Nr. 2�1 ♦ 42. �ahrg. Ausgabe A Nr. 150 Bezugspreis: Wöchentlich 7« Pfennig, monatlich 8,— Reichsmark Daraus zahlbar. Unter Kreuzband für Dentlchlanö, Danzig, Saar- und Mcmelgebiet, Oesterreich. Litauen, Lurembura chdv Reichsmark, für das llbria« Ausland ä,bl> Reichsmarl pro Monat. Der.Vorwiirts' mit der Sonntags- bei läge»Pol? und Zeit' mit»Sied- lunfl und Kleingarten� sowie der Beilage.Unterhaltung und Wissen' und ffrauenbeilage„slraueitAmms' erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm-Adresse: .Sozialdemokrat Berlin' Morgenausgabe Vevlinev Volksblskt pfleiwiig) Anzeigenpreiie: Die e i n l o a I i i a e Ranpareille. »eile ll> Pfennig. R'-ki-mezeile «,r- Reichsmark..Kleine anzeige.*• di�fettgcdrucktc Wort 20 Pfer-iuo (zunKfio zwei s-ttgedriickte Worte!. fedes weitere Wort 10 PIrnnig. Stellengesuche das erste Wort 10 Pfennig, jedes weitere Wort b Pfennig. Worte lidcr 15 Buch- staben zählen für zwei Worte. ssamilienanzcigen für Abonnenten Zeile 50 Pfennig. Anzeigen fiir die nächst« Runimer müssen bis die bei Höfle gefundenen Tabletten chemisch zu untersuche». Ein anderer Zweck war in dem Schreiben nicht angegeben. Kaum aber war Dr. Kipper im Zimmer des Staatsanwalts, als dieser ihm erklärte: „Jehl sind Sic einmal hier, jetzt dürsen Sie nicht wieder weg,' ehe Sie dos Gutachkcn gemacht haben." Da's wiederholte der Staatsanwalt mit solcher Eindringlichkeit, daß Dr. Kipper beinahe den Eindruck einer Awangsstellung hatte. Ein Justizwachtmeister wurde herbeigerufen und inußte sich sofort an die Schreibmaschine setzen, um das Gutachten aufzunehmen. Leider ließ Dr. Kipper durch das sortgesetzte Drängen des Staatsanwalts, wie er sogt,„sich breitschlagen". Er fertigte das Gutachten— ein chcmisch-toxtkologifches Gutachten!— . ohne im Besitz seiner Auszeichnungen und schriftlichen Unterlagen zu sein, �nifach am da» Kopie! Zu Hause angelangt, entdeckte er denn auch nocy grobe Flüchtigkeitsfehler, die er dem Staatsanwalt telephonisch übermittelte, die dieser aber nicht korrigierte. Aehnlich wie Dr. Kipper erging es nin nächsten Tage Dr. Straßmann. Auch er wurde in einer ganz belanglosen Sache zur Staatsanwaltschaft bestellt, die ihm dann aus dieselbe Weise wie Dr. Kipper ein Gutachten abnötigte! Freilich hatte Dr. Kipper vor- sichtigerweise sein Gutachten als„vorläufiges" bezeichnet. Aber er kam nicht mehr zur Herstellung eines endgültigen Gutachtens, denn bereits zwei Tage später mußte er auf abermaliges Drängen der Staatsanwaltschaft zusammen mit den beiden Aerzten das ge- meinschaftliche„endgültige" Gutachten herstellen, das sich nun als total falsch erwiesen hat. Freilich kann das Drücken und Drängen der Herren Slaats- anwälte— sicherlich der Ausfluß eines brillanten Gewissens!— noch nicht das völlige Fehlgehen des Gutachtens erklären. Dieses ist zum großen Teil auch daraus zurückzuführen, daß sich das Gut- achten auf falschen Tatsachen aufbaut. Eine Hauptfehlerquelle ist der völlig irreführende Bericht des Dr. Thiele an die Sachoer- ständigen, der den schweren Benommenheitszustand Höfles in der Zeit vom II. bis 18. April völlig verschweigt und den ganz- lichen Zusammenbruch vom 18. April wie eine aus heiteren, Himmel getommene Katastrophe darstellt. Aber nicht minder mußte die Sachverständigen die falsche Behauptung des Ober- stoatsanwalts Linde irreführen, die dieser vor dem Unter- suchungsausschuh anfangs wiederholt und erst unter der präzisen Befragung des Sachverständigen. Prof. Lewin endlich preisgegeben hol, wonach der Oberstaatsanwalt Linde am 18. April vormittags Höfle„völlig frisch" angetrosfen haben will. Den drei Gut- achtern war es doch nicht ganz unbekannt geblieben, daß 5iöfle be- reits am 14. April Symptome einer�Luminalvergiftung aufgewiesen hat. Aber da Herr Oberstaatsanwalt Linde immer wieder versicherte, daß Höfle am Bormittag des 18. einen ganz vorzüglichen Eindruck gemacht habe, so nahmen sie an, daß die frühere Vergiftung damals von ihm vollkommen überwunden sei» mußte. Sehr auffällig ist auch folgender Umstand: die Selbstmord- Hypothese schien den drei Gutachtern psychologisch durch die Annahme gerechtfertigt, daß Oberstaatsanwalt Linde bei seinem Besuch am 18. dem Minister Höste die Ablehnung seines Hastentlaslungsantragcs durch die Strafkammer bekanntgegeben und dadurch in diesem Ver- zwciflungsgefühle hervorgerufen hätte. Vor dem Ausschuß Hai Oberstaatsanwalt Linde unter Eid erklärt, daß damals— am 18. April— zwischen ihm und Höfle von der Haftentlassung über- Haupt nicht geredet worden ist. Wie kamen die drei Gutachter zu ihrersalschen Annahme über de» In- halt des Gesprächs?— Leider ließ sich das nicht völlig auf- klären. Dr. Kipper konnte sich gestern nichl mehr genau entsinnen, woher plötzlich im Kollegium die Meinung auftauchte, daß Ober- staatsanwnlt Linde dem Höfle etwas besonders Dcprimirendcs mit- geteilt haben müsse. Er vermutet aber, daß Prof. Straßmami sich in diesem Sinne geäußert habe, als er v o n e i n c r B c s p r e ch u n g mitObcrstaatsanwaltLindekam. � Jedenfalls kann man sich dem Eindruck nicht entziehen, daß den Sachverständigen von vornherein die Annahme eines Selbstmordes suggeriert worden ist, allein schon durch die Art der F r a g c st c l l u n g. Wie wäre es sonst denkbar, daß die Sachverständigen— selbst bei ihrer ersten Ausfassung des Tatbestandes— die Möglichkeit eines Mordes von dritter Hand überhaupt nicht erörterten, sondern unter völliger Ueberschreitung der Grenzen eines medizinischen Gut- achtens durch rein kriminalistische Deduktionen einen Selbstmord herauskonstruierten? Hoffentlich wird diese Frage noch restlos geklärt, man braucht sich ja nur einmal im Kreise derer umzusehen, die ein Interesse daran hatten, de» Tod Höstes als Selbstmord erscheinen zu lassen. Aber wie diese Untersuchung auch ausfallen mag— der Skandal der Stoalsanwaltschast stinkt heute schon gen Himmel. Dieses dem Dr. Küpper ohne Unterlagen abgenötigte Gutachten— man wird an den Dr. Höfle in der Haft abgepreßten Offcnbarungseid erinnert—, sollte dem Justizministerium allein schon Anlaß geben, ge g e n die Urheber dieses Verfahrens mit allen diszipli- »arischen Mitteln einzuschreiten. Konferenz üer Staatsminister. Am Sonnabend treffen die Ministerpräsidenten der deutschen Länder in Berlin ein. Zweck ihrer Zusammenkunft ist die Besprechung der schwebenden außenpolitischen Fragen mit der Reichsregierung. Auch die Einberufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags ist nach Ankündigungen, die im Verlauf der gestrigen Reichtagssitzung gemacht wurden, in den nächsten Tagen zu erwarten.___ Oer devtsch-spanische Verlrag ratifiziert Der Austausch der Ratifikationsurkunden zu dem deutsch-fpanischen Handels- abkommen vom 28. Juli 1924 ist am 21. d. M. in Madrid erfolgt. Vonvärts-Verlag G.m.b.H., öerlin SM. öS, Linüenstr.Z Postscheckkonto: Berlin 37536— Bankkonto: Direktion der Tiskonto-Mesellschast, Deposttenkasse Lindenstrabe 3 Es knistert! Wann kracht es? Am Mittwoch soll nun die erste Lesung der Zoll-- tarifvorlagc beginnen. Nach ihrem Abschluß soll der Entwurf einem Ausschuß überwiesen werden und so recht- zeitig aus ihm zurückkehren, daß er bis zum 18. Juli vcrab- schiedet werden kann. Dies der Plan, an dem nach der Bericht- crstattung eines Teils der Rechtspresse die Reichsregieruna bisher festhält., Indes gehen hinter den Kulissen seltsame Dinge vor. Die„Deutsche Tageszeitung" berichtet von einem Plgn, die Beratung der Zollvorlage bis nach der Sommerpause zu verschieben und führt diesen Plan auf die„Flaumacherei zollgegnerischcr Kreise" zurück. Wer diese zollgegneris6)en Kreise sein sollen, geht aus der Darstellung des Agrarier blatte? nicht hervor: auf keinen Fall trifft es aber zu, daß— wie die Nachtausgabe des„Tag" berichtet— die Sozial- d e m o k na t i e den Vorschlag gemacht oder befürwortet hat, den Reichstag am 4. Juli zu vertagen, um ihn zum Ib. August zwecks Beiatung der Zollvorlage wieder einzubernien. Indes nennt die Nachtausgabe in diesem Zusainmenhang neben der Sozioldcmokiaiie auch das Zentrum, das ja neuerdings im offiziösen Sprachgebrauch als„Regierungspartei" ange- fpiochen wird. Schon das, wie die ganze nicht von vornherein ablehnende Haltung, die der„Tag" gegenüber dem Ber- tagungsplan einnimmt, läßt darauf schließen, daß über die Berabschiedung der Zollvorlage unter den Regierungs- Parteien selbst Meinungsverschiedenheiten bestehen. Der „Täg" bestätigt indirekt diese Auffassung, indem er mit der Absicht zu beruhigen, weiter auseinandersetzt: Im Reichstag sind nalüklich'chon wieder übertriebene Gerüchte über erhebliche Mvinungsizerschiedenheiten zwischen der Rc- gierung und inebesondere dem Z e n t r» rn verbreitet, die sich schvn wieder zu Gerüchten über angebliche Rücktrittsabsichten der Regierung ausgedehnt' haben. In Wirklichkeit haben alle hinter der Regierung stehenden Fraktionen ebenso wie die Regierung selbst das Bestreben, die Zollvorlage so schnell wie in ö g l i ch zu verabschieden. Bei den Meinungsverschiedenheiten über de» geeigneten Zcilpunki für die Verhandlungen des Plenums des Reichstages handelt es sich nur um Zweckmäßigleitssragen. Ganz anders aber wieder klingt cs aus der„K r e u z- z e i t u n g". Dort wird ausgeführt,„daß die Deutsch- nationalen nur in einem losen A e r h ä I t n i s zur Regie- rung stehen und ebenso wie das Zentrum noch immer eine abwartende Haltung einnehmen". Es handle sich bei der Regierung Li-ther eben nicht«m eine regelrechte parlamentarische Koalition, sondern um ein Kabinett, dem auch die Parteien, die es am Leben erhielten, mit mehr oder weniger starrer E n t s ch l u ß f r e i h e i t gegenüberständen. Die Absicht der Deutschnalionalcn, sich nach Enipfangnahme der Zollbeu.e ans dem Regiernnosstanb zu machen und die außenpolitische Verantwortung andern zu überlassen, wird bestritten, zumal die außenpolitischen Fragen noch vollständig in der Schwebe seien. Gleich dahinter wird erklärt: Und innenpolitisch sind sich die Deutschnationalen mit den anderen Parteien, die hinter der Regierung stehen, einig dariiber, daß die begonnen« Arbeit zu Ende geführt und die im Vordergrund der Betrachtung stehende Zollvorlage ahne jegliche V e r s ch e p p u n g erledigt werden muß. Das"ist cinc nicht zu überbietende Häufung von Dunkel- heilen und Widersprüchen! Nach der„Deutscisen Tages- zeitung" sind zollgegnerifche Flaumacher an der Arbeit, um die Zollvorlage zu verschleppen. Nach denr„Tag" sind die Zoll- gegner, Flaumacher und Verschleppungskünstlcr in den Regierungsparteien selbst zu suchen— aber was sind Regierungsparteien? Die„Krcnzzsitung" versichert, daß es Regierungsparteien überhaupt nicht gibt, spricht aber in gleichem Atem van Parteien, die hinter der Regierung stehen": ossenbor„in einem losen Berhältnis". Sie spricht von der„mehr oder weniger starken Entschlußfreiheit" der Regie- rungsparteien, die eigentlich keine sind, und möchte deshalb doch Zentrum und Bolkspartei für die Durch- peitschung der Zollvorlage ohne Acnderung mit in Anspruch nehmen! Dieses Kunterbunter von Pressemeldungen und Kommen- taren läßt nicht gerade ans ein imponierende Einigkeit und Stärke schließen. Es ist in der Tat nur ein Diderspiel der ungeheuren Verwirrung und Ratlosigkeit, die im Regierungslagcr herrscht. Der Verdacht, daß die Deutschnationalen nach Entgegennahme der Zoll-Liebesgabe an den Großgrundbesitz ihre ge- segnete Tätigkeit in der Reichsregierung eiligst zuni Abschluß bringen wollen, ist eben nicht nur in demokratischen und sozial- demokratischen Kreisen vorhanden. Er kann durch die Er- klärungen der„Kreuzzeitung" über das„lose Verhältnis", in dem die Deutschnationalen jetzt— trotz Schiele-Schlie- ben, Reuhaus-Kanitz!— zur Rcichsragierung stehen wollen und über ihre„Entschlußfreiheit" mir noch verstärkt werden. Die Parteien der bürgerlichen Mittel nun die Deutschnationalen nicht gerne, ynd das kann man ihnen nach- fiihlen, aus der Verantwortung entlassen, in dem Augenblick, in dem es außenpolitisch brenzlich zu werden beginnt. Eine sachlich überzeugte R e i ch s t a g s m e h r h e i t für denZolltarifin seinergegenwärtigen Form ist nicht vorhanden. Di« Frage ist, ob der gebundene Agrarschutzzoll den Deutschnationalen als Preis für ihr Per- bleiben in der Regierung gezahlt werden soll, die Frage ist aber auch, ob man von den Deutschnationalen G e g e n l e i- st u n g erwarten darf, wenn der Preis einmal gezahlt ist. Daraus erklärt es sich, daß man auch in der bürgerlichen Mitte keineswegs von dem Gedanken begeistert ist» den Zolltarif jetzt gegen den starken, schlich fundierten Widerstand der Sozia- demvkratie in drei Wochen durchzupeitschen. Man sieht, es ist ein ziemlich grausames Spiel, daß da von beiden Seiten gespielt wird. Unter diesem taktischen Spiel leidet die deutsche Wirtschaft. Aus taktischen Er- wägungen ist die sachlich notwendige Verabschiedung eines neuen Zolltarifs in unverantwortlicher Weise hinausgezögert worden bis zu einem Zeitpunkt, zu dem sie praktisch ohne einen parlamentarischen Gewaltstreich so gut wie unmöglich geworden ist. Indem man dann die gebundenen Agrarschutzzölle hinein- gearbeitet hat, hat man den Zolltarif mit Dingen belastet, die mit dem Zweck der handelspolitischen Verhandlungen nichts .zu tun haben und die wie Sprengpulver wirken müssen, nicht nur in den Volksmassen draußen, sondern auch innerhalb der Regierungsparteien selbst. Oder sollte man glauben, daß die geradezu erpresserischen Methoden, mit denen die Agrarier die Befriedigung ihrer Wünsche in der Regierungs- vorläge durchgesetzt haben, die Drohungen mit dem„l ü cke n- losen Freihandel", wenn der lückenlose Zollschutz nicht gewährt werden sollte, von den Mitgliedern der bürgerlichen Mitte angenehm empfunden worden wären? Da müßten sie keine Menschen sein und Fischblut in den Adern haben! Das alles ist nichts anderes als der moralische Bankerott des Rechtskurses. Nach ihm kann der physische Zu- sammenbruch nicht lange auf sich warten lassen. Je länger er aufgeschoben wird, desto gründlicher muß er werden. Die Deutschnationalen stellen ja längst nicht mehr die Macht im Volke dar, die sie noch bei den Dezemberwahlen darzustellen schienen. Die Grundfesten, auf denen der Bau des neuen Hoch- schutzzolls aufgeführt rverbert soll, sind unterwühlt. Vor Ueberlastung wird gewarnt! Politik und Wirtschaft. Herr Arnold Rechberg, Mitbesitzer der „K r e u z z e i t u n g", bittet uns um Veröffentlichung der folgenden Darlegungen: ..Sehr geehrte Schrifileitung! In der Morgenausgabe des.Vor- niätts" vom 2l. Juni wird die Frage der industriellen Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Frankreich erörtert. Dabei ist auch von mir die Rede. Schon aus diesem Grunde, vor allem aber deshalb, weil die Frage der deutsch-franzöfifchen industriellen Interessengemeinschaft immer mehr in den Vordergrund der Politik tritt, bitte ich einige der Vorgänge und meine Erwägungen darlegen zu dürfen. Zu Anfang des Jahres 1924 hatte ich mit französischen Staatsmännern in Paris auf folgender Basis oerhandelt: 1. Es werden durch Verträge von Staat zu Staat I n t tie f f en g e m ei n f ch a fte n zwischen den deutschen und den französischen Großindustrien getätigt. 2. Frankreich räumt daraufhin das Ruhrgebiet in Jahresfrist, das Rheinland in wesentlich verkürzten Fristen. 3. Deutsch'französisches Bündnis. Das Abkommen war als ein solches oerabredet, das Zug um Iug zu verwirklichen fei. Gegen das Resultat meiner Verhandlungen setzt« aber in Deutschland eine heftige Opposition auch von feiten einiger Kapitäne der Großindustrie ein. Ich habe damals in der deutschen Presse diese Opposition als selbstmörderisch bezeichnet. In der Tat ist in jener Zeit vielfach nicht genügend in Rechnung gestellt worden, daß die Inflation zwar die Konzentration industrieller Sach- werte begünstigt hotte, daß industrielle Unternehmungen aber an sich keinen Wert haben, wenn ihnen auf die Dauer keine ausreichende Das Glück von Gilöenhall. Von Erich Kottgetreu. Rein, man soll auch in dieser entsetzlich reaktionären Zeit, in der geistiges Giftgas greulich die Welt verpestet, den Mut nicht ver- lieren, man soll nicht denken, es ist alles aus. selbst die Jugendbe- wegung hat versagt, die Menschen reden bloß vom Guten, aber sie tun nichts zu seiner Realität, man soll nicht verzweifeln— nicht weil es»unethisch" wäre, nein, einfach weil man nicht zu verzweifeln braucht. Von entgotteter, entseelter Zeit flennen die Pessimisten, vielleicht haben sie recht, aber es gibt noch Flecken, wo die Menschen sich nicht zerhassen uicki zerneiden, wo sie in Sinngemeinfchast arbei- ten. wo sie.gut" sind, obwohl sie von den diesbezüglichen ekstati- ichen Befehlen gewisser Reiter auf jüngster Litera-Tour keine Ahnung haben. Kommt man an einen solchen Flecken, wird intensiver der Glaube an bessere Zukunft... Man steigt in Berlin in den Per- sonenzug, fährt gute zwei Stunden lang nordwärts durch märkische Landschaft, oerläßt in Reu-Ruppin die harte Bank der Ruckelbahn, durchwandert die edelformige Stadt, die der Welt schon Schinkel, Fontane und so an die zwanzigtausend bunter Bilderbogen geschenkt hat, man macht einen herrlichen Spaziergang durch Wiese und Wald — dann ist man plötzlich im Reich von Gildenhall, in den Gefilden der Crdseligen, auf der„Insel der großen Mutter" Strebsamkeit. Kenn ihr Gildenhall? Nein? Es handelt sich um keine Tat der Jugendbewegung, um keine Rotte gottbesessener Schwärmer, um keine Siedlung himmlifchen Geistes und irdischer Instinktlosigkeit voll. Gildenhall stellt dar die Vereinigung mehrerer gleichgesinnter und gleichstrebiger Hand- werker, die auf freiem Grund und Boden frei arbeiten. In ihrer ..Freilandsiedlung" sind sie zweckmäßig organisiert, in ihrer schmucken Kolonie zwischen Alt- und Neu-Ruppin, am Ufer eines breiten Sees, führen sie individuell und doch gemeinschastlich ein tatfrohes Leben; jeder empfängt seiner Arbeit Lohn. Gutfchriften von Lohnstunden ermöglichen, jedes Einzelheim zum Eigentum werden zu lassen, während die Werkstätten im Besitz der Genossenschast verbleiben. Dinge, die aus eigener Not uns mehr oder minder geläufig sind, iührten die IM Genossen von Gildeichall zusammen: der schamlose Bodenwucher des Grundeigentums, die Abscheu vor dem Entmen- schungsprozeß im Zettrieb der Fabriken, der Wunsch nach echtem handwerklichen Schaffen, das die Leistung der Industrie ergänzt, die Sehnsucht nach schöpferischer Tätigkeit. Nicht Kunstgewerbe, son- dern Kunst im Gewerbe überhaupt ist das Ziel. Man kann also wirklich nicht behaupten, daß es sich hier um feig« Weltflucht handelt, macht doch auch Selbsterhaltungstrieb reales, kaufmännisches Denken und Handeln notwendig. Nur, daß das— parteimäßig gesehen— unpolitische Unternehmen eben da- durch nicht pttvatkapitalistisch ist, daß aller Verdienst direkt oder indirekt der Allgemeinheit zugute kommt. Trotzdem trägt man keine Plakote vom„neuen Menschen" in der Welt umher, gibt keine Zeit- schrift heraus, hat keinen Verlag aufgemacht, unterhält keinen Propa- gandachef, man ist überhaupt ganz unpathetisch in Gildenhall. Kor- porative Bescheidenheit ist ja sonst ebenso selten wie persönliche. Gildenhall steht seit l922, der Verein„Freiland" hat's ins Leben gerufen, der Architekt Heyer war Geburtshelfer, der Baumesster Verdienstmöglichkeiten geboten sind, und daß sie im Gegenteil die Finanzen ihrer Inhaber schwer belasten müssen, sobald sie mit Verlust arbeiten. Es ist ferner übersehen worden, daß die Inflation zwar die Konzentration industrieller Sachwerte zur Folge gehabt, daß sie aber gleichzeitig die Kaufkraft des deutschen Volkes und damit die Verdienstmöglichkeiten aller deutschen Industrieunternehmen, soweit sie wesentlich auf den Absatz im Inland eingestellt sind, erheblich verringert hatte. Endlich haben einige der Großkonzerne, welche während der Inflation gewalttge Industriewerte zusammengefügt halten, für eine gleichzeitige und verhältnismäßige Vermehrung ihres flüssigen Kapitals nicht ausreichend Sorge gettagen. Die Kapitalknappheit wurde daher alsbald nach dem Aufhören der Inflation fühlbar und es begann das Drängen nach amerika- nischen Krediten. Dabei hat die deutsche Industrie nicht sogleich erkannt, daß der Weg zum amettkanischen Kredit ganz allein und ausschließlich über den industriellen Zusammenschluß mit Frankreich führen konnte. Solange Deutschland und Frankreich sich nicht tatsächlich einigen— und das ist aus vielen Gründen nur auf der Basis industtteller Interessengemeinschaften möglich, solange wird den Amerikanern das Risiko großer Anleihen an die deutsche Wirtschast doch immer wieder als zu bedenklich erscheinen. Wenn sich dagegen Deutschland und Frankreich industttell zusammenschließen, würden der Wirtschaft beider Staaten, wie mir die Vertreter der amerikanischen Groß- finanz in Patts ausdrücklich versichetten, amerikanische Kredite in weitestgehendem Maße und zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stehen. Die Vertreter der amerikanischen Großfinanz betonten, daß ihr Vertrauen in die Zukunft einer deutsch-französischen industriellen Interessengemeinschaft geradezu unbegrenzt sein werde. Das Bedürfnis nach amerikanischem Kredit, das übttgens in Frankreich ebenso wie in Deutschland gegeben ist, macht an sich schon die deutsch-französische industrielle Interessengemeinschaft neben einer ganzen Reihe weiterer wittschaftlicher Zwangsläufigkeiten,� für beide Staaten unausweichlich notwendig. Diese Zwangsläufigkeiten haben sich als stärker erwiesen wie alle gefühlsmäßigen und politischen Hemmungen, die auf beiden Seiten naturgemäß und durchaus ver- ständlicherweise gegeben waren. Bei allen diesen Fragen handelt es sich keineswegs lediglich um industrielle Vorteile, sondern ganz einfach darum, ob in der nahen Zukunft Hundetttausende von Arbeitern werden feiern müssen, oder ob es möglich sein wird, ihnen mit einer erneuten Entwickelung der deutschen Industrie weiteren Erwerb zu schaffen.. Die Frage der industriellen Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Frank- reich darf daher nicht parteipolitisch angesehen werden und schon deshalb habe ich mich der Parteipolitik grundsätzlich ferngehalten. Indem ich Sie um Veröffentlichung dieser Zuschrift bitte, bin ich mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung ergebenst _ Arnold Rechberg. Muf den Schultern Thälmanns. Ein übereifriger Staatsanwalt. Der„Hessische Dolksfreund" veröffenllichte am Tage der Vereiidigung Hindenburgs eine Kattkatur, die das Verhalten d e r K o m m u n i st« n bei der Präsidentenwahl geißelt«. Es handelt sich um eine künsllerisch nicht gerade glückliche, aber gesetzlich voll- kommen einwandfreie Nachzeichnung des bekannten Bildes„Hinden- bürg auf den Schultern Thälmanns, das auch im„Vorwärts" und in zahlreichen Provinzzeitungen erschien. Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt hat an dem Bilde Anstoß genommen. Sie sieht in der Karikatur eine B«- leidigung des Reichspräsidenten. Man fragt sich er- staunt: wie kommt ausgerechnet der Staatsanwalt von Darmstadt zu dieser Auffassung? Er steht allein auf weiter Flur. Di« Zeichnung wendet sich, wie gesogt, gegen dt« Kommunist«». Sie versinnbildlicht in ironischer Form die guten Dienste, die die K o m m u n i st e n den Rechtsrobikalm bei der Präsidentenwahl geleistet haben. Ohne die Kommunisten wäre Hindenburg nicht gewählt worden. Transportarbeiter Thälmann an der Arbeit! Die Karikatur wendet sich also gar nicht gegen den Reichs- Präsidenten, sie richtet sich gegen die Kommunisten.„Vergeßt nie, daß die Kommunisten Hindenburg zum Sieg« verholfen haben!" stand als Motto auf der vom„Hessischen Volksfreund" gebrachten Wiedergabe der Zeichnung. Ist eine Glossierung der Politik der KPD.-Zentrale«in« Beleidigung? Battning kam als bewährter Pfleger später hinzu, Idealisten mit Ernst, Fleiß und Können haben die Siedlung bezogen und belebt. In Wohnungen und Werkstätten, überall ist es hell, freundlich, luftig, bequem. Alle Erzeugnisse sind materialgerecht, kunstvoll und doch wohltuend unverschnörkelt, gleichgültig, ob es sich dabei hondell um formgerechte Kleider, Wandteppiche, Bastarbetten, um Ton- geformtes, Gstifchlettes, Gedrechseltes, Geschnitztes, Geschmiedetes, Getriebenes: Geschmack und Können sindet man überall, manches erinnert auch an das Bauhaus. Die Aussicht auf den großen stillen See und auf Alt-Ruppin, die träumende Stadt, ist wundervoll. Gildenhall steht, in Gildenhall wird rüstig gebaut, Gildenhall wächst. Eine kleine Handwerksstadt mit großer Zukunft! Nicht Geld, sondern Werk beglückt— heute 120 Menschen, bald vielleicht 500, einmal in weiter Ferne, so hofft man. Tausende. Und das ist dann das Glück von Gildenhall! Italienijche Theaterrevue vorm Mikrophou. Größere Gegensätze sind nicht denkbar: Kurz vor 5 Uhr im wilden Lärmgehäus vom Potsdamer Platz zu stehen, wenige Minuten später im festhellen, stofsrcich abgetönten Radiosenderaum vom Voxhous. Feierlich still ist's da oben, zahllose Schilder, die gebieterisch Ruhe verlangen, ermuntern selbst zum zartesten Geflüster nicht, der Unbc- teiligte wird in einen weichen Polstersessel oersenkt, er wattet, er schaut, er hört, er staunt... Gestern nachmittag wurde der zweite Teil der Serienveran- stattung„Das europäische Drama von heute" gefunkt. Italien war an der Reihe, Dr. Jo Lherman hiett einen ein- leitenden Vortrag: sehr interessant, sehr vielfarbig, aber des den zahl- losen Möglichkeiten zwischen Banalität und Fachsimpelei für den Durchschnillsbörer vielleicht doch etwas zu schwer. Typische Aus- Prägung fand das Wesen d'Annunzios und Mofellis als Bettreter der primär dynamischen und heroischen Richtung, die Eigenatt von dem Dialektiker Pirandello, einer derben Uebersetzung von Oskar Wilde, von Mattini für Komik und Groteske, von Rosso di San Secondo für Romantik und Ueberrealismus, von Mattnetti als Futuristen. Das rote Licht verlöscht, der Zeiger des fellfamen Apparates an der Wand hört auf zu vibrieren. Pause. Jetzt versammeln sich die Schauspieler vorm Mikrophon, einige Requisiten werden herbeigs- schleppt, Chor marschiett hinter einem tonmildernden Vorhang auf, schon leuchtets wieder rot, jetzt„Achtung! Achtung! Sie hören jetzt eine Aufführung von Pirandellos einaktiger Komödie„Der M u f i k a n t"." Das ist eine nette einfache Geschichte eines armen Musikus, der nichts weiter hat hat als eine Flöte und die Erinnerung an und die Hoffnung auf Teressna, die er entdeckte, die er fördette, die er hochzog �— und die sich völlig von ihm weg entwickell hat. Er lebt abwärts, sie nach oben, er haßt, sie versteht nicht: mild ist dos Werk und menschlich— für Pirandello aber, worauf es ankam, kaum restlos typisch. Zum Säiluß wird noch �ine sehr interessante Szene aus dem zeiterfüllten Drama„M a f ch i n e n a n g st' van Ruggero Va- fori gelesen, Hortung will sie auf seiner Bühne im kommenden Winter zur deutschen Uraufführung bringen, dem Utteil der Theater- kritik sei deshalb nicht vorgegriffen. Aber erwähnt muß noch Gewiß, die Allianz zwsschen der KPD.-Zentrak« nnd den Deutschnationalen ist eine sehr enge, wie die Präsidenten- wähl bewiesen hat. Aber daß sie so weit geht, daß deutfchnotionale Staatsanwälte in einem satirischen Angriff auf die KPD. eine Be- leidigung sehen, ist denn doch etwas Neues. Aber der Darmstädter Staatsanwatt sieht in der Karikatur keine Beleidigung der KPD, fondern eine Beleidigung des Reichs- Präsidenten! Eine zeichnettsche Glosse über die Polttik der KPD. — eine Beleidigung des Reichspräsidenten? Bettachtet man die Karikatur unseres hessischen Patteiblattes ein wenig genauer. so entdeckt man, daß dem Zeichner, der das Bild reproduziert hat, die Wiedergabe nicht ganz geglückt ist. Sollte darin der Staats- anwalt in Darmstadt ein« Beleidigung des Reichspräsidenten er- blicken? Das hieße den Sinn der Kattkatur umfälschen, um auf emem gewaltsamen Wege zu einer Beleidigungsklage zu kommen. Staatsanwalt und Republik. „Reiht ih» herunter, den Fetzen der Republik!" Halberstadt. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Vor dem Schöffengettcht in Quedlinburg fand eine Verhandlung gegen den völkischen Fraktionssekretär Fahrenhorst- Berlin statt. Der Angeklagte hatte am 1. Dezember o. I. in einer völkischen Versammlung in Quedlinburg die Arbeiter aufgefordert, sich unter der schwarzweißroten Fahne mit dem Hakenkreuz zu sammeln und ihnen dabei zugerufen:„Reißt ihn herunter, den Aetzeu Republik. Schwarz Rot Mostrich!" Wegen dieser Beschimpfung der Reichs- färben hatte sich Fahrenhorst zu verantworten. Er gab zu, von einem„Fetzen der Republik" gesprochen zu haben, will damit aber nicht die Reichsfahne, sondern das„Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" gemeint haben. Diese Organisation stehe„Gott sei Dank!" noch nicht unter dem Schutze der Gesetze und er werde sie daher auch weiterhin beschimpfen. Es wurde in der Verhandlung nur ein Zeuge ver- nommen, der bestätigte, daß Fahrenhorst sich in der genannten Weise wöttlich geäußett habe. Der Oberstaatsanwalt Kröber- Halber st adt wußte den Angeklagten in seinem Plädoyer so ge- schickt zu verteidigen, daß dos Gericht auf«ine Geldstrafe von 300 Mark erkannte, obwohl nach dem Gesetz zum Schutze der Republik auf Gefängnisstrafe hätte erkannt werden müssen. Der Reichsbannertag in Sreslau. Rathenao» Erzberger, Eberl— der Wille der Republik. Breslau, 22. Juni.(Eigener Drahbettcht.) Der Gautag des Reichsbanner» in Breslau ist zu einer gewaltigen Kundgebung des republikanischen Geistes geworden. Noch nie hatte Breslau so ganz im Zeichen der fchwarzrotgoldenen Fahnen gestanden. Rund 28000 Mann, die dem Iugendnachwuchs angeschlossen, stellten sich in die Reihen unserer Kampforganisation. Die Fahnenweihe in dem Neubau des Breslauer Messehofes hiell der früher« Polizeioberst Genosse S ch ü tz i n g e r, der an die toten Kameraden des Krieges erinnerte und unter stürmischem Beifall das Gelöbnis für die Massen ablegte, nie mehr Landsknechtsdienste auf sich zu nehmen. Dr. Kraneburg, der Sprecher der rcpubli- konischen Zentrumsjugend, gelobte Treue zur Republik. Der demo- kratische Senatspräsident Dr. Großmann nannte R a t h e n a u, Erzberger und E b e r t als die kostbarsten Menschenopfer der drei Patteien für den neuen Staat. Reichstagspräsident Genosse Lobe wies darauf hin, daß Schwarz-Rrot-Gold zehnmal älter ist als Schwarz-Weiß-Rot und daß eine Einigung in der Flaggenfrage niemals durch die Beseitigung der republikanischen Farben hsrgestellt werden könne. Wer zerbrechen wolle, was das Reichsbanner be- wache, riskiere, daß das Volk zerbrochen werde. Auch die Friedens- freunde verehtten ein Heldentum, das Heldentum eines Aunundfen, eines Nansen oder des namenlosen Bergarbeiters, der in der Grube dem gefährdeten Bruder zu Hilfe eile. In dem gewaltigen Zuge der Reichsbonnerleute fiel besonders eine Gruppe von Stahlhelmmützen mit republi- konischer Kokarde auf, es handelt sich um eine nicd«rschlesssche Gruppe, die geschlossen vom Stahlhelm zum Reichsbanner über- gegangen ist. werden, daß hierbei und beim Pirandello Jlka Grüning. Sonja Bogs, Wilhelm Dieterle und vor allem Alfred Braun sich neben anderen als Sprecher von echtem Theater-, Verzeihung: Radioblut zeigten. Und anzufragen wäre: Ist es nicht möglich, diese inter- essante Vortragsreihe im Hinblick auf di« wett höhere Zahl der Hörer in Zukunft abends stattfinden zu lassen? Ergo. Erlebnisse eines Spaziergängers um die Welk.„Ich habe sechs Paar Schuhe auf unserer bisherigen Reife abgetragen, meine Foau aber trägt schon ihr achtes Paar." 2n diese Motte faßte W. 2. l« Roux die bisherigen Ergebnisse seiner Wellwanderung, die er mit seiner Frau unternimmt. Er ist jetzt in London angekommen, nach- dem er 12000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt hat, etwa ein Drittel des Spaziergangs rund um die Welt, den er sich vorgenommen. „Wir marfchietten aus Johannesburg im Dezember 1922 los mit nur ein paar Pfennigen in der Tasche," bettchtet er weiter.„Nie- mand ist vor uns ganz um die Erde gewandett, obwohl es viele oersucht haben. Wir wollen es nun probieren, nicht um einer Wette willen, sondern in der- Absicht, unsere Erfahrungen in einem Buch zu verarbeiten. Wir haben schon 900 Photographien aufgenommen und verdienen uns unseren Unterhalt durch Vorttäge. Hotel- rechnungen können uns nichts anhaben, denn wir führen alles von der Kochpfanne bis zur Zahnbürste in unserem Schubkarren mtt, der uns auf dem ganzen Wege beglettet hat. Die Räder haben fchon noch meiner Berechnung 50 Millionen Umdrehungen gemacht." Das wunderliche Paar, das in wasserdichten Mänteln im Freien schläft, hat schon manche nicht alltägliche Abenteuer durchgemacht. Im Zululand stießen sie auf Schlangen, die einen Umfang von 18 Zoll hatten.„Ich tötete etwa zwei von diesen Tieren jeden Tag, und die Schlangen taten uns nichts. Auch mit den Eingeborenen kamen wir gut aus: sie halfen uns nach besten Kräften. Die Welt» Wanderer haben berechnet, daß sie bisher auf ihrer Reife durch Afttka, Aegypten und Europa bis nach England etwa 13 Millionen Schritte zurückgelegt haben. Sie begeben sich fetzt nach Amerika und dann nach Neuseeland, Australien, Ehina und Japan. Sie hoffen, den gesamten Weg von etwa 40 000 Kilometern in wetteren vier Iahren vollendet zu haben. Zm Renaissance- Theater sindet die Uraussührtwg von.Attas' end- gtiltig beute. 8 Uhr. ttatt. Di« sür Montag, den 22.. gelösten K-tten haben für heute Gültigkeit. Lühuenchrontt. Am heutigen Tag findet ein doppelle« Jubiläum in der .Tribüne' statt. Jakob Tiedtke leiert seinen SO. Geburtstag und der Schwank .Hübsches Mädchen zu verschenken' seine 25. Ausführung. Viktor Varaoivstt. der frühere Leiter deS Berliner LesfingtheaterS, hat vor längerer Zeit schon von dem Theaterkonzern Meinbard-Bernauer di, beiden Berliner Tbeater, daS.KomödienbauS' und das„Theater in der Kömggrätzer Srage' übernommen. Nunmehr hat er vom Direktor Eugen Robert auch die.Tribüne' hinzugepachtet. Au« Ratheuan-Ausstellnug wird am 24.. dem Todestage Rathenau». ' von der Werkfreude- G.m.b.H.. Potsdamer«tr. 104, eröffnet. Sie bringt Schriften von Rathenau und über ihn. Zum Tutendaule» per Lre» lauer Oper wurde Prof. Thür»au au» Wien gewählt. 1 Eine Antwort an Westarp. Gegen die Beschönigung des deutschnationale» Nufwertungsbetrugs. Am 5. Juni gaben wir einem Artikel von Jjerrn Paul Köhler Raum, der sich gegen die Haltung des Grafen Westarp in der Aufwertungsfrage wandte. Herr Köhler erhielt am 3. Juni eine Antwort von Traf Westarp, er bittet uns, seiner Antwort Raum zu geben. Hochverehrter Graf W c st a r p! Sie schrieben mir unterm 9. Juni. Ich bat Sie um eine per- sönliche Rücksprache, die Sie mir aber anscheinend nicht gewähren wollen, so daß ich mich veranlaßt sehe, Ihr gefl. Schreiben heute wie folgt zu beantworten: Die Sozialdemokraten, schrieben Sie, stellen dadurch, daß st« Herrn Best einen Platz im Ausschuß einräumten, lediglich eine plumpe Falle und es liegt im dringendsten Interesse jedes Sparers selbst, sich über die betrügerischen Ab s i ch t e n der Sozialdemokratie aufzuklären. Dazu meine ich. Jjerr Graf: Wer im Glashaus« sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen. Warum sollen die Sparer, denen die Sozialdemokratie von vornherein keiner. lei Versprechungen gemacht hat, die aber in der letzten Zeit zweifelsfreie Betätigungen zugunsten der Sparer ge- zeigt hat, dieser Partei weniger Harmlosigkeit entgegenbringen, als sie es mit der Deutschnationalen vielversprechenden Partei leider getan haben? Es ist nicht einzusehen, nachdem die Deutschnationolen in vermeintlicher Wahrung eines höheren Staatsinteresies zum Schoden der Gläubiger umgelernt haben, warum es der Sozialdemokratie als Betrug auszulegen sei, wenn sie, die überhaupt nichts versprochen hat, ihr Herz für die brutal enterbten Sparer, für dieses neugeschaffene Proletariat entdeckte und Pflicht- bewußt die Stellung heute einnimmt, die ihren Versprechungen gemäß den Deutschnationalen eigentlich in der Sparerbewegung zu- kommt. Was nun als höheres S t a a t s i n t e r e s f e für die Zer- tretung der Gläubigerinteresien zugunsten zahlungsfähiger Schuldner, zahlungsfähiger Länder und Kommunen ins Gefecht geführt wird, ist ein Axiom, d. h. etwas, was nicht erst bewiesen werden braucht. Gerade in der Aufstellung dieses Axioms zeigt sichdieganzeHof. fahrt der Aufwertungsgegner. Sie glauben nämlich. nicht beweisen zu brauchen, wo» sie eben nicht beweisen können. Run, Hochmut kam immer noch vor dem Falle und Untreue schlug noch immer seinen eigenen Herrn. Ihre Partei, Herr Graf, ist dabei, ein nach Millionen zählendes Proletariat zu schaffen. Bei den nächsten Wahlen wird diese» seine Quittung überreichen. Ich habe, um zu beobachten, sämtliche von der Sozialdemokratie einberufenen Spargläubigerversammlungen in der letzten Zeit be- sucht. Der Reichstagsabgeordnete Keil sprach keineswegs dema- gogisch und gerade seine sachlichen, mit Beweisen belegten Ausfüh- rungen waren es. die ihm die Herzen des neuen Proletariats zu- trugen. Anwesend« Ortsgruppenleiter der Sparerverbände sagten mir, daß das Versammlungspublikum nicht das üblich« sozialdemo- k ratisch eingeschworen« sei, sondern ihnen persönlich bekannte Sparer, die das letztcmal fast durchweg deutschnational gewählt hätten. Ich hatte Gelegenheit, an den Ausgängen zu beobachten, wie sich Hun- derte von Anwesenden an den Ausgängen in die aufgelegten Listen eintrugen und sich somit zur Sozialdemokratischen Partei«intrugen. Wo» wird nun erst geschehen, wenn wir die Namen der» jeuigen Lufwertungsgegner veröffentlichen werden, über deren und derer Verwandten Vermögensstand wir uns gegenwärtig Aufklärung zu beschaffen im Begriff« sind und denen wir dann die direkt« Interessiertheit an dieser erbärmliche» Aufwertung der private» Forderungen nachweisen werden?! Wie erkläre» Sie mir übrigen», Herr Graf, den Umstand, daß ich Industrieobligationen grundverschiedener Prooinenz, die ich den Obligationsschuldnern mit— 20 Proz. zum Kauf angeboten habe. zu dieser Forderung unter Zusicherung der verlangten Diskretion ver- kaufen konnte? Di« ISproz. Aufwertung— den Bluff der darüber hinausgehenden Genußscheine erwähne ich gar nicht erst— rechnet sich doch noch nicht auf 12 Proz. um. Ich erhöh« meine Forderungen heute auf 2S und 30 Proz, und werde meinen Preis bekommen. Die Deutschnotionale Volkspartei, mag sie mit ihren Beschäm- gungen bis in die kleinsten Provinzblätter flüchten, der Sparer. verband dringt gegenwärtig mit seinen Organisationen bis in die kleinsten Dörfer vor und wird dafür sorgen, daß ihr niemand mehr glaubt. Es tut mir herzlich leid um mein« einstige Liebe, aber sie trägt da» Bankert des Kompromisse« unter ihrem Herzen. Genehmigen Sie, Herr Graf, den Ausdruck meiner vollkommen- sten Hochachtung. 20. Juni. Paul Köhler. Hypothekengläubiger, und Sporerfchutzverband für das Deutsche Reich (Sparerbund). Sitz Berlin W. 66. Ortsgruppe Eharlottenburg. Das Reichswehrunglück bei Veltheim. Begiu« des Prozesses gegen Oberleutnant Jordan. Aliaden, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Bor dem erwei. rerten Schöffengericht begann die Verhandlung gegen den Oberleutnant Jordan vom Pionier-Bataillon 6, der am 81. März d. I. das große Manöverunglück der Reichs- wehr bei dem Uebergang über die Weser nahe Veltheim durch Fahrlässigkeit verschuldet haben soll. Die Fähr« war mit 161 Mann desetzt, während nach Ansicht der Sachverständigen im Höchstsalle 1Z5 Mann auf ihr untergebracht werden tonnten. Außer den 161 Mann wollte Jordan noch eine weiter« Kompagnie aus der Fähre übersetzen. Das scheiterte jedoch an dem Wider- st and des Kompagniesübrers I s« r m a n n. Die Vernehmung d«s Angeklagten beginnt mit der Feststellung seiner Personalien. Jordan wurde 191« Offizier und 1317 zum Oberleutnant befördert. Neben anderen Krissauszeich. nungen besitzt er das Eiserne Kreuz erster und zv>eiter Klasse. Jordan gibt dann eine Darstellung der Maßnahmen, die er zur Au». sührung de» lleberganges über die Weser getroffen hat. Der Bau der Fähre war morgens um 4 Uhr 30 Minuten beendet. Der Angeklagte überzeugt« sich, daß die Schnüre richtig be. f e st i g i waren. Um 7 Uhr war die fliegende Brücke gebrauchs- fertig. Durch die Uebersetzung eines Automobils auf ihr wurde die Tragfähigkeit geprüft. An der e r ft e n U e b e r s e tz u n g nahmen 40 Personen, auch Zivilisten teil, Ute mitzunehmen der Angeklagte ' sich für verpflichtet hielt, da durch die militärischen Maßnahmen der regelmäßige Fährbetrieb stillgelegt war. Nach seiner Auffassung war die nach den militärischen Perordnungen über den Brücken- bau hergestellt« Fähre groß genug, um 200 Mann über. zusetzen. Da er nur 170 Mann mitnahm, sei also die auf 4 Pontons ruhende Föhre nicht überlastet gewesen. Die Fähre hätte im Gegen- teil noch mehr belastet werden können, solange die Scheuer- leisten frei waren. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob die Verteilung der Leute auf der Fähre nicht ungleichmäßig war, erwiderte der Angeklagte, daß er dieses Empfinden nicht gehabt habe. Als das Fahrzeug zehn Meter vom Ufer war. kam dem Angeklagten die Gier. stellung etwas scharf vor. er habe sich daraufhin nochmals oo» der Lage der Fähre überzeugt und sie aufrichten lassen. Als zwei Drittel der Fahrstrecke zurückgelegt waren, sei der Ruf erschollen:„Wasser im Ponton!' Die Ereignisse spielten sich dann sehr schnell ab. Der Angeklagte siel bei dem Unglück selbst ins Wasser und gab nach seiner Rettung sofort den Befehl, das Giertau zu kappen. Die Fähre trieb 400 bis 500 Meter ob. Es wurden ihr sofort Rettungspontons nächgeschickt, von denen eins än die Fähre anlangte. In diesem Augenblick sei ein großes Gedränge auf der Fähre entstanden. Die Leute hätten sich in den Ponton gestürzt, der dann umschlug und versackte. Auf die Frage des Vorsitzenden, welche Maßnahmen der Angeklagte schon vorher getroffen hatte, erwiderte er, daß ein R e t t u n g s- b o o t nach der Beltheimer Seite eingeteilt war und am Ufer Hilfsmittel bereitgestellt waren. Einen Ponton im Schlepptau der Fähre mitzuführen habe er nach den Vorschriften nicht für unbedingt erforderlich gehalten. Auch bei anderen Uebungen, die er früher mitgemacht habe, sei das nicht üblich gewesen. Don Staatsanwaltschoftsrat Dr. Spranken befragt, ob er bei der Be- lastung der Fähre etwaige Gefahrenmomente in Rechnung gestellt habe, erwiderte Jordan, daß bei 30 Zentimeter Freibordhöhe be- sondere Gefahren nicht vorlägen. Sein Entschluß, die Fähre so stark zu belasten, sei in derselben Weise zu jeder anderen Zeit auch erfolgt und nicht dadurch herbeigeführt worden, daß die Infanterie zu spät am Uebersetzungsplatz eintraf. Für die Besetzung der Fähre mit Rettungsmannschaften seien ausschließlich erfahren« und tüchtige Leute ausgesucht worden.— Es wird dann in die Ver- nehmung der 70 geladenen Zeugen«ingetreten. Die Erbschaftssteuer. Der unzulängliche RegierungSentwurf angenommen. Der Steuerausschuß des Reichstages setzte am Montag die Beratung der Erbschastssteueroorlage fori. Alle Versuche der Sozial- demokraten, den RegierungSentwurf zu verbessern, scheiterten an der ablehnenden Halwng der bürgerlichen Parteien. Die Entscheidung über die Höhe des Tarifs wurde auf Verlangen des Zentrums bis zur zweiten Lesung ausgesetzt, doch ist die Aussicht gering, daß das zur Erhöhung der Tarifsätze führen wird. Di« Schonung der Besitzenden trat besonders deutlich hervor bei der Frage der Besteuerung des Hausrats und bei den Bestimmungen über Stundungen. Nach der Regierungsvorlage soll der Hausrat bei der Steuerklasse 1(Ehegatten und Kinder) und bei der Steuerklasse 2(Enkel) st e u e r f r« i bleiben und bei den übrigen Klassen aber nur 5000 Mk. steuerfrei sein. Ein kommunistischer An- trag will, daß auch in den Klassen 1 und 2 die Steuerfreiheit für den Hausrat nur bis 15 000 Mk. gewährt wird. Gegen diesen Antrag wandten sich alle bürgerlichen Redner, ebenfalls die Reichsregierung. Staatssekretär Dr. Popitz weist die Besteuerung des Hausrats, auch des allergrößten bei den leistungsfähigsten Steuerpflichtigen, weit von sich, weil es nicht angehe,„daß die Steuerbehörden in den intimen Verhältnissen des Steuerpflichtigen herumschnüffeln'. Abg. Ströbel erwiderte darauf, daß das der Schiebung Tür und Tor öffne und außerdem die leistungsfähigsten Steuer- Pflichtigen ungleich besser stell« als alle übrigen. Di« Beschlußfassung wurde bis zur zweiten Lesung ausgesetzt, im übrigen die Erbschastssteueroorlage unverändert angenommen. Die Mecklenburger Tscheka. Strafanträge im Kommunisteuprozess. Leipzig. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht. Im Mecklenburger Tscheka-Prozeß beantragte der Reichkanwalt am Montag fol- gende Strafanträge: Gegen Zeutsch«! wegen Mordes die Todesstrafe, gegen den Landtagsabgeordneten Schmitt wegen Sei- Hilfe zum Hochverrat 4 Jahre Zuchthaus, gegen Warnke und gegen Winkel wegen Beihilfe zum Hochverrat je 4 Jahre Zuchthaus und 500 Mark Geldstrafe. polizei-?aternationale. Jranzösisch-antibolschewistischer Vorschlag. Pari». 22. Juni.(MTB.) Wie.Figaro' mitteilt, hat der Leiter der französischen Sicherheitspolizei angesichts der Ausdeh- nung der bolschewistischen Propaganda auf Ersuchen des Außen- und des Innenministeriums die Schassung einer Art„Interna. tionalen Polizeigürtels' entworfen. Dieser Plan sei an- genommen worden, und all« europäischen Polizeibehörden, sowie diejenigen Chinas und Japans würden zur Durchführung dieses internationalen Polizeigürtels zusammenarbeiten. Defaitisteuderfolgung. pari». 22. Juni.(WTB.) Die polizeilichen Nachforschungen wegen des in der„Humonite" kürzlich veröffentlichten Brieses des Chefs des Zioilkabinetts, des Marschall» L y a u t e y, der nicht in die Hände des Empfängers gelangt sein soll, haben gestern zum Verhör des tommunistilchen Abg. D o ri ot geführt, der er- klärte, das Original d's Brisfes befinde sich noch in seinen Händen. Der Brief sei ihm in einem unfrankierten llmschlag, an die„Humanitc" adressiert, zugestellt worden: die Adresse sei mit Blaustift geschrieben. Bezüglich der bei einer Haussuchung in seiner Wohnung beschlagnahmten Dokumente lehnte der Abgeordnete es ob. anzugeben, von wem er sie habe. Unter diesen Dokumenten befindet sich, wie die..Humamte" mitteilt,«in von General C o l o m- b a t unterzeichnetes Telegramm, in dem empfohlen wird, die an der Arbeit befindlichen R i s l« u t« durch Flugzeuge b o m. bordieren zu lassen. Ein zweites Telegramm, unterzeichnet Ferand, schreibe vor, weder das Alter noch das Geschlecht der dem Bombardement zum Opfer gefallenen Zivilpersonen zu er- wähnen. Im übrigen hat. wie„Quotidien" mitteilt, die Polizei in Aldi und in Lyon bei kommunistischen Agitatoren Haussuchungen vorgenommen, die zur Beschlagnahme von Dokumenten geführt haben sollen. Nach einer TU.-Mcldung sollen die Abgg. D o r i o t und M a r t y(Komm.) wegen Hochverrat und Spionage verfolgt werden. Dazu müßte die Kammer sie erst ausliefern. Parteitagsovation für üen MorÜgeneral. Sforza setzt sich zur Wehr. Rom. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Di« Verhandlungen des am Sonntag begonnenen faschistischen Parteitages wurden am Montag bereits zu Ende geführt. Mussolini be- zeichnete in Form eines Zwischenrufes das Programm de» Fajchis- mus als Schutz der Arbeit.(!) Die Tagung war durch O v a- tionen für de Bonv und schärssten Angriffen gegen Graf Sforza gekennzeichnet. Die Tagesordnung wurde«instimmig an- genommen. Graf Sforza richtete eine Interpellation an den Senat, in der er heftige Angriffe gegen Mussolini erhebt und vom Außenminister bestimmte Erklärungen fordert. Gleichzeitig hat Sforza durch die Agencia Stefoni Mitteilungen on die Press« ver- Lfsentlicht, in denen er gegen Mussolinis Beschimpfungen p r o t e st i e r t. Eine Anklage wegen JreiheitSberaubnng. Rom. 22. Juni.(WTB.) Der Untersuchunzsvichter beschloß, den früheren Pressechef im Ministerium de» Inner» R o s s i sowie den früheren Herausgeber des„Nuovo Paes«", Carlo B a z Z i, so- wie den des Mordes an Matteotti beschuldigten Du mini vor Ge- richt zu stellen, weil sie den früheren republikanischen Abgeordneten Nazzolani. ihren politischen Gegner, mehrere Stunden der Freiheit beraubt haben sollen. Noch keine Klärung in Frankreich. Entscheidung wahrscheinlich erst Eude der Woche. Paris, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Trotz der Spannung. mit der man in den politischen Kreisen der für Dienstag angekürcküg- ten Marokkodcbatte in der Kammer entgegensieht, ist es»och keineswegs sicher, ob die erwartete Klärung der inner- politischen Situation eintreten wird. Aus Grund der Resolution Eomperc-Morels, die nach dem von den Sozialisten veranstalteten Referendum voraussichtlich die Mehrheit erhalten wird, werden die Mitglieder der sozialistischen Fraktion ihre Halwng von den bestimmten Erklärungen Painleves abhängig machen, d. h. sie werden bei der Abstimmung über die Vertrauens- frage für das Ministerium stimmen, wenn dessen Erklärungen der sozialistischen Forderung, dem Blutvergießen in Marokko durch einen raschen Friedensschluß sobald wie möglich ein Ende zu machen, entspricht: der Regierung das Dertrauen jedoch versagen, wenn ihrem Verlangen nicht entsprochen werden sollte. Es dars in diesem Zusammenhang daraus hingewiesen werden, daß die Er- klärungen, mit denen B r i a n d am letzten Freitag die sofortige Beantworwng der kommunistischen Interpellation abgelehnt hat, den sozialistischen Wünschen nicht unbeträchtliche Konzessionen gemacht hoben und es scheint deshalb keineswegs ausgeschlossen, daß, wenn Painlevä auf diesem Wege noch einen Schritt weitergehen würde, die sozialistische Fraktion schließlich f ü r dos Ministerium stimmen wird. Die entscheidende Auseinandersetzung zwischen der Regierung und der Mehrheit dürfte dann wahrscheinlich gegen Ende dieser Woche anläßlich der Finanzdebatten erfolgen, und zwar entweder im Zusammenhang mit dem von der Regierung geforderten provi- sorischen Budgetzwölftel für Juli oder aber im Anschluß»n die jüngsten Beschlüsse der Budgetkommission der Kammer, die eine sehr scharfe Desavouierung Caillaux' darstellen. Die Stimmung in der sozialistischen Partei. Paris, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die gegen das Ministerium Painlevö gerichteten Kundgebungen der sozialistischeit Vereinigungen in der Provinz dauern fort. So hat neuerdings der Bezirksvorstand der Departements Bar, Gironde und Haute- G a r o n n e dem Parteivorftand mitgeteilt, daß sämtliche ihnen angeschlossene Vereine sich gegen die Fortsetzung der Unter st ützungspolitit gegenüber dem Ministerium Pein- leoö ausgesprochen haben. Diese Kundgebungen sind insofern bemerkenswert, als es sich gerade um drei Departements handelt, deren sozialistischen Führer zum rechten Flügel der Partei zählen und bisher gegen«inen schroffen Bruch mit der Regierungg eingetreten sind:: in vor(Tou- lon) ist R en a u d e l Abgeordneter, in der Gironde(Bordeaux) M a r q u« t und in der Haute- Garonn«(Toulouse) Vincent» A u r i« l. Denn sogar in diesen drei Bezirksverbänden die Stim- r inung gegen die Fortsetzung der Nnterstützungspolitik überwiegt, dann dürste die Gesomtpartei kaum länger Poinlevä unterstützen könne». Poris, 22. Juni.(TU.) Die Abstimmung unter den Sozialisten sst heute abend abgeschlossen worden. Das vollständig« Ergebnis ist noch nicht bekannt, da noch 40 Stimmen ausstehen. Auf den Antrag Eompcre-Morel gegen die Unterstützung des Kabinetts entfielen bisher 40, auf die Resolution R e n a u d« l für zeitweilige Unterstützung 35 und auf den Antrag A u r I o l für weitere Unterstützung 11 Stimmen. In sozialistischen Kreisen wird großer Wert auf die Feststellung gelegt, daß der Austritt aus dem Kartell nicht.mit fortgesetzter Opposition gegen das Ka- binett gleichbedeutend sei und lediglich bedeute, daß die Partei ihre Handlungsfreiheit zurücknimmt. Wie man ausdrücklich hinzufügt, ist est,« gelegentliche Unterstützung des Kabinetts nicht ausgeschlossen. In der morgigen Kammerdebatte, der man mit großer Spannung entgegensieht, wird es sich zeigen, welche Taktik die Sozialisten einzuschlagen gedenken. der öeutsch-franzö'sische tzanöelsvertrag. Vertagung der Verhandlungen. Pari». 22. Juni.(Eigener Trahtbericht.) Die für Montag nachmittag in Aussicht genommene Plenarsitzung der beiden HandelSvertragSdelegationen ist in letzter Stunde wieder abgesagt worden, da die Größe der noch immer bestehenden Differenzen die Aussicht auf eine Einigung sehr gering erscheinen lassen. Die beiden DelegationSvorsitzenden haben für den späten Abend eine neue Zuiammenkunst vereinbart. Es scheint f a st u n m ö g l i ch, vor der Vertagung deS französischen Parlaments noch zu einer Verständigung zu gelangen. Sozialistischer Sieg in Luzern» Genf. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurde in Luzern der sozialistische Kandidat W e i v e l mit 2400 gegeu 1600 Stimmen des konjeroatioen zum Präsidenten des Kanton- g e r i ch t s gewählt. die Eaglänöer wunüern sich. Dar einigen Tagen besuchten eine Anzahl konservativer eng- lischer Parlamentarier nach einer Reise durch Polen auch die Freie Stadt Danzig. Der Danziger deutschnational« Senat zeigte seinen Gästen die alten und neuen Kunstdenkmäler der bo- rühmten Weichselstadt. Auch der Technischen Hochschul« wurde ein Besuch abgestattet, wobei die Engländer auf Vorschlag eines Danziger Hochfchulprofessors auch den in der Hochschule befindlichen großen Lichthof besichtigten. Hierbei passiert« den Dan- ziger Deutschnationolen nun das Mißgeschick, daß die englischen Gäste in einer Ecke große Haufen von Stahlhelmen fanden, die den reaktionären Stude'.Uenkoinpagnien gehörten. Da» Er- staunen der Engländer über diesen Fund war außerordentlich groß, da man in den Stahlhelmen eine Kriegsausrüstung sah, die nichts mit Hochschulstudiut» zu tun hat. Noch größer war die Verlegen- hcit der deutschnationalen Hochschulprofessoren, die ihre Ungeschick- lichkeit gegenüber den Gästen damit zu bemänteln suchten, daß sie ihnen erzählten, die Stahlhelme lagerten dort aus der Revolutions- zeit und ihre Ablieferung sei nur vergessen worden. Der englische Besuch bereitete den Danziger Deutschnattonale» noch eine weitere Blamage. Mit besonderem Stolz zeigten die Hoch- schulprofessoren ihren englischen Gästen ein Kriegerdenkmal für die gefallenen Studenten. Der Führer der englischen Besucher, ein englischer Werftbesitzer, gab seiner Verwunderung über die vielen deutschen Kriegerdenkmäler Ausdruck.„In England gibt e« « i n Nationaldenkmal, das Grabmal für den unbekannten Soldaten. Sonst hat man ober dort dein Andenken der gefallenen Krieger keine überfsüssigen Denkmäler gewidmt, sondern Erziehungskeim« für die Kriegerwaisen und Genesungsheim« sür die Kriegskrüppel. Iit Dsutichlond und Danzig aber sindet man dafür i» Städte» von der Größe Danzigs mindestens«in halbes Dutzend Ktieoerdenkmäler. Das läßt zum mindesten die Schlußfolgeru»! zu.',cß es mit der Finanznot bei ihnen nicht so arg bestellt sei» kam. Wir haben sür derlei Zwecke kein Geld übrig!' Beschäm' schwiegen die teutschen Professoren und Senatoren. Eine Wendung im Holzarbeitertampf. Die Unternehmer ersuchen um Verhandlungen. Der Arbciigcberverband der Holzindustrie, der am 13. 3uni die »Generalausiperrung der Holzarbeiter Deutsch- l a a d s" verfügte und damit einen schweren Reinsall erlitt, Hot gestern an das Reichsarbeitsministerium das dringende Ersuchen gerichtet. Einigungsverhondlungen herbeizuführen. Der Reichsorbeilsminister hat diesem Ersuchen sofort entsprochen und die Parteien zu Rlittwoch zu einer ztfnächst unverbindlichen Aussprache geladen. Man wird abwarten müssen, was diese Aussprache ergibt. Nach' unserer ziemlich genauen Kenntnis der Dinge ist dem Arbeitgeber- verband von seinen eigenen Bezirksverbänden wiederHoll >der Vorwurf gemacht worden, daß er zur Aussperrung in leicht- fertiger und überstürzter Weise geschritten ist, ohne die Verhandlungsmöglichkeiten zu erschöpfen. Denn dazu gehört nicht allein, das; man ernsthaft zu verhandeln sucht, was der Arbeit- gebervcrband niemals getan hat, sondern daß man beim Scheitern dieser eventuellen Vcrhandlungcrr den Reichsschlichter anruft und mit Hilfe seiner Vermittlung eine friedliche Beilegung des Kon- flikts versucht. Denn dazu find schließlich die Schlichtungsinstanzen geschaffen worden. Wie auch ein Lohnkampf ausgehen mag, die wirtschaftlichen Schäden sind so schwere, insbesondere in der gegenwärtigen Zeit für die Unternehmer, daß man zur Vermeidung dieser Schäden alles oersuchen und selbst auch Konzessionen machen muß, über das Maß hinaus, das man sich vorher gesteckt hat. Das ist eine einfache Erfahrung, die die Taktik der Gewerkschaften stets beeinflußt hat. Aber die Herren im Arbeitgeberoerband der Holzindustrie scheinen betreffs Takti.k bei Lohnkämpfen noch Wickelkinder zu fein. Wenn man berücksichtigt, daß sie vorher die Aussperrung von 130 000 Holzarbeitern großspurig angekündigt hatten, während in Wirklichkeit nur ein Fünftel dieser Zahl ausgesperrt ist. und nur ein Drittel der Holzarbeiter, die bei den Mitgliedern des Arbeitgeber- Verbandes beschäftigt sind, dann kann man sich eine ungefähre Vor- stellung von den organisatorischen Fähigkeiten der Zastrow und Ge- nassen machen. Man kann sich heute die Frage vorlegen, ob dieses Ersuchen um Verhandlungen nicht schon zu spät kommt. Was steht tatsäch- lich nock; hinter dem Arbeitgeberoerband der Holzindustrie Deutsch- lands? Abgesehen davon, daß der Arbeitgcbervcrband der holz- industrie bisher überhaupt nicht Vertragskontrahent ist, sondern nur die bezirklichen. U Uterorganisationen Verträge mit dem Deutschen holzarbeiterverband abgeschlossen haben, muß der Verlauf der Aussperrung starke Zweifel in die Machtbefugnisse des Arbeitgeberoerbandcs aufkommen lassen. Es ist freilich durchaus möglich, daß der Arbeitgeberverband, um sich seinen Bezirksverbänden gegeiüiber zu saloieren, um Der- Handlungen nachgesucht hat, ohne ernsthast an eine Einigung zu denken. Aber selbst, wenn dieses Gesuch um Verhandlungen genau so Bluff sein sollte/ wie es die Aussperrung war, so wird das den Arbeitgebervcrband vor der verdienten Niederlage nicht retten. Wenn der Arbeitgeberverband jetzt endlich da aufhört, wo er hätte anfangen müssen, nämlich zu ve r h a n d e l n, so wird er vielleicht gut tun, die Aussperrung überhaupt aufzuheben. Es Ist durchaus wahrscheinlich, daß diese Verhandlungen am Mill- woch zu keinem positiven Resultat führen und daß die eigentlichen Verhandlungen, die zwischen den Vertragskontrahenten dann not- wendigerweise stattfinden müssen, längere Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin könnte aber sehr wohl die ganze Aussperrung auch ohne Anordnung des Arbeitgeberverbandes von selbst beendet sein... Nach den uns vorliegenden Meldungen bröckelt es weiter im Unternehmerlager ab. So ist u. a. auch in Frankenberg in Sachsen die Aussperrung von den Unternehmern aufgehoben worden. Aehnliche Meldungen liegen von vereinzellen Betrieben aus dem Reiche vor. Viele Unternehmer ziehen es vor, lieber die Kon- ventionalstrafe zu zahlen, als auszusperren. Der Verlauf der ganzen Aussperrung zeigt jedenfalls, daß die Scharfmacher im Unternehmerlager in ganz frivoler Weise zur Aussperrung ge- griffen haben, ohne sich auch nur ihrer Truppen sicher zu sein. Dresden. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Heute fanden auf Veranlassung des Schlichters zwischen den Parteien in der Holzin- dusirie Verhandlungen zwecks Beilegung der Aussperrung statt. Die Unternehmer erklärten, daß sie das Reichsarbeitsministerium um Herbeiführung zentraler Verhandlungen ersucht hätte». Diese Er- klärung veraillaßte den Schlichter, die Einigungsverhondlungen, zu vertagen. was geht bei öer Reichsbahn vor! Bon besonderer Seite wird uns geschrieben: Bei der Hauptverwallung der Reichsbahn bereiten sich Dinge vor, auf die die Gewerkschaften ein wachsames Auge werden werfen müssen. Wie verlautet, trägt sich der Ministerialdirektor H i tz l e r mit dem Gedanken, seine Stellung bei der Hauptverwaltung der Reichsbahn auszugeben, weil er, wie behauptet wird, den jetzigen schwerindustriellen Kurs bei der Behandlung des Personals nicht mehr glaubt mitmachen zu können. Interessant wird die Frage erst, wenn man die Frage der Nachfolgerschaft ventiliert. Aus- gerechnet mif diesen Posten, der eine starke Dosis sozialen Empfindens voraussetzt, wollen die Herren v. Siemens und Kon. sorten, unter deren Fuchtel die Hauptverwaltung seufzt, den Herrn bringen, der bisher die juristische Begründung für die Rechtlos- machung des Personals geliefert hat, den Abbaukommissar der Reichsbahn Geheimrat Roser. Wird berücksichtigt, daß auf diesen Mann die Brotlosmachung der Werkstättenarbeiter zurückzuführen ist. der auch für den an dieser Stelle oft behandelten brutalen Abbau der Beamtenschaft verantwortlich sst, dann weiß man, wo der Kurs hinziev. Es dürfte bekannt sein, daß man zirka 30 000 Beamte ins Arbeiterverhältnis überführen will, wobei man über deren verfassungsmäßig gewährleisteten Rechte mit einem Achselzucken hinweggeht. Diese Rllckübersührung bedeutet natürlich die rücksichtlose Entlassung ebensovieler Arbeiter. Außerdem trägt man sich mit der Absicht, in absehbarer Zeit nochmals 23 000 Beamte abzubauen, sobald der Reise- verkehr erledigt ist. Es ist endlich an der Zeit, daß das Personal diese Dinge mit allem gebotenen Ernst betrachtet und die Organisationsstreitigkciten überwindet, dafür aber mit voller Kraft sich den scharfmacherischen Tendenzen der Hauptverwaltung entgegenstemmt. Unbezahlte Ueberstunden beim Reichslandbund. Den Angestellten der Erzeugnisabtellung(Vertrieb landwirt- schaftlicher Produkte) des Reichslandbundes wurde im Oktober v. I. durch Rundschreiben mitgeteilt, die Direktion erwarte von ihnen, daß sie in der Zell des flotten Geschäftsganges notwendige Ueberstunden ohne Bezahlung leisten-, sie könnten auch darauf rechnen, daß sie in der stillen Zeit nicht entlassen werden. Wer für diese„im beiderseitigen Interesse" liegende Regelung kein Verständnis habe, für den sei kein Platz im Hause des Reichsland- bundes. Dieser Wink mii dem Zaunpfahl, sowie die Aussicht auf Be- schäftigung in der stillen Zeit veranlaßtc die Angestellten, unbezahlte Ueberstunden in größerer Zahl zu leisten, obwohl der Haustoris «in« Ueberstundenbezahlung ausdrücklich festsetzt. Doch die von der Direktion verheißene„Gegenleistung" in Gestalt von Beschäftigung während der stillen Zell, blieb für einen Teil der Angestellten aus. Diese wurden zu Ende Juni gekündigt. Nun klagten sie beim Kauftnannsgericht auf nachträgliche Bezahlung der Ueberstunden. Der Vertreter Les Reichslandbundes wollte das Recht der Kläger auf Ueberstundenbezahlung nicht anerkennen, denn, sagte er, die Kläger könnten sich nicht auf den Tarifvertrag berufen, denn sie hätten durch widerspruchslose Kenntnisnahme dos Rundschreibens ein neues Abkommen mit der Direktion ge- schlössen, wonach sie sich zur unentgeltlichen Ueberstundenleistung ver- pflichtet hätten. Ihr Einverständnis mit diesem Abko-inmen hätten sie auch dadurch bekundet, daß sie bei den Gehaltszahlungen keine Forderung für die Ueberstunden geltend gemacht hätten. Uebrigens seien nach dem Tarif nur die von der D i r e k t i o n an- geordneten Ueberstunden zu bezahlen. Die Kläger hätten aber von s i ch a u s ohne Anordnung der Direktion Ueberstunden gemacht. Das Gericht erkannte den Anspruch der Kläger auf Be- Zahlung der geleisteten Ueberstunden grundsätzlich an, weil die Kläger auf Grund des Rundschreibens zu der Annahme berechtigt gewesen seien, es würden keine Kündigungen erfolgen. Nur unter dieser Voraussetzung hätten sie aus Zahlung der Ueberstunden ver- zichtet. Sic würden sicher Zahlung gefordert haben, wenn sie gewußt hätten, daß ihr Abbau in Aussicht stehe. Aus der Nichtgeltendmachung der Forderung am Fälligkeitstermin könne den Klägern kein Nachteil erwachsen. Ver Tarifvertrag mache die Zahlung der Ueberstunden aus einer Anordnuna der Direktion abhängig. Eine solche An- Ordnung sei durch da s R undschrciben der Direktion erfolgt. Im übrigen ist es bezeichnend für die Agrarier, daß sie erst be- trügerische Versprechungen machen, dann die Ausgebeuteten aufs Pflaster werfen._ Verbanöstag öer Lederarbeiter. Hamburg. 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am Sonntag wurde im großen Saale des Hamburger Gewerkschaftshauscs die 18. Generalversammlung des Deutschen Lederarbeiteroerbandcs et- öffnet. Am Montag begannen dann die Verhandlungen. Anwesend waren 43 Delegierte, die 41 720 Mitglieder-vertreten. 9 stimm- berechtigte Gauleiter und die Mitglieder der Berbandskörverschaften vom ADGB. Vom Sattler- und Ächuhmacherverband und von den dcutsch-tschechischen und österreichischen Bruderorganisationen sind Vertreter als Gäste anwesend. Vcrbandsvorsitzender Vi a h l e r erstattete den Bericht des Vor- standcs über die Jahre 1922 bis 1924. Er schilderte die Schäden der Inflation, welche die Aufhebung nahezu aller Unterstützungen, die Einschränkung des Verbandsorgans. Entlassung aller Hilfskräfte und Unterlassung aller größeren Konferenzen notwendig machten und stellte fest, daß nach der>vtabilisierung ganz neu angsfangcn werden mußte. Die Kossen waren leer. Die Unternehmer suchten die Situation nach Kräften für sich auszunutzen. Die niedrigen Goldmarklöhne mußten durch Lohnbewegungen erhöht werden. Redner bclont weiter, daß mit dem Prinzip, als Vcrbandebeitrag einen tariflichen Stundenlohn zu erheben, gebrochen werden mußte. Eine Erhöhung der Bellräge sei notwendig, damit ausreichende Streikunterstützungen gezahlt undjdic jetzt üblichen«ammlungen oermieden werden können. Seit Oktober 1924 seien alle Unterstützungen wieder in Kraft. Die Tarifoertragspolitik soll fortgesetzt werden. Die Mit- gliederbewegung zeige folgendes Bild: 1913 hatte der Verband einen Jahresdurchschnitt von 16 231 Mitgliedern: bis zum 3. Quartal 1922 stieg die Mitgliederzohl auf 49 013 Mitglieder: sank dann bis Ende 1923 auf 46 634 und bis Ende 1924 auf 40 170. Der Rückgang er- kläre sich aus der rückläufigen Konjunktur, vor allem aber durch das Wühlen der Kommunisten. Mitglieder, die dem Verband offensichtlich schaden, müßten ausgeschlossen werden. Es müßte abgelehnt werden, von der KPD. Vorschriften über den Weg der Organisation entgegenzunehmen. Der Borstand habe sich stets bemüht, die Einigkeit und Geschlossenheit des Ver- bandes aufrecht zu erhalten. Den Kassenbericht gab Bock- Berlin. Er stellte fest, daß in der Inflationszeit die Erhöhung der Beiträge mit der Geldent- Wertung nicht Schritt gehalten habe und so die Finanzen des Ver- bandes sehr ins Hintertreffen gerieten. In Goldmark berechnet be- trugen die gesamten Jahreseinnahmen 1923 84 000 Mk. Das Ver- mögen betrug Ende 1923 rund 233 000 Mk. Durch Festlegung der Gelder in Sachwerten und in Industriepopieren habe sich der Verband vor allzu großen Verlusten in der schlimmsten Zeit bewahrt. Dank gebühre den ausländischen Bruderorganisationen für ihre finanzielle Hilfe. Im Jahre 1924 betrugen die gesamten Einnahmen 813 000 Mk., die Ausgaben 484 000 Mk.— Am Jahresschluß war ein Bestand von 388 000 Mk. zu verzeichnen. Erscheine dieses Er- gebnis äußerlich nicht allzu günstig, so ergebe sich ein anderes Bild, wenn man den Durch jchnittsbeitrag pro Mitglied be- trachte. Während er im Jahre 1913 durchschnittlich 62 Pf. pro Mit- glied betrug, belies er sich im Jahre 1924 auf 46 Pf. Die Notwendig- keit weiterer kämpfe zur Erhöhung der Löhne erfordern höhere Beiträge. Die Aussprache über den Vorstandsbericht füllte die ganze Nach- mittagssitzung aus. Die kommunistischen Delegierten polemisierten gegen die Politik des Verbandsoorstandes und gegen die Schreibweise der Lederarbeiterzeitung, die sie als eine einseitige im Sinne der SPD.-Politik bezeichneten. Die Mehrzahl der Redner nahm gegen die Ausführungen der kommunistischen Redner Stellung, billigte die Haltung des Zentraloorstandes und des Verbandsorgaiis und betonte, daß gerade infolge der kommunistischen Taktik die Gewerkschaft sowohl an Mitgliedern wie auch an Stoßkraft ge- schwächt worden sei. Berantwortlick» blr Politik: Victor Schill: Wirtschaft:«rtbur Salcrr.a»; Ecwcrtschaftsbcwcsuno: J. Steincr: Zseuilleto«: St. Zoh» Schitowili; Loialcz und Sonstige?: Sti*«arftSdt: Anzeia«n Th.»loche; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärto-Verlag®. nt. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. So.. Berlin S98.(W. LindenstraKc 3. Hierzu 2 Beilagen und.�Unterhaltung und Wisse»'. Leipziger Strasse Alexanderplatz Frankfurter Allee Versandobfellungs 154 Leipziger Strasse Sehriftl. Bestellungen verden prompt erledigt. Bei Aufträgen nach aas- rvärts vergüten wir für je 20 M. je 80 Pf. für Porto besw, Verpackung VMge Vuchee Antiquarische Werke* Restauflagen* Neuausgaben Romane is. Novellen �5 Jeder Band 100-200 Selten stark................... Beeker. DerKinffdcrNnra m a j a Beethoven. Briefe, Gespräche. ErinneTTingren Bonsrardt. Das silberne Pferd Bloem»W., DleUn�eborenen, Gcschlchtea einer unerfüllten Liebe Baron Hüpfen- Die stilisierte Brentano, stich BOlow. Frau Dreyer, M.. DasRiesenspiel- z e u gr. Heitere Erzählungen. Crnissaiit-Kust, Winkelquartett. Eine komische Klcin- stadtgesehichtc Eichlcr. Harz-Novellen Einstmann, Die das Leben erstarkte. Eoman Endres. Nargilch. Türkische Novellen Gräbeln, Der Brief de-r S1-* bylle Brand Haas. Einsame Riesen. Er- zählunjren Halbe, Ein Meteor. Eine Künctlcrgreschichte Hardt, Hart am Rande. Berliner Roman Heninsr, Schön-Ulla. Roman Helling. Das Testament des seligen Eusebius, Roman Herodot. Oricntal. Königsgeschic hten Horowite, Irrende Liebe PI. Kaufmann. TOrkiache Erzählungen Lorrech. Die Groschennot Luckwald, Der Zukunft goldener Stern. Roman Ocsterreichlsche Novellen Malten, Die Erziehung eines Herzens. Roman. Mann, H., Die Tote Norinl. Ja, das Hert. Theatergeschichten Passau. Das ErbederVäter Pocci, Kasperle-Theater Poe. Abenteuer des Gordon P y m Saiten,' Der alte Narr. Roman Sand, Schlos« Pitordu. Bcman Schneider, DI© Luxuskabine Schneider. Helene Tlle- m a n n. Roman einer Studentin Sehneider, Karriere. Roman Schneider, Das ewig Närrische Schubart, Friuleiif Pott- P h a r Schulte Brühl. Der Meister Stahl. Die Zimmcrvermle- t e r i n' Maria Theresia, Familien- briete Turgenjeff. Der Duellant Wlncklcr, F e 1 i c c. Roman Wittmaack. Butenbrink Wulften. Die geschlossene Kette Zastrow, Major Kreuzschnabel. Humoresken Jeder Band Awinnrlo, Der Ussch-aldlEe. I 415 Seiteu. Baug. Die Vaterlands-j losen 358 Selten. Jacsiur». Pi r a t h s In s ei. 428 S. Jarqcn, Landmann Bai. 286 Säten. bis 4,30............ Jetzt 1,95 Xonarn, Gotteofrled«. 230 Seiten. Schendel. Dienerlr. 354 Seiten. Steffen. Sibylla Mariana. 269 Selten. Strausa. Der nackte Mann. 374 Selten. Der König v. Paris. Boman aus dem franzosischen Gesellschaftsleben von Geo rg Ohne t 404 Seit. Ö50 Leinenband...................... ä Humorist. Schriften von Mark Twain. Die Abenteuer Tom Sawjers. 300 Seiten.— Die Abenteuer Huckle Berry Finns. 050 346 Seit. 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Zwanzir Jahre nachher Dumas, Zehs Jahre nachher Dumas. Das Halsband der Königin Dumas, Hapoleoa Bonaparte Dumas. Die Dame mit den Kamelien Dornas, Mlllienenbrant Domas-Mützelbarg, Der Herr der Welt Dumns.Mütrelburg, DleToten- h a n d Flaubert. Madame Bovarv Francots. Die letzteBeeken- burgorln Gerstacker. Die Flnesptlbten | Gerstäeker. Die Hegulatoren ' Gerstacker. Gold : Hackländer. Derletzte Bombardier I Hackländer, Enrop&izches Skisvenleben I Hanff, Llehtenateln , Hugo, Die Elenden ' Hngo. Der Glöckner von J KotreDamo | Jacobsen. Niels Dyhne ; Keller. DergriineHeinrleh f KOgelgen. Jngenderinne- r n n g e ri lAgerlöf, Gösta Berllog Lagerlöf. Jerusalem Devin, Die Grosslürstin- Manronl. Die Verlobten Marli«. Die Frau mit den KarfunkelatelBen Marryat. Der fliegende Holländer Murger. Zigeunerleben Nathasius. Elisabeth Ketcllffe. P u e b 1 a Sachcr-Ma-soch. Katharina! I. Sncher-Masoch, Die Dame im Pelz Scheffel, Ekkehard Slenklewlez. Mit Feuer nnd Schwert Slenklewlez. Sintflut Slenklewlez. Quo vadis? Sne, Der ewige Jude Sne. Die Geheimnisse von Paris Tolstoi. Auferstehung Tolstoi. Kreutzeraonafe Wallace, Ben Hur Zola, G e r m i n a 1 Zola. Nana Zoll, Das Paradlsi der Samen Kr. 291 ❖ 42. Jahrgang dienstag, 2Z. Juni 1925 rsR-tLi't' �> iazawj�xnu�M w>~Vgei».i4l ir"r_4 KrOtwMJ- Die Sehnsucht des Großstädters nach Licht. Luft, grünen Wiesen, Daumen und Sträuchern ist nur zu verständlich. Mit den ersten Anzeichen keimenden Lebens in der Natur schnürt er sein Ränzel, weckt den Wandcrstab aus dem Winterschlaf und zieht hinaus ins Freie. Es ist doch aber immerhin nur verhältnismäßig Wenigen der vier Millionen Berliner beschieden, die Natur außerhalb der Großstadtmauern erleben zu können. Oer Keifeerfatz. Für�allc die vielen, die vom Schicksal dazu verurteilt sind, auch an den Sonntagen oder in ihrem kärglichen Urlaub die berühmte, sogar besungene„Berliner Luft" einatmen zu müssen, haben wohlbedachte Stadtväter einen Reiseersatz geschaffen, der, so gut er an sich auch sein kann und auch bisweilen ist. aber doch immer nur ein Ersatz bleibt. In ollen Gegenden Berlins steigen aus dem Steinhaufen unsere Parkanlagen heraus und bilden in der Wüste„Großstadt" die Oasen. Im Norden sind Schillerpart und humboldlhoin: der �fricdrichshain ist im Nordosten. Der Südosten birgt den Treptower Park, an den sich der plänterwald anschließt. Für den Süden und Südwesten ist der viktoriapark und schließ- lich ist im Westen iwch der Tiergarten. Dieser ist allerdings keine Schöpfung unserer Stadtväter, sondern ist bekanntlich anderen Ur- fpuinges. Durch die Schaffung Groß-Berlins sind noch durch zahlreiche andere Parks die Lungen der Großstadt bedeutend ver- mehrl worden, chierbei handelt es sich vielfach um die Schloßparks, die in der Regel sehr große Flächen umfosseir und prächtigen Baum- bestand aufweise».(Niederschonhausen, Charlottenburg m. a.) Auch die vielen freien Plätze inmitten des Straßengewirres, die häufig ebenfalls von großen, alten Bäumen'bestanden sind, dürfen nicht übersehen werden. Sie können naturgemäß nicht der Klasse der Lungen zugezählt werden, spielen aber für die Atmung der Großstadt eine außerordentlich bedeutsame Rolle.— Es kann behauptet werden, daß sehr viele Berliner unsere Parkanlagen über- boupt nicht kennen. Sie besuchen wohl die in ihrer Nähe befind- lichen und kümmern sich um die übrigen weiter nicht. Wenn etwas besonderes unternommen werden soll, kommt allenfalls Hn einem Sonntag ein Besuch des Tiergartens oder des Viktoriaparkes in Frage. Es war mir interessant zu beobachten, wie wenig der viktoriapark unser diesem Namen bekannt ist. Ich fragte eine größere Anzahl Menschen, wie ich genannten Park erreichen könne, und sehr oft betcnn ich die Antwort, daß er ihnen gänzlich un-, bekannt sei. Aui ineinen Hinweis, daß der Biktoriapork mit. dem Kreuzberg identisch sei, sah ich jedesmal ein erstauntes Gesicht. Sehenswürdigkeiten. Fast jeder der Berliner Parks hat seine Sehenswürdigkeit. Und es kommt vor. daß die in der Nähe wohnenden Menschen auf diese Sehenswürdigkeiten(wie sie sie auffassen) nach besonders stolz sind. Beginnen wir mit dem Tiergarten. Er hat seinen„Neuen S e e" mit den sommerlichen Gandelfahrten und der herrlichen Eisbahn im Winter: ferner den Goldsischteich. Dann finden wir in ihm den Rosengarten, in dessen Mitte sich das häßliche, schon zu Lebzeiten errichtete Standbild der früheren Kaiserin erhebt. Neben Denkmälern großer Musiker(Wagner, Lortzing, Mozart) sind noch zahlreiche andere ehemals gekrönter Häupter. Es horrdelt sich wohl um solche, die in der geschmacklosesten Denkmälerstraße der Well, der„Sicgesallce". keinen Platz mehr gefunden haben. Einen Teil des Nordwestrandes des Tiergartens bilden die„Zelten", die jedem Berliner Kind mindestens dem Namen nach bekannt sind und die jeder in Berlin anwesende Fremde aufsucht. Erholung kann man in dem dortigen Rummel aber nicht finden. Nur ganz besondere Geschmacksrichtungen werden in den Zelten zufriedengestellt. Nächste Alte Bäume im Treptower Park. Station ist der vikloriapark oder der Kreuzberg, unter welchem Namen er besser bekannt ist. Bor Jahren bildete er den südlichen Abschluß des Berliner Häusermeeres. Für die im Norden der Stadt Wohnenden war damals fein Besuch ein Tagesausslug.— Unter uns breitete sich in ihrer ungeheuren Größe die Riesenstadt aus. Nach Süden glitten die Augen über das Tempelhofer Feld: jetzt ist die Aussicht durch die inzwischen herangewachsenen Bäume und Sträucher stark beeinträchtigt. Auch die in den letzten Iahren auf dem Felde erstandenen Häuser sperren die Aussicht. Der Park ist wohl einer der schönsten Berlins. Sein hügeliges Terrain gibt ihm einen ganz besonderen Reiz. Auf seinem Gipfel erhebt sich ein Denkmal zur Erinnerung an die Befreiungskriege. Der Kretzberg — ein künstliches Gebilde— war berühmt durch seinen Wasserfall, der von der opitze bis hinunter zur Straße steil herniederstürzte. An einigen Abenden in der Woche wurde er durch Scheinwerfer bunt beleuchtet. Durch den Krieg ist der Berliner um dieses Bild gekommen. Der Friedrichshain, die Lustquelle für den Berliner City- bewohner und den Nordostep, ist berühmt durch seinen Märchen- brunnen, dem von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann geschaffenen Meisterwerk. Bon hier eilen wir zum Südosten Berlins, um dem Treptower Park unsere Aufwartung zu machen. Einer der belieb- testen Wege in diesem Park ist der an der Spree entlangführende. Das Leben und Treiben auf dem Wasser bietet dem Spaziergänger viel Abwechslung. Dazu kommt noch das schöne Bild vom jen- seitigcn Ufer, dem vielbesungenen Stralau mit seiner reizenden alten Kirche. Seine Berühmtheit erlangte der Treptower Park schon durch die 1896 dort abgehaltene Berliner Gewerbe- a u s st e l l n n g. Die Sternwarte mit dem Riesenfernrohr und vor allem die vielen großen Sommerrcstaurants mit dem„Brillant- Land- und Wasserfeuerwerk" gehören zum eisernen Bestand Treptows.— Die Ringbahn bringt uns gen Norden nach dem Gc sundbrunncn— und somit zun, Humboldthain. Gerade für den Norden mit seinen vielen Fabriken und seiner dichten Bevölkerung hat der. Humboldthain eine sehr wichtige Mission zu erfüllen. Er war auch einer der ersten Parks, deren Rasenflächen an bestimmten Tagen der Woche der Schuljugend zur Verfügung standen. Auch der Humboldthain hat seine Berühmtheiten. Zunächst ein Denkmal für den Namenspender: Ein riesiger Granitstein aus den Rauenschcn Bergen, mit Gedenktafel, und dann noch den Stier aus weißem Marmor, der vor etwa Lö�Iahren dort hingestellt wurde und 49 000 Mark gekostet haben soll.' Der Stier war kauni dort aufgebaut,- als der Berliner auch schon seinen Witz darüber hatte. Er fragte: „Was stellt denn dieser Stier nun eigentlich vor?" Die Antwort sollte lauten:„Das linke(oder rechte? D. Verf.) Vorderbein." Die meisten wußten das natürlich nicht.— Die gewaltige Ausdehnung des Berliner Nordens und seine ständig wachsende Bevölkerung?- zahl gaben denn auch den Grund für die Anlage W- Schillerparkes im höchsten Norden. Dort, wo früher der lachte Sand der Reh berge die Luft füllte, wurden mustergültige Anlagen geschaffen. Er ist der jüngste unter seineu Brüdern und deshalb im Wachstum noch etwas zurück. Sein bisheriges Gedeihen gibt aber zu den schönsten Hoffnungen Anlaß. Der Schillerpark hatte, nach meiner Erinnerung, die erste der Berliner Plankschwiesen. ' �* Noch vieles ließe sich über die zahlreichen kleineren Parks und freien Plätze sagen. Das Heutige über die grünen Lungen Berlins soll aber genügen. Für alle, die unsere Berliner Parkanlagen noch nicht kennen, sollen diese Zeilen einen Hinweis' darstellen mit der Aufforderung: Besuchet eure Parks und nehmt teil an dem Guten, das sie euch bieten., Die Baumwollpflücker. 2J Roman von B. Traven. Copyright 1925 by B. Traren, Colnmbus, Taraaulipw, Mexico. Freilich, da jetzt die Sonne senkrecht über uns stand wie mit dem Lot gerichtet, gehörte schon eine langousprobierte Ucbung dazu, hcratiszufinden, wo eigentlich der Schatten mar. Zeit war ihnen ein ganz und gar unbekannter Begriff: und weil sie wußten, daß ich ja auch dort hin wollte, wo sie hin wollten, überließen sie es mir, den Weg auszukundschasten. Sie würden gehen, wenn ich gehe, nicht früher: und sie würden mir folgen und wenn ich sie bis nach Peru führte, immer in der Gewißheit lebend, daß ich ja zum gleichen Ort müsse wie sie. 2. Wenn ich nur wüßte, wo Ixtil-- zu finden sei. In der Nähe der Station war kein Haus zu sehen. Die Stadt, zu der die Station gehörte, mußte irgendwo im Busch versteckt liegen. Ich machte nun den Vorschlag, daß wir erst einmal in diese Stadt gingen, wo sicher jemand zu finden sein wird, der den Weg weiß. Nach einer Stunde kamen wir in die Stadt. Zwei Häuser nur waren aus Brettern. In dem einen wohnte der Stations- Vorsteher. Ich ging hinein und fragte ihn. wo Ixtil-- liegt. Er wußte es nicht und erklärte mir höflich, daß er den Namen nie gehört habe. Fünfhundert Meter von diesem Holzhause war das andere „moderne" Brestergebäude. Es war der Kaufladen. Er war gleichzeitig Postamt, Billardsalon, Bierwirtschast. Schnaps- ausschank und Agentur für alle möglichen Dinge und alle mög- lichen Unternehmungen. Ich fragte den Inhaber, aber er -kannte den Ort auch nicht und sagte mir, innerhalb- fünfzig Kilometer im Umkreis sei er sicher nicht, denn da kenne er jeden Platz und jeden Farmer. Da kam einer von den Billardspielern, die ebenso zerlumpt aussahen wie wir, an den Ladenfisch, setzte sich darauf, drehte sich eine Zigarette, wobei er den Tabak in ein Maisblatt wickelte, und als er sie angezündet hatte, sagte er: „Den Ort kenne ich nicht. Aber die einzigen �Baumwoll- felder, die hier in dem ganzen Staate überhaupt find, liegen in jener Richtung." Dabei streckte er den Arm ziemlich unbestimmt nach jener Gegend hinaus, die er meinte. „Bon dort her," fügte er hinzu,„ist vor drei Jahren ein- mal ziemlich viel Baumwolle hier verladen worden. Die Farmer kamen mit Autos, also wird wohl noch etwas Weg übrig geblieben sein. Ob einer von den Farmern Mr. Shine hieß, weiß ich freilich nicht, ich habe nicht nach den Nomen gefragt, ich habe nur beim Verladen mitgerwbeitet." „Wie iveit kann es denn sein?" fragte ich. „Wenigstens achtzig Kilometer von hier, vielleicht neunzig. So genau weiß ich es nicht. Die kamen mittags an und find sicher früh morgens abgefahren." „Dann müssen wir also in jene Richfiing gehen, wenn in einer anderen Richtung kckne Baumwolle gebaut wird." „Ich glaube sicher," sagte er dann,„daß einer von den Farmen, Mr. Shine heißen kann, alle sind Gringos. „Gringo" ist in Latein-Amerika der Spottname für Amerikaner. Er hat ungefähr dieselbe mißachtende Bedeutung wie„Boche" in Frankreich für Deutsche. Aber die Amerikaner, die viel zu viel unzerstörbaren Humor besitzen, um sich so leicht beleidigt zu fühlen und sich dadurch das Leben schwer zu machen, haben diesem Spottnamen die ganze Schärfe ge- nommen dadurch, daß sie, wenn in Latein-Amerika gefragt, was für Landsleute sie seien, sie sich selbst„Gringo" nennen. Und sie sagen das mit einem so heiteren Lächeln, als ob es der schönste Witz wäre. Die übrigen Gebäude der Stadt, etwa zehn oder zwölf, waren die üblichen Indianerhütten. Sechs rohe Stämme senk- recht auf den Erdboden gestellt und ein Dach aus trockenem Gras darüber. Die besseren hatten Wände aus dünnen Stämmchen, aber nicht dicht aneinander gefügt. Keine Türen, keine Fenster, alles, was in der Hütte vor sich ging, konnte man von außen sehen. Die einfacheren Hütten, wo ärmere oder bequemere Mexikaner wohnten, hatten nicht einmal diese angedeuteten Wände, sondern oben um das Dach herum hingen einige große Palmblätter, um die Strahlen der Sonne, wenn sie in den frühen Bormittagsstunden und am späten Nach- mittag schräger einfielen, abzuschatten. Das Vieh und das Hühnervolk Hatten� keine Ställe. Die Schweine mußten sich draußen im Busch irgendwo und irgend- wie das Futter zusammensuchen. Die Hühner saßen nachts in dem Baum, der der Hütte am nächsten stand. Eine alte Kiste oder ein durchlöcherter Schilfkorb hing an einem Ast, wo die Hühner brav ihre Eier hineinlegten. Rund um die Hütten standen Bananenstauden, die, ohne jemals gepflegt zu werden, ihre Früchte in reichen Mengen spendeten. Die kleinen Felder, wo nur gesät und geerntet, sonst nichts getan wurde, lieferten Mais und Bohnen mehr als die Bewohner aufbrauchen konnten. In einer dieser Hütten nach dem Wege zu fragen, war zwecklos. Wenn eine Auskunft überhaupt zu erhalten war, so war sie sicher falsch. Nicht falsch gegeben Amt der Absicht, uns irre zu führen, aber aus purer Höflichkeit, irgendeine beliebige Auskunft zu geben, um nicht„nein" sagen zu müssen. 3.> So wanderten wir denn frischweg los in jener Richtung. die uns im Postamt von dem Billardspieler genannt war und die ich für die einzige glaubwürdige hielt. „Achtzig Kilometer" war uns gesagt worden. Also wer- den es wohl hundertzwanzig oder hundertjünfzig Kilo- meter sein. Wir waren unserer sechs. Da war der Mexikaner Antonio, spanischer Herkunft, der inich zuerst angesprochen hatte. Dann kam der Mexikaner Gonzalo, indianischer Ab- stammung. Er war nicht ganz so zerlumpt wie Antonio und hatte ein Bündelchen, eingewickelt in eine alte Schilfmatte, und eine schöne, nach mexikanischer Art farbenfreudig gc- musterte Decke, die er über der Schulter trug. Der Chinese Sam Woe war der eleganteste Bursche unter allen. Der einzige, der ein heiles und frisch gewaschenes Hemd trug, heile Hosen hatte, gute Straßenstiefel, seidene Strümpfe und einen runden städtischen Strohhut. Er hotte zwei Bündel, ziemlich reichlich gepackt. Sie schienen gar nicht so leicht zu sein. Er hatte immer die praktischsten Ideen und Ratschläge, lächelte immer, konnte das„R" nicht aussprechen und war scheinbar immer guten Mutes. Es wurde mit der Zeit unser größter Kummer, daß wir ihn mit nichts, was immer wir auch taten, wütend machen konnten. Er hatte in einem Oel- feld als Koch gearbeitet und gut verdient. Sein Geld hatte er vorsichtig auf einer chinesischen Bank in Guanajuato hinter- legt, was er uns gleich erzählte, nur damit wir nicht etwa denken sollten, er trüge es bei sich und könnte, dafür geopfer/ werden. Baumwolle pflücken war ja nicht gerade seine große Leidenschaft— meine noch viel weniger— aber weil es nicht so sehr außerhalb seines Weges lag, wollte er die sechs bis sieben Wochen Verdienst noch mitnehmen. Er hoffte dann zum Herbst ein kleines Restaurant—„cornida corrida 50" — eröffnen. Er war der einzige unter uns, der wohldurch- dachte Pläne für die Zukunft hatte. (Fortsetzung folgt.) Ein Kinüerfest. Gibt es einen besseren Leitspruch für ein Volksfest, als die erste Strophe von Schillers Ode„An die Freude", die gewissermaßen das Motto des Gemeinde-Kinderfestes in Friedrichs. Hagen war?„Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt: alle Menschen werden Brüder."— Auch gemeinsam ertragene Not und Sorge schließen zwar die Menschen zusammen, doch, wir alle haben es erfahren, meist nur aus äußerem Zwang. Die Einigkeit hört wieder auf, wenn die Notwendigkeit dazu nicht mehr vorhanden ist. Freude aber ist ein stärkeres Bindemittel: Freude macht gut. Sie erweckt das Gefühl der Zusammengehörigkeit mit allen, das innere Verlangen, alle daran teilnehmen zu lassen: alle Menschen werden Brüder. Wer das nur als eine idealistische Phrase belächeln kann, der hätte stch am Sonntag in Friedrichshagcn ein- finden sollen.„Alle Kinder ohne Ausnahme dürfen dabei sein! Alles kostet die Kinder und Festbesucher keinen Pfennig!" verkündete das Programm des Kinderfestes. Und dabei gab es eine Völker- schau, ein Festspiel, Kasperletheater und andere Belustigungen für die Kinder, Konzert. Wer hatte die Mittel dazu aufgebracht? Die Freude, der Glaube daran, das Wissen um sie. Die K u n st g e- m e i n d e Fr i e drichshagen hatte zum Kinderfest aufgerufen, hatte die Beratung und Leitung übernommen. Unentgeltliche Näh- stunden für die Mütter waren abgehalten worden, in denen sie die Bekleidung für ihre kleinen Indianer und Araber, Negerinnen, Japanerinen und Holländerinnen, oder in was sie sonst ihre Kinder verwandeln wollten, zurechtschneiderten, aus Resten, die sich im Haushalt vorfanden, bäufig ohne jede Geldausgabe. Und wie ge« schmackooll, oft sogar künstlerisch wirkten die Kostüme! Schulkinder hatten die nötigen Plakate gemalt, auf denen hauptsächlich kühne Indianer mit Adlernase und Federschmuck zu sehen waren, hatten übeiall mit Hand angelegt, waren mit Listen in� der Gemeinde samcheln gegangen, für ihr Fest, das in höherem Sinne wirklich ein Fest der Gemeinde war. Wer geben konnte, gab gern. Doch ob arm oder reich, niemand war von der Freude ausgeschlossen, niemand fühlte sich zurückgesetzt. Kinder, die lein Kostüm trugen, machten den Festzug, der in Erdteile gegliedert war, in der Gruppe „Europa" mit. Erwachsene waren als freiwillige Ordner am Werk, um für den guten Verlauf des Tages zu sorgen: fast ausnahmslos zeigten auch die Kinder die musterhaste Selbstdisziplin, zu der das in vorbildlichem Stil gehaltene Programkn sie aufforderte. Sicher ist der Tag, der ja— auch in feinen« Festspiel„Friedensempfang und Tanzfest der Völker beim Negerfürsten Zulabamba"— höchst anschaulich die Einigkeit propagierte, auch pädagogisch nicht zu unter- schätzen. Das von echten Kinder- und Menschenfreunden angeregte Unter- nehmen hatte von allen Stellen der Gemeinde tatkräftigste Unter- stützung erfahren. Daß leider die Beteiligung und Mithilfe des Lyzeums recht gering war, ist gerade im Sinne der ethischen Tendenz des Festes sehr bedauerlich. Doch ist zu hoffen, daß es hier für sich selber geworben hat und daß das Verständnis, das an dieser Stelle diesmal leider ausblieb, doch im nächsten Jahre nicht fehlen wird. Der Sranö in See Linöen-Markthalle. Ein zweiler Brand neben der Markthalle. Der Riesenbrand in den Kelleranlagen der Markthalle Linden- ftl'aße, der gegen Uhr morgens ausgebrochen war, konnte erst noch 1 Uhr nachmittags abgelöscht werden, nachdem es den vereinten Bemühungen der Mannschaften von sechs Löschzügen erst nach vierstündiger Tätigkeit gelungen war, da� Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Von 3A2 Uhr nachmittags an konnten dann die eigentlichen Ausräumungsarbeiten in Angriff genommen werden, die sich ziemlich schwierig gestalteten. In den dunklen, kreuz und guer unter dem ganzen Hallen- terrain sich hinziehenden Gängen mit ihren zahllosen Verschlügen herrschte von dem Braird eine stickige, mit beizendem Qualm ge- schwängerte Luft, die die Feuerwehrleute immer wieder zwang, die Gasmasken anzulegen, wodurch natürlich in der mit Fackeln nur mühsam erleuchteten unterirdischen Markthallenwelt die Orientierung für die Löschungsinannschaften noch mehr erschwert wurde. Dazu kam noch, daß in den Gängen auch die ganzen starken Rohrleitungen der Markthalle sich unter den Decken entlangziehen, so daß strecken- weise die Mannschaften nur gebückt vorrpärtskonnuen konnten. Für die Aufräumung an der Brandstelle«ÄVden zpr Ablösung zwei weitere Läschzüge, darunter ein Zug der Neuköllner Wehr, heran- gezogen, da die Löschmannschaften der übrigen Züge von ihrer schwierigen Arbeit stark erschöpft waren. Mit Aexten und Beilen mußten die lleberreste der Lattenoerschläge in dem"von dem Brand betroffenen Kellerteil unter der Blumenhalle niedergelegt und aus die rauchenden Trümmer noch fortwährend Wasser gegeben werden. Verbrannt ist nach den bisherigen Feststellungen eine große Menge von Packmaterial der Standinhaber der Blumen- halle, daneben aber auch große Vorräte an künstlichen Blumen, die dort lagerten, um in den Wintermonaten für Trauerkränze u. dgl. Verwendung zu finden. Ferner sind einige in der Nähe befindliche große Kühlschränke mit Pökel- fleisch von den Flammen erfaßt, bzw. die Kühlanlagen z e r st ö r t worden, so daß das dort über Sonntag eingelagerte fleisch verloren ging. Inwieweit bei der durch das Feuer erhitzten Temperatur in den Kellerräuinen auch sonst dort aufgestapelte Lebensmittelvorräte verdorben sind, wird erst durch die Stand- inhabcr festgestellt werden. Ob und inwieweit ein Gebäudeschaden angerichtet ist, muh erst untersucht werden. Voraussichtlich werden dieienigen Teile der Markthalle, die unmittelbar über dein Brandherd liegen, nicht eher für den allgemeinen Verkehr frei- gegeben werden, bis eine Sachverständigenkommission dies gestattet oder bis etw» notwendige Absteifungen in den Kellerräumen vor- genommen worden sind. Eine seltene Dupilizität der Ereignisse wollte es, daß wäh- repd der Aufräumungsarbeiten in der Markthalle zwei Häuser weiter in der„Handels st ätte Belle-Alliance" ein zweiter Kellerbrand ausbrach. Angestellte, die dort ihre Mittagspause machten, sahen plötzlich aus dem Kellereingang eines Nebenhofes der Handelsstätte Oualmwolken aussteigen. Sie benach- richtigten die Führer der in der Lindenstraße haltenden Feuerwehr- sahrzeuge. Dies« sorgten dafür, daß aus der Lindenmarkthasse schleunigst Mannschaften herausgezogen wurden, die nun nach der Handelsstätte eilten und dort eine» Brand in den Kelleranlagen der Buchbinderfirma Sperling feststellten. In aller Eile wurden Schlauchleitungen dorthin gelegt und das Feuer bekämpft. Aus noch nicht aufgeklärter Ursache hatten sich hier Papierabfälle ent- zündet, so daß die Flammen reiche Nahrung fanden und sich schnell ausbreiteten. Nur der Tatsache, daß die Feuerwehr gleich bei der Hand war, ist es zu danken, daß dieser Kellerbrand schnell abgelöscht werden konnte, bevor er in dem Industriegebäude größere Dimen- sionen annehmen konnte. Auch hier war die Qualmentwicklung so stark, daß die Angestellten in den über der Brandstelle liegenden Erdgeschoßräumen ibre Arbeitsstellen verlassen mußten. In beiden Fällen, in der Lindenhalle wie in der Handelsstätte, dürfte das Feuer auf Fahrlässigkeit zurückzuführen sein. Auf der Spur eines MuseumSdiebes. y Aus dem Museum zu Königsberg i. Pr. wurden ein« Anzahl .«erwoller Gemälde gestohlen. Wie die Ermittlungen jetzt ergeben haben, ist der Dieb wahrscheinlich ein 33 Jahre alter Kunschändler Walter Wohlgemut. Dieser stammt aus Königsberg und wohnt« in der letzten Zeit in Verlin in der Kleiststraße. Hier hatte er von einer Dame, die zu ihrer Erholung eine Heilanstalt aufsuchen mußte, ein Atelier abgemietet, in dem sie«ine Fülle von Kunst- gegenständen aller Art verwahrte. Diese vertraute sie Um so lieber der Obhut ihres Mieters an, als er Kunsthändler war. Ihr Ver- trauen«vurde jedoch schwer getäuscht. Bei ihrer Rückkehr«var Wohl- gemut verschwunden. Er hatte verschieden« Kunstgegenstände mitgenommen, die zum Teil bei Berliner Antiquitätenhändlern, an d« er sie»erkauft hatte, wiedergefunden wurden. Wie festgestellt wurde, hat sich Wohlgemut von Berlin wieder nach Königsberg ge- wandt und dort zur Zeit des Gemäldediedstahls aufgehalten. Auf ihn fällt deshalb der Verdacht dieses Diebstahls um so mehr, als er jetzt aus Königsberg wieder verschwunden ist. Der Flüchtige ist 1,70 Meter groß und sehr kräftig gebaut, hat ein rundes volles Gesicht, blondes Haar, das er nach hinten gekämmt trögt, und einen blonden Schnurrbart und trägt eine Brille mit gelblich-braunen Gläsern. Achtung! Genossinnen! Dienskag, den 23.)uni. abends 8 Uhr. im Zugendheim, Oindenstr. 3, 2. Hof III. (?l i ch k um 7 Uhr, wie erst angegeben.) Tagesordnung: 1..Zölle und Außenpolitik". Refereniin: Genossin Mathilde Wurm.— 2. Aussprache.— 3. Vorschläge zur Wahl der Delegierten zum Parteitag und zum internationalen Sozialistenkongreß in Marseille. Türtontrolle 6. kreis. Die plane öes Ingenieurs. Diskretion— nicht feine Sache! Der„Ingenieur" B. aus Emmerich hat mit den Strafbehörden schon manches Mal zu tun gehabt. Jetzt suchte er vor der Berufungs- kammer in Moabit ein milderes Urteil in einer Anklage wegen Be- truges zu erzielen, die ihm bei der ersten Verhandlung 9 Monate Gefängnis eingebracht hatte. Die Berufung wurde verworfen. B. ist also Ingenieur! Wenn man jemandem nicht das Gegen- teil nachweisen kann, muß man ihm eben glauben. Der Herr In-- genienr betreibt dunkle Geschäfte. Seine„Konstruktionen" und„Er- findungen" sind eigenartiger Natur. Die Vorzüge kommen nur immer i h m zuqute, seine Kunden'fallen stets rein. Dieses Mal war eine Frau Z. aus Spandau die Leidtragende. Der Angeklagte hatte ganz zufällig von der Anwesenheit der Dame, die aus seiner Gegend gebürtig ist, in der Großstadt erfahren. Gleichzeitig waren ihm ebenfalls über Frau Z. Dinge zu Ohren gekommen, die an- ständige Menschen darin zu verschließen pflegen. Anders Herr In- genieur B. Er geht persönlich zu Frau Z. in Spandau und ge- winnt„auf diese Weise" ihr Dertranen. Als„tüchtiger Fachmann" hieß es nun sofort Pläne entwerfen für ein möglichst einbringendes „Lügengebäude". Frau Z. war daran beteiligt, allerdings schmerz- lich! Sie hatte nur zu zahlen. Wenn das Bargeld nicht mehr reichte, gab die Vertrauensselige Ringe und andere Schmuck» fachen. Der Ingenieur hatte auch reichlich Pech, d. h. er sagte sich ganz richtig, je mehr Unglück ihm begegne, je größer würde sein Glück. Denn jedes neue Unternehmen mußte doch wieder neu „finanziert" werden. Als aber alles fehlschlug, ein wichtiger Di- rekwr plötzsich erkrankte, ein anderer ausschlaggebender Leiter ge- rode jetzt verreisen mußte, da versagte eines Tages auch die Ge- duld der Geschädigten. Der Zusammenbruch des„Schwindvlhaufes" entbehrt nicht einer gewissen Komik. Schuldige pflegen manchmal doch ein schlechtes Gewissen zu haben und machen sich dann etwas „seltener". So auch der Herr Ingenieur. Er kam nicht mehr so oft wie früher. Eines Tages aber wird er ans Telephon gerufen, seine„Auftraggeberin. Frau Z. aus Spandau, bat Herrn V. noch einmal zu sich heraus zu einer„liebevollen" Aussprache. Der An- geklagte schien neue„Hilfsmittel" zu wittern und fuhr hinaus: Er hatte sich denn auch nicht getäuscht, neue„Hilfsmittel" waren be- rcitgestellt in Gestalt...zweier Kriminalbeamten! Heute rollten sich nun die üblen Geschäfte des Angeklagten noch ein- nial ab: es half ihm nichts, wenn er die Person der Geschädigten auch noch weiterhin damit bloßstellte, daß er von Beziehungen zwischen der Zeugin und sich sprach. Frau Z. mußte allerdings zu- geben, daß sie den Angeklagten„mehr als freundlich" behandelt habe. Ueber weitere Angaben half ihr das diskrete Uebergehen dieser Sache des Vorsitzenden hinweg. Herr Ingenieur B. aber bätte sich die vielen persönlichen Aktenstücke, die er zu seiner Ver- teidigung mitgebracht hatte, sparen können. Seine„Pläne" er- hielten die gleiche Würdigung wie das erstemal. Er darf weiter noch 9 Monate über seine„Konstruktionsfehler" in der einsamen Ruhe Moabits nachdenken!__ Rathenau-Gedenkfeier des Reichsbanners. Vor einem Jahre trat das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Berlin am 24. Juni, dem zweiten Todestage Rathe- n a u s. zum ersten Male vor die Oeffentlichkeit. Aus allen Stadt- teilen fuhren Lastautos, geschmückt mit den Fahnen' und Farben der Republik und den Reichsbanner-Kameraden, nach dem Grabe Rathenaus in Oberschöneweidc hinaus, wo eine ergreifende Feier stattfand. Tausende von Menschen säumten nachher die Straßen, durch die der lange Zug im Lichte der Fackeln und beim Gesang der Kameraden den Rückweg nahm. Das Reichsbanner hat es sich zur Ehrenpflicht gemacht, am Todestage Rothenaus stets seiner durch eine besondere Veranstaltung zu gedenken. Auch in diesem Jahre veranstaltet daher das Reichsbanner am Grabe eine würdige Kundgebung. Die Kameradschaft Treptow wird den Tag über am Grabe die Ehrenwache stellen. Die Hauptkund- gebung findet am Abend statt. Die Kameradschaften treffen sich in den einzelnen Stadtteilen und kommen um ft Uhr an dem Wäldchen vor dem Friedhof zur Feier zusammen. Hier wird ein führender demokratischer Abgeordneter die Worte des Gedenkens sprechen. Darauf schließt sich die Niederlegung der Kränze an. Gesang und Mustt wird die Feier zum Abschluß bringen. Dann erfolgt die Auf- stellung der Kameraden zum geschlossenen Rückmarsch durch die Rathenau-, Wilhelminenhos-, Brücken-Straße zum Bahnhos Nieder- schönewetde. Dort erfolgt die Auflösung des Zuges und die Rückkehr der Kameraden mit der Bahn und Lastauto nach den einzelnen Das Rundfunkprogramm. Dienstag, den 23. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: 4.30 Uhr nachm.; Onknl Doktor als Märchenerzähler:.Schmutz- Lotte" und.Die Geschichte vom Nagelzwerg"(erzählt von Dr. med. E. Mosbaoher). 5—6.30 Uhr abends: Konzert. Dirigent: Dr. W. Euschkötter. 7 Uhr abends: Frau Reichstags abgeordnete Juehacz spricht über Arbeiterwohlfahrt. 7 30— 6 20 Uhr abends: Hans-Bredow-Schule(Bildungskursel. 7,30 Uhr abends: Abteilung Heilkunde. Dr. Paul Borinski:„Die Milch in ihrer gesundheitliehen und wirtschaftlichen Bedeutung". 2. Vortrag.„Die Milch als Nahrungsmittel, I. Teil". 8 Uhr abends: Abteilung Literatur. Dr. Mas Freyhan;„Das moderne Drama". 5. Vortrag. „Das magische Drama: Ernst Barlach". 8.30 Uhr abends: Biedermeierhumor. 1. Beethoven: a) Mit einem gemalten Bande (Goethe), b) Neue Diebe, neues Leben(Goethe), c) Der Kuß(C. F. Weiße)(Maximilian Wilimsky. Tenor). 2. a> Kopisoh: Der große Krebs im Mohriner See, b) Konisch; Die Zwerge von Pinneberg, c) Kopisoh: Altweibergespräch, d) Chamisso: Tragische Geschichte, e) Chamisso: Der Frau Base guter Rat, f) SchaeEer: Postdienst auf dem Bahnhof(Resi Langer. Rezitation). 3. Schubert: a) Ständehen(Shakespeare), b) Ungeduld(W. Müller), Ans dam Dreimäderlhaus: c) Lied aus Wien, d) Unter einem Fliederbaum, e) Liebes Schicksalsblftmchen sprich(Maximilian Willimsky). 4. a) Scheffel: Pumpus von Perusia: b) Heitel: De neuen S tiewein, c) Heitel: A Gänsebliemel, d) Eichrodt, gen. Biodermeier: Don Ramudo oder die Stunde der Erhabenheit, e) Eich- rtfflt, gen. Biedermeier: Die Rache, eine schändliche Ballado (Resi Langer). Am Flügel; Otto Urack. Anschließend: Dritte ■Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage. Wetterdienst, Sportnachrichten» Theator- und Filmdienst. 10.30 Uhr abends: Domsekretär Hans Wegener;«Dia Geschichte der 1000jährigen Stadt Arne borg a. E.". Stadtteilen. Es wird damit gerechnet, daß die republifanische Be- oölkerung sich an dieser Kundgebung in großem Umfang beteiligt. Jugenöliche Einbrecher. verhajlung einer fünsköpfigen Bande. Eine fünfköpfige Einbrecherbande konnte durch die Kriminal- Polizei unschädlich gemacht werden. Die Mitglieder der Bande waren junge Burschen im Alter bis zu 22 Jahren. In der letzten Zeit mehrten sich Einbrüche in Parterrewohnungen, bei denen die Fensterscheiben eingedrückt wurden. Die Art der Einbrüche ließ darauf schließen, daß immer dieselben Diebe an der Arbeit ge- wejen waren. Schließlich fiel der Verdacht auf denJ22 Jahre alten Walter Mattes, der wegen Krankheit aus der Strafhaft beurlaubt war. Die fortgesetzten Beobachtungen führten dazu, daß man ihn und einen Martin Schulze an der Mantc-uffel- und Ecke Waldemar- straße festnehmen konnte. Da sich zufällig zwei andere Burschen, ein 17 Jahre alter König und ein 18 Jahre alter S o m m e r in der Nähe der beiden herumtrieben und mit diesen geheimnisvolle Zeichen auszutauschen versuchten, so mußten sie den Beamten ebenfalls in das Polizeipräsidium folgen. Bei König fand man in der Brusttasche einen Mietskontrakt. Bei der Nachprüfung stellte es sich heraus, daß alle vier am Tage zuvor einen Einbruch in einen Grünkramladen in der Skalitzer Straße verübt hätten. Dabei hatten sie auch den Kontrakt entwendet. Die Beute aus dem Laden, mehrere Kiepen Eier, Kakao, Butter, 24 Paar Schnürsenkel und anderes, hatten sie am selben Tage an der Schillingsbrücke auf offener Strafte verkauft und die Kiepen nachher in die Spree geworfen. Bei Sommer fand man ein Paar Schnürsenkel, die er für sich zurückbehalten hatte. Der Grünkramhändler hatte noch keine Anzeige erstattet und leider war das Paar Senkel das einzige, was man ihm wieder- erstatten konnte. Weiter wurde der jugendlichen Bande ein Einbruch in der Sorauer Straße nachgewiesen, den sie vor einiger Zeit auf ihre 2trt' durch Einschlagen der Fensterscheibe ausgeführt hatte Mit dieser Beute waren sie nach Werder a. d. H. gefahren, da ihnen „die Münze" zum Verkauf der Waren zu gefährlich erschien. In Werder aber brachten sie nur die wertvollsten Stücke bei kleinen Leuten unter, die sie natürlich im guten Glauben kauften. Den Rest brachten sie zurück nach Berlin. Jetzt erfuhr der ältere Bruder des Mattes von dem Einbruch und drohte ihm mft einer fürchterlichen Tracht Prügel, wenn er nicht sofort das Diebesgut dem rechtmäßigen Eigentümer wieder zustelle. Doller Angst sandte der jüngere den Rest in einem Postpaket zurück. Als dritter Einbruch wurde ihnen ein Diebstahl in einer Gemeindeschule in der Reichen- berger Straße nachgewiesen. Hier hatten sie in den Toiletten die Bleirohre abgeschraubt und verkauft. Bei einem der Burschen fand man eine Zeichnung, die, wie die Beamten der Dienststelle B- 1- 3 weiter ermittelten, auf ein Lokal in der Reichenberger Straße paßt. Sicherlich hätten sie auch dieses mit ihrem Besuch beehrt, wenn ihre Festnahme nicht dazwischen gekommen wäre. Als„gewiegte Iungens" geben sie selbstverständlich nur das zu, was man ihnen einwandfrei nachweisen kann. Ohne Zweifel kommen sie aber noch für mehrere andere Einbrüche, die nach„ihrer Art" gemacht worden sind, in Fratze. Alle dahingehenden Mitteilungen nimmt die Dienst- stelle B- I. 3, Zimmer 103, Im Polizeipräsidium entgegen. „Kofferdicbe". In jedem Jahr zu Beginn der Reisezeft geben viele gewerbs- mähige Verbrecher ihre Spezialität für eine Weile auf und ver- suchen sich durch K o s f« r d i e b st ä h l e an den Bahnhöfen ihr „tägliches Brot" zu verdienen. Es ist selbstverständlich, daß die Kri- minalpolizei dem Rechnung trägt, und daß die vermehrten Streifen der FcMrdungsinspektion alles tun, um diesen Leuten den„Brot- crwcrb zu erschweren. Immerhin gelingt es den Gaunern, die meistens als Gepäckträger auftreten, hier und da doch einmal einen Stadtfremden zu beftehlcn. So wurden in den letzten Tagen drei derartig« Diebstähle verübt. Einer Dame aus Heidelberg stahl ein falscher Gepäckträger am Lehrter Bahnhof eine braun- lederne Handtasche, 75x50x12 Zentimeter groß. Am Schloß der Schmucktasche war der Name„Löwenthal" eingraviert. Sie enthielt Schmucksachen, u. a. ein Kollier mit zwei Brillantanhängern und andere Stücke, zusammen im Werte von 5000 Mark. Slm A n> Halter Bahnhof wurde einem reisenden Ehepaar ein Leder- kofser mit hellgrauem Ueberzug entwendet, der Herren- und Damen- wüsche enthielt, die H. D. und H. W. gezeichnet ist. Außerdem waren darin ein hellgrauer Anzug, Abendkleider und ein Album mit Städteansichten aus Luzern und Luxemburg. Der dritte� Fall er- eignete sich auf dem Bahnhof Friedrich st roß e. Hier wurde einem Engländer ein Koffer gestohlen, der den Aufdruck John Pound, London O. trug. Er enthielt für 3000 Mark verschiedene Gegenstände. Mitteilungen, die dazu dienen können, diese Sachen wieder herbei- zuschaffen, nimmt Kriminalkommissar Dr. Riemann im Zimmer 84 des Polizeipräsidiums entgegen. Danziiz in Berlin. Wieviel tausend Danziger niögen gestern nach dem Abendbrot mit dem Hörer am Ohr, dem Programm in der Hand und vielleicht auch nicht ganz ohne Heimweh im Herzen am Radioapparat gelauscht haben? Und in wieviel anderen, die zu dieser schönen Stadt engst« Beziehungen nicht haben, wird Lust zu einer Sommer- reise in den„fernen Osten" geweckt worden sein? Deutschland ist gewiß nicht arm an Städten, deren geschichtliche Vergangenheit noch heut« tausendfache Zeugen ausweist. Aber Danzig ist von diesen lebensfrischen Chroniken bunter Historie eine der reiz- und charakter- vollsten. Wem es je möglich war. einen Blick zu tun auf die ,.L a n g e B r L ck«" und dos„K r a n t o r", wer bei der Wanderung durch die altertümlichen Gossen mit den berühmten Beischlägen vor den Häusern zum„Frauentor" kam. wer den Artushof sah und die Marienkirche, die aus der Blütezeit der alten Hansastadt stammt — der behält diesen Flecken deutscher Erde ewig lieb und widmet ihin mehr als das sachliche Interesse, das die Politik ohnehin heute dafür oerlangt. Daß die alte deutsche Stadt Danzig, die seit Jahren von polnischer Seite kleinlich bedroht wird, auch viel on geistig kulturellen Werten dem Mutterland« schenkte, wurde neu nun ini Rundfunk wieder bewiesen. Es wurden mehrere Volkslieder von Mendelssohn und Schumann, deren Text der„Danziger" Eichen. dvrsf schrieb, Danziger Gedichte von Paul End erlin g und Katharina K l i n g e r, Prosa von Herbert Sellen und schließkich mit großem Orchester Felix Dahns„Mette von Marienburg" zu Gehör gebracht. Alfred Braun als Sprecher und Theodor Heß van der Wyk als Sänger waren gute Mittler einer guten Sache. Reue Ttrqftenb«ß»verbi«dung. Vom Dienstag ab wird die Linie 89, Charlottenburg, Spandauer Straße— Schlesisches Tor, über Schlesisch« Straße, Falkensteinstraße, Oberbaumbrücke, Stralauer Tor, Warschauer Straß«, Frankfurter Allee bis Lichtenberg, Gudrunstraße verlängert. Am gleichen Tag« tritt auf den Linien 87 und 187 ein neuer Fohrplan in Kraft, der «ine geringfügige Verschiebung der Abfahvtzeiten vorsieht. Prügelhelden. Am Sonntagabend standen in Zepernick bei Bernau einige Sporigenossen vom Arbeiter-Fußballklub„Einig- leit 25" vor ihrem VereinSlokal. Da der Beiein noch kein Ab- zeichen besitzt, tragen die vlirglieder an der linken Nockseile ein tteineS rot-weiße» Sand. Da näherte sich ihnen ein Tiupp vom .Roten Jungsturm", die auf sie eindrangen. Ein Sporrgenofi« wurde am Halse gewürgt, während ein zweiter einen Stich mit dem Messer in die Hand erhielt. Das preußische Slalisttsche Landesamt bittet von Meldungen um Beschäftigung im Bureau oder als HauSarbeiler ge» legentlich der Bearbeitung der Volks-. Berufs» und Betriebs- Zählung abzusehen, da bereits wesentlich mehr Personen sür solche Arbeiten vornotiert sind, als je beschäftigt werden tonnen. Serlkner Turn- und Sportwoche. Am Mittwoch, den 24. Juni, nachmittags d'A Uhr soll. Im Rahmen der diesjährigen Turn- und Sportwoche, an der unteren Tiergartenschleuse in Berlin nahe der Charlottenburger Brücke(unweit vom Bahnhof Zoologischer Garten und Bahnhof Tiergarten) die erste deutsche Schwimmende Jugendherberge feier- lich eingeweiht werden. Die Weiherede wird Oberbürgermeister Büß halten. Die Taufe wird von Oberstudiendirektor Dr. Reimann voll- zogen. Am Sonntag, den 5. Juli, nachmittags 2 Uhr wird die vom Zweigausschuß Mark Brandenburg der Deutschen Jugendherbergen E. V. mit Unterstützung des Jugendamtes der Stadt Berlin neu- erbaut« Jugendherberge Chorin unter großer Beteiligung der Jugend, die singen, spielen und Volkstänze aufführen wird, ein- geweiht. Abfahrt mit Sonntagsrückfahrkarten vom Stettiner Fern- bahnhof Sonntag, morgens um K.Od, 7,30 und 10,10 Uhr nach Chorinchen.— Der Berliner Faltboot-Klub hat sich die Aufgabe gestellt, die sportgerechte Ausübung des Faltbootwanderns zu fördern. Das soll erreicht werden durch Zusammenschluß aller sportgerechten Faltbootfahrer und Aufklärung unter den wilden Paddlern und dem interessierten Publikum. Er wird daher mehrere seiner Boote am Sonntag, den 28. Juni, vorm. 10 Uhr, unmittelbar nordwestlich der Heerstraßenbrücke über den Stößensee bei Bichels- berg am Secufer aufbauen und auf Wunsch auch kleine Probefahrten veranstalten. ver �u«elang öer Polizeiwoche in Frankfurt a. M. Die preußische Palizeiwoche m Frankfurt a. M.. die unter günstigen Zeichen ihren Anfang genommen hat, kann auf einen guten L erlauf zurückblicken. Selbst die fast tropische Hitze ist nicht imstande gewesen, auf die Aufmerksamkeit der Zuhörer erlahmend zu wirken. Die Mannigfaltigkeit der besprochenen Gebiete sorgte für wohltuende Abwechslung. Eine vollständige Aufzählung wäre zwecklos, eine Auswahl derselben ober ist bezeichnend. Da war einmal das eng fachmännische Wissensgebiet. Das Referat des Polizeioberwachtmeisters Heimansberg über die Organisation des Sicherheitsdienstes gipfelt« in den Forde- rungen der strengsten Auswahl der Reviervorsteher, der besseren Fürsorge für alle Polizeibeamten und der besseren Einrichtung der Wachräume. Der Kriminaloberinspektor Hader sprach über„die krirninolpolizeiliche Tatbestandsaufnahme als Fundament eines Strafprozesses" und oerlongte verbesserte Organisation der Kriminal- Polizei, den besten Ersatz für sie, bessere Besoldung und sechsmonatigen praktischen Kriminaldiensl für Gerichtsreferendare. Probleme der fachpolizeilichen Ausbildung behandelte Ministerialrat von der L« r g h. Als ihr Ziel nannte er unter anderem die Ausbildung zum Staatsbürger und zum Träger der Staatsautorität. Er unterstrich auch die Notwendigkeit, das Verständnis der Bevölkerung für die Aufgaben der Polizei zu wecken. Oberst Oldenburg bezeichnete in seinem Vortrage über»die polizeilich« Vevwendung" den Kampf der Schutzpolizei als ein notwendiges Uebel zur Nisderhaltung der Unbotmäßigen, der Störer der Ordnung und Staatssicherheit. Di« Verwendung der Polizei müsse aber in erster Linie vorbeugender Natur sein. Aeußevst instruktiv gestaltete sich der Vortrag des be- kannten Frankfurter Gerichtsarztes, Prof. Dr. Popp, der über kriminalistisch« Spuren, deren Beobachtung, Sicherung und Ver- wertung sprach. Sehr anschaulich stellte er dar, wie aus Grund von geringsten Resten von Schmutz,©taub und sonstigen Spuren selbst der vorsichtigste Verbrecher dem Gericht überliefert werden kann. Endlich kam auch das so kompliziert« Problem„Mord, Selbstmord und Unglücksfall" zur Sprache. Das für die Polizei so wichtige Thema„Kriminalität und Psychopathie" behandelte Pros. Dr. Roet«. Er gab eine Ucbersicht über die Formen der geistigen Erkrankungen und die Maßnahmen gegen den psychopathischen Ver- brechet. Das ander« Probl omengebiet bezog sich in der Hauptsache auf Rechtsfragen. So erhielt der Entwurf zum neuen Strafgesetz- buch ein« eingehende Beleuchtung durch den Vorttag des Prof. Dr. Frcudenthal. Er forderte«in sozial gerechtes Strafrecht und einen verbessernden, gefetzmäßig festgelegten Strafvollzug. Er nahm rmch, gegen die ungeheure Flut von Reichsverordnimgen Stellung. Das Referat„Strafrechtliches aus dem Wirtschaftsleben" gab ein« Uebersicht über Gswerbegericht«, Wucherverordnungen und �der- gleichen mehr. Das Thema:„Was muß der Polizeibeamte von dem neuen Sozial- und Arbeiterrecht wissen?", war dazu angetan, das soziale Gewissen der Zuhörer in hohem Maße zu schärfen. Dos groß« Gebiet der Tarifverträg«, des Betriebsrätegesetzes, der Arbeiter- gerichte, sozialen Versicherungen usw. wurde anschaulich und tief- schürfend dargelegt. Der Vortrag„Vereins- und Bersammlungsrecht" war wohl geeignet, die anwesenden Beamten über die Rechte des Bürgers und die Pflichten der Polizei aufzuklären. Desgleichen war von hohem Interesse der Vortrag über„Rechtsmittel gegen polizei- liche Maßnahmen". Allein schon diese kurze Auszählung der Vorträg« gibt eme genügende Vorstellung von der Marmigfahigkeit der Problem«, die Gegen.stand der Polizeiwoche gewesen sind. Es wurde immer wieder unterstrichen, daß der Polizeibeamte, der seinen Pflichten gerecht werden will, ein umfangreiches Wissen besitzen und auch lausend in ollen einschlägige» Gebieten orientiert fem muh. Jedenfalls haben die Erfahrungen dieser ersten preußischen Polizeiwoche den Beweis ihrer Notwendigkeit ergeben. Man darf hoffen, daß die nächste Polizeiwoche, die im Frühjahr nächsten Jahres in Königsberg statt- finden soll, eine noch größere Zahl von Teilnehmern versammeln wird. Im Interesse der Entwicklung des preußischen Polizeiwesens wäre die» nur zu begrüßen.__ Ch:tt-?s«tzseliuna der Kommunisten. Di« Kommuisten hatten gestern unter propagandistischer Ausnutzung des Polizeivorgehens gegen chinesische Studenten in der kommunistischen Versammlung im Dorotheengymnasium eine Kund- gebung in die Pharussäle, Müllerstrnße, einberufen, in der Ruth Fischer, Willi Münzenberg und ein Vertreter der Kuomm- tang.Partei, Chen-Ting-Ku. sprachen. Herr Münzenberg konnte e« sich nieht vertneisen, fein Referat„China den Chinesen" in— ein« Polemik gegen die Sozialdemokratie umzuwandeln. Mit. Ausdrücken, wie„die Partei Scheidemann» und ähnlicher Viecher" und mit der Versicherung, daß der„Vorwärts das „gemeinste und niederträchtigste Organ" fei, das er je gesehen habe, und ähnlichen kommunistischen Offenbarungen, wird Herr Münzen- berg weder das schwer kämpfende chinesische Prgletariat von seinen skrupellosen Unterdrückern befreien noch die Einheit des Proletariats erzielen, die er so verschwenderisch mit dem Munde verficht. Ein Kommentar zu diesen unwürdigen Kampfmethoden erübrigt sich. Ruth F>-l ch e r. die wie immer ihrem Temperament die Zügel schießen ließ, zeigte auch wieder einmal, daß sie nichts besser kann, al» auf die SPD. zu schimpfen. Der chinesische Redner sprach in seiner Heimatsprache. In einer etwa zehn Minuten währenden Rede zeichnete er ein.e i n d r i n g l i ch- s Bild der grauen- vollen Lage des entrechteten chinesischen Proletariats und deckte die tieferen Ursachen der Schanghaier Unabhängigkeits- bewegung auf. Die Polizei hatte die Umgebung der Pharussäle stark gesichert. Zu irgendeiner Konttolle des die Versammlung be- suchenden Publikums kam es jedoch diesmal nicht. Als sich nach Schluß der Versammlung Kolonnen des Roten Front- kämpferbundes unter Musik die Müllerstraße hinunter in Bewegung setzten, kam es an der Ecke der Müller- und Gericht- sttaße zu Zusammen st äßen mit zwei Passanten, die angeblich p,o,oziert haben sollen. Ein Ueberfallkommando der Polizei griff «in und säubert« die Straße. Der kommunistische Zug wurde aus- einandergesprengt und teilt« sich sodann nach mehreren Seiten. Zu weiteren Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Rom, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) In den Abrunen bei Salsa in der Gegend von Aequila ist am Montag ein schwerer Wolkenbruch niedergegangen, der Menschenopser forderte und außerdem großen Schaden anrichtete, ver Neichs-�rbeitersporttag. Roch steht der gewaltige Eindruck des„Ersten Kreis-Kind'er- Turn- und Sportfestes der Arbeitersportler der Provinz Brandenburg in frischer Erinnerung. Roch befinden wir uns inmitten der Werbe- Veranstaltungen der Spörtkartelle aller 20 Verwaltungsbezirke Groß- Berlins und doch machen wir schon heute die gesamte Arbeiterschaft Groß-Berlins auf den Ausklang aller dieser Veranstaltungen, dem Reichs-Arbeitersporttag am Sonntag, den 28. Juni, aufmerk- sam. Alljährlich im Juni tritt die gesamte deutsche Arbeitersport- bewegung geschlosien vor die Oeffentlichkeit. um dieser ein Bild vom Stande des Arbeitersports, seiner Ausdehnung, seinen Leistunzen, seinem ideellen Schwung zu geben, um zu werben und zu demon- strieren für seine Gedanken. Die Vorarbeiten sind längst im Gange. Am Sonntag, den 28. Juni, mittags 2 Uhr, werden unter den Klängen der Musikkapellen Tausende von Arbeitersportlern in die Arena des Stadions im Grunewald einziehen. Die Vor- führungen bringen in diesem Jahre in allen ihren Teilen neues, noch nicht Gezeigtes. Nicht Einzelkämpfe, nur auf Massenwirkung ist alles eingestellt. So die zwanglosen Freiübungen, die Leicht- a t h l e t i k, die Schwerathletik. Die Schachspieler führen eine lebende Partie auf, nicht wie sonst: sie wird uns den Kampf der Arbeit gegen das Kapital versinnbildlichen. Jede Figur wird uns durch eine Gruppe bestimmter Menschcnklassen dargestellt. Die Springer sind lebende Pferde, geritten von Offizieren, Bauern und Arbeitern. Die Türme Gewerkschaften auf der einen Seite, Ge- fängnisse auf der anderen. Jede Figurengruppe dokumentiert für oder gegen die Arbeiterschaft. Die Fußballer veranstalten einen Städtekampf. Eine Berliner Auswahlmannschaft spielt gegen die starke„Elf" der Münchener Fußballer. Jeder Anhänger einer Sportart wird In diesem Jahre voll auf seine Rechnung kommen. Kommt alle am Sonntag zum Stadion. Sitzgelegenheit für 30 000 Personen. Eintrittspreise 50 Pf. für alle Plätze. Karten sind an der Kasse und schon vorher zu haben im Sporthaus Fichte in der Köpenicker Stt. 108 und Neukölln, Kaiser-Friedrich-Str. Kl, in der Metallarbeiterbörse, Wedding, Maxstr. 12; Paul Hoffmann, O. 34, Gubener Str. 5: Fahrradhous Frisch Auf, Beusselstr. 19, Josef Burkhardt, SO. 33, Görlitzer Str. 52: aus dem Fichte-Turnplatz in Treptow: Geschäftsstelle des Arbetter-Abstinentenbundes, SO. 1K, Engelufer 29; Paul Prasser, Michaelkirchstr. 29. Schutz gegen Störung von Arbeiterfestea. Man schreibt uns: Zur Sonnenwendfeier des Arbetter-Kullurkartells war auch der Kartelloerband für Sport und Körperpflege aufgefordert worden zur turnerischen Mitwirkung. Vom Ausschuß des Kartellvsrbandes wurde diese Aufgabe dem Turn- und Sportverein„Fichte" über- tragen. Dieser Verein hat sich bekanntlich durch den Wahlaufruf für Thälmann, offen als kommunistisch gekennzeichnet. Die Be- fürchtungen, die deshalb an die Mitwirkung von Kennern der Ver- Hältnisse geäußert wurden, haben sich bewahrheitet. Bon den Kommuni st en wurde versucht, das Fe st durch kommunistische Rufe zu stören, und schließlich wurde mit Fahnen und Plakaten ein Sonderumzug veranstaltet, der leicht zu stärkeren Reibungen hätte führen können. Das Arbeiter-Kultur- tartell wird Mittel finden, um in Zukunft diesen Stänkern die Be- teiligung an gemeinsamen Festen zu unterbinden. Für die Arbeiter- sportler ist aber angesichts dieser Vorkommnisse die Frage am Platze: Welche Gewähr bietet der Geschäftsführende Aus- schuh des Kartellverbandes für Sport und Körper- pflege dafür, daß der am Sonntag im Stadion stattfindend« Reichsarbeitersporttag nicht zu kommunistischen Zwecken mißbraucht wird? In Essen a. d. Ruhr sst dies am 14. Juni geschehen. Gleiches ist hier zu erwarten, wie es auch früher der Fall war. Unsere Genossen werden es sich aber nicht mehr gefallen lassen und lieber auf eine Teilnahme am RAST, verzichten, wenn nicht der Kartell- ausschuß dafür sorgt, daß jede kommunistische Propaganda unterbleibt. Wir erwarten deshalb, daß der Geschäftsführende Ausschuß die gestellte Frage rechtzeitig beant- wortet. Fußball. Leipzig— Berlin. Am Sonntag weilte zum erstenmal der dreimalige Bundes- meister Leipzig-Stötteritz in Berlin..Er spielte am Bahn- Hof Stralau. Rummelsburg gegen Lichtenberg I. Als um 4 Uhr die Mannschaften den Platz betraten, wurden sie mit lebhaftem Beifall empfangen. Lichtenberg hat Anstoß. Flott setzt das Spiel ein.' Don einer Ueberlegenheit einer Mannschaft kann vor- läufig keine Rede sein. Bald ist Leipzig, bald Lichtenberg in Front. Bei einem gut eingeleiteten Borstoß verpaßt Leipzig eine Chance zum Erfolg. Ein flacher Schuh in der 15. Minute führt zum ersten Tor für Leipzig. Jetzt will Lichtenberg ausholen. Angriff auf Angriff erfolgt. Zwei Ecken können auch nicht zum Ziele führen. Einen hohen Schuß kann der Leipziger Torwart gerade noch zur Ecke lenken, die jedoch verschossen wird. Beide Hintermannschaften arbeiten gut. Einige flache Schüsse des Leipziger Sturms werden vom Torwart gehalten. So bleibt es bis zur Pause. Nach Halbzeit geht das Spiel gleich scharf weiter. Leipzig erzielt seine erste Ecke, die aber nichts einbringt. Lichtenberg kommt zu seiner 6. Ecke, die zum Ausgleichstor führt. 1: 1. Ein Strafstoß für Lichtenberg wird gehalten. Bei einem Zusammcnprall muß ein Leipziger Spieler verletzt ausscheiden. Ein Ersatzmann springt ein. Lichtenbergs An- arjffe werden jetzt immer gefährlicher, die gegnerische Verteidigung bekommt harte Arbeit. Trotz aller Anstrengungen reicht es aber nicht zum Ausgleich. Mit 2: 1 verläßt Leipzig als Sieger den Platz. Vorher spielten die Jugendmannschaften von Lichtenberg RDC. 1: 0, Lichtenberger Schüler gegen NBC.-Schüler 1: 0. Weitere Resultate: Stralau«caen Tasmanla-ffrcdrrsdorf 4:0; 2. Mannschaften 9: 0; Einia- k-tt 25«cflcn Wacker- Make,!. Motzen nicht onactreten: Bernau I««en Svarta Ick I 1:7: 2. Mannschaften 2:5: 3. Mannschaft-» 0:5; 1. Stülcr 0: 2: 2. Schüler 0; 5; Buch 1. Iutzd. qcacn Union-Pantaw 1:2: 2. Ingen b 3:1. Mittwoch: Stralan aegen I. ssrcier ffutzdalltlub Spandau 1. Mann» schaften 3: 0: Teutonia 09»> aeqcn Stralau Ib 1: 2. ssreita»: Stralau Id aeacn Teutonia 09 Id 3: 0: Stralau. Alt« Herren, gegen Sadowa 2. MSnner» Mannschaft 7: 1. Morgen, Mittwoch. W Uhr, spielt die l. Mannschaft von'Borussia gegen Stralau Ib auf dm Sportplatz in Eotzlerstratze. Ilm die Bundesmeisterschasl. Wie wir erfahren, findet das End- spiel um die Bundes-Fußballmeisterschast nicht am Sonntag, den 28. Juni, statt, sondern schon Sonnabend, den 27. Juni. Welche Umstände den Bundes-Fußballausschuh dazu gezwungen haben, wird von ihm verschwiegen._' � Freilufi-Soxsportabenö. Die sportliche Vereinigung„Nord-Ost0k" hatte zu einem Kampftag geladen, der durch Schaukämpfe in Jiu-Jitsu eröffnet wurde. Man sah gute Arbeit, und es wäre sehr zu wünschen. wenn weitere Kreise sich auch diesem Sport, widmen würden, da er an Geist und Körper die größten Anforderungen stellt. Es folgten B o r k ä m p f e, eingeleitet durch die Papiergewichte Gohr(Nord- Ost) und Anhang(Deutsche Eiche). Wie den ganzen Abend, so zeigte auch in diesem Kamps der kleine Gohr, daß Nord-Ost seine Leute gut auszubilden und zu trainieren versteht. Der Kampf ging über drei Runden und endete mit Gohrs verdientem Punktsieg. Im Bantamgewicht trafen Paris(Nord-Ost) und Stelter(Deutsche Eiche) aufeinander. Beide gaben sich im Können wenig nach. Stelter hatte aber außer größerer Reichweite die größere Härte im Nehmen. so daß Paris in der dritten Runde zu Boden mußte und ausgezählt wurde. Im Federgewicht lieferte Schwenk(Nord-Ost) gegen S ch e p p(Siegfried) einen netten Kampf, der sich durch rasendes Tempo auszeichnete. In der dritten Runde flogen beide aus dein Ring und Schenk, dem man beim Zurückklettern in die Seile ge- halfen hatte, verlor dadurch den Kampf. Das nächste Treffen der- selben Gewichtklasse bestritten M u s i o l(Nord-Ost) und K a d d a tz (Siegfried). Kaddatz brach den Kamps nach der zweiten Runde wegen Magenkrankheit ab, nachdem Musiol sich ihm weit überlegen gezeigt hatte. Als Leichtgewichtler zeigte sich zunächst Stolzen- berg(Deutsche Eiche) und W i n k l e r(Siegfried). Letzterer be- wies, daß der Boxsport nicht in erster Linie Körperkraft, sondern Technik und Ueberlegung verlangt. Er als der körperlich Schwächere siegte über den boxtechnisch ungewandteren Stolzenberg nach Punkten. F i e b a g(Nord-Ost) versuchte gegen 5) a r m(Deutsche Eiche) zu kämpfen: Harm ließ sich jedoch in der zweiten Runde auszählen, mit der Bemerkung, einen Nierenschlag erhalten zu haben, der aber von keiner Seite beobachtet worden war.— Im Mittelgewicht kämpften Lademann(Nord-Ost) gegen Busch(Deutsche Eiche). Schon in der ersten Runde siegte Lademann durch k. o. Fleischer (Nord-Ost) und Pitt(Buch) lieferten einen interessanten Kampf: beide sind sich durchaus gewachsen. Pitt ist zunächst im Vorteil: sein Gegner entwickelt sich aber in der dritten Runde erstaunlich. Jedoch müssen beide noch lernen, was Boxen ist. Pitt Sieger nach Punkten. Den Schluß bildeten M u l l e r(Nord-Ost) und Adamkiewicz(Siegfried). Ein ausgeglichener Kampf zweier Sportler, die nicht mehr unerfahren im Ring sind. Adamkiewicz kämpfte entschieden überlegter, was Müller durch Kraft und Ge- wandtheit ausglich. Der Kampf war sportlich schön und endete gerechterweise unentschieden.� Bundesmeislerschasten der Arbeiter-Radfahrer. 3 um ersten Mole seit fehlem Bestehen wird der Arbeiter»Radfahrer>Bund „Solidarität" am 27. und 23. Juni in Leipzig die Bunde smei'sterschaften im Saal- und Stratzcnsport austragen. Es werden dies die Ausscheidungskämpf« für die Vertreter des Bundes auf der 1. Ärbeiter-Olumvia in Frankfurt a. M. fein. Aus allen Teilen de» Reiches werden die besten Kunstfahrer, Saalmann- schaften und Stratzenwettfahrer erscheinen. Auch der Gau 9 IVrovinz Bvan- denbnra) wird durch Luckenwald«. Reinickendorf, ffinsterwald« im Reigen und Rodballspiel, ssorst, Senftenbcrg und Berlin im Strakensport vertreten sein. Mit dem Bahnrennen wird am Sonnobendnachmittvg um 4 Ilhr die Bcrau- staltuna eröffnet werden. Am Abend werden dann im Leipziaer Bdttsdau» di« Schulreigenmannschoften um die Meisterschaften kämpfen. Sonntag früh werden im 10.,- 20. und k0.Ail<>m«ter.Ein,elfahren, LO-Nilometer-Mannschofts- fahren, 3X100V.Meter-Stvfette und 100-M«tcr»Longsamfahr«n die Ströhen- fahrer an den Start aehen. Am Vormittag wird dann«in sseftzug der Radfahrer durch di« Ströhen Leipzigs ziehen. Den Höhepunkt der Veranstaltung dürft« wohl dann der Rochnntiaa bringen, wa wiederum tm Leipziger Volkshaus im Kunstfahren, Kunstreigen und Radballspielen da» Beste aus dem Gebiete des Radsports gezeigt werden wird. Turvzeiteu der Areien Turnerfchafl Grotz-Berlin. Di« im Jahr« 1919 hearündet« ssrei« Turners chist Groh-Berlin, Mitglied des Arbeiter-Turn» und Sporthundes, ruft di« Grph-Berliner Bevölkerung zur Unterstützung der Bestrebungen auf. In den nachfolgenden Abteilungen wird Turnen, Leichtathletik, Spiele aller Art, rhythmisch- Gymnastik. Wandern usw. gepflegt: Bezirk Süden: Turnholl« Bocckhstr. 17—20; Männer Dienstag 8—10, Jugendlich« Mittwoch und Freitag 8— 10, Knaben Mittwoch und Freitag 0—8, Frauen Montag und Donnerstag 8—10, Mädchen Montag und Donnerstag 0—8 Uhr.— Bezirk Norden I: Tirrnhalle Graunstr. 12; Männer Freitag 814—10 Uhr, Jugend Dirnstag und Freitag 814— 10,«nahen Dienstag und Freitag 7—814. Frauen Montag und Donnerstag 814— 10, Mädchen Montag und Donnerstag 7—814 Uhr.— Bezirk Norden N: Turnhallen: Männer, Knaben und Mädchen Schönftiehcr Str. 7: Frauen: Sonnenburgcr Str. 22: Jugendlich«: Driescncr Str. 20. Männer Dienstag und Freitag 814—10, Jugend Montag und Donnerstag 714— 914, Knaben Dienstag und Freitag 7—814. Frauen Montag und Donnerstag 8—10, Mädchen Montag und Donnerstag 7—814 Uhr.— Bezirk Osten: Turnholl« Strahmannstr. 8, Mädchen Rigaer Str. 8. Männer ffrritag 8—10, Jugend Dienstag und Freitag 8— 1», Knaben Dienstag und Frritag 0—8, Frauen Montag und Donnerstag 8—10, Mädchen Montag und Donnerstag 0—8 Uhr.— Bezirk Südosten: Turnhalle Forster Strahe, Frauen und Mädchen Glogauer Strohe. Männer und Jugend Dienstag 6—10, Knaben Dienstag und Freitag 6—8. Frauen Montag und Donnerstag 8—10, Mädchen Montag und Donnerstag 0—8 Uhr.— Beztrk Weddiug: Turnhall« Pankstr. 18, 2. Mädchen-Abt. Müller-, Eck« Triftstrahe. Männer und Jugend Dienstag und Freitag 814—10, Knaben Dienstag und Freitag 0—8, Frauen Montag und Donnerstag 814—10, 1. Mädchen-Abt. Montag und Donnerstag 014—8, 2. Mädchen-Abt. Montag und Mittwoch 147— 149 Uhr. — Bezirk Westen: Männer. Frauen und Jugendliche Dienstag 8—10 Kulm- strahe, Donnerswg 8—10 Elhholz-, Ecke Pallasstrah«, Knaben Dienstag 6—8, Mädchen Donnerstag 6—8 Kulmstr. 15. Arbeiter Sportkartcll Teltow und Umgegend. Der diesjährige Reichs- arbeitersporttog findet am 28. Juni auf dem Sportplatz in der Augustskrah« statt. Das Programm steht ein Propagondafchwimmen im T-Iwwkanal.«in Gefangskonzert der Gesangvereine Teltow und Stahnsdorf, turnerische und leichtathletisch« Wetftämpfe, Radfahren usw. vor. Nach den Bsrführungen Fcstzu« durch die Stadt Teltow. Turn- und Sportsest in Badingen bei Fehdenick. Am Sonniag, den 5. Juli veranstaltet der Turn- und Sportverein Badingen ein Sportfest, zu dem Meldungen von auswärtigen Bercincn bis zum 1. Juli erbeten werde». Jeder Teilnehmer erhält Quartier und Verpfteguna unentgeltlich. Meldungen an Wilhelm Horn, Bödingen, Kreis Templin. Fahrverbindung ab Stettiner Bahnhof bis Gransee. Bon dort Abholung der Teilnehmer mit ZLagen. Luzern- Sportler im 17. Verwaltungsbezirk. Di« te-�aiterfvortler im 17. Bezirk beobstchtigen,«ine Abteilung des Touristenverein»„Die Natur- freunde" ins Leben zu rufen. Interessenten, welch« Wert auf«ine proletarische Wandcrouaanifation legen, müssen stch bei unterzeichnetem Seussseu melden. Heinrich Wagner, Lichicnberq. Sagenstr. 0. Frei« Schwimmer Neukölln. Mittwoch, den 24. Juni, abends 814 Uhr, Sitzung drs G..A. bei Meuncr, Iuliusstr. 59.— Sonnabend, den 27. Juni, abends 8 Uhr, Vercinsrersammluna in der Ideal-Klaus«, Mareschstr. 14. Arbeitee-Nadsahrer.Bund.Solidarität", Ortsgruppe Berliu. Dienstag abend 714 Uhr bei Wolter, Rmrgestr. 17, Ortsverwaltungssttzun«. Frei« Kanufahrer Berlin(Mitgl. d. A.-T. u. So.-S.l. Geschäftsstelle: Fr. Vaschke, Berlin SQ. 20, Oranicnstr. 30. Um dem Arbeiter. Kanusport aus den Oberhovel-Gcwässern neu« Anhänger zuzuführen, veranstalten die Freien Konusahrer im Lokal Schmeiher, Seiligens««, Aennigsdorfer Weg, am Sonnabend, den 28. Juni, abend» 814 Uhr,«ine Gründl! n« s v e 1- s a m m I u n g der Gruppe Tegel-Heiligensee. Am Sonntag, den». Juni, findet im gleichen Lokal eine Floggenweihe statt. Es stehen jetzt schon preiswert« Bootsstünd« zur Verfügung. Arbeiter-Kanusportier, die gewillt sind, der Gruppe Tegel-Heiligensee deizntrelfen, werden«ebeten, stch an der G-ründungsocrsammlung zu beteiligen. Anschriften an Max Eichel, Rest. V. Schmeiher, Heiligense« a. b. H., Hennigsdorfer Weg. Arbeiter-Sportkartel Neukölln. Hsrans zur Demonstration der Arbeiter- sportler am Eonnobend, den 27. Juni. Treffpunkt 147 Uhr Reutervlatz. Sportler, Genossen, Proletarier, gestaltet diese Demonsteotion zu einer macht» vollen Kundgebung gegen den bürgerlichen Sport, für die Arbeitcr-Sport- bewegung! Schachspieler. Der Arbeiter-Schachklub Neukölln tagt jeden Dienstag bei Ventliin, Reuter-, Ecke Boddinstrahe: Donnerstag bei Kell, Wüger-, Ecke VannierstraH«. Unterricht wird an jedermann unentgeltlich erteilt. schwtimmvereiu.Vorwärts" Berliu 1897, Gruppe Süden. In der Sport- werbewoche des Sportkartells Äreuzberg bringen am Mittwoch, den 24. Juni, abends 7 Uhr, an der Thielenbriicke(BerbindungsbrUck« zwischen Pannier- und Glogauer Strohe) die Echwimntvereine„Vorwärts", Gruppe Süden, und „Berliner Schwimm-Union" Rettungsvorfllhrungcn sowie Stascttlknschwimmen zur Schau. Fu dieier Veranstaltung, welche durch die Mitwirkung de» Mandolinen-Elubs„Glück auf" unterstützt wird, sind die Arbeiterschaft sowie unsere Brndcrorganisationen herzlichst ietrrgvladen. UebungSstundeu. Neu» aufnahmen und Schwimmunterricht jeden abend ouher Senuah-ud- im alten Studentenbod, Ratibotstr. 14.. �., A..T.- u. Sp.'B., Ostgrupp«. Sportfest des Manner.Turnverein« Spare». berg am 12. Juli.' Programm: Vormittags: Ab 10 Uhr allgemeines Bade, im � Salzsee.— Nachmittags: 114 Uhr Antreten zum Umzug(Bereinslokal). Danach Beginn der Wettkömpfe: Männer und Jugend(Vicrkampf): Knqelstohen, Echleudcrboll. lOO-Meter-L-nf, Weitsprung.— Frauen(Dreikampf): lOO-Metcr-Lauf, Kugelstohen. Hochsprun«.— Kinder(Dreikampf) übe' 10 Jahre: Hochsprung, 75.Meter.Lauf, Kuaelswhen: unter 10 Jahre: Weitsprung, Bollweitwerfen, 75.Meter.Lauf.— Auherdem: Einzelkämpfe für Manne: und Iuqcnd: Stabhochsprung. Hochsprung, 1500.M«ter-Lauf und 4X160. Meter- Stafette(IXlOO-Meter-Stcfette auch für Kinder).— Sandervorsührun«eu: Sprünge vom Federsprungbrett. Tauziehen usw. M-ldeschluh ist der 5. Zull 1. Kreis, Wassersports»«»«. Meldeschluh und McldeeröffnlMg für die Jugend- und Kindcrweftkampfe am Sonnabend, den 27. Juni, abends 8 Uhr i» der Waldhüttc Blötzensee. Drreine, di« noch Kampfrichter stellen, müssen anwesend sein. Mannschaitskegeln in OberichSneweid«. Im Keglerheim OherschLneweid« kam am Sonntag das vom Sportkegelklub„Sechs Kalte"»eranftaltete «rohe Sportkeqeln zum Ablchluh. Es beteiligten stch 31 Dreier-Maiinschasten die der Gau Berlin des Froteu Keglerbuudes und der Kegler arrbaiib Sbc'rfptcc«tcmtlbet ftotlcn. Jede Mannschaft chatte «m Änacln in die Vollen zu incrfcn. Eiezer wurde„SP.-A.-A. B l> b o w" »it 43Z7 Sofz vor..Secchs Ä o 1 1 c", dl- ouftct Wirkung 1305 Solz erzielte IN Weiter vlacierien sich noch die anderen Mannschaften vom Sp.'K.-A. Bösiow flZOO Solz) und„Alten Stamm"<1290 Solz). Die Kesten EinzcUeistungcn erreichten in 200 Kugeln! Serzoa 1170 Solz, Nickel 1150 H., Sommerfeld lAka) 1158 S.. E. L»ase sAIt. St.) 115S S. und UMirtch(Biisiow) 1155. S. Auf der Aoniurrcnzbahn lagen vorn Senneberg fSechs K.). W. Meier sEefell.), Zicinli. Spreche rt(Naffe Zieun) und Möllmer s Gefell.) mit je 26 Holz. Der Turnverein.Zachn', Treptow-Bonmichulenweg(Mitgl. d. A.-T.- u. Sv.-B.) chat in feinet lesiten Vollversammlung beschlossen, neben dem Turnen jeglichen Rasensport zu pflegen. Der Berein firmiert nunmechr: Turn- und Sportverein ,Zabn", Trevtow-Baumschulenweg. Vir bitten alle noch sfern- ftebenden. sich uns anzuschließen. Arbeiter-Eportiartell Krcuzberg. Donnerstag. 25. Juni, abends 6 Uhr. findet ein Dropaga ndaabend des Kartells auf dem Urban-Sport- platz statt. Es beteiligen sich: Radfahrer, Turner. Leichtathleten. Fußballer, Frauen, und Knidcrabtcilungen. Programm: Fusiballfpicle, Radball. Handball. Rabpolo, Straßenpropagandolauf, Staffelläufe. Eingfviclc, rhythmische Freiübungen der Kinder. Turnen am Reck und Barren, Fußballklub Viktoria 6 Uhr, FTGB.-Südcn und-Ssidosien, Männer, Frauen und Kinder. 6 Uhr. Radkohrerabtcilungcn l, 2. 3'47 Uhr Urban-Sportplat, zur Stelle fein. I Vorträge, vereine und Versammlungen. Wirtschaft und Proletariat"'. 38. Abt. l'i Uhr Sitzung aller Funktionäre hei Bartusch, Friedcnstr. 58. 12. Abt. 8 Ubr Mitgliederversammlung in den Blüchersölen. Vortrag des Genossen Dr. Witte:„Stadrparlament und schule". Die Frauen der Genossen find besonders dingeladen. 13. Abt. 7>:. Uhr Mitgliederocrsammlung bei Rabe. Fichtestr. 26. Bortrag des Genossen Stadtrat Hcßs»old:„Kommunalpolitik im Bezirk Krcuzberq". 45. Abt. 7>„ Uhr pünktlich Mitgliederversammlung in der Schulaula Förster, Ecke Rcichcnberger Straße. Tagesordnung:„Stinnes' Zusammenbruch". Referent Genosse Rüben. Wahl der Delegierten zum Bezirkstag. 16. Abt. Di« Zahlabende fallen aus. Die Genossen beteiligen sich an der Ratbenau-Fcier in Oberfchöneweidc. parteinachrichten Siuseadungen für diese Rubrik sind Verlla EW. SS. Lindenstraße 3, für Groß-6�rlm »et, an da» Bezirkssekreta riol, 2. Hof, 2 Trev. recht», in richten. 7. Kreis Eharlottenburg. Mittwoch, den 21. Juni, S Uhr. Bcrfammlung des Berbaudes der in der Wohlfahrtspfle fönen.des Bezirksamts im Saal 5 der Freien Schulgemeindc, desgleichen.........____ ' ziebungsberechtiqtcn beteiligen sich an der großen Kundgebung zur Eiche rung der Grundschule, die beute, Dienstag, den 23. Juni, abend» 8 übt. im Großen Schaufvielbaus, Berlin, Eingang Karlfiraße, stattfindet. 0. Sie!» Wilmersdorf. Mittwoch, den 21. Juni. 8 Uhr, große öffentliche Derfammlung im Biktoriagarten, Wilbelmsaue 111—115. Thema:„Die Lebcnsmiitclncrteuerung und die Olusbeutung des arbeitenden Volkes". Rcfercntin Frau Bohm-Schuch, M. d. R. 13. Kreis Tcmpclhos. Mariendorf. Marienfeld«, Lichtenrade. Pünktlich 7,4 Ubr Krrisvorstandssißung bei Niendorf, Maricndorf, Cbaussee», Ecke Streblißstraßc. Tagesordnung: Statutenbevotung. Anträge und Bor- schlage für die Delegierten. Heute, Dienstag, den 23. Zum: 17. Abt. Die Bezirksfiihrer werden ersucht, die Markcnbeständ« sowie Mai- marken restlos bis zum 28. Juni beim Kasziercr Söhne abzurechnen. 17, Abt. 544 Uhr Flugblattverbreitung bei Eiebentvvf. Muskauer Str. 35. 102. Abt. Baumschulenweg. 714 Uhr im Lokal von Borgmann außerordentliche Mitgliederveriammlnng. Vortrag des Genossen Karl Wende muth, M. d. 9t., Breslau:„Die Sozialdemokratie im Kampf gegen die Zoll- und Steuer- Politik des Kabinetts Lutber". Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Zuvgiozialisten. Gruppe Tempelhof-Mariendors! Wegen der Mitgliedrrver- fommlung der Parte! fällt dir Veronktaltung aus. Mitgliederversammlungen und Zahlabende in Groß-Rerlin am Mittwoch, den 24. Znni: 3. Abt. 714 Ubr im Saal 3 des Gewerkscbaftshaufes. Engelufer 25, Mit- aliedervcriommiung. Bortrag des Genossen Bartels,'M. b. L. 6. Abt. 714 Uhr Mitgliederversammlung bei Büttner, Schwedter Str. 23. Jobresbcricht. Rcuwahl der Abtcilungslcitung. Die Bezirksführer müssen zwecks Abrechnung erlcheinen. 7. Abt. 714 Uhr in Köhlers Festiälen. Tieckstr. 21, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Erwin Marguordt. 0. Abt. Die Mitgliederversammlung findet des Sreisvertvetertages wegen nicht statt. 15. Abt. 7� Uhr bei Goldbach. Binetaplaß 7. Mitgliederversammlung. Bor- trag des Genossen Fcchenbach:„Kulturbewegung im Sozialismus. 18. Abt. 714 Uhr an bekannter Stelle Mitgliederversammlung, llieferentin Frau Kuncrt, M. d. L. 2g. Abt. 714 Ubr bei Wende, Kolaniestr. 117. Bortrog des Genossen Putt- kamcr über„Die Zollvorlagc". 21. Abt. 714 Uhr in der Schulaula Plantagenftr. 15— 17, Mitgliederverfamm- lung. Vortrag der Genossin Frau Klara Weyl:„Aus kommunaler Arbeit". 25. Abt. Uhr im kleinen Saal des Saalbaus Friedrichshain Mitglieder. Versammlung. Vortrag des Genossen Stelling, M. d. R.:„Die Zoll- vorkogc". 3>..Abt. 714 Uhr Zahlabende: Goldschmidt, Eolvische Str. 35: Meißner, Schievelbciner Straße: Rieß, Schievelbeinrr, Ecke Mciniirger Straße. 32. Abt. 714 Uhr Mitgliedervcrfanimlung in Schmidts Feftfälen, Fruchtftr. 56a. Tagesordnung! Stellungnahme zum Entwurf des Örtsftawts für Berlin. 33. Abt. 714 Uhr in der schulaula Sllhcnlahesrr. 10 Mitgliederversammlung. Referent Genosse Dr. Löwcnstein. M. d. R.:„Die Zollvorlage". Freitag, den 26. Zum 1925, abends pünktlich 7'/z Ahr, im Lehrer-Vereinshaus(kleiner Festsaal), am Alexanderplah: Kefei»enien-I�onkei*enL mit den Betriebsverirauensleuken und Gcwerkschasks- funklionären der SPD. Vortrag des Genossen Dr. Dreitschcid(ZR. d. R.) über: »Der Kampf um Zölle unö Steuern, im Zusammenhang mit öer innen- unü außenpolitischen Situation." Aussprache. Eintrikl nur mit ZNitgliedsbuch der SPD. Der Bezirksvorstand. 17. Abt. 714 Uhr Mitgliederversammlung bei Behrend. Manteuffelstr. 05. Vortrag des Genossen Pfarrer Franckc. Stcllungnabm« zum Bezirkstag. Eharlottenburg. 53. Abt. 714 Uhr im Lokal von Albert, Kutten-, Ecke Wiebc- ftraße. Abtcilunasverfammlung. Vortrag des Genossen Bieter Schiff.— 55. Abt. 744 Uhr Abteiluvgsverfommlung bei Reimer. Wilinorsdorfer Straße 21. Stellungnahme zum Bezirksparteitag und Stotutenberatung.— 56. Abt. 8 Ubr Abteilunqsverfammlung in der Solßcndorffsit. 20.— 57. Abt. 714 Uhr bei Thunack, Wieloudftr. 1, Mitgliederversammlung. Bortrag des Genossen Dr. Klee:„Deutschlands politische Lage". 7». Abt. Tchäueberg. 8 Ubr Mitgliederversammlung bei Roscnthal. Ebers- ftraße 66. Die Bezirksführer werden gebeten, einzulaben. 81. Abt. Friedenau. 8 Ubr Mitqliedervcrfaiinnluna. Bortvag des Genossen Seinricki Ströbel, M- in R.:„Die Sozialdemokratie in und noch der Wahl". 83. Abt. Lickterfelbe. Die ai» 21. Juni fällige Mitgliederversammlung fällt umständehalber aus und findet am Mittwoch, den I. Zuli, statt. 81. Abt. Laatwiß. Die Mitgliederversammlung am Mittwoch fällt au» und findet am 8. Juli statt. Sterbetafel öer Sroß-öerliner partei-Grganifation| 83. Abt. Lichterfelbe. Die Beerdigung unserer am Freitag, den 10. Zuni, verstorbenen Genossin Anna Liljenberg findet heute, Dienstag, nach» mittags 1 Uhr. von der Kayelle des Parkfrredhvfs, Lichterfelde-Süd, aus statt. Jugenüveranstaltungen. Musiker und Eefanaschor! Die Uebungsstunbe finbet a» Mittwoch, den 21. d. M., pünktlich abend, 744 Ubr, rm Jugendheim Liudenftr. 3, statt. 4�! I M T'I M I l-CXTTl I I I I 1 M I rTEEELTIXl I I f 1 Hg Di- Arbeitsgemeinschaft des Genosse»«braha» tagt am Mittwoch, M W den 21. Zuni. ausnahmsweise in drr Schule Kochstraß«,. Hof. 2. Stock, g Der Gqmnaftikknrsu» für Rädchen beginnt am Dienstag, den 30. Juni, im Jugendheim Lindeuftr. 3. Heute, Dienstag, den 23. Zuni, abends 755 Uhr: Bedding-Rard: Schul« Müllerftr. 18, Vortrag:„Wir und unsere Geancr".— Schönhauicr Borstodt: Sckmle Zbsenftr. 17, Vortrag:„Kirche. Staat und SAJ." — Wilmersdorf: Jugendheim Hildegarditr. 1. Ernst-Toller-Abend.— Zien- källn III: Jugendheim Schierckestr. H. Portrag:„Englondreife midi englische Parteien".— Reulällu V: Jugendheim Schrerkestr. 11, Vortrag: Seyuclle Frage".— Rcinickendorf-Oft: Jugendheim Residenz sie. 46, Bortrag: �Hamburg". Reichsbanner„Schlwirz- Rot-Gold". efchäftsstelle: Berlin S. 11, Eebaltianftr. 37/38, Hof 2 lt. Kameradschaft Wedding: Mittwoch, den 24. Juni, abends 6 Ubr. Antreten zur Autofahrt bei Müller. Ufcrftr. 12, zur Rathcnou- Feier. Donnerstag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, Treffen der Zugendkameva- den in der Turnhalle Lütticher Str. 4.— Kameradschaft Prenzlauer Berg: Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr. Mitgliederversammlung im Ledigenheim in der Pappetallec. Erslheineii sämtlicher Mitglieder ist Pflicht.— ; Kamer-tich-ft Friedrichohain: Mittwoch, den 24. Juni, abends 644 Uhr, Treffen der gcsamtcn Komcradfchaft im Bercinslokal Fruchjflr. 36z zur Rathcnau- Feicr in Sberfchöneweide. Donncrstag, den 25. Juni, abends 7 Uhr, Turn- abend der gesamten Kameradschaft in der Turnhalle Diestclmcyerftr. 5.— Kameradschaft ftreuzberg. Abt. Südost: Mittwoch, den 21. Juni, abends 614 Uhr, Antreten Sörlißcr Bahnhof. Donnerstag, den 25. Juni, abends 614 Uhr. Antreten Säsiesifches Tor.— Kameradschaft Eharlottenburg: Mittwoch, den 21. Juni, abends 6 Uhr, treffen sich die Kameraden zur Rothenau-Feicr am � Bahnhof Zoo. Pünttlichcs Erscheinen sämtlicher Kameraden ist Pflicht.— Kamcradschost Steglitz, 12. Bezirk: Mittwoch, den 24. Juni, abends 6 Uhr. treten die Kameraden zur Rothenau-Feicr an. Steglitz: Marktplatz, Düppel» ftraße: Lichtcrfelde: Kronoldplaß: Lankwitz: Lehmanns Fcsizä.c, Kqzfcr- I Wilhclm-Straßc. Fahrt mit Auw. Douneroiag, den 25. Juni, abends 8 Uhr. 1 erweiterte Borsiandssißung einschließlich Gruppenführer und Unterkassierer im Restaurant Thiel, Albrechr», Ecke Ringstraße.— Kameradschaft Neukölln-Briß: Donnerstag, den 25. Juni. Ucbungsabcnd auf dein Turnplatz in der Grenz- aller. Treffpunkt abends 7 Uhr Eanner-, Ecke Saalcsiraßc.— Kameradfchait Tiergarten: Dienstag, den 23. Juni, abends 7 Uhr. trifft sich dos Tambour- korps am Bahnhof Bcusselftraße. Mittwoch, den 21. Juni, abends 7 Uhr, Treffen der Kameraden am Bahnhof Oberfchöneweidc zur Rathenau-Gedcnk. feicr.— Kameradschaft Wilmersdorf: Zur Teilnabme an der Gedenkfeier von Waller Rathenau in Oberichöneweido Antreten Mittwoch, den 21, Juni, abends 6 Uhr am Bahnhof Zoo lZehensstraße). Fahnen mitbringen. Kameraden, die hierzu nicht erscheinen können, besuchen die abends 8 Uhr stattfindende Protest- Versammlung im Biktoriagarten.— Kameradschaft Zchlendors: Mittwoch, den 21. Juni, abends 744 Uhr, Treffen Bohnhaf Niederschöneweide zur Ratbenau- Gedenkfeier. Anschließen an Steglitz.— Kaweradschaft Tempelhos: Mittwoch. den 24. Juni, abends 614 Uhr. Antreten Dahnhof Temvelbof.— Kameradschaft Schöncberg.Friedenan: Mittwoch, den 24. Juni, abends 6 Uhr, Antraten Bahn Hof Ebcrsftraße. Fahrt mit Lastauto zur Rathcnau-Feier.— Kameradschaft Reukölln-B-itz: Mittwoch, den 21. Juni, abends 614 Uhr. Treffpunkt zur Rathenou. Gedächtnisfeier: Britz und 3. Zug Bahnhof Kermannstraßc. all- übrigen Ringdabnbof Neukölln: Nachzügler um 7 Uhr abends.— Kameradschaft Treptow, Untergruppe Adlershof: Mittwoch, den 24. Zuni, Antreten sämtlicher Kameraden Bahnhof Adlershof zur Fahrt 615 Uhr abends nach Niederschöneweide zur Rathen.au-Fcier. Fahnen sind mitzubringen. Untergruppe Baumschulenweg. Achtung. Rathenau-Feicr! Die Kameradschaft tritt am Mittwoch, den 21. Juni, restlos an. Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Baumschulen. weg und 644 Uhr Bahnhof Niederschöneweide.— Kameradschaft Pankow mit Untergruppen: Mittwoch, den 21. Zuni, abends 644 Ubr. zur Rathenau-Feirr Antreten sämtlicher Kameraden auf dem Marktplatz zur Autofahrt. Nach richtcndicnst muß einladen. Tambourkorvs mit Instrumenten ebenfalls zur Stelle.— Kameradschaft Reinickendorf: Mittwoch, den 21. Juni, abends 6 Uhr, Treffpunkt der Kameraden sämtlicher Untergruppen zur Beteiligung an der Rathenau-Feier auf dem Ringbahnsie ig Bahnhof Gesundbrunnen. Fabrt mit den Züaen 6.05 und 6.15 Uhr direkt bis Bahnhof Niederfchöneweide.— Käme. radlchaft Prenzlauer Berg: Mittwoch, de» 21. Juni, abends 6 Uhr, Antreten Senefeldervlaß zur Fahrt nach Oberschöneweide zwecks Beteiligung an der Rathcnau-Feier._ Der SypvtbckcvglSubiger. und Sporerfchutzverband für das Deutsch« Reich. O»tsgrupve Pankow, veranstaltet am Dienstag, den 23. Zun:. abends 8 Uly:, in der Aula der V. Gcmeindeschul«, Pankow. Wollankstr. 130, eine öffentliche Berfammlunq. Referent: Herr Dr. Enß. Gemeinschaft proletarischer Freidenker. Mitgliedorversammlung am Mittwoch. den 21. Juni, abends 714 Ubr. im Jugendheim Steglitz, Kniephof-, Ecke Ieoerftraßc. Bericht über die Freidenker-Jnternationale. Gäste willkommen. De«„Berliner Hnnderennklnb" seßt am Sonntag, de» 5. Juli, auf der Grunewald-Rennbahn lein diesjähriges Meeting fort. Es kommen 15 Rennen zum Austrag, darunter die Hoch- und Wcitsprunqkonkurrenz. Meldeschluß am 29. Juni. Annahmestellen: Restaurant Paulo. Dorothccnstr. 56, und Bauuigllrtner. Friedenau, Büsingstr. 6(Rhcinqau 2081). Hundehesitzcr, die nicht dem Klub angehören, könncn auch ihre Sunde laufen lassen. Rächstcr Trainingstag Sonnabend, den 27. Juni, auf der Gruncwald-RcnnSabn. Geftbästlicke Mitteilungen. Fünf billige Sofcntagc werden van der Firma Baer Sohn A-G.. alleiniae Berkauseftelle in Berti». Ehausseestr. 20—30. veranstaltet. Dieser Sonderver- kauf. dessen billige Preise in dem fymte crschicncncil Inserat veröffentlichi stnd, lassen die überaus große Leistungsfähigkeit der bekannten KIcidcrwcrkc erkennen. Detter für Berlin und Umgegend. 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Himmel gefallen Metrapol» Tbeat. 8V, Uhr: Tausend säße Beinchen Steinpl.931 8U:■ USCHI| »V Jean Gilbert" Uschi lllnt. fr. SdiBl: A , Otrlrail« Berlinir- A> -- Wegen if. großen„ " Andrangs a«al Z es Aßend 6. Sitte et. 3 - Vorverkauf zu 5 Benutzen. g- ■"Th.l.Konim.-Slr.m Wllll.S030.iOI3 0V-U.> Ml. stümisdn UtefoIgH pnrdiilenHOnilfunltlB iTJ fii a L Vergnügungspark am Lehrt. Bhf. H Heute das Sensaiions- Programm. H m 22 Eintritt 50 PI, WM Reit 8 Uhr: Sleffiner sanger „Das Dentsshe Meer1, , Lebrade Lieder vra Ferdinand Me�ei Denherr- Bretel; Saal und(Z arten . k«: dl riknlt Riazmutm-DsttMer Karl Brwni Sonderzug Berlin-Köln am 25. Juni aus Anlaij der rheinisdien Jahrtauscndausstellung In Köln 33 Vz% Erm ichig ung. Rfiddahri innerhalb einer Frist von rwel Monaten mit federn beliebigen Zuge gestattet. Abfahrt 7 00 abends Pofsd. Bhf. Ankunft: Köln 7 20 Uhr. Lessiog-Theat» Tägl. 8 Uhr: Die Göttin anf der Balz Lustspiel von Hans Bachwitz Trianon-Th. 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In dritter Beratung wird der Gesetzentwurf über die Wechsel- und Scheckzinse n ohne Debatte angenommen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs zur � �enöerung öer Verbrauchssteuern. Reichsfinanzminister v. Schlieben führt zur Begründung aus, daß bei verschiedenen Verbrauchssteuern undurchsichtige Bestimmun- gen geklärt und der Reichsabgabenordnung besser angepaßt werden müßten. Bei der Salzsteuer sei eine Umstellung insofern erforderlich, als das Gewerbesalz von der Steuer befreit werden müßte, der Ausfall aber auf das Speisesalz gelegt werden müßte. Die Industrie habe eine solche Umstellung verlangt. Das Speiscsalz müsse deshalb den Satz von 3 M. für den Dopellzentner tragen. Bei der Z u ck e r st e u c r bleibe es bei den geltenden Steuer- sätzen, die Steuer solle aber künstig von dem Eigengewichte des Zuckers, nach Abzug aller Umschließungen, erhoben werden. Eine Verminderung der Zuckersteuer sei nicht möglich. Abg. Wendemukh(Soz.): Was der Finanzminister heute gesagt hat zur Begründung ge- nügt uns nicht, wir müssen dazu einige Fragen stellen, um zur Klar- ftelliing der Lage zu kommen. Die Zucker st euer wurde Ende 1923 aus 3 5 Proz. bemessen. Als die Zuckerpreise in die Höhe gingen, erhöhte sich dementsprechend auch die Zuckcrsteuer. Als aber im vorigen Jahre der Zuckerpreis fiel, blieb man bei der erhöhten Steuer stehen, sie macht jetzt nicht mehr 35, sondern 50, zeitweise sogar 60 Proz. aus. (Hört, hört! bei den Soz.) Durch diese ungesetzliche Berechnung ist ein erheblicher Mehrertrag an Zuckersteuer eingegangen, er betrug von Januar 1924 bis April 1924 mindestens 75 bis 80 Millionen, noch Ablauf dieses Rechnungsjahres wird nicht viel weniger als 100 Millionen Mark mehr an dieser indirekten Steuer eingegangen sein.(Hört, hört! bei den Soz.) Es genügt nicht, über diese Tat- fache mit ein paar Worten hinwegzugehen. Den Grund für die Erhöhung der Zuckersteuer finden wir in einer Denkschrift der Zuckerindustriellen. Es wird dort verlangt, daß bei sinken- den Zuckerpreisen die Steuer nicht ermäßigt werde. Im Bericht des Reichswirtschaftsrates wird auch gesagt, daß der Reparationsagent Schwierigkeiten machen könnte, wenn die Zuckersteuer herabgesetzt würde. Diese Begründung ist nicht stichhaltig. In dem Dawes-Gut- achten wird ausdrücklich gesagt, daß Deutschland zwar eine be- stimmte Last tragen solle, aber die Mittel und Wege dazu müsie es allein wählen. Dje licgicrung denkt aber nicht daran, die besitzende« Klassen in stärkerem Maße heranzuziehen, immer wieder ist es der Derbrauch, der alle Lasten tragen soll. Wenn schon außenpolitische Momente herangezogen werden, so gibt es andere, viel schwerer wiegende Gründe, die für eine Ermäßigung der Zuckersteuer sprechen. Das Dawcs-Gutachten erhöht die Reparationsabgaben mit dem Steigen des Ertrages der indirekten Steuern, umgehehrt werden die Abgaben ermäßigt, wenn weniger aus indirekten Abgaben ein- kommt. Was aber sehen wir jetzt? Die Zölle bringen nach dem Etat 370 Millionen, die Tabaksteuer 503 Millionen, die Biersteuer 195 Millionen, die Zuckersteuer 210 Millionen, die Branntweinsteuer 130 Millionen, zusammen also 1408 Millionen Mark. Dazu kommen die jetzt vorgeschlagenen wesentlichen Erhöhungen der Bierstcuer mit 130 Millionen, der Tabaksteuer mit 210 Millionen Mark. Mit dieser Erhöhung zusammen sollen also die Zölle und indirekten Abgaben 1748 Millionen Mark erbringen.(Hört, hört! bei den Soz.) Daraus folgt die Talsache, daß wir zu einem Zuschlag von 250 Millionen Mark Reparationsvcrpslichlungen an die Entente gezwungen sind. Mir Sozialdemokraten haben uns zwar alle Mühe gegeben, die Rechtsparteien zu außenpolitischer Vernunft zu erziehen. Jetzt aber treiben sie eine Ersüllungv- politik, die man vorher gar nicht für möglich gehalten hätte. Sie geht so weit, daß man schon von einer Ersüllungswut bei den Rechtsparteien sprechen kann. Genau so liegen die Verhältnisse bei der Solz st euer, über die der Minister mit ein paar Worten hinweggegangen ist. Das Gewerbesalz soll frei von Steuer bleiben, um so größere Steuer soll das Speisesalz tragen. Wir wenden uns mit aller Eni- schiedenheit gegen diese Absichten. Die Einnahme aus der Salz- fteuer soll von 5 auf 17L Millionen, also auf mehr als das Drei- fache erhöht werden.(Hört, hört! bei den Soz.) Also wiederum eine Belastung der Verbraucher. Wir verlangen ein« Er- Mäßigung der Zuckcrsteuer und die vollständige Beseitigung der Salz- steucr. Wir wollen sehen, ob auch die regierenden Parteien ihr bis- hcriges Verhältnis ändern werden. Wir sind die schärfsten Gegner der indirekten Besteuerung, wir wollen versuchen, so weit ep möglich ist, sie zu lindern. Nunmehr warten wir ab, wie weit das soziale Empfinden der bürgerlichen Mittelparteien geht. Im Ausschuß aber werden wir weiter darüber reden.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Reichssiiianzminister v. Schlieben erwidert, die Salzsteuer solle nur noch ein Viertel der Belastung der Friedenszeit betragen� im Frieden sei die Belastung mit der Salzsteuer auf 1 M. für den Kops berechne! worden, in Zukunft solle nur 25 Pf. dezahlt werden. Abg. Reubauer(Kam.) bekämpft die Verbrauchersteuern über» tmupt und fragt, habe etwa der Reparationskommissar eine Cr- jhöhung dieser Verbrauchssteuern verlangt?, Abg. Drüninghaus(D. Lp.) beantragt die lleberweisung der Vorlage an den Steuer, außschuß und die V e r st ä r t u n g des Ausschusses von 28 auf 32 Mitglieder.(Aha! links.) Abg. Dittnmnn(Soz.): Gegen den Antrag auf lleberweisung der Vorlage an den Steuerausschuß habe ich natürlich nichts einzuwenden. Dagegen befremdet es mich nicht wenig, daß jetzt der Antrag gestellt wird, den Sleuerausjchuß von 28 auf 32 Mitglieder zu verstärken.(Sehr richtig bei den Soz.) Herr Brüninghaus scheint sich über die Konse- quenzen dieses Antrages nicht klar zu fein. Wenn nämlich dieser Antrag angenommen werden sollte, so führt das automatisch dazu, daß auch die anderen bedeutenden Ausschüsse aus 32 Mitglieder verstärkt werden müssen(Sehr richtig! bei den Soz.), d. h., daß der g a n z e B e r t e i l u n g s s ch l ü s s el für unsere Aus- schüsse über den Haufen geworfen wird. Darüber muß sich Herr Brüninghaus klar sein. Wenn er diese Absicht nicht hat, dann muß man zu dem Verdacht kommen, daß er besondere Ab- sichten verfolgt, dann muß man der Meinung sein, daß er ausge- rechnet hat, daß, wenn der Ausschuß auf 32 Mitglieder erhöht wird, diezenige Richtung, die er glaubt vertreten zu müssen, im Ausschuß soweit gestärkt wird, daß sie automatisch die Oberhand bekommt, und im Ausschuß Beschlüsse zustande kommen, die ihm angenehm sind, während solche Beschlüsse bei der jetzigen Zusammensetzung des Ausschusses nicht zu erzielen sind. Wenn das die Absicht ist— Herr Schulz- Bromberg nickt, bestätigt also, dann können Sie von uns nicht verlangen, daß wir auf Ihre Absicht eingehen. Wir werden uns jedenfalls energisch dagegen wehren, daß der Ber- tcilungsschlüssel für die Ausschüsse geändert wird, nur damit die Herren von rechts— denn die Herren Deutschnationalen scheinen ja mit den Herren der Deutschen Volkspartei im Bunde zu sein— ihre Absichten durchsetzen können, die sie sonst nicht durchsetzen können.. Wir können uns natürlich nicht dagegen wehren, wenn im Aeltesten- ausschuß über die Sache gesprochen wird. Aber wir haben keinen Anlaß, einen solchen Antrag an sich zu unterstützen. Mögen die Herren den Antrag im Aeltestenausschuh einbringen, der ja meines Wissens morgen zusammentritt. Aber es liegt kein Anlaß vor, auch nur den Anschein zu erwecken, daß man auf diese Wünsche der Herren Deutschnationalen und der Herren von der Deutschen Lolkspartei. die auf Schiebungen hinauslaufen, eingehen solle.(Bei- fall bei den Soz.) Abg. Schulh-Bromberg(Dnat.) erwidert, daß über diesen An- trag vorher mit den Parteien verhandelt worden sei. Jetzt ständen sich im Ausschuß Mehrheit und Minderheit immer mit gleicher S t i m m e n z a hl von 14 Mitgliedern gegenüber, dieses V e r- hältnis entspreche nicht dem des Plenums. Abg. vrüninghaus(D. Vp.) beantragt nunmehr, die Frage der Verstärkung des Steuerausschusies dem Aeltestenrat zur Entscheidung zu überweisen. Abg. Müller-Franken(Soz.) bezweifelt die Beschluß- fähi gleit des Hauses. Infolgedessen wird über den letzgenannten Antrag Brüninghaus namentlich abgestimmt. Die Abstimmung ergibt die Beschlußfähig- keit des Hauses. Der Antrag vrüninghans auf Entscheidung dnrch den Aeltestenrat wird mit 173 gegen 116 Stimmen angenommen. Darauf setzt das Hau» die Beratung des Haushalts des R e i ch s m i n i st e'r i u m s des Innern in der Aussprache über das Gesundheitswesen fort. Präsident des Reichsgesundheitsamts Dr. Bumm macht Mit- teilungen über die Arbeiten des Amtes zur Erforschung verschiedener Krankheiten, namentlich der Berufskrankheiten. Es seien Untersuchungen im Gange über die Einwirkungen des S t a u b e s auf die Tuberkulose, über die Bergwerkskrank- heiten, über die Gefahren der Röntgenbehandlung für die Krankenschwestern usw. Die Gehaltsverhältnisse in den Laboratorien sollen geprüft und eventuell oerbessert werden. Die Veröfsent- lichungen des Reichsgesundheitsamts würden so umgestaltet werden, daß sie weiteren Kreisen zugängig gemacht werden könnten. Zur Bekämpfung der Tuberkulose seien besonders umfangreiche Arbeiten vom Reich und von den Ländern gemacht worden. Das Reichs- tuberkulös egesetz sei fertiggestellt und werde den Reichstag wohl in der nächsten Session beschäftigen. Abg. Dr. Moses(Soz.) widerspricht der Behauptung des Abg. Haedenkamp, daß die Revolution an der Vermehrung der Ge- schlechtskrankheiten schuld sei. Seine Partei bekämpft das Phari- säermm. Redner verteidigt ferner die Organisation der Kranken- kassen zum Bezug der Heilmittel, sie liege im Interesse der Ver- sicherten. Damit schließt die Auesprache über das Gesundheitswesen. Die Etatspositionen werden bewilligt. Das Gesetz über die Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und Anträge der Kommunisten wegen Bekämpfung der Tuberkulose und wegen planmäßiger Geburtshilfe werden an den Ausschuß für Bevölkern ngspolitik überwiesen. Die zurückgestellte Abstimmung über die Etatsposilionen von 3 687 000 M. für die Technische Rothilse ergibt die Bewilligung nach dem Ausschußanlrag mit 3 Millionen Mark, nachdem Anträge der Sozialdemokraten und Kommunisten aus Streichung der ganzen Summe sowie ein Antrag der Deutschnationalen aus Bewilligung der vollen Summe abgelehnt sind. Damit ist der Haushalt des Innern erledigt. Heginn öer Aollüebatte: Mittwoch. Für Dienstag nachmittag 2!4 Uhr schlägt Präsident Libe die erste Lesung der Z o l l t a r i s v o r l a g e vor. Abg. Dr. Dreitscheid(Soz.) äußert dagegen formale und fach- liche Bedenken, man müsse den Fraktionen Zeit lassen, sich aus eine so umfangreiche Vorlage genügend vorzubereiten. Abg. Dr. Rönneburg(Dem.): Wir sind nicht für Verschiebung. aber gegen eine Generaldiskussion schon für morgen sprechen ja durchschlagende technische Gründe. Abg. Schulh-Bromberg(Dnat.): Materiell kann die Verhand- lung wirklich auch morgen schon beginnen Abg. Müllcr-Franken(So.,.): Wann werden wir die Bc- schlüs, e des Reichswirtschaftsrats erhalten? Präsident Lobe: Sie sind im Druck und werden morgen wohl verteilt werden. Ich schlage nunmehr vor, die Zollvorlage erst am MIliwoch in die ersie Verolung zu nehmen.(Zustimmung.) Nächste Sitzung Dienstag 2,30 Uhr, Kleine Borlogen u. o. Acnderung der Pachtschutzordnung, Recht zum Tragen der alten Militäruniform. verbanüstag öer Eisenbahner. Köln, 22. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Am zweiten Berhandlungstage werden zunächst die einzelnen Kommissionen gewühlt. Dann nimmt der Vorsitzende des Verbandes. Genosse Scheffel, das Wort zum Bericht der Hauptver- w a l t u n g. Einleitend erinnert Scheffel an die vergangene Krise, die Inflation, und den Rhein- und Rubrkampf. Er weist darauf hin, daß die Organisation die vom Abwehrkamps an der Ruhr betroffenen Eisenbahner nicht nur ideell, sondern auch materiell unterstützt habe. Trotzdem sind gegen den Verband Anklagen und Beschuldigungen erhoben worden. Aber diejenigen, die anklagten, haben damals die Regierung Cuno in den Satstel gehoben. Die Organisation, besonders die im besetzten Gebiet, hat durch den Ruhr- kämpf schwer gelitten. Den ausländischen Arbeiterorganisa- tionen, die damals den deutschen Eisenbahnern� finanzielle und istoralische Unterstützung angedeihen ließen, spricht Scheffelnden Dank der deutschen Eisenbahner aus und verspricht ihnen vollste Solidarität für alle Kämpfe, die sie vielleicht in Zukunft führen müßten. Im Verlauf seiner weiteren Ausführungen gibt Scheffel einen Rückblick über die Lohnbewegungen der deutschen Arbeiterschaft in den Jahren 1923 und 1924. Die Gehaltspolitik, die die damalige Regierung den Eisenbahnern gegenüber führte, entsprach durchaus nicht den Anforderungen des Wirtschaftslebens an den Arbeiter und Beamten. Scheffel nimmt dann die Gewerkschaften gegen ver- schiedene Anklagen, als ob sie in der damaligen Zeit ihren Mann nicht gestanden hätten, in Schutz. Zu der Frage der Lohnskala und des Reichsindex bemerkt der Redner, daß die Organisationen alles getan haben, um etwas Ersprießliches für die Kollegen herauszuholen, ober bei dem damaligen Währungssturz wurde ein scheinbarer Erfolg rasch wieder überholt. Die Kollegen im Lande ergriff die Ver- z w e i f l u n g, und mancher habe damals dem Verband in tiesem Groll den Rücken gewandt. 1924 kamen endlich die Goldlöhne. Die allgemeine Erwartung ging auf F r i e d e n s l ö h n e. Diese waren aber nicht zu erreichen, selbst wenn die Gewerkschaften stärker gc- wcsen wären. Wenn die Kollegen die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser erkannt hätten, würden sie solche, damals utopische Forderungen niemals gestellt haben. Das Grundprinzip der freien Gewerkschaften sei die Enllohnung noch den Leistungen im Betrieb. Deswegen müsse der Abbau des Soz�gllohnes verlangt werden. Dabei seien auch die Dienstalterszulogen einzü- bezichen, die durchaus keine Erhöhung des Einkominens bedeuten, sondern lediglich geeignet seien, das allgemeine Lohnniveau her- abzudrücken und der Reichsbahnverwaltuiig eine gute Handhabe für den Abbau zu geben. Der Rückgang in der Mttgliederzahl der Organisation, sagte «cheffel, ist hauptsächlich aus den st a r k e n. A b b a u des Per- s o n a l s zurückzuführen. Im Jahre 1913 waren bei der Reichsbahn 741 000 Bedienstete beschäftigt, 1919 waren es 1,1 Million, im Jahre 1923 dagegen 926 000 und im Frühjahr 1925 endlich nur noch 743 000. Man habe den DEB. zwingen wollen, die Kollegen vor dem Abbau zu schützen Dieses Lerlangen sei aber unsinnig gewesen:'denn keine gewerkschaftliche Organisation könne den Unter- nehmer zwingen, sein Personal im Dienste zu behalten, wenn er seinen Geschäftsbetrieb einschränken wolle. Zu kritisieren sei aller- Vings, daß die Reichsbahn die oberen Beamten, die Bermaltungs- juriften und zum Teil verabschiedete Offiziere seien, nicht abbaur, während sie noch unten brutal vorgehe. Es sei selbstverständlich, daß ein solches Verhalten bei den Arbeitern helle Empörung hervorgerufen habe. Dann weist Scheffel darauf hin, man habe dem ADGB. den Vorwurf gemacht, daß er sich nicht für die Erhaltung oes Acht- st u n d e n t a g e» eingesetzt habe. Hierbei müsse aber venicksichtigt werden, daß damals alle Arbeitnehmerorganisationen kraftlos da- standen. Wäre damals eine große und einige Organisation der Eisenbahner vorhanden gewesen, dann hätte sie sich den Achistunden- tag nicht entwinden lassen.(Lebhafte Zustimmung.) Daß der Acht- stundentag auch ohne Gesetz durchzusührcn sei, beweise ja Eng- l a n d, wo der Achtstundentag praktisch bestehe, aber gesetzlich noch nicht festgelegt sei. Der letzte Streik der Eisenbahner sei'ein E r- folg der Organisation gewesen.'Als jedoch der Schied-- spruch gefällt war, hatte der Streik nicht mehr weitergeführt werden können. Die Organisation habe in dem Streik ihre Pflicht in vollstem Maße getan und unter dm obwaltenden Verhältnissen nschl mehr herausholen können. Scharf kritisiert Scheffel unter lebhaftem Beifall das Verhalten des k o m m u n i st i s ch e n Freien Cisenbahnerverban- des, der sich nicht gescheut habe, mit den schmutzigsten Mitteln die Organisation zu verleumden. Das Verhalten dieses Verbandes labe sich jedoch bitter gerächt. Heule sei er nur noch ein kleine» Häuslein. Zur T a r i s p o I i t i k der Reichsbahn sagt Scheffel, daß augenblicklich Gütertarife existierten, die teilweise unter denen der Friedenszeit ständen und zum Teil nur Fncdenshöhe hätten. Man Hobe die Aufsassung, daß die Herren im Berwaliungsrat der Reichsbahn siistematisch darauf hinarbeiteten, die Eisenbahn z u ruinieren, um sie nachher um so leichter in ihre Hände bringen zu können.(Lebhaste Zustimmung.) Schefsel kririsiert weiter noch die G e w e r k s ch a f t s z e r s p l i t t e r u n g, die sich auch bei den Eisenbahnern zum Nachteil her Kollegenschast bemerkbar ge- macht habe. Er preist demgegenüber die Vereinigung, die in Köln in den nächsten Togen zwischen dem DEV und der Reichsgewerk- schast vollzogen werde, als einen orgunisalorischen Fortschritt, der der freien Eijcnbuhnerbewegung zuguie kommen werde. Für die s r anzö zischen Eisenbahner überbringt dann, von tebhaitem Beifall begrüßt, Genosse Bidegaray die Grüße seiner Organisation und wünscht den Verhandlungen der deutschen Bruder- vrganisativn den besten Erfolg. Ilmer lebbaftem Beifall des Ter- bandstages weist Bidegaraiz darauf hin, daß die Schwierigteiten für die Arbeiterschaii nicht immer nur beim Kapitalismus liegen, sondern daß sie auch oft genug aus der Arbeiterschaft selbst kommen. In Frankreich habe man heute die Gewerkschaftszersplitterec im großen und ganzen über w« n d e n. Hofsentlich komme auch bald die deutsche Arbeiterschaft diesem Ziele näher. Dann folgen die Berichte des Hnuptkassierers D r a e g e r- Berlin, der Bericht der Reotsions- und Beschwerdekommisiion, der von Ebert-Kassel erstattet wird, und der Bericht der Redaltion des Berbandsortzans, den Redakteur D i t t in a n- Berlin gibt. Am Dienstag früh wird der Verbandstag in die Debatte über die Be- richte eintreten. Unternehmerpolitit im Sörsenspiegel. Soll es so weiter gehen? Der alarmierend« schwarze Mittwoch der vorigen Woche und der weitere starke Einbruch der Börsenkurse seitdem hat an der Börse zur Erörterung der Frage geführt, ob die herrschende Krise die Industrie zu einer zweiten Kapitalzusammenlegung zwingen könne. Wir haben für fünf Gruppen schwerer Werte der Berliner Börse eine Zusammenstellung der h ö ch st e n Kurse des Jahres 1925 mit den Kursen vom 15. Juni gemacht und die Ver- lustprozente für die einzelnen Gruppen berechnet. Die seit dem 15. Juni eingetretenen Kursverschiebungen vermögen das Bild nicht wesentlich zu verändern. 7 Großbankaltie» 4 Chemikalien S Elektrizitätsaktien 8 Maschinenfabriken 10 Montanaktien Gesamtdurchschnitt Höchster Kurs 1925 184 Proz. 142",. 121'/,. 131'/«. 143'/«. 134«/,. Kurs vom 15.«. 25 109 Proz. 94 73 65'/,. 68'/-,. 82 Kurs« Verlust 13.7 Proz. 34.3. 39,8. 50.4. 52.4. 39.1. Im Schaubild nimmt sich der Kursrückgang folgendermaßen aus: Z&k�. IÜ>M\$%S 45 7«t 6« 1o 35 CRotü.. ILtXAva. W»ii4iw Bawtoa»(jMxnt «UC&wv Was ein« zweite Kapitalzusammenlegung bedeuten würde, ist klar. Es wäre gewissermaßen eine Neuauflage der Goldbilanzierung, nachdem die verfehlte Sanieruugspolitik der Ändu- st r i e das Ziel der ersten GoldbUanzen und Kapitalzusammen- legungen, den Börsenkurs der Aktien in die Nähe der hundert- prozentigen Parität zu bringen und dort zu halten, vereitelt hat. Es ist aber auch sofort klar, daß es sich bei einer erneuten Kapitalzusammenlegung niemals um eine Wiederholung der Gold- bilanzierung im eigentlichen Sinne handeln kann, sondern besten- falls um Einzelsanierungen bei allen jenen Aktiengesell- schaften, für die sich die Bemessung des eigenen Kapitals in der Goldbilanz als zu hoch erwiesen hat. Es ist auch damit zu rechnen, wenn die Industrie aus dem schwarzen Mittwoch die Lehre des unausweichlich gewordenen Abbaus der betrieblichen Ueber- und Fehlorganisation zieht und wenn sie mit der parlamentarischen Unterstützung der Industrie- und Getreidezölle sich nicht endgültig jede Möglichkeitdazu verbaut, daß der heutige Stand der Börsenkurse allmählich sich wieder bessern wird. Die Börsenmeinung dürfte daher diesmal etwas zu schwarz sehen. Was unsere Zusammenstellung über die Wirkungen der indu- striellen Fehlsanierung aber lehrt, ist doch katastrophal. Im Durchschnitt der 35 Aktien, die fast nur Unternehmungen zwischen 25 und 180 Millionen Mark Aktienkapital repräsentieren, sind in der Zeit von kaum einem halben Jahre fast 40 Prozent des Börsenwerts zerstört worden. Die 35 Aktientypen ent- sprechen nach ihrem Höchstkurs einem Wert für die 35 Unter- nehmungen von rund 2,3 Milliarden Mark. Dieser ist durch die Kursverluste heute um über 900 Millionen auf kaum 1,4 Milliarden gesenkt. Am schärfsten sind die Verluste bei den Montan akticn. Sie betragen 52,4 Prozent. Ueber die Moschinen-, Elektrizitäts- und Chemie-Aktien bessert sich die Kurve bis zu den Aktien der Großbanken, die einen Berlust von 18,7 Prozent zu verzeichnen haben. Eine Kurve, die die Konjunktur- läge der großen Industriezweige deutlich widerspiegelt und mit un- geheurer Eindrucksgewalt den volkswirtschaftlichen Wahnsinn der Inflationsbercicherung der Industrie und der Kaufkraftzerstörung der Arbeiter- und Rentnermosten unterstreicht. Aber noch einen anderen Wahnsinn enthüllt die Zusammen- stellung. In der Unternehmerpresse und auf allen Unternehmer- tagungen ist es zum System geworden, den Dawesplan und seine»untragbaren Lasten" für die herrschende Industriekrise ver- antwortlich zu machen. Weitaus der größte Teil der bisherigen Leistungen wurde aus der D a w e s a n l e i h e und von der R e i ch s- e i s e n b a h n gezahlt. Die direkteck Beiträge der Industrie dazu sind minimal. Die Behauptung, die nur das eigene Versagen be- Mänteln soll, ist deshalb in höchstem Maße lächerlich. Die riesigen Kursverluste sind vielmehr das denkbar stärkste Argument gegen die absolut verfehlte bisherige Betriebs- und Wirtschaftspolitik der Unternehmer, die heute, vollständig am Ende ihrer Weisheit, die Situation durch Schutzzölle»nd'Drostclung der Löhne glauben retten zu können, was nach allen bisherigen Erfahrungen die U r- fachen verstärken muß, die die gewaltigen Kursverluste her- vorgerufen und den Wert der Jndustrieunternehmungen so katastro- phal gesenkt haben. K— r. Ein Gebot üer Stunüe: Internationale Aktion gegen den Schutzzoll! In der Gutachtensammlung»Neue Wege der Handelspolitik", herausgegeben vom Berein für Sozialpolitik, hat Rudolf Schneider den klaren Nachweis erbrocht, daß jene internationalen Kapital- Übertragungen, die infolge der Reparationspolitik und zur Rege- lung der interalliierten Schulden notwendig werden, unbedingt einen freien Warenverkehr über die Grenzen der einzelnen Staaten zur Voraussetzung haben. Er hat in Uebereinstimmung mit anderen Sachverständigen berechnet, daß Deutschland für 20 bis 25 Milliarden im Jahre ausführen muß: die notwendige deutlch« Einfuhr würde sich nach seinen Angaben auf etwa 17 bis 23 Mil- liarden Mark berechnen. Hält man dem entgegen, daß die deutsche Einfuhr vor dem Krieg den Wert von 10 Milliarden, die Ausfuhr den Wert von 9 Milliarden ausmachte, und daß die damals ein- geführten Warenmengen infolge der Geldwertänderung immer erst 15 Milliarden, die ausgeführten Warenmengen etwa 13 bis 14 Mil- liarden kosten würden, so ergibt sich, daß Deutschland in viel höherem Maße in die Weltwirtschaft verslochten werden muß, als es vor dem Krieg war, wenn die Repa- rationspolitik zu einem Erfolg führen soll. Die Durchführung des Dawes-Plans setzt nicht etwa nur zwi- schen Deutschland und seinen Reparationsgläubigern Freihandel voraus. Wohl ist es ein« der auffallendsten Wirtschaftstorheiten der Gegenwart, daß Frankreich von Deutschland Geld will, dem Zugang deutscher Wa r e n aber sich nach Möglichkeit ver- schließt: es verkennt so die Tatsache, daß die Geldzahlung nur einen Sinn hat, wenn ihr ein« Warenlieferung folgt, weil nicht durch Geldzuwachs, sondern nur durch Güterzuwochs ein Volk reicher wird, und daß' also all« Reparationsleistung ihrem Wesen nach Sachlieferung ist. Aber dies« Sochlieferung braucht nicht direkt zu erfolgen; Deutschland wird in vielen Fällen an Amerika liefern müsten, und statt an Deutschland einen Gegenwert in Waren zu liesern, wird Amerika diesen Gegenwert noch Frankreich leiten und damit wird ein Teil deutscher Repara- tionsschuld getilgt sein. Wie ein solcher Vorgang sich wirtschaftlich durchsetzt, braucht hier nicht erörtert zu werden; es genügt, daß auch solche indirekten Reparationslieferungen in großem Umfang möglich sein müsten, wenn der Reparationsmechanismus funktio- nieren soll. Dabei wäre es naiv zu glauben, daß ein« Störung des Reparationsmechanismus uns Deutschen erwünscht sein könnte: sie wird uns im ganzen durch gewisse Nebenwirkungen viel mehr kosten, als wir bei reibungslosem Ablauf zu zahlen hätten. Schon aus der Notwendigkeit indirektes- Reparationslieferungen folgt die gebieterische Forderung, daß der Ware n v e r Te h r über alle Grenzen von unübersteiglichen Hindernissen frei- geholten werden muß. Dazu kommt, daß neben dech Repara- tionsproblem als zweites großes Kapitalübertragungsproblem die interalliierte Schuldenfrage steht. Der Versuch, den Geldausgleich bei gleichzeitiger Verhinderung des Warenausgleichs zu vollziehen oder, anders ausgedrückt, Reparations- nnd Schuldenzahlungen bei Hochschutzzollpolitik wichtiger Länder durchzuführen, muß zu wirt- schaftlicher Verwirrung, zu Geld- und Warenstauungen, zu Krisen- erscheinungen, Arbeitslosigkeit und Elend führen. Das Dawes-Komitee hat gute Arbeit geleistet, hat auf dem enge- ren Gebiet der Reparationsfrage der wirtschaftlichen Vernunft zum Sieg verholfen/ aber es hat seine Arbeit doch nur halb getan. Der Dawes-Plan ist unvollendet, solange ihm nicht ein System freihändlerischer Handelsverträge zur Seite steht. Wenn es möglich war, daß die Stimme der Wirtschaft- lichen Vernunft sich durchsetzte gegen politischen Haß, blinde Roch- sucht und militärischen Ehrgeiz, so müßte sie sich auch durchsetzen können gegen den engherzigen Egoismus der Interessenten und den wirtschaftlichen Größenwahn derer, die eine produktive Zusammen- arbeit mit anderen Völkern nicht nötig zu haben glauben. Warum wird in dieser Sache der Wirtschaftsvernunft nicht ein Sprachrohr geschaffen, wie sie es in Angelegenheit der Reparationen schließlich in Gestalt des Dawes-Komitees erhielt? Vielleicht deshalb nicht, well keine einzige Regierung xines Großstaates sich vom Schutzzoll- Wahnsinn wirklich feigchaltcn hat, während in der Reparationsfrage doch wenigstens die eine oder andere einen kühlen Kopf behielt? Und wenn dem so ist, warum verlangen nicht wenigstens die Klar- sehenden nach einem solchen Organ? Wird der Ruf kräftig erhoben, dann wird es schwer sein, sich ihm gegenüber taub zu stellen! Kaum eine wirtschaftliche Frage verlangt so sehr, wie das handelspolitische Problem, nach internationaler Behandlung. Wie die Kriegshetzer in den verschiedenen Ländern sich gegenseitig in die Hände arbeiten, so auch die Wirtschaftskriegshetzer, die Schutz- Zöllner. Ueberall ist es die handelspolitische Angriffslust des Geg- ners, die angeblich das eigene Land zur Erwiderung mit gleichen Mitteln zwingt. Darum ist eine Verbindung zwischen den Schutzzollgegnern aller Länder nötig, eine gemein- same, gleichzeitige, in sich geschlossene internationale Aktion, die den Kampf der Freihandelsgruppen jedes einzelnen Landes gegen die Schutzzöllner jedes einzelnen Landes wirksam ergänzt und fördert. Der sozialistischen Internationale und den verantwortungs- bewußten wirtschaftswissenschaftlichen Forschern aller Länder würde hier eine gemeinsame, große Aufgabe zufallen. Jertigknöuftrke unS Zollvorlage. In seinem Geschäftsbericht ist der Vorstand des Bing» konzerns„bei der Bedeutung der ausländischen Märkte um die Erlangung eines günstigen Abschlusses der schwebenden Z o l l v e r- Handlungen besonders besorgt und erwartet mit der g e- samten exportierenden Industrie eine zielbewußte Ver- tretung ihrer berechtigten Interessen". In der Generalversammlung vom Dezember hat der Aufsichtsratsvorsitzende auf die große Be- deutung der Staatsgewalt sür den Ausgleich der wider- streitenden Zollinteressen hingewiesen. Die Bingwerke scheinen also die Abhängigkeit des Schicksals der Fertig- und Erporlindustrie von einer sür sie g ü n st i g e n Regelung der Z o l l f r a g e sehr genau zu kennen. Wenn das aber der Fall ist, so ist mit dein ängstlichen Gestammel in den Geschäftsberichten und Generalver- sammlungen nichts getan. Schon längst hätte sie in die Oesfentlichkeit hinaustreten und gegen Schwerindustrie und Regierung ihre Export- interessen verteidigen müssen. Wenn nämlich die Zollvorlage ange- nommen werden sollte, so hat der Bingkonzern und mit ihm die exportierende Fertigwarenindustrie für die Erhaltung oder Aus- dehnung des Auslandsabsatzes nichts mehr zu hoffen. Aber auch der Inlandsabsatz wird nach Annahme der Zollvorlage zurückgehen müssen,' denn der Bingkonzern lebt vom Haushaltsbedarf der arbei- tendcn Masten und was der bisher an Geld übrig hatte, um die Bingschen Produkte zu kaufen, wird von der Ver- teuerung der Nahrung und Kleidung aufgefressen werden. Die Aktionäre des Bingkonzcrns mögen daher die Dividenden- lofigkert für das Jahr 1924 als Omen ausfasten sür das, was sie nach Annahme der Zollvorlage zu get&ärtigen haben. Dabei mögen sie sich weder trösten, daß der Bingkonzern sich durch die Los- lösung vom Berliner M e t a l l k o n z e r n entlastet hat, noch davon etwas erhoffen, daß ihnen die Leipziger Frühjahrsmesse reichlich A u s t r ä g e gebracht hat. Auch daß der Bingkonzern sein Kapital gegenüber der Vorkriegszeit nicht mehr als verdoppelt hat, ob- wohl seine riesenhafte Ausdehnung seit 1914 noch eine bedeutende Höherbemessung erlaubt hätte, wird ihm kein Ersatz sür die Gefahren der Zollvorlage sein. lind mit seiner weltumspannenden Absatz- organisation wird ihm, da mit der deutschen Zollvorlage die Zoll- mauern des Auslands noch höher wachsen müsten, eher ein Mühlstein an den Hals gehängt sein, als ein geschäftlicher Bor- teil erwachsen. Auch die Höhe der Zinsen und die Kapitaldürre des Inlandes, über die der Geschäftsbericht so beweglich klagt, wird sich nicht zum Besseren wenden können, weil die Verteuerung der Lebens- Haltung im Inland die Kapitalarmut nur verstärken kann und so das Zinsmonopol der Privatbanken verewigen muß. Bei keinem Fertigindustrie, und Exportkonzern sind die unabsehbaren Gefahren der Zollvorlage so greisbar wie bei den Bingwerken, und es ist zum Erschrecken, w i e wenig sich die Fertig- und Exportindustrie gegen ihre Gefährdung wehrt, bloß weil die Schwerindustrie die Parole für die Zollvorlage ausgegeben hat. hüklenwerke(£. TO. Sayser und Co, Berlin. Obwohl das West- fälische Werk in Lünen an der Lippe im Jahre 1924 zum Gewinn noch nichts beitragen konnte, da es erst im letzten Viertel des Jahres wieder in Betrieb genommen wurde, schließen die Hüttenwerke C W. Kayser und Co. mit einem beachtenswerten Ge- schäftserfolg ab. S'« erzielten einen Rohgewinn von 1,01 Mill. M., von dem nach 419 000 M. Geschäftskosten und Steuern, 240 000 M. Zinsen und 174 000 M. Abschreidungen ein Rein- gewinn von 179 000 M, bleibt. Aus diesem Reingewinn werden auf das Kapital von 2,1 Mill. M.« Proz. Dividende verteilt. 53 000 M. können auf neu« Rechnung vorgetragen werden. Die Ge- sellfchast kann mit dem Ergebnis um so mehr zufrieden sein, als aus den lausenden Einnahmen ziemlich erhebliche Maschinenzu- gänge beschafft werden konnten. Die Auslösung der Interessen- gemeinschaft mit der Hirsch-Kupser- und Messingwerke A.-G. und die Ueberlassung der Beteiligung durch Hirsch-Kupser Berlin an Hirsch- Halbcrstadt dürste ihr« Gründe also weniger in dem Stand der Kayser-HülteTOverke als bei VeN Hirlch-Kupferwerken selbst haben. Sachsenwerk Licht und Kraft A..G» Dresden. Das über 5000 Mann beschäftigende Sachsenwerk schließt das Jahr 1924 ohne Divi- dend«. Es wurde zwar ein Rohüberschuß von 4,6 Millionen Mark erzielt; nach der Gewinn- und Verlustrechnung wurde er aber durch Geschäftskosten(2,7), Steuern<1,1) und Abschreibungen 0,65 Millionen) bis auf 64 000 Mark ausgezehrt, die auf das Jahr 1925 übertragen wurden. Die 650 000 Mark Abschreibungen, die auf das dividendenberechtigte Kapital von 6, 1 Millionen immer- hin die beträchtliche Dividende von 10 Proz. erlaubt hätte, hätte man sich allerdings sparen können, nachdem in den Aktiven so außerordentlich große stille Reserven steckten, wie der Geschäftsbericht selbst hervorhebt. Trotz des relativ ungünstigen Geschäftsganges, von dem die Rcde ist, bedeutet die Dividendenlosig- keit beim Sachsenwerk also nichts für den Stand und die Leistungs- fähigkeit des Unternehmens. Das gilt auch für die Leistungsfähigkeit des Sachsenwerks für Lohnzahlungen, von deren Höhe im Jahre 1924 der Geschäftsbericht merkwürdigerweise behauptet, daß sie über dem Friedensstand liege. vi« New Dorker Börse hat kein Vertrauen. An der New Dorler ondSbörse erfolgten umfangreiche Abgaben in europäi- chen Devisen, die aus die anläßlich der Brüsseler Konferenz zutage tretende Enttäuswung über die Auswirkung des TamcS« Planes und die Schwierigkeilen, mit denen die europäiscken Nationen bei der Fundierung ihrer Kriegsschulden zu kämpfen haben, zurückgeführt werden. Der französische Frank notierte zeitweilig 4,63,(26. VI: 4,71'/,). Oer bellen fur Fahrrad, Motorrad und Automobil Die Weltmarke bürgt für Qualität! Herren-Anzüge, Paletots nach MaU In vollendeter Paßform M. 85 L€ m n o m s#* Be a■ n Potsdamer strafte 33 ■ 9MlintS5D9lI(!l8inf(tcKe LüuoASiraCe/ Erschöpfte Nerven, ihre Kräftigung und Wiederawffrischuug. Für alle Vorgänge und alles harmonische Zusammenarbeiten der Organe im menschlichen Körper sind die Nerven von der allergrößten Be- deutung. Arbeit wie Genuß, die doch beide das Menschenleben regieren und gestalten, verlangen Kraft und Leistung der Nerven. Frische des Geistes und des Körpers, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, ein frohes Gemüt, selbst ein guter Appetit— das alles sind Folge und Aeuße- rung wahrhaft gesunder Nerven. Ihre Gesundheit ober hängt eng zusammen mit der Ernährung des Körpers. Nervengesundheit ist letzten Endes die Lösung eines Ernährungsgeheimnisses. Quälende Sorgen, körperliche und geistige lleberanstrenyung, Schlaflosigkeit-und manch' anderer Kummer des irdischen Lebens reizen und erschöpfen die Nerven vor der Zeit. Nervöse Be- schwerdm aller Art stellen sich ein. Mattigkeits- gesühl, Arbeitsunlust, Aufgeregtheit und Reizbar- keit, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen und derlei Uebel mehr folgen und wechseln sich ab. Bald macht sich ihr zerstörender Einfluß auf das Aeußere geltend. Das Gesicht erhält eine nervöse Prägung, leidende Züge, den Ausdruck des Gcquälffeins, die unvermeidlichen vorzeitigen Alterserscheinungen. Will man nun etwas Energisches tun, dann sollte man mit einer Neroennähr- und -auffrischungsmethode ganze Arbeit machen, und das wendung von geschieht durch richtige Ver- Biomalz mit Lecithin, einer Nervennahrung von denkbar größter Voll- kommenheit. Biomalz mit Lecithin ist durch beut- sches Rsichspatent gesetzlich geschützt, und seine Erfindung ermöglicht die völlige Aufnahme des Lecithinstoffes in die Säfte, die die Nerven er- nähren, zu gleicher Zeit mit dem Einsetzen der kräftigenden Wirkung des Biomalzes auf den ge- samten Körper. Biomalz mit Lecithin ist in langen Stoffwechselversuchen in der chemischen Abteilung des Rudclf-Virchow-Krankenhauses sorgfältig untersucht, und hat sich mehrere Jahre hindurch in der ärztlichen Praxis bewährt. Es hat sein« Feuerprobe, in' jeder Prüfung über- standen und ist wissenschaftlich unanfechtbar. Es ist restlos verdaulich. Das steigende Krastgefühl, das frischere Aussehen, die Anzeichen der Verjüngung legen Zeugnis davon ab, wie tiefgreifend der Neroennährstoff auf das Wohlbefinden des ganzen Körpers zu wirken vermag. Preis einer Dose Biomalz 1,90 M., mit Lecithin 5,— M., mit Eisen(für Blutarme und Bleichsüchtige) 2,20 M.. mit Kolk extra(für Lungenleidende) 2,50 M., Biomalz- Von- b o n s, bestes Linderungsmittel bei Husten und Heiserkeit, vorzüglicher Geschmack. Beutel 30 Pf., Biomalz-Schokolade 100- Gramm- Tafel 60 Pf. Drucksachen kostenfrei von Gebr. Pater- mann, Teltow-Berlin 10. s- Vien«'ag 23. Juni;�25 Unterhaltung unö AUissen Seilage ües vorwärts politische Kaffeehäuser. Bilder aus der grohea französischen Revolution. Am 8. August 1788 hatte endlich noch langem Widerstreben Ludwig XVL sich bereit finden lassen, die„R e i ch s st ü n d e" einzuberufen. Die Not war aufs höchste gestiegen— � beim Volk und beim Hos. Die Verschwendungssucht des Königs und seiner Vor- fahren und ihrer Hofschranzen hatten ein Finanzelend erzeugt, das nicht mehr zu meistern war. Aus dem Volte war nichts mehr herauszupressen. Der Staatsbankerott stand vor der Tür. Da sollten die Reichsstände, die seit 1615 nicht mehr zusammenberufen worden waren, Hilfe bringen. Solche Zeiten rütteln die Massen aus und politisieren sie. Der dritte Stand— das Bürgertum—, be- cinflutzt von Rousseau. Voltaire und Diderot, bisher ausgeschlossen von jeder Teilnahme am Staatsleben, strebte noch iKleichberechtigung mit dem Adel und den Geistlichen, die allein die Herrschast ausübten. Das rebolutionärste, rührigste Element bildete jene Schicht der noch Paris zugewanderten, halb und ganz prale- tarisierten Intellektuellen, der beschäftigungslosen Literaten, Advo- taten, Künstler, Studenten, die sich, da sie in der Enge der Provinz- städte keine Beschäftigung fanden, noch der Hauptstadt gewandt hatten, um dort ihr Glück zu suchen. Paris, das mit seinen Vorstädten 178g bereits etwa 600 000 Einwohner zählte, geriet— so schreibt Heinrich Cunow in seinem soeben herausgekommenen Buch.Politische Kaffeehäuser� — immer mehr in einen bisher unbekannten politischen Trubel. Auf den Promenaden und freien Plätzen, den Zentren des Verkehrs, fanden sich Menschengruppen zusammen, um neues zu erfahren, zu schwätzen unö zu diskutieren. Die Stätte, die am meisten aufgesucht wurde, war der Garten des Polais Royal. Hier fanden vom Morgen bis in die Nacht hinein Zusammenkünfte und Volksver- iammlungen statt. Diese Menschenmengen umstanden Tische und Stühle, von denen herab jugendliche Redner, meist Angehörige des Hnteuigenzproletariots, feurige Ansprachen hielten, Zeitungen und Pamphlete vorlasen. 9 Am Garten des Palais Royal lagen mehrere Kaffeehäuser. Hatten sich die Gartenbesucher müde gestanden und geredet, gingen sie in die Kaffees und setzten dort ihre Diskussion fort. Nach der am 5. Mai 1789 vollzogenen Wiedererössnung der„Reichsstände" wurden die Kaffeehäuser am Palais Royal noch stärker besucht. Jeder wollte wissen, was in Versailles, wo die„Reichsstände" tagten, geschehen sei. Zeitungen gab es zu jener Zeit nur wenige: auch konnten selbst manche Bessersituierten nicht genügend lesen. Unter den Kofseehäusern des Palais Royal fand das Catä de Foy am meisten Zuspruch. Es wurde zum Stammlokal der revolutio- nären Intellektuellen. Auch der Klub der„Faraxes"(der Wütenden, Tollen) übersiedelte bald in das genannte Kaffee. Für gewöhnliche Kassechausbesucher war es dort nicht immer gemütlich. An den Tischen wurde eifrig diskutiert, und nicht selten endeten die Meinungsverschiedenheiten mit gegenseitiger Beschimp- sung oder gar mit Tätlichkeiten. Besonders lebhaft ging es im Garten des Polais Royal und in den an ihm gelegenen Kaffees her, als Ende August 1789 in der Nationalversammlung bei der Beratung der Verfassungsgrundrechte die Frage zur Erörterung gelangte, ob der König gegen die Be- schlüsse des Parlaments ein absolutes Veto oder nur ein �uspensivveta haben solle. Von morgens bis spät abends wurde im Cale de Foy geredet und protestiert. Eine scharfe Resolution gegen den Hof und die Royalisten jagte die andere. Man beschloß, eine Deputation an die Nationalversammlung zu entsenden. Aber die Pariser Gemeindeverwaltung, die in den Kaffees ihre Spione batte, erfuhr von diesem Vorhaben. Sie ließ die Ausgänge durch Nationalgardisten besetzen, die die Deputation nicht durchließ. Eine Deputation an die Gemeindeverwaltuyg hatte keinen Erfolg. Dieses Verhalten der Stadtverwaltung rief unter den Besuchern des Palais Royal eine noch größere Aufregung hervor. Am nächsten Abend war das S-kä de Foy gepfropft voll. Einige Redner schlugen vor, den Durchzug nach Versailles mit Waffengewalt zu erzwingen. anderen schien dies zu gefährlich. Schließlich wurden nochmals zwei neue Deputationen an die Stadtverwaltung gesandt, denen dort aber erklärt wurde, daß die Gemeindevertretung es ablehne, Wünsche und Forderungen des Palais Royal überhaupt in Er- wägung zu ziehen. Das allabendliche Treiben in den Kaffees, die . Aufwiegelei", das Lärmen in den anliegenden Straßen war den friedliebenden, gemäßigt-liberalen Stadtvätern schon längst zuwider. Das war nicht die Freiheit, die sie ersehnt hatten, das war Toll- beit. Wahnsinn, Ausschweifung, die zum Verderben führen mußten. Posizei und Nationalgarde wurden angewiesen, große Ansamm- Dinge, öie man nicht bemerkt. Sieh dir öle Sariöwichsmäoner an, öanu wirst du wissen, was es hier für Vergnügungen gibt. lungen im Garten zu verhindern.„Alle guten Bürger" wurden aufgefordert, sich in ihren Distriktslokalen zu versammeln. Einen Erfolg hatte dies« Verordnung nicht. Bald ging man brutaler vor. Die Nationolgarde attackierte die Versammelten mit dem Bajonett und drang ihnen noch in die Kaffees. Im Caie de Foy kam es zu einem blutigen Zusammenstoß. Der Besuch dieses und der anderen Kaffees am Garten des Palais Royal ging infolge dieser Vorkommnisie zurück. Im Cake de Foy fanden sich aber bald darauf die Frauen der revolutionären Parteien zusammen, nachdem sie im Garten ihre Versammlungen abgehalten hotten. Oft ging es hier recht lustig zu. Es wurde ge- redet, deklamiert, gesungen und manchmal auch getanzt. Einige Male bielt auch die ebenso schöne wie eitle TKeroixne de Mericourt, die„Amazone der Revolution" eine Ansprache. Nachdem diese Dome zur Berühmtheit geworden, gründete sie einen politischen Salon, in dem neben dem bekannten Abbe S i e y e s auch D e s m o u- lins verkehrte. Später hat die Frau von Mericourt die Gunst der Massen ganz verloren: sie endete im Irrenhaus. Viele ehemalige Besucher des Sake de Foy haben später im Gefängnis, im Irrenhau« oder auf der Gouillotin« geendet. Und, wie viele seiner Gäste, so hat auch das Lake de Foy selbst seltsame Wandlungen durckigemacht. Die Glanzzeit der Kaffeehäuser am Palais Royal war vorüber, an ihre Stelle traten die Tuilerien- Kaffees, weil in der Nähe der Tuilerien die Nationalversammlung untergebracht war. Aus dem Lake de Foy wurde nach und nach ein Kasfee der Reaktionäre Und schließlich das der„Muscadins", der Moschusstinkcr, wie man die später aufkommende goldene Jugend von Paris(die Revolutionsgewinnler) wegen ihrer Vor- liebe für das damals übliche Moschus-Parfüm nannte. In den weiteren Kapiteln behandelt Cunow die Geschichte anderer Kaffeehäuser, immer im engen Zusammenhange mit den Parteien und bekannten Personen aus der Revolutionszeit. Alle marschieren sie auf: die Girondistsn, die Bergpartei und Iocobiner bei ihren öffentlichen und geheimen Zusammenkünften, Aufstieg und Niedergang ihrer Stammlokale und ihrer selbst.„Pariser S i l h o u e t t e'n", fesselnd und interessant geschriebene Ergänzungen zur Geschichte der großen französischen Revolution. Hugo Poetzsch. Oer Clown. Ron Hans hyon. Durch die neblige Rocht der Morsch klang das Rasseln und Knarren mehrerer großer Gefährte, und in dem ungewissen Licht der rötlich schimmernden Laterne, die vorn an der Wagendeichsel hing, ward der erste Wagen von Hugo Rasmussens Wanderzirkus sichtbar. Die drei Pferde gingen in einer förmlichen Dompfwolke, sie hatten tüchtig zu tun aus der zum Teil ganz ausgeweichten Landstraße. Aus diesem wie auch aus dem zweiten Wagen strahlten die kleinen Fenster gelbes Licht in die Finsternis hinaus, und nur der dritte Wagen, in dem die Knechte, Minkas Hunde und ihr kleiner Bär schliefen, der war dunkel und schwankte, von der stern- losen Nacht kaum zu unterscheiden, ratternd einher. Die Minka selbst, Hugo Rosmusiens Tochter, bewohnte mit Vater und Mutter den zweiten Wagen. Und bei ihnen als die vierte im Bunde hielt sich Babett aus, das Dienstmädchen, das aber auch jonglierte und auf dem Ärrmseil lief. In diesem Wagen hörte das Plappern und Lachen nie auf, es war, wie wenn die Poesie und die Freude des Wanderlebens sich dort greisbar ver- körperten..... Auf einmal wieherte vorn an der Spitze der Almansor hell auk, ein ganz weißer Schimmelhengst, der zwischen Trapper, einem braunen Wallad), und zwischen der grauschimmligen Zaire ging. Der Schimmelhengst stand erst im vierten Jahr und zog den große» Wagen ganz allein aus dem Morast, wenns drauf ankam: aber er bitte seine Rücken: kam ihm was in die Quere, so war er durch nichts mehr vorwärts zu bringen..... Element Rolle, der Schwiegersohn des Direktors, der den ersten Wagen mit seiner jungen Frau bewohnte, hieb dem Hengst eins über. Aber der Almansor feuerte nur hinten aus und stemmte die schlanken Vorderbeine dann erst recht gegen den Marschboden.... Element, der ein Jahr lang bei Schumann gearbeitet hotte. und die hohe Sdpile seiner Ansicht nach besser ritt als Mr. Foottit- Burghardt und ähnliche Größen, überlegte eben, ob er denn wirk. lich absteigen sollte, als hinter ihm schon die mächtige Stimme Hugo Rasmussens erscholl, und der Alte gleich darauf mit schweren Schritten herongepatscht kam. „Ick schall di wull helpen, min Jung?" schrie er,„da vörn» doch wat»ich in Ordnung!..... kiek doch mal to"! Aber er wartete nicht erst, bis sein Schwiegersohn vom Wagen herunterkam, sondern stand selber schon gleich vorn bei dem Schimmel, der die Ohren spitzte und über besten blanke Haut das Licht der schwankenden Laterne lief. „Na, bat's ja'ne scheune Bescherung?" rief der Alte.„Da Mann is wull hier als Schlagboom angestellt?" Dabei bückte er sich und versuchte dem Menschen ins Gesicht zu sehen, der dicht vor den Pferden, mitten im Schmutz, quer über dem Weg lag. „Der is duhn!" meinte der Schwiegersohn, von der anderen Seite um die Pferde herumkommend. Und gleichzeitig erscholl von hinten eine Stimme, die einen Klang hatte, als wäre sie der Nässe wegen etwas eingefettet worden. „Na, Vadder. wat is denn da vörn?" „Dä Mann is krank!" sagte der alte Rasmussen,„den möt wi mitnehmen, bat's Christenpflicht!" Gegen das, was der Alte sagte, gab'» keine Einwendungen. In der nächsten Minute hotten di« beiden den Bewußtlosen beim Kopf und bei den Füßen und trugen ihn in den zweiten Wogen zu Mutter Rasmussen.... „Dä is ja förmlich uffeweicht!" sagte Frau Alma Rasmusten. „Na, wir wer'n schon all wedder trocken kriegen! Die Mäken können ja dann über Nacht bei euch bleiben, Clöment!".... Minka und Babett, die den späten Gast neugierig betrachteten, verließen alsbald den Wogen, und man Härte ihr Kichern und Flüstern noch draußen in der Finsternis. Dann ging Mutter Ras- muffen ohne Scheu daran, den Fremdling von seinen schmutzstar- renden, wassertriefenden Lumpen zu befreien und ihn warm zu betten. Wie sie ihm die erste Taste Tee mit einem guten Schuß Rum zwischen die Zähne goß, schlug er die Augen auf und sagte: „Verbindlichsten Dank!" Und dann blickte er mit einem halbtraurigen und doch auch wieder unendlich komischen Gesicht, das ein wenig verwildert aus- sah mit dem ungepflegten Bart und den wirren Haaren, zu den beiden alten Leuten auf und flüsterte: „Ich bitte tausendmal um Verzeihung, wenn ich störe." ver lange, hagere Mensch da zwischen den buntgewürfelten Betten hatte selber offenbar gar keine Ahnung, wie komisch das klang. Aber es befremdete ihn auch nicht, daß der alte Rasmussen bei seinen Worten in ein Gelächter ausbrach und gar nicht wieder aufhören wollte mit Lachen. Die Frau, die gute, dicke Holsteinerin mit dem schwerfälligen Körper und dem sorgenden Herzen, die lächelte kaum über ihn. Und wie sie ihm nun zu essen reichte, da streckte er seine welken Finger nach ihr� vollen, roten Hand und murmelte:„O, Sie find zu liebenswürdig!,,,_________ Und der alte Rasmussen, der nur eben zu Atem gekommen war, sah ihn daraufhin eine Sekunde mit großen Augen an, und dann prustete er von neuem los und lachte, daß ihm die Tränen über die Wangen liefen, dabei schluchzend:„Dä Kierl is gottvoll!" -«° Ein wahrer Freudenhimmel spannte sich über Wisselhöpede. Draußen vor der Stadt, auf dem Ackger, wo im Frühling die Bostelspielc und. im Herbst die Schützenfeste abgehalten wurden, hatte Hugo Rasmussen seinen Zirkus ausgeschlagen. Es war Sonntag. Das Ehepaar Rasmussen war zur Kirche ge- gangen. Rollö stand bei seiner Frau, die auf der Treppe ihres Wogens hinter dem großen Leinenzelt saß und ein Kostüm ihres Mannes neu mit Flittern benähte. Sie war eine Blondine und hotte die weiche Gemütsart ihrer Mutter, deshalb schüttelte sie jetzt, auf des Gatten Rede, auch den Kopf und meinte mit ihrer ein wenig schleppenden Stimme:„Was soll'n der arme Mensch machen? Er tut doch alles, was man ihm sagt... daß er nu gerade kein Talent zum Akrobaten hat... und zum Kunstreiter..." „Na, dann soll er nicht bei'ne Truppe gehn!" räsonnierte Rollö, „wir haben schon genug so'n Pack, das sich„Spezialitäten" nennt und noch nich mal'ne Manege glatt fegen kann... soll er doch bleiben, was er war!" Die Frau faßte seine Hand, die ungeduldig mit der Reitpeitsche an die hohen Stiefel klopfte. „Clement!... laß doch!... das hört er ja!..." Und sie bewegte ihren blonden Kops nach dem Zelt hin, hinter dessen regenoerwaschener Leinwand ab und zu das Kläffen der Hunde hörbar wurde, mit denen die schwarze Minka dort exerzierte. Ader Rollä, der einen so eisersüchtigen Charakter besaß, daß er niemand neben sich leiden mochte, schüttelte eigensinnig den sd)arflinigen Kopf, dessen starker, blankgewichster Schnurrbart mit dem kurzgehaltenen Haar an Schwärze wetteiferte. „Ihr Weiber seid olle verdreht! Da braucht bloß so einer kommen, der euch'n bißchen anschmachtet, wie der da mit seiner affigen Höflichkeit... dann wißt ihr schon gar nicht mehr.«YS ihr ihm alles antun sollt!... Deine Mutter macht's genau so!" Nun lachte die junge Frau recht herzlich. Daß ihr Mann eise«. süchtig war und gar auf den armen, schüchternen Menschen, den August, das machte ihr Spaß... Sie zeigte ihre weißen Zähne zwischen den schimmernden Lippen und blickte mit ihren blauen Augen zu dem Gatten auf. den sie aus Liebe genommen hatte und der noch immer der Mann ihres Herzens war. (Fortsetzung folgt.) 5 billige Hm» Hosentage! Beginn Dienstag, den 23. Juni. 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