Nr. 287 42. Jahrg. Ausgabe A nr. 148 Bezugspreis: Wöchentlich 70 Pfennig, monatlich 8, Reichsmart voraus zahlbar. Unter Kreuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Desterreich, Litauen, Luxemburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der„ Bormärts" mit der Sonntags beilage Bolt und geit" mit„ Gied. Yung und Kleingarten" fowie der Beilage Unterhaltung und Bissen" und Frauenbeilage Frauenstimme erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: -Sozialdemokrat Berlin" Morgenausgabe Vorwärts Berliner Dolksblatt 10 Pfennig Anzeigenvreise: Die einfalties Rogareille. geile 70 Biennia. Reflemezeile 4.- Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedrudte Work 20 Pfennig ( aufäffia awei fettgedrudie Worte). jebes weitere Wort 10 Bfennie. Stellengesuche das erite Bort 20 Bfennig, jedes weitere Mart 5 Pfennig. Borte über 15 Buchfiaben zählen für amei Worte. Familienanzeigen für Abonnenten Beile 50 Biennia. 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An den Berhandlungen nahmen von Deutscher Seite teil: Geheimrat Klodner, der Führer des befannten schwerindustriellen Konzerns, Direktor Boensgen von der Phöniggruppe, zugleich als Vorsitzender der deutschen Rohstahlgemeinschaft, und Direktor Bruhn von Krupp. Die Einzelheiten des Kompromisses sind folgende: Licht, daß sie aus nacktem Profitinteresse den internationalen Zusammenschluß betreiben und am Verhandlungstisch mit den Kapitalgruppen des Auslandes sogar den berüchtigten Schuß der nationalen Arbeit" beiseite stellen. Mit elementarer Bucht dringt eben die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Kriege auf die Beseitigung der durch die Willkür des Versailler Diktats geschaffenen wirtschaftlichen Schranken; die Verhandlungen, die während der Inflation und während der Ruhrbesehung nicht vorwärts fommen konnten, sind jetzt nach der Einführung des Dawes- Planes ein gutes Stück weiter gediehen und haben zu positiven Ergebnissen geführt. Der Gedanke der europäischen Wirtschafts und Schidsalsgemeinschaft marschiert. = Deutschland gewährt den genannten Ländern die Einfuhr von 1,7 Millionen Tonnen Eisen, und zwar insbesondere von Halb- Die Form aber, die er zunächst angenommen hat, muß 3cug- und Fertigfabrikaten, 3 um halben Zollfah. Cothringen bei der Arbeiterschaft der ganzen Welt die schwersten Beift an diesem Kontingent mit 800 000 Tonnen, das Saargebiet mit den fen erweden. Es ist fapitalistischer Zusammen600 000 Tonnen und Luremburg mit 300 000 Tonnen beteiligt. Bor- schluß, der hier vollzogen wird und dessen Ziel es ist, den in aussetzung für das Inkrafttreten des Abkommens find gewiffe ländischen Eisenmarkt ganz und gar der Kontrolle Abmachungen, darunter die, daß der Bertrag erst mit Abschluß eines einer ffeinen industriellen Gruppe zu überlassen. deutsch- französischen Handelsvertrages Geltung erhält. Es ist ferner Die Allgemeinheit hat aber ein Recht, daß die Versorgung der vorgesehen, daß die Belieferung der süddeutschen Industrie großen metallverarbeitenden Industrie Deutschlands in einer mit Eisen aus dem Saargebiet zu einem Preise erfolgt, der die Welt- Weise erfolgt, die der Exportindustrie die Möglichkeit einer marktpreise nicht überschreitet. Die Bewirtschaftung des zu ermäßigten Ausfuhr, der für das Inland erzeugenden Industrie eine dem Zöllen eingeführten Eisens erfolgt, genau wie diejenige in Deutsch- Umfaßbedürfnis entgegenkommende Preisstellung, der Ar land hergestellten, durch das deutsche Synditat, die Rohstahl- beiterschaft des gesamten Metallgewerbes eine ausgemeinschaft. Diese kann dafür sorgen, daß das billige Eisen reichende Beschäftigung offen läßt. Die Gefahren benur ganz bestimmten Gruppen von Berarbeitern zugeleitet wird. stehen dabei nicht nur für die deutsche, sondern auch für Damit behält die deutsche Schwerindustrie die Möglichkeit, für alle die ausländische Arbeiterschaft. Soweit Deutschübrigen Berarbeitergruppen den Eisenpreis um den 3011- land in Betracht kommt, ist es Aufgabe der Regierung, betrag über den Weltmarktpreis zu halten, fo- die gemeinwirtschaftlichen Interessen zu wahren. Es geht nicht weit dem nicht durch Ausfuhrrückvergütungen Schranten gefeht find. an, daß man den inländischen Warenmarkt ausschließlich dem Légteres ist nur bei einem ganz fleinen Teil der deutschen Ber- Diftat einer einzelnen und durch ihre Rücksichtslosigkeit arbeitungsindustrie, und zwar dann auch nur bei der Fabrikation bekannten Gruppe von Interessenten überläßt. Hier muß die für den Export der Fall. Zoll und Kartell gefeggebung die notwendigen Sicherheiten schaffen. Es ist aber auch nicht denkbar, daß eine Gemeinschaft internationaler Kapitalisten nur aus ihrem Profitstreben heraus die Rohstoffversorgung wichtiger Gebiete der gesamten internationalen Wirtschaft regelt. 3um internationalen Rohstoffkartell gehört, wenn es nicht die schwersten Nachteile für Arbeiter und Verbraucher der beteiligten Länder bringen soll, das internationale Kartellamt. Die breiten Massen der Arbeiterschaft werden ihre ganze Kraft dafür einzusetzen haben, daß ein einihre ganze Kraft dafür einzusehen haben, daß ein einseitiges Preisdiktat der toalietren internationalen Schwerindustrie verhindert wird. Die Einigung der beteiligten Industriegruppen über die Einfuhrkontingente ist tatsächlich die Grundlage der Ber ständigung innerhalb der internationalen Eisenindustrie, die nach den Kartellverhandlungen der letzten Zeit immer mehr in die Nähe rückt. Rein politisch ist fie unter diesem Gesichtspunkt zu bewerten. Dann ist es er freulich, auch vom Standpunkt der Arbeiterschaft zu begrüßen, daß durch diese wirtschaftlichen Verhandlungen die Ri valität der eisenproduzierenden Länder und der hinter ihnen stehenden mächtigen Wirtschaftsgruppen, die bisher die stärkste Quelle der europäischen 3mietracht war gemildert wird. Auf die Bertreter der deutschen Eisenindustrie aber, deren Auftraggeber die nationalistische Preffe und ihre Heze gegen eine Völkerverständigung bezahlen, wirft es ein fraises Linksblock oder nicht? # Wie wir überdies hören, haben bereits die Gewerkschaften der beteiligten Länder in der nächsten Zeit Ber= handlungen über die aus der Bildung des internationalen Eisenkartells sich ergebende Lage vorgesehen. hatte, brachten die Kommunisten ihre Interpellation ein und beantragten sofortige Diskussion. Briand lehnte diese ab mit dem Die sozialistischen Mandatare werden darüber abstimmen. Hinweis darauf, daß die Regierung in wenigen Tagen GeParis, 19. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Die innerpolitische legenheit haben werde, Erklärungen über Marotto abzugeben. Krise in Frankreich dauert unvermindert fort. Heute vormittag sind Briand erklärte, wenn Abd el Krim wirklich die Abficht hätte, in die sozialistischen Abgg. Compère Morel, Bincent Auriol Berhandlungen mit Frankreich einzutreten, würde er sich wahrschein und Renaudel zusammengetreten, um eine gemeinsame Beschlußlich einen anderen Vermittler gesucht haben, als den Abgeordformel für die zukünftige Haltung der sozialistischen Partei der neten Doriot( Komm.). Die Regierung halte an ihrer Erklärung Regierung gegenüber zu suchen. Wie bereits berichtet, hatte Com in vollem Umfange fest, daß sie unter Wahrung der Rechte père- Mozel die Aufgabe der Unterstüßungspolitik schlechthin, Reund Interessen Frankreichs den Frieden jo sane!! naudel deren bedingte Fortsetzung, Vincent Auriol den Versuch einer Beschimpfung, wenn man ihr unterstelle, daß sie eine Gewie möglich herzustellen bemüht sei; sie betrachte es als eine Berständigung mit der Regierung und den übrigen Gruppen des Kartells beantragt. Die Bemühungen der drei Antragsteller, sich legenheit, dem Blutvergießen in Maroffo ein Ende zu machen, auf eine gemeinsame Form zu einigen, sind heute morgen gefchei ungenügt vorübergehen laffe. tert. Im Einverständnis mit dem Parteivorstand hat die Fraktion wie schon für diesen Fall angekündigt beschlossen, die drei Anträge zum Gegenstand eines Referendums zu machen. Die Anträge sind heute morgen sämtlichen Mitgliedern der Fraktion und des Parteivorstandes zugestellt worden, die sich innerhalb 48 Stunden dazu äußern sollen. Compère Morel hat heute nachmittag geäußert, daß er bereits 45 3uftimmungs ertiärungen zu feinem Antrag auf Wiederherstellung der vollen Handinugsfreiheit der Partei erhalten habe. Der radikalsoziale Abg. Berthot hatte im Einverständnis mit dem Kabinett heute eine Interpellation eingebracht, in der die Regierung gefragt wird, welche Politik sie in Marokko zu ver folgen gedente. Auf Einspruch der Sozialisten, die darauf hinwiesen, daß ihre Bartei über deren fünftige Haftung noch nicht endgültig entschieden habe, hat nach einer interfraftionellen Besprechung der Abg. Berthot seine Interpellation zurüdgezogen, um fie am Dienstag mieder einzubringen. Da bis dahin das Ergebnis der innerfozialistischen Abstimmung vorliegen wird, dürfte die Diskussion bzw. die Abstimmung über die Interpellation die seit langem erwartete Entscheidung bringen. In der Kammer ist es heute trotzdem zu einem furzen Marotto- Zwischenfall Regierungsmaßnahmen gegen die KPF. Paris, 19. Juni.( WTB.) Nach Beendigung des heute vormittag abgehaltenen Kabinettsrates hat ein Mitglied der Regierung der Agentur a vas mitteilen lassen, die Minister hegten angesichts der tommunistischen Propaganda, die fich hauptsächlich durch Verbreitung von Flugblättern und Broschüren auswirke, Besorg niffe. Man habe Berhaltungsrichtlinien festgestellt, die die Regierung innehalten werde gegen die fommunistischen Agitatoren, die nach eintreffenden Nachrichten täglich mit Abd el Krim forrespondieren und ihn zum Widerstand ermuti gen, indem sie versichern, die Mehrheit des Volkes jei gegen die Forisetzung der militärischen Operationen. Der Ministerpräsident hat nach Beendigung des Kabinettsrates mit dem Innen= minister und dem Leiter der Sicherheitspolizei von Paris über diese Frage verhandelt. Umgruppierung der Generäle. Paris, 19. Juni.( TU.) Das Petit Journal" kündigt die Ernennung eines neuen Feldherrn für Marokko an, der über hervor: ragende militärische Eigenschaften verfüge. Der abberufene General Colombat soll durch General Gourand ersetzt werden, Mar schall 2yanten soll durch diese Ernennung entlastet werden, um fich ganz feiner diplomatischen Tätigkeit widmen zu fönnen. In der geftrigen Kammerjigung wurde wieder von General Mengand als Leiter der militärischen Operationen in Maroffo gekommen. Als der Abg. Berthot feine Juterpellation zurüidgezogen gefprochen. i Vorwärts- Verlag G.m.b.H., Berlin SW. 68, Lindenstr. 3 Poftscheckkonto: Beritu 37536- Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Depofitentasie Lindenstraße 3 Die Krise im Linkskartell. Von unserem Pariser Sonderkorrespondenten) Paris, 19. Juni. Seitdem es dem Nationalen Block im Senat gelungen ist, ein Dugend früherer Links- Senatoren zu sich herüberzuziehen und den Sturz des Kabinetts Herriot herbeizuführen, herrscht innerhalb des Linksfartells nicht mehr dasselbe Selbstvertrauen, nicht mehr diefelbe Sicherheit, wie vorher. Die Erklärung. die der neue Ministerpräsident Painlevé am Tage seines Amtsantritts im Barlament abgegeben hat, stieß nur deshalb nicht sofort auf größeren Widerstand bei den Sozialisten, weil man erstens zur Person Painlevé Bertrauen hatte und weil man am Borabend der Gemeinderatswahlen nicht eine zweite Ministerkrise provozieren wollte, die damals um so gefähr licher hätte werden können, als der neue Finanzminister Caillaug gerade im Kreise der Linken von einem faft legendären Nimbus finanztechnischer Fähigkeiten umgeben mar und es zweifellos der allgemeine Wunsch war, ihm die Möglich feit zu geben, seine Fähigkeiten zu zeigen. Es hat nur zwei Monate gedauert, bis die Krise, die seit dem Sturz Herriots in latenter Weise vorhanden war, zum Ausdruck fam. Die Umstände, unter denen dieser Ausbruch erfolgte, sind ziemlich außergewöhnlich. Nach außen sieht es so aus, als ob die Marottofrage bei den Zwischenfällen, die sich in der Dienstag- Nachtsigung abspielten, die entscheidende Rolle spielte, und es ist sicher, daß die Ereignisse in Marotto das Bedürfnis der Sozialisten, eine flare Situation herbeizuführen, veranlaßt haben. Aber es ist weder die Reise Painlevés nach Marotto, zu der ihm von jozialistischer Seite dringend geraten worden war, noch die vom parlamentarijchen Standpunit aus wohl begreifliche Weigerung des Ministerpräsidenten, im Plenum der Kammer über seine Reise zu berichten, ehe er von den drei Kommiffionen für auswärtige Angelegenheiten, die Finanzen und die Armee, gehört, morden war, die den wirklichen Anlaß zu der jetzt akut gewordenen Krise bilden.. Zwar hat die Tatsache, daß am Dienstag abend, als es galt, über die aus demagogischen Gründen von den Kommunisten eingebrachte Interpellation abzustimmen, die sozialistische Fraktion nicht geschlossen stimmte, insbesondere Leon Blum, Renaudel, Baul Boncour, Moutet und ein Dutzend anderer Abgeordneter der Vereinbarung mit der Regierung gemäß für die Bertagung der Debatte eintraten, während etwa 80 Mitordnete des Südens sogar mit den Kommunisten stimmten, glieder sich der Stimme enthielten und zwei andere Abge= den Verlauf der Ereignisse beschleunigt. Aber die große Debatte, die am Mittwoch morgen in der sozialistischen Frattion begonnen hat, Donnerstag nacht fortgefeht wurde und am Freitag noch zu feinem endgültigen Ergebnis führte, dreht fich viel weniger um die Marottoirage als um die allge meine Boli tit des Kabinetts Painlevé. Sie dreht sich Politik seines Finanzministers Caillaug. in erster Linie um seine Finanzpolitik oder besser gesagt um die Die sozialistische Fraktion hat das Kabinett Bainlevé nicht im Berdacht, als ob es in Maroffo Abenteuer suche, sondern und die Erklärungen, die der Ministerpräsident am Mittwoch in der gemeinsamen Sigung der drei großen Kommissionen abgab, hat diesen Eindruck verstärkt sie glaubt ihm, wenn es versichert, daß es alles daran segen werde, um so rasch wie möglich mit Abd el Krim zu Friedensverhandlungen zu kommen. Aber die Fraktion hat die starte Empfindung, daß das Kabinett Bainlevé fich allzu start durch den Gedanken leiten läßt, in teinerlei Ronflitt mit dem Senat zu kommen und daß es aus der Beruhigungsparole", wie sie hielt, praktische Schlußfolgerungen zieht, die nicht mehr mit Painlevé bei seinem Amtsantritt auszugeben für notwendig den Bedingungen im Einflang stehen, wie fie in dem berühmten Briefwechsel zwischen Herriot und Leon Blum, die im Namen und Auftrag ihrer Fraktion handelten, im Sommer 1924 für die Schaffung des Linkskartells in der Kammer festgestellt wurden. Am schärfften kommt das in den Caillaugschen Finanzvorlagen zum Ausdruck, die die Fraktion nach gründlicher Prüfung ablehnt. Da das Kabinett Painlevé fich bisher mit den Projekten Caillaug' einverstanden erklärt hat, und da dieses Problem alle anderen beherrscht, so ergibt sich aus dieser Stellungnahme der Fraktion unvermeidlich der Bruch mit der gegenwärtigen Regierung, einerlei, wie groß auch das Bertrauen sein mag, das die Sozialisten z. B. auf dem Gebiete der auswärtigen Politik zu ihr haben. Damit ist aber eine Frage akut geworden, die viel wichtiger ist als die des Bestandes und des Abganges eines Kabinetts: die Aufrechterhaltung des Links tartells ist zweifelhaft geworden. Das ist um so paradorer, als die Wahlen vom 3. und 10. Mai eine glänzende Bestätigung des Gieges vom 11. Mai 1924 gebracht haben und die die Stärkung des Kartells im Lande als das sichtbarste und unzweideutigste Resultat der letzten politischen Befragung gilt. Es ist sicher, daß eine Mehrheit im Lande die Aufrechterhaltung des Linkskartells im Kampfe gegen die immer noch jehr drohenden und starten Kräfte des Nationalen Blocks Hinter dieser Geste stand nichts. Einen Tag später mußt» Graf Könitz sich auf die Suche nach einer Mehrheit begeben und ein Kompromiß suchen. Denn wenn die Verhandlungen, die die Reichsregierung gestern herbeigeführt hat, die Bedenken und Widerstände bei den Regierungsparteien beseitigen sollen, so müssen sie auf ein Kompromiß abzielen. Der deutschnationale„Tag" deutet die Linie an, auf der die Regierung das Kompromiß sucht. An die Stelle des Prinzips der Getreidemindest- zolle soll das Prinzip gleitender Getreidezölle gesetzt werden. Aber gegen die gleitenden Zölle hat sich Graf Kunitz noch am Donnerstag im Reichsrat ausgesprochen. Die Reichsregierung hat die Zustimmung der Deutsch- nationalen zur Zollvorlage mit der Verbindung der Getreide- Mindestzölle mit der kleinen Zollnovelle erkaust. Dies Kauf- g e s ch ä f t war ein Zeichen ihrer parlamentarischen Schwäche. Die Tatsache, daß sie bisher noch keine Mehrheit der Regierungsparteien für ihre Verpflichtung gegenüber den Deutschnationalen gewinnen konnte, ist das andere Zeichen ihrer parlamentarischen Schwäche. Die einzige Partei, die geschlossen hinter dem Kernstück ihrer Zollvorlage steht, ist die Deutschnationale» Partei. Die schweren Bedenken in den Reihen der anderen Regierungsparteien offenbaren die sachliche' Schwäche der agrarischen Mindestzollforderungen. Ein Zollgesetz, hinter dem geschlossen nur die Partei der agrarischen Interessenten steht, das selbst in den Reihen der Regierungsparteien auf schwere Widerstände stößt und zudem das Urteil der Wissen- schaft und der obersten wirtschaftlichen gutachtenden Körper- schaft gegen sich hat, würde eine Vergewaltigung des Volkes darstellen. Es darf in dieser Form nicht Gesetz werden. Die �nwenüung üer Untersuchungshast. Eine neue Verfügung des preustischen Justizwinisters. Der preußische I u st i z m i n i st e r veröffentlicht jetzt endlich eine allgemeine Verfügung über die Anwendung der Untersuchungshast, in der der Erlaß vom August vorigen Jahres einer Korrektur unterzogen wird. Die Verfügung hat folgenden Wortlaut: »In der allgemeinen Verfügung vom 18. Dezember 1918 ist darauf hingewiesen, daß die Untersuchungshaft«inen schweren Ein- griff in die Freiheit einer Person darstellt, deren Schuld oder Un- schuld erst noch festgestellt werden soll, und daß daher diese ein- schneidendste aller Untersuchungsmaßnahmen eine besonder» gewissenhaste Prüfung erfordert, ob sie nach der Bedeu- tung und den besonderen Umständen des Einzelfalles tntsächlich geboten erscheint. Diese Prüfungspflicht ergibt sich daraus, daß das Gesetz in Z 112 StPO. zwar ausspricht, daß ohne die dort genannten Voraussetzungen— dringender Tatverdacht und Flucht- oder Kollu- sionsverdacht— ein Haftbefehl nicht erlassen werden darf, aber nicht vorschreibt, daß bei Ihrem vorliegen der Haftbefehl in jedem Falle erlassen werden muß.* Bei der Prüfung, ob danach der Erlaß des Haftbefehls zu be- antragen ist, muß sich die Staatsanwaltschaft, wie schon die allegemeine Verfügung vom 18. Dezember 1918 betont, vor jeder Schemati sierung hüten und die Gesamtheit der Umstände des Einzelfalls berücksichtigen. Was insbesondere die Frage anlangt. ob ein den Antrag rechtfertigender Fluchtverdacht vorliegt, so kommen neben der Schwere der Tat und der höhe der zu erwartenden Strafe in Betracht die A u s s i ch t e n, die das Unter- nehmen der Flucht dem Beschuldigten im Hinblick auf seine bis- her igen Lebensverhältnisse bietet, noch Lage des Falles auch sein Verhalten in dem bererts schwebenden Verfahren. Dabei ist gemäß I, 4 der AB. vom 18. Dezember 1918 zu erwägen. ob ein zunächst bestehender Fluchtverdacht ohne verhängung der Unlerfuchnngshaft durch andere?llaß nahmen ausgeräumt werden kann. Bei ollen zur haftfrag« zu stellenden Anträgen hat sich die Staats- anwaltfchofr vor Augen zu halten, daß die Untersuchung». Haft niemals Selbstzweck ist, sondern nur dem Zwecke der Sicherung einer ungehinderten Durchführung de» Strafverfahrens dienen soll, und daß sich ihre Anwendung daher in den durch diesen Zweck gebotenen Grenzen zu halten hat. Die gleichen grundsätzlichen Gesichtspunkte wie für die Be- antragüng der Untersuchungshaft sind auch für die Frage ihrer Aufrechterhaltung maßgebend. Die Staatsanwaltschaft Hot daher bei ihrer— nach lV 1 Abs. 3 der 2123. vom 18. Dezember 1918 in der Regel besonders zu begründenden— Stellungnahme zu einem Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls stets zu prüfen, ob nach dem jeweiligen Stande des Verfahrens die Fortdauer der Untersuchungshaft durch ihren Zweck noch geboten ist. Soweit hiernach im Einzelsall der Gesundheitszustand eines Beschuldigten besonderer Erörterung bedarf. lind in dem von dem Minister für Valkswohlfahrt an die Medizinalbeamien gerichteten und durch meine Verfügung vom 15. September 1924 den Justizbehörden zur Kenntnisnahme mitgeteilten Erlaß vom 83. August 1924— zum Teil unter Hinweis auf die gesetzlichen Vorschriften der StPO.— Gesichtspunkte dargelegt worden, die vom Arzt bei der Abgabe von Gutachten zu berücksichtigen� sind. Der Erlaß ist ergangen, um durch Vermittlung der Medizinalbeamten die ärztlichen Kreise auf erhebliche Mißstände hin« zuweisen, die bei der Erstattung ärztlicher Gutachten für gerichtliche Zwecke hervorgetreten waren und ein vertrauensvolles Zusammen- wirken von Gericht und Arzt ernstlich zu gefährden drohten. Weisungen an die Justizbehörden enthält der Erlaß nicht und konnte er nach der bestehenden Rechtslage nicht enthalten. Daß für die Entschließung der Justizbehörden über die Frage, ob ein gegen einen Beschuldigten erlassener hasrbefehl aufzuheben ist. lediglich die gesetzlichen Vorschriften maßgebend sind, und daß daher der Umstand, daß der Beschuldigte erkrankt ist. nur nach der Richtung von Bedeutung sein kann, ob die Voraussetzun- gen für den Erlaß des Haftbefehls weggefallen sind oder nicht, ist bereits in der AL. vom 29. März 19ti7 her- vorgehoben. Auch die in dieser Richtung anzustellend« Prüfung darf aber nicht schematisch sein, sondern muß unter 253 ü r- d i g u n g der Umstände des Einzelfalls erfolgen. Dem entspricht es. daß in jener AV. weder die„hastfähigteiT als unbedingte Voraussetzung für die Aufrechterhaltung des Haftbefehls aufgestellt wird, noch davon die Rede ist, daß eine Krankheit zur Aufhebung des Haftbefehls nur dann führen könne, wenn sie die Möglichkeit der Flucht ausschließe. Vielmehr ist unter Nr. 2 und 3 das Verfahren der Justizbehörden ausdrücklich für den Fall geregelt, daß der Richter„mit Rücksicht auf die Art. Schwere und voraussichtliche Dauer der Krankheit" den Haftbefehl aufhebt. Daran schließt sich unter Nr. 4 der Hinweis, daß. wenn im Einzelfall ungeachtet der Krankheit die Aufrechterhaltung des haftbe?ehls für sachgemäß befunden wird, der bloße Umstand, daß der Verhaftete vorübergehend in einer Krankenanstalt uMerzubringen ist, nicht dessen Entlassung recktfertigt, vielmehr diese Unterbringung auf Kosten des Staates zu erfolgen hat. hiermit stimmt die DVO. für die Gefangenenanstalten der Justizverwaltung vom 1. August 1923 überein."' Mit der vorliegenden Verfügung gibt das Justizministe- rium zu. daß in der bisherigen Handhabung der Unter- suchtlngshast schwere Mißgriffe vorgekommen sind. Sie wendet sich vor allem gegen die Praxis der S t a a t s a n- w a l t s ch a f t und der Untersuchungsrichter. Vor allem ist hervorzuheben, daß das Ministerium die Auffassung zurückweist, als hätten die Justizbehörden auf Weisung des Ministeriums gehandelt. Die alleinige Verant- wortung der Justizbehörden ist damst eindeutig festgestellt. Das Justizministerium würde sich aber eine Pflichtverletzung zu schulden kommen lassen, wenn es aus den Feststellungen nicht auch die Konsequenzen zöge. Aus der Verfügung selbst geht zur Genüge hervor, daß nach Ansicht des Justizministeriums die Justizbehörden auch unter den bisherigen Verhältnissen die skandalöse Handhabung der Untersuchungshast hätten vermeiden können. Die neue Ver- füguug kann deshalb nur Wandel schaffen, wenn die Justiz- behörden eine straffe Hand über sich fühlen.'Selbstverständlich ist es, daß die verantwortlichen Behörden allen Unter- fuchungsgefungensn das gleiche Recht zuteil werden lassen. Das gilt auch für die A e r z t e. Erörterung Ües Seheimerlaffes im Höste-Ausschuß. Gerade an dem Tage, an dem die neue Verfügung heraus- gekommen ist, hat der Hösle-Ansschuß eine mehrstündige Sitzung abgehalten, in der der verhängnisvolle„Eeheimerlaß" vom 23. August 1924 von den Vertretern der beteiligten Ministerien erörtert wurde. Ein Vertreter des Justizministeriums schilderte in längeren Ausführungen die E n t st e h u n g s g e s ch ich t e dieses Erlasses, der vor allem darauf zurückzuführen gewesen sei, daß von den Gerichten wünscht, der, geschlagen im offenen Wahlkampf, jetzt seine ganze Hoffnung auf das parlamentarische Auseinanderfallen des Kartells setzt. Die Sozialisten legen sich darüber Rechenschast ab. In der Diskussion, die seit Mittwoch in gemeinsamen Sitzungen der Kammerfraktion und des Parteivorstandes stattfinden, ist von sämtlichen Rednern der dringende Wunsch zum Ausdruck gebracht worden, a l l e s z u t u n, um die im gegenwärtigen Augenblick unvermeidlich erscheinende Kabinettskrise nicht zu e i n e r K a r t e l l k r i s e sich erweitern zu lassen. Welches auch der endgültige Beschluß sein wird, der von der sozia- listischen Fraktion und dem Parteivorstand gefaßt wird, eines steht fest: Es wird von sozialistischer Seite nichts vernach- lässigt werden, was den Weiterbestand des Linkskartells er- möglichen könnte. Das einzige, was wohl beschlossen werden könnte, ist eine eventuelle gründliche Aussprache mit den an- deren Parteien des Linkskartells, in der erklärt werden muß, warum die sozialistische Fraktion dem Kabinett Painlev� ihre Unterstützung nicht mehr gewähren kann. Man wird die bürgerlichen Parteien des Kartells an die prinzipiellen Abmachungen, die im Sommer 1924 getroffen wurden, er- innern und ihnen sagen, daß die sozialistische Partei auch heute noch bereit ist, einer Regierung, die sich auf den Boden dieser Abmachungen stellt, die Unterstützung zu gewähren, und daß sie entschlossen sei, dem Kartell treu zu bleiben: daß es sich also bei der gegenwärtigen Stellung- nähme der Sozialisten in keiner Weise um eine Flucht vor der Verantwortung oder um eine verschleierte Rückkehr in die Opposition handle. Im Laufe der Debatte in der Fraktion ist darauf hingewiesen worden, daß die Partei sich abermals vor die Frage der Beteiligung an der Regierung gestellt sehen könnte, und daß sie sich dann schwerer als je einer bejahenden Antwort entziehen könnte, obschon die Um- stände für eine Beteiligung der Sozialisten an der Regierung niemals u n g ü n.st i g e r als jetzt waren. Zu diesen wichtigen Fragen hat die Fraktion und der Parteivorstand einstweilen keine endgültige Stellung genommen. Vorerst wällen sie versuchen, das Kartell zu retten, auch im Falle der Kabinettskrise. Auftakt zur Aollüebatte. Die Regierung sucht die feste Mehrheit. Am Montag beginnt die große parlamentarische Auseinandersetzun g über die Zollvorlage der Reichs- regierung. Der Reichswirtschaftsrat hat das Kernstück der Regierungsvorlage verworfen. Der Reichsrat hat der Vor- läge zugestimmt. Der Führer der stärksten Regierungspartei, Graf Westarp, hat öffentlich angekündigt, daß die Regierung die Zollvorlage nach einem zeitlich genau festgelegten Plan bis zum 18. Juni durchzupeitschen gedenkt. Dazu gehört eine feste und geschlossene Mehrheit. Zwei Tage vor Beginn der parla- mentarischen Auseinandersetzung besitztdieRegierung diese Mehrheit noch nicht. Sie ist gestern auf die Suche nach dieser Mehrheit gegangen. Gestern nachmittag fanden zwischen der Reichs- regierung, vertreten durch Dr. Luther und Graf K a n i tz, und den Regierungsparteien Be- sprechungen statt, die den Zweck haben sollten, eine p a r- l aMb n't a r i s ch e M e h rh'e i t für die' Zollvorkage der Re- gierung zu sichern. Die Vorlage der Regierung, soweit sie Agrarzölle vorsieht, die als MiRdest, zölle gebunden werden sollen, stößt bei den meisten an der Regierung beteiligten Parteien auf Bedenken und Wi d erstände. In der Deutschen Volks Partei werden Bedenken laut, daß die Agrarzölle die Position der Industrie gefährden könnten. Im Zentrum wenden sich die Christlichen Gewerkschaften gegen die Getreidezölle. Auch der Stimmen der Wirt- > ch a f t s p a r t e i ist die Regierung noch nicht sicher. Als im Reichsrat Preußen sich gegen das Prinzip der Mindestgetreidezölle wandte, schlug Graf Könitz auf den Tisch und erklärte, daß die Reichsregierung sich bei einer Ablehnung der Mindestzölle nicht beruhigen werde. Kritisches vom Kritiker. I. 'To ganz nebenbei hört man, liest man, daß ein bedeutender Musikant gestorben ist Nur ein Schriffteller. Die entsetzliche Aeußerlichteit einer auf Primadonnen-Kult gestellten Welt spricht aus der Beiläufigkeit solcher Ereignisse. Kein Sangesstar, kein Reise- Dirigent, keine Grammophon-Größe, kein Reklame-Komponist, auch kein Meister des Saxophons, der auf tausend Bildern zu sehen war. In kleiner Schrift, bescherden und vergessen, dringt die Nachricht kaum an eure Netzhaut, sicher nicht ins herz. Es starb ein Mann. „Nur" ein Schriftsteller! Wer liest denn auch Schriften? Wer weiß noch, den Erfolg einer Kulturbewegung mit ihren Verfechtern zu- sammenzuhalten? Es gibt 1000 Menschen, die nach einer hinge- worfenen Idee greifen und sie selbstsicher ffelbst sicher des Erfolgs) bresttrcten. Aber nur einzelne haben Eigen-Jdeen mit schöpferischen Vorzeichen. Sie versinken namenlos hinter ihrem Werk, hallen wir den Namen des Mannes fest, der viel mehr für die Musik und Musikkullur getan hat, als hundert bequeme(auch genialische) Prak- tiker. Paul Marsop starb. Ein wandernder Musik-Prophet, ehr- lich, unbestechlich, begeistert, frei und unabhängig, selbst als er zu hungern begann, rücksichtslos und fanatisch, auch wenn er sich Feinde schuf, eine herrliche Kampsnatur. Ueber die sozial« Lage der Musiker hat Marsop die erste entscheidende Schrift verfaßt, über die Wagner-Frage Entscheidendes, oft über das Ziel Schießendes gesagt. Er hat die Grundlage für öffentlich« Musikbüchereien gelegt, er sorgte im In- und Ausland für musikalische Volks-Bibliotheken. Wo der Musik neue Wege zuwuchsen, da bereitete er die Beete, ob es sich um Reformierung der Opernhäuser, der Bühnen, der Beleuchtung. ob um das Kino oder Radio handelte. Sein Geist war so scharf wie seine Feder. Sein Glaube so bezwingend wie sein Wort. Ein Kerl, ein Mensch, ein Kämpfer. Legt Kränze auf sein Grab! II. Ein Kritiker ist zum Intendanten ernannt worden. Was versteht ein Kritiker wohl vom Theater? Was ein Schriftsteller von der ZZühnc? Nun, es wackeln ein paar Zöpfe, und Staub weht durch die Luft. Immerhin: Kiefer Schrifffteller heißt Paul Belker, und selbst seine Tageskritiken waren mehr wert als die Leistungen vieler sogenannter Intendanten von Tages-Format. Man las sie in Deutschland und im Ausland. Bücher über Beethoven und Wagner zeichneten neben diesen Herren den Kopf eines Eigenbrötlers voller künstlerischer Initiative, Klugheit, Freiheit: die Fanfare zu Schrekers Oper war überstimmt, aber die thematische Analyse der Mahlerschen Sinfonien blendete wieder durch die Exaktheit der Forschung� durch das Genialisch« im logischen Aufbau. Wer so geradlinig geistig organisiert ist, wer zugleich so phantasieooll denkt, fühlt,' schildert und belebt, sollte der nicht trotz all seiner theorellschen und historischen Kenntnisse, trotz seiner klaren ästhetischen Formulierungen ein In- tendant, Regisseur von Rang sein? Oder muß es immer ein Be- amter sein, oder ein Komponist, oder ein von allen Kunstregungen freier Mann der Beziehungen? Die großen Regisseure der Oper waren bisher immer Musiker. Gluck, Weber, Wagner, Mahler. Bielleicht ist der Heros Wagners, Mahlers, Schrekers berufen, ihr« Nachfahre im Regie-Genie zu sein. Diese Wahl ist glücklich. Warten wir ihre Auswirkungen ob. 711. Große Künstler lehnen es ab, Kritiken zu lesen. Die meisten be- haupten es zwar nur, manche aber wollen sich nicht durch Kritik stören lassen. Eine gute läßt sie kall, eine hymnische erhöht ihren Wert nicht mehr, eine schlechte könnte sie verärgern. Zum Musi- zseren aber gehört Lust. Wozu also Kritiken lesen? Nun, ich finde, daß manche Kritik mehr künstlerischen Wert und Sinn hat als manches Konzert: daß sie lieber bejaht als verneint: daß sie Weg- bohner des Großen ist oder fein kann: daß sie teil hat am Durch- bruch von Persönlichkeiten, Richtungen, Erfolgen. Der Künstler ist Vermittler zwischen Kunstwerk und Publikum, der Kritiker Der- mittler zwiscken Künstler und Publikum. Sollte nicht auch der beste und bedeutendste Virtuose ab und zu kontrollieren, wie sich sein Bild im Spiegel der Oesfentlichkeit ausnimmt? Ich glaube es ist seine Pflicht, wenn er an sich selber den». In Publikum und Kritik schlummert so etwas wie die Nachwirkung aller Tradition. Sie kann vom einzelnen gestützt, unterbrochen, befehdet werden. Un- beschadet seiner Vollendung, die der große Musiker in stch fühlen muß, und die ein Konglomerat ist von Tugend und Gebrechen, Leistung und Versagen,. unbeschadet der Einzigkell, die sich ein selbstherrlicher Meister durch die klügste Kritik nicht verbiegen läßt—; er muß wissen, wie die Oesfentlichkeit mit ihm fühlt, mit ihm denkt, über ihn denkt, an ihm das Urteil schärft. Künstler und Kritiker müssen sich lieben können. Es ehrt den einen wie den an- deren, wenn sich ihre Konpetenzen durchdringen. Beide dienen der Kunst, beide opfern sich. Kritik kann Kunst, künstlerische Leistung kann unter aller Kritik sein. Der Kritiker lehnt sich an die Tat des Schaffenden an: aber der Schaffende lehne sich nicht gegen die des Schaffenedn an: aber der Schaffende lehne sich nicht gegen die Institution gerecht wägender Kritik auf, er lehne sie nicht ab. Beide seien am stärksten in der Kritik ihrer eigenen Schwächen. ___ Kurt Singer. Errichtung einer Wanderbühne Thüringen. Der Verband der Deutschen Volksbühnenoereine ist an das Thüringische Volks- Ministerium herangetreten mit der Forderung zur Gründung einer Wanderbühne Thüringen mit staatlicher Subvention nach dem Muster der Bayerischen oder der Mitteldeutschen Wanderbühne. Der Antrag wird vornehmlich damit begründet, daß trotz der zahlreichen, insgesamt mit 2,5 Millionen Mark vom Staat Thüringen sub- ventionierten thüringischen Landesbühnen«in großer Teil der thüringischen Bevölkerung nur mll Aufwendung unverhällnismäßig großer Zeit- und Geldmittel sich den Theaterbesuch oerschaffen könne. Die Landesbühne soll dem Weimarer Generalintendanten unterstellt werden. Die Eingabe fordert die Einstellung von 59 000 M. in den Thüringischen Theateretat, mit denen die Wanderbühne subventioniert werden soll. Belichtete Nahrungsmittel. Sehr interessant« Untersuchungen über die Wirkungen von künsttichem Licht auf gewisse Nghrungs- mittel sind an der amerikanischen Wisconsin-Universität in jüngster' Zell ausgeführt worden, hierbei zeigte es sich u. a., daß Tiere, die man ausschließlich mll vitaminarmer Nahrung gefüttert hatte, von der englischen Krankhell verschont blieben, die sonst stets als Folge einer solchen Ernährung auftritt, wenn die Nahrung vorher einer längeren Belichtung ausgesetzt worden war. Die Wirkung trat be- sonders dann zutage, wenn mit ultravioletten Strahlen belichtet wurde. Daraus folgt die sehr bedeutsame Tatsache, daß es möglich ist. bei gewissen Nahrungsmitteln durch starke Durchleuchtung den fehlenden Vitamingehalt zu ersetzen, und damit erklärt sich auch die Erscheinung, daß die englische Krankheit in den Tropen und Sub- tropen, also in besonders lichtstarken Ländern, so gut wie gar nicht beobachtet wird, während sie in den lichtarmen Ländern leider noch immer häufig genug auftritt. Die praktischen Folgerungen aus diesen Fessstellungen ergeben sich fast von selbst. Man hat bereits angefangen, vitaminarme oder vitaminlose Nahrungsmittel, wie es z. B. die meisten Fett« sind, mit ultravioletten Strahlen zu belichten. In gleicher Weise könnte man auch vllaminarme Getreidearten behandeln, um den mangeln- den Vitamingehall wettzumachen. Immer kann durch Belichtungen der Vitaminmangel allerdings nicht behoben werden. Vor allem vessagen sie bei MUch. Man hat jedoch für vitaminarme Milch ein anderes, unbedingt wirksames Verbesserungsverfahren ausgearbeitet. Vitaminarme Milch stammt immer von Kühen, die mit Dürrheu gefüttert werden, und Milch von solchen Kühen ist nur sehr minder- wertig für Ernährungszwccke. Füttert man hingegen mit konser- viertem Grünfutter, so behält die Milch ihren vollen Wert. Gegen- wärtig werden berells verschiedene Großstädte mit solcher, durch konservierte Grünfüllerung der Kühe vitaminreich gemachten M'lch versorgt. Sie wird als Silo-Milch bezeichnet und ist namentlich für Kinder zu empfehlen. Eine Südpolar-Expedilion nach wassischen. Als„einen neuen Abschnitt in der Erforschung des Südpolarkreises" bezeichnete der englische Kolonialminister die Ausfahrt des alten Polarforschungs- schiffe?„Discovery", das jetzt umgebaut ist und eine neue Expedition nach der Antarktis angetreten hat. Die Forschungsgesellschaft wird drei Jahre lang im Südpolargebiet weilen, um die Lebensgewohn- heiten dex Walfische zu erforschen und neue Fischereigebiete aufzu- suchen. Man hofft, in den ungeheuren Meeren der Antarktis eine reiche Tierwell anzutreffen, deren Ausbeutung dann in großem Maß- ftab betrieben werden soll und sicher das Ende des Walfisches be- schleunigen wird. Zn der Slaa Zoper gelangten in dieler Stückzeit kin beiden Häuiern) 59 verschiedene Werke zur Aufsührung(gegen 46 im Borjahre). Die Spiel- zeit schließt Unter den Üinden am 5. Juli mit einer iluifühiung der .Meistersinger', bei Kroll am 30. Luni, da dort wabrend des Juli die Operette.Der Stern von Alsiian* zur Aussahrun i gelangt Die erste Vorstellung nach den Ferien ist in der StaatZoper aus 20. August anberaumt. Gegen Ostwald-Farben im Aeichenonlerrichl. Ein eben ergangener Erlaß deZ preußischen KultuZmmislermmZ weist darauf bin, daß die Veleiligung von schulen an Ausstellungen, die der Veranschaulichunq der Ollwald'ichen Farbenlehre dienen, wegen der Bedenken, die von sachverständiger Seite gegen die Verwendung der Ostwald'schen Farben im Zeichenunterricht er» hoben werden, nicht erwünscht ist. Kkagett in immer häufigerer Zahl einliefen über mißbrauch- liche Anwendung des Begriffes der chaftunfähig- k eit durch verschiedene Gerichts'ärzte. Die Verfasser des Erlasfes hätten allerdings nicht vorausgesehen, daß einzelne Gerichtsärzte in- folge ungenügender Kenntnis der rechtlichen Dinge„Flucht- Möglichkeit" mit„Fluchtverdacht" verwechseln würden. Ein Vertreter des Wohlfohrtsministeriums schob die Schuld an der Hineinschiebung desjenigen Passus in den Erlaß, der praktisch zu einer besonderen Verschärfung der Bedingungen gber die Untersuchungshast geführt hätte, dem Justizministerium zu. Im Verlause der Fragestellung, ide sich an diese Darlegungen anschloß, erklärte Ministerialrat D a n k w o r t h vom Justizministe- rium, daß es gerade Dr. Thiele gewesen sei. besten Ver- hasten Anlaß zu diesem Geheimerlah gegeben hätte. Er führte ein Reihe von krassen Fällen an, in denen Dr. Thiele leicht- sinnig Asteste auf Haftunterbrechung ausgestellt habe, wie z. B. im Falle eines Sistlichkeitsverbrechens und eines Raubmordes. Ein anderer Ministerialvertreter meinte, daß Dr. Thiele den Erlaß zur Rechtfertigung seines Verhastens im Falle Höfle lediglich vor- s ch ü g e. Auch Geheimrat Krahne, der ursprünglich die An- stellung von Dr. Thiele als Gefängnisarzt in Moabst empfohlen haste, sah sich oeranlaßt, angesichts der sich häufenden Klagen, gegen besten Gutachtertätigkest Ihn zu zitieren und ihm Abberufung von feinem Posten anzudrohen. Bald darauf habe Dr. Thiele schrift lich darum gebeten, wieder eine Stelle als Kreisarzt zu erhallen. völkische prinzipientreue. 320000 Goldmark Provifio«. München, 19. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Trotzdem die Konzession für den Bau der Zugspitzebahn vom zuständigen baye- rischen Handelsministerium bereits erteilt ist, wird von gewisten Kreisen immer noch gegen den Bau der Bahn Sturm gelausen. Eine führende Rolle spielen dabei die Völkischen, die offen- sichtlich dadurch einen starken Zulauf aus dem protestierenden Deutsch- österreichischen Alpenverein erhoffen. Nun ist ihnen aber das Mißgeschick passiert, daß, während sie von der Londtogstribüne herab gegen die Zugspitzebahn Sturm liefen, der Führer der Völkischen im Münchener Rathaus, der Rechtsanwalt Dr. P u ck e l e y, sich vom Erbauer der Zugspitzebahn, dem In- genieur Cathrein, eine Provision von rund ZZ0 000 Goldmark ausbezahlen ließ für Vermittlung von 8 Millionen vom Schuckert-Kon- zern für den Bahnbau. Belustigend ist außerdem noch, daß dem ertappten Sünder diese Provision von dem Führer des reaktionär und monarchistisch eingestellten„Bayernbund", dem Ingenieur Ballersted. einem wütenden Preußenhasser, strestig gemacht wird: denn dieser behauptet in Versammlungen, daß er der«igent- liche Vermitller der 8 Millionen sei. Rur habe der bayerische Handelsminister durch unlautere Machenschaften ihn um den ver- dienten Lohn gebracht. Diese Behauptung läßt am Freitag der bayerische Handelsminister in einer amtlichen Auslastung als dreiste und völlig haltlose Unwahrheit erklären. Die Sozialdemokratie für die flltveteranen. Erfulß unserer Genossen im HaushaltSausschuh. Bei der Beratung des Etats des Reichsfinanzministeriums wurde in der Sitzung des Haushastsausschustes vom Freitag die Für- sorge für die Altveteranen besprochen. Nach dem Hau»- Haltsentwurf gibt es zurzeit noch 90 000 unterstützungsbedürftige Kriegsteilnehmer aus den Kriegen 186-t bis 1871. Die monat- lichen Beihilfen betragen zurzeit 12,50 M. Insgesamt ist ein Auswand für diesen Zweck in Höhe von 13,5 Millionen Mark vorgesehen. Die Deutschnationalen wollten sich bei dieser Gelegenheit bei den Altveteranen in empfehlende Erinnerung hxstrgen. Ihr Abgeordneter Mumm hiest ein« von Wohlwollen erfüllte Rede und beantragt«, die Reichsregierung zu ersuchen, die Mnallichen Beihilfen durch einen Ergänzungshaushalt„beträchtlich erhöhen zü wollen". Die Sozialdemokratie beantragte eine Erhöhung von 12,50 auf 30 2JI. und ließ in der Begründung durch den Abgeordneten R o ß m a n n darauf hinweisen, daß den 2lstvete- ranen mit schönen Wünschen nicht gedient sei. Da es sich durchweg um 70— 80jährigc Leute handle, vermindere sich ihre Zahl so un- heimlich, daß schon mit den vorgesehenen Etatsmitteln erheblich mehr geleistet werden könne, als eine Beihilfe von monatlich 12,50 M. Roch den bisherigen Erfahrungen müste man mit einer Zulage von 1,50 bis 2 M. monattich rechnen, wenn man die Erhöhung in das Ermessen der Regierung stell«. Daher stelle seine Partei einen kontreten Antrag. Von dem Vertreter der Deutschnationalen Volks- partei und dem Vertreter des Finanzmini st eriums wurde der sozialdemokratische Antrag im Hinblick aus die Konsequenzen bekämpft, die er für andere Bersorgungsberechtigte haben könnte. In der Abstimmung wurde er trotzdem mit zehn Stimmen(Sozialdemokratie. Demokraten, Kommunisten und Völkische) gegen 8 Stimmen(Deutschnationole, Deutsche Volks- Partei und Zentrum) angenommen. Man darf gespannt sein, ob die Regierungsparteien den Mut haben, diesen Antrag im Plenum trotz der schönen Redensarten, die st« bisher für die Allveteranen bei' jeder Gelegenheit übrig gehabt haben, wieder zu Fall bringen werden. In der gleichen Sitzung des Haushaltsausschustes fragte der Abgeordnete H ü n l i ch(Soz.), ob Organe der Reichsfinanzverwal- tüng an den Bauskandalen in Bentschen beteiligt seien, von denen kürzlich in der Press« die Rede gewesen sei. Der Ver- treter des Reichsfi na nzmini st eriums erklärte, daß da- � von weder dem Reichsfinanzministerium noch dem zuständigen Prä- sidenten des Landesfinanzamtes bisher etwas bekanntgeworden sei. Die Untersuchung geh« jedoch weiter. Staüt öerlin unü Trianon-Zilm. Tarlehen hinter dem Rücken des AufsichtsratS. Im weiteren Verlauf des Wohnstätten-Trianon-Fllm-Prozestes kam gestern zur Sprache, daß auch die Stadt Berlin zu Wohn- bouzwecken der Wohnstätten-Gesellschaft aus der Hauszinssteuer Be- träge von insgesamt Millionen gegeben hatte. S t a d t b a u- direktor Eltart war als Vertreter der Stadt Mitglied des Aussichtsrates geworden. Am 1. Januar suchte ihn Geheimrat Glas auf und teille ihm mit, daß die Geschäftsführer der Wohn- ftätten-Gesellschaft ohne sein Wissen Gelder an den Trianon« Film gegeben hätten. Der Zeuge riet darauf, sofort«ine Sitzung des Aussichtsrotes einzuberufen und bis dahin nicht» mehr zu zahlen, da bei der Hergabe eine« so großen Darlehens die vor- herige Genehmigung des Aussichtsrates notwendig gewesen wäre. Auf eine Frag« von Amtsgerichtsrat Friedberg stellte sich heraus, daß Geheimrat Glas veranlaßt wurde, sich am 1. Januar an die anderen Mitglieder de« Aufsichtsrates zu wenden, weil bei einer Verhandlung mit dem Trianonunternehmen ZgnaK Schratt« ein Schreiben eines Redakteurs von der„Lichtbildbühne vorgezeigt hatte, in dem die(frage nach der Quelle der reichen Trianon-Geldmittel ausgeworfen worden war. Daraufhin erst hatten ßlas, Wenzel und Bretschneider die weiteren Verhandlungen ab- gebrochen und beschlossen, dem Aufsichtsrat über die Vorgänge Mit- tcilung zu machen. Di« Verhandlungen wurden darauf vertagt. Am Montag um 11 Uhr findet in dem Trianon-Filmatelier im Grunewald ein Lokallermin des Gerichts statt, zu dem auch mehrere Sachverftän- dige hinzugezogen werden sollen. Nach Beendigung des Lo'al- termins werden die Verhandlungen im Kleinen Schwurgerichtssaal in Moabit fortgesetzt werden. Wieder neue bulgarische Todesurteile. In Bulgarien ver« orteilte ein Kriegsgericht am Freitag zwei Angeklagte zum Tode, 17 zu hohen Kerkerstrafen, Emundsens Heimkehr. Er rüstet zu einem neuen Fluge. Amundsens Heimkehr hat in der ganzen Welt die leb- hafteste Teilnahme ausgelöst. Das ganze deutsche Volk teilt die Gefühle, die in dem Glückwunsch des Reichstagspräsidenten Lobe an die kühnen Nordpolfahrer zum Ausdruck kommen. Wie die Meldungen aus Oslo zeigen, hat Amundsen die Ab- ficht, zu einer neuen Expedition sofort all« Borberei- tungen zu treffen. Darüber wird uns aus Oslo gemeldet: Oslo. lg. Iuni.(Eigener Drahlberichl.) Zu der norwegischen Hauptstadt herrscht wie im ganzen Lande große Begeisterung über die glückliche Helmkehr Amundsens. Man rechnet damit, daß die Expedition am lO. Z nli an Bord des Kreuzer» „h e i m d a l" in Osle eintrifft. Amundsen hat sich bereits dahin ge- äußert, daß er, s o s o r l nach seiner Rückkehr de» Organisattoasplan für eine neue F l u g ex p e d i t i o n in das polargeblet in Arbeit nehmen wird. Ueber die Erlebnisse der Expedition während ihres Auf- enchalts im Packeise nahe am Nordpol berichtet Amundsen selber nach der„Vossischen Zeitung" d. a. folgendes: „Wir stellten 1 Uhr früh am 22. Mai fest, daß wir die hälsle unseres Benzinvorrakes verbrauch« hatten. Daher einschlössen wir uns, den Versuch zur Landung zu machxn, um endgüllig unser« Lcgey festzustellen und die Aussichten für den Wetterflug zu klären. Wir befanden uns gerade oberhalb einer großen Wasser, rinne innerhalb des Eises, der ersten dieser Größe, welcher wir begegneten. Wir gingen nun tiefer herab, um das uns umgebende Eis zu beobachten und uns eine Ansicht zu bilden über die Gefahr, welche diese plötzliche Rinne innerhalb des Blockeises darstellte. Nicht einmal während des ganzen Fluges hatten wir bis dahin eine zur Landung geeignete Stelle gesehen, und auch diese war es eigentlich nicht. Wir ließen uns nun auf das Wasser der Eisrinne herab. Unsere Befürchtungen wegen der Landung erwiesen sich als nicht unbe- gründet. Unmittelbar nach der Landung wurde Ellsworths Flug- zeug zwischen den Eismassen eingeschlossen, und während wir ver- suchten, den Apparat wieder freizubekommen, fror die Elsrinn« voll- ständig zu. Ebenso erging es meinem Flugzeuge. Unsere Beobachtungen während der Nacht stellten nun unsere Position fest mtt 87 Grad 44 Min. nördlicher Brett« und 10' Grad 20 Min. westlicher Länge, so daß die Entfernung, die wir während unseres Achtstundenflugcs bedeckt hatten, genau 1000 Kilometer be- tlug, unsere Durchschnittsgeschwindigkeit also IbO-Stunden-KIlometer. Der Gegenwind hatte uns demnach um etwa 200 Kilometer zurück- gebracht., S Wir nahmen zwei Lotungen vor. Sie ergaben, daß dos Meer unter dein Eise eine Tiefe von 3750 Metern hatte. In den folgen- den Tagen studierten wir nun die Einzelheiten der Strömung, beob- achteten die magnetischen Abweichungen und stellten meteorologische Untersuchungen an. Während unseres Fluges hatten wir nach Norden hin ein Gebiet von 100 000 Quadratkilometern überschauen können, da» sich bis ungefähr 88,5 Grad nördlicher Breit« erstreckte, ohne daß auch nur das geringst« Anzeichen für Land vorgelegen häkle, In Anbetracht der durch unsere Lotungen festgestellten Tiefe hosten wir es also für höchst unwahrscheinlich, daß auf dieser, der«uro- päischen Seite des arktischen Meeres auch weiter nördlich Land sich befindet. Die täglichen Rottonen wurden vom ersten Tag« an auf 300 Gramm pro Kopf herabgesetzt. Um das Flugzeug klar zu machen, haben wir all« unsere Energie zusammennehmen müssen, und an den folgenden 24 Tagen erlebten wir Schw'o-i-,. leiten aller Art, hervorgerufen durch die' unberechenbaren Launen des unsteten arktischen Ozeans. Das Flugzeug„N 25" konnte nur nach größten Anstrengungen frei- gemacht werden. Das Flugzeug wies zwar Zeichen starker Abnutzung auf, schleppte sich aber beinahe unbeschädigt aus dem Packeis zum Startplatz, den wir in einiger Entfernung davon hergerichtet hatten. Jetzt begannen unsere zahlreichen schweren Prüfungen und Sorgen. Am 14. Juni wurde das Eis durch große Spallen ge- öffnet, die ein Drittel unserer ganzen Arbett auf dem Eise weg. zuschwemmen drohten. Am 15. Juni wurden Startversuch« mtt stark verringerter Ladung gemacht. Beinah« das ganze Gepäck wurde entfernt, und nur einige Dorräte wurden behasten. Um 10,40 Uhr wurde der Kurs festgesetzt, und nach einem aufregenden Fluge, teilweise durch Nebel, erreichten wir Land l« Rordoflen de» Rordkap» nach 8 Stunden 35 Min. Flugzeit. Dann landeten wir und warteten günstige Winde zur Fortsetzung des Fluges ab. Es verblieben 120 Liter Petroleum, um den Raum innerhalb des Patrouillengebietes der„H o b b y" zu erreichen. Infolge des Nebels konnten wir die beobachtete Fläch« nur auf dem Rückfluge abschätzen: Es waren 60 000 Quadratkilometer, so daß die Expedition zusammen 100000 Quadratkilometer bisher uner. forschten Gebietes beobachtet hat. » Unmittelbar nach unserer Landung passiert« der norwegssch« Robbenfänger„S i o e n i v" aus Baatsfjorb, Kurs nach dem Westen. Wir stießen sofort zu ihm und gingen an Bord. Die„S j o e n i v" nahm das Flugzeug ins Schlepptau. Gegen Nacht verstärkte sich der Wind zum Sturm: wir waren daher ge- zwangen, zum Schutze Land auf der Westseite der Lady-Franttin- Lucht aufzusuchen, wo wir die Nacht verbrachten. Da sich am 16. Juni keine Anzeichen besseren Wetters zeigten, so wurde das Flugzeug auf dem Landeise der genannten Lucht fest- gemacht und die Mitglieder der Expedttion fuhren auf der„Sjoeniv" nach K i n g s b a y, um Betriebsstoff zu holen und später das Flug- zeug heranzubringen. Wir kamen ungefähr um 1 Uhr früh in Kingsbay an.- Während der ganzen Navigation haben die Sonnenkompasi« von Goerz vollständig zufriedenstellend gearbeitet. Kein anderes Flugzeug als der D o r n i e r- T y p u s hätte den großen Druck überstehen können: ihre besondere Bauart hat st«, mehr als ander« Typen, für unsere Anforderungen in besonderem Maße geeignet gemacht. Die Rolls-Roice-Motoren erwarben sich schon in den ersten wenigen Stunden unser Vertrauen. Nicht«in einzige» Mal haben wir während der späteren Flüge, wo wir kein« Mög« lichkeit einer Landung hatten, die geringste Furcht verfpürt. Während unseres Aufenthaltes im Norden sind die Motoren immer augenblicklich, ohne Verzug, gestartet und haben da» Fahrzeug gerettet, als wir gezwungen waren, es von dem drohenden Packeise hinwegzuschaffen." Deutscher Salut für Mmonöfeu. Oslo, lv. Juni.(WTB.) Die deutschen Kriegsschiffe a n» n p o« r" und„Elsa ß" haben heut« im hiesigen Hafen Anker ge» warfen. Außer dem gewöhnlichen Flaggsalut wurden anläßlich A m u n d s e n s Rückkehr weiterF21 Schüsse abgegeben. Der deutsche Gesandte ging am Nachmittag an Bord. Am Mittwoch setzen die Schiffe ihre Reise fort. �hamberlain muß Klarheit verschaffen. Tie Arbeiterpartei will ihn zwinge«. London, 19. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In parlamen- tarischen Kreisen verlautet, daß Macdonald im Namen der Arbeiterpartei im Unterbau» am kommenden Mittwoch ein« große außenpolitische AuSiprache durch die Einbringung«ine» Antrage« auf Kürzung de« Gehalts de« Außenminister» erzwingen wird. Die Arbeiterpartei wird die gesamte und besonderZ die Paktpolitik Chamberlain» auf» schärfste angreifen und Auf- klärung über die auch nach der Publikation der diplomatischen Korrespondenz verbliebenen Unklarheiten über ein Durch- marschrecht Frankreich» durch die entmilitarisierte Rheinlandszone im Falle eine» Ostkonflikt» fordern. Reuternote gegen MacöonalS. London, 19. Juni.(WTB.) Reuter verbreitet folgende Mit- teilung: In unterrichteten Kreisen besteht zwar keine Neigung, sich zu den Verhandlungen über den Sicherheitspakt zu äußern, da das Blaubuch für sich selbst spreche: jedoch kommt die Auffassung zum Ausdruck, Großbritannien werde tassächlich keine neuen Der- p s l i ch t u n g e n übernehmen, sondern nur seine bisherigen genauer umschreiben. Es wird darauf hingewiesen, daß England als Mit- glied des Völkerbundes selbstverständlich durch dessen Satzung p e b u n d e n ist. E» wird al« etwas auffällig bezeichnet, daß in gewissen Kreisen, von denen das Genfer Protokoll befür- wartet wurde, nunmehr der Sicherheitspakt bekämpft wird, denn letzterer beziehe sich letzten Ende» auf nur zwei Staaten, während das Genfer Protokoll all« Staaten um- fassen sollte. England stellt kein Eingreifen in einen Krieg in Aus- sicht, an dem seine Interessen nicht beteistgt sind: aber es glaubt, seine Stellung klar umschreiben und Mächte, zwischen denen kriege- rische Verwicklungen möglich sind, zur Unterzeichnung eines mit verstärkten Garantien versehenen Paktes veranlassen zu sollen, um einen Krieg zu verhüten, in den es jedenfalls ohne da» Bor- handensein einer Garantie verwickell werden könnte. die neue Regierung öelgiens. Schlechte Presse, aber sichere Mehrheit. Brüssel, 19. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die neuen Minister haben ihre Aemter übernommen. Der Ministerrat setzte am Frei- tag die Regierungserklärung fest, die Poullet am Dienstag in der Presse ist der Regierung u n g ü n st i g, was jedoch wenig bedeutet, da eine starke Meh heit im Parlament sicher ist. Die liberale Presse wütet und erklärt, die.Internationalisten" Vandervelde und Huysmans Verden die eigentlichen Chefs der Regierung sein. Auch die katholisch« Presse, so weit sie nicht flämisch ist, kritisiert die Regierung teilweise sehr heftig. Die Nationalisten heulen über den angeblichen Sieg der.�flämischen extremistisch-separatischen Demagogie". Das Urteil de» sozialisti- schen„P e u p l e" ist maßvoll und setzt P e r t r a u» q in die Fähig- keit und die Energie der sozialistischen Minister und Fraktion. Verschärfung in China. Mobilisieruug der britische« VolunteerS. Hongkong. 19. Juni.(Reuter). Die britischen Freiwillige« wurden benachrichtigt, daß angesichi» der bedrohlichen Lage ein« baldig« Mobilisierung zu erwarten sei.— Eine Bande von Chinesen bemächtigte sich de» englischen Handel»- dampfer», der zwischen Hongkong und Makao verkehrt. Der Streik hat sich auf die Mannschaft der britische» Küsten« dampfer ausgedehnt. In Tichunking wurde der britische Konsul gezwungen, sein AmtSgebäude zu Verlasien. Engländer werden in den Straßen der Stadt tätlich angegriffen oder mit Steinwü�-n verfolgt. Die Regierung unterstützt die Streikende». Schanghai, 19. Juni.(Reuter.) Das Verlehrsministerium ordnet« an, daß von den Gehältern der Telegraphen-, Post- und Eisen- bahnbeamten monatlich«in Tagesgehalt zur Unter- stützung der Streitbewegung abgezogen werden soll. Biel« ausländische Einwohner von Tschunking sind wegen der Drohungen der Streikenden an Bord der Kanonenboote geflüchtet. Die schlimmste Zeit der Unruhen scheint jedoch vorüber zu sein. » Abbruch der Verhandlungen. London. 19. Zun!.(ISIS.) Aach einer Reutermeldung aus Schanghai wurden die Serhandlungen der Bertretor der Mächte mit den Vertretern der chinesischen Regierung ab- gebrochen. Wichtiger tzinweis. Tragen sich die Deutschnarionalen mtt der Absicht, aus der Re- gisrung auszuscheiden, sobald es ihnen geglückt ist, sich durch die Bewilligung der Agrarzölle eine Bcrmögensaufwertung in einer Höh« zu verschaffen, deren Hälfte den armen betrogenen Sparern genügen würde? Wir werden sehr bald die Antwort auf diese Frage von autoritativster Stelle erhalten, und zwar durch den Entwurf eine» neuen Urheberrechtsgesetze», den Herr Reichsminister Schiele vorbereitet Wir glauben au» dem Kreise unserer Leser ein Wieso? zu hören. Run also: Herr Schiel« war, ehe Herr Luther ihn in sein« Galerie bedeutender Männer ausnahm, ein Schriftsteller von Ruf. Und zwar genoß er den Ms eines Plagiators. Man nannte ihn allgemein den Proudhou von SchMene. weil er sich mtt Nachdruck(in jeder Beziehung) zu dem Satze:„Eigentum ist Diebstahl" bekannt«. Mit einem rührenden Sammeleifer suchte er auf den Feldern anderer Blumen, die er seinem eigenen literanschen Stroh hinzufügte. Wenn nun der Ent- wurf des Schielejchen Urheberrechtsgesetzes den Schutz de» lttera- rischen Eigentums bescittgt, so wird das ein sicheres Anzeichen dafür sein, daß Herr Schiel« demnächst sein« schriststellerisch- Tätigkeit wieder aufzunehmen gedenkt, also sein ministeriell»» Dasein beenden will. Im entgegengesetzten Fall« werden dl« Werke deutscher Schriftsteller noch einige Zeit gegen die»nnexionsgelüst« des Schiele geschützt sein. Delegiertenwahl der Gemeinde- und Staatsarbeiter. Gewerkschaftsbewegung Die„ Rote Fahne" beschäftigt sich mit der Wahl der Delegierten Hochbahnreaktion. Eine sehr stark besuchte Bersammlung des technischen Personals ver Hoch- und Untergrundbahn nahm vorgestern, Donnerstag, zu dem Vorgehen der Hochbahndirektion, einen Abbau der Betriebsvertretung vorzunehmen sowie die Arbeitszeit, die laut Tarifvertrag auf 8 Stunden pro Tag festgelegt ist, auf 9 Stunden und darüber hinaus zu verlängern. In der Aussprache führten Schner und Siller vom Verfehrsbund aus, daß keinerlei Recht der Direktion besteht, die tarif lichen Abmachungen auch nur anzutasten, geschweige zu durchbrechen. Die Hochbahn hat feine Ursache, Sparmaßnahmen an falscher Stelle vorzunehmen, die Arbeitnehmervertretung wird sehr gut in der Lage sein, Borschläge zu machen, wie und wo gespart werden fann. Einmütig angenommen wurde folgende Entschließung: Die star? besuchte Bollversammlung des technischen Personals der Hoch- und Untergrundbahn erhebt gegen das Vorgehen der Direktion gegenüber der Arbeitnehmervertretung sowie gegen die Forderung einer dauernden Ueberleistung den schärfsten Proteft. zum 10. Berbandstage der Gemeinde- und Staatsarbeiter in Frankfurt a. M. Nach dem üblichen Geschrei über das Verhalten der , reformistischen Gewerkschaftsführer" in bezug auf Stützung der „ arbeitsgemeinschaftlichen Bolitik", Achtstundentag und der Herstellung der internationalen Einheit, empfiehlt sie die Wahl der oppositionellen" Kandidaten. Obwohl einheitliche Listen in allen Branchen aufgestellt sind, in strittigen Betrieben sogar Bor= abstimmung über die aufzustellenden Delegierten stattgefunden hat, fommt es ihr in der Hize des Gefechts gar nicht darauf an, felbst die Streichung ihrer eigenen Anhänger, wo zwei fich gegenüberstehen, zu empfehlen. Die Hauptsache für die KPD. ist, Uneinigkeit unter der Arbeiterschaft zu stiften. Deshalb fordern wir alle, die auf dem Boden der Amsterdamer Inter nationale stehen und nicht wollen, daß die Gewerkschaften zum Tummelplay politischer Leidenschaften werden, auf, dem ordentlichen folgende Streichungen auf Stimmzettel vorzunehmen: Branche I, Gaswerte: 1. Rudolf Dieze, Gaswert Tegel; 2. Otto Weinert, Technische Unterabieilung; 3. Hermann Petruschte, Gaswerk Charlottenburg. Branche V, Kranfenbetriebe: 1. Willy Bollnberg, Dalldorf: 2. Willy Roost, Rudolf- Birchow- Krankenhaus; 3. Willy Löschte, Buch. Branche VII und XI, Güter, Forsten und Kanali Die Bersammelten erblicken in dem brutalen Vorgehensation: 1. Karl Bollmann, Kanalisation. Branche IX, eine Schmälerung der Rechte der Betriebsvertretung und eine Nahrungsmittel: 1. Frizz Eckerfunst, Schlacht- und glaite Durchbrechung des tariflich festgelegten Achtstunden- Biehhof. Branche X, Wirtschaftsbetriebe: 1. Ernst tages. Ring, Schulheizer. Die Bersammelten haben Ueberleistungen, die erforder= lich waren und im Interesse des Betriebes lagen, niemals abge: lehnt, sie müssen sie aber in Zukunft entschieden ablehnen, wenn die Verwaltung durch Einführung einer neunten Arbeitsstunde einen Dauerzustand zu schaffen gedenkt. Die Versammelten erwarten von den an dem Vertrage beteiligten freigewerkschaftlichen Organisationen, daß sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln die Einhaltung des Vertrages durch Aufgabe der unberechtigten Forderung Leistung von Donner Hochbahndirektion Mehrarbeit bzw. Ueberstunden erzmingen." Eine zweite Entschließung protestiert aufs schärffte gegen die Einführung der Schutzölle, weil diese neue enorme Belastung der arbeitenden Bevölkerung darstellen; fie verlangt die Abschaffung der Lohnsteuer und protestiert gegen den nersuchten Amnestiebetrug. Neuer Konflikt in der Metallindustrie. Wie der BBM3. Konflikte erzeugt. Der Verband Berliner Metallindustrieller verbietet seinen itgliedsfirmen, vom Arbeitsnachweis Leute anzufordern. Bei der Firma Tenner befindet sich ein Teil der Belegschaft im Ausstand. Dieser ist herbeigeführt durch die voreilige Handlungsmeise des Herrn Reich, Bertreter der Firma Tenner. Durch Verhandlungen von Organisation zu Organisation wurde versucht, die Differenzen beizulegen. Nachdem die Verhandlung als gescheitert zu betrachten war, verlangte die Firma nun von dem Arbeitgeberverband Hilfe. Daraufhin hat der BBMJ. beschlossen und durch Rundschreiben an die Mitglieder bekanntgegeben, daß ab 19. Juni feinerlei Arbeitsfräfte vom Arbeitsnachmeis bezogen und überhaupt keiner eingestellt werden dürfte. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit reden die Unternehmer davon, daß Staat und Wirtschaft nur gesunden fann durch langfristigen sozialen Frieden. Wenn so der soziale Frieden Der Arbeitgeber aussieht, indem man zur Erreichung eines Zieles den Firmen verbietet, Leute einzustellen und meint, einen Druck auf die Ausständigen der Firma Tenner auszuüben, so scheint das zum mindesten eine verfehrte Annahme zu sein. Aber die arbeitslosen Fach- und Hilfsarbeiter werden nicht marten, bis die Herren vom BBMI. ihren Beschluß aufheben und ihnen gnädigst wieder gestatten, in einem Betriebe des BBMI. in Arbeit treten zu dürfen, denn für sie bietet sich zurzeit genügend Arbeitsgelegenheit und vor allem bessere Berdienstmöglich feiten in den Betrieben, die dem BBMI. nicht angehören. Teilstreit in der Altmetallbranche. 8 Die Wahlen finden statt am 20., 21. und 22. Juni. Streikspielerei. Der Verband der Buchbinder und Papierverarbeiter schreibt uns: Die Rote Fahne" brachte dieser Tage eine Sperrnotiz über die Firma Berliner Berlagsbuchbinderei Kölle, G. m. b. H. Unsere Organisation hat eine Sperre über diesen Betrieb nicht verhängt. Es wurde unter dem 13. d. M. eine Verein barung getroffen, wonach die Kündigungsfrist, wie in den übrigen BDB.- Betrieben in Berlin, gegenseitig täglich ist, die wöchentliche Arbeitszeit 45 Stunden beträat; in Ausnahmefällen, d. h. nur bei ganz dringenden Gelegenheiten fann 47% Stunde gearbeitet werden, es werden jedoch 48 Stunden bezahlt. Die 2½ Mehrstunden sind nur bei frühem Arbeitsschluß, am Sonnabend, zu leisten. Die Firma erflärt, Affordarbeit nicht einzuführen. Regelmäßige Zahltag ist der Donnerstag. Von den 14 entlassenen Arbeitern, die zum Teil selbst aufgehört haben, stellt die Firma sieben wieder ein, für die( sie sind namentlich aufgezählt) in bezug auf Ferien usw. das Arbeitsverhältnis als nicht unterbrochen gilt. Diese Bereinbarung ist ein entschiedener Fortschritt. Die Firma hatte Berschlechterungen versucht. Die Sonderorganisation ftreitt, um eine 14tägige Kündigungsfrist zu erhalten und weil einer der ihrigen nicht wieder eingestellt wurde. Es ist alte gewerkschaftliche llebung in solchen Fällen. dem einzelnen eine austömmliche Maßregelungsunterstügung zahlen und die übrigen Kollegen nicht länger in einem aussichtslofen Kampf verharren zu lassen. Streif bei der Stempelfabrik R. Auerbach. zu Am Sonnabend, den 6. d. M. ist die gesamte Belegschaft obiger Firma, Berlin, Grünauer Str. 17, in den Streif getreten. Seit dem 11. März d. I. hatte der Betriebsrat ständig über Lohn- und Afforderhöhungen sowie über die Gewährung von Ferien resultatlos verhandelt. Troßdem der Stundenlohn für Mechaniker 68 Pf. und der Affordverdienst 70 bis 85 Bf. im Durchschnitt betrug, lehnte die Firma jedes Zugeständnis sowie die Gewährung von Ferien rundweg ab und erklärte sich erst nach endlosen Verhandlungen bereit, die Affordpreise um 5 Proz., die der ständigen Lohnarbeiter je nach dem Ermessen der Betriebsleitung evtl. um 10 Proz. zu erhöhen. Die Gemährung von Ferien lehnte die Firma in dieser Verhandlung ebenfalls ab, erklärte sich jedoch bereit, eine Entschädigung dafür zu zahlen, und zwar für Arbeiter bis fünfjähriger Beschäftigung, einen Tagelohn, von 5 bis 10jähriger Beschäftigung zwei Tagelöhne, über 10jähriger Beschäftigung drei Tagelöhne. Nunmehr wurde der Schlichtungsausschuß angerufen; In den Altmetallbetrieben ist es zur teilweisen Arbeitseins er machte nur den Vergleichsvorschlag, daß die bestehenden Löhne fellung gekommen, da die Unternehmer seit längerer Zeit Ber um, 12% Proz., die Affordsätze um 5 Proz. erhöht werden und handlungen mit der Organisation über Lohnerhöhung abge. Urlaub gewährt werden sollte bei einer Beschäftigungsdauer von lehnt hatten. Durch die Arbeitseinstellung sind die Arbeitgeber 1 bis 6 Jahren drei Tage, über sechs Jahre fünf Tage. Diesen berhandlungsbereit geworden, so daß bereits gestern Vorschlag lehnte die Arbeiterschaft ab. Eine nochmalige Verhand( Freitag) nachmittag Berhandlungen über die Beilegung des Streits fung fcheiterte an dem Starrsinn der Betriebsleitung. angebahnt worden sind. Zu einem befriedigenden Ergebnis ist es Alle Arbeiter der Stempelindustrie werden ersucht, unter allen nicht gekommen; das Angebot war derartig niedrig, daß die Ver- Umständen mit den streifenden Arbeitern Solidarität zu üben sammelten die Weiterführung des Streits beschlossen haben. I und evtl. verlangte Streitarbeit zu verweigern. Wie die Banken sparen. Bon einem abgebauten Banfangestellten wird uns geschrieben: Einsender war im ganzen ein Menschenalter bei Banten tätig und wurde Ende des Vorjahres abgebaut, obwohl keine Notwendig feit vorlag, da der Boften als Wechselbureauvorsteher nicht aufgehoben werden konnte, sondern heute noch fortbesteht. An dem Posten füzen zwei junge Leute, die nie in Wechselsachen tätig gewesen sind. Ich frage, ob die Banten, die sich hauptsächlich auf Lehrlingszüchterei ver legen, nicht mit Rücksicht auf eine solch lange Tätigkeit zu einer hinreichenden Penfion oder Abfindungsfumme verpflichtet wären? Bon dem Abbau der Direttoren, von denen hier drei überflüssig sind, hört man nichts. Trotzdem flagt man andauernd über Geschäftsstille und schlechten Verdienst. Die Hauptsache ist ja, daß die Direktoren ihre durch nichts begründeten hohen Gehälter weiterbeziehen können und daß die frühere elende Protektions- und Korruptionspolitik in dem alten Modus noch fortbesteht. Heute bin ich noch stellungslos und lebe mit Familie von 14 M. die Woche. Ein kleiner Beitrag zum Elend. Das Reichsarbeitsministerium hat den Antrag der Unter nehmer, einen Schiedsspruch für die Lohnregelung in der nordwestlichen Gruppe der Metallindustrie zu fällen, abgelehnt und die Angelegenheit an den Schlichter für Rheinland und Westfalen zurückverwiesen. Der Termin der neuen Lohnverhandlungen steht noch aus. Bei den Oberhausener Fettfohlenzechen wurde zum 1. Juli Die Feier wieder einer Anzahl Arbeiter gekündigt. schichten dauern an. Die theinisch- westfälischen Ziegeleiarbeiter streifen, weil der Ziegeleiverband die vom Schiedsrichter vorgeschlagenen Arbeiterlöhne abgelehnt hat. Ein Straßenbahnerstreit in Frankfurt a. M. ist gestern, Freitag, nachmittags 21 Uhr, ausgebrochen. Die Wagen werden nur noch in die Bahnhöfe geführt. Da der Ausstand gerade in der Hauptberkehrszeit begann, machte sich die Störung im Verkehr und int Geschäftsleben bereits auerordentlich bemerkbar. Der Streif in der Schwerindustrie von Charleroi ist vollständig. Die Arbeiter richten sich in voller Ruhe auf einen längeren Kampf ein. Hunderte von ausländischen Arbeitern der Industrie, namentlich Staliener, verlassen das Land. Ihr Erjay nach dem Streit wird nicht leicht sein. Achtung, SVD.- Schuhmacher! Am Montag abend 5 Uhr findet eine Bersammlung aller Genossen und Sympathisierender bei Blawert, Weberstr. 24a, statt. AfA- Mitgliederversammlung der Berliner Solzindnftrie am Montag abend 6 Uhr im Klubhaus, Ohmstr. 2. Stellungnahme zum Tarifvertrag. Erscheinen unbedingt erforderlich. Widler der Firma Bergmann, Seestraße! Die Arbeitsaufnahme erfolgt heute, Sonnabend, zur gewohnten Zeit. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Deutscher Holzarbeiterverband. Bilderrahmen- und Gold. Leistenbranche. Bersammlung aller Branchenangehörigen am Montag, 22. Juni, nachmittags 5 Uhr, in den Andreasfälen. Stellungnahme zum Berhandlungsergebnis. Zimmerer! Heute, Sonnabend, morgen, Sonntag, und übermorgen, Montag Bersammlungen in allen Bezirken. Bezirk 20 und 28 Montag in den bekannten Lokalen. Berantwortlich für Bolitik: Bictor Schiff; Wirtschaft: Arthur Sateruns: Gewerkschaftsbewegung: J. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schilowski; Lokales und Sonstiges: Frik Rarstädt: Anzeigen Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts- Buchdruckerei und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin CB 68 Lindenstraße 3. 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Bon der Größe der auch auf der Beelitzer Feldmark vorkommenden Eiszeitgeschiebe gibt die Grotre ein anschauliches Bild, die in den gärtnerischen Anlagen beim Schul- Hans aus solchen Geschieben errichtet ist. Beelitz liegt an der Rieplttz, die am Rordhong des Fläming, unweit Treuenbrietzen, entspringt Das KSnigstor in Bernau. und nordöstlich von Beelitz in die Ruthe mündet.— Wir wandern von Beelitz gen Nord auf der Ehaussee durch Wald nach Seddin. am Westende des Großen Sediner Sees. In diesem Dorf gibt es noch viele alte Fachwerkhäuser mit Strohdächern. Die Dorf- straßc führt östlich zum Dorf hinaus. Räch etwa(4 Stunde biegen wir auf dem sandigen Feldweg nach links ab, der uns zum Ufer des Sees bringt. Der Weg führt zu einer Anhöhe mit schönem Blick auf das vor uns liegende Kähnsdorf, dann in das Dorf selbst hinab. Hier gibt es noch schöne alte Häuschen und malerische Winkel, auch noch alte Stallgebäude mit Uebergang und Bogengalerie. Zwischen dem Großen Seddiner See und dem rechts gelegenen Kleinen Seddiner See wandern wir nach Wildenbruch� dos am östlichen Ende des Großen Seddiner Sees liegt. Einige kleine romanische Fenster der Kirche deuten auf deren hohe, Alter hin. Bon Wildenbruch führt uns die Chaussee nordwestlich in etwa einer Stunde nach Michendorf, einem langgestrecktem Dorf, dessen Kirche ebenfalls ein hohes Alter besitzt. Das Dorf wird bereits lZ7Z erwähnt. Don Michendorf fahren wir mit der Wetzlarer Dahn nach Berlin zurück.(Weglänge etwa 32 Kilometer.) »eller für Serlla und llmgege-d. Heiter 6i« wolkig, keine erbeblichen Regensall- mehr.— Jfit Vevtschwnd In Destdeutschland noch leichte Regensälle, im Osten kein« erheblichen Niederschläge. Kalte Tage im?uni. Endlich kam der langersehnte Regen! Aber er bracht« etwas anderes. Unerwünschtes mit: richtige Oktobcrkälle. Die heißen Tage hatten alle warmen Kleidungsstücke längst in den äußersten Schrank- winke! verbannt: mutig versuchten letzt die leichten Sommersachen dem Witterungsumschlag zu trotzen. Doch die Nasenspitzen ihrer Träger wurden immer röter, die Gesichter srostgrau. Und schließlich war jeder zufrieden, wieder in den warmen Rock, den molligen Wintermantel schlüpfen zu können. Die Bettler freilich haben böse Zeit. Wie viele von ihnen besitzen andere Kleider, als die sie auf dem Leibe tragen? Frierend hocken sie auf den Steinstufen, lehnen sie sich in die Mauerecken, froh, wenn ein barmherziger Sonnenstrahl sie streift. Für sie, die tagaus iagein auf der Straße leben, ist das Wetter Schicksal, dos sie ergeben tragen,«eil es sinnlos wäre, dar- über zu jammern. Sie wissen, daß Kälte und Wärme, Regen und Sonnenschein sich ablösen: ob heut oder morgen, ist ihnen gleich. Wann immer der Regen kommt, wird er sie nässen und die Kälte sie frieren machen; ober Sonnenschein und Wärm« müsien schließlich doch wiederkehren. Auch die Zeitungsverkäufer behalten ihren Gleichmut. Mit hochgeschlagenem Mantelkragen, wie im Winter in dicke Tücher gehüllt, springen sie durch die Pfützen, um noch schnell den Fohrgästen auf der Straßenbahn die gewünschten Blätter zuzu- reichen. Dann stampfen sie auf und ab, um sich zu erwärmen und die nassen Füße zu trocknen— bis die nächste Bahn kommt. Die anderen „fliegenden" Händler, die sonst bald hier, bald dort ihre Waren feilbieten, sind zum größten Teil aus dem Straßenbilde ver- fchwunden. Einige Eiswagen, die sich noch behaupten, stehen verlosten da: kaum daß sich einmal ein Kind gewohnheitsmäßig die beliebte„Eiswaffel" ersteht. Jung« Burschen und Geschäftsmädchen, sonst die Hauptkundschaft dieser fahrbaren Eis„salons". eilen fröstelnd vorüber. Aber die Eishändler sind Optimisten: ihr Geschäft läßt sich nur nn Sommer betreiben, da wollen sie keinen halben Tag ungenützt lasten. Und sie wissen, daß innerhalb weniger Stunden die ersehnte Erwärmung eintreten kann. fintunfi der wiener Philharmoniker. Die Wiener Philharmoniker, das berühmt« Orchester der Wiener Stoatsoper, insgesamt 99 Mitglieder, sind gestern nachmittag um 1 Uhr 3V Minuten auf dem Bahnhof Zoologischer Garten eingetroffen. Zu ihrem Emvfang waren u. a.«rscbienen Bertreter der österreichischen Gesandtschaft, des Oefterreichifch-Deutschen Volks- bundcs und«in Bertreter des Oberbürgermeisters Löß, der ein Will- kommensfchreiben und eine Einladung des Oberbürgermeisters überbrachte, ferner zahlreiche Freunde der Wiener Philharmoniker. Im Ramen des verhinderten B-'äsidenten des Oesterreichisch Deutschen Dolksbundes Löb« hiell Minister Dietrich eine Be- grüßungsanlvrache, in der er u. a. missübrte:„Die Kunst, die Willen- schost, die Kultur sind das, was Deutschland und Deutschösterreich heute schon ols Gemeingut haben, und wohl gerade die Musik ist das gemeinsame Gut, das auch in den Zeiten früherer Gegensätze nicht österreichisch, nicht deutsch, sondern gemeinsam deutsch war. Hier lieoen die Fundamente, auf denen die politische Arbeit aufbaut. Die Pflege der geistioen und künstlerischen Gemeinschaft ist die Boraus- sctzung für die Weiteroerfolgung unserer Pläne, den politischen An- schluß allen Widerständen zum Trotz durchzusetzen. Wie oft schon haben unsere Brüder in Oesterreich den Anschlußwillen in allen Bolksschichten bekundet. Wenn gerade aegenwärtiq oeger. diesen Willen von unseren Feinden erneut und mit oermebrter Kraft angekämpft wird, so wird uns das nicht hindern, unseren Weg weiter- zugehen. Mögen die Entscheidungen, die setzt bevorsteben. fallen wie sie wollen, sie werden uns nicht vertreiben von der Stelle, an der wir stehen, und nie«erden wir die Ziele aus den Auaen verlieren. die wir im gemeinsamen Interesse zusammen zu verfolgen haben. Kulturell, in Sprache, in Wissenschaft und nicht zuletzt in der Kunst sind die Grenzvfähl« ausgerissen, stehen geblieben sind nur die politischen Pfähle. Diese auszureißen, ist die größte deutsche Zu- kunst-aufgabe." ver Minister schloß seine Rede mit einem drei fachen Hoch auf Deutschösterreich und unsere österreichischen Brüder, das die Zlnwesenden begeistert aufnahmen. Danach sprachen noch herzlich« Begrüßungswort« der Präsiden! der Deutschen Bühnengenossenschast Carl W a l l a u e r und der Bor- sitzend« des Berliner Philbarmonischen Orchesters Otto M ü l l« r. Allen dankt« in warmen Worten der Vorsitzende der Wiener Phil harmoniker Regierungsrat Prof. Wunderer. Sonntägliche Äepnihsee. Berne», das olle märkische Landsiädtchcn, wählen wir zum Auegangspunkt unserer Wanderung. Obwohl es nur wenige Meilen von der Reichshauptstadt entfernt ist, hat es doch noch viele seiner Eigenarten, besonders in baullcher Hinsicht, gewahrt. Vom Bahnhof, wohin wir mit der Stettin«? Vorortbahn gelangen, wandern wir durch das K ö n i g s t o r(Abbildung) in die Stadt. Das Tor ist durch einen Zwischenhau mit dem Wartturm verbunden, auf dem seit altersher Störche nisten. Im Torgebäude befindet sich ein kleines Museum, in dem einige alte Waffen gezeigt werden, die an- geblich im Kamps mit den Hussiten erbeutet wurden. Die Huffften erschienen am 23. April 1432 vor Bernau und versuchten, die Stadt zu erstürmen: unverrichteter� Dinge mußten sie jedoch wieder ab- ziehen. Größere Reste der«Stadtmauer sind noch besonders an der Grünstraße erhallen: hier steht auch der 29 Meter hohe Pulver- türm. Bernau war eine alte wendische Siedlung, die 1232 Stadt- rechte erhielt und befestigt wurde Inmitten der Stadt, nahe beim Marktplatz mit dem Rathaus, erhebt sich die Marienkirche, die dem Ende des 15. Jahrhunderts entstammt. Sie ragt weithin über das Stadtbild hinaus. Bernau war in früheren Zeiten berühmt durch das Bier, das hier gebraut wurde, und das weit in die branden- burgischen Lande hinein und über ihre Grenzen fort versandt wurde. In der Nähe von Bernau entspringt die Ponke, die sich im Herzen der Reichshauptstadt mit der Spree vereinigt. Am ehemaligen Müblentor und an der Kapelle des St. Georgshospitals von 1328 vorüber kommen wir auf der W a n d l i tz c r Chaussee am Wirtshaus Woldkater zum Anfang des Waldes. Durch prächtigen Rodel- und Laubwald führt die Chaussee weiter zum„roten Weg- weiser". Hier biegen wir halbrechts ab und wandern durch dicht« Luchenhallen zum L i e p n i tz s e e. Reich an Geschichte und Sage ist die Umgebung unseres Sees. Der Wald raunt uns die allen Mären, die Begebenheiten der Berzangenheit zu. Er flüstert von dem Ort, der nach dem See seinen Namen hatte, und dessen Be- wohner die Pest dahinraffte bis auf den letzten Mann, so datz das Dorf wüst wurde, und niemand mehr die Stelle auffinden kann, da es einst stand. Auch von der Schar de? Hussiten weiß er zu erzäblen, die 1432 im Walde lagerte und hier von den Bernauern erschlagen wurde, so datz noch jetzt der Wegweiser(an der Bernauer Ehaussee) rot vom Blut, und der Boden ringsum blutwarm ist.— Der Liepnitzsee ist einer der schönsten Seen der Mark Branden- bürg. Wir umwondcrn ihn auf seinem� Südufer. Rahe dem West- ende rinnt eine Quelle au? dem Baden, die klares, kühles Ratz spendet. Der Pfad bleibt dicht neben dem See und gibt uns mit jedem Schritt wechselnde Ausblicke über die glitzernde Wasserfläche und die bewaldeten Höhen der Ufer. An manchen Stellen durch- zicben Schluchten den Wald und gewähren Einblicke in die Buchen- hallen. Inmitten des Liepnitzsees liegt der Große Werder, der be- wohnt ist und zum größten Teil aus Ackerland bestebt. Auch Spuren aus voraeschichtlichcr Zeit befinden sich auf dsm Werder: man hat Urnenscherben, sowie Stein- und B-on-egeräte zutage ge- fördert. Der Lievnitzsee sowie das ehemalige Dors Liepniza(lipo— wendisch Linde) deuten darauf hin, daß in früheren Zeiten die Lind« hier noch zahlreicher ooraekommen sein muß. Sie war damals noch «in häufiger Baum des deutschen Waldes, aus dem sie jetzt so gut wie ganz verschwunden ist.— Am Ostend? des Liepnitzsees liegt U e tz d o r f, eine stille traumverlorene Siedlung von nur wenigen Häusern. In dem ebemalloen Forsthaus befindet sich jetzt eine Jugendherberge der Stadt Berlin. Bon Ustzdorf wandern wir auf deni Bernaucr Wea durch den Wald aen Süd. Ein Teil des Waldes beißt„der Wallersdorf" Auch diese Bezeichnung erinnert an einen Ort gleichen Namens, der in den Kriegs- und Pesthsimsuchunaen vergangener Iahrbundertc vom Erdboden verschwunden ist. Wenn wir den Woldrand erreicht haben, sehen wir vor uns Bernau, während links Ladebura liegt. Räch kurzer Wanderung haben wir die alte Huüitenlfadt wieder erreicht, von wo aus wir die Rückfahrt mttreten.(Weglänge etwa 27 Kilometer.) Seelitz-SeSöin. Mit den Borortzügen der Wetzlarer Bahn fahren wir von den Fernbahnhöfen der Stadtbahn oder vom Bahnhof Charlottenburg bis Beelitz(Heilstätten). Dicht am Bahnhof liegen die Heil- statten der Landesversicherungsanstalt Berlin. Wir wandern vom Bahnhof aus der Chaussee gen Südost durch Kiefernwald. Nach etwa einer Stunde haben wir das Ende des Waldes erreicht. Hier liegt der Bahnhof Beelitz-Stadt der Umgehungs- bahn Oranienburg—«Jüterbog. Bald darauf kommen wir in die Stadt Beelitz. Bereits in einer Urkunde von 997 wird Beelitz als Burg erwähnt: 1247 ist es Stadt. Ebenso wie Wilsnock war auch Bee- so, Schnock. Em Roman von See und Sümpfen. Bon Svend Fleuron. (Schluß.) Schnock zerrte an dem Angelzeug, daß die Stange halb in die Tiefe rutschte; der Knabe war nahe daran, sie fahren zu lassen— als er durch einen heftigen Ruck plötzlich umgensien wird. Es blieb ihm keine Zeit, sich vorzusehen: mlt der Stange im Arme fällt er in den Weidenstrauch! Das Seil strafft sich, daß es in den Kauschen knirscht und kreischl... die Stange aber ist nicht von dem Busche abzuschütteln. Rasmus will über den Steg zurück an Land, als er zu (einem Entsetzen bemerkt, daß die Insel schwimmt, der Fisch, >en er an der Angel hat, hat sie von ihrem Ankerplätze los- gerissen— und nun zieht er sie von dannen auf das Tief des S�oorcs. Das Wasser sprudelt um das Seil und weicht der Insel schäumend aus- als wäre sie der Steven eines Weltsegel- bootes; bisweilen kippt das kleine Floß gewaltig, so daß Rasmus das Wasser in die Holzschuhe strömt. Er gibt alles verloren und betet nur sein Baterunser. Jn, zwischen führt Schnock ihn wie«inen Dämnetling von dem einen Ende de? Sumpfloches zum anderen. Sic über- schlägt und überkugelt sich, steht Kopf auf dem Grunde, um wenige Sekunden später senkrecht zur Oberfläche hochzuschießen und Schaum und Wogen aufzupeitschen. Große Blasen und Myriaden von Körnern schwarzen, häßlichen Torfsatzes stieben wie schwellende Wolken zu allen Seiten auseinander... Ab und zu erblickt der Knabe einen gefurchten, moos- bewachsenen Rücken von der Länge eines Stiers. Es sieht aus, als sei eine der Urzeiteichen des Moores im Begriff, hoch- zutonchen, um auf dem Wasser weiterzutreiben. ?e tiefer der große, spitze Stahlhaken in Schnock- Ein» Seweide eindringt.' ihr kaltes, rotes Blut auf falsche Wege ringend, desto kraftloser werden ihre Bewegungen. Das Wasser trübt den Blick; sie kann nicht mehr klar sehen, sondern läuft kopfüber auf Grundbänke und ins Rohr- tickicht. Sic fühlt sich'so köstlich gesättigt und jagt im Torf- Pfuhl umher mit einem Gefühl, als jchleppe sie die allergrößt« Beute, die sie je in ihrem Leben errungen hat, mit sich. Wie voll ist doch ihr Wanst geworden— endlich, endlich ist sie satt, daß ihr ist, als wolle der Hals zerspringen und das Maul aus den Fugen gehen, und mit einem Male merkt sie dieselbe wundersame Ueberlastung wie an jenem Tage vor vielen Iahren, als sie sich in ihrer Gier an dem großen Barsch ver- schluckte. Wild und rücksichtslos zerri sie am Tau und fährt mit ihrem kleinen Fänger herum Aber jedesmal, wenn sie ihn von einer Schäre freimacht oder quer durch dichtes, oerfilztes Pflanzenwerk schleppt, treibt sie die eiserne Spitz« näher an ihr Herz heran. Schließlich jagt sie ihn im Todesfieber auf ein Ufer und setzt ihn in einem Schilfholm auf Grund. Sie siegt treibend dicht unter der Oberfläch«— Rasmus aber, der hier und da zwischen den Wasierpflanzen ihren grünlichgelben Bauch und die schwarzgefleckte Schwanzflosse unterscheidet, schreit vor Grauen... Der alte Märchenhecht phantasiert: ist es der große fchwarzfarbene Barsch, den sie endlich glücklich verzehrt hat? Ist es der Ochs mit den Hörnern? Oder ist es eines der Jungen des„großen Schwimmvogels"? Ja, das ist es— diesmal ist der Griff um seine Stangen- deine gelungen, sie hat es noch und nach hintergeschlungen und wohl in ihrem Wanst verwahrt. Aber es belastet sie derart, daß sie sich nicht mehr wage- recht zu halten vermag; ja, sie merkt es wohl; es sättigt so un- mäßig, datz ihr Schwanz nach unten gleitet und der Kopf nach oben— und nun mit einem Male schießt sie starr und lang- sam in die Höhe. Der Knabe ist nahe daran, bei ihrem Anblick den Ber- stand zu verÄeren; unwillkürlich schlägt er die Hände vor die Augen, so phantastisch grauenhaft kommt ihm das vor: Aus dem schworen, aufgewühlten Schlamm und dem violetten, giftgrünen Pflanzengewirr, in dem der Schwefel- Wasserstoff im Verwesungsprozeß der Natur große, dicke Blasen entwickelt, steigt kalt und unbeweglich Schnocks mäch- tiysr, krokodilartiger Kopf empor. Die schlaffe, gefurchte Schlundhaut vibriert unter hes- ttgem, krampfartigem Rülpsen, der mehr als armlange Unterkiefer schiebt sich unter den Oberkiefer hervor und läßt die äußersten Spitzen einer Reihe langer Dolchzähne sichtbar werden, die au's den eingeschrumpften Mundwinkeln hervor- ragen. Jetzt dreht das Ungeheuer sich langsam um sein; mittlere Achse, das große, ausdruckslose Wasserauge, das schmutzig- grau wie ungeputztes Glas in einer leeren, von Menschen verlassenen Hütte schimmert, steht steif und erloschen in dem gewaltigen Schädel. Das Eisen hat die Schwimmblase erreicht und Schnock der Fähigkeit zum Schwimmen beraubt. Es schwindelt vor ihrem Aug«— wie«in Riesenkorkschwimmer, der das An- beißen eines Großfisches markiert, taucht sie lautlos in einem fort senkrecht aus und nieder... Ein Knecht, der mit Pflügen beschäftigt war, hör« die Schreie des Jungen; er kam herbeigelaufen und erfuhr, was sich zugetragen hatte: ein Ungeheuer von einem Tier, das Rasmus nicht an Land zu schleppen vermochte, war rund um das halbe Moor mit ihm gesegelt! Der Knecht fischte die Plank« auf und half dem Jungen an Land, dann holte er die Pferde, spannte sie vor die Schnur und zog Schnock langsam, aber sicher aufs Ufer hinauf. Die Nacht über lag sie an einer Birke angeseilt. Duc Leben war längst erloschen. Man telephonierte nach dem Krugwirt, der Neuigkeiten für die Zeitung des Redakteurs sammelte, daß„Per Ienns Sohn unter den abenteuerlichsten Umständen ein Exemplar der großen Seeschlangc gefangen habe; es gliche mehr einer Padde aus der Urzeit als einem Fisch aus der Gegenwart!" Am nächsten Tage versammelte sich die ganze Gegend am Orte, und der Schullehrer führte einen herbeigerufenen Ge» lehrten dorthin. ..Das ist ja ein Hecht," meint« der Professor, sowie er ihn sah..... freilich ein ungewöhnlich großes und altes Exemplar, aber doch nur ein Hecht--" und er konnte nicht umhin, sich «in wenig verletzt zu fühlen, daß man ihn ohne jeden Zweck auf so eine weite Reis« gelockt hatte. Resmus aber war noch viele Jahre später der Held des Dorfes. Und seit jenem denkwürdigen Tage hieß er nie mehr Rasmus Jen«, sondern Rasmus Hecht. Sonnenwende! Wenn heute nacht zwischen den weißen Gosener Bergen lobernde Flammen gen Himmel praffeln, dann hat das für den Sozialisten nicht nur historische Bedeutung. Gerne jedoch erinnern wir uns auch an sie. Die Sonnenwende ist ein uraltes, ein germanisches Fest. Man feiert dieses Fest seit alten Zeiten, weil man instinktiv fühlt, daß dieser Wendepunkt im Kreislauf der Erde irgendwie eine besondere Bedeutung hat. Wir Menschen von heute sehen alles natürlicher, sagen wir ruhig moderner an. Wir glauben nicht mehr an einen persönlichen Gott, der, um mit Goethe zu reden, nur von außen stieße", und eine Religion erscheint uns nur bann vollwertig. menn fie aus dem Grunde des menschlichen Herzens gewachsen ist, nicht aber. wenn sie einem phrafentriefenden Munde entstammt oder mie hier vor allem mythologisch begründet ist. Und so fommt es, daß die Sonnenwendfeier für den Freigeist teine tiefe religiöse Bedeutung mehr haben fann, zumindest aber nicht jene, die die alten Germanen empfanden, wenn sie voller Freude die leuchtenden Flammen umtanzten und wenn dann die Jugend das verglimmende Holz übersprang. Bir Sozialisten bekennen uns zur Idee der Frei heit, der Brüderlichkeit und der Böllerversöhnung, und da ist es uns auch heute unmöglich, ein schöneres Signal zu finden als die Flamme. Benn viele Genossen heute abend in Eintracht die goldene Barbe umsigen, dann werden sie daran denken, daß noch ein weiter Beg zurüdzulegen sein wird, bis die ganze Menschheit sich um heilige Symbole in brüderlichem Frieden scharen wird. Erleben wir es doch, heute mit ganz besonderer Schärfe, wie die Reaktion auf politischem, wirtschaftlichem und fulturellem Gebiet alle Anstrengungen macht, um 3wietracyt zu säen. Aber alles das darf uns nicht davon abhalten, ein troẞiges und dennoch" auszusprechen, vor allem aber darf es uns auch nicht hindern, mit ganzer Kraft uns für die Berwirklichung unserer großen Pläne einzusetzen. Mit ganzer Kraft und gemeinsam! Die Feste der Arbeit, die man jüngst in Leipzig und Hamburg feierte, waren gemeinsame Feste, bei denen sich nicht die Jugendscharen, die Gewerkschaften und die Sportler fünftlich trennten, und das heutige Sonnenwendfest in den Gosener Bergen ist ebenfalls eine Veranstaltung des Arbeiterfulturfartells. Nicht heute und nicht morgen sind wir am Ziel, und es wäre findisch, vom Endfieg der roten Fahnen zu iräumen, solange noch die schwarz rotgoldenen so selten zu sehen sind. Aber Arbeit für eine foziale Republit unter Schwarz- Rot- Gold und somit auch für den Sieg der Arbeiterklasse und für die Befreiung aller Unterdrückten aus der Knechtschaft des Geldes und des Schwertes, das ist das, wozu uns die lodernden Flammen rufen und mahnen. Einmal müssen doch die Tage fomnien, da wir das Recht haben werden, zur Sonnenwende auch Zeitenwende zu feiern! e Der rote Hahn. Brandstiftung zur Erlangung der Versicherungssumme. Begen gemeinschaftlicher Brandstiftung und ver. fuchten Bersicherungsbetruges hatten sich gestern vor dem Schwur gericht des Landgerichts III unter Borsiz von Landgerichtsdirektor Dransfeld der Hundedresseur Friedrich Wille, deffen Wirtschafterin Elisabeth Haese, der Kaufmann Kurt Bitte und die Ehefrau des legteren, Alice Milte, zu verantworten. Kurt Wilfe hatte in ensidendorf ein Grundstüd er. morben, für das er nur eine fleine Anzahlung geleistet hatte. Auf Zureden feines Bruders Friedrich hatte er aber mit 30000 m. persichert. Beide Brüber, die in demselben Orte wohnten, waren start verschuldet und Friedrich Wilte redete dem Bruder zu, das Haus in Brand zu steden, um auf diese Weise durch tie Bersicherungssumme zu Gelb zu tommen. Er felbft wollte auf biese Weise ebenfalls zu einem Grundstüd tommen. Um sich ein Alibi zu beschaffen, weil auf beide in erster Reihe der Berdacht fallen würde, reifte das Chepaar Kurt Bilfe nach Hamburg. Am nächsten Tage, Sonntag, den 2. November 1924, beobachteten Nachbarn, daß die verschlossenen Fenster des Hauses ganz verqualmt waren. Friedrich Wilke, der zu Hause war, ließ sich nicht sprechen, so daß die verängftigten Dorfbewohner gewaltsam das Haus öffnen mußten. An zwei Stellen schwelten die Dielen und es lag zweifel. los Brandstiftung vor. Zum Glüd hatte das Feuer, da die Fenster und Türen verschlossen waren, feinen Luftzug gehabt und fonnte sich nicht entwickeln, so daß der Feuerherb schnell gelöscht werden fonnte. Am nächsten Morgen gab es im Dorf schon wieder Feueralarm. Ein Knecht beobachtete vom Felde aus, daß von neuem aus einem offenen Fenster des Wilfeschen Grundstückes dichter Qualm herausdrang. Es war wiederum dort Feuer gelegt mor. den, das aber schnell erstickt werden fonnte. Rurt Wilte und seine Frau legten alsbald ein Geständnis ab, nach demselben hatte Friedrich Wilte in Gemeinschaft mit der Haese das Feuer angelegt. Die beiden Lepteren bestritten jebe Schulb. Kurz vor der Ente deckung der zweiten Brandlegung war jedoch Friedrich auf dem Hof gesehen worden. Das Schwurgericht prach Friedrich Wille fchuldig der Brandstiftung und des Versicherungsbetruges und ver urteilte ihn zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Kurt Wilte wurde wegen Beihilfe zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehr. verlust verurteilt. Frau Bilfe erhielt, weil sie unter dem Ein. fluß ihres Mannes geftanden hatte, mitbernde Umstände und erhielt wegen Beihilfe fechs Monate Gefängnis mit Strafausfegung. Die Wirtschafterin ha eje wurde freigesprochen. Schwarz- Rot- Gold ein Vereinsabzeichen. " er selbst schien verdächtig. Er hatte sich ebenfalls vor Gericht zu verantworten und wurde zu einem Jahr Gefängnis und drei Jahren und drei Ehrverlust verurteilt. Großfeuer auf einem Rittergut. 53. bt. Charlottenburg. Seute 8 Uhr Einweihung des Abteilungsbanners im Lotal des Genossen Bredfoneider. Anschließend Ball, Gäste will Fommen. 86. st. Mariendorf. Genossen, die an der Sonnenwendfeier in den Gosener Bergen teilnehmen, treffen sich Sonntag früh 8 Uhr Bahnhof Tempelhof. 95. Abt. Renton. Stachym. Don 5-7 Uhr bei Hürtler, Prinz- Handjern Straße 34, Bezirksführer oder Stellvertreter Flugblätter abholen. Sonntag früh 7% Uhr an der Saltestelle Kaiser- Wilhelm, Ede Friedrichstraße. Jung/ osialisten Mitte und GS. Rofenthaler Borstadt, Gemeinsamer Treffpunkt zur Sonnenwende des Arbeiterkulturkartells pünktlich 48 Uhr am Bahnhof Börse. Gruppe Santmik. Die Genossen treffen sich pünktlich 7 Uhr am Bahnhof Lantwit aur Sonnenwende. Gruppe Süben. Treffpunkt zur Sonnenwende heute 7 Uhr am Görliker Bahnhof. Reukölln, Treffpunkt zur Sonnenwendfeier Ringbahnhof Neukölln 7½ Uhr. Gestern nachmittag um 4 Uhr brach auf dem Rittergut 106. b. Johannisthal. Treffpunkt zur Sonnenwende heute abend 8 Uhr oder 3iethen Großfeuer aus in einem Schuppen, in dem fich 100 3tr. Roggen befanden. Das Feuer breitete sich auch auf die umliegenden Roggenfelder aus. Acht Behren tamen von den umliegenden Ortschaften und fonnten nur noch das Roggenfeld durch Ziehen von Gräben schüßen. Der ganze Schuppen mit den 100 3tr. Roggen nebst ein paar Morgen Roggenfeld ist ein Raub der Flammen geworden. Bermutlich liegt Brandstiftung vor. Der Ruf Mittelfeuer" alarmierte die Berliner Feuerwehr am Freitag abend um 6 Uhr nach der Klosterstraße 17-19. Dort ftand bei Ankunft der Behr bereits der Dachstuhl und die 4. Etage des Geschäftshauses in Brand. Mit fünf Zügen rückte die Wehr unter Leitung des Baurates Mende aus. Der Brand war in der Besucht die Deutsche Verkehrs Ausstellung München 1925 Juni Oktober Morgen, Sonntag, den 21. Juni: 8. Abi. Nadynt. 3 Uhr in der Schloßbrauerei Schöneberg, Sauptstraße, Bollsfelt gemeinsam mit dem 11. Rreife. Eintritt 50 Bf. Räheres fiche 11. Streis. 45. bt. Die Genoffen beteiligen fich an der Sonnenwendfeier der Arbeiter. jugend in den Gofener Bergen. Dort Sammelpunkt Arbeiterjugend Reichenberger Biertel". 21 Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefäftsstelle: Berlin G. 14. Sebaftianfte. 87/38, Sef 2 r. Ramenabschaft Kreuzberg. Sonnabend, ben 20. Juni, nach mittags 54 und 64 Uhr, und Sonntag, den 21. Juni, früh 8% Uhr, Antreten Stettiner Bahnhof aur Fahrt nach Freienwalbe. Rüd fabrkarte 3,75 M. am Bahnhof. Bundesleidung und Fahnen mitbringen. Abteilung beft. Sonnabend, den 20. Juni, treffen fich bie Rameraden zur Sonnenwendfeier nachm. 4 Uhr und Nachzügler 6 Uhr Görlizer Bahnhof. Ramerabschaft Wilmersberf. Fretenwalde- fahrer fammeln fich Sonnabend, den 20. Juni, nachm. 5% Uhr, und Sonntag, den 21. Juni, früh 7½ Uhr, wm Bahnhof Ros( 3ebensstraße). Sämtliche Fahnen mitbringen. Fahrgeld fann noch am Bahnhof gezahlt werden. Suryableibenden wird bie Teil rahme an der Sonnenwendfeier in ben Gosener Bergen empfohlen. Ramezabaft Neuföln- Brig. Sonnabend, ben 20. Juni, abends 8 Uhr, Treffpunkt aur Sonnenwendfeier. 3. Rug und Brik Bahnhof Sermann ftrake, alle anderen Rilge Ringbahnhof Neuföln. Kamerabidaft Beiker treten zur Abfahrt Grüner Baum. Tagesvation ist milzunehmen. Ramerab fhaft Bezuen. Freienwalde- Fahrer! Diejenigen Rameraden, welche mit dem Auto fahren, Abfahrt Gonntag, den 21. Juni, früh 6 Uhr, Bersammlungs ort Jaspers fabrit, Ver Bahn früh 6.84 Uhr und 9.30 Uhr. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag sorm. 11 Uhr, Bappelallee 15, Bortrag bes Herrn Ernst Simmel: Felix Mendelssohn."( Mit Geläuterungen ant Haarschmudfabrit von H. Rowelsti ausgefommen und hatte fee. Sonnabend, ben 20. Juni, nachm. 3½ Uhr, Freienwalde- Fahrer anfich mit rasender Geschwindigkeit der ganzen 4. Etage und des Dachstuhls bemächtigt. Das Feuer hatte an vorhandenem 3 ellu. loid usw, reiche Nahrung gefunden, wodurch die Feststellung des Brandherdes sehr erschwert wurde. Bersonen wurden nicht verleht, der Schaden ist erheblich. Gegen 8 1hr konnte die Feuerwehr unter Burücklaffung einer Brandwache wieder abrüden. Wegen eines gefährlichen Brandes wurde am Freitag die Berliner FeuerHofe ein Stallgebäude mit Borräten an Stroh, Heu usw. in Flammen wehr nach der Rüdersdorfer Str. 21 alarmiert, wo auf dem Hofe ein Stallgebäude mit Borräten an Stroh, Heu usw. in Flammen stand. Diese waren weithin sichtbar, was die Ursache war, daß vier Löschzüge von verschiedenen Seiten faft gleichzeitig ausrüdten. Es gelang, den Brand auf das Stallgebäude zu beschränken. Flügel.) Gafie winkommen. Der Reichsband bez Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krieger. hinterbliebenen, Ortsgruppe Reukölln, Donauftr. 128, veranstaltet am Montas, ben 22. b. m., abenbs 7 Uhr, in der Aula der Knabenmittelschule Neukölln, Donauftr. 120, eine Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Mie wich ben Kriegsopfern geholfen?" 2. Freie Aussprache. 3. Mitteilungen und Berschiebenes. Pünktliches und testlofes Erscheinen aller Mitglieder ist drin. genb erforderlich. Laberistal Ido- Uniono Kunveno lundio ye 22 a Junio vespere ye T en junarhemo Alte Jakobstrado 136. Deutscher Arbeiter- Sänger- Bund, 4. und 5. Bezirk, Gay Berlin, Sonntag, Sängermorgensprache. Mitwirkende: Arbeiterfängerchor Tegel- Det, Freie Rieberneuenborf, Gemischter Chor Reinidendorf- Oft, Bolyhomnia- Legel, MännerRiederneuendorf, Gemifater Chor Reinidendorf- Oft, Bolhnmnia- Teget, Männer thor Reinidendorf- Oft, Freier Bollschor Tegel und Umgebung. Eintritt frei. Gangesfreunde find herzlich willkommen. Gleimiger! 22. Juni, 8 Whe Nächste Rufammtentunft Montag, den abends, im Gartenreffaucant Charlottenhof, Sändelstraße( Bahnhof Tiergarten. Wichtige Mitteilungen betr. unferer weiteren Sufammenfünfte tommen zur Sprache, weshalb wir bringend um vollzähliges Erscheinen Sonnabendausflugzüge Berlin- Fürstenwalde. Bom 20. Juni ab verfehrt bis auf weiteres versuchsweise Junt, vormittags 10 Uhr, im Restaurant Geepavillon Tooel: Gemeinsame Sonnabends ein Zugpaar für den Ausflugsverfehr zwischen Berlin( Stadtbahn) und Fürstenwalde. Hinfahrt ab Charlottenburg 1.43 nadm., Zoolog. Garten 1.49, Friedrichstr. 1.59, Alexanderplatz 205, Schles. Bahnhof 2.18, an Fangfaleuse 2.53, Sangelsberg 8.08, Fürstenwalde 3.16 mit Aniolus na dem Sarmüseliee. Ridfahrt: ab Fürstenwalde 5.10 nachm., Sangelsberg 5.27, Fangidleufe 5.88, an Schlei. Bahnhof 6.15, bitten. Ateganderplat 6.23, Friedrichstr. 6.30, 8oolog. Garten 6.41, Char lottenburg 6.47 nachm. Die Stationen zwischen Schles. Babnhof und Fangialeufe werden in beiden Richtungen mit den 8ügen nicht bedient. Die Einweihung des Neuköllner Bolfsports, Tempelhofer Feld, Eintritt ist frei, Gäste willkommen. findet am Sonntag, den 21. Juni, nachmittags 4 Uhr statt. Det Die Zählabteilung des Bezirkamies Lichtenberg im Rathause Mötendorf. ftraße 6, Bimmer 61, in Lichtenberg, ist am Montag, den 22. Juni 1925, während der Zeit von 7.30 Uhr morgens bis 8 Uhr abends geöffnet. reallule, Baiteurfir. 44-46, veranstaltet vom 16. bis 22. Juni er. Husfellung von Schülerzeihaungen. Die Stanigftabiile Oberpielen. eine Ausstellung von Schülerzeichnungen. Die Ausstellung ist geöffnet wert tags 4-7, am Sonntag 10-1. Arbeitersport. Arbeiterfußball. Am Sonnabend stattet Reutölln Brig ben 2ichten. bergern einen Besuch ab, während die erste Mannschaft der Reutöllner am Dammmeg 2bler 12 erwartet. Beginn der Bochentagsspiele 7 Uhr. Am Sonntag ist wieder Hochbetrieb in der Arbeiterfußballbewegung. Teutonia 09 fährt mit drei Mannschaften nach Borfigwalde, um dort gegen mineroa git fchaft Birtenwerder einen Besuch ab. Einigkeit 25m ATB. Weißenfee ftattet der Freien Turner empfängt ader mogen in Zepernid. eutölin Briz hat Lustig utdel zu Gaft. Der Ostdeutsche Meister Stralau spielt in der Goßlerstraße gegen Tasmania. Fredersdorf. Sparta fährt nach Bernau mit drei Männerschaften. Eiche Elstal begrüßt MSc. in feinen Mauern. zwei Männer und einer Jugendmannschaft. Spielen folgende Jugendmannschaften: Lichtenberg I gegen NBC., Eiche- Elstal gegen MSC., BFB.- Röpenid 1 und 2 gegen Nowawes, 7. Kreis Charlottenburg. Die Genoffinnen und Geneffen, Jungfostaliften, Oberspree 1 und 2- Minerva, Lichtenberg I Schüler gegen NBC. Arbeiterjugend und Rinderfreunde treffen Rd 7% Uhr ant Bahnhof Schüler. Charlottenbura aur Fahrt nach ben Gofener Bergen( Sonnenmendfrier). Fahrkarten bis Cichwalbe- Schmödmis. Arbeitsgemeinschaft bez Rindez freunbe! Der Spielnachmittag fäfft heute, Sonnabend, aus. Rinder, bie an der Sonnenmendfeter teilnehmen, treffen sich heute 7 the pünft lich Bahnhof Charlottenburg. Parteinachrichten Sinfenbungen für diese Rubrit find Berlin 6%. 6. Sinbenitrage 3. für Groß- Berlin Bichtenberg 3 erhält von Bilmersdorf den Besuch von ftets an das Bezirkssekretariat. 2. Sof, 2 Erep. rechts, au richten T 11. Rreis Schöneberg- ziebenau. Sonntag, den 21. Junt, findet gemeinfam mit ber 8. bt. mechm. 8 Uhr in der Schloßbrauerei Schöneberg, Saupt. Tans, Raffeeküche ufw. Eintritt 50 f. Bormittags ftraße, ein Boltsteft ftatt. Ronsert, Gesang, turnerische Aufführungen, hat. Wir beteiligen uns in diesem Jahre am Sonnenwendfest des Heute, Sonnabend, den 20. Juni: 1. Wt. Die Genoffen treffen fich nach. 4 Uhr aur Flugblattverbreitung bei Bichiefing, Aderftr. 1. 9. Abt. Die Genossen treffen fich um 5 Uhr zur Flugblattverbreitung bei Bilbner, Wilsnader Str. 34. 13. St. Die Flugblattverbreitung findet heute nachmittag son ber Bormäetsfpebition flsnader Straße eus fratt. 30.. Die Funktionäre müffen ab 5 Uhr von Gert, Wichertftt. 69, die Mugblätter abholen. 33, 6t. Radm. Uhr bolen die Bezirksführer die Flugblätter zur Berteilung bei Lojad, Benmefir. 8, ab, 38. Wt. Dezirksführer! Die Flugblätter liegen zur Abholung bereit bei Bartusch, Friebenfte. 88. 85, t. Die Flugblätter file die Gewerbetreibenden find ab 5 Uhr bei Beter, Schreinerfte. 36, von den Bezirksführern abzuholen. 43. Wbt. Die Bezirksführer holen ab 4 Uhr die Flugblätter bei Wolf, Gräfe, Ede Mullenhofstraße, ab. Das Rundfunkprogramm. Sonnabend, den 20. Juni. 7 Außer dem üblichen Tagesprogramm: 3.35 Uhr nachm.: Hans- Bredow- Schule( Bildungskurse). AbAn alle Freunde des Touristenvereins der Naturfreunde ergeht hiermit die Mitteilung, daß die für heute abend unter dem Namen „ Sonnenwendfeier des Touristennereins" geplante Beranstaltung am Ueber- See mit unserer üblichen Sonnenwende nichts zu tun Arbeiter Kulturfartells in den Gosener Bergen und bitten, die RBD. Beranstaltung ehemaliger Bereinsmitglieder zu meiden. Touristenverein Die Nturfreunde"( Bentrale Wien), Ortsgruppe Berlin. Maspfuhl, Schuppa. 0 Ceipzig- Stötterig in Berlin. Am 21. Juni, 4 Uhr nachmittags, tritt auf dem Sportplaz Rynaststraße( am Bahnhof Stralau der Rummelsburg) dreimalige Bundes- Fußballmeister des Arbeiter- Turn- und Sportbundes hier erstmalig gegen Lichtenberg I zum Rampf an. Diese Elf, in der mehrere Repräsentative und Spieler allerersten Könnens das Rückgrat bilden, vermochte es, gegen schärffte Kon turrenz von Süd- bis Ostdeutschland u. a. Nordista, Brandenburg 02 und Allemania- Berlin, dreimal hintereinander die deutsche Bundesmeisterschaft zu erringen. Da auch das Ausland( Tschechoslowakei, Schweiz, Desterreich u. a.) von Stötterig ficher geschlagen murde; fo fann behauptet werden. daß im obigen Spiel der technisch hoch stehendste Kampf des Sonntags geboten wird. Bor dem Spiel der Männermannschaften finden solche der Schüler und Jugendmannschaften statt. Der Besuch dieses Spieles Geschäftliche Mitteilungen. Anfäßlich der füralid in Berlin beendeten großen Meichs- Reflame- Meffe fehr gelungenen unb originellen Darbietungen diefer Veranstaltung erregien beforbers bie Reflame- Riefen bez bekannten Shukleibungsfirma Rehnen u Järing, Berlin, Iniereffe. Diefe Figuren erregten wegen ihrer unheimlid en Einbrud fein au nachhaltiger with, sondern sich im Gegenteil später in eitel Freude und Begeisterung umwandelt, menn unfere jungen Mitolleger erft eine mal Gelegenheit gehabt haben, fich von ber hervorragenden Qualität ber von bet firma Sohnen u. Jöring hergestellten KAJOT- Rleidung für jeden Beruf su überzeugen. Welche Achtung schwarzweißrote Amtsgerichtsräte por den Farben der Republit haben, bewies wieder einmal aufs drastischste ein Prozeß, der gestern vormittag vor dem Schöffengericht Bantom verhandelt wurde. Angeklagt war ein Raufmann Henschel, der sich, von Patriotismus und Altohol erhigt, in pöbelhaftester Weise gegen das Republitschutzgesetz vergangen hatte. Als teilung Sprachunterricht. Direktor Julius Glück Esperanto.it allen Anhängern der Arbeiterfußballbewegung sehr zu empfehlen. im Berlauf der Berhandlung einer der Zeugen( ein Reichsbanner. 4 Uhr nachm.: Jugendbühne. Leitung: Alfred Braun. Die Karlstamerad) mit schwarzrotgoldenem Bändchen im Knopfschüler", Schauspiel in fünf Aufzügen von Heinrich Laube. loch( wenn man es nicht missen sollte: Schwarz- Rot- Gold find die Herzog Karl von Württemberg; Gräfin Franziska von HohenFarben der Republik!) in den geheiligten Räumen der Juftitia er heim; Generalin Rieger; Laura, deren Pflegetochter; General Rieger, Kommandant des Hohen- Aspergs; Hauptmann von Silberschien, forderte ihn der Vorsitzende, Herr Amtsgerichtsrat Mühlkalb, Kammerherr; Sergeant Bleistift, Friedrich Schiller, Regi- fanben in verfchiedenen Stadtteilen Rettameumalge tait. Unter ben teilwe.fe haus, auf, das Band im Gerichtssaal abzulegen. Bermentsfeldscher; Anton Koch, genannt' Spiegelberg; von Scharpzeihen Sie, Herr Amtsgerichtsrat, das mache ich nicht. Das sind doch stein, genannt Scl.weitzer; von Hover. genannt Ratzmann; ( der Betreffende zitierte den betreffenden Baffus der Berfaffung) Pfeiffer, genannt Roller; Peters. genannt Schufterle: Christoph Gefichter das größte Entfehen aller Kinder. Wir wollen hoffen, bak biefer die Farben des Reiches, der Republit. Sie müssen das Bleistift, genannt Nette: Hundejunge( sämtlich Karlsschüler). Band ablegen, ich bulbe fein Bereinsabzeichen."(!!) So Ort und Zeit: Schloß zu Stuttgart vom 15. zum 17. September 1782. Uhr abends: Sanitätsrat Dr. also ist es! Die republikanischen Staatsfarben find zur Bereins 7 Uhr abends: Paul Frank: Medizinischquafte degradiert... hygienische Plauderei. 7.30-8.20 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule ( Bildungskurse). 7.30 Uhr abends: Abteilung Naturwissenschaft Dr. A. Markuse: Astronomie in ihrer Bedeutung für das praktische Leben. 5. Vortrag. Ebbe und Flut der Meere, eine astronomische Erscheinung in der Erdphysik", Uhr abends: Abteilung, Musikwissenschaft. Dr. Richard H. Stein: Das Beet hoven- Orchester". 8.30 Uhr abends: Bunter Abend. 1. a) Frank Günther: Matrosenlied, b) Klabund: Antoinette( Henry PetersArnolds). 2. Mozart: Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln, aus der Oper Die Entführung aus dem Serail( Vilma Delmar, Sopran). 3. Eigene Gesänge zur Laute:) Sieh mein Kind( Stefan George), b) Das Rosenband( Klopstock)( Dr. Peter Bach). 4. Heitere Rezitationen( Eugen Rex). b. a) A. de Nors: Die alte Gasse, b) Alter Volkstext: Es zogen zwei Burschen( Henry PetersArnolds). 6. Donizetti: Wahnsinnarie aus der Oper Lucis di Lammermor( mis obl. Flöte)( Vilma Delmar und Walter Kramer). 7. Eigene Gesänge zur Laute: a) Maikaterlied( Bierbaum), b) Das Krokodil zu Singapur( Lingg)( Dr. Peter- Bach). 8. Heitere Rezitationen( Eugen Rex). Am Flügel: Dr. R. E. Lapini. Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten, Theater- und FilmWer im Glashaufe fitt... Eine oft recht gemischte Gesellschaft sammelt sich in zahlreichen Spielflubs. In einem solchen Klub verfehrte auch ein rumänischer Staatsangehöriger Henry 3a gaffy, ber in Berlin eines Nachis volle 50 000 m. verspielt hatte. Später tauchte er in Danzig als an geblicher Fürst Dronsty" auf, der Kredit suchte, indem er sich auf seine Liegenschaften" in der Ukraine berief. Aber diese Rolle überftieg wohl feine Fähigkeiten, völlig mittellos fam er nach Berlin zurück und wurde von einem Landsmann aufgenommen. Bagaffy dankte diese Gastfreundschaft recht schlecht, indem er seinen Gast. geber bestahl. Später erschien er wieder in dem ihm von früher bekannten Spielklub, hier traf er unerwartet seinen Landsmann. Man wollte die Existenz des Spielflubs nicht gefährden, indem man die Polizei rief, aber man wies den ungewünschten Gast hinaus. Jezt ging diefer zur Polizei und machte als unbekannte Ber trauensperson Anzeige gegen den Spielflub. Aber auch dienst. 10.30-12 Uhr abends: Tanzmusik. Die asmarmerfelfe von Prof. Dr. Schieth reinigt bernorcogend, macht die Saut geschmeidig, wirft antiseptisch und ist bei Babemaffage aus seseidnet. Brieftasten der Redaktion. W. S. 1914. Sa.-.. 66. Der Deutsche Bekleidungsarbeiterverband. Berlin 6. 14, Sebaftianftr. 87/88. Komet Freilauf ES GIBT KEINEN BESSERENI Unterhaltung unö Wissen*.rz Veutsthlanös öevölkerung. Eine Prognose für das Ergebnis der Volkszählung. Die Ergebnisse der kürzlich zusammen mit einer Berufs- und Betriebszählung abgeschlossenen Bevölkerungsaufnahme, die nach einer Pause von 15 Iahren endlich wieder zuverlässiges statistisches Material für Deutschland erbringen soll, werden erst nach geraumer Zeit der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden können. Wenn auch mit Hilfe der elektrischen Hollerithmaschinen das Ergebnis schneller ermittelt werden kann als früher, so nimmt doch das Prüfen und Zusammenstellen des primärstatistischen Materials soviel Zeit in Anspruch, daß Monate oergehen werden, ehe das Ergebnis feststeht. Daß dieses Ergebnis für Deutschland von eminenter Wichtigkeit ist, braucht nicht betont zu werden. Stärker noch dürfte das Interesse des Auslandes sein, da bekanntlich Deutschlands Berpflichtungcn aus dem Dawes-Gutachten durch den viel angezweifelten„Wohlstands- index' von der Größe seiner Bevölkerung und deren Veränderungen in den Iahren 1927/29 in ihrer Höhe mit abhängen. Frage ist, ob uns auf Grund bisheriger Daten die Möglichkeit gegeben ist, das Er- gebnis der Zählung in Umrissen vorauszusagen? Die graphische Darstellung einer Bevölkerungszusammensetzung zeigt bei idealer Lage— die aber nie erreicht wird— eine Pyramide, deutet damit aus dos allmählich« Absterben der älteren Schichten hin. In Staaten, wie Italien zum Beispiel, die eine starte Zuwanderung von Menschen im besten Alter haben, wird der Abschnitt der 25- bis 45jährioen soweit ausgebuchtct, daß man eine Zwiebelform erhält. Deutschlands Bevöllerung hingegen zeigte die sogenannte Glocken- form, aus der man als Merkmale starke Geburtenhäufigkeit, starkes Absterben der Kinder im frühesten Alter, schnell anwachsende Dichte der Schichten im mittleren Lebensalter und allmähliches Absinken der alleren Klasse» ablesen kann. Diese Glockenform zeigte auch die Darstellung des Ergebnisses der Volkszählung von 1910. Ein SifNiptom, das damals schon— besser gesagt: noch!— aufsiel, war der Einschnitt, der durch die Verluste des Krieges von 1870,71 her- beigeführt worden war, dessen Wirkungen also nach 40 Jahren noch erkennbar waren. Wenn man bedenkt, daß im Weltkrieg in einer Großjchlacht soviel Menschen eingesetzt wurden, wie 1870 die ae- samt« Heeresstärke betrug, so kann man ermessen, welche tief ein- schneidenden Wirkungen der Wellkrieg auf die Beoölkerungs- i ammensetzung Deutschlands ebenso wie der Feindstaaten ausgeübt haben mag. Welche Form der.Levölkerungspyramide' werden wir nun diesmal zu erwarten haben? Gemessen an der Norm der Heiraten von 1915 ist vom Sta- tistlschen Landesamt für Sachsen zum Beispiel für die vier Kriegs- jähre«in effektiver Ausfall von etwa 60 000 Ehen errechnet worden, von denen etwas über 20 000 nachgeholt worden sind. Für Deutsch- land ergäbe sich demnach eine tatsächliche, nicht wieder einholbare Einbuße von 520 000 Ehen, von denen man annehmen kann, daß sie bei normalem Zell verlauf geschlossen worden wären. Welche enormen Folgen dieser Ausfall auf die Geburtenziffern hat. ist leicht zu ersehen. Bei der vorsichtigen Annahme, daß diesen Ehen wuh- rend der vergangenen 10 bzw. 7 Jahre nach der Eheschließung durch- schnittlich je zwei Kinder eniwachsen wären, hätten wir mit einem nicht zu-hoch eingeschätzten Verlust von über 1 Million Geburten zu rechnen. Diese Schätzung findet ihren Anhalt übrigens in einem Vergleich des Eintritts von schulpflichtigen Kindern in die Volks- schulen. 1915 traten 80 000 bis 100 000 Schulkinder neu in die Volksschulen«in, die Stärke der Kriegsjahre dagegen wird auf 40 000 eingeschätzt. Es zeigt sich also die enorm« Verminderung um 40 bis 50 Proz.'i— Für unsere Hochschulen muß sich der Geburten- ausiall in den Iahren 1935— 1957 ebenfalls deutlich fühlbar machen. — Setzt man ferner den Verlust von etwa 2 Millionen Menschen im besten Alter durch Krieg und Kriegsfolgen in Rechnung, so müßte die Devölterungspyramide Deutschlands drei ganz typische Merkmale innerhalb der Glockensorm tragen. Sie wird einen breiten Sockel zeigen— die Geburtenbäutung nach Kriegsende—> dann als erstes Merkmal eine starke Einbuchtung— der Geburtenausfall während des Krieges—, als zweite» Merkmal wieder eine Aus- buchtung der Klasse im jetzt 10. Lebensalter als Folg« der Geburten- zunähme 1915 infolg« der zahlreichen Krieasehcn, wird dann nor- malen Verlauf nehmen und schließlich für die Jahrgänge von jetzt 25- bis 55jährigen den markantesten Einschnitt— die Kriegsopfer— aufweisen. Da die Bevölkerungspyramide so dargestellt wird, daß links einer Senkrechten die männliche, rechts die weibliche Bevölke- rung abgetragen wird, müßten also die beiden erstgenannten Merk- mal« auf beiden Seiten ziemlich gleichmäßig zu erkennen sein, der drllte Einschnitt hingegen nur auf der männlichen Seite sich aus- wirken. Als welleres wichtiges Ergebnis dürft« mit Spannung erwartet werden, wie sich infolge der«normen Kriegsverlusie an männlicher Bevölkerung das Derhällnis der männlichen zur weiblichen ver- schoben hat. Das als typisch festgestellte Ueberwiegen der Knaben- geburten über die Mädchengeburten im Verhältnis 106: 100 wird bekanntlich durch die häufiger« Knabensterblichkeit im frühesten Lebensalter bis zum dritten Jahre ziemlich absorbiert. Die erste Parität zwischen niännlicher und weiblicher Bevölkerung wird im 25. Lebensjahre, der Wendepunkt im 40. Lebensjahre erreicht. Schon im 50. Lebensjahre kommen auf 100 Frauen nur 93, im 70. Lebens- jähre auf 100 Frauen nur noch 77 Männer. Dieser Wendepunkt muß sich bedeutend weiter in jünaere Jahre verschieben: mit Wahr- scheinlichkeit ist anzunehmen, daß nicht später als bereits im 35. Lebensjahre dos Gleichgewicht der Geschlechter liegen wird. Ebenso wird durch frühere Sterblichkeit der Kriegsteilnehmer, die 6* kommt aus jeder Trompete Ein anderer klagender Ton, Und dennoch schallt e» gemeinsam: Reaktion. Reaktion. Reaktion! meist gesundheillich irgendwie geschädigt sein dürften, der Abstand im Ueberwiegen der weiblichen Bevölkerung über die männliche nach dem Wendepunkt in höherem Alter bedeutend größere Differenzen zeigen. Wie schon anfangs gesagt, liegt da» Schwergewicht des Ergeb- nisses ober in der Feststellung der Bevölkerung Deutschlands über- Haupt. Die Zusammensetzung, also die Frage, wieviel produktive Kräfte Deutschland zur Verfügung haben wird, um die Reparations- pflichten zu erfüllen, ist von eminenter Bedeutung. Es muß vom statistischen Standpunkt au» als Ding der Unmöglichkeit bezetchnet werden, das Ergebnis zahlenmäßig vorauszusagen, zumal wir große und dichtbesiedelte Gebiete abtreten mußten. Eine genau« Korrelation ist also unmöglich. Möglich ist lediglich, auf ganz bestimmte Symptome der Bevölkerungspyramide schon jetzt hinzuweisen. Gerd Krey. Das Zreiheitslanö Amerika. Im amerikanischen Staat Tennessee gibt es ein Gesetz, dem- zufolge ein Lehrer an einer staatlichen oder mit staatlichen Mitteln unterstützten Schule, der irgendeine Theorie lehrt,„welche die Ge> schichte von der Erschaffung des Menschen wie die Bibel sie berichtet', ablehnt und der insbesondere„lehrt, daß der Mensch von einem niedrigeren Tier abstamme', sich einer strafboren Handlung schuldig macht. Dieses Vergehens ist jetzt einer der Raturwissenschaftslehrer einer staatlichen Schul« angeklagt, der an Hand eine» früher staat- lich zugelassenen Lehrbuches seine Schüler mit der Darwinschen Theorie bekannt gemacht hat. Dieses Werk war im Jahre 1919 an allen staatlichen Schulen eingeführt, bis William Jennings Bryan, Verteidiger des Glaubens und zeitweise demokratischer Präsident- schastskondidat, den Feldzug gegen den Darwinismus eröffnete. Die Verhandlung soll im Juli stattfinden; wird der Lehrer für schuldig bestinden, so wird es zum Appell an die höheren Gericht« kommen. Schulmänner und Laien in Tennessee und darüber hinaus Der Kakaöu. von Bruno Frei. Meine Wirtin hat einen Kakadu. Ich beobachte ihn schon seit längerer Zeit und muß gestehen, daß er es verstanden hat. mir Respekt abzunötigen. Es besteht für mich kein Zweifel, daß dieses Tier ein kräftiges Selbstgefühl hat. Die Schmach der Gefangen- schaft hat seinen Stolz nicht gebrochen. Mit unheimlichem Starrsinn rüttelt der Kakadu an den Gittern seines Käsig»; von keiner Ersah- rung belehrt, sucht er vergeblich die Drahtstangen zu zerbeißen. So oft ich ihn sehe— der Käsig steht am Fenster einer Hinterstub«—. ist er damit beschäftigt, finsteren Blick» Anlauf gegen das Gitter zu nehmen. Er geht fo weit wie möglich an der quer gestellten Kletter- ftonge zurück, wiegt in immer kräftiger werdendem Schwung den ganzen Körper, fttofft die Muskeln, um dann mit um so größerer Kraft eine schon vorher in» Auge gefaßte Stelle des Gitters mit dem Schnabel zu packen. Mit verbissener Wut zerrt er an dem un- nachgiebigen Metall. Kein Mißerfolg hindert da» Tier, die Versuche vergeblicher Auflehnung zu wiederholen. Der grüngelb« Federbusch sträubt sich, wild rollen die Augen und ein durchdringender Schrei. der aus indischen Tropennächten zu kommen scheint, erschüttert uns. Wir fühlen die Angst der Kreatur und ihren brüllenden Willen zum Leben. Immer von neuem wiederHoll sich das grausame Spiel: da» Recken und Spannen der Muskel zur höchsten Leistung und da» ahn- mächtig« versagen am fühllos harten Metall. Verwundert dachte ich nach über da» Treiben diese» Tiere». Warum gewöhnt e» sich nicht an die neuen Bedingungen seines Da- sein»? Warum findet es sich nicht ab mit dem Unabänderlichen? Irgendwo in der Tiefe diefe» Bewußtseins schlummert die Erinne- rung an hohe schlanke Palmen und an Sonnenschein, an Gefährten und Gefahren, an Kampf und Lust. Die Freiheit ist mehr als Speis« und Trank, unersetzlich und unvergeßlich. Das Tier rüttelt an den Gittern feine» Käfigs, weil es unvernünftig ist, weil es die Kräfte nicht kennt, die die Vernunft oerleiht, und die den hochgespannten Lebenswillen herabzudrücken besähigt, bis er dem Tiefstand neuer Daseinsbedingungen angepaßt Ist. Der Kakadu ist ein Tier und lebt seinen Instinkten. Freihett ist für den tierischen Instinkt Lebens- jubstanz, Lebensinhalt. Lebensfundoment. Was nützt die geschält« Banane, dl« gezuckert« Orange, die gekochte Kartoffel und da« knusprig« Korn— wenn die Luft nicht getränkt ist von den süßen Düften des Waldes, und der Raum sich nicht dehnt in unendlicher Tiefe, der Raum, in dem man sich badet mit weit ausholenden Schwingen, das Element, in dem zweckvoll sich bewegen— erst leben heißt. Atmen, Essen, Verdauen, Schlafen— heißt das leben? Die tierische Unvernunft sagt nein. Sie kann sich nicht bescheiden, sie kann nicht einen Ersatz annehmen für den naturgegebenen Lebens- drang, sie kann sich nicht abfinden mit einem Mindestmaß, wenn die Triebe volle Erfüllung verheißen, sie wehrt sich in ohnmächtiger Wut, wenn � künstliche, lebensseindliche Hindernisse den Ausblick ver- rammeln, sie zerrt an den Gittern, st« schäumt in der Raserei der Verzweiflung— bis die Ermattung eintritt und die Kräfte versiegen. Polly, der Kakadu, wurde krank. Das Zerbeißen der Gitter. stanzen nützte nichts, die Freiheit war für ihn verloren. Er senkte tief den Kopf und hackte selbstmörderisch mit dem Schnabel in die weiche Brust. Er verweigerte die Aufnahme von Speise und Trank. Sterben schien ihm leichter, denn als Leiche leben. Roch einmal nahm man ihn au» dem Käfig. Matt und hilflos hüpfte er auf die Stuhllehn«. Armer Vogel! Die grünseidene Tapete ist kein Dschungel! Unerreichbar fern ist der Urwald. Deine Flügel sind beschnitten worden von dem Dogelhändler, der dich vor Jahresfrist in Kalkutta verkaust hat. Der deutsche Ingenieur in der Fremde wollte seiner Schwester in Berlin eine Freude machen, und so kamst du als indischer Gruß in diese Well der Käfige und Gitter. Sie haben dir das Leben genormnen, als st« dir die Freiheit nahmen. Du mußt sterben, wenn du dich nicht fügen kannst. Der Kakadu fügte sich nicht. Er blieb vornehm bis zu seinem End«. Würdevoll drehte er sich um, das Anllitz zum Licht, und uns den Rücken kehrend. Seine Krallen umfingen mit einer traurigen Zärtlichkeit das Stückchen Nahrung, das wir ihm brachten. Dann wendete er sich ab und aß mit den Augen in die Sonne blinzelnd. wie es sich für einen vornehm erzogenen Kakadu gehört. Den Kampf gegen da» Gitter gab er nicht auf. Er starb gestern an der Krank- heit, die tödlich ist für alle Wesen, die die Vernunft nicht gebrauchen können. Er starb an dem Starrsinn, mit dem er an seinem wicbtigsten Leben-gut festhielt. Entweder als Kakadu leben oder sterben. Außer- halb de» kakadusischen Daseins gibt es kein Leben. Er starb als Held, als Patriot, ein Vorbild der Treue, der Ausdauer und Frei- heitsliebe seines Geschlechtes. Wir sind gewohnt, die Superiorität der Vernunft und die Minder- werttgkeit der Unvernunft als Kategorien unseres Urteils zu ge- in ganz Amerika stehen hinter dem Angeklagten. Mr. Bryan da- gegen ist so begeistert von der Gelegenheit, die sich hier bietet, den Naturwissenschaftlern,„diesen ehrlosen Schurken', wie er sie nennt, „die den amerikanischen Kindern ihre Religion rauben und sie zu Atheisten machen', eins auszuwischen, daß er sich der Staatsanwalt- schaft zur Verfügung gestellt hat. Er rechnet damit, daß den elf- tausend Mitgliedern der„Amerikanischen Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft' 109 Millionen Amerikaner gegenüberstehen, die anderer Ansicht sind. Der Fall hat heute bereits nationale Bedeutung erlangt, und seine Entscheidung wird als„Test' für die„Fundamentalisten' an- gesehen, wie sich die Vorkämpfer für die mittelatterliche Verdunkelung in den Vereinigten Staaten nennen. Tennessee steht mit diesem „Anti-Slffen-Gesetz' nicht vereinzelt da. Es ist sehr wahrscheinlich. daß Kalifornien ln Kürze ähnliche Strafbestimmungen treffen wird; in Oklahoma ist es seit zwei Jahren unmöglich, in staatlichen Schulen die Evolutionstheorie zu lehren. In Texas hat die Leitung der Staatsuniversität angeordnet, daß„kein Ungläubiger, Atheist oder Agnostiker, keine Person, die nicht an Gott als das höchste Wesen und den Beherrscher des Weltalls glaubt, in irgendeiner Eigenschaft an der Universität beschäftigt werden solle'. In Kentucky und Texas haben die Parlamente gleichfalls Anti-Eoolutionsgesetz« beschlossen, die allerdings vom Oberhaus nicht bestätigt wurden— in Kentucky gab eine Stimme den Ausschlag. In einer Reihe von anderen amerikanischen Staaten sind ähnliche Gesetze eingebracht. „Im ganzen Süden und Südwesten ist die Stimmung sehr für die Fundamentalisten und Anti-Evolutionisten,' so schreibt die Zeit- schrift„Ration'.„Das Parlament von Georgia hat einer staat- lichen Bibliothek kürzlich die Unterstützung versagt aus dem erklärten Grunde, daß sie Bücher über die Evolutionslehre enthielte, und ein Biologieprosessor an der dortigen Mercer-Unioersity wurde im ver- gangenen Oktober wegen seiner Anschauungen abgesetzt. Dies« Ver- solgung von Professoren wegen darwinistischer Anschauungen datiert in Amerika von den achtziger Jährt»; damals wurde der Geologe Alexander Winchell seines Amtes an der Danderbilt-Unioerstty ent- setzt, weil er sich den modernen geologischen Lehren über die Eni- Wicklung der Erde angeschlossen hatte. Hand in Hand mit diesem Versuch, die Evolutionstheorie zu unterdrücken, geht die Bewegung, die sich dafür einsetzt, daß die Schöpfungsgeschichte nach der Bibel gelehrt wird; das geschieht meistens in der verhüllten Form der Bibellektüre in den Schulen.' Di« kleine Stadt Dayton, wo die Verhandlung gegen jenen rasch berühmt gewordenen Lehrer stattfinden wird, nimmt heute schon in jeder Zeitung breiten Raum ein. Man erwartet über zwettousend Besucher von auswärts und stellt Pläne auf, um sie in Eisenbahn« wagen unterzubringen: denn ihre Zahl ist größer als die Einwohner» zahl der Stadt. Auf dem Rasen vor dem kleinen Gerichtsgebäude werden Sitze aufgeschlagen und Lautsprecher aufgestellt, so daß man von dort der Verhandlung folgen kann. Und während so Zimmer- leute, Komitees, Juristen und Gerichtsbeamte den großen Tag vor- bereiten, werden überall kleine Affen verkauft als Andenken an „Monkeyville", wie Dayton von einem spottsüchtigen Publikum getauft worden ist. Migräne. Die Migräne ist eines jener Leiden, die den Be- fallenen aufs heftigste peinigen, ihn für einen halben oder ganzen Tag vollständig untauglich für jede Tätigkeit mac i. ohne daß die Krankheit aber jemals zum Tode führt. Sie trttt in Form von Anfällen auf und ist durch schwere, meist halbseitig« Kopfschmerzen gekemizeichnet. Den Kopfschmerzen gehen oft Augenstörungen vor- aus; im Gesichtsfeld tritt ein bewegter dunkler Fleck auf, dessen Ränder nicht selten leuchtend und gezackt erscheinen. Die rasenden Schmerzen können sich bis zur Uncrträglichkeit steigern und machen den Kranken völlig arbeitsunfähig. In vielen Fällen setzt während des Anfalls heftiges Erbrechen ein. Ist der Anfall vorüber, so erfreut sich der Kranke sofort vollständigen Wohlbefinden». Di« Entstehung der Migräne ist noch sehr umstritten. Nur eines steht wohl unzweifelhaft fest, daß die Migräne ererbt ist. und zwar ae- wohnlich von einem der Eltern auf die direkten Nachkommen. Im übrigen nimmt man auch Zusammenhänge mit der Gicht und mit der Epilepsie(der Fallsucht) an. Was sich im einzelnen bei der Migräne im Gehirn abspielt, ist noch unklar. Man vermutet auch Beziehungen zwischen den Sexualorganen und der Migräne, da die Anfälle während der Schwangerschaft wie in den Wechseljahren vielfach ausbleiben. Ein sicher wirkendes Mittel gegen Migräne besitzen wtr nicht. Es werden Aspirin, Pyramidon und sonstig« schmerzstillend« Mittel. Chinin und Arsen, klimatische und diätetische Kuren empfohlen. Im Anfall selbst muß vor allen Dingen für Ruh« gesorgt werden; Lagerung des Kranken im Dunkeln und Vermeidung aller über- flüssigen Geräusche. Im höheren Aller pflegen die Anfäll« all- mählich an Heftigkeit abzunehmen, ja zu verschwinden. brauchen. Das Tier hat nur«inen Instinkt und keine Vernunft«i» der Mensch. Das Tier kann au» einer geänderten Situation keine Schlüsse ziehen, kann sich nicht anpassen wie der Mensch mtt seiner für göttlich gehaltenen Vernunft, dieser neuen biologischen Waffe de» zum Menschen gewordenen Tiere» im Kampf« ums Dasein. Er ver- mag mit ihr selbst aus den schwierigsten Verhältnissen, die seinen natürlichen Trieben und deren Befriedigung unüberwindlich schei- nende Hindernisse bereiten, noch Auswege zu schaffen und An- passungsmögllchkeiten zu finden. Er kann durch den Gebrauch der Vernunft feine Bedürfnisse aufs äußerst» einschränken. Er vermag den unnatürlichsten Daseinsbedingungen, den triedfeindllchsten Leben»- stellungcn noch neue Chancen abzulisten. Er triumphiert am Ende auf dem Gipfel der menschlichen Zivilisation über die vernunst-unter» jochte Natur. Aber der tote Kakadu stört mich in meiner Begeisterung für bi« Segnungen der Vernunft. Er löst alle Zweifel au», die kein eng- lisches Wasserklosett und keine Reklamemesse auslöschen können. Wie. wenn wir dennoch die Gefoppten wären? Wir rütteln an keinen Käsigen und lehnen uns nicht auf gegen die Beraubung unserer natur-gegebenen Rechte. W i r passen un» dank unserer herrlichen Vernunft allem an, auch an den engsten Käfig, an die ärmlichste Dachkammer, an das trockenste Stück Brot, an die längste Arbeitszeit. an die Greuel des Krieges, an Zuchthau» und an Schützengräben. an alle raffinierten Arten von Gillern und Käfigen, mtt denen die Systeme der Macht von Menschen über Menschen ausgestattet sind, un> uns in dem Genuß unserer Freiheit, in der Erfüllung unserer Lebenstriebe zu hemmen und zu hindern. Wir können uns allem anpassen und scheinen noch stolz darauf zu sein. Unser Anpassung»- vermögen Ist unser Unglück. Don Lassalle stammt die grausam« Formel des ehernen Lohngesetzes, das die Wirtschaft beherrscht: die Lohne richten sich nach der untersten Grenze der jeweiligen Leben»- Notwendigkeiten. Wären wir unbescheidener, wären wir unver» nünftiger, aber instinttsicherer gegen die Bedrohungen unserer Ge- sundheit und unseres Glücks, kämpften wir an gegen jene, die un, ewig zur Anpassung mahnen— w i r würden da» Schicksal zwingen, wir würden die Käfige unserer Sklaverei brechen und nicht sterben wie der arme Kakadu. Denn unsere Flügel sind nicht beschnitten, unsere Krallen scharf und unser Wissen von der Schwäch« der Gitter Nor. Nur unser tlerhaft gesunder Mut ist durch die menschlich« Der« nunft angekränkelt. Der Kakadu könnte einen Politiker lehren! 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Drewitz- Berlin( B.-P.) für die Bewilligung der Etatpositionen für die Polizei aus. Die Polizei müsse aber entpolitisiert werden. Abg. Kremer( D.B.) fordert eine größere Konzentries rung der Polizei und billigt die Tätigkeit des Reichskommissars für die öffentliche Ordnung. Die Deutsche Volkspartei werde die Etatabstriche an der Teno und den parlamentarischen Beirat ablehnen.( Beifall rechts.) Staatssekretär Zweigert: Ich halte es für einen der schönsten Erfolge eines Führers der Teno, wenn es ihm gelingt, auf die Streifenden Arbeiter so einzuwirken, daß sie die Notstandsarbeiten felbst vornehmen. In den Arbeitsgrundsägen der Teno tommt zum Ausdruck, daß bei Streits eine Fühlung mit Gemert schaftsvertretern aufgenommen werden soll, um zu diesem Ziel zu gelangen. Jedem etwaigen Mißbrauch der Teno soll recht Beitig vorgegriffen werden. Wegen etwaiger mißbräuchlicher Haltung der Teno foll dem Reichsinnenministerium Mitteilung gemacht merden. Die Technische Nothilfe wird nur auf behördlichen Anruf und behördliche Anerkennung eines Notstandes eingesetzt. Die Nothilfe wird so lange notwendig sein, als noch die Möglichkeit einer Störung des Volts- und Wirtschaftslebens gegeben ist. Im Moment ist, trotz der zu begrüßenden Verantwortungsbereitschaft der Gewerkschaften, der Moment für die Auflösung der Teno noch nicht gekommen. Abg. Dr. Frid( Bölf.) erklärt, daß die Völkischen den Anträgen auf Aufhebung des Ausnahmezustandes in Bayern zustimmen würden, meil auch fie darunter zu leiden hätten. Abg. Kube( Bölt.), mit spöttischen Heilrufen der Linken begrüßt, tritt für eine bessere Besoldung der unteren Beamtengruppen der Schupo und für eine Annahme der Regierungsvorlage in bezug auf die Technische. Nothilfe ein. Staatssetretär Zweigert weist gegenüber. sozialdemokratischen Borwürfen darauf hin, daß der Reichskommissar Kuenzer nicht die Ermächtigung habe, Reichswehrtruppen in irgendein Land zu schicken. Damit schließt die Debatte. Die Anträge gegen den bayerischen Ausnahmezus stand werden dem Rechtsausschuß überwiesen; die Abstimmung über die Anträge zum Kapitel„ Technische Nothilfe" wurden wegen der überaus schwachen Besetzung des Hauses zurückgestellt. Eine Oberschlefiendebatte. Das Haus wendet sich dann der Beratung des Etatskapitels des Innern Gesundheitswesen" zu, die mit einer Interpellation des Zentrums verbunden wird, die sich für die ober. fchlesischen Flüchtlinge und Berdrängten einseit und die dafür bis jetzt getroffenen gesetzlichen Regelungen als un zulänglich bezeichnet. Abg. Ulikka( 3.) begründet die Interpellation und hebt hervor, daß Wohnungslosigkeit und Erwerbslosigkeit unter den bei der Ab flimmung treu zu Deutschland gestandenen Oberschlesiern erschreckend überhand nehme. Das Elend sei besonders in den Grenzstädten, 7. B. in Beuthen, groß. Die Arbeitslosigkeit sei in feinem anderen Teile Deutschlands so groß wie in Oberschlesien. Es sei vor allem notwendig, für Wohnungen zu sorgen. An Stelle der Notwohnungen müßten endlich Dauerhäuser gebaut werden. Besonders setzt sich der Redner, unter Zustimmung seiner Parteifreunde, für die Lehrer ein, die in erster Linie für das Deutschtum in Oberschlesien geworben hätten. Neben der materiellen Not bestehe auch die kulturelle, die Land und Reich beseitigen müßten. An der ganzen Not sei die Entente schuld, die die unsinnige Trennung in Oberschlesien herbeigeführt habe. Es sei daher eine Frage, ob die für die Beseitigung der Not Oberschlesiens vom Reiche aufgewendeten Mittel nicht von den Reparationen abgezogen werden könnten. Jedenfalls erlösche die Pflicht des Deutschen Reiches, Oberschlesien zu helfen, nie.( Beifall.) Die Entwicklung der Dinge in Oberschlesien müsse zur Wiedervereinigung des ganzen Landes mit Deutschland führen; durch eine wesentliche Hilfe für die deutschen Oberschlefier könne der Weg zur Wiedervereinigung am besten geebnet werden.( Lebhafter Beifall.) Eine sozialdemokratische Interpellation in gleicher Angelegen heit begründet Abg. Stelling( Soz.): Mein Borredner hat schon darauf aufmerksam gemacht, daß man Zweifel haben dürfe, ob nicht der Often Deutschlands gegenüber dem Besten ins Hintertreffen geraten sei. Die Ausführungen des Abgeordneten Ulizla haben zweifellos dazu beigetragen, diese Meinung noch zu verstärten. Wenn man sich die Berhältnisse in Oberschlesien ansieht, so muß man zugeben, daß die Zustände un haltbar sind und daß möglichst bald Remedur geschaffen werden muß.( Sehr richtig bei den Soz.) Ich unterstreiche noch einmal, es muß unbedingt in der allernächsten Zeit alles getan werden, um zunächst den Flüchtlingen, die wegen ihres Deutschtums aus BolnischOberschlesien ins Grenzgebiet gekommen find, zu helfen. Es müssen mindestens 8000 bis 9000 2ohnungen in verhältnismäßig furzer Zeit neu erstehen. War gerade in Oberschlesien die Wohndichte schon früher besonders groß, zählte man doch in Gleiwitz bei 70 000 Einwohnern im letzten Vierteljahr 1917 mur 63 leerstehende Wohnungen, so hat sich diese Wohnungsnot ſeit Kriegsende durch en Zuzug von Flüchtlingen noch verstärkt. Nach einer amtlichen Aufstellung betrug der Zuzug von Flüchtlingen Ende 1924 9000 bis 10 000, es ist ein Bedarf von über 30 000 Wohnungen vorhanden. Es herrschen in Oberschlesien geradezu ungeheuerliche Zustände im Wohnungswesen. Jn Zaborze bewohnen 80 Bros. der Bevölkerung nur eine Stube mit Kammer von je 30 bis 40 Quadratmeter Wohnfläche. B 요 QE Interpellationen der Sozialdemokraten Zentrums. 341 Familien mit 5 bis 10 Köpfen und 109 Familien mit über 10 Köpfen haben Wohnungen von einer Stube und Küche. In Beuthen wohnen über 200 Familien auf dem Hof oder im Keller. In einem Falle in Gleiwih bewohnt eine Familie schon seit zwei Jahren ein Kellerloch, das zugleich den Zugangsraum zur Kanalisation und zum klosett bildet. Die Polizei hat diesen Raum als unbewohnbar erflärt. Ein Kind ist in dieser Familie schon gestorben, ein zweites Kind, das vor furzem geboren wurde, wird vermutlich denselben Weg gehen müssen. In einem zweitem Falle bewohnen drei Familien eine Stube und Küche. In der Infanteriefaserne in Gleimig be wohnen acht Personen Stube und Küche, eine erwachsene Tochter ist start tuberkulos, es besteht die Gefahr, daß die ganze Familie angesteckt wird. Ich habe schon manche schlimme Wohnungszustände gesehen, aber das Herz hat sich mir zusammengeframpft, als ich die Wohnungsverhältnisse in Oberschlesien zu Gesicht bekam. In Cechanowig bei Oppeln, bewohnt eine Familie mit 7 Kindern zwei Bellen des dortigen Amtsgerichts. In demselben Ort sind 17 Personen in zwei Zimmern untergebracht. In Tschirtau bewohnt eine Familie mit 7 Köpfen eine Arrestzelle ohne Diele, eine fünftöpfige Familie ist in einer sonnenlosen Notwohnung untergebracht worden, der Vater leidet an Tuberkulose. Die Baraden, in denen die Flüchtlinge zum Teil untergebracht sind, find allem Unwetter ausgesetzt. Besonders groß ist die Inanspruchnahme der Schulgebäude. Das bedeutet, daß die Kinder nicht den notwendigen Unterricht bekommen, das bedeutet eine Zurückschraubung der Kultur, das bedeutet eine Schädigung der Kinder, die sowieso durch Krieg und Nachkriegszeit, durch Unterernährung geschwächt sind. ( Sehr richtig bei den Soz.) Die gefundheitlichen Folgen dieser Zustände sind so, daß geradezu eine Katastrophe befürchtet werden muß. Die Sterblichkeit unter den Flüchtlingen hat einen ungeheuren Umfang angenommen. In Gleiwig war vor dem Kriege in 9 bis 10 Proz. die Tuber. tuloje als Todesursache festgestellt, jetzt ist dieser Prozentsaz auf 16 gestiegen. Die Ansteckungsgefahr ist besonders groß, weil die Wohnungen weder Luft noch Licht haben und vielfach nicht einmal Sonnenschein zu ihnen dringen. Geschlechtskrankheiten, Flecktyphus, spinale Kinderlähmung, Säuglingssterblichkeit, alle diese Erfchei mungen bedrohen die Flüchtlinge. Besonders schlimm steht es aber um die Obdachlosen. Ihre Zahl wächst von Tag zu Tag. Die Gerichte geben den Räumungsflagen statt, die Urteile werden voll strect ohne Rücksicht darauf, ob eine andere Unterkunft vorhanden ist. Eine Zelle im Gleiwizer Polizeigefängnis wird ständig zur Unterbringung obdachloser Familien gebraucht. In Gleiwiß find täglich 125, in Hindenburg bis 100 Obdachlose. Hier ist dringend Abhilfe zu schaffen, um der deutschen Kultur, um der Gesundheit dieser Familien, um der heranwachsenden Geschlechter willen.( Sehr richtig bei den Soz.) Gegenüber diesen Tatsachen, die nicht anders als ein Dokument der Schande bezeichnet werden müssen, ist die Frage berechtigt, ob alles Notwendige dagegen getan worden ist. Die Hauptfrage iſt nicht, wen die Hauptschuld an der Unterlaffung trifft, sondern wir müssen mit den Tatsachen rechnen und haben die Pflicht, der Not abzuhelfen. Man kann nicht sagen, daß alles bisher getan worden ist. In Gleiwit find noch 346 ausgewiesene Eisenbahner ohne jede eigene Wohnung, 484 Eisenbahnerfamilien hausen in unzu fänglichen Räumen. Man sagt, daß die Länder die Pflicht hätten, zu helfen. Preußen far das nicht, es hat große Aufgaben in der Wohnungsfrage zu lösen. Es hat aber doch manches darin getan. Es ist aber nicht Sache Preußens, sondern des Reichs, hier zu helfen. Es handelt sich um die Beseitigung einer Kulturschande, für die das Reich die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen muß. Eine Regierung, die über 700 Millionen den Ruhrindustriellen gibt, die bei den Steuervorlagen ihre Bereitwilligkeit zeigt, den Besitz zu schonen, hat die Pflicht, die notwendigen Mittel bereitzustellen. Nicht nur aus innerpolitischen, auch aus nationalen Gründen haben wir zu helfen. Denjenigen, die um ihres Deutschtums willen verdrängt worden sind, muß man die Liebe zur Heimat wieder geben. Ich stelle diese Forderung nicht nur als Politiker, sondern als Mensch auf. Ich richte die dringende Bitte an Regierung und Reichstag, diesen unhaltbaren, jeder Kultur hohnsprechenden Zuständen ein Ende zu bereiten, bevor noch eine Verschlimmerung durch den mit Bolen ausgebrochenen 3011frieg eintritt. Ich erwarte, daß der im Namen der Menschlichkeit an Sie gerichtete Appell nicht un gehört verhallen wird.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) In seiner Beantwortung der Interpellation meist Staatssekretär Zweigert darauf hin, daß die Aufgabe der Flüchtlingsfür. jorge den Ländern übertragen sei. Trotzdem habe die Reichs. jorge den Ländern übertragen sei. Trotzdem habe die Reichs. regierung den Willen, weiter, wie sie es bisher schon getan habe, dazu beizutragen, daß die beklagenswerten Zustände in Oberschlesien balb beseitigt würden. Es feien Maßnahmen dahin ge troffen, daß die Wohnungsnot in Oberschlesien in absehbarer Beit beseitigt sein werde. Abg. v. Lindeiner- Wildau( Dnat.) hebt hervor, daß man Oberschlesien im tiefsten und letzten solange nicht endgültig helfen können werde, solange die unnatürliche Grenzregulierung nicht beseitigt sei. Abg. Schmidt- Hirschberg( D. Bp.) meist auf die Not der oberschlesischen Wirtschaft hin und schließt sich im übrigen seinem Bor. redner an. Abg. Jadajch( Romm.) wirft dem Wohlfahrtsministerium vor, daß es nicht wisse, daß Hindenburg, eine Gemeinde von mehr als 100 000 Einwohnern, Deutschland verblieben und Königshütte zu Bolen gekommen ist. den Deutschen Oberschlesiens in Oftoberschlesien Ar. beitsmöglichkeiten garantiert werden und endlich die Liquidation des deutschen Eigentums in Dstoberschlesien aufhöre. Aber auch die Siedlungspolitik in Westoberschlesien lasse zu wünschen übrig, ja, in ganz Westoberschlesien, deffen Grund und Boden fast zu 100 Proz. den Hendel- Donnermards gehöre, sei überhaupt I taum gesiedelt worden. Die gegenwärtige Reichsregierung habe gegenüber der Pflicht an Oberschlesien, trog ihrer vielen nationalen Worte und Redensarten, vollkommen versagt.( Beifall links.) Abg. Kube( Bölt.) betont, daß der Völkerbund an Oberschlesien feine größte Dummheit getan habe. Frau Ansorge( Soz.): Im Walden Ich komme aus dem schon sprichwörtlich gewordenen Hungergebiet Waldenburg. Unser ungeheures Wohnungselend, das nicht weniger schlimm ist als in Oberschlesien, verdanken auch wir zu einem großen Teil dem Flüchtlingselend in Oberschlesien. Die dortigen Arbeitslosen haben sich in Scharen nach dem Waldenburger Rohlengebiet gewandt, um hier Arbeit zu finden. burger Gebiet haben wir zwar viel an Wohnungen gesiedelt, aber trotzdem hat das Wohnungs- und Hungerelend bei uns noch zugenommen. Wo wir zehn Wohnungen geschaffen haben, mußten mir 12 Flüchtlinge unterbringen. So verdanken auch wir einen großen Teil der Arbeitslosigkeit und des Wohnungselends den unerträglichen oberschlesischen Verhältnissen. Im Namen unseres Waldenburger Kohlengebietes richte ich daher die Bitte an die Reichsregierung, alles was möglich ist, für Oberschlesien zu tun, um damit auch bei uns das Elend zu mildern.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit ist die Besprechung der Interpellationen beendet und das Haus vertagt sich um 6% Uhr auf Sonnabend nachmittag 1 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Weiterberatung des Inneren und fleinere Vorlagen, darunter der Gesezentwurf über Depot. und Depositengeschäfte. Verbandstag der Friseurgehilfen. 3. Berhandlungstag. Der Bertreter des Bundesvorstandes des ADGB, Genoffe Paul Umbreit, forderte in seinem großzügig angelegten Refe rat den Wiederaufbau der Sozialpolitit. Der Verbandsvorsitzende Lorenz berichtete darauf über die Berhandlungen des 3. Internationalen Friseurgehilfentongresses im vorigen Jahre in Wien. In der Aussprache über den Bericht wurde bedauert, daß verschiedene, der Internationalen Friseurgehilfen. Union angeschlossene Verbände, sich nicht an die Erfüllung ihrer Beitragspflichten gewöhnen können. Ueber Die Genossenschaftsfrage im Friseur. gewerbe" referierte der 2. Verbandsvorsitzende Friedrich Eforn, die ganze bisherige Entwicklung der Dinge in theoretischer und praktischer Beziehung schildernd. Er zog den Schluß, daß der Berband sich nicht, wie es in einem Antrage gefordert wird, an der Errichtung von Genossenschaftsbetrieben beteiligen tann. Die am Mittwoch hierüber geführte Debatte führte zur einstimmigen Annahme einer Entschließung, die die Beteiligung des Verbandes an genossenschaftlichen Unternehmungen im Friseurgewerbe aus or ganisatorischen Gründen ablehnt, jedoch die Propagierung des Gebantens der genossenschaftlichen Betriebsweise empfiehlt. Ueber den Leipziger Gewerkschaftstongreß, wie über den bevorftehenden Breslauer Gewerkschaftstongreß berichtete der Verbands vorsigende Lorenz, der sich insbesondere mit der Frage der Dr. ganisationsform befaßte. Für den Arbeitnehmerverband des Friseur- und Haargewerbes sei die Frage des Anschlusses an eine Industrieorganisation noch nicht aktuell. In der Diskussion wies Ez torn darauf hin, daß im Laufe der nächsten Jahre auch an den Friseurgehilfen- Verband, als eine der letzten fleinen Berufsorganisationen, die Notwendigkeit der Zu fammenlegung herantreten werde. Es bleibe abzuwarten, in welcher Weise sich die weitere Gruppierung der Industrieorganisationen voll zieht. Die weitere Konzentration tönne sich nicht willkürlich voll ziehen, fie müffe sich vielmehr nach bestimmten Gesichtspunkten der 3weckmäßigkeit richten. Es folgt dann die Erledigung der Sagungsänderungen, die in der Hauptsache nach den Vorschlägen der Vorberatungsfommission erfolgt. Erwähnenswert ist der Beschluß, daß die angestell ten Bezirksleiter auf den Verbandstagen, die fortan alle drei Jahre abgehalten werden sollen, mit beratender und beschließender Stimme vertreten sein sollen. Für die Verbandsangestellten werden neue Richtlinien beschlossen und dabei beschlossen, die Beiträge für die Unterſtügungsvereinigung aus der Haupttasse voll zu zahlen. Be schlossen wird, daß ausgeschloffene Mitglieder in der Regel wieder aufgenommen werden können, unter Anrechnung der früher ge leisteten Beiträge. Der Verbandsvorsitzende Lorenz, der Verbandskassierer Langner und der Dbmann des Berbandsausschusses Stabe Hamburg wurden einstimmig wiedergewählt. 3um Gewert schaftskongreß wird Lorenz delegiert, zum nächsten Internationa len Friseurgehilfen- Kongreß werden Lorenz- Berlin, Hampel. Dresden, Beng- Stuttgart als Delegierte gewählt. Die Berhand Lungen find damit beendet. Der nächste Verbandstag soll 1928 in Düsseldorf abgehalten werden. Jugendveranstaltungen. Treffpunkte zur Sonnenwende in den Gofener Bergen heute, Sonnabend, den 20. Juni: Moabit I: 7 Uhr kleiner Tiergarten. Moabit II: 46 Uhr Bahnhof Bellevue. Nachzügler 8 Uhr. Often, Stralauer Biertel: 6 Uhr Rudolfplak. Rorben: 5 Uhr Stralsunder, Ede Brunnenstraße. Nachzügler 26 Uhr Bahnhof Börse. Südwest: 6 Uhr vor dem Vorwärts", 27 Uhr, Görliger Bahnhof, Haupteingang. Tempelhof: 44 Uhr und 6 Uhr Bahnhof. Lichten berg- Mitte: 7% Uhr Stralau- Rummelsburg. Lichtenberg- Norb: 72 Uhr Stralau- Rummelsburg. Schönhauser Borstabt 1, und 2.: 6-7% Uhr Bahn hof Schönhauser Allee. Südost, Reichenberger Viertel: 3, 5 und 8 Uhr Gör Werbebezirk Teltow- Kanal. Jede Abteilung hat heute abend mindestens 2 Ordner nach den Gosener Bergen zu entfenden. Lichterfelde, Steglig I und Tempelhof um 6 Uhr, Bankwiz, Mariendorf, Steglis II und Sehlenbort um 8 Uhr am Zugang( Brilde) von Eichwalde- Schmödwig. Werbebezirk Reukölln. Alle Abteilungen treffen sich um 7 Uhr am Bahnhof Moabit. Abg. Lemmer( Dem.) meint, die Not Oberschlesiens sei vor allem ein wirtschaftliches Problem. Die mit Polen Schwebenden Handelsvertragsverhandlungen sollten der Reichsregie- fiber Bahnhof Buchholz: 5 und 8 Uhr Bahnhof Blankenburg. rung Gelegenheit geben, nicht nur privatwirtschaftliche Interessen, sondern auch national- politische zur Geltung zu bringen, was ihr leicht fallen werde, da Polen auf das Zustandekommen des Handelsvertrages angewiesen sei. Die Reichsregierung müßte fordern, daß Probiert Bolle Schokolade SCHOKOLADENWERK DER MEIEREI C- BOLLE A G. Kann Deutschland von der eigenen Scholle leben? Anbauflächen und Volksvermehrung. In den verschiedenen Begründungen der Reichsregierung und der Interessenten für die Zollvorlage bezm. deren agrarische Bofitionen, spielt die These von der Ernährungsmöglichkeit des deutschen Boltes von eigener Scholle" eine große Rolle. Die statistischen Nachweisungen über das Verhältnis von Bevölkerung und Bodenraum, das Ausgangspuntt jeder Diskussion über das landwirtschaftliche Produktionsproblem sein müßte, find weiteren Rreifen so gut wie unbekannt. Sie feien deshalb im folgenden einmal zusammenfassend dargestellt. Die Bevölkerungsdichte ist ein zeitlich wechselndes Refuitat aus einer normalerweise festen Größe, der Boden fläche. eines Staates, und aus einer veränderlichen Größe, der Bevölkerungszahl. Die Grenzen des Deutschen Reiches umschlossen vor dem Weltkriege 540 857 Quadratkilometer; jezt umfaßt die deutsche Republit nur noch 472 034 Quadratkilometer. Der Ver. 1ust beträgt 12,7 Broz., rund ein Achtel der gesamten Borkriegsfläche. Die Bevölkerung Deutschlands wurde im Jahre 1871 auf 41,06 Millionen festgestellt. Sie vermehrte sich bis zur Volkszählung im Jahre 1910 auf 64,93 Millionen und bis Mitte 1914 meiter auf 67,79 Millionen, also von 1871 bis 1914 um faft zwei Drittel ( genau 65,1 Broz.). Nach der Zählung vom 8. Oftober 1919 hatte die Republik 59 852 682 Einwohner, rund 1,4 Millionen mehr als am 1. Dezember 1910 auf ihrem Gebiet gezählt worden waren. Mitte 1922 hatte sich diese Zahl bereits auf 62,04 Millionen erhöht. Dementsprechend war die Bevölkerungsdichte 1871= 75,9 Menschen pro Quadratkilometer, im Jahre 1910-120 und im Jahre 1914-125,3. Die Bevölkerungsdichte der Republit ist für 1919 auf 126,8 und für Mitte 1922 auf 131,4 pro Quadratkilometer festzustellen. Umgekehrt entfiel pro Kopf der Bevölkerung Dom Reichsgebiet eine Fläche bon 18 172 Quadratmeter im Jahre 1871 " 8 830 7 609 " 1910 1922 " Die Bevölkerungsvermehrung ist also fo start gewesen, daß 1919 pro Kopf der Bevölkerung nur noch 58 Proz. der Bodenfläche zur Verfügung stand, wie 1871. Nun fönnten freilich Veränderungen in der Bodenbenugung ausgleichend gewirkt haben. Statistische Erhebungen über diese haben bis zum Kriege insgesamt fünfmal stattgefunden; ihre Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle zusammengefaßt. Es wurden benußt: landwirtschatlich forstwirtschaftlich weber land. noch forstwirtschaftlich 1900: 160, 1913: 192 und 1922: 208 Einwohner. Die landwirtjhaftlich benußte Fläche betrug pro Kopf der Bevölkerung: im Jahre 1883 1900 1918 1922 • • 34 7740 Quadratmeter 6250 5 200 . 4810 " Die fortgefehte Schmälerung der Ernährungsgrundlage der deutschen Bevölkerung, mie fie in diesen Zahlen zum Ausdrud tommt, ist durch rationellere Verwendung der landwirtschaftlichen Fläche etwas verringert worden. Darauf deutet zunächst die Ver. teilung der landwirtschaftlichen Fläche nach drei großen Gruppen. Es wurden verwendet: im für Ader- und Gartenland für Wiesen für Weiden und Sutungen Broz. dec Gesamt fläche Jahre Settar Broz. der Gesamt fläche Hektar Broz. der Gesamt fläche Seltar 1878 26 063 100 48,27 5 913 700 10,95 4 615 400 1888 26 177 400 48,45 5 903 800 10,93 3 425 100 1898 26 243 200 48,55 5915 800 10,95 1900 5 956 200 5 991 700 11,02 11,1 8,55 6,34 2873 000 5,31 2 706 700 5,01 2 592 500 4,8 1913 26 257 800 48,56 26 059 200 48,1 Während der stetigen Berminderung der landwirtschaftlich be nußten Fläche ist der Komplex des Acker- und Gartenlandes wenigſtens von 1878 bis 1900 regelmäßig vergrößert worden, um dann freilich bis 1913 eine so starte Verringerung zu erfahren, daß in diesem Jahre weniger Ader und Gartenland vor. handen war als 35 Jahre zuvor. Die Wiesen sind im Zeichen erweiterter Großviehhaltung vermehrt worden. Auch hier hat wieder der Landverlust durch den Versailler Bertrag ungünstig gewirkt, insofern er überdurchschnittlich besseren landwirtschaftlichen Boden betrifft. Ist das Acer- und Gartenland im Nachfriegs- Deutschland die Ergebnisse von 1913 zugrunde gelegt auf 22 067 600 Sjeftar zurüdgegangen, fo macht es nur noch 46,9 Prozent der gesamten Bodenfläche der Re publit aus. der Form einer befferen Ausnutzung der Fläche des Ader und Der eigentliche Rationalisierungsprozeß hat sich in der Form einer befferen Ausnutzung der Fläche des Ader und Gartenlandes vollzogen. Von diesem dienten dem Anbau von: 1878 1888 1898 1900 1918 Getreideart. ha 15587700 15724 000 15 992 100 16 051 000 16 250 900 u.Hülfenfr.)% 59,81 60,94 61,18 62,4 Sadfrüchten ha 8552800 4237700 4598 200 5123300 16,15 2519 400 9,6 472 600 1,8 gleichen, wodurch die Tenbenz der allgemeinen Entwidlung flarer hervortritt. Es waren( in 1000 Hektar) gewidmet dem Anbau von: im Durchschnitt Roggen Beizen Safer Gerste der Jahre 1878/1880 5945 1881/1885 5877 1886/1890 5323 1891/1895 5822 1963 8999 1896/1900 5944 1977 4020 1901/1905 6045 1829 4246 1906/1910 6117 1868 4295 1911/1924 6279 1968 4385 1603 8415 Rattoffeln Gesamt 1820 3754 1884 8779 1987 8848 1707 1626 2763 15 908 1701 2857 16 098 2918 16 233 1689 2993 16 466 1668 3111 16 715 1693 3281 17.094 1638 8803 17 221 17 650 Bon 1878/80) bis 1911/14 od.+ Broz.) +5,6+8,1+16,8-1,4+28,6+11,0 famterntefläche dieser Feldfrüchte, wenn man die erwähnte lleberIn einem Zeitraum von dreieinhalb Jahrzehnten hat die Geschäzung feit Anfang dieses Jahrhunderts außer Betracht läßt, um rund 11 Proz. gesteigert werden können. Im Kriege ist dann ein starter Rückschlag in der Bodennugung ein getreten, und in der Gegenwart beträgt der Verlust von Anbauflächen und deren Einschränkung zusammen mehr als doppelt soviel wie der Gebietsverluft durch den Friedensvertrag( 12,7 Broz.), wobei aber zu beachten ist, daß die amtliche Statistik seit dem Kriege an dem entgegensezten Fehler leidet wie vor dem Kriege: wurden vor dem Kriege die Anbauflächen überschäßt, so wurden fie nachher( und bis jetzt) unterschäzt. Nach der amtlichen Statistit dienten( Flächenangaben in 1000 Heftar) dem Anbau von: in den Jahren Roggen Weizen Safer Gerste 1918 1917 1923/24 1923/24 we 1913 in Broz.) niger als Kar toffeln Gesamt 6414 1974 4488 1654 8412 5550 1518 8565 1461 2547 4818 1472 8485 1266 2744 17 892 14 641 13 230 82,8 26,1 25,4 22,6 23,5 19,6 Die Rationalisierung der Bodenverwendung wie auch die Ausweitung der Anbauflächen bis zum Kriege hat nicht genügt, den Bandanteil" pro Kopf der Bevölkerung gleich hoch zu halten: die Bevölkerungsvermehrung ist allen Berbefferungen dieser Art weit Doraufgeeilt. Die Landverluste durch den Weltkrieg und die Weiterwirkungen der Kriegsfolgen in der Landwirtschaft haben im Nachfriegs- Deutschland den Bro- Kopf- Anteil weiter geschmälert. Wie starf die Verminderung der Anbauflächen der wichtigsten Feldfrüchte fich in diesem Berhältnis auswirkt, jei an einigen Bergleichszahlen und im Schaubild gezeigt. Es entfielen auf den Kopf der Bevölterung Quadratmeter: Roggenland Weizenland 1878 1918 1928/24 tm Jahre 1884 946 695 Settar Broz. ber Gesamt fläche Hektar Broz. ber Gesamt fläche Hektar Broz ber Besamt fläche u. Gemüse% 1878 86 726 000 68,02 13 872 900 25,69 8 999 500 6,29 Futter ha 18,63 2448 200 1883 35 640 400 65,97 18 908 400 25,74 4476 300 8,29 9,39 1898 35 164 600 65,06 18 956 800 25,82 4 927 200 9,12 1900 85 055 400 1918 34 818 800 64,84 64,3 13 995 900 25,89 14 228 200 26,3 5 013 500 9,27 5 072 800 9,4 235 800 0,91 417900 1,6 60,06 3948 600 15,07 2404700 9,19 416 000 1,59 852 300 1,35 8820700 3336 800 14,66 12,74 407 291 287 Haferland 840 655 554 • 261 100 0,99 17,49 2656700 10,12 482 800 1,84 187900 0,71 19,7 Gerstenland 864 244 204 2655 400 Kartoffelland 618 508 441 10,2 536 600 2 112300 0,4 Die Ernteflächen der wichtigsten Feldfrüchte pro Kopf der Bevölkerung. 2760 300 10,52 2285700 1380 700 8,71 5,3 Diese Zusammenstellung macht einige wichtige Entwicklungs. tatsachen klar. Wenn man die Beränderungen von 1878 zu 1883 außer Betracht läßt( diese sollen hauptsächlich einer veränderten Methode der statistischen Eingruppierung zuzuschreiben sein), so zeigt sich ein ständiger Rüdgang der landwirtschaftlich benuhten Fläche und eine Zunahme der forstwirtschaftlich und der„ meder land noch forstwirtschaftlich benutten" Fläche.( Unter die legtere Bezeichnung fallen Haus- und Hofräume, Deb. und Unland, WegeLand, Friedhöfe, öffentliche Bartanlagen, Gewässer usw.) Am Bestand der landwirtschaftlich benutzten Fläche nagte sowohl der, feine Forstwirtschaft aus Jagd- und anderen Interessen aus. dehnende Großgrundbesig, wie andererseits die Industrie mit ihrem Gefolge von Berkehrseinrichtungen. Wenn man die Ergebnisse der Boden- Benugungs- Aufnahme Don 1913 zugrunde legt, jo ergibt sich für ben Gebietsumfang ber Republit, daß die landwirtschaftlich benutte Fläche auf 29 854 400 Heftar= 63,4 Proz. der Gesamtfläche zurückgegangen ist, Die forstwirtschaftlich und die weder land. noch forstwirtschaftlich" benuzten Flächen sind zurückgegangen auf 12 699 900 bezm. 4534 300 hektar aber im Verhältnis haben beide zugenommen auf 27 bezw. 9,6 Proz. Außer einer dichter gefiedelten Bevölkerung hat die Republik also auch eine ungünffiger genutzte Bodenfläche, ols das Vorkriegs- Deutschland. Auf je 100 Hektar landwirtschaftlich benutzten Bodens tamen 1878: 120, 1883: 129, 1893: 144, 20. Sonnabend pflanzen)..% Haus und ha Obstgärten.% Handelsges ha wächfen 5)..% Es blieben als ha Aderweide u.% Brache 1) Weizen, Spela, Cintorn, Roggen, Gerfte, Safer, Buchweizen, Sirle, Mais, Erbsen, Linfen, Bohnen, Biden, Zupinen usw. 3) Kartoffeln, Topinambur, Rüben, Möhren, Rohl u. a. Davon 4.995 000 Settar Sadfrüchte und 128 000 Settar Gemilfe. Klee, Luzerne, Espariette, Gerabella, Spörgel, Grasfaat. Raps, Rübfen, Beindotter, Mohn, Senf, Flachs( Bein), Sant. Tabat, Sopfen, Richorien, Weberfarben, Kümmel u. a. Mit Ausnahme der Handelsgewächse haben alle anderen Aderund Gartenfulturen im Laufe der Jahre erheblich größere Landflächen in Anspruch nehmen fönnen, weil es durch verbesserte Anbaumethoden gelungen ist, die Aderweide und Brache zu vermindern. Im Deutschland des jezigen Um. fanges find unter Zugrundelegung der Ergebnisse von 1913 ins gesamt 18 092 400 Heftar, das find 82,8 Proz. des Aderlandes, der Erzeugung von Getreide, Hülsenfrüchten, Hackfrüchten und Gemüse gewidmet. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die jährlichen statistischen Nachweisungen über die Ernteflächen für die wichtigsten Feldfrüchte zusammenstellt, wobei aber zu beachten ist, daß diese Angaben feit der Jahrhundertwende als überschäßt gelten. Hier find von Jahr zu Jahr Schwankungen zu verzeichnen, welche die im Folgenden mitgeteilten mehrjahresdurchschnitte ausBelzen Hafer iG Op Roggen Gerfie Kartoffeln Me diese Tatsachen ergeben demnach feinen Anhalt dafür, daß es etwa wahrscheinlich wäre, daß in naher Zukunft die Bevölkerung Deutschlands von der eigenen Scholle ernährt werden könnte, nachdem dies bis zum Kriege nicht möglich war. Im Gegenteil ergibt sich, daß im Nachkriegs- Deutschland die Berhältniffe in dicker, Beziehung bedeutend ungünftiger liegen als im größeren Deutschland vor dem Kriege. Joh. Kregen Solingen. Billiger Sonnabend JANDORF bei Damenkonfektion Zephirbluse Hemdform, weit geschnitten, in ver schiedenen modern.Streiten 1.95 modern. Zephirkleid Fasson, mit einfarbiger Paspel und Knopfgarnierung Waschstoff. • 3.75 Kasak aus gemustertem 3.95 Frottékleid in versch. Karos, flottes Fasson, mit Bubi- 7.50 kragen und Schleife.. 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