Nr. 125. Erscheint täglich außer MontagZ. Preis pränumerando: Bieriel- jährlich SM Mark, monatlich I,l0 Mr., wöchentlich SS Pfg. frei >"'s Haus. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags-Nummer mit tllustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" lo Pfg. Poft-Abonnement: s.soMk. proQuartal. Unter Kreuz- band: Deutschland u. Oesterreich- Ungarn s Ml., für das übrige Ausland SMk.pr.Monat. Eingctr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für lSSS unter Nr. 71M. 12. Jahrg. Jnfertions-Gebühr beträgt für die fünfgefpallsne Pelitzeile oder deren Rann, 40 Pfg., für Vereins- und V. rsanimlungs- Anzeigen so Pfg. Lnserals für die nächste Nummer müsse» bis 4 Uhr Nachmittags in d-r Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn» uiid Festtagen vis o Uhr Vor- mittags geöffnet. Lernsprecher: Amt l, Ur. 1508, Telcgrauim-Adressc: „Soiialdemolirnt Kerliu!' Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Nedliktion: 8V.!9. ZZeutö-Straße 2. Freitag, de» 3t. Mai 1833. J ärp-ditia»: sw. 19, zz-uis-Stml» 3. AbonuemkiltsCillilldung. Mil dem 1. Juni eröffnen mir ein neues Abonne- mellt auf den„Vorwärts" niit der illustrirten Sonntugs-Beilage „Die Nene Welt". Für Berlin nehmen sämmtliche Zcitnngsspediteure, so- wie unsere Expedition. Benthstr. S, Bestellungen ent- gegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 1« Pfennige frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- meuts zum Preise von I.Iv M. für den Monat Inn! entgegen.(Eingetragen in die Post-Zeitungsliste für 1895 unter Nnmmcr 7128.) In unserem Feuilleton wird der Abdruck der ge- schichtlichen Erzählung: »KerUner Marztage� von Michel Deutsch. fortgesetzt. Neu hinzutretenden Abonnenten liefern wir den Anfang des Romans auf Wunsch nach. Redaktion und Expedition des„Vorwärts". Gemeinderathsmahlrn tu Marseille und gaiut-fetwuuO Man schreibt uns aus Paris unterm LS. Mai: Zur Zeit, da Pcrier und Dupny am Ruder standen und das sie stützende und von ihnen gestutzle Pananüsteuthum wähnte, daß es nur einer Faust bedürfe, um die ganze sozialistische Bewegung mit Stunipf und Cliel auszurotten, da gab es keine Lüge, keine Verdächtigung und keine Verleumdung, die die„Ordnungspresse" nicht als Waffe gegen die Sozialisten gebraucht halte. Nicht zum mindesten waren es die sozialistischen Eemeindeverlretungen, denen diese Art des Kampfes galt. Wie kounle die Arbeiterschaft es sich herausnehmen, in Verlretilngen, in denen sonst die Bourgeoisie unumschränkt herrschte, Sozialisten zu entsenden und sich so in den Besitz gar mancher namhafter Siadthänser zu setzen? Das war ja die reinste Enieianung und noch dazu eine Enteignung ohne jedwede Entschädigung, also ein wahrer Raub. Und war die Besetzung der Stadthäuser schon ein Raub, so natürlich das ganze Thun und Lassen der sozialistischen Geineindevertretlznge» nichts als fortgesetzte Räubereien. Aber wie sehr die Orhuungs presse gegen die sozialistischen Gemeinde- räthe auch zeterte, ivie sehr sie sich auch anstrengte, alle ins- gesammt als einen Ausbund von Schlechtigkeit hinzustellen, konnle die Regierung, trotz allen guten Willens, ihr zu dienen, ihnen doch nichlis anhaben. Und so mußten sich die Herren schon auf die nächsten Wahlen vertrösten, bei denen die sozialistischen Gemeinderäthe, so sehr sie sich auch an ihre Mandate klanim'ern mögen, sicherlicli hinausgefegt werden würden. Nun traf es sich, daß der sozialistische Gemeinderath von Marseille, an dessen *) Unliebsam verspätet. JaniUU'tou. lNachdruck verboten. l Herlwer Märztage. 26 Eine gescihjchtliche Erzählung von Michel Deutsch. »Sie irre», uiein Herr," warf Bruno Bolkmuth, der während der. Unterhaltung zumeist den schweigsamen Be- obachter gespielt hatte, bestimmt und scharf dazwischen. Der Koiiininnisipfus hat in den rheinischen und süddeutschen Jndjistriestäloten eine große Verbreitung gefunden, und er wird dereinft auch hier in Berlin das politische Bekenntniß der Massen dilden." „Das sagen Sie, der Sohn des Demokraten Volkmnth?" bemerkte Dr. Wollstein nicht ohne Verwunde- rung. „Das sage i ch, der Sohn des K o m m u n i st e n Volkmnth, der ich se-lbst Kommunist bin", entgegnete Bruno dem verdutzten Demokraten. „Sie irren ä.uch in Ihrer Auffaffung vom Wesen des Konlniunismus", sagte Hans Härtung zu Dr. Wollstein gewandt.„Ter Komimunismns ist aus den Kinderschuhen heraus, er ist im Begriff, sich zu einer wissenschaftlich begründeten, alle bisherigen Vorstellungen vom Wesen des Staates und der Esesellschaft aus den Angeln hebenden Weltanschauung hercimsznbilden. Sehen Sie diese kleine, unscheinbare Broschüre� die vor kurzem die Presse verlassen hat; sie bedeutet den Anfang einer Umwälzung in dem geistigen Leben der motoernen Völker, wie sie bisher die Geschichte noch nicht erlebt hat. Und das deutsche Volk, der„gemeine deutsche Miann", den sie eben für so nüchtern und praktisch erklärten, ßvird praktisch und nüchtern genug sein, sich zum Träger Weser Umwälzung zu machen. Spitze Dr. Flaissiürcs stand, seine Demission gab und demnächst eine Neuwahl vorgenommen werden mußte. Nach allem, was die„Ordiiungs"presse gegen den Marseiller Genieinderath vorzubringen wußte, konnte man sicher sein, daß kein einziger Sozialist mehr in den Gemeinderath hineingewählt werden würde. Und siehe da: von all den Kandidatenlisten hat die sozialistische, mit Dr. Flaissisres an der Spitze, einzig und allein den Sieg davongetragen. Kein Wunder darum, daß die Presse, die sonst tagelang über die Niederlage der sozialistischen Kandidaten und die Scharssichtigkeit der Wähler geleitartikclt hatte, auf einmal die Sprache völlig verloren hat und kaum das trockene Wahlergebniß meldet. Bei der 14 Tage vorher stattgehabten Wahl von Saint-Etienne, wo es sich»m IS Gemeinderäthe handelte, und die sozialistische Kandidatenliste, an deren Spitze der sozialistische Abgeordnete Girodet stand, gleichfalls mit großer Majorität durchdrang, hatte die sonst so großmäulige Presse nicht anders gehandelt. Was sollte, was konnte sie auch ans ein so schlagendes Dementi, wie es diese beiden Wahlen sind, antworten?... Wie muß es da erst gewissen deutschen„Ordnungs"blättern zu Muthe sein? Denn in beziig auf die Räubergeschichten, die diese Blätter zu erzählen wußten, waren sie der französischen „Ordnungs"presse um mehrere Pferdelängen voraus. Die lustigste dieser Geschichten, von denen ich mir einige für später reserviren will, betraf die Genieindeverwallung von Perpi'gnan. Am reich- lichsten ausgeschmückt brachte sie wohl der„Neue Pfälzische Kurier". In einem mit„Sozialdemokratischer Gemeindehaushalt" übcrschriebenen Leitartikel hieß es da:„Besonders lehrreich ist die Geschichte der Stadt Perpignan unter der sozialistischen Ver- waltung." Und hierauf wurde lvie folgt erzählt: „Dort— in Perpignan nämlich— wurde vor etwa zehn Jahren ein sozialistischer Stadtrath gewählt, der bei sdinem Amts- antritt in der Stadtkasse ILS000 Fr. vorfand, welche die frühere republikanische Stadtverwaltung gespart hatte. Unter der Herrschast der Sozialisten, die mehrere Wahl- Perioden hintereinander ain Ruder blieben, wurde nicht blas dieser Schatz verausgabt, bald zeigte der städtische Hanshalt auch einen Fehlbetrag, 1888 hatte die Stadt bereits lOUOOO Franken Schulden und mußte, um nur die nothwendigsten öffentlichen Arbeiten ausführen zu können, schon eine Anleihe aufnehmen. Für einige Zeit war man also wieder flott. Die einzelnen städtischen Verwaltungszweige kamen in die größte Verwirrung, die Einnahmen aus den städtischen Steuern gingen immer mehr zurück. Das hinderte die sozialistischen Sladlväter aber keineswegs, das Geld der Steuerzahler weiter zu ver- schwenden. Als 1883 in Paris die Ailsstclluiig war, wollten die Sozialisten in Perpignan es der Hauptstadt gleich- lhun. Sie veranstalteten auch eine Ausstellung init Hauptgebäude, Maschinenhallen, leuchtenden Springbrunnen u. s. w. Ein Vierteljahr lang feierten sie Feste, veranstalteten Bälle, Gast- mähler und„Punchs"; sie hielten sich ein eigenes Theater, ließen groß. Ausstattungsstücke aufführen und sich natürlich auch ein Bnlletkorps kommen. In ivcniger als vier Jahren halten sie 600 ovo Mark Schulden gemacht und die Stadt stand vor dem Bankrott. Schließlich war das Geld so knapp, daß am Monatsschluß nichts mehr da war, um die Beamten zu besolde» und daß der Stadl- sckrelär aus eigener Tasche die Freimarke» für die städtischen Briesschaftcu auslegen mußte. Mittlerweile gingen aber auch den Steuerzablern die Augen auf. Im Mai 1832 jagten sie die sozialistische Gesellschaft aus dem Stadlhause, Ivo diese zehn Jahre lang gehaust hatte, und ein republikanischer Siadtrath wurde mit großer Mehrheit gewählt. Beim Prüfen der Er hatte ein aus Bürstenabzügen zusammengefügtes kleines Hest hervorgezogen, ans dem die Aufschrift„Das k o m m n n i st i s ch e M a n i f e st" zu lesen war. Florian Schnick und Bruno griffen sogleich nach demselben, während die übrigen ziemlich glcichgiltig und Dr. Wollstein sogar mit einem spöttischen Lächeln dreinschaute. „Diese Schrift," fuhr Hans Härtung zu Dr. Wöllstein gewandt fort,„hat das Tischtuch zwischen dem freiheit- lechzenden Volke Ihrer Phantasie und dem nach Brot schreienden Volke der Wirklichkeit für immer zerschnitten. Sie ist die Absage des ausgebeuteten Proletariats an seine Ausbeuter, zu denen das satte Bürgcrthum ebenso gut ge- hört wie die finsteren Gewalten des Absolnlismns und Feudalismus, die Sie befehden. Im Kampfe gegen diese Reste des Mittelalters werden wir allerdings noch eine Zeit lang zusammenstehen. Dann aber wird der Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat um so schärfer zu tage treten. In einer tapferen, ehrlichen Bürger-Revolntion werden Sie, wie Ihnen dieses unscheinbare Büchlein hier bestätigen wird, auch die Kommunisten an Ihrer Seite finden." „Bravo! Das lob' ich mir!" rief Fritze Grams, den die theoretischen Auseinandersetzungen bereits zu langweilen begannen.„Praktisch und nüchtern woll'n wer sein, wat Paule?" sagte er scherzend zu dem Schornsteinfegcrmeistcr, indem er ihn mit seiner breiten Hand auf die Schulter schlug. „Immer kalt Blut und warm anjezogen", versetzte der Schornsteinfcgermeister unter dem Lachen der Tafelrunde und leerte sein Glas mit einem Zuge. „Und weil wir gerade so hübsch beisammen sind und so viel Gelehrte unter uns haben," meinte Fritze Grams, der den ganzen praktischen, ans das Greifbare gerichteten Sinn des Berliners besaß, ,.so wollen wir doch gleich'mal 'ne Adresse an Majestät aufsetzen und morgen früh unseren Rechnungen fanden sich ganz merkwürdige Posten, so über Lieferung von Punsch, Zigarren und so weiter, dagegen waren öffentliche Arbeite» und Einrichtungen, die dem Gemeinwohl, namentlub der arbeilenden Bevölkerung zu gute gekommen wären, unterblieben oder vernachlässigt. In Perpignan wurden unter der Herrschaft der sozialistischen Stadt- Verwaltung 600 000 Fr. für Gastereien u. s. w. ausgewandt, von denen die arbeitende Bevölkerung gar nichts hatte. Die republi- kanische Stadtverlretung mußte für die brotlosen Handwerker erst wieder Arbeitsgelegenheit schaffen." Das Schnurrigste an der ganzen Geschichte ist nun, daß P e rpignan noch nie eine s o z i a Ii st i s ch e Gern cinde« Vertretung besaß und somit auch nie unter sozia- listischer Verwaltung stand. Ja, es scheint mehr als fraglich, ob es in Perpignan, das namentlich durch seine Kathedrale und seinen Großhandel mit Weinen, Del und Seide bekannt ist, überhaupt irgend eine sozialistische Bewegung giebt, da diese Stadt wohl eine Handelskammer»nd mehrere Unter- nehmerverbände beherbergt, in bezug auf Arbeiterverbindungen aber nichts als eine einzige Gewerkschaft aufzuweisen hat und zwar eine Tischlergewerkschaft mit— LS Mitgliedern. Wenn also die„Geschichte der Stadt Perpignan" irgendwie„besonders lehrreich" ist, so nur in bezug auf die Knmpfesweise unserer Gegner. Ohne Lügen, Verdrehungen und Fälschungen gehl es bei ihnen eben nichl ab. Wie erheiternd wirkt es nun aber, nachträglich die Betrach- tungeu zu lesen, welche die Herren auf grnnd dieser„Geschichte" anstellten, die niehr oder minder aufgeputzt durch eine Reihe von Blättern ging und überall als Beweis dafür angeführt wurde, wie miserabel es mit allen sozialistischen Gemeindeverwaltungen beschaffen ist, was für ei» vcrloltertcs Gesindel die sozialistischen Sladlväter sind und wie sehr man sich überall danach sehnt, sie aus den Stadthäusern hinausznfegcn. Und nun als Antwort die Wahlen von Marseille»nd Saint-Elienne! Wie verderbt müssen da wohl die Leute sein. Ganz besonders in Marseille. Denn wie da die sozialistischen Sladtverwaller gewirthschaftet haben, davon kann man sich kaum eine» Begriff machen. Es sei denn, daß nian die— Berliner„Tägliche Rundschau" kennt. Diese wußte in der That schon vor Monate» zu erzählen, daß sich in Marseille das ganze städtische Interesse um die Frage drehe, ob man Ersatzwahlen vornehmen,„oder gleich reine Bahn niachen und die gesammle sozialdemokratische Schwefelbande auskehren soll." Wie denn auch anders.„Denn die Leistungen der bisherigen sozialdemokratischen Stadt- Verwaltung— schrieb sie— bedürfen keines Kommentars. Die Stadlfinanzen liegen völlig darnieder, in den einzelnen Vmvaltungszweigen wohnt das Grauen, alle Kassen sind leer oder mit Schulden behaftet, um so besser haben die „Genossen" in ihre persönlichen Kassen und Taschen gewirth- schaflet. Der Stadihauehalt leidet an einem chronischen Ab- gang, die in Marseille so dringend nöthigen sanitären gieform- maßregeln haben mangels pekuniärer Mittel eingestellt werden müssen, in allen städtischen Dependenzen haben sich die Ge- nossen eingenistet, es herrscht ein Nepotismus, der bei der schreiendsten Unfähigkeit und Selbstsucht beide Augen zudrückt, wenn»ur die sozialdemokratische Gesinnungs- tüchtigkcit vorhanden ist. Die anständigen Bevölkerungselemente sind über das skandalöse Treiben aufs tiefste empört und bestürmen die Regierung mit Bitte», dem unwürdigen Zustand in der ersten französischen Hafenstadt des Mittelineeres ein Ende zu machen. Sie betonen, der Gemeindcrath»nd die Stadtverwaltung von Marseille seien doch keine Versorgungsanstalt für sozialdemo- Plüddemann mit hinschicken. Der hat ja woll Beziehungen da drüben an der Schloßfreiheit." „Bravo! Eine Adresse! Bravo! Bravo!" tönte es von allen Seiten.„Vom Stammtisch der„Silbernen Ente" an den König von Preußen." Ein allgemeiner Jubel brach aus und die Gläser ivurden anfs neue gefüllt. Ein Hoch ans die Freiheit des deutschen Volkes, das Dr. Wollstein ausbrachte, stellte jenen äußer- lichcu Einklang in der Gesellschaft wieder her, der so häufig durch Vermitteluug des edlen Menschenfreundes Alkohol dort zu stände kommt, wo eine innerliche Uebereinstimmung nicht zu erzielen ist. Plötzlich, mitten in der ausgelassenen Stimmung der Stammgesellschaft, als Dr. Wollstein eben eine Sitzung des französischen Konvents parodirte und sich selbst die Rolle des Marat, seinem Vetter Fisch diejenige Robespicrre's und Fritze Grams die des Danton zngethcilt hatte, öffnete sich langsam die Thür des Zimmers, und eine abenteuer- liche Gestalt erschien in der Oeffnnng. Die Konventleute vom Stammtisch der„Silbernen Ente" fuhren zusammen und ließen ihre erschrockenen Blicke starr auf dem Eindringling haften. «Im Namen des Gesetzes," begann dieser in sonderbar harten Tönen—„Bürger Danton, Bürger Robespierre und Bürger Marat: erkläre ich Sie als Gefangene! Bin ich Fouche, Polizeiminister Napoleon des erste»!" VIII. Eine Lachsalve folgte den Worten des unerwartet auf- getauchten Gastes. Man sah, daß man es mit einem Spaß- vogel zu thun hatte, daß von diesem auffallend heraus« geputzten, mil einem dunklen Schnürrock, hohen Falten- stiefeln und einer viereckigen Mütze angethanen Herrn nichts zu befürchten war. Nur Dr. Wöllstein, der kühne „Führer" der Berliner Bewegung konnte sein Gemüth nicht sogleich beruhigen. fr»lischt Gull»», sonder» habe» hohe Miehlen gegen das Gemeinwohl z» erfüllen." Und trotz all der grauenhafte» Thate» der bisherigen sozial- demokratische» Stadtverwaltung hat die Marseiller Bevölkerung doch keine Vollblntbourgeois, sondern abermals wieder nur Sozialisten in den Genieinderath hineingewnhll. In der That e.ne schreckliche Schwefelbande! 9(itS Romissy-sur-Seiue. Man schreibt uns aus Paris unter»» 23. Mai: Es ist zun, Staunen,»vis genau die deutschen BonrgeoisbläUer über das Thun und Lassen der sozialistischen Gemeindercithe Frankreichs unterrichtet sind. Nichts entgeht ihnen. Diesmal handelt es sich um den Geineinderath von llloinilly.sur-Seine,»vo unsere Partei am Ruder ist. Und da weih der„Berliner Börsen- Courier" folgendes Geschichtchen zu erzählen: „Ein Mützenmacher namens Mille t, der als ein sehr I ü d e r l i ch e r Arbeiter, aber desto regerer Agitator be- leumundet»vird, war von seinem Arbeitgeber wegen U n- tüchtigkeit entlassen worden, und da natürlich kein anderer Geschäftsmann am Orte Neigung bekundete, ein arbeitsscheues, wühlerisches Subjekt anzu- nchmeit, so blieb dem Biedermann, da er nicht von der !.ufl lebe» konnte noch mochte, nur noch übrig, der Stadt, die ihn so schnöde behandelte, den Rücken zu kehren. Das paßte aber nicht in den Kram der Genossen, die einen so cknchtigei» Hetzer nicht einbüßen»vollten. Anfangs»var guter Rath theuer, bis endlich ein besonders sindiger Kopf auf den Einfall gerieth und damit ohne Mühe durchdrang, den bis- •herigeil Maire Bonher»), ebenfalls ei» Arbeiter seines Zeichens, zur Amtsniederlegung zu veranlasse». Das geschah und noch mehr. Daniit Freund Millet, für seine Person ein prinzipieller Feind alher Arbeit, ein »nenschenwürdiges Dasein führe» könne, beschloß man zugleich, im strikten Widerspruch mit den gesetzlichen Bestimmungen, nach denen der Maireposten ein Ehrenamt sein soll, dein neuen Maire ein erkleckliches Gehalt aus dem Stadtsäckel zuzu- wenden." So gut nun auch der„B. B.-C." unterrichtet zu sein scheint, so blieb er doch in einem hinter der strikten Wahrheit zurück. Ter Mützenmacher Millet, der nebenbei gesagt eigentlich ein Strunipsivirker ist,»vnrde weniger»vegen seiner Untüchtigkeit oder seiner Arbeitsscheu entlassen, sondern»veil er die Mittags- pause regelmäßig zun» Besuch der Börse benutzte und seine Abende seit längerer Zeit schon mit einer von ihm ausgehaltenen Balleltänzerin verbrachte,»voraus die Unternehmer ganz richtig schlössen, baß er mindestens ei»„Führer" bei den Sozialisten sein müsse. Und sie halten sich darin so wenig geirrt, daß Millet den» auch in der That von der„sozialdemokratischen Rotte" von Romilly-sur- Seine zum Maire dieser Ortschaft ernannt »vorden ist. Die Sache ernster zu behandeln, läge kaun» ein Grund vor,»ven» der„B. B.-C."»nit seinen Auslassungen nicht zugleich einen etlatantei» Beweis vo» der Unehrlichkeit unserer Gegner lieferte, »nit der sie den Kamps führen. Denn wenn jemals irgend welche Borgänge ebenso sehr zur Ehre der Sozialisten sprechen,»vie sie von der Niedertracht des AuSbenterthums zeugen, so sind es sicherlich die von Romilly, das bis vor kurzem ganz in den Händen der Freunde und Anhänger Perier's»var, zu dessen Wahlbezirk es gehört, ,vo er»ach seiner Wahl zum Präsidenten der Republik in der Person seines Leibkandidaten Robert be- kanntlich eine solche Niederlage erhielt, daß er sich kaum jemals davon erholen»vird. Zu dieser Niederlage haben die Sozialisten nicht»venig beigetragen. Von da an ging es mit den Herren Opportunisten immer mehr abivärts, ganz besonders in Romilly, wo die Arbeiterpartei mit jedem Tage stärker»vurde und»vo, »vie gleich hinzugefügt sei, der frühere Maire, ein Bankier, nachdem er zuvor viele kleine Leute um ihre Ersparnisse gebracht, Bankrott gemacht hat,»vas für de»„Berliner Börsen-Courier" »vohl allein schon ein genügender Grund zu sein scheint, die Sozialisten allerlei Schändlichkeiten zu zeihen. Bei der nothivendig geivordcnen Geineinderaths-Ergänzungs- wähl»var es nun unserer Partei gelungen, mit ihrer ganzen Liste durchzudringen, so daß der Gemeinderalh, der aus 25 Mitgliedern besteht, auf einmal ll Sozialisten zählte. Um dagegen zu protestiren und gleichzeitig zu zeigen, daß sie noch immer die Majorität der Wähler hinter sich hätten, die Sozialisten aber nur durch eine besondere Verkettung der Umstände geivählt »vorden seien, hatten die Bourgeoisverlreter, in der festen Ueber- zeugung, mit einer eklatanten Majorität»viedergewählr zu»verde», ihre Demission gegeben. Welcher Schlag nun für sie, als an stelle des erträriniten Sieges eine ebenso eklatante Niederlage kam, die das Ansbeuterthun» um so fürchterlicher traf, als nun der ganze Geineinderath aus Sozialisten bestand. Selbstverständ- lich»vard da auch der Maire ein Sozialist, zu»velchen» die Gemeinderäthe ihren Genossen Bouhenrri-Gornet ernannten. Die Wuth der Herren kannte nun keine Grenzen. Besonders scharf hatten sie es dabei auf den„Mützenmacher" Millet abgesehen, der,»vas auch der„B. B.-C." sagen mag, ein ebenso tüchtiger als fleißiger Arbeiter ist. Nur halte er das bei intelligenten Arbeitern so häufige„Malheur", ein ebenso tüchtiger»vie eifriger „Wie können Sie es»vagen, Herr," begann er mit strengem Stirnrnnzeln, indem er auf den Unbekannten zu- trat,„in diese Versammlung von ehrbaren Bürgern un- angemeldet einzudringen? Wer sind Sie überhaupt, und was wollen Sie?" „Schiveig, altes Freund und schalt mir'mal genau an!" versetzte der joviale Mann in dem Schnürrock, der etwa vierzig Jahre zählen mochte, einen stattlichen Fettbauch besaß und durch den martialischen, breit aufgezwirbelten Schnurrbart in dem leicht gerötheten Gesichte ein ganz be- sonders unternehmendes Aussehen erhielt. Dr. Wollstein betrachtete ihn ein»vcuig verdutzt. Da er keine Antivort gab, fuhr der Schnürrock in würdiger Haltung und mit feierlich erhobener Stimme also fort: „Ich bin Kasimir Boleslaiv von Tumidaiski, edler Herr auf Stupno und Bogdanowo, und Du, mein Lieber, bist sich kleiner Moses Wollstein,»vas hat so manches Mal »nit sein alten Tätte bei nur Vieh gekauft, und manches polnische Gulden von mir geschenkt bekommen." Dr. Wollstein war ein wenig in Verwirrung gerathen, als so plötzlich seine Jugenderinnerungcn in ihm geiveckl »vurden. Ephraim Fisch dagegen stürzte»nit freudestrahlendem Gesichte ans den edlen Herrn Kasimir zu und drückte herz- lich seine Rechte. „Was sehen meine Augen, Herr Gras!" rief er ganz begeistert.„Und den Ephraim aus Gnesen, was hat die Fischpacht gehabt ans Ihrem See mit seine»»» Schivager Aaron— den erkenne»» Sie nicht»vieder?" „Ephraim! Bruder meins!" rief seinerseits der Pole, wobei er seine große, sette Hand auf die Schulter des An- geredeten fallen ließ und den kleinen Lederhändler»vie ein Gnmmiinänuchen niederdrückte—„hier also führt uns Schicksal zusammen!? Lieg ich auf meine Bett und denk, wer macht denn hier so Spektakel mitten in Nacht, und komm' ich und seh': ist's der Ephraim ans Gnesen l" Ephraim Fisch hatte den Edelmann an der Hand ge- faßt und ihm einen Platz an seiner Seite angewiesen. Alle schüttelten dem Gaste freundschaftlich die sHand und be- trachteten mit Neugier die fremdartige Erscheinung. (Fortsetzung folgt.) Propagandist der sozialistischen Ideen, oder, um in der geivählten Sprache des„B. B.-C." zu reden, ein„»vühlerisches Subjekt" zu sein. Trotzdem— und das spricht doch sicherlich ebensoivenig für seine Untüchtigkeit»vis für seine Arbeitsscheu— stünde Millet noch heute in Arbeit,»venn er nicht als Sekretär der dortigen sozialistischen Organisation sozusagen die Seele der ganzen Beivegung geivesen»väre, durch die das Herrenthun» aus dem Gemeinderalh gejagt»vurde. Das mußte gerächt»verde». So beschlossen denn die Wirkivaaren- Fabrikanten, ihn ans- zuhungern, resp. zu zivingen, mit den Seinigen den Ort zu verlassen. Aber dabei hatten sie ohne den Ge- »neinderath,»rne ohne den Maire gerechnet. Bouhenry, der in seiner Eigenschaft als Maire eine bestimmte Entschädigung für Repräsentationskosten erhielt, hatte nämlich seine Deniission gegeben, um es so zu erinöglichen, Genossen Millet an seine Stelle zu setzen und ihn so der Partei zu erhalten. In eine»» vom„Petit Troyen" veröffentlichten Schreiben, in»velchen» Bouhenry die Motive seiner Demission bekannt gab, heißt es: „Man»vollte die Arbeiterpartei treffen, indem man einen ihrer anfopferungsvollsten Kämpe»» seines Brotes beraubte; wir ant- »vorteil darauf, indem»vir unseren Kameraden aufs Stadthaus setzen." Mistet erhält natürlich dieselbe Entschädigung, die Bonhenry bezogen hat, und anstatt den„Mützenmacher" aus der Stadt zu haben, müssen die Herren ihn nun gar als Bürger- meister über sich sehen. Welches Pech,»velch' dickes Pech!— Uelter den FaU Kading, überhaupt über das in neuerer Zeit hervortretende Bestreben von Richtern und Staatsanivälten,»eben dem Verfasser»ind veraniivortlichen Redakteur auch den Verleger und Drucker wegen angeblich strafbarer Artikel vor die Schranken des Gerichts zu ziehen, äußert sich die Zeitschrift„Die Kritik" in interessanter Weise. Wir entnehmen dem„Majestätsbeleidignng" überschriebenen Artikel die folgenden Stellen: Wenn die Rechtssicherheil in deutschen Lande» so»venig ge- »vährleistet ist, daß ich»vegen des Druckes oder der Verbreitung einer Schrift unter Anklage gestellt und sogar verurtheilt werden kann, obivohl der Inhalt dieser Schrift schon früher von einem Gerichtshof als nicht strafbar bezeichnet worden ist, dann ist mir überhaupt keine Gewähr für meine persönliche Sicherheit geboten, und man kann es»nir nicht verargen, daß ich einem solchen Zlistand die krasseste unverhüllte Willkür vorziehen würde. In einen» Staate, in dein die absolute Willkür unverschleierl herrscht, weiß»na»»venigstens,»voran man ist. Man»veiß dem zu Folge aber auch,»vie man sich den» Staate und seinen Ver- tretern gegenüber zu verhalten hat. So lange man nicht die Macht besitzt, den einen abzuschütteln und der andern sich»virk- sain zu erivchre», läßt man sich ihre Uebergriffe zähneknirschend gefallen, aber keine Geivalt der Erde kann einen zwingen, ihnen irgend»velche Berechtigung zuzugestehen. Die Fiktion vom Rechtsstaate, der angeblich die absolute Monarchie abgelöst haben soll, ist durch die Praxis so vielfach durchlöchert»vorden, daß sie beinahe als aufgehoben gelten kann. Die Rechtsunsicherheit wird täglich größer, und Fälle»vie der des Buchdruckereibesitzers Bading geben Anlaß zu den ernstesten Bedenken. Ich»väre»virklich begierig zu erfahre»,»vie die Herren Richter, die zu dem Zustandekommei» dieses Urtheils beigetragen haben, sich eigentlich den in einer Buchdruckerei üblichen Geschäfts- betrieb vorstellen. Sie haben davon natürlich keine blasse Ahnung und urtheile» daher über technische Dinge wie der Blinde über die Farbe. Die Erfahrung, daß gar viele unserer Jieristen vom praktischen Leben und seinen Erfordernissen gar nichts ver- stehen, daß sie meist nicht im stände sind, sich auch nur eine an- nähernd zutreffende Vorstelltiug zu»lachen von den Verhältnissen, in denen die ihrer Jurisdiklion unterstellten Staatsbürger, die d»»rch eigne Arbeit sich ernähren müssen, leben und wirke», kämpfen und ringen; daß sie ferner nur die Lage des höheren Beamleuthuins eingehender kennen und daher oft genug ans Unkenntniß Urtheile fällen, die»nit den An- forderungen der Gerechtigkeit in keiner Weise vereinbar sind— diese peinliche und betrübende Erfahrung kann jeder mache»», der »viederholt mit den Gerichten in Berührung tritt. Die Kunst Gutenbergs ist auch für unsere Jllristen noch heute eine geheime, eine schivarze Kunst. Ich möchte hundert gegen eins»vetten, daß unter tausend Richtern, die angestellt »verde», neunhuudertundachtzig nie in ihrem Leben Gelegenheit hatten, einen Einblick in eine Buchdruckerei zu thu». Sie haben auf der Schule gelernt, daß Gutenberg den Druck mit erhabenen Typen erfunden habe, und bekominen»vohl auch täglich Druck- erzeugnisse vor Augen, aus denen hervorgeht, daß seither die Buchdrilckerkunst sich gar sehr vervollkommnet habe» muß. Welch einen uniständlichen tcchnifchen und kaufmännischeil Apparat aber der Drückcreibetrieb erforderlich»nacht,»vie unendlich viele Arbeitskräfte da pünktlich ineinandergreifen müsse»»,»velche »veilgehende Theiluug der Arbeit erforderlich ist, um die hohe Präzision zu erzielen, mit der gerade in» Truckereigeiverbe gearbeitet »verde»» muß in einer Zeit, die tal»sendsällige Anregungen dem Drucke verdankt— von den» allen haben die Herren keine blasse Ahnung. Und»venn sie sich dennoch zugetrauten, im Falle Bading ein Urtheil zu fällen, so beiveist dies, daß bei den Juristen that- sächlich die irrthümliche Annahme besteht, sie lvären mit ihren Formeln u»id Normen im stände, alle Lebensverhältnisse zu be- urtheile»» und in lichtvoller Behandlung selbst solche Dinge zu er- ledigen, von denen sie von Haus aus garnichts verstehen. Die Herren vo» der Strafkammer, die den Buchdruckerei- bcsitzer Bading verurlheilte, hätten sich sicher nichts vergeben, »venn sie einige der gerichtlichen Sachverständigen für das Buch- druckereiivesen vernommen hätten. Tie Sachverständige»»vürden dann den Herren Richter» klar gemacht haben, daß,»vie ich schon fagte, ei» umfangreicher Buchdruckereibetrieb nur ailf der Basis der»veitestgehenden Arbeitstheilnng denkbar sei, daß da ein Rad in das andere greifen»»»isse, daß nirgends eine Verzögerung u»»d Versäumniß stallfinden und daß vor allen Dingen jeder in einem solchen Betriebe nur das thun dürfe,»vas er besser versteht, als die andern. Keiner dars da dem andern ins Handiverk pfllschen, jeder muß die ihn» zugeiviesene Aufgabe pünktlich und geivissenhaft erledigen, und es ist in keiner Weise angängig, daß der Inhaber solch eines Betriebes, dessen Leitung,»venu nicht mehr Scharssinn, so doch aus alle Fälle eine»veit an- strengendere Arbeit erfordert, als die Führung des Vorsitzes i» einer Straskamnier— sich Direktiven erlheilen läßt von Leuten, die von den» Geschäft und seinen Nvthivendigkeiten nicht das mindeste verstehen... Jedenfalls hat ein tüchtiger Verleger nicht die Zeit, an dem Inhalt einer bei ihn» erscheinenden Zeitschrift eine Präventiv- Zensur zu üben. Mancher Redakteur»vürde sich das auch gar nicht gefalle» lassen. Aber auch dann,»venu der Verleger wirk- lich das Kunststück fertig brächte, zu seine» sonstigen Arbeiten auch noch die des Zensors auf sich zu nehme», glauben Sie, daß dann nichts mehr in die Zeitung hineinkomme» könnte, »vas nicht seine Genehmigung erhallen Hütte? Habe» Sie denn gar keine Ahnung davon, daß solch ein Zeitungsartikel erst gesetzt und dann korrigirt und dann noch einmal korrigirt »vird?... Daß häufig in der Korrektur und sogar bei der Revision von» Versasfer oder voin Redakteur noch»vichtige Aendernngen vorgenommen und Zusätze eingeschoben»verde»? Wie nun,»venu ans diesen» Wege in einen an sich harmlosen Artikel nachträglich noch etwas Strafbares hinein kommt? Dann hat der Verleger alles gethan,»vas er thun konnte, und dennoch muß er bestraft»verde»,»veil der Artikel Stellen aufzmveise» hat, die sträsbaren Inhaltes sind. Und, an den Staatsanwalt selbst sich»vendend. heißt es in dein Artikel zum Schluß: Sie scheinen auch gar keine Ahnung davon zu haben, Herr Staatsauivalt, daß gerade die politischen Zeitungs- und Zeitschriften-Attikel gewöhnlich erst in allerletzter Stunde mit brennender Feder geschrieben werden, daß das Manuskript blaltiveise in die Druckerei wandert, noch ehe der Artikel fertig ist, und daß ebenso stückweise oft die Korrektur zurückkommt. Es bleibt in einen» geordneten Redaktionsbetrieb in solchen Fällen gar keine Zeit übrig zu Vornahmen, die ganz- lich überflüssig sind. Die Zeitung muß auf die Minute serlig iverden— diese eine große Envägung beherrscht alles. Das »reiß der Verleger und deshalb kümmert er sich verständiger, veise nicht um Dinge, die schon ihrer ganzen Natur nach außerhalb der Sphäre seiner eigenen Arbeitsthätigkcit liegen, llnd nun kommen Sie. Herr Staatsanwalt, mit Ihren Kollegen und wollen ihn mit Geivalt verantwortlich machen für angebliche Vergehen, an denen er doch ganz unschuldig ist, an denen er, selbst wenn seine Absicht die verbrecherischste von der Welt wäre, gar keinen Antheil haben könnte! Das ist ungerecht. VollkiNho Tteberfilsik. Berlin, 30. Mai. Herr Neichsgerichtsrath Mittelstadt und die Um- sturzvorlage. In dem Juniheft der Preußischen JahtMchcr ivirst Herr Mittelstadt einen kriminal-politischen Rückblick auf die Umsturzvorlage. Der für Richter anderer Gattung ebenso lange als instruktive Artikel kommt wie wir zu dem Schluß, daß es auch ohne Umsturzgcsetz geht. Uns inter- essirt an der Arbeit des Reichsgerichtsraths vor allem das Zugeständniß, daß bei unseren Richtern von Objektivität nicht die Rede seil» kann.„... Zudem befinden wir uns der Umsturzvorlage gegenüber auf dem heißen Boden der politischen Delikte. Jene Zumuthung (der Strafrichter»verde den vernünftigen Sinn einer un- vernünftigen Strafvorschrift schon zn finden wissen) setzt bei unseren Strafrichtern eine intellektuelle Höhe politischer Un- Parteilichkeit und Unbefangenheit voraus, wie sie der Wirk- lichkeit nicht mehr entspricht.... Auch der Richter ist nur ein Wesen von Fleisch und Blut, ein Geschöpf seiner Zeit und seines Landes." Ganz unsere Meinung. Schönen Dank für das in dem Munde eines Reichsgerichtsraths doppelt werthvolle Zu- geständniß. Aber noch eins verdient beachtet zu werden. Herr Mittelstadt behauptet, daß unsere Richter viel zu milde Urtheile fällen. Namentlich ist er aber darüber ärgerlich, daß Redner,»velche z. B. einen Dyuamithelden als„un- glückliches Opfer unserer niedertrachtigen GesellschaftS- ordnuug glorifizircn", nicht auf grund des Sprengstoff- gesetzes vom 9. Juni 1884 unter Anklage gestellt wer- den. Der Versuch, die Ursachen eines solchen Ver- brechens aus den gesellschaftlichen Zuständen heraus zn erklären, ist nach Herrn Mittelstädt als ein„Beschönigen" und als ein„rühinftch Darstellen" von Dynamitverbrcchen zn qualifiziren, welches Delikt vom§ 10 Absatz 2 des zitirten Gesetzes mit schwerer Zuchthausstrafe bedroht»vird. Ein gar anmuthiges Bild bietet uns hier ein Mitglied des höchsten deutschen Gerichtshofes mit seiner Klage über die milden Richter und die saumseligen Staatsanwälte, die, als seien sie hypnotifirt vom§ 130 St.-G.-B., aus „Brandreden" nichts strafbareres herauszufinden wissen als Aufreizung zum Klassenhaß. Also nur Mnth. ihr Herren in der Richterrobe. Und wenn die Mahnung-nichts nützt, dann haben die Staatsanwälte in dem Artikel �vortreffliches Material zur Begründung von Revisionsschriftck», denen Herr Mittelstadt hoffentlich eine liebevolle Ausnahme beim Reichsgericht verschaffen wird. Glückliches Deutschland, das � au der Statte, wo das Recht in höchster Weisheit verzapft»vird, Männer fitzen h°at, die sich berufen erachten die gesunkene Energie im Vörurtheilen neu zu be- leben. Wenn jetzt eine andere Jndikajtur in den Gerichtshöfen Platz greift, wird es Herrn) Dr. Mittelstädt zn danken sein, der als publizistischer Reichsgerichtsrath den Richtern und Staatsanwälten gezeigt h«t wie es werden muß.— Der BnndeSrath ertheilte in seiner hbutigen Sitzung dem Antrage der Ausschüsse zu Eingaben, betreffend die Abänderung des Zucker st eu er-Gesetzes vom gl. Mai 1831 die Zu- stimmung, ebenso mit einigen Abänderungen, den» Antrag der Ausschüsse zu den» Entlvurs eines Gesetzes, betreffend die Pflichten der Kaufleute bei Aufbewahrung fremder Wert hpapiere. Ferner n'urde dem Antrag der Ausschüsse, betreffend dum Entlvurs eines Börseugesetzes und dem Berichte der Ausschüsse ilber den Entwurf eines Abgabentariss für den Nordoflsee- Kanal) die Zustimlnung ertheilt.— Ter Dolus eventualis geht wirklich iu erschrecklicher Weise um. Nachdem in Berlin der Drucker dies„Vorwärts", Babing, wegen Dolus ovsnbualis zu zwe« Monaten Ge- fänguiß verurtheilt wurde, ist jetzt auch der Drucker des „Volksblatts für Harburg- Wilhelmsburg u nd Umgegend" wegen eines Artikels unter Anklage gestellt.worden. Das genannte Parteiblatt berichtet darüber:[ Vor einiger Zeit erhielt unser„VerantwortliÄer" zwei jener sattsam bekannten Einladungen vor den Unteüstichungsrichter. Das wäre nun an und für sich weiter nichts Mertzwürbiges, aber dieser Tage erhielt vermuthlich in derselben Aiigel.egenheit, jeden- falls aber wegen Beleidigung durch die Presse, eb enfalls als An- geklagter die nämlichen Einladuugei!— der Drucker des „Volksblatt".— Das ist es, was in diesem Falle zu denke» giebt. Wir brauchen wohl nur an die bekannte Vermrtheilung des Buchdruckereibesitzers Bading i» Berlin zu erinnern, un» die Lösung dieses Räthsels zu geben und»vir:icufe>i der ge- saunnlen Parteipreffe zu:„Hütet Euch, der„Dolv»s eventualis" geht um.—> Herr Delbrück spaßt weiter in den„Preußischen Jahr- büchern". Er giebt zu seiner neulichen Myst lfikation über Genossen Vollmar eine neue mit„B" gezeikchnete„sozial- demokratische Denkschrift". Dieses auf Bewel zugespitzte Machwerk ist ebenso»venig aus der Feder eines Sozial- demokraten geflossen, wie das angeblich aus- München auf den Redaktionstisch der„Preußischen Jahrb ücher" geflogene Schriftstück. Wenn Herr Delbrück den'Schein aufrecht erhalten»vill, daß die vorige Denkschrift»mit dem Genossen Vollmar auch nur das mindeste thun habe, dann zivingt er uns zu unserer.» Bedanern, an seiner Ehrlichkeit zu zweifeln. Mit ebller Entschiedenheit haben der„Vorwärts", die„Müi/chener Post" und der Abgeordnete v. Wollmar erklärt,»daß es sich hier nur um eine Mystifikation der„Preuß. tezahrbücher" oder um einen Scherz des Redakteurs derselbert handeln könne. Was will Herr Delbrück mehr als die Erkle irung des Abgeordneten v. Vollmar, daß er mit der Denksckyrift nicht das mindeste gemein habe. Der neue Scherz d es Herrn Delbrück ist schlechter, als sein Vorgänger, w�eil Witze durch Wiederholungen leiden; er ist aber aJch noch um vieles un- geschickter. Genosse Vollmar deukrc mid schreibt nicht so wie der Verfasser der LRünchener Denkschrift; Standpunkt und Auffassung des Genossen Bebel wird vvu dem mit zeichnenden Mitarbeiter der„Prenß. Jahrbücher" total mißverstanden. So entfernt wir vom Standpunkte der„Prenß. Jahrbücher" sind, so entfernt sind die oder der Verfasser der„sozialdemokratischen Denkschriften für die„Preuß. Jahrbücher" vom Standpunkte unserer Partei. Lohnte sich mit Rücksicht auf die Umsturzvorlage noch cnif die„Münchener Denkschrift" der„Preuß. Jahrbücher" einzugehen, so verdient dies der„B."-Artikcl derselben aus keinem Gesichtspunkte.-- Der Militärfiskus und das„Privateigenthnm". Der Neichs-Militcusiskus hat vor einigen Jahren einen ständigen Uebungs- und Schießplatz in der Lüneburger Haide beim Dorfe Munster eingerichtet. Die Absicht der Biilitär-Ver' maltung, das erforderliche Terrain als Eigenthum zu er- werben, gelang nicht vollständig, da ein bäuerlicher Grundbesitzer drei inmitten des Uebungsplatzes gelegene Parzellen von ins- gesammt 120 Morgen zu dem ihm gebotenen Preise nicht ab- treten wollte. Trotzdem behandelte die Militärverwaltung diese Grundstücke, als seien sie ein Theil des Uebungsplatzes. Sie legte Wege darüber an, fällte die auf den Wegestrecken stehenden Bäume und schloß den Eigenthümer in der Uebungszeit von Juni bis September von der Benutzung und von dem Betreten seiner Grundstücke aus. Ter Eigenthümer protestirte gegen diese Mißachtung feines Rechtes, wurde aber von der Militärverwaltung auf das Gesetz über Flurschäden verwiesen. Er erhob nun bei dem Land- gcricht Lüneburg Klage und verlangte Schutz seines Eigenthums und Schadenersatz für die erlittenen Besitz- störungen. Der verklagte Militärfiskus wandte ein, daß er das Terrain als Uebungsplatz nur gebrauchen könne, wenn er die� drei Parzellen des Lilägers mit benutze, und verlangte Abweisung der Klage, weil jeder Grundeigenthümer die Be- Nutzung seines Landes zu militärischen Uebungen dulden müsse und die Liquidation des Schadens bei der im Gesetze an- geordneten Kommission unter Ausschluß des Rechtsiveges zu erfolgen habe. Das Landgericht und das Oberlandesgerichl Celle als zweite Instanz traten der Anficht des Militärfiskus - bei und verwarfen insbesondere den Gegcngrund des Klägers, daß ei sich nicht um vorübergehende Truppenübungen und zeit- weilige Okkupation, sondern um ständige Entziehung seines Eigen- thums bandle.— Das Reichsgericht hat nun in der Hauptsache gleichfalls dem Kläger Unrecht gegeben und eine gerichtliche Klage zum Schutze des Eigenthums in diesem Fall für unzulässig erklärt. Abweichend von dem Urtheil des Oberlandesgerichts stellt es aber fest, daß es sich um eine dauernde Benutzung des Grundstücks von feiten des Militärfiskus hier handle und daß für einen solchen Fall der Schadenansprnch des Eigenthümer! nicht nach dem Flurschadengesetze vor der Spezialkommission, sonder» im gerichtlichen Verfahren zu erledigen sei. Hiernach hat also im Deutschen Reiche kein Grund- eigenthümer gerichtlichen Schutz, sobald Militärbehör- de» sein Eigenthum zu militärischen Zwecken vorüber- gehend oder dauernd in Anspruch nehmen. Nur ein Schaden- ersah kann beansprucht werden und zwar ausnahmsweise bei Gericht, wenn es sich nicht um eine vorübergehende Benutzung bandelt. Doch dies kann niemanden wunder nehmen, der die bevorzugte Stellung des Militärs auf allen anderen Gebiete» auch kennt. Was ist in Deutschland besonders auffälliges oder neues dabei, daß man zwar eine Kritik der Institution des Privateigenthums mit Gefängniß bis zu zwei Jahren bestrafen rvill— daß mit dem„Privateigenthm" selber aber durch eine kaiserliche Behörde in der oben geschilderte» Weise umgesprungen wird? Arbeiter als Erfiuder. Ter„Reichs- Anzeiger" schreibt: Als Anerkennung für nützliche Erfindungen auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens konnte die Staats- Eisenbahnverwaltung, wie bereits seit einer Reihe von Jahren, auch in diesem Jahre an 21 ihr unterstellte, als Urheber der Erfindungen ihr bekannt gewordene Beamte und Arbeiter Prämien im Gesammtbetrage von So'20 M. vertheilen. Dieses Ergebniß ist um so erfreulicher, als es sich dabei meist um Erfindungen handelt, die geeignet erscheinen, zur Er- höbung der Wirthschaftlichkeit oder zur Vermehrung der Regel- niäßipkeit und daher Sicherheit des Betriebsdienstes beizutrage». Uebermäßige Erfinderhonorare scheint danach die Staats- Eisen bahnverwaltung nicht zu zahlen. Im Gegentheil: LS 3 Mark im Durchschnitt für eine Erfindung; das scheint uns sogar eine recht schofle Entlohnung zu sein für Erfindungen, die dein Staat vielleicht Zehntausende einbringen. Freilich haben ja die Slantsarbeiter, wie ans einer bereits früher im„Vorwärts" veröffentlichten Verfügung hervorgeht, überhaupt nicht das Recht, eine Entlohnung für ihre Erfindungen zu fordern; diese ist vielmehr in das freie Ermessen der Behörden gestellt. Die Staats- arbeiter erfreuen sich eben noch eines patriarchalischen Arbeit- gebers.— Der kaiserliche Erlaß vom 4. Januar 1882 ist den Magdeburger Eisenbahn-Beamten durch Zirkulär vom IS. Mai IS95 wieder ins„Gedächtnis zurückgerufen", bezw.„zur Pflicht- mäßigen Nachachtung mitgetheilt" worden. Jener Erlaß, welcher von Bismarck gegengezeichnet wurde, hatte bekanntlich den Zweck, die Beamten zu regierungsfreundlichen Wahlen zu veranlassen, und enthält folgende charakteristische Stelle:„Mir liegt es fern, die Freiheit der Wahlen zu beeinträchtigen, aber für diejenigen Beamten, welche w.it der Ausführung meiner Regiernngsakte betraut sind und deshalb ihres Dienstes nach dem Disziplinar- gesctze enthoben werden können, erstreckt sich die durch den Diensteid beschworene Pflicht auf Vertretung der Politik meiner Regierung auch bei den Wahlen. Tie treue Erfüllung dieser Pflicht werde ich mit Dank erkennen und von allen Be- amtcn erwarten, daß sie sich im Hinblick aus ihren Eid der Treue von jeder Agitation gegen meine Regierung auch bei den Wahlen fernhalten." Es ist nicht einzusehen, was mit diesem Erlaß, der sich doch nur aus die höheren Verwaltungsbeamten beziehen kann, die E i s e n b a h n b e a m t e n zu thun haben. Diese sind doch nicht mit der Ausführung der Regiernngsakte betraut. Und außer- dem: stehen denn Wahlen bevor? Oder hat sich der„Geist der Rebellion" bei den Beamten der Magdeburger Eisenbahn in besonders unliebsamer Weise bemerkbar gemacht? Oder wollte die Eisenbahndirektion Magdeburg nur, bevor sie in die Sommer- frische geht, noch etwas Staatserhallendes thun?— Tic Bourgeoisie und der Antisemitismus. Es ist be- zeichnend für den Verfall der Bourgeoisie, daß sie nicht einmal mehr im stände ist, den Kampf gegen den Antisemitismus erfolg- reich zu führen, obgleich dieser„Sozialismus der Dummen" sich, soweit ein Prinzip drin steckt, doch unzweiselhaft gegen ihr eigenes Grundprinzip, de» Kapitalismus, richtet, und obgleich er nur Teniapogcn dritten, vierten und niedersten Ranges zu Vertretern hat. In Teutschland stand der bürgerliche Liberalismus der von Bismarck im Jahre IK78 zur Maskirung seiner Wirthschafts- und Raubpolitik in Szene gesetzten antisemitischen Bewegung vollkommen rnthlos gegenüber und überließ deren werkthätige Bekämpfung der Sozialdemokratie, die auch dafür sorgte, daß die Stöcker-AHIwardt'schen Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Genau dieselbe Erscheinung haben wir jetzt in Frankreich. Ob- gleich die Bourgeoisie dieses Landes an politischer Schulung der deutschen weit überlegen ist, und obgleich der Antisemitismus in Frankreich lange nicht so viel Nährstoff finden kann, als in Teutschland, so hat das französische Bürgerthum sich bei Be- kämpsnng des Antisemitismus— so weit es denselben bekämpft — unter die Führung der Sozialisten begeben. So geschah es bei den jüngsten Debatten über Antisemitismus in der französischen Kammer, daß ausschließlich s o z i a l i st i s ch e Abgeordnete e. waren, die dem Drumout'schen Blödsinn heimleuchteten, während auch die radikalsten Bourgeois ihr Licht unter den Scheffel stellten. Die Bourgeoisie hat ein so schlechtes Gewissen, daß sie nicht einmal dem Antisemitismus sich gewachsen fühlt. Zur Vervollständigung des Bildes verweisen wir aus Oester- reich, namentlich Wien, wo der Antisemitismus mit dem liberalen Bürgerthum spielt wie die Katze mit der Maus.— Ein„Preßgesetz" vor 200 Jahren. Ein Redakteur oder „Zeitungs-Komponist" vom Jahre 1689 unterlag in Bern den gestrengen Verordnungen eines hohen Rathes. Er war gehalten: 1. Von Fürsten und Ständen als von der Eidgenossenschaft mit gebührendem Respekt zu schreiben und keine Präjudicia, so solche offendiren, einzudrucken. 2. Nur wahre Fakla, oder solche, so wahrscheinlich oder auf eingelaufenen Avisen begründet, einzu- bringen. 3. Von den Religionen keine schimpflichen Präjudicia zu bringen noch auch die Geistlichen der Andersgläubigen zu offendiren oder anzugreifen. 4. Nichts zu schreiben, was wider die Ehrbarkeit läuft. S. Von den schweizerischen Angelegenheiten nur solche zu bringen, die rühmlich und wohlanständig, aber keine, die schimpflich sind."— Ei» sozialdemokratischer Zukuiiftsstaat soll schon vor 800 Jahren in China bestanden haben, aber an seiner Unsinnig- keit zu gründe gegangen sein— erzählen unsere geistreichen Bourgeoisblätter auf grund der„Studie" eines französischen Gelehrten und Sozialistenfreffers. Wenn besagter Herr— Leon Caubert— seine„Studien" etwas ausdehnt, wird er finden, daß schon tausende von Jahren früher ähnliche Zukunftsstaaten bestanden haben; und vielleicht kommt er dann sogar so weit, zu entdecken, daß es einmal eine Zeit gegeben hat, wo es gar kein Privateigenthum gegeben hat. In diese Zeit scheinen wir jetzt zurückzufallen, denn die Herren Kapitalisten sorgen dafür, daß es in der Welt fast keine Eigenthümer mehr giebt. Und die schreckliche, die eigenthumslose Zeit kann allerdings nicht lange danern. Tarin stimmen wir den Herren Bourgeois-Schrist- stellern bei.— Eichhoff lind pvo Nikiko. Ein hiesiges Blatt er- klärt unsere Mittheilung, daß Eichhoff Verfasser der Schrift: ?ro Nihilo sei, für irrig, und wärmt, zur Bestätigung dieses seines Urtheils, eine Portion alten Kohls auf. Von anderer Seite wird betont, daß Freiherr von Loö sich selbst als Ver- faffer bezeichnet habe. Die Schrift, in der er das gethan hat, liegt uns nicht vor. Wir wissen aber aus eigener Kennt- niß, daß Herr v. Loö sich wiederholt als Mitarbeiter bezeichnet hat, und— daß er es auch war. Zum Material für Bro Nihilo haben, außer dem Grafen Arnim und dem Freiherrn v. Loö noch verschiedene Persönlichkeiten beigetragen. Die Bearbeitung des Materials lag aber in der Hand Eichhoff's, für den wir daher mit vollem Recht, wenn auch mit der bei einer Schrift solchen Inhalts selbstverständlichen Einschränkung, die Verfasserschaft beanspruchen können. Wer von Stil etwas versteht, wird übrigens bei einem Vergleich mit den„Polizeisilhouettcn"(zu denen das Material gleichfalls von anderen geliefert ward) finden, daß beide Schriften von einem Verfasser sind.> Ganz falsch ist, daß Eichhoff blos mit der Verbreitung des Bro Nihilo in Deutschland betraut gewesen sei. Wir wissen aus eigener Kenntniß, daß die an dem Erscheinen des Bro Nihilo meist betheiligteu Personen Eichhoff als Verfasser bezeichnet und mit ihm als Verfasser verkehrt haben. Wenn ein Bismarck'sches Reptil aus unserer Mit- theilung den scharfsinnigeu Schluß zieht, daß das Zusammen- wirken—„die Verschwörung"— der Sozialdemokraten mit den Arnim, Los u. s. w. gegen Bismarck nun zu- gestanden sei, so wollen wir hier blos bemerken, daß Eich- hoff nicht in seiner Eigenschaft als Sozialdemokrat, sondern als Verfasser der„Polizeisilhouetten" mit der Herstellung des Bro Nihilo betraut wurde.— TaS österreichische Parlament soll vor der Auflösung stehe». Es hat sich ebenso unfähig erwiesen wie die Regierung, die brennendste politische Frage in Oesterreich, die Wahlrechls- frage ihrer Lösung enigegenzusühren. Wird das Parlament auf- gelöst, so wird die Regierung nach den Neuwahlen auch den Platz räumen müssen.— Die Vürgermeisterwahl in Wien hat im dritten Wahl- gange zur Wahl Lueger's zum Bürgermeister geführt. Er hat aber die Wahl im Einversländniffe mit seinen antisemitischen Parteifreunden nicht angenommen. Gestern fanden anläßlich der Wahlvorgänge im Rathhause lärmende antisemitische Demonstrationen gegen liberale Gemeindcrälhe statt. Morgen sollte die Wahl wieder vorgenommen werden.— Tie für morgen anberaumte Wahl findet aber nicht statt, da die Regierung den Liberalen das Zugeständnis gemacht hat, den Gemeinderath aufzulösen. Die Wiener Gemeinde kommt nun in kommissarische Verwaliung, die Wahlen dürften erst im Herbste stattfinden. Ter Erfolg des Liberalismus stellt sich nun als eine Entäußerung des Selbstverwaltungsrechtes der Gemeinde dar. Tiefer konnte der Liberalismus nicht mehr sinken.— Ter Ausfall der italienischen Wahlen, aus dem die Crispi'sche Lügenpresse einen', die Opposition„zer- schmetternden" Sieg des Panamino-Mannes macheu wollte, bedeutet für diesen in Wirklichkeit eine Niederlage. Warum handelt es sich? Was bezweckte Crispi mit den Neuwahlen? Und was mußte er bezwecken? Er löste auf, weil er in der alten Kammer das„Plico Giolitti" d. h. die erdrückenden Beweise seines Verbrecher- thums nicht unterdrücken konnte. Für alle anderen Fragen hatte er in jener Kammer eine Majorität. Nur für diese nicht. Nicht, daß es an gefügigen Puppen gefehlt hätte. Aber es waren Männer da, die ihn anklagten und Liitschloffen waren, ihn, den Diktator Italiens, als gemeinen Verbrecher zu brandmarken und moralisch so zu vernichten, daß er auch politisch und sozial vernichtet ivar. Diese Ankläger zu beseitigen— das war der Zweck der Kammerauflösung, der einestheils durch den Prozeß gegen Giolitti, den gefährlichsten An- klüger— anderntheils durch die„Reinigung" der Wähler- listen und sonstige Wahlbceinflussungcn erreicht werden sollte. Der Prozeß gegen Giolitti ist aber mißlungen, und die Wahlen sind so ausgefallen, daß nicht nur alle Ankläger Crispi's, die in der vorigen Kammer saßen, in der neuen sind, sondern auch noch viele andere, die nicht in der vorigen Kammer waren. Der Zivcck der Wahl ist demnach nicht erreicht worden. Und da die ministerielle Majorität weit geringer ist, als anfangs behauptet ward, und da sie obendrein sehr viel schwankende und zweifelhafte Elemente enthält, so ist es begreiflich, daß die italienischen Regierungsblätter nach dem Jubel der ersten Stunde einen recht katzenjämmer- lichen Ton anschlagen. Ter Verbrecher wird also nächstens auf der Anklagebank sitzen. Und König Umberto? Ja, warum setzte er sich in die Crispi'sche Galeere. Das Ergebniß der Stichwahlen wird nach einer beiläufigen Schätzung, die der„Wiener Neuen freien Presse" aus Rom tele- graphirt wird, den Liberal-Konservativen einen Zuwachs von 20- den Radikalen von 6, den Sozialdemokraten von 5 Stimmen bringen. Die Radikalen würden dann ungefähr S6, die Sozialdemokraten 19 Mann stark sein. Der Bürgermeister von Carrara wurde, weil er angeblich gegen die Streichung einer Anzahl von Wählern Verwahrung einlegte, seines Amtes entsetzt. In Amalfi wurde Pellegrino gewählr, welcher unter Giolilti vom Könige zuin Senalor ernannt und vom Senate abgelehnt wurde. Pellegrino ist eigentlich noch Senator, da die königliche Verordnung nicht zurückgezogen wurde. Die radikalen Abgeordneten entfalten in jenen Wahlkreisen, in welchen Stichwahlen vorgenommen werden sollen, die rührigste Thätigkeit.— Zur Charakteristik des belgische» Gemeinde-Wahlrechts dienen am besten die nun in Ausstellung begriffenen Wählerlisten. In Lüttich giebt es 23 680 Kommunalwähler, von diesen haben 16 0S6 eine Stimme, zwei Stimmen haben 2880 Wähler, somit zusammen 5760 Stimmen, drei Stimmen haben 1743 Wähler, zusammen somit S229 Stimmen, vier Stimmen haben endlich 3001 Wähler, demnach diese Gruppe 12 004 Stimmen. Die 7624 Wähler mit zwei und mehr Stimmen haben somit 6937 Stimmen mehr als die 16 056 Wähler mit einer Stimme. Zur Charakteristik dient ferner, daß 845 Personen des Wahlrechts beraubt sind, weil sie noch nicht drei Jahre in der Gemeinde wohnen, und daß 1571 nicht wählen dürfen, weil sie seit dem 15. Mai d. I. die Stadt verlassen haben.— Die englische Negierung kann nicht leben und nicht sterben. Zu schwach, um anständig zu leben, ist sie auch zu schwach, um ehrlich zu sterben. Sie gießt fortwährend Wasser in das parlamentarische Sieb, und quäkt sich und das Unterhaus mit Gesetzesvorlagen, von denen sie weiß, daß sie nie Gesetz werden können. Ihre winzige Majorität ist durch die bisherigen Ersatzwahlen fast ganz auf- gezehrt werden, und jede neue Ersatzwahl kostet ein Mandat. Trotzdem erklärte gestern der Staatssekretär für Irland, Herr John Morlep, die Regierung werde fest auf dem Posten bleiben. so lange das Unterhaus sie dulde. Die liberale Negierung will also warten, bis sie mit Fußtritten zum Tempel hinausgejagt wird.— Die deutschen Bimetalliste», die sich auf die Einführung der Doppelwährung in England verlassen haben, sind gründlich verlassen. In England besteht hierfür nicht die geringste Neigung; ohne England mit seiner Welthandelsstellung geht es aber leider nicht. Eine am Dienstag abgehaltene Versammlung von Londoner Großkanfleuten und maßgebenden Bankiers beschloß die Bildung einer Vereinigung zur Vertheidigung der Goldwährung. Es tvurde die Antwort des Schatzkanzlers arconrt auf das Memorandum voin 25. d. M. verlesen. Der chatzkanzler sagt nach einem Hinweis darauf, daß es der Brüsseler Konferenz von 1892 nicht gelungen ist, ein inter- nationales Abkommen herbeizuführen:„Ich stimme durchaus der Ansicht zu, daß dal Abgehen von dem gegeuwärtigen Währungs- system verhängnißvoll für Englands Handel und Kredit wäre. Kontinuität der nationalen Politik ist in dieser Frage noth- wendiger als in irgend einer anderen. Sie können sich darauf verlassen, daß die gegenwärtige Regierung hierin die Haltung ibrer Vorgänger beibehält; sie wird bei jeder Erörterung der Währungsfrage, zu welcher sie eingeladen wird, keinen Zweifel über ihre Absicht lasse», allein zur Goldwährung zu halten." Nikolai Jwanowitsch Unkowski, einer der hervor« ragendstcn russischen Verbannten, der schon zu Anfang der sechziger Jahre den Kampf gegen das Zarenthum begann und es seitdem ununterbrochen bekämpft hat, ist vorige Woche in Frankreich gestorben. Wir hoffen bald ausführ- licheres über seilt Leben und Wirken bringen zu können.— Die»ach Sibirien„Verschickten" scheinen den russischen Behörden auch jetzt lvieder all Arbeiter sehr zu statten zu kommen. Dal Komilee sär den Bau der sibirischen Eisenbahn hat ein Reglement für die Heranziehung von Deportirten und Arrestanten zu den Arbeiten bei diesem Bau erlassen. Das sind sreilich billige Arbeitskräfte.— Zwei russische Offiziere sollen in Jnowrazlaw unter dem Verdachte der Spionage verhaftet worden sein. � Russische Grenzverletzungen. Auf der Landstraße bei Skolniki, die dicht an der russischen Grenze herläuft, passirte der tandelsmann Nachenslein in offenem Wagen. Plötzlich drangen osaken auf preußisches Gebiet, verhafteten Nachenstein und »ahmen ihm Geld und Uhr ab. Aus abgegebene Signalschüsse erschien der Kapitän der Grenzwache und ordnete seine Frei- lassung und die Herausgabe des Geldes an. Derartige russische Grenzverletzungen sollen keine Seltenheil sein. Wenn das all der französischen Grenze geschähe! Freilich bei einem„Erbfreund" drückt man bei solchen kleinen Scherzen die Augen zu.— x>c>rkcittack»».ick»kc>l. Der Drohbrief, den in Dresden ein verkomniener 20jähriger Bursche an den König von Sachsen gerichtet hat, war vom amtlichen Organ der sächsischen Regierungsbehörden, dem„Dresdener Journal", in nicht mißzuverstehender Weise gegen unsere Partei aulgenutzt worden, gerade als ob sie daran schuld wäre, wenn irgendwo ein Schuft oder Narr etwas Schlimmes anstellt. Das„Hamburger Echo" liest deshalb dem sächsischen Regierunglorgan kräftig die Leviten und sagt dabei: Unsere feste Ueberzeugung ist, daß ein agent provocateur hinter der Anarchisterei des unreife» Burschen steckt. Es ist wieder die Zeit, wo gewisse Kreise Attentate und Attentatsdrohungen ge- brauchen, um ihre reaktionären Zwecke zu erreichen. Arbeiter, Parteigenossen, laßt wieder Eure eigene Polizei gegen die Euch genugsam bekannte Sorte von Schuften in Wirksamkeit treten! Von der Agitation. Die Parteigenosse» aus dem Reichs- tags- Wahlbezirk H ö ch st- H o m bürg vertheilten kürzlich im ganzen Kreise 10000 Stück Flugschriften. In den meisten Orten wurde das Material sehr gern entgegengenommen und auch Wünsche nach recht baldiger Wiederkehr unserer Parteigenossen wurden recht ost laut. In Lübeck wurden vorigen Sonntag als Einleitung der Agitation für die Bürgerschaftswahlen 16 000 Flugblätter ver- breitet. Lebhafte Agitation entfalten unsere Parteigenossen in Potsdam für die am 26. Juni vor sich gehenden G e- werbegerichts-Wahlen. Der Wahlkampf wird vermuth- lich ein recht heißer werden, da die Hirsch-Duncker'schen Vereine, die die„Residenz" Potsdam bisher als ibre Domäne betrachtet haben, gleichfalls mit Kandidaten auf den Plan getreten sind und ihr angeblich arbeitersreundliches Programm in reklamenhaftcr Weise anpreisen. Um die Agitation von'unserer Seite zu erschwere», hatten sie am selben Tage, wo die sozialdemokratische Propaganda mit einer sehr gut be- suchten öffentlichen Volksversammlung einsetzte, eine gleiche Versammlung einberufen. Diese nahm infolge der geringen Be- theiligung jedoch ein frühes Ende. Der freisinnige Referent, ein Stadtverordneter Sobbcr, trat nachher noch in der anderen Ver- saminlung auf, wo er sich vom Genoffen M i l l a r g- Berlin eine gründliche Abfuhr bolte. In Potsdam, wo in diesem Jahr zum ersten Male zum Gewerbegericht gewühlt wird, sind 25 Beisitzer zu ernennen; das industriell mehr entwickelte Brandenburg hat weniger als die Hälfte, nämlich nur 12 Beisitzer, Auf der Parteikonferenz für den Wahlkreis Fried- berg- Büdingen, die dieser Tage in Vilbel statlsaud, TOuvbe üb« bci5 scharse Vorgehen Klage geführt, das die Regierung des„freien" Hessenlandes bei Geldsainmlungen unserer Partei beobachtet. -. �I�eiliterahir. In zahlreichen Blättern unserer Partei rviro fcitgestellt, dag die im Verlag des„Vorivärts" erschienenen Nenographischen Berichte iiber die U»> st u rz v e r h a n d l nn gen m � Reichst a g e s ausgezeichnetes Material für die i?» t i? �n!?*®'e..Schiväbische Tagwacht" z. B. nennt sie „das beste Agitationsmaterial, über das wir zur Zeit verfügen", von der„Leipziger Volks-Zeitung" werden sie„jedem Partei- genossen und Politiker zur Anschaffung und Verbreitung warm empfohlen" und das in Zwickau erscheinende„Sächsische Volks- Tzlatt" schießt mit seinem Lobe den Vogel ab, indem es sagt: „Die Broschüre ist unseren Lesern auf dem geistigen Gebiete so wichtig, wie aus dem physischen das liebe Brot." Aus den Partei-Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein Leipzig-West hat an die Gemeinde- Kollegien eine mit rund 2600 Unterschriften versehene Petition abgesandt, worin um Errichtung von Volks-Brausebädern im Westen Leipzigs ersucht wird. Die Z w i st i g k e i t e n, die in Hanau unter den Partei- genoffen herrschten, sind beigelegt, indem sich die beiden Vereine „Arbeiterschutz" und Sozialdemokratischer Verein auf einstimmigen Versammlungsbcschluß ihrer Mitglieder zu gunsten eines neuen Vereins aufgelöst haben. Das Verhältniß der Partei zu Gesang- und ä h n- lichen Vereinen hat der Sozialdemokratische Verein in Elberfeld durch Annahme einer Resolution begrenzt, worin es heißt:„Es ist die Pflicht eines jeden Arbeiters, der Anspruch darauf macht, Sozialdemokrat zu sein, sich einer auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Organisation an- zuschließen. Gesang- je. Vereine könne» in diesem Sinne als solche nicht betrachtet werden. Die Parteigenossen sind nicht ver- pflichtet, solche� Festlichkeiten zu nuterstützen, welche nicht im direkten Interesse der Partei veranstaltet werde». Sämmtliche Genoffen haben die Pflicht, au den Arbeiten der Agitation sich zu betheiligen und die mündliche Agitation in den ihnen zu- gänglichen Kreisen nach Kräften zu fördern." In der Versamm- luna war darüber geklagt worden, daß zu viele derartige Vereine in Elberfeld bestünden. Boykott- Aiigelegenheite». Neber Saalverweigereien in Homburg in Nassau wird uns von dort geschrieben: Bis zum .jähre 1891 hatten wir hier alle Säle zur Verfügung. Ostern 1891 hielt Äeichstags-Abgeordneter v. Vollmar bei uns einen Vortrag und sofort wurde über das Lokal Saalbau vom Militär der Boykott verhängt. Wir büßten infolge dessen dieses Lokal ein und haben es auch heute noch nicht wieder. 1893 hielten wir unsere Maifeier in der A k t i e n b r a u e r e i vormals A. M e s s e r s ch m i t t ab. Wieder verhängte die Militärbehörde den Boykott. Dem damaligen Direktor der Brauerei wurde dann von der Militärbehörde der Vorschlag gemacht, er solle uns die Lokalitäten verweigern, worauf der Boykott aufgehoben werden würde. Er lehnte jedoch dieses An- sinnen rundweg ab. Wir behielten also das Lokal und zwar bis April 139ö. Mittlerweile war der wohlwollende Direktor ge- ftorben. Mit seinem Nachfolger gab es wiederholt Konflikte, infolge deren die Saalkommission eine bindende Erklärung von ihm verlangte; er gab nun sein Ehrenwort, daß uns Turn- und Bi-rhalle stets zur Verfügung ständen. Am 1. April dieses Jahres wurden diese beiden Lokale von einem neuen Pächter übernommen. Dieser veröffentlichte bereits am 23. April in den bürgerlichen Blättern Homburgs eine Erklärung, daß der über die Aktienbrauerei verhängt ge- wesene Boykott aufgehoben sei. Auf diese überraschende Nach- richt hin verlangte unsere Saalkommission vom Brauereidirektor Auskunft. Dieser entschuldigte sich damit, daß er um die Sache nicht gewußt habe. Klipp und klar zur Antwort aufgefordert, ob wir am 1. Mai in den fraglichen Lokalitäten eine Versamm- lung abhalten könnten, verneinte er dies. Damit war die Situation geklärt und es wurde darauf, anr 1. Mai, in einer Volksversammlung über die Aktienbrauerei vormals A. Messer- schmitt der Boykott verhängt. Die Arbeiterschaft der ganzen Um- gegend und insonderheit die von Frankfurt a. M. hat sich mit uns solidarisch erklärt und da auch die hiesigen Arbeiter den Boykott streng innehalten, so können wir getrost der Zukunft entgegensehen. Zum Liederhallen- Boykott in Stuttgart ist zu berichten, daß in einer vom Gutenberg-Verein veranlabten Ver- sammlung der dem Schwäbischen Sängerbund angehörigen Or- ganisationen eine Resolution gefaßt wurde, worin das Verhalten derLiederhallen-Gesellschaft entschieden mißbilligt, jedoch wegen des bevorstehenden deutschen Sängerfestes empfohlen wird, denBoykott auf gütlichem Wege beizulegen. Von 27 vertretenen Gesang- vereine» stimmten 20 für diese Resolution. AnS Holland. Das Versammlungshaus unserer Partei- genoffen in M a st r i ch t ist mit der Druckerei des wöchentlich erscheinenden Parteibiattes„De Volkstribuun" durch Feuer zerstört worden. Aus Amerika. Der National-Verband der Textilarbeiter hat auf seiner letzten Jahresversammlung einen Antrag angenomnien, der den Mitgliedern bei den Wahlen die Unterstützung der sozialistischen Kandidaten empfiehlt. Auch wurde das bisherige Mitglied der Exekutiv- Behörde des Ver- bandes, M c Guy aus Providence, der bei der vorigen Wahl dort gegen unsere Kandidaten intriguirt hatte, nicht wiedergewählt. Polizeilich, Gerichtliches:c. — Der Redakteur Z a p p a y in Frankfurt a. O. ist nach sechswöchiger Haft, die er im dortigen Amlsgerichtsgesüngniß verbüßt hat, wieder auf freiem Fuße. Trotzdem sein Aufenthalt hinler schwedischen, oder sagen wir lieber: hinter deutschen Gar- dinen nur wenige Wochen dauerte, ist der Zustand unseres Ge- nassen doch so, daß es ihm— wie die„Märkische Volksstimme" glaubt— kann, möglich sein wird, die redaktionelle Thätigkeil sofort wieder aufzunehmen. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Redakteur A. H o f r i ch t e r von der„Rhein. Ztg." in Köln gegen das Urtheil eingelegt hatte, wonach er wegen Beleidigung zu 14 Tagen Gefängniß vcrnrtheilt war. Das Vergehen wurde in einer Sprechsaal-Notiz gesunden, die einen im Kölner Augusta- Hospital vorgekommeneu Borfall betraf. — Wegen Beleidigung der Jtzehoer Armenverwaltung wurde der Redakteur der„Schleswig- Holsteinschen Volkszeiuing" in Kiel, Genosse B r e c o u r, zu 300 M. Geldstrase oder 30 Tagen Gefängniß verurtheilt. — In Halle a. S. hat der Redakteur Schnecken- b u r g e r im„Volksblatt" einen Schutzmann beleidigt. Dafür soll er auf 14 Tage hinter Schloß und Riegel. In einem andern Prozesse kam er mit 20 M. Geldstrase davon. — Je 10 M. Strafe sollen nach dem Wunsche der Polizei vier Parteigenosfeu in Eichlinghofen bezahlen, weil sie das Dortmunder Mai-Flugblalt verbreitet haben. Da sie es lediglich in den Wohnungen abgaben, hoffen sie auf Freisprechung durch den Richter. — In Nürnberg, dem Städtlein, wo der„Freisinn" in der Stadtverwaltung die erste Geige, freilick keine Cremoneser, spielt, hielt dieser Tage unser Parteigenosse Segitz eine Rede über den von der Gemeindevertretung beschlossenen Arbeits- Nachweis, wobei er die Nürnberger Art dieser sonst so nützlichen Einrichtung als für die Arbeiter unannehmbar erklärte. Als Segitz geendet hatte, ergriff O e r t e l das Wort, um das Vor- gehen des Nürnberger„liberalen" Magistrats zu kritisiren. Hierin erblickte der überwachende Polizeiosfiziant eine Abschweifung aus das„politische" Gebiet und forderte den Vorsitzenden E i tz i n g e r auf, die anwesenden Frauen aus dem Saale zu weisen. Oerrel erklärte, nicht weiter auf das berührte Thema eingehen zu wollen. Verantwortlicher Redakteur: I. Dierl l aber der Beamte überhäufte den Vorsitzenden rasch nacheinander mit einer Fülle von Aufforderungen, wie Ausweisung der Frauen, Entziehung des Wortes und Schließung der Versamm- lung, wozu sich noch seine Diskussion mit dem Redner gesellte, sodaß Eitzinger garnicht in die Lage kam und nicht die Zeit hatte, der Versammlung zu erklären, um was es sich handle und somrt dem Verlangen des Polizeigewaltigen nachzukommen, der dann plötzlich selbst die Versammlung auflöste. Der ganze Vor- gang spielte sich, innerhalb weniger Sekunden ab.— Die „Fränkische Tagespost" kündigt nun an, daß gegen die Auflösung Beschwerde geführt und der Vorfall auch im Landtage zur Sprache gebracht werden wird. — Sächsisches. Am 27. Mai wurde dem Wirth„Zur Zeche" in H o h e n st e i n- E r n st t h a l, Herrn A n k e, an Polizeistelle eröffnet, daß ihm die regulalivmäßige Tanzkonzession durch Erlaß der kgl. Amtshauptmaunschaft Glauchau auf ein Jahr entzogen sei. Eine Abschrift des Erlasses erhielt der Gemäß- regelte trotz seines Ansuchens nicht, er unterschrieb deshalb auch den betr. Erlaß nicht. Anke's Lokal steht der sozialdemokratischen Partei jederzeit zur Verfügung.— Einen Tag später wurde auch dem Arbeiter-T urnverein zu Hohenstein-Ernstthal ein Erlaß jener Behörde mitgetheilt, wonach er auf grund des sächsischen Vereinsgesetzes aufgelöst sei. Dieser Turnverein, der weit über 100 Mitglieder zählte, bestand seit vorigem Jahre und ersetzte die Lücke, die durch einen im Vorjahre aufgelösten Turn- verein entstanden war. Soziale llebeesickfk. DaS sächsische Bergaint hat den Entwurf einer neuen Vergpolizei-Ordnung ausarbeiten lassen, worin für Leben und Gesundheit der Bergleute mehr Sorge getragen ist als in der alten. So soll ein Grubenarbeiter bei einer Temperatur von 29'Grad Celsius«nd mehr nicht länger als täglich sechs Stunden und ohne seinen Wunsch nicht länger als sechzig Tage im Jahre beschäftigt werden. Eine Wärme von 40 Grad schließt den Betrieb aus. Gefordert werden geräumige Manuschaftsbäder, wasserdichte Kleidung für Arbeiter an nassen Orten, und besonders gefährliche Arbeiten dürfen künftig nicht mehr im Gedinge, sondern nur im Stundenlohne ausgeführt werde». Das bürgerliche Blatt, dem wir diese Notiz entnehme», gesteht selbst ein, daß sich das Bergamt somit einen Theil der f ordern» gen zu eigen gemacht hat, die in der seinerzeit an den andtag gerichteten Petition zum Ausdruck gelangten. Gegen diese Petition aber, die vom Vorstand sächsischer Bergleute ver- anstaltet worden war, ist seinerzeit aus Betreiben der Gruben- Verwaltungen eine Gegenpetitiou arrangirt worden, in der der bisherige Znstand aus den Werke» für befriedigend erklärt wurde, und weiter ist der Bergarbeiter- Verband wegen der damals an- gegriffenen, jetzt durch das Bergamt selbst als wenigstens zum theil für berechtigt erklärten Petition hart verfolgt worden. Von der Einführung weiblicher Fabrikinspektoren will auch die großherzoglich hessische Regierung nichts wissen. Nach dem Ausschußbericht der Ersten Kammer erklärte gegenüber einem Gesuch des„Bundes deutscher Frauenvereine" die hessische Regierung, daß nach der Zahl der Betriebe, wo ausschließlich Arbeiterinnen beschäftigt werden, kein Raum für Anstellung eines weiblichen Fabrikinfpektors im Großhcrzogthum vorhanden sei. Dabei find nach ihrer eigenen Angabe in 352 Betrieben nicht weniger als 7041 Arbeiterinnen beschäftigt. Der Bezirk eines weiblichen Fabrikinspektors wäre auf das ganze Land zu erstrecken, ohne daß eine merkliche Enl- lastung der männlichen Fabrikinspektorcu in ihren dienst- liehe» Funktionen hierdurch erreicht würde. Aus diesen„und anderen" Gründen wollen Regierung und berichtender Ausschuß der erwähnten Eingabe keine Folge geben. Wenn dagegen 70 Fabrikanten oder Grundbesitzer eine neue Bahnlinie gebaut haben wollten, würde sich dieselbe Regierung und derselbe Ausschuß wahrscheinlich hüten, nein zu sagen. Bei der Anstellung einer Fabrikinspektorin handelt es sich um hundertmal mehr Staatsangehörige, aber freilich, es sind nur Arbeiterinnen! Die Regierung und der Ausschuß sind übrigens, wie wir einem süddeutschen Parteiblatt entnehmen, durch einen entgegengesetzten Beschluß der Ersten Kammer desavouirt worden. An die Mnsikinstrumciiten-Avbeiter Berlins. Kollegen! Eure Nachlässigkeit veranlaßt uns, einen zweiten Ausruf folge» zu lasse». Da nur sehr wenige Kollegen unserer Aufforderung nachkamen betreffs Ablieferung der in ihren Händen befindlichen Sanimellisten, so ersuchen wir abermals, mindestens bis 10. Juni dieselben an uns gelangen zu lassen, damit wir endlich die von uns längst in Aussicht gestellte Abrechnung geben können; bei der großen Anzahl noch ausstehender Listen ist es unmöglich, unsere Kassenverhälinisse der Oeffentlichkeit gegenüber so zu schildern, wie es unsere Pflicht und Schuldigkeit ist. Es ist einerlei, ob die Liste gezeichnet ist oder nicht; die Hauptsache ist, daß wir in den Besitz derselben gelangen. Die Agitationskommission der Musik- inftrumenten-Arbeiter Berlins. Zuzug von Klempnern nach K ön i gs b er g i. Pr. ist wegen dort ausgebrochener Differenzelt streng feruzuhallen. Des- gleichen von Schlägern nach Fürth. Zum Leipziger Maurerstreik berichtet Wolff's Bureau, daß die Zahl der Ausständigen sich bis Donnerstag auf 1500 vermehrt hat. 100 Baustellen waren ohne Arbeiter, darunter das Reichsgericht, der Erweiterungsbau des Land- g e r i ch t s und andere. Von den Maurermeistern haben sich erst neun bereit erklärt, den geforderten Stundenlohn von 45 Pf. zu bezahlen. Dieser Satz wurde, wie wir einem Aufruf des Agitationskoniitee's der Ausständigen entnehmen, bis zum Jahre 1891 in Leipzig allgemein als Mindestlohn für Maurer bezahlt. Um so schlimmer, daß ihn sich vier Jahre später sogar d i e Maurer erst durch den Streik erkämpfen müssen, die ans Bauten des Deutschen Reiches, das in der„Sozialresorm" bekanntlich„an der Spitze" nrarschirt, be- schäfligt sind. Kümmert sich der Staat nicht»m die Arbeiter, die ihm seine Paläste bauen, so mögen das um so mehr die K a r» e r a d e» der Ausständigen thun, indem sie den Zuzug nach Leipzig durchaus vermeide». Zuschriften über den Streik sind nn G u st a v I a k o b in Leipzig. Kreuzstraße. Restaurant Volkshalle, zn richten. Zum Flensbnrger Maurerstreik schreibt der Berliner „Bauhandwerker": Zwölf jüngst in Flensburg in Arbeit ge- tretene Berliner Maurer senden uns durch Mittelspersone» ein Schreiben, in welchem sie behaupten, daß in Flensburg nicht ge- streikt, sondern überall ruhig weiter gearbeitet wird. Es seien auch keine Lohndifferenzen vorhanden, sondern die dortigen ziollcgen wollen nur das verpönte Akkordsystem hochhalten.— Das ist natürlich nur eine Beschönigung ihrer Handlungsweise. Als diese zwölf Kollegen von Berlin nach Flensburg machten, wußten sie nicht, weshalb die Flensburgcr Maurer streikten, sie wurden aber in Berlin gewarnt, sich als Streikbrecher für Flensburg an- werben zu lassen. Sie mögen also die Antwort hinnehme», daß sie, trotz der Eigenartigkeil dieses Streiks, doch als bewußte Streikbrecher zu betrachten sind. Ueber de» Böttcherstveik bei Kuckelt iu Halle, den wir gestern meldeten, Iheilt das„Voltsblatl" näheres mit. Danach haben 16 Mann die Arbeit niedergelegt, 9 arbeiten weiter. Dre Böttcher waren ohne Kündigungsfrist angestellt. Die Arbeits- niederlegung erfolgte, um einen Stundenlohn von 35 Pf. und an stelle der elfstündigen Arbeitszeit eine zehnstündige zu erringen, sowie betreffs der Behandlung gewisse Mißstände zu be- seitigen. Der verlangte Lohn wurde bereits vor vier Jahren bezahlt, ist aber nach und nach heruntergeschraubt worden. Andere Meister haben schon erklärt, sie wollten die Forderungen Emil Roland) in Berlin. Druck und Berlag von Max Babing bewilligen. Die ausständigen Böttcher erwarten daß sie kräftig unterstützt werden, damit ihre noch junge Organisation gekräsligt und gefestigt aus dem Lohnkampfe hervorgeht. Vor allem muß Zuzug streng ferngehalten werden. Zum Mainzer Tachdeckerstreik schreibt man uns: Wie bereits mitgetheilt, haben die Dachdeckermeister den streikenden Gehilfen erklärt. daß sie bereit seien, in die Abschaffung der Akkordarbeit. Beschränkung der Ueberstunden oder Bezahlung der- selben mit je 10 Pf. Aufschlag pro Stunde zu willigen, daß sie dagegen die geforderte 30 prozentige Lohnerhöhung ablehnen, ebenso die Einführung einer anderthalbstündigen Mittags- pause, letzteres aus Rücksicht auf die anderen Bau- gewerke. Die Lohnkommission hat darauf gerechnet, daß sie die Zugeständnisse akzeptire, auf den übrigen Forderungen aber bestehen bleiben müsse, und verlangte die Ausnahme münd- licher Verhandlung. Die Meister haben darauf nicht geantwortet. Dies ist der gegenwärtige Stand des Streiks. Im Ausstand befinden sich noch 24 Gehilfen, 10 sind abgereist; Zuzug von Außen ist noch nicht erfolgt, ist auch ferner streng fernzuhalten. In Frankfurt a. M. haben die Küfer, Hilfs- arbeiter und F a h r b ur s ch e n der A e p f el w e i n kelte rei der Gebrüder F r e y e i s e n folgende Forderungen gestellt: 1. Einführung des zehnstündigen Arbeitstages. 2. Für Fahr- burschen und Küfer einen Minimallohn von 22 Mark, für Hilfsarbeiter 20 M. Für außerhalb Schlafende 2 M. Wohnungs- Vergütung wöchentlich. 3. Vollständige Sonntagsruhe für Küfer und Hilfsarbeiter, für Fahrburschen darf die Sonntagsarbeit vier Stunden nicht überschreiten, Arbeit äu four ist mit 1 M. zu vergüten. Ferner ist den Fahrburschen bei den Landtourcn, die spätes Nachhausekoinmen in sich schließen, 1 M. Zehrgeld zu vergüten. 4. Ueberstunden sind an Wochentagen mit 40, an Sonntagen mit 50 Pf. zu bezahlen. Vis jetzt beträgt die Arbeits- zeit für alle Arbeiter zwölf Stunden täglich, Sonntags drei Stunden, für Fahrburschen so lange das Geschäft es verlangt; der Lohn beträgt 18 M. wöchentlich. Ueberstunden werden nicht bezahlt.— Zuzug ist fernzuhalten. In Landshut in Niederbayern legten 14 Gehilfen der Brauerei Draxlmeier die Arbeit wegen Differenzen mit der Verwaltung nieder. Der vierte österreichisch- ungarische Tischlertag wird am 2. und 3. Juni in Wien abgehalten. Tie vorläufige Tages- Ordnung lautet: 1. Bericht über den Stand der Organisations- bewegung der Tischler. 2. Stellungnahme zum Holzarbeiter-Ver- band und z»r Gewerkschaftskommission. 3. Fachpresse. 4. Streik und Boykott. 5. Sonstiges. Der Fachtag wird von den Redal- tionen der deutschen, czechischen und ungarischen Tischler-Fach- blätter einberufen und dürste, nach den zahlreichen schon erfolgten Anmeldungen zu schließen, sehr stark beschickt werden. Die Holz- arbeiter-Organisalion hat, wie die Wiener„Tischlerzeitung" be- richtet, in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Im Jahre 1890 gab es in Oesterreich-Ungarn 11 Tischler- und Holz» arbeiter-Vereine, anfangs 1895 bereits 47 Fach- und Gewerk- vereine niit einer ansehnlichen Anzahl von Lesezimmern und Zahl- stellen. Im Anschluß an den Tischler-Fachtag findet auch der zweite Holzarbeiter-Verbandstag statt. Aus Basel wird dem„Offenburger Volksfreund" gemeldet: Die von den beiden Sektionen des schweizerischen Typographen- bundes Zürich und Basel mit den Buchdruckerei- besitzern angebahnten Unterhandlungen wegen Einführung der neun ständigen illrbeitszeit sind als gescheitert zu betrachten. Während die Buchdruckereibesitzer von Zürich in den Unter- Handlungen zwar die Einführung des Neunstundentages auf den 1. Mai zusagten, ihr gegebenes Wort aber, als der Ein- führnngstermin heranrückte, wieder zurückzogen, machten die Basler Buchdruckereibesitzer nur das Zugeständniß auf Einführung der 9h,stündigcii Arbeitszeit ohne Frühstücks« »nd Vesperpausen. Da dieses Zugeständniß eine Befferung gegenüber der jetzigen Arbeitszeit mcht enthält, so hat die Basier Buchdrucker-Gehilfenschaft in einer allgemeinen Buchdrucker- Versammlung dieses Anerbieten rundweg abgelehnt. Es bleibt somit„bis auf weiteres" alles beim alten. Zum Streik in Melegnano in Italien wird berichtet: Mehr als 900 Weber sind im Ausstand. Die unmenschlich lauge Arbeitszeit von 14 Stunden bei elendem Lohn erregte schon längst Unzufriedenheit, aber es fehlte der Muth, einen Kamps �u wagen. I» der Weberei sind viele Kinder von neun bis zwölf Jahren beschäftigt, die, der Rackerei satt, zuerst in den Streik traten, dem sich die Männer und dann erst die Frauen an- schloffen. Der Einigungsausschuß rief die Vermittelung der Mailänder Arbeitskammcr an; diese schickte ihren Sekretär Croce, der die Arbeiter zu einer Versammlung einlud, um über ihre Lage zu berathen. Der Bürgermeister von Melegnano selbst leitete die Versammlung. Was geschah? Die Polizisten sprengten die Versammlung, die in größter Ruhe über ihre Interessen be- rieth, und begleiteten Croce unter starker Eskorte an die Eisen- bahn-Station. Das ist die Crispi'sche Freiheit, wie sie für den europäischen Sklavenstaal Italien modellirt wurde. VepelrJjett; Wolff's Telegrapheu-Burea». Wie», 30. Mai. Während und nach der gestrigen Bürger- meisterwahl war der Platz vor dem Rathhause der Schauplatz lärmender, antisemitischer Demonstrationen, bei denen der liberale Gemeinderath und Jieichsraths-Abgeordnete Noske bedroht und thätlich angegriffen wurde. Wien, 30. Mai. Die niederösterreichische Statthalterei verfügte die Auflösung des Gemeiuderalhs der Stadt Wien. Hiermit erlöschen gleichzeitig das Amt des gegenwärtigen Vize- Bürgermeisters und das des Stadtralhes. Zur Durchführung der Neuwahlen sowie zur einstweiligen Be- sorguung der Gemeindegeschäfte wurde der Bezirkshauplmann Dr. v. Friebeis bestellt. Demselben stehen alle jene Befugnisse zu, welche nach dein Gemeindestatut dem Stadtrath und dem Bürgermeister zukomme». Diesem Funktionär wird ei» Beirath zur Seite gestellt, welchen er vor seiner Entscheidung über alle statutenmäßig der Beschlußfassung des Gemeinderaths vor- behaltenen sowie über die wichtigeren Angelegenheiten zu hören hat. In den Beirath wurden 15 Gemeinderathsmitglieder aus beiden Parteien berufen. Der genannte Kommissar übernimmt die Geschäftsführung vom 31. Mai ab. Unter dem Beirath, welchen der kaiserliche Kommissar er- halten hat, befindet sich Dr. Lueger nicht. Belgrad, 30. Mai. Die Ergänzungswahlen zur Skup« tschina ergaben in den zwölf erledigten Wahlbezirke» durchweg eine namhafte Majorität für die regierungsfreundlichen Kandi- baten. Paris, 30. Mai.(Deputirtenkammer.) Am Schluß der Sitzung brachte Millerano(Sozialisi) e.ine Interpellation, über das Zusammengehe» von Rußland, Deutschland und Frankreich gegenüber dem chinesisch-japanischen Friedensvertrag ein. Wegen der Abwesenheit des Ministers des Aeußern, Hanotaux, wird der Tag der Besprechung der Interpellation am Sonnabend seftgesetzl werden. London, 30. Mai. In der Ersatzwahl zu West-Edinburg für das llnterhausmitglied Wolmer, welcher dem Lord Selborue in der Peerschaft nachgefolgt ist, siegte Maeiver(Unionist) mit 3783 Stimmen über de» Gladstonianer Murray, welcher 3075 St. erhielt. /s Uhr.____ Die zur Berathung über die zur Zeit innerhalb der städti- schen Verwaltung schwebenden Fragen des Verkehrswesens ein- gesetzte gemischte Deputation hatte gestern unter Vorsitz des Stadtraths Voigt eine Sitzung, in welcher zwei Gesuche der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft zur Berathung standen. Die Gesellschaft hat beim Magistrat den Antrag gestellt, ihr die Konzession zum Bau beziehungsweise zur Ein- richtung von zwei Niveaubahnen zu ertheilen, welche mit Elektrizität vermittelst oberirdischer Stromzuführung betrieben, nach Treptow führen und bis zur Eröffnung der Ge- werbc-Ausstellung fertig gestellt werden sollen. Die Gesellschaft wünscht die Genehmigung bis zum I. August d. I. und die Zu- sage, daß die Bedingungen, welche in einem etwa später mit der Gesellschaft abzuschließenden Vertrage über die Umwandlung des Pferdebahnbetriebs in elektrischen Betrieb festgesetzt werden, auch für die jetzt in Frage stehenden Linien Geltung haben sollen. Motivirt ist die letztere Forderung in dem Gesuch mit der Be> Häuptling, daß die Anlage von elektrischen Bahnen bczw. die Umwandlung der Pferdebahnen in elektrische Straßenbahnen so bohe Kosten verursachen, daß eine Amortisation des Anlage- kapitals' während der Zeitdauer des geltenden Vertrages — derselbe läuft bis zum Jahre 1911— nicht möglich erscheine. Die projektiven Linien haben folgende Trace: 1. Lützowplatz— Maaßen-— Bülow-— Jork-— Bellealliance- straße— Hallesches Thor— Gitschiner-— Skalitzerstraße-Schlesisches Thor- Schlesischestraße- Treptower Chausse— Ausstellung. 2. Dönhoffplatz— Jerusalemer.— Ritter--Reichenberger-— Skalitzerstraße, von dort direkt Anschluß an die obige Linie bis zur'Ausstellung. Nach Schluß der Ausstellung soll innerhalb der Stadt der elektrische Betrieb beibehalten werden. Nach Ansicht des Freitag, de» 31. Mai 18SS. Magistratsvertreters werde diesen Linien seitens des Polizei- Präsidiums keine Schwierigkeiten bereitet werden, namentlich sei zu hoffen, daß die� Polizei, da es sich nicht um sogenannte repräsentative Straßen handle, die oberirdische Stromzuführung resp. die Aufstellung von Masten genehmigen werde. Der Redner empfiehlt die Genehniigung des Gesuchs, will jedoch einige Be- dingungen an die Konzessionscrtheilung knüpfen, die hauptsächlich technischer Natur sind. Stadtv. Dinfe behandelt zunächst nur die projektirten Linien, mit denen er bis auf eine kleine Abänderung einverstanden ist, glaubt jedoch, daß vom Schlesischen Thor an der in Aussicht ge- nommenen elektrischen Kochbahu eine unliebsame Konkurrenz ge- schaffen wird. Redner hält eine Verständigung der Unternehmer für wünscheuswerth. Stadtv. Singer betont, daß für ihn Rücksichten auf kon- knrrirende Firmen nicht in Frage kommen. Wie die Dinge liegen, müsse dafür gesorgt werden, daß reichliche und gute Verkehrs- wege für die Ausstellimg geschaffen werden. Nur aus diesem Grunde treten bei ihm die Bedenken gegen die oberirdische Stromzuführung etwas in den Hintergrund. Da vermuthlich an der Forderung unterirdischer Stromzuführung, der dadurch entstehenden Mehr- kosten wegen, die Ausführung scheitern würde, solle man hierauf verzichten, um sich nicht dem gerechtfertigten Vorwurfe aus- zusetzen, daß die Stadt die Beschaffung ausreichender und be- quemer Verkehrswege nach der Ausstellung verhindert habe. Eine Vermehrung der Verkehrsmittel vom Westen und Südwesten nach Treptow sei unerläßlich. So sehr wünscheuswerth und noth- wendig es daher erscheine, durch Genehmigung des An- träges den vom Redner bezeichneten Zweck zu erfüllen, so wenig könne aber nach seiner Ansicht die Rede da- von sein, die Anlage dieser Linien etwa zur Verlängerung des mit der Gesellschaft abgeschlossenen Vertrages zu benutzen. Die Gesellschaft werde enorme fittanzielle Vortheile von den beiden in Aussicht genommenen Linien haben; es liege kein Grund vor, aus Anlaß der Ausstellungslinieu der Gesellschaft irgend welche besonderen Vortheile zu gewähren, lieber den gellenden Vertrag hinaus dürfe nicht das� geringste geschehen. Ausführung und Betrieb der Linien müssen, soweit die Stadt dabei in Frage kommt, genau in dem Rahmen desselben Vertrages erfolgen. Redner beantragt, der Gesellschaft die Genehmigung zu ertheilen, jedoch jede Zusicherung aus zukünftige Verträge strikte abzu- lehnen. Diese Auffassung wurde von verschiedenen Rednern, namentlich den Stadtvv. Jacoby und Wohlgemuth, bekämpft, nach deren Ansicht die Stadt dieser Bedingung zustimmen könne, weil sie sich dadurch für später nicht bindet und es selbstverständlich erscheine, daß, wenn später überhaupt ein Vertrag zu stände kommt, die jetzt einzuführenden Linien darin eingeschloffen sein müßten. Andere Mitglieder der Deputation traten den Siuger'scheu Ausführungen bei. Stadtv. Es mann wollte die Bedingung unterirdischer Stromzuführung an die Genehmigung knüpfen, die erfolgen müsse, wenn andere Linien auf diese Art eingerichtet werden. Stadtv. Kyllmanu verlangte, daß die Gesellschaft die elektrische Kraft von den städtischen Elektrizitätswerken zu be- ziehen habe. Im Lause der Diskussion führte Stadtv. Singer noch aus, daß er die von ihm bekämpfte Forderung der Gesellschaft nicht als so harmlos auffasse, wie der Stadtv. Wohl- g e m u t h. Eine Genehniigung derselben präjudizire, wenn auch nicht formell, so doch thatsächlich den späteren Eni- schließungen. Die Stadt inüffs vollkommen freie Hand behalten und es dürfe, nachdem diese Forderung einmal mit dem Ablauf des Vertrages in Verbindung gebracht sei, kein Zweifel darüber gelassen werden, daß die Stadt nicht auf dem Siandpunkt stehe, daß die Umwandlung der Pferdebahnen in elektrischen Betrieb mit der Verlängerung der Konzessionsdauer zu bezahlen sei. Der Redner faßt seine Ausführungen in folgendem Antrag zu- sa mmen: Die Deputation empfiehlt den städtischen Behörden, dem An- trage der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschast die Genehmigung zu ertheilen, mit der Maßgabe, daß für Aus- führung und Verrieb der beantragten Linien die Bestimmungen des jetzt geltenden Vertrages und nicht über diesen hinaus, platz- greifen. Der Antrag Singer wurde, nachdem die Anträge Esmann und Kyllmann bei einer Eventualabstimmuug abgelehnt waren, e i n st i m m i g von der gemischten Deputation angenommen. Der Stadtverordneten-Versammlung wird die bezügliche Magistratsvorlage noch vor den Ferien zugchen. Lokales. Nu die Parteigenossen des t». Berliner Reichstags- Wahlkreises! Gemäß dem Beschluß der Parteiversammlungen, der dahin geht, den Vertrieb unserer Parteizcitungen und Literatur in eigene Regie zu übernehmen, werden die Parteigenossen auf- gefordert, eifrigst für die Parteispeditionen zu agitiren, einerseits um der Kinderausbeutung entgegenzutreten und den Frauen einen angemessenen Lohn zu gewähren, anderseits um die Ver- billigung des„Vorwärts" und eine weitere Verbreitung unserer Presse und Literatur herbeizuführen. Genossen, welche gewillt sind, den„Vorwärts" vom I.Juni ab von der Partei- spedilion zu bezichen, werden daher ersucht, das Blatt rechtzeitig bei ihrem bisherigen Spediteur abzubestellen und ihre Adresse einem der Parteispediieure bald einzusenden, damit in der Weiterbestellung keine Störung eintritt. Die Adressen der Spediteure sind: Für Moabit: Hempel, Lübeckerstr. 16, H. p.,: für Wedding und Oranienburger Vor- stadt: Stolzenburg, Wiesenstr. 14 p.; für Gesundbrunnen: Gaßniann, Grünthalerstr. 67, H. P.; für Rosenthaler Vorstadt: Roscnthal, Granseerstr. 6, v. Keller; für Schönhauser Vorstadt; Mars, Kastanien- Allee 96 p. Auch findet an diesen Stellen Einzelverkauf des„Vorwärts" und sämmtlicher Parteiliteratur statt. Der Vertrauensmann. Die Parteigenossen Charlottenbnrgs werden daraus hingewiesen, daß der Vertrieb des„Vorwärts", des„Volksblatt für Tellow", des„Wahren Jacob", sowie der gesammten übrigen sozialistischen Literatur für unseren Ort in Parteircgie über- nominell ivorden ist. Heute schon läßt sich sagen, daß dieser Beschluß zu den besten Hoffnungen berechtigt. Um so mehr ist es unsere Pflicht, dasür zu sorgen, daß unsere gesammte Literatur, soweit es Parteigenossen und Genossinnen sind, die sie lesen, auch durch die Parteispedition bezogen wird. Als Partei- spediteur fungirt der Genosse Gustav Scharnberg, Wilmers- dorferstraße 124, Hof 3 Tr.; Bestellungen sind an diese Adresse zu richten. Auch nehmen alle Zahlstellen des Wahl- Vereins, sowie die Botenfrauen Abonnementsbestellungen entgegen. Alle Rückstände früherer Abonnements, um deren Begleichung dringend ersucht wird, sind nur an den Genossen Scharnberg oder an die niit der Einkassirung beauftragten Botenfrauen zu verabfolgen. Die Vertrauensleute von Charloitenbnrg. I. A.: Otto Goerke. Bei Partien nach Erkner, Woltersdorf oder Kalkberge- Rüdersdorf werden Vereine. Geiverkschasten oder andere ge- schlossene Gesellschasten gebeten, sich vorher bei dem Unterzeichneten 12. Jahrg. zu melden. Auch wird um strenge Beachtung der Lokalliste er« sucht. Ernst Neumann, Vertrauensmann der Sozialdemokratischen Partei in Erkner und Umgegend. I» Werder steht den Parteigenossen bekanntlich kein einziges Lokal zur Verfügung. Auch das Lokal von Lutzmann, Kugel- weg 53, ist jetzt gesperrt. Bei Ausflügen wolle man sich an August Heimlich, Kugclweg 31, oder an den unterzeichneten Ver« trauensmann wenden. Ferdinand Wendland, Hohewegstr. 8, Werder. Aus Adlershof wird uns berichtet, daß bei der gestern vorgenommenen Gemeinderaths-Ersatzwahl, es den Gegnern noch einmal gelungen ist, mit Mühe über unsere Parteigenossen zu siegen. Für den Nnangesessenen wurden in der 3. Wählerklasse 42 gegnerische gegen 32 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Gewählt wurde gegen den Sozialdemokraten Schimanski der Kon- servative Noack. Unter den Angesessenen erhielt Apotheker Gericke(kons.) 43Stinimen, Büttner(Soz.) 32 und Wille(Freisinn) 24 Stimmen. Es findet demnach Stichwahl statt zwischen dem konservativen und dem sozialdemokratischen Kandidaten. Die Schahgräbereieu nach Dynamit, die in den Mit- theilungeu über die angebliche Anarchistensache Töbs- Krebs eine gewisse Rolle spielen, sind durchaus kein Produkt müssiger Kombination. Sie gehen in der That vor sich. So ist am vorigen Sonnabend Nachmittag in der Nähe der Ruhestätte unserer Mfo.fixfcitoem dicht bei der kleinen Anhöhe, welche links von der Straße liegt, eifrig im Beisein mehrerer Beamten der politischen Abtheilung gebuddelt worden. Resultat: Null. Was zu erwarten war. Dr. Alexander Meyer wird, wie die Blätter melden, sein Stadtverordnetenmandat niederlegen. Nach der„Volks-Zeitung" ist der Herr für eine freiwerdende Stadtrathsstelle in Aussicht genommen, dem„Berk. Tageblatt" zufolge verzichtet der berühmte Mann einfach aus dem Grunde auf seine konnnunale Würde, weil er nach Charlotteuburg zieht. Die Gesellschaft„Urania" hielt Donnerstag, den 30. Mai ihre ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem dabei vor- gelegten Geschäftsbericht ersehen wir zunächst, daß die Besucher- zahl sich wiederum gegenüber den vorangegangenen Jahren ge- steigert hat. Die betreffenden Zahlen sind für die letzten fünf Jahre in runden Tausendern 91, 116, 125, 131, 133. Diese Steigerung kann der gemeinnützigen Gesellschaft als ein ermuthi- gendes Zeichen für ihre zukünftige Entwickelung gelten, und stellt ihr jedenfalls ein gutes Prognostikon für die in Angriff genoimnens Erweiterung durch den Bau einer Filiule in der Taubeustraße. Im letzten Geschäftsjahre wurden 436 anderthalbstündige und 364 halbstündige Vorträge gehalten. Die Einnahmen der Gesell- schaft betrugen 123 013 M., die Ausgaben 119 949 M. Die Bilanz weist 9427 M. für Neubeschaffungen und 15 917 M. für illbschreibungen auf, so daß der Abschluß mit Heranziehung von 3426 M. aus dem vorhandenen Spezinl- Reservefonds balancirt. Der Bericht hebt noch die große Theilnahme für den Bor- trag über Tesla's Licht der'Zukunft als eine erfreuliche Bestätigung dafür hervor, daß das Bestreben der Verwaltung, bemcrkeiiswerthe und das öffentliche Interesse anregende Fortschritte und Entdeckungen auf dem Gebiete der Natur- Wissenschaft dem größeren Publikum vorzuführen und durch geeignete Experimeiitalvorstelluugen dem Verständniß näher zu bringen, volle Würdigung gefunden hat. Man hofft, dieses durch die größeren Hilfsmittel der Schwesleranstalt im erhöhten Maße verfolgen und dem sich immer stärker geltend machenden Drange nach Belehrung, besonders bei den gemeinnützigen Vereinen, auch dadurch mehr entgegenkommen zu können, daß das alte Institut hauptsächlich diesem Zwecke gewidmet und von den störenden Hemmnissen, welche die bisher nothwendige Abwechselung mit den dekorativen Vorträgen verursacht hat, befreit werden wird. Die Gesellschaft wird, wie sie schreibt, diesem Ziele um so mehr zustreben können, als durch die beabsichtigte Theilung die durch ven steten Wechsel verursachten, nicht unerheblichen Kosten weg- fallen werden. Griine JungeuS. Eine Berliner Studentenverbindung, deren Mitglieder grüne Mützen trugen, hat, wie wir aus den „Potsdamer Nachrichten" ersehen, am Montag in Potsdam eine Gastrolle gegeben. Nach Art der neudeutschen Studenten suchten die Herrchen ihre Schneidigkeit dadurch zu beweisen, daß sie auf freier Straße in renommistischer Weise allerlei Unfug verübten. Der Hauptulk der gigerlmäßig geschniegelten Pomadenhengste bestand darin, daß sie abends in der Brauerstraße gelegentlich des Einbringens der Pferde eines dortigen Fuhrgeschästes einen Zirkus zu etabliren sich bemühten. Sie versuchten ans die Pferde zu springe», hieben mit Peitschen dazwischen und triebe» die Rüpelhaftigkeit so weit, daß sie schließlich mit Kutschern und Arbeitern des Fuhrgeschästes in ernsten Konflikt geriethen. Nur dem Dazwischentreten des Geschäslsinhabers hatten sie es zu danken, daß sie nicht unangenehme Bekanntschaft mit derben Fäusten niachten. Die„grünen Jungens" hatten durch ihr gesittetes Betragen bald einen großen Zusammenlauf vonMenschen veranlaßt. Als nun schließlich auch ein Schutzmann herbeieilte, verlangten die Herren nichts weniger als die Arretirung des Geschäfts- inhabers, der sie vor einer wohlthätigen Tracht Prügel bewahrt hatte. Einer der Begleiter der„grünen Jnngens" legitimirte sich dem Beamten gegenüber als— Gerichtsassessor, jedenfalls in der Erwartung, dem Beamten dadurch gewaltig zu imponiren. Dies war nun allerdings nicht der Fall, den Herrchen wurde viel- mehr bedeutet, sich schleunigst zu trollen. Im Gänsemarsch zogen sie denn auch ab und veranstalteten schließlich in einer Kneipe ein solennes Saufgelage. Nette zukünstige Stützen von Thron und Altar. Was sagt Herr von Frege zu diesen„grünen Jungens"? Auf die Praktiken der Wirthe gewisser Balllokale wirft folgende Miltheilung ein bezeichnendes Licht: Mit seiner Ein- ladung ist ein galanter Wirth an die unrechten— Damen ge- kommen. Kürzlich empfingen einige hundert alleinstehende acht- bare Damen, größtentheils Modistinnen, zu ihrem größtem Er- staunen von dem ihnen völlig unbekannten Inhaber eines der größten hiesigen Balllokalo Einladungen zu den in seinem Etablissement stattfindenden Frühjahrs-Ballfesten mit der Bitte, in hellen Toillelten zu erscheinen. Mehrere dieser Damen haben sich durch diese Einladungen nicht geehrt gefühlt, sondern dieselbe als Ehrenkränkung einpfnnden und deshalb Schritte gethan, welche dem Lokalinhnber Gelegenheit geben dürften, sein sonder- bares Geschästsgebahren vor dem Richter zu rechtfertigen. Im Militärstaat geht das herrliche Kriegsherr bekanntlich über alles. Dies wurde vor kurzem wieder gelegentlich der strengen Absperrungsmaßregeln bewiesen. Es war, wie wir be- richteten, dieser Tage ein Arbeiter im königlichen Museum von der Leiter gestürzt, und da er sich schwer verletzt, war dringende Hilfe uölhig. Ein Wagen von der Unfallstation I(Wilhelm« straße) war bald zur Stelle; doch bevor noch der Wagen das Krankenhaus erreichte, war der Verletzte gestorben. Das wäre ja an sich bei den zahlreichen Unglückssällen, die sich in einer Weltstadt ereignen, nicht besonders auffällig. Aber, wie der„Lokal-Anzeiger" erfährt, ist der Krankentransport-Wagen, in welchen» der Verunglückte dem Krankenhause zugeführt werden fi'lite, auf seiner Fahrt zuui Museum durch ein Straßenhinderuiß eigener Art aufgehalten wordein Das 2. Garde-Ulanen-Äegiment fiuu gerade die Wilhelmstraße herunter, als der Kranfenwagen die Ätraße freuzen wollte. Trotz wiederholten Ersuchens des Wagenführers durfte der Wagen nicht passiren. Natürlich Hai die Beförderung des Schwerverletzten eine längere Verzögerung erlitte».— Also geschehen in dem Staat, der sich mit Borliebe femie'ii" �en" �«An ihren Früchten sollt ihr sie er- Menschenfreundlichkeit im herrliche» Kriegsheer. Im Sprechsaal, der„Post" finden wird folgenden charakteristischen , vin. cränd't:.„Ani Sonntag, den 26. d. Mts., mittags gegen 1 Uhr, machte ich mit meinen Kindern und einer befreundeten Fannne einen kleinen Spaziergang über das Tempelhoser Feld Tempelhof. Beim Rückweg setzten wir uns alle etwas unter die Bänine, die rechis am Wege stehen, um auszuruhen. Gerade al» wir wieder den Heimweg antreten wollten, kam ein Soldat ans mts zu mit der Aufforderung, fortzugehen. Wir gingen weiter in der Absicht, wie ivir seit lange gewohnt waren, schräg Ubers tZeld, unser Heim wieder zu erreichen. Plötzlich stand ein Unterossizier vor uns, der uns mit barscher Stimme befahl, sofort das Feld zu verlassen, und zwar auf dem staubigen Feldweg. Aus meine verwunderte Frage: warum und ob wir nicht den »ins näheren Weg nehmen dürften, erwiderte er:„Wenn Sie nicht sofort auf dem Weg, den ich Ihnen vorschreibe, das Feld verlassen, so werde ich Sie mit Kolben forttreiben lassen." Dann folgte noch eine Fluth anderer Grobheiten. Selbstverständlich ftnndeii wir diesem Auftreten gegenüber vollständig wehrlos da. Zufälligerweise war die Dame, die mich begleitete und dieselbe Behandlung erfuhr, eine Ausländerin!" Daß dieser, bekanntlich durchaus nicht vereinzelt dastehende Fall auch gerade einer staats- treuen Seele, die in der„Post" ihr Herz ausschüttet, passiren mußte! Flugversuche mit dem vom Ingenieur Lilienthal erfundenen Lustsegel wurden vorgestern Nachmittag den mit ihren Dame» er- schienenen Mitgliedern des Deutschen Vereins zur Beförderung der Luftschifffahrt bei der nach Heinersdorf zu belegenen Ziegelei in Groß-Lichterfclde vorgegührt. Dort befindet sich der mit einem Kostenaufwand von 8666 Mark errichtete Erdkegel, den Herr Lilienthal zu seinen Versuchen benutzt. Der Wind war zu schwach, um den nöthigen Druck auszuüben, den Lilienthal ge- braucht, um in größerer Entfernung vom Abgangspunkt zu landen, und so wurden bei den Versuchen, die Herr Lilienthal gestern anstellte, 35 Meter nicht überschritten. Bei sieben Ver- suchen kam der Luftsegler recht gut zur Erde, nur bei dem zweiten Versuch brach die äußerste Rippe der rechten Segelfläche, infolgedessen das eiitsprechende Klappensegel nicht sunktiouirte, der Apparat mit der Neigung nach unten sich drehte und Herr Lilienthal etwas unsanfter ans die in iveiser Vorsicht stark gepolsterten Knie fiel. Der Schaden wurde mit einem Spazierstock und mit Stricken aus- gebesserl. Versuche mit dem weitaus interessanteren Flug- apparat, mit dem Lilienthal schon 566 Meter zurückgelegt haben soll, wurde nicht angestellt. Die bisher benutzte Borrichtung, bei der der Flügelschlag durch die Wirkung komprimirter Kohlen- säure auf einen Kolben erzeugt wird, ist von Lilienthal ver- »vorfen worden und der Ingenieur ist zur Zeit mit dem Bau ernes neuen Apparates beschäftigt, der statt der bisherige» zwölf 24 Flügelfeder», sowie einen Motor ans Mannesmannrohr erhalten soll. Der Wassersturz am Viktoriapark ist gestern Morgen II Uhr in Funktion getreten. Sein bisher etwas schleichendes Wesen hat jetzt eine größere Forsche erhalten. Eine miangenehme Neberraschnng bietet sich jetzt de» viele» Zlus flüglern, welche die großen Waldungen der Köpenicker Forst durchziehen. Auf Zlnordnung der Regierung zu Potsdam haben nämlich sänimtliche zwischen Sadoiva und Ostend belegenen Restaurationsinhaber die Weisung erhalten, ihre im Walde an Bäumen angebrachten Firmenschilder binnen drei Tagen zu entfernen, widrigenfalls diese durch das Forstpersonal beseitigt werden würden. lieber die Gründe dieser Maßregel verlautet nichts, doch dürften von derselbe» am ciupfindlichsteii die Ausflügler getroffen werden, welche» diese Tafeln zumeist als Wegweiser in dem endlosen Baumlabyrinth gedient haben. Ein Mcnscheulebcn hat eine Explosion" gekostet" die� sich am Montag Nachmittag um 3 Uhr in dem Hause Pappel-Allee 2 ereignete. Dort war in seinem Keller der Schank- wirth Emil Kurig niit dein Destilliren von Spiritus beschäftigt. Er benutzte dabei eine brennende Petroleumlampe. Unvorsichtiger Weise stellte er gelegentlich die Lampe in die un- mittelbare Nähe des Spiritusfasses. Die Dämpfe, die sicli entwickelten, fingen Feuer und theilte» es dem Inhalte des Fasses mit. Dieses explodirte und Kurig wurde am ganzen Körper, namentlich am Unterleib schwer verletzt. Samariter der Feuer- wehr legten ihm einen Nothverband a» und brachten ihn in das städtische Krankenhaus am Friedrichshain. Hier ist der Ver- »»glückte an den Folge» der Verbrennungen am Mittwoch ge- storbeu. Eine sonderbare Heirathsgeschichte hat am Dienstag in Charlottenburg ihren Abschluß gefunden. Der Hilfsarbeiter W. de- Berliner Magistrats, der in Charlottenburg wohnt, war früher katholischer Geistlicher zu Breslau. In Waldenburg lernte er die Tochter eines Eisenbahnbeainteii kenuen und faßte den Entschluß, sie zu heiralheu und zu diesem Zwecke z»in Protestantismus überzutreten. Das letztere hat er denn auch gethan, aus der Heirath ist aber dennoch nichts geworden. Auf Dienstag Mittag IVe Uhr war die standesamtliche Trauung in Charlottenburg angesetzt, der um 3 Uhr die kirchliche folgen sollte. Zur festgesetzten Zeit halten sich die beiden Zeugen, zwei Beamte, beim Slandesamte in der Äerliuerstraße 49 eingesunden. Nach längerem Warten aus das Brautpaar suchte der eine ein Wirthshaus auf, um sich zu erfrische». Als er weggegangen war, erschienen endlich auch Braut und Bräutigam und der zweite Zeuge machte sich auf den Weg, den ersten wieder herbei- zuholen. Bei ihrer Rückkehr zum Standesamie war jedoch das Brautpaar spurlos verschwunden und somit der erste Akt iinniöglich. Die Zeugen begaben sich nun nach der Louisen- kirche, fanden jedoch auck dort das Brautpaar nicht vor und theilten dem Pastor, der inzwischen auch eingetroffen war, das Vorgefallene mit. Der Pastor verließ unverrichteter Sache die Kirche und die Zeugen gingen in die von Bräutigam und Braut bereits bezogene Wohnung. Hier trafen sie nur die Braut, die ihnen mittheilte. daß sie sich mit Herrn W. soeben gezankt habe. Dieser habe mit den Worten:„Die Sache hat ja doch keinen Zweck" die Pferdebahn bestiegen und sei davon gefahren, wohin, wisse sie nicht. Die Trauung war im März schon einmal an- gesetzt; was damals Veranlassung gab, sie aufzuschieben, ist nicht bekannt. Die neueste Tpeknlation auf die Dummheit. Wie ge- winnbringend die Spekulation auf die Leichtgläubigkeit des Pu- blikums ist. hat dasManöver eines hiesigen kleinen Buchhändlers gezeigt. Derselbe versandte an Neuverlobte Prospekte, worin er das„Neueste Ehegeheimniß, offenbart von Julius Koch", zum Preise von 1 M. mit der Verheißung anpreist, daß es das großartige und wunderbare Gcheimniß enthülle, im Boraus das Geschlecht, ob Knabe oder Mädchen, eines zu erwartenden Kindes zu bestimmen. Von 43 Personen, hauptsächlich aus der Provinz, ist festgestellt, daß. sie im Vertrauen auf die Unfehlbar- reit des angepriesene» Mittels jenes Schriftchen gegen Einsendung von einer Mark bezogen haben, um die Erfahrung zu»lachen, daß dasselbe nur aus einem Umschlage bestand, aus dessen zweiter Seite in ein Papier eingeklebt sich ein gedruckter Zettel mit dem angeblichen Geheinnnittel befand, das sich nur als schlechter Scherz kennzeichnet. In der verflossene» Nacht ist gegen die separirte Marie Pfeiffer, geb. Harwardt, in dem Keller des Hauses Borsigstr. 20 ein Raubniordversuch ausgeführt worden. Vor 3 Tagen stellte sich der Pfeiffer auf grund eines Heirathsgesuchs derselben ein etwa 30 Jahre alter Mann vor, der sich Max Reinfeld nannte, in Charlottenburg wohnen und in der dortigen Wagenfabrik von Kühlstein beschäftigt sein wollte. Gestern Abend hat die Pfeiffer mit letzterem mehrere Lokale besucht und ihn dann mit in ihre Wohnung genommen. Als sie ihn in der Nacht wieder heraus- lassen wollte, erhielt sie, anscheinend mit einem spitzen Instrument, drei wuchtige Hiebe auf den Hinterkopf und stürzte bestnnungs- los nieder. Erst nach mehreren Stunden ist sie wieder erwacht und hat um Hilfe gerufen, worauf sie nach der Charitee ge- bracht wurde. Ihre Verletzungen sind nicht lebensgefährlich. Geraubt worden ist eine Blechbüchse mit 11 Mark, eine goldene Damen- Reniontoiruhr mit der Nummer 10 267 und mehrere unechte Schmucksachen. Ter Thäter hat sich einen falschen Name» beigelegt, da er iveder in der angegebenen Wohnung »och auf der angegebenen Arbeitsstätte bekannt ist. Beim Baden sind gestern Abend um 3 llhr die 9- und lljährigeii Knaben Franz und Wilhelm Granz, Söhne eines Schuhmachermeisters aus der Flensburgerstraße, ertrunken. Die Knaben waren dicht bei der Borsigmühle an einer Stelle, Ivo das Baden verboten ist, in die Spree gegangen. Zwei Schiffer, die in der Nähe waren, sahen, daß der eine zu weit in das Wasser gerieth und untersank. Der ältere Bruder wollte ihm zu Hilfe kommen, ging aber dabei selbst unter. Die Schiffer machten sich sofort an die Rettung, sie fanden jedoch nur den jüngeren, der aber auch schon eine Leiche war. Wilhelm ist noch nicht aufgefunden. Lebensmüde Gymiiasiasteit. Um gemeinsam in den Tod zu gehen, verließen am Dienstag Nachmittag der IlVsjährige Georg L. aus der Leipzigerstraße und der I2jährige Fritz W. aus der Mauerstraße die elterliche Wohnung. Sie ivaren in der letzten Zeit i» der Schule, einem Realgymnasium, sehr unauf- merksani gewesen und hatte» sich deshalb vom Lehrer und von den Eltern wiederholt Tadel zugezogen. Beide sollten am Dienstag Nachmittag nachsitzen. Als L. zur Schule kam, erivartele ihn W. schon und machte ihm den Vorschlag, gemeinsam nach Spandau zu gehen und sich dort in die Havel zu stürzen. In Steglitz angekommen, schrieb W. an seinen Vater eine Karle des In- halte-, daß er ihn nicht wiedersehen werde, da er mit L. den Tod in der Havel suche. Er schloß mit einem Lebewohl. Die Lebensmüden kamen auch nach Spandau, überlegten sich dann aber die Sache und machte» sich in der Nacht um 2 Uhr auf den Heimweg nach Berlin. Hier kamen sie früh morgens um 7 Uhr an, zur Freude ihrer Eltern, die schon der Polizei von dem Verschwinde» ihrer Söhne Mittheilung gemacht und alles gethan hatten, um ihrer wieder habhaft zu werden. A» Mitteln hatte jeder nur 10 Pfennige mitgenommen. Davon hatten sie die Auslage sür eine Postkarte bestritten und für den Rest einige Schrippen gekauft, die ihre einzige Nahrung auf dem Marsche bildeten. Es ist anznnehine», daß den Bürschchen die Lust am Leben mit einem geeigneten In- strumente neu erweckt worden ist. Zluf dein Slnhaltev Bahnhof in Groß-Lichterfelde sind am Bahnsteig für Sonntags-Vorortzüge jetzt große Tafeln an- gebracht worden mit der Aufschrift:„Das auf diesen Bahnsteig zugelassene Publikum wird bestimmt mit dem nächsten abgehende» Zuge befördert. Es kau» deswegen das Drängen»ach den Wagenäbtheilungen vermiede» werden." Durch diese amtliche Bekanntmachung ist es zum theil ermöglicht worden, daß eine Neberfüllung der Wagen nicht staltsindet und daß nur soviel Personen sich in den Abtheilungen befinden, als Sitzplätze vor- Händen sind, auch eine Verzögerung in den Zlbfahrtszeiten nicht mehr vorkommt. Llrbeiterrisiko. Einen tödilichen Ausgang hat ein Unfall genominen, der sich am 26. d. M. ereignet hat. Der Arbeiter Friedrich Wilhelm Ritze aus der Manteuffelstr. 99 verunglückte damals dadurch, daß ihm beim Reinigen ein Sprengwagen des Fuhrherrn Fettenhauer aus der Neichenbergerstraße auf den Leib rollte. Ritze, ein Mann von 60 Jahren, erlitt eine Quetschung am Bauche und wurde in die königliche Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Hier ist er am Mittwoch seine» Ver- letzungen erlegen. Polizeibericht. Am 29. d. M. morgens fiel auf dem Spittelmarkt ein Mann beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Pferdebahnwagen hin und erlitt innere Ver- letzungen und einen Arnibruch.— Im Fundbureau am Schlesischen Bahnhofe wurde in einem seit dem 17. d. M. dort lagernden Handkoffer die Leiche eines neugeborenen Kinde- vorgefunden.— Abends ertranken zwei Knaben in der Spree, in der Nähe der Borsig- Mühle.— Am 30. d. M. morgens wurde die separirte Frau Pfeiffer in ihrer Wohnung, Bergsir. 20, mit drei schweren, aber nicht lebens- gefährlichen Verietzungen aufgefunden und nach der Charitee ge- bracht. Sie giebt an, von einem Manne, niit dem sie infolge einer Heirathsannonce bekannt geworden war, und welchen sie am Abend vorher in ihre Wohnung mitgenommen hatte, über- fallen, mit einem scharfen Werkzeuge zu Boden geschlagen und bestohle» worden zu sein.— Im Laufe des Tages fanden fünf Brände statt, darunter ein erheblicher auf dem Grundstück Mendelssohnstraße lö, wo die Dachstühle des Vorder- und Hinter- Hauses vernichtet wurden. Witterniigsiibersicht vom 30. Mai 180.?. Wetter-Prognose für Freitag, 31. Mai>80». Zunächst noch heiteres. sehr warmes Weiter mit mäßigen südwestlichen Winden, nachher zunehmende Bewölkung, Gewitter- neigung und etwas Abkühlung. Berliner Wetterbureau. Tlzenkev. National- Theater.„Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung", großes Sensationsdrama in fünf Aufzügen von W. G. Willis und Graci Hamthore». Das ameri- kanische Sensationsstück wird dank der rührige» Thätigkeit des Herrn Direktor Samst auf Berlinischem Boden zu akklimatisiren versucht. Es ist ein drolliges Ding mit dieser neuesten Abart der Ausstattungsfeerie. Gewiß ist das, was wir bisher in dieser Art modernen Bühnen- Unwesens zu sehen geivohnt waren, nicht von besonders ver- trauenerweckender Art gewesen. Nackte Waden und nackte Busen bildete» den Kern der Handlung eines solchen Werks. Aber um diese bezeichneten und bezeichnenden Requisiten gruppirte sich wenigstens so etwas, was keinen Anspruch machte, in irgend einer Beziehung ernst genoinmen zu werden. Man erfand eine Märchendichtung oder knüpfte an sie an und wob dann um diesen Stoff den weiteren Unsinn und den Ausstattungsflitter herum. Die Amerikaner sind derberen Schlages als diese Art Träger europäischer Bildung. Auch ihnen ist die wirkliche Bühnen- kunst zum großen Theil ein langweiliges Gräuel, auch sie wollen bunte Bilder sehen und sich platterdings daran amüsiren. Aber jenseits der grauen Wasserwüste will man etivas Kompaktes, will man Sensation. Der sogenannte Dichter hat sich daher auf das Gebiet des Schauerromans zu begeben und diesen zu dramatisiren. Das gröbere Kaliber sahen wir in der „Lebenden Brücke" und eine feinere Nummer, die man gestern zeigte, machte in Historik. Zum Schießen natürlich. Es war zu sehen das Leben und Wirken Napoleons, des großen Welteroberers und sein durch Frauengunst und Liebe beeinflußtes Schicksal. Was man in der Schule etwa über den Korsen gelernt hat, kann man füglicherweise zu Hause lassen; auf der Bühne machte die poetische Lizenz neuesten Kalibers selber Weltgeschichte. Unter unausgesetztem Trommelwirbel, Trompetengeschmetter, Kanonendonner, Gewehrgeknatter und Hurrahgeschrei vernehmen wir, wenn wir unser Ohr sehr an- strengen, daß die gute Josephine Beauharnais ihrem kaiserlichen Gatten bis über die Ehescheidung hinaus treu ge- blieben und daß die böse zweite Frau, die er sich aus Oesterreich geholt, kalt lächelnd das Glück wie den tragischen Sturz des Titanen genossen. Da« zwischen sieht man Balleteusen mehr oder minder patriotische Reigen tanzen und militärische Evolutionen ausführen. Auch erscheint am Schluß des Stückes sogar der alte Knaster Fürst Blücher von Wahlstatt auf einem Gaul von Pappe. Als einziger Trost in dem Wirrwar erklingt zuweilen der ge- waltige Menschheitssang, die Marseillaise; schade, daß sie am Schluß von den widerwärtigen Fanfaren des ostelbischen Pferdestall- Patriotismus abgelöst wird. Zu schauen giebt es jetzt also die Hülle und Fülle im National« theater; kein Zirkus kann sich rühmen, derartige Masfenhaftig« keilen seiuein Publikum geboten zu haben und Herr 4-aiiist wird aller Voraussicht nach bei diesem Trödel besser fein Geschäft machen, als bei der Aufführung von klassischen Langweiligkeiten. Nun, im Grunde ist seine Sünde nicht größer, als die unserer meiste» fashionablen Theaterdirektoren. Was die Darstellung betrifft, so muß die Leistung des Fräulein A r c o, ivelche die Josephine gab, rühmend hervorgehoben iverden. Tie Künstlerin erhebt sich weit über das Durchschnittspersonal der Bühne. Auch die kleine Klärchen Krüger, welche den König von Rom gab, spielte mit echtem Empfinden. Das Kostenstreitverfahre» wegen Aubringiiiig der Straßenschilder zwischen dem Magistrat und dem Polizei- Präsidium von Berlin ist zu Ungunsten der Stadt entschieden worden. Das Ober-Verwallungsgericht vertritt die Auffassung, daß mit dem am I. April 1893 in kraft getretenen Polizeikosten- gesetz vom 20. April 1332 dem Staat nur die unmittelbaren Kosten der örtlichen Polizeiverwaltung, d. h. die Kosten, die durch Einsetzung und Unter hallung des verivattendenPersonals und durch dessenAus- rüstung mit allen zum Dienstbetriebe erforderlichen Gegeusländen unmittelbar erwachsen, zur Last fallen, nicht aber die mittelbaren jkoften, d. h. die Kosten, die erst infolge der verwaltenden Thätig- keil durch die Ausführung polizeilicher Anordnungen, durch die Herstellung polizeilicher Zustände in der Außenwelt, also mittel- bar entstehen. Die mittelbaren Polizeikosten der örtlichen Polizeiverwaltung(so führte der Senat iveiter aus) sind nach tz 3 de- Gesetzes über die Polizeiverwaltuug vom 11. März 1880 von der Stadt zu bestreiten. Demnach hat diese die als mittelbare Polizeikosten sich darstellenden Kosten für die Anbringung der Straßenschilder zu tragen. Eine von höchst traurigen Folge» begleitete Prügel« that lag der Verhandlung zu gründe, welche gestcrii vor der vierten Strafkammer des Landgerichts I gegen den Bezirks- Vorsteher und Hanseizenthümer Wilhelm Klose, den Weiß- gerbcr-Gesellen Karl F i e l s ch und de» Arbeiter Heinrich Tack zur Entscheidimg kam. Dieselben waren der gemeinschaftliche» Körperverletzung beschuldigt, Klose mit dem erschiverenden Um- stände, daß der Mißhandelle das Schvcrinögen verloren hat. Klose ist Eigenthüiner des Hanfes Biesenthalerstr. 18, in welchem der Schuhmachermeister Simon eine Keller- wohnung inne hatte. Dieser schuldete dem Wirth für Miethe und au- baaren Darlehen gegen 400 Mark. Am Abend des 9. September v. I. wurde dem Angeklagten Klose die Mit- iheilung, daß Simon Vorbereitungen zum Rücken getroffen habe. Er bat die beide» Mitangeklagten, welche ebenfalls seine Miether waren, mit ihm wahrend der Nacht anfzupasse». Tie drei warteten die Nacht hindurch vergebens, aber gegen 6 Uhr morgens zeigten sich verdächtige Umstände. Es erschien ein Roll- wagen, der in der Nähe des Hanfes hielt, der Führer des Wagens begab sich in den Simon'schen Keller nnd bald darauf hörten die im Hausflur stehende» Angeklagte», daß etwa- Schweres die Kellertreppe hinaufgetragen wurde. Wie die Au- klage behauptet, sind die drei Angeschuldigten jetzt hervorgestürzt; Klose soll mit einein Stock. Fielsch mit einem Lcderrieme» nnd Tack mit einem Gnmmischlauch bewaffnet gewesen sein. Sie solle» mit diese» Gegenständen, auf dein Bnrgersteig stehend, zum Kellereingange hineingeschlagen haben. Auf der untersten Stufe standen der Schuhmacher Simon und der Arbeiter Wilh. Stiefhofer. Sie schoben einen schweren Korb vor sich her die Treppe hinauf. Es hat sich herausgestellt, daß es sich yicht um heimliches Ausziehe», sonder» um die Fortschaffung von Waaren handelte, welche Simon verkauft hatte. Klose soll de» Arbeiter Stiefhofer mit seiner Stockspitze in das rechte Zlnge getroffen haben, daß es sofort auslief, ein um so größeres Unglück, da Stieshoser bereits bei einer früheren Gelegenheit die Sehkraft auf dem linken Auge eingebüßt hat. Der Aermste, der erst 34 Jahre alt ist, ist nunmehr völlig erblindet, er ernährt sich jetzt als Drehorgelspieler. Die Angeklagten bestritten entschieden daß der vorstehend geschilderte Sachverhalt der Sachlage ent- spreche. Klose wollte überhaupt keinen Stock in der Hand gehabt haben. Simon sei es gewesen, der mit einem Stocke vom Kellereingange aus nach den Außenstehenden geschlagen habe. Dabei sei der Stock gebrochen, ein Theil desselben zurück und dem Stief- hofer ins Auge geflogen. Dem Angeklagten Klose wurde jeileiis des in seinem Reviere wohnenden PolizeihauptmanneZ ein glänzendes Zcugniß ausgestellt. Der Staalsanivalt hielt die Angeklagten durch die umfangreiche Beweisaufnahme für über- führt, er beantragte gegen Klose sechs, gegen Fielsch n. Tack je einen Monat Gesängniß. Der Gerichtshof berücksichtigte, daß man im vorliegenden Falle fast eher von einem unglücklichen Zufall als von einer Rohheit sprechen könne und das Slrafinaß deshalb niedriger zu bemessen sei. Klose wurde zu zwei Monate», Fielsch zu vier und Tack zu drei Wochen Eef a n g» i ß verurtheilt. Das bei unserer Schuljugend in neuerer Zeit so stark in Aufnahme gekoimnene L a s s o w e r f c u könnte unter Umständen böchst gefährlich iverden, wie eine Verhandlnug der 132. Ab- tbeilung des Schöffengerichts gegen den dreizehnjährigen Schüler Max Hauschild zeigte. Er kam mit der unvemeidlichen Leine bewaffnet die Eisenbahnstraße entlang und konnte eine sich ibin bietende günstige Gelegenbeit nicht vorübergehen lassen,' obne seine bereits erworbene Kunstserligkeit zu zeige», als er 3 Knaben am Rinnstein sitzend in sriedlicher Untcrhallung sah. Ans zinn- licber Enifernung warf er die Schlinge mit solcher Geschicklichkeit daß sie sich dem achtjährige» Jungen Friedrich Späth direkt um de» Hals legte, de» Knaben umriß und ihm die Kehle zuschnürte. Zwar löste der Gefangene sich sofort selbst die Schlinge, am Abend aber hatte er noch eine bedeutende Strangulationsmaike iiub schließlich lielltc sich ein böswilliger Hautausschlag an den betreffenden Stellen ein, der längere Zeit zur Heilung brauchte. Dies veranlaßte die ängstlichen Eltern, den Vorfall zur Anzeige zu bringen. Natürlich wurde der Angeklagte freigesprochen. allerdings mit der Ermahnung, das gefährliche tumststüct Iun,tlghln zu unterlassen. Wie patriotische Proletarier aussehen. Als ein Aus- fliiß nichtswürdiger Rachsucht stellte sich eine Anzeige wegen l-ä.? J.?'' � � e' e| �' S u n g dar. welche den I9jährigen Echloper Richard Lieber aus Spandau heute vor die erste Strafkammer am Landgericht II führte. Der Vater des An geklagten steht seit zwanzig Jahren in den königlichen Fabriken i»«pandau in Arbeit und war zuletzt mit seinem Sohne, der daselbst auch gelernt hat, in der neuen Fabrik zu Hasselhorst� beschäftigt. Zwischen der Familie L. und der des ebenfalls i» der königlichen Fabrik beschäftigten Arbeiters Ger st mann bestand früher, da beide in einem Hause wohnten, gute Freundschaft, die aber schon vor längerer Zeit in die Brüche ging. Nun verbreitete Gerstmann in der Fabrik die Erzählung, der junge L. habe sich einer Majestälsbeleidigung schuldig gemacht. Vor anderthalb Jahren habe es einmal Kartoffeln und Hering zum Abendbrot gegeben und da habe der junge Mann gesagt:„Das können wir schon essen, das ißt ja der Kaiser auch!" Daraus habe sich ein Gespräch entwickelt, welches sich um die Person des Kaisers drehte und dabei habe der junge L. eine höchst despektirliche Aeußerung über die Person des Landesherr» gemacht. Von diesem Geschwätz erhielt der dirigirende Haupt niann Kenutniß und gab dem Beschuldigten auf, sich entweder von diesem Vorwurfe zu r e i- n i g e n, oder seine Entlassung zu gewärtigen! L. beschritt den Weg der Privatklage, erzielte aber nur damit, daß die Sache der Staatsanwaltschaft übergeben und gegen ihn selbst Anklage erhoben wurde. Die heutige Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentiichkcit statt; der Vertheidiger, Rechtsanwalt Löwe- Spandau, hatte einen umfangreichen Entlastungsbeweis vorbereitet; aus den öffentlich verkündigten Erkenntnißgründcn ging aber hervor, daß der Gerichtshof die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Seele der offenbar falschen Denunziation die Frau Gerstmann gewesen sei, die sich als eine überaus rachsüchtige und erfindungsreiche Frau dargestellt habe. Außer dem höchst zweifelhaften Zeugniß der Gerstmann'schen Eheleute sei kein Schatten eines Beweises erbracht, woraus sich die Frei �s p r e ch u n g rechtfertige.— Nachdem das Urlheil verkündet worden, entblödete sich Frau Gerstmann nicht, laut auszurufen: ..So'» Schw... Hund muß auch noch freigesprochen werden!", was die Denunziantin nun erst recht in das richtige Licht stellte. Der Fabrikant ans Reisen. Die Erinnerung an ein böses nächtliches Abenteuer hat ein Fabrikant aus Pforzheim, der anfangs Januar in Berlin weilte, mit in seine Heimath ge- nommen. In der Nacht zum 12. Januar studirte er„Berlin bei Nacht" und gerieth hierbei in den Cap-Kcller, wo er sich stark übernahm. In Begleitung zweier neugewonnener jungen Freunde begab er sich morgens gegen 4 Uhr nach einem Schanklokal, wo mit Hilfe größerer Mengen Spirituosen der Zustand der Ueber- nominenheit in einen solchen der vollständigen Trunkenheit überging. Morgens um ü Uhr langte er in diesem Zustande in einer Droschke vor seinem Hotel an. Er war vollständig ausgeplündert. Ihm fehlte seine goldene Uhr nebst Kette, ein goldener Brillanlring, ein goldenes Pincencz und etwa 200 M baares Geld. Er erinnerte sich nur, daß seine beiden jungen Freunde sich erboten hatten, ihn mittelst Droschke nach Hause zu begleiten, wußte aber nicht, was in der Droschke mit ihm ge- schehen war. Sein Gesammtverlust bezifferte sich auf über 700 Mk. Der Polizei gelang es, den Pfandleiher zu ermitteln, bei welchem Uhr und Kette von den Dieben versetzt worden war. Als solche wurden der noch jugendliche Blumenhändler Carl Julius Wus mann und der Handelsmann I l l g u t festgestellt. Jllgut ist flüchtig geworden, Wußmann aber wurde zu 6 Monaten G e f ä n g n i ß v e r n r t h e i l t und seine sofortige Verhaftung angeordnet. Gesinde oder ländliche Arbeiter? Auf die Entscheidung der Frage, ob Schnitter zum Gesinde gehöre» oder nicht, kam es in einem Gerichtsverfahren an, das gegen den Gutsbesitzer Lohbeck auf Rügen anhängig gemacht wurde. Lohbeck war beschuldigt worden, gegen die§Z 49 und 81 des Krankenversicherungs- Gesetzes vom 10. April 1892 dadurch verstoßen zu haben, daß er zweiundzwanzig von ihm engagirte Schnitter, Männer und Frauen, nicht drei Tage nach dem Antritt ihrer Arbeit bei der zuständigen 5treis-Krankenkaffe anmeldete; er sollte eine entsprechende Geldstrafe zahlen. Lohbeck hatte die Anmeldung in der Ueberzeugung unterlassen, daß die Leute als Gesinde zu betrachten seien und er deshalb nicht ver- pflichtet wäre, die Anmeldung zu besorgen. Das Gesinde bedarf bekanntermaßen nach unserer sozialpolitischen Gesetzgebung nicht der Versicherung gegen Krankheit. Das Schöffengericht in Bergen sprach Lohbeck frei, wobei es berücksichtigte, daß derselbe den Leuten Wohnung und als Theil des Lohnes auch Naturalien gewährte. Die Strafkammer in Stralsund dagegen hielt die Schnitter für ländliche Arbeiter, für welche die Vcrsicherungspflicht besteht, und v e r u r t h e i l t e L. zu einer Geldstrafe von 10 W. Das Gericht führte aus, das Gesinde lebe mit der Herrschaft in häuslicher Gemeinschaft, was von den Schnittern nicht gesagt werden könnte. In der Revisionsschrift machte der Vernrtheilte vor dem Kammer- ge rich t geltend, der Begriff des Gesindes sei vom Vorderrichter verkannt worden. Das Gesinde brauche durchaus nicht im Hause der Herrschaft zu wohnen und mit derselben, bezw. im „Leutezimmer" zu essen. Der Staatsanwalt beantragte Zurück- Weisung der Revision, indem er betonte, daß die Schnitter ja vor allem nicht im Hause beschäftigt worden seien. Das Kammer- gericht wies denn auch am 30. Mai die Revision zurück. D i e Schnitter seien thatsächlich als ländliche Ar- beiter zu betrachte», also zur Versicherung bei der Kraukenkasse verpflichtet gewesen. Da sie nun nicht Alitglied der Kasse waren, hätte sie Lohbeck innerhalb dreier Tage bei derselben anmelden müssen. Oeffeutliche Volksversammlung zu Adlershof vom 25. 4. 95. Frau Greisenberg referirte über: DicFrau und der Sozialismus. In der Diskussion wurde den Aus- führunzen der Referentin zugestimmt und noch nähere Einzel« heilen beigebracht. Im„Verschiedenen" wurde über die Ge- meindewahl verhandelt. Die Graveure und Ziseleure in Friedrichshage« hatten zum Sonntag, den 26. Mai, eine öffentliche Versammlung ein- berufe», an der auch viele Berliner Kollegen theilnahmen. In einem packenden Referate legte Genosse Sillier den Nutzen der Organisation dar. Besonders betonte derselbe die Nothwendig- keil eines Zusammenschlusses mit den Berliner Kollege». Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine Dis« kussion, die mit der Annahme einer Resolution beendet wurde, durch die sich die Kollegen verpflichteten, der freien Vereinigung der Graveure, Ziseleure zc. Berlins und Umgegend beizutreten. Nach der Wahl eines Vertrauensmannes resp. Stellvertreters wurde auf die am Sonntag, den 9. Juni, nachmittags'/23 Uhr, stattfindende Besichtigung des Kunstgewerbemuseums, sowie aus die am II. Juni stattfindende Vereinsversammlung aufmerksam nn, incht. Zirka 20 Kollegen hatten ihren Beitritt in die Berliner Organisation erklärt. Der in Friedrichshagen vegetirende Hirsch- Tmicker'sche Gewerkverein der Metallarbeiter dürfte mit diesem Resultate freilich nicht zufrieden sein. Der sozialdemokratische Verein für Stralau. Rum mels bürg und Umgegend hielt am 29. Mai im Lokal des Herrn Vowinkel in Rummelsbtirg, Hauptstr. 83, � eine starkbcsuchte öffentliche Versammlung ab, in der Ee-n nosse Millarg in eingehendster Weise die Frage ventilirte: „Warum lehnt die hiesige Gemeindevertretung die Errichtung eines Gewerbe-Schiedsgerichts, sowie eines Arbeitsnachweises ab?" Die Gemeindeverlreter obengenannter Orrschaften waren zu dieser Versammlung eingeladen, jedoch jedenfalls in der Voraussetzung. daß es ihnen kaum gelingen würde, stichhaltige Gründe gegen die Errichtung eines Gewerbegerichts und Arbeitsnachweises ins Feld zu führen, zogen es die Herren vor, durch Abwesenheit zu glänzen.— Millarg verurtbeilte das Verhalten derjenigen Unternehmer, welche seiner- zeit auf Aufforderung des Landraths hin zu einer Konserenz, in der beide Theile— Arbeitnehmer und Arbeitgeber— gehört werden sollten, nur ihren Wünschen willfährige Arbeiter sandten, die unter dem Drucke der wirthschaitlichen Verhältnisse allerdings die Bedürfnißfrage verneinten. Uebrigens schreibe das Gesetz vor, daß beide Theile getrennt gehört werden sollen. Beschwerde an den Regierungspräsidenten war fruchtlos. Eine Interpellation an den Minister des Innern, abgesandt am 9. Januar 1892, wurde erst nach zwölf Monaten dahin beantwortet, da wegen der schwebenden Frage der Eingemeindung der Vororte in Berlin die Errichtung eines Gewerbegerichtes zur Zeit unangängig sei. Inzwischen seien ungefähr 2�/- Jahre verflossen, die Eingemeindungsfrage komme nicht vom Fleck, daher empfehle sich, nochmals bei den resp. Gemeindevertretungen Anträge zu stellen: falls sie sich allein finanziell zu schwach fühlen, entweder mittels eines Kommunalverbandes ein Gewerbe gericht ins Leben zu rufen oder aber dem Berliner Gewerbe gericht sich anzuschließen.(Beifall.)— Bezüglich des Arbeitsnachweises konnte der Referent mittheilcn daß hierüber weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer gehört wurden, sondern daß diese Angelegenheit nur in der Gemeinde vertreter-Sitzung behandelt wurde, die sich— ivas bei ihrer Zusammensetzung auf grund des Dreiklassen- Wahlsystems allerdings kein Wunder ist,— a u s finanziellen Grün den dagegen erklärte. Ungeachtet dessen sollte die Agitation dafür nicht erlahmen, bis ein Arbeitsnachweis errichtet werde nach Stuttgarter Muster.(Beifall.) In der Diskussion sprachen die Genossen Ritter, Prahmschiffer und Börner im Sinne des Referenten. Einstimmig erfolgte die Annahme einer Resolution, worin zunächst die Versammlung ihr Bedauern über das Nichterscheinen der Gemcindevertreter in der Versammlung aussprach, als Grund für die Ablehnung der Er richlung eines Gewerbegcrichts und Arbeitsnachweises nur deren Unkennlniß der einschlägigen Verhältnisse ersieht und schließlich den Vorstand des Vereins beauftragte, alle geeigneten Schritte zu unternehmen, um die Forderungen trotzdem zum Dnrchbruch zu bringen. Arbriteo-Kildlingofchul». Freilag, AbendZ von W—M Uhr: Lettüre 8�— icj; Uhv; Nord-Schule, Müllerstrabe l7ga: Geschichte lneueste). S üdo st-Schule, Waldemarstr. Ii; Teutsch sLiteratur.) Bei allen Unter richlSsächern werden neue Theilnehincr, Tarnen und Herren, jeder Zeit aust genommen. Arbeiter- Sängerbund Berti»« und Umgegend. Vorsitzender Ad. Neumann, Pasewalkerstraste 8.— Alle Aenderungen im Vereint lalender sind zu richten an Fried. Kortum, Manteusielsir. ig, v. 2 Tr. Freitag II ebunpSstundc Abends 8— n Uhr. Ausnahme von Mitgliedern. To l le g ia. Adalbertstr. 21 bei Noll.— Kaiser'scher Männerchor, Schönhauser Allee 28, bei Kelle.— Arbeiter-Gesangverein Nord, Kastanten- Allee II, bei Augustin.— Buch bin der-Männerchor. Holzmarttlir. 8, bei Deter.— Gesangver. Maiglöckchen I, Lindvwerstr. 28 b. Sachs.— II e m ü t h l i ch l eil. Neue Friedrichfiratze Nr. ii, bei Nöllig. Deutsche Liedertafel. Blumenstratze 88, bei Wiedeman».— Tnpographia, Gefangverei» Berliner Buchdrucker und Tchriftgiester, Arminhallen, Kommandanten- straste 20.— Gesangverein Lorbeerzweig, Swinemünderstraße 88 bei Hübner.— Gesangverein N Heingold, Gollnowstr. io bei Miegel.— Gelangverein Me lodia, Rixdorf, Bergsir. ii2 bei Schimläse.— Iris Naunvnstrnße 80 bei Fritz Zubeil.— Brandenburger Männer Gesa n gveretn in Brandenburg a. H., Mcngerts SUottsgarten Bergstraße.— Gesangverein Freya II(gemischter Chor), Rtxdorf. Hermannstr. lio, bei Tanlel Böttcher.— Freie Liedertafel. Gr. Franlsurteistr. 7i bei Breuer.— Nordwacht, Chaufseestr.72 bei Meißner. FreieSänger, Schmargendorf, Warnemünderstraße bei M. Schulze.- Arb eiler- Gesangverein Sänger kreis(Weißensse). Weißenburger straßs und Sedanstraßen-Ecks bei Brennert.— Loreley, Grün lhalerstraße i bei Hämmerling.— Lust ige S äng er, Potsdam, Bran� denburger Kommunilation l« bei Glaser.— Bieber'scher Männer ch or, Rosentbalcrsir. e? bei Wernau.— Geselligkeit, Hennigsdors. Vöbmcrl's Gastbaus.— O r a n k e, Weißensee, Königschaufsee ii bei Frense.- I ohann i, Rllbcrsdorferstr.«8, Gesellschaftshaus Ostend.— Sängerverein Sorgenfrei, Admiralstr. I8c, Märkischer Hof.— Sangessreund Dragonerstr. 82 bei Kamlvwsky.— Gesangverein Wacht aus I, Wörther straße is bei Schmidt.— Gesangverein S tra l a u e r Liedertafel RummelSburg, Hauplstr. 88 bei Vowinkel.— Gesangverein Treu und Einigkeit, Rixdors, Prinz Handjerysiraße Nr. 88 bei Reden.— Gesangverein Frohsinn, Runtmelsburg, Eöthcftraße, Ecke Kantstraße, bei Mertens.— Gesangverein der Metailarbeiter(Ost), Blumenstr. is. — M o r g e n r o l h 2, Charkoitenburg, Bismarckstr. 74 bei Krause.— Eintracht 8. Cberswaldc, Eisenbahnstr. 7? bei Dibal.— Liosenthaler Vorstadt, Bernauerstr. i7.— Hilaritas, Hochstraße 82a bei Wille.— F ro h- H o sf» NN g(Berlin �V.), Erunewaldstraßc 110 bei Keßner.— Brüderschaft, Alte Jakobstr. 87-88 bei Lamprccht.— Freihetts- g l o ck e n, Mörtherstraße bei Buchholz.— Rosalia, Blumenstr. le bei Tomatschcck. Kund der yesrUige» Arbeitervereine Berlins ,»»> zltitgegend Alle Zuschristen sind zu senden an P. G e n t, Adalberlstr. SS. Freitag Slatllub K a i r o, Abends 8 Uhr bei Flick, Simeonsir. 28.— Musilvcrein H o f f n u n g, Große Franlkurterftr. 188 bei Gold. Gesang-, Turn- und gesellig« Kerrinr. Freitag. Oiuarteltverein W e d d i n a, Abends 8s( Nhr, bei Schäfer, Neue Hachstrabe iv.— Gesang- verein Hil aria. Freilag, Abends 8� Uhr, Sitzung Blumenstr. io bei Tomascheck.— Ztlhcrklub ,.A l p e n g r u ß"(Dir. A. Wolkewttz), bei(£. Gomoll. Waldemarstr. 88, abends s Uhr.— Prival-Thealerverein Crescendo s Uhr, bei S chulz, Pmbuserstr. 88.— Bergnügungsverein Thusnelda, ' reiiag, aben ds 8,� Uhr, bei Zubeil, Lindenstraße los.— Musikverein losfnnng(O st) Freitags Abends von s— lt Uhr. Uebungsstunde Große Franlfurterstr. 188 bei Gold.— Tambourverein Fr ei-weg, Freitag lebungsstunde bei W. Raddatz, Elsasserstr. n. Berliner T u r n g e n o s I e n s ch a f t. Die erste Männerabth eilung turnt Freitag und Dienstag Abend von 8Zj— los( Uhr in der Turnhalle des Lesstng-Eyinnasiums Panlstr. 8—10.— Turnverein Gesundbrunnen die i. Männer-Abtheiiung turnt heute Abend von 8f(— lojj Uhr in der Turn- Halle des Lesstug-Slimnastums, Pankftr. 9— io.— Kraft- und Artisten- lln b Berolina jeden Dienstag und Freitag Uebungsstunde bei Krüßner, Waldemarstr. 42.— Turnverein Germania(Milalied des denlsche» Ar- beiter-Turnerbundes) lurnt Dienstags und Freitags Abends von eis— ioZj Uhr Acker str. 67.— Turnverein Fichte(Mitglied des Arbeiler-Turnerbundes Teutschlands.) Dle zweite Männer-Abtheilung lurnt jeden Dienstag und Freilag Abends von 8— io Uhr in der Skalitzerftr. 85/80.— Kraft-Turnverein H ossnu ng übt jeden Freitag Abend von o— n Uhr bei Schuhmacher, Pücklerstr. ig.— Ziiherllub Waldrose, Abends s Uhr, Manteuffel- straße so, Parterre- Restaurant.— Verein Grüne Tanne, Abends 8 Uhr, bei Kaiser, Martusstraße 8.— Bergnügungsverein Im Brand, Sitzung jeden Freilag Abend 9 Uhr bei Feind, Weinsir. II.— Gesangverein der Bauanschläger Berlins. Jeden Freitag, abends 9 Uhr bei I. Wernau, Rosenlhalerstr, 87.— Zilherklub„Alpen grüß"(Dirigent A. Woikewitz.) 9 Uhr bei C. Gomoll, Waldemarstr. 88. S ka I llu b Schnitt, AbeudS 9 Uhr, bei Trittclwitz, Falkensteinstr. 7. — Tanzlehrer-Berei» Solidarität, im Restaur. Grauer, Orantenstr. 121. l!.i»i:Il8te i«,ii\ ,-rMtl iimiil 4 I Iii,« I«,. Meeting every Friday at 9 p. m. at lieherns Restaurant, Königstr. 62. LecUirer Mr. J. Bloch. Guests are welcome. Club l'iicle«nm. 9 o'clock p. m. Munzslr. 17. Washinglon's brthday celebration. Guesls welcome. In Tauzig entstand am Mittwoch Abend auf der Speicher- insel in der Nähe des Bahnhofs am Legethor ein Speicherbrand, wobei ein mit Getreide gefüllter Speicher niedergebrannt ist und ein zweiter mit Einsturz droht. Infolge des aus der Speicherinsel ausgekommenen Feuers nid zwei Speicher eingestürzl; der dritte wurde vollständig erhalten. Ein Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen; das Feuer glimmt, wie der Berickl vom Donnerstag be- "agt, noch, die Dampfspritze ist noch in Thätigkeit. Eine heitere Stilblüthe leistet sich der„Leipziger Dorf- anzeiger" in seinem Bericht über die Wallfahrt der Leipziger Männlein und Weiblein nach Friedrichsruh. Der von ihm dorthin mit enlsandte Berichlerstaller schreibt in seiner „patriotischen" Verzückung:„Männer der verschiedensten Berufs- arten sind mit einer großen Schaar Leipziger Frauen zusammen gekommen, und es ist zu wünsche», daß diese gemeinsame Fahrt nicht ohne Folgen bleibt." Der„Dorfanzeiger" scheint sich um den Nachwuchs an Bisniarckanbelern rechte Sorge zu inachen. Der bekannte englische General Sir John Adye ver- öffenilichte unlängst seine Lcbenserinnerungen, denen wir folgende köstliche Geschichte entnehmen: Eines Tages sprach bei ihm ein Hauptmann vor und ersuchte den General, zu bestätigen, daß er och lebe, damit er seine Pension ausbezahlt bekäme. Ter General fertigte gerne folgendes Schriftstück aus: Heute besuchte mich Hauptmann A. L., und ich hatte daher Gelegenheit, mich zu überzeugen, daß er lebendig ist. London, 3. August. Sir John Adye." Den nächsten Tag aber sprach der Hauptmann wieder vor.„Nun, was führt Sie her," fragte der General,„haben Sie Ihr Geld erhalten?"„Jawohl, Sir," entgegnete der Haupt- mann,„aber nur für diesen Monat, denn für den vergangenen konnte ich keinen schriftlichen Beweis erbringen, daß ich noch am Leben war." Wiederum eine Schiffskatastrophe. Ans New-Uork liegt vom 29. d. M. folgende Meldung vor: Die Pacific-Mail- Company erhielt die Meldung, daß der Dampfer„Colima" an der Küste von Mexiko gescheitert ist. Es befanden sich 192 Per- sonen an Bord: 40 Kajütpaffagiere, 37 Zwischendeckpassagiere, 43 Chinesen und 72 Mann Besatzung; nur 19 Personen wurden gerettet. Das Unglück ereignete sich am 27. d. M. zwischen Manzanilla und Acapulco. Ueber die Katastrophe liegt aus San Francisko vom Donnerstag folgende Nachricht vor: Hansen, der Komniandant des Bootes mit den Ueberlebenden von der„Colima" sagt aus, er glaube, der Kessel sei am Montag Nacht um II Uhr 15 Minuten geborsten, als das Schiff fünfzig Meilen von Manzanillo entfernt war. Das Schiff sank sehr schnell und es entstand eine wilde Panik. Hansen glaubt, daß nur das von ihm befehligte Boot wohlbehalten zu Waffer gelangte. Die hiesigen Bureaus der Paeific-Mail- Company werden von den Angehörigen der Passagiere der„Colima" belagert. Unter den 18 geretteten Personen des„Don Pedro" befindet sich, wie aus Paris gemeldet wird, ein Deutscher, namens Deutsch. Eingelaufene Druckschriften. Der Soiialdemolivat, Zentral-Wocheudlalt der sozialdemokratischsn Parlet Teittschlands(Expedttton in Berit» SIV., Beuthstraße 3). Nr. 22 vom so. Mai bat folgenden Inhalt: Wochenschau.— Der Zuckerprämien-Skandal.— Einiges über die russischen Studentenunruhen. — Aus dein Reichstag.— Vom Berliner Kunst-Jahrmarkt.— Partei- Nachrichten.— Wie man unS behandelt.— Todtcnlifte.— Vermischtes.— Die groben amerikanischen Streils deS Vorjahres.— HastsindusirielleS aus Westsalen.— Aus der Schweiz.— Aus England: Der Liberalismus, die Arbeiterparteien und die Gewerkschaften.— Gewerlschastliches.) Von der.dienen Z»it"(Stnltgart, I. H. W. Dietz' Verlag) ist soeben daS 88. Hefl des 18. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Ein junlerlich-pfässtsches Idyll.— Die revolutionären Kräfte Rußlands einst und jetzt. Von P. 9lrelrod.— Die Arbeiterbewegung in den Ver- einigten Staaten, 1886-1892. Von F. A. Sorge.(Fortsetzung.)— Fuchs- Mühl. Ein Epilog von Adolf Müller.— Notizen:„Und aus Steinen ivard Brot." Von Heinrich Vogel. Zum Anwachsen der Zahl der Ehescheidungen in Deutschland. Feuilleton: Germinie Lacerleux. Von Edmond und Jules de Goncourt. Einzig autorisirte Uebersctzung von Emma Adler.(Fort- setzung.) Von der Gleitsisteit, Zeitschrift sür die Interessen der Arbefterinnen(Stitt- gart, I. H. W. Dietz' Verlag) ist uns soeben die Nr. U des 8. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Des Unisturzrummels Glück und Ende.— Dle Matseier. Umsturz aller Orten! — Das Vereins- und Versammlungsrecht vor dem Reichstage.— üus primae noctis im letzte» Viertel des XIX. Jahrhunderls in Preußen.— Feuilleton: Eine allUigliche Geschichte. Von ffi. Lüders. Herausforderung (Gedicht.)— Arbettertnnen-Bewegung.— Kleine Rachrichten. Die„Gleichheit" erscheint alle Ii Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen(eingetragen in der Retchspost-Zettunasliste sür 1895 unter Nr. 2786) deträgt der Abonnementspreis vierteljährltch ohne Bestell- geld so Pf.; unter Kreuzband 85 Pf. Jnseratenprets die zwetgespallelli> Petitzeile 20 Ps. Sprechfaal; Die Medaillon stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit der Räum dafür abzugeben ist, dem Vublilum zur Besprechung von Anaelegenhetten allgemeinc.i Interesses zur Verfügung; sie wahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit drm Inhalt desselben identtsizirt zu werden. Zur freien A r z t iv a h l. Als vor cn. drei Jahren in Berlin die Agitation von Kassen- Mitglieder» für Einfuhrung der freien Arztwahl begann, wurde im Gewerkskrankenverein vom Syndikus und von vielen Mit- gliedern desselben eifrig gegen die freie Arztwahl losgezogen. Großartige Rechenexempel mußten damals beweisen, daß die Kassen, welche die freie Arztwahl einzuführen gedachten, durch dieselbe finanziell zu gründe gerichtet würden. Was ist nun von den damaligen Behauptungen gegen die freie Arztwahl er- wiesen? Nichts, rein gar nichts! Denn daß einzelne Kassen mit freier Arztwahl Unterbilanz hatten, ist nicht nur diesen, sondern auch vielen Kassen ohne freie Arztwahl passirt; und nicht zum mindeste» denjenigen Krankenkassen, an welchen die heftigsten Gegner der freien Arztwahl als Aerzte beschäftigt werden. Der Kampf gegen die freie Arztwahl geht überhaupt meist von Leuten aus, die ein Interesse daran haben, dem Arbeiter das geringe Selbstbestimmungsrecht, das ihm Staat und Be- Hörden noch in dieser Sache gelassen haben, zu beschränken, wie ja auch alle Maßnahmen der Behörden gegen die Selbständig- keit der Vorstände und der Kassen von diesen selben Leuten gm- geheißen werden. Die freie Arztwahl mag Fehler und Mängel besitzen — welche Sache wäre wohl fehlerfrei— aber die Fehler, die das Zwangsarzt-System hat, haben die meisten Kassenmitglicder selbst kennen gelernt.-- Aus Prinzip geht man deshalb gegen die freie Arztwahl vor. Ist es nicht auch lindisch, wenn die Gegner der freien Arzt- wähl erklären:„Ihr habt ja mit Euren 900 Aerzten gar keine freie Arztwahl, denn es giebt ja 1500 Aerzte in Berlin" u. f. w. — Freilich giebt es mehr Aerzte in Berlin, als wie den Kasse» mit freier Arztwahl zur Verfügung stehen, aber die Gegner der freien Arztwahl verschweigen dabei absichtlich, daß man dem Prinzip der freien Arztwahl weit näher bei 940 Aerzten, als bei den 250 des Vereins der Berliner Kassen- ärzte oder den 160 Aerzten des Gcwcrkskranken-Vereins ist. Wenn den Herren Aerzten vom Verein der Berliner Kassen- ärzte wirklich das finanzielle Wohl der Kassen so am Herze» lag, wie sie es als Gegner der freien Arztwahl jedem, der es hören will, erzählen, warum haben sie denn bei denjenigen Kasse», die ihnen zwangsweise durch die Gewerbedeputalion über- wiesen wurden, nicht das Arzthonorar pro Jahr und Kopf von 3 M. erniedrigt?— Sie nehmen ruhig trotz„des Ruins der Kassen" ebenfalls 3 M.— Daß die Leistungen einer großen Zahl Kaffen sich vermindert haben, ist klar, aber eS giebt auch bier Demagogen, die nicht mit den wahren Gründen herausrücken. sonder» für ihre Zwecke sich Gründe zurechlschmieden. Betrachten wir als Kaffenmitglieder die Ursachen der Agitation gegen die freie Arztwahl, so müssen wir von von- herein zu der Erkenntniß kommen, daß hier den Versicherlen eine Errungenschaft eskamotirt werden soll. Pfiffen doch seinerzeit die Spatzen von den Dächern, daß im Gewerks-Krankenverein die Losung ausgegeben sei, daß die ürzt- lichen Gegner der freie» Arztwahl in den Verein der frei- gewählten Kassenärzte eintreten sollten, um dort— nicht zu ver- bessern, sondern zu verbüsern und zu diskreditircn. Außerdem wird die ganze Agitation gegen die freie Arztwahl sür diejenigen, welche jchen und hören können, schon dadurch verdächtig, weil die Behörde diese Sigitation anscheinend unterstützt.(Auf- oktroyirung der Aerzte des Vereins der Berliner Kassenärzte bei der Slriimpswirkerkasse u. s. w.)— Wie man erfährt, verhandelt jetzt sogar der Vorstand der Versicherungsanstalt Berlin mit dem Verein der Berliner Kassenärzte darüber, daß diese Herren Aerzte allein nur Atteste sür Renten- Empfänger ausstellen sollen, wofür sie pro Attest 3 M. Honorar von der Versicherungsanstalt erhalte»; während, wenn der Rentenempfänger sich ein Attest bei einem andern, nicht zum Verein der Berliner Kassenärzte gehörenden Arzte ausstellen läßt, er das Attest ans seinen eigene» Mitteln bezahlen muß. Das sind so kleine offizielle Unterstützungen des Vereins Berliner Kassenärzte. Also die Augen auf, Ihr Arbeiter der Kassen, bei welchen die freie Arztwahl eingeführt ist; die Augen auf, Jbr Arbeiter der übrigen Kaffen, damit man Euch nicht das geringe Selbslbestimmm' gerecht raubt; die Kassen sind der Mitglieder wegen und nicht die Mitglieder der Kassen wegen da. Hermann F a b e r. Vviefksyvtt vrv Nedskkion. Montag, Dienstag, Don nerstng und Freitag wird von 7 bis S Uhr abends Auskunft und Rath in Rechtsangelegenheiten ertheilt. I. G. KS. Geheimer Ober-Justizrath Dr. Starke, Wilhelm- firaße 19. W. Schw. Schwartze, Katechismus der Dampfkessel. K. F. und andere. Sind die Hausgewerbe- treibenden der Textilindustrie v e r si ch e r u n g s- p f l i ch t i g? Seit dem 2. Juli 1894 sind infolge Beschlusses des Bundesraths vom 1. März 1894 diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden(Hansindustrielle) versicherungspflichtig, welche in eigenen Betriebsstätten im Austrage und für Rech- nung anderer Gewerbetreibender mit Weberei und Wirkerei beschäftigt werden. Diese Versicherungspflicht besteht auch dann, wenn diese Hausgewerbetreibenden die Roh- oder Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher sie vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten. Zur Wirkerei gehört auch die Maschinen- strickerei. Die Vcrsicherungspflicht erstreckt sich auch auf die zur Herstellung der Gewebe und Wirkivaaren erforderlichen Neben- arbeiten, wie Spulerei, Treiberei, Scheererei, u. dergl., ferner auf Schlichterei die weitere Be- und Verarbeitung(wie Appretirung und Konfektion) der Gewebe und Wirkivaaren, soweit diese Arbeiten in den Betriebsstätten der Hausweber oder Hausivirker nebenher ausgeführt werden. Versicherungspflichtig sind jedoch nicht 1. Personen, welche das Geschäft in der Regel für eigene Rech- »ung betreiben und nur gelegentlich von anderen Gewerbe- treibenden für deren Rechnung beschäftigt werden; 2. auf Per- sonen, welche in dem Betriebe des Hausgewerbes nur gelegent- lich oder zwar in regelmäßiger Wiederkehr, aber nur neben- her und in so geringem Umfange thälig sind, daß der hieraus erzielle Verdienst zum Lebens- unterhalt nicht ausreicht und zu den Versicherungsbeiträgen nicht im entsprechenden Verbältniß steht, 3. auf Personen, welche in einem anderen, die Versicherungspflicht begründenden, regel- mäßigen Arbeits- oder Tiensiverhältniß zu bestimmten Arbeitgebern stehen und ohne dies Verhältniß zu unterbrechen, das Hausgewerbe nur nebenher, sei es regelmäßig, sei es nur gelegentlich betreiben. — M. M. HO. Geschenke kann man innerhalb 6 Monaten nach deren Hingabe durch einen vom Gerichtsvollzieher zuzu- stellenden Widerruf zurückfordern. Geschenke von der früheren Braut zurückzufordern, ist im allgemeinen ruppig und hat häufig aus verschiedenen bier nicht darzulegenden Gründen keinen Erfolg.— Langjähriges Abonnent. Nein. >01. Kann jemand gezwungen werden, eine V o r in u n d s ch a f t z u übernehmen? Ja. Jeder Preuße, der nicht gesetzlich zur llebernahme einer Vormundschaft unfähig oder zur Ablehnung berechtigt ist, muß die Vormundschaft, zu welcher er berufen ist, übernehmen. Der Zwang besteht in Ordnungsstrafen, die das Vormundschaslsgericht bis zum Betrage von je 399 Mark festsetzen kann. Die Strafen dürfen in Zwischenräumen von mindestens einer Woche verhängt werden. Ist dreimal eine Strafe erfolglos verhängt, so muß ein anderer Vormund bestellt werden. Eine Umwandlung der nicht beizutreibenden Geldstrafe in Haft ist unzulässig. — G. P. Wiesenstraste. Leider besteht das Recht. Nach§49 des Jnvaliditätsgesetzes kann die Rente für Forderungen der ersatzberechtigten Gemeinden oder Armenverbände gepfändet werden.— B. W. S. Der Vater haftet nur für den Schaden, den sein noch nicht sieben Jahre altes Kind angerichtet hat, nicht aber für den von semem älteren Kinde angerichteten Schaden. — Lehmann. Wir können ein Urtheil über die Güte der ver- schiedenen Schreibmaschinen nicht abgeben.— W. L. Zum Schulbesuch sind die männlichen Lehrlinge und gewerblichen Arbeiter durch das auf grund des ß 129 der Eewerbe-Ordnung erlassene Statut der dortigen Gemeinde giltig verpflichtet, falls das Statut ordnungsmäßig publizirt ist. — H. Nixdorf. Die Höhe des Lohnes der Aufwartefrau hängt im Streitsall vom Gutachten des Sachverständigen ab, falls keine besondere Vereinbarung über die Lohnhöhe getroffen war. Welches Gutachte» der Sachverständige im vorliegenden Fall ab- geben würde, läßt sich nicht voraussehen.— G S. Leider wird ein Unfall, der auf dem Wege zur Arbeit außerhalb der Arbeitsstätte passirr, nicht als versicherter Unfall erachtet. DviefkaKen der Expedikion» Advokatenfreisinniger in Alsfeld. Es gehen mit 5 Pf. Porto die zwei gewünschten Exemplare des„Vorwärts", wofür 8,79 M. einzusenden sind. Für deuJuhalt der Inserate über- nimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung Theater. Freitag, den 31. Mai. Gprruhaus. Don Juan. Schauspielhans. Der Revisor. Deutsches Theater. Zwei Wittwer. Der eingebildete Kranke. Kerliner Theater. Miuna von Barn- Helm. Lesstng-Theater. Die Schmetterlings- schlacht. Ueue» Theater. Tata-Toto. Kchiller• Theater. Die Neuvermählten. Ein Diener zweier Herren. Kestdeuz-Theatrr. Fernaud's Ehe- kontrakt. Friedrich- Milhelmstädt. Theater. Der Obersteiger. Theater Unter Sei» Linden. Der Zigeunerbaron. Central-Theater. Figaro bei Hof. Ateranderplat»- Ttirater. Ein kleines Mißverständniß. Ein Modell. Fernaud's Ehekontrakt. Alle fünf Barrison. National»Theater. Napoleon und seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Deutsche» Uolks- Theater. Der Verschwender. Apollo» Theater. Ein Abenteuer im Harem. Da Pnee(Der Floh). Sehiller-Theater. (Wailnep> Theater.) Freitag, abends 8 Uhr: Zum 1. Mal: Die Ueuvermählten.— Gin Diener zweier Herren. Konnabrnd. abends 8 Uhr: Die Uenvermähite».— Gin Diener zweier Herren. Konntag, nachm. 3 Uhr: Ultimo. Abends 8 Uhr: Die zärtlichen Der' wandten.— Gin Ktrafrapport. National-Theater. Große Frankfurterstraße 132. Direktion: Max Samst. Zum 3. Male: Kiplull Bit Ii seine Frauen oder Eine kaiserliche Ehescheidung. Großes Sensations- Ausstattungsstück mit Melodramen u. Ballet in b Akten v. V. 6. Wills u. Crace Hans Thorne. Die neuen Dekorationen sind aus dem Atelier von Hensel, die neuen Kostüme von der Firma Paul Hildebraudt. Anfang 7>/e Uhr. Uatfonaltheatar-Gartoa i Konzert u. Spezialitaten-Vorstellu n g. Kassenöffnung 5 Uhr. Anfang 6 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. KaufmaniTs Variete Rönigstr., Kolonnaden. (bei ungünstigem Wetter im Theatersaal). Am 1.» S u. 3. pftugsttag: Hnnioristischer Abend der Dlieumsnn» Bliemchen's � Leipziger Sauger. Kenmann, Wilh. Wolff, Eorvdtb, Gipner, Lemke, Feldow und Ledermanu. Anf.'/-SUhr.Eintr.S0 Pf. Neu! Der Neu! Flohs (La Puce.) Poffe von Wilh. Wolff. �Et is zum piepen!� ltentral-l'kkatkr Alte Iakobstraße|tv. 30 Novität! Zum 38. Male: Novität! Unter artistischer Leitung des Herrn Adelt Bralil von« königl. Gärtnerplatz- Theater in München: k'igspo bei Hof. (Uorroro.) Operette in 3 Akten(nach Beaumarchais' Memoiren) von Bobrmann-Riegen. Musik von Alfred Müller-Norden. Anfang: V/2 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Concert-Park 25/26 Chausseestraße 25/26. Artist. Direktor: R. Qu arg. An den 3 Feiertagen: U-Barßellungtn. Am t. nnd S. Feiertag: Frnh-Varsiellungen IKElite-Nniumern Theater und Concert. Spezialitäten I. Ranges. Feenhafte Illumination. Ans. d. Concerts 5 Uhr i Entree „ Vorstell. 6„> 30 Pf. VoEksf|aB*ten (ehem. Weimann's Walksgarten) Gesundbrunnen. Kadftr. 56. Direktion: Max Samst. An allen drei Ustngstfciertage»: Grosses Concert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Um 7V2 Uhr: Lumpazivagabundus oder: Das lüderliche Kleeblatt. Anfang 5 Uhr. Entree 39 Pf., resermrter Platz 59 Pf. Am t. und 3. Ufingstfelertag, morgens 5 Uhr: Grosses krüli-Concert. Entrce 25 Pf. Vorträge des Gesangvereins„Schild- horn" am Sonntag früh und des Gesangvereins„Deutsche Linde" am _ Montag früh._ Victoria-Brauerei Fiibowllrasze 111—113. Garten resp. Saal. Xn allen 3 Pflngstfeiertagen: Sleltiner ngei« (Mcysel, Pietro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Sohrador.) Anfang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Jede» Abend neues Programm! Am 3. und 3. Feiertag nach der Soiree: Tanzkranzchen. __ Von Usingsten an finden die" Soireen der Htettiner Sänger wieder täglich(außer Sonnabends) in der Viktoria-Kranerei statt. kLsekshsllsn. Im prachtvollen Garten (bei ungünstiger Witterung im Saal)� Täglich: HiiillöriKlsche Soiree nUl U y, Cöiiplet-Sängar »offmann, Wolff, Führmann, Walde, Horst, Betz u. Frische. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Reservirter Platz 59 Pf. Sonntags: Ansang 7 Uhr. 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Station Zoologischer Garten. Geöffnet von 5 Uhr früh bis 12 Uhr nachts. SV" Während der Ufingltfeiertage:"9� Täglich früh 5 Uhr: Grosses lAanstre- FrUhconcert, ausgeführt von sämmtlichen 22 Kapellen, bis 12 Uhr mittags. Entrce 39 Pf., Kinder unter 19 Jahren frei. Mittags 12—2 Chr: Grosse symphonische Matinee-Concerte unter pers. Leitung des Maestro Cavaliero Gialdo Gialdini. Nachmittags 4 Uhr: Promenaden-Concert, ausgeführt von der Kapelle der Fotsdamer Garde Eusareu unter Leitung ihres Kapell- meisters, des Stabstrompeters Herrn Hamm, sowie der ttaiienischen Bersaglieri-Kapelle. Dirigent: Maestro Giacomo Gatll. Nachmittags 6 Dhr; gM" Das Friihlingsfest in Italien.-WE Beginn der Massen-Concerte von 22 Kapellen, grossartige Monstre- Anfftihrnngeu, teairo americauo mit dem nrkomischen Bendiz, Neapolitanische Perlenfischerei, großer Gondel-Korso, Tauchervorstellung, Kinetoskop, Auftreten der Miß Astaste, des„Sterns von Chicago" (Zranck aUraction) u. f. w. Tagsüber: Besichtigung der italienischen Indnstrie-Anssfellnng und Massen-Fabrikation italienischer Kunstprodnkte, it. a. Vorsührung der ital. Seidenspinnerei, Glasbläserei, florentinischer Strohflechterei, Mosaikfabrikation n. s. w. Gntre« 50 Uf., Kinder unter 19 Jahren 39 Pf. Schweizer-Garten Am Königsthor. Haltestelle der Pferdebahu.— Am Friedrichshain. BtZiiiil der Hailptsliisoll m de» Pfingstfeiertagen. Auftreten der neuen Spezialitäten (Gebr. Greiz, Tanzduettisten. Freres Derieur, Akrobaten-Exentrics. Mila Aermance, Bravoursängerin. Two Forlay«, Chinesen-Exentrics. Grschw. Dauoni, Gesangsduettisten. Mon» u. Kobb, muflk. Clowns. Willy u. Adda, Kugellaus- Eqnilibr. Gebr. Maito», Parterre- gymnastiker. Mar Zerner. Gesangskomiker. Münch, Uliige, Wnttüe, sächs. Komiker-Trio. Lebende Kilver der Gesellsch. Uenaud(8 Personen). Theater-Vorstellung des 16 Pers. stark. Theater-Ens. Volksbel. u. Kall. Arn I. und 2. Feiertag s Früh- Concert, Vorstellung u. Früh-Tanz. Verein der Former. Am 28. d. Mts. verstarb einer unserer alten Veteranen, der Former Lelusndl Alte, im 64. Lebensjahre. 14186 Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Juni, nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Schlesischeftr. 33, aus nach dem St. Emmaus- Kirchhos statt. Um rege Bei Heiligung bittet Der Vorstand. I. A.: A l b. M e w e s. Achtung! Ächtung 1 Schuhmacher! Den Kollegen hierdurch zur Nachricht, daß am 2. Pfingstfeiertage eine WM" Partie"MU des Vereins deutscher Schuhmacher nach den Rüdersdorfer Kalkbergen statt- findet.— Treffpunkt früh 6>/2 Uhr am Schlesischcn Bahnhofe, EckeMadaistraße. 225/12 Gas Komitee. Vom 1. Juni ab praktizire ich in Treptow, Baumschulenstr. 88, im Hause des Herr» Restaur. Bischoff. Sprechst. v. HVa— IVe u. 6V2— 7V2, Sonntags v.l9>/2— 12. Teleph.-Anschl. Dr.vomke. Weih-». BgirW-Bier-LM mit geräumigem Vereins simmer, be- sonders bei Beerdigungen zum Auf- enthalt für größere Gesellschaften. Für gute Speisen n. Getränke ist stets gesorgt. 24621-" J. 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Der Zustand Ses Vikars besserte sich jedoch nicht er bat deshalb nach Verlauf von drei Monaten, ihm zu ge- statten, die Anstalt zu verlassen und einen eigenen Haushalt gründen zu dürfen. Erzbischof Dr. Krementz verfugte jedoch, daß Vikar Rheindors sich in das hiesige Alexianerkloster„Mariaberg" zu begeben habe. In dem betreffenden Schreiben des Erz bischofs hieß es:„Gehen Sie mit Zuversicht nach Mariaberg dort werden Sie«ine so vorzügliche Pflege und Aufwartung erhalten, wie sie Ihnen in dem koslspieligsten eigenen Haushalte nicht gewährt werden kann." Das Kloster Marinberg ist nämlich eine Anstalt für Geisteskranke und Epileptiker. Vikar Rhein- darf will nun in dieser Anstalt sehr inhuman behandelt worden sein. Wie er behauptet, war ihm jeder Verkehr mit der Außew weit r er sch losten, er durfte weder mit seinen Verwandten kor respondiren, noch irgend welche Besuche, auch nicht solche von ihm befreundeten Aachener Geistlichen empfangen, mußte Messe lesen, Andacht halten und bekam schlecht zu essen und zu trinken Rheindors schrieb nun an den Erzbischof, daß es ihm in Maria berg sehr gut gefalle, die Klosterbrüder ließen ihm die beste Br Handlung zu theil werde», er bitte jedoch, behufs Regelung eines Rechtsverhältnisses.. ihm einen Tag Urlaub zu gewähren. Ter Erzbischof willfahrte diesem Gesuche; Rheindorf hatte jedoch dies Schreiben nur an den Erzbischof gerichtet, un> durch List aus dem Kloster zu entkommen. Er begab sich zu einem Freunde nach Iserlohn. Von letzterem wurde er einem srühere» Rechtskonsulenten und Schriftsteller, namens Mellage zugeführt. Dieser war bemüht, die vollständige Freilassung des Vikars ans „Mariaberg" bei dem Erzbischof zu bewirken. Die Be- mülumgen Mellages hatten auch schließlich den Erfolg, daß der Vikar auf Versügung des Erzbischofs in dem Marienhospital zu Ralhingen bei Düsseldorf Ausnahme fand und jetzt wieder als Geistlicher in Köln fungirt. Vikar Rheindors soll nun dem Mellage mitgetheilt haben, daß die Kranken in dem Alexianer- kloster„Mariaberg" seitens der Klosterbrüder in der brutalste» Weise mißhandelt werden und ganz besonders, daß sich in diesem Kloster schon seit mehreren Jahren ein scholtischer Geistlicher, namens Fordes(katholischer Kaplan), befinde. Dieser sei von seinem Bischof nach„Mariaberg" gesandt worden, weil er in feinen Predigten sich sehr frei geäußert und ganz besonders die Gleichberechtigung zwischen Reich und Ann stets betont habe. Fordes sei allerdings von den Anstaltsärzten und auch von dem Aachener Kreisphysikus, Geh. Sanitätsralh Dr. Kribben für geistesgestört erklärt worden, jeder Laie könne aber sofort er- kennen, daß Fordes vollständig geistig intakt sei. Der beste Beweis hierfür sei, daß Fordes die Messe lese und Andachten abhalte. Dem Mr. Fordes sei nun ebenfalls jeder Verkehr mit der Außenwelt vollständig abgeschnitten, er werde in einer mit eisernen Gittern versehenen Zelle gefangen gehalten, bekomme sehr schlecht zu essen und zu trinken, und da er sich gegen die allzu brutale Behandlung der Klosterbrüder verwahrt und seine Freilassung verlangt habe, so werde er noch obendrein in der furchtbarsten Weise mißhandelt. Er werde gefesselt>md in der empörendsten Weise geschlagen u. s. w. Der Schotte sei umsomehr zu bedauern, da er hier im fremde» Lande und der deutschen Sprache nicht mächtig sei. Mellage wandte sich aus Anlaß dieser Mitlheilung an die Slaatsanwallschast zu Aachen. Von dieser wurde ihm jedoch bedeutet, daß er, wenn er die Freilassung des Fordes bewirken wolle, sich an die Polizei wenden müsse." Ter I i sige stellvertretende Polizeipräsident, Regierungs-Assessor von Gostkowsky sagte auch dem Mellage, nach anfänglicher Weigerung, imNothsalle polizeiliche Hilfe zu. Mellage, der zunächst allein den vergeblichen Versuch machte, den Kaplan F. aus dem 51Iosler zu be- .freien, begab sich am 30. Mai 1834 in Begleitung des Polizei- koniinissars Lohe und des Hoteliers Ohse in das Kloster. Letzterer ist der englischen Sprache mächtig und sungirte deshalb bei diesem Besuch als Dolmetscher. Nach längerer Verhandlung mit den Vorstehern des Klosters ließen sich diese herbei, Mr. Fordes in das Sprechzimmer zu rufen. Nach geschehener llmerredung fuhren die genannten drei Nersonen zum hiesigen Ersten Staats ariwalt, der sie an den oezernirendcn Staatsanwalt verwies. Letzterer erließ eine Verfügung an das königliche Polizeipräsidium, welche besagte, daß mit möglichster Beschleunigung, nnter Hinzuziehung eines Polizei-Arztes, eine llntersuchung des Geistes- znstandes des Mr. Fordes vorgenommen werden solle. Ohne Verzug wurde Mr. Fordes aus dem Kloster geholt, aufs Polizei- Präsidium geführt und hier von dem bereits erwähnten Kreis- phrjsikus. Geh. Sanitätsraths Dr. Kribben, mit Hilfe des Dol- metschers Ohse ein genaues Verhör mit ihm angestellt. Auf grnnd desselben erklärte der Kreisphysikus Mr. Fordes für geistig gesund und bescheinigte,„daß ärztlicherseits der Cnt- lassung des Herrn A. Fordes aus der Anstalt.Mariaburg" kein Bedenken im Wegestehe.— Dieser Vorgang erregte begreiflicher- weise überall das größte Aufsehen. Mellage nahm Mr. Fordes nach Iserlohn. Von der Aachener Staatsanwallschaft war ihm aufgegeben worden, dafür zu sorgen, daß Fordes vor dem gerichtlichen Austrag der Angelegenheit Deutschland nicht verlasse. Die Staatsanwaltschaft leitete nun gegen die Vorsteher des Alexianerklosters Mariaberg ein Strafverfahren wegen wider- rechtlicher Freiheitsberaubung ein. Allein nach einiger Zeit wurde auf Beschluß der Stnatsanivallschast dies Verfahren wieder eingestellt. Inzwischen bemächtigte sich die Presse dieser An- oelegenheit. In dem«Iserlohner Kreisanzeiger" und anderen Blättern erschienen, zum theil aus der Feder Mellage's heftige Angriffe auf die Brüder des Alexianerklosters, die von den Zentrumsblättern nicht unbeantwortet blieben. Im September 1834 erschien im Verlage von Hermann Risel u. Ko. in Hagen, Westfalen, eine Broschüre, die Mellage zun, Verfasser halte. Die- selbe führte den Titel:„39 Monate bei gesundem Geiste als irr- sinnig eingekerkert! Erlebnisse des katholischem Geistlichen Mr. Fordes aus Schottland im Alexianerkloster Mariaberg in Aachen während der Zeit vom 13. Februar 1891 bis 30. Mai 1334." In dieser Broschüre werde» die mitgetheillen Vorgänge in eingehendster Weise geschildert und geradezu haarsträubende Tinge über die Behandlung des Mr. Fordes und anderer Kranke» im Alexiancr- kloster mitgetheilt. Es wird in der Broschüre behauptet, daß das Kloster ein Kerker für renitente Geistliche sei, daß Mr. Fordes einmal auf Befehl seines Bischofs, aber auch deshalb festgehalten wurde, weil für ihn eine hohe Pension bezahlt worden sei und weil er die geistliche» Amlshandliingen unentgeltlich verrichten mußte, sodaß die Anstalt eines Anstaltsgeistlichen entbehren konnte. Im weiteren wird mitgetheilt, daß Fordes in dem Kloster wegen Renitenz„nach allen Regeln der Kunst verhauen". mit Stricken im Bette festgebunden und drei Tage und drei Nächte, bis aufs Hemd entkleidet, in eine Zelle gesperrt wurde. in der sich die Geistesgestörlen selbst beschmutzten. Es wird ferner in der Broschüre die Behauptung ausgesteltt. daß in der Anstalt die Kranken bei der geringsten Renitenz mit einem Schlüsselbund geschlagen, über den Fußboden geschleift, gestoßen, mit den tllßen getreten, am Halse gewürgt, in die erwähnte„schmutzige tation" oder auch in einem Douche-Raum geführt werden, wo sie kopfüber in das Wasser gesteckt werden, sodaß die Gefahr des Ertrinkens nahe liege u. s. w. Außerdem wird in der Broschüre noch behauptet, daß weiterhin Kranke gefesselt, schlechte, ekelerregende Speisen er- halten, daß Kranken Geld unterschlagen werde, daß An- gehörige der in der Anstalt Verstorbenen erst nach der Beerdigung von dem Ableben Kenntniß erhalten, daß die Anstaltsärzte vollständig nnter dem Ejnfluß der Brüder stehen und sich um die Kranken fast gar nicht bekümmern, daß der dirigwende Anstaltsarzt, Sanitätsrath Dr. Capellmann, Ritter des päpstlichen Gregoriusordens, den Irrsinn als eine Art „Teufelsbesessenheil" erklärt habe, die hauptsächlich durch Gebete und durch religiöse Behandlung der Kranken und durch Umgang mit den frommen Brüdern beseitigt werden könne, daß die An- staltsvorsteher von dem Stattfinden einer weltlichen Revision stets mindestens zwei Tage vorher unterrichtet waren. Dies werde durch Uebersendung von Wurst, Gemüse u. s. w. an Subaltern- beamte der Regierung bewirkt. Aus Anlaß des Erscheinens dieser Broschüre stellte die Staatsanwaltschaft über die in derselben ent- halteaen Behauptungen Ermittelungen an, die jedoch keine Unter- läge zu einem Strafverfahren ergaben. Dagegen stellten die Vorsteher des Alexianerklosters, der dirigirende Anstaltsarzt, Sanitätsrath Dr. Capellmann, und der hiesige Slegierungspräsident Strafantrag wegen Verläumdung. Ende November 1834 wurde auf Beschluß des Landgerichts zu Hagen die vorläufige Beschlagnahme der Broschüre verfügt und alsdann gegen Mellage, den Inhaber der Verlagsfirma Hermann Risel u. Ko., Verlagsbuchhändler Warnatzsch in Hagen, und gegen den Redakteur des„Iserlohner Kreisanzeigers", Scharre, auf grund der§§ 185 und 186 des Strafgesetzbuchs(einfache und verleumderische Beleidigung) Anklage erhoben. Diese drei Personen haben sich daher heute wegen des erwähnten Vergehens vor eingangs bezeichnetem Gerichtshofe zu verantworten. Mellage. der seit etwa drei Jahren in Iserlohn eine Gastwirth- schaft betreibt, heißt mit Vornamen Heinrich; er ist am 11. Dezember 1857 zu Iserlohn geboren und katholischer Kon- fession. Warnatzsch heißt mit Bornamen Johannes; er ist am 12. Mai 1858 zu Hagen i. W. gebore» und evangelischer Konfession. Scharre, der lediglich wegen der Artikel im„Iserlohner Kreis- anzeiger angeklagt ist, heißt mit Vornamen Max. Er ist am 23. September 1kL7 zu Iserlohn geboren und evangelischer Kon- fessio». Es sind zu der Verhandlung eine Sieihe medizinischer Sachverständiger, unter diesen der Geh. Medizinalrath Pros. Dr. Finkelnburg(Bonn), sowie mehrere Bonner Professoren und Jrrenanstaltsdirektoreu und außerdem über Ivo Zeugen geladen. Die Verhandlung erregt begreiflicherweise in hiesiger Gegend das größte Aufsehen.— Den Vorsitz des Gerichlshofes führt Land- gerichtsrath Dahmen. Die königliche Staatsanwaltschaft vertritt Staatsanwalt Pult, die Vertheidigung führen die Rechtsanwälte Dr. Niemeyer(Essen) und Reichstags-Abgeordneter Lenzmann (Hagen i. W).(Fortsetzung folgt.) Soziale ilebevjrrijt. In Breslau ist die Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises im Werke, was an sich zu begrüßen ist. Der Magistrat will aber nicht, daß das Institut die Arbeits- vermittelung unentgeltlich besorgt, wobei ihn u. a. die Absicht leitet,„die etwa auskomniende Meinung, daß die Stadt nunmehr das Recht auf Arbeit konstituire, auszuschließen und die zu ent- faltende Thätigkeit auf den Gesichtspunkt der Leistung gegen Gegenleistung zurückzuführen". In Beziehung aus die Frage,' ob der Arbeitsnachweis auch während der Streiks und Aus- sperrungcn sunktioniren solle, sagt tcr Magistrat:„Selbst- verständlich muß das von der Komniune errichtete Institut auch in den Zeiten ernstester Konflikte zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern völlige Neutralität bewahren; es darf weder der einen noch der anderen Partei eine absichtliche Unterstützung ge- währe». Aber sckon die Thalsache der Einstellung zu dem Zwecke, baß es nicht als Waffe für die eine oder andere Seite verwendbar ist, wäre eine Ueberschreitung der Unparteilichkeit gegenüber demjenigen, der zufällig gerade im Augenblick Vortheil von seinem Funktioniren hat. Es erscheint daher als das natür- lichfte und gerechteste, daß das Arbeitsamt auch während der Lohnkämpfe seine Thätigkeit unbekümmert um die außerhalb vor- gehenden Tinge forlsctzt und sich höchstens dann mit dcm Lohnkampfe als solchem besaßt, wenn es die Möglichkeit hat, eine Vermittelung zwischen den streikenden Parteien herbeizuführen." Tie Breslauer Arbeiter wünschen nun sowohl die Unent- geltlichkeit der Arbeitsvermittelung wie das Ruhen derselben irährend eines Streiks oder einer Aussperrung, und wollen dem Magistrat und den Stadtvcrordnctcn eine Denkschrift unter- breiten, worin das begründet wird. Weiter beantrage» sie beim Vorsitzenden des Gewerbegerichts eine Ausschußsitzung, wo die ganze Angelegenheit besprochen werden soll. Es wäre zn wünsche», daß der Magistrat dem Begehren der Arbeiter nach- kommt. Wenn es sich für ihn darum handelt, ein Institut von wirklich sozialpolitischen! W e r t h e zu schaffen, wird er die Richtigkeit dessen nicht verkennen, was über die An- gelegenheit in der Breslauer„Volksmacht" ausgeführt wird. Es heißt dort: „Der erste Streik, in dem das Institut nach dem Wunsche des Magistrats ruhig weiter funktionirle, würde es bei der Arbeiter- chast derart in Verruf bringen, daß der ganze Verwaltungs- apparat sich begraben lassen könnte. Einen unparteiischen Arbeilsnachweis giebt es vielleicht in den Köpscn einiger ver- mittelnden Ideologen, aber in der rauhen Wirklichkeit ivird ich der Schwerpunkt einer solchen Einrichtung mit Natnrnolhwendigkeit, trotz alles Sträubens, nach der einen oder anderen Seite hinüber neigen, und da gegenwärtig von beiden in Frage kommenden Parteien die Unter- nehmer in allen Stücken am einflußreichsten sind, so muß, selbst den besten Willen von allen Seiten vorausgesetzt, der unparteiische Arbeitsnachweis in kurzer Zeit ziemlich dieselbe Wirkung aus- üben, wie die heutige» Arbeitsnachweise der Unternehmer und Innungen. Die Arbeiter erachten also das Funktio- »iren des Arbeitsnachweises bei Lohnkämpfen als eine 'chwere Schädigung der Interessen der Arbeiterschaft; ne sehen darin eine Waffe in der Hand deL Unternehmers gegen die wirthschaftlich Schwächeren, denn die Unternehmer hätten Gelegenheit, durch rasche Be- schaffung von Ersatz die Ausständigen entbehrlich zu machen. Die Arbeiterschaft Breslau's hat aus allen diesen Gründen zu verlangen, daß entweder der sogenannte Streikparagraph in das Statur aufgenommen oder eine Bestimmung getroffen wird, wonach bei Ausbruch eines Streiks so schnell wie möglich eine Einigung zwischen den streitenden Parteien zu versuchen ist. Von der Entscheidung des Einigungsamtes wird dann das Weiterfunktioniren des Arbeitsnachweis- Bureaus abhängig gemacht." 5kranrenkassenUiescn. Verschiedene Krankenkassen des Stuttgarter Orts-Krankenkassen-Berbandes beschlossen in ihren letzten Generalversammlungen, die Kassen- leistungen den Mitgliedern gegenüber zu erhöhen oder sonstige Verbesserungen einzuführen. So beschloß z. B. die Krankenkasse der Konditoren, der Ladnerinnen, der Schneider und des Bau- gewerbes die dreitägige Karenzzeit zu beseitigen und das Kranken» geld nicht mehr für jeden Arbeitstag, sondern für jede» Wochen- tag zu bezahlen. Die Orts-Krankenkasse der Handlungsgehilfen:c. beschloß dasselbe und außerdem die Erhöhung des Sterbegeldes von 20 pCt. auf 40 pCt. des durchschnittlichen Gehaltes und die Festsetzung der Krankenunterstützungs-Daner von 20 auf 39 Wochen, und zwar auf 26 Wochen mit vollem Krankengeld(75 pCt. des durchschnittlichen Gehalts) und auf 13 Wochen mit der Hülste. Vom preußischen Handelsmini st eri um ist der Krankenkasse der Hutmachergesellen zu Berlin(E. H.), der Krankenkasse für die Beamte» der Ortskrankenkassen zu Berlin (E. H.), der Arbeiter-Kranken-Unterstützungskasse(E. H.) zu Velten, der Kranken- und Sterbekasse zu Kloppenheiin(E. H.), dem Gerberverein(E. H.) in Mülheim a. d. Ruhr, der Kaltenkirchener Kranken- Unterstlltzungsverein und Sterbekasse(E. H.), der Kranken- und Sterbekasse für Haushälter in Breslau(E. H.), und der Kranken- und Sterbekasse zu Naurod(E. H.) aus grund des§ 73a des Kranlenversicherungs-Gesetzes die Beschermgunz ertheilt worden, daß sie, vorbehaltlich der Höhe des Kranken- geldes, den Anforderungen des§ 75 genügen. Die Buchführung der Arbeiter— lesen wir im„Volks- blatt für Harburg"— ist, namentlich soweit die Aufzeichnung von Einnahmen und Ausgaben im Jnhreslaufe in betracht kommt, schon oftmals besonders bei der Aufnahme von Statistiken in ihrer ganzen Unzulänglichkeit erkannt und bedauert worden. i Die meisten Arbeiter halten es nicht der Mühe werth, ihre paar Mark Wochenverdienst erst noch besonders aufzuzeichnen, da sie ohnehin nicht zulangen und ein erbärmliches Einkommen auch durch die peinlichste Buchführung eben nicht aufgebeffert wird. Nebe» den Erschwernissen für statistische Erhebungen hat der Mangel an zahlenmäßigen Material über das Einkommen für die Arbeiter aber auch den Nachtheil im Gefolge, daß sie bei etwaiger zu hoher Veranlagung zur direkten Steuer diese Ueberrortheilung nicht festzustellen vermögen und damit des»olhwendigcn Materials zur Begründung einer Reklamation entbehren. Zwar ist bei solcher Gelegenheit bisher vielfach der Weg eingeschlagen worden, daß man sich die nöthigcn Zahlen aus dcn Lohnbüchern des Arbeitgebers geben ließ. Wer jedoch die Vorliebe der Kapitalisten dafür kennt, daß an ihrer Stelle möglichst die Arbeiter die Stenern bezahlen, der wird auch nicht in Zweifel darüber ge- wcsen sein, daß man den Arbeitern zur Erreichung einer möglichst niedrigen Steuerstufe nicht lange behilflich sein werde. Und in der That ist auch schon damit begonnen worden, einem Arbeiter auf grund irgend welcher Ausrede eine Bescheinigung über die Höhe seines Jahres- Arbeitsverdienstes zu verweigern. Das Beispiel wird Nachahmung finden und die Arbeiter, die dieses Jahr im allgemeinen bei der Steuer- Ver» anlagung scharf genommen zu sein scheinen, sind dann genölhigt zu bezahlen, so viel es der Veranlagungs- Kom» inission" gerade angemessen erscheint. Wollen sich die Steuer- znhler davor bewahren, so müssen sie sich daran gewöhnen, sich durch Aufzeichnung ihrer Einnahmen, der arbeitslosen Zeit rc. die Unterlage» für eine Abschätzung zu eigen tz» machen. Die kleine Mühe des Notirens wird reichlich dadurch belohnt, daß man sich bei der direkten Steuer vor Ueberlastung schützen kann. da die direkie Steuer von der indirekten ohnehin den Vortheil voraus hat, daß man überhaupt weiß, wie viel man bezahlt. Tcv Zeitverlust i» der kleinviiuerlichen Parzelle»- wirthschaft wird durch folgendes von dem Organ des Mitteldeutschen Bauernvereins auf grund von 30 Einzelbeobacbtungen zusammengestelltes Beispiel veranschau- licht. Bei dem Bepflügen eines Ackers(mit einer Furchenbreite von 2.5 Zentimeter und Tiefe von 14 Zentimeter) erforderte in zehnstündigem Arbeitstag das Umwende n bei einer Furchen-- Zeitverlust verbleibende länge e,"en onweunst nutzbare Arbeitszeit von 60 Meter von 5 Std. 33 Min. 4 Sld. 27 Min. 120 ,.„ 2 44„?„ 16„ „ 1ü0„„ 2„ 1„ 7„ 59„ 220„„ 1„ 28„ 8„ 32„ Bedenkt man ferner die ungeheueren Zeitverluste, die das Hin- und Herfahre» zu den weit von einander entfernt liegenden Aeckerchen mit sich bringt, dann springt die Unwirthschaftlichkeit einer solchen Betriebsweise noch mehr ins Auge. Kein Wunder. wenn der vom grauenden Tage bis zur sinkenden Nacht sich auf seiner Scholle mühende Kleinbauer ein armer geplagter Arbeiter- sklave bleibt sei» Leben lang. Der Sozialismus wird auch ihn de» Weg zur Freiheit führen. Gewerbegericht. Z u ihrer Unterschrift gezwungen zu sein, behauptete das Restauralions-Dienstinädchen G. und suchte damit die Ungiltigkeit einer Quittung darznthun, in der sie den Gast- nirth Krauls bescheinigt halte, an ihn keinerlei Forderungen mehr zu haben. Fräulein G. beanspruchte 10,12 M. rückständigen Lohn, in welcher Höhe sich der Beklagte durch sie geschädigt wähnte. Ten rechtswidrigen Zwang zur Unterschrist erblickte Klägerin in den Worten der Frau des Be- llagten, wenn sie. Klägerin, die Quittung beziehungsweise den Verzicht nicht unterschreibe, beläme sie ihre Sachen nicht heraus. Die G. will nur ivegen dieser Drohung unterschrieben haben. Die Kammer VI sprach sich dahin aus,'daß darin kein Zwang liege, welcher in, Sinne des Gesetzes die Unterschrift als ungillig erscheinen lassen könnte. Ein solcherZwang sei physischer Statur: Die Drohung mit Gewaltanwendung, mit Nachlheilen für Leben und Gesundheit, die Führung der Hand unter Drohungen der Anwendung solcher Geivaltmaßregeln k. Der Klägerin wurde nahegelegt, aus den angeführten Gründen die Klage zurnckzu- nehmen, welchem Rathe sie nachkam. Ohne Umstnrzgesctz. Mit bezug auf§ 130 des Strafgesetzbuches, welcher lautet:„Wer rn einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkciten gegen einander öffentlich anreizt, wird mir Geldstrafe bis zu 600 M. oder mit Gefängniß bis zu 2 Jahren bestrast" hat das Reichsgericht durch Urtheil vom 7. Januar dieses Jahres ausgesprochen, daß regelmäßig die Anreizung verschiedener Bevölkerungsklassen zu Gewaltthätigkeiten stets auch eine Gefährdung des öffentlichen Friedens in sich schließt, und daß eine Anreizung zu Gewaltthätigkeiten schon dann vorliegt, wenn sie eine zu Gewaltthätigkeiten geneigte Stimmung hervor- ruft oder verstärkt, die unbestimmt wann und ans welchen Anlaß hin, früher oder später den ösfentlicken Frieden unter den Be- völkerungsklassen erschüttern kann. Diese GesetzeSausleguug ist eine wahre Fundgrube für Richter, die in, Geiste der durch den Fall Babing berühmt gewordenen Kammer Leonhard zn urtheilm verstehen. Konsequent! Häufig hatten wir Gelegenheit zu berichten' daß Arbeiter wegen� dcr ihnen nachgewieseneu Entwendung kleinster Objekte'mit Lohnentschädigungsklagen abgewiesen wurden. Speziell die Kammer VI unter dem Vorsitz des Affcssois Dr. Leo hatte viel EntschSdigmiqkllagen wegen„nberechtigter Entlassung zu erledigen, gegen die Entwendung oder Unterschlo gung als gesetzliche Entlaissungsgründe geltend gemacht wurden. Tiefe Erscheinung ist nun zurückzw führen.auf das Arbeitsfeld dieser. Kannner für die Genußmittel- und Erquickvngs-Jndustrie. Die Entlassung von Leuten, die sich„garnichts schliinnn.-s dabei gedacht" hatten, wenn sie v nmal ein Stückchen Wurst aßen, die ihnen der Meister nicht zugett>ellt, oder die eine Zigarre vom Vorrath des Arbeit gebers, eines Budikers, ohne direkte Erlaubnis} desselben verpafften. oder sie gar nur auf Borg ohne diese Erlaubniß fortgaben, wurde wegen der angeführten und ähn licher gering' sügiger Vergehen gegen das heilige Eigenthum für gerechtfertigt erklärt. Bei einer solchen Eni- scheidung ließ der Vorsitzende Leo die Aeußerung fallen: Und »venu Sie einen Wurstzipfel nehmen, ohne dazu befugt zu sein. können Sie wegen Unterschlagung abg« wiesen werden. Derselbe Vorsitzende hat sich dieser Tage nun in einem Falle, wo es sich lm, die Fixirnng des Anspruchs ebnes Arbeilgebers Handelle in Gegensatz zu der oben konstalirten. zugegebener- maßen formell einwand« freien Praxis gesetzt, und zwar nach erfolgter Berathung. also ein Einvcr- stäudniß mit einem Theil der Beisitzer. Der Schlächter R., welcher rückständigen Lohn forderte, hatte be- hariptet, er sei zum sofortigen Verlassen der Ar- bcit berechtigt gewesen, weil ih» der Meister Steinhäuser grob beleidigt habe. Derselbe habe mit bezug auf das Ver- schwinden eines Kaninchens ihm gegenüber geäußert:„Sie habe» das 5kaniuchen dem Klatsch« so und so gegeben, ich traue Ihnen nicht weiter, wie ich Sie sehe." Steinhäuser, der dem Kläger wegen unberechtigten Verlassens der Arbeit eine bestimmte Summ» vorenthielt, bestritt die klägerische Behauptung. Dr. Leo stellte(wie gesagt, nach der Berathung) dem Kläger unter folgender Begründung anHeim, die Klage zurückzu- nehmen: Wenn ivirklich der Beklagte die von ihnen behaupteten Worte gebraucht hat, dann ist das noch lange keine grobe Be- leidigung, welche Sie zur Arbeitsniederlegung berecktigt hätte. Kaninchen, rveiße Mäuse»ind Maikäfer sind keine Gegenstände, die man e r n st n i in m t. Der Vor- wurf des Diebstahls liegt darum nicht in den Worten, Sie hätten das Kaninchen den, Kutscher eines anderen gegeben."— Dem dringenden Zureden kam Kläger nach n»d nahm die Klage zurück. Beklagt« hat also die gesetzliche Buße des Klägers wegen dessen „Koulraklbruchs"„zu recht" in der Tasche.— Wir möchten im Anschluß an den sonderbaren Fall nur noch beiuerken, daß ein Kaninchen unter Umständen IM.— eine Mark— kostet, während man für zwei Zigarren 10 Pfennig bezahlt und einen Wurstzipfel event.„zugeschcnkt" bekommt. Ein brutaler Hausherr. Vor dem Rixdorfer Schössen- gericht hatte sich am Dienstag der Drehorgelspieler Johann Karl Gustav Adolf Bolle aus Rirtorf wegen Mißhandlung und Haussriedensbrv.chs zu verantworten. Am Stachmittag des 23. Januar d. I. kam der schon bejahrte Angeklagte nach dem Grundstück des Fabrikanten Gustav Koch in der Juliusstraße und ließ dort die Weisen seiner Drehorgel erklinge», die er gleich zeitig urit Gesang begleitete. Da erschien plötzlich der Besitzer des Grundstücks und gab dem Trehorgelspiel« durch einen Wink zu verstehen, sich zu entf«nen. Volle wollte jedoch erst sein Stück ausspielen, wurde aber durch Koch hieran verhindert, indem letzterer den alte» Leierniann anpackte und fo brutal stieß, daß Bolle mit seiner Orgel in den Schnee stürzte. Als sich der Mißhandelte aufrichtete, forderte Koch ihn wiederholt auf. das Grundstück zu verlassen, wobei er ihn jedoch an der Mitnahme seines Instrumentes zu hindern suchte. Natürlich widerfetzte sich Bolle dieser-Handlungsweise, worauf er durch Koch und dessen herbeigeeilten Kutscher gewaltsam hinausgcbracht wurde. Die Augenzeugen dieses Vorgangs machten ihrer Empörung durch Zurufe Luft, Koch aber hatte noch die Stirn, den miß handelten Leiermann wegen Mißhandlung und Hanssriedens bruchs bei der Staatsanwaltschaft zu demmziren. Die Beweisaufnahme ergab den geschilderten Thatbestand, worauf der Amts anmalt selbst die Freisprechung des Angeklagte» beantragte und dem Gerichtshof anheimstellte, dem Denunzianten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen, da die Denunziation znm mindesten eine sehr fahrlässige sei. Der Gerichtshof sprach de» Angeklagte» frei, legte aber die Kosten der Staatskasse zur Last, da an- genommen wurde, daß Koch die Anzeige in der ersten Aufregung erstattet habe. Doch nahm der Vorsitzende, Amtsrichter Dr. Schlössingk, Gelegenheit, das brutale Verhalten des Denunzianten i» scharfer Weise zu rügen. Deine Tageszeit— So früh Diese Worte enthalten kein eine Ansprache an das Kind. von, 25. November 1351, daß Mecklenburgisches. Unser Lübecker Bruderorgan schreibt: Ter„Fall Bruhn". welcher durch den„Lübecker Volksbolen" zuerst an die Oessentlichkeit gelangte und dann eine Wanderung durch die gesammte Presse unternahm, hat bekanntlich mit der Ereisprechung der Frau Brnhn vor dem Schöffengerichte in revcsmnhlc» geendet. Von feiten der Amtsanwaltschaft wurde sogar die Freisprechung selbst beantragt. Wie weit die öffent- liche Meinung a» diesem freisprechenden Antrag theil hat, läßt sich natürlich nicht bestimmen. Interessant war nur die grüudung des Urtheils durch das Gericht. In dieser hieß es: „Nach den Ergebnissen der heutigen Beweisaufnahme ist stehend, daß am L. Ostertage das 23l4 Jahre alte Kind der Fra» B. auf dem Dassowcr Friedhof beerdigt worden ist und daß bei dieser Gelegenheit die Angeklagte einige Worte gesprochen hat. Verstanden sind die Worte von den anwesenden Zeuge» nicht, uud es ist anzunehmen, daß die Worte so gelauter haben, wie sie die Angeklagte angegeben hat, nämlich:„Hier liegst und schläfst Du ganz in Frieden— Dieweil Dein Hirte bei Dir wacht— Von Jesu bleibst Du ungeschieden— Auch in der letzten Todcsuacht— Er lenkte schon zu der Ewigkeit. Amen I" Gebet, auch keine Siede, sondern Nun bestimmt die Verordnung Nichtgeistliche auf dem Friedhof keine Rede sprechen, auch keine Ansprache halten sollen. Es ist nun die Frage, ob die von der Angeklagten gesprochenen Worte unter diese Verordnung fallen. Das Gericht hat die Ansicht gehabt, daß die Verordnung als Ansprache betrachtet, wenn Worte an das Gefolge direkt gerichtet werden. Es könnte auch als eine Ansprache, als eine Rede auf- gefaßt werden, wenn jemand sich an den Verstorbenen wendet. aber in einer solchen Weise, daß die Worte nicht für den Ver- storbenen, sondern für die Umstehenden berechnet sind. Von Nichtgeistlichen soll nicht geduldet werden, daß sie solche Sin- sprachen an das Gefolge richten. Das Gericht ist der Ansicht, daß in diesem Falle eine solche Ansprache, die unter die Ver- ordnung vom 25. November 1851 fällt, nicht vorliegt. Die Worte, die die Angeklagte gesprochen hat, richten sich an das Kind selbst, charaklerisiren sich also nicht als«in Gebet. Als eine Ansprache an das Gefolge könne» diese Worte auch schon deshalb nicht aufgefaßt werden, weil sie von den vier Zeugen keiner verstanden hat. Hätte sich die Angeklagte an das Gefolge wenden wolle», so hätte sie doch jedenfalls so laut gesprochen, daß es für die Umstehenden auch verständlich gewesen wäre. Unter diesen Umständen konnte auch der Inhalt des gesprochenen Verses nicht als eine Rede erkannt iverden, fondern es handelt sich nur tun einen Ausdruck einer Gefühlsäußerung dem verstorbenen Kinde gegenüber. Es mußte deshalb auf Freisprechung erkannt werden."— Ist nun auch auf Freisprechung erkannt worden, so bleibt darum doch die— gelinde gesagt— merkwürdige Ver- ordnung zu Recht bestehen uud das rilterscbaftliche Potizei-Amt Dassow kann nach wie vor seine famosen Strafbefehle erlassen. Daß die Verordnung aber, in der gerügten Weise angewendet, allein menschlichen Gefühl, aller Pietät Hohn spricht, mindert ihre Rechtsgilligkeit nicht. Reichs- VersichernngSamt. Ob er im versickerungs' Pflichtigen technischen Theile seines Betriebes verunglückte, ode„ ob das Unglück, vom Pferde geschlagen zu werden, nur mit dem kaufmännischen Theil desselben im Zusammenhang stand, das war die Frage, von deren Entscheidung es abhing, ob dem Klempner- und Dachdeckeimcister Gobes eine Unfallrente zuziu fprechen war oder nicht. Gobes hatte eine Jnspektionstour „über Land" unternommen, wobei er sein eigenes Gefährt be nutzte. Nachdem er in einer anderen Ortschaft ein Dach ob der daran vorgenommenen Arbeiten geprüft hatte, war er in Dreschburg bei dem Gasthossbesitzer Opitz eingekehrt, um sich dort eveut. neuer Aufträge zu versichern. An seinen Wagen zurückgekehrt, passirte ihm das Malheur, von seinem Pferde geschlagen zu werden. Mit einem Rentenansprüche hatte er bei den ersten Instanzen kein Glück, sowohl von der Echlesisch-Posen'schen Baugewerks-Berussgeuossenschaft wie auch von deren Schieds gericht wurde er zurückgewiesen. Man nahm an, der Kläger habe sich im kausmäunischen Theil seines Betriebes be funden, als er sich zu Opitz begab und von demselben kam. Kläger bestritt das i» der Begründung des Rekurses, den er beim Reichs. Versicherungsamt erhob. Er meinte, der Unfall stehe wohl im Zusammenhange mit der Besichtigung des fraglichen Daches, im übrigen habe er aber auch im Opitz- scheu Gasthof sich in technischer Beziehung bethätigt, wo er mehrere Lampen auf ihre etwaige Reparaturbedürstigkeit hin untersucht habe. Tie Berufsgenosscuschast antwortete darauf mit den Einwänden, daß«rftens der Rekurs verspätet eingereicht sei und daß zweitens der Kläger bei ihr, der B a u g e w e r k s- Berussgeuossenschast, nicht gegen Unsallgefahren versichert sei. die lediglich aus der Benutzung von Pserd und Wagen ent- fpringen. Gegen die lhatsächlichen Angaben Gobe's hatte die Genossenschaft nichts einzuwenden. Das Reichs-Versicherungsamt verurthcilte im Gegensatz zum Schiedsgericht die Berufsgenosseiu schast, den Kläger zu entschädigen. Ter Einwand der Verspätung war nicht durchgreifend, denn Klag« vermochte nachzuweisen. daß ihm und seinem Rechtsauwalt am verspäteten Einlaufen des Rekursautrages keine Schuld lresse. Bezüglich der Sache selbst war das Gericht der Meinung, daß Kläger thalsächlich auch bei Opitz wie bei der Rückkehr zum Wage» sich im versicherungspflichtigeu Theil seines Dachdecker ei- und Klempnereibetriebes befand und daß die Benutzung des Wagens ihn durchaus nicht in Gefahren bracht« die mit dem Betriebe nichts zu thun halten. Das Gericht »ahm hierbei auf die besonderen Üiusiäude bezug. die mit der Tachdeckerei und Klempnerei in Landbczirlen verbunden sind und welche die Benutzung von Pferd uud Wage» eventuell, wie im vorliegende» Falle, bedingen. Dem Landwirth Göbert passirte beim Zerkleinern von Holz das Unglück, daß ihm ein Stückchen davon ins Auge flog und die Sehkrasc desselben vollständig zum Erlöschen brachte. Die laudwirthschastliche Berufsgenossenschaft, bei welcher er eine Nnsallrenle beantragte, wies ihn auf seine Angabe, daß er das Holz zum Heizen der Wohnung benutzen wollte, ab. Die Tdät, gleit, bei welcher G. verunglückte, hatte nicht Zwecken der Landwirthschaft, sondern solchen der Hauswirthschaft gedient. G. legte Berufung ein und behauptete nun, außer zum Heizen der Stube hätre das Holz auch noch zum Kochen des Schweinesutters dienen solle». Das Schiedö'ericht stellte fest, daß ein kleinbäuer- licher Betrieb in Frage komme, denn aus der Landwirthschaft, einer Mühle und der dazu gehörigen kleinen Bäckerei bezog Kläger zusammen nur etwa 500 M. jährliches Einkommen. Das Schieds gericht erkannte, die Berussgenossenschast sei entfchädigungs pflichtig. Es glaubte dem Kläger, daß er von dem betreffende» Holze auch etwas für die Zubereitung des Schweinesutters verwendete, uud sprach im übrigen die Meinung ans, es komme indiesem Falle eigentlich garnicht so sehr auf diese Feststellung an, denn in einem kleinbäuerlichen Betriebe seien Haus- und Landwirthschaft nicht zu unterscheiden. Der Rekurs der Berussgenossenfchaft wurde vom Reichs-Bersicherungsamt zurückgewiesen, welches der Entscheidung des Schiedsgerichts beitrat. Hauswirthschaft und Landwirthschaft ließen sich in Betrieben von der Größe desjenigen des Klägers G. nicht trennen. VerlammUmnene Tie Freie Vcrcinignug der Vau- und gewerblichen Hilfsarbeiter von Rixdorf und Umgegend hielt am IS. Mai im Bereinslokal von Schütz. Pnnz-Handjerystraße 11, ihre General Versammlung ab. Die Bicrteljahrs-Abrcchnung vom 1. Quartal stellt sich nach dem Berichte des Kassirers Kollegen M. Meyer folgendermaßen dar: Kassenbestaud vom 4. Quartal 32,80 M., Einnahme vom I. Quartal 10,20 M.. Ausgaben vom 1. Quartal 28,80 M.. bleibt somit ein jetziger Bestand von Summa 14,20 M. Das Bereinslokal befindet sich nicht mehr Haudjerystraße 7, sondern II. In das Bergnügungskomilce wurden die Kollegen G. Schönberg, C. Roloff, Fritz Wurstmacher, H. Rietz und R. Neumanu als Leiter des Vergnügens gewählt. Der I. Bor sitzende Kollege Robert Heincman» gab bekannt, daß seine Woh uung Prinz Handjerystr. 10, Hof 2 Tr., und die des 2. Bor- sitzenden Kollegen Paul Höpner, Hermannstr. 147, Hos 3 Tr., sich befindet. Tie Filiale Osten des Verbände» der Möbelpolirer Berlins und Umgegend hielt am 20. Mai ihre ordentliche Versammlung ab. Genosse Mehner hielt einen Vortrag über: „Warum orgauisiren wir uns?" Derselbe wurde sehr beifällig aufgenommen. Sodann wurde Franz Wolf als Bevollmächtigter wiedergewählt. Nachdem noch innere Angelegenheiten besprochen, wurde die gut besuchte Versammlung um 8/4l2 Uhr geschlossen. Ter Verein deutscher Schuhmacher, Filiale l, tagte am 20. d. Mts. Dem Kasstrer Rott wurde sür die Abrechnung über das 1. Quartal cinstimniig Dccharae«rtheilt. Unter Vereins- angelegenheilen gab der Vorsitzende bekannt, daß am 2. Pst» g st- seiertage ein Ausflug nach Rüderedorf stattfindet. Tie Kollegen Scholz, Beek, Slreick, Nüst und Bischof wurden in das Ver- gnügnugskomitee gewählt. Ter Verband Tcntscher Korbmacher(F i l i a l e B e r l i») hielt an> 20. d. Mts. eine Versanlnitung ab, in welcher nochmals die Verhältnisse in der Gestcllarbeiler-Branche erörtert wurden. Kollege Brückner«wähnt«. daß in der Werlstatt von Kern, am Küstrincrplatz, gegenwärtig die niedrigsten Löhne gezahlt werden. Leid« sind die dort arbeitenden Kollegen bis jetzt mit dem Lohne zufrieden gewesen. Es wurde nochmals auf den in der letzten Berfammluug festgesetzten Tarif hingewiesen und beschlossen, daß in jeder Werkstatt niit allem Nochdruck für die Erriugullg des Tarifs eingetreten werden soll. Die Arbeit- gebcr, welche zum größlen Theil Lieferungsmeister sind, werden diesen Tarif in kurzer Zeit mit dem Vermerk erhalten, daß sie für die nächste Saison mit den von uns festgestellte» Arbeitslöhnen zu rechnen haben. Des weiteren wurden die Löhne in der Bambnsbranche erörtert. Hierbei wurden verschiedene Mißstände aufgedeckt, die zu beseitigen Pflicht der Kollegei» sei. Schließlich wurde der Antrag, 21 M. Diindestlohn sür die Bambusarbeiler zu fordern, angenommen. Beschlossen, wurde noch, in der nächsten Versaniuilung eine Neuwahl der Agitationskominissivn vorzunehmen. Ter Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter Berlin» und Umgegend hielt am Dienstag, den 21. Mai, im Lokole von Kliem, Hasenhaide, eine Bezirksversamm- lung für den Süden ab, in welcl.er Genosse A. Hoffmann einen interessanlen Vortrag über„Recht und Gesetz" hielt, der mit großem Beifall a»fgeiiommen wurde. Eine Diskussion fand nicht tatt. Zum 3. Punkt der Tngesordnuug, die Zustände bei der Firma Speirer u. Ko.(Siixdorf) berichiete Kollege Siegerist. Da er als Vertraueiismann der Werkstatt gewählt war, hjell er es iür seine Pflicht, vor dem 1. Mai die Kollegen der Jftirnia zu- ammenzuberttsen, um ihre Meinung in betreff der Diaifeier zu hören. Es wurde eine Komniission von 3 Mann gewählt, welche mit dem Chef unterhaudelll sollte. Das Resultat war die Entlassung des Kollegen Siegerist. Die übrigen Arbeiter ließen sich ein- schüchtern und haben mit einer Ausnahme bis abends gearbeitet. Bei dicfer Firma wird auch öfters nach Fei«abend gearbeitet. Die Tischler mußten vor Weihnachten sogar bis 9 Uhr abends arbeiten; diese wollten mit den Metallarbeitern zusammen da- gegen Front machen, worauf letzter« nicht eingegangen sind. Tie Folge war, daß die Tischler, welche nicht nach Feierabend arbeiten wollten, entlassen wurden. Außerdem seien Lohnabzüge bis zu 25 pCt. und darüber gemacht worden. Ein Kollege gab dann eine Uebersicht über das Slrafgelder-System der Firma; so werden z. B. für Zuspätkommen 25 Pf. Strafe abgezog-n. Wer öfter wie sechs Mal im Monat zu spät kommt, zahlt 1 M. Strafe; wenn 2 Mann zusammenstehen, kostet dies je 10 Pf. Strafe u. s. w. Diese Strafgelder verwallet der Chef und werden Sommer« oder Wintcrvergnügungen dafür veranstaltet. Genosse Bau« ergänzte noch verschiedene Ausführungen der Redner. Hierauf krikisirte der Vorsitzende die Verhältnisse der Eisenmöbel-Fabrik von Schulz. Auch hier seien Lohnabzüge bis zu 40 und 50 pCt. vorgenommen worden. Am 1. Mai wagte dieser Chef seinen Arbeitern zuzumuthen, bis abends 8 Uhr zu arbeite». Die Anwesenden wurden aufge- fordert, daiür zu sorgen, daß sämintliche Kollegen sich organisire», um gemeinsam gegen derartige Uebergriffe F-ront machen zu können. Ferner lritisirte Redner das Verhallen einiger Mitarbeiter, welche sich zu Spitzeldiensten hergeben und die Kollegen an- schwärzen. Die Mißstände in der chirurgischen Instrumenten- Fabrik von Kettner, Neuenburgerstr. 2S, wurden ebenfalls gerügt. tier sei ein Lohnsatz von 40 Pf. pro Stunde und S stündige rbeitszeit üblich, wenn aber em Arbeiter in Akkord 27—30 M. verdient hat, so bekommt er nur 18 M. ausgezahlt und die Rest- summe bleibt dann stehen, bis die Arbeit wieder ungünstiger ist. Tie Schuld hieran liege nur größtenlheils an dem betreffenden Meister, der nach Willkür die Löhne diktirt. Zum Schluß er- mahnte der Vorsitzende nochmals für die Organisation kräftig zu agiliren. Ter Fachverew der SRnsskinstrumenten-Arbeiter hielt am 25. d. Mts. eine Versammlung im Norden bei Witzel, Acker- straße 145, ab. Kollege Osburg unterzog in seinem Referats über die Gewerbe-Ordnuna dieselbe unter vollster Zustiiiliimiig der Versammlung einer scharfen Kritik. Er wieS besonders darauf hin, daß Arbeiter, von Hunger getrieben, den Arbeitgebern sich als willfährige Ausbeutungsobjekte anbieten und sich ge- zwungen fehen, auf die erbärnilichsten Arbeilsbediiigunge» ein- zugchen. Nach einer kurzen Diskussion wurden Vereinsangelegen- heilen erledigt. Die Freie Vereinigung der Militärmiitzenmacher tagte am Solliiabend, den 25. Mai, bei Rötlig, Neu« Friedrichstr. 44. Es wurden 30 M. sür die streikenden Kürschner in Budapest bewilligt. Tie freie Vereinigung der Bananschläger nahm in ihrer Versammlung am 26. d. M. de» Bericht ihrer Elserkommission über Beseitigung der Mängel des Arbettsnachweises zustimmend zur Keuntniß. Am Sonntag, den LS. Mai, veranstalteten die Genossen des Kreises Nieder-Barnim eine größere Agitationstour, in der ein Flugblatt in 30 000 Exemplaren zur Perlheilung gelangte. Im Anschluß Hiera» fand nachmittags in Birkenwerd« im Paradiesgarten eine öffentliche Versammlung statt, i» der Gc- uosse Stadthagen einen wirkungsvollen, oft von Beifall unter- brochenen Vortrag hielt. Er zeigte an der Hand der Reichstags- Verhandlungen die volksseindlichen Bestrebungen der Kartell- Parteien und schloß mit einem mit Begeisterung aufgenommenen Appell an die Anwesenden: aus zum Kamps gegen die Ausbeutung, gegen die Nnterdrückuug der Arbeilerklasse seitens der Be- Iltzenden. Nach längerer' Diskussion, an der sich auch ein Anti- seuiit betheiligte, wurde eine Resolution angenommen, die sich mit den Aussührunge» des Referenten eiiiverstanden erklärt. Alit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die gutbesuchte imposante Versanmiluilg. Eine öffentliche Volksversammlung zu gunsien der Arbeiter-Bildungsschule, die den Berhältnissen ent- sprechend ziemlich gut'besucht war, fand am Dienstag, den 23. Mai. bei Ulrich, Maldemarstraße. statt. Genosse Schrift« steller Heinrich Schulz hielt einen Vortrag über„Darwin'sche Wahrheiten und soziale Narrheiten". Am Schluß des inter- esfanten Vortrags appcllirte der Redner an die Versammlung, ihrer Pflichten als Proletarier eingedenk zu sein uud sich zu orgauisiren, da nur durch die Macht des organisirten Prole- tariats den soziale» Thorheiten unser« Zeit ein Ende gemacht werden lö»»e. Ucber diese e r st e Pflicht eines jeden Proletariers dürfe aber eine zweite, nicht minder wichtige vergessen werden, nämlich die, sich fort und fort aufzuklären und zu bilden. Es' müsse deshalb ein jeder für seine Pflicht betrachten, ein so segensreiches Institut wie die Arbeiter« B i l d u n g s s ch u l e hochzuhalten dadurch, daß er durch seinen Beitritt und durch Theilnahme am Unterricht die hohen Ziele der Schule verwirklichen helfe. Tu» Nesnltat der öffentlichen Versammlung .ür alle Döpser und Berufsgenossen Berlins und U m g e g e n d, am 2S. Mai bei Büchler, Rossnthalerstr. 38, war, nach Entgegennahme des kurzen Berichtes der seinerzeit ein- gesetzten Kouimiision, die Annahme folgender Resolution, die zu- gleich sür die weitere Stellungnahme um Ausrechterhaltung des Zohutarifs die Direktive giebt: „Die heutige öffentliche Versammlung der Töpfer Berlins und Umgegend beschließt, da durch den Bericht der Kommission nicht zu ersehen ist, ob unsere jetzige Bewegung einen Fortschritt z u verzeichnen hat, und, um sich gegen den Anprall, resp. die Zumuthuug der Innung, unter den Lohntaris zu arbeite», zu ivehren, die Kommission zu beauftragen, in baldnächster Zeit ein Flugblatt auszuarbeiten, welches die äußerst traurige Lage der Töpferei-Arbeit« klarstellt, u»d die Kollegen mindeste»? iunerhalb 14 Tagen zu einer öffentlichen Versammlung zusammenberust, in der sie sich schlüssig zu werden haben, aus welche Weise endlich dem schamlose» Treiben der Juuli'g ein energisches Halt zu ge« bieten ist, ob andere Wege einzuschlagen sind oder durch einen allgemeinen Streik die Jnnehaltung des so schwer errungene» Tarifs zu erlämpfen ist." In der recht regen Debatte, die leider auch einiges Persönliche nicht ausschloß, wurde es als besonderer Mangel «mpsunden, daß die Kollegen auf den verschiedeilsteil Bauteil ej unterließeii, der Kommisstou Mitlheilunge» zugehen zu lasse» über die Art und die Höhe der Abzüge und über sonstige Mißstände. Es wurde konstalirt, daß seil der Erhöhung der Löhne sich das Material derart verschlechtert hat, daß dadurch heul ein drittel Arbeit mehr geleistet werde» muß, wie mit besserem Material. um Schluß wurde angeregt, daß die geplante Wahl des »»ungs- Ausschusses in der kürzlich stattgehabten JnunngS« Versainnilliiig nicht erledigt ward. Die Äluregnng, sich i» der nächste» derartigen Versammlung einzufinden und tüchtig« Kollegen in den Ausschuß zu wählen, wurde nach einer klar- stellenden Debatte als zwecklos eracktet. Man war viel»>ehr der Meinung. daß ein derartiges Institut, welches sich jedem Fortschritt der Neuzeit entgegenftemmt, bald abgewirthschastet jaben muß. Potsdam. Montag, den 20. Mal, fand hier eine stark be- »chte öffentliche Versammlung der Barbiere statt. Kolleg« Starosson-Berlin referirte über: Unsere wirlhschaftliche Lage und die Stellung der Innung dazu. In einer Resolution verpstichteten ich die Anwesenden der Organisation beizutreten. Hieraus wurde ein Verirauensmann gewählt. Am 24. Mai fand die defluillve Konsiituiruna eines ZweigmeiuS des Verbandes deutscher Barbiere, Friseure u»d Perrückenmach« statt. Trog aller unaustäudigeu Mackinatiouen unserer bezopfteu JnuuugS- nieisler habe» wir auch hier festen Fuß gefaßt. WllU, Tlhönhallser VllWt! Montag, den 3. Juni, im-iageHraus, Schönhauser Allee 103: Grosses Frßh-Goncert unter gütiger Mitwirkung mehrerer Arbeiter-Ges angvereine. Anfang 5 Uhr. Programm 25 Pf. 251'7 Dir Nertraueusprrson. Kastanienmaldchen Gesundbrunnen, Badstr. 16. K. KsNsvkmiockvn. Sonntag, den S. Inn!(I. Pfingftfeiertag): Großes Frnh-Coneert unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins Uordmacht(M. d. A.�S.-B.) unter Leitung seines Dirigenten Herrn Klovel. Anfang früh 5 Uhr. Entree 20 Pf.- Die KrTssreKüch« ist von früh ö Uhr an geöffnet. ft333bf R. Ballschmieder. J. Gossmann's Coneert- u. Ballhaus Kreuzbergstr. 48(früh. Lehmann) am Victoriapark Pfitttllrtlt 4 Gr. Frei Concert im schattigen Naturgarten, sowie vUlUlUljf« Ball im großen, der Neuzeit entsprechenden Frftsaat. gW- Die Kafferküche ist von 2 Uhr ab geöffnet. ISW~ 8iw«ifijt! ÄU-VÄK7.J.. Kr. Wj-Kuimt. MF~ Die KaffrrKüche ist von 5 Uhr früh an geöffnet."WA An allen drei Feiertagen: rrsl-Convert und Ball. BW Empfehle meine Säle bio vvv Personen fassend, für Vereine, zu Versammlungen und Privatsestlichkeiten. � GOSSöiaHIl. Schönhauser folksgarten 1. u. 2. Pfingstf.: ir>»ai»»Coneei>t u. Mitwirk. d. Bieher'schen Uännerchors. Kntre» 20 Pf. Heute u. jcd. Feiertag Nachm.: Freiconrert. F. Werke. Schönlianser Allee Nr. 101/102 Wilmersdorf. Klingenberg's Volksgarten, Berlinerftche 40. Sonntag, den 2. Znni(1. Pfingftfeiertag): Gr. Vokal- u. Instrumental-Coneert, veranstaltet von» Gesangverein Liedertafel unter Mitwirkung der Gesangvereine Weisse Rose(Reinickendorf) und Treu und Einigkeit(Rixdorf), Mitgl. des Arb.-S.-B. Berlins u. Umg. Am 2. und 3. Feiertag l Grosses Garten-Concert und BN" Sali_ im große» Parquet-Saal bei stark besetztem Orchester. 136 7b TvKnIIlp's Familien-Restaurant, vorm. Aennrverg, empfiehlt allen Vereinen - und Gönner» seinen prachtvollen Saal nebst 2 Gärten, Kegelbahnen, Hallen, und vorzügl. Kaffeeküche zur gefl. Benutzung. Für Speisen und Getränke ist bestens gesorgt. E. Schaller. Bpitz A» Bethge's Esucert- 11. ZlMtttM'k. „ Konntag, den 2. Juni(1. Pfingftfeiertag): Ehansseestr. 39. Lnosses ksntvn- Eonoent. Im neuen Theatersaal: Theaternorstellung n. humoriftifche Porträge. ftn, 2. und 3. Pfingstfeiertag i Grosses Garten- Coneert. Theater-Vorstellung. WM" Ball Im grossen Saale. 3In den darauffolgenden Sonntagen: Coneert, Theatervorstellung n. gr. Ball. 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