Nr. 281 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 145 Bezugspreis: Böchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Rreuzband für Deutschland, Danzig, Gaar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Zuremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Borwärts" mit der Gonntags beilage Boll und Reit" mit Gied. Tung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Bissen" und Frauenbeilage Frauenftimme" erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Monbags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialbemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfaltige Nonpareille. Reklamezeile zeile 70 Pfennig. 4. Reichsmart. Ricine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( auläffia awei fettgedruckte Worte). febes weitere Wort 10 Pfennig. erite Stellengesuche das Wort 10 Pfennig, fedes weitere Wort 5 Bfennig. Morte über 15 Buch ftaben zählen für zwei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beife 30 Pfennig. 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Das über den Ministerrat ausgegebene Kommuniqué, das, mie gewönlich, von nichtssagen der Kürze ist, erwähnt schließlich gewisse Maßnahmen, um die Dauer und das Risiko der militärischen Operationen auf ein Minimum zu reduzieren, und daß von der franzö= sischen und der spanischen Marine Borbereitungen zu einer gemeinsam ausgeübten Blockade des Rifs begonnen haben. Die französischen Kriegsschiffe haben zu diesem Zweck von der spanischen Regierung die Erlaubnis erhalten, in die territorialen Gewäffer der spanischen 3one einzufahren. Auch war Painlevé, der im Anschluß an den Ministerrat die Vertreter der Preffe empfangen hat, hier in seinen Mitteilungen von außerordentlicher 3urüdhaltung. Er bezeichnete als etsten positiven Erfolg seiner Reise die mit der spanischen Regierung getroffene provisorische Vereinbarung, die es den franzöſiſchen Streitkräften ermögliche, den Waffenschmuggel nach Marotto wirksam zu bekämpfen. Painlevé erklärte weiter, daß er eine öffentliche Debatte über Marokko in der Kammer porerit nicht wünsche, da er zunächst mit den zuständigen Kommissionen Fühlung nehmen wolle. Er bestätigte den bisher nur gerüchtweise verbreiteten Beschluß, den General Colombet, der cine in Maroffo fämpfende Heeresgruppe befehligte, wegen der Banif, zu der es in der vergangenen Woche an der Front von Quezza gekommen war, a b zu berufen; dementierte dagegen das Gerücht, monach die Entsendung der befannten Generäle Bengand und Gouraud nach dem Kriegsschauplay in Aussicht genommen sei. In der Forderung neuer Kredite, führte er weiter aus, merde die Regierung sich auf das Notwendigste beschränken. In Aussicht genommen sei vor allem die Entsendung von Kriegsmaterial aller Art, insbesondere von Flugzeugen. Die noch notwendigen Verstärkungen an Truppen seien lediglich dazu bestimmt, eine häufigere Ablösung der im Kampf stehenden Verbände zu ermöglichen. Die spanisch- französische Konferenz. Paris, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die französischspanische Konferenz über die Marokkofrage wird am Mittwoch in Madrid eröffnet. An der Spize der französischen Delegation steht der ehemalige Innenminister Malvn, der auch die Vorverhandlungen zu dieser Konferenz geführt hat. In den politischen Kreisen rechnet man mit einer langen Dauer der Berhandlungen, da diese erst mit dem Eintreffen des Generals Primo de Rivera aus Marokko, das nicht vor Ende des Monats zu erwarten ist, in ein entscheidendes Stadium treten könne. Auf der Tagesordnung der Konferenz stehen vor allem folgende Punkte: Unterdrückung des Waffenschmuggels nach Maroffo, Ueberwachung unerwünschter Elemente und Festlegung der Grenze zmischen der französischen und spanischen Zone. Gibt Caillaux nach? Paris. 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Finanztommission der Kammer hat am Dienstag die seit Freitag unterbrochene Beratung des Budgets wieder aufgenommen. Es verlautet, daß es zwischen der Regierung und der großen Mehrheit der Kommission nunmehr zu einer definitiven Berständi gung darüber gekommen sei, den Haushaltsvoranschlag in der Fassung, die er durch den Senat erhalten habe, anzuerkennen und sich darauf zu beschränken, den Fehlbetrag in Höhe von rund einer Milliarde, den dieser infolge der von der Finanzkommission der Sammer vorgenommenen Modifikation aufweisen wird, durch Schaffung neuer Einnahmequellen zu decken. Falls diese Information sich bestätigen sollte, würde das eine Kapitu. diese Information sich bestätigen sollte, würde das eine Kapitu lation Caillaug' darstellen, denn dieses Kompromiß bedeutet nichts anderes als die Bertagung der von dem Finanzminister eingebrachten Vorlage bis zum Herbst. Kurze Erklärung Painlevés in der Kammer. Paris, 16. Juni.( EP.) Am Schluß der heutigen Kammerfizung fam die Interpellotion Doriot von neuem zur Sprache. Die Regierung beantragte wiederum, fie auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Doriot wirft Marschall Lyautey in seiner Interpellation vor, für die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten in Miarotto verantwortlich zu sein. Painlevé ergriff darauf das Wort:„ Ich verstehe, daß die Kammer ungeduldig ist, über die Ereignisse in Marokko unterrichtet zu werden. Ich möchte heute vor allem den Mut aller derer rühmen, die die schwierige Aufgabe haben, in Maroffo Frankreich zu verteidigen. Ich fann heute über die Operationen nicht sprechen, halte mich aber zur Berfügung der Kommissionen. Nachher ist es möglich, eine Debatte in der Kammer Anfang nächster Woche zu eröffnen. Ich ersuche aber die Kammer, der Initiative des Abg. Doriot nicht zu folgen, denn ganz Nordafrika steht auf dem Spiel. Painlené erklärte meiter: Es And gewife Dotumente entwendet worden, nur um den Interessen Ein abberufener General. der Kommunistischen Bartei zu dienen und ohne daß dabei bedacht worden ist, daß damit die Unterhandlungen mit einer befreundeten Nation gefährdet werden. Ich möchte die Kammer ersuchen, sich durch ein solches Vorgehen nicht täuschen zu lassen. Die Paktnote. Veröffentlichung Freitag morgen. BTB. meldet: Wie wir berichteten, war zunächst in Aussicht genommen, die heute vom franzöfifchen Botschafter übergebene Note in der Sicherheitsfrage am Donnerstag zu veröffentlichen. Soeben wird uns mitgeteilt, daß die beteiligten Regierungen sich nachträglich dahin geeinigt haben, die Veröffentlichung erst am Freitagmorgen vorzunehmen. Französische Aktenveröffentlichung. Paris, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Donnerstag wird in Paris ein Gelbbuch herausgegeben, das folgende Schriftstücke 2. Empfangsbestätigung Herriots. 3. Sieben Schriftfäße, die enthalten wird: 1. Deutscher Vorschlag vom 8. Februar 1925. milen 2ondon und Paris über den deutschen Vorschlag gewechselt worden sind. 4. Antwort Frankreichs, die am Dienstag in Berlin übergeben wurde, als Anlage dazu die Zustimmungserflärungen Englands, der Tschechoslowatei, Bolens und Mißverständnisse aus dem Wege räumen und die zukünftigen Belgiens. Die Veröffentlichung soll Schwierigkeiten und Mißverständnisse aus dem Wege räumen und die zukünftigen deutsch- franzöfifchen Verhandlungen erleichtern. Italienische Zwischennote. Rom, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die italienische Regie: rung erflärt in einer Note an Franfreich außerordentlich turz und reserviert, daß sie mit dem allgemeinen Prinzip des Battes einverstanden sei, fügt aber hinzu, daß es sich nach ihrer Auffassung vorläufig nur um einen unverbindlichen Mei nungsaustausch handle, da die Situation der einzelnen Staaten noch nicht genügend präzisiert sei. Die italienische Regierung fönne deshalb ihren Standpunkt erst dann bekanntgeben, wenn die Antwort der deutschen Regierung vorliege. Und doch Kabinett Poullet? Sozialistisch- katholische Koalition mit zwei liberalen Nichtparlamentariern. Brüffel, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die neueste Wendung in der belgischen Kabinettskrise vom Dienstag ist die Wiederauferstehung des schon einmal fertigen, aber plötzlich wieder erledigten Ministeriums Boullet. Eine Aenderung ist nur insofern vorgefehen, als jeßt, ftatt bisher 11, 12 Portefeuilles vergeben werden sollen, und zwar fünf an die Sozialisten, die gleiche 3ahl an die Katholiken und zwei an Nichtparlamentarier aus den Reihen der Liberalen. Die Sozialisten werden durch Bandervelde als Außenminister und Vizepräsident, Huys. mans als Unterrichtsminister, Wauters für die Arbeit, Anseele für die Eisenbahnen und Laboulle für die öffentlichen Arbeiten vertreten. Van de Vyvere gehört dem Kabinett eben falls als Landwirtschaftsminister an. Die Nichtparlamentarier sind General Reesten für das Kriegsministerium und das bisherige belgische Mitglied in der Interalliferten Rheinlandtommission, Rollin Jacquemyns für das Innenministerium, das in dem anfänglich geplanten Kabinett Boullet für die Sozialisten in Aussicht genommen war. 1 Boullet versicherte den sozialistischen Führern, daß er jeẞt entschlossen ist, das Ministerium ohne weitere Rücksprache mit den Katholiken und Liberalen offiziell zu bilden, sobald der Beschluß des sozialistischen Generalrats vorliegt, der am Mittwoch seine entscheidenden Beratungen abhält. Es kann kein Zweifel dar über bestehen, daß er sich zugunsten des Ministeriums Boullet entscheiden wird. In der Kammer hat diese Regierung eine verhältnis mäßig starfe Mehrheit. Gegen den Giftkrieg. Der Genfer Verbotsentwurf. Genf, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Internationale Konferenz zur Kontrolle des Privatwaffenhandels wurde nach ferenz befchloffene Konventions entwurf enthält als wichtigste sechswöchentlicher Tagungsdauer geschlossen. Der von der Kon Bestimmungen das Verbot der Verwendung von Giftgafen und Batterien als Kriegswaffe, ferner die obligatorische Verpflichtung für alle Konventionsunterzeichner, alljährlich die Menge des Waffenimports und-exports in ihren Ländern zu veröffentlichen. Diese Verpflichtung gilt jedoch nicht für die balti en Staaten, Polen, Rumänien, Berfien, solange Rußland die Konvention nicht unterzeichnet. Aus Gründen seiner indischen Politit hai England das Ara bifche, Berfische und Indische Meer als maritime Sperrzone für den Waffenhandel erklärt. Persien hat des: halb die Konferenz verlassen. Die Konvention tritt nur nach erfolgter Ratifizierung durch die intereffierten Mächte in Kraft, Vorwärts- Verlag 6.m.b. H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftfchefkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitenkasse Lindenstraße 3 Aufmarsch der Zöllner. Agrarier und Schwerindustrie in gemeinsamer Front. Gestern beendete der Deutsche Landwirtschaftsrat seine 55. Plenarversammlung in Friedrichshafen mit einer groß angelegten, auf propagandistische Wirkung berech neten Zollaussprache. Die Resolution, die nach einem Referat des Landbundführers v. Wangenheim- Kleinspiegel angenommen wurde, stellt von Anfang bis zu Ende eine Herausforderung und Berhöhnung aller Bolfskreise dar, die das Wohl des deutschen Boltes über das Privatinteresse einiger kleinen, aber machtvollen Interessentengruppen stellen, einen Hohn auf die Wissen= schaft, die, ginge es nach den Geldjackpolitikern von Ar und Halm, ihr Lehrgeld zurückzahlen oder sich zur bewußten Lüge befennen müßte. Der Brotzell, wie ihn Kanig vorschlägt, ist diesen Leuten nicht zu hoch, nein, er ist ihnen noch zu niedrig. Der Anschlag auf die Kleinbauern, der in einer einseitigen Bevorzugung des Getreidebaues liegt, soll noch wirksamer werden durch eine schroffe 3ollmauer gegen ausländische Futtermittel. Und wenn man schon einmal beim 3ollerhöhen ist warum soll man nicht auch den Schafen, den väterlichen Schutz des Nachtwächterstaates, der im übrigen nichts in die Wirtschaft dreinreden darf, angedeihen lassen? anständigen Schußzzoll auf Rohwolle! So will es der Die Bekleidung ist ja noch viel zu billig. Also her mit einem Bund der Großagrarier. Hinter so schneidigem Auftreten tann natürlich der alte Bundesgenosse der agrarischen Schutzöllner, die Schwer industrie, nicht zurückstehen. Zur gleichen Zeit, als sich ereiferte, tagte in der Hauptstadt des umfämpften und von der Landwirtschaftsrat am Gestade des Bodensees politisch der schwerindustriellen Kamarilla des faiserlichen Deutschland ins Elend geführten Saarlandes der Verein deutscher Eisen und Stahlindustrieller. Mittelpunkt der Tagung war hier ebenfalls die Zollfrage. Auch die Eisenindustrie fordert einen Schußzoll im früheren Wertver hältnis" auf den reinen Grundstoff der industriellen Fabrifation. Auch sie verlangt den Zoll nicht etwa aus Profitinstinkten. Nein ganz selbstverständlich ist es das Interesse des ganzen Boltes, daß eine künstliche Berteuerung der industriellen Fabrikation ebenso verlangt wie einen organi sierten und staatlich priviligierten Brotwucher. Wer's nicht glaubt, gehört eben nicht zum deutschen Bolte.... Die alte Front der Zöllner ist also wiederhergestellt. Die Eifenindustrie fordert neben erhöhten Zöllen obendrein das Recht vollkommener Freiheit in der Kartell- und Verbandsbildung. Die Forderung ist durchaus im Sinne einer Hochschuzzollpolitik, denn ohne durchorganifierte Kartelle tann die Schwerindustrie nicht das erringen, was sie mit ihren Zöllen bezweckt: die Heraufschraubung der Eisenpreise über den Weltmarktpreis um den vollen Betrag des Zolls. Und die Schwerindustrie ist nun einmal gewohnt, in Preisfragen ganze Arbeit zu machen. I Man fönte versucht sein, diese einheitliche und einseitige Stellungnahme des Großtapitals in Schwerindustrie als Ausgeburt einer ideologischen, gutgläubigen Berranntheit anzusehen. Man könnte glauben, diesen braven Rittern vom Ar und Stahl sei das berauschende Schlagwort vom Schutz der nationalen Arbeit" derart in die Gehirnsubstanz hineingefault, daß sie nicht an Handelspolitik denken könnten, bhne wieder in die Litanei vom Segen der Schutzölle zu verfallen. Dem ist nicht fo. Ein fleines, außerordentlich bezeichnendes Symptom: In dem Referat, das der deutschnationale Abgeordnete Dr. Reichert in Sarbrücken vor den Schwerindustriellen hielt, wies dieser pathetisch die Lügen" von den Inflations, Reparations- und Ruhrkampfgewinnen der Eisenindustrie zurück so heißt es in dem Bericht des Vereins. Jezt wissen wir es also: Der Stinnes- Konzern ist aus dem Nichts erstanden, die unerhörte wirtschaftliche Macht, die sich in der Eisenindustrie und rings um fie zufammenballte, sie ist nicht etwa eine Folge des Dalles der anderen, sondern eine Folge der Verarmung der Schwerindustriellen! Moses, der mit seinem Stabe aus dem Felsen eine Quelle herauszauberie, ist ein Waisenknabe gegen diese Patrioten, die mit mit Vermögensperluften werden. Man Iügt, unbewußt vielleicht, sicher aber nicht zuletzt deshalb, weil der Glaube an die eigene Gottähnlichkeit es gestattet, mit der Wahrheit wie mit einem Spielball umzuspringen und in jedem Augenblick gerade das zu sagen, was Unterschriften" behalten auch dann recht, wenn ihre Konzerneben paßt. Die Herren mit den allein ,, diskontfähigen führer sich nach der finanziellen Erschütterung ihrer in der Not des Bolts errafften Mammutunternehmungen von den Großbanken und der Reichsbank ihre Diskontfähigkeit erbetteln müssen. reich Es gehört der ganze Glaube eines romantisch veranlagten Volkes an den mystischen Zauber des Kurpfuschertums dazu, daß man diese Leute, die in Krieg, Inflation und Stabilisierungskrise den Beweis lückenloser Ünfähigkeit in der Birtschaftsführung erbracht haben, heute noch als Sachver ständige hört. Aber ihr Bort hat Gewicht, ihre Organisation ft gesellschaftliche und politische Macht, ihr Ruf nach Schutz| Deutschnationalen im Reichstag durchgesetzt wurde, dabei| stens halbjähriger Kündigungsfrist bei Banten, so erklärte unser Redner, dürften nicht von der Aufmer öllen findet ein lebhaftes Echo in einer gekauften Presse. Das hielt man sich nicht lange auf. wingt auch die Arbeiterschaft den Ausführungen des Intung ausgeschlossen merden. eressentenführers eine Aufmerksamkeit zuzuwenden, die im imgefehrten Berhältnis zum sachlichen Wert der Unternehmerundgebungen steht. Hier wurde also von berufener Seite bestätigt, daß die Regierung unter Ausschaltung des Parlaments die Agrarzölle dem Bolte aufoktroyieren wollte. Die Resolution, In einem weiteren Referat erklärte Dr. Schindler, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Landwirtschaftsrates, die Reichsregierung habe längere Zeit hindurch beabsichtigt, die wieder einAgrarzölle im Wege eines Ermächtigungsgesetzes wieder einRüdwärts lautet die Parole. Nicht nur die künstliche zuführen. Troß gewisser Bedenken hätten sich die Industrie Berteuerung der Lebenshaltung und der industriellen Fabri- und die Landwirtschaft mit diesem Wege einverstan ation ist das gemeinsame Ziel der Zollreaktionäre. Abbauden erflärt, aber durch den Widerstand der Konfumentenfreife Der Sozialpolitit, Abwälzung der Staats- und der ihnen nahestehenden politischen Parteien, die bei einem und Reparationslaften auf die wirtschaftlich Ermächtigungsgeseß übermäßige Zollsäge befürchteten, habe sich die Schwächsten, auf Arbeiter und Verbraucher ist das Regierung gezwungen gesehen, ein ins einzelne gehendes 3oll. Jemeinsame Streben der Schwerindustrie und der Großland gefeß den Parteien vorzulegen. virtschaft. Und es ist klar, daß dieses Ziel nicht mit einem Schritt erreicht werden kann. Die Deutschnationalen haben Die schwere Bürde der Regierungsverantwortung auf sich jenommen, um zunächst einmal die Zollvorlage unter Dach ind Fach zu bringen. Ist der Wuchertarif gesichert, dann hat nan die erste Etappe hinter sich. Die Rechtsregierung ft dabei in so willenloser Abhängigkeit von den tapialistischen Drahtziehern, daß sie noch in letzter Stunde die Tatsache zu vertuschen suchte, daß der Reichs mirt chaftsrat gegen die Agrarzölle potiert hat! Aber die Ehe der Deutschnationalen mit der Republif ist ein Bertrag auf Kündigung. Man weiß, daß die Deutschnatiotalen schon jetzt sich mit der Absicht tragen, ihre Minister aus Der Kabinett Luther zurückzuziehen, wenn erst die Zollvorlage Besez ist. Es ist ein heuchlerisches und gewagtes Spiel, das hier mit den Intereffen des Boltes gespielt wird. Die Tagungen der beiden Interessenverbände, des Landvirtschaftsrats und der Schwerindustrie, haben dazu beigeragen, daß die. Karten der Gegenspieler offen liegen. Mit großer Bucht hat die Arbeiterschaft den Kampf regen den 3011mucher und gegen die soziale Rerttion aufgenommen. Schon einmal im vorigen Herbst hat ie Regierung die Pläne, unter Umgehung des Volkswillens ie Zollvorlage durchzusehen, an dem harten Widerstand der onsumenten scheitern sehen. Es wird ihr diesmal nicht viel inders gehen, wenn die Arbeitnehmer aller Richtungen und ller Parteien geschlossen gegen die reaktionären Machtanprüche des Großfapitals auftreten. Wangenheims Zollrede. Das große Referat, mit dem der bekannte Landbündler Freiherr on Wangenheim Kleinspiegel auf der Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates die Schutzzollforderungen der Großagrarier egründete, zeichnete sich dadurch aus, daß dieser Interessent jede vissenschaftliche Argumentation über die Schutzölle ablehnte. a sogar die landwirtschaftlichen Universitätsgelehrten als Kur fuscher verhöhnte. Angesichts der schwebenden außenpolitischen Berhandlungen über den Sicherheitspaft war der Teil der Rede Bangenheims besonders interessant, der die Zollforderungen mit er Möglichkeit eines neuen Krieges begründete, weil Deutsch and in diesem Falle eine selbständige Ernährung erlangt haben nüßte: Er lobte die Zollpolitik des Fürsten Bülom, die angeblich ine nie gefannte wirtschaftliche Blüte Deutschlands zur Folge jehabt haben soll, erklärte aber gleich darauf, daß zur Erlangung iner selbständigen Ernährung des deutschen Volkes bei Beginn des etzten Krieges nichts vorbereitet gewesen sei. Dieser Widerpruch störte ihn nicht, denn auf die Beweiskraft der Argumente kommt es ja den Interessenten in der Wahrnehmung der Zoll. pünsche nicht an. Die Wirtschaftskrise führt er zurüd auf die geantiegenen 2 öhne, hohe Steuern, hohe Lasten und auf die Ibgaben auf Grund des Dames. Abtommens, die die Bro. uktionsfoften hinaufgeschraubt hätten. Die Sozialgefeg. rebung müsse abgebaut merden. Die bisher vorgesehenen ondwirtschaftlichen Zölle feien noch unzureichend, meil fis ie eingetretene Geldentwertung nicht berücksichtigten. Jede suguseinfuhr müsse unterbunden werden, da diese den süd eutschen und westdeutschen Garten-, Obst- und Weinbau schon fast in den Ruin gebracht habe. Daß der Abbau der Weinzölle durch ite Annahme des deutsch- spanischen Handelsvertrages mit Hilfe der Der schwarzweißrote See. Bon Julius 3erfaß, München. Der Starnberger See ist Bayerns geheiligtes Wasser. In ihm at ein föniglicher Geist geendigt, der den Ruhm der Wittelsbacher nicht durch Schlachten, sondern durch Schlösserbauten vermehren vollte. An den Gestaden des Würmfees, wo ihn die Umnachtung ins Wasser trieb, steht eine romanische Brunttapelle als ein Dent mal. Ueber ihm ragt empor, der Bismarckturm; fein Stil ist hart and fantig, als solle er den Sieg des berutalen Realisten über den Romantiker symbolisieren. Der Starnberger See ist, wie jeder Bayernpilger wohl weiß, die größte Sehenswürdigkeit nach den Münchener Pinakotheken, sem Hofbräuhaus, den Prophyläen, der Bavaria. Nach München ahren und den Starnberger See nicht gefehen haben, wäre soviel wie Berlin besuchen und den Wannsee oder Potsdam vergessen. Ich liebe diesen See und darum begleitete ich jüngst einen Freund aus dem Norden an seine liebliche Landschaft, die nicht nur friedlich, sondern auch imponierend ist. Das Imponierende ist aber nicht das Werk der Natur, das Imponierende dieses herrlichen Fremdenverkehrsgebietes ist der private Naturschußpart, den geschickte, zupackende Fremde aus dem Seeufer gemacht haben. Rings um das Ufer reiht sich Billa an Billa mit Badehütten und Bootshäusern, die der badelüfterne, befizlose Wanderer in entsprechender Ferne bewundern fann. Das Ufer selbst ist ihm nicht erreichbar; es ist Privateigentum und dient der Erfrischung der Billenbefizer, beren Motorboote, Kähne und Segelboote am Strande por Anker liegen, das Wasser, durchschneiden oder auf den leisen Wellen sanft sich wiegen. Solch ein See mit weißgeblähten Segeln und Gondeln, in denen venetianisch gestimmte Ruderer und Segler sich verlustieren, ist ein entzückend belebtes Bild. Wie angenehm fühlt die Flut den jdylanten Körper, nimmt den Schweiß von der Mühe des Tenniss spois, wie geruhsam läßt sich im Sande über Bayreuth, Spengler, mie temperamentvoll über das völlische Problem plaudern. Und am Mast oder Bug der Schiffchen demonstriert ein schwarzweißrotes Wimpelchen feck für die Hindenburg- Republik. die von der Tagung angenommen wurde, billigt die vom Land. wirtschaftsrat erstattete Denkschrift über den Schutz der landwirt. fchaftlichen Erzeugung als Vorbedingung des Wiederaufbaus der deutschen Wirtschaft, verlangt aber weiter angemessene" 3ollfäge auch auf Futtermittel und selbst auf Bolle. Die Zollfäße bes Gefeßentwurfs feien für die Agrarerzeugnisse zu niedrig: verlangt wird Gleichstellung dieser Zölle mit denen der Industrie; gefordert wird ferner die sofortige Einführung der erhöhten Bollsäge ohne Aufschub. Die Entschließung droht mit einer sch we ren Wirtschaftstatastrophe, wenn feine ausreichenden Agrarzölle fämen. Die Tendenz der ganzen Resolution wird durch die Be. merkung Wangenheims beleuchtet, der im Gegensatz zum Reichs, wirtschaftsrat und zu dem größten Teil der deutschen Fachwissen fchaft erflärte, Freihandel sei in der heutigen Lage der Ruin Deutschlands. Keine Aufwertung der Bankeinlagen. Die Regierungsparteien lehnen ihren Antrag ab. In der Dienstagfißung des Aufwertungsausschusses stand Absatz 4 des§ 12 zur Beratung, der, furz gesagt, die An. sprüche an Banten behandelt. Die Regierungsparteien hatten dazu einen Antrag gestellt, nach dem Ansprüche aus Banteinlagen, die nach den Grundsägen des reinen Sparverkehrs zu beurteilen find, als Vermögensanlagen gelten und der Aufwertung unterliegen. Die Höhe des Aufwertungssages soll nach diesem Antrag von einer besonders zu bestimmenden Stelle festgesetzt werden. Aenderungen in der Höhe der Einlagen, die seit dem 1. Januar 1923 eingetreten sind, sollten unberüdsichtigt bleiben. Die Reichsregierung sollte ermächtigt werden, die für die Durchführung dieser Borschläge näheren Bestimmungen zu treffen. Vor der Begründung des Antrags erhob sich Reichswirtschaftsminister Neu haus, um die schwerwiegenden Bedenken der Reichsregierung" gegen ihn geltend zu machen. Der Antrag belaste im besonderen zahlreiche Propinzbanken und bedrohe sie in ihrer Existenz, da die Goldmartkapitalien dieser Banten im trassen Mißverhältnis zu den Einlagesuminen stiinden. Jede Aufwertung müsse aus der Ver. mögenssubstanz gedeckt werden. Unzählige Brozesse würden entstehen und die gesamte Kreditlage würde verschlechtert. Kaum hatte der Minister seine Ausführungen geschlossen, mel deten sich nacheinander die Herren Hergi( Dnat.), Schetter( 3.), Wunderlich( D. B.), um zu erflären, daß sie den Antrag nicht mehr aufrechterhalten. Herr Hergt war geradezu er. schüttert" über die Mitteilungen des Ministers. Benn bei den Banten nichts da" sei, so fönnte man an dem Antrag natürlich nicht festhalten. Der Regierung machte Hergt den Bormurf, daß sie nicht schon viel früher Aufflärung gegeben habe. Die Abgg. v. Richthofen( Dem.), Dr. Best( Dtschv.) und Reil( 503) ließen sich nicht bereitwillig wie Herr Hergt von der Regierung überzeugen. Sie behielten sich die Prüfung der Regierungseinwände vor, und Abg. Keil forderte Mitteilung des ganzen Mate rials der Regierung, nicht bloß einzelner Stich proben, an den Ausschuß. Einlagen mit minde britenbesigenden Herren unsere Farben hassen und die ihren zur Echau tragen. Sie sollen nur ihre schwarzweißroten Herren. wimpel hinaushängen und ihre Abscheu gegen unsere republi fanische Staatsgefinnung so deutlich demonstrieren, wie am schwarzweißroten See in Bayern. Die Zeit wird fommen, daß es ihnen nicht mehr erlaubt ist, dem erholungsuchenden schaffenden Menschen die Schönheit der Natur wegzunehmen und ihn zu zwingen, meite Umwege zu machen, um nur auch ein Fleckchen vom Ufer zum Ausruhen und zum Genießen der Schönheit ringsum zu erhaschen. Tanzplatz im Walde. Dunkel steht der hohe Wald. Windbewegtes, zitterndes Laub zerzauft den weichen Samt des bauen Himmels. Manchmal ein Stern. Weit vorn, dem Hange zu, glänzen Lichter auf. Eine Geige fingt. Eine Flöte schreit. Es raunt ein Baß. Mitten im Walde ein Tanzplatz. Mitten im Grünen. Wie Motten wirbelt das Jungvolt dem Lichte zu. Dreht sich im Kreise. Wie toll. Hell flingen Gläser. Freude winkt. Noch ist die blühende goldene Zeit. Hell aus dem Tale steigt die Stadt herauf mit tausend grüßenden Lichtern. Hell glänzt der Mond. Und vom Himmel herab senkt cine Handvoll Sterne sich. Fällt durch die Kronen der schwankenden Bäume in offene Herzen hinein. Jubel verflingt. Sehnen wächst. Dunkle Pfade öffnen den Baaren sich, die zart aneinandergeschmiegt, den Schwarm der andern verlassen. Dünner wird der Schimmer lockenden Lichtes. Sanfter der Ton der flagenden Geige. Reder der Ruf der neckischen Föte. Dumpfer der mahnende Baß. Da erglänzt hell vor den Schreitenden wieder die Stadt. In märchenhaftem Glanz schimmert die Feste. Frei wirst der Himmel fich über die Erde mit dem Glanz seiner brennenden Sterne. Licht, überall Licht. Zumeist in den Herzen der Jugend, die in der Fülle des Lichts und der eigenen Glut langfam verbrennen. Erich Grisar. Die Suche nach der geheimnisvollen Infel am Nordpol. Der englische Kapitän Donald Macmillan, der jetzt zu seiner Flug expedition nach dem Nordpol aufgebrochen ist, will nicht nur den Bol überfliegen und Amundsen aufspüren, sondern er ist auch auf der Suche nach einer geheimnispollen Insel, von der verschiedene Polarforscher der letzten Zeit berichtet haben, ohne daß bisher ihr Borhandensein einwandfrei erwiesen wäre. Die Insel, deren Ausdehnung auf mehr als 1 Million Quadratkilometer geschäzt wird, foll fich irgendwo in der Nachbarschaft des Pois, entweder westlich oder nordwestlich von dem Arel- Heiberg- Land befinden. Bielleicht ist dieses gewaltige Gebiet mit Pflanzen bedeckt und von Tieren bepölfert, vielleicht ist es auch eine Eiswüste, auf der nur ein paar Hochplateaus gesehen haben wollte, war Beary im Jahre 1906, und Polarbären hausen. Der erste, der seine riesigen Berggipfel und er taufte die Insel Crocker- Land". MacMillan glaubte ebenfalls Jedes Ding trägt seine Logif in sich. Wir Republikaner fönnen die Insel zu erblicken, als er den Spuren Bearys folgte, aber als stolz sein, daß die Verfechter der Kaiserzeit, die villen und fa- ler näher herantam, verschwanden die phantastischen Gebirgsformen Ja, das ist das Zeichen, in dem der Starnberger See steht. Schiff an Schiff und das Tillefsen Fähnchen. Der Starnberger See ist das Paradies der Besitzenden, der Reichen, der Brivilegierten und Herrenmenschen, und diese können doch kein Interesse an der Republik weimarifchen Geistes haben! Sie verteidigen ihre Boll werke gegen die sozialen Gefühlsdufler, die den demokratischen Staat zu einem Freistaat machen wollen und die als dessen Symbol die Farben Schwarz- Rot- Gold aus der alten deutschen Freiheitsbewe gung gewählt haben. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Re gierungsparteien gegen sämtliche Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Die Linke stimmte geschlossen für den Antrag. Abgelehnt wurde auch gegen die Stimmen der Linken ein Antrag Best, wonach die Aufwertung Platz greifen soll nicht nur, wenn die Bank die Einlage vereinbarungsgemäß mert beständig anzulegen hatte, sondern auch dann, wenn die wertbeständige Anlegung ohne besondere Vereinbarung geschehen ist, oder wenn die Bank wegen der vom Gläu biger gewährten Rückzahlungsfristen dazu in der Lage mar. Angenommen wurde ein Antrag Dernburg, wonach Einlagen aufzuwerten sind, wenn sie bei einem Geldinstitut gemacht wurden, das nur ein Teil eines auf andersartige Geschäfte gerich teten Hauptunternehmens ist. Ferner fand Annahme der vom Abg. Dr. Leber begründete sozialdemokratische Antrag, daß die Aufwertung von Einlagen des Arbeitneh mers bei seinem Arbeitgeber nicht davon abhängig gemacht wird, daß der Arbeitnehmer zu ihrer Leistung„ von dem Arbeitgeber veranlaßt war". Außer Rautionen, zu deren Leistung der Arbeitnehmer veranlaßt wird, fönnen also auch andere Einlagen aufgewertet werden. Bum§ 13, der bestimmt, daß Bergleiche, die den Zwed hatten, den Streit oder die Ungewißheit über die Höhe des infolge der Geldentwertung zu zahlenden Betrages zu beseitigen, unberührt bleiben, wurde beschlossen, daß solche Vergleiche ge= ändert werden können, wenn bei Rüdwirtungsfällen die erhöhte Aufwertung Blaz greift. Ausgeschlossen von dieser Regelung bleiben jedoch Vergleiche, die zwischen Raufleuten im Betriebe ihres Handelsgeschäfts geschlossen worden sind. Bergleiche dieser Art bleiben unangetastet. Eine vom preußischen Finanzministerium verteidigte SonderDorlage des Reichsrats, die den Ländern das Recht zu fprechen wollte, in gewissen Fällen Sondervorschriften über die Aufwertung zu treffen, wurde nach lebhafter Auseinandersetzung zwischen dem preußischen Bertreter und der Reichsregierung a b gelehnt. Angenommen wurde eine neueingefügte Bestimmung, die den Berwalter fremden Vermögens( Bormund usw.), der im Vertrauen auf Gesetzgebung und Rechtsprechung bei der Berfügung über das Vermögen mit der Aufwertung nicht gerechnet hat, gegen Schadenersaßforderungen schützt. Veranlaßt durch eine vom Abg. Dr. Quessel( Soz.) gestellte Anfrage, war Reichsbankpräsident Dr. Schacht im Ausschuß er= schienen, um Auskunft darüber zu geben, wie die Reichsbant ihre Auswertungsansprüche wahren wolle gegenüber den großen Kreditnehmern, die in den Inflationsjahren umfangreiche Papiermarkkredite pon der Reichsbank in Anspruch genommen haben. Dr. Schacht erklärte, daß die Reichsbank aus technischen und wirtschaftlichen Gründen solche Ansprüche nicht erheben werde, Die Gelder der Wohnftättengesellschaft. Bei der gestrigen Berhandlung im Trianonfilm und Wohnstättenproze wurden die Geschäftsführer des Trianonfilm- Unternehmens vernommen. Die Bernehmung bebandelte die Geschäftsführung der Gesellschaft und das neue Anwachsen der Schulden. Heute werden die Verhandlungen fortgeführt. Ein tschechisches Ausreifeverbot. Dent Obmann bes Deutigen Behrerbundes in der Tschechoslowakei wurde die Teilnahme an der Tagung des Deutschen Lehrer vereins in Hamburg verboten mit der Begründung, daß die Tagung für das tschechische Schulwesen wegen der beränderten Verhältnisse leine Bedeutung" habe. Deutsch- Unterricht in Nordamerifa. In Atlanta( Georgia) hat die Unterrichtsbehörde angeordnet, daß die deutsche Sprache wieder als a hifadh an den öffentlichen Schulen eingeführt wird. Der Unterricht in der deutschen Sprache war im Weltkriege abgeschafft morden. im nichts, und die Insel am Nordpol wurde für eine Fabel erflärt. 1914 war MacMillan wieder im Polargebiet, und wieder sahen er und feine Mannschaft die seltsamen Bergspigen am Horizont. Nach seinen und den Beobachtungen von Bearn glaubte er das Grant- Land lokalisieren zu können. Er drang nun in dieser Gegend Land etwa 200 Kilometer von Kap Columbia an der Küste von par und fam zu einem Bunkt, der von dem vermuteten Bunft etma 50 Kilometer entfernt war, aber er fand nichts als Eismüſte. Da feine Begleiter vollkommen erschöpft waren und auch die Hunde nicht mehr weiter fonnten, so mußte er umfehren. Aber noch einmal steuerte er mit seinem Schiff, der Santa Maria", zu dem Punkt, wo Bearn die geheimnisvolle Insel gesichtet hatte, und wieder stiegen die Gipfel und Hochplateaus verlockend vor ihm auf, doch ein Sturm erhob sich, das Schiff wurde abgetrieben, und wieder war sein Suchen vergebens. Er stellte aber verschiedene Anzeichen feft, besonders Veränderungen in den Gezeiten, aus denen er auf das Vorhandenfein eines riefigen Landgebietes schließen zu fönnen glaubte. MacMillan hofft jetzt bestimmt, das Geheimnis der Insel am Nordpol zu lösen. Er führt zwei Wafferflugzeuge mit sich, von denen jedes 10 Stunden ununterbrochen fliegen fann und mit Borrichtungen für die Verwendung auf dem Eis ausgestattet ist. Eine Basis für diese Flugzeuge wird auf dem Arel- Heiberg- Land errichtet, die in be ständiger drahtloser Verbindung mit den Flugzeugen und der 300 Kilometer füdöstlich angelegten Schiffsbafis stehen wird. So dürfte jetzt endlich festgestellt werden, ob es sich bei dieser Insel nur um ein Hirngespinst oder um ein tatsächliches Landgebiet handelt. Eine australische Südpolar- Flugegpedition. Der australische Flieger Kapitän Wilkins, der nach einer 13 Monate durchgeführten naturwissenschaftlichen Erforschung Nordaustraliens nach Sidney zurüdgefehrt ist, bereitet nun einen Südpolarflug vor, um die Küstenlinie von König- Edward VII.- Land südlich von Neuseeland bis nach Grahamsland füdlich von Kap Horn zu erforschen. Wie aus Sidney berichtet wird, will er bei diesem Fluge eine genaue fartographische Aufnahme dieses Gebietes vornehmen. Diese Arbeit ist nur der Auftakt für eine weitere Expedition, durch die die Witte. rungsverhältnisse der Antarktis aufgeflärt werden sollen.. Die Einheitsfurzschrift in Desterreich. Wie die österreichische Regierung dem Reichsministerium des Innern mitteilt, beabsichtigt das österreichische Bundesministerium für Unterricht, die deutsche Einheitsfurzschrift in den dortigen Schulunterricht einzuführen, sobald die notwendigen llebergangseinrichtungen und Umstellungsturse beendet sein werden. Der Schachmeiffer R. Teichmannn ist am Sonntag nach längerem Leiden in Berlin geftorben. Teichmann wurde am 24. Dezember 1868 zu Im Lehnisch in Sachsen- Altenberg geboren und studierte in Berlin, frieges in der Schweiz. Er nahm an allen großen Tournieren teil, zuletzt Jabre 1892 ficbelte er nach England über und wohnte während des Welt. am Berliner Großmeister. tournier im Dezember. Hans Pigner bat Heinrich Marschners romantische Oper Der Bampyr musikalisch und tertlich für die deutsche Bühne neu eingerichtet. verfität veranstaltet am Sonnabend, den 20... einen gestalt in ihrer neuen Berliner Universitätsfeier zum Rheinland- Jubiläum. Die Berliner Uni Aula zur Erinnerung an die 1000 jährige Zugehörigkeit des Rheinlandes zum Deutschen Reiche. Der üeutsthnationale Kronzeuge. Herr Tauucuzapf aus Czeruowitz„enthüllt"� Um den absterbenden Barmat-Schwindel nochmals zu beleben, ist man zu einem Verzweiflungsmittel geschritten: der Krön- zeuge der deutschnationalen Presse, Herr Hermann Tannen- zapf aus Czernowitz, mußte sich freiwillig als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuß des Landtages melden,(rin Ausschuß, der nach em bißchen Gefühl für parlamentarische Würde besessen hätte— aber dieser Ausschuß hat in den letzten fünf Monaten Ge- legenhcit genug gehabt, dieses Gefühü zu verlieren—, hätte zunächst festgestellt, daß Herr Taimenzapf längere Zeit bei Barmat angestellt war, Abschriften von Privat- und Geschäftsbriefen sich besorgt hatte, um diese nachher in der Rechtspress« zu verwerten. Aus Rein- lichteitsgründen hätte es der Ausschuß von vornherein ab- lehnen müssen, sich mit diesem Herrn, der nach allgemeinem Rechts- empfinden nicht nur groben Vertrauensbruch, sondern auch Diebstahl sich hat zuschulden kommen lassen, überhaupt abzugeben. Man hätte ihm anheimstellen können, seiner bedrängten Seele, wie bisher in der ..BörsenzeituncT oder anderen antisemitischen Blättern Lust zu machen. Man zog es vor, den Herrn Tannenzapf aus Czernowitz . enthüllen' zu lassen. Was dabei herauskam, war ein in rasendem Tempo(die armen Stenographen konnten kaum folgen) vorgetragenes Gemisch von Belanglosigkeiten, Tratsch und offenkundigen Unwahrheiten. Entweder, wie sich fast jedesmal auf Befragen herausstellte, wußte er nichts aus Eigenem, sondern nur durch Hörensagen, oder mußte er auf Dorhall drei oder vier Viertel dessen, was er zunächst positiv mit erhobenem Schwursinger be- dauptet hatte, zurücknehmen. Dabei ist es nicht einmal anzu- nehmen, daß er bewußt log, denn er machte äußerlch den Eindruck cine« hochgradigen Psychopathen mit ausgesprochener Tendenz zum Größenwahn..Ich wirke für SO Millionen Menschen!' wiederholte er zweimal. An einer anderen Stelle fühlte er sich nicht mehr als Zeuge, sondern als Sachverständiger und htyt ein langatmiges Referat über finanztechnische Fragen, das die deutschnatio- nalen Vertreter aus seinen Lippen wie Honig sogen. Der Anblick des Ausschusses während dieser Vernehmung war überhaupt höchst eigenartig. Niemand nahm den Menschen ernst, aber die Rechts- parteiler, die ihn sonst nur mit Pinzetten anfassen würden, schienen ob der Enthüllungen ihres Gewährsmannes hochbeglückt. Das Resul- tat dieses Interemzzos war eine Reihe von Beweisan- trägen zweck» Feststellung der Glaubwürdigkeit dieses Zeugen. Nach den deutschnationalen Anträgen müßten alle mög- lichen Angestellten der.Amexima' in Amsterdam geladen werden. Damit könnte das Satyrspiel des preußischen Barmat-Ausschusses u m einige weitere Monate verlängert werden und das ist wohl der Zweck der Uebung. Hoffentlich wird man sich zunächst darauf beschränken, die Berliner Zeugen möglichst bald zu ver- nehmen und es dürfte sich dann wohl herausstellen, daß weitere Nachforschungen über Tannenzapfs Erzählungen überflüssig sind. Die Deutschnationalen werden mit diesem Kronzeugen ebenso wenig Glück haben, wie mit den Kronzeugen Gobert und Syrig des Magde- burger Prozesses. ch Im Preußischen. Landtagsuntersuchungsausschuß für die See- bandlungsassären wurde nach Vereidigung verschiedener Zeugen der sich freiwillig meldende Kaufmann Tannenzapf» ein früherer Angestellter Barmat s, vernommen. Der Zeuge gab eine Schilderung der Verhältnisse des Barmat- Konzerns, besonders der Amexima. Er war beauftragt, die Verhältnisse in Amsterdam zu prüfen und stellte fest, daß -tord alle» drunter und drüber ging. Ende 1924 seien bei der Amexima in Amsterdam überhaupt keine Vermögens- »tzlsakte mehr vorhanden gewesen. Als der Zeug« zur Orgamsie- rang der Allgemeinen Handelsbank, einem Unternehmen Barmat». schreiten sollte, fand er ein m einem Bretterverschlag eingepferchtes kleines Zimmer, daran anschließend befand sich der Raum der Amexima und das Bureau Barmats. Es sei nicht einmal ein Tisch vorhanden gewesen. Lediglich habe Barmat einige Häuser besessen. die nach erfolgtem Kurssturz und darauf liegenden Lasten nur noch einen Wert von etwa 200 000 bis 300 000 Gulden repräsentierten. Der Zeuge habe au» einer von einem Angestellten Barmats. namens Krebs, aufgestellten Bilanz ersehen, daß die Barmats über ein Vermögen von mindestens Z0 Millionen allein in Deutschland versügten. Daraus habe er auf den.nicht vor- handenen' Reichtum der Barmats geschlossen.— Weiter bekundet der Zeuge, daß von der Amexima ein U n t o st en k o n t o geführt wurde, welches u. a. die von Barmat veranstalteten Hotelempfänge. darunter solche von Wels. Dr. Sradnauer. Scheidemann usw. bc- stritt.— Zur Sprache kommt ferner, daß von der Seehandlung mit Julius Barmat auf dessen Wunsch im Sommer 1924 ein Brief- Wechsel gepflogen wurde, welcher bezweckte, di� Allgemeine Handels- Kant zur Korrcspondentin der Seehandlung zu machen. Geheimrot Rüge von der Staatsbank verliest den Briefwechsel. Tatsächlich sei aber mit der Allgemeinen Handelsbank in Holland nicht gearbeitet worden. Zeuge Tannenzapf erklärt weiter u. a., von der Seehand- lung fei eine Minderheit von Aktten der Donauländijchen Wert« mit 8 Millionen beliehen worden. Abg. K u t t n e r(Soz.) fragt dazu Finanzrat Dr. Rühe von der Staatsbant, ob diese von dem Zeugen ausgestellte Behauptung zu- treffe. Dr. Rühe ist davon nichts bekannt. Abg. K u t t n e r erklärt dann, daß durch die Aussog« Tannen- zapf» soviel neue Momente in die Barmat-Angelegenheit gebracht wurden, daß er sich die Stellung einer Reihe von Beweis- antrügen vorbehalten müsse. Er stellt den Antrag auf Ladung der Direktoren S ch ä f s e r und L i ch t« n st e i n von der Merkur- dank, sowie auf nochmalige Vernehmung des Zeugen Baron v. Reib nitz darüber, was dieser davon wisse, wie sich die Au»- schifsung des Herrn R o st i n aus dem Auswärtigen Amt vollzogen habe. Außerdem wünscht der Fragesteller von der Seehandlung und der Girozentrale Auskunst darüber, ob die bezüglich der Donauländischen Werke genannte Summe von 8 Millionen Gold- mark, lediglich zur Deckung einer kleinen Aktienminderheit verwandt, tatsächlich von einer dieser Stellen gegeben wurde. Abg. Kuttner stellt ferner fest, daß entgegen der Aussage des Zeugen Tannen- zapf Zeuge Pollitz vor dem Ausschuß eine gut« Schilderung der Barmatschen Geschäftsräume gegeben hat. Der Ausschuh vertagt sodann seine Verhandlungen auf die nächste Woche._ Sozialüemokratischer Vormarsch. Gemeindewahlsieg bei Leipzig. Leipzig. IS. Juni. sEigener Drabtberichi.) In Stahmeln bxi Leipzig fanden am 14. Juni die Wahlen zum Gemeinde- Parlament statt. Für die SPD. wurden 244 Stimmen ab- gegeben, für die KPD. 97 und für die bürgerliche Mischmasch- liste 119 Stimmen. Die Sozialdemokratie erhält S Ver- treter. die KPD. 2 und die Bürgerlichen ebenfalls 2. Sowohl die Kommunisten alt auch die bürgerlichen Parteien haben je einen Sitz an die Sozialdemokratie eingebüßt, sodaß nunmehr ein« Mehrheit der SPD. zu verzeichnen ist. Zaschisteurohcit. In llntermais, Südtirol, wurde das Trog- mann-Denkmal von unbekannten Tätern zerstört. Trog- mann war einer der Freiheitskämpfer von 1809. Eine Niederlage Schieles. Der Januar als Nationalfeiertag mit IN 3 gegen 138 Stimmen abgelehnt. Der Reichstag beschloß gestern ohne Debatte die Rück- Verweisung des Gesegentwurfes über Depot» und Depo- s i t e n g e s ch ä f t e an den volkswirtschaftlichen Ausschuß. In der folgenden Fortsetzung der Spezialdebatte des Haus- haltsdesJnnern bemängelt Abg. Runkel(D. Vp.) Einzelheiten des Reichsschulgesetzes. Abg. Dr. ZNoses(Soz.): Ich habe schon gestern im Reichshaushaltsausschuß die Regie- rung und das Innenministerium über die sogenannte Tirpitz- a f f ä r e interpelliert. Ich muß diese Sache heute noch einmal zur Sprache bringen, weil die Art, wie sie von der Regierung behande't wird, geradezu zur Groteske wird. Schon bei der Beratung des Marine-Etats fragten wir an, ob über das Abhandenkommen von Akten aus dem Morinearchiv etwas bekannt sei. Der Reichs- w c h r m i n i st e r G e ß l e r erwidert«, ihm sei nichts bekannt, im übrigen solle man sich an das Innenministerium wenden, dem die Archioc unterstehen. Nun fragen wir beim Etat des Innen- Ministeriums, ob i h m über das Abhandenkommen der Akten etwas bekannt sei. Sosort erhebt sich der Minister mit verbindlichem Lächeln, die Minister lächeln ja bekanntlich immer(Heiterkeit) und jagt, durch Kabinettsbeschluß sei die Angelegenheit dem Justiz- m i n i st e r überwiesen worden. Bei der Beratung des Reichs- Haushalts des Reichsjustizministcriums werden wir nun zum dritten Male ganz bescheiden anfragen. Wie hältst du es mit den Akten? Im Ernst gesprochen: Was ist dasfüreine Art, eine Affäre zu erledigen, die in der ganzen O e f f e n t- lichkcit so großes Aufsehen erregt hat! Weshalb ist. der Kabinettsbeschluß gefaßt worden, galt es der Person oderSachc? Wäre erauchgefaßt wor- den, wenn es sich um Schutze, Lehmann(Zurufe recht«) oder sagen wir einmal um Fechenbach gehandelt hätte? In solchem Falle wäre sofort eine Unter- suchung wegen Unterschlagung eingeleitet wor. den wegen der Entwendung staatlicher Dokumente, die später veröffentlicht werden sollten. Aber wäre es nicht viel einfacher, wenn Herr Tirpitz die Tribüne des Hauses besteigen würde? Sie ist ihm ja nicht unbekannt, denn er hat ja hier große Lorbeeren geerntet. Nun hat der Präsident des Reichsarchivs die Versicherung gegeben, daß Herr o. Tirpitz mit dem Reichsarchiv nie in Berührung gekommen fei. er habe weder Akten genommen noch Abschriften gefertigt. An der Richtigkeit dieser Versicherung zweifelt niemand. Aber das Reichsarchiv besteht doch erst seit ganz kurzer Zeit. Liegt«p nicht in seinem Interesse, nach- zuforschen, ob irgendwo staatlich« Akten vorhan- den sind, die abhanden gekommen waren und zu welchem Z w e ck d o s geschehen i st? Es ist doch auch die Aufgabe des Reichsarchivs nachzuprüfen, ob widerrechtlich Abschriften genommen worden sind, auch aus der Zeit, ehe die Archive des Reich» vereinigt waren. Wenn sich Urkunden des Reichs in fremden Händen befinden, so muß das Reichsarchiv s i e beschlagnahmen lassen und sie wieder dem Reich zuführen. Mein« Fraktion ist nicht gewillt, diese Angelegenheit bis ins Unend- liche oerschleppen zu lassen. Wir werden alles daransetzen,-um Klar- heit zu schaffen, wir werden ee auch beim Etat des Reichsjustiz. Ministerium» wieder zur Sprache bringen, heute ober sehen wir mit Spannung dem Moment entgegen, wo der Reichstagspräsident verkünden wird: Der Abgeordnete von Tirpitz hat das Wort. Präsident Löbe: Zunächst hat das Wort der Abg. hörnle.(Stür- mische Heiterkeit.) Abg. Hörnl«(Komm.) begründet einen Antrag seiner Partei. die Entlassungen von Lehrern au» politischen Gründen rückgängig zu machen und die entlassenen Lehrer zu entschädiaen. Nach wettersn Ausführungen der?1bg. Frau Dr. Matz(D. vp.) verweist Reithsinnenminister Schiele in Beantwortung der Anfrag« des Abg. Dr. Moses über die Angelegenheit Tirpitz auf sein« Erklärungen im Ausschuß. Das Kabinett habe sich eingehend mit der Angelegenheit beschäftigt. Die Interpellationen können jeden Tag im Plenum und zwar bei der einzigen zuständigen Stelle, beim Justizministerium, deant- wartet werden. Der Minister geht dann auf die Wünsche und An- regungen der Parteien zu den Kutturfragen ein. Ich richte an Sie die Bitte, in der Jugend die Achtung vor dem Gesetz und vor der Autorität des Staates, kurz, das Staatsbewußtsein zu pflegen. Es ist zu begrüßen, daß der Ausschuß die Mittel für Turn- und Sportzwecke erhöht hat. Die Unter st ützung der führen. den Organisationen und der großen spo- tlichen Wettkämps« soll zukünftig in verstärktem Maße erfolgen. Besonders schwierig sind die Verhältnisse in der Frage der Lehrerbildung. Es ist wirklich nicht leicht, diese Frage einheitlich zu regeln, nachdem ein Teil der Länder mit der Regelung schon vorangegangen ist. Ausgabe des Ministeriums muß es jetzt fein, unter Verwertung der in den Ländern bereits gemachten Erfahrungen aus eine Einheitlich- keit im Reich« hinzuwirken, auf der Grundlage, wie sie die Reichs- Verfassung vorsieht. Die Freiheit in der Erziehung ist durch Artikel 140 Absätz 2 der Reichsoerfassuno gewährleistet. In Ausführung dieses Artikels wird Ihnen ein Gef-tzentwurf zugehen, der als Refe- renten-Entwurf fertiggestellt ist. Da« Kabinett wird in den aller- nächsten Tagen sich in erster Lesung damit beschästigen. Der En«- wurf wird, der Verfassungsvorschrist entsprechend, dem Willen der Erziehungsberechtigten die von der Verfassung zugesagte B e- kenntnis-, Weltanschauungs- und b e�-e nntnisfreie (weltliche) Schule sicherstellen. Mit den verstärkten Haushalts- Mitteln wird es möglich sein, die schwere wirtschaftliche Rot.kge, in der sich heute weite Kreis« unseres akademischen R ach w u ch- fes befinden, wesentlich zu mildern. Nicht unerwähnt bleiben sollen die Förderung der von der Notgemeinschaft verfolgten Zwecke sowie die Etätsmittel für den Erweiterungsbau des Gormanischen Museums und der Reichsbeitrag für die Deutsche Bücherei. Alles, was wir tun zur Förderung des Staatswillens und des Staatsganzen, alles, was wir auf kutturellcm Gebiete ersehnen, wäre nichts, wenn wir es nicht dem großen Zentrum der vaterländischen Ziele zuführten. Häufig ist davon gesprochen worden, daß man der Massenidee, der nivellierenden Idee entgegenzutreten habe und daß der Gedanke der Staatsidee und der Persönlichkeitsidee dem gegenüber zu treten habe. Ich glaube, daß man Unrecht tut, wenn man die Massenverbindung in Körperschaften, Gc werk- schaften und wirtschaftlichen Organisationen als etwas ansprechen wollte, das man als Massenidee zu bekämpfen habe. Wenn man davon spricht, daß die Korporationen, die sich namentlich seit dem Kriegsbeginn hervorgeichoben haben, dem Staate feindlich gegenüberstehen, so hat der Staat seine Schuldigkeit zu tun und zu beweisen, daß diese Korporationen ihn nicht über- flügeln in ihren Bestrebungen aus dem Gebiete des Dölterlebens und der Entwicklung. Ich bin der Letzte, der sich den Gewerkschaf- ten, dem großen Gedanken der Selbstverwaltung und der wirt- schastlichen Organisation entgegenstellen würde, aber ich möchte aus- sprechen, daß das Verantwortungsgefühl des einen Staatsbürgers aus der einen Seite auch seinen Niederschlag in den Fragen der Organisationen findet. Abg. Dr. Schreiber(Ztr.) setzt sich besonders für die deutsche Wissenschast ein. Abg. Dr. heutz(Dem.) wünscht, daß dieFragcderLehrer- b i l d u n g rasch zur Entscheidung gebracht werde, ehe die Länder im einzelnen ihr? besonderen Wege in dieser Angelegenheit gingen. Abg. Frau Lang-Rrumann(Bayer. Vp.) erNSrt. in der Frage eines Rationalfeiertage» könne man sich aus einen Termin jetzt nicht festlegen. Die, Bauernschaft habe keinesfalls die Absicht, in der Ernte, im August, einen Feiertag zu begehen. In der Verfassung sei auch nicht die Rede von einer Berechtigung des Reiches, Feiertage einzuführen. Im Etat seien eine Reihe von Summen eingesetzt, für Aufgaben, die in die Kompetenz der Länder fallen. Es müsse dafür gesorgt werden, daß die Kompetenzlinie Reich-Länder nicht verwischt werde.(Beifall rechts.) Abg. Künstler(Soz.) verlangt, einem B i s m a r ck f i l m, der das Verhältnis zu Oesterreich zu untergraben geeignet sei, die Ge- nehmigung zu versagen. Ohne Debatte überweist das Haus an den Rechtsausschuß ein« Gesetzesvorlage über die Erweiterung der Befugnisse des Reichspräsidenten und einen Antrag der Sazialdeir»» traten auf Darlegung des A u s f ü h r u n g s g e s e tz e s zu Art. der Reichsverfassung. Der Ausschußanlrag aus Einführung des IS. Zanuar als Ra- tionalseiertag wird im Hammelsprung mit 193 gegen 1ZS Stimmen abgelehnt. Gegen de« Antrag stimmten Kommunisien. Sozialdemokraten. Demokraten. Zentrum und Baizcrische Volkspartei. Als die Saaltüren geöffnet werden, erfchjul als erster ans der Seite der Jasager der Reichsministc» Schiele. Abg. vitlmann(Soz.) macht unter dem Lärm der Rechten darauf aufmerksam, daß der deutschnationalc Geschäfts- Führer Dr. Philipp die Geschäfte des Hauses behindert habe, indem er das Abstimmungsresultat zunächst angezweifett habe, und behält sich vor, die Angelegenheit im Aeltestenrat vorzubringen. Präsident Lobe schließt sich diesem Vorschlag an. Weitere Anträge auf Festsetzung eines Nationalfeiertags und auf Schutz der Feiertage werden dem Rechtsausschuß überwiesen. Angenommen wird ein interfraktioneller Antrag, im Etat «inen neuen Titel einzuführen, der für kulturelle, i n s b e s o n- der« kirchliche Zwecke eine Million Mark einsetzt. Das Haus bewilligte den Rest des Etats des Innern in zweiter Lesung, mit Ausnahme der Kapitel Reichskommissar für die öffent- lichc Ordnung. Polizei und Technische Nothilfe, lieber diese letzteren Kapitel eröffnet Abg. Schmidt-Köpenick(Soz.) die Debatte. Der Titel.Technische N o t h i l f e' werde von der Sozialdemokratie abgelehnt. Der Charakter der Technischen Nothilfe werde schon dadurch gekennzeichnet, daß sie sich m i t d e m.Stahl- Helm' verbinde, in ihren Versammlungen werde auch nichts anderes als national! ftifchc Politik gemacht. Sämtliche Gewerkschaften haben sich am 5. April in einer Eingabe an die Re- gierung gewandt, worin sie die Alsschassung der Technischen Rothilse verlangen. Von früheren Regierungen sst gesagt worden, daß die Technisch« Nothilfe keine dauernde Einrichtung sein solle. E« besteht kein Grund dasür. sie noch bestehen zu lassen. Aber Sie(gegen rechts) wollen die Technische Nothilfe erhalten, um die notwendigen Lohn- kämpfe der Arbeiter mit ihrer Hilfe zu unterbinden. Der Staat ist nicht dazu da, um die Arbeiter in ihrem Existenzkampse zu hindern. Im Ausschuß hat der Reichsinnenminister heute erklärt, es sei nicht möglich, die Ausgaben für die Technisch« Nothilfe herab- zusetzen. Zur Begründung greift man immer wieder nach Ausreden. um diese Einrichtung zu erhalten. Die Richtlinien für die Technische Nothilfe werden im Lande nicht innegehalten. Hier sind andere Faktoren für sie maßgebend. Auf Antrag der Arbeit- geberverbände wird die Technische Not Hilfe sofort « i n g« s e tz t. Der Redner verweist aus ein Beispiel in O st- preußen.wobet einem Kampfe der Landarbeiter um eine geringe Erhöhung ihrer niedrigen Löhne die Kühe der Landarbeiter aus die Straße getrieben wurden(Hört, hört!), man verweigert« ihnen die weiden, e» wurden sogar Brunnen gesperrt, an denen die Frauen der Landarbeiter Wasser holen wollten, wo blieb hier die Technische RothUf«? Die Gewerkschaften stehen aus dem Standpunkt, daß die Technische Nothilfe überflüssig ist. Noch der Gesundung der Arbester- bewegung können die Gewerkschaften selbst dasür sorgen, daß die lebensnotwendigen Arbesten bei Lohnkämpfen geleistet werden. All« Arbeiterorganisationen haben sich dazu bereit erklärt. Dieser'Titel muß daher gestrichen werden. Wenn Sparsamkeit geübt Verden fall. dann ist sie hier zu allererst am Platz«.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nach 7 Uhr abends vertagt sich das Haus aus Mittwoch Z'.i Uhr. (Hinausschiebung der Bermögenssteuer-Porauszohlung: sozialdemo- tratische Interpellation über das Konkordat.) die �mneftievorlage. Gin vollkommen unzulänglicher Entwurf. Di« im Laufe der vorigen Woche fertiggestellte Amnestie- vorlag« liegt gegenwärtig dem Reichskabinett zur Beratung vor. Die besonderen Verhandlungen mit den Parteien sind abgeschlossen. Infolg« Differenzen zwischen Reich und Ländern konnte der Am- nestieerlaß bei dem Amtsantritt Hindenburgs nicht w Kraft treten. Auch jetzt ist mit großen Differenzen sowohl im Reichsrat wie vor ollem im Reichstag zu rechnen: denn die Amnestieoorlage ist ab- solut unbefriedigend. Es handelt sich nur um eine Reichs- amnestie, d. h. um Amnestierung von Verbrechen oder Vergehen, die von einem Gericht des Reichs(Staatsgerichtshof. Reichsgericht) verhandelt wurden. Es werden ferner nur Strafen bis zu einem Jahr amnestiert; Zuchthausstrafen sind von der Amnestie ausgeschlossen. Das Dattim für die Befristung der Amnestie — sie reicht nur bis zum 1. Oktober 1923— ist völlig willkürlich gewählt. Diese Grenze berührt um so merkwürdiger, al» doch ge- rode in die Zeit nach dem 1. Oktober die schlimmsten Tage der In- flationszeit und damit eine ganze Reihe von Inflattonsvergehen fallen. Die praktische Wirkung der Vorlage wird darin bestehen. daß die Käppi st en, die rechtsradikalen Uebeltäter und die Angehörigen der Organisation Consul begnadigt werden: von den Kommunisten wird nur ein kleiner Teil etwas von der Amnestie haben. In Bayern bleibt natürlich wie immer alles beim alten. völkisches! Die drei völkischen Gruppen des Reichstage» haben sich, nach- dem sie sich längere Zeit geschlagen hatten, neuerdings wieder ver- tragen. lieber das Einigungsprogramm war bisher nichts bekannt geworden. Jetzt wird klar erkennbar, daß bei der Versöhnung der Ludendorsf, Gracfe und Straßer der Antisemitemus geopfert wurde, der also selbst den Völkischen zu dumm geworden ist. Zum Haushall des Reichsministeriums des Innern hatten die großen bürgerlichen Parteien den Antrag gestellt, den christlichen Kirchen und den Syna- zogen für kulturelle Zwecke 1 Million 200 000 Mark zu bewilligen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen mit den Stimmen der Deutschnationolen. des Zentrums, der Volkspartei. der Demokraten, der Bayerischen Dolkspartei und der Wirtschaftspartei und— der Völkischen! Heul! Heul! Sie haben Wotan verleugnet und sind zu Iehova in ver- dächtige Beziehungen getreten! Die Hakenkreuzler sind zur Juden- schutztruppe geworden! Die Geister der jüdischen Vorfahren vieler völkischen Führer sind versöhnt, ober der alte Rabbi Akiba ist verdutzt, denn daß eines Tages Graes«. Henning, Ludendorss und Genossen sich um die weitere Verjudung Deutschlands verdient machen würden, hat er nicht vorhergesehen. Gewerkschaftsbewegung Der Kampf im Holzgewerbe. Die Leitung des Arbeitgeberverbandes der deutschen Holzindustrie muß verzweifelte Anstrengungen machen, um die für den 13. Juni großsprecherisch angekündigte„ Generalaussperrung non 100 000 Holzarbeitern" auch nur einigermaßen in Fluß zu bringen. Aus den Auseinandersetzungen im Arbeitgeberlager geht immer deutlicher hervor, daß die große Mehrzahl der Unternehmer von dem Aussperrungsbeschluß vollständig überrascht und über die Ursachen des Kampfes ganz falsch informiert worden ist. Nur unter dem allerschärfsten Druck mit dem Mittel der KonDentional strafe und Bontotterklärung gelingt es der Zentrale, menigstens einen Teil der Unternehmer zur Aussperrung zu zwingen. Daneben versucht sie mit einer verlogenen Darstellung über den Verlauf der Verhandlungen die Unternehmer scharf zu machen. Wir haben den genauen Sachverhalt wiederholt dargestellt und halten es deshalb für überflüssig, auf diese verlogene Darstellung noch weiter einzugehen. Das Berlogene an der Darstellung der Arbeitgeberleitung ist der Versuch, eine formulierte Erklärung der Arbeitnehmer zu fonstruieren, die weder der Form, noch der Sache nach ab= gegeben worden ist. Diese singierte Erklärung ist das Schreckmittel, mit dem die Arbeitgeber im ganzen Reich scharf gemacht werden. Nicht ultimativ" sind die Arbeitnehmerforderungen zur restlosen Anerkennung" vorgelegt, sondern als BerhandlungsgrundIage bezeichnet worden. Um die Verhandlungen zu erleichtern, haben die Arbeitnehmer auf die Möglichkeit hingewiesen, bei einen Lohnabschluß von längerer Dauer die Lohnerhöhung zu staffeln. Die Arbeitgeber lehnten aber jede weitere BerhandI unga b, da sie offensichtlich die Aussperrung von vornherein wollten. * Düsseldorf, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Unternehmer haben hier gestern die Aussperrung der Holzarbeiter beschlossen, die morgen erfolgen soll. Dieser Beschluß ist umso merkwürdiger, als bei den zentralen Verhandlungen in Berlin über Düsseldorf überhaupt nicht verhandelt wurde. Die Parteivertreter waren wohl geladen und erschienen, der Vertreter der Düsseldorfer Unternehmer hatte es aber vorgezogen, das schöne Wetter außerhalb des Verhandlungsraumes zu genießen, so daß er trotz längeren Suchens unauffindbar blieb. Die Tischlermeister rufen nach dem Reichsarbeitsminister. Dresden, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der am Sonntag hier tagende Verbandstag der sächsischen Tischler meister nahm zu der Aussperrung der Holzarbeiter eine Entschließung an, in der es heißt: " Der Verbandstag sächsischer Tischlermeister ist der Meinung, daß die Verhandlungsmöglichkeiten nicht erschöpft find und es Pflicht des Reichsschlichters ist, bei einem folchen Arbeitsfampje, wo 60 000 Unternehmer und etwa 150 000 Arbeitnehmer betroffen werden, den Versuch einer Einigung zu machen. Der geschäftsführende Vorstand wurde beauftragt, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um den Arbeitskampf so schnell wie irgend möglich zu beenden." Zur Lage der Bauarbeiter in Rußland. Nach ruffischer Darstellung. Aus Moskau erhalten wir von dem Sekretär des auswärtigen Berkehrs, B. Jaroczky über das Leben und die Arbeit der Gewerkschaft der Bauarbeiter in USSR. folgenden Bericht: ,, Am 27. Mai d. 3. begann die Unionkonferenz der Bauarbeiter der Union der SSR. Auf dieser Konferenz klärte es sich auf, daß die Zahl der Mitglieder des Bauarbeiterverbandes der Union der SSR. im legten Jahre im Zusammenhange mit der Entwicklung des Baugewerbes bedeutend gestiegen ist. Die Zahl der Verbands mitglieder stieg im Vorjahre um 44 Pro3., von 213 359 Per fonen auf 308817. Trogdem sind noch immer 10 Proz. der Arbeiter nicht organisiert, und zwar wegen des großen Zustromes von Arbeitern. Die Zahl der Verbandsorganisationen stieg auf den Arbeitsplägen um 68,3 Broz. Arbeitslos find gegenwärtig über 110000 Verbandsmitglieder. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitslosen sind Saisonarbei ter, die vom Lande in die Stadt tamen, um Arbeit zu suchen. Die individuelle Einhebung der Mitgliedsbeiträge erfolgt zu 97,9 Proz. Wegen der unpünktlichen Lohnauszahlung und der unvollkommenen Einhebung der Mitgliedsbeiträge gibt es ziemlich viel unpünftliche 3ahler 24,6 Proz. Der Lohn der Bauarbeiter ist ziemlich verschieden, er schwankt für die 1. Lohntlasse von 6,55 Rubel bis 19,48 Rubel. Der Durch schnittslohn in der 1. Lohnklasse betrug im Februar 1925 13,91 Rubel. Im allgemeinen beträgt der Reailohn 75-80 Proz. des Borkriegslohnes. Eine große Differenz zwischen dem Lohn und der Produktivität der Arbeit, auf die Borkriegszeit bezogen, besteht nicht. Der Verband beteiligt sich aktiv an der Organisierung und Regelung des Baugewerbes." Löhne( 1 Rubel mit voller Deutlichkeit hervorgeht, ob es sich um Wochen oder Dazu ist zunächst zu bemerken, daß aus den Mitteilungen nicht Monatslöhne handelt. Bei der Niedrigkeit der angeführten : 2 M. 16 Pf.) ist man versucht, anzunehmen, daß es sich um Wochenlöhne handelt, obwohl die Angaben vom Februar wie die Gewohnheit der Sowjetstatistiken auf Monatslöhne schließen lassen. Jedenfalls gibt der Bericht selbst den Reallohn auf 75 bis 80 Proz. des Vorfriegslohnes an. Bedenkt man, daß vor dem Kriege in Rußland feine legale Möglichkeit zur Erfämpfung höherer Löhne bestand und demzufolge die Lebensbedingungen der Arbeiter so ziemlich die elendesten der ganzen Welt Sowjetrußland heute noch geht, wo angeblich das Proletariat seine waren, so fann man daran ermessen, wie elend es den Arbeitern in Diktatur ausübt. Bemerkenswert ist weiter, daß die„ Rote Fahne" diese Mitteilungen nur verstümmelt wiedergibt, insbesondere fein Wort von der ungeheuren Arbeitslosigkeit veröffentlicht. Große öffentliche Boltsversammlung heute, Mittwoch, den 17. Juni abends 7 Uhr, in Pantow, Cofal Linder, Breite Straße 34 Tagesordnung: Der deutschnationale Aufwertungsbetrug Was verlangt die Sozialdemokratie?" Referent: Reichstagsabgeordneter Wilhelm Kcil- Stuttgart. Rentner! Hypotheken- und Obligationsgläubiger! Erscheint in Massen! Sparer! Zur Ratifizierung des Achtstundentages. Neue Ministerkonferenz im Herbst. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes Genoffe Thomas hat vor wenigen Tagen eine längere Reise nach Südamerifa angetreten. Infolgedessen fann die vom englischen Arbeitsminister gelegentlich seiner Zusammenkunft mit dem deutschen Reichsarbeitsminister in Frankfurt a. M. angeregte neue Ar= beitsministerfonferenz nach dem Muster der Berner Zu jammenkunft erst im Herbst stattfinden. Die Leitung der sehr wahrscheinlich in London tagenden Konferenz wird in der Hand des englischen Arbeitsministers liegen. Die englische Regierung will vor der Entscheidung über die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens flar sehen, ob sie mit der jezigen Fassung des Abkommens auskommen fann oder nicht. Es sind vor allem zwei Punkte, die den Engländern Schwierigkeiten stundentages nur eine Stunde Mehrarbeit zu; England machen. Das Abkommen läßt im allgemeinen Rahmen des Acht glaubt nun seinen Arbeitsausfall am Sonnabend an den übrigen fünf Arbeitstagen nicht einholen zu können. Außerdem ist nach der Auffassung der Engländer die Ueberstundenfrage in der englischen Eisenbahn nur schwer mit dem Abkommen in Einklang zu bringen. Zum Streik im Dunggroßhandel. Bor einer Gesamtaussperrung im Großhandel? Bom Deutschen Verkehrsbund wird uns geschrieben: Der Arbeitgeberverband hatte zum Montag die, Lohnkommission zur Verhandlung geladen. Zu einer Verhandlung über die Lohn regelung im Dunggroßhandel bequemten sich die Herren jedoch nicht, es wurde der Kommission mitgeteilt, daß auf Grund eines Antrages dieser Fachgruppe die Aussperrung des gesamten Groß handels beschlossen werden soll. In seiner zynischen Art erklärte dann der rühmlichst bekannte Syndikus Dr. Engel, daß er weder die Organisation noch die streitenden Arbeitnehmer benötige, da von einer anderen Stelle die Arbeit erledigt würde. Der Polizeipräsident follte helfen und auf Antrag des Arbeitgeberverbandes des Großhandels die Technische Nothilfe einsehen. Dem Antrage fann und darf nicht entsprochen werden. Nach wiederholten Ausführungen desselben Herrn gelegentlich der Berhandlungen vor dem Schlichter kommt ein öffentliches Interesse oder die Gefährdung der Deffentlich feit gar nicht in Frage; der Schlichter hat darum bisher fämtliche Anträge auf Berbindlicherklärung von Schiedssprüchen a b gelehnt. Collten in irgendeinem Falle jedoch im Interesse der Gesundheit die Enticerung einer Grube erforderlich sein, so fönnen vier Betriebe, die die Forderungen als berechtigt anerkannt und bewilligt haben, diese Arbeit übernehmen. Der Deutsche Verkehrsund ist jerner bereit, erforderlichenfalls die Erledigung dieser Arbeit. zu organisieren und in eigener Regie auszuführen. Wenn die Teno" bisher noch nie Streifbruch verübt haben sollte, hier würde es dann der Fall sein. Durch Inserat in der Morgenpost" werden nun 150 Streif: brecher gesucht, bisher aber auch ohne Erfolg. Die wütendunangenehme Arbeit und überlassen dies den einzelnen Inspektoren, sten Arbeitswilligen bedanken sich bei dem miserablen Lohn für diese Prokuristen und Arbeitgebern, die sich nicht genieren, unter Polizeiaufsicht zu fahren. diese Bewegung; Kurscher und Mitfahrer eines mit Dung beladenen Kutscher und Transportarbeiter! Interessiert Euch allesamt um Wagens ohne unterstempelten Ausweis der Organisation sind Streifbrecher. Dieser den Arbeitern aufgezwungene Kampf ist einzig und allein dem unverantwortlichen Verhalten der Arbeitgeber und ihrer Interessenvertretug zuzuschreiben. Nicht genug, daß sic die Vertretung der Arbeiter in der unverfrorenſten Art behandeln, höhere als im Manteltarif geregelte Arbeitsleistung zu verlangen. jedes Zugeständnis ablehnen, fie besaßen noch die Frechheit, eine Der Malerverband in Berlin 1924. Dem Jahresbericht, den der Vorsitzende der Berliner Filiale des Verbandes der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher und Weißbinder, Genosse Schiemann, der Delegiertenversammlung erstattete, entnehmen wir: Der Beschäftigungsgrad war im vergangenen Jahre äußerst günstig. Der langjame Wiederaufstieg des deutschen Wirtschaftslebens bringt dem Berufe ein ausgiebiges Tätigkeitsfeld. Die seit Jahren notwendigen Renovierungsarbeiten an Häusern und Wohnungen jegen langsam ein. In der Metall- und Holzindustrie hat sich die Zahl der in Malerund Ladierabteilungen Schaffenden verdoppelt. Infolge der nie. drigen Entlohnung in der Metallindustrie lehnen jedoch die Facharbeiter die Arbeitsaufnahme bei den Industriegewaltigen ab. Diese suchen nun durch angelernte Arbeitskräfte den Facharbeitermangel zu beheben. Die Bezahlung dieser Hilfsarbeiter ist denbfar schlecht. Dem Organisationsgedanken sind diese Berufsangehörigen schwer zu gänglich zu machen. Durch Erörtern von Fach, Lohn- und Organifationsfragen fann das Interesse dieser Indifferenten erweckt und fie der Berufsorganisation zugeführt werden. Jn 135 Werkstattversammlungen gaben Vertreter der Ortsverwaltung den Mitgliedern Kenntnis von Tarif- und anderen Berhandlungen. Durch diese ständige Information wurde ein inniger Konner zwischen Mitgliedschaft und Ortsverwaltung geschaffen. Hierbei wurde auch die fruchtbringendste Agitationsarbeit geleistet. Durch Aufklärung der Mitglieder in den verschiedensten Fragen wurden viele Mißverständnisse beseitigt und rege Mitarbeiter gewonnen. In über 80 Fällen mußte Rechtsvertretung beim Gewerbegericht, Schlichtungsausschuß sowie bei Amtsgerichten gestellt werden. Einige Tausend Mark konnten auf diesem Wege für die Mitglieder eingeflagt werden. Die Innungsmeister haben dem Innungsschiedsgericht zu neuem Leben verholfen, in der Hoffnung, daß ihre Interessen dort besser gewahrt werden. Die Gewerkschaften haben bei dem neu zu schaffenden Arbeitsrecht die Beseitigung dieser Sonder: gerichte durchzusetzen. Der Reichstarifvertrag für das deutsche Malergewerbe, der im Februar 1924 abgelaufen war, wurde unverändert verlängert. Das Haupttarifamt für das Malergewerbe hatte sich auf Antrag der Organisation in acht Sigungen mit der Lohnfrage zu beschäftigen. Es gelang, den Lohn von 64 Pf. im Januar 1924 bis zum Ende des Jahres auf 95 Pf. zu bringen. An Streitbewegungen waren insgesamt 500 Mitglieder beteiligt. Die mit den Arbeitgebern zweds Arbeitsbeschaffung gebildete Kommission wurde überflüssig, weil genügend Arbeitsaufträge vor= handen maren. Etwa 800 Kollegen haben den Weg zur Organisation wieder. gefunden. Diese zu erhalten und neue Kämpfer der Organisation anzugliedern, muß erste Aufgabe der Verbandsmitglieder sein. In der Diskussion wurde die Tätigkeit des Vorstandes durch einmütiges Vertrauensvotum für den Vorstand anerkannt. Achtung, Jungzimmerer! Die Lehrlingsversammlung, die der Zimmerer" irrtümlich zum Dienstag, den 16. Juni, einberief, findet heute abend( Mittwoch) 7 Uhr im Gewerkschaftshaus, Engelufer 24/25, Saal 5, statt. Tagesordnung: 1. Das Fordinitem und die deutsche Arbeiterschaft. Referent: Otto Seßler, Sekretär der Freien Arbeiter- Jugend. 2. Beteiligen sich die Jungdie vom 20. zum 21. Juni in denen Gosener Bergen stattfindet? tameraden an der vom Arbeiter- Rulturkartell arrangierten Sonnenwendfeier, Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff: Wirtschaft: Arthur Gaternus: Gewerkschaftsbewegung: S. Steiner; Feuilleton. Sr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Raritäbt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. 5., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret und Berlaasanstalt Baul Ginger u. Co. Berlin S. 68. Lindenstrake 3, Sierau 2 Beilagen, Unterhaltung und wiffen" und Jugend- Borwärts". Mujifaufträge übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musikerverbandes, Berlin O 27, Andreasftr. 21( Rönigstadt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 bis 5, Sonntags 10 bis 2 Uhr. Auf Wunsch Vertreterbejuch Preiswerte Angebote Walchstoffe 80 cm Baumwollmusseline breit, Meter 95Pf. Seidenbatist, In vielen Farb., Mtr. 135 Crêpe marocain moderne Drucker 165 Kleiderfrotté doppeltbreit, gute Qualität ge Meter 195 muster Meter Frisé doppeltbreit bedruckt, modernes neues Gewebe Meter 29⁰ 75 Schweiz.Vollvoile fantasiemust, Mr. Damen- Blufen ca.110 cm br., aparte 375 a.gutem Hemdbluse Zephir, m. Täschchen, 375 in schönen Streifen aus gutem Satin, in schöner, bunter Ausmusterung. Kasak 25 Jumper Kasak a. gutem Vollvoile, m. tarbig. Besatz, u. a. gut., kunstseid. Trikot, mit Kurbelstickerei n. Knöpfen reich ausgeführt 850 aus guter, reiner Seide, aussergewöhnlich billig Unterrock 975 Unterkleid as gutem, kunstseid. Trikot, 75 in grosser Farbenauswahl... 475 für reine Wolle, 100 cm breit.. Mengenabgabe vorbehalten Kleiderstoffe bis Wollbatist fr Blusen u. 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Beilage des Vorwärts Roch vor wenigen Sefunden erblickte man mehr oder weniger eschmackvolle moderne Billen, sah auf dem Wannsee und der Havel linke Sportsegler und Motorboote sich tummeln, stand noch soeben auf Deck des fast ein halbes Tausend Menschen fassenden Dampfers da dreht sich plötzlich der Zeiger der Zeit um ein reichliches Jahr: hundert zurüd, so, als sei das noch nie gelebt worden, als läge das Jahr 1925 noch in ferner, ferner Zukunft: man ist auf der Bfaueninsel. Die Vergangenheit atmet hier sacht und leise wie ein altes Jüngjerlein, das nicht mehr viel Wesens von seiner Existenz macht und froh ist, wenn pietätlose Kindesfinder ihm seine Ruhe lassen; denn an den Gewohnheiten ihrer Zeit müßte es zu grunde gehen. Und es lebt doch so gern! Wie lange noch? Immer wieder tauchen Pläne auf, auf der Insel ein Wirtshaus zu errichten. Von den Vereinen und Verbänden, die sich den märkischen Naturschutz angelegen sein laffen, wird dagegen gefämpft, hoffentlich auch weiterhin mit Erfolg. Die, denen es gleid) ist, ob fie der Vergangenheit lebend oder als Mumie begegnen, fommen an so vielen Orten auf ihre Kosten; hier sollen sie sie uns nicht mit Biergläsern und Kaffeekannen erschlagen. Noch wächst auf diesen Wegen und Rasenflächen kein Butter brotpapier, noch leben hier feine Menschen, die jedes Fleckchen Erde, jeden anderen, alles, was sie überhaupt umgibt, nur mit dem Maß stab„ Geld" messen. Die etwa fünfzig Personen, die auf dieser Inset wohnen, sind so wundervoll unmodern, fast möchte man jagen: stilecht. Landarbeiter, freundlich und schweigsam, wundern sich, weshalb die Besucher sich nicht damit begnügen, den Pferdestall, der als gotische Kirchenruine erbaut ist, von außen zu betrachten, sondern auch in ihn hineinschauen müssen, obgleich er da wirklich nur das ist, was seinem 3wed entspricht. Und ruhig und freundlich sind auch die Kinder dieses seltsamen Eilandes; am freundlichsten aber ist der Obergärtner. Er liebt seine Insel mit ihren Pflanzen, die aus aller Welt hierher gebracht wurden, mit ihren fast tausend jährigen Eichen, mit den Pfauen, die zum Teil so zahm sind, daß sie auf jeden Anruf näherfommen, und von denen er überzeugt ist, daß sie seine Worte verstehen. Er fann von allen diesen Dingen sprechen, gar nicht redegewandt, aber so lebendig, aus so warmen Herzen, daß man von seiner Führung mehr Wissen gewinnt, als von einer Reihe fluger Vorträge. Auch ein Balmenhaus gab es früher hier, Tiere aus fernen Ländern, die bei der Begründung des 300 in diesen übergeführt wurden; seine Begeisterung stellt alles das greifbar vor uns. Ein Springbrunnen plätschert: den Besuchern zu Ehren wurde er in Tätigkeit gesetzt; er wird elektrisch betrieben. Elektrisch? Wie unwirklich die Gegenwart jetzt ist. Nur leise äußerlich streifte sie uns eben mit diesem Wort; dann versinkt sie wieder in den Ruinenbauten einer empfindsamen Zeit. Der Dampfer zieht seine dunklen Furchen durch das Wasser; meißer Gischt sprüht auf, vom Wind zu seinem Regen zerstäubt. Stadtrat Albrecht Potsdam hält seinen Vortrag über die Havelschwäne, die, in der Nachkriegszeit fast ausgestorben, nun wieder von Naturfreunden systematisch herangezüchtet werden, zu Ende, den er auf der Insel begonnen hatte. Bor ihm sprach Amtsgerichtsdirektor Haedel Potsdam über die Geschichte der Pfaueninsel. Die Beranstalter des 3 meiten Mär fischen Naturschußtages haben sicher allen Teilnehmerie mit der Führung durch die Pfaueninsel eine große Freude bereitet. geologischen Gegenwart ist die Natur noch am Werfe; in den breiten diluvialen Urstromtälern entstehen fruchtbare Flußauen. Anschlie Bend an seinen Vortrag zeigte Professor Schneider noch eine Reihe cindrucksvoller Lichtbilder. Die Referate, die aun gehalten wurden, fonnten aus Zeitmangel leider nur sehr furz sein, trotzdem man die teils sehr interessanten Themen gern ausführlicher behandelt gesehen hätte. Studienrat Dr. Stachowi- Friedrichshagen sprach über" Die neuen ehrpläne der höheren Schulen vom Standpunkt des Naturschutzes". Er bedauerte den Mangel an naturfundlichen Fächern in den Schulen, besonders den Oberrealschulen. Man stimmte gern seinem Wunsche bei nach einem biologischen Un= terricht bis möglichst in die Oberstufen der Schule. Bedenklicher erscheint die Forderung, in realen Anstalten Biologie als Prüfungsfach beim Abiturium neben Chemie und Physik zu stellen, da dabei die Gefahr besteht, daß weniger ein vertieftes naturkundliches Wissen als eine schematische Aneignung von Examenstoff erzielt wird. Ueber die Bernichtung der Niederlaufiger Natur und Kultur durch die Industrie" berichtete Studienrat Nu B= Senftenberg. Die Verwüstung dieses Gebietes durch die Industrie gab Anlaß zu folgender Entschließung, die einstimmig angenommen wurde:" Der Zweite Märkische Naturschußtag erwartet zuversichtlich, daß die zuständigen Amtsstellen die Braunfohlenbergwerfbefizer anzuhalten vermögen, bei dem Brauntohlentagebau- sei es selbst unter eigenen Opfern darauf bedacht zu sein, daß eine fünftige land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Gegend nach dem Kohlenabbau wieder möglich wird". Dr. Klose Berlin sprach dann mit begeisterten Worten über die Naturschönheiten des Golmer Luchs, dem, nachdem das Kremmener Luch fast vernichtet wurde, nun auch der Untergang droht. Er forderte die Anwesenden auf, alle Kräfte daran zu setzen, damit dieses letzte Luchgebiet in der Umgebung Berlins erhalten bleibe. Tatkräftig haben hier schon der Volksbund Naturschutz und der Bund für Vogelschuh eingegriffen durch Ankauf eines größeren Gebiets. Architelt Stahl- Caputh erinnerte dann daran, daß die Gefahr der Bebauung des Krähenberges bei Caputh noch immer nicht behoben ist. Kommt die Bez bauung zustande, so ist der Berg, der jetzt einen der schönsten Rund blide bietet, landschaftlich wertlos. In einer Entschließung des Naturschußtages wurde daher einstimmig dagegen protestiert. Die Sigung wurde dann geschlossen, nachdem als nächster Tagungsort des Natur: schutztages Eberswalde festgesetzt worden war. Ein Rückblick. Einige Worte zur legten Berliner Waffernot. Das fatastrophale Versagen der Wasserlieferung in den von den privaten Charlottenburger Wasserwerfen zu versorgenden Gebiets: teilen Berlins, vor allem Wilmersdorf, Schöneberg und Neukölln her beigeführt hat, weckt die Erinnerung an einen Justizskandal, der sich vor 20 Jahren abgespielt und es erst ermöglicht hat, daß die Wasserversorgung in privaten Händen blieb. Die Stadt Charlottenburg hatte seinerzeit nur unter der Bedingung mit privater Wasserversorgung sich einverstanden erklärt, daß nach einer bestimmten Reihe von Jahren das gesamte Werf von ihr erworben werden fönnte. Wortlaut sowohl wie Sinn des Bertrages ließen gar feinen Zweifel darüber, daß es sich um die gesamten von der Gesellschaft betriebenen Werke handelte, daß die Gesellschaft aufhörte zu bestehen, sobald die Stadt die Werke übernahm. Als dieser Zeitpunkt aber vor nunmehr 20 Jahren herannahte, erklärte die Gefellſchaft, wenn der Bertrag auch von den gesamten Werken der Gesellschaft spreche, so könne dies doch nur bedeuten, daß nicht ihre gesamten Berke gemeint seien, sondern nur der Teil, welcher das Charlottenburger Stadtgebiet versorge. Der Vertrag war so klar, daß ein überaus seltener Foll fämtliche Juristen des Magistrats und der Stadtverordneten- Bersammlung darimter befanden sich solche von bedeutendem Ruf einig darin waren, daß an dem guten Recht der Stadt auf Erwerb der Werke gar kein Zweifel bestehen könne. Aber die Gesellschaft strengte trotzdem die Klage auf Feststellung an, daß die Stadt nur ein Recht auf Erwerb des Teiles der verforge und sie bekam beim Landgericht und beim Kammergericht Recht. Daß eine Kommune die Wasserversorgung auch in einem Gebiet übernehme, das nicht ihr eigenes sei, schien den Berliner Richtern ein so ungeheuerliches Verlangen, daß man ihm auch entgegen dem flaren Sinn und Wortlaut eines Vertrages nicht willfahren dürfe. Daß Groß- Berlin schon damals ein einheitliches Wirtschaftsgebiet war, war eine Erwägung, die den Berliner Richtern überhaupt nicht fam. Die Stadt trieb den Brozeß nicht bis zum Reichsgericht, sondern schloß einen Vergleich mit der Gesellschaft, monach diese im Besitz der Werke blieb, die auch heute noch einen großen Teil Berlins mit Wasser versorgen. Mit welchem Erfolg, ist bekannt. Während die Werke, die Charlottenburg beliefern, beständig weiter ausgebaut wurden, so Die Haupisihung des Zweiten Märkischen Natur= schußtages fand am Sonnabendabend im Botsdamer Stadttheater statt; Geheimrat Wetekamp, der Träger der ganzen Naturschutzbewegung, eröffnete sie. Er erinnerte daran, daß Berlin vom Ausland als die Großstadt bezeichnet wird, die die schönste Umerte habe, der das Stadigebiet Charlotenburg gebung aufzuweisen hat; wir müssen uns bemühen, diese zu er halten und bei den maßgebenden Stellen das nötige Berständnis da für zu meden, um ihre Unterstützung dabei zu gewinnen. Es folgten dann eine Reihe Begrüßungsansprachen und darauf der Fest vor trag von Prof. Dr. Schneider von der Geologischen Landesanstalt über die Märkischen Landschaften in ihrer erdgeschichtlichen Bedingtheit". Die einstige Vereifung Nordeuropas hat auch der Mart Brandenburg ihren Stempel auf gedrückt. Der Wanderer, der heut die Mark mit offenen Augen durch zieht, findet daher eine abwechselungsreiche Landschaft, neben weiten Sandgebieten fetten Moränenschutt, auf dem sich wundervolle Laubwälder erheben, Binnenseen und Stauseen. Auch in der 27] Schnock. Ein Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron. Ein Ungeheuer von einem Krebs, der mit dem zu nehmenden Alter so steif im Rüden geworden ist, daß er kaum noch einen ordentlichen Schlag mit dem Schwanze zu vollführen vermag, hat sich aus Furcht vor Schnod eine sichere Zufluchtsstätte im Loche eingerichtet. Lange hat er geduldig mit den Fühlhörnern den Kampf verfolgt und gehofft, daß ein Biffen auch für seinen verhungerten Wanft abfallen würde nun schließt er, dankbar gegen die Vorsehung, seine schwere Zange um den marmblütigen Fischräuber. Eine nagende Unruhe beschleicht den Otter! Er hat einmal mit der äußersten Spize seiner Klaue in einer Otternfalle gesessen, die Falle war schwer und zog ihn mit sich unter Baffer er rettete sich gerade noch im letzten Augenblid. Bei dem Griff am Beine beginnen seine Lungen warnend sich zu melden, der Hals schnürt, und die Augen scheinen zerspringen zu wollen... hinauf, hinauf... mit oder ohne Beute! Längst schon hat er Schnock fahren lassen und befreit sich nun mit einem so plöglichen Rud aus dem Loche, daß der alte Schlammbruder nachfolgt. Aber die Wasserangst, von der sich feine Seele, die mit Lungen atmet, ganz freimachen kann, hat den Raubfischer völlig übermannt. In größter Eile mindet er fich durch das Wurzelwert und beginnt zu steigen. Und als er sich dem Wasserspiegel nähert und merkt, wie die fegnenden Anzeichen des Lichtes den Schlammring um sein Auge treffen, verstärkt er noch das Tempo feiner Flucht bis er mit einem gierigen Schnüffeln die Oberfläche erreicht. Schnod ist ihm auf den Fersen, und als der Otter landet, ertönt ein lautes Plätschern im Wasser. Die braune Seele wäre draufgegangen, wäre nicht der alte Rückwärts bei seiner Reise von der Oberfläche, wo er endlich den Griff gelöst hatte, abwärts wie eine Kugel geradeswegs in Schnods Hals gefrudelt. Nun muß sie sich damit begnügen, ihrem Gegner einen falten, teilnahmslosen Fischblid nachzusenden und Kneif Die Fahrt in den Schnürjad hinab fortfehen zn laffen. Die Bunde, die der alte Kampfhecht erhalten hat, war nicht lebensgefährlich. Allerdings waren zwei tiefe Spaiten zurückgeblieben von einem Paar grober, stumpfzahniger Kiefer, die auf der einen Seite seines Rückens tief ins Fleisch gedrungen waren, aber sie heilten, wie so viele andere auch, die er in früheren Zeiten davongetragen hatte. Er war nur lange nod) empfindlich im Rüden, und das Springen wurde ihm schwer. Aber ein zweites Mal ging der freche, vierfüßige Fischdieb nicht in Schnocks Wasserloch auf Jagd. Der Otter hatte ein sicheres Gefühl, daß er es nur dem Zufall zu verdanken habe, wenn er von seiner großen, gefährlichen Konkurrentin, nicht zermalmt worden war. Der Redakteur. Der See hatte sich verändert, seit der Holzdreher starb... es lagen nicht mehr der Friede und die Poesie aus alten Tagen über ihm! Die großen Schwimmvögel, die sich star? vermehr: hatten, peitschten täglich ruhelos umher und schlangen die Fische mit Hilfe immer besserer Geräte in sich hinein. Als einer der neuesten trat ein Motorboot von zehn PS auf, mit dem Redakteur bemannt: einem kleinen, fehnigen Mann, mager und schmächtig und mit einem Uebermaß an Energie. Die Unruhe und das Tempo einer neuen Zeit brannten ihm im Blute und ob er schrieb oder seine Erholung im Sport suchte, jedwedem Tun gab er sich mit gleicher Kraft und Leidenschaft hin. Der alte Drechsler hatte dem Idyll des Fischens gehuldigt; er legte sich irgendwo vor Anker, zündete sich das Pfeifchen an und hatte auf sein Angelzeug mohl acht. Der Redakteur, von genau dem entgegensetzten Temperament, mußte unauf hörlich umhersausen, einziehen und auswerfen. Er hatte sich eine Sommerwohnung draußen am See gemietet und zwischen den Johannisbeersträuchern im Garten hatte er sein fleines Stubenaquarium aufstellen laffen. Es beherbergte einige Krebse, Barsche und einen jungen Hecht. Jeden Vormittag grub er nach Würmern für die Aquariumfische und fütterte sie sorgfältig. Rührten weder der Hecht noch die Barsche die Würmer an, nahm auch der Krebs fie nicht, wenn sie zu Boben fanfen, fo opferte er sich mit Gemütsruhe den ganzen Tag lang Mittwoch, 17. Juni 1925 daß trotz der starten Zunahme der Bevölkerung auch bei anhaltender Hize und Trockenheit sich niemals ein Waffermangel bemerkbar machte, wurde in der Gesellschaft der notwendige Ausbau für diejenigen Teile vermieden, die Gemeinden belieferten, von denen, wie 6. B. Schöneberg, anzunehmen war, daß sie in absehbarer Zeit zu eigener Wasserversorgung übergehen würden. So hat denn die Gesellschaft im abgelaufenen Jahre bei einer Gesamteinnahme von 6,5 Millionen Mark mehr als den dritten Teil, etwas über 2,2 Millionen, als reinen Gewinn an ihre Aktionäre und Aussichtsratsmitglieder verteilt, anstatt wenigstens eine Million davon auf die notwendige Erweiterung der Anlagen zu verwenden. Der Profit geht eben über alles. Die Berliner haben hier einmal einen sehr deutlichen Anschauungsunterricht über den Unterschied privater und tommunaler Wirtschaft erhalten. Aber die an der Privat wirtschaft und übermäßigem Profit interessierten Kreise singen nach wie vor das Lied von der Unwirtschaftlichkeit fommunaler Betriebe, in denen von den leitenden Personen nur Anstellung und Versorgung gesucht werde, in der Regel als Belohnung für treue Parteitätigkeit, während wirklich hervorragende Leute mit Arbeitsfreudigkeit und Verantwortungsgefühl nur in der Privatwirtschaft zu finden seien. Ob viele Angehörige des arbeitenden und werktätigen Volkes ihnen auf den Leim gehen werden? Die Lehren der Berliner Wassernot werden von dem schaffenden Volke hoffentlich nicht vergessen werden. Wenn man fremdes Geld verborgt. Bor die Richter des Amtsgerichts Berlin- Mitte tritt ein junges Mädchen, sauber, nicht auffallend gekleidet. Sichtlich beklommen erklärt fie die Begebenheiten, die sie hierher geführt haben. Sie war Arbeiterin in einem Siemens- Betrieb und verdiente dort wöchentlich zehn Mart. Ein einigermaßen ausfömmliches Leben gestattete ihr dieser Verdienst nicht, weshalb sie sich nach einem anderen Erwerb umsah. Eine Bekannte, die bei einer„ Dienstherrfchaft" gekündigt worden war, verwies sie an diese Stelle, die sic auch bekam. Hier mußte sie den Haushalt in Ordnung halten, für sich und die beiden Kinder kochen und bekam dafür 20 M. Wirt schaftsgeld und 10 M. Lohn pro Woche. Die beiden Eheleute waren meist abwesend, da sie als Händler die Märkte bereisten. Während fie auf einige Tage mit den beiden Kindern bei ihrem Schwager in Fürstenwalde weilte, lieh sie diesem von dem ihr schon für zwei Wochen anvertrauten Wirtschaftsgeld einige Mart. Er konnte ihr aber das Geld nicht rechtzeitig wiedergeben, wie das leider vielen Geldborgern geht, so daß sie nun fein Geld mehr zum Wirtschaften hatte. Um fich zu helfen, versezte sie einen Anzug ihres Arbeit. gebers für 12 M.; sie wollte ihn wieder einlösen, sobald sie das Geld von ihrem Schwager bekam. Das Unglüd wollte es aber, daß die Handelsleute unvermutet nach Hause zurückkehrten und den Verlust des Anzugs bemerkten. Das Mädchen wurde daraufhin sofort entlassen und ihre Sachen zurückbehalten. Dann wurde noch das Fehlen einiger Wäschestücke, Grammophonplatten und Bücher festgestellt und kurzerhand Anzeige erstattet. In der Beweisaufnahme des Gerichts blieb nun von den Anschuldigungen nicht mehr viel übrig. Die Grammophonplatten hatte die Angeklagte einmal bei einer bekannten Frau spielen und dort liegen gelaisen. Die Bücher,„ Courths Mahler- Erzeugnisse", hatte sie deren Tochter ge liehen, konnte sie aber megen ihrer plöglichen Entlassung nicht mehr wiederholen. Beides wurde aber nach dem Bekanntwerden ihrer Entlassung von den Leuten wieder zurückgeschafft. Der Diebstahls= verdacht wegen der Wäschestücke mußte ebenfalls fallen. Außerdem aber sollte sie aus einer auf dem gemeinsamen Flur liegenden Woh nung einen Verlobungsring gestohlen haben, der dem Sohn des Flurnachbars gehörte. Die Beschuldigte behauptete gegen diese An. schuldigung mit aller Bestimmtheit etwas anderes. Der angeblid) Bestohlene habe sie immer mit Liebesanträgen perfolgt, die sie aber abwies. In den Tagen, da sie fein Wirtschaftsgeld hatte, habe sie ihn dennoch um Geld gebeten. Da er fein Geld hatte, habe er ihr den Ring zum Versezen gegeben mit der Bedingung, fie folle dann seinem Drängen nachgeben. Da sie ihn damals aber versetzte, wolle er ihr das vergelten. Troß der Glaubwürdigkeit ihrer Behauptung verurteilte sie das Gericht zu vier Wochen Ge fängnis unter Inaussichtstellung einer Bewährungsfrist, gegen die der Staatsamnalt aber Bedenken erhob. Diese Stellungnahme mutet etwas sonderbar an, wenn man bedenkt, daß die Angetlagte noch nicht vorbestraft ist und im nächsten Monat heiraten will, wie sie unter Tränen dem Vorsitzenden mitteilte. Die Gerichtsverhandlung und eine bedingte Strafausjeßung würden wohl genügen, die Angeflagte davon abzuschrecken, ein zweites Mal so unüberlegt zu handeln. im Sprech- Chor für Proletarische Feierflunden. Tonnerstag, abends 71, 11hr, Gesangsiaal der Sophien- Schule. Weinmeisterstr. 16--17: Uebungsstunde. Wegen der Probe zur Commmendjeler müssen alle Beteiligten bestimmt und pünktlich erscheinen. seinem Blatte. Geschah aber das Entgegengesetzic, dann wurde der Leitartikel fura- und der Chef wurde als fortgereift oder in wichtiger Bersammlung befindlich gemeldet. Eines Tages, wie er im Bureau sigt und Jeine Zeitung durchredigiert, läutet das Telephon. Seine Frau hängt am Hörer und erzählt, der Aquariumshecht freise wie besessen! Es durchbebt den Nedakteur... Längst schon hat seine Zeitung die Neuigkeit von Schnack gebracht. Die Fahrt dort hinaus ist wohlvorbereitet, die Geräte sind flar zur Abfahrt nur auf das Zeichen des Aquariumshechts hat er gewartet! Einige Stunden später befindet sich der kleine, fischtolle Redakteur nach einer angestrengten Radfahrt durch die brennende Sonne des ftidig heißen Julitoges zwischen duftendem Iris und wildem Rosmarin. Gemeinsam mit einem orisfundigen Torfgräber, der sich aus Furcht vor dem Ungeheuer mit einer Jagdflinte bewaffnet hat, fchlägt er einen der Pfade ein Der Wind streicht durch den dänischen Dschungel und reibt die Myriaden von Blattstreifen gegeneinander; es tlingt in den Ohren des Redakteurs, als falte er andauernd eine mäch tige Beitung zusammen. Die steifen, blaugrünen Schilfftengel mit den schwarzen Knoten lehnen sich umarmend rings an ihn, und ein starker, herbwürziger Krauseminzduft, untermischt mit dem fauren, rahmjüßen Brodem des Moorgrundes, fächelt ihm um die Nase. Einen Augenblick bleibt er im Rohrdickicht stehen und holt tief Atem, während er bezaubert auf die ohrenbetäubende Musik der Natur lauscht. Die Lerchen jubeln über seinem Haupte, die Wildenten lüften mit Schlagen und Flattern, und jetzt jagt eine Bekaffine ätschend vorbei und gleitet in einem langen, fonfaven Bogen herab. Ein Sonnenstreif spielt zur selben Zeit im Dschungel und läßt Rastaden von weichen, wiegenden Lichtflecken über ihn herabriefeln. Er schwißt und feucht und wischt sich die Stirn ... er schnaubt die Nase auf Urmenschenart... er ist wieder zu dem Wesen geworden, das Gott der Herr Mensch nannte, als er es auf die Erde setzte! In einer Lichtung des Rohrdidichts, wo ein alter, farrenbewachsener Erdwall ins Wasser vorspringt, macht er den Tauchftod flar ( Fortsetzung folgt.) Die Zollvorlage und die Stadt Berlin. Gegen die dem deutschen Boke zugedachte Belastung, die von er fommenden Zollvorlage droht, müssen die Städte fich wehren. In Berlin ruft die sozialdemokratische Fraftion der Stadtverordnetenversammlung den Magistrat zur Abwehr auf. Sie hat folgenden Dringlichkeitsantrag eingereicht: Die Stadtverordnetenversammlung erblickt in der von der Reichsregierung ausgearbeiteten Zollvorlage mit ihren unerträglichen Lebensmittelzöllen eine untragbare Belastung der großstädtischen, insbesondere der Berliner Bevölkerung. Sie ersucht deshalb den Reichstag, der Borlage ihre Zustimmung zu versagen. Sie ersucht ferner den Magiftrat, auch seinerseits bei den zuständigen Stellen gegen die Zollvorlage Stellung zu nehmen. Rettungswerk im Freibad Wannsee. Die Einrichtungen des Rettungswesens sind im Freibad Wannsee besonders gut entwickelt. Jezt hat die Berwaltung des Freibades auch noch ein Motorboot angeschafft, damit bei Unfällen schnellstens Hilfe gebracht merben fann. Schon 24 Stunden nach der Anlieferung des Motorbootes fand sich eine Diesmal Gelegenheit, es bei einem Rettungswert zu benutzen. handelte es sich aber um die Rettung nicht von Badenden, sondern von Seglern. Auf dem Wannsee tenterte am Montag bei dem Sturm ein Segelboot. 3mei junge Leute stürzten babet ins Waffer und gerieten in Gefahr zu ertrinken. Als vom Freibad aus der Unfall bemerkt wurde, bestieg rasch entschlossen der Geschäftsführer Clajus mit dem Babemeister Wolter das der Einweihung harrende Motorboot, um zu Hilfe zu eilen. Beiden gelang es, die von der Gefahr des Eririnfens bedrohten jungen Leute in Sicherheit zu bringen. Die Namen der Geretteten find nicht bekannt geworden. ,, Billige Wohnungen gefällig?" Zu dem mit dieser lleberschrift gebrachten Gerichts. bericht in Nr. 267 schidt uns der darin erwähnte Dentist Rosen= thal, Bezirksverordneter für Kreuzberg" und Mitglied der dortigen Wohnungskommission, einen Brief, in dem er unter anderem fagt( wörtlich): ,, Erstens ist festgestellt, daß ich absolut tein Interesse an dem Fall gehabt habe, jondern mich segar der Abstimmung darüber enthalten habe. Zweitens find es zwei desolate Wohnungen gewesen, welche das Wohnungsamt an Bohnungsuchende nicht los werden fonnte und gerade in dem vorliegenden Falle die Miete noch zahlen mußte. Drittens ist es nicht wahr, daß Herr Mulvidson mich mit Dem hohen Beamten" bezeichnet hat und auch bezeichnen konnte, sondern Tatsache ist, daß Herr M. zugegeben hat, daß es nicht wahr fei, daß er einen hohen Beamten" habe schmieren müssen, sondern diese Ausrede nur gebraucht hat, um eine Atonto- Zahlung vorher 3tt befommen. Daß Herr M. fich eine Provision hat versprechen lassen, ist lediglich seine und des Wohnungsuchenden Angelegenheit, von der mir persönlich nichts befannt war." Demand liebt Diamanten. In der Villa des Generalobersten Freiherrn von Lynder in Botsdam, Staiser- Wilhelm- Str. 14, find in der lepten Zeit wiederholt Diebstäble an Schmudsachen und Bargeid verübt worden, wodurch dem Eigentümer ein erheblicher Schaden zugefügt wurde. In einem verschlossenen Schränfchen im zweiten Stodmert Der Billa waren die Wertgegenstände verwahrt. Beim Deffnen des Behältnisses wurde der Verlust entdeckt. Es fehlten ein großer goldener Ring mit loftbaren Brillanten, eine langliche Goldbroide init Smaragden, zwei goldene Busennadeln mit Perlen, ein goldenes Armband mit Muscheln beiegt, ein filberner Becher mit einer Widmung und etiva 300 W. Bargeld. Als Täter wurde von der Kriminalpolizei der 18 jährige Sausdiener Kurt Demand entlarvt. Er befindet sich vorläufig in Polizeibaft. Nach den ver schwundenen Softbarkeiten wird eifrig recherchiert. Selbstmord eines Fünfzehnjährigen. Gestern früh wurde der 15 Jahre alte Lehrling Gerb. Schardt, Aleyandrinenstr. 116a, von seiner Pflegemutter to: aufgefunden. Er hat seinem Leben durch Gas ein Ende bereitet. Grund der Tat ist unbekannt. 39. bt. Flugblätter für Gewerbetreibende bei Lucht, Lindenstr. 2, abholen. 73. Abt. Schmargendorf, 7 Uhr Zusammenkunft bei Bahr, Breite Strake, Aur Flugblattverbreitung. 01. bt. Reuföln. 7% Uhr Funktionärßigung bei Köfter, Karlsgartenstr. 4. Statutenberatung. Bernau. Mittwoch, ben 17. Juni, abends 7% Uhr, im Gan! ,, Bellenue", Wandliger Straße, öffentliche Proteftrundgebung gegen Steuerunrecht unb Rollwucher. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Schula Königsberg, Junasozialisten Charlottenburg. Jugendheim Roffnenftr. 4, 7% Uhr: Unsere Mütter" und Die politische Lage". Frauenveranstaltung heute, Mittwoch, den 17. Juni: 16. Rreis Ripenid. Frauenkaffee in Reu- Heringsdorf. Treffpunkt 3½ Uhr im Lokal. 36. Morgen, Donnerstag, den 18. Juni: t. 8 Uhr bei Busch. Tilsiter Str. 27, Funktionärtonferens. 85. Abt. Marienbocf. 8 Uhr Funktionärverfammlung bei Nienborf, Chauffeeftraße 19, Ausgabe ber Flugblätter. 92. Abt. Meukölln. Bünktlich 8 Uhr bei Ewald, CTbeftr. 32, Abteilungsver Tagesfammlung. Eintritt nur gegen Borzeigung des Mitgliedsbuchs. ordnung: Geschäftsbericht. Raffenbericht. Aussprache. Neuwahl bes Borstandes. Wahl der Delegierten aum Bezirkstag. Der Borstand und die Funktionäre treten um 7 Uhr ebenda zur Borberatung aufammen. Frauenveranstaltung am Donnerstag, den 18. Juni: 85. Abt. Tempelbst. 7½ Uhr bei Buse, Werber, Ede Raiser- Wilhelm- Straße, Bortrag der Genoffin Trapp über: Heimarbeiterinnenschus. * 89. Wbt. Reukölln. Sonntag, den 21. Junt, Besichtigung des Botanischen Gartens. Treffpunkt 84 Uhr Hermannplan. Ede Kaiser- Friebrich- Straße. Nachzitaler 10 Uhr Eingang Unter den Eichen. 101. rnb 102. Abt. Treptow- Baumschulenweg. Freitag, den 19. Juni, 7½ Uhr, 93. Filmvorführung in der Treptower Glernwarte. Kriemhilds Rache", 2. Teil des Nibelungenfilms. Rarten zu 60 Pf. in der Spedition Reßler, Graeßftr. 50, und an der Abendkasse. Kreisousschuk Charlottenbure. Große Ronferenz am Arbeitermehifehri. Freitas ben 10 Supi, chaphe 8 br+ im a Pere Tiner Straße, Eikungszimmer Nr. 5, untep Sinauziehung von Bertretern bes Rugenbfdesveranoes, der G., der oewerifchafistommision, des Af- Ortsfartells. Tagesordnung: Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung von Jugendpot." Referentin: Genoffin Gener. 53. t. Charlottenburg. Am 20. Juni. abends 8 Uhr, findet die Einweihung des neuen Abteilungsbanners im Lokal bes Genoffen Bredfchneider statt. Anschließend Ball. Einlaßtarten 1 M. Genossen als Gäfte millkommen. Weiherebe: Gen. Rahenstein. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 116. bt. Bidtenberg. Die Einäfcherung des verstorbenen Genoffen Rektor Sndom, Gryphiusstr. 3/4, findet Donnerstag, den 18. Juni, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Jugendveranstaltungen. Zusammenkunft aller Hamburgsvertrauensmänner heute, Mittwoch, den 17., abends 7½ Uhr, in der Juristischen Sprechstunde, Lindenstr. 3, 1. Sof Tints part. Jede Gruppe muß unbedingt vertreten fein. Achtung, Abteilungstaffierer! Heute von 5-7 Uhr Abrechnung der Beifragsmarken. Ausgabe der Jugend voran" und der Arbeiterjugend". Luisenstadt: Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Int Reichenfaal der 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53 III, Freitag, den 19. Juni, 8 Uhr: Das psychopathische und debile Kind."( Dr. Kreuz.) Eintritt frei! Arbeitersport. Freiluft- Borabend„ Nord- Ost". Am Freitag, den 19. Juni, abends 7½ Uhr, veranstaltet die Bog- Abteilung der Sporil. Bereinigung Nord- Oft" in ihrer neuen Freiluft- Kampf. flätte Christburger Str. 7 einen vorzüglich befesten Kampfabend. Bei un günstiger Witterung werden die Kämpfe in der Sporthalle ausgetragen. Nord- Oft" startet vom Papiergewicht aufwärts in folgender Aufstellung: Gohr, Bais, Mufiol, Schent, Fiebag, Rappelt, Müller, Fleischer, Lademann. Heißer dem S. Giegfried" werden Borflub Buch" Stern"( Schöneiche) und Tegel" ihre beften Vertreter entfenden. Als Haupttreffen und Sensation des Abends muß man den Weltergewichtstampf Müller( Nord- Ost), Kreismeister 1923/24, gegen Adamtiewicz( Giegfried), Areismeister 1924, bezeichnen. Beide werben der Sportgemeinde ein sportlich hochwertiges Treffen liefern. Im Febergewicht trifft Kreismeister Raddaz( Siegfried) auf den vorzüglichen Schend( Nord- Oft) und der gute Mufio I( Nord- Ost) auf den tampferprobten Schepp( Siegfried). Das Zusammentreffen von Babemann( Nord- Ost) mit Rrepp( Borklub Stern") gibt dem Abend eine besondere Note. Als Einlage wird der deutsche Federgewichtsmeister Lups( Nord- Oft) mit dem Sportlehrer B. Krüger Jiu- Jitsu als Selbste wehr demonstrieren. Bezirkslartell für Arbeitersport Reukölln. Am Donnerstag, den 18. Juni, pünktlich 8 Uhr, findet in der Idealflause, Mareschitraße, eine Funktionär fonferenz aller Neuköllner Bereinsfunktionäre statt. Die Tagesordnung iſt: Die Lage in der Arbeitersportbewegung. Der Wichtigkeit halber milfsen alle Funktionäre erscheinen. Für den RAST, find Karten und Plakate beim Genossen Berthold Quade, Weichselstr. 37, abzuholen. Berliner Schwimmverein Freiheit". Am Freitag, den 19. Juni, Mitgliederversammlung bei Seidel, Schönhaufer Allee 156. Am 28. Juni Fahrt nach Strausberg zum Schwimmfest Welle", Strausberg. 31. Juli Generalverfammlung. Bis zum 15. Juli find fämtliche restierenden Bundes- und Vereinsbeiträge zu zahlen, sonst Berlust des Stimmrechts. Achtung! Dresdenfahrer! Die Leichtathleten des 1, Kreises fahren am Freitag und Sonnabend, den 19. und 20. Juni, nach Dresden zu den Aus scheidungskämpfen für die Olympiade. Ungefähr 30 Sportler und Sportle rinnen des 1. Kreises find vom Bunde ausgewählt worden, um sich eventuell für die Bändermannschaft zu qualifizieren. Um die legten Informationen entgegenzunehmen, macht sich eine Sigung äußerst notwendig. Dieselbe findet am Mittwoo), den 17. Juni, abends 7% Uhr, im Lokal des Genoffen Sugo Wegner, Frankfurter Allee 236( 10 Minuten vom Bahnhof Frankfurter Alce) ftatt. Die vom Bunde eingeladenen Genoffen oder deren Vertreter müssen mit Bollmachten unbedingt erscheinen. In der Sipung findet die endgültige Aufstellung der Kreisdelegation ftat. Bei Nichtkommen telephonischer An ruf: Begner, Amt Lichtenberg 3205. Touristen- Berein Die Naturfreunde"( Rentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Mittwoch, 17. Juni, abends pünktlich 8 Uhr, in der Aula des SophienIngeums, Weinmeisterftr. 16/17, Bortrag des Genossen Jul. Bab über Arbeiterdichtung". Gäste willkommen. Die Ortsgruppe beteiligt fich gefchloffen an der Sonnenwendfeier des Kulturkartells in den Gofener Bergen. Treffpunkt Sonnabend abends 7 Uhr am Bahnhof Eichwalde- Schmödwih.( Fahnen und Wimpel mitbringen.) Cinlaßkarten in der Mittwochversammlung. 8 Freie Kennfahrer Berlin E. B.( Mitgl. d. A.-.-. Sp.-B.) Bootshaus ant der Dahme.( Beschäftsstelle: Fr. Baschke, Berlin SO. 26, Oranienstr. 35. Rädyfte Mitgliederversammlung am Freitag, den 19. Juni, pünktlich abends Er. Uhr, im Bereinslofal Ideal- Klause", Neukölln, Mareschstr. 14. fcheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Aufnahme neuer Mitglieder. Am Sonn abend, den 20. Juni, beteiigen wir uns an der gemeinsamen Sonnenwendfeier und Propagandafahrt der Arbeifer- Ruderer und-Ranufahrer der OberfpreeBereine. Start: 7 Uhr abends vom Bootshaus. Riel: Sandschurre gegens über den Gofener Bergen. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Heute, Mittwoch, den 17. Juni, abends 7½ Uhr: Achtung, Waffersportler! Am Mittwoch, den 17. Juni, findet im Stadt. Webbing: Schu!: Ruheplak, Ede Antonftrake, Bortrag: Ein Ueberblid bad Friedrichshain on der Schillingsbrüde ein Berbeschwimmfest statt, per. über den deutschen Humor." Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 103 anstaltet von Borwärts- Lichtenberg, Neptun- Lichtenberg, Berliner SchwimmUnion und Welle. Cintrittspreis nur 20 Pfennig. ( Mieteinigunesami), Borfrag:.Demokratie aber Diktatur?" Schule Stallschreiberstr. 54, Aussprache: Naditultur." Tempelhof: Schule Ruber- Berein ,, Collegia" Charlottenburg E. B. Am Freitag. den 19. Juni, Germaniaftr. 4/6, Bortrag: Banderjahre." Fallenberg: Jugendheim Am findet in unserem Bereinslokal die außerordentliche Generalversammlung ftait. Der OrganisationsFaltenberg 117, Borteng: ,, Rartenlesen." Bünktliches Erscheinen jedes Sportgenoffen ist Pflicht. Friebrichshagen: Jugendheim Scharnweberfir. 105a, Bortrag: Gemeinschaftserziehung." Erknez: Jugendausweis laut§ 2 der Sagungen ist vorzulegen. Nieberschöneweibe: heim Bollstüme, Aussprache: Wirtschaftsentwidlung." Schule Berliner Str. 31, Susfprache: Unfere Sonnenwende und ihre Be beutung." Reulsborf: Sale Adolfftr. 25, Borirag: Arbeiterjugend und Schulpolitik." Sichtenberg- Mitte: Jugendheim Doffeftr. 22. Bortrag: ,, Be. deutung unferer Sonnenwende." Südost, Reichenberger Biertel: Jugend helm Reichenberger Str. 66, Bortrag: Wege zu Rraft und Schönheit." Werbebezirk Arensberg: Jugendheim Reichenberger Str. 66, abends 8 Uhr, Banderleiterzufammenkunft. Samburg wird am Donnerstag, den 18. Juni, in der Schule Gipsstr. 23a Achtung, Samburafahrer! Rum Spiel ber Berliner Jungfosialisten in Rentrum), pünktlich 8 Uhr abends, geprobt. Aeltere Genoffen und Genoffinnen fönnen sich noch beteiligen. Vorträge, Vereine und Verfammlungen. Bflicht. Der Ritter vom Stahlhelm". In dem gestern morgen von uns mitgeteilten Prozeß gegen den Leiter der Rüdersdorfer Drtsgruppe des Stahlhelm, Robert Schröder, ist durch ein technisches Bersehen das Urteil mur unvollständig mitgeteilt worden. Wir geben es daher noch einmal wieder. Schröder erhielt 200 m. Geldstrafe für die vermirfte Gefängnisstrafe Don 1 Boche. Der mitangeklagte Redakteur Müller wurde freigesprochen. Der Bildungsausschus Trep'ew- Baumschulenweg bietet in feiner 36. Filmborführung in der Treptower Sternwarte am Freitag, den 19. Juni, 7, libr, den 2. Teil des Nibelungen- Films Kriemhilds Rache". Starten zu 60 Bia. find noch in der Spedition Kepler, Graczftr. 50, und an der Abendkasse zu haben. Unglücksfall oder Mord? Schöningen( Braunschweig), 16. Juni.( BTB.) Unter dem Berbacht, bas siebenjährige Töchterchen des Arbeiters Illmer ermordet zu haben, wurde gestern der 16jährige, in der Bergmannssiedlung mohnende Hartmann verhaftet. Er foll am Sonntag das im Stadtpart spielende Rind an sich gelockt haben und mit ihm auf dem Rade davongefahren sein. Hartmann gibt an, daß das Kind vom Radegestürzt sei und sich dabei tödlich verlegt habe. Er habe dann die Leiche ins Wasser geworfen. Die Leiche des Kindes wurde gestern an der bezeichneten Stelle gefunden; fie war nur noch mit dem Hemd, das über den Kopf gezogen war, Schuhen und Strümpfen befleidet. Das Kleid wurde an einer anderen Stelle gefunden. Die Leiche wies eine Schädel perlegung auf, die zweifellos die Ursache des Todes ist. Der Prozeß gegen den Maffenmörder Angerstein. Limburg, 16. Juni.( E.B.) In dem Prozeß gegen den Massenmörder Frig Angerstein ist ein Termin für die Hauptverhandlung für den 16. Juli in Aussicht genommen. Für die Verhandlung werden 170 8 eugen und Sachverständige geladen. Die Anklage wird durch den Oberstaatsanwalt Badmeister und durch Gerichtsaffeffor Dr. Hofmann vertreten. Angerstein schreibt zurzeit seine Erinnerungen" nieder. Parteinachrichten Sinfendungen für diese Nubrik find Berlin 6. 68. Lindenstraße 3. für Groß- Berlin fets an bas Bezirkssekretariat, 2. Def, 2 Erep. rechts, au richtex Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 37/88. Sof 2 t. Kamerabschaft Wedding. Donnerstag, den 18. Juni, abends 7 Uhr, Treffen der Jugendkameraden in der Turnhalle Lütticher Str. 4. Kamerabfdmft Brenzlauer Berg. Donnerstag, den 18. Juni, abends 7% Uhr, antreten fämtlicher Spielleute mit und ohne Instrumente in Bankow, Breite Str. 32. Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlung im Lebigenheim in der Bappelallee. Erscheinen fämtlicher Mitglieber ist Remerabschaft Röpenid und Untergruppen. Achtung, Berfaffungs feier! Quartierliften find bei dem Rameraden Galle, Müggelheimer Str. 40, abzugeben. Bestellungen auf Fehnen nehmen die Gruppenführer entgegen. Ramerabschaft Lichtenberg nebst Untergruppen. Donnerstag, den 18, Juni, abends 7½ Uhr, Antreten der Rameradschaft am Bahnhof LichtenbergFriedrichsfelde. Die Untergruppen treffen um 8 Uhr am Bahnhof Friebrichs felde Oft ein. 3weds wichtiger Besprechung erscheinen auch die Vorstands mitglieder der Untergruppen. Außerdem findet die Einteilung aur Fahrt nach Freienwalde em Sonntag, den 21. Juni, ftatt. Quartiermeldungen find umachend an den Rameraden Sieronymus obzugeben. Untergruppe Biesbarf. Mittwoch, den 17. Jumi, abends 7 Uhr, Bersammlung und wichtige Besprechung im Lokal Belling, Marzahner Str. 24. Ramera ichaft Bankow mit Untergruppen. Mittwoch, den 17. Juni, abends 7 Uhr, Antreten sämt licher Rameraden bei Linder, Breite Straße, in Bannerfleibung zum Ber fammlungsschuk. Donnerstag, ben 18. Juni, abends 7% Uhr, Zusammen funft aller Spielleute van Grok- Berlin im Jugendheim Breite Str. 32. Kameraben, bie gewillt find, nach Freienmalbe mitzufahren, müffen bis Donners tag abend im Jugendheim ihre Beteiligung angemeldet haben. Fahrkarten. ausgabe am Sonnabend, den 20. Juni, nachmittags 5 Uhr, vor dem Stettiner Bahnhof. Ramerabschaft Charlottenburg. Rameraden, die am Sonnabend, den 20., und Gonntag, den 21. Juni, zum Republikanischen Tag nach Freien malde fahren wollen, werben erfut, fich bis zum Donnerstag abend im Ber einsfobal Wilhelmshof zu melden. Fahrpreis für Jugendkameraben 2,50 M., für Heltere 3,75 M. mit Reitbeitrag. Ramerabschaft Schöneberg- Friebenau. Achtung! Bis auf weiteres finden jeden Donnerstag abenb 7% Uhr unsere sportlichen Beranstaltungen auf dem Spielplas Rubens, verlängerte Begas. trake flatt. Rahlreiche Beteiligung erwinfcht. Unfere üblichen Turnabende bleiben nach wie vor jeden 2. und 4. Montag im Monat in der Turnhalle Wartburgstraße bestehen. Geuvorstand. Am 27. und 28. Juni findet in Schneidemühl bas Grenzmart Bannerfest tatt. Raumeraben, bie fich baran beteiligen wollen, bitten wir, fich spätestens Mittwoch, ben 24. Juni, im Gaubureau, eventuell telephonis, melben. Bei genügender Beteiligung wird eine Gesellschaftsfabet mit 25prozentiger Fahrpreiermäßigung angemelbet. Freie Hochschule. Mittwoch, 17. Juni, 8 Uhr, Sophienschule, Beinmeisterftraße 16/17, Dr. med. et jur. Rub. Bußmann. Thema: Der Tod in den Gefängnissen." Gäfte haben Rutritt! Der Schachinb Steinik teilt mit, daß er sein Rlublokal von den Andreas Westfälen nach dem Restaurant und Cafe Specht, früher Cafe Franfonia, No. 18, Gr. Frankfurter Str. 68, verlegt hat. Spielabend, wie bisher, jeden Donnerstag 8 Uhr. Gäfte, willtommen. Unterricht wird erteilt. run. Bortrag des Dr. Friedländer am Donnerstag, 18. Juni, 8 Uhr, in Restaurant von Raffun, Reutölln, Donau, Ede Crtstraße. Nachdem Beratung und ragebeantwortung. Gäste willkommen. Cintritt frei. Arbeiter- Berein für Biochemie und Lebensreform i. B. B., Bezirk NewDas Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 17. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Märchenstunde. 3.30 Uhr nachm.: Recis Tiergarten. Freie Schulgemeinde! ( Cello) Die Mitgliederversammlung findet am Freitag, ben 19. Juni, 7% Uhr, in den Arminiushaffen, Bremer Str. 70/71, ftatt. Arbeitsgemeinschaft ber Kinderfreunde Mitte. Mittwoch, den 17. Suni, pünit. Tich 7 Uhr, im Seim Blumenftr. 77, Selfertigung. Thema: Die Be wegung in Mitte." Genoffen und Genoffinnen des Bezirks, insbelønbere her Partei und der Arbeiterwohlfahrt, find eingelaben. Elly Altmann erzählt: Schnurrige Märchen" von Egon Hilgenberg. 1. Die Fliege. 2. Wie der Teufel Hochzeit machte. 3. Der Sonderling. 4. Vom Zauberer, der die Köpfe versetzte. 5-6.30 Uhr abends: Kammermusik der Berliner Funkkapelle unter Mitwirkung von Raja Garbusowa 7 Uhr abends: Reichsbahn- Oberrat Dr. Baumann: Die Lage der Reichbahn". 7.30 Uhr abends: Hans- BredowSchule( Hochschulkurse). Abteilung Physikalische Chemie, Dr. M. Volmer: Aus dem Grenzgebiet von Physik und Chemio". 5. Vortrag. Die Unmöglichkeit eines perpetuum mobile".& Uhr abends: Dr. Felix Günther: Einleitender Vortrag zu dem Sende8.30 Uhr abends: Wagner- Abend. Dirigent: Georg Széll. 1. Eine Faust- Ouvertüre( Orchester). 2. a) Höchstes Vertrauen( aus Lohengrin", b) Im fernen Land( aus„ Lohengrin")( Modest Menzinsky. Tenor). 3. Zweite Szene aus dem zweiten Akt des Tannhäuser( Dorothee Manski, Sopran, und Modest Menzinsky, Tenor). 4. Waldweben aus„ Siegfried"( Orchester). 5. Wotans Abschied und Feuerzauber, aus der, Walküre"( Cornelis Bronsgeest. Bariton). Berliner Funkorchester. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und Filmdienst. Metanemeinschaft der Rinberfreuube Tiergarten. Jeben Dienstag und Freispiel Martha am 18. Juni.( Mit musikalischen Beispielen). by Beim und Spielabend von 5-8 Uhr im Städtischen Jugendheim Wiclef, Ede Bremer Straße, Sarade Rimmer 2. Heute, Mittwoch, den 17. Juni: 7½ Uhr Mitgliederversammlung bei Gründer, Schwerinstr. 18. 7% Uhr Funktionärperfammlung mit den Delegierten zure Areis pertreterversammlung bei Rroll, Utrechter Str. 21. Ausgabe ber Dele alerte fertex in der Sinung. Achtung, Funktionäre! Sämtliche BeiFragsmarten wegen Quartalsschluß bis zum 22. Juni abrechnen. Ebenfo Maimarfen und Maieeitungen. Die Genoffen werden gebeten, sämtliche fatete und sonstiges Abteilungseigentum abzuliefern. Gesellschaftsspiel Strelnu", Ofbeutscher Meifter, gegen Zentonia 09, Nordkreis- Meister. Am Mittwoch, den 17. Juni, findet auf dem Sportplat des B.F.C. Teutonia 09" E. B., abends 7 Uhr, ein Gefellschaftsspiel zwischen bem spielstarten Berein tralau". Ostdeutscher Meister, gegen Teutonia 09", Nordkreis- Meister, statt. Die Begegnung der beiden Bereine um die Berliner Meisterschaft" endeie mit einen 4: 1- Siege von Stralan. Es liegt bei Teutonia", ihren guien Ruf weiterhin zu feftigen und die feinerseitige Schlange auszuwegen. Der sicherlich zu erwartende spannende Rampf ist des Befuches wert. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, den 16. Juni. 1. Rennen. 1. Herbststurm( Majewsti), 2. Behrmann II( H. Noval) 3. Brise( Schmid). Tot.: 81: 10. 31. 17, 15, 17: 10. Ferner liefen: Kredulite, Rotbart, Blauschwarz, Gigerl, Chip, Anarchiit II. Drfaira, Lorette, 2. Rennen. Siri( Stränglein), 2. Royal Blue,( Töpel) 3. Bubi( Nuß). Tot.: 37: 10. BI.: 22, 65: 10. Ferner liesen: Mundschent( agh.), Marneval( agb.), Bolata. 3. Rennen. 1. Mandarin( Bismard), 2. Tor di Quinto( Ch. Lange), 3. Landdroft( Mate Weile). Toto: 12: 10. Drei liefen. 4. Rennen. 1. Bafur( Walter Müller), 2. Alarid( Sufulies). 3. Zara Hill( Th. Schuldt). Toto: 20: 10. 31. 18, 16, 32: 10. Ferner liefen: Barchemin, Ce Challenge. Eskorial, Erzeffior, Ejaba. 5. Rennen. 1. Cebria( v. Mevich), 2. Spero( Besizer), 3. Blad Magic( b. Faltenhausen). Toto: 14: 10. PL.: 11, 12: 10. Ferner lief: Lawendel. 6. Rennett. 1. Messina( Muß), 2. Stummer Teufel( 2. Dybr), 3. Teufelsnarrin( Edler). Toto: 41: 10. BI.: 16, 16, 21: 10. Ferner liefen: Heerführer, Valant, Höhenrauch, Baradofta, Dieftel, N. 7. Rennen: 1. Sarazener( heinrich König), 2. Solunder( v. Metzich), 3. Zorquato( Heinrich Staudinger). Toto: 19: 10. BI.: 12, 12, 20: 10. Ferner liejen: Missa, Nistel, Erbschleicher, Louisdor, Drplid. Cinarfs Start gegen die beffen deutschen Dauerfahrer am Donners fag im Stadion. Obwohl die Befeßung des Steber- Derby, das am Donners. tag abend im Deutschen Stadion über eine Stunde ausgefahren merden soll, noch nicht endgültig feftfteht, darf gesagt werden, daß die Namen der bis jetzt verpflichteten Fahrer das Rennen als faum zu übertreffenden Steherwettbewerb erscheinen lassen. Linart hat in allen seinen Rennen. auf deutschen Bahnen fiegen tönnen, aber in feinem Rennen hat man ihm eine so starte Gegnerschaft gegeben, wie sie ihm im Stadion entgegentreten wird. Mit Ausnahme von Saldom, der sich von seinem schweren Stura in Chemnik noch immer nicht hat erholen fönnen, erscheinen alle Anwärter auf den Titel eines deutschen Meisterfahrers am Start. Wir werden also im Steher- Derby nicht nur eine Generalbrobe für die deutsche Meisterschaft, sondern auch eine Prüfung unserer Fahrer auf die Weltmeisterschaftstandidatur haben. Jedenfalls ist das Zusammentreffen Linarts mit Rosellen, Wittig, eig, Lewanow, Sawall und Wegmann ein Ereignis im inter nationalen Radrennsport, das noch an Bedeutung gewinnen wird, wenn es dem noch Paris gereisten Direktionsmitgliede gelingen follte, cinen weiteren Fahrer der internationalen Extrallaffe zu gewinnen. Auch den Fliegerrennen, die Namen wie Rütt, Spears und May Hahn aufweisen, sieht man mit Interesse entgegen. Für eine ungestörte Beförde rung zum Stadion und eine ebenso ungestörte Rüdbeförderung ist Sorge getragen. Die Staffeneröffnung erfolgt um 5 Uhr, der Beginn der Rennen um 7 Uhr. 1 Wetter für Berlin und Umgegend. Borübergehende Ausbeiterung, am Lage ziemlich warm, später erneut Regen und Abkühlung. Für Deutschland. Bunächst oftwärts fortschreitende Aufbeiterung, später im Westen beginnende Trübung und Abfühlung. LAXIN und wirkt milde, selbst bei Kindern. Theater Liditfpiele BfW. Staats- Theater Opernhaus 7 Uhr: Der flieg. Holländer. Opernhaus am Königsplatz 7 Uhr: Zar und Zimmermann Schauspielhaus 72: D. Journalisten Schiller Theater 72: Torquato Tasso Volksbühne 7 Uhr: Plesko. Lessing- Theater Tägl. 8 Uhr: Die Göttin auf der Balz Lustspiel von Hans Bachwitz Kleines Th. Täglich 8 Uhr: Angele Komöd. v.Hartleben DerArzt seiner Ehre Groteske v Mongré Qualitätswaren Reklame Preisen zu Flotte Straßenkostüme. 17.Mooliné- und Ripsmäntel 36.Burburry- und Ripskostüme ,. 54.Ständig großes Lager für stärkste Figuren! Entzückende Tuchmantel.. 23.Seiden- u. 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Abschnitt: Gaststätten, Hotels, Restaurants; Mufit, Theater, Sichtfpiele, Darbietungen aller Art. 4. Abschnitt: Gesundheitswesen, Herzte, Zahnärzte, Fachärzte( fyftematisch gegliedert); Tierärzte. 5. Abschnitt: Unterrichtswesen. 6. Abschnitt: Reichs, Landes, Provinsial, Kommunalbehörden, öffentl.- rechtl. Körperschaften. 7. Abschnitt: Berbände und Vereine( fyftematisch nach Fachgruppen gegliederte Übersicht). Umfang ca. 1200( XXXX, 16, 1156) Seiten. Erschöpfendes Sachregister mit etwa 7000 Fachbegriffen und Branchenübersicht mit ca. 300 000 Adressen. Preis( in Halbleinen): Bei Abholung 15.-; bei Zusendung I. Zone 16.- Mr., II. Zone 16.50 Mt.( einschl. Porto und Verpackung). Herausgeber und Verleger Deutsche Reichs- Poftreklame Fernsprecher: Nollendorf 56, 57, 58, 59 Telegramm- Adresse: AUTORAATZ B. m. b. H. Berlin B66 ( Reichspoftministerium) B Branchen- Lelefon- Adreßbuch Geschäftsstelle: G. m. b. 5. 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Kürzlich haben sie auch wieder einen Kongreß" abgehalten, diesmal in Wien, und von dort haben sie der staunenden Mitwelt verkündet, daß eine große politische Partei Deutschlands" vermutlich dieselbe, die bei der Präsidentenwahl mit einem Horoskop arbeitete, welches für 1927 die Wiederaufrichtung des Kaiserreiches verhieß ihre Führer auf Grund der von tüchtigen Aftrologen gestellten Horoskope auswähle. Vor menigen Jahren hätte man eine solche systematische Neubelebung des seit Jahrhunderten widerlegten Glaubens an den Einfluß der Sterne auf alles Erdengeschehen, auf Charakter und Schicksal des Menschen, schlechterdings noch für unmöglich gehalten. Aber mit pseudowissenschaftlichen Elementen reich mastiert und in dem neuen Gemande einer Erfahrungswissenschaft" haben die alten Sternlehren, die im Zeitalter der Kreuzzüge auf dem Wege über die Araber ins 2lbendland famen, zuerst in England wieder viele überzeugte Anhänger gefunden und dann nach dem Kriege sich auch in Deutschland immer mehr eingenistet, ungeachtet des fläglichen Mißerfolges, den die Aftrologen vom Fach gerade hier mit der umentwegten PropheBeiung des deutschen Endsieges erlebt haben. Uebrigens ziehen die wissenschaftlichen" Astrologen, wie es auch im Film zum Ausdrud fomunt, zwischen sich und dem Heer gewerbsmäßiger Horoskopsteller, welche die Leichtgläubigfeit gewisser Kreise ungestraft ausbeuten dürfen, einen diden Strich. In Berlin hat sich fogar fürzlich eine Akademische Gesellschaft für astrologische Forfchung" aufgetan, welche den astrologischen Pfuschern und Scharlatanen" das Handwerk legen und damit den angeblichen Hauptgrund für das Mißtrauen beseitigen will, das man der" echten", der wissenschaftlichen Astrologie noch entgegenbringt. " P Indes gelangen die akademisch gebildeten Astrologen zur Deutung des menschlichen Charakters und Schichfals aus den Sternen auch nur, indem sie das verrostete Rüstzeug astrologischen Aberglaubens längst vergangener Zeiten hervorholen. Auch fie arbeiten insbesondere mit den zwölf himmlischen Häusern", die durch die Lehre von der Unendlichkeit des Alls endgültig zerschlagen sind, und mit den zwölf Zeichen des Tierfreises, die( infolge der fortschreitenden Bewegung unferes Sonnensystems) mit den zwölf gleichnamigen Sternbildern heute nichts mehr als den Namen gemein haben. Um das zu ver= fchleiern, geben sie diese Kuriositäten jetzt in höchst modern anmutender Weise als elettro- magnetische Kraftfelder" und das ganze verstaubte System als eine Art moderner Strahlungsphysit aus, mobei sie annehmen, daß das menschliche Gehirn wie eine Antenne die von den Sternen fommenden Strahlen auffängt. Von den gewerbsmäßigen Horoskopstellern, die sie so leidenschaftlich bekämpfen, unterscheiden sie sich im wesentlichen nur durch die Kompliziertheit ihrer Methoden, die sie aus zahlreichen astrologischen Schriften des Altertums und Mittelalters mühsam wieder ausgegraben haben. Aber gerade der Kompliziertheit diefer Methoden danfen sie zum großen Teile die Berbreitung. Denn hinter diesem Wuft von mittelalterlicher Gelehr faifiteit verbirgt sich am besten die Naivität ihrer Regeln, die meist nichts weiter sind als primitive Ableitungen aus den Namen, die man den Sternen und Sternbildern willkürlich beigelegt hat. So sollen die unter dem Stier geborenen Menschen einen Stiernaden haben, die unter der Wage geborenen seelisches Gleichgewicht zeigen, die unter dem Jupiter geborenen joviale" Naturen sein und so fort. Ausschlaggebend für die Verbreitung der Astrologie sind die fcheinbaren Treffer, welche die Astrologen an Hunderten von Beispielen aus alter umd neuer Zeit vorführen, noch mehr der Umstand, daß diese Scheintreffer jeder an seinem eigenen Horoskop feststellen fann. Diese den Jünger der Astrologie immer von neuem in Er: staunen versezende scheinbare Treffsicherheit beruht einerseits auf Der Biegsamkeit der astrologischen Regeln, andererseits auf der mathematischen Anordnung des Horoskops, die es gestattet, jedes der Elemente im Horoskop mit einigem Scharffinn an die Stelle zu bringen, wo man es grade braucht, um eine Charaktereigenschaft oder eine Begebenheit aus dem Stande der Sterne herzuleiten. In der großen Zahl der Möglichkeiten, die sich hierbei ergeben, liegt der Reiz, den die Horoskopie wie jedes auf mathematischer Grundlage ruhende Spiel in fich birgt. Besonderen Eindruck auf Leichtgläubige hat neuerdings die sta tistische Zusammenstellung von Horoskopen und die daraus Hausbrennerei. Bon Anders Thuborg. Alle Augenblicke wurde der alte Andreas ans Fenster geschickt um nach den Leuten" Ausschau zu halten. Andreas, das war der Altenteiler. Und die Leute, das war die Obrigkeit, die, wie man wußte, in der Gegend, war. Während Andreas Umschau hielt, hantierten Thomas Vestergaard und der Knecht Johannes mit den Apparaten. Es gehörte ja eine unglaubliche Genauigkeit dazu, es richtig anzufangen und etwas fertig zu friegen, was zu trinken verlohnte. " Ihr sollt doch aufhören mit dem verdammten Zeug", sagte Marianne, dabei ristiert man bloß, daß fie einem das Ganze megnehmen, und eine Geldstrafe fann man außerdem noch friegen und ins Gefängnis fommen. Es ist wirklich sonderbar, daß ihr so dumm seid!" Aber Thomas Vestergaard und der Knecht Johannes waren durchaus so dumm. Im Gegenteil, es gab dem Branntwein einen ganz besonderen Geschmack, daß es sozusagen unter Lebensgefahr hergestellt wurde. Wenn bloß der alte Andreas ordentlich aufpaßte, konnte nichts passieren. Dann fonnten sie mit Leichtigkeit die Geräte zur rechten Seit beiseite paden. Sie hatten ein paar Steine im Kuhstall meggeräumt, etwas von Der Pflasterung. Da hatten sie ein Loch gegraben, in das sie die Brem utensilien packen fonnten. Wenn man dann die Erde fest darum herumstopfte, und die Steine wieder an ihren Platz legte, so fonnte fein Mensch einen Fehler in der Pflasterung entdecken, oder auf ben Gedanken kommen, daß gefezeswidrige Sachen darunter verborgen seien. Jede Behörde würde unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen. Das einzige, worauf es anfam, war, wie gesagt, daß der alte Andreas, der an dem Unternehmen interessiert war, ordentlich Ausschau hielt. Wenn die hohe Obrigkeit unerwartet fam, dann war es aus mit der Chemie...., aber das mar auch das einzige. hergeleitete angebliche Richtigkeit der alten astrologischen Regeln gemacht. Da sich unter den Statistikern auch ein paar dem astrolo gischen Aberglauben verfallene Aerzte befinden, so hört man jetzt auch manchmal, es sei ärztlicherseits" der Wahrheitsgehalt der astrologischen Lehren festgestellt. Die Wissenschaft hat begreiflicherweise auch gegenüber diesem Versuch, längst abgetane Dinge zu neuem Leben zu erwecken, geschwiegen. Die Astrologen haben daraus, wie man sich denken fann, den Schluß gezogen, es ließe sich nichts Stichhaltiges gegen die stati ก Stinnes- Konzern STINNES KONZERN V.STBINERT, „ Een Wunder is et nich, wenn dieser Inflationsschwindelbau zusammenkracht. Is doch aus weiter nischt wie Dred, Bluf und Tränen uffjetleistert!" stischen Erhebungen vorbringen, und sich mit dieser Behauptung neue Anhänger gefangen. Lieben sie es doch seit jeher, den Gegnern vorzuwerfen, sie hätten die gereinigte Astrologie gar nicht studiert oder nicht erfaßt. Demgegenüber und bei der großen Berbreitung, welche die Aftro logie unter den zahlreichen Wirrtöpfen unserer Zeit gefunden hat, ist es erfreulich, daß aus dem Kreise der Gegner demnächst ein volts: tümliches Buch erscheint, das zu der wissenschaftlichen" Astrologie nicht bloß theoretisch Stellung nimmt, sondern an praktischen Beispielen, und zwar an denselben, mit denen die Astrologen den Wahrheitsbeweis für ihre Lehre antreten, die Unsinnigkeit ihrer Methoden zeigt, u. a. an dem Geburtshoroffop des verstorbenen Reichspräsidenten. Haben sich doch die Astrologen mit Eberts Geburtshoroskop mie mit taum einem andern beschäftigt, seinen glänzenden Aufstieg aus dem Stand der Gestirne bei seiner Geburt hergeleitet und ihm dann unentwegt prophezeit, daß ein gewaltsamer Tod seinem Leben cm jähes Ende bereiten würde. Natürlich haben sie, wie immer, so auch hier recht behalten, denn niemand wird, sagen sie, bestreiten, daß eine Operation ein gewaltsamer Eingriff ist. An diese rabuli stische Auslegung ihrer Vorausfage fnüpfen sie dann noch allerhand dunkele Auslassungen, fo als sei die Operation in Szene gesetzt worden, um Ebert, nachdem seine Stellung unterminiert" worden sei, mit vollem Bewußtsein" zugunsten seiner Freunde", die mit dem Tod in Berbindung stehen", von der Bühne des Lebens abtreten zu lassen. Aus welchen Kreisen die Astrologen und ihre Anhäger tommen, das zeigt übrigens auch die Bonne, mit der fie aus dem Stand der Gestirne am 9. November 1918 die furze Lebensdauer der Republik und die baldige Wiederaufrichtung der alten Kaiserherrlichkeit lesen. Alles ging, wie es sollte. Als der alte Andreas von seinem Beobachterposten fam und atenlos mitteilte, daß er ein mißtrauenermeckendes Fahrzeug, eine Pfeife Tabat entfernt, auf der Landstraße bemerkt hätte, da ging alles wie am Schnürchen. Marianne bekam Leibschmerzen vor Nervosität und blinzelte verdrießlich unter den Augenlidern hervor. Aber Thomas Vestergaard und der Knecht padten ihre Gerätschaften zusammen, brachten sie in den Kuhstall und verstauten sie in dem Loch, füllten die Erde fest darum herum und legten die Steine sorgfältig zurecht, wie sie vorher getegen hatten. Das war im Augenblick geschehen, jede Spur war verwischt. Die letzten Mayas. Beilage des Vorwärts Das Mayavolt, das vor Jahrtausenden in Mittelamerifa eine so großartige, noch aus den erhaltenen lleberresten viel bewunderie Kultur schuf, lebt noch jetzt in einigen wenigen elenden Nachkommen fort. Es sind die Maya Ketschi- Indianer, in deren Wohngebiet in Innern von Britisch- Honduras jetzt der englische Forschungsreisende J. A. Mitchell- Hedges weilt, um die großartigen Ruinen der geheimnisvollen Urwaldstadt Lubaantun auszugraben. Der Forscher entmirst von diesen direkten Nachkommen des Volkes, das die großen Mayastädte baute, ein erschütterades Bild. Nur noch 200 bis 300 von diesen Indianern sind übrig geblieben, degeneriert und dem Untergang geweiht," schreibt er.„ Sie sind der letzte Rest eines hochentwickelten und mächtigen Reiches, das wahrscheinlich Millionen Bewohner zählte. Auf seinem Höhepunkt brachte dies Volk mathematische und astronomische Genies hervor, die größer waren als die Gelehrten, die die Welten im letzten halben Jahrhundert gesehen. Nur noch ein schwacher Nachhall davon lebt in diesen Indianern, die rasch aussterben, da die Tuberkulosesterblichkeit die Zahl der Geburten weit übertrifft. Bon gewaltigen Steinbauten, die ihre Vorfahren zur Bewunderung der Nachwelt errichteten, find sie zu jämmerlichen Strohhütten herabgefunken. Während die Ahnen einen Kalender schufen, der vollkommener als wie der gregorianische und vom 14. Oftober 3373 v. Chr. bis zur Eroberung durch die Spanier in Kraft blieb, haben die Nachkommen faum noch einen Begriff von Zeit. Einige Bräuche haben sich noch durch die Jahrtausende erhalten. Die Frauen schmüden sich mit glänzenden Kugelhalsfetten, tragen ihre Kinder auf der Hüfte und besigen in Naden und Rücken eine riesige Kraft, die es ihnen ermöglicht, Lasten bis zu 200 Bfund leicht zu tragen. Sie gehen in gebückter Haltung, ein Streifen von Baumrinde geht um ihre Stirn und ist mit der Laft auf dem Rücken verbunden, so wie es wohl schon bei den alten Manafrauen der Fall war. Die Frauen helfen einander, um in dem Urwald Strecken freizulegen, auf denen sie ihr Korn bauen, ihre einzige Nahrung. Ein Häuptling wird erwählt, dem ein Unterhäuptling zur Seite steht. Merfwürdig ist das Gerichtsverfahren dieser Indianer. Die beiden Richter sitzen die ganze Nacht zu Gericht, unterstüzt von drei Schuhleuten. Beim Schein einer düsteren Saterne wird verhandelt, und in den Urteilen lebt noch etwas von der Weisheit der Vorfahren. Ein Streitfall sei angeführt: Eine Indianerin hat ihren Mann verlassen, um mit einem anderen zusammen zu leben. Nachdem sich der verlassene Mann Mut getrunken hatte, fing er mit dem anderen einen Streit an, und beide wurden vor das Gericht gebracht. Die Richter hörten ruhig ihre Erzählung an; dann sagten fie: Bringt die Frau her." Nachdem dies geschehen, wurde der Mann, den sie verlassen hatte, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er in einem fleinen Holzfäfig abbüßen muß. Der andere aber erhielt die doppelte Gefängnisstrafe, und dann wandten sich die Richter zur Frau:" Du bist die Ursache des ganzen Streites und deshalb sollst du doppelt so lange ins Gefängnis tommen wie dein neuer Mann." Bom Farbenjinn der Tiere. Frühzeitig hat der Mensch erkannt, daß bestimmte Tiergruppen ihm durch die Verfeinerung einzelner Sinnesorgane bedeutend überlegen sind. Der empfindliche Geruchs finn des Hundes, das scharfe Auge der Raubvögel, wie der überaus start entwickelte Orientierungssinn der Zugvögel erregen immer rieder das Erstaunen verständnisvoller Beobachter. Dagegen war man bis jetzt nicht geneigt, den Tieren ein ausgeprägtes UnterScheidungsvermögen für Farbwerte zuzugestehen. Nun hat Profejor Frisch( Breslau) por kurzem sehr bemerkenswerte Bersuche über den Farbenjinn von Insekten und Fischen durchgeführter legte Futter auf bestimmte farbige Stangen und fonnte fich über zeugen, daß die Insekten dann immer auf die farbigen Stangen auflogen, auf denen das Futter lag. Lag es auf andersfarbige: Stangen, in unmittelbarer Nähe, so flogen fie doch den alten Futterplätzen zu. Die Versuche wurden mit verschiedenen Farben wieder holt, und jedesmal machte Frisch die gleiche Erfahrung. Das gleiche Ergebnis hatten Versuche mit Fischen, die unter Wasser gefüttert wurden. Die Versuche von Frisch sind neuerdings durch Wiener Untersuchungen über den Farbensinn der Bienen sehr glücklich ergänzt worden. Bienen, die zwischen Stod und Futterstelle ver fehrten, wurden an bestimmte Farben gewöhnt. Dann wurden die beiden Fühler, die Size des Geruchsfinns, entfernt. Trotzdem fanden die Bienen zum Stod zurück und murden nach einigen Tagen im Innern des Stodes Leobachtet. Auch gewisse Tropenvögel scheinen fich nach den Untersuchungen von Borsch( Wien) durch einen gut entwickelten Farbenfinn auszuzeichnen. Bestimmte Blumenfamilien der heißen Zene sind überaus reich an Honig. Selbst die Eingeborenen sammeln den Blütensaft. Die Farbenpracht eben dieser Blumen ist unbeschreiblich, sie sind aber völlig duftlos. Trotzdem find bestimmte Bögel, die zu den Honigsammlern gehören, ihre regelmäßigen Gäste. Oft fehlt diesen Besuchern sogar das Rischorgan. Man fann also auch in diesem Fall nur von einer Berlodung durch die Farbe sprechen und darf annehmen, daß die Natur sich dieses verführerischen Mittels zur Erreichung ihrer 3mede bedient. nicht auf ihn aufmerksam zu werden, außerdem ging er von einer Begseite zur anderen, sprang über die Wagenspuren und sah ver zweifelt in fie hinein. Der Landrichter und fein Schreiber ließen den Wagen halien, als sie des Burschen Gehaben und Tränen sahen. Bonach er denn suche? Klein Jens schluckte und würgte er hätte Geld verloren, wofür er beim Kaufmann etwas faufen sollte. Er sagte nicht viel, er war so unglücklich über sein Mißgeschick, daß er faum die Erflärung herausbringen konnte. Das war ja eine schlimme Geschichte, aber es ließ sich doch Das war das Hauptmanöver sozusagen..., aber es gab noch überstehen. Der Landrichter und sein Schreiber sahen sich an. andere wichtige Dinge, an die man denken mußte. Der Pferdejunge, Klein Jens, der rothaarig war und Sommersprossen hatte, aber einen hellen Kopf, wurde ausgeschickt, um zu refognoszieren.. es war ja möglich, daß es gar nicht die hohe Obrigkeit war, und dann wollten fie fich den Teufel tun und ſizen und in Angst auf den Wagen warten. Klein Jens fannte alle Borsichtsmaßregeln. Der verriet sich nicht. Und er fonnte auch im Notfall ſelbſtändig einen Ausmeg finden. Marianne fonnte nicht mehr mit ihm fertig werden. Er betrog fie jedesmal, wenn sie miteinander Geschäfte hatten. Klein Jens wurde also dem Wagen entgegengeschickt. Es hatte mehrere Tage geregnet. Die Wege maren aufgeweicht und lagen in Schla nm und Schmutz, es war fein Bormärtskommen für Wagen. Für alle Fälle begann Jens, ehe er noch sicher war, mas für Menschen im Wagen saßen, seine Künste. Er fing an laut zu brüllen, so daß die Tränen ihm nur so herunterrollten. Und da er sich eigentlich nie wusch, war sein Gesicht so voll Schmuz, daß dieser durch die Tränen rundherumgeschmiert wurde und eine Art Maske bildete. So sah er aus, als der Wagen ihn erreichte. Er heulté, als ob einer mit der Beitsche hinter ihm her wäre. Es war immöglich, " Wieviel ist es denn?" „ Ein Taler." „ Na ja.“ Aber da fiel dem Landrichter etwas ein: „ Gehörst Du zu Thomas Vestergaard?" Ja, das fonnte Klein Jens nicht leugnen. Mit freuherzigen bleuen Augen jah er den Herrn im Wagen an; der Tränenstrom flede glichen den Wellenlinien, die man am Ufer sieht, wenn das war abgeebbt, nur die Spuren sah man noch, die grauen Schmuk Wasser zurückgegangen ist. Ja, er war Pferdejunge auf Bestergaard. „ Hör mal," sagte der Landrichter, fannst Du mir sagen, ob sie da Brannimein brennen?" Klein Jens sah scheu nieder. Nein, das glaubte er nicht. Im übrigen verstände er nichts von folchen Sachen. Aber er stotterte, und sein ganzes Betragen zeigte, daß er log, und daß er ganz genau Bescheid wußte. Das merkte der Landrichter denn auch. Und er erkannte, daß er ganz anders vorgehen mußte.... Hier hast Du einen Taler!" sagte er zu Klein Jens, num brauchst Du nicht mehr zu weinen wegen des Geldes... aber nun mußt Du mir auch erzählen, wo Dein Herr feine Instrumente verbingt... Du weißt es ja ganz genau." ( Schluß fo Nr. 281+42. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sie klagen ohne zu leiden! Landbund Statistiken und Wirklichkeit. Um die Zollvorlage schnell unter Dach und Fach zu bringen,| Landwirtschaft durch die Landbündler zu bemerten hat. wird vom Reichslandbund ein reichhaltiges Tatsachenmate. Wenn wir rückblickend in gegenwärtiger Zeit darauf hinweisen, rial" verbreitet und in Massen den Interessentenfreifen ausge- so geschieht dies aus dem Grunde, um zu veranlassen, daß man das händigt. Natürlich erfolgt die Verbreitung dieses Materials nicht sogenannte Tatsachenmaterial der Landbündler doppelt und durch den Reichslandbund, sondern durch den Deutschen Land. dreifach prüft. Georg Schmidt, M. d. R. wirtschaftsrat, um„ Unparteilichkeit" zu demonstrieren. Wer die Zusammensetzung des Deutschen Landwirtschaftsrates aber fennt, weiß auch, daß in dieser Körperschaft, wie in fast allen agrarischen Spizenorganisationen, die Landbündler bie Mehrheit haben. Es dürfte interessant sein, auf eine Angelegenheit hinzuweisen, die nur kurze Zeit zurückliegt. Vor einem Jahre war die agrarische Bresse voll von Schilderungen über die ungeheuren Schäden, die der strenge Winter 1923/24 unter dem Saaten stand an gerichtet haben sollte. Von diesen Schilderungen wurde auch die Linkspresse beeinflußt. Die Landbündler rechneten dabei mit der gefühlsmäßigen Einstellung des deutschen Volkes. Angesichts der Schilderungen, einer bevorstehenden schlechten Ernte dachten damals weite Kreise des Volkes an einen vollständigen zusammen bruch unserer Ernährungswirtschaft, die ja an sich schon schlecht genug war. Diese gefühlsmäßige Einst el Iung ist heute noch nicht überwunden, und dies must der in Wahr. nehmung seiner Interessen so überaus rührige Reichslandbund weidlich aus. Auswinterungsschäden? Bor uns liegt eine Eingabe vom Mai 1924 aus Hinterpommern, unterzeichnet von der Kreisgruppe Lauenburg des pommerschen Landbundes, der landwirtschaftlichen Kreisfommission und dem Landrat als Borsigenden des Kreisausschusses. In dieser Eingabe wurde behauptet, daß 95 Broz aller Roggenflächen ausgewintert seien. Der Landwirt. fchaftsverband Ostpreußen hat zu gleicher Zeit in einer Eingabe an die Regierung behauptet, daß durch den strengen Winter 1923/24 in Ostpreußen durchschnittlich ein Drittel der angebauten Roggenfläche ausgewintert sei. Selbstverständlich wurden mit diesen Begründungen Steuererleichterungen usw. ge fordert. In jenen Eingaben wurde der Schaden natürlich so dar gestellt, als wenn auf diesen ausgewinterten Flächen im Jahre 1924 überhaupt nichts geerntet worden ist; selbstverständlich sind die tatsächlich ausgewinterten Flächen aber anderweitig bestellt morden. Auf Grund dieser und ähnlicher Schilderungen, die man auch aus anderen Bezirken anführen könnte, wurde trotzdem fortwährend von einer bevorstehenden Mißernte des Jahres 1924 gesprochen. Auch nachdem die Ernte eingebracht war, ist immer noch von der Mißernte des Jahres 1924 fabuliert worden. Selbst der landwirtschaftliche Fachminister Graf Kanig hat auf einer Tagung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft noch im Fe bruar 1925 die Notlage der Landwirtschaft u. a. auch mit der Mißernte" des vorigen Jahres begründet. Schäden im Lichte der Erntestatistik. Inzwischen ist die Begründung der neuen Zollvors fage, auf deren allgemeinen Wert wir hier nicht eingehen wollen, erschienen. Darin ist auch der Gesamternteertrag an deutschem Getreide der letzten sechs Jahre angegeben. An Getreide wurden in je 1000 Tonnen geerntet 1919: 16.579, 1920: 14.076, 1921: 16.884, 1922: 12.929, 1923: 17.972 und 1924: 16.115. Daraus ergibt sich, daß wohl die Ernte im Jahre 1924 niedriger ausgefallen ist, als in dem besten Jahre der Nachkriegszeit 1923. Sie ist aber höher als in vorhergehenden Jahren. In diesem Zusammenhange wollen wir die in weiten Kreisen anerfannte Tatsache, daß unsere Nachkriegsernten überhaupt höher sind, als die amtliche Statistit aufweist, gar nicht in Berechnung stellen, sondern uns nur an die amtlichen Zahlen halten. Ergibt sich schon aus der Reichsstatistik, daß von einer eigentlichen Mizernte 1924 erfreulicherweise nicht gesprochen werden kann, so wird das weiter bewiesen, indem man die statistischen Zahlen für Ostpreußen und Pommern heranzieht. Die Gesamternte an Roggen, Weizen, Hafer und Gerste betrug in Ostpreußen im Jahre 1923 rund 1.418.000 Tonnen, im Jahre 1924 dagegen 1.042.000 Tonnen, in Hinterpommern( Regierungsbezirk Röslin) 1923: 538.000 Tonnen, 1924 rund 477.000 Tonnen. Da in beiden Bezirken der Anbau des Winterroggens vorherrscht, hätten sich mithin die geschilderten„ ungeheuren Auswinterungsschäden" des Winters 1923/24 doch im Ernteertrag 1924 auswirten müssen, ganz besonders, wenn man beachtet, daß der Ernteertrag in allen Gebieten Deutschlands gegenüber 1923 einen Ridgang erfahren hat. Hier ver= fagen die Kunststückchen des Reichslandbundes Döllig. Bill man aber ein genaues Bild über die Ernieergebnisse in jenen beiden Bezirken erhalten, dann muß der Erntertrag der Kartoffel hinzugezogen werden. An Getreide und Kartoffeln zu sammen wurden geerntet: 1924 1923 " 3 329 000 t 2064 000 t 3 334 000 t 2 262 000 t Prov. Ostpreußen Reg. Bez. Köslin Das ergibt mithin für Ostpreußen, bis auf eine kleine Differenz, ven gleichen Ernteertrag, dagegen im Reg. Bez. Köslin, wo man befanntlich am tollsten gelogen und am meisten geklagt hat, eine beachtenswerte Steigerung gegenüber 1923. Die Ernte an anderen Hackfrüchten, Runtel- und Zuckerrüben, wollen mir gar nicht erwähnen, da bekanntlich die Hackfruchternte und auch die ber Wiesen im Jahre 1924 verhältnismäßig gut war. Im Hinblick auf die Tatsachenschilderungen bedarf es jedenfalls feiner besonderen Kritit, wie man die seit Jahren zu einer bauerhaften Einrichtung gewordenen Schilderungen über die Rot ber Die Sorge um die Kartelle. Zur Bekämpfung des Mißbrauches wirtschaftlicher Macht wurde seinerzeit kurz nach der Markstabilisierung die sogenannte Rar tellverordnung in Kraft gesetzt. Daß sie in der Bekämpfung des Kartellunfugs wenig geleistet hat, ist bekannt. Wohl wurde eine große Zahl von Urteilen gefällt; ron fich aus aber haben Kartellgericht und Reichswirtschaftsminister es bisher nicht für nötig befunden, in die Gestaltung der Kartellverbände einzugreifen. Obwohl ganz offenkundig auf weiten Gebieten der industriellen Produktion die Preise noch heute überspannt sind, wurde bisher noch fein einziges Kartell durch den Reichswirtschaftsminister auf gelöst. Neuerdings scheint nun das Startellgericht die Absicht zu haben, seine Stellung zu Beschwerden über Kartellübergriffe noch zu revidieren und die Aufrechterhaltung von Kartellen noch mehr als bisher zu erleichtern. Amtlich wird nämlich mitgeteilt: In neuerlichen Entscheidungen nahm das Kartellgericht nod) mals Gelegenheit, sich grundsätzlich zu der Frage zu äußern, unter welchen Borausjegungen die Beschränkung der wirtschaftlichen Freiheit, die mit Maßnahmen des inneren und äußeren Organisationszwanges verbunden ist, dem Mitglied eines Kartells nicht mehr zugemutet werden kann, so daß seine fristlose Kündigung als zulässig erscheint. In einem der Fälle handelte es sich darum, daß ein bedeutendes Mitglied des Kartells der Textilveredelungs. industrie, das unter anderem auch in der Preiskommission Sig und Stimme hatte, sich für Zulässigkeit der von ihm ausgesprochenen sofortigen Kündigung auf das Borhandensein einer Reihe von Miß ständen im Kaltulations- und Bedingungswesen des Verbandes, über eine unzwedmäßige Organisation und ein un. gerechtes Borgehen der Geschäftsstelle und andere Mißstände mehr berief. Das Mitglied hatte sich jedoch von der Teilnahme am Organisationsleben, insbesondere auch von einer Mitwirkung in der Preiskommission völlig zurüdgezogen, niemals Beschwerden laut werden lassen oder Widerspruch erhoben, dann aber auf Grund des§ 8 fristlos gefündigt. Das Kartellgericht hat die Kündigung für unzulässig er. bereits in früheren Entscheidungen zugrunde gelegt wurden, folgen flärt und in Zusammenfassung von Ueberlegungen, die teilweise den Grundsaz aufgestellt: § 8 der Kartellverordnung setzt voraus, daß die wirtschaftliche Bewegungsfreiheit eines Startellmitgliedes unbillig eingefahräntt ist oder ihm aus sonstigen wichtigen Gründen billigerweise das Verbleiben im Kartell nicht zugemutet werden fann. Als äußerster Rechtsbehelf tann das Recht zur fristlosen Kündigung im allgemeinen erst dann gemährt werden, wenn das Kartellmitglied vergeblich persucht hat, auf dem im Kartellvertrage vorgesehenen, für ihn gangbaren Wege eine Abhilfe zu fchaffen. Diese Auffassung hat das Rartellgericht in ständiger Praris vertreten. Sie wurzelt in der Erwägung, daß ein Kartell nicht nur mechselseitige Rechte und Pflichten erzeugt, durch welche seine Mitglieder bei ihrer wirtschaftlichen Be tätigung zusammengehalten werden; der Verband stellt vielmehr regelmäßig auch eine Schuh gemeinschaft dar, die nach dem Willen der Begründer berufen sein soll, im Rahmen der Sagung mit der Kraft des Ganzen den wirtschaftlichen Bedräng nissen der einzelnen Genossen möglichst abzuhelfen und dadurch milltürliche Kündigungen und unnötige Erschütterungen fernzu. halten. Ein Kartellmitglied, das sich wirtschaftlich gehemmt oder bedrängt fühlt, soll daher in aller Regel zunächst den Ber band und seine Organe angehen, ehe es fristlos den Schuß vertrag zerreißt". Das Kartellgericht fährt dann fort: Die fündigende Firma hatte teinen genü genden Grund zu der Annahme, daß ihre etwai gen Bemühungen um eine Aenderung der Verbandsfaltulation und Berbandsbedingungen, fowie um die Erlangung besonderer Zugeständnisse in einzelnen Fragen, um die Aufhebung der Vertragsstrafe oder um eine zweckmäßigere Organisation der Geschäftsstelle von vornherein aussichtslos feien. Einen Versuch zu machen, war sie jedenfalls verpflichtet, sie hat aber nichts getan." In einem anderen Falle nimmt das Kartellgericht insbesondere zu der Frage Stellung, inwieweit ein nicht einwandfreies Borgehen eines Geschäftsführers eines Verbandes Grund zur fristlosen Kündigung geben fann. Es führt in seiner Entscheidung hierzu aus: Mittwoch, 17. Juni 1925 Diese Mitteilungen des Kartellgerichtes müssen das größte Be= fremden erregen. Das Kartellgericht ist doch nicht dazu da, darüber zu wachen, daß die Kartellmitglieder ihre Sagungen inne= halten! Seine Aufgabe ist vielmehr dafür zu sorgen, daß Uebergriffe der Verbandsorgane sich nicht wirtschaftsschädigend auswirken. Das tann aber schon dann der Fall sein, wenn eine Verbandsfirma in den Rahmen des Kartells gezwungen, einen ihr notwendig erscheinenden Preisabbau um Tage oder um Wochen hinausschieben muß! Der Sinn der Kartellverordnung ist doch der, das Kariellmesen wieder in geordnete Bahnen zu lenten, Preisüberschreitungen zu verhindern, unbillige Bindungen an ungesunde Lieferbedingungen ufw. zu beseitigen; die Tatsache, daß die Kartellverordnung auf diesem Gebiete weitgehend versagte, hat u. a. dazu geführt, daß die Sozialdemokratie jetzt ihrerseits darauf hinwirkt, durch eine Berschärfung des Kartellgesetzes eine straffere öffentliche Kontrolle der Kartellpragis herbeizuführen. Die Auslaffung des Kartellgerichtes beweist, wie notwendig eine solche Reform des Kartelfrechts ist. Dynamit A.-G. Nobel u. Co., Hamburg. Im Gegensatz zu vielen anderen Gesellschaften, die troß vorhandener Gewinne eine Dividende verteilen, scheint die Dynamit 2.-G. Nobel u. Co., Hamburg ihren Geschäftsgewinn in der 5 proz. Dividende voll auszuschütten. Undeutlich ist, ob in dem Reingewinn die Erträge aus den beträchtlichen Beteiligungen, die höchst unflarerweise mit Kasse, Wechseln und Bertpapieren zusammengeworfen sind, schon voll enthalten sind. So läßt sich auch für die Beteiligungspolitit nicht ersehen, was bei dem ſtarten Interesse der Nobel- Dynamit- Gesellschaft an der bergbaulichen Urindustrie bedauerlich ist. Die gegenüber der Golderöffnungsbilanz nur geringfügig auf rund 9( 8,9) Mill. erhöhten eigenen Betriebsanlagen erfahren offenbar nur sehr geringfügige Abfchreibungen( im ganzen 377 000 M.). Die Rohstoffe, Waren und Läger sind um jaft 30 Proz. tiefer angefeßt als in der Goldbilanz. Bemerkenswert ist die Versiebenfachung der Bankschulden. Allerdings sind die Forderungen bei Verbündeten Gesellschaften" etwa um den gleichen Betrag gestiegen. Die höchst summarische Aufmachung der Bilanz wird durch die Schweigiamfeit des Geschäftsberichts unangenehm verstärkt, so daß sich für den wirklichen Stand der Gesellschaft nichts gewinnen läßt. Um die Pachtschuhordnung. Landwirtschaftsfragen im Landtag. daß die Zentrumsfraktion von der Notwendigkeit der In der gestrigen Landiagsfigang betonte Ab. Diel( 3.), landwirtschaftlichen 3ölle durchdrungen sei. Graf Raniz wäre. Am bedauerlichsten sei der geringe Schuß für den Obst-, Gehabe sich zu einseitig für Getreidezölle eingesetzt, wobei er noch bedauerlicherweise an dem Schutz der Braugerste vorbeigegangen müse- und Weinbau. Notwendig sei ein Schuß, der die Produt tionsfosten zwischen inländischem und ausländischem Konjum aus gleiche. Der begonnene Abbau der Bachtschutzordnung müffe fortgefeßt werden. Abg. Schwecht( Dnat.) empfiehlt die deutschnationalen Anträge zum Schuße des Weinbaues. Die Schutzölle müßten so geftaltet werden, daß sie eine brauchbare Grundlage abgeben könnten für günstige Handelsverträge. Teilen Abg. Stendel( D. Bp.) bittet die Staatsregierung, dafür zu sorgen, daß die Entwässerungsverhältnisse in weiten Breußens erheblich gebessert und grundlegend geregelt würden. Abg. Müller- Frankfurt( Komm.) befämpft dje Zollpolitit. Abg. Meinke( Dem.) empfiehlt, in der Zolffrage das Ergebnis des Gutachtens des Reichswirtschaftsrats zu beachten. Jedenfalls dürften Zölle auf Futtermittel nicht erhoben werden. Ebenso seien Minimalzölle abzulehnen. Bei den Getreide zöllen werde der Großbefiß zu sehr hervorgehoben. Die wirtschaftliche Bedeutung des Mittel- und Kleinbefizes werde auch in der 3olffrage zu sehr verkannt. Der Redner empfiehlt zum Schluß den Antrag feiner Fraktion, das Staatsministerium zu ersuchen, im Reichsrat dafür einzutreten, daß die Befristung der Pachtschuhordnung aufgehoben, die Möglichkeit der Vertragsver längerung von 2 auf 5 Jahre erhöht und die Bestimmungen der Berordnung auf die nach dem 1. März 1924 abgeschlossenen Bachtverträge ausgedehnt werden. Abg. Kleinmeyer( Soz.): Die Deutschnationalen und zum Teil auch das Zentrum stellen sich hier im Gegensatz zur Haltung ihrer Fraktionen im Reichstag beim panischen Handelsvertrag. Im Wahlkampf waren sie dessen schärfste Gegner; im Reichstag find sie nach der Bearbeitung durch den Reichskanzler umgefallen, die Deutschnationalen etwas schneller, das Zentrum langjamer. Was hat es nun mit ihrer Opposition im Landtage eigentlich auf sich? Abg. Dr. Hoffmann- Münster( Dnat.) wünscht Verbesserung der Entwässerungsordnung für Ostfriesland und wünscht Beseitigung der Pachtschutzordnung. Abg. Jacoby- Raffauf( 3.) tritt ebenfalls für Beseitigung der Bachtschuhordnung ein. „ Dieses Vorgehen des Geschäftsführers fann die kündigende Abg. Graf Stolberg( D. Bp.) empfiehlt den Antrag seiner Firma aber dem Berbande selbst nicht in dem Ausmaße einer Fraktion, das Staatsministerium zu ersuchen, dahin zu wirken, daß fristlosen Kündigungsberechtigung zur Laft legen. Sie hätte viel- in bezug auf die Termine zur Zurückziehung der der Landwirtmehr.. hiergegen zunächst die fagungsgemäße Befchaft zur Verfügung gestellten Saatgutkredite auf die schwerde durchführen müssen," um dann fortzufahren: " Beschwerden eines Mitgliedes gegen die Geschäftsführung tönnen überdies nur dann Grund zum fristlosen Austritt geben, wenn ihr Anlaß entweder zu nachweislich schwererer Schädigung führte, oder die gerade an dieses Amt zu stellenden hohen An forderungen vorfäßlich und gröblich verlegt wurden, und trotzdem • seitens der zuftändigen Berbandsorgane hiergegen Abhilfe nicht rechtzeitig geschaffen wird." Die dicke runde fcmierige Lage der Landwirtschaft Rücksicht genommen wird. Abg. Skjellerup( Komm.) erklärt, die kommunistische Fraktion stelle ihre Anträge, obwohl sie wisse, daß sie in dieser schlimmsten aller Schieberrepubliken feine Aussicht haben. Nach einer weiteren Debatte und nach der Einzelbesprechung. die nichts Neues ergeben, werden Miniftergehalt und eine Reihe weiterer Positionen bewilligt. Mittwoch 10 Uhr: Fortsetzung der Beratung des Landwirtschaftshaushalts. Schluß: 5 Uhr. WENESTI KIBARI 3 SCHERIF ohne Mundstück WENESTI PFENNIGE Flaches modernes Format Gold Stroh-# KorkGold* 2. AfA- Gewerkschaftskongreß. rats. München, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Berhandlungstag befaßte sich der AfA- Kongreß mit der Frage der Schaffung des endgültigen Reichs wirtschafts: Schweiger als Mitglied des vorläufigen Reichswirt schaftsrats hielt zu diesem Punkt der Tagesordnung ein Referat über die Entwicklung der Rätegesetzgebung in Deutschland seit dem Inkrafttreten der Weimarer Verfassung mit ihrem bekannten Artikel 165. Die Ausführungen Schweizers gipfelten in der Anschauung, daß das Verschwinden des vorläufigen Reichswirtschaftsrats um so dringlicher sei, als durch die Abbaumaßnahmen im vergangenen Jahre von 324 Mitgliedern mehr als zwei Drittel außer Gefecht gesetzt worden seien, und daß auch durch andere Einflüsse der Reaktion die ganze Arbeitsfähigkeit und die Rechte dieser gutachtlichen Körperschaft wesentlich eingeschränkt wor den sind. Eine fruchtbare Arbeit im vorläufigen Reichswirtschaftsrat ist heute überhaupt nicht mehr möglich. So standen für die wichtigen Beratungen in der Zollvorlage nicht einmal die notwendigen Stenographen zur Verfügung. Abgesehen davon, daß durch den Willen der Arbeitgebervertreter die Geheimniskrämerei stets und auch in der Frage der Zollvorlage so weit getrieben wurde, daß die deutsche Deffentlichkeit von dieser so hochwichtigen Steliungnahme des Reichswirtschaftsrats nur ganz unzulänglich unterrichtet werden konnte. Auf Grund des Referats und der sich daran anschließenden Diskussion nahm der Kongreß eine Entschließung an, die für den unmittelbar bevorstehenden Gesezentwurf über den endgültigen Reichswirtschaftsrat folgende Forderungen aufgestellt: 1. Eine Mitgliederzahl des Reichswirtschaftsrats, die allen wirtschaftlich wichtigen Berufsgruppen eine entsprechend ihrer Bedeutung für die Boltswirtschaft gerecht werdende Vertretung sichert. 2. Wirklich paritätische Zusammenseßung des Reichswirtschaftsrats aus Bertretern der Unternehmer und der Arbeitnehmer. Diese Barität darf aber nich wtieder durch das Ernennungsrecht des Reichsrats zugunsten der Unternehmer verschoben werden. 3. Als Arbeitnehmervertreter dürfen nur Vertreter von Organifationen zugelassen werden, die als Ge wertschaften im Sinne der von allen gewerkschaftlichen Spizenorganisationen im Frühjahr 1920 aufgestellten Leitsäge anzusprechen sind. 4. Ungeschmälerte Aufrechterhaltung der dem Reichswirtschaftsrat in Artikel 165 der Verfassung zugesprochenen Befugnisse, also neben der Aufgabe der Begutachtung wichtiger sozialpolitischer und wirtschaftspolitischer Gefeßentwürfe das Recht eigener Initiative des Reichswirtschaftsrats und der Vertretung seiner Anregungen vor den geseggebenden Körperschaften. Kommt ein einheitliches Gutachten des Reichswirtschaftsrats nicht zustande, so soll die Minderheit berechtigt sein, ein eigenes Gutachten zu erstatten, das den gesetzgebenden Körperschaften ebenso wie das Mehrheitsgutachten zur Kenntnis zu bringen ist. 5. Dem Reichswirtschaftsrat find Gefezentwürfe nicht erst dann vorzulegen, wenn sie bereits vom Reichskabinett gutgeheißen sind, sondern schon im Stadium des Referentenentwurfes. Nur durch diese frühzeitige Einschaltung des Reichswirtschaftsrats in die Gesetzgebungsmaschine wird seine Arbeit wirklich fruchtbar werden fönnen. Den bisherigen Höhepunkt des Kongreffes bildete das Referat Hilferdings über die 3ollvorlage der Reichsregie rung, das durch seine überwältigende Sachkenntnis sämtliche Delegierte und Gäste in seinen Bann zog. Hilferding untersuchte zunächst die Wirkung der Getreidezölle auf die Landwirtschaft selbst und tom zu dem Schluß, daß durch die automatisch eintretende Erhöhung der Bodenrente für die Landwirtschaft der Wert der Agrarzölle nach einiger Zeit vollständig annulliert ist. Eine Wiederabschaffung der Zölle ist in dieser Situation dann außerordentlich schwierig. Eingehend beschäftigte sich der Redner mit einem Vergleich der Agrarfrise der siebziger Jahre und der Krise von 1924, die beide ganz verschiedene, einander direkt entgegengesezte Ursachen haben, so daß also für die Abstellung der Krise von heute nicht die gleiche Methode von damals angewendet werden fann. Auf diese grundsätzliche Verschiedenheit hat die Regierungsporlage in feiner Weise Rücksicht genommen, und die Begründung ftellt infolgedeffen eine ungeheuerliche Leichtfertigteit dar, da sie sich allein ftützt auf das, was die einzelnen Interessen gruppen der Wirtschaft der Regierung ins Ohr geflüstert haben. In dieser Begründung steht nicht ein Wort von den sozialpoli= tischen Folgen, nicht ein Wort von der Bedrohung unserer gesamten Exportindustrie durch die gesteigerten Produktionskosten. Die ganze Regierungsvorlage ist nichts anderes als eine geistlose Sunimierung sämtlicher Interessentenwünsche. Der Regierung ist der schwere Vorwurf zu machen, daß sie nicht einmal den Versuch machte, ihre Vorlage irgendwie vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus zu begründen. Weiterhin wies Hilferding im einzelnen nach, wie dieser universelle Agrarierzollschuß die so notwendige Intensivierung der Landwirtschaft, ebenso wie der Industriezoll auch den rationellen Ausbau unserer deutschen Industrie verhindere. Auch in der Frage des Industriezolls hat die Regierung das allgemeine volkswirtschaftliche Interesse vollständig verkannt. Die Wirkungen auf die Sozialpolitik find geradezu verhängnisvoll, da die ganze foziale Gesetzgebung der letzten Zeit durch die verteuerte Lebens haltung annulliert wird. Nach der Statistit hat eine Familie mit vier Röpfen allein 19 Tage pro Jahr zu arbeiten, um nur den auf sie entfallenden Getreidezoll aufzubringen, und das Verderbliche ist, daß, je ärmer, je tinderreicher eine Fa milie ist, fie um so härter vom Schutzzoll betroffen ist. Da Deutschland außerdem nach wie vor die stärkste Wirtschaftsmacht des Kontinents ist, so ist von seiner Zollhandelspolitik schließlich die ganze europäische Wirtschaftspolitit abhängig. Durch den Hochzoll wird jede europäische Zollunion unmöglich gemacht, die angesichts der viel höher entwickelten amerikanischen Wirtschaft eine absolute Notwendigkeit wäre. Also nicht aus reiner Konju mentenpolitik heraus, sondern mit Rücksicht auf die Außenpolitik, auf die Politik des Friedens und der Annäherung der Völker in Europa sind wir die schärfsten Gegner dieser 3ollvorlage, die lückenlos jede Ware in Deutschland verteuert. drud beschloß die Konferenz einstimmig, die Rede im Wortlaut sofort Stürmischer Beifall dankte Hilferding. Unter dem tiefen Einals Broschüre zu verbreiten. Ebenso einstimmig wurde dann folgende Entschließung gefaßt: Verbandstag der Friseurgehilfen. Der im Jahre 1889 gegründete Arbeitnehmerverband des Friseur. und Haargewerbes hat seinen 15. Verbandstag zum 15. Juni in das Friedrich- Ebert- Heim"( Schloß Tännich) einberufen. Die Tagesordnung sieht u. a. Referate vor über den Wiederaufbau der Sozial politik und über die Genossenschaftsfrage im Friseurgewerbe. Der gedruckt vorliegende Geschäftsbericht umfaßt die Jahre 1921 bis 1924. In zwei Ziffern kommt der höchste Grad der Scheinblüte und das fiefste Inflationsniveau zum Ausdruck. Im 1. Vierteljahr 1920 wurden 109 306 Beiträge geleistet, im 2. Vierteljahr 1924 dagegen 29 002. Die Lehrlingszüchterei im Friseurgewerbe versorgte früher eine ganze Reihe von Ländern mit Gehilfen, vor allem die Schweiz und England. Dabei blieben in Deutschland trotzdem ständig noch soviel Gehilfen stellungslos, daß sich in den Großstädten ein förmliches System der Gehilfenbeschäftigung des Sonnabends und Sonntags zur Aushilfe herausbildete. Nach Kriegsende wurden alle in den Ententeländern internierten deutschen Friseure in ihr Vaterland abgeschoben. Da sowohl durch den Mangel an Wohnungen und Ladenlokalen, wie durch die unerschwinglichen Preise für Geschäftseinrichtungen der frühere Ausweg des Selbständigwerdens vorbei war, begann eine allgemeine Berufsflucht in den Handel und die Industrie. Doch als die Scheinkonjunktur beendet war und der große Abbau einsetzte, wurden die meisten Berufs„ Die heutige Lage der deutschen Volkswirtschaft fordert gebiete risch, alle Voraussetzungen zur Erhöhung der Aufnahmefähigkeit des inneren Marktes wie zur Steigerung der Exportfähigkeit zu schaffen. Der von der Reichsregierung geplante neue Zolltarif wirft der Erreichung beider Ziele unmittelbar entgegen. Er verfennt voll- flüchtigen wieder ihrem ehrbaren Handwerk zugeführt. Unsere werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeitungsverkaufsstellen usw., sowohl in Groß- Berlin als auch im übrigen Reich und im Ausland ausdrücklich den ,, VORWÄRTS" zu verlangen. Die Ferienzeit bietet Gelegenheit, überall für die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der SPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der ,, Vorwärts" an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen oder anderen Verkaufsstellen nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar. Vorwärts"-Verlag Berlin, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507. tommen die Notwendigkeit, Deutschlands Wirtschaft enger mit der Weltwirtschaft zu verflechten und droht die nach dem Kriege wieder. gefundenen ersten Ansäge regerer Handelsbeziehungen schwer zu schädigen und eine Selbstblockade über die deutsche Wirtschaft zu verhängen. Die durch die vorgeschlagenen Zölle bedingte Steigerung der Preise für Lebensmittel, industrielle Rohstoffe und alle Industrieerzeugnisse bedeutet eine unerträgliche Senfung der Reallöhne zum Zwede der Steigerung der Boden- und Kartellrente. Deutschland müßte zum teuersten Lande der Welt werden. Die Die Hemmung der Exportfähigkeit und die Einschränkung der Verbrauchstraft der Massen würde die Wirtschaftskrise außerordentlich verschärfen. Die Abwehr des gegen die Lebensinteressen der breiten Bolksschichten gerichteten Hochschutzzolls ist eine gemeinsame Angelegenheit aller Arbeiter, Angestellten und Beamten. Schutz der Verbraucherinteressen fällt dabei völlig zusammen mit dem Gesamtinteresse der deutschen Volkswirtschaft. Der zweite AfA- Gemertfchaftstongreß erwartet deshalb in lebereinstimmung mit der Auffaffung der hervorragendsten voltswirtschaftlichen Sachverständigen vom Reichstag, daß er der Regierungsvorlage die Zustimmung verfagt. Der Bundesvorstand wird beauftragt, in einer auf breitester Grundlage eingeleiteten gemeinsamen Protestbewegung aller Gewerffchafts- und Berbraucherorganisationen den stärksten Druck auf die politischen Parteien auszuüben und alle zweckdienlichen Mittel anzuwenden, um zu verhindern, daß die vitalsten Interessen der Volfskräfte dem Eigennuz einer Gruppe Agrarier und schwerindustrieller Großkapitalisten zum Opfer gebracht werden." In seiner Nachmittagssigung beschäftigte sich der AfARongreß mit den vom Vorstand und einzelnen Ortskartellen vorgeschlagenen Sagungsänderungen. Er nahm dazu eine Reihe von Entschließungen an. Eine dieser Entschließungen fordert die umgehende Vorlage eines Arbeitslosenversicherungsgefeges sowie die Schaffung eines Reichsberggejeges Eine andere Entschließung verlangt den Kampf gegen die neue Personalordnung ber Reichsbahngesellschaft, wieder eine andere die beschleunigte Revision der arbeitsrecht lichen Gesezgebung der Seeleute. Am Schluß protestierte der Kongreß einmütig gegen das Berhalten der bayerischen Staatsregierung, die sich bisher geweigert hat, mit den dem AfA- Bund angeschlossenen Gewerkschaften einen Tarifvertrag zur Regelung der Arbeitsverhältnisse der bei der bayerischen Regierung beschäftigten Angestellten abzuschließen. Mit der ein= stimmigen Wiederwahl des bisherigen Bundesvorstandes ( Aufhäuser, Stähr, Urban) sowie der Beisitzer beschloß der Kongreß seinen zweiten Beratungstag. Statt besonderer Anzeige! LJUERGENS Bekleidungsstücke. Wäsche usw. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit aur Kenntnis, daß unsere liebe, uns so jäh entrissene Tochter Senta Eckart am 19. Juni 1925, abends 6 Uhr, im Krematorium, Berlin, Gerichtstraße, eingeäschert wird Paul Eckart und Frau. ALEXANDER PLATZ los erhalten, große Auswahl, billige Getragene Herrengarderoben, tabelBreife. Leihhaus Spiegel, ChauffeeBRONKOW KLANG das Haus des Botninu Inferieren bringt ERFOLG! 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Er fam zu dem Ergebnis, daß gegenüber der Berufszählung von 1907 die Zahl der Selbständigen von 41 809 auf 37 745 zurüdgegangen ist, die Zahl der Gehilfen von 23 324 auf rund 15 000 und die Zahl der männlichen Lehrlinge von 14 050 auf rund 6000. Dagegen weisen die Ziffern der weib= lichen Berufsangehörigen eine verhältnismäßig starte Steige rung auf, und zwar die der Gehilfinnen von 1283 auf 4975 und die der Lehrmädchen von 241 auf 2148. Insgesamt würde sich eine Abnahme der Berufsangehörigen von 80677 auf 65878, um 18,3 Proz. ergeben. Diese Veränderung bedeutet eine wesent= liche Gesundung des früher total überlaufenen Friseurgewer. bes, die nicht zuletzt dank der Wirksamkeit der Gehilfenorganisation tatsächlich eingetreten ist. Die Arbeitszeit fällt durchweg mit der 11stündigen Geschäftszeit von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends zusammen und ist um soviel fürzer als die Essenspausen lang sind. Soweit eine tarifliche Regelung der Arbeitszeit erfolgt ist, be= trägt sie 9 bis 9% Stunden. Zurzeit zählt der Verband in 53 3 weigvereinen 3520 Mitglieder, gegen 2490 bei Kriegsausbruch. Von den 64 130 Mitgliedern, die der Verband seit 1901 aufgenommen hatte, blieben ihm 1590, das sind 2,47 Proz., erhalten. In 31 Tarifverträgen maren Ende 1924 die Arbeitsbedingungen für 9098 beschäftigte Perfonen geregelt. Die eifrige Tätigkeit der fleinen Organisation mirft fich weit über ihren Mitgliederkreis auf die gesamten Berufsverhält. nisse recht günstig aus. DUNLOP CORD Auch ohne Rennreklame übersteigt Nachfrage die Produktion. Die Weltmarke bürgt für Qualität! Kaufgesuche bei Arbeitsmarkt 989b Batentmatragen, Auflegematragen,| Fahrrab, Damenräder, Serrenräder, Zanbbans, 3 Zimmer, Rüche, Reller, Metallbetten, Chaiselongues. Balter, Rennmaschinen, auch gebrauchte, Frei- Beranda, megen Ausreife fofort be Stargarderstraße achtzehn. laufräder. Teilzahlung ohne Breis- ziehbar; mit Möbeln 8000. Bruch Möbelwichert, Elfafferstraße 20. auffchlag. 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