fr. 275 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 142 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4.50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmark pro Monat. Der„ Borwärts" mit der Sonntags heilage Bolt und Reit" mit„ Sied. Iung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Wissen und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Gonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialbemokrat Berlin* Morgenausgabe Vorwürts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Ronpareille. zeile 70 Pfennig. Reklamezeile 4. Reichsmart. Aleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( zuläffia zwei fettgedruckte Worte). iebes weitere Wort 10 Pfennig. Stellengesuche das erste Bort 10 Bfennig, jedes weitere Wort 5 Pfennig. Worte über 15 Buch staben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 30 Pfennig. 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Nach jahrelanger Hezze versuchen die Deutschnationalen, hochgetragen von der Welle der Inflation, im Reichstage auf parlamentarischem Wege ihrem Ziele vorzuarbeiten, dem Sturz der Republik und ihrer Ersehung durch die Kastenherrschaft der vereinigten Junker und Geldfacritter die Wege zu ebnen. Diese Schlacht verläuft nicht anders als die Auswertungsschlacht, von der Exzellenz Hergt jammernò bekennen muß, daß sie verloren sei. Diese Schlacht ist verloren, ehe sie überhaupt begonnen wird. Daß die Auseinandersetzung im Reichstag mit einer Rede unseres Genossen Sollmann eröffnet wurde, entspricht den Gepflogenheiten der Geschäftsordnung. Aber es liegt ein tieferer Sinn in dieser Eröffnung des Kampfes durch die fozialdemokratische Programmrede. Die Sozialdemo= tratie ist es, die im Mittelpunkt des Abwehrkampfes steht. Die Sozialdemokratie ist es, die die Gegner der Republik, die Gegner der freien Selbstbestimmung des Boltes mit ihren Angriffen auf die Berfassung treffen wollen. Die Feinde der Republik wissen, daß sie mit parlamenta rischen Mitteln heute nichts erreichen können. Sie wissen auch, daß die Mehrheit des Volfes von einer Aenderung der Berfaffung nichts wissen will. Sie erklären selbst, mit Resignation; daß sie den Kampf um die Staatsform zurückstellen müssen. Um so mehr fönnte man meinen, daß eine geistige Auseinander fehung um die Ideen der Demokratie und des sozialistischen Staatsgedankens der Zwed ihres Vorstoßes sein sollte. Aber wenn sie den Kampf mit geistigen Waffen aufnehmen, dann langt es höchstens zu einer Schimpfrede, deren Niveau nicht höher ist als das Niveau der Verleumdungskampagne, die sie bisher als einzige Waffe im Kampf gegen die Republik ausnutten. Sie wissen selber sehr gut, daß die moderne industrielle Entwicklung in allen vorgeschrittenen europäischen Ländern aus innerem Zwang heraus zur demofratischen Entwicklung geführt hat, sie wissen felbst sehr gut, daß keine Macht der Welt in Deuschland imstande ge= wesen wäre, diese Entwicklung aufzuhalten. Die Entwidlung selbst der Deutschnationalen Partei ist der beste Beweis dafür, daß die Demokratie als Fundament unserer staatlichen Entwicklung sich in allen Schichten der Bevölkerung durchsetzt. Die Sozialdemokratie hat deshalb in diesem Kampfe eine Position, die mit geistigen Waffen nicht zu nehmen ist. Die Arbeiterschaft, die hinter ihr steht, die großen Massen des Bolkes, von deren Vertrauen ihre Arbeit getragen wird, sind der sichere und unerschütterliche Schutzwall der freiheitlichen republikanischen Entwicklung. Die glänzende programmatische Rede unseres Genossen Sollmann stand nicht umsonst im Mitelpunkt der gestrigen Verhandlungen des Reichstages. Auch diese Schlacht, Herr Hergt, werden Sie verlieren! Den äußeren Anlaß bot gestern die Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums. Bei dieser Gelegenheit wurden die deutschnationalen Anträge auf Einführung des 18. Jemuar als Nationalfeiertag, auf Sicherung derjenigen Feiertage, die am 11. August 1919 in den Ländern gesetzlich geschützt waren, behandelt. Die Diskussion eröffnete Abg. Sollmann( Soz.): Nächst dem Reichsarbeitsministerium hat wohi fein Ministerium so viele natürliche Berührungspunkte mit den Aufgaben der Sozialdemokratie wie das Ministerium des Innern. Dieses Ministerium hat die Aufgabe, die republikanische Verfassung zu schützen, deutsche Länder und deutsches Volk zusammenzuführen, Reich und Staat zu Gebilden zu entwickeln, die sie auch den Massen der Staatsbürger liebenswert machen, alles zu schonen und zu fördern, was durch Kunst und Wissenschaft die moderne Zivilisation zu einer würdigen allumfassenden Kultur erheben kann. Diese Aufgaben richtig verstanden, berühren sich auch mit den unsrigen. Der tiefe Sinn des sozialistischen Klassenkampfes ist ja nichts anderes als eine Rebellion der Massen gegen die Unterdrückung ihres Kulturwillens durch Staat und Wirtschaft. Der Klassenkampf ist nicht nur cine Angelegenheit des Magens und der Fäuste, er ist in Wahrheit ein Aufstand nicht nur materieller, sondern vorwiegend geistiger und jittlicher Kräfte gegen Zustände, die den Erkenntnissen und der relativen Reife der Masse Mensch nicht mehr entsprechen. So hoch wir die Führung einschäzen, so entsteht doch die Kultur eines Voltes erst durch seine gemeinsame Arbeit. Unsere Tätigkeit ist in allen Nationen darauf gerichtet, die Maffen der Arbeitenden aus der Sulfurlojigkeit, in die sie die Klaffengeselligaft mehr oder weniger stößt, hinaufzuführen zu einer Gefittung, die der hohen Entwidlung menschlichen Geiffes entspricht. Wir sind einig darin, daß das Ministerium noch nicht das ist, was es sein sollte, aber in der Erreichung des Zieles gehen wir sehr auseinander. Wenn man den Etat anfieht, so fommt man zu der Auffassung, daß er nichts anderes ist als der Ausdruck eines Polizeiministeriums. Die Ausgaben für Polizeizwecke erfordern 190 Millionen Mark, für künstlerische und wissenschaftliche 3wede werden 8 Millionen gefordert, für Schul- und Bildungszwede 3,4 Millionen, für die Förderung des Gesundheitswesens 2 Millionen, für die Technische Nothilfe, die wir übrigens ablehnen, 3,7 Millionen, für die Förderung des Turn- und Sportwesens 250 000 m. Gewiß find das Aufgaben, die auch in den einzelnen ändern gelöst werden müssen. Das trifft doch aber auch auf die Polizei zu. Wenn man nichts anderes als diesen Etat hat, so wird man diesen Staat nicht als den Wegweiser zu höherer Kultur erachten können. Er steht noch sehr nahe dem Nachtwächterstaat, der den geruhjamen Befih des Bürgers schüßen foll.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir auch große Teile der kapitalistischen Kultur ablehnen, so handeln wir doch nicht so gehässig gegen sie, wie das von pielen Hochschulen gegen die Kulturbewegung der Arbeiterklasse geschieht. ( Sehr wahr! bei den S03.) Steine Sulfur, and theje nie je acht, tritt als ein fertiges Ganzes in die Erscheinung. Auch die sozialistische Kultur erwächst aus überlieferten Kulturen, sie stößt Altes ab und nimmt Neues auf. Jede Regierung, die die kulturellen Aufgaben im Geiste des verstorbenen Reichspräsidenten lösen will, wird unsere Unterstügung finden, gleichviel, mer vor uns steht. Wir wünschen, daß sein Nachfolger für die Wissenschaften und Künfte das gleiche ehrfurchtsvolle und innige Berständnis hat wie der Arbeiter Friedrich Ebert. Wenn von einem deutschnationalen Abgeordneten die Pflege nationaler Geschichtswissenschaft gefordert wird, so lehnen wir das ab, denn wir wissen, was darunter verstanden wird. Was an den deutschen Hochschulen als Geschichtswissenschaft vorgetragen wird, hat vielfach weder mit der Wissenschaft noch mit der Geschichte etwas zu fun.( Sehr richtig! bei den Soz.) Die deutsche Sozialdemokratie hat nichts gemein mit jenem Teil der Studenten, die unter Kulturwesen nur Bierabende, Aber jenen stillarbeitenden jungen Menschen gilt unser Gruß, ge das Kommersbuch und nationalistische Veranstaltungen verstehen. tührt unsere Hilfe, die in abgetragenen Kleidern sich Wissenschaft und Kultur erobern wollen.( Sehr richtig! bei den Soz.) gebracht worden. In den Ausschüssen sind eine ganze Anzahl von Anträgen einDem Gesezentwurf auf Erweiterung der Immunität auf die Mitglieder der Reichstagsausschüsse, die bei Auflösung des Reichstags bis zum Zusammentritt des neuen Reichstags bestehen bleiben, stimmen wir zu. Wir haben im Haushaltsausschuß auch einige Anträge gestellt, die sich auf Gewährung einer Amneffie:) an Reichsbeamte usw. beziehen. Sie sind angenommen worden. Es ist für uns selbstverständlich, daß auch die Reichsbahnbeamten und die Reichsbantbeamten in diese Amnestie eingeschlossen sind. Den deutschnationalen Antrag auf Aufhebung des Gefeßes zum Schuße der Republik lehnen wir ab. Einige Bestimmungen insbesondere dürfen nicht aufgehoben werden, so diejenigen, die sich gegen solche Organisationen richten, die mit Gewalt und Mord politische Persönlichkeiten beseitigen wollen. Damit soll nicht die politische, sondern die gemeine Gesinnung getroffen werden. Wir lehnen auch den Antrag ab, wonach die besondere Berpflichtung der Beamten zum Schuße der Republik beseitigt werden soll. Das ist keine Gesinnungsriecherei, wir wollen auch nicht in den Fehler der Monarchie verfallen, die ihren Beamten feine Gesinnungsfreiheit gewährte. Die Beamten follen ihr Amt nicht mißbrauchen gegen die Republik, von der sie eingesetzt sind. Die Republik hat leider noch sehr viele Beamte mit deutschnationalem Parteibuch. Wenn wir eine Statiftit über die Zahl der republikanischen und monarchistischen Beamten aufnehmen würden, so würde es sich zeigen, daß die republikanischen Beamten noch immer vielfach nur die Geduldeten sind. ( Sehr richtig! bei den Soz.) Die Republik muß doch schließlich auch Republikaner als Beamte haben. Vom Abbau sind sehr wenige Monarchisten betroffen worden, dagegen wissen wir, daß in der Hauptsache auch bei den unteren Beamten Republikaner abgebaut wurden. Wir haben im Ausschuß die Regierung nach ihrer Stellung zum bayerischen Konkordat befragt, das einen außerordentlich wichtigen Aft im Staats- und Verfassungsleben darstellt. Eine Klarstellung, ob alle Bestimmungen des bayerischen Konkordats mit dem heiligen Stuhl mit der Reichs= verfassung übereinstimmen, ist deshalb besonders wichtig, weil treten wird. Mein Parteigenosse Saenger wird diese Angelegen= an uns auch die Frage eines allgemeinen Reichskonkordats heranheit noch ausführlicher behandeln. Die Verhandlungen des Ausschusses waren besonders gefennzeichnet durch den Borstoß der beiden Rechtsparteien gegen die Verfassung. Allerdings haben sie ihre Stellung gegen die Republik ebenso wie bei der Präsidentenwahl vorsichtig verschleiert. Die Deutschnationalen gehen ja jenen grundsäglichen Auseinander fegungen über die Frage Republit oder Monarchie, Demokratie oder Obrigkeitsstaat aus dem Bege, Sie sind ja überhaupt nicht imstande, einen geiffigen Kampj gegen die soziale und demokratische Staatsauffaffung zu führen. Sie haben zuerst die Republik mit blutigem Terror bekämpft, fie bekämpfen sie jetzt mit den Mitteln der Berleumdung. Was in den letzten Monaten an Verleumdungen gegen ehrenhafte Politiker aufgebracht worden ist, das wird immer ein Schandfled in der Geschichte der Deutschnationalen bleiben.( Sehr wahr bei den Soz.) Wir haben keinen Grund, diese Auseinandersetzungen zu scheuen. Ich war niemals stolzer darauf ein Sozialdemokrat zu fein, als zu jener Zeit, wo man die Schmutzkübel über unsere Bartei ausgeleert hat. Ich stehe nicht im Berdacht, zu Barmat in irgend einer Beziehung zu stehen, aber lieber will ich mit Barmat an einem Tische figen, als mit jenen Führern, die die Berleumdungskampagne gegen die Sozialdemokratie geleitet haben! Sie fommen jetzt mit verhältnismäßig harmlosen Anträgen. So wollen Sie den 18. Januar zum Nationalfeiertag erheben. Ich frage, warum ist das nicht schon früher geschehen? Niemals hat der 18. Januar als nationaler Feiertag gegolfen. Es war ja auch kein Grund dazu. Denn an diesem Tage sind zwar die Einzelstaaten zum Deutschen Reiche zusammengefaßt worden, Lesen Sie doch darüber die Erinnerungen von Bismarck. Der alte aber nur widerwillig mußten die deutschen Fürffen gedrängt werden. Raiser wollte lieber König von Preußen bleiben, als Kaiser von Deutschland sein. Die bayerischen Vertreter erinnere ich an die Debatten, die in der bayerischen Kammer darüber geführt worden sind. Lesen Sie sie jetzt nachh und erzählen Sie uns, ob die Bayern mit Begeisterung in das neue Reich gegangen sind. Prinz Ludwig, der spätere König von Bayern, hat in der Kammer der Reichsräte am 30. Dezember 1870 eine Rede gegen die Reichsgründung gehalten, mitten im Kriege hat er erklärt, er bedaure, daß Preußen keine Bedingungen geftellt worden seien.( Hört, hört.) Das deutsche Volk hatte am 18. Januar 1871 mit dieser feudalen Gründung nichts zu tun. Sein Jdeal war die Verwirklichung des Groß- Deutschen Reichs mit Einschluß von Desterreich, nicht aber die Schaffung eines fleindeutschen rechts, haben nicht einmal das Talent zu einem nationalen FeierStaats unter preußischer Hegemonie.( Unruhe rechts.) Sie, nach tag, wenn Sie mitten im Winter nationale Begeisterung erwecken wollen. Wie wenig Sie nationale Feiern gestalten können, das zeigt sich jetzt bei der Jahrtausendfeier am Rhein. Das rheinische Bolt weiß nichts von dieser Feier, es ist nur ein Feft für die Spitzen der Behörden. Es ist des deutschen Volkes und seiner großen Not unwürdig, Feste in solcher Zahl und Ausdehnung zu feiern. Auch des deutschen Reichstags ist es nicht würdig, alle paar Tage Ausschüsse zu solchen Festen. zu entsenden. Ich hoffe, daß die 68 Abgeordneten, die jetzt an den Rhein ziehen, in leidlicher Gesundheit nach Berlin zurückkehren werden.( Heiterkeit.) Wir haben feinen Gefallen an diesen ewigen Reichstagsreifen.( Sehr richtig bei den Soz.) Nun foll zu den vielen Festen auch noch ein Bolfstraueriag fommen. Wir haben dazu den Sonntag Invotavit auserwählt. Es gibt niemanden unter uns, der nicht der Toten des Volkes gedente, gleichviel welcher Klasse oder welchem Stande sie angehören. Aber daß fie gerade dazu den ersten Fastensonntag vorschlagen, eine Woche erst nach dem Karnevalssonntag, das zeugt doch nicht dafür, daß Sie religiöses Empfinden haben. Es ist kein Zweifel, worauf Sie hinausgehen, wenn Sie wollen. die schwarzweißrofen Farben wieder einführen So viel Artigkeiten hätte ich dem Abg. Schlange. Schöningen und Freytagh- Loringhoven nicht zugetraut. wie bei der Begründung ihrer Anträge im Ausschuß. Aber in der Deutschen Zeitung" hat Herr Schlange- Schöningen gesagt, was er wirklich meinte. Hier entschuldigt er sich dafür, daß die Deutschnationalen nicht grundsäglich gegen die Verfassung vorgegangen seien, sondern sich nur gegen sozialdemokratische Angriffe gewehrt hätten. Zur Zeit der neuen außenpolitischen Drohungen komme aber eine grundlegende Verfassungsänderung nicht in Betracht. Die Herren wollen also erst die Hilfe der Republikaner in der schweren außenpolitischen Situation, um ihnen dann den Dank dadurch abzustatten, daß sie die Republit beseitigen wollen. Was bedeutet diejer Kampf gegen die republikanischen Farben? Diese Farben sind ein Symbol, sie sollen die staatspolitischen Gedanken und Ziele decken. Wie war es unter dem Kaiserreich? Es teilte die Deutschen bewußt in Bürger erster und zweiter Klasse. Die Handarbeit wurde verachtet und geächtet, die Verwaltung und das Heer waren der feudalen Rafte vorbehalten. Die Massen des Volkes, die Besitzlosen, waren nicht Subjette, sondern Objekte der Gesetzgebung. Gegen die Wiederherstellung dieser Zustände wenden wir uns. Wir bekämpfen nicht die Farben, sondern die Mächte, die hinter ihnen stehen.( Sehr richtig! bei den Soz.) Wenn Sie die Wiederhers ftellung dieser Zustände wollen, so wird das Bolt bis in seine Tiefen aufgewühlt merden. Was Sie in Wirklichkeit wollen, das geht aus den Ausführungen hervor, die Herr n. Rardorff erft vor wenigen Tagen im Hauptausschuß gemacht hat. Er wandte fich dort gegen das gleiche Wahlrecht für die Gemeinden. well dies« ausschließlich VermSgensvcrwaltungen seien und dabei dürften diejenigen, die kein Vermögen besitzen, nichts zu sagen haben. Diese Logik können Sie unmöglich aus die Gemeinden beschräm ken. sie führt zur Wiederherstellung des Klassenwahlrechts auch im Staat. Sie würde weiter dazu führen, daß alle anständigen Menschen zu Bürgern zweiter Klasse degradiert werden, die sich nicht als tüchtige Devisenschieber bewährt haben.. Die durch die Inflation Beraubten wollen Sie auch politisch mit fünf Prozent entschädigen. Das ist Klassenkampf in seiner rohe- sten Form. Ist es aber die Ausgabe der Regierung, in dieser Zeit einen solchen Kamps herauszubeschwören, einen Kamps von einer teidenschast und Tiefe zu entfesseln, von der Sie sich seht keine Vorstellung machen können?(Sehr richtig! bei den Soz.) Wir wollen keinen Vorschlag zurückweisen, der uns von Bayern gemacht wird. Aber der Ton, in dem die Denkschrift der bayerischen Regierung gehalten ist, ist nichts anderes, als eine Verachtung der Souveränität de» Reichs. Bpn Bayern kommen ja ständig Angriffe gegen die Verfassung von Weimar, dabei wird es ganz vergessen, daß in der Nationalver- sammlung von 4S Bayern 30 für und nur 6 gegen die Verfassung gestimmt haben. Das Reichsministerium des Innern führt zwar einen großen Titel, aber es zeigt sich doch als sehr schwach in der Abwehr dieser Angriffe auf das Reich. Es ist nicht seine Aufgabe, sich vor jeder Forderung Bayerns zu beugen. hinter dem Föderalismus verbirgt sich nichts anderes als die Abneigung gegen die deutsche Demokratie. Besonders hoben es die Föderalisten die zwei Sätze in der Reichs- Verfassung angetan:.Das Deutsche Reich ist eine Republik, die Staatsgewalt geht vom Volke aus." Sie wollen an diese Stelle den Satz stellen: Dos Deutsche Reich ist ein Fürstenbund, Kaiser und Fürsten regieren von Gottes Gnaden und das Volk hat in untertänigster Ehrfurcht zum Throne emporzuschauen. Zwischen Ihnen und uns ist doch ein wesentlicher Unterschied. Wir wellen auf Grund der Verfassung das Volk in immer stärkerem Maße zur Mitbestimmung im Reich heranziehen. Sie wollen es in seine frühere Rechtlosigkeit zurückdrängen. Wir wollen mehr Volks- rechte. Sie wolle» weniger Volksrechte.(Sehr richtig! bei den Soz.) Leider haben im Ausschuß nicht alle Republikaner den notwendigen Mut gezeigt, hier aber gilt es, wer nicht für uns ist, der ist gegen uns! Wenn Sie jetzt die Flaggenfrnge aufrollen, so nehnien wir den Kampf auf. Aber wir führen ihn nicht nur um die Farben» sondern wir werden ihn um größere Dinge führen. wo Ihre Flagge weht, da sollen wieder herrenrechte und Knechtespslichten hergestellt werden. Herren und Knechte bilden aber niemals zusammen eine Nation, sondern sie teilen sich in Klaffen. Ihre Politik führt zum inneren »Kampf, nicht zum inneren Frieden. Wir aber wollen zu dem Ziele gelangen, ein politisch und lozial-freies Volk zu schaffen. Rur aus politischer Freiheit, aus sozialer Demokratie kann sich das Gebilde entwickeln, das sich in Wahrheit und mit Stolz nennen mag: Deutsche Ration.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Berndt(dnatl.): Der Reichsinnenminister hat an der Der- tiefung des Rcichsgedankens mitzuarbeiten. Das ist aber nicht möglich ohne eine Reform der Weimarer Verfassung. Darum beantragen wir die Einsetzung eines Ausschusses zur Ueber- pillfung der Weimarer Verfassung. Wir oerwahren uns auf das entschiedenste gegen die sozialdemokratischen Unterstellungen, daß wir mit Hilfe des Verfassungsausschusses die Monarchie wieder- herstellen wollten. Trog unserer monarchistischen Einstellung stellen wir den Kampf um die Staatsform heute zurück. Die Mon- archic erwarten wir nicht von Ausschußbeschlüssen, sondern von geschichtlichen Ereignissen, die nicht in unsere Hand gegeben sind. Abg. Dr. Schreiber(Ztr.): Die Innenpolitik muß mehr als bisher die Mittel des Geistes anwenden. Die Macht kann nur Mittel zum Zweck, niemals Selbstzweck sein. Es war«in schwerer psychologischer Fehler, als im Ausschuß die Aufhebung des Berfassungs- a r t i k e l s 18 gefordert wurde, der die Neugliederung des Reiches behandelt. Wer diesen Artikel aufheben will, verkennt die orga- nischen Kräfte, die innerhalb des Reiches leben. In solchen Wünschen siegt auch ein Schlag gegen das Rheinland, das in schwersten Tagen eine eiserne Selbstdisziplin und Entsagung gezeigt hat, die manchen ostelbischen Kreisen ein Beispiel sein könnte(lebh. Beifall im Ztr.). Wer den Artikel 18 aufheben will, der treibt eine schlechte deutsche Innenpolitik(Sehr wahr! im Ztr.). Wenn die Deutsch. nationalen jetzt den Antrag zurückziehen, so kommt das zu spät, um den Fehler gut zu machen. Ein zweiter psychologischer Fehler ist ver Monömann. Von Erich Goltgetreu. Der Mondmann gehört mit zu meinen allerbesten Freunden. obwohl er von dem Glück gar nichts weiß. Es war drollig, wie wir uns kennen lernten. Ich ging an einem dieser unvergleichlich schönen Abende die Schönhauser Allee entlang,„und nichts zu suchen, das war mein Sinn". Die Leute machten alle so frohe Gesichter, be- sonders die jungen Mädchen, die Burschen— wovon sie sich unter- hielten, das weiß ich nicht, aber ihre Mienen, die lachten alle das herrliche Wort Feierabend. Die den ganzen Tag über am Schraub- stock gestanden oder an der Nähmaschine gesessen haben, sie haben ihn verdient, den Feierabend. Plötzlich durchgellten hastschrille Rufe die milde Schmeichelluft. politisches Kampfgeschrei tönt, Haß zittert, man sieht Rennende. Raufende: Kommunisten und Hakenkreuzler sind aneinandergeraten und prügeln die richtige Weltanschauung sich ein. Nach Minuten erscheint Polizei auf dem Plan, treibt zusammen, treibt auseinander, 'riegelt ab. riegelt auf— kurz und gut, ich steh« auf einmal mit vielen anderen weitab vom Schuß oder vielmehr vom Gummiknüppelsause- stürm— beim Mondmann. Ach. diese Geschichte hört sich trotz ihres modernen Hintergrundes so romantisch an.... Aber der Mondmann ist ja nur ein kleiner Beamter oder so etwas ähnliches, und das riesige Fernrohr, zehn Pfennig der Guck, ist auch kein Geschenk des Himmels. Die dürre Gestalt und die mageren Backen erzählen, daß der Mondmann es sich vom Munde abgespart hat. Dafür erlebt er jetzt menschlichen Werkes höchste Krönung: leuchtende Augen und Neugier, Interesse, Sehnsucht?- gefühl! Ich beneide den Mondmann, denn er sieht gleichsam stets, wie Menschen mit dem Ueberirdischen in Konnex treten. Ist es nicht ;fo, daß der Zeitgenosse, der nicht nur real sondern auch geistig im 2l). Jahrhundert lebt, seinen Gottesdienst wie in der Natur so apch am Fernrohr erlebt? Unsere Zeit und unsere Religion sind positi- wistisch: Lehrer in Sachlichkeit sind Priester in Heiligkeit. Und viele drängen sich um den Lehrer, den Priester, viele wallen wissen, viele wollen schauen, ahnen— beten. Fleißige Arbeitsmänner, wackere Hausfrauen, Jugendliche, Kinder selbst— sie alle, die harte Arbeitsfron und irrwilde Großstadt ständig teuflisch ins Gottfremde zieht, sie alle umstehen in Interesse, Spannung, Aichacht den guten Hagestolz mit dem Fernrohr. �Nein, verheiratet ist er sicher nicht, hätte er«ine Frau, sagte die bestimmt:„Stell dich nicht den ganzen Abend auf die Straße, du erkältest dich doch!" Welche Frau würde das nicht sagen? Ach, es Ist sicher nicht bequem, einen Gatten zu haben, der den ganzen Tag oder doch wenigstens den ganzen Abend auf dem Monde weilt. Wir anderen, wir Mondsüchtigen, wir Weltschaufrohen, die wir nicht verheiratet, sondern nur befreundet niit dem Mondmann sind, wir sind glücklich über seine Passion, unsereinen 490000 Kilo- der Antrag der Rechten aus Einsetzung eines Verfassungsausschusses. Die Begleitmusik dieses Antrags zeigt, daß man mit Brechstangen und Brecheisen Barre für Barre aus der Verfassung herausbrechen will. Die Weimarer Verfassung ist die Zusammenfassung deutscher Lebenskräfte in schwerster Zeit und das gibt ihr ihren historischen Platz(Beifall im Ztr.). Sie ist ein historisches Moment des deutschen Miederaufbaues und wir wollen dieses Werk nicht durch Brecheisen, aber auch nicht durch das schleichende Gift der Verächtlichmachung zersetzen lassen(Beifall im Ztr.). Würde jetzt ein Verfasjung-aus- jchuß eingesetzt, so würde damit eine neue Brandfackel der Zwietracht in das deutsche Volk geworfen werden. Wir legen besonderen Wert aus die Feststellung, daß wir dem Reichsminister auf diesem Weg seiner Politik nicht zu folgen ver- mögen.(Beifall im Ztr.) Abg. v. kardorsf(D. Dp.): Die Weimarer Verfassung ist ein Bukett von schönen Blumen, die auf den verschiedensten Feldern ge- wachsen sind, die wenigsten aus deutschen Feldern.(Sehr wahr! rechts.) Die Form, m der die verfassungsmäßigen parlamenta- rischen Untersuchungsausschüssen arbeiten, ist geradezu zum groben Unfug geworden.(Beifall rechts.) Auch hier hat man eine ausländische Einrichtung übernommen, ohne sie richtig anzuwenden. In meiner vom Abg. Sollmann so scharf verurteilten Kritik des gleichen Gemeindewahlrechts befinde ich mich in der Gesellschaft der Freisinnigen, der Vorgänger der jetzigen Demokraten. Wenn Abg. Dr. Schreiber sich über konfessionelle Angriffe beschwerte, so muß doch gesagt werden, daß auf beiden Seiten gesündigt worden ist. (Abg. Fehrenbach(Z.) ruft erregt: Wie ist von protestantischer Seite gegen den Katholiken Marx gehetzt worden!) Abg. Sloecker(Koinm.) richtet an den Minister die Frage, wie es mit der Amnestie steht. Nach dem, was bisher bekannt wurde. wolle die Regierung offenbar eine Schein-Amnestie bringen, die nur den Sündern von rechts, nicht denen von links zugute kommt. Nach 7 Uhr wird die Weiterberatung auf Sonnabend, 1 Uhr, vertagt._ �ollkampf. Der Kriegsplan der Regierung. Der Reichskanzler hielt gestern im Reichstag eine ver- trauliche Besprechung mit den Führern der hinter der Regie- rung stehenden Parteien ab, in der es sich um V o r b e» sprechungen über die Behandlung der Zoll- vorläge handelte. An der Besprechung nahmen auch der Reichsernährungsminister Graf Könitz, der Finanzminister v. S ch l i e b« n, der Arbeitsminister Dr. Brauns teil. Irgendwelche Beschlüsse über Kompromißvorschläge oder dergleichen wurden noch nicht gefaßt. Die Regierung berät den Kriegsplan. Sie will die Zoll- vorläge durchpeitschen. Indessen scheinen die agrarischen Minister nicht zufrieden gestellt und scheinen auf weitere Liebesgaben für die Agrarier zu dringen. Kanitz gegen die Wissenschaft. Im Reichswirtschaftsrat hielt Kanitz eine Rede über die Agrarzölle Die Ausführungen der wissen- schaftlichen Sachverständigen wurden vertraulich behandelt, über die Agitationsreden des Schutzzollministers wird spalten- lang berichtet. Man erkennt, wie objektiv die Regierung die Zolloorlage behandelt. Kanitz' Rede stand im vollen Gegensatz zu den Anschau- ungen der Wissenschaft. Ihren Darlegungen über die Zu» tunft des Weltgetreidemarktes setzte er allgemeine Redens- arten«ntgejjen. Seine Darlegungen über die Notwendigkeit der Agrarzölle krankten an innerem Widerspruch. In einem Atemzuge behauptete er einerseits, die Agrarzölle würden ge- braucht, um Kompensationen einzuhandeln, und andererseits, die Agrarzölle müßten als Mindestzölle gebunden sein, damit sie bei Kompensationsoerhandlungen nicht abgehandelt werden könnten. Der Landbundminister pfeift auf Logik und Wissenschast. Wie die Brotwucherpresse fälscht. Der Landbundminister Kanitz gestand in seiner Rede vor dem Landmirtschaftsrat ein, daß die Getreidezölle zum Brotwucher führen. Er sagte: meter durchs All spazieren zu führen. 400 000 Kilometer, als ob das so gar nichts wäre! Vom„Vorwärts" bis zum DSnhoffplatz läuft man wohl so ungefähr einen Kilometer— also nicht auszudenken! Na, ich glaube, wenn ich ein schwerreicher Mann wäre, ich kaufte mir wohl doch ein schönes Flugzeug, um dem ü�pnd einen Besuch abzustatten. Was weiß der Mondmann nicht alles vom Berg Tycho, vom Meer der Ruhe, vom Aristarch zu erzählen! Geheim- nisvoll, geheimnisvoll.... Da oben gibt es sicher keine Haken. kreuze, keine Miesmacher, keine schwarzweitzroten Oberlehrer, keinen Haß, keinen Egoismus.— Ach, ich bin schon auf dem Mond. Einen Nervenarzt! Einen Nervenarzt! Eine Republik für einen Nervenarzt! Haftfähig oder haftunfähig! Geheimrat F. Strohmann, der Berliner Gerichtsarzt, nimmt zu dieser Frage in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrift" ausführlich Stellung. Er betont, daß der viel erörterte Erlaß des Bolkswohlfahrtsmlnssteriums unzweifelhaft die Stellung des noch nicht verurteilten und möglicherweise unschuldigen unter- suchungsgefangenen ungünstiger macht gegenüber der des verurteilten Rechtsbrechers. Strohmann schlägt vor. daß in die Strosprozeß- ordung eine Bestimmung aufgenommen wird, etwa des Inhalts, daß die Vorschriften über Haftunfähigkeit bei Strafgesangenen auf Untersuchungsgefangene sinngemäß Anwendung finden, es sei denn, daß diese einer Tat angeschuldigt sind, auf die Todesstrafe steht. Die Länge der Freiheitsstrafe spielt bei den Borschristen über Haft- sähigkeit der Strafgesangenen kein« Rolle und sollte es daher auch bei Untersuchungsgejangenen nicht tun. Straßmann weist darauf hin, daß die Untersuchungshaft mit ihrer marternden Ungewißheit icki allgemeinen schwerer schädigt als die Strafhaft. Das Gefühl der völligen Hilflosigkeit, das ja besonders nngünstig auf das Seelenleben einwirkt, würde durch einen weiteren Straßmannschen Vorschlag erleichtert: jedem in Untersuchungshaft Genommenen, so weit es sich nicht um Gewohnheitsoerbrecher handelt, einen Verteidiger von Amts wegen zu stellen, wenn er nicht selbst bereits einen solchen gewählt hat. Vielleicht würde auch manche überflüssige Untersuchungshaft nicht verhängt werden, wenn damit infolge einer solchen Bestimmung Kosten verbunden sind. Zu dem Ministerialerlaß bemerkt Straßmann. daß«r doch etwas emseitig angelegt ist, indem er nur vor zu großer Milde warnt und bei Berstößen m dieser Richtung Bestrafung androht, aber nirgends mit einem Worte darauf hinweist, daß auch durch zu große Härte der begutachtende Arzt Schaden stiften kann, den er zu ver- antworten hat. Für das Moabiter Untersuchungsgefängnis wäre eine wesenlliche Vermehrung des Aerzte- und Heilpersonals nötig, die«inen regelmäßigen Wachidienst ermöglicht, eine Einrichtunq, die wohl ihrer Kosten wegen bisher unterblieben ist. Fällt diese Rücksicht fort, so ist es gewiß möglich, auch ein Geiängniskranksnhaus allen Ansprüchen entsprechend einzurichten. Fiskalische Gesichts- punkte spielen, wie Straßmann betont, auch sonst bei der Frage der Haftunsähigkeit eine ungünstige und nicht notwendige Rolle. Es ist vielfach üblich, wenn die Unterbringung eines Gefangenen in „Selbstverständlich bestreitet die Reichsregierung gar nicht, daß unter Umständen eine gewisse Verteuerung der Lebens» Haltung durch Agrarzölle eintreten kann. Der„L o k> l- A n z e i g e r", das Blatt der kleinen Leute, die von der Verteuerung betroffen werden, unter» schlägt nicht nur die Stelle, er versieht vielmehr die Rede von Kanitz mit der Ueberschrift:„Keine Getreide- teuerung in Sicht". Kein Wunder, daß die Deutsch- nationalen sich nicht mehr in Versammlungen getrauen, wie Hergt sagt, weil man sie dort Betrüger nennt... Noch nicht genug! Der Gesamworstand des R'e ichslandbundes hat eine Entschließung gefaßt, die den agrarischen Schutzzoll, den die Regierung plant, als völlig unzulänglich de- zeichnet. Die Wirkung dieser Entschließung ist, daß die Regie- rung gestern sich sachlich über„Kompensationen" noch nicht einigen konnte. Die Agrarier, die noch nicht genug haben, er- lauben es nicht._ Das �versehen" ües Reichsrats. Sein Einspruch gegen das Wiederaufnahmeverfahren. Gegen das vom Reichstag nach langem Hin und Her auf sozialdemokratischen Initiativantrag hin veschlossene Gesetz, durch das die Wiederaufn ahme des Berfahren« gegen die Urteile der bayerischen Volksgerichte ermöglicht werden sollte, ist im Reichsraisausschuh und danach in der ösfent- lichen Vollsitzung des Reichsrats Einspruch einzulegen beschlossen worden. Eine stichhaftige Begründung für diesen Einspruch kann nicht gegeben werden und ist bis heute zu geben auch nicht einmal versucht worden.. Welchen Weg gibt es, diesen Einspruch ungeschehen zu machen und damit dem vom Reichstag beschlossenen Gesetz zur Wirksomkcir zu verhelfen? Artikel 74 der Reichsverfassung schreibt vor, daß der Einspruch binnen vier Wochen nach der Beschlußfassung des Reich?- tags begründet werden mutz. Wird eine solche Begründung nicht gegeben, so wird der Einspruch nachträglich unwirksam und das Gesetz ist nunmehr verkündungsreif. Run muß über die Begründung des Einspruches in öffentlicher Reichsratssitzung Beschluß gefaßt werden. Diese Beschlußfassung ist unseres Wissens noch nicht erfolgt. Es ist also noch Zeit, hier das frühere„Versehen" wieder gut zu machen. Wenn all« deutschen Länder, die die Erhebung des Einspruchs an sich für unrichtig halten, nunmehr geschlossen gegen jede Art der Be- gründung eines solchen Einspruchs stimmen, ist der Einspruch gefallen. Nehmen wir an, daß es ssch bei dem Einfpruchsbeschluß wirklich nur um ein„Versehen" handelt. Es ergab sich nämlich damals in der öffentlichen Sitzung vom 28. Mai, daß außer Preußen insgesamt 17 Stimmen anderer deutschen Länder gegen den Einspruch waren. Preußen selbst stimmte zum großen Befremden aller nicht mit. Nachträglich erklärte der„Amtliche preußische Pressedienst" dos damit, daß in einer Vorbesprechung der preußischen Reichsratsmftglieder einige Vertreter der preußische» Provinzen dem Stimmführer erklärt hatten, sie würden für de» Einspruch stimmen. Bekanntlich werden ja die Preußen im Reichs- rat zustehenden 26 Stimmen zur Hälfte durch die preußische Staat»- regierung, zur anderen Hälfte durch die 1? Vertreter der preußisäF» Provinzen abgegeben. Osfenbar wollte also der preußische' Stimm- sührer vermeiden, daß in einer ösfenlltchen Sitzung des Reichsrats dos peinlich« Schauspiel eines Ausemanderfallens der preußischen Stimmen gegeben würde: lediglich aus diesem Grunde beteiligte er sich anscheinend überhaupt nicht an der Abstimmung. Da« war ein taktischer Fehler. Ein« einfache lleberlegung zeiat, daß, wenn auch nur vier Stimmen von dreizehn Provinzen mit der preußischen Staatsregierung gestimmt hätten, daß dann der Ein- spruch gefallen wäre: denn die Mehrheit von 66 beträgt 34. Höfte also der preußische Stimmführer als erster dos Gewicht der 13 Regie- rungsstimmen gegen den Einspruch in die Wagschale geworfen und es dann dem einzelnen Provinzialoertreter Überlasse«, die Derant- einem Krankenhaus« erforderlich ist, um dem Iustizfiskus erhöht« Kosten zu ersparen, die Straf- oder Untersuchungshaft für unter- brachen zu erklären, so daß der Kranke nun dem Krankenhaus gegen- über als freier Mann dasteht, gegen den irgendein Zwang nicht angewendet werden kann. Dadurch wird die Flnchlmöglichkeit natürlich sehr erhöht. Straßmann hält diese Maßregel für nickst notwendig, es handelt ssch schlt-ßlich doch nur darum, daß Gelder aus einer öffentlichen Kasse in die andere kommen, und dem Steuer- zahler ist es gleichgültig, unter welcher Etatsposition das ihm abge- nommene Geld verwandt wird. Im übrigen schlägt er vor, de» besprochenen Ministerialerlaß durch einen Hinweis zu ergänzen, daß wirklich schweren Erkrankungen, die Haftunfähigkeit bedingen, auch gebührend Rechnung getragen werden muß. ver Ekai des Reichskunstwarks. Bei den Beratungen des Etats des Reichsministsriums des Innern tm Hauptausschuß des Reichs» tages erregte es Aufsehen, daß der Vertreter des Reichsfinanz- Ministeriums von einer„Flucht in die Oefsentlichkeit" sprach, als die Erhöhung der für sachliche Ansgaben dem Reichekunstwart zur Ver- fügung stehenden Summe von 8000 M. aus 20000 M. jährlich sich als notwendig erwies, ohne daß der Vertreter der Reichssinanzen vorher auf dem Ressortwege darum angegangen war. Der Reichs- kunstwart war in der Debatte von mehreren Abgeordneten gefragt worden, wie es denn mit den 8000 M. möglich sei, in der ge- wünscbten Weise für die Pflege des deutschen Handwerkes, für die Erhaltung des Könnens sich einzusetzen, und Dr. Redslob mußte erwidern, daß das bisher schon sehr schwer und aus die Dauer unmöglich sei. Die Bereitstellung größerer Mittel wird dem hossent- lich abhelfen. Die Erössuung des Londoner Dickens-Rluscum». Das Haus in Doughty-Street, in dem Dickens die„Pickwickier" pollendet uild „Oliver Twist" sowie„Nicholas Nicklebey" geschrieben hat. wurde jetzt als Museum der Oessentlichkeit übergeben. Es ist zu einem Dickens-Museum ausgestaltet worden, das zahlreiche Dickens-Rc- liquien.«ine Dickens-Bibliothek von 2500 Bänden und eine große Sammlung von Bildern und Zeichnungen«nthäll. Die Wände sind zum größten Test mit den Originalzeichnungen von„Phiz" und Leech geschmückt, nach denen die berühmten Illustrationen zu Dickens Werken gefertigt wurden. Volksbühne. Die Erslaussührun« von Schiller? Trauerspiel.D i e Der» i chwörung de» ssieöko' findet im Tdeatcr am Bülowplatz Montag. 7>/, Uhr statt. Mit Erlaubnis deS StaatSthealer« treten in dieser Auisähaifig Leo R-utz und«l-yander Granach Ihr Engagement an der Dolksbäbne an. Den B-rrina spielt mit Erlaubnis des Deutschen Theater««Satter Franck. Regie: Frih Holl. TJkax Reinhardt hat beschlossen, vom 1. September ab hie Leitung seiner Berliner Bühnen wieder selbst zu übernehmen. Eine TrellustunlveesitS». In Miami am Kap Florida soll eine neue Uniperfitäl errichtet werden, der nach dem Willen ihrer Gründer die günstigen klimatischen BerbSltnisse Florida« ein bejondereS Gesicht geben werden. S« toll-in- Freilusluniversität ieln: sämtliche Baulichkeiten, die vorgeiehen sind, werden der Lust und dem Licht überall Ireien Zugang gewähren und nur ,um Schuh gegen Bind und Bester mit verschiebbareil Dächern und Wänden versehen sei». mprtung für das Nichtzustandekcmmen des Gesetzes ihrerseits zu übernehmen, mir zweifeln nicht daran, daß dann mindestens vier, wahrscheinlich aber weit mehr Provinzialoertreter ihm gefolgt wären. Wer noch ist es— wie gesogt— nicht zu spät. Der preußische Stkmmführor muß jetzt die Initiative ergreisen und das, was damals versäumt ist, jetzt wieder gutmachen. Man wende nicht ein, aus Gründen der Loyalität müsse der einmal Uebcrstimmte sich der Mehrheit fügen und da nun einmal der Einspruch beschlossen sei, müsse auch die Begründung beschlossen werden. Das mag für andere Fälle richtig sein, ist aber hier ein Trugschluß, weil eine wirkliche Mehrheit im Reichsrat für den Einspruch g a r n i ch t v o r h a n d e n ist. Es handest sich also lediglich darum, nunmehr die wahre Meinung der Mehrheit des Reichsrats dadurch zur Gellung zu bringen, daß in der, vermutlich zu Beginn der nächsten Woche stattfindenden öffentlichen Vollsitzung des Reichsrats alle diejenigen, die gegen den Einspruch sind, auch ihre Stimmen gegen die etwa vorgeschlagene Begründung ob- gebend Geschieht das, dann fällt der Einspruch ins Leere, dann kann das vom Reichstag' beschlosiene Gesetz endlich verkündet werden, dann bietet sich endlich«in Weg, Fechenbach und den anderen Opfern der bayerischen Volksgerichtc den Makel zu nehinen, den ein Haßgericht ihnen angehängt hat. »Der Verzweiflung nahe". Hergts verlorene Schlacht. Ain Donnerstag fand in Görlitz ein« deutschnotional« Versammlung statt, in welcher der deutschnationale Abgeordnet« für den Bezirk Liegnitz, der frühere deutschnationale Parteivor. sitzende H e r g t, über Steuer- und Aufwertungsfragen sprach. Die aus etwa 30V Personen bestehenden Zuhörer, in der Hm-ptsache dcutschnationale Parteigänger, schienen keine Lust zu haben, s i ch nochmals einseifen zu lassen. Sie eröffneten am Schluß seines Vortrages ein Bombardement vonZwischen- fragen, auf das der Redner eingehen mußte. In der Außen- Politik erklärte Hergt für feine Person(die Fraktion wolle er nicht festlegen) die Enlwassnungsnote für unannehmbar. In der Steuerpolitik habe seine Partei herausgeholt, was möglich war. Die Vermögenssteuer müsse noch mehr herabgesetzt werden. In der Aus- werluugssroge könne kein Aklloposlcn gebucht werden. Dr. Best bezeichnete er als Hospitant der Sozialdemokratie. Den Sozial- demdkräten und Demokraten warf er vor, aus Agitationsgründcn immer 10 Proz. wehr Aufwertung zu beantragen, als ihnen zuge- standen würde. Dos sagte der Parteigänger der hundertprozentigen Auswertung. Bezeichnend war folgendes Geständnis: „Als wir am Mittwoch die Sitzung des Aufwertungsausschusies beendet hatten, seufzten wir: Ach Gott, wir haben unendlich viel ge- letnl. Ich sage das hier in diesem Kreise ganz offen, ich habe eine Schlacht verloren, aber ich habe gekämpft. Allerdings, was ich im Februar. Iö2i hier voraussagte, ist ni ch t geworden. Es gilt aber zu berücksichtigen, daß wir den Krieg verloren haben und obendrein alle Kosten tragen müssen.(Zwischenruf: Kommt Zhnen das erst jetzt zum Bewußtsein?) Sie glauben garnicht, wie uns die Wirt- j ch a f ts v e r t r c t e r und die Banken zu Dutzenden von Dele- gationen die Bude einrannten und mit Statistiken die Unmöglichkeit einer ernsthaften Aufwertung nachwiesen. Ich mußte prüfen und gestehen, daß sich nicht olles einfach beiseite schieben ließ. Wäre der Bestsche Entwurf Gesetz geworden, dann wären noch Streitig- keilen, und Prozesse entstanden. Die Wirtschaft erklärte uns auch, der Beltjche Entwurf als Gesetz bedeute den Unter- lltUU-..Wr mußten deshalb deutlich sagen, wir machen das nickst rmti Tüe Wirtschaft wäre vor d»« Hunde gegangen. Fask täglich be- foiume ich wegen meiner und der Fraktiöns Hollung ungefähr tl) Brieie mit D,rohuna«n. Beschwerden. BeschimMngen. Me S�iträter, Lump. Schweinehund usw. Da»-t-efft mich sehr schwer) unh meine Frau ist der Verzweiflung nah«. Ich Hab« doch alle« getan, was ich tun konnte.' Am Schluß der Versammlung setzten immer mehr Fragen ein. die Hergt sichtlich von einer Verlegenheit in d>« ander« brachten. Immer wieder wehrt« er ab. und wenn«s nicht anders ratsam er> schien, dann mit dem Hinweis: Dann gehen wir eben vor die Hunde. Schließlich ries er in den Saal:„Mehr kann ich »licht sagen, und wenn Sie mich totschlagen! Niemand von uns will tn die Versammlungen gehen» um nicht über Auswertungsfragen Rede und Antwort stehen zu müssen. Ich wünschte nur, die Sozialdemokratie wäre jetzt inderRegterung. Man wird fast müde gearbeitet. Helsen St« mir, daß ich nicht weiter beschimpft werde. Das ist nicht zu ertragen. Wenn man als Führer die Sache schließlich sott hat. sie hinwirst und jagt, macht Euren Dreck alleine, was sollte denn da werden?" O Man muß Herrn Hergt für seine Offenheit dankbar sein. Sie scheint darauf zurückzuführen zu sein, daß nicht allein seine-Frau, sondern auch er der Berzweiflung nahe ist. (Ts rächt sich eben alle Schuld auf Erden und die 40 Droh» briefe, die der ehemalige Parteivorsitzende der Deutsch- nationalen heute erhält, sind lediglich ein Gradmesser für das Unhell, das er als Politiker aus Agitationsbedürf- n i s gestiftet hat. So kann man es verstehen, wenn von den deutschnationolen Abgeordneten niemand mehr in die Ver- sammlungen gehen wilsi Sie alle sind sich ihrer Schuld, ihres Betruges an Hunderttausenden von Sparern und Gläubigern bewußt. Dos aber ist die Partei, die Deutschland einst wieder„h e r r l i ch e n Z e i t e n' entgegen- führen will, nachdem sie uns wohlgemerkt dem Abgrund nahegebracht hat! Das Moabiter Spflem. Die Anklage des Gehcimrats Kraus. Die gestrige Sitzung des H ö s l e- A u s s ch u s s e s war zwar kurz aber sehr interessant. Als einziger Zeuge und zugleich als Sach- verständiger äußerte sich der berühmte Kliniker der Charite, G«- heiwrat Kraus, zunächst über Höste selbst, den er Anfang April untersucht und für dessen Entlassung au» der Hast er sich in seinem Gutachten ausgesprochen halle, allerdings vergeblich. Sodann hielt Geheimrat Krau, eine regelrechte Anklagerede gegen die Zustände im Moabiter Lazarett. Er schilderte, wie zahlreiche Kranke, die aus Moabst nach der Charite übergeführt wurden, als Morphinisten cingelieferl wurden, weil sie bis dahin hauptsächlich mit der Morphiumspritze„behandelt' worden waren. In einein Falle war der Körper des Untersuchung»««- fangen«« mit Abszessen vollständig bedeckt gewesen, die von den Einspritzungen herrührten. Auch Kut ister hätte sich nur sehr widerwillig die Narkotika abgewöhnen müssen. Ueberhaupt seien die Zustände und Einrichtungen des Moabiter Lazaretts in jeder Hinsicht schlecht und für Schwerkranke unge- nügend. Die Organisation habe total oersagt. Ein einziger Arzt sei zu wenig gewesen und der Arzt hätte im Hause wohnen müssen und nicht eine Stund« entfernt. Daß d!« Pfleger mit Narkotika so umgingen, wie wenn man Kindern Schokolade gebe, sei zum Teil dadurch zu erklären, daß sie sich bei ihrer Arbeits- Überlastung nachts etwa» Ruh« sichern wollten. Professor Krau, bestätigte, daß man bei Dr. Höste auch In seiner Bewußtlosigkeit ohne allzu große Gefahr eine Magen- s p ü l u n g hätte vornehmen können und müssen. An einen .Selbstmord Höfles glaube er nicht, wahrscheinlich habe er sich aus den aufgesparten Mitteln Beruhigung verschaffen wollen und sich dabei vergiftet. Das wäre nicht passiert, wenn man ihn in ein wirkliches Krankenhaus gebracht hätte. Zum Schluß wandte sich der Zeuge eindringlich an den Ausschuß mit der Ausforderung, gegen dieses System vorzugehen, denn nicht Dr. Thiele sei der eigentliche Schuldige an Höstes Tod, sondern das ganze System der Rechtspflege, wie sie im Gefängnislazarett geübt wurde. Die Ausführungen des Zeugen mochten auf den Wsschuß einen sichtbaren Eindruck. Daraufhin wurde die öffentliche Ätzung geschloffen und in eine nicht ösfentliche Sitzung eingetreten. Am Dienstag tritt der Ausschuß wieder zusammen. flrbeitskammerwahlen iy, Ruhrbergbau. Erfolge der freie» Gewerkschaften. Bochum. 12. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Bis Freitag abend spät lag das Ergebnis der Arbeitskammerwahlen für den Nuhrbergbau von 97 Zechenanlogen vor. Es er- hielten Stimmen: Arbeiter: Veraarbeiterverband. Liste l 37 003, Christlicher Gewerkverein. Liste 2 2l 994, Union. Liste 3 21 107, Polen, Liste 4 2363, Hirsch-Duncker, Liste 5 2742, ungültig 426. Angestellte: AsA. Liste 1 2152, Verband oberer Grubenbeamter, Liste 2 919;©2)21., Liste 3 614, BKB.. Liste 4 1182, DGB., Liste 5 489, RVDB., Liste 6 421, ungültig 29. Das Gesamtresultat vom linken Unterrhein, Möhrs, steht noch aus. Der fibbau Üer Umsatzsteuer vertagt. Erst must der Abbau der Bcfitzsteuern vollendet sei«. Der Steuerausschuß des Reichstages setzte am Freitag die Beratung des Körperschaftsgesetzes fort. Der Paragraph 10. der die Besteuerung der Gewinnanteile, Aussichtsratsvcrgütungen und Tantiemen festsetzt, wird durch«inen Antrag der Regierung»- Parteien verschlechtert, der die Ist-Borschrist durch eine Kann- Vorschrift ersetzt. Ein Antrag Q u a a tz(Dtn.) will den Erwerbsgesellschasten das Recht geben, einen Betrag von S Proz. ihres Einkommens un- versteuert zu lassen, zur Bildung eines gesetzlichen Reservefonds. Abg. Dr. Fischer(Dem.) schließt sich dem an. Abg. Dr. Herh(Saz.) wendet sich gegen den Antrag, der die Beranlogungspslichtigen ohne Veranlassung begünstige und eine unerträgliche Sonderbehandlung gegenüber den Lohnsteuer- Pflichtigen hervorrufe. Staatssekretär Dr. Popitz bezeichnet den Antrag als alle»? steuerlichen Begrissen widerivrechend und für die Regierung vollständig unerträglich. Die Erwerbsgesellschasten seien zwar handelsrechtlich verpflichtet zu sparen, aber sie täten das iuch aus prjoatwirtschastlichem Interesse. Was gespart wird, sei Einkommen. Mit dem gleichen Recht könnten auch alle übrigen Sparer ver- langen, daß man bei Ihnen das Ersparte steuerfrei lasse. Der An- trag Ouaatz wird abgelehnt. Beim Tarif zur Körperschaftssteucr erklären die Abg. herh (Soz.) und Brüning(Ztr.), daß sich ihre Fraktionen ihre Stellung. nähme für die zweite Lesung vorbehalten. Die weiteren Abänderungen zum Kärperschastssteuergesetz sind unwesentlich. Zur Geschäftsordnung beantragt Abg. Fischer(Dem.), nun in die Beratung der Umsahsteuerfroge einzutreten. Staatssekretär Popilz gibt dazu folgende Regicrungz. ertlärunq: „Die Reichsreaierung ist grundsätzlich bereit, an«ine Senkung der Umsatzsteuer im Rohmen der jetzt vorliegenden Steuergesetzo heranzugehen. Es kann das aber bei der großen Bedeutüty} der UiNjatzstsuer für den Etat und für den Finanz- . ausgleichest axjchehen, wenn sich da» Gesamtergebnis der Steuer- gejefogetwns-bverlehea läßt. Das. wird dar Aall wenn die ersten Lesungen der Gesetze abgeschlossen sind Ergibt sich denn, daß bei den anderen Gesehen wesentliche Ausfälle nicht entstehen. so würde sich die Reichsregierung mit, einer Senkung dar Um- lotzsteuer etwa vom l. Oktober 1925 ab einverstanden erklären können. Bei der Senkung wird keinessall» über einen geringen Bruchteil binausgeganyan werden können.'. Diefö Erklärung ruft eine eingehende Aussprache hervor. Abg. Dr. herh(Soz.) ist von der Erklärung der Reichsregierung nicht überrascht. Sie bestätige, daß die Reichsregierung in erster Linie dos Ziel verfolge, die Lasten zu ermäßigen, die der Besitz trage. Erst in letzter Linie und unwillig wolle man ein« Ermäßi. gung der Massenbelastung bringen. Die lozialdemotratisch« Fraktion habe nie einen Zweisei darüber gelassen, daß sie das entgegengesetzte Ziel verfolge. Di« Bevölkerung wisse auch, daß nicht in erster Linie wirtschaftliche oder finanzielle Gründe die Handlungen der Regie- runa beeinflussen, sondern die Rücksicht auf die Rechksblockparleien, die dem LÄh alle bisher nicht erreichten Vergünstigungen gewähren wollen. Daraus erkläre sich auch die Wandlung der Rechtsparteien zur Umsatzsteuer.� Bisher habe man sie bekämpft, jetzt widersetze man sich ihrem Abbau. Die Erklärung der' Regierung lasse be- .fürchten, daß nach dem zu erwartenden Abbau der Besitzsteuen: die Möglichkeit für die Senkung der llmsahsteuer nicht mehr vorhanden sei.. Solchen Absichten werde die Sozialdemokratie mit allen Mitteln begegnen, zumal durch die Zollpläne der Reichsregierung ohnedies gewaltige jZreissteigerungen heraufbeschworen werden. Aber selbst die besten Gründe vermochten das Bündnis zwischen Regierung und den Regierungsparteien, die Beratung der Umsatz- steuer, so lange als möglich hinauszuschieben, nicht zu erschüttern. Gegen den widerstand der Sozialdemokraten. Demokraten und Kommunisten wurde beschlossen, die Umsahsteuer erst nach Abschluß aller Steuerverhandlungen zu beraten, also erst dann, ivenn auf allen übrigen Gebieten vollendet« Tatsachen geschossen worden sind._ flm Geüenktag Matteottis. Aufruf der Ualieuischen Sozialdemokratie. Die Leitung der sozialdemokratischen Partei Italiens richtet anläßlich des ersten Gedenktages der Ermordung Giacomo Matteottis an die Sozialisten aller Länder folgenden Aufruf: „Wir sprechen den sozialistischen Brüdern der ganzen Welt, die in diesen Tagen unseres Matteotti gedenken und - ihn betrauern, unseren herzlichen Dank aus. Er war der Beste, der Tapferste der Unsrigen und ist uns durch das ge» meinste, noch immer unbestrafte Verbrechen entrissen worden. In dem harten Kampf, den wir gegen die blutige Reaktion des Faschismus führen, ist uns die stets lebendige Solidarität des i n t e rn a t i n a l e n Proleta- r i a t s der stärkste Trost. Diese Solidarität gestattet uns täglich, unsere Wider- standskraft und jene Begeisterung zu enieuern, die notwendig ist, um die unvermeidlichen Opfer zu ertragen. D e r s i ch e r e Glaube an den endgültigen Sieg des befreienden Sozialismus lebt in uns stärker denn je. Es lebe das internationale Proletariat? Es lebe der Sozialismus!" � Offlzlersputfch in Griechenland. Das Vorgehen der ontiparla- mentarischen Offiziere hat den Ministerpräsidenten zum Rücktritt oeranlaßt. Verschärfung öer Caillaux-Krise. Auch die Radikalsozialisten gegen sein Finanzprogramm. Außerdem Marokko! Paris. 12. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In der Finanztom. Mission der Kammer, die feit Donnerstag den modisiziertei: Budget- entwurf für das Jahr 1925 berät, dauert die Opposition der Linksparteien gegen Caillaux fort. Den Beschluß der sozia- listischeii Fraktion vom Donnerstag, die von Caillaux geforderte Aussonderung der ReparationseinnahMcn aus dem ordentlichen Budget abzulehnen, hat sich am Freitag die r a d i k a l s o z i a l i st i- sche Fraktion ai: geschlossen. Der ständige p a r l a m«»- tarische Ausschuß des Kartells, der am Freitag vor- mittag zu einer Beratung über die Lage zusammengetreten ist, hat erneut eine Delegation zu Caillaux geschickt, die sich mit diesem über die Konsequenzen, die eine Ablehnung seiner Vorlagen für die gesamte innerpolitische Situation haben müßten, auseiander- jstzte und von ihm abermals die bisher verweigerte Bekanntgabe de» großen Teils seines Sanierungsprogramms gefordert hat. Selbst die Blätter der bürgerlichen Linken sprechen zum erstenmal von einer schweren Krise und bemühen sich, Caillaux zu be- stimmen, seinen Widerstand gegen die Bekanntgabe der von ihm noch dem Ausgleich des Budgets geplanten weiteren Maßnahmen aufzugeben und den Einwänden der sozialistischen Fraktion gegen die von ihm eingebrachte Vorlage Rechnung zu tragen. Auch tn der Marokkofrage verschärft sich der Gegensatz zwischen der sozialistischen Partei und der Regierung von Tag zu Tag, und während die sozialistische Fraktion anfangs in ihrem Kamps gegen das kriegerische Abenteuer, in das der Marschall L y a u t e y Frankreich verstrikt hat, allein gestanden hatte, scheint man nunmehr auch im Lager der bürgerlichen Demokratie die Be- rechtigung der sozialistischen Opposition einzusehen. So schreibt am Freitagabend der„Paris Soir': Painleoe, der als Ministerpräsi- denk und Kriegsminister die doppelte Verantwortung für die Ge- schehniss« in Marokko trägt, müsse die besondere Lag«, in der sich die Sozialisten befänden, begreisen. Nicht weniger als sieben Jahre nach Unterzeichnung dos Friedens, befinde sich Frankreich schon wieder in einem blutigen Konflikt. Gerade weil PainlevH von allen imperialistischen Absichten frei sei, müsse er seine ganze Ehre dareinsetzen, den Feindseligkeiten so rasch wie möglich ein Ende zu machen. Er dürfe sich darin durch das Lob der nationalistischen Presse nicht irre machen lassen, die ihn lediglich kompromittieren und zu sich hinüberziehen wasse. Rur dann könne die Krise, die heute das Kartell bedroh«, überwunden werden. Ein Schlag für tzorthp. Freisprechung eines Anklägers der Mörderregicrung. Ein Budapester Strafgericht unter dem Vorsitz des„Kgl. Tafel- richters' Publik hat unseren Genossen Maschinenschlosser P a r- k a n y von der Anklage der Aufreizung freigesprochen. Das Ver- brechen salltc er durch eine Rede gegen die„Mörderregierung' be- gangen haben, die so viele Mörder, darunter oie der Genossen S o m o g y i und B a c s o, unbestraft lasse.- Die Begründung des Freispruchs kommt einer Anerkennung nahe, daß der W a h r h e i t s» d e w e i s gelungen sei! Den Faschisten, die ihm(auf Bestellung) huldigten, erklärte Horthy u. a.: Es sei seiner nicht würdig, auch nur ein Wort über solch« Anschuldigungen zu verlieren. Ich sage nur sowiel, er- klärte Horthy zum Schluß. S ch l e i ch v? c g« sind nicht meine A.r t: hätte ich im Interesse des Baterlaudes und meiner Rasse es für notwendig befunden, gerichtlich vorzugehen, hätte ich'» äych getan.•. � Sozialdemokratische Ab ge o'rd n e t«, die zur Stunde per Foschistenhuldigung Kränze auf die Gräber Somogyi» und Bacso» niederlegen wollten, hinderte die Polizei daran, wobei sie die Ab- geordneten auch noch mißhandelte. Das beantworteten unsere Ge- riossen im Parlament mit dem Verlangen nach Genugtuung, und ol» man sie darüber zu reden hinderte, griffen sie zur lärmenden Ob- sttuktion. Deutsche Einheitsfront in Memei. Gegen die Entrechtung durch die Großlitauer. wemel, 12. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Da im Monat August dl« Wahlen zum mcmslländischen Landtag zu erwarten sind, fand am Donnerstag eine Sitzung von Vertretern des Handels, der In- dustri«, Landwirtschaft, der Gewerkschaften, Sozialdemokratie. Beamten und freien Berufe statt. Der Zweck war. ein Wahl- komitee. für eine Einheitsfront der Memelländer zu den Sejmolis-Wahlen zu gründen. Das Wahikomitee' soll über diesen Parteien stehen und dafür sorgen, daß das gegebene Ler« sprechen, den Burgfrieden einzuhalien, durchgeführt wird. Es ist vorgesehen, daß die Londwirtschost, die Sozialdemokratie und als dritte Gruppe die Beamten, Kauflsut« und freien Berufe Listen zum Wohlkampf aufstellen sollen. Die gemeinsame Front dieser drei großen Parteigruppen soll sich gegen die Großlitauer richten, die bisher dem Memelgcbiet die Rechte nicht ein- geräumt haben, die ihnen nach der Konvention über das Memel- gebiet zustehen. Der Borsitzende des Wahltomitees, der Präsident der Handelskammer K r a u tz, hielt«ine Zlnsprache, die ein- stimmige Annahme und starten Beifall fand. Es ist an- zunehmen, daß 99 Proz. oller abgegebenen Stimmen auf die drei Listen der Einheitsfront-Anhänger entfallen, so daß die Großlitauer, die heut« das Gebiet beherrschen, als klein« Minderheit in den kommenden Landtag einziehen werden. Sozialifliscke Salkankonferenz. Prag, 12. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Di« Exekutive der Internationale hat, wie seinerzeit gemeldet, beschlossen, eine Kom- Mission nach dem Balkan zu eillsenden. Sie sollte in Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien des Balkans die Mittel beraten, wie Demokratie und F r i e d e n aus dem Balkan durchgesetzt werden können. Am Freitag ist nun die sozialistische Balkankonferenz in Gegenwart der Vertreter der Exekutive hier im Abgeordnetenhaus zusammengetreten. Der Einladung sind die sozialistischen Parteien Bulgariens, Griechenlands und S ü d s l a w i e n s ge- folgt. Die rumänische Partei hat mitgeteilt, daß sie, wenn es ihr möglich ist, einen Delegierten entsenden wird; er war bis Frei- tag noch nicht eingetroffen. Bulgarien ist durch die Abgg. S a k a- sofs, Postuchosf und Reitosf vertreten; Griechenland durch P a n r o». Südslawien durch Togalowitsch- Belgrad und C o r u n- Loibach. Außerdem sind als Gäste anwesend Vertreter der sozialdemokratischen Parteien in der Tschechoslowakei, unter ihnen Senator Dr. Soukop(tschcch.) und Abg. Dr. C z e ch(deutsch). Die Konferenz tagt unter dem Vorsitz Tom Shaws. Den ersten Tag füllten sehr ausführliche Darlegungen der Balkandelegierten. Weiterberatung am Sonnabend. Zicherhsilsvole nächste Woche. Haoas meldet: Di« französische Note wegen Abschluß eines Sicherhsitspakts wird Anfang nächster Woche in Verlin überreicht werden. Die belgische Regieruna hat ihre Zustimmung bereits gegeben. s- l30000 Gewerkschaftsbewegung Bundesausschußtagung des ADGB. In feiner 18. Sigung, die gestern begann, beschäftigte sich der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes zunächst mit der Dentschrift über Arbeitstarifpolitif, Wirtschaftsfrise und Währung, die von der Vereinigung der Arbeitgeberverbände der Reichsregierung im Mai unterbreitet wurde. Der Ausschuß trat in einer vom Bundesvorstand vorgelegten, einmütig angenom menen Entschließung, deren Wortlaut bereits in unserer geftrigen Abendausgabe veröffentlicht ist, den Forderungen der Arbeitgeber entgegen. Die Arbeitgeberverbände haben ihre Forderungen nicht durch neue Gründe gestüßt; es sind die gleichen Argumente, mit denen sie schon seit Jahren operieren. Aber sie haben bei der jezigen Reichsregierung mehr Aussicht, Entgegenkommen für ihre Bestrebungen zu finden. Aus diesem Grunde hielt es der Bundes: ausschuß für notwendig, durch seine Kundgebung die Regierung Luther im Interesse der Wirtschaft zu warnen, den Anregungen der Unternehmer stattzugeben, da sie nur zu scharfen Kämpfen Nach Annahme dieser Antwort an die Arbeitgeberverbände wandte fich der Ausschuß den beiden bedeutungsvollen Fragen zu, die den Hauptinhalt seiner diesmaligen besonders wichtigen TagesOrganisationsordnung bilden: dem gewerkschaftlichen problem und der Abwehr der Hochschußzoll bestre: bungen. führen können. Seit dem Leipziger Kongreß, der Bundesvorstand und Bundesausschuß beauftragt hatte, einen Plan für den organischen Aufbau von Induſtrieverbänden vorzulegen, ist die Organisationsfrage in eingehenden Beratungen einer eigens zu diesem Zwed eingefeßten Kommission nach allen Seiten erörtert worden. Die Abgrenzung der Industrien wurde an Hand eines vorläufigen Schemas zwischen den beteiligten Verbänden Anfang d. J. in längeren Verhandlungen besprochen. Die Beratungen der Kommission, die nach diesen Berhandlungen wieder aufgenommen wurden, führten zwar nicht zu einem einmütigen Ergebnis, aber doch zu einer bedeutsamen Klärung der Anschauungen. Die Anhänger der Industrieverbände haben dem Ausschuß einen von dem Borfizenden des Metallarbeiterverbandes, Diß mann, ausgearbeiteten Plan vorgelegt, der somohl allge meine Richtlinien für die Schaffung von Industrieverbänden aufzuzeigen versucht, wie im einzelnen den organisato rischen Aufbau und den Wirkungsbereich der zu schaffenden Industrieverbände darzulegen unternimmt. Nach Ueberzeugung dieser Gruppe ist es durchaus möglich, einen einheitlichen Plan zur Durchführung zu bringen. Dieser Auffassung widerspricht eine zweite Gruppe, die eine Organisationsumformung der Gewerkschaften im Sinne des Leipziger Beschlusses nicht für fachlich notwendig hält, da die industrielle Konzentration sich meder so einheitlich und schnell noch in der Richtung vollzieht, wie von der ersten Gruppe angenommen wurde. Sie hält einen Umbau der Gewerkschaften auf Grund des Leipziger Beschlusses durch gegenseitige Vereinbarung nicht für möglich und erflärt es für unzweckmäßig, die bisherige organische Entwicklung durch gewaltsame Eingriffe stören zu wollen. Eine dritte Gruppe hält zwar auch die zwangsweise Durch führung des Neuaufbaues der Gewerkschaften nicht für angebracht, aber sie erkennt doch im Gegensatz zu der zweiten Gruppe die grundsägliche Richtigkeit der dem Leipziger Beschluß zugrunde liegenden Auffassung über den Einfluß der wirtschaftlichen Entwid Tungstendenzen auf die Gestaltung des Organisationsaufbaues an. Auch sie wendet sich gegen eine zwangsweise Lösung und hält eine gefunde Entwicklung nur durch gegenseitige Verständigung der beteiligten Gewerkschaften über die zweckmäßige Abgrenzung der Organisationsgebiete oder Zusammenlegen von Organisationen für moglich. Den beiden legtgenannten Gruppen gemeinsam ist die Auffaijung, daß neben der Vereinheitlichung der Verwaltung usw. ein Ausbau der Bundeseinrichtungen für die gemeinsame Intereffenvertretung auf wirtschaftlichem, wirtschaftspolitischem, sozialpolitischem und rechtlichem Gebiete wünschensmert sei. Der Bundesvorstand hat zu der Organisationsfrage erst Stellung nehmen können, als Ende der vergangenen Woche das Ergebnis der Beratungen der Kommission vorlag. Seine Meinung geht dahin, daß zwangsweise durch einen verbindlichen Kongreßbeschluß eine Lösung des Organisationsproblems nicht möglich ist. Da gegen glaubt er, durch eine Aenderung der Bundes. fagungen die erstrebte Konzentration der gewerkschaftlichen Kräfte wirksam fördern zu können. Verbandstag der Justizbureaubeamten. verstanden. Bon innerer Kraft zeugte es, daß der Bertreter der Spizenorganisation, Dr. Bölter, die ganze Situation auf. rollte und die Bundespolitik zur Debatte stellte. Der lebhafte Beifall am Schluß der Rede mar um so beachtenswerter, da der Redner tücksichtslos die politischen Konsequenzen aus der Gewerkschaftsarbeit aufzeigte. ,, Eine Blüte der SPD." Mit dieser verheißungsvollen Ueberschrift brachte die Rote Fahne" in ihrer Nummer 107 eine Arbeiterforrespondenz", in der ein bei der Firma Gebrüder Gordon, Möbelfabrif, Berlin, Ramler ftraße 17, beschäftigter Genosse Franz Ortner aus Buchholz heruntergerissen wurde. Ortner habe sich durch allerlei Ausreden um den Beitritt zu seiner Gewerkschaft herumzudrücken versucht und sich eines Tages den Meister und Chef zur Hilfe geholt, als die Kollegen ultimativ forderten, daß er seine Gewerkschaftszugehörigkeit bekanntgebe". Zum Schluß heißt es: Dieser Klassenfämpfer" befleidet in der Ortsgruppe Buchholz der SPD. sogar den verantwortlichen Bosten eines Bezirkskajsierers. Wir empfehlen den Buchholzer SPD.Genossen, sich dieses Ortner einmal liebevoll anzunehmen." Die 133. Abteilung der SPD. hat sich mit dieser Lügen= geschichte befaßt und folgendes festgestellt: Genosse Ortner war vor dem Kriege als Werkmeister tätig und gehört noch heute dem er nicht aus diesem Verbande austreten, da er wieder eine Stelle als Die Ausführungen des Bertreters des Justizminifteriums, Ministerialrats Dr. Weber, der sich vornehmlich mit der vom Reichsverband angestrebten höheren Bewertung der Tätigkeit der fälschlich zu den Kanzleibeamten gezählten Justizbureaubeamten beschäftigte und hierbei wenig tröstliche Aussichten eröffnen konnte, hatte unserem Genossen Landtagsabgeordneten Frieß, der neben den Genossen Gehrmann, Müller- Hannover und Wäger als Vertreter der Landtagsfraktion bzw. der Beamtenzentrale der SPD. dem Verbandstage beiwohnte, Gelegenheit gegeben, die grundsätzliche Stellungnahme der Partei zu den Forderungen des Reichsverbandes darzulegen. Er stellte fest, daß es nach den heutigen politischen Machtverhältnissen wohl taum gelingen werde, die Justizfanzleibeamten aus dem Rahmen der allgemeinen Besoldungsord- Wertmeisterverbande an. Zumal in der letzten Zeit wollie nung herauszuheben und damit das ihnen seinerzeit zugefügte Unrecht wieder gutzumachen. Wenn hierbei auf die Polizeibeamten hingewiesen wurde, für dessen bessere Einstufung sich eine Mehrheit im Parlament gefunden habe, so dürfe doch nicht verkannt rocrden, daß sich diese Beamten in den letzten Jahren im Brennpuntte des politischen Intereſſes befunden haben. Im übrigen fei es doch kein Geheimnis, daß bei verschiedenen bürgerlichen Barteien die Kanzleibeamten als arme Schreiberseelen betrachtet werden, die eine mehr mechanische Arbeit verrichten. Diese irrige Auffajjung spiegele sich ja auch mit aller Deutlichkeit in der Denkschrift des Reichsfinanzministers wider. Dieser geschlossene Widerstand der bürgerlichen Parteien und der Regierung müsse zunächst gebrochen werden, um ganz allgemein zu einer gerechteren Würdigung der Zätigkeit der unteren und mittleren Beamtengruppen zu gelangen. Erst menschenwürdige Eristenzbedingun gen für alle Beamten, dann Abstufungen nach dem Grade der Berantwoortlichkeit usw. Das ist die Beamtenpolitik der Sozial demokratie: Aus der Diskussion waren noch u. a. bemerkenswert die Ausführungen des Berireters der Groß- Berliner Mitgliedschaft Beu kert, der auf die neuerlichen Versuche hinwies, die breite Masse der Bevölkerung gegen die Beamtenschaft zu heßen. Die damit verfolgte Absicht, die Arbeitnehmergruppen gegeneinander auszuspielen, gehe übereinstimmend aus der Dentschrift der Arbeitgeberverbände und der des Reichsfinanzministers hervor. Besonderer Dank gebühre dem preußischen Ministerpräsidenten, der von fich aus das vom Reiche wieder eingeführte unwürdige Akkordsystem für die Kanzleibeamten rundweg abgelehnt und in der Begründung wieder befundete, daß er volles Verständnis für die Beamtenpsyche hat. Im übrigen erfannte er rückhaltlos die Besoldungspelitif des ADB. als richtig an. Der erste Verhandlungstag endete mit einer einstimmigen Bertrauenstundgebung für den Verbandsvorstand. Zum Kampf der Holzarbeiter. Aussperrung in Stuttgart.- Berhandlungen in Baden. Stuttgart, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) In einem Teil der Betriebe der Klavier- und Möbelindustrie ist bereits am Freitag Abend die dem Aussperrungsbeschluß der Arbeitgeber in der Holzindustrie entsprechende Bekanntmachung an die Arbeiter erfolgt. Die Eine Versammlung der Aussperrung beginnt am Sonnabend. Stuttgarter Vertrauensleute des Deutschen Holzarbeiterverbandes, die Donnerstag zu der Aussperrungsandrohung Stellung nahm, hat einstimmig beschlossen, den Streifenden den Verzicht auf Unterflüßung für die ersten acht Tage zu empfehlen. In Baden haben die beiden streitenden Parteien im Holzgewerbe am Freitag vor dem Schlichtungsausschuß in Karlsruhe verhandelt. Der Schlichtungsausschus hat sich für zuständig erklärt, aber den Termin auf Mittwoch vertagt, um den beiden Barteien bis Dienstag Abend Zeit zur Berständigung zu lassen. Konflikt bei der Meierei Bolle. Bolle lehnt ab. Der vom Schlichtungsausschuß einstimmig gefällte Schiedsspruch, der von den Arbeitnehmern nach erheblichen Bedenken mit übergroßer Mehrheit angenommen wurde, ist, wie wir erfahren, von der Meierei Bolle abgelehnt worden. Damit ist der Lohnkonflikt erneut in ein afutes Stadium getreten. Der Verfehrsbund hat die sofortige Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs beantragt. Es ist zu erwarten, daß der Schlichter rechtzeitig eingreift, bevor die Arbeitsniederlegung erfolgt. Wie erinnerlich, hat die Belegschaft auf dringendes Anraten der Gewer? des Streitbeschlusses vertagt, nachdem der Schlichter eingegriffen hatte. Bleibt dieses Eingreifen resultatlos, dann ist der Streit unvermeidlich. Bom 11. bis 13. Juni tagte im Lehrervereinshaus der Reichs: verband der Justizbureaubeamten und deren Anwärter( E. B.). Die Allgemeinheit interessiert an diesen Tagungen der Beamtengewerkschaftsvertreter und nicht ohne scharfe Opposition die Durchführung schaften einmal ihre Einstellung zum Staat, zum anderen aber auch das in Erscheinung tretende Maß realpolitischer Erkenntnis, zu der sich diese Arbeitnehmer durchgerungen haben. Der Reichsverband der Justizbureaubeamten, der dem ADB. angeschlossen ist, hat wie aus dem vom Vorsitzenden Bollat erstatteten Geschäftsbericht hervorging mit Spaltungsbestrebungen zu fämpfen gehabt, aber den ersten Angriff auf die Einheit der Organisation abgeschlagen. Aus den Anträgen, die den Aus tritt aus dem ADB. verlangen, geht aber hervor, daß diese Spaltungsbestrebungen noch nicht überwunden sind. Lohnbewegung der Bilderrahmen- und Goldleistenbranche Am 10. Juni fanden zwischen dem Deutschen Holzarbeiterver band, Berwaltungsstelle Berlin, und der Arbeitgeberorganisation erneut Berhandlungen statt, welche jedoch wieder resultatlos verliefen. Nach längeren Beratungen verständigten sich die Barteien schließlich dahin, den Schlichtungsausschuß zwecks Entscheidung der Streitfache anzurufen. Ein entsprechender Antrag ist von der Verwaltung des Holzarbeiterverbandes gestellt und auch Termin für die kommende Woche vorgesehen. Im Anschluß an diese Verhand lungen werden dann die Branchenmitglieder ihre Entscheidung Am ersten Verhandlungstage wurden von der Diskussion die fich übrigens auf beachtlicher Höhe hielt etwaige Meinungsver schiedenheiten mit der Spigenorganisation nur vorsichtig angedeutet. Mit der Berbandspolitif selbst waren die Delegierten restlos e in. I treffen. C Spittelmarkt Ecke Wallstraße Alexanderplatz nahe Aschinger Königstr. 55 gegentiber Rathaus W Friedrichstr. 193a Ecke Leipziger Straße Leipziger Str. 113 Ecke Mauerstraße. Linkstr. 1 Ecke Potsdamer Straße N Schönhauser Allee 81 am Bahnhof Nordring Friedrichstr. 106 Ecke Ziegelstraße Invalidenstr. 164 Ecke Brunnenstraße Invalidenstr. 117 am Stettiner Bahnr of Chausseestr. 72 nabe Müllerstraße Frankfurter Allee 14 Babe Tietz Optiker Ruhnke's ,, Televist" 3 Jahre Garantie Noch 10% Rabat auf untenstehende, schon herabgesetzte Preise Reklame- Angebot bis zum 20. 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Von dem Meister nach den Gründen gefragt, schilderte er die Dinge so, wie sie sich im Betriebe abgespielt haben. Acht Tage vor dem Erscheinen der Notiz in der Roten Fahne" waren zwei Arbeiter aus dem Betriebe zu dem Abteilungsleiter der SPD. gekommen, um über den Genossen Ortner Auskunft einzuholen. Einer dieser Auch- Kollegen hat sich mit Mitglieds. buch und Funktionärausweis unserer Partei legitimiert. In dem Mitgliedsbuch war eine einzige Marfe geklebt. Den Fragern wurde erklärt, daß Ortner feine Funktion in der Partei ausübt, was sie nicht hinderte, ihn in der„ Roten Fahne" zum„ Bezirkskaffierer der SPD." zu stempeln. Die Kapedisten haben mit ihren eigenen Blüten" gerade genug zu tun, als daß sie solche bei der SPD. suchen und zusammenlügen müßten. Transportarbeiterstreit in Rheinland- Westfalen. Bochum, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Verhandlungen zum Schiedsspruch im Lohnstreit der Transportarbeiter, die am Freitag unter dem Vorsiz des Reichs- und Staatsfommissars Mehlich stattgefunden haben, sind ergebnislos verlaufen. Wie der Transportarbeiterverband mitteilt, werden infolgedessen die Transport. arbeiter Rheinlands und Westfalens in den Streif treten. Schlichtungsverhandlungen in der Schwerindustrie. Dortmund, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Schlichter für Rheinland und Westfalen, Staatskommissar Mehlich, hat durch Schlichtungsverhandlungen für die Festlegung eines neuen Lohntarifes für die nordwestliche Gruppe der Metallindustrie die am Tarif beteiligten Parteien zum Montag, den 15. Juni, geladen. Am gleichen Tage finden vor dem Schlichter die Lohnverhandlungen für die Gas, Wasser- und Elefrizitätswerte für Rheinland und Westfalen statt. Protestbewegung der französischen Bostangestellten. Paris, 12. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Protestbewegung der französischen Bostangestellten gegen die unzeitgemäßen Gehälter rückt die Gefahr eines Generalstreifs in immer größere Nähr. Diese Bewegung wurde bekanntlich ausgelöst durch die vom Senat vorgenommene Streichung des von der Kammer schon volierten Kredits in Höhe von 900 Millionen Frank zur Aufbesserung der Gehälter der Staatsbeamten. Der Nationalfongreß der Gewerfschaften der französischen Postangestellten hat in seiner Sigung am Donnerstag in Toulouse eine Entschließung angenommen, in der er die Wiedereinsehung des Kredits in das Budget für das Jahr 1925 fordert. Darüber hinaus erhebt der Kongreß Protest gegen den vom Senat votierten Artikel 127 des Finanzgesetzes, der die in dem Finanzgesetz vom Jahr 1921 ausdrücklich vorgesehene Angleichung der Gehälter der Postbeamten an die der übrigen Staatsbeamten zu nichte mache. Falls die Regierung diefen Forderungen nicht endlich Rechnung trage, würden die Gewerkschaften auch vor dem Generalstreit nicht zurückschrecken. Baugewerksbund, Fachgruppe der Fliesenleger. Montag abend 7 Uhr Mitgliederversammlung im Rofenthaler Sof, Rosenthaler Str. 12. Tagesordnung äußerst wichtig. Tarife werden ausgegeben. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Frik Karstädt; Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Borwärts- Buchbruceret und Berlagsanstalt Baul Einger u. Co.. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Wiffen". Komet Freilauf ES GIBT KEINEN BESSEREN! 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Belzig Es gab eine Zeit, in der man in den Anzeigen der Tagesblätter Angebote von alten Burgen lesen fonnte: je nach Wunsch bereits restaurierte oder noch zu verschandelnde. Unsere Mart mar allerdings bei dieser Spekulation auf romantische und zugleich zahlungsfähige Leute nicht vertreten. Hier hat der nach Erfindung des Schießpulvers einsehende Kampf zwischen Rittermacht und Fürstengewalt die Burgen zerstört, und was damals verschont blieb, fiel dem Dreißigjährigen Kriege zum Opfer. Eine Ausnahme bildete die Burg zu Belzig, Burg Eisenhart genannt. Am Rande des Fläming. Um die Bedeutung von Belzig und seiner Burg in früherer Zeit zu verstehen, muß man sich vor Augen halten, daß die bei Potsdam in die Hapel mündende Nuthe Jahrhunderte hindurch die Grenze zwischen Deutschtum und Wenden bildete, welch letztere aus der mafferreichen Zauche in das fandige Teltowgebiet gedrängt maren. Quer zu diesem durch die untergegangenen Rutheburgen geschützten Wasserlauf zieht sich in einer Länge von 80 Kilometern ber Fläming hin, ein Höhenrüden, der im westlichen Teile bei Hagelberg mit 201 Meter nud im östlichen Teile im hohen Golm mit 178 Metern seine größten Höhen erreicht. Hagelberg liegt nur eine Stunde von Belzig entfernt. Den Fläming hier im Norden durch Burgen als zweite Etappe fest zu machen, lag daher nahe und so entstanden die älteste Burg in Belzig( bereits 997 genannt), ferner der füdlich davon gelegene starte Rabenstein und selbst die dahinter liegende, jezt fchloßgeschmüdte Wiesenburg erscheint 1161 als Burgmarte. Später als das Deutschtum bis an die Oder gelangte, wurden die Burgen Size der Rifter, prächtig geeignet von oben herab Städter und Bauern zu drangfalieren. Wie schon eingangs be merkt, find diese alten Burgen in der Mark fast durchweg bis auf spärliche Reste verschwunden; die Ausnahmen weisen wohl noch Türme und Mauern aus alter Zeit auf, das, was eine noch so malerische Burg aber erst bewohnbar macht: also Gemächer, Treppen, Borratstammern usw., stammt aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Kriege. So auch in Burg Eisenhart. Im Jahre 1414 wurde bem„ Grenzhaus zu Belzig", das 1406 in Kämpfen mit Magdeburg zerstört worden war, vom Kurfürst Ernst von Sachsen jene imponierende Anlage gegeben, die wir heute noch vorfinden und die 1429 mit Erfolg den Huffitenangriff unter Brotop abwehren fonnte. Aber auch das damals Geschaffene ging 1636 bei der allgemeinen Zerstörung der Stadt durch die Schweden zugrunde, und die heutige Burg Eisenhart erhielt erst 1685 ihre Gestalt durch den pruntliebenden Kurfürsten Johann Georg III. Nur der über 30 Meter hohe und unten mit 4 Meter, oben mit 1 Meter dider Band ausgeführte Turm und die starken Umfassungsmauern zeigten zu Ende des Dreißigjährigen Krieges die Stelle an, wo Belzig gestanden hatte. Carlyles Rat: arbeiten und nicht verzweifeln, hat sich auch im Belziger Falle bewährt. Statt des frivolen: Lasset uns essen und 24] Schnock. " Ein Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron. brigen Beine und der breite Brustkorb des Ochsen flößen Der Fall wiederholt sich eines Tages, und die großglieSchnock eine Hoffnung ein... ihre überspannte Phantasie beginnt ihr die Möglichkeit vorzugaukeln, endlich einmal eine ordentliche Beute zur Strecke zu bringen. Sie schiebt sich lauernd vor, und ihr schiefstehendes Auge, das mit Leichtigkeit nach aufwärts blicken fann, heftet sich wie in dieser Stellung gegossen, auf den großen, hornbewehrten Kopf eines Ochsen. Weiter schiebt sie sich unter den schwarzen Rohrkolben vorwärts, verborgen unter den langrippigen Fächern des Süßgrafes... jezt steht sie direkt vor dem faufenden Tier durch das Flimmern des Wasserspiegels eräugt sie das faufende, schwellend fleischige Maul. Da vermag sie ihre gierigen Zähne nicht länger im Baume zu haltender Wanst will und dann muß der Körper folgen. Ihre Schläue mag sie warnen, die Erfahrung sie zur Borsicht mahnen vergebens: wenn der Wanst will, geht sie drauflos. Der Dchse wirft den Kopf so heftig zurück, daß Schnoď zur Hälfte mit emporgeriffen wird; aber sie lockert den Griff nicht, fie hält fest und als sie dennoch in die Tiefe zurüdsintt, nimmt sie ein großes Stück des Maules mit hinab. | trinfen, denn morgen sind wir tot", hörte man wieder Worte, die zum Aufbau mahnten; im Kurfürstentum Sachsen wurde durch eine Sollefte für die Wiederaufrichtung der städtischen Gebäude gesorgt, und so famen allmählich wieder Stadt und Burg zu einem Ansehen. Letztere sah sogar den Ruſſenzaren Peter in ihren Räumen, 1712, als dieser von Torgau tam, nachdem er die Hochzeit seines Sohnes Alerei mit der Brinzessin Charlotte von Braunschweig- Wolfenbüttel gefeiert hatte. Andere Russen sah Belzig 1813; sie kamen zwar als Freunde, aber die Bewohner waren doch erfreut, als General Wittgenstein nach achttägigem Aufenthalt in Burg Eisenhart sein Quartier weiter verlegte. Heute ift Belzig, das 1815 an Preußen fam, eine friedliche märkische Kleinstadt etwa 4000 Einwohner In den filometerweiten Schilfwäldern des Moores hat namentlich das Wild eine Freistätte gefunden; hier suchte es Kühlung in der Hitze des Mittsommers und Schutz gegen die Kälte des Winters, hier fand es dem Frieden geweihte Bläge, mo es fich verbergen tonnte, wenn der Mensch ihm mit Büchsengeknall und Hundegebell nachstellte. Und diesen reichen Wildbestand des Moores verstand sie sich zunutze zu machen! Wie es lange ihre Spezialität gewesen ist, sich ihre Beute zu erringen, indem sie aus ihrem Element hochsprang, fo so fchaffte sie sich nunmehr einen Zeitvertreib dadurch, daß sie pie ein Krokodil an den Tränken auf der Lauer lag. 00 Die 1850 umgebaute Marienkirche. mit Aderbaubetätigung; es hat durch den Bau der Berlin- Wetlarer Bahn sehr gewonnen, und ist als Ausgangspunkt für die Fläming- Wanderungen in dem Kreise der wanderfrohen Berliner gut bekannt. Andererseits liegt es weit genug von Berlin entfernt -Bahnfahrt 2 Stunden! um sich seine nette Eigenart als Berg Mehrmals verunglimpfte fie Pferde während des Saufens, und bei einer Gelegenheit biß sie einem armen Kalb die halbe Zunge aus dem Maul. --An einem Nachmittag tommt ein Reh mit seinen Lämmern. Der Tag ist heiß, und sie waten weit hinaus das eine Lamm, das im Laufen zu hastig ist, rutscht bis zu Flanken und stößt es um um sodann mit ihm hinauszuden Hachsen hinein. Schnock schießt hervor, packt es um die rudern. Eines Tages wieder erleidet ein kleiner Hund das gleiche Schicksal; er wird am Borderlauf geschnappt und heruntergezogen... während ein Sturm von Ringen sich nach allen Seiten hin löst. Alles, was sie als junges, winzigfleines Tier erträumt, hat sich in vollstem Maße verwirklicht: Keine Beute ist mehr zu groß für ihren Bauch. Wenn sie sich behutsam in der Tiefe bewegt, entstehen lange Dünungen über ihr und Wirbel schnurren auf dem faffeebraunen Wasser herum. Und schiebt sie sich auf das Gras hinauf, einem Frosch oder einer Wafferratte nachstellend, und schlägt das Wasser zu Schaum, dann steht das ganze Tümpelloch in Aufruhr. Ein Rest aus der Urzeit ist Schnod- ein Tier aus der - ein Tier aus der Zeit der großen Moore! Gegen Herbst, als der Sauerampfer sich rötete und die ehemals so steifen Spizen des Schachtelhalms sich zu welkenden Halmen zusammenfrümmten, goffen schwarze Herbstschauer Wasser bis zum Ueberfluß über die Moore aus. Es ftand in Bfüßen bis weit über die Wiesen und Außenfelder hinweg und staute sich zu Flüssen in den Gräben. Tümpel floß in Tümpel über, und die Torfgräben, die nebeneinander' agen, nur getrennt durch die hohen, schmalen Wälle, bildeten eine mächtige Grube. Es war eine Sintflut! Schnod schwamm weit umher und wähnte fich wieder im See. Sie fand neue Oasen mit reichlicher Nahrung und räumte gewaltig unter den vielen Aalen und Schleien auf, die vom Bache her durch Gräben und Rinnsale sich zusammenfanden. In diesem Herbst heimste sie mächtig ein und sammelte auf die Weise Borrat, um den Winter zu überstehen. Aber eines Tages im Oktober geschah es, daß ein FischSonnabend, 13. Juni 1925 städtchen bewahren zu können; das ganze Landschaftsbild, in dem das Städtchen unten eingebettet liegt, mahnt an ähnliche Lagen im deutschen Süden. Burg und Stadt. Bom hochgelegenen Bahnhof tommen wir auf sich fentender Straße, deren kleine Häuser durch Treppen zugänglich sind auch dies füddeutsch! zu der einfachen Postsäule im Vororte Sandberg. Von hier in wenigen Schritten bergauf zur Burg, die man auf steinerner Brücke über dem tiefen aber trockenen Graben erreicht.. Das Schloßgebäude hat zwei turmartige Vorsprünge, die das Trußige des ganzen Baues verstärken. Die Borhalle, in die wir eintreten, ist bemerkenswert durch das weit greifende Sterngewölbe, das von einem einzigen Mittelpfeiler getragen wird. Im Schloß befindet sich das Amtsgericht; die linke Rückseite dient als Gefängnis, doch war es, wie das uns begrüßende freundliche junge Mädchen mitteilte, zurzeit unbewohnt". Mit dem mächtigen Schlüssel zur Turmtür( Benukungspreis 10 Pf.) versehen, flettern wir auf dem Hofe links zum Wartturm empor, schließen auf und ersteigen auf finnreich ange= brachter Holztreppe den alten Burschen bis zu seiner Spize. Tief unten die Stadt das Tal und die umschließenden bewaldeten Höhen, alles im goldenen Lichte eines schönen Frühlingstages schimmernd. Wie die Küchlein um die Henne um diesen oft gehörten Bergleich zu gebrauchen scharen sich die niedrigen Häuser um die Marienkirche, deren Turm sich aus dem Gewirr der Dächer abhebt. Auf den festen Boden zurückgekehrt, wenden wir uns zu dem rechts Dom Eingange gelegenen Kirchlein St. Briccius, dessen starke Feldsteinmauern noch aus frühester Zeit stammen. Umgeben von gut gepflegten Gräbern gewährt der schlichte Bau einen malerischen Eindrud. Bir aber steigen jetzt auf abschüssigem Promenadenwege zu dem lebenden Belzig hernieder und gelangen auf einem Wiesenpfade am Rande der Stadt zu einer Brücke, die den Verkehr vom Stadtinnern nach Wiesenburg vermittelt. Die hier mündenden Straßen heißen denn auch Kleine und Große Wiesenburger Straße. Ueberschreiten wir die Brücke, so biegt rechts die neue Thirstystraße Kreis Zauch- Belzig) geschmückt. Die der Stadt zugekehrte Seite ist ab, nur einseitig bebaut und mit dem stattlichen Kreishaus( für den als Promenade längs des tiefen ehemaligen Wallgrabens gestaltet, dessen Hang aufgeforstet ist ein hübsches Beispiel einfacher und doch wirkungsvoller Verschönerungsarbeit. Zwischen den beiden Wiesenburger Straßen liegt der Markt, an dessen einer Ecke sich das turmgeschmückte Rathaus und mit diesem architektonisch verbunden sowie die von der einen abzweigende Kirchstraße führen zur der Bau der Kreissparkasse erhebt. Beide Wiesenburger Straßen, Brandenburger Straße, die uns von ihrem westlichen Ende wieder zur Postsäule bringt. In der Kirchstraße links die Marienkirche, deren Mauern allein aus dem 13. Jahrhundert stammen 1636 murde die alte Kirche im übrigen völlig zerstört. Die 1850 umgebaute Kirche ist ein einschiffiges Langhaus mit später angebautem füblichen Seitenschiff. Wie erklärlich, ist die Stadtarchitektur feine besonders reiche; in Zeiten der Not baut man sparsam. Aber fein moderner Kitsch stört die Harmonie dieser bescheidenen Fronten und die Sauberkeit der Straßen ist zu loben. | Reißiger und Eberhard. Nur wenige der märkischen Kleinstädte können sich rühmen, Geburtsort hervorragender Männer zu sein. Zu diesen wenigen zählt Belzig; 1769 wurde hier der Dichter Eberhard, 1798 der Komponist Reißiger geboren und zwar beide in dem gleichen Hause in der Kirchstraße, dicht neben der Kirche. Eine Denttafel für Reißiger ziert jetzt die Front. Beide Männer feine überragenden Geister; Reißiger als Nachfolger Karl Maria von Webers in der Stellung als Rapellmeister der Dresdener Oper wohl der bekanntere, wenn auch seine eigenen Kompofitionen vergessen sind. Er starb 1859, nachdem er noch Richard Wagners Auftreten in Dresden erlebt hatt. Eberhard wird in den Handbüchern als Verfasser des Idylls ,, Hannchen und die Küchlein" aufgeführt auch er hat der Nadywelt nichts mehr zu bieten. Man möchte sagen, die behagliche Ruhe, die über Belzig liegt, spiegelt sich in diesen künstlerisch begabten Söhnen der Stadt wieder wie auf Fontane die glanzvolle Zeit NeuRuppins, feiner Geburtsstadt, nicht ohne Einfluß gewesen ist. * Die Fahrt nach Belzig leidet wie alle ähnlichen Verbindungen innerhalb der Mark an Langsamkeit. Im übrigen bietet sie manche intereffante Momente, so den Blick auf Potsdam, die Fahrt durch die Billenkolonie Wilhelmshorst, die großen Bahnanlagen von Seddin und die Wälder um Beelitz- Heilstätte. Die Spargelfelder von Beelitz sieht man nicht. Die Mehrzahl der Touristen wird sich mit der beliebten Wanderung Belzig- Rabenstein- Wiesenburg begnügen; eventuell kann sie aber auch zur Station Niemegt an der Bahnlinie Belzig- Treuenbrießen ausgeführt werden. adler, der auf falsche Bahn geraten war, sich über das Moor verirrte. Der Morgennebel hatte sich gelegt, die Sonne war indesjen noch nicht recht durchgedrungen, als der graubraune Vogel in meiten Kreisen schwebend hoch droben sichtbar wurde. Seine flammende Brust flimmerte in der aufgehenden Sonne, und sein schwarzer Schnabel krümmte sich unter einem Paar gefrühstückt hatte, senkte sich tiefer und tiefer auf das Wasser scharfer, fluger Augen. Der Adler, der von weither gekommen war und noch nicht herab. Alle Vögelchen im Röhricht schrien, die Bleßhühner fuchten Zuflucht zu den großen Schilfbüscheln. Wie ein Mäusegeier hielt er sich in Baumhöhe über dem Wasser, vorwärtsund rückwärtsschwebend, während er spähend niederstarrte. Frost lag in der Luft- der große, hungrige Fischer ahnte wohl den Riegel, der sich alsbald vor seine Speisekammer schieben würde. Jedenfalls war er fest entschlossen, groß wie Plein zu fangen und nichts zu verschmähen. Mit Ausdauer ließ er sich von Tümpel zu Tümpel gleiten, längs der Ufer; langsam mit schlaffen Fängen schwebte er über die Rohrkolben in dem Sumpfwasser und über den Porst dahin. Schnock steigt aus der Tiefe empor, auf ihrer morgendlichen Rundfahrt begriffen; sie muß das Moor umsegelt haben, während die Schlagschatten sie noch verhüllen und ihren Weg unfenntlich machen. Ab und zu hält sie inne und steht zwischen den Wasserpflanzen auf der Lauer, die zerfetzte, noch immer erst halbverheilte Rückenflosse ein wenig über der Oberfläche haltend. Bei einer derartigen Gelegenheit entdeckt sie der Adler und ohne zu merfen, was für einen Fisch er vor sich hat, schwebt er über die Stelle hin. Ein und auch zweimal senkt er sich vergebens herab, aber zum Schluß ist das Glück ihm hold. Von Schnock nicht bemerkt, streicht der Bogel von hinten über sie hin und schlägt die vorgestreckten Fänge mit voller Kraft in ihren Rücken. Er fühlt, wie die Krallen Halt gewinnen, und eine füße Ahnung von zappelnder Lebendigkeit durchzuckt ihn. Sein Körper steht halb im Wasser, während die Flügel, die die Wasserfläche nicht berühren, die gewaltigen Schläge vollführen, die, wie er weiß, nötig sind, um mit einem Rud den Schatz zu heben. rchfährt Schnod.... k 海 ( Fortsetzung folgt.) Märkische Dorfbilder. Treptow: Kiefholz 46; Mariendorf: Ede Kurfürstenstr.; Tempelhof: Bahnhof Nordseite; 13. für Spielplay Dahlem: Steglig: Kleestr. 15, Arndtstr.( Paulsen- Realgymnasium); Wilmersdorf: Gie felerstr. 1/7; Lichterfelde- West: Richardstr.; Lichterfelde- Ost: Schiller Gymnasium); Lankwiz: Gymnasium Raulbachstr. Die Kinder müssen sich an den Spieltagen( 6. Juli bis einschl. 1. August, außer an den Sonntagen) frühmorgens bis spätestens 7% Uhr auf den Sammelplätzen einfinden. Trinkgefäße aus Glas oder Porzellan dürfen auf die Spielplätze nicht mitgebracht werden. Die Berliner Wassernot. Besserung zurzeit noch nicht bemerkbar. I in diese„ Nachtbrieftasten" gelegten Sendungen sollen noch mit der ersten Briefzustellung in Berlin ausgetragen oder mit den Frühzügen befördert werden. Die Raften befinden sich im allgemeinen in pielbegangenen Straßen usw. innerhalb der Ringbahn: werden nach und nach auch äußerlich farbig fie gekennzeichnet werden, während die übrigen Straßenbriefkasten einen Hinweis auf die Lage des nächsten Nachtbriefkastens erhalten. Ueber die Standorte der 72 Nachtbriefkasten gibt ein in den Schalter vorräumen der Bostämter angeschlagenes Berzeichnis Auskunft. Eine zerstörte Familie. Sittlichkeitsprozeß ohne Hauptbelastungszeugen. Eine erschütternde Familientragödie bildete den Hintergrund einer Verhandlung gegen den Wächter Robert Krahn, der gestern dem Schöffengericht mitte unter Anklage des Sittlich feitsverbrechens, begangen an seiner Stieftochter, aus der UnterEndlich sind wir wieder für den vierundzwanzigsten Teil des Langen Großstadtjahres in unserer Sommerfrische angelangt. Reifen bei hohen Tarifen und teure Pensionspreise in vornehmen Gast stätten hält unser Etat nicht aus. Wir begnügen uns mit einem alten märkischen Bauernhaus, durch dessen Rauchfangschornstein der Himmel zu sehen ist. In unsere Kemenate ist die moderne Kultur noch nicht einmal in Gestalt einer elektrischen Lichtleitung gelangt. Die Gegend ist herrlich, die Ruhe himmlisch, hier ist die Schönheit der Mart stabil. Sand, viel märkischer Sand, hohe Fichtenwälder, die würzige Luft bringen, trauliche Fließe durch grünbunte Wiesen und zwei Seen, Die erfreuliche Rührigkeit, die, sehr im Gegensatz zu den Chareiner, der am Berlanden ist, der andere mit flachen Ufern zum lottenburger Wasserwerken, das Polizeipräsidium Berlin an den Baden: das ist unsere Heimat und unser Ferienaufenthalt. Die Ge- Tag legt, um wenigstens eine gewisse Linderung der Berliner Wassermeinderatssigungen finden im Hinterzimmer des Schüßenhauses nöte durchzusehen, hat eine leichte Besserung in der Wasserversor statt. Erst neulich gab es eine lange Debatte darüber, ob der Nacht- gung der gefährdeten Stadtteile zur Folge gehabt. Von einer Besuchungshaft vorgeführt wurde. wächter ein neues Schilderhaus bekommen soll und an wen der hebung der Kalamität kann jedoch keineswegsgesprochen " Bauauftrag" zu vergeben sei. Das war nicht einfach zu entscheiden, werden. Ehe nicht die neuen Brunnenanlagen der Charlottenburger weil nämlich der einzige Tischler des Ortes auch gleichzeitig Ge- Wasserwerke, die so unbegreiflich spät in Angriff genommen wurden, meinderat iſt; man hatte doch im Kreisblatt so viel von Korruption fertiggestellt sind, ist mit einer entschiedenen Besserung der Lage gelesen. Hoffentlich hat sich ein Salomon gefunden. Unser Ferienwohl faum zu rechnen. Die Direktion der Charlottenburger Wasserwirt erzählte uns gleich am ersten Tage stolz, daß jetzt auch eine werke veröffentlicht wieder einmal eine Erklärung, in der sie freiwillige Feuerwehr gegründet sei. Kürzlich war Probealarm durch erfolglos versucht, ihre blütenweiße Unschuld an dem beschämenden die Instruktoren des großen Nachbardorfes. Aber feiner verstand Vorkommnis nachzuweisen. Einleitend betont sie, daß seit Jahren das Zeichen, erst nach persönlicher Einladung erschienen die Sprißen- feine Beschwerden über unzureichende Wasserversorgung seitens der männer, aber ohne Sprize die Gemeinde will erst eine kaufen. Abnehmer an sie ergangen seien. Sie vergißt aber bewußt, zu sie sähen sehr schmuck aus Einige haben schon eine Uniform erwähnen, daß verantwortliche fachmännische Stellen schon seit län zweimal ist erst geübt worden, aber ein Feuerwehrball hat bereits gerer Zeit eindringlichst auf die Notwendigkeit hingewiesen haben, stattgefunden. Das öffentliche Leben des Dorfes ist durch diese ge- die Betriebsanlagen des Werks zu erweitern. Aus reinen Profitmeinnügige Einrichtung in wertvoller Weise bereichert worden. Das interessen heraus ist diese selbstverständliche Pflicht, den Erforder: gesellschaftliche Leben wird durch den Schützenverein, den Turnverein nissen eines modernen Kommunalbetriebes Rechnung zu tragen, nicht und jetzt von der Feuerwehr in so ausgiebigem Maße repräsentiert, erfüllt worden. Eine Schuld, die auch mit aller Redegewandtheit daß es schwer wird, die angesetzten Schüßen-, Feuerwehr- und Turn nicht hinwegzudiskutieren ist. Die Direktion führt weiterhin aus, feste an den 52 Sonntagen des Jahres unterzubringen. Am ver- daß der Wasserverbrauch im Mai ein so ungewöhnlich hoher gewesen landeten See gibt es schöne Angelpläge; es find wahre Sanatorien sei, wie ihn das Wert noch nie zu verzeichnen hatte. Es wird für Großstadtnerven. Mein diesjähriges Debüt sollte in Tragifomit versucht, dies durch Zahlen zu belegen. So seien im Mai v. J. enden. Als wir lange genug die Fische mit Regenwürmern gefüttert 3744 258 Rubitmeter Wasser befördert worden. Die Baffer. hatten, ohne daß sich einer zu einer Gegenleistung bereit fand, fam förderung im Mai d. J. habe dagegen 5 050 603 Rubifmeter mein Birt und Angelgenosse endlich mit der Weisheit heraus: Bei betragen, jedoch noch immer nicht ausgereicht. Es ist von uns Ostwind beißen sie nicht! Meiner Ansicht nach wäre die Bind- niemals in Abrede gestellt worden, daß der Wasserverbrauch infolge richtung auch schon bei Beginn der Angelei festzustellen gewefen. der anhaltenden Trockenheit ein ungewöhnlich hoher gewesen ist. Die Beim Rüdweg geriet ich bis an die Oberschenkel in ein Moorloch, Mehrmengen jedoch, die hier verfonsumiert wurden, wären jedoch mobei die geliehenen Holzpantoffeln steden blieben. Den größten feineswegs ins Gewicht gefallen, wenn die Anlagen des Wertes Vorteil von der Angelpartie genoß der Sohn des Hauses, ich muß technisch einwandfrei gewesen wären. ihm neue Tüffeln" kaufen. " Schönheit der Natur, Weltabgeschiedenheit, 50 Kilometer pom Dönhoffplay entfernt, unverarbeitete" Ruhmilch und ein gesunder Der 47jährige, bisher unbestrafte Mann war im April dieses Jahres auf die Anzeige seiner Stieftochter Luife, die in Begleitung ihrer Mutter auf der Polizei erschienen war und ausgesagt hatte, daß der Stiefvater sich feit dem Jahre 1922, zu einer Zeit, als sie noch nicht 14 Jahre alt war, bis in die jüngste Zeit hinein fortan ihr vergangen hätte, verhaftet worden. Vor der Polizei hatte Krahn ein teilweises Geständnis abgelegt. Er sagte aus, daß die Berfehlungen erst passiert seien, als die Stieftochter das 16. Lebensjahr überschritten hatte. Auch vor dem Untersuchungsrichter be stätigte er diese Angaben. Inzwischen war dann aber das Mädchen am 11. Mai wieder auf der Polizei erschienen und hatte ihre BeBenige Tage später wurden eines schuldigungen widerrufen. Morgens Mutter und Tochter in ihrer Wohnung am Holsteiner Ufer als Leichen aufgefunden. Sie hatten den Toddurch Leuchtgas gesucht. So fehlten jetzt die Hauptbe= lastungszeugen. Der Angeklagte bestritt nunmehr überhaupt jegliche Schuld und wollte das Geständnis angeblich nur abgelegt haben, um zunächst aus der Hajt herauszukommen. Die Anzeige führte er auf einen Rache att der Stieftochter zurück. Diese habe einen leichtfertigen Lebenswandel geführt. Er habe sie sehr streng gehalten, daher habe sie ihn aus dem Hause haben wollen. Bon Landgerichtsdirektor Gant über die Ursache des Selbstmordes seiner Frau und Stieftochter befragt, meinte der Angeflagte, daß das wohl aus Reue über ihre Handlungsweise geschehen sei. Der Borsigende war der Meinung, daß man die Sache auch anders auffaffen tönne. Die beiden konnten sehr wohl durch Gewissensnot in den Tod getrieben worden sein. Da Staatsanwaltschaftsrat Dr. Warmund infolge Fehlens der Hauptbelastungszeugen mangels Beweises selbst die Freisprechung beantragte, erübrigte sich die Entlastungs beweisführung, die Rechtsanwalt Dr. Löwenthal antreten wollte. Las Gericht entschied im Sinne des Staatsanwalts und sprach den Angeklagten ohne Beratung frei. Die Freisprechung wurde sogleich rechtsfräftig und der Angeklagte aus der Haft entlassen. Sinn für all das so tönnen Arbeiterferien zu einer wahren Er. Säuser des Westens vor den Gefahren, die sich aus der Wassernot neue Untergrundbahn Nollendorfplah- Gleisdreieck. holung werden. Ferien auf den Außenspielplägen. Besonders schlimm wirtt sich, wie mitgeteilt, die Wassernot in den Arbeitervierteln Neuköllns aus. Während die großzügige Bauanlage in technischer und hygienischer Beziehung die ergeben, einigermaßen sichert, sind die Mietsfasernen und engen Höfe, die Arbeiterstraßen schutzlos den Unerträglichkeiten des Vortommnisses ausgesezt. Der Fernstehende macht sich keinen Begriff davon, welche Verhältniffe hier eingeriffen sind. Die engen, dumpfen andere als einwandfrei, haben feinen Tropfen Waffer. weder für Koch noch für Reinigungsbedarf. Die Aborte sind seit Tagen völlig verstopft. Bei der verhältnismäßig geringen Zahl von Pflegestellen in Bohnungen, von der Hize ausgedörrt, und sowieso hygienisch alles den ländlichen Bezirken und den hohen Fahrkosten ist es der Stadt leider nicht möglich, allen bedürftigen Kindern den so dringend notwendigen Landaufenthalt während der Sommerferien zu gewähren. Den in Berlin zurüdbleibenden Kindern soll deshalb auch in diesem Jahre der Ferienaufenthalt auf den städtischen Außenspielplägen in der Zeit vom 6. Juli bis einschl. 1. Auguft einen Ersay in guter Luft zu bieten. Die Kinder werden unter zuverlässiger Aufsicht an den Werktagen von morgens bis abends auf den Spielplägen untergebracht und verpflegt. Sie erhalten in der üblichen Weise einen Frühtrunk oder Morgenjuppe, Mittagessen und Nachmittagstaffee mit Gebäd ( 160 Gramm). Für die Spiele stehen Spielgeräte, Freilichtbühnen usw. zur Verfügung. Es werden Wochenkarten zu ermäßigten Breisen und Tagesfarten ausgegeben. Für die ersten Kinder einer Familie kostet die Wochenkarte eine Mark, die Tageskarte 20 Bf. und für die zweiten Kinder einer Familie Wochenfarte 50 Pf., Tagestarte 10 Pf. Die weiteren Kinder einer Familie sind frei. Die Wochenbeiträge werden von den Kindern am Montag jeder Woche und die Tagesbeiträge täglich durch die Spielleiter der einzelnen Abteilungen auf den Sammelstellen vor dem Abmarsch eingezogen. Sammelpläge der Kinder find folgende Schulhöfe: 1. für Spiel plak Grunewald: Berlin, Levezzowstr. 28, Derfflingerstr. 18a, Culmftr. 15, Tempelhofer Ulfer 20, Gneisenauftr. 7; Schöneberg: Feurigstr.; Spandau: Mauerstr.; 2. für Spielplay Jungfernheide: Charlottenburg, Wiebestr. 57/58, Kirchhofstr.( ehemalige Bürgermädchenschule), Joachimsthalerstr. 31/32, Spreeftr. 29, Caminer Str. 16/17, Schloßftr. 2. Bizlebenstr. 33/34; Siemensstadt: Gemeindeschule; 3. für Spielplay Tegel: Berlin, Turmstr. 75, Bremer Str. 13/17, Alt- Moabit 23, Stephanstr. 3, Müllerstr. 158, Schulstr. 99, Ostender Str. 39, Müllerstr. 48, Schöningstr. 17; Reinickendorf: Lindauer Str.; Eichbornstr.; Wittenau: Sommerfeldstr.; 4 für Spielplay Blankenfelde: I. Ber lin: Reibelstr. 31, Prenzlauer Allee 227, Pasteurstr. 5, Senefelder= Str. 6, Greifenhagener Str. 20; Bantow: Grunowstr., Kaiser Friedrich- Str.; Nordend: Rosenthaler Weg, Kaifer- Wilhelm- Str.; 5. für Spielplay Blantenfelde II: Berlin, Gipsstr. 23a, Stralsunder Str. 54, Christianstr. 36, Sonnenburger Str. 20, Oderberger Str. 57; Rosenthal: Kastanienallee; 6. für Spielplaß Buch: Berlin: Hannoversche Str. 20, Refselstr. 3/4, Gartenstr. 107a, Putbuser Str. 3, Banfftr. 17, Brinzenallee 8, Driesener Str. 22; 7. für Spielplaz ohenschönhausen: Berlin: Hausburgstr., Zellestr. 12, Petentofferstr. 20; Weißensee: Wörthstr.; Lichtenberg: Röderplay; 8. für Spielplan Wartenberg: Berlin: Memeler Str. 25, Große Frankfurter Str. 23, Friedenstr. 31, Olivaerstr. 19, Straßmannstr. 6, Petersburger Str. 4; 9. für Spiel plaz Pferdebucht: Berlin: Goßler Str. 61; Köpenick: Berg: mannstr., Glienicker Str., Amtsstr.; Grünau: Bohnsdorf, Bahnhof Grünau; Friedrichshagen: Kurpart; Alt- Glienicke: Süßer Grund am Bahnhof Adlershof; 10. für Spielplay Wuhlheide: Berlin: Köpenider Str. 125, Mariannenufer 1a, Dangestr. 76, Marfusstr. 49, Niederwallstr. 6/7; Lichtenberg: Holteiſtr.; Friedrichs felbe: Schule Friedrichstr., am Bahnhof Lichtenberg- Friedrichsfelde; Karlshorst: Eingang zur Rennbahn am Wagenplay; Oberschöne weide: Frischestr.; 11. für Spielplag Königsheide: Neu fölln: Boddinftr., Emser Str., Herzbergplay, Warthestr.; Briz: Buschfrug; Niederschöneweide: Berliner Str. 31; 12. für Spielplat Blänterwald: Berlin: Diefenbachstr. 60, Wilmsstr. 10, Alte Jakobstr. 127, Briger Str. 17, Reichenberger Str. 131. Görliger Str. 151, Köpenicker Str. 2; Baumschulenweg: Kiefholzstr. 274; zwischen dem Berliner und dem Charlottenburger Wasserleitungsnetz Wie zu erwarten war, hat der Anschluß, der in der Rankestraße hergestellt worden ist, nicht die Besserung der Lage ge bracht, die man pielfach erwartet hatte. Jedoch wird wahrscheinlich zu Beginn der nächsten Woche eine wesentliche Berstärkung des Wasserdruces in Charlottenburg eintreten, da über Sonntag- an den Feiertagen fällt der industrielle Wasserverbrauch fort ein verstärkter Druck seitens der städtischen Berliner Wasserwerte erfolgen und während des Sonntags und in der Nacht zum Montag ein Auffüllen der Charlottenburger Türme möglich sein Sollte die Hige weiter andauern, so wird allerdings auch diese Maßnahme nicht genügen und man wird dann zu weiter: gehenden Hilfsmitteln schreiten müssen. Die Rheinische Jahrtausendfeier in Berlin. Eine dirette Intergrundbahnverbindung von dem westlichen nach dem östlichen Berlin und umgekehrt bestand bisher nicht. Umsteigefnotenpunkt war der Hochbahnhof Gleisdreied Diefes Umsteigen wurde stets als llebelſtand empfunden. Schon während der Kriegsjahre hat man bekanntlich versucht, ihn abzu stellen. Die Arbeiten wurden jedoch eingestellt. Jetzt sollen sie, und zwar in nächster Zeit, wieder aufgenommen werden. Die neue Bahnstre de verläuft als Untergrundbahn über die Maaßen bis zur Kurfürstenstraße, durchfährt diese und biegt dann links unter dem abschließenden Häuserblod zwischen Kurfürsten- und Stegliger Straße ein, um als Rampenbahn langsam emporzuklettern. Als Hochbahn trennt sie sich zwischen Dennewig und Flottwellstraße von dem Häuferblock und gewinnt auf diese Weise die Gleisdreieck- Brücke. Zwischen Nollendorf- und Wittenbergplatz ist das Einbauen von Nebengleifen notwendig. Die Nebengleife Wittenbergplatz bis Lutherstraße und Nollendorfplag bis Courbierestraße sind schon im Kriege hergestellt worden; so ist nur noch das Nebengleis in der Kleist straße ( Verbindung Courbiere- und Lutherstraße) einzubauen. Die Arbeiten haben hier schon eingesetzt. Man hofft, im Herbst 1926 die neue Strecke in Betrieb nehmen zu können. Der neue, notwendig werdende Untergrundbahnhof ist in der Kurfürstenstraße( KreuzungsKurfürsten- und Potsdamer Straße) gedacht. Das Programm für die am Sonntag, den 14. Juni, in Berlin stattfindenden Festlichkeiten aus Anlaß der Rheinischen Tausendfeier und der Ost- und Westpreußischen Abstimmungspunkt gedenkfeier nimmt nunmehr endgültig folgenden Verlauf: Üm 11 lihr vormittags versammeln sich die teilnehmenden Bereine und Berbände im Lustgarten. Der gemeinsame Abmarsch erfolgt 11% Uhr in der Richtung durch die Linden, Universitäts- und Karlftraße bis zur Kronprinzenbrücke. Bei der Kundgebung, die um straße bis zur Kronprinzenbrücke. Bei der Kundgebung, die um 12 Uhr beginnt, werden Schulkinder mit Wimpeln, studentische Korporationen und Fahnenabordnungen auf der Freitreppe und den Rampen des Reichstagsgebäudes Aufstellung nehmen. Musikkapellen, der Gemischte Chor des Ost- und Westpreußenbundes, der Rheinische Männergesangverein Berlin und der Aachener Männergesangverein Concordia" wirken mit. Am Nachmittag finden die Feiern durch ein Konzert des Aachener Männergesangvereins„ Concordia" im 300 ab 4 Uhr, und gemeinsame Heimatfeiern der Ost- und Westdeutschen Verbände ab 5 Uhr, in den Räumen der Bockbrauerei ihren Abschluß. Die Beteiligung an der Jahrtausendfeier der Rheinlande wird Sonderzüge dritter Klasse nach Möglichkeit erleichtert. von der Reichsbahnverwaltung durch die Einlegung billiger Solche Züge verkehren, nach Mitteilung der Reichszentrale für Sonderzüge dritter Klasse nach Möglichkeit erleichtert. Deutsche Berkehrswerbung, am 11. Juni und 24. Juli von Berlin, Potsdamer Bahnhof ab 7 Uhr nachmittags über Magdeburg, Kreiensen, Soest, Dortmund, Düsseldorf nach Köln, am 25. Juni und 17. Juli von Berlin, Botsdamer Bahnhof ab 7 Uhr nachmittags über Braunschweig, Soest, Dortmund, Düsseldorf nach Köln, am 1. 2 ugust von Berlin, Botsdamer Bahnhof ab 7 Uhr nachmittags über Magdeburg, Goslar, Raffel, Koblenz nach Trier, am 4. Juli von Berlin, Botsdamer Bahnhof 7,05 vormittags über Dschersleben, Holzminden, Arnsberg, Elberfeld nach Köln sowie am 19. Juni, 10. Juli und 6. August von Berlin, Stadtbahn Friedrichstraße ab 8 Uhr nach mittags über Hannover, Hamm, Essen, Düsseldorf nach Köln. Ueber die Beförderungsbedingungen, die Fahrpreise, den Fahrkartenvorvertauf usw. geben die Aushänge auf den Bahnhöfen Aufschluß. Nachtbriefkäften. Zur Einlieferung von Briefsendungen in Berlin nach Beendi gung der letzten allgemeinen Brieftastenleerung ist seit einiger Zeit dadurch Gelegenheit geboten, daß bestimmte Kaften gegen Mitter na cht, teilweise auch später, nochmals geleert werden. Die 3 Fahrkartenbestellung für Sommerfonderzüge. Für die Bestellung der Fahrtarten für die Sommerjonderzüge ist bekanntlich in diesem Jahre erstmalig ein neues Verfahren eingeführt. Die Fahrkarten zu den Sommersonderzügen fönnen nur schriftlich durch Ausfüllung der besonders hierfür vorgesehenen Anträge bestellt werden, die für die im Juli und August verkehrenden Sommersonderzüge von Montag, den 15. Juni an bei den Fahrfartenausgaben fostenlos erhältlich sind. Die Anträge sind nach den Angaben der auf den Bahnhöfen aushängenden Bekanntmachungen auszufüllen. Für jeden Tag und Zug ist ein besonderer Antrag zu verwenden. Nur vorschriftsmäßig ausgefüllte Vordrucke werden berücksichtigt. Fahrkarten werden nur nach den in den Bekanntmachungen vorgesehenen Zielstationen des Sonderzuges ausgegeben. Auf einen Antrag können bis zu 6 Fahrfarten 2. Klasse, soweit die Züge diese führen, oder 8 Fahrkarten 3. Klaffe abgegeben werden. 2 Kinderfahrkarten rechnen als eine ganze Fahrkarte. Für den Fall, daß die Fahrkarten zu dem bezeichneten Sonderzuge oder der gewünschten Klasse ausverkauft sind, ist anzugeben, ob Fahrkarten für einen anderen Sonderzug oder für eine andere Klasse gewünscht werden. Bei Bestellungen von 6 Fahrfarten 2. Klasse oder 8 Fahrkarten 3. Klasse wird nach Möglichkeit Raucher, Nichtraucher auf den Namen des Bestellers vorgehalten. Die ausgefüllten Anträge find unter Beigabe einer Freimarke für die Antwort den in den Aushängen und Prospekten für den Verkauf bezeichneten Stellen zu übermitteln. Die Bestellung verpflichtet zur Abnahme und Bezahlung der Fahrkarten. Der Besteller erhält Bescheid, ob die beantragten Fahrtarten abgegeben werden können. Der Zeitpunkt für die Abholung der vorgehaltenen Fahrkarten wird unter Angabe des Fahrpreises in dem Antwortschreiben angegeben. Gegen Vorzeigung der Antwort werden den Reisenden innerhalb der angegebenen Frist die Fahrkarten gegen Bezahlung des Fahrgeldes verabfolgt. Ueber die während dieser Zeit nicht abgeholten Fahrkarten wird anderweitig verfügt. ein Abteil Eine Bekanntmachung über die Verlegung der& aftfahrzeugftene stelle des Finanzamts Börse finden unsere Leser im Inseratenteil der heutigen Ausgabe. B Probiert Belle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C BOLLE A.G. Bauern fängerrazzia in Karlshorst. Die Die Karlshorster Polizei veranstaltete gestern im Ber ein mit den Beamten des Sonderdezernats der Berliner Kriminalpolizei eine ausgedehnte Razzia auf wilde Buchmacher. Lokale, die als die Sammelstätten der unlauteren Elemente gelten, wurden von größeren Beamtentrupps umfreist. Sodann drang die Polizei ein. Es wurden insgesamt 52 Personen festgenom men bzw. namentlich festgestellt. Unter den Berhafteten befinden fich verschiedene Personen, die auch wegen anderer Straftaten von der Staatsanwaltschaft steckbrieflich gesucht werden. 24. bt. 2. Gruppe: Vormittags 10 Uhr Funktionärfizung bei Winzer, Christburger, Ede Winsstraße. 26. Abt. Ausflug nach Sachsenhausen. Treffpunkt 6% Uhr Teutoburger Blaz. Rachzügler Feldschlößchen. Abfahrt vom Stettiner Bahnhof 7.20 Uhr. 27. Abt. Ausflug nach Rinderland in Birkenwerder. Treffpunkt 7 Uhr Millionenbrüde. Abfahrt 7,26 Uhr bis Birkenwerder. 42. Abt. Familienausflug nach Pichefswerder( Alter Freund). Treffpunkt 8% Uhr Hochbahn Hallesches Tor. Nachzügler 10% Uhr an der Stößenseebrüde. 90, Abt. Reukölln. Waldfeft in der Rönigsheibe. Abmarsch mit Mufit Raifer. Friedrich, Ede Weichselstraße. * Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde, Mitte. Am 19. Juni, abends 7% Uhr, spricht im Berliner Rathaus, Rimmer 309, Genoffe Fechenbach über das Thema Sozialismus als Rulturbewegung". Eltern und Helfer fämt= licher Berliner Rinderfreundegruppen find herzlichst eingeladen. Jugendveranstaltungen. D „ Auf der Walze." Zu einem Unterhaltungs- und Propagandaabend Auf der Walze" nach Aufzeichnungen von Albert Stöfner hatte der Deutsche Metallarbeiterverband in den großen Saal feines Verbandshauses eingeladen. So sehr wie die Idee zu begrüßen ist und so gut sie auch einleitend vor dem vollbesetzten Saal von Helwig begründet wurde, die Verwirklichung ließ noch manches zu wünschen übrig. Diese Walzerlebnisse eines Buchdruckers vor 20 Jahren geben zu wenig Landschaft und soziales Milieu, gefallen sich zu sehr in romantischem Beiwerk. Wie anders, um ein Beispiel zu nennen, wirkt da die Weltreise von Frit Kummer. Immerhin, die Absicht war zu begrüßen. Vielleicht läßt der Metallarbeiterverband einen seiner jungen wandernden Mitglieder einmal seine Erlebnisse schildern. Man wird erstaunt sein, mit wie anderen und reiferen Augen die jüngere Generation sieht. Der Bortrag von Attilio Mordo ,. der geschickt Lieder dazwischen flocht, sprach aut an und das Ebert- Menns Quartett erfreute herzlich durch seine Achtung, Abteilungsleiter und Jugendbeiräte! Gesänge und allen wurde reicher Beifall zuteil. Alles in allem ein begrüßenswerte Anfang wurde gemacht und es ist nur zu wünschen, daß sich die im Herbst folgenden Abende in immer mehr aufsteigender Linie bewegen. Wieder Milchpreiserhöhung. Die Erhöhung des Milcherzeugerpreises hat eine Steigerung des Milchtleinhandelspreises zur Folge. Der neue Preis beträgt ab Sonnabend, den 13. Juni, für 1 Liter Bollmilch ab Laden des Kleinhändlers 29 Pfennige. Der Preis für Magermilch bleibt unverändert mit 8 Pfennigen je Liter bestehen. Der Hauptausschuß für Arbeiterwohlfahrt bittet uns um Beröffentlichung folgender Notiz: In der Sozialen Arbeit wurde die Rusammenkunft sozialdemokratischer Wohlfahrtspflegerinnen als der Anfang einer sozialdemokratischen Berufsorganisation der Sozialbeamtinnen bezeichnet. Eine solche Gründung war weber beabsich. Der Hauptausschuß für tigt, noch wurde sie vollzogen. Arbeiterwohlfahrt wollte die überall verstreut lebenden, schwer arbeitenden sozialistischen Wohlfahrtspflegerinnen zusammen führen, um während ein paar erholsamer Ferientage mit ihnen die Rusammenhänge zwischen ihrer Berufsarbeit und der sozialistischen Weltanschauung zu besprechen. Er beabsichtigt nicht, durch eine neue Berufsorganisation weitere Zersplitterung hervorzurufen. Der Kampf um den Nordpol. Washington, 12. Juni.( Eẞ.) Das Staatsdepartement teilt mit, daß die Nordpolegpedition von Macmillan ver schoben wurde im Zusammenhang mit den Erflärungen der tanadischen Regierung, wonach Kanada das Oberhoheitsrecht auf alle neu entdeckten Gebiete der Expedition Mac Millans beanspruche. Der tanadische Innenminister hat zwar gestern in Ota ma erflärt, daß Kanada nicht den Nordpol beanspruchte, aber alle Gebiete im Nerden des tanadischen Archipels zwischen dem 60. und 142. Grad westlicher Länge. Die Flugzeuge Millans sind gestern in Boston angekommen. Milland hat sich nach Washington begeben, um von der Regierung endgültige Instruktionen einzuholen. Die amerikanische Regierung wird sich mit der fanadischen Regierung ins Einvernehmen fegen. Durch Großfeuer wurde das gesamte Gehöft eines Hofbefizers in Spröße, Kreis Harburg, eingeäschert. Das Wohnhaus fowie die anliegenden und gegenüberliegenden Ställe brannten pöllig nieder. 90 Schafe, 2 Pferde sowie das gesamte In Dentar mit den landwirtschaftlichen Maschinen wurde vernichtet. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Rubrik find Berlin B. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten Achtung, Abteilungsleiter! Für die am 20. Juni zu verbreitenden Spezial- Flugblätter fehlen dem Sekretariat von einer Anzahl Abteilungen die notwendigen Angaben über die Zahl der benötigten Eremplare. Wo feine neuen Versandadressen mitgeteilt werden, erfolgt Zusendung an die alten Adressen. Das Bezirtsjettetariat. 7. Kreis Charlottenburg- Spanban. Die juristische Sprechstunde fällt bis auf weiteres aus.- Heute Sonnabend, den 13. Juni, nachmittags von 5 bis 7 Uhr, im Jugendheim, Rosinenstr. 4, v. 1 Tr., Sprech- und RaffenRaffengeschäftliches, stunden der Freien Schulgemeinde Charlottenburg. Rat und Auskunft in allen Schulfragen. Heute, Sonnabend, den 13. Juni: 1. Abt. Pünktlich 7 Uhr kurze wichtige Funktionärsihung bei 8fchiefing, Aderstr. 1. 36. Abt. Diejenigen Funktionäre, die noch nicht im Besik der Eintritts farten zu unserer am 27. Juni im Steuerhaus stattfindenden Abteilungsbannerweihe find, werden ersucht, diefelben umgehend vom Genossen Sundermann, Betersburger Str. 27, abzuholen. 95. Abt. Reukölln. Alle Bezirke müffen bis Sonntag, den 14. Juni, mittags, beim Genoffen Weibner, Steinmekstr. 16, bestimmt abrechnen( zweds Uebergabe). 137. bt. Reinidendorf.West. 8 Uhr Sigung fämtlicher Funktionäre im Bolts. haus, Scharnweberftr. 114. Morgen, Sonntag, den 14. Juni: 7. Abt. Familienausflug nach Hohenneuendorf, Restaurant Rur Bald. schänke", Berliner Str. 91( am alten Bahnhof Stolpe). Raffeekochen ab 2 Uhr. Abfahrt Stettiner Vorortbahnhof vormittags 8,50 Uhr und 9,10 Uhr bis Frohnau, von dort gemeinsamer Abmarsch. Achtung, Mäbchen! Am Dienstag, den 16. b. M., abends 7½ Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3, Mädchenkonferenz. Vortrag der Genoffin Gener über Frauenerwerbsarbeit". Mädchen, erscheint alle! Alle Fragen eures Berufs- und Erwerbslebens werden von der Genofsin Gener, die eine außerordentlich aute Rennerin dieses Gebietes ist, erörtert werden. Bringt eure Mütter mit. Alle Parteigenoffinnen sind ebenfalls eingeladen. Sente, Sonnabend, abends 7½ Uhr, im Jugendheim Lindenstr. 3, Bor. tändekonferenz. Tagesordnung: 1. Bericht des Bezirksvorstandes( Genoffe Wegener). 2. Unser Samburger Jugendtag.( Werbeveranstaltung am 13. Juli.) 3. Connenwenbfeier am 20./21. Juni. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis fein Zutritt. Abrechnungen erlebigen, Berichtsbogen abliefern, Sonnenwenbfarten abholen. Achtung, Abteilungen Charlottenburg, Moabit I und II! Beteiligt euch an ber Probe für das Festspiel, bas am Sonntag zur Sonnen wenbe aufgeführt werden soll, am Montag, ben 15. b. M., abends pünktlich 8 Uhr, im Volkspark( Jungfernheide). Die Zeitung liegt in den Händen ber Genoffen Ernst Lastowski und Ernst Raben. Werbebezirk Kreuzberg: Alle Abteilungen stellen sich von heute, Sonnabend, bis nächsten Freitag der Arbeiterwohlfahrt zum Straßendienst für die Erhebung über den Kinderbettel zur Verfügung. 84.0 Treffpunkt Heute, Sonnabend, den 13. Juni: 17 Uhr abends Botsdamer Bahnhof. Gabweft: Nachtfahrt nach Berber- Bliesendorf- Colvinfee. Südost( Reichenberger Biertel): Fahrt Sangelsberg- Marfee. Treffpunkt abends 6 Uhr Schlesischer Bahnhof( Saupteingang). Morgen, Sonntag, den 14. Juni: Moabit II: Fahrt Birkenwerder- Bernau. Treffpunkt 6 Uhr Butlikitraße. Often( Stralaner Biertel): Wanderung. Treffpunkt 6 Uhr Stralau Pummelsburg. Charlottenburg, Jungfozialisten und Rinderfreunde! Bald feft nadmittags 3 Uhr auf der Möderismiese in der Jungfernheide. Programm: Mufit, Rezitationen, Festspiel usw. Treffpunkt 9 Uhr vormittags und Nachzügler 1 Uhr nachmittags Suisenplak. Nachzügler werben abgeholt. Werbebezirk Westen: Wandertag auf bem Reiherberg bei Golm ( Wildpark). Treffpunkte: Beften: Früh 6 Uhr Billombogen, Bots. damer Straße: Schöneberg II: 6 Uhr früh Kirchplas, Grunemalditzake; Schöneberg 1: 6 Uhr früh Raiser- Wilhelm- Blah; Friedenau: 6 Uhr früh Bahnhof Wilmersdorf- Friedenau. Abfahrt 7,25 Uhr ab Potsdamer Bahnhof bis Bildpark. Charlottenburg, Salenfee, Schmargendorf, Wilmersdorf treffen fich früh 7 Uhr Bhf. Charlottenburg( Bahnsteig). Fahren bis Wildpark. Berbebezir! Teltowtanal: Werbebegirlstreffen in Bannfee. Alle Abteilungen müffen um 10 Uhr am Bhf. Wannsee eintreffen. Alle Mitglieber müssen au den Treffpunkten ihrer Abteilung erscheinen. Steali 1: 49 Uhr vormittags Bhf. Stegliß zur Fahrt nach Wannfec. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 13. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsftefie: Berlin S. 14. Sebaftianftr. 37/38 Sof 2 St. Ramerabschaft Bernau- Röntgenthal- Labeburg: Sonnabend, den 13. Juni, abends 7½ Uhr, Antreten der gesamten Ramerabidraften zum Propagandamarsch mit Musik nach Börnide. Bersammlungsort Modisch, am Bahnhof. Kamerabschaft Kreuzberg: Sonnabend, den 18. Juni, nachmittags 5 Uhr, bei Biehler, Dieffenbachstr. 76, Abrechnung der Karten von der Gedenkfeier. Bis dahin nicht abgerechnete Rarten gelten als verkauft. Abteilung Südoft: Sonntag, den 14. Juni, morgens 7 Uhr, Wanderung. Treffpunkt Schlesischer Bahnhof( Saupteingang). Kamerabschaft Mitte: Disjenigen Kameraden, die nach Schwebt fahren, richten sich betreffs der falet nach den Anweisungen des Gaues. Sonntag, den 14. Juni, vormittags 10 Uhr, Antreten der gesamten Ramerabschaft Neuer Markt( nicht Alexanderplat) be. treffs Ausmarsch nach Sohenneuendorf und Birkenwerder. Kamerabschaft Reinickendorf: Die Kameraden, welche am Sonntag, den 14. Juni, nicht nach auswärts fahren, besuchen das in der Bockbrauerei, Chauffeeftr. 64, ftatt findende Sommerfest der Rameradschaft Wedding. Kamerafchaft Treptow, Ortsgruppe Baumschulenweg: Beginn der regelmäßigen Spielabende am Mon tag, den 15. Juni. Treffpunkt abends 7 Uhr Baumschulenstraße, Ede Neue Rrugallee. Alle Kameraden nehmen daran teil. Kameradschaft Bantow mit Untergruppen: Montag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, Turnabend in der Wollantstraße. Erscheinen aller Kameraden Pflicht. Kamerabschaft Reiniden. dorf: Montag, den 15. Juni, ab 6 Uhr abends, auf dem Städtischen Sportplag in Reinickendorf- West, Scharnweberstraße, Turnen der Rameraden sämt licher Untergruppen. Kameradschaft Bernau: Montag, den 15. Juni, abends 8 Uhr, Monatsversammlung im Vereinslokal. Wichtige Tagesordnung. Alles muß erscheinen. Märkischer Stenographenbund„ Stolze- Schren". In den Tagen vom, 18. bis 15. Juni hält der Märkische Stenographenbund Stolze- Schren" in Spandau feine 42. Bundesversammlung ab. Am Sonntagvormittag 10 Uhr beginnen im Rant- Gymnasium in Spandau die öffentlichen Wettschreiben in den Ge schwindigkeiten ab 180 Gilben in der Minute. Bereits um 19 Uhr erfolgen die fremdsprachlichen Diktate( griechisch, lateinisch, spanisch, französisch und englisch) und das Wettlesen. Alle Schriftfreunde nach Stolze- Scren find zum Wettkampf und zur öffentlichen Hauptversammlung herzlich willkommen. Sozialdemokratischer Männerchor Friedrichshain". Der Chor beteiligt sich am Sonnabend, den 18. Juni, am Sommerfest der 33. Abteilung bei Schonert in Stralau. Anfang 7 Uhr. Alle Gangesbrüder erscheinen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag vormittag 11 Uhr, Pappelallee 15, Bor trag des Herrn Dr. A. Rosenberg: Die Christenverfolgungen im alten Rom". Harmonium: Adagio aus Sonate pâthétique"( Beethoven). Gäste willkommen. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin.( Gegr. 25. März 1892.) Gonntag, den 14. Juni, Sommerpartie mit Mufit nach Tiefensee bei Briegen a. b. Ober. Abfahrt morgens 8½ Uhr vom Schles. Bahnhof, Briegener Bahn steig, mit bestelltem Wagen. Rarten zu 2,25 M. bei W. Sinz, Prinzenste. 61, und S. Peters, Briger Str.. 35. Landsleute, Gäste find willkommen. 08.0 Arbeitersport. Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", Ortsgruppe Berlin. Touren füte Sonntag, den 14. Juni. 2. Abt.: 4 Uhr Gebbinet Gee, 1 Uhr Wannsee ( Reichsadler). Start Dieffenbachstr. 36. 3. Abt.: Früh 5 Uhr Körbistrug. Start Lausiker Blag. 4. Abt.: Krossinsee. Start 6 und 12 Uhr Weberwiese. 5. Abt.: Werbellinfce 4 Uhr früh, 6 und 12 Uhr Gorinfee. Start Bandsberger Plas. 6. Abt.: 13. und 14.: 6 Uhr abends und früh 5 Uhr Rörbistrug. Start Ropenhagener Str. 26. 8. Abt.: 13.: Abends 6 Uhr Werbellinsee. Start Arminiusplag. 14.: Frith 4 Uhr Arminiusplak nach dem Berbellinfee; 12 Uhr Schönwalde. 8. Abt.: Päger Bordefree früh 5 Uhr, 1 Uhr Rubom( 2indene mirtin). Start Schulstr. 114. 10. Abt.: Frith 4 Uhr Rörbistrug. Start Comeniusplak. Detsgruppe Neukölln: Badetour Bäger Borberfee. Start 5 Uhr früh: 1. Abt. Serkbergplak, 2. Abt. Bahnhof Hermannstraße. Ortsgruppe Nieberschönhausen: Krampenburg. Start 5 Uhr früh Schönhauser Allee, Ede Bornholmer Straße. Drtsgruppe Schöneberg: Saveled. Start 7 Uhr Stubenrauchstr. 5. Ortsgruppe Charlottenburg: Saatwinkel( Familientour) frith 6 und mittags 12 Uhr. Start Galvaniftr. 18. Ortsgruppe Pankow: Budom ( Märkische Schweiz). Start früh 3½ Uhr Floraftr. 24. Ortsgruppe Tegel: Wandertour Bandlig- Bernau. Start 6 Uhr früh Siemensftr. 6. Ortsgruppe Reinidendorf: Früh 5 Uhr Namerfee. Start Residenaftr. 109. Achtung Bezirk 21! Sonnabend, den 20. Juni, Sonnenwendfeier am Bökfee. Lagerund Spielgerät mitbringen. Am Montag, den 15, Juni, abends 7% Uhr, allgemeine Funktionärsihung der Ortsgruppe Berlin in Büttners Feitfälen, Schwedter Str. 23. Erfcheinen aller Funktionäre ist Pflicht. Drisgruppe Treptow- Baumschulen meg: 14.: Start 6 Uhr Baumschulenweg, 6% Uhr Trep tom. 12. Abt. Motorfahrer: 14.: Ramerfee über Sumt. Start 7 Uhr Bahn hof Schönhauser Allee. Parteigenossen mit Motorrädern auf allen Ausfahrten willkommen. BFC. Teutonia 09", e. B.„ Eiche".Elsthal. Seute, Sonnabend, hen 13. Juni, abends 7 Uhr, auf dem Sportplak Teutonia in der Chriftiania ftraße, Spiel gegen die starke Mannschaft Eiche"-Elsthal aus dent Nordkreis. Rur Unterstübung des Arbeiter- Fußballfportes und in Anbetracht eines zu erwartenden Rampfes wird um rege Beteiligung ersucht. Arbeiter- Sportkartell, 11. Bezirk( Schöneberg- Friebenau). Von Montag, ben 15., bis Freitag, den 19. Juni, findet eine Werbewoche ftatt. Montag, 15. Juni: Friedenau, Schulplak Offenbacher, Ede Laubacher Straße, fportliche Borführungen. Anfang 7 Uhr. Dienstag, 16. Juni: Schöneberg. Stabt park am Hirsch, Wanderer und PGD. Anfang 28 Uhr. Mittwoch, liche Vorführungen. Anfang 6 Uhr. 17. Juni: Schöneberg, Dominicusplak, Briefterweg. Ede Sachsen damm, sportDonnerstag, 18. Juni: Demonstration. Treffpunkt 7 Uhr Kaiser- Wilhelm- Blah. Turner und Sportler treffen fich schon um 7 Uhr zum Umtleiden Turnhalle Belziger Straße. Freitag, 19. Juni: Im Garten der Schloßbrauerei Schöneberg, Sauptstreke, turnerische und sportliche Aufführungen. Anfang 8 Uhr. Turner und Sportler treffen fich um 7 Uhr in der Schloßbrauerei zum Propagandalauf. Die Sports. genossen werden um tatkräftige Unterstüßung gebeten, auch von anderen Be zirken. Auskunft erteilt Oswald Greiß, Schöneberg, Gothenstr. 33, 1 r. L, bei Franke. Touristenverein" Die Naturfreunde"( Zentrale Wien). Sonatag, ben 14. Juni, Treffahrt des Werbebezirks Süden- Westen nach dem Lieneriklee bei Arbeiter- Radfahrerverein Groß- Berlin". Sonntag, den 14. Juni, früh 5 Uhr, Badetour nach Rörbistug: 1 Uhr: Müggelschlößchen am Mügge.fec. Arbeiter- Turn- und Sportbund, 1. Kreis, 1. Bezirk( früher 5. Begie!). Am Sonntag, den 14. Juni, findet auf dem Frisch- Frei- Blak in Rieber schöneweide, Berliner Straße, ein Bezirksspielfest statt. Es werben hier Frauen, Jugend und Männer, resp. Alte Herren in Sand-, Faust- und Trommelball für die Turnspielbewegung demonstrieren. Die Veranstaltung widelt sich in folgender Reihenfolge ab: 2 Uhr: Fauftiniele, a) Männer: Röpenic I- Stralau( Bezirksmeister); b) Frauen: Bies airtsmeister); c) 2% Uhr: Alte Serren Köpenid- Fri 3.25 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). Abteilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück:„ Esperanto". 4 Uhr nachm.: Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun.„ Uriel Acosta", Trauerspiel in fünf Aufzügen von Karl Gutzkow. Manasse Vanderstraten, ein reicher Handelsherr in Amsterdam; Judith, seine Tochter; Ben Jochai, ihr Verlobter; De Silva, Arzt, ihr Oheim; Rabbi ben Akiba; Uriel Acosta; Esther, seine Mutter; Ruben und Joel, seine Brüder; Baruch, Spinoza, ein Knabe; De Santos von der Embden, Rabbinen: ein Tempeldiener; Simon, Diener Manasses: Silvas Diener; Tempeldiener; Gäste; Volk. Ort der Handlung: In und bei Amsterdam. Zeit: 1640. 6.45 Uhr abends: Ignaz Jezower: Wie wird ein Film geprüft?" 7.15 Uhr abends: Vortragsreihe des Oberregierungsrats Dr. Th. SchulteHolthausen: Sozialpolitik". 3. Vortrag. Die Sinfonie der Arbeit“. 7.50 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse); Abteilung Michendorf. Gäste willkommen. Naturwissenschaft. Dr. Adolf Marcuse: Astronomie in ihrer Bedeutung für das praktische Leben". 4. Vortrag. Beziehungen der Astronomie zur Erderforschung. Schwankungen der Erdachse. Erdmagnetismus". 8.30 Uhr abends: Konzert. Dirigent: Bruno Seidler- Winkler. 1. a) Mascagni: Als euer Sohn, aus der Oper„ Cavalleria rusticana", b) Puccini: Von unserem Häuschen, aus der Oper, Tosca"( Hanna Gorina, Sopran). 2. a) Puccini: Wie eiskalt ist dies Händchen, aus der Oper Bohème", b) Verdi: Ballade aus der Oper, Maskenball", c) Massenet: Flieh, o flieh, aus der Oper„ Manon"( Petár Raitscheff. Tenor). 3. a) Meyerbeer: Adamastor- Ballade aus der Oper Die Afrikanerin", b) Leoncavallo: Buona Zaza, aus der Oper" Zaza"( Mattia Morro, Bariton). 4. Duett aus der Oper Cavalleria rusticana":" Höre Santuzzá, reize mich nicht"( Hanna Gorina und Petár Raitscheff). 5. Bizet: Vorspiel aus dem dritten Akt der Oper Carmen"( Berliner Funkorchester). 6. a) Verdi: Duett aus der Oper, Die Macht des Geschickes", b) Bizet: Duett aus der Oper" Die Perlenfischer" ( Petár Raitscheff und Mattia Morro). 7. Verdi: Terzett aus der Oper" Troubadour"( Hanna Gorina, Petár Raitscheff und Mattia Morro, Berliner Funkorchester). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. 9 eutölln I( Be( Bezirksmeister); auen- Trommelfpiel: d) Jugend: Oberspree Frisch- Frei( Bezirksmeiſter; e) Neukölln II 2- Stralau; f) 3 Uhr, Jugendfußballspiel: Frisch- Frei- Stralau ( Bezirksmeister); g) 4,40 Uhr, Frauenhandballspiel: Grünau- Neukölln 4( Ost ( Oftdeutscher Meister). Der Eintrittspreis beträgt 20 Bf. Nach den Spielen deutscher Meister); h) 5% Uhr, Männerhandballspiel: Adlershof- Neukölln findet im Saal des Restaurants Waldschlößchen"( 3 Minuten vom Blag entfernt) ein gefelliges Deisammensein statt. Achtung, Kreisvereine! Bezugnehmend auf unfer 25. Stiftungsfest am 29. und 30. August, bitten wir die Bereine, welche Musik mitbringen, diefes unter Angabe der Art und der Stärke des Rorps mit zu melden. Rum Musterriegen- Schauturnen am Sonntag im Stadion Lichtenberg turnt iede Riege 5 Uebungen. Die Riege besteht intl. Riegenführer aus 6 Teilnehmern. Die Riegen fowie Uebungen werden nicht gewertet. Wir bitten, die Uebungen in einfacher Abschrift bis zum 15. Juni einschließlich au fenden an Freie Turnerschaft Lichtenberg- Friedrichsfelde, per Adresse Otto Mattha, Berlin D. 112, Doffeftr. 1, p. 2 Tr. Ob Sin unisen- ob Sin noanimen- eine Sport tunibum. Damen braun echt Chevreau- Spangen in gefälliger Ausführung. Damen- Lack- Spangen, begehrte Artikel, la Qualität 19.50, 17,50, 15.50 1050 1250 Brauner Herren- Halbschuh, 350 echt Rindbox, sehr preiswert Reiseschuhe mit biegsamer Sohle, sehr bequem zum Mitführen, für Damen und Herren 8888 3332 Courad Wanderstiefel für Herren und Knaben, la Vollrindleder mit Doppelsohlen, Herrengrößen 15.50, Knabengrößen 36-40. 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Kaninchen Staats- Theater Lessing- Theater Casino- Theater Opernhaus 7.Frau ohneSchatten Tägl. 8 Uhr: Opernhaus Die Göttin am Königsplatz 7: Troubadour Schauspielhaus auf der Balz 7 U.: Peer Gynt Lustspiel von Schiller Theater Hans Bachwitz 7% U.. Glückspilz Volksbühne 7: Schneid.Wibbel Theater im Admiralspalast Tägl. 8 Uhr: Chocolate Kiddies Die berühmtesten farbigen Künstler Amerikas Vorverkauf ununterbrochen! Sonnt nachm. 3: d ganze Vorstellg. zu halb.Kassenpr. Central Theater 8: Hilfe, ein Kind ist v. Himmel gefallen Th. d Westens Steinpl.931 8U: USCHIS v Jean Gilbert Uschi Elleat, Fr. Schulz Gertrude Berliner Th.i.Komm.- Str. Minh 5080,5083 g ,. D. stürmische Lacher folg Durch den Rundfunk! Berliner Theater 7.45 Uhr: Sommerpreise Anneliese v. Dessau Deutsch. Künstlertheat. Tägl. 8 Uhr Monsieur Trulala Musik von Hugo Hirsch Operettenhaus am Schiffbanerdamm Heute 8 Uhr Der klein.Kuppler ( Le chien qui rapporte) Wallner Theat. Tägi. 8 Uhr Lothringer Str. 37 Tägl.8 Uhr Bis Montag, 15. Juni Der Schlager Die Mädels vom Kurfürstendamm und das bunte Programm. Ab 16. Juni bis 6. August der Ferien wegen geschlossen. Komische Oper 8 U. Dir.: James Klein 8 U. Berlins erfolgreichste Revue: Das hat die Welt noch nicht geseh'n Sommerpreise! Reichshall en- Theater 8 Uhr: Steffiner Sänger ,, Das Deutsche Meer" Lebende Lieder van Ferdinand Meyse! Dönhoff- Brett'i: Saal und Garten Der be rühmte Komponisten- Darsteller Karl Braun Metropol- Theater 8 Größter Erfolg 84 Tausend stiße Beinchen Massenchor schöner Frauen 2,3,4,5,6 M. etc. PARK LUNA Entritt 1 Mark Konzert d. Berl. Philharm. Blas- Orch. Brillant- Feuerwerk Salge's Marmor- Grupp. 5 Borries Erw.60 Pf Nachm. Kind of. baibe Preise 40Pf. Trabrennen Ruhleben Melseken Sonnabd., 13. Juni, nadm. 3U. Herrnfeld 814 Theater 84 im intimen Theater Har noch bis Montag, 15 6. Klabrias- Partie I. und II. Teil Wiedereröffnung 1 September Trianon- Th. 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Großes Konzert Varieté- Vorstellung nur erste Kräfte, 35 Artisten außerdem BALL Die Kaffeeküche ist eröffnet Einlaẞ 3 Uhr Anfang 5 Uhr Bestellen Gie fofort! des Union- Klubs Berlin NW 7, Schadowstr. 8. Annahme von Wetten für alle Ren en in der Zentrale, Schadowstr. 8, in allen Filialen und bei den größeren Renn- Vereinen im Reiche Auszahlung der vollen Totalisatorquoten ohne jeden Abzug. Schriftliche Aufträge und Anträge auf Konto- Einrichtung sind nur an die Zentrale zu richten. Goeben erichienen! 5. Jahrgang Ausgabe 1925 Branchen- Fernsprechbuch für Groß- Berlin und die Provinz Brandenburg einschließlich Grenzmarkgebiete BB bas alleinige, nach amtlichen Unterlagen unter Mitwirkung der Deutschen Reichspoft bearbeitete Branchen- Fernsprechbuch Inhaltsübersicht: 1. Abschnitt: Industrie, Sandel, Landwirtschaft, Gewerbe, Geld, Bant- und Börsenwefen, Berficherungen, Freie Berufe, Sachverständige, Handels- und Industrievertreter, Mufterlager. 2. Abschnitt: Berkehrs- und Transportgewerbe, Spedition, Sondertransporte aller Art, Lagerung, Schiffahrt. 3. Abschnitt: Gaststätten, Hotels, Restaurants; Mufit, Theater, Sichtfpiele, Darbietungen aller Art. 4. Abschnitt: Gefundheitswefen, Aerzte, Zahnärzte, Fachärzte( fyftematisch gegliedert); Tierärzte. 5. Abschnitt: Unterrichtswesen. 6. Abschnitt: Reichs, Landes, Provinsial, Kommunalbehörden, öffentlt.- rechtl. Körperschaften. 7. Abschnitt: Berbände und Bereine( fyftematis nach Fachgruppen gegliederte Übersicht Umfang ca. 1200( XXXX, 16, 1156) Seiten. Erfchöpfen des Sachregifter mit etwa 7000 Fachbegriffen und Branchenübersicht mit ca. 300 000 Adressen. Preis( in Halbleinen): Bei Abholung 15.-; bet Zuiendung I. 8one 16, L., II. Zone 16.50 f.( einschl. Porto und Berpadung). Herausgeber und Verleger Deutsche Reichs- Bofireklame B. m. b. 5. Berlin 66 ( Reichs postministerium) Branchen- Telefon- Adreßbuch Geschäftsstelle: B. m. b. H. Berlin W8 Berlin W8, Laubenstraße 44-45 Fernsprecher: Merkur 5710-5718 Postscheckkonto: Berlin 13534 Sie können das BTB 1925 nicht entbehren! Bei Ein und Verkäufen sowie zur Beratung nur das BTB! Badeartikel Frottierhandtuch aus gutem Kräuselstoff. 1.35 Badeanzug für Herren, schwarz Trikot. 1.95 Badeanzug Damen schwarz Trikot m. farbig. 3.75 für Besatz und Ueberrock. für Badelaken fr Kinder aus gutem Kräuselstoff. 3.25 Badecapes weißer Kräuselstoff..10.75 Bademäntel für Damen oder Herren 13.75 Weißwaren Opal- Blende in guter Qualität Schillerweste aus gutem Rips. 1.0.75 mit Kleiderweste Kra0.85 gen und Spitzengarnitur 1.25 Kleiderweste aus Spitze mit Opalstreifen. 1.90 Wilmersdorfer Str. Rose- Theater Deutscher Metallarbeiter- Verband 814 Uhr: Der ledige Ehemann Berwaltungsstelle Berlin. Gartenbühne: Sonntag, 14. Juni, vorm. 9, Ahr. 7% U.: Rund um im Jugendfaal des Berbandshauses, die Berolina Cinienfte. 83/85: Theater a. Kottb. Tor Tägl. 8 Uhr: SCHUT Branchenversammlung der Emaillierdrahtzieher u. Spulerinnen Berlins EliteSänger enangelegenheiten. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zur Lohuregelung der Branche. 2. Bran KonkurrenzButrut haben alle in der Branche be loses Juni- fchäftigten Rolleginnen und Rollegen Jn Anbetracht der wichtigen Tages Programm. ordnung ist es Pflicht, zu erscheinen. MARKE Quittungs- Rabatt Reklamemarken fetuar seit 453ahren as Spezialitat Conrad Müller Schkeuditz Leipng KrauseSonntag, 14. Juni, vorm. 9½, Uhr, im Sigungsfaal des Berbandshauses, Cinienfte. 83/85: Branchenversammlung der Drahtwalzer Berlins. Tagesordnung: 1 Stellungnahme zur Lohnregelung der Branche. Bran henangelegenheiten. Rutritt haben alle in der Branche be ihäftigten Solleginnen und Rollegen Jn Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht, zu erscheinen. Pianos Achtung! Berwaltungsmitglieder! zur Miete Ansbacher Str. 1, Fake Karfürstenstraße Reederei Falkensteinstr.48 Wir ersuchen unsere Rollegen BezirksTefter dringend, uns die Namen und reffen der Wahllofale für die Wahl zum Gewerkschaftsfongreß belanntzumachen. Die Ortsverwaltung. Kieck Moritzpl.8197 Ab Oberbaumbrücke täglich außer Sonnabends reizvolle Dampferianrten nach Neu- Heringsdorf und Woltersdorfer Schleuse Abfahrt: Sonntags 12 u. 2 Uhr mittags, Wochentags 9 Uhr vorm. Fahrpreise für Hin- und Rückfahrt: Sonnt: Neu- Heringsdorf 1.50 M., Woltersdorf. Schleuse 2. M. Wochent.: 1.50, " 1.Kinder die Hälfte Ferner: Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag reizvolle Dampferfahrten über Pfaueninsel. Potsdam, Caputh, Ferch am Schwielowsee. Abiahrt: 8% vorm ab Marschallbrücke u. 9 vorm. ab Charlottenburg Tege er Weg. Fahrpreis hin und zurück 3 M. 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Aufhellung der geschichtlichen Zusammenhänge legt Motive und Folgeerschei nungen bloß, die heute meiterwirken, läßt( troß Unterbrechung der internationalen Beziehungen und deren grundlegende Beränderungen burch den Krieg) eine kontinuierlichkeit der Zollabsichten erkennen, in der sich jene verhängnisvolle Beharrung deutlich macht, die jenseits von jedem gesamtwirtschaftlichen Interesse, das allein Leitmotiv staatlicher Wirtschaftspolitik sein dürfte, nur dem Ziele zustrebt, mit den alten bewährten" Mitteln die gleichen oder noch größere Sonderprofite für bevorzugte Wirt schaftskreise zu erzielen. So hat auch der erste, wesentlich geschichtliche Teil des neuen umfangreichen Wertes über„ Die Zukunft der deutschen Handelspolitit", das der bekannte Kieler Weltwirtschaftler Bernhard Harms eben vorlegt( Verlag Gustav Fischer in Jena) eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. Waren, wie Harms sagt, „ die norddeutschen Großgrundbesitzer" in der Zeit vor und nach 1870 Träger der deutschen Freihandelsichule, fo fragt sich, weshalb? Weshalb zum Beispiel erflärte noch 1673 im Reichstage bei den Berhandlungen über die Eisenzölle der Abgeordnete von Behr als Wortführer der Agrarier: Nächst dem Brot und Fleisch ist nichts wichtiger als freies Eisen. Solange ein deutsches Schiff unsere Ostsee befährt, solange wir in den Provinzen der Ostsee, wo wir kein Eisen herausgraben, sondern sehr viel Eisen hineingraben müssen, um eine Ernte zu haben, solange dort der Landmann seinen Boden zu bestellen haben wird, folange werden wir freies Eisen verlangen. Es gab auch damals in Deutschland Schutzöllner; fie saßen in den Kreisen der süddeutschen Baumwollspinner, zu denen sich als bald die rheinisch- westfälischen Eisenproduzenten gesellten". Deren Absichten widerstrebten die preußischen Junker, die bis in die fiebziger Jahre hinein Getreide und Vieh ausführten und deren befter Kunde England war".„ Sie schworen," wie Karl Rautsty in feinem Büchlein handelspolitik und 50: ataldemokratie" sagt, auf die Harmonie der Inter effen zwischen oft elbischer Junter und englischer Fabritantenherrlichte it". Diese Harmonie der Intereffen" war eine ganz massive wirtschaftliche Realität. Sie beruhte auf dem Unterschied der Breise landwirtschaftlicher Brodukte in Eng land bzw. Preußen, für die Kautsky( nach Conrad) folgendes Zahlen: beispiel anführt. Es foſtete die Tonne( 1000 Kilo) Roggen Weizen Differenz zwifchen in England in Preußen in Preußen engl. Weizen- u preuß. Weizenpr. Roggenpr. 157,8 212,2 144,6 139,2 1816-1820. 364,0 206,2 151,8 1821-1830 266,0 • 121,4 126,8 18831-1840 254,0 138,4 100,6 115.6 153,4 1841-1850 240,0 167,8 123,0 72,8 117,0 1851-1860 250,0 211.4 165,4 $ 38,6 84,6 248,0 204,6 154,6 43.4 93,4 1861-1870 179,2 11,2 67,24 Sonnabend, 13. Juni 1925 steuerpflichtig sind, nämlich beim Endverkauf der Konzernprodufte, trifft die Umfagsteuer die Abfaz- und Verwertungsgenoffenschaften zweimal. Das ist eine ganz offenbare, durch nichts zu rechtfertigende steuerliche ungerechtigkeit. Das gleiche gilt, mie schon immer betont, von den Konsumgenossenschaften. Die Konsumgenossenschaften verkaufen, soweit sie nur Mitgliedern verfaufen, überhaupt nicht an einen Dritten, sondern an den Träger der Genossenschaft selbst. Bei den Erwerbsgenossenschaften tönnte infolgedessen nur eine einmalige Besteuerung beim End verkauf, bei den Konsumgenossenschaften dürfte überhaupt keine Besteuerung stattfinden. Nachdem den Konzernen die innere Umsatzsteuerpflicht erlassen ist, wäre es deshalb die allerhöchste Zeit, das Umfaßfteuerunrecht auch bei den Genossenschaften endlich zu beseitigen. Die Wechselschulden der Landwirtschaft. Sein abschließendes Urteil über die Bülowsche Handelspolitit nennt Harms im allgemeinen günstig". Seine Bemerkung, daß allerdings in die Zeit dieser Politit zwei ungewöhnlich günstige Weltmarktkonjunkturen gefallen seien, darf jedoch nicht übersehen werden. Wie stellt sich die Antwort auf die Frage: war die Entwick Lung günstig mit oder troz Bülowscher Politik? Harms gibt zu: 3m einzelnen hat der Tarif( von 1902) freilich empfindliche Hemmungen der Ausfuhr mit sich gebracht; insbesondere haben die Zölle auf Roheisen und Halbzeug die internationale BettBir haben mehrfach von den großen Wechselschulden berichtet, bewerbsfähigkeit der eifenverarbeitenden Industrie je länger defto die die Landwirtschaft aufgenommen hat, aber nicht einlösen empfindlicher geschwächt." Auch darf nicht verkannt werden, daß es tann. Nach der Boss. 3tg." betragen diese Wechselschulden innerhalb der deutschen Industrie enormer Anstrengungen bedurfte, 620 bis 630 millionen Mart. Für die meisten dieser Wechselum sich den neuen Verhältnissen anzupassen". Hatte sie schon tredite dürfte eine weitere Berlängerung auch schon deshalb un unter felten günstigen internationalen Ron möglich sein, weil die Kreditgeber ihre in Wechseln angelegten juntturverhältnissen alle Nerven anspannen müssen, so flüssigen Mittel zurüdhaben müssen und auf die Dauer die war nicht von der Hand zu weisen, daß der geringste Rüdinslaften für die Landwirtschaft zu hoch sind. Man hat deshalb daran gedacht, die Wechselschulden in hypotheten umzu= ichlag auf dem Weltmartt ihre Position mutmaß wandeln und zu diesem Zweck, da Auslandskredite nicht zu haben lich schwer erchüttert und in der Folge auch die Lage sind, die Prämienreferpen der privaten Versiche der Arbeiter merklich verschlechtert hätte, was zungsgesellschaften heranzuziehen. Es ist auch ein Ge wiederum zu verringerter Nachfrage nach Erzeugniffen der bäuer fegesantrag eingebracht worden, der die zentrale Sammlung und hypothetarische Berteilung vorfah. Wie jest gemeldet wird, lichen Wirtschaft geführt haben würde." waren diese Bemühungen bisher ohne Erfolg. Obwohl die Bersicherungsgesellschaften grundsäßlich dazu bereit, sind einmal die verfügbaren Mittel außerordentlich gering, dann haben die Gesellschaften von sich aus einen Teil ihrer Prämienreferpen bereits legt; endlich haben die Anlagevorschriften des Reichsaufsichtsamts früher in erstklassigen ländlichen und städtischen Hypotheken ange den größeren Teil der Prämienreserven bereits für andere Ander Wechselschulden der Landwirtschaft nicht mehr viel Raum bleiben. lagearten freigestellt. So bürfte für die gesetzgeberische Regulierung Die Situation der legten Bortriegszeit schildert Harms in außerordentlich bedeutungsvollen und für die Gegenwart beachtenswerten Darlegungen: der breiten Massen, insbesondere der industriellen Lohnarbeiter, die Bom Jahre 1911 ab zeigte sich überdies, daß die Lebenshaltung bis dahin ständig gestiegen war, stagnierte und zum Teil sogar rüdsinkende Tenbenz auf; die sich zwar noch in bescheidenen läufiger Bewegung Plah machte." Der Reallohn wies Brenzen hielt, aber doch erkennbar mar." ,, Dies alles ließ in Verbindung mit den unerhörten Anstrengungen der Industrie deutlich erkennen, daß Grenzen erreicht waren, die ohne schwere Folgewirkungen nicht überschritten werden durften. Der Inlandsmartt war für industrielle Erzeugnisse schließlich überlastet, so daß die volle Ausnutzung der Leistungskapazität der industriellen Betriebe nur durch weitere Steigerung der Ausfuhr zu erreichen war. Dieser aber stellten sich ständig größere Schwierigkeiten ir den Weg." Diese Schwierigkeiten sieht Harms darin, daß in den Ländern der Bertragsgegner die Bestrebungen auf weitere Steigerung der Bölle gleichfalls im Wachsen begriffen waren", und daß auch das überfeeische Ausland" fich zum Zwecke der Heranbildung eigener Industrien ständig mehr zum Bismardschen Grundsatz von der Aus bildung des nationalen Marktes" bekannte. Unter diesen Umständen murde die Berwirklichung der in Deutschland vor dem Kriege propagierten meiteren 3ollforderungen von allen Einsichtigen als Beein trächtigung der Ronfurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf dem Beltmarkt" angesehen. Aus solchen Darlegungen ergibt sich unter Berücksichtigung ber gegenwärtigen Lage, wie sie zum Beispiel Artur Saternus in jeiner Schrift 3ölle und Produktionskraft"( Jen, Thüringer Berlagsanstalt und Druderei) geschilder hat, die Nutzan wendung auf die Zollvorlage der Regierung von selbst. Wenn die Bülowsche Handelspolitit unter günstigen weltwirtschaftlichen Be: hältnissen zu bedeutenden Schwierigkeiten, zur Verschlechterung der Lage der Arbeiterschaft führte, was muß dann die Folge der jetzt beabsichtigten Bollpolitik sein? Die historischen Darlegungen des angesehenen Kieler Gelehrten tönnen unsere Auffassung nur unter ftügen, daß die deutsche Arbeiterschaft um ihres Lebens willen dem Bollwucher den stärksten Widerstand entgegensetzen muß. 1871-1875.. 246,4 285,2 Bie man sieht, war England für die preußischen Getreideprodu. zenten ein günstiges Absatzgebiet, und um so günstiger, je beffe: die Produktionsgebiete zu meerverbindenden Wasserwegen lagen. Diese Berhältnisse änderten sich, wie die Tabelle zeigt, im Laufe der Jahrzehnte sehr beträchtlich. Nach dem Tiefstand der Breije in Breußen in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stiegen fte hier weit stärfer an, als fie in England zurüdgingen. Es erfolgte eine Annäherung zwischen den englischen und preußischen Preisen, melche die Differenz fast zum Berschwinden brachte. Deutschland entwidelte sich eben„ mit großer Schnelligkeit vom Agrar erport. Von der Reichstagung der Bauerngenossenschaften. zum Agrar im portland":" Seit 1856 übermog der Mehrimport non Roggen, seit 1870 von Gerste, seit 1872 von Hafer, seit 1876 von Weizen"( Harms). Als die Agrarier durch Getreiderport nichts mehr profitieren konnten, die Inlandspreise aber notleidend" wurden), Bismards fistalisches Intereffe( deffen Richtung duch persönliche Steuerscheu nach dem Zeugnis Bebels start beeinflußt war) hinzu fam, war das Kartell" als„ nationale" Interessen harmonie zwischen den von einer schweren Weltfrise benachteiligten Industriellen und den Agrariern schnell hergestellt. 1879 beschloß der Attentats- Reichstag Sozialistengefeh und Schutzölle. Der Zolltarij von 1879 war nicht besonders hoch; seine eigentliche Bedeutung lag in der grundsäglichen Abkehr vom Freihandel". Nachdem dieser Schritt gemacht war, ließen Bollerhöhungen nicht lange auf fich marten; bereits 1887 wurden die Getreidezölle ver. fünffacht. Die sogenannte Capripische Handelspolitik führte dann wieder zu einer Ermäßigung, bis mit dem 1. März 1906 ber 3olltarif des Jahres 1902 mit höheren Sägen in Kraft trat. Harms bezeichnet die Gayrivische Handelspolitik als die Konsequenz der Verschiebung des deutschen Wirtschaftslebens vom überwiegenden Agrar zum überwiegenden Industriestaat": Es galt, die schnell wachsende deutsche Industrie vor den Folgewirkungen dec Absperrmaß nahmen der als Ausfuhrgebiete hauptsächlich in Betracht kommen den Länder zu schützen." Das geschah durch den Abschluß lang fristiger Handelsverträge, die auf Grund des Zolltarifes vom 25, Dezember 1902 nur unter großen Schwierigkeiten erneuert werden konnten. Es mußte in Kauf genommen werden, daß die fünftige Ausfuhr von deutschen Fabrikaten und Halbfabrikaten in die Bertragsländer" außerordentlich erschwert" murde. *) Beizen und Roggenpreise im preußischen Landesdurchschnitt *) Weizen und Roggenpreise im preußischen Landesdurchschnitt nach Béla Földes in Conrads Jahrbüchern: Weizen Roggen 210 174 230 177 Weizen Roggen 1871. 250 164 1876 0 1872 242 168 1877 1873 264 192 1878 202 148 1874 240 198 1879 179,9 132,8 1875 196 166 ( Berliner Preis) MONDAMIN Delikatess PUDDING Joh. Krezen- Solingen. Die Doppelbesteuerung der Genossenschaften. Auf der Tagung des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, in dem heute über 65 Prozent der 39 269 deutschen landwirtschaftlichen Genossen schaften zufammengefaßt find, tam die unter den heutigen Krisen perhältnissen besonders beachtenswerte schwierige. Lage der Bauern schaft deutlich zum Ausdruck. Mit besonderem Nachdruck wurde auf das Denaergeschenk der kurzfristigen Wechseltredite an die Landwirtschaft hingewiesen, die für viele Betriebe zur Katastrophe führen müsse. Hervorzuheben sei, abgesehen von der Form als Bechfeltrebite, die desorganisierende Birkung, ber Bielfall der gewährten Sonderkredite.( Es ist bekannt, daß die preußische Zentralgenossenschaftstasse mehr als zwei Dutzend Konten für Sonderkredite führen muß, mas zu einer schweren Belastung des Betriebes führt.) Die heutige Höhe der Zinssäge sei unerträglich. Die Birtiamkeit der Breußischen Sentralgen of fenfchaftstaffe fei äußerst segensreich gewesen; es würde in der gesamten genossenschaftlichen Kreditorganisationen schlimmer aus gesehen haben, wenn die Preußenkasse nicht zur Verfügung gewesen wäre. Bank für Landwirtschaft. reuth, der als sorgenvoller Landbandbankier zur Mobilisierung der Ueber die Einführungsrede des Landbundgrafen Kaldfestgefrorenen Landwirtschaftlichen Kredite Getreidezölle über die Bellvorlage hinaus verlangte, haben wir schon berichtet. Der weitere Berlauf der Generalversammlung ließ erkennen, daß an diesem Gej chöpf des Reichslandbundes pieles faul ift. Als die Bank für Landwirtschaft in ihrem Erpanfionsdrang auch die alte Potsdamer Kreditbank verschluckte, wollte es zunächst fo fcheinen, als ob Anlagejpekulationen der Botsdamer Kreditbank die Ursache der ungünstigen Entwidlung der Bank für Landwirtschaft seien. Wenigstens gebärdete sich die Verwaltung der Bank für Landwirtschaft so. Jezt gab einer ber Direktoren der Landbundbank zu, daß für die Beteiligungen an der Chemischen Berke Michendorf A.-G., die ſtilliegt, und an der Bureaumöbelfabrik A.-G. Trebbin bereits in der Golderöffnungsbilanz der Botsdamer Kreditbank Abschreibungen erfolgt und Reserven gestellt sind. Von dem Banfier Wechsler wurden die eigenen Beteiligungsgeschäfte der Landbundbank dagegen scharf in dis Sange genommen und festgestellt, daß bie Wintershall übertragene Quotenverwertung der Kalibeteiligung bestenfalls 4 Proz. Gewinn bringen fönne, weshalb die Einsegung der Kaliintereffen mit 5Millionen Mart viel zu hoch sei. Wären die. vielfach gebotenen Abschreibungen bei den Attiven erfolgt, jo hätte die Bant für Landwirtschaft nicht nur ohne Dividende, sondern mit Berlust ab schließen müssen. Am schärfsten wurde die Geschäftspolitik der Bank Geh. Rechnungsrat Bernau, fritisiert. Wie die Dinge liegen, habe für Landwirtschaft von einem anderen unabhängigen Aktionär, dem die Bank für Landwirtschaft feineswegs das Bertrauen, das sie bei den Aktionären, der Börse und der Landwirtschaft nötig habe, um Erfolge zu erzielen. Die Bilanz mache einen geradezu gefährlichen Eindruck. Von den 12 Millionen Verbind lichkeiten, von denen 5 Millionen jederzeit abgerufen werden fönnten, jeien nur 2 Millionen durch Kasse und Bankguthaben gedeckt. Die meisten Wechselforderungen sind, was das Lamento des Grafen Kaldreuth ja bestätigte, bei den zahlungsunfähigen Landriesige Waffertopf der Verwaltung, der abgebaut werden wirten festgefroren. Unerträglich für das Gedeihen der Bank jei der müßte. Fünf Direttoren( bazu zwei allein für die toten Staliintereffen) und 37 Berwaltungsräte feien mit der Verwaltung des kleinen Gesellschaftsvermögens beschäftigt. Die Antwort des Grafen Kalkreuth und der Direktion auf diese nur zu berechtigten Angriffe war sehr schwach. Sie unterstrichen nur das De bakle, das die Generalversammlung enthüllt hatte. Die Bant hatte am 31. Dezember 1924 6,5 mill. M. Wechselschulben, die ihr niemand prolongteren wird, obwohl sie ſelbit bei den gang? wirten jeftiiegt. Daß sie von der Rentenbank und der Deutchen Girozentrale erhebliche Kredite und zwar zu billigeren Einfäßen hat, unterstreicht nur die Erklärung der Dividendenlosigkeit aus dem Verschwendungsaufwand für unproduktive Personal- und Filialtoften. Man bedente, daß eine fo günstige Zeit für Bankdividenden, wie das Jahr 1924, auf absehbare eit nicht wiederkehren fann, weil die beginnende Wirtschaftstrife auch dem Zinsmonopol der Banten ein Ende sezen muß. Was die Generalversammlung der Bant für Landwirtschaft also gelehrt hat, ist, daß sich der Reichslandbund, der mit so großem Getöse und so großen Prätenfionen jeine Bolitik macht, bei der meitaus wichtigsten feiner Unternehmungen nicht nur einen schweren Miherfolg, sondern auch eine empfindliche Bloßstellung vor der Deffentlichkeit erfahren bat. Wiederaufnahme der deutsch- italienischen Handelsvertragsverhandlungen. Ministerialdirektor Dehnhart, der Nachfolger des ertranften Ministerialdirektors Stockhammers als Borsigender der deutschen Handelsdelegation, ist in Rom eingetroffen. Die Ber Von den gefaßten Refolutionen ist diejenige von allge meiner genoffenschaftlicher Bedeutung, die sich ge gen die Doppelbesteuerung der Ilmjäge bei ben land wirtschaftlichen Absah und Berwertungsgenossenschaften richtet. Tatsächlich liegt die Frage der 11 mia besteuerung bei den Genoffenschaften ganz anders als bei den Syndikaten und Interessengemeinschaften der Industrie. Bei den Erwerbs- wie bei ben haushaltswirtschaftlichen Genossenschaften ist der genossenschaft liche Absaz, Verwertungs- und Konsumbetrieb ein organischer Behandlungen werden sich voraussichtlich nur auf einzelne technische zur zweckmäßigeren Wahrnehmung der Betriebs- und Marktinter ift. Die Verhandlungen werden auch durch die nur bedingte Anftandteil der Mitgliederbetriebe und der Mitgliederhaushalte. Nur Fragen erftreden, da das neue Tarifgefeß noch nicht angenommen effen find von den Mitgliedsbetrieben oder Mitgliedshaushalten die nahme des spanischen Handelsvertrages ungünstig beeinflußt, Abjag, Berwertungs. pder Einkaufsinteressen losgelöst und in gröda ble Landwirtschaftlichen Kreise Italiens befürchten, daß bei ber Beren Betrieben zusammengefaßt. Es besteht zwischen den Mit Ratifitation wesentliche Buntie abgeändert werden könnten und die industriellen Krelse wenig abgeändert werden könnten und die indugliebs und ben Genossenschaftsbetrieben mindestens dieselbe 2b ftriellen Kreise menig geneigt find, Jugeständnisse zugunsten der hängigteit mie zwischen den Mutter und Tochtergesellschaften Landwirtschaft zu machen, die zum Abschluß des Vertrages notber Konzerne, Während die Konzerne aber nur einmal umfag- wendig find. der echte Südfruchtpudding nach holländischer Art. Das liebliche Aroma( keine Essenzen) und die glücklich gewählte Eigenart seiner Zusammenstellung verleihen dem Mondamin- Delikatess- Pudding seinen pikanten Geschmack. Mondamin- Delikatess- Pudding ist etwas ganz Leckeres wie jeder stus MONDAMIN- FEINKOST- PUDDING Gegen den Zollwucher. at Kreditdebatte im Landtag. Der Preußische Landtag nahm am Freitag zu Beginn der Sigung zunächst einige Anträge zur Behebung der Kreditnot des Mittelstandes, der Landwirtschaft usw. an, darunter einen Antrag auf Bewilligung eines Kredites von 50 Millionen Mart. Hierauf ging das Haus zur zweiten Beratung des Haushaltes der Landwirtschaftsverwaltung für das Rechnungsjahr 1925 über. Abg. Heilmann( Soz.) eröffnete die Aussprache mit einer groß angelegten Rede über die 2grarzölle, die besonders in ihrem letzten Teil zu einer Anklage gegen die Förderer des Zollwuchers wurde. Anfangs suchten die ganz Dummen auf den Bänken der Rechten den Gen. Heilmann mit albernen Zwischenrufen aus dem Konzept zu bringen. Allmählich verstummie aber der wißig seinsollende Widerspruch der Krautjunker und ihrer parlamentarischen Knechte und Heilmann gelang es, das ganze Haus in den Bann seiner überaus wirkungsvollen Rede zu ziehen. Die Klage über die schwere Bedrängnis und den drohenden Zusammenbruch der Landwirtschaft begann Heilmann haben wir beim Haushalt der Landwirtschaftsverwaltung jedes Jahr gehört und sie ist uns auch in diesem Jahre nicht erspart geblieben. Ilm diese Klagen auf ihre Berechtigung zu untersuchen, müssen wir die Entwicklung der Landwirtschaft in den letzten Jahren einmal in großen Zügen überblicken. Als der Krieg und die erste Revolutions= zeit vorüber war, wurde vom Jahre 1920 an die Zwangswirtschaft schnell zerschlagen. Jetzt auf einmal blieb an der Zwangswirtschaft fein gutes Haar. Die ganze Zwangswirtschaft war lediglich Budenschwindel der Kriegsgesellschaften. Ja, Sie behaupteten sogar, die ungeheure Uebersetzung des Zwischenhandels werde aufhören, sobald man nur den freien Handel wieder einführe. Tatsächlich hat sich das Gegenteil gezeigt. Der Zwischenhandel mit Lebensmitteln ist heute noch ungeheuerlich übersetzt, als je zuvor. Nun wurde wahllos alles mögliche eingeführt, Notwendiges, Nügliches, Ueberflüffiges und Schädliches. Sehr richtig! und Leider! bei den DBp.) Seitdem wir feine Zwangswirtschaft mehr haben, wird Mehl eingeführt, statt Getreide, wird fertige Margarine eingeführt statt Delfrüchte oder Delfuchen. Was wir heute in der Wirtschaft sehen, ist geradezu ein Herenscbbat des uralten Manchestertums, eines Prinzips, das Sie( nach rechts) früher nicht für heilig gehalten haben. Wie erfolgte nun die Stabilisierung? Das Betriebsfapital war durch die Inflation troh scheinbarer Blüte von allen Sachwertbefizern überall aufgezehrt. Segt tamen die außerordentlich hohen Steuern, und die trafen für die Landwirtschaft zusammen mit niedrigen Preisen. In diesem Moment gab es noch eine Möglichkeit, den Landwirten zu helfen. Otto Braun schlug ihnen vor, die Düngemittel staatlich zu übernehmen und den Landwirten gegen Kredit zur Verfügung zu stellen. Sie( nach rechts) haben den Blan abgelehnt. Die neuen Schulden der Landwirtschaft sind nur ein Bruchteil der alten, aber die alten Hypotheken wurden mit 4 Proz. verzinst, und die neuen Schulden müssen mit 16 und 18 Broz. verzinst werden. So ist die Verschuldung der Landwirtschaft binnen wenigen Monaten wieder eine ganz ungeheure geworden. Als Sozialisten find wir grundfäßlich Anhänger und Bejaher der weltwirtschaftlichen Durchorganisierung der Welt. Darum hat von unserem grundsätzlichen Standpunkte aus tein Volt das Recht, irgend etwas verfallen zu lassen, was aus seinem Boden erzeugt Oeffentliche Bekanntmachung. Die Kraftfahrzeugfteuerstelle des Finanzamts Börse, zurzeit Berlin, Segelplag 2, wird mit Wirkung vom 16 d. Mis. nach Berlin N. 24, Friedrichstraße 107, linfer Seitenflügel, 1 Treppe, Einfahrt Raltscheunenstraße, verlegt. Sie bleibt wegen des Umzuges am 15. d. Mts. für das Publikum geschlossen. Berlin, den 11 Juni 1925. Der Präsident des Landesfinanzamts Berlin. merben tann. Deshalb wäre es ganz unsozialistisch, etwa zu sagen: lassen wir die Landwirtschaft zugrunde gehen und werden wir ein reiner Industriestaat. Dieser Standpunkt würde sich mit unseren grundsäglichen Anschauungen in feiner Weise vertragen. Wir bejahen die Notwendigkeit einer starken und gefunden, einer möglichst produktiven Landwirtschaft. Prüfen wir run auf dieser Grundlage, ob die von Ihnen geforderten Zölle das rechte Mittel zur Erreichung dieses Zieles find. Sie fordern jetzt die Zölle aus zwei Gründen: Als Ausgleich für die Industriezölle und als Ausgleich für die Umsatzsteuer, die mit Recht innerer 3011 genannt wird. Was die Industrie anbetrifft, so hat die Landwirtschaft, glaube ich, feinen Grund, troß all ihrer Nöte mit Neid auf die Industrie zu blicken. Daür, wie es heute der Industrie geht, brauche ich nur den Namen Stinnes zu nennen. Die Industriekrise wird sicherlich nicht dadurch erleichtert, daß der Dawes- Vertrag uns sehr bald zu einer jährlichen Zahlung von 2½ Milliarden verpflichtet. Diese 2½ Milliarden sind unzweifelhaft eine Extrafteuer, eine Ertrabelastung der deutschen Industrieausfuhr. Wohin soll nun die deutsche Industrie exportieren, menn nicht nach den Ländern, die Lebensmittel erzeugen, die industriell noch nicht übersättigt sind? Mit Minimalzöllen für alle landwirtschaftlichen Produkte, mit dem lückenlosen Bolltarif bekommen Sie die Han delsverträge nicht, auf Grund deren Sie die Leistungen aus dem Dames- Abkommen tatsächlich erfüllen können. Aber prüfen wir nur, ob die Zölle der Landwirtschaft selber helfen. Unserer Ueberzeugung nach ist auch die deutsche Landwirtschaft gezwungen, sich möglichst rasch und immer mehr auf hochwertige Produkte umzustellen, auf die Erzeugung von Vieh, Fleisch, Obst, Gemüse und Hackfrüchten. Nun sagen Sie vielleicht, diese Zölle würden dazu beitragen, die Produktion in der Landwirtschaft zu steigern. Das umgekehrte wird der Fall sein. Es wird den Herren nicht unbekannt sein, daß sich der Getreidezoll, wenn er eingeführt ist, in Grundrente umjeht. Wenn also im landwirtschaftlichen Besitz ein Besigwechsel stattfindet, so muß der neue Besizer um so viel mehr bezahlen, als der Getreidepreis und der Preis der anderen landwirtschaftlichen Produkte durch die Zölle höher ist. Heute ist der Befigwechsel un, endlich viel schneller. Ueber allen diesen wirtschaftlichen Gedanken steht an Bedeutung und Tragweite der soziale Gedanke, der die Annahme von 3öllen einfach unmöglich macht.( Sehr richtig! b. d. G03.) Sie wollen ja nicht nur Zölle. Sie wollen gleichzeitig die Wiederherstellung der Ausfuhrfreiheit für deutsches Getreide. Sie( nach rechts) stehen nicht auf dem Standpunkt, daß, was auf deutschem Boden wächst, den Deutschen gehört. Sie verleugnen diesen nationalen Gedanken. Sie verlangen die Freiheit, Ihr Getreide an den zu verkaufen, der am höchsten bezahlt.( Sehr richtig! bei den S03.) Darum wirkt sich der 3oll in seiner vollen sozialen Schärfe aus, und er wirkt auf jede Familie um so stärker, je größer die Familie ist.( Sehr wahr! bei den Soz.) Und nun appelliere ich an das Zentrum. Die Zentrumspartei fennt die ganze Gefahr des Bevölkerungsstillstandes, des Zweikindersystems, in der das deutsche Volt steht. Vom Zentrum fann man das nicht erwarten, daß es eine derartige unsoziale Politik mitmacht. Die deutsche Wirtschaft in Industrie und Landwirtschaft kann nur saniert werden durch den schärfsten 3 wang zur Ralfu lation und zur Rationalisierung der Produktion. Das gilt für die großen Konzerne genau mie für die großen Güter. Verlängerung der Arbeitszeit, Lohndruck, Zölle sind nicht die Heils mittel für die deutsche Wirtschaft. Begreifen Sie doch bitte einmal, daß die Wirtschaftspolitik fein Ding für sich ist, sondern in untrennbarem Zusammenhang mit der Außenpolitik steht.( Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Erfüllungspolitik mit Hochschuhzöllen ist genau folch unmöglicher Unsinn wie Erfüllungspolitit unter Schwarz- Weiß- Rot. Erfüllungspolitif, Handelspolitik und Sozial politit sind eine Einheit! Der Sicherheitspatt mit seiner Abrüstung steht in untrennbarem 3usammenhange mit der Ab rüstung der Industriezölle, und dies beides wiederum fann nicht von der Ratifikation des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag getrennt werden.( 3uruf rechts: Bei den anderen!) Bei den anderen und bei uns. Was braucht die Landwirtschaft wirklich? Das ist das erfte: Sofortige Beseitigung der Umfaßffeuer. werden. Das zweite ist die Beseitigung der Eisenzölle. Die Landwirtschaft muß darauf bestehen, daß ihre Produktionsmittel verbilligt Ihr wichtigstes Produktionsmittel ist das Eisen, das in allen ihren Maschinen steckt. Das dritte, was wir gemeinsam zu tun hätten, wäre die Kreditverbilligung. Der Herr Berichterstatter hat dargelegt: Aus eigenen Mitteln kann sich die Landwirtschaft heute den nötigen Kredit nicht verschaffen, der Staat muß ihn ihr geben. Das vierte, was wir zu tun hätten, wäre die Organisierung der Produktion und des Absatzes. Es ist eine wahre Schande, daß der Landwirt nur die Hälfte dessen bekommt, mas der Städter in der Stadt für die Lebensmittel bezahlt.( Sehr richtig! links.) Der Landbund hat zwar die Landmirte musterhaft organisiert, aber die Landwirtschaft zu organisieren, das hat er bisher noch nicht verstanden. Bilden Sie sich denn wirklich ein, daß das deutsche Volk in der Stadt, das zwei Drittel des Volkes darstellt, bei der jetzigen Wirtschaftslage der Arbeitslosen wie der Arbeitenden sich dauernd einen Lebensmittelpreis gefallen läßt, der über dem Weltmarktpreise steht? Meine Damen und Herren, das ist ganz ausgeschlossen. Ich fann Ihnen die Versicherung geben: das deutsche Volf wird nicht bei vollen Scheunen verhungern; wenn es soweit ist, wird der Schutzzoll auf alle landwirtschaftlichen Produkte mit einem Rud hin weggefegt werden.( Lebhafter Beifall links. Zischen rechts.) Nach den Ausführungen eines Deutschnationalen und eines deutschvolksparteilichen Redners, die absolut feine neuen Gesichtspunkte zu den Argumenten der Zollbefürworter brachten, vertagte fich das Haus auf Sonnabend. Sport. Rennen zu Hoppegarten am Freitag, den 12. Juni. 1. Rennen. 1. Fippa( Dhlenburg), 2. Nana( Kurzawa), 3. Libel ( Mathia). Toto: 26: 10. Blag: 14, 21, 32:10. Ferner liefen: Annabell, Louisdor, Sturm, Maas, Begonia, Dolde, Balma. 2. Rennen. 1. Rost( Barga), 2. Eleazar( F. Kaspar), 3. Graburg Deutscher Michel, Citfels, La Bourree. ( Kaiſer). Toto: 26: 10. Plat: 13, 17, 29: 10. Ferner liefen: Frohsinn, 3. Rennen. 1. Sonnenwende( Varga), 2. Gaisblatt( Olejnik), 3. Kreuth( R. Teichmann). Toto: 13:10. Blag: 10, 12:10. Ferner liefen: Budjos, Jlse II. 4. Rennen 1. Melanie( Huguenin), 2. Berlenkrone( Torfe), 3. Pythia ( 3immermann). Toto: 58:10. Plat: 31, 23:10. Ferner liefen: Dirndl, Nubia, Hanum. 5. Rennen. 1. Double Hind( Barga), 2. Träumer( Torke), 3. Kats chine( D. Schmidt). Toto: 27: 10. PL. 16, 25, 19: 10. Ferner liefen: Ellebarr, Tara Hill, Wolfram III, Maura, Patrizier. 6. Rennen. 1. Schneewittchen( D. Schmidt), 2. Impressionist( Barga), 3. Fünf Uhr( Elflein). Toto: 245: 10. PI: 24, 14, 18:10. Ferner liefen: grrlebre, Traunegg, Bestfale, Spekulant, Grille, Larenburg. 7. Rennen. 1. Alarid( M. Jentsch), 2. Glasbäger( H. Blume), 3. Sapientia( D. Schmidt). Toto: 30: 10. Pl.: 12, 14, 12: 10, Ferner liefen: Frechdachs, Hochstapler, Kadewitt, Gellert, Newa, Hohe Sonne, Aarau, Eisenkrone. Wetter für Berlin und Umgegend. Fortdauernd warm und troden, allmählich zunehmende Bewölkung. Für Deutschland. Im Küstengebiete etwas fübler, und im Dsten leichte Regenfälle, jonit troden. Im Süden weiterhin sehr warm. Köstlich erfrischend find küble Limonaden, e16bereitet aus Reichels Limonaden- Girup- Ertraften imbeere Airl Gitronen, Drangen etc. Bruchte Am drugichmadi. 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Ich wurde aber bereits an der Kasse daraus aufmerksam gemacht, daß der Kleine eine Badehose tragen und ich eine borgen müsse, und ich war nicht schlecht erstaunt, an der Wäscheausgabe tatsächlich Badehosen in Liliputformat vorzufinden. Obwohl mein Sohn zu den ebenso interessanten als beschwer- lichen Kindern gehört, die mehr fragen, als zehn Weise beant- warten können, ließ er sich ohne Widerstand dos ungewohnte Be- kleidungsstück anlegen. Die Badehose gehört eben schon zu den Institutionen, die sich von Generation zu Generation fortpflanzen wie die Sitte, den Hut abzunehmen, im Frühling mit Kreiseln zu spielen, sich konfirmieren zu lassen und den„Anzeiger" zu lesen, ohne über die Zweckmäßigkeit dieser Maßnahmen nachzudenken. Ich wäre auch in böse Verlegenheit gekommen, wenn mich der Junge nach dem Sinn dieses Bekleidungsstückes gefragt hätte. Was bätte ich ihm sagen sollen? Vielleicht daß die ollen Griechen und Germanen sich ihrer Nockthell freuten und dafür von denselben Till- lichkeitssanatikern, die heute am liebsten auch noch das Gesicht zu- deckten, sehr gelobt werden? Oder davon, daß bei den reinsten Völkern Europas, dje man uns gern als Vorbild hinstellt, sogar Männlein und Weiblein nackt zusammen baden? Oder von einer Religion, die der Ouell des Segens für die Menschheit hätte werden können und die von ihren Pfassen genau in ihr Gegenteil verkehrt wurde, von den Missionaren, die den noch nicht verunstalteten Körper der Neger und Polynesier in geschmacklose Kottunsäcke zwängten, was die Einführung der Schwindsucht sehr begünstigte, von den Verheerungen, die dadurch angerichtet werden, daß Leute, die künftig miteinander Kinder zeugen, vor der Kontrakt- schließung, die ihnen dazu die Erlaubnis gibt, sich nie in natür- lichem Zustande sehen dürfen; daß bei unserer Zuchtwahl nicht der siegt, der den gesundesten bestgebauten Körper, sondern der den besten Schneider hat, daß jeder Schweinigel einen Menschen, der in einem stillen Wiesental ein Luftbad nimmt, wegen Erregung öffentlichen Aergernisses ins Gefängnis bringen kann, daß es aber erlaubt ist, bei Hof- und anderen Gesellschaftsbällen sich so anzuziehen, daß die alkoholgeheizten Seelen in lüsterne Schwingungen geraten müssen, usw.? Mein Junge wird es noch früh genug erfahren, wie verrückt die Well ist, in die ich ihn hineingestellt habe— wie gut, daß er es nicht merkte, als sie ihm ihr« ersten Boten entgegensandte in der Gestalt der ersten Badehose! Goethe— unser Reiseführer. In mannigfachen Gestallen tritt uns Goethe auf seinen Reisen entgegen, den Dachsranzen aus dem Rücken, die Umgegend Frank- fiirts ourchstürmend und seltsame Hymnen zur Musik von Wind und Regen singend, auf Lahn und Rhein im Schiff in Herz und Sinne erfreuender Fahrt dahinfahrend, oder auf dem Pferd, den Mantelsack hinten aufgeschnallt, dann wieder in stattlicher Reisekutsche dahin- rollend. Mag man auch heute im Eisenbahnzug, Kraftwagen oder gar Flugzeug anders reisen— die seelische Haltung, auf die es allein ankommt, sollten wir doch von ihm, dem großen Lebensmeister, lernen..Goethe legte auf die äußeren Dinge beim Reisen durchaus Wert. Lange bevor er den großen Entschluß zur Fahrt nach Italien jaßt<, sammelte er eine treffliche Ausrüstung und lieh sich von Frau von Stein gern etwas zu seiner Reise schenken. Noch im Alter macht er seine Betrachtungen über einen praktischen Reisekorb, den er aus Marienbod mitgebrocht:„Sie sehen: wenn er leer ist, legt er sich zusammen und nimmt wenig Raum ein; gefüllt dehnt er sich nach allen Seiten aus und faßt mehr, als man denken sollte. Er ist weich und biegsam, und dabei so zähe und stark, daß man die schwersten Sachen darin fortbringen kann." Aus der Reise selbst läßt er sich den Genuß durch keine Unannehmlichkeiten verkümmern. Mag ihn der Wirt prellen oder die Unterkunst schlecht sein, er nimmt es von der guten Seite. Fährt ihn der Vetturin in dem elenden, beständig Mostauer Ketzergericht über öranöler, Thalheimer und Raöek Sold so— Hc's trefft. Salö so- »Schmeißt sie'raus!" »Sraoo, bravo, sehr richtig!" »Schmeißt sie wieder'rein!" »Sravo, bravo, auch sehr richtig!" schaukelnden zweirädrigen Wägelchen statt 3 Stunden deren 4 von Vicenza nach Padua, so freut er sich, daß er den köstlichen Tag unter freiem Himmel länger genießen kann. Gucken durch das schadhaste Dach des Gasthauses die Sterne herein, so ist ihm das ein glück- verheißendes Zeichen. Der Segen des Rcisens liegt ja nicht in äußeren Dingen:„Der Genuß auf einer Reise ist, wenn man ihn rein haben will, ein abstrakter Genuß. Ich muß die Unbequemlichkeiten, Widerwärtigkeiten, das was mit mir nicht stimmt, was ich nicht erwarte, alles muß ich beiseite bringen, in dem Kunstwerk nur den Gedanken des Künstlers heraussuche» und ihn wieder rein in meine Seele bringen, abgeschieden von allem, was die Zeit, der alles unterworfen ist, und der Wechsel der Dinge darauf gewirkt haben. Dann habe ich einen reinen bleibenden Genuß, und um dessentwillen bin ich gereist, nicht um des augenblicklichen Wohlseins oder Spaßes willen. Mit der Betrachtung und dem Genuß der Natur ist's ebenso. Trifft's dann aber einmal zusammen, daß alles paßt, dann ist's ein großes Geschenk. Ich habe solche Augenblicke gehabt." Es ist eine Steigerung des Lebeusgefühls, eine Befreiung aus alltäglichen Verhältnissen, die Goethe im Reisen sucht. So ward ihm die Reise nach Italien zur großen Erneuerung und Umformung seines Daseins, und es paßt im Grunde auf alle seine Reisen, wenn er von ihr schreibt:„Ich mache diese wunderbare Reise nicht, um mich selbst zu betrügen, sondern uni mich selbst an den Dingen kennen zu lernen." Im Reisen lernt er leben, im Ausnehmen der Eindrücke wächst seine Schöpferlrast.„Wie glücklich mich meine Art, die Welt anzusehen macht, ist unsäglich!" ruft er aus.„Und was ich täglich lerne! und wie mir doch fast keine E�ssten�z ein Rätsel ist.' Es spricht eben alles z» mir und zeigt sich mir an." Alles erscheint ihm in neuem Licht: ..Das ist dos Angenehme auf Reisen, daß auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Ueberrafchung das Ansehen eines Abenteuers gewinnt. Wo zeichnen die Nationen und die Individuen derselben sich wohl inehr aus als auf Reisen? Jeder bringt eine gewisse einheimische Urteilsweise mit; jeder hat eftien gewissen Maßjtab des Guten, Würdigen, Wünschenswerten oder Vortrefflichen; und auch der Zeil- charakter, den die Reisenden an sich tragen, spricht sich aus." Er bezeichnet es als seine„Maxime" aus Reisen,„mich soviel als möglich zu verbergen und das Ochekt so rein, als nur zu tun wäre, in mich aufzunehmen." Aus diesem Streben erwächst dem alten Goethe eine Systemaiik des Reisens, bei der die Aufzeichnungen eine große Rolle spielen. Ueberall schreibt er„ein klein Diarium" voll; nichts entgeht seinem Blick, weder die Wolkcnbildung. noch der Stein, auf dein er steht. So rät er denn jungen Leuten, aus Reisen vor allem die Augen offen zu halten.:„Beobachten Sie mit Unbefangeirheit, legen Sie den Dingen nichts von dem Ihrigen bei und unter. Es gibt nichts, über das sich nicht interessante Beobachtungen anstellen ließen. Das alles bringt innere Bereicherung." vie öegegnung. 51 von Max herrmann-veiße. (CopjTixKt 1925 Elena Eottschalk Berkas, Berlin.) „Aufs Gymnasium mochten Sie ihn nicht schicken?"„Er wollte ja nicht. Und wozu denn auch! Er soll doch bloß das Lokal über- nehmen. Mein Mann war übrigens ggr mal auf Schule: er sollte zumindest das Einjährige kriegen. Zweimal blieb er gleich in Sexta sitzen; da hat ihn der Alte doch abgemeldet."„Ich hatte inir steif und fest vorgenommen: mein Sohn soll's weiter bringen als ich! Ist er mal soweit, verkauf ich's Geschäft, für uns beiden Alten langen die Zinsen, und Artur ist nicht an das Nest hier gebunden." Als der Klempnermeister schon ziemlich in Rage ist, kehrt der Gastwirt Kaps heim. Er kommt wieder einmal von der Jagd und liefert erst draußen in der Küche das Wildbret ab, ehe er sich's bequem macht. In seiner Begleitung ist ein fremder Herr mit einem merkwürdigen Gesicht, halb wie ein Bauer, halb wie ein Schau- spieler, und Kaps stellt ihn vor, nennt irgendeinen Namen mit A. natürlich nimmt man den genauen Wortlaut nicht recht ins Bewußt- sein auf. „Der Herr ist Besuch in der Villa Goschin, beim Herrn Ober- amtmann, und da der heute nicht selber mitkonnte, hat er mir seinen Gast geschickt." Worbs ärgert sich, daß er so im besten Fahrwasser seiner Herzensbeichte von den beiden unterbrochen wurde, aber er schwingt sich doch zu der höflichen Anfrage auf:„Und wie long« gedenken Sie hier zu bleiben?"„Morgen früh muß ich.schon wieder fort." erwiderte der Fremde,„ich war nur ein und einen halben Tag hier." ,„Das lohnt sich ja kaum."„Der Amtmann und ich. wir waren früher zusammen auf Schul«. Da ich jetzig grob durch die Gegend kam, wollte ich ihn dach einmal umstoßen."„Schatz, laß uns'nen ordentlichen Happen braten! Die Jagd macht hungrig," ruft der Gastwirt. Der Fremde bestellt eine Flasche Wein. �„Und vier Gläser dazu, wenn ich bitten darf. Herr..."„Worbs" beeilt sich der Klempner zu helfen..... Herr Worbs, Sie mache» mir doch das Vergnügen?" „Dann trinken wir aber erst noch vier Allasch." „Wie das im Leben doch merkwürdig kommt." beginnt nun wieder der fremde Herr,„hätte ich mir doch vorgestern abend nach nicht träumen lassen, daß ich heute würde hier auf die Jagd gehn!" .Bon woher kommen Sie, wenn ich fragen darf?".Aus BerNn." „Kennen Sie da die Firma Hecht und Giller? Mil der steh' ich geschäftlich in Korrespondenz."„Bedaure,»ein.— Die schönsten Erlebnisse sind eigentlich immer die gewesen, die einen ganz unvor- gesehen überraschten. Ich hatte die meiste Freude an Ereignissen, die gar nicht vorbereitet waren, so wie heute an der improvisierten Jagd." Der Klempnermeister fühlt, er darf jetzt auch mitreden, und er gibt sein Iugenderlcbnis mit dem unbekannten Mädchen zum besten. Dröhnend lacht der Gastwirt:„So eine unschuldige Liebesgeschichte Hab' ich mein Lebtag nicht gehört!" Tlber der fremde Herr be- kündet ein regeres Interesse für die Erzählung.„Haben Sie Kinder?" fragt er dann.„Einen Sohn. Er geht grad in Sekunda. Wir sprachen vorhin eben von ihm. Cr hockt mir zuviel zu Hause und schmökert." Der fremde Herr lächelt unmerklich..„Was liest er denn?" „Das weiß ich eben nicht! Ich verstehe doch nichts von derlei Dingen." Und plötzlich, wider seinen Willen fast, sprudelt Worbs noch einmal olles heraus, was ihn bedrückt, und legt vor dem Fremden seine Umstände bloß, mehr als er eigentlich erst zu sagen beabsichtigt hatte. Und wundert sich über seine eigene Stimme, mit der er sich gierig fragen hört:„Und was soll ich nun tun?" Der Gastwirt macht seine Witze dazu, Frau Kaps begütigt jovial, und schon will eine neue Woge Trunkenheit des Klempnermeisters Kummer wegschwemmen und ihn auf einer glücklicheren Insel landen lassen, wo alles ein annehmbareres Aussehen hat. Aber aus dem Fremden ringt sich ein Ruf, der auch diese Leute hier innehalten läßt, man weiß nicht, ist es eine Anklage gegen die eigene Unzu- länglichkeit oder gegen andere:„Das hat mich noch niemand ge- fragt!" Da geht in dem Kelmpnermeister etwas Merkwürdiges vor, er begreift, daß es sich für ihn gar nicht mehr um den einen be- sonderen Fall der Berufswahl seines Sohnes handelt, auch nicht nur um das Verhältnis zu seiner Frau, sondern daß jetzt sein ganzes Leben in Frage gestellt ist. und er fühlt, daß das mü dem Fremden zusammenhängt. Er redet sich in immer Unveronlwortlicheres hin- ein und rückt dem Herrn dringlicher auf den Leib:„Sie müssen sich das einmal selbst ansehen kommen bei uns... Sie müssen mich besuchen... Vielleicht merken Sie, woran'? liegt... Jetzt haben Sie gehört, was i ch erzählt habe, Sie müssen auch hören, was meine Frau sagt. Dann werden Sie sich ein Bild machen können Lossen Sie sich zeigen, was der Junge liest, der hat schon'ne reine Bibliothek, und dann zeige ich Ihnen auch den Zweig, den mir damals die aus der Droschke zuwarf, dos gehört ja alles doch zu- fammen!" Der Fremde raffte sich aus„Ich habe heut allerlei nicht erwartet, aber das vor allen Dingen nicht: daß inich ausgerechnet hier einer meistert! Seh?» Sie, ich bin doch in Berlin mit ioundso vielen Menschen zusammen, den interessantesten und schwierigsten, ich bin nämlich dort ein bekannter Mann— aber so tief hat mich noch keiner erschüttert, wie Sie mit Ihrer Frage vorhin. Man hat also die verdammte Pflicht, jedem daraus antworten zu können. jedem, auch dem Fremdesten noch! Und ich neunmal Weiser wußte sie immer nicht einmal für mich selber zu lösen!" Er nahm einen Schluck Wein wie zur Stärkung. Der Klempner verstand kein Wort davon, dennoch kam ihm, was der Fremde sagte, wie eine große Tröstung vor. Cr schüttelte ihn; herzlich die Hand. Draußen im Garten gingen die letzten Gäste! Die Kellnerin räumte die Tische ab und kam ans Büfett, um Kasse zu machen. Der Fremde beglich seine Rechnung. Worbs bat um nochmalige Angabe des Namens und erhielt eine Visitenkarte, die er in die Tasche steckte. Dann zahlte er auch. Der Fremde sagte noch:„Für einen so kurzfristigen Abstecher habe ich mehr als genug erlebt! Herr Kaps, haben Sie nochmals Dank für die Jagd! Guten Abend, Frau Wirttn, lassen Sie sich's gut gehen!"„Danke. Gleichfalls!" Man komplimentiert ihn zu Tür.„Jedenfalls für morgen: Recht glückliche Reise! Und weht Sie der Wind wieder mal in die Gegend, vergessen Sie bitte nicht, uns zu beehren! Nochmals einen recht guten Abend wünsch ich. Empfehlen Sie uns dem.Herrn Oberamtmann!" Der Klempnermeister ging mit dem Fremden. „Kommen Sie gut heim!" rief Frau Kaps ihn' noch noch. Dann schloß Kaps die Läden mit der Feststellung:„Der hat aber heute einen Ordentlichen sitzen!" Dann warteten sie, daß der Bube sich einfände, und schwiegen sich an. Worbs und der Fremde gingen nach bis zur Villa Gaschin zusammen. Keiner von beiden redet ein Wort mehr: aber der Klempner fühlt sich geborgen. Am Tore der Villa sagte der Fremde mit nüchternem, ja gewöhnlichem Tonsall:„Alles gibt sich Im Leben. Morgen, bei Licht besehen, wird sich auch Ihr Tag wieder leidlich ausnehmen. Gute Nacht!" Worbs brachte keine Silbe heraus, ver- beugte sich nur. Dann schrillte die Klingel, Hunde bellten drin im Hase, Schritte nahen, es wird aufgesperrt, und der Fremve war verschwunden. Worbs machte sich jetzt Vorwürfe, die Gelegenheit nicht besser genutzt zu haben. Das Wichtigste hatte er gor nicht gesagt, meinte er nun, er wußte genau, was er alles versäumt hatte. (Schluß folgt.)' spelisä lodssings 95 Lindemann's PFENNIC age werden alles in Erstaunen setzen! Beginn Sonnabd., 13. 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