Abendausgabe Nr. 284+ 42. Jahrgang Ausgabe B Nr. 139 Bezugsbedingungen und Anzeigenpreise And in der Morgenausgabe angegeben Rebatfiou: S. 68, Lindenstraße 3 Fernfprecher: Denhoff 292-295 Zel- Mereffe: Sozialdemokrat Berfin Vorwärts Berliner Volksblatt 5 Pfennig Donnerstag 18. Juni 1925 Berlag und Angeigenabteilung: Geschäftszeit 9-5 Uhr Berleger: Borwärts- Berlag GmbH. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Donhoff 2506-2507 Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Politische Jahrtausendfeier. Kanzlerrede über die Sicherheitsfrage. Düffeldorf, 18. Juni. Heute begann in Düsseldorf im Anschluß an die Tagung des Rheinischen Provinziallandtages die Jahrtausendfeier des Rheinlands zum Andenken an die 1000jährige Zugehörigfeit des Rheinlandes zum Deutschen Reich. Nach Berlejung einer Begrüßungsbotschaft des Reichspräsidenten ergriff Reichstanzler Dr. Luther bas Wort. Er führte u. a. aus: Der Kundgebung des Herrn Reichspräsidenten, meine Damen und Herren, schließe ich die aufrichtigsten Wünsche der gesamten Rückschau auf die tausendjährige rheinische Geschichte, deren Ablauf heute festlich begangen wird, zeigt einen bewundernswerten Aufstieg in allen schöpferischen Leistungen von Kultur und Wissenschaft. Die Leistungen des Rheinlandes find um so bewundernswerter, als immer wieder in diesen tausend Jahren der Entwicklung der natürlichen Lebensträfte die rheinische Bevölkerung mit schwerer politischer Not zu ringen gehabt hat. Auch jetzt lastet auf dem Rheinland die ganze Schwere fremder Bejagung. Die Politit der Reichsregierung demgegenüber ist durch die Natur der Dinge flar vorgezeichnet. Sie zielt darauf hin, dem Rheinland die Freiheit und ganz Deutschland und ganz Europa den wirklichen Frieden zu vermitteln. Für die rheinischen Gebiete, die außerhalb des Versailler Vertrags besetzt wurden, ist in der Londoner Konferenz eine flare und endgültige Regelung zustande gefommen. Die Ministerpräsidenten von Frankreich und Belgien haben durch Brief vom 16. Auguft 1924 an den deutschen Reichs fanzler erklärt: Wenn die in London zur Durchführung des Sachverständigenplanes frei vereinbarten Abmachungen in dem Geiste der Loyalität und der Friedfertigkeit ausgeführt werden, der die Ver handlungen der Konferenz beseelt hat, so wird innerhalb einer Brann für die Freiheit der Rheinlande. Ehrenpflicht zu betonen, wofür der preußische Staat und das preußische Bolk der rheinischen Bevölkerung vornehmlich zu danken hat. Das rheinische Bolt tann auf eine stolze Geschichte zurüdschauen. Dieses Bolt war immer ein freiheitliches Bolf! Spaniens Direktorium. Mitteilungen des spanischen Gewerkschaftssekretärs. Genf, 17. Juni.( Eig. Bericht.) Der Korrespondent des„ Borwärts" in Genf hatte diefer Tage eine Unterredung mit dem Genossen Caballero. Sekretär des spanischen Gewerkschaftsbundes, der in Genf an der Internationalen Arbeitskonferenz teilnahm. Genosse Caballero hatte die Freundlichkeit, die ihm gestellten Fragen in folgender Weise zu beantworten: Es war immer ein Bolt von offener Gesinnung und starter Be Die augenblickliche Lage des Direttoriums im geisterungsfähigkeit. Als sich im Jahre 1915 der Tag der Ber- Innern Spaniens ist schwierig, denn mit Ausnahme einigung der Rheinlande mit Breußen zum hundertsten Male jährte, einer bürgerlichen Partei, der sogenannten polifischen Union, da erschien in Köln eine bedeutsame Denkschrift Julius Bachems, die als Gegenspieler des Direktoriums zu betrachten ist, lehnt jenes flugen Mannes, der fich großen Ansehens weit über seine rheinische Heimat hinaus erfreute. In dieser Denkschrift wurde jedermann in Spanien das augenblidliche ausgeführt, daß das alte Preußen zu Beginn des vorigen Jahr- Regime ab. Selbst unter dem Militär ist die Meinungshunderts durch die übermenschlichen Anstrengungen der Befreiungs- verschiedenheit offensichtlich, aber sie tritt infolge eines falsch friege erschöpft war, infolgedessen die politischen und sozialen Ge- verstandenen Standesbewußtseins noch nicht nach außen in danken der damaligen Jahrhundertwende preisgab und das Heil Erscheinung. Das Direktorium hält sich an der Macht, weil des Staates im Altvergangenen suchte, während hier am in Spanien start organisierte politische Parteien nicht bestehen Rhein für eine solche rückläufige Bewegung die Voraussegungen- außer der Sozialistischen Partei und dem Gefehlten und hier nicht jenes Ermatten der fortschrittlichen werkschaftsbund. Diese sind aber noch nicht imftande, die BerKräfte eintreten fonnte, wie östlich der Elbe nach dem Jahre 1818. antwortlichkeit einer Uebernahme der Regierungsgewalt zu Hier im Westen war es ja auch, wo die Kinderwiege vieler führender deutscher Männer gestanden hat, die von unverfälschtem tragen. Indessen kann man auch auf das Direktorium das sozialen und fortschrittlichen Geist beseelt waren. Nur weniger spanische Sprichwort anwenden: ,, Wer mit dem Schwert tötet, will ich gedenken. Ich nenne Joseph von Görres und Eugen wird auch durch das Schwert sterben." Das bedeutet, daß die Richter, Karl Marx und August Bebel, Friedrich Wilhelm augenblicklichen Gewalthaber, die am 13. September 1923 Raiffeisen und Franz Brandts, Adolf Kolping und Karl mit einem Staatsstreich triumphierten, durch einen anTrimborn. Alle diese Namen bedeuten Programme des deren Staatsstreich erledigt werden können. fortschrittlichen Gedankens und der sozialen Tat. Sie be beuten Brogramme, deren Auswirkung auf die Entwicklung unseres Boltes Tatsache wurde. Seit dem Jahre 1918 ist das politische Schwergewicht in Preußen von dem weniger voltsreichen Often mehr nach dem dichtbevölferten West en verlegt worden. Das war eine automatische Auswirkung der freiheitlichen Berfassung des neuen Preußen. Höchftfrist von einem Jahre, vom Tage der Abfendung des Briefes fluß im politischen Leben Preußens maßgeblich geltend zu machen. an gerechnet, die militärische Räumung des Ruhrgebietes vorgenommen werden." Daher hat das Rheinland ein doppeltes Anrecht, seinen EinUnd es ist doch auch unverkennbar, daß bei der Umformung Breußens zu dem Boltsstaat, in dem wir heute leben, die Einwirtung des rheinischen Bottes oftmals entscheidend mirksam wurde. Daneben ist mit beiden Ministerpräsidenten bindend festgelegt worden, daß auch die Städte Düsseldorf und Duisburg, also das gesamte sogenannte Sanktionsgebiet mit der abschließenden Räumung des Ruhrgebietes ebenfalls geräumt werden. Da nun weiter in der Anlage 2 der sogenannten Entwaffnungsnote die Er- waltung der Rheinprovinz ist in den letzten Jahren ein wesentlicher flärung der Reparationsnote mitgeteilt ist, daß Deutschland seine Verpflichtungen aus dem Londoner Patt ordnungsmäßig erfüllt hat, so fann feinerlei Zweifel bestehen daß wenigstens das seit dem 11. Januar 1923 befehte Ruhrgebiet und die Städte Düsseldorf und Duisburg spätestens am 16. August d. 3. geräumt werden. Angaben von gleicher Bestimmtheit über die nördliche Rheinlandzone lassen sich leider auch heute noch nicht machen. Der Standpunkt der Reichsregierung, daß diese Zone gemäß den Borschriften des Vertrages von Versailles am 10. Januar 1925 hätte geräumt werden müssen, ist und bleibt unverändert. von mir schon erwähnte Note, die nach vielen Erinnerungen endlich am 4. Juni eintraf, beweist, daß die Entwaffnung Deutsch lands tatsächlich durchgeführt iſt. Die Eine auch nur einigermaßen der Billigkeit entsprechende Begründung für die schwere Maßnahme der Nichträumung der besetzten Rheinlandzone fann in geringfügigen Rückständen wirt lich nicht gefunden werden. Selbstverständlich werden gleich mohl alle Rückstände der Ausführung, die sich als solche erweisen, auf das schleunigste nachgeholt werden. Allerdings muß ausge sprochen werden, daß Forderungen, deren Begründung rechtlich nicht gegeben ist, nicht anerkannt werden können. In dieser Richtung muß die Reichsregierung versuchen, sobald die Prüfung der Note abgeschloffen ist, ohne jeden Verzug mit den alliierten Regierungen in Berbindung zu treten. Die von der französischen Regierung der deutschen Regierung überreichte Note über die Frage des Sicherheitspattes wird nach einer Bereinbarung mit den alliierten Regierungen erst morgen früh veröffentlicht werden. Die deutsche Regierung wird die Note mit dem ganzen Ernst, der hierfür erforderlich ist, prüfen. Angesichts unseres bisherigen Borgehens in der Sicherheitsfrage brauche ich nicht besonders betonen, daß in gleicher Weise, wie sich die französische Regierung in den Schlußworten der Rote ausspricht, die deutsche Regierung es begrüßen würde, wenn Verhandlungen in Gang tommen würden, deren Ziel der Abschluß von Vereinbarungen ist, die eine wirtjame Friedensgewähr darstellen. Bon Wichtigkeit ist die Tatsache, daß das neue System einer allgemeinen Abrüstung aber nicht durchgeführt ist. einer allgemeinen Abrüstung aber nicht durchgeführt ist. Der bestehende Zustand wird von der Uniogik beherrscht, daß das neue System nur von Deutschland und einigen an deren Staaten in Anwendung gebracht ist, dagegen das alte System einer Aufrechterhaltung der vorherigen Wehrfähigkeit bei den anderen Staaten weiter besteht. Solange das große Programm der Abrüstung nicht allgemein und gleichmäßig für alle Staaten gelöst ist, wird ein vollendetes, die gesamte Welt umfassendes Friedenssystem nicht möglich sein. Deutschland wird immer das Seine tun, um auf dem Wege direkter Vereinbarungen einen Zustand in ganz Europa herzustellen, bei dem ein Zusammenleben der europäischen Völker nach den Grundsägen der Vernunft und Gleichberechtigung gewährleistet ist. Gelingt eine solche allgemeine Leistung, fo möge sie ein Alüdverheißendes Borzeichen für das nächste Jahrtausend deutscher Geschichte auf rheinischem Boden sein. Nach dem Reichstanzler ergiff Ministerpräsident Otto Braun namens der preußischen Staatsregierung das Wort: Als Leiter der preußischen Staatsgeschäfte rufe ich heute dem theinischen Volk zu seiner in diesen Tagen stromauf, stromab statt. Furdenden Jahrtausendfeier aus tiefften Herzen freudige Grüße und wärnfte Wünsche zu. Dabei betrachte ich es als eine willkommene Auch in der Besetzung der leitenden Stellen der StaatsverWechsel eingetreten. Die ganz überwiegende Mehrheit der leitenden politischen Beamten dieser Provinz find heute Rheinländer! Das entsprach einer alten Forderung des rheinischen Boltes! Darüber hinaus hat die Preußische Staatsregierung auch in die Ministerien an wichtigen Posten, denen die Bearbeitung der Angelegenheiten des Westens obliegt, Beamte berufen, die selbst dem Rheinland entstammen. Diese Grundfähe bedeuten eine bewußte Bejahung der völligen Entfaltungsfreiheit der alten fulturellen Kräfte des Rheinlands. An diesen Grundsätzen soll selbstverständlich auch in Zukunft. festgehalten werden! der Natur war es auch, das auf dem Feld der Wirtschaft allen Das Rheinland mit seinen reichen Schäßen des Bodens und anderen Teilen des Vaterlandes voran einen bewundernswerten Eifer entfaltete. Rheinische Tatkraft und rheinischer Gewerbefleiß werden unserem preußischen Volt immer ein leuchtendes Vorbild sein. Vorbild soll uns nicht nur sein die frische und wagemutige Initiative des rheinischen Unternehmertums, sondern vor allem auch die emfige Tätigkeit der Arbeiterschaft. Bon Herzen tommenden Dant statte ich bei dieser Gelegenheit der Bergarbeiterschaft des rheinisch- westfälischen Induftriebedens ab. Jenen Menschen, die in gefahrvoller Arbeit die schwarze Kohle aus dem unsicheren Innern der Erde zu Tage holen. Sie find es, die für fast alle anderen Industriezweige die notwendige Nahrung herbeifchaffen. Hart und unerhört oft ift die Bergknappenschaft dieses Gebietes im letzten Jahre durch furchtbare Katastrophen heimgesucht worden. Ein Maffengrab folgte dem anderen! Der jähe Tod dieser Männer erfüllt uns alle mit tiefer Trauer. Die preußische Staatsregierung erklärt erneut ihre freudige und unbedingte Bereitschaft, alles zu tun und nichts zu unterlaffen, um die Betriebsgefahren in den Gruben zu verringern und Unglüde fünftig möglichst zu vermindern. Wir verdanken dem Rheinland aber auch eine unvergleich liche Kultur und eine starte Befruchtung unseres geistigen Lebens. Allüberall auf rheinischem Boden werden wir an die Bedeutung der Rheinlande für die Kultur und das Geistesleben unseres Volkes erinnert. Wuchtig reden noch heute von der römischen Zeit die Baudenkmäler in Trier. Bon Xanten bis Worms erzählt der Rhein von der deutschen Heldengestalt der Bölkerwanderungszeit, dem Liebling der deutschen Sage. Von der Karolingischen Renaissance legt Aachen beredtes Zeugnis ab. Bon der mittelterlichen Blüte im wissenschaftlichen, fünstlerischen und religiösen Leben gibt Köln stolze Kunde. Die erhabene Gothit der Kölner Domtirche ist auch für jeden nichtrheinländer ein Boltsheiligtum! Dieses Heiligtum verförpert hier im Westen im gleichen Sinne ein aufragendes Symbol für deutsche Einheit und nationales Zusammengehörigkeitsgefühl, wie brüben im Dften unseres Landes die machtvolle Marienburg. Von den Zeiten des Wiederaufstiegs nach Jahrhunderten trüben Niederganges zeugen die großzügige Entfaltung fommunaler Selbstverwaltung und die Pflege der Wissenschaften an den vielen hochwertigen Bildungseinrichtungen öffentlichen und privaten Charakters. Gerade der Zusammenschauß des Westens mit dem Often hat Breußen stärker, als es oft erfannt wird, befruchtet. So kann Preußen seiner besonderen geschichtlichen Aufgabe, den Einheitsgedanken der Deutschen zu fördern, in schönster Weise gerecht werden. Den Dant des preußischen Staates an die Rheinlande faffe ich zusammen in den Ruf, in dem ich mich mit dem gesamten preußischen Volk diesseits und jenseits des Rheins einig weiß: Möge das rheinische Bolt bald wieder ein völlig freies Bolt fein! Wann Neuwahlen stattfinden, fann man nicht genau sagen, denn der Präsident des Direktoriums hat wiederholt erklärt, daß er es mit Neuwahlen nicht sehr eilig habe. In der Marokkofrage, die ebenso bedeutend vom nationalen wie vom internatoinalen Standpunkt ist, werden die Sozialistische Partei und der Gewertschaftsbund endlich die Erfolge ihres Kampfes gegen den marokkanischen Feldzug erleben. Fast das ganze Land, und darunter auch sehr viele Militärs, wünschen heute, daß man Marokko völlig aufgibt. Man betrachtet diese Angelegenheit wie einen Krebs, den man ausschneiden muß; denn er gehrt in unerträg licher Weise an den Lebenskräften des Landes. Das Direktorium weiß das sehr gut. Wenn es nicht das ganze Unternehmen völlig aufgibt, so wird es doch sein möglichstes tun, um es auf ein Minimum zurückzuführen. Es ist bereits im Begriff, die Stadt Tetuan aufzugeben, und es scheint, daß man das gleiche für Melilla beabsichtigt. Aber der Rückzug auf Tetuan hat derartige Opfer gekostet, daß das Direktorium zögert, sich in ein neues derartiges Unternehmen einzulassen. Man berichtet jezt, daß das Direftorium an ein neues Unternehmen gegen Alhucemas denkt. Die öffentliche Meinung, die sich mit diesen Fragen beschäftigt, ist darüber sehr beunruhigt, denn sie erinnert sich noch sehr gut an die Ereignisse von 1921 anläßlich der blutigen Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen gekostet hat. Niederlage von Anual, die das spanische Heer über 50 000 Auf jeden Fall, welche Lösung man auch immer suchen wird, es gibt nur eine, die dem Lande Befriedigung verschafft: die völlige Preisgabe Marokkos. Die Stellungnahme von Partei und Gewerkschaft gegenüber dem Direktorium ist klar und unzweideutig. Wir führen eine legale Opposition. Das Direktorium hat das Barlament und die verfassungsmäßigen Garantien auf= gehoben. Es erklärte den Kriegszustand und führte die Bressezensur ein. Diese Maßregeln haben jedoch die Entwicklung unserer Organisation nicht hindern können. war hatte die ma i feier 1924 und 1925 feinen besonderen Ausdruck, da jede offizielle Kundgebung verboten war. Aber trotz dieser Maßnahme haben die gewerkschaftlichen und sozialen Organisationen in allen großen Städten, besonders in Madrid, am 1. Mai gefeiert. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaften und der Partei hat bedeutend zugenommen, und ich darf wohl sagen, daß heute die öffentliche Meinung für die Arbeiterklasse größere Sympathie hat als vorher. Heute find viele Leute in Spanien außerhalb des sozialistischen Lagers der Ansicht, es gebe zur Lösung der schwierigen Brobleme für unser Land keine andere Möglichkeit als die Bildung einer Regierung, an der Sozialisten und Vertreter der Gemertschaften in hervorragendem Maße beteiligt find. Man fann ohne Uebertreibung sagen, daß heute für viele Spanier die Arbeiterorganisationen die einzige Hoffnung darstellen für den Augenblid, wo das jetzige Regime verschwinden wird. Spaniens wirtschaftliche Lage ist ziemlich ernst, die Arbeitslosigkeit stellenweise groß. In verschiedenen Industrien, z. B. in der Bauindustrie, umfaßt die Arbeitslosigkeit 60 Prozent. Dieses Verhältnis ist in der Landwirtschaft noch größer, denn die Auswanderung der Bauern nach den großen Städten ist erschreckend groß. Natürlich trägt fie dazu bei, die Arbeitslosigkeit in der Industrie noch zu vermehren. Die Kosten für die Lebenshaltung sind sehr hoch, besonders die notwendigsten Bedarfsartikel haben in der letzten Zeit eine große Preissteigerung erfahren. Ebenso find die Wohnungen sehr teuer. Die allgemeine Wirtschaftslage verbessert sich nicht, da die Militärbittatur zu viel Geld verbraucht. Seit der Machtergreifung durch das Direktorium ist das Defizit auf etwa 1 Milliarde Besetas angestiegen. Man glaubt, durch die Ausgabe neuer Schatzscheine ein Hilfsmittel gefunden zu haben. Aber auch dieses Mittel wird die Situation nur verschlimmern, denn die Wertverminde rung bes Beseta führt zur Abwanderung bes Rapitals. In Katalonien kann man nicht gni von einer eigentlichen Separatisten- Bewegung sprechen. Es gil>t zwar eine Partei, die sich so nennt und viel von sich reden macht, die aber nicht über ernsthaste Machtmittel verfügt. Wahr ist, daß in Katalonien ein lebhafter Wunsch nach wirt- schädlicher Dezentralisierung besteht, der sich aus den Fehlern erklärt, welche die Zentralregierung begangen hat. Man muß auch hinzufügen, daß das katalanische Temperament manchmal den Eindruck erwecken kann, als ob die Gesamtbe- völkerung sich mit dem Separatismus einig erklärt hätte, ob- wohl das in Wirklichkeit n i ch t der Fall ist. Aber alle wissen, wieviel es bedeuten würde, wenn es endlich eine andere mit Takt und Ehrlichkeit geführte Regierung geben würde. Eine solche Regierung würde alle die Männer vereinigen, die heute in Spanien vergeblich nach Gerechtigkeit suchen und für unser unglückliches Land, das unter der militärischen Knecht- schast seufzt, den sozialen Fortschritt und die Freiheit erstreben. flgraristhe Zweifel. Die Aengste der Brotwucherer. Es beschleichen die Brotwucherer bange Zweifel, ob es möglich sein wird, die Getreidezölle bis zum Beginn der Reichstagsferien unter Dach und Fach zu bringen. Die Be- schlüffe des Reichswirtschoftsrats und der preußischen Regie- rung haben ihnen die Stärke des zu erwartenden Widerstands gezeigt. Sie erkennen nun, daß es nicht nur einen„zeitlich genau festgelegten Plan" der Zollregierung zur Durchpeit- schung der Zollvorlage gibt, sondern auch eine Opposition. Die„Deutsche Tageszeitung stößt deshalb schon Kassandrarufe aus: «Gegen Ende des Monats wird die Vorlage bestenfalls vom Reichsrat dem Reichstage zugehen. Da am 18. Juli das Parlament bereits seine Pforten schließen will, vorher aber eine Reihe von Tagen zur Beratung im Plenum unbedingt notwendig sind, so stehen den Ausschüssen günstigenfalls etwa 14 Tage zur Durchberatung der einzelnen Positionen zur Verfügung. Wenn man nun in Betracht zieht, daß die Zollvorlage über 7 00 Positionen enthält, so kann man sich ungefähr vollstellen, welches Maß von intensivster Arbeit selbst für«in in allen seinen Teilen gutwilliges Gremium dazu gehört, um in der angegebenen Frist die Arbeit vollenden zu können. Dazu kommt, daß für die Be- sprechung der Zollvorlage im Plenum ausgerechnet die letzten Tage der Session ausersehen sind, die regelmäßig unter einer mangelndcnAnteilnahmeder Fraktionen zu leiden pflegen. Hiernach kann man sich ungefähr ein Bild machen, welch« Möglich- leiten sich für eine Partei wie die Sozialdemokratie, die entschlossen ist, schärfste Obstruktion zu üben, bieten, um eine Verschleppung der Vorlage bis nach den Reichstogsferlen, also eigentlich all calendas graecas herbeizuführen. Bei ihrer perfiden Taktik spe. kulieren dabei die Genossen auf Absplitterungsbestre- b u n g e n, die nun einmal innerhalb der bürgerlichen Parteien vorhanden sind und die unter Umständen der sozialdemokratischen Taktik zum Siege verhelfen können. Die Gefahr einer Verschleppung der Regierungsvorlage ist tatsächlich riesengroß, und einmal eine günstige Gelegenheit verschlafen, heißt die brennend st e aller Fragen für Jahre hin- aus zu erledigen." Ach. nun wird mir bang und bänger— so hört man das Organ der Agrarier rufen. Es gesteht aber mehr, als es durfte. Es gesteht, daß es die Konzunktur für die Brotwuche- rer nur bis zu den Sommerferien für günstig hält, daß die Deutschnationalen die Zölle bis zu den Sommerferien durch- peitschen wollen, um sich dann aus der Verantwortung zu drücken. Die Alters- und Hinterbllebenenversicherung in der Schwei; ist vom Nationalrat mst 152 gegen 21 Stimmen angenommen worden. Ehe sie aber Gesetz wird, muß das Volk noch einmal dar- über abstimmen. Mehr alte Menschen. Von Dr. med. Alfred K o r a ch. Der Aufbau der Bevölkerung im Deutschen Reiche hat sich seit dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts grundlegend geändert. Die Säuglingssterblichkeit befand sich in ständigem Absinken, die Geburtenzahl stieg bis zum Beginn des Krieges. Dann entstanden während der Kriegsjahre durch die Kriegsoerluste die furchtbaren Lücken in den mittleren Jahrgängen. Der Geburtenrückgang während des Krieges und in den Nachkricgsjahren erreichte einen beforgnis- erregenden Tiefstand, der auch heute noch keineswegs überwunden ist. So mußten in der Altersgliederung des deutschen Volkes sehr erhebliche Verschiebungen entstehen, auf deren Be- dcutuno in einer sehr lesenswerten Arbeit Dr. Franz G o l d m a n n vom Houptgesundheitsamt der Stadt Berlin in der«Deutschen Zeitschrift für Wohlfahrtspflege" hinweist. Je länger die Geburtenziffer niedrig bleibt und in je größerem Maße die noch im vorigen Jahrhundert geborenen Per- sonen in den nächsten Jahrzehnten in das höhere Alter vorrücken, desto stärker muß sich die Häufung alter Leute und damit auch die Häufung erwerbsbeschränkter und erwerbsunfähiger Menschen in der Bevölkerung auswirken. Der Anteil' der Üeberfechzig- jährigen an der Gesamtbevölkerung des Reichs in der Zeit- spanne von 1871— 1910 betrug 7,8 Proz., 1919 bereits 8,5 Proz.: im Jahre 1930 wird er 10,7 Proz. ausmachen und bis zum Jahrs 1940 auf mindestens 13 Proz. wachsen. Man muß sich darüber klar sein: durch den außerordentlich hohen Prozentsag erwerbs- beschränkter und erwerbsunfähiger Menschen werden der Allgemein- heit bedeutende Lasten auferlegt werden müssen. Es ist daher auch an der Zeit, dem Problem der Organisation der A l t e r s f ü r- sorge ganz besondere Beachtung zu schenken. Zahlreich sind frei- lich die Menschen, die besonders klug sein wollen und da sagen:„Die zur Verfügung stehenden Geldmittel sind beschränkt: in erster Linie müsse für das heranwachsende Geschlecht gesorgt werden; der alten Leute kann man sich in der heutigen Zeit nur in ganz geringem Umfange annehmen." Solche Faselhänse, die sich vielfach als große Oekonomen vorkommen, sollten sich mit den Grundbegriffen der sozialen Ethik bekannt machen, dann würden sie nidst einen solchen Unsinn reden. Es ist Pflicht eines jeden Kullurvolkes, für seine allernden Menschen zu sorgen, und es ist ein dringendes Gs- bot der öffentlichen Wohlfahrtspflege, gerade im Hinblick auf die sich verändernde Altersgliederung des Volkes, die Altersfürsorge zu verstärken und zu verbessern. Es liegt aber auch im ureigenen volkswirtschaftlichen Interesse, Altersfürsorgi zu treiben, well sonst nur allzu leicht auf bestimmten Gebieten vermeidbare Kostenlasten erwachsen, die auf die mangelhafte fürsorgerische Erfassung der altersgebrechlichen Personen zurückzuführen sind. Da seien in erster Linie die Krankenhaustosten erwähnt, die durch die Aufnahme alter Menschen entstehen, die an sich ebenso gut auch in einem Hospital oder bei genügender geldlicher Unterstützung in eine Prioatpflege- stelle bei Verwandten oder in ihrem eigenen Haushalt ihre Unter- kunft hätten finden können. Im Jahre 1923 war jeder sedsste Mensch, der in dem Berliner Krankenhaus am Friedrichsham ein- Schluß mit öem Ilaggenftreit! Es bleibt bei Schwarz-Rot-Gold! Jahrelang hat sich die Rechte bemüht, der deutschen Republik die schwarzweißrote Flagge aufzudrängen. Jetzt entdeckt der deutschnationale Abg. Everling in der„Deutschen Zeitung", daß das falsch war, denn Sdiwarz-Weiß-Rot ist ja die Flagge der herrlichen Monarchie und darum für diese elende Republik viel zu schade. Für die ist Schwarz-Rot-Gold gerade gut genug! Die„Deutsche Zeitung" selbst nähert sich diesem Gedankengang, indem sie salomonisch bemerkt, daß sich„eben manches für, ober auch sehr viel gegen die Einführung von Schwarz-Weiß-Rot als Flagge der Republik sagen läßt". Damit ist endlich die Grundlage gefunden, von der aus sich der Flaggenstreit ein für allemal aus der Well schaffen läßt. Wir beeilen uns, sie freudig zu betreten. Wir erkennen Schwarz-Weiß- Rot an als Fahne der Feindschaft gegen die Republik, als die Fahne der Monarchie, die Herr Everling und die Seinen herbeizuführen bemüht sind. So lange aber Herr Everling das Pech hat, in einer Republik leben zu müssen, bleibt Schwarz- Rot-Gold die Flagg« der deutschen Ration. Der ganze Lärm war überflüssig. Also jetzt: Schluß damit! tzugenberg-Methoöen. Zuerst verdächtigen— dann Berichtigung unterschlagen. Der„Lokol-Anzeiger" hatte am 16. d. M. in einem Drahtbericht aus Köln behauptet, daß Kommerzienrat M a n a s s e für Barmat belastende Aeuherungen gemocht habe. Daraufhin hat Herr Manasse noch am 16. d. M. der Redaktion des„Lokal-Anzeiger" folgendes Schreiben zustellen lassen: „In einem auszugsweisen Bericht über den von mir auf der Kölner Tagung des Verbandes Deutsd)sr Treuhand- und Rem- fionsgesellschaften e. A. gehaltenen Portrag berichten Sie, daß ich erklärt habe, daß das Vermögen der Familie Barmat läng st ins Ausland geschafft sei. Da diese Aeußerung, wenn sie unwidersprochen bleibt, weitere Ausnahme finden kann, teile ich Ihnen mit. daß id) eine derartige Bemerkung nicht gemacht habe und stelle Ihnen anheim, diese Erklärung in der Ihnen geeignet erscheinenden Form zu veröffentlichen." Der„Lokal-Anzeiger" hat aber bisher vorgezogen, diese Er- tlärung seinen Lesern vorzuenthalten. Stekloffs Etiöe. Der Chefredakteur der„JSwestrja" aus der KPR. ausgeschloffen. In der Kommunistischen Partei Rußlands gibt es wieder einmal einen neuen Skandal. Stekloff, der langjährige Chef- redakteur und Leitartikler der„Swestija", Ist vom Moskauer Komitee aus der Partei ausgeschlossen worden. Seine Berufung an das Zentralkomitee wurde abgelehnt. Als Grund dieses auf- schenerregenden Ausschusses wird der nicht einwandfreie Lebens- wandet Stekloffs angegeben, dessen Verhalten in G e l d a n- gelegen heilen schließlich derartig skandalös wurde, daß er beim besten Willen von den Oberbonzen des Zentralkomitees nicht mehr gestützt werden konnte. Stekloff gehört zu den ältesten Bolsche- wtsien und zu dem engeren Kreise der alten Garde. die vermögenszuwachsfteuer beseitigt. Die Steuerfreiheit der Gewerkschaften erhalten. Der Steuerausschuß des Reichstags beendete am Mitt- woch die Beratung des Permögenssteuergefetzes. Ein Antrag der Regierungsparteien will das Permögen der öffentlichen Unternehmungen, insbesondere der der Gemeinden, die nicht der Per- sorgung dienen, in stärkerem Maße besteuern als die Regierung»- vorläge. Abg. Dr. Hertz(Soz.) wendet sich gegen diesen Antrag. Die öffentlichen Betriebe kommen der Allgemeinheit zugute und dürfen nicht durch die Vermögenssteuer belastet werden. Der Antrag der Regierungsparteien ist ein Ausnahmegesetz gegen fortschrittliche Gemeinden. Legt man den Gemeinden neue Lasten auf, so muß geliefert wurde, mindestens sechzig Jahre alt. Zu derselben Zeit hatten fast 24 Proz. aller Personen, die auf der Inneren Station des Berliner Rudolf- Virchow- Krankenhauses neu ausgenommen wurden, das sechzigste Lebensjahr überschritten. Diese Zahlen ver- dienen besondere Würdigung, wenn man berücksichtigt, daß in den Jahren 1897— 1900 in den Berliner Krankenhäusern durchschnittlich nur 6,8 Proz. der aufgenommenen Menschen älter als 60 Jahre waren. Kein Zweifel kann darüber bestehen, daß sozial« Faktoren, nicht aber eine größere Erkrankungshäufigkeit im höheren Alter den Ausschlag geben. Darüber sind sich alle Sozialärzte und Krankenhausärzte einig. Hat sich doch auch die Zahl der Zugänge in den Krankenhäusern wegen Altersschwäche gegenüber der Vor- kriegszeit sehr stark vermehrt, die Sterblichkeit wegen Altersschwäche dagegen kaum wesentlich verändert. Ein hoher Bruchteil van Krankenhausbetten wird jedenfalls seiner ursprünglichen Ausnutzung entzogen und dies ist besonders bedenklich bei der von Jahr zu Jahr steigenden Verlängerung des durchschnittlichen Aufenthalts auf den Inneren Stationen der Krankenhäuser. Die Unterbringung der altersgebrechlichcn Personen. die heutzutage noch in recht großer Zahl— durchaus nicht nach ihrem eigenen Wunsche, sondern der Rot gehorchend— die Kronkenhäuser bevölkern, bedarf einer schleunigen Umgestaltung. Wir braudzen in Berlin und anderswo im Reiche mehr Plätze in Hospitälern, also Anstalten, in denen chronisch kranke und ge- brechliche alte Menschen dauernd Unterkunft finden können, und Altersheime, die Greisen und Greisinnen eine Wohnstätte bieten, welche zwar nicht besonders körperlich behindert sind, aber allein in der Welt dastehen und erwerbsbeschränkt sind und ein solches Ge- meinschaftshaus aufzusuchen wünsdien. Schafft man solche Anstalten, so entlastet man die Krankenhäuser. Man spart ober auch viel Geld; denn Krankenhausbau und Krankenhausbetrieb erfordern ja ganz besonders große Geldsummen. Oft kann auch die Dauerunterbringung der allen Leute im Hospital oder Altersheimen, ohne ihnen zu schaden, hinausgeschoben werden, wenn rechtzeitig und ausreichend Geld- und Natural- Unterstützungen gewahrt werden. Für die Gewinnung von Priootpslegestellen in Familien, die zur Pflege eines allen Menschen bereit sind, ist die Gewährung eines genügenden Pflegegeldes sehr wichtig. Gibt man es nicht in angemessener Höhe, sa wird man Pflegestellen nie und nimmer in irgend wie beträchtlicher Anzahl erhallen. Vielen alten Menschen könnte man auch dadurch eine sehr förder- liche Hilfe angedeihen lassen und ihre Hospitalisierung verhindern, wenn man ihnen Kräfte zur Verfügung stellte, die ihnen die Haus- Haltsführung ganz oder teilweise abzunehmen vermögen. Die Ein- stellung geeigneter Frauen, die für diese Art der Fürsorge, die ,.H a u s p f l e g e", in Betracht kommen könnten, dürfte keinerlei Schwierigkeiten bereiten, ihr Wirken würde sich aber sehr zweckmäßig gestallen und geradezu einen Sparerfolg bedeuten. In der Schweiz gibt es auch besondere.Alterswerk- stätten"en.ver Minister erwiderte, die beste Politik würde sein, wenn man sich ans sried- liche palriolische Betätigung beschränke und abwarte, bis die Ausländer zur Besinnung kämen. Aber wenn es zum Schlimmsten komme, so würde die Regierung nicht gegen die Erwartungen des chinesischen Voltes handeln. Die Kanton-Regiernng. London. 18. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Der regierende Ausschuß in Kanton hat den Militärbefehl-habern verboten, von der ärmeren Bevölkerung Steuern oder Requisitionen«inzutreiben. Man hat die Absicht, ausschließlich durch Besteuerung der Reicheren die notwendigen Mittel aufzubringen. Die Kuo-Ming-Tang-Partei kämpft unter dem Schlagwort„China den Chinesen"': sie tritt In ihrer Mehrheit für energische sozial« Reformen, vor allem für D« r k ü r z u n g der jetzt 12 bis 16 Stunden betragen- den Arbeitszeit und für Erhöhung der gegenwärtig jämmer- lichen Löhne ein. �feng-Nu-Shang verstärkt sich. London, 18. Juni.(WTB.) Nach Blällermeldungen aus Peking haben die Regiment er Fengynhsiangs Per- stärtung durch Studenten erhallen, die sich wegen der eng- landfeindlichen Gesinnung des Generals als Freiwillige unter feine Truppen einreihen ließen._ Der sozialistische Erüteil. Ganz Australien hat Arbeiterregierungen. In Adelaide(Südaustralien) tagte vor kurzem eine große Konferenz, deren Aufgabe es war, die Beziehungen zwischen den politischen Arbeiterparteien und den Gewerkschaften aus- zubauen, um die Aufstellung eines einheillichen und umfassenden Programms der Arbester für ganz Australien zu ermöglich:;!. Da nun, mit Ausnahme von Victoria, in allen ausstralijchen Staaten Arbesterregierungen am Ruder sind, wird der Augenblick für die Einleitung einhestlicher Maßnahmen zugunsten der Soziali- sierung der Industrien als g ü n st i g betrachtet. Zu diesem Zwecke soll zunächst eine große Einheitsorganisation der Ar- b fiter geschaffen werden. Folgendes sind die Hauptpunkte des Programms für die nächste Zukunft: 1. Ernennung eines Obersten Arbeitsrate»: 2. Einberufung einer Panpazifistischen Konferenz(wohl eine Konferenz der Arbeiterparteien aus den Uferländern des Stillen Ozeans): 3. gesetzliche Einführung der 44-Stund«n. Woche: 4. Abhaltung internationaler Konferenzen. Die Arbeiterregierung von Neusübtoales. Sydney(Reusüdwales). 17. Juni.(WTB.) Die neue Arbeiter- regierung hat heute den Eid geleistet. Premierminister Lang, der einmal Straßenbahner gewesen ist, erklärte, daß die Regierung dem ganze« Volke dienen und den Bolschewismus bekämpfen werde. Die Linden blühen. Es ist ein holdseliges Wunder, wenn in den grauen Mauern der Großstadt die Linden blühen und sie ihren süßen Duft so ver- schwenden, daß er trotz Staub und Dunst sich durchsetzt. Nach dein Verblühen der narzisiendustenden Akazien eine kleine Weile— und die Linden blühen. Ist es der einschmeichelnde Dust, ist es das oft tausendjährige Alter der Linde, die trotzdem immer wieder ihre reichen Blüten bringt, kaum ein Baum erfreut sich bei uns einer solchen Liebe. Wenn auch der Großstädter nicht so wie der Dorf- bcwohner In dem Rauschen der allen Dorflinde die Geschichte seiner vergangenen Geschlechter hört, das ewige Spiel vom Werden. Sich- finden von harter Arbeit und SLergehen und wieder Auferstehen in der jüngeren Generation, die unter der Dorflinde tanzt und jubelt oder träumt, so ist dem Großstadtbewohner doch die Linde zu einem Baum reicher Güte geworden. Die gequollen Lungen öffnen sich weit, wenn der honigsüße Duft durch die Straßen und Parks weht oder gar in einer ganzen Allee duftend Lindenbaum an Lindenbaum steht und au« grüner Dämmerung Süße und Sehnsucht verbrestet. Es ist ein eigenartiger Zauber, der zu jeder Tageszeit die blühende Linde umschwebt. In den Gang zur Arbeit und wieder heimwärts duftet sie tröstlich und verheißend und schenkt sich dem müden Großstädter am Absnb und in der Nacht so reich, daß auch in den leiddurchfurchten und verhärmten Menschen plötzlich eine kleine Glückswelle hochsteigt. gustav naget tot! gustav naget soll in Arendsee gestorben sein. Soll. denn wer weih, auf einmal kommt die Kund«, daß er wieder aus der Erde wandelt. Sei dem, wie es wolle, einig« Zeilen können nicht« schaden, denn er gehört zu den eigenartigen Persönlichkeiten, dl« es oerstanden, ihr Leben nach ihrem Gutdünken zu formen. In der Vorkriegszeit gehörte noch ein« Portion mehr Mut dazu,„verrückt" im landläufigen Sinne zu fein, das heißt, aus dem Rahmen zu fallen. Der„Kohlrabiapostel" gustav nagel aber schiert« sich nicht darum, sondern wandelle predigend, barhäuptig und barfüßig im wallenden Gewände durch die Lande. Da» war nicht der wunder- süchtige Boden, der in der Nachkriegszeit Leute wie Häußer ge- deihen ließ, gustav naget predigte damals gutgenährten und mate- rialistifchen Menschen seine Lehre des Begetariertums(Roh- kost) und der Lieb- zu Jesus, als dessen Apostel er stch fühlle. Seine Predigten brachten ihm ein kleines Häuschen in Arendsee ein. da» zur Zentrale seiner weltbeglückenden Ideen wurde. So führt« er unter anderem den Kampf gegen die unphonetisch« deutsch« Rechtschreibung, der trotz maßloser Uebertreibung«inen Teil innerer Berechtigung hatte. So wie in diesem Fall, so war wie bei allen Exzentrikern, sein Leben von einem bohrenden Fanatismus beseelt. Es wäre falsch, ihn nur als komische Figur werten zu wollen. Die angestellten Prediger aller Lager können keinen nicht staatlich approbierten Apostel anerkennen und die Laien selber pflegen einen solchen faul zu nennen, wenn er nicht selber pslützt uno säet. Doch was dem einen recht, sollte dem anderen billig sein. Zumindestens bat gustoo nagel, der als schwer lungenkranker Kaufmannslehrling stch auf dem Felde von Arendsee von Kohlrüben und dergleichen nährte, mit seiner„naturgemäßen" Lebensweise bewiesen, daß es wenigstens auch einmal anders herum gehen tann. Wer mit ihm persönlich gesprochen hat und mit ihm ein Stückchen Weg wandelte, badete und Natur anbetete, konnte stch bei nur etwas Vorurteils- losigteit dem Zauber seiner Persönlichkeit schwer entziehen, Sollte sich das bewahrheiten, daß oustav nagel tot ist, so wäre es schade, denn es mutz auch solche Käuze geben, sonst wäre die Menschheit vor lauter Normalisiening mehr als fabritmäßig. Hoffen wir, daß der hier unten nicht gewählte„Reichstagstandidat" gustav nagel als Entschädigung im himmlischen Paradies einstimmig als Himmelsrat, Slbteilung Obst und Gemüse, gewählt wird. Freibad �lakensee. Im Flakensee bei Woltersdorfer Schleuse sind in jedem Jahre zahlreiche wildbadende Personen ertrunken, in diesem Jahre schon vier. Die Forstverwaltung und die Strompolizei haben daher den Besitzer des geschlossenen Wilhelmbades die Konzession er» teilt, anschließend an die bisherige Badeanstalt ein eingezäunte», unter ständiger Aufsicht gestelltes Freibad«inzu- richten. Der geringe Eintrittspreis soll nur die Unkosten decken. Kno-Min-Tang und die Chi«a»Wirren. Es ist ganz sellsam. Du gehst am srühen Abend durch die großen eleganten Straßen, biegst in ein« stille Seitenstraße ein. steigst 2 Treppen hoch, klingelst und trittst in eine dir fremde Welt ein. Asien in Europa! Die deutsche Sektion der chine- fischen Kuo-Min-Tong hatte kürzlich Gesinnungsfreunde und Presse zu einem Vortrags- und Informationsabend eingeladen, der den chinesischen Wirren, ihren Ursachen und Wir- kungen galt. Der erste Teil des Programms beschäftigte sich mit der Einstellung der deutschen Presse zu dem Schanghaier Aufstand, der zwette der Erörterung der Ursachen des Kampfes zwischen den Pünna- und den Kuo-Min-Tang-Truppen in Kanton. Daß sich die Kuo-Min-Tanger mit aller Schärfe gegen die Dünnanesen wandten, scheint selbstverständlich. In der A u s s p r o ch e wurden heftige Stimmen der Erbitterung über das skrupellose und brutale Borgehen des Entente-Imperialismus in China laut. Allerdings: Wenn man glaubte, eine objektive Analyse des gewaltigen chinesischen Gärungs- Prozesses zu erhalten, so wurde man enttäuscht. Es war das SSe° kenntnis von leidenschaftlich in der Bewegung Stehenden: es war ein Blick in das Herz des kämpfenden China. Ein feines Gefthäfl. Die Stadt Berlin läßt sich ein Gut verkaufen. Uns wird geschrieben: „Der Prinz Friedrich Leopold ist Besitzer des Ritter. guts Düppel-Dreilinden in der Nähe von Klein-Machnow. Dieses Rittergut, 568 Hektar groß, davon 190 Hektar Land, die andere Fläche Wald, ist mit einem Betrage von 8 777 000 M. seinerzeit zum Wehrbettrag veranlagt worden. Prinz Leopold, der sich meist im Ausland aufhält, befindet sich nun in Geldnöten. Um sie zu de» heben, trat er mtt dem Grundstücksmakler H. wegen Verkaufs des ge- nannten Rttterguts in Unterhandlungen. H. bot für das Rittergut etwa 6 Millionen M, Der Prinz fragte nun seinen Vermögens- Verwalter und dieser riet ihm. das Gut derStadtBerlinzum Kauf anzubieten. Es kam zu Unterhandlungen und die S tadt Berlin war bereit, einen Kaufpreis von 6 Millionen SN. für das Gut zu zahlen. Inzwischen aber hatte H. von den Verhandlungen mit der Stadt Berlin erfahren, er begab sich zu der Leopoldschen Ver- waltung und erklärte:„Ihr dürft auf keinen Fall da» Gut der Stadt Berlin verkaufen, denn dort werden in der Etadtverordnetenver- sammlung die Sozialdemokraten«in großes Geschrei darüber er» heben, daß die Hohenzollern stch hier wieder einmal auf Kosten der Allgemeinheit bereichern. Im übrigen habt ihr ja den Deckaus an die Stadt Berlin gar nicht nötig. Ich zahle dieselbe Summe, die die Stadt Berlin euch bietet." Die Verwaltung ließ sich einschüchtern und verkaufte das Gut Düppel-Dreilinden für 6 Milli- onen M. an H. Und nun geschah das Merkwürdige. H.. welcher der prinzlichen Verwaltung den Rat gegeben hatte, das Gut nicht an die Stadt Berlin zu verkaufen, bot noch Kaufabschluß sofort das Gut, natürlich zu einem höheren Preise als er selbst es gekauft hatte, der Stadt Berlin an, aber nicht etwa das gesamte Areal, sondern nur einen Teil davon. Den andern Teil will er für Parzellie- rungszwecke zurückbehalten. Allerdings soll der Vertrag mit der Stadt Berlin so abgeschlossen werden, daß er nicht der G e- nehmigung durch die Stadtverordnetenverlamm- l u na bedarf. Eine kritische Erörterung dieses Kaufes fürchten wohl alle SSetelligten. Aber der Kaufabschluß hat noch eine Schwierigkeit. Das Gut ist Fideikommiß, d. h. es darf überhaupt nicht ver- kaust werden, sondern muß ungeteilt an den nächsten Erben des je- weittgen Besitzers, übergehen. Nun macht die preußische Zwangs- auflösungsvcrordnung vom 19. November 1920 die Auflösung von Fideikommissen möglich. Die Prüfung der Auflösungsanträge steht dem Auflösungsamt, das beim Kammergenchl Berlin eingerichtet ist, zu. Dieses Auflösungsomt wird natürlich die Genehmigung nur dann erteilen, wenn die Auflösung im öffentlichen Interesse liegt. Sicher- lich liegt ein öffentliches Interesse nicht vor, wenn ein Fideikommiß an«inen Grundstücksspekulanten verkauft wird. Um das zu ver- decken, soll der Vertauf an H. dem Auflösung samt ver- e i m l i ch t werden und die Stadt Berlin soll als Käufer gegenüber em Auflösungsamt austreten. Und noch ein«. Die erst« Rat« des Kauspresses wird am 2. Juli fällig. Bis dahin soll auch die Auflassung an die Stadt Berlin erfolgen. Dann wird die Stadt Berlin zahlen und dann ist auch H. in der Lage, seinen Berpflichtungen gegenüber der prinzllchen Verwaltung nachzukommen. Das Ganze kann unter dem Motto gehen: Wie sich Grundstücksspekulanten auf Kosten der Allgemeinheit bereichern." Soweit die Zuschrift. Die Oeffenttichkett hat da« größte In- teresse an einer Ausklärung dieser mehr als seltsamen Angelegenheit. Was ist daran wahr?__ Ein Schülersclbstmord. Heute früh gegen zwei Uhr erschoß sich in der Nähe des Floraplatzes im T i e r g a r t« n der Schüler Erich Lade» aus der Weißenburger Str. 26. aus unbekannter Ursache. Beim Voxtraining gestorben. Gestern abend gegen 10 Uhr wurde der Kaufmann Bruno Goldstern aus der Schönhauser Allee 112, als er in der Turnhalle der in derselben Straße gelegenen 174. Gemeindeschule am Punchingball trainierte, vom Herzschlag getroffen und verstarb bald darauf. Die Opfer der amerikanische« Eisenbahnkatastrophe. Rem Port. 18. Juni.(MTV., durch Funkspruchs Dl« Zahl der Toten bei dem Eisenbahnunglück in der Röhe von Hacketlstown beträgt jetzt 42. und es wird befürchtet, daß von den Schwerverlehkeu noch 12 kaum mit dem Leben davookomwea werden. Fans Ankersnchnngen über die Arsache de» Aagtück» find eingeleitet wocde». Gewerkschaftsbewegung Die Aussperrung in der Holzindustrie. Es dämmert im Unternehmerlager. Der Arbeitgeberverband für die deutsche Holzindustrie gibt in der Presse bekannt, daß in allen Bezirken die Aussperrung durchgeführt ift", und zwar hätten höchstens einige Landtischlereien mit menigen Arbeitern noch nicht ausgesperrt. Demgegenüber gibt der Holzarbeiterverband folgende genauen Ziffern über den Umfang der Aussperrung bis zum 16. Juni bekannt: Württemberg 4200, Baden 1650, Sachsen 10 000, Thüringen 2850, Hamburg 2400, Schleswig- Holstein 800, Bayern 2900, Brandenburg 1100, Schlefien 3000, Raffel 400, insgesamt 29 300. Es find also insgesamt rund 29 000 Holzarbeiter im Kampf, wobei aber auch etma 6000 mit eingerechnet sind, die schon lange vor der„ Generalaussperrung im Rampf standen. Wie erklärt sich nun die Differenz zwischen den Angaben des Arbeitgeberverbandes und denen des Holzarbeiterverbandes? Angesichts der Bestimmtheit, mit der der Arbeitgeberverband öffentlich immer wieder versichert, daß die Aussperrung vollkommen fei, wird man annehmen müssen, daß diese Behauptung tatsächlich stimmt, nämlich für sein Organisationsgebiet. Geflunkert hat er nur, als er anfangs eine 3iffer von 100 000 nannte. Er hatte wahrscheinlich gehofft, daß auch die anderen Arbeit geberverbände fich feiner Aftion anschließen würden. Nachdem diese Spetulation, fehlgegangen ist, muß er nun wohl oder übel die geringe Bedeutung seiner Organisation zugestehen. Die Unternehmer, die im Bertrauen auf die umfassende Größe des Arbeitgeberverbandes der Aussperrungsparole in der Meinung Folge geleistet haben, es handle fich um eine„ Generalaussperrung", fangen leistet haben, es handle sich um eine„ Generalaussperrung", fangen auch allmählich schon an, zu begreifen, doß fie die Genasführ: ten find. Arbeits- und Lohnvertrag für die Modelltischlerei. Köln, 18. Junt.( Mtb.) Der Verband der Modellfabrikanten Deutschlands, der in diesen Tagen seine diesjährige Tagung im Bürzenich abhielt, sprach sich in einem Antrag dahin aus, in 3ufunft einen eigenen Arbeits- und Lohntarif zu erstreben und die Einreihung in den Tarif der Holzarbeiter abzulehnen. Diese Fabrikanten wollen offenbar von der Scharfmacherei des Arbeitgeberverbandes nichts wissen. Solidaritätskundgebung der Berliner Holzarbeiter. Erhebung von Extrabeiträgen. Am Mittwoch abend tagte in Erbes Festsälen"( früher Kliems) in der Hasenheide eine allgemeine Funktionärfonferenz der Berliner Holzarbeiter, einberufen von der Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Holzarbeiterverbandes. Das Referat Stellungnahme zur Aussperrung in der deutschen Holzindustrie" hielt Bevollmächtigter Boese. Er schilderte noch einmal eingehend die Borgeschichte dieses von den deutschen Holzindustriellen frivol vom Zaune gebrochenen Kampfes, der darauf hinzielt, den Deutschen Holzarbeiterverband zu zerschlagen sowie die von ihm bisher er: reichten Lohn- und Arbeitsbedingungen erheblich zu verschlechtern. Liefer in seinen Auswirkungen und seiner Dauer noch nicht abzujchende Kampf ist nicht so von ungefähr hereingebrochen, sondern bom Arbeitgeberverband der deutschen Holzindustrie von langer Hand vorbereitet. Darüber täuschen auch nicht die vom 4. bis 6. Juni gepflogenen Verhandlungen zwischen den beiden Verbänden, die man heute nach Lage der Dinge als bloßes Romödienspiel bezeichnen tann. Die Unternehmervertreter wollten eben feine Berständigung, fie schienen eine solche beinahe zu fürchten. Sie hätten sonst nicht die Berhandlungen fo plöglich abbrechen fönnen, als diese nach dem Austausch der Forderungen eigentlich erst richtig beginnen sollten. Den Unterhändlern war von Anfang an ihre Marfchroute vorgeschrieben mit dem Ziel: Aussperrung auf jeden Fall! Daß hinter dem scharfmacherischen Treiben der Holzindustriellen noch Kräfte anderer Industriegruppen stehen, darf wohl faum noch bezweifelt werden. Wenn auch für die Berliner Holzarbeiter die Aussperrung vorläufig nicht in Frage fommt, so müssen sie doch jederzeit gerüstet stehen. Borerst gilt es, den Sämpfenden im Lande die vollste Sympathie in ideeller fowie finanzieller Hinsicht zu gewähren. Die Verwaltung hat daher von der kommenden Lohnwoche ab die Erhebung con Egtrabeiträgen beschlossen, um den Kämpfenden in ausreichendem Maße die Mittel zuzuführen, die sie zur fiegreichen Beendigung ihres vielleicht langen und zähen Kampfes benötigen. Trotzdem einige Funktionäre über die einzuschlagende Kampftaftit verschiedener Auffassung waren, zeigte die Bersammlung einen einmütigen Kampfes und Solidaritätswillen, den sie zum Schluß in der folgenden Resolution zum Ausdrud brachte: Die am 17. Juni 1925 in Erbes Festfälen" tagende allgemeine Funktionärtonferenz des Deutschen Holzarbeiterverbandes, Ber waltung Berlin, steht dem brutalen Angriff der Holzindustriellen gerüftet gegenüber. Sie ist überzeugt, daß diese vom 3aune ge= brochene Attion an der eisernen Kraft unseres Verbandes zerschellen muß. Den am Rampfe beteiligten Kollegen sprechen die Verfammelten die wärmste Sympathie aus und verpflichten sich, dafür Sorge zu tragen, daß die vom Borstand ausgeschriebenen Extra beiträge von jedem Mitglied gezahlt werden." Die Gemeinde- und Staatsarbeiter 1924. Wirtschaft Sie lernt doch zu... Zu Beginn bes Jahres 1924 wirften bie Nachwehen ber Inflationszeit, bes schwarzen Ihres 1923, recht unangenehm auf den Mitgliederstand des Gemeinde- und Staatsarbeiterverbandes ein. Von Monat zu Monat fenfte sich die Kurve der Mitglieberzahlen. Am 1. Januar 1924 zählte er 219 645 Mitglieder. Das erste Bierteljahr ... die Deutsche Bergwertszeitung" nämlich, das Organ der ( Stand vom 1. April 1924) schloß mit 196 310 Mitgliedern ab. Die Schwerindustrie. Ende April noch unternahm sie gemeinsam mit der Senkung des Mitgliederſtandes betrug im ersten Bierteljahr 23 155 gesamten Unternehmerpresse einen Feldzug gegen die Lohnpoli. Mitglieder 10,5 Proz. Auch im zweiten Bierteljahr war eine erheblich sintende Tendenz im Mitgliederstande zu verzeichnen. Amit der Gewerkschaften mit der Begründung, daß der Lohn. 1. Juli 188 453. Der Verlust betrug im zweiten Bierteljahr gegenüber tampf der Gewerkschaften über die Steigerung der Preise, also von dem Stand vom 1. April 7857 Mitglieder- 4 Proz. Am 1. September Gelbseite her, unausweichlich zu einer Gefahr für die ber 1924 war mit 183 329 Mitgliedern der niedrigste Mitgliederstand Stabilität der Währung führen müsse. Sie schrieb: des Geschäftsjahres. Gegen Anfang des Jahres mar bas eine Senfung von 36 136-16,5 Proz Die steigende Richtung, eine Zunahme von 925 Mitgliedern. Die Mitgliederturve zeigt dann eine ganz schwache aufwärtsschweren wirtschaftlichen Stürme, als auch das rüdsichtslose Anrennen bes fapitalistischen Unternehmertums gegen die gewerkschaftlichen Organisationen blieb auch auf dem Gemeinde- und Staatsarbeiterverband nicht ohne Wirkung. Die Belastungsprobe ist überstanden, seine Rraft ist un. gebrochen. Das zeigen uns die geführten Lohnbewegun gen. Insgesamt beträgt die Zahl der Lohnbewegungen 484 in 1437 Orten, 7327 Betrieben mit zusammen 327 094 Beschäftigten. Bon diesen 484 Bewegungen fallen 480 auf direkte Verbesserungen schlechterungen. An den 451 Bewegungen zur Verbesserung der der Arbeitsbedingungen und 4 Bewegungen auf Abwehr von Ver Arbeitsbedingungen, geführt ohne Arbeitseinstellung, waren be teiligt 297 112 Beschäftigte. An den 29 zur Berbefferung der Arbeitsbedingungen geführten Streits waren insgesamt in 342 Betrieben und 55 Orten 14 205 Beschäftigte beteiligt. Bei den 29 Angriffsstreits ftellten 11 559 die Arbeit ein; ohne daß es zur Arbeitsniederlegung tam erhielten die Forderumg bewilligt 4247. Die Umrechnung der Milliarden- Stundenlöhne in Renten- Golbpfennige zeigte gegenüber der Borfriegszeit eine starte Senfung der Löhne. Es galt als vornehmste Aufgabe des Verbandes, eine tatsächliche, den Warenpreisen entsprechende Höhe der Lebenshaltung herbeizuführen. Trotz der ausgesprochenen Hungerlöhne war das gesamte fapitalistische Unternehmertum in getreulicher Gefolgschaft mit den Reichs-, Kommunal- und Staatsverwaltungen bestrebt, die Löhne tiefer zu ſenten und die Arbeitszeit heraufzusehen. Der Geschlossenheit des Verbandes und dem ge= fchickten Borgehen des Vorstandes ist es zu danken, daß die Gemeinde und Staatsarbeiter recht bemerkenswerte Erfolge erzielen konnten. Die erreichten Lohnerhöhungen betrugen 1924 pro Mitglieb und Woche 3,95 m. gegen 1,25 M. im Jahre 1914. Die gewaltig geftiegene Schlagfraft des Berbandes geht auch daraus hervor, daß 1914 für nur 13 073 Personen Lohnerhöhungen erzielt wurden, 1924 bagegen fonnten Lohnverbesserungen für 311 317 Perfonen erreicht werden, die im Jahre einen Mehrbetrag von 63 876 593,04 m. ausmachen. Ift der Reichsmantel tarif auch noch in vielen Bunkien lüdenhaft und verbefferungsbedürftig, fo schafft er doch die Grundlage für einen weiteren Ausbau. Der in einigen Wochen in Stuttgart tagende Verbandstag wird sich mit der Taktik des Verbandes beschäf tigen und die Richtlinien für die kommenden Kämpfe festlegen. Dr ganisatorisch und finanziell steht der Gemeinde- und Staatsarbeiter verband heute mit an der Spize der deutschen Gewerkschaften. Sein Aufgabentreis it größer geworden. An den Mitgliedern liegt es, Durch aftive Mitarbeit an den Aufgaben bes Verbandes die Organifation zu weiteren Erfolgen zu führen. Lohnbewegung in der Solinger Stahlwarenindustrie. Solingen, 18. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die Gewert schaften der Solinger Stahlwarenindustrie haben unter Hinweis auf die Teuerungsverhältnisse das bestehende Lohnabkommen bis zum 30. Juni gekündigt. Gleichzeitig haben sie dem Arbeitgeberverband mitgeteilt, daß sie eine Erhöhung der Löhne um 20 Broz bean tragen und die Spanne zwischen den einzelnen Gruppen beseitigt wissen wollen. Die Streiflage in der belgischen Hüttenindustrie. Brüssel, 18. Juni.( TU.) Der Streit in der Hüttenindustrie im Bezirk Charleroi beschränkt sich gegenwärtig nur auf diefen Bezirt. Eine Bersammlung des Zentralfomitees der Metallarbeiter des ganzen Landes wird am Sonntag stattfinden. Man nimmt an, daß dann ein Generalstreit für die ganze Induftrie proflamiert werden wird. Die Arbeiter erheben Anspruch auf das Recht zur Einsichtnahme in die Bücher der Werte. Im Bassin von Charleroi befinden sich zurzeit 15 000 Arbeiter im Streit. Bon den 24 Hochöfen, die Anfang Juni im Bezirk von Ainault und Brabant arbeiteten, sind bis heute 20 ausgeblafen worden. Das Ergebnis der Arbeitskammerwahlen im Ruhrbergbau liegt bis auf zwei Schachtanlagen, deren Endziffern wesentlich nichts mehr ändern fönnen, vor. Es erhielten: Der alte Bergarbeiter verband 88 812( 9 Mandate), Christlicher Gewertschaftsverein 56 950( 6 Mandate), Rommunisten 50 511( 5 Mandate), Bolnische Berufsvereinigung 5946( 0 Mandate), Hirsch- Dunder 6563( 0 Mandate). Bei den letzten Arbeitskammerwahlen im Jahre 1921 waren die Stimmen und die Mandate wie folgt verteilt: Alter Berg arbeiterverband 100 924( 12 mandate), Christlicher Gewerkschaftsverein 49 482( 6 Mandate), Bolen 20 438( 2 Mandate), Christliche Berufsstände 7105( 0 Mandate, Hirsch- Dunder 5521( 0 Mandate). Der Rückgang der fommunistischen Stimmen gegenüber den Be triebsrätewahlen im März d. J. ist ganz ungewöhn lich groß. Billige Preise 8000 Paar Braune u. schwarze Herren- Melbschuhe 90 Weiß- Leinen- Damen- SchnürBoxrint. Herren Halbschuhe mit grazem Binsais, 1230 rava 13.80, sehwarz, Rand weiß gedoppelt Arbells stiefel 90 kräftig Spaltleder, ohne Vorderkappe 590 6,90 Echt Rindbox φίδιοιο! und Spangen- Schuhe 495 mod. Formen, gutes Material gute Ledersohlen 2.95 3.90 4.90 6000 Paar 195 Wildleder. Affenhautschuhe Imital gran, braun und schwarE, gute Ledersohlen, moderne For men. 390 # 3 Serie I 4.90 Serie II 1000 Paar Moderne Spangen- u. Schnürschuhe braun Boxcalf. R'.Chevraux sow. 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" Bon der Geldseite, d. h. also von der Seite des Zahlungsmittelumlaufs und der damit verbundenen Preisbildung ist die Stabi lität unserer Währung heute ernsten Gefahren ausgefeßt. Wir freuen uns, heute feststellen zu können, nachdem der demagogische Angriff der Unternehmer in der Deffentlichkeit erkannt und glatt abgeschlagen worden ist, daß die Bergwertszeitung" sich diese Belehrung zu Herzen genommen hat. Am 16. Juni schreibt sie nämlich, nachdem sie der Aeußerung des Reichsbank. direktoriums vor dem Verband sächsischer Industrieller, es beftehe fein Zusammenhang zwischen der jüngsten hebung des Preisniveaus und der Währung, zugestimmt hat: Wir glauben schon beshalb nicht an eine neue Inflation, weil das ganze Bolt in allen seinen Schichten ge= lernt hat, sich in seinen Lebens-, Kauf- und Zahlungsgewohnheiten auf die Geldentwertung einzustellen. Damit verliert die unfolide Geldschöpfung, die Benutzung der Notenpresse, ihren Sinn als Mittel zur Beftreitung der Staatsausgaben. Die Reichsbant Dermag ferner den Außenwert des deutschen Geldes mit ihrem Vorrat an Gold und Devisen noch auf lange Zeit hinaus zu behaupten. Dieser Umschwung ber Meinung innerhalb 6 Wochen ging erfreulicherweise schnell vor sich. Würde die deutsche Deffentlichkeit darauf hoffen können, daß die Schwerindustrie für ihre Wirtschafts- und 3ollpolitit ebenso schnell und gründlich umlernen würde, so wäre Deutschland mit einem Schlage große Gorgen um die zufünftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft los. Der badische Industrie- und Handelstag gegen die Erhöhung der Tabaksfeuer. Der badische Industrie- und Handelstag hat in seiner Präsidialkonferenz am 13. Juni in Badenweiler zur Frage der Tabatfteuer eine Entschließung gefaßt, in der gesagt wird, daß eine Erhöhung der Tabatsteuer bei der überaus troftlosen Lage, in der fich das badische Tabafgewerbe befindet, das Tabatgewerbe empfindlich zu schädigen und zum Teil den Bestand in Frage zu stellen drohe. Schon bisher mußten verschiedene Unter. nehmungen Betriebseinschränkungen vornehmen, Feierschichten ein legen und Arbeiter entlassen. Infolge des damit verbundenen Rüd gangs an sonstigen direkten und indirekten Steuern und der zwangs läufig eintretenden Erhöhung der Arbeitslosenunterſtügung habe eine weitere Anspannung der Tabatsteuer daher wirt. schaftliche Schädigungen und gesamtwirtschaftliche Nachteile im Gefolge, die beffer vermieden werden sollten. Der badische Industrie. und Handelstag sprach sich mit Rücksicht auf diese Berhältniffe mit allem Nachdrud gegen eine Erhöhung der Tabatsteuer aus. 12 Proz. Dividende im Großeisenhandel. Diese verhältnismäßig hohe Dividende tann die mit Wolf, Netter und Jacobi und der Metallgesellschaft Frankfurt a. M. eng verbundene Großeisen. handelsfirma Rawaet- Grünfeld AG.- Charlotten burg den Aktionären für ihr 5 Millionen- Kapital ausschütten. Wie weit die relativ hohen Beteiligungen am Reingewinn( 818 000 m.) beteiligt find, läßt sich nicht ersehen. Außer der 12prozentigen Divi dende ermöglicht der Reingewinn noch eine Reservenstellung von 100 000 m. Der Großeisenhandel scheint also unter den Schwierig feiten der oberschlesischen Eisenindustrie, für die auch die Rawael- und Grünfeld- G. tätig ist, nicht zu leiden. Maschinenfabrik Budau A.-G., Magdeburg, 10 Proz. Dividende. Die Berbindung mit der Braunftohlen- und der Chemischen Industrie durch die Spezialitäten ihrer Fabrikation gibt der Budauer Maschinenfabrit in der Maschinenindustrie eine bevorzugte Stellung. Die günftige Lage der Braunkohlen- und chemischen Induſtrie hat reichliche Beschäftigung und genügende Gewinne gebracht. Allerdings scheint auch die vorsichtige Kapitalumstellung ( 6 Millionen gegen 11 Millionen 1913) den günstigen Abschluß ge= Maschinen und 5 Broz. auf Gebäude sind reichlich zu nennen. fördert zu haben. Die Abschreibungen mit rund 15 Broz. auf Berantwortlich für Bolitik: Bieter Schiff: Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lofales unb Sonstiges: Frik Razftabt; Anzeigen Tb. Glode; fämtlich in Berlin. Bering: Borwärts- Berlag 6. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchbruceret unb Berlagsanftalt Baul Singer u. Co.. Berlin 6. 68, Lindenstraße 3. Mod. Spangenschuhe braun od. schwarz echt Louis XV.. Absatz, gut. Fabri kst und Material, sehr fesch listo € 980 Braune oder schwarze Damenhalbschuhe teils Spangen Damen- Schnür- und Spangenschuhe echt Bexcalf, echt Chevreaux und R'.- Chevreaux, mod. Form. 7.90 moderne Formen. und Pumps, 6.90 5.90 6590 8888 Echte Damen- Lack-, Schnür- und 2- Spangenschuhe 990 moderne Formen Mod. Lack- u. braune Boxcalf- Fächerspangen va mod. 1- Spang. m. farb. Komb., echt Louis VII.- Abs., sehr fesch u. mod. 13.90, 1190 Schuh- Lokal Münzstr.25 Kottbuser- Damm 13# Frankfurter- Allee 54 emerge and BEHRNDT