. Punkte der Tagesordnung erstattete Kollege Schiefer den Bericht über die Sperre der Hamau'sche» Buchbinderei. Redner ist der Meinung, daß in etwas leichtfertiger Weise die Sperre verhängt wurde und warnt vor einer so schnellen Anwendung des Mittels für die Zukunft. Die Abrechnung ergiebt eine Ein- »ahme auf 45 Listen von 270,45 M. Unterstützt wurden acht männliche und zwölf weibliche Kollegen; es be- tragen die Ausgaben insgesammt 531,81 M., ergiebt mithin ein Defizit von 261,36 M., das der Verein zu tragen hat. Eine längere Diskussion entspinnt sich über den Vorlheil und Nachtheil der Sperre. Schließlich wird dem Vor- stand der Auftrag zu theil, ein Streikreglement auszuarbeiten, das sür zukünftige' Fälle die Norm bieten soll. Hieraus geht die Versammlung zur Besprechung der Vereinsangelegenheiten über. Es werden die Kollegen Sichert, Arnold und Raßman» zu Hilsskassirern nnd in die Bibliothek-Kommission Fräulein Penn gewählt. Ter Eintritt zum Sommervergnügen am«guten Montag" wird auf 20 Pf. festgesetzt. Wegen der Psingslfeiertage finden unsere nächsten Versammlungen am 10. und 24. Juni statt. Am 2. Pfingstseierlag Aueflug nach Stolpe bei Wannsee, siehe Inserat in der„Buchbinder-Zeitung". Eine Versamnilung der Parqnetbodenleger, einberufen vom deutsche» Holzarbeiterverbande, tagte am 20. Mai bei Schöning, StaVschreiberstraße 29. Tie Kontrvllkoiumission be- richtete, daß der in diesem Jahre vielgenannte Herr Stellmatzeck, ini Neubau Winterseldsiraße, durch Lohndrückerei sich besonders auszeichnet. Weiter wird lebhaft getadelt, daß die Kollegen, welche dasür eingetreten sind, alle 14 Tage eine Versamnilung einzuberufen, sich in keiner Versammlung sehen lassen. Zwei Kollegen ans Leipzig, rvelche in der Versammlung anwesend find, erklären, daß von den Leipziger Bodenlegern nnr ein Kollege unorganisirt sei, und weisen darauf hin, wie beschämend dies sür die Berliner Kollegen sei. Weiter krilisirten die beiden Gäste die Handlungsweise der Firma Heim, Leipzig, die ihre langjährigen Arbeiter seiern läßt, uni mit billigen Arbeitern der Firma Hertzer, Weimar, die Arbeiten auszuführen. Zum Schluß wird angeregt, daß die Bodenleger resp. die Organisationen derselben in alle» Städten Deuischlauds Fühlung suchen sollen. Von einem Kollegen wird noch bekannt gegeeen, daß der Zwischen- »reister Stumpf(Deutsche Fnßbodenfabrik Martinrckenselde) 5 Pf. pro Meter abgezogen hat. Ter Verein deutscher Schuhmacher(Filiale II) tagte am 20. Mai. Zur Verlesung gelangte zunächst die Abrechnung vom ersten Quartal, die von der Bersammlung ohne Einwendungen entgegengenommen wurde. Im Verschiedenen wurde beschlossen, das Lokal von Gründe! in der Brunnenstraße als ständiges Ver- einslokal beizubehalten. Von mehreren Rednern wurde die Ueber- tretung der gesetzlich festgesetzten Sonntagsruhe gerügt und der Wunsch geäußert, alle etwaigen Vorlominniffe, welebe den Kollegen bekannt werden, der Agitati'onskommission mitzutheilen. Im Verein für die chirurgische Branche reserirte am 2l. Mai Herr Waldeck M anasse über das Thema: Ter Kanrpf ums Dasein. Von einer Diskussion des sehr beifällig auf- genommenen Vortrags wurde Abstand genommen. Der Rest der Tagesordnung betraf einige interne Angelegenheiten. Die freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure re. hielt am 21. Mai ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab, in der Dr. Pinn über die Religion und Kunst der alte» Griechen sprach. Unter Vereinsangelegenheiten wurde nach den Ergäuzungswahlen zur llnterrichtskouimission und des Ver- gnügungskomitees ein Antrag, den am meisten belasteten Vor- standsmitgliedern eine Entschädigung zu gewähren, nach lebhaster Debatte angenommen. Im Arbeitsnachweise hatte» sich in den letzten 14 Tagen 15 Meister und 12 Gehilsen gemeldet. TeS weiteren forderte der Vertrauensmann zur Entrichtung der Be träge für den 1. Mai auf. In Weißensee tagte am 20. Mai eine öffentliche Volks- Versammlung, in der Genosse A. H v f f m a n n einen recht beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Die Versammlung hatte den Zweck, den während des Boykotts leider arg vernachlässigten Theil von Weißensee, Alt- Weißensee, wieder in nähere Be- rührung mit dem Arbeiter- Bildungsverein zu bringen. Leider entsprach die Versammlung nicht den gehegten Erwartungen. nnd werden sich die Genossen gemüßigt sehen, daselbst eine eifrige Agitation zu entfalten. Köpenick. Vom hiesigen Arbeiterverein war am 2V Mai eine sehr gut besuchte Versammlung einberufen, in der Reichstags- abgeordneter Liebknecht in einem recht interessanten Vortrag die wirlhschaftliche Entwickeluug schilderte und am Schluß die Anwesenden zur politischen und gewerkschaftlichen Organisation aufforderte. Von einer Diskussion über den allseitig beifällig aufgenommenen Vortrag wurde Abstand genommen, und gelaugten sodann einige interne Angelegenheiten zur Besprechung. Wilmersdorf. Der hiesige Arbeiterverein hielt hier am 22. Mai seine Generalversammlung ab. Zur Erledigung stand zunächst die Abrechnung vom Maifest. Diese ergiebt eine Ein- »ahme von 260,40 M. und eine Ausgabe von 150,10 M., mithin einen Ueberschuß von 110,30 M. Der Kassenabschluß vom ersten Quartal dieses Jahres weist einen Bestand von 28,06 M. auf. Hierauf wurde die Wahl des Vorstandes vollzogen, die folgendes Resultat ergab: Orlob erster, Witte zweiter Vorsitzender; Kramer erster, Kübler zweiter Kassirer; Reuter erster, Elias zweiler Schriftführer; Paul, Bibliothekar; Wehrend und Klingenberg, Revisoren. Kiriinir Nadsahrer- Nenolk-nschaft„Solidarität". Siduug I?d:» Mittwoch, abends s uhr, im Restaurant Wilh. Roll, Watdemarstr. ei. Tagesordnung: Ttattitenberaihung. Arv«it»r- Sildnnvoschnte. Mittwoch, abends Uhr: Lektüre. 8','— Uhr: Nordschule. Müllerstr. I7S»: Naturerkenntnib(Die Tai will'sche Theorie.— Sniwiclelungsgesetzel. Südost schule, Waldemar« sirabe I«: Geschichte(alle). Bei allen Unierrichisfächern werden neue Theilnehmer, Damen und Herren, jeder Zeit ausgenommen. und Ktoliuti» lilud». ZUiitwoch. Z o h a n n I a e o b n, bei Fritz Lietzle, Schwedierstraße 3.?.— wesundbrunnen, Abends 8!s Uhr, bei Haserland, Bellet inannstr.«7.—«leichhet t, Abends sx Ubr bei Stramm, Rillerstrahe J23.— Heine, Rirdors Abends SX Uhr, Prinz-Handjerystr. oo, parterre.— Einigkeit, Abends«X Nhr bei Zeige, Trtfistr. i.— Theater- und Lesekiub Morgenroth, adds. S Uhr, im Restanr. Diele, Lothringerstr. 67. N»r»i»«I>-»na>io«r Kchiilrr drr k8. diiomrindr-Kchiilr. Irden MIN- woch, abends»% Uhr, wroße Franlsurterstr. so. Ehemalige Schüler und Gaste willkommen. Ardeitor- säugorbuud Kerlin« und zimgegend. Vorsitzender Adoll Neumann, Pasewalkerstr. s. Alle Aenderungen im BereinSkalender stnd z» richten an Fried. Korwm, Manteusselslr. 49, v. 9 Tr. Ulittivoch. UebungS stunde Abends 9 ubr, Ausnahme von Mitgliedern.— Ltedesfreiheit i. Andreasstr. 26, bei Witke.— Norddeutsche Schletse, Echönlesnftr. 6 bei Kaitz.— Unverzagt I, Manteusselstraße 9 bei Nowack.— Freya I, tGemischler Ebor), Nofenlhalerstraste Nr. e? bei Werna».— Lorbeer- kränz l, Weinsiraste Nr. 2S bei Späth.— Deutiche Eiche l, Grobe Frankfurlerstrabe Nr. iss bei Gold.— Echo>, Pankow, Wollanistrabe 113 bei Lebmann.— Gesangverein Arion III, Rirdors, Herrmann- und Herrfurthslraben-Ecke, bei Weib.— Freundeslreue lgemisch. Ehor), Gr. Franlsurterstr.>33 bei Gold.— Etnigkeil l(Hutmacherj, Reue Friedrichsir, 44 bei Röllig.— Allegro, Wrangelftr. 141 bei W. Schmidt. — Freiheit>, Büiowstratze 65 bei Richter.— Stetnuelke, Päse- wailerslrabe 3 bei A. Neumann.— Süd-Ost, Faickensteinstr. 7 bei Trttlel- witz.— Liedeslust, Fürsteuwaide an der Spree, Schlobkellerei.— Freier Münnerchor Nord-West(früher Klempner) Moabit, Emdener- und Sirmensstraicn-Seke 14.— Kupferschmiede, Weinstraße n bei Feind.— Rothe Nelke I, Schöneberg, Golzstr. 43 bei Klauke.— Appolonia, Rosenthalerstr. 67 bei Wernau.— Fre th ett« grub,«reinmenerstr. i bei Malhiis.— Schneeglöckcheii I, Rirdors, Hermann- und Karlsgarten- straben-Eile bei Hilpert.— Schneeglöckchen 2, Potsdam, Brandenburger Kommunikalion 10 bei Glaser.— Matongrub s, Friedrichshagcn, Rund- lheii. bei Lerche.— Unverdrossen, Ltndowerstrabe 26 bei Sachs.— Felsenburg,. Langestrabe 66 bei Owezareck.— Rülli, Friedenau, im KurbauS, Ring- und Rheinstraben-Ecke.— P o r w är t s 7, Rummels- bürg, Evlhe- und Kantstrabe- Selc bei Ereinert— Hoffnung s, Brandenburg a. H.,„Kvnlordsa", Wilhelmsdorserstrabe.— Frei hei! S- klänge i, Etallschreiberstr.-9,..Zum eichenen Stabe" des Schöning.— Arbeiiergesangverein von Britz in Britz. Bürgersir. 4 bei Dorn.—Seeger- scher Männerchor, Landsberger Allee 166 bei Göbel.— Maiengrub 2, Eharlcltenbnrg, Wallstr. 96 bei Beyer.— Dämmerlicht, Zorndorser- sirabe 17 bei Hossmann.— Edelweiß 2, PoiSdam, Brandenburger- Kom- munilalion 16 bei Glaser.— Hesmathklänge,«öpeuilk, Rosenstr. 191 bei Troppcns.— Männer-Gesangvcrein Geduld, Gesundbrunnen, Butt- mannsnaße 17 bei Mostes.— Sesanaverei n Freisteitsllänge II, Shorinerstr. 66 beiHobeek.— Männcr-Sesangverein Palme, Bellen i. d. M. bei Zemlin.— Weibe Rose, Reiviclenbors. Restdenzstr. Ivi bei Malchin.— Wänner-Gesangveretn L i e d e r l nst, Admiralstr. SS beiTutzauer.— Sanges- lü the n, Slralancr Platz iv-ii bei Poppe.— Gleichheit. Schönhauser Allee 136 bei Ramlow.— Gesangverein Frohsinn II, Friedrichsberg, Wartenbergstr. 67. bei Lange.— Sangerchor der Maler, Annenslr.» bei Protz.— Männer- Gesangverein Zielbewußt, Wrangelstr. 124 tm Restaurant. Knud drr gekrlligr» Arboitrrverrinr Krrli»««Ii» zlwtzesriid.(Zu- s christen sind zu richte» an P. Kinl, Adalbertslraße 96. Uiittiuoch; H» m o r i st i s ch e r R an cht lud, Görlitzersiraste 42 bei Picht.— Ge- s clliger Perein B r ü d e r I i ch l e t> Georaentirchstrabe Nr. 66 der Spät.— Verein R h etorik, Rannynsir. 86 bei Zubell Abends sjj Uhr.— Geselliger Verein Hoffnung, Lebuserslraße Nr. 5 bei Nemitz(alle vierzehn Tage).— Tbcaterverein Proletariat, Naunynstr. SS bei Köh».— Schafssopsklub Spar- Agnes, Krautstr. 36 bei Jnstnger.— Geselliger Verein Alpe nrose, Brihcrsttaße 22 bei Gras.— Privaltheater-Gesellschast Romelsa. Pücklerstr. 2 stet Müller. sAußerdem alle u Tage Svm>- rags.)— Bergnügungsvereln A I» o r 2, Priuzen-Allce 10 bei Bergeinann. — Geselliger Verein Freundschaft, Zimmerstr. 89 bei Engel.— Rauch- Ilub Rothe Fahne,«uvrystr. 49 det Liehs.- Geselliger Verein D e nt s ch e Eiche, Fürbringerstr. 7 bei Grolhe.— Bühnenverband Apollo, Prinzen- Allee In bei Bei«! mann.— Mundharmonika-Verein Vorwärts, Belle- alliancestr. 74 bei Kitzing. fceftui»-, t? in it- und grlrllige Kereine. Mittnioch. Arbeiter- Gesang- Verein Hossiiiing. Friedrichsbera. Uebungsilunde Abends 9 Uhr, Restaurant O. Schnltze, Friedrich Karisiraße 34.— Privai-Theater- gesellschasl H e i»> a i b i» s>, o Nhr Sitzung i. Vereinslok. b. Lange, Sli onistr. 2» Prival-Thealer-Kesellschast P h i l st a r»i o n i e, Sitzung mit Damen, Abend» o nhr, Zcughosstiastc f bei Behlendors. Ausnahme neuer Mitglieder.— Thealerverein N ii i k u in, sede» Milttvoch abends 9 Uhr bei Wiersdorf, Alte Jalobstraste 96.'»7: Sitzung mit Damen.— Berliner Turn- g e n o s s en s cha st. Die 3. Männer-Abiheilung turnt jeden Milttvoch und Sonnabend Abend von K9— Xll Uhr, Ehorinerftr. 74.— Tourislenvereln Freiheit Mittwoch, Abends»X Uhr. Versammlung bei Wuttle, Blumenftr. 64. — Geselliger Verel» Unter u»», Sitzung« Uhr bei Fischer, Beusselsir. 66.— Musikdileltanlcii-Vereiii Preciosa Adeiids sx lihr bei Geisler, Fenn- und Tegeleriiraben-Elke, Uebungsstuiide, Aufnahmen.— Mnsll-Diletlanten-Vereiil Nordische Klänge. Jede» Milttvoch bei Reuler, Swincniünderstrabc 46, UebungSstunde vo» sX bis>> Uhr.— Schiviiniiivercin Nord. Jede» Mittwoch Abend 7X Uhr Seebad Neinicken- dvis, Uebiingsslunde.— Geselliger Verein Anna-Marie, Abends 9 Uhr. im Restauiant Roll, Adalberlstrabe 21, Eitzniig.— Slaillub Die Lustige Zwölf, im Restaurant Ruhl-A»dre«, Edoiinerslr. 62.— Etat- lliib 6» jeden Mittwoch«X Uhr Siyung bei Fechner, Wienerstr. 6v.—«rast- und Arlislenklub..Eiche". Mittwochs von 9— II und Sonntags von Ii bii I Uhr, bei Augustin, Kastanien-Allee 11.— Vergnüguiigeveiein Fortuna. Jede» Mittwoch, abends 8X Uhr, Sitzung im Lotale Schulz, Weberlir. in.— Tbcalervercl» lt n i l u m, jeden Ptittwoch, abends 9 Uhr, bei Wiersboss, Alle Jalobstr. 9s/97, Sitzung mit Damen. Nachdem Probe.— Berein eh ein. Schüler der 18. wemeindeschule 9X Uhr, Gr. Franlsurierstr. 30. Ehemalige Schüler und Gäste willkommen. Rauchllub Grüne c.uaste, Mittwoch Abends 9 Uhr, bei Gor», Kleine Marlusstr. io.— Rauchklub Granate, Forsterstr. 46 bei Tugunlke. — Manchllnb Arlona, Abends«X Uhr det Herrn Brand, Reichen- bergcrstr. 122.— Orientalischer Rau chklub, Abends 9 Uhr. Reiche»- bergerstraße 24 des Tauschle.— Rauchklub Frisch gewagt, AbendS s Uhr bei F. Rockendors, Posenersirabe 6.— Rauchtiub R o o ch l o ch, Admiralstr. 33 im Restaurant Abend» X» Uhr.— Rauchklub M e s s a- lina, jeden Mittwoch bei H. Wuttke, Sraudenzcrstr. 2.— Ekat-Klnb Treff- Frankfurter-Allee 9v bei O. Zabel.— Rauchklub Ohne Zwang.Wein- sirabe 2S bei Späth.— Rauchklub Die T a in p se» d e n, Langestr. 24 bei Jeralsch.— Rauchklub Virginia. Jede» Mittwoch Abend» Uhr bei Schnieder, Abmiralsiraße 21.— Rauchklub HilNi o rtstisch e Psetscu- drüber, Mittwoch Abends 9 Ubr bei Se.lzwedel, Klosterstr. 83.— Rauchklub Sumatra Süd-Ol» Abends ex Uhr bei Müller, Liegnitzerstr. ig.— Rauchklub Gem ülblich keit II, Sitzung jeden Mittwoch Abend 9 Uhr im Lokal Schinidl, Köpiitcierstr. t7l. Freie Bereinigung der Kan fleute, jeden Mittwoch geniüthllche Zusainnieiilunfl im Restaurant Tettenborn, Watluraße, Ecke Nene Grüiisiraße. — blibeiter-Slenographenverctn Eintracht, Unterricht und Uebungssiunden abends sx Uhr in den Reftauranls Owczaiek, Langestr. 66 und Seidler, Rllliborslr. 16.— Roller'scher Sienogrophenverein Ptonir, tzussttensir. 9, Reslauranr Rausch, Abends sj Uhr, Unterricht und Fortbildung. hennaa- Amtrican Klub„Unclc Sarn Club" Every Weänesday o'clcck p. m. FrtedoeS Restaurant, Münzstr. t7. B Für Berlin Verkauf von lO Stuck Cigarren. SS �vogc PveisevmäHtgmtg wegen Verlegung zueiues Geschäfts nach meinem eigenen Hanse! Z WW. m..SS W S Fabrikant für Cigarre», In«»»««««annss»«anin «RapusViiz»Vi»Iii«""'Ks,?" � Hauptgeschäft: Ueue Promeuade Ur« 8, gegenüber Stadtbahn Hof»Sorse�— Zweiggeschäft: Spandaner Krücke Ur. 2, ßa. 3 Millionen Cigarren Vedinannaen sürBerrmisuiid V-rsaiidi. R.. WD �mvkailaene Slnn�t« �cu Betrag nur als Unterpfand für die zur Prüinng znlcklckm— m dieselbe seinen Erivartilnge» Nicht, so beliebe er die Wanne unsransirt zurliit- b r 1(1 m"'■ n>1 n""Li a' SRuctinibuiTa dies Betrages, sowie der Auslage» ersolgt.- Vo» dielcr Schadloshaltiiiig Rur gegen Nnchiiahilie oder voilienge E>»sciidti»a des Betrages ..--—......'| irpsand für die zur Prüiiing die Wanre nnfranlirt zuriiii- des Bmnlnnnn'a' kjuiumcu, luiuie vec eiiisiagci, erioiai.- Von dieser Schadloshaltiiiig obaealb«,?>ii Q � � ausgiebigsten Gebrauch zii»lachen.- Unter Iva Stuck vo» einer Marke werden Nicht ovgigeven.�0SUick in,d darüber Iraiico über ganz Deutschlaiid. 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IO'/j cm lang, ca. 5 cm Ums., Straßen- Cigarre, nicht belästigend, von durchaus vorzuglichein Geschmack, in schlankem Fa?oii, tadel- loser Brand..... per 100 Stck. Mk. 3,50. Marko 5, Frühpromenaden- Cigarre, Kegel- ja?0», ca. 10'/« cm lang, ca. 5V« cm Uni f., dieselbe in schlankem Fagon ca. 10 cm lang, S cm Uinf. Hervor- ragend im Geschmack, kann ich sie Jedem empfehlen, dessen Beruf es erheischt, viel Cigarren zu rauchen per 100 Stck. Mk. 3,00 Marke 7(Sumatra), etwas kleiner im ssaxon, be- deutend eleganter ausgestattet, in Einsallkisten ver- packt, zu Geschenken geeignet, per 100 Stck. Mk. 3,0«. Mocen-Cigarre, ca. 9 cm lang, 4 cm Umfg., genußreich zum Kaffee, wirkt belebend, vollwürzige, hoch- edle Cigarre..... per 100 Stck. Mk. 3,50. Marke Manilln-C'igarrc, ca. 11 em lang, an d. Braudfläche ca. 5V, em Ums. Per 100 Stck. Mk 3.50 Viele Raucher haben eine Abneigung gegen Manilla- Tabak, weil der Geschmack desselben semcr Schwere und Scharfe wegen Augen und Gauinen belästigt.— Nichts von alledem hat diese Cigarre, abweichend von der echten Manilla ist sie von der ausser- ordentlichsten Weichheit im Geschmack, der besten Zw ssigker' verlässigkeit im Brande nnd von kö — Jnsbesond u empfehlen, . stein Aroma. esondere ist diese Cigarre auch Skatsvielern � ehlen, da sie erstlich sehr gross— folglich ehr sparsam— von außerordentlich zuverlässigem ande ist. Iag � lang, ca. 6'/« em ncipildeil I, Umf gross-Regalia Bockfacon 10« Stück jetzt üur Mk. 7,50. Marke______ per 10« Stück jetzt nur Meine langjährigen Erfahrungen lind mein ganzes Können habe ich bei der Zusammenstellung der letzten Z Marken aufgeboten und bin mmmehr der festen Uebcrzeugnng, daß anch die letzten beiden Marke» sich desselben Beifalls crfrene» werden, wie die Marke Eaphaeli III. Neu, Neu, Neu!!! IIoIIUiidiKcIie Cigarren. l'rima Rem- liramlt ran Ilyn Nr. 3 per 100 Stck. 5 Mk.— Nr. 2 per 100 Stck. 0,50 Mk.— Nr. 1 per 100 Stck. 8 Mk.— Die Länge dieser 3 Marken ist ca. 15cm, der Umfang ca. 4'/« em.— Der passionirteste Raucher wird in diesen Cigarren nach jeder Rich- tnng hin— ob er an milde oder kräftige Cigarren aeivöhnt ist— nicht nur die vollste Besriedigung finde», sondern diefelben als seine linenloehr- lichstcn Marken nach cininaligem Versuch be- trachten.— Der Alleinverkans für Denlschland ist mir übertrage».— Da ich voraussetze, daß anch diese Marken bald von der Concurrcnz ge- fälscht werden, erkläre ich hiermit, daß jedes Kistchen Cigarren dieser Marken mit memem Firmenstempel versehen ivird und daß ich nur in diesem Falle für die Vorzüglichkeit eintrete.— Ken, SfonS Havana de Mexiko, ca. 1 l'A cm lang, gross Bock, mild und voll per 100 Stück Mk. 0,00. r Kene Marke General, ca. 10'/, cm lang, „ca. 5'/, cm Umfang. Mit dieser Havaiia-Cigarrc, „welche aus einer Zusainmensetztmg der alleredelsten „Tabake besteht, glaube ich nicht nur den rassinirtesten „Nmicher zu besriedigen, sondern den unversöhnlichsten viesew�kostetp kmelis ÜWllill Bs bieiliA bdli!l. Alagoatz-Celix- und Vneita-Mavana- Cigarren, wie sie bei mir täglich unter den Fingern der Roller weg zum Verkauf und Versand kommen, die nicht im Entferntesten belästigen und hanptsächlich, frisch geraucht, die heroorragendsten Eigenschaften documcntiren, empfehle ich den Freunden und Kennern saftiger Qnalitäts-Cigarren in folgenden Grössen und Marken: Hochfeine Vorstcn- Java ni. Felix, durchaus inild, Diplomaten-Faxon, ca. 12 em lang, 5'/« em Umfang,.... per 10 0 Stück Alk. 4,50. Aiagoas» Felix, Torpedo-Fa?on, ca. 11 em lang, S'/„ cm Umfang, per 100 Stück Mk 5,—, Reiiia del Alagoa.-«. ca. 14 cm lang, 6 cm Umfang,..... per 100 Stück Mk.. Bei dieser Cigarre ist die Brandfläche boilqnet- artig»»beschnitten und ist dadurch ein mangel- "........" lossen, und hat basier Brand o er Rancher sofort den Bollgenlisi des Tabaks. Mandl Angin ni. F» Cruz des Almas, Torpedo- Faxo», ca. 11 em lang, 5'/, em Umfang, per 100 Stück Mt 5,— l Dell Maatsohappy mit Felix und Havnna, Diplomaten-Faxon, ca. 12V, em lang, Sl', cm Umfang,..... per 1Ö0 Stück Mk. 6,—. VueKa Havana. Torpedo-Faxou, ca. UV, cm lang, 5'/, cm Umfang, per 1ÖO Stück Mk 7,50. Eine Musterliste obiger 6 Marken zusammen 100 Stück Mk.. Jede dieser Marken dient mir als Enipfehlungs- briof, und ein einmaliger Versuch genügt, um nicht niehr von ihnen zu lassen, mich sind sämmtlich« Maric» trocken zu haben. Echt importirte Cigarren, asiatisches Gewächs, welche von alt raffinirten Rauchern bezüglich ihres Zlromas sowohl als anch in sanüärer Hinsicht den echten Havana- Importen vorgezogen iverden, ca. 10V« cm lang, 5 cm Umfang per 100 Stück.... Mk 6,—. )J« cm tc ca. 10J per lOÄ Stück ang, 5'/i cm Uinfang Mk 6,- d* Tausendc Allerkcnnuitgsschveibelt liege»« zur Einsicht vor. Meine Offerte gilt bis zur nächsten Anzeige. Me Reflektanten weise ich in ihrem eigenen Interesse auf meine morgen erscheinende Offerte, betreffend Schuhe und StiefeB hin. es. Resterhandlung. gb Villig R e st e zu Knaben-Anzüge» von 1 M. Große Anzüge von 7 M. an bis zum feinsten Kammgarn, auch pass. zu Einsegnungs-Anzügen. Große Aus- wähl in Palelotstoffen, sowie zu Früh- jahrs- und Sommermäuteln, Jaquels, Plüsch, Atlas, Seide, Sammt u. Spitzen. Ans Wunsch alles zugeschnitten, auch angefertigt. Fertige Knaben- Anzüge. 66. KaHe, Waldemarstrasse 66. '«C—'— � g H. Grabowski% 5" Oettowo QaBr. 1845 � Reinwolle«« Tuche, Bucks-=" � lein, Karamgarn, Cheviot««.® >. jedes Maass zu richtigen u> Engros-Prelsen • Keine UhllohonVcftand" Preis«. 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