Nr. 293 42. Jahrg. Ausgabe A fr. 151 Bezugspreis: öchentlich 70 Pfennig, monatlich 3, Reichsmart voraus zahlbar." Unter Areuzband für Deutschland, Danzig, Saar- und Memelgebiet, Defterreich, Litauen, Suremburg 4,50 Reichsmart, für das übrige Ausland 5,50 Reichsmart pro Monat. Der Bormarts mit der Gonntags beilage Bolt und geit" mit„ Gied Tung und Kleingarten" fomie der Beilage Unterhaltung und Biffen" und Frauenbeilage Frauenstimme erfcheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montags einmal. Telegramm- Adresse: .Sozialbemokrat Berlin Morgenausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt 10 Pfennig Anzeigenpreise: Die einfnaltige Ronpareille. zeile 70 Pfennig. Reflamezeile 4. Reichsmart. Aleine Anzeigen bas fettgedruckte Wort 20 Pfennig ( aufäffia zwei fettgedruckte Borte), jebes weitere Wort 10 Bfennig. Stellengesuche bas erfte Bort 10 Pfennig, jebes weitere Bort 5 Bfennig. Worte über 15 Buch. ftaben zählen für zwei Borte. Familienanzeigen für Abonnenten Seile 30 Bfennia. Anzeigen für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags im Sauptgeschäft, Berlin 52 68, Linden. ftraße 3, abgegeben werden. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 5 Uhr nachm. Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW. 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Redaktion Dönhoff 292-295 Berlag: Dönhoff 2506-2507 Mittwoch, den 24. Juni 1925 Kampf dem Zollwucher! Zum Beginn der Zolldebatte im Reichstag. Heute beginnt im Reichstag die erste Lefung der 3ollvorlage der Reichsregierung. Genosse Wissell wird als Redner der Sozialdemokratie den Kampf gegen die unerhörte volfswirtschaftlich schädliche Belastung der breiten Massen eröffnen. Die Regierung wird bei der außerordentlich lebhaften Kritik, die die Zollvorlage nicht nur bei der Arbeiterschaft, sondern auch in weiten Kreisen der Industrie und des Handels gefunden hat, vor allem aber bei der schroffen Ablehnung jeder Hochschuzzollpolitik durch die erdrückende Mehr heit der deutschen Wissenschaftler feinen leichten Stand haben. Die Sozialdemokratie hat nicht die geringste Beranlassung, der Rechtsregierung in dieser Frage irgendwelche Schwierig feiten zu ersparen. Seit Jahr und Tag haben wir an dieser Stelle vor den verderblichen Folgen einer Hochschutzzollpolitik gewarnt. Die Agrarfrise, die durch eine zeitweilige Sentung der Getreidepreise und durch eine übermäßige Verteuerung der Produktionsmittel der Landwirtschaft herbeigeführt war, tonnie dem Reichsernährungsminister noch im Herbst v. J. als Vorwand zur Begründung der Broizölle dienen. Heute besteht diese Preistrise nich mehr. Heute sind die Lebensmittelzölle des Kabinetts Luther nichts anderes als ein Anschlag auf die Volfs ernährung, der dittiert ist von dem Willen, den Großegrariern Sondervorteile auf Roften des übrigen Boltes zu zuwenden. Nicht einmal davor schreckt die von Deutsch nationalen beschickte Regierung zurück, durch die Zollerhöhung und die damit perbundene Steigerung der der Entente perpfändeten Einnahmequellen des Reiches die uns auferlegten und von der gesamten Wirtschaft als unerträglich bezeichneten Reparationslaften zu vermehren das Ziel der Schutzölle, die Begünstigung des agrarischen und großinduftriellen Kapitals erreicht wird. Der Heltestenrat des Reichstags hat beschlossen, die erste Lejung der Zollvorlage am Mittwoch und Donnerstag zu erledigen. Die Vorlage wird dann dem handelspolitischen Ausschuß überwiesen werden. leber die weiteren Dispositionen hat der Aeltestenrat beschlojsen, nicht schon Anfang Juli die Beratungen auszufegen und zur Erledigung der Zollvorlage dann etwa im August wieder zusammenzutreten, sondern nach dem bisher in Aussicht genommenen Geschäftsplan bis zum 18. Juli fortzutagen und auch In bis dahin die Zollvorlage zu verabschieden. dieser Zeit soll nur eine schon früher in Aussicht genommene turze Pause vom 29. Juni bis zum 1. Juli eingelegt werden. Der Plan der Regierung, die Zollvorlage bis zum 18. Juli durchzupeitschen, besteht immer noch. Der Versuch zur Verwirtlichung des Planes beginnt heute aber die Hoffnungen, daß er gelingen werde, find selbst in den Kreisen der Regierungsparteien nicht groß. = wenn nur Die Front der Wirtschaftsverbände ist klar. Die Großeisenindustrie hat gleichzeitig mit dem Reichslandbund vor wenigen Tagen ihre Forderungen nach einem Hochschuzzoll wiederholt. Ebenso entschieden lehnen die Vertretungen der wirtschaftlichen Interessen der Arbei terschaft, die Gewerkschaften den 3oll a b. In einer Linie mit ihnen fämpfen große Gruppen des Handels. Daß die Haltung der Industrie nicht einheitlich ist, dafür erbrachte die Tagung des Reichsbundes der deutschen Metallindustrie einen neuen Beweis. Nach einem ausgezeichneten Referat des Ministerialrats Dr. Mahnke wurde die Entschließung angenommen, die mir gestern zum Abdrud brachten und die sich mit aller Entschiedenheit für eine wesentliche Ermäßigung aller Rohstoff- und Halbzeugzölle, sowie für die Erreichung wichtiger Handelsverträge einfetzt. Das erwähnte Referat war von Anfang bis zu Ende nichts als eine Summe von Vorwürfen gegen die Schuhsollinteressenten, die übersehen, daß die Fertigindustrie heute, der leistungsfähigeren Konkurrenz fremder Staaten ausgesetzt, hohe Materialpreise nicht mehr tragen fann. Wenn schon in dem Selbsttostenpreis eines Wassereimers von 99 Pf. 11,2 Pf. Zoll liegen, wenn Gürtelschnallen aus Bandeisen 18 Broz. an Zoll zu tragen haben, so bedeutet das eine ungeheure Be nachteiligung der eisen und metallverar. beitenden Industrien, die heute fast siebenmal so viel Arbeiter beschäftigt, wie die Rohindustrie. Ihr muß die Zollvorlage Beschäftigungsmangel, der Arbeiterschaft Arbeitslosigfeit bringen. Die Beweisgründe der Fertigindustrie sind von durchschlagender Kraft. Daß innerhalb der politischen Parteien, die hinter der Reichsregierung stehen, in der Zollvorlage starte Meinungsverschiedenheiten herrschen, ist bekannt. Den Großagrariern ist das, was die Zollvorlage bringt, noch zu wenig, die anderen Parteien müssen auf die Stimmung ihrer Wähler Rüdficht nehmen, unter denen sich zahlreiche Minderbemitelte befinden. Mit denen möchte man es sich natürlich nicht gern verderben. Aber man hat es ja schon bei der Auswertungsfrage und bei den Steuergesetzen bei den Steuergesehen gezeigt, daß der gezeigt, daß der Rechtsparteien die Rücksicht auf ihre Wähler= massen nichts gilt, wenn es sich um den Schutz des Besizes handelt. Um so machtvoller wird die Sozialdemokratie ihren Kampf gegen den Brotwucher und gegen die Gefähr dung der großen verarbeitenden Industrien aufnehmen. Und diefer Kampf wird zugleich der Kampf gegen die politische Reaktion sein, die in den Schutzöllen ein Mittel sieht, den Staat zum Diener ihres eigenen Brivat interesses zu machen. Die Dispositionen Der Redner der Sozialdemokratie. des Reichstags. Die Sigung des Reichstags beginnt heute 2½ Uhr mit der ersten Lesung der Zollvorlage. Als erster Redner der sozial| demokratischen Reichstagsfrattion spricht Genosie Biffell Die Lebensmittelteuerung nach der Zollvorlage. In dem nachfolgenden Schaubild find einige wichtige, Lebens mittel in ihrem gegenwärtigen Preisstand und ihre Berteuerung durch die geplante 3ollvorlage dargestellt. Bei Beizen, Roggen und Hafer ist außerdem darauf Rüdficht genommen worden, daß für das nächste Erntejahr nur die halben 3ollfäße in Rraft treten: Z Die Verteuerung der Lebensmittel nach der Zollvorlage Preis Anfang Juni 1925 Preis plus Zoll Spätere Zollerhöhung 9% 7 28% ราช 32% 51% 3% Weizen Roggen Hafer Butter Eier Schweine Gefrierschmalz Rindfleisch Es ergibt sich, daß die wichtigsten Getreidejorten, wenn man den Preis von Anfang Juni zugrunde legt, auf die Dauer um 28 bis 32 Broz. verteuert werden sollen, daß die ohnehin schon teuren Nahrungsmittel, wie Butter und Eier, zwar weniger, ein so ausgesprochenes Bolfsnahrungsmittel aber wie Gefrier fleisch mit 51 Broz. der Junipreise belastet werden sollen. Gegen diesen Mundraub an den Mindestbemittelten richtet sich unser Kampf. Die Industrie gegen Mindestagrarzölle. Der Reichsverband der deutschen Juduftrie lehnt Mindestzölle ab. Auf der Kölner Tagung des Reichsverbandes der deutschen Industrie fand gestern zunächst eine Sihung des Präsidiums und des Borstandes statt, bei der auch zur 3ollfrage Stellung genommen wurde. Der Borsigende faßte das Ergebnis der Aussprache dahin zufammen: Das Präsidium und der Vorftand des Reichsverbandes der deutschen Industrie vertreten den Standpunkt, daß Minimalzölle nicht in das Gefeh hineingehören, wohl aber unseren Unterhändlern bei den Berhandlungen als Ausgangspuntt zu dienen haben. Die Einführung gleitender Zölle würde nicht nutzen, sondern schaden, sie wird daher einmütig vom Präsidium und Borstand abgelehnt. Vorwärts- Verlag G.m.b. H., Berlin SW.8, Lindenstr. 3 Postschenkkonto: Berlin 37536 Bankkonto: Direktion der Diskonto- Gesellschaft, Devofitenkaffe Lindenstraße 3 Rathenaus Vergeltung. Zum 24. Juni 1922. Heute jährt sich zum dritten Male, der Tag des Entsezens, an dem mit bligartiger Schnelle durch ganz Berlin, durch ganz Deutschland, durch die ganze Welt die Kunde sich verbreitete: Rathenau ist ermordet worden! Noch find die Empfindungen wach, die diese Schreckensnachricht in unseren Herzen auslöfte, in den Herzen aller deutschen Republikaner und aller aufrichtigen Freunde des deutschen Bolkes jenseits der Grenze. Wir erleben heute noch im Geiste die Ereignisse, die sich damals in stürmischem Tempo aneinanderreihten: die erregten Szenen in den Hallen des Reichstages, aus dem Helfferich freideweiß flüchten mußte, nachdem er soeben von einem völkischen Jüngling emen Rosenstrauß als Dank für die demagogische Anklagerede empfangen hatte, die er tags zuvor gegen Rathenau gehalten haite. Am Nach mittag die erhebende Plenarsizung, in der Reichskanzler Wirth, neben dem leeren, mit einem schlichten Tannenzweig gefchmückten Platz feines gefallenen Mitarbeiters stehend, leidenschaftliche Anklage erhob, die in den jene Worten gipfelte: Der Feind steht rechts!" Das von Otto Wels unmittelbar anschließend daran ausgebrachte Hoch auf die Republik, das von Hunderten im Saale und auf den Tribünen wie ein Racheschwur aufgenommen wurde. In den folgenden Tagen ging eine ungeheure Bewegung durd) die Maffen des republikanischen deutschen Volkes. Nahezu eine Million Berliner demonstrierte im Lustgarten gegen die Mordhezze der Deutschnationalen. In allen großen und fleinen Städten marschierten die Massen zur gleichen Stunde auf. Ach, wie kleinlaut waren sie damals, die Herren von der Rechten! Wie sehr zeigten sie sich bereit, bei der Verabschie dung des Republitschuhgefeßes alle nötigen Zugeständnisse zu machen, um ja die angedrohte Reichstagsauflösung zu vermeiden! " Aber bald regte sich in ihnen wieder, nach kaum überstandener Todesangst, der hinterhältige Wille zum Wider= stand. Der passive Widerstand Kahr- Bayerns gab ihnen mieder Mut. Schritt für Schritt wich der Reichstag zuriid, das Reich schloß mit Bayern faule Kompromisse und mährend als einzige Frucht der Erbitterung und Begeisterung aus den Junitagen des Mordes die Wiedervereini gung der beiden Flügel der Sozialdemokratie in Nürnberg reifte, war der Abwehrwille der Mittelparteien gegen die Reaktion bereits im Herbst vollständig abgeflaut. Barum war Rathenau ermordet worden? Weil unreife völkische Landsknechtsseelen durch die monatelange Bühlarbeit der deutschnationalen und deutschvölkischen Presse zu der blödsinnigen Ueberzeugung gefommen waren, Rathenan perrate bewußt und planmäßig die Intereffen des deutschen Volfes, und zwar verrate er sie, weil er Jude sei, einer der dreihundert Weisen von Zion", die an allem schuld seien, am Kriegsausbruch, am Kriegsverlust, an der Revolution, am Bersailler Bertrag, an der Teuerung und überhaupt an allem, was das deutsche Bolt seit 1914 über sich hat ergehen lassen müssen. In den Augen der nationalen Kreise", als deren Borhut sich die Mordverschwörer betrachteten, war die Erfüllungspolitif das programmatische Schlagwort dieses fortgesezten Landesverrates. Diesem programmatischen Schlagwort hatte Dr. Helfferich die Parole entgegen gefeßt, daß sich das deutsche Volk endlich eine Regierung geben müßte, die den Mut hätte, auf jede weitere Forderung der Sieger mit einem flaren, entschlossenen Rein" zu antworten, ,, fomme, was tommen mag". Ein halbes Jahr nach dem Tode Walter Rathenaus war man durch den Kleinmut des sogenannten liberalen Bürgertums bereits so weit, daß man das außenpolitische Programm Walter Rathenaus verließ und sich dem Programm Helfferichs näherte. Die Stinnes- und Hugenberg- Bresse hatte es glücklich durchgefeht, daß man, um ein Gegengewicht gegen die durch die Nürnberger Einigung erstarkte Sozialdemokratie zu schaffen, die Deutsche Volkspartei zur Regierung heranzog und die Sozialdemokratische Partei zur Seite schob. Es tam die berühmte Aera Cuno Rosenberg, die nach außen hin weitere Erfüllungspolitik zu treiben vorgab, aber in Wirflichkeit von den Ratschlägen der Helfferich und Stinnes beherrscht wurde es fam die Ruhrbesehung, die Inflation, der allgemeine Zusammenbruch, der nur des halb nicht in ein völliges Chaos ausartete, weil wieder einmo! die Sozialdemokratie im Interesse des Volksganzen ein letztes Mal in die Bresche sprang. Die Erinnerung an diefes Experiment der Cuno- Regie: rung ist in allen Kreisen des deutschen Volkes noch so wach, daß teine Partei es mehr wagen kann, das Helfferichsche Schlagwort des„ flaren, entschiedenen Nein" auszusprechen. Die Deutsch nationalen haben zwar durch Lug und Betrug, durch demagogische Versprechungen und durch dreiste Spekulationen auf die Dummheit der Wähler ihre parlamen tarische Macht vorübergehend wesentlich stärken fönnen imb sind jetzt Regierungspartei geworden. 21ber auch fic tönnen nicht anders, als ebenfalls Rathe nausche Erfüllungspolitif zu treiben, d " Car auf allen Gebieten: Ausführung des Dames- Plans, I fehlt, bei Wahlen erringen zu können, so wird das Parlament Berhandlungen über die Entwaffnungsforderungen ja, fie aufgelöst. gehen sogar noch viel weiter als ein Rathenau: sie haben sich bereit erklärt, um den emigen Frieden zu sichern, auf ElsaßLothringen endgültig zu verzichten. Das ist die Vergeltung des Geistes Walter Rathenaus an denen, die ihn einst beschimpften und mordeten. In diesen unlösbaren Widerspruch zwischen Theorie und Pragis verstrickt, wissen die Deutschnationalen weder ein noch aus und ihr Führer Hergt ist der Berzweiflung nahe". Jeder scheinbare Sieg, den fie in den legten Jahren errungen haben, erweist sich jeden Tag mehr als ein Byrrhus- Sieg- nicht zuletzt die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Sie haben diese Wahl mit Hilfe der Organisationen erreicht, die an Rathenaus Ermordung unmittelbar beteiligt waren man vergesse niemals, daß der erfte Aufruf des Rechtsblocs auch den Namen des DC. Rillinger trug, fie haben die Wahlschlacht unter jenen schwarzweißroten Farben geführt, die vor drei Jahren bas Grab der Mörder der Mörder schmückten. Aber auch der mit diesen Hilfskräften gewählte Reichspräsident fann nicht anders als der Republik die Treue zu geloben, die einst Rathenau mit seinem Tode besiegelt hat. Er fann nicht anders als jene Politik der Erfüllung zu decken, die einst Rathenau mit seinem Leben bezahlt hat. Im Arbeitszimmer des verstorbenen Reichspräsidenten Ebert hing ein Bild Walter Rathenaus, das jedem Befucher fofort an den Leidensweg erinnerte, den die deutsche Republik in den letzten Jahren gehen mußte. Wir wissen nicht, ob dieses Bild auch jezt noch dort hängt. Aber gleichviel, ob an der Arbeitsstätte des höchsten Repräsentanten der deutschen Republik die Züge Walter Rathenaus den Rhrenplatz einnehmen, der ihnen gebührt, gleichpiel, ob er mit seinem traurigen, träume rischen und etwas ironischen Blick die Minister der Rechtsregierung noch mahnt, wenn sie dem Reichspräsidenten Bortrag halten der Geist Walter Rathenaus beherrscht, stärker denn je, die Politik des Deutschen Reiches und rächt fich damit tagtäglich an denen, die diesen Mann einst zu Tode hezten. Gerede um Preußen. Krifenhoffnungen der Rechten. Die Deutschnationalen haben den direkten Ansturm gegen die Regierung Braun aufgeben müssen, weil sie der Hilfe der äußersten Linten nicht mehr ganz sicher sind. Desto starter richtet sich jetzt ihr Intereffe auf die Mitte. Gewisse Boltsgemeinschafts"-Pläne find zwar zunächst auf stolze Ablehnung gestoßen, doch scheint es sich dabei mehr um eine Händlergeste gehandelt zu haben. Im Grunde wären die Deutschnationalen sehr froh, wenn sie sich auf irgendeine Weise in die Preußenregierung hineinmanövrieren fönnten viel leicht würden sie sogar sehr gerne die außenpolitischen Sorgen des Reiches andern überlassen, wenn sie nur in Preußen ein antirepublikanisches, schwarzweißrotes Regiment aufrichten fönnten. Die Revolution ist doch erst dann so gut wie pollständig liquidiert, wenn Preußen wieder von den Junfern regiert wird. 130 Daß die vertraulich geführten Unterhaltungen über die Umbildung der Regierung Braun" die Deutschnationalen ihrem Ziel näher bringen fönnten, dünft uns menig mahrscheinlich. Aber offenbar ist das parlamentarische System etwas, was für die politischen Barteien Deutschlands fehr schwer zu erlernen ist. Nach dem parlamentarischen System bleibt eine Regierung solange im Amte, als ihr nicht das Barlament das Bertrauen entzieht. Stellt sich die Unmöglichkeit der Zusammenarbeit zwischen der Regierung und dem Parlament heraus, dann ist es Sache der Parteien, für eine neue Regierung zu forgen; find sie dazu nicht imftande oder glaubt die Regierung die Mehrheit, die ihr im Parlament Walter Rathenau. ( Ermordet am 24. Juni 1922.) In jeder Werkstatt glomm die But: Und wieder trant die Straße Blut Aus heißem Herzensschaffen So nehmt die Republik in Hut! Gebt freien Bürgern Waffen! Es war ein Bolt im Trauerkleid, Das sprach am Grabe heiligen Eid und hat ihn freu gehalten. Ihr Jungen, die ihr Stürmer seid, Müßt ganzes Werf gestalten. Nimm, Freiheit, deinen kühnften Flug! Was Zorn aus Stein der Qualen schlug, Sie sollen dran nicht rütteln. Bir duldeten an Schmach genug Bon Herren und von Bütteln. Die Fahnen hoch! Durch träge Zeit Den Fahnen rasches Herz geweiht, Dem Bund der ernsten Farben! In Weg und Mut zur Tat bereit, Da Deutschlands Freie starben! Und gärt der Sinn dir übervoll, Die schwarzrotgoldne Fahne foll Wie Zorn und Feuer schlagen. Im Lieben start und start im Groll Bird Volk die Fahnen tragen. Der einsam durch ein Leben war, Im stillen Denten reif und flar Und groß in edler Rede, Er ruft aus heiliger Totenschar Das Wort zu heiliger Fehde. In jedem Berkstatteisenschall Der Arbeitsherzen Widerhall Und feuriges Geloben, Sei Lebender, allüberall Ins Herz des Bolfs erhoben! Franz Rothenfelder. Drei große Männer. Auf Einladung der Goethe- Gesellschaft, Heidelberg, wird Gustav Stresemann dort einen Bortrag halten über, Goethe und Napoleon". Der nächste Deche Juriftentag. In der Deputationssitung wurde chloffen, den nächsten Deutschen Juristentag im Jahre 1926 in In finden zu lassen. Würde man in Preußen nach diesen einfachen Regeln verfahren, würde sich vieles viel einfacher gestalten, als es jezt der Fall ist. Wer eine neue Regierung wünscht, der möge das doch im Plenum des Landtags sagen und dementsprechend handeln. Besteht feine Neigung zu einem derartigen Borgehen, so hat das Verhandeln über Regierungsumbildung, Verbreiterung der Regierungsbasis usw. teinen andern Erfolg als den, das politische Leben dauernd zu beunruhigen. Darum haben wir uns von dem Gerede und Gerate über Preußen nach Möglichkeit ferngehalten und tun es jegt noch. Daß eine Rechtswendung in Preußen tief gehende Wirkungen auf das Berhalten der Sozialdemokratie und auf das ganze politische Leben Deutschlands ausüben müßte, versteht sich von selbst. Im übrigen wäre es wider alle Logit, wenn es den Deutschnationalen gelingen würde, nach ihrer Riesen pleite im Reich neue Machtpofitionen in Preußen zu erringen. Eine solche Sünde mider die Logit würde von der Entwicklung sehr bald wieder forrigiert werden. Zum selben Thema schreibt die ,, Bossische Zeitung": Im Preußischen Landtag find die Berhandlungen wieder aufge. nommen worden, die auf eine Verbreiterung der jeßigen Regierungsbasis hinzielen. Die Vertreter des Zentrums, der Demokraten, der Sozialdemokraten und der Deutschen Volkspartei haben erneut die Möglichkeit besprochen, ob an eine Wiederherstellung Der Großen Roalition in nächster Zeit zu denken wäre. Die Zentrumsfraktion hat sich wiederum für den am 9. Juni d. 3. gefaßten Beschluß erklärt, wonach fie eine Umbildung der preußischen Regierung für wünschenswert erachtet. Diese Rundgebung des Diese Rundgebung des preußischen Zentrums hat, wie wir aus Zentrumsfreifen erfahren, feinerlei Spike gegen die jeßigen preußischen Regierungsparteien; es find deshalb auch teine ton treten Borschläge vom 3entrum gemacht worden, in welcher Weise die Umbildung der Regierung herbeizuführen sei, sondern der Beschluß soll lediglich bezweden, die Besprechungen in Fluß zu bringen. Tagung des Reichsparteivorstandes des Zentrums. Der ursprünglich für den 26. Juni einberufene Reichsparteivorstand der Zentrumspartei ist gestern vormittag in Berlin im Reichstagsgebäude zur Beratung der politischen Lage und innerer Parteiangelegenheiten zusammengetreten. Der Wohnstätten- Trianon- Film- Skandal. Schwerwiegende Aussagen des Ministerialrats Karftaedt. stättengesellschaft machte Ministerialrat Dr. Karstaedt, der Am gestrigen Verhandlungstag im Brozeß gegen die WohnGeneralreferent für den Haushalt im Reichsarbeitsministerium, Ausfagen, die ein grelles Licht auf das Vorgehen der Direktoren der Wohnftättengesellschaft warfen. Nach Ansicht des Ministerialrats war die Wohnftättengesellschaft nur berechtigt, mittel zu verlangen, die unmittelbar für das ihr gesteckte Ziel notwendig waren. Hätte man gewußt, daß die Wohnftätte im Ueberfluß im Geld schwamm, dann würde nicht weitergezahlt worden sein. Im Ministerium war man ohnehin über die hohen Geldanforderungen der Wohnstätte Dermundert, da nicht gebaut wurde. Die Gesellschaft erklärte aber, daß fie die Kapitalien zum Anlauf von Baumaterialien, die jetzt billig zu kaufen feien, brauche. Als durchaus unzulässig bezeichnete der Zeuge und Sachverständige ihre Strebite an den Trianon- Film, durch die ein schwer zu berechnender Schaden für das Reich entstanden fei, denn das Reich habe die Wohnftätte infolge der Zahlungsunfähigkeit des Trianon- Films fanieren müffen, indem es ihre erststelligen Hypotheken an die zweite Stelle jehte. Außerdem wurden die Wohnungsbauten monatelang verzögert, jo daß das Reich den wohnungslosen Beamten weitere Wohnungsbeihilfen zahlen mußte. Geh. Glas hielt dem Zeugen entgegen, daß durch eine Verfügung des Reichsarbeitsministeriums der Wohnstätte ausdrücklich verboten war, die aus der Erwerbslosenfürsorge stammenden Gelder anders als für Bauten zu verwenden. 3euge Karsta edt blieb aber bei seiner Auffassung. Erinnerung. Heute vor einem Jahre, ist es gewesen, tiefblau war der Himmel, heiß schien die Sonne, und eine große Heiterfeit lag über Berlin. Wie zehntausend andere ging auch ich an diesem Tag spazieren, durch den Grunewald lief ich, zur Königsallee fam was ist dort unten los? Fast am Ende der langen, stillen Straße? Vor einer edelgebauten Billa warten drei Autos, stehen zehn, zwölf Leute " Bolt", fünf Filmmänner, zwei Photographen, ein paar Schupos? Rathenaus Todestag! In feinem Heim vollzieht sich in dieser Stunde die Gründung der Rathenau- Stiftung und in wohl geformten Reden wird des Führers gedacht. Draußen auf der Straße tut man dasselbe in schlichtem Gespräch. Da ist einer, der hat schon sehr viel von Rathenau gelesen und er schwärmt vom Wirtschaftler ebenso sehr wie vom Bhilosophen und Kunstästheten. Da ist ein junger Mensch, friedliebend, europagläubig, und recht hat er mit seinem harten Urteil über die Mordschuldigen. Da ist ein junges Mädchen, das hatte vor einem Jahr aus der Nähe die Schüsse, mit denen die Gemeinften einen der Edelſten trafen, gehört. Und wie man dann noch auf die gewaltigen Demonftrationen des Boltes zu sprechen fommt, da tut sich die Tür des Hauses auf, es tommen Rathenaus greife Mutter, seine Schwester, ein paar hohe und allerhöchfte Herren von der Regierung", und der eine von ihnen, jeder erfennt und grüßt ihn sofort, das ist der Reichspräsident Friedrich Ebert. Das leise Gespräch verstummt völlig, die Filmmänner turbeln, die Photographen Inipsen, die Schupos sperren ab, schon brummen die Motoren der Autos, der Wagen mit der schwarzrotgoldenen Präsidentenstandarte fezt sich als erster in Bewegung, die anderen folgen sofort nach, die Leute zerstreuen sich schnell, ein Pförtner schließt das Haustor ab, und wenige Minuten später ist's in der Königsallee so still und so feierlich wie sonst. Herbst tam ins Land, Winter wurde es, und wieder hatte die Republik Anlaß, einen großen Toten zu beklagen. Diesmal waren die Gegner vorsichtiger zu Werk gegangen: sie haben den Berhaßten mit ihrer Niedrigkeit ins Grab gequält.. Eine große Zeit, eine herrliche Zeit! Erich Gottgetreu. Natureindrud und Bildform. In der ersten Abendgeselligkeit in der Ausstellung„ Berliner Kunst 1925", die gegenwärtig im Deutschen Opernhaus zu sehen ist, hielt Prof. Dr. Hans Madowsti einen Vortrag über Natureindruc". Der lange Er erläuterte zuerst den Begriff Natureindrud". Der lange als unumstößlich richtig angesehene Ausspruch des Aristoteles, daß bildende Kunst Natur na chahmung fei, erflärte er für ziemlich oberflächlich. Mit photographischer Treue nachgeschaffene Natur fann noch feinesfalls ein Kunstwert sein, wenigftens dann nicht, wenn wir das Wort Natur" in dem uns geläufigen Sinne nehmen. Prof. Mackowosti zitierte Schellings Wert über„ Die Nachahmung und Darstellung der Natur in der bildenden Kunst", in dem Schelling die Natur als die heilige Urfraft der Welt" definiert. In diesem höheren Sinne fönnen wir mit der Erklärung einverstanden sein, daß die Kunst Naturnachahmung ist. Bloße Abbil. bung der Dinge aber mar nie kunst und wird es nie fein; erst die Erhebung über das Gegenständliche Deutschnationale Vergeßlichkeit. Wie sie die Aufwertungsversprechungen in den Wind schlagen. Der deutschnationale Graf Westarp ist sehr nachdrücklich an seine Wahiversprechungen in der Auswertungsfrage erinnnert worden. Er will jezt von seinen Bersprechungen nichts mehr wissen. In gleicher Lage wie er befinden sich die Herren Lawerenz und Oberfohren von der deutschnationalen Reichstagsfraktion. Auch sie werden jetzt an feierliche Bersprechungen erinnert. Herr Lawerenz hat vor den Maiwahlen zwei Herren vom Sparerbund folgende Erklärung abgegeben: Meine Herren, eine große Partei wie die unjere, fann feine Opportunitäts- und Augenblidspolitit, sondern nur Politit auf lange Sicht machen, eine solche ist aber nur auf dem Boden des Rechts möglich, wir können und werden daher auch die Regelung der Aufwertung nur auf dem Boden des Rechts vornehmen." " Das Organ des Sparerbunds fragt ihn nun erregt, mo das Recht beim Aufwertungskompromiß bleibt? Herr Oberfohren wird in einem ,, Offenen Brief" im Fehmarnschen Inselboten" zur Rede gestellt, in der es heißt: „ Es wird Ihnen noch erinnerlich sein, daß Sie vor den Reichstagswahlen an mich schrieben:„ In der Auswertungsfrage werde ich mich auf den Standpunkt stellen, den das Reichsgericht vom 28. November 1923 eingenommen hat." Das Urteil dieses unseres höchsten Gerichts aber lautet, daß voll mit 100 Prozent aufgewertet werden muß, wenn das beliehene Grundstück jetzt noch denselben Wert hat, den es bei der Beleihung hatte und der Schuldner hierzu in der Lage ift." renz und Graf West arp noch einen anderen StandHerr Oberfohren hat sich ebenso wie Herr Lame= ben Leuten recht, warum waren sie so dumm, unseren Berpunkt angewöhnt. Vielleicht meinen die Herren: es geschieht sprechungen zu trauen. Nie so dumm gewesen... Deutschnationales Geständnis im Landtag. Präsident Bartels teilte gestern in der zweiten Sigung des Landtages mit, daß die Abstimmung über die angefochtenen Titel sowie über die gestellten Anträge und Entschließungen am Mittwoch im Anschluß an die Abstimmungen über den Landwirtschaftshaushalt stattfinden soll. Darauf wird der Rest des Gestütshaushaltes in furzer Aussprache erledigt und in die zweite Beratung des Domänenhaushalts eingetreten, über dessen Anträge Abg. Weißermel( Dnat.) berichtet. Abg. Klaußner( Soz.) erklärt im Gegensatz zu dem Berichterstatter, daß die Selbstbewirtschaftung der Domänen durchaus rentabel sei. In einer Replik gibt der deutschnationale Abg. Wende- Winzig die höhnische Erflärung ab, er fei nie so dumm gewesen, an eine 100prozentige Aufwertung zu glauben, und spricht sich im übrigen gegen die Selbstbewirtschaf= tung aus. Abg. Dr. Graß- Koblenz( 3.) mill der Beunruhigung über die in der Inflationszeit zu hoch getriebenen Bachtpreise für Domänengrundstücke in den Kreisen der Kleinpächter baldigst ein Ende gemacht wissen. Abg. Stendel( D. Bp.) betont, daß das Bachtsystem sich in ganz Deutschland bewährt habe; im Augenblick fei es nicht tunlich, die Bachtschukordnung aufzu heben. Staatssekretär Pamm macht darauf Mitteilung über den Stand der Kultivierungsarbeiten in den Hochmooren, Ministerialdirektor Arnoldi berichtet über die Verpachtung des Seebades Nordernen. Nach einer Polemik des Abg. Stjellerup( Komm.) gegen die Sozialdemokraten, der diesen vorwarf, daß sie auch in der Zollfrage nur einen Scheintampf führten, vertagte das Haus die Fort fegung der Etatsberatung auf Mittwoch 12 Uhr.- Schluß 4 Uhr 45 Minuten. Jn Hongkong, das britischer Befiz ist, streiten alle Chinesen, die irgendwie in englischen Diensten standen, auch die Seeleute und Hausgehilfen. Hausgehilfen. 15 000 Europäer und Japaner, zum Teil aus anderen chinesischen Orten geflüchtet, find in Hongkong fonzentriert. zur Bildform schafft ein Kunstwert. Und es ist ohne Uebertreibung gesprochen, wenn Mar Liebermann einmal fagt, eine gut gemalte Rübe sei als Kunstwert soviel mert wie eine gut gemalte Madonna, mag auch der Schöpfer des einen Werkes menschlich höher stehen als der des anderen. Das zeigt deutlich, daß dieser Führer des Impressionismus niemals an eine bloge Naturnachahmung denten fonnte, was natürlich er selber auch auf das energischste ablehnt. Prof. Mackowski gab dann einen Ueberblid über die Bildgestaltung des 19. Jahrhunderts. 3war gibt es im Grunde so viele Bildformen, wie es Rünstler gibt; doch wird sich schließlich der Schwächere immer an den Stärferen anlehnen und ihn, unbewußt vielleicht, zum Vorbild nehmen. So ist die Erscheinung zu erklären, daß eine Bildform plötzlich da ist, sich auslebt und durch eine neue ersetzt wird. Im Anfang des 19. Jahrhunderts griffen die Schöpfer der idealen und heroischen Landschaft nach den Vorbildern Poussins und Claude Lorrains; zwischen dunkle Seitenfulissen stellten sie eine weite, startbeleuchtete Mitte. Auf diefe Epoche folgten, nach dem furzen, romantischen 3wischenspiel der Nazarener, die Deutschrömer. Ihr Ziel war Raumgestaltung durch Raumgliederung mittels Linien und Farben. Prof. Madomsti zeigte das durch Erläuterung von Bildern von Er beendete seinen Vortrag mit dem Bödlin und Marées. Hinweis, daß alle Runstwerte am besten zu verstehen feien als Gleichnisse, in denen der Künstler seine Seele erklärt. Nach dem Vortrage spielte Prof. Kurt Schubert Liszts" Venezia e Napoli". Das Wert fand bei allen Anwesenden eine dankbare Aufnahme, trotzdem es leider infolge der ungünstigen Akustik des Raumes nicht voll zur Geltung fam. Der Kampf um Darwin als Spekulationsobjekt. Wie wir bereits mitteilten, hat die Regierung des amerikanischen Bundesstaates Tennessee dem Prof. John L. Scopes streng untersagt, die Darwinsche Lehre weiter vom Katheder herab zu verfünden. Der gestrenge Gouverneur von Tennessee ärgerte fich über die von Scopes vertretene Lehre Darwins fo, daß er das Disziplinarverfahren einleitete. Dieses Verfahren hat bezeichnenderweise folgende Wirkungen gehabt. Eine Filmgesellschaft bot dem Gemaßregelten 110 000 Dollar, wenn er sich bereit finden würde, die Hauptphasen der Entwicklung des Menschen im Film zu veranschaulichen, und ein Pressefonzern wollte für 60 000 Dollar eine Artitelserie von ihm. Prof. Scopes hat diese verlockenden Anträge aber abgelehnt, obzwar er sich, jeit die Regierung von Tennessee ihn gemaßregelt hat, in bedrängten Berhältnissen befindet. Eine neue Polaregpedifion. Der Polarforscher Mgarfon ist in Liverpool nach dem hohen Norden in See gegangen. Die Expedition will das zwischen Spizbergen und Franz- Josephs- Land gelegene unbekannte Gebiet erforschen. Schließung der Brivatbibliotheken und-Cesehallen in Petersburg. Betersburger Sowjetbehörden haben die Schließung aller Privatbibliothelen und Lefeballen angeordnet. Es soll eine große fommunale Leihbibliothet geschaffen werden. Die Eine Brobibifio- Steuer auf Revolver. Der ehemalige amerikanische Präsidentschaftskandidat Me Adoo hielt fürzlich in einem politischen Verein einen Vortrag, in dem er die amerikanische Borliebe für Revolver scharf geißelte. Um diesem llebelſtand zu steuern, machte McAdoo den Vorschlag auf den Berlauf eines jeden Revolvers eine Steuer von 75 Dollar zu legen. Die Vachtschlckorünung verlängert. Schwere Kämpfe im Reichstag. 7.".e längere Zeit hinausgeschobene zweite Lesung der Pachtschutzordnung führte am Dienstag zu heftigen Auseinandersetzungen im Reichstag. In der A b st i m m u n g ging das Plenum des Reichstages mit knapper Mehrheit über die Beschlüsse des Ausschusses hinaus. So wurde beschlossen, das sämtliche Pachtverträge nichl nur die unter 10 Hektar wieder unter die Pacht schutzordnung fallen, die jetzt bis zum 30. September 1927 verlängert wurde. Dieses den Pächtern günstige Abstimmungsergebnis ver- danken sie in erster Linie den Linken. Die sozialistischen Parteien sowie die Demokraten stimmten geschlosien für die Pächter. Die Rechtsparteien mit ganz wenigen Aus- nahmen gegen dieselben. Das Zentrum spaltete sich. Doch stimmte die Mehrheit für die Pächter. Der Kampf um Sie Umsatzsteuer. Heftige Auseinandersetzungen im Steuerausschuh. Trotz des allgemeinen Verlangens der Derbraucher und eines großen Teils von Industrie, Handel und Gewerbe hat die Reichs- Regierung in ihren Steueroorlagen keine Ermäßigung zcr Umsatz st euer vorgesehen. Bei den Beratungen im Steuer- äusschuß aber ist von ihr auf das Verlangen der Linken zugestanden worden, daß die Ermäßigung der Umsatzsteuer bei der ersten Lesung der Steuervorlagen behandelt werden solle. Dieses Ver- sprechen wurde nicht g eh alten. Als der Zeitpunkt für die Erörterung der Umsatzsteuer herangekommen war, faßten die Regierungsparteien den Beschluß, sie bis zum Ende der zweiten Lesung zu vertagen. Es wiederholt sich also bei der Umsatzsteuer dasselbe Schauspiel. das der Reichstag seit dem Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung mehrfach erlebt hat. Visher schärsste Gegner der Umsatzsteuer, sind die Deutschnationalen jetzt begeisterte Zreunde. Und wenn sie dabei die Unterstützung der Großindustrie finden, so deshalb, weil für diese die Umsatzsteuer die gegenwärtig wichtigste Quelle ihrer Ueberlegenheit über diejenigen ihrer Konkurrenten begründet, die die Umsatzsteuer zahlen, während die großen Konzerne sie nicht zu ent- richten brauchen. Die Reichsregierung aber verfolgt mit der Verschiebung der Um» satzsteuer noch«inen anderen Zweck. Sie will unter allen Umständen die Erhöhung der Verbrauchssteuern auf Bier und Tabak, Zucker und Salz durchsetzen. Für die erhöhte Besteuerung von vier und Tobak hak sie keine Mehrheit. Denn Bayerisch« Dolkzpartei und Deutsche Dolkspartei lehnen diese Steuern ab. Das Ziel der Re- gierung ist deshalb, für diese Vorlagen Unterstützung bei den L i n k s- Parteien zu finden, die sie zu erringen hofft, indem sie die Er. Mäßigung der Umsatzsteuer abhängig macht von der Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer. Infolgedessen kam es am Dienstag im Steuerausschuß des Reichstags zu heftigen Auseinandersetzungen. Di« Sozialdemokratie beantragte, zunächst die Umsatzsteuer zu beraten und wurde darin von den Demokraten und den Kommunisten unterstützt. Die Reichs- regiecung und die bürgerlichen Parteien widersprachen jedoch der Beratung der Umsatzsteuer. Erst müsse das Ergebnis der Erhöhung der Verbrauchsbesteuerung abgewartet werden. Bei dieser Gelegen- heit wurde auch von der Linken darüber Beschwerde geführt, daß durch die Heraufsetzung der Mitgliederzahl des Steuerausschuffes der Einfluß der Linken widerrechtlich g«. schmälert werden soll£ Das sei eine Vergewaltigung der Minderheit, die man sich unter keinen Umständen gefallen lassen werde. Der An- trag, die Umsatzstuer sofort zu beraten, wurde abgelehnt. Es wurde dann das Gesetz über die Erhöhung der Bier- und Tabaksteuer zur Beratung gestellt. Demokraten und Sozial» dem ock roten beantragen die Ablehnung dieser Steuer. erhöhung. Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Preyer erklärte sich für die Erhöhung, auch wenn sie mit einer Erhöhung unserer Re> parationslast verbunden fei. Die Abgg. Dr. horlacher(Bayr. Vp.) und Dr. Eremer(D. Dp.) wenden sich gegen die Erhöhungen, insbesondere gegen die Erhöhung der Biersteuer. Bei dieser Sachlage stand die Ablehnung der Regierungsvorlagen in Aussicht. Die Regierung«. Parteien beantragten infolgedessen die Aussetzung der Ab- st i m m u n g, um für Kompromißoerhandlungen Zeit und Gelegen- heit zu schaffen. So wurde auch beschlossen. Sarmats Beziehungen. Zweite Vernehmung Julius Barmats durch Prof. Leidig. Di« Vernehmung von Julius Barmat wurde Dienstag nachmittag in dessen Wohnung durch den Vorsitzenden des preußische» Untersuchungsausschusses Dr. Leidig fortgesetzt. Anwesend sind Abg. H e i l m a n n. der frühere Polizeipräsident Richter, der frühere Abgeordnete Gustav Bauer, Finanzrat Dr. H e l l w i g. Rechtsanwalt Dr. S ch w e r f e n z, i« ein Vertreter der sozial- demokratischen und der bürgerlichen Presse. Es sollen noch die Be< Ziehungen erörtert werden, die Julius Barmat zu politischen Person- lichkeiten gehobt-hat. Dr. Leidig geht zunächst von den Aussagen au», die Herr Tannenzapf vor dem Untersuchungsausschuß gemacht hat. Zunächst werden die Behauptungen dieses Kron> .eugen über angebliche Kontos, die in der Amsterdamer Amerima Mir mehrere politische Persönlichkeiten als Geschäftsunkosten geführt wurden, erörtert. Barmat erklärt sich bereit, die Bücher der Amster- damer„Amexima* nach Berlin kommen zu lassen, um zu beweisen, daß diese Erzählungen absolut unwahr sind. Gegenüber den Behauptungen des Tannenzapf. daß Barmat kein eigenes Vermögen in Holland besessen habe, stellte Barmat fest, daß die„Amexima" mindestens 3—4 Millionen Gulden :quider Mittel im Herbst 1924 besaß. Schließlich erklärt Barmat: .Es ist geradezu aufregend, wenn ein Serl so getnela lügt." Es liegen eidesstattliche Versicherungen der Leiter er Amlleroamer Amexima vor, wonach das Gegenteil rich- - a ist Wir hatten Mittel genug, um sämtliche ausländische Unter- ehmungen zu finanzieren. Nach einer Aufstellung hat die Amster- damer Amexima Ende vorigen Jahres 6 bis 7 Millionen an diese Finanzierungen gewendet. Man wird meine Erregung be- greifen, wenn ein Mann, der bei uns beschäftigt war. letzt als Spitzel gegen uns auftritt. Tannenzapf hatte ja auch be- hauptet. er habe keine Verbindung mit dem Sttaats- Anwalt gehabt. Dos Gegenteil»st festgestellt worden. Als meine Frau versuchen wollte, ihn bei einer Begegnung im Zoologischen Garten festnehmen zu lassen, um das von ihm g e- stohlene Material beschlagnehmen zu lassen. Hot er sich so- fort mit der Staatsanwaltschaft in Verbindung gesetzt. Die Herren äußmann und Caspari haben das bestätigt, er wurde auch sofort freigelassen, ohne daß man das von ihm gestohleue Material erhielt. Dr. Leidig: Wir wollen uns mehr der Erörterung der De- Ziehungen zuwenden, die Sie zu einzelnen Herren, die im öffent- lichen Leben stehen, unterholten haben. Wie haben Sie Herrn Lauer kennengelernt. Barmat: Nach meiner Erinnerung hat mich Herr Bauer im Jahre 1920, als die Angriffe in der„Volkszektung" auf mich er- folgten, zu sich geladen. Er sagte mir:„Was gegen Sie vorgebracht wird, geht mich nichts gn, aber da die Regierung angegriffen wird, so ist es meine Pflicht, mich darum zu kümmern." Nach dem Aus- cheiden Bauers aus der Regierung fei er mit ihm privat zu- ammengekommen, er habe ihn gefragt, ob er nicht gelegentlich für ihn tätig sein wolle. Bauer hat auch ein Geschäft vermittell, näm- lich den Verkauf eines Postens S t a ch e l d r a h t, der in Lettland lag, und ich habe ihm dafür eine Vermittlungsgebühr von 10 Proz. zugesagt. Bei der Abrechnung ist es darüber zu Differenzen gekommen. Dr. Leidig: Wie haben Sie den früheren Polizeipräsidenten Richter kennengelernt? Barmat: Herrn Richter lernte ich als Parteigenossen kennen, ich wurde mit ihm später ebenso wie mit Herrn H e i l m a n n sehr befreundet, und insbesondere, als ich ahne Familie in Berlin war, war es mir sehr angenehm, mit Richter und Heilmann oft zu- sommenkommen zu können. Mit Richter habe ich über Ge- schäfte gar nicht sprechen können, da er nach meiner Meinung von Geslyäften überhaupt nichts versteht. Wenn Herr Tannenzapf behauptet, Richter und Heilmann hätten sich stets solange in der Merkurbank aufgehalten, daß ich für andere Leute gar nicht zu sprechen gewesen wäre, so ist auch das falsch. Dr. Leidig: Wie haben Sie Herrn H e i l m a n n kennen- gelernt? Barmat: Ich lernte Herrn Heitmann durch Herrn Mathysen, den Sekretär der holländischen Sozialdemokratischen Partei kennen. Heilmann war damals Korrespondent des Rotter- damer„Aorwaarts", er hat pro Artikel 15 Gulden Honorar von diesem Blatte erhalten, für andere Beiträge entsprechende kleinere Summen. Einmal hat mir Heilmann einen versiegelten Brief des „Vorwaarts" mit 40 Gulden gezeigt. Ich habe ihn gesragt, warum er so wenig für den„Vorwaarts" schreibe, er war damals aber außerordentlich stark mit seiner Korrespondenz der PPN., mit Wahl- reisen usw. beschäftigt. Bon mir hat Heilmann für diese Tätig- keit nicht einen Pfennig erhalten. Später wurden wir sehr befreundet und ich freue mich, daß diese Freundschaft auch heute noch wenigstens von meiner Seite besteht. Zahlungen hat Heilmann von mir"niemals erhalten, denn Freundschaft läßt sich nicht bezahlen. In den Aussichtsrat meiner(Hrfellschaft habe Ich' ihn auch lediglich als Freund ausgenommen, er hat bisher n i e- mals eine Entschädigung dafür erhalten. Er war öfters mein Gast, sowohl hier wie in Holland. Ich habe dann natürlich, wie es meine Pflicht war, für ihn bezahlt, ich habe ihm auch sonst die Auslagen zurückerstattet, die er für mich hatte. Dr. Leidig fragt dann, wie da» Empfehlung»- schreiben an die Staatsbank zufwndegekommen sei. Barmat: Herr L ü d e m a n n hat bei der Staatsbank ange- rufen, ich erhielt dann von den Herren Bauer und Gradnauer, den ich kennengelernt hatte, das Empfehlungsschreiben, das mir le d i g l i ch Eingang bei dem Präsidenten verschaffen sollte. Später wurde mir gesagt, daß diese. Schreiben mich mehr geschädigt habe als es mir genäht hätte, weil es von Sozialdemokraten unterschrieben worden sei. , Dr. Leidig stellt dazu fest, daß auch andere Abgeordnete der- artige Empsehluugsschreiben onsstellen, um bei amtlichen Stellen die Tür aufzumachen. Mas dann weiter geschehe, gehe sie nichts an. Dr. Leidig fragt dann, wie es mit dem Darlehen an den Abg. Koenen gestanden habe. Im Ausschuß sei die photo- graphierte Eintragung in den Büchern darüber gezeigt worden. Barmat: Herr Koenen hat ein Darlehen von 400 Gulden von mir erhalten und davon nur etwa die Hälfte zurückgezahlt. Er war in der Angelegenheit des Transportarbeiterstreits nach Holland gekommen, als Herr Heilmann abgereist war, bat Koenen mich um ein Darlehen. Später hat Herr Koenen mir vorge- schlagen, mich Herrn Krassin vorzustellen. Krassin hat auch auf mich gewartet, ich habe ober damals keinen Wert auf eine Verbindung mit Ruhland gelegt. Barmat bemerkt noch. durch die Konzerngründung, die ihn sehr in Anspruch genommen habe, sei er mit Heilmann, der es n i ch t g e r n s a h, daß er sich an der I n d u st r i e beteiligte, weniger oft zusammengekommen. In den Aufsichtsrat der Gesellschaften sei Hellmann oft ge- wählt worden, ohne daß er selb st etwas davon wußte. Die Vernehmung wird dann abgebrochen. Dr. Leidig wird den Bericht dem Ausschuß vorlegen und Barmat nur dann noch einmal vernehmen, wenn von den Mitgliedern des Ausschufles Fragen gestellt werden spllten._ painlevös Marokkobericht. Krach mit den Kommunisten. Paris. 23. Juni.(Eigener Drahtbericht). In der Kammer sprach heute nachmittag Ministerpräsident und Kriegsmimster P a i n l e v e über Marokko. Einleitend betonte er, daß Frankreich nach den großen und schmerzlichen Verlusten des Weltkrieges das Blut seiner Landeskinder schonen müsse. Andererseits dürfe sich die öffentliche Meinung keine übertriebene Vorstellung von der Größe und dem Umfang der kriegerischen Exeignisse in Marokko .machen. Dann führte er aus: Beim Regierungsantritt des jetzigen Ministeriums war die Grenze nördlich des Ouergha auf einer weiten Strecke von dem Gegner überschritten, die Straße nach Fez gesperrt und die Hauptstadt selbst bedroht. Reue Verstärkungen wurden notwendig. Heute spielt sich der Kampf an den Ufern des Ouergha ab, die nur an zwei Punkten über- fchritten sind. Die Tatsache, daß der Kriegsschauplatz innerhalb des ftanzösischen Gebietes liegt, gibt dem Gegner das Gefühl des Siegers und mache ihn glauben. Frankreich fei darauf angewiesen, um Frieden zu bitten. Hier droht eine moralische Gefahr, vör der die Regierung die Kamnier warnen muß. Unter diesen Umständen Marokko zu räumen, hieße alle französischen Bürger. Männer, Frauen und Kinder in Marokko und Algier der Nieder metzelung preis- geben. Einer Menschhettsliebe gegenüber, welche die Vaterlands- liebe auslöscht, muß man mißtrauisch sein. Auf den Einwurf, nichts sei geschehen, um mit Abd el Krim zu verhandeln, ant- wartete P a i n l e v ö: nicht eine Woche ist verstrichen, ohne daß Frankreich über die Absicht Abd el Krims und dieser wieder über Frankreichs Absichten unterrichtet worden ist. Mitten in den Kriegs- «reignissen hat Frankreich Abd el Krim durch einen Unterhändler wissen lassen, daß Frankreich nichts wünscht, als in gutem Ein- oernehmen mit dem Rif zu leben. Frankreich hat nie daran ge- dacht, sich irgendein Gebiet der französischen Zone anzueignen. So sind auch die Vertreter Frankreichs aus der spanisch-französischen Konferenz in Madrid instruiert und ihre Veröffentlichung könnt« für die Regierung nichts Nachteiliges enthalten. Di« Gefahr besteht, daß die Marokkaner die Friedensbereitschaft Frankreichs als ein Zeichen von Schwäche auslegen. Ob der- Stab von Ausländern bei Abd el Krim, der sich aus früheren deutschen, russischen und türkischen Offizieren zusammensetze, von der gleichen Friedensliebe bestell sei? Damit Abd el Krim die Pläne dieser Um- gebung nicht befolgt, muß er die Lehre erhalten, daß die Fort- setzung der Feindseligkeiten nur zu seinen Ungunsten ausfallen kann. Daß die Verständigungsversuche Frankreichs noch keinen Ersolg hallen, liegt daran, daß Abd el Krim noch keine Neigung zeigt,, auf seine ehrgeizigen Pläne zu verzichten. Im Gegenteil, er hat zum Heiligen Krieg des Islams gegen Frankreich aufgefordert und mehr als einmal verkünden lasten," daß Fez sein Ziel fei.(Das hat Abd el Krim gegenüber einem Vertreter der„Chikago Tribüne" nachdrücklich in Abrede gestellt. Red. d. V.). Trotzdem hat die sran- zöstfche Regierung ihre Erklärungen aufrechterhalten, daß die Fort- setzung des Krieges nur unnützes Blutvergießen bedeutet und die Zusammenarbeit Frankreichs, Spaniens und des Riss bei der Zioilisierung Nordwestafrikas hinausschiebe. Dann wandte sich der Minlsterpräfldenl gegen die kommunistische Propaganda, der er die wahre Schuld am Kriege in Marokko zusprach. Aus dem Kongreß der dritten Internationale habe Sinowjew vorausgesagt, daß infolge der Niederlage der Spanier Frankreich durch Abd el Krim bedroht jei und hinzugefügt, daß die Kommu- nisten sich das zunutze machen müßten. Wenn Abd el Krim, wie die Kommunisten immer betonten, den Frieden wolle, wer hatte ihn dann zum Krieg getrieben?(Abd el Krim sagt in dem Interview: das widerrechtliche Vordringen des französifchen Militärs, das die Ernährungsgebiete besetzte, dce Warenzufuhr hinderte ufw. Red. d. V.). Die Kommunisten hätten seit Ende 1924 Abd e l Krim gegen Frankreich aufgehetzt. Ein Beweis dafür sei die G l ü ck w u n s ch a ö r e f s e des Abg. D o r i o t an Abd el Krim, die die Hoffnung aussprach, daß Abd el Krim nach seinem Sieg über Spanien den Krieg gegen den Imperialismus aller Länder, Frankreich miteinbegriffen, bis zur vollständigen Befreiung Marokkos weiterführen werde. Seitdem Hütten die Kommunisten nicht aufgehört, Abd el Krim durch Ler- sprechen ihrer Unterstützung gegen Frankreich zu ermutigen und darüber hinaus versuchte die bolschewistische Propaganda, die eingeborenen Soldaten und Arbeiter zum Meutern und vor allem die Marokkaner zur Verweigerung der Truppen- und Munitions transporte aufzustacheln. Jedes Land ergreife gegen derartige Borkommnitste die schärfsten Maßnahmen. Diese mit den kommunistischen Telegrammen, Brie- f e n und Flugschriften belegten Ausführungen riefen einen Sturm der Entrüstung hervor. Nach der Rede Painleves wurde die Sitzung auf kurze Zeit unterbrochen, um den Fraktionen Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Bei Wiederaufnahme der Sitzung begründete zunächst Abg. D o r i o t(Komm.) feine Interpellation. Gleich zu Beginn seiner Ausführungen eilt« der Abg. Oberst Picot(nat.) auf die Tribüne, um den Redner zu o h r f e i g e n. Es kam darüber zu großen Tumultfzenen: erst das Eingreifen der Kammerbeamten und die A u f h e bu n g der Sitzung durch Horriot konnte dem Tumult ein End« machen. Die Sitzung wurde um Uhr wieder aufgenommen. �Präfi- denk Herriot mißbilligte das Verhalten Picots. Nach einer kurzen Auseinandersetzung darüber bestreiten D o r i o t und Marty, daß Sinowjew jene Worte gesprochen habe. Nach der Rede Doriots vertagt sich die Kammer auf 9.30 Uhr. Die Koalition in Frankreich. Meinungsverschiedenheiten der Sozialisten. Paris, 23. Juni.(Eigener Drahtbericht. Die Abstimmung der sozialistischen Parlamentarier und Parteivorstandsmltglieder hat folgendes Ergebnis: Von 123 Antworten erhielten die Anträge Compere-Morcl auf Kündigung der Unterstützungspolitik 62. R e n a u d e l auf ihre von Konzessionen der Regierung abhängig gemochte Fortsetzung 49 und Äuriol aus nochmaligen Verständigungsversuch mit der Regierung und den übrigen Grup- pen des Kartells 12 Stimmen. 11 der befragten Mitglieder haben sich der Stimme enthalten. Es hat also keine der drei Resolutionen eine absolute Mehrheit erhalten. Die Fraktion hat beschlossen, ihre Haltung von den Erklärungen Painleves in der Kammer abhängig zu'machen. Aber auch diese haben angesichts ihrer mangelnden Klarheit der Fraktion nicht Gelegen- heit gegeben, über ihre Stellung zu entscheiden. In der Beratung während der Unterbrechung der Kammersitzung hat die Fraktion R e n a u d e l beauftragt, nochmals von der Regierung d e u t- kichere Auskunft über ihre Pläne in Marokko zu verlangen. Don dem Ausfall dieser Erklärungen wird die endgültige Stellung- nähme der Sozialiften abhängen. Ein großer Teil der Fraktionsmitglieder hat bereits am Diens- tag nachmittag keinen Zweifel gelassen, daß er die Erklärungen des Ministeriums nicht gutzuheißen in der Lage fei, während die Gruppe um Paul Boncour und M o u t e t ebenso kategorisch entschlossen ist, der Maroktopolitik des Ministeriums Painlevc unter allen Umständen Folge zu leisten. Die belgische Regierungserklärung. Im Geist des Fortschritts und des Weltftiedeus. Brüssel. 23. Juni.(Eigener Drahtbericht.) Die Regierung»- erklärung hat durch ihre Festigkeit in der Proklamierung demo- kratisch-sozialer Tendenzen und durch realpolitische Mäßigung vor- züglichen Eindruck gemacht. Jede Zeile atmet den Geist des sozialen Fortschritte und des Weltfriedens. Die Koalttion, so heißt es darin, hat die Regierung übernommen. um den klaren Wunsch der Wähler noch stärkerer Erweiterung der sozialen Gesetzgebung fest und beharrlich durchzu- führen. Im übrigen bält iede Gruppe an ihrem Programm und ihrer Ueberzeugung fest. In der Außenpolitik erklärte sici, die Regierung im Intereste der eigenen Sicherheit sowie des Welt- frieden» für internationale Schiedsgerichtsoerträge und Rüstungseinschräntung sowie Erweiterung des Völker- bundpaktes einzutreten. Das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag wird die Regierung bedingungslos ratifizieren, ebenso die internationalen Abkommen über Sonn- tagsruhe, Arbeitsunfälle, Koalitionsrecht der agrarischen Arbeiter usw. Ein großer Teil der Erklärung unterstreicht die Notwendigkeit des finanziellen Gleichgewichts und der valutastabilitä«,. zur Ermöglichung kostspieliger soziale? Reformen, namentlich der Versicherungen. Die Steuern werden strenger eingetrieben, andererfeits da« steuerfreie Mindesteinkommen der Geldentwertung aemäß erhöht. Mit amerikanischen Gläubigern wird«in billiger Ausgleich gesucht werden. Die gegenwärtige Parlamentstagung, die beinahe zu Ende ist. wird sich auf das Abfertigungsgesetz über Provinzwahlen befchränten müssen, was aber für die Sozialisten wichtig ist, weil dadurch ihre Äertretuna im Senat erheblich ver- mehrt wird. In dem Programm für die nächste Session stehen: Pächterschutzerneuerung, Mieterschutzgesetz, die Förderung des Ar- beiterwohnungsbaue», Reformen verschiedener Arbeiterschutzgesetze über. Unfall, Berus, Krankheit, Grubeninspektion, Lebensversicherung, Mutterschastsversicherung. Altersrente von 720 Frank jährlich, die Unsallrenten werden der Geldentwertung entsprechend angepaßt und schließlich der Krisisfonds zur Unterstützung Arbeitsloser er- wettert und wirksam gehandhabt. Zur folgenden Session werden versprochen großzügige Sozialversicherung, staatliche Ausbeute neuer Kohlenlager. H e e r e s r e f o r m auf der Grundlage mehr technisch gebildeter Freiwilliger bei Verminderung der Dienstzeit und der Leistungen der Gesamtbevölkerung. Die Amnestie politisch Verurteilter wird erweitert. Schließlich pro- klamiert die Erklärung den religiösen, sprachlichen und Schul- frieden und die systematische Entwicklung der produktiven Kräste. Die Verlesung der Erklärung in der Kammer durch Poullet und im Senat durch Vandervelde wurde sehr häusiq durch den Beifall der großen Mehrheit unterbrochen. Die Debatte brachte heute nichts Wesentliches außer einer stark oppositionellen Rede des liberalen Führers. Die Liberalen werden gegen die Re gierung stimmen, die Hallung der konservativen Katholiken Ist m- unsicher._ Neue Aufammenstöße in Kanton. Feuergefecht in der britische« Zone. Kanton. 23. Juni.(WTB.) Nach einer Reutermeldung veran- stalleten tausend chinesische Studenten, Arbester, Bürger und Sol- daten heute nachmittag einen Umzug am Bund entlang und rings um die europäische Niederlassung in Schameen. Als sie sich gegen- über dem Biktoriahotel in der britischen Konzessionszone befanden, entstand eine Schießerei. Englische und französisch« Marine- soldaten erwiderten das-Feuer mit Maschinengewehren. Da» Schießen dauerte 20 Minuten. Der französische Kaufmann Pasqui- wurde getötet. Der Zollkommissar Edwards sowie ein british- Marinesoldat und zwei Zivilisten wurden verwundet. Gewerkschaftsbewegung Die Gewerkschaften im Zollkampf. Hus gewertschaftlichen Kreisen wird uns geschrieben: Seitdem die fommunistische Partei aufgehört hat, eine Massenparici zu sein, läuft sie feifend hinter dem Wagen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei her. Dieselbe Partei, der von Mostau eine ganze Reihe von Führergarnituren abgesagt worden find, weil diese sich in den Kämpfen der Arbeiterschaft als unfähig erwiesen haben, erhebt trog biefer nicht gerade rühmlichen Bergangenheit den Anspruch, alles besser zu wissen und besser zu tönnen als die Gewerkschaften und die Pariei. Seit mehr als einem Jahre führen die freien Gewerkschaften einen ununterbrochenen Rampf gegen die Schutzzollpläne des Herrn von Kanig und der Reichsregierung. Richt nur in einer Reihe von Rundgebungen, ia bern auch in allen maßgebenden Körperschaften, die sich mit den 3allfregen und insbesondere mit der Zoliverlage des Rabinetts Cather zu beschäftigen haben, find die Bertreter der freien Gemert haften gegen die schutzölnerischen Pläne aufgetreten. Wie der Beschluß des verläufigen Reichswirtschaftsrats zeigt, und wie die recht unsichere Stimmung innerhalb der Regierungsparteien erfennen läßt, ist diese Arbeit, die nicht mit leeren Redensarten, fondern mit genauer Sachfenntnis geführt werden muß, nicht ohne Erfolg gewesen. Der Bundesausschuß des ADGB. wie der Rongreß des Af- Bundes in München haben erst vor kurzem mieber öffenlich zur Zollvorlage Stellung genommen und dieser Zollvorlage den ampi angefagt. Der ADGB. hat insbesondere sich nicht damit begnügt, öffentlich gegen die Zollvorlage der Reichsregierung Stellung au nehmen, er hatte gleichzeitig auch die Mitel bewilligt, um diesen Rampf zu finanzieren. Es sind weiter von der freien Gemerfschaften die nötigen Maßnahmen getroffen worden, um die Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung zu verrichten, die notwendig ist, wenn der Kampf erfolgreich geführt werden soll. Run toimit hinterher die RBD. und erläßt großspurig eine Offene Anfrage an den Bundesvorstand des ADGB.", um diesen zu fragen, ob und was er gegen die Schutzollpläne der Reichsregierung zu unternehmen gedente. Diese Frage verrät an fidh eine große Unwissenheit der Führer der KPD. Aber diese Unwissen heit ist nur gemacht. Denn wie aus den Inhalt der Epifiel her vorgeht, weiß die RBD. ganz genau, daß der 2DGB. nicht nur Gegner der Schuzzellvorlage der Reichsregierung ist, sondern auch die nötigen Beschlüsse gefaßt hat, um diese Berlage wirksam zu be= fämpfen. In der Anfrage merden dann einige findlich anmutende Fragen gestellt. Es wird da gefragt, wann diese Abwehrattion beginnen und wie fie aussehen soll. Die Gewerkschaften sind der KPD. darüber jedoch ebensowenig AufIlärung schuldig, mie sie geneigt sind, deren stets wechselnden Anordnungen fich zu unterwerfen. Lebensmittel- und Getränkearbeiter. 22. Berbandstag. ds. Augsburg, den 22. Juni 1925. Im Berlaufe des Berbandstages, der heute seinen Abschluß fand, wurde noch eine Entschließung angenommen, die den tarifvertrag. lichen Schutz der swangeren Arbeiterinnen verlangt. Postabonnenten welche die Erneuerung des Abonnements für Jull noch nicht vorgenommen haben, müssen$ 0. fort das Versäumte nachholen, wenn keine Unterbrechung in der Zustellung der Zeitung erfolgen soll Vorwärts- Verlag G. m. b. H, Des weiteren fand ein Antrag Annahme, der sich gegen die staatlich subventionierte bayerische Lehr- und Bersuchsbrauerei in Beihen stephan wendet, die bei Lohnfämpfen wiederholt Arbeitswillige ver mittelt hat. Im Anschluß an das ausführliche Referat Trögers über die Antialkoholbewegung wurde eine Resolution an genommen, in der es heißt: Der vom 14. bis 20. Juni 1925 in Augsburg tagende Berbandstag des Berbandes der Lebensmittel- und Getränfearbeiter erfennt als Bertreter der im Gärungsgewerbe beschäftigten Arbeitnehmer an, daß Mißbräuchen des Alfoholgenusses mit Entschiedenheit ent gegengemirfi merden muß. Nicht anerkennen fann er aber die Hezze der Abstinenten, denen es nicht darum zu tun ist, Mißbräuchen des Affoholgenuises entgegenzutreten, sondern die eine vollständige Trodenlegung Deutschlands nach amerikanischem Wurster er fireben. Der Berbandstag protestiert ganz energisch dagegen, daß diese Bestrebungen von Regierungen, melche verpflichtet sind, die persönliche Freiheit zu schüßen, unterstützt werden. Der bisherige Borstand wurde wiedergewählt mit Ausnahme des freimillig zurücktretenden Borjizenden Räppler, an deisen Steile Röleler Breslou trat. Als Dri des nächsten Berbands= tages( 1928) wurde Düsseldorf bestimmt. Verbandstag der Lederarbeiter. Hamburg, 23. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Wir haben schon eingangs darauf hingewiesen, daß der ADGS. den Kampf gegen die Schutzollpläne seit einem Jahre führt. Die Zentrale der RD., die ihre Zeit effenbar verschlafen hat, fragt heute, wann die Aftion beginnen soll. Die Frage nach dem wie ist nicht weniger nais. Eine Abwehraftion hängt notwendig ab von der Art und der Ferm des Angriffs. Selbst verständlich sind sich die verantwortlichen Stellen der Gewerkschaften durejaus darüber flar, was gegen die Schuzzellpläne unternommen werden muß. Aber man mürbe den Schutzöllnern einen großen Gefallen tun, wenn man einen Rampfplan, der sich notwendig fortgejekt verändern muž, von vornherein befanntgeben und fest- führungen. Bon fast allen Rednern wurde betont, daß man mit der jssen würde. Die Gewertschaften sind nicht, wie die KPD., Barolenschmieden. Es fommt ihnen nicht darauf an, große Worte zu machen, jandern große Resultate zu erzielen. Die RBD. hat aber biese findlichen Fragen in Wirklichkeit nur gestellt, um ihr„ 2titionsprogramm" an den Mann zu bringen. Es erübrigt sich, auf dieses Attionsprogramm, das mit den Schutzöllen taum noch mehr in irgend einen Zusamenhang zu bringen ist,( werden doch 1. a. Demonstrationsstreits zur Entwaffnung der monarchistischen Reaktion in diesem Programm geFest), näher einzugehen. Die Gewerkschaften denken nicht daran, der 3D. irgendwie Borschriften machen zu wollen, wie sie ihre heute nur noch lächerlich wirkenden Aftionen zu führen gebenft. Daß die Gererfschaften es selbstverständlich ablehnen, sich von der KPD. irgendwelche Borschriften machen zu laffen, braucht nicht weiter betont zu weiden. Etwas mehr Bescheidenheit würde der KPD. jedenfalls besser anstehen. In einen weiteren Leitartikel der Keten Fahne", vom Dienstag wird schließlich erklärt, daß die RD. bereit ist, alle Stampi maßnahmen der Gewerkschaften und der Partei zu unterstützen. Bir woüen es abwarten. Bisher hat die RBD. grundsäglich das Gegenteil getan. Aber mit oder ohne Unterstützung der APD. werden die Gewerkschaften den Kampf gegen die Schutzzolpläne mit aller Entschlossenheit führen. Gle werden insbesondere bafür sorgen, daß die gesamte arbeitende Bevölkerung Deutschlands über die Trag meile und Bedeutung der Shuzzolleerlage aufgeflärt wird. Sie werden die heute meit größeren parlamentarischen Möglichkeiten ausmuzen und sie werden auch ihre außerparlamentarische Aition so führen, wie es notwendig ist, um die Geseizgebung zu beeinflussen. cibL- Wasche aller Art für Damen ReiseMäntel in modernen Steffarten, größte Farben- und Fermenauswahl 20.Welke Flaxsch- Mäntel für die See zute 49.- 59.Qualität Leopold Die Dienstagsigung des Berbandstages murde völlig mit der weiteren Aussprache über den Borstandsbericht ausgefüllt. Es iprechen nicht weniger als 20 Diskussionsredner. Im Berfolg der eingeschlagenen Bege erstreckte sich die Debatte aber mehr auf das von einigen fommunistischen Delegierten am ersten Verhandlungstag politische Gebiet als auf gemerffchaftliche Fragent. Die meitaus über miegende Mehrzahl der Redner wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen die von den kommunistischen Delegierien gemachten AusSchreibweise des Berbandsorgans durchaus einverstanden fei. Die Rommunisten hätten fein Recht, sich über eine Zurüdjehung innerhalb der Organisation zu beflagen. Ihr Auftreten sei häufig so gewesen, daß noch schärfere Maßnahmen angebracht gemejen mären. Die Delegierten aus Sachsen und Thüringen gaben eine anschauliche Schilderung der durch die fommunistischen Treibereien in ihren Be zirfen angerichteten Schäden. Gajarf wurden die kommunistischen Sonderfonferenzen und 3ersplitterungstenden 3 en verurteilt. Das Ergebnis der Aussprache auf diesem Gebiete war eine völlige Ablehnung der fommunistischen Ge= danfengänge. Die Tätigkeit des Verbandsvorstandes wurde durchweg gebilligt, zum Teil auch von den kommunistischen Delegierten. Ge münscht wurde, daß für die Jugendlichen, Frauen und Betriebsräte mehr 2ufflärungsmaterial geliefert werde, um die Schulung intenfiner gefrolten zu fönnen. Die Notwendigkeit erhöhter Beitragsleistungen wurde ebenfalls von einigen Rednern unterftrichen. Rajsierer Bod wies in seinem Schlußwort darauf hin, daß der Martenverlauf für den Bolfsentscheid über den Achtstundentag leider noch sehr zu wünschen übrig laffe. Die fommunijtischen Angriffe auf die Redaktion der Lederarbeiter- Zeitung" wies Redakteur Gilet als unbegründet zurück. Die von fommunistischen Ortsvereinen eingereichten Anträge bezüglich der Lederarbeiter- Zeitung" wurden schließlich abge= Lehrt. Gegent 6 Stimmen wurde eine Entschließung angenommen, in der die Haltung des Berbandsorgans gebilligt und die Rebellion aufgefordert wird, die Interessen der Organisation und ihrer Mitglieder wie seither im Sinne der Beschlüsse der GemertAbge= schaftsfongresse und der Berbandstage wahrzunehmen. lehnt wurde ein Antrag der Kommunisten, den Bericht der englischen Gemcrfichaftskommission über ihre Rußlandreise den Delegierten des Berbandstages in einer besonderen Broschüre zu überreichen. Darauf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch Bertagt. Lohnabkommen der Metallformer. Die in den Betrieben der Vereinigung Berliner Metallgießereien beschäftigten Metallformer und Berufsgenossen nahmen am Montag in einer start besuchten Versammlung Stellung zum Ergebnis der Lohnverhandlungen. Bredom berichtete von den Berhandlungen, bei denen es zu folgender Bereinbarung, vorbehaltlich der Zustimmung beider Parteien, gekommen war: Die bestehenden Löhne werden ab 15. Jumi in allen lassen un 8 Pfennig pro Stunde erhöht, bie bestehenden Afforde un 9%. Die Tariflöhne betragen also ab 15. Juni in Kaffe I 1 M., in Safe II 88 Pf., in Klasse III 81 Bf. pro Stunde. Für die Entlohnung der weiblichen Arbeitsfräfte und der Jugendlichen bleiben die bisherigen Prozenffäße bestehen. Dieses Abkommen gilt bis zum 19. September. Sollten während der Dauer diefes Lohnabkommens wesentliche Verände rungen der wirtschaftlichen Verhältnisse erfolgen, so sind die Parteien bereit, über einen entsprechenden Ausgleich zu verhandeln. Rommt eine Berständigung in diesem Falle nicht zustande, so entfcheidet endgültig die im Tarifvertrag vorgesehene Schlichtungstommiffion, eventuell unter Hinzuziehung eines Unparteiischen. Die Barteien stimmten darin überein, daß eine etwaige Erhöhung der gesetzlichen Mieten um 15% oder ein Steigen des Reichsinder an mehr als 5% gegenüber bem 15. Juni 1925 als wesentliche eränderung der wirtschaftlichen Berhältnisse aufzufassen find. Dieses Lohnabtommen wurde von der Berfammlung gegen eine starfe Minderheit angenommen. Da inzwischen auch die Arbeitgeber ihre Zustimmung erffärt haben, gilt das Lohnabkommen als von beiden Parteien anerkannt. Immer wieder die Efha- Werke. Gie tönnen den Frieden nicht vertragen, die leitenden Bersonen der Esha- Berte. Raum ist die Tinte unter dem abgeschlossenen neuen Manteltarifvertrag troden geworden, da häuft man schon mieder neuen Ronfiittstoff auf, indent man sich mit den getroffenen Bereinbarungen in Widerspruch jetzt. ,, Das Arbeitsverhältnis gift durch den stattgefundenen Streit als nicht unterbrochen. Soweit Neueinstellungen notwendig werden, sollen in erster Linie diejenigen noch erwerbslosen Personen eingestellt werden, die am Streit beteiligt waren." Das sind die Bereinbarungen, die getroffen wurden. Einzelne Arbeitnehmer bekamen beim Eintritt in das Wert einen Revers vorgelegt, auf dem fie unterschriftlich beglaubigen sollten, daß sie nur zur Aushilfe eingestellt sind und falls fie nicht länger als vier Bochen beschäftigt werden, feinen Anspruch auf den tarif, mäßigen Urlaub haben. Das nennt man loyale Durchführung der getroffenen Bereinbarungen und ist der Meinung, Treu und Glauben in Erbpacht zu haben. Wenn dann die Arbeitnehmer sich gegen den Tarifbruch Der Firma auflehnen, zeigen sie fein Berständnis für die Not der ha- Werke und man flagt, daß das Renommee der Firma durch die fein endenehmenden Arbeitsdifferenzen leidet. Solange man beliebt, die Arbeitnehmer in den Esha- Werten als Nummer zu behandeln, wird die Friedenstaube in Brig nicht lange nisten. Daß das so sein soll, dafür scheint die Direktion forgen zu wollen. Außer der Deffentlichkeit werden sich die gesetzlichen Instanzen für diese Angelegenheiten interessieren. Urabftimmung der Dachdecker. Der Zentralverband der Dachdecker Deutschlands veranstaltete in der ersten Junimode eine Urabstimmung seiner Mitglieder, in der die Entscheidung über den Anschluß an den Baugewerksbund fallen fonte. Reider haben sich von den 10 000 Mitgliedern des 2545 für den Anschluß und 1847 dagegen. Die nach dem Beschlus Berbandes nur 4405 an der Abstimmung beteiligt. Davon stimmten des letzten Verbandstages notwendige weidrittelmehrheit wurde also nicht erreicht, so daß sich nach diefer ergebnislosen Abftimmung der nächste Verbandstag nochmals mit der Frage beschäftigen muß und zu entscheiben hat, ob trok dieses Minus an Ja Stimmen der Anschluß erfolgen soll. Gauleiterkonferenz der Holzarbeiter. Wie wir erfahren, hat der Deutsche Holzarbeiterverband für Donnerstag eine Gauleiterfonferenz nach Berlin einberufen, die zur Lage der Aussperrung und zu den Verhandlungen mit den Unternehmern Stellung nehmen wird. Senticher Solzarbeiterverband, Musikinstrumentenarbeiter. Am Donnerstag nachmittag 5 Uhr in Reichenberger Sof, Bersammlung der Funktionäre und Betriebsobleute. Seder Betrieb muß vertreten fein. Die Bersammlung beginnt pünktlich, ha um 7 Uhr der Gaal germi merden muß. Das lekte Bohnabkommen tritt nicht, wie es in Mitteilungsbblatt" heißt, ab 3. Juni( Lohnwoche 11., 12.. 13. Juni), sondern ab 3. Juni- 2ohnwodje( 11., 12. und 13. Juni) in Straft. Die Klammer war im Mitteilungsblatt" falsch gefest. Berantwortlich für Bolitik: Victor Schiff; Wirtschaft: Arthur Satern Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schifomsti: Lotales und Conftiges: zik Raritädt; Anzeigen: Th. Glode; fämtlich in Berlin. Berlag: Borwäris- Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Vorwärts- Buchdruderei Berlagsanstalt Baul Singer u. Co., Berlin S. 68, Lindenstraße 3. Bierzu 2 Beilagen und Unterhaltung und Bifen". und " Bekanntmachung. In legter Zeit ist es miebetholt soratlommen, has Betrüger sich als Boll. ziehungsbeamte ausgegeben und steuerpflichtige Berfonen um erhebliche Be träge gefchädigt haben. Um das freyerzahlende Bublikum vor Berluffen au bewahren, hat uns das Landesfinanzamt Berlin gebeten, darauf hinzuweisen, Das bic Bollziehungsbeamten im Bezitt des Landesfinanzamts Berlin neben einem mit Sichtbild verfchenen allgemeinen Ausweis und dem Bollfiredungsauftrag des Finansamis einen mit dem Dienststempel des Landesfinanzamts versehenex Quittungsblod bei fid) führen. Ueber Geld, das an fie gezahlt mirb, haben fie ausschließlich auf einem Blatt des Quittungsblods zu quit tieren, bas auch vom Eingehler su unterschreiben ift. Andere Quittungen ind ungültig. Mufitaufträge Cadiel übergibt man nur dem Nachweis des Deutsch. Musilerberbandes, Berlin O 27, Andreasstr. 21( önigftabt 4310, 4048). Geschäftszeit 9 his 5, Sonntags 10 bis 2 11hr. Auf Wunsch Berireterbesuch. Königstr. Jumper- Blusen 22-26 1 Treppe aus Volle, Crêpe- de- Chine. Seidentrikot etc., in den neuesten Farben u. Formen !! Eine Rekordleistung!! 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Gestern wurde eine Reihe wichtiger Rapitel des Haus haltplans durchberaten, aber die Beratungen" zeichneten sich durch ungewöhnliche Wortfargheit aus. Bei Abänderungsanträgen 30g man es vor, die Abstimmung noch aufzuschieben. Auch über den Bon der sozialdemokratischen Frattion eingebrachten Antrag, für den Bau des Spreetunnels bei Friedrichshagen eine erste Baurate von 100 000 m. einzusetzen, wurde noch nicht abgestimmt. In der vorigen Sitzung hatte die diesen Tunnelbau beantragende Magistratsvorlage keine Mehrheit erlangt, doch war dieses Ergebnis nur infolge eines Irrtums zustande gekommen. Die gestrige Sigung war ausschließlich der Beratung des Stadthaushalts für 1925 gewidmet. Begonnen wurde mit dem Abschnitt Jugendwohl fahrtspflege und Landesjugendamt, worüber Genos: jin Todenhager referierte..Der Haushaltsausschuß hat einige Ausgabeposten erhöht, u. a. die Position für Jugendherbergen, Jugend wanderer ujm. von 10 000 auf 20 000 m. Von den Anträgen zur besseren Dotierung des betr. Abschnittes der Bezirkshaushalte hat der Ausschuß nur diejenigen für Lichtenberg dem Magistrat zur Berücksichtigung empfohlen. Die Versammlung beschloß nach den Ausschußvorschlägen; ein Antrag der Kommunisten, die Berpfle gungssäge in den Landerholungsheimen mit eigener Wirtschaft auf 1 m. herabzufezen, wurde von der Stadträtin Gen. Weyl bekämpft und gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Cine längere Geschäftsordnungsdebatte entspann sich darüber, ob ohne weiteres auch sämtliche Abstimmungen vorgenommen werden sollen. Man einigte sich schließlich dahin, nur die Kapitel anzunehmen, zu denen keine Anträge vorliegen, die Abstimmung über alles übrige aber zurückzustellen. Mit diesem Borbehalt wurden verabschiedet die Kapitel Allgemeine Wohlfahrt der Bezirkshaushalte" und 3entrales Wohlfahrtsamt". Ueber die Gesundheitheitspflege( Krankenhäuser, Jrrenpflege, Hospitäler usw.) berichtete Dr. Kirchner( Dnat.). Hier hatte der Ausschuß eine Reihe von Anträgen formuliert. So soll der Magistrat ersucht werden, den Betrag für die Unterhaltung der Gebäude und der technischen Anlagen der Entlausungs= anstalt im Bezirkshaushalt Mitte von 3200 auf 6000 m. zu erhöhen, weiter soll das Schulgesundheitswesen in den Bezirken 1 bis 6 einheitlich verwaltet, eine genaue Nachprüfung der Anzahl der Assistenzärzte und des Pflegepersonals in allen Krankenhäusern oorgenommen, das Rettungswesen zentral zusammengefaßt werden. Sen. Dr. Weyl: Es ist auf dem Gebiet der städtischen Gesundheitspilege seit den Zeiten der schweren Not unendlich viel nachzuholen. Seit die Finanzverhältnisse der Stadt Berlin sich günstiger gestaltet haben, mird Gesundheitspolitik auf weite Sicht getrieben. Dabei dürfen indessen besondere dringliche hygienische Anforderungen nicht zu kurz fommen. In der Tuberkulose bekämpfung muß alles, mas geschehen soll, mit der denkbar größten Beschleunigung geschehen, so auch der Bau des Tuberfulosenhauses, um die Schwerkranken aus den Wohnungen so rasch als möglich herauszuholen und so die Ansteckungsgefahr zu vermindern. Die Zusammenarbeit aller in Betracht kommenden Orga: nisationen ist besonders auch in der Tubefulofebekämpfung dringend erwünscht. Ich erwarte von der Energie des Stadtmedizinalrats das Beste, möchte aber diesen Appell doch nicht unterlassen. In das zentral zusammenzufassende Rettungswesen ist auch die Feuerwehr mit ihren Feuerwachen einzubeziehen. Ferner muß sich die Stadt auch mit den Krankenkassen in Beziehung sezen, die ja von sich aus Rettungseinrichtungen geschaffen haben. Eine Arbeitsgemeinschaft auf diesem Gebiete würde nicht nur fruchtbringend sein, sondern auch 31 Die Baumwollpflücker. Roman von B. Traven. Copyright 1925 by B. Traven, Columbus, Tamaulipas, Mexico. Sobald mir an den Busch gekommen waren, schnitt er sich ein dünnes Stämmchen, hing über jedes der beiden Enden eines seiner Bündel und legte sich das Stämmchen über die Schulter. Während er bisher mit ims im gleichen Schritt gegangen war, begann er nun mit furzen, raschen Schrittchen zu trippeln. In diesem Trippelschritt hielt er den ganzen Marsch durch, ohne je langsamer oder schneller zu gehen und ohne jemals zu ermüden. Wenn wir uns zur Rast niederjezten oder niederlegten, tat er es auch, war aber jedesmal erstaunt, daß wir schon wieder" ausruhen mußten. Wir schimpften ihn dann aus, daß wir richtige Christenmenschen feien, während er als verdammter Chint von einem gelben, fragenhaften Drachenungeheuer erzeugt worden wäre, und daß darin die übermenschliche Ausdauer seiner stintigen und uns widerlichen Raffe zu suchen sei. Er erklärte darauf heiter lächelnd, daß er nichts dafür könne und daß wir alle von dem felben Gott geschaffen seien, aber daß dieser Gott gelb sei und nicht weiß. Da wir keine Missionare waren und auf dem Gebiete der Befehrung auch keine Lorbeeren ernten wollten, ließen wir ihn in seinem Unglauben. Mittwoch, 24. Juni 1925 3. B. aus dem Hinterhalt, giftige Pfeile in der Presse abschießen und einen Menschen, der es mit seiner Ehre sehr genau nimmt, zu Tode hetzen. Und dann sich stolz an die Brust schlagen und aus: rufen: Es ist vollbracht. Es ist vollbracht! Das Ebert- Grab auf dem Heidelberger Friedhof ein Wallfahrtsort für alle durchreisenden Freunde. Drei frische Kränze schmückten es, zwei von Schauspielern, der eine von chemaligen Badensern, die als New Yorker Sänger ihr Heimatland besucht haben. Zu Eberts Häupten erhebt sich der gefreuzigte Heiland. Seit einem Jahr steht er schon hier. Der Friedhofsgärtner erzählt, daß für Ebert schon ein anderes Grab bereitet war sieht die frisch aufgeschüttete Stelle, da beschloß der Stadtrat, ihm am Fuße des Gefreuzigten die letzte Ruhestätte zu gewähren. Auf dem einfachen Stein, der das Grab schmückt, liest man: Es ist voll. bracht! man Sie alle sind den dornigen Weg des Lebens für das Gemeinwohl gegangen und ihre Mörder liegen in Saaleck begraben. Als ich mich mieder Bad Kösen näherte, dachte ich daran, daß in einigen Tagen das neue Deutschland einem dieser Märtyrer Stunden des Gedenkens 2. R. besucht haben. Rintorf( Kom.) äußerte Besorgnisse, daß die durch die Hochschuzzollpolitik drohende Lebensmittelverteuerung auch auf die Verpflegung in den Krankenhäusern nachteilig zurüdwirten werde, und trat für die Wiedereinführung des Achtstundentages für das wärterpersonal ein, mit dessen Arbeits traft in den Krankenhäusern jetzt geradezu Raubbau getrieben werde. Auch der Beschwerden der Hospitaliten, besonders derer, die von Buch in die Provinz abgeschoben werden, nahm er sich an.- Ihrem Fraktionsgenossen schloß sich Frau Rosenthal mit der Forderung an, daß für ein Heim für ledige Mütter eine erste Rate in den Stadthaushalt eingestellt werde. lleber das höhere Schulwesen hatte Herzog( Dnat.) zu referieren, der sich aber auf den schriftlichen Bericht bezog. Gymnasialdirektor Goß( Kom.) bemängelte die Interesselosigkeit, die die Versammlung gegenüber dem höheren Schulwefen an den Tag lege, und behielt sich die Entwicklung eines Schulprogramms für einen späteren Zeitpunkt vor. Merten( Dem.) gab als Referent eine furze Uebersicht über den Stand des Mittel und Gemeindeschulwesens sowie über das Berufs- und Fachschulwesen. Von den Kommunisten wurden hier einige Bofitionen als zu niedrig bemängelt und Erhöhung beantragt; eine weitere Erörterung fand nicht statt. Bei dem Kapitel Tiefbau tam Gen. Reimann auf die neuliche Ablehnung des Tunnels am Müggelgemünd zurück; er stellte richtig, daß die Sozialdemokraten sich für die Annahme schlüssig geworden seien, daß auch kein Sozialdemokrat dagegen gestimmt habe, daß nur irrtümlich einige Mitglieder der Fraktion fich der Stimme enthalten hätten. Der jezige Fährbetrieb sei eine ftete Gefahrenquelle. Um der Berjammlungsmehrheit Gelegenheit zu geben, ihr Botum zu revidieren, beantrage die Fraktion, als erste Rate für den Bau dieses Spreetunnels in den Haushalt 100 000 m. einzusehen. Zu dem Haushalt der städtischen Forsten trat Gen. Clajus als Referent für gründlichere Durch forfiung ein und wurde darin von Stolf( Rom.) unterstützt. Zu den Aufwendungen für gemeinnützige Zwecke durch Vermittlung von Bereinen" befürwortete Frau Rosenthal( Kom.) wiederum den Antrag, die betr. Bereinseinrichtungen in städtische Regie zu nehmen. Nach 9 Uhr erfolgte wegen eingetretener Beschlußunfähigkeit Schluß der Sitzune Saaleck. Zum Gedächtnis des 24. Juni. In der Nähe von Kösen stehen die zwei Türme der früheren Burg Saaled. Der eine der beiden Türme ist bewohnt. Die Behausung gehört dem Privatgelehrten Dr. Stein. Hier entdeckte man die Mörder Rathenaus, Kern und Fischer. Die Bewohner des Dorfes mußten, daß Dr. Stein verreist jei. Sie sahen Licht im Fenster und alarmierten die Polizei. Die Mörder setzten fich zur Behr. Der eine wurde von einer Kugel tödlich getroffen, der andere richtete sich selbst. Auf dem Friedhof unten im Dorf, im Tal sind sie beerdigt. In der Sonderabteilung der Karlsruher Bolizeiausstellung fand ich die Bilder der Mörder, auch ihre Helfer und Helfershelfer. Die Abteilung. Ia hat ihre Photographien auf eine gemeinsame Tafel gebracht. Kern und Fischer liegen tot in ihren Betten. Die Bilder der Mordgesellen Techow, Günther und die anderen wecken Erinnerungen an den Leipziger Prozeß vor dem Staatsgerichtshof, an das vergiftete Konfeft, an Techows Tränen und plötzliche Reue. Reue?! Das war der erste Prozeß vor dem Staatsgerichtshof. Hinterher folgten viele andere. Nicht alle wurden mit so großer Objektivität geführt wie dieser. Auch die Automobile das Mordauto und Rathenaus Auto tonnte man in der Ausstellung auf Abbildungen sehen, und vor dem geistigen Auge entstand die gräßliche Szene. Man sah die Mörder den feigen, hinterhältigen Schuß abgeben und dann fliehen. Seit dem haben ihre Gesinnungsgenossen mehr als einmal Gelegenheit gehabt, sich im Meuchelmord zu üben. Auch die Harden- Attentäter fonnte man auf der Ausstellung sehen. Ja, Meuchelmord! Morden kann man auf verschiedene Weise, Dann war noch der kleine Nigger da, Abraham aus New- Orleans. Er hatte ein schwarzes Hemd an. Weil nun seine Hautfarbe ebenso schwarz war wie das Hemd, konnte man nicht so recht erkennen, wo die letzten lleberreste des Hemdes waren und mo die Haut war, die bedeckt werden follte. Er als einziger hatte eine Müße, wie sie von den Heizern und Maschinenschmierern auf den amerikanischen Schiffen getragen wird. Dann trug er eine weiß- und rotgestreifte Leinenhose, Lachalbschuhe und weiße Baumwollftrümpfe. Er hatte fein Bündel, sondern trug einen Kaffeeteffel und eine Bratpfanne an einem Bindfaden über der Schulter und in einem fleinen Sädchen seinen Bedarf an Lebensmitteln. " Abraham war der echte, dummschlaue, gerissene, freche und immer luftige amerikanische Nigger der Südstaaten. Er hatte eine Mundharmonika, mit der er uns das blöde Yes, we have no bananas" so lange vorspielte, bis wir ihn am zweiten Tage weidlich verprügeln mußten, um damit vorläufig nur zu erreichen, daß er es wenigstens nur sang oder pfiff und dazu, während des Marsches, tanzte. Er stahl wie ein Rabe und log der Vergleich war von Gonzalo, ich weiß nicht, ob der Bergleich richtig ist und fog wie ein Dominikanermönch. - Am dritten Abend des Marsches erwischten wir ihn, wie er einen diden Streifen getrocknetes Rindfleisch, das Antonio er einen diden Streifen getrodnetes Rindfleisch, das Antonio gehörte, stahl. Wir nehmen ihm den Raub wieder ab, bevor er ihn in der Pfanne hatte, und wir erklärten ihm ganz ernst er ihn in der Pfanne hatte, und wir erklärten ihm ganz ernsthaft, daß, wenn wir ihn noch einmal beim Stehlen ertappten, wir Buschrecht an ihm ausüben würden. Wir würden eine Gerichtssigung abhalten und ihn dann nach gefälltem Urteil mit der Schmur, die fein Couleurbruder Charly um sein Bündel geschnürt habe, am nächstbesten Mahagonibaum aufhängen mit einem Zettel auf der Brust, wofür er gehängt sei. Der hünenhafte Neger, Charly, paßte mit seinen Lumpen und seinem in fettigem und zerrissenem Bapier verschnürten Bündel, das unzählige Male auf dem Marsche aufging, siel besser in unsere Gesellschaft als der elegante Chint. Charly behauptete, aus Florida zu fein. Aber da er weder englisch geläufig sprechen noch verstehen konnte, auch nicht den amerifanifchen Niggerdialekt sprach, fonnte er mich von seiner Herfunft nicht überzeugen. Vielleicht war er von Honduras oder Da sagte er ganz frech, wir sollten ja nicht versuchen, ihn Guatemala, oder von St. Domingo. Aber er sprach auch nur auch nur anzutasten, er sei amerikanischer Bürger ,,, native auch nur anzutasten, er sei amerikanischer Bürger, native sehr unbeholfen ein notdürftiges Spanisch. Ich habe nie er- born", und wenn wir ihm nur das allergeringste Leid täten, born", und wenn wir ihm nur das allergeringste Leid täten, fahren fönnen, wo er eigentlich hingehörte. Nach meiner so würde er das an die Regierung nach Washington berichten, Meinung war er entweder aus Brasilien heraufgekommen und die würde dann mit einem Kanonenboot und dem oder er hatte sich von Afrika herübergeschmuggelt. Er wollte Sternenbanner fommen und ihn blutig rächen; er sei ein ficher nach den Bereinigten Staaten, und für ihn als Nigger freier Bürger of the States" und das fönne er durch mit etwas Englisch mar es leichter, sich über die Grenze nach ,, c'tificts" beweisen, und als solcher habe er das Recht, vor den States zu schmuggeln als für einen Weißen, der gut ein ordentliches Gericht gestellt zu werden. Als wir ihm nun Englisch sprechen fonnte. Er war der einzige, der offen er- erklärten, daß wir ihm feine Zeit laffen und feine Gelegenheit Härte, daß er Baumwolle pflücken als die schönste und ein geben würden, nach Washington einen Bericht zu schicken, und täglichte Arbeit betrachte. daß wir auch nicht glauben, daß ein amerikanisches KanonenE Die demokratische Jugend veranstaltete gestern eine würdevolle Gedenkfeier für Walter Rathenau. Der Saal im Kaiser. Friedrich- Gymnasium in der Kochstraße prangte im feierlichen Schwarz, von dem sich das Freiheitsbanner der Republif leuchtend abhob. Der demokratische Landtagsabgeordnete Dr. Bohner zeichnete das Lebensbild des Ermordeten, der seinen Märtyrertop ahnte und dennoch nicht um Haaresbreite zurückwich. In Walter Rathenau war die innere Sehnsucht lebendig, die Mechanik des Lebens mit Seele zu erfüllen. Danach sprach der Jungdemokrat H. W. Geßling, der Borsitzende der demokratischen Jugend, tief: gefühlte und begeisterte Worte des Gedenkens an den erschlagenen Führer. Die Arbeiterwohlfahrt. Eine Rundfunkrede der Genoffin Juchacz. leber die Arbeiterwohlfahrt sprach gestern Genossin Juchacz zu den Berliner Rundfunkhörern. Sie wies darauf hin, daß diese Organisation von den Angehörigen der arbeitenden Klaſſe getragen wird, daß aber die Auswirkung durchaus nicht nur auf die Arbeiterklasse beschränkt sei. Mit Recht tonnie fie erwähnen, daß die Arbeiterwohlfahrt seit ihrer Gründung im Dezember 1919 einen fast beispiellos zu nennenden Erfolg zu verzeichnen hatte. Mehr als 20000 freiwillige Helfer und Helferinnen arbeiten in 32 Bezirksorganisationen und 12 000 über ganz Deutschland zerstreuten Ortsvereinen an der Linderung der sozialen Not. Im Jahre 1920 wurde die Arbeiterwohlfahrt als zentrale Spizenorganisation von den Behörden aner tannt und fonnte so mit größter Aussicht auf Erfolg ihre weiteren Arbeiten durchführen. Die Arbeiterwohlfahrt will auf die Gesetzgebung und die Verwaltung starten Einfluß gewinnen und beteiligt sich daher an allen Einrichtungen, die Reich, Staat und Gemeinde in sozialer Hinsicht geschaffen haben. Darüber hinaus aber ist sie bestrebt, durch eigene Einrichtungen, durch Schaffung von Kindererholungsheimen, Unterkunftsräumen für Ledige, alkoholfreie Speisewirtschaften, Nähstuben und andere praf tragende für die wahrhaft aufopfernde Mitarbeit der freiwilligen Helferinnen und Helfer, die ihrer eigenen Armut nicht achtend, als denkende Menschen einen großen Teil ihrer Kraft in den Dienst der Allgemeinheit gestellt haben. Von gutem, reinem Wollen, brüder= licher Solidarität und menschlicher Güte getragen, ist die Arbeiter wohlfahrt heute und in der Zukunft ein wichtiges Mittel zur Unters stügung der Notleidenden. tische Wohlfahrtsarbeit zu leisten. Warme Worte fand die Vor Der nächste Sonderzug zum Rhein. Am Donnerstag, 25. Juni, berkehrt ber nächste Sonderzug bon Berlin über Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Pader born, Soest, Dortmund zur Jahrtausendfeier der Rheinlande mit den besonderen Zielpunkten Essen, Duisburg, Düsseldorf und öln. Abfahrt von Berlin, Potsdamer Bahnhof. 7.00 nachm. Der Sonderzug führt nur die dritte Wagenklasse bei 33 Proz. Fahrpreisermäßigung. Ein weiterer Vorteil liegt darin, daß die Rückfahrt innerhalb 60 Tagen mit jedem beliebigen Buge angetreten werden kann. Die Fahrkarten sind bei den Fahrkartenausgaben der Einsteigeftationen erhältlich. boot mit dem Sternenbanner in den Busch fahren würde, fagte er: ,, Well, gentlemen sirs, berühren Sie mich nur mit der Fingerspitze, dann werden Sie sofort erleben, was geschieht." Wir erwischten ihn auch richtig einige Tage später, mie er dem Chint eine. Büchse Milch stahl und frech erklärte, es fei seine eigene, er habe sie in Guadalajara im American Store getauft. Er wurde daraufhin so windelweich gedroschen, daß er feinen Finger frumm machen konnte, um nach Washington zu schreiben. Bei uns hat er denn nicht mehr gestohlen, und was er bei umliegenden Farmern zusammenftahl, ging uns nichts an. Dann war ich noch, Gerard Gale, über den ich weniger zu berichten weiß, da ich mich in der Kleidung von den übrigen nicht unterschied, und zum Baumollepflücken, welche zeitraubende und schlecht bezahlte Arbeit ich kannte, auch nur ging, weil eben keine andere Beschäftigung zu haben war und ich bitter notwendig ein Hemd, ein paar Schuhe und eine Hose brauchte. Bom Althändler! Denn vom Neuhändler sie zu faufen, dazu hätte selbst die Arbeit von vierzehn Wochen auf einer Baumwollfarm nicht gelangt. Ich war der einzige, der feine Strümpfe trug, weil ich keine hatte. Eine Jade besaßen, nur der Chink und Antonio.. Barum Antonio den Fezen eigentlich seine Jade" nannte, ist mir nie flar geworden. Sie mag vielleicht einmal in weit zurüdlegenden Zeiten, lange vor der Entdeckung Amerikas, die Aehnlichkeit mit einer Jade gehabt haben. Das will ich nicht bestreiten. Aber heute fie Jade zu nennen, war nicht lebertreibung, sondern fündiger Hochmut, für den Antonio dereinst wird büßen müssen. 4. Wir wanderten luftig darauf los. Ueber uns die glühende Tropensonne, zu beiden Seiten neben uns der undurchdringliche und undurchsichtbare Busch Der ewig jungfräuliche tropische Busch mit seiner unbeschreib lichen Mystit, mit seinen Geheimnissen an Tieren der phan tastischsten Art, mit seinen traumhaften Formen und Farbe: der Pflanzen, mit seinen unerforschten Schätzen an wertvolle Steinen und foftbaren Metallen. Aber wir waren keine Forscher und wir waren auch kein Gold- oder Diamantengräber. Wir waren Arbeiter un hatten mehr Wert auf den sicheren Arbeitslohn zu legen a auf den unsicheren Millionengewinn, der vielleicht links ode: rechts von uns im Busch verborgen lag und auf den Ent beder wartete. ( Fortsetzung folgt.) Begünstigungsanklage gegen Gerichtsbeamte. Eine Anflage gegen Beamte der Gerichtstasse des Amtsgerichts Berlin- Mitte, denen zur Last gelegt wurde, ihren Kollegen, Oberfekretär J1gner, nach seinen gegen die Gerichtstasse verübten Betrügereien der Bestrafung entzogen zu haben und sich dadurch der Begünstigung schuldig gemacht zu haben, wurde gestern vor der Berufungskammer 4 des Landgerichts I verhandelt. Das Schöffengericht hatte vier der angeklagten Beamten freigesprochne, dagegen den Kaffenbirektor 3irfe, den Oberrentmeister S30tomsti und den Obersekretär Bigalte als der Begünstigung überführt angesehen und auf Geldstrafen von 530 Mt. gegen Birte und von je 330 mt. gegen Szotowski und Bigalte erkannt. Alle Verurteilten legten Berufung ein, andererseits focht die Staatsanwaltschaft durch Berufung das Strafmaß als zu gering an. In der Straftammerverhandlung, unter Borsiz des Landgerichtsdirektors Marten, blieben die Angeklagten dabei, daß es ihnen gar nicht darum zu tun gewesen sei, Jigner nach Entdeckung feiner Betrügereien der Bestrafung zu entziehen. 3irte, der die vorgeschriebene Meldung der lgnerschen Straftat unterlassen hatte, erflärte, er habe für das Wichtigste gehalten, daß das unterschlagene Geld wiederbeschafft würde. Er behauptete, Bigalte, als Borsigender des Beamtenausschusses, habe ihn veranlaßt, Arbeitersport- und Kulturfartell. 6. Bezirk Kreuzberg. Mitt woch, den 24. Juni, im Landwehrkanal zwischen Hobrecht- und Parteinachrichten Thielenbrücke Schwimmverein Borwärts" Berliner Schwimmunion Schwimm- und Rettungsvorführungen. Mandolinenklub GIüdauf Konzert. T.-V. Naturfreunde oder R. J. Sprechchor auf dem Städtischen Sportplatz am Urban, T.-B. Fichte 3 gegen Sparta Handballspiel, Spielwiese am Karpfenteich in Treptow, T.-B. Fichte 13, Gruppen- Turnspiele. Ausweise der Bollziehungsbeamten. Wir verweisen unsere Lefer auf die Bekanntmachung des Landesfinanzamtes über die Ausweise der Bollziehungsbeamten im heutigen Inseratenteil. Achtung! Achtung! SPD. Genoffen des Bezirksamt Kreuzberg! Am Donnerstag, den 25. Juni, abends 7, Uhr, im Lokal von Bühler, Dieffenbachstraße 76, Versammlung Tagesordnung: Die Arbeitnehmer der Behörden im Rahmen des allgemeinen Wirtschaftsprozeffes. Ref.: Gen. E. Ruben. Parteiausweis mitbringen! Zahlreichen Besuch erwartet Der Fraktionsvorstand. sich mit der Wiederbeschaffung des Geldes und der Bersetzung Ilgners aller SPD. Arbeiter, Angestellten u. Beamten zu begnügen und auf Anzeige zu verzichten. Szotowsti und Bigalte versicherten vor Gericht, Zirfe habe niemals zu ihnen von der Abficht einer Anzeige gesprochen. Ihnen wurde von der Anklage zur Last gelegt, bei der Geldbeschaffung mitgewirft zu haben, teils durch Einwirkung auf Ilgners Bater, teils burch Buchung des von diesem hergegebenen und an die Ge richtstaffe abgeführten Betrages. Tatsächlich wurde damals Jigner, nachdem sein Vater das Geld gezahlt hatte, lediglich perfekt. Später aber erfuhr durch anonyme Anzeige die Staatsanwaltschaft von seinen mit Hilfe von Urfundenfälschungen verübten Betrügereien, und Jigner wurde zu 1 Jahr Ge fängnis verurteilt. Im Zusammenhang mit jenem Strafverfahren fam auch an den Tag, wie der Fall Jigner von seinen Kollegen behandelt und erledigt worden war und die Staatsanwaltschaft er. hob dann gegen diese die Anklage megen Begünstigung. Vor der Straffammer brachte die Verhandlung kein anderes Ergebnis, als vor dem Schöffengericht. Staatsanwalt Polzin beantragte, unter Aufhebung des Schöffengerichtsurteils, die drei Angeklagten zu Freiheitsstrafen zu verurteilen; Birke, als den Hauptschuldigen, zu 6 Monaten Gefängnis, Szotowski und Bigalte zu je 4 Monaten Gefängnis. Die Berteidiger, Rechtsanmälte Puppe, Hildebrandt und Jacobsohn, bestritten, daß Begünstigung vorliege, und forderten Freisprechung. Das Gericht sprach alle brei Angeklagten der Begünstigung fchuldig, hielt aber die vom Schöffengericht festgefekten Geld trafen für ausreichend. Eine Gefängnisstrafe sei, führte die Urteilsbegründung aus, ganz undistutabel. Was die Angeklagten getan haben, sei rechtswidrig, aber man tönne ihnen nicht Ünehrenhaftigteit vorwerfen. Zigeunerschlacht" in Reinickendorf. Mit einer Revolverschießerei endete ein heftiger Zwift, der in einem Lotal in der Drontheimer Straße zwischen zwei feind lichen Bigeuner stammen entbrannte und auf der Straße fortgesetzt wurde. In dem Lokal gerieten aus noch nicht geflärter Ursache Männer und Frauen der Stämme Engelbert und Laubinger zunächst in einen Wortwechsel. Bald tam es zu Zätlichteiten, insbesondere zu gegenseitigen Dhrfeigen. Der Birt fegte endlich die ganze Gesellschaft vor die Tür. Die Stämme trennten sich, nachdem fie eine Zeitlang draußen sich noch herumgestritten hatten, nach rechts und links. Als die Leute vom Stamme Engelbert gerade den Blaz in der Provinzstraße zu Reinickendorf, auf dem sie zurzeit in ihren Bohnwagen hausen, erreicht hatten, wurden fie plöglich von dem feindlichen Stamme mit Revolverschüssen im Rüden angegriffen. Die Männer wurden rasch mobil gemacht, widersetzten sich dem Angriff und erwiderten das Feuer, bis der Feind die Flucht ergriff. Eine Juliane Engelbert erhielt einen Schuß in den Oberschenkel und wurde so schwer verlegt, daß fie nach dem Reinickendorfer Krankenhaus gebracht werden mußte. Die Kriminalpolizei des 291. Reviers, bie alarmiert wurde, nahm den Tatbestand auf und leitete die Ermittlun gen nach dem flüchtigen Angreifer ein. Als Haupttäter wurde ein Mar Laubinger festgestellt, als Mittäter deffen Bruder Albert, ein gewiffer Melcher u. a. m. Auf dem Kampfplaße fand man bisher 8 Hülsen von abgeschossenen Patronen. Kriminalbeamten des 41. Repiers gelang es, Mar Laubinger zu ermitteln und festzunehmen. Die anderen Beteiligten sind noch flüchtig. Fünfzimmerwohnungen und Zwangswirtschaft. Bekanntlich hat der Magiftrat Berlin beschlossen, vom 1. Juli d. J. ab folche Wohnungen, die fünf und mehr Wohnräume enthalten, aus dem Wohnungsmangelgeiet herauszu nehmen. Die hierzu erforderliche Ermächtigung der obersten Landesbehörde ift dem Magiftrat, wie der Amtliche Breußische Bressedienst meldet. nicht erteilt worden. Es verbleibt daher auch über dem 1. Juli hinaus bei der bisherigen Regelung, b. b. der Verfügungsberechtigte ist verpflichtet, das Freiwerden folcher Wohnungen dem Wohnungsamt unverzüglich zu melden und fie nur an solche Wohnungsuchende zu vermieten, die im Befige einer Mietberechtigungskarte find. Stadtältefter, Stadtrat a. D. Leopold Kalisch- Berlin ist nach län gerer Krankheit am Montag im Alter von 77 Jahren gestorben. Bei der Rathenau- Gedächtnisfeier des Reichsbanners SchwarzRot- Gold wird der demokratische Reichstagsabgeordnete Freiherr bon Richthofen die Gebentrede halten. Mufit und Gesang werden die Feier umrahmen. Nach Abschluß der Feier auf dem Friedhof in Oberschöneweide findet der geschlossene Abmarsch der Berliner Kameradschaften durch Oberschöneweide zum Bahnhof Niederschönes weibe statt. Die Schuld des Eherings. Warnsdorf i. B., 23. Juni. In der Scheuertuchfabrik der Grenzgemeinde Rosenhain i. B. ist den Arbeitern und Arbeiterinnen das Tragen von Ringen streng verboten, da im andern Falle die Unfallversicherung und Kranfenfaffe für Unglücksfälle nicht haftet. Eine junge Frau, die nach der Hochzeit wieder in Arbeit trat, vergaß aber, den ungewohnten Ehering abzuftreifen, da sie ja bisher nie durch einen Ring in Gefahr gewesen war. Sie fam fofort in die Maschine und riß sich den Finger ab. Nun erhält die junge Gattin feinerlei Unterstügung. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SB. 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin stets an das Bezirkssekretariat, 2. Sof, 2 Trev. rechts, zu richten. 13. Kreis Tempelhof- Mariendorf. Seute, Mittwoch, 6% Uhr, Bezirksversamme Tung in Tempelhof, Enzeum, Germaniastraße. Bürgermeisterwahl. 19. Kreis Pantow. Freitag, den 25. Juni, 7 Uhr, bei Mener, Türkisches Belt, Breite Straße, Kreisvorstandsfizung. Tagesordnung: Statutenberatung. 20. Kreis Reinidendorf. Dienstag, den 30. Juni, 7 Uhr, im Schüßenhaus, Reinickendorf- Ost, Residenzftr. 1-2, Kreisdelegiertenversammlung. Tagesordnung: Stellungnahme zum Bezirks- und Parteitag. Heute, Mittwoch, den 24. Juni: 95. Abt. Neukölln. 7½ Uhr bei Weidner, Steinmeßftt. 16, Borstandssigung. Der Ausflug findet erst am 12. Juli statt. 136. Abt. Reinidendorf- Oft. 7% Uhr Abteilungsversammlung im Schügenhaus, Residenzstr. 1-2. Bortrag des Genossen Rühne. Jungsozialisten. Gruppe Charlottenburg: 7% Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Frauenveranstaltung am Mittwoch, den 24. Juni: 68. Abt. Salensee. 7% Uhr bei Klingebeil, Johann- Georg- Str. 15, Bortrag der Genoffin Ryned:" Was ist, was will der Sozialismus?" Morgen, Donnerstag, den 25. Juni: 27. bt. 8 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Zenker, Ropenhagener Str. 37. 37. Abt. 7 Uhr Abteilungsversammlung im Petersburger Sof, Petersburger Straße 54. Tagesordnung: Der Kampf um Die Rölle". Statutenberatung". Achtung, Kinderfreunde! Die Teilnehmer am Bantomer Bezirkskurfus treffen sich am Sonnabend, den 27. Juni, 26 Uhr, Bankow( Kirche). Am Sonntag, den 28. Juni, treffen sich die Rindergruppen des 19. Bezirks in der Walderholungsstätte Tegel. Je nach der Witterung werden wir daselbst spielen oder wandern. Treffpunkt 10 Uhr Walderholungsstätte( Straßenbahn 28 u. 128 bis Waldschenke). Alle Becliner Rinderfreundegruppen find herzlichst eingeladen. Jugendveranstaltungen. Achtung, B.- B.- Mitglieber! Morgen, Donnerstag, abends 7% Uhr, Sigung im Jugendfekretariat, Bindenstr. 3. Heute, Mittwoch, den 24. Juni, abends 7% Uhr: Baltenplag: Jugendheim Rigaer Str. 103, Mitgliederversammlung. Often( Petersburger Biertel): Jugendheim Ebertyftr. 12, Bortvag: Wie entsteht eine Beitung?" Luisenstadt: Schule Stallschreiberstr. 54, Vortrag. Südost( Reichenberger Biertel): Jugendheim Reichenberger Str. 66 ,. Vortrag: Samburg". Falkenberg: Jugendheim Am Faltenberg 117, Bortrag: Sternenwelt". Friedrichshagen: Jugendheim Scharnweberftr. 105, Bortrag: Gemeinschaftserziehung" Niederschoneweide: Jugendheim Berliner Str. 31, Bortrag: Entwidlung bes Boltsliedes". Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Ein Flugzeug des Aero- Cloyd vermißt. Ein gestern in Danzig Vorträge, Vereine und Versammlungen. 2loyd wird bermißt, da es dort nicht fahrplanmäßig aufgestiegenes und nach Stockholm Bestimmtes Flugzeug des Aeroeingetroffen ist. Auf Bitte des Aero- Lloyds um Hilfeleistung find awei in der Dstfee befindliche Torpedobootshalbflottillen der bentschen Reichsmarine angewiesen, nach dem bermißten Flugzeug zu suchen. Eisenbahnunglüd bei Singen a. H. In der Nähe des Bahnhofs ereignete sich in Gingen gestern morgen, furz nach 7 Uhr, ein schweres Eisenbahmunglüd. Eine größere Rangierabteilung mit einem Gaswagen an der Spize fuhr mit großer Geschwindigkeit auf den auf dem Nachbargleis der Schwarzwaldbahn ankommenden Güterzug Nr. 7740 mit voller Wucht auf. Die Maschine der Rangierabteilung wurde um geworfen und in ihrem vorderen Teile vollständig zertrümmert. Bei dem vor ihr laufenden Gaswagen wurden die Refsel durch den Anprall zur Er plosion gebracht, wodurch sofort zwei Wagen des Güterzuges in Brand gerieten. Menschen famen glücklicherweise nicht zu Schaden, bagegen ist der Maschinen-, Material- und Güterschaden groß. dagegen ist der Maschinen-, Material- und Güterschaden groß. Beide Lokomotiven sind schwer beschädigt; bei der des Güterzuges wurden die Exzenterstangen wie Drähte zusammenBerkehr wurde durch Umsteigen und Ableiten aufrecht erhalten. gebogen. Ueber die Ursache des Unglüds ist nichts bekannt. Der Wetterbericht für Berlin und Umgegend.. Etwas warmer. Bechselnd betölttes Better. Nachlaffen der Regenfälle. Für Deutschland. Ueberall, besonders tagsüber, zunehmende Erwärmung, am meisten in Ostdeutschland. Sonft noch wechselnd bewölftes, vielfach aufheiterndes Better mit Nach lassen der Regenfälle. Das Rundfunkprogramm. Mittwoch, den 24. Juni. Außer dem üblichen Tagesprogramm: Gefäftsstelle: Berlin G. 14, Gebastianftr. 37/38, Sof 2 Tr. Gauvorstand. Donnerstag, den 25. Juni, abends 74 Uhr, fämt. uebungsmarsch. liche Spielleute von Groß- Berlin nach Bantow, Breite Str. 32. Alle Instrumente find mitzubringen. Kameradschaft Wilmersdorf: Das Turnen( Leichtathletik und Boxsport) in der Turnhalle ber Oberrealschule am Seepart findet nunmehr jeden Freitag und jeden zweiten Mittwoch in der Reit von 8 bis 10 Uhr abends ftatt. Bug- und Gruppenführer halten die Rameraden hierzu und zu weiterem regen Besuch des Subertus- Sportplates an. Der nächste Ramerabschaftsabend findet voraus fichtlich nächste Woche am Mittwoch, den 1. Juli, ftatt. Dort Ausgabe der Kameradschaft Rarten für den Republikanischen Tag in Brandenburg. Lichtenberg nebst Untergruppen: Freitag, den 26. Juni, abends 7% Uhr, Bollversammlung bei Guſtav Sempel, Lichtenberg, Gudrunftr. 7. Boricas, wich. tige Mitteilungen. An dieser Versammlung nehmen auch die Passiven teil. Die Gruppenführer haben einzuladen.-Kameradschaft Reinickendorf: Frei tag, den 26. Juni, abends 7 Uhr, im Lokal Ramlow( Rastanienwäldchen), nahe Bahnhof, Rameradschaftsvollversammlung. Sämtliche attiven und passivent Kamerabschaft Köpenid und Untergruppen: Mittwoch, den 24. Juni, abends 6 Uhr, Treffen an der Rörner- Schule mit Tambourtorps und umflorten Fahnen. Abmarsch 7 Uhr zur Rathenau- Gedenkfeier nach Oberschöneweide. Rameradschaft Lichtenberg nebst Untergruppen: Rameraden müssen erscheinen. Mittwoch, den 24. Juni, abends 7 Uhr, Antreten der gesamten Rameradschaft einschließlich der Paffiven am Bahnhof Stralau- Rummelsburg, Eingang Sonntagstraße, zur Beteiligung an der Rathenau- Feier. Die Gruppenführer haben einzuladen. Kamerabschaft Weißensee: Mittwoch, den 24. Juni, abends 6½ Uhr, Antreten zur Rathenau- Feier im Grünen Baum. Abfahrt 7 Uhr in Richtung Greifswalder, Elbinger, Petersburger Straße. Donnerstag, den 25. Juni, abends Uhr, Sport- und Uebungsabend. Treffpunkt Grüner Baum. Ramerabschaft Reinidendorf: Die Kameraden fämtlicher Untergruppen beteiligen fich am Mittwoch, den 24. Juni, an der Nathenau- Feier in Oberschöneweide. Treffpunkt abends 6 Uhr auf dem Ringbahnsteig Bahnhof Gesundbrunnen. Fahrt mit den Rügen 6.05 Uhr und 6.15 Uhr direkt bis Bahnabends 6.40 Uhr, Antreten der gesamten Ramerabfchaft am Bahnhof aweds hof Niederschöneweide. Kameradschaft Eichwalbe: Mittwoch, den 24. Juni, Beteiligung an der Rathenau- Gedenkfeier in Oberschöneweide. Bereinigung für Schul- und Erziehungsfragen, Berlin- Treptow. Freitag, ben 25. Juni, abends 8 Uhr, im Reichensaat ber 6. Treptower Gemeindeschule, Wildenbruchstr. 53, Rezitationsabend.( Fri. Elsbeth Gühler.) Eintritt frei. Arbeiterverein für Biochemie und Lebensreform, Abt. Reukölln. Mittelabgabe bei Grundke, Böhmische Str. 10. Reformhaus Neumann, Rarlsgarien. Straße 14. Am Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr, Mitgliederversamm lung bei Raffun, Ert, Ede Donaustraße. Arbeiter- Radio- Klub, e. B., Bezirk Kreuzberg, Gruppe Rottbuser Tor. Jeden Donnerstag abend 8 Uhr bei Wollschläger, Adalbertstr. 21, Bersammlung der Funkfreunde. Gäste willkommen. Verband Bollsgesundheit, Ortsverein Berlin. Am Donnerstag, den 25. Juni, abends 8 Uhr, in der Schule Ifflandstr. 9-11( nahe Jannowisbrüde) spricht Genosse Gustav Müller über„ Boltsgesundheit und Rapitalismus. Freie Ausfprache. Gäste wiltommen. Deutscher Arbeiter- Sängerbund. Die Gangesbrüder des 12. Bezirks werden gebeten, Mittwoch, ben 24. Juni, 7% Uhr abends, an der Nathenau- Feier in Oberschöneweide auf dem Friedhof teilzunehmen. Treffpunkt 7 Uhr in Oberschöneweide bei Strehlow, Rathenaustr. 30. Mitgliedsbuch mitbringen. Bunb ber Jugendgerichtshelfer. Bersammlung Mittwoch, den 24. Juni, 7½ Uhr, im Sauptgesundheitsamt, Berlin C., Fischerſtr. 39–41. Tagesordnung: Bortrag von Herrn Direktor a. D. Albert Rohn( Allgem. Ortskrankenkasse): Wohnungsverhältnisse und Jugendverwahrlosung". Aussprache. 3.30 Uhr nachm.: Märchenstunde. Auguste Prasch- Grevenberg erzählt: 1. Baumbach: Eselsbrunnen. 2. Paula Dehmel: Als es nicht regnen wollte. 3. Friedrich Rückert: Vom Bäumlein, das andere Blätter hat. gewollt. 4. Holst: Mäusepalast. 5. Paula Dehmel: Der blaue Vogel. 5-6.30 Uhr abends: Nachmittagskonzert der Berliner Funkkapelle. Leitung: Ferdy Kauffman. Physikalische Chemie. Dr. M. Volmer: Aus dem Grenzgebiet von 7 Uhr abends: Hans- Bredow- Schule( Hochschulkurse). Abteilung Physik und Chemie". 6. Vortrag. Gegenwärtiger Stand und nächste Ziele der physikalisch- chemischen Forschung". 7.45 Uhr abends: Einführung zur Uebertragung aus der Staatsoper. 8 Uhr abends: XI. Uebertragung aus der Staatsoper" Der Evangelimann", Musikalisches Schauspiel in zwei Aufzügen. Dichtung und Musik von Wilhelm Kienzl. Personenverzeichnis: Friedrich Engel, Justizär( Pfleger) im Kloster St. Othmar; Martha, dessen Nichte und Mündel; Magdalena, deren Freundin; Johannes Freudhofer, Schullehrer zu St. Othmar; Matthias Freudhofer, dessen jüngerer Bruder, Aktuarius( Amtsschreiber) im Kloster; Xaver Zitterbart, Schneider; Anton Schnappauf, Büchsenmacher; Aibler, ein älterer Bürger; dessen Frau; Frau Huber; Hans, ein junger ben 4. Juli, im„ Bantgrafen" in Bantow, Schloßstraße, ein Sommerfest zum Bauernbursch; die Stimme des Kegelbuben; die Stimme des Nachtwächters; eine Lampensammlerin; ein Knabe; ein alter Leiermann, Benediktiner, Bürger, Bauern, Knechte, Kinder. Zeit: Das 19. Jahrhundert. Ort der Handlung: Der erste Aufzug im Benediktinerkloster St. Othmar, Niederösterreich( 1820), zweite Aufzug in Wien( 1850). Anschließend: Dritte Bekanntgabe der neuesten Tagesnachrichten, Zeitansage, Wetterdienst, Sportnachrichten. Theater- und Filmdienst. der Arbeitersport. Der Arbeiter- Turn- und Sportverein Bankow veranstaltet am Sonnabend, Besten der Blakkaffe. Gartenkonzert, turnerische Aufführungen und Bereinsverlosung; im Gaal Tanz. Eintritt 75 Pf. Touristenverein Die Naturfreunde"( Bentrale Wien), Abt. Treptow. Freitag, den 26. Juni, 7½ Uhr, im Jugendheim Treptow, Elsenstr. 3, Lichtbildervortrag:„ Städtebilber", 2. Teil. Referent Otto Rennede. Gäste willkommen. Berliner Arbeiter- Schachklub. Sm Rahmen der Werbewoche des 6. Bezirks Duskauer Str. 10, bei Sadbarth, am Donnerstag, den 25. Juni, abends des Arbeiter- Sportbartells hält die Abteilung Süden in ihrem Spiellokal, 8 Uhr, eine Werbeveranstaltung ab. L ཀྱི་ ཀྱི 2 Wollen Sie verreisen? Nie ist die regelmäßige Benutzung eines antiseptischen Mundwassers so wichtig wie auf der Reise. Sie sitzen stundenlang in überfüllten Abteilen, Sie kommen überall in Berührung mit fremden Menschen, Sie schlucken Staub und schädliche Mikroben in Menge. Nichts ist besser geeignet diese Gefahren zu bannen, als die regelmäßige Benutzung von Odol, dem anerkannt antiseptischen Mundwasser. Odol ist deshalb auf der Reise so praktisch und so beliebt, weil der geniale, patentierte Verschluß ein Auslaufen der Flasche unmöglich macht, weil die Flasche wenig Raum im Koffer beansprucht und weil Odol das konzentrierteste Mundwasser der Welt ist, so daß eine einzige Flasche selbst für eine Weltreise vorhält. Vergessen Sie deshalb nicht, sich mit Odol zu versehen, ehe Sie Ihre Reise antreten! Odol Odo Mittwoch 24. �unf 1425 Unterhaltung unö AAssen Seilage öes vorwärts Moderne Raubritter. Von Adolph Hoffmann. Die jetzt bevorstehenden Zollkämpfe rufen bei mir Erinnerungen wach aus dem Ende des vorigen Jahrhunderts. Die Kämpfe um die Zölle tobten in und autzerhalb des Parlaments; besonders heftig um die Kornzölle. Graf Könitz, der Dater des jetzigen so hoffnungsvollen republikanischen Ministers, wollte den An- und Verkauf des Ge» treides monopolisieren. Sein Antrag führte zu dem bekannten Wortspiel:.Kein Kanitz. keine Kähne! Die„P a t e n t p a t r i o Fe n" wollten also„das Vaterland wehrlos machen" und die Marinevorlage ablehnen, wenn der Antrag Könitz nicht angenommen würde. Wie sagte einst Voß? „Das Vaterland? Was Vaterlandl Der Topf, der Topf ist Vaterland! Das übrige find Fratzen!" Und daher oeränderten sich diese„Fratzen" je nachdem, ob der Geldsack anschwoll oder zusammenschrumpfte. Der Geldsack ist immer das Barometer dieser Vaterlandsliebe, die Fratze die Skala, Die einen wollten nur Lebensmittelzölle, die anderen nur Im dustriezölle. Es ist gewiß niedlich und zeitgemäß, daran zu erinnern, daß es das Organ der ostelbischen Junker war,„DieDeutscheLandes- z e i t u n g", das damals das Bild eines fetten Kapitalisten vor seinem Geldschrank brachte und darunter die Worte: „Gold bringt der Hand keinen Schmutz, Wir schwärmen für Zollschutz, Er füllt uns die Kassen Auf Kosten der Massen." Natürlich revanchierten sich die Industrieritter bei den Nach- folgern der Quitzows, Köckeritze und Itzenplitze. Sie brachten in dem damals noch nationalliberalen„Kladderadatsch" ein Voll- bild, darstellend einen modernen Rittergutsbesitzer in seinem Ahnen- ""■*""*> im des ....,. Icheint. Zu dem Bilde wurde ein Gedicht gegeben, das heute wieder voll- kommen aktuell fein dürfte und der Nochwelt erhalten bleiben muß. Ich will es aus dem Gedächtnis zitieren: Der Freiherr sitzt im hohen Saal allein in stiller Nacht Und rechnet, was im letzten Jahr ihm Feld und Wald gebracht. Doch als die zwölfte Stunde schlägt, fährt er erschreckt empor, Aus dem geheimen Wandschrank tritt des Ahnherrn Geist hervor. Es seufzt der Geist:„Ich schlafe schlecht, nicht find' ich Ruh' im Grab. O weh, wie kam mein edler Stamm so jämmerlich herab. Gefürchtet war mein Name einst zehn Meilen' rings im Land. Manch reicher Kaufherr hat gefühlt die schwere Rittershand. Im Eisenharnisch zog ich aus mit meiner Knechte Troß, Mit reicher Beute kehrten wir zurück ins feste Schloß. Daß du so ganz entartet bist, mein Sohn, das tut mir web, Mir wird schon übel, wenn ich dich an deinem Schreibtisch seh'. Wie rinnt dos alt« Heldenblut in deinen Adern matt,. Du sitzest über'm Kontobuch und hältst ein Börsenblatt?" Da springt der Freiherr zornig auf und ruft:„Ich bitte sehr, Was du zusammen auch geraubt, der Kornzoll der schafft mehr. Bich hier die Summen, die er mir im letzten Jahr gebracht. Sieh hier die Summen, die er mir im letzten Jahr gebracht. Hast einen solchen Abschluß du im Leben je gemacht?" Der Geist neigt sich auf's Kontobuch und spricht:„Ich sag e« frei, Dagegen ist, was ich geraubt, die reine Lumperei." Das war einst nationalliberal! Die Partei„Drehscheibe", wie man sie damals nannte, hat sich seitdem sehr ost und energssch gedreht. Die Geister von ehemals sinden heute keine Unterkunft mehr. Ja, die ehemaligen Raubritter sind übertrumpft, sie sind gegen ihre Nachfolger die reinen Straßennepper geworden. Diese Nachkommen sind von ihren Burgen herabgestiegen, wohnen jetzt mitten unter dem Volke, haben alle Tage die Hände in den Taschen des Volkes und— der arme dumme Michel merkt gar nicht, wie er bei jedem Bsssen, bei jedem Handgriff von dem modernen Raubrittertum nach allen Regeln der Buschklepperkunst von ehemals, aber mit Riefenerfolgen für heute ausgeplündert wird. Ja, wie sagte der Dichter? „Rauben und Plündern ist kein« Schand, Das tun die Edelsten im Land." Wer sie daran hindern will, dem schreiben die Nachfolger der Köckeritze und Itzenplitze, heute Consul usw. genannt, zwar nicht mehr Feitungspleite. die Nornen haben ssch ein Spiel ersonnen: dem Lanö zur Schanüe unö dem Volk zum Hohn Hat Eitelkeit vermessen angesponnen das Truggewebe frecher Reaktion. demagogie, nachdem es gut begonnen, Greift, höhnisch lachend, nach dem Jaden schon, Und doch: die Todesschere führt im Streite der Schweftern dritte. Und sie heißt: Iran Pleite! wie ehemals am Schloßtor zu Köpenick an die Türpfosten:„Sochimke, Iochimke, hüte di, kriegen wi di, so hangen wi dil", sondern sie haben an Stelle des Hängens das Abkillen im Großbetrieb einge- führt. Wie dieser Großbetrieb hemmungslos arbeitet, dafür brauche ich nur die Namen RatHenau und Erzberger zu nennen, die, ob- wohl Fleisch von ihrem Fleisch, d. h. bürgerlich, beseitigt wurden, weil der eine ihre Ausbeutungs-, der andere ihre Steuerabwälzungs- Politik gefährdete. Proletarier, wann blast ihr den modernen Raubrittern den Kehraus? Zn der Gewalt de» Samum. Wird der Europäer je die Schrecken der Wüste überwinden? Nicht nur Hitze, Durst und Wüstenräuber bedrohen ihn: furchtbarer noch ist das Rasen des Samum, des Wüstensturmes, der auf der Wüstenfläche jene ungeheuren Sand- berge in Bewegung setzt, die noch fürchterlicher sind, als die Wogen des Meeres. Selbst die französischen Offiziere, die im Winter 1922 zum erstenmal die Wüste Schara nicht aus Kamelen, sondern in Automobilen durchquerten, haben seine unheimlich« Gewalt schau- dernd erfahren. Im Tagebuch ihrer Wüstenfahrt(Haardt-Dubreuil, „Die erste Durchquerung der Sahara im Automobil", Vowinkel- Verlag, Berlin) geben sie eine anschauliche Schilderung des über- mächtigen Ansturmes. Zuerst sieht man am Horizont nur emen beinahe unsichtbaren Schleier. Der Erfahrene erkennt in ihm nicht ohne Beklemmung den Vorläufer des Samum. Allmählich nimmt der Dunstschleier eine rötliche Farbe an und es scheint in ihm zu brodeln. Er verdichtet sich zusehends und bat bald den ganzen Gesichtskreis ausgefüllt. Mit einem Male braust die erste Woge heran und schlägt mit aller Gewast ms Gesicht der Ressenden. Der Sturm wird immer stärker. Ganz« Sturzseen von Sand brechen herein. Ein« undurchsichtige Luft umgibt sie, die so verdichtet jst, daß sie den Eindruck eine» festen Körpers hervorruft. Die Wagen müssen dicht angeschlossen fahren, um sich nicht zu verlieren. Sind Geschichten von Karawanen, die im S«md« untergingen, Märchen? Gewiß nicht, die Reisenden gehen im Samum verloren mit Mann und Maus, genau so, wie auf dem Meere. Dunkle Schriftsteller. Balzac darf als Schulbeispiel eines Schrift- stellers gelten, der, wenn auch glücklicherweise nur selten, dann aber mit aller Absichtlichkeit beim Schreiben dem Grundsatz huldigte: „Herr, dunkel sei der Rede Sinn!" Als der Zeichner Bertall, den einst der Verleger Balzacs mit der Illustrierung eines Buches des großen Romandichters betraut hatte, bei Balzac Rat holte, ant- wortete ihm dieser gelassen:„Sie haben ganz recht: da? ist ein Gallimathias, den ich aber absichtlich niedergeschrieben habe. Es ist ganz gut, wenn sich der Leser manchmal den Kopf zerbricht, um den Sinn einer Stelle herauszubekommen, denn das, was klar ist, erscheint ihm nur zu ost auch leicht, und dann verfällt er gerne aus den lächerlichen Gedanken, daß er letzten Endes vielleicht selbst sähig wäre, das zu tun, was wir machen. Wo sollte denn dann das Prestige des Dichters bleiben?" Auch Victor Hugo hielt es mitunter ähnlich. Einer seiner Verehrerinnen, die ihn einst schüchtern bat, ihr den Sinn eines Verses, der ihr unverständlich geblieben war, zu erklären, antwortete er:„Als ich diese Verse machte, waren der liebe Gott und ich die einzigen, die sie verstanden. Heute versteht sie nur noch der liebe Gott!" Der Clown. 21 von Hans hyan. Er drohte ihr mit dem silbernen Knauf der Gerte.„Du, das kann ich dir sagen: Wenn der Muejöh zu viel macht!... Du weißt doch, ich Hab schon manch einen auf den Gang gebracht..." Sie blinzelte ihn lächelnd von der Seite an, er aber gab ihr schnell einen festen Kuß und ging mit großen Schritten davon... Hinter der Leinwand, in dem überdachten Zelt, stand mitten in der Manege Minka und übte ihrem kleinen Bären da» Kopfstehen yin. Aber der kleine Tolpatsch, der nicht viel größer als ein drei- jähriges Kind war, brachte das nicht heraus: immer wieder lag er auf seinem braunen Buckel, und es gehörte die ganze Ausdauer der geübten Dresseuse dazu, angesichts dieser fortwährenden Ungeschick- lichkeit nicht ungeduldig zu werden. Dabei war es ein reizendes Bild, in dem goldig braunen Licht der durch das Zeltdach dringenden Sonne die schlanke, mit einem allen roten Zeltdach, Tressenrock und kurzärmeliger, weißer Bluse bekleidete Mädchengestalt zu sehen, bei der jede Bewegung Kraft und Grazie verriet. Bei dem schnellen Hin und Her ihrer bieg- samen Glieder flogen die langen, schwarzen Locken, und der Hals wurde frei und die runde Schuller, die etwas von dem Goldton der reifen Orange hatten. Nicht weit von ihr stand August Rembacher, die langen Glieder mit einer schwarz und weißkarierten Hose, die ihm viel zu.weit war, und einem alten, verschossenen Frack von roter Farbe bekleidet, den ehemal» ein Parsorcejäger getragen haben wachte. Die Arme ließ er hängen, und sein ganzer Körper sprach von einer Melancholie. der das merkwürdige Gesicht einen Schimmer von Humor verlieh... Denn dieses Besicht war in der Tat ungewöhnlich: es hatte sehr hohe, schwarze und volle Halbkreise beschreibende Augenbrauen, einen feinen, schmollippigen Mund, der fast frauenhaft erschien, unter der großen Hakennase, und ein paar grundgute Augen, die sich offenbar nach der heiteren Seite des Leben» sehnten... „Wie.n Huhn im Regen!" sagte Minka. die ihren„Murx" aus die Hinterbeine stellte und ihn so tanzen-ließ. „Warum sind Sie denn ewig so traurig?" Bei der Frage pfiff sie und ließ ihre vier schlohweißen Terrier in Schlangenlinien um den drollig einhertappenden Petz laufen. „Das kommt Ihnen nur so vor, liebes Fräulein.. eigentlich bin ich immer so gewesen... Das heißt, jetzt natürlich, wo ich fort muß von Ihnen..." Er stockte. Das Mädchen schlug mit ihrer Gerte nach dem einen Terrier, der den Bären in die Schenkel zwickte, und überhörte die letzten Worte absichtlich. Doch wurde die Röte auf ihren Wangen lebhafter... „Was sind Sie denn eigentlich früher gewesen?" „Kaufmann..." „Na, und konnten damit nichts verdienen?"> „Ach!" sagte er.„Fräulein Minka, lassen wir das man lieber!... Ich habe kein Glück... ich kann anfassen, was ich will!" „Und dabei weiß man nie, wenn Sie so sprechen, ob Sie es auch wirklich so meinen!... Wissen Sie, August... Ihr Gesicht ist so... so komisch ist es!... Ich meine nicht etwa häßlich... nein, aber... Sie haben auch ohne sich zu schminken, ein richtiges Clowngesicht..." „Ja," er kraute sich in seinem dunkelblonden, etwas wirren Haar,„das is es ja gerade!... Wenn ich irgendwo sagte:'s geht mir schlecht, glauben's die Leute einfach nicht.„Der lacht ja immer!..." Aber ich lache nicht! Nein, wahrhaftig, Fräulein Minka!... Und jetzt am wenigsten, wo ich von Ihnen fort soll!... „Na, hat denn Papa gesagt, Sie sollen gehen?" fragte das Mädchen, bcknüht, abermals das Gespräch abzulenken. „Nein, aber übermorgen ist der Erste, da werd' ich's ihm sagen, daß ich nicht länger bleibe... Ich kann doch nicht umsonst alles annehmen!" „Na, Sie helfen wir doch beim Dressieren... und... und Sie machen sich doch auch so noch nützlich... Er schüttelte den Kopf, und selbst jetzt, wo er tiefbewegt war, hatte die Tragik seiner Züge etwas Groteskes. „Nein, nein, liebe MInkal Sie sind gut, aber Ihr Vater, der sieht mich lieber gehen als kommen! Und ich kann's ihm ja auch gar nicht mal übelnehmen!... Ich seh's ja selber ein, daß ich nicht zu brauchen bin... Na, und von Ihrem Schwager will ich gar nicht reden, der sagt mir'» ja direkt Ins Gesicht, ich wär' ein unnützer Fresser!... Ich.. „Wollt ihr wohl," rief die hübsche Schwarzhaarige, froh, einen Grund zur Unterbrechung des ihr so peinlichen Gesprächs zu haben. Und wie der Wind war sie hinter den Hunden her, die den kleinen Bären durch die Manege hetzten, der von Zeit zu Zeit standhielt, und dann einen von den Terriers mtt einer wohlgezielten Backpfeife in den Sand kollern ließ... Doch als sie ihre Tiere wieder zur Räson gebracht hatte und sich umwendend, den langen Menschen dort drüben mit Tränen in den Augen stehen sah, da ging sie rasch hinüber zu ihm und sagte: „Lassen Sie man, August, wenn die anderen auch schimpfen, ich bin Ihnen doch gut..." Und der Mann starrte immer noch träumend und ungläubig der lieblichen Erscheinung nach, als diese mit den Hunden und dem Bären längst hinter der Zeltleinwand verschwunden war. An diesem Abend ging bei Beginn der Vorstellung alles bunt durcheinander. Mister Murphi lag wieder einmal hinten beim Wagen und war nicht imstande, auf die Beine zu kommen. Er machte das leider ost so und verdarb damit mehr als eine Vorstellung, der> er durch seine humoristische Gabe als„Klohn" erst die rechte Würze geben sollte. Eigentlich hieß Mister Murphi Hein Lehmann und war„von de Waterkant", woher er auch wohl die leidenschaftliche Vorliebe für gebranntes Wasser mitgebracht hatte. Aber das war sehr ärgerlich! Gerade heute, wo die Leute die Leinwandbude bald sprengten.... Wer sollte denn die Pausen aus- füllen, und wer machte die Kinder lachen, die Kinder, ohne deren Gunst ein Wanderzirkus einfach nicht bestehen kann! „Dunderlichtingl" wetterte der alte Rasmussen.„Dor bliewt mi ja nix anners übrig, als selbst den Hanswurst to maken!...Aber ick kümm' doch gleich nachher wedder mit minc dree mitten Pierd!.. Dat geiht doch nicht!..." '„Soll ich, Vater?" fragte die immer bereite Minka. „Nä, min Döchting, noch nich! Aber do bist noch die einzige, uff die man sich vertaten kann!" „Na, na, Vater!" sagte der gerade herzutretende Clement,„wir tun doch alle, was wir können!... Soll ich raus?" Der Alte nickte. Und Clement ließ den Schimmelhengst in die Manege kurbettieren. (Schluß soJgL) THEODOR RAATZ AUTOMOBIL A.G. BERLIN W 35 Fernsprecher: Nollendorf 56, 57, 58, 59 Telegramm- Adresse: AUTORAATZ Theater Vertretung der bestens bewährten zuverlässigsten Marken: Adler- Fafnir Fafnir- Opel- Protos Minerva Isotta Fraschini in den neuesten' und modernsten Ausführungen, von 4-6-8 Zylinder- Vierradbremse etc. Karosserien jeglicher Art für erlesensten Geschmack aus renommiertesten Werken Th. Raatz Automobil A.-G., Berlin W 35, Potsdamer Str. 112 Deutscher Metallarbeiter- Verband Admiralspalast Rose- Theater Ortstrantentaffe für das Buchdrucgewerbe Berwaltungsstelle Berlin. Achtung! Klempner! Achtung! iDonnerstag, 25. Juni, abds. 7%, Uhr, m Rosenthaler Hof, Rosenthal. 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Bank Siernach sind die Paragraphen unserer Sagung der neuen Debitoren blatt Nr. 75 vom 22. Dezember 1924 angepast. Außerdem tritt Inventar eine Erweiterung der Raffenleistungen im§ 17 ein. „ Hiernach erhalten vom 6. Juli 1925 ab mifKomödienbaus og ber RBD. nach der Beröffentlichung im Reichsgefeh- Baren 7 Uhr: glieder, die aus ihrem Arbeitsverdienft ganz Referent: Central Theater Der letzte Kuß B Tagesordnung: 1. Neue Wege zum Klein Wohunngsban. Genosse Linnete. 2. Berbands- unb 8: Hilfe, ein Kind ist Branchenangelegenheiten. Y. Himmel gefallen! Alle in der Branche tätigen Kollegen Metropol Theat. werden zum Besuch der Versammlung 8 Uhr: Tausend eingeladen. Donnerstag, 25. Juni, nachm. 5 Uhr, im Berbandshause, Cinienfte. 83/85 ( unferer Saal): Branchenversammlung der Zigaretten- Maschinenführer und Betriebshandwerker Tagesordnung: 1. Bericht. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch und Branchenfarten dienen als Ausweis. B süße Beinchen Th. d. 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Der Borstand Berlin, den 23. Juni 1925. Der Borstand. Alfred Forsberg, Borsigender. 51/4 Alfred Etström, Schriftführer. A. Bleichroth E. Rafte* Gustav Neumann Ww., Berlin C, Wallstr. 81, Ecke Neue Roßstr.( Untergr.- Bhf. Ioselbr.) Rotfeuer Jnnungsfranfenfaffe der Tischler- Junung Kilo 1,20 zu Berlin Betanntmachung! Borstandsbeschluß vom 9. Juni 1925: Gemäß§ 10 der Rassensazung beträgt der Grundlohn: Zoologisch. in Stufe 1 bis 1,50 Mt. Tagesenigelt- Grundlohn 1,20 Mt. Aquarium Garten 2 2.50 Mt. " 3 13 " M 3,50. 4.50 f. 0 " " 5 " " TO 5,50 Mr. 6 " 6,50 2. 7 " 7,50 Mr. 17 8 8,50 Mr. " " 9 über 8,50 S02E. Affen- Sonderschau Tierkunstausstellg. Tägl. ab 4 Uhr: im Jugendheim des Verbandshauses. Durch den Rundfunk! Gr. Konzert Linienste. 83/85( Portal I): Versammlung Tagesordnung: 1. Neuwahl der Gruppenleitung. 2. Berschiedenes. Donnerstag, 25. 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Der Reichstag trat gestern in die erste Beratung des Gesez| marftes ist eine Folge des Ruhrtampfes, das wird entwurfs über den Deutsch Schwedischen und den Deutsch niemand bestreiten. Wir stellen fest, daß bis Ende 1922 fich das innischen Schiedsgerichts- und Bergleichsver Wirtschaftsleben im besetzten Gebiet einigermaßen dem der Bor* rag ein. friegszeit angepaßt hatte. Durch den Ruhrkampf hat es einen furchtbaren Schlag erhalten, von dem es sich noch nicht erholen fonnte. Die Verantwortung für diese Dinge und auch die Sorge um ihre Behebung muß dem Reiche übertragen werden, das seinerzeit auch durch seine verantwortlichen Minister erklären ließ, daß alle durch den Ruhrkampf entstehenden Schäden abgegolten werden sollten. Die Art, wie die Reichsregierung zum Teil diese Verpflichtungen erfüllte, hat in der Bevölkerung des besetzten Gebiets sehr großes mißfallen erregt und Mißtrauen gezeitigt. In meiten Kreisen ist das Gefühl vorhanden, daß man Abg. Schücing( Dem.) spricht im Namen der Interparla mentarischen Union seinen Dank für die durch solche Verträge geleistete Arbeit für den Rechtsgedanten in der Welt aus. Es sei unerkennenswert, daß im Bölkerbundstatut auf Schiedsgerichtsverträge hingewiesen ist. Das Genfer Protokoll jei leider stecken ge blieben und es sei bedauerlich, wie Mussolini fich darüber luftig gemacht habe. Die britischen Dominions hätten sich aus wirtschaftlichen Gründen dem Genfer Protokoll nicht anschließen woßen, deshalb bliebe jetzt nur der Weg der Individualver träge. Solche Verträge seien in den letzten 15 Monaten schon 29, in Europa allein 23, abgeschlossen worden. Die Bedeutung dieser Bertrae liege aber nicht in der Zahl, sondern in ihrer Qualität, da fie aud, politische Konflikte umfassen. Der Deutsch Schweize rische Vertrag habe sich als ein Modellvertrag für andere solche Verträge erwiesen. Der neue Typ dieser Verträge bevorzuge den Bergleichsvertrag, der dem Schiedsgericht voranzugehen habe. Im Schweizer Prozeßrecht habe das Sühneverfahren eine hohe Bedeutung. Benn der Vergleich nicht zustande fomme, sei das Schiedsgericht obligatorisch. Die heute vorliegenden Verträge müsse man jedenfalls als gute Berträge ansprechen. Das Selbstbestim mungsrecht der Völker sei international anerkannt, aber leider noch nicht in einen Rechtskomplex niedergelegt. Bei Amerita sei leider der neue Vertragstyp, für den der Schweizerisch- Italie nische Vertrag Muster gewesen sei, noch nicht angewendet wor den. Der deutschen Regierung sei es zu danken, daß sie schrittweise vorgehe und schon mit einer ganzen Reihe europäischer Staaten solche Verträge abgeschlossen habe. Abg. Dr. Breifscheid( Soz.): Ich würde sehr gern dem Auswärtigen Amt eine Anerkennung für die Vorlage dieser Berträge aussprechen, aber wie ich sehe, ist leider fein Bertreter des Auswärtigen Amts an= wesend, um diese Anerkennung entgegenzunehmen.( hört! hört! links.) Es will mir fast scheinen, als ob die Regierung und insbesondere das Ministerium des Auswärtigen diesen immerhin bedeutungsvollen Vorlagen nicht die Bedeutung beimißt, die wir ihnen allerdings beimessen. Meine Frattion begrüßt mit Genug tuung die Vorlage dieses Gefeßentwurfs schon deshalb, weil es fich hier um zwei Länder handelt, mit denen in Frieden und Freund chaft zu leben wir allen Grund und den lebhaftesten Wunsch haben. Wir benutzen auch diese Gelegenheit noch einmal, um insbesondere dem schwedischen Bolte für seine sympathische Haltung gegenüber der deutschen Not nach dem Kriege unseren Dant auszusprechen. ( Bravo!) Wir hätten allerlei Anlaß, zu diesem oder jenem Buntte der beiden Verträge noch einige Bemerkungen zu machen. Da die leberweisung der Vorlage an den Auswärtigen Ausschuß beantragt ist, kann dort eine ausführlichere Besprechung stattfinden. Erwähnen möchte ich aber folgendes: In dem Art. 25 des schwedischen Ab tommens ist zwar davon die Rede, daß der Bertrag von dem König von Schweden mit Zustimmung des schwedischen Reichstags ratifi ziert werden soll, daß aber von der verfassungsmäßig notwendigen Rafifitation der Bertrags durch den Deutschen Reichstag in dem ganzen Bertrag nicht gesprochen wird.( Hört! hört! bei den Soz.) Es wird notwendig sein, diese Lüde unter Umständen auszufüllen. Beiter wäre zu sagen, daß die Berträge zwar ein Obligatorium zum Versuch der schlichtungspolitischen Streitigkeiten, aber feine Berpflichtung zu einer tatsächlichen Schlichtung dieser Streitigkeiten im Gegensatz zu den Rechtsstreitigkeiten enthalten. Es ist auch be merkenswert, daß der Appell an den internationalen Gerichtshof mur auf Wunsch Schwedens, also nicht auf Wunsch Deutschlands für den Fall eines Beitritts Deutschlands zum Völkerbunde oder für den Fall einer anderweitigen Aenderung der deutschen internationalen Lage in Aussicht genommen worden ist. Die Vorlage wird an den Auswärtigen Ausschuß über wiesen. Es folgt die zweite Beratung des von den Sozialdemokraten Müller- Franken und Genossen eingebrachten Gefeßentwurfs zur Verlängerung der Dauer der Erwerbslosenunterstützung im besetzten Gebiet. Der Ausschuß für soziale Angelegenheiten ist auf Grund der Regierungserklärung zu einer Ablehnung des beantragten Gesezent murfs gelangt, beantragt aber eine Entschließung, worin die Regie rung ersucht wird, ihrerseits die Erwerbslosenunterstützung im befetten Gebiet fortzusehen, insbesondere die Dauer der Unterstützung über 26 Wochen hinaus bis auf ein Jahr zu verlängern, für öffentliche Aufträge und Notstandsarbeiten im belegten Gebiet Gorge zu tragen und zu erwirken, daß auch die Gemeinden des be jeszten Gebiets den Arbeitslosen eine wirksame Fürsorge zuteil werden zu lassen. Abg. Kirschmann( Soz.): einem Befrug zum Opfer gefallen set. Als Anfang dieses Jahres bekannt wurde, in wie außerordent lich großzügiger Weise die Reichsregierung die angeblichen oder auch tatsächlichen Schäden der Industrie abgegolten hatte, ist man in den Kreisen der kleinen Geschädigten hoffnungsfroher geworden. Man glaubte und hoffte, daß man mit derselben Großügigkeit, mit der man der Schwerindustrie 715 Millionen Mart ohne Prüfung zur Verfügung stellte, auch den fleinen Gehädigten helfen würde. Leider ist von dieser Hoffnung nicht sehr viel übrig geblieben. Die Erwerbslosen schmiß man furzer hand am 2. Mai aus der Fürsorge heraus, nicht restlos, aber am 2. Mai begann diese vom Arbeitsminister angeordnete Maßnahme. Es war die llebernahme der Ausgesteuerten auf die gemeindliche Fürsorge vorgesehen, d. h. zur Armenpflege. Die Städte im befetzten Gebiet sind nicht in der Lage, diese ungeheure Laft zu über nehmen. Die Erwerbslosen sind ihrem Schicksal preisgegeben, ohne die Aussicht, in absehbarer Zeit Arbeit zu finden. Man jagt, daß man die Differenzierung der Erwerbslosen im besetzten und unbesetzten Gebiet beseitigen wolle, und man verspricht sich von dieser Maßnahme eine moralische Wir tung auf die nach der Terminologie des Arbeitsministeriums„ böswilligen Erwerbslosen". Wir glauben, daß die moralischen Wirtungen dieser Maßnahmen höchst verderblich sind. Außerdem dürfte das Bestreben maßgebend sein, der Industrie billige Arbeitskräfte zuzuführen. Bersprechungen allein genügen nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr. Sie haben jetzt Gelegenheit, das dieser Tage abgelegte Treubekenntnis zum Rhein durch eine unmittelbar wirkfame Tat zu befräftigen, wenn Sie den von den Sozialdemokraten eingebrachten Gefeßentwurf einbringen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Effer( 3) erkennt die außerordentliche Notlage im be fezten Gebiet und fordert die Reichsregierung auf, die von ihr bei der Jahrtausendfeier gemachten Versprechungen zu halten. Die Sozialdemokraten beantragen namentliche Abfttmmung über die Entschließung des Ausschusses. Abg. Weber- Düsseldorf( Komm.) verlangt gleiche Behandlung der Erwerbslosen im besetzten Gebiet wie im übrigen Reich und be antragt, daß die Erwerbslosenunterstützung nicht nur bis zum 31. De gember 1925, sondern auf die Dauer der Erwerbslosigkeit ausgedehnt werde. Abgg. Ziegler( Dem.) und Dietrich- Franken( Völl.) treten für ben fozialdemokratischen Gefeßentwurf ein. Abg. Dr. v. Dryander( Dnat.) empfiehlt die Entschließung des Ausschusses. Ju namentlicher Abstimmung wird der Ausschußantrag, den jozialdemokratischen Gefehentwurf abzulehnen, mif 199 gegen 158 Stimmen angenommen. Der Antrag der Kommunisten wird abgelehnt. Die Entschließung des Ausschusses wird mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die zweite Beratung der von den Sozialdemokraten und den Demokraten eingebrachten Gesetz entwürfe, die die Pachtschukordnung vom 9. Juni 1920 in ver schiedenen Bunften abändern, um den Schutz der kleinen Pächter zu verstärkten. Der Ausschuß für Wohnungswesen hat für diese Entwürfe einige andere Faffungen beschlossen. Abg. Dr. David( Soz.) erörtert die Gründe, die die Gegner der Bachtschutzordnung für ihr Verlangen nach dem Abbau des Pachtschutzes aufstellen. Sie wünschen das Spiel der freien Kräfte, das aber gerade für die fleinen Landwirte nur von Schaden ist. Sie sagen weiter, so lange ein Bachtzwang bestehe würde niemand verpachten wollen. Es ist schon möglich, daß das bei Großgrundbefizern zu trifft. Aber ob Land verpachtet wird oder nicht, das hängt von den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältniffen ab. Wir find außerdem bereit, das Notwendige zu tun, um unter Auferlegung gewisser Be bingungen die Großgrundbefizer geneigt zu machen, besonders die bisher extensiv bewirtschafteten Gebiete feineren Siedlern zur Bacht zu übergeben. Es wird ferner angeführt, daß eine Unmenge Roften mit dem Pachtschutz verbunden seien und wir müßten in der jetzigen Zeit doch sparen. Wenn die Pachtschutzordnung aufgehoben würde, würde es feine Streitigkeiten mehr geben. Das legtere ist schon richtig, denn wenn die Pächter feinen Schutz genießen, so werden fie feine Reigung haben, vor Gericht zu gehen. Wenn darauf hingewiesen wird, daß im Jahre 1923 115 000 Streitgenommen worden ist, nur 59 000 Streitfälle vorgekommen sind, fo weiß doch jeder, daß in der Zeit der stärksten Geldentwertung auch die Bachtpreise in Bewegung gerieten, wodurch diese Strettig feiten entstanden. Mit der Stabilisierung der Währung gingen dann Die Berhältnisse im Rheinlande, im preußischen Gebiet sowohl wie im hessischen und bayerischen, sind nach wie vor wenig gut und bedürfen dringend der Abhilfe durch das Reich. Auf Grund der Zählungen vom 15. Mai waren in Deutschland im Durchschnitt auf je 1000 Einwohner erwerbslos 4,6, im befegten Gefälle, im Jahre 1924, nachdem ein Abbau des Bachtschutzes vorbiet 9,3.( Hört! hört! bei den Soz.) Bei den einzelnen Ländern war das Verhältnis folgendermaßen: Preußen 4,8 gegen 8,9 im befesten Gebiet, Westfalen 5,5 gegen 9,3, Brovinz Rheinland 7,9 gegen 8,8, Hessen- Nassau 4,9 gegen 8, Bayern 4 gegen 12( hört! hört! bei den Soz.), Baden 6,3 gegen 7,8 und Heffen 6,6 gegen 9,2. Biel schärfer aber fritt die Wirkung dieser besonderen wirtschaftlichen Gestaltung in die Erscheinung, wenn man einzelne Drte zur Grund lage nimmt. So betrug beispielsweise die Zahl der Erwerbslosen auf 1000 Einwohner in Annen( Westf.) 22,2, Gelsenkirchen 13,6, Lüttgendortmund 15,2, Witten 30,1( hört! hört!), Aachen 21,1, Eilendorf 43,2, Euskirchen 23 und in Oberstein an der Nahe nach privaten Erhebungen 40. Diese anormale Gestaltung des Arbeits die Streitigkeiten zurüd. Diesen Begründungen stehen aber die guten Gründe derjenigen entgegen, die alles Interesse an der Aufrechterhaltung des Pachtschußes haben. Millionen von fleinen Pächtern verlangen, daß ihnen der Schuh nicht entzogen wird.( Sehr richtig bei den Soz.) Wir haben nur 2 Millionen Wirtschaften, die ganz ohne Bacht dastehen, dagegen 2% Millionen Wirtschaften, die ganz oder teilDie dicke runde weise in einem Bachtverhältnis stehen. Das Schicksal von Millionen kleinen, fleißigen Landwirten hängt von dieser Frage ab, thre Eristenz wird aufs Aeußerste bedroht, wenn ihnen das gepachtete Land entzogen wird. Man kann ihr Schicksal nicht im einzelnen qusmalen, Tatsache ist aber, daß die Ernährungsmöglichkeiten von Hunderttausenden von Leuten von dem gepachteten Lande abhängt. Sie haben ihren ganzen Betrieb darauf eingerichtet, wird ihnen auch nur ein Teil entzogen, so find sie in ihrer ganzen Existenz bedroht.( Sehr richtig bei den Soz.) Das darf auf feinen Fall geschehen. Auch Dom Standpunkt der Be. Dölferungspolitik mürde es einen außerordentlichen Schaden bedeuten, wenn man diese Massen in ihrer Eristenz bedrohen wollte. ( Sehr richtig bei den Soz.) Die Wirkung würde volkswirtschaftlich viel tiefer greifen, als wenn es den Großgrundbesizern schlecht geht. Es liegt auch im Interesse einer rationellen und intensiven Wirtschaft, wenn der Bächter möglichst lange auf seinem Boden fint, um die notwendige Düngung, Kultivierung usw. vorzunehmen. Gerade im Interesse einer intensiven Produktion ist es notwendig, daß den kleinen Leuten der Boden möglichst lange belaffen wird. Es wird an dieser Stelle immer wieder her. corgehoben, wie notwendig eine Hebung der landwirtschaftlichen Erzeugung ist, wir müssen also alles tun, um die rationelle Aus. beutung des Bodens zu fördern. Wir müßten den kleinen Leuten die Sicherheit geben, daß die Kosten, die sie auf den Boden verwenden, in einer Nuzung von langer Sicht wieder herausgeholt werden. Das Pachtschutzgeseh darf deshalb nicht abgebaut, es muß ausgebaut werden.( Sehr richtig bei den Soz.) Es muß zu einem Dauerschuhgefeß werden, wie andere Länder es schon längst haben. Im Ausschuß ist beschlossen worden, die Bachtschuh ordnung auf zwei Jahre zu verlängern. Diese Frist ist zu farz. Ein dort gestellter Antrag, sie auf 5 Jahre zu verlängern, ist schon beffer. Das Beste aber wäre, dem Gesetz den Charakter eines Dauergesetzes zu geben. Wir haben das beantragt und ich freue mich, daß die Demokraten dieselbe Forderung aufstellen. Wir werden den Barteien Gelegenheit geben, in namentlicher Abstimmung dazu Stellung zu nehmen.( Bravo.) Abg. Domech- Dresden( Dnat.) spricht sich gegen die Bachtschutzordmung aus. Abg. Wilkens( 3.) erffärt für seine Partet, fle tonne der Verlängerung der Pachtschugordnung bis 1927 31 stimmen. Er beantragte weiter, daß beim Verschulden eines Heuerlings der Heuerlingsvertrag gekündigt werden tönne. Der Zulassung der Berufung gegen die Entscheidungen der Bachteinigungsämter fönne er nur für die größeren Bachtungen zustimmen. Abg. Weffermann( D. Bp.) erflärte, auch seine Bartei merde für die Verlängerung der Bachtschukordnung auf zwei Jahre stimmen. Abg. Putz( Komm.) fpricht fich für die volle Aufrechterhaltung des Pachtschutzes aus. Abg. Rönneberg( Dem.) ist gegen den Abbau der Bachtschutzordnung. Geftrichen werden müsse die Bestimmung, daß die 1924 abgeschlossenen Bachtungen nicht unter das Gesez fallen. m Abg.Herbert( Bayr. Bp.) ist für die zweijährige Ben längerung, aber nicht für die Berewigung der Bachtschutzordnung. Die erst 1924 abgeschlossenen Bachtverträge folle man aus der Bachtschutzordnung herauslaffen. Auch Abg. Weidenhöfer( Bölt.) stimmt der Berlängerung auf zwei Jahre zu. Seine Partei beantrage aber, daß auf Gorb. mart abgeschloffene Bachtverträge herausgelassen werden. Damit schließt die Aussprache Auf Antrag des Zentrums wird einstimmig beschloffen, daß die Verlängerungsmöglichkeit für Bachtungen unter 10 Heftar sich auch auf Sammelpachtverträge erftreden foll, wenn der einzelne Pächter nicht mehr als 10 Hektar bewirtschaftet. Inbezug auf die Heuertingsverträge wird beschlossen: Liegt durch Verschulden des zur Arbeit Berpflichteten( des Heuer lings) ein wichtiger Grund zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses vor, so darf von der Befugnis, einen solchen Vertrag zu verlängern oder seine Kündigung für unwirksam zu erklären, kein Gebrauch gemacht werden. Ueber den Antrag der Sozialdemokraten, die Befristung der Berlängerung der Pachtschulordnung bis 30. September 1927 zu streichen, fie also zu einer dauernden zu machen, ergibt die namentliche Abstimmung die Ablehnung des Antrages mit 219 gegen 146 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. Der AusSchußantrag auf Berlängerung bis 30. September 1927 wird imenoM angenommen. Ein Antrag Rönneberg( Dem.), die Bestimmung in der geltenden Bachtschutzordnung zu streichen, wonach die seit 1. März 1924 abgeschlossenen Verträge nicht darunter men bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. fallen, wird in namenlicher Abstimmung mit 185 gegen 180 Stim Dagegen wird ein Antrag der Bölkischen Abgg. Henning u. Gen., wonach die auf Reichsmart abgeschlossenen Bachtverträge nicht unter die Pachtschutzordnung fallen follen, in namentlicher Abstimmung mit 190 gegen 172 Stimmen abgelehnt. Angenommen wird ein Antrag des Zentrums Biltens u. Gen.: Bachtverträge, auf die nach der bisherigen Gesetzgebung die Pachtschutzordnung feine Anwendung gefunden hat, werden hierdurch nicht berührt." Im Uebrigen werden die Ausschußbeschlüffe bestätigt. In erster Beratung wird die Zweite Ergänzung zum Haus. halt des Reichswehrminifteriums für 1925 ohne Debatte an den Haushaltsausschuß überwiesen. Nächste Sigung Mittwoch 2% Uhr: Zollvorlagen und Handelsvertrag mit England. Schluß gegen 8% Uhr. WENESTI KIBARI 3 SCHERIF PFENNIGE Flaches modernes Format ohne Mundstück WENESTI Gold-& Stroh# Kork Wirtschaft Hochschutzoll bedeutet Menschenexport. Bieber stehen wir, wenn die Absichten der Rechtsregierung burchgeführt werden, vor dem Beginn einer Periode des Hochschuzzolles. Lebensmittel, die bisher zollfrei hereintamen, jollen Burch eine starte 3ollbelastung wesentlich verteuert werden. Ebenso sollen wichtige Industriewaren, insbesondere auch Rohstoffe und Halbfabrikate, gegen jede Ronkurrenz des Weltmarktes geschützt" werden. Nun ist es intereffant zu beobachten, wie fich die deutsche Volkswirtschaft nach der Einführung der Bismarchschen Hochschutzölle gestaltet hat. Prof. Bernhard Harms schreibt dazu in seinem Buche„ Die Zukunft der deutschen Handelspolitit" folgendes: Bon 1872 bis 1878( also in der zollfreien Zeit) war die Zahl der deutschen Auswanderer ständig gesunken: Don 128 000 auf 25 000. Das Jahr 1879 aber bedeutete einen entscheidenden Wendepunkt in aufsteigender Richtung. Der jetzt eintretende Wanderverlust ist so gravierend, daß er hier im einzelnen dargestellt sei. Die Zahl der Auswanderer betrug: 1879 35 888 1886 1880 117 097 1887 1881 220 902 1888 1882 203 585 1889 1883 178 616 1890 1884 149 065 1891 1885 110 119 83 225 104 787 108 951 96 070 97 108 120 089 einer farten Zunahme des Menschenerporis fein Rorrelat gefunden. Es war anzunehmen, daß diese ungünstige Entwicklung fich fünftig noch stärker ausprägen würde, wenn es nicht gelang, der weiteren Zollerhöhung und willkürlichen Handhabung der Zolltarife in anderen Staaten, auf deren Markt die deutsche Induſtrie angewiesen war, Einhalt zu tun." Unter heutigen Umständen muß der Menschenerport, der 3wang zur Auswanderung für die deutsche Wirtschaft noch nach teiliger fein als jemals früher. Die Fremdstaaten haben nämlich aufgerichtet; sie lassen nur solche Arbeitsfräfte ins eigene Land, gegen die Einwanderung anderer Staatsangehöriger hohe Schranken die ihnen besonders erwünscht sind, nämlich hauptsächlich Fach= arbeiter und landwirtschaftliche Arbeiter. An beiden Gruppen aber hat Deutschland heute alles andere als einen UeberGroße öffentliche Versammlung Mittwoch, den 24. Juni, abends 8 Uhr, im Vittoriagarten, Wilmersdorf, Wilhelmsaue. Tagesordnung: Verbandstag der Eisenbahner. Köln, 23. Juni.( Eigener Drahtbericht.) Am Dienstagvormittag nimmt der Verbandstag zunächst den Bericht der Mandatsprüfungstommission entgegen. Anwesend sind 164 Bertreter der Organisation, davon sind 110 Delegierte, 20 Mitglieder des Vorstandes, die übrigen Anwesenden sind Bertreter anderer deutscher gewerkschaftlicher Organisationen und Bertreter der ausländischen Eisenbahnerverbände. Alle Mandate wurden für gültig befunden. Dann tritt der Verbandstag in die Aussprache über die Berichte des Hauptvorstandes ein. Die Debatte nimmt den ganzen Verhandlungstag in Anspruch. Sie wird eröffnet von dem Vertreter der Opposition", Neumann= Königsberg, der sich vor allem gegen den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund wendet, der sich mehr als staatserhaltende Organisation denn als Arbeitervertretung erwiesen habe. Ein weiterer Oppositionsredner verlangt, daß der Hauptvorstand mit dem Freien Eisenbahnerverband in Einigungsverhandlungen eintreten soll. Die Opposiiton" legt dem Verbandstag eine Entschließung vor, die sich für die sofortige Freilassung der politischen Gefangenen ausspricht. Als Folge tommt aus den Reihen der Mehrheit des Verbandstages ein Zufazantrag, in dem verlangt wird, daß diesem Antrag beigefügt wird: Die Generalversammlung setzt sich mit besonderem NachRußland, ein." Die fommunistische Opposition" findet im übrigen auf dem Verbandstag keinen Resonanzboden. Mit Nachdrud wenden sich fast alle Redner gegen die Ausführungen der Oppofition" und erkennen die Tätigkeit des Hauptvorstandes rückReparationsproblem, die folgenden Wortlaut hat: Die Lebensmittelverteuerung und die Ausbeutung brud für die Freilassung der politischen Gefangenen, auch in des arbeitenden Bolkes. Ref.: Reichstagsabgeordnete Clara Bohm- Schuch. 9 Ein Schaubild läßt die verhängnisvolle Entwicklung noch deut. Alle, die Ihr unter der Teuerung leidet, besonders Haushaltlos an. Ble München begründet eine Entschließung zum licher erkennen: 35 888 Der Einfluß des Bismarck'schen Hochschutzzolles auf die deutsche Auswanderung 460 A 220 90 2 203 585 173 616 149 065 110 119 83 295 104787 103 951 010 96 610015 1879 80 81 82 83 84.85, 86, 87, 88.89.90.91 54 081 131 623 Z 1872-79 1880-91 In der Zeit von 1872 6is 1879 batte sich die Auswanderung im jährlichen Durchschnitt auf 54 081 gestellt, in den Jahren 1880 bis 1891 aber auf 131 623.„ Der relative Rüdgang des Warenerports hatte fo schreibt Prof. Harms weiter demnach in der Tat in franen, erscheint in Maffen! schuß. Oft genug fann man aus der Landwirtschaft bewegliche Klagen über den Arbeitermangel hören; in der Industrie aber ist es so, daß selbst solche Gewerbezweige, die einen Ueberfluß an un gelernten Arbeitern haben, fortgesetzt neue Facharbeiter verlangen und daß fie sogar eigene Wertschulen und Lehrlings mertstätten einrichten, um sich den Nachwuchs an gelernten Arbeitern zu sichern. Unter diesen Umständen ist es geradezu ein Verbrechen an der Entwicklung unserer Qualitätsindustrien, wenn man durch eine künstliche Berteuerung der Lebenshaltung bei gleichzeitiger Niedrighaltung der Löhne die wertvollsten Arbeitsträfte aus dem Lande jagt. Unseren HochschutzZöllnern find natürlich diese Folgewirkungen ganz gleichgültig; fie prebigen ben Schuß der nationalen Arbeit", verfolgen aber in Wirklichkeit nur das Profitinteresse tleiner Unternehmergruppen und machen so die volle Ausnutzung der besten Arbeitskräfte in der eigenen Wirtschaft unmöglich. Betriebskapital und Spareinlagen der Genossenschaften. Die Vierteljahrsstatistik des 3entralverbandes deutscher Konsumvereine umfaßt Angaben derjenigen Konsum Dereine mit mehr als 400 Mitgliedern. Für das erste Vierteljahr 1925 haben 694 ron 716 der. artigen Ronfumvereinen über Ümsaz, Geschäftsguthaben und Spareinlagen der eingetragenen Mitglieder berichtet. Danach zählten die 694 Genossenschaften zusammen 3 352 783 Mitglieder mit einem Umsatz im eigenen Geschäft von 147 999 559 M. und einem Geschäftsguthaben in Höhe von 31,6 Millionen Mart, wovon 12,9 millionen Mart durch Aufwertung entstanden sind. Das Ges schäftsguthaben je Mitglied beträgt im Durchschnitt also zunächst 9,45 M. einschließlich des auf die Aufwertung entfallenden Betrages. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Geschäftsguthaben zur Stärkung des genossenschaftlichen Betriebstapi tals baldigst auf die jeweils festgesetzte Höhe zu bringen, die ordentlicherweise dem Wochenverdienst eines gelernten Arbeiters entsprechen soll. Genossenschaftliches Eigenkapital ermöglicht erst genossenschaftliche Leistungsfähigkeit im Kampfe gegen das kapitalistische Produktions- und Handelskapital. Die Gesamtsumme der bei den Spartassen der berichtenden Ronfumvereine gemachten Spar einlagen bezifferte sich auf rund 97 Millionen Mart, darunter 40 Millionen aus Aufwertung entstandener Beträge. In Prozenten, berechnet nach dem erzielten Bierteljahrsumfah, stieg die Gesamtsumme der Geschäftsguthaben seit dem ersten Bierteljahr 1924 von 3,47 Broz. auf 12,66 Broz, die Gesamtsumme der Spareinlagen von 12,64 Broz. auf 38,52 Broz. Der Fortschritt und Aufstieg ist unverkennbar. zu ihrer Be schleunigung mögen die Verhandlungen und Beschlüsse des 22. Genossenschaftstages in Stettin beitragen. Kuchen und Torten Die Generalversammlung steht auf dem Standpunkt, daß die der Reichsbahn durch die Deutschland auferlegte Reparationslast auf die Dauer von dieser nicht aufgebracht werden kann. Die Entwicklung des Auto-, Luft- und sonstigen Privat, Güter- und PerJonenverkehrs entzieht heute schon der Reichsbahn riesige Summen der sonstigen Einnahmen. Es ist undenkbar, daß bei diesem Einnahmeausfall das auf rund 700 000 Röpfe zusammengeschmolzene Eisenbahnpersonal im Jahre 800 Millionen Mart erarbeiten fann, während die Reichspoft und sonstige private Berkehrseinrichtungen zur Tragung der Reparationslast nicht herangezogen werden. Die Löhne der Eisenbahnarbeiter und die Gehälter der Beamten müßten auf Jahrzehnte hinaus lediglich der Reparationslast wegen äußerst niedrig gehalten und die Eisenbahner zum Objekt der Erfüllung = der Lasten gemacht werden. Die Generalversammlung stellt sich deshalb auf den Standpunkt, daß durch das Reich eine gerech tere Berteilung der Reparationslasten erfolgen muß und die Eisenbahn mit Rücksicht auf die vorerwähnten umstände etwas entlastet wird, damit dem Personal den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Löhne und Gehälter gezahlt werden können und auch die Arbeitszeit menschenwürdig gestaltet werden kann. Mindestens müssen die durch den Abbau entstandenen Pensionslasten auf das Reich übernommen werden." Die Bertreter des besetzten Gebietes lassen durch Radermacher Effen eine weitere Entschließung begründen, die verlangt, daß endlich die während des Ruhrkampfes geschädigten Eisenbahner entsprechend entschädigt werden. Nachdem eine Anzahl weiterer Redner zum Borstandsbericht im wesentlichen in zustimmendem Sinne gesprochen haben, wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. = Bevor die Referenten zum Schlußwort tommen, läßt der Verbandstag noch ein Vertreter des ADGB., den Genossen G Graß mann, zu Wort kommen, der in längeren Ausführungen sich mit den großen schwebenden wirtschaftspolitischen Problemen beschäftigt. Graßmann fordert vor allem Ausbau und Stärkung der Organifation. 3um Friedensdiktat und zum Dawesplan bemerkt er unter Zustimmung des Verbandstages, daß sowohl der Vertrag von Versailles als auch das Damesgutachten tein ewiges Leben haben, sondern auf Grund der steigenden weltwirtschaftlichen Erkenntnis einst erledigt sein würden. Es werde die Zeit kommen, wo eine rationelle Teilung der Erde unter den Völkern vorgenommen werden müsse und wo feine Niederkonkurrierung der einzelnen Länder mehr möglich sei. Für Europa bedeute das den Ver= einigten Staatenbund. Nachdem Schumann Dom Verkehrsbund noch Aufklärung über die Zustimmung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zum Eisenbahngesetz gegeben hat, begründet A pisch Berlin die Sagungsänderungen, die von der Sagungsfommission vorgelegt werden. Sagungsfommiffion vorgelegt werden. Dann kommt Scheffel zum Schlußwort. sowie Kleingebäck and Keks aller Art verfeinern Sie, wenn Sie nicht nur reines Weizenmehl verbacken, sondern das aufquellende und dadurch ausgiebige Mondamin zu Hilfe nehmen. Die aus Mondamin bereiteten Gebäcke werden besonders zart und locker. Hierzu kommt noch die leichte Bekömmlichkeit und der grosse Nährwert, den Mondamin als Kohlehydrat hat. Das kann Ihnen jeder Arzt bestätigen. Lassen Sie sich aber nichts anderes verabfolgen als Dem Genoffen Wilhelm Reckling und Gattin Waffertorstraße 71, fprechen wir zu ihrer heutigen Silbernen Hochzeit unseren herzlichst. Glückwunsch aus. Die Mitglieder ber 48. Abt. 9999999** eeeeeee Am 20. Juni ftarb im hiesigen Kran tenhause nach schwerem Leiben mein lieber Mann, unser guter Bater Paul Neubert erft 54 Jahre alt. Beerdigung Donnerstag, 25. Juni, auf dem Friedhofe Lichterfelde Oft Lange Straße. Jn tiefer Trauer [ 1015b Frau Agnes Meubeef unb Rinber. Lichterfelde, Giefensdorfer Str. 19. 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