Abendausgabe Nr. 286 ❖ 42. Jahrgang Msgabe B Nr. 140 v«,ug»bedingunsin und Anzeig-npreks« Nnd in der Morgenausgabe angegeben Redaktion I SQ. es. c>aden«rab- 3 Fernsprecher: vöahoss 292— 296 reU-Adresle-Sozioldemokro» Berlin Devlinev VolKsblakt Zcntratorgan der Sozialdemokrat» fchcn parte» Deutfcblands ( 5 Pfennig) Freitag Jum 1025 Verlag und»nzetgen-dleUnn»! Ce»«it 9-6 Uhr Verleger: VorwSrts»verIag GwSy. Berlin Sw. es, Liadeoslrob» 3 Serasprecher: DSnhoss 2606.2602 Die Aufnahme öer Sicherheitsnoten. Ein französisches Gelbbuch. Der deutsch-französische Notenwechsel über die Sicherung der europäischen Grenzen stellt die Einleitung von Der- Handlungen dar. Diese Einleitung selber hat bereits M o- note gedauert. Die Schwierigkeiten beim Entstehen sowohl des deutschen Sicherheitsvorschlages und der franzö- fischen Antwortnote lassen vermuten, daß Monate vergehen werden, ehe der weitere Meinungsaustausch zwischen den beteiligten Mächten ein positives Ergebn.s zeitigen wird, das alle europäischen Völker ohne jeden Unterschied so dringend benötigen. Die Schwierigkeiten, die sich einer dauer- haften Regelung des europäischen Friedens entgegenstellen, sind bei allen Völkern vorhanden. Ueberall sind Kräfte am Werke, die alle Minen springen lasten wollen, um nur eine dauernde Verständigung in Europa zu verhindern. Die Aufnahme, die der Notenwechsel in der deutschen Rechtspresse findet, zeigt, wie stark diese Schwierigkeiten bei uns sind. Die ReichsregieruntZ, von der der Garantievorschlag ausgegangen ist, stützt sich auf die Rechtsparteien. Aber diese »Stütze" ist so schwach, daß sie offenbar in jedem Moment zu zerbrechen droht. Die Deutschnationalen fasten ihre Ent- schließung zum Garantievorschlag nur hinter verschlossenen Türen, sie wagen es nicht einmal ihren eigenen Reichstags- Mitgliedern das Ergebnis ihrer Beratungen schriftlich mitzu- teilen. Sie werden durch die Veröffentlichung des Noten» Wechsels in die denkbar peinlichste Lage gebracht. So will denn auch die Rechtspreste zwar weitere Verhandlungen nicht von vornherein ablehnen, aber ihre Kommentare zum Noten- Wechsel sind so eindeutig, daß man nicht absieht, was bei Ver- Handlungen aus diesem Geist Ersprießliches herausschauen möchte. Schroffste Ablehnung verkündet die„Deutsche Z e i- tun g":„Der Kampf gegen den Frieden in Europa" so über- schreibt sie die Meldungen über den Notenwechsel. Strese- mann ist ihr noch fluchwürdiger als Erzberger und Wirth. »Das System, nach dem seit Iahren in Deutschland aus- »artige Politik betrieben wird, und zwar von„Leichrnmüller" bis zum Dr. Gustav Stresemann. hat seine Krönung erfahren. Der Er- flillungswahnsinn und die Sucht' nach Verständigung und Ver- föhnung, und zwar einseitiger, haben uns außenpolitisch und wirt- schajtlich in eine Sackgasse geführt, aus der es wirklich nicht einfach ist, wieder herauszufinden." »Dieser Vorschlag bleibt, was wir immer von ihm gesagt haben, eine Preisgabe urdeulschen Landes, eine erschütternde Enlläufchung für alle anßerhalb der politischen Grenze lebenden Deutschen, die auf den Machtwillen des Reiches immerhin noch gehofft haben, und eine Verleugnung des bisherigen deutschen Standpunktes, daß der Ver» sailler Vertrag uns betrügerisch abgepreßt worden ist. Betrachtet man aber den Vorschlag lediglich als diplomatische» Schriftstück, so staunt man über die Unklarheit und Ziellosigkeit. mit der dem Feinde beinahe alles angeboten wird, ohne auch nur cine einzige Gegenforderung zu stellen. Kein Wunder, daß, wie wir später sehen werden, der Feind mit einer Hand zugreift und mit der anderen zu neuem Schlage ausholt." Bei der„Deutschen Zeitung" kann man noch sagen, baß sie eine Sonderstellung einnimmt, da sie eigentlich ein halbvölkisches Organ ist und infolgedessen ihre Aeuhe- rungen nicht direkt als Meinungsäußerung maßgebender deutschnationaler Kreise anzusprechen ist. Aber die Stimmung der übrigen Rechtspresse ist nicht viel anders Der„Lokal- Anzeiger" nennt die französische Antwortnote ein„gleiß» n e r i s ch e s D o k u m e n t", die„Kreuz-Zeilung" spricht von „neuen Fesseln", die„Deutsche Tageszeitung" will von Verhandlungen auf der Grundlage dieser Note nichts wissen. Sie schreibt: „In der ausländischen Presse ist behauptet worden, amtliche Kreise in Deutschland glaubten in der französischen Note ein« ge- eignete Verhandlungsgrundlage erblicken zu können. W> r find nicht dieser Ansicht. Wohl müssen selbstverständlich alle Unklarheiten geklärt werden. Aber das genügt nicht, um wirk- lich entscheidende Verhandlungen aus dieser Basis gerechtfertigt oder auch nur unbedenklich erscheinen zu lassen. Der Geist der fran» zösischen Antwortnote ist der Geist von Versailles, ist der Geist, der zum Ruhreinfall, zur Richträumung von Köln und zur jüngsten Cntwaffnungsnote geführt hat. Mit diesem Geist kann e, für uns kein freiwilliges paktieren geben. Die Entente, deren kolonialer Besitzstand in allen Erdteilen bedroht erscheint, bedarf heute nötiger als wir neuer, besonderer vertraglicher Sicherungen in Europa. Die kann Deutschland niemals anders als auf der Grundlage voller Gegenseitigkeit und wirklicher Gleichberechtigung geben." Es ist richtig, daß auch die E n t e n t e l ä n d er ein starkes ?nlereste an einer Beruhigung Europas haben. Ebenso richtig ist aber auch, daß Deutschland kein Interesse daran hat, wenn durch solche Aeußerungen, wie die der„Deutschen Tages» zeitung", durch den Hinweis auf die kolonialen Schwierig» leiten der Westmächte, auf die Verpfsichwngen Deutschlands gegenüber Sowjet-Rußlands immer wieder den Eindruck zu erwecken, als ob es ernsrhast einen europäischen-Frieden nicht wolle. Dadurch werden nur die Kräfte gestärkt, die Deutschland aus dem dauernden Druck der Besatzung zucht-heraus lasse«- wollen. Eine glatte Ablehnung wagt zwar die deutschnationale Presse heute noch nicht auszusprechen. Aber sie will die Der- Handlung so sehr mit Schwierigkeiten bepacken, daß weder Deutschland noch Europa aus der Sackgasse gegenseitiger Schwierigkeiten herauskommen. Die nächsten Wochen werden zeigen müssen, wie die Regierung Luthe r-Stresemann bei einer solchen Haltung des wichtigsten Teiles ihrer Regie- rungspresie die Verhandlungen mit den Westmächten weiter- zuführen gedenkt und wie sie dabei zu einem Ziele gelangen will, das gerade im Interesse Deutschlands den Geist des Mißtrauens und des Appells an die Gewalt gründlich abzubauen erlaubt. Das eoglifch-französifihe Zwischenspiel. Paris, IS. Juni.(WTB.) Die französische Regierung veröfsent- Uchte gestern abend ein Gelbbuch, in dem sie neun Noten wiedergibt, die seit dem S. Februar zwischen der französischen und der deutschen Regierung sowie zwischen der französischen und der englischen Regierung ausgetauscht worden sind. Das erste Dotu. ment ist das deutsche Memorandum vom Februar, das zweite Doku- ment die Empfangsbestätigung Herriots. Von da ab bis zum 12. Mai haben infolge der Ministerkrise keine Verhand- lungen mit der englischen Regierung stattgefunden. Erst an diesem Tage hat Außenminister B r i a n d in London«in Memorandum überreichen lassen, das ! vrlands Entwurf der Antworlnoke auf das deutsche Memorandum darstellt. Briand stellt in diesem Schriftstück sechs Grundsätze auf. Die Punkte 1, 2 und 3 stimmen mit Punkt 1, 2 und 3 der bereits veröffentlichten französischen Note überein. Erst von Punkt 4 ab erkennt man, daß die britische Regierung Einwendungen erhoben hat. In dem Notenentwurf vom 1 2. M a i, also in der ersten Fassung, lautete Punkt 4 wie folgt: Die deutsche Regierung erklärt sich bereit, mit Frankreich sowie mit allen Staaten, die am Nhcinpakt teil- nehmen, Schiedsgerichtsoerträge abzuschließen, um eine friedliche Lösung aller juristischen und politischen Konflikts zu garantieren. Frankreich ist der Ansicht, daß derartige Schiedsgerichtsoerträge cine natürliche Ergänzung des Rheinsicherheitspaktes sein würden. Aber es ist klar, daß sie sich auf alle Konflikte jeder Art nicht er- strecken und Raum lasse» müßten zu einer Zwangsaktion im Falle der Nichterfüllung der Vorschriften der verschiedenen Verträge und der in der gegenwärtigen Note in Aussicht genomme- nen Abkommen. Um diesen Verträgen eine volle Wirksamkeit zu geben, müsse ihre Durchführung durch die gemeinsame G a- rantie der Mächte sichergestellt werden, die auch an der terri- torialen Garantie des Rheinsicherheitspaktes teilnehmen. Punkt 5 des ersten Entwurfs lautete: Die deutsche Regierung bat in ihrem Memorandum erklärt, daß sie dereit ist, mit allen Staaten, die sich hierzu geneigt zeigen, Schiedsgerichtsoerträge gleicher Art abzuschließen. Die alliierten Regierungen nehmen mit Befriedigung von dieser Versicherung Kenntnis. Sie sind der An- ficht, daß mangels derartiger Abkommen zwischen Deutschland und denjenigen seiner Nachbarn, die. ohne an dem geplanten Rheinsicherheitspakt teilzunehmen, Signatare des Friedensvertrages von Versailles sind, der durch den Rheinpakt erzielte Zweck weder erreicht, noch der Frieden in Europa vollkommen garantiert werden könne. Die alliierten Regierungen haben aus dem Völkerbunds- ftatut und den Friedensverträgen Rechte, auf die sie nicht ver- zichten können, und Verpflichtungen, von denen sie sich nicht befreien können. Die so abgeschlossenen Gchiedsgerichtsverträge hätten dieselbe Bedeutung wie die im Z 4 in�Auge gefaßten Verträge und würden durch die gleichen gemeinsamen und indi- viduellen Garantien verbürgt werden. Punkt 6 des ersten Entwurfs Briands lautete: Nach Ansicht der sranzösischen Regierung würden die allgemeinen Sicherheits- garantien, die für die Ausrechterhaltung des Friedens notwendig sind, diesen nur wirksam sichern können, wenn die ins Auge ge- faßten Abkommen ein unteilbares Ganzes bilden. Die französische Regierung sei also der Ansicht, daß alle Abkommen. deren Beobachtung durch Unterschrist der gleichen Mächte sanktio- niert würde, in einem allgemeinen Abkommen vom Völkerbund zusammengefaßt und unter seinen Schutz gestellt werden müßten, so daß hierdurch, wie es das deutsche Memorandum andeute, der Ausgangspunkt einer noch oll- gemeineren friedlichen Abmachung entstehen könnte. Es versteh« sich so von selbst, daß, wenn die Vereinigten Staaten glauben würden, sich dem Abkoimnen anschließen zu können, Frank» reich glücklich sein könnte, wenn die große amerikanische Nation an diesem allgemeinen Werk des Friedens und der Sicherheit teil- nehmen würde. In dem Schlußsatz dieses Notenentwurfs erklärt die französische Regierung, das seien die allgemeinen Gesichtspunkte, über die es notwendig sei, genau die Ansichten der deutschen Re- gierung kennenzulernen. Die alliierten Regierungen würden glück» lich sein, eine Antwort zu. erhalten, die es g e st a U e, in Verhandlungen einzutreten, die zum Ziele den Abschluß von Ab- kommen haben, durch die der Frieden eine neue und wirksame Garantie erhalte. Das Dokument Nr. 4 ist ein britisches Memorandum vom ltz. Mal»325. das Ehamberlain dem französischen Botschafter in London überreicht hat. Man könnte es einen Fragebogen nennen, denn er wünscht Aufklärungen, ob Frankreich der deutschen Regierung im Namen aller Alliierten antworten will: des ferneren wird um Er- läuterung der Bedeutung der im Punkt 3 angesührten Formel des Derfoi.ler Vertrags gebetey. 61� könne zu Irr der als ein Zusatz zu den bestehenden Verträgen betrachtet werden müsse. Außerdem wünscht Ehamberlain Auskunft, wie der Aus- druck„Arbitrage" aufzufassen sei. Sehe er nur eine Regelung juristi- schen Charakters für alle Fälle vor mit Ausschluß der Prozedur durch den Völkerbundrat, wie sie im Statut des Völkerbundes vor- gesehen sei, oder verstehe die französische Regierung unter dein Wort„Arbitrage" den Begriff„Conciliation"? Des ferneren wünscht die britische Regierung über den Passus des sranzösischen Notenent- wurfs Aufklärung, in dem gesagt wird, daß die Schiedsgerichtsverträge Raum für eine Zwangs- a k t i o n im Falle von Nichtbeachtung haben müßten. Es scheine schwerlich, so heißt es In der Note, daß die französische Regierung tatsächlich Zwangsmaßnahmen ins Auge fassen könne, ohne vorher zu irgendeiner Prozedur im Hinblick auf die friedliche Regelung zu schreiten, zum Beispiel wie die, die vor dem Völkerbund gemäß dessen Statut vor sich gehen müsse. Ehamberlain schreibt, das fei ein wichtiger Punkt, über den er für genaue Ausklärung dankbar sei. Außerdem wird eine Er- läuterung des Begriffs„gemeinsame und individuelle Garantie" gefordert sowie eine Definierung der wahrhaften Verpflichtungen, die hierdurch für den Garanten entstehen könn- ten. Ehamberlain will auch wissen, was der Satz bedeute:„unter die Auspizien des Völkerbundes gestellte Verträge". Ergeben sich vielleicht daraus für irgendeinen Staat, der zwar Mitglied des Völkerbundes, aber nicht Unterzeichner des Abkommens sei, Verpflichtungen? Das Dokument Nr. 5 gibt die sranzösische Antwort auf diese Fragen. 1. Es sei die Ansicht der sranzösischen Regierung, nicht i m Namen der Alliierten, sondern im eigenen Namen im Einverständnis mit den Zllliiertcn der deutschen Regierung zu antworten. Z. Mit dem Satz..Im Rahinm des Vertrags von Versailles" wolle die französische Regierung zum Ausdruck bringen. daß der durch Deutschland vorgeschlagene Pakt in nichts die Friedensverträge schwäche, verletze oder gegen sie Ein- Wendungen erheben könne, also cine Z u s a tz g a r o n t i e hierzu darstelle. Des ferneren wolle die französische Regierung zum Aus- druck bringen, daß die Gesamtheit der Klauseln des Völkerbun d- st a t u t s und des Friedensvertrags in jeder Hinsicht g c- sichert wäre. Das sei namentlich für die Grenzsragen und für die Vorkehrungen nötig, die dazu dienen müßten, die Beobachtung der Friedensverträge sicherzustellen. Die Reserven in Punkt 2 und 3 bezögen sich aus Oesterreich und Schlesien (??? Red. d.„V."). Nur mit Rücksicht aus die deutsche össentlichc Meinung erwähne die sranzösische Antwort nicht ausdrucklich die Namen Oesterreichs. Polen» usw. Briand erklärte alsdann, die französische Regierung fasse das Wort „Arbitrage" im allgemeinsten Sinne auf. Sie verstehe darunter, daß es sich darum ha, dlc, G e w a l t l ö s u n g e n aus- zuschließen. lieber die Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, könne näheres erst in Verhandlungen bestimmt werden. � Auf alle Fälle müsse der obligatorische Charakter der sricdliche» orcgc- lung festgelegt, die Befugnisse des Völkerbundsratcs dürften nicht eingeschränkt werde., Die einzige Bedingung, die für die Auslegung wesentlich erscheint, sei, daß die friedliche Lösung, Sie erzielt werde, den Charakter einer obligatorischen Entscheiaung habe. Es sei notwendig, zwei Punkte zu unterscheioen: 1. Bei Nicht- bcachtung der Vertrags- und Abkommcnbsstimmunacn könne eine Zwangsaktion nur auf Grund einer speziellen Disposition der genannten Verträge und Abkommen, die eine einheitliche Aktion vorsehen, unternommen werden. 2. Für Nicht- beobachtung der Schiedsgerichtsoerträge müsse man eine Zwangs- aktion vorsehen, die der Natur dieser Verletzung angepaßt sei. Briand antwortet weiter: Der Begriff„Gemeinsame und invioiduclle Garantie" bedeutet, daß die Garantie für alle Signatare ge- geben wird, die grundsätzlich zusammen handeln müssen, aber, daß jeder der Signatare für sich gesondert gehalten ist. v o r z u- gehen für den Fall, daß einer oder mehrere Signatare ver- sagen würden: zum Beispiel: Anläßlich der Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland llll4 hat Oesterreich-Ungarn versagt. Außerdem muß man unterscheiden zwischen einer territorialen Garantie und zwischen einer im schiedsge- richtlichcn Vertrag gegebenen Garantie. Die erste Verfehlung schließt naturnotwendig die Zuflucht zur Gewalt zur V e r t e i d i- aung des verletzten Gebietes in sich. Die Garantie eines schiedsgerichtlichen Vertrages muß nicht notwendigerweis« diese Form annehmen: Jü setzt diplomatische oder andere der Natur der Verletzung sich anpassende Mittel voraus. Z. V.: Wenn Deutschland den Schiedsgerichtsvertrag mit Polen verletzt, dann kann Groß- britannien automatisch nicht über das hinaus engagiert werden, was einerseits die im Schiedsgerichtsvertrage vorgesehenen Garantien enthalten, und andererseits was ihm seine Eigenschaft als Mitglied des Völkerbundes auferlegt. Frankreich kann nicht zulasse«, daß ihm der rheinische Sicher- heilsvakt enlgeasnzestclll wird, wenn es verpflichtet ist. polen Beistand zu leisten. Dieses Beispiel beweist die Notwendigkeit, den Sicherheitspatt gleich- zeitig mit Schicdsgerichtsverträgcn zwischen Deutschland und den benachbarten Staaten abzuschließen. Wenn die Schiedsgerichtever- träge zwischen Deutschland und den Alliierten abgeschlossen werden, dann kann der rheinische Pakt von Deutschland angerufen werden, um jeden Beistand gemäß de» Bestimmungen des Völkerbuich' statuts von seinen Allianz st aaten(soll wohl heißen: Ver- tragsportner. Rcd. d.„D.") zu verlangen. Dadurch, daß'die französische Regierung vorschlägt, sämtliche Garrntievott« und Ab- kommen unter die Auspizien des Völkerbundes zu stellen, will sie nicht für die Mitglieder des Völkerbundes die gleichen Vcrpflich- tungen wie für die Unterzeichner dieses Abkommens jchaü�n- Es Autorität des Völkerbundes zu stellen, um im Bedürfnisfalle die| tommen müßten jeder interessierten Macht die größtmögliche Sicher| das jetzt bestehende Wahlgefez a bändern. Der zweite Teil des Berechtigung einer Aktion, die nach dem Vertrage unternommen beit geben, solange sie ihre Vertragsverpflichtungen erfüllen, Antrages, welcher lautet:„ Um ein System, begründet auf Verwird, feststellen zu lassen, und um schließlich zu fonstatieren, daß aber andererseits dürften die Bestimmungen nicht von einer schul. hältniswahlen, durchzuführen", wurde jedoch mit 296 gegen diese Aktion mit den Grundsägen des Völkerbundstatuts digen Macht angerufen werden, um sie vor den Folgen einer übereinstimmt. beabsichtigten Verlegung ihrer Vertragspflichten zu schüßen. trag auf Wiedereinführung der Arrondissementswahlen 165 Stimmen abgelehnt. Damit dürften dem radikalen AnDokument 6, Unter dem Borbehalt dieser grundsätzlichen Erklärung sei Eng- die Wege geebnet sein. land mit dem Inhalt der Note einverstanden. die Antwort Chamberlains vom 29. Mai, beginnt damit, festzustellen, wie die britische Regierung die deutschen Sicherheitsvorschläge aufgefaßt habe. Chamberlain bezieht sich auf seine Ausführungen im Bölkerbundrat vom 12. Mai, daß das beste Mittel, ein Programm der Sicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit und Entwaffnung durchzuführen, sei, das Bölkerbundstatut durch besondere Abkommen zu ergänzen, die den besonderen Bedürfnissen entsprechen. Dieses Abkommen müsse reinen Defen= siv Charakter tragen und in enger Harmonie und unter Leitung des Bölkerbundes abgeschlossen werden. In seiner Unterhausrede vom 24. Mai habe er erflärt, daß, wenn die britische Regierung ihre Berpflichtungen nicht auf alle Grenzen ausdehnen töune, so doch derartige Verpflichtungen in der Zone übernommen werden können, in der die britischen Intereffen am meisten berührt werden, also an der Grenze zwischen Deutschland und seinen westlichen Nachbarn. Als grundlegende Bedingung bezeichnet Chamberlein: Jede neue Verpflichtung, die die britische Regierung übernimmt, trägt einen spezifischen Charakter und beschränkt sich auf die Aufrechterhaltung des territorialen Status an der West grenze Deutschlands. Neue Verpflichtungen, die über die Berpflichtungen des Bölkerbundstatuts und der Friedensverträge hinausgeben, will England nicht übernehmen. Chamberlain jagt weiter: Der französische Vorschlag, Schieds gerichtsverträge als natürlichen Zusatz zum rheinischen Sicherheitspaft abzuschließen, ist für die tontinentalen Mächte wertvoll, aber nicht im gleichen Maße für Großbritannien. Aus dem gleichen Grunde fann England nicht zulaffen, daß die Schiedsgerichtsverträge und der rheinische Patt ein unteilbares Ganzes bilden und in einer Ronvention zusammengebracht werden. Trozdem ist England bereit, den Schiedsgerichtsverträgen Deutschlands mit den Best mächten eine Garantie zu geben, die notwendigerweise von der für das Rheinland gegebenen territorialen Garantie abhängig ist. Die Garantie wird spielen für den Fall, daß eine der fontrahierenden Barteien sich weigere, den Streitfall einem Sieds. aericht zu unterbreiten oder daß fie eine Entscheidung durchzu führen sich weigert oder zu einer feindseligen Handlung ihre Zuflucht nimmt. Die Garantieverträge werden für England feinerlei Verpflichtung nach sich ziehen, in einer anderen Zone Waffenhilfe zu leisten, sondern nur in der des Rheinpatts. Chamberlain nimmt die französischen Antworten auf die drei erften Bunfte an, jedoch unter der Bedingung, daß fie die notwendige Interpretierung er fahren, da sie zu allgemein gehalten feien. So muß es wohl verstanden sein, daß der Eintritt Deutschlands in den Bölkerbund eine wesentliche Bedingung sei, aber nicht eine Vor bedingung, all nicht dem Abschluß des Sicherheitspaftes vorangehen müsse. Außerdem muß Belgien an dem Paft als direkt intereffierter Staat teilnehmen. Auf die Abänderungsvorschläge Chamberlains wurde bem frem. zösischen Botschafter in London am 5. Juni Briands neuer Tertvorschlag übermittelt; hierauf antwortete Chamberlain am 8. Juni in Genf durch einen Brief an Briand. Hierin erklärt er, die neuen von der französischen Regierung vorgeschlagenen Amendements als derart, daß ohne Verzug die Angelegenheit durch eine Deutschland zu erteilende Antwort gefördert werden müsse. Die britische Regierung nehme alle Amendements mit Ausnahme eines einzigen an. Die französische Regierung habe recht anzunehmen, daß die britische Regierung anerkenne, daß der ins Auge gefaßte rheinische Sicher heitspakt nicht den 3wed haben tönne, eine Barriere zu schaffen, um Frankreich zu verhindern, eine Attion auszuüben, die den Garantien entspreche, die es bei den Schiedsgerichtsverträgen zwischen Deutschland und feinen Nachbarn gegeben habe. Uns icfem Grunde billige die britische Regierung den Punkt 4 des Rotenentwurfs. Die britische Regierung jei tatsächlich der Anficht, daß dieser Borschlag überzeugend sei und daß er sich in gleicher Weise auf alle Unterzeichner des ins Auge gefaßten Battes be ziehe. Diesem Vorschlag tönnten, wenn er richtig verstanden werde, ohne Schwierigkeit alle intereffierten Parteien zustimmen. Es wäre offenbar ungerecht, wenn der vorgeschlagene Rheinpatt in irgend einem Falle zugunsten einer Macht spielen könnte, die die Schiedsvertragsbestimmungen verlege. Der Paft und diese AbAmundsen. Der Bölfer Auge sah dein Hoffen fleigen. In Bangen hämmerte die rasche Stunde. Doch Tage, Wochen fiechten ohne Kunde. Kur Duldern wird des Sieges Preis zu eigen. And fiefer ging des Schmerzes dunkles Neigen. Die Schar der Toten stand in schwerer Runde, Um Haupt und Herz die arme Heldenwunde Und Menschheit fieberte durch Eis und Schweigen. Nun leuchten froh dem heimgelehrten Sohne Der Völkerfahnen buntgemengte Farben. Kommst du als Sieger? Schleppft du dir zum Cohne Der wagemutigen Jahre heilige Narben? Wir fragen nicht wir sehn die Dornenkrone Der Tapfern, die als deine Brüder starben. Franz Rothenfelder Das Amt des Reichskunstwarts. Das Amt des Reichstunstwarts besteht jetzt 5 Jahre. Sein Inhaber Dr. Edwin Redslob hat sich in dieser Zeit erfolg reich betätigt auf dem Gebiet der amtlichen Graphit, wo in 3u sammenarbeit mit ersten Rünstlern eine Reihe von Arbeiten entstanden, die wegen ihres vorbildlichen Wertes weit über ihr Auftragsgebiet von Bedeutung sind. Außerdem hat der Reichskunstwart es verstanden, den großen Rundgebungen ein besonderes Gepräge zu geben, so daß man bereits von einem bestimmten Stil derartiger Dinge sprechen fann. Es handelt sich um staatliche Feiern wie die Verfassungsfeier und solche aus einzelnen Anlässen, unter anderem gelegentlich des Ruhrkampfes, und die Trauerfeier für den verstorbenen Reichspräsidenten, die durch ihre Würde und Größe allgemeine Beachtung fanden. Innerhalb der verwaltenden Tätigkeit ist der Reichskunstwart ständig als Anwalt der Künstlerschaft gegenüber Behörden tätig gewesen, was sich besonders auf dem Gebiet der Steuergesetzgebung zeigte. Aber auch in vielen einzelnen Fällen hat er für die Wahrung der Rechte des Künstlers in vermittelnder Tätigkeit gearbeitet. Entsprechend dem Sinne des Amtes, das nicht bureaukratisch festgelegt, sondern beweglich sein soll, hat er sich außerdem der Erhaltung der künstlerischen Ueberlieferung auf dem Gebiet des Handwerts angenommen. Hier hat er eine umfassende Tätigkeit eingeleitet, indem er Behörden und Verbände zu einer Bereinigung zu sammenschloß und von hieraus diese Frage betrieb. Der Reichstag hat auf diesem Gebiet sowohl früher wie auch jezt bei den Berhandlungen über den Etat des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichsministeriums des Innern sich in flarster und rückhaltlosester Form für die Tätigkeit des Reichskunstwarts ausgesprochen, wobei dann freilich auf Fragen der Abgeordneten hin im Ausschuß der Reichskunstwart mitteilte, daß die Mittel Hier schließt sich als 9. Dokument die am 16. Juni durch den französischen Botschafter in Berlin de Margerie dem Außenminifter Etresemann überreichte und bereits veröffentlichte Note an Kommt Herriot wieder? Ihn würden die Sozialisten freudig unterstützen. Paris, 19. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Auch die gestrige Abendfizung der sozialistischen Fraktion zusammen mit dem Parteivorstand ist nach fünfstündiger Diskussion ohne bestimmtes Ergebnis geblieben. Den Beratungen lagen mehrere Anträge zugrunde. Die erste, von Compère Morel, will die Politik der Unterstützung fündigen und die volle Handlungsfreiheit gegenüber dem Kabinett Painlevé wiedergewinnen, da deffen Po utit in Widerspruch stehe zu der Politit des 11. Mai. Compère- Morel schlug vor, daß die Fraktion die Regierung und die anderen Gruppen des Kartells von diesem Beschluß benach richtige und in einem an das Land gerichteten Manifest ihre Haltung begründe. Dieser Antrag wurde insbesondere von Faure und Breffemans unterstützt. Ein Antrag Renaudel schlägt vor, daß die Fraktion fünftig nur noch ein Ministerium unterstütze, deffen Politik mit der der vorangegangenen Rabinetts übereinstimme. Renaudel beantragte, daß die sozialistische Partei vor dem definitiven Bruch nochmals Bainlevé die Bedingungen bekanntgebe, unter denen die Fortsetzung der Unterstützungspolitit bereit wäre. Lehne Balevé diese Bedingungen ab, dann solle der Bruch automatisch erfolgen. Ein dritter Antrag Auriol geht dahin, die Entscheidung zurüdzustellen und in dierekten Ver handlungen einen letzten Einigungsversuch mit Regierung und Linksblodparteien zu unternehmen. Die Diskussion über diesen Antrag war außerordentlich lebhaft, insbesondere fritisierte der linke Flügel( Brace n. Gen.) die Haltung der Fraktion außerordentlich heftig. Die Politik Painlevés hat lediglich einen Verteidiger, Paul Boncour. Renaudel äußerte Bedenten dagegen, daß die Partei die Verantwortung für den Bruch des Kartells übernehme, and fprach sich sehr dafür aus, daß alles verfucht werden müffe, um das Kartell zu retten. Es genüge, wenn die sozialistische Fraktion ihre volle Handlungsfreiheit wahre und im Barlament ihre Abstimmung jeweils von der Haltung der Regierung felbft abhängig mache. Da feiner der drei Anträge eine Mehrheit erlangte, wurde zum Schluß vereinbart, daß die Antragsteller im Laufe des Freitags versuchen sollen, fich auf eine gemeinsame 3ormel zu einigen. Sollte dies nicht gelingen, dann sollen die brei Anträge als Memorandum den Mitgliedern der Fraktion und des Barteivorstandes zur schriftlichen Neußerung innerhalb 48 Stunden vorgelegt werden. Den Beratungen der Sozialistischen Bartei war eine furze Beratung des Kartellausschusses vorangegangen. Mehrere Radikalfoziale und sozialistische Dissidenten anerkannten die Haltung Radikalfoziale und sozialistische Diffidenten anerkannten die Haltung der Sozialisten durchaus korrekt und objektiv. Andere dagegen wandten ein, daß die fozialistische Fraktion dem Lande gegenüber eine schwere Berantwortung übernehme, wenn sie in diesem Augenblid eine Ministerkrise provoziere. Die an die sozialistischen Delgierten schließlich gestellte Frage, ob die Partei bereit wäre, die Politik der Unterstügung einem neuen Rabinett gegenüber fortzusetzen, das die Politik des Kabinetts Herriot wieder aufnehmen würde, wurde von den Sozialisten rüdhaltslos bejaht. Die Wahlreform. Paris, 19. Juni.( WTB.) Die Rammer hat nach einem Be ridht Renaudels über den Beschluß des Gesetzesausschusses, der das System der integralen Verhältnismahlen angenommen hat, den Vorschlag angenommen und den Ausschuß beauftragt, einen Bericht über das Wahlgefetz zu erstatten, dessen Grundfäße beständig reduziert würden, so daß auf der einen Seite fich die Arbeitsgebiete entschieden vermehrt hätten, während auf der anderen Seite die Hilfskräfte und Hilfsmittel beschnitten worden seien. Der Reichstunstwart fonnte nichts anderes als erflären, daß wohl eine Zeitlang derartige Bestrebungen ohne geeignete Mittel und Hilfskräfte durchführbar feien, dann aber ein Zeitpunkt fäme, wo die Fortführung ohne solche erlahmen müßte. Demnach scheint eine Art Ultimatum gestellt worden zu sein, nach dem entweder die Bestrebungen anerkannt und realiter ermöglicht werden, oder er nur die Arbeit tut, die auf die Dauer mit einem auf 8000 m. reduzierten Fonds ausführbar ist, und sich dann nur noch für einzelne Aufgaben, deren Kosten außerhalb seines Bureaus getragen werden, zur Verfügung stellt. Bir dürfen dem hinzufügen, daß wir die Stellung des Reichsfunstwarts für eine so wichtige halten, daß fie an bureaukratischer Meinlichkeit oder gar Unwilligkeit nicht scheitern darf. Mittel, die für fulturelle 3wede gegeben werden, sind niemals unproduttiv und ermöglichen es, die Ausgaben für solche Staatseinrichtungen allmählich zu verringern, die nur dem Schutze gegen fulturfeindliche Elemente dienen. Ein hiftorisches Bauwerk soll verfeht werden. Das bekannte Holstentor in Lübeck, eines der schönsten historischen Tore Norddeutschlands, ist für Lübec zu einem argen Bertehrshindernis geworden, da es nur einen einzigen, und zwar recht niedrigen und schmalen Durchgang hat, der von der elektrischen Bahn nicht benutzt werden kann. Man hat nunmehr in Lübeck den Plan gefaßt, das Tor nach dem Borbild der Amerikaner, die bekanntlich ganze Straßen und Städte versetzen", an eine andere Stelle zu transportieren". Darüber ist man sich allerdings noch nicht einig, ob der Transport nach amerikanischer Manier erfolgen soll, oder ob man das Tor abbrechen und an dem dafür bestimmten neuen Plaz wieder aufbauen soll. In letzterem Falle allerdings wird das Bauwerk natür lich nur noch bedingten historischen Wert befizen. " Robert Lafollette. Der Bannerträger der neuen Fortschrittspartei. Der Senator Lafollette, dessen Tod in unserer heu tigen Morgenausgabe gemeldet wurde, hat besonders in den legten zehn Jahren eine große Rolle im politischen Leben der Bereinigten Staaten gespielt. Er gehörte ursprünglich den Re-publikanischen Partei an, bildete jedoch in ihr mit einigen Gleichgesinnten einen besonderen Flügel, der durch seine wahr haft demokratischen Tendenzen nicht nur von der eigenen Gesamtpartei, sondern auch von der sogenannten demokratischen Partei vorteilhaft abftach. In den Jahren des Weltkrieges trat Lafollette energisch für die Beibehaltung der amerikanischen Neutralität ein, nach dem Kriege stand er mit an der Spitze derjenigen Parlamentarier, die gegen die Ratifizie rung des Versailler Vertrages fonsequent und mit Erfolg opponierten. Trotz seiner fanadisch- französischen Abstammung war Lafollette ein unerbittlicher Bekämpfer des franzöſiſchen Imperialismus, wie er unter Clemenceau und Poincaré be= fonders in Erscheinung trat. Diese Stellungnahme trug ihm auch den Ruf der Deutsch freundliteit ein, einen Ruf, der insofern berechtigt gewesen sein dürfte, als er ja besonders unter den Deutschamerikanern sehr volkstümlich war. Seine Popularität wurde aber vor allem groß unter der arbeitenden Bevölkerung, als er in den letzten Jahren einen unerbittlichen Feldzug gegen die Korruptions standale führte, in die beide führenden Parteien verwidélt waren. Ferner gelang es ihm, in einer der letzten Sitzungen des vergangenen Senats ein Gesetz durchzudrücken, das die Offenlegung der Steuerlisten an einem bestimmten Tage vor schrieb. Durch diese Maßnahme famen die unglaublichsten Steuerhinterziehungen unter den meisten Dollarfönigen zutage. Als nun die Vorbereitungen zum Präsidentschaftsmahitar pf begannen, da traten die Vertreter verschiedener großer Ornisationen an ihn mit dem Vorschlag heran, eine dritte Partei", die Partei des Fortschrittes, zu gründen und als deren Schildhalter zu fandidieren. Es waren dies Gemertschaften. Auch die Sozialistische Partei vor allem die Farmerorganisationen sowie zahlreiche der Vereinigten Staaten unterstützte diese Anregung, und fo wurde Lafollette auf dem Konvent der neuen Fortschrittspartei in Cleveland am 5. Juli 1924 von 600 Delegierten einstimmig nominiert. Er erhielt bei der Bahl 4 826 000 Stimmen von insgesamt 30 Millionen, hatte die Mehrheit nur im eigenen Staate Wisconsin, war jedoch 3weiter in elf anderen Staaten. Sein Name wird zweifellos in der Geschichte der Ber-, einigten Staaten und insbesondere im Gedächtnis der amerifanischen Arbeiterbewegung fortleben, der er einen mächtigen Impuls dadurch gegeben hat, daß sich zum erstenmal die ver= schiedenen Organisationen zu einer politischen Aktion größten Stils auf seinen Namen vereinigen fonnten. Die Pleite der Musso- Lire. schäftigt sich am Donnerstag vorwiegend mit dem starten ire. Rom, 18. Juni,( Eigener Drahtbericht.) Die Breffe be tur& Die Mart notierte am Dienstag 6,17, Mittwoch 6,23 und Donnerstag 6,50. Gleichzeitig sind Sprozentige Staatsichuldverschreibungen von 97,50 auf 90,60 und 3½ prozentige auf 78 gefunken. An der Börse herrschte Panitstimmung. Da bisher von der faschistischen Bresse stets behauptet wurde, daß ausländische Machenschaften an dem Lirefall schuld seien, ist die Feststellung der „ Tribuna" besonders hervorzuheben, nach deren Informationen im In- und Auslande feststeht, daß der Lireverkauf gegen Pfunde und Dollar hauptsächlich von Italien ausgehe. | fpricht ebenfalls von den Plagen, die damals in Aegypten herrschten. Schließlich erzählt die Bibel, wie Pharao Abraham und sein Weib und alle, die mit ihm waren, fortschickte. Das ägyptische Dokument aber stellt fest, daß der Begründer der 12. Dynastie„ die asiatischen Ansiedler wieder aus Aegypten fortwies". Weigall schließt aus dieser Uebereinstimmung der biblischen und ägyptischen Berichte, daß die Erzählung der Bibel auf diese historischen Ereignisse zurückgeht, und hält es für wahrscheinlich, daß Abraham im Jahre 2111 v. Chr. bei der Gründung der 12. Dynastie aus Aegypten abgeschoben" wurde. Alle diese Angaben zeigen," fährt er fort, daß die Ereig nisse, die in der Bibel berichtet werden, und ihre zeitliche Abfolge durchaus wahrscheinlich sind und den geschichtlichen Tatsachen entsprechen. Nach dieser Datierung läßt sich auch feststellen, daß Josefs Berufung durch den Pharao, wie sie in der Bibel erzählt wird, im Jahre 1959 v. Chr. erfolgte. Dies ist das Jahr der Thronbesteigung Amenenes III. aus der 12. Dynastie, ein Beitpunkt, der für solche Regierungsveränderungen sehr geeignet war." Eine Dauerrede gegen die moderne kunft. Im Londoner HydeBart ist ein Werk des Bildhauers Epstein, der eine ultramoderne Richtung vertritt, aufgestellt worden. Einem großen Teil der Londoner Bevölkerung fällt es nach wie vor schwer auf die Nerven. Obzwar die maßgebenden Kunstkritiker der britischen Reichshaupt. stadt Epsteins Arbeit als außerordentlich gut gelungen und eindruds. Doll rühmen, ist eine förmliche Protestbewegung in Gang gekommen, die schon seit Wochen die öffentliche Meinung Londons beschäftigt und beunruhigt. Dieser Tage erreichte sie ihren Gipfel. Der Bild hauer Hague, der intimste Feind und Konkurrent Epsteins, hielt im Angesicht des umstrittenen Werkes unter freiem Himmel im Hyde Part eine zwölfftündige Protestrede. Er begann um 8 Uhr morgens und wetterte und schimpfte die ganzen zwölf Stunden hindurch gegen die moderne Kunst im allgemeinen und ihren Liebling" Epstein im besonderen, und erst als es 8 Uhr abend schlug, hörte er mit einer besonders gepfefferten Schimpfperiode auf. 3wischendurch hatte er nur ab und zu einen Schluck Ingwer- Bier getrunken und zwei oder drei Brötchen gegessen. Gewiß eine Leistung! Aber sie verpuffte so ziemlich, denn selbst während der stärksten Berkehrsstunden vermochte der hartnädige Dauerredner höchstens hundert bis hunderfünfzig Zuhörer um sich zu scharen. Neues Licht auf Abraham. Der englische Aegyptologe Arthur Weigall, der frühere Generalinspektor der ägyptischen Altertümer, veröffentlicht jetzt den ersten Band eines großen Werkes, in dem er die Geschichte der Pharaonen" darstellen will. Der erste Band umfaßt die ersten 11 Dynestien vom Jahre 3407 bis 2111 v. Chr. Weigall glaubt, besonders durch seine Auslegung der sogenannten Palermo- Steintafel", eine sichere Chronologie für die Herrschaftsdauer der einzelnen Dynastien und Pharaonen gefunden zu haben, und von diesen durch ihn gewonnenen Erkenntniffen fällt auch neues und überraschendes Licht auf die älteste biblische Geschichte. Aus verschiedenen ägyptischen Zeugnissen glaubt Weigall genau die Beit feststellen zu können, in der der Patriarch Abraham nach Aegypten fam. Die biblische Geschichte erzählt, schreibt er,„ daß Abraham nach Aegypten auszog, weil er in dem Land, in dem er lebte, von Hunger gepeinigt war. Nun berichtet eine ägyptische Inschrift, daß zu der Zeit des Sturzes der 11. Dynastie, 2112 v. Chr., asiatische Stämme sich im Delta festsetzten und diese fruchtbaren Gebiete aufsuchten, meil sie in ihrem eigenen Gebiet Mangel an Nahrung litten. Die Aegnpter gestatteten ihnen dies. Die Bibel berichtet dann, daß zu derselben Zeit der Herr Pharao und sein Hans mit großen Plagen plagte". Das selbe ägyptische Dokumentgebirge find auf das Jahr 1926 verschoben worden Das Sommerfelt der Genossenschaft deutscher Bühnenangehörigen ist in folge des zweifelhaften und fühlen Wetters auf Mittmod, den 24., verlegt worden. Das Programm bleibt unverändert. Sämtliche bereits aus gegebenen Eintrittstarten behalten ihre Gültigkeit. Die Ausstellung Berliner Kunst 1925 veranstaltet am Montag, den 22. Juni, abends 7 Uhr, den ersten ihrer beiden Gesellschafts. abende mit anschließendem Vortrag und Konzert in den Feitsälen des Deutschen Opernhauses, Charlottenburg, Bismardstraße 34-37. Starten zu 3,- M. in der Ausstellung und in der Bismarckbuchhandlung, Bismardstraße 87. Die 9. Jahresversammlung der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft findet in Zürich vom 7.- 13. Geptember statt. In den letzten Tagen werden Ausflüge in das Gebiet des St. Gotthard unternommen werden. Geschäftsführer der Berfammlung ist Prof. B. Niggli- Zürich. Die für die Zeit vor der Züricher Versammlung geplanten Studienfahrten in deutsche Mittele Amundsens Bericht. 20 Der Nordpol nicht erreicht.- Ein gefahrvoller Rückflug. Amundsen hat auf seinem Fluge den Nordpol nicht erreichen tönnen. Er hat in etwa achtftündigem Fluge 1000 kilometer nach Norden zurückgelegt und ist bis zu 87 Grad 44 Minuten gelangt. Am 15. Juni hat die Expedition den Rüdweg angetreten und ist nach neunftündigem Flug am Nordtap von Spitbergen gelandet, wo fie der norwegische Segler Heimdal" aufgenommen und nach kings bay zurückgebracht hat. Nach Amundsens erstem Bericht hatte er in der Nacht zum 22. Mai nach achtstündiger ununterbrochener Fahrt festgestellt, daß die Hälfte seines. Benzinvorrates verbraucht war. Die beiden Flugzeuge ließen sich auf das Wasser nieder. Beide Flugzeuge konnten nid wieder freikommen, sondern froren voll ständig ein. Sie befanden sich 87 Grad 44 Minuten nördlicher Breite und 10 Grad 20 Minuten westlicher Länge. Mithin hatten die Flugzeuge genau 1000 Kilometer zurückgelegt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 150 Stunden- Kilometer. Der Gegen: Kings Ba Nordpol 8744" nerd. Br. 10° 20 west L Amsterdam Nord Kap wind halte die Flugzeuge um etwa 200 Kilometer zurüdgebracht. Die Lotungen ergaben, daß das Meer unter dem Eife eine Tiefe von 3750 Meter hatte. Die Flieger haben nach Norden hin ein Gebiet von 100.000 Quadratkilometern überschauen können, das sich bis ungefähr 88,5 Grad nördlicher Breite erstrecte. Anzeichen von Land wurden nach Norden hin nicht entdeckt. Amundsen glaubt, daß in Anbetracht der geloteten. Meerestiefe es ganz unwahr scheinlich sei, daß auf dieser, der europäischen, Seite des arktischen Meeres weiter nördlich Land sich befindet. " Ein weiterer Bericht Amundsens sagt: Bären wir noch furze Zeit in nördlicher Richtung weitergeflogen und hätten dann zu landen versucht, so hätten wir tatsächlich den Polerreicht. Ein Loten war jedoch unmöglich). Wir erwogen auch, nur den Pol zu über fliegen ohne genauere Beobachtungen anzustellen. Wir tamen fchließlich dahin überein, anstatt unseren Flug weiter nach Norden fortzusehen, den Rückweg weiter nach Osten zu verlegen, um dabei 1: och bisher unentdeckte Gegenden festzustellen. Da die beiden Flugzeuge durch Eis blodiert waren, war die größte Schwierigkeit Der neue Start. Unter den größten Entbehrungen konnte endlich eine Maschine starten. Obgleich das Flugzeug Zeichen von Be schädigungen aufmies, fonnte es doch noch aus dem Packeis aufsteigen und schwebte wieder über der ungeheuren Eisfläche. Am 15. Juni versuchte die Expedition mit beträchtlich verringerter Ladung einen neuen Start. Fast die gesamte Ausrüstung wurde über Bord geworfen. Nur ein Mindestmaß von Benzin wurde zurückbehalten, um den Flug füdwärts fortsetzen zu können. Der Start glückte und es gelang nach neunstündigem aufregenden Flug, das Nordkap von Spitzbergen zu erreichen. Dort wartete die Expedition günſtigere Winde ab. Der Benzinvorrat betrug noch 120 Citer. Ein zufällig passierender norwegischer Segler nahm das Flugzeug in Schlepptau. Gegen Nacht nahm der Wind zu und die Expedition mußte an der Bestseite der Franklin Bucht Schutz suchen. Ais auch am 16. Juni der Eturm noch nicht nachließ, verließen mehrere Mitglieder die Expedition, um in Ringsban neues Benzin zu faffen. Die Expedition tam schließlich nachts 1 Uhr in Ringsban an." Neues Bergwertsunglüd. Auf dem Wolffs- Schachte bei Eisfeben ereignete sich gestern abend ein schweres Schachtunglüď, von dem eine ganze Kameradschaft betroffen wurde. 3 mei Bergleute wurden getötet, andere schmer verlegt. Ueber die Ursache ist näheres noch nicht zu ermitteln gewesen. Die Zerstörung des Trogmann- Denkmals in Südtirol wird Jogar von der römischen Faschistenpreise als Bandalismus bezeichnet; mehrere faschistische Führer von Merau jeien verhaftet worden. | Chinadebatte im Unterhaus. Missionare deutscher Kultur. Nun wohl: Wie unsere Kulturmiffionare tätig sind, daDie Arbeiterpartei gegen die Ausbeutung Chinas. Auf der Gründungsversammlung der Berliner Zweigstelle der London, 18. Juni.( WTB.) Unterhaus. Der Arbeiterführer Deutschen Akademie, die kürzlich stattfand, propagierte der Redner Trevelyan eröffnete heute abend um 8 Uhr 25 Minuten die des Abends, Prof. Pfeilschifter, in überheblich- phrasenhafter Weise Debatte über die Lage in China. Auf den Besuchertribünen war die deutsche Aufgabe: Kulturmissionierung der ganzen eine Anzahl von Chinesen anwesend. Trevelyan sagte, sein 3wed Welt. sei keineswegs, die Regierung anzugreifen. Die Lage in China fei sehr besorgniserregend. Das Leben der Ausländer, insbesondere der Engländer und Japaner, sei in großer Gefahr. Es sei Pflicht der Regierung, Maßnahmen zum Schuße der Engländer zu ergreifen. Nach Ansicht der Arbeiterpartei sei die unmittelbare Ursache der unglücklichen Vorfälle in Schanghai industrieller Art. Trevelyan bezeichnete die dortigen industriellen Berhältnisse als ungeheuerlich und fadelte das Vorgehen der Polizei. Er sagte ferner, die allem Vorgefallenen zugrunde liegenden Schwierigkeiten seien die exterritorialen Vorrechte der Mächte. Die Chinesen fühlten, daß sie von ihren ausländischen wirtschaftlichen Ausbeutern regiert werden. Staatssekretär Chamberlain erwiderte, daß er die schlechten Arbeitsbedingungen in China nicht unterschäze, und daß die britische Regierung alles tue, um Befferung zu schaffen. Die britische Regierung werde Leben und Eigentum der Briten in China schützen und die chinesische Regierung für allen Schaden verantwortlich machen. Die Ursache der Unruhen läge in der Unzufriedenheit des chinesischen Volkes mit seiner gegenwärtigen Lebenslage, und es sei sehr leicht, Unruhen anzuftiften. Er bitte die Opposition, nicht voreilig ein Urteil zu fällen. Nach den letzten Informationen der Regierung habe der Befehl zum Feuern Blutvergießen verhindert und nicht verursacht. Die Regierung prüfe die beste Art und Weise, wie die Beziehungen zu China gebessert werden könnten; die bevorstehende Bollkonferenz in China biete Gelegenheit dieser Prüfung. Er hoffe, daß die Mächte bei China einen Geist der Versöhnung und des guten Willens vor= finden werden. Lloyd George erflärte, er sei erfreut zu hören, daß Chamberlain sich für eine Zusammenarbeit der Mächte einsehen wolle, denn es läge eine wirkliche Gefahr darin, daß die Bewegung in China nicht fremdenfeindlich, sondern englandfeindlich geworden sei. Calles gegen Kellog. 4 Scharfe Zurückweisung amerikanischer Einmischung. Der nordamerikanische Außenminister Rell og hatte öffentlich behauptet, daß gewisse Besigtümer amerikanischen Bürgern in Merito auf ungefegliche Weise ohne Entschädigung fortgenommen seien: nur in einem Falle, wo sie von der Regierung auf Grund unberechtigter Ansprüche von Arbeitern beschlagnahmt worden wären, sei Entschädigung gewährt worden; Kellog hat die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die merikanische Regierung die Betroffenen entschädigen würde. Weiter zitierte er Pressenachrichten, monach eine neue 1 m ft ur 3.bewegung bevorstehe. Amerita werde merito Unterstützung zur Aufrechterhaltung der Ordnung nur so lange gewähren, als Meriko. das Leben der Amerikaner und die amerikanischen Interen schüße und ihre internationalen Berpflichtungen und Verbin it feiten respettiere. Er fügte hinzu, daß die merikanische Regierung im gegenwärtigen Augenblick dem Urteilsspruch der Welt unterliege. für ein drastisches Beispiel. In ein Lokal der Hakenfreuzgeräusche mar fürzlich, durch irgendwelches Bersehen, ein Amerikaner hineingeraten ,. Inmitten der schwarzweißroten Alkoholrotte fühlte er sich recht unbehaglich, machte aber gute Miene zum bösen Spiel und saß mit feierlichem Gesicht da, indes die Söhne Teuts wild die Mettrüge schwangen, und sich mit dem Schlachtgefang ihrer Heldenahnen in immer heftigeren Suff hineindirigierten. Davon bekam aber der Ausländer Hunger und bestellte bei dem Ober eine Hammelfeule. Und mit einiger Erleichterung machte er sich ans Effen. Er hatte jedoch die Rechnung ohne die waderen Hakenkreuzgäste gemacht. Wieder einmal stieg der Siegerkranz gen Himmel, oder vielmehr an die Stuckdecke. Aufstehen", brüllten die Zeremonienmeister. Der Sohn Amerikas hatte Hunger, ihm duftete die Hammelkeule so liebreich, er verstand den Siegerkranz nicht. Jedenfalls: er blieb fizzen. Da aber trat Alldeutschland in Aktion. Raus da mit dem Judenlümmel. Frechheit, Laufejunge, Sauferl, Haut ihn!" tobte die entfesselte völkische Mission. Der Amerifaner stammelte etwas, dann lag er auf der Straße. Ja, ja, es ist etwas Seltsames um unsere fulturelle Missionie rungsarbeit. Haben Sie sich diese so vorgestellt, Herr Prof. Pfeilschifter?... Um das Rittergut Düppel. Zu den Meldungen über den Anfauf des Ritterguts Düppel durch die Stadt Berlin wird amtlich mitgeteilt: Der Fideikommißbesi Düppel des Prinzen Friedrich Leopold und die Kolonie. Dreilinden wurden der Stadt Berlin auf längere Zeit in rechtsverbindlicher Form in Option gegeben. Die damit in Zusammen hang stehenden Verkaufsverhandlungen bezüglich dieses Besizes und der Kolonie Dreilinden haben sich zurzeit leider nicht verwirklichen lassen, da der Stadt die erforderlichen Geldmittel hierzu nicht zur Verfügung stehen. Es steht zu hoffen, daß zu einem späteren Zeitpuntt der Option, wenn die Dispofitionen in beweglichen Mitteln sich für die Stadt Berlin günstiger gestaltet haben sollten, sich Ankaufsverhandlungen werden einleiten lassen. Einstweilen hat die Stadt dem Prinzen bzm. dem Generalbevbllmächtigten einen Kredit gewährt unter hypothetarischer Sicherstellung, der im Falle der Nichtausübung der Option zurückgezahlt wird, im Falle der Ausübung der Option aber als Anzahlung auf diesen Kaufpreis zur Verrechnung gelangt. Der Fideikommißbesi Düppel und der Besiz der Kolonie Dreilinden umfassen zusammen rund 700 Heftar, wovon zirka 500 Hettar Bald in bester Jährigkeit darstellen. Die Freimachung diefes Baldgeländes für die Berliner Bevölkerung erscheint dringend geboten. Wo bleibt die Friedrich- Ebert- Straße? Die Genehmigungen stehen noch aus. Die städtische Tiefbaudeputation teilt zu den Mel dungen, daß die Umbenennung der Sommer- und Budapester Straße burch Aenderung der Straßenschilder noch nicht durchgeführt ist, ob wohl Stadtverordnetenversammlung und Magistrat die Umbenen nung bereits vor vielen Wochen beschlossen haben, mit, daß zur Durchführung der Umbenennung die Genehmigungen des Polizei praftdenten und des Ministers des Innern erforderlich Auf diese Erklärungen Kellogs hat der merikanische Reichspräsident Calles öffentlich erwidert. Daß Merito, ohne dazu völkerrechtlich gezwungen zu sein, alle Nationen, deren Staatsbürger oder Untertanen durch Gewalttätigkeiten während der Ummälzungen im Lande geschädigt worden sind, eingeladen hat, mit ihm ein lebereinkommen zu treffen über die Bildung von Kommissionen zu Schadenfeststellungsausschüssen zur Ge= währung angemessener Entschädigungen. Ein Uebereinkommen wurde mit Nordamerika getroffen, um gegenseitige Entschädigungsfind, die vor einiger Zeit nachgesucht, aber noch nicht erfolgt. ansprüche der Bürger festzustellen. Solange die erwähnten Aus schüsse noch teine Entscheidung getroffen haben, ist es nicht angebracht, Merito mangelhaften Schutz der amerikanischen Interessen und Verletzung seiner internationalen Berpflichtungen vorzuwerfen. find. Das unerschöpfliche Konto. Auf der Spur eines Berliner Schedschwindlers. Bor einigen Tagen fuhr vor einem Lokal in Wannsee ein elegantes Auto vor, dem ein junger gut gefleideter Herr entstieg. Er mietete mehrere Zimmer und gab an, daß er der Rechtsanwalt Dr. Bruno Tischelmann aus Hannover sei, der am Wannsee seine Sommerferien verleben wollte. Er fei vorausgefahren, um Quartier zu machen, seine Frau und seine Familie werde ihm nach wenigen Tagen folgen. Der Herr Rechtsanwalt erwies sich als ein vorzügMeritos Agra rgesehgebung ist in Ausübung seiner Souveränitätsrechte erlassen; überdies hat Nordamerika die gesetzmäßige Entschädigung angenommen. In den Erklärungen des Mr. Kellog liegt eine Mißachtung der Souveränität merikos, über die dieses Land nicht hinweggehen kann, sondern die es auf das schärfste zurückweisen muß, denn es gesteht feinem fremden Lande das Recht zu, in welcher Form auch immer, in seine inneren Verhältnisse einzu- licher Gesellschafter und als ein Mann, dem anscheinend„ keine greifen, noch ist es gewillt, feine auswärtigen Beziehungen den Forderungen irgendeines anderen Landes unterzuordnen. Merito wird nicht zulassen, daß der genannte Botschafter ohne vorherige Ermächtigung seitens Merifos, im Namen anderer ausländischer Personen oder Interessen auftritt, als diejenigen, die seinem eigenen Lande angehören. Wenn nach den Behaup: tungen, die Regierung Merikos dem Urteilsspruch der Welt unterliegt, so befinden sich ebenso die Regierung der Vereinigten Staaten und diejenige der anderen Länder in der gleichen Lage. Aber wenn darunter verstanden werden soll, daß Meriko als An= geflagter vor seinen Richtern stehe, so weist meine Regierung auf das allerentschiedenste eine derartige Zumutung von sich, die im Grunde nichts anderes darstellt, als eine Beleidigung. Abschließend erkläre ich, daß meine Regierung entschloffen ist, dem Leben und den Interessen der Ausländer den Schuh angedeihen zu lassen, auf den sie Anspruch haben; daß diese Regierung die Hilfe und Unterstützung der anderen Länder nur annimmt und zu empfangen erwartet als Grundlage einer aufrichtigen und loyalen 3usammenarbeit, daß sie aber unter feinen anderen. Imständen zulassen wird, daß die Regierung irgendeines Landes darauf hinarbeitet, für ihre Staatsbürger eine Vorzugsstellung zu schaffen, und daß sie ebenso wenig eine fremde Einmischung irgendwelcher Art dulden wird, die mit den Rechten Merifos als souveräner Macht nicht vereinbar ist. Blutarco Elias Calles. aus Wurst zu teuer" war. Seine gewählte Kleidung und sein Auto stärkten denn das Vertrauen, des Wirtes und der anderen Gäste so sehr, daß es Herrn Tischelmann nicht schwer fiel, größere und fleinere Darlehen zu erhalten. Schließlich teilte Herr Tischelmann den Hausgenossen mit, daß er abreisen müsse. Seine verschiedenen Schulden bezahlte er vorher mit Scheds auf eine Filiale der südamerikanischen Bant in Berlin. Dann bestieg er fein Auto und fuhr davon. Als die Geldgeber ihre Schecks bei der Bank vorzeigten, mußten sie erfahren, daß keine Dedung dafür diese stellte fest, daß der angebliche Rechtsanwalt Tischelmann ein vorhanden war. Jetzt wurde die Kriminalpolizei benachrichtigt, und Kaufmann Wilhelm Baruch aus Berlin war, der sich bis zum Mai d. I. in einer Heilanstalt befunden und dann entlassen, worden war. Baruch hatte an anderer Stelle bereits seine Namensgleichheit mit der bekannten Theaterausstellungsfirma in Berlin benutzt, um seinen Kredit zu stärken. Er hatte auch bei der südamerikanischen Bank einmal ein Konto einrichten lassen und war so in den Befiz des Scheckbuches gelangt, das er immer noch verwendete, obwohl das Konto längst erloschen war. Nach seinem Verschwinden aus Wannsee ging feine Spur verloren. Da liefen aus dem Ostseebad Warne münde Mitteilungen über das Auftreten eines Scheckschwindlers ein, der auch in einem erstklassigen Hotel abgestiegen mar und sich Rechtsanwalt Horowitz genannt hatte. Die Ausführung der Schwin deleien glich so sehr den Manövern des Herrn Tischelmann, daß es sich unzmeifelhaft um denselben Mann handeln mußte. Als man ihn jedoch fassen wollte, war er aus Warnemünde bereits wieder abgereist mit unbekanntem Ziele. Baruch, alias Tischelmann, alias Horowitz wird sicher seine Schwindeleien so lange fortsezen, bis er die Schecks aus dem Buche alle an den Mann gebracht hat. Das Buch enthielt Schecks mit den Nummern 8531-8550. Mitteilungen, die zur Ergreifung des Schwindlers führen können, nimmt die Dienststelle B. II. 1 der Berliner Kriminalpolizei im Polizeipräsidium entgegen. ,, Unser neuer Landesvater". Die verfilmten Reichsgelder. Vernehmung von Reichsbankdirektor Benkert. In der heute fortgesetzten Beweisaufnahme im Wohnstät ten und Trianon- Filmprozeß wurde an erster Stelle Reichsbankdirettor Benfert als Zeuge vernommen. Er diese auf Anordnung von Geheimrat Glas ins Leben gerufen wurde, war bei der Gründung Geschäftsführer der Wohnstätten- Gmbh., als da sich auch die Reichsbank daran beteiligte. Das Arbeitsmini fterium fonnte aus staatsrechtlichen Gründen nicht selbst Gefen ließ am Dienstag, den 26. Mai, ein Riefenfeuerwerf am Kurhaus fchäftsanteile erwerben. Deshalb erwarben die Minifterialräte Wenzel und Bretschneider Anteile eigenen Mitteln. Der Zeuge ist aber der Meinung, daß fie trotz des formellen privatrechtlichen Charakters der Wohnstätte die Direktiven des Ministers zu beachten hatten. Die Gesellschaft durfte nichts tun, womit der Arbeitsminister nicht einverstanden war, denn die Person des Borsigenden des Aufsichtsrats war zugleich Dezernent im Arbeitsministerium, nämlich Geheimrat Glas. Der eine fonnte infolgedessen nichts tun, was der andere nicht billigte. Persönlich äußerte sich der Zeuge zu dem Geschäft mit der Trianon dahin, daß er diese Kreditgebung als ein Darlehnsgeschäft betrachte und daß er es eigentlich nicht mit den Aufgaben der Baugesellschaft in inflang bringen fönne. Wenn aber die vorhandenen stilliegenden Gelder zu einer Beteiligung auf an derem Gebiete zwangen, dann hätte er zunächst den Vorsitzenden des Aufsichtsrats benachrichtigt. " Man schreibt uns: Die Badenerwaltung Dennhau. abbrennen, daß den gewaltigen Beifall der Stahlhelm- und Jungdoleute fand. In dem Programm dieses Feuerwerks, das sich aus vier großen Teilen zusammensetzte, sind folgende Angaben, die der gedruckten„ Bortragsfolge" entnommen sind, interessant. Im ersten Teile gab es zu Anfang eine Blitz Donner Granate", eine„ 7%= Bentimeter- Bombe mit bunten Sternen". Im zweiten und dritten Teil waren wiederum Bomben mit Goldregen"," Bomben mit Silberregen" usw. zu sehen. Der vierte Teil brachte dann das große Lichtergemälde: Unser neuer Landesvater". Wörtlich heißt es im Programm:„ dieses wird mit Rateten, Bomben, Leuchtfugeln und Blitzschwärmern überschoffen( letzte Neuheit von etwa 700 Lichtern). Nach dem großen Lichtergemälde„ Unser neuer Landespater" gab es dann noch eine große Kreuzfeuerfront mit Schlußgefnatter", einen Brillantwasserfall mit Gewehrfeuer“ und eine Schlußbombe mit Schrapneligen". Der neue Landespater" wurde also mit Bomben, mit Gefnatter und Schrapnellaliken genügend eingedeckt. Seil Hindenburg" werben bie Stahlhelmer vor Freude getobt haben und die Gichtkranten von Deynhaufen werden wie durch ein Wunder nach diesem grandiosen Feuerwert von ihren Krankenstühlen elastisch und verjüngt aufgefprungen ſein. | Mißhandlungsprozeß gegen Schupobeamte au fommen, befahl Frau F. ihrem Sohn, die Hofhunde los. Jüdische Frontfoldaten im Scheunenviertelfrawall. 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung eines Monats der Untersuchungshaft! Außerdem wird der Haftbefehl aufgehoben. Gertrud H. darf zurückkehren in die Freiheit oder in die Arme des Dämons Rausch! Wen wird es fümmern!? Wenn sie aber dann wieder gesündigt hat, wird man sich wieder um sie fümmern"! Für 9,60 M. hin und zurück nach dem Saaletal! ergoß sich eine Flut von Schimpfworten auf die Herren und das Fenster flog zu. Nun ließ der Vorsitzende einen Oberlandjäger und Schlosser tommen. Aber als diese in Sicht waren, wurden von dem Sohn der Frau F. sämtliche Türschlösser von innen mit Nägeln gefüllt. Mit Ihnen rede ich bloß auf dem Landgericht", schrie Frau F. Als das Gericht sich entschloß, mit Gewalt auf das Gehöft zumachen. Diesem wollten sich die Herren denn doch nicht ausJetzen und unverrichteter Sache mußte das Gericht abziehen. Frau Auf den am Sonntag, den 21. Juni, von Berlin, Anhalter Der Scheunenviertelfrawall vom November 1923, bei F. und ihr Sohn standen wegen Widerstandes gegen Bahnhof, ab 6.30 vorm. nach Bad Kösen und zurück verdem Eigentum und Gesundheit jüdischer Bewohner des Scheunen die Staatsgemalt vor dem Botsdamer Amtsgericht. Der fehrenden Verwaltungsfonderzug 4. Klaffe macht die Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung nochmals besonders aufmerksam. Bei viertels aufs ärgste bedroht und in vielen Fällen schwer geschädigt Amtsanwalt beantragte gegen jeden Angeklagten drei Monate Ge wurde, steht im Mittelpunkt eines Mißhandlungsprofängnis. Demgegenüber führte der Verteidiger aber aus, daß ein dem billigen Preise von 9,60 mt. für Hin- und Rückfahrt bietet er geifes, der gegen fünf Schußpolizeibeamte vor dem Borsitzender eines Zivilgerichts nicht dazu berechtigt gewesen sei, eine eine günstige Gelegenheit zum Besuche des bekannten Badeortes Landgericht I Berlin in der Berufungsinstanz verhandelt wird. Ober- Inaugenscheinnahme zu erzwingen. Denn in der Terminladung sei und des Saaletales mit seinen landschaftlichen und historischen wachtmeister Marzintemi g. Oberwachtmeister Domei, Unternur von einem Berhandlungstermin die Rede gewesen. Auch zur Sehenswürdigkeiten. Da für fachkundige Führung nach der Rudelsmachtmeister unte, Oberwachtmeister Schreiber, Hauptmann Herbeiziehung eines Landjägers sei der Vorfigende eines Zivilgerichtsburg und nach Saaled, für den Besuch der Wilhelmsburg, des Dubbe find angeflagt teils der Mißhandlung, teils der Beleidigung nicht berechtigt. Er beantragte baher aus Rechtsgründen, die Ange Gradierwerfs, der Buchenhölle usw. sowie für Mittagessen zu ervon Mitgliedern des Reichsbundes Jüdischer Frontsolda flagte freizusprechen. Die Rechtsfragen in diesem Prozeß stellten fich mäßigten Preisen in allen Gasthäusern vorgesorgt ist, fann jeder in ten, die damals den bedrängten Juden zu Hilfe geeilt waren, von aber als so verwirrend heraus, daß die Urteilsverkündung erst in bequemster Weise sich der Schönheiten erfreuen. Besonders sei noch der im Scheunenviertel zusammengeströmten Menge angegriffen acht Tagen stattfinden kann. darauf hingewiesen, daß bei der Fahrkartenausgabe auf dem Anwurden und dann nach einem Zusammenstoß, bei dem ein Bassant halter Bahnhof sowie bei den Reise- und Verkehrsbureaus die getötet wurde, das Schicksal erlitten, von der Polizei in Fahrtteilnehmer und sonstigen Interessenten fostenlos ausführliche " Shubhaft" genommen zu werden. Auf dem Transport Prospekte über Bad Kösen erhalten können, die ihnen Ausflüge und zur Polizeifaserne in der Alexanderstraße und auf dem PolizeifaferBesichtigungen nach eigener Wahl gestatten. nengrundstüd wurden, wie die Staatsanwaltschaft in ihrer Antlage ausführt, verschiedene der Festgenommenen gemein beschimpft und in rohester Weise mißhandelt. Ausländern verboten!" Zusammenstöße bei einer Kommunistenversammlung. In einer von den Kommunisten zu gestern Abend in das. Dorotheenstädtische Gymnasium einberufenen Studentenver.. sammlung, die sich mit dem chinesischen Aufstand beschäftigte, Das Schöffengericht fam im August 1924 nach eingehender Ber- und in der der fommunistische Reichstagsabgeordnete Stöder und handlung zur Freisprechung von Dubbe und Marzinkewiß, dagegen der Schriftsteller Wittfogel sprachen, fam es zu erheblichen 3u zur Berurteilung Domeis megen fortgesetter Beleidigung zusammenstößen mit der Polizei. Die Polizei hatte Anweisung 200 M. Geldstrafe, Buntes megen fortgesetter Körperverlegung zu erhalten, ausländischen Studenten den Zutritt zu der 3 Monaten Gefängnis und Aberkennung der Amtsfähigkeit auf Bersammlung zu verwehren. Es waren nun chinesische Stu3 Jahre. Im Dezember 1924 wurde dann noch Schreiber vom denten in großer Anzahl erschienen, die sich Einlaß zu verschaffen Schöffengericht wegen Mißhandlung zu 6 Monaten Gefängnis und suchten. Die Polizei schritt ein und nahm eine größere Anzahl von berkennung der Amtsfähigkeit auf 3 Jahre verurteilt. Gegen diese Berhaftungen vor. Nach Schluß der Versammlung, die einiger Urteile legten fast alle Beteiligten Berufung ein, die verurteilten maßen stürmisch verlief, tam es zu erneuten Zusammenstößen. Es Angeklagten, die über die Milde der Richter erstaunte Staatsanwalt- sollen insgesamt 35 Berhaftungen vorgenommen worden sein. schaft und drei Beleidigte und Mißhandelte, die als Nebenfläger zu- Warum den Ausländern der Zutritt verboten war, ist unergelajien maren. Der Prozeß vor der findlich. Und hätte man ihnen nicht den Zutritt verboten, so hätte man auch feinen verhaften müssen. Und hätte man feinen verhaftet, fo wäre uns ein Zwischenfall erspart geblieben, der nicht geeignet ist, unsere Beliebtheit im Ausland zu fördern. Berufungsinstanz begann am Donnerstag mit einer neunundeinhalbstündigen Sizung, in der die Beweisaufnahme in allem Wesentlichen das selbe Bild wie die Verhandlung vor dem Schöffengericht ergab. Nicht nur die Festgenommenen felber befundeten argite Be schimpfungen und schonungslose Austeilung von Fausthieben, Rolbenstößen und Fußtritten, sondern auch Unbeteiligte, die fich als Zeugen angeboten hatten und im Polizeiauto mit nach der Raferne gefahren waren, machten vor Gericht ähnliche Aussagen. Dr. Bernhardt, der Führer jenes Frontsoldatentrupps, hat von einem Hieb auf die Hand, der hinterrüds gegen ihn geführt wurde, einen Fingerbruch erlitten. Auf dem Kafernenhof wurden die Festgenommenen von Beamten empfangen mit Rufen, wie: Auf hängen müßte man die Judenbande, an die Band stellen!" und besonders gegen Hauptmann Dubbe wurde ein Polizeipräsident Grzesinsti war gestern auf einer Dienstreife. Er hat heute nach seiner Rückkehr die sofortige Frei. laffung der Verhafteten verfügt. Im Morphiumrausch! Die Taschendiebin. Im Rausch geschehen oft die seltsamsten Dinge! Dann nehmen die Gefühle ihren Lauf, toll, bunt durcheinander, hemmungslos! Alle Bedenken verschwinden, ein Mut ist plöglich erwacht, verleiht Kraft und Entschlossenheit, wird zu einem willenlosen Willen! Meißener Porzellan contra Aboag. Heute morgen gegen ½29 Uhr fam es am Potsdamer Platz zu einer längeren Verkehrsstörung. Ein Lastwagen mit Anhänger, aus Meißen fommend, schwer mit Porzellan beladen, fuhr mit ziemlicher Bucht gegen die Seite eines haltenden Aboag- Wagens der Linie 29. Die Holzverkleidung wurde beschädigt, ebenso gingen mehrere Scheiben in Trümmer. Glücklicherweise tamen Personen nicht zu Schaden, obgleich der Omnibus start besetzt war. Einige Frauen fielen in Ohnmacht. Die Schuld trifft den Führer des Lastwagens, der offenbar mit den Berliner Verhältnissen nicht vertraut war und trotz der polizeilichen Haltesignale unbekümmert seine Fahrt fortsetzen wollte. ,, Bolt und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Groß- Berliner Parteinachrichten. 19. Kreis. Pankow. Die Kreis delegiertenversammlung findet nicht im Jugendheim, sondern im Rathaus Pantow statt. 2. Abt. Sonnabend, pünktlich 4 Uhr, Flugblattverbreitung von Ohngemach, Rommandantenstraße 88 aus. 27. Abt. Heute, Freitag, 6 Uhr, Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Sport. Linart gewinnt im Stadion- Rekord- Preis. Schwach nur war die Berliner Sportgemeinde am gestrigen Tage im Stadion vertreten. Das kühle und unfreundliche Wetter war nicht dazu angetan, Massenbesuch der Grunewald- Radrennbahn berartiger Borwurf erhoben. Im Wachlokal riß ein Beamter einem Und, wem das Leben Einsicht und Ueberlegung versagt, der schließ zuzuführen. Die Rennen, die ursprünglich am 14. Juni zum Ausder Juden das Band des Eisernen Kreuzes aus dem Knopfloch und jagte:„ Juben brauchen das E. K. nicht zu tragen. Ein anderer Beamter, der unermittelt geblieben, nahm einem der Festgenommenen fein Geld und nachher auch noch seine Uhr ab, und der Eigentümer hat nie etwas davon wiedergesehen. Alle Angeklagten bestritten die ihnen zur Laft gelegten Straftaten. Andere Beamte, die von der Berteidigung als Zeugen geladen waren, erklärten, Don den behaupteten Schimpfereien und Mißhandlungen nichts gehört und gesehen zu haben. Bei der Bernehmung eines Bolizeimajors Rant tam es zu einem eigenartigen Zwischenfall. Ihm wurde vorgehalten, daß er, auf dem Gerichtstorri bor wartend, das Ehrhardt Lieb gepfiffen hatte. Er mußte das zugeben, versicherte aber, er habe es nur leise vor sich her gepitffen". Die Berhandlung wird am Sonnabend fortgesetzt. Hunde gegen Mieteinigungsamt. Der eigenartige Fall, daß ein Gerichtsvorsitzender den anbe raumten Termin nicht abhalten tonnte, weil ihm der Eintritt in das zur Terminsabhaltung bestimmte Gebäude nicht gestattet wurde, mar Gegenstand einer Berhandlung vor dem Potsdamer Amts. gericht. Der Borsigende des Potsdamer Mieteinigungsamtes hatte am 2. Februar d. 3. aus Zwedmäßigkeitsgründen die Sigung bes Mieteinigungsamtes in mi chendorf anberaumt, um dort das Streitobjett, in diesem Falle eine Wohnung im Hause der Landwirtin und Hausbesizerin Frieside, in Augenschein nehmen zu fönnen. Frau F. führte seit Jahren wegen dieser Wohnung mit der Gemeinde einen erbitterten Streit. Zur festgesezten Terminshand. hung standen Borfizender und Beifigende vor dem Haufe der Frau F. Das Gericht fand Haus und hof verschlossen. Auf wieder holtes Klopfen öffnete fich oben ein Fenster. Der Borsigende ersuchte, amed's Inaugenscheinnahme das Gehöft zu öffnen. Statt dessen nur zu gern einen Baft mit dem mächtigen Dämon Rausch! Gertrud H. ist so ein Mensch. Das Leben in ruhigen Bahnen hat teinen Wert für sie! Die Kraft zur Arbeit bringt sie nicht auf, den Mut zum Abenteuern sucht sie im Rausch. Sie wird Morphinistin! Schade um sie! Auf der Anklagebant steht ein noch junges, nettes Mädchen! Mittelgroß, von schlanker Figur mit wohlfrisierten brünetten Haaren! Nur das blaffe Gesicht, der unstete Blick mit den starren, träumenden Augen verraten das Laster des Morphiums! Auch für ein Kind hat diese Frau zu sorgen! Und nun ist es eben das Kind und die Not der Zeit, die alles Uebrige tun, um dieses Menschenschicksal zu besiegeln. Gertrud H. wurde Taschendiebin! Die Bahnhöfe der Untergrundbahn sind ihr Arbeitsfeld. Wo das Gedränge am stärksten, da stellt sie sich ein und macht ganze Arbeit in fremder Leute Taschen. Das Gericht hat sie dafür schon oft ins Gefängnis geschickt, es half aber nichts! Heute wird die H. aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Die lezte Strafe von 9 Monaten Gefängnis erschien der Angeklagten zu hoch, dem Staatsanwalt zu gering. Beide haben Berufung eingelegt. Ein Meisterstück" der Diebstahlskunft soll der lezte Fall gewesen sein. Im Untergrundbahnhof 300 hat die Diebin einer Frau aus der Handtasche heraus einen Fünfmartschein entwendet. Der Staatsanwalt will nichts mehr von Milde wissen. Für ihn ist die Angeklagte eine ganz raffinierte Taschendiebin, vor der man die Allgemeinheit schüßen müsse, 1 Jahr, 6 Monate Zuchthaus hält er für angemessen. In starrem Erschrecken richten sich die hilflosen Augen des jungen Mädchens auf den Bertreter der Anklage, dann wenden sie sich halb verständnislos, halb hilfesuchend zum Richtertisch! Man wird irre an diesem Menschen! Steht hier wirklich eine ausgefeimte Verbrecherin?! Oder hat das furchtbare Laster des Morphiums diefes Opfer rettungslos in seinen Klauen?! Das Gericht läßt doch noch einmal Milde walten! Es verwirft zwar die Berufung, beläßt es aber bei der ersten Strafe von = Donnerstag abend verlegt wurden, konnten auch gestern wegen einlezender Dunkelheit nicht beendet werden. Das Hauptrennen de Tages, das Steherderby, wird erst heute abend 7 Uhr ausge fahren. Der Stadion Refordpreis über 30 kilo meter brachte einen fliegenden Start mit folgendem Ergebni. Linart, Lewanow, Sawall, Weiß, Seres, Rosellen, Wittig und Wep mann. Linart zeigte von Beginn an eine prächtige Fahrweise und hielt bis zum Schluß des Rennens nicht nur die Spize, sondern überrundete seine Gegner bis auf Sawall, der seinen zweiten Pla 490 Meter hinter Linart zu halten wußte. Fliegerrennen füll das Programm weiter aus. B Die Ergebnisse: Stadion Reford Preis, 30 m: 1. 2inart 25 M 59,3 Set. 2. Sawall 490 Mtr., 3. Rosellen 760 Mtr., 4. Wittig 1930 tr 5. Wegmann 2380 Mtr., 6. Seres 3100 Mtr., 7. Weiß 3750 Mir., 8. Letvanow 5600 Mtr. zurüd. Bramienfahren, 10 Runden. 1. Hahn 10 Min. 19,2 Gel. 2. Strüger, 3. Dobe, 4. A. Meher, 5. Münzner. Borgabefahren, 2000 mtr.: 1. Rütt( 0), 2. Schmidt( 90) 5 2g.. 3. Dobe( 60) 2 Lg., 4. Meher( 10), 5. Schulz( 30 Mtr. Borgabe). Malfabren für Amateure 1000 Mir.( 4 Vorläufe, 1 Endlauf.) 1. Balte( BRC. 89), 2. Lemle( Germ.-Cl.), 3. Fatschild( Concordia), 4. Engelmann( BRC. 89). Punttefahren für Amateure des BDR., 10 Runden. 1. Suffenhauer( Concordia) 26 P., 2. Puls( Argo) 22 P., 3. Schulz ( Panther- Charlottenburg) 13 B., 4 Gerl( Sport 88) 12 P. Ausscheidungsfahren für Berufsfahrer. 1. offmann, 2. Weber, 3. S. Krüger, 4. Rädlik. Berantwortlich für Politik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Saternus; Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schitowski; Lokales und Sonstiges: Frig Karstädt; Anzeigen Th. Glode; sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Paul Ginger u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 1 Beilage. 90 1m Etamine 90 kar., volle Br.. Mtr. ca. 115 cm breit, Mtr. 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Tatsächlich haben auch irgendwelche Verhandlungen nicht stattgefunden, sondern nur eine Be= lehrung des Arbeitgeberverbandes durch das Reichsarbeitsmini sterium über vertragsrechtliche Bestimmungen, eine Belehrung die der Arbeitgeberrerband er beten und offenbar sehr nötig hatte. Es ist bezeichnend für den Arbeitgeberverband, daß er eine derartige Belehrung den Unterverbänden gegenüber als „ Berhandlungen" mit dem Deutschen Holzarbeiterverband ausgiba. Die„ Rote Fahne" fühlt sich gemüßigt, als dummer August die traurig gestimmten Unternehmer zum Lachen zu bringen. Sie fordert die Berbreiterung der Kampffront", damit die vom Arbeitgeberverband vergebens versuchte Aussperrung fämtlicher Holz arbeiter verwirklicht werde. Sie versichert, daß„ nach sehr vorfichtiger Schägung" 35 000 Holzarbeiter ausgesperrt seien und hilft also auch hier den Unternehmern in ihren schwindelhaften Behauptungen. Ein ernsthaftes Eingehen auf diese Hanswurstereien erübrigt fich. Schiedspruch für Rheinland- Westfalen. Dortmund, 19. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Unter dem Vorsiz des Reichskommissars Mehlich wurde gestern für RheinlandBestfalen ein Schiedsspruch gefällt, der den Spizenlohn der Holzarbeiter auf 95 Pf. die Stunde feftsegt, was einer Lohnerhöhung von 12 Pf. oder 15 Proz. gleichkommt. Die für Dortmund und Effen vereinbarten höheren Löhne von 98 Pf. bleiben davon unberührt. Mit diesem Schiedsspruch dürfte die Lohnbewegung für Rheinland- Westfalen rechts des Rheins, wo eine Aussperrung nicht besteht, abgeschlossen sein. es zu Zementindustrie und Wohnungsnot. Werfftillegungen und Arbeiterentlaffungen in Westfalen. Münster i. m., 19. Juni.( Eigener Drahtbericht.) In der ausgedehnten Sementindustrie des Münsterlandes droht fchweren Krisen zu fommen. Seit Jahr und Tag wird dort von den Zementarbeitern in zehn- und mehrstündiger Arbeitszeit zur Förderung der Produktion und zur Behebung der Baunot" beigetragen. Der Erfolg dieses Raubbaus an Arbeitskraft und Erzeugung, der den Arbeitern obendrein mit schlechter Entlohnung gedankt wurde, tritt jetzt zutage. Die vorhandene Krise wird auf den Baumarkt nicht ohne Nachwirtung bleiben. Die noch fürzlich erfolgte Erhöhung der 3ement preise hat im Zusammenhang mit den allgemein durch die planTaje Preisgestaltung hervorgerufenen Abjayfchwierig feiten und mit der Tatsache, daß die Silos vie Ifach gefüllt sind, bereits zu Arbeiterentlassungen und Werksstillegungen geführt. Das alles geschieht im Zeichen einer unbehobenen Wohnungen und eines ausgedehnten geschäftlichen Ausbaues der Werke selbst. In den Produktionsbezirten des Kreises Bedum, die ebenso wie jene im Lengerichter Bezirk dem Biding- Konzern( Portland- 3ement- Werte) angeschloffen sind, ist Hunderten von Arbeitern gefündigt worden. Mehrere Werte ruhen. Die Entlassenen werden der Arbeitslosen fürsorge zur Last fallen, weil ein gewinnsüchtiges Unternehmertum fich jeder wirtschaftlichen Erkenntnis verschließt und weil Kreise der Arbeiterschaft sich entgegen dem Willen der gewertschaftlichen Organisationen für eine unfinnig lange Ueberarbeit hergaben. Das man in den Unternehmerfreisen auch nach politischen Gesichts. winkeln vorgeht, zeigt die Tatsache, daß man zunächst organi fierten Arbeitern fündigte. Für das Lengericher Gebiet sind gleichfalls Entlassungen angekündigt. Vor kurzem aber stiftete der Ronzern in Lengerich Zehntausende von Goldmart für den Neubau einer Kirche, während er den Sorgen und Nöten seiner Arbeiter fchaft gleichgültig gegenübersteht. Lohnbewegung im Berliner Großhandel. Freitag, 19. Juni 1925 Roten Fahne" von den Mostauer Kandidaten hineingelegt worden ist, um so mehr, als er den Vorgängen in der Gewerkschaftsbewegung offenbar fernsteht. Imhof übergab noch gestern der„ Roten Fahne" eine Berichtigung folgenden Inhalts: „ Es ist unwahr, daß ich mich unterschriftlich verpflichtet habe, feinerlei Gewerkschaftsarbeit mehr zu leisten. Ich habe zurzeit folgende Ehrenämter inne: Vorsitzender des Betriebsrats der Reichsbruckerei, Beiratsmitglied des Buchbinderverbandes, Mitglied ber erweiterten Ortsperwaltung der Zahlstelle Berlin des Buchbinder verbandes. Dies ist auch Ihren Gewährsmännern befannt. Es ist tief bedauerlich, daß der Wahlkampf in folch niederträchtiger Weise gegen alte Verbandsfunktionäre geführt wird." Statt diese Berichtigung insbesondere in ihren sachlichen Angaben zu veröffentlichen, bringt das Blatt der„ Einheitsfront" nur den ersten Sag und fnüpft daran einen Dreckschwanz echt mostomitischer Art. Auf die Teilnahme Imhofs an einem Bierabend als Vertreter des Personals der Reichsdruckerei einzugehen, erzählt man eine lange Geschichte von einem gewissen Stephan, bererübrigt sich. Da man aber gegen Imhof nichts zu sagen weiß, Streifbruch begangen haben soll, aber weder Kandidat zum Verbandstag ist noch sonst einen Posten im Verband bekleidet. Indem man jedoch Stephan mit Imhof zusammen nennt, versucht man den Eindruck zu erwecken, daß doch nicht alles stimmt. Diese Lumperei ist fennzeichnend für das mostowitische Schmutzblatt. Im übrigen: Wenn die fommunistische Sonderorganisation der Buchbinder alle Mitglieder ausschließen wollte, die bleiben, um eine Ortsverwaltung zu bilden. u. einmal Streitbruch verübt haben, würden kaum so viel übrig bleiben, um eine Ortsverwaltung zu bilden. Die Funktionär der dem Arbeitgeberverband des Berliner Großhandels angeschlossenen Branchen, nahmen am Donnerstag: Berfolg der Lohnbewegung. Der Sektionsleiter Wolter schilderte abend im Gewerkschaftshaus Stellung zum Verlauf und weiteren eingehend die verflossene Lohn- und Tarifpolitik der deutschen Arbeit geber im allgemeinen und des Berliner Großhandels im besonderen. Auch durch diese legtgenannte Industriegruppe zieht sich wie ein roter Faden das Bestreben der gesamten deutschen Industrie, die Gefundung und Wiedererſtarfung der Wirtschaft auf dem Rücken der Arbeiterschaft zu vollziehen. Ablehnung von Verhandlungen über Lohnerhöhungen, Nichtanerkennung von Schiedssprüchen u. bgl. zeugen nicht von einem Verständnis für die berechtigten Forde rungen der Arbeiter. Die Arbeitgeber des Berliner Großhandels denken, den Forderungen der Arbeiter weiterhin sich ablehnend gegenüber verhalten zu fönnen. Jedoch sind diese gewillt, nicht mehr länger Amboß, sondern auch einmal hammer zu sein. Ein Beis spiel von der Kampf- und Schlagkraft ihrer Organisation hat in diesen Tagen der Streit der Arbeiter des Dunggroßhandels gegeben. Die Bersammlung brachte zum Ausdrud, daß es bei den gerade in lezter Zeit erheblich gestiegenen Lebenshaltungskosten unmöglich sei, mit den von den Arbeitgebern gezahlten Löhnen auszukommen. Die rege Aussprache der Versammlung ließ flar ertennen, daß sich die Arbeiter des Berliner Großhandels nicht mehr mit den bestehenden Löhnen zufrieden geben. Ebenso betonte Wolter, daß der Berband tein Mittel unversucht laffen werde, die berechtigten Forderungen der Mitglieder durchzudrücken. Die von einmütigem Kampfmillen beseelte Versammlung nahm zum Schluß folgende Resolution einstimmig an. Die am 18. Juni 1925, im Gewerkschaftshaus, Engelufer, tagende allgemeine Funktionärversammlung des Berliner Großhandels beauftragt den Sektionsleiter Wolter des deutschen Verkehrsbundes, umgehend Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverband des Berliner Großhandels anzusehen, zweds Erhöhung der bestehenden Löhne. Die Bersammelten verpflichten sich, mit aller Kraft hinter den gestellten Forderungen zu stehen und sie gegebenenfalls mit allen zu Gebote stehenden Kampfmitteln durchzudrücken. Eine Lumperei. Das Blatt, das unter der Maste der Einheitsfront berufsmäßig die Spaltung und Verhegung der Arbeiterschaft untereinander betreibt, hatte eine Notiz veröffentlicht, wonach Genosse Imhof, Borfizender des Betriebsrats der Reichsbruckerei und Kandidat zum Verbandstag der Buchbinder, sich in der Reichsdruckerei unterschrift lich verpflichtet habe, feinerlei Gewerkschaftsarbeit zu leisten. Nun wußten die Urheber dieser infamierenden Notiz, daß diese Behauptung eine Verleumdung der niederträch tigsten Art darstellt. Wenn fie trotzdem diese Gemeinheit begingen, so fennzeichnet das den Geist der Einheit", der diese traurigen Gesellen beherrscht, die jetzt um die Stimmen der Mitglieder des Buchbinderverbandes betteln. Man fonnte, annehmen, daß der Gewerkschaftsredakteur der Unzulässigkeit der Lohnaufrechnung durch den Arbeitgeber. Ein Chauffeur der Meierei C. Bolle, Berlin, wurde von dieser fristlos gefündigt, weil er nach gerichtlicher Feststellung im trunkenen Bustande ein Auto der Firma durch Anfahren gegen eine Mauer beschädigt hatte. Von der Firma wurde außerdem gegen den Chauffeur Schadenersatzklage erhoben. Der Entlassene erhob durch Klage vor dem Gewerbegericht Anspruch auf Urlaubsabge tung. Gegen das seinem Anspruch stattgebende, die Berechtigung der fristlosen Kündigung verneinende Urteil des Gewerbegerichts legte die Firma Berufung beim Landgericht ein und machte in der Berufung Aufrechnungs- bzw. 3urückbehaltungsrecht gegenüber der Forderung des Entlassenen auf Urlaubsabgeltung für den ihr aus der Beschädigung des Autos zus stehenden Schadenersazanspruch gegen den Kläger geltend. Sie be rief sich dabei ausdrücklich auf eine dahingehende in der Arbeitsordnung des Betriebes mit der Betriebsvertretung verein. barte Bestimmung, die das Lohneinbehaltungsrecht des Arbeitgebers für erlittenen Schaden vorfieht. Das Urteil des Landgerichts I Berlin, Zivilammer 8, das dem Anspruch des Klägers auf Urlaubsabgeltung gleichfalls statt. gab, wies das von der Firma unter Berufung auf die dahingehende Vereinbarung in der Arbeitsordnung geltend gemachte Recht der Aufrechnung bzw. Zurückbehaltung mit nachstehender Begründung ab: Die von der Beklagten erklärte Aufrechnung gegenüber dem Abgeltungsanspruch mit dem ihr aus dem Anfahren entfrandenen Schaden ist nach§ 314 BGB. in Verbindung mit der 20. über Lohnpfändung unzulässig. Aus dem gleichen Grunde ent fällt auch das gestend gemachte Zurückbehaltungsrecht, das vor= liegend lediglich dazu führen würde, die unabdingbaren Vorschriften über die Unzulässigkeit der Aufrechnung zu umgehen. Auch die Vorschriften der Arbeitsordnung über die Kürzung des Are beitslohnes wegen etwaiger Gegenforderungen find insoweit nichtig, als sie der zwingenden Vorschrift des§ 314 BGB. zu widerlaufen. Auch auf sie fann die Beklagte den Antrag auf Abweisung des Ferienanspruchs nicht stüßen. Dieser war viel mehr zuzusprechen." 8 Treffer: Donauschloßstek 50 J Verweser... Denkmünze. Paladin ZIGARRENFABRIKEN JUHL 40 30 30 Feenprinz. 25 Juhistern. 25 Gestüt Graditz_ 20 Juhltrumpf 15. Berlin Pankow Suit 1869 010 JOH UHL Für Feinraucher BETTWÄSCHE Hur bestbewährte Qualitätsware zu besonders billigen Preisen! Bettbezug aus starkfäd. Kretonne. 4.50 Bettbezug aus gutem Renforcé... 5.75 Bettbezug aus dichtem Linon.... 6.55 Bettlaken aus gutem Hemdentuch. 2.95 Bettlaken aus schwerem Dowlas 3.95 Tischtuch aus bestem Leinen- Damast 4.95 Hemdentuch, starkfädig Handtuchstoff, pa. Drell O 63 Pf. 48 Pf. WILLX SCHOTT Bettwäschefabrik Warschauer Straße 5 HUNDE Katzen, Papageien und alle Haustiere werden behandelt. Tierärztliche Poliklinik Chausseestraße 93 neben Kriegervereinshaus Sprechstunden: 11-1 u. 4-6 Uhr Wähle für die Sebensdauer Möbel nur Nouge's 1652 vanter Berl. 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Bahnkoffer 55 75 875 775 mit Holzbügeln und Beschlägen, 2 festen Schlössern und Einsatz 60 cm 75 90 60 cm 65 cm 90 90 595 cm 69% 65 70 cm Waschservice bunt, Steilig 475575 Waschbecken creme...... 95PL Waschbecken bunt........ 145225 Kinder- Service 4tellig...... 75PL Schokoladenkannen a 75PL Satz Näpfe weiss, 6teilig...... 95P muster.. Näpfe... 8,15,18PT. Näpfe 5,10,15PT. weiss.. Borsten waren Rosshaar- Handfeger......... 95. Kokos- Kleiderbürsten...... 28t Kleiderbürste mit Brett........ 95PL AluEsslöffel 10,15PL Teelöffel Aluminium 6,8Pf. Trikotagen Damen- Hemdchen 48 PL cm 790 Damen- Schlüpfer Pl 75 cm 1075 1175 127 75 90 cm 80 cm 100 cm 110 cm 00 2900 3200 3500 38° baren Sprungschlössern u. starkem Griff, 36 cm 145 Einrichtungskoffer mit guten Toilettegegenständen, 2 verschliess- 1950 Reisenecessaires kompl. gefallt mit Spiegel, gutem Kamm, Bürste, Seife u. Kinder- Strümpfe 58,468, 7-978, 10 95PT. Grösse 1-3 Reisetaschen mit Aufspannbagel, aus starkem grünen Segeltuch oder braunem Kunstleder 40 cm 45 cm 50 cm 50 55 cm 00 1150 1250 135° 15° HERMANN TIETZ 95TAGE PF. Konserven 1 kg- Dos.jung. Brechbohnen 95 PL 1 kg- Dose Karotten Kolonialwaren 1 Pfd. Würfelzucker 1 Paket Kakao zusammen 1 Pfd. Kaffeemischung 10%) 1 Pak. Quäker- Haferflock. 95 PL. 151 ohne Arm Baumwolle, 145 Herren- Hemden geleicht, mit far. 275 Binsätzen kleid........ Herren- Garnituren Jacke Bein- 490 Herren- Netzjacken halboffee...... Jede weitere Grösse 15 Pfennig mehr Sonderangebot Bettdecke 115 2bettig, volle Grösse 975 FRANKFURTER ALLEE Textilien und sämtliche Bedarfs- Artikel sind weiter in diesen Verkauf einbezogen Gnorm billige Gebensmittel in den 95- Pfennig- Gruppen. Frisches Fleisch Pld. 25 PL. Schweinebauch........ Prand 95 P. zus. 95 PL. 1 kg- Dos. gem. Gemüse sus. 95 PL 2 Pfd. Auszugmehl zus. 1 kg- Dos.Rotkohll 1 Pfd.- Paket Mondamin zu 95 Pt. 1 kg- Dose Erbsen 1 Pfd. Tafelreis zus. Obst u. Gemüse Pa. Feigen Erdnüsse frisch ger....... Pd. 10 PL. Erdbeeren( Werdersche)..... Ptd. 90 PL Kirschen große Knupper..... PIA 60 PL 95 PL. Zitronen große Stachelbeeren 95P Gurken große Schulterblatt.... Schweinekamm Pland 1.20 Pland 1.10 Kotelett...... Pfand 1.30 .Dted. 72 PL. Ptd. 25 Pt. Kalbskamm und Brust. Pland 1.10 Kalbskeule .Pfand 1.30 .Stek. 30 Pt. Lammfleisch Pfund 1.10 28.8. 95 PL Schoten. Kohlrabi Ptd. 25 Pt Lammrücken Pland 1.20 zus 95 PL. Mandel 28 PL. Rückenfett .Pfund 95PL 95 PL 15 PL Hackepeter. 95 Pt. ..Pd. 30 Pt. 1 Paket Tee Sus. 95 PL 1 Pfd. Viktoria- Erbsen SUS 95 PL. 1 Pfd. Bohnen TUS. 95 Pt. 95 Pt. 78PL 30 PL 1 Pfd. Linsen 4- Ptd.- Dose Wirsingkohl 1 kg- Dos.Tomatenpuree 1 kg- Dose gem. Gemüse.... 95 PL 4 Dosen Milch Fleisch- Konserven 31 kg- Dos. Haschee.... 5 Dosen Leberpastete 7 Dosen Bohnen m. Speck 1 Dose Corned Beef 3Dosen Bohnen m.Speck) 1 Glas russ. Sardinen 1 Glas Sardellen in }.. 1 Pfd. Hartgriess Pfd. Kaffeemischung 20%) 2 Pfd. Pflaumenkonfitüre 1 Pfd. Zucker Pfd. frisch gebr. Kaffee) 95P 2 Pfd. Kaffee- Mischung 10% 95 PL. 1 Pfd. Kaffee- Mischung 20% 95 Pt PL ... 95 Pt. 1 Pfd. Eier- Bandnudeln)}) L. 95 PL. 2 Dos. Sardinen reinem Oliven- 95 Pt 1 Pfd. Backpflaumen Oel. Konfitüren 1 Ptd. Bensdorp- Kakao 1, Pfd. Block- Schokolade 95 PL. Gar.reine Sahn.- Schok. Block netto 95 PL Pfund 5 Pak. 1% Pfd. Gazell.- Kakao 95 PL 1 Pfund Block- Schokolade..95PL Weine und Liköre 21 Fl. Aptelwein Glas 95Pt. sas. 2 Probefl. Kantorowicz- 95PL Liköre frei nach Wahl 1 Pfd. Makkaroni| 1 Pfd. Graupen Pfd.Korinthen| Pfd. Mandeln J Das große Warenhaus des Nordens zus. zusammen . 95P 95Pt. zusammen 95 PL. Möhren großes Bund... Grüne Bohnen. Neue Kartoffeln....... 2 Pt. 25 PL Wurstwaren % Pfund 25M Pa. Ochs.- Suppenfleisch gefr., Pid 55PL Pa. Ochs.- Schmorfleisch ge Pa.Rinderleber Pa.Rinderherzen getr. P. 80 PL gefroren... Pfund Pfand Pfd. 65 Pt. Pa. Schweineköpfe Fettbacke Pld 28 PL Sächs. Leberwurst...... Pta 60 PL Rotwurst... Fleischwurst Landleberwurst.... Jagdwurst.. . PL . Pfd. 95 Pt. .Pfd, 65 Pt Pld. 40 PL. Pa. fr. mag. Speck.. ...... Pd. 1.30 Pa. fr. fetter Speck Landschinken ...... Pd. 1.15 ... im ganzen, Pfd. 1.60 Swinemünder Straße 86 Ecke Lortzingstr. Besonders günstiges Angebot: Schweineschinken gefroren, Pfund 70PL Pa. Schweineschmalz elbet age 70 PL Himbeersaft lassen, gar. rein, 65% Flasche 1.45 Apfelwein sehr wohlschmeckend, 50PL Flasche ohne Glas.... Obstschaumwein Champagner Obst Flasche 1.50 4 Pfd. Feigen.......... 95 PL 1 Dtz. Apfelsinen ...... 95PL Gebrüder Akt.- Ges.