Abendausgabe Nr. 282+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 138 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreife find in der Morgenausgabe angegeben Redaktion: Sm. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 292-295 Tel- Adresse: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Mittwoch 17. Juni 1925 Berlag und Anzeigenabteilungs Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratifchen Partei Deutschlands Tirpitz' Aktendiebstahl. Professor Thimme gegen die Der Balkenbieger Tirpik ist nach wie vor sehr schweigfam. Er streicht seinen Bart und begnügt sich damit, auf alle noch so deutlichen Anzapfungen überhaupt nicht zu reagieren. Die ihm ergebene Presse markiert anläßlich der Behandlung des Tirpit- Skandals im Ausschuß des Reichstags große Zuversicht. Angeblich soll die Auskunft des Archivdirektors Dr. Merz den Baltenbieger von jedem Verdacht gereinigt haben. Dem tritt Dr. Thimme in einer Zuschrift an das„ B. T." energisch entgegen. Er schreibt: Die Erörterung, die am Montag im Haushaltsausschuß des Reichstages über den Fall Tirpitz stattgefunden hat, gibt den Blättern der Rechten Veranlassung, von einem„ 3 usammenbruch der Heze gegen Tirpit" oder gar von einer Rechtfertigung Tirpitz' zu reden. Weder von dem einen noch von dem anderen tann auch nur entfernt die Rede sein. Die Feststellung, zu der man den Präsidenten des Reichsarchivs v. Merz im Haushaltsausschuß genötigt hat: daß Tirpit dem Reichsarchiv keine Aften entnommen habe, auch von diesem keine Abschriften erhalten habe, stößt offene Türen ein. Denn weder von mir noch von sonstwem ist derartiges je behauptet worden. Ueber die Provenienz des Tirpitschen Dokumentenmaterials werden anläßlich der Erörterung der Interpellation, die nunmehr beim Etat des Reichsjustizministe riums erfolgen soll, noch sehr präzise Feststellungen zu machen sein. Wie aus den Debatten des Haushaltsausschusses aber, bei denen von verschiedenen Seiten die Absicht fundgegeben wurde, den Mißbrauch amtlichen Aktenmaterials durch ein deutsches Archivgeset oder durch eine Verschärfung des Reichsbeamten geseges unmöglich zu machen, eine Rechtfertigung Tirpit' abgeleitet werden foll, ist schlechterdings unerfindlich. Im Gegenteil liegt in einer solchen Absicht, die auch von einem Vertreter des Reichsinnenministeriums bestätigt wurde, geradezu eine Verurteilung des Tirpitschen Vorgehens. Genau genommen ist der Mißbrauch amtlicher Aftenstücke schon jetzt in aller Form untersagt. § 11 des Reichsbeamtengesetzes befagt ausdrücklich: Ueber die per möge seines Amtes ihm befanntgewordenen Angelegenheiten, deren Nach wie vor kritische Lage in Paris. Heftige Angriffe des„ Quotidien" auf die Regierung. Paris, 17. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die nach wie vor trifische Beurteilung der innerpolitischen Situation findet Mittwoch in einem Artifel des„ Quotidien" ihren Widerhall, in dem die Regierung heftig angegriffen und ihr zum Vorwurf gemacht wird, daß fie einen großen Teil der Berantwortung an der 3uspihung der Dinge frage, da sie das Patlament sowohl in der Marotto- wie in der Finanzfrage hinhalte. Das Blatt bezeichnet insbesondere die aufs neue erfolgte Bertagung der von der Regierung erwarteten Aufklärungen über Maroffo als einen neuen großen Fehler, da in einem Moment, wo sich das ganze Land in stärkster Erregung befindet, es feineswegs genüge, wenn Painlevé vertraulich eine kleine Anzahl von Parlamentariern, deren Einfluß man wahrscheinlich überschätze, über die tatsächliche Lage aufkläre. Auch die gestern von Caillaug in der Finanzfommiffion gemachten Konzessionen feien ungenügend. Das Blatt spricht die Bermufung aus, daß es über die Finanzfrage wahrscheinlich schon in kürze zu einem Bruch zwischen dem Minifterium und der republikanischen Mehrheit kommen werde. Uneinheitliche Stellungnahme der Sozialisten. Paris, 17. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Bei der gestrigen Abstimmung über den von der Regierung gestellten Antrag, die Distuffion der kommunistischen Interpellation über Marotto zurüd zustellen welcher Antrag mit 434 gegen 31 Stimmen angenommen wurde, hat der größte Teil der sozialistischen Frat tion, nämch 83 Mann, zusammen mit 17 Radikalsozialisten und 10 republikanischen Sozialisten, sich der Stimme enthalten. 2 Sozialiften und 3 Unabhängige stimmten dagegen, 17 Sozialisten, darunter die Abgeordneten Leon Blum, Auriol, Paul Boncour, Renaudel und Barenne, haben dafür gestimmt. Abd el Krim zuversichtlich. Rom, 17. Juni.( WTB.) Abd el Krim sagte in einer Unterredung mit einem Korrespondenten des Popolo d'Italia" weiter, massenweise seien die Soldaten der Fremdenlegion in das Riflager übergelaufen. Er hoffe daher, daß dieser Konflift mit der Errichtung der Rifrepublik enden werde. Der Korrespondent setzt dieser Mitteilung hinzu, daß Abd el Krim am nächsten Tage die Unterredung sich zur Rorreftur vor legen ließ und dem Korrespondenten die Versicherung gab, daß er fie selbst nach Stalien befördern werde, um zu zeigen, daß er über Mittel und Wege verfüge, um der feindlichen Blockade zu entgehen. Schweres Eisenbahnunglück in Amerika. Ein Sonderzug mit deutsch- amerikanischen Reisenden entgleift. New Bort, 17. Juni.( Telunion.) Bei Hachetstown, sechzig Meilen von New York, stürzte ein Eisenbahnzug die Böschung hinab. Bisher 48 Tote. New Borf, 17. Juni.( Kabeldienst der Telunion.) Die Zahl der Toten betrag bis 4 Uhr morgens 48, die der Berwundeten 60; 18 Ceichtverlette wurden an Bord der„ Republik" gebracht. Man nimmt an, daß weitere Todesfälle unter den Schwer| Ausflüchte der Rechtspresse. Geheimhaltung ihrer Natur nach erforderlich oder von seinen Vorgefeßten vorgeschrieben ist, hat der Beamte Verschwiegenheit zu beobachten, auch nachdem das Dienstverhältnis aufgelöst ist." Also, die Pflicht zur Amtsverschwiegenheit dauert nach dem Aufhören des Dienstverhältnisses fort! Eine ärgere Verletzung dieser Amtsverschwiegenheit aber fann es gar nicht geben, als wenn ein Beamter das geheimste Dokumentenmaterial, das amtlich zu seiner Kenntnis gekommen ist, ohne Erlaubnis der zuständigen Stellen auf den Markt wirft. Es mag sein, daß im Fall Tirpit das Vergehen nicht zu ahnden ist, weil pensionierte Beamte nicht mehr der Disziplinargewalt unterstehen. Aber wenn dem so ist, so muß die Lücke des Beamten gefeges in einer Weise ausgefüllt werden, die die Wiederholung des Falles unmöglich macht. Es wird nun abzuwarten sein, was die Erörterung der Interpellation im Plenum des Reichstags bringen wird. Man wird hoffen dürfen, daß die von dem Reichsjustizminister abzugebende Erklärung der Reichsregierung sich nicht auf die Feststellung beschränken wird, daß nach Lage unserer Gesetzgebung die Möglich feit eines Einschreitens gegen Tirpitz nicht gegeben sei, sondern daß feit eines Einschreitens gegen Tirpitz nicht gegeben sei, sondern daß die Regierung sagen wird, wie sie zu dem Verhalten des Herrn v. Tirpik in staatspolitischer und mora lischer Hinsicht steht. Im übrigen wird man besonders gespannt sein dürfen, mit welchen Argumenten die Rechte das Verhalten Herrn v. Tirpitz' zu rechtfertigen suchen wird. Mit dem Argument des Abgeordneten D. Mumm, daß das wirken Tirpig' im Dienste des Kampfes gegen die Schuldlüge stehe, ist es wirklich nicht getan. Man kann auch gegen die Schuldlüge kämpfen, ohne die Treue und Gewissenhaftigkeit des Beamten außer acht zu lassen. Selbstverständlich ist die Angelegenheit des Tirpik schen Aktendiebstahls feineswegs erledigt. Die Tatsache der Ueberweisung an das Reichsjustizministerium beweist, daß selbst das Reichskabinett an der Sache nicht vorbeigehen kann. Wenn sich die Balten auch noch so sehr biegen, Herr Tirpitz wird doch noch Rede und Antwort stehen! verwundeten einfreten. Die herbeigerufenen Ambulanzen trafen Hilfe wurde durch Farmer geleiffet. infolge des herrschenden Gewitters sehr verspätet ein. Die erste Die Ursachen des Unglücks. New York, 17. Juni.( TU.) Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß die Wassermengen eines wolkenbruchartigen Regens die Schienen unterspült hatten, wodurch der Zug entgleiste. Vier Wagen des sieben Wagen langen Zuges stürzten mit der Lokomotive die Böschung hinab. Das Feuer der Lokomotive setzte die Wagen in Brand und zerstörte sie vollständig. Verbrannt find bisher 30 Menschen, doch werden wahrscheinlich noch weitere ihren Brandwunden erliegen. Die Schwerverletzten wurden sofort in die zunächst gelegenen Hospitäler gebracht. Die Verunglückten| find Deutsche aus Chicago, die eine Vergnügungstournee zur Rheinischen Jahrtausendfeier unternehmen wollten. Die Tournee hatte bereits die Niagarafälle besucht und war nach Hoboken weitergefahren. Das Unglück ereignete sich in der Nacht, während die meisten Passagiere schliefen. Die„ Republik" verschob nach Bekanntwerden des Unglücks sofort die Ausreise. Die Ueber lebenden wurden im Extrazuge nach Hoboken geschafft. Bis jetzt fonnten nicht alle Leichen geborgen werden. Die Refognoszierung ist sehr schwierig, da viele Verunglückte vollständig verbrannt sind. Unter den Toten befinden sich verschiedene Kinder. Die Berunglückten waren außer in Chicago in fleineren Orten von Nordillinois und Wisconsin ansässig. Die versiegelte Nationalpost. Pleite und keiner saniert. Herr Laverren 3, als Geschäftsführer der„ Nationalpoſt" Rummer gewöhnt, mußte gestern ein legtes über sich ergehen lassen. Das gesamte Inventar der Nationalpost" wurde versiegelt. Herr Laverrenz mußte Konkurs anmelden. Seit November hat die Nationalpost" feine Steuern mehr bezahlt. Steuern find eine unbequeme Einrichtung. Bielleicht hat Herr Laverrenz, verdorben durch die Erziehung zum Steuerzahler, die die deutschnationale Reichstagsfraktion allen echt nationalen Männern angedeihen läßt, sie doch nicht ernst genug genommen und nicht bedacht, daß es am Ende auch eine Steueregefutive gibt. Bielleicht hat er auch gedacht: mir fann nichts geschehen und fich dem rührenden Glauben ergeben, daß fein Deutschnationaler sein Barteiorgan zugrunde gehen läßt selbst wenn es Geld foftet. Als die Plette drohte, stellten sich richtig auch Sanie. rungsinteressenten ein. Der eine war der Deutschnationale Handlungsgehilfenperband, der andere Herr Laverrenz war wieder allein mit seinen Schulden. Herr Arnold Rechberg. Sie famen, prüften, gingen, und -Heute morgen ist die Nationalpoſt" nicht mehr erschienen. Mord in Sofia. Der frühere Wojewode Michailoff, ber sich seit langer Zeit von der mazedonischen Bewegung abgewandt es fich entweder um einen persönlichen Racheakt handelt, oder daß hatte, wurde von Unbekannten ermordet. Man glaubt, daß die Tat auf die Streitigkeiten unter den mazedonischen Revolu. tionären zurückzuführen ist. Unter dem Berdacht der Täterschaft find zwei Personen verhaftet worden. Vier Jahre Bratianu. Das reaktionäre Diktatur- Regiment in Rumänien. Aus Rumänien wird uns geschrieben: Als vor vier Jahren der jezige Minifterpräsident Bratianu entgegen allem parlamentarischen Brauch von dem König mit der Kabinettsbildung betraut wurde, erscholl ein Hohngelächter durch das Land. Wie wollte Bratianu, der im vorigen Parlament nur über 7 Mann verfügt hatte, auf einmal die Mehrheit erlangen, um sich behaupten zu können? Aber eine bittere Antwort tam auf diese Frage: durch blutigen Terror errang fich Bratianu eine Zweidrittel Mehrheit. Und. nun fonnte er verfassungsmäßig" herrschen. Ministerpräsident Jon Bratianu übernahm die politische, fein Bruder Bintila Bratianu die wirtschaftliche Leitung der Regierungsgeschäfte. Der Ministerpräsident bereitete alle jene politischen Gesetze vor, zunächst die neue Verfassung, die seiner, der ,, liberalen" Partei die Herrschaft sichern sollten, der Finanzminister die roirtschaftlichen Gesetze und Reformen, die Land und Volk der liberalen Partei, das heißt tatsächlich den Geldmagnaten ausliefern sollten. Da die Opposition, so schwach vertreten sie auch im Parlament war, sich nicht unterkriegen ließ und durch große öffentliche Versammlungen den Plan der Bratianus zum Scheitern zu bringen drohte, entfesselte die Regierung mit Hilfe der Geheimpolizei eine antisemitische Bewegung unter den Studen= ten, die je nach Regierungsbedarf anschwoll oder nachließ. So konnte die Regierung nun einen Ausnahmezustand rechtfertigen, so brachte der Ministerpräsident eine reaktionäre Verfassung, der Finanzminister die wirtschaftlichen Geseze durch, die die Beraubung des Staatseigentumes zugunsten einer Clique ermöglichen sollten. Die letzten Glieder dieser Kette sollten die Verwaltungsreform, das Wahlgesetz und die Konvention mit der Nationalbank sein, zu allerlegt das Wahlgesez, bei dessen Verkündung nach der neuen Verfassung sich das Parlament auflösen mußte, was wohl zu einem Regierungswechsel geführt hätte. Nun hatte es die Regierung aber nicht mehr so leicht bei der Durchdrückung ihrer Gefeße: hatte sie vorher vier heftig sich be. fehdende Oppositionsparteien vor sich, so stand sie jetzt, eine unbedeutende Oppositionsgruppe ausgenommen, einem mächtigen Volksblod gegenüber. Zu seiner Gründung hatte nicht die wirtschaftliche Misere des Landes zu 97,5 Proz zerfallene Baluta, Geldknappheit, Elendsgehälter der Beamten( 50-60 m.!), nicht die politische Isolierung Rumäniens, sondern die Ausartungen des Regierungsterrors geführt. . Abgeordnete der Opposition wurden von da zu angestifteten Offizieren mißhandelt. Und als zuletzt während der Osterfeiertage der Abg. Halippa, der Führer der bessarabischen Bauernpartei und ehemaliger Präsident des die Bereinigung Bessarabiens mit Rumänien aussprechenden Landtags, von einem Oberleutnant geschlagen wurde, da war das Maß voll. Der Entrüstungssturm, der im Lande ausbrach, brachte auch die eben aus drei Parteien unter Führung von Jorga, Maniu und Arge= toianu vereinigte Nationalpartei zu einem Bolfsblock mit der unter Führung des Dorflehrers Mihalache stehenden linksgerichteten Bauernpartei zusammen. Dieses Zusammengehen der volkstümlichen Parteien zeigte gleich seine Wirkung: Der neu eingebrachten Verwaltungsreform leistete der Boltsblock mit Hilfe der nationalen Minderheiten energisch Widerstand, der durch den Inhalt dieses Gesetzes nur allzu begründet war. In den neuen Provinzen Rumäniens wird die Selbstverwaltung, die sich im Laufe der Jahre glänzend bewährt hatte, faftisch aufgehoben, dadurch, daß über alle Entschließungen des Gemeinderats in letzter Instanz ein neu zu ernennender Oberverwaltungsrat zu entscheiden hat. Auch das wichtigste Recht der Gemeinden, die Erhebung von Steuern, die allein eine Prosperität ge= währleistet, wird aufgehoben. Hinzu kommen Bestimmungen über die Zusammensetzung des Gemeinderates, die weder mit dem Selbstbestimmungsrecht, noch mit dem allgemeinen Wahlrecht in Einklang zu bringen sind. Unter dem Vorwande, die Städte rumänisieren zu müssen, behält sich die Regierung das Recht vor, 40 Proz. aller Gemeinderatsmitglieder zu ernennen, außerdem sollen 12 Broz. der Mandate auf diejenige Liste, die ein Fünftel der Stimmen auf sich vereinigt, fallen. Damit ist den Rumänen auch in den zu 80 Proz. nichtrumänischen Städten eine Mehrheit von 52 Broz. gewährt. Werden durch diese Bestimmung einerseits die Minderheiten zu Staatsbürgern zweiter Klasse degradiert, so fann andererseits die Regierung sich einen bequemen Senat wählen lassen, die Gemeinden eine Anzahl Senatoren wählen. Gegen diese ultrareaktionäre Bestimmung, wie gegen eine andere, die den Minderheiten den Friedensverträgen zum Trotz Gericht in ihrer Sprache versagt, liefen nun Opposition und Minderheiten Sturm. Und als die Regierung all diese Bestimmungen für unantastbar erklärte, da blieb nichts anderes übrig, als zur schärfften parlamenbrachte es in einem Monat fertig, daß nur 20 von den tarischen Waffe, zur Obstruktion, zu greifen. Diese 300 Artikeln des Gefebes angenommen werden konnten. Verwaltungsreform und das Wahlgefeh, die eine vierNun sah der Ministerpräsident mit Schreden, wie die jährige reaktionäre Gefeßgebung tronen sollten, underab schiedet blieben; der Finanzminister jah, wie das National bankgesetz, das ihm und seiner Clique die wirtschaftliche Herr-| nett Luther, welches den Präsidenten in Gegensatz zu feinen Erflärungen und zu seinen verfaffungsmäßigen Rechten bringen will? Wie wir hören, gehen täglich im Bureau des Reichspräsidenten große Mengen Zuschriften der durch die Aufwertungsgesetze in Rechts- und Wirtschaftsnot Geratenen ein. Schutz den Inflationsgewinnlern! Die Vermögenssteuer vor dem Ausschuß. Der Steuerausschuß des Reichstags begann am Dienstag die Beratung der Vermögenssteuer. Die Vorlage der Regierung fieht einen Steuersatz von 0,5 Proz. vor. Bei Vermögen mit 25 000 m. sollen nur 0,3 Bro3., bis 50 000 m. 0,4 Bro3. erhoben werben. Die frühere höhere Besteuerung der großen Bermögen soll beseitigt werden. Die Freigrenze ist auf 5000 m. festgesetzt, erhöht sich jedoch bei niedrigerem Einkommen. Die Vermögenszuwachssteuer soll außer Kraft gesetzt werden. schaft auf weitere 40 Jahre sichern sollte, nicht einmal zur Beratung fam. Da holten die Bratianus zum letzten Schlag aus: Die Geschäftsordnung der Kammer wird zur Sklavereiordnung gemacht. Auf Vorschlag des Präfidenten oder von 50 Abgeordneten tann die Kammer beschließen, die Diskussion bei einem Gesez ganz auszu fegen, der Präsident fordert dann die Abgeordneten auf, Anträge zum Gefeß binnen 24 Stunden einzureichen, die vom Ausschuß binnen weiteren 24 Stunden zu prüfen sind. Bei den nicht angenommenen Abänderungsvorschlägen und das wird die übergroße Mehrzahl sein- findet gar keine Debatte mehr statt, bei den angenommenen dürfen nur je e in Redner für und gegen je 10 Minuten sprechen. Während der Zeit, wo diese Bestimmungen gelten, gibt es weber Geschäftsordnungsdebatten noch persönliche Bemerkungen oder irgendwelche andere Debatten. In der allgemeinen Aussprache übt Genosse Ströbel heftige Mit diesem beispiellosen Anschlag hat die Regierung den Kritik an der Vorlage. Durch einen eingehenden Vergleich mit der Bogen weit überspannt: es bleibt dem legten regieren- Steuerbelastung in England zeigt er, daß die Einkommensteuer bei uns im wesentlichen von den Lohnempfängern, in England von den den Hohenzollern, König Ferdinand, überlassen, das Gleichgewicht wieder herzustellen, oder weiter zuzusehen, wie die jezige Regierung nicht zum wenigsten auf seine Kosten mit dem Feber spielt. Reichspräsident und Aufwertung. Der Reichspräsident ist dazu berufen, die Heiligkeit des Rechtes hochzuhalten." Hindenburgs Osterbotschaft. Die Arbeitsgemeinschaft der Aufwertungsorganisation teilt mit: Die Arbeitsgemeinschaft unternahm am 15. Mai nach Bekanntgabe der Kompromißformel den ersten Bersuch, für eine Delegation aus ihren Kreisen einen Empfang beim Reichspräsidenten zu erwirken. Auf diesen Schritt erging am 19. Mai folgender Be scheid durch den Staatssekretär Dr. Meißner: Besitzenden getragen wird. Bei der Bermögenssteuer müssen die fleinen Bermögen geschont, die großen stärker belastet werden. Die Beseitigung der Vermögenszuwachssteuer ist ein unberechtigtes Gefchent an die Inflationsgewinnler. Auch bei der Erbschaftssteuer ist im Hinblick auf die englische Erbschaftssteuer eine stärkere Belastung notwendig. Der standalose Zustand, daß das Gattenerbe freibleiben soll, ist unhaltbar. Abg. Dr. Brüning( 3.): Englische und deutsche finanzielle Verhältnisse fönnten nicht miteinander verglichen werden, da Deutsch land den Krieg verloren habe und seine Wirtschaft und sein Kapital. markt durch die vernichtende Inflation außerordentlich gelitten habe. Die Abgg. Dr. Kulenkampff( D. Vp.) und Dr. Fischer- Köln( Dem.) erklärten ebenfalls den Vergleich der deutschen und englischen Steuer erträge für abmegig. Auch Staatssekretär Dr. Popik wies auf die Schwierigkeiten des Bergleichs hin. In der Einzelberatung wurde§ 22 des Gefeßentwurfs vorwegberaten. Er sieht vor, daß im Jahre 1924 nur zwei Vierteljahrsraten zur Erhebung gelangen. Die Rate vom 15. Mai ist am 15. Juni fällig. Die Regierungsparteien beantragten, diesen Termin weiter hinauszuschieben, und beschlossen, dem Reichstag die abermalige Verläugerung der Borauszahlungsfrist der Vermögenssteuer bis zum 15. Auguft d. 3. durch ein neues Initiativgesetz vorzuschlagen. Gegen die Stimmen von Sozialdemokraten und Kommunisten wurde so beschlossen. Der Entwurf soll am Mittwoch auf die Tages Der Herr Reichspräsident möchte davon absehen, eine Abordnung der durch die Inflation geschädigten Hypotheken gläubiger usw. in der Angelegenheit der gefeßlichen Aufwertungsregelung zu empfangen. Abgesehen von der großen dienstlichen Inanspruchnahme, die mit der Amtsübernahme notwendigerweise verbunden ist, hält es der Herr Reichspräsident aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht für angängig, in die bereits den gesehgebenden Körperschaften unterliegende Frage von fich aus einzuordnung des Plenums gesetzt werden. greifen." In Erkenntnis des in der gegebenen Begründung liegenden Irrtums machten zwei beauftragte Vertreter der Arbeitsgemeinschaft im Bureau des Reichspräsidenten einen Besuch. In Behinderung des Staatssekretärs Dr. Meißner legten sie Herrn Ministerialrat Dr. Döhle den ganzen Ernst der Lage dar. Sie wiesen auf die große Erregung der Geschädigten hin und die den Staat und die innere Ruhe gefährdende Konsequenz, wenn die Anhörung der berechtigten Wünsche ihrer Bertreter mit einem nichtigen Einwand verweigert werden sollte. Um die Person des Reichspräsidenten von den zu erwartenden Auseinandersetzungen zu bewahren, wurde der erneute Vor= trag des Ersuchens mit der gegebenen Begrün= dung erbeten und zugesagt. Bald erging dann der Be scheid, daß der Herr Reichspräsident sich wegen seiner Bedenken erst mit dem Reichsjustizminister in Berbindung setzen wolle. Obgleich nun durch ein Kommuniqué an die Presse am 5. Juni betannt wurde, daß sowohl der Reichsjustizminister als auch der Reichstanzler zum Vortrag über die Auf wertungsfrage vom Herrn Reichspräsidenten empfangen wurden, teilte Ministerialrat Dr. Döhle der Arbeitsgemeinschaft am 12. Juni mit, daß eine Entscheidung noch nicht getroffen sei, weil der Herr Reichspräsident über die Aufwertungsfrage noch nicht genügend informiert sei und die schriftliche Stellungnahme des Reichsjustizministeriums noch fehle. Auf Drängen ihrer zahllosen Anhänger aus allen Teilen Deutschlands haben die Aufwertungsorganisationen jetzt in einer diretten Eingabe den Reichspräsidenten nochmals um baldigen Empfang einer Delegation gebeten und dabei ausdrücklich auf den Inhalt seiner Osterbotschaft und seine erklärte Hilfsbereitschaft für die Notleidenden Bezug genommen. Ist es das Kabi Die Epistel aus Reading. In S. Fischer Verlag erschien ein erschütterndes menschlisches Dokument, Ostar Wildes Epistola", übersetzt und eingeleitet von Mar Meŋerfeld. Wie die Wildesche Ballade vom Zuchthaus in Reading" immer wieder den Leser in ihren düsteren Bann zieht, so wird auch diese Epistel aus Reading zum dauernden Erlebnis. Der Dichter Wilde schreibt hier sich und dem Freunde eine Abrechnung, die die Tragödie seiner Freundschaft von allen Seiten beleuchtet. Was in" De Profundis" von dem Herausgeber ausgemerzt wurde, um den Briefempfänger zu schonen, flagt in der" Epistola" ungekürzt und unverhüllt an. Nicht nur, weil Oskar Wilde diese Epistola geschrieben und sich so eine Fülle von Erinnerungen und Begebenheiten darum ranfen, ist sie so erschütternd, sondern weil die gemarterte Seele eines Menschen und Künstlers zugleich sich offenbart. Wer nie etwas von Wilde gelesen haben sollte, ihm stände er nach diesem Buch vielleicht noch mehr vor Augen als dem zu sehr wissenden Literaturhistorifer. Ein griechisch empfindender Mensch, vergöttert und umworben, mit allen Fasern seines Herzens seinem Schönheitsideal und dem Rausch der Sinne lebend, ein Meister der Form im Kunstwert und Leben, herabgeriffen von seinen höchsten Höhen in die Zuchthaus qual zu Reading. Der Troß dieser Seele, bis sie sich zur demütigen Liebe bekennt, bis sie Leid und Schmerz, die- fie früher als unvollendet verachtet, als Höchstes und Tiefstes zugleich zu empfinden versucht, ist zart und empörerisch zugleich. Dieser englische Grieche, der sich in Demut der umfassenden Leidliebe eines Jesu neigt, der Worte über ihn findet, wie sie schöner nie gesagt, er wird deshalb doch nicht zum Galiläer. Jede Seite des Buches ist erfüllt mit tiefen, nachdenklich machenden Sägen des bis in die Fingerspigen fultivierten Dichters, dem feine Zuchthausqual auch die anders, dunkle Belt gab. Kunstschaffen, marternde Erlebnisse, bestridende Formschönheit, dialektisches Den fen, reiches Wissen, gequälte und getränkte Freundschaft, Hörigkeit, Menschenpein, Ehrgeiz, Mitleid, mühsam geductes Haffen, die ganze Stala von Empfindungen, sie schwingt in diesem Buch und läßt einen so die Persönlichkeit Wildes immer wieder in seiner Epistola suchen. Bruno Schönlant. Enzian. Bon Knulp. An einem schönen Nachmittag tam der Postbote zu uns herauf. Er brachte ein Bäckchen. Von wem mochte es sein? Aus dem Allgäu war es. Flugs machte ich es auf, und fast erschrocken vor Freude blickte ich hinein. Eine Blumenpracht in grünem, feuchten Moje gebettet ruhte in dem kleinen Karton. Herb und süß wie Honig stieg der Duft empor. Engian! Blaue Glodenenziane!„ Die schicke ich Ihnen als Gruß aus den Bergen", schrieb die Abfenderin, Munte- Bunte hat sie gepflückt," Der Kurs der„ Germania". " In der heutigen Morgenausgabe der Germania" wird trumsorgans veröffentlicht. Seit langem turfieren in der Deffent eine Erklärung der Redaktion über die künftige Haltung des Zen lichkeit Gerüchte, die von einer Aenderung des Kurses wissen wollen. Es scheint Tatsache zu sein, daß unter der Führung des Abg. von Papen der rechte Flügel im Aufsichtsrat energischer seinen Standpunkt, zu vertreten sucht. Demgegenüber versichert die„ Germania", fie werde fortfahren, auf dem Boden des christlichen Staatsgedan fens, dem Boden des gesamten deutschen Boltes und insbesondere den Rechten und Interessen der katholischen Bevölkerung zu dienen. Der bewährte Kurs der Mitte und des ehrlichen Ausgleichs bleibt auch in Zukunft der ihre!" Allerdings wird diese Erklärung die Zweifel an der fünftigen Ent. wicklung des Zentralorgans der Zentrumspartei nicht ganz beseitigen tönnen. Wenn der rechte Flügel, der sich in den Besiz der zurückscheut, so wohl deshalb, weil er befürchten muß, daß die Aktienmehrheit grotadt hat, vor einer offenen Schwenkung Berliner Organisation des Zentrums dann ein neues Zentrumscrgan erscheinen läßt. Die Waffen des Stahlhelms. Gegen den Redakteur unseres Parteiblattes in Braunschweig, Otto Thielemann, schwebte feit 1½ Jahren ein Verfahren wegen Landesverrats. Der Angeschuldigte ist jetzt vom 4. Straffenat des Reichsgerichts wegen mangelnden Beweises" außer Verfolgung gelegt. Die Kosten Thielemanns, daß die Mitglieder des Stahlhelm in Blankendes Verfahrens fallen der Reichskaffe zur Last. Die Behauptung burg am Harz mit Reichswehrwaffen ausgerüstet worden feien, mußte im Borverfahren von allen Zeugen, auch von den Offizieren der Garnison Goslar bestätigt werden. Ein Bild reißt auf: Munte- Bunke, dreijährig, did und drollig, mit hellem Lachen im Gesicht, stapft über die Bergwiese und rupft die blauen Glocken aus dem grünen Grund, ab und zu ein bewun derndes„ Ah!" oder„ Ei!" ertönen laffend. Glücklicher Junge! Die Berge steigen empor. Groß, weit und herrlich mit starten Winden und leuchtendem Schnee auf den Wipfeln. So müssen sie sein. Ich habe sie noch nie gesehen. Die Augen heften sich in die Kelche der blauen Blütenglocken der Enziane. Ihr habt sie gesehen die Berge. Ihr habt sie geatmet die Freiheit. Ihr seid in ihr geboren. Brennendes Weh loht im Herzen. Tränenumspülte Sehnfucht steigt herauf. In ohnmächtiger Wut gehe ich durch die Straßen der Stadt. Durch Staub und Gebrüll. Die Steinmauern glühen. Das Ich weltt. Die Nächte sind ruhelos. Da am Morgen fällt der Blick auf die blaue Pracht der Enziane, die über den Rand der Schale quellen. Blaues Licht der emigen Berge! Süßer, herber Duft der Freiheit! Ein Gruß, den mir ein Glüdsjunge mit täppischen Fingern zusammenrupfte, wächst tief in das Herz hinein.... Die Fräcke Die„ Deutsche Akademie" in Berlin. Die kürzlich in München be= gründete ,, Akademie zur wissenschaftlichen Erforschung und zur Pflege des Deutschtums"( Deutsche Akademie) hatte zum geftrigen Abend einen Kreis wissenschaftlicher und künstlerischer PersönlichAbend einen Kreis wissenschaftlicher und fünstlerischer Persönlich feiten zur Gründungsversammlung einer Berliner Außenstelle der Akademie in das Herrenhaus geladen. Es war eine stattliche Revue prominenter Titulaturen, Geheimräte, Generaldirektoren, Univer tätsprofessoren, Regierungsdelegierter, Senatoren.. faßen erstaunlich straff und über der würdevollen 3eremonie lagerte der konservative Geist verflossener Jahrzehnte. Was man befürchten mußte, war prompt eingetroffen: Statt erafter Formulierungen, statt eines Programms von intellektuell- schöpferischer Lebendigkeit eine zum Teil billige, vor diesem Gremium unerträgliche Phraseologie. Man sprach sehr viel und mit Bathos von kultureller Missionsarbeit, die man in dünfelhaftem Vergleich mit der religiösen Missionsarbeit des Evangelismus und Katholizismus zog. Beinlich, als Universitätsprofessor Dr. G. Pfeilschichter die banale Flostel von der Ueberlegenheit des deutschen Geistes" aus sprach. Ob der Herr Reftor der Münchener Deutschen Akademie" damit auf den anwesenden Stockholmer Gast, Prof. v. Nordens. stjöld, kulturmissionarisch wirfte? Wenn man ein Gegenstück zur Académie française schaffen will ob das beabsichtigt ist, wissen mir nicht so sollte man das Unternehmen auf eine verzeihen Sie, meine Herren innerlich ehrlichere, breite, tendenzlich nicht so gebundene Basis stellen. Seltsam auch, wie sehr die Redner des Albends bemüht waren, die deutsche Kunst mit eleganter Hand bewegung in die Kulisse zu schieben. Wo bleibt die Kunst?" rief der temperamentvolle Bildhauer Hugo Lederer, und mit diesem treffenden Zwischenrufe, den er später eindringlich wiederholte, scheint er uns die Quintessenz dieser Akademie gezogen zu haben. An fich könnte eine wissenschaftlich- künstlerische Vereinigung, die sich, ohne den Konner mit der großen Berbundenheit des europäischen Geisteslebens zu verlieren, mit der Deutung und Ausschöpfung des geistigen Schaffens unseres Boltes beschäftigte, die den Quellen und dem Entwicklungsfluß der wissenschaftlichen, der fünstlerischen Kräfte mit objektiver Eindringlichkeit nachspürte, sehr wohl eine eminente " Deutschnationaler„ Ehrenrat". Ehrenerklärung für Geisler. Und Best? er Am 24. Februar 1925 hatte sich der Redakteur 3immer= mann vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband vor Gericht zu verantworten, weil er in einem Schreiben vom 3. November 1924 an die Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen Volkspartei in Berlin erfärt hatte, daß alles, was Herr Geisler schreibt, nur mit Mühe in Einklang mit der Wahrheit zu bringen ist". Zimmermann wollte den Beweis dafür antreten, daß Geißler seit Jahren mit falschen Zahlen arbeitet, daß den Vorwurf, er habe gelogen und betrogen, entgegengenommen hat, daß einen Brief forrigiert" hat, daß er die Mitglieder der Vaterländischen Verbände hinters Licht führt und das er sich bei seinem Kampf- gleichgültig gegen wen Mittel bedient, die kaum ein zweiter Abgeordneter Das Gericht hat irgendeiner anderen Partei anwenden würde. Zimmermann freigesprochen. er Nunmehr hat der Ehrenrat" der Deutschnationalen Reichstagsfraktion, der Herr Geisler bekanntlich immer noch angehört, nach einer Prüfung des Prozesses Geisler- Zimmermann festgestellt, daß die Herrn Geisler gemachten Vorwürfe nicht zutreffen. Das Urteil stellt in der Hauptsache eine Rechtfertigung des Herrn Geisler dar". Damit ist„ Ehren"-Geisler also für würdig befunden worden, der Deutschnationalen Reichstagsfrattion weiter als besondere Zierde anzugehören. Nach dieser Ehrenerklärung darf man mit einiger Neugier dem Spruch entgegensehen, den dieser„ Ehrenrat" im Fall Best fällen wird. Es wäre nicht verwunderlich, wenn der Abg. Best eine Ehrenerklärung des deutschnationalen„ Ehrenrats" mit einer Beleidigungsflage beantworten würde. Der„ Aventin" bleibt fest. Rom, 17. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Der Ausschuß der Opposition hat vor wenigen Tagen bekanntlich mit Mehrheit die Teilnahme an den Kammerarbeiten beschlossen. Am Dienstag sollte dieser Beschluß von den Fraktionen sanktioniert werden. Es scheint jedoch zweifelhaft, ob es dazu überhaupt fommen wird. Die Verhandlungen find am Dienstag abend noch nicht restlos abgeschlossen worden. Der vorläufige Eindruck ist der, daß sich die Mehrheit der Opposition gegen eine Rückkehr in die Kammer wendet. Für diese Rückkehr sind ausschließlich die Demokraten und ein ganz geringer Teil der Popolari. Auch Turati erklärte sich dafür, während aber seine Fraktion in der Opposition verharren will. Die Demokraten haben bereits erflärt, daß sie sich die Kammer zurückkehren. einem Mehrheitsbeschluß fügen wollen und infolgedessen nicht in Der ermordete Engländer. London, 17. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Montag ist in Peking ein Engländer ermordet worden, der in den Echanghaier Elektrizitätswerken angestellt war. Die Erregung über diese Tat ist in England außerordentlich. Die Regierung hat jedoch bisher weitere Schritte nicht unternommen. Sie ließ am Dienstag öffentlich erklären, daß keine der interessierten Mächte vorläufig an eine Intervention denke. England werde, falls nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, vorläufig nichts anderes tun, als das Leben und das Eigentum seiner Staatsangehörigen in China zu schützen. Die Mächte zur Lage in China. Paris, 17. Juni.( TU) Die Chicago Tribune" meldet, daß sich die an den Verhältnissen interessierten Mächte über folgende ragen geeinigt haben: 1. Reine Macht soll unab. hängig von den anderen einen Schritt unternehmen, 2. Eingriffe in chinesische Angelegenheiten sollen nur stattfinden, wenn Leben und Eigentum fremder Untertanen gefährdet ist, 3. Es soll eine allgemeine Ronferenz mit China stattfinden, da es teine feste 3entralregierung gibt, 4. Eine Ronferenz zur Revision der chinesischen 3ölle foll sobald wie möglich stattfinden. Es soll China gestattet werden, die Zölle zu erhöhen, wenn Frieden und Sicherheit wieder hergestellt sind. Befruchtung unseres Geisteslebens sein. Sie dürfte allerdings fein Defilé imponierender Titel, fein überhebliches Renommierinstitut über Missionierungsaufgaben, sondern eine Vereinigung der lebendigsten Kräfte des deutschen Volkes, ein Brennspiegel unserer modernen völkischen( dies in gutem Sinne!) Kultur sein. Das legtere vermißte man schmerzlich in jenen recht durchschnittlichen Begrüßungsund Einführungsansprachen, und so ist man gezwungen, mit einer erheblichen Dosis Stepsis an diese Akademie heranzugehen. Das Wiener Philharmonische Orchester trifft Donnerstag in Berlin ein, um zweimal in der Philharmonie ein klassisches Symphonieprogramm unter Leitung Kleibers zu absolvieren. Dieses Ensemble hat den Ruf, das beste Orchester Europas zu sein, und das musikalische Berlin sieht seinen Darbietungen mit größter Spannung entgegen. Darüber hinaus aber hat die Reise der Wiener symbolische Bedeutung. Die Stadt, in der die größten symphonischen Meister flaffischer und neuerer Zeit von Beethoven und Haydn bis Bruckner und Mahler gewirkt haben, die Stabt, in dec das deutsche Lied Schuberts und der Walzer von Johann Strauß geboren wurden, grüßt mit seinen Sendlingen das deutsche Bolt, in dem Gesang und Symphonie, Lied und Musikdrama stärksten Stammes, eines Blutes, eines Gemeinschaftswillens find, treffen Boden und Heimat hat. Die Geister zweier Nationen, die eines fich in der Liebe zur Musik am schönsten. Der Anschlußgedanke fann nicht tiefer und finnvoller symbolisiert werden. So find auch Oberbürgermeisters zu verstehen als eine Besiegelung des die Reden des Reichstagspräsidenten Löbe und des Arschlußwillens. Wir grüßen die öfterreichischen Brüder, Defter reichs beste Musikanten. Eine Expedition zum Sonnenffudium. Die Geographische Gesellschaft von New Dort hat eine wissenschaftliche Expedition aus gerüstet, die sich nach Ostafrita und Marotto begeben wird, um dort Studien über die Sonnenhize, die Sonnenstrahlen und deren Veränderungen zu machen. Die Mitglieder der Expedition werden vier Jahre lang Tag für Tag die Veränderungen des Sonnenlichtes und seine Wirkungen studieren und registrieren. Sie hoffen, auf Grund dieser Arbeit in Zukunft mit Sicherheit und einige Tage im voraus die Bildung von Zyklonen und Gewittern, Don Stürmen, Regen, Nachtfrösten usw. tonstatieren zu fönnen. der Die Galerie Ferdinand Möller, Potsdam, Wolnerstr. 14, hat eine Aus stellung von Werken des frühverstorbenen Theo von Brodhusen veran staltet. Außer dieser Kollettivousstellung werden Einzelwerte von Künstlern „ Brüde" und Plaftifen von Stolbe, Lehmbruck und Scheibe gezeigt. Platatausstellung. Die Deutsche Bauzeitung" hat zur Erlangung mustergültiger Blafate ein Preisausschreiben beranflaltet, das mit 325 Arbeiten der deutschen graphischen Künstler befchidt wurde. Die Ausstellung dieser Ar beiten findet vom 18. bis 28. Juni in der Aula der Technischen Hochschule, fonntäglich von 10 bis 1 Uhr statt und ist allen interessierten Streisen toftenCharlottenburg, Berliner Straße 170/172, werttäglich von 10 bis 7 1hr, Das diesjährige Sommerfest der Genoffenschaft deutscher Bühnenangehörigen findet am Freitag, den 19., ab 6, Uhr nachmittags im una part statt. Der Eintritt beträgt 1,50 M. pro Person. Jede Eintrittstarte berechtigt zur unentgeltlichen Teilnahme an der Verlosung eines neuen Autos ( Bierfiger), das von der Firma Schebera geliefert wurde. Ein Opfer der KpD. Die menschenfreundliche KPD.- Zentrale. Bor längerer Zeit haben wir die Nachricht von der Verhaftung des früheren württembergischen Reichstagsabgeordneten Hans Stetter mitgeteilt und durch eine ganze Reihe von Einzelheiten belegt, wie die KPD.- Zentrale diesen Mann direkt der Polizei in die Arme getrieben hat. Die Rote Fahne" hat damals, wie gewöhnlich in ihrer Verlegenheit, sich mit einigen schnoddrigen Redensarten aus der Affäre zu ziehen gesucht. Wir können ihr heute mit einigen weiteren Einzelheiten dienen. Hans Stetter wurde bei den Dezembermahlen 1924 als Reichstagskandidat nicht wieder aufgestellt, trotzdem gegen ihn eine ganze Reihe Strafverfahren schwebten. Unter dem Druck der Ver: hältnisse in der Zentrale wurde er dann gezwungen, nach Frankreich auszuwandern. Man gab ihm einen falschen, auf den Namen eines Belgiers lautenden Baß, trotzdem man wußte, daß er kein Wort französisch redet. Ende Februar fam er nach Frankreich. Von der Zentrale erhielt er feinerlei Gehalt. Erst auf wiederholtes Drängen hat man ihm am 20. April 200 Mark als April. gehalt übermittelt! Davon sollte er in Frankreich und seine Familie in Stuttgart leben. Im Mai wiederholte sich das gleiche Schauspiel. Als er sich bei der Zentrale beschwerte, erhielt er die Nachricht von der Einsegung eines Schiedsgerichts. Unter dem Druck seiner Not und in der Abficht, zur Zentrale nach Berlin zu fahren, fehrte Stetter nach Deutschland zurück. Kaum hatte er die Grenze passiert, so wurde er in Mannheim verhaftet. Der Grund seiner Berhaftung ist Berrat feiner eigenen Parteigenoffen, denn die Sache hat sich folgendermaßen zugetragen: Stetter war auf dem Parteibureau der KPD. in Mannheim, wo noch eine Anzahl von Parteigenossen anwesend waren. In der Unterhaltung fällt durch einen Zufall der Name Stetter; zwei der betreffenden entfernen fich fofort darauf, und Stetter wird, als er furze Zeit darauf bei dem badischen Landtagsabgeordneten Kenzler zum Mittagessen war, von der Polizei verhaftet. Neben diesen Vorgängen haben sich aber auch noch eine Menge anderer Dinge abgespielt, die nicht weniger interessant find: Während Stetter sich im Auslande befand, erhielt seine Frau folgendes Schreiben: B. G.! Seit November v. J. befindet sich der Genosse Stetter in anderweitiger Verwendung der Partei. Wir haben für diese Zeit, insbesondere, um der Familie des Genossen St. im Falle einer Krankheit Arzt und Apothekertosten zu ersparen, die Krantenfaffenbeiträge weiterbezahlt. Der Genosse Köhler hat Ihnen bereits vor einigen Monaten erklärt, daß die Krankenkassenbeiträge von Ihnen der Partei zurückvergütet werden müssen, insbesondere, da der Genoffe St. den Gehalt von der Partei weiter bezieht. Wir möchten Sie ersuchen, uns für die Monate November bis einschließlich März den Betrag von 48,50 M. zurückzuerstatten.(!) Den Genossen St. haben wir als Krankenkassenmitglied abgemeldet und Sie, um Ihnen die Möglichkeit zu geben, nachher als freiwilliges Mitglied fich anmelden zu können, bei der Krantenfaffe angemeldet. Wir ersuchen um baldmöglichste Er ledigung dieser Angelegenheit. Mit tommunistischem(!) Gruß Die Bezirksleitung Württemberg Pol- und Orbüro der KPD." Und dieses, trozdem die Herrschaften wußten, daß sie fast voll ständig mittellos dasteht. Außerdem wurden ihr am 29. Ja ruar die Möbel im Werte von 230 m. gepfändet, weil die Parteileitung sich weigerte, für Stetter die im Interesse der Parteitätigteit verhängten Geld. strafen zu bezahlen. Nur dem Umstande, daß die bürgerlichen Richter mehr soziales Empfinden hatten als die Partei leiter der Kommunistischen Partei, ist es zu danken, daß heute noch die Möbel Eigentum der Familie Stetter geblieben sind. Nun kommt aber noch das Schönste: Die Schwäbische Tagwacht" in Stuttgart hat im Anschluß an die Verhaftung von Stetter diese auch hier erwähnten Tatsachen festgenagelt. Daraufhin murde die Frau Stetter durch Eilbrief vor das Stuttgarter Bezirksbureau geladen, wo man von ihr nicht mehr und nicht weniger verlangte, als eine Erklärung abzugeben, in dem Sinne, daß all das, was in der„ Tagwacht" gestanden habe, unwahr sei. Selbstverständlich weigerte sie sich, dies zu tun, worauf die Herr schaften auf den grandiosen Einfall famen, in der„ Mannheimer Arbeiterzeitung" nachstehende Ertlärung zu veröffentlichen: Ich bin es gewohnt, derartige verlogene Berichte über meine Berson und die Zentrale von der SPD. in die Weft gesetzt zu sehen. Ich habe daher selbst mehrere Male öffentlich die SPD. Sudeleien richtiggestellt. Zu der Nichtauszahlung des Sekretärgehalts und der Pfän dung meiner Möbel muß ich erklären, daß ich bis Ende März d. J. mein Gehalt pünktlich und regelmäßig erhielt. Wenn später etliche Male mein Gehalt mich im Auslande nicht so pünktlich erreichte, so lag das an der Schwierigkeit der Verbindung. Meine Möbel oder sonst ein Stück Hausrat sind überhaupt nicht gepfändet worden, weil alles restlos von der Bartei und dem Verlag bezahlt wurde. Die ganze Pfändungsgeschichte eristiert daher nur in den schmutzigen Hirnen der SPD.Redakteure." Zur Beröffentlichung dieser Erklärung soll Hans Stetter die ,, Mannheimer Arbeiterzeitung" ermächtigt haben. Diese Behaupfung ist von A bis 3 erlogen; denn er hat diese Erklärung weder abgefaßt noch irgendwie jemand beauftragt, in seinem Namen diefelbe zu veröffentlichen. Der Fall Stetter ist in der KPD. nur einer von vielen. So wie Stetter ist es Hunderten ergangen, und heute noch irren diese Opfer der kommunistischen Zentrale in der ganzen Welt umher, während ihre Familien der bittersten Not preisge geben sind. Für die kommunistische Zentrale dienen dann solche Borgänge wie die Verhaftung Stetters nur zum Vorwand, um eine verlogene Heze gegen andere Doin Stapel zu lassen. So hat die„ Rote Fahne" die Stirn gehabt zu behaupten, die Berhaftung Stetters tomme auf das Schudkonto des badischen Innenministers Remmele. Die Rote Fahne" weiß selbstverständlich ganz genau, daß die Kriminalpolizei in Baden dem Justiz minister untersteht, der ein Zentrumsmann ist. Aber darauf kommt es für die Kommunisten nicht an, für sie ist die Hauptsache, daß eben gegen die Sozialdemokratie gehegt wird. Das Beispiel des verhafteten Stetter zeigt, wie gewiffenlos die kommunistische Zentrale mit ihren Anhängern umgeht, wenn sie fie preisgeben will. Jede einfachste menichliche Rüdsicht fällt für die heuchler der KPD.- 3entrale fort. Der Reichstag hat um so mehr die Pflicht, diesen unglücklichen Opfern der kommunistischen Butschtaktik zu helfen und dafür zu sorgen, daß endich die so lange angekündigte Amnestie zur Wirklichkeit wird. Attentat in Palästina. Nach einer Meldung aus Jerusalem ift der englische Gouverneur von Südpalästina in Hebron durch einen Revolverschuß von einem Unbekannten ermordet worden, der die Flucht ergreifen fonnte. Die englischen Behörden haben erklärt, daß, wenn der Mörder nicht gefaßt werden sollte, die Stadt eine hohe Strafe zu bezahlen haben würde. Eine Bootstaufe. Wassersport im Waisenhaus. Die Freude am Paddelsport hat auch die Kinder des Waisen hauses Rummelsburg angestedt. In einer so günstig am hauses Rummelsburg angestedt. In einer so günstig am Wasser gelegenen Anstalt konnte das gar nicht ausbleiben. Schon immer muß in den Jungen sich der Wunsch geregt haben, auf der gondeln zu dürfen. Schließlich hatte ein Lehrer der Anstalt den lockenden Fläche des Rummelsburger Sees im eigenen Boot umherEinfall, zusammen mit den Kindern im Bertunterricht versuchsund das Werk gelang. Als der weise ein Paddelboot zu bauen Erstling vm Stapel gelaufen war und die Wellen des Rummelsburger Sees durchquerte, spornte der Erfolg zu einem zweiten Bersuch an und auch der glückte. Dann aber nahm der treu zur Anstalt haltende Verein ehemaliger Zöglinge des Waisenhauses Rummels. burg sich der Sache an und brachte durch ein von ihm veranstaltetes Konzert die Mittel für ein drittes Boot auf, das fertig gekauft wurde. Und zuletzt fand sich noch ein ein gebefreudiger Freund des Waisenhauses, der Geld zum Ankauf eines vierten Bootes spendete. Am Montag gab es in dem alten schönen Part der Anstalt ein bootflotte galt. Oberbürgermeister Böß, Stadträtin Weyl, Erschlichtes Fest, das der Taufe dieser kleinen Paddelzichungsdirektor Knaut, Direktor Blum von der Anstalt Lindenhof" und andere in der städtischen Jugendwohlfahrtspflege mitarbeitende Männer und Frauen sowie Vertreter des Vereins der ehemaligen Rummelsburger 3öglinge waren unter den Gästen und erfreuten sich an dem schönen Bild, das die auf dem Festplat sich tummelnden Kinder, vor allem die Mädchen im Schmud ihr er farbigen Sonntagskleider, boten. Vom Lichtenberger Lindenhof" waren die Jungen mit ihren Blasinstrumenten herbeigekommen, um die Gäste mit musikalischen Darbietungen zu unterhalten. Auf dem Festplaz standen nebeneinander die vier Boote, bekränzt mit Gir landen aus Eichenlaub. Waisenhausdirektor Seyher begrüßte die Gäste und erinnerte in seiner Festrede an die im Waisenhaus Rummelsburg schon seit vielen Jahrzehnten getriebene Pflege des Spieles, des Schwimmsports, des Eislaufs, zu denen nun endlich auch der Rudersport tommt. Dann wurde die Taufe der Boote vollzogen. Oberbürgermeister Böß wies auf die gesundheitliche Bedeutung der Leibesübungen für die Entwicklung der Jugend hin und taufte ein Boot auf den Namen Jugend". Stadträtin Weyl sprach von der Freude der Kinder am Spiel und erwähnte, daß einmal ein Junge, der seinen Wunsch nach einem Ball nicht auszusprechen magte, auf ihre indringliche Frage, ob denn das, was er wünschte, etwas so unerfüllbar Großes sei, ihr treuherzig antwortete: Wenn de willst, denn fannst e." Die Kraft dieses Wenn de willst, denn kannste" habe sich auch bei der Entstehung der fleinen Bootflotte gezeigt, die den Kindern neue Freude bringt. unsere Freude" taufte sie das zweite Boot. Der Verein der ehemaligen Rummelsburger 3öglinge will in demjenigen Boot, deffen Ankauf er durch Beschaffung der Mittel ermöglicht hat, den früheren Waisenhausdirektor Bilski ehren, den die früheren Zöglinge in dankbarer Erinnerung haben. Ein Vertreter des Vereins gedachte des Wirkens dieses trefflichen Mannes und taufte das Boot Wilski". Als letzter kam der selbstgebaute Erst ling daran, das Boot, das der Liebling der Kinder geblieben ist. Lehrer UI mer, der den Bau geleitet hat, taufte das Boot Lieb ling". Danach wurden die vier Boote von den jubelnden Kindern auf die Schultern genommen und unter Vorantritt der Lindenhofer Kapelle und dem Geleit der Festteilnehmer zum Wasser hinabge tragen, und bald paddelten die Jungen stolz und vergnügt auf dem See umher. Zum Schluß ließen sich Ehrengäste und Waisenkinder auf dem Festplag an einer Kaffeetafel nieder und erfreuten sich an Turnübungen der Jungen, an Reigentänzen der Mädchen und an dem Konzert der Lindenhofer. n " " Die Zustände auf den Telephonämtern. Die Oberpostdirektion hält die Aufsichtsbeamten für beleidigt. Der„ Borwärts" brachte am 17. Dezember 1924 in Nr. 594 einen Artikel, der eine Schilderung des Betriebes auf den Telephonämtern gab und sich dabei auf die Darstellung eines der Postverwaltung sonst feineswegs unfreundlich gesinnten on Berlin den Vorwurf gegen die Aufsichtsbeamten, daß gegen Fachblattes stüßte. In diesem Artifel sah die Oberpostdirekdie durch ihren Beruf überanstrengten und nervösgemachten Telephonbeamtinnen zu rigoros vorgegangen werde, und fie stellte Strafantrag gegen den Vorwärts"-Redakteur Genossen Friß ar städt. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte, das heute über die Sache zu verhandeln hatte, scheiterte der vom Borsigenden gemachte Vergleichsversuch daran, daß Genosse Karstädt es ablehnte, die allgemeinen Vorwürfe gegen das System der Aufsichtsführung zurückzunehmen. Nur in Einzelheiten, die sich gegen bestimmte Personen richteten, war er zur Zurücknahme bereit. Die Ober postdirektion erklärte durch ihren Vertreter, sie habe bei Unterfuchung der Vorgänge nichts zu bemängeln gehabt. Ihr sei aber darum zu tun, daß die Dinge durch diesen Prozeß flargestellt werden. Das Gericht tam zu einer Bertagung. Zum nächsten Termin Ge= sollen die Akten von der Oberpoftdirektion vorgelegt werden. noffe Karstädt hat durch seinen Berteidiger, Rechtsanwalt Otto Landsberg, den Wahrheitsbeweis angeboten. Ein Dummerjungenstreich. Mehr als vier Stunden beschäftigte die unverständliche Tat eines Steuersekretärs St. das Schöffengericht Berlin- Wedding. Er war wegen Urkundenfälschung. Unterschlagung und Üebertretung unter Antlage gestellt worden. St. war ein Kunde und zugleich guter Bekannter des Schuhmachermeisters Th. Da dieser in Steuerangelegenheiten nicht gut bewandert war, wandte er sich oft vertrauensvoll an St., der ihn dann freundschaftlich beriet. Bor längerer Zeit besuchte St. eines Abends wieder den Schuhmacher und fam auch auf die Rhein- Ruhr- Abgabe zu sprechen. Als Th. ihm sagte, er hätte ja seine beiden Raten schon bezahlt und fäme für eine nochmalige Veranlagung nicht mehr in Frage, meinte St., es wäre trop dem nicht ausgeschlossen, daß er noch einmal etwas zahlen müsse. Am nächsten Morgen flog ihm auch schon durch die Bost ein Mahnzettel auf den Tisch in Höhe von ungefähr 65 Mart, zahlbar an das Zentralfinanzamt, bei dem St. tätig war. Ber mundert und zugleich empört über die Aufforderung ging er sogleich nach dem Amt, um Einspruch dagegen zu erheben. Hier wurde ihm von mehreren Umfrage haltenden Beamten der Bescheid erteilt, einen Beamten mit dem Namen des Unterzeichners des Mahnzettels gäbe es auf dem Amt nicht, ebenso läme das Zentralfinanzamt für die Beranlagung fleiner Gewerbetreibender gar nicht in Frage. die Veranlagung kleiner Gewerbetreibender gar nicht in Frage. Nachdem sich Th. noch einen diesbezüglichen Vermert auf dem Steuerzettel machen ließ, um eine Unterlage für den vielleicht doch erscheinenden Steuereinzieher zu haben, wollte er sich entfernen. Auf der Treppe begegnete ihm zufällig(?) der befreundete Angeklagte St. und fragte ihn nach dem Grund seines Hierjeins. Als ihm Th. den sagte, nahm er ihn den Mahnzettel ab und sagte ihm, er werde versuchen, den Urheber der Sache festzustellen. Th. verlangte aber in den nächsten Tagen von St. den Steuerzettel wieder, dem dieser auch nachkommen wollte. Der Steuerzettel verschwand aber plößlich auf unerflärliche Weise aus dem Gewahrsam des St. Er schrieb nun eine Bescheinigung aus, daß Th. feine Steuern zu und gab sie Th. Diesem stiegen aber inzwischen Zweifel auf, wes zahlen hätte, versah sie mit dem Dienststempel seines Borgesezten halb er die Angelegenheit vor Gericht brachte. Der Berteidiger Et.s versuchte, dem Gericht flarzulegen, daß St. ja gar nicht in den Befik des Geldes gelangen fonnte, weil er durch den beigefügten Postscheck im Falle der Einzahlung der Kaffe zugegangen wäre. Benn St. im Falle des Gelingens doch feinen Borteil gehabt hätte, fönne er auch nicht der Anstifter sein. Das Gericht war aber anderer Auffaffung und verurteilte den Angeflagten zu 150 Mart Geld strafe und 1 Monat Gefängnis. Für die Gefängnisstrafe erhielt er bei Zahlung einer Geldbuße von 200 m. in vier Monatsraten 3 Jahre Bewährungsfrist. Der Staatsanwalt hatte 9 Monate und 1 Woche Gefängnis, 3 Jahre Ehrverluft und 50 m. Geldstrafe beantragt. Das Gericht erblickte aber in der Sache einen Dummenjungenstreich, was sie ja auch ohne Zweifel war. Unverständlich bleibt es dennoch, wie ein Beamter, schon 35 Jahre unbescholten im Dienst, auf solche gefährlichen Scherze verfallen und damit seine Stellung und sein Ansehen aufs Spiel setzen fann. Festnahme und Untersuchungshaft. Eine Bersammlung des Berliner Anwaltvereins. Kürzlich fand im Ingenieurhaus in der Sommerstraße eine stark besuchte Versammlung des Berliner Anwaltvereins statt. Sie be schäftigte sich mit den Fragen, die sich aus Handhabung der Fest nehme und der Untersuchungshaft ergeben. Rechtsanwalt Dr. Alsberg mies zunächst in äußerst fachlichen Ausführungen auf die Mängel hin, die den Rechtsgarantien des Beschuldigten im Untersuchungsverfahren innewohnen. Er erörterte weiterhin die Möglichkeiten ihrer Beseitigung. Logit und Menschlichkeit fordern, daß jeder Festgenommene spätestens am Tage nach der Festnahme dem Richter vorzuführen ist. Voraussetzung der vorHaftbefehles auf Grund von festgestellten Tatsachen sein. In unläufigen Festnahme muß jedoch das Vorliegen eines richterlichen zähligen Fällen der Praxis find hier die für eine gerechte Justiz selbstverständlichen Gebote überschritten worden; oftmals wurden Haftbefehle erlassen, und tage, wochen, ja sogar monatelang aufrechterhalten, die bei einwandfreiem Vorgehen niemals erlassen worden wären. Wir haben es fernerhin gerade in der letzten Zeit oftmals erlebt, daß von der Untersuchungshaft in Ausmaßen Gebrauch gemacht worden ist, die durch die Strafprozeßordnung feines falls gerechtfertigt sind. Der Redner ging meiterhin näher darauf ein, welches bei finngemäßer Auslegung des Gesezes und bei Beachtung der Auslegungen die Vorausseßungen zum Erlassen eines Haftsbefehls find, er beanstandete fernerhin die immer und immer wieder für Haftbefehle gegebene Begründung, daß Fluchtverdacht" vorliege. Zahlreiche Verfahren, in denen er vorschnell Festge= nommene lange Zeit in Untersuchungshaft saß, endeten mit Einstellung oder späterer Freisprechung. Die Justizverwaltungen der Länder haben die rechtliche und moralische Pflicht, sämtlichen, also auch diesen Mängeln der Rechtspflege ehrlich nachzugehen und fie abzustellen, und vor allen Dingen ist es sofortige Notwendigkeit, die Untersuchungshaft mit allen Mitteln auf das äußerste zu beschränken; an Hand einer Statistit mird leicht der Nachweis erbracht worden sein, daß bei solchem Vorgehen die Gefahr des Fluchtverdachts abnehmen wird. Will die Justiz das bei weiten Kreisen verlorene Bertrauen zurückgewinnen, so muß freilich auch in vielen Punkten das Gesez abgeändert werden. Wenn Tatverdacht begründet wird, so ist unbedingt zu verlangen, daß das Vorgehen der Justizbehörden auch durch einzelne Tatsachen belegt wird. Fernerhin darf nicht der Fluchtverdacht mit der Höhe der zu erwartenden Strafe allein begründet werden, ihn müssen auch die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wahrscheinlich machen. Es ist außerdem zu fordern, daß die Untersuchungshaft nicht einen Tag länger aufrechterhalten wird, als es unbedingt nötig ist. Alsberg ging weiterhin auf die Vollziehung der Untersuchungshaft ein und fritisierte sie im allgemeinen und den Geheimerlaß des preußischen Wohlfahrtsministeriums im besonderen. Wenn auch die Fesseln des Rechts, so schloß der Redner unter starkem Beifall, und die Bande der Humanität von unserer Justiz unbewußt abgestreift worden sein mögen, so schadet ihr dennoch nichts mehr, als wenn sie es nicht versteht, Borbild für die Staatsbürger zu sein, die sie zu rechtlichem Denken und Tun erziehen soll. Anschließend sprach Rechtsanwalt Graf PestalozzaMünchen über Sie psychologischen Wirkungen von Festnahme und Untersuchungshaft. In der Diskussion ergriff Senatspräsident Großmann das Wort zu eindrucksvollen Ausführungen über den Geift der Bureaukratie in der Justiz. Nach einer lebhaften Aussprache zwischen Justizrat Löwenstein und Landgerichtsdirektor Siegert schloß die Versammlung mit dem Auftrag an Dr. Alsberg, einen Gesezentwurf über die fraglichen Punkte für den Anwaltsverein auszuarbeiten. Reichstreffen der ZDA.- Jugend in Bielefeld. gesamte Jugend des Berbandes in Bielefeld zu einer gewaltigen Wer will am 28. und 29. Juni zu Hause bleiben, wenn sich die Kundgebung versammelt? Kommt alle mit, der Reichsjugendtag wird für die Beteiligten ein Erlebnis, er wird eine Erinnerung für das Leben werden! Jeder Teilnehmer am Reichsjugendtag muß folgendes bestimmt beachten: Die Teilnahmegebühr( 2, bzw. 3 M.) sowie das Fahrgeld für die Hinfahrt( 8,20 m.) nach Bielefeld müssen bis zum 15. Juni eingezahlt. sein. Die Eintassierung erfolgt durch die Gruppenleiter, die das Geld an das Jugendsekretariat abführen. Abfahrt nach Bielefeld am Freitag, den 27. Juni, abends 11,56 Uhr Dom Schlesischen Bahnhof. Treffpunkt pünktlich um 11 Uhr vor dem 7,03 Uhr in Bielefeld ein. Nachzügler fahren am Sonnabend abends 11,56 vom Schlesischen Bahnhof. Treffpunkt und Ankunft wie oben. Rückfahrt von Bielefeld am Montag abend 10,58 Uhr mit dem Zuge, der Dienstags morgens um 6,22 Uhr in Berlin, Schlesischer Bahnhof, eintrifft. Ferienfahrt vor dem Reichsjugendtag nach dem Weserbergland. Beginn Sonntag, den 21. Juni, ( Abfahrt Sonnabend abends), Führer Koll. Heinz Many. Die Teilnehmer an dieser Wanderung treffen am Sonnabend, den 27. Juni, in Bielefeld ein. Ferienfahrt anschließend an den Reichsjugendtag nach dem Weserbergland. Beginn Montag, den 29. Juni, Abfahrt von Bielefeld. Bei den Wanderungen ist ein Besuch der Städte Hameln, Hannover, Hildesheim vorgesehen. Meldungen bis zum 12. Juni an das Jugendsekretariat, Belle- Alliance- Str. 7/10. Haupteingang Madaistraße. Der Zug trifft Sonnabend morgens Großer Dachstuhlbrand in der Kaiserallee. In dem Hause Raiserallee 69 in Friedenau brach heute morgen gegen 28 Uhr ein Dachstuhlbrand aus, der infolge des herrschenden Windes mit großer Schnelligkeit um sich griff. Mehrere Löschzüge eilten auf den Alarm sofort herbei, und erst nach stundenlangem fräftigen Wassergeben gelang es, gegen 1 Uhr mittags den Brand zu bewältigen. Die oberen Stockwerte sind teils vom Feuer teils von den Wassermengen start in Mitleidenschaft geogen. Unter der großen Rauchentwicklung hatten die Wehrleute schwer zu leiden, und ist bedauerlicherweise der Feuerwehrmann Darger durch eine große Stichflamme schwer verezt worden. Er fand in einem nahegelegenen Sanatorium Aufnahme. Der Dachstuhl des Gartenhauses ist völlig vernichtet, ebenso sind die Bodenverschläge im Vordergebäude völlig ausgebrannt. Selbstmord oder Verbrechen? Spaziergänger fanden gestern etwa 100 Meter hinter dem Potsdamer Luftschiffhafen bis zu den nien im Waffer die Leiche eines jungen Mädchens. Die Tote wurde als das 19jährige Dienstmädchen Frida Frenzel aus Botsdam ermittelt. Sie war in einer Weingroßhandlung in der Waisenstraße beschäftigt und ging am Sonntag vergnügt zum Ausgang fort. Die Leiche ist beschlagnahmt. Groß- Berliner Parteinachrichten. 5. Kreis Friedrichshain. Abteilungsleiterinnen! Freitag, den 19 Juni, abends 7 Uhr: Kurze Besprechung bei Rofin, Gubener Straße 19. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. 19. Kreis Pantow. Freitag, den 19. Juni, 7 Uhr, Kreisbelegiertenversammlung im Jugendheim, Breite Straße. 17. Kreis Lichtenberg. Bildungsausschuß! Donnerstag, ben 18. Juni, 8 Uhr, in der Bibliothet Weichselstraße 28. Tagesordnung: Ausgabe der Karten zum Sommerfest und Aufstellung des Programms. Jungsozialisten- Hamburgfahrer. Die Probe zum Spiel ber Berliner auf dem Sam, burger Jugendtag finbet Donnerstag, ben 18, Juni, plintlich 48 Uhr abendsin der Schule Gipsftr. 25a( 8entrum) patt Gewerkschaftsbewegung Die Aussperrung in der Holzinduftrie. Nach den Feststellungen des Deutschen Holzarbeiterverbandes beträgt die Zahl der Ausgesperrten in ganz Deutschland gegenwärtig 29 000. Diese Zahl wird sich, wenn überhaupt, nur noch wenig er: höhen. Nichts kennzeichnet besser das frivole Vorgehen der Holzindustriellen als der Beschluß des Verbandstages der fäch sischen Tischlermeister, den wir in unserem heutigen Morgenblatt bereits wiedergegeben haben. In diesem Beschluß wird ausdrücklich festgestellt, daß die Unternehmer zur Aussperrung griffen, ehe die Berhandlungsmöglich feiten erschöpft erschöpft waren. Diese Feststellung des Verbandes der fächsischen Tischlermeister ist zugleich ein schallendes Dementi auf die verlogenen Be hauptungen des Arbeitgeberverbandes der Holzindustrie. Auch der Borwurf, der gegen den Reichsarbeitsminister erhoben wird, ist durchaus zutreffend. * Weimar, 17. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Meldungen bürgerlicher und kommunistischer Blätter über den Umfang der Aussperrung der Holzarbeiter in Thüringen, nach denen in Thüringen 28 000 Ausgesperrte zu verzeichnen seien, müssen als phantastisch übertrieben bezeichnet werden. In Thüringen beträgt die Zahl der ausgesperrten Holzarbeiter etwa 2500, wovon u. a. auf Jena 60, auf Gera 470, auf Altenburg 250 und Weimar 250 Holzarbeiter entfallen. Die Klein- und Mittelbetriebe sind durchweg der Aussperrungsparole nicht gefolgt. Von der Aussperrung ist der ganze Sonneberger Bezirk unberührt geblieben. mo München, 16. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Aussperrung un bayerischen Holzgewerbe hat sich bisher nur in den Großstädten München und Nürnberg Fürth ausgewirkt, der größere Teil der Großbetriebe die Arbeiterschaft entlassen hat. Der Rest der Betriebe soll der Aussperrung noch in dieser Woche folgen. Die Großbetriebe in Augsburg haben sich bisher an der AusSperrung nicht beteiligt. Die Aussperrung in Bayern wird überhaupt insofern nur partiell sein, als der bayerische Schreinermeisterverband, dessen Mitglieder rund 5000 Holzarbeiter gegen 8000 in den Großbetrieben beschäftigen, wie bereits gemeldet, in ein neues Vertragsverhältnis eingetreten ist. Die 7. Internationale Arbeitskonferenz. ( Von unserem Genfer Korrespondenten.) Am 10. Juni beendete die 7. Internationale Arbeitskonferenz ihre diesjährige Tagung. Sie hat zwei Konventionsentwürfe angenommen, die aus dem vorigen Jahr zur endgültigen Lesung übernommen worden waren. Der erste betraf den Entwurf über die Gleichbehandlung fremder Arbeiter mit den einheimischen Arbeitern bei Unglücksfällen, der zweite die Unterdrückung der Nachtarbeit in den Bäckereien. Ebenso hat sie zwei Konventionsentwürfen ihre Zustimmung gegeben, die beide für die Praxis von großer Wichtigkeit sind; der eine betrifft die Entschädigung bei beruflichen Unglücks fällen, der andere die Entschädigung bei Berufstrantheiten. In der Frage der Einführung einer wöchentlichen Rubeschicht in Glasbläsereien mit Wannenöfen ist durch den Widerstand der Arbeitgeber leider die vorgesehene Lösung rereitelt worden. Während der Arbeitnehmerantrag grundsätzlich den Sonntag als Ruhetag eingeführt sehen wollte, hat der Wider: spruch der Arbeitgeber es ermöglicht, daß es dem Ermessen der einzelnen Regierungen überlassen bleibt, in welcher Weise sie auf Grund besonderer Verhandlungen mit den Gewerkschaften eine wöchentliche Ruheschicht durchführen wollen. In der sehr interessanten Frage der Einführung allgemeiner Grundlinien für eine tommende Sozialversicherung ist noch fein endgültiger Beschluß gefaßt worden, indessen kann man wohl sagen, daß die Diskussion über diese Angelegenheit sich nicht nur auf einem außerordentlich hohen Niveau bewegte, sondern auch für die spätere praktische Durchführung jetzt schon sehr wertvolle Anregungen und Möglichkeiten eröffnet hat. Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, daß in einer der Kardinalfragen der gesamten europäischen Arbeiterschaft, nämlich der Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag, tein wesentlicher Fortschritt verzeichnet werden konnte. Wie der Bericht des Direktors mitteilte, blieben die Widerstände gegen die Ratifizierung bei den Regierungen der Hauptindustriestaaten nach wie vor bestehen. Alle platonischen Erklärungen dürfen auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, daß das Werk der Ratifizierung nur im entsprechenden Verhältnis zu dem politischen und wirtschaftlichen Stärteverhältnis der Gewerkschaften in den verschiedenen Ländern selbst sich vollziehen wird. Bruderorganisationen in enge Fühlung zu treten, und der in menigen Tagen zu erwartende Besuch des Sekretärs der japanischen Gemertschaft, des Genossen Suzuki in Berlin, wird auf diesem Gebiet wertvolle Anregungen jeder Art geben. Die Dampfkesselüberwachung. Die Ueberwachungsvereine geben ihren Widerstand auf. In einer Kleinen Anfrage wurde von einigen fozialdemofratischen Landtagsabgeordneten darauf hingewiesen, daß, nachdem mit vieler Mühe in der Frage der Arbeiterausschüsse eine Verständigung erzielt worden sei, der Vorstand des Zentralverbandes der Dampftesselüberwachungsvereine erneut Quertreibereien zu machen versuche. In einem Rundschreiben, das auch dem Minister für Handel und Gewerbe zugesandt wurde, dehnten fie die Mitwirkung an den von dem Minister in Aussicht genommenen Arbeitsausschüssen und dem Hauptausschuß sowie die Festlegung anderer Richtlinien für die Einstellung der Betriebskontrolleure, als fie in Hannover anerkannt seien, ab. Gleichzeitig verpflichteten sich die Vereine zu einer Reihe weiterer Maßnahmen, wie die, ihren Geschäftsführern den Eintritt in die Arbeitsausschüsse nicht zu gestatten, bei Anstellung der Betriebskontrolleure jegliche Einmischung der Gewerkschaften abzulehnen u. a. m. Das Staatsministerium wurde gefragt, was es zu tun gedente, um die Gemeinschaftsarbeit endlich durchzuführen und was es gegen diese Quertreibereien zu unternehmen beabsichtige. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Ministers für Handel und Gewerbe entnimmt, hat der Zentralverband der Preußischen Dampfkesselüberwachungsvereine den genannten Beschluß nicht aufrechterhalten. Vielmehr hat er in seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung am 23. Mai d. J. in Hannover einen Beschluß gefaßt, der den Anforderungen des ministeriellen Erlasses vom 20. November 1924 hinsichtlich der Gemeinschaftsarbeit Rechnung trägt und eine baldige Meldung über die Durchführung dieses Beschlusses in Aussicht gestellt. Voraussichtlich wird es daher nicht notwendig werden, gegen Dampffesselüberwachungsvereine mit der Entziehung der ihnen übertragenen obrigkeitlichen Befugnisse vorzugehen. Schiedsspruch in der Musikinstrumentenbranche. Ungefähr 3000 Musikinstrumentenmacher Berlins nahmen am Dienstag abend in den Orpheum- Sälen in der Hafenheide Stellung zu dem am gleichen Tage gefällten Schiedsspruch. Dorn gab von den vorher gepflogenen Berhandlungen den Bericht. Er schilderte, wie die Unternehmer es verstanden, den Abschluß eines neuen Lohnabkommens bis zu dem heutigen Tage hinauszuschieben. Schließlich gelang es doch, zu Verhandlungen zu fommen. Nun verfuchten die Unternehmer an Hand von Statistiken nachzuweisen, daß der erzielte Verdienst gegenüber der Vorfriegszeit ein erheb= lich höherer sei und sie nicht imstande wären, weitere Lohnerhöhungen zu tragen. Denigegenüber führte die Verhandlungskommission ins Feld, daß die Erhöhung der Löhne bei weitem in feinem Berhältnis zu den jetzigen Verkaufspreisen und den hohen Lebenshaltungskosten stehe. Bei einem Fabrifat der Gruppe C 3. B. ist der Lohn gegenüber Borkriegszeiten 25 Proz. höher, während der Verkaufspreis um beinahe 150 Broz. gestiegen ist. Das eingesetzte Schiedsgericht fällte endlich nach langer Beratung einen Schiedsspruch, dessen Inhalt im wesentlichen eine 5 proz. Erhöhung der Löhne und Akkorde vorfieht. Der Tariflohn beträgt demnach für Arbeiter über 20 Jahre 95 Pf. Wenn diese Lohnerhöhung auch nicht den Wünschen der meisten entspricht, so empfiehlt die Verhandlungskommission aus taktischen Erwägungen heraus die Annahme des Schiedsspruchs. So gering das Ergebnis auch sei, müssen sich die Musikinstrumentenarbeiter doch vorbehalten, in den Kampf zu gehen, wenn sie es für zweckmäßig halten. In der Diskussion fehlte auch der kommunistische Revolutionär" nicht, der aber wenig Anklang fand. Die Abstimmung ergab sodann die Annahme des Schiedsspruchs. Zum Schluß hielt Boese eine tiefempfundene Ansprache an die Mitglieder, die seit 25 und mehr Jahren dem Verbande die Treue gewahrt haben. Es wurden hierauf diesen Beteranen der Gewerkschaftsbewegung Ehrendiplome überreicht. Schiedsspruch im Hafenarbeiterstreik der Rheinhäfen. Dortmund, 17. Juni.( TU.) Im Lohn- und Manteltarifftreit der Hafenarbeiter der Rheinhäfen wurde heute ein Schiedsspruch gefällt, der den Manteltarif mit einigen Aenderungen wieder in Kraft feßt. Ab 1. Juni tritt eine Lohnerhöhung von fünf Prozent ein. Die Arbeitsaufnahme soll möglichst sofort erfolgen. Erflärungsfrist bis 17. Juni nachmittags drei Uhr. Gemeindearbeiterstreik in Kassel. Kaffel, 17. Juni.( WTB.) Die städtischen Arbeiter sind gestern wegen Lohndifferenzen in den Streit getreten. Die Notstandsarbeiten in den lebenswichtigen Betrieben werden vorläufig weitergeführt. Es sind Verhandlungen eingeleitet worden, um die Beilegung des Streits sobald wie möglich zu erreichen. Zum Streit in der belgischen Metallindustrie. Brüffel, 17. Juni.( TU.) Der Streit in der Metallindustrie von Charleroi ist allgemein geworden. In allen Werfen sind BorArbeitsbereitungen getroffen, um die Hochöfen zu löschen. Die Arbeitervereinigungen haben die Unternehmer wissen lassen, daß die Arbeiter volle Freiheit hätten, um die Notstandsarbeiten zu verrichten. Es wird berichtet, daß auch in anderen Industrien die Streitbewegung zunimmt. Das erstemal seit ihrem Bestehen hat die diesjährige fonferenz im Zusammenhang mit der Erledigung ihrer Tagesordnung politische Aufgaben von außerordentlicher Tragweite behandelt. Das Zusammenarbeiten der Arbeitervertreter mit den Gewerkschaftsvertretern von Japan und Indien war während der abgeschlossenen Tagung z. B. ein außerordentlich freundschaftliches. Im Zusammenhang mit den blutigen Vorfällen in Schang hai und der sozialen Bewegung in China betonten die europäischen Arbeitervertreter die Notwendigkeit der Interessen: folidarität und des Zuſammenarbeitens mit den Arbeiterkreiſen des fernen Ostens. Der Anschluß des bedeutenden japanischen Gewerkschaftsbundes an Amsterdam wird voraussichtlich in einiger Zeit zur Tatsache werden. Außerdem dürfte im Herbst dieses Jahres ein panasiatischer Gewerkschaftston greß in Schanghai stattfinden, zu dem die Amsterdamer Internationale geladen ist. Vor allem aber legen die japanischen Gemertschaften besonderen Wert darauf, gerade mit den deutschen Derliner ElektrikerBerliner Genossenschaft angeschl, dem Verb. sozialer Baubetriebe Berlin N24, Elsässer Str.86-88 Fernsprecher: Norden 1198 Filiale Westen, Wilmersdorf Landhausstr. 4 Tel. Pfalzburg 9831 Herstellung elektr. Licht, Kraft• • und Signalanlagen Verkauf aller elektrischer Bedarfsartikel. Ausführung sämtl. Reparaturen Preiswerte, gediegene Arbeit A. Behmei- Schwarzbachs Kaufmännische Privatschule ( Inh. F. Eggert) Neukölln. Anmeldung. Ganghoferstr.1 und Berliner Str. 82( Privatwohnung) Beginn neuer Jahres- und 1/ 4- Jahreslehrgänge, Fernspr.: Neukolln 1063 Eine Ente. die von uns in der Abendausgabe vom Montag verbreitete Meldung Bom Deutschen Eisenbahnerverband wird uns mitgeteilt, daß der Telegraphen- Union über die Schließung von Wert Wirtschaft Dezentralisation und Ausbau der Betriebe. = Der Ab- und Umbau im Stinnes Konzern hat die Frage afut gemacht, inwieweit in der Beseitigung der innerbetrieblichen Ueberorganisation, im Abbau von Beteilt. gungen und nicht voll genugten Fabrikationsanlagen und in der der bleibenden gründlichen technischen Vervollkommnung Kernwerke ein Mittel zur Behebung der herrschenden Industrieund Kreditkrise liegt. Zu dieser Frage wurden in der Generalversammlung der Hirsch Kupfer- und Messingwerke A.-G. Erfahrungen mitgeteilt, die von allgemeinem Interesse sind und festgehalten zu werden verdienen. Auf Die Hirsch Kupfer hat, wie bekannt, trotz erheblicher Verluste am Metallfonzern und obwohl in der ersten Hälfte des Jahres 1924 von Gewinnen kaum die Rede sein fonnte, eine Dividende Diese von 6 Proz. auf das Kapital von 12 Millionen verteilt. Tatsache buchte Herr Hirsch als Ausdruck vollen Erfolges des bei der Hirsch Kupfer durchgeführten Abbaues und der gleichzeitig aufs höchste ausgebauten technischen Leistungsfähigkeit der Betriebe. Abgebaut wurde die bisherige vollständig zentrale faufmännische Leitung. Die Braris habe gelehrt, daß der überspannte faufmännische Zentralismus ein Organifationsfehler mit doppelten Untoft en gewesen sein würde, wenn man ihn beibehalten hätte. Von der Zentralstelle würden und Verkauf bei den Werken selbst, die Endzahlen gesammelt, jet lediglich, nach der Konzentration von Betriebsleitung, Ankauf wodurch eine ausreichende zentrale Beeinflussung gesichert sei. Ebenso sei auf technischem Gebiet verfahren worden. Kosten des Gewinns, d. h. über Betriebskosten, sei während des Jahres 1924 ein Betrag in der dreifachen Höhe des ausgewiesenen Gewinns, also 2½ Millionen Marf, zu technischen Vervollkommnungen der Betriebe verwandt worden, so daß das größte Aftivum der Gesellschaft heute die vollendete Höhe der technischen Ausrüstung sei. Dieser gleichzeitige Abbau von Ueberorganisationen und Ausbau der technischen Leistungsfähigkeit sei das entscheidende Mittel für die Beseitigung des Krebsschadens in der Industrie, der in der Ueberorganisation der letzten 10 Jahre bestehe. Insbesondere sei es.ein Irrtum des Vorstandes ge wesen, den in der ersten Hälfte des Jahres 1924 deutlich gewor denen Wiederbedarf des deutschen Inlandsmarktes durch starfen Export ausgleichen zu wollen. Zum allergrößten Teil und mit großem Erfolg seien die Betriebe deshalb auf die Befriedigung des Inlandskonsums eingestellt worden, was für die deutsche Wirtschaft um so vorteilhafter sei, als die an die deutsche Industrie gelieferten Halb fabrikate zum größten Teil dann als hochwertig veredelter Export ins Ausland gingen. Ueber den heutigen Kupfer- und Messingverbrauch in Deutschland wurden wertvolle Angaben gemacht. Vor dem Kriege habe der deutsche Verbrauch nach dem Kupferinhalt 250 000 bis 300 000 Tonnen betragen. Für das Jahr 1925 sei ein Verbrauch von etwa 300 000 Tonnen zu erwarten, was etwa einem Fünftel bis einem Sechstel der Weltkupferproduktion entspreche. An dem heutigen Messingverbrauch von 150 000 Tonnen mit etwa 100 000 Tonnen Kupferinhalt sei die Gesellschaft mit einem Viertel bis einem Fünftel beteiligt. Eine erhebliche Rolle habe auch der Abbau von Fachmert besig in der Form von Beteiligungen gespielt. Solange die Aufnahmefähigkeit des deutschen Kapitalmarktes fortbestehe, fönnten auch Werke, wie die der Hirsch Kupfer, die vorhandene liquidität ihrer Bilanz nicht durch Ausgabe von Aktien oder Obligationen, sondern nur durch Abstoßzung von Beteiligungen wettmachen. Diese Ausführungen sind natürlich start auf die besonderen Umstände bei Hirsch Kupfer zugeschnitten und auf die Absicht, für spätere Rapitalerhöhungen den Boden vorzubereiten. Auch der Eindruck ist zu verwischen, den die Berlufte beim Metallfonzern hervorgerufen haben. Aber sie treffen in vieler Hinsicht das allgemeine Problem der gegenwärtigen Industriefrise sehr scharf und zeigen deutlich einige entscheidende Mittel zu ihrer Ueberwindung auf. Allerdings hat der Uebereifer, die Politik des Unternehmens vor den Aktionären und der Deffentlichkeit in ein günstiges Licht zu setzen, Herrn Hirsch zu einem Geständnis gebracht, das ihm der Steuerfistus antreiden wird. Was im Geschäftsbericht so energisch bekämpft wurde, daß nämlich der Eteuerfistus nicht die 16 Millionen Eigenkapital, sondern den mehr als zweifachen Wert der Besteuerung zugrundegelegt habe, wurde durch die Bemerkung gerechtfertigt, daß die Anlagen mindestens den 2½ fachen Wert des Eigenkapitals darstellten. Und dieses Geständnis wird in seiner Beweiskraft noch durch die Mitteilung unterstrichen, daß auch der Umsatz gegenüber der Borkriegszeit, sich verdreifacht habe. Was über den Abbau der innerbetrieblichen Ueberorganisation gesagt worden ist, die bei Hirsch Kupfer zur Halbierung der kaufmännischen Leitungsfoften geführt hat, sollten sich insbesondere viele unserer industriellen Mammutbetriebe merken. Der Vera waltungswasserkopf, der hier seit der Borkriegszeit entstanden ist, ist so kostspielig, daß nicht nur die heute so zahlreich gewordenen Kleinattionäre um jede Berzinsung ihrer Kapitalanlagen gebracht worden, sondern die Dividendenlosigkeit auch zunehmend die Neuanlage von Ersparnissen in Industrieaktien ausschließt. ſtätten der Reichsbahn eine Ente ift. Die angeführten Wert Herren- Anzüge, Paletots stätten sind bereits geschlossen oder befanden sich in der Abwicklung, um am 1. Juli geschlossen zu werden. Es handelt sich dabei um den Abbau der 25 000 Eisenbahner, der im vergangenen Frühjahr so riel Staub aufgewirbelt hat. nach Maß in vollendeter Paßform M. 85 ( Ecke Lützow straße). Berantwortlich für Politik: Bieter Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Fris Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. L. Sonnenschein, Polsce e 3 Die ftreifenden Maschinenformer von Keyling u. Thomas, Aderstraße, nehmen heute abend und morgen früh, die Arbeit wie üblich Berlag: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts.Buchdruckeret wieder auf. Die Streifleitung. Lachen Links Das aktuelle republikanische Wihblatt erscheint jetzt in neuem Gewand und toftet trotz der besseren Ausstattung staff bisher 25, nur noch 20 Pfg.pro Nummer. 3u beztehen burch fämtliche Ausgabestellen und Botenfrauen des Vorwärts" Gegen Schwaben gibt es ein tobsicheres Mittel, das nicht eine mehr übrig läßt. Reichel's„ Poudre Martial", bas stärkste Radifalmittel von verheerender Kraft, zerstört die Brutnefter reftios. Man nehme nur Originalpat fungen und verweigere Nachahmungen. Größe II M 1.40, Gr. III m 2.60,13fb. 5 50. Alleinhersteller Otto Reichel, Berlin GO 43, Eisenbahnstr. 4. Jn Drogerien erhältlich. aber echt nur mit der berühmten Marte Tod und Teufel Bad Schmiedeberg Bez. Halle- Bahn Wittenberg- Eilenburg Eisenmoorbad lanzend bewärt bei Gicht. 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